Calypso

Adrenaline - Stute - 14 Punkte •

Im Besitz seit Januar 2019

Adrenaline - Stute - 14 Punkte •
Calypso, 10 Jan. 2019
sadasha gefällt das.
    • Calypso
      Alte Berichte:
      "Heyho, ist hier wer?", rief ich in den Stall hinein und überraschenderweise antwortete mir sogar jemand. "Jup, ich bin hier!" Sofort erkannte ich Eliis Stimme und ich schob die Stalltür etwas mehr bei Seite, damit mehr Licht auf die Stallgasse schien. Ich wollte endlich Jazz abholen, die Stute, die ich schon vor längerem gekauft hatte. Gestern hatte ich meinen Hänger repariert und heute wollte ich die Papiere unterschreiben und sie in ihr neues Heim führen. Elii hatte die ältere Stute von der Vorbesitzerin gerettet, da sie dort nur auf der Weide stand und nur ein paar Mal bewegt wurde. Ich hatte mich sofort für das Hackney Pony interessiert und glücklicherweise durfte ich sie kostenlos haben. "Sie steht auf dem Putzplatz, fertig für die Abfahrt.", sagte Elii, die auf mich zu kam. "Gut, der Hänger steht auf dem Hof ... Ist sie denn an Hänger gewohnt?", fragte ich und folgte Elii aus dem Stall heraus zum Putzplatz, wo die hübsche Stute schon wartete. "Klar, man muss nur pfeifen und sie geht sofort rein. Hat sich richtig gefreut, als ich sie abgeholt hab und ist in den Hänger rein gestürmt.", erklärte Elii und ich nickte lächelnd, ehe ich der Stute über den Hals strich. "Pushin' Jazz for Cash ... Man braucht unbedingt einen Spitznamen.", sagte ich und Elii lachte. "Ich habe sie bisher immer Jazz gerufen, da hört sie gut drauf.", sagte sie und ich band sie vom Pfosten ab und führte sie zur Hofeinfahrt, wo mein Hänger wartete, und ich musste nur ein mal auf den Hänger deuten und sie ging lässig hinein. "Brav, Kleine.", lobte ich sie und überprüfte noch die Tränke und das Futter, ehe ich sie anband und die Klappe schloss. "So, das wäre geschafft. Ihre Freundin, Adrenaline, wird am Abend zu mir gebracht.", sagte ich zu Elii, die mir die Papiere gab. Ich unterschrieb eifrig, übernahm den Pass und ihr Sattelzeug und fuhr mit Jazz in ihr neues Zuhause.
      Am Abend, nachdem Jazz sich in ihrer Box eingelebt hatte und ich ihr gerade das Heu in die Box schaufelte, hörte ich, wie ein Hänger auf den Hof rollte. Sofort machte ich mich auf den Weg und stieß fast mit einer Maleen zusammen, die mit einer wunderschönen, braunen Criollo-Stute auf den Stall zusteuerte. "Ist das Adrenaline?", fragte ich und strich der Stute über die Nüstern. "Jup. Ihre Freundin ist auch im Hänger drin, sonst wäre sie da nie rein gegangen.", sagte Maleen und ich lächelte. "Die Box ist schon fertig, direkt neben der Hackney Pony-Stute.", sagte ich und Maleen führte sie in den Stall, wo Adrenaline erst einmal Jazz gründlich beschnupperte. Anscheinend verstanden die beiden sich sofort, da Adrenaline - nachdem Maleen sie in die Box gebracht hatte - sofort ihren Kopf hinüber zu Jazz streckte. Ich schaufelte noch ein wenig Heu in Adrenalines Box, dann regelte ich alles mit Maleen, unterschrieb die Papiere und beobachtete Adrenaline und Jazz noch ein wenig, ehe ich das Licht im Stall ausknipste und ins Haupthaus ging, wo ich die Papiere sicher verstaute
      . ich ging über den Hof und genoss die wärmende Sonne am Morgen. Sie stand noch nicht sehr Hoch es war ein gutes Klima um die Pferde zu Trainieren. Ich holte mir ein Knoten Halfter aus dem Stall und ging auf die Weide zu den Isländern. Die junge Stute Mön , die erst seit einigen tagen bei den Ausgewachsenen Stuten stand , schaute mich schon an. Ich ging auf sie zu und legte ihr behutsam das blaue Knoten Halfter an. Sie schnaubte , das Halfter kannte sie ja schon. Sofort kam Vin zu uns und wollte sich auch ihren Keks abholen , den bekam die freche Stute und ich führte Mön vom Platz. Ich ließ sie auf den Longierplatz gehen und machte das Halfter ab. Scoubi , der auf der Hintersten Weide zusammen mit Dun stand , Sah uns und Wirrte , er scharrte wild mit den vorder Beinen und legte die Ohren an " du Teufel" , sagte ich gelangweilt und schaute wieder weg , dieses Verhalten war uns ja schon bekannt. Mön legte sich genussvoll in den Sand und wälzte sich wieder und wieder. Sie stand auf und der Staub rieselte nur so von ihr herab. ich nahm den langen Strick vom Halfter ab und scheute damit die junge Isländer Stute , sie schnaubte und versuchte mir zu drohen... , doch ich reagierte mit abwehr und scheute sie weiter , noch einmal plusterte sie sich auf und stellte sich gerade vor mich , ich warf mit dem strick nach ihr un sie wich aus , sie trabte weiter um mich herum und begann zu kauen " na siehst du" , sagte ich und scheuchte sie erneut , nun leckte sie sich die Lippen , das wollte ich , ich ließ den Druck ganz weg und sie durfte zu mir kommen. " Feein" , sagte ich und strich ihr mit meiner Hand über den Kopf, dabei kaute sie. Sofort halfterte ich sie auf und ließ sie stehen , ich holte Adrenaline von der weide , legte ihr ein Bonsal an und saß schnell auf , ich holte davor noch die kleine Mön vom Platz und dann ging es in Richtung Fluss. Scoubi musterte die Stuten am Zaun und folgte uns , auch Dun folgte aber er wieß Scoubi immer wieder zurück. Mön war sichtlich angespannt , denn der junge Hengst strahlte nicht gerade ruhe aus. Am Fluss entspannte das junge Stütchen sich wieder und spielte im Wasser , sie war ein gutes Handpferd , und auch Adrenaline hatte Freude am dem kühlen nass. Ich ritt hindurch , nun war ich in der Steppe , weit und breit nur Fläche. Mön wurde etwas übermütig und trabte aufgregt neben der ruhigen Criollo stute her , aber sie machte keine Anstallten loszurennen. Wieder auf dem Hof beendete ich den Tag indem die Pferde alle Heu bekommen haben. die Isländer teilten sich das Futter friedlich doch Cailey hatte kurz etwas gegen Shorty . Aber Schluss endlich war alles Okay
      Heimweh
      nachdem wir nu wieder, aus familiären Gründen, in Deutschland sind habe ich mich durch gerungen einige meiner Isländer wegzugeben, Snòt wird aber auf jedenfall bleiben dürfen und auch bei Vin und Mön denke ich das sie bleiben. Wieder in Deutschland habe ich auch endlich die EVB Stute Feuerzauber zu mir geholt, sie sollte erst nach Australien kommen aber da es eh in frage stand ob wir dort bleiben hatte ich den Kauf der Stute etwas in den Hintergrund gestellt. Inzwischen sind alle Pferde heil und munter in Deutschland angekommen und ich bin froh das ich diese Entscheidung getroffen habe. Zuckerwatte und Risandro sind inzwischen dicke geworden und haben natürlich auch zwei Boxen neben einander bekommen.
      .. Der Tag danach..
      ich ging zu den Boxen und schaute noch mal nach den Pferden, die Brüder Warapuu und Haru lagen in ihren Boxen und auch die anderen waren recht ruhig. Ich verteilte die Heulage aber Risandro machte mir sorgen und ich holte den großen Rappen aus seiner Box. Er streckte mir seine weiche Nase entgegen und spielte mit meinen Haaren ehe ich ihn aus der Box holte. Die Tierärztin war schon da," lass uns raus gehen und Trab mal ein Stück vor", sagte sie ich parierte und führte Risandro nach draußen. Dort trabe ich erst ein Stück von der Tierärztin weg und dann ein Stück auf sie zu," vorne links läuft er nicht ganz klar", sagte sie und schaute sich sein Bein an.. " es ist leicht war", bemerkte sie ," was könnte es denn sein?", frage ich und sie begutachtete den Huf ," also vom Huf kann es nicht kommen der ist nicht erhitzt .. hmmm ... ich denke er hat etwas mit der Sehne oder ähnliches". ich schluckte .. ," Und nun?", frage ich und strich dem Wallach über den Hals. "Ich würde es jeden Tag kühlen und mit ihm Schritt gehen", sagte sie und spritze ihm noch Entzündugs hemmende Mittel," aber ich denke mal er hat einfach einen Tritt bekommen oder sowas ich werde in zwei Tagen nochmal reinschauen", sagte sie und ließ mir eine Salbe samt einer Rechnung zurück. " Ach Riso, was machst du nur immer", redete ich zu dem Wallach und er war nur damit beschäftigt nach Keksen zu suchen. Ich führte ihn wieder in den Stall und Zuckerwatte freute sich riesig das sein großer Freund wieder da war. "Alles Gut", sagte ich und strick Zucker über die Nase, der Wirrte nur lautstark und begrüßte Risandro. Ich holte nun Warapuu und Haru aus den Boxen und ließ beide auf das Sandpadock, denn die Weiden mussten erst neu eingezäumt werden ... und genau an diese Arbeit machte ich mich nun.
      -Aus Manuel‘s Sicht-
      Mit Raf hatte ich schnell die Sache geklärt und nun fuhren wir gemeinsam zum Flughafen, wo man ein neues Pferd Willkommen heißen musste. „Wie kommst du darauf dir ein Pferd anzuleihern?!“, machte Raf mich doof von der Seite an. „Raf, es kann nichts passieren. Ich leide an meinen Schlafstörungen und ich muss mich bei meiner Freundin immer wieder auf neue Pferde einlassen, ich mein, wenn ich mein eigenes Hab, mit dem ich lernen kann ist das ja wohl besser als wenn ich immer wechseln muss...“, erklärte ich ihm. „Und was ist wenn du auf Tour bist?! Wer kümmert sich dann um das Tier?“ „Rachel macht das dann... Ich hab noch Zeit für meinen Job und meine Freunde“, und somit war für mich die Konversation beendet. Wir redeten nicht mehr bis wir das Pferd verladen hatten und es bei uns auf dem Reiterhof ankam. Neugierige Blicke zogen sich auf meinen Range Rover und den dahinter rollenden Pferdehänger. „Manu? Was wird das?“, rief Rachel mir zu als sie auf mich zugelaufen kam. „Hab mir ein Pferd gekauft“, präsentierte ich Stolz grinsend und bemerkte Raf’s Augen rollen. Rachel ebenfalls. „Wie kamst du darauf?“,fragte sie mich. „Lange Geschichte“, sagte ich und stieg aus dem Auto. Ich öffnete die Hängerklappe und band Adrenaline vorne ab, führte sie ruhig raus und sie wieherte schrill über den Hof. Tänzelnd führte ich sie zu der Albaner Stute Bohne und Raf kam mir nach, ohne ein Wort mit mir zu wechseln. „Du stürzt dich in dein Unglück, mein Freund...“, brach er dann nach einer halben Stunde das Eis. „Ich weiß was ich Tue“, antwortete ich und ließ die Braune vom Strick. „Willkommen“, hallte es in meinem Kopf und mein Freund riss mich aus meinen Gedanken. Dann fuhren wir zu Joshi und alberten bei ihm rum.
      Heute ging ich zu Soso um mir ihre 28 Pferde zu kümmern um die sie mich letztens bat. Darum machte ich mich gegen halb acht morgens auf den Weg zu ihr Soundcloud würde als erste Bewegt werden.Das kleine Fohlen sollte heute die Hufe heben lernen. Nach dem ich Cloud geputzt hatte, begann ich vorsichtig an ihrem Vorderbein und sagte Huf. Die ersten paar male wehrte sich Cloud aber nach und nach verstand sie es was ich von ihr wollte und ich lobte sie ausgiebig als sie das brav machte. Danach brachte ich sie wieder in die Box und ging zu Nameless . Ich putzte ihn kurz über und brachte ihn in die halle. Ich beschloss das alle frei bewegen durften. Namless stürmte gleich los und buckelte freudig. Hin und wieder wälzte er sich genüsslich. Dann zeigte er mir was sie konnte danach durfte er wieder in seine Box und ich holte , Prove Me Wrong aus ihrer Box. Auch diese putzte ich ausgiebig und als ihr Fell wieder seidig war lies ich sie in die Halle. Die Hübsche vertrat sich die beine nachdem sie ne weile rumstand brachte ich sie zurück und widmete mich an , Sharon die schöne stute schlummerte gerade in ihrer Box als ich diese betrat. „ na du guten morgen!“ lachte ich und scheuchte sie auf ihre Beine dann putzte ich sie über und brachte sie in die halle. Müde lief sie einige runden und wollte dann wieder in die box, ich lies dies aber noch nicht zu war ja viel zu früh. Ich scheuchte sie in den Trab, wiederwillig folgte sie meinem „Befehl“ und setzte sich schwerfällig in den Trab. Nach einigen runden wurde sie wacher und wilder, sie liebte es anscheinend zu rennen, runde für runde wurde sharon schneller. Nach dem sie 20 minuten gelaufen war und sich auch trocken lief brachte ich sie in ihre Box und ging zu , Acacia eine wunderschöne Stute, ich striegelte sie sauber enzwierrte ihren schweif und befreite es vom Stroh dann brachte ich sie wie die anderen davor in die halle, dort tobte sie sich aus, nach einiger zeit kam sie zurück in die Box und ich ging weiter zu Rising Star den namen kannte ich schon, eine älteres Pferd und desshalb bekannt. Auch sie putzte ich schön über und sie durfte laufen, nach herzenslaune. Die stute scheint jung geblieben, zeigte sich in schönen gängen geschmeidigen übergängen und ihren Temprament. Nach dem sie sich ausgepowert hatte kam Commander ein wunderschöner hengst ich putzte ihn über und brachte ihn in die halle, dort konnte er seine anmu zeigen nach 20 minuten brachte ich comander wieder in seine box den ich hatte noch genügend andere pferde zu machen. Mir kam so vor als würde ich nicht voran kommen, Unitato war auch ein schööner hengst. Soso hatte sehr schöne pferde ich putzte und beschloss noch how we do payphone und del fuerta zusammen in die halle lassen. Also machte ich zuerst unitato fertig holte dann die anderen in die halle und lies die gruppe rennen. Unitato wollte immer an erster stelle sein, gleich wie how we do. Payphone buckelte sich die seele aus dem leib und del fuerte kullerte sich mehrmals. Dann rannten sie in der gruppe um die wette. Danach brache ich alle in ihre Boxen und holte die nächste Gruppe in die halle., Palla van Ghosts, Chandra , Leviathan, Rabiosa, Shirasagi, Stardust, Zafinaah, Rockabella, Loveletter, Yaris, als ich alle geputzt hatte und endlich alle zusammen in der halle hatte, schaute ich mir das spektakel an. Nach ihnen war nur noch eine gruppe zu machen und dann war ich auch fertig mit soso pferden. Zum glück hatte soso eine große halle. Nach dem diese gruppe auch bewegt hatten brachte ich sie in die Boxen zurück und holte dann Lonely Wild Horse, Bonbone, Adrenaline, Magic Attack , Brookton und Nobody loves him like me in die halle. Langsam merkte ich das ich müde wurde. Auch die letzte gruppe freute sich ihre beine zu vertreten und miteinander spielen. Nach 20 Minuten brachte ich sie auch in die boxen und gab allen noch ihr futtre ehe ich verschwand.
      POV: Jamie
      'Ernsthaft mal, wer kam auf die Idee hier her zu gehen? Wir züchten nicht mehr, haben die meisten unserer Pferde verkauft und halten nur noch ein paar, von denen wir uns einfach nicht trennen können, was machen wir also hier?!'
      'Ich dachte es wäre vielleicht mal wieder ganz nett ein paar Pferde anzugucken und vielleicht das ein oder andere bekannte Gesicht zu sehen. Vor ein paar Monaten warst du immer gern auf solchen Veranstaltungen. Nur weil es mit unserer Zucht nicht so geklappt hat wie wir es wollten können wir doch trotzdem noch spekulieren was aus den Pferden hier mal werden wird. Weißt du noch? Wie oft standen wir da am Zaun und haben Wetten darüber abgeschlossen welches Pferd wann und wie Erfolg haben wird.'
      Hunter schien trotz unserer missglückten Zucht irgendwie trotzdem noch das positive in der ganze Sache zu sehen.
      'Oh man den kenne ich doch' rief Jenna einige Meter hinter mir. Sie hatte schon den ganzen Morgen immer wieder Pferde gesehen, dessen Besitzer wir kannten oder die so erfolgreich waren dass sie so gut wie jeder hier kannte. Ich hingegen hatte bisher nur dem Boden und den Steinen die ich vor mir her kickte Aufmerksamkeit geschenkt, ich hatte immer noch ein schlechtes Gewissen gegenüber den Pferden, die bei uns ein zu Hause finden sollten nun aber doch in der Welt verstreut waren, weil wir es uns einfach nicht mehr leisten konnten sie zu behalten.
      Ich hörte wie die Schritte hinter mir langsamer wurden und schließlich verstummten, die anderen drei waren stehen geblieben. Schauten vermutlich irgendein Pferd an, ich ging einfach weiter. Nach einiger Zeit schien ich den ganzen Trubel hinter mir gelassen zu haben. Ich schaute hoch und schien plötzlich in einer anderen Welt, den Pferden, die hier in den kleinen Paddocks standen, schenkte keiner der Menschen Beachtung. Sie waren abgemagert, ungepflegt und desinteressiert. Mein Blick blieb an einer Schimmelstute hängen, sie schaute traurig ins Leere und reagierte erst als ich vorsichtig über ihre Nüstern strich. Ich wusste genau wen ich da vor mir hatte, auch wenn die Stute nun weitaus heller war und ich sie Jahre nicht gesehen hatte, ihre unverkennbare Blesse war noch gut zu erkennen und auch die roten Strähnen im zerzausten Langhaar waren mir wohl bekannt. Ohne jegliche Emotionen zu zeigen stand ich einfach da und strich der armen Stute über den Kopf. Was Äußerlich nicht zu erkennen war in mir tobte meine Wut, unsere ehemalige Reitponystute Shadow of a Murderer so zu sehen brachte in mir etwas hervor was ich nicht beschreiben konnte.
      'Na hast du eine neue Freundin?' Hunter hatte mich inzwischen gefunden und stand nun neben mir.
      'Shadow', flüsterte ich so leise das er es unmöglich verstehen konnte.
      'Das ist Shadow', sagte ich noch einmal lauter und blickte in Hunters Augen. Nun erkannte auch er unsere ehemalige Stute wieder und legte eine Hand auf meine Schulter, vermutlich um mich ein wenig zu trösten, denn er wusste wie sehr ich an jedem unserer Pferde hing.
      Irgendwann gingen wir dann weiter, aber erst nachdem wir Shadow versprochen hatten wieder zu kommen. Doch der nächste Schlag ins Gesicht ließ nicht lange auf sich warten, eine braune Criollostute stand angebunden an einem Zaun. Wir hatten sie zwar damals nur wenige Tage bei uns gehabt, weil sie nur ein Einsteller war, aber dennoch wussten wir alle das war Adrenaline. Auch sie wurde kurz gestreichelt und bemitleidet, denn sie sah auch nicht viel besser als Shadow aus. Dann ging es weiter. Nun kamen wir langsam zu den Hengsten, ein trauriges Augenpaar nach dem anderen blickte uns an und ich war kurz davor umzudrehen. Ich wollte dieses Elend einfach nicht mehr mit ansehen. Doch dann schauten mich zwei braune Augen, die ich nur zu gut kannte, an. Ich ging zu dem Roanhengst, hielt einen Kopf, fiel auf die Knie und fing an zu weinen. Der kleine Kopf zwischen meinen Hängen gehörte Brief an Dich, meinem alten Reitponyhengst. Von seinem rebellischen Aussehen von damals war nichts mehr übrig geblieben, er war einfach nur noch ein Häufchen Elend. Auch die Anderen konnten kaum glauben wie der gute Buddy aussah. Nach ein paar Minuten ging Hunter weg, wohin wusste niemand, er tauchte auch erst mal nicht mehr auf.
      Erst eine halbe Stunde später war Hunter wieder da, zwei Pferde am Strick und ein drittes Halfter über die Schulter geworfen. Er sagte nichts, streifte Buddy nur das Halfter über de Kopf und drückte mir den Strick in die Hand. Wir folgten ihm. Auf dem Parkplatz hielten wir vor einem großen Hänger an, ein netter Mann halt uns die Pferde zu verladen und fuhr sie uns nach Hause.
      Beim Abendessen, als alle wieder zusammen am Tisch saßen, fing Hunter an zu erzählen. Wie er Shadow, Adrenaline und Buddy für wenige Euro kauft hatte und dann den netten Mann gefunden hatte, der bereit war die drei nach Hause zu bringen.
      Heute wollte ich mich noch rasch um eine Criollostute kümmern, an der ich Interesse hatte, bevor ich mich auf den Nachhauseweg machte. Ich hielt also bei Maleen auf dem Parkplatz und spazierte in den Stall, als wäre es das selbstverständlichste. Ich holte die braune Stute aus ihrer Box und band sie in der Stallgasse fest, um sie zu putzen. Danach mistete ich ihre Box und säuberte die Tränke, ehe ich sie wieder reinbrachte. Dasselbe tat ich mit Shadow, die ganz in der Nähe stand. Ich brachte beiden noch ein Maul voll Heu und hinterliess Maleen eine Nachricht, dass ich da gewesen war.
      Stirnrunzelnd sass ich am Küchentisch und sah mir die Zeitung an. Ein Überfall hier, Probleme im Ausland, ein Brand da… Aber rund um Birmingham war es im Moment zum Glück friedlich. Lily kam die Treppe runtergepoltert und ich nippte demonstrativ an meinem Tee. „Ich auch einen!“, forderte sie sofort. Sie ist so durchschaubar. Ich schmunzelte und fragte nach dem „Zauberwort“. Zugegeben – mein Leben war nochmal ein Tickchen spannender geworden, seit meine Nichte bei mir wohnte. Sie nahm mir das letzte Bisschen der Einsamkeit, die mich seit Jacks Tod zerfressen hatte. Allerdings, und das betonte ich vor meinen Angestellten und Freunden immer, war „Little Miss Adams“ auch ganz schön anstrengend. Rachel hatte sie nicht zu knapp verwöhnt und sie zu einem sehr selbstbewussten Mädchen erzogen. Doch so langsam waren wir auf einer Wellenlänge und hatten immer weniger Meinungsverschiedenheiten. Eine grosse Hilfe war wohl auch, dass Lily auf Pineforest Stable den Ponyhof-Traum eines jeden pferdeverrückten Mädchens lebte und mehr als genug frische Luft bekam. So brauchte ich abends eigentlich nie mit ihr zu diskutieren, wann es denn nun Schlafenszeit sei; sie kroch freiwillig schon um Neun ins Bett. Auch sonst war sie ‚pflegeleicht‘, denn sie war gut in der Schule, hielt ihr Zimmer einigermassen ordentlich (jedenfalls im Vergleich zu mir selbst) und machte sich auch mal selber ein Sandwich, wenn ich keine Zeit hatte. Andererseits musste man sowieso selbstständig sein, wenn man unter meinem Dach überleben wollte – mit gut 80 Pferden, die es zu versorgen galt, hatte ich nicht auch noch Zeit, mich um aufwändige Menschlein zu kümmern. Ich dankte Lily ihre gute Manieren mit Reitstunden und Ausritten in der malerischen Landschaft des Parks; und einem guten Geburtstagsgeschenk, wenn ich denn eines fand. Immerhin feierte Lily in wenigen Tagen ihr erstes Jahrzehnt auf diesem Planeten. Aber was sollte ich ihr schenken? Sie hatte mir noch kaum verraten, was ihre sonstigen Interessen ausser den Equiden waren. Je mehr ich darüber nachdachte, desto peinlicher wurde es mir, dass ich meine Nichte noch immer so schlecht kannte. Ich beschloss an diesem Morgen, im Verlaufe des Tages die Augen und Ohren offenzuhalten, um das perfekte Geschenk zu finden.
      Der Morgen verlief unspektakulär. Lily war in der Schule, also konnte ich sie nicht direkt beobachten. Stattdessen horchte ich während dem Misten die Pfleger aus, um zu erfahren, ob sie vielleicht mehr wussten. „Hmm, every little girl that I know likes dolls“, meinte Lewis. “Seems like you don’t know many”, antwortete ich knapp und verschränkte die Arme. Ich hatte eigentlich nie mit Puppen gespielt, als ich noch klein gewesen war. Viel lieber hatte ich Schlösser aus Legoklötzen gebaut und dann Schlachten nachgestellt, die nicht selten in meiner Fantasie blutig endeten. „Sorry boss, forgot you were an exception.“ Wenn ich so darüber nachdachte, hatte ich auch Lily noch nie mit einer Puppe spielen sehen. Und mit 10 noch eine Puppe geschenkt bekommen? Ich war skeptisch.
      Lisa schlug vor, ihr ein Handy zu schenken. Ich blockte sofort ab und entgegnete „Oi, das wär ja noch so schön – ich will sie doch nicht zu einem dieser frühreifen Tussis erziehen! Sie soll ihre Kindheit ohne Smartphone geniessen können.“ Lisa zuckte mit den Schultern. „Mir hat es auch nicht geschadet.“ „Bist du dir da sicher?“, rief Jonas schelmisch aus Stromers Box und duckte sich im nächsten Moment, um dem Besenstiel auszuweichen, mit dem wütend nach ihm gestochert wurde.
      Ich longierte Sweets, die heute Reitpause hatte, alberte mit Parányi in der Halle rum und ging mit Halluzination ins Gelände. Danach übte ich mit VychahrSchenkelweichen und ein paar andere Lektionen auf dem Sandviereck. Den krönenden Abschluss des Morgens machte ich mit Islah, der ich ein paar Trail Hindernisse näher brachte. Ihr Stutfohlen schrie sich in der Box zwar im ersten Moment fast die Stimmbänder aus, aber das musste die kleine eben auszuhalten lernen. Ausserdem war Mama schon nach einer halben Stunde zurück. Die Begrüssung war herzzerreissend – es hatte den Anschein, als wären die beiden Jahre getrennt gewesen. Ich wandte mich augenrollend ab und begab mich ins Haus, um Mittagessen zu kochen.
      Lily kam pünktlich ins Haus gestampft, schmiss den Rucksack in eine Ecke und spielte zuallererst eine Runde mit den Hunden, bis das Essen fertig war. So half sie mir am meisten, weil ich nicht mehr dauernd über Jacky stolperte. Es gab einfallslose Bratkartoffeln mit Broccoli und Spiegelei, ausserdem einen Tomaten-Eisbergsalat – Lilys Lieblingssalat. Die Hunde verteilten sich um den Tisch herum, nachdem sie ihr eigenes Futter verschlungen hatten, und beobachteten uns mit puppy-eyes. Doch ich blieb kalt, und auch Lily beachtete den Bettelblick nicht, sondern stocherte fröhlich in ihren Kartoffeln herum. Jacky gab als erste auf. Sie drehte sich um und zockelte zum Sofa, wo sie sich auf der Decke zusammenrollte. Zira blickte ihr hinterher und ich sah es förmlich in ihrem Kopf rattern. Nach ein paar Herzschlägen hüpfte die junge Malinois Hündin übermütig hinterher und stand beim Sofa hoch, setzte sich aber schliesslich doch nur davor auf den Fussboden, weil Jacky sie böse angeblinzelt hatte. Sheela hingegen blieb hartnäckig und wartete hoffnungsvoll, bis wir fertig gegessen hatten. „Typisch Labrador“, murmelte ich. Lily stimmte mir zu. „Man könnte meinen, du liessest sie verhungern.“ „Sag mal Lily, was mögen zehnjährige Mädchen heutzutage denn so?“ „Hmm? Also… In meiner Klasse fahren alle voll auf diese bunten Gummibänder ab, oder diese Zeitschrift – ach, ich hab den Namen vergessen.“ „Bestimmt cool, diese… uhm… Gummibänder, nicht wahr?” „Geht so. Ich verstehe nicht ganz, was so lustig daran sein soll die zu sammeln. Ich sammle lieber meine Tierfiguren, aber auch nur die, die ich ganz besonders schön finde.“ „Und sonst?“ „Fragst du wegen meines Geburtstags?“ Ich zögerte ertappt. „…Jap. Man wird schliesslich nicht jeden Tag zehn. Gibt es etwas, das du dir ganz besonders wünschst?“ Sie überlegte kurz, dann zuckte sie mit den Schultern. „Nö, überrasch mich. Aber es braucht nix Grosses zu sein.“ Ich war überrascht über ihre Bescheidenheit, aber hinterfragte sie nicht.
      Am Nachmittag hatte Lily frei und half im Stall mit. Sie bürstete Skydive, der vermutlich das mit Abstand sauberste Fohlen im Umkreis von 100 Kilometern war, ritt Dreamauf dem Sandplatz und half mir dabei, Skyrim und Majandro zu bewegen. Die kleine Familie rund um Skydive schien es ihr wirklich angetan zu haben. Soll ich ihr den kleinen Rabauken schenken? Doch ich verwarf die Idee gleich wieder, denn er gehört ja sowieso schon so ziemlich ihr, das wäre nur noch rein formal… Mit Shira konnte sie sich übrigens dann doch nicht so recht anfreunden. Als ich sie einmal darauf angesprochen hatte, war die Antwort gewesen, dass Shira auch sonst schon genug Aufmerksamkeit bekomme, weil sie so wertvoll sei. Dive hingegen sei einfach nur süss. Ich schmunzelte noch heute über diese Erklärung, aber es war schon etwas dran. Shira hatte eine blühende Zukunft vor sich, wenn man ihre Abstammung in Betracht zog. Es läuft auf einen Konkurrenzkampf zwischen den beiden hinaus, schätzte ich.
      Jonas schlich sich von hinten an und stupste mich in die Seite. „Was ist das? Keinen Respekt mehr vor deinem Boss? Ich glaube ich muss deinen Lohn kürzen“, murrte ich. „Warum denn so grimmig?“ „Weil ich ein Geburtstagsgeschenk brauche, aber keines finde.“ „Aber du hattest doch schon Geburtstag? Also – versteh mich nicht falsch, ich würde dir sofort wieder ein Geschenk besorgen.“ „Warum denn plötzlich so charmant? Mal abgesehen davon, dass du meinen Geburtstag zuerst vergessen hattest. Aber nein, es ist für Lily.“ „Schenk ihr ein Pony.“ „Sie hat doch schon Skydive, der gehört ja so gut wie ihr.“ „So gut wie – aber nicht ganz. Macht aber auch nix; ich meine ein richtiges Pony, das sie schon jetzt reiten kann, das ganz allein ihr gehört und mit dem sie die anderen Mädchen eifersüchtig machen kann.“ Er zwinkerte schelmisch, dann verschwand er ohne ein weiteres Wort im Nordstall. Ein Pony? Ich könnte ihr Majandro geben… Aber nein, der ist zu jung und wild. Der muss zuerst sicherer werden. Donut, Sky und Baccardi sind meine Zuchthengste, die zudem im hohen Sport laufen; die kann ich ihr auch nicht überlassen. Isis sind zu jung, Sweets und Bluebell ebenfalls, Dream ist und bleibt mein eigenes Pony, da bin ich egoistisch. Stirnrunzelnd und in Gedanken vertieft schlenderte ich den Schotterweg entlang. Mit einem Seufzer holte ich mich schliesslich selbst zurück in die Gegenwart. Es muss etwas anderes geben, und ich finde etwas gutes für dich – versprochen. Ich nutzte die Nähe zum Nebenstall und warf einen Blick in die Boxen, um zu kontrollieren, ob die Pfleger sauber gearbeitet hatten. Zufrieden begab ich mich danach zum Offenstall der Stuten. Adrenaline stand beim Zaun und musterte mich, als ich auf sie zukam. Sie schnüffelte an meiner Hand und folgte mir zum Offenstallgebäude, als ich die Weide betrat. Die braune Criollostute sah noch recht mitgenommen aus, doch so langsam setzte sie wieder Pfunde an. Das Team von Royal Peerage hatte gute Vorarbeit geleistet, doch es dauerte nun mal seine Zeit, bis sich ein Pferd von den Strapazen der Vernachlässigung erholt hatte. Ich fand, dass die Stute mit jedem Tag hübscher und wacher wurde. Im Moment machten wir vorsichtigen Muskelaufbau mit ihr; richtig lange reiten wollte ich sie in ihrer Verfassung noch nicht.
      Gegen Abend gönnte ich mir eine Pause und las in der Hängematte vor dem Haus die Zeitung vom Morgen zu Ende. Eine kühle Brise liess meine Haare aufstehen, sodass ich mir schon nach kurzer Zeit einen kuscheligen Pullover aus dem Haus holte. Aus reiner Neugierde blätterte ich die Anzeigen durch und entdeckte tatsächlich eine äusserst interessante Notiz. Hunter hatte offenbar einen schicken Tinker zu verkaufen, den er auf einem Markt in Irland aufgegabelt hatte. Ich las den Text bestimmt dreimal durch, bevor ich mich dafür entscheiden konnte, anzurufen. Schnell war klar, dass „Areion“ ein umgänglicher, geduldiger und verlässlicher Genosse war. Am Ende war es aber wohl doch besonders seine bestechende Erscheinung, die mich überzeugte. Wenn Lily ihn nicht will, behalt ich ihn glatt selber, schmunzelte ich verschwörerisch. „Was grinst du so?“ Ich zuckte zusammen. Ich hatte gar nicht bemerkt wie Lily auf mich zugekommen war. „Ach nichts“, log ich, denn ich wollte sie überraschen. Warte nur, das Geschenk das du kriegst ist tausendmal cooler als Gummibänder oder Zeitschriften
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      29. Juli 2016
      Distanz A - L | 9822 Zeichen | (c) Zion
      Es war einer dieser typischen Morgen, an denen man einfach im Bett liegen wollte. Dauer Regen und Gewitter, tolles Wetter für eine Reise nach England. Was soll’s? Ich raffte mich auf und begab mich in das kleine Bad der Dachbodenwohnung. Don (wie er von allen nur genannt wurde) folgte mir auf Schritt und Tritt. Der schmuste Kater sprang auf den Toilettenkasten und schaute zu, wie ich meine Zähne sorgfältig putzte. Wie zu erwarten kam nun auch die noch etwas verschlafene Edda ins Bad und legte sich auf die Fliesen. „Braves Wölfchen … Du bist doch meine Beste!“, wisperte ich zu der Wolfshunddame und verwuschelte ihr Fell auf dem Kopf. Schließlich zog ich mir mein blau kariertes Flanellhemd und die Jeans an, die ich mir letztes Jahr in Schweden gekauft hatte. Meine Taschen waren bereits gestern schon gepackt, sodass ich nun nur noch runter frühstücken und losfahren musste. Malte wartete bereits auf am Frühstückstisch und winkte zu sich herüber. Mein morgendliches Toast war schnell verschlungen und ich machte mich auf den Weg zum Auto.
      Der weg zum Flughafen entpuppte sich als lange und zähe Fahrt. Endlich angekommen, stand ich bereit am Gate und dann im Flieger. Zu meinem Glück verging der Flug schneller als gedacht. Mit dem Taxi wurde ich zu dem Pinteforest Stable kutschiert.
