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Samarti

Accomplishment, DRP

*2014, im Besitz seit dem 13.07.2016

Accomplishment, DRP
Samarti, 6 Juli 2018
Mohikanerin, adoptedfox, sadasha und 2 anderen gefällt das.
    • Samarti
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      Vergangenheit
      05/2016 - 06/2016 | 4 Berichte
      Fohlen- und Stutenuntersuchung
      06/2016, von Jackie | 4605 Zeichen
      Nach einiger Zeit Unterhaltung musste Hunter schließlich weg. "Hör mal Amy, ich bin nicht alleine hier", sie lachte - "Ich weiß, deine Eltern kenne ich schon". Hunter wurde etwas rot "Nein, ich mein ich habe meine Stute und ihr Fohlen direkt mitgenommen. Wenn ich schließlich schon auf den Weg war, kann ich sie auch gleich von Ty untersuchen lassen", das Mädchen lächelte und fragte neugierig ob sie die Beiden mal sehen könnte. Als sie das Fohlen sah schmolz sie dahin. "Neiin ist es süß! Es kommt ja ganz nach dem Vater!" überrascht fragte Hunter ob Amy Zuckerwatte kennen würde. "Nicht direkt, ich habe aber schon mal ein Foto von ihm gesehen" - "Ein toller Hengst nicht wahr ? Nun gut ich bin dann mal weg und nachher wieder da. Bis später.", er verabschiedete sich und stieg in den Wagen um nach Millarville zu fahren.

      Als er schließlich vor der Klinik angekommen war, suchte er gezielt nach Ty. Ty und Cassandra saßen wieder einmal im Büro und waren für ihr Studium am lernen. Als Ty seinen Freund Hunter erblickte sagte er erstaunt: "Was machst du denn hier ? Warst du nicht schon vor kurzem hier ?", glücklich reichten sich die Beiden die Hände und gaben sich eine knappe Umarmung. "Ich habe heute Lisannes und Neeles neue Pferde gebracht. Dabei habe ich direkt Arcany und Accomplishment mitgenommen. Ich würde mich freuen wenn du die Beiden durchchecken würdest." Der Tierarzt lächelte und ging zurück in die Klinik um seine Tasche zu holen. Hunter führte die Pferde schon mal aus dem Hänger und wartete darauf sie Ty vorzuführen. "So wir können anfangen", sagte Ty motiviert während er zu sah wie Hunter die Stute und ihr Fohlen vorführte. "Sehen beide Top aus ! Ich taste jetzt deine Stute ab.", Ty fühlte mit den Händen über den Rücken, am Bauch und auch unter dem Bauch, aber auch den Hals und ihr Hinterteil wurden abgetastet. "Nichts ungewöhnliches zu spüren. Die Stute ist nur etwas mager, liegt vielleicht an der Geburt. Fütter ihr am besten ein klein wenig mehr die nächste Zeit.", Ty gab der Stute einen kleinen Klaps und tastete sich schließlich zu ihren Hufen runter. Diese hob er hoch um eine Beugeprobe durchzuführen. Beim linken Vorderhuf sah er schließlich eine kleine Verletzung, worauf er gleich Hunter ansprach. "Schau mal hinten rechts hat sie eine Wunde, noch lahmt sie nicht was mich um ehrlich zu sein sehr wundert. "Ich schau mir jetzt den Kopf an", sagte Ty und steckte zwei Finger seitlich ins Maul der Stute. Diese Prozedur ließ sie brav über sich ergehen. Auch als Ty ihr in die Augen blendete und die Nüstern näher betrachtete. "Alles gut, ich prüf jetzt die Atmung und die Temperatur" Ty nahm sein Stethoskop und prüfte die Atmung des Tieres. "Nichts auffälliges", sagte er zufrieden und griff schließlich sein Thermometer aus der Tasche. Er hob den Schweif an und wartete. "38,4°C Normaltemperatur. Bis auf die Wunde am Vorderhuf geht es deiner Stute gut. Ich würde die Wunde behandeln lassen, vielleicht muss sie auch genäht werden, auf den ersten Blick kann ich dazu nicht so viel sagen. Ich vermute es ist ein Ballentritt, der kommt häufig vor und lässt sich schnell behandeln, aber Pferde haben große Schmerzen am Ballen." er gab einen seufzer von sich und überflog mit seinen Augen noch mal den rechten Vorderhuf. "Ich schau mir jetzt aber das Fohlen an. Hunter führte es tief in Gedanken versunken vor. "Gang Tip Top und das Fohlen hat genau den richtigen Futterstand. Fell und Körper sieht jedenfalls perfekt aus." Ty ging schließlich auf das kleine Scheckfohlen zu um es abzutasten. "Ich spüre nichts Auffälliges", sagte er zufrieden und prüfte die Hufe. "Hufe sind auch in Ordnung. Dann wollen wir uns doch mal deinen Kopf vornehmen", sagte Ty amüsiert und öffnete das Maul des Fohlens binnen weniger Sekunden. Accomplishment mochte diese Kontrolle überhaupt nicht, aber Ty war schließlich erfahrener als das kleine Fohlen. Die kleine Reflexprobe was die Augen angeht hatte Accomplishment ebenfalls ertragen. Ty sagte schließlich: "Es sieht alles sehr gut aus. Wenn jetzt noch die Temperatur und der Herzschlag stimmt, hast du ein gesundes Fohlen bekommen". Hunter lächelte erleichtert und warf ein weiteres Auge auf Arcany. Dabei bekam er gar nicht mit wie Ty bereits Atmung und Temperatur kontrolliert hatte. "Dein Fohlen ist gesund und in bester Form. Es ist gut ernährt und hat keine Weh-Wehchen. Das dürfte wohl mein gesündester Patient bis jetzt gewesen sein." Ty lachte glücklich und sprach mit Hunter über die Bezahlung. "Die Kontrolle macht dann 250 Joellen, würdest du dir Arcany noch mal genauer ansehen lassen ? Ich denke eine Nachuntersuchung ist nicht nötig, es ist ja offensichtlich, dass es ein Ballentritt ist. Du könntest höchstens für 100 Joellen eine Beschwerden Untersuchung machen, ich würde dich dann über den Ballentritt beraten - aber behandeln könnte ich Arcany erst ab 150 Joellen. Die Wunde muss wahrscheinlich genäht werden".

