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Rhapsody

Andromeda *

Holsteiner -- im Besitz seit 08/2018 -- Staatsprämienstute -- von Dr. Insektor -- aa ee Ff

Andromeda *
Rhapsody, 21 Aug. 2018
Zaii, Rinnaja, Canyon und 4 anderen gefällt das.
    • Rhapsody
      Steenhof, 12. September
      Charon, Bohéme, Balboa, Simplicity of Sophistication, Painted Basquiat, HGT's Saevitia, A Touch of Peace, Calista, Callisto, Andromeda, Ballroom Blitz, Benihana, Ironic, Ares, Bucky, Painted Blur, Calina

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      Die Sonne war gerade erst aufgegangen, als ich mich in einem dicken Hoodie und Stirnband aufs Fahrrad setzte. Am Himmel waren nur einige Wolken zu sehen, aber der Wind pfiff mir um kurz vor halb 7 schon ordentlich um die Nase.

      Dementsprechend eingefroren waren meine Hände, als ich am Laufstall der Stuten vom Sattel rutschte. Ich lehnte es an die Backsteinfassade des Stalls und streckte meine Finger. Es wurde schleunigst Zeit, sie unter eine warme Mähne zu stecken und zu warten, bis sie wieder aufgetaut waren.

      Zum Glück (für meine Finger) war es nachts momentan so kalt, dass ich aus Vorsicht die Fohlen und ihre Mütter in den Laufstall trieb und die großen Schiebetore verschloss. Calista und Andromeda verbrachten die Nacht dann auf der Wiese und Calina, Benihana und Bucky versuchten sich nicht zu zerfleischen – bis es wieder ein bisschen wärmer wurde.

      Durch die Fenster schien schon warmes Licht auf das Pflaster vor dem Laufstall; als ich das Tor aufzog und den Kopf hineinsteckte, war aber kein Pfleger zu sehen. Innen war es fast schon wohlig warm (aber vielleicht machte das auch einfach der Hoodie), also machte ich hinter mir schnell wieder das Tor zu und huschte zur großen Laufbox auf der anderen Seite der Stallgasse und lugte über die weiße Boxenwand.

      Langsam schienen sich die drei Grazien doch zu arrangieren; während sie die letzten Tage jeden Morgen in einer jeweils anderen Ecke standen, den Hintern den anderen beiden Stuten zugewandt, lag Bucky jetzt entspannt auf der Seite im Stroh, nur wenige Meter daneben Benihana und Calina rundete den kleinen Kreis ab, indem sie am Gatter stand und ein Hinterbein entlastete. Die drei Fohlen hatten da weniger Probleme; Balboa und Charon zogen sich bereits gegenseitig an den Mähnen und Bohème, die noch ein bisschen an ihrer Mama hing, lag zwischen den zwei braunen Stuten. Als sie mich erkannte, sprang sie jedoch sofort auf und spitzte die Ohren.

      „Hallo meine Hübschen,“ flüsterte ich – dann merkte ich, dass mich kein Hauke und kein Fiete hören konnte und räusperte mich. „Na, gut geschlafen?“

      Calina, die mir am nähesten war, blinzelte mich nur mit ihren großen braunen Augen an. Gut, heute nicht gesprächig. Dann machte ich mich halt an die Arbeit.

      Zuerst schob ich die Schiebetore der Laufbox auf, sodass die Pferde hinaus konnten. Benihana und Bohème waren die ersten, die sich in die kühle Morgenluft hinaus trauten und auch, wenn sie die Nacht über genug Heu zur Verfügung hatten, steuerte die beiden eine der Heuraufen an. Mit einer runzelnden Stirn beobachtete ich das und nahm mir vor, das später mit Hauke zu besprechen.

      Calina und Bucky machten beide keine Anstalten, sich auch nur irgendwie zu bewegen, also machte ich mich auf den Weg, die anderen beiden Stuten zu suchen. Andromeda und Calista benutzten den Laufstall so, wie ich es mir gewünscht hatte und wie auch die anderen Stuten ihn bis vor einer Woche benutzen durften. Neben der Liegefläche in der Box, in der die Stuten mit Fohlen die Nacht verbrachten, gab es direkt vor den Schiebetoren der Box ein befestigtes Paddock mit verschiedenen Heuraufen und Tränken. Rechts und links vom Paddock gingen die verschiedenen Weiden ab; erst gestern hatte ich die mittlere geöffnet, und da die zwei anderen Stuten nirgendwo zu sehen waren, vermutete ich sie dort.

      Calista war vor einer Woche erst bei uns angekommen, nachdem ich mich sofort in sie verliebt hatte und Jette, die zum Probereiten mitgekommen war, auch noch ihr Okay gegeben hatte. Sie war noch ein bisschen schüchtern und traute mir noch nicht ganz, aber zum Glück hatte ich Geduld. (Zumindest meistens.)

      Glücklicherweise akzeptierte Calista Andromeda vollkommen, sodass ich die beiden zusammengehuddelt in der hintersten Ecke der Koppel entdeckte. Andromeda hob schon den Kopf und brummelte mir entgegen, bewegte sich aber keinen Schritt. Mit einem freundschaftlichen Tätscheln begrüßte ich sie und inspizierte sie dabei gleich. Die Schramme auf der Brust, die Andromeda bei einem der Rangkämpfen die letzten Tage gekriegt hatte, war schon kaum noch zu sehen. Genauso bei Calista; die hatte sich aber recht schnell gegenüber den drei Müttern durchgesetzt und wurde mittlerweile wieder ziemlich in Ruhe gelassen.

      Auf dem Rückweg schloss sich Andromeda mir an, und Calista kam widerwillig ebenfalls mit. Zu meiner großen Überraschung standen die drei Mütter an ein und derselben Heuraufe und mümmelten genüsslich ihr Frühstück; so konnten sich die beiden anderen ohne Probleme an die nächste Raufe stellen und jeder hatte seine Ruhe.

      Hoffentlich. Mit einem Seufzer strich ich noch Balboa und Charon über die kurzen Mähnen (Bohème waren Menschen noch ganz und gar nicht geheuer und brachte mich daher ganz schön in die Bredouille, was das Fohlenbrennen in ein paar Wochen anging) und machte mich auf den Weg zu den nächsten Pferden.

      Die Jungstuten verbrachten von Ende Mai bis Mitte Oktober ihr Leben auf den Weiden in kleinen Herden. Schon seit frühesten Tagen des Steenhofs waren die äußersten Weiden dafür verplant, aber nachdem die sich die Zucht immer wieder verkleinerte, standen nicht nur die Youngsters des Steenhofs darauf. Mittlerweile war es eine bunte Mischung der umliegenden Züchter – Warmblüter, Kaltblüter, das ein oder andere Pony. Vom Steenhof waren momentan vier Jungstuten dabei; Painted Basquiat und Simplicity of Sophistication mit den jüngeren, HGT’s Saevitia und A Touch of Peace mit den etwas älteren, die ihren letzten Sommer auf der Wiese verbrachten.

      Mein Magen grummelte schon ganz schön, als ich die Kleinen erreichte und vom Rad stieg. Das Frühstück gab es traditionell erst, wenn die Pferde versorgt waren und man sich sicher sein konnte, dass es über Nacht keine Zwischenfälle gegeben hatte. Also waren erst die Youngster dran.

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      Wie fast jeden Tag war ich wieder eine der letzten, die zum gemeinsamen Frühstück in meine eigene Küche stolperte. „Moin,“ rief ich in die Runde, sogar relativ gut gelaunt, und ließ mir durch die gegrummelte Antwort auch nicht den Morgen verderben. Ich quetschte mich auf die Bank zwischen Hauke und Fiete und krallte mir das letzte Croissant aus dem Brotkorb, bevor es jemand anderes tat.

      Wenn der erste Hunger erstmal bekämpft war, ging es an die Tagesbesprechung. Auch bei den Hengsten, um die sich Malte und Fiete heute morgen gekümmert hatten, war alles gut gewesen in der Nacht – keine Zwischenfälle, so wie man das eben wollte.

      An meinen Füßen quetschte sich eine der Corgis und drückte ihre feuchte Schnauze an das kleine bisschen Haut zwischen Hosensaum und Socken. Ohne dass es Hauke sah nahm ich mir ein bisschen Schinken und ließ diesen stückchenweise nach unten verschwinden, während Hauke und Jette über den heutigen Trainingsplan diskutierten.

      Arbeit delegieren, das überließ ich gerne Hauke. Der hatte einfach eine Art an sich, der man nicht widersprechen konnte. Ich hingegen ließ mich gerne überreden und halste mir am Ende alles auf, was getan werden musste. Also riskierte ich einen unauffälligen Blick nach unten – Jelly sah mich mit großen Augen an und schon verschwand das nächste Stückchen Schinken nach unten – und ignorierte Fietes Stoß zwischen die Rippen, als er mich dabei ertappte.

      Delegieren war ein gutes Stichwort: Malte lag mit Sommergrippe daheim im Bett, und somit fehlte einfach ein Paar Hände. Hauke legte die Stirn in Falten und starrte auf den Planer, der vor ihm auf dem Tisch lag. „Also – Fiete macht die Hengste alleine –“ Jetzt stieß ich dem Pfleger neben mir den Ellenbogen in die Seite. Fiete war noch nicht lang hier, hatte erst vor wenigen Jahren entdeckt, dass er was mit Pferden anfangen konnte und Hauke behandelte ihn gerne ein bisschen wie ein rohes Ei. Dass er ihm nun die Ehre erwieß, die zweitheiligsten Pferde auf dem Hof alleine auf die Koppel zu stellen und für die Hygiene im Hengststall verantwortlich machte, war ein großer Schritt Richtung Selbstständigkeit für Fiete. Der bekam nur ein bisschen rote Bäckchen und grinste mich schelmisch an. „– Ich mach den Laufstall, Fritzi spielt Babysitter und Jette guckt, dass alle Pferde, die bewegt werden sollen, bewegt werden.“ Mit einem selbstzufriedenen Grinsen steckte Hauke die Kappe auf seinen Fineliner und trommelte auf dem Tisch. „Na dann.“

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      Während Hauke und Fiete also schon mal misteten, zog ich mich für den Vormittag in mein Büro zurück. Wirklich viel Personal hatten wir auf dem Hof nicht, und wenn, dann arbeiteten sie im Stall mit – dementsprechend blieb der Papierkram an mir hängen.

      War ich dafür qualifiziert? Haha, absolut gar nicht. Aber einer musste es ja tun.

      Also nannte ich die nächsten Turniere, telefonierte mit dem Zuchtverband noch einmal wegen dem Fohlenbrennen. Mitten im Telefonat klopfte es plötzlich am Türrahmen, und als ich mich mit meinem Schreibtischstuhl umdrehte, stand Jette mit einem leichten Lächeln im Büro.

      Jette, Hauke und ich hatten eigentlich irgendwie unser ganzes Leben miteinander verbracht und da wir alle drei die Leidenschaft für Pferde teilten, war es für mich auch selbstverständlich gewesen, das Projekt eigener Pferdehof mit den beiden aufzuziehen. Jette als Pferdewirtin mit dem Schwerpunkt Klassische Reitweise hatte deswegen den Reitpart übernommen und mittlerweile eine kleine Schar an Turnierreitern angesammelt, die den Steenhof repräsentierten.

      Immer noch am Telefon hängend schob ich Jette den Zettel mit den genannten Turnieren über den Tisch. Vorwiegend waren es Springen, das ein oder andere Dressurturnier oder ein Geländespringen für Ballroom Blitz war aber auch dabei. Sie studierte den Zettel kurz, nickte und ging dann wieder aus dem Büro, wahrscheinlich, um sich einen eigenen Plan zu machen.

      Das war der Vorteil von dieser Arbeitsteilung – ich konnte mich jetzt ganz allein auf etwas Wichtigeres konzentrieren, mich aber drauf verlassen, dass das trotzdem funktionierte. Zufrieden trug ich den Termin zum Fohlenbrennen in den Kalender ein, legte auf und wählte dann auch schon die nächste Telefonnummer.

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      Nach einem kleinen Mittagessen packte ich mir die beiden Corgis und schwang mich wieder aufs Fahrrad. Mittlerweile waren die Temperaturen wieder auf um die 17 Grad gestiegen und ich vermisste meine Sonnenbrille, als ich den Weg zum Laufstall einschlug. Jelly ließ sich im Körbchen am Lenker die Sonne auf das rotweiße Fell scheinen; Peanut hingegen lief hinter dem Fahrrad her.

