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Samarti

Adona, DRP

*1988, im Besitz seit dem 30. Juni 2015

Adona, DRP
Samarti, 21 Juli 2015
Elii gefällt das.
    • Samarti
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      Unwirkliche Begegnungen
      30. Juni 2015
      Es war ja schon verwunderlich genug, als mein Handy um 4:22 Uhr am Morgen klingelte und mich somit aus dem Tiefschlaf riss. Noch verwunderlicher war es dann allerdings, dass es Mama war, die mich da wach klingelte und die mir feierlich verkündete, dass sie und Papa sich ein Haus in Dauphin gekauft hatten, damit sie bei mir in der Nähe waren. Am verwunderlichsten war es dann aber, als sie mir erzählte, dass Adona bereits auf dem Weg zu mir war und in wenigen Stunden eintreffen würde.
      Ich hätte niemals erwartet, dass ich Adona bei mir auf dem Gestüt stehen haben würde – sie war das Pferd, auf dem ich das Reiten gelernt und auf dessen Rücken ich zum ersten Mal gesessen hatte. Die Stute war Mamas Ein und Alles, ich erinnere mich noch heute genau daran, wie stolz Mama mir immer wieder Bilder von Adona gezeigt hatte – als Fohlen, als Jungpferd, das erste Mal unterm Sattel, der erste Ausritt. Wie Mama mir Geschichten davon erzählt hatte, wie sie ihre Stute zum allerersten Mal gesehen und sich sofort in sie verliebt hatte, als sie noch ein kleines, unscheinbares Fohlen war, das sich hinter seiner halb erblindeten Mama versteckte und niemandem ein Haar krümmen konnte.
      Es machte mich schon mehr als nur glücklich, dass meine Eltern endlich wieder erreichbar für mich waren und ich auch mal zu ihnen gehen könnte, wenn mir danach war. Noch höher schweben ließ mich aber auch der Gedanke daran, die Stute meiner Träume (das war sie schon immer gewesen und das würde sie wohl auch auf ewig bleiben) endlich wieder in meine Arme schließen zu können. Schon jetzt malte ich mir aus, wie es wohl wäre, sie am Flughafen in Empfang nehmen zu können und sie in ihr neues Zuhause zu bringen. Ihr dunkles Brummeln, mit welchem sie einen stets begrüßte, klang mir jetzt bereits in den Ohren und auch die liebevollen, immer aufmerksamen und gutmütigen Blicke, die sie jedem schenkte und wegen welcher einem sofort warm ums Herz wurde, ließen meins höher schlagen.
      Vergessen war die Tatsache, dass es halb fünf morgens war; vergessen war, dass mir mein Schlaf heilig war und niemand ihn mir nehmen durfte. Eigentlich.
      Als ich zu Matthew ins Zimmer stürmte, das Licht einschaltete und mich auf ihn schmiss, um ihn zu wecken und mich dann völlig erfreut an ihn kuschelte (warum tat ich das?! Lag bestimmt an den Hormonen. Bestimmt.), brummelte dieser nur irgendetwas und murmelte etwas, das nach einem „Hast du schon mal auf die Uhr geschaut“ klang, dank seiner rauen, verschlafenen Morgenstimme allerdings kaum zu entziffern war.
      „Hast DU schon mal auf die Uhr geschaut?!“, entgegnete ich fröhlich quiekend und wippte auf und ab, was das Bett zum Wackeln brachte. „Huch“, machte ich, als ich dann seitlich umkippte und fast vom Bett rutschte; Matthew hatte allerdings trotz seiner Schlaftrunkenheit noch schnell reagieren und einen Arm um meine Hüfte legen können, damit ich nicht hart auf dem Boden aufprallte.
      „Adona kommt in knapp einer Stunde am Flughafen an!“, jubelte ich und fügte dann schnell hinzu: „Um Mama und Papa nicht zu vergessen: Die haben sich ein Haus in Dauphin gekauft und ziehen hierher.“
      „Langsam. Also, erstens: Wieso ziehen deine Eltern her? Zweitens: Wieso erfahre ich das erst jetzt, dass Adona bald ankommt? Und drittens: Wer zur Hölle ist Adona überhaupt?!“
      Entgeistert starrte ich Matthew an. „Hörst du mir eigentlich nie zu, du Blödmann?! Aber gut, dann haben wir wenigstens ein Thema für die Fahrt zum Flughafen!“
      Und das hatten wir dann auch: Die Fahrt zum Flughafen, die wie im Fluge verging (haha, Elisa. Lustig!), verbrachte ich damit, Matthew Geschichten von und über Adona zu erzählen und ich geriet so ins Schwärmen, dass ich es nicht einmal bemerkte, als wir bereits angekommen waren und nur noch im stehenden Auto saßen.

