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Muemmi

Amber | gekrönt

Dänisches Warmblut | Stute | Im Besitz seit: Oktober 2015 | Pfleger: Luisa Goeke | Bitte keine Kommentare!

Amber | gekrönt
Muemmi, 1 Juli 2018
    • Muemmi
      Alte Berichte

      Ankunft von Amber

      Hibbelig sprang ich von einem Bein auf das Andere, so lange, bis Idefix anfing, mich anzubellen. "Aus! Oh, Sorry, tut mir Leid Süßer!" meinte ich, als der erst beleidigt guckte und dann den Kopf schief legte. "Du weißt doch, dass ich immer so rumhüpfe, wenn ein neues Pferd ankommt! Und das hier ist was ganz besonderes!.... Wehe du bellst sie an, das ist ne kleine Diva! Die wär beleidigt!" meinte ich, lachte und ging in die Hocke. Er sprang mit seinen Vorderpfoten auf meine Knie und stupste mich im Gesicht an. "Brav sein, ja? So wie jetzt zu mir!" Ich kraulte ihn hinter den Ohren, bis er die hellen Lichter auf der Auffahrt sah. Zwischen den Kiefernstämmen leuchtete es über den jetzt sauber gepflasterten Weg. Ich hörte es rumpeln, während der Hänger auf dem Platz wendete. Ich sah gebannt auf die Klappe, der Vorbesitzer, ein erfolgreicher Züchter aus Dänemark, ließ sie gerade herunter. In hellblauem Drescode in Transportdecke und Gamaschen eingepackt, ging Amber vorsichtig rückwärts. Auch wenn sie so eingepackt war, ihr helles Fell strahlte regelrecht im Abendlicht und sie drehte ihren hübschen Kopf in meine Richtung. "Oh wow... Sie ist noch viel schöner, als ich sie in Erinnerung hatte..." hauchte ich und ging langsam auf sie zu. "Hey meine Süße, willkommen zu Hause!" meinte ich und streichelte ihr vorsichtig den Kopf. "Kommen Sie, ich zeig Ihnen die neue Box!" Zu vier liefen wir in den Stall der Dänen, Idefix setzte sich vor Sockes Box und winselte, als der darüber hinaus schauter. Aber zum Verdruss des kleinen Rüden war nicht er im Mittelpunkt, sondern die cremefarbene Amber, die jetzt neben Reykja die große Luxusbox bezog. Socke schien schon fast an zu Sabbern. "Gewinn ne HK und sie gehört dir!" meinte ich frech, und gab ihm eine Apfelschnitze. Er schaute immer noch total verträumt zu ihr hinüber und schnoberte in deren Richtung. Ich löschte das Licht im Stall und verräumte den Hänger mit dem Vorbesitzer, der über Nacht in einem der Gästezimmer verbringen würde, um am nächsten Tag wieder zurück zu fahren. Idefix gefiel das zwar irgendwie nicht so, aber er machte keinen Mucks, als er sich im Flur auf seine Decke legte. Eines der Dinge, die ich ihm noch nicht angewöhnen konnte, auch wenn schon öfter Gäste im Haupthaus übernachtet hatten. Ich linste nach dem Essen aus dem Küchenfenster und konnte mich kaum halten, ich freute mich nur noch auf den Tag, an dem ich mich das erste Mal auf Amber´s Rücken schwang.

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      by Canyon
      Tierarztbericht für Amber | Zeichen 3617 | by DisneyHorse (Fiona Friendmountain)
      "All I ever wanted, all I ever needed, is here in my arms...!",dieser Song, den mein Vater auf und ab hörte, lief gerade in meinem Autoradio. Depeche Mode, eine alte Band, die immer noch berühmt ist und dessen Songs gar nicht so übel waren, "Enjoy the Silence" hieß das Lied. Ich war gerade auf dem Weg zu Luisa Goeke, denn wir hatten einen Deal, sieh hat mir etwas teures gegeben und mit 2 Tierarztuntersuchungen mache ich es wieder gut. Vor dem wunderschönen Hof stand ein großes Tor mit einem silbernen Schild mit der Aufschrift "Gestüt Naundorf". Luisa sah mich und winkte zu mir rüber und signalisierte mir mit den Händen, dass ich zu ihr kommen sollte.

      "Hallo ich bin Goeke, Luisa Goeke!", sagte Luisa mit einem breiten Lächeln zu mir und ich erwiederte: "Guten Tag, ich bin Fiona Friendmountain! Wollen wir gleich zu ihrer Stute gehen?". Sie nickte und begleitete mich in den Stall. Ich staunte über die wunderschönen dänischen Warmblüter, sie waren so anmutig und hatten alle eine besondere Farbgebung. Eine Cremello-Stute am Ende der Stallgasse schaute uns neugierig an und schnaubte. Luisa begrüßte sie und schlüpfte in die Box, um die Stute herrauszuholen. "Darf ich vorstellen? Das ist Amber, eine der neuesten Stuten hier!" Ich streckte meine Hand aus, damit sie mich beschnüffeln konnte. "Dann fangen wir mal an!", sagte ich mit vollem Elan.

      "Dann gehen wir mal nach draußen und du lässt sie vorlaufen ok?", antwortete ich gleich darauf. Luisa nickte und wir gingen nach draußen. Gott sei Dank war es heute nicht so unverschämt kalt, stattdessen schien die Sonne und es war mild. Luisa hatte mich gebeten, ihre Stute zu untersuchen und zu sagen, ob sie gesund ist und ob sie bei Jolympia starten darf. So von außen war erstmal alles ok. Luisa ließ Amber antraben und führte sie eine Runde. Amber war taktklar und hatte gleichmäßige Bewegungen, auch ihr Galopp war einwandfrei, genauso einwandfrei war ihr Körperbau: muskulös, gute Rundungen und wunderschöne Augen. "Und ist alles in Ordnung Fiona?" Ich nickte mit einem Lächeln und erklärte Luisa, dass sie eine wirklich tolle Stute hier hatte, ich denke bei Tunieren ird sie ein wahrer Blickfang sein. Nun hielt Luisa Amber an und ich tastete die Stute mit Handschuhen ab. "Sie hat gute Knochen und strake Röhrenbeine!", versicherte ich ihr und anscheinend freute Luisa sich über diese Aussage. Als ich mit meinen Händen an den Bauch kam, zuckte sie mit dem Hinterbein. Luisa erklärte mir, dass Amber am Bauch kitzelig war, ich musste schmunzeln und tastete weiter. Alles war in Ordnung! "Also körperlich fehlt ihr rein gar nichts!" bestätigte ich meine Vermutung.

      Zu guter Letzt, nahm ich Blut ab und gab Amber die nötigsten Impfungen wie Influenza,Tetanus und Tollwut. Amber ließ alles über sich ergehen und ohne zu zucken. Nach 5 Minuten war auch der Bluttest fertig, er fiel gut aus. "Also Luisa deine Amber ist vollkommen gesund, ich schasue noch in die Augen und ins Maul, danach gebe ich dir noch ein paar Sachen." Auch Ambers Augen waren glasklar und nicht verschleimt, auch die Nüstern waren frei und innen zartrosa, das Maul war gepflegt, die Zähne ordentlich abgenutzt und auch das Zahnfleisch war straff und rosa, so wie es sein muss.

      Nun war die Untersuchung fertig und ich gab Luisa noch ein paar Kräuter die sie 3 Tage in das Futter mischen sollte, denn die halfen zum weiteren Muskelaufbau, zur Verdauungsanregung und um das Imunsystem aufrecht zu erhalten. Luisa bedanke sich herzlich und verabschiedete mich und sagte "Bis Bal!", denn es stand noch die Untersuchung für Miro bevor.

      Amber ist kerngesund und auch für Jolympia bereit!

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      Hufkontrolle
      Bei dem Auftrag hatte es einen kleinen Streit gegeben; Juli war nämlich fest überzeugt, sie würde nach Deutschland reisen, um eine Cremellostute zu beschlagen. Da Juli aber unter Elisas Zorn bei dem Mistwetter aber für Jolympia ungefähr 18 Stunden am Tag im kalten Regen stehen musste, hatte sie jetzt eine kleine Erkältung („Ich sterbe. Ich mache keine Witze, ich liege im Sterben und ich werde euch alle anstecken und es wird die Zombieapokalypse auslösen.“) und sollte – Anweisung von Adèle – das Bett hüten.

      Trotzdem hatte sie einen ziemlichen Aufstand gemacht, als ich den Auftrag übernahm und dann wieder, als mein Boardpass ausgedruckt auf dem Tisch lag und dann wieder, als ich kurz davor war, zum Flughafen zu fahren. „Bestell ihr wenigstens schöne Grüße!“ rief sie mir statt einem Guten Flug, komm gut an! hinterher.

      Das war dann auch das erste, das ich auf deutschem Boden machte. Luisa holte mich vom Flughafen ab, zusammen mit einem kleinen Hund, der mich fast ein wenig an Ella erinnerte (nur, dass die beiden sich ungefähr so ähnlich waren wie der Mond und die Sonne). Lächelnd bedankte sie sich und wies mich dann an, Juli natürlich Grüße zurück zu bestellen.

      Zuerst fuhr sie mich aufs Hotel, damit ich das Zimmer schnell beziehen konnte und mein Gepäck verstauen konnte. Es war kein langer Deutschlandtrip – mein Flug ging morgen Nachmittag – aber manchmal musste man sich einfach etwas gönnen.

      ***

      Zusammen mit Luisa (und Idefix, wie ich gelernt hatte) fuhr ich schließlich zurück aufs Gestüt Naundorf. Auch in Deutschland war der Herbst angekommen, aber hier war der Oktober wirklich golden; die Sonne schien, es war immer noch über 10°C warm und die Blätter sahen aus wie angemalt.

      Mein inneres Kind quietschte vor Vergnügen, hatte ich doch in Australien selten einen so schönen Herbst gehabt. Aber hier war Professionalität gefragt, also folgte ich mit festen Schritten Luisa in den Stall. Dort führte sie dann eine Cremello-Stute aus einer Box und stellte sie mir mit „Zoe, das ist Amber. Amber, Zoe,“ vor. Das war auch wieder ein erstes Mal; zuvor hatte ich Cremellos nur auf Bildern gesehen.

      Schnell war Amber angebunden und ich machte mit Luisa den genauen Vorgang aus. Amber sollte einen Aluminiumbeschlag kriegen, mit Stollenlöchern, da sie wohl eine Zeit lang barhuf gegangen war und durch die Leichtigkeit des Aluminiums der Umstieg leichter verlief. Außerdem war die Stute wohl für den Sport vorgesehen, also waren Aluminiumeisen wohl das Beste.

      Auf die Frage, ob ich bei Amber irgendetwas beachten musste, ob sie irgendwelche bekannten Probleme mit den Beinen oder Hufen hatte, schüttelte Luisa nur den Kopf. „Sie ist nur etwas kitzelig am Röhrbein,“ sagte sie, „aber bis jetzt hat sie noch nie jemanden großartig verletzt.“

      Nur, um es einmal auszutesten, fuhr ich der Stute am linken Röhrbein entlang. Sofort legte sie die Ohren an und riss den Kopf nach oben, so wie ich es von kitzligen Pferden gewohnt war. Jedoch unterließ sie jegliches Stampfen, Treten, Tänzeln oder sogar Schnappen, so wie ich es ebenfalls gewohnt war. „Damit kann ich arbeiten,“ meinte ich lächelnd und fing dann mit dem ersten Huf an; natürlich versuchte ich, Amber so wenig wie möglich zu irritieren und ging nur langsam und sanft das Röhrbein hinab.

      Der Rest war dann schon Routine; Ausschneiden, Abraspeln, Aufbocken und Tragwände anpassen. Korrekturen, falls der Huf noch nicht ganz plan auf dem Boden lag, und dann der nächste. Erst, als alle Hufe zu meiner Zufriedenheit gekürzt waren, machte ich an die Stollenlöcher in den Eisen. Juli hatte uns daheim in einem kleinen Workshop etliche ritzen lassen, also hatte ich jetzt schon gut Übung und war innerhalb von wenigen Minuten mit einem Eisen fertig.

      Das Aufnageln verlief auch recht unspektakulär; angepasst wurden Aluminiumbeschläge ohne Hitze, da sie kalt schon gut verformbar waren. Zum Schluss ließ ich mir die Stute noch einmal vorführen, dann war der Auftrag auch schon erledigt. Mit dem Versprechen, Juli natürlich schöne Grüße auszurichten, stieg ich am Hotel aus Luisas Auto aus und verabschiedete mich dann.

      Military von E auf A
      Mein nächster Auftrag sollte mich nach Deutschland führen. In die alte Heimat also. Ein wenig melancholisch gestimmt, war ich mit Alan nach Dover aufgebrochen. Obwohl ein Flug schneller gegangen wäre, wollte ich doch mit der Fähre nach Frankreich übersetzen und von dort aus mit dem Auto weiter. Da ich beim letzten Mietwagen schlechte Erfahrungen gemacht hatte, hatte ich mehrmals bei der Autovermietung angerufen, um mich zu versichern, dass das Auto am verabredeten Punkt sein würde. "Wir sehen uns in ein paar Wochen",sagte Alan,"besuchst du deine Eltern?" Ich nickte und sagte:"Ja, ich werde vermutlich eine Woche länger bleiben, um sie zu treffen. Sie vermissen mich und ich sie auch." Lächelnd schloss ich ihn in den Arm und sagte:"Lass dich nicht zu sehr von Isabella mästen. Du weißt ja, wie sie drauf ist, wenn jemand von uns weg ist." Er grinste und winkte mir dann zum Abschied, bevor er wieder ins Auto stieg. Ich bestieg die Fähre und nach 1 Stunde Fahrt, erreichten wir Calais. Wie sehr ich die weißen Felsen von Dover und die beschauliche Landschaft rund um Stoke Goldington jetzt schon vermisste. Aber ich freute mich auch auf Deutschland, meine zweite Heimat.

      Von Calais aus ging es dann auch nach Deutschland. Mein Navi trieb mich mehrmals in den Wahnsinn, aber schließlich erreichte ich doch wohlbehalten das Gestüt Naundorf. Ein bisschen bereute ich nun doch, dass ich mich für die beschwerlichere Route entschieden hatte, aber es war auch schön gewesen, ein bisschen was von meinem alten Heimatland zu sehen. Eine junge Frau kam auf mich zu und sagte:"Hallo, ich nehme an Sie sind Ms. Thomsen. Ich bin Luisa Goerke. Mir gehört das Gestüt hier." Freundlich lächelnd reichte ich ihr meine Hand und sagte dann:"Nennen Sie mich doch bitte Samanta oder Sam, wie ihnen das lieber ist. Ich verkehre gerne auf persönlicher Ebene mit meinen Kunden." Sie nahm mein Angebot an und nachdem sie mir gezeigt hatte, wo ich schlafen konnte, gingen wir gemeinsam zu Amber, der Stute, um die es bei ihrem Auftrag ging. Ich fand mich einer Cremello-Stute gegenüber. "Oh wow, na was bist du denn für eine Hübsche",sagte ich lächelnd und kraulte die Stute sanft, als sie mir ihren Kopf entgegenstreckte. Ich konnte den Besitzerstolz aus Luisas Stimme hören, als sie mir erklärte, dass die Stute sehr umgänglich sei und bisher keinerlei Probleme gemacht hatte. Ich ließ mir von Luisa Ambers Putzzeug und auch den Sattel, die Trense und ihre andere Ausrüstung zeigen, damit ich schon mal eine grobe Orientierung hatte. "Gibt es hier eine Strecke, auf der ich mit ihr Military gehen kann?" Luisa nickte und versprach mir, sie mir morgen zu zeigen und mir auch eine Karte zu besorgen, damit ich auch alleine dort hin fand. Sie hatte gerade wenig zu tun, weshalb sie beschloss bei mir zu bleiben. Als ich begann sie zu putzen, blieb die Stute entspannt stehen, zuckte nur plötzlich, als ich an ihren Bauch kam."Sie ist da etwas kitzlig", kommentierte Luisa das Ganze und fügte hinzu, dass das auch am Röhrbein so sei. Ich nickte und putzte die Stute weiter, achtete darauf, dass ich den Bauch ordentlich putzte, aber nicht zu lange an einer Stelle verweilte. Schließlich war die Stute sauber und ich konnte sie satteln und trensen."Wie ist das beim Reiten mit dem Kitzligsein?" Luisa antwortete mir darauf, dass sie da auch manchmal kitzlig sei, das aber beim Reiten eher kein Problem darstellte. Ich nickte und führte die Stute, nachdem sie gesattelt und getrenst war, in die Halle. Ich wollte mich heute erstmal mit ihr vertraut machen. Die Stute reagierte schon sehr fein auf meine Hilfen und manchmal hatte ich das Gefühl, dass sie doch etwas Kitzelig auf diese reagierte, jedoch bockte sie nicht oder versuchte mich anderweitig loszuwerden, sodass ich mich gut auf sie einstellen konnte. Sie lief schon gut am Zügel und konnte auch die grundlegenden Lektionen der Dressur bereits. Ich war mir sicher, dass ich gut mit ihr auskommen würde. Für heute beendete ich das Training und versorgte die Stute gemeinsam mit Luisa. "Sie ist wirklich angenehm zu reiten", sagte ich nach dem Training zu ihr. Beim Abendessen unterhielten wir uns ein bisschen über Amber, über Gott und die Welt und auch über unser Privatleben. Es war eine entspannte Atmosphäre und ich fühlte mich richtig wohl hier.

      Die nächste Woche verbrachte ich damit, Amber ein bisschen besser kennen zu lernen und die ersten Sprünge in der Halle mit ihr zu gehen, um mich ganz auf sie einstellen zu können und die Kommunikation zwischen uns zu festigen. Die Stute hatte beim Springen einen natürlichen Vorwärtsdrang, der sie aber nie unkontrolliert werden ließ. Sie war aufmerksam beim Reiter und reagierte gut auf meine Hilfen. Im Umgang war sie sehr brav und ließ sich gerne kraulen. Ich hatte sie nie aufsässig erlebt, weder beim Reiten, noch im Umgang. Nachdem ich das Gefühl hatte, dass ich gut mit ihr auskommen würde, ließ ich mir von Luisa die Karte geben, die sie mir versprochen hatte. Ich studierte kurz den eingezeichneten Weg und war mir ziemlich sicher, dass ich die Strecke finden würde. Sicherheitshalber nahm ich jedoch mein Handy mit, um im Notfall anrufen zu können. Ohne größere Umwege, aber eben doch nicht auf direktem Weg erreichte ich schließlich die Militarystrecke. Amber lauschte aufmerksam und spielte mit den Ohren, als ich mit ihr zu reden begann. Ich beschloss für heute erst einmal die einfachen Hindernisse zu gehen, bevor ich in den nächsten Tagen anfangen würde die Schwierigkeit zu steigern. Schon wie beim Springen in der Halle, zog Amber gut an, ohne dabei zu rasen. Sie ließ sich einfach regulieren und reagierte auf meine Hilfen. Ohne Probleme überwand sie die Hindernisse. Den nötigen Mut für diese Art von Springen hatte sie definitiv. Ich beendete das Training schließlich und ritt nach Hause. Dieses Mal fand ich den Weg schon besser, musste aber einen kleinen Umweg in Kauf nehmen, weil ich einmal doch eine Abzweigung zu früh vom Weg abbog. Ich war hin und wieder zurück gekommen. Was wollte man denn mehr? Am Hof angekommen, versorgte ich Amber und wurde direkt von Luisa in Beschlag genommen. "Alles gut gefunden?"Ich nickte und sagte:"Ja, alles gut gefunden. Nicht auf direktem Weg, aber das macht ja nichts. Wir haben ja noch ein bisschen Zeit zu üben." Den Abend verbrachten wir wieder mit Reden.

      In den nächsten Tagen übte ich viel mit Amber auf der Militarystrecke und steigerte nach und nach die Schwierigkeit. Zwischenzeitlich stockte sie immer mal wieder, sodass wir uns mehr Zeit für das jeweilige Hindernis nahmen und ich meine Ansprüche etwas zurückschraubte. Ich wollte sie schließlich nicht überfordern. Offenbar hatte ich etwas zu schnell im Training vorangemacht, weil sie sich so gut geschlagen hatte. Ich fuhr meine Ansprüche also etwas zurück und trainierte mehr noch an den kleineren Hindernissen, bevor ich mich wieder langsam an die schwierigeren herantastete. Nun klappte es schon besser. Amber machte sich gut und innerhalb einer Woche hatten wir uns dem A-Pacours Schritt für Schritt angenähert. Ich wollte nichts überstürzen, weshalb ich noch einen weiteren Tag trainierte, bevor ich mich wirklich an den A-Pacours wagte. Die letzten Schritte zum A-Pacours verliefen verhältnismäßig schnell. Innerhalb von drei Tagen setzte Amber sicher über die Hindernisse hinweg. Nun musste sie nur noch die Bewährungsprobe bestehen und mit Luisa den Pacours überwinden. Sie begleitete uns am letzten Trainingstag und sah sich erst einmal an, wie Amber sprang. Ich hatte keine Bedenken, dass Luisa und Amber das nicht schaffen würden. Schließlich waren sie schon ein Team und Luisa wirkte auf mich sehr kompetent und vor allem mutig. Sie schien nicht zimperlich zu sein. Wir redeten ein bisschen über den Pacours und was es zu beachten galt und dann machte sich Luisa daran mit Amber den Pacours zu bestreiten. Es verlief ohne größere Probleme und ich konnte guten Gewissens sagen, dass die beiden bereit waren. Am nächsten Tag brach ich auf und blieb noch eine Woche in Deutschland, um meine Eltern zu besuchen. Als ich acht Tage später wieder in England war, vermisste ich nichts und doch alles. Es hatte mir gut gefallen, meine alte Heimat wiederzusehen und so ein tolles Pferd trainieren zu dürfen. Ich hoffte, dass ich bald wieder die Gelegenheit zu beidem haben würde. Man wusste ja nie. Wenn Luisa mit meiner Arbeit zufrieden war, würde sie vielleicht öfter auf meine Dienste zurückgreifen.
      © Samanta | 8422 Zeichen | überprüft mit lettercount.com

      Großer Pflegebericht für alle Pferde des Gestütes Naundorf

      © Muemmi | 11. März 2016 | 13662 Zeichen



      Miniweide unter den Kiefern
      Narnia, Darkwood´s Storm Dancing Feather, Taciturn

      Außenbox der Wallache
      Small Joker likes Dun, Firewalker

      Stuten- & Hengstweide der Dänen
      Caja, Oline, Aquentino, Inka, Amber, Dakaprio, Reykja

      Stutenpaddock auf dem Hauptplatz
      Cara Mia, Perfect Sweetness

      Fohlenkoppel am Bootsfluss
      Awolnation, Efeumond, Reebook, Coda

      Hauptstall der Zucht
      Ravallo, Seana, Red Diamond II, Weyganda, Lacura, Polarfuchs, Rasputin II, Trink auf´s Leben, Little Sweetness, Butch, Tainted Love Toffifee

      Nebenstallungen für die Hengste
      Polarnacht, East, Drunken Huntsman, Warcraft, Wolfshain´s Alex

      Westflügel der Naundorfer Welshzucht
      Admiral´s Valentin, Seidenfell, Armani, Orchidee´s Nikita, Prima Teutonia, Miami´s Blue Boy,
      Zimtmond´s Haselnuss, Leona, Primadonna, Apfelblüte, Love me Lara, Tringle, Miro, Landwein´s Erdbeerpflücker, Take a Bow, La Luna, Sweet Poison