      Auf dem Gelände erwartete mich bereits eine junge rot-blonde Frau, die freudestrahlend mich zu sich winkte. Wie es sich gehörte, gab ich ihr die rechte Hand und begrüßte sie. „Du musst Petyr Holmqvist sein! Ich bin Occulta Smith wie du mitbekommen haben wirst, nenn mich einfach Occu! Herzlich Willkommen auf dem Pineforest Stable! Na komm bringen wir erstmal die Taschen rein“, sprach Occulta und machte eine Handbewegung Richtung Wohnhaus. Schnurstracks folgte ich ihr mit meinen Taschen und wurde gleich in mein Zimmer gewiesen. Rasch schlüpfte ich in meine schwarze Reithose und begab mich wieder nach unten, um mit Occu zu den Ställen zu gehen. „So da bin ich!“, verkündete ich und folgte Occu zu den Ställen. Uns kamen zwei Hunde entgegen. Occu wollte sie zurückhalten, doch es war zu spät die beiden Hunde sprangen mich an und ich hatte Mühe aufrecht stehen zu bleiben. „Sheela! Jacky! Aus! … Lilly holst du bitte die beiden“, forderte die etwas aufgebrachte Occulta. „Schon okay! Ich liebe Hunde und habe selber eine Dame zu Hause“, antwortete ich bin einem zufriedenen Grinsen. Ein kleines zerzaustes Mädchen mit braunem Haar stiefelte aus der Stallgasse und schaute mich verdutzt an. Ich richtete mich auf und drehte mich zu dem Mädchen. Occu gab ihr einen kleinen Seitenhieb. „Ähhhhh … Hi ich bin Lily!“, brachte sie allmählich hervor. „Ich bin Petyr! Du bist also Lily.“, erwiderte ich erfreut. Sie verschwand wieder in der Stallgasse und putze einen Tinker. Occu führte mich in den Stall und wies mich zu der Box die mit dem Namen ’Adrenaline’ versehen war. „Das ist also die braune Criollo Stute“, sagte ich und streckte meine Hand aus und tätschelte der neugierigen Stute die Nüstern. „Ihr beide könnt euch im Roundpen gerne etwas vertraut machen“, äußerte Occu und wollte gerade gehen. „Warte! Für das spätere Training bräuchte ich für sie bitte einen Futterplan“, konterte ich rasch. Sie nickte und verschwand. Erneut streichelte ich den Kopf der Stute. Hier überall liefen Pfleger herum und mit ein paar wurde ich schon vertraut gemacht. Einer davon war Darren Fox, der mir die Sattelkammer und die sich darin befindende Ausrüstung von Adrenaline gezeigt. So weit ich wusste war die Stute verwahrlost gefunden worden, aber nun befand sie sich im Training und im Aufbau und zeigte sich als unkompliziert und freundlich. Ich hatte nun ihren Putzkasten, das Halfter und einen Strick geholt. Ich führte die Stute aus der Box und band sie anschließend an. Das Putzen schien ihr sichtlich zu gefallen, denn sie spielte mit der Unterlippe. Als ich zum Schluss die Hufe auskratzte, knabberte Adrenaline an meinem Hemd. Lachend forderte ich die Stute auf damit aufzuhören.
      Ich führte die Stute zum Roundpen und hakte den Strick aus. Mit Körpersignalen schickte ich die Stute von mir weg und ließ sie erstmal laufen. Als sie sich nun endlich ausgebockt hatte, drehte ich mich eingesackt weg und zeigte ihr meine Hüfte, die Stute sprang sofort darauf an und näherte sich. Lobend tätschelte ich ihr die Stirn und schickte sie wieder raus und wiederholte das ganze ein paar Mal. Anschließend spielte ich mit ihr fangen, es bereitete mir großen Spaß mit der aufgeweckte Adrenaline zu spielen. „So Mädchen es reicht für heute!“, brachte ich erschöpft hervor. Ich hakte den Strick wieder ein und führte die Stute wieder in den Stall und übergab sie einen der Pfleger, da es Fütterungszeit war. Mittlerweile war es fünf Uhr PM und ich fragte Occu etwas ironisch „Naaa ein Fünf – Uhr – Tee?“ Sie lachte. Nach dem Abendbrot ging ich früh zu Bett, um morgen beim ersten Hahnenschrei mit dem Distanztraining anzufangen. Die Nacht war lau, aber sehr angenehm.
      Ausgeschlafen wachte ich Punkt sechs Uhr auf und brauste mich in der Dusche. Zum Frühstück gab es typisch britisch Porridge, welcher wirklich gut gelungen war. Nun war es soweit, das Training würde beginnen! Bevor ich mich auf zum Stall machte, setzte ich mich mit Occu zusammen und besprach den zukünftigen Futterplan. „Also da sie recht unmuskulös und schmächtig ist, würde ich vorschlagen, dass wir ihr Zuchtstutenmüsli geben, damit sie ansetzt. Hafer nur ganz wenig, damit nicht zu viel Energie entsteht. Mineralfutter, Leinöl und Brennnessel nur sehr wenig. Alles nur in Maßen neben dem Weidegang“, schlug ich vor. Sie stimmte mir zu und teilte es gleich den Pflegern mit. Schließlich machte ich mich nun auf zum Stall und holte Adrenaline aus der Box und putze sie nun wie ein routinierter Pfleger. Heute ging es nur kurz ins Gelände, denn es ging hauptsächlich um den Muskelaufbau und Gymnastizierung. Gesattelt und getrenst führte ich Line zum Reitplatz und legte vier Cavalettis hintereinander. Zu erst schnallte ich die Steigbügel nach oben und hakte in die Longierbrille die Longe ein, danach schickte ich Linn von mir weg. Zum Aufwärmen ließ ich Linn im Schritt im Kreis über die Cavalettis laufen. „Braves Mädchen“, verkündete ich und wendete die Stute. Flott legte ich die Stangen etwas höher, damit Line ihre Beine hebt. Ich schnalzte kurz und Linn trabte an. Mit ihren eleganten Gängen schwebte sie geradezu über die Cavalettis. „ Gut so Linn!“, rief ich erfreut. Nun parierte ich die Stute durch und hakte die Longe aus.
      Ihr jetziger Trainingsstand lag bei ca 33 km, dies entsprach dem A – Niveau. Da wir Adrenaline erstmal fit bekommen mussten, setzen wir unser Ziel für das L Niveau ca 15 km weiter also dementsprechend 48 km. Da es hier in der Gegend kein anliegendes Turnier gab, ritt ich den Endritt allein mit er Hilfe der Pfleger als Etappen-Helfer.
      Schlussendlich schwang ich mich auf den Rücken von Linn und ritt in Richtung Gelände. Am Anfang trotteten wir gemütlich im Schritt durch die Gegend und genossen das angenehme Wetter. Unser heutige Mini-Distanzritt hatte eine Länge von 15 km um die Stute nicht zu überfordern. Es war angenehm auf so einem entspannten Pferd zu reiten, aber Line wollte immer schneller, was bei einem langen Ritt schnell die Ausdauer nahm. Ich tätschelte ihr den Hals und ritt zurück und trabe sie an. Für den Anfang reichten 4-5 km Trab als Reizintensität.
      Verschwitzt kamen wir auf dem Hof an. Ich sprang aus dem Sattel und führte Line in den Stall. „Hast du toll gemacht! In der Trainingszeit bekommst du natürlich auch deine Erholungsphasen, um ein Gleichgewicht zwischen Belastung und Erholung“, erläuterte ich Adrenaline und rieb sie mit einem Handtuch ab. Anschließend stellte ich sie auf die Weide und fettete ihr Lederzeug. Da ich noch Zeit hatte, schaute ich mir das Training von den Vollblütern an. Ein Hengst gefiel mir sehr gut, denn er hatte eine außergewöhnliche Farbe und trug den Namen Spotted Timeout. Ich hörte Schritte hinter mir. Es war Occu die lächelnd sagte „ Spannend was?“ In der Faszination nickte ich kurz.
      Am Abend fiel ich ins Bett und schlief wie ein Stein. Für die erste Woche wiederholte ich diese Trainingseinheit täglich und man konnte beobachten wie sie Fortschritte machte. Die Tage strichen ins Land und es war mittlerweile Sonntag. Adrenaline hatte am Wochenende frei um sich zu erholen und ich half auf dem Hof mit, oder setzte mich mit dem Trainingsplan auseinander.
      Für das weitere Training gab es natürlich mehr Hafer bzw. mehr Kraftfutter, da Line auch mehr Energie brauchte. Das weitere Training wurde in Gymnastizierung und Langdauermethode geteilt um die Geschwindigkeit, den Fettstoffwechsel und die Belastbarkeit zu fördern. Wir arbeiteten mit Mikrozyklen die 4–5 Arbeitstage beinhalteten und 2–3 Ruhetage. Nach 3–4 Wochenzyklen, stand eine Ruhewoche an. Inzwischen war Line schon soweit, dass wir den ersten Ritt wagen konnten. Occu positionierte ein paar Pfleger an unterschiedlichen Etappen, die den Puls messen sollten. Auch Adrenaline hatte bereits ein richtiges Distanzset. Am frühen Morgen ritten wir los. „Ganz ruhig wir lassen uns Zeit“, wisperte ich in ihr Ohr. Die erste Etappe ritten wir im Schritt an, die folgende im Trab wie die nächste und die letzte im Galopp. Ihr Puls überschritt nicht die Vorgaben, was für uns zum Vorteil war. Ich klopfte Linn freudestrahlend den Hals und ließ die Stute an den Wassrtrog. Auch Occulta freute sich über die Leistung ihrer Stute.
      Nach mehreren Wochen hier in Birmingham packte ich nun auch meine sieben Sachen und verabschiedete mich von allen und natürlich von Linn, die nun das L-Niveau in Distanz erreicht hatte. Ich war stolz auf Line, denn sie hatte endlich an Masse zugelegt und hatte ordentlich Muskeln in der Zeit bekommen. Ihr stand eine Ruhe Woche bevor und für mich ging es zurück nach Norwegen.
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      29. August 2016
      Distanz L - M | 15.4493 Zeichen | (c) Canyon
      Ich konnte es mir gut vorstellen, verdammt gut, dass ein so weiter Weg für beide Pferde nicht gerade prickelnd war. Aber was blieb mir anderes übrig? Nichts, genau, und deswegen musste es sein.
      Am Tyrifjord in Norwegen, selbst im Hochsommer waren es angenehme 20 Grad, liegt ein großes Gestüt, mit jeder Art von Pferd. Klein und groß, schwer und leicht, dunkel und hell, alle Pferde finden hier einen Platz zum Leben genießen.
      Zu dem Gestüt gehörte ein Ausbildungsbetrieb, geleitet von wem anderen als mir selbst, welcher vor allem dafür bekannt war, um die ganze Welt zu reisen und Pferde zu trainieren. Ja genau, um die ganze Welt, denn eigentlich könnten wir uns als einen mobilen Ausbildungsbetrieb bezeichnen.
      Eine meiner neuesten Funkensprünge hatte mich allerdings dazu veranlasst, mal etwas Neues auszuprobieren und so hatte ich mich auf die Suche nach Pferden gemacht, die ich nicht nur mal für zwei Wochen besuchen würde, sondern welche, die ich längere Zeit in der Ausbildung begleiten könnte, um so vielleicht viel bessere Trainingsergebnisse zu erzielen.
      Ich hatte es selbst kaum für möglich gehalten und doch hatte ich bereits kurz darauf zwei Pferde gefunden. Beide Besitzer waren damit einverstanden gewesen, dass ich ihre Pferde mit zum Hauptsitz des Betriebs nach Norwegen nehmen wollte und so konnte sich die Tyrifjord Ranch für eine zeitlang auf zwei neue Pferde freuen.
      Da ich es selbst zeitlich nicht geschafft hatte, beide Pferde zur Probe in ihrem Heim zu besuchen, hatten das meine beiden Freunde und Mitarbeiter Petyr und Evangeline getan und waren beide nur mit den besten Neuigkeiten zurückgekehrt, sodass der Reise der Beiden nichts mehr im Wege stand.
      Eines Morgens, es war kurz nach neun und der Himmel war, wie die letzten Tage auch schon, von einer dicken Wolkenschicht verhangen, fuhr ein Pferdetransporter auf den Hof. Beide Pferde waren mit dem Flugzeug angereist und da der nächste Flughafen einige Stunden Fahrt bedeutete, hatte ich einfach ein Unternehmen angeheuert, welches die Beiden wohlbehütet bei mir ablieferte.
      Parwaneeh und Adrenaline, zwei überaus hübsche Stuten mit viel Potenzial nach oben, hatten die Reise zum Glück gut überstanden und auch wenn sie noch etwas apatisch von den Beruhigungsmitteln ihre Boxen betraten, so konnte ich jetzt schon die speziellen Charaktere von beiden super erkennen.
      Einige regenvolle Tage nach ihrer Ankunft, beide hatten das Leben in unserer Ponystutenherde auf den weitläufigen Wiesen der Ranch genießen dürfen, wollte ich allerdings so langsam mit beiden anfangen zu trainieren. Petyr hatte mit Adrenaline, einer braunen Criollo Stute, bereits ein erstes Distanztraining absolviert, während Evangeline sich mit Parwaneeh und der A-Dressur beschäftigt hatte. Ich würde nun übernehmen und beide in diesen Disziplinen weiter trainieren.
      Parwi, wie ich die kleine Reitponystute einfacherweise immer nannte, hatte bereits ein gutes Vorwissen und meine Aufgabe war es nun, sie in den nächsten Tagen auf L-Niveau zu bringen. Wenn alles gut werden würde, was ich stark erhoffte und auch vermutete, so würden wir beide Ende des Monats zusammen auf ein kleines Turnier fahren, welches hier ganz in der Nähe stattfand.
      "Du Drecksspatz!" seufzte ich laut, als ich am frühen Morgen auf der Weide nach Parwaneeh Ausschau hielt. Mir war schon klar, dass es auf unseren matschigen und feuchten Wiesen nicht gerade schwer war sich so dreckig zu machen, aber ich hatte gehofft, dass ich heute nicht so viel Arbeit mit Putzen verschwenden würde. Tja, falsch gedacht. Parwaneeh war von Kopf bis Po und von Rücken bis Huf in eine dicke Schicht Schlamm gewickelt. Mir blieb also nichts anderes übrig, als den Wasserschlauch zu holen und so Parwis hübschem Fell wieder zu altem Glanz zu verhelfen. Auch wenn ihr Mähne noch immer nicht ganz so hell war wie vorher, jedenfalls klebten keine Schlammbatzen mehr im Haar.
      Für den ersten Tag war nicht viel geplant, nur, dass ich alles bereits gelernt nochmal abfragen würde und so gleich herausfinden konnte, wobei Parwi Schwierigkeiten hatte und was ihr leicht fiel.
      Natürlich ließ es sich Petyr nicht nehmen, mir bei meiner Arbeit zuzuschauen und so lehnte er breit grinsend auf einem Zaunpfahl an unserem Reitplatz und kommentierte, so wie immer, jeden meiner Schritte. Manchmal war er wirklich wie ein Bruder für mich. Ein nerviger Bruder.
      "Hast du nichts Besseres zu tun?" fragte ich ihn leicht genervt, als er mir mitteilte, dass der eine Steigbügel von Parwaneehs Sattel noch nicht unten war, als ich aufsteigen wollte. Ich stieg trotzdem auf, ICH konnte das auch vom Sattel aus.
      "Nö, habe heute frei." Na super, das würde ja spaßig werden. Jetzt fehlte nur noch sein nerviger Papagei, der auch ständig seine Meinung kundtun wollte.
      Allerdings schien das Glück heute auf meiner Seite zu sein, denn nachdem ich die ersten Runden zur Erwärmung geritten war, tauchte Nicolaus, der Hofbesitzer auf, auf seinem Rücken schlief fest verschnallt sein kleiner Sohn Bartholomäus. Nico brauchte dringend Hilfe im Stall und so musste Petyr wohl oder übel seinen Posten verlassen.
      Und endlich konnte ich ganz bei Parwaneeh sein.
      Bei Parwi fiel mir schnell auf, dass sie sehr schwungvolle und schnelle Gänge besaß, was vor allem im Galopp deutlich wurde. Ihr Trab war daher schwer zu sitzen und ich konnte mir jetzt schon vorstellen, dass ich bei ihr später viel Arbeit beim versammelten Trab und Galopp haben würde.
      Ich übte so heute vor allem die Übergänge von Schritt zu Galopp und achtete darauf, dass sie ruhig und gelassen ansprang.
      Die verschiedenen Bahnfiguren, wie die 10m Volte im Trab, durch die Länge der Bahn wechseln und die Schlangenlinien mit vier Bögen übte ich zwischendurch, allerdings beherrschte sie diese nahezu perfekt. Wendig war sie ja, die Kleine.
      Zum Schluss kamen noch ein paar einfache Lektionen dran, wie das Rückwärtsrichten oder die Kehrtwende auf der Vorderhand, welche alle eine Grundlage für das spätere Training waren.
      Es war für den ersten Tag reichlich, immerhin musste auch Parwi sich an die neue Person auf ihrem Rücken gewöhnen, welche ganz schön viel von ihr verlangte, und da auch sie überaus gut mitgearbeitet hatte, beendete ich das Training nach einer knappen Stunde.
      Zurück zum Stall ritt ich sie. Erstens war ich zu faul zum Laufen und zweitens nutzte ich das einfach als Entspannungsphase am langen Zügel, so war uns beiden Geholfen.
      Der Stall war mittlerweile von lauten Kaugeräuschen überfüllt; Nico und die anderen hatten alle Pferde von den Weiden geholt und in ihre Boxen verfrachtet. Da bei uns wegen der Nähe zum Wasser übernatürlich viele Mücken umherschwirrten, verbrachten die Pferde die Sommertage in der Box und dafür die kühleren Nächte auf den Weiden, wo ihnen der kühle Wind die nervigen Viecher vom Körper bließ.
      Ich sattelte Parwi vor dem Stall ab, beeilte mich jedoch, weil sie großen Hunger zu haben schien und unbedingt zu ihrer Box wollte, in welche ich sie kurz darauf auch entließ.
      In den nächsten Tagen würde ich das Training unbemerkt Tag für Tag steigern, sodass sie in wenigen Wochen locker auf L laufen konnte.
      Die ersten Tage beschäftigte ich mich vor allem mit den neuen Bahnfiguren. Diese waren jedoch für Parwi kaum ein Problem, da sie überaus geschickt und wendig war und so auch die verschiedenen Schlangenlinien und Volten nach einigen Tagen problemlos meisterte. Auch das Tempo erhöhte ich Tag für Tag, sodass selbst die Schlangenlinie mit drei Bögen im Galopp mit einfachem Galoppwechseln nahezu perfekt war.
      Immer wieder ging ich alle neuen Bahnfiguren in allen Gangarten durch und kombinierte diese mit bereits gelernten Lektionen aus der A-Dressur, damit es auch für Parwi nicht zu eintönig wurde.
      Wenn es das Wetter zuließ, arbeitete ich mit ihr meist auf dem Platz im Schatten der Bäume. Meist mussten wir jedoch in die Halle ausweichen, da das nordische Wetter hier oben mindestens vier Tage in der Woche regnen wollte.
      Um Parwaneeh auch etwas Entspannung zu bieten, legte ich ab und zu mal einen Tag ein, an dem es nicht auf den Platz ging, sondern zu einem kleinen Ausritt ins Gelände. Hier versuchte ich vor allem Parwis Glieder so gut wie möglich zu entspannen, damit sie mit neuer Kraft mit dem Training weitermachen konnte.
      Nach den Bahnfiguren stand auf meinem Plan, dass es für die neuen Lektionen Zeit war. Einiges davon hatte ich Parwi neben den Bahnfiguren bereits beigebracht, wie zum Beispiel der einfache Galoppwechsel, aber andere Übungen waren um einiges komplizierter.
      Deshalb begann ich mit dem Außengalopp, was für die junge Stute noch ungewohnt und komisch war, sodass ich einige Zeit brauchte, damit sie sich an den neuen Rhythmus gewöhnt hatte. Nun musste sie nur noch lernen, auch zwischen Innengalopp und Außengalopp wechseln zu können
      Der nächste Schritt bestand dann darin, ihr noch die Kurzkehrtwendung und die Hinterhandwendung beizubringen Parwi war jedoch äußerst geschickt was das betraf und hatte schnell verstanden, wohin sie ihre Hufe zu setzen hatte.
      Gegen Ende des Monats bestand dann nur noch der letzte Schritt darin, ihr die beiden neuen Gangarten beizubringen, die in einer L-Dressur gefordert waren. Beides machte ihr ganz schön zu schaffen, der versammelte Trab, sowie der versammelte Galopp. Ich fing jedoch leicht im Trab an, ließ sie immer nur einige Schritte versammelt laufen und bot ihr dann wieder eine kurze Entspannungszeit. Irgendwann lief sie dann auch schon eine ganze lange Seite, dann eine halbe Bahn und zum Schluss sogar mehrere Runden hintereinander im versammelten Trab, sodass ich mit dem Galopp weitermachte. Auch hier begann ich einfach, steigerte das Training jedoch erheblich schneller, da sie nun die Grundlagen bereits konnte.
      Am Ende des Trainings konnte ich sie in allen drei Gangarten versammelt reiten, was für sie ein großer Fortschritt war.
      Am letzten Monatswochenende fand in Sylling ein kleines Hofturnier statt, an welchem ich Parwaneeh kurzfristig zu einer L-Dressur Prüfung anmeldete. So starteten wir bereits in aller Frühe und auch wenn ich nicht allzu viel erwartete, immerhin war es ihr erstes L-Dressur Turnier, freute ich mich darauf, vielleicht eine Bestätigung zu bekommen, dass das Training diesen Monat erfolgreich gewesen war.
      Die Kür hatten Parwi und ich bereits des Öfteren geprobt, sodass sie bei dieser eigentlich keine Probleme haben sollte. Erstaunt war ich allerdings, als Parwaneeh während des Rittes selbst die schwierigeren Lektionen fast perfekt ausführte und nur das ein oder andere mal etwas unsicher kleine Taktfehler und Stolperer einbaute.
      Umso zufriedener war ich dann, als wir einen überaus guten fünften Platz belegten und ich mir nun sicher war, dass Parwi die Aufstufung auf Stufe L erfolgreich bestanden hatte.
      Neben Parwaneeh musste jedoch auch Adrenaline in der Distanz gefördert werden, was genauso viel Arbeit war wie bei Parwi.
      Lines Training fand jedoch überwiegend im Gelände statt, wo ich sie mit viel Zeit und Ruhe auf einen M-Distanzritt vorbereitete.
      Die ersten Tage lernte ich die junge Stute bei kürzeren Ritten bis zu 25 Kilometern besser kennen, schaute, worauf man bei ihr achten musste und an was man arbeiten konnte. Ich merkte schnell, dass sie Abwechslung benötigte und gerne auch mal richtig gearbeitet wurde.
      Auch bei Adrenaline hatte ich einen festen Trainingsplan, den ich versuchte so gut wie möglich einzuhalten.
      Aller zwei Tage ging es für mich und Line in den Roundpen, in welchem ich ihr versuchte Entspannung zu bieten und trotzdem nebenbei die Muskeln weiter aufzubauen, welche sie für einen M Distanzritt dringend brauchte, denn immerhin musste sie mich die ganze Zeit auch tragen können.
      Wenn das Wetter zu schlecht fürs Gelände war, was sehr oft der Fall war, verlegte ich das Training in die Halle, wo ich mit viel Stangen- und Bodenarbeit die Stute gymnastizierte und aufbaute.
      Erst als ich eine gute Grundlage geschaffen hatte, lag mein Hauptaugenmerk auf dem Gelände. Bereits in aller Frühe putzte ich die junge Stute, sattelte sie und nahm ihr jeden Tag aufs neue gewissenhaft die Pulswerte. Diese würde ich am Ende des Monats auswerten und schaue, wie sehr sie sich im Laufe der Zeit verbessert hatte.
      Dann ging es ins Gelände. Erst blieben wir meist im Umkreis des Gestüts, aber je länger und schneller unsere Strecken wurden, desto weiter entfernten wir uns von der Ranch und waren so auch natürlich viel länger unterwegs.
      Als ich merkte, dass Adrenaline so langsam der Spaß verloren ging, als sie zum sechsten Mal den Weg am Ufer des Tyrifjords laufen musste, bat ich Petyr, uns Richtung Norden zu fahren. Von dort ritt ich mit der jungen Stute nun zurück zu Ranch und merkte, dass die Abwechslung ihrer Motivation echt gut tat.
      Kurz vor Ende des Monats tat ich dies auch wieder, nur dass die Strecke eine andere war. In aller Frühe fuhr mich Petyr 45 Kilometer Richtung Westküste, welche ich heute mit Line zurücklegen wollte.
      Das sollte das finale Training werden und ich hoffte, dass alles gut und wie geplant verlaufen würde. Ausgerüstet mit Regenjacke, GPS-Gerät und Pulsmesser, startete ich in aller Frühe den Distanzritt.
      Die ersten hundert Meter blieb ich noch im Schritt und erwärmte die junge Stute. Ich merkte, dass sie aufgeregt war, denn sie hatte genau bemerkt, dass wir heute noch weiter gefahren waren als die letzten Male. Aufgeregt wollte sie das Tempo von alleine erhöhen, ich hielt sie jedoch zurück und achtete darauf, dass ihr Puls nicht zu sehr stieg.
      Ich kannte sie mittlerweile recht gut und wusste, dass sich ihre Unruhe nach etwa einer halben Stunde legen würde, weswegen ich umso ruhiger blieb und. Nachdem die Stute zur Genüge warm geritten war, trabte ich sie an und hielt dieses Tempo auch so lange wie möglich durch. Line war eines der Pferde, welches am besten lief, wenn sie über einen längeren Streckenabschnitt im konstanten Tempo laufen konnte.
      Dafür war das Gelände hier aber auch wie geschaffen. Meist folgten wir weichen Waldpfaden und nur selten mussten wir auf größeren Straßen laufen oder diese auch nur überqueren.
      An schwierigen Stellen parierte ich sie durch, trabte jedoch so schnell wie möglich wieder an. Nach unserer ersten Pause, in welcher ich ihre Pulswerte genommen und uns eine Pause gegönnt hatte, ließ ich sie für kürzere Strecken auch galoppieren, verlängerte jedoch die Schrittphasen, damit ich sie nicht zu sehr überarbeitete. Immerhin waren es 45 Kilometer die geschafft werden mussten und das so schnell und so gesund wie möglich.
      Ich merkte, dass Lines Kräfte mehr und mehr schwanden und aus der sonst sehr aktiven und lauffreudigen Stute wurde eine erschöpftes Pony, welches, je weiter wir geritten waren, immer mehr stolperte.
      Nach knapp vier Stunden hatten wir es allerdings geschafft und die ersten Weiden der Ranch tauchten vor uns auf, welche Line mit einem erschöpften Wiehern begrüßte.
      Auch ich war erschöpft und umso mehr freute ich mich, als Petyr bereits mit einer Tasse Kaffee für mich und eine Abschwitzdecke für Adrenaline auf uns wartete und mir dann half, die Stute zu untersuchen und zu versorgen, bevor diese in ihre Box entlassen wurde, wo eine leckere Mahlzeit auf sie wartete.
      Eigentlich hatte ich geplant, auch mit Adrenaline auf einem kleinen Turnier zu starten. Jedoch musste ich das Absagen, weil mich eine überaus unschöne Sommergrippe erwischt hatte. Das Training war dennoch überaus erfolgreich gewesen und ich wusste, dass auch Adrenaline diesen Monat viel Neues gelernt hatte und von nun an auf der Stufe L laufen durfte.
      Tschilp, tschilp, tschilp – das hörte ich mir nun schon den ganzen Tag an. Ursprung davon war ein kleiner Piepmatz, der hungrig in seiner Müslischüssel auf dem Fensterbrett sass und auf einen Snack wartete. Ich hatte ihn am Morgen in der Halle gefunden, vermutlich war er aus dem Nest gefallen und hatte sich dabei den einen Flügel gebrochen, denn dieser hing etwas schief. Ich machte mir Sorgen um den kleinen Federball, denn er frass zwar, war aber dauernd etwas aufgeplustert. Lisa hingegen war optimistisch: „Der wird schon Occu, solange er frisst und kackt ist alles in Ordnung.“ Ich war etwas genervt über ihre saloppe Ausdrucksweise, zuckte dann aber mit den Schultern und fing noch ein paar Heuschrecken, die ich ihm später in den Schnabel stopfen wollte. Sie versuchten mit aller Kraft mir zu entkommen, dem ein oder anderen gelang es auch, aber die meisten landeten trotz der Strapazen in der kleinen Schachtel mit dem Löcherdeckel. Gefühlte 100 Jagdversuche später stellte ich den Behälter zufrieden neben das improvisierte Nest und machte mich auf den Weg zur Stutenweide. Auf dem Plan stand ein Ausritt mit Lily, Rosie und Lewis. Nein, eigentlich standen auf dem Plan nur in Olivers Handschrift „Moon Kiddy“ und die Namen der weiteren Pferde, die ich diesen Monat persönlich betreute. Aber da es wundervolles Spätsommerwetter war und wir nach den Regenfällen letzte Woche endlich wieder baden gehen wollten, war etwas anderes als Ausreiten gar nie in Frage gekommen. Um mich herum zirpten die Heuschrecken, als ich auf dem Trampelpfad zum Weidetor lief. Piroschka und Feline sahen mir entgegen, senkten dann aber wieder die Köpfe zum Grasen. Sie hatten das einzig Vernünftige gemacht und unter den Bäumen Schatten gesucht. Ich hatte schon heiss vom blossen laufen. Umso mehr freute ich mich auf die Abkühlung. Ich pfiff als ich die Weide betrat, sodass sich die kleine Herde in meine Richtung bewegte. Allen voran kam Islah, nur um kurz vor mir anzuhalten und anschliessend demonstrativ wieder in den Schatten zu schlendern. Sie war die unangefochtene Leitstute, aber die anderen blieben zum Glück erstmal bei mir, sodass ich Moon und Feline zu fassen bekam. Rosie und Lewis können sich Adrenaline und Piroschka nachher selber einfangen, beschloss ich. Ich führte sie beiden Stuten zum Nebenstall, ohne mir die Mühe des Halfterschliessens zu machen. Die gingen sowieso nirgends sonst hin. Ich band beide unter dem Dach an und begann sie zu putzen. Hier hatte ich wenigstens auch etwas Schatten, sodass ich während des Bürstens nicht in meinem eigenen Schweiss ertrank. Trotzdem liefen mir die Tropfen schon nach kurzer Zeit die Stirn runter. Ausserdem hatte ich beim Knoten meines Bikini Oberteils wohl ein paar Haare erwischt, die nun die ganze Zeit unangenehm zwickten. Lily hatte ihre Badesachen auch endlich angezogen (und vermutlich den Piepmatz endlich fertig gestreichelt, obwohl ich sie gebeten hatte, ihn in Ruhe zu lassen). Sie setzte ihr unschuldiges Grinsen auf und striegelte Feline. Kurze Zeit später waren Lewis und Rosie mit ihren beiden Reittieren bei uns. Weil es seit drei Tagen wieder trocken war, hatten es die Pferde auch geschafft, abgesehen von etwas Staub sauber zu bleiben. Ausserdem putzen wir sie sowieso nicht allzu gründlich, weil wir nachher ins Wasser wollten. Daher sassen wir bald schon ohne Sattel und in Badesachen oben und ritten in Richtung Fluss vom Hofgebiet weg.
      Das Ufer war bei der Übergangsstelle zur Insel schön flach, sodass wir über den Trampelpfad ohne Schwierigkeiten ins Wasser kamen. Linn wollte nicht sofort rein, aber als sie sah, dass Moon und Feline ohne zu zögern vorausgingen, folgte sie mit einem zögerlichen Satz. Piroschka begann sofort zu scharren, als sie den ersten Huf im Wasser spürte. Lewis musste sie sogar energisch antreiben, dass sie sich nicht ablegte, als die beiden tiefer drin waren. Wir wateten zu einer tieferen Stelle, sodass die Stuten sogar ein wenig schwimmen mussten. Moon strecke Ohren und Nüstern so weit in die Höhe wie es ging, damit kein Tröpfchen Wasser rein kam. Ich klammerte mich an ihre dichte Mähne, damit ich mich auf dem schwimmenden Nilpferd halten konnte und nicht unter die Paddelhufe kam. Lily tat es mir gleich, sie war diesen Sommer schon ein paarmal mitgekommen und wusste, dass sie aufpassen musste. Am Ende kletterten wir tropfend wieder an Land und die Pferde schüttelten sich erstmal kräftig, sodass wir allesamt fast von den Rücken runtergerutscht wären. Dann machten wir uns erfrischt auf den Heimweg, aber nicht ohne am Wegrand einen kleinen Galopp zu wagen. Ich fragte Lily vorher, ob sie sich traue, doch sie verdrehte als Antwort nur die Augen und galoppierte bereits an. Wobei sie sich dann doch ziemlich gut festhalten musste, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren.
      Zuhause versorgten wir die vier Criollos und kümmerten uns um die nächsten Kandidaten. Islah, Echo, Coffee, Shadow und Noir waren bereits bewegt worden – erstere drei ebenfalls auf einem Ausritt mit Jonas, Elliot und Lisa. Shadow und Noir waren am Morgen an der Longe gequält worden. Ich machte nun die Sachen von Lila Wolken bereit. Ja, die Stute war wieder Zuhause. Sie war bei Eddi in besten Händen gewesen und hervorragend trainiert worden, aber Eddi hatte einfach nicht mehr genug Zeit für zu viele Pferde, deshalb hatte sie ihren Bestand ziemlich reduziert. Auch Caruso und Flintstone waren aus diesem Grund zurückgekehrt. Alle drei hatten die Reise gut überstanden und sich schnell wieder eingelebt – das war nun auch schon wieder ein paar Wochen her. Ich war besonders froh dass ich Flint wieder hatte, denn so hatte ich nun schon zwei meiner ursprünglichen drei Westernpferde aus der Anfangszeit von Pineforest zurück. Wenn ich mir den Hengst ansah, kamen mir sofort Erinnerungen in den Sinn und ich fragte mich, wie es wohl Lovely Summertime ging. Ich wusste wenigstens, dass sie noch lebte, denn ich hatte sie kürzlich auf einem Foto eines Kanadischen Turniers wiedererkannt. Doch nun zurück zu Lila, die mittlerweile gesattelt vor dem Nebenstall angebunden stand. Ich zog ihr das Halfter aus und schob ihr die Trense in den Mund. Sie nahm sie willig an und kaute darauf herum, während ich versuchte, die drahtige Wuschelmähne unter dem Genickband zurecht zu zupfen. Als ich es geschafft hatte, kam mir Jonas entgegen. „Hey Boss, soll ich mit Ronja raus gehen oder im Roundpen Seitengänge üben?“ „Was weiss ich? Du bist kein Kind mehr, entscheide selbst“, antwortete ich gereizt. „Was hab ich jetzt schon wieder verbrochen?“, wollte er daraufhin gerechtfertigter Weise wissen. Ich sah ihm nicht in die Augen, aber murmelte entschuldigend: „Okay tut mir Leid, du kennst mich doch - ich hab immer viel um die Ohren.“ „Schon gut, ich verzeihe dir nochmal“, beschwichtigte er grinsend. „Wobei ich wünschte, du hättest mehr Zeit.“ „Mehr Zeit wofür?“ Er schien überrascht, dass ich seine Worte gehört hatte und meinte rasch: „Ach, für Ausritte oder Filmabende...“ Ich sah ihn stirnrunzelnd an und überlegte. „Wenn du unbedingt willst, können wir heute Abend zusammen mit Lily einen Film schauen.“ „Ich meinte eher, nur wir zwei“, murmelte er, fügte dann aber auf meinen allessagenden Blick hin rasch hinzu: „aber mit Lily ist natürlich auch vollkommen okay, ich würde mich freuen.“ Ich wandte mich kopfschüttelnd wieder Lila zu und dachte laut: „Diese Männer, immer nur das eine im Kopf.“ Er rief im Weggehen lachend: „Was denn? Ich hab nicht mal im Entferntesten an sowas gedacht, wenn du das reininterpretierst ist das nicht meine Schuld.“ Meine Ohren wurden heiss, aber ich liess es gut sein und kümmerte mich um mein Pferd, anstatt nochmal etwas anzufügen.
