1. Diese Seite verwendet Cookies. Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies. Weitere Informationen
Mohikanerin

Areion [0]

a.d. Unbekannt, v. Unbekannt

Tags:
Areion [0]
Mohikanerin, 28 Dez. 2023
Wolfszeit gefällt das.
    • Wolfszeit
      Happy Halloween | 04. November 2016

      Es war wieder soweit: Halloween stand vor der Tür, und Lisa, Lewis, Lily und Jonas liessen sich nicht zweimal bitten. Sie dekorierten schon den ganzen Morgen eifrig den Hof mit Kürbissen. Gegen Abend erwarteten wir Reitschüler und sonstige Nachbaren zu einem kleinen Kostüm-Gymkhana. Ich war dieses Jahr auch schon ziemlich im Halloween-Feeling, denn ich hatte vor kurzem mit Primo Viktoria gleich an zwei Reiterspielen zum Thema Teilgenommen. Heute liess ich es aber bis zum Abend ruhig angehen; als nächstes stand zum Beispiel ein gemütlicher Ausritt mit Baccardi auf dem Plan. Da ich keine Lust hatte, alleine rauszugehen, suchte ich Quinn und schleifte sie mit in den Nordstall. Sie holte Flintstone aus seiner Box, während ich mich um meinen Dunkelfuchs kümmerte. Die beiden hatten ein paar Dreckkrusten vom Vortag im Fell, wobei Flint schlimmer aussah als Baccardi. Ich entstaubte den Ponyhengst so gut es irgendwie ging und kämmte sein dunkles Langhaar. Dann kratzte ich die Hufe aus und putzte seine Augenwinkel mit einem feuchten Tuch, denn diese waren etwas verkrustet. Der Hengst hatte manchmal etwas Mühe mit Zugluft. Ich wollte schon den Sattel holen gehen, da meinte Quinn „Come on, let’s go bareback today. We want to take it slow anyway.“ Aus dem ‚take it slow‘ wurde dann doch nichts. Die beiden Jungs zeigten uns, dass sie top motiviert und fit waren, also machten wir ein paar erfrischende Galopps unterwegs. Ein kühler Herbstwind zerzauste uns die Haare und fegte Blätter von den Bäumen, während wir darunter hindurchritten. Baccardi ging schön am Zügel, denn ich hatte ihn nach dem Galopp etwas aufgenommen. Ein bisschen Dressurarbeit unterwegs konnte nie schaden. Ich liess ihn Schulterherein machen und achtete auf die Stellung, wann immer der Weg eine Kurve beschrieb. Quinn liess Flint hingegen locker am langen Zügel laufen. Sie hatte offensichtlich keine Lust auf Arbeit. Ich nahm es ihr nicht übel, denn sie hatte gestern Abend bis spät noch Sättel geputzt. Wir waren nach eineinhalb Stunden zurück auf dem Hof und sattelten die Pferde ab.

      Es war fast Mittag und somit Zeit, die Stuten von der Weide zu holen. Lily und Lisa halfen mir rasch damit. Lily führte natürlich ihre geliebte White Dream rein, während ich Satine und Parányi übernahm. Für Lisa blieben noch die beiden Jungspunde Bluebell und Sugar and Sweets. Die Stuten von der zweiten Weide waren bereits zurück im Stall – Darren und David hatten sie reingetrieben. Im Futterrauf wartete das Mittagessen, dementsprechend erpicht darauf waren die Damen, in die Boxen zu gelangen. Die übermütige Parányi versuchte, sich einfach an mir vorbei durch die Tür zu drücken. Ich schickte sie massregelnd rückwärts und liess sie nicht durch, bis sie anständig wartete. Die junge Stute ‚vergass‘ manchmal noch, dass ich ranghöher war.

      Auf dem Weg zurück zum Haupthaus wurde ich von Jonas überfallen, der beleidigt feststellte „du hättest auch mich mit auf den Ausritt nehmen können!“ „Du warst so schön beschäftigt mit der Dekoration, ich wollte dich nicht dabei stören“, gab ich grinsend zurück. „Ach was, du weisst genau, dass ich eine Gelegenheit um Lisa zu entkommen mit Handkuss begrüsst hätte!“ „Ach du armes, armes Schaf.“ Ich legte tröstend den Arm um seine Schultern und wir folgten Lily ins Haus.

      Nach dem Mittagessen kümmerte ich mich um meinen geliebten Co Pilot. Er hatte heute Reitpause und durfte nachher mit den anderen auf die Weide, aber vorher wollte ich ihn longieren. Als ich ihn im Nordstall anband und zu striegeln begann, huschte plötzlich ein schwarzer Schatten um die Ecke. Huch? An die Katze erinnere ich mich gar nicht, dachte ich verwundert. Ich wusste zwar, dass es vier Katzen auf dem Hof gab, allesamt von Lisa grossgezogen, aber sie waren alle bis auf eine recht verwildert. Diese schwarze von vorhin bekam ich so selten zu Gesicht, dass sie mir bisher gar nicht aufgefallen war. Ich legte den Striegel auf den Boden und schlich ihr neugierig hinterher. Sie stand mit dem Rücken zu mir vor der hintersten Box und hatte mich offenbar noch nicht bemerkt. Ich packte die Gelegenheit und griff nach der auf den Spalt zwischen den Boxenwänden konzentrierte Katze. Ich erwischte sie und sie versuchte sich erschrocken aus meinem Griff zu befreien. Doch es half nichts, ich hatte meine Hände fest in ihrem langen, weichen Fell vergraben und musterte sie nun genauer. Der schwarze Pelz hatte helle Unterwolle, die durchschimmerte, wenn sie sich bewegte. Ausserdem war das Fell an ihrem Hals etwas gekraust und ebenso wie das ganze Bauchfell ganz hell. Ihre hübschen, graugrünen Augen waren entsetzt geweitet und die Ohren plattgelegt. Sie schien nur darauf zu warten, dass sich eine Gelegenheit zur Flucht auftat, denn der ganze, geschmeidige Körper war angespannt. Ich hielt sie noch einen Moment fest, dann setzte ich sie vorsichtig ab. Sie flitzte augenblicklich davon. „Tze, Tze. Da hat sich Lisa wohl nicht so viel Mühe gegeben, was?“, murmelte ich zu Pilot, der mir erwartungsvoll den Kopf zugewandt hatte. Ich lief zu ihm zurück und streichelte seine weisse Stirn. Die intelligent aussehenden Menschenaugen schlossen sich halb vor Wohlsein. Ich knetete liebevoll seine Ohren, dann fuhr ich fort mit der Fellpflege. Während dem Bürsten hatte ich das Bild von Jonas vor Augen, wie er gestern mit Lily und den Hunden gespielt hatte. Am Anfang war es ein komisches Gefühl gewesen, wieder jemanden an meiner Seite zu haben. Doch mittlerweile kam es mir vor, als sei es nie anders gewesen. Wir konnten mit so einer Leichtigkeit reden und scherzen, aber auch zanken und einander ärgern, dass Rosie uns schon mit einem alten Ehepaar verglichen hatte. Wenn ich so darüber nachdachte, war er schliesslich auch immer da gewesen. Zwar nie als Geliebter, aber immerzu als verlässlicher Kumpel. Viel anders war es auch jetzt nicht – nur dass wir nun noch viel mehr miteinander zu tun hatten, Zärtlichkeiten austauschten und uns ein Bett teilten. Ein Lächeln schlich über mein Gesicht, als meine Gedanken schweiften und ich zwang mich zurück in die Gegenwart, denn Pilot war inzwischen sauber. Ich schnappte mir die Longiersachen und führte den Hengst zum Roundpen. Zunächst liess ich ihn im Schritt zum Aufwärmen ein paar Biegeübungen machen. Dann machte ich eine halbe Stunde lang Trab- und Galopparbeit mit ihm. Besonders das Angaloppieren war hervorragend für die Schubentwicklung in der Hinterhand, weshalb ich ihn jeweils nur über kurze Sequenzen im Galopp liess. Am Ende streckte er den Kopf schön in die Tiefe und liess den Rücken schwingen. Ich war zufrieden und gab ihm ein paar Karottenstücke. Dann führte ich Pilot direkt zur Weide und entliess ihn zu seinen Kumpels.

      Den ganzen Nachmittag über war ich im Sattel oder bespasste Pferde vom Boden aus – was sonst. Dressur, Bodenarbeit, Trail, Ausreiten, einen kleinen Parcours springen; Ich gestaltete die Zeit den Pferden und mir selbst zuliebe möglichst Abwechslungsreich. Zuletzt war ich mit Ronja Räubertochter auf dem Viereck, und zwar zum puren Vergnügen. Die Achal Tekkiner Stute hatte am Vortag ein anstrengendes Distanztraining absolviert und durfte heute dafür die Seele baumeln lassen. Ich versuchte, ihr Ansätze für das Kompliment zu entlocken und brachte ihr das Beinheben für den Spanischen Schritt bei. Der nette Nebeneffekt war, dass sie so ihre Schulter und Rückenmuskulatur dehnte und lockerte. Ich spielte ausserdem mit Ronja, indem ich mir von Darren den grossen Gymnastikball bringen liess und ihn dann vor uns her rollte. Sie begriff schnell was sie zu tun hatte, obwohl ihr der blaue Ball am Anfang etwas suspekt gewesen war. Ich liess sie wie zuvor für den spanischen Schritt die Beine heben und so den Ball anstossen. Sie wurde sogar etwas übermütig und begann kräftig zu scharren, sodass der Ball immer schneller rollte. Gerade als sie begann, das Interesse an dem Ball zu verlieren, schoss vor uns Kafka aus dem Gebüsch. Ronja zuckte erschrocken zusammen und wölbte skeptisch den Hals. Der schildpattfarbene Kater stand schwanzpeitschend da und starrte auf die andere Seite des Platzes, dann zu mir hoch. Ich meinte eine Art schelmischen Ausdruck in seinem Gesicht zu erkennen und es kam mir so vor, als hätte er Ronja absichtlich zu erschrecken versucht. Ich erwiderte seinen Blick mit verärgert verengten Augen und scheuchte ihn armfuchtelnd weg. Er verschwand geschmeidig zwischen den Büschen, die das Viereck säumten. „Verfluchter Flohpelz“, murmelte ich und versorgte Ronja.

      Es wurde dunkel, also half ich Lisa und den anderen, die Kürbislichter anzuzünden. Die ersten Transporter fuhren auch schon auf den Parkplatz. Charly, David, Elliot und Parker waren fast fertig mit dem Aufstellen des Parcours. Ich half noch rasch, einen Flattervorhang aufzubauen und die grosse ‚Murmelrollbahn‘ mit dem Gymnastikball zu verbessern. Die Gäste waren ziemlich kreativ gewesen mit ihren Kostümen: allerlei Gruselgestalten wuselten zwischen Pferden und Gebäuden hindurch. Die Nacht war erfüllt mit fröhlichen Stimmen und Gelächter, dazwischen das Schnauben von Pferden. Insgesamt waren 33 Teilnehmer angemeldet, die meisten davon Kinder und Jugendliche. Ich selbst beobachtete das Geschehen mit einer heissen Tasse Apfelpunsch von der Reiterstube aus. Lily machte mit Areion natürlich mit, denn sie nutzte jede Gelegenheit um mit ihrem Tinker zu üben. Jonas gesellte sich neben mich um Lilys Durchgang mitzuverfolgen. Areion trug meine Nichte zuverlässig durch den Slalom und die Flatterbänder. Nur wenn die beiden in die Nähe des Eingangs kamen, wo lautstarke Teilnehmer und Zuschauer warteten, wurde er etwas unsicher. Die beiden waren nicht die Schnellsten, aber sie hatten nur wenige Fehler zu verzeichnen und gute Teamarbeit geleistet. Ich trank meinen Punsch aus und zog Jonas am Arm mit nach draussen. Wir halfen Lily beim Versorgen von Areion. Der jetzt in den kalten Jahreszeiten besonders wollige Tinker hatte zwar einen ruhigen Eindruck gemacht, war aber insgeheim doch recht gestresst gewesen. Er hatte ordentlich geschwitzt, auch ein wenig hinter den Ohren – ein klares Zeichen von Aufregung. Wir brachten ihn daher gemeinsam zum Hauptstall und parkierten ihn unter dem Solarium. Ich kraulte den verschmusten Hengst, dankbar, dass er sich für Lily so zusammengerissen hatte. „Tinker sind schon feine Tierchen“, bemerkte auch Jonas. Lily bürstete unterdessen eifrig das feuchte Fell ihres Ponys. Als wir den Hengst zurück in den Nordstall brachten, riefen uns Lewis und Charly zu sich. „Can you guys come to the Pflegerheim when you are finished with Areion? We have something to discuss.” Ich hob erstaunt die Augenbrauen, nickte aber. Bevor Jonas und ich wie versprochen zum Pflegerheim wanderten, sah ich nochmal beim Gymkhana nach dem Rechten. Lisa, Jason, Anne und Rita hatten alles im Griff, also konnte ich guten Gewissens abtauchen. Als ich die Tür öffnete, waren im Aufenthaltsraum eine erstaunliche Menge an Menschen versammelt. „What’s the matter?“, fragte ich leicht erschrocken, beinahe eine Meuterei erwartend. Lewis meldete sich zu Wort. „You see… We have a request. There’s this beautiful pair of congo gray parrots, that my cousin bought recently. Turns out he hasn’t got enough time for them and the neighbours complained about the noise they make. We discussed it through and would like to have them here in the Pflegerheim, if you allow it.” “Hmm, are you going to build a cage then? Because you can’t just let them roam around freely and destroy everything with their beaks…” Thomas meldete sich vorsichtig. “I’m gonna build something in here for them, my gramps had parrots, too, so I know how it works.” April fügte rasch hinzu: “We’re all gonna look after them, it will be fun!” Ich seufzte und sah zu Jonas rüber, der verständnisvoll lächelte. “Alright, fine. We try it as a project. But if I see those damn birds suffering from lack of care just once, I will intervene.” Lewis und Charly gaben sich ein triumphierendes High-Five und ich bereute meine Entscheidung jetzt schon. Aber Jonas nahm mich grinsend in den Arm und gab mir Zuversicht. „Ah Occu; one of them, the male, has even got a rare colour mutation called ‘blue’. Due to that, it’s tail is white”, informierte mich Lewis. Beeindruckt nickte ich, obwohl ich zugegebenermassen nicht viel damit anfangen konnte – ich kannte mich kaum mit Papageien aus. Jonas und ich liefen zurück zur Halle, um das restliche Gymkhana mitzuverfolgen.

      © Occulta // 12506 Zeichen
    • Wolfszeit
      Neues Jahr, wie wunderbar | 20. Januar 2017

      Es war der Morgen des 31. Dezembers. Ich war sofort hellwach, als ich die Augen aufschlug. Es gab noch so viel zu tun heute, bevor das neue Jahr beginnen konnte! Jonas war ausnahmsweise ebenfalls rasch auf den Beinen; normalerweise war er ein echter Siebenschläfer. Ich ass ein Honigbrot, fütterte die Hunde und zog die Reitsachen an. Als ich die Haustür aufmachte, erschrak ich beinahe. So viel Schnee! Es musste die ganze Nacht hindurch geschneit haben, denn die Schicht von den letzten paar Tagen hatte sich verdoppelt. Hinter mir hörte ich Jonas, also hüpfte ich die Veranda runter und lauerte ihm mit einem Schneeball auf. Natürlich verfehlte ich. „Muss ich dich in den Schnee legen?“, rief Jonas herausfordernd. Ich rannte lachend davon, zum Hauptstall. Es war draussen noch dunkel, aber im Stall brannte bereits Licht und die Pfleger begannen gerade mit dem Füttern. „Good morning everyone!“, rief ich fröhlich durch die Stallgasse. Als erstes stand eine Dressurstunde mit Sunday, Caspian und Cool Cat an. Heute war nur für die unerfahreneren Vollblüter Galopptraining auf dem Plan – die etwas älteren mussten anderweitig arbeiten und morgen war für alle Ruhetag. Ich ritt in der Stunde auf Caspian. Der Schimmelhengst war ziemlich geladen und ich musste ihn dauernd mit kleinen Volten und engen Wendungen bremsen. Der nette Nebeneffekt war, dass er wunderschön ans Gebiss trat, weil ihn die Biegung löste.

      Nach uns hatten Parker, Charly und Anne ebenfalls Dressurstunde, und zwar mit Gleam of Light, Chiccory und Spotted Timeout. In der Zwischenzeit begaben Jonas und ich uns mit Fly Fast und Framed in History auf einen Ausritt, um die beiden geländetauglicher zu machen. Beide waren noch sehr guckig und fanden immer wieder eine Ausrede um einen Seitensprung ins Feld zu machen. Um den beiden Nervenbündeln etwas Sicherheit zu geben, kamen auch Flint und Rebel mit, geritten von Lisa und Darren. Von den erfahrenen Westernpferden konnten sich die beiden Vollblüter viel abschauen. Wir waren länger unterwegs als geplant, weil Fly bei einem mit Planen abgedeckten Holzhaufen partout nicht vorbeiwollte. Wir nahmen uns daher viel Zeit um ihm den unheimlichen Haufen zu zeigen – bis er beim Durchreiten bloss noch das Ohr dorthin drehte. Ich fand es immer besser, solche Dinge auszudiskutieren, besonders bei Fly. Ansonsten neigte er dazu, sich bei kleinen Dingen immer weiter aufzuschaukeln, bis man kaum mehr anständig reiten konnte. Deshalb erklärten wir ihm immer alles doppelt, damit er keine Zweifel mehr hatte. Das brauchte Zeit, und genau diese Zeit hatten wohl seine alten Besitzer, bei denen er sich am Ende komplett verweigerte, nie gehabt. Er war eben von Natur aus ein sensibles Pferd und war schnell überfordert. Seit er auf Pineforest war, hatten wir uns grosse Mühe gegeben, dass er nie wieder eine seiner Ausraster hatte, bei denen er alles um sich herum vergass und wie mit Scheuklappen davonpreschte. Ich hatte einmal ein altes Video gesehen, von einem seiner letzten Rennen, bei dem er vor Verwirrung in die Rails gekracht war. Mittlerweile war er meistens ziemlich gut händelbar, aber sicherlich kein Anfängerpferd. Frame war ebenfalls nicht ganz einfach, aber er war einfach ein Angsthase. Er lernte jeweils schnell, doch fragte vorher lieber einmal zu viel nach, ob er nicht doch abdrehen sollte. Wenigstens glaubte der Schecke mir nach kurzer Zeit, dass der Haufen ungefährlich war. Und einmal begriffen, testete er es auch nicht erneut aus. Da war Fly hartnäckiger. Aber Frame vertraute mir sowieso aussergewöhnlich stark. Es kam mir manchmal fast so vor, als sähe er mich wegen seines üblen Weideunfalls immernoch als seine Retterin an. Jedenfalls war er bei mir viel mutiger als bei anderen, weshalb ich ihn noch immer fast ausschliesslich selbst ritt.

      Als wir vom Ausritt zurückkamen, machten sich gerade die Jockeys für das Training mit den jüngsten Vollblütern fertig. Die fünf kannten noch nicht viel und waren entsprechend hibbelig, als sie hintereinander zur Bahn ritten, während die Pfleger mit anderen Pferden an ihnen vorbeiliefen. Merino und Primo Victoria waren für mich immernoch etwas ganz Besonderes, mit ihren weissen Birdcatcher-Spots auf dem dunklen Fell, das so sehr dem ihrer Mutter ähnelte. Punkte hatte auch Cryptic Spots, und zwar nicht zu knapp. Aber mein heimlicher Liebling dieser Gruppe war immernoch Simba Twist, mit seinem aussergewöhnlich hellen, fuchsfarbenen Fell. Besonders wenn die Sonne darauf fiel schillerte es wie richtiges Gold. Ob er auch in Sachen Gewinne ein Goldjunge war, musste sich noch zeigen. Im Moment dominierte Miss Moneypenny die Trainingsrennen der Gruppe.

      Sobald ich Frame versorgt hatte, machte ich mich auf den Weg zu Moon Kiddy. Ich fand es eine reizvolle Idee, am Jahresabschluss mit ihr einen etwas längeren Ausritt zu machen. Mit der Stute hatte ich schon so viel erlebt und sie war einfach ein absoluter Schatz im Umgang. Nach der wilden Runde mit Fly und Frame war das nun genau das Richtige für mich. Ich striegelte und bürstete Moons weiches Winterfell. Dann entwirrte ich ihr dichtes Langhaar. Es war eher etwas dratig und robust im Vergleich zu dem feinen Haar eines Vollblüters, ausserdem hatte es hartnäckige Wellen, die es noch voluminöser wirken liessen. Ohne etwas Glanzspray war es fast unmöglich durchzukommen, ohne Haare auszureissen. Doch als ich fertig war, fiel es schön locker und war frei von Strohstückchen. Auch die Hufe kontrollierte ich, aber die Stute war barhuf und vom Schnee auf der Weide waren die Sohlen saubergewaschen, also gab es nichts auszukratzen. Mit der etwas kleineren Bürste nahm ich mir noch den Kopf vor, dann waren wir ready. Ich packte den Westernsattel auf ihren Rücken und zäumte sie mit ihrem Bosal. Der Ausritt führte uns durch das Nachbardorf und auf dessen anderer Seite durch ein Waldstück, in das ich bisher nur selten vorgestossen war. Hier gab es viele befestigte Wanderwege, auf denen wir wunderbar galoppieren konnten. Ich begegnete auch ein paar Spaziergängern, die mir jeweils einen guten Rutsch wünschten – was ich natürlich dankend erwiderte. Ein kleines Mädchen, dem wir unterwegs mit seiner Familie ebenfalls begegneten, war ganz begeistert von Moon und wollte die Stute streicheln. Wir unterhielten uns ein paar Minuten und ich lud sie ein, einmal auf Pineforest vorbeizuschauen und vielleicht eine Reitstunde zu nehmen. So macht man Werbung, dachte ich schmunzelnd, als ich weiterritt. Ich war sicher, dass ich das Mädchen namens Emilia nicht zum letzten Mal gesehen hatte. Überhaupt wollte ich mich im kommenden Jahr wieder etwas mehr den Ferienkindern widmen, die jeweils in den Sommerferien bei uns waren. Ich musste mir neue Spassturniere ausdenken und das Programm möglichst vielseitig machen. Aber das hatte alles noch Zeit. Im Moment genoss ich die stille, gefrorene Winternatur mit Moon. Auf dem Heimweg begann es sogar wieder zu schneien. Ich liess es mir nicht nehmen, mit Moon noch ein letztes Mal über ein Feld zu galoppieren, bevor wir zuhause waren. Im Tiefschnee wurde die Stute rasch müde, dafür machte es uns beiden umso mehr Spass.

