Rhapsody

Ares *

Hannoveraner -- im Besitz seit 11/16 -- gekört -- von Aestas Amor -- AA Ee

Ares *
Rhapsody, 23 Nov. 2016
    • Rhapsody
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      Weihnachtsplätzchen und Kriegsgötter
      | 27. November 2016
      „Hey Eli – “

      „Kann nicht, muss Plätzchen ausstechen,“ tönte es aus meiner Küche.

      Mit einem unterdrückten Seufzen krabbelte ich vom Sofa auf, das Tablet in der Hand. Ich hätte die Küche jedoch nicht betreten sollen; Backen war für Elena eine Ganzkörperbeschäftigung, und dementsprechend sah es aus: Mehl klebte an den Hängeschränken, auf der Frühstückstheke hatte jemand ein halbes Pfund Zucker verstreut, die dreckigen Schüsseln standen auf dem Herd. Dafür wurde ein Blech Butterzeug im Ofen gerade goldbraun, ich könnte Elena als gerade noch so verzeihen. Die Blondine stand neben dem Ofen und stach mit einer akkuraten Präzision, die kein Gehirnchirurg so hinkriegen würde, Sterne und Pferde in den ausgerollten Teig. Warum sie Ende Oktober schon Plätzchen backte, das musste wohl keiner so genau verstehen. Auch nicht, wieso sie dafür meine Küche benutzen musste.

      Aber hey, dafür bekam ich kostenlose Weihnachtsplätzchen.

      Mit dem Tablet wartete ich also geduldig, bis das erste Blech fertig war und das zweite in den Ofen geschoben war. Somit hatte Elena wenigstens zwei Sekunden Zeit und konnte sich das Pferd anschauen, das ich vor ungefähr einer Stunde gefunden hatte.

      „Den kenn ich,“ kommentierte sie nur, schob mich zur Seite und holte eine Schüssel Teig aus dem Kühlschrank.

      „Solltest du,“ nuschelte ich vor mich hin. Immerhin – laut Abstammung und Zuchtpräfix zumindest – war der langbeinige Braune namens Ares ein ehemaliges Zuchtfohlen von ihr. Das reingestellte Video zeigte den Hengst beim Freispringen, beim Longieren, unterm Sattel.

      Ich musste zugeben, mich juckte es in den Fingern. Nur blöd, dass ich in Kanada war und das Pferd in Deutschland stand.

      ***

      Damals hatte noch keiner wirklich damit gerechnet aber als ich vom Gestüt Jasmund aufs Festland kam, kam mir eine Schnapsidee. Jetzt war ich ja in Deutschland, und das Pferd auch. Und zu meinem Glück war es auch bis jetzt noch nicht verkauft.

      Mein Konto hasste mich dafür. Aber hey, dafür hatte ich jetzt ein ziemlich vielversprechendes Pferd mit toller Abstammung! Das auch noch 16 Zentimeter größer war als ich! Alles, was ich wollte, in einem einzigen Hengst vereint!

      Weder Declan noch Zoe waren zunächst großartig begeistert. Declan wurde ein wenig versöhnlicher, als ich ihm das Video vom Freispringen zeigte, und Zoe war von selbst nach ein paar Tagen hin und weg (aber Hauptsache meckern. Kein Vertrauen in die eigene Chefin, pff!). So musste ich wenigstens die Ankunft von dem Schönen nicht ganz alleine auf die Reihe stellen.

      Als Ende November dann langsam aber sicher entgegen kroch, fühlte ich mich, als würde ich auf heißen Kohlen sitzen. Wegen irgendwelchen Gründen die plausibel klangen aber mich trotzdem ein bisschen nervten mussten wir den Transport nämlich immer wieder nach hinten schieben – geplant war schon zum 11. November, jetzt wurde es doch eher der erste Advent. Aber besser spät als nie!

      Wegen eines Streiks kam der Hengst dann aber erst nach dem Abendessen an – Lesja hatte erklärt, dass er Feierabend hatte und hatte sich in sein Zimmer verkrochen (Dramaqueen) – und schien erst einmal ziemlich verwirrt, als wir ihn im Dunkeln aus dem Hänger führten. Laut schnorchelnd lief er hinter Declan über den Hof, blieb mit gespitzten Ohren stehen und wieherte fünf- oder 30mal. Aber da er sich beim eigentlichen Beine vertreten in der Halle lieber in den Sand legte und sich genüsslich wälzte, mit Decke und Gamaschen natürlich, ging mir das Herz auf. „Das ist ein Zeichen,“ flüsterte ich Zoe zu. „Ein tolles Zeichen.“