      Es fühlte sich an, als würden Stunden vergehen, in denen Adona ständig durch den VET-Check geschickt wurde, gefühlt war dies ihr einhunderttausendzweihundertdreiundfünfzigster Durchgang.
      Nach einer verdammt langen Zeit konnte ich mein Lieblingspferd dann aber endlich in die Arme schließen. Gott, hatte ich das vermisst!
      Noch etwas benommen vom Flug stand Adona neben mir, streckte mir aber sofort in der altbekannten Pose ihr Kinn entgegen und machte sich so lang wie nur möglich, um mir zu zeigen, dass ich sie kraulen sollte, was ich dann auch nur zu gern tat.
      „Jetzt wird es aber endlich Zeit, dass du nach Hause kommst, hm?“, murmelte ich verträumt, unterbrach jedoch das Kraulen nicht. Ich spürte den Blick Matthews auf mir liegen, bemerkte aus den Augenwinkeln sogar, wie er den Mund zu einem liebevollen Lächeln verzogen hatte.
      Wenn man mal richtig darüber nachdachte, hatte ich eigentlich alles, was ich brauchte, um glücklich zu sein: einen festen Wohnsitz und ein gesichertes Einkommen, meine Familie bald in meiner Nähe, jede Menge vierbeinige Unterstützung und meine Freunde, die immer für mich da waren; überall und jederzeit.
    • Samarti
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      Springen E-A
      30. Juni 2015
      Nachdem Adona um 9:37 Uhr endlich in ihre neue Box eingezogen war, machte ich mich daran, auch ihr Gepäck ins neue Heim zu verfrachten und alles zu verstauen. Glücklicherweise hatten wir – für den Fall der Fälle – immer haufenweise Spinde frei, die nur auf ihre Benutzung warteten. So war das zugegebenermaßen ziemlich alte Zubehör auch bald verstaut. Es war etwas verstaubt, aber wenn man es erst einmal geputzt hätte, würde es noch genauso aussehen wie damals; da war ich mir zumindest jetzt noch sicher.
      Gerade, als ich nach dem Strick suchte, entdeckte ich eine kleine, staubige Kiste, die trotz ihrer geringen Größe ziemlich viel Gewicht aufweisen konnte. Die Ursache dafür war allerdings nicht schwer zu finden: Das Holz war robust, die Eisenverzierungen taten dabei noch ihr Übriges. Ich konnte mich nicht daran erinnern, diese Kiste irgendwann gesehen zu haben, aber ihrem Aussehen nach zu urteilen war sie schon ziemlich alt; das Holz war hie und da bereits morsch und sah nicht mehr ganz so neu aus, war aber dennoch noch stabil. Als ich vorsichtig einmal über den Deckel wischte, stiegen kleine Staubwölkchen in die Luft empor und brachten mich zum Husten, weil einige Partikel sich in meine Atemwege geschlichen hatten.
      Mühsam öffnete ich den Deckel der Truhe mit dem Schlüssel, der an einem Bändchen, das am Griff befestigt war, baumelte und musste dann doch erstaunlich viel Kraft aufbringen, um an das Innere der 'Truhe' zu gelangen.
      Was mich da erwartete, war fast schon eine Überraschung. Mit angehaltenem Atem und spitzen Fingern, um auch ja nichts zu beschädigen, zog ich eine der vielen Mappen hervor, die sich in der kleinen Schatztruhe befanden. Die Blätter, die in die Mappe eingeheftet worden waren, waren knittrig und alt, ziemlich verhärtet und drohten zu zerbrechen, falls man sie irgendwie falsch berühren würde. Dementsprechend nahm ich mir alle Zeit der Welt, um die Seiten nacheinander aufzuschlagen. Farblich kamen die Blätter wohl nicht mehr an das ran, was sie anscheinend mal gewesen waren – alle Seiten waren im Laufe der Zeit vergilbt und hatten eine leichte, gelbliche Färbung angenommen, die nur erahnen ließ, wie sie ursprünglich mal ausgesehen hatten mussten.
      Irgendwann bemerkte ich, wie mir die Luft knapp wurde und atmete dann tief, aber kaum hörbar aus. Während ich sanft die Seiten betrachtete – die ersten paar Seiten waren leer –, konnte man immer mal wieder einige Flecken, wahrscheinlich verschütteten Kaffee, ausmachen.
      Auf der dritten Seite stand dann mit Tinte in einer wunderschön geschwungenen Schrift, die ich gleich als die meiner Mutter ausmachen konnte, geschrieben: „Trainingsverlauf Springen.“
      Neugierig geworden, blätterte ich auf die nächste Seite und entdeckte direkt den ersten Eintrag:

      Wallenhorst, den 21. April 1994
      Ich habe heute zum ersten Mal unseren neuen Reitlehrer und Trainer kennengelernt. Sein Name ist Hans Riesenbeck und vom Äußeren her scheint er nicht mehr der Jüngste zu sein. Ich glaube, ich schätze ihn als einen Mittvierziger ein, zumindest lassen seine grauen Haare und die Falten darauf schließen.
      Trotzdem war mir bereits bei der ersten Begegnung klar, dass er sehr kompetent ist. Wir haben uns natürlich erst einmal miteinander bekannt gemacht, um einander besser zu verstehen, außerdem hat er Adona etwas freilaufen und -springen lassen. Er machte den Anschein, als sei er wirklich begeistert von ihr gewesen. Zumindest hat er besonders während des Freispringens immer wieder darüber gestaunt, wie ambitioniert und motiviert Adona schon von allein auf die Sprünge zulief und man sie nicht einmal mehr antreiben musste. Die Kleine liebt das Springen, ich weiß aber nicht, von wem sie das überhaupt hat. Es ist aber ganz klar zu sehen.
      Nachdem ich dann eine Weile geritten bin und er sich ein Bild von uns machen konnte, hat er uns für unsere Teamarbeit und Adonas Ausbildung gelobt. Ich glaube, mein Herz ist vor Stolz auf die dreifache Größe angeschwollen, mindestens! Ich meine, man darf schon stolz darauf sein, wenn man von einem ausgebildeten, erfahrenen Trainer gesagt bekommt, dass das Pferd gut eingeritten worden ist und man selbst dafür verantwortlich war, oder? Da brauche ich keine Nasenklammer.

      Ich kann gar nicht glauben, dass Adona nun wirklich schon fast sechs Jahre alt ist. Es kommt mir vor, als wäre es gestern gewesen, dass ich sie zum ersten Mal auf der Weide gesehen habe, wie sie sich hinter ihrer Mutter versteckt hat, um auch ja nicht aufzufallen. Ihre Mutter war auch so schön, es war abzusehen, dass auch Adona sich zu einer wahren Schönheit entwickeln würde. Ich glaube, ich habe noch nie ein Tier so sehr geliebt wie sie.

      Der erste Eintrag endete hier, es fand sich keine Unterschrift wieder – aber allein an der Handschrift erkannte ich, dass es meine Mutter gewesen war, die einst diesen Eintrag verfasst hatte, der wohl entweder als Logbuch oder als spätere Erinnerung dienen sollte; möglicherweise sogar beides.
      Es war so gut wie jeder Tag des Trainings ausführlich dokumentiert: Beginnend damit, wie Mama schrieb, dass sie mit Hans und Adona langsam in das Training einstieg und sie erst einmal die Grundlagen erarbeiteten, obwohl Mamas Stute das wohl schon relativ gut beherrschte. Dennoch wurde wohl darauf geachtet, dass die Ausbildung schonend durchgeführt und das Pony nicht überfordert wurde.
      Wenn ich daran dachte, dass ich zu dem Zeitpunkt knappe anderthalb Jahre alt gewesen war, dann versetzte mir das schon einen kleinen Stich. Es kam mir nicht vor, als wäre das schon so lange her, dass ich Adona kennengelernt hatte, aber wenn ich genau darüber nachdachte, dann bemerkte ich doch, dass es das definitiv war – auch Adona wurde alt. Und wenn ich die Möglichkeit dazu hätte, würde ich das so was von aufhalten wollen. Adona war schon da gewesen, als es mich noch gar nicht gegeben hatte. Ich wusste nicht, wie ich reagieren sollte, falls es sie irgendwann nicht mehr gab, falls sie ihre Augen nicht mehr öffnete und in den ewigen Schlaf fiel. Aber um ehrlich zu sein, wollte ich darüber momentan gar nicht nachdenken.