      Neue Gesichter
      05/2016, von sadasha | 17.893 Zeichen
      Ein gleichmäßiges Surren, ein regelmäßiges Piepsen und hin und wieder Schritte drangen an meine Ohren. Die Lider waren schwer und der gesamte Rest des Körpers fühle sich an wie Blei. Dann kam jemand näher an mich heran, das hörte ich an den Schritten. „Mr. Crowley?“ eine unbekannte Frauenstimme. Ich öffnete die Augen und sah in ein fremdes Gesicht. „Gut Sie sind wach.“ sie lächelte mich an und verschwand wieder. Ich hätte mich so gerne aufgerichtet um zu sehen wo sie hinging, aber mein Körper war zu träge. Wenige Minuten später kam die Frau zurück in Begleitung eine weitere Ärztin. Ich wusste mittlerweile wo ich war. Aber wie war ich her gekommen? „Wie fühlen Sie sich?“ fragte die deutlich jüngere Ärztin und prüfte die Werte, die die Geräte anzeigten, an denen man mich angeschlossen hatte. Mein Mund war staubtrocken, würde ich jetzt etwas sagen wollen, würde es sowieso niemand verstehen. Stattdessen hob ich den Kopf vom Kissen um das Zimmer anzusehen. „Sir?“ sie drückte mich wieder zurück und leuchtete mir in die Augen. „Können Sie mir sagen, welcher Tag heute ist?“ Noch eine Frage... Ich räusperte mich. „Mittwoch.“ meine Stimme war rau, aber besser als ich es erwartet hätte. Die Schwester lächelte immer noch. Sie war von eher plumper Statur und mit Sicherheit schon über vierzig. Die Haare hatte sie zu einem festen Knoten gebunden. „Nun, wir haben Samstag. Nur für's Protokoll.“ Die Ärztin wirkte weniger freundlich, aber vermutlich hatte sie einfach Stress. Sie war jung, vielleicht in meinem Alter? Aber durch die Stressfalten und den strengen Gesichtsausdruck wirkte sie älter. „Mr. Crowley. Wie fühlen Sie sich?“ wiederholte sie mit Nachdruck. Gute Frage! Keine Ahnung. Ich weiß ja nicht mal wie ich hergekommen bin. Das Gefühl fand nach und nach seinen Weg zurück in die müden Glieder. Einen Versuch mich aufzurichten vereitelte die Schwester sogleich. „Was ist passiert?“ fragte ich zurück, da ich keine Antwort auf die Gefühlsfrage wusste. „Woran erinnern Sie sich?“ Fragen... wieder eine neue! Könnte Sie mir nicht einfach antworten. „Mhm...“ ich dachte tatsächlich nach, aber konnte nichts entdecken, was mich hierher hätte bringen können. „Was ist das letzte, was Sie Ihrer Erinnerung nach getan haben?“ Wahnsinn, die Ärztin konnte lächeln. Das Letzte... „Ich hab mein Pferd für ein Turnier vorbereitet und wir wollten es in den Hänger laden. Aber...“ ich legte die Stirn in Falten, das konnte nicht sein. Pendragon ist eines der ausgeglichensten Pferde, die wir auf dem Hof haben. Außerdem... „...das war aber mittwochs.“ Was ist denn passiert, zur Hölle?! Die Ärztin stellte mir noch einige belanglose Fragen, die ich zur Hälfte nicht beantworten konnte. Dennoch wirkte sie am Ende halbwegs zufrieden. „Physisch geht es ihnen den Umständen entsprechend gut. Aber wegen ihren Erinnerungen setz ich einen Psychologen auf sie an, das gefällt mir nicht.“ sprach sie jetzt absichtlich nicht im Fachchinesisch, weil sie mich für irre hielt? Ich nickte nur und sie verschwand. Die Schwester hatte sich schon während des Gesprächs aus dem Staub gemacht.

      Über Mittag wurde ich auf Normalstation verlegt, bekam allerdings ein Einzelzimmer. Gut eine Stunde später trudelte eine abgehetzte Person ins Zimmer, zog einen der umstehenden Holzstühle zu sich und setzte sich erstmal um zu verschnaufen. „Alles okay?“ fragte ich, als die Frau auch nach gut einer Minute noch nichts gesagt hatte. Endlich wandte sie sich mir zu. „Ja, ehm, Mr. Crowley, richtig?“ sie warf einen Blick auf ihr Klemmbrett und sah dann wieder zu mir. Ich richtete mich etwas auf und nickte. „Guten Tag, ich bin Ihre psychologische Betreuung für die nächsten Wochen.“ Hatte ich da jetzt richtig gehört? Für die nächsten WOCHEN?! Ich schluckte, aber sie lächelte mich weiterhin unverhohlen an und rückte näher ans Krankenbett. „Sie haben Schwierigkeiten sich zu erinnern, wie sie hier her gekommen sind, hab ich gehört?“ Sie sagte das mit einer Süßlichkeit in der Stimme, dass ich das Gefühl hatte, sie wollte nun Freundschaft schließen. Psychologenspielerei. „Ja.“ antwortete ich knapp und bemühte mich ihr nicht in die Augen zu sehen. „Das Letzte woran Sie sich erinnern ist, dass sie ihr Pferd transportfertig machten.“ Ich nickte abermals. „Sie reiten?“ Wieder nickte ich. Sie lachte leise. Ihre Stimme war sanft und ruhig, aber dennoch sehr feminin. „Man trifft nicht häufig Männer, die im Reitsport unterwegs sind. Wie kamen Sie dazu?“ Verdammt! Keine Ja/Nein-Frage. Ich atmete tief ein und aus. „Ich bin so aufgewachsen.“ Das war die kürzest mögliche Antwort, die mir einfiel und ich ahnte bereits, dass ihr das nicht reichen würde. Unsicher sah ich zu ihr, in Augen die so grün waren, dass selbst das Gras daneben Grau wirkte. Fesselnd. Ich wandte den Blick ab. Ich wollte ihr nicht zu viel Aufmerksamkeit schenken, auf Psychologengespräche hatte ich keine Lust. „Nun.“ fing sie an und ich atmete laut aus, sah aus dem Fenster auf der anderen Seite des Betts. In eben diesem Moment setzte sie sich noch ein Stück näher an mich heran, näher ging jetzt nicht mehr. Ihre Knie berührten die Stangen des Bettrahmens. „Was genau machen Sie denn im Reitsport?“ Vollendete sie ihre nächste Frage und ignorierte meine Abneigung. „Hauptsächlich Springreiten.“ Wieder eine knappte Antwort. Nichtmal sonderlich spezifisch, aber wenn ich jetzt Military oder Cross Country gesagt hätte, wüsste sie vermutlich nicht mal was das ist. „Und was für ein Turnier war das wo sie mit ihrem Pferd hin wollten?“ - „Springturnier.“ Man war ich dreist. Sie schnaubte verächtlich. „Mr. Crowley...“ sie hörte sich tadelnd an, also wandte ich mich ihr wieder zu. „Ja, Miss...?“ sie hatte mir nicht mal ihren Namen verraten. „OH, mein Name ist Kerry Robertson! Das hab ich in der Eile ganz vergessen.“ Ein verschmitztes Lächeln schlich sich auf ihr Gesicht. Ich schmunzelte zufrieden. War sie neu in dem Job? „Nun, Sie müssen sich etwas auf mich einlassen, sonst klappt das hier nicht.“ Ich schmunzelte weiter und schien sie damit ein wenig aus der nicht vorhandenen Ruhe zu bringen. „Was soll ich machen?“ fragte ich und freute mich innerlich darüber, die Zügel in der Hand zu haben. „Sie... ach...“ Sie winkte ab und vergrub sich in ihren Akten. „So hat das keinen Sinn mit Ihnen. Wenn Sie nicht wollen, kann ich auch nicht helfen.“ Meine Rede... Ich setzte mich nun ganz auf und spürte zum ersten Mal warum das Krankenhaus aktuell der richtige Ort für mich war. Ein betäubender Schmerz zog vom Knie bis hoch in die Hüfte und ließ mich keuchend zurück in die Kissen sinken. „Alles okay?“ diesmal war es Miss Robertson die diese Frage stellte. Ich lachte, da hatte sie gut gekontert. „Alles Bestens!“ log ich und sie spielte an ihrem Pieper rum. „Sie haben auch so einen?“ fragte ich ohne eine Antwort zu erwarten. Der Schmerz ließ langsam wieder nach und ich entspannte mich. „Ja, ich hab auch so einen.“ wiederholte sie lächelnd. „Nun, Sie wirken nicht auf mich, als hätten Sie Spaß daran sich Schmerzen zuzufügen. Wieso haben Sie sich aufgerichtet obwohl ihr Bein kaputt ist?“ Ich schluckte. Ertappt! „Ich hatte keine Ahnung...“ antwortete ich unsicher. „Ich weiß nicht mal was mit dem Bein ist.“ - „Oh, ich schon.“ sie lächelte. „Ich weiß auch wie Sie hier her gekommen sind. Aber ich hätte es lieber, wenn Sie sich selbst daran erinnern würden.“ Die Situation wurde zunehmend unangenehmer für mich. „Interessant, dass Sie scheinbar mehr über mich wissen als ich.“ - „Nicht mehr über Sie, aber mehr über die letzten Stunden, bevor sie hier aufgewacht sind.“ korrigierte sie mich sofort. „Nagut, ruhen Sie sich aus. Ich schicke Ihnen jetzt einen Arzt, nicht dass da noch mehr kaputt gegangen ist.“ sie schielte zu meinem Bein. „Bis morgen. Vielleicht schau ich auch heute Abend nochmal kurz rein um Gute Nacht zu sagen.“ scherzte sie und verließ das Zimmer.