      Ich atmete tief durch und schüttelte die Kälte ein wenig von mir ab. Ich hatte meine dicke, dunkelgraue Reitjacke und die etwas dunklere Reithose, meine Stiefel, Handschuhe, einen hellbraunen Schal und ein dunkelgrünes Stirnband an. Die jetzt nur noch knapp bis zur Achsel reichenden Haare hatte ich mir zu einem lockeren Franzosen geflochten, einige Strähnen hatten sich gelöst. Neben mir lief mein Jack Russel Idefix, sein Fell war bis zum Bauch mit Schlamm bespritzt und auch seine Schnauze war nicht mehr weiß, sondern schlammig. Er trabte neben mir her, als ich hinüber über den Platz lief und mir Cara und Perfect einen kurzen Moment hinterher trotteten. Cara war jetzt um einiges größer geworden und ich hatte angefangen mit ihr zu arbeiten, sie wurde immer trittsicherer und sprang auch in ihren Freiübungen wunderbar über die Stangen. Bald würde ich anfangen, sie unter den Sattel zu nehmen. Ich ließ beide Karabiner klicken und führte die Hellbraune und die Gescheckte in den warmen Stall hinüber, gerade, als es anfing leicht zu nieseln. Ich kratzte beiden die Hufe aus, spritze den Schlamm von ihren Beinen und nahm ihnen die Weidedecken ab. Es war früher Vormittag, doch wegen dem schlechten Wetter konnte ich die beiden nicht länger auf dem versumpfenden Sandplatz stehen lassen. „Ich muss da echt mal Platten legen lassen...“ dachte ich mir, warf beiden je zwei Apfelschnitzen in den Trog und machte mich dann weiter zur Fohlenkoppel. Eigentlich müsste ich die schon Jugendkoppel nennen, denn Coda, Efeumond, Reebook und Coda waren jetzt richtige Halbstarke. Die Vier würden bald vertraglich vermittelt werden, damit sie eine solide Grundausbildung erhalten. Vor allem Efeumond gehörte werden seiner Vollblutabstammung in spezielle Hände, ich hatte schon lange nicht mehr in Joelle Galopp eine Fortbildung besucht und war auch sonst weg vom Renngeschäft. Er würde nur 2 Jahre laufen und dann als Deckhengst meine Privatzucht etwas bereichern. Die Rabauken freuten sich mich zu sehen, jeder hatte jetzt in dem neu renovierten und ausgebauten Trakt mit insgesamt 6 Boxen seine eigene, sowie einen Paddock. Im Sommer würden sie allerdings wieder zusammen auf die Weiden kommen, dann aber schon getrennt und mit den erwachsenen Pferden zusammen. Ich mistete die vier hellen Behausungen, streute neu ein, wechselte bei Awolnation den Leckstein und schraubte bei Coda die Bürste auf einer Seite wieder fest an. Der Schecke war ganz nach seinem Vater, hatte aber auch ordentlich Kraft und demolierte im Schalk auch schon gerne mal etwas. „Dich muss ich ganz besonders im Auge behalten, hab ich die Befürchtung.“ meine ich, kniff ihm ganz leicht in die Nüstern und strubbelte ihm dann über die Stirn. Er schüttelte sich und schnaubte, dann schlug er mit einem Vorderbein gegen die Tür und glotzte nach Idefix. Der saß direkt unter ihm, wedelte mit dem Schwanz und bellte zweimal. „Das ist nicht Cadoc, das weißt du?“ fragte ich ihn und lachte. Direkt neben dem renovierten Stall, über einen alten, gepflasterten Weg, der im Sommer leicht von Moos überwuchtert wurde, lag der Offenstall. Dort hatte ich die drei Minis Taciturn, Narnia und Feather unter gebracht sowie die beiden Hengste Joker und Firewalker. Letztere hatten bald den Termin zum Legen, sie sollten als Aklimatisierer in meiner doch recht aufmüpfigen Stutenweide Abhilfe schaffen, sowie natürlich einige Preise in den Schauen einheimsen und als Schulungspferde eingesetzt werden. Beide waren ausgesprochen ruhig, ich trainierte viel mit ihnen und ließ oft ein Schrecktraining miteinfließen. Die Ponys hatten für meine kleinen Feriengäste die Aufgabe, ihnen die ganze Reiterhofwelt zu eröffnen. Auf den Minis ritten die Kinder nicht, durften aber den Umgang mit ihnen und ihrer Pflege lernen. Taciturn wurde als Führpony neben den Welshis öfter eingesetzt oder zog auch mal zum Spaß eine kleine Kutsche. Ich hatte mir überlegt, sie eventuell einmal decken zu lassen, damit diese kleine Familie etwas Zuwachs bekommen könnte. Aber das würde sich wohl erst im nächsten Jahr ergeben, jetzt kümmerte ich mich erstmal um die fünf, die in einem der schönsten Ecken des Gestüts zu Hause waren. Unter den Kiefern hatte man auch im Winter und im noch kargen März das Gefühl, es wäre immer grün und sommerlich, auch wenn die Temperaturen und das nieselig, schlammige Wetter dies gerade kaum aufkommen ließen. Auch hier hatte ich die Weide aus Grasnarbenschutz sperren müssen und sorgte im Auslauf für Abwechslung. Ein Ball hing an der Wand zum Spielen, zwei Bürsten waren angebracht, der Salzleckstein vor Wind und Wetter geschützt und genügend Heu zum Fressen vorhanden. Ich schüttete den Ponys nur ein wenig Müsli und Gemüse in die Tröge, den großen gab ich etwas Hafer und Mash. Nach der Hufkontrolle war ich auch hier fertig und lief am kleinen Bach zurück zur Weststallung. Die Welshis standen getrennt auf den großen Paddocks, immer in kleineren Gruppen zusammen. Die Hengste waren auf der anderen Seite, getrennt von den Stuten. Valtentin und Armani kraulten sich gerade gegenseitig, Miro knabberte am letzten Rest seines Heuhaufens, Blue döste in einer Ecke, Bow, Landwein und Poison streckten ihre schmalen Köpfchen durch das Gitter. Landwein wieherte dann sogar aus vollem Rohr. „Na? Alles klar bei euch?“ Ich schaute nur kurz in die Boxen und sah, dass sich meine Stallkraft schon um die Lausbuben gekümmert hatte. Als ich hinüber zu den Stuten ging, sah ich gerade, dass sie Teutonia das Fell bürstete, ihre kleine Schwester dabei, die Nikita gerade sattelte. „Hi, reitet ihr aus?“ fragte ich und kraulte Haselnuss, die mich gerade anstupste. „Ja, hoffentlich hält das Wetter. Wir nehmen den Kiespass und werden mal die hinteren Waldsprünge abreiten. Willi hat darum gebeten, er möchte nicht extra mit dem Jeep rausfahren müssen und wir kommen eh vorbei. Dann weiß er, ob er sie ebenfalls auf die Liste setzen muss.“ „Ok gut, ich werde mit Weyganda und East später wohl auch noch raus gehen, aber dann kann ich eventuell noch eine andere Route nehmen. Passt sonst alles?“ Ich lächtelte, beide nickten und meinten, sie würden sich beim Zurückkehren um Leona, Primadonna, Nüsschen, Seidenfell, Apfelblüte, Luna, Lara und Tringle kümmern. Also war auch hier alles getan. Als nächstes standen die Dänen an, auch hier war schon gefüttert worden, Socke und Kaprio standen auf dem Paddock, Caja fraß Heu in ihrer Box, Reki, Oline, Amber und Inka sahen auf den Gang und drehten mir ihre Köpfe zu, als sie mich sahen. Idefix kam jetzt wieder über die Weide angefetzt und sprang zwischen meinen Beinen hindurch in den warmen Stall. Er hatte keine Maus ausgebuddelt, wusste aber um die Decke in der Sattelkammer und um das angekaute Kuhohr, das ich ihm letztens mitgebracht hatte. Genüsslich sabberte er in seiner Ecke alles voll und nagte an dem braunen Fetzen, während ich die Sattelkammer kontrollierte, die Gasse kehrte und den Putzplatz abspritzte. Ich hatte zwar keinen Dienst diese Woche in diesem Trakt, aber hatte versprochen für Amy einzuspringen, die in der Halle schon ihr eigenes Pferd nach langer Stehzeit wieder aufbaute. Dafür war der Physio extra angereist und arbeitete nun mit den beiden zusammen. Es ging jetzt langsam auf Mittag zu. Wir trafen uns alle im Stüberl und aßen zusammen. Willi berichtete mir, als er 10 Minuten später eintraf, dass im Waldsprungplatz wohl eine alte Kiefer umgestürzt sein musste. Glücklicherweise hatte sie keinen der Holzsprünge getroffen, allerdings musste der mittelgroße Stamm zum späteren Frühjahr entsorgt werden. „Es hat einen Abschnitt des Zaunes getroffen, aber das sind nur zwei Bretter die ich wechseln und ein Pfosten, den ich neu setzen muss.“ „Ach das geht ja noch. Ich werd´s mir später doch mal selber ansehen, ich gehe noch mit Weyganda raus. Aber erst nach dem Zuchtstall.“ „Ok, ich fahr in die Stadt und hol die Wurmkuren für Welshis und die Ponys. Tom sollte soweit ich weiß morgen kommen wegen Alex.“ „Ja, er braucht dringend den neuen Beschlag. Ich werd vor dem Ausreiten nochmal seine Box auflockern und neu einstreuen, oder warst du da heute morgen schon drin?“ „Ja, aber neu getreut ist nicht, das Mehl hab ich dir in die Karre geladen, steht im Zuchtstall.“ „Danke.“ Ich nickte, zog den Topf dampfender Kartoffelsuppe zu mir her und schnitt mir eine Scheibe von dem selbstgebackenen Bauernbrot ab. Wir wärmten uns gut eine Stunde auf, dann ging es wieder an die Arbeit. Willi fuhr nach einigen wenigen Erledigungen in die Stadt, ich lief hinüber in den Zuchtstall. Ravallo wieherte, drehte sich einmal in seiner Box und reckte seinen Hals über die Box. Dann lief er hinaus auf den Paddock und kabbelte sich mit Rasputin, der in der Nebenbox stand. Diamond, Säufer und Polarfuchs lugten jetzt auch aus der Box, ebenso Toffifee, Weyganda und der dicke Butch. „Ihr hattet schon zu fressen meine Herren! Ravi, jetzt reiß dich mal zusammen....“ Ich konnte meine Jungs verstehen. Es war ziemlich ätzend, in den Stallungen gefangen zu sein, solange die Wiesen noch so durchtränkt waren, konnte ich sie nicht hinaus lassen. Meine Pferde wären danach nicht mehr zu unterscheiden, da alle schlammfarben. Die Reitschülerinnen und Beteiligungen hatten in letzter Zeit schon so manchen Buckler in der Halle aussitzen müssen. Ich entschied mich also daher, die unruhigsten einfach in die Führmaschine zu stecken. So waren die Boxen frei, ich konnte in Ruhe misten und die Gasse kehren, bevor ich rüber zu den Stuten lief und auch dort Sweetness, Seana und Lacura liebevoll umsorgte. Die drei bürstete ich sogar ab und kämmte ihnen kurz durch die Mähnen, kuschelte ein wenig und machte mich dann an die Versorgung meines Sorgenkindes. Alex, mein großer Fuchs, lahmte seit vielen Wochen durch einen Abszess am Hinterhuf. Es war bereits gut abgeheilt, allerdings war er noch auf speziell entlastende Beschläge und einige Spülungen die Woche angewiesen. Auch musste er so gut es ging ruhig stehen und das fand er nicht wirklich amüsant, auch wenn er es ansonsten gut ertrug. Er bekam von jedem Kuscheleinheiten, Leckerchen, liebe Worte und wurde auch sonst wie der König des Hofes behandelt. Die Kinder hatten arges Mitleid mit ihm und streichelten seine Nüstern, die er über die hohe Boxentür streckte. Eigentlich war ihm nie langweilig und so fing er nicht wieder an zu weben. Ich lobte ihn, als ich heute zu ihm kam, wechselte den Verband ein letztes Mal vor dem Hufschmiedtermin und striegelte ihn ein wenig. Er ließ sich auch kraulen und kräuselte die Oberlippe dabei, machte den Hals lang und stupste mich an, als ich aufhörte. Die anderen vier Jungs fanden diese Behandlung alles andere als lustig. Sie wurden zunehmend eifersüchtig und bekamen deswegen von mir viele Leckerchen in Form von Apfelschnitzen, Möhren, etwas Mash und Leinöl. Zufrieden schlabberten Warcraft, Drunken, Polarnacht und East ihre Tröge leer und waren danach zufrieden. Während sie gefressen hatten, hatte ich Alex Box zusätzlich gestreut, damit er weich stand und auch ihm eine Portion zu fressen gegeben. „So, endlich fertig mit der Arbeit...“ seufzte ich, es war jetzt kurz nach 15:00 Uhr und ich spurtete mich, damit ich mit Weyganda noch eine größere Runde drehen konnte. Vorher brachte ich Idefix ins Haupthaus. Er hatte angefangen zu frieren und ich sperrte ihn in meinem Büro ein, unter dessen Tisch eine zweite Decke mit Spielzeug lag. „Bleib schön hier, wärm dich auf, da, jetzt gibt’s was zu fressen und frisches Wasser.“ Idefix war es gewöhnt, über zwei Stunden alleine zu bleiben, war aber doch lieber an meiner Seite. Doch noch lieber hatte er sein Fresschen und so konnte ich zurück in den Stall, den kräftigen Rappen putzen und satteln und mich wohlverdient endlich in den lammfellbesetzten Westernsattel ziehen. Nach 15min Aufwärmen fing ich an, ihn durch den Kiefernwald traben zu lassen und ließ ihn dann die letzten hundert Meter bis zum Springplatz raumgreifend galoppieren. Im Sommer würden wir höchstwahrscheinlich ein kleines Wikingerlager veranstalten und Weyganda wäre das perfekte Showpferd dafür. Generell freute ich mich auf den Sommer, er war einfach deutlich angenehmer. Vom Weg aus sah ich die umgestürzte Kiefer, sie war direkt in die Distanz zwischen zwei Oxern gekracht und hatte in der Mitte einen Zaunabschnitt unter sich begraben. Die grünlichen Holzplanken waren geborsten und ein Pfosten war nach vorne gedrückt worden, aber ansonsten sah alles soweit gut aus. Alle Bäume waren letzten Herbst kontrolliert worden und genau diese Kiefer sollte im Frühjahr gefällt werden, bevor der Platz wieder in Benutzung genommen werden würde. Der letzte Sturm hatte aber seines natürlichen Amtes gewaltet und uns die Fällarbeiten abgenommen. Ich schnalzte mit der Zuge, zog meinen Schal enger und ritt über den breiten Waldweg zurück zum Hof. Gerade als ich Weyganda versorgt hatte und über den Platz lief, sah ich Willi auf den Hof fahren. Ich ging auf ihn zu und nahm ihm die Wurmkuren ab. „Da haben wir morgen was zu tun...“ meinte er, lachte, holte zwei Eimer Zusatzfutter von der Ladefläche und stellte sie im Hausflur ab. „Ich verräum die Kuren. Morgen um 10 ist Tom da, fährt danach weiter nach Cottbus zu nem anderen Fall.“ „Passt. Dann kuren wir danach, dann sollten wir mir dem Stalldienst fertig sein. Ich mach jetzt noch ein paar Abrechnungen und editier die Liste. Ich hab die Kiefer übrigens gesehen! Perfekt getroffen!“ Ich lachte, winkte Willi und verschwand zurück zu Idefix ins Büro. Der sprang von der Decke, begrüßte mich kurz und ließ sich am Bauch streicheln. „Ruh dich noch etwas aus, war ein langer Tag wie immer, ich werd noch etwas Bürokram machen.“ Ich seufzte, fuhr den Rechner hoch und fing an zu tippen...

      Teilnahme an Chattahoochee Hill´s Osterevent

      "So, langsam Süße, ganz vorsichtig rückwärts gehen!" Ich streichelte den cremeweißen Hals meiner Stute Amber, die dick eingepackt rückwärts aus dem Hänger ging und dann neugierig umhersehend auf Coopers Hof stand. Wir hatten eine kleine Reise hinter uns und waren extra für das Osterevent und eine Woche Urlaub am Freitag nach Kanada geflogen. Ich klopfte Ambers Hals und führte sie dann hinüber in die Gaststallungen. Canyon hatte ihre beiden Pferde schon einquartiert und auch Occulta, Veija und BellaS waren schon da. Wir verbrachten das ganze Wochenende zusammen und lachten viel, auch als wir vom Osterfrühstück in die Stallungen kamen, um unsere Pferde fertig zu machen. "Das wird bestimmt ziemlich witzig! Ich mein, die ganzen Küken und die Eier zu finden! Und das vom Pferd aus!" meinte ich und deckte Amber ab, bevor ich anfing, sie zu putzen. Nach einer halben Stunde waren wir dann alle so weit, saßen draußen auf dem Hof auf und erhielten von den Helfern die letzten Anweisungen und auch eine Karte, damit wir uns auf dem riesigen Gelände nicht verritten. Wir starteten alle zusammen in eine Richtung, aber nach und nach löste sich die Gruppe auf. Kaum war ich auf einem der kleineren Pfade unterwegs, fielen mir zwei bunte Ostereier auf. Eines war türkis, das andere rot. Ich hielt Amber kurz an, stieg ab, packte sie in meinen Korb und ritt dann im leichten Galopp die nächste Böschung hinauf. Im Augenwinkel bemerkte ich dann etwas gelbes. Ein Plüschküken - mitten in eine kleine Tanne gebunden! "Boah Cooper, ist das fies!" lachte ich, klopfte Ambers Hals und ließ sie vorsichtig den Rest der Anhöhe erklimmen. Dann musste ich sie doch nocheinmal anhalten. Der Ausblick war einfach der Wahnsinn! Die beiden Vorläufer der Berge vereinten sich im Horizont, die schneebedeckten hohen Gipfel in der Ferne einfassend. Rechts von mir wand sich ein Fluss und bis dahin erstreckte sich eine noch recht karge Wiesenfläche. Ich sah auf meine Karte und bemerkte, dass ich schon an einen der Ränder des Geländes gekommen war. Ich wendete Amber also und ließ sie über die restlichen Pfade zurückreiten. Ich sammelte um die dutzend Eier, aber nur ungefähr 6 Kücken. Ob ich wirklich alle gefunden hatte? "Und? Schon alle zurück?" fragte ich und einige winkten mir zu. "Ja, du bist die Letzte, haste dich verirrt?" neckte mich Cooper. "Ach nein, es ist einfach Kanada!" meinte ich, grinste und versorgte Amber. Am Abend rätselten wir, welche Zahl jetzt wohl richtig war, bemalten unsere Ostereier und vergaßen, dass es ein Wettbewerb war.
      (c) Muemmi | 2538 Zeichen | 28. März 2016
      Osterei:
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      Großer Pflegebericht für alle Pferde des Gestütes Naundorf
      © Muemmi | 06. September 2016 | 5129 Zeichen
      Seit dem letzten Bericht sind folgende Pferde auf der Gnadenweide bzw. haben das Gestüt Naundorf verlassen:

      Narnia, Darkwood´s Storm Dancing Feather, Small Joker likes Dun,
      Firewalker, Oline, Inka Dakaprio, Awolnation, Efeumond,
      Reebook, Coda, Admiral´s Valentin, Armani, Miami´s Blue Boy,
      Apfelblüte, Tringle, La Luna

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      Neubau für die Turnierpferde des Gestütes
      Fleming, Amber, Caja, Dante, Aquentino, Reykja, Checkpoint, Mon Amie, Thor, Taciturn

      Hauptstall der Zucht
      Aeastas Amor, Zingara, Ehrengold, Ravallo, Seana, Red Diamond II, Weyganda, Lacura, Polarfuchs, Rasputin, Trink auf´s Leben, Little Sweetness, Butch, Tainted Love Toffifee

      Westflügel der Naundorfer Welshzucht
      Occani, Seidenfell, Orchidee´s Nikita, Prima Teutonia, Zimtmond´s Haselnuss, Leona, Primadonna, Love me Lara, Miro, Landwein´s Erdbeerpflücker, Take a Bow, La Luna, Sweet Poison
      Neu hinzugekommen


      Die große Trauerweide in der Mitte des Hofplatzes färbte sich ganz langsam in ein herbstliches Braun und auch die anderen Bäume verloren schon langsam ihr sommersattes Grün. Auf dem Gestüt hatte sich über die letzten Monate viel getan, viele Pferde haben uns verlassen und einige sind auf die Gnadenweide für ihren Lebensabend gewechselt. Auch einige Fohlen hatten ihren Weg dorthin gefunden, denn ich würde bald mit meinen Turnierpferden abreisen und nach England ziehen. Das Naundorfer Gestüt mit den Welshponys würde mit den Gnadenweidenpferden weiterhin in Naundorf bestehen bleiben und unter Isabellas Leitung, einer jungen Züchterin, die ich über die letzten Marktverkäufe kennen gelernt und dann für mich eingestellt hatte, laufen. Ich wollte mich jetzt vorranging darum bemühen, mir meinen Lebenstraum zu erfüllen und hatte mit den erwirtschafteten Gewinnen ein kleineres Landhaus südwestlich von London gepachtet. Das alte Landhaus erinnerte mich an Jane Austens Longbourn und sollte mit einem schönen Garten und einigen Stallungen für Gäste und Urlauber eingerichtet werden. Der richtige Name fehlte mir noch für das Anwesen, aber es sollte der Ausgangspunkt für eine internationale Karriere werden. Vorrangig hatte ich dafür Dante, Fleming, Aquentino und Reykja im Visier, aber vor allem sollte Amber jetzt richtig durchstarten. Die mittlerweile 7-jährige Cremellostute war mein ganzer Stolz und ich hoffte, mit ihr in England den richten Start zu finden. Doch bis es soweit war, würde es noch eine Weile dauern, die Geschäfte liefen gut, aber es gab noch den ein oder anderen Papierkram und noch ein paar Verkäufe, die getätigt werden mussten. Auch die Ausbildung der Pferde durfte nicht vernachlässigt werden. All das schwirrte mir durch den Kopf, als ich nach dem kurzen Frühstück mit Idefix, der mittlerweile schon etwas in die Jahre gekommen war, in den Welshstall hinüber ging und fütterte. Occani war als Fohlen kurz auf meinem Hof gewesen, jetzt kam sie von der Käuferin zurück und stand schon einige Wochen bei den Welshpferden. Sie sollte mit ihrer guten Abstammung die Runde komplett machen. Mit ihr auf der Weide standen Seidenfell, Nikita, Teutonia, Zimtmond, Leona, Primadonna, Lara und Luna, bis letztere an ihre neue Besitzerin ging. Bei den Hengsten waren nur noch Miro, Bow, Poison und Landwein übrig. Alle Ponys waren in einem sehr guten Zustand und erfreuten sich bester Gesundheit. Die ungekörten Mädels bespaßten derzeit die letzten Ferienkinder mit ihren Familien und die Hengste deckten auf anderen Höfen private Stuten. So spielten die Welshis einen guten Teil des Hofgeldes ein, auch wenn die Zucht noch weiter brach lag. Als ich fertig war, lief ich hinüber zu meinen alten Zuchtpferden, die ebenfalls auf dem Gestüt bleiben sollten. Sie hatten sich hier ihren Stammkundenbaum aufgebaut und waren sehr beliebt, derzeit trug Seana ein Fohlen für Eddi. Ihre Bekanntheit wollte ich aber nicht mit ihnen selbst, sondern über meine Turnierpferde international machen, weswegen ich sie auch wegen der Kapazität in Deutschland ließ. Auch hier waren drei bekannte alte Hasen zurück gekommen. Aestas Amor und Ehrengold, zwei Rennpferde, die viel geleistet hatten und bei der alten Besitzerin leider nicht mehr die Liebe und Zuwendung erhielten, die sie verdienten. Finanziell sah es auf dem Hof wohl nicht mehr so gut aus, weswegen die beiden rechtzeitig zu mir kamen und nun wieder in vollem Glanze da standen. Ehrengold war ebenfalls ein beliebter Deckhengst geworden und sorgte nicht nur auf meinem Gestüt für süße, langbeinige Babys. Neben den beiden hatte auch die wunderschöne Friesenstute Zingara ihren Weg zurück zu mir gefunden, die ich vor Jahren sehr lange besessen hatte. Auch sie musste aufgepeppelt werden und hatte leider einige Verhaltensschäden mitgenommen. Sie traute außer mir noch keinem anderen wirklich, machte sich aber von Tag zu Tag besser. Da sie wohl nicht mehr geritten werden konnte, zog ich aus ihr recht schnell ein Fohlen, Thor von Thorontos, der mit auf die Reise nach England gehen sollte. Und dann waren da die üblichen Verdächtigen: Ravi, Seana, Säufer, Toffifee, der dicke Butch, Sweety, Polarfuchs, Rasputin, Lacura, Weyganda und Red Diamond. Alle waren ausnahmslos gesund und mampften ihren Hafer und ihr Müsli, während ich die Stallungen mistete und die Gasse kehrte. Als auch hier die Arbeit getan war, ging es für mich hinüber zu den Pferden, deren Papiere ich für die Abreise im nächsten Frühjahr herrichtete. Amber und Fleming sollten mir noch im Herbst folgen, insgesamt sollten mitgehen neben den bereits genannten auch noch die süße Taciturn, die ich so ins Herz geschlossen hatte, dass ich sie unbedingt auf dem englischen Hof haben wollte, sowie Checkpoint, Mon Amie und Caja. Checkpoint hatte die Tage etwas Probleme mit dem Heustaub und durfte deswegen den ganzen Tag auf die Koppel, die ich ihm extra anders abgesteckt hatte, ansonsten war auch hier soweit alles in bester Ordnung. Nach meiner Hofrunde musste ich allerdings wieder zurück ins Büro. Erst Abends, wenn alles erledigt war, wollte ich noch mit Amber Springen und Reki Dressur üben.