      Wallenhorst, den 06. Juni 1994
      Wir sind heute zum ersten Mal einen fehlerfreien A-Parcours geritten! Das Training macht Adona und mir sehr viel Spaß, bei Hans lernen wir viel und nur Gutes. Ich habe nie gedacht, dass bereits mein erster Versuch ein Volltreffer sein würde. Viele aus meinem Umfeld hatten Probleme dabei, einen passenden Lehrer zu finden, aber ich könnte mir keinen besseren vorstellen.
      Ich merke schon selbst, wie viel besser Adonas Bascule unter dem Sprung geworden ist, wie sie selbst viel versammelter läuft und nicht mehr ganz so planlos auf das Hindernis anzieht, um „irgendwie“ noch drüber zu springen. Unsere Fortschritte sind sichtbar, aber noch lange nicht das Ende!
      Trotzdem sind wir inzwischen so weit, dass Adona die A-Höhen von 90 bis 110 Zentimeter und die Weiten von 85 bis 115 Zentimeter locker überspringt, ohne noch stark auf meine Unterstützung angewiesen zu sein, das merkt man besonders beim Freispringen. Natürlich unterstütze ich Adona inzwischen auch viel mehr, anfangs habe ich nur versucht, sie möglichst wenig zu behindern, aber jetzt weiß ich, wie ich sie am besten an einen Sprung heranführen und ihr somit helfen kann, fehlerfrei und vor allem korrekt über das Hindernis zu fliegen. Ja, es fühlt sich tatsächlich wie Fliegen an und ich hätte nie gedacht, dass wir es mal so weit schaffen würden. Ich hatte zwar immer sehr viel Vertrauen und auch Zuversicht in Adona, aber zu sehen, wie wir immer teamfähiger werden und uns immer mehr aufeinander abstimmen und aufeinander Rücksicht nehmen ist einfach ein wunderschönes Gefühl, das ich so zuvor noch nie erlebt habe. Adona sorgt dafür, dass ich Seiten des Lebens kennenlerne, von denen ich vorher nicht einmal gewusst hatte, dass es sie gibt, dass ich Wege einschlage, über die ich zuvor nicht einmal nachgedacht hatte. Sie sorgt dafür, dass ich viel glücklicher bin, denn wenn ich in den Stall komme und mir ein warmes Brummeln als Begrüßung zugeflogen kommt, dann fühle ich mich schon geliebt. Und auch, wenn Adona noch sehr schreckhaft ist, bin ich mir sicher, dass wir auch das noch in den Griff bekommen werden.

      Für Mitte Juli haben wir uns an einem A-Turnier in einem Verein angemeldet. Es ist nichts Großes, aber ich denke, das ist genau das Richtige für uns. Hans hat uns dabei geholfen, ein passendes Turnier auszusuchen und uns sogar empfohlen, dass wir es zumindest einmal versuchen. Er hat gesagt, dass Adona nun längst A-fertig sei und problemlos ein Turnier gehen könnte, das Einzige, woran es hapern würde, wäre ihre ständige Unruhe. Allerdings hat er auch betont, dass ich wie ein schützender Ruhepol für sie sei und wir gemeinsam vieles schaffen könnten, auch wenn uns noch so viele Hürden erwarten würden. Ich kann mich noch an seinen genauen Wortlaut erinnern: „Egal, wie viele Leute euch Steine in den Weg legen werden, ich weiß, dass ihr sie aufheben und beiseite legen könnt.“ Nur dieser Satz hat dafür gesorgt, dass ich mich schon wieder wie ein kleines Kind zu Weihnachten freute. Adona und ich haben schon so viel in so einer kurzen Zeit erreicht und hätte mir jemand erzählt, dass wir bald unser erstes Turnier gehen würden, hätte ich demjenigen wahrscheinlich einen Vogel gezeigt und gelacht.

      Sprachlos ließ ich die Akte sinken und schlug sie dann mit Bedacht zu, während ich aber darauf aufpasste, dass mir keine der wertvollen Seiten zerknickte oder zerknitterte. Mama hatte also mit Adona sogar professionellen Reitunterricht genommen, was für mich etwas völlig Neues war. Nicht, dass es mich wunderte, … ich hätte nur nicht damit gerechnet.
      Viel interessanter fand ich allerdings die Tatsache, dass das Logbuch noch viel mehr Seiten zu bieten hatte. Und es war anscheinend nicht das einzige seiner Art: Es fanden sich in der Kiste sogar noch ein Ordner mit dem Titel „Trainingsverlauf Dressur“ und auch der Geländeritt war vertreten.
      Adona war also sechsjährig A-fertig gewesen – ich war schon darauf gespannt, was mich noch so für Überraschungen erwarten würden, von denen ich keine Ahnung hatte. Fürs Erste würde ich es aber heute dabei belassen und mich darum kümmern, dass ich das Zeug der Stute sicher verstaute und dafür sorgte, dass alles am rechten Platz saß.
      Dennoch steckte ich mir die drei Mappen ein, nur, um sicherzugehen, dass sie auch gut und geschützt aufbewahrt werden würden. Wahrscheinlich würde ich meine Romane nun mal am Abend beiseite legen und stattdessen hieraus lesen, denn das war einfach viel spannender, mitreißender und faszinierender, als es irgendein Buch jemals sein könnte.
    • Samarti
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      Unübertreffliche Freundin
      02. Juli 2015
      Obwohl ich mich von Adona noch nicht so ganz trennen konnte, hatte ich Jojo zugesagt, dass ich mich noch ein letztes Mal vor der Krönung mit Outside Girls Training befassen würde.
      Siddy hatte ich schon zuvor trainiert – also, so wirklich trainiert. Weil ich so eine gute Freundin war. Direkt nach dem Klassenaufstieg im Springen auf A hatte Jojo mich angeheuert, mit ihr weiter zu trainieren, damit Siddy „im Flow“ blieb.
      Und weil ich sogar eine super Freundin war, hatte ich zugesagt.
      Na gut, vielleicht hatte ich auch nur zugesagt, weil Jojo mich abgepasst hatte, als ich betrunken war. Da tendierte ich schnell zum Ja-Sager oder zu dem Typ Mensch, der nie etwas mitbekam und immer nur lächelte und nickte. Wie auch immer, jetzt hatte ich ein weiteres Pony im Training und somit an der Backe.
      „Na gut, Große“, sagte ich nur und tätschelte liebevoll Adonas schlanken Hals, „ich will dann mal.“ Mit diesen Worten kraulte ich Adona noch ein letztes Mal unter dem Kinn, dann drehte ich mich um und begab mich zur Box von Siddy, die glücklicherweise im Stalltrakt … ganz weit weg war. Ich durfte also gaaaanz weit laufen und darauf freute ich mich jetzt schon! (Achtung, Ironie.)