      Um elf Uhr hatte ich Moon versorgt und gönnte mir eine Teepause, bevor ich weiter zu Lily mit Areion ging. Dank der Weihnachtsferien konnte ich ihr jetzt wieder vormittags eine Reitstunde geben und nicht erst abends, wenn es schon dunkel wurde. Die anderen Pfleger hatten schon um zehn Uhr Pause gemacht, deshalb sass ich alleine in der Reiterstube und beobachtete das Springtraining von Baccardi, Bluebell, Sugar and Sweets, White Dream und Donut. Die fünf Ponys galoppierten geschickt um die Kurven und schienen ganz schön fit. Zufrieden bemerkte ich, dass Bluebell fast jedes Mal im richtigen Galopp landete und abgesehen von ein wenig Zögern beim Plankensprung flüssig über alle Hindernisse drüberging. Sweets hatte da noch mehr Mühe, David musste sie jeweils neu angaloppieren wenn sie im Aussengalopp war. Baccardi und Donut waren sowieso erfahrener und beherrschten die fliegenden Wechsel; sie landeten aber ohnehin meist richtig. Mit Dream war es dasselbe, aber heute war sie etwas zu hastig und räumte dann doch ein paar Stangen ab.

      Ich fragte Lily, was sie heute mit ihrem flauschigen Tinker machen wollte. Sie beschloss, dass sie mit ihm zum ersten Mal ohne Sattel Cavaletti springen wollte. Ich nickte schmunzelnd und dachte mir, dass ich die Gelegenheit auch gleich nutzen könnte, um mit Adrenaline etwas Spass zu haben. Wir putzten die beiden, wobei ich meiner Nichte etwas half, denn Line war praktisch sauber, während Areion mit seinem langen Winterfell mehr Pflege brauchte. Besonders die dichten Puschel an den Beinen waren mühsam, denn darin verfingen sich dutzende Strohstückchen. Ausserdem musste ich die Fesselbeugen auf Mauke kontrollieren, denn unter dem ganzen Behang staute sich Feuchtigkeit. Vorsorglich salbte ich deshalb ein wenig und erklärte währenddessen Lily worauf sie achten musste. Meine Nichte kümmerte sich gewissenhaft und ausdauernd um ihren Tinker. Sie machte jeden Tag etwas mit ihm, und wenn es nur Spazieren war. Die beiden wurden immer mehr zu einem Team, wie ich es mir bei seinem Kauf erhofft hatte. Areion war ein gutmütiger, ausgeglichener Hengst. Und wenn es doch mal Probleme gab, konnte ich ihr rasch helfen. Zur Sicherheit setzte ich mich trotz allem sowieso einmal pro Woche selbst drauf; auch, damit der Hengst richtig gymnastiziert wurde. Tinker neigten ja dazu, einen weichen Rücken zu haben. Mit Lilys Fliegengewicht war das im Moment kein Thema, aber ich wollte auch in Zukunft sicherstellen, dass Areion die nötigen Muskeln hatte und gesund blieb. Als wir die beiden fertig vorbereitet hatten, gingen wir zusammen in die Halle. Die Ponygruppe hatte die Hindernisse stehengelassen, also stellten wir sie einfach etwas tiefer und benutzten sie anstelle der Cavaletti. Zuerst wärmten wir die beiden Pferde vom Boden aus auf. Zum Aufsteigen schwang ich mich einfach vom Boden aus auf Lines Rücken, während Lily ihren Tinker von der Aufstiegshilfe aus bekletterte. „Irgendwann musst du mir das auch noch beibringen Occu“, meinte sie etwas frustriert, als sie mich beobachtete. „Es sieht einfacher aus, als es ist. Ich brauchte auch lange, bis ich es endlich beherrschte“, ermunterte ich sie. Wir galoppierten zuerst ein wenig, dann sprang ich mit Line das erste Hindernis vor. Lily und Areion taten es uns gleich. Lily rutschte zwar auf Areions Hals, rückte aber schnell wieder in die richtige Position zurück und grinste ünbers ganze Gesicht. „Gut gemacht für den ersten Versuch“, lobte ich anerkennend. Ich riet ihr noch etwas besser in die Mähne zu greifen, denn „dafür ist seine dicke Wolle ja geradezu perfekt“. Schon nach wenigen Versuchen hielt sie das Gleichgewicht deutlich besser und wurde mutiger. Einmal mehr war ich froh, dass Areion so gutmütig und geduldig war. Wenn es nicht passte, dann stoppte er zwar, aber dann musste Lily einfach neu anreiten und schon klappte es. Adrenaline hoppste übrigens auch brav über die Sprünge.

      Nach dieser kurzen Spass Lektion gingen wir mittagessen. Um ein Uhr begab ich mich einmal mehr zu Phantom, meinem original USA Mustang, mit dem ich die letzten Tage intensiv gearbeitet hatte. Seit einer ganzen Woche ging ich nun schon jeden Tag zu ihm und gewöhnte ihn Stück für Stück an alles, was er in der Menschenwelt kennen musste. Am zweiten Tag hatte ich ihn weiter an Berührungen gewöhnt, auch an den Beinen, und sogar schon erste Versuche gemacht, die vorderen zu hochzuheben. Ausserdem hatte ich angefangen, ihn ein wenig zu longieren und unsere gemeinsame Sprache zu finden. Ich hatte ihm die Peitsche gezeigt und ihn dagegen desensibilisiert, und zu guter Letzt hatte ich bereits begonnen, neben ihm zu hüpfen und ihn an schnellere Bewegungen zu gewöhnen. Tag drei nutzte ich bereits dazu, zum ersten Mal auf seinem Rücken zu sitzen. Dazu kraulte ich ihn wieder ausgiebig und verstärkte das Hüpfen neben ihm immer weiter, bis ich mich schliesslich über seinen Widerrist legte. Anfangs machte er immer wieder Ausweichschritte, aber mit der Zeit blieb er stehen und so konnte ich fortfahren, bis ich ganz oben sass. Mehr als das verlangte ich noch nicht. Nebenbei gewöhnte er sich auch an das Führseil, dass er meistens einfach lose hinterherzog. Er lernte, dass er darauf stehen konnte und dass es sich um seine Beine wickeln konnte, ohne dass ihm etwas schlimmes passierte. Tag vier verbrachten wir damit, ein paar erste Schritte mit mir auf seinem Rücken zu gehen. Anfangs noch in einer kleinen Volte, dann schon etwas selbstsicherer. Er erschreckte sich zunächst noch, wenn ich wieder runtersprang, also übten wir das auch ausgiebig. Ausserdem zeigte ich ihm schon die wichtigsten Hilfen, nämlich Lenkung und Bremsen, bzw. Rückwärtsgang. Er war sehr aufmerksam und lernte schnell, aber seine Körpersprache verriet mir, dass er immernoch sehr angespannt und unsicher war. Am Abend von Tag vier führte ich ihn dann auch zum ersten Mal aus dem überdachten Roundpen in den Hauptstall. Wir machten eine Runde durch den Stallgang und ich liess ihn an allem schnuppern, was ihm unheimlich vorkam. Die Pfleger sahen begeistert zu. Am darauffolgenden Tag nahm ich ihn zum ersten Mal mit in die Halle und longiere ihn dort. Am ende liess ich ihn freilaufen und stellte ihm den grossen blauen Gymnastikball vor, den wir im Lagerraum hatten. Er schubste ihn sogar etwas herum. Tag sechs nutzte ich, um den ganzen Schweiss und Dreck von seinem Körper zu waschen. Auch das nahm wieder viel Zeit in Anspruch; zunächst gewöhnte ich ihn an den Schlauch, dann Schritt für Schritt an den Wasserstrahl. Ich benutzte ganz wenig Shampoo am Körper und genug beim Langhaar, um es zu entknoten und ganz sauber zu bekommen. Danach stellte ich ihn, weil es Winter war und draussen Schnee lag, unters Solarium im Hauptstall. Auch dabei musste ich ihn zuerst überzeugen, dass das rot leuchtende Ding keinen Appetit auf Pferde hatte. Aber als er es einmal begriffen hatte, stand er brav still und ich konnte nebenbei das trocknende Langhaar ein wenig frisieren. Gestern Nachmittag schliesslich hatte ich mit ihm Schrecktraining in der Halle gemacht und ihm ein paar neue, wichtige Alltagsdinge wie Klettverschluss und Blachen gezeigt. Ausserdem hatte ich den Morgen dafür genutzt, zum ersten Mal auf ihm zu traben und ihn bereits etwas ausgiebiger zu reiten. Heute wollte ich daran anknüpfen und ihn draussen auf der Ovalbahn reiten. Wenn alles gutging, konnte ich einen ersten Galopp wagen. Die Ovalbahn war aussenherum durchgehend mit Rails abgegrenzt, was ihn im schlimmsten Fall daran hindern würde, einfach auszubüxen. Trotzdem hatte ich ein etwas mulmiges Gefühl, weil ich ihn noch nie zuvor draussen geritten hatte. Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Ich betrat den überdachten Roundpen und rief den Mustang zu mir. Er reagierte darauf jeweils sofort und kam zügig angelaufen, was mich immer wieder von neuem freute. Er hatte sich also schon weitgehend auf mich eingelassen und begann, mir wirklich zu vertrauen. Das merkte ich auch beim anschliessenden Bürsten, denn er stand still obwohl ich das Seil nur über die Wand der Führanlage gelegt hatte und genoss das Striegeln mit gespitzter Oberlippe. Er war im Umgang sehr respektvoll (vermutlich war auch noch ein Rest Unsicherheit im Spiel) und wurde von Tag zu Tag neugieriger. Ich versuchte, so viel Zeit wie möglich mit ihm zu verbringen. Daher war ich in den letzten Tagen auch immer wieder zwischendurch zu ihm gegangen – bloss um ihn zu kraulen oder ihm eine Karotte zu bringen. So verknüpfte er mich sehr positiv und deshalb kam er auf Rufen auch sofort zu mir. Bürsten am Kopf klappte mittlerweile auch ganz gut; am Anfang hatte er die Bürste in seinem Gesicht ganz und gar nicht gemocht. Das Hufeauskratzen mussten wir noch weiter üben, denn im Moment zog er den Huf nach kurzer Zeit wieder weg. Als ich fertig war, führte ich ihn zur Ovalbahn. Er folgte mir brav und sah sich neugierig um, als wir das fremde Gelände betraten. Natürlich hatte er es von der Halle her auch schon gesehen, aber ich liess ihm dennoch Zeit, die Umgebung etwas zu erkunden. Dann knotete ich das Führseil als Zügel an das Knotenhalfter und schwang mich auf seinen Rücken. Zunächst machte ich eine Schrittrunde und überprüfte die Hilfen indem ich kleine Volten und Seitenwechsel machte, oder ihn rückwärtstreten liess. Dann trabte ich an und machte auch dabei immer mal wieder eine kleine Volte. Ich begann damit, ihn ein wenig Schulter vor zu reiten – auch um sein Tempo etwas besser zu kontrollieren. Endlich war es so weit und ich konnte angaloppieren. Sein Galopp war bequemer als erwartet und er blieb in einem angenehmen Tempo. Beim zweiten Angaloppieren machte er einen kleinen Buckler, den ich aber ohne weiteres aussitzen konnte. Ich machte zwei Runden auf jede Seite, dann parierte ich ihn durch und hüpfte von seinem Rücken. Ich lobte ihn ausgiebig mit Kraulen und brachte ihn zurück ins Roundpen. „Und, wie lief’s?“, wollte Jonas wissen, als er mich dabei entdeckte, wie ich den Rappen noch ein wenig beobachtete. „Richtig gut, wir konnten problemlos galoppieren“, antwortete ich stolz. „Das ist toll, wenn es so weiter geht ist er bald so sicher wie die Criollos“, stellte Jonas etwas übertrieben fest. „Meinst du, wir könnten einen Versuch wagen und ihn morgen mit ein, zwei anderen Jungs auf die Weide bringen? Ich möchte ihn nächstens etwas intensiver reiten und da wäre es gut, wenn er ausgeglichen ist…“ Er stimmte zu, dass es an der Zeit wäre, das auszuprobieren. Ich konnte nicht wirklich einschätzen, wie gut er sich mit den anderen verstehen würde, aber ich drückte die Daumen, dass alles gut ging. Irgendwann wollte ich ihn auf die Stutenweide umsiedeln, aber zuerst wollte ich sichergehen, dass er den grössten Teil seines Hengstverhaltens abgelegt hatte.

      Um halb drei bewegte ich Co Pilot in der Halle, während Ljóski und Herkir draussen auf der Ovalbahn von Jonas und Darren geritten wurden. Ich sah ihnen während der Dressurarbeit immer mal wieder zu und suchte nach Fehlerchen, mit denen ich Jonas später aufziehen konnte. Aber es war schon ganz schön schwer bei ihm und Herkir noch etwas zum motzen zu finden – die beiden waren ein sehr eingespieltes Team. Pilot liess sich den Winter nicht anmerken, er lief heute so ruhig wie schon lange nicht mehr. Trotzdem war er bei der Sache und gab sich Mühe, alle meine Hilfen umzusetzen. Ich galoppierte mit ihm viel, wobei ich vorallem immer wieder angaloppierte; mal aus dem Schritt, mal aus dem Stehen. Denn das gab den besten Muskelzuwachs. Beim Anspringen musste er viel Kraft mit der Hinterhand aufnehmen, was ihm wiederum dabei half, sich zu versammeln. Ausserdem feilte ich weiter an den Galopppirouetten, die er noch nicht perfekt beherrschte.

      Eine gute Stunde Später wünschte ich Lisa, Elliot, Lewis, Linda und David einen schönen Ausritt. Die fünf ritten mit Dancing Moonrise Shadows, Piroschka, Ice Coffee, Ronja Räubertochter und Lovely Summertime vom Hof weg in Richtung Fluss. Ausserdem erwischte ich Jonas dabei, wie er Lily auf Fake Reitstunde gab. Still schmunzelnd beobachtete ich die beiden einen Moment, dann schlich ich davon, um sie nicht abzulenken. Ich beschloss, mit der frisch gekörten Feline ein wenig Bodenarbeit im Roundpen zu machen. Die Criollostute hatte es tatsächlich endlich geschafft – noch vor zwei Jahren hatte niemand daran geglaubt. Sie war so ein unscheinbares Fohlen gewesen, nie besonders hübsch, immer etwas schmal – sozusagen ein graues Entlein. Auch als Jungstute hatte sie nicht überzeugen können, doch nun endlich hatte sie sich zu einer hübschen Schimmelstute mit einem grossen Herzen entwickelt. Sie war eines der liebsten, gutmütigsten Pferde die ich kannte und dankte uns jeden Tag von neuem die Zeit und die Arbeit, die wir in sie gesteckt hatten. Ich putzte das jetzt im Winter beinahe weisse Fell der Stute gründlich, ehe ich sie zum Roundpen brachte. Dort angekommen spielte ich einfach ein bisschen mit ihr herum. Ich schickte sie weg und liess sie wieder zu mir kommen, motivierte sie zu einem frischen Galopp auf dem schneebedeckten Sandboden und machte ein paar Seitenwechsel, bei denen ich sie spielerisch anstachelte. Ich fand es auch eine gute Gelegenheit, um das Steigen mit ihr zu üben. Als wir fertig waren, zeigte sie tatsächlich gute Ansätze. Zufrieden warf ich das Führseil über ihren Hals und öffnete das Tor des Rounpens. Ich machte mir gar nicht erst die Mühe, das Seil wieder in die Finger zu nehmen; die Stute folgte mir auch so zurück zur Stutenweide. Als ich danach beim Nebenstall durchschlenderte, sah ich, dass Satine und Parányi nicht da waren. Ich warf einen Blick in die Halle, wo Lily und Fake gerade am Trockenreiten waren. Auch nicht, hmm… Auf dem Viereck war ebenfalls keine Spur von den beiden. Sind sie ausreiten gegangen?, wunderte ich mich. Doch kurz darauf entdeckte ich die beiden mit Jason und Rita auf dem Galoppweg. Sie trabten nebeneinander unter den Tannen hindurch und schienen Spass zu haben. Zufrieden schlenderte ich zum Haus und machte mir eine Tasse Tee, denn ich brauchte auch mal eine Pause.

      Wenig später kam Lily durch die Tür gepoltert. „Und? Wie war deine Reitstunde?“, fragte ich grinsend. „Toll! Jonas gibt besser Unterricht als du!“ Sie streckte mir die Zunge raus und ich meinte empört: „Na dann brauche ich dir in Zukunft ja keinen mehr zu geben.“ „Doooch!“ Sie setzte sich auf meinen Schoss und forderte: „Ich brauche von euch beiden Reitunterricht, damit ich noch viel besser werde. Ich will schliesslich im Frühling mit Areion auf Turniere gehen!“ „Pass auf, dass du nicht zu ehrgeizig wirst und dich selbst überforderst. Ich bin sicher, du wirst nächstes Jahr ein paar Schleifen sammeln.“ „Nächstes Jahr, pah!“ „Das ist aber doch schon bald, also so viel Geduld wirst du wohl noch haben müssen.“ „Nächstes Jahr ist… Ach ja, mähh Occu du bist doof“, machte sie, als ihr wieder einfiel, dass heute Abend Silvester war. „Wer ist hier doof?“, erwiederte ich lachend und schloss sie in den Arm. Ihre Stimme drang gedämpft durch meinen Ärmel. „Jenny hat ihrem weissen Pony zu Weihnachten eine Mütze aufgesetzt. Das sah echt cool aus! Sie hat mir das Bild gestern gezeigt.“ „Echt? Das kann ich mir gut vorstellen. Wir haben Empire auch mal ne Mütze aufgesetzt, aber das ist schon zwei Jahre her.“ Sie befreite sich aus meinem Griff und meinte: „Wir könnten ja ein paar von unseren weissen Pferden für Silvester schmücken! Dann kann ich Jenny auch ein Foto zeigen, wenn wir wieder in die Schule müssen.“ „Könnten wir, ja.“ „Tun wir?“, fragte sie nocheinmal mit hoffnungsvollem Nachdruck. „Tun wir.“, versicherte ich kopfnickend. „Dann los!“ Sie rutschte von meinem Schoss runter und wollte schon zur Tür stürmen. „Warte, womit willst du sie schmücken?“ „Ehhh… Keine Ahnung…“ „Komm hier, wir nehmen die Girlande vom Weihnachtsbaum und irgendwo in meinem Schrank habe ich noch zwei Mützen. Ich hole sie rasch.“ Wir kramten ein paar Dinge zusammen, dann liefen wir zum Hauptstall. Die drei perfekten Pferde für das Unterfangen waren Empire State of Mind, A Winter’s Day und Captured in Time. Wir holten alle drei raus und putzten sie. Ich rief Ajith, damit er Lily mit Ciela helfen konnte, während ich Winter und Empire gleichzeitig putzte. Ajith half auch beim Dekorieren mit, weil er die Idee lustig fand. Als wir fertig waren, stellten wir die drei auf dem Parkplatz draussen auf und schossen ein Foto. Es sah wirklich hübsch aus und Lily freute sich wahnsinnig darauf, es ihrer Kollegin zu zeigen.

      Am Abend Machten Jonas, Lily und ich uns Pizza. Diejenigen Pfleger, die nicht nachhause gingen, schmissen im Pflegeheim ihre eigene Party. Um Mitternacht gingen wir zu ihnen rüber und stiessen alle zusammen auf’s neue Jahr an – für Lily gab es natürlich nur Traubensaft. Lewis zeigte mir und Lily bei der Gelegenheit gleich noch stolz, welche Wörter die Papageien schon kannten. Spätestens als Africa zu fluchen begann, fand ich dass es Zeit war, ins Bett zu gehen. So starteten wir lachend und gut gelaunt ins neue Jahr. Als ich mich schliesslich in meine Bettdecke kuschelte, versuchte ich mir vorzustellen, was dieses Jahr alles mit sich bringen würde. Ich freute mich schon darauf weiter mit Phantom zu arbeiten, aber auch mit allen anderen Pferde lag ein weiteres Jahr voller Abenteuer und Spass voraus.