      Ich sah es zwar nicht, spürte ihr Augenrollen aber. Deswegen bekam sie dann prophylaktisch einen Knuff in die Seite, ehe ich Ares wieder aufhalfterte. Jetzt durfte er erst einmal seine neue Box bekundigen.
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    • Gwen
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      Weihnachten
      | 24. Dezember 2016
      Ungeduldig tippte ich mit der Fußspitze auf den Boden. „Wo bleiben die denn?“, murrte ich leise und warf einen kurzen Seitenblick auf Neelix, welcher dösend neben mir im Stall stand. Eigentlich hatten wir uns alle zu einem Weihnachtsausritt verabredet, aber so wie es aussah, verspäteten sie sich. Oder war ich zu früh?
      Dieses Jahr hatte ich die Strecke ausgesucht und ich hoffte, dass wir uns nicht verreiten würden. Zwar schien die Sonne und der Himmel war strahlend blau, aber die Temperaturen waren dennoch frostig. Deshalb war ich auch sehr dick angezogen und hoffte, nicht zu erfrieren.
      Das hatte sich wohl auch Elena gedacht, denn sie sah heute doppelt so dick aus wie sonst. Nicht, dass es komisch ausgesehen hätte – endlich sah die Blondine mal aus wie ein normaler Mensch. Während sie stolz auf ihrem Schimmel Flavor Of The Month saß, ritt neben ihr Nate auf Kalzifer her.
      „Nate hat eine Wette verloren, deshalb darf er nun mit und irgendwer muss ja mein Pferd mit nach Hause nehmen, wenn ich länger bei dir bleibe“, meinte sie erklärend. Ich nickte nur und ignorierte Nates leidenden Blick. Es war sicherlich eine fiese Wette gewesen, aber hätte ja auch nicht einschlagen müssen.
      Als nächstes trudelte Jojo ein und präsentierte und ihren neuesten Schatz: Ares. Ein brauner Warmbluthengst, der edel daher geschritten kam. „Bla bla bla, das ist alles meine gute Zucht!“, meinte Elena knapp und Jojo verdrehte nur die Augen. Außer Eli schien heute niemand sonderlich gesprächig zu sein.
      Das änderte sich jedoch schlagartig, als Elisa und Zai eintrafen. Beide auf einem kleineren Rappen, leider schienen sich Levi und Eisvogel aber nicht sonderlich zu verstehen und die Reiterinnen hatten gerade die Diskussion, welcher Hengst schuld wäre. Elena wollte schon ihre Meinung äußern, als ich die Diskussion knapp im Keim erstickte und alle zum losreiten bat.
      Wie bereits bekannt wurde es im Winter schneller dunkel und wenn wir nun noch länger bräuchten, würden wir mit Laternen oder Taschenlampen reiten müssen. „Eine coole Idee! Ein Mitternachtsausritt!“, kommentierte Zai meine sarkastische Anmerkung direkt. Oh weh und dann am besten noch mit mindestens 5 Tequila intus…
      Der Ausritt wurde dafür aber wie erwartet lustig und entspannt. Wie immer gab es viel zu erzählen, besonders Quatsch und es wurde auch ausgiebig über Outfits diskutiert. Nicht nur für den Reiter, sondern auch fürs Pferd. Elena hielt zudem einen ausführlichen Vortrag darüber, wie ungemein wichtig es doch wäre, dass beide Outfits zueinander stimmig wären.
      „Und genau deshalb kleidest ja auch immer du uns ein“, meinte Jojo grinsend und Elena nickte nur wissend. Inzwischen kamen wir schon wieder bei mir zu Hause an. Wir waren gut zwei Stunden unterwegs gewesen und ein wenig durchgefroren. Da Elena ihren Hengst direkt Nate in die Hand drückte, machte sie uns liebenswürdiger Weise einen Tee, während der Rest noch seine Pferde versorgen und in die Boxen stellen musste.
      Dann verkrümelten wir uns schnell in mein warmes Wohnzimmer, wo schon ein vorgeheizter Ofen auf uns wartete. Davor lagen bereits Shiva und Ivy, welche auch direkt von meinen Freundinnen in die Mangel genommen wurde. Das schien beide Vierbeiner aber nicht zu stören.
      Während sich alle aufwärmten, machte ich den Punsch fertig und bereitete das Raclette vor. „Ih, Raclette!“, kommentierte Eli, deren Geschmack das nicht zu sein schien. „Ja ja, für dich gibt’s extra Fleischfondue“, meinte ich knapp und baute beides auf. Ich hatte alles schon heute Morgen vorbereitet und so konnten wir direkt loslegen.
      Knapp eine Stunde später lagen wir alle voll auf dem Sofa oder den Sesseln und jammerten darüber, dass wir zu viel gegessen hatten. „Wieso unterschätzt man das auch immer so?“, jammerte ich theatralisch.
      „Zeit für die Geschenke!“, quietschte dann Zai und ich starrte sie entgeistert an. Als dann tatsächlich alle was hatten, blickte ich traurig in die Runde. „Toll, dieses Jahr schenkt ihr alle was, nur ich nicht!“, jammerte ich traurig, bekam dann aber erst einmal drei Geschenke gereicht.
      Zai überzeugte ja mit ihrer kreativen Idee, uns ein Einhornspucke-Duschgel zu schenken. Von Eli gab es verdammt leckere Gummibärchen, während Jojo auf Nagellack und gesunde Snacks gesetzt hatte. Und Elisa punktete mit ulkigen, aber verdammt süßen Geschenken. Für Shiva und Ivy war natürlich auch was dabei gewesen.
      Nun kaute Shiva zufrieden auf einem Kauknochen, während Ivy mit einer Zuckerstange spielte. Gut, eigentlich war alles für den Hund gewesen, aber als Katze nahm man sich halt einfach das, was man wollte. Nachdem ich lange eine Schnute gezogen hatte, kramte ich hinter dem Sofa und zog grinsend einen Beutel hervor.
      „Hab doch was für euch!“, meinte ich fröhlich und verteilte eingepackte Geschenke. Allen hatte ich ein eingerahmtes Bild geschenkt. Es zeigte jeweils ein Pferd des Beschenkten und die Freude war mehr als groß. „Hätte mich auch gewundert, wenn Gwen ein Weihnachten ohne Schenken überstanden hätte“, lachte Eli fröhlich und schenkte uns allen noch einmal Punsch nach.
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    • Rhapsody
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      Trainingsstall Project Second Chance, Dressur E-A - © Samanta
      | 04. Februar 2017
      Offenbar hatte meine Adventskalenderaktion gefruchtet, denn ein paar Monate später rief mich Julie wieder an, um anzufragen, ob ich Zeit hätte, eines ihrer Pferde zu trainieren. "Zu deinem Glück bin ich nicht völlig ausgebucht", sagte ich mit einem Lachen in der Stimme, um ihr zu signalisieren, dass ich nur scherzte und blätterte unterdessen in meinem Kalender. "Würde es dir in drei Wochen passen?" Last Minute Flüge waren natürlich nicht immer möglich, aber momentan war keine Hauptsaison und so ging ich eigentlich davon aus, dass ich einen Flug zu einem guten Preis ergattern konnte. "Ja, das passt."
      "Super, dann sehen wir uns in drei Wochen. Das heißt, wenn ich noch einen Flug bekomme. Ich melde mich dann nochmal, um dir bescheid zu geben." Wir verabschiedeten uns und ich setzte mich direkt an den Computer. Nach einigem surfen wurde ich fündig und schrieb Julie rasch eine Mail, damit sie wusste, dass das mit dem Termin klappte. "Musst du wieder weg?"
      "Tja, ich bin halt heiß begehrt, mein Lieber. Aber keine Sorge. Du wirst trotzdem noch genug von mir haben. Das verspreche ich." Lächelnd umarmte ich Alan und sagte dann:"Selbst Schuld. Du wusstes, worauf du dich einlässt." Ich streckte ihm die Zunge raus und da konnte er gar nicht anders, als mir nicht mehr böse zu sein. Gut so. Drei Wochen später war alles geregelt und ich wurde von Juan zum Flughafen gefahren. "Du weißt schon, dass ohne uns alle hier gar nichts laufen würde, oder?"
      "Klar. Ich schätze euch alle wirklich sehr."
      "Natürlich tust du das. Wir sind ja auch einsame Spitze." Ich lachte. "Ja, das seid ihr." Nachdem er mich am Flughafen abgesetzt und ich mich erfolgreich gegen Isabellas Carepaket gewehrt hatte, gab ich mein Gepäck auf und zwei Stunden später befand ich mich dann endlich in der Luft. "Fliegen Sie auch nach Minneapolis?" Offenbar hatte mein Sitznachbar Redebedarf. Da ich nicht unhöflich sein wollte, antwortete ich:"Nur als Zwischenhalt. Danach gehts weiter nach Winnipeg und von da aus nach Manitoba."
      "Da haben Sie ja noch eine ordentliche Strecke vor sich."
      "Stimmt." Wir unterhielten uns noch eine Weile ganz gut, bevor doch jeder lieber seinen eigenen Gedanken nachhing. Die lange Flugzeit war ja auch nicht zu verachten. Als wir schließlich in Minneapolis landeten, verabschiedete ich mich von meinem Reisebegleiter und fand mich sechs Stunden später auf dem Parkplatz des Pine Grove Stud. Hundemüde und verdammt froh, endlich angekommen zu sein. Es war schon Abend, sodass ich heute wohl nichts mehr mit Ares würde machen können. Ihn mir aber wenigstens ansehen, konnte ich ja. "Hi", schallte es plötzlich aus Richtung der Ställe. Ich entdeckte Julie und ging lächelnd auf sie zu, umarmte sie und sagte:"Schön dich zu sehen. Zeigst du mir gleich Ares?"
      "Willst du etwa sofort loslegen?" Ich schüttelte den Kopf und sagte:"Nee, nur schon mal Hallo sagen." Sie nickte und führte mich in den Stall, wo sie mir einen Braunen mit Blesse vorstellte. Lächelnd streckte ich ihm die Hand hin, die er kurz beschnupperte und sich dann mit angelegten Ohren verdrückte. "Ein richtiger Sonnenschein, was?" Julie lachte und sagte:"Ja, das ist er, aber beim Reiten ist er nicht ganz so schlimm. Er macht auf jeden Fall seine Arbeit. Wie, das ist dann natürlich die andere Frage. Komm ich zeig dir dein Zimmer. Du siehst erschlagen aus." Ich lachte und sagte:"Ist das so offensichtlich?" Julie verkniff sich einen Kommentar und brachte mich zu meinem Zimmer. "Dann gute Nacht. Morgen früh sehen wir uns wieder in alter Frische." Wie versprochen war ich früh wach. Acht Stunden Schlaf, mehr brauchte es nicht, um wieder fit zu sein. "Guten Morgen." Ein gemurmeltes Morgen war die Antwort, die ich von allen einstimmig bekam. Schlechte Nacht, offenbar. Ich schmunzelte und setzte mich an den Tisch. "Sag mal Declan, würdest du mir beim Training wieder beistehen? Ich weiß, dass es viel zu tun gibt, aber ich fände es großartig, wenn du immer mal reinschneist und mir ein paar Tipps dalassen könntest."
      "Klar." Ich nickte dankend. Die anderen sahen irgendwie alle aus, als habe man ihr Lieblingsessen gerade in den Müll geworfen. "Alles gut bei euch?" Ich bekam nur ein Nicken, erfuhr aber später, dass alle irgendwie nicht gut geschlafen hatten in dieser Nacht. Ich beschloss nicht weiter nachzufragen und machte mich nach dem Frühstück auf den Weg zu Ares, der heute etwas bessere Laune zu haben schien. Als ich ihn aus der Box holte, versuchte er gleich mal nach mir zu schnappen ohne mich dabei wirklich zu erwischen. Ich gab ihm einen 'Klaps' auf die Schnauze und band ihn dann fest, um ihn zu putzen. Hier stand er weitestgehend still, aber als ich ihm die Hufe auskratzen wollte, versuchte er sie mir immer wieder wegzuziehen. Netter Zeitgenosse. Schließlich hatte ich aber auch das geschafft und konnte ihn satteln und trensen. Nachdem ich mich aufgrund des guten Wetters für den Platz entschieden hatte, konnte es dann auch losgehen. Ich gurtete nach und stieg dann auf, als Declan gerade dazu kam. "Mutig." Ich lächelte und sagte:"Julie hat mir versichert, dass er nicht bockt."
      "Meistens." Na toll. Schon während ich aufstieg hatte ich gemerkt, dass der Hengst ziemlich zapplig war. Mehrmals war er vorwärts gelaufen, als ich den Fuß gerade in den Steigbügel gestellt hatte. "Okay, das reicht jetzt, aber." Zügel etwas kürzer und es gelang mir wenigstens aufzusteigen, bevor der Hengst wieder einen Schritt wagte. Sofort parierte ich durch und ließ ihn erst dan wieder angehen. Julie hatte Recht gehabt. Beim Reiten war er artig, zwar ungeduldig und teilweise auch sehr schreckhaft, aber meine Hilfen nahm er an und machte auch sonst eine passable Figur. Trotzdem gab es Situationen, in denen ich mich auch durchsetzen musste. Wurde ich zu hart in der Hand, begann der Hengst mit angelegten Ohren den Kopf zu schlagen, war ich zu weich, wollte er antraben. Es war gar nicht so leicht, das Mittelmaß zu finden, aber mit Declans Unterstützung gelang es mir am Ende der Stunde doch schon recht gut. Hatte man den Hengst einmal richtig an der Hand, dann lief er gut, ließ sich einfach Stellen und bot vieles von sich aus an. Er war auf keinen Fall ein Pferd ohne Talent, man musste nur erstmal mit ihm klarkommen. Die nächste Woche verbrachte ich damit, mich mit dem Hengst 'anzufreunden' soweit das eben möglich war. Um Abwechslung reinzubringen, longierte ich ihn zwischendurch oder ging mit ihm Spazieren. Etwas, was ich auch während des gesamten Trainings machte. Auch Pausentage plante ich mit ein, denn auch die waren wichtig, um Muskeln aufbauen zu können und Trainingseinheiten zu verinnerlichen. Insgesamt war ich zufrieden mit Ares. Manchmal hatte er seine fünf Minuten und da hatte ich schon alle Mühe, ihn irgendwie wieder gebremst zu bekommen, aber wenn man ihn erstmal an den Hilfen hatte, dann war er ein verlässlicher Partner mit gesundem Vorwärtsdrang, den man gut nutzen konnte. Vermutlich würde er wenig Probleme in den Verstärkungen zeigen, die jetzt aber noch nicht Programm sein würden. Zunächst einmal musste er Mitteltrab und Mittelgalopp erlernen. Dies leitete ich durch die Wiederholung von Tempounterschieden ein, um ihn vermehrt auf die Hinterhand zu bekommen. Auch die Übgergänge spielten hier eine Rolle, denn dadurch und auch durch die Tempounterschiede konnte man das Pferd lockern. Als ich das Gefühl hatte, dass Ares soweit war, setzte ich ihn in der Kurve vorher mit Paraden und vorwärtstreiben unter Spannung und entließ diese Spannung dann auf gerader Strecke in den Mitteltrab hinein. Natürlich klappte es nicht von Anfang an, aber Ares verstand auf jeden Fall, was er zu tun hatte und so war es auch im Mittelgalopp. Er war bei der Sache und man merkte, dass er durch die Arbeit etwas entspannter wurde. Natürlich hatte er immer noch viel Vorwärtsdrang, den es manchmal auch galt einzudämmen und gerade auf dem Platz hatte er die ein oder andere Situation erkannt, um sich zu erschrecken, aber er ging nie durch, deshalb war dieses Schreckhafte für mich auch nicht weiter von Belang. Ich arbeitete insgesamt zwei Wochen fast ausschließlich an Mitteltrab und Mittelgalopp, baute aber im Training natürlich auch Vorbereitungen auf die anderen Lektionen ein. So zum Beispiel die Übergänge vom Galopp in den Schritt und andersherum. Letzteres fiel ihm aufgrund seiner Power leichter, sodass wir hier kaum Probleme hatten das zu erarbeiten. Andersherum brauchten wir etwas länger, aber auch das verstand er ziemlich schnell. Probleme gab es dann wirklich erst beim Rückwärtsrichten. Das gefiel ihm so überhaupt nicht, sodass ich mich entschloss, das Ganze erstmal vom Boden zu erarbeiten, bevor wir es im Sattel versuchten. Mit Declans Unterstützung würde ich es dann auch beim Reiten erarbeiten. Vom Boden gefiel es dem Hengst ebenso wenig, aber nach und nach machte er die ersten Schritte rückwärts. Zu Anfang stand er mit angelegten Ohren da und rührte sich keinen Zentimeter. "Sieht aus, als wolle er dich fressen", hatte Julie einmal gesagt und ich hatte lachen müssen. "Ich glaube, das würde er auch am liebsten." Ich übte Tagelang mit ihm das Rückwärtsgehen vom Boden aus, bis er flüssig und nicht mehr ganz so unwillig rückwärts wich. Es brauchte definitiv Geduld, aber irgendwann platzte bei ihm der Knoten und er machte auch diese unliebsame Übung. Nun konnte ich Declan dazurufen, der mich mit Hilfen von unten zunächst unterstützen sollte. Nachdem ich ihm erklärt hatte, welche 'Hilfen' ich gegeben hatte, schwang ich mich wieder auf Ares Rücken und während Declan von unten Hilfen gab, tat ich das von oben, um die Verknüfpung herzustellen. Ares machte einen Schritt nach hinten. Ich lobte ihn und ließ die Zügel sofort wieder locker, ritt ihn erstmal wieder vorwärts. Wir wiederholten das Ganze noch drei Mal, bevor ich das Training beendete und am nächsten Tag weiterübte. Nach und nach bracuhte ich Declans Unterstützung nicht mehr und obwohl es Ares nicht besonders gefiel, machte er seine Sache gut. Ich lobte ihn für jeden Schritt ausgiebig und schließlich hatten wir es gemeinsam erreicht, dass er ohne Probleme Rückwärts ging. Beim Viereck verkleinern und vergrößern hatten wir hingegen keinerlei Probleme. Der Hengst reagierte erstaunlich gut auf meine seitwärtstreibenden Hilfen und hatte scho nach wenigen Tagen verstanden, was zu tun war, sodass ich mich der Kehrtwendung auf der Vorderhand zuwenden konnte. Auch hier erarbeitete ich sie zunächst vom Boden, um ihn an die Bewegung zu gewöhnen und holte anschließend Declan mit ins Boot, damit wir gemeinsam das Ganze auch beim Reiten erarbeiten konnten. Ares schmeckte das Ganze nicht wirklich, aber auch diese Lektion prägte sich nach und nach ein, sodass ich nach elf Wochen mein Training für beendet erklären konnte. Julie hatte ich in den letzten Tagen meines Trainings aktiv mit einbezogen und sie immer wieder die unterschiedlichen Lektionen abrufen lassen. "Wie du sicher gemerkt hast, musst du gerade das Rückwärtsrichten und die Vorhandwendung immer wieder wiederholen, um das Ganze zu festigen. Natürlich darf auch der Rest nicht vernachlässigt werden. Am besten, wenn du dir da einen genauen Plan machst, wenn dir das weiterhilft." Nachdem wir alles besprochen hatten, machte ich mich am nächsten Tag auf den Nachhauseweg. "Ruf einfach an, wenn du irgendwelche Probleme hast." Sie konnte natürlich auch Declan fragen, der hatte genauso viel Ahnung wie ich und kannte Ares schon länger als ich. Sie war auf jeden Fall in guten Händen. Ich stieg winkend in meinen Mietwagen ein und fuhr dann bis zum Flughafen. Einen Tag später holte mich Alan am Flughafen ab und obwohl es mir mal wieder sehr auf Pine Grove Stud gefallen hatte, war ich froh, dass ich wieder zu Hause war.
    • Rhapsody
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      Welpentreff
      | 31. März 2017
      „Fünf Minuten. Ich möchte, dass du, wenn du das Gatter geschlossen hast, deinen Timer auf fünf Minuten stellst und wenn diese fünf Minuten vorbei sind kommen die Pferde wieder auf ihre Paddocks.“
      Für fünfzehn Sekunden hörte Lesja auf, sein Müsli zu kauen, und sah mich nur an. „Und das muss so akribisch eingehalten werden?“
      Memo an mich selbst: Lesja niemals konfrontieren oder auch nur irgendwie mit ihm kommunizieren, wenn er beim Essen war. Wirklich, das sollte ich mir merken. Bäh. Als er sich den nächsten Löffel in den Mund geschoben hatte, war die Gefahr vorüber und ich konnte endlich wieder antworten. „Muss ich dir jetzt nochmal einen Vortrag über die Gefahr von zu eiweißreicher Fütterung halten? Nach fast eineinhalb Jahren? Wirklich Lesja?“
      Er senkte seinen Löffel und wollte gerade mit dem Reden ansetzen, also machte ich lieber auf dem Absatz kehrt und rannte aus der Küche. „Ach, ich leih mir später Mishka aus, solltest du ihn suchen!“ Seine Antwort bekam ich leider Gottes nicht mehr mit, da fiel die Tür einfach zu laut ins Schloss und Butters und Mishka wedelten so laut mit den Schwänzen, dass ich die Proteste gar nicht hören konnte. So was aber auch.
      Weil uns aufgefallen war, dass wir mittlerweile wirklich alle mindestens einen Hund im Haushalt hatten (oder zwei oder auch drei), hatten Zai, Elena, Gwen und ich uns heute für eine Hundespielstunde entschieden. Nach dem Zwischenfall mit Butters hatte ich mich dagegen entschieden, den Corgi mitzunehmen, und ob Khaleesi wirklich mitwollte, würde sich erst zwei Minuten vor Aufbruch entscheiden. Aber Mishka, der sich als verspielt und als kleiner Trottel herausgestellt hatte, freute sich bestimmt mal, unter Gleichaltrigen zu sein. Naja, zumindest halbwegs gleichaltrig.
      Mit dem Barsoi an der Schleppleine und Butters ein paar Meter vor oder hinter uns, je nachdem, was er gerade schnuppern musste, ging es in Richtung Paddock. Seit ein paar Wochen hatten nun sowohl Bucky und Medeia ihre Fohlen gekriegt – am helllichten Tag, nur, um mir, die wochenlang nachts kaum geschlafen hatte weil sie den Stalllivestream schauen musste, den hocherhobenen Mittelfinger zu zeigen. Medeia hatte ein rotes, jedoch ziemlich großes Fohlen am Rockzipfel hängen. Damit hatten wir schon gerechnet und mit Tierarzt und Tierarzt-in-Spe – ja, auch Peggy hatte mal mitarbeiten müssen, sowas aber auch – war dann Mànas doch recht schnell auf die Welt gekommen. Nicht viele Tage später war dann auch Painted Basquiat, Buckys Fohlen, einfach irgendwann im Stroh gelegen. Lackschwarz und extrem schüchtern hatte sie wohl mehr von ihrem Vater, Painted Blur, geerbt. Aber da Basquiat für die ganzen Amis und Aussies angeblich unaussprechlich war, hatte die kleine Stute schon schnell einen Spitznamen bekommen – Bowie. Ausgestattet mit frischem Wasser und genug Heu behausten die vier jetzt den bislang eh nicht genutzten Reitplatz, damit wir vor allem auch die Mütter schonend anweiden konnten. Früher oder später würden dann auch alle zusammen auf der Stutenweide stehen; bis dahin durften sich die zwei Fohlen erst einmal in der Welt zurechtfinden. Normalerweise wurde mit allen vieren spazieren gegangen, man übte das Aufhaltern mit ihnen, sie kamen täglich irgendwie in Berührung mit Menschen. Heute war das aber auf ein paar Streicheleinheiten beschränkt.
      Bevor ich mich mit den anderen treffen wollte, musste nämlich noch ein bisschen was getan werden. Während ich Boxen ausmistete, Quixoticelixer, Vaffanculo, Paramour, Tautou und Parvati ein bisschen die Mist- und Sandflecken aus dem Fell bürstete, verdrückte sich Butters unter meinem wachsamen Auge ins Haus und Mishka in das Stroh der nächsten Box – ich war also alleine. Bis auf das regelmäßige Schnauben der Pferde was es mucksmäuschenstill; Zoe und Declan gönnten den „Großen“ eine kleine Auszeit und nahmen sich dabei den Kleinen an. Auf dem Weg zum Hengststall sah ich Zoe eine Weile dabei zu, wie sie Cìola longierte. Es sah noch nicht ganz perfekt aus, aber die junge Reitponystute hatte noch genug Zeit, um das richtig zu lernen. Als ich dann Waffel, Q und Paramour einigermaßen sauber hatte – für seine Winterdecken war es mittlerweile einfach zu warm, deswegen war Q putzen eine Challenge, die ich tagtäglich verlor – und zu den Stuten zurück schlenderte, war der Rotschopf verschwunden und stattdessen wurde Ironic longiert. Eigentlich teilte Lesja solche Aufgaben überhaupt nicht gern, blöderweise steckte er sich aber vor vier Tagen mit der Rotzhuststerbseuche an und bekam von mir (und bestimmt auch von den anderen, die aber leider den Mund nicht aufmachen konnten) Arbeitsverbot. Schlimm genug, dass wir alle der Bazillenschleuder ausgeliefert waren, da musste er die Pferde nicht auch noch nerven. Deswegen hatten wir Ironic für die Woche unter uns dreien aufgeteilt. Unterm Sattel war er jetzt zumindest im Schritt und Trab relativ sicher; um das Training aber auch abwechselnd zu gestalten, wurde er heute ein bisschen locker trainiert. Vielleicht würde er dieses Jahr schon seine ersten Turniere gehen – zum Ende der Saison zwar, aber so abwegig war das gar nicht.
      Nachdem dann auch der Stutenstall schön sauber war, Mishkas Fell zu 93% aus Stroh bestand und ich weißes Winterfell in den Augen stecken hatte, gönnte ich mir eine kurze Auszeit. In etwa einer halben Stunde machte ich mich auf gen … Süden. Keine Ahnung, ob Elenas, Zais und Gwens Höfe überhaupt südlich von meinem lagen, aber es ging zumindest runter. Glaubte ich. Um dem guten Herrn ein paar Manieren beizubringen, holte ich PFS‘ Gamble Away von seinem Paddock und befreite ihn schnell von Sand und dem bisschen Winterfell, welches das Vollblut überhaupt besaß. Ob es eine gute Idee war, mit Rennpferd und Rennhund spazieren zu gehen? Bestimmt nicht. Aber irgendwie würde ich das schon gebacken kriegen. Mit Kappzaum, Longe und Schleppleine lief ich dann kurz darauf los.
      Fast schon wie ein Taxi kam ich mir vor, wie ich alle nacheinander abholte. Zuerst Gwen mit ihrer mittlerweile groß gewordenen Nuriya. Eigentlich wollten wir ja vorwiegend unsere Welpen aneinander gewöhnen und vorzeigen, aber weil wir Gwen ja nicht ausschließen wollten, hatten wir – also der Große Rat bestehend aus Zai, Elena und mir – netterweise zugestimmt, dass sie Shiva mitnehmen durfte. Auch, wenn es eigentlich gar nicht ihr Hund war, aber darüber wollte ich jetzt nicht diskutieren. Außerdem war ich auch damit beschäftigt, Mishka davon abzuhalten, sich ganz und gar in seiner Leine zu verheddern. Wie ein … naja, Welpe eben warf er sich an die Füße der schwarzen Hündin, rollte sich auf den Boden, sprang kurz darauf wieder auf und sprang sowohl um Shiva als auch um Gwen selbst, als gäbe es kein Morgen. Erst nach einem scharfen Pfiff beruhigte er sich langsam, und zu sechst machten wir uns auf den Weg zu Elena. Die hatte sich aus heiterem Himmel zwei Shiba Inus geholt – das hatte mich ein wenig verwundert, da Eli zu 110% Katzenmensch war und Hunden eher reserviert – und ehrlich gesagt sahen sie aus, als würden sie gerade aus einem alten Nintendogs-Speicherstand gekrabbelt sein. Neben den beiden Wollknäueln, die sie Yuki und Ayumi nannte (aber nicht erklären wollte oder konnte, was das bedeutete – so ein Amateur) führte sie auch noch Baila Conmigo.
      „Colour GH’s Baila Conmigo,“ verbesserte sie mich stolz. „Je mehr davor steht, desto edler das Pferd.“
      „Aha,“ machte ich und zuppelte am Führstrick meines Vollbluthengstes, der Elis Ponystute schon jetzt um ein paar Zentimeter überragte. „Das spricht aber nicht für deine Zucht.“
      Weil Eli so ein toller Mensch war fing sie keinen Streit auf einem fremden Hof an, sondern hob nur drohend den Zeigefinger und begrüßte dann Zai mit SST’s Lakim. Somit war ich mit meinem Junghengst deutlich in der Minderheit. Gott sei Dank führte der sich heute einigermaßen ruhig auf, schnorchelte nur ab und an einen der Hunde an. Mishka fand die Neuankömmlinge äußert interessant, aber er hatte doch ein paar Manieren und setzte sich lieber vor den braunen Dalmatinerwelpen, als ihn einfach umzurennen. Langsam aber sicher wurde das was mit dem braven Hund.
      In unserer kleinen Truppe ging es dann auf eine Wiese hinter Elis Gestüt, auf der die anderen ihre Hunde freilassen konnten und ich zumindest die Schleppleine ein bisschen länger lassen. Eigentlich rannte nur wirklich Friedrich, Zais-eigentlich-nicht-Zais Dalmatiner, umher; Shiva war damit beschäftigt, Friedrich zu beschäftigen (oder wohl eher, Friedrich um sich herum hüpfen zu lassen bis seine Energie ausgeschöpft war), Friedrich belästigte Shiva, Yuki und Ayumi kauten sich gegenseitig an – und ehrlich, das konnten nur Elenas Hunde sein – und Mishka versuchte, Friedrich von der großen Labradorhündin wegzulocken und stattdessen mit ihm zu spielen. Die Pferde machten sich stattdessen mit dem Gras bekannt.
      Als Friedrich sich geschlagen gebte, beide Shiba Inus schliefen (sowas von Elenas Hunde) und Mishka schon mehr als zehn Minuten neben mir saß und mich dabei beobachtete, wie ich den anderen zuhörte – eine einzige Starrerei, wirklich – beschlossen wir alle, uns langsam auf den Heimweg zu machen. Immerhin hatten wir alle einen Hof mit anderen Pferden als die vier, die wir dabei hatten, und ordentlich Arbeit vor uns. Deswegen war ich auch keine zehn Minuten nach meiner Ankunft auf Ares‘ Rücken. Wirklich einfach gestaltete sich das tägliche Training nicht mit ihm; hatte er einen guten Tag, war alles super, aber wehe wenn nicht. Ehrlich gesagt war ich ein bisschen überrascht, wie wir überhaupt die letzten paar Turniere überlebt hatten. Außerdem arbeiteten wir hart daran, dass er auch auf Dressurturnieren absahnen konnte; zwar war er gemacht für die Vielseitigkeit und hatte wohl auch eine solide Dressurausbildung, andererseits war es auch eine Gratwanderung, irgendwelche Lektionen von ihm abzuverlangen. Das Training verlief mittelmäßig; ein paar Male lief er wirklich schön an der Hand und drehte nicht zu sehr auf. Nach einer dreiviertel Stunde war er klitschnass, mein Kopf war rot wie eine Tomate, also war es Zeit, aufzuhören.
      Bevor auch ich dann zum Abendessen durfte, war erst noch Fütterungszeit. Pacco und Rising of Storm randalierten in ihren Boxen, während ich das Futter in der Futterkammer zusammen mischte, und stürzten sich sofort hungrig auf die Tröge, als hätten sie den ganzen Tag nichts zu futtern bekommen. Männer. Die Stuten dagegen waren pflegeleicht – Cìola sah mir vom Paddock aus zu, wie ich ihr Futter auffüllte, und erst, als ich Buckys und Medeias Portion fertig hatte und den Stutenstall verlassen wollte, stand sie an ihrem Trog und mampfte in sich hinein.
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      Boys Day
      | 28. April 2017
      Manchmal hatte man einfach göttliche Eingebungen. Ich hatte die, um ehrlich zu sein, ziemlich häufig. Einfach aus dem nichts traf mich dann ein Gedanke, und diese Gedanken musste ich dann so schnell wie möglich mit anderen mitteilen. War gerade kein Lebewesen in der Nähe, durften auch Gwen, Eli und Zai daran teilhaben.

