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Sammy

Adina De Ra'idah

Arabisches Vollblut | Stute | gekrönt | F || DR: S (1) | SPR: A (0) | RE: L (0) | DI: M (1)

Adina De Ra'idah
Sammy, 21 Juni 2013
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      Alte Berichte

    • Sammy
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      Ankunft von Melody's Girl und Adina Ra'idah

      Aufgeregt trommelte ich auf das Lenkrad von meinem Auto. Hatten denn heute wirklich alle Leute vergessen, wie man fährt?! Der Typ vor mir schlich die Straße entlang, als könnte ihm jede Sekunde jemand vor den Wagen springen. Ja klar. Auf der Bundesstraße mit 40. Mann. Dabei war ich sowieso schon spät dran. Bei dem Gedanken an mein Vorhaben, stahl sich ein Lächeln auf mein Gesicht. Heute würde ich mir einige Pferde bei Angy anschauen. Ich wollte in meiner Zucht noch ein paar hübsche Araber und da passte es perfekt, dass Angy ihre Araber verkaufte.
      Da ich mit Khamar al Sanaa schon einen wunderbaren Zuchthengst hatte, wollte ich mich nur nach Stuten umsehen. Ich wusste auch, dass Angy eine bereits gekrönte Araberstute namens Islah besaß und war gespannt, ob sie das edle Tier ebenfalls zum Verkauf anbot.
      Als ich endlich auf Angy's Hof ankam, war ich schon ziemlich fertig mit den Nerven und eigentlich viel zu spät. Ich stieg aus und rannte die Auffahrt hoch, als mir Angy schon entgegen kam. "Sorry, es war abartig viel Verkehr, tut mir echt Leid!", entschuldigte ich mich für mein zu spät kommen. Doch Angy winkte nur ab und wir liefen zu den Koppeln. Dort fielen mir sofort drei Pferde ins Auge: Zum einen die Scheckstute Islah, auf die ich es ja schon vorher abgesehen hatte, zum anderen eine braune und eine Red Roan Stute. Beides allem Anschein nach reinrassige Araber. Angy bemerkte meinen Blick und grinste. Irgendwie wusste ich, dass du auch an Islah Interesse haben würdest. Aber sie ist leider schon fest versprochen. Ich nickte ein wenig enttäuscht und fragte dann: "Okay, hab ich glaube ich schon befürchtet..Aber was ist denn mit der Red Roan Stute? Und die Braune gefällt mir auch ganz gut."
      "Die Braune heißt Melody's Girl und ist eine echt Liebe. Sie ist sehr ruhig für einen Araber, aber trotzdem gelehrig und fleißig. Das andere ist Adina Ra'idah. Hm. Ich bin mir nicht sicher, ob du sie wirklich haben möchtest. Sie kam erst vor kurzem zu mir und wurde schwer misshandelt. Mittlerweile lässt sie sich von mir zur Koppel führen und auch einigermaßen anfassen, aber bei fremden ist sie immer noch unglaublich wild und manchmal auch bösartig."
      Ich überlegte nachdenklich. "Könnten wir die zwei mal von der Koppel holen? Dann könnte ich sie mir aus der Nähe anschauen. Wegen Adina mach ich mir nicht viele Sorgen, ich hab ja auch so eine Kandidatin im Stall stehen, aber so langsam wird es besser mit ihr."
      Angy nickte und lief schnurstracks in die Koppel. Kurz darauf kam sie mit Adina und Melody zurück. Adina riss am Führstrick und blieb abrupt stehen, als sie mich sah. "Nimmst du schonmal Melody? Dann hab ich Adina besser im Griff", bat Angy mich. Ich nickte und nahm ihr Melody's Führstrick aus der Hand. Die wunderschöne Stute schnupperte an meiner Hand und lief dann brav neben mir her. Ich sprach auf dem Weg zum Putzplatz leise mit ihr und wusste eigentlich schon längst, dass ich die sanfte Schönheit haben wollte. Sie würde wunderbar zu Sahira und den anderen passen. Schließlich war auch Angy mit Adina da.
      "Also Melody würde ich auf jeden Fall gerne nehmen", sagte ich sofort, bevor ich mit prüfenden Blicken in großem Abstand um Adina herumging, um die hübsche Stute nicht noch mehr zu verängstigen. Die Roan Stute hatte ein wirklich ausgezeichnetes Exterieur und ihre Fellfarbe sprach sowieso schon für sich. Wenn ich es schaffte, mich mit ihr anzufreunden, würde sie meine Araberzucht zu etwas ganz besonderem machen, da war ich mir sicher.
      "Wie ist Adina denn misshandelt worden?", fragte ich Angy. Je mehr ich über sie wusste, desto besser.
      Als Angy geendet hatte, war ich sprachlos. Wie konnte ein Mensch nur so grausam sein?
      "Also Angy ich habe mich entschieden. Wenn es dir Recht wäre, würde ich gerne beide zu mir nehmen. Melody würde ich denke ich gleich für einen Stutbuchwettbewerb nennen und mit Adina werde ich solange arbeiten, bis sie den Menschen wieder Vertrauen schenkt. Ich habe ja jetzt wieder einen großen Hof, da wird die Kleine sich bestimmt pudelwohl fühlen."
      Angy lächelte mich an. "Alles klar. Bringen wir die beiden in den Stall und regeln dann den Papierkram bei nem Kaffee?"
      Ich stimmte zu und verzog mich mit Angy ins Reiterstübchen.

      Eine dreiviertel Stunde später war ich wieder zu Hause auf meinem Gestüt und streute gerade zwei neue Boxen für Adina und Melody ein. Angy und ich hatten ausgemacht, dass ich die zwei gleich heute noch holen sollte und ihr bei der Gelegenheit gleich noch Laruna, das Trakehnerfohlen von meinem Hengst Levistino bringen würde.
      Als ich fertig war, holte ich Laruna von der Fohlenkoppel, putzte sie kurz über und legte ihr dann Decke und Gamaschen an. "So meine Kleine, du bekommst heute ein wunderschönes neues zu Hause!", sagte ich liebevoll zu dem Fohlen, während ch die kleine Stute auf meinen Hänger lud. Dann fuhr ich - diesmal wesentlich vorsichtiger und langsamer - zu Angy.

      Dort angekommen, erwartete mich Angy schon. Schnell half sie mir Laruna auszuladen, wir unterschrieben die Kaufverträge und gingen dann in den Stall, wo Melody und Adina bereits transportfertig warteten. "Okay, nimm du Melody und geh vor, dann versuche ich Adina hinter her zu führen. Die Tierärztin war vorhin nochmal da und hat ihr eine Beruhigungsspritze gegeben. Also solltest du mir ihr eigentlich keine Probleme haben. Ich nickte und ging mit Melody voran zu meinem Hänger. Die brave Stute ließ sich völlig problemlos verladen und ich sah mich neugierig nach Angy und Adina um. Die Roan Stute hatte den Kopf hochgerissen und starrte mit angelegten Ohren auf den Hänger. Ich verließ diesen durch die Vordertür und wartete, bis Angy Adina angebunden hatte. Die Stute polterte zwar ein wenig, doch die Spritze zeigte ihre Wirkung. Also verabschiedete ich mich von Angy und fuhr langsam nach Hause.

      Wieder auf Hollybrook Stud angekommen, lud ich zuerst Melody aus und dann Adina, die mir erstaunlich ruhig folgte. Wahrscheinlich wirkte die Spritze doch sehr stark. Als die beiden Hübschen ruhig in ihren neuen Boxen standen, sah ich mich zufrieden um. Mein Plan auch Araber in die Zucht aufzunehmen, nahm wirklich gut Gestalt an. Nun hatte ich bereits einen Schimmelhengst, eine Schimmel-, eine Falb-, eine Palomino-, eine Rapp-, eine Roan und eine braune Stute. Hoffentlich würde Adina sich bald beruhigen, dann würde auch sie ein großartiger Teil meiner Zucht werden, dessen war ich mir vollkommen sicher.
    • Sammy
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      Arabische Vollblüter - Monatsbericht August 2013

      Gähnend lief ich durch meinen Stall und verteilt flott die letzten Rationen Kraftfutter in den Trögen. Das zufriedene Malmen meiner Pferde machte mich immer so unglaublich müde!
      Aber egal. Dafür schien es meinen Schätzen auf meinem neuen Gestüt sehr gut zu gefallen und ich war vollkommen mit der Planung meiner neuen Zucht beschäftigt. Für das Ausmisten der Boxen und das Füttern der Pferde hatte ich mittlerweile Pfleger, da ich einfach zu viele Tiere besaß, doch heute war einer krank, weshalb ich den Araberstall übernahm.
      Während meine zehn edlen Vollblüter ihr Frühstück genossen, verzog ich mich in die Sattelkammer, um erst ein wenig aufzuräumen und danach Sattelzeug zu putzen.
      Als ich mit ca der Hälfte durch war, beschloss ich, dass es nun an der Zeit war, ein wenig mit meinen Schätzen zu arbeiten.

      ~ Khamar al Sanaa ~
      Zuerst wollte ich mich mit Khamar al Sanaa beschäftigen. Mein bislang einziger Araberhengst war relativ ruhig, weshalb er mir einen schönen Einstieg in meine Arbeit bescheren würde. Ich hatte vor mir auch noch einen zweiten Hengst zu kaufen, allerdings war noch nicht sicher, ob das klappen würde. Naja seis drum, Khamar würde das auch alleine packen, wenn es sein musste.
      "Na Baby",säuselte ich "alles gut bei dir? Wie wärs denn mit ein bisschen Arbeit, hm?"
      Während ich das sagte, holte ich den schönen Schimmel aus seiner Box und führte ihn zum Putzplatz. Dort begann ich mit sanften Strichen sein seidiges Fell zu bürsten. Khamar genoss die Aufmerksamkeit sichtlich. Ich hatte in letzter Zeit kaum eine Minute gefunden, um mich mit einem meiner Lieblinge allein zu beschäftigen, das wollte ich von nun an wieder gut machen. Flott sattelte ich Khamar auf und führte ihn in meine niegel nagel neue Reithalle. Der Hengst sah sich schnaubend um, doch nachdem er alle Ecken inspiziert hatte, entspannte er sich auch schon wieder. Ich lobte ihn kurz, gurtete dann nach und schwang mich in den Sattel. Khamar stand still da und wartete.
      Unglaublich, der Hengst war tatsächlich noch bräver geworden! Früher hatte er Stillstehen nämlich nicht leiden können. Ich lächelte und gab ihm die Hilfen zum Antreten. Nachdem ich Khamar ein wenig aufgewärmt hatte, ließ ich ihn antraben und genoss für eine kurze Zeit seine wunderbar schwebenden Tritte. Ich bog und wendete Khamar in auf allen nur erdenklichen Bahnfiguren, ritt Schenkelweichen und Traversalen und gab ihm schließlich das Zeichen zum angaloppieren. Khamar sprang sofort in einen fließenden, weichen Galopp und war vollkommen auf meine Hilfen konzentriert. Wieder gab ich mich ein paar Sekunden diesem herrlichen Gefühl hin, dann begann ich Tempowechsel einzulegen - an der langen Seite starker Galopp, an der kurzen versammelter Galopp und schließlich aus dem Galopp in den Schritt und umgekehrt. Khamar arbeite super mit und ich war total stolz, als ich ihn schließlich endgültig zum Schritt durchparierte. Ich ließ ihn die Zügel aus der Hand kauen, bis ich nur noch die Schnalle in der Hand hatte und ritt ihn dann ein paar Minuten trocken. Anschließend stieg ich ab, lockerte den Sattelgurt und führte meinen Schatz zum Putzplatz. Dort angekommen, lobte ich Khamar nochmals ausgiebig, gab ihm sein wohlverdientes Leckerchen, sattelte ab und brachte ihn dann auf eine der Hengstkoppeln, damit er sich noch ein wenig austoben konnte.