      Reiterspiel-Teilnahme

      Es war schon ziemlich kühl geworden, leicht fröstelnd zog ich meine dunkle Reiterjacke enger und das Stirnband am Kopf zurecht. Amber hatte schon ein leichtes Winterfell angesetzt und wurde jetzt allmählich wieder flauschig. Ihren Schimmer büste sie dabei aber nicht ein. Ich hatte sie aber auch glänzend für das Reiterspiel herausgeputzt. Ihre Mähne hatte ich zum Spaß eingeflochten und ihre Hufe geölt. Ihr langer, seidiger Schweif hing sauber gebürstet nach unten und ihre Augen glänzten. Sie würde ihr bestes Reitset in Mokkafarben, mit dunkelblauer Schabracke und passenden Gamaschen vorne tragen. Wir waren jetzt seit über einem Jahr ein Team und funktionierten von Tag zu Tag besser, weswegen ich einfach Lust auf die Meldung an einem RS hatte. Ich putzte sie gerade noch etwas und redete ihr gut zu, weil sie fremde Umgebungen etwas nervös werden ließ, als der Veranstalter unsere Startzeiten überreichte. Amber würde nicht das einzige „Creme-Tier“ sein, wie ich sie manchmal nannte und ich war schon sehr gespannt, wie sich der Tag entwickeln würde. Da wir gleich als zweites Pärchen an den Start gehen würden, sattelte ich Amber nach dem letzten Putzen sogleich und zog mir die guten Reitstiefel und die passende Reitjacke dazu an. Dann führte ich Amber hinüber zum Aufwärmplatz. Dort war schon reges Treiben. Wenn einmal Bewegung in der Sache war, beruhigte sich Amber schnell, auch weil sie dann anfing, sich an mir zu orientieren. Etwas, das ich mit Erstaunen über die letzten Monate bei ihr lernen durfte. Ich schwang mich also am Eingangstor auf ihren Rücken, gurtete kurz nach und ließ sie dann am langen Zügel erstmal einige Runden im greifenden Schritt gehen. Dann holte ich sie etwas zu mir und fing an, sie vorwärts-abwärts warm zu reiten. Als sie locker genug war, ließ ich sie wieder etwas am langen Zügel laufen und führte sie dann vorsichtshalber hinüber in die Halle. Nach einigen Minuten wurden wir dann aufgerufen und starteten in der Halle. Im Schritt passierten wir die lange Seite, kamen auf X zurück und grüßten. Dann nahm ich die Zügel etwas fester auf, saß tief ein und atmete noch einmal durch. Das ist bei mir und meinen Pferden sozusagen eine Art Ritual geworden, denn mit diesem Signal war jetzt für meinen Partner, in diesem Falle Amber, klar, dass wir in Konzentration arbeiten würden. Sie spitze auch sogleich die Ohren und drehte eines zu mir, als ich ihr zeigte, dass ich aus dem Stand antraben lassen wollte. Brav und ohne Zwischenschritt trabte die Cremellostute auch sofort los und ging auf die rechte Hand. Zwei Runden später auf dem Zirkel galoppierten wir im Arbeitstempo, verlängerten die Sprünge auf der langen Seite zur Tribüne hin und fielen in der zweiten Ecke zurück in Tempo Schritt. Auf der anderen langen Seite ließ ich Amber im Mittel halten. Geschlossen stand sie da und wartete auf das Signal. Wieder mit gespitzten Ohren richtete sie sich eine ganze eigene Pferdelänge zurück und stand dann wieder geschlossen auf der Bahn. Ich lobte sie, indem ich ihr auf den Hals klopfte und ließ Ambi dann ein zweites Mal aus dem Stand antraben. Die dritte Aufgabe war dann nämlich, dass wir in diesem Tempo einen Slalom aus Stangen bewältigen mussten. Zugegebenermaßen war das das Schwierigste, das ich Amber lange antrainiert hatte. Sie zögerte auch ersteinmal sichtlich, folgte dann aber meinem guten Zuspruch, ohne aus dem Trab zurück in den Schritt zu fallen und lief dann artig um die Stangen. „Guuut gemacht.“ murmelte ich, ihr Ohr ging kurz zurück, als ich ihr zubrummte, dann nach vorne und sie schnobberte ab. Ihre Anspannung wich damit auch wieder sofort aus dem Körper und sie war wieder leichter für mich zu sitzen. Witzigerweise ließ sie dafür die Brücke vollkommen kalt. Auch wenn sie kippelte, Amber lief absolut gelassen auf der einen Seite hinauf, kippte die Brücke und ging im Gleichschritt auf der anderen Seite wieder hinab. Im Schritt und am langen Zügel ließ ich sie dann auch weiter laufen und gerade auf das Gatter zu, das mitten in der Halle stand. Als wir ankamen, hielt ich sie an, ließ ihre Hinterhand herumwenden, beugte mich nach unten und stieß das Gatter von ihrem Rücken aus auf. Amber kaute auf der Trense und spielte mit den Ohren, war aber ansonsten auch hier wieder verhältnismäßig gelassen. Ich ritt sie hindurch, ließ sie um das offende Gatter gehen, stupste dieses an und wendete Amber um 90 Grad. Jetzt von der anderen Seite schloß ich das Gatter, indem ich die Schlaufe um den Pfosten legte. Geschafft! Ich klopfte ihr auch hier noch einmal auf den Hals, nahm die Zügel auf und ließ sie angaloppieren. Wir drehten eine ganze Runde auf der Bahn, bevor wir in den Trab zurück fielen und ich sie in einer Traversale auf eine Stange zulenkte. „ Alles gut, die tut dir nichts.“ murmelte ich, als sie auch hier erneut nervös, aber ohne größeres Zögern darauf zuging. Kaum war die Stange unter ihr, löste sich die Spannung und waren wir auch schon drüber. Im Trab ließ ich sie weiter laufen, ritt erneut auf X zu, hielt vor der Brücke und grüßte die Richter. Mit dem Nicken fingen die Zuschauer an zu klatschen. Amber zog erfreut die Zügel aus der Hand und streckte sich. Im Schritt verließen wir die Halle, an deren Eingang ich wieder absaß und sie hinüber in die Stallungen führte. „Gut gemacht meine Süße! Vor den bösen Stangen verlierst du noch vollkommen die Angst, versprochen, aber ich bin soo stolz auf dich!“ lobte ich sie und zog ihr die Trense vorsichtig vom Kopf. Sie schüttelte ihren Kopf und stupste mich verheißungsvoll an der Schulter an. „Klar kriegst du eines!“ meinte ich und steckte ihr als Leckerlie eine Möhre zu. Zufrieden kaute sie ihre Belohnung, während ich ihre Sachen verräumte und zurück auf die Veranstaltung ging, um die Siegerehrung abzuwarten.

      5761 Zeichen via lettercount.de | (c) Muemmi

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    • Muemmi
      Pflegebericht Januar 2017

      Großer Pflegebericht für alle Pferde des Gestütes Naundorf
      © Muemmi | 22. Januar 2017 | 12971 Zeichen

      Neubau für die Turnierpferde des Gestütes
      Lillifee, Bifröst, Skadi, Medivh, Reykja, Aquentino, Possy Pleasure Mainstream, Webster, Davina, Oak´s Lake Mountain, Mon Amie, Amber, Caja, Checkpoint, Meilenstein, Thor, Taciturn, Heros

      Hauptstall der Zucht
      Starlight Express II, Zarin, Elanor, Augen auf! Ich komme, Fleming, Dante, Aestas Amor, Zingara, Ehrengold, Ravallo, Seana, Red Diamond II, Weyganda, Lacura, Polarfuchs, Rasputin, Trink auf´s Leben, Little Sweetness, Butch, Tainted Love Toffifee

      Westflügel der Naundorfer Welshzucht
      Occani, Seidenfell, Orchidee´s Nikita, Prima Teutonia, Zimtmond´s Haselnuss, Love me Lara, Miro, Landwein´s Erdbeerpflücker, Take a Bow, Sweet Poison
      (Pferde sind seit Herbst 2016 offiziell im Besitz von kira)

      Dave´s Bewerbung

      Der Himmel war dunkel und das Schneegestöber zuckerte die ganze Landschaft innerhalb von Minuten noch weiter ein, als eh schon. Wir hatten heute morgen erst geräumt, aber es lag jetzt schon am frühen Nachmittag 5cm frischer Schnee und das, obwohl die Naundorfgegend nicht wirklich für solches Wetter bekannt ist. Idefix war die letzten Wochen nicht mehr aus dem Haupthaus gekommen, der Kleine war mittlerweile alt geworden und folgte mir mit seinen 12 Jahren nicht mehr wirklich überall hin. Ich war ziemlich traurig, als mir die Tierärztin beim letzten Besuch riet, ihn zu schonen und nicht mehr unbeaufsichtigt über den Hof rennen zu lassen, da er mittlerweile immer schlechter sah und hörte. Und zusätzlich kamen jetzt die kalten Temperaturen, die seine Gesundheit stark forderten. So beschränkten sich unsere gemeinsamen Stunden immer mehr auf den Abend, in denen er sich zu mir ins Bett kuschelte und neben mir schlafen durfte. Ich wischte mir bei den Gedanken die feuchten Augen, räumte den Rest des Schnees auf die Seite und klopfte mir die Stiefel ab, bevor ich in die Stallungen ging. Es hatte sich in den letzten Wochen einiges getan, ich hatte ganz spontan die Leitung der Fahrturniere übernommen, obwohl ich davon am allerwenigsten Ahnung hatte. Das Sportzentrum richtete sie seit sieben Wochen unter der Leitung eines Freundes von Tom, meinem Bereiter in der hohen Dressur, aus. Aber der hatte mir nach der Auswertung bekannt gegeben, dass er das schon ab nächster Woche nicht mehr machen würde. Noch ein Punkt, der mich in die Mangel nahm. Sofort schrieb ich die Stelle offiziell aus, denn auch Mia, Susan und Leo waren in anderen Disziplinen ausgebildet. „Naja, dann können wir auch offiziell Fahren ausbilden!“ „Falls jemand die Vollzeitstelle so schnell antritt!“ meinte ich zu Leo, der ganz begeistert vom Fahren war. Wir hatten auch darüber gesprochen, ihn neben der Military auch dort ausbilden zu lassen. Ich war wirklich stolz auf meine beiden Azubis, die sich hier schon wie zu Hause fühlten und wirklich verlässlich waren. Ich konnte allen alles anvertrauen und war wirklich glücklich, dass sich Naundorf so entwickelt hatte. Die Pläne, nach England zu gehen, hatten sich immer mehr auf Eis gelegt, obwohl die Welsh-Pferde schon verkauft waren. Kira hatte sie schon vor Wochen auf dem Papier erworben, dennoch standen sie bis zum Frühjahr noch hier auf dem SPZ. Ich ging deswegen so oft ich noch konnte hinüber und streichelte der hübschen Scheckenstute Nikita, der hellen Seidenfell und der munteren Teutonia über die süßen Köpfe. Ich wurde ihnen einfach nicht mehr gerecht und hatte mich entschieden, die Zucht im Ganzen abzugeben. Das umfasste damit auch Haselnuss, Occani, Lara, Miro, Erdbeere, Bow und den talentierten Poison. Lediglich Lillifee, ein Stutfohlen aus der Lara würde bei mir bleiben. Sie stand derzeit mit Taciturn und Bifröst in einer Box. Letzterer war erst vor kurzem unerwartet zurück auf meinen Hof gekommen. Ich fütterte die Stuten, mistete den abgetrennten Offenstall und füllte die Heuraufen. Den Hengsten gab ich ebenfalls mehr Heu zu fressen, damit sie es warm hatten und streute frisch ein. Gerade als ich mit dem Kehren fertig war, klingelte mein Handy. Auf der anderen Seite der Leitung eine tiefe Männerstimme, zwar jung aber erfahren und sehr sympathisch. Ich konnte gar nicht sagen, wie froh ich war, als es um die ausgeschriebene Stelle ging. Er hatte sie von einem Bekannten Tom´s erfahren, der ebenfalls seine ehemaligen Arbeitskollegen über unsere Situation unterrichtet hatte. Er würde noch heute nach Naundorf für ein Gespräch kommen, sofern das so zeitig möglich wäre. Ich sagte sofort zu und machte ein Treffen für den späten Nachmittag aus. Immer noch ziemlich platt steckte ich das Handy wieder ein, lief weiter zu Taciturns Box und gab auch ihr und den beiden Babys zu fressen. Bifröst war langsam etwas aufmüpfig, ich musste ihn also bald trennen oder legen lassen. „Das entscheide ich beim nächsten Mal!“ flüsterte ich und strich ihm über die kurze Mähne. Ich bürstete Taciturns dicke Mähne, flocht sie im Zopf zusammen und kratzte ihr die Hufe aus. Sie hatte ebenfalls wöchentlich Starts bei den Fahrturnieren und bezauberte mich immer wieder aufs Neue, weswegen ich ihr genauso viel Aufmerksamkeit zukommen ließ, wie meinen Sportlern. Sie war auch eine der Einzigen, die mit mir kuschelte und immer wenn ich mich nicht gut fühlte, kam ich zu ihr und den beiden Zwergen. Sie würde immer die gute Seele von Naundorf bleiben. Nach einer halben Stunde strich ich ihr nochmal durch den Schopf, verließ die Box und lief hinüber ins Haupthaus. „Mia! Rate mal, wer uns heute Nachmittag besuchen kommt!“ rief ich meiner Vertreterin und besten Freundin zu. Sie konnte es auch nicht glauben, stieß Tom sofort darauf an, der vom Dressurtraining mit Reykja und Webster kam und war genauso glücklich wie ich. „Na, hoffentlich passt der dann auch hier rein!“ meinte Willi, der ebenfalls ins Haupthaus gekommen war und sich gerade den Schnee abklopfte. Mit Leo und Susan aßen wir dann zusammen zu Mittag, ich knuddelte ein wenig mit Idefix, bevor ich mich als Letzte fertig machte für den Kontrollgang. Susan, meine zweite Azubi jetzt im zweiten Lehrjahr, begleitete mich auf die Koppeln. Alle Hengste waren heute draußen, da es durch den Schneefall nicht so kalt war wie sonst. Fleming und Dante, meine zwei jüngsten Körsieger lieferten sich am Zaun ein Wettrennen, als sie uns kommen sahen und scheuchten den Rest der Gruppe mit Amor, Ehrengold, Red Diamond, Socke, Flemings Vater Ravallo, Rasputin, Weyganda, Checkpoint, Polarfuchs, Säufer, Butch und Zarin auf. Zarin war der Einzige, der nur hochsah, kurz mittrabte und sich dann zurück zum Heu verzog. „Den holen wir nach unserer Kontrolle rein, ich möchte ihn langsam an die Koppel und die Anstrengung gewöhnen. Ich bin mir da noch nicht so sicher.“ Susan nickte und stieg mit mir durch den Zaun. Der Berberfuchs war deutlich schlanker, als ich ihn von meinem Verkauf viele Jahre zuvor in Erinnerung hatte. Er war seit zwei Wochen auf meinem Hof und machte sich gut, aber war wie Starlight Express, der ebenfalls vor vielen Jahren vom Gestüt Ammersee aus verkauft wurde, ein Pflegefall geworden. Verwahrlost und hungernd hatte ich die beiden aufgenommen und aufgepeppelt. Der anfängliche Eindruck war aber schlimmer als befürchtet, auch der seelische Schaden schien sich jetzt schon langsam abzubauen. Der Shettyhengst war für die große Gruppe zu klein, weswegen er einen großen eigenen Paddock besaß und bei Thor, meinem Friesenfohlen stand. Susan und ich liefen die Sportlerweide ab, kontrollierten die Zäune, die Leitungen und die Wassertröge. Brav folgte der Berber Susan, als diese ihn mit Möhren und Äpfeln zu sich brachte und ihm den Führstrick anlegte. „Ich werde mich um die Fohlen kümmern, wenn ich eh schon rüber gehe!“ meinte sie und ich nickte. Gemeint war neben Thor auch die hübsche Meilenstein, die jetzt schon Susans Liebling war. Ich ließ sie diese so oft es ging mitversorgen und sie dankte es mir, indem sie auch ihre anderen Pflichten ernst nahm. Willi fuhr den Misthaufen gerade zusammen, als ich um den Trakt lief und mich zu den Stuten aufmachte. Skadi war im Schnee schwer zu erkennen und löste sich erst kurz vor ihrem Stop bei mir aus ihrem Umfeld. „Nana, was bist du heute schnell unterwegs!“ Ich klopfte ihr den Hals und drückte Zingaras Nase auf die Seite, die wie Yin und Yang immer an Skadi hing. „Meine zwei schönen Friesen...“ murmelte ich, Zingara immer noch suchend nach Leckerchen ihre Nüstern an meinen Taschen. „Jetzt lass das doch mal!“ lachte ich und ging ohne zu Zögern durch das Grüppchen, zu dem sich Mainstream, Seana und Davina gesellt hatten. Mon Amie, Lake, Amber, Caja, Sweety und Augen auf standen paarweise oder vereinzelt über die Weide verteilt und suchten unter der Decke aus Schnee und Eis etwas Gras. Reykja war wohl wie Webster von Tom im Stall gelassen worden, nachdem er mit ihnen trainiert hatte. Da fiel mir Elanor ein, eine weitere Scheckenstute, die Seana sehr ähnlich sah. Ich blickte mich nach ihr um und sah sie dann doch neben Amber stehen. Auf die hatte ich es abgesehen und holte mir Halfter und Strick, nachdem auch auf der Stutenweide alles in Ordnung war. Etwas zögerlich folgte sie mir in den Stall, unentschieden, ob sie lieber bei ihren Freundinnen auf der Weide in der Kälte bleiben wollte oder ob sie mit mir im Warmen arbeiten wollte. Durch das Hufgeklapper rief ich den letzten Vierbeiner auf meinem Hof auf den Plan. Tainted Love Toffifee, mein einziger gekrönter Quarterhengst auf dem SPZ stand in seiner Box und wartete auf seine neue Besitzerin. Auch er würde uns noch heute verlassen, weswegen ich ihn geputzt und hergerichtet in seiner Box gelassen hatte. Er sah neugierig über die Türe und beobachtete mich dabei, wie ich Amber von Schnee und Dreck befreite und sie anschließend sattelte und trenste. Ich wollte mit ihr regelmäßig trainieren und forderte sie immer wieder in der größeren Halle, die wir über die Wintermonate fürs Springtraining eingerichtet hatten. Nach ungefähr einer Stunde ritt ich sie ab und sah auf die Uhr. Das Treffen! Ich war knapp dran, führte Amber zurück in die Stallungen und kam an unserer Hoflichtung vorbei. Zwischen den Ästen der Hecken sah ich ein fremdes Auto parken, ein schwarzer, älterer Geländewagen. Ich hatte noch 10 Minuten, sattelte Amber ab und warf ihr die Abschwitzdecke über. Gerade als ich den Sattel in die Kammer gebracht hatte und zurück kam, stand ein Mann bei ihr, streichelte ihr den Hals und sah sie sich genau an. Ich hielt inne, betrachtete die Szene kurz und trat dann auf die beiden zu. „Kann ich Ihnen helfen?“ Lächelnd trat ich neben ihn, legte den Kopf schief – und erstarrte. Er lächelte ebenfalls, als er mich mit seinen hellen blauen Augen ansah und mir die Hand hinstreckte. „Sie müssen Frau Goeke sein, mein Name ist Lange, wir haben vorhin telefoniert.“ Seine Stimme passte so gar nicht zu ihm, er machte auf mich einen gemischten Eindruck – wahnsinnig jung und wahnsinnig erfahren zugleich und das, obwohl er ungefähr 10 Jahre älter war als ich. Nun wieder bei Sinnen, ergriff ich seine Hand. „Ja, bin ich, aber nenn mich Luisa. Wir duzen uns hier alle auf dem Hof.“ meinte ich. „Dave.“ er lächelte immer noch. „Hübsche Stute. Deine?“ „Ja, ich bilde hier die Springer aus. Tom ist für Dressur zuständig und bildet die Azubis Susan und Leo aus, die im Springen gehen, Leo vertieft in Military. Mia macht derzeit schwerpunktmäßig Distanz, hat aber auch die Zulassung in Dressur, was eher ihr Steckenpferd ist. Leider fehlt uns jetzt jemand fürs Fahren.“ Ich lächle wieder. „Und da komme ich ins Spiel?“ fragt er und lächelt zurück. „Richtig. Wenn du mich Amber noch schnell weg bringen lässt, dann zeige ich dir den Hof und du kannst mir mal ein wenig erzählen, was du bis jetzt so gemacht hast.“ Er nickt und ich führte meine Warmblutstute den Gang hinunter, bevor wir eine kurze Runde über das SPZ drehen und dann ins Haupthaus einkehren. Mia ist ebenso erstaunt und wirft mir eine eindeutige Geste zu, als sie Dave begrüßt und dann zum Stalldienst der Hengste hinüber geht. Wir betreten die Küche, in deren Ecke sich Idefix eingerollt hat. Er knurrt kurz, als er den Mann sieht. „Alles gut Idefix, braver Hund.“ meine ich, kraule ihn kurz hinter den Ohren und biete Dave etwas zu trinken an. „Unser Hofhund. Ist allerdings schon sehr alt, begleitet mich seit er ein Welpe war. Er sieht nur nicht mehr so gut, weswegen er jetzt die Küche hütet.“ Dave nickt nur stumm, nimmt die heiße Tasse Kaffee dankend an und berichtet mir, dass er seit längerem eine feste Stelle als Trainer sucht. „Hauptsächlich bin ich ebenfalls im Military unterwegs, ich würde als einzige Prämisse meine Hengste Medivh und Heros mitbringen wollen. Allerdings war mein Vater viel im Fahrsport tätig, weswegen meine Ausbildung dort fast besser ist.“ „Wegen den Pferden wäre das kein Problem, das SPZ hat genug Platz und auch Möglichkeiten, falls du sie weiter ausbilden möchtest. Es wäre nur recht schnell die Organisation der Fahrturniere zu stemmen.“ Er freute sich sichtlich, anscheinend hatte er bis jetzt Probleme mit diesem Wunsch. Ich sprach mit ihm die Details durch und bot ihm eine Probezeit von zwei Wochen an, die Dave glücklicherweise sofort annahm. Sollte sich die Zusammenarbeit danach als gut herausstellen, würde der Vertrag dauerhaft gültig. Ich gab ihm die Papiere mit, vereinbarte den ersten Arbeitstag für übermorgen und verabschiedete mich von ihm. Als sein Auto den Hof verließ, kam Mia zurück, stupste mich an und lachte. „Luisa, wenn du den nicht nimmst...“ „Hab ich schon, hat die Papiere mitgenommen!“ unterbrach ich sie und zwinkerte. „Endlich mal ein heißer Typ auf dem Hof!“ „Das hab ich gehört!“ Willi warf uns einen gespielt bösen Blick vom Traktor zu, von dem er gerade abstieg und das Hallentor schloß. Mia und ich lachten laut, nahmen Willi in den Arm und gingen zusammen ins Haupthaus zurück.
    • Muemmi
      Trainerbericht Military | März 2017 | L - M