      Lila lief brav auf der Ovalbahn, wie ich es mir von ihr gewohnt war. Sie beherrschte mittlerweile sogar Renntölt und war sehr fein an den Hilfen. Sie hatte auch schon ein paar entscheidende Turniere bei Eddi gewonnen und war nun in die Höchstklasse aufgestiegen, also hatte ich mit ihr nun drei Gang-Cracks im Stall. Zufrieden liess ich sie nach einer halben Stunde austraben und führte sie nach dem Absteigen im Schatten der Tannen trocken. Ich musste bis zum Abend noch Satine, Rebel und Pilot bewegen, ausserdem La Bella Goia in Empfang nehmen. Die Siebzehnjährige Stute durfte in ihr altes Zuhause zurückkehren und hier ihren Lebensabend geniessen. Aber im Moment war sie noch äusserst gut in Form und würde als erfahrenes Turnierpony für Lily dienen – und als Freizeitpartner für mich. Sie wurde pünktlich um sechs Uhr von Hans gebracht und ich führte sie sogleich in ihre neue Box im Nebenstall. Mit Pilot ging ich zuvor nochmal raus ins Gelände, denn der Hengst hatte gestern eine anstrengende Dressurstunde gehabt. Satine bewegte ich auf dem Sandplatz, ebenso Rebel. Wobei ich mit letzterem noch etwas an unseren Pleasure-Fertigkeiten feilte. Um acht Uhr war ich endlich mit allen fertig und half noch rasch Lily beim Verräumen von Areion, mit dem sie fleissig Gymkhana Übungen gemacht hatte. Dann wollte ich gemeinsam mit ihr nach dem Piepmatz sehen, den ich zuletzt um sieben Uhr gefüttert hatte. Lily rannte voraus durch die Haustür. Als ich hinterherkam, stand sie geschockt da. „Occu, es bewegt sich nicht mehr!“ Ich ahnte schon, was los war; ein Blick in die Schale bestätigte meine Vermutung. „Er hat’s nicht geschafft… Da war wohl doch etwas nicht mehr ganz in Ordnung mit seinen Organen.“ Lilys Augen füllten sich mit Tränen und sie schluchzte leise: „Er war ein Vogel, aber durfte in seinem kurzen Leben nicht einmal fliegen… Dabei haben wir uns so Mühe gegeben! Das ist einfach ungerecht.“ „Manchmal reicht Mühe allein nicht aus, und die Natur ist erbarmungslos. Aber da wo er jetzt ist, kann er sicher fliegen und ist schmerzfrei. Komm, wir begraben ihn im Garten.“ Mir bildete sich zugegebenermassen auch ein Kloss im Hals, als ich beobachtete, wie meine Nichte das tote Vögelchen schluchzend in ihre kleinen Hände hob und hinaustrug. Wir buddelten ein Loch und Lily sammelte ein paar Blümchen, die sie hineinlegte, um dem Piepmatz ein hübsches Blumennest zu machen. Dann legten wir ihn hinein und schoben die Erde langsam zurück ins Loch. Wir standen noch einen Moment da, dann legte ich den Arm um Lilys Schulter und führte sie ins Haus.
      Wir schauten wie versprochen mit Jonas einen Film, was meine Nichte auf andere Gedanken brachte. Ich war an diesem Abend froh und dankbar, Jonas bei uns zu haben. Denn auch mich brachte der gemeinsame Abend auf andere Gedanken. Trotzdem träumte ich in dieser Nacht von einem hüpfend-flatternden Federball, der mich vorwurfsvoll ansah, laut tschilpte und dann über eine Wiese mit vielen Grashüpfern hinweg flog. RIP Piepmatz
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      31. August 2016
      Hufkontrolle | 2628 Zeichen | (c) Sosox3
      „Norwegen?“, fragte mich Rachel verwirrt. „Ja Norwegen“, gab ich meiner Partnerin am Telefon als Antwort. „Aber da warst du doch erst“, ich spürte ihre Unsicherheit in der Stimme. Sonst sprach sie nie so schnell. „Ja, aber bei einem anderen Kunden. Dieser hier scheint wohl auf demselben Hof zu wohnen. Ist aber nicht derselbe Kunde.“ „Okey, versprichst du mir, dass du spätestens übermorgen wieder hier bei mir bist und mir ein wenig unter die Arme greifst?“ „Versprochen…Aber du Liebling, ich muss jetzt auflegen. Ich muss jetzt in den Flieger. Ich liebe dich.“ „Ich dich auch“, murmelte sie und legte dann auf. Ich schaltete mein Handy auf den Flugmodus. Der Flug dauerte fast 2 Stunden und schlauchte mich auch dieses Mal. Der Weg zum Trainingshof von Malte Tordenvaerson war derselbe wie der von Nicolaus du Martin.
      -
      Auf dem Hof angekommen, führte mich mein Kunde auch gleich zum ersten Pferd namens Adrenaline. Ein brauner Criollo, der mir irgendwoher bekannt vorkam. Ich machte mir zunächst nichts draus. Adrenaline war von vorneherein ein braves und zutrauliches Pferd, welches mir auch bei der Kontrolle ruhig entgegenkam. Sie hatte optimale Hufhärte und Huflänge, sodass ich gar nicht viel ausschnitt und dann mit dem Raspeln und Feilen weitermachte. Als das getan war, nahm Malte sie mit und ich rief Rachel kurz an. „Ich glaub ich habe ein Pferd gesehen, das mal dir gehört hat. Eine Stute, die Adrenaline heißt und ein Brauner Criollo ist? Sie kam mir bekannt vor.“ „Was? Das Pferd gehörte mal meinem Ex, Manu.“ Rachel schien erstaunt. „Ich knuddel sie von dir“, dann legte ich auch wieder auf. Malte kam nämlich mit seinem vor kurzem eingerittenen Mix-Pony Braum zu mir und wollte eine Kontrolle der Hufe und das Aufnageln von Aluminiumeisen. Braum schien mir ein wenig rebellisch, aber dennoch bei meiner Arbeit war er brav. Die Kontrolle verlief super. Er hatte gute Hufe, keine Fehlstellungen und auch sonst feilte ich die Fläche der Hufe gerade, um die Aluminiumhufeisen aufzunageln. Braum sah mir neugierig bei der Arbeit zu und testete hier und da mal, sonst geschah aber nichts.
      Der nächste und letzte war der junge Isländerhengst Leidtogi, der wohl auch schmiedefromm sein sollte. Der gute blieb auch während der Kontrolle brav und auch hier konnte ich nichts Gravierendes entdecken, bis auf, dass seine Hufe ziemlich hart waren und somit für normale Eisen gut gemacht waren. Beim Aufnageln der Hufeisen blähte er die Nüstern sehr und sah mir dabei zu. Der aufsteigende Rauch schien ihn ein wenig zu verunsichern. Beim Vortraben lief auch alles glatt und ich konnte meinen Weg nach Dänemark antreten.
    • Calypso
      Alte Berichte II:
      Es war ein sonniger Spätsommermorgen und die Natur schien verschlafen zu haben. Es lag viel Tau auf dem Gras, die Luft roch frisch und sauber. Das Gewitter vom Vortag hatte den ganzen Staub von den vergangenen heissen Tagen weggewaschen. Ich streckte mich genüsslich und genoss einen Moment die frühen Sonnenstrahlen auf meiner Haut. Vom morgendlichen Vollbluttraining herkommend befand ich mich gerade auf dem Weg zum Nordstall. Drinnen war es schön kühl. Die Pferde raschelten fleissig in ihrer Frühstücks-Heuportion und ich entdeckte ein paar Mäuse, die gerade den Boxenwänden entlang flüchteten. Jackie spitzte sofort aufgeregt die Ohren und flitzte hinterher, aber natürlich erwischte sie keine. „Wo sind diese verlausten Katzenviecher wenn man sie mal braucht?“, stellte ich sarkastisch an mein Hündin gewandt fest. Sie musterte mich Schwanzwedelnd und erwartungsvoll. „Heh sweetie? No treats until you catch one.“ Ich stellte mich vor Donuts Box und rief seinen Namen. Der Ponyhengst hob den Kopf, spitzte die Ohren und brummelte. Ich schmunzelte, weil seine Stimme wie immer höher als die eines Grosspferdes war und das Geräusch dadurch umso witziger klang. Geputzt und gesattelt hatte ich ihn schnell, denn er war noch sauber von gestern. Das Langhaar bearbeitete ich nochmal mit etwas Glanzspray, damit der Schweif schön fluffig und voluminös war. Dann führte ich Donut auf den Reitplatz, denn was gab es besseres, als die noch kühle Morgenstimmung für eine Dressurstunde zu nutzen? Ich wärmte Donut auf und trabte ihn dann erstmal in Dehnungshaltung auf mehreren Volten. Nach einer Weile nahm ich die Zügel auf und begann, den Hengst mit lockeren Seitengängen zu gymnastizieren. Er war heute fleissig und energiegeladen, was ich sehr mochte. Trotzdem entschleunigte ich ihn anschliessend mit ein paar kleinen Volten, damit er nicht auf die Vorhand kippte. Im Schritt versuchte er immer wieder anzutraben, wie ein ungeduldiges Kind. Doch ich nahm es gelassen und schätzte seinen Eifer. Ich beschloss, jetzt erstmal ein wenig Galopparbeit zu machen, bevor ich mich noch an Travers Lektionen wagte. Er galoppierte schwungvoll und in korrekter Haltung, leicht vor der Senkrechten und schön bergauf. Wie toll es doch war, einen so fein ausgebildeten Hengst zu reiten! Ich versammelte den Galopp und liess ihn auf der langen Seite wieder zulegen, dann wechselte ich durch die Diagonale und machte einen Galoppwechsel bei X. Kein Problem für Donut – als erfahrenes Springpony gehörte das zu seinen Spezialitäten. Nach dem versprochenen Travers machte ich noch ein wenig Schulterherein, dann liess ich es für heute gut sein und brachte Donut zurück in den Nordstall. Ich sattelte ab, bürstete das Fell glatt und kratzte die Hufe aus. Als ich fertig war, entliess ich ihn in seine Box und gab ihm drei Karotten, die er hastig runterschlang. Ich kraulte zum Abschied seinen Hals und den weissen Nasenrücken, wobei er genüsslich den Mund verzog. Er wollte mich gar nicht weggehen lassen, sondern sich gleich hinter mir wieder durch die Boxentür zwängen, was ihm natürlich nicht gelang. Enttäuscht brummelte er mir hinterher und ich bekam beinahe ein schlechtes Gewissen, einfach so davonzulaufen. Aber sein eigentlicher Beweggrund, so war ich mir fast sicher, war die vierte Karotte, die ich noch immer in der Hand hielt um sie nun Ljóski hinzustrecken. Herkir, der in derselben, besonders grossen Box stand, versuchte eifersüchtig seinen Kumpel wegzuekeln. Ich führte Loki in die Stallgasse und putzte ihn ausgiebig. An seinem wolligen Langhaar hatte ich besonders lange. Der Hengst war kitzlig und zuckte die ganze Zeit mit dem Widerrist, als ich mit der weichen Bürste nochmals über seinen Körper strich. Besonders am Bauch mochte er es gar nicht, sodass er vor und zurück zappelte. Ausserdem drehte er mehrfach den Kopf um sich mit der Schnauze an seiner Schulter zu kratzen. Das hibbelige Getue ging auch beim Aufsteigen weiter und ich fragte mich langsam, ob Herkir und er Persönlichkeiten getauscht hatten, denn normalerweise war der Fuchsschecke eher wie ein Sack voller Flöhe. Ich ging mit dem vor Energie überlaufenden Loki ins Gelände und machte ein paar gesunde Galopps, sodass ich ihn am Ende zufrieden und ausgepowert am langen Zügel nachhause reiten konnte. Als nächstes stand Longieren mit Moon Kiddy auf dem Programm, als Abwechslung für sie und mich. Nachdem sie am Sonntag an einem anspruchsvollen Gymkhana mit Darren gestartet war, hatte sie sich eine Pause verdient. Deshalb arbeitete ich mit ihr eine halbe Stunde lang locker im Roundpen, wobei ich nicht mehr als Übergänge und Seitenwechsel verlangte, um ihre Reaktion auf meine Körpersprache weiter zu schulen. Sie war sehr aufmerksam und liess sich gänzlich auf mich ein, was das Training sehr einfach machte. Andererseits kannten wir uns nun auch schon so lange, dass ich alles andere als bedenklich gewertet hätte. Meine hübsche Criollostute mit der mächtigen, schwarzen Mähne, ihr Markenzeichen, kam am Ende des Trainings zu mir in die Roundpen Mitte und holte sich ihre Karottenstückchen ab. Ausserdem wischte sie liebevoll mit der Oberlippe auf meinem Unterarm hin und her, als wollte sie mich kraulen. Ich tat es ihr gleich und massierte ihren Widerrist, dann führte ich sie am Halfter zurück in den Nebenstall. Inzwischen waren die Hengste alle auf die Weiden gelassen worden; die Stuten kamen am Nachmittag raus.
      Ich bekam pünktlich um zehn Uhr einen Anruf, dass mein neues Hengstfohlen, LMR Royal Champion, gesund und munter im Flughafen von Birmingham angekommen war. Der Jährling stammte von der Lake Mountain Ranch, einem noch eher unbekanntes Gestüt, doch seine Abstammung gefiel mir und sein Exterieur hatte mich überzeugt. Er war ein Mix, daher überlegte ich, ihn kastrieren zu lassen, doch das hatte noch Zeit. Erstmal holte ich ihn nun ab und brachte ihn zu seinen neuen Kumpels auf die Hengstfohlenweide. Es gab ein paar Rangeleien, wie das eben war, wenn ein Neuling in die Gruppe stiess. Ich beobachtete das Ganze, bereit, jederzeit mit schwingendem Führstrick einzugreifen. Doch es war wie erwartet nicht nötig: Royal wurde von allen Seiten neugierig beschnuppert und ein bisschen ‚angenagt‘, dann war die Rangfolge fürs erste geklärt und er wurde in Ruhe gelassen. Dass er sich so rasch in das soziale Gefüge eingelebt hatte, sprach für die Haltung des Züchters. Zufrieden widmete ich mich wieder den anderen Stallarbeiten.
      Lily war noch in der Schule, also traute ich mich nicht, etwas mit Thairu, unserem gestreiften ‚Pony‘ zu unternehmen. Sie wollte immer dabei sein wenn ich mit dem Zebra arbeitete, was leider im Moment nicht allzu oft geschah. Andererseits hatte ich das Gefühl, dass es auch besser für Thairu war, wenn sie nicht zu viel Trainiert wurde. Schliesslich war so intensiver Kontakt zu Menschen noch immer recht viel Stress für sie und ich wollte sie nicht überfordern. Ich beschloss, mir heute Abend eine Stunde für das Zebra freizuhalten.
      Es war nun 11 Uhr und mittlerweile ziemlich warm geworden, sodass ich nur noch im Trägertop rumlief. Zira und Sheela waren treu an meiner Seite, Jackie hingegen hatte sich aus dem Staub gemacht als ich aufgebrochen war um Royal abzuholen. Vermutlich überwachte sie mal wieder gewissenhaft ihr Territorium oder döste irgendwo im Schatten. Ich liess es mir nicht nehmen, rasch mit den beiden Hündinnen zu spielen, als ich unterwegs zur Stutenweide einen nahezu perfekten Stock dafür fand. Er wies schon ein paar Nagespuren auf, also hatten ihn die Hunde wohl von irgendwoher angeschleppt. Ich warf ihn soweit wie meine eher spährliche Armmuskulatur es erlaubte und sah dann belustigt zu, wie sich Sheela und Zira dynamisch darauf stürzten. Sheela, die ja ein wenig älter und deutlich massiger war als die schlaksige Zira, brauchte bloss einmal warnend zu knurren um ihrer jungen Spielgefährtin klarzumachen, dass sie alleine den Stock tragen durfte. Sie brachte ihn mit stolz aufgerichtetem Gang zu mir zurück. Zira trottete hinterher, wie eine hungrige Wölfin die auf eine Gelegenheit wartete, ihrer Rudelgenossin die Beute abzunehmen. Ich lobte beide und warf den Stock nochmal, dann lief ich zum Weidetor. Ich wollte vor dem Mittag noch mit Islah arbeiten. Die Araberstute hatte ihren Babybauch durch die ständige Bewegung auf der Weide und das Training unter dem Sattel vollständig abtrainiert und erfreute sich wieder bester Fitness, was bei ihrem Charakter nicht immer von Vorteil war. Ich mochte es aber, dass sie dieses feurige Temperament zeigte, das man oft als typisch für Araber empfand. Ich brachte sie zum Nebenstall und band sie dort ans Holzgestänge. Dann begann ich, ihr kurzes Fell zu striegeln. Noch während ich dabei war, kamen Ajith, Oliver und Jonas vorbei. „Hey Boss“, grüsste Jonas. „Ajith had an idea“, begann Oliver. „Since some of the thoroughbred stallions now live at Rosie’s farm, we could put the Arabians into the empty stalls inside the Hauptstall.” Ich verstand, worauf er hinauswollte; der Platz im Nordstall war begrenzt, hingegen im Hauptstall gab es eine ganze Reihe unbesetzter Gastboxen. Trotzdem war ich nicht so richtig zufrieden mit dem Vorschlag. Stattdessen überlegte ich laut: „What about we ask Rosie if she wants to take the Arabs in an give us our beloved English Tbs back?“ Ajiths Augen leuteten begeistert – er hing einfach an all seinen Pfleglingen und war ziemlich enttäuscht gewesen, dass die paar Hengste auf der Wilkinson Farm von anderen Pflegern versorgt werden würden. Oliver schien auch nicht abgeneigt von der Idee, nur Jonas war etwas zerknirscht, weil er dadurch künftig Numair und Anubis nicht mehr so oft sehen würde. Ich fragte ihn, ob es sehr schlimm sei, doch er verneinte glücklicherweise. „Solange du mir meinen Herkir dalässt, ist alles gut.“ Ich schmunzelte und schloss: „Dann rede ich nachher mit Rosie, ich wollte ihr sowieso einen Besuch abstatten.“ Die drei zogen zufrieden weiter und ich widmete mich wieder ganz meiner Islah. Ich arbeitete auf dem Sandviereck mit ihr, auf dem noch Stangen von Lisas Trail Training mit Shadow ausgelegt waren. Dies nutzte ich gleich, um die Stute zu gymnastizieren. Über den Stangen und Cavaletti musste sie ihre Beine heben und den Rücken wölben, ausserdem erforderte die Arbeit ein erhöhtes Mass an Konzentration, was bei ihrem Temperament gerade recht kam. Zu lange ritt ich sie aber so nicht, denn die Lektionen waren anspruchsvoll und führten im Übermass zu Muskelkater. Ich liess sie nach etwas mehr als einer intensiven halben Stunde ausgiebig austraben und brachte sie dann zurück auf die Weide.
      Nun meldete sich mein Magen zu Wort und erinnerte mich daran, dass es Mittag war. Lily kam aus der Schule zurück und half mir beim Kochen, verzog sich am Ende aber doch ins Wohnzimmer um mit den Hunden zu spielen. Ich war ihr nicht böse, denn das heutige Menü war nicht aufwendig – Spaghetti mit Tomatensauce und Salat. Ich fragte meine Nichte, ob sie Lust hatte am Abend mit Thairu zu trainieren. „Und das fragst du noch?“, kam die empörte Antwort. Ich grinste zufrieden und konzentrierte mich auf meine Spaghetti, um keine Tomatensauce zu verspritzen. Lily hatte am Nachmittag Schulfrei, also lud ich sie ein, Rosie mit mir zu besuchen. Nach dem Essen und wegräumen begaben wir uns also abermals zur Stutenweide. Ich fing mir Argenté Noir ein, Lily durfte Feline nehmen. Wir putzten die beiden Stuten direkt auf der Weide, indem wir sie an den Zaun banden und das Sattelzeug den ganzen Weg rüber trugen. Unter dem Zaumzeug liessen wir die Knotenhalfter, damit wir die beiden später auch anbinden konnten. Ich war schon ein Weilchen nicht mehr auf dem Welsh Pony gesessen, aber gewöhnte mich rasch wieder an Noirs Bewegungen. Wir ritten zusammen zur Ranch, machten aber einen Umweg durch den Fluss. Bei der Mittagshitze war es eine willkommene Abkühlung, als Feline verspielt im Wasser scharrte und uns beide nass spritzte. Noir zog wenig begeistert ihren Kopf weg und klappte ihre Ohren nach hinten, damit sie kein Wasser abbekamen. Wir wateten ans andere Ufer und trabten dem Waldrand entlang zur Ranch. Der einladende Schotterweg mit dem Kreis erinnerte mich an die Zufahrt zu einem noblen Schloss. Die Gebäude waren neu gestrichen und alles sauber aufgeräumt – von einer Baustelle war beinahe nichts mehr zu sehen. Auch die Zäune standen nun alle; sie waren hübsch weiss und ergänzten das ländliche aber zugleich edle Bild. Von weitem sah ich Cantastor und Muskat auf der Weide grasen. Sie wehrten friedlich mit den Schweifen Insekten ab und schüttelten ab und sahen auf, als sie uns entdeckten. Lily und ich stiegen ab und banden die Pferde an, dann begaben wir uns auf die Suche nach Rosie. Wir fanden sie im Wohnhaus, wo sie gerade Staubsaugte. Sie begrüsste uns herzlich und machte Tee, während Lily freiwillig fertig staubsaugte. Wir plauderten eine Weile bei Tee und Keksen, bevor ich wie versprochen die Idee mit den Arabern ansprach. „That’s funny“, meinte Rosie als ich fertig war, „I bought two Arabians recently, from a place named Fearie Hills. It’s a mare and a stallion, both precious breeding stock, but Fearie Hills is being closed and so their horses are all for sale. I was afraid that those two could end up with some dubious traders, so I kinda rescued them.” “That’s cool, I can’t wait to see them!”, rief Lily begeistert. Rosie meinte lachend: “You don’t have to – they’re arriving today.” “When exactly?”, wollte ich wissen. “I will pick them up at the airport in about an hour.” “So we’re gonna swap? You okay with that?”, hakte ich nach. Rosie überlegte kurz und nickte dann. “Though I’ll miss my little Fly around here, I think I would like to start breeding Arabs.“ Ich nickte zufrieden und wir schüttelten Hände – damit stand der Entschluss fest, dass meine drei Araber hierher ausgelagert werden würden und künftig in Rosies Zucht zum Einsatz kamen. Lily und ich beschlossen unseren Ausritt fortzusetzen und anschliessend gemeinsam mit den Pflegern den Pferdetausch zu vollziehen. Wir galoppierten über die beliebten alten Holzrücker Wege im Wald und waren wohl insgesamt über eine Stunde lang unterwegs. Noir liess ich am Ende am langen Zügel nachhause schlendern; die Stute war ausgepowert und wackelte zufrieden im Takt mit den Ohren. Wir brachten sie und Feline zurück auf die Weide und trommelten Jonas und Lisa als Helfer zusammen. Ich war zwar nicht gerade begeistert davon, mit beiden gleichzeitig zu tun zu haben, aber sie waren gerade als einzige zur Verfügung. Wir holten die drei Araber und sattelten sie. Islah verstand die Welt nicht mehr, als ich sie abermals von der Weide holte und ihr den Sattel auf den Rücken legte. „Don’t worry girl, you won’t have to work again“, murmelte ich liebevoll. Jonas schwang sich auf Numairs Rücken, Lisa übernahm Anubis und nahm Lily vorne mit drauf. Wir hatten auch noch zwei Führstricke dabei, weil drüben auf der Ranch fünf Pferde auf uns warteten. Die Putzsachen von den drei Arabern wollte ich später noch per Auto vorbeibringen.
      Rosie war längst losgefahren, um ihre zwei Neulinge abzuholen. Wir besprachen die Boxenordnung daher mit ihrem Chefpfleger, einem stämmigen, dunkelhaarigen Typen namens Lucas Gordon. Die Araber durften die frisch ausgemisteten Boxen beziehen. Dann holten wir die Englischen Vollblüter direkt von der Weide und sattelten Empire, Muskat und Canto. Fly und Fajir mussten als Handpferde mitkommen, weil ich meiner kleinen Nichte den Umgang mit den temperamentvollen Hengsten noch nicht ganz zutraute. Doch bevor wir loszogen bestand Lily darauf, auf Rosie und die neuen Araber zu warten. Ich willigte ein, weil ich selber auch gespannt auf die beiden war. Zwanzig Minuten Später fuhr der Selbstfahrer auf den Hof und wir halfen Rosie beim Ausladen. Als ich die Klappe mit Jonas zusammen öffnete, sah ich als erstes einen hübschen braunen Hengst, der uns misstrauisch entgegenschielte. Wir lösten die Trennwand und führten ihn ans Tageslicht. Er war nicht besonders gross, Araber eben, aber hatte einen ausdrucksstarken Körperbau mit einem äusserst hübschen Hechtkopf und kräftigem braunem Fell. Seine Beine waren ganz schwarz und er hatte am restlichen Körper zum Teil dunkle Stellen und leichte Dapples. Die lange schwarze Mähne fiel eher wild über seinen gebogenen Hals und den Schweif trug er aufgeregt erhoben. Er blähte die Nüstern und sah sich um. Dann wieherte er stolz, um anschliessend mit gespitzten Ohren auf eine Antwort zu warten. Die kam auch – vermutlich von einem der Hengste im Stall drüben. Bintu Al-Bahri schnaubte neben Lisa lautstark und scharrte ungeduldig auf dem Schotter, während Jonas und ich die Trennwände lösten, die den Weg zwischen ihm und dem zweiten Pferd gesichert hatten. Die Stute war ganz vorne angebunden, damit es keinen Ärger während der Fahrt hatte geben können. Schon jetzt erkannte ich, dass sie eine hübsche Rappstute war, die eine klar definierte, schneeweisse Blesse trug. Sie folgte mir zögernd die Rampe runter und sah sich ebenfalls um. Im besseren Licht erkannte ich, dass sie nicht gerade gut bemuskelt schien und ihre bisherige Zeit als Zuchtstute nicht spurenlos an ihr vorübergezogen war. Rosie bemerkte meinen skeptischen Blick. „She is 10 years old and had already 7 foals. I guess you can tell.” Mitleidig schaute ich in die dunklen, freundlichen Augen und streichelte die Nüstern der Stute. „Her name’s Farasha, it means butterfly. I’m not quite sure, but I even think that she’ll have another foal in spring. I will let the vet check her carefully.” Betroffen nickte ich. Rosie las die unausgesprochene Frage von meinem Gesicht ab und versprach: „I won’t breed her again. If she has another foal, then it will be her last, if not I’d say even better.“ Ich stimmte ihr nickend zu und war froh, dass meine ehemalige Pflegerin sich in erster Linie um das Wohlergehen von Farasha sorgte. „But doesn’t that mean that you still don’t have your own broodmare?” “That does not matter right now; I’m still building everything up.”
      Farasha und Bintu wurden von Rosie und Lucas in ihr neues Zuhause geführt und wir machten uns mitsamt Pferden auf den Heimweg. Canto schien zu spüren, dass es nachhause ging, denn er hatte einen zügigen Schritt drauf und wollte Empire die ganze Zeit überholen. Ich bremste ihn aber auch nicht zu sehr, sondern nahm die Zügel lediglich auf, wenn er antraben wollte. Auch Fly tänzelte ungeduldig nebenher, wobei er seinen Hals schön wölbte und richtig edel aussah. Wir waren um drei Uhr zurück auf dem Hof und brachten die fünf bei ihren alten Kumpels unter, dann ging alles seinen gewohnten Gang. Eigentlich hatte ich meine für diesen Monat zugeteilten Pferde nun schon alle bewegt, aber wie meistens übernahm ich für den restlichen Tag noch ein paar weitere. Die Pfleger konnten sich so den anderen Stallarbeiten widmen und ich hatte nichts dagegen, den ganzen Tag im Sattel zu sitzen – schliesslich waren es meine Pferde, und ich wollte jedem einzelnen von ihnen so viel Aufmerksamkeit schenken wie nur möglich. Ich überlegte rasch, dann suchte ich April und fragte sie, ob Rosenprinz schon bewegt worden war. „Yes Madam, I rode him in Training with Coulee this morning. As you requested in order to keep him fit for cross country.” Ich nickte zufrieden und suchte weiter. Auf dem Weg zum Nordstall begegnete ich Lewis. „Ahh Lewis! Did you already work with Unbroken Soul of a Rebel?“ “Yes Boss, all done. I practised for the horsemanship show on saturday.” “Is that so… Very well”, antwortete ich etwas enttäuscht, lief dann aber fröhlich weiter. Ich entdeckte Lisa beim Dressurviereck – sie räumte gerade die Stangen vom Morgen weg. „Hey Lisa, did you ride Piroschka?“ „Yes, Jonas and I took her and Adrenaline out for a ride today. Sorry, should I have waited until now?” Natürlich, die beiden waren wieder zusammen unterwegs – da hätt ich auch selbst drauf kommen können, stellte ich bitter fest. “Ahh… no, never mind.” Ich wollte schon davonhuschen, als sie mir hinterherrief: „Wait Occu, you could take Summertime! I would be glad, because I… Well I would like to spend some more time with Jonas…“ Ich hielt an ballte die Fäuste, aber nach kurzem Zögern seufzte ich leise, drehte mich dann lächelnd zu ihr um und meinte: „Sure. I’ll take her out for a ride as well.“
      Ich schlurfte zur Stutenweide und schnappte mir Summers Halfter vom Haken an der Wand des Offenstalls. Crap… I hate them both, dachte ich ärgerlich, das Bild von Lisas unschuldigem Grinsen im Kopf. Ich wanderte zu den Bäumen, wo die Paint-Stute stand und streifte ihr das Halfter über. Andererseits habe ich Ajith versprochen, dass ich mir Mühe gebe und sie nicht anders als vorher behandle. Das ist doch sowieso alles kindisch, ich sollte Jonas einfach vergessen und mich auf meine Tiere konzentrieren. Ich führte Summer zum Weidetor, zögerte dann aber und band sie an den Zaun. Ich wollte sie lieber in Ruhe hier unten putzen und ein Weilchen alleine sein. Ihre Ausrüstung musste ich trotzdem noch holen. Jonas war ebenfalls in der Sattelkammer. „Danke Occu, Lisa hat mir vorhin begeistert erzählt, dass du für die Summer bewegst.“ Ich nickte nur und nahm mir kommentarlos was ich brauchte. Du machst es nicht besser. Wenigstens hatte ich meinen Frieden bei den Pferden. Summer stand brav still und verscheuchte entspannt die Fliegen, wann immer sie ihr zu nervig wurden. Ich kratzte ihre Hufe gründlich aus, wobei ich bemerkte, dass sie ganz wenig Fäulnis hinten links hatte. Ich säuberte die Stelle gründlich und beschloss, nach dem Reiten ein Mittel dagegen aufzutragen. Ich sattelte sie und zog ihr das Bosal an, weil ich sie zum Ausreiten lieber damit zäumte. Dann führte ich sie aus der Weide und stieg auf. Gerade als ich durch die Tannen der Ostpassage reiten wollte, hörte ich eine Stimme. „Warte auf uns!“, rief meine kleine Nichte mit ihrem Tinker Areion. Sie schlossen im Trab zu uns auf. „Ich will mitkommen, ich hab den Teddy heute noch nicht bewegt!“ Ich lachte über den passenden Spitznamen des wolligen Tinkers und wir setzten uns in Bewegung. Areion hatte sich gut eingelebt und wurde täglich von Lily ‚bespasst‘, sodass die beiden schon in dieser kurzen Zeit ein Team geworden waren. Zwar hatten sie ab und zu noch Meinungsverschiedenheiten; so zum Beispiel bei der Holzbrücke, wo sich Lily durchsetzen musste, weil der Tinker einfach davor stehen blieb. Aber meine Nichte fand trotz ihres Flohgewichts immer wieder einen Weg ihr Ziel zu erreichen, denn was ihr an Kraft fehlte, machte sie mit austricksen wett. „Hey, du hast dem Teddy ja ein Zöpfchen gemacht! Das hab ich vorher gar nicht gesehen.“ Sie hatte den Zopf mitten in der Mähne gemacht, sodass er zeitweise von den umliegenden Haaren überdeckt wurde. Das muss sie noch etwas üben, dachte ich schmunzelnd, aber das sagte ich ihr natürlich nicht, um ihr Selbstvertrauen nicht zu verletzen. Sie grinste stolz und meinte: „Er ist ja auch das perfekte Übungsobjekt!“ Wir ritten weiter Richtung Osten und nahmen dann die Südlich gelegenen Wege für den Heimweg. Das Highlight war die Galoppwiese, über die wir nochmal ordentlich drüber bretterten, bis fast zum Hofgelände. Summer und Areion waren beide ziemlich verschwitzt als wir zurückkamen, besonders der arme Tinker hatte natürlich mit seiner mächtigen Mähne einen grossen Nachteil bei der Hitze. Wir duschten die beiden daher rasch ab und führten sie dann trocken, wobei sie auch grasen durften.
      Es war nun fast fünf Uhr und begann zu spüren, dass ich wieder den ganzen Tag unterwegs gewesen war. „Tea time!“, rief ich durch den Hauptstall und schlenderte anschliessend zur Reiterstube in der Halle. Die ersten Pfleger folgten mir bereits eifrig, während einige noch die restlichen zusammentrommelten. Wenn wir eine solche ‚Tee Pause‘ machten, besprachen wir auch jeweils was es noch zu tun gab, beziehungsweise was bisher alles gemacht wurde. Ich legte grossen Wert darauf, dass meine Angestellten ehrlich waren und es mir mitteilten, wenn sie in irgendeiner Weise unzufrieden waren. Nur so gelang es dem Team von Pineforest Stable so eng zusammenzuarbeiten. Auch lockerten wir das Arbeitsklima regelmässig mit Grillabenden oder gemeinsamen Ausflügen auf. Bisher hatte ich jedenfalls durchwegs positive Rückmeldungen erhalten was die Zufriedenheit der Mitarbeiter anging. Und gerade weil sie sich hier so wohl fühlten, setzten sie sich so dafür ein, dass auf Pineforest Stable alles reibungslos klappte. Schliesslich hatten wir auch einen Ruf zu verteidigen, und es gehörte ein gewisser Stolz dazu, wenn man hier arbeitete. Als ich fragte, ob noch jemand ein Pferd an mich abtreten wollte, meldete sich David mit einem Räuspern. „I’d be glad if you take Ice Coffee today, because then I could quickly go to town later.” Ich nickte zufrieden und beschloss, etwas Pleasure mit der Stute zu üben. Doch vorher war wie versprochen das Zebra dran. Wir tranken fertig, danach kontrollierte ich rasch die Mini- und Fohlenweiden, ehe ich mich zu Thairu und Dante begab. Für den Esel wollte ich noch einen anderen Namen finden, da mir Dante so gar nicht gefiel. Ich suchte etwas Afrikanisches, aber hatte bisher noch nichts Passendes gefunden. Als ich zum Weidetor lief, spitzte Thairu ihre grossen, runden Ohren. Sie kam sogar auf mich und Lily zu (die mir hinterhergespurtet war) und stellte sich erwartungsvoll vor uns hin. Ihr Schwanz war stets in Bewegung – ein gutes Zeichen in Zebra Sprache. Ich zog ihr vorsichtig ihr breites Lederhalfter über die Ohren und befestigte den Führstrick daran. Sie hielt brav still und folgte mir dann ins Innere der Ovalbahn. Lily schnappte sich Dante und führte ihn hinter uns her. Das gab dem Zebratier zusätzlich Sicherheit. Wir banden die beiden an den Rails an und begannen, sie mit den mitgebrachten bürsten zu putzen. Dante genoss die Prozedur am Kopf besonders. Er verzog genüsslich die Lippe und legte den ganzen Schädel schief. Hufegeben wollte er hingegen erst nach eindringlicher Aufforderung meinerseits – Lily schaffte es nicht den sturen temporär-Wallach zu beeindrucken. Zebra gab ihre Hufe sogar ziemlich vorbildlich, worüber ich positiv überrascht war. Sonst war das mit ihr oft sehr mühsam, weil sie sich durch das auf drei Beinen stehen den Menschen auf eine gewisse Weise hilflos aussetzen musste. Aus ihrer Sicht war es wohl ein Risiko, vergleichbar damit einen festen Standpunkt aufzugeben und so leichter angreifbar zu sein. Ich kämmte die Stehmähne und das Büschel am Ende ihres Schwanzes, dann war ich fertig. Lily musste auf die beiden aufpassen, während ich den Sattel von Thairu holte. Wir hatten bis vor ein paar Wochen oft mit einem Pad und einem Longiergurt trainiert, aber dann war der Sattler gekommen um die Sättel von Bluebell und Sweets zu kontrollieren und ich hatte bei der Gelegenheit gleich noch einen alten Ponysattel aufpolstern lassen. Den legte ich nun entschlossen auf Thairus Rücken und gurtete sanft ins zweite Loch. Ganz angezogen war er so noch nicht, aber genug, dass der Sattel nicht gleich bei der ersten Bewegung verrutschte. So ein Zebrarücken war ziemlich suboptimal für Sättel: kein Widerrist und ziemlich rund, sodass fast kein Übergang zur Kruppe sichtbar war. Thairu hatte deshalb auch einen Schweifriemen und ein elastisches Vorgeschirr, die ich beide gewissenhaft befestigte. Das Zaumzeug war eher simpel gehalten – klassisch englisch ohne Sperrriemen. Es war jedes Mal wieder ein Abenteuer, es über die grossen Ohren zu bekommen. Nun waren wir startklar. Zuerst führte ich das gestreifte Tier warm, dann zog ich den Gurt etwas nach und half Lily hoch. Sie trug zur Sicherheit einen Rückenpanzer, da Thairu doch noch ab und zu etwas wild wurde. Doch ich hatte das Gefühl, dass unser Muskelaufbautraining besser mit Lily funktionierte, weil ihr Gewicht schonender für den Rücken der Zebras war als meines. Eingeritten hatte ich das Tier selbst, aber seit sie einigermassen brav lief war nur noch Lily oben gesessen. Erst sobald Thairu genug Muskeln hatte, wollte ich selber auch wieder auf ihr reiten. Ich liess die Zügel los, Lily ritt nun also frei. Wir übten auf der Ovalbahn Übergänge; die Basics des Gehorsams, damit das Zebra sicherer wurde. Es war auch eine gute Übung für Lily, denn ich gab ihr Unterricht und sie perfektionierte die korrekten Hilfen. Schritt-Trab Übergänge klappten zufriedenstellend, aber galoppiert waren wir noch fast gar nicht und anhalten liess sich das Zebra noch nicht wirklich gut. Genau das übten wir nun eine halbe Stunde lang intensiv; immer und immer wieder. Gegen Ende klappte es schon deutlich besser, jetzt konnte Lily sie immerhin nach spätestens fünf Schritten zum Stillstehen bringen. Wir arbeiteten fleissig mit Lob und Karottenstückchen um Thairu bei Laune zu halten. Denn wir wussten beide – es gab nichts Schlimmeres als ein ‚grumpy zebra‘. Bevor wir für heute Schluss machten, wollten wir noch etwas wagen: eine Runde im Galopp auf rechter Hand. Ich schloss mit Lily spielerisch eine Wette ab, um ihren Ehrgeiz zu entfachen, was bestens funktionierte. „Ich wette du schaffst keine ganze Runde.“ „Just you watch me!“ Sie trabte zuerst und bereitete Thairu sorgfältig vor, wie ich es ihr beigebracht hatte. Dann gab sie die Galopphilfen und trieb, bis das Zebra einsprang. Okay, falscher Galopp – aber immerhin, dachte ich vergnügt. Die beiden galoppierten um die Kurve, da drohte das Zebra bereits wieder durchzufallen. Doch Lily blieb hartnäckig und trieb es mit allem was sie hatte an. Thairu machte einen leichten Bocksprung, sodass Lily den einen Bügel verlor, blieb aber im Galopp und drückte nun ordentlich aufs Gas. Die beiden rasten im Hoppelgalopp an mir vorbei (es sah so witzig aus, wenn das Zebra galoppierte) und absolvierten tatsächlich eine ganze Runde. Lily klammerte sich tapfer am Sattel fest – ich konnte mir gut vorstellen wie schwierig es war, sich so auf dem Zebrarücken zu halten. Thairu bremste schliesslich von selber wieder in den Trab, sodass Lily wieder die Kontrolle übernehmen konnte und zu mir zurück ritt. Wir lobten das Zebra ausgiebig und sattelten sie ab.