      Die Pferde fanden die beiden Corgis größtenteils langweilig und ließen sich von ihnen nicht stören, wenn die beiden Hündinnen sich über die Weide jagten. Andersherum sah das anders aus; Jelly, die ich schon oft bei meinem alten Job dabeigehabt hatte, ignorierte die Pferde, ließ sich von ihnen auch mal beschnuppern, aber Peanut hatte größten Respekt vor den anderen Vierbeinern. Kam ihr einer zu nahe, nahm die Cardiganhündin Reißaus. Als Training für beide legte ich häufig eine alte Pferdedecke auf den Boden des Putzplatzes, auf dem Peanut dann Leckerlis bekam, während ich die Pferde putzte.

      Jetzt, mit den Fohlen, war das wieder nicht ganz so einfach, da vor allem Balboa äußerst neugierig war und sich anguckte, was da auf dem Boden lag. Trotzdem legte ich die Decke neben die Putzkiste und als ich mit Calina und Charon zurückkam, lagen beide Corgis auf dem karierten Stück Stoff.

      Der Fokus lag ganz auf den Fohlen – von Anfang an hatte ich sie an jegliche Berührungen gewöhnt. Dementsprechend ließ sich Charon auch ohne Probleme putzen und nach ein paar Versuchen gab er mir auch die Hufe. Um ihn machte ich mir die wenigsten Probleme; bis jetzt war er Menschen gegenüber immer sehr aufgeschlossen gegenüber gewesen. Bauchschmerzen bereitete mir dagegen Bohème.

      Ich persönlich hatte erwartet, dass Benihanas Fohlen ein bisschen wurde wie sie – so, wie es häufig ist: Mama lebt vor, Baby macht nach. Bei Benihana und Bohème war es eher so, als wäre die Unabhängigkeit der Mutter zu 300% aufs Fohlen übergegangen. Dementsprechend zog sich das Putzen auch; obwohl Bohème genau die gleiche Behandlung wie Balboa und Charon bekommen hatte, ließ sie das Putzen nicht ohne Zwischenfälle beenden. Als ich die beiden zu Calina und Charon auf den kleinen Reitplatz brachte, schickte ich ein kleines Stoßgebet gen Himmel, dass beim Fohlenbrennen nur alles gut gehen sollte.

      Nachdem auch Balboa und Bucky ihre Putzstunde abgeschlossen hatte, klingelte ich kurz Fiete und Hauke an. Fiete, weil er mit aufs Brennen sollte und das Vorstellen üben sollte, und Hauke, um zweites Paar Auge dabei zu haben.

      Mir fiel ein Stein vom Herzen, als Bohème dann doch zeigte, was in ihr steckte. „Schön schwungvoll,“ kommentierte ich, während Fiete mit Benihana um uns herumtrabte und das kleine Stutfohlen hinterher. Hauke antwortete nicht, aber seine Stille nahm ich als Zustimmung. Bohème blieb brav an Mamas Flanke, machte aber große, raumgreifende Schritte.

      „Da brauchen wir hoffentlich nicht mehr viel üben,“ murmelte Hauke und schickte Fiete dann zum nächsten Mama-Baby-Paar.

      Bei den anderen beiden Fohlen war ich mir ihrer Fähigkeiten ziemlich sicher; Charon war meine Hoffnung auf ein Prämienfohlen, bei Balboa sollte man lieber gar nicht erst daran denken. Sie wusste zwar auch, sich zu präsentieren, aber der Elan und Schwung fehlte – auch, als Fiete schon mit hochrotem Kopf noch einen Schritt schneller über die Bahn trabte und Bucky dadurch auch größere Schritte machte, war nicht mehr viel herauszuholen. Trotzdem war ich mir sicher, dass Balboa trotzdem für den Sport gemacht war. Wenn sie nur ein Fünkchen ihrer Eltern hatte, die ja schließlich beide bis in die hohen Klassen gesprungen waren, würde sie uns beim ersten Freispringen komplett vom Hocker hauen.

      „Das reicht, Fiete,“ rief Hauke und drehte sich dann zu mir. Ich zuckte mit den Schultern.

      „Wird schon.“

      Hechelnd kam Fiete in die Mitte zu uns. „Ich hab mir das anders überlegt.“ Er musste eine Pause machen, um nach Luft zu schnappen. „Ich will nicht mit aufs Fohlenbrennen.“

      Sowohl Hauke als auch ich mussten ein Grinsen unterdrücken. Wir waren selbst einmal in Fietes Schuhen gesteckt, und in meinem Fall war das noch gar nicht so lang her.

      „Ach Fiete,“ meinte ich und legte ihm den Arm um die Schultern. „Da wirst du wohl durchmüssen.“

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      Am späten Nachmittag hatte ich dann endlich die Möglichkeit, mich selbst in den Sattel zu schwingen.

      Nach den Babysitter-Pflichten war ich zum Hauptreitplatz auf der anderen Seite geradelt. Jette selbst saß auf Andromeda, schien jedoch schon beim Abreiten zu sein. Nebenbei sah sie Greta zu, einem jungen Mädchen, das fast jeden Tag nach der Schule auf den Steenhof kam. Sie saß im Sattel von Callisto, einem Schimmelhengst, der erst wenige Wochen hier war. Bis jetzt kam das Mädchen mit den Hengsten recht gut zurecht, und glücklicherweise war sie schier geboren für den Springsport. Trotzdem war Dressurarbeit genauso wichtig, weswegen keinerlei Hindernisse aufgebaut waren.

      „Pass auf, dass du dein Bein nicht hochziehst,“ rief Jette, während Andromeda am langen Zügel vor sich hinstiefelte. „Bein lang, Kopf hoch.“

      Dann sah sie mich und hielt die Holsteinerstute auf der anderen Seite des Zauns an. „Sag bloß, du hast nichts mehr zu tun.“

      „Doch doch,“ meinte ich. Zu tun hatte ich immer; das nächste Jahr wollte schließlich durchgeplant werden. „Aber nur langweiligen Papierkram. Außer natürlich –“

      Jette rollte mit den Augen. „Bevor du dich natürlich noch zu Tode langweilst,“ betonte sie, aber mit einem leichten Lächeln auf den Lippen, „dann kannst du natürlich gucken was Barney so macht.“

      Ich lächelte zurück, mit geschlossenem Lippen, den Kopf nach oben zu ihr geneigt. „Danke, dass du dich so sehr um mich sorgst.“

      Jette ließ Andromeda wieder antreten. „Du hast Glück, dass Levi mir eh abgesagt hat.“

      Fröhlich vor mich hinsummend setzte ich mich wieder in den Sattel meines Fahrrads und machte mich auf den Weg zu den Weiden um den Paddockstall der Hengste herum. Bis jetzt hatten wir Glück mit den Hengsten gehabt; keiner musste in Einzelhaft gehalten werden, jeder hatte mindestens einen Weidepartner. So standen Painted Blur und Ares als Deckhengste gemeinsam auf einer großzügigen Weide; Ironic, Callisto und Ballroom Blitz auf der anderen. Die Dreiergruppe funktionierte zwar, trotzdem würde ich jedem möglichen Konflikt aus dem Weg gehen. Bis jetzt fehlte mir aber noch der passende Hengst dazu.

      Ironic und Barney grasten beide in der Ferne; auf meinen Pfiff hoben sie zwar die Köpfe, ließen sich aber nicht zum Herankommen überreden. „Gut, dann eben nicht,“ murmelte ich, legte das Halfter auf die Schulter und kämpfte mich über die Wiese.

      Gemeinsam mit Jelly ging es keine halbe Stunde später den Deich entlang. Rechts die Elbe, links eine Gruppe Bäume, ein paar Weiden mit schwarz-weiß gefleckten Kühen. Barney war schon etliche Male an den Weiden vorbeigelaufen, und trotzdem spitzte er auch heute wieder die Ohren und nahm den Kopf hoch. Trotzdem stapfte er mutig am Zaun entlang. Einige Meter vor uns schnupperte Jelly an einem Grashalm. Eigentlich beließ ich es bei Ausritten, bei denen die Hunde mit dabei waren, beim Schritt; Trab würde theoretisch gehen, doch im Galopp kamen die kleinen Stummelbeine einfach nicht schnell genug hinterher, und vor allem mit Peanut musste man noch daran arbeiten, dass sie nicht ins Hüten kam und womöglich unter die Hufe geriet. Mit Jelly übte ich das Ausreiten jedoch schon seit ich sie hatte; mit einem Pfiff kam sie an die linke Seite von Barney und mir, mit „Bleib“ legte sie sich auf den Bauch und sah uns dann zu, wie wir den Deich entlang davon trabten. Allzu weit ging ich jedoch nicht, immerhin sollte die Hündin mein Rufen noch hören. Im Schritt und am langen Zügel schlug ich dann den Rückweg ein.

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      Sehr viel früher als gewohnt verschwand die Sonne mittlerweile. Als ich Barney zurück auf die Koppel gebracht hatte, war sie schon hinter die Baumkronen des nahen Waldes gekrochen. Gemeinsam mit den zwei Corgis radelte ich zurück zum Haus – jetzt war die ruhige Zeit des Tages angekommen. Ich schmierte mir ein paar Brote, setzte mich damit auf die Couch und ließ mich vom Fernsehen berieseln. Erst gegen acht machte ich mich daran, die Pferde einzusperren.

      Genauso wie es morgen mein kleines Ritual war, zu sehen, ob bei den Pferden alles gut ist, so war es auch am Abend mein Ritual, das Heu und Kraftfutter zu verteilen und die Mütter samt Fohlen in die Laufbox zu bringen. Ein bisschen Überredungskunst brauchte es, aber schließlich waren alle drinnen.

      Die Hengste waren ein wenig mühsam – teilweise einzeln musste ich sie von den Koppeln holen und in die Box bringen. Irgendwie musste man ja auf seine 10.000 Schritte pro Tag kommen, dachte ich während ich Ares, den letzten im Bunde, zu mir rief. Er war der Meister des Tänzelns und hatte mir schon einmal fast die Box zerlegt, als er für wenige Minuten alleine im Stall war – deswegen kam er seitdem als letztes in den Stall. Nachdem dann alle Hengste in ihren warmen Boxen waren und ihr Futter mümmelten, war auch für mich Feierabend. Und ich hörte schon mein Bett rufen – ja, bis in den Hengststall. Musste dringend sein. Ich sollte mich also schnell auf den Weg dahin machen. Konnte ja alles passiert sein.
      Geposted: 20.10.18
      Von: Rhapsody
    • Rhapsody
      Steenhof, 09. Oktober
      Andromeda, Ballroom Blitz
      Military A-L

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      Das letzte Geländespringen der Saison stand bevor – sowohl Ballroom Blitz als auch Andromeda gingen an den Start, und Jette und Levi waren damit direkte Konkurrenten. Das hatte man auf der Fahrt nach Bad Oldesloe schon gemerkt; ein gewisses Kribbeln war in der Luft.

      Mir war das Ganze ehrlich schnuppe. Solange dieser Konkurrenzkampf darin gipfelte, dass beide aufs Treppchen kamen, war ich zufrieden. Und so ruhig wie Andromeda und Barney auf dem wuseligen Turnierplatz schienen, ging es ihnen wohl ähnlich. Während Jette und Levi damit beschäftigt waren, sich gegenseitig verbal zu misshandeln, machte ich die beiden Holsteiner fertig und drückte ihnen beiden einen Viel-Glück-Kuss zwischen die Nüstern.

      Das hatte anscheinend gewirkt. Andromeda und Jette gingen als eine der ersten in den Parcours. Ich persönlich würde mir lieber den Arm abhacken, als eine der ersten fünf zu sein, die in den Busch mussten. Im Mittelfeld oder auch am Schluss hatte man einfach den Vorteil, dass man die Tücken schon ein bisschen kannte – wenn auch nur vom Hörensagen. Aber Jette schien das immer noch mehr zu motivieren, und deswegen war ich nur etwas überrascht, als sie mit einer Top-Zeit auf den kleinen Springplatz einritt, der als Grande Finale galt. Andromeda war top fokussiert und schien nur so über die Hindernisse zu fliegen. Aber trotzdem – als die beide ihre Runde beendeten und an die Spitze der Liste kletterten, konnte ich meine Augenbrauen nicht unter Kontrolle halten – sie rutschten einfach ein paar Meter nach oben. Da hatte Levi ordentlich etwas aufzuholen.

      Jette kümmerte sich glücklicherweise selbst um die Stute, sodass ich das Jungsgespann beobachten konnte (so gut das eben ging auf einem Parcours über eineinhalb Kilometer). Auch Barney war topfit und vor allem seine Galoppade zwischen den Hindernissen verzauberte mich immer wieder. Am Ende fehlten ihn ein paar Sekunden zu Jettes Toprunde.