      ~ Sahira ~
      Als nächstes beschloss ich, mich um meine mehrfach ausgezeichnete Araberstute Sahira zu kümmern. Die hübsche Falbstute hatte bereits einen Stutbuchwettbewerb, ein Galopprennen, ein Synchronspringen, zwei Schönheitswettbewerbe und sogar eine Stute des Monatswahl gewonnen! Allerdings war sie seit den ganzen Umzügen und vor allem der schrecklichen Nacht, in der mein ehemaliges Gestüt abgebrannt war, nicht mehr die Alte. Mit viel Aufmerksamkeit und Zuwendung hatte ich es geschafft, dass Sahira mich wieder an sich heranließ, doch von unserer einstigen Form waren wir meilenweit entfernt. Leise redend, trat ich an die Box der wunderschönen Stute. Sahira legte die Ohren an, beruhigte sich aber relativ schnell wieder, als sie mich erkannte.
      "So ists fein mein Mädchen. Heute gehen wir das erste Mal wieder reiten, was hälst du davon?", säuselte ich. Denn in dem Pesionsstall in dem ich meine Pferde vorher untergebracht hatte, konnte ich kaum richtig mit Sahira arbeiten, da dauernd kleine nervige Kids um uns herumgesprungen waren, die die Stute noch nervöser machten. Ich holte Sahira aus ihrer Box, fuhr ihr mit einem weichen Lappen über das seidige Fell, kratzte die Hufe aus und verlas anschließend Mähne und Schweif. Da die Stute über Nacht mit Decke im Stall gestanden hatte, war ich relativ schnell fertig. Bereits während ich Sahira sattelte, merkte ich wie sie sich verspannte.
      "Hey, ist ja gut. Du kennst das doch alles. Wir machen heute auch noch langsam", redete ich leise auf sie ein, bis sie ein Ohr in meine Richtung kippen ließ und aufhörte herumzuzappeln. Ich lobte sie, dann verschnallte ich die Trense zu Ende und führte Sahira in die Halle. Heute war zwar schönes Wetter, doch ich wollte nicht, dass sich die Stute unnötig aufregte.
      Schon der Weg zur Halle erwies sich als Herausforderung. Sahira reckte den Kopf in die Höhe und spielte nervös mit den Ohren. Immer wieder stemmte sie die Beine in den Boden und weigerte sich, weiter zu gehen und einmal drehte sie sogar den Kopf und schnappte nach dem Sattel!
      Ich brauchte geschlagene zehn Minuten, um endlich die Halle zu erreichen und war ein wenig beklommen wie das nur weiter gehen sollte.
      Ich stellte Sahira auf der Mittellinie auf, gurtete nach - wobei ich mich wiedermal vor ihren zuschnappenden Zähnen in Sicherheit bringen musste - und schwang mich dann von rechts, so schnell wie möglich in den Sattel. Sahira die das wohl nicht vorausgesehen hatte, blieb wenigstens solange stocksteif stehen, dass ich meinen Fuß in den anderen Steigbügel schieben und mich ordentlich hinsetzen konnte. Doch dann legte die schöne Stute die Ohren flach an den Kopf und machte einen Satz zur Seite. Ich seufzte, nahm die Zügel ein wenig kürzer und drückte ihr vorsichtig die Beine in die Seiten. Als Antwort darauf machte Sahira einen Satz nach vorne und galoppierte dann an. Da ich jedoch genau das erwartet hatte, versuchte ich mich einfach ihrem Gang anzupassen und ließ sie laufen. Solange sie nicht buckelte, hatte ich auch keine Schwierigkeiten oben zu bleiben. Nach und nach begann ich, Sahira leichte Hilfen zu geben - eine kleine Parade an den Zügel, Gewichtsverlagerung in den Ecken und so weiter und schließlich merkte ich, wie sie begann darauf zu reagieren. Erst wurde ihr Tempo kontrollierter. Dann wich sie meinem Schenkel und bog sich in die Ecke und schließlich lief sie einen völlig normalen Arbeitsgalopp. Ich atmete tief aus, setzte mich noch mehr in den Sattel und parierte zum Trab durch. Dann lobte ich Sahira und ritt noch zwei Runden um die Bahn, bevor ich die erhitzte Stute in den Schritt fallen ließ. Auch hier ritt ich eine Runde, wechselte dann die Hand und ritt Sahira trocken, während ich sie weiter lobte. Das war zwar keine Glanzstunde gewesen, aber immerhin war dies auch das erste Mal seit ca eineinhalb Jahren, dass ich auf der schönen Stute saß. Und irgendwie hatte ich es im Gefühl, dass es von nun an wieder stetig bergauf gehen würde!
      Nachdem wir die Halle verlassen hatten, machte ich Sahira fertig und ließ auch sie auf die großzügige Stutenweide meines Anwesens. Dann schaute ich ihr noch kurz zu, wie sie sich genüsslich wälzte, bevor ich wieder in den Stall zurückkehrte.


      ~ Little Miss Sunshine & Bittersweet ~
      Ich hatte gerade meine wunderhübsche Schimmelstute Little Miss Sunshine fertig geputzt, als Eddi um die Ecke gelaufen kam. "Hey! Stör ich dich grade?", fragte sie fröhlich.
      "Nein, ach was, ich bin nur gerade dabei meine Araber zu bewegen...Du hättest Sahira sehen sollen!", lachte ich "Hättest du nicht Lust schnell Bittersweet fertig zu machen? Dann können wir ne Runde ins Gelände?"
      Eddi strahlte und begann sofort damit die Rappstute fertig zu machen. Da Bittersweet so gut wie sauber war, waren wir auch in etwa gleich schnell fertig, schwangen uns auf die Rücken der Pferde und sahen uns dann etwas ratlos um.
      "Wo würdest du denn gerne hinreiten?", fragte ich Eddi. Mein Gestüt hatte eine perfekte Lage, ein Weg führte in den Wald, wo sich auch meine Military-Strecke befand, einer über Felder und der dritte zu meinem eigenen kleinen Strandabschnitt. Eddi überlegte nicht lange: "Na zum Strand, ich wollte schon ewig mal wieder einen Stransausritt machen!"
      Gesagt getan. Im gemächlichen Schritt ließen wir unsere Pferde vom Hof gehen. Bittersweet und Little Miss Sunshine waren ziemlich ruhig, deshalb eigneten sie sich perfekt für einen ersten Erkundungsritt. Und ich hatte später nicht mehr so viele Pferde zu versorgen.
      Kaum hatten wir uns ein Stückchen vom Gestüt entfern, wurden unsere Stuten munterer. Sunny sah sich interessiert um und auch Sweety hatte die feinen Öhrchen aufmerksam gespitzt. "Ich glaube, die beiden waren noch gar nie am Meer", sagte ich grinsend zu Eddi. Ich hatte zwar schoneinmal auf einem Hof gewohnt, wo in der Nähe ein Strand war, doch zu dieser Zeit hatte ich weder Sunny noch Sweety besessen. "Na dann bin ich mal gespannt, wie sie gleich reagieren, mittlerweile kann ich es ja schon riechen!", lachte sie.
      Und in der Tat, die salzige Luft wehte uns bereits entgegen. Schließlich kamen wir an einen sanft abfallenden Pfad, den die Pferde mit größter Vorsicht hinabstiegen, obwohl er weder steil noch rutschig war. "Hey, das ist viel besser, als auf dem alten Hof", bemerkte auch Eddi sofort. Denn früher hatten wir immer einen felsigen, schmalen und extrem steilen Pfad hinunter gemusst, um zum Strand zu kommen. Da war das hier ein Kinderspiel.
      Unten angekommen blieb Sunny zitternd stehen und witterte in Richtung Meer. Auch Sweety starrte das unbekannte Ding etwas ängstlich an. "Na kommt schon Mädels, Wasser beißt nicht!", forderte ich meine beiden Araberdamen energisch auf und trieb Sunny vorwärts. Die Stute war viel zu lieb und viel zu gut erzogen, um nicht zu gehorchen, doch im Gegensatz zu sonst, bewegte sie sich sehr wiederwillig. Auch Bittersweet kam neben uns her, die schwarzen Ohren unsicher nach hinten gestellt. Ich lächelte. Die zwei würden schon noch merken, dass das Wasser unglaublich gut tun konnte - vor allem wenn es so heiß war wie heute.
      Und tatsächlich: Kaum hatte Sunny die Vorderbeine im Wasser, streckte sie auch schon den Kopf nach unten. Allerdings machte sie sogleich einen erschrockenen Satz nach hinten, als ihr eine Welle Salzwasser um das Maul spühlte. Eddi wäre fast von Sweet gefallen, so sehr musste sie lachen. "Du hättest mal ihren Gesichtsausdruck sehen sollen, der war einfach herrlich!", prustete sie. Die beiden Stuten waren nun schon wesentlich ruhiger und wir bekamen sie sogar dazu bis knapp unter die Brust ins Wasser zu gehen.
      "So..lass uns nochmal den Strand hochgaloppieren und dann sollten wir auch wieder zurück, ich hab heute noch einiges zu tun!", rief ich zu Eddi hinüber, die mittlerweile schon Probleme damit hatte, Bittersweet vom Schwimmen abzuhalten.
      Kurze Zeit später preschten wir Seite an Seite über den Strand und ich genoss das wunderbare Gefühl des starken Pferdes unter mir.
      Viel zu schnell waren wir wieder zurück auf dem Gestüt, aber uns beiden war klar, dass wir dieses Erlebnis bald wiederholen mussten, zumal Sunny und Sweety so gut mitgemacht hatten! Nachdem beide Stuten zufrieden auf der Weide grasten, verabschiedete Eddi sich und ich machte mich daran die restlichen sechs Pferde zu beschäftigen.

      ~ Fallen Immortaliny ~
      Als nächstes holte ich meine Jungstute Fallen Immortaliny von der Weide. Mittlerweile hatten meine Pfleger nämlich alle Pferde rausgelassen. Ich hatte Immortaliny erst vor kurzer Zeit gekauft und es war heute nun das erste Mal, dass ich mit ihr arbeitete. Die schöne junge Stute war demnächst soweit, dass ich sie einreiten konnte, da wollte ich sie vorher schon ausreichend an mich gewöhnt haben. Ich setzte große Hoffnungen in sie, da sie bereits zwei Fohlenschauen gewonnen hatte und damit gekrönt war. Dank ihrer außergewöhnlichen Fellfarbe eignete sie sich hervorragend als Zuchtstute.
      "Maus. Brr!", machte ich bestimmt und griff mit einer Hand in das Halfter der vier jährigen Stute. Fallen Immortaliny trabte halb neben mir her und versuchte andauernd mich zu überholen. Das war etwas, was ich meinen Pferde von Anfang an abtrainierte und genau daran würde ich heute auch mit Fallen arbeiten. Immerhin wollte ich sie ja bald einreiten, doch vorher musste die Grunderziehung stimmen.
      Ich nahm wir viel Zeit um das braun getüpfelte Fell der Stute zu säubern, hob geduldig immer wieder ihre Hufe hoch, die sie mir dauernd versuchte weg zu ziehen. Auch Mähne und Schweif verlas ich ordentlich, dann tauschte ich das Stallhalfter gegen ein Knotenhalfter und hakte ein langes 4 Meter Seil ein. Anschließend forderte ich Fallen auf, mir zu folgen. Sofort begann die Stute wieder herum zu tänzeln, war den Kopf und hob einmal sogar mit den Vorderbeinen vom Boden ab! Ich zupfte energisch am Strick und legte einen schnelleren Schritt an den Tag, sodass Fallen nicht mehr so viel Zeit hatte, Blödsinn zu machen. In der Halle angekommen, griff ich mir noch schnell meinen dünnen Stick, ähnlich einer Gerte, nur nicht so flexibel am Ende. Der diente als mein verlängerter Arm. Immortaliny sprang die ganze Zeit neben mir herum und ich musste wirklich all meine Geduld aufbringen, um die Stute nicht erst ein paar Runden um die Bahn zu scheuchen. Das würde sowieso nichts bringen, im schlimmsten Fall würde sich die temperamentvolle Stute noch verletzten, wenn sie ihrem Übermut Luft ließ. Das war mir bereits mit einer anderen Stute passiert. Also atmete ich tief durch, nahm das Seil ein wenig enger und begann auf dem Hufschlag um die ganze Bahn zu gehen. Immer wenn Fallen mich überholen wollte, tippte ich sie an der Brust mit dem Kontaktstock an und hielt ihn anschließend waagrecht vor ihre Nase. Somit hatte die Stute eine deutliche Grenze vor Augen und erst wenn sie aufhörte, mich überholen zu wollen, würde ich den Stock nach unten nehmen. Nach einigen Runden blieb sie dann auch tatsächlich hinter mir. Ich hielt an und strich ihr lobend über den feinen Kopf. Anschließend setzte ich meinen Rundgang wieder fort. Fallen Immortaliny versuchte noch ein oder zwei mal sich an mir vorbeizudrängen, respektierte aber mit der Zeit den Abstand zu mir. Gut so. Das reichte mit dieser Übung für heute. Nun stellte ich mich in der Hallenmitte auf, vor die Stute und wackelte mit dem Ende des Seils. Immortaliny schaute mich etwas verständnislos an, als wollte sie sagen: "Was soll das denn jetzt schon wieder?"
      Ich begann nun das Seil immer stärker zu schwenken. Fallen hob den Kopf und trat unwillig einen Schritt zurück. Sofort hielt ich das Seil wieder ruhig und lobte meine junge Stute. Dann wiederholte ich das ganze. Immortaliny war wirklich intelligent und so brauchte sie nicht lange, um zu verstehen was ich erwartete. Am Ende musste ich das Seilende nur noch leicht bewegen und sie trat willig rückwärts. Sehr schön. Das reichte für heute vollkommen. Beim nächsten Mal konnte ich das ganze vielleicht schon ohne Seil und nur mit Handzeichen versuchen...Nun hakte ich das Seil aus Fallen's Knotenhalfter aus und schnalzte auffordernd mit der Zunge. Immortaliny schoss sofort los und galoppierte in Schlangenlinien um die Bahn. Wenn sie mir zu nahe kam, warf ich die Arme in die Luft und schwenkte das Seil leicht in ihre Richtung, bis sie wieder ordentlich auf dem Hufschlag lief. Als sie sogar auf Zuruf zu mir in die Mitte getrabt kam, beschloss ich, es für heute gut sein zu lassen. Die kleine Stute hatte heute viel gelernt und wenn wir in dem Tempo weiter machten, würde bald ein wunderbares Reitpferd aus ihr werden!

      ~ Melody's Girl, Haadeh & Rose de Soleil ~
      Nachdem ich Fallen Immortaliny wieder auf die Weide geschickt hatte, holte ich nacheinander meine drei neuen Araber Stuten Melody's Girl, Haadeh und Rose de Soleil von der Koppel. Die Stuten waren erst seit kurzer Zeit auf meinem Hof, weshalb ich sie heute nur putzen würde, damit sie sich richtig eingewöhnen konnten - an den Hof und natürlich auch an mich. Melody's Girl und Rose de Soleil waren eher ruhig, sowie Bittersweet, Khamar und Little Miss Sunshine. Haadeh dagegen - die jüngste der Stuten, war da schon ein etwas anders Kaliber. Sie hatte bezaubernde Gänge, doch mit ihrem Temperament musste man erst einmal zurecht kommen. Ich nahm mir für jede der drei Stuten viel Zeit, putzte sie ausgiebig und redete die ganze Zeit mit ihnen. Anschließend durften die drei auch schon wieder zurück auf ihre abgetrennte Koppel. Nächste Woche würde ich sie - zusammen mit Adina De Ra'idah und Immortaliny auf die große Stutenweide stellen, sie hatten ja nun bereits eine Weile Zeit gehabt, sich mit meinen älteren Pferde zu arrangieren.