      An einem Samstagnachmittag Ende April aber war ich nicht allein. Mit Zoe und Declan ritt ich durch die kanadische Landschaft; die anderen beiden auf Quixoticelixer und Painted Blur, ich selbst auf Ares. Eigentlich sollten wir vor allem mit dem letzteren gerade auf dem Platz arbeiten, damit aus dem Jung‘ ma was wird nech, aber man musste ja auch mal an den Spaß denken. Wir waren schon wieder auf dem Heimweg, Zoe und Declan diskutierten über …irgendetwas – um ehrlich zu sein, ich war schon vor zehn Minuten mental aus der Unterhaltung ausgestiegen und tat nur mein bestes, Ares im gleichen Tempo zu halten wie einen ruhigen Holsteiner und ein noch ruhigeres Pony. Und dann traf es mich, mitten aus dem Nichts.

      „Dani California ist das Girl aus By the Way!“

      Das Gespräch verstummte kurz, Declan und Zoe sahen erst mich fragend an, dann sich gegenseitig.

      „Redest du von den Chili Peppers?“ fragte Zoe vorsichtig.

      „Kennst du jemand anderes der über Dani California singt?“

      Declan würde sich am liebsten die Hand ins Gesicht schlagen, das sah ich an seinem Handzucken. „Das hast du jetzt erst gemerkt? By The Way ist 15 Jahre alt.“

      „Tut mir Leid, ich bin langsam und das weißt du,“ verteidigte ich mich. „Aber by the way – woher weißt du so genau, wann ein spezifisches Album von einer Band mit vielen Alben rausgekommen ist?“ Ich warf ihm einen scharfen Blick von der Seite zu.

      „Ich möchte mit dir nicht über meine Vergangenheit reden,“ murmelte Declan und rieb sich eine Stelle direkt unter dem Ellenbogen.

      „Lügner.“ Er war zwar nicht ganz so ein Blabberle wie Lesja oder zeigte seine Gefühle so offen wie Zoe, aber in den letzten Jahren stellte sich Declan nicht gerade als verschlossenes Buch heraus.

      „Warte nur darauf, bis du herausfindest, was mit Dani passiert,“ meinte Zoe und zuckte mit den Augenbrauen. Bevor ich aber den Mund öffnen könnte und es aus ihr herauskitzeln konnte, erstickte Declan das Gespräch mit einem lauten Seufzen im Keim. „Zoe, bevor wir von jemanden sehr unhöflich unterbrochen wurden –“

      Ich schaltete wieder ab.

      ***

      Nach dem Ausritt, der mir einen fantastischen Ohrwurm verpasst hatte, erklärte ich mich freiwillig bereit, mich um die restlichen Hengste zu kümmern. Während Ares und Blurry seelenruhig nebeneinander grasten, schien Quixo seine fünf Minuten zu haben. Runde um Runde galoppierte er, buckelte, schlug nach seinem Weidefreund Vaffanculo aus. Normalerweise war der Dunkelfuchs ja derjenige, der … naja, wild war. Und wenn man irgendetwas aus seiner versteinerten Position in der Mitte der Koppel ableiten konnte, dann, dass er mindestens genauso überrascht war wie ich.
      Aber Back to Business. Aus Faulheit legte ich Paramour den Kappzaum an und führte ihn anschließend in den Longierzirkel. Eigentlich wäre schon noch ein kleiner Ritt drin gewesen, aber … nein, ich hatte keine Ausrede.

      Wirklich anstrengend war die Longeneinheit weder für mich noch für den Lewitzer. Verstärkungen waren für ein Pferd, das M*-Dressuren gewonnen hatte, wirklich das kleinste Problem. Trotzdem schnaubte der Hengst mit Genuss ab und schien durchaus zufrieden, als ich ihn nach zwanzig Minuten mit einer Handbewegung zum Stehen brachte. Ich hatte ein bisschen Angst gehabt, dass sich Paramour, sobald er aus dem aktiven Sport genommen wurde, verändern würde. Immerhin war er immer zu 100 Prozent ausgelastet gewesen und hatte auch immer ein recht freundliches Wesen gehabt. Glücklicherweise zeigte er jetzt seit fast einem Jahr, dass er die doofen Turniere gar nicht brauchte, sondern von Haus auf ein freundliches Pferd war. Mensch, war mir da ein Stein vom Herzen gefallen.

      Meine Aufgaben waren erledigt; Declan und Zoe hatten sich die Stuten und Youngsters untereinander aufgeteilt. War es eine gerechte Aufteilung? Nein, überhaupt nicht. Aber ich war diejenige, die am besten davon gekommen war, also sagte ich natürlich nichts und machte mich stattdessen auf zur Stutenweide. Seit ein paar Wochen standen Medeia und Bucky samt Mánas und Painted Basquiat mit den anderen Pferden auf der großen Weide. Mittlerweile für ein paar Stunden, im Sommer dann 24/7. Als ich an den weißen Holzzaun trat und mich auf die oberste Latte setzte, kam auch schon das Connemarafohlen auf mich zu. Er war definitiv der zutraulichere der beiden. Das hatte bestimmt zu einem gewissen Prozentsatz auch damit zu tun, dass er einen Monat älter war, aber eigentlich hatte sich das schon in den ersten Tagen nach der Geburt gezeigt. Mánas verließ Medis Seite zwar genauso ungern wie jedes frischgeborene Fohlen, aber zumindest rannte er nicht vor mir weg. Jetzt, wo Mama zwar immer noch wichtig aber nicht mehr ganz so wichtig war – zumindest für ihn – traute er sich auch mal alleine zu mir her, beschnupperte meine Finger und ließ sich das weiche Fohlenfell streicheln. Entspannt blubberte er mich an, rieb seinen Kopf an meinen Beinen, als hätte ich ihm nicht vor ein paar Tagen die erste Wurmkur gegeben, bei der er am liebsten ausgebüxt wäre.

      Aber innerhalb von zehn Minuten war ich für Mánas komplett uninteressant geworden und er trottete wieder in Richtung Mama. Das nahm ich als Zeichen, jetzt auch mal nach Bowie zu gucken. Bis jetzt hatte sich der Spitzname nur bei mir durchgesetzt; die anderen benutzten lieber Basquiat (aber was war das denn bitte für ein Rufname? Genau, ein doofer). Insgeheim hegte ich die Hoffnung, dass die kleine Rappstute aber später nur auf Bowie und deswegen auch nur auf mich hören würde. Momentan waren Menschen noch ein bisschen gruselig für sie. Als ich Bucky und Bowie – ha ha ha – entdeckte, sprang das Fohlen schnell hinter seine Mama. Nur blöd, dass Bucky sich ins Gras gelegt hatte. Wie versteinert stand Bowie da und guckte mich an wie ein Schaf. Also tat ich das einzige, was mir gerade einfiel. Anstatt mich auf das Fohlen zu konzentrieren, setzte ich mich neben Buckys Kopf und massierte ihr ein bisschen die Ohren. Im Gegensatz zu anderen Pferde liebte sie das nämlich. Und nebenbei zeigte es ihrem Fohlen auch noch, dass ich gar nicht so böse war.