      Nachdem Thairu und Dante wieder in Ruhe auf ihrer Weide standen, kümmerte ich mich um Coffee und Lily zog davon um mit Skydive zu spielen. Ich ritt die Paint Stute in der Halle und hörte dazu Musik aus den Lautsprechern. Draussen wurde es zunehmend dunkler und stiller, aber ich war zu konzentriert um viel aus der Fensterwand zu schauen. Das Pleasure Training war für uns beide anspruchsvoll, denn es erforderte Präzision und feines Zusammenspiel. Ich schickte Coffee mal in langsamem Lope, mal in zügigem Canter vorwärts, und parierte sie aus allen möglichen Gangarten und Geschwindigkeiten in den Schritt durch. So konnte ich sie lösen, bis sie vollkommen locker aber in Versammlung über den Rücken lief. Zufrieden beendete ich das Training um halb acht Uhr und versorgte die Stute. Ich verbrachte noch etwas Zeit bei den Miniature Horses, wobei ich dank der hellen Lampe im Offenstall genug Licht hatte um die kleinen Ponys zu putzen. Sie waren zwar schon von Lewis geputzt worden, aber ich tat das auch nicht um sie sauber zu bekommen, sondern um meine Beziehung zu ihnen aufrecht zu erhalten. Das Licht und die Motten, die darum kreisten sorgten für eine romantische Stimmung, während ich im sauberen Stroh zwischen der liegenden Chocolate Chip und Dakota sass. Gedankenversunken liess ich mich nach hinten fallen und lag eine Weile einfach so da, an die Balken der Decke starrend. „Wie soll es weitergehen?“, fragte ich mich leise. „Ich wäre ja gerne glücklich für die beiden, aber ich kann es nicht. Ich bin zu egoistisch…“ Ich seufzte. „Wenn er nur nicht so verdammt gut aussehen würde! Und seine humorvolle, aufgeweckte Art… So spannend und abenteuerlich. Dann wiederum seine ruhigen Momente, in denen er jede Faser meines Körpers zu verstehen scheint, jeden unausgesprochenen Gedanken hört. Wenn er nur nicht zwischendurch so ein Idiot wäre. Aber Lisa scheint das nichts auszumachen…“ Ich kam mir vor wie eine Figur in einem ziemlich komplizierten Film, unsicher, ob ich hier im Stroh auf der Stelle alles hinter mir lassen und glücklich sterben, oder doch eher melancholisch leben würde, bis ich alt und grau war. Vielleicht gab es ja doch eine goldene Mitte? Eine gefühlte Ewigkeit genoss ich mit geschlossenen Augen das Kitzeln des Strohs und stellte mir in meinem Kopf allerlei Zukunftsszenarien vor. Irgendwann schreckte ich hoch und stand auf, weil ich sonst wohl noch eingeschlafen wäre. Ich streckte mich und löschte das Licht, als ich den Offenstall verliess um ins Haus zurückzukehren. Lily sass vor dem Fernseher; ich gesellte mich zu ihr. Sie sah sich ‚der König der Löwen‘ an. Plötzlich meinte sie zu mir: „Occu, ich finde den Namen Zazou cool.“ „Ja, der ist hübsch.“ „Nein, ich meine für Dante! Das würde doch passen, oder?“ Ich überlegte laut: „Du hast recht, das wäre in der Tat hübsch für ihn.“ So war es also beschlossen. „Was würde ich nur ohne meine kleine Nichte machen?“, flüsterte ich liebevoll, als ich ihr einen Gutenachtkuss gab.
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      30. September 2016
      Distanz M - S | 7.140 Zeichen | (c) Canyon
      Ich kannte Vuyo erst seit wenigen Tagen und trotzdem war er jetzt schon fest in unseren Trainingsplan verankert. Der schlanke und zierliche Afrikaner mit den krassen hellen Augen, war früher, bevor ihm ein Unfall die Möglichkeit genommen hatte, Jockey gewesen und hatte dann später in Reitschulen als Reitlehrer gearbeitet, bevor ihm dieser Job nicht mehr genügte und er sich bei uns als Trainer und Stallbursche bewarb.
      Ich mochte ihn seit dem ersten Augenblick und wusste, dass er gut zu dem kleinen Team passte. Er hatte sich außerdem dazu bereit erklärt, auch hin und wieder Reitunterricht für eventuelle Reitbeteiligungen zu geben und das hatte Charly ein breites Lächeln ins Gesicht gezaubert. Schon immer wollte sie auch jüngeren Menschen die Möglichkeit zum Reiten geben und jetzt mit Vuyo Ndour würde das vielleicht endlich möglich sein.
      Heute wollten Nico und ich ihn das erste Mal zu einem Distanztraining mitnehmen und ich als Trainer war gespannt, wie er sich so schlagen würde.
      Da Vuyo bereits viel Erfahrung mit Vollblütern hatte sammelte können, gab ich ihm eine unserer neuen Tekkenstuten in seine Hände. Raja war nicht nur überaus hübsch, sondern auch noch schlau und recht leicht zu handhaben und so glaubte ich, dass das Training ein purer Erfolg werden konnte.
      Wie immer würde ich meinen Óslogi reiten. Er war immer noch ein Traumpferd für mich und auch sein kleiner Gefährte Félagi würde später ein ganz großer werden, da war ich mir sicher.
      Lange hatte ich mit dem Gedanken gepfeilt ihn legen zu lassen, da ich ihm ein entspanntes Leben gönnen wollte, doch bis jetzt konnte ich mich dazu noch nicht durchringen.
      Für Nico blieb dann nur noch Adrenaline und auch wenn sie nur ein Trainingspferd war und es nicht mehr lange dauern würde, bis sie uns wieder verließ, hatte Nico, aber auch ich, einen Narren an ihr gefressen.
      Mal wieder packten wir die Trainingspferde in unsere Anhänger und fuhren, so wie wir es mittlerweile oft getan hatten, hinaus in die unbeschreiblich schöne Landschaft Norwegens.
      Ich hatte mir mittlerweile einige schöne Plätze notiert, an welchen wir gut unser kleines Lager aufbauen und auch gut starten konnten. Raja und Vuyo hatten heute wohl die wenigste Anzahl an Kilometern vor sich, während Nico und Line einiges zurücklegen würden. Ganze 65 Kilometer würden es für die beiden werden, weswegen Nico und ich bereits gestern Abend auf der ganzen Strecke Wasser versteckt hatten. So würden beide immer wieder an geeigneten Stellen Kraft schöpfen können, denn für beide würde es eine ganz schöne Anstrengung werden.
      An unserem Startplatz angekommen, luden wir die Pferde aus, sattelten diese und nahmen dann unsere Pulswerte, bevor wir uns für den Start bereit machten. Die letzten Wochen und Monate hatte ich mit meinem Óslogi Tag für Tag trainiert, auf dem Platz und im Gelände und so war ich mächtig stolz auf ihn, dass er mittlerweile erfolgreich auf A lief und mit dem heutigen Training seine Hufe auf die nächste Stufe setzen konnte. 35 Kilometer klangen nicht viel, doch für die kurzen Beinchen des Isländers war das eine ganz schöne Leistung.
      Nachdem wir alle startbereit waren, wünschten wir uns gegenseitig Glück und begannen den Ritt. Vuyo würde die komplette Strecke an meiner Seite bleiben, bevor ich ihn wieder hier absetzen und meinen Weg mit Óslogi alleine fortsetzen würde. Nico wollte mit Line alleine reiten, da er gerne seine Ruhe hatte und sich so besser konzentrieren konnte.
      Die ersten Meter legten wir erst einmal im Schritt zurück. Immerhin musste sich Vuyo an Raja gewöhnen und wir waren ja auch nicht auf einem Distanzturnier. Die Pferde brauchten nicht auch noch beim Training den Stress, den sie auf den Turnieren schon miterleben mussten. Nachdem sich Vuyo eingeritten hatte und auch die Pferde in der frischen Herbstluft langsam warm wurden, trabten wir an. Ich merkte jetzt schon, dass Raja und Óslogi nicht gerade die besten Trainingspartner waren, für nächsten Monat mussten wir uns dringend etwas anderes überlegen! Während Logi kurze und schnelle Trabschritte machte, streckte Raja einfach ihre langen Beine aus und schwebte geradezu durch die Luft. Aber so schlecht war das gar nicht, wenn die Pferde lernen mussten, auch auf andere zu achten.
      Unterwegs hatten Vuyo und ich endlich mal ausreichend Zeit uns besser kennenzulernen. Ich berichtete ihm von dem Leben auf der Tyrifjord Ranch, den Pferden und meiner Arbeit. Vuyo erzählte mir im Gegenzug von seinem Leben in Afrika, seiner Karriere als Jockey und seinem späteren Beruf als Reitlehrer. Und leider musste ich zugeben, dass ich ihn etwas beneidete, als er mir von seinen Weltreisen und vor allem Afrika berichtete, jedoch wusste ich trotzdem, dass ich für immer in Norwegen bleiben würde, denn hier war meine Heimat.
      Wir schafften es tatsächlich, die Hälfte der Strecke zu reiten ohne und zu verirren, auch wenn wir ohne Ende redeten. Zum Glück war der Regen in den letzten Tagen weniger geworden, sodass wir die meisten Teile der Strecke ohne Probleme traben konnten.
      An unserer Pausenstelle lagen mehrere verschlossene Eimer mit Wasser für die Pferde und Trinkflaschen für uns, auf welche wir vier uns gierig stürzten. Den Pferden nahmen wir wieder den Puls und ließen ihnen dann einige Minuten in Ruhe, bevor wir ein zweites Mal ihre Werte nahmen und kurz darauf unsere Reise fortsetzten.
      Für Vuyo war es nicht mehr weit, sodass ich ihn wenige Kilometer später wieder an unserem Startpunkt absetzte und die letzten 15 Kilometer alleine zurücklegte. Im flotten Trab, und an geeigneten Stellen galoppierte ich meinen Hengst an, ging es durch die unendliche Waldlandschaft von Norwegen. Ich liebte das Gelände und auch wenn ich meinen eigenen Gedanken nachhing, fragte ich mich hin und wieder, wo Nico und Adrenaline gerade waren. Fast das doppelte meiner Strecke mussten sie schaffen und würden deswegen nicht zurück zum Startplatz reiten, sondern gleich den ganzen Weg nach Hause zurück zum Tyrifjord.
      Nach etwa 2 ½ Stunde hatten Logi und ich es geschafft. Verschwitzt, aber dennoch zufrieden kamen wir auf der kleinen Lichtung an, auf welcher Vuyo Raja bereits ein kleines Paddock gebastelt hatte und nun die letzten warmen Sommerstrahlen genoss.
      Ich sprang von Óslogi ab, führte ihn sofort zu einem Wassereimer und ließ ihn trinken, bevor ich ihm den Sattel vom Rücken zog und ihm im Gegenzug eine Abschwitzdecke auf sein weiches Fell warf.
      Auch ihm gönnte ich noch ein paar ruhige Minuten, bevor es mit zwei Pferden, zwei Autos und zwei Anhängern zurück zur Ranch ging.
      Erstaunt musste ich feststellen, dass Nico mit Adrenaline bereits wieder auf dem Hof angekommen war, als Vuyo und ich die Gefährte auf den Parkplatz lenkten. Breit grinsend begrüßte uns Nico, während er Petyr dabei beobachtete, wie er sein Pferd am Waschplatz mit Wasser abspritzte.
      »Das nennt man mal schnell, ne?« meinte er, während er sich selbstlobend auf die Schulter klopfte. Auch wenn ich es ungerne tat, musste ich anerkennend nicken.
      Mal wieder hatten alle Trainingspferde das Distanztraining erfolgreich bestanden und durften von nun an eine Stufe höher laufen. Ein paar freie Tage hatten sie sich jetzt reichlich verdient!
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      24. November 2016
      Grunduntersuchung | 1699 Zeichen | (c) BellaS
      Ach verdammt, schon wieder kam ich zu einem Termin derart zu spät, dass ich meine Untersuchung ihrer normalen Gründlichkeit berauben musste. Wieder einmal durfte ich mein Pferd von Charly durchchecken, dass zur Körung gehen sollte. Das gute daran war, dass ich bereits ziemlich sicher war ein gesundes Pferd vor mir zu haben, als ich schließlich vor Adrenaline stand. Sie war ein Körservice Pferd und würde diesen Hof bald verlassen. Ich musste nur sicher stellen, dass sie so gesund war wie sie aussah. Wie immer ließ ich mir meinen Patienten auf gepflastertem oder betoniertem Boden vorführen, da sich so am besten Unregelmäßigkeiten im Gangbild des Tieres feststellen ließen. Hier war jedoch alles wunderbar. Beim kontrollieren des Pferdekörpers fiel mir eine offene, frische Schramme an der Innenseite des rechten Vorderbeins auf. Die Wunde war weder besorgniserregend groß noch tief, trotzdem reinigte ich sie und verschloss sie mit Drachenblutpflaster, einer natürlichen, harzigen Substanz, die Wunden verklebte und trocken sowie erregerfrei hielt.
      Obwohl das Zeug nicht brannte, zappelte Adrenaline auf der Stelle und machte mir meine Arbeit nicht gerade leichter. Sie schien ihrem Namen alle Ehre machen zu wollen. Je länger sie stehen musste, desto unleidlicher wurde die Stute. Zum Glück musste ich nur noch den Chip kontrollieren und nachimpfen. Für diese letzte Tätigkeit bat ich Charly das zappelnde Tier festzuhalten. Ich wollte weder mit der Nadel abrutschen, noch Pferdezähne in meinem Arm, meiner Hand oder meinem Allerwertesten wiederfinden, was leider alles schon vorgekommen war.
      Schließlich war alles erledigt und ich konnte guten Gewissens zum nächsten Termin eilen.
      Weihnachtsvorbereitungen und ein abenteuerliches Vorhaben
      Entspannt schlenderte ich durch den Nordstall und wartete auf Jonas, der nächstens vom Ausritt mit Unbroken Soul of a Rebel zurück sein sollte. Ich warf einen Blick in die Boxen und stellte fest, dass für den Mittag noch nicht ausgemistet worden war. Aber es war auch erst Viertel nach Elf, Darren und co hatten also noch etwas Zeit. Donutgrunzte mir zu, also blieb ich bei ihm stehen und kraulte ihn an der Stirn. Der Reitponyhengst machte mir etwas Sorgen, denn in letzter Zeit zeigte er wieder vermehrt Headshaking, besonders im Trab. Allerdings kam mir das komisch vor, denn er zeigte das Verhalten nur beim Reiten. Auch hatte er weder Nasenausfluss, noch war er überempfindlich am Kopf. Ich konnte ohne Probleme seine Nüstern massieren und ihn überall anfassen. Er schien besonders das Massieren der Ohrenspitzen zu geniessen, denn er schloss fast die Augen und senkte den Kopf. Durch das viele Kraulen am Kopf hatten sich weisse Haare aus seiner Blesse gelöst und über das ganze Gesicht des Hengstes verteilt. „So siehst du irgendwie alt aus“, lachte ich und wischte die losen Haare weg. Mir kam ein Gedanke, als ich beobachtete, wie Donut mit dem Widerrist zuckte, weil seine Mähne ihn kitzelte. Vielleicht ist er ja einfach verspannt? Ich öffnete die Boxentür und begann, seinen Rücken abzutasten. Tatsächlich zuckte der Hengst kaum merklich mit den Ohren, wenn ich bestimmte Stellen berührte. Da war für mich der Fall klar. Ich zog mein Handy aus der Jackentasche und telefonierte mit dem Chiropraktiker meines Vertrauens, um einen Termin zu vereinbaren. Zu meiner Überraschung meinte der Herr, er könne schon heute Abend auf dem Nachhauseweg rasch vorbeikommen, denn er sei ohnehin einen Auftrag in der Gegend. Ich gab natürlich erfreut mein Okay. Donut knabberte gelangweilt an meiner Schulter. „Heute Abend geht’s dir besser, Süsser“, murmelte ich liebevoll, und streichelte ihn nochmal, bevor ich die Tür wieder schloss und zum Eingang ging, denn ich hatte Hufgeklapper gehört. „Endlich! Hast du dich verritten?“ Jonas lächelte schief. „Nicht ganz, aber Rebel und ich hatten eine kleine Meinungsverschiedenheit. Er wollte offenbar noch nicht nach Hause.“ „Was hat er angestellt?“, wollte ich stirnrunzelnd wissen. „Ach, das ist ne lange Geschichte. Aber es hatte mit einem Rübenhaufen zu tun. Den Rest kannst du dir denken.“ „Tze, du weisst doch – Rebel fordert nur diejenigen heraus, die mangelne Führungsqualität haben“, stichelte ich schelmisch. „Bei dir braucht er es also gar nicht zu versuchen, oder was?“ „Of course not“, sagte ich mit verschwörerischem Unterton und legte meine Arme um seinen Hals. „Du weisst doch – ich bin immer der Boss.“ Er grinste und gab mir einen Kuss, wonach ich ihm gnädigerweise beim Absatteln half. Wir versorgten Rebel, der durch die doppelte Aufmerksamkeit richtig übermütig wurde. Danach halfen wir den Pflegern beim Füttern und Misten, bevor wir selbst zu Mittag assen.
      Um halb Eins stand ich bereits wieder vor der Tür und machte mich auf den Weg zu Moon Kiddy. Die braune Criollostute sah in diesen Tagen aus wie ein übergrosses Plüschtier, denn sie war als eine der wenigen Pferde nicht geschoren. Doch das sollte sich heute ändern. Am Wochenende stand ein Westernturnier an, bei dem sie bestimmt ins Schwitzen kommen würde. Also fing ich sie ein, streckte ihr eine Karotte zur Begrüssung hin und führte sie zum Nebenstall. Jonas kümmerte sich unterdessen um Piroschka. Er band die Schimmelstute neben Moon an und begann, sie zu putzen. Ich holte die Akkuschermaschine und ging damit Moons Pelz an den Kragen. Die erfahrene Criollo Stute hielt einigermassen still und erlaubte es mir so, besonders gründlich vorzugehen. Ich war am Ende ziemlich zufrieden mit dem Resultat, denn es waren kaum noch Unregelmässigkeiten zu sehen. Auch am Kopf und an den Beinen hatte ich den Pelz vorsichtig gekürzt. Nun sahen die Kronränder wieder ordentlich aus und auch die Ohren hatten ihre elegante, geschwungene Form zurück – innen hatte ich das Fell aber selbstverständlich bleiben lassen, als Schutz vor Insekten und Schmutz. Es war auch wiedermal an der Zeit, Moons kräftigen Schweif zu kürzen; der hing nämlich schon fast bis zum Boden runter. Also säbelte ich ein gutes Stück ab und kämmte ihn gründlich durch. Dasselbe tat ich mit der Mähne, wobei ich darauf achtete, dass es immernoch möglichst wild und natürlich aussah. Das gehörte einfach zur Persönlichkeit von Moon. Als ich endlich ganz fertig wurde, waren Jonas und Piro längst in der Halle am üben. Ich gesellte mich mit Moon nach dem Satteln dazu. Wir übten einen Stangenparcours mit viel Rückwärtsgehen, denn es war wirklich nicht so leicht, die Pferde dabei gerade zu halten und nicht seitlich auszubrechen. Moon schaffte meist fünf Schritte, dann kippte sie nach Links weg. „Also für ein so gut ausgebildetes Westernpferd ist das schon etwas bescheiden“, neckte Jonas. „Das ist nicht ihre Schuld, ich begrenze sie einfach zu wenig. Aber genau deshalb übe ich ja.“ Er nickte ermutigend, und als es ihm mit Piro kein Bisschen besser gelang, brachen wir beide in Lachen aus. Am Ende des Trainings ritten wir Seite an Seite ein paar Runden Schritt am langen Zügel und lauschten den Nachrichten, die im Hallenradio liefen. Zu unserem Ärger kam gleich darauffolgend Werbung, also stiegen wir ab und führten die Pferde raus – sie waren nun ohnehin genug abgekühlt. Gerade als ich Moons Zügel über den Hals nahm, kam eine Werbeansage, die mich aufhorchen liess. Das Thema waren günstige Flüge nach Kanada und Amerika. „Hast du das gehört? Das klang wirklich viel billiger als die letzten paar Flüge, die wir genommen haben“, stellte ich an Jonas gewandt fest. „Willst du ein paar alte Freunde drüben in Kanada besuchen gehen?“, fragte er mit schiefgelegtem Kopf. „Hmm, wenn ich ehrlich sein soll, hatte ich letztens so einen verrückten Gedanken…“ „Spuck es aus“, meinte er, ernsthaft interessiert. Ich schloss zu ihm auf und begann zu erklären. „Du kennst doch diese Pferdezeitschrift, die ich abonniert habe. Da stellen sie jeden Monat Leute vor, die besondere Ideen oder Erlebnisse mit ihren Pferden hatten. Diesmal war das Thema Abenteuer, und da gab es einen Bericht über eine, die mit ihrem Pferd wochenlang irgendwo in den Rocky Mountains unterwegs war! Sowas klingt schon wahnsinnig cool…“ Er wirkte einen Moment lang nachdenklich, dann meinte er: „Doch, ja. Ich bin sicher, auf so einem Ritt kommt man seinem Pferd ein ganzes Stück näher und erlebt eine Menge Abenteuer.“ Wir schwiegen und sahen uns an, beide genau wissend, was dem anderen gerade durch den Kopf ging. „Ich kann nicht mitkommen“, meinte Jonas schliesslich, während wir mit den Pferden zum Nebenstall schlenderten. „Wie, warum nicht?“ „Erstens muss jemand auf Lily aufpassen. Zweitens muss ich irgendwann vor Weihnachten dringend noch meinen Onkel besuchen gehen, schliesslich weiss ich nicht, ob er mit seinem Krebs das neue Jahr noch feiern können wird…“ „Oh… Das habe ich ganz vergessen, tut mir leid… War ja auch ne dumme Idee, wir können nächstes Jahr gehen, oder auch einfach garnicht – es wird sicher wieder eine Gelegenheit kommen, um nach Kanada zu reisen.“ „Nein Occu, das Angebot gilt nur bis Ende Dezember, und ich glaube, dass so eine Auszeit dir guttun wird. Ich habe doch gesehen, wie deine Augen geleuchtet haben, als du davon erzählt hast.“ „Kommt nicht in Frage, ich kann doch nicht einfach ohne dich gehen, und das jetzt, wo der ganze Weihnachtsstress bald beginnt!“ „Oh doch, gerade deswegen. Ich weiss doch, dass du Weihnachten nicht magst, das hast du in den letzten Jahren oft genug gesagt. Das ist deine Chance, dem zu entkommen“, sagte er lächelnd. „Das war früher… Jetzt habe ich eine richtige kleine Familie, mit der ich feiern kann. Ich freue mich auf Weihnachten mit Lily und dir!“ „Hach Occu…“ Wir banden Piro und Moon an die Holzstangen vor dem Nebenstall, dann umarmte er mich zärtlich. „Du bist pünktlich zu Weihnachten zurück. Such dir zwei deiner Distanzpferde aus, nutze das Angebot und geniess die Auszeit in der Natur, dann kommst du zurück und wir feiern zusammen. So kannst du dem Vorweihnachtsstress entkommen und hast eine Menge zu erzählen, wenn du zurück bist. Ich regle hier alles, du kannst dich auf mich verlassen. Und Lily passt schon auf, dass ich keinen Unsinn mache.“ Den letzten Teil murmelte er liebevoll in meine Haare. Ich seufzte und gab dann ein leises „okay“ als Antwort.
      Wenig später putzte ich Summertime. Die Stute war von oben bis unten Schlammverkrustet und mir spickten immer wieder Stückchen ins Auge – doch nichts konnte meine Laune trüben. USA! Welche beiden Pferde nehme ich nur mit? Ich konnte an nichts anderes mehr denken. Während ich Summers Fell mit dem Federstriegel bearbeitete, summte ich fröhlich ‚Country Roads‘ vor mich hin. Eine gefühlte halbe Stunde dauerte alleine das Entkrusten, danach musste ich die buckskin Stute noch entstauben. Mit ihren grossen, schwarzen Augen und den im Winter so schön dunkel umrandeten Nüstern konnte sie jedoch jedem das Herz erweichen, egal was sie angestellt hatte. Ich sattelte die Stute und ging mit ihr auf einen einstündigen Ausritt in den Pinienwald. Begleitet wurde ich dabei von Lisa mit Ice Coffee und Lewis mit Moonrise Shadows. Es war bitterkalt, obwohl die Sonne schien. Zum Glück hatte ich meine warmen Handschuhe. Für die geschorene Summer hatte ich eine Nierendecke unter den Sattel geklemmt, sodass auch sie nicht zu kalt bekam. Als wir langsam zurück in Richtung Hof kamen, zog auch noch eine eisige Bise auf, die die Decken der Pferde immer wieder von der Kruppe zu wehen drohte. Shadow, Coffee und Summer trotzten dem Wind mit angelegten Ohren und tiefem Kopf.
      Nachdem auch Summer wieder im geschützten Offenstall stand, konnte ich mich gemeinsam mit Jonas um Herkir und Ljóski kümmern. Die beiden Flauschkugeln hatten weder Decken, noch waren sie geschoren; wie es sich für echte Isländer eben gehörte. Besonders Herkir hatte einen prächtigen Bart entwickelt und seine Orange Mähne wirkte wolliger denn jeh. Auch mit den beiden machten wir einen Ausritt, allerdings diesmal nach Norden, wo es mehr offene Felder gab. Ich zog den Kragen meiner Jacke immer wieder ganz hoch, aber der Wind fröstelte meinen Hals trotzdem. „Du brauchst wirklich endlich wieder einen anständigen Schal“, schimpfte Jonas, der mich offenbar beobachtet hatte. Meinen letzten Schal hatte ich leider zu Besuch bei meinen Eltern liegen gelassen, und ihn extra holen zu gehen wäre zu aufwendig gewesen. Ich gab mir Mühe, der Kälte fortan zu trotzen und nicht mehr so empfindlich zu wirken.
      Gegen Abend (auch wenn es erst etwas nach fünf Uhr war, der frühe Dunkelheitseinbruch liess es bereits sehr abendlich wirken) hatten wir eine kleine extra Springstunde mit Elliot in der Halle. Ich ritt Adrenaline, Lily machte mit Feline mit. Meine kleine Nichte war wie immer direkt nach der Schule zu den Weiden verschwunden, um nach Skydive zu sehen. Ich hatte sie regelrecht aus dem Offenstall zerren müssen, damit sie nicht zu spät zu unserer Stunde kam, denn Sky war ebenfalls schlammig gewesen, und Lily konnte es nicht leiden, wenn ‚ihr‘ Pony schmutzig war. „Du kannst ihn nachher immernoch fertig putzen gehen“, hatte ich ihr augenrollend versprochen, obwohl ich am liebsten eher „lass das Fohlen doch mal Fohlen sein“ gesagt hätte. Aber die Antwort wäre gewiss etwas in der Art von „das ist nicht fohlenhaft, sondern wie ein Schwein“ gewesen. Nun waren wir jedenfalls mitten in der Springstunde und wurden wie immer hart rangenommen von Elliot. Auch wenn Lily erst zehn war, so bestand Elliot darauf, dass sie einen korrekten leichten Sitz hatte und schön mit Felines bewegungen mitging. Sie sprang allerdings nur über Cavalettis, während ich selbstverständlich die richtigen Steilsprünge aufgetischt bekam. Bei Lily ging es im Moment noch mehr darum, dass sie lernte, das Tempo einzuschätzen und Feline schön gerade zu richten. Adrenaline hatte als Criollo keine besondere Begabung für’s Springen; sie war weder besonders geschickt, noch hatte sie grosse Sprungkraft, aber sie war mit Freude dabei und zog vor dem Sprung schön an. Beim Austraben und anschliessendem Trockenreiten im Schritt diskutierten Lily und ich über die Geschenke, die wir unseren Freunden und verwandten dieses Jahr besorgen wollten. Natürlich redeten wir mit keinem Wort über das, was wir uns gegenseitig geben wollten. Ich hatte Adrenalines Fleecedecke über ihre Kruppe gelegt und um meine Beine geschlungen, sodass ich auch etwas wärmer hatte. Lily machte es mir bei Feline nach. Sie lernte wie immer sehr schnell und kopierte vieles von dem, was ich vorzeigte. Dadurch wurde ich mir einmal mehr um meine Vorbildfunktion bewusst.
      Wir versorgten die beiden Criollos und Lily wollte schon wieder zu den Weiden abdampfen. Ich rief ihr noch hinterher, sie solle doch bitte auch Royal Champion schonmal etwas putzen, denn er ging am nächsten Tag auf eine Fohlenschau und es war gewiss einfacher, wenn er schon vorgeputzt war. Ich selbst lief zum Nordstall, denn bald sollte der Chiropraktiker auftauchen. Das tat er auch, pünktlich um halb Sieben. Ich band Donut in der Stallgasse an und beobachtete gespannt, wie der Mann ihn abtastete. Er stimmte mir zu, dass der Hengst recht verspannt sei und wohl schon seit ein paar Wochen mehr oder weniger starke Schmerzen im Rücken hatte. Ich fühlte mich etwas schlecht dafür, dass ich es nicht früher bemerkt hatte. Andererseits war Donut ein guter Schauspieler und man sah ihm kaum an, wenn etwas mit ihm nicht stimmte. Der Chiropraktiker löste die Blockaden im Rücken und in der Schulter. Er empfahl mir, den Sattler in nächster Zeit nochmal kommen zu lassen, um zu überprüfen, ob der Sattel noch passte oder aufgepolstert werden müsste. Damit war das Headshaking Problem wohl gelöst, das meinte jedenfalls auch er. Ich erzählte, dass auch die Vorbesitzer von Donut schon von diesem Problem gesprochen hatten. „It is very likely, that it was the same case back then and they just never realised. Sadly it is quite often, that people misunderstand such signs and fail to see their horse’s pain.” Ich stimmte zu und verabschiedete mich von ihm, nachdem ich Donut zurück in seine Box gebracht hatte. Ich meinte zu erkennen, dass der Ponyhengst schon viel entspannter und zufriedener wirkte.
      Es war Zeit für’s Abendessen, und für einen Anruf bei Rosie. Ich wollte sie auch noch über die geplante Reise nach Amerika informieren, denn als meine Geschäftspartnerin musste sie schliesslich über meine Abwesenheit informiert sein. Sie erzählte mir, dass sie heute mit Islah, Numair und Anubis auf dem Sandplatz Dressurlektionen geübt hatte. Auf meine Nachfrage hin bestätigte sie, dass alle drei gut gelaufen waren und sich benommen hatten. Ich war besonders in Islahs Fall froh darüber. Als ich wieder aufgelegt hatte, kam Jonas durch die Haustür. „Occu, wir brauchen noch einen Weihnachtsbaum! Den müssen wir aussuchen, bevor du gehst.“ „Du weisst doch, dass ich davon gar kein Fan bin… Ich habe Bäume lieber, wenn sie im Wald stehen.“ „Deshalb holen wir uns einen Plastikbaum, den wir jedes Jahr wieder benutzen können“, erklärte Jonas zwinkernd. Ich war skeptisch, ob das gut aussehen würde, doch Lily stürmte schon begeistert hinter ihm durch die Tür und rannte die Treppe hoch, um sich die Reitsachen auszuziehen. So kam es, dass wir alle drei wenig später im Auto in Richtung Birmingham fuhren und uns auf die Bäumchen-Jagd begaben. Was wir schliesslich nach Hause brachten, war auf den ersten Blick etwas dürftig, aber fertig dekoriert musste dann selbst ich zugeben, dass es besser aussah als erwartet.
      Eines schönen Morgens, obwohl es kurz vor Weihnachten war, erleuchtete die Sonne den strahlend blauen Himmel, fuhr ich mit dem Gestütsgespann, auf welchem in großen Lettern prankte: "Tyrifjord Ranch", auf den Parkplatz eines kleinen und überschaubaren Hofes. Endlich, nach einer viel längeren Zeitspanne als eigentlich erdacht, war auch Adrenaline auf einer Stutenkrönung angenommen wurden und so musste ich heute nur noch den finalen Schritt schaffen und die Richter von der hübschen Stute überzeugen.
      Ein kleiner Funke der Trauer war trotzdem zu spüren. Ich hatte Linn lieben gelernt und nun würde sie uns alsbald wieder verlassen. Ich wusste aber, dass sie es auch bei sich Zuhause auch gut haben würde.
      Es dauerte nicht allzu lange, ich war künstlerisch einfach nicht so begabt, bis ich die Stute etwas aufgehübscht, ihr den Sattel aufgeworfen und die Trense angelegt hatte.
      Auch das Aufwärmen auf einem kleinen Nebenplatz war schnell geschafft, sodass es nun Zeit wurde, unser Können den Richtern zu präsentieren.