      © Occulta // 24466 Zeichen
    • Wolfszeit
      Dressur L zu M | 31. Januar 2017

      Es wurde bereits wieder dunkel, als ich Phantom zu putzen begann. Was den Wallach früher eher dazu brachte, sich unsicher zu verspannen, war längst ein normales Alltagsritual geworden, wie bei allen anderen Pferden auch. Er genoss es sogar richtig, am Bauch und am Hals gestriegelt zu werden. Seit ich ihn komplett geduscht und zum ersten Mal richtig sauber bekommen hatte, begann das dicke Winterfell sogar richtig schön zu glänzen wenn ich es bürstete. Nur die Mähne gefiel mir noch nicht so richtig; sie war immernoch nicht überall gleichmässig lang und sah bescheuert geschnitten aus, weil ich sie nach dem Waschen etwas gekürzt hatte. Daher beschloss ich während dem Bürsten kurzerhand, dass ich ihm einen Turnierschnitt verpassen und es dann wieder rauswachsen lassen würde. Gesagt getan – ich schnappte mir die Schere und machte kurzen Prozess. Er zuckte beim Schneidgeräusch etwas zusammen, aber nach ein paar Schnitten hatte er sich daran gewöhnt. Ich spickte am Ende die abgeschnittenen Haare mit der Staubbürste von seinem Fell und kratzte noch die Hufe aus, dann sattelte ich ihn. Den Sattel kannte er seit letzter Woche und er lief anständig damit. Zwar noch lange nicht vollkommen losgelassen, aber immerhin ging er schön vorwärts und akzeptierte auch das Gurten. Ich legte ihm ein englisches Zaumzeug mit einer doppelt gebrochenen Trense an, nichts Besonderes also. Normalerweise ritt ich ihn mit Knotenhalfter oder Bosal, aber für die Dressurarbeit war die Trense nützlicher. Er kaute noch ziemlich darauf herum, wie ein unerfahrenes Pferd eben. Nun führte ich ihn in die Halle, wo bereits Lisa mit Estragon Sky, Parker mit Flintstone und Rita mit Calico Schritt ritten. Flint und natürlich Phantom waren echte Anfänger in englischer Dressur, Calico hingegen kannte schon die Grundlagen und Artemis war sogar schon fast auf S Niveau, mit ansatzweisem Piaffieren. Das wollte Lisa heute weiter festigen, während wir anderen noch an Takt und Losgelassenheit übten. Zunächst machte ich mit Phantom schon während dem Aufwärmen viele Übergänge, damit er sich lockerte. Auch galoppierte ich ausgiebig, um etwas überschüssige Energie loszuwerden. Einmal stiessen wir fast mit Flint zusammen, weil Parker und ich beide zu sehr auf unsere Pferde konzentriert waren. Ich entschuldigte mich bei ihr und machte weiter mit Anhalten aus dem Trab und anschliessendem Rückwärtsrichten. Phantom war sehr gelehrig und begriff schnell, was ich von ihm wollte. Das Anhalten klappte trotzdem noch nicht so ganz. Ich liess ihn auch eine Schulterwendung machen und versuchte, aus dem Schritt anzugaloppieren, was uns mit zwei kleinen Zwischenschritten auch gelang. Zuletzt liess ich ihn am langen Zügel austraben und nahm ihn dabei jeweils wieder auf, wenn er den Kopf hob, damit er lernte, nach unten zu strecken. Ich lobte ihn ausgiebig mit kraulen am Hals und gab ihm nach dem Absteigen ein Stück Karotte. Ich war stolz auf die Fortschritte des Mustangs, aber auch die Fortschritte von Rita und Calico liessen sich sehen: die beiden wurden immer mehr ein Team. Zufrieden führten wir die Pferde trocken und versorgten sie dann.

      © Occulta // 3211 Zeichen
    • Wolfszeit
      Frühlingseinbruch | 19. März 2017

      Sanfte Sonnenstrahlen wärmten meine Haut, als ich nach dem Mittag aus dem Haus kam. Am Morgen war es noch etwas bewölkt gewesen, aber nun hatte sich die Sonne endlich hervorgetraut und versprach einen wundervollen Nachmittag. Der Wetterdienst hatte rekordverdächtige 15 Grad gemeldet und ich hatte schon jetzt total Lust auf einen Ausritt. Es gab allerdings einen Haken: Die Erkältung, die mich schon an Rosenprinz‘ und One Cool Cats Köhrung (die sie übrigens erfreulicherweise bestanden hatten) geplagt hatte, war nicht besser geworden – im Gegenteil. Seit Freitag lag ich nur noch entkräftigt herum oder schleppte mich von Zeit zu Zeit in den Stall um wenigstens bei den Pferden zu sein. Jonas scheuchte mich dann jeweils zurück ins Bett, jedenfalls wenn er mich erwischte. Aber auch jetzt konnte ich nicht länger schlafen und musste mich bewegen – sonst stand mir wieder eine ganze Nacht im unruhigen Halbschlaf bevor. Zwischen Hustenattacken und verstopfter Nase klang meine Stimme etwas erbärmlich, und mein Hals schmerzte, weshalb ich die Pfleger im Hauptstall bloss mit einem Nicken begrüsste. Ich wollte nach Khiara El Assuad und Vai Alida sehen, die beide schon seit einer Woche bei uns standen. Khiara, die Rennlegende, die in unzähligen Galopprennen platziert war und durch ihre Karriere hindurch Bestzeiten aufstellte. Die mittlerweile zehnjährige Stute war allerdings pensioniert, jedenfalls vom Rennsport. Sobald ihr letztes Fohlen auf der Welt war, was bald der Fall sein würde, wollte ich mit ihr nochmal von Vorne anfangen und sie zu einem vielseitigen Reitpferd ausbilden. Eine Aufgabe, die eigentlich auch die Vorbesitzerin schon in Angriff genommen hatte, aber unglücklicherweise war ihr etwas dazwischen gekommen. Ich konnte mich natürlich nicht beklagen, dass die wertvolle Stute nun bei mir stand. Ähnlich verhielt es sich ja auch bei Vai Alida, die sich vollständig von der Vernachlässigung erholt hatte und bereit für ein neues Leben war. Sie war laut Ajith und Oliver ‚quite a handful‘ im Umgang und unter dem Sattel. Sie kam nunmal direkt von der Bahn und war etwas anders ausgebildet worden, als wir es hier auf Pineforest gewohnt waren. Deshalb musste sie zunächst lernen was es hiess, wenn man unter dem Sattel schön gesittet und vor allen Dingen ruhig laufen musste. Ich blieb einen Moment bei der rotbraunen Stute stehen und betrachtete sie gedankenversunken. Sie war eines dieser Pferde, von denen ich nicht genau wusste, was sie schon alles erlebt hatten. Ich hatte zwar infos über ihre Herkunft und die Abstammung, aber über ihr bisheriges Leben erfuhr ich nur Stück für Stück aus Berichten im Internet. Ich fand es immer spannend, mir vorzustellen, wie sie bei ihren Vorbesitzern gepflegt wurde. Es kribbelte mich in den Fingern, sie endlich selbst mal reiten zu dürfen – aber ein weiterer Hustenanfall erinnerte mich prompt daran, dass dies momentan keine schlaue Idee war. Enttäuscht schlurfte ich zum Nordstall, wo Lily Areion putzte. Ich setzte mich auf eine herumstehende Putzbox und sah ihr dabei zu. „Ich will heute versuchen, mit ihm einen richtigen Parcours zu springen“, erklärte Lily nach einer Weile stolz. „Denk daran, dass du zuerst genug einzelne Hindernisse und Kombinationen üben solltest, und dann Stück für Stück alles zusammenhängen“, schlug ich vor, denn ich wusste, dass Areion manchmal noch etwas Mühe mit den bunten Stangen hatte. Lily winkte ab. „Ja ja, ich weiss schon. Aber ein bisschen was darf ich ja wohl von ihm verlangen, schliesslich ist er kein Dreijähriger mehr und kann schon ganz schön viel. Da sollte das Springen auch ein Klacks sein.“ Ich hielt es für besser, ihr nicht zu widersprechen um sie nicht unnötig in eine Diskussion zu verwickeln. Sie wird es schon selbst merken, sagte ich mir insgeheim. Ich begleitete die beiden in die Halle und setzte mich in die Reiterstube, wo ich mir eine Tasse Tee genehmigte. Während ich an der Tasse sippte, beobachtete ich meine Nichte und ihren wolligen Tinker. Sie wärmte ihn ausgiebig ein, wie ich es ihr immer gesagt hatte. Dann ritt sie entschlossen einen kleinen rotweissen Steilsprung an. Areion hüpfte brav darüber und blieb schön ruhig. Sie lobte ihn zufrieden und strahlte stolz als sie merkte, dass ich ihr zusah. Das nächste Hinderniss was ein weiterer Steilsprung, der in der Mitte mit einem halben Wagenrad verziert war. Ich zweifelte, ob er beim ersten Versuch drüber gehen würde und behielt Recht; er bog einfach kurz davor ab und ging nebendurch. Lily stellte ihn vor das Hindernis um es ihm zu zeigen. Dann ritt sie erneut an, doch wieder blieb er stehen und verweigerte. Hartnäckig versuchte es Lily weiterhin, ritt immer wieder neu an und probierte verschiedene möglichkeiten um ihn darüber zu bekommen. Schliesslich schaffte sie es – ich vermutete, dass es dem Tinker zu blöd wurde, immer wieder auf den Sprung zulaufen zu müssen. Ich klatschte übertrieben und grinste, aber Lily schien konzentriert zu sein und es nicht zu bemerken. Sie hatte schon den nächsten Sprung im Visier, nämlich einen kleinen Oxer. Doch auch den verweigerte Areion. Frustriert ritt Lily erneut an und trieb den eigentlich gutmütigen Teddy energisch auf das Hindernis zu. Aber der hatte andere Pläne und bog wieder ab. Lily wurde mit jedem Fehlversuch ungeduldiger. Sie begann, dem Tinker ein paar mit der Gerte zu klatschen und an den Zügeln zu zerren, doch es half alles nichts; Areion versperrte sich nur komplett. Ich konnte nicht länger tatenlos zusehen und wechselte in die Halle. „Was ist denn bei euch beiden los?“ „Ich glaube er ist einfach zu doof für’s Springen“, entgegnete Lily genervt. „Ich glaube eher, dass du dich mit deinem Ehrgeiz ein wenig verrennt hast. Probier es doch nochmal, aber diesmal ohne gleich Perfektion zu erwarten. Zeig ihm das Hindernis nochmal gründlich, dann reitest du ruhig und schön gerade ran. Mach ihm den Weg möglichst einfach, sodass er richtig Lust auf’s Drüberspringen kriegt.“ „Das klappt eh nicht!“ „Also heh, wenn du schon so denkst, dann ist es kein Wunder, dass er streikt! Gib ihm doch die Chance.“ „Er hatte genug Chancen! Die Hindernisse sind ja überhaupt nicht hoch, so schwer kann das doch nicht sein! Aber er will mir wohl einfach das Leben schwer machen, jetzt bewegt er sich ja kaum noch vom Fleck!“ „Nein, will er nicht. Er versteht nur nicht, was du von ihm willst. Mal haust du ihn mit der Peitsche, dann rupfst du ihm im Maul herum – er weiss gar nicht mehr, ob er nun vorwärts oder rückwärts soll.“ Sie seufzte und nahm die Zügel auf. Dann trabte sie an und steuerte auf den Oxer zu. „Gut so, schön das Tempo halten. Gar nicht mehr vorwärtsschicken, er soll ruhig Zeit haben, seine Beine zu sortieren. Halt ihn schön gerade, und nicht runterschauen!“ Endlich klappte es. Areion zockelte auf das Hindernis zu und hüpfte etwas ungelenk darüber, aber hauptsache die beiden waren auf der anderen Seite. „Und jetzt lob ihn, damit er weiss, dass er das richtig gemacht hat. Du unterschätzt, wie wichtig das ist: Wir meinen immer, dass alles was wir tun logisch ist, aber für die Pferde ist das gar nicht so. Er wusste vielleicht gar nicht, dass du da drüber wolltest.“ Lily sah beschähmt aus dem Fenster, während sie murmelte: „Ich glaube das Problem war, dass ich runtergeschaut hab…“ Ich stimmte ihr zu. „Ich wette, er ist unsicher geworden, weil du den Sprung angesehen hast. Dadurch dachte er, du hättest Angst vor den Stangen und hat abgebremst, quasi um euch beide zu beschützen.“ Sie nickte langsam, dann umarmte sie Areion von oben. „Tut mir leid, Teddy… Ich hätte dich nicht hauen sollen, nur weil ich unbedingt springen wollte.“ „Jetzt kannst du ja springen. Versuch es doch nochmal“, schlug ich vor. Sie meinte: „Na gut, aber nur noch zwei mal, dann reicht es für heute. Ich will ja nicht, dass es ihm verleidet.“ Ich zuckte mit den Schultern, etwas erstaunt darüber, dass sie nicht mehr Ehrgeiz zeigte, überlegte dann aber, ob sie vielleicht nicht doch insgeheim noch etwas Respekt vor dem Springen hatte. Vielleicht hat Areion auch einfach das gespürt. Unter meiner Anleitung klappte es jetzt jedenfalls schon viel besser. Der Tinker hüpfte verlässlich über die Steilsprünge und Lily schien Vertrauen zu fassen. Am Ende lobte sie Areion stolz und liess ihn austraben, während ich durch das viele Reden schon wieder am dauerhusten war. Halb sterbend schleppte ich mich zurück ins Haus und liess meine Nichte mit dem Wegräumen des Tinkers alleine – sie hatte das ja ausgezeichnet im Griff.

      © Occulta // 8561 Zeichen
    • Wolfszeit
      Stets auf der Suche | 29. April 2017

      Ein Bellen weckte mich. „Morgen Occu. Hast du überhaupt ein Auge zugetan?“ Jonas vertraute Stimme drang durch das Tor des Offenstalls. Ich blinzelte verschlafen, richtete mich auf und zupfte etwas Heu aus meinem Schlafsack. Ich hatte die Nacht auf dem Heuboden des Stutenstalls verbracht, weil ich die Geburt von Moon Kiddys Fohlen unbedingt mitverfolgen wollte. „Ein hübscher kleiner Kerl ist das geworden, glaubst du er hat das Splash Gen von Dod?“ Sofort war ich hellwach. „Wie? Was?! Ist er etwa schon da??!“ „Ach du hast es also doch verpasst? Komm schau“, lachte Jonas. Meine Labrador Hündin Sheela stand an seiner Seite und wedelte auch schon fleissig mit dem Schwanz, um mich runterzulocken. „Das gibt es doch nicht! Ich war bis um drei Uhr wach, und sie hat überhaupt keine Anstalten gemacht!“ „Sie hat sicher extra gewartet bis du schläfst“, schmunzelte er. Ich befreite mich aus dem Schlafsack und schielte vorsichtig nach unten, bis zum letzten Moment gespannt, was mich erwartete. Ich war ganz entzückt, als ich das braune Fohlen erblickte. Es hatte auf den ersten Blick grosse Ähnlichkeit mit seiner Mutter, nur das auffällige Kopfabzeichen und zwei weisse Fesseln hinten wich von diesem Eindruck ab. „Täuscht mich meine Sicht oder ist das linke Auge blau?“ „Jup, ist es. Und schau dir die hübsch geschwungenen Ohren an.“ Ich kletterte die Leiter runter und ging zu Moon hin. Ich streichelte sie liebevoll und checkte rasch, ob mit ihr alles in Ordnung war. Dann wandte ich mich dem Hengstfohlen zu und untersuchte es mit prüfendem Blick. Es musterte mich skeptisch, aber da seine Mutter keine Versuche unternahm, sich zwischen uns zu stellen, kam es nach kurzer Zeit neugierig einen Schritt näher gewackelt. Es war noch sehr unsicher auf den langen Stelzen, die sich Beine nannten, aber es machte einen wachen, fitten Eindruck. „Es hat jetzt schon mehr Langhaar als alle bisherigen Fohlen“, bemerkte ich augenrollend, mit einem Seitenblick auf Moons lange Locken. „Was hast du erwartet?“ Spielerisch frustriert steckte ich meine Hände in die Hosentaschen. „Dass ich dabei sein darf, das hab ich erwartet!“ Jonas gluckste amüsiert. Mein Handy fiel mir fast aus der Tasche, also gab ich es Jonas, bevor es noch im Stroh landete. Ich warf einen Blick zu Feline und deren Fohlen, das schon seit zehn Tagen durch die Welt stakste. Es handelte sich ebenfalls um ein Hengstchen, einen wunderschönen, angehenden Schimmel, der das Splash Gen von Papa Drømmer om Død höchstwahrscheinlich bekommen hatte – jedenfalls hatte er viermal hochweiss und eine breite Blesse, was schonmal dafür sprach. Ich hatte bei seiner Geburt beschlossen, dass er einer der Kandidaten sein würde, die ich behalten wollte. Einen passenden Namen hatte der kleine Kerl auch schon: Disparo de Fiasco. Daran hatte ich ganz schön lange herumüberlegt. Feline liess mich wie immer freundlich an ihr Fohlen heran und wartete in respektvollem Abstand, beobachtete uns aber genau. Ich war froh, dass sich die Stute schon bei ihrem ersten Fohlen als zuverlässige, unkomplizierte Mutter herausgestellt hatte. Ich streichelte sie nochmal zum Zeichen, dass ich sie jetzt in Ruhe liess und verliess den Offenstall, Jonas folgend. „Das war wohl vorläufig das letzte, was? Die nächsten Fohlen kommen erst später.“ „Noch mehr von den Dingern?“, scherzte Jonas mit vorgetäuschter Überraschung. „Also auf das von Moonrise Shadows bist du ja wohl auch noch gespannt, oder etwa nicht?“ „Klar. Ich hoffe es wird ein Rappe.“ „Nähh, das wär ja langweilig! Ich hoffe es wird ein Fuchs, schliesslich haben wir noch keinen Paint Horse Fuchs.“ „Bestimmt nicht. Ist das bei den Eltern überhaupt möglich? Ich glaube nicht. Und wenn dann ist die Wahrscheinlichkeit seeehr gering. Ich sage das wird nix mit deinem Fuchs - black for the win.“ „Pfft.“ Er zwinkerte mir zu und ich streckte ihm die Zunge raus, dann bog ich in den Hauptstall ab. Sechs Vollblutfohlen hatte es dieses Jahr für Pineforest gegeben – jedoch war keines davon im Hauptstall zu finden. Die ‚Mütter‘ Campina, Iskierka, Shades of Gray, Sympathy for the Devil, Captured in Time und Cassiopeia mümmelten unbekümmert an ihrer morgendlichen Heuration. Wie das möglich war? Embryotransfer. Ich hatte letztes Jahr passend zur Zuchtsaison ein vergünstigtes Angebot von einem meiner Tierärzte bekommen, und nach Rücksprache mit Oliver hatten wir beschlossen, gleich den kompletten Jahrgang so heranzuziehen. Das hatte den grossen Vorteil, dass wir bereits Fohlen von den Stuten bekommen konnten, die noch aktiv Rennen liefen; ohne deren Karriere zu opfern. Die Fohlen wuchsen auf dem Gestüt auf, auf dem auch die Leihmütter zuhause waren. Im Absetzalter wollten wir die Truppe dann nach Pineforest auf die eigene Fohlenweide holen. In der Vergangenheit hatten wir dasselbe Prozedere auch schon mit Painting Shadows gemacht, und bisher nur positive Erfahrungen gesammelt. Ich prüfte, ob das morgendliche Vollbluttraining voranging, dann setzte ich meinen Rundgang in Richtung Weiden fort. Unterwegs fiel mir auf, dass sich mein Handy nicht mehr in der Hosentasche befand, wo ich es platziert hatte. Also lief ich nochmal zurück zum Offenstall, fest davon überzeugt, es im Heu zu finden. Doch auch nach zehn Minuten Suche blieb es verschollen. „Es muss doch irgendwo sein“, murmelte ich verärgert vor mich hin. Von unten beobachtete mich Lovely Summertime erwartungsvoll mit ihren freundlichen, dunklen Augen. Hinter ihr versteckten sich zwei paar züsätzliche Beine, die jedoch schon ziemlich kräftig aussahen. Immerhin war das dazugehörige Hengstfohlen namens Unclouded Summer Skies auch schon über zwei Wochen alt, doch am ältesten war das Fohlen von Ice Coffee. Die kleine Icy Rebel Soul war am zweiten April zur Welt gekommen, als erstes Fohlen dieses Jahrgangs. Entsprechend mutig und verspielt war sie bereits. Beide Fohlen waren übrigens von Unbroken Soul of a Rebel und hatten von ihm wie erhofft viel Farbe mitbekommen. Ich hoffte, dass er auch ebensoviel von seinem Talent mitgegeben hatte.