      Schlussendlich schob sich doch noch jemand zwischen die zwei Reiter, sodass Andromeda eine goldene und Barney eine weiße Schleife angepinnt bekamt. Jette hatte erst ein ziemlich arrogantes Lächeln auf den Lippen; als wir dann aber die Pferde eingepackt hatten und ich den Transporter vom Turnierplatz bugsierte, gratulierte sie Levi doch.

      Am Abend, als wir den glorreichen Turniertag mit ein bisschen Essen und Mineralwasser feierten (wir mussten ja immerhin morgen früh aufstehen!), beschlossen wir, dass sowohl Ballroom Blitz als auch Andromeda nächste Saison ihre ersten L-Geländespringen gehen sollten. Das Potenzial war da, und auch Hauke gab uns unseren Segen – und der war alles andere als leicht überzeugt.
      Geposted: 12.11.18
      Von: Rhapsody
    • Rhapsody
      Steenhof, 10. November
      Charon, Bohéme, Balboa, Simplicity of Sophistication, Painted Basquiat, HGT's Saevitia, A Touch of Peace, Calista, Callisto, Andromeda, Ballroom Blitz, Benihana, Ironic, Ares, Bucky, Painted Blur, Calina

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      Es klopfte an meiner Bürotür. Das bekam ich nur sehr peripher mit; meine gesamte Aufmerksamkeit galt dem Video auf meinem Laptop – bis er mir ohne Vorwarnung einfach zugeklappt wurde. Mit verärgertem Gesicht sah ich auf. „Hey, ich hab hier gearbeitet!“

      Jette stand vor mir, gekleidet in einem beigefarbenen Hoodie und karierten Reithosen. Die blonden Haare hatte sie zu einem ordentlichen Zopf geflochten – und somit sah sie wieder aus, als wäre sie gerade nach einer Stunde wieder aus dem Bad gekommen. Ich wusste besser, dass sie gerade vom Training mit Calista kam und dementsprechend gar nicht so makellos aussehen durfte. Verräterin.

      Jette schmunzelte ein bisschen. „Du arbeitest seit Stunden. Es ist Zeit, dass du dich den schönen Dingen des Lebens widmest.“

      „Das war schöne Arbeit,“ murmelte ich und klappte den Laptop wieder auf. „Guck dir mal die Stute an. Hab ich gerade durch Zufall entdeckt.“

      Neugierig ging Jette um den Schreibtisch herum und beugte sich über mich. Mit einem Mausklick spielte ich das Video wieder ab. Darauf trabte eine junge Stute mit hellem Fell über eine Bahn; laut dem Verkaufstext war sie zweieinhalb Jahre alt und musste noch ein bisschen in ihre langen Beine und den hohen Rücken hineinwachsen.

      Jette war komplett auf das Video fixiert. „Was ist das denn für eine Farbe?“

      „Ein Dunskin,“ sagte ich stolz, als hätte ich das nicht selbst nachgucken müssen. „Ein Buckskin mit Falbgen also. Und: ein Holsteiner.“

      Jette sah mich verblüfft an. „Ein deutsches Warmblut in der Farbe?“ fragte sie ungläubig und nahm die Mouse in die Hand. Sie scrollte über die Seite, auf der Suche nach weiteren Informationen.

      „Ich glaub, sie wurde in den Staaten gezüchtet. Da steht sie momentan auch.“ Jette war beim Pedigree angelangt, und bevor sie es selbst lesen konnte, verkündigte ich: „Sie ist Blurrys Nichte.“

      Meine Freundin pfiff leise durch die Zähne. „Das erklärt so einiges.“ Sie klickte sich durch ein paar Bilder, dann richtete sie sich wieder auf. „Und jetzt? Willst du über den Teich fliegen und sie anschauen?“

      Ich sah mir eins der Bilder in der Anzeige an. Ein Portrait – die Stute hatte einen tollen Ausdruck, und irgendetwas sagte mir, dass sie eine Bereicherung sein würde. Trotzdem zuckte ich mit den Schultern. „Ich werde den Besitzern auf jeden Fall schreiben und sagen, dass ich Interesse hab. Aber ich hab eigentlich keine Zeit, um sie mir anzugucken.“

      „Und Hauke killt dich, wenn du die Katze im Sack kaufst.“ Jette seufzte. „Zwickmühle. Umso mehr ein Grund, warum du jetzt wirklich ein bisschen Spaß haben solltest.“

      „Spaß“, grummelte ich. „Den spaßigen Teil hast du doch schon übernommen.“ Den ganzen Tag war Jette im Sattel gesessen – unter anderem, weil ich Papierkram zu erledigen hatte. Für mich stand nur die Arbeit mit den Fohlen auf dem Tagesplan.

      „Und die Fohlen freuen sich, dich zu sehen,“ antwortete Jette, als ich ihr das mitteilte. Da hatte sie ja irgendwo Recht, und viel Zeit blieb mir mit ihnen nicht mehr. Das Wetter war noch nicht in den üblichen Novembermatsch übergegangen, dementsprechend standen die Jungpferde noch auf den Koppeln. Die Kleinsten wurden jeden Tag größer und größer, und vor allem für Charon lief die Zeit ab; erst heute morgen hatte ich die Bestätigung von der Aufzuchtstation bekommen. In etwa vier Wochen sollte es losgehen, deswegen waren wir schon fleißig am Üben. Mama war mittlerweile nicht mehr ganz so wichtig, jeden Tag ein bisschen weniger. Das Putzen klappte verhältnismäßig gut, das Führen altersentsprechend. Alles in allem war ich wirklich zufrieden mit den drei Kleinen.

      Ein letzter Blick auf die Verkaufsanzeige, dann folgte ich Jette aus dem Haus. Im Laufstall wurde ich von den Fohlen schon begrüßt – ganz vorne dabei Balboa. Sie war mit Abstand die selbstständigste und schön extrovertiert. Als ich ihr das Halfter überzog, sträubte sie sich nur kurz, folgte mir aber brav nach einem kurzen Zupfen am Führstrick. Auch Bohème und Charon ließen sich aufhalftern und zu viert marschierten wir über den Hof zur Reithalle, wie eine Kindergartengruppe. Was anderes war das auch nicht – für etwa dreißig Minuten durften die drei in der Reithalle spielen, dann ging es wieder zurück zu den Mamas. Abwechselnd wurden einmal die Mütter, einmal die Fohlen herausgenommen. So sahen Bucky, Benihana und Calina einmal etwas anderes und die Fohlen wurden nicht vom Workload überladen. Heute stand deswegen auch nur reines Spielen auf den Plan – und Balboa hatte das sofort verstanden. Wie von der Tarantel gestochen flitzte sie durch die Bahn, hetzte dem Ball hinterher und dabei zufälligerweise auch auf die Plastikplane, die ich auf dem Boden ausgebreitet hatte. Die anderen zwei Fohlen sahen ihrer Freundin erst ein bisschen zaghaft hinterher, dann stieg aber auch Charon ein. Bohème interessierte sich zum Großteil für die Plane, erschrak aber nur kurz und buckelte dann den anderen hinterher. Als ich den dreien so zusah, freute ich mich schon auf die nächsten Jahre mit ihnen – auch, wenn ich vor allem Charon erst mal wirklich vermissen würde. Die Aufzuchtstation gehörte zu dem Gestüt, auf dem auch Callisto herkam, aber die eineinhalb stündige Fahrt war für den Alltag doch ein bisschen viel. Charon würde es da super gehen, so ganz unter Gleichgesinnten – aber mir brach es ein bisschen das Herz, den jungen Hengst abgeben zu müssen. Balboa und Bohème durften noch ein paar Monate länger bleiben – zum Frühjahr kamen sie in eine Herde mit sieben anderen Stuten, zuerst in einen Laufstall, später dann auf eine unserer Weiden. Wenn ich so darüber nachdachte, wurde ich wieder ein bisschen traurig. Erst mit drei Jahren kamen sie dann wirklich zurück, und das war noch so lange hin!

      Mein Handywecker kündigte das Ende der Spielstunde an. Die drei Fohlen hatten sich beruhigt; Balboa hatte sich genüsslich gewälzt während Charon und Bohème sich gegenseitig beknabberten. Ohne Zwischenfälle zog ich ihnen die Halfter auf und brachte sie zurück in den Laufstall.

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      In einem normalen Jahr wäre die Weidesaison schon seit Wochen beendet, weil das Matschwetter angefangen hätte. Der Sommer wollte aber selbst im Oktober noch nicht gehen, weswegen die Weiden erst in den nächsten Tagen geschlossen werden. Für Peace und Saevitia war der Spaß des Lebens mit dem heutigen Nachmittag aber zuende. Während die Zweijähirgen, also Simplicity of Sophistication und Painted Basquiat mit ihrer Herde, demnächst die Reise in ihre Aufzuchtstation machen würde, würde für die drei Großen das schöne Lotterleben vorbei sein.

      Sie hatten die letzten Jahre in ihrer Herde verbracht, mit minimalem Kontakt zu Menschen. Mich kannten sie von den regelmäßigen Check Ups, und natürlich kannten sie auch noch das Fohlen ABC – in Peaces Fall sogar schon die regelmäßige Arbeit mit den Menschen. Trotzdem war es ganz schön Arbeit, beide Stuten einzufangen und von der Herde zu trennen. Herzzerreißendes Wiehern von beiden Seiten begleitete unseren Weg zum Hof, und ich war mir ziemlich sicher, dass ich taub werden würde, wenn Saevitia mir noch einmal ins Ohr schreien würde. Die schöne Buckskinstute schien es am schlimmsten zu treffen – Peace antwortete ihren Kumpels nur einmal, dann war der Schecke still und lief mit gespitzten Ohren neben mir her.

      Der Stutenstall bestand zum einen aus dem Laufstall und zum anderen aus drei großen Boxen. Eigentlich gedacht zum Abfohlen oder für ein krankes Pferd – jetzt aber erst mal als Unterbringung für die zwei jungen Stuten. Dafür hatte ich extra die Boxenwand zwischen den Boxen herausgemacht (oder herausmachen lassen – danke, Hauke!), sodass sie sich gemeinsam an die neue Situation gewöhnen konnten. Nachdem ich die Tür zum Stutenstall hinter mir zugezogen hatte, ließ ich auch beide Führstricke erst einmal los – zum einen, damit sie sich ein bisschen frei im Stall bewegen konnten, zum anderen, weil ich nicht mal versuchen wollte, mit zwei Pferden an den Händen eine Boxentür zu öffnen und besagte Pferde dann hineinzuführen. Das konnte nur schief gehen. Also ließ ich mir alle Zeit der Welt, während Saevitia und Bucky schon einmal erste Bekanntschaft über die Wand der Laufbox machten. Inklusive Gequietsche und Gegen-die-Wand-treten. Diese Zusammenführung würde bestimmt lustig werden.

      Peace lief von allein in die Box, während ich Saevitia von ihrer wirklich wichtigen Diskussion mit der braunen Holsteinerstute wegbringen musste. „Ihr habt noch genug Zeit dafür,“ grummelte ich, als ich endlich den Führstrick zu fassen bekam. Für die zwei jungen Stuten warteten zwei Eimer Mash – Peace hatte sich schon gleich auf einen Eimer gestürzt, und auch für Saevitia gab es kein Halten, als sie den Plastikeimer entdeckte. Jetzt mussten wir nur mal gucken, wie sich die zwei mit ihrer neuen Situation anfreunden würden. Ich wollte sie nicht gleich überfordern – das Training sollte erst beginnen, wenn sie einigermaßen in die große Stutengruppe integriert waren. Bis dahin kamen sie noch gemeinsam auf ein Paddock oder für eine Stunde in die Halle zum Füße vertreten.

      Das klang nach einem guten Plan.