      Bei Siddy angekommen, begrüßte ich die Lewitzerstute erst einmal mit einer Schmuseeinheit, dann ging es auch schon an das letzte, entscheidende Training.
      Eigentlich war sie in der Dressur wirklich schon S-fertig. Wir hatten viel trainiert und während des Trainings echt noch viel mehr geschwitzt – momentan war es nämlich verdammt heiß. So auch heute, also waren wir uns einig gewesen, dass wir das Training in die Reithalle verlegen würden. (Na gut, zumindest hatte ich das gesagt. Siddy hatte mir zwar nicht eindeutig zugestimmt, aber sie fand das bestimmt auch viel besser!)
      Beim Schritt von der M- zur S-Dressur kamen das Halten aus der Passage, die Traversalverschiebungen im Galopp, die ganze und die halbe Pirouette im versammelten Galopp, verschiedene fliegende Galoppwechsel, die sogenannte Schaukel, die Piaffe und die Passage an neuen Lektionen hinzu – was also so erst einmal nach einer ganze Menge klang. Zudem gab es die neuen Bahnfiguren der sechs Meter-Volten im Trab und im Galopp, die zehn Meter-Volten im Galopp und in der Passage und der Wechsel durch den Zirkel mit fliegendem Galoppwechsel.
      Wenn man sich das mal näher ansah, baute aber vieles einfach aufeinander auf. So lange hatten Siddy und ich also gar nicht gebraucht, bis wir wirklich alles durch hatten. Zwar hatte es durchaus seine Zeit gedauert, doch Outside Girl war stets eifrig, teilweise schon übereifrig, und so hatte sie vieles auch schnell verstanden und ausführen können.
      Das letzte Training vor der Kür gestaltete sich beinahe als ein totaler Reinfall. Hie und da schlich sich anfangs ein kleiner Fehler ein, aber wir wiederholten die Übung dann so lange, bis es schließlich korrekt durchgeführt worden war – und mit einer guten Erfahrung stiegen wir dann aus dem Training raus, ich erklärte Siddy endgültig für S-fertig und Jojo war froh, wenn nicht sogar wahnsinnig erleichtert darüber, dass es doch noch geklappt hatte.
    • Samarti
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      Nicht-Date
      09. Juli 2015 - von Rhapsody
      „Es ist kein Date.“

      Elisas Augenbrauen sprachen Bände (und hey, sie hatte es endlich halbwegs drauf!). Skeptische Bände. Du-verarscht-mich-Bände.

      „Es ist kein Date,“ murmelte ich in meinen Becher Tee. Wir waren ausnahmsweise einmal nicht bei ihr, sondern bei mir. Weil Elisa mich zur Rede stellen musste und mich total überrumpelt hatte.

      („Wann wolltest du mir sagen, dass du ein Date hast? Mit meinem Kunden?“ – „Date?!“ – „Date!“ – „Wir haben uns für morgen zum Spazieren gehen verabredet…“ – „Aha! Verabredet also! Ein romantischer Spaziergang, soso!“ – „Wir nehmen die Pferde mit …“ – „DAS ÄNDERT NICHTS!“ – „HAST DU NICHT NE BLÖDE PARTY ZU ORGANISIEREN?!“)

      Okay, ich verstand ja, dass Spaziergang ein wenig nach Date klang. Aber nur, weil ich vor wenigen Tagen von Declan überrumpelt (das war ziemlich leicht bei mir, um ehrlich zu sein) und in ein Gespräch verwickelt worden war, dass sogar ganz nett gewesen war, hieß das nicht, dass ein Spaziergang mit zwei jungen, aufgekratzten Stuten sofort ein Date war. Dates waren schrecklich, vor allem erste. Erste Dates hatte man in Cafés oder Kinos oder Restaurants, nicht in Wäldern.

      Aber wenn man so nachdachte, dann klang das gerade eher nach einer ziemlich gefährlichen Situation für mich als nach einem Date. Naja, ich hatte Cíola und Symbolic Splash als Bewacher. Das würde schon schief gehen.

      Auf jeden Fall hatte ich nach ein paar Minuten Konversation rumgejammert, dass mit zwei Pferden auf einmal Spazieren gehen so anstrengend war und dass das allgemein blöd war. Ein Teil meines Gehirns hatte gar nicht registriert, was ich damit wohl bewirken könnte, während der andere Teil ganz laut YESYESYES schrie (das war eigentlich bei den meisten Entscheidungen so). Denn dann bot Declan sich natürlich an, eines der Pferde zu übernehmen und weil meine Mama mich richtig erzogen hatte, sagte ich natürlich nicht nein. Also verabredeten wir uns für in jetzt genau 40 Minuten.

      Was bedeutete, dass ich vielleicht Cíola und Lashy – vor allem Lashy – von jeglichem Dreck und Mist befreien sollte. Bald. Wenn Elisa weg war. Die pumpte immer noch vor gebrochenem Vertrauen, also schob ich ihr meinen (selbstgemachten!! SELBSTGEMACHTEN!! Das war praktisch ein Liebesbeweis!) Eistee hin und tätschelte ihr die Wangen. „Keine Sorge, Kind,“ ahmte ich meinen Papa nach, „bis du heiratest ist das all-“

      „Wenn du diesen Spruch bringst dann bringe ich dich im Schlaf um.“

      Da ich mein Leben doch ein wenig mochte und nicht wegwerfen wollte, setzte ich das Sprichwort meines Papas nicht um und machte nur eine mentale Notiz, die in Fettbuchstaben PAPA ANRUFEN draufstehen hatte. Vielleicht heute Abend. Vielleicht.

      Der Elisa-Teil meines Gehirns murmelte etwas in Richtung Wenn du nicht anderweitig beschäftigt bist, aber den Elisa-Teil im Gehirn sollte man manchmal einfach reden lassen und ihn ignorieren.

      Ich tat so, als würde ich auf die Uhr schauen und schob Elisa dann unauffällig aber bestimmt in Richtung Straße. Ich sollte mich wohl eventuell noch umziehen.

      Obwohl es gar kein Date war.

      ***

      Ich hatte total 0 Herzklopfen. Herzklopfen war übertrieben. Ich war … nicht aufgeregt. Chill wie eine Tomate.