      Trotzdem bereitete mir Bowies Scheu immer noch ein bisschen Bauchweh. Eigentlich war sie schon sein Tag 1 mit Menschen in Berührung gekommen, und eigentlich waren wir auch stets darauf bedacht gewesen, ruhig in ihrer Nähe zu sein. Keine lauten Geräusche, die sie mit Menschen verbinden konnte. Mit Ach und Krach bekam sie jeden Tag das Halfter drauf, in der vagen Hoffnung, dass plötzlich ein Wunder passieren würde und sie sich von jedem ohne mit der Wimper zu zucken anfassen ließ. Irgendwann würde der Tag bestimmt kommen. Und andererseits war sie ja auch erst vier Wochen alt. Eigentlich sollte sie jetzt schon zutraulicher sein, aber immerhin war sie nicht mehr ganz so angespannt in unserer Nähe. Nach ein paar Minuten Beobachtung senkte sie nämlich den Kopf und rupfte ein paar Halme ab, während ich Buckys Schopf flocht. So schlimm konnte ich also gar nicht sein.

      Als die Sonne sich dann langsam in Richtung Westen aufmachte, stand ich unter Ächzen und Stöhnen auf, klopfte mir die Hose ab und klettert wieder über den Zaun. Ich konnte ja wenigstens schon mal mit dem Kochen anfangen, wenn alle bis auf den ach-so-kranken Lesja hart arbeiteten.
    • Elii
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      Gut Sanssouci Trainingsstall, Military E-A
      | 15.07.2017
      „Hi. Bye“, zwei Worte und schon war Jojo wieder weg. In dieser kurzen Zeit hatte sie es geschafft mir ihren Hengst in die Hand zu drücken, hinter mir vorbei zu laufen und dann wieder in die Richtung aus der sie kam zu verschwinden. Ich hinterfragte es nicht, schließlich hatten wir ausgemacht, dass sie Ares heute zu mir brachte. Colin kam kurz darauf um die Ecke, unter ihm Császári. Der Furioso Hengst sollte auch mit auf den Geländeplatz gehen.
      Er sollte Ares Sicherheit geben, denn dieser kannte den Geländeplatz bisher nur von weitem. Ich stieg auf den Rücken des Rotbraunen und wir machten los. Der Weg dorthin würde uns das Warmreiten abnehmen, dort wollten wir aber auch noch einige Runden locker traben und galoppieren, bevor es an die Sprünge ging.
      Bis jetzt ging es gut, allerdings konnte Ares auch ganz anders. Deshalb hielten wir den Abstand zwischen den zwei Hengsten möglichst groß, was uns aber nicht daran störte, und weiter zu unterhalten.
      Am Platz wartete auch schon Nate auf Couleur du Deuil. Eigentlich gab ich die Stute ungern aus der Hand, aber heute war es eine Ausnahme. Wobei ich es mir am Ende des Trainings nicht nehmen lassen würde, mich selbst auf den Rücken der Stute zu schwingen. Da wir nun alle versammelt waren, ging es los. Die Pferde sollten locker und geschmeidig vorwärtslaufen. Wichtig war, auch jetzt schon Tempounterschiede zu fordern, damit sie später vor den Hindernissen besser zu händeln waren. Für Dulli galt dies nicht unbedingt, aber Nate hatte genug Erfahrung, um auch den Halbtrakehner zu bändigen. Ares kannte durch seine Springausbildung die Tempounterschiede in und auswendig, auch das springen von Wechseln war kein Problem. Seine Routiniertheit würde sich noch auszahlen und mir einiges erleichtern.
      Császári und Dulli machten den Anfang, danach kam Ares an die Reihe und durfte über den ersten Baumstamm. Zuerst ließ ich ihn von Nahem anschauen, dann galoppierte ich ihn in frischen Tempo darauf zu. Auch wenn er sich etwas übersprang, war der Stamm problemlos. Die festen Sprünge waren ja doch etwas anders als die bunten Stangen, doch mit etwas Übung würde der Hengst herausfinden wie er welches Hindernis am besten nahm. Dulli und Császári waren deutlich routinierter, waren diese Saison aber auch schon die ganze Zeit im Busch unterwegs. Warum Jojos Eigentlich-Springpferd nun auch dort starten sollte, wusste ich nicht genau. Sie hatte irgendwas von Abwechslung geplappert, aber zuhören war an dem Tag einfach nicht mehr drin gewesen.
      Neben dem Bekanntmachen von diversen Sprungkonstellationen, sollte Ares nun auch den Wasserdurchritt bestreiten. Dulli ging voraus und zeigte den Hengsten, wie es richtig ging. Im Schritt watete sie hinein und wurde dann von Nate in der Mitte angehalten. Dann kam auch Császári hinzu und schließlich sollte Ares hinein. Wasser wurde im Springen ja eher großzügig umgangen, doch anscheinend hatte Jojo ihr Pferd vorbildlich vorbereitet und ihm schon gezeigt, wie problemlos das kühle Nass war. Als alle drei Pferde drinstanden, ging es der Reihe nach auf der anderen Seite heraus. Nun sollte das Ganze noch einmal im Galopp passieren, schließlich hatte man auf dem Turnier keine Zeit zum Durchparieren. Dulli preschte sogleich hinein und sorgte damit, dass das Wasser Nate sogar ins Gesicht spritzte. Ich saß schadenfroh auf meinem Pferd und flüsterte ihm noch ein, etwas langsamer zu galoppieren. Császári startete eher gediegen, erhöhte das Tempo aber sofort als Colin ihn aufforderte. Zuletzt sollte ich nun losstarten, was zu Anfang auch vielversprechend aussah, jedoch weigerte sich Ares kurz davor doch noch hineinzugaloppieren. Er bremste ab und schlitterte etwas seitwärts, was uns aber genau in die richtige Position brachte, um nochmal anzugaloppieren und neu anzureiten. Ich versuchte nun ein etwas höheres Tempo, sodass er nicht nochmal auf dumme Ideen kam. Ares hielt den Kurs, verwechselte es aber mit dem altbekannten Wassergraben und sprang hinein, anstatt weiter zu galoppieren. Bis auf das meine Hose danach recht nass war, hatte es doch gut geklappt und ich ging gleich noch eine Runde, um es für den Hengst zu etwas Normalen zu machen. Dieses Mal lief er brav weiter, auch wenn er kurz zum Sprung ansetzte. Ich lobte ihn und es folgte eine Schrittpause für alle. Danach wollten wir noch zwei Sprünge reiten und dann Ares nach Hause schicken. Dulli und Császári würden noch etwas weiterarbeiten, denn es stand schon bald das nächste Turnier an.
      Dafür übergab ich Ares an Nate, der diesen heimbrachte und setzte mich selbst auf Dulli. Nach der Neujustierung der Steigbügel konnte es auch schon losgehen. Heute war sie wohl besonders gut drauf, was mich überlegen ließ, ihre Kraftfutterportion noch weiter zu reduzieren. Momentan konnte man die Haferkörner abzählen, jetzt würde ich sie auf unbestimmte Zeit komplett streichen und sehen, wie die Stute damit zurechtkam.
      Sie zog gut ans Gebiss, ging teilweise aber auch gegen die Hilfe und versuchte vor allem vor dem Sprung dem Ganzen zu entgehen. Das Springtraining auf dem Platz und das Einschieben einer reinen Dressurwoche pro Monat hatte schon gut geholfen, doch sie wusste einfach, dass es im Busch gleich um viel mehr ging. Mit vielen Übergängen und Tempowechseln schaffte ich es am Ende trotzdem noch, sie in einem einigermaßen ruhigen Tempo über die Baumstämme zu bekommen. Es folgte Schritt, Lob und schließlich der Heimweg.
      Császári und die Stute verstanden sich gut, starteten sie beide ja oft in der gleichen Prüfung und traten mit viel Einsatz gegeneinander an.
      Für Ares ging es die folgenden Wochen immer mehr in den Busch und er steigerte sich konstant. Auch Jojo saß das ein oder andere Mal auf ihm und machte mit. Natürlich nicht ohne in den höchsten Tönen von ihrem Ausnahmetalent zu sprechen. Ein Glück hatte ich das ein oder andere Training geschönt, ihr hätte es nicht gefallen, dass ich einen Baumstamm fünfzehn Mal anreiten musste, weil Ares das angesetzte Moos gestört hatte.
      Als dann endlich das erste Turnier von Jojo und Ares anstand, durfte ich mich im Fähnchen und T-Shirt in die Fanmeile stellen und anfeuern. Dass ich selbst wenige Minuten nach ihrem Zieleinlauf starten sollte, interessierte sie eher weniger. „Du hast doch Angestellte, die dir das Pferd warmreiten...“ Dass ich denen dann einen Gefallen schuldete, ignorierte sie gekonnt.
      Letzten Endes konnten sie zwar keine Schleife abstauben, aber fast-glücklich war Jojo trotzdem.
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      chapter six | 21. August 2017
      Ares
      Bernie fühlte sich wie Vanilleeis, das man in der Sonne stehen gelassen hatte. Das Programm in ihrer Hand, das zum Fächer gefaltet wurde, war weniger hilfreich. Die Luft in der großen Halle war stickig und schwül, die künstlerisch gedrehten Frisuren der Frauen in der Reihe vor ihr fielen langsam auseinander.

      Es war so heiß, dass Bernie wie hypnotisiert auf den Hinterkopf der Dame vor ihr starrte und genau beobachtete, wie sich drei graumelierte Strähnen langsam aus dem Nest aus Haarspray und Bobbypins lösten und sich über den Nacken legten. Was im Viereck darunter abging war Nebensache – bis ihr Maggie den Ellenbogen zwischen die Rippen rammte.

      Sofort setzte sich Bernie aufrecht hin. Sie waren immerhin im offiziellen Auftrag hier. Neben Maggie saß Mrs Fitzalan, in einem ziemlich wichtig aussehenden Hut und bis auf ein bisschen Röte in den Wangen sah man ihr nicht an, dass es gefühlte 48°C mit 96% Luftfeuchtigkeit in der Halle hatte.

      (Verdammt nochmal, Bernie klebte das Sommerkleid am Rücken und mittlerweile war sie sich sehr sicher, dass sie auf der Lehne einen dunklen Fleck hinterlassen würde, sobald die Auktion vorbei war.)
      Aber ja, offizieller Auftrag. In der Bahn unten, auf die Bernie eigentlich aufpassen sollte, verließ gerade ein großgebautes Warmblut die Halle. Was sie so peripher mitbekommen hatte, ging die Stute trotz doch recht guter Abstammung deutlich unter Wert weg. Bernie warf einen Seitenblick auf Mrs Fitzalan und Maggie; beide sahen noch relativ entspannt aus und Mrs Fitzalan hatte bis jetzt auf noch kein Pferd geboten. Und wenn es nach Programm ging – das zwar gefaltet und verschwitzt war, aber trotzdem noch gut lesbar – dann war die Auktion so gut wie beendet.

      Immer wieder zwickte sie sich in den Handrücken, um fokussiert zu bleiben. Eine Stute mit dunkelbraunem Fell, die aussah, als hätte sie eine Xanax eingeworfen, trabte gemütlich durch den Sand. Fast wie in Zeitlupe hob sie die Hufe, ließ sich nicht aus dem Konzept bringen. Die Gebote für sie überschlugen sich fast. Ein bisschen verstand Bernie das ja – die Stute war erst vierjährig und wenn es nach ihrer Abstammung ging, dann würde sie in ein paar Jahren die Dressurszene ganz schön aufmischen. Trotzdem – Bernie würde sich nicht mal draufsetzen, wenn sie dafür bezahlt werden würde.

      Die Stute verließ unter Applaus die Bahn und der letzte Hengst für den Nachmittag wurde hereingeführt. Der Mann an den Zügeln sah fast schon mickrig neben ihm aus, so groß und imposant sah der Braune aus. Der Schritt sah ziemlich zackig aus, der Trab recht raumgreifend – so gut man das eben in der 5. Reihe auf der Tribüne einer großen Halle beurteilen könnte.

      Aus dem Augenwinkel sah Bernie eine rasche Bewegung. Sie riss die Augen von dem Pferd los und sah, wie Mrs Fitzalan die Hand mit ihrer Auktionstafel hob. Ruhig und komplett gefasst, als würde sie gerade darauf warten, beim Bäcker dranzukommen.

      Oh. Okay.

      Vereinzelt boten auch noch andere auf den Hengst, der trotz der offensichtlichen Hummeln im Hintern keinen Satz zur Seite machte – nicht einmal beim Mikrofonfeedback, als sich die Auktionszeit dem Ende zuneigte. Immer wieder hob Esther die Tafel, bis immer mehr Konkurrenten ausstiegen.

      Und Sandringham Manor tatsächlich den Zuschlag bekam.

      Als der Hengst aus der Bahn trabte und die nächste Stute die Halle betrat, blätterte Bernie frenetisch im Programm, bis sie auf die Seite mit dem braunen Hengst kam. Sanssoucis Ares stand dort. Doch recht alt für den Rest der Auktionspferde, dafür aber bisher auch schon relativ erfolgreich auf Turnieren.

      Also hoffentlich keine Fehlinvestition.
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      versteckte nachrichten hihihi

      chapter seven | 26. September 2017
      Ares | Ironic | Painted Blur | Paramour
      Siana | Benihana | Bucky | Medeia | Cíola
      Dark Royale | Painted Basquiat | Mánas | PFS' Scion d'Or | Dark Innuendo | Painted Taloubet | Rising Of Storm | PFS' Gamble Away | Pacco
      Hi Grams,

      ich hoffe, für dich ist das in Ordnung, dass ich einen Brief schreibe und dich nicht anrufe. Außerdem kann ich mich so ein bisschen sammeln und wirklich alles erzählen, was in den letzten Wochen so passiert ist – so leg ich auf und plötzlich fallen mir 1000 Dinge ein, die ich dir nicht gesagt hab.

      Langsam aber sicher lebe ich mich wirklich ein, und langsam fange ich auch an, mich mit meiner Mitbewohnerin anzufreunden.