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      Nach meiner Abendrunde schlüpfte ich ungraziös aus meinen Stiefeletten und schubste sie in die Ecke meines Flurs. Morgen früh würde ich sie wieder suchen, aber das war ein Problem für Zukunfts-Fritzi. Auf den Weg ins Wohnzimmer kam ich am Büro vorbei, indem noch eine kleine Tischlampe brannte. Gerade, als ich sie ausknipsen wollte, fiel mein Blick auf den Bildschirmschoner meines Laptops, der fröhlich hin und her sprang. Plötzlich erinnerte ich mich an die schöne Jungstute von heute morgen. Den Tag über hatte ich leider keine Gelegenheit gehabt, um Hauke nach seiner Meinung zu fragen – aber trotzdem setzte ich mich an den Schreibtisch, gab mein Passwort ein. Die Verkaufswebsite war noch geöffnet, also klickte ich schnell auf den Kontakt-Button und schrieb dem Besitzer.
      Geposted: 28.12.18
      Von: Rhapsody

    • Rhapsody
      Steenhof, 09. Juni
      Charon, Bohème, Balboa, Simplicity of Sophistication, Painted Basquiat, Contia Socks, HGT’s Saevitia, A Touch Of Peace, Calista, Callisto, Andromeda, Ballroom Blitz, Benihana, Ironic, Ares, Bucky, Painted Blur, Calina
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      Der Sommer hatte sich allmählich auch nach Schleswig-Holstein geschlichen. Doch heiße Tage bedeuteten nicht, dass man sich ausruhen konnte. Verletzte Pferde mussten umsorgt werden, was ein bisschen Stillstand in die Ausbildung von Ballroom Blitz und Andromeda brachte. Ich war allerdings guter Dinge, dass sie in zwei Wochen wieder starten konnten. Nebenbei waren auch noch die jungen Stuten langsam an ihr neues Leben als Reitpferd herangeführt worden – Saevitia und auch Peace machten sich vorbildlich unterm Sattel! Die richtigen Youngster, also Bohème, Balboa und Charon, standen jetzt schon in ihren Herden und genossen die warmen Tage auf einer großen Weide mit Gleichaltrigen. Vor allem Balboa war in die Höhe geschossen – bei ihr hoffte ich immer noch auf ein tolles Springpferd. Und während die restlichen Pferde sich die Sonne auf den Bauch scheinen ließen, war ich drauf und dran, die Holsteinerstute aus Amerika nach St. Margarethen zu schiffen. Wenn sowohl Barney als auch Andromeda verletzungsbedingt ausfielen, musste ich schauen, dass ich solchen Papierkram endlich zustande brachte – immerhin hatte ich jetzt keine Ausrede mehr dafür.
      Geposted: 09.06.19
      Von: Rhapsody
    • Rhapsody
      Steenhof, 17. August
      Charon, Bohème, Balboa, Simplicity of Sophistication, Painted Basquiat, Dante's Wild Lady, Contia Socks, HGT's Saevitia, A Touch of Peace, Calista, Callisto, Andromeda, Ballroom Blitz, Smooth Gravity, Samarra, Benihana, Ironic, Ares, Bucky, Painted Blur, Calina

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      Mittlerweile war es August geworden, und auch, wenn ich es nicht wahrhaben wollte: die Tage wurden kürzer, die Temperaturen fielen und die Bäume, die den Straßenrand zum Steenhof hinauf säumten, hatten schon ein paar bunte Blätter.

      Ich musste mich zusammenreißen, nicht missbilligend zu ihnen hinaufzusehen. Immerhin war das der Lauf der Natur. Und außerdem wäre ich dann wohl gegen den nächsten Baum gefahren und hätte mir auch noch ein neues Fahrrad kaufen müssen. Also versuchte ich einfach, den mir entgegenkommenden Autofahrern keinen Schrecken mit meiner bösen Miene einzujagen und bog in den nächsten Feldweg rechts ab.

      An meinem Fahrrad hing ein kleiner Hänger voll mit Päckchen. August bedeutete nämlich nicht nur, dass der Herbst um die Ecke lauerte, sondern auch Wurmkur. Und nachdem Hauke mit Jette vorgestern in den Urlaub gefahren war, blieb das Ganze dieses Mal an mir hängen.

      Ich hatte heute ja eh nichts vorgehabt.

      Der Feldweg führte zu den Koppeln der jungen Stuten. Die momentane Weide war mit am weitesten entfernt vom Steenhof, gefühlt mitten im Nirgendwo. Als der Feldweg mehr Wiese als Weg war, musste ich wohl oder übel absteigen – mein altes Damenfahrrad mit seinen dünnen Reifen machte da keinen Spaß mehr. In der Ferne sah ich schon ein paar der Stuten und ich schickte ein kleines Stoßgebet gen Himmel, dass wenigstens ein paar der Ladies in laufbarer Nähe standen. Die Weide war nämlich wirklich riesig – Wiese, soweit das Auge reicht, und ein kleiner Wald, der auch noch umzäunt war. Vor allem an den heißen Tagen hatten sich die rund fünfzehn Stuten meist im Wäldchen versteckt – und da mussten sie erst mal gefunden werden.

      Am Gatter angekommen, lehnte ich das Fahrrad ans Tor und begann, die einzelnen Wurmkuren in meine Umhängetasche zu stopfen. Neben meinen eigenen Pferden würde ich nämlich auch die restlichen Stuten gleich mitentwurmen – machte sonst ja auch wenig Sinn. Ein paar der Jungstuten hatten mich schon entdeckt und kamen mir wenigstens ein Stück entgegen, als ich durch den Holz- und Elektrozaun huschte. Die erste konnte gar nicht schnell genug gucken, da hatte ich ihr schon um den Kopf gefasst und ihr die Ladung Wurmkur in den Mund gedrückt. Zur Belohnung gab es danach ein Stück Möhre, und dann war auch schon die nächste dran. So arbeitete ich mich durch die unterschiedlichsten Pferde und Ponys, hatte für jede junge Stute die passende Dosierung im Kopf. (Für irgendwas muss der ja auch gut sein.) Meine Eigenen hatten sich natürlich im Wäldchen versteckt. A Touch of Peace stand noch ziemlich am Waldrand und blieb dort auch, während ich ihr die Paste in den Mund schmierte. Auch sie bekam zur Belohnung ein Leckerli und zermalmte es genüsslich, während ich nach den anderen Ausschau hielt. Simplicity of Sophistication – deren Name übrigens ein komplettes Paradoxon war, an dem Namen war ganz und gar nichts simple – fiel mit ihrem gescheckten Fell schnell auf und kurz darauf war auch die junge Stute versorgt. Painted Basquiat war da schwerer zu finden – im dunklen Wald, mit den eng stehenden Bäumen, war sie perfekt getarnt. Kurz darauf hatte aber auch sie die Wurmkur im Mund und mir fehlten nur noch ein paar wenige Stuten.

      Als ich dann wieder zurück auf dem Hof war, machte ich vor meiner kurzen Mittagspause noch schnell die Hengste. Auch die standen auf den Koppeln, allerdings in Kleingruppen. Ares war wieder aus dem Beritt zurück, sodass er sich wieder seine Weide mit Painted Blur teilte. Blurry war einer der unkompliziertesten Hengste, die ich jemals gesehen hatte – bis jetzt war er in jeder Koppelsituation glücklich und ging Streitereien so gut wie möglich aus dem Weg. Ares war das komplette Gegenteil, hatte aber einen Narren an dem Rappen gefressen.

      Blurry kam mir schon entgegen und nahm die Wurmkur auch tapfer in Kauf, um sich ein paar Streichel- und Krauleinheiten zu verdienen. Ares war da ein bisschen misstrauischer, also schnappte ich mir sein Halfter vom Zaun, um ihn festzuhalten. Auch Callisto und Ironic auf der anderen Koppel waren weniger begeistert – Ballroom Blitz machte dafür bereitwillig das Maul auf und schmatzte auch wohlwollend auf der Paste herum. Mit einem Klapser auf den Hals verabschiedete ich mich von dem großen Dunkelbraunen und lief zurück zu meinem Fahrrad.

      Barney hatte mich in letzter Zeit ein paar Nerven gekostet. Von jetzt auf gleich ging der Hengst lahm – aber wirklich stocklahm. Aber wie der Zufall es wollte, war Dr. Maartens den folgenden Tag eh auf dem Hof und guckte sich den guten Barney als auch gleich noch an. Die Diagnose – Gelenksentzündung – war schnell gefunden, und dadurch, dass sie so plötzlich aufgetreten war, vermuteten wir alle einen kleinen Weideunfall. Das Ende vom Lied war, dass Barney gute zwei Wochen nicht auf die Koppel durfte. Mittlerweile waren wir wieder im Aufbautraining, aber im Gegensatz zu Andromedas Hufgeschwür zog sich so eine Gelenksentzündung doch ganz schön. Zumindest konnte Barney mittlerweile wieder die Weide genießen und hoffentlich in ein paar Wochen dann wieder ins Training.

      Mit einem sanften Klaps auf die Brust verabschiedete ich mich von dem Hengst, bevor er mir noch eine neue Frisur verpassen konnte. Das war seine Lieblingsbeschäftigung und nachdem ich die letzten Wochen immer mal wieder gefühlte Stunden verbringen musste, um mir jegliche Knoten aus den Haaren zu pfriemeln, wollte ich ihm keine Möglichkeit bieten, sich wieder in meinen Haaren verlustigen zu können.

      Das Ende meiner Wurmkur-Runde waren die Stuten. Und hier meinte ich auch wirklich ausschließlich Stuten, ohne Babys oder sonstigen Anhängseln. Charon, Bohème und Balboa waren in ihren respektablen Aufzuchtställen – die zwei Stuten bei einem befreundeten Züchter in der Nähe, Charon dafür ein bisschen weiter weg aber dafür in einer tollen Herden mit Gleichaltrigen. Mindestens einmal in der Woche setzte ich mich in mein Auto und klapperte die zwei Höfe ab, um nach den Babys zu schauen.

      Im Stall der Stuten hatte sich in letzter Zeit auch viel getan. Drei neue Stuten waren in den letzten Wochen angekommen, die nach und nach in die Gruppe integriert werden sollten. Eine stand immer noch mehr oder weniger in Einzelhaft; Dante’s Wild Lady, die wunderschöne Dun-Stute, die ich in Amerika gefunden hatte, war erst wenige Tage auf dem Hof und sollte sich erst einmal einleben, bevor ich sie zu den restlichen Jungstuten auf die Koppel brachte. Dreijährig war sie definitiv noch Kandidatin für das leichte Leben auf der Koppel – erst nächstes Jahr sollte sie langsam unter den Sattel kommen, je nachdem, wie sie sich machte. Dante hatte das Glück, dass sie ihre Wurmkur schon vor der Reise nach Deutschland bekommen hatte – ich strich ihr also nur kurz über die Nüstern und kletterte dann mit den Spritzen bewaffnet in den Laufstall.

      Auch hier warteten zwei neue Stütchen auf mich; Smooth Gravity und Samarra. Gravity war eine stolze Vollblutstute, Galopper und gar nicht daran interessiert, auf Biegen und Brechen zu gefallen. Das mochte ich dafür umso mehr – weswegen ich sie letztendlich auch gekauft hatte. Ihre ehemalige Besitzerin hatte sich intensiv mit der Schimmelstute beschäftigt und sie vielseitig ausgebildet, und ich konnte es kaum erwarten, mich selbst nochmal in ihren Sattel schwingen zu können. Mittlerweile legte sie nicht mehr grundsätzlich die Ohren an, wenn man auf sie zuging – die Wurmkur, die ich ihr schnell ins Maul drückte, fand sie trotzdem nicht so klasse und verzog sich schnell wieder Richtung Koppel. Mein nächstes Opfer fand ich in Bucky, die gerade am Heu stand und auf ein paar Halmen rumkaute. Sie guckte mich nur ein bisschen verwirrt an, wandte sich dann aber lieber wieder ihrem Heu zu – war ja auch spannender, das musste ich ihr schon lassen. Die dritte Stute, die im Paddock stand und nicht auf der Weide graste, war Saevitia. Diese erwartete schon ungeduldig die Belohnungsmöhre und kaute zufrieden auf ihr herum, während ich mich auf den Weg zu den restlichen Stuten machte.

      Saevitia war seit Frühjahr offiziell unterm Sattel, und es machte unheimlich Spaß, die Stute auszubilden. Sie war ein recht neugieriges und lehrbegeistert, was die Ausbildung natürlich um einiges vereinfachte. Trotzdem gaben wir ihr Zeit, sich in die Rolle des Reitpferds hineinzufinden – das Konzentrieren fiel ihr häufig schwer, aber bis sie ihre ersten Turniere startete, sollte das hoffentlich besser werden. Mir war nur wichtig, dass sie noch ihre Ruhetage bekam, so wie heute.

      Weiter hinten im Laufstall, auf der Grasfläche, traf ich dann die restlichen Stuten an. Calista nahm Reißaus, als sie die Spritze in meiner Hand sah – also kamen zuerst Calina und Andromeda ihre Ladungen ab. Dann hatte ich die Fuchsstute auch schnell geschnappt und ihr auch schnell die Paste in den Mund gedrückt. Und nach Benihana war nur noch die letzte Neue dran: Samarra. Auch sie kam aus Amerika, mit deutlicher Luft nach oben. Sammy hatte eine sehr vielseitige Ausbildung genossen, war eingefahren und auch auf einigen Trail-Wettbewerben erfolgreich vorgestellt worden. Dank ihrer Abstammung hatte die Stute aber noch enormes Potenzial im Springen, was ich noch unbedingt fördern wollte. Für die nächsten Wochen bekam sie aber noch eine Schonfrist, um sich ordentlich einzuleben.