      Ich gab die Suche vorläufig auf und überlegte, ob ich das Handy auch irgendwo anders hätte verlieren können. Doch auch auf dem Weg zum Hauptstall war es nirgens zu finden. Ich beschloss, später nochmal mit Jonas zusammen zu suchen, und machte mich nun definitiv auf, um nach den Miniature Horses zu sehen. Auch dort hatte es gleich dreifach Nachwuchs gegegben. Und wie durch ein Wunder waren auch noch alle drei Fohlen am selben Tag geboren worden! Dakotas Fohlen Beck’s Daisy Orchid hatte schon um zwei Uhr morgens auf wackeligen Beinchen gestanden. Wie unschwer zu erraten, war es eine hübsche, erdfarbene Tochter von Beck’s Experience. Auch das zweite Fohlen war vom selben Vater. Es hörte (noch nicht) auf den Namen Beck’s Little Diva und war das erste Fohlen von meiner leuchtend fuchsfarbenen Stute Lady Diva from the Sky. Das Fuchsfell hatte sie von beiden Elternteilen übernommen, wie es anders auch gar nicht möglich gewesen wäre. In einem grauen Kleid präsentierte sich der letzte Fellkäuel, der neben Tigrotto im Stroh lag und erst spät in der Nacht vom 23. zur Welt gekommen war. Offenbar hatte Tigrotto beschlossen, dass sie den kleinen Arctic Tiger nun ebenfalls genug lange mit sich herumgetragen hatte und war deshalb kurzerhand dem Beispiel der anderen beiden Stuten gefolgt. Ich war jedenfalls sehr froh, dass alles so gut vonstatten gegangen war. Auch Chocolate Chip erwartete noch ein Fohlen, allerdings erst später im Jahr. Allegra, die mittlerweile ja zu einem stattlichen Jährling geworden war, freute sich über die neuen Spielkameraden. Auch wenn diese im Moment noch nicht so wild waren wie sie selbst und erstmal vor allem an zwei Dinge dachten: Trinken und Schlafen. Miss Mini Daki hielt Allegra seit Daisys Geburt etwas auf Abstand, aber ich war sicher, dass sich die kleine Familie bald organisiert haben würde. Übrigens war von klein Daisy gerade keine Spur zu entdecken. Ich traute meinen Augen nicht und sah mich gründlich um, doch das Fohlen war weder bei seiner Mutter, noch sonst wo zu entdecken. Alarmiert ging ich zum Stalltor zurück und sah mich draussen um. Das kann doch nicht sein – ist sie unter dem Zaun durch? Fieberhaft suchte ich nach der kleinen. Ich rief Lewis, der bei den Fohlenweiden ausmistete rüber. „Are you sure? She was still there wehen I came to feed them half an hour ago“, meinte er stirnrunzelnd. Wir betraten den Offenstall und ich zeigte ihm, was ich meinte. Doch der Pfleger schüttelte nur amüsiert den Kopf und meinte: „Theres she is. You sure that you’re awake, Occu?“ Tatsächlich, Daisy lag neben Daki im Stroh. Offenbar hatte ich sie zwischen den Halmen glatt übersehen. Beschämt liess ich ihn wieder seiner Arbeit nachgehen und kniete mich neben Daki, um Daisy anzulocken. Stattdessen wurde ich natürlich sofort von Allegra beknabbert, die meine Aufmerksamkeit auf sich lenken wollte. Ich ignorierte sie und streckte die Hand aus, damit Daisy daran schnuppern konnte. Die Miniatur-Fohlenschnauze berührte unsicher zuckend meine Finger, die anschliessend natürlich erstmal zwischen den weichen Lippen verschwanden. Zähne hatte das Tierchen zum Glück noch keine. Ich konnte mich kaum loslösen von dieser Niedlichkeit, besonders, als Tiger sich doch noch aufraffte und an ein paar Bocksprüngen versuchte, stattdessen aber ungelenk durch das Stroh stolperte. Als ich mich doch zum Gehen überwinden konnte, sah ich noch rasch bei den Hengsten vorbei. Arctic Blue und Glenns Caress dösten, der eine jeweils mit dem Kopf zum Popo des anderen. Das war eine Art natürlicher Instinkt, der es ihnen ermöglichte, potentielle Gefahren von allen Seiten her frühzeitig zu entdecken. So blieb auch ich nicht lange unentdeckt; Arco hob aufmerksam den Kopf und brummelte mir zu. Die Motivation zum Zaun zu kommen hatte er dann aber doch nicht. Nachtfalke hingegen kam rüber und prüfte, ob ich nicht vielleicht etwas hartes Brot oder eine Karotte dabei hatte. ‚Red‘, wie ich Becks gerne nannte, bediente sich weiter entfernt noch immer an dem Heuhaufen, den Lewis gebracht hatte.

      Mir fiel auf, dass ich Jacky und Zira diesen Morgen noch nicht gesehen hatte. Wo sie wohl stecken? Ich hielt die Augen offen und Pfiff, machte mir aber nicht die Mühe, nach den beiden zu suchen. Sheela hatte meinen Pfiff gehört und kam im galopp angerannt. Ich lobte sie und machte mich auf zum Nebenstall. Zwei Fohlen warteten noch auf mich: Cranberry und Cloony. Die beiden waren von Halluzination und Satine, Väter waren mein Liebling Co Pilot und dessen Halbbruder Costa de la Bryére. Ich hatte förmlich Freudensprünge gemacht, als ich die Deckanzeige von Costa gesehen hatte – schliesslich hatte ich den Hengst für kurze Zeit auch bei mir im Stall gehabt und er führte dieselben wertvollen Blutlinien weiter wie Pilot. Deshalb wollte ich beide Fohlen auch auf alle Fälle behalten. Registriert waren sie beide als British Warmblood, das hatte ich schon im Voraus so geplant. Als ich so mit verliebtem Blick über die Tür von Hallus Box lehnte, kam gerade eine Gruppe Vollblüter vom Training zurück. Normalerweise ritt ich ja selbst auch sehr gerne mit, aber in den letzten Tagen war ich durch das ständige Wachbleiben und Aufpassen so gerädert gewesen, dass ich freiwillig verzichtet hatte. Meistens hatte ich das Training sowieso verschlafen. Ich lächelte stolz, als ich Coulee beobachtete, die von April geritten den anderen folgte. Die Stute sah grossartig aus. Sie hatte ihre alte Form zurück und war auch psychisch wieder beinahe normal – das hatte sie letztens beim Handicap mit dem 3. Platz und einer hervorragenden Zeit bewiesen. Jetzt konnte ihr Comeback also so richtig losgehen. Auch wenn es immernoch Problemzonen mit der Stute gab; wenn man ihr genug Sicherheit vermitteln konnte, gab sie sich wirklich Mühe. Ebenfalls zu erwähnen war, dass Miss Moneypenny am selben Tag in einem anderen Rennen überlegen gewonnen hatte.

      Doch nicht alles lief so toll: mein Sorgenkind hiess Areion. Ich traf ihn und Lily wie immer am Nachmittag im Nordstall an. Eigentlich waren die beiden ein Herz und eine Seele, doch in letzter Zeit verhielt sich der Tinker zunehmend rüpelig und hengstig – offenbar spürte er den Frühling. Meine zehnjährige Nichte hatte einfach nicht genug Kraft, um gegen das grosse Plüschtier anzukommen, weshalb ihn im Moment meist Lisa ritt. Bei ihr lief er natürlich toll, aber letztendlich war er Lilys Pony. Ich zerbrach mir deswegen aber schon seit Wochen den Kopf, denn so konnte es einfach nicht weitergehen. Beide, er und Lily, waren frustriert und unglücklich mit der Situation. Als einzige rasche und zugleich nachhaltige Lösung sah ich eine Kastration. Doch wir alle taten uns etwas schwer mit dieser radikalen Massnahme. Leise seufzend machte ich mich daran, Lily beim Putzen zu helfen. Sie war auch heute etwas missmutig und bestrafte Areion schon für kleinste Fehltritte. Ich redete ihr ins Gewissen, dass Areion ja nichts dafür könne und nicht absichtlich so unartig war. „Er weiss es einfach nicht besser, und da du eben noch etwas zu wenig Kraft hast, um ihm den richtigen Weg zu zeigen…“ „Er soll aber auch auf mich hören, wenn ich nicht so viel Kraft einsetze! Du sagst schliesslich auch immer, dass ich ihm feine Kommandos geben soll!“ „Ja, aber manchmal reicht das eben doch nicht ganz – manchmal muss man zuerst etwas deutlich sein und kann erst danach wieder sanft werden, dafür dann umso besser.“ „Und du meinst, es wäre wirklich besser, wenn er kein Hengst mehr wäre?“, fragte sie halb murmelnd. „Ja. Dann könnte er sich nämlich wieder auf dich konzentrieren, und müsste nicht all den hübschen Frauen nachsehen.“ Sie schwieg nachdenklich, denn sie war eigentlich bis anhin absolut dagegen gewesen, ihn kastrieren zu lassen. Ich vermutete, dass sie einfach nicht wollte, dass der Tierarzt an ihrem Pony herumschnipselte, wenn es nicht lebenswichtig war. Doch der richtige Beweggrund für ihr Zögern offenbarte sich in ihrer nächsten Frage: „Glaubst du, dass Teddy nach dem Ka…strieren? irgendwie anders sein wird als vorher? Ich habe Angst, dass er dann ganz faul und verfressen wird…“ Ich konnte mir ein Kichern nicht verkneifen. „Wer hat dir das erzählt? Janine?“ Sie nickte. „Janine hat gesagt, dass ihr altes Pony nach dem… du weisst schon, ganz anders war als vorher und sie es deshalb nicht mehr haben wollte. Ich behalte Teddy auf jeden Fall! Aber ich will auch nicht, dass er sich verändert…“ „Keine Angst, er wird höchstens etwas ruhiger und braver werden. Ich mein, sieh dir mal Phantom an – ist der etwa faul und verfressen?“ Wir lachten beide bei der Erinnerung an den letzten Ausritt, auf dem er mir beinahe durchgebrannt war. Sein Training ging stets voran, wenn auch nicht mehr in ganz so grossen Schritten wie zu Beginn, aber trotzdem gab es immer wieder Rückschläge und Momente, in denen er wieder auf seine Instinkte zurückgriff und mich ausblendete. Es war eben nicht leicht, vier Jahre Wildnis und Überlebenskampf zu überspielen.

      Lily und ich einigten uns darauf, das ganze beim Abendessen zusammen mit Jonas nochmal durchzudenken und jetzt erstmal auf einen Spaziergang mit Areion zu gehen. Ich begleitete die beiden mit Ljóski, der nach dem gestrigen Tölt-Training auswärts eine wohlverdiente Pause bekam. Der kleine Ausflug verlief relativ entspannt, jedenfalls sobald wir vom Hof weg waren und Areion sich auf Lily konzentrieren konnte. Loki hatte bereits beinahe vollständig sein Fell gewechselt und sah prächtig aus. Mit dem kurzen Fell sah man seine Muskeln viel besser, und auch die Scheckung kam besser zur Geltung. Areion war noch etwas plüschiger, aber auch er hatte schon ganz schön viel Fell verloren. Doof nur, dass es in den letzten paar Tagen wieder ganz schön kalt geworden war. Die meisten Pferde froren trotzdem nicht, und den Geschorenen legten wir eben die Decken vorsichtshalber nochmal an. Als wir fast wieder Zuhause waren, fing es tatsächlich ein wenig zu schneien an, auch wenn es eher Schneeregen war. Wir retteten uns in den Nordstall und rubbelten die Rücken der beiden Jungs rasch mit Tüchern trocken, dann brachten wir sie in ihre Boxen und gaben ihnen je eine Karotte, wobei Herkir natürlich auch eifersüchtig an meinem Ärmel nippte. „Du kommst später dran, ich hab gehört Jonas plant einen anstrengenden Ausritt im Schneeregen“, sagte ich übertrieben laut, damit Jonas, der gerade hinter mir zu Circus Dancers Box schlenderte, hörte. Empört rümpfte er die Nase und antwortete: „Wer hat denn sowas behauptet? Als ob ich bei dem Hundewetter rausgehen würde…“ „Schön-Wetter-Reiter.“ „Und wie!“ Lily lachte beim Verlassen des Nordstalls über unseren Dialog und verschwand dann in Richtung Nebenstall – ich wusste auch genau, was sie dort vorhatte. White Dream war nämlich heute noch nicht bewegt worden, und Lisa hatte mir am Morgen verraten, dass sie wiedermal mit meiner Nichte abgetauscht hatte. Ich schmunzelte bei dem Gedanken und fand es schön, dass Lily die Ponystute so liebhatte.

      Ich selbst musste nun erstmal weiter zu Empire State of Mind. Auf den Schimmel wartete eine Dressurstunde, in der ich an den Seitengängen feilen wollte, um ihn zu lockern. Ich betrat seine Box und er streckte mir bereits freundlich seine graue Schnauze entgegen. Sein Halfter hing leider nicht wie üblich an seiner Boxentür, und ich hatte keinen Schimmer, wer es entfürt haben könnte. Aber ich wollte es eigentlich schon an seinem rechtmässigen Platz sehen, denn ich mochte es überhaupt nicht, wenn durch Unachtsamkeit Zubehör verloren ging. Also machte ich mich auf die Suche danach. Schliesslich wurde ich in der Führmaschine fündig, wo Cantastor es fälschlicherweise trug. Ich tauschte die Halfter aus und ging zurück zu Empire, um ihn aufzuhalftern und zu einer der Anbindestellen zu führen, wo ich mit dem Putzen begann – oder beginnen wollte, denn die Putzbox war auch weg. „Ajith! Where ist hat damn…“ Ich unterbrach mich selbst, als ich Anne entdeckte, die in der Sattelkammer drüben stöberte. „What are you looking for?“, fragte ich sie verwundert. „Darren told me to help him with the retired thoroughbreds today. I was so excited! I sat on Catastor for the first time!”, berichtete sie stolz.” “Now I’m just looking for some leg wraps.” “Why does he need leg wraps? You didn’t sprint a marathon, did you?“ „No…“ „So he doesn’t need any. Thoroughbreds are not that sensible, don’t worry.“ Daraufhin verschwand sie, um den dunkelbraunen Hengst aus der Führmaschine zu holen und in seine Box zu bringen. Als sie vor mir um die Ecke bog, bemerkte sie stirnrunzelnd „Just now I thought he had a yellow halter on… How strange.“ Ich schmunzelte kopfschüttelnd und erkannte, was los war. „I swaped them ‘cause you took Empire’s halter.” „Oh, I’m sorry, I didn’t know…“ „No problem.“ Mir war es zwar ein Rätsel, wie sie sie hatte vertauschen können, wo doch die Halfter aller Pferde an den jeweiligen Boxentüren hingen, doch ich sagte nichts weiter und kümmerte mich um Empires Putzbox. Nach einigem Suchen fand ich sie neben Sunday’s Spind. Leicht verärgert schnappte ich sie mir und putzte mit ihrem Inhalt meinen mittlerweile etwas ungeduldigen Schimmel. Da seine Beine etwas schlammig waren, stellte ich ihn vor dem Aufsteigen noch beim Waschplatz hin, um sie rasch abzuspritzen. Mir fiel auf, dass seine Vorderhufe schon wieder ein wenig ausbrachen, also beschloss ich, sie nach dem Reiten noch rasch zu feilen, denn natürlich fand ich heute auch die Feile nicht an ihrem angestammten Platz vor. Der Hengst war barhuf, denn er lief ja keine Rennen mehr und war momentan auch nicht im sonstigen Spitzensport tätig. Wir hatten uns mit ihm bisher auf Grundlagen beschränkt, damit er diese nach seinem Karriereende in aller Ruhe hatte erlernen können. Ausserdem waren wir mit ihm immer viel im Gelände gewesen, sodass er mittlerweile äusserst verlässlich geworden war. Also eigentlich hatte er bisher einfach sein Leben nach der Rennbahn geniessen dürfen und war langsam und schonend umgeschult worden. Wie gut er die Grundlagen in der Dressur mittlerweile beherrschte, zeigte sich auch heute. Fleissig und bemüht, alles richtig zu machen, kreuzte er die Beine. Nur das Tempo war noch ein wenig zu hoch. Ich versuchte schon seit einem Weilchen ihn immer mehr zu versammeln und die Lektionen ruhiger zu reiten, aber es dauerte bei ihm halt etwas länger, da er doch eine ordentliche Portion Temperament hatte. Ich war aber ganz schön zufrieden mit unseren heutigen Anstrengungen und lobte ihn entsprechend ausgiebig beim Trockenreiten. Als ich zum Fenster raus sah, entdeckte ich zufällig die beiden seit dem Morgen vermissten Hunde, die auf der Ovalbahn mit einem Ball von Lily spielten.

      Um vier Uhr hatte ich Empire versorgt und putzte bereits den nächsten Kandidaten, nämlich Ronja Räubertochter. Auch für sie stand gewöhnliche, langweilige Grundlagen Dressur auf dem Plan, was einzig dazu diente, sie zu beschäftigen und an Feinheiten zu feilen. Sie war heute etwas stur und aufmüpfig, vermutlich wegen des frischen Wetters. Trotzdem schafften wir eine halbwegs produktive Dreiviertelstunde. Beim Versorgen tastete ich noch ihren Rücken ab, um zu sehen, ob sie irgendwo verspannt war. Im Rücken fand ich nichts, aber bei der Schulter zeigte sie mir mit Scharren ein wenig Unwohlsein. Ich massierte die betroffene Stelle und dehnte die Vorderbeine durch ausstrecken. Sie gähnte vor Entspannung und schüttelte sich, als wäre sie gerade im Staub gelegen. Ich lachte über den treudoofen Blick, den sie danach aufsetzte und dessen Bedeutung ich längst kannte: „Darf ich jetzt bitte meine Karotten haben?“ Ich streckte sie ihr selbstverständlich hin, sobald ich ihr in der Box das Halfter ausgezogen hatte. Linda kam auf mich zu und fragte mich, ob ich ihr helfen könne Darren zu finden. Ich antwortete etwas gereizt, dass ich heute am liebsten nichts und niemanden mehr suchen wollte, gab ihr aber den Tipp, im Strohlager nachzusehen.

      Es war nun fast halb sechs und ich nutzte die Zeit vor dem Abendessen noch, um ein wenig Schrecktraining mit Phantom zu machen. Mir gingen langsam die Ideen aus, weil ich schon so viel mit dem ehemaligen Mustang gemacht hatte und er extrem schnell lernte. Das hing wohl damit zusammen, dass in der Wildnis rasches Anpassungsvermögen überlebenswichtig war. Mit ihm und seinen ausgeprägten Instinkten war es ganz anders zu arbeiten als mit einem Jungpferd das in Menschlicher Obhut aufgewachsen war. Weder einfacher noch schwieriger – einfach anders. Einerseits fiel uns die Kommunikation leicht, weil er ausgezeichnet auf meine Körpersprache reagierte; andererseits wurde alles erschwert durch sein Misstrauen gegenüber neuen Dingen. Aber mit Menschen an sich hatte er mittlerweile keine Probleme mehr. Mittlerweile stand Phantom ja im Offenstall mit den Criollo und Paint Horse Stuten (mit denen er sich übrigens bestens verstand). Als ich auf den Zaun zukam, spitzte er die Ohren und kam einige Schritte auf mich zu. Auch machte er keine Anstalten mehr auszuweichen, wenn ich ihn unerwartet anfassen wollte. Im Moment hatten die Fohlen eine Art Beschützerinstinkt in ihm geweckt, sodass er besonders aggressiv den Hunden gegenüber war. Er mochte sie auch sonst nicht, aber jetzt war es besonders schlimm. Sheela traute sich schon gar nicht mehr auf die Weide, und die anderen beiden blieben einfach in gesundem Abstand zu dem Rappen. Er war zwar nun schon seit Monaten Kastriert, aber sein Hengstverhalten hatte er dennoch nicht ganz verloren. Zum Beispiel erwischte ich ihn manchmal dabei, wie er die Stuten mit der typisch tiefen Kopfhaltung umhertrieb oder sich gegen einen Wallach auf der Nachbarsweide aufspielte. Den Damen schien das zu gefallen, jedenfalls wurde er von ‚seiner Herde‘ immer gleich begrüsst, wenn er vom Arbeiten zurückkam. Wenn ich ihn so beobachtete, hatte ich den Eindruck, dass er sich hier ganz wohl fühlte und sich immer mehr mit seinem neuen Leben anfreunden konnte. Trotzdem sah ich mir manchmal nachdenklich die Fotos an, die ich im Internet von ihm gefunden hatte. Ich fragte mich, was mit all den anderen Pferden darauf geschehen war, oder wie Phantoms Leben ausgesehen hätte, wenn er nicht eingefangen worden wäre. Herausfinden würde ich es nie.

      Jonas hatte bereits angefangen, das Gemüse für unser Abendessen zu rüsten, als ich ins Haus zurückkam. Wir assen meist am Mittag ein Sandwich oder sonst etwas Schnelles, dafür gab es am Abend eine anständige, warme Malzeit. Beim Essen erzählten wir uns von den heutigen Erlebnissen. „Ach ja, ich habe am Morgen mein Handy irgendwo verloren und finde es nicht mehr… Ich muss nachher nochmal suchen gehen, bevor es dunkel wird“, fiel mir wieder ein. Jonas setzte plötzlich ein breites Grinsen auf. „Meinst du das hier?“ Er fasste sich in die Hosentasche und zog auf wundersame Weise besagtes Gerät daraus hervor. „Warum…?“ „Du hast es mir heute Morgen in die Finger gedrückt, weisst du nicht mehr?“ Ich schlug mir symbolisch mit der Hand an die Stirn und lachte ungläubig. „Manchmal ist mein Gehirn einfach ein Löcherbecken…“ Wir schmunzelten und plauderten weiter. Irgendwann kamen wir wieder auf das leidige Thema Areion zurück. „Irgendwas müssen wir machen. Lily, wäre es wirklich so schlimm ihn zu Kastrieren?“ „Ja wäre es!“, rief Jonas empört. „Schon mal den Dicken selbst gefragt, was er davon hält?“ „Still, sonst lasse ich den Tierarzt nächstes Mal wegen dir kommen.“ „Das willst du nicht wirklich…“, murmelte er verheissungsvoll. Ich streckte ihm die Zunge raus und meinte: „Unterschätz mich nicht.“ Lily mischte sich mit einem Räuspern ein. „Wenn du versprichst, dass Teddy danach immernoch derselbe ist…“ „Das kann ich leider nicht versprechen, aber meiner Erfahrung gemäss verändert sich nicht wahnsinnig viel. Denk auch an ihn; er darf danach endlich mit seinen geliebten Mädels auf die Weide und wird nicht mehr von den anderen Hengsten gemobbt.“ Sie zögerte, dann nickte sie. „Na gut. Wenn ihn das wirklich glücklicher macht.“ Jonas verschränkte gespielt trotzig die Arme. Lily und ich mussten bei dem Anblick loslachen, und beim Wegräumen stichelten wir ihn immer wieder zum Spass.