      An diesem schicksalhaften Tag, ab dem sich Bernie und Leslie nicht mehr wenn möglich mieden, war eine ganz besonders fiese Aufgabe dran gewesen. Nach zwei Monaten auf dem Sandringham Manor schien es Bernie, als würden die Trainer sie testen wollen. Unter dem Vorwand, Blurrys Kondition aufzubauen, schickten sie das Reiter-Pferd-Duo auf die Geländestrecke, auf den Springplatz, in die Reithalle oder den kleinen Platz beim Stall. Die einzige, die nach den Trainingseinheiten außer Puste war, war jedoch Bernie. An eben diesem Tag war sie mit Frank am Springplatz verabredet.

      England zeigte, dass es nicht umsonst den Ruf für das schlechteste Wetter weghatte. Die Sonne war die letzten Tage kaum rausgekommen und es regnete unentwegt – mal stärker, mal schwächer. Als Bernie Blurry auf dem Reitplatz abritt, begann es gerade, zu nieseln. Eigentlich sollte das ja kein Hindernis sein, dachte sie. Blurry war zwar nicht wirklich begeistert von dem Regen, aber wenigstens war sie konzentriert und ließ sich von dem bisschen Regen nicht ablenken.

      Dachte sie. Innerhalb von zwanzig Minuten klebte ihr das dünne Sweatshirt auf der Haut, sie blinzelte immer wieder Tropfen aus den Augen, und vom Schirm ihres Helmes hing der Nieselregen in ihr Gesichtsfeld. Sie tat ihr Bestes, sich trotzdem auf den Hengst unter ihr zu konzentrieren – ohne Erfolg. Blurry merkte, dass sie nicht komplett anwesend war, und nutzte das aus. Er überlegte sich zweimal, ob er die Schenkelhilfe annahm oder nicht, und so hatte Bernie alle Hände voll zu tun, den Rappen überhaupt in einem annehmbaren Tempo zu reiten.

      Normal kam sie mit Painted Blur super aus. Er kam ihr auf der Weide entgegen und brummelte sie an, wenn sie die Boxentür öffnete. Und normalerweise waren sie auch im Training ein ganz gutes Team. Aber heute rannte er bei jeder Gelegenheit an den Hindernissen vorbei, und ein paar Mal sah sich Bernie schon in die bunten Stangen krachen weil sie den Sprung gerade so geschafft hatten. Von der Mitte der Bahn kam kein einziger Kommentar, keine Hilfe. So viel zum Thema Blurry trainieren – würde es hier wirklich um den Hengst gehen, würde Frank darauf achten, dass er ordentlich lief.

      Stattdessen wurde sie nach einer halben Stunde Qual endlich erlöst. Bis dahin war ihr Sweatshirt komplett durchnässt, auf den Schenkeln ihrer Reithose waren zwei dunkle, nasse Flecken, die Beine fühlten sich schwer und steif an. Während Blurry im Solarium stand, lehnte Bernie sich an die Stallwand daneben. Im Stall war Abendbetrieb; die Stallburschen (deren Namen Bernie sich ums Verrecken nicht merken konnte) liefen mit ihren Schubkarren voll Futtereimer hin und her. Wirklich viel hatte Bernie noch nicht mit ihnen geredet – und wenn, dann war es auch eigentlich nur Cat, die mit ihnen redete, und Bernie, die blöd danebenstand. Das bedeutete, dass Bernie die Sekunden, die Blurry noch brauchte, einzeln herunterzählte.

      Irgendwann war es dann doch soweit. Blurry stand in seiner Box, kaute auf seinem Heu mit seiner Abschwitzdecke auf dem Rücken und wenigstens diese Aufgabe hatte Bernie erfolgreich abgeschlossen. Im Mitarbeiterhaus stand schon eine große Schüssel Spaghetti in der Küche, aber trotzdem schleppte sich Bernie erst einmal in ihr Zimmer. Sie schälte sich aus den nassen Klamotten und schlüpfte in eine bequeme Jogginghose, bis sie sich mit einem Handtuchturban auf dem Kopf auf ihr Bett fallen ließ.

      Sekunden später quietschte die Zimmertür und fiel kurz darauf wieder ins Schloss. Bernie unterdrückte ein Seufzen. In den letzten Monaten hatte sie sich mit ihrer Zimmerpartnerin mehr schlecht als recht angefreundet. Seit Tag 1 hatte sie das Gefühl gehabt, Leslie hätte sie am liebsten auf dem Misthaufen entsorgt. Auch jetzt sagte Leslie kein Wort – Bernie hörte nur ihre Füße über den Boden tapsen, dann das leichte Stöhnen des Drehstuhls als sie sich draufsetzte.

      Gerade wollte sich Bernie aufraffen, die Augen aufmachen und etwas essen, damit sie so früh wie möglich ins Bett und den Tag hinter sich bringen konnte, da klingelte ihr Handy. Für zwei Sekunden starrte sie die Decke über sich an, dann setzte sie sich auf, griff nach dem Handy – und sah, dass Leslie sie wie versteinert anstarrte.

      Ein paar Augenblicke verstrichen. Das Handy verstummte wieder, Leslie räusperte sich und sah auf die Unterlagen vor ihr auf dem Schreibtisch hinab. Bernie öffnete den Mund, wollte sich schon flüchtig entschuldigen, da fing Leslie an.

      „Weißt du, zufällig wollen Snafu und ich später mit der vierten Staffel anfangen. Also –“

      Bernies Mund blieb offen. Sie hatte keine Ahnung, wer oder was Snafu war aber … naja, sie hatte nichts zu tun und sie hatte die vierte Staffel wirklich noch nicht angefangen. Um ehrlich zu sein, hatte sie ihren Netflix-Account noch nicht mal angefasst, seit sie in England war. Und es klang ein bisschen ach einem Friedensangebot, also –

      „Klar, wieso nicht?“ sagte sie und versuchte sich an einem flüchtigen Lächeln. „Aber ich glaub ich muss erstmal duschen. Und essen. Also, wenn das –“

      „Klar! Klar klar, kein Problem.“ Der Stuhl rollte über den Boden, als Leslie aufstand und Richtung Tür lief. „Ich lass dir noch ein paar Spaghetti übrig, ja?“

      Dann fiel die Tür ins Schloss.

      Du brauchst dir also keine Sorgen mehr über mein nicht vorhandenes Sozialleben machen. Ich hab Cat zum Ausreiten und dank Leslie lern ich auch langsam den Rest der Leute hier kennen. Du brauchst mir also keine Links zu fremden Facebookprofilen schicken.

      Was auch neu ist: ich hab jetzt ein echtes eigenes Pferd zugeteilt bekommen. Sein Name ist Ares und er ist so ziemlich das komplette Gegenteil von Blurry. Also – komplett. Das hat meine Trainer aber nicht davon abgehalten, uns gleich mal auf eine Kür zu schicken.

      Nicht nach unten gucken. Nicht zu verkrampft lachen. Bernies Hände klebten an dem Kunstleder der weißen Handschuhe. Sommer war schön, und Turniere waren toll – auf beides zusammen konnte sie aber getrost verzichten. Sie hatte das schwarze Jackett erst angezogen, als sie sich gemeinsam mit Cat auf den Weg vom Abreiteplatz zur Dressurbahn machte, aber trotzdem würde sie es am liebsten wieder ausziehen. In eine Ecke schmeißen und die nächsten paar Wochen nicht ansehen, bis es endlich Herbst wurde.

      Ares war erst vor wenigen Tagen angekommen. Für Bernies Geschmack war es viel zu früh, ihn schon auf einer Schau vorzustellen – sie hatte ihn nur drei Mal reiten können, und wirkliches Training war auch nur die letzte Einheit. Aber wenn Mrs Fitzalan sich etwas einbildete, dann konnte man sie davon nicht abbringen; so viel hatte Bernie bis jetzt gelernt. Deswegen nahm sie entschieden die Zügel auf, lächelte Cat kurz zu und ließ Ares dann in die Bahn traben.

      Seine Gänge waren noch komplett neu für sie. Mit viel Konzentration saß sie sich in den Sattel ein, streckte die Beine nach unten und hoffte, dass sie nicht wie ein Gummiball auf dem Rücken herumhüpfte. Nicht nach unten gucken. Ein bisschen hektisch grüßte sie die Richter hinter dem Buchstaben A, dann ging es erst richtig los.

      Hauptsächlich im Trab bewegte sich das Duo durch die Bahn, anfangs auf der linken Hand. Ares‘ Ohren waren stets gespitzt und für Bernie schien es, als würde er überlegen, ob er lieber brav die Kür weitermachen würde oder ob er eine Show für das Publikum hinlegen sollte. Wirklich sicher war sie sich noch nicht, aber Bernie hatte das Gefühl, dass Turniere mit dem Hengst wirklich Spaß machen würden.
      Im Galopp lenkte sie den Hannoveraner auf einen Mittelzirkel und parierte ihn dann in den Schritt durch. Sie öffnete die Hände ein bisschen, ließ ihm die Zügel länger. Gleichzeitig versuchte sie, nicht zu arg mit der Hüfte mitzugehen; Ares hatte einen weitaus raumgreifenderen Schritt als Blurry, da war die Gefahr groß, wie ein nasser Sack auszusehen. Nach einer Kehrvolte ließ sie ihn auf der rechten Hand wieder antraben. Halbwegs durch.

      Bis der zweite Galopp kam, funktionierte alles noch super. Dann hatte Bernie das Gefühl, Ares‘ Konzentration schien langsam aber sicher zu schwinden. Mit Ach und Krach sahen die Schlangenlinien mit drei Bögen noch halbwegs passabel aus, der Übergang zwischen Schritt und Trab ginge auch schöner, aber letzten Endes steuerte Bernie Ares wieder vor den Richtertisch, verabschiedete sich und trabte schlussendlich aus der Bahn.

      Ares‘ Ohren drehten sich in alle Richtungen als er aus der Arena schritt. Der Moderator kündigte das nächste Paar an, überall auf dem Platz standen andere Pferde und noch viel mehr Menschen. Trotzdem ließ er sich mit einem leichten Zügelzupfen durchparieren. Cat tauchte an seiner Seite aus und half Bernie aus ihrem Jackett.

      Außerdem kann ich jetzt endlich auch mal mit den Youngsters arbeiten – nicht viel, aber definitiv mehr als daheim.

      Von heute auf morgen hatte das Wetter in England von ganz-okay-ich-mein-für-England-ist-das-ganz-gut-auch-wenns-in-Kalifornien-wärmer-und-sonniger-ist-wir-wissens-langsam-Leslie-Sommer in Herbst umgeschlagen. Aber komplett Herbst: Den einen Tag wachte Bernie noch auf, weil ihr die Sonne ins Gesicht schien, den anderen sah sie draußen nur noch grau.

      „Gewöhn dich dran,“ riet ihr Leslie am Frühstückstisch. „Ich hoffe, du hast genug Socken dabei. Und Pullis. Und Regenjacken.“

      Snafu, dessen Gesicht halb in der Cornflakes-Schüssel hin, stöhnte in seine Milch hinein. „Oh mein Gott, Regenjacken.“ Leslie grinste ihn daraufhin breit an, also musste das wohl irgendein Insider sein.

      „Solange ich nicht wieder im Regen Zäune kontrollieren muss,“ grummelte Bernie.

      „Viel besser.“ Leslies Grinsen wurde noch breiter.

      Viel besser stellte sich schnell heraus als halb-freier Tag. Der Hufschmied kam und die Jocks waren dafür zuständig, dass die richtigen Pferde zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren. Und nachdem die Großen soweit fertig waren, schickte Heath Walsh eine Delegation der Stallburschen und eine Delegation der Jocks auf die Weide der Junghengste.

      Mit Jungpferden hatte Bernie wirklich lange nichts mehr unternommen – zuhause in Boston stand ein Dreijähriger in der Box neben Bernies Pflegepferd, also hatte sie eben auch mal die Box gemistet oder ihn auf die Koppel geführt. Recht viel mehr war das ja jetzt auch nicht, sagte sie sich als sie einem Holsteiner namens Painted Taloubet das Halfter aufzog. Das ließ er zwar ganz gut mit sich machen, aber irgendetwas an ihm sagte Bernie, dass sie später lieber aufpassen sollte.

      Mit vier jungen Hengsten ging es in Richtung A-Stall. Vor Bernie und Taloubet dackelte ein fast schon ausgewachsener Hannoveraner namens Dark Royale, dahinter kamen Leslie mit ihrem Gambit und ein Connemarahengst, der von allen nur Donnie genannt wurde.

      Im Stall angekommen wurden die Stallburschen dazu verdonnert, beim Halten zu helfen. Gerade wollte sich Bernie hinsetzen, da tauchte auf einmal Cat vor ihr auf. Und deswegen war es heute nur ein halb-freier Tag: das Training fiel zwar aus, aber trotzdem rannten alle wie verrückt hin und her. Cat und Bernie halfen im B-Stall aus, trennten die beiden Fohlen in den Außenboxen für ihre Mama, damit vor allem das Hengstfohlen in nächster Zeit in eine Herde mit Gleichaltrigen kam. Der Rotfalbe machte das schon ziemlich routiniert mit, nur das Stutfohlen wieherte immer wieder nach der Mama – die natürlich ebenso herzzerreißend antwortete. Genauso lautstark war dann die Begrüßung, als beide Fohlen zurückkamen.

      Wirklich viel mehr ist in den letzten Wochen nicht passiert. Ich weiß, du kannst es nicht glauben, aber ich möchte dir jetzt nicht jeden Tag einzeln aufdröseln.

      Sag allen daheim liebe Grüße von mir.

      Bernie xx
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      versteckte nachrichten hihihi

      chapter nine | 11. November 2017
      Ares | Ironic | Painted Blur | Paramour
      Minou | Siana | Benihana | Bucky | Medeia | Cíola
      Dark Royale | Painted Basquiat | Mánas | PFS' Scion d'Or | Dark Innuendo | Painted Taloubet | Doineann | PFS' Gamble Away | Pacco
      -- Leslie --

      Oktober war Leslies Lieblingsmonat. September war immer noch ein bisschen Sommer, und November schon fast Winter; der Oktober war noch nicht ganz bitterkalt, die Blätter waren schön bunt – und es war Jagdzeit.

      Am liebsten hätte sie dieses Jahr ja selbst mitgemacht. Nicht unbedingt mit Gambit, natürlich, aber irgendein Pferd hätte sich schon gefunden. Blöderweise fand dieses Jahr die Jagd auf Sandringham Manor statt – und alle Jocks hatten Teilnahmeverbot gekriegt. Irgendwo verständlich, aber wirklich begeistert war Leslie nicht gewesen.

      Also hatte sie das Nächstbeste getan und sich Hals über Kopf in die Organisation geschickt. Zusammen mit Logan war sie die Strecke mehrmals abgeritten, hatte Pferde vom Flughafen abgeholt, auf die umliegenden Höfe verteilt und fuhr diese täglich ab. Das füllte so ziemlich den ganzen Tag, sodass sie jeden Abend todmüde ins Bett fiel – zum Leidwesen von Bernie und Snafu. Bernie, weil sie selbst dann gezwungen war, sich ab acht Uhr abends so leise wie möglich zu verhalten, und Snafu, weil der jetzt mit Goldie alleine trainieren musste.