      Sammy nahm mir die Wurmkur zum Glück nicht allzu schwer und ließ sich danach noch ein bisschen kraulen. Das bedeute natürlich, dass ich bald von Stuten umzingelt war, die alle ihre Streicheleinheiten einforderten – und leider hatte ich an diesem Tag noch andere Aufgaben. Sie bekamen also alle noch eine kleine Möhre zugesteckt, dann lief ich zurück, kletterte aus dem Laufstall und setzte mich wieder auf mein Rad.

      Auf dem Weg zurück zum Gutshaus blickte ich nochmal zu den Blättern der Bäume hinauf. In diesem Augenblick fegte eine frische Brise über die Straße und ließ mich frösteln. Auch, wenn es mir nicht passte – langsam war er da, der Herbst.

      Geposted: 27.09.19
      Von: Rhapsody

    • Rhapsody
      Steenhof, 02. Oktober
      Andromeda
      Dressur A-L

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      „Und das kann Levi nicht machen weil…?“

      Jette rollte mit den Augen. „Levi hab ich jetzt schon Calista reingedrückt. Und nur, weil Barney noch nicht reitbar ist, heißt das nicht, dass Levi ihn jetzt nur links liegen lässt.“

      Ich grummelte in meinen Laptop hinein. Eigentlich war ich grade auf der Suche nach ein bisschen menschlicher Verstärkung – so wie es aussah sollte es nämlich langsam voller werden auf dem Steenhof. Langfristig natürlich, aber man konnte nie früh genug gucken.

      Meine Chef-Trainerin hatte sich vor ein paar Minuten vor mir aufgebaut, die Hände in die Hüften gestemmt, und mich mit ihrem eisigen Blick wie auf meinem Sofa festgenagelt. Sie wollte mit Andromeda eine L-Dressur Aufgabe durchgehen – und brauchte jemand blöden, der sich draufsetzte und ihre Anweisungen befolgen konnte.

      „Komm schon, Fritzi.“ Jetzt war das Betteln dran. „Hauke kann ich auch nicht auf Andromeda setzen und erwarten, dass er mir ‘ne super L-Dressur hinliegt. Ein bisschen was muss der Reiter schon auch drauf haben.“

      Und jetzt anscheinend das Einschleimen. Ich seufzte und blickte auf meine Beine, die in eine Decke eingewickelt waren. „Ich hab nicht mal ‘ne Reithose an. Heute ist mein reitfreier Tag. Und ich muss wichtige Dinge erledigen. Gestütsbesitzer-Dinge.“

      „Die kannst du danach immer noch machen.“ Jette ging einen Schritt auf mein Sofa zu. Peanut, die auf der L-förmigen Couch neben mir auf dem Rücken lag, rollte sich im Angesicht der kommenden Gefahr lieber zurück auf den Bauch und beim nächsten Schritt von Jette war die Hündin auch schon weggehüpft.

      Ach, wäre ich nur auch ein Corgi.

      Gerade, als ich Peanut hinterhersah, nutzte Jette die Chance und zog mir die Decke von den Beinen. Zum Glück hatte ich Reflexe wie Spider-Man und rettete so meinen Laptop vorm Tod durch Parkettboden. Was ich nicht retten konnte: meine Würde. Denn auch, wenn ich es gerade behauptet hatte – natürlich hatte ich eine Reithose an.

      (Weil Reithosen je nach Modell bequemer als eine Schlafanzughose sind. Don’t judge me.)

      Jette hob nur eine Augenbraue. Ich rollte wieder mit den Augen. „Na gut, du hast gewonnen. Ich bin in zehn Minuten draußen.“

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      Knapp eine halbe Stunde später stand Andromeda dann schon gesattelt und getrenst auf dem Vorplatz des Laufstalls. Sie blickte mir neugierig entgegen, als ich die Aufsteighilfe aus dem Stall kramte und mich schließlich in ihren Sattel schwang. Bevor es in die Reithalle ging, wollte ich Andromeda erst einmal in einer kleinen Geländerunde warmmachen. Solange das Wetter das noch halbwegs zuließ, zog ich das Gelände der Halle vor – ich bildete mir ein, dass die Pferde dann einfach lockerer liefen, und auch ich war konzentrierter, wenn mir eine starke Brise einmal das Hirn durchgeblasen hatte.

      Weitere zwanzig Minuten stand ich dann auch schon vor dem Tor der Reithalle. Jette saß schon auf der Tribüne, ein Aufgabenheft im Schoß. Als sie mich beim Einreiten entdeckte, blätterte sie darin kurz um. „Ich würde sagen, wir machen jetzt die Aufgabe durch und danach arbeiten wir daran, was ich finde, was noch besser laufen könnte. Und dann kannst du auch wieder auf dein Sofa zurück.“

      Ich streckte ihr die Zunge heraus, aber da hatte sie den Blick schon wieder abgewendet. Mist. „Krieg ich noch einen kurzen Abriss, was mich erwartet?“ Immerhin war Jette für die Dressur zuständig. Grob wusste ich die Lektionen, aber bevor ich mitten in der Lektion nicht wusste, was zu tun war, fragte ich lieber davor blöd nach.

      „Außengalopp,“ zählte Jette an ihren Fingern ab. „Versammlung im Trab und Galopp. Kurzkehrt, Hinterhandwendung, einfache Galoppwechsel und Überstreichen. Außerdem Schlangenlinien mit drei und fünf Bögen, mit einfachen Galoppwechseln. Alles klar?“

      Zum Glück hatte ich ihr gerade den Rücken zugekehrt, sodass sie mein geschocktes Gesicht nicht sehen könnte. „Äh. Ja. Natürlich. Klaro.“

      „Na dann. Vorbereiten zum Einreiten im Arbeitstrab. Bei X halten, grüßen, anschließend im Arbeitstrab antraben. Rechte Hand. Bei B eine 10m Volte, ab A bis F dann versammelter Trab. Kriegst dus bis dahin hin?“

      Einreiten, Arbeitstrab, rechte Hand, Volte, versammelter Trab. „Äh. Bestimmt.“ Ich nahm die Zügel auf und brachte Andromeda in eine vernünftige Anlehnung. Passte das, ließ ich sie antraben. In der Mitte der Bahn hielt ich die Stute mit einer ganzen Parade an, grüßte die imaginären Richter und ließ sie dann wieder antraben. Anschließend ging es rechts herum, und bei B bog ich auf eine Volte ab. Zehn Meter konnte ich bei der 20x40m Halle zum Glück gut abschätzen, und Andromeda, die trotz ihrer Verletzungspause super durchlässig war, ließ sich wunderbar stellen. Ab A nahm ich sie dann ein bisschen zurück, ließ sie ihre Schritte verkürzen. Die Kruppe senkte sich, und ich hoffte einfach, dass es eine wunderschöne Versammlung war.

      „Von F bis H im Mitteltrab durch die ganze Bahn wechseln, danach wieder versammeln. Rechts herum. Halbe Bahn, dann von B zu X, dort halten und eine Länge rückwärtsrichten.“

      Nur knapp bekam ich noch die Kurve zum Handwechsel-der-eigentlich-ja-gar-keiner-war, gab Andromeda ein bisschen mehr Zügel und ließ sie die Schritte wieder verlängern, damit wir den Mitteltrab abhaken konnten. Im Gegensatz zu Saevitia war Andromeda da aber ein richtiger Profi und wechselte zwischen den verschiedenen Tempi, als hätte sie noch nie etwas anderes gemacht. Auch die Versammlung danach war kein Problem und ich konnte mich mental schon einmal auf das Halt und das Rückwärtsrichten konzentrieren. Eine Pferdelänge – das musste nach Gefühl geschehen, wenn ich mich umdrehte, um das abzuschätzen, würde Jette mich wohl mit irgendetwas bewerfen. (Im schlimmsten Fall mit dem Aufgabenheft und dann musste ich die komplette Aufgabe noch einmal reiten.)

      „Im Mittelschritt anreiten,“ rief sie mir während dem Rückwärtsrichten zu. Das war leicht getan. „Bei E auf die linke Hand abwenden. Bis A Mittelschritt, bei A Kurzkehrt links, dann bis K wieder im Mittelschritt weiter. Ab K im versammelten Galopp angaloppieren, bis H. Dort dann aus der nächsten Ecke kehrt, aber ohne Galoppwechsel. Weiter im Außengalopp.“

      Oh wow, die Galopptour. Jetzt saß ich selbst schon jahrelang im Sattel und tat mich immer noch schwer, im Galopp alles zusammenzuhalten. Aber erst einmal war die Kurzkehrt dran. Sie fühlte sich zumindest wunderschön an – wie es von unten aussah, konnte mir nur Jette später beantworten. Mit flatterndem Magen galoppierte ich dann an – und versemmelte gleich die Versammlung. Mit Ach und Krach brachte ich sie dann doch noch zusammen, und auch das aus der Ecke kehrt klappte irgendwie, auch, wenn ich am liebsten die Augen zugemacht hätte, um das Ganze nicht zu sehen.

      „Bei A einen einfachen Galoppwechsel, weiter im versammelten Galopp. Nach M aus der nächsten Ecke kehrt, wieder ohne Galoppwechsel, bis A dann wieder im Außengalopp.“

      Toll, das Ganze also noch einmal. Einfache Galoppwechsel waren dafür wenigstens wirklich einfach, zumindest in meinem Ermessen. Und auch das Versammeln danach lief besser. Und bis auf das komische Falschfalschfalsch-Gefühl beim Außengalopp, das wohl einfach dem Außengalopp geschuldet war, lief der auch wirklich rund.

      „Bei A wieder ein einfacher Galoppwechsel, A bis K versammelter Galopp, anschließend Mittelgalopp bis H. Ab C dann wieder in den versammelten Trab durchparieren.“

      Mittelgalopp war im Gegensatz zum versammelten Galopp fast schon pillepalle – solange ich die Anlehnung hielt und halbwegs gerade draufsaß, sollte das schon passen. Und auch der versammelte Trab danach war nicht von schlechten Eltern, wenn er auch so aussah, wie er sich anfühlte.

      „Von M bis K im Mitteltrab durch die ganze Bahn wechseln, anschließend wieder versammeln. Bei A auf die Mittellinie abwenden, halten und grüßen. Fertig.“

      Nach dem Grüßen klopfte ich Andromeda erst einmal eine halbe Bahn den Hals. Sie hatte immerhin alles gemacht, was ich ihr aufgetragen hatte. Wie gut das war, konnte nur Jette beurteilen. Diese stieg von der Tribüne hinunter und kam in die Mitte der Bahn.

      „Hast du immernoch so Panik vorm Galoppieren?“

      „Panik?!“ Ich sah sie ungläubig an. „Ich bin einfach nur nicht multitaskingfähig.“

      „Dann das Ganze noch einmal.“

      Und sie ließ mich auch wirklich erst austappen, als alles halbwegs passte. Auch das Kurzkehrt ließ sie mich noch ein paar Mal wiederholen (Hallo?! Das war ja wohl Kunst gewesen?!). Nach einer Stunde, an der sie vor allem an mir und weniger an Andromeda arbeitete – die Stute kannte das ja eigentlich alles, und wenn der Reiter ihr dann die richtigen Hilfen gab, dann machte sie das auch zuverlässig.

      „Warum quälst du mich so?“ jammerte ich schließlich, als ich Andromeda nach der ausgiebigen Erlaubnis Jettes auf der Mittellinie aufstellen durfte. Das Fell der Stute war verschwitzt, sie spielte aber trotzdem aufmerksam mit den Ohren. Sie hätte wahrscheinlich noch locker eine halbe Stunde weitermachen können – aber ich nicht. Mehr oder weniger graziös ließ ich mich aus dem Sattel gleiten und lockerte den Gurt. „Du weißt doch ganz genau, ich bin einfach kein Dressurmensch.“

      „Ach, pff,“ machte Jette und kam an Andromedas Kopf. „Außerdem: Dressur ist die Grundlage einer jeden Disziplin. Und wir brauchen gesunde Pferde. Und wenn du dich ein bisschen anstrengst –“

      „Was, dann werd ich der nächste Schockemöhle?“

      „Dann müsste ich nicht immer alle Turniere alleine mit Levi bestreiten.“

      Da hatte Jette natürlich einen wunden Punkt getroffen und das wusste sie auch ganz genau. Solange die Zucht noch relativ klein war, fühlte ich mich manchmal auf meinem eigenen Hof ein wenig unnütz – vor allem, nachdem das zweite Standbein des Steenhofs einfach die Turniere waren, so früh wie irgendmöglich mit selbstgezogenen Pferden. Jette wusste das und stocherte jetzt munter darin.

      „Aber die Pferde sind doch um einiges besser als ich.“ Es war ein schwaches Argument, aber die gingen mir einfach langsam aus – und wenn ich ehrlich war, spürte ich die Dressureinheit mittlerweile in den Beinen.