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      Ich verzog das Gesicht, als der Wecker klingelte, aber nicht, weil ich aus dem Bett musste, sondern weil mich seit Tagen schlimme Halsschmerzen plagten. Irgendwas mit den Mandeln. Ich konnte kaum den Kaffee trinken, den ich auch für den Rest der Belegschaft frisch aufgebrüht hatte und auch die Stimme versagte ihren Dienst immer wieder. Ich schrieb mit Kreide die heutigen Aufgaben an die Tafel, als Willi zur Tür rein kam. „Morgen!“ meinte der in seinem muffeligen Ton, ich nickte ihm nur zu. „Immer noch Halsweh?“ meinte der dann doch mitfühlend und ich nickte noch einmal. Genau in dem Moment kam Dave zur Tür rein, der jetzt seit gut zwei Monaten hier arbeitete und diese Woche auf den Hof gezogen war. „Geht schon, danke“ krächzte ich und räumte den Frühstückstisch hin, während sich die beiden Männer an den Tisch setzten und über die Weiden sprachen. Allmählich kamen auch die anderen: Tom, Mia, Susan und Leo. Nachdem ich die erste heiße Tasse Kaffe intus hatte, konnte ich leichter reden und erklärte mit wenigen Worten die Aufgaben. Leo würde heute mit Willi die hinteren Weiden kontrollieren und ein altes Gatter neu einhängen, Mia und Susan würden sich um die Fohlen kümmern und sich dann den täglichen Aufgaben des Berittes annehmen. Dave würde mit mir und Willi vormittags im Stall klar Schiff machen, während sich Tom an die Büroarbeit machte. Nachmittags, wenn Willi mit Leo unterwegs wäre, würden wir uns um Spring- und Dressurtraining kümmern. „Tom übernimmt Webster und Reykja, die beiden müssen wir mal ein wenig pushen, damit in der Saison auch das Dressurstandbein stärker wird. Wir sind im Fahren und im Military sehr sehr gut, aber nur dafür ein Aushängeschild zu sein, öffnet uns zu wenige Tore in die S-Klassen.“ meinte ich ruhig und hustete dann doch. „Dave wird mir heute Mainstream und Amber abnehmen, für´s Springen bin ich die Woche noch nicht fit genug.“ Dave nickte und lächelte. Er hatte sich in meine Cremellostute regelrecht verliebt und träumte jetzt schon von ihren ersten Fohlen, am besten mit seinem frisch gekrönten Hengst Heros. „Ich selber werde Skadi in der Dressur fördern, sie ist noch sehr niedrigklassig und leicht zu reiten.“ meinte ich weiter und richtete das Wort eher an Tom. „Ist in Ordnung. Kommst du mit in den Stall?“ „Nachdem ich hier aufgeräumt und nach Idefix gesehen habe komme ich euch hinterher.“ Susan erzählte danach von ihren Prüfungen und wie es derzeit mit den Fohlen lief. Sie himmelte dabei heimlich Dave an, allen war ihre große Zuneigung zu ihm längst aufgefallen, vor allem Leo. Dave nickte nur, lächelte freundlich und klemmte sich dann den letzten Rest seines Honigbrotes in den Mund, bevor er das Kammerl verließ. „Man, Susan. Wegen dir kann Dave nichtmal in Ruhe frühstücken.“ meinte Willi dann ganz ungeniert. Leicht beleidigt, weil ihr Schwarm einfach so abgerauscht war, strich sie sich ihre Semmel. „Kümmer dich doch um dein Zeug Willi.“ erwiderte sie trotzig. „Schluss mit dem Kindergarten. Ihr kennt Dave doch, immer auf Achse.“ Tom. Er hatte es dick, wenn in der Früh schon Unfrieden auf den Hof kam. Dann wandte er sich an mich: „Lass stehen Luisa. Ich mach das schon. Geh rüber.“ Dankbar lächelte ich ihm zu und ging Dave hinterher in den Flur ins Hauptzimmer. Dort am Ofen hatte Idefix sein Körbchen. Er wurde in letzter Zeit immer schwächer, die letzten kalten Tage im Februar hatten ihm stark zugesetzt und er hatte sich trotz der ersten sommerlich, warmen Frühlingstage nicht wieder erholt. Der Tierarzt war letzte Woche hier und sehr deutlich: Wenn sich Idefix nicht in den nächsten Tagen deutlich erholen würde, sähe er keinen Ausweg mehr. Er war mittlerweile auch schon 12 Jahre alt, für einen Jack Russel eigentlich noch nicht sehr alt, allerdings war auch seine Mutter Paddi nur 10 Jahre alt geworden. Zu meinem Erstaunen saß Dave neben dem Körbchen und kraulte den weißen Rüden. „Er sieht besser aus. Schlapp und müde, aber deutlich besser.“ „Na mein Schatz, wie geht’s dir? Ja, komm her, lass ich in den Arm nehmen.“ flüsterte ich Idefix zu, der mir vorsichtig die rechte Backe ableckte, nachdem ich mich im Schneidersitz neben Dave gesetzt und meinen Hund auf den Schoß gezogen hatte. „Wenn du nur mal so mit mir reden würdest.“ scherzte Dave und streichelte Idefix über den Kopf. Ich zuckte innerlich zusammen. Solche Dinge sagte er mir in letzter Zeit häufiger. „Das ist nicht witzig Dave.“ sagte ich doch recht kühl und kraulte Idefix den Bauch. Der lag jetzt in meinem Schoß und schien sich wirklich langsam zu erholen. „Entschuldige.“ sagte der jetzt ernst, ein wenig Bedauern schwang in seiner Stimme mit. „Außerdem weißt du, dass das nicht geht.“ Ich hob Idefix wieder zurück in sein Körbchen und breitete die Decke über ihm aus. Er kuschelte sich ein und sah mich von unten mit runden Augen an. Ich streichelte nochmal über seinen Kopf, dann sah ich Dave an. Der hatte die Strin gerunzelt. „Ich würde mit Susan in Teufelsküche kommen.“ Da verdrehte er seine hübschen blauen Augen, die auch mich nicht ganz unberührt gelassen hatten, seit er vor einigen Wochen das erste Mal vor mir stand. „Ehrlich Dave, du musst Susan da mal klar sagen, dass es so nicht weiter geht. Tom ist grad nach deinem Abflug in die Presche gesprungen. Und ich möchte mich da nicht einmischen.“ Ich stand nun auf, er tat es mir nach. „Warum das?“ überging er meinen Tadel und sah mich auf einmal sehr durchdringend an. Ich schwieg zwei Sekunden, rührte keine Miene und meinte dann: „Klär das!“ Und grinste dann doch. „Ok, ist in Ordnung, ich rede später mit ihr.“ gab er dann lächelnd nach, sah dabei aber auch schuldbewusst auf den Boden. „Ciao Kleiner!“ zwinkerte ich Idefix zu und bat Dave dann, mir zu folgen. „Tom war so lieb, den Küchendienst zu übernehmen. Er war gestern lange fleißig, Bürokram wird heute kaum anfallen. Da hat er endlich genügend Zeit für Webster und Reki.“ „Letztere macht sich auch langsam richtig, richtig gut, ich hab ihm erst zugesehen, er hat ein Händchen, den Jungpferden die Lektionen schnell anzutrainieren.“ „Und sie sauber abrufen zu lassen und sie zu korrigieren. Ohne Tom wären wir wohl wirklich aufgeschmissen. Wir denken aber trotzdem darüber nach, einen zweiten Korrekturreiter einzustellen. Was meinst du?“ „Ich? Ich bin für Dressur nicht gut genug, um mir da eine Fachmeinung zu bilden. Aber einen Korrekturreiter mehr könnten wir gut brauchen.“ Susan kam genau in dem Moment hinter uns aus dem Haupthaus, auch sie hatte wohl ihr Frühstück schon beendet, dicht gefolgt von Leo und Willi. Als sie mich mit Dave zusammen sah, änderte sich kurz ihr Gesichtsausdruck. Ich hasste es, in diesem Drama Teil zu sein, obwohl ich mich nie direkt einmischte. Also schickte ich Dave mit einer direkten Anweisung sofort vor in den Stall und unsere Wege trennten sich. Ohne nochmal auf Susan einzugehen, machte ich mich an die Arbeit und fütterte die Pferde. Willi fuhr mit dem Traktor den Mist zusammen, während Leo und Dave das Ausmisten anfingen. Mia kam kurz vorbei und meinte, dass der Tierarzt angerufen hätte, dass er morgen nochmal nach Idefix sehen wollen würde. „Danke dir!“ Dann zog sie wieder von dannen, Susan hinterher. Als ich fertig mit Füttern, Heu geben, Putzen und Fegen war, holte ich Skadi und bürstete ihr schneeweißes Fell sauber und flocht ihr einen Bauernzopf in die Mähne. Sie sah damit immer recht hübsch aus. Dann sattelte ich sie und führte sie hinüber zum Platz. Dort war Tom mit Webster schon fleißig am Wiederholen der letzten Übungen, der Holsteinerhengst war wirklich ein Prachtkerl und tanzte unter Tom nur so dahin. Was ich im Springen und im Military gut konnte, hatte Tom in der Dressur perfektioniert. So ergänzte sich jeder auf dem Hof. „Sieht super aus!“ meinte ich, als er locker an mir vorbei galoppierte. Von der Stute ließ sich der Hengst nicht wirklich ablenken, Skadi stand auch ganz brav neben mir und ließ mich in Ruhe aufsteigen. Im versammelten Trab kam Webster erneut vorbei, ging dann wieder in den Mitteltrab und erneut in den Galopp. Die Hilfen von Tom waren kaum zu sehen. Ich ritt Skadi warm, bevor auch ich los legte und die einfachsten Sachen abfragte. Skadi würde heute von A auf E aufsteigen, Webster allerdings den großen Sprung von A nach L machen. Deswegen übernahm das Tom. Ich ritt also mit meiner leichten Erkältung heute nur einige wenige A-Aufgaben, die sich aus Mitteltrab und -galopp, Ganzen Bahnen, Zirkeln, Schlangenlinien und Volten zusammen setzten. Ich Leichttrabte und saß aus, hielt, wechselte den Zirkel, ritt Bögen und galoppierte wieder an. Ich liebte Skadis Galopp. Anfangs war die Stute wirklich schwierig, weil sie neu auf dem Hof war und mich noch nicht kannte. Auch bei Tom testete sie erst an, aber war dann wirklich sehr gelehrig und auch gut zu reiten. Sie war eigentlich nur unterfordert, denn als Warlander hatte sie eine kräftigere Statur und wurde meist als Kaltblutpferd gehalten, das eben nicht sehr viel spritzige Aufgaben brauchte. Skadi aber hatte Köpfchen. Der zwar ebenso intelligente Webster aber war anders. Der schwitzte mittlerweile ordentlich unter Tom, der dem Hengst viel abverlangte. Er war die Ruhe selbst und war auch gern dazu bereit, sich ausgiebig streicheln zu lassen. Er bettelte nie und war auch sonst sehr sozial. Allerdings hatte er sich sehr sehr schnell als Springer disqualifiziert, als klar wurde, dass wir ihn niemals über einen Wassergraben bringen würden. Davor hatte der Hengst nämlich ziemlichen Respekt. „So gar nicht seine Mutter Lacura...“ meinte ich damals trocken, die im vorherigen Leben wohl ein Fisch gewesen sein musste. Tom ritt gerade die letzte Runde ab und hielt auf das Gatter zu, als sich Dave zu uns gesellte. „Soll ich ihn dir abnehmen?“ meinte der, doch Tom winkte ab. „Lass mal. Ich hab heute nichtmehr viel zu tun. Und Reykja braucht nicht sehr lange, ich hab viel mit ihr gemacht letzte Woche. Aber danke.“ Dave sah Tom hinterher, der langsam am langen Zügel hinüber zu den Hauptstallungen ritt. „Du, Luisa. Mia würde Mainstream gerne im Training übernehmen wollen, bei den Fohlen ist alles klar und ihre Reitschülerin ist abgesprungen. Daher geht sie mit Susan zusammen trainieren in der Halle. Wäre das ok für dich?“ Als wenn der Tagesplan auch nur 3 Stunden so bleiben würde, wie man ihn aufgestellt hat. Auf einem Hof ändern sich dauernd zig Sachen an einem Tag, aber ich liebte Mia dafür, dass sie sofort zur Stelle war und den anderen die Arbeit abnahm. Zusätzlich war Susan fest eingebunden. „Ist gut. Und Amber?“ „Mach ich. Nach dem Mittag. Bist du fertig mit Skadi?“ Ich nickte. „Geht´s dir gut?“ fragte er dann vorsichtig, als ich nochmal hustete, nachdem ich abgestiegen war. „Ja. Ich würde mich nur Mittags gern eine Stunde hinlegen. Wenn du nichts dagegen hast, würde ich bei Amber gerne zusehen.“ „Ob ich da noch ordentlich Springreiten kann,...“ murmelte er und mein Herz machte einen Satz. Schon die zweite Anmerkung heute. Derweil war Military Dave´s Fachgebiet. Amber hatte vor einigen Wochen die Klasse S im Springen erreicht und sahnte seither in den Turnieren eine Schleife nach der anderen ab. Nun würden wir die Stute ins Gelände lassen. Ich ließ auch das unkommentiert und führte die weiße Warlanderin hinüber den Stallungen. Dort half Dave mir ohne weitere Worte beim Absatteln und versorgen der Stute. Als er ihr abschließend liebevoll den Kopf streichelte, sah ich ihm einen unbeobachteten Moment lang zu. Mir war damals schon klar, dass er den Hof auf den Kopf stellen würde. Aber dass er auch mich so erwischen würde… als er sich zu mir her drehte, lächelte ich dann doch, was ihn jetzt verwundern ließ und meinte, dass ich hinüber gehen würde, um das Mittagessen zu kochen. „Ich fahre hinaus zu Willi und Leo. Denen helfen. Ich bring sie dann mit, wenn wir fertig sind.“ Er verließ den Stall, ohne mich noch einmal anzusehen. Jetzt war ich verwirrt. Ich ging hinüber und kochte Gratin. Mittags kamen dann auch alle, Mia erzählte mir vom Fortschritt mit Mainstream. Sie Stute war jetzt im Stande, Sprunghöhen von 1,50m hühelos zu nehmen. „Wir haben 10 Hindernisse aufgebaut, das mit dem Wassergraben haben wir mal wieder provisorisch gelöst. Aber sie macht das sehr sehr gut. Da sie ja schon in der Klasse S geht, war sie heute sehr gelehrig. Und die S* wird keine Schwierigkeit mehr sein.“ Ich war glücklich, dass das mit Mainstream so gut klappte und ich neben Amber jetzt auch eine weitere Stute hatte, die in der S -Klasse ging. Die Saison würde bestimmt die ein oder andere Schleife nach Naundorf bringen. „Ok, also ist das auch geschafft. Danke euch beiden!“ Ich lächelte und Susan schien das mit dem Frühstück schon wieder vergessen zu haben. Sie schien immer wie ausgewechselt, wenn sie bei den Fohlen war, ganz egal, was den restlichen Tag passierte. Ich musste zugeben, dass sie bei ihrer Hingabe für die Fohlen durchaus ein Händchen bewies und nun hatten wir ja mit unseren Neuankömmlingen und Babys so einige auf dem Hof. Wir aßen zusammen und dann ging es wieder auf den Hof. Leo begleitete Willi noch bei den Reparaturen und zog auch Susan mit ins Boot. Tom machte sich ans Training mit Reykja und wollte danach ins Büro gehen. „Ist in Ordnung, dieses Mal räume ich auf.“ versprach ich und fing an, abzuspülen. Dave blieb erst am Tisch sitzen und studierte die aktuellen Anmeldungen für die wöchentlichen Turniere. „Lass mich dir helfen, dann kannst du schlafen gehen und dich erholen. Ich melde für die Turniere diese Woche, danach mache ich Amber fertig. In zwei Stunden, wenn du zusehen willst, können wir uns auf dem Platz treffen.“ „Ist ok, danke Dir.“ Er stand jetzt an der Spüle und stellte die letzten Teller neben das Waschbecken. In mir schlug sich die Erschöpfung die Bahn und ich war wirklich dankbar. Ich legte das Spültuch neben Dave und berührte ihn mit der rechten Hand an der Schulter, als ich mich bedankte. Zu Müde, um noch genau auf ihn zu achten ging ich hinüber zu Idefix, nahm ihn auf den Arm und trug ihn nach oben. Dort kuschelte ich mich in sein Fell, streichelte ihn und schlief dann ein. In weiter Ferne hörte ich Dave das Geschirr verräumen, dann den Kaffee kochen, Willi war kurz im Haus und telefonierte, ich hörte Susan und Dave kurz miteinander reden, dann wieder Ruhe. Ich dämmerte so vor mich hin. Dann Geschirrklappern. Ich drehte mich um und auch Idefix spitzte müde die Ohren. „Luisa?“ flüsterte Dave vorsichtig, als er die Türe zu meinem Schlafzimmer aufdrückte. Meine Wohnung war für jeden meiner Angestellten offen, solange ich mich dort befand und die Haustüre offen stand. Eine Vereinbarung, die aber jeder nur im Notfall nutzte. Sie lag über den Gemeinschaftsräumen und dem Büro, direkt neben der von Tom. „Ich stell dir den Tee da hin, Honig ist auch dabei. Lass dir Zeit, ich telefoniere noch eben mit einem Veranstalter wegen dem Jubiläumsturnier, dann mache ich Amber fertig.“ „Ist die Zeit schon rum?“ murmelte ich und sah ihn müde an. „Du hast fast drei Stunden geschlafen.“ meinte er, lächelte und ging dann wieder. Was? Drei Stunden? Idefix schnarchte neben mir, ich versuchte ihn nicht zu wecken, als ich aufstand und mir meine warmen Reitsachen anzog. Nebenzu nippte ich am Fencheltee, den keiner außer mir auf dem Hof leiden konnte. Dann ging ich nach unten. Dave war schon weg, die Küche aufgeräumt, das Büro leer. Tom war also noch im Stall. Als ich durch die Gasse ging, führte er Reykja gerade aus dem Solarium. Auch sie hatte er ordentlich gefordert. Reki würde Webster dicht folgen in der Dressur und sollte mit ihrem Stammbaum zusätzlich ein kleines Juwel unseres Hofes werden. Sie war gerade 6 Jahre alt, genau richtig, um ordentlich mit dem Training anzufangen, was man ihr auch optisch ansah. Ihr Vater Red war immer ein Baby geblieben, Reki allerdings schlug voll nach Seana, auch wenn diese ihr keinerlei Scheckung mitgegeben hatte. An die Überraschung bei der Geburt kann ich mich heute noch erinnern. „Sie war heute wirklich sehr lieb, ist sie immer, aber sie macht Webster echte Konkurrenz. Ich würde sie die Woche bei der Dressur vorstellen, vielleicht haben wir ja Glück. Derzeit sind viele starke Newcomer in der Gegend.“ Tom warf Reki eine leicht verblasste, rote Fleecedecke über und wickelte ihr Bandagen, während er mir berichtete, was er heute mit Reykja alles gemacht hatte. Die Stute würde ab sofort in der L-Klasse gehen, genauso wie Webster. Ich hatte vollstes Vertrauen in Tom und freute mich, man sah ihm richtig an, dass er heute Spaß hatte. „Ich werde rüber zum Spielplatz gehen, Dave trainiert Amber heute das erste Mal im Gelände.“ Tom nickte, wenn die Rede vom ´Spielplatz´ war, dann war unser kleiner Parcour auf einer abseitigen Wiese gemeint, den wir extra für´s Military hergerichtet hatten. Der Begriff kam von Leo und Dave, der sich irgendwann bei uns eingebürgert hatte. Den Namen hatte der aber eigentlich gar nicht mehr verdient. Nicht wie zu Anfangs standen dort nur 8 Hürden, sondern mittlerweile über eine Sandfläche und den Teich erweitert ganze 25 Stück. Wir hatten vor vier Wochen ordentlich angepackt, Baumstämme gestapelt, Hecken gepflanzt und einen reitbaren Weg zum Teich hinunter angelegt. Das meiste stammte vom Gelände selbst, die Bäume waren Rückschnitte der umliegenden Birken und Kiefern. Ich schlich mich langsam zum größten dieser Baumstämme, die wir seither oft als Zuschauerplatz nutzten und lehnte mich halb an. Dave hatte mich noch nicht gesehen und jagte Amber über den Platz. Die Stute sah unter ihm so wahnsinnig beeindruckend und stark aus, irgendwie stimmte die Chemie zwischen den beiden. Dann setzte sie zum ersten Sprung an, schloss sauber ab, warf die Beine nach vorne und galoppierte wild schnaubend auf das nächste Hindernis zu. Dave ritt manchmal sehr riskant, was mir nicht immer gut gefiel, aber wenn er auf Amber saß, war er wie ausgewechselt. Er lobte ihr klopfend den Hals, als er immer noch unbemerkt in meiner Nähe vorbei kam. Nur Amber hatte mich gesehen und spitzte die Ohren, was auch Dave registrierte. Er sah sich nach dem Baumstamm um, ich winkte ihm und ging langsam in die Mitte des Platzes. Er nickte angestrengt, nahm die Zügel kürzer und ritt das nächste Hindernis an. Er brauchte zwei Sprünge, um wieder genauso gut zu reiten, wie in der ersten Runde – oder bildete ich mir das nur ein? „Sie kommt gut an den Sprung und landet auch sauber, nur die Höhe macht mir immer Sorgen. Und sie muss zügiger ins Wasser. Lass ihr mehr Platz vorne, das sah eben richtig gut aus Dave!“ Er sagte nichts, grinste und ließ sich ein paar Zentimeter Zügel aus den Händen ziehen. Amber schnaubte ab und setzte erneut an, wuchtete ihr und Dave´s Gewicht über den ersten Stamm, dann über den Absprung und hinunter zum Teich. Sie zögerte merklich, aber Dave ließ nicht locker und trieb sie abwärts. Mit einem mächtigen Satz brach sie die Oberfläche ein, die eben noch spiegelglatt gewesen war und preschte auf der anderen Seite hinaus. „Guuut! Super!“ rief ich lobend, mich so über den ersten Erfolg freuend, dass ich kurz meine kaputte Stimme vergaß. „Sehe, du hast den Tee getrunken!“ lachte Dave und trabte Amber kurz an, ritt einige Wendungen und ließ sie dann kurzzeitig Schritt gehen. „Haha.“ Ich grinste in den Boden. „Fühlst du dich besser?“ „Ja, aber immer noch starke Halsschmerzen. Evt. fahre ich morgen rüber zum Tom´s Mutter, die hat immer einen guten Rat.“ Ich lächelte und sah ihn jetzt direkt an. Da schnalzte er mit der Zunge und trieb Amber wieder zum Galopp. Gut eine Dreiviertel-Stunde ritt er Amber durch den Parcours, wechselte Ruhe- mit Trainingsphasen ab. Dann war auch hier endgültig Schluss. „Mach Feierabend!“ Ich hob die linke Hand und winkte, bevor ich hinüber in den Stall ging. Abendfütterung. Vorher drehte ich aber noch eine Runde zu den Fohlen und zu Taciturn. Die Shettystute war die Erzieherin in dem Babyhaufen aus Nachkommen meiner letzten Zuchtpferde des Gestütes Ammersee. Viele meiner alten Hasen waren jetzt in Ruhestand und auf der Gnadenweide. Dann ging es wirklich in den Hauptstall, füttern, misten, die restlichen Pferde von der Weide holen. Willi, Leo und Susan kamen von den Weiden. „Das Holztor draußen war doch maroder, als ich dachte. Wir haben ein neues gebaut, sind aber nicht ganz fertig geworden. Ich müsste morgen auch neue Aufhänger für die Angel holen. Ich bin eh in der Stadt. Die alten hat es bei dem Sturm so verbogen.“ berichtete mir Willi und ich schickte ihn und die Azubis in den Feierabend. „Ich krieg das hier hin, alles gut, Tom ist drin im Büro, sagt ihm, dass er ebenfalls Feierabend machen kann. Der Rest kann bis morgen warten.“ „Danke, schönen Feierabend!“ Leo und Susan machten sich auf den Heimweg, beide wohnten in der Nähe des Hofes und hatten über das Wochenende frei bekommen. „Ciao Dave, schönes Wochenende!“ „Ciao Leo, bleib sauber!“ lachte der und betrat mit Amber im Schlepptau die Gasse. Ich war schon am Fegen, als er den Sattel und das Zaumzeug in die Kammer trug. „Hier ist alles sauber, Licht ist aus. Ich geh rüber in den Hengststall und schau nochmal nach dem Rechten.“ „Ist ok, ich mache hier alles klar und geh dann rüber.“ „Ok, bis gleich.“ Ich fegte den Rest zusammen, löschte dann auch das Licht und ging in die Küche. Dort saß Tom und rauchte seine Feierabendpfeife. Wir redeten noch lange über die Fahrturniere und die Dressuren, die Erfolge und auch über den zweiten Korreturreiter, als Dave wenig später dazu kam. Als es auf 21:00 Uhr zu ging, verabschiedete ich mich von den beiden, die mir eine gute Nacht wünschten. Ich ging aber erst noch hinüber ins Büro. Das Hoftagebuch war aufgeschlagen und der Eintrag für heute von Tom schon gemacht. Er hatte den Alltag und die Reparaturen notiert, die Fortschritte der Trainingseinheiten und was die Azubis heute gemacht hatten. Für die Pferde stand notiert:
      „Trainingseinheiten in der Dressur: Webster von Weltstar von Niveau A auf Niveau L – erfolgreich abgeschlossen, Reykja aus der Seana von Red Diamond II von Niveau A auf Niveau L – erfolgreich abgeschlossen, Skadi vom Gestüt Helsing von Niveau E auf Niveau A – erfolgreich abgeschlossen, erstere beiden geritten von: Tom Weber, letztere von: Luisa Goeke, Trainingseinheiten im Springen: Red Possy Pleasure Mainstream aus der Ysun von Red Diamond von Niveau S* auf S** - erfolgreich abgeschlossen, geritten von: Mia Andalik, Trainingseinheiten im Military: Amber von Atlanta von Niveau L auf Niveau M – erfolgreich abgeschlossen, geritten von: Dave Lange. Unterzeichner: Tom Weber“

      Ich lächelte und klappte das Buch zu, löschte das Licht und ging dann nach oben. Für heute waren wir wirklich fleißig genug gewesen.