      Waren Tomaten überhaupt chill? Irgendwie sahen sie nicht so aus, mit dem ganzen rot und Saft der nie wieder aus Klamotten rausgeht.

      Okay, so chill war ich dann wohl doch nicht. Aber als Declan dann irgendwann doch ankam und ich gerade mit Lashy fertig geworden war, blieb ich doch ziemlich cool. Ich stotterte nicht, ich wurde nicht rot – das war ein Pluspunkt!

      Am Ende überließ ich ihm Cíola, da Lashy einen schlechten Tag hatte und ich das ungern fremden Menschen antraute. Ein wenig … ruhig verließen wir schließlich den Hof und gingen in Richtung Wald. Das einzige, was man hörte, war das erst laute, dann gedämpfte Hufgeklapper. Auf dem Waldboden hörte das sich immer an, als dürfte man gar nicht lauter sein, sonst würde man irgendetwas erschrecken.

      Im Gebüsch neben uns raschelte es ein wenig, aber darum machte ich mir keine Sorgen. Sollte ein Hase herausspringen, würden Lashy und Cíola sich zwar erschrecken, aber solange es keine Wildsau war …

      Mist.

      „Weißt du zufällig, ob es hier Wildschweine gibt?“ fragte ich in die drückende Stille des Waldes hinein. Aus den Augenwinkeln sah ich, wie sich Declan zu mir umdrehte.

      „Was?“

      „Wildschweine. Die borstigen, manchmal nicht so gut gela—“

      Declan winkte ab. „Danke, ich weiß was Wildschweine sind,“ sagte er und man konnte das verhaltene Grinsen in seiner Stimme hören, „ich frag mich eher, wie du darauf kommst.“

      „Ich … bin sehr verantwortungsbewusst. Da macht man sich über so etwas Gedanken.“

      Anstatt mir zu antworten, sah er mich nur mit einem nicht-ganz-Grinsen an, so mit zusammengepressten Lippen. „Da erzählt mir Elisa aber was anderes.“

      „Elisa darfst du nicht zuhören,“ protestierte ich und wich (sehr geschickt. Absolut geschickt und absolut nicht durch eine Matschpfütze) einer aus dem Boden heraustretenden Wurzel aus. Lashy machte einen extra großen Schritt über die Pfütze und sprang mir fast in die Kniekehlen. Wasserscheues Ding.

      Declan seufzte. „Wenn es dich beruhigt, ich glaube, es gibt keine Wildschweine. Und wenn würden wir das bestimmt hören.“

      Na wenigstens hatte ich die Bestätigung. Trotzdem raschelte es nach wie vor im Wald neben uns; ein Reh oder ähnliches konnte ich aber nicht erkennen.

      Stattdessen fielen Declan und ich wieder in eine diesmal ziemlich unangenehme Stille. Die Stimmung im Wald war allgemein ein wenig gedrückt und dann war da immer noch das nicht-Date. Speaking of …

      Gerade wollte ich meinen Mund öffnen, da kam mir Declan zuvor. „Das … das ist kein Date, richtig?“

      „Richtig,“ bestätigte ich. Und kam mir dumm vor, weil mir sonst nichts mehr einfiel. Dafür fing Declan an zu reden, genau in dem Moment, als ich etwas im Wald vorbeihuschen sah. Groß, braun, laut –

      „Ich glaub hier gibt’s Wildschweine,“ flüsterte ich und blieb wie angewurzelt stehen. Verdammt nochmal, wieso war der Wald auch so verdammt dicht?! Auch Declan hielt schließlich an und starrte angestrengt ins Dickicht. Dann entspannten sich seine Gesichtszüge auf einmal – mir fiel auf, wie ich ihn anstarrte, verdammt nochmal – und verhärteten sich.

      Als er dann sprach, war es lauter, als es sein hätte müssen. „Das ist kein Wildschwein. Das ist Elisa.“

      Mir lang ein Kommentar à la Naja ob die sich so sehr unterscheiden auf der Zunge, doch ich wurde wieder davon abgebracht, als eine Stimme aus dem Wald heraus „Ihr werdet mich niemals kriegen!“ rief, gefolgt von einem dumpfen Dreitakt. Ein paar Momente später sahen wir, wie Elisa auf Adona den Weg entlang galoppierte, bis sie schließlich hinter einer Biegung verschwand.

      Declans Gesicht hatte sich zu einer vorsichtig-blanken Maske verformt, die fast gruselig war. „Ähm … sollen wir zurück gehen?“ schlug ich vor und sein Blick fixierte sich sofort auf mich, doch er blieb still. „Wegen … naja, da vorne ist eine Sackgasse und … es sieht nach Regen aus?“

      Naja, das mit dem Regen war nicht einmal gelogen. Den ganzen Nachmittag über waren große, graue Wolken über den Himmel geschwirrt und es waren Gewitter für die heutige Nacht angemeldet. Also fragte Declan nicht größer nach, sondern drehte Cíola nur um.

      ***

      Auf dem Rückweg konnte ich ihm dann doch noch entlocken, was er eigentlich in Kanada machte. Anscheinend spielte er Aufpasser für die Stute seiner Mutter, die bei Elisa in Beritt war. Mit der Stute selbst hatte er zwar nie wirklich etwas anfangen können, aber sie war eine Ausnahme. Turniere waren nie seine Welt gewesen, er war eher derjenige, der abends spontan über die Stoppelfelder fetzt.

      Damit konnte man arbeiten.