      „Beste Voraussetzungen für eine steile Karriere.“ Jette strich noch einmal über Andromedas Mähnenkamm, dann lief sie in Richtung Reithallentor. „Und du könntest dich jetzt erst mal in ein paar Hallenturnieren beweisen. Win-Win.“

      Wie gesagt, keine Argumente mehr. Also rollte ich nur mit den Augen, sammelte Andromedas Zügel, und rief ihr nur hinterher: „Lass mich wenigstens erstmal drüber schlafen!“
      Geposted: 05.10.19
      Von: Rhapsody
    • Rhapsody
      Steenhof, 06. November
      Andromeda
      Springen M* - M**

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      Ich vibrierte förmlich, als ich auf Andromedas Rücken am Reitplatz stand. Die letzten Wochen hatte vor allem Greta Andromedas Training übernommen – ich war nach wie vor auf der Suche nach ein paar zusätzlichen Kräften und verbrachte dementsprechend mehr Zeit im Büro als mir lieb war. Heute hatte ich mir aber extra freigenommen. Denn nach langem Jammern durfte ich endlich mal wieder Springen.

      Mit dem Springen war ich aufgewachsen und fühlte mich immer ein bisschen in meine Kindheit zurückversetzt, wenn ich im Springsattel saß. Die letzten Wochen waren deshalb ein bisschen wie die Hölle für mich – wenn ich nicht im Büro saß, ließ mich Jette Dressurlektion nach Dressurlektion vollführen.

      Glücklicherweise war ich ja ein sehr lauter Jammerlappen, sodass Jette mich im Vorbeigehen vor ein paar Tagen für das heutige Springtraining eingeteilt hatte – wahrscheinlich, weil sie mich einfach nicht mehr jammern und motzen hören konnte.

      Mit einem breiten Grinsen ritt ich in die Bahn ein, auf der schon der ein oder andere Sprung stand. Andromeda war schon warm geritten – wir kamen gerade von einer kurzen Aufwärmrunde im Gelände und waren jetzt startklar. Trotzdem ließ mich Jette erst einmal ein paar Gymnastikübungen machen – Trabstangen, Galoppstangen, das ein oder andere Cavaletti. Damit konnten wir auch gleich sehen, wie Andromeda gerade drauf war. Manchmal hatte sie in kleines Problem mit dem gleichmäßigen Rhythmus, und vor allem die Galoppstangen halfen da ungemein.

      Nach dieser kurzen Gymnastikeinheit gönnte Jette uns eine kleine Verschnaufspause und erklärte mir das folgende Training. Zuerst würden wir noch einige einfache Sprünge gemeinsam mit den Galoppstangen und den Cavalettis machen, um den Rhythmus noch ein bisschen mehr zu schulen. Anschließend würde sie mir dann ein paar Hindernisse auf eine ordentliche M*-Höhe bringen – und wenn wir uns anständig anstellten, würde Jette uns auch auf den kleinen Parcours schicken, der auf dem Platz noch von der letzten Springstunde aufgebaut war.

      Ich runzelte dabei ein bisschen die Stirn – das war ganz schön viel, dass Jette sich da vorgenommen hatte. Trotzdem nahm ich die Zügel auf und ließ Andromeda wieder angaloppieren.

      Nach ein paar Übungen war ich super zufrieden mit dem Rhythmus. Das kleine Kreuz in der Mitte des Platzes nahm Andromeda mit Routine, konzentrierte sich danach auf die Distanz zu den Galoppstangen. Jette, die sich an ein paar Hindernisse zu schaffen machte, schickte mich auf meine erste Tour mit einer zweifachen Kombination. Eine halbe Parade, um Andromedas Aufmerksamkeit auf die neue Aufgabe zu lenken, dann steuerte ich das erset richtige Hindernis an. Die Stangen müssten so ungefähr bei 125cm liegen – die Höhe bereitete der Holsteinerstute keine Probleme. Nach dem ersten Hindernis musste ich sie ein bisschen zurücknehmen – was Jette mir auch von ihrem Platz am anderen Ende des Platzes zurief, als wüsste ich das nicht selber, pff – und galoppierte in einem kleinen Bogen auf das erste Hindernis zwei zweifachen Kombination zu. Kaum waren wir auf einer geraden Linie auf die bunten Stangen zu, spürte ich, wie Andromeda vorwärts zog und sich kraftvoll vom Boden abstoß. Das war allerdings ein bisschen zu viel Energie – die Distanz zwischen den zwei Hindernissen passte plötzlich nicht mehr und eine Stange fiel. Erst danach ließ sie sich wieder versammeln und auf den Steilsprung vorbereiten.

      Jettes wachem Auge entging nichts – und für die nächste viertel Stunde waren dann Kombinationen und vor allem Andromedas Übereifer Mittelpunkt des Trainings. Zwanzig Minuten später schickte Jette uns dann auch über eine dreifache Kombination, die natürlich eine ausreichende Vorbereitung meinerseits brauchte. Im ruhigen Galopp steuerte ich Andromeda zu, zählte die Galoppsprünge. Zwischen den einzelnen Hindernissen war nur Platz für einen Galoppsprung – viel Zeit zum Nachdenken blieb da nicht. Die Übungen der letzten Minuten halfen aber ungemein, und ohne Probleme kamen wir durch die Dreifache.

      Zuletzt kam dann noch ein kleiner Parcours – genau die Hindernisse, an denen Jette das halbe Training über herumgespielt hatte. Während sie mir den Parcours erklärte, umritt ich die Hindernisse im Schritt – und stutzte.

      „Die sind doch höher?“ rief ich Jette zu.

      „135. Da wird immer noch genug Platz dazwischen sein,“ antwortete sie gedankenverloren, während sie die Galoppstangen schon einmal aus dem Weg räumte.

      „Rüber kommen wir schon irgendwie,“ murmelte ich vor mich hin, und auf Jettes Kommando ging es dann an den Parcours.

      Das Springen mit Andromeda fühlte sich einfach richtig an – so, als wäre auch sie endlich in der richtigen Disziplin angekommen. Fast schon telepathisch flogen wir durch den Parcours, sie ließ sich jederzeit um ein paar Längen verkürzen und sprang schön rund über die Stangen. Am Ende hatte Jette natürlich wieder einmal Recht gehabt: 135cm waren zwar 10cm mehr als Andromeda jetzt immer gewöhnt war, aber die Stute schien das nicht zu stören. Und laut Jette war da auch nach wie vor noch Luft.

      Nach dem Parcours war ich hochrot angelaufen und Jette beendete das Training offiziell. Während ich abreitete, gab es für mich noch eine kleine Meckerrunde, denn auf ein Stilspringen würde Jette mich so wohl nicht lassen.

      „Du musst mich einfach öfter springen lassen,“ sagte ich schulterzuckend und hielt die Stute an. Die war immer noch mit ganzer Aufmerksamkeit vorbei – wahrscheinlich hätte sie jetzt gerne noch zehn Minuten so weiter gemacht.

      „Darauf kannst du wetten!“ rief Jette. „Und ich will kein Jammern hören. Gar keins mehr!“

      „Worüber ich jammere, ist ja zum Glück immer noch meine Sache,“ antwortete ich ihr mit einem frechen, breiten Grinsen und ließ mich aus dem Sattel gleiten.

      Geposted am: 06.11.19
      Von: Rhapsody
    • Rhapsody
      Steenhof, 30. Dezember
      Smooth Gravity, Callisto, Dark Royale, Calista, Andromeda, Quarterback
      Dressur L-M*

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      Ebenso wie die vorherigen Monate war auch der Dezember ein wirklich produktiver Monat gewesen. Wieder sehr dressurlastig, aber Dressur war ja immerhin die Grundlage für eine ordentliche Springmanier – und solange ich selbst nicht dafür herhalten musste, war auch alles gut.

      Diesen Monat konzentrierte ich mich springtechnisch auf Smooth Gravity und Callisto. Gravity würde ein Leben als alleinige Zuchtstute bestimmt gut gefallen – ich wollte aber noch ein bisschen etwas aus ihr herauskitzeln. Begeistert war sie davon nicht, was sie mir auch deutlich zeigte. Aber mit ein paar Bucklern konnte ich gut umgehen. Außerdem ging es erst mal nur um die Grundlagen im Springen – und Rhythmus reinbringen. Gravity hatte den Nachteil, dass sie die Rennbahn kennengelernt hatte; gestreckter Renngalopp war ihre Spezialität. Theoretisch sollte sie bis fast zur höchsten Klasse der Dressur ausgebildet sein. Praktisch war es einfach schwierig, die Rennbahn aus dem Galopper zu bekommen. Nachdem ich sie also überzeugt hatte, dass wir auch ruhig und gesetzt galoppieren konnten – an dieser Stelle herzlichen Dank an meine treuen Stangen, die bei so ziemlich jeder Trainingseinheit zum Einsatz kamen – ging es an die Hindernisse. Und dann war es so, als hätte sie nie etwas anderes gemacht. Mit gespitzten Ohren fokussierte sie das Hindernis, hörte auf ihren Reiter, ließ sich zurücknehmen und auch gezielt vorwärtstreiben. Ähnlich wie bei Blurry war es zwar immer noch ein gut ausgebildetes Dressurpferd, das da über die Stangen hüpfte, und das sah man ihr auch an, aber ich hatte das Gefühl, dass sie schlussendlich doch Spaß daran fand – an der neuen Disziplin und auch an mir.

      Callisto war schon eine ganze Ecke weiter und im Gegensatz zu Gravity auch extra für den Springsport gezüchtet worden. Hier setzte ich mich nicht selbst in den Sattel, sondern überließ das Marieke. Die hatte sich in den letzten Monaten mit dem Schimmelhengst anfreunden können und gemeinsam waren sie auch schon auf Turnieren erfolgreich gewesen – jetzt im Winter fuhren wir das Ganze natürlich ein bisschen zurück, aber das ein oder andere Hallenturnier würden sie auch weiterhin mitnehmen. Der Unterricht mit mir galt also eher, die kleinen Fehler, die sich über die Zeit einschlichen, wieder auszubügeln. Marieke neigte dazu, den Hengst zu sehr zu begrenzen, dabei war Callisto ein absolut souveräner Springer – wenn man ihn denn ließ. Als es dann Klick machte, waren auch die ersten Hindernisse auf M*-Höhe kein Problem. Wir einigten uns jedoch darauf, erst in der neuen Saison M-Springen zu nennen.

      Dressurmäßig hatte Jette mit Andromeda, Calista und Quarterback zu tun – eigentlich auch Dark Royale, aber ich hatte ein bisschen Mitleid mit ihr und so teilten wir uns die Grundausbildung des Rappens. Es ging um A-Lektionen, da war auch ich noch halbwegs sicher. Im Grunde mussten wir nur noch am Mitteltrab und -galopp arbeiten; Rückwärtsrichten, Seitengänge und Übergänge gehörten zu einer soliden Grundausbildung dazu und ließen sich auch einwandfrei abrufen.

      Wenn ich Zeit hatte, guckte ich natürlich beim Training zu. Bei Calista sollte es eigentlich nur ein kleiner Sprung sein – von M* zu M**, also nur wenige neue Lektionen – aber wenn ich Jette bei der Arbeit zusah, war das für mich unerreichbar. Der größte Schritt in der Dressur war deutlich von L zu M – plötzlich musste das Pferd all die Lektionen beherrschen, die die Pferde im Grand Prix zeigten. Calista kam da langsam an ihre Grenzen. Fliegende Galoppwechsel waren vor allem einer ihrer Erzfeinde – ein paar Sprünge klappten, dann stellte die Stute auf Durchzug. Jette versuchte, alles aus ihr herauszukitzeln, was ging, und an den neuen Lektionen wie Renvers oder Traversalverschiebungen schien die Stute auch wieder Freude zu finden – aber trotzdem würde hier wohl Schluss sein. So viel besprach ich auch mit Jette nach einer Trainingseinheit – lieber wollten wir schauen, wie der Stute der Busch gefiel.

      Ähnlich bei Andromeda – sie stand gerade an der Schwelle zur M*-Dressur und auch, wenn sie im restlichen Training sehr souverän wirkte, kam hier die Unsicherheit durch. Im Gegensatz zu Calista biss sie sich aber durch und stellte nicht auf stur. Es dauerte eine Weile, aber dann klappten die ersten Traversalen und die fliegenden Wechsel. Und auch die Verstärkung machte die Stute gut mit. Danach war sie zwar komplett nass geschwitzt, aber wofür hatte ich ein Solarium in den Laufstall bauen lassen?