      Am Abend kam Miss Robertson tatsächlich noch einmal rein, davon bekam ich allerdings herzlich wenig mit, da ich bereits schlief. Der nächste Tag begann, indem man mich unwirsch aus einem Traum riss. „Mr. Crowley. Gut, da sind Sie ja. Sie haben im Traum gesprochen, erinnern Sie sich daran?“ Ich war vollkommen außer Atem, nass geschwitzt und absolut verwirrt. Miss Roberston saß vor mir, hellwach, mit einer Tasse Kaffee in der linken, ihrem Klemmbrett in der rechten Hand. „Ich, ehm... nein.“ Ich runzelte die Stirn. „Gut beruhigen Sie sich erstmal.“ Sie beobachtete wie sich mein Brustkorb in viel zu schnellem Tempo hob und sank. Ein paar Minuten Ruhe gönnte sie mir, bis sie mich wieder ansprach. „Erinnern Sie sich jetzt?“ Sie wirkte wesentlich professioneller heute. „Ich bin mir nicht sicher.“ gab ich zu und wühlte in meinen Gedanken. Ich war absolut verwirrt. Wie spät war es eigentlich? Ich suchte verzweifelt nach einer Uhr, doch es hing keine in diesem Raum. „Ich weiß, dass ich nach dem Turnier am Mittwoch nach Hause kam und dass am Samstag, an dem ich hier aufgewacht bin, ein weiteres anstand.“ - „Soso... erinnern Sie sich auch an Details vom Samstag?“ Sie sah nur beiläufig zu mir. Sie war so abweisend. Und wie ich mich erinnerte. „Ja...“ Noch bevor Miss Robertson weiter stochern konnte, erzählte ich von mir aus wie diese Details aussahen. „Wir waren im letzten Drittel der Strecke. Mit wir meine ich mein Pferd und mich. Es war komplett verregnet, wir waren beide bis auf die Haut durchnässt. Bei so einem Turnier keine Seltenheit, das waren wir gewohnt. Dennoch... So erfahren wir auch beide waren, bei einem Wasserhindernis, wo wir von einem kleinen Abhang in Gewässer springen mussten, rutschte mein Pferd beim Absprung ab. Ich erinnere mich noch, dass ich mit einem Fuß im Steigbügel hängen geblieben bin... Weiter weiß ich nicht.“ Die Psychologin nickte anerkennend. „Mehr können Sie nicht wissen, weil sie bewusstlos wurden.“ Mein Magen zog sich zusammen. Was war mit Lamperd passiert? „Wissen Sie ob mein Pferd okay ist?“ fragte ich hoffnungsvoll, doch die Frau schüttelte entschuldigend den Kopf. „Aber vielleicht können Ihnen Ihre Verwandten da weiterhelfen, die dürfen Sie ab heute Nachmittag besuchen.“ Freude mischte sich in das mulmige Gefühl.
      „Gut, wir haben denke ich heute eine Menge erreicht, heute Abend sehe ich nochmal vorbei.“