      Die Verabschiedung war ein wenig … komisch, aber nach einer kurzen (wirklich sehr kurzen) Umarmung ging Declan schließlich über die Straße und ich hatte eigentlich noch anderes zu tun – aber ich musste jetzt erst einmal Elisa zur Rede stellen.
    • Samarti
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      Die Schwimmflügel-Affäre
      09. Juli 2015 - von Gwen
      „Elena! Das musst du dir anhören!“, rief Jojo aufgeregt, während sie sich stürmischen Schrittes auf den Reitplatz zubewegte. Beziehungsweise auf dessen Zaun oder eher auf die Person, die am Zaun stand. Für mich war das pure Erleichterung, denn ich nutzte den Moment, in dem Elena abgelenkt war, zum tief durchatmen. Ich durfte ausnahmsweise mal wieder meine Stute Fagy selber reiten, aber nur unter den Adleraugen von Elena und das war definitiv kein Vergnügen. Da kam mir Jojos Spontanbesuch gerade recht.
      „Libra: Is only mean if you’re mean to them.
      Leo: Is only mean to people they dislike.
      Aries: is mean without a reason 24/7“, klärte Jojo auf und Elenas Kopf nahm schon wieder eine unschöne Farbe an. Ich runzelte die Stirn und verzog mich unsicher auf den hintersten Zirkel des Platzes, weit weg von Elena. Brachte leider nichts.
      Elena drehte sich um und rief mir nun, noch lauter als sonst, etwas zu. Fagys Ohren zuckten unruhig vor und zurück und das gerade so schön erarbeitete Vorwärts-Abwärts war gleich wieder weg. Und schon konnte sich Elena noch mehr aufregen. Och manno.
      „Uh! Und hier steht, was wir für Dinosaurier sind! Aries: Spinosaurus. Leo: Tyrannosaurus. Libra: Compsognathus.“, las Jojo von ihrem Handydisplay ab. „Hey Elena! Spinosaurier sind die coolen Großen!“, meinte ich stolz und grinste. Auch Elena nickte und meinte: „Die können sogar schwimmen!“ – Puh, Situation gerettet und auch Fagy entspannte sich allmählich wieder.
      Meine Stunde war auch geschafft und ich konnte Fagy endlich abreiten. Gott sei Dank! „Sag mal Jojo, wer ist das überhaupt?“, fragte ich neugierig und deutete auf das Scheckfohlen an ihrer Seite. „Oh, das ist Pax. Also Pacco. Dachte ich bringe ihn mal mit. Elena soll sehen, wie toll er sich entwickelt hat!“, sagte Jojo stolz und wuschelte Pax durch die Mähne.
      Ich schwang mich aus dem Sattel und ließ auch Fagy ein wenig grasen, das hatte sie sich nach diesem Stress redlich verdient. Elena war inzwischen wieder einigermaßen entspannt, lehnte am Zaun und schaute zufrieden in den Himmel. Das sollte nur leider nicht lange währen.
      Eigentlich waren wir schon wieder in alle Winde verweht. Ich wollte nur noch einmal bei Elisa vorbei, weil sie mir etwas von ihrer neuen Stute Adona vorschwärmte und mich inständig gebeten hatte, ich solle doch einmal vorbeikommen.
      Nur doof, dass weder Elisa noch Adona da waren. Was ich stattdessen in der Box der braunen Stute fand, ließ mich Böses ahnen.
      „Hallo Cresse“, murmelte ich nur zweifelnd und schüttelte genervt den Kopf.

      „ELISA?!“, tönte es über das gesamte Gestüt. „WO BIST DU UND WO IST MEIN PFERD?“, diese bezaubernde Stimme konnte nur einer bezaubernden Blondine namens Elena gehören. Für mich wurde es Zeit nun dringend vom Tatort zu verschwinden, sonst wäre ich noch das Hühnchen, dessen Federn gerupft wurden und Elena konnte gut rupfen.
      Leise schlich ich mich aus dem Hinterausgang des Stalles hinaus und blieb dann stirnrunzelnd stehen. In dem Busch vor mir schillerten rote und pinke Farben hindurch. Vorsichtig rückte ich näher und schon wurde ich mit in den Busch gezerrt und mir wurde der Mund zugehalten. Bis ich armfuchtelnd um Luft bat.
      „Elisa?!“
      „Pssst! Sie darf uns nicht finden!“
      „Bist du eigentlich total bescheuert? Und warum um Himmels Willen trägst du Schwimmflügel?“
      „Pssst! Sie kommt!“
      „ELISA! ICH BRING DICH UM!“
      Konnte es eigentlich noch schlimmer werden? Elena würde sofort denken, dass ich mit Elisa unter einer Decke steckte. Jetzt konnte uns nur noch einer helfen: Jojo.
      Leider war die nicht erreichbar, auf keinste Weise. Tja, dann war mein Leben wohl genau hier vorbei. Es sei denn…
      Schwupps und schon hatte ich Elisa aus dem Busch geschubst und ihr noch ein „Tschuldigung“ hinterhergeworfen. Elena entdeckte sie sofort und so rannte Elisa wahrscheinlich um ihr Leben. Die roten Schwimmflügel waren nicht sonderlich zuträglich, so sah man sie immerhin aus einer Entfernung von Kilometern, aber zumindest ich war aus dem Schneider – noch.
    • Samarti
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      Claudia
      26. August 2015
      „Ich wollte gerade voll den bösen Spruch raushauen.“
      „Oha! Aber wir kennen ja nichts Anderes von dir, also schieß los!“, ließ Gwen sich direkt begeistern und starrte mich mit diesem Los-erzähl-es-mir-jetzt-Blick an, der nichts Gutes hieß.
      „Aber …“
      „Aber?“
      „Ich hab ihn vergessen“, gab ich leise zu und senkte den Blick beschämt zum Boden.
      Allgemeines, genervtes Aufstöhnen drang von beiden Seiten an meine Ohren und ich schüttelte nur den Kopf, dann sah ich wieder hoch, schaute kurz Eli, Gwen und Jojo an und öffnete dann doch wieder den Mund. „Wollt ihr einen Witz mit Claudia hören?“
      „Wer ist Claudia?“, schoss es im Kanon aus Elena und Jojo, weshalb sie sich mit einem zufriedenen und wohlgesinnten Grinsen auf dem Gesicht ein High Five gaben.
      „Ne, mit dem Namen.“
      „Hau raus.“ – „Nein.“ Diesmal waren Jojo und Eli sich wohl uneinig, weshalb das Grinsen auf beiden Gesichtern langsam, aber sicher verschwand.
      „Mir egal, also: DAS AUTO HIER IST MEINS, CLAUDIA DOCH SELBER EINS!“
      Während Gwen leise kicherte, weil mein Gesichtsausdruck total ernst blieb und ich ein trockenes „Hahaha“ an meinen Witz hing, verzog Elena ihre Lippen zu einem schmalen Strich und schüttelte den Kopf, Jojo reagierte nur mit einem Facepalm. Als Gwen dann aber laut loslachte, war es auch um Jojo vorbei, nur Elena blieb stur und verzog keine Miene.
      „Ey, Leute, mir ist gestern was voll Krasses passiert!“, platzte es dann letztendlich aus mir heraus und ich hatte ein siegessicheres Lächeln auf dem Gesicht, wohl wissend, dass sie das jetzt alle wissen wollen würden.
      „Mir egal“, ertönte es aber. Einstimmig.
      „Ich bin bei Agar.io auf Platz 1 gekommen!“
      Jetzt erntete ich von allen drei Seiten nur Kopfschütteln. Ich verstand gar nicht, wieso ich mit denen noch befreundet war, wenn die meine Leidenschaft, nämlich das Essen (wüsste Elena, dass es in dem Spiel darum geht, würde sie es entweder suchten oder um jeden Preis meiden, weil sie immer hungrig werden und ausrasten würde, wenn ihr jemand das Essen wegfressen würde), einfach nicht akzeptierten.