      ~ Adina De Ra'idah ~
      Leise redend lief ich auf das nächste Pferd der kleinen Stutenherde zu. Adina De Ra'idah war eine wunderschöne Red Roanstute, die allerdings schon viel durchgemacht hatte. Anders als meine anderen neuen Araber, würde ich mich mit ihr heute schon mehr beschäftigen. Wenn man das denn so nennen konnte. Denn momentan ließ Adina niemanden an sich heran. Also trieb ich sie vor mir her in einen kleinen, abgetrennten Teil der Koppel und setzte mich dann einfach in die Mitte. So war es egal wo Adina stand, sie war immer ca gleich weit von mir entfernt. Nach einer Weile schien die nervöse Stute einzusehen, dass ich wohl nicht vorhatte mich zu bewegen und hörte auf wie gestochen um mich herum zu rasen. Von da an stand sie nur da und starrte mich an. Ich bewegte mich nur ab und zu, um mich anders hinzusetzen, woraufhin Adina jedesmal einen erschrockenen Satz machte und wieder angaloppierte. Nach einer Weile wurden ihre Panikattacken jedoch kürzer und irgendwann riss sie nur noch den Kopf hoch, sobald ich mich bewegte. Sehr gut. Das sollte für heute auch schon reichen. Ich erhob mich langsam, ging zur Öffnung der kleinen Weide und band das Seil umsichtig um den Weidepfosten, sodass Adina wenn ich weg war wieder zu den anderen konnte. Morgen würden wir dann weitermachen und irgendwann würde sich die schöne Stute schon an mich gewöhnen...

      ~ Sharley ~
      Als letztes war nur noch Sharley übrig. Ich war mittlerweile doch schon Recht fertig und war gespannt, wie Sharley sich heute benehmen würde. Die Stute konnte zuweilen recht dickköpfig sein und war andererseits immer unglaublich anhänglich und verschmust. Mit ihren zwölf Jahren hatte die Hübsche bereits ein paar tolle Fohlen zur Welt gebracht und wenn ich meine Zucht erst wieder eröffnet hatte, erwartete ich mir noch großes von ihr.
      "Hallo meine Süße", säuselte ich, als Sharley sofort auf mich zu kam. Wie immer wusste sie genau, dass nun sie an der Reihe war. Ich kraulte die Palominostute am Hals und sie legte mir vertrauensselig ihren Kopf auf die Schulter. Ich gab ihr einen Kuss auf das samtige Maul und führte sie dann zum Putzplatz. Dort angekommen brachte ich meine Süße auf Hochglanz, sattelte sie dann und führte sie zum Platz. Mittlerweile hatte es schon abgekühlt und es ging ein angenehmer Wind. Perfekt um meinen Reitplatz einzuweihen. Dort angekommen, stellte ich Sharley auf der Mittellinie auf, gurtete nach und schwang mich in den Sattel. Gleich würde sich zeigen, ob Sharley heute gut drauf war oder eher nicht. Vorsichtig drückte ich ihr meine Beine in die Seiten und Sharley trat gesittet im Schritt an. Ich atmete aus. Gut so. "Feines Mädchen!", lobte ich sie. Sharley zeigte einem immer sofort am Anfang, ob sie Lust hatte zu arbeiten oder nicht. Und heute hatte sie anscheinend Lust. Sie war eines meiner ersten Pferde gewesen und ich liebte sie noch genauso wie am Anfang.
      Nach etlichem Biegen und Wenden, ließ ich die Palominostute antraben. Sofort fiel Sharley in ihren himmlisch weichen, rhythmischen Trab und warf die schlanken Beine nur so von sich. Aufmerksam wartete sie auf weitere Hilfen meinerseits. Nach einer Weile ließ ich sie angaloppieren und als Sharley auch hier unglaublich gut reagierte und mitarbeitete, beschloss ich noch eine kleine Runde ins Gelände zu gehen. Sharley liebte nichts mehr als einen flotten Galopp im Freien und genau das wollte ich ihr nach dieser super Stunde auch gönnen. Ich ritt zum Gatter, öffnete es vom Sattel aus und verließ dann im flotten Schritt den Hof. Sobald Sharley den breiten, ebenen Feldweg vor uns auftauchen sah, spitzte sie die feinen Ohren und wurde kaum merklich ein wenig schneller. Ich lächelte. "Na dann zeig mir mal, was du kannst, Süße!" Ich gab die Zügel frei, lehnte mich nach vorn und schnalzte mit der Zunge. Mehr Aufforderung brauchte Sharley nicht. Sie machte einen rießigen Satz und schon flogen wir über den Weg dahin. Neben uns flogen ein paar verschreckte Vögel vom Weg hoch, doch die störten mein Stütchen nicht. Wenn Sharley laufen konnte war sie glücklich. Da war alles andere egal. Und ich ließ Sharley galoppieren, bis sie von selbst langsamer wurde. Ich wusste das sie noch weiter machen konnte, doch wir mussten sowieso zurück. Also nahm ich die Zügel auf, setzte mich wieder ordentlich hin, parierte zum Trab durch und wendete wieder, um zum Gestüt zurück zu kehren. Im ruhigen Schritt genoss ich die angenehme Temperatur und freute mich, dass jetzt endlich Sommer war.
      Wieder am Stall sattelte ich Sharley ab, brachte sie in ihre Box und half dann dem Pfleger, die anderen Pferde ebenfalls für die Nacht in den Stall zu holen. Nicht mehr lange und meine Schätze würden die Nacht draußen verbringen und den heißen Tag im kühlen Stall....
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      Arabische Vollblüter - Monatsbericht September 2013

      Khamar al Sanaa, Sharley, Bittersweet, Little Miss Sunshine, Fallen Immortaliny & Sahira
      "Guten Morgen, meine Schönen, wie geht es euch?", rief ich fröhlich durch den licht durchfluteten Stall in dem meine zehn arabischen Vollblüter untergebracht waren. Heute war es zwar recht kalt, aber immerhin schien die Sonne. Da ich die meisten meiner Lieblinge gestern bereits bewegt hatte, hatten mein Zuchthengst Khamar al Sanaa, Sharley, Bittersweet, Little Miss Sunshine, Fallen Immortaliny und Sahira heute ihren freien Tag. Später würde ich noch mit meiner Pflegerin Anna einen Ausritt machen und sonst musste ich mit Adina und Hadeeh arbeiten. Alles in allem würde dies ein relativ entspannter Tag werden. Ich holte zuerst meinen Schimmelhengst aus der Box, putzte ihn gründlich, tastete seine Beine ab und führte ihn dann auf eine der kleineren Hengstkoppeln. Anschließend holte ich Bittersweet und Little Miss Sunshine und stellte sie auf meine Araberstutenkoppel. Sofort ertönte von Naboo, auf der angrenzenden Weide der New Forest Stuten lautes Gewieher. Ich ging lachend zum Stall zurück. Naboo und Sahira hätten sich wahrscheinlich gegenseitig in Stücke gerissen, wenn ich versucht hätte, die beiden Herden zusammen zu stellen. Aber ich hatte meine Pferde sowieso lieber in ein paar kleineren Gruppen. Nachdem auch Sharley und meine Elitestute Sahira friedlich grasten, holte ich die Jungstute Fallen Immortaliny. Mit der Süßen hatte ich in den letzten Wochen viel geübt und mittlerweile ließ sie sich brav führen, ich konnte sie rückwärts richten und mit Vorder- und Hinterhand weichen lassen. Ich strich ihr liebevoll über den edlen Kopf und entließ die junge Stute dann ebenfalls auf die Koppel, wo sie gleich von Sahira in ihre Schranken gewiesen wurde.

      Adina de Ra'idah
      "Adina!", rief ich leise, als ich die Koppel der Araberstuten betrat. Sofort flog der Kopf der wunderschönen Red Roan-Dame hoch und sie sah mich aufmerksam an. Nachdem ich Wochen Stunden lang im Gras gesessen und Adina beobachtet hatte, konnte ich sie mittlerweile endlich anfassen und einigermaßen führen, ohne dass sie versuchte mich zu beißen oder zu treten. Ich strich ihr den langen roten Schopf aus der Stirn und begann dann ihren Körper mit meinen Händen entlang zu fahren. Anschließend hob ich nacheinander alle ihre Hufe hoch, tastete sie ab und ließ sie dann wieder zu Boden sinken.
      Adina fühlte sich wohler, wenn sie die anderen Stuten um sich herum hatte, deshalb übte ich vorerst nur auf der Koppel mit ihr. Ich hakte einen Strick in ihr Halfter und begann meine Runden um die Weide zu drehen. Sofort kamen Melody, Fallen Immortaliny und Sharley ebenfalls hinzu und bald darauf liefen alle meine Stuten mit uns mit. Als sie es schließlich aber zu bunt trieben und Adina und auch mit immer wieder anrempelten schickte ich sie alle weg, um in Ruhe weiter arbeiten zu können. Vor allem Sahira schaute mich vorwurfsvoll an und ich schüttelte lachend den Kopf.
      Nachdem ich mein Führtraining beendet hatte, putzte ich Adina am Rand der Koppel und ließ sie dann wieder laufen. Es wurde wirklich täglich besser mit ihr, sodass ich beschloss, demnächst endlich die Koppel zu verlassen und alleine mit ihr zu arbeiten.

      Melody's Girl & Rose de Soleil
      "Sammy? Bist du fertig?", fragte Anna mich vorsichtig, während sie mit Melody's Girl am Zügel auf mich zu kam. "Einen Moment noch", antwortete ich, verschnallte die Trense von Rose de Soleil und führte die Zuchtstute dann aus dem Stall. Anna hatte mir erzählt, dass sie seit einigen Jahren nach einem schweren Reitunfall nicht mehr ritt und es aber sehr vermisste. Also hatte ich ihr angeboten heute auf einem meiner Pferde einen Ausritt mit zu machen. Melody's Girl war zwar noch sehr jung, aber ich hatte selten ein so ruhiges Pferd wie die schöne Araberstute gesehen, deshalb hatte ich sie für den ersten Ritt ausgewählt. Anna schien ein wenig nervös zu sein, doch Melody stand ruhig neben ihr und sah neugierig Soleil entgegen. Ich führte Soleil zu Melody, strich der braunen Stute liebevoll über die Blesse und griff dann nach den Zügeln.
      "Okay. Hast du schon nachgegurtet? Gut. Dann zieh die Steigbügel runter und steig auf, ich halte Melody solange." Anna sah mich unsicher an, doch nachdem ich aufmunternd nickte, atmete sie tief durch und schwang sich auf Melody's Rücken.
      "So. Jetzt lass die Zügel einfach locker, Melody ist brav. Konzentrier dich einfach fürs erste auf deinen Sitz.", riet ich Anna, während ich selbst aufstieg. Als ich kurz vor dem Dressurplatz abwendete, um Richtung Feldweg zu reiten, rief Anna von hinten etwas ängstlich: "Gehen wir denn nicht auf den Platz?"
      Ich sah überrascht über die Schulter: "Warum das denn? Melody ist ein Engel im Gelände. Auf dem Platz will sie gefordert werden und ich denke es wäre besser, wenn du dich erst einmal wieder daran gewöhnst auf einem Pferd zu sitzen, anstatt gleich richtig zu arbeiten".
      Rose de Soleil schritt brav den Weg entlang und sah sich nur hin und wieder aufmerksam um. ich genoss den Ritt und sah fröhlich, dass Anna sich nach einer Weile ebenfalls entspannte. Ich winkte ihr zu und holte sie neben mich.
      "Und wie fühlst du dich?", fragte ich.
      "Ach eigentlich ganz gut. Danke dass du mich auf Melody reiten lässt, ich weiß ja, dass du hoffst sie bald als Zuchtstute einsetzen zu können..."
      "Bitte. Aber das hat damit nichts zu tun. Ich habe Melody ausgesucht, weil sie heute Bewegung braucht und so zuverlässig ist.", lachte ich.
      Wir ritten eine gute Stunde lang, bis wir schließlich in einer langen Schleife wieder zu meinem Gestüt zurück kehrten. Anna bedankte sich noch mehrmals, während wir die Pferde fertig machten und ich überlegte, dass ich sie eigentlich, wenn sie ihre Angst verloren hatte, öfter reiten lassen konnte. Das was ich gesehen hatte, hatte mir sehr gut gefallen.