      An Quarterback zeigte sich dann aber, dass es auch Pferde gab, die wirklichen Spaß an der Dressur hatten. Der Trakehner war ja für die Vielseitigkeit bestimmt und wenn es irgendwie ging, dann sollte er da auch Erfolg haben. Der versammelte Schritt war weder für ihn noch für Calista eine große Umstellung gewesen, im Gegensatz zur Fuchsstute sahen die Schrittpirouetten am Schluss aber edel und vor allem ruhig aus – Calista wäre am liebsten einfach durch die Lektion gerannt, wenn Jette sie gelassen hätte. Auch die Traversalverschiebungen und der Renvers klappten schon fast auf Anhieb super. Da hatte Jette mit dem Hengst wirklich einen Glücksgriff gemacht.

      Geposted am: 28.12.19
      Von: Rhapsody
    • Rhapsody
      Steenhof, 15. Dezember
      Charon, Bohème, Balboa, Simplicity of Sophistication, Painted Basquiat, Dante's Wild Lady, Painted Taloubet, A Touch Of Peace, Contia Socks, HGT's Saevitia, Dark Royale, Equinox II, Callisto, Calista, Ballroom Blitz, Quarterback, Andromeda, Smooth Gravity, Samarra, Benihana, Ironic, Ares, Bucky, Painted Blur, Calina
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      Keinen Plan wie, aber irgendwann hatte sich der Winter eingeschlichen. Gefühlt plötzlich dauerte es morgens ewig, bis es hell war – und diese Realisation hatte ich auch erst, als Hauke mich darauf aufmerksam gemacht hatte.

      Während ich schwer damit beschäftigt war, den Hengsten allen ihr Frühstück zu bringen – wobei mich der gute Hauke eigentlich unterstützen sollte, stattdessen guckte er mit grimmiger Miene aus dem Stalltor. Er guckte auf seine Armbanduhr, dann wieder zu dem blassblauen Streifen, den man zwischen den Bäumen gegenüber dem Tor erkennen konnte.

      „Was stört dich denn heute wieder?“ fragte ich, eher im Vorbeilaufen auf dem Weg zu Ironics Box. Der Hengst wartete schon sehnsüchtig auf sein Mineralfutter; konnte ja auch wirklich nicht angehen, dass er da länger als zwei Minuten drauf warten sollte.

      „Es ist halb acht,“ sagte Hauke und richtete seinen grimmigen Blick jetzt auf mich.

      Ich schüttete das Futter in den kleinen Trog und Ironic stürzte sich darauf – als hätte ich mir das Heu, das ich ihm gestern Abend in die Box geschaufelt hatte, nur eingebildet. „Und?“

      „Halb acht und die Sonne ist noch nicht einmal aufgegangen.“

      Das ließ mich innehalten – aber er hatte Recht. Auch meine Armbanduhr zeigte brav die korrekte Uhrzeit an: 07:21 Uhr und ja, das Licht draußen konnte man kaum als mehr als Dämmerung benennen. „Wow,“ sagte ich. „Wann sind die Tage so kurz geworden?“

      „Irgendwann in den letzten eineinhalb Monaten,“ grummelte Hauke. Rhetorische Fragen waren nie seine Forte gewesen. Und während er noch ein paar Minuten grimmig nach außen schaute, hatte ich die Hengste auch schon fast durch. Nur seine eigenen Hengste – Quarterback und Dark Royale – ließ ich ihm übrig.

      Ein bisschen überrascht guckte er schon, als ich ihm die Kelle in die Hand drückte. Auf mich warteten noch andere Pferde.

      Aber im Laufe des Tages fielen mir immer mehr Sachen auf, die ich in den letzten Wochen einfach ausgeblendet hatte. Als die Hengste am Vormittag auf die Paddocks durften, fiel mir plötzlich Barneys veränderte Fellfarbe aus; das Schwarz schien dunkler, während die braunen Stellen am Maul, der Flanke und am Hintern im Gegensatz dazu noch viel heller wirkten. Und ab da konnte ich es nicht mehr ungesehen machen: auch Calista war plötzlich mehrere Schattierungen dunkler; fast schon feuerrot. Ähnlich bei Samarra – und die Schimmel, also Smooth Gravity, Calina und Callisto, wirkten als hätte sie jemand mit Bleiche gewaschen.

      Naja. Abgesehen von den Mistflecken, die bei Schimmeln einfach unvermeidbar waren.

      Diese andauernden Erinnerungen daran, dass es jetzt wirklich Winter war, warfen meinen ganzen Tagesablauf durcheinander. Das Springtraining mit Blurry hatte ich viel früher angesetzt – und dann hatte ich das Gefühl, dem Hengst machte es so Spaß, dass ich auch noch gleich eine viertel Stunde länger machte, als ich eigentlich wollte. Aber Blurry blühte so richtig auf; für ein Platz am Treppchen reichte es zwar nicht, dazu fehlte die nötige Eleganz überm Sprung – man konnte ja auch nicht alles haben – aber solange der Hengst mit gespitzten Ohren auf die Hindernisse zuritt, sollte ich die letzte sein, die ihm diesen Spaß nehmen sollte. Dementsprechend war ich dann aber auch ein paar Minuten zu spät, um die Ankunft unseres neuen Prachtstücks zu sein.

      Der Hengststall füllte sich nämlich stetig. Nach Jettes zwei Jungs war noch ein vielversprechender Youngster eingezogen, der auf den melodischen Namen Painted Taloubet hörte. Und wie der Name schon verriet, war auch er ein Nachkomme meines eigenen Painted Blurs; seine Mutter war allerdings ein ziemlich erfolgreicher Springer gewesen und so wie es aussah, hatte sie das auch an ihren Sohn weitervererbt. Noch sollte der Junghengst seine Zeit auf den Paddocks und Koppeln genießen, bis er dann nächstes Jahr unter den Sattel kam; aber ich war schon gespannt, ob sich meine Hoffnungen in ihn bestätigten.
      Und nach Jitterbug, wie ich Taloubet wenige Tage nach seiner Ankunft getauft hatte, hatte mich dann ein Smoky Cream Hengst komplett verzaubert. Mit außergewöhnlichen Farben war es immer so eine Sache; die meisten Pferde, die nicht in Standard-Braunschwarzrotbraun kamen, waren spezifisch auf diese Farbe gezüchtet – die sportliche Leistung war zweitrangig. Zum Glück galt aber auch hier: Ausnahmen bestätigen die Regel – Jettes Quarterback, der ja jetzt auch eine etwas ausgefallenere Färbung hatte, war mehr als nur ein hübsches Pferd, und so erging es mir auch mit Equinox, dem Smoky Cream. Aufgefallen war er mir natürlich wegen der Farbe – als ich dann aber Videos in Action sah, blieb mir fast die Spucke weg. Als Trakehner war er gezogen für die Vielseitigkeit und schien darin auch wirklich aufzugehen. Ein paar Testritte – einmal ich, einmal Jette und einmal Levi – und alle waren begeistert. Natürlich gab es irgendwo Abstriche, aber seien wir mal ehrlich: das perfekte Pferd wurde eben noch nicht erfunden. Oder gezüchtet. Denn wenn es gerade nicht darum ging, eine Schleife heimzuholen, konnte Equinox fast schon faul sein. Sein Springvermögen hatte mich dann aber letztendlich doch überzeugt, den Kaufvertrag zu unterschreiben; man musste es eben nur aus ihm herauskitzeln. Und wenn ich mich in dieser Einschätzung irren sollte, war er dank seines reinerbig dominanten Cream-Gens für die Zucht trotzdem nicht ganz uninteressant. Win-Win-Situation.

      Als ich am Hengststall ankam, hatte Hauke Equinox schon ausgeladen und ließ ihn gerade seine neue Heimat beschnüffeln. Trotz Trakehnerblutes schien er mir recht entspannt; kein hysterisches Wiehern nach den anderen Pferden, kein aufgeregtes Getänzel. „Auf der Fahrt war er auch echt ruhig,“ bestätigte Hauke, als ich die Beobachtung mit ihm teilte. „Kein Mucks, kein Gestampfe. Kann mir fast nicht vorstellen, dass der im Gelände so abgehen soll.“

      „Wart’s bloß ab,“ riet ich ihm und ließ Equinox dann noch meine Hände beschnüffeln. Die waren schnell uninteressant; er schnoberte mit seiner pinken Schnauze lieber an meiner Jackentasche, wo zufälligerweise ein paar Leckerlis versteckt waren. „Dumm ist er auf jeden Fall nicht.“

      Fürs erste sollte Equinox heute auch in der Box bleiben – auch wenn er so tiefenentspannt wirkte, wollte ich den Bogen nicht gleich überspannen. Und dank Paddockbox konnte er auch ein bisschen Frischluft schnappen. Auf mich warteten noch ein paar Stuten; Dante’s Wild Lady und A Touch of Peace, um genau zu sein.

      Peace war, bevor sie zu mir kam, ja bereits im Sport aktiv gewesen. Nach einer Fissur im Karpalgelenk sollte sie sich erst einmal komplett auskurieren, damit sie danach gestärkt wieder eingesetzt werden konnte. Nach dem letzten Kontrolltermin im Herbst hatte ich grünes Licht vom Tierarzt bekommen und arbeitete mit ihr jetzt am Muskelaufbau. An der Longe lief sie wie eine Eins, streckte sich schön nach unten und lief fleißig vorwärts.

      Im Gegensatz dazu stand Dante. Als Dreijährige musste sie ja noch nicht viel leisten und sollte auf jeden Fall im Sommer noch mal auf die Weide kommen. Trotzdem begann ich schon einmal, sie langsam an die Arbeit heranzuführen. Erst begleitete sie mich als Handpferd auf Ausritten und hatte dabei schnell gelernt, ruhig und gesittet neben einem anderen Pferd zu laufen und auf ein paar Grundkommandos zu hören. Die Freiarbeit, die ich danach anstrebte, klappte auch super; Dante stellte sich als sehr aufmerksame junge Stute mit einem großen Will to please heraus.

      Das Problem lag dann aber beim Longieren. Viele Jungpferde taten sich am Anfang erst einmal schwer, die Linie zu halten – viele klebten dann regelrecht am Longenführer. Dagegen hatte ich eigentlich mit der Freiarbeit begonnen, aber trotzdem blieb Dante höchstens zwei Schritte auf der Kreislinie, bis sie wieder zu mir in die Mitte rannte. Deswegen zog ich mir kurzerhand Jette zu Rate; die hatte eigentlich genug mit den anderen Pferden zu tun, nahm sich aber doch die Zeit, mir zu helfen. Denn natürlich lag das Problem bei mir: die Frei- und Bodenarbeit hatte zwar einen guten Grundstein gelegt, um erfolgreich zum Longieren überzugehen, fehlten aber noch ein paar Übungen – vor allem eben, das Pferd auf Abstand zu halten. Dazu ging ich auch noch gar nicht auf eine wirkliche Zirkellinie, sondern benutzte die ganze Longierhalle dazu. Natürlich bekam Dante auch immer wieder Pausen eingeteilt – wir hatten keinen Zeitdruck, also machten wir uns auch keinen. Also war es erst an diesem (für mich ersten) Wintertag soweit, dass sie die ersten Runden im Kreis um mich herum ging. Nur ein paar, dann schickte ich sie wieder auf die ganze Bahn und stiefelte ihr hinterher. Immer abwechselnd lenkte ich sie zurück auf den Zirkel und marschierte dann geradeaus, immer in einem Abstand etwa zweieinhalb Metern.

      Das Gute an Dante: sie zeigte deutlich, wenn sie nicht mehr aufnahmefähig war. Dann erinnerte sie an einen tollpatschigen Welpen, der seine Pfoten noch nicht ganz unter Kontrolle hatte. Dann war es Zeit, sie noch einmal sich wälzen zu lassen und zurück in den Laufstall zu bringen.

      Nachdem die Weiden über den Winter gesperrt waren, verbrachten Stuten eines jeden Alters den Winter im Laufstall. Die Zusammenführung war manchmal gar keine so leichte Aufgabe – immerhin hatten wir meisten zwei Gruppen, die sich gegenseitig kaum kannten. Deswegen wurde der Laufstall für die ersten Wochen geteilt – so konnten sie sich erst einmal beschnuppern und aneinander gewöhnen, bevor man sie aufeinander los ließ. Und auch dieses Jahr hatte es gut geklappt – die besten Freundinnen waren jungen und älteren Stuten zwar noch nicht geworden, aber keiner wurde durch die Gegend gescheucht.