      Mit den zwei mehr als ruhigen, gelassenen Stuten Flea und Yuki war das Training zwar sehr angenehm, aber fast schon langweilig. Nicht nur, dass sie nie scheuten oder zurückwichen, wenn sie mit etwas überfordert waren, stattdessen gingen sie dennoch mutig darauf zu und ließen sich einfach nicht aus der Ruhe bringen.
      Dennoch erleichterte mir dies das Training erheblich. Ich hatte Gwen um Hilfe gebeten, mir dabei zu helfen, weil sie eh immer Flea trainierte, demnach könnte sie das diesmal auch wieder übernehmen. Und, weil ich einfach keinen Bock hatte. Ich gab es ja zu.
      Deshalb hatte ich nichts dagegen einzuwenden, als Gwen während des Trainings auf Flea saß, die kannte sie ja eh besser.

      Trainieren taten wir die beiden Stuten im Geländeritt, hierbei sollten sie von A zu L aufgestuft werden. Dank unserer Geländestrecke, die direkt neben dem Hof lag, konnten wir hier einwandfrei trainieren und das – meistens – auch ohne Zwischenfälle à la Elena und Jojo. Besonders erstere hätte sich wahrscheinlich einen Spaß daraus gemacht, uns beim Training zu stören, bei Jojo machte ich mir da eher weniger Sorgen, ging ja schließlich auch um ihr Pferd.

      Beim Stilgeländeritt der Klasse L waren die Hindernisse maximal 1,10 Meter hoch und Tiefsprünge wiesen maximal 1,60 Meter auf. Die Höchstweite entsprach 1,50 Meter im oberen Teil und 2,10 Meter an der Basis, was teilweise ein ziemlich großer Sprung war, den es zu bewältigen galt. Ein Graben durfte maximal 2,80 Meter weit sein – das war aber dann auch bald schon mehr als nur genug für unsere beiden Ponydamen.
      Die zeigten sich beide konzentriert, Yuki war teilweise sogar übereifrig, während Flea einfach nur das tat, worum Gwen sie bat. Die zwei waren inzwischen ein eingeschweißtes Team geworden und das sah man nicht nur, wenn Gwen im Sattel der Stute saß, sondern auch durch ihre allgemeinen Umgang miteinander.

      Es dauerte zwar eine Weile, bis wir die zwei Ponystuten auf ein sicheres L-Niveau gebracht und somit L-fertig gemacht hatten, dennoch wurde das Training immer abwechslungsreich gehalten, was dann wiederum Elena zu verdanken war. Die war nämlich zum Beispiel einfach einmal auf Adona angeritten gekommen, hatte Kuchen im Rucksack und sorgte dann damit dafür, dass Gwen und ich sie kreuz und quer durch den Wald jagten, weil wir auch etwas haben wollten, Eli aber gerade Kuchen einfach nicht teilen wollte.
    • Samarti
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      Dressur E-A
      30. August 2015
      folgt
    • Gwen
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      Elena
      27. September 2015
      Entsetzt starrte ich Elisa an, als sie mir eiskalt die Chipstüte aus den Händen riss. Erbost schleuderte ich alle fünf Sofakissen nach ihr. Traf aber kein einziges Mal. „Gwenny, der Film ist seit einer Stunde vorbei. Eine Stunde!“, sie betonte das eine noch extra stark und ich hatte das Gefühl, es würde nachhallen – das war aber nur Elena, die in der Küche hockte und versuchte, den Code von Elisas Kühlschrank zu knacken.
      Ja, Elisa hatte eine Kindersicherung anbringen lassen und bisher hielt die Elena auch erfolgreich von weiteren Diebstählen ab. Und da sich Elena eher weniger Daten merken konnte, hatte sie auch keinen Schimmer, was man probieren könnte. Selbst Elisas Geburtstag bekam sie nicht immer sofort auf die Reihe. Zum Glück wusste sie, wann sie selbst Geburtstag hatte, zumindest glaubten wir das.
      Elisa verstaute die Chipstüte im Schrank und während sie versuchte, mich vom Sofa zu ziehen (ich weigerte mich rigoros), klaute Elena tatsächlich meine Chipstüte! „EY! Die haben ich mir hart erkämpft!“, fluchte ich, sprang auf und flog erst einmal über die Sofalehne. Während ich wie ein Käfer auf dem Boden lag, schwankte ich noch zwischen „Ich heul jetzt los“ und „Ich bin tapfer und kämpfe mit Elena“. Ich wollte mich gerade für ersteres entscheiden, als Elisa uns mal wieder hoch zu Ross zwang.
      Elena war sofort dabei, denn sie wollte unbedingt Adona reiten. Das gab sie mit einem „Ich nehm Adona! ADONA! MEINS!“, bekannt und rannte uns voraus. Elisas zog mich hinter sich her, denn ich hatte so gar keine Lust das Haus zu verlassen. „Sogar die Sonne scheint!“, ermunterte mich Elisa und deutete zum Himmel. Haha. Grau war er und diesen Schein von Sonne konnte man nicht als Sonnenschein zählen (Wortspiel!).
      Ich wurde auf Kronjuwel gesetzt. Noch so ein Pferd, was Elisa am liebsten nie selber ritt. „Warum hast du ihn überhaupt?“, fragte ich, während ich den Buckskin putzte und sattelte. „Prinzip“, meinte Elisa und als ich sie verwirrt anschaute, folgte wieder ein „DRP…Townsend Acres…Wohlfühlen…Cressi…Muss…Auch“-Vortrag. Elisa zwang sich auf ihr Joghurtpferd. Zott Monte von Danone. Auch so ein Kandidat, der nur wegen seiner Rasse aufgenommen wurden war. Ach und weil er gekört war natürlich.
      Zu dritt ging es also los. Ich hatte aber darauf bestanden, dass ich zwei meiner liebsten Pferde mitnehmen durfte. Also machten wir einen Abstecher zu meinem kleinen Hof, wo ich Avenger als Handpferd einpackte und Foxy, wie einen Hund nebenherlaufen ließ. Elena konnte sich noch nicht wirklich entscheiden, ob sie ihn süß fand oder nervend.
      Avenger und Kronjuwel verstanden sich gar nicht. Also eher: Avenger verstand sich nicht mit Kronjuwel, während es dem Reitponyhengst eigentlich vollkommen egal war, was der rundliche Fuchs neben ihm trieb. Aber auch das musste Avenger lernen und nachdem er eine Weile ignoriert worden war, wurde er auch endlich ruhiger und ging uns nicht mehr so auf den Keks.
      Elena war heute ein wahrer Sonnenschein. Glücklich saß sie auf Adona und grinste die ganze Zeit über. Warum wussten aber weder Elisa noch ich. Elisa kämpfte sich stattdessen mit Zottel ab, beziehungsweise regte sie sich über seine Mähne auf, die gefiel ihr nämlich gar nicht.
      „Aber warum hast du dann- ach egal“, murmelte ich nur und ritt schweigend weiter. So kamen wir auch wieder wohlbehalten bei Elisa an. Na ja, nicht alle. Foxy war entschwunden und nachdem ich Kronjuwel Matthew in die Hände gedrückt hatte (ich habe Danke und Entschuldigung gesagt!), machte ich mich auf die Suche nach dem Pony. Das stand unter einem Apfelbaum und fraß sich langsam aber sicher noch fetter.
      Als ich wieder auf Townsend Acres war, war keine Spur mehr von den beiden E’s zu sehen. Vorsichtig lugte ich ins Wohnhaus hinein und sprang dann gleich zurück, doch Elisa hatte mich schon gesichtet. „GWEN! Hilf mir!“, ich schwankte noch ein bisschen, was für mich potenziell klüger war, betrat dann aber doch das Haus.
      Elena hatte den Code rausgefunden, deshalb grinste sie auch schon die ganze Zeit so blöd. Ich half Elisa, die Kühlschranktür zuzupressen und Elena auf die andere Seite der Küche zu scheuchen. Als die Situation ein wenig entspannter wurde, musste ich doch fragen: „Was war denn der Code?“
      Elena grinste nur blöd und kicherte. „Cressis Geburtsjahr.“
    • Gwen
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      Wir werden Handpferde!
      26. Oktober 2015​