      Am Nachmittag kamen wie versprochen meine Eltern vorbei. Mit Lamperd war soweit alles in Ordnung, sie hatten aber zur Vorsicht einen Tierarzttermin vereinbart. Selbstverständlich fragte ich auch nach den anderen Schützlingen und hörte nun zum ersten Mal etwas von „den“ Fohlen. Dabei habe ich nur eines im Kopf. Außerdem kam das Gespräch auf Catalina, meine Exfreundin. Ich gab es vor meinen Eltern nicht zu, aber ich hatte keine Ahnung von wem sie da sprachen. Nachdem die beiden wieder weg waren kam jemand und brachte mir ein paar Krücken, damit ich aufstehen konnte. Nach ein paar Übungsschritten, war ich recht sicher unterwegs. Krücken kannte ich schon aus früheren Verletzungen. Miss Robertson fing mich abends vor der Türe ab, wo ich gerade rauchte. „Hier stecken Sie!“ Sie sah mich mit einer Mischung aus Erleichterung und Empörung an. Wie schaffte sie das? Ich stieß einen Schwall Rauch aus und steckte die Zigarette aus. „Schon so spät?“ fragte ich, während ich die angelehnte rechte Krücke wieder in die Hand nahm. Miss Robertson nickte. „Wir können ja etwas spazieren gehen, wenns Ihnen nichts ausmacht?“ Sie schielte auf mein kaputtes Bein. „Gerne.“ gab ich zurück und wir schlenderten langsam in Richtung Krankenhauspark. „Und wie geht es ihrem Pferd?“ - „Gut soweit.“ - „Das ist schön.“ Eine lange Pause des Schweigens trat ein. Wie konnte ich am besten ansprechen, dass ich mich nicht an meine Exfreundin erinnerte? Nicht an sie und nicht an alles was mit ihr zusammenhing? „Was bedrückt Sie?“ - „Wie?“ - „Na hören Sie, ich bin Psychologin, ich merke wenn jemand über etwas grübelt.“ Sie lachte leise und bugsierte mich zur nächsten Bank, wo wir uns setzten. „Mhm... Da... Meine Eltern haben heute Nachmittag eine Frau erwähnt, meine Ex-Freundin...“ - „Ja?“ sie wirkte verwirrt. Konnte sie mir noch folgen oder war das jetzt schon zu kompliziert? Einen Moment zögerte ich, dann fuhr ich fort. „Ich erinnere mich nicht an sie... auch nicht an sämtliche Ereignisse die mit ihr in Verbindung stehen. Es ist mir alles fremd. Klingt das irgendwie logisch?“ Nun war es an Miss Robertson zu grübeln. „Es wäre da natürlich gut mehr über Sie und Ihre Freundin zu wissen.“ - „Ex...“ korrigierte ich. „Und für mehr Infos sind Sie bei mir im Moment falsch...“ ich lachte. Das ganze war so verrückt. Wie konnte man denn eine ganze Person einfach vergessen? „Wäre es möglich ihre Ex-Freundin herzubestellen?“ Ich schüttelte den Kopf. „Sie ist vor Kurzem gestorben.“ Ihre Augen weiteten sich, als hätte sie gerade den Einfall ihres Lebens. „Das wäre möglicherweise eine Erklärung.“ - „Ach ja?“ - „Traumatische Erlebnisse werden manchmal verdrängt.“ - „Aber wieso erst nach dem Unfall?“ Ich war verwirrt. „Weil sie sonst daran kaputt gegangen wären... Ich werde morgen mit ihren Eltern sprechen, wenn Ihnen das recht ist?“ Ich nickte. „Gut, dann belassen wir es für heute dabei.“ Wir standen auf und gingen gemeinsam zurück ins Krankenhaus, wo sich unsere Wege schließlich trennten.
      Die nächsten Tage waren für Miss Robertson sehr aufschlussreich. Sie wusste jetzt wo sie anpacken musste. Mein Erinnerung kam dennoch nicht zurück. Sie riet mir nicht in Panik zu geraten, das würde nach und nach kommen, wenn ich wieder nach Hause käme. Erstmal wurde ich in Reha geschickt, wo ich die nächsten vier Wochen verblieb. Erst danach kehrte ich nach Hause.

      „Oh mein Baby!“ meine Mutter schloss mich wie immer, wenn ich lange weg war oder etwas passiert war in ihren Arm. Dieses mal wehrte ich mich nicht dagegen. Zum einen weil sich das auf Krücken schwer gestaltete und zum anderen, weil doch ganz gut tat. „Miss Robertson hat gesagt sie möchte versuchen mindestens jeden zweiten Tag einmal herzukommen, damit du nicht in die Tagesklinik musst. Sie denkt das wäre hilfreicher für dich in deiner gewohnten Umgebung.“ Ich nickte und lächelte. „Ja, das hat sie mit mir abgesprochen. Alles okay.“ Mein Vater schleppte nach der Begrüßung meine Tasche ins Haus. „Willst du was essen?“ Das änderte sich wohl nie. Ich lachte. „Nein, danke. Ich geh in den Stall.“ Ich wollte sehen ob das meinem Kopf auf die Sprünge half. Zu meinem Entsetzen fand ich hier einige Pferde, die mir nichts sagten. „Haben wir Einstaller bekommen?“ Fragte ich Gine verwirrt, da sie gerade mit CHH' Lamperd auf der Stallgasse stand. Sie schüttelte besorgt den Kopf. „Aber erstmal 'Hi'. Schön dich wieder zu sehen.“ Den Striegel noch in der Hand kam sie auf mich zu und umarmte mich kurz. Sie wirkte furchtbar besorgt. „Alles okay?“ fragte ich schließlich, wer weiß was ich noch vergessen hatte. Ich wollte keinesfalls grob wirken, indem ich meine Mitarbeiter ignorierte. Sie schüttelte bedächtlich den Kopf, eine Träne rollte über ihre Wange. „Was ist denn passiert?“ ich lehnte die Krücken an die Boxentüre und öffnete die Arme um sie zu halten. Kaum hatte sich sie eingeschlossen fing sie an zu schlurchzen. „Hey...“ Behutsam strich ich über ihren Hinterkopf. Dann löste sie sich aus der Umarmung und sah mir mit feuchten Augen an. „Du erinnerst dich wirklich an Nichts?“ fragte sie. „Nun, 'Nichts' ist ein hartes Wort. Ich kenne Lamperd da hinten, ich kenne dich... Slap Happy und Samson sind mir auch ein Begriff und von Slap Happy's Fohlen weiß ich auch noch.“ - „Welches?“ - „Na den braunen Hengst.“ Verdutzt starrte sie mich an. „Moment, du erinnerst dich an Raving Hope Slayer, aber nicht an Bearing Spots und Accomplishment? Wie geht das, die beiden waren vor dem Hengst da.“ Was fragte sie mich das... „An wen erinnerst du dich noch?“ Sie zog mich ein Stück durch die Stallgasse. „Was ist mit dem hier?“ Ihr Blick fiel auf einen braun gescheckten Araber. „Keine Ahnung.“ - „Das ist Majd. Du hast ihn von Catalina bekommen. Genauso wie Eismärchen, Arcany und Pendragon. Arcany ist übrigens die Mutter von Accomplishment.“ - „Mhm...“ Ich hatte längst den Faden verloren. „Den nächsten kenn ich. Das ist PFS' Heart of Ocean.“ Zufrieden grinste ich, während Gine lachte. „Und ich hatte noch zwei Stuten dazu. Iceflower und Princess Sansa.“ Sie nickte anerkennend. „Die beiden sind übrigens bald bereit für ihre Zuchtzulassung, du kannst dir schon mal was überlegen für die jeweilige Kür.“ Sie warf das so nebensächlich rein. Das war doch großartig! Und es würde mich die nächsten Tage etwas ablenken von meinen eigentlichen Problemen. „RAY!“ Hätte mein kaputtes Bein mich schon richtig getragen, hätte ich mich aus Gine's Unterstützung gerissen und wäre zur Box meines zweiten Vollbluthengstes gelaufen. „Ah, den kennst du auch noch, eh?“ Sie grinste und rieb sich mit einer Hand über die noch immer etwas feuchten Augen. „Bear Totem's Denali ha-“ - „Denali kenn ich noch.“ - „Ja, sie ist die Mutter von Bearing Spots. Das zweite fohlen an das du dich nicht erinnerst.“ Wieder brummte ich. „Wo stehen die Stuten?“ - „Sie sind draußen. Komm.“ Gemeinsam schlenderten wir zu den Weiden, wo ich auch Missy und Moulan wieder erkannte, wenn auch nur nach reichlich Überlegungszeit. „Zwei sehr expressionistische Scheckungen.“ fiel mir auf. „Ja, die helle ist Bearing Spots und die Braune ist PFS' Savory Blossom. Sie sind Halbgeschwister.“ Das erklärte die Ähnlichkeit. „Hast du Hunger?“ fragte ich Gine schließlich. Als sie nickte gingen wir ins Haus, sammelten auf der Stallgasse meine Krücken ein und aßen etwas. Meine Mutter freute sich, dass ich mich doch entschlossen hatte noch etwas zu essen, obwohl ich voll war. Es hätte sie gekränkt, wenn ich ohne ihr Essen schlafen gegangen wäre. Die nächste Zeit würde es viel zu regeln geben. Erst am nächsten Morgen begriff ich wie hart es für mich war so viele für mich fremde Pferde im Stall stehen zu haben. Einige davon gehörten noch Catalina und mussten verkauft werden.