      Dementsprechend war Leslie am Tag der Jagd auch schon um halb fünf wach. Auf Zehenspitzen schlich sie ins Bad, wusch sich schnell und tapste dann barfuß über den Gang zu Beau und Snafus Zimmer und klopfte sachte an.

      Fast gleichzeitig drückte sich dann auch schon Beau durch einen Minispalt in der Tür (durch den er gar nicht hätte passen sollen – immerhin war er bestimmt dreimal so breit wie Leslie. Mindestens) und schob sie in Richtung Treppe nach unten.

      Frühstück gab es für die beiden nicht. „Cooper ist eh schon angepisst, dass ich andauernd woanders bin,“ flüsterte Beau und steuerte Leslie an der Küche vorbei direkt an die Haustür. Draußen war es noch dunkel; nur ein leichtes, dunkelgraues Band war schon am Horizont zu erkennen. Der Hof rund um das Mitarbeiterhaus war umhüllt von Nebel und es roch nach Regen. Solange der sich für den restlichen Tag verzogen hatte, war Leslie das ganz recht.

      Wie ein kleines Kind schlappte sie Beau hinterher, der zuerst die Tür in die Sattelkammer des A-Stalles aufsperrte. Als er das Licht anmachte, war Leslie für einen kleinen Moment geblendet, dann ging sie die Spinde der Gastpferde durch. Im A-Stall waren nicht wirklich viele Boxen freigewesen; die Junghengste standen seit ein paar Tagen wieder über Nacht in den Boxen und nahmen dementsprechend Platz weg. Ein Paint Horse aus New Mexico, ein Holsteiner und ein Trakehner aus Deutschland bewohnten seit Anfang der Woche die drei freien Boxen und schienen sich ganz gut mit den Boxennachbarn zu verstehen. Dementsprechend kam Beau auch schnell wieder, nachdem er Leslie in der Sattelkammer zurückgelassen hatte.

      Die Spinde waren immer noch verschlossen, beim kurzen Inventarcheck schien auch nichts zu fehlen. „Gehen wir weiter,“ flüsterte Leslie. Wenn man den Geräuschen der Pferde in der Box trauen konnte, waren die zwar eh schon wach und verlangten auch schon langsam ihr Futter, aber irgendwie wollte sie trotzdem so leise wie möglich reden.

      Im C-Stall war dann der Großteil der fremden Hengste untergebracht. Der stand im Winter meistens eh leer – Esther verfolgte die Philosophie, dass auch Hochleistungssportler mal ein bisschen Pause brauchten und nahm deswegen am Anfang Oktober keine Trainingspferde mehr an – und war somit für die restlichen 9 Gasthengste frei. Auch hier checkte Leslie kurz, ob die Spinde nach wie vor verschlossen waren und ob auch wirklich nichts fehlte. Beau knipste das Licht in der Stallgasse an, guckte kurz in jede Box und zog Leslie dann auch schon wieder quer über den Hof.

      Langsam aber sicher meldete sich dann doch ihr Magen. Um kurz nach 5 schalteten sich immer mehr Lampen in den Ställen und Häusern an, und ihre innere Uhr sagte ihr, dass es jetzt wirklich Zeit fürs Frühstück war. Trotzdem trottete sie hinter Beau her und versuchte, das Magengrummeln einfach zu ignorieren.

      Funktionierte semi-gut. Als die beiden im Stutenstall angekommen waren und Leslie gerade Spind Nummer 3 von 7 aufsperrte, knurrte ihr Magen so laut, dass Moses kurz darauf den Kopf in die Sattelkammer steckte.

      „Ich dachte, hier drin ist ein Bär,“ sagte er grinsend, als er Leslie entdeckte. Die verdrehte nur kurz die Augen; Moses war wirklich einer der einzigen Menschen, die sie kannte, der frühmorgens (um 5 Uhr. 5 Uhr morgens frühmorgens) schon zu Witzen aufgelegt war. Einer der Gründe, warum sie den B-Stall mied, bis sie wirklich wach war.

      Gerettet wurde sie von Beau, der sich an Moses vorbeischlängelte und wortlos die restlichen vier Spinde inspizierte. Dann fiel sein Blick auf die Uhr und unter wildem Fluchen stürmte er aus der Sattelkammer. Leslie konnte ihn gerade noch auf dem Weg zum Parkplatz einholen.

      „Keine Frühstückspause?“ keuchte sie ihm hinterher.

      Er öffnete die Fahrertür eines dunkelblauen Yaris‘. „Keine Frühstückspause.“

      -- Idony --

      Wenn man monatelang jeden Tag um die gleiche Uhrzeit aufstand, dann war das irgendwann so in einem drin, dass man an jedem Nicht-Arbeitstag um fünf hellwach war. So ging es Idony heute – Training fiel für die nächsten paar Tage aus und Cam war so nett gewesen und hatte ihr freigegeben, damit sie später bei der Jagd konzentriert mitreiten konnte.

      Trotzdem – sie war um Punkt fünf Uhr wach gewesen und nach ein paar Minuten hatte sich herausgestellt, dass sie das mit dem Weiterschlafen vergessen konnte. Also war Idony zwei Stunden später schon mit den meisten Arbeiten fertig. Benihana versorgen, Benihanas neue Boxennachbarin Minou und die Reitponystute Cíola zusammen auf die Weide stellen, Stallgasse fegen und nett zu den Gästen sein.

      Gegenüber von Billies Box stand eine Scheckstute, die jeden Schritt und jedes Atmen im Stall genaustens im Blick hatte. Jedes Mal, wenn Idony kurz zu ihr hinübersah, stand die Stute woanders – mal im Paddock, mal in der Box, mal genau auf der Schwelle. Idony ließ sie kurz mit sich selbst allein und huschte an die Box des Scheckens. Die Stute hatte in etwa die gleiche Größe wie Benihana, wirkte aber zugleich imposanter als auch gebrechlicher als der Holsteiner gegenüber.

      „Schon mal die Konkurrenz begutachten?“ kam plötzlich von hinten. Idony zwang sich, nicht wie ertappt zu gucken, als sie sich umdrehte und eine junge Frau vor ihr stand – mit einem breiten Grinsen.

      Die Frau streckte auch sogleich ihre Hand aus. „Alexandra Cordes. Und das hinter dir ist Possy Pleasure Mainstream.“

      Als hätte sie ihren Namen verstanden, schnaubte die Stute und schlich sich dann sogleich wieder nach draußen auf den Paddock. Idony räusperte sich und nahm die Hand der Frau. „Idony Berqvist – aber ich bin keine Konkurrenz, ich arbeite hier.“

      „Oooh,“ machte Alexandra. „Und da dürft ihr gar nicht mitmachen? Das ist ja auch schade. Da gibt’s sowas mal und ihr werdet ausgeschlossen.“

      Ein bisschen überrumpelt von den vielen Worten in der kurzen Zeit blinzelte Idony Alexandra erst mal an. Dann registrierte sie die Worte erst. „Ach nein, das ist wirklich nicht schlimm – jetzt im Herbst sind hier so viele Jagden, also wer will—“

      „Oooh,“ machte Alexandra wieder. Possy Pleasure Mainstream kam wieder in die Box und reckte den Hals nach ihr. „Ich werde jetzt auch mal gucken, wo die zweite im Team bleibt – allmählich sollten wir ja mal beginnen, die Pferde fertig zu machen.“

      Mit einem Winken verabschiedete sich Alexandra wieder und ging aus dem Stall. Neben den Stallburschen, die die Futtereimer wieder von vor den Boxen einsammelten, war Idony die einzige im Stall. Also nutzte sie die Gunst der Stunde und richtete Benihana schon einmal so weit her, dass sie dieser später nur noch den Sattel auf- und die Trense anlegen musste.

      -- Leslie --

      Treffpunkt der Reiter war um halb elf auf dem Dressurviereck. Bis dahin hatte Leslie Zeit, den Matsch aus Painted Blurs Fell zu bürsten. Pünktlich hatte sich der natürlich in die nächstbeste Matschpfütze geschmissen – und von denen gab es auf den Weiden gerade genug. Soweit wäre es gar nicht gekommen, wären Leslie und Beau zur Stelle gewesen. So wie es war hatte nämlich Cooper Blurry auf die Weide gebracht, der hatte die Chance ergriffen – und jetzt stand Leslie in der Stallgasse des A-Stalls und versuchte, den noch feuchten Matsch so gut wie möglich aus dem Fell zu bekommen.

      Eigentlich wäre das eine Fall für die Waschanlage, dachte sie und schrubbte an einem Fleck an der Flanke des Hengstes. Eigentlich – nur leider war es kurz nach zehn, und wenn man Bernie und Cat glauben konnte, dann waren die ersten Gäste auch schon am Platz versammelt.

      (Beau hatte sich übrigens verkrümelt und frühstückte. Während Leslie nasse Matschflecken ausbürsten durfte, die vermeidbar gewesen wären. Schöner Tag war das heute.)

      10:15 Uhr ließ sie dann die Bürste fallen und schnappte sich Blurrys Sattel. Weg waren die Flecken zwar nicht, aber sollte sich jemand der Gäste drüber beschweren – naja, dann ließ sie Cooper die Sache handeln. Sie hatte gleich erst mal ein Date mit ihrer Müslischale.

      Gerade hatte Leslie Blurry das Gebiss ins Maul geschoben, als auch schon Esther in den Stall kam. Die drei Gäste, deren Pferde im A-Stall untergebracht waren, hatten sich schon längst auf den Weg zum Viereck gemacht – schön rausgeputzt mit Turnierjackett, hellen Hosen und weißen Schabracken. Leslie wusste also, dass sie spät dran war (und das würde Cooper auch noch den ganzen lieben langen Tag hören, ob er es wollte oder nicht). Dass jetzt aber schon die Chefin nach ihr sah, das hätte sie aber nicht gedacht.

      „Schon fertig,“ rief sie Esther entgegen und steckte den Zipfel des Nasenriemens noch schnell unter die dafür vorgesehene Lasche. „So gut wie’s eben ging,“ murmelte sie dann noch vor sich hin, nahm Blurry die Zügel vom Hals und führte ihn die Stallgasse hinab.

      Esther sah sich den Hengst kurz von beiden Seiten an, seufzte und zuckte dann mit den Schultern. „Sauberer wird er jetzt eh nicht mehr,“ sagte sie und klopfte Leslie kurz auf die Schulter. „Wenn du mir noch kurz helfen könntest?“

      Per Räuberleiter schwang sich Esther in den Sattel und nahm die Zügel auf. „Ich kehr‘ noch schnell, dann bin ich sofort da,“ versprach Leslie, aber Esther winkte ab.

      „Der Dreck liegt später auch noch da, wenn wir weg sind. Du solltest dir das jetzt lieber mit ansehen.“

      Gut, das ließ sich wahrscheinlich niemand zweimal sagen. Hinter dem großen Rappen und ihrer Chefin schloss Leslie das Stalltor und folgte den beiden dann in Richtung Viereck.

      -- Idony --

      „Guten Morgen und natürlich herzlich Willkommen auf Sandringham Manor.“

      Das Stimmenwirrwarr auf dem Dressurviereck verstummte augenblicklich. Neben Idony hörten sogar die zwei Geschwister auf, die schon seit sie aufgetaucht waren die Köpfe zusammengesteckt hatten, zu tuscheln. Fast alle Köpfe drehten sich nach vorne in Richtung Eingang. Vor der Kulisse des Herrenhauses saß Esther im Sattel von Blurry, hinter ihr Logan und Frank.

      „Ich freue mich, euch alle hier begrüßen zu dürfen. Das ist die erste Jagd seit fast 13 Jahren, die auf unserem Gestüt stattfindet, und ich bin sehr gespannt, wie es ausgeht.

      Ich möchte auch gar nicht groß um den heißen Brei herumreden, schließlich wollen wir alle so bald wie möglich los. Wir haben eine Strecke von etwa 15 Kilometern vor uns. Nach etwa sieben gibt es für alle eine kleine Pause auf einem benachbarten Hof. Die Pferde dürfen grasen und für uns Menschen gibt es auch ein paar Snacks. Abschließend treffen wir uns auf der Wiese ein, auf der unser Geländetraining startet. Wer besonders aufmerksam ist, wird auf dem Weg dorthin auch etwas ganz Besonderes im Wald entdecken.

      Die Regeln lauten wie bei jeder Jagd. Um einen sicheren Ablauf zu gewähren, bete ich euch alle, euch gleich euren Platz im Feld zu finden und diesen, wenn möglich, nicht zu verlassen. Und, das ist ganz wichtig: reitet nie quer zu den anderen Reitern. Außerdem dürfen die Master, die euer Feld anführen, niemals überholt werden – die kennen die Strecke und sind dafür zuständig, dass alles gut abläuft. Für die Springer sind meine Kollegen Logan Reid und Frank Montgomery zuständig,“ Esther gestikulierte auf die zwei Trainer hinter ihr, „die Nicht-Springer hören auf mein Kommando.“

      Idony sah sich ein bisschen in den Reihen rum. Einige Reiter hatten ein schmales Lächeln auf den Lippen, andere sahen Esther stockernst ins Gesicht.

      „Zu eurer Sicherheit bilden die Schlusslichter die sogenannten Schlusspiköre. Jeder noch so gute Reiter fällt mal vom Pferd – für den Fall sind die Schlusspiköre da. Sie sind auch ein bisschen die Schiedsrichter, die alles sehen.

      Auf der Strecke gibt es 15 Hindernisse, inklusive Bachläufen und feste Naturhindernisse. Sollte euer Pferd vor dem Hindernis verweigern, dann dreht am besten sofort ab und reitet um das Hindernis herum. So kann es keine Staus geben und ihr und eure Pferde werden nicht verletzt.

      Außerdem bitte ich euch grundsätzlich, aufzupassen. Wir haben einige Pferde dabei, die noch recht jung und stürmisch sind. Wenn ihr die Jagd ohne dickes Knie abschließen möchtet, dann reitet nicht zu arg auf – vor allem nicht, wenn das Pferd eine rote Schleife im Schweif trägt.

      Recht viel mehr gibt es auch nicht zu sagen, also fange ich gleich mit den Feldeinteilungen an.“

      Die ersten Reiter zogen die Gurte nach und ließen die Steigbügel herunter. Esther kramte einen Zettel aus ihrer Jacketttasche hervor und räusperte sich.