      (c) Muemmi | 22.544 Zeichen
    • Muemmi
      Hufschmiedbericht | April 2017
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      Die Reise meiner Hufschmiede ging weiter. Dieses Mal führte sie mich zurück in meine alte Heimat: Deutschland. Genauer gesagt in den schönen Spreewald, welcher gerade durch die vielen Flusslaufvezweigungen der Spree für eine herrliche Atmosphäre sorgten. Der heutige Auftrag kam von dem Sportpferdezentrum und Gestüt Naundorf. Luisa Goeke, Besitzerin der Pferde Aquentino und Amber hatte mich gebeten über ihre Zwei noch einmal ein Auge zu werfen und den Beschlag zu wechseln. Wie viele meiner Kunden, sollten auch die zwei bald für die Zucht vorgestellt werden und bestenfalls als gekörte Zuchtpferde nach Hause kommen. Nach einiger Fahrtzeit erreichte ich das große Gestüt und stellte meinen Wagen auf einen dafür vorgesehenen Parkplatz ab und lief in Richtung Stallung. Dort wartete Luisa bereits mit einer cremefarbenen Stute auf mich. Das musste Amber sein. Ein traumhaft schöner Cremello. Stark, hochgewachsen und sehr edel durch die nicht häufig vorkommende Fellfarbe. Mit einem freundlichen „Hallo, Frau Goeke“ begrüßte ich die Besitzerin und warf bereits einen ersten Blick auf die Hufe der Stute. Nach einem kurzen „Aufnahme"-Gespräch, platztierte ich mir die Stute an dem Putzplatz und knotete den Strick schließlich dort fest, ehe ich mein Equipment hervorholte und vorbereitete. Für beide Pferde war das Eisenpaket angefordert, sprich alte Eisen runter, Korrektur und neu beschlagen. Bei Amber startete ich mit dem linken Vorderhuf und nietete zu Beginn die Nägel des Hufeisens auf und holte das alte Eisen herunter. Amber hatte bisher nur vorne einen Springbeschlag, was sich heute ändern sollte. Anschließend säuberte ich den Huf und entfernte mit dem Messer das abgestorbene Horn an der Innenfläche und dem Huf wieder eine korrekte Form zu verleihen. Auch der Strahl wurde wieder ordentlich korrigiert und die zu langen Zehen vorne am Huf abgeknipst, sodass eine ebene Fläche enstand. Als Nächstes nahm ich das Bein der Stute von meinem Bein herunter und bockte es nach vorne auf meinen Dreifuß auf, um den Huf auch von Außen mit einem Hobel zu raspeln. Das Gleiche folgte bei den nächsten drei Hufen, sodass alle Hufen vorerst einmal grundbearbeitet waren. Nun folgte der spannendere Teil. Und zwar die neuen Hufeisen. Anhand der alten, konnte ich die ungefähre Größe des Eisen ermitteln und glich diese an meine vorhandenen an. Schnell waren passende gefunden, welche nun an die Hufe angepasst werden mussten. Mit einem ersten Abgleich, direkt am Huf, schaute ich mir an wie sie anlagen und welche Zehenrichtung vorhanden war. Das Eisen wurde nun mit dem Hammer in die beliebige Form gehämmert, erneut abgeglichen und wieder bearbeitet. Bis der Huf gut anlag. Anschließend wurde das Eisen nochmals heiß gemacht und auf den Pferdehuf angelegt, damit ich bei dem daraus entstandenen Abdruck sehen konnte wie er anlag. Des Weiteren konnte ich so wunderbar erkennen wo die Nägel später eingeschlagen werden mussten. Mit einem kurzen Schwenker ins Wasser, kühlte ich das Eisen wieder ab und began, das Eisen anzubringen. Dazu wurden die Nägel in Position gebracht und mit 3 Schlägen in den Huf geschlagen. Amber blieb während der gesamten Prozedur tiefenentspannt und ließ brav alles über sich ergehen. War leider nicht immer so unkompliziert wie bei ihr. Anschließend würden die Nägelenden, die am Außenhuf hervortraten umgeklappt, abgeknipst und eine kleine Kerbe unterhalb der Spitze in den Huf eingearbeitet. Zu guter Letzt hobelte ich den Außenhuf erneut ab um kleine Unebenheiten auszugleichen. Der Allgemeinzustand der Hufen waren hervorragend, weshalb trotz vierfachen Neubeschlag alles relativ zügig verlief. Die neuen Eisen saßen sehr gut und auch das Gangbild hatte sich deutlich verbessert, wie ich später feststellte, als Luisa die Stute mehrfach vorführte. Als Nächstes folgte Aquentino. Luisa brachte Amber zurück auf den Paddock und übernahm den hübschen Palominohengst, welcher ihr gerade von einem jungen Mädchen gebracht wurde. Auch er schien äußerst ausgeglichen und lieb. Aquentino hatte bereits einen Vollbeschlag, welcher heute angeschaut und gegebenenfalls ausgewechselt werden sollte. Selbes Spiel wie bei Amber: Die alten Beschläge wurden mit der Zange vom Huf genommen und kontrolliert. Bis auf einem Eisen, waren alle in einem super Zustand, weshalb sie weiterverwendet werden konnten. Lediglich etwas korrigiert. Aber das würde sich nachher zeigen. Das vierte Eisen hatte sich vorne in Zehenrichtung zu weit verbogen und demnach auch stark abgenutzt. Ein optimales Gangbild würde hierdurch nicht begünstigt. Ich schnappte mir den ersten Huf des Hengstes und hob ihn mir an. Auch hier trug ich das abgestorbene Horn mit dem Messer ab und formte den Huf wieder in Optimalzustand. Auch hier konnte man am Hufrand super sehen, wo die Zehe zu lang geworden war und abgeknipst werden musste. Gesagt getan, flogen die Hornstückchen auf den Boden. Von Zange zum Hobel, schliff ich mit gezielten Handbewegungen über die Ränder, um einen ebenerdigen Huf zu formen. Schließend verlagerte ich die Hufe auf den Bock und formte den Huf auch hier. Nun konnte ich die neuen Eisen aufziehen. Das erste Eisen lag relativ schnell Plan auf, also konnte ich die Nägeln wie auch zuvor einschlagen und am Ende sachgemäß umschlagen und kürzen, sodass sie später für keine Beeinträchtigung sorgten. Bei dem zweiten Eisen, musste ich mehrmals anpassen, anlegen.. wieder abnehmen und korrigieren, bis das Eisen ordentlich und sicher am Huf anlag. Dann folgten auch hier die Nägel. Das Dritte war das Eisen, welches ich komplett neu anpassen musste, da das Alte sich zu sehr abgenutzt hatte. Nach mehrmaliger Korrektur mit dem Hammer saß nun auch dieses wie angegossen. Mit den entsprechenden Hufnägel befestigte ich dieses nun unter dem Huf. Mit gezielten Schlägen schlug ich nun auch hier die Nägel auf der sich abgezeichneten weißen Linie innerhalb des Hufes. Die Spitzen schauten nun wenige Centimeter am äußeren Tragrand des Huf heraus, welche nun umgebogen wurden. Die Zehenkappe des Eisen lag mittig und der Eisenrand parallel zum Horn. Hinten, wo der Huf etwas enger verließ, lag der Rand des Eisens parallel zum Kronrand des Pferdes, um so einen festen Tritt zu sichern. Genau wie es sein sollte. Anschließend wurden die Enden wieder mit einer Zange abgeknipst und eine Kerbe mit einem speziellen Werkzeug in den Huf eingearbeitet. Nun wurden mit Hilfe der sogenannten Krokodilzange die Nägel ordentlich eingebettet und zu guter Letzt mit einem Hobel den Feinschliff gegeben. Die letzte Hinterhand war ebenso unkompliziert wie die Erste. Es dauerte nicht besonders lange um dieses Eisen anzupassen. Ganz zum Schluss saßen nun alle vier Eisen. Ein prüfender Blick folgte jedem Huf erneut. Die linke Hinterhand weiste noch kleine Unebenheiten auf, welche ich beim ersten Mal wohl übersehen hatte, also bockte ich Aquentinos Huf nochmals auf und hobelte alles in Form. Mit einem starken pusten beendete ich meine Arbeit und ließ mir den Hengst vorführen. Alles schien in bester Ordnung zu sein, also nickte ich kurz und beendete die „Behandlung“ mit einem freundlichen „Geschafft!... alles sollte soweit gut passen“ Nun dürfte der Körung eigentlich nichts mehr im Wege stehen. Die Maniküre und Pediküre saß, optisch waren beide ein Traum... Langsam verstaute ich meine Materialien im Wagen und klopfte dem Palomino auf den Hals. Er war wirklich ein Traum von einem Pferd. „Dann wünsche ich euch Drei alles alles Gute und viel Glück auf der Leistungsprüfung... ich sehe allerdings bei beiden nichts, was dafür sorgen könnte, dass sie NICHT gewinnen“

      7593 Zeichen | (c) Floooh
    • Muemmi
      Tierarztbericht | April 2017

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      Tierarztbericht – Pferdeklinik & mobiler Tierarzt „Horse Heaven“ | Aquentino, Amber und Your Red Possy Pleasure Mainstream
      |26.04.2017 ©Möhrchen ( 4.222 Zeichen, 683 Wörter)

      Ein ganz spontaner Termin führte mich heute auf das Gestüt Naundorf. Luisa Goeke hatte mich gebeten, drei ihrer Pferde vor der Vorstellung zur Körung durchzuchecken. Das Gestüt war gar nicht weit von meinem Hof entfernt, und so kam ich schnell und entspannt bei strahlendem Sonnenschein an.

      Luisa erwartete mich bereits am Putzplatz, wo sie schon den ersten Patienten angebunden hatte. Aquentino war ein wunderschöner Warmbluthengst, dessen Fell in der Sonne golden schimmerte. Ich hielt ihm meine Hand hin und er beschnupperte sie neugierig. Dann streichelte ich vorsichtig seine Stirn und warf dabei schonmal einen Blick auf seine Augen und Nüstern. Anschließend schaute ich mir seine Zähne und Schleimhäute an und tastete dann an seinem Hals entlang jeden einzelnen Wirbel ab. Er zeigte keinerlei Schmerzen und benahm sich sehr vorbildlich. Auch bei Abtasten des Rückens blieb er entspannt und zeigte keine Anzeichen von Schmerzen. Nacheinander hob ich seine Beine an und tastete seine Gelenke ab. Ich bat Luisa, ihn eine Runde über den Hof zu führen, damit ich mir seine Bewegungen anschauen konnte. Er lief flüssig und gleichmäßig hinter Luisa her, ich hatte nichts zu beanstanden. Zum Abschluss hörte ich noch sein Herz und seine Lunge ab. Auch hier: alles in bester Ordnung. „Bei ihm kann ich schon mal Entwarnung geben“, sagte ich zu Luisa „Der Kleine ist vollkommen fit.“ Zufrieden brachte sie ihn zurück auf die Wiese und ging dann auf die Stutenweide, um die zweite Kandidatin zu holen.

      Als sie mit Your Red Possy Pleasure Mainstream, die sie der Einfachheit halber Possy rief, auf mich zukam, schaute ich mir schon einmal ihre Bewegungen an. Sie lief sehr raumgreifend, und belastete dabei alle vier Beine gleichmäßig. Als sie bei mir angekommen waren und Possy am Putzplatz angebunden war, begrüßte ich die Feuerrote Stute. Im Gegensatz zu Aquentino legte sie sofort die Ohren an, als ich ihren Hals streichelte. Daher ging ich ein bisschen vorsichtiger vor, als ich mir ihre Augen, Ohren und Nüstern genau anschaute. Als ich ihr Maul ein wenig öffnen wollte, um mir ihre Zähne anzusehen, schnappte sie nach meiner Hand, die ich aber zum Glück noch rechtzeitig weg ziehen konnte. Beim zweiten Mal klappte es besser und mit ihren Zähnen war alles in Ordnung. Ich tastete ihre Hals- und Rückenwirbel nach und nach ab und achtete dabei auf ihre Reaktionen. Ihr Blick war zwar nicht gerade freundlich, aber sie stand still und ihr Rücken fühlte sich weich und gleichmäßig bemuskelt an. Auch die Beine zeigten keine Auffälligkeiten, außer dass sie versuchte, nach meinem Hintern zu schnappen, als ich ihr beim Hufe aufheben den Rücken zudrehte. Zum Schluss hörte ich mit meinem Stethoskop noch ihre Lunge und ihr Herz ab, aber es war alles in Ordnung. Luisa brachte Possy wieder zurück auf die Koppel und kam kurz darauf mit die letzte Patientin für heute.

      Amber war eine Cremello Stute und wirklich wunderschön. Als ich ihr meine Hand hinhielt, schnupperte sie freundlich daran und fing dann sogleich an, in meinen Taschen nach etwas Essbarem zu suchen. Ich kraulte ihr den Hals und sie schmiegte ihren Kopf an meinen Arm. Ich fing an, ihre Augen, Ohren und Nüstern zu untersuchen und schaute mir auch ihre Zähne an. Sie war sehr freundlich und ließ sich problemlos überall anfassen. Ich nahm nacheinander alle vier Hufe hoch und tastete ihre Gelenke ab. Sie beobachtete mich interessiert und gab artig die Hufe. Auch beim Abtasten der Hals- und Rückenwirbel war sie sehr artig und zeigte keinerlei Anzeichen von Schmerzen. Ich bat Luisa, sie eine Runde im Schritt und Trab über den Hof zu führen und dabei ein paar enge Wendungen einzubauen und Amber folgte ihr brav und aufmerksam. Ihre Bewegungen waren taktklar und flüssig, ich hatte nichts zu beanstanden. Zurück am Putzplatz hörte ich noch ihr Herz, ihre Lunge und ihren Bauch ab, was sich ebenfalls alles unauffällig anhörte.

      Während Luisa und Amber mich zurück zum Parkplatz begleiteten, wünschte ich ihr viel Glück für die anstehenden Körungen und machte mich dann auf den Weg nach Hause.
    • Muemmi
      Pflegebericht Juli 2017

      Großer Pflegebericht für alle Pferde des Gestütes Naundorf
      © Muemmi | 05. Juli 2017 | 15215 Zeichen

      Neubau für die Anwärter des Gestütes
      Aquentino, Skadi, Your Red Pleassure Mainstream, Solsikke, Valentine´s Candy Fireflies, Al Aasiyah ox, Caja, Checkpoint, Medivh, Oak´s Lake Mountain, Occani, Reykja, Webster, Taciturn

      Fohlenweide auf der Lichtung
      Aufgepasst, hier kommt Arcada!, Scamander, Painted Minimalistic Art, Elfenlied, Lillifee, Capona, CM´s Meilenstein, Symphonie de la Bryére, Thor, Picutre of a Ghost

      Hauptstall der Zucht
      Fleming, Amber, EBS Mon Amie, Heros, Zarin, Dante

      Westflügel der Naundorfer Welshzucht
      Seidenfell, Orchidee´s Nikita, Prima Teutonia, Zimtmond´s Haselnuss, Love me Lara, Miro, Landwein´s Erdbeerpflücker, Take a Bow, Sweet Poison
      Pferde befinden sich seit Oktober 2016 im Besitz von kira

      Mach´s gut Kleiner

      Die letzten Gewitterwolken fingen an sich zu verziehen und die ersten Sonnenstrahlen blinzelten durch die Kronen der mittlerweile dicht bewachsenen Laubbäume. Die Wiesen schmatzen vor sich hin, während das Wasser im Boden versank, der sandige Schlamm klebte an Sockes Hufen, während ich ihn im Westernsattel den Weg an der Weide entlang ritt. Langsam, einen Schritt nach dem anderen setzte er einen Huf vor den nächsten. Die Luft war klar und kühl im Verhältnis zur schwülen Hitze, die die letzten Tage geherrscht hatte. Ich ließ die Zügel lang, wir hatten es nicht eilig. Die letzten Wochen und Tage waren ein einziges Auf und Ab gewesen. Allein darüber nachzudenken…
      Susan hatte den Ausbildungsplatz gewechselt und letztendlich mir die Schuld gegeben, dass sich ihre Situation so entwickelt hatte. Trotz der angespannten Lage ließ ich Tom unter der Hand einige Kontakte abfragen und der Wechsel ging geschäftlich gesehen für beide Seiten ohne weitere Blessuren aus. Sie würde ihre Prüfung zum selben Termin abschließen und nahe Leipzig, auf dem Hof, an den Tom sie vermittelt hatte, später weiter festangestellt arbeiten. Dave konnte mit der ganzen Situation, für die er sich irgendwie die Schuld gab, nicht umgehen und zog sich ebenfalls in Arbeit zurück. Mitte Mai reiste er für drei Wochen nach England und Schottland, was uns alle doch sehr überraschte. Als sich die Sache mit Susan merklich zuspitze, kam er zeitgleich in Kontakt mit einem führenden Kutschen-Hersteller und Züchter. Da die Verbindung nach England vor allem für unsere Sportpferdezucht sehr interessant sein könnte, willigten wir alle ein und ließen ihn fliegen. Die Verabschiedung zwischen ihm und mir war überraschend eisig. Von den Vertrautheiten seit seiner Einstellung mir gegenüber war nichts mehr übrig. Tom bemerkte es, blieb aber stumm.
      Und kaum war Dave weg, ging es auf dem Hof komplett drunter und drüber. Ohne seine Unterstützung war es für Leo und mich extrem schwer, die Fahrturniere ohne Probleme zu organisieren. Aber mit ein paar Blessuren schafften wir die Planung irgendwie, woran Leo auch weiter wuchs. Ich war stolz auf meinen Azubi, der jetzt so viele Aufgaben übernahm und das so kurz vor seiner Abschlussprüfung. Er muss gemerkt haben, wie sehr es mir zusetzte, dass ich als Betrieb einen Azubi verloren hatte, in den ich so viel Hoffnung gesetzt hatte. Ich ärgerte mich sogar eine ganze Zeit lang so dermaßen, dass ich verlauten ließ, erstmal keine Auszubildenen mehr aufzunehmen. Aber genau dann bewies sich Leo. Ich stellte ihn dann Nachmittags so gut es ging frei, damit er mit Webster für die Dressur und Springen üben konnte. Tom korrigierte ihn dabei, ich sah beim Springen immer wieder mal drüber, aber da dann nur noch Mia, Willi und ich für den Rest der anfallenden Arbeiten auf dem Hof waren, kam wirklich alles zu kurz. Da demnächst die Welshis vollständig vom Hof ziehen sollten und die Stallungen für Einsteller frei werden würden, richteten wir den Offenstall auf der alten Koppel her und stellten dort die Stuten unter, die Hengste kamen in einer Teilabtrennung zu den Zuchtpferden. Heros und Fleming machten sich Anfangs einen heiden Spaß daraus, die kleinen Ausgaben durch die Gegend zu scheuchen. Take a Bow, Miro, Landwein und Poison trabten den ganzen Nachmittag am Zaun entlang und buckelten vor sich hin, aber zum Abend hin waren die Jungs so erschöpft von der schwülen Hitze, die diese Tage in die Ebene drückte, dass sie am nächsten Tag müde vor sich hin dösten. Auch die Großen kamen tagsüber kaum auf die Koppel, erst Abends, als es deutlich milder war, standen sie am hinteren Ende des Geländes und grasten die zugesteckten Weideflächen ab. Als die Welshis aus dem Nebenstall ausgezogen waren, fingen wir an, die Sattelkammer dort auszumisten. Alle Schabracken, Sattel und Trensen, Putzkästen und sonstiges Zubehör, das an die neue Welshzüchterin gehen würde, putzten wir und lagerten wir im Haupthaus sorgfältig für den Umzug ein. Lediglich je drei Decken, Schabracken und gebrauchte Bandagensets für Taciturn, sowie das komplette Equipment für Occani zog in den Hauptstall um. Die Scheckstute würde als Gesellschafterin für Lillifee und die Fohlen doch vorerst auf dem Hof bleiben, aber auch im Ponyreitsport gefördert werden. Da sie auch noch sehr jung war, klappte die Eingliederung recht gut, sie behauptete sich aber als ehemaliges Herdenmitglied einer erfahrenen Pferdeherde aber gleich und mauserte sich recht fix an eine der höheren Ränge. Lediglich die resolute Meilenstein blieb davon unberührt und ließ sich nichts gefallen. Sie würde als fast Dreijährige bald unter den Sattel kommen und eingeritten werden. Ich hatte lange mit Tom und Mia geredet und unsere Zahlen überflogen. Wir standen durch die Pacht, Verkäufe und Trainingseinnahmen so gut da, dass wir uns mit zwei weiteren Mitarbeitern vergrößern könnten. Mia kümmerte sich diesmal um die Ausschreibung der Stellen, die Wohnungen wurden neu gestrichen und bezugsfertig gemacht, die im Haupthaus noch über waren. So ging der Mai um und es wurde Juni. In dieser Zeit arbeiteten wir uns alle schier zu Tode, ich war vier Tage auswärts und trainierte auf Abajo´s Hof ihre Pferde und übernahm dort ein Fohlen namens Picture of a Ghost. Allgemein vergrößerte sich nach der Auflösung der alten Zucht des Ammerseegestüts von damals die Zahl der Fohlen auf Naundorf deutlich. Der Decksprung von Mon Amie war geglückt, das Spektakel um Painted Blur war nach wie vor ein Highlight, das so schnell nicht vergessen werden würde. Ihr kugelrunder Bauch wurde immer dicker, bis sie in den letzten Maitagen einem kleinen Hengst das Leben schenkte. Er hatte von der Farbigkeit so gar nichts von seinem berühmten Uropa und auch Mon Amie behielt ihre Farbigkeitsvererbung für sich. Painted Minimalistic Art kam so vollkommen nach seinem Papa, war Schwarzbraun und hatte nur ganz wenige Abzeichen, was ihm seinen Namen verlieh. Und auch Mitte Juni kam ein lang ersehntes Wunschfohlen auf den Hof. Ein Hengst, auf den ich mich, neben Painted, ebenfalls besonders freute. Schwarzgold war sein Vater, ein Elitehengst, der auf Naundorf eine Zeit als Jungpferd verbracht hatte, bevor er an eine sehr alte Freundin von mir ging. Durch einen Verkauf eines Rasputin-Ravallo Fohlens, hatte ich eine Leihmutterschaft einer Co Pilot Tochter bekommen und Schwarzgold als Vater ergattern können. So bereicherte ab Mitte Juni Scamander unsere Babyherde und war mit seinem halben Jahr unglaublich niedlich anzusehen. Ich packte ihn mit Lillifee, Symphonie und Arcada auf eine Weide, die drei Mädels waren sehr lieb zu ihm und ließen seinen Trennungsschmerz von seiner Mama schnell vergessen. Mit der Zeit, wenn er kräftiger werden würde, würde ich die vier wieder zurück in die Gruppe der anderen Fohlen integrieren, die neben diesen aus Meilenstein, Capona, Thor und Elfenlied bestand. Painted blieb mit Mon Amie natürlich für die nächsten Monate erst einmal separat.
      Ich lächelte, als ich so an die Kleinen dachte, die mir meinen eigenen Kummer eine kurze Zeit lang nahmen und trieb Aquentino, der bei allen den Namen Socke trug und auch nie mehr anders gerufen wurde, in einen leichten Galopp. Freudig setzte er die Hufe voreinander und griff locker aus, schnaubte ab und spitzte die Ohren. Er hatte sichtlich Spaß und auch ich ließ einen Moment los. Nicht nur das Chaos und der Arbeitsstress auf dem Hof waren derzeit eine große, emotionale Belastung. Idefix hatte sich seit dem Winter erst noch sichtlich erholen können, allerdings wurde bei einigen Kontrollterminen, weil er mir sehr schlapp erschien, ein Tumor entdeckt, der zu unser aller Schreck nicht mehr operierbar war. Ich heulte mir an dem Abend schier die Augen aus dem Kopf, Mia war in dieser Zeit eine wahre Freundin und tröstete mich wie keine es hätte sonst können. Sie wusste, wie viel mir Idefix bedeutete und dass er der letzte, verbliebene Partner aus einer sehr alten Zeit war. Tom kümmerte sich ebenfalls liebevoll um mich und auch Leo und Willi erwiesen sich als echte Familie. Da Idefix nur oft müde war und sonst keine Schmerzen litt, bekam er vorerst Medikamente und würde noch eine ganze Weile unter uns bleiben, was den Schmerz, ihn zu verlieren, zwar nicht milderte, aber ertragbar machte. Ich verbrachte so viel Zeit wie möglich mit ihm, spielte mit ihm, streichelte ihn, hielt ihn im Arm. Er durfte auch ab diesem Tag auch in meinem Bett schlafen und wurde vom Rest auch sehr verwöhnt. Er schien seine Situation durchaus zu genießen und war recht glücklich – und so war ich es irgendwie auch.
      Ich parierte Socke durch und trabte am äußersten Rand unserer Weiden entlang. Der Dänenhengst streckte sich und verlangsamte immer mehr, bis ich ihn zum Schritt parierte und die Zügel wieder lang ließ. Nach einer guten Stunde war ich wieder auf dem Hof, sattelte den Hengst ab, striegelte Aquentino und führte ihn in seine Box. „Alles gut draußen?“ fragte Willi und ich nickte. Er schob die Mistkarre durch die Gasse und fing an bei Mainstream die Box zu säubern. Ich fing gegenüber an und kümmerte mich um Ambers Box. Mia gesellte sich dazu, Abendessen würde heute Tom machen, Leo war drüben bei den Welshis und kümmerte sich um die Stuten Seidenfell, Teutonia, Nikita, Lara und Haselnuss. „Ich würde nach dem Stalldienst gern noch eine Runde mit Aasiyah drehen.“ meinte sie und schwang in deren Box die Gabel. „Ich würd dich gern begleiten, wenn du nichts dagegen hast.“ tönte eine Stimme vom Gang her und wir drehten alle drei die Köpfe. Dave. Er stand einfach mitten im Stall, grinste und hielt sich für unwiderstehlich. Er hatte sich eigentlich erst für morgen Vormittag angekündigt. Der Satz, der mir durch den Kopf schoß war schneller draußen, als ich schauen konnte. Wegen ihm hatten wir die letzten Wochen so zu kämpfen, wegen ihm war alles drunter und drüber gegangen. „Nein, du übernimmst ihre Schicht. Du bist abgelöst Mia, sei so lieb und schau nach Leo, nimm ihn und Lake Mountain mit. Das hat er sich verdient.“ Dabei betonte ich ´übernimmt´ und sah dabei nur Dave an. Der war erstmal perplex, nahm dann aber die Mistgabel von Mia, die mittlerweile genauso verärgert war auf Dave und von dannen zog. Willi erklärte, dass er sich um die Hengste Medivh, Dante und Checkpoint kümmern würde. „Ich sehe später nach ihnen, danke Willi.“ meinte Dave jetzt kleinlaut, drehte sich von mir weg und mistete Cajas Box. Ich wechselte gegenüber zu der von Skadi und fragte dann in einem versucht weicheren Ton, während Dave direkt neben mir eine Gabel nach der anderen in die Karre warf, warum er heute schon hier sei und nicht, wie geplant, erst morgen. Er erzählte etwas von verbuchtem Flug und gewissen, privaten Geschehnissen in England. „Du scheinst dich ja nicht wirklich zu freuen.“ schloss er trocken, hielt inne und stütze sich auf die Gabel. „Wir sind in Arbeit abgesoffen, Dave.“ antwortete ich, sah ihn an und war jetzt wirklich verärgert. Was dachte er sich? Dass er sich nur 2x bei Tom meldet in den ganzen drei Wochen und dann einfach hier aufschlägt und alles völlig in Ordnung ist? Ich atmete durch und warf die letzte Gabel aus Skadis Box in die Karre. „Wir werden zur weiteren Unterstützung zwei weitere Angestellte einsetzen, Leo bekommt wegen seiner guten Leistungen eine Festanstellung und die Wohnung von Susan.“ Bei letzterem drehte ich mich um und sah ihn an. Er wirkte verletzt und merkte erst jetzt, wie sauer ich eigentlich war. „Wir sind in Arbeit abgesoffen, Dave.“Ich knallte ihm den Satz ohne große Emotion. Damit ging ich aus der Box, drehte die Karre und wollte los zum Misthaufen. „Das mit den Pferden hat geklappt.“ meinte er jetzt eisig. Natürlich. Er mauerte, zog sich zurück und war beleidigt. Ich hielt inne. „Wann sollen sie kommen?“ fragte ich jetzt, wieder die nüchterne Geschäftsfrau und Chefin, die ich eigentlich war. „Am Wochenende. Ich werde alles fertig machen, ich habe eben mit Tom gesprochen. Auch, was das Jubiläumsturnier angeht.“ Wenigstens darum musste ich mir keine Gedanken mehr machen. Eigentlich war Dave ganz in Ordnung und ein wahnsinnig guter Mitarbeiter. Wenn er denn kein Chaos gestiftet hätte, bei Susan – und mir. „Weiß er, dass du mitisst?“ fragte ich und rang mit doch ein leichtes Lächeln ab, streiten hasste ich wie die Pest und er würde dann viel eher wieder auf mich zukommen. Aber ich hatte mich geirrt. „Nein, ich werde heute auswärts essen. Ich bin morgen zum Frühdienst wieder da.“ Mir fror das Lächeln regelrecht ein, ich war aber recht schnell wieder Herr meiner Sinne und quittierte das nur mit einem „Ok, ist gut.“ Ich wollte die Karre gerade wieder anschieben, da meinte er, dass er von Tom auch das mit Idefix erfahren hatte. „Es tut mir ehrlich Leid, Luisa.“ „Lass gut sein. Ich will nicht drüber reden.“ So ließ ich ihn stehen.
      Es war still am Abendtisch, keiner sprach oder scherzte herum, wie es trotz dem ganzen Stress die letzten Tage der Fall war. Ruhig sprachen Tom und Mia mit uns anderen die Einstellung der neuen Leute ab und wir entschieden, dass wir alle zusammen die Leute sichtigen würden, damit sie auch auf den Hof passen würden. „Noch ein paar Frauen wären nett. Mia und Luisa seh ich ja kaum...“ witzelte Willi und lockerte damit dann doch die Stimmung. „Zarin geht’s übrigens wieder richtig gut, man sieht kaum mehr was, dass er mal kurz vorm Schlachter war.“ meinte er dann zu mir und ich nickte. Wenigstens dieses Sorgenkind hatte jetzt endlich die Kurve bekommen. „Wer weiß Willi, vielleicht geht er als Deckhengst doch noch auf Reisen. Aber jetzt peppeln wir ihn auch reiterlich erstmal wieder auf.“ „Wenn du magst, würde ich damit morgen gerne anfangen.“ Tom kam in letzter Zeit viel zu kurz, konnte kaum in den Sattel steigen und seiner Leidenschaft, der Dressur, nachgehen. „Ich glaube, das wäre das allerbeste, du hast ihn stärker unter Kontrolle. Und dann nimmst du dir den Rest des Tages frei, kümmer dich mal wieder um Reykja. Ich mag das morgen mit dem Büro. Brauch mal ne Pause.“ Er lächelte dankbar, er machte gerne Bürozeug, aber war auch gern draußen. Dann sprachen wir auch für die anderen die morgige Tagesplanung durch.
      Zwei Tage später wachte ich mit den ersten Sonnenstrahlen auf. Es war noch dämmrig, ich konnte gerade die Umrisse meines Zimmers erkennen. Heute sollten die beiden Pferde Solsikke und Candy Fireflies ankommen. Erstere, eine Knabstrupperstute, war mir unbekannt, Fireflies allerdings hatte ich vor Jahren schon mal als Fohlen auf einer Schau gesehen und ich war wirklich überrascht, als ich seinen Namen auf den Papieren entdeckte. Ich drehte mich nun vorsichtig um, damit ich Idefix nicht versehentlich weckte. Es wurde langsam immer heller und meine Befürchtung wurde mit jedem Lichtstrahl mehr Realität. Er hatte sich mit dem Rücken zu mir an mich gekuschelt, sein Kopf lag auf den Vorderpfoten, er hatte sich eingerollt und die Augen geschlossen. Ich streichelte ihm das weiche Fell, sein Körper war noch warm, aber viel kühler, als ich ihn über all die Jahre kannte. Auch hob und senkte sich sein Brustkorb nicht mehr, er schnarchte nicht mehr leise vor sich hin und schien doch so zufrieden wie ewig lange nicht mehr. „Mach´s gut mein Kleiner.“ flüsterte ich, drückte mein Gesicht in sein Fell und fing leise an zu weinen.
    • Muemmi
      Teilnahme SK 450 | erfolgreiche Krönung