      Fohlen-ABC
      06/2016, von Sammy | 22.481 Zeichen
      "Hollybrook Stud Training Stables, Samantha O`Neill am Apparat, was kann ich für Sie tun?", trällerte ich fröhlich ins Telefon. Heute war ein erfolgreicher Tag gewesen und ich war zwar müde aber glücklich. "Hey Sammy, hier ist Hunter Crowley vom Bearbrook EC. Ich hab hier ein junges Fohlen, dass dringend ein bisschen Ausbildung nötig hätte und wollte fragen, ob du dich darum kümmern würdest?", ertönte eine Männerstimme vom anderen Ende der Leitung. Ich überlegte ein paar Sekunden und warf einen kurzen Blick in meinen Terminkalender.
      "Ich schaffe es leider erst in drei Wochen, aber dann könnte ich mit dem Kleinen Arbeiten!", sagte ich. Hunter stimmte zu und wir vereinbarten den ersten Trainingstag, den ich mit Accomplishment, so hieß das Deutsche Reitpony Stutfohlen, abhalten sollte. Sein Gestüt lag ebenfalls in England, sodass ich keine allzulangen Wege auf mich nehmen musste. Erst kürzlich war ich nämlich nach Kanada gereist, das nahm dann doch sehr viel mher Zeit in Anspruch.