      „Feld Eins ist das erste springende Feld mit Philipp Gerdes und Daitona, Nicolaus du Martin und Ghostly Phenomenon, Elena Redling und Couleur du Deuil, Leticia Weidner und Ingénue, Octavia Blake und Raspberry, Mio Wild und Raised from Hell, Malte Tordenvaerson und Belmonts Brock und Gwendolyn Campbell und Neelix. Euer Master ist Logan Reid und euer Schlusspikör ist Idony Bergqvist.“

      Während alle, die gerade aufgerufen wurden, sich auf eine Seite des Vierecks verteilten, blätterte Esther um. „Feld zwei als zweites springende Feld mit Occulta Smith mit Co Pilot de la Bryére, Ciaran Duclair und Shenandoah, Eddi Canary und Pajero, Jonas Moser und Diarado, Lisa Zimmermann mit Halluzination, Isa Neyer mit Jonquil, Ikarus Dragomir mit Pitú, Tassilo Greving und Cover the Sun und Charlotte von Eylenstein mit Grenzfee. Euer Master ist Frank Montgomery, der Schlusspikör ist Katharina Karenin.

      Das letzte Feld mit mir als Master besteht aus Addison Moore mit My Canyon, Janina Lohmann mit Nemax, Elliot Hadley mit Vychar, Bellamy Blake mit Gun and Slide, Franziska Ziegler mit Cadeau, Nate Prescott und Dark Chocolate, Alexandria Cordes und Possy Pleasure Mainstream, Tamara Meyrohe mit Walking in the Air, Marie Wortkötter mit Macaruja, Vuyo Ndour mit Aspantau und Artemis Fortounis mit Bahar. Euer Schlusspikör ist Bree Price.“

      Ein paar Sekunden gab Esther den Leuten, um sich aufzuteilen, dann steckte sie den Zettel wieder in ihre Tasche. „Ihr könnt jetzt aufsitzen. Feld 1 macht sich in wenigen Minuten auf den Weg, ein paar Minuten später Feld 2 und dann Feld 3. Ich wünsche euch eine schöne und angenehme Jagd und natürlich viel Glück.“

      -- Leslie --

      Gemeinsam mit Bernie und Snafu hatte Leslie Esthers kleiner Ansprache vom Rande des Dressurvierecks gelauscht. Als das letzte Feld mit Blurry an der Spitze und Siana als Schlusslicht vom Platz ritt, seufzte Leslie erst einmal laut. Passend dazu grummelte ihr Magen.

      Wie auf Knopfdruck drehten sich Bernie und Snafu zu ihr um. „Schon wieder Hunger?“ scherzte Bernie.

      „Immer noch,“ grummelte Leslie. „Aber ich werd mich jetzt umdrehen und auf schnellstem Weg ins Haus gehen und schön und lange frühstücken.“

      Snafu grinste sie kurz an, dann schweifte sein Blick über ihre Schulter ab. Seine Augen wurden für einen Moment weich – und Leslie wusste genau, was sie erwartete. Mit einem lauten Stöhnen schlug sie sich die Hände vor die Augen.

      „Leslie, fertig soweit?“ kam es von hinter ihr in einer allzu familiären, tiefen Stimme. „Die Millers haben gerade angerufen, wir sollen gleichkommen – hab ich was verpasst?“

      Als sie die Hände von den Augen nahm, sah sie, dass Snafu schon antworten wollte, also ergriff sie lieber selber die Initiative.

      „Nein, gar nichts. Gehen wir.“ Schwungvoll drehte sich Leslie um, packte Beau beim Oberarm und zog ihn hinter sich her in Richtung Parkplatz.

      Schon wieder.

      -- Idony --

      Billie gefiel das Hinterhergetrotte ganz und gar nicht. Während der ersten Trabstrecke hätte die langbeinige Stute gleich mal versucht, einen wuchtigen Draught-Hengst und eine zierliche Buckskinstute zu überholen – also hatte Idony sie auf eine Volte abgewendet und sich tief in den Sattel eingesessen. Sowohl der Mann auf dem Draught als auch die junge Frau auf der Stute schienen ihr das aber nicht übel zu nehmen. Immer wieder versuchte die Holsteinerstute, irgendwie an der Gruppe vorbeizuziehen – bis sie sich dann nach dem ersten Galopp anscheinend damit abgefunden hatte. Ungeduldig kauend, aber wenigstens ein Schritt in die richtige Richtung.

      Idony selbst kam auch dann erst richtig in den Genuss – bis dahin hatte so gut wie jeder seinen Platz in der Gruppe gefunden. Im Schritt unterhielten sich die meisten, lachten miteinander. Wenn Logan das Handzeichen für den Trab oder Galopp gab, verstummten jedoch alle und vor den Hindernissen wurde eine schöne Reihe gebildet. Pferd nach Pferd hüpfte über die Zäune, kletterte einen Wall hinunter und watete durch einen Bachlauf.

      Die Reiter schätzte Idony als ziemlich erfahren ein; keiner kam über den Hindernissen ins Straucheln. Eine Rappstute weiter vorne im Feld schlug den ein oder anderen Haken zur Seite, aber die Reiterin schien sich dadurch nicht aus dem Konzept zu bringen zu lassen. Trotzdem stoppte bei jedem Seitensprung kurz Idonys Herz und sie nahm Billie vorsichtshalber gleich ein bisschen zurück – sollte die Reiterin den Halt verlieren und stürzen, war es immerhin ihre Aufgabe, alle wieder einzusammeln.

      Trotz hakenschlagender Stute erreichten alle Reiter als erstes die Zwischenstation auf dem Bauernhof der Familie Wright ohne Zwischenfälle. Von einem kleinen Wäldchen ging es direkt an den Schaf- und Kuhweiden vorbei, direkt auf den kleinen Platz vor dem Guthaus. Ein paar Stallburschen von Sandringham Manor wuselten schon umher; auf ein paar Aufstelltischen standen Gläser und Wasserflaschen, auf anderen eingewickelte Sandwiches.

      Nachdem den Pferden die Zaumzeuge abgenommen und die Sattelgurte gelockert wurden, gab es für die Reiter dann das verdiente Lunch. Die alte Mrs Wright füllte Wassereimer für die Pferde auf und die Stallburschen verteilten sie schließlich. Nach und nach kamen auch Frank und Esthers Felder an, als allerletzte Cat auf Ironic. Im Gegensatz zu ihrer Gruppe sah sie ein bisschen abgekämpft aus, also machte sich Idony kurzerhand auf den Weg zu ihr.

      Ironic blubberte freundlich, als er Billie entdeckte. Als die ihm aber keinerlei Beachtung schenkte, sondern lieber ein paar vertrocknete Grashalme abrupfte, bekam er sich auch schnell wieder ein und spielte lieber mit dem Wassereimer, dem ihn ein Stallbursche hinhielt.

      Cat lächelte Idony müde an. „Du siehst ja richtig frisch aus.“

      „Kann ich von dir nicht wirklich behaupten,“ sagte Idony. „Schwere Gruppe?“

      „Die Gruppe nicht unbedingt,“ Cat nahm ihren Reithelm ab und fuhr sich durch die Haare. „Eine Stute, ich glaub ein Vollblut. Rote Schleife im Schweif, also sollte ich nicht so überrascht sein, aber im Schritt schien sie noch besser drauf zu sein.“ Sie zuckte mit den Schultern. „Ich musste noch keinen retten, aber wir haben ja noch ein paar Kilometer vor uns.“

      „Dann solltest du ganz schnell irgendwo Holz finden und drauf klopfen.“

      „Bietest du mir deinen Kopf an?“

      Idony rollte mit den Augen, dann streckte sie die Hand nach Ironics Zügeln aus. „Los, hol dir noch was zum Essen bevor nichts mehr da ist.“

      -- Leslie --

      Ja gut, vielleicht hatte Leslie den Aufwand einer solchen Jagdorganisation ein bisschen unterschätzt. Mittlerweile war es nach 12 Uhr mittags und bis auf ein paar Gurken bei der Essensvorbereitung hatte sie immer noch nichts zwischen die Zähne bekommen. Wenn sie nicht Essen ausgab, dann schleppte sie Getränkekisten, Wassereimer oder was auch immer die alte Wright sie auch machen ließ.

      „Wenn das hier rum ist,“ sagte sie leise und bedrohlich, als Beau ihr noch eine Wasserkiste in die Brust stieß, „dann schuldest du mir ein drei Gänge Menü. Selbst gekocht. Alles andere akzeptiere ich nicht als Entschuldigung.“

      Beau, der sonst eigentlich sehr gefestigt wirkte, bekam seine kleine Sorgenfalte zwischen den Augenbrauen. Jackpot. „Irgendwie sowas sollte ich hinkriegen.“

      „Das hoffe ich für dich.“

      -- Idony --

      Der zweite und letzte Abschnitt begann ein bisschen ruhiger als der erste – zumindest für Idony. Im Schritt ging es wieder zurück in das kleine Wäldchen, an einer Abzweigung jedoch geradeaus statt rechts.

      Wie als hätten die Pferde nie etwas anderes gemacht, kletterten sie einen Wall hinab, galoppierten dann geschlossen und ruhig an und nahmen die ersten paar Hindernisse des letzten Streckenabschnitts mit Leichtigkeit. Erst kurz vor der letzten Galoppstrecke verweigerte eine große Rappstute weiter vorne im Feld. Ihr Reiter fing sich gerade noch über dem Hals hängend. Die Stute ging zwei Schritte mit hochgerissenem Kopf rückwärts. Idony nahm schon Billies Zügel an, kurz davor, einzugreifen – immerhin kamen schon die nächsten Pferde, die auch über das Hindernis springen wollten, und so ein Stau konnte ziemlich blöd hinausgehen – doch dann trieb der Reiter die Stute schon seitlich und machte einen großen Bogen um den Zaun und kurz darauf nahmen beide wieder ihren Platz im Feld ein.

      Als von Logan an der Spitze das Kommando zum Suchen kam, saßen plötzlich alle aufrechter im Sattel. Alle nahmen ihre Pferde zurück, ließen die Galoppsprünge verkürzen, und sahen sich links und rechts im Gebüsch des Waldes um. Wo genau der Fuchsschwanz versteckt war, wusste Idony auch nicht; sie selbst verließ sich also darauf, dass Billie sich mit dem hintersten Platz im Feld abgefunden hatte, stellte sich in die Bügel und reckte selbst den Hals, um besser sehen zu können. Bis auf ein paar orangefarbene Blätter fand sie aber nichts, und auch die Teilnehmer gingen leer aus. Ein wenig enttäuscht setzte sich Idony wieder in den Sattel ein. Billie spielte kurz mit den Ohren, erwartete eine Parade, galoppierte aber dann letzten Endes ruhig weiter.

      Wenige Meter voraus endete der Wald schon; dann waren sie eigentlich schon wieder mitten auf dem Gestüt. An den leeren Paddocks vorbei, um das Haupthaus herum, dann tauchte auch schon das Dressurviereck vor dem Feld auf, mit dem aufgebauten Sprung. Einer nach dem anderen, wie in den letzten Stunden, sprangen die Pferde darüber. Als Idony und Billie auf dem anderen Ende des Hindernisses ankamen, waren die ersten Reiter schon abgestiegen.

      Wenige Minuten, nachdem ein paar Jocks die ersten Eichenbrüche verteilten, kam auch das zweite Feld an – ebenfalls erfolglos, wie sich schnell herausstellte. Trotzdem schien die Stimmung heiter zu sein; die Reiterin mit der nervösen Stute aus Idonys Feld erzählte im größten Detail und mit ausladenden Armbewegungen jedem im Umkreis von fünf Metern, wie sie sich dreimal schon fast am Boden liegen sah.

      Erst, als dann zwanzig Minuten nach dem ersten Feld Esther und ihre Gruppe auf dem Platz eintrafen, schwenkte jemand ein orangefarbenes Stück Pelz hin und her. Als die Gruppe sich dann auch langsam lichtete, bekam Idony einen ersten Blick auf den Gewinner: die Reiterin war noch jung und saß auf einer hellen, schweren Buckskinstute. Sie grinste, umklammerte den Fuchsschwanz eisern und unterhielt sich angeregt mit der Frau, die Idony heute Morgen im Stall getroffen hatte. Auch das Pferd kam Idony bekannt vor – da musste sie später gleich mal gucken, ob die Stute nicht sogar neben Minou einquartiert wurde.

      Esther platzierte sich wieder in die Mitte des Vierecks. Als jeder Teilnehmer seinen Eichenbruch in der Hand hielt, verkündete sie die Siegerin – Tamara Meyrohe aus Deutschland, deren Stute tatsächlich nur ein paar Boxen neben Benihana stand – und bedankte sich bei allen, die irgendwie geholfen hatten. „Und zur Feier des Tages lade ich Euch alle herzlich zum Jagdgericht ein – nachdem die Pferde versorgt wurden, versteht sich.“

      Ein wirkliches Jagdgericht im klassischen Sinn war es nicht – Idony hatte sich noch nicht mit Bree und Cat unterhalten können, ob es in deren Feldern irgendwelche Vergehen gab, aber das konnte sie sich kaum vorstellen – sondern eher ein Dinner im Herrenhaus. Die Piköre waren ebenfalls eingeladen – trotzdem ließ sich Idony viel Zeit im Stall, stopfte Billie Stroh unter die Abschwitzdecke und weichte die Kühlgamaschen in aller Ruhe ein.

      Ein bisschen verspätet und mit eiskalten Fingern kam Idony dann im Speisesaal an. Cat hatte ihr einen Platz freigehalten, direkt vor dem Teller mit Hühnchen. Um sie herum hatten die anderen schon mit dem Essen begonnen, also lud sie sich sofort ein bisschen Fleisch, Gemüse und Brot auf, ohne noch groß nachzudenken. Der Hunger war erst gekommen, als sie vor dem Speisesaal gestanden war und das Essen gerochen hatte. Komisch, wie man einfach vergessen konnte, hungrig zu sein.

      -- Leslie --

      Leslie, auf Cats anderer Seite, lud sich ihren Teller dreimal mit allem Möglichen auf, probierte jedes der drei verschiedenen Desserts und schnappte sich anschließend noch das übrige Mousse au Chocolat von Beaus Teller. Das schuldete er ihr ja schließlich.
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      versteckte nachrichten hihihi

      chapter thirteen | 13. März 2018
      Ironic | PFS' Gamble Away | Quarterback
      Ares | Painted Blur | Paramour
      Dark Royale | Doineann | Pacco
      "Ich glaube," sagte Cat und versuchte sofort wieder, die Haare, die ihr sofort in den Mund geflogen waren, mit Pusten loszuwerden.