      „Was machst du jetzt noch?“, fragte Jonas, während er sich schon wieder die Jacke anzog. „Ich fahr schnell rüber nach Shatterford und sehe nach unseren Vollblutfohlen.“ „Wann bist du zurück? Wir wollten doch Rosie noch einen Besuch abstatten, weil wir die nächsten Tage keine Zeit dazu haben werden.“ „Ich weiss, ich schaue, dass ich spätestens um neun Uhr zurück bin. Die Fahrt dauert ja zum Glück nur 20 Minuten, und ich nehme an, dass Ella mich nicht lange aufhalten wird, weil sie selbst noch genug zu tun hat.“ Ella Yorke war die Besitzerin des Hofs, auf dem unsere diesjährigen Nachwuchsrenner geboren worden waren. Ich wollte meine Autoschlüssel von der Kommode schnappen, doch sie waren weg. Verärgert rief ich aus: „Das gibt’s doch nicht, vorhin hatte ich sie doch noch in den Fingern!“ Jonas meinte im Gehen gerade noch: „Hast du in deiner Jacke nachgesehen?“ „In meiner Jacke? Das hätte ich gespürt.“ Doch tatsächlich, da waren sie, brav in meiner rechten Tasche. Augenrollend lief ich zum Parkplatz. Wie abgemacht beeilte ich mich und trödelte nicht lange herum, als ich auf dem kleinen Gestüt ankam. Ich klingelte an der Haustüre und wurde von Ellas Mann Steve in Empfang genommen. Er erklärte, dass Ella bereits im Stall hinten sei und führte mich zu ihr, damit ich sie nicht auch noch suchen musste. Wir sahen uns zusammen die sechs Vollblutfohlen an. Ich nahm jedes einzelne genau unter die Lupe und stellte zufrieden fest, dass sie alle vom Exterieur her den Erwartungen entsprachen. Allerdings fiel mir auf, dass eines der dominant weissen Fohlen ein wenig schlapp wirkte und selbst als wir den Offenstall betraten mit aufgestütztem Kopf im Stroh liegen blieb. Ella klärte mich sogleich auf: „Die kleine hatte eine schwierige Geburt, das ist die, von der ich dir auch schon am Telefon erzählt hatte. Sie ist auch etwas kleiner als die anderen und trinkt leider nicht ganz so viel, weshalb wir ihr zusätzlich zweimal am Tag etwas mit der Flasche anbieten.“ „Das das genetische Fohlen von Ciela… Denkst du, es liegt vielleicht daran, dass Ciela selbst noch so jung ist?“ „Gut möglich; es wäre jedenfalls schön wenn es nur das ist.“ Ich nickte zustimmend und sah das beinahe ganz weisse Fohlen nachdenklich an. Sie sah hübsch aus, mit den braunen Ohren und ihren dunklen Augen. Aber eben diese wirkten ungewöhnlich müde und lustlos, was mich wirklich besorgte. „Der Tierarzt war schon da?“ „Nein, kommt demnächst. Ich habe aber schon mit ihm telefoniert und er meinte, wir sollen so fortfahren wie bisher und die kleine gut beobachten.“

      Den ganzen Heimweg über zerbrach ich mir den Kopf, was das weisse Fohlen wohl plagte. Schliesslich wurde ich von meinen Sorgen abgelenkt, als wir auf der Wilkinson Farm von Rosie begrüsst wurden. Jonas und Lily liefen bereits voller Erwartung zum Stall, denn sie waren genau wie ich wahnsinnig gespannt auf Islahs und Farashas Fohlen. „Awww! Es ist ja ganz schwarz!“, kam wenig später der Ausruf von Lily. „Nicht ganz“, ergänzte Rosie, „Sieh dir die hell umrandeten Augen an – es wird ein Schimmel wie sein Vater.“ Entzückt betrachtete ich das Tierchen mit dem edlen Hechtkopf. Die krause Fohlenmähne war etwas dürftig im Vergleich zu der meiner Criollo Fohlen, aber das verlieh ihr schon jetzt ein elegantes Gesamtbild. Die grossen, hübsch geschwungenen Ohren waren neugierig nach vorne gerichtet, als es sich näher zu Lily hin traute und an ihrer Hand schnupperte. Kurz darauf erschreckte sich das Fohlen aber, weil Lily sich zu schnell zu uns umdrehte. Es machte einen übermütigen Seitensprung und verschwand im staksenden Trab hinter Farasha. Wir lachten über die kleine Show und gingen weiter zu Islah. Die kleine Isis, wie ich sie genannt hatte, sah aufgeweckt und munter aus. Sie war eine Schecke, wie ihre Mutter – allerdings hatte sie eine seltsame, grau gestichelte Stelle an der Flanke. Daher fragte ich mich, ob sie nicht doch noch ausschimmeln würde. Eine Schimmelbrille wie Farashas Fohlen hat sie zwar nicht, aber vielleicht ist das ja irgendein Sonderfall, überlegte ich. Jonas fragte Rosie: „Wie hast du nun eigentlich das schwarze Fohlen genannt?“ „First Chant, weil sie das erste Fohlen ist, das auf meiner eigenen Farm auf die Welt kam.“ „Ein toller Name“, bemerkte ich schwärmerisch. „Sie wird zum Verkauf stehen Occu, also wenn du Interesse hast…“, lachte die rothaarige, junge Frau. „Ich überleg’s mir, okay? Ich muss sowieso noch planen, welche unserer eigenen Fohlen ich behalten will. Das wird echt nicht leicht…“ „Doch eigentlich schon“, bemerkte Jonas verheissungsvoll. „Es wird damit enden, dass du alle behälst weil du keines loslassen kannst – und falls doch wirst du wieder jeden Tag hoffen, dass sie aus irgendeinem Grund zurückgegeben werden.“ „Du weisst genau, dass das nicht geht, auch wenn es toll wäre. Dafür haben wir einfach zu wenig Platz.“ Lily sah ich förmlich an, dass sie etwas dazu sagen wollte, aber sie hielt sich zurück und beobachtete nur nachdenklich Isis. Ich ahnte, was in ihr vorgehen musste. Sie konnte sich genau wie ich nicht entscheiden, welches der Fohlen sie am liebsten hatte.

      Wir verabschiedeten uns von Rosie, nachdem wir auch bei Anubis, Numair und Bintu Al-Bahri reingesehen hatten. Es war schon spät und wir mussten morgen wieder früh aufstehen, deshalb hatte es auch nicht für einen Tee bei Rosie gereicht. Den gönnten Jonas und ich uns dafür zuhause noch rasch, während Lily bereits ins Bett kriechen musste. Ich sass auf dem Sofa, streichelte Jacky und starrte nachdenklich an die Wand. Plötzlich überlegte ich laut: „Also bei den Criollos wäre es ja naheliegend, wenn wir Fiasco behalten würden. Er wird später sicher interessant für die Farbzucht.“ „Aber ich sehe dir an der Nasenspitze an, dass du trotzdem lieber Moon’s Fohlen hättest. Oder liege ich da falsch?“, meinte Jonas zwinkernd. Ich seufzte und nickte langsam. „Dann behälst du eben den. Wir haben eh schon Dod für die Farbe, also spielt es keine Rolle.“ „Meinst du wirklich? Also gut, dann bleibt Moon’s Fohlen. Wir brauchen aber noch einen guten Namen für ihn.“ „Dod’s Daydream?“ „Nähh, ich finde etwas Spanisches wie bei Fiasco würde einfach besser passen…“ „Uff… Sueño del Muerte oder sowas? Ich kann kein Spanisch…” “Ich auch nicht wirklich, aber zum Glück gibt es das Internet.” Ich gab in diversen Wörterbüchern Vorschläge ein, die etwas mit der Bedeutung von Dods Namen zu tun hatten. Irgendwann stiess ich zufällig auf das Wort ‚solas‘, so viel wie „alleine“ bedeutend. Ich fand den Klang davon toll, und überlegte, womit man es kombinieren konnte, damit es passte. „Etwas mit träumen wär schon nicht schlecht“, meinte Jonas, „denn sonst hätte es ja doch keinen Zusammenhang mit Dod.“ So wurde es „Soñando Solas“ – ‚alleine träumend‘. Ich war zufrieden mit dem Klang, auch wenn die Bedeutung etwas fragwürdig war. Wir verräumten unsere Tassen und gingen die Treppe hoch ins Schlafzimmer, denn mittlerweile veranstalteten wir fast schon ein Wettgähnen. Als ich mich unter die Decke gekuschelt hatte, konnte ich es doch nicht lassen, weiter über die Fohlen nachzudenken. Ich stellte fest: „Ich glaube ich kann nicht schlafen, bis ich mich entschieden habe…“ „Welches von den Minis gefällt dir am besten?“, fragte Jonas leise. „Ich glaube Orchid. Wir haben ja noch kein buckskin Mini, und ich kann doch keine Tochter von Daki weggeben…“ „Siehst du? Und schon bist du wieder etwas weiter. Was ist mit den Warmblutfohlen?“ „Die behalten wir!“, meinte ich sofort, wie ein trotziges Kind. „Dieser Meinung bin ich auch!“, kam eine Mädchenstimme aus dem Zimmer nebenan. „Horchst du etwa? Ab ins Bett jetzt! Du musst morgen in die Schule.“ „Aber du behälst die beiden definitiv, ja?“ „Ja.“ „Gute Nacht.“ Daraufhin blieb es definitiv still aus dieser Richtung. „…Vollblüter?“, murmelte Jonas. „Cupid. Cupid bleibt, der hat Potential. Er hat sogar schon Oliver auf seiner Seite. Und Simply Priceless gefällt mir einfach wahnsinnig gut, ich möchte sehen, was aus ihm wird.“ „Ich finde Call it Karma süss. Die hat was besonderes, mit ihrem gutmütigen Blick und dem hübschen Bauchfleck.“ „Die beiden Schimmelfohlen von Iskierka und Shades of Gray sind auch vielversprechend… Wir können aber einfach nicht alle behalten…“ „Was ist mit dem zweiten dominant weissen?“ „Challenging Time heisst es, von Ciela. Ich weiss nicht… Es wirkt so schwächlich und lustlos. Ich mache mir ernsthaft Sorgen, dass es nicht durchkommt…“ „…Aber wenn doch würdest du es auch behalten wollen?“ „Es hat eine tolle Farbe, aber ich weiss nicht, ob es überhaupt zum Rennen geeignet sein wird, wenn es so schwach ist…“ „Naja, verkaufen kannst du es sowieso nicht, wenn es nicht fit ist. Also bleibt dir fast nichts anderes übrig als es zu behalten.“ „Aber zwei müssen definitiv weg. Vier behalten wäre okay, aber alle sechs sind zu viele.“ „Wenn du meine Meinung hören willst: Ich finde, du solltest die beiden Schimmel Snap Cat und Storm Cat abtreten. Ich weiss, du wolltest besonders das Fohlen von Iskierka aufwachsen sehen und trainieren, aber mein Gefühl sagt mir, dass wir die anderen vier behalten sollten, und nicht diese beiden.“ „Ich hoffe dein Gefühl ist verlässlicher als meines damals beim Kauf von Cool Cat. Er war ja ursprünglich nur meine zweite Wahl gewesen, aber er hat sich zu einem echten Glückstreffer gemausert. Glaub mir, die Pferde aus dieser Blutlinie sind vielleicht am Anfang unscheinbar, aber entwickeln sich später zu unerwarteten Talenten.“ „Tja, du musst dich entscheiden. Du hast dir das vier-Vollblüter-Limit selbst gesetzt, nun musst du damit umgehen.“ „Ich weiss… Na gut. Die Schimmel gehen. Aber wehe das war die falsche Entscheidung!“ „So so, das ist natürlich bequem, im Falle eines Falles mir die Schuld zuzuschieben. Aber okay, ich übernehme die Verantwortung.“ Ich gab ihm glücklich einen Kuss und legte meinen Kopf an seine Schulter. Ich murmelte: „Hunter Crowley hat auch schon Interesse an den beiden gezeigt. Wenn er tatsächlich eines davon nimmt, wären sie wenigstens noch in der Nähe von uns.“ „Ich bin sicher, dass er bei den süssen Ohren nicht wiederstehen kann“, gluckste Jonas. „Bleiben noch die Paint Fohlen. Behalten oder weggeben?“ „Unclouded ist schon ein richtiger Pachtskerl…“, meinte Jonas zögernd. „Wirklich. Aber irgendwie… Hach ich weiss nicht, wenn wir Shadows Fohlen dann auch noch behalten wollen… Ich habe das Gefühl, dass ich mich gerade noch so von den beiden trennen könnte.“ „Da stimme ich dir zu.“ Ich horchte noch eine Weile seinem ruhigen Atem, dann fielen mit die Augen zu. Endlich fand ich auch den Schlaf, jetzt wo alles beschlossen war.

      © Occulta // 36717 Zeichen
    • Wolfszeit
      RS Ostereiersuche | 11. Mai 2017

      „Wo hast du deine Reitweste?“ „Im Auto…“ „Hol sie, los.“ „Aber es ist heiss, und Teddy ist eh brav!“ „Ich will, dass du sie trotzdem anziehst. Zuhause ist das eine Sache, aber wenn wir auf Turnier sind liegt automatisch eine gewisse Nervosität in der Luft und die Pferde ticken anders als sonst.“ „Aber –“ „Nix aber, Sicherheit geht vor, sonst startest du nicht.“ Grummelnd schlurfte sie zum Auto und kramte das unliebsame Hilfsmittel hervor. „Zufrieden?“ Ich nickte und half ihr, den Reissverschluss hochzuziehen. ‚Teddy‘ stand dösend in der Sonne und zuckte bloss von Zeit zu Zeit mit einem Ohr. Die Unterlippe liess er entspannt hängen, sodass ich mich langsam selbst fragte, ob die Weste nicht doch übertrieben war. Natürlich erwähnte ich das mit keinem Wort. Ich gurtete rasch nochmal nach, dann half ich ‚Teddy‘s Reiterin beim Aufsteigen. Sie weckte ihn so gut es ging aus seinem Schlummer und begab sich in Richtung Start. Bis die beiden an der Reihe waren, wärmten sie sich auf einem kleinen Vorplatz auf. Zehn Minuten Später war es soweit; ‚Teddy‘ und Anhängsel begaben sich zur Startlinie. Die junge Reiterin bekam einen schwarzen Beutel in die Finger gedrückt, den sie kurzerhand am Maria hilf anknüpfte. Das Signal erklang und der Hengst setzte sich brav in Bewegung. Zunächst trabten die beiden über eine Wiese bis zum Waldrand. Ab dort mussten die Reiter ihre Augen offen halten, denn auf dem Trail waren überall Ostereier versteckt, die es zu sammeln galt. Doch stundenlanges Suchen lag natürlich nicht drin – die Zeit war auf lediglich eine halbe Stunde begrenzt. Ensprechend gehetzt waren die Teilnehmer, sodass durchaus das ein oder andere Ei übersehen wurde. Team ‚Teddy‘ war unterdessen bereits ein Stück in den Wald vorgedrungen und fand gerade das erste Ei zwischen dem Efeu eines überwucherten Baumes. Direkt vor ihnen befand sich ausserdem das erste Hindernis des Trails; das Gatter der Kuhwiese, über die sie zu Beginn getrabt waren. Das Mädchen steuerte ihr Reittier mehr oder weniger geschickt zum metallenen Scharnier und versuchte es mit knapp zu kurzen Armen zu erreichen. Sie machte eine kleine Volte, sich gleichzeitig über den Zeitverlust ärgernd, den dies brachte. Diesmal erreichte sie das Scharnier und schob den Riegel gerade rechtzeitig zurück, bevor ‚Teddy‘ ungeduldig davonlief. Endlich konnte sie wenden, das Gatter öffnen und hindurchreiten. Von wieder Schliessen war zum Glück keine Rede gewesen, also ging es weiter mit der „Eggspedition“. Unsicher, ob sie traben oder im Schritt bleiben sollte, damit sie keine Eier verpasste, steuerte die Reiterin um eine scharfe Linkskurve. Danach ging es ziemlich Bergauf, sodass ‚Teddy‘ ins Schwitzen kam. Im Augenwinkel entdeckte die Reiterin ein weiteres Ei. „Das war knapp Teddy, daran wären wir beinahe vorbeigelaufen“, murmelte sie mehr zu sich selbst. Im gleichen Moment überlegte sie mit gekräuselten Lippen, wieviele Eier sie wohl schon verpasst hatte. Sie legte das Ei sicher in den Beutel und trabte ein Stück, bis die Steigung weniger wurde und ein breiter Stamm in Sicht kam, der den Weg versperrte. Hindernis Nummer zwei war rasch überwunden. Auf dem Weg zur Dritten dieser ‚Fallen‘ fanden die beiden ganze zwei Eier. Hindernis Drei war ein schmaler Zickzack-Pfad, der mit Stangen auf kleinen Sockeln begrenzt war. Diese durften keinesfalls runterfallen. Tollpatsch „Teddy“ lief einmal geradewegs über die Stangen, doch hob glücklicherweise die Hufe hoch genug. Die Kontrollperson, die an einen Baum gelehnt alle Teilnehmer beobachtete, notierte es leider trotzdem als kleinen Fehler. Voller Eifer es beim nächsten Mal besser zu machen ging es weiter. Die beiden hatten nun noch den Bach vor sich, den es zu überqueren galt. „Teddy“ kletterte vorsichtig die Böschung runter und setzte den ersten Huf ins Wasser. Nach einiger Überzeugung auch den zweiten. Bevor die beiden wieder auf der anderen Seite hochstiegen, entdeckte die Reiterin noch ein Ei, so versteckt, dass man es eben nur vom Bach aus sah. Natürlich wurde es prompt eingesackt. Ein paar Hindernisse und Eier später kam bereits das Ziel in Sicht. Die Reiterin trieb „Teddy“ zu einem Endspurt an, da die Zeit knapp wurde. Die beiden bretterten im Galopp durchs Ziel, sodass ich mich fragte, ob die Eier überhaupt ganz geblieben waren. Stolz gab sie ihren Beutel ab und lobte ihr Pferd mit einem Apfel, den ich ihr überreichte.

      © Occulta // 4473 Zeichen
    • Wolfszeit
      Die Sache mit Areion und Fohlentraining | 30. August 2017

      „Was hast du heute im Sinn?“, fragte Jonas, während wir zu den Weiden schlenderten. „Halftern, Hufegeben, und vielleicht ein wenig Führen.“ Die Rede war von den Fohlen auf der Stutenweide. Sie waren nun einige Monate alt und kräftig gewachsen. Besonders mein kleiner Solas hatte einen wunderbar kräftigen Popo bekommen, der erahnen liess, dass er auch später ein echtes Kraftpaket werden würde. Moon kümmerte sich liebevoll um ihren Sohn und blieb stets in seiner Nähe. Vielleicht hing er aber auch einfach selbst so sehr an seiner Mama – es war schwer zu sagen. Fakt war, dass ich die beiden noch eine ganze Weile zusammen bleiben lassen wollte, ebenso wie die anderen Fohlen. Ich suchte schon seit Wochen nach einer passenden Fohlenschau für Solas, aber bisher war alles zu weit weg gewesen und unsere Zeit war auch ganz schön knapp mit all den anderen Turnieren. Jonas und ich kamen bei der Stutenweide an und betraten sie durch das Weidetor. Phantom hatte uns schon von weitem kommen sehen und kam nun allen voran zügig auf mich zu marschiert, um mich zu begrüssen. Das machte er mittlerweile immer so; ich schätzte, dass er damit auch immer gleich unsere Absichten checkte. Er schien zu wissen, dass von mir keine Bedrohung ausging, aber bei Fremden beobachtete er jeweils aus sicherem Abstand und entschied erst dann, ob er näherkommen oder die Stuten wegtreiben wollte. Er war stets wachsam und vorsichtig. Beim Reiten war er inzwischen ziemlich zuverlässig und mutig geowrden. Nur eines machte ihm immernoch Mühe – verständlicherweise, wie ich fand: Flugzeuge und Helikopter mochte er überhaupt nicht leiden. Flugzeuge gingen noch knapp, die schielte er nur skeptisch an. Aber bei Helikoptern begann er zu tänzeln und sich furchtbar aufzuregen. Ich hatte herausgefunden, dass es in so einer Situation am besten war, wenn ich ihn nicht zu bremsen versuchte, sondern stattdessen kontrolliert trabte oder so; hauptsache Bewegung. Ich konnte es ihm nicht verübeln, dass er sich vor den lärmenden Flugmonstern fürchtete, also unterstützte ich ihn einfach so gut es ging dabei, mit seiner Angst umzugehen. Ich streichelte seine dunkle Stirn und zupfte den langen Schopf zurecht. Er liess es ohne zu zucken zu und senkte den Kopf. „Good boy, Phantom. But this time I’m not here for you”, murmelte ich lächelnd. Auch Moon begrüsste mich mit ihrer weichen Schnauze, Solas wie immer bei Fuss, und die anderen Stuten kamen nach und nach zu uns gewandert. Jazz stand seit geraumer Zeit auch auf der Stutenweide bei ihrer Mutter. Die beiden sahen sich vom Körperbau und Kopf her ganz schön ähnlich. Sie hatten sich aber nicht sonderlich begrüsst, als sie wiedervereint worden waren. Mir kam es trotzdem so vor, als ob Jazz insgeheim die Nähe zu Shadow suchte und immer nur wenige Meter entfernt von ihr anzutreffen war. Jedenfalls war ich froh, dass sich alle so gut verstanden. Phantom hatte natürlich auch nicht nein gesagt zu dem Zuwachs in seiner Herde, und so war sie rasch von allen akzeptiert worden. Ein etwas grösseres Theater hatte es gegeben, als die verkauften Fohlen vor kurzem ausgezogen waren. Fiasco, Icy Rebel Soul und Summer Skies waren von ihren Müttern getrennt und von ihren Besitzern abgeholt worden. Feline, Summer Time und Ice Coffee hatten sich aber schnell wieder beruhigt und in ihren alten Alltag eingelebt. Sie halfen jetzt stattdessen manchmal auf die anderen Fohlen aufzupassen, oder so sah es zumindest aus. Halluzination und Satine würden nun auch nicht mehr lange auf der Stutenweide stehen, denn wir wollten sie langsam aber sicher wieder in ihre Boxen im Nebenstall umsiedeln. Für Cranberry und Clooney bedeutete das den baldigen ‚Abschied‘ und die Eingliederung in die Jungpferdeherden. Dafür wollten wir sie nun etwas vorbereiten, indem wir die Basics des Umgangs übten. Jonas begann mit Clooney, ich nahm Berry. Wir näherten uns den Fohlen gemächlich aber bestimmt und streichelten sie zuerst am Hals. Dann zeigte ich Berry das Halfter und liess sie daran schnuppern. Sie sah es nicht zum ersten Mal, aber ich liess ihr jetzt am Anfang noch mehr als genug Zeit und wollte sie keinesfalls überrumpeln, damit sie alles positiv abspeichern konnte. Ich schob das Halfter vorsichtig über ihre Nase und schloss es. Dann kraulte ich die kleine Stute wieder ausgiebig. Als nächstes tastete ich mich an ihren langen Beinen runter. So sah ich auch gleich, ob sie sich überall berühren liess. Ich lehnte mich etwas gegen sie und drückte sanft mit den Fingern mitte Röhrbein, bis sie den Huf selbstständig hob. Ich wollte ihn nicht hochnehmen, sondern ihr von Anfang an beibringen, dass sie ihn selbst anheben musste. Ich hielt ihn kurz fest, dann setzte ich ihn ab und lobte sie, bevor ich den zweiten Vorderhuf verlangte. Auch das klappte schon ganz anständig. Nur bei den Hinterbeinen war Berry anderer Meinung und trat sogar halbwegs gegen mich aus. Ich blieb geduldig und liess mich davon nicht beirren. Am Ende hob sie auch die Hinterhufe kurz an, und mehr verlangte ich heute auch noch nicht. Ich versuchte noch, sie am Halfter ein paar Schritte vorwärts zu locken und spielerisch zu führen, was sie sich wiederum gut gefallen liess. Dann zog ich das Halfter aus und entliess sie zu ihrer grasenden Mutter, die uns stets mit einem Auge beobachtet hatte. Sie hob kurz den Kopf, als ihre Tochter zu ihr lief und schüttelte sich schnaubend die Fliegen ab, dann frass sie entspannt weiter. Ich machte mit Solas weiter, im selben Stil. Er verstand es wohl als Spiel und wurde beim Führen etwas übermütig. Er drängelte und probierte aus, ob er mich herumschubsen konnte. Ich bewies ihm, dass das nicht funktionierte und liess ihn stattdessen mit der Hinterhand weichen. Ich war nicht grob, aber bestimmt; ganz nach dem Credo „was Hänschen nicht lernt, das lernt Hans nimmermehr“. Jonas putzte inzwischen Ljúfa ein wenig. Die Ljóski-Tochter war mit ihren vier Jahren ganz leicht angeritten für einfache Green Horse Class Gangturniere, aber sie konnte wirklich nur die Grundlagen und wir wollten sie auch erst nächstes Jahr weiter ausbilden.