      ~*~

      Einige Wochen später lenkte ich meinen Wagen auf den Parkplatz des Bearbrook EC und stieg fröhlich vor mich hinsummend aus. Da ich mich hier ja bereits ein wenig auskannte, machte ich mich sofort auf den Weg zum Stall um Hunter zu suchen. Dort traf ich allerdings nur auf zwei junge Pfleger. Ich wandte mich an das Mädchen und meinte: "Hey, ich bin Samantha O`Neill und ich bin hier um Accomplishment zu trainieren. Ist Hunter da?" Mein Gegenüber schlug sich die flache Hand vor die Stirn und antwortete: "Achje stimmt ja, Hunter hatte uns davon erzählt, dass du kommst, aber hier war in letzter Zeit so viel los, dass ich das völlig vergessen habe, tut mir Leid! Ich werde dir Accomplishment zeigen, Hunter hatte einen Unfall und schläft im Moment soweit ich weiß."
      "Ohje, der macht ja auch was mit...Sag ihm gute Besserung von mir, falls ich ihn während des Trainings nicht zu Gesicht bekomme!", bat ich das Mädchen, das wie sich herausstellte Gine hieß, während sie mich zur Box einer hübschen fuchsfarbenen deutschen Reitponystute führte. Dahinter lugte ein helles, kleines Fohlenköpfchen hervor und gleich darauf stolzierte ein geschecktes zierliches Fohlen zur Boxentür, um uns neugierig zu beäugen. "Also, du sollt mit ihr das Fohlen-ABC machen, richtig?", erkundigte Gine sich und redete dann ohne meine Antwort abzuwarten weiter: "Sie sieht total niedlich aus, aber lass dich davon nur nicht täuschen. Sie ist extrem eigensinnig und kann einem manchmal wirklich das Leben schwer machen. Eigentlich ist sie wahnsinnig intelligent, aber glaub mir, das kann sie gut verstecken. Das hat sie von ihrer Mama Arcany, die ist auch nicht ganz einfach. Wo möchtest du denn mit Accomplishment trainieren?" Ich musste erst einmal kurz verdauen, was ich eben gehört hatte. Die junge Frau schien ziemlich im Stress zu sein, deshalb wollte ich sie nicht länger als unbedingt nötig aufhalten. "Am besten auf einer kleineren Koppel - zumindest solange das Wetter mitspielt.", gab ich dann zur Antwort. Gine überlegte kurz, dann nickte sie und halfterte Arcany auf. Die Mutterstute würde aufgrund des Alters von Accomplishment natürlich beim Training dabei sein. Das Palomino Tobiano Fohlen lief seiner Mutter mit schnellen Schritten hinterher und ich bewunderte die schöne Zeichnung und die -jetzt schon - aufsehnerregenden Gänge des Fohlens. Gine ließ Arcany auf einer Koppel laufen und Accomplishment schoss ihr sofort hinterher. "Ist das nicht sehr unpraktisch hier draußen?", fragte Gine mich ein wenig verwundert. Ich schüttelte nur den Kopf: "Ich möchte gerne, dass Accomplishment lernt freiwillig zu kommen und mitzuarbeiten und nicht, weil sie keinen Platz hat auszuweichen. So dauert es schlimmstenfalls ein bisschen länger, es ist aber viel besser für die spätere Ausbildung." "Okay, das klingt vernünftig. Wenn du irgendwas brauchst, ich bin im Stall, du kannst jederzeit rüberkommen!", bat Gine an und verschwand gleich darauf über den Hof.
      Ich dagegen nahm nun meinen Rucksack ab und kletterte über den Zaun. Da unsere Gestüte knappe vier Stunden Fahrzeit auseinander lagen, würde ich ein Gästezimmer im Haupthaus beziehen, während ich Accomplishment trainierte. Mein Koffer lag noch im Auto, in dem Rucksack hatte ich nur die Dinge, die ich für das heutige Training brauchte. Als ich den Rucksack im Gras abgelegt hatte, rief ich nach Accomplishment. Diese sah auch sofort in meine Richtung - sie wusste also genau, dass sie gemeint war, machte sich jedoch nicht die Mühe mir auch nur einen Zentimeter entgegen zu kommen. Ich zuckte mit den Schultern und ließ mich ins warme Gras sinken. Dann nahm ich ein Buch aus meinem Rucksack und drehte mich auf den Bauch. Die warme Junisonne schien mir auf den Rücken und ich genoss das kitzelnde Gras unter meinen Fingern. Plötzlich kitzelte mich auch noch etwas anderes - ich drehte langsam den Kopf und stieß mit der Nase an Accomplishment`s weiches Mäulchen. Das Stütchen machte einen Satz zurück, blieb aber in Reichweite und beäugte mich weiterhin mit großen Augen. "Dachte ich es mir doch, dass du auch neugierig bist meine Kleine.", sagte ich grinsend und zog nun ein Stückchen Möhre aus meinem Rucksack, um sie dem Stutfohlen hinzuhalten. In Zeitlupe nahm Accomplishment mir die Möhre ab - sie schien sich nicht ganz sicher zu sein, was sie von mir halten sollte. Im gleichen Moment kam Arcany herbeigetrabt und schnupperte auf der Suche nach weiteren Leckereien an meinem Rucksack. Natürlich bekam auch die Pferdemama ein Stückchen Möhre, bevor ich mich wieder auf Accomplishment konzentrierte. Ich erhob mich langsam und rief wieder ihren Namen. Die kleine Stute dachte aber immer noch nicht daran, mir die Sache ein wenig zu erleichtern - ich hatte sogar eher das Gefühl, dass sie mich herausfordernd anschaute. Ich holte eine weitere Möhre aus meinem Rucksack und rief Arcany zu mir, die dank der Leckerei prompt an meiner Seite stand. Nun hatte ich das Interesse des Stutfohlens doch geweckt. Sie schaute mit schief gelegtem Kopf von ihrer Mutter zu mir und trat schließlich die paar Meter nach vorn, um auch noch etwas abzubekommen. Langsam hob ich die Hand und strich ihr über den seidigen weißen Hals, bis hinunter zum Widerrist, den ich auch einige Sekunden lang kraulte. Dann ließ ich das Stütchen stehen und bewegte mich wieder zu meinem Buch. Immerhin sollte Accomplishment heute nur lernen, dass sie eine Belohnung erwartete, wenn sie auf Rufen hin brav ankam. Ich hatte schon einige ausgewachsene Pferde auf dem Hof gehabt, die dies nie gelernt hatten und der Umgang mit ihnen war wahrlich kein Spaß. Hatten sie gerade Lust, die Koppel zu verlassen, waren sie brave Lämmchen, wenn nicht konnte man seinen halben Tag damit verbringen, sie einzufangen. Das wollte ich den Besitzern meiner Trainingspferde natürlich ersparen.
      Ich ließ Accomplishment ein wenig Zeit, dann rief ich sie erneut zu mir. Diesmal brauchte es Arcany`s Hilfe schon gar nicht mehr, obwohl diese natürlich trotzdem angetrottet kam, als sie sah, dass es wieder etwas zu futtern gab. Wieder streichelte ich das Fohlen nur kurz, wobei ich diesmal auch über ihren Rücken und ihre Kruppe fuhr. Zum Fohlen ABC gehörte nämlich auch, das Fohlen daran zu gewöhnen, überall berührt zu werden. Wir wiederholten das Ganze in der nächsten Stunde noch einige Male, dann packte ich meine Sachen zusammen und ließ die beiden Stuten in Ruhe. Ich würde sie in einer Weile in den Stall zurückholen. Der Tag heute war schon recht positiv verlaufen und ich war mir sicher, einen guten Grundstein für Accomplishment`s weitere Ausbildung gelegt zu haben.