      Bernie hatte gleich nach dem ersten Mal gelernt - Putzen musste in den nächsten Wochen stumm vonstatten gehen. Zum Extra-Schutz hatte sie auch nochmal ein Tuch über die Nase und den Mund gelegt. So blieben Blurrys Haare überall aber nicht in ihrem Mund, wenn sie mit dem Striegel über die Kruppe des Hengstes ging.
      Cat schien das lästige Haar losgegangen zu sein. "Ich glaube," fing sie nochmal an, "dass jetzt Frühling ist."

      "Soll ich dich daran erinnern, dass wir letzte Woche noch 'nen Komplettausfall hatten?" fragte Bernie, ihre Stimme ein bisschen gedämpft hinter dem Tuch. Snafu und Beau hatten ihr vor eineinhalb Wochen erklärt, dass England - im Gegensatz zu Neuengland - nicht jeden Winter von unendlichen Schneemassen überschüttet wurde. Sie fand die paar Zentimeter, die alle Schneechaos nannten, zwar eher niedlich, aber anscheinend war das wirklich ein Problem hier.

      Mittlerweile war der Schnee größtenteils geschmolzen, die Rohre enteist und alles war wieder beim alten - inklusive Regen. Auch jetzt sah sie misstrauisch aus dem Stalltor nach außen, dann wieder zu Cat, die gerade Ironics Bauch vom Winterfell befreien wollte. Der Himmel war stahlgrau, es war windig, wenn es auch gerade nicht regnete. "Wenn das der englische Frühling ist, dann weiß ich auch nicht."

      "Das riecht man," machte Cat einfach weiter, als hätte sie Bernie nicht zugehört, als hätte sie nicht mal nach draußen geguckt - als würde ihre Regenjacke nicht über Ironics Box liegen.

      Seufzend ließ Bernie den Striegel wieder in Blurrys Putzbox fallen. Der Hengst hatte gedöst, schreckte von dem Geräusch aber wieder auf. Er genoss das Putzen richtig - im Gegensatz zu Ares, bei dem Bernie aufpassen musste, dass er ihr dabei nicht auf die Füße trampelte. Mit einem Stück Karotte belohnte sie den Holsteiner und stellte ihn dann nochmal kurz in die Box.

      Sie war schon fast fertig mit Ares, mit dem Tuch über der Nase und dem Striegel in der Hand, als Cat laut pustend anscheinend mit Ironic fertig war - oder aufgegeben hatte, wie es beim Putzen im März wohl eher der Fall war. "Bist du immer noch nicht fertig?" rief sie grinsend über den Rücken des Hannoveraners hinweg. Bernie winkte ab, ohne Cat eines Blickes zu würdigen.

      Als dann auch der braune Hengst von einem guten Teil des Winterfells befreit war, warf Bernie sowohl Ares als auch Blurry eine Regendecke über - sicher war sicher. Auch Ironic wurde eingedeckt, aber aus eher praktischen Gründen; Ares und Blurry genossen den Deckhengst-Urlaub, wurden nur alle paar Tage geritten und würden in ein paar Wochen Stuten besuchen - Training war also abgesagt. Ironic hingegen sollte so trocken wie möglich bleiben, damit er für seine Leistungsprüfung fit blieb und vor allem: damit er sich nicht komplett einsauen konnte auf dem matschigen Paddock.

      (Heath hatte bei der Begründung natürlich nur mit den Augen gerollt, aber irgendeinen Sinn schien der Stallmeister auch darin zu sehen - immerhin riss er dem Hengst die Decke nicht herunter.)

      Bernie ging mit Ares und Blurry voraus; Cat kam mit Ironic hinterher. Zu dritt konnten die Hengste nicht auf den Paddock; Ares und Blurrys waren zwar beste Buddys, aber Ares war kein Fan von Ironic. Wenn Bernie ehrlich war, konnte sie ihn da auch ganz gut verstehen - Ironic war zu hibbelig, zu unentspannt, um für Ares als Weidekumpel zu passen. Also kamen Bernies Jungs zusammen auf den Paddock, und Ironic zu den zwei Ponyhengsten Paramour und Pacco.

      Als Bernie die beiden Hengste losmachte, stürmte der Braune sofort in großen Sätzen ans andere Ende des Paddocks, legte dort eine Vollbremsung ein und buckelte dann in einem großen Bogen über den Sand. Blurry hingegen blieb bei Bernie stehen, guckte seinem Weidekumpel zu und senkte dann den Kopf, um nach etwas Essbarem zu suchen. In einer Ecke stand eine kleine Heuraufe, überdacht und geschützt; dorthin verkrümelte sich der Holsteiner sofort.

      Ein paar Minuten blieb Bernie am Zaun stehen, dann fiel ihr der erste Regentropfen auf die Nase. Bis sie zurück im Stall war, war aus dem Tröpfeln schon der nächste Schauer geworden.

      Zurück im B-Stall war Cat schon wieder beim nächsten Pferd - dem Neuen mit der außergewöhnlichen Farbe. Er war jetzt schon ein paar Wochen auf dem Hof, hatte aber ein ziemlich dünnes Nervengewand und wurde deswegen erst seit ein paar Tagen trainiert. Und mit Cat hatte er da eigentlich die perfekte Reiterin gefunden - sie hatte irgendwie herausgefunden, wie man ein solches Pferd vor allem in brenzligen Situationen wieder runterbekommt und gleichzeitig konsequent bleibt. Und das konnte sie bei einem Pferd, das bei der Ankunft schon seitwärts vom Transporter gesprungen war und anschließend wie bekloppt über die Anlage gerannt war, gut gebrauchen.

      (Quarterback hatte sich zum Glück nichts getan - das einzige, was angeknackst gewesen war, war Beaus Ich-bin-der-ultimative-Pferdeflüster-und-kann-jedes-Pferd-mit-bloßer-Willenskraft-halten-Ego.)

      Eigentlich sollte Bernie selber mit ihrer Arbeit vorankommen, damit sie rechtzeitig fertig wurde, um mit Leslie später ins Kino zu fahren. Trotzdem streckte sie dem neuen Hengst ihre Finger zum Beschnüffeln entgegen. Mit gespitzten Ohren streckte er sich zu ihr hin, drehte sich aber sofort wieder zu Cat um, als diese neben seiner Schulter auftauchte und den Hufkratzer in die Putzbox warf.

      "Was steht auf dem Plan?" fragte Bernie und lehnte sich an die nächstbeste Box.

      "Für dich?" antwortete Cat und krabbelte unter dem Strick hindurch. "Fegen. Für uns longieren."

      Kritisch musterte Bernie die Stallgasse; ein Mix von schwarzen, rotbraunen und hellbraunen Haaren lag über den Boden verteilt, und wenn das liegen blieb, bis die Stallburschen zurückkamen, würde Cooper sie wohl einen Kopf kürzer machen. Mit einem Seufzen ging sie also in die Futterkammer, krallte sich einen Besen und eine Schaufel.

      Beim Zurückgehen kam ihr eine Idee. "Sag mal, können wir später mal was ausprobieren?"

      Cat hatte mittlerweile mit dem Anlegen der Gamaschen begonnen, blickte aber zweifelnd zu Bernie hinauf. "Irgendwie mag ich nicht, wie das klingt."

      Bernie rollte mit den Augen. "Meine Güte, hab doch mal ein bisschen Vertrauen in mich. Ich wollte nur mal gucken, wie sich Dark Royale so mit anderen Hengsten versteht."

      "Steht er nicht gerade in diesem Moment mit Donnie auf 'nem Paddock?"

      "Ja, aber mal mit einem fremden Hengst. Und vielleicht tut das Quarterback auch mal gut, weißt du? Das ist ja ein bisschen mehr als nur über die Boxenwand beschnuppern."

      Cat war einige Augenblicke still - die Pferde waren alle auf Paddocks verteilt oder bei der Arbeit, man hörte also nur das Geräusch des Besens auf dem Boden und das Öffnen der Klettverschlüsse an den Gamaschen. Dann seufzte Cat. "Von mir aus. Aber nur, wenns gut geht."

      "Du bist der beste Mensch auf der Welt, Cat."

      "Ach, halt doch die Klappe."

      Noch bevor Bernie mit dem Kehren fertig war, verließ Cat den Stall. Und auch Bernie musste wieder hinaus in den Regen und Dark Royale von seinem Paddock holen. Normalerweise teilte er sich diesen mit Doineann und Gamble Away - Gambit war aber mit Leslie unterwegs und somit blieb das Schimmelpony alleine zurück. Bis auf ein kleines Wiehern schien Donnie das aber wenig auszumachen; er hatte seinen Kopf schnell wieder ins Heu gesteckt und schien sich mit Fressen von der Trennung abzulenken. Royale folgte Bernie mittlerweile motiviert und blieb nicht mehr an jeder Ecke stehen, um zu schnuppern.

      Bernie hatte eigentlich gedacht, dass sie sich viel Zeit beim Putzen ließ, aber die Entscheidung hatte ihr Royale schon abgenommen: von oben bis unten war er voll Matsch, teilweise trocken, teilweise noch feucht. So gut wie möglich schrubbte Bernie und befreite den Rappen so von etwa 97% des Matsches - beim Rest verschmierte sie mit jedem Bürstenstrich nur noch mehr Fell mit Matsch. Also zuckte sie mit den Schultern, sagte sich, dass man das auf dem Schwarz nicht so sah, und löste dann die Anbindestricke.

      Im Inneren der Führanlage war ein Longierzirkel, auf dem Cat Quarterback im Schritt freilaufen ließ. "So viel zum Thema Longieren," rief ihr Bernie vom Tor der Führanlage zu. Mit einem kleinen Pfiff machte Cat den Hengst auf sich aufmerksam, ließ ihn zu sich in die Mitte kommen und winkte dann Bernie zu sich. Dark Royale schnaubte, als er das andere Pferd entdeckte, und auch Quarterback hatten den Kopf hoch und die Ohren gespitzt. Nachdem das Tor zur Führanlage geschlossen war, machte Bernie Royale auch schon das Halfter ab - sollten sich die Hengste nicht miteinander verstehen, wollte sie lieber nicht dazwischen stehen. Auch Cat ging ein paar vorsichtige Schritte zurück.

      Dark Royale, ganz der Charmeur, ging mit leichten, federnden Schritten und aufgestelltem Schweif zu Quarterback. Der bunte Hengst schien wie eingefroren; nur seine Ohren spielten hin und her, klappten nach vorne, zur Seite, nach hinten und wieder nach vorne. Ein paar Augenblicke beschnupperten sich die beiden, dann zwickte Royale dem anderen Hengst in den Hals, drehte auf der Hinterhand um und trabte in einem großen Bogen um Quarterback herum. Dieser blieb erst mal kurz verdattert stehen, bis Royale ihn nochmal in den Hals zwickte. Ein paar Runden jagten sie sich gegenseitig durch den Longierzirkel, blieben dann letztendlich stehen - ruhig, nur mit dem ein oder anderen spielerischen Biss in die Schulter oder Brust.

      Als Bernie sich zu Cat umdrehte, sah sich diese das immer noch skeptisch an. "Ach komm schon," sagte Bernie und stupste Cat mit ihrem Ellenbogen an. "Da wird noch eine ganz dicke Männerfreundschaft draus, das sag ich dir."
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  • Album:
    3 | Steenhof
    Hochgeladen von:
    Rhapsody
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    23 Nov. 2016
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  • [​IMG]
    Ares
    griechischer Gott des Krieges


    PEDIGREE
    [​IMG]
    von: Aestas Amor

    von: Arccord

    von: unbekannt
    aus der: unbekannt

    aus der: Ariana

    von: unbekannt
    aus der: unbekannt

    aus der: Jumping to Conclusions

    von: Smith

    von: unbekannt
    aus der: unbekannt

    aus der: Juggling Maid

    von: unbekannt
    aus der: unbekannt


    EXTERIEUR & INTERIEUR

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    Hengst
    Hannoveraner (75% Vollblut)
    12 Jahre

    176 cm
    Brauner
    breite Blesse | v.l., v.r., h.l., h.r. halbweißer Fuß

    Ares ist prädestiniert für den Hochleistungssport. Die Mutter ein Halbblut, der Vater ein ehemaliges Rennpferd, das nun erfolgreich Springreiten der schweren Klasse bestreitet – man darf große Hoffnung in den Hengst stecken. Als Absetzer verließ er bereits die heimischen Weiden und sollte so früh wie möglich unter den Sattel. Doch da hat man nicht mit dem eigensinnigen Kopf des Hengstes gerechnet – ohne Vorarbeit kommt man mit ihm nicht weit. So kam er erst mit fünfeinhalb Jahren unter den Sattel und braucht auch jetzt noch intensive Beschäftigung, bevor man ihn auf Turnieren vorstellen könnte. Vom Verhalten her ist Ares auch nichts für Anfänger und Laien; ungeduldig, zappelig und unter Umständen auch richtig giftig, gegenüber Menschen als auch Artgenossen. Daher braucht der Hengst eine weiche Hand, die aber, wenn die Zeit kommen sollte, auch konsequent sein kann. Unter dem richtigen Reiter kommt dann erst sein gesamtes Potenzial zum Vorschein: die federnden Gänge, die Unerschrockenheit, das Springvermögen – Komponente, die ihn zu einem Spitzenkandidaten für die Vielseitigkeit machen.


    TRAINING

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    Fohlen ABC | Eingeritten
    Englisch geritten


    Dressur
    E A L M* M** S*

    Springen

    E A L M* M** S*

    Military

    E A L M S*


    ERFOLGE

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    Dressur: 2x L-Platziert, Springen: 2x S*-Platziert


    Turniere
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    401. Dressurturnier – 421. Dressurturnier – 427. Dressurturnier – 430. Dressurturnier – 432. Dressurturnier

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    177. Synchronspringen – 178. Synchronspringen – 180. Synchronspringen – 181. Synchronspringen – 183. Synchronspringen – 186. Synchronspringen – 191. Synchronspringen – 412. Springturnier – 199. Synchronspringen – 432. Springturnier – 207. Synchronspringen – 208. Synchronspringen

    Andere


    ZUCHTINFORMATIONEN

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    HK 492 – Hengste mit Abstammung


    Decktaxe: 104,-
    Genotyp: AA Ee
    Aus der Zucht: Gestüt Sanssouci (Winnipeg, KAN)
    Nachkommen:

    Antares (a.d. Benihana) – *2020

    GESUNDHEITSZUSTAND

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    Chronische Krankheiten:
    Letzter Tierarztbesuch:

    Fehlstellungen:
    Beschlagen:
    Letzter Hufschmiedbesuch:


    STALLINTERN

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    Besitzer: Rhapsody
    Ersteller: Elii
    VKR: Elii

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    Offizieller Hintergrund