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      Kür
      Ich war unglaublich aufgeregt, als wir in die Halle gerufen wurden. Ich hatte Amber bei der letzten Gelegenheit an der SK 450 gemeldet und hoffte nun, dass sie gute Chancen haben würde. Sie war schon fast zwei Jahre bei mir und für ihre acht Jahre im Springen sehr sehr gut ausgebildet worden. Auch hatte Amber einige Schleifen eingeheimst. Wir ritten bei kühlen Temperaturen in die Halle ein. Ich war etwas panisch, hinsichtlich der vielen Zuschauer, doch Amber schien es nicht größer zu stören. Sie spitzte zwar ihre Ohren und kaute etwas nervös auf dem Gebiss, aber blieb ansonsten unangespannt unter mir. Als wir auf X ankamen, grüßten wir standardmäßig die Richtiger und gingen von dort aus im Trab auf die linke Hand, ritten eine ganze Bahn, auf den oberen Zirkel und galoppierten an. Ich ließ Amber durch die Bahn mit einem fliegenden Wechsel queren und ging am Bahnpunkt in Arbeitstempo Schritt. Sie schnaufte, sie mochte die Halle schon jetzt nicht mehr wirklich. Amber war viel lieber auf dem freien Platz oder im Gelände, trotz des Trainings mochte sie Hallen nicht besonders. Erneut ließ ich sie auf den unteren Zirkel gehen, trabte an und verlängerte den Trab auf der langen Seite der Halle. Erneut ging ich in Arbeitstempo Galopp und war damit auf der rechten Hand. Auf der anderen langen Seite ritten wir zwei große Volten, bevor ich Amber mehr Zügel gab und sie auf die drei Kreuze in der Mitte der Halle lenkte. Sie war jetzt sehr aufmerksam und ich lobte sie leise, als sie artig über die Stangen sprang, als wir erneut auf die linke Hand gingen und ich sie etwas zurück nahm. Ich holte sie zurück in den Trab und saß aus. Dann ritt ich eine Traversale, etwas, was wir erst vor kurzem angefangen hatten, in Perfektion zu üben. Die Richter wussten, dass sie ihre Stärken eher im Springsport hatte. Ich klopfte ihr den Hals, als wir im Schritt am langen Zügel von der linken Hand auf die Mittellinie abbogen und auf X hielten. Ich neigte meinen Kopf und ließ die Hand nach hinten fallen. Dann fingen die Leute an zu klatschen. Amber spitzte die Ohren, meine Worte ließen sie dort stehen bleiben, wo sie war. Langsam verließen wir die Halle und uns traf die tiefstehende Sonne im Gesicht. Wir hatten es geschafft!

      (c) Muemmi | 2228 Zeichen | lettercount.com

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    • Muemmi
      Pflegebericht August 2017

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      ~ Beschreibung der Protagonisten ~

      (c) Muemmi | 17300 Zeichen | 16. August 2017
      Aus der Sicht von: Luisa Goeke
      Bericht gilt für: Medivh, Candy Fireflies, Amber, Mon Amie

      Gähnend drückte ich den Knopf am Automaten und hatte sofort den Duft von frisch gebrühtem Kaffee in der Nase. In schwarzer Reiterhose und dunklem Longshirt gekleidet stand ich relativ früh an diesem Morgen in der Küche und richtete das Frühstück für uns alle her. Dann ging ich hinaus in den Flur und nahm die Briefe von gestern mit ins Bürozimmer. Es war noch ziemlich dämmrig, die Sonne kam an diesem verregneten Augusttag nicht durch die Wolken. Sogar einige Nebelschwaden zogen über die etwas weiter entfernten Koppeln, die man vom Schreibtischfenster durch die Stallungen hindurch sehen konnte. „Ist ja wie im Herbst.“ jammerte ich und mir fuhr ein Stich durchs Herz. Fast hätte ich „Dein Lieblingswetter, Idefix“ drangehängt. Es war jetzt über einen Monat her, dass mein Kleiner friedlich eingeschlafen war und doch fehlte er mir immer noch, wie am ersten Tag.

      Plötzlich hörte ich es draußen rumpeln. Ich drehte mich um und ging zurück zur Haustür. „Zieh dir später was Warmes an, draußen ist es saukalt. Knappe 9 Grad.“ Willi hing seine Jacke an den Haken im Flur und rieb sich dann die Hände. „In der Küche ist frischer Kaffee“ murmlte ich und wir grinsen uns beide an. „Frischer Kaffee klingt super!“ Dave kam gerade die Treppe runter und wirkte erstaunlich gut gelaunt. „Du schon so früh wach?“ neckte ich ihn und gehe mit beiden in die Küche. Sein leicht verwunderter Blick, aber anschließendes Lächeln blieb von mir nicht unbemerkt. „Wann wollt ihr beiden starten?“ fragte ich ihn, der sich drei Tassen aus dem Hängeschrank nahm und diese dann für uns alle füllte. „Leo ist grade auf, in ungefähr einer Stunde wollen wir verladen haben und los.“ Heute stand für die beiden Jungs ein Militaryturnier an. Dave würde mit seinem Schimmelhengst Medivh starten, der in diesem Jahr die beste Saison der Pferde auf Naundorf hinlegte und Leo würde mit seinem Hengst Candy Fireflies teilnehmen. Er war mittlerweile ein sehr guter Reiter und mit Feuereifer dabei, sein eigenes Pferd zu trainieren und selbst besser zu werden. „Morgen!“ flötete dieser auch, als er 10 Minuten später in die Küche kam und rieb sich den Schlafsand aus den Augen. „Hmmm, Kaffee...“ Er grinste und ich drückte ihm die Tasse in die Hand, die ich für ihn aus dem Hängeschrank genommen hatte. „Danke.“ Er schenkte sich ein und setzte sich dazu. „Wo sind Tom und Mia?“ Ich antwortete nicht auf Daves Frage und strich mir unbeteiligt eines der Brötchen. Auch die anderen schwiegen, Willi zuckte nur mit den Schultern und verschwand dann zum Stalldienst. Dave hatte als Einziger noch nicht wirklich die Beziehung zwischen den beiden erkannt, da sich das Ganze langsam entwickelt hatte, als er in England war. Keiner der beiden hatte es bis jetzt offen zugegeben und sie achteten darauf, sich nicht von irgendjemanden eindeutig erwischen zu lassen, aber zwischen den beiden knisterte es gewaltig. Der Altersunterschied von knapp 20 Jahren war den beiden dabei vollkommen gleich. Mich freute das Glück, das Mia und Tom hatten und sagte nichts dazu. Ich kannte die beiden, sie würden nicht streiten, wenn es in die Binsen ging. Oder sich so anschweigen wie Dave und ich. Seit der Sache mit Susan gingen wir uns eigentlich aus dem Weg, redeten aber ganz normal miteinander, wenn es sich nicht vermeiden ließ. Ich fragte mich dabei immer wieder, was ich mir denn erhofft hatte, er hatte mir nichts versprochen oder mir gar eindeutig Avancen gemacht. Dennoch schien etwas zwischen uns zu schweben, dass wir beide nicht ansprechen wollten, uns aber belastete. Manchmal fragte ich mich, ob ich nicht wirklich Schuld am Abbruch von Susans Lehre bei uns auf dem Zentrum hatte.

      „Packt zusammen, sonst kommt ihr zu spät los, ich räum ab.“ meinte ich und wünschte den Jungs viel Erfolg. „Seid bitte vorsichtig, es hat heute Nacht ordentlich geregnet!“ warf ich noch hinterher, doch die zwei hörten bei sowas gern weg. Wenn Dave und Leo etwas zusammen machten, wurden beide zu verspielten, albernen Kindern. Dass bis jetzt noch nichts passiert war bei deren Blödsinn, schob ich nur auf deren unverschämtes Glück. Erst vor drei Wochen war ein Heuballen vom Speicher gestürzt und hätte Leo dabei fast überrollt, weil die beiden nicht bei der Sache waren. „Guten Morgen.“ murmelte Mia lächelnd, als sie kurz vor Tom in die Küche kam. „Guten Morgen“ Ich lächelte ebenfalls, Mia strahlte ein solches Glück aus, das einen sofort selbst ansteckte und die traurigen Gedanken meinerseits sofort auf die Seite schob. Sie schmierte sich nur schnell ein Nutellabrötchen und stürzte ihren Kaffee. „Ich hab Willi versprochen, heute auf den äußeren Koppel zu helfen.“ „Ich werde gleich nach dem Stalldienst dazu kommen, Tom ist ja heute unterwegs.“ Sie lächelte, bejahte und verließ dann die Küche. Ich fing an zu spülen, als dann auch Tom langsam eintrudelte. Er hatte heute nicht viel auf dem Hof zu tun, da er später zu einem Futterlieferanten fahren und sich anschließend zwei Pferde zum Trainieren ansehen würde. „Luisa… Ich muss was mit dir besprechen.“ fing er dann nach ein paar Minuten an und schien sich dabei sichtlich schwer zu tun. „Geht es um Mia?“ fragte ich ruhig und vorsichtig und sah ihn lächelnd an. Es schien sich ein großer Brocken bei ihm zu lösen, denn er nickte und wirkte niedergeschlagen. „Ist alles in Ordnung Tom?“ meinte ich und setzte mich ihm gegenüber. „Ja, es ist wirklich mehr als in Ordnung, ich habe nur Bedenken…“ „Was ich davon halten könnte?“ unterbrach ich ihn und er lächelte. „Ich kenne euch beide jetzt eine ganze Weile. Wie ihr miteinander umgeht, vor allem wenn es um die Dressur geht. Ich glaube nicht, dass es noch einmal zu so einer Situation wie mit Susan und Dave kommt.“ „Das hat mir am meisten Sorgen gemacht, dass wir eventuell auf Ablehnung stoßen, weil es dieses Jahr genug Trubel gegeben hat.“ „Mia ist anders Tom. Du bist anders. Selbst wenn es aus irgendwelchen Gründen einmal nicht mehr sein soll, denke ich, macht ihr das um Weiten besser als jeder andere hier auf dem Hof. Natürlich wünsch ich euch das nicht!“ Ich lächelte immer noch und sah ihn direkt an. Er umfasste seine Kaffeetasse und wirkte jetzt so ausgelassen und glücklich wie Mia zuvor. „Genieß es einfach. Ich bin die Letzte, die was dagegen hat!“ meinte ich, stand auf und verräumte die restlichen Sachen. Das hatte ja lange gedauert, bis er es offen zugibt, dachte ich mir. „Und du? Habt ihr, Dave und du, mittlerweile miteinander geredet?“ fragte er dann vorsichtig, obwohl er das eigentlich nicht musste. Tom konnte sich nicht genauso einfühlen wie Mia, aber ich konnte Eins und Eins zusammen zählen, dass sie sich ihm anvertraut hatte, wie sehr es mich tatsächlich belastete. Böse war ich ihr nicht, die beiden waren jetzt meine Familie. „Nein.“ Tom schwieg. „Ich würde heute Abend gerne unser beider Pläne zur Teilhabe mit den anderen besprechen. Dabei nehme ich ihn mir auf die Seite. Ich denke, einen besseren Zeitpunkt über das Verhältnis in jeder Art zu reden gibt es nicht… Oder?“ fragte ich und sah ihn hilflos an. Das mit Dave schlauchte mich schon ganz schön. „Ja, ich denke, dass das wirklich eine gute Idee ist. Ich sag es Mia und nehme mir Leo auf die Seite, damit du da in Ruhe reden kannst.“ Er stand auf. „Danke.“ „Ich muss danke sagen.“ Er legte mir eine Hand auf die Schulter, grinste und ging dann leichteren Schrittes hinaus. „Ich bin am frühen Nachmittag wieder hier, bis später!“ rief er noch vergnügt, dann hörte ich die Haustür gehen.

      Ich löschte ein paar Minuten danach das Licht in der Küche und warf mir meine Softshelljacke um. Es war wirklich frisch draußen, als ich über den Hof lief und den Stalldienst mit dem Misten begann. Die Pferde hatten eben fertig gefressen, Mia und Willi führten die ersten gerade hinaus auf den Sandplatz. Es hatte heute Nacht so geregnet, dass wir die Pferde nicht auf die Koppel lassen wollten, damit sie sich nicht verletzen konnten. Das schonte anbei auch die Grasnarbe und damit die gesamte Koppel. Kurz danach rumpelte hinten im Hof der Hänger, ein Motor wurde angelassen und es knirschten die Reifen, bis man schließlich nichts mehr hörte. Die Jungs waren jetzt also unterwegs. „Hoffentlich reiten sie heute mal etwas vorsichtiger, bei dem Boden…“ Dann schob ich die Mistkarre zur nächsten Box.

      Wir waren bis ca. 9 Uhr mit dem alltäglichen Dienst beschäftigt, die Pferde danach alle glücklich versorgt. Amber und Mon Amie durften ihre Runden in der Führanlage drehen, da sie diese Woche auf Turnier waren und wegen ihrer Muskelkater nur leicht bewegt werden sollten. Dann schwang ich mich auf das Stallmountainbike und radelte zu Willi und Mia hinaus auf die Koppeln. Wir hatten wieder mit einigen Gattern am Rand des Kiefernwaldes zu kämpfen, da alte Zweige herab gestürzt waren und einige Lattungen gebrochen hatten. Einfach zurechtschneiden durften wir die Bäume am Rande laut Gemeinde nicht ohne Weiteres. Zudem brauchten wir dafür ein spezielles Team, da die Kiefern teilweise mehrere Meter hoch waren. Tom hatte sich erst letztens wieder fürchterlich darüber aufgeregt, weil es uns jedes Mal Geld und Zeit kostete. „Ich kann das Gatter langsam nicht mehr sehen…“ fluchte Willi und wir hieften es zu dritt aus der Angel.

      Nach gut 2 Stunden waren wir endlich mit den nötigen Reparaturen und dem Kontrollgang fertig, Hände und Stiefel voller Schlamm und Dreck. Es fing nun leicht zu nieseln an und wir waren froh, als wir mit dem Abladen und Verräumen des Werkzeuges fertig waren. Willi fuhr den Traktor rückwärts unter den Unterstand und drehte dem gerade die Zündung ab, als wir einen Wagen schlittern hörten. Zeitgleich ertönte im Haupthaus das Telefon.

      „Das ist Tom!“ rief Mia. In ihrer Stimme schwang Panik mit, irgendetwas stimmte nicht. Willi sah mich ebenfalls geschockt an. Tom bretterte niemals mit seinem alten Audi, schon gar nicht bei schlechtem Wetter oder gar auf dem Hof. Er legte quasi mitten in der Einfahrt eine Vollbremsung hin, zog die Handbremse und nahm nur den Gang raus. „Luisa!“ brüllte er aus vollem Hals. Mir wurde ganz anders. Er war nicht wütend, seine Stimme überschlug sich zu sehr. „Hier, ich bin da!“ Mia und ich rannten auf ihn zu. Er war blass und kam uns entgegen. „Leon hat mich gerade angerufen. Dave. Er ist gestürzt.“ „Oh mein Gott.“ Mia schlug sich die Hand vor den Mund, während mir auf einmal komplett schwarz vor Augen wurde. Dave. „Ich war auf der Hauptstraße, da hat mich Leo per Handy erreicht, ich bin sofort hier her. Das muss die Turnierleitung sein.“ Er hörte das Telefon ebenfalls schrillen. Willi rannte sofort los ins Büro, Mia, Tom und ich rannten hinterher. „Ja. Sie ist hier. Wir kommen sofort.“ Willi legte auf. „Dave ist auf dem Weg ins Krankenhaus, Medivh ist schwer verletzt, kann aber wohl stehen. Wir sollen sofort kommen.“ Den ersten Schock überwindend sammelte ich mich und sah Tom an. „Ein Hänger ist auf dem Gelände, wir fahren mit einem weiteren hin, falls wir uns trennen müssen. Du und Willi übernehmt das. Mia und ich fahren jetzt sofort rüber, Mia, hol den Notfallkoffer, ich hole die Bandagen und noch eine Decke.“ Tom nickte und eilte davon, Willi erzählte mir kurz und knapp, was am Telefon noch gesagt wurde. „Dave war ansprechbar, als sie ihn verarztet haben, er ist gegen ein Hindernis aus Baumstämmen gekracht. Er muss sich aber einiges gebrochen haben.“ „Oh Gott…“ Ich kämpfte gegen das Gefühl, ins Bodenlose zu fallen. „Medivh steht und kann laufen, mehr haben sie mir nicht gesagt.“ „Danke Willi, versucht so schnell wie möglich nach zu kommen, baut mir aber nicht auch noch einen Unfall!“ Er nickte ernst und rannte dann los.

      „Oh Gott…“ Wie in Trance raffte ich einige Sachen zusammen, nach klares Wasser und Bandagen mit. Mia fuhr meinen Nissan auf den Hof und warf die Notfallkiste in den Kofferraum, als ich gerade zu ihr lief. „Und los!“ „Sicher, dass du fahren kannst?“ „Ja, steig ein.“ Jetzt war ich plötzlich klar im Kopf. „Es wird schon nicht so schlimm sein. Willi meinte, er wäre ansprechbar gewesen, stimmt das?“ „Ja, er muss aber einige Brüche haben…“ Mir fiel sofort sein Lächeln heute morgen ein, als er die Treppe herunter kam und mein Herz zog sich schmerzlich zusammen. Da klingelte mein Handy. „Geh für mich ran.“ „SPZ Naundorf, Andalik für Goeke? Ja. Sie sitzt neben mir. Ja. Gott sei Dank. Ja, ist in Ordnung. Ich werde sie sofort weiterschicken. Gut. Danke, auf Wiederhören!“ Sie legte auf und atmete ruhig durch. „Krieg jetzt keine Panik Luisa, es klang alles soweit gut. Das Krankenhaus, sie werden Dave gleich operieren. Er ist weiter ansprechbar geblieben. Mehr wollte Sie mir am Telefon nicht sagen. Nur, dass er nach dir verlangt hat.“ Ich atmete durch und versuchte ruhig zu bleiben. Es waren nur noch wenige Kilometer bis zum Turnierplatz, die mir wie eine Ewigkeit vorkamen. Ich fuhr viel zu schnell auf den Platz und wurde sofort von einem Security-Menschen angehalten, der mir wild fuchtelnd entgegen kam. Durchs offene Fahrerfenster rief ich ihm zu, dass wir von Naundorf für den Unfall da waren. Er winkte mich sofort weiter in Richtung eines abgelegeneren Platzes. Ein Tierarzt war vor Ort und tastete gerade Medivhs Beine ab, als wir ungefähr 30m entfernt anhielten. „Oh mein Gott…Medivh…“ Mia und ich hatten so etwas noch nie gesehen. Medivh, der wunderschöne Holsteiner-Schimmel stand zitternd und mit gestrecktem Hals da und rührte sich kaum. Sein Hals, Kopf, Brust und die Flanke waren voller Schlamm- und Grasflecken vom Rutschkontakt mit dem Boden. Was uns aber so schockierte, als wir langsam auf die Gruppe zugingen, waren die Wunden am Kopf, der Brust und den Beinen, aus denen hellrot das Blut floß und sein weißes Fell einfärbte.