      Gegen Abend kam der Tierarzt vorbei, um nach den dreijährigen Vollblütern zu sehen. Ich nutzte die Gelegenheit und entführte ihn nach den Routineuntersuchungen zu Areions Box im Nordstall. Dort wartete auch schon Lily. Es ging um die mögliche Kastration des plüschigen Tinkers und um die Frage, ob sie überhaupt sinnvoll wäre. Denn Areion war zwar über den Frühsommer hinweg etwas zu stark für Lily gewesen, sodass ihn mehrheitlich Parker und ich geritten hatten, doch mittlerweile benahm er sich wieder anständig und liess sich von meiner Nichte mehr oder weniger problemlos händeln. Der Tierarzt meinte ebenfalls, dass wir mit der Kastration auf jeden Fall noch ein wenig warten könnten, um zu sehen, ob er im nächsten Jahr wieder so eine Phase hatte oder durch zusätzliche Erfahrung ruhiger blieb. Ausserdem hatte auch Lily diesen Sommer sehr viel dazugelernt und wurde immer besser. Ich hörte schon Jonas‘ Triumphgejubel in meinem Hinterkopf, als wir bei der Entscheidung es hinauszuzögern verblieben. Lily schien glücklich und streichelte Teddy die ganze Zeit liebevoll. Sie hatte ihr ‚Plüschtier‘ eben doch am allerliebsten so wie er war.

      © Occulta // 7325 Zeichen
    • Wolfszeit
      Distanz E zu A | 31. August 2017

      scs Bluebell, River’s Blue Lady Liquor, Silverangel, Sika, Fake xx, PFS’ Ljúfa, PFS’ Dancin’ to Jazz, Donut, Baccardi, Vychahr, Flintstone, Calico, Areion, Diarado, Circus Dancer, Co Pilot de la Bryére

      Alle waren fleissig am Pferdeputzen. Anlass dazu gab das heutige Distanztraining, bei dem wir unsere Sportpferde auf einem mehrstündigen ‚Ausritt‘ ein wenig fitter machen wollten. Wir waren eine ganz schön grosse Gruppe; 16 Pferde insgesamt. Da brauchte es schon etwas mehr Organisation und Vorbereitung als bei einem gewöhnlichen Spazierritt. Zum Beispiel hatten Jonas, Lewis und ich im Voraus abgeklärt, welche Strassen am wenigsten befahren sein würden und wo wir am wenigsten Spaziergänger stören konnten. Wir wollten schliesslich das gute Verhältnis mit den Anwohnern in den Dörfern rund um Birmingham aufrechterhalten. Ich war schon gespannt, ob wir überall gut durchkommen würden und wie die Pferde sich benahmen. Ich hatte mir für heute meinen Liebling Co Pilot ausgesucht, dem das Training sicherlich gut tun würde, angesichts dessen, dass wir zukünftig mit ihm auch etwas mehr Military machen wollten. Dasselbe galt für Vychahr, der zwar eher dressurgezogen war, aber auch dafür schadete eine gute Kondition sicherlich nicht. Und natürlich kam auch Diarado mit, aus demselben Grund wie Pilot. Aus dem Nordstall waren ansonsten noch Flintstone, die Reitponys Donut und Baccardi, Dancer, Calico und schliesslich Areion dabei. Allerdings heute nicht mit Lily, denn die hatte einen anderen Job gefasst. Da Jonas zu schwer für seine Hackneypony Stute Fake war, hatten die beiden kurzerhand Rollen getauscht und so musste Jonas nun mit dem wolligen Tinker auskommen. „Was hab ich mir da nur wieder angetan?“, rief Jonas entsetzt aus, als er das Fell des Tinkers sah. Es war, wie konnte es auch anders sein, mit einer halbtrockenen Schicht grauem Schlamm überdeckt. „Dein Ernst?? Ich glaube ich spanne Fake doch ein.“ „Vergiss es, dann musst du alleine gehen. Das wird sonst zu umständlich, dauernd auf dich und das Sulky Rücksicht zu nehmen“, stellte ich klar, wobei ich mir ein Grinsen nicht verkneifen konnte. Jonas holte Areion raus und spickte symbolisch ein Dreckklümpchen von seiner Kruppe. Dann seufzte er laut und schnappte sich den Federstriegel aus der Putzkiste. „Wo soll ich denn hier bitte anfangen?“ „Hör auf zu jammern, Pilot hat sich auch paniert.“ „Aber der hat wenigstens kurzes Seidenfell! Da fällt der Dreck ja schon fast von alleine ab“, beharrte Jonas, während er mit dem Striegeln begann und nach kurzer Zeit wegen des aufgewirbelten Staubes eine Hustenattacke bekam. „Du musst das Zeug nicht inhalieren“, neckte ich ihn lachend, und begann auch Pilot abzuschrubben. Darren, Anne und Alan, die direkt neben uns ihre Reittiere putzten, schmunzelten über unsere sinnfreie Unterhaltung. „Hey, an welche Körung melden wir Flint jetzt eigentlich an?“, fragte Alan während dem Hufeauskratzen. „Stimmt ja, den könnte man eigentlich bald nennen… Vom Können her ist er ja schon längstens soweit. Ich werde mich in nächster Zeit mal darum kümmern“, beschloss ich laut. Rita meldete sich von zuhinterst und meinte: „Calico könnte man wohl mittlerweile auch kören lassen, dann kannst du ihn endlich für die Zucht brauchen.“ „Wär schon toll, ja. Dod bringt zwar sehr gute Fohlen, aber etwas Abwechslung würde wohl nicht schaden.“ Calico kam heute mit, obwohl er eigentlich schon viel weiter in Distanz ausgebildet war als die anderen. Rita und er wollten die Route in einem höheren Tempo absolvieren und würden vorausreiten. So konnten sie uns auch gleich vorwarnen, falls unterwegs ein unerwartetes Hindernis auftauchen sollte.

      Als wir endlich alle Pferde sauber bekommen hatten, sattelten wir sie und trafen uns dann mit den anderen Pflegern draussen vor dem Nordstall. Die meisten standen schon bereit, aber man sah sofort, wessen Pferde ihren Weidegang am meisten genossen hatten. Fake glänzte wie frisch geölt, trotz des beginnenden Fellwechsels. Jonas schielte missmutig zu ihr und Lily rüber, und ich konnte seine Gedanken förmlich von seinem Blick ablesen. Ich erlaubte mir ein halb verkniffenes Schmunzeln und stieg auf den Rücken von Pilot. Ich rief meine Hunde Zira und Sheela zu mir, damit sie zwischen den vielen Pferden nicht unter die Hufe kamen. Jacky kam nicht mit, weil sie zu kurze Beine hatte und ich befürchtete, dass sie nicht mithalten könnte. Bluebell tänzelte etwas ungeduldig und steckte damit prompt auch Lychee an, indem sie sie mit ihrem Popo wegdrängte. Lychee quietschte verärgert und wollte Bluebell bereits ihr eigenes Hinterteil zuwenden, aber David hinderte sie daran und ritt sie etwas weiter nach vorne, um dem Ärger aus dem Weg zu gehen. Na das fängt ja gut an, dachte ich im Stillen. Es war eindeutig Zeit loszureiten. „Where’s April? Ahh, there she comes. Allright, let’s go”, sprach ich, und führte die Gruppe zusammen mit Darren und Diarado an. Calico und Rita liessen uns wie abgemacht nach den ersten zehn Minuten zurück und ritten ein ansprichsvolleres Tempo. Ich sah ihnen lange nach und dachte an die Zeit zurück, in der Rita den Criollo nichtmal anständig führen konnte. Nun waren sie so ein eingespieltes Team. Ein Anflug von Stolz überkam mich, wenn ich so darüber nachdachte, dass ich ihr damals die ersten Reitstunden gegeben hatte.

      Die unerfahrendste in unserer Gruppe, Ljúfa, hatte noch am meisten Mühe mitzuhalten. Zusätzlich erschwerend war, dass sie etwa doppelt so viele Schritte machen musste wie die Grosspferde. Am Anfang des Ritts merkte man noch nichts davon, doch gegen Ende war sie ziemlich nassgeschwitzt und atmete schwer. Lisa beschloss daher, ihr nochmals eine Pause zu geben und danach im Schritt zurück zu reiten. Ich stimmte dem zu und liess zur sicherheit auch Lewis mit Jazz warten, damit sie nicht alleine zurückreiten musste. Pilot trabte auch auf den letzten Strecken zurück zum Hof noch frisch und kraftvoll – ich hatte seine Ausdauer wohl ziemlich unterschätzt. Ich klopfte ihm stolz auf den Hals, als wir wieder die Grasrennbahn überquerten und durch die Tannen ritten. Er streckte sich eifrig und trug den Schweif leicht angehoben. Sika machte sich bei unserer Rückkehr laut bemerkbar, indem sie nach Sweets rief. Eine Antwort bekam sie auch, wenn auch nur eine leise. Die beiden Stuten, die direkt nebeneinander im Nebenstall standen, klebten für meinen Geschmack schon etwas zu sehr aneinander. Daran würden wir wohl noch arbeiten müssten. Ich beobachtete nach dem Absteigen, wie Silver sich genüsslich den Kopf an Robins Schulter rieb. Die junge Pflegerin wurde dabei fast weggeschubst und musste sich Mühe geben, um standhaft zu bleiben. Robin bemerkte, dass ich sie beobachtete und sah unsicher weg, besann sich dann aber eines besseren und lächelte mir verlegen zu. Sie kämpfte immernoch mit ihrer Schüchternheit, aber es wurde langsam besser. Wir versorgten die Pferde und ich bot Zira und Sheela eine Schüssel Wasser an, damit sie nach dem langen Spaziergang ihren Durst stillen konnten.

      © Occulta // 7088 Zeichen
    • Wolfszeit
      Herbstbeginn, oder: es gibt Ärger auf Pineforest Stable, Teil II | 29. Oktober 2017

      Beck’s Experience, Rapunzel, Glenns Caress, Lady Diva from the Sky, Arctic Blue, Silhouette of a Rose, Papillon d’Obscurité, Tigrotto, Snottles Peppermint, Tic Tac, PFS’ Kicks-a-Lot, PFS’ Shadows of the Past, PFS’ Sarabi, PFS’ Skydive, PFS’ A Winter’s Tale, PFS’ Stop Making Sense, Subsyndromal Symptomatic Depression, PFS’ Counterfire, Daedra, PFS’ Soñando Solas, PFS’ First Chant, PFS’ Cloony, PFS’ Cranberry, PFS’ Cupid, PFS’ Challenging Time, PFS’ Simply Priceless, PFS’ Call it Karma, PFS’ Whirlwind, Mikke, Khiara El Assuad, Vai Alida, Rosenprinz, Valentine’s Cantastor, Empire State of Mind, Areion, Satine, Moon Kiddy, PFS’ Ljúfa, Feline, Numair, Anubis, Bintu Al-Bahri, Farasha, PFS‘ First Chant

      Das Telefon klingelte, und ich hechtete förmlich darauf zu, nur um gleich darauf enttäuscht die Stimme meiner Mutter zu hören. „Ja Mum, ich hab es nicht vergessen... Selbstverständlich könnt ihr an Halloween zu uns rüberkommen… Ja klar, ihr schlaft wie immer im Gästezimmer… Bye.“ Der Anruf, den ich eigentlich erwartete, war von der Polizei; mit Neuigkeiten über meine und Rosies gestohlene Pferde. Doch der blieb auch an diesem Morgen aus. Ich wurde zunehmend besorgter über den Verbleib von Numair, Anubis, Bintu, Farasha und besonders klein First Chant. Ich hoffte einfach, dass sie bald gefunden wurden und unversehrt zurückkehren konnten. Derweilen konnte ich immernoch nicht glauben, wie dreist der Dieb gewesen war. Unser Vertrauen auszunutzen, um sich zuerst ein Bild von der Anlage und den Pferden zu machen – das wahr ja wohl das Letzte. Und das allerschlimmste ist, dass ich davon nichts gemerkt habe! Auch nicht, als er so grosses Interesse an den Arabischen Vollblütern gezeigt hat. Dabei hätte mir seine gezielte Frage, ob ich denn auch Araber besitze, bereits fischig vorkommen müssen. Er wusste schon vorher von den Pferden, das ist sicher, und hat sich auf diesem Weg nur einen ersten Zugang zum Stall verschafft, um sich umzusehen. Doch sich darüber ärgern half jetzt auch nicht mehr. Alles, was ich tun konnte, war abwarten und Tee trinken – Schwarztee, um genau zu sein. Es war einmal mehr halb sechs Uhr, Frühstückszeit. Jonas, mir gegenüber, sah so aus, als würde er gleich mit dem Gesicht in der Müslischüssel einschlafen. Ich gab ein unterdrückt-amüsiertes Glucksen von mir, woraufhin er ausgiebig gähnte. Die Hunde mampften ihr Futter und Lily lag noch bis halb Acht unter ihrer warmen Bettdecke. Kurz darauf zog ich mir meine schwarze Fleecejacke an und verliess das Haus. Es war ein nebliger Morgen in England (wer hätte es gedacht) und noch versteckte sich die Sonne unter dem Horizont. Brrr, kalt und unheimlich. Ich lief etwas zügiger und machte meine morgentliche Stallrunde. Ich liess das Licht im Hauptstall an, woraufhin die meisten Pferde aufmerksam ihre Köpfe hoben und durch die Boxenfenster in die Stallgasse schauten. Ein paar grunzten hungrig, ein paar waren noch ein wenig verschlafen und liessen die Unterlippe hängen. Ich streichelte im vorbeigehen Rosenprinz‘ Nase. Auch Canto und Empire streckten mir erwartungsvoll ihre Köpfe entgegen. „Be patient, boys - your hay is coming.“ Ich hörte nämlich in diesem Moment Stimmen vom Eingang des Stallgebäudes herkommend, die verdächtig nach Ajith und Quinn klangen. „…you know nothing! You have no idea what kind of person he is, and yet you judge him?” “Quinn, I’m just worried about you…” “Oh please, save your breath. It’s none of your business, so stay out of it.” Das Gespräch brach ab und ich vermutete, dass Quinn davongelaufen war. Stirnrunzelnd begab ich mich in Richtung Eingang, um nach Ajith zu sehen. Der Pfleger stand an die Boxenwand gelehnt und sah ziemlich müde aus. „What was that?“, fragte ich vorsichtig. „You heard? Ahhh… Luck isn’t on my side today, huh…“ „Come on, you know I’ll always listen when you have something on your mind.“ Der Pfleger seufzte leise. “It’s about Quinn’s father. Apparently he has a drinking problem… He depends on her beause he has no work and he is apparently violent when he’s drunk; she had some bruises when she returned from visiting him in Ireland. She pretended to have bumped into something, but I don’t believe her. And now she’s angry with me for trying to help.” “I did know that her father is a difficult person, but I had no idea that it was so bad… Maybe I should try talk to her?” Er zuckte mit den Schultern und sah weg. Offenbar glaubte er, dass es ohnehin nichts bringen würde. Ich legte ihm meine Hand beruhigend auf die Schulter und setzte dann meine Runde durch den Hauptstall fort. Bei den Stuten sah ich, dass Khiaras Box etwas wenig Stroh hatte und rief daher in Richtung Ajith, dass sie heute Nachschub brauchte. Die Stute hatte ein seidiges Winterfell entwickelt, dass zwar nicht besonders lang war, sie aber dennoch schön warm zu halten schien. Sie sah mir freundlich entgegen und beschnupperte interessiert meine Hand. Ich streichelte sie rasch, mit einem liebevollen Lächeln im Gesicht. Zira entdeckte weiter vorne eine Maus und verschwand um die Ecke, während ich einen Blick in die restlichen Boxen warf. Alidas sonst so blutrotes Fell war im Moment eher gräulich, weil sie frisch geschoren war. Es hatte mir fast wehgetan, die schöne rote Wolle wegzurasieren, wo sie doch so zum Herbst passte. Aber die Stute hatte auch im Winter anstrengendes Training vor sich, bei dem sie sonst zu viel schwitzen würde. Dafür hatte Caprice ihren Pelz noch, der in leuchtendem Orange schimmerte. Ich sah sie gerade nur von hinten, denn sie sah zum Fenster raus. Mir fiel auf, wie dicht ihr Schweif geworden war, seit sie auf Pineforest Stable angekommen war. Mit dem dunkleren Streifen Haare in der Mitte und den feinen Löckchen an den kurzen, äusseren Haaren sah es richtig edel aus. Caprice bemerkte mich und drehte ihren Kopf nach hinten; aber ging weiter um sie nicht zu stören, denn ich hatte gerade sowieso nichts in der Tasche und sie wurde erst am Nachmittag von Charly bewegt.
      Dafür kümmerte ich mich um ein anderes orangenfarbiges Tier. Naja, sie war schon eher blutorangenfarbig, denn ihr Fuchsfell war jetzt im Winter besonders dunkel. Ich begrüsste Satine mit einer Karotte, die ich zuvor aus der Futterkammer stibitzt hatte. An ihrem grün gestreiften Halfter führte ich sie aus der Box und band sie beim Holzgitter unter dem Nebenstalldach an. Sie beobachtete mit ihren wachen, eisblauen Augen die vorbeilaufenden Pfleger und Pferde. Langsam wurde es nämlich lebendig auf dem Hof und die erste Gruppe von Rennpferden wurde auf die Bahn geritten. Ab nächster Woche wollten wir das Training wieder auf eine spätere Morgenstunde verschieben, da es jetzt ja nicht mehr so warm war und wir so wieder Tageslicht hatten. Ich bürstete Satine ausgiebig durch, bis nur noch ein bisschen Staub vom letzten Weidegang in ihrem Fell übrig war. Auch die Hufe kratzte ich sauber aus. Jonas führte Feline auf dem Kiesweg vor uns an uns vorbei zum Sandplatz. Ich beeilte mich mit Satteln und wir stiessen zu ihnen. Wir ritten die beiden Stuten nebeneinander warm, arbeiteten danach aber einzeln mit ihnen. Jonas machte mit der Criollostute Dressurarbeit, während ich mit Satine ebenfalls an Takt und konstanter Anlehnung arbeitete. Die beiden waren ähnlich weit in der Dressur – solide ausgebildet, aber nicht hauptsächlich darin gefördert worden. Satine war vor allem im Springen top, während Feline ein vielseitiges Freizeitpferd darstellte. Die Arbeit mit Satine machte heute richtig Spass, da die Stute konzentriert mitarbeitete und sich auch nicht von dem bunten Treiben um uns herum ablenken liess. Nur einmal zuckte sie zusammen, als Jacky sich geräuschvoll durch das Gebüsch, das den Sandplatz zierte, hindurchzwängte. Ich schickte die Jack-Russel Hündin zu Zira, die brav im Gras lag und wartete. Jacky setzte sich eher träge neben ihre jüngere Gefährtin und kam umso freudiger angehüpft, als ich sie nach dem Reiten wieder zu mir rief. Ich zerwuschelte das Fell der beiden Hunde zur Belohnung und führte dann Satine zurück zum Absatteln. Jonas war mit Feline schon vorausgegangen und brachte mir kurze Zeit später Moon Kiddy mit, die ich als nächstes Reiten wollte. Er hatte auch Ljúfa im Schlepptau, denn wir wollten gemeinsam mit Robin Lancaster ausreiten gehen. Die Isländerstute war noch ziemlich jung und früh eingeritten für eine Vertreterin ihrer Rasse. Wir hatten aber bisher nur leichte Arbeit mit ihr gemacht, vorallem Ausreiten im Gelände und ein paar leichte Qualifikationsshows. Galoppiert war sie noch nicht unter dem Sattel, nur Schritt, Trab und Tölt geradeaus. Ausserdem ritten sie nur die leichtesten der Pfleger, damit sie nicht übermässig belastet wurde. Deshalb übergab Jonas Ljúfa auch Robin, die gerade angelaufen kam. Jonas selbst holte hingegen Shira mit dem Knotenhalfter aus ihrer Box und band sie neben mir und Moon an. Die dreijährige Stute wurde gerade eingeritten und war erst einmal richtig unter dem Sattel gelaufen. Wir wollten heute nur eine kleine Runde mit den drei Stuten drehen, wobei Moon als erfahrenes Lehrpferd diente. Die Hunde warteten geduldig, bis wir gesattelt hatten. Sheela war nun auch dabei, denn sie war wiedermal bei Jonas geblieben. Beim Satteln war ‚Prinzesschen‘ noch ein bisschen unruhig, obwohl wir schon einige male geübt hatten. Ich liess die bereits mit dem Bosal gezäumte Moon rasch stehen und vertraute darauf, dass sie nirgens hinging, denn ich wollte Jonas noch bei Shira helfen. Wir zäumten die Ponystute über dem Knotenhalfter und ich nahm sie später beim Aufsteigen zunächst zusätzlich als Handpferd an den Strick. Als alle oben waren, ritten wir eine Runde zur Galoppwiese und dem Waldrand entlang. Zum Glück konnte ich mich so gut auf Moon verlassen, denn die Stute liess sich ausgezeichnet von mir dirigieren und zickte auch nicht, wenn wir Jonas mit Shira helfen mussten. Einmal wollte die unerfahrene Ponystute zum Beispiel nicht an einem Holzhaufen vorbei, sodass ich Moon kurzerhand nutzte, um sie vorwärts zu treiben. Auch mit den frischen Vollblütern war Moon jeweils Gold wert als Trackpony. Ich kraulte sie dankbar durch die dichte Mähne am Hals, als wir das Hindernis geschafft hatten.