      ~*~

      Am nächsten Tag ging ich gleich in der Frühe wieder zu Arcany und ihrem Fohlen, um das Training von gestern zu wiederholen und zu vertiefen. Heute wollte ich dem Stütchen auch zum ersten Mal in ihrem Leben ein Halfter anlegen. Ich war schon sehr gespannt, wie das eigensinnige Tierchen sich dies gefallen lassen würde. Ich halfterte Arcany auf und führte die Fuchsstute auf die selbe Weide wie auch gestern schon - Accomplishment folgte ihr auf dem Fuß. Diesmal rief ich das Stutfohlen gleich und nach kurzem Zögern kam es auch auf mich zugelaufen. Wie auch gestern schon fiel mir auf, mit was für einer Eleganz Accomplishment sich bewegte. Sie würde später einmal sicherlich ein tolles Turnierpferd abgeben. Da Accomplishment nach dem Genuss ihrer Möhre neben mir stehen blieb und an meinem Rucksack schnüffelte, nutzte ich die Gelegenheit. Ich stellte mich neben das Fohlen und fuhr mit der Hand von ihrem Kopf, über den Hals, den Rücken entlang und zur Hinterhand. Anschließend ließ ich meine Hand auch an ihren Beinen hinunter gleiten, was sie nicht sonderlich störte. Das waren schon einmal sehr gute Voraussetzungen. Als nächstes schob ich das Köpfchen des Fohlens zur Seite und zauberte ein winziges Fohlenhalfter aus meinem Rucksack. Dieses hielt ich Accomplishment erst einmal unter die Nase, bevor ich damit vorsichtig ihren Körper abrieb. Dies hatte zweierlei Gründe: Zum einen natürlich wieder die Gewöhnung an Berührungen und zum anderen nahm das Halfter so ein wenig den Geruch von Accomplishment an und war somit vielleicht nicht mehr ganz so unheimlich für das Fohlen. Das Stütchen ließ sich dies alles auch gefallen, sie war sowieso mit meinem Rucksack beschäftigt. Ich wollte aber natürlich, dass das junge Stutfohlen mir seine Aufmerksamkeit schenkte. Beziehungsweise mir und dem Halfter. Um dieses ging es ja heute. Also ging ich ein paar Schritte von Accomplishment weg, legte mir das Haflter um den Hals, schwang es über den Kopf, warf es in die Luft und fing es wieder auf. Dies wiederum reizte das Scheckstütchen nun doch und sie kam herüber, um sich mein Affentheater aus der Nähe anzusehen. Wieder hielt ich ihr das Halfter vor die Nase und diesmal zeigte Accomplishment auch mehr Interesse. Irgendetwas musste ja an diesem seltsamen Ding sein, wenn es mir soviel Freude bereitete, oder nicht?!
      Nun war es Zeit für Trick 17. Ich hielt mit einer Hand das Halfter vor Accomplishment`s Nase, mit der anderen kramte ich ein Stück Möhre aus meiner Hosentasche und hielt es praktisch in das Halfter hinein. Um daran zu kommen, blieb Accomplishment nun nichts anderes übrig, als ihr hübsches Köpfchen hindurchzustecken - was sie zu meiner Verblüffung auch ohne zu Zögern tat. Während sie die Möhre zerkaute, schob ich das Halfter über ihre Ohren und machte es schnell zu. Accomplishment sah mich fragend an und schüttelte dann prüfend den Kopf. Als das Halfter sich dabei leicht bewegte riss sie den Kopf hoch und sah mich anklagend an, doch ich machte natürlich keine Anstalten ihr zu "helfen".
      Sie war noch eine Weile damit beschäftigt, den Kopf zu schütteln, dann galoppierte sie los - wahrscheinlich in der Hoffnung das seltsame Ding somit loszuwerden. Ich für meinen Teil beobachtete das Stutfohlen zwar aus den Augenwinkeln, beachtete ihr Theater aber nicht weiter. Stattdessen fütterte ich Arcany noch mit ein paar Stücken Möhre. Die Fuchsstute schien allmählich Gefallen an mir zu finden , immerhin fütterte ich sie regelmäßig und verlangte ansonsten überhaupt nichts von ihr. Es dauerte gar nicht lange und Accomplishment bemerte, dass man ihr keinerlei Beachtung schenkte. Das wiederum schien dem schönen Fohlen auch nicht zu passen und sie kam im Stechtrab zu uns hinüber.
      Ich wartete einige Sekunden, dann stand ich auf und rief Accomplishment zu mir. Offensichtlich erleichtert, über die Aufmerksamkeit kam sie auf mich zu und ich gab ihr ein Leckerchen, während ich behutsam das Halfter löste. Accomplishment schüttelte prüfend den Kopf und tollte dann erneut ausgelassen über die Weide. Beim nächsten mal machte sie es mir schon deutlich schwerer, da das intelligente Stütchen ja nun wusste, was auf es zukam. Aber die Mischung aus Nichtbeachtung und Leckerlis wirkte bei Accomplishment recht gut und so bekam sie das Halfter mit immer größeren Abständen an diesem Tag noch ganze fünf Mal an. Am Ende des Tages schien das Ding sie nicht einmal mehr großartig zu interessieren, man konnte damit ja noch genauso gut herumtollen, wie ohne es.