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      (c) Muemmi

      Eine Helferin säuberte gerade vorsichtig eine Wunde am Kopf, ich merkte sofort, dass Medivh ein Sedativum bekommen hatte, da er keinen Mucks mehr machte. „Er sieht im Ganzen viel schlimmer aus, als es ist, er hat sich nichts gebrochen, nur gezerrt. Meindl mein Name, Sie sind die Leiterin des Hofes?“ Er gab mir nicht die Hand, sondern redete weiter, während er mich kurz ansah und sich dann weiter um Medivh kümmerte. „Allerdings muss er trotzdem schnell in die Klinik…“ Er nickte zu dessen Kopf und mein Blick folgte seiner Aufforderung. Medivh hatte Glück gehabt, er hätte sich auch das Genick brechen können. Später sollte ich erfahren, dass neben dem Hindernis ein Hang mit Kieselsteinen abgegangen war, den Medivh hinunter gestürzt war. Dabei war er mit der linken Seite aufgeschlagen und hatte sich dabei die linke Augenhöhle gebrochen. Er hielt das Lid geschlossen, das nicht mehr ganz an seinem Platz zu hängen schien und einen guten Zentimeter nach unten ging.

      Mia konnte den Anblick ähnlich wie ich nicht länger ertragen und ihr rollten die ersten Tränen über die Wangen. „Danke Doc, wir fahren ihn sofort zu Eddi Canary…Da kommt auch schon der Rest meines Teams.“ stotterte ich. Tom und Willi fuhren langsam mit dem zweiten Hänger im Schlepptau auf uns zu, hielten neben dem Xtrail und kamen dann zu uns. Da hörten wir Leo. „Luisa? Mia?“ Wir drehten uns beide um und sahen in dessen verheultes Gesicht. Eine Sanitäterin begleitete ihn, vermutlich wegen des Schocks. „Gott sei Dank, ist dir was passiert? Alles gut Leo, bleib jetzt ganz ruhig, ich fahre jetzt ins Krankenhaus. Willi nimmt dich mit auf den Hof zurück, ihr zwei werdet Candy Fireflies verladen und in eurem Hänger mitnehmen, in Ordnung? Ich rufe dich an, wenn ich mehr weiß.“ Willi stand neben mir, als ich Leo in den Arm nahm und schickte ihn dann mit ihm mit. „Es muss jemand auf dem Hof sein, kümmer dich um ihn! Ich ruf an!“ nickte ich Willi zu und die beiden eilten davon. Tom hatte währenddessen sein Handy gezückt und telefonierte schon mit Eddi, während Mia dem Tierarzt half und Medivh beruhigte. Der registierte erleichtert, dass bekannte Menschen um ihn herum waren und schien jetzt trotz Schmerzen weniger zu zittern und gelassener da zu stehen. Tom legte auf, Mia und er sahen sich an. „Wir werden ihn rüber fahren, sie hat gerade noch einen anderen Notfall, macht aber den OP bereit.“ „Gut, Luisa, fahr ins Krankenhaus, wir kümmern uns um alles!“ sagte Mia, jetzt gefasst und sich die Tränen aus den Augen wischend. „Ja, fahr zu.“ Ich nickte, sah noch einmal auf Medivh und hatte plötzlich schiere Panik davor, was mich dort erwarten würde. Ich atmete noch einmal kurz durch und ließ dann die Zündung des Geländewagens an.

      Das Krankenhaus lag in Cottbus, von Naundorf aus auf direktem Weg weiter vom Turnier weg. Ich brauchte trotzdem eine halbe Stunde, bis ich auf dem Parkplatz hielt und sah erst da an mir runter. Ich hatte immer noch die schlammigen Schuhe, die Reitsachen und die Softschelljacke an. Ich suchte im Kofferraum auf gut Glück ein paar Ersatzschuhe und wurde tatsächlich mit ein paar Stiefeletten fündig, die ich beim letzten Turnier im Auto vergessen hatte. Ich schlüpfte schnell hinein, warf die Tür zu und atmete durch. Ich konnte es jetzt nicht länger schieben, ich wollte so schnell wie möglich zu Dave, hatte aber auch solche Angst davor.

      An der Info wurde ich sofort weitergeschickt und fand mich dann in einem Wartezimmer auf der Intensivstation wieder. Dort klärte mich eine junge Krankenschwester auf, dass Dave noch immer im OP lag und kümmerte sich darum, dass der behandelnde Arzt von meiner Anwesenheit erfuhr. Und dann begann das Warten, ohne Genaueres zu wissen.
    • Muemmi
      Pflegebericht November 2017

      Es ist Deins

      ~ Beschreibung der Protagonisten ~

      (c) Muemmi | 16317 Zeichen | 31. August 2017 (am 17. Oktober veröffentlicht)
      Aus der Sicht von: Luisa Goeke
      Bericht gilt für: Medivh, Candy Fireflies, Amber, Fleming, Dante, Aquentino, Heros, Checkpoint, Solsikke

      Sportpferdezentrum Naundorf - Brandenburg – bewölkt/teils regnerisch - 9 Grad
      31. August 2017


      Ich zog die Jacke enger und sah die Baumreihe entlang. Die Spitzen der vereinzelten Birken zwischen den Kiefern färbten sich teilweise schon gelb und bestätigten, was sich alle seit dem Temperatursturz im August dachten - der Herbst hielt Einzug.

      Die letzten Wochen waren für uns alle wahnsinnig anstrengend gewesen, wir kamen der Arbeit kaum hinterher und nahmen auch nicht mehr wirklich an Turnieren teil, damit wir die Aufträge nicht vernachlässigten. Die Militarysaison ging langsam dem Ende zu und Leo traute sich seit dem Vorfall nicht mehr wirklich, Candy ans Äußerste zu reiten oder gar mit ihm wieder regelmäßig auf Turniere zu fahren. Er war einmal mit mir zusammen noch auf ein kleineres Springturnier gefahren, doch nur ich nahm eine Schleife mit seiner Zweitstute Solsikke mit. Ich konnte ihn verstehen, auch ich hatte schon viele schwere Stürze miterlebt und war nach einigen genauso "gelähmt". Da Candy dann nicht so ausgelastet war, ließ er sich von Medivh in der Nebenbox mit Dummheiten anstecken und entwickelte eine leichte Zerstörungswut. Ich ließ ihn deshalb lieber mit Fleming, Dante, Checkpoint und Aquentino auf die große Weide, damit er sich austoben konnte. Aber bei Medivh ging das leider immer noch nicht. Er war eineinhalb Wochen nach dem Unfall von Eddis Klinik entlassen worden und kam selbst mit dem Umstand seiner linksseitigen Blindheit erstaunlich gut zurecht. Wir mussten nur darauf achten, dass wir ihn vorsichtig ansprachen, wenn wir uns von seiner blinden Seite aus näherten und er sich nicht unabsichtlich die verheilende Augenhöhle irgendwo anstieß. Denn die bräuchte wie jeder Knochen um die sechs Wochen. Er war dazu anfangs angebunden und auch wegen der Schmerzen leicht sediert. Trotz allem kaute er uns vor Langeweile drei Stricke kaputt und riss seine Bürsten an der Boxenwand ab. Einmal pfriemelte er auch die obersten Riegel der Tür auf und wäre uns stiften gegangen, wenn er nicht angebunden gewesen wäre. Als er die Phase überstanden hatte, montierte Willi am Fuß der Tür zwei weitere Riegel, um Medivh am Freigang zu hindern. Wir hatten schon Angst, dass er uns das Weben anfangen würde, aber Leo führte ihn regelmäßig über den Hof und kümmerte sich so gut es ging. Dann nahm sich ihm auch Tom an. Der Schimmel blühte recht schnell auf, als er von Tom regelmäßig vom Boden aus gearbeitet wurde. Er musste sich jetzt nur daran gewöhnen, dass ihm trotz der Blindheit auf einer Seite nichts passieren würde und er mehr auf die Hilfen achten musste, als vorher. Im Militaryspringsport würde er dennoch vermutlich nie wieder gehen können.

      Und das hatte auch Dave erkannt.

      Er lag wegen dem komplizierten Bruch der Schulter und zur weiteren Beobachtung zwei Wochen im Krankenhaus. Er hatte eine Platte eingesetzt bekommen und kurz nach dem Unfall mit Reha anfangen müssen, damit sich die Beweglichkeit nicht weiter einschränkte. Er hatte Glück im Unglück gehabt, er würde wieder reiten können und mit viel Physio und Übung auch wieder Springen. Ganz der Alte allerdings würde auch er nicht mehr. Und auch das hatte er mittlerweile begriffen.

      Das Krankenpersonal ließ mich nach dem Unfall erst mehrere Stunden nach der OP zu Dave, da ich keine Angehörige war und unter dem Trubel unterging, dass Dave nach mir verlangt und einem Besuch zugestimmt hatte. Er trug einen dicken Verband um die rechte Schulter, hatte Abschürfungen im Gesicht und am linken Arm. Hinzu kam eine Gehirnerschütterung. Der Rest des Körpers war von der weißen Bettdecke des Krankenbettes verdeckt. Mit der Zeit sollten sich Prellungen und blaue Flecken zeigen, aber keiner seiner Wirbel oder anderes war verletzt worden. Ich musste mich zusammenreißen, nicht zu heulen, es zerriss mir fast das Herz, als ich ihn da so liegen sah, die Augen geschlossen, mit eingefallen wirkendem Gesicht und zwei Infusionen im Arm.

      Ich stand auf der linken Seite des Bettes und musste den Impuls unterdrücken, ihm seine längeren, dunkelblonden Haare aus der Stirn zu streichen. Sie waren vom Ritt noch ganz verklebt und fielen ungewohnt in wilden Strähnen um seinen Kopf.

      In dem Moment ging die Tür auf und hinter der Krankenschwester, die regelmäßig nach Dave sah, kam Tom mit ins Zimmer. Wir sagten nichts, wir sahen uns nur an. Ich blickte zurück zu Dave, der sich nicht rührte. Tom sprach ein paar Worte mit der Krankenschwester, wie es um Dave stand. Mehr würde der Arzt morgen wissen. "Komm Luisa. Lass uns heimfahren." Ich nickte, konnte mich aber kaum lösen. Die Schwester verließ das Zimmer und kurz darauf auch wir. Tom legte den Arm um mich und langsam merkte ich, wie erschöpft ich eigentlich war. In der Nacht heulte ich mich das erste Mal seit der Sache mit Susan und dem Bruch zwischen ihm und mir in den Schlaf.

      Am nächsten Vormittag fuhren Leo, Mia, Tom und ich nach dem Stalldienst ins Krankenhaus, Willi würde auf dem Hof die Stellung halten. Dave hatte gerade den Arzt bei sich, als wir eintrafen. Leo ging als Erster ins Zimmer, Tom und Mia folgten. Ich schloss als Letzte die Türe, mein Herz schlug mir dabei bis zum Hals. Wir kamen gerade so an, dass der Arzt mit seinem Bericht fertig war. "Ah, sie kriegen Besuch. Wer von Ihnen ist denn Frau Goeke?" "Das bin ich. Hallo." Ich lächelte den Arzt milde an, als ich aus dem kleinen Gang heraus in Daves Sichtweite trat. Der Arzt kam auf mich zu und entschuldigte sich für das Chaos gestern, die Schwester hätte ihm heute morgen beim Schichtwechsel erzählt, dass ich erst Stunden nach der OP zu Dave konnte und noch später nach Hause gefahren wäre. Dave richtete sich in dem Moment etwas auf. Ich nickte und meinte, dass das vollkommen in Ordnung wäre und bedankte mich bei ihm und seinem Team. Er freute sich und verabschiedete sich dann von uns. Als er die Tür schloss, trat kurzes Schweigen ein. Ich drehte mich zu Dave um und sah ihn jetzt direkt an. "Du siehst noch übler aus als gestern." Ich ging auf ihn zu und lächelte. "Als ich morgens die Treppe runter kam oder nach der OP?" antwortete er matt, lächelte dann aber doch. Wir alle lachten verhalten und Tom meinte, wenn er solche Scherze machen könne, hätten wir uns ja ganz umsonst solche Sorgen gemacht. Leo allerdings nahm das alles ziemlich mit. Er konnte nicht in die Witzelei mit einsteigen. Dave berührte ihn am Arm und meinte dann, dass er ohne ihn gestern aufgeschmissen gewesen wäre. Er könne sich nur an wenig erinnern, aber er hätte mitbekommen, dass Leo uns sofort alarmiert und sich um Medivh gekümmert hätte. Leo nickte und lächelte dann doch. Als Dave Medivh erwähnte, brach er ab und sah Tom und mich schweigend an. Seine Frage, ob sein Hengst in Ordnung war, stand ihm im Gesicht geschrieben. "Er lebt, es geht ihm gut. Eddi kümmert sich derzeit um ihn, ich hab gestern nochmals mit ihr telefoniert. Mia und ich fahren mit Leo gleich weiter und sehen nach ihm." Er nickte erleichtert. Keiner von uns würde jetzt erwähnen, dass der Hengst sein linkes Auge verloren hatte. Tom hatte uns allen an dem Morgen erzählt, dass es nicht mehr zu retten war. Mia und er hatten sich beraten und sich auf Eddis Drängen für die Entfernung entschieden. Gemeinsam haben wir beschlossen, es Dave erst zu sagen, wenn er aus dem Krankenhaus entlassen werden würde und es ihm deutlich besser ginge. Da Dave noch sehr mit der Gehirnerschütterung zu kämpfen hatte, ließen die anderen ihn recht schnell mit mir alleine und fuhren weiter zur Tierklinik. Als sich die Tür schloss und wir nur noch zu zweit waren, wurde mir ziemlich mulmig. Dave sah mich schweigend an und wirkte auf einen Schlag so unsagbar unglücklich. „Hast du Schmerzen?“ fragte ich sanft, meine Stimme deutlich gesenkt, um ihn nicht weiter zu belasten. „Kopf und die Prellungen. Aber es geht schon.“ murmelte er. Er versuchte sich weiter aufzusetzen. „Warte, ich helf dir.“ Ich richtete das Kissen im Rücken, ohne seinen Verband zu berühren, ihm näher als je zuvor. Mich wieder aus der geringen Distanz zu lösen fiel mir wahnsinnig schwer. Er saß jetzt aufrecht im Bett, geschafft, aber soweit in Ordnung. „Ich hab heute morgen mit Tom ein paar Sachen für dich zusammen gerichtet.“ Ich nickte in Richtung der Tasche an der Wandseite gegenüber. „Danke Luisa.“ Er hatte die Augen kurz geschlossen, neigte dann den Kopf nach links und sah mich wieder an. „Was ist passiert?“ fragte ich leise. „Ich Idiot war zu schnell.“ gab er kurz und knapp zu. Er traute sich dabei nicht, mich anzusehen. Dave, der, der immer alles besser wusste und sich immer so sicher war, in dem, was er tat, gab einen Fehler zu. „Wie sehr hast du dir den Kopf gestoßen? Als wenn du jemals zu schnell unterwegs bist…“ scherzte ich. Ich hatte ihn schon tausendmal wissen lassen, dass er mir persönlich zu halsbrecherisch ritt und ich es nicht gerade gut fand, dass Leo ihm in dem Punkt nacheiferte. Wir hatten uns seit Susans Abbruch auf Naundorf mitunter deswegen immer häufiger in den Haaren gehabt, was uns immer weiter auseinander rücken ließ. Er lächelte über die Ironie, aber irgendetwas stimmte nicht mit ihm. Er schien fast gebrochen. „Ich hätte dabei draufgehen können.“ stellte er trocken fest. „Als Medivh wegrutschte und ich abflog, ist mir nur eins durch den Kopf geschossen.“ Er sah mich erst nicht an, dann schluckte er. „Etwas, was ich ewig vor mir hergeschoben habe…“ Mein Herz schlug bis zum Hals, als ich sah, dass er seine linke Hand auf dem Bett öffnete und mir zudrehte. Vorsichtig nahm ich sie und hielt sie fest. Wir sagten beide lange nichts. Draußen fing es an zu regnen. „Wie lang warst du gestern hier?“ fragte er nach ein paar Minuten. „Bis nach Mitternacht. Du warst kurz wach nach der OP, aber daran wirst du dich vermutlich nicht erinnern. Sie haben mich erst gut zwei Stunden danach zu Dir gelassen, als ich ewig lange erklärt habe, wer ich bin. Es war zwischenzeitlich Schichtwechsel, vermutlich ist da dein Wunsch untergegangen.“ Er sagte nichts, schüttelte nur leicht den Kopf. „Ich dachte, du wachst nochmal auf. Aber dann hat mich Tom irgendwann abgeholt.“ Er sagte wieder nichts, drückte einfach nur meine Hand. „Was ist mit Medivh passiert?“ seine Stimme zitterte, er hatte sichtlich Angst, mir diese Frage zu stellen. „Er sah schlimm aus, ist die Böschung hinabgestürzt. Er ist aber ein zäher Brocken, wie sein Besitzer nicht kaputt zu kriegen. Als wir ankamen, hat sich der Tierarzt vor Ort schon um ihn gekümmert, du bist gerade mit dem Krankenwagen weggebracht worden. Er hat ebenfalls viele Prellungen und eine ziemlich große Wunde an der Brust. Aber die Beine sind heil, nichts gebrochen.“ Letzteres war irgendwie gelogen, aber Medivh würde ja wieder vollkommen gesund werden. Er atmete auf und entspannte sich etwas. Ich blieb an dem Tag noch so lange bei ihm, bis er einschlief und hinterließ ihm eine Notiz, dass ich morgen wieder kommen würde und er mir jederzeit eine Whatsapp schreiben könne, falls er etwas brauche. Ich versuchte fortan, jeden Tag ins Krankenhaus zu fahren und neben dem sowieso schon anstrengenden Alltag auf dem Hof Zeit für Dave zu finden. Unser „Streit“, den wir ja eigentlich nie hatten, war wie weggeblasen, es war wieder wie vorher zwischen uns. Er hasste die Physiotermine, weil er ziemliche Schmerzen dabei hatte, aber die Wunde heilte gut und er es schien mir, als würden ihn meine Besuche deutlich aufmuntern.


      Er kam drei Tage nach Medivh zurück nach Naundorf. Ich fuhr ihn alleine abholen, nachdem ich meinen Rundgang von heute morgen beendet hatte. Tom und Mia hatten zu viel mit dem Beritt zu tun und Leo kümmerte sich mit Willi um die Pferde. Mir war nicht besonders gut, als ich auf dem Parkplatz des Krankenhauses hielt. Ich hatte Dave am Vorabend erzählt, dass Medivh erblindet war. Er war geschockt und wütend, aber er registrierte schnell, dass der Unfall nicht nur ihn stark mitgenommen hatte, sondern auch Medivh. Er liebte seine zwei Pferde. Wir redeten lange miteinander, was Eddi dazu gesagt hatte und er stellte viele Fragen. Dennoch war er wahnsinnig geknickt und war dann dementsprechend down. Ihm brach mit Medivh sein stärkster Partner im Military weg. Heros hatte auch viele Erfolge, allerdings war der nicht so mutig und verweigerte deutlich öfter mal im Gelände. Das Springreiten hatte sich jetzt aber für diese Saison sowieso für Dave erledigt. Als ich ins Zimmer kam, erklärte ihm der Arzt gerade die letzten Details und entließ ihn. „Soll ich dir beim Zusammenpacken helfen?“ „Ja, einhändig wird das alles etwas schwer…“ meinte er trocken. Ich musste ihm auch in den Pullover helfen, die Jacke warf er sich auf der einen Seite nur über die Schulter. „Die Tasche kann ich selbst tragen.“ „Ok, dann lass uns nach Hause fahren.“


      Willi winkte uns, als der Wagen auf den Hof rollte. Dave grinste und freute sich sichtlich, wieder auf dem Hof zu sein. Mia hatte für alle gekocht, es tat gut, wieder vollständig am Tisch zu sitzen und miteinander zu reden. Die anderen erzählten wild durcheinander, was alles auf dem Hof passiert war und Dave blühte richtig auf. „Freu dich nicht zu sehr Dave, da du jetzt wieder hier bist, wirst du ab sofort meinen Bürokram übernehmen. Das wird wie Urlaub!“ lachte Tom und Dave schüttelte ebenfalls lachend den Kopf. „Ja, die Arbeit, dachte mir schon, dass ihr mich nicht verschonen werdet.“ Wir lachten und waren richtig gut drauf. Dann löste sich die Gruppe langsam auf.


      Als nur noch Dave, Tom und ich am Tisch saßen kippte die Stimmung allerdings. „Ich spüle ab. Geht ruhig.“ Wir standen auf und liefen schweigend hinüber in den Stall. „Hey mein Großer!“ begrüßte Dave erst Heros, der den Kopf über die Tür streckte und ihm entgegen wieherte. Er streichelte seine Stirn und beide freuten sich sichtlich sich zu sehen. Dann raschelte es in der Nebenbox. Medivh hatte immer noch den blauen Schutzverband am Kopf, solange die Fäden noch nicht gezogen worden waren. Dave sah zuerst dessen rechte Seite und ging langsam auf ihn zu. „Oh Medivh….“ Er streichelte den Hengst vorsichtig am Hals und Kopf. „Eddi wird entweder heute oder morgen die Fäden ziehen. Sie weiß noch nicht, ob sie vorbeikommen kann, sie hat ne schwierige Fohlengeburt.“ murmelte ich und beobachtete die beiden weiter. Dave schwieg und wirkte auf einmal so unfassbar traurig. „Ich lass dich allein, wenn du das willst.“ „Nein, bitte bleib.“ seine Stimme klang gebrochen. Wir schwiegen weiter und standen eine ganze Weile bei Medivh, der sich nach den Streicheleinheiten wieder seinem Heu zuwendete. „Er kommt erstaunlich gut zurecht.“ Stellte er trocken fest und wirkte dann doch beruhigt. „Es geht ihm sonst ausgezeichnet Dave. Du hättest ihn nach dem Sturz sehen sollen… Ich dachte, ich müsste ihn einschläfern lassen.“ Er nickte, wir starrten beide weiter in die Box des Schimmels. „Luisa! Der Tierarzt ist da!“ rief Willi uns plötzlich zu und wir drehten uns beide in seine Richtung. „Ging wohl doch gut…“ meinte ich und wir liefen zusammen nach draußen. Bei der Untersuchung ließ ich Dave mit Eddi allein und kümmerte mich stattdessen um Amber. Sie sollte ebenfalls untersucht werden. Ich kam mit der Cremellostute nach einer guten halben Stunde auf den Innenhof, als Eddi mit Dave zusammen aus dem Stalltrakt der Hengste heraustrat. Die beiden waren in ein Gespräch vertieft, Eddi erklärte Dave auf den letzten Metern zu mir, wie er sich jetzt am besten um Medivh kümmern müsse. „Pass nur auf, dass er sich nicht wetzt, das juckt ziemlich, wenn die neue Haut ganz schließt und das Fell nachwächst. So, hallo Luisa! Na, dann wollen wir mal gleich weiter machen…“ Eddi ging um Amber herum, nachdem sie mir kurz die Hand gereicht hatte und untersuchte die Stute gründlich, tastete sie ab und lächelte dabei. Sie liebte ihre Arbeit und das sah man ihr an. Ich ging ein Stück weg von den beiden zu Dave, der die Stirn runzelte und mich dann doch besorgt fragte, ob mit Amber alles ok sei. Er hatte an ihr einen Narren gefressen, seit er sie bei der Bewerbung damals das erste Mal gesehen hatte. Manchmal zogen die Jungs ihn sogar deswegen auf, selbst ich konnte mir manche Eifersucht auf meine springbegabte Stute nicht verkneifen. „Ja.“ Ich grinste und legte den Kopf schief, als ich ihn ansah. „Nein…“ flüsterte er einen kleinen Augenblick verzögert, er verstand und totale Freude erfasste ihn. Aber was ich dann anhing, als Eddi bestätigend nickte, machte ihn dann zu meiner ganzen Freude komplett sprachlos. „Von Heros… und es gehört dir.“

      Credits: Beschreibung Umgebung zu Beginn (c) Jackie
    • Muemmi
      Pflegebericht Januar 2018

      Großer Pflegebericht für alle Pferde des Gestütes Naundorf
      © Muemmi | 04. Januar 2018 | 15647 Zeichen


      Neubau für die Anwärter des Gestüts
      Uranium Fever | Occani | tc Annakiya | Orchidee´s Nikita | Take a Bow | Chocolate Chip Cookie | CM´s Meilenstein | Valentine´s Candy Fireflies | Al Aasiyah ox | Aquentino | Caja | Checkpoint | Reykja | Solsikke | Taciturn | Webster

      Hauptstall der Zucht
      Cadoc´s Rohdiamant | Amber | EBS Mon Amie | Heros | Medivh | Dante | Fleming | Zarin

      Fohlenweide auf der Lichtung
      SPN Harvey | Thor | Scamander | Painted Minimalistic Art | Elfenlied | Lillifee | Capona | Aufgepasst, hier kommt Arcada | Symphonie de la Bryére

      Gnadenweide
      Efeumond | Oline

      "Hallo Cleo"

      „Du hast was?“ Dave starrte erst mich an und dann auf die Papiere, die ich ihm unter die Nase hielt. „Viel Spaß mit ihr.“ „Luisa, ich…“ „Gern geschehen!“ Ich lachte und ließ ihn gar nicht mehr zu Wort kommen. Unser Verhältnis zueinander hatte sich nach seiner Rückkehr zwar etwas abgekühlt, weil Dave zu mir wieder etwas auf Distanz ging. Aber es war deutlich besser als vor dem Unfall, wir hatten uns seitdem kein einziges Mal mehr gestritten. Ich stand im Büro und ging nachdenklich ein paar Briefe durch, während Dave in der Tür stand und auf die Papiere in seiner Hand starrte. Er lehnte sich mit seiner gesunden Schulter leicht an den Türrahmen und runzelte die Stirn. Von meinem Platz aus sah ich ihm heimlich dabei zu und konnte den Blick kaum abwenden. Was er da studierte war der Kaufvertrag und die Eintragungen, sowie Tierarztbescheinigungen von Uranium Fever. Die Stute war meiner Meinung nach eine unserer besten Errungenschaften in diesem Jahr, die auch ein stolzes Sümmchen gekostet hatte. Aber da sich Dave langsam vom aktiven Reitsport zurückziehen wollte und mehr und mehr Interesse an einer Sportzuchtlinie entwickelte, hatte ich zugeschlagen. Ich wollte ihn unterstützen, wo ich nur konnte. Nach dem Unfall, als er zurück auf den Hof kam, hatte sich eine ganze Weile eine leichte Depression bei Dave eingestellt. Er kämpfte verbittert in der Physiotherapie, hielt sich an die Ratschläge, übte fleißig und brachte sich in das Hofleben ein, wo er nur konnte. Doch obwohl er Tom und mir so viel Arbeit abnahm, irgendwann war auch die erschöpft, während wir anderen mit dem Training der Pferde, dem Misten und den restlichen Arbeiten auf dem Hof schier absoffen. Dave fühlte sich also nach drei Wochen zurück auf Naundorf nutzlos. Er ließ sich dann die ersten Oktoberwochen hängen. Seine Arbeit erledigte er natürlich immer noch und auch zur Physiotherapie ging er regelmäßig, doch jeder von uns sah ihm an, dass es ihm nicht gut ging. Seine Haare wurden immer länger und er ließ sich immer öfter einen Drei-Tage-Bart wachsen. Von mir ließ er sich in dieser Zeit nur bedingt helfen, so richtig ließ er mich nicht an sich heran. Bis Tom die brillante Idee hatte, eine eigene Zuchtlinie aufzubauen.