      Den ganzen Morgen über ritt oder longierte ich verschiedene Pferde, kurz vor dem Mittag musste ich aber auch noch etwas Buchhaltung für Pineforest erledigen und mich daher in mein Schreibzimmer begeben. Danach hiess es Mittagessen kochen. Lily erzählte uns von nervigen Lehrern und Mitschülern, das Übliche. Sie schien froh, dass sie am Nachmittag keine Schule hatte und zu den Pferden konnte. Sie erklärte stolz, dass sie mit Areion heute Geländesprünge üben wollte. Ich hielt das allerdings für keine gute Idee angesichts des nassen Bodens und weil ich heute keine Zeit hatte sie dabei zu coachen. Es war mir einfach doch noch etwas zu riskant die beiden alleine an den teils massiven Hindernissen üben zu lassen, auch wenn sie nicht hoch eingestellt waren. Lily war natürlich enttäuscht, aber ich munterte sie auf indem ich ihr anbot, dass wir später zusammen mit den Fohlen spielen konnten und überzeugte sie, stattdessen mit Areion heute Abend zu Elliot in die öffentliche Dressurstunde zu gehen. Nach dem Essen nahm ich die Hunde mit zu den Miniature Horses. Die kleinen Pferdchen wollten schliesslich auch gepflegt werden und hatten sich schonmal schön schlammig gemacht, damit sie auch nicht zu kurz kamen. Während die Hunde durch das halbhohe Gras streunerten, begann ich Arco zu putzen. Der silbergraue Hengst hatte jetzt mit dem Winterfell deutlichere Dapples als im Sommer – früher war es manchmal noch fast umgekehrt gewesen. Seine fast ganz weisse Mähne war mit ein paar Dreck-Rastas versehen, welche sich aber gut entfernen liessen. Das wollige Winterfell striegelte und bürstete ich ausgiebig, aber die beine waren nicht gerade einfach sauber zu bekommen, so feucht wie sie waren. Ich putzte sie so gut es ging, verschwendete aber auch nicht zu viel Energie daran, denn er würde ohnehin bald wieder für Shows geschoren werden. Dasselbe war es auch mit Lenny und Becks. Wobei ‚Red’ schon vor dem Putzen von allen noch am besten ausgesehen hatte. Bei den Stuten war Lewis mittlerweile mit dem Misten fertig und bürstete nun ebenfalls fleissig die dichte Wolle der Vierbeiner. Er war mit Rose schon fertig und kümmerte sich gerade um Tigrotto. Ich schlüpfte unter dem Zaun durch und fing Lady ein. Die Fuchsstute folgte mir willig zum Zaun und liess sich genüsslich von mir massieren. Sie sah so edel aus, trotz des Winterfells, wenn sie ihren Hals vor Wohlsein rund machte. Mit den beiden Youngsters, Kiwi und Tiki, wollte ich einen kleinen Spaziergang machen. Lewis nahm bei der Gelegenheit auch gleich Queenie und Papillon mit. Die beiden hatten heute frei (sie waren gestern auf einer längeren Trainingsfahrt gewesen) und so ein Spaziergang war bestimmt lockernd für die beanspruchten Muskeln. Wir gingen mit den vier Ponys zum Fluss und über die Feldwege um Pineforest herum. Auf dem Heimweg begegneten wir Lily, die mit Peppy ohne Sattel und mit dem Stallhalfter unterwegs war. Ich rief ihr nach, dass sie bei der Strasse vorsichtig sein solle und erntete nur ein klangvoll ausgerufenes „Ich we-iss“. Lewis grinste nur belustigt und wir plauderten weiter über die kommenden Fahrturniere.
      Während Lily noch im Gelände herumdümpelte, ging ich schonmal zu Thairu, dem Zebra. Sie und Zazou, den wir ab und zu aus Gewohnheit immernoch Dante nannten, standen Popo-an-Kopf nebeneinander unter dem geschützten Unterstand, den wir für sie gebaut hatten. Beide hatten kaum Winterfell aufgrund ihrer Art, vertrugen die Kälte im Winter aber trotzdem ziemlich gut, solange sie einen Rückzugsort hatten. Ich trainierte im Moment nicht mehr so oft mit Thairu, weil mir die Zeit dazu schlichtweg fehlte. Ich hatte aber nicht das Gefühl, dass ihr das schadete. Im Gegenteil; sie vergass kaum etwas zwischen den Trainingseinheiten und war jeweils entspannt, wenn wir wiedermal mit ihr arbeiteten. Ich putzte sie heute nur gründlich durch, ebenso wie den Wildesel neben ihr. Thairu mochte es besonders an ihrem Unterhals gestreigelt zu werden. Aber auch Zazou hatte eine Lieblingsstelle, nämlich hinter seinenen langen Löffeln. Ich klopfte dem Zebra beim Gehen auf den Po und begab mich in Richtung Fohlenweiden. Lily hatte Peppy versorgt und kam angerannt, als sie mich sah. „Was wollen wir mit ihnen üben?“, fragte ich meine Nichte, sobald sie in Hörweite war. „Blachen! Und den Gymnastikball, und vielleicht Flattervorhang?“ „Ich glaube Ball und Blachen reichen für heute, aber wir können noch ein paar Kegel aufstellen und Führtraining machen.“ „Ja!“ Sie lief voraus zur Halle, denn im Bereich vor der Reiterstube hatten wir einen Lagerraum für das ganze Bodenarbeitsmaterial. Ich folgte und gemeinsam trugen wir die Übungsgegenstände zu den Weiden. Die Hunde waren wie immer mit dabei, und bei der Halle waren wir dem Kater Kafka begegnet, der uns von der Treppe zur Tribüne aus scharfäugig beobachtete hatte. Als erstes wurden wir bei den Weiden von Skyrim begrüsst, der Lily sofort seine rosa Schnauze ins Gesicht streckte. Das erstaunte mich nicht sonderlich, so viel, wie sich meine kleine Nichte mit dem Reitpony beschäftigte. Auch die anderen Hengstfohlen kamen neugierig näher, während wir den ‚Parcours‘ aufstellten. Cupid begann sogar frech an der Blache herumzuzupfen und sie mit dem Huf zu bearbeiten. Simply blieb erstmal auf Abstand, traute sich dann aber doch neben Cupid an der blauen Blache zu schnuppern. Übrigens waren die Vollblutfohlen mittlerweile abgesetzt worden und nach Pineforest umgezogen. Das Verladen der halbjährigen war natürlich ein riesen Ereignis gewesen, mit viel Gequietsche und grossen Augen. Aber am Ende hatte alles ohne Zwischenfälle geklappt und die Fohlen waren gut angekommen. Als wir alles bereitgestellt hatten, holte ich zwei Halfter und Stricke damit wir das Führtraining machen konnten. Selbstverständlich behielt ich Lily die ganze Zeit im Auge, während sie zuerst Skyrim und danach Clooney durch die Pylonen führte. Sie hatte die Anweisung den Strick einfach loszulassen, falls sich einer der Halbstarken erschrecken sollte. Ich selbst führte Mambo an den Gymnastikball heran, bis er ihn mit den Vorderbeinen wegschubste. Er erschreckte sich leicht, liess sich aber erneut auf mich ein und war bei den weiteren Versuchen schon viel mutiger. Solas kam natürlich auch dran und zeigte bei den Blachen bereits jetzt Nervenstärke. Ich war sicher, dass er einmal ein hervorragendes Trailpferd werden würde.
      Bei den Stuten lief es ähnlich ab; die meisten waren ziemlich neugierig und untersuchten die Mitbringsel. Besonders die älteren wie Sarabi, Daedra, Snowflake, Fire und Dolly hatten schon einige solcher Spieleinheiten hinter sich und kannten die Gegenstände. Aber auch Cranberry traute sich sofort heran und bearbeitete den Ball mit ihren Fohlenzähnen. Ich war froh, dass Chime jetzt auch auf Pineforest war und ich sie jeden Tag im Blick hatte. Ella hatte zwar gute Arbeit geleistet und sich ausreichend um das schwächliche Stutfohlen gekümmert, aber mir war trotzdem wohler, wenn ich mich selber um sie kümmern konnte. Sie war und blieb ziemlich schmal, man sah auch ihre Rippen recht gut. Aber laut dem Tierarzt war sie soweit über dem Berg und mit genügend Futterzusätzen würde sie auch gross werden. Es war natürlich eine aufwändige Zukunft, die da vor uns lag, doch für das hübsche Stutfohlen wollte ich keine Mühen scheuen. Sie war mir schon so ans Herz gewachsen, dass ich sie keinesfalls loslassen könnte, auch wenn Oliver skeptisch war, ob die kleine jemals eine Zukunft als Rennpferd haben oder überhaupt gesund bleiben würde. Ich wollte es wenigstens versuchen und ihr diese Chance geben. Weniger dramatisch stand es um die dratige, grobknochige Karma. Sie war ein richtiger Brocken, und ich schätzte, dass sie wohl ein ordentliches Stockmass erreichen würde. Wegen ihrer langen Beine sah es lustig aus, wenn sie grasen wollte. Sie stand dann jeweils vorne ganz breit auseinander. Nun fehlte nur noch Indy, die immernoch bei Ella stand, weil sie ungefähr zwei Monate jünger als die anderen Fohlen war. Ich freute mich schon darauf, endlich alle Fohlen auf dem Hof zu haben. Lily und ich versorgten alles wieder in der Halle, sobald wir fertig waren. Danach gingen wir erstmal ins Haus um uns mit einer Tasse Tee aufzuwärmen, denn es war bereits am Vormittag eine kühle Bise aufgezogen, die sich hartnäckig gehalten hatte. Immerhin war der Himmer klar und blau. Lily ging später wie beschlossen in die Dressurstunde und ich kümmerte mich um zwei neue Pensionäre – denn ich hatte beschlossen, die leeren Boxen auf Pineforest zu vermieten. Im Moment standen schon zwei auswärtige Pferde im Stall, und eines davon war unser alter Freund Fajir. Der Besitzer war sofort mit ihm zurück hierhergezogen, als er von den freien Boxen erfahren hatte. Er war ohnehin seit er den Cremello besass zu uns in die Reitstunden gekommen, und nun konnte der begeisterte junge Herr auch von der restlichen Infrastruktur von Pineforest profitieren. Heute waren nun noch ein weiteres mir unbekanntes Pferd, und Majandro angekommen, den ich ebenfalls vor einer ganzen Weile verkauft hatte. Ich war sicher, dass auch noch weitere der Pferde folgen würden, die ich in unsere Nachbarschaft abgegeben hatte.

      Gegen halb Zehn Uhr klingelte das Telefon bei uns erneut. Ich liess Jonas rangehen, da ich gerade Wäsche bügelte, weil unsere Putzfrau (jawoll, so faul war ich seit Jahren) mit Grippe im Bett lag. Ich lauschte mit einem Ohr dem Gespräch und mein Puls schlug schneller, als ich mir zusammenreimte, worum es ging. „Sie haben sie gefunden?“, hauchte ich zu Jonas, der mir grinsend einen Daumen hoch als Antwort gab, während er dem Beamten zuhörte. Ich machte förmlich einen Freudensprung und konnte es kaum erwarten, die Details zu hören. „… Okay, we’ll pick them up right tomorrow, if that is possible. Yeah sure. Thank you so very much.“ Er legte auf und ich umarmte ihn erstmal vor Erleichterung. “Sie wurden in der Nähe von Southampton in einem Schuppen gefunden. Offenbar wollten die Diebe sie demnächst bei einer Nacht und Nebel Aktion per Schiff nach Frankreich und von dort aus mit gefälschten Papieren weiter transportieren. Die Polizei hat die Dokumente beschlagnahmt, es war offenbar alles schon vorbereitet. Wir hatten Glück, denn es wäre schwierig geworden, sie im Ausland aufzuspüren. Wir können sie morgen holen gehen – ach ja, und sie seien in einem recht guten Zustand, also ist ihnen nichts weiter passiert.“ Mir kamen beinahe Freudentränen, was mich erstaunte, weil ich normalerweise nicht so nah am Wasser gebaut war. Vielleicht werde ich doch langsam zu einem normalen Menschen wie alle anderen, überlegte ich im Stillen. Falls ja, liegt das definitiv an dem guten Einfluss meiner grossen Familie hier.

      © Occulta // 20947 Zeichen
    • Wolfszeit
      Halloween 2017 | 31. Oktober 2017

      Nosferatu, PFS’ Dancin‘ to Jazz, Moon Kiddy, Dancing Moonrise Shadows, Diarado, Rapunzel, Fake xx, PFS’ Shadows of the Past, Areion, Dakota S, Chocolate Chip, Cabinet of Caligari

      Die Herbstliche Stimmung auf dem Ausritt war einfach wundervoll. Die Bunten Blätter, die im Wind von den Bäumen rieselten und unter Moons Hufen raschelten, die nach feuchter Walderde riechende Luft und die Mischung aus Kälte und warmen Sonnenstrahlen waren allesamt Dinge, die ich am Herbst unglaublich mochte. Trotzdem war auch eine gewisse Melancholie dabei, wenn man daran dachte, dass sich die Natur bis im Frühjahr schlafenlegen würde und viele der Vogelstimmen erst dann zurückkämen. Ich hoffte, dass es dieses Jahr wieder viel Schnee geben würde, damit wir ausgiebige Schneegalopps geniessen konnten. Moon lief in ihrem fleissigen Zackel-Schritt vorwärts und schielte unter ihrem mächtigen Schopf hindurch. Sie hatte die Ohren entspannt nach vorne gerichtet und trug den Schweif leicht angehoben. Hin und wieder kraulte ich sie am Widerrist, während wir so dahinritten. Sie schnaubte manchmal und machte den Hals schön rund, wenn ich das tat. Ich liess sie aber am langen Zügel laufen, denn wir hatten keinen Grund für Anstrengung. Ich hatte Moon Satteltaschen aufgeschnallt, denn der Ausritt führte uns in eines der umliegenden Dörfer zum Kürbisse Holen. Eigentlich hatte ich Jonas mitnehmen wollen, doch er war nicht mehr aufzufinden gewesen. Ich hatte eine Viertelstunde auf ihn gewartet, bevor ich alleine losgeritten war. Eine gewisse Enttäuschung konnte ich daher nicht verbergen. Aber was soll’s, dachte ich seufzend, ich schaffe das ja auch ganz gut alleine. Ich steuerte Moon auf einen Feldweg am Waldrand mit breitem Grasstreifen, auf dem wir gut galoppieren konnten. Moon brauchte ich nicht zweimal zu bitten; sie wartete förmlich auf meine Hilfen zum Galopp. Wir bretterten den Weg entlang bis zu einer Gabelung, bei der ich wieder abbremste und Moon auf den Feldrand driften liess, um ihre Barhufe zu schonen. Hier war der Weg nämlich zu meinem Bedauern wieder ein ordentlicher, gepflegter Kiesweg ohne Mittelstreifen. Wir kamen gut ohne Hufschuhe aus, solange ich ein wenig Acht gab und nicht den ganzen Tag auf Teer Ritt. Die Stute hatte starkes, hartes Horn, das durch die tägliche Anregung genug schnell wuchs, um den Abrieb auszugleichen. Ich hatte aber ohnehin festgestellt, dass meine Criollos allesamt gute Hufe hatten und problemlos ohne Eisen laufen konnten. Als wir wenig später auf eine kleine Landstrasse trafen, hörte ich plötzlich Hufgeräusche näherkommen. Ich drehte mich um und hielt Moon, denn wer da kam war niemand geringeres als Jonas. Er trabte auf Shadow zu uns. «Hey. Sorry, ich musste noch was erledigen. Tut mir echt leid, dass du ohne mich losreiten musstest», entschuldigte er sich mit ehrlichem Gesichtsausdruck. «Schon okay, Hauptsache du hast es noch geschafft. Was musstest du denn machen?» «Ach, nicht so wichtig. Ajith helfen und so.» Ich runzelte leicht die Stirn, sicher, dass ich im Hauptstall auch nach ihm gesucht hatte; sagte aber nichts weiter und überquerte mit Moon als erste die Strasse. Er wird schon seine Gründe haben, überlegte ich. Bestimmt eine Halloween-Überraschung. Ein triumphierendes Schmunzeln breitete sich auf meinem Gesicht aus, als ich sah, wie er mich leicht missmutig musterte – es stand ihm förmlich ins Gesicht geschrieben dass er ahnte, dass ich ihn bereits durchschaut hatte. Shadow war nicht besonders sauber geputzt. Sie hatte noch Staub auf der Kruppe und Krusten in der Mähne. Offenbar hatte er sie nur rasch durchgebürstet, um mich noch einzuholen. Ich tadelte ihn liebevoll und er musste versprechen, die Stute mit den blauen Augen später noch richtig zu putzen. Wenigstens hatte er sich noch die Zeit genommen, ebenfalls Satteltaschen zu montieren. So konnten wir mehr Kürbisse mitnehmen. Wir erreichten den Bauernhof und banden die Pferde rasch bei einem Brunnen an, während wir einkauften. Ich fand noch eine Flasche Traubensaft von meiner Lieblingssorte, der ich nicht widerstehen konnte. Mit vollen Taschen machten wir uns auf den Heimweg.