      Als laut unsere Namen aufgerufen wurden ("Und nun sehen sie Malte Tordenværson auf Adrenaline!") betraten wir die festlich geschmückte Halle und begannen unsere Kür im Trab. An der kurzen Seite wendete ich auf die Mittellinie ab und hielt Linn gekonnt bei X an. Für einen Criollo war dies natürlich kein Problem, so etwas lag ihnen einfach im Blut.
      Nachdem ich die Richter freundlich gegrüßt hatte, ließ ich sie aus dem Stand antraben und wendete mich auf die rechte Hand. Sofort baute ich eine einfache Schlangenlinie ein und ging danach auf den oberen Zirkel. Normalerweise ließ ich den meisten Pferden etwas Zeit um sich einzulaufen, aber bei Adrenaline merkte ich die Lauffreude und Energie, und galoppierte sie an.
      Zwei Runden auf der rechten Hand ritt ich, bevor ich den Zirkel verließ und aus dem Galopp in den Schritt durchparierte. Mithilfe einer Schlangenlinie wechselte ich die Hand, um auch Linns Galopp auf der anderen Seite zu zeigen. Abermals lenkte ich sie auf den Zirkel und wieder gab ich ihr die Galopphilfe. Dieses Mal sprang sie noch klarer und akkurater an und genau das hatte ich mir erhofft. Die linke Hand war bei ihr einfach die stärkere.
      Als auch das geschafft war, verließ ich den Zirkel wieder und parierte wieder in den Schritt durch. Nun im Mittelschritt ging ich abermals eine Schlangenlinie, diesmal jedoch nur mit drei Bögen. Linn hatte überaus schwungvolle Gänge und bog sich bei jedem neuen Bogen sehr weich unter mir. Für mich als Reiter fühlte es sich nahezu perfekt an, sodass ich mit einem guten Gefühl in der Magengegend ein letztes Mal antrabte und im ruhigen Trab durch die Hälfte der Bahn wechselte und dann meine Kür, mit einem zweiten perfekten Stop, bei X beendete. Ich grüßte brav die Richter und verließ dann am langen Zügel die Halle. Draußen ließ ich mich von Linns Rücken gleiten und kramte ein kleines Leckerli aus meiner Tasche, bevor ich sie liebevoll kraulte. Nun war also endlich auch das geschafft!
      Es war der Morgen des 31. Dezembers. Ich war sofort hellwach, als ich die Augen aufschlug. Es gab noch so viel zu tun heute, bevor das neue Jahr beginnen konnte! Jonas war ausnahmsweise ebenfalls rasch auf den Beinen; normalerweise war er ein echter Siebenschläfer. Ich ass ein Honigbrot, fütterte die Hunde und zog die Reitsachen an. Als ich die Haustür aufmachte, erschrak ich beinahe. So viel Schnee! Es musste die ganze Nacht hindurch geschneit haben, denn die Schicht von den letzten paar Tagen hatte sich verdoppelt. Hinter mir hörte ich Jonas, also hüpfte ich die Veranda runter und lauerte ihm mit einem Schneeball auf. Natürlich verfehlte ich. „Muss ich dich in den Schnee legen?“, rief Jonas herausfordernd. Ich rannte lachend davon, zum Hauptstall. Es war draussen noch dunkel, aber im Stall brannte bereits Licht und die Pfleger begannen gerade mit dem Füttern. „Good morning everyone!“, rief ich fröhlich durch die Stallgasse. Als erstes stand eine Dressurstunde mit Sunday, Caspian und Cool Catan. Heute war nur für die unerfahreneren Vollblüter Galopptraining auf dem Plan – die etwas älteren mussten anderweitig arbeiten und morgen war für alle Ruhetag. Ich ritt in der Stunde auf Caspian. Der Schimmelhengst war ziemlich geladen und ich musste ihn dauernd mit kleinen Volten und engen Wendungen bremsen. Der nette Nebeneffekt war, dass er wunderschön ans Gebiss trat, weil ihn die Biegung löste.
      Nach uns hatten Parker, Charly und Anne ebenfalls Dressurstunde, und zwar mit Gleam of Light, Chiccory und Spotted Timeout. In der Zwischenzeit begaben Jonas und ich uns mit Fly Fast und Framed in History auf einen Ausritt, um die beiden geländetauglicher zu machen. Beide waren noch sehr guckig und fanden immer wieder eine Ausrede um einen Seitensprung ins Feld zu machen. Um den beiden Nervenbündeln etwas Sicherheit zu geben, kamen auch Flint und Rebel mit, geritten von Lisa und Darren. Von den erfahrenen Westernpferden konnten sich die beiden Vollblüter viel abschauen. Wir waren länger unterwegs als geplant, weil Fly bei einem mit Planen abgedeckten Holzhaufen partout nicht vorbeiwollte. Wir nahmen uns daher viel Zeit um ihm den unheimlichen Haufen zu zeigen – bis er beim Durchreiten bloss noch das Ohr dorthin drehte. Ich fand es immer besser, solche Dinge auszudiskutieren, besonders bei Fly. Ansonsten neigte er dazu, sich bei kleinen Dingen immer weiter aufzuschaukeln, bis man kaum mehr anständig reiten konnte. Deshalb erklärten wir ihm immer alles doppelt, damit er keine Zweifel mehr hatte. Das brauchte Zeit, und genau diese Zeit hatten wohl seine alten Besitzer, bei denen er sich am Ende komplett verweigerte, nie gehabt. Er war eben von Natur aus ein sensibles Pferd und war schnell überfordert. Seit er auf Pineforest war, hatten wir uns grosse Mühe gegeben, dass er nie wieder eine seiner Ausraster hatte, bei denen er alles um sich herum vergass und wie mit Scheuklappen davonpreschte. Ich hatte einmal ein altes Video gesehen, von einem seiner letzten Rennen, bei dem er vor Verwirrung in die Rails gekracht war. Mittlerweile war er meistens ziemlich gut händelbar, aber sicherlich kein Anfängerpferd. Frame war ebenfalls nicht ganz einfach, aber er war einfach ein Angsthase. Er lernte jeweils schnell, doch fragte vorher lieber einmal zu viel nach, ob er nicht doch abdrehen sollte. Wenigstens glaubte der Schecke mir nach kurzer Zeit, dass der Haufen ungefährlich war. Und einmal begriffen, testete er es auch nicht erneut aus. Da war Fly hartnäckiger. Aber Frame vertraute mir sowieso aussergewöhnlich stark. Es kam mir manchmal fast so vor, als sähe er mich wegen seines üblen Weideunfalls immernoch als seine Retterin an. Jedenfalls war er bei mir viel mutiger als bei anderen, weshalb ich ihn noch immer fast ausschliesslich selbst ritt.
      Als wir vom Ausritt zurückkamen, machten sich gerade die Jockeys für das Training mit den jüngsten Vollblütern fertig. Die fünf kannten noch nicht viel und waren entsprechend hibbelig, als sie hintereinander zur Bahn ritten, während die Pfleger mit anderen Pferden an ihnen vorbeiliefen. Merino und Primo Victoria waren für mich immernoch etwas ganz Besonderes, mit ihren weissen Birdcatcher-Spots auf dem dunklen Fell, das so sehr dem ihrer Mutter ähnelte. Punkte hatte auch Cryptic Spots, und zwar nicht zu knapp. Aber mein heimlicher Liebling dieser Gruppe war immernoch Simba Twist, mit seinem aussergewöhnlich hellen, fuchsfarbenen Fell. Besonders wenn die Sonne darauf fiel schillerte es wie richtiges Gold. Ob er auch in Sachen Gewinne ein Goldjunge war, musste sich noch zeigen. Im Moment dominierte Miss Moneypennydie Trainingsrennen der Gruppe.
      Sobald ich Frame versorgt hatte, machte ich mich auf den Weg zu Moon Kiddy. Ich fand es eine reizvolle Idee, am Jahresabschluss mit ihr einen etwas längeren Ausritt zu machen. Mit der Stute hatte ich schon so viel erlebt und sie war einfach ein absoluter Schatz im Umgang. Nach der wilden Runde mit Fly und Frame war das nun genau das Richtige für mich. Ich striegelte und bürstete Moons weiches Winterfell. Dann entwirrte ich ihr dichtes Langhaar. Es war eher etwas dratig und robust im Vergleich zu dem feinen Haar eines Vollblüters, ausserdem hatte es hartnäckige Wellen, die es noch voluminöser wirken liessen. Ohne etwas Glanzspray war es fast unmöglich durchzukommen, ohne Haare auszureissen. Doch als ich fertig war, fiel es schön locker und war frei von Strohstückchen. Auch die Hufe kontrollierte ich, aber die Stute war barhuf und vom Schnee auf der Weide waren die Sohlen saubergewaschen, also gab es nichts auszukratzen. Mit der etwas kleineren Bürste nahm ich mir noch den Kopf vor, dann waren wir ready. Ich packte den Westernsattel auf ihren Rücken und zäumte sie mit ihrem Bosal. Der Ausritt führte uns durch das Nachbardorf und auf dessen anderer Seite durch ein Waldstück, in das ich bisher nur selten vorgestossen war. Hier gab es viele befestigte Wanderwege, auf denen wir wunderbar galoppieren konnten. Ich begegnete auch ein paar Spaziergängern, die mir jeweils einen guten Rutsch wünschten – was ich natürlich dankend erwiderte. Ein kleines Mädchen, dem wir unterwegs mit seiner Familie ebenfalls begegneten, war ganz begeistert von Moon und wollte die Stute streicheln. Wir unterhielten uns ein paar Minuten und ich lud sie ein, einmal auf Pineforest vorbeizuschauen und vielleicht eine Reitstunde zu nehmen. So macht man Werbung, dachte ich schmunzelnd, als ich weiterritt. Ich war sicher, dass ich das Mädchen namens Emilia nicht zum letzten Mal gesehen hatte. Überhaupt wollte ich mich im kommenden Jahr wieder etwas mehr den Ferienkindern widmen, die jeweils in den Sommerferien bei uns waren. Ich musste mir neue Spassturniere ausdenken und das Programm möglichst vielseitig machen. Aber das hatte alles noch Zeit. Im Moment genoss ich die stille, gefrorene Winternatur mit Moon. Auf dem Heimweg begann es sogar wieder zu schneien. Ich liess es mir nicht nehmen, mit Moon noch ein letztes Mal über ein Feld zu galoppieren, bevor wir zuhause waren. Im Tiefschnee wurde die Stute rasch müde, dafür machte es uns beiden umso mehr Spass.
      Um elf Uhr hatte ich Moon versorgt und gönnte mir eine Teepause, bevor ich weiter zu Lily mit Areion ging. Dank der Weihnachtsferien konnte ich ihr jetzt wieder vormittags eine Reitstunde geben und nicht erst abends, wenn es schon dunkel wurde. Die anderen Pfleger hatten schon um zehn Uhr Pause gemacht, deshalb sass ich alleine in der Reiterstube und beobachtete das Springtraining von Baccardi, Bluebell, Sugar and Sweets, White Dream und Donut. Die fünf Ponys galoppierten geschickt um die Kurven und schienen ganz schön fit. Zufrieden bemerkte ich, dass Bluebell fast jedes Mal im richtigen Galopp landete und abgesehen von ein wenig Zögern beim Plankensprung flüssig über alle Hindernisse drüberging. Sweets hatte da noch mehr Mühe, David musste sie jeweils neu angaloppieren wenn sie im Aussengalopp war. Baccardi und Donut waren sowieso erfahrener und beherrschten die fliegenden Wechsel; sie landeten aber ohnehin meist richtig. Mit Dream war es dasselbe, aber heute war sie etwas zu hastig und räumte dann doch ein paar Stangen ab.
      Ich fragte Lily, was sie heute mit ihrem flauschigen Tinker machen wollte. Sie beschloss, dass sie mit ihm zum ersten Mal ohne Sattel Cavaletti springen wollte. Ich nickte schmunzelnd und dachte mir, dass ich die Gelegenheit auch gleich nutzen könnte, um mit Adrenaline etwas Spass zu haben. Wir putzten die beiden, wobei ich meiner Nichte etwas half, denn Line war praktisch sauber, während Areion mit seinem langen Winterfell mehr Pflege brauchte. Besonders die dichten Puschel an den Beinen waren mühsam, denn darin verfingen sich dutzende Strohstückchen. Ausserdem musste ich die Fesselbeugen auf Mauke kontrollieren, denn unter dem ganzen Behang staute sich Feuchtigkeit. Vorsorglich salbte ich deshalb ein wenig und erklärte währenddessen Lily worauf sie achten musste. Meine Nichte kümmerte sich gewissenhaft und ausdauernd um ihren Tinker. Sie machte jeden Tag etwas mit ihm, und wenn es nur Spazieren war. Die beiden wurden immer mehr zu einem Team, wie ich es mir bei seinem Kauf erhofft hatte. Areion war ein gutmütiger, ausgeglichener Hengst. Und wenn es doch mal Probleme gab, konnte ich ihr rasch helfen. Zur Sicherheit setzte ich mich trotz allem sowieso einmal pro Woche selbst drauf; auch, damit der Hengst richtig gymnastiziert wurde. Tinker neigten ja dazu, einen weichen Rücken zu haben. Mit Lilys Fliegengewicht war das im Moment kein Thema, aber ich wollte auch in Zukunft sicherstellen, dass Areion die nötigen Muskeln hatte und gesund blieb. Als wir die beiden fertig vorbereitet hatten, gingen wir zusammen in die Halle. Die Ponygruppe hatte die Hindernisse stehengelassen, also stellten wir sie einfach etwas tiefer und benutzten sie anstelle der Cavaletti. Zuerst wärmten wir die beiden Pferde vom Boden aus auf. Zum Aufsteigen schwang ich mich einfach vom Boden aus auf Lines Rücken, während Lily ihren Tinker von der Aufstiegshilfe aus bekletterte. „Irgendwann musst du mir das auch noch beibringen Occu“, meinte sie etwas frustriert, als sie mich beobachtete. „Es sieht einfacher aus, als es ist. Ich brauchte auch lange, bis ich es endlich beherrschte“, ermunterte ich sie. Wir galoppierten zuerst ein wenig, dann sprang ich mit Line das erste Hindernis vor. Lily und Areion taten es uns gleich. Lily rutschte zwar auf Areions Hals, rückte aber schnell wieder in die richtige Position zurück und grinste ünbers ganze Gesicht. „Gut gemacht für den ersten Versuch“, lobte ich anerkennend. Ich riet ihr noch etwas besser in die Mähne zu greifen, denn „dafür ist seine dicke Wolle ja geradezu perfekt“. Schon nach wenigen Versuchen hielt sie das Gleichgewicht deutlich besser und wurde mutiger. Einmal mehr war ich froh, dass Areion so gutmütig und geduldig war. Wenn es nicht passte, dann stoppte er zwar, aber dann musste Lily einfach neu anreiten und schon klappte es. Adrenaline hoppste übrigens auch brav über die Sprünge.
      Nach dieser kurzen Spass Lektion gingen wir mittagessen. Um ein Uhr begab ich mich einmal mehr zu Phantom, meinem original USA Mustang, mit dem ich die letzten Tage intensiv gearbeitet hatte. Seit einer ganzen Woche ging ich nun schon jeden Tag zu ihm und gewöhnte ihn Stück für Stück an alles, was er in der Menschenwelt kennen musste. Am zweiten Tag hatte ich ihn weiter an Berührungen gewöhnt, auch an den Beinen, und sogar schon erste Versuche gemacht, die vorderen zu hochzuheben. Ausserdem hatte ich angefangen, ihn ein wenig zu longieren und unsere gemeinsame Sprache zu finden. Ich hatte ihm die Peitsche gezeigt und ihn dagegen desensibilisiert, und zu guter Letzt hatte ich bereits begonnen, neben ihm zu hüpfen und ihn an schnellere Bewegungen zu gewöhnen. Tag drei nutzte ich bereits dazu, zum ersten Mal auf seinem Rücken zu sitzen. Dazu kraulte ich ihn wieder ausgiebig und verstärkte das Hüpfen neben ihm immer weiter, bis ich mich schliesslich über seinen Widerrist legte. Anfangs machte er immer wieder Ausweichschritte, aber mit der Zeit blieb er stehen und so konnte ich fortfahren, bis ich ganz oben sass. Mehr als das verlangte ich noch nicht. Nebenbei gewöhnte er sich auch an das Führseil, dass er meistens einfach lose hinterherzog. Er lernte, dass er darauf stehen konnte und dass es sich um seine Beine wickeln konnte, ohne dass ihm etwas schlimmes passierte. Tag vier verbrachten wir damit, ein paar erste Schritte mit mir auf seinem Rücken zu gehen. Anfangs noch in einer kleinen Volte, dann schon etwas selbstsicherer. Er erschreckte sich zunächst noch, wenn ich wieder runtersprang, also übten wir das auch ausgiebig. Ausserdem zeigte ich ihm schon die wichtigsten Hilfen, nämlich Lenkung und Bremsen, bzw. Rückwärtsgang. Er war sehr aufmerksam und lernte schnell, aber seine Körpersprache verriet mir, dass er immernoch sehr angespannt und unsicher war. Am Abend von Tag vier führte ich ihn dann auch zum ersten Mal aus dem überdachten Roundpen in den Hauptstall. Wir machten eine Runde durch den Stallgang und ich liess ihn an allem schnuppern, was ihm unheimlich vorkam. Die Pfleger sahen begeistert zu. Am darauffolgenden Tag nahm ich ihn zum ersten Mal mit in die Halle und longiere ihn dort. Am ende liess ich ihn freilaufen und stellte ihm den grossen blauen Gymnastikball vor, den wir im Lagerraum hatten. Er schubste ihn sogar etwas herum. Tag sechs nutzte ich, um den ganzen Schweiss und Dreck von seinem Körper zu waschen. Auch das nahm wieder viel Zeit in Anspruch; zunächst gewöhnte ich ihn an den Schlauch, dann Schritt für Schritt an den Wasserstrahl. Ich benutzte ganz wenig Shampoo am Körper und genug beim Langhaar, um es zu entknoten und ganz sauber zu bekommen. Danach stellte ich ihn, weil es Winter war und draussen Schnee lag, unters Solarium im Hauptstall. Auch dabei musste ich ihn zuerst überzeugen, dass das rot leuchtende Ding keinen Appetit auf Pferde hatte. Aber als er es einmal begriffen hatte, stand er brav still und ich konnte nebenbei das trocknende Langhaar ein wenig frisieren. Gestern Nachmittag schliesslich hatte ich mit ihm Schrecktraining in der Halle gemacht und ihm ein paar neue, wichtige Alltagsdinge wie Klettverschluss und Blachen gezeigt. Ausserdem hatte ich den Morgen dafür genutzt, zum ersten Mal auf ihm zu traben und ihn bereits etwas ausgiebiger zu reiten. Heute wollte ich daran anknüpfen und ihn draussen auf der Ovalbahn reiten. Wenn alles gutging, konnte ich einen ersten Galopp wagen. Die Ovalbahn war aussenherum durchgehend mit Rails abgegrenzt, was ihn im schlimmsten Fall daran hindern würde, einfach auszubüxen. Trotzdem hatte ich ein etwas mulmiges Gefühl, weil ich ihn noch nie zuvor draussen geritten hatte. Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Ich betrat den überdachten Roundpen und rief den Mustang zu mir. Er reagierte darauf jeweils sofort und kam zügig angelaufen, was mich immer wieder von neuem freute. Er hatte sich also schon weitgehend auf mich eingelassen und begann, mir wirklich zu vertrauen. Das merkte ich auch beim anschliessenden Bürsten, denn er stand still obwohl ich das Seil nur über die Wand der Führanlage gelegt hatte und genoss das Striegeln mit gespitzter Oberlippe. Er war im Umgang sehr respektvoll (vermutlich war auch noch ein Rest Unsicherheit im Spiel) und wurde von Tag zu Tag neugieriger. Ich versuchte, so viel Zeit wie möglich mit ihm zu verbringen. Daher war ich in den letzten Tagen auch immer wieder zwischendurch zu ihm gegangen – bloss um ihn zu kraulen oder ihm eine Karotte zu bringen. So verknüpfte er mich sehr positiv und deshalb kam er auf Rufen auch sofort zu mir. Bürsten am Kopf klappte mittlerweile auch ganz gut; am Anfang hatte er die Bürste in seinem Gesicht ganz und gar nicht gemocht. Das Hufeauskratzen mussten wir noch weiter üben, denn im Moment zog er den Huf nach kurzer Zeit wieder weg. Als ich fertig war, führte ich ihn zur Ovalbahn. Er folgte mir brav und sah sich neugierig um, als wir das fremde Gelände betraten. Natürlich hatte er es von der Halle her auch schon gesehen, aber ich liess ihm dennoch Zeit, die Umgebung etwas zu erkunden. Dann knotete ich das Führseil als Zügel an das Knotenhalfter und schwang mich auf seinen Rücken. Zunächst machte ich eine Schrittrunde und überprüfte die Hilfen indem ich kleine Volten und Seitenwechsel machte, oder ihn rückwärtstreten liess. Dann trabte ich an und machte auch dabei immer mal wieder eine kleine Volte. Ich begann damit, ihn ein wenig Schulter vor zu reiten – auch um sein Tempo etwas besser zu kontrollieren. Endlich war es so weit und ich konnte angaloppieren. Sein Galopp war bequemer als erwartet und er blieb in einem angenehmen Tempo. Beim zweiten Angaloppieren machte er einen kleinen Buckler, den ich aber ohne weiteres aussitzen konnte. Ich machte zwei Runden auf jede Seite, dann parierte ich ihn durch und hüpfte von seinem Rücken. Ich lobte ihn ausgiebig mit Kraulen und brachte ihn zurück ins Roundpen. „Und, wie lief’s?“, wollte Jonas wissen, als er mich dabei entdeckte, wie ich den Rappen noch ein wenig beobachtete. „Richtig gut, wir konnten problemlos galoppieren“, antwortete ich stolz. „Das ist toll, wenn es so weiter geht ist er bald so sicher wie die Criollos“, stellte Jonas etwas übertrieben fest. „Meinst du, wir könnten einen Versuch wagen und ihn morgen mit ein, zwei anderen Jungs auf die Weide bringen? Ich möchte ihn nächstens etwas intensiver reiten und da wäre es gut, wenn er ausgeglichen ist…“ Er stimmte zu, dass es an der Zeit wäre, das auszuprobieren. Ich konnte nicht wirklich einschätzen, wie gut er sich mit den anderen verstehen würde, aber ich drückte die Daumen, dass alles gut ging. Irgendwann wollte ich ihn auf die Stutenweide umsiedeln, aber zuerst wollte ich sichergehen, dass er den grössten Teil seines Hengstverhaltens abgelegt hatte.
      Um halb drei bewegte ich Co Pilot in der Halle, während Ljóski und Herkir draussen auf der Ovalbahn von Jonas und Darren geritten wurden. Ich sah ihnen während der Dressurarbeit immer mal wieder zu und suchte nach Fehlerchen, mit denen ich Jonas später aufziehen konnte. Aber es war schon ganz schön schwer bei ihm und Herkir noch etwas zum motzen zu finden – die beiden waren ein sehr eingespieltes Team. Pilot liess sich den Winter nicht anmerken, er lief heute so ruhig wie schon lange nicht mehr. Trotzdem war er bei der Sache und gab sich Mühe, alle meine Hilfen umzusetzen. Ich galoppierte mit ihm viel, wobei ich vorallem immer wieder angaloppierte; mal aus dem Schritt, mal aus dem Stehen. Denn das gab den besten Muskelzuwachs. Beim Anspringen musste er viel Kraft mit der Hinterhand aufnehmen, was ihm wiederum dabei half, sich zu versammeln. Ausserdem feilte ich weiter an den Galopppirouetten, die er noch nicht perfekt beherrschte.
      Eine gute Stunde Später wünschte ich Lisa, Elliot, Lewis, Linda und David einen schönen Ausritt. Die fünf ritten mit Dancing Moonrise Shadows, Piroschka, Ice Coffee, Ronja Räubertochter und Lovely Summertime vom Hof weg in Richtung Fluss. Ausserdem erwischte ich Jonas dabei, wie er Lily auf Fake Reitstunde gab. Still schmunzelnd beobachtete ich die beiden einen Moment, dann schlich ich davon, um sie nicht abzulenken. Ich beschloss, mit der frisch gekörten Feline ein wenig Bodenarbeit im Roundpen zu machen. Die Criollostute hatte es tatsächlich endlich geschafft – noch vor zwei Jahren hatte niemand daran geglaubt. Sie war so ein unscheinbares Fohlen gewesen, nie besonders hübsch, immer etwas schmal – sozusagen ein graues Entlein. Auch als Jungstute hatte sie nicht überzeugen können, doch nun endlich hatte sie sich zu einer hübschen Schimmelstute mit einem grossen Herzen entwickelt. Sie war eines der liebsten, gutmütigsten Pferde die ich kannte und dankte uns jeden Tag von neuem die Zeit und die Arbeit, die wir in sie gesteckt hatten. Ich putzte das jetzt im Winter beinahe weisse Fell der Stute gründlich, ehe ich sie zum Roundpen brachte. Dort angekommen spielte ich einfach ein bisschen mit ihr herum. Ich schickte sie weg und liess sie wieder zu mir kommen, motivierte sie zu einem frischen Galopp auf dem schneebedeckten Sandboden und machte ein paar Seitenwechsel, bei denen ich sie spielerisch anstachelte. Ich fand es auch eine gute Gelegenheit, um das Steigen mit ihr zu üben. Als wir fertig waren, zeigte sie tatsächlich gute Ansätze. Zufrieden warf ich das Führseil über ihren Hals und öffnete das Tor des Rounpens. Ich machte mir gar nicht erst die Mühe, das Seil wieder in die Finger zu nehmen; die Stute folgte mir auch so zurück zur Stutenweide. Als ich danach beim Nebenstall durchschlenderte, sah ich, dass Satine und Parányi nicht da waren. Ich warf einen Blick in die Halle, wo Lily und Fake gerade am Trockenreiten waren. Auch nicht, hmm… Auf dem Viereck war ebenfalls keine Spur von den beiden. Sind sie ausreiten gegangen?, wunderte ich mich. Doch kurz darauf entdeckte ich die beiden mit Jason und Rita auf dem Galoppweg. Sie trabten nebeneinander unter den Tannen hindurch und schienen Spass zu haben. Zufrieden schlenderte ich zum Haus und machte mir eine Tasse Tee, denn ich brauchte auch mal eine Pause.
      Wenig später kam Lily durch die Tür gepoltert. „Und? Wie war deine Reitstunde?“, fragte ich grinsend. „Toll! Jonas gibt besser Unterricht als du!“ Sie streckte mir die Zunge raus und ich meinte empört: „Na dann brauche ich dir in Zukunft ja keinen mehr zu geben.“ „Doooch!“ Sie setzte sich auf meinen Schoss und forderte: „Ich brauche von euch beiden Reitunterricht, damit ich noch viel besser werde. Ich will schliesslich im Frühling mit Areion auf Turniere gehen!“ „Pass auf, dass du nicht zu ehrgeizig wirst und dich selbst überforderst. Ich bin sicher, du wirst nächstes Jahr ein paar Schleifen sammeln.“ „Nächstes Jahr, pah!“ „Das ist aber doch schon bald, also so viel Geduld wirst du wohl noch haben müssen.“ „Nächstes Jahr ist… Ach ja, mähh Occu du bist doof“, machte sie, als ihr wieder einfiel, dass heute Abend Silvester war. „Wer ist hier doof?“, erwiederte ich lachend und schloss sie in den Arm. Ihre Stimme drang gedämpft durch meinen Ärmel. „Jenny hat ihrem weissen Pony zu Weihnachten eine Mütze aufgesetzt. Das sah echt cool aus! Sie hat mir das Bild gestern gezeigt.“ „Echt? Das kann ich mir gut vorstellen. Wir haben Empire auch mal ne Mütze aufgesetzt, aber das ist schon zwei Jahre her.“ Sie befreite sich aus meinem Griff und meinte: „Wir könnten ja ein paar von unseren weissen Pferden für Silvester schmücken! Dann kann ich Jenny auch ein Foto zeigen, wenn wir wieder in die Schule müssen.“ „Könnten wir, ja.“ „Tun wir?“, fragte sie nocheinmal mit hoffnungsvollem Nachdruck. „Tun wir.“, versicherte ich kopfnickend. „Dann los!“ Sie rutschte von meinem Schoss runter und wollte schon zur Tür stürmen. „Warte, womit willst du sie schmücken?“ „Ehhh… Keine Ahnung…“ „Komm hier, wir nehmen die Girlande vom Weihnachtsbaum und irgendwo in meinem Schrank habe ich noch zwei Mützen. Ich hole sie rasch.“ Wir kramten ein paar Dinge zusammen, dann liefen wir zum Hauptstall. Die drei perfekten Pferde für das Unterfangen waren Empire State of Mind, A Winter’s Day und Captured in Time. Wir holten alle drei raus und putzten sie. Ich rief Ajith, damit er Lily mit Ciela helfen konnte, während ich Winter und Empire gleichzeitig putzte. Ajith half auch beim Dekorieren mit, weil er die Idee lustig fand. Als wir fertig waren, stellten wir die drei auf dem Parkplatz draussen auf und schossen ein Foto. Es sah wirklich hübsch aus und Lily freute sich wahnsinnig darauf, es ihrer Kollegin zu zeigen.
      Am Abend Machten Jonas, Lily und ich uns Pizza. Diejenigen Pfleger, die nicht nachhause gingen, schmissen im Pflegeheim ihre eigene Party. Um Mitternacht gingen wir zu ihnen rüber und stiessen alle zusammen auf’s neue Jahr an – für Lily gab es natürlich nur Traubensaft. Lewis zeigte mir und Lily bei der Gelegenheit gleich noch stolz, welche Wörter die Papageien schon kannten. Spätestens als Africa zu fluchen begann, fand ich dass es Zeit war, ins Bett zu gehen. So starteten wir lachend und gut gelaunt ins neue Jahr. Als ich mich schliesslich in meine Bettdecke kuschelte, versuchte ich mir vorzustellen, was dieses Jahr alles mit sich bringen würde. Ich freute mich schon darauf weiter mit Phantom zu arbeiten, aber auch mit allen anderen Pferde lag ein weiteres Jahr voller Abenteuer und Spass voraus.
      Für mich als Langschläfer war es ungewohnt, dass der Wecker punkt sechs Uhr klingelte. Widerwillig kugelte ich aus dem Bett und schlurfte ins Bad der Dachbodenwohnung. Finley schlüpfte hinter mir ins Bad und sah mich mit seinen süßen blauen Kulleraugen an. “Na du Frühaufsteher!”, sagte ich und kraulte ihn hinter den Ohren. Nachdem ich halbwegs menschlich und nicht mehr wie ein Zombie aussah, begab ich mich samt Finley nach unten. Mehr als eine Banane und ein Glas Milch bekam ich nicht runter. Finley hingegen verschlang sein Futter innerhalb von Sekunden. Als wir aus dem Haus gingen, stand Petyr schon draußen und drückte mir die Mistgabel in die Hand. “ Na los die Pferden machen ihre Boxen leider nicht selbst sauber!”, sagte er lächelnd und verschwand im Stall. Murrend folgte ich ihm und begann die Boxen zu misten. Edda und Finley schlichen über den Hof und ärgerten höchstwahrscheinlich die Katzen.
      Stöhnend ließ ich die Mistgabel fallen und wischte symbolisch mit der Hand über die Stirn. “Ist das Prinzesschen etwas überanstrengt?”, feixte Petyr. “Haha witzig, naja bald bin ich ja hier weg, obwohl es hier wunderschön ist.”, erwiderte ich. “Wo soll's denn hingehen? Hast du nun einen Hof gefunden?” Ich nickte und erzählte ihm von dem Gestüt am Niederrhein in Deutschland.
      Nathan Scott leitete das Gestüt und ich hatte mich mit ihm in Verbindung gesetzt. Schnell war alles geregelt und ein Transportunternehmen gebucht. Bald würden wir umziehen…
      Imagine Dragons und Sacarina hatten sich mittlerweile angefreundet und spielten quicklebendig auf der Weide. Dank Charly und Niko kamen meine Pferde auf einem benachbarten Hof unter, da hier so spontan wie ich gekommen war kein Platz war. Sir Benny Miles war bereits zweimal Vater geworden und ich bin froh ihn damals von Eddi gekauft zu haben. Meine Privatpferde also Belle, Bixs, Bella Donna O Sole Mio, Mayor Jetsetter Oak, Havanna Girl, Heretic Anthem, Pallaton und Braddock ‘The Parrot’ befanden sich in einem Offenstall. Die Zuchthengste Batman, Tiago, Colorido, Descarado, Castiel, Wild Cherry, Modjo, Xinu und Filou Farrige Etoile Filante standen zusammen mit Sence of Humor in einem kleinen Stallgebäude mit Paddocks. Meine Stuten Adrenaline, Arquera, Flame, Nienke van de Flierthoeven und Esmeralda standen in einem separaten Stall.
      Bald werden wir nun umziehen, obwohl mir bei dem Gedanken etwas flau im Magen wird. Ich bin sehr gespannt wie es in Deutschland ist, obwohl ich die Sprache beherrsche, war ich bisher nur in Brandenburg bei der Familie gewesen.
      In Deutschland kehrte der Herbst ein und das Wetter glich dem des Aprils. Es wurde spät hell und früh dunkel, die Pferde sind eingedeckt und alle rennen eingemummelt über den Hof und versammeln sich in der beheizten Sattelkammer.
      Schon wieder neigte sich der Tag dem Ende und ich befüllte die Futtertröge meiner Pferde. Ein Maß Hafer, faserreiches Müsli, Mineralien und Leinöl. Havana Girl befand sich mittlerweile in der Obhut eines guten Freundes und wird bald in den Norden Deutschlands ziehen. Also trieben wir die Pferde von den Weiden und nahmen sie am Treibeweg entgegen. Bei der ersten Fuhre nahmen wir zu dritt erst die Stuten California Dreamin‘, Adrenaline, Esmeralda und BS Je t‘aime. Danach folgten die Hengste Colorido, Dulce Soñador, Fenicio, Descarado, Sence of Humor, Castiel, Wild Cherry, Xinu und Major Jetsetter Oak. Alle stürzten sich freudig auf ihr Futter und schienen die Wärme des Stalls zu genießen.
      „Guten Appetit meine Liebe!“, sagte ich und fing an die Stallgasse zu fegen. Später würde ich noch einen Teil der Pferde bewegen.
    • Calypso
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      5637 Zeichen by Calypso - 20.01.2019
      Veronika & Luke
      Ein ganz gewöhnlicher Tag auf dem Rook´s Bay Stable. Es war Mittag und wir hatten das morgendliche Ausmisten und Füttern schon hinter uns. Die Pferde waren alle auf ihren Weiden und es kehrte etwas Ruhe ein. Ich war noch am überlegen mit welchem Pferd ich heute trainieren sollte und ging im Kopf den Tagesablauf durch. Jasmine hatte heute glaub ich eine Reitstunde und ich müsste Luke noch fragen was er heute vor hatte. Das Wetter war heute beständig, kalt aber immerhin nicht mehr so stürmisch wie in den letzten Tagen. Vielleicht könnte ich auch ausreiten gehen. „Hallo Veronika“ der gute alte Frank kam aus seinem Truck gestiegen.“Hallo Frank, ich habe heute gar nicht mit dir gerechnet.“ entgegnete ich. Frank kratzte sich am Kopf „Ach ich wollte nochmal nach der einen Boxentür schauen die klemmt und außerdem hat Elizabeth mir einen Rumkuchen für euch mitgegeben.“ Dankend nahm ich ihn entgegen und lächelte „Sag ihr vielen lieben Dank, wir alle lieben diesen Kuchen! Gut, ich bringe ihn mal ins Haus, wenn du irgendwas brauchst sag bescheid, ja?“ Frank nickte und machte sich an die Arbeit. Ich brachte den Kuchen in die Küche und schrieb eine kleine Notiz dazu, das sich jeder gerne nehmen dürfte. Draußen auf dem Hof traf ich auf Luke und er machte den Vorschlag ausreiten zu gehen. Ich überlegte erst hin und her, eigentlich wollte ich doch mit dem Training von Kantarro anfangen. „Nehmen wir ihn doch einfach als Handpferd mit.“ schlug Luke vor. Gar keine schlecht Idee, dachte ich und gemeinsam holten wir die Pferde. Mein Mann holte sich Norikerhengst Thorin und ich nahm Chulo und Kantarro mit. Wir mussten nur ein wenig über ihr Fell striegeln und konnten sogleich aufsatteln. Wir waren zwei Stunden unterwegs. Sogar eine kurze Galoppstrecke konnten wir bewältigen, Kantarro war sehr brav als Handpferd und auch Chulo war äußerst artig, wie immer im Gelände. Luke war auch ganz begeistert von Thorin. Er hatte ihn bis jetzt noch nie geritten.