      Haadeh
      Zum Abschluss dieses Tages wollte ich nun noch meine neue Araberstute Haadeh reiten. Die Süße hatte sich schon ganz gut eingelebt und ich hatte bereits viel mit ihr vom Boden aus gearbeitet. Nun wollte ich das erste Mal ein wenig Dressurtraining mit ihr machen. Ich holte Haadeh von der Koppel, putzte sie flott über und sattelte sie anschließend auf. In der Halle angekommen, gurtete ich nach, ließ die Steigbügel herunter und schwang mich leichtfüßig in den Sattel. Die junge Stute schlug ungehalten mit dem Kopf und lief los. Ich stellte sie wieder an ihren Platz und wartete. Das wiederholten wir solange, bis Haadeh schließlich die Nase voll hatte und stehen blieb, bis ich ihr die Hilfen zum antreten gab. Sofort fühlte ich mich wie auf Wolken. Haadeh zu reiten war ein absolutes Erlebnis. Die junge Stute warf ihre Beine gerade zu von sich, hielt den Kopf anmutig gebogen und ihr Schweif wehte wie eine schwarz-silberne Fahne hinter ihr her. Ich galoppierte an und wäre in der nächsten Minute fast aus dem Sattel geflogen, da ich vor lauter Träumerei nicht darauf gefasst gewesen war, dass Haadeh sich erschrecken könnte. Die Stute starrte mit rollenden Augen und angelegten Ohren zur Hallentür und ich brach in Gelächter aus, als mein alter Hofkater auf die Bande sprang.
      "Haadeh! Nein wirklich? Du großes, schweres Tier erschreckst dich vor einem alten Herrn?", sagte ich neckend. Haadeh schüttelte etwas beleidigt ihren schönen Kopf. Ich beendete unsere Galopprunde noch, ritt Haadeh dann im Schritt trocken und versorgte die Stute anschließend.
    • Loulou
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      Ein erneuerter Besuch.
      Schon früh klingelte mein Wecker und ließ somit meinen Arbeitstag beginnen. Heute würde ich wieder zu Sammy fahren, um mich um 12 ihrer Pferde zu kümmern, die gestern nicht dabei waren. Bereits eine halbe Stunde später saß ich im Jeep und befand ich auf den Weg zu ihr. „Guten Morgen, Sammy.“, begrüßte ich sie, als ich auf dem Hof parkte und ausstieg. Auch sie begrüßte mich und so machten wir uns auf den Weg zu den New Forest Ponys. Nur ein Hengst wartete dort auf uns. Hollybrook's Bloody Valentine blickte mir misstrauisch entgegen, als ich den Riegel der Boxentür aufschob und mich durch sie hindurch. „Na du.“, murmelte ich und hielt ihm meine Hand kurz entgegen, doch anstatt wie die meisten Pferde den Hals zu recken, um sie zu begutachten, zuckte er zurück. „Na dann wollen wir nicht herum trödeln und dich unnötig aufregen.“, sagte ich zu ihm und nahm mein Stethoskop aus der Tasche, um ihn auf Herz- oder Lungengeräusche abzuhören. Widerwillig ließ er es über sich ergehen, ebenso wie das Fiebermessen. Ich nahm eine der heute morgen vorbereiteten Spritzen mit dem Impfstoff heraus und injizierte ihm das Ganze, was er mit angelegten Ohren quittierte. „Ganz ruhig.“, murmelte ich und griff nach der Wurmkur, ehe ich seinen Kopf umfasste und ihm das Ganze ins Maul gab. „Und dann bist du auch schon fertig.“, sagte ich, während ich meine Sachen wieder zusammen packte und er missmutig auf der dickflüssigen Masse herumkaute. Als nächstes gingen wir zu den Arabern herüber, zu der dreijährigen Haadeh, welche ganz im Gegensatz zu dem ersten Patienten heute neugierig über die Boxentür hinweg in die Stallgasse blickte. Sie wirkte ein wenig aufgedreht, doch ließ sie die Untersuchung schnell über sich ergehen und auch das Impfen und die Wurmkur bereiteten keinerlei Probleme. Kurz klopft ich ihr den Hals, ehe ich die Box verließ und zur nächsten ging. Adina De Ra'idah, ebenfalls eine dreijährige Stute, doch wohl das genaue Gegenteil von Haadeh. Ängstlich, nahezu panisch schien sie mich zu begutachten, als ich mich ihrer Box näherte. Zu recht, wie Sammy mir erzählte. „Würdest du sie dann festhalten und sie beruhigen, während ich meine Arbeit mache?“, bat ich die junge Frau. Gesagt, getan. Mit angelegten Ohren und rollenden Augen ließ mich die Stute in ihre Box und zuckte zusammen, als sie das kalte Stethoskop berührte. „Alles ist gut.“, murmelte ich, nachdem ich sie abgehört hatte und sie mich nur widerstrebend Fieber messen ließ. Leise seufzte ich, doch sie war vollkommen in Ordnung, so konnte ich nun Impfen. Das ganze bedeutete wohl unheimlich viel Stress für die Stute und so verweilte ich nicht länger als nötig bei ihr in der Box, nachdem sie auch die Wurmkur intus hatte. Ich schlüpfte hinaus und verschloss die Tür, während Sammy sie losließ und die Red Roan Stute sich sogleich in die hinterste Ecke verdrückte. Wir begaben uns als nächstes zu den Warmblütern und Ponys, die gestern Zuwachs bekommen hatten und ebenfalls geimpft und entwurmt werden sollten. Die erste Stute, Little Big Girl, war vollkommen umgänglich und so verließ ich nach wenigen Minuten auch schon wieder ihre Box, um zu Juego zu gehen, einem wirklich schicken Welsh Pony. Auch er war von ruhigem Gemüt und ließ sich rasch untersuchen und impfen, nur die Wurmkur widerstrebte ihm etwas und ich brauchte einiges an Überzeugungskraft, damit er das Maul aufmachte und das Ganze runter schluckte. Und damit ging es zu den englischen Vollblütern in den Stall, die allesamt noch recht neu waren. Als erstes gingen wir zu der Box der 12 jährigen Stute Ace Of Spades, ein schicker Rappe. Das Temperament der Engländer war mir durchaus von meinen eigenen beiden bekannt und so wusste ich gut, damit umzugehen. Doch die gekörte Stute ließ gut mit sich arbeiten und so befand ich mich bald in Black Pearls Box, ebenfalls eine Rappstute. Ich klopfte ihr zur Begrüßung den Hals und begann sogleich mit der Untersuchung, um sie daraufhin zu impfen und zu entwurmen. „Braves Tier, murmelt eich, während ich die Box verließ, Sammy sie verschloss und wir weiter zu Pirate Island gingen. Die Falbstute blickte uns interessiert entgegen und ließ, wie die beiden zuvor auch, alles willig über sich ergehen. „Dann haben wir es ja gleich geschafft.“, meinte ich, als wir zu dem Schimmelhengst Warrior gingen, der mir beim Betreten des Stalles bereits ins Auge gefallen war. Sammys Englische Vollblüter waren bisher sehr angenehme und umgängliche Gesellen, wie Warrior es auch war. Er schien meine Aufmerksamkeit sogar richtig zu genießen, die ihm zu Teil wurde, als ich ihn untersuchte. Doch wie die meisten Pferde, gefiel ihm die Wurmkur weniger gut. „Ihr mögt wohl alle kein Apfel-Zimt, hm?“, schmunzelte ich und klopfte ihm den Hals, ehe wir weiter gingen. El Racino, ein Rappe mit einer doch recht interessanten Färbung blickte mich aus etwas ängstlich wirkenden Augen an, doch der Schein trübte. Er war ebenso umgänglich, wie die anderen Vollblüter zuvor. So kamen wir zu dem vorletzten Patienten Ghostbuster. Unbeteiligt stand er da und malmte auf ein paar Heuhalmen herum, während ich die Box betrat. Er schien nicht allzu beeindruckt von meiner Anwesenheit zu sein, was mir auch selten unterkam, dass ein Pferd so teilnahmslos dastand. Zuerst kam mir in den Sinn, dass er eventuell krank war, doch seine Werte waren okay und Fieber hatte er auch keines. Nun gut. Er wurde geimpft und entwurmt, so dass wir nun zum letzten Pferd meines heutigen Besuches gehen konnten: Tschiwabschischi. „So, nun dich noch und dann sind wir auch schon fertig.“, sagte ich leise zu ihm, hörte Herz und Lunge ab, ehe ich Fieber maß. Alles vollkommen normal. Ich nahm die letzte Spritze mit Impfstoff, injizierte es ihm und gab ihm letztendlich die Wurmkur. Lobend klopfte ich dem Hengst den Hals, ehe Sammy und ich den Stall wieder verließen und ich meine Tasche ins Auto verlud. „Dann bis zum nächsten Mal.“, verabschiedete ich mich freundlich und gab ihr kurz die Hand, ehe ich mich gegen Mittag auch schon wieder auf den Heimweg machte.
      6008 Zeichen by Tikka

    • Mongofisch
      Hufschmiedbesuch bei Haadeh und Adina De Ra'idah

      Heute machte ich mich das erste Mal auf den Weg zu Sammy, um die Hufe von Haadeh und Adina De Ra'idah auszuschneiden und zu korrigieren. Mein Navigationsgerät leitete mich zuverlässig zum Gestüt, auf welchem ich mein Auto parkte und auch schon erwartet wurde. Sammy begrüßte mich mit einem freundlichen Lächeln: „Hallo, ich bin Sammy!“ - „Hallo, freut mich sehr“, begrüßte ich sie ebenfalls. „Ich habe die beiden Stuten schon von der Weide geholt, sie warten im Stall auf uns“, erklärte sie mir und führte mich in den Stall. Dort erwarteten mich zum Einen Haadeh, eine ausdrucksstarke, graue Stute und zum Anderen Adina, die in der Ecke ihrer Box stand und mich ängstlich ansah. Sammy erklärte mir ihr Verhalten: „Sie wurde als Fohlen misshandelt und ist seither nicht gut auf Menschen zu sprechen. Es braucht sehr viel Zeit und Geduld, bis man sich ihr überhaupt nähern kann. Ich hoffe, dass wir das heute trotzdem zusammen schaffen, denn ihre Hufe sehen nicht so gut aus.“ - „Du kannst sie aber schon anfassen und führen?“ fragte ich Sammy, die mir sogleich antwortete: „Ja mittlerweile geht es schon ganz gut.“ Ich war irgendwie erleichtert, wir beschlossen aber trotzdem mit Haadeh anzufangen, damit Adina sich zumindestens schonmal an meine Anwesenheit gewöhnen konnte.
      Sammy holte die Stute aus der Box und band sie auf der Stallgasse an. Mit ihren braunen Augen betrachtete sie mich ausgiebig und entschied: Ich war keine Gefahr. Ich streichelte der Stute über den Hals und fing dann mit dem rechten Vorderhuf an. Sanft aber bestimmt hob ich den Huf an, um ihn mit dem Hufauskratzer zu säubern. Haadeh stand ruhig, aber immer aufmerksam und bereit sich dem zu entziehen, was ich grade machte. Doch auch als als ich anfing mit dem Hufmesser das Horn zu kürzen, blieb sie ruhig stehen. Nachdem der Huf eine einigermaßen ordentliche Länge und Form hatte, griff ich mir die Raspel, um damit die Form zu verbessern und Unebenheiten zu beseitigen.
      Nun war der erste Huf fertig und ich belohnte die Stute mit einem Leckerli, bevor ich mit dem nächsten Huf fortfuhr. Auch hier war die Stute ruhig, aber trotzdem immer aufmerksam. Nachdem ich auch den zweiten Huf fertig ausgeschnitten und korrigiert hatte, fehlten nurnoch die zwei linken Hufe. Auch bei den beiden ging ich nach dem gleichen Prinzip vor: Zuerst säuberte ich die Hufe ordentlich, dann schnitt ich das Horn kurz und schließlich feielte ich die Form schön und die Unebenheiten weg.
      Ich klopfte der grauen Stute den Hals und gab ihr zur Belohnung noch ein Leckerli. Sie war wirklich brav gewesen! Sammy brachte Haadeh nun zurück in die Box und es ging weiter mit Adina.
      Die Stute hatte sich mittlerweile aus ihrer Ecke getraut und luscherte vorsichtig auf die Stallgasse, um zu sehen, was wir da machten. Als Sammy die Boxentür vorsichtig öffnete, wich Adina zurück, ließ sich dann aber aufhalftern und rausführen. „Ich halte sie lieber fest, ich denke das ist besser als sie anzubinden“, sagte Sammy und ich stimmte ihr nickend zu. Vorsichtig näherte ich mich der Stute, die schnaubend einige Schritte rückwärts ging. „Ganz ruhig“, flüsterte Sammy und ich nahm nun den ersten Huf. Adina schlug voller Angst mit dem Kopf und versuchte auf drei Beinen zu flüchten. Doch Sammy hielt sie fest und auch ich ließ den Huf nicht los sondern kratzte diesen schnell aus. Während Adinas Besitzerin die ganze Zeit beruhigend auf die Stute einredete, kämpfte ich mit den Hufen. Nachdem ich es endlich geschafft hatte, den Huf zu kürzen, ließ ich diesen erstmal runter und entfernte mich schnell einige Schritte. Adina schien sich zu entspannen, als ich ihr nicht mehr so nah war. „Puh, das kann ja noch was werden“, sagte ich und wischte mir übers Gesicht. „Ich hab dir nie gesagt, dass es einfach wird“, lachte Sammy und streichelte der Stute über den Hals. „Ja das stimmt!“ stimmte ich ihr zu. „Dann machen wir mal weiter.“ fügte ich hinzu und näherte mich wieder dem Huf. Als ich diesen hochnehmen wollte, lief Adina panisch los und zog Sammy quer durch den Stall. Diese blieb total ruhig und führte die von Angstschweiß überzogene Stute wieder zurück an den ursprünglichen Platz. „Nächster Versuch“, sagte sie und ich griff abermals nach dem Huf und schaffte es diesmal auch den Huf anzuheben. In Adinas Augen war das Weiße zu sehen, doch diesmal gab es keinen Fluchtversuch und ich konnte den Huf raspeln. Als ich das erledigt hatte, entfernte ich mich wieder von der Stute. Das Ergebnis meiner Arbeit konnte sich sehen lassen. „Nurnoch drei“, lachte ich erschöpft.
      Nach drei weiteren Fluchtversuchen und einem blauen Fleck an meinem Bein, hatten wir es endlich geschafft: Die Hufe der Stute konnten sich wieder sehen lassen. Sammy brachte Adina in ihre Box und legte ihr eine Abschwitzdecke über, da die Stute vor Angst von oben bis unten nassgeschwitzt war. „War doch gar nicht so schlimm“, grinste Sammy mich an. „Ich habs mir einfacher vorgestellt“, sagte ich, während ich mir das Bein rieb, andem mich Adinas Huf getroffen hatte. Ich war der Stute jedoch nicht böse, sie konnte ja nichts dafür.
      Wir unterhielten uns noch ein wenig über die Vergangenheit der Stute, dann verabschiedete ich mich, sowohl von Sammy, als auch von den Pferden und machte mich müde auf den Weg nach Hause.