      Immer wenn mir langweilig war, kam ich auf voll tolle Ideen! Heute war das wieder der Fall und ich hatte entschieden, dass es Zeit wurde, dass Pinero und Sinfonie zu Handpferden wurden. Das Fohlen-ABC kannten die beiden inzwischen in- und auswendig und das Führen war auch kein Problem. Natürlich brauchte ich aber dabei Hilfe und die holte ich mir von Elisa. Einzige Forderung von ihr war, dass wir auch gleich zwei ihrer Pferde beschäftigten und da mir nichts anderes übrig blieb, schlug ich genervt ein.
      Die Auswahl der Pferde war auch wieder toll gewesen: Elisa hatte sich Adona als Reitpferd ausgesucht und nahm Sinfonie als Handpferd. Bei der Kombi konnte nichts schiefgehen. Ich hingegen hatte die beiden Idioten Capriciasso (genau den hätte ich für die Aufgabe auch ausgewählt…) und Pinero. Also würde meine Art des Trainings wohl wesentlich lustiger verlaufen.
      Doch erst einmal mussten wir rüber zu Townsend Acres. Aus dem Grunde holte ich die beiden Knabstrupper von der Weide und putzte sie erst einmal ordentlich, damit ich mir dann keine theatralischen Dinge von Elisa würde anhören müssen. Nachdem beide fertig waren, marschierten wir los. Zu Fuß brauchten wir über zehn Minuten nach Townsend Acres, wo dann aber auch schon Elisa mit zwei gesattelten Pferden wartete.
      Capriciasso stand grasend am Rand, während Elisa innig mit Adona schmuste. Ich drückte ihr kommentarlos Sinfonies Strick in die Hand und sammelte dann mein Reitpferd ein. Na das würde heute lustig werden! Zuerst wollten wir übrigens auf dem Platz trainieren. Matthew ließ uns hinein und wir führten erst einmal die jeweiligen Pferdepaare nebeneinander her, damit sie sich kennenlernen. Dann stiegen wir auf und probierten es einfach mal blind mit dem Handpferd aus.
      Bei Adona und Sinfonie klappte das natürlich auf Anhieb. Bei mir auch, bis Capri es lustig fand, den kleinen Bunten neben sich zu ärgern und der dann natürlich auch zurück ärgerte. Dementsprechend schiss ich die beiden Kerle einmal mächtig an und dann war wieder Ruhe.
      Nun ging es also tatsächlich an den Ausritt. Da ich erahnte, das wir noch eine zweite Hilfe bräuchten könnten, bat ich Joline, ob sie uns denn nicht zufällig begleiten würde. Sie kam gerade mit Yuki vom Geländetraining und hatte nichts gegen die kleine Schrittrunde. Vielleicht hatte sie Glück und Yuki würde dadurch noch komplett trocken werden.
      So machten wir uns zu dritt auf eine kleine Runde um Townsend Acres. Anfangs lief auch alles glatt, aber Capri und Pinero konnten es natürlich nicht lassen, sich wieder anzuzicken. Am Ende sah es dann so aus, dass Joline Pinero als Handpferd übernahm, während ich Capri fieser Weise mit Dressurlektionen im Gelände beschäftigte, damit dem liebenswürdigen Apfelschimmel nicht langweilig wurde.
      Als wir dann auch endlich wieder am Stall ankamen, bedankte sich Elisa bei mir, dass ich Capri so schön gearbeitet hatte, das wäre ja die ganze Zeit der Plan gewesen. Schweigend drückte ich ihr die Zügel des Hengstes in die Hand und verschwand dann mitsamt meiner beiden bunten Knabstrupper von Townsend Acres. Das war typisch Elisa. Typisch!
    • Samarti
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  • Album:
    3 - Pferde im Ruhestand
    Hochgeladen von:
    Samarti
    Datum:
    21 Juli 2015
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    EXIF Data

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    Mime Type:
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    Height:
    640px
     

    Note: EXIF data is stored on valid file types when a photo is uploaded. The photo may have been manipulated since upload (rotated, flipped, cropped etc).

  • Rufname: Adoni
    geboren: Mai 1988


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    Rasse: Deutsches Reitpony
    Geschlecht: Stute
    Farbe: Brauner (Ee Aa)
    Stockmaß: 148 cm

    Beschreibung:

    folgt

    Besitzer: Samarti
    Ersteller: Elii

    Dressur E - Springen A


    Offizieller Hintergrund