      Am späten Nachmittag – es war schon wieder fast dunkel, vielen Dank, Winter – konnte ich mich dann kurz losreißen und ins Auto setzen. Meine Fohlen des letzten Jahres waren jetzt schon gut ein Jahr in ihren jeweiligen Aufzuchtställen und wurden dort regelmäßig besucht. Ein bisschen lästig fand ich das Rumgefahre selber – Bohème und Balboa standen glücklicherweise in der Nähe, aber zu Charon war es eine Strecke von etwa 50 Kilometern einfachem Weg. Dort hatte er aber den besten Stall, den man sich vorstellen konnte; gemeinsam mit zehn anderen Hengsten in seinem Alter konnte er im Sommer über eine riesige Koppel rennen, den Winter verbrachte er mit dieser Gruppe in einem Offenstall. Es gab eine gesunde Mischung zwischen in Ruhe lassen und an den Menschen gewöhnen; so konnten die Junghengste ganz normal Kind sein, ohne später keinen Respekt vor Menschen zu haben.

      Die Traube an Jährlingen kam deswegen auch neugierig an den Zaun des Offenstalls, als ich mich daran lehnte. Ein paar Nasen suchten nach ein paar leckeren Äpfeln, ein paar wollten mich nur beschnuppern. Während ich also Nüstern streichelte, versuchte ich im harschen Licht der Baustrahler meinen Hengst zu finden – was sich leichter anhörte, als es tatsächlich war. Schließlich war ich mir aber sicher, dass dieser Rappschimmel vor mir Charon war – diesen treudoofen Blick hatte nur er. Kurzerhand schnappte ich mir einen Strick und holte ihn aus dem Offenstall. Vor ein paar Monaten war das noch der absolute Horror für ihn gewesen. Von der Herde wegführen? Keine Chance. Mit ein wenig Geduld und vielen Leckerlis lernte er dann aber, dass er ja wieder zurückkommen würde. Er lauschte zwar noch jedem Wiehern, das von den anderen Jungs kam, aber sobald wir um den Offenstall herum waren und ich ihn am überdachten Putzplatz anband, war alles vergessen.

      Bis auf die Grundlagen des Fohlen ABCs sollte Charon aber noch gar nicht so viel können. Putzen war im Grunde kein Problem, das hatte ich schon angefangen, als er noch zuhause auf dem Steenhof war. Eigentlich war das Anbinden bis vor kurzem auch kein Problem gewesen; seit wenigen Wochen war er dann aber nur noch am Zappeln und hin und her rennen. Manchmal war es gar nicht so leicht, dann die Geduld zu behalten – vor allem, wenn es schon einmal so gut geklappt hatte. Betont ruhig korrigierte ich ihn also immer wieder und belohnte es, wenn er dann doch mal stehen blieb und sich seine Umgebung ruhig anguckte. Charon war mittlerweile fast so groß wie ich, und auch, wenn er die Masse eines normalen Pferdes noch nicht hatte, brachte ich ihm lieber gleich bei, dass er auf seine Umgebung aufzupassen hatte und nicht einfach Rumtänzeln konnte, wie es ihm gerade beliebte. Ich beließ es an diesem Tag allerdings beim Putzen; über die Anlage fegte ein eisiger Wind, der mir trotz dickem Schal den Rücken hinunter krabbelte. Nachdem ich die Hufe ausgekratzt hatte und Charon noch einmal belohnte, weil er sie dieses Mal artig gegeben hatte, brachte ich ihn zurück zu seinen Kumpels. Ohne sich noch einmal herumzudrehen stapfte er wieder davon und schmiss sich als allererstes in die nächstbeste Matschpfütze. Ich seufzte. Wenn ihn das glücklich machte, dann sollte er sich doch in jedes bisschen Matsch schmeißen.

      Zum Schluss machte ich mich noch auf zu Balboa und Bohème. Wie schon erwähnt standen sie momentan nur rund fünf Minuten vom Steenhof entfernt, bei einem befreundeten Bauern. Die Gruppe an Jungstuten war etwa doppelt so groß wie Charons Bande, genauso wie er standen sie aber auch auf einer Koppel oder, jetzt im Winter, in einem großen Offenstall. Aufgrund der unmittelbaren Nähe war ich hier ein bisschen öfters als bei Charon – ich beließ es also bei einer kurzen Begrüßung mit Leckerlis und ein paar Streicheleinheiten. Auffallend war, dass vor allem Bohème das sichtlich genoss, war sie doch sonst das eher reservierte Fohlen gewesen. Für Balboa war der Mensch am Zaun nach dem ersten Apfelstück uninteressant gewesen, sie hatte sich lieber wieder dem Heu zugewandt. Bohème allerdings schnoberte an meiner Jacke herum, stupste immer wieder meine Hand an, wenn ich es wagte, auch einer anderen Stute Aufmerksamkeit zu geben. Ich hatte das Gefühl, dass sie schon einen ganz schönen Entwicklungssprung gemacht hatte, den ich bei Balboa noch nicht so ganz sah. Ehrlich gesagt hatte ich ein bisschen Angst gehabt, dass Bohème auf ewig so distanziert blieb – durchaus keine Charakterschwäche, aber ein menschenbezogenes Pferd machte das Heranführen an den Job Reitpferd natürlich um einiges leichter. Doch anscheinend hatte Bohème noch ein paar Überraschungen in petto; mal sehen, was aus der Stute einmal werden würde.

      Wie aber schon angekündigt machte ich mich kurz darauf wieder auf den Weg zurück zum Steenhof. Die Abendfütterung würden Malte und Fiete heute übernehmen, und bis zu meiner letzten Runde durch die Ställe war noch genug Zeit für meine allerallerallerallerliebste Lieblingsbeschäftigung: Papierkram. Auf Jettes Bitten hin hatte ich mich in letzter Zeit wirklich nach Verstärkung umgesehen und jetzt galt es, die Bewerber auszusortieren. Sollte der Hof in den nächsten Jahren wachsen, was ich stark hoffte, brauchten wir auf jeden Fall jemand Geschulten, der den ganzen Bürokram machen konnte. Außerdem noch den ein oder anderen Pfleger dazu, damit Hauke und ich uns guten Gewissens um andere Dinge kümmern konnten. Und wovon man nie genug haben konnte: ein paar qualifizierte Reiter, die die Pferde auch auf Turnieren vorstellen würden. Diese Arbeit gab ich aber nur allzu gerne an Jette selbst ab – ihr Team musste sie selbst aufstellen.

      Geposted am: 01.01.20
      Von: Rhapsody
    • Rhapsody
      Steenhof, 10. Januar
      Andromeda
      Springen M**-S

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      Traditionen waren schön. Vor allem Neujahrstraditionen. Dazu zählte auf dem Steenhof das alljährliche Neujahrsspringen – allerdings ein Freispringen, damit fast jedes Pferd mitmachen konnte.
      Dieses Jahr verschob es sich allerdings um ein paar Tage; noch vor Silvester hatte sich der Tierarzt für den Tag zum Impfen angemeldet. Die Tage danach war vor allem Barney ein bisschen angeschlagen, sodass wir das Neujahrsspringen einfach ein paar Tage später ansetzten.

      Gemeinsam mit Levi und Hauke baute ich also einen kleinen Parcours auf. Wir wollten erst einmal klein beginnen und dann die Gelegenheit nutzen, um bei den Jungpferden zu gucken, wie viel Platz da noch nach oben kam. Die Pferde, die gerade aktiv im Sport waren, sollten aber genauso überprüft werden: so hatten die Pferde ihren Spaß beim Springen und wir konnten uns einen kleinen Überblick verschaffen, was Sache war.

      Die ersten Durchgänge der Jungpferde waren noch etwas unbeholfen – es dauerte ein bisschen, bis sie wirklich flüssig über die Stangen flogen. Vor allem Taloubet machte da einen guten Eindruck – wenn er denn mal mit genug Ruhe an die Sache ran ging. In den meisten Durchgängen war er schneller durch als wir gucken konnten. Da kam noch ein ganzer Arsch voll Arbeit auf uns zu.

      Aber erst einmal bauten wir langsam für die Pferde auf, die bereits im Training standen. Equinox II machte den Anfang; der Hengst war noch fast ein unbeschriebenes Blatt auf dem Steenhof, nachdem er erst wenige Tage hier war. Die E-Höhe war kein Problem für ihn. Einen Durchgang brauchte er, um sich einzuspringen, dann nahm er jedes Hindernis mit ordentlich Luft dazwischen. Auch, als die Stangen nach und nach höher gelegt wurden, war der Hengst noch voll dabei – es schien sogar, als würde er da erst warm werden.

      Der nächste Hengst war Jettes Dark Royale – auch noch ein kleiner Rohdiamant, der aber dieses Jahr voll durchstarten sollte. Noch ein bisschen unsicher wirkte er, ab er auch er brauchte ein paar Durchgänge, bis es flüssig wurde. Die Hengste, die schon monatelang im intensiven Training standen, machten das Ganze natürlich routiniert mit; Callisto segelte nur so über S-Höhe, Ballroom Blitz machte es ihm nach und auch Quarterback zeigte Höchstleistungen.

      Auch bei den Stuten war ich schwer beeindruckt – vor allem von HGT’s Saevitia. Auch sie war, ähnlich wie Dark Royale, noch im Aufbau – das Freispringen zeigte aber, dass auch sie langsam soweit war, stärker gefordert zu werden. Andromeda war ja eh mein Liebling der letzten Saison gewesen – auch, wenn uns ein Hufgeschwür kurzzeitig zurückgeworfen hatte. Mittlerweile war sie wieder fit und zeigte das deutlich. Auch für sie war die S-Höhe kaum ein Problem. Zum Schluss durften dann auch noch ein paar Zuchtstuten zeigen, was sie konnten: Smooth Gravity hatte schnell die Lust verloren, während Samarra und Calina mindestens genauso viel Spaß zeigten wie die restlichen Pferde.

      Und so war ein Tag vergangen – als Calina als letzte zurück in den Laufstall gebracht wurde, war es schon wieder dämmrig. Die Pferde mampften aber alle zufrieden auf ihrem Abendessen herum – der Tag war also ein voller Erfolg gewesen.

      Geposted am: 31.01.2020
      Von: Rhapsody
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  • Album:
    3 | Steenhof
    Hochgeladen von:
    Rhapsody
    Datum:
    21 Aug. 2018
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  • [​IMG]
    Andromeda
    Sternbild; Gestalt der griechischen Mythologie


    PEDIGREE
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    von: Dr. Insektor

    von: Code of Honor 1 | 2 | 3

    von: Connor
    aus der: Crucifére

    aus der: Scream from the Abyss

    von: Forsaken Horizon
    aus der: Senseless Fight

    aus der: Alors on Chante

    von: Rheingold

    von: unbekannt
    aus der: unbekannt

    aus der: Alors on Danse

    von: unbekannt
    aus der: unbekannt


    EXTERIEUR & INTERIEUR

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    Stute
    Holsteiner
    10 Jahre

    165 cm
    Dunkelfuchs mit Birdcatcher-Spots
    Stern

    Andromeda ist eine recht schüchterne Stute, die weit unten in der Rangordnung steht. Sie geht Konflikten am liebsten aus dem Weg und lässt sich auf der Weide dann oft hin und her schicken. Ebenso verhält sie sich unter dem Sattel, was für den Reiter jedoch angenehm ist. Anstatt jede Anweisung zweimal zu hinterfragen, wie man es von einigen Stuten gewohnt ist, reagiert sie auf jede Hilfe. Andromeda ordnet sich gerne unter, erwartet aber von ihrem Reiter Sicherheit; kann er ihr die nicht geben, ist an konstruktive Arbeit nicht zu denken. Fühlt sie sich sicher, ist sie richtig anhänglich und fordert auch mal etwas lautstarker ihre täglichen Streicheleinheiten ein.


    TRAINING

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    Fohlen ABC | Eingeritten
    Englisch geritten


    Dressur
    E A L M* M**

    Springen

    E A L M* M** S*

    Military

    E A L M S*


    ERFOLGE

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    Dressur: 1x L-Platziert, Springen: 3x L-Platziert, Military: 1x L-Platziert


    Turniere
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    539. Dressurturnier – 561. Dressurturnier

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    558. Springturnier – 229. Synchronspringen – 559. Springturnier – 293. Synchronspringen – 560. Springturnier – 294. Synchronspringen

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    381. Militaryturnier – 402. Militaryturnier

    Andere


    ZUCHTINFORMATIONEN

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    SK 465 - Alle Stuten


    Leihmutterschaft:
    Genotyp: aa ee Ff
    Aus der Zucht: Gestüt Sanssouci (Winnipeg, KAN)
    Nachkommen:

    sh Amalthea (v. Cloud Nine) – *2020

    GESUNDHEITSZUSTAND

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    124 4 20 947296881
    Chronische Krankheiten:
    Letzter Tierarztbesuch:

    Fehlstellungen:
    Beschlagen:
    Letzter Hufschmiedbesuch:


    STALLINTERN

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    Besitzer: Rhapsody
    Ersteller: Rhapsody
    VKR: Rhapsody

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    Offizieller Hintergrund