      Jasmine
      „Serena du holst dir heute
      Rhoda, Will du hast Löwenherz und Phoebe Lamiro.“ die drei Kinder wuselten umher, holten Putzsachen und Halfter und gingen zum Offenstall um die Pferde zu holen, die ich ihnen zugeteilt hatte. Dies war schon meine Fortgeschrittene Gruppe und so musste ich nicht mehr all zu viel helfen. Wir gingen auf den Reitplatz und die Kinder stiegen auf. Die ersten 15 Minuten wurden zum aufwärmen genutzt und ich baute einen kleinen Trailparcour auf. Ich brachte viel Abwechslung in meine Reitstunden, das war mir wichtig. Nach ein paar Trabrunden erklärte ich ihnen den Parcour und jeder durfte ihn nacheinander absolvieren. Dabei gab ich Hilfestellungen und Tipps. Rhoda war wieder sehr faul heute, aber Serena wurde immer besser im sich durchsetzen und ich hatte das Gefühl das die beiden gut zusammen passten. Nach 60 Minuten war die Stunde vorbei und meine Reitschüler sattelten ihre Pferde ab und versorgten sie. Als sie später von ihren Eltern abgeholt wurden, beschloss ich noch etwas mit Zenja zu arbeiten. Die Stute sollte auch mal im Schulbetrieb und vielleicht sogar zu therapeutischen Zwecken eingesetzt werden. Ich holte sie, putzte sie und ging mit ihr in den Roundpen. Dort machte ich Freiarbeit mit ihr, die grundlegenden Dinge, Vertrauen aufbauen. Sie sollte das arbeiten mit dem Menschen als spaßig empfinden und freiwillig mitarbeiten. Nach 25 Minuten ließ ich es gut sein und war sehr stolz auf die Stute.