      © Mongofisch
    • Sammy
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      Wüstentänzer - Monatsbericht November 2013

      Adina De Ra'idah, Melody's Girl, Rose de Soleil, Fallen Immortaliny & Haadeh
      "Guten Morgen meine Lieblinge!", rief ich fröhlich durch das Stallabteil, indem meine arabischen Vollblüter untergebracht waren. Ich ging von Box zu Box und begrüßte meine elf edlen Pferde liebevoll. Heute war es zwar relativ kalt, aber immerhin trocken und somit hatte ich einiges vor. Da die Pferde bereits gefüttert worden waren, konnte ich nun mit der Arbeit beginnen. Adina De Ra'idah, Melody's Girl, Rose de Soleil, Fallen Immortaliny und Hadeeh hatten heute ihren freien Tag. Mit Melody war ich in letzter Zeit auf vielen Turnieren gewesen, Immortaliny und Adina trainierten jeden Tag, Rose hatte ich ebenfalls erst bewegt und Hadeeh hatte ihren Stutbuchwettbewerb gewonnen! Ich war so unglaublich stolz auf meine hübsche Maus und überlegte bereits, wann der beste Moment war, um sie decken zu lassen.
      Zuerst holte ich Haadeh und meine Jungstute Fallen Immortaliny aus ihren Boxen. Obwohl Immortaliny bereits vier Jahre alt war, war sie roh zu mir gekommen, daher war ich gerade dabei sie schonend und mit viel Geduld einzureiten - und meine kleine Maus machte rießige Fortschritte. Die zwei hübschen Stuten folgten mir brav auf den Putzplatz. Dort nahm ich ihnen die Stalldecken ab, putzte sie über, kratzte die Hufe aus, kämmte Mähne und Schweif und legte ihnen abschließend ihre Weidedecken auf. Bei diesen Temperaturen brauchten sie die definitiv. Als die beiden gekrönten Schönheiten auf der Koppel waren, kamen Rose de Soleil und Melody's Girl an die Reihe. Mit Rose war ich in letzter Zeit sehr viel im Gelände gewesen, um ihre Ausdauer zu stärken und Melody stand voll im Training für den nächsten Stutbuchwettbewerb. Die junge Stute hatte bereits sechs Turnierschleifen ergattern können und ich war sehr gespannt, ob unsere Glückssträhne uns zu einem Sieg bei der nächsten SK helfen würde. Auch die beiden putzte ich gründlich, schmuste kurz mit ihnen und entließ sie dann auf die Koppel, wo sie sich auch sofort ein Rennen mit den beiden anderen Stuten lieferten. Nun fehlte fürs erste nur noch Adina De Ra'idah. Die schöne Red Roan Stute hatte mittlerweile schon große Fortschritte gemacht: Ich konnte sie ohne Probleme aufhalftern und führen, doch bis ich auch nur ans Reiten denken konnte, würde noch eine lange Zeit vergehen, da Adina ja beim Reiten gequält worden war. Ich führte die Schönheit aus ihrer Box und begann wie immer relativ langsam sie zu putzen. Schnelle Bewegungen erschreckten das junge Pferd immer noch sehr. Natürlich war es ungewiss, ob ich Adina's Ängste jemals soweit besiegen konnte, dass sie sich reiten oder sogar auf einem Wettbewerb vorstellen ließ, doch trotzdem träumte ich bereits von ihren wunderschönen Fohlen.
      Adina wandte mir ihren feinen Kopf zu und ich fuhr ihr liebevoll über die leuchtend weiße Blesse. "Wir schaffen das schon mein Mädchen. Und dann wirst du wundervolle Babys haben, das weiß ich ganz genau!"
      Ich befestigte Adina's Decke und führte die Roan Stute dann zu den anderen. Mittlerweile hatte sich die Jungstute auch gut in die Herde eingegliedert. Ich blieb noch eine Weile am Zaun stehen, dann wandte ich mich ab um Sahira zu bewegen.

      Sahira
      "Hallo du Schönheit!", gurrte ich, als ich vor der Box meiner falbfarbenen Araberstute stand. Sahira hatte bereits viele Schauen und sogar eine Stute des Monatswahl gewonnen und war somit die erfolgreichste meiner Araberstuten. Da sie aber auf Grund der Umstände ein wenig von ihrer Ausdauer eingebüßt hatte, wollte ich nun vermehrt mit ihr ins Gelände gehen - nicht zuletzt um sie auf größere Distanzritte vorzubereiten. Genau das würde ich später auch noch mit dem Rest meiner Araber tun, doch Sahira war im Gelände recht schreckhaft, weshalb ich mit ihr erst einmal so arbeiten wollte - nicht dass sie mir nachher die ganze Gruppe verrückt machte!
      Nachdem die schöne Araberdame geputzt und gesattelt war, zog ich mir meine Sicherheitsweste, Helm und Handschuhe an und schwang mich anschließend leichtfüßig in den Sattel. Sahira war eine lange Zeit lang kaum kontrollierbar gewesen, doch mit viel Geduld und harter Arbeit benahm sie sich jetzt wieder wie das Siegerpferd, das sie ja schließlich auch war.
      Ich klopfte ihren schlanken Hals und ritt im Schritt vom Hof in Richtung Wald. Sahira spitzte zwar die Ohren und zuckte bei jedem unbekannten Geräusch zusammen, sie blieb jedoch dauerhaft an meine Hilfen gestellt, bog den Hals und entspannte sich sogar nach und nach. "Na hoppla, was ist denn mit dir los? Ich meine gut, unser letzter Ausritt ist schon ne ziemliche Weile her, aber so wie du dich jetzt benimmst, hätte ich dich ja auch später in der Gruppe mitnehmen können", sagte ich ein wenig ungläubig. Aber vielleicht hatte Sahira durch die vielen Monate der Bodenarbeit so viel Vertrauen zu mir, dass sie sich einfach nicht mehr so sehr aufregte. Ich beschloss daher den Ausritt nicht allzu lange auszudehnen und kehrte nach einem kurzen, schnellen Galopp zum Gestüt zurück, wo ich meinen Liebling liebevoll versorgte und dann zu den anderen auf die Weide brachte.

      Sharley, Bittersweet, Little Miss Sunshine & Khamar al Sanaa
      Eine Stunde später war ich gerade dabei meine Palominostute Sharley aufzusatteln. Die sechsjährige Araberstute tänzelte nervös von einem Bein auf das andere und schlug immer wieder mit dem schönen Kopf. Neben uns machte Amy Little Miss Sunshine fertig und Scott kümmerte sich um Bittersweet. Ein paar Meter abseits trenste Eddi gerade Khamar al Sanaa auf. Wir würden heute mal eine der kurzen Distanzstrecken abreiten, um den Pferden zu mehr Kondition zu verhelfen. Da Sunny die ruhigste der Gruppe war, ritt Amy , meine etwas ängstliche Pflegerin die Schimmelstute. Für Eddi hatte ich Khamar ausgesucht, da sie ihn so sehr anhimmelte und ich mir außerdem sicher war, dass sie gut mit ihm zurecht kommen würde. Khamar war zwar an sich recht brav und ausgeglichen, konnte jedoch zuweilen etwas hengstig sein. Da wir sonst nur Stuten dabei hatten, wollte ich lieber auf Nummer sicher gehen.
      Ich selbst ritt wie bereits erwähnt Sharley, da ich am besten mit dem kleinen Dickkopf zurecht kam.
      Als wir alle Pferde fertig gemacht hatten, gurtete ich nach und stieg leichtfüßig auf Sharley's Rücken. Die noch junge Stute zappelte unentwegt herum, deshalb setzte ich mich direkt hinter Little Miss Sunshine. Eddi ritt mit Khamar an der Spitze und Bittersweet bildete das Schlusslicht. Scott war einer meiner Hengstpfleger, doch da er so tolle Arbeit leistete, hatte ich ihn gebeten heute mitzukommen. Nach einer langen Aufwärmphase im Schritt, ging es im Trab über Wiesen und Felder und später auch hoch in den Wald. Dort mussten die Pferde stelltenweise schon fast klettern, doch das war gut für ihren Muskelaufbau. Selbst Sharley riss sich nach einer Weile zusammen, weil sie wohl merkte, dass sie ziemlich erledigt sein würde, wenn sie ihre ganze Energie mit Zappeln verbrachte. Als wir wieder aus dem Wald herauskamen, ließen wir die Pferde auf einem breiten, ebenen Weg angaloppieren und kehrten danach im Schritt zum Hof zurück. Da diese Runde so harmonisch verlaufen war, beschlossen wir das Ganze bald zu wiederholen und ganz allmählich den Schwierigkeitsgrad zu steigern. Vielleicht konnte ich das nächste Mal sogar Sahira mitnehmen. Wir versorgten die Pferde und ich lud alle ins Haus zu Tee und Plätzchen ein, da es mittlerweile schon wieder dunkel wurde...
    • Sammy
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      Trainingsbericht - Dressur E-A
      "Adina, steh!", sagte ich streng zu meiner hübschen Arabischen Vollblutstute. Adina de Ra`idah, wie die Red Roan Dame mit vollem Namen hieß, tänzelte auf der Stelle herum und schlug mit ihrem schönen Kopf. Die Stute hatte zwar ein ausgezeichnetes Exterieur und hervorragende Gangarten, doch ihr Temperament machte sie zu einem sehr schwierigen Pferd.
      Die junge Stute war in früheren Jahren schwer misshandelt worden und ich hatte meine gesamte Zeit mit der Stute ein halbes Jahr lang darauf beschränkt, ihr Vertrauen zu gewinnen. Auch für das Einreiten von Adina hatte ich mehr sehr viel Zeit gelassen, doch nun war es an der Zeit, die Stute in der Dressur auszubilden.
      Als Adina sich endlich wieder beruhigte und kurzzeitig still stand, legte ich ihr den Dressursattel auf den Rücken, schloss flott den Gurt und kraulte Adina dann den schlanken Hals.
      Kurz darauf konnte ich die Araberstute bereits aus dem Stall in die Reithalle führen. Es war noch sehr früh, denn ich wollte mit der temperamentvollen Stute gerne meine Ruhe in der Halle haben.
      Ich schloss die Türen, gurtete nach und schwang mich in den Sattel. Adina begann sofort wieder auf der Stelle herum zu tänzeln und ich musste mein gesamtes reiterliches Können einsetzen, um sie zum Stehen zu bringen. Dann wärmte ich die Stute ordentlich auf und ritt viele Schritt-Trab- und Trab-Halten-Übergänge. Nach und nach merkte ich, dass Adina sich fallen ließ. Ihre Schritte wurden gleichmäßiger und sie ließ den Kopf sinken. Ich lobte sie kurz und machte dann nahtlos mit dem Training weiter.
      Wir mussten heute den Übergang vom Schritt zum Galopp erarbeiten, das Rückwärtsrichten, Viereck verkleinern und vergrößen und die Vorhandwendung. Da Adina sowieso am Anfang des Trainings schwer zu kontrollieren war, beschloss ich, mit dem Rückwärtsrichten zu beginnen und die Galopparbeit für den Schluss aufzuheben.
      Ich parierte Adina in der Mitte der langen Seite zum Halten durch, hob mich leicht aus dem Sattel, nahm die Zügel an und sagte: "Back!" Die Stute kannte dieses Kommando natürlich bereits von der Bodenarbeit, doch heute verlangte ich die Lektion das erste Mal vom Sattel aus. Die Red Roan Stute warf den Kopf hoch und verlagerte erst dann vorsichtig ihr Gewicht nach hinten. Sofort ließ ich die Zügel locker und kraulte Adina am Widerrist. Nach und nach ließ ich die Stute immer weiter rückwärtsgehen und korrigierte nur noch ihre Richtung. Immerhin sollte die Stute ja eine Pferdelänge gerade nach hinten weichen.
      Ich lobte Adina erneut und wendete mich dann dem Viereck verkleinern und vergrößern zu. Auch wenn Adina des öfteren recht widerspenstig war - die Seitengänge beherrschte die edle Stute sehr gut. Ich ritt im Schritt an, stellte die Stute schon in der ersten Ecke der langen Seite leicht nach außen, legte den inneren Schenkel verwahrend zurück und trieb sie so Richtung Mitte der Bahn. Eine Länge vor B ließ ich Adina geradeaus gehen und eine Länge nach B stellte ich sie nach innen, trieb mit dem inneren Schenkel vorwärts-seitwärts und legte den äußeren verwahrend hinter den Gurt. Als wir den Hufschlag wieder erreichten, lobte ich mein Pferd und wiederholte das Ganze zuerst auf der anderen Hand und dann auch im Trab.
      Nach dieser Lektion war ich schon ziemlich erschöpft. Adina drängte nach mehr Zügel und versuchte die ganze Zeit in den Galopp zu wechseln.
      "Eine Übung noch meine Hübsche, dann darfst du galoppieren", sagte ich leise aber bestimmt zu der Araberstute, setzte mich tief in den Sattel und parierte sie wiedereinmal von ihrem Holpertrab in den Schritt durch. Vor dem Galopp stand nun nur noch die Vorhandwendung auf dem Plan. Dazu ritt ich mit Adina auf den dritten Hufschlag und parierte sie dort zum Halten durch. Anschließend stellte ich sie leicht zur Bande, legte den äußeren Schenkel fest an und legte den inneren verwahrend zurück. So ließ ich Adina langsam um ihre Vorhand herum wenden, bis sich die hübsche Stute um 180° gedreht hatte. Dabei achtete ich vor allem darauf, dass Adina keinen einzigen Schritt nach vorn machte. Als die Lektion auch auf der anderen Hand funktionierte, seufzte ich tief und machte mich an unsere letzte Übung für heute.
      Ich beschloss mit dem Schritt-Galopp-Übergang zu beginnen. Dazu ritt ich Adina im Schritt die lange Seite entlang und gab ihr in die zweite Ecke der langen Seite hinein die Hilfen zum Angaloppieren. Adina machte einen Satz und wollte vorwärts stürmen. Wäre ich auf so etwas nicht vorbereitet gewesen, hätte sich mich wahrscheinlich aus dem Sattel katapultiert. Ich hielt mich jedoch oben, saß tief ein und versuchte Adina wieder unter Kontrolle zu bringen. Als ich dies schließlich geschafft hatte, erlaubte ich der Stute jedoch nicht von sich aus langsamer zu werden, sondern ritt sie in einem schönen frischen Arbeitsgalopp vorwärts. Das wiederholten wir ein paar Mal, bis Adina schließlich ordentlich angaloppierte und nicht mehr versuchte, mich loszuwerden. Ich ließ die Stute eine weitere Runde galoppieren und verlangte dann von ihr, sofort in den Schritt zu fallen. Zu meiner großen Überraschung reagierte die schöne Stute sogar! Ich testete das ganze auch auf der anderen Hand und parierte die Stute dann zufrieden in den Schritt durch. Es hatte zwar ein paar Schwierigkeiten gegeben, aber alles in allem hatte die Stute sich wunderbar geschlagen und war nun in der Dressur auf Klasse A trainiert!
    • Sammy
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      Der große Umzug
      Teil I und II [Umzugsgedanken & Planen, planen, planen!]