      Dave und ich saßen an einem Novemberabend zusammen im Büro, während ich das Hoftagebuch für den Tag ausfüllte, als Tom zu uns ins Zimmer kam. Er hatte das Auktionsheft dabei und warf es Dave zu. Dann eröffnete er uns seine Idee, wir saßen bis spät in die Nacht zusammen und unterhielten uns. Ich war glücklich zu sehen, dass diese neue Veränderung Dave wieder ein Leuchten in die Augen zauberte. Er blieb an dem Abend zwar sehr rational und blätterte scheinbar uninteressiert das Heft durch, aber schon am nächsten Tag zeigte er mir eine Stute und fragte, was ich von ihr halten würde. „Die hat keine belegte Abstammung, ist wohl eine gefundene Stute. Aber scheint in Topform zu sein. Als Basis wäre sie vom Exterieur ja genau das, was du und Tom suchen würdet. Aber sie hat damit auch einen sauberen Startpreis“ Er diskutierte noch eine Weile mit mir das für und wider, als er sich dann aufrappelte und an die Büroarbeit machen wollte. Im Flur blieb er am Spiegel stehen und sah sich einen Moment erschrocken an. „Wie seh ich denn aus?“ Ich konnte es mir nicht verkneifen und musste lachen. „Ich fahr später zum Friseur.“ Damit war er aus dem Haupthaus. Ich zog das Heft an mich heran, wählte die Nummer und hatte den Besitzer an der Leitung. Ich sollte an dem Tag das Höchstgebot abgeben und die Stute zwei Tage später unser Eigen nennen.

      Und nicht nur Uranium Fever zog mit zu uns auf den Hof. Anfang Dezember erhielten wir einen Anruf, nachdem ausgerechnet Cadoc´s Rohdiamant aus einer nachlässigen Haltung gerettet wurde. Also fuhren Willi und Tom am selben Tag zu dem einen Hof, an dem Dave und ich Fever holten. Allgemein hatten wir jetzt viele neue Pferde auf Naundorf. Kurz bevor Dave mit Medivh im Sommer gestürzt war, hatte er Chocolate Chip Cookie zu uns geholt. Das Sportpony mit seiner hübschen Färbung wurde jetzt von Leo übernommen und ausgebildet, der mit Candy Fireflies weiterhin unfassbar viele Schleifen und Erfolge sammelte. Die Beiden waren zu einem unglaublich guten Team geworden. Zum Einkreuzen von Vollblut wollten wir uns neben Aasiyah noch eine zweite Vollblutstute holen. Wir hatten jetzt nur noch Interesse an Stuten, da wir mit unseren Hengsten Fleming, Dante, Checkpoint, Aquentino, Webster und Heros genügend Starter hatten, um unseren Plan in die Wirklichkeit umzusetzen. Auch unsere Newcomer wie Painted und Scamander würden auf dem Hof bleiben. Wir überlegten auch, Efeumond zurück auf den Zuchtplan zu holen, um einen Engländer mit einfließen zu lassen. Jedenfalls freuten wir uns, als wir eine zweite Chance erhielten und Anfang Dezember auch Annakiya nach Naundorf holten. Die hübsche Scheckstute war ein wahrer Traum und zeigte sich mit ihrem liebevollen Wesen und ihrem ansprechenden Exterieur von ihrer besten Seite. Mia war ganz hingerissen, die sich um unsere Araber und Vollblüter kümmerte. Tom bildete weiter Reykja und Webster aus, die diese Saison so ihre Probleme mit Erfolgen hatten. Wir konnten uns das nur mit einer sehr starken Konkurrenz in der Dressur erklären, die uns aber nicht daran hinderte, stehts weiter zu machen und weiter auszubilden. Denn die Bestätigung in unseren Leistungen erhielten wir durch die Rückmeldung unserer Kunden und durch den Durchbruch im Springreitsport. Dort hatten wir uns 2017 einen Namen gemacht. Vor den Boxen hingen teilweise so viele Schleifen, dass wir kaum mehr zählen konnten. Vor allem an der von Medivh. Der Hengst hatte in den letzten Tagen seiner Genesung Anzeichen fürs Weben gezeigt. Auch er war wohl vor einer Depression nicht gefeit. Da Dave noch immer in Behandlung war und noch bis ins Frühjahr „Reitverbot“ hatte, übernahm ich Medivhs Beritt. Ich hatte mit einer Freundin lange Telefonate geführt, deren Friesenhengst vor vielen Jahren wegen einer Krankheit erblindet war. Mir ihrer Hilfe drang ich recht schnell zu Medivh durch. Erst vom Boden, dann aus dem Sattel gab ich ihm nach und nach sein Selbstwertgefühl und seinen Mut zurück. Er vertraute darauf, dass er mit seinen Sinnen die einseitige Blindheit ausgleichen konnte und ihm nichts geschah. Er war dennoch etwas schreckhafter seitdem und brauchte viel Liebe und Aufmerksamkeit. Ab dem Moment, als er seit dem Unfall das erste Mal wieder unter dem Sattel ging, stellten sich die Anzeichen des Webens sofort ein. Dave fiel ein Stein vom Herzen.

      In all dem Trubel, brachte Amber still und leise etwas früher als erwartet ihr erstes Fohlen zur Welt. Es war das schönste Zeichen für uns alle, dass es jetzt wieder bergauf ging. Leo hatte den dunklen Hengst, den wir später mit unserem Kürzel SPN Harvey nennen sollten, entdeckt. Er kam in die Küche gelaufen, hechelte und grinste übers ganze Gesicht. „Amber hat gefohlt, es steht grad!“ Dave und ich sahen uns erschrocken an, dann sprangen wir alle auf und liefen hinüber. Willi kam auf dem Weg dorthin auf uns zu. „Wasn hier für ne Hektik?“

      „Oh ist der niedlich!“ flüsterte Mia, die rechts neben mir stand. Links von mir Dave, der lächelnd die halbe Portion in der Box betrachtete. Amber schleckte ihn immer noch sauber, während Tom vorsichtig auf Amber zuging und sie kurz durchcheckte. „Wir sollten später noch einen Tierarzt holen lassen. Aber es sieht alles gut aus.“ „Auch im Abfohlen ist sie ein Naturtalent. Hast du schon nen Namen Dave?“ fragte Leo. Zusammen liefen wir zurück zum Frühstücken, bevor sich Dave um den Tierarzt für Amber und Harvey kümmerte und der Rest von uns den Stalldienst verrichtete. Dabei hatte ich mich an dem Morgen endlich mal wieder für die Fohlen eingetragen. Ich bekam von den Kleinen viel zu wenig mit und sie wuchsen auch viel zu schnell. Scamander hatte schon seine erste Fohlenschauschleife an der Box hängen, Thor war mittlerweile auch zu einem Riesen geworden, Symphonie und Arcada waren mittlerweile auch keine Babys mehr. Die hübschen Stuten würden ebenfalls auf dem Hof bleiben und bald in ihre Grundausbildung starten. Ebenso wie Lillifee, Elfenlied und Capona. Ihr streichelte alle gefühlt stundenlang, putzte ihr Fell, mistete ihre großen Gemeinschaftsboxen und ging die Weiden ab. Es hatte die Tage immer mal wieder geschneit, aber wirklich lange liegen geblieben ist davon nichts. Wir hatten diesen Winter noch nicht wirklich Probleme mit eingefrorenen Wasserleitungen oder Eisschollen auf den Weiden zu tun.

      Als ich bei den Fohlen fertig war, holte ich mir Meilenstein. Die schwarze Stute machte gute Fortschritte bei ihrer Ausbildung. Ich longierte sie am frühen Nachmittag, als Dave wieder aus dem Haupthaus kam. Er hatte einen ziemlich geknickten Gesichtsausdruck. Ich gab Meilenstein ein kurzes Kommando, auf dem sie zu mir herkam, dann liefen wir gemeinsam zum Zaun, an dem Dave jetzt stand und lehnte. „Was ist los?“ „Die Stute, von der ich dir erzählt habe, erinnerst du dich?“ „Ja. Wieso?“ „Sie wurde am selben Tag verkauft. Ich hätte nicht warten sollen.“ „Ach Dave, dann hat es nicht sein sollen.“ Ich war froh, dass er mich in dem Moment nicht ansah, weil ich mich sonst verraten hätte. Willi, Tom und Mia wussten Bescheid, Leo weihten wir noch nicht ein, weil er sich gerne mal verplapperte. Wir sollten sie am nächsten Tag abholen und ich ihm die Papiere in die Hand drücken. „Danke Luisa.“ Dave kam plötzlich auf mich zu und umarmte mich. Als er mich losließ, sahen wir uns kurz in die Augen. Es war eine spontane Umarmung, die so gar nicht zu Dave passte. Er war zwar immer gern auf „Kuschelkurs“, wie es Mia gern nannte, aber eine Umarmung hatte er sich mir gegenüber noch nie getraut. Ich löste das Ganze, indem ich lachte und ihn fragte, was er sich zum Mittagessen überlegt hätte. Er grinste, aber er war dankbar für die Vorlage.

      Mitte Dezember hatten wir endlich wieder Luft für einen gemeinsamen Ausritt. Normalerweise machten wir das immer an einem Sonntagvormittag nach dem Stalldienst im Monat, aber wir hatten einfach zu viel zu tun. Leo ritt auf seiner Solsikke, die sich immer besser mit ihm machte. Tom hatte sich Zarin genommen, Mia auf Mon Amie und ich auf Fleming. Die beiden Hengste waren trotz ihres Deckeinsatzes sehr umgänglich und ließen sich gut führen. Fleming war unter mir sowieso ein kleines Schäfchen. Dave lag in der Woche nach Leo flach. Willi ritt sowieso nicht mit und da er auf dem Hof blieb, hustete Dave so lange, dass wir Spaß haben sollten, bis wir alle aufbrachen. Er fehlte trotzdem, obwohl ihn Leo nacheiferte. „Bis zur Tanne!“ rief er, da stob Tom mit Zarin schon an ihm vorbei. Ich hatte lange nicht mehr über so einen verdutzten Blick gelacht. Als wir zurückkamen, trabte Take a Box einmal quer über den Hof. Dann Willi direkt hinterher. Tom schnitt ihm mit Zarin gleich den Weg ab und packte sich den Hengst. Wir anderen mussten nochmal herzlich lachen. Er hatte sich gerade um Taciturn und den wilden Ausreißer gekümmert. „Wie geht’s Dave?“ „Der hat sich vorhin hingelegt.“ meinte Willi, schnaufte schwer und kam dann mit uns zurück zum Stall, Take im Schlepptau.

      Und natürlich feierten wir dann auch Weihnachten. Wir machten ein richtig fettes Raclette, jeder hatte eine Kleinigkeit für jeden und wir stießen zusammen an. Tom und Mia zogen sich im Laufe des Abends dann irgendwann zurück, Willi hatte zu unser aller Überraschung eine geheimnisvolle Verabredung und Leo fuhr hinüber zu seinen Eltern. Dave und ich blieben dann natürlich als Einzige in der Küche zurück. Es war das erste Weihnachten ohne Idefix, der mir in den letzten Tagen so unglaublich fehlte. „Sollen wir nochmal eine Runde über den Hof gehen?“ fragte er und so liefen wir nebeneinander über den dunklen Weg der Weide zu den Fohlenställen. Wir sahen auch noch einmal nach Harvey. Doch die Lücke schloss sich einfach nicht. „Luisa…“ Mir kullerte eine Träne über die Wange, die ich sofort wegwischte. Jetzt kam er gewollt auf mich zu und nahm mich fest in den Arm. „Danke.“ murmelte ich. Gemeinsam gingen wir zurück zum Hof.

      „Luisa!“ Es war Silvester und ich saß gerade im Büro, als Leos Ruf vom Hof schallte. „Ist was passiert?“ rief ich aus dem Fenster. „Schau mal!“ Im selben Moment fuhr Dave in einer kleinen Kutsche um die Ecke. Über die letzten zwei Nächte hat es richtig ordentlich geschneit. Er hatte Occani und Nikita angespannt. „Komm raus aus dem Büro, wir machen ne Spritztour!“ Tom kam im selben Moment hinter mir rein. „Raus mit dir.“ Er lächelte. „Also keine Wahl?“ „Nö“ Ich zog mir meine warme Jacke und die Lammfellstiefel an. Dave grinste übers ganze Gesicht, als ich mich zu ihm setzte und mit der Zunge schnalzte. Die Kleinen hatten ziemlichen Spaß dran, uns hinter sich her zu ziehen und sahen auch echt knuffig aus. „Wo hast du bitte die Welsh-Kutsche her? Sowas hatten wir zu Hochzeiten der Zucht nicht.“ „Ach, hab da ein wenig telefoniert.“ feixte er. „Gehört der dir jetzt?“ „Ja, kann man so sagen. Müssen wir leider öfter fahren jetzt.“ „Was für eine Schande.“ Wir sahen uns an und lachten.

      Mitten auf der Lichtung hinter halb der Rennbahn hielten wir kurz an. „Magst du ne Tasse Tee?“ Dave drehte sich um und deckte die Ablage ab. Darunter kam ein kleiner Korb mit einer Thermoskanne und einer Schachtel meiner Lieblingskekse zum Vorschein. „Oh, was für ein Luxus! Jetzt mal ehrlich, was hast du ausgefressen.“ Ich lachte, weil er mich verdutzt ansah. „Du kennst mich langsam etwas zu gut, befürchte ich.“ „Kann sein ja.“ Ich grinste immer noch. „Naja, ich dachte, ich räche mich mal für die Aktion mit Uranium Fever.“ „Rächen, ja?“ „Ja, das war echt gemein!“ „Stell dir vor, du hättest es viel eher erfahren und wärst viel länger geknickt gewesen, war ja nur ein Tag.“ „Trotzdem, ihr wusstet alle Bescheid!“ „Na dann… Jetzt bin ich gespannt.“ Da tauchte hinter uns plötzlich ein schwarzer Geländewagen auf und hielt mit einigen Metern Abstand. Eine Frau stieg aus, die ich von irgendwoher kannte, aber mir fiel nicht sofort ein, woher. „Warte hier.“ Er drückte mir die Zügel in die Hand und lief auf die Frau zu. In mir machte sich ein komisches Gefühl breit. Die Frau lief hinter den Wagen und holte etwas aus dem Wagen. Sie drückte das Packet in Decken gewickelt in Daves Arme, schloss die Klappe und verabschiedete sich wieder. Langsam ging Dave auf mich zu und erst nur noch einige Meter von mir entfernt begriff ich, was er da trug. Ein hübscher, hellbrauner Hundekopf sah aus der Decke heraus und da legte mir Dave die Jack Russel Hündin schon in den Schoß. Die sah erst Dave an, dann mich und versuchte mir das Gesicht abzuschlecken. „Ihh, lass das doch, du Süße! Hi! Wer bist du denn?“ Ich sah Dave verwirrt an, der sich jetzt wieder neben mich gesetzt hatte. „Ihr Name ist Cleo. Eigentlich müsste sie einen mit „I“ tragen, wie ihre Mama… Ida.“ „Verarsch mich.“ „Nein, ist so.“ Ida war im letzten Wurf von Idefix Welpen die einzige Tochter. Sie hatte ihrem Papa sehr ähnlich gesehen. Nach seinem Tod musste ich immer wieder an sie denken und hatte es sehr bereut, keinen seiner ganzen Welpen für mich behalten zu haben. Jetzt erkannte ich auch im Nachhinein die Frau, sie hatte Ida damals gekauft. „Oh Dave…“ Ich streichelte Cleos Fell und wischte mir die Freudentränen aus den Augen. Die Kleine war herzzerreißend niedlich. „Dankeschön.“ flüsterte ich und sah ihn an. „Damit du 2018 wieder mehr lächelst. Ich hab gemerkt, wie sehr dir Idefix fehlte an Weihnachten. Cleo ist kein Ersatz, das weiß ich, aber…“ Weiter kam er nicht. Ich hatte mich zu ihm rüber gelehnt und ihn auf die Backe geküsst. „Danke, wirklich.“ Er wurde rot, sah mich direkt an – und küsste mich dann richtig.
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    Sportpferde Naundorf - Stutenweide
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    1 Juli 2018
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    Abstammung

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    Von Rasmuson
    Von Rominko Aus der Eflain

    Von unbekannt Aus der unbekannt | Von unbekannt Aus der unbekannt

    Aus der Atlanta
    Von Jadedrache Aus der Arminia

    Von unbekannt Aus der unbekannt | Von unbekannt Aus der unbekannt


    Exterieur
    ¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯
    Stute
    24.03.2009 | 8 Jahre

    Rasse: Dänisches Warmblut
    Stockmaß/Endmaß: 172cm
    Gewicht: 510kg
    Fellfarbe: Cremello
    Geno: x


    Interieur + Beschreibung
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    Verhalten in der Box: Neutral
    Verhalten auf der Weide: Neutral


    Charaktereigenschaften:

    Ausgeglichen, Aufmerksam, Intelligent, Sozial, Ruhig, Lieb, Stark

    Amberist als reinrassiges Dänisches Warmblut und Teilnehmerin Jolympias 2015 Luisas Hauptstandbein in der Sportpferdewarmblutzucht.
    Ihr außergewöhnliches Jacket und ihr liebes Wesen machen sie zu einer ausgesprochen guten Partie, ihr Ehrgeiz und Lernwille im Springreiten zusätzlich interessant.
    Anfangs noch mit Startschwierigkeiten ist Amber jetzt ein volles Mitglied der Herde, verhält sich unauffällig und öfters mal abseits.

    Weide: Stutenweide
    Unterbringung: Box/Weide

    Einstreu: Sägespäne
    Futtersorte: Kraftfutter, Saftfutter, Heu
    Fütterungszeiten: morgens und abens


    Besitzer: Muemmi
    VKR/Ersteller: Muemmi


    Qualifizierungen + Erfolge
    ¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯
    Schleifenaufstieg Trainingsaufstieg Potential
    Oben = Joelle Qualifikation | Unten = Qualifikation durch TB's

    Dressur E A L M S
    Lektionen der Dressur: E A L LM LP M S

    Doma Classica: WE WA WL WM WS
    Alta Escuela: WE WA WL WM WS
    Doma Vaquera: WE WA WL WM WS

    Springen E A L M S S* S** S***
    Show Jumping: E A* A** L M* M** S* S** S***

    Military E A L M S
    Geländestrecke: CIC/CCI* CIC/CCI** CIC/CCI*** CIC/CCI****
    Eventing (British Eventing, national): BE80(T) BE90 BE100 BE100Plus Novice Intermediate Advanced Intermediate Advanced

    Wendikeit E A L M S

    Distanz E A L M S
    Distanzritte: EL EVG1 EVG2 EVG3 EVG4 CEN* CEN** CEN***


    ¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯
    Offiziell
    143. Synchronspringen | 146. Synchronspringen | 149. Synchronspringen | 175. Synchronspringen
    176. Synchronspringen | 179. Synchronspringen | 182. Synchronspringen | 184. Synchronspringen
    188. Synchronspringen | 189. Synchronspringen
    441. Fahrturnier
    RS 61 Working Equitation
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    Inoffiziell
    -

    Gewinnsumme: x


    Ausbildung + Zuchtdaten
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    Trainingsplan
    Fohlen ABC ✔ | Eingeritten ✔ | Eingefahren x

    Springpferdeausbildung (ab 3 Jahre)
    Einreiten ✔ | Hindernisgewöhnung ✔ | Stangenarbeit ✔ | Gelassenheitstraining ✔

    Dressurpferdeausbildung (ab 3 Jahre)
    Einreiten ✔ | Stangenarbeit ✔ | Gelassenheitstraining ✔


    1 = Sehr gelassen, 6 = schlechtes / unsicheres Verhalten
    ● Angeboren
    Antrainiert Prüfung Abgeschlossen


    Fremde Umgebungen: 6 5 4 3 2 1
    Platz/Halle: 6 5 4 3 2 1 ✪
    Hufschmied: 6 5 4 3 2 1 ✪
    Tierarzt: 6 5 4 3 2 1
    Wasser: 6 5 4 3 2 1
    Gelände: 6 5 4 3 2 1 ✪
    Straßen: 6 5 4 3 2 1

    Stangenarbeit: 3 2 1 ✪
    Longenarbeit: 3 2 1 ✪
    Verladefromm: 3 2 1 ✪

    Schrecktraining: 3 2 1

    Bodenarbeit
    Treiben + Bremsen ✔ | Rückwärtsrichten ✔ | Durchparieren, Antraben/Galoppieren, Halten ✔
    Abstand halten ✔ | Wenden + Handwechsel ✔ | Abruf ✔

    Freiheitsdressur / Zirzensik
    Kompliment ✔ | Knien x | Liegen x | Sitzen x | Stehen x
    Rückwärtsrichten ✔ | Spanischer Schritt ✔ | Spanischer Trab x
    Passage x | Piaffe x | Seitengänge x | Traversalen ✔ | Fliegender Wechsel ✔ | Pirouette x
    Steigen (undefiniert) ✔ | Levade ✔ | Pesade x | Ballotade x | Croupade x
    Kapriole x | Courbette x | Lancade x


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    Pferdepass

    Schleife

    SK 450
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    Zur Zucht zugelassen: ja
    Eingetragene Zucht: Gestüt Naundorf
    Züchter/Herkunft: Dänemark

    Nachkommen
    0/5


    Gesundheitszustand
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    Letzter Tierarztbesuch: April 2017

    Letzte Zahnpflege (jedes Jahr) April 2017

    Wurmkur (jedes Jahr) April 2017
    Tollwut Impfung (jedes Jahr) April 2017
    Tetanus Impfung (alle 2 Jahre) April 2017
    Influenza Impfung
    (alle 6 Monate) April 2017
    EHV-1 + EHV-4 (alle 6 Monate) April 2017


    Gesamteindruck: sehr gut
    Aktue Krankheit/en: keine
    Chronische Krankheit/en: keine
    Erbkrankheit/en: keine


    Letzter Hufschmiedbesuch: April 2017
    Ausgeschnitten/Korrigiert: Ausgeschnitten
    Hufbeschaffenheit: sehr gut
    Hufkrankheit/en: keine

    Beschlag vorne: Eisen
    Beschlag hinten: Barfuss


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    PNG | Puzzel PNG | Offizieller Hintergrund