      Veronika & Luke
      Wir kamen zum Hof zurück und brachten unsere drei Hengste zurück auf die Weiden. Ein zwei Stunden konnten sie noch draußen herum tollen. Ich sah Jasmine mit
      Zenja aus dem Roundpen kommen „Jasmine, wenn du fertig bist komm doch mit ins Haus, dann trinken wir bisschen Kaffee und essen Kuchen.“ „Ja gerne, ich komme gleich.“ antwortete die junge Frau und Luke und Ich gingen schon mal rein. Emilia war auch wieder Zuhause und gemeinsam genossen wir den Rumkuchen von Frank´s Frau. Wir erzählten uns Neuigkeiten, planten die nächsten Tage durch und ließen es uns gut gehen. Gegen 17 Uhr machten wir uns wieder an die Arbeit. Die Pferde mussten rein geholt werden. Harry war nun auch da, er hatte heute den halben Tag frei um bei seiner Tochter zu sein. Jasmine und Ich gingen zu den Stutenweiden und nahmen jeweils zwei Pferde. Jasmine nahm Fermina und Ashitaka ans Halfter und ich Sabandija und die kleine Rovina. Als nächstes holten wir noch Adrenaline und Princess Mononoke, die noch abgetrennt von den anderen standen und langsam aneinander gewöhnt wurden. Zum Glück gab es auch keine Zickereien in den Boxen. Die beiden Männer hatten sich in der Zwischenzeit um die Hengste gekümmert. Diese rein zu holen war etwas einfacher, da die Weiden direkt am Stallgebäude grenzten. Man musste nur den Weg zu den Koppeln absperren mit einem E-Zaun Band, die große Stalltür öffnen und schauen das sonst alle geschlossen sind. Dann die Weidezäune öffnen und die Hengste rein treiben. Sie wussten von selbst schon gut genug wo ihre Boxen waren und gingen sofort hinein um zu fressen. Thorin, Norisk und Fame waren meistens die ersten die sich sofort in Bewegung setzten. Gefolgt von Kantarro, Fantasio, Chulo und Companéro. El Alba Ardiente, PFS Dreaming of Revenge, Maverick, Colorido und Time in a Bottle ließen sich immer etwas Zeit bis der erste Ansturm vorbei war. Schließlich verschlossen wir alle Boxentüren und Harry ging nochmal zum Offenstall um dort zu gucken ob alles in Ordnung war. Dort war es bereits ruhig. Dawn, Lamiro und Zenja knabberten am Heu, Löwenherz lag im Unterstand und auch Rhoda war völlig entspannt. So neigte sich ein weiterer Tag, auf dem Rook´s Bay Stable, dem Ende zu.
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  • Album:
    Rook´s Bay Stable - Criollozucht
    Hochgeladen von:
    Calypso
    Datum:
    10 Jan. 2019
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  • [​IMG]
    Adrenaline