      Umzugsgedanken…
      Aufgeregt und voller Vorfreude stieg ich aus dem Flugzeug, lief zum Kofferband und lud so schnell ich konnte meine Tasche ab. Anschließend ging ich nach draußen und atmete die kühle Luft des Londoner Flughafens ein. Jetzt im Januar war es noch ziemlich frisch. Ich sucht mir ein Taxi und nannte dem Fahrer mein Ziel: ein kleines Hotel in Winchester. Von dort aus wollte ich endlich meine Suche starten – die Suche nach meinem neuen Gestüt.
      Ich hatte mir schon vor einiger Zeit überlegt umzuziehen und zunächst hatte es mich nach Kentucky in die USA gezogen. Nach reiflicher Überlegung war mir dieser Plan jedoch zu gewagt. Amerika war einfach zu weit weg, diese lange Reise wollte ich meinen Pferden nicht antun. Zudem wären auch die Umzugskosten kaum zu stämmen, da ich ja auch den neuen Hof noch bezahlen musste. Nicht zuletzt wäre ich auch völlig ab vom Schuss gewesen und hätte all meine Freunde zurückgelassen. England jedoch lag nicht ganz so sehr aus der Welt und gab auch ein schönes Plätzchen für einen Kurzurlaub ab. Ich hatte auch schon mit einigen Leuten telefoniert, die Gestüte und Höfe zu verkaufen hatten und erhoffte mir von diesen Besuchen natürlich viel. Ich hatte ein ganz genau festgelegtes Budget, welches für den Kauf, eventuelle Renovierungen und Umbauten reichen musste. Den Rest brauchte ich dann für den Umzug und natürlich die tierärztliche Versorgung meiner Pferde. Ich hatte eine ganze Weile gebraucht, um endlich eine Woche zu finden, in der ich nach England fliegen konnte. Zu Hause war momentan schrecklich viel los. Für Wüstentänzer und Melody’s Girl standen nächste Woche Körungen an, Unannounced Pleasure, San Salvador und Reminiscent Inspiration sollten auf Fohlenschauen gehen und natürlich waren viele meiner Pferde für die laufenden Turniere gemeldet. Gott sei Dank hatten sich einige meiner Freunde bereit erklärt, sich diese eine Woche um meine 73 Pferde zu kümmern. Drei davon würde ich auf alle Fälle verkaufen, bei zweien war ich mir noch nicht sicher. Der Rest jedoch durfte bleiben und würde meine Zucht begründen. Früher mit Rawwrrr hatte ich nur New Forest Ponies gezüchtet. Nun wollte ich neben meinen geliebten New Forests jedoch auch Araber, Englische Vollblüter, Trakehner, Hannoveraner, Holsteiner, Isländer, Deutsche Reitponies, Welsh As, Welsh Bs, Andalusier, Lusitanos, Saddlebreds und Barockpintos züchten, sodass ich insgesamt auf 14 Rassen kam. Desweiteren überlegte ich mir auch Quarter Horses und Paints in die Zucht mit aufzunehmen. Dafür hatte ich schon zwei Stuten: einmal meine American Baby, die schon gekört war und dann noch My Golden Heart, eine junge und sehr viel versprechende Paint Horse Stute. Mit diesen beiden Rassen könnte ich auch die Westernreiter abdecken, was mir sicherlich eine etwas größere Kundschaft einbrachte. Sonst waren meine Pferde nämlich bis auf zwei Ausnahmen englisch geritten und ausgebildet.
      Neben der Zucht hatte ich außerdem vor, auch meinen Ausbildungsbetrieb , die Hollybrook Stud Training Stables weiterzuführen. Dies würde allerdings von da an auf meinem Gestüt stattfinden, da ich dann hoffentlich die richtige Anlage dafür bieten konnte.
      Der Taxifahrer hielt vor einem kleinen, aber netten Hotel. Ich bezahlte, stieg aus und checkte schnell ein. In zwei Stunden hatte ich bereits meinen ersten Termin. Solange wollte ich schon einmal auspacken und mich im Internet nach weiteren Angeboten schlau machen.
      Bisher hatte ich vier hoffnungs erweckende Termine, doch ich rechnete eigentlich damit, mir noch mehr Anwesen ansehen zu können. In England gab es eine Vielzahl wunderschöner, alter Höfe, Villen, Schlösser – viele waren jedoch zu teuer oder standen unter Denkmalschutz. Daher war ich umso gespannter, was mir meine Besichtigungen bringen würden.
      Zwei Stunden später hatte ich bereits vier weitere Besichtigungstermine rund um Winchester vereinbart und außerdem für Freitag einen Ausflug in den New Forest Nationalpark geplant. Vier Tage würden mir mit Sicherheit reichen, um ein passendes Gestüt zu finden.
      Mein erstes Ziel lag zwischen Winchester und Stonehenge. Ich hatte mir für diese Woche ein Auto mit Navi gemietet und fand den Hof so auch recht schnell. Es war ein nettes Anwesen, mit einem modernen Stallgebäude und einem schönen Garten. Für mich jedoch viel zu klein und vor allem auch völlig überteuert. Dies lag wohl an der Nähe zu Stonehenge, da der Ort natürlich viele Touristen anlockte. Ich verabschiedete mich schon sehr schnell wieder von der Frau und besichtigte Stonehenge, um mir die Zeit totzuschlagen.
      Mein nächster – und für heute auch letzter – Termin war nahe bei Southampton. Ich fuhr eine kurze Auffahrt hinauf und wurde prompt von einer molligen jungen Frau begrüßt. Sie führte mich über den Hof und erzählte, dass sie das gute Stück geerbt hatte, aber eher ein Stadtmensch war. Der Hof besaß ein paar wirklich schöne Gebäude und sah auch ordentlich gepflegt aus. Renovierungsarbeiten würden hier wohl kaum anfallen. Ich vereinbarte mit der Frau, dass ich mich bis Ende dieser Woche wieder bei ihr melden würde und versicherte ihr, dass ich auf jeden Fall Interesse hatte. Billig war der Hof zwar nicht, aber für das was geboten wurde auf jeden Fall angemessen…
      Die Tage vergingen und viel zu schnell war es Freitag geworden. Ich hatte mir nun vierzehn Höfe angesehen und bereits morgen früh würde ich wieder nach Deutschland fliegen. Nun hatte ich vier Höfe ausgewählt, die in Betracht kommen würden. Keine Frage, es waren alles sehr schöne Anwesen, nur so wirklich „klick“ gemacht, hatte es bei keinem von ihnen. Es fehlte einfach das Gefühl, das perfekte neue Zuhause gefunden zu haben. Ich packte gerade meine Sachen und richtete mir dann belegte Brötchen und etwas zu trinken für meinen Ausflug in den New Forest Nationalpark.
      Von dort stammten meine beiden Gründerponies Caspar und Precious Scream ab. Somit hatten auch ihre Nachkommen Caradoc, Cheeky Jot, Valentine, Casanova, Classic Moment, Nymphomaniac Fantasia und Fairy Bluebird Vorfahren in England. Als ich fertig war, trat ich aus dem Hotel, setzte mich in mein Auto und fuhr los.
      Als ich einige Zeit später schließlich endlich in Tiptoe, einem kleinen Dorf im New Forest ankam, blickte ich mich überwältigt um. Diese Landschaft hier war einfach wunderschön. Ich kaufte mir noch eine Karte der näheren Umgebung und zog dann los, immer faszinierter von der Natur um mich herum. Wohin man auch blickte, waren Wiesen, rießige Bäume, idyllische Waldwege, Brücken und Lichtungen zu sehen. Ab und an stieß man auf ein winziges Dorf, dass aussah als wäre es dem Mittelalter entflohen. Als ich gerade die Dorfstraße entlanglief, kamen mir plötzlich zwei Ponies entgegen. Da die Menschen sie überhaupt nicht beachteten, fragte ich einen Mann danach. Dieser antwortete grinsend: „Ach sie sind Touristin, ja? In diesen Teil des Waldes verirren sich eher weniger Leute..Die Ponies gehören einer Familie aus dem Dorf. Das weiß jeder und deshalb dürfen sie frei herumlaufen. Sie entfernen sich auch nie weiter als ein paar hundert Meter und kommen, sobald man sie ruft.“ Ich bedankte mich und sah staunend den beiden Ponies hinterher. Kurz darauf befand ich mich wieder im Wald und genoss die Ruhe, als ich plötzlich ein weiteres Pony auf mich zugaloppieren sah. Erst dachte ich, das wäre ebenfalls in Ordnung so, doch dann hörte ich eine Kinderstimme rufen. Ich holte schnell ein Stück Zucker aus meiner Tasche und hielt es dem Pony hin. Dieses hob den Kopf, fiel in den Schritt und nahm mir vorsichtig den Leckerbissen ab. Ich griff schnell nach der Mähne des Ponies und wartete auf den kleinen Jungen, der mir mit hochrotem Kopf entgegengerannt kam.
      „Danke, dass sie Funny eingefangen haben! Das ist schon das dritte Mal in dieser Woche, dass sie ausgebüxt ist. Mein Opa wäre sehr wütend geworden, wenn ich sie diesmal nicht gefunden hätte.“
      „Ach kein Problem, das hab ich doch gern gemacht. Wohnt ihr hier in der Nähe?“, fragte ich den Jungen.
      Der antwortete: „Ja noch. Aber wahrscheinlich nicht mehr lange. Mein Opa hat nicht genug Geld um so ein rießiges Grundstück in Schuss zu halten, sagt er. Ich mache jetzt bei ihm Ferien und meine Mama hilft ihm all seine Sachen zu packen. Aber niemand will den Hof kaufen. Und weil Opa jetzt immer so schlechte Laune hat, spricht er die ganze Zeit davon, Funny zu verkaufen! Dabei hab ich sie doch so lieb!“
      Ich sah den Jungen ein wenig entgeistert an. So einen Gefühlsausbruch hätte ich ihm gar nicht zugetraut. Dann fragte ich: „Dein Opa hat einen Hof zu verkaufen sagst du? Mein du du könntest mich mal zu ihm bringen? Ich bin nämlich gerade auf der Suche nach einem schönen Grundstück für mein neues Gestüt.“
      „Wirklich? Oh das wäre ja schön! Obwohl. Sie sehen so nett aus, da gefällt ihnen der Hof bestimmt nicht. Bisher sind alle netten Leute schnell wieder gegangen und die blöden, hochnäsigen wollten alles abreißen und irgendwelche blöden Hotels darauf bauen.“
      Ich lief neben dem Jungen her und unterhielt mich solange mit ihm über sein Pony. Die kleine Stute war ein New Forest Pony-Mix und ziemlich dick. Er erzählte mir, dass er versuchte, sie auf Diät zu setzen, doch Funny lief einfach immer wieder davon und schlug sich irgendwo anders den Bauch voll.
      So verging die Zeit recht schnell und ein rießiges, schmiedeisernes Tor kam in Sicht. Ich schluckte. Das sah irgendwie ziemlich beklemmend aus. Wir traten durch das Tor und gingen auf ein recht großes, jedoch ziemlich verfallenes Herrenhaus zu. Obwohl der Hof auf den ersten Blick recht verwahrlost wirkte, verliebte ich mich sofort in diesen Ort. Ich wusste nicht wieso, doch ich fühlte mich hier auf Anhieb richtig wohl. Eine wütende Stimme riss mich aus meinen Träumereien: „Wo zum Geier kommst du her? Wir warten mit dem Tee auf dich! Sag bloß das verflixte Tier ist dir schon wieder abgehauen? Deine Mutter hat sich Sorgen gemacht! Und wer ist überhaupt diese Frau?“
      Dann sagte der ältere Mann freundlich zu mir: „Hat er sie etwa belästigt Madam?“
      „Oh nein nein im Gegenteil. Er sagte mir, dass sie einen Hof zu verkaufen haben und zufälligerweise bin ich zur Zeit auf der Suche nach einem. Ich habe mir auch bereits 14 Höfe angesehen, aber wirklich das Passende war nicht dabei.“, erwiderte ich schnell.
      „Timm? Los gib mir das Pony und geh dann zu deiner Mutter. Ich werde die Dame über den Hof führen.“ Mit diesen Worten nahm der Mann dem Jungen Funny’s Strick aus der Hand und ging mit dem Pony los.
      „Also ich weiß nicht was sie führ Ansprüche haben, aber wie sie sehen ist der Hof nicht mehr das, was er einmal war. Früher war dies ein Herrenhaus mit wunderbaren Ställen und einem rießigen Park. Nun..naja das sehen sie ja selbst. Also. Was haben sie denn mit dem Hof vor?“, fragte er.
      „Ich habe 74 Pferde, mit denen ich mir eine erfolgreiche Zucht aufbauen möchte. Außerdem leite ich einen Trainings- und Ausbildungsbetrieb den ich hier gerne weiterführen möchte. Daher suche ich ein Anwesen das ausreichend Platz für ein großes Haus, Top moderne Ställe für ca 100 Pferde, Trainingsanlagen und Weiden bietet. Schöne Ausreitmöglichkeiten wären ebenfalls von Vorteil.“, antwortete ich, wie aus der Pistole geschossen.
      „Aha“, meinte der Alte „Naja wenn ich ehrlich bin, sind die ganzen Gebäude die hier stehen nicht mehr zu gebrauchen. Sie sind alt, morsch, viel zu klein und dunkel. Die Zäune , die den Hof umgeben sind ebenfalls größtenteils kaputt. Das einzige, was mit ein wenig Aufwand wieder in Stand gesetzt werden könnte, wäre das Haupthaus. So viel zu den Nachteilen des Hofs.“, er sah mich erwartungsvoll an, als würde er damit rechnen, dass ich sofort reiß aus nehmen würde. Als ich jedoch nichts sagte, fuhr er fort: „Die Vorzüge des Anwesens liegen sicherlich zum einen in seiner Größe. Ich werde gleich den Wagen holen, wenn wir Funny weggebracht haben, denn zu Fuß schaffe ich das nicht mehr. Es grenzt westlich direkt an den Wald und im Osten an die Heiden. Im Norden liegt in ca fünf Minuten Entfernung das Dorf Sway. Ein sehr hübscher Ort übrigens. Dorthin werde ich ziehen, wenn ich den Hof verkauft habe. Meine Tochter und ihr Mann haben mir netterweise ein Zimmer in ihrem Haus angeboten. Wo war ich jetzt noch gleich stehen geblieben? Ach ja. Im Süden liegen vor allem Felder und Wiesen und außerdem die Bundesstraße. Von dort aus gelangen sie nach etwa fünf Milen nach Milford on Sea, welches direkt am Ärmelkanal liegt. Platz und Ausreitmöglichkeiten hätten sie hier auf jeden Fall mehr als genug.“, schloss er seinen Bericht. Ich hatte aufmerksam zugehört und schwärmte immer mehr für den idyllisch gelegenen Hof. Da auch die Anbindung zur Schnellstraße gut war und Sway einen Bahnhof besaß, wäre mein Gestüt auch sehr leicht erreichbar, was mir sehr wichtig war.
      „Also ich muss sagen, das hört sich alles nicht schlecht an. Könnten wir vielleicht einmal über das ganze Anwesen fahren?“, bat ich den Mann. Dieser nickte und stellte Funny auf eine kleine, mit Stromzaun umsteckte Weide. Dann knipste er kopfschüttelnd den Strom an. „Der Junge ist wirklich unmöglich. Wundert mich nicht, dass das kleine Biest immer abhaut, wenn nie Strom auf dem Zaun ist. Ich lächelte in mich hinein und wir gingen zu einem alten Auto. Ich war recht froh, mal aus der Kälte rauszukommen und wäre gleichzeitig am liebsten draußen geblieben, um mir alles ganz genau anzusehen. Der alte Mann fuhr zunächst um das Herrenhaus herum und dann in weiten Bögen über das Anwesen. Es waren kaum Gebäude zu sehen, eigentlich nur kaputte Zaune und Wiesen. Außerdem lief ein schmaler Bach durch das Anwesen. Es war weitgehend flach, nur hier und da erhob sich ein Hügelchen aus dem Boden. Um den gesamten Hof lief eine halb zerfallene Steinmauer und dahinter konnte man bereits Einblicke in die darumliegenden Wälder und Felder bekommen. Auch wenn dieser Hof unglaublich arbeitsintensiv war, ich hatte mich hoffnungslos verliebt. Der Platz war ausreichend, um einen rießigen Stall, viele großzügige Koppeln, Reitplätze, eine Halle, eine Rennbahn und noch mehr aufzubauen. Die Möglichkeiten hier waren schier unbegrenzt.
      Als wir schließlich wieder vor dem Haupthaus standen, kamen bereits Timm und seine Mutter hinaus und sahen mich gespannt an. Auch der alte Mann schien zu warten, dass ich etwas sagte.
      „Wie viel hätten sie denn gerne für das Anwesen?“, fragte ich dann.
      „Sie..Sie wollen es nehmen? Ich meine, sie kaufen es und bauen dann hier ihr Gestüt?“, stammelte der alte Mann und ich hatte schon ein bisschen Angst, dass er gleich umfallen würde.
      „Naja , ich hätte auf jeden Fall großes Interesse. Aber das kommt natürlich auf den Preis an. Hier ist so viel Instand zu setzen und ich habe leider auch nicht alles Geld der Welt zur Verfügung.“
      „Das verlangt ja auch kein Mensch! Meine Notlösung, dieser reiche Schnösel, der hier ein Hotel bauen wollte, hat mir 200ts Joellen geboten. Er meinte, wenn ich diese Woche noch einwillige und sofort hier verschwinde, verdoppelt er sein Gebot sogar noch.“
      Ich sah meinen Traumhof in Gedanken bereits zerplatzen. So viel war einfach nicht drin, wenn ich die ganzen Renovierungsarbeiten und Materialkosten einrechnete. Dies wollte ich dem Mann gerade mitteilen, als er fort fuhr: „Mir geht es aber nicht darum, dieses Anwesen möglichst teuer zu verkaufen. Ich möchte jemanden, der es zu schätzen weiß und gut damit umgeht. Der Schnösel hätte alles platt gemacht und überall hässliche Betonkästen hingestellt. Das möchte ich aber nicht. Mir gefällt die Idee hier bald ein Gestüt zu haben, viel viel besser. Daher würde ich ihnen anbieten, dass sie mir 20ts Joellen für das Grundstück zahlen und dann hier das schönste Gestüt in der Gegend aufbauen!“
      „Ja! Und wenn sie hier sind, um die Bauarbeiten zu überwachen, können Sie gerne bei meiner Familie unterkommen. Wir haben ein großes Haus mit Gästezimmer, nur fünf Minuten von hier entfernt!“, setzte seine Tochter hinzu. Timm strahlte mit den beiden Älteren um die Wette.
      Ich schaute die drei völlig fassungslos an. 20ts war für so ein rießiges Anwesen eigentlich nichts. Schon fast geschenkt. Ich nickte glücklich und ging mit den dreien ins Haus, um sofort den Kaufvertrag zu unterschreiben. Der alte Mann ließ auch sofort einen Notar kommen, der uns das Ganze beglaubigte und dann gehörte das Grundstück tatsächlich mir. Ich konnte es kaum glauben.
      „Miss? Wenn sie doch hier einen Trainingshof aufmachen, darf ich dann ab und zu mit Funny kommen? Sie ist manchmal soo störrisch. Ein bisschen Training würde ihr sicherlich nicht schaden!“, fragte Timm mich leise. Ich wollte gerade antworten, da viel sein Großvater mir ins Wort:
      „Also Timm was erlaubst du dir? Bitte Madam, hören sie einfach nicht auf ihn. Ach so eine Sache noch, würde es sie stören, wenn ich erst morgen ausziehe? Ich hatte nicht damit gerechnet, dass ich nun so schnell einen passenden Käufer finden würde.“
      „Aber natürlich! Ich fliege morgen früh zurück nach Deutschland. Dort werde ich dann erst einmal alles regeln und komme in frühestens zwei Wochen zurück. Also lassen sie sich ruhig Zeit. Und Timm – wenn ich Zeit habe, darfst du gern mit Funny herüber kommen. Weißt du, ich habe auch New Forests. Zwei davon stammen sogar von hier.“
      Ich verabschiedete mich fröhlich von den drei Leuten, nahm einen Bus zu meinem Auto und fuhr dann nach Winchester zurück, wo ich das Auto wegbrachte, meine Sachen packte und schnell den anderen vier Hofbesitzern absagte.
      Am nächsten Morgen um sieben saß ich bereits im Flugzeug nach Deutschland und konnte es kaum erwarten, meinen Freunden von dem Hof zu erzählen und alles haarklein zu planen…