      Auf Pineforest Stable versorgten wir die Pferde und stellten die Kürbisse auf der Veranda auf, um sie später mit Lily zusammen zu schnitzen. Sie würde um halb fünf von der Schule zurücksein, sodass ich bis dahin noch etwas Zeit für Diarado hatte. Der Hengst brummelte mir wie fast immer zu und genoss die anschliessende Putzeinheit sehr. Er war nicht richtig schmutzig, nur die Beine waren ein wenig mit Schlamm bespickt. Ich kämmte den vollen, glänzenden Schweif und die kurze Sportmähne. Sogar die Hufe fettete ich rasch ein. Er sah einfach unglaublich schick aus, als ich ihn wenig später zum Roundpen führte. Sein Winterfell war ziemlich spärlich, sodass ich ihn vielleicht nicht einmal Scheren musste – oder höchstens den Bauch. Er hatte wundervolle Muskeln und war schön schlank, ein richtiger Prachtkerl. Da war es nicht verwunderlich, dass es mittlerweile einige Fohlen von ihm gab. Ich schickte den Hengst raus auf den Zirkel und liess ihn im Schritt warmlaufen. Dann klickte ich und er trabte schwungvoll an. Er war heute etwas wild und lief folglich immer ein wenig schneller als beabsichtigt. Ich hielt ihn so gut es ging mit meiner Körpersprache im Zaum und arbeitete so eine gute halbe Stunde lang an den Übergängen. Besonders die Schritt-Galopp, bzw. Galopp-Schritt Übergänge machten wir ausgiebig, denn die waren pures Krafttraining für die Hinterhand. Ein paarmal gelang mir sogar ein Stand-Galopp Übergang mit dem heute eher ungeduldigen Zeitgenossen. Ihm schien das Training zu gefallen, denn er wurde mit der Zeit richtig fleissig, wenn nicht übermütig. Am Ende lockte ich ihn zu mir und lobte ihn ausgiebig mit Halskraulen und ein paar Leckerlies. «Freu dich auf die Weihnachtszeit, mein Grosser – dann machen Lily und ich wieder selbstgebackene Belohnungen für dich und deine Kumpels», flüsterte ich, als er sich genüsslich das Maul ableckte und mit einem Hundeblick nach Mehr fragte. Er traute sich nicht, meine Taschen zu durchsuchen, was mir zeigte, dass er genug Respekt vor mir hatte, um seine Grenzen zu kennen. Stattdessen liess er sich brav wieder in den Stall führen und wartete vor der halboffenen Boxentür, bis ich die Hufe ausgekratzt hatte. Danach durfte er hinein und über seine Karotten herfallen. Während die Karotten geräuschvoll zerkleinert wurden, versorgte ich die Ausrüstung und begab mich pünktlich zurück zum Haus, denn Lily und jemand weiteres kamen dort auch gerade an. «Huch, wer ist denn das?», fragte ich verwundert, denn es handelte sich um ein Mädchen in Lilys Alter, das sie mir noch nicht vorgestellt hatte. «That’s Suri, she’s a friend from school» Das dunkelhäutige Mädchen, offenbar Indischer Abstammung, schüttelte mir lächelnd die Hand – sie schien nicht schüchtern zu sein. «I invited her for Halloween, is that okay?», fuhr Lily fort. «Yeah, sure. Pumpkins are here, I’ll go and get the tools for you guys.» Ich holte rasch Schnitzer und Löffel aus der Küche, während die beiden sich die ersten Kürbisse schnappten und überlegten, wie sie sie gestalten wollten. Am Anfang blieb ich dabei und machte selber auch ein Kürbisgesicht, doch weil ich sah, dass die beiden mit den Messern umgehen konnten, machte ich mich nach einer Weile aus dem Staub, um Shira zu reiten. Jacky begleitete mich und legte sich auf dem Kiesweg an die wärmende Sonne, während ich die Reitponystute rausholte und zu putzen begann. Sie war etwas zappelig und hängte sich zweimal rückwärts ins Seil, weil sie sich einmal vor einem umfallenden Besen und einmal vor Kater Kafka erschreckte. Der Mäusejäger war aus dem Inneren von einer der Boxen auf den Rand der Tür gehüpft und anschliessend in Richtung Hauptstall weggerannt. Ich beruhigte die Stute jeweils mit der Stimme und führte sie wieder in die Ausgangsposition zurück. Sie war mit dem Knotenhalfter angebunden, damit sie sich nicht losreissen konnte und gar nicht erst lernte, am Halfter zu ziehen. Shira seufzte laut und ich schmunzelte. «Ohjeh, da hat dich der Bettvorleger aber ganz schön erschreckt, du arme» Ich kratzte ihr noch die Hufe aus, die sie mir dank des ausgiebigen Fohlentrainings artig gab. Dann sattelte ich die junge Ponystute und führte sie mit dem Knotenhalfter auf den Sandplatz. Ich knotete den Führstrick zu einem Zügel und kletterte mit der Aufstieghilfe auf ihren Rücken – nicht weil sie zu gross war (was sie als Pony sicherlich nicht sein konnte), sondern weil das für sie am Anfang noch angenehmer war und ich beim Einreiten immer darauf achtete, es den Pferden möglichst leicht zu machen. Shira war ja erst seit ein paar Tagen richtig unter dem Sattel und noch vollkommen grün. Wir ritten sie im Moment meistens mit dem Knotenhalfter, zwischendurch aber auch schon mit Trense. Das lag daran, dass ich im Falle eines Schreckmoments, oder falls wir nicht einer Meinung waren keinesfalls ausversehen im Maul ziehen, und so das Reiten schmerzvoll machen wollte. Sie sollte von Anfang an alles positiv verknüpfen und keine schlechten Erfahrungen machen. Ich wärmte die Ponystute im Schritt auf und trabte dann in fleissigem Tempo an. Die Stute hatte aufgrund ihrer unausgereiften Bemuskelung und Unerfahrenheit verständlicherweise Mühe mit der Balance und glich dies durch Geschwindigkeit aus. Ich bremste sie nicht zu sehr, sondern achtete stattdessen darauf, dass sie die Hinterhand aktiv benutzte und in den Kurven leichte Stellung zeigte. So war es ein lockeres Vorwärtstraben am mittellangen Zügel. Bevor ich mich am Angaloppieren versuchte (unser allererster Versuch unter dem Sattel), nahm ich die Zügel mehr auf und trieb sie in die Anlehnung hinein. Natürlich war das noch alles andere als konstant, aber ich war zufrieden mit der Nachgiebigkeit und Kooperation der Stute. Man spürte deutlich, dass sie sich Mühe gab und alles richtigmachen wollte. Ich bog auf die grosse Mittelvolte und gab die Hilfen zum Galopp. Zur Unterstützung nutzte ich meine Stimme; die entsprechenden Kommandos kannte sie ja vom Longieren. Sie wurde zunächst nur schneller und bekam ein Durcheinander, aber ich sammelte sie wieder und versuchte es erneut. Sie machte ein paar holprige Schritte, dann waren wir in einem schnellen, aber schwungvollen Galopp. Sie war sogar auf Anhieb richtig eingesprungen. Stolz streichelte ich ihren Hals und liess sie nach einer halben Runde bereits durchparieren. Ich wollte sie nämlich nicht in den Trab fallen lassen, was gewiss wenige Momente später geschehen wäre, sondern bewusst in den Trab übergehen. Ich versuchte dasselbe auf die andere Seite, was wieder ein paar Versuche in Anspruch nahm – offenbar ihre schlechtere Seite. Danach liess ich sie bereits austraben und stieg ab, um sie trockenzuführen. Sie hatte in ihrem Winterfell ein wenig geschwitzt, jedoch nicht übermässig und vor allem unter dem Sattel, was ich als gutes Zeichen wertete. Ich gab ihr eine kleine Belohnung, führte sie einige Runden und brachte sie dann zurück in den Nebenstall. Als ich mich umdrehte, um die Boxentür zu schliessen, sah ich Jacky mit einer Maus im Maul zurückkehren. «Pfui!», rief ich und nahm sie ihr weg, damit sie sie nicht auffrass. Die Maus war sowieso schon tot, aber ich wollte nicht, dass meine Jack Russel Hündin sich Würmer oder Sonstiges einfing. Es erstaunte mich keineswegs, dass Jacky die Maus erwischt hatte; sie war sehr flink und zeigte öfter Interesse an vorbeihuschenden Nagern.

      Als ich zu den beiden Kürbisschnitz-Künstlerinnen zurückkehrte um ihre Werke zu bewundern, hatten sie bereits den grössten Teil der Kürbisgesichter fertiggestellt. Lilys Freundin hatte ein gutes Händchen fürs Basteln wie es schien, denn ihre Kürbisse konnten mit meiner Vorlage gut mithalten. Lily verschnitt sich noch ab und zu, oder machte die Kanten nicht ganz sauber. Aber was konnte man von einer Zehnjährigen erwarten? Ich lobte die beiden jedenfalls bewundernd und holte schonmal Kerzen von drinnen. Anzünden wollten wir sie natürlich erst, wenn es ganz dunkel war. Bis um sieben Uhr machte ich Bodenarbeit mit Dancin’ to Jazz, um die Appaloosa Stute mutiger und aufmerksamer zu machen. Die beiden Mädchen sahen mir dabei zu. Die Hunde waren Anfangs auch alle dabei, doch Sheela und Jacky standen nach zehn Minuten gelangweilt von ihrem Platz im Sand auf und verliessen die Halle zusammen mit Lily, die Areion holen wollte. Wenig später führte meine Nichte ihren Teddy rein und zeigte Suri stolz, wie brav er war. Sie führte ihn über die Trabstangen, liess ihn mit dem Hinterteil weichen und rückwärtsgehen. Areion spielte mit, wenn auch etwas unmotiviert, wie mir schien. Das lag vielleicht daran, dass er um diese Zeit lieber in der Box bei seiner Heuration gewesen wäre. Suri schien es Spass zu machen, die Vierbeiner zu beobachten, doch sie blieb auf Abstand und Lily konnte sie höchstens zu einem Streicheln ermutigen. Als wir die Pferde versorgt hatten und uns im Nordstall vor Areions Box trafen, fragte ich sie deshalb, ob sie Angst vor den grossen Huftieren hatte. «A little bit. And my father told me to be careful…» «Do you want to try leading one that’s a little less scary?», fragte ich mit einem Zwinkern zu Lily. Die verstand sofort und machte ein begeistertes Gesicht. Suri antwortete etwas zögerlich, als würde sie dunkles ahnen, «Sure.»
      Wir liefen zu den Miniweiden und ich öffnete das Tor zu den Stuten. Daki kam mit einem übertriebenen Grunzen, das fast schon in ein quiekendes Wiehern ausartete, angaloppiert. Auch die restliche Herde liess nicht lange auf sich warten. Suri stiess ein überraschtes «Awwww!» aus. Ich gab Daki lachend ein Stück Karotte für ihren Auftritt und kraulte auch die restlichen Ponys, die sich nun im Dunkeln alle um uns drängten, rasch am Hals. Suri wusste gar nicht, wen sie zuerst streicheln sollte. «They are almost like Dogs! That’s sooo cute!» Lily erklärte rasch ein paar Fakten zu den Minis, während ich überlegte, welche man am besten mit in die Halle nehmen konnte. Ich holte drei Halfter und Stricke von den Haken an der Wand des Offenstalls. «Lily, you take Chip, Suri can take Queenie.» Ich deutete auf die gescheckte Ministute und Suri nickte mit einem Ausdruck von gespannter Freude. Ich selbst halfterte meine übermütige Daki, hielt das Tor für die anderen auf und hielt die restlichen Minis zurück, damit sie uns nicht aus der Weide folgten. Wir brachten die drei Ponys in die gut beleuchtete Halle. Zuerst zeigte ich Suri ein paar Grundlagen bezüglich dem Führen von Pferden, zum Beispiel, dass sie selbstsicher sein musste und sich nicht bedrängen lassen durfte. Ich zeigte ihr, wie man die Ponys weichen liess und die Schulter eindrehte, um sie wieder heranzulocken. Lily stellte unterdessen ein paar Pylonen in den Sand und legte ein paar Stangen hin, über die wir die Ponys anschliessend drüber führten. Queenie machte ihren Job ausgezeichnet: sie reagierte brav auf die richtigen Körpersignale, stellte sich aber stur, wenn Suri Fehler machte oder zögerte. Am Ende schien das Indische Mädchen begeistert über die Übungen und vergass beinahe die Zeit. «I’m sorry, I have to go home now…», meldete sie betrübt. «Do you have your own halloween-party at home?» «Nope.» «But it would be so nice if you could stay here with us!», jammerte Lily. «Can’t you call your Dad and ask if you can stay?» «I could try…», antwortete Suri mit einem fragenden Blick an mich. Ich nickte, zum Zeichen dass ich auch einverstanden war. Wir brachten die Ponys zurück in den Offenstall, dann gingen wir ins Haus und das Mädchen telefonierte rasch mit ihren Eltern. Ich sprach ebenfalls kurz mit Suris Mutter, damit ihre Eltern wussten, bei wem sich ihre Tochter befand. Suri durfte bei uns bleiben und in Lilys Zimmer übernachten. Wir assen alle gemeinsam zu Abend mit den Pflegern – ein letzter Grillabend für dieses Jahr. Da es ganz schön kalt war, holten zusätzlich zu unseren Jacken und Schals ein paar Wolldecken, um es uns richtig gemütlich zu machen. Suri und Lily sassen auf einer Decke im Gras und plauderten eifrig über die Ponys. Gegen neun Uhr kamen Jonas und Lewis auf die kindische Idee, mit einer Fackel und den Kürbissen in den Wald zu gehen, um die Mädchen zu erschrecken. Sie heckten flüsternd einen Plan aus. Ich bekam nur Fetzen davon mit, doch es klang so, als wollten sie Fake mitnehmen und irgendwas unheimlich leuchten lassen. Jedenfalls verschwanden die beiden kurz darauf, mit dem Kommentar «we go shopping». Ich verdrehte die Augen, war aber gleichzeitig gespannt zu sehen, was sie sich ausgedacht hatten. Während sie weg waren, gingen die Mädchen mit den Hunden hinter dem Haus bei den Büschen spielen und ich unterhielt mich mit Quinn über die Vollblüter. «How was Caligari today?» «Quite fit. She topped her personal record over a distance of one mile.» «Thats great news – so you think she will be ready for spring?» «Yep.» Im Frühling standen einige wichtige Rennen an, und es freute mich zu hören, dass Cab daran teilnehmen können würde. Vorausgesetzt natürlich, dass bis dahin nichts schiefging.

      Jonas und Lewis waren eine Stunde später zurück. Sie erzählten Lily und Suri von einem Geisterritual im Wald, welches sie gerne ausprobieren würden. «Of course we don’t believe in such fairytails, but it would be fun to prove it wrong, right?» Die Mädchen waren etwas skeptisch, liessen sich dann aber darauf ein. Quinn und ich begleiteten die vier in den Nebenstall, denn wie Lewis erklärte, brauchte man für das Ritual ein dunkles Pferd. Lily rief bei der Gelegenheit auch gleich Suri zu Nosferatus Box. «Suri, look! This is my newest pony, Nossi.» Die beiden streichelten Nosferatu, die über so viel Aufmerksamkeit nicht abgeneigt schien. «She is really beautiful», meinte Suri bewundernd. «And she is a perfect riding pony. She is always focused and well-behaved. That’s right, she would be a perfect partner for you! You can join me and Areion in Elliots dressage lessons!», beschloss Lily plötzlich übermütig. Ich bremste sie ein wenig in ihrer Begeisterung und erinnerte sie daran, dass Suri gerade erst Stallluft geschnuppert hatte. Vielleicht wollte das Mädchen ja gar nicht reiten? Suri lächelte erstmal überrumpelt, meinte dann aber, dass sie sich durchaus vorstellen könnte, sich mal auf ein Pony zu setzen, sofern ihre Eltern damit einverstanden seien. Ich bestärkte sie darin, zuerst zuhause nachzufragen, freute mich aber über die Aufgeschlossenheit des Mädchens. Jonas und Lewis hatten Fake inzwischen rausgeführt und wir liefen nun Richtung Wald. Wir hatten ausserdem eine Fackel und drei der geschnitzten Kürbisse dabei. Wir entschieden uns für eine Stelle am Fluss und stellten die Kürbisse auf. «Now you can light the candles, while we close our eyes and hold our Hands», flüsterte Jonas verschwörerisch. Er streckte die Hand mit einem Grinsen in meine Richtung aus und ich nahm sie eifrig. Während ich meine Augen geschlossen hatte, schickte Lewis, der es mal wieder nicht lassen konnte, einen Händedruckimpuls in die Runde. Das dadurch entstehende, gelegentliche, belustigte glucksen schadete meiner Meinung nach zwar ein wenig der Ernsthaftigkeit des ‘Rituals’, aber ich war ja selbst mitschuldig. Die Mädchen schienen nichts zu merken und erschraken plötzlich geräuschvoll. Ich öffnete die Augen und entdeckte in den Gebüschen am Waldrand scheinbar grünlich leuchtende Augenpaare. Ich konnte mir das breite Grinsen nicht mehr verkneifen und gab Jonas einen Stupser in die Seite. «Gut gemacht», flüsterte ich liebevoll. «Manchmal kann ich auch etwas» Wir lachten, denn die Mädchen hatten ohnehin gerade gemerkt, dass es bloss ein Scherz sein musste. Lily stiess ein trockenes «Ha-Ha» aus, brach aber dann doch zusammen mit Suri in richtiges Lachen aus. Nur Fake begriff die Situation nicht so recht und war durch die vorherigen Schreckgefühle der Mädchen noch verunsichert. Sie sah sich laut atmend um und versteckte sich hinter Jonas, als der wieder ihren Führstrick nahm. Lewis und die Mädchen liefen über die Brücke auf die andere Seite und sammelten die LED-Lichterkette in den Büschen ein, während Jonas, Quinn und ich mit der armen Fake zurück zum Stall liefen und ihr dort eine Karotte gaben.

      © Occulta // 20252 Zeichen
    Keine Kommentare zum Anzeigen.
  • Album:
    kalmar.
    Hochgeladen von:
    Mohikanerin
    Datum:
    28 Dez. 2023
    Klicks:
    404
    Kommentare:
    45

    EXIF Data

    File Size:
    47,3 KB
    Mime Type:
    image/jpeg
    Width:
    960px
    Height:
    640px
     

    Note: EXIF data is stored on valid file types when a photo is uploaded. The photo may have been manipulated since upload (rotated, flipped, cropped etc).


  • Teddy ist 15 Jahre alt.

    Aktueller Standort: Kalmar Stuteri, Kalmar [SWE]
    Unterbringung: großes Stallgebäude; Box [9h], Paddock [15h]


    –––––––––––––– s t a m t a v l a

    Aus: Unbekannt (IRE) [Tinker]
    MMM: Unbekannt ––––– MM: Unbekannt ––––– MMV: Unbekannt
    MVM: Unbekannt ––––– MV: Unbekannt ––––– MVV: Unbekannt


    Von: Unbekannt (IRE) [Tinker]
    VMM: Unbekannt ––––– VM: Unbekannt ––––– VMV: Unbekannt
    VVM: Unbekannt ––––– VV: Unbekannt ––––– VVV: Unbekannt



    –––––––––––––– h ä s t u p p g i f t e r

    Zuchtname: Areion
    Rufname: Teddy
    Farbe: Brauner Schecke (Tobiano)
    [Ee Aa nT]
    Geschlecht: Hengst
    Geburtsdatum: 2008
    Rasse: Gypsy Vanner (Sec B) (Tinker) [x]
    Stockmaß: 153 cm

    Charakter:
    ausgeglichen | lieb | verschmust | geduldig | fleissig | ab und zu etwas stur

    Der Hengst hat charakterlich viele Seiten, die man erst nach einer gewissen Zeit kennen lernt. Jedoch hat
    er ein an sich ausgeglichenes Gemüt, geht mit Kindern, seinen Bezugspersonen und vor allem Fohlen sehr
    sanft um. Stur wird er nur, wenn er weiß, dass es mit Personen gelingt, die ihn nicht kennen oder auch
    wenn er mal keine Lust hat. Ansonsten ist Areion ein sehr lernwilliger Partner und bemüht sich in jeder
    Hinsicht alles recht zu machen. Was er liebt sind Streicheleinheiten, was er nicht so gern mag sind laute
    und störende Geräusche. Er würde in keinster Weise losrennen, dennoch zieht er sich in diesen Situationen
    zurück und spielt missmutig mit seinen Ohren.
    Areion verfügt über einen kompakten, aber überaus kräftigen und gut proportionierten Körper. Er hat
    sowohl einen rassetyischen Ramskopf, mit großen Augen, als auch ein dickes Winterfell inklusive jeder
    Menge Fesselbehang und Bart. Er hat eine gute Brusttiefe und würde sich schon allein durch seine
    körperlichen Auszeichnungen gut in einer Zucht machen.
    Der Hengst ist in seinen GGA sehr ausdauernd, schwungvoll, raumergreifend und trittsicher, was jeden
    Reiter beruhigt. Da Areion oftmals stur und faul sein kann, ist es wichtig konsequent zu bleiben.
    In Irland auf einem der Urgestüte der Rasse gezüchtet, kam Areion schon früh an's Fahren. Bis er fünf Jahre
    alt war musste er keinen Sattel tragen und wurde schließlich bei seinen zweiten Besitzern erst eingeritten.
    Er zeigt hier ein besonderes Talent für's Trail reiten und würde mit etwas Übung sicher auch in anderen
    Western Disziplinen eine gute Figur machen. Nach vier weiteren Jahren landete der schöne Hengst mit den
    auffälligen Stichelhaaren abermals auf einem Tinkermarkt in Irland, wo er vom Bear Brook EC aufgekauft
    wurde um dort nach ein paar Wochen Aufbautraining wieder voller Frische in ein neues zu Hause
    entlassen zu werden.
    Auf dem Pineforest Stable wurde der Hengst weiter in einigen Disziplinen gefördert und von seiner
    Besitzerin Lily sehr geliebt. Nach einigen Jahren wurde sich jedoch dazu entschlossen, dass Areion
    abgegeben würde und Hunter hat sich sehr darüber gefreut, als Occulta ihm das Angebot machte Areion
    zurückzunehmen. Auf dem Gut Schwarzfels wird der Tinker nun gekört und darf sein Leben als Deckhengst
    genießen.


    –––––––––––––– t ä v l i n g s r e s u l t a t

    [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG]

    Dressur S [S'] – Springen L [L] – Fahren A [L] – Western E [E] – Distanz L [M]

    April 2016 Einfahren, Fahren E zu A
    Juli 2016 Probereiten und Training, Dressur E zu A
    August 2016 Training, Dressur A zu L
    Januar 2017 Training, Dressur L zu M
    August 2017 Training, Distanz E zu A
    Juni 2018 Training, Distanz A zu L
    August 2018 Training, Dressur M zu S
    März 2019Training, Springen E zu A
    Mai 2019 Training, Springen A zu L
    Juli 2019 Training, Distanz L zu M

    Ebene: International
    Einsatz: -
    Distanz: -

    März 2016
    [BSW 439] Pferde ohne SW-Schleife

    August 2017
    [SW 475] Pferde mit braunen Augen

    Dezember 2017
    3. Platz, 342. Militaryturnier
    3. Platz, 422. Westernturnier

    Januar 2018
    2. Platz, 425. Neujahrswesternturnier
    1. Auslosung

    November 2018
    2. Platz, 469. Westernturnier
    1. Auslosung
    1. Platz, 370. Distanzturnier

    Mai 2019
    3. Platz, 22. Synchronfahren

    Oktober 2022
    [SW 555] Kaltblüter und Mixe

    x 2023
    x. Platz, x


    –––––––––––––– a v e l

    [​IMG]

    Gekört durch HK 515 im September 2022.

    Zugelassen für: Tinker
    Bedingung: -
    DMRT3: CC [Dreigänger]
    Lebensrekord: -
    Leihgebür: 267 J. [Verleih auf Anfrage]

    Fohlenschau: 0,00
    Materialprüfung: 0,00

    Körung
    Exterieur: 6,03
    Gesamt: 7,03

    "x"

    Gangpferd: 0,00


    –––––––––––––– a v k o m m e r

    Areion hat 0 Nachkommen.
    • 20xx Name (aus: Name)


    –––––––––––––– h ä l s a

    Gesamteindruck: gesund, im Training
    Krankheiten: keine
    Roentgen: ohne Befund

    "x"

    Beschlag: Falzeisen [Stahl], Voll


    –––––––––––––– s o n s t i g e s

    Eigentümer: Name [100%]
    Pfleger: x
    Trainer: x
    Fahrer: x
    Züchter: [IRE]
    VKR / Ersteller: Mohikanerin

    Punkte: _gekört

    Abstammung [0] – Trainingsberichte [0] – Schleifen [0] – RS-Schleifen [0] – TA [0] – HS [0] – Zubehör [0]

    Spind – HintergrundPuzzel PNGEquidenpass

    Areion existiert seit März 2016.