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    Rufname: -
    Geburtsdatum/Alter: 2008 - 11 Jahre
    Geschlecht: Stute



    Stammbaum
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    aus der: ✗ ~ von: Kajano
    aus der: ✗ ~ von: ✗ | aus der:✗ ~ von: ✗


    Exterieur
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    Größe: 1,48 m
    Rasse: Criollo
    Fellfarbe: Brauner
    Gencode: Ee, Aa
    Abzeichen: 4x weiß, Schnippe



    Interieur
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    Charakter

    sehr sozial, mutig, arbeitswillig

    Beschreibung
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    Adrenaline hat genau das, was ihr Name bedeutet - Adrenalin. Sie ist immer sehr aktiv, mit Freude dabei und ihr wird nie langweilig, egal wie oft man ein und die selbe Lektion wiederholt. Im Umgang mit Menschen ist sie sehr freundlich und im Herdenleben auf der Weide hält sie sich eher zurück, jedoch kann sie sich auch durchsetzen. Unter dem Sattel ist sie ziemlich feinfühlig, arbeitet aber fleißig mit und versucht ihr bestes, nicht immer loszupreschen.
    Adrenaline wurde hauptsächlich für die Dressur gezüchtet, aber auch im Springen zeigt sie Potential und in beiden Disziplinen zeigt sie Freude am Lernen. Wenn sie eingefahren wird, wird sie sicherlich auch viel Spaß vor der Kutsche haben und da sie vor nichts scheut und Angst hat wird sie im Straßenverkehr auch sicher eingesetzt werden können.
    Nachdem sie eines Tages verwahrlost wieder aufgetaucht war, wird sie nun zu neuem Glanz aufgebaut.





    Vorgeschichte




    Zuchtinfos
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    SK 445

    Gekört/Gekrönt:
    Vorgesehen für die Zucht:
    Leihmutterschaft/Deckaxe:

    Abstammung: 1
    Schleifen: 10
    HS: 0
    TA: 0
    Trainer: 3
    Zubehör: 0
    Gesamt: 14

    Nachkommen


    ///

    Besitzer: Calypso
    Vorbesitzer: Maleen
    VKR/Ersteller: Maleen
    Aktueller Wert:

    Trainingsstände
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    Fohlen ABC ✓ | Eingeritten ✓| Eingefahren ✗


    Bodenarbeit
    Treiben + Bremsen ✓ | Rückwärtsrichten ✓ | Durchparieren, Antraben/Galoppieren, Halten ✓
    Abstand halten ✓ | Wenden + Handwechsel ✓ | Abruf ✗

    Freiheitsdressur/Zirzensik
    Kompliment ✗ | Knien ✗ | Spanischer Schritt ✗| Piaffe ✗
    Passage ✗ | Steigen ✗ | Sitzen ✗ | Liegen ✗


    Reitpferde-Ausbildung
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    Dressur: E A
    Galopprennen: E A
    Springen: E A L M S S*
    Military: E
    Fahren: E
    Distanz: E A L M S
    Western: LK5

    PotentialAufstieg durch Turnier | Training • nicht weiter gefördert


    Erfolge
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    SW 446 RS60, 344.Galopprennen, 130.Synchronspringen, 132.Synchronspringen,
    144.Synchronspringen, 186.Distanzturnier, 370.Springturnier,
    376.Dressurturnier




    Gesundheit
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    Gesundheitszustand

    Letzter Tierarztbesuch:
    Letzter Hufschmiedbesuch:
    Gesamteindruck: gesund
    Akute Krankheit/en: ✗
    Chronische Krankheit/en: ✗
    Erbkrankheit/en: ✗



    Hufe/Beschlag

    Beschlag Vorne ✗
    Beschlag Hinten ✗

    Hufbeschaffenheit: fest
    Hufkrankheit/en: ✗