      Planen, planen und nochmals planen!
      Kaum war ich wieder Zuhause angekommen, rief ich sofort Edfriend an, um ihr die tollen Neuigkeiten mitzuteilen. Sie sagte mir außerdem zu, mir zu helfen wo sie nur konnte. Ich erzählte ihr alles was ich bisher über den Hof wusste. Der alte Mann, Mister Bane, hatte mir inzwischen die früheren Baupläne, sowie Lagepläne und genaue Auflistungen über den Hof zukommen lassen, so dass meiner Organisation eigentlich nichts mehr im Wege stand. Nachdem Eddi und ich uns für nächste Woche verabredet hatten, lief ich hinaus auf den Hof, um Immanuel zu finden. Ihm gehörte der Stall, indem ich 27 meiner Pferde untergebracht hatte. Nämlich meine 17 New Forest Ponies und meine Hannoveraner, Holsteiner und Trakehner. Er erließ mir einen Teil der Stallmiete, dafür dass ich seinen Schülern Unterricht gab oder auch Vorführungen mit meinen Pferden ritt.
      Bei Klaus, der einen Stall ca 6 Kilometer von hier entfernt besaß, hatte ich meine englischen und arabischen Vollblüter, also 21 Pferde untergestellt. Ihm half ich beim Trainieren und Korrigieren seiner Privatpferde und stellte sie ab und an auch auf Turnieren vor.
      Die restlichen 26 Pferde standen 20 Kilometer entfernt, auf einem recht großen Zuchtgestüt. Auch hier half ich wo ich nur konnte, um meine Stallmiete so gering wie möglich zu halten. Auch wenn ich Immanuel und Klaus mittlerweile sehr lieb gewonnen hatte, war ich doch unglaublich froh, bald endlich wieder mein eigenes Gestüt zu leiten. Es war einfach nicht dasselbe, ‚nur‘ ein Einsteller zu sein und außerdem waren die Stallmieten trotz meiner tatkräftigen Mithilfe immer noch horrend.
      Ich teilte also allen dreien mit, dass ich mir einen eigenen Hof gekauft hatte und diesen in nächster Zeit in Stand setzen würde. Immanuel und Klaus sicherten mir zu, beim Transport der Pferde zu helfen und meinten außerdem, sie würden mir die Kündigungsfrist erlassen, damit ich mir um das genaue Umzugsdatum keine Sorgen machen musste. Sollte ein Monat angebrochen werden, würden sie die Kosten einfach anteilig berechnen. Nicht so hingegen Herr Kramer, dem das Zuchtgestüt gehörte. Er verlangte sofortige Auskunft darüber, wann ich umziehen wollte, bestand auf einer fristgerechten Kündigung und meinte außerdem hämisch grinsend, dass ich natürlich die gesamte Monatsmiete zu zahlen hätte, wenn ich erst einen Tag später als geplant den Stall verließ. Ich seufzte resigniert. Der Kerl hatte über 250 Boxen auf seinem Gestüt und über die Hälfte davon stand leer. Aber natürlich konnte er ja nicht wissen, wann genau er die Boxen meiner 26 Pferde brauchen würde!
      Nun gut, das musste ich eben in meiner Planung berücksichtigen. Dann mussten die Pferde, die bei ihm standen, eben zuerst umziehen. Ich fertigte Tabellen an, in die ich all meine Pferde eintrug. Dann überlegte ich: Wir waren vier Leute, die mitfahren würden. Immanuel und Klaus besaßen je einen dieser rießigen Pferdetransporter, in denen man bis zu 10 Pferden transportieren konnte. Eddi und ich hatten beide einen Vierer-Hänger. Somit könnten wir pro Fahrt 28 Pferde nach England bringen. Das wiederum bedeutete dreimal England und wieder zurück. Das war natürlich eine große Belastung, vor allem da Immanuel, Eddi und Klaus ja ihre eigenen Gestüte zu führen hatten. Ich beschloss, einmal bei Herrn Kramer nachzufragen, ob ich seinen großen Pferde-LKW mieten konnte und vielleicht einen seiner Stallburschen als Fahrer. Da wir sowieso zeitversetzt fahren würden und die Fähren nach England jede Stunde ablegten, sollte das kein Problem werden. Die erste Fahrt würde auf jeden Fall ich machen und Eddi sollte das Schlusslicht bilden. So war ich bei der Ankunft der Pferde bereits da und Eddi konnte das Verladen gut im Auge behalten. Außer mir kannte sie meine Pferde immerhin am besten. Ich griff sofort zum Hörer und rief im Büro von Herr Kramer an.
      „Na haben Sie jetzt endlich einen Kündigungstermin für mich?“, bellte er ins Telefon.
      Ich verkniff mir einen bissigen Kommentar und fragte so höflich wie möglich: „Nein, leider noch nicht. Ich muss erst mit den Bauunternehmen reden. Aber ich wollte Sie fragen, ob ich mir ihren großen Pferde-LKW für zwei Fahrten ausleihen könnte? Und vielleicht einen Pfleger der ihn fährt? Selbstverständlich bezahle ich Ihnen auch etwas.“
      Herr Kramer lachte: „Na von mir aus können Sie das tun. Ich möchte für jede Fahrt 1000 Joellen. Zusätzlich zu der Tagespauschale von 500 Joellen. Ach und natürlich müssen sie mir meine Stallkraft ersetzen. Macht noch einmal 1000 Joellen pro Tag.“
      Ich schluckte, konnte meine Wut jedoch nicht völlig unterdrücken: „Sie verlangen von mir 8000 Joellen, dafür dass ich ihren Hänger für eineinhalb Tage miete?“
      „Ja. Wenn sie das nicht möchten, suchen sie sich jemand anderen, auf Wiederhören.“, damit verabschiedete sich der widerliche Kerl und legte einfach auf. Nun gut, ich würde erst einmal mit Immanuel, Klaus und Eddi reden, bevor ich mir überlegte einen Transportverleih zu kontaktieren. Wobei der garantiert immer noch günstiger war, als das Angebot von Herrn Kramer.
      Eine halbe Stunde später saß ich wieder vor meiner Tabelle. Alle drei hatten zugesagt, zu jeder Fahrt mitzukommen, sie würden aber am Tag darauf auch wieder nach Deutschland fahren. Ich war wirklich gerührt von ihrer Hilfsbereitschaft.
      Wenn wir bei den ersten beiden Fahrten alle Transporter voll machten, waren bereits 56 Pferde in England. So könnte ich dann schon dort bleiben, um alles zu regeln und die Pferde zu versorgen. Die restlichen 17 Pferde konnte man dann anders verteilen. Klaus konnte zu Hause bleiben und noch mit nach Immanuels Pferden sehen. Immanuel dagegen würde noch einen Vierer-Hänger an seinen LKW koppeln und Eddi wiederum mit ihrem Vierer-Hänger das Schlusslicht bilden. Immanuel sagte, er würde nicht so gerne mit zwei Anhängern fahren, doch für das eine Mal konnte er eine Ausnahme machen. Nun galt es nur noch zu überlegen, welche Pferde in welchem Transport mitfahren sollten.
      Ich beschloss meine Sensibelchen auf der zweiten Fahrt mitzunehmen. So hatten sie mich die ganze Zeit um sich und sahen bei ihrer Ankunft auch schon ein paar vertraute Gesichter wieder.
      Dazu zählten: Hollybrook’s Cheeky Jot, Hollybrook’s Bloody Valentine, Naboo, Isola delle Pirateria, Walk of Fame, Precious Scream, Wüstentänzer, Sahira, Adina De Ra’idah, Samiyah, Mahira, Cuchara und Black Soul. Also war noch Platz für 15 Pferde. Ich beschloss die Hengste in einen der großen Hänger zu stecken, damit ich zu den nervösen Kerlen auch noch ein paar ruhige stellen konnte. Also brauchte ich noch sechs Hengste. Ich entschied mich für Orfino, Khamar al Sanaa, Branagorn, Warrior, Ghostbuster und Juego. Damit war einer der LKW’s belegt.
      Die acht Stuten wollte ich dagegen aufteilen. Zwei sollten je in einen der Vierer-Hänger und die restlichen Vier kamen in den zweiten LKW. Ich würde Isola delle Pirateria, Adina De Ra’idah, Magical Moment und Thousand Sunny in meinen Hänger nehmen. Eddi bekam Sahira, Precious Scream, Melody’s Girl und Rose de Soleil. In den zweiten LKW kamen demnach Naboo, Walk of Fame, Samiyah, Mahira, Golden Flair, Fairylike Facility, Aimiliani, Cuchara, Angels Fall First und Wild Lady Roxanne. Zufrieden mit meiner Einteilung harkte ich die Pferde in meiner Tabelle ab und widmete mich den anderen beiden Fahrten. Meine Fohlen kamen auf jeden Fall in die letzte Fuhre. Und in der ersten sollten möglichst viele Pferde vom Gestüt von Herr Kramer mitfahren.
      Wieder begann ich aufzuteilen: Bei Kramer im Gestüt standen 26 Pferde. Cuchara und Juego würden allerdings erst in der zweiten Woche nachkommen, die konnte ich dann solange bei Immanuel unterbringen. Blieben 22 Pferde für die erste Fahrt, um bei Kramer die Boxen frei zu räumen. Die Fohlen Mississle und San Salvador würde ich bereits vorher abholen und zu Immanuel stellen.
      Es waren genau 10 Hengste, die ich alle zusammen in einen der großen LKWs stecken wollte. Somit wären Candle in the Wind, Laruna, Ojos Azules, Someone, Slaters Secret, Pierre, Fair Prince, Intolerable Life, Daemon und Hollywood Undead versorgt. Die 14 Stuten würde ich auf den zweiten LKW und auf einen der Hänger verteilen, sodas noch ein Hänger blieb, in den ich Hengste laden konnte. In den Vierer-Hänger sollten Fatimah, Dark Misery, Paradises Rafinesse und Mizzi. Den LKW würden dann My Golden Heart, American Baby, Benjilala, Salwa, Dorina, Cinnemont’s History, Little Big Girl und Kolibri belegen. Außerdem sollten ihnen Haadeh und Little Miss Sunshine Gesellschaft leisten. In den Vierer-Hänger würde ich Levistino, Fantastic Fly, Caradoc und Caspar stellen. Somit waren die Pferde für die zweite Fahrt ebenfalls aufgeteilt.
      Fehlten nur noch die 18 Pferde für die letzte Fahrt. 9 von ihnen waren Fohlen – 6 Stutfohlen und 3 Hengstfohlen. Meine insgesamt fünf Hengste sollten zusammen mit den Stutfohlen in den großen Hänger. Somit wurde der LKW von Tschiwabschischi, El Racino, San Salvador, Hollybrook’s Casanova, Hollybrook’s Classic Moment und den Stutfohlen Reminiscent Inspiration, Unannounced Pleasure, Backup, Mississle und Ravenback belegt. In Eddi’s Hänger würden Everybody’s Darling, Hollybrook’s I Love You My Dear, Sharley und Bittersweet mitfahren. Der Hänger, der an den LKW gekoppelt wurde, würde somit von Fallen Immortaliny, Ace of Spades, Black Pearl und Pirate Island belegt werden.
      Aufatmend machte ich mir eine Tasse Tee und überdachte meine Aufteilung dann noch eine Weile. Im Großen und Ganzen war ich aber ziemlich zufrieden. Nun musste ich noch mit Immanuel abklären, dass Cookie, Juego, Mississle und San Salvador für eine Weile in seinem Stall unterkommen sollten, damit ich die Boxen bei Herr Kramer alle zusammen kündigen konnte. Immanuel erklärte sich sofort einverstanden und so konnte ich diesen Punkt auf meiner Liste auch abhaken. Nun ging es an den aufwändigeren Teil: Ich musste mir überlegen, wie mein Gestüt aussehen sollte, das Ganze mit Architekten abklären und natürlich Baufirmen beauftragen, damit die Renovierung schon bald beginnen konnte.
    • Sammy
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      Trainingsbericht - Dressur A-L
      "So meine Schöne, heute wird das letzte Stufentraining vor unserer großen Reise. Danach hast du dann erst einmal ein wenig Pause, um dich einzugewöhnen.", sagte ich liebevoll zu meiner Red Roan Stute Adina de Ra`idah. Heute wollte ich die feurige Stute in der Dressur auf Klasse L trainieren, bevor es dann im September endlich nach England gehen würde.
      Ich band Adina los und führte die aufgedrehte Araberdame in die Reithalle. Dort stellte ich sie auf der Mittellinie auf, gurtete nach und schwang mich dann in den Sattel. Adina begann sofort wieder damit, auf der Stelle zu tänzeln. Dieses Verhalten musste ich ihr unbedingt noch abgewöhnen, doch das war etwas, woran wir kontinuierlich arbeiten mussten. Ich drückte Adina leicht meine Schenkel in die Seiten und ließ die Stute im Schritt antreten, bevor ich sie wie immer ordentlich aufwärmte. Diesmal galoppierte ich die Stute sogar gleich am Anfang, da ich hoffte, dass sie sich diesmal besser benehmen würde, als bei unserem letzten Training.
      Außerdem stand heute auch relativ viel Galopparbeit auf dem Programm. Neben der Kurzkehrt und der Hinterhandwendung mussten wir nämlich den einfachen Wechsel und den Außengalopp erarbeiten. Kaum das ich Adina die Hilfen zum Angaloppieren gegeben hatte, warf die Stute den Kopf hoch und buckelte zweimal ausgelassen. Ich bekam sie jedoch relativ schnell wieder in den Griff und durfte mich dann an ihrem runden, schön ausbalancierten Galopp erfreuen. Sobald Adina`s Dressurtraining abgeschlossen war, würde ich mit der Stute auf die Rennbahn gehen, doch dieses Kapitel war erst in England an der Reihe.
      Da Adina gerade so schön galoppierte, beschloss ich mit dem einfachen Galoppwechsel zu beginnen. Dazu wendete ich die Roanstute auf den Zirkel ab, parierte sie kurz vor X zum Schritt durch und gab ihr kurz nach X das Kommando zum erneuten angaloppieren. Adina spielte bis zur Hälfte gut mit - immerhin hatte sie das im Training für Klasse A bereits gelernt, doch dann senkte sie den Kopf und buckelte erneut. Ich seufzte und nahm die Zügel kürzer, um ihr ein paar halbe Paraden zu geben. Im Vergleich zu früher war Adina zwar schon viel leichter händelbar geworden, doch sie war trotzdem noch ein sehr schwieriges Pferd. Trotzdem wollte ich die Hoffnung nicht aufgeben, sie einmal in meine Zucht nehmen zu können.
      Nachdem ich die Stute in einem ruhigen Galopp hatte, probte ich das ganze noch einmal von vorne. Diesmal riss Adina sich zusammen und der einfache Wechsel klappte ohne Probleme, sodass wir uns nun der nächsten Übung - dem Außengalopp - widmen konnten.
      Ich ritt die Stute im Handgalopp um die ganze Bahn und ritt schließlich einfache Schlangenlinien, sodass Adina in den Wendungen bereits im Kontergalopp ging. Nach und nach dehnte ich den Boden der Schlangenlinie immer mehr aus, um Adina auch an etwas längere Strecken im Außengalopp zu gewöhnen.
      Anschließend wechselte ich mit der Stute durch die ganze Bahn und saß vor Erreichen des Hufschlags betont ruhig, damit sie nicht einfach so umsprang. Auf diese Weise umrundete ich auf jeder Hand zweimal die Bahn im Außengalopp. Adina arbeitete jetzt wirklich gut mit und hatte anscheinend keine Zeit mehr für ihre albernen Mätzchen. Als nächstes war es nun an der Zeit, Adina direkt im Außengalopp anspringen zu lassen. Da sie ein sehr sensibles Pferd war, sollte das eigentlich kein allzu großes Problem darstellen. Ich stellte Adina leicht nach außen, gab ihr die Galopphilfen und lobte sie sofort, als sie gleich im Außengalopp ansprang und diesen dann auch beibehielt. Nach einigen Wiederholungen war ich so zufrieden mit der jungen Stute, dass ich das Thema für heute auf sich beruhen ließ und mich an die letzten beiden Lektionen machte.
      Selbstverständlich begann ich mit der Kurzkehrt, da die Hinterhandwendung auf dieser aufbaute. Ich lenkte Adina auf den dritten Hufschlag und ritt dann eine Volte, da meine Stute für die kommende Aufgabe somit bereits perfekt gestellt war. Nun trieb ich Adina nur noch etwas mehr in die Biegung hinein, fing ihre Bewegung mit dem äußeren Bein ab und ließ Adina immer ein paar Tritte auf einmal wenden. Immerhin wollte ich nicht, dass die Stute sich einfach nur herumwarf. Mit jedem Mal konnte ich Adina de Ra`idah weiter wenden, bis wir schließlich die geforderten 180° der Wendung schafften. Dann machte ich nahtlos mit der Hinterhandwendung weiter. Diese unterschied sich von der Kurzkehrt eigentlich nur darin, dass sie aus dem Halten geritten wurde. Also ritt ich meine Stute erneut auf den dritten Hufschlag, parierte sie zum Halten durch und gab ihr dann die gleichen Hilfen wie auch für die Kurzkehrt, nur dass ich sie am Ende der Lektion zurück hielt. Nachdem auch diese Lektion wunderbar klappte, ritt ich Adina im Schritt trocken und versorgte meine Stute dann zufrieden. Sie hatte die Klasse L der Dressur mit Bravour gemeistert!
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  • Album:
    Verkaufsstall
    Hochgeladen von:
    Sammy
    Datum:
    21 Juni 2013
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  • Adina De Ra'idah
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    [arab.: Die edle Kämpferin der Führerin]
    Spitzname: Adina


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    ~ Abstammung ~
    Von:
    Arsil
    V: Azón
    M: Nayl

    Aus der: Cardiac
    V: Muh!
    M: Saddy


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    Rasse: Arabisches Vollblut
    Geschlecht: Stute
    Geburtsdatum: 13.07.2012
    Stockmaß: 1,55 m
    Fellfarbe: Red Roan
    Kopfabzeichen: Schnurblesse
    Beinabzeichen: v.l.: weißer Stiefel, v.r.: halbweißer Fuß, h.l.: weißer Stiefel, h.r.: halbweißer Fuß

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    ~ Beschreibung & Charakter ~
    Adina De Ra'idah stammt aus einer hervorragenden Zucht. Leider wurde sie als Fohlen misshandelt, was die junge Stute zur bösartigen Menschenhasserin machte. Getreu ihrem Namen kämpfte sie ihr Leben lang für sich, um ihr Leben. Es ist fraglich, ob Adina dieses Trauma je überwinden wird, wenn überhaupt nur mit sehr viel Liebe und Geduld.
    Dennoch zeigt die Stute, solange sie sich unbeobachtet fühlt, wunderschöne, schwebende Gangarten. Auch durch ihre Farbe und ihr einwandfreies Exterieur besticht Adina sofort. Irgendwann wird sie sicherlich einmal ein tolles Zucht- und Turnierpferd abgeben.
    ***
    Mittlerweile hat Adina wieder etwas Vertrauen in Menschen genommen, sie ist jedoch immer noch sehr temperamentvoll und manchmal ein wenig unberechenbar.

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    Besitzer: Sammy
    Vorbesitzer: Angy
    Ersteller: AliciaFarina
    Vkr:
    AliciaFarina

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    ~ Qualifikationen ~
    Dressur:
    S
    Springen: A
    Galopprennen: L
    Distanz: M
    --------------------------------------------------
    ~ Schleifen ~

    Gewinnerin der SK[429] Alle Rassen
    [​IMG]

    2. Platz beim 284. Dressurturnier

    2. Platz beim 190. Distanzturnier

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    ~ Sonstiges ~
    Zuchtfähig: Ja
    Nachkommen: ///
    Geschwister: ///