      ~*~

      Am nächsten Trainingstag - Hunter hatte ich immer noch nicht zu Gesicht bekommen, dafür aber seine Eltern - brachte ich Arcany und ihr Fohlen wieder auf die nun schon altbekannte Koppel. Zunächst würden wir heute das Wiederholen, was wir in den letzten beiden Tagen erarbeitet hatten. Außerdem standen heute jedoch auch das Putzen und Führen auf dem Programm und ich hatte Gine darum gebeten dafür zu sorgen, dass ein Pferdehänger auf die Koppel gestellt wurde. Denn auch das gehörte für mich zum Fohlen ABC dazu.
      Ich rief Accomplishment zu mir, rieb sie mit einem Tuch am ganzen Körper ab und legte ihr das Halfter an. Dieses nahm ich ihr nun aber nicht gleich wieder ab, immerhin würden wir es fürs Führtraining brauchen. Nun wiederholte ich die Prozedur, die ich mit dem Halfter vollzogen hatte, auch mit dem Strick. Ihm schenkte Accomplishment noch weniger Beachtung als anfangs dem Halfter. Ich lobte das Stütchen und hakte den Strick ins Halfter ein. Das Fohlen schnupperte zwar an meiner Hand, war sich der gravierenden Veränderung, die dieser Strick mit sich brachte, allerdings scheinbar nicht bewusst. Ich nahm den Strick nun ganz am Ende und stellte mich soweit von Accomplishment weg, wie er es eben zuließ. Dann rief ich die Stute beim Namen. Wie sie es gelernt hatte, ging die Stute mir ein paar Schritte entgegen, doch ich bewegte mich mit und somit immer wieder von ihr weg. Wenig begeistert von diesem neuen Spiel blieb das Stutfohlen schließlich stehen und sah mich mit hoch erhobenem Kopf an. Ich rief sie wieder und als keine Reaktion kam, ging ich noch einen Schritt zurück, sodass der Strick leicht spannte. Das Stütchen ging einen Schritt zurück und ich folgte ihr, hielt den Strick aber auf Spannung. Ich wollte ihr schließlich nicht weh tun, sondern sie dazu bewegen, mir zu folgen. Schließlich machte Accomplishment einen Schritt auf mich zu und ich belohnte sie sofort, indem ich den Strick locker ließ. Diesmal ließ ich sie auch an mich herantreten, damit sie sich ihre Belohnung abholen konnte. Diesmal in Form von Apfelschnitzen. Abwechslung musste schließlich sein. Accomplishment hatte in meinen Augen schon in diesem Moment begriffen, worum es ging, doch es dauerte trotzdem eine ganz schöne Zeit, bis sie mir schießlich eine ganze Runde ohne Zickereien um die Koppel folgte. Arcany vergewisserte sich immer wieder mit einem kurzen Blick, dass mit ihrem Baby alles in Ordnung war, doch ansonsten ließ sie uns machen. Nun bekam das Stutfohlen eine wohlverdiente Pause - ich musste mich um den Hänger kümmern. Es dauerte nicht lange und ich fand Gine, die bei CHH`Lamperd in der Box stand. Das inzwischen gekörte Vollblut kannte ich bereits von früheren Trainingseinheiten und strich ihm liebevoll über das samtene Maul. Gine sah mich an und meinte dann: "Steven und Mister Crowley bringen dir den Hänger auf die Weide. Steven meinte, du sollst einfach zu ihm kommen, wenn du soweit bist. Er müsste gerade bei Slap Happy sein." Ich nickte dankbar und ging die Stallgasse entlang, bis ich vor der Box einer wunderschönen braunen Stute stand. "Steven? Gine meinte, du und Hunter`s Vater würdet mir den Hänger auf die Koppel bringen?", erkundigte ich mich bei dem jungen Mann. Der sprang sofort aus der Box, salutierte grinsend und verschwand aus dem Stall.
      Ich holte Arcany und Accomplishment über Mittag in den Stall, damit die Männer Ruhe hatten und genehmigte mir selbst ein kurzes Mittagessen. Immerhin hatte ich heute noch einiges vor.
      Als das erledigt war, brachte ich meine beiden Damen wieder zur Koppel. Als Accomplishment den Hänger sah, blieb das junge Stutfohlen stocksteif stehen und drückte sich erst einmal an seine Mama. Diese war durch den Hänger natürlich nicht aus der Ruhe zu bringen und begann sogleich zu grasen. Ich öffnete die Klappe des Hängers und rief dann Accomplishment zu mir - am anderen Ende der Koppel, damit sie möglichst weit weg von dem gruseligen neuen Monstrum war. Wieder legte ich ihr das Halfter an und war begeistert, wie gut dies nun schon klappte. Ich hängte mir den Strick locker über den Arm und machte das Stütchen nun mit den verschiedenen Putzutensilien vertraut. Die kannte sie zwar rein theoretisch schon, aber ich wollte trotzdem alles abdecken. So bürstete ich sachte Accomplishment`s weiches Fell, rieb ihr mit der Schmusebürste vorsichtig übers Gesicht und fuhr mit den Fingern durch die kurze Mähne und den Schweif, um sie auch daran zu gewöhnen. Nun ging es ans Beine heben. Die Hufe würde ich ihr natürlich nicht auskratzen, aber die Prozedur an sich sollte sie trotzdem schon einmal kennen lernen. Dazu löste ich den Strick vom Halfter, weil ich nicht wollte, dass Accomplishment sich bei dieser neuen Übung gefangen fühlte und strich anschließend an ihrem Vorderbein herab. Zusätzlich sagte ich "Gib Huf!" und übte dabei ganz leichten Druck auf ihre Fessel aus. Accomplishment hob den Huf tatsächlich, allerdings nur, um damit aufzustampfen. Sie hatte den Kopf nach hinten gedreht und starrte mich ein wenig ungläubig an. Warum sollte sie bitteschön auch auf drei Beinen stehen? Während ihrendsoein komischer Zweibeiner an ihrem Huf herumwerkelte? Der Blick war so süß, dass ich lachen musste. Dennoch versuchte ich es gleich noch einmal. Als Accomplishment diesmal das Bein hob, um aufzustampfen, war ich schneller und hielt ihr Bein oben. Sie zog daran, hatte jedoch noch nicht genug Kraft. Ich hielt ihr Bein einige Sekunden lang fest, dann sagte ich : "Ab" und stellte den Huf wieder auf den Boden. Anschließend lobte ich das Stütchen und wiederholte den Vorgang dann an den drei anderen Beinen. Begeistert war Accomplishment nicht gerade, doch immerhin begriff sie schnell, dass sie nicht umfiel, nur weil sie auf drei Beinen stand. Als nächstes veränderte ich das Hufe geben ein wenig, indem ich mich gegen das Stütchen lehnte, nachdem ich ihr Bein hinunter gefahren war. Wieder wiederholte ich das an allen vier Beinen, bevor ich den Strick wieder ins Halfter einhakte und Accomplishment über die Koppel führte. Mit jeder Runde führte ich das Stutfohlen näher an den Hänger heran und merkte auch, dass diese immer nervöser wurde. Ich schenkte dem Hänger jedoch überhaupt keine Beachtung und Accomplishment war durch das tägliche Training mit mir mittlerweile auch weit genug, mir zu vertrauen, was neuartige Dinge anging. Sie starrte den Hänger zwar mit großen Augen an, ging jedoch daran vorbei. Nun war noch einmal das Hufe geben an der Reihe. Ich wiederholte das Kommando, das ich eingeführt hatte und belohnte Accomplishment mit einem Stück Apfel, nachdem sie den Huf gehoben hatte. Nun fuhr ich mit einer Bürste darüber, bewegte den Huf und tippte mit den Fingern dagegen, damit Accomplishment sich auch daran gewöhnte. Selbstverständlich wiederholten wir auch dies an allen vier Hufen.
      Nun war das Training für heute beinahe beendet. Ich führte das Stütchen zum Zaun, rüttelte probehalber an einem der Pfosten und band Accomplishment dann daran fest. Zunächst störte sich das süße Pferdekind überhaupt nicht daran - bekam sie doch haufenweise Streicheleinheiten und Leckerchen. Irgendwann jedoch wollte sie sich umdrehen und weglaufen - was natürlich nicht funktionierte. Accomplishment riss den Kopf hoch und rief mit hohem Stimmchen nach ihrer Mutter. Die warf uns nur einen kurzen Blick zu und graste dann seelenruhig weiter, sie wusste schließlich ganz genau, dass ihrem Töchterchen keine Gefahr drohte. Ich redete beruhigend auf Accomplishment ein und löste sofort den Strick, als die Stute wieder einige Sekunden ruhig stand. Das reichte für heute, immerhin hatte sie gewaltige Fortschritte gemacht!

      ~*~

      Eine gute Woche später stand das Abschlusstraining mit Accomplishment auf dem Programm. In den letzten Tagen hatten wir das Führen, das Putzen, das Anbinden und Hufe geben weiter geübt und waren auch immer näher an den bösen Hänger herangekommen. An diesen traute sich Accomplishment mittlerweile sogar alleine, hatte sie doch begriffen, dass er sich nicht plötzlich auf sie stürzen würde. Heute musste ich Accomplishment nur noch auf den Hänger bekommen, dann konnte ich guten Gewissens zurück auf mein Gestüt fahren.
      Ich holte Arcany und ihre Tochter aus der Box und führte die Fuchsstute samt Fohlen zum Putzplatz. Dort band ich erst Arcany fest, dann Accomplishment, um das Fohlen zu putzen. Als das weiche Fell in der warmen Morgensonne glänzte, band ich die Stuten los und führte sie ein letztes Mal zu der Koppel, auf der immer noch der Hänger stand. Ich ließ Arcany laufen und ging mit ihrer Tochter zum Hänger. Als ich jedoch die Rampe hinauflief, blieb Accomplishment wie angewurzelt stehen. Das war ihr nun doch nicht ganz geheuer. Ich lockte und rief, doch das junge Fohlen weigerte sich, auch nur einen Schritt weiter zu gehen. Also rief ich kurzerhand nach Arcany, die in Anbetracht der Tüte mit Apfelstücken auch sofort angetrottet kam. Die erfahrene Stute kannte den Hänger und ging mit einer Apfelstücke-Spur auch brav hinein. Accomplishment starrte ihre Mutter ein wenig verdutzt an, gemeinsam mit meinen lockenden Bitten und einem saftigen Stückchen Apfel vor der Nase ging sie dann schließlich doch hinein. Nachdem das Eis einmal gebrochen war und Accomplishment sich in Ruhe im Inneren des Hängers umgesehen hatte, war es auch kein Problem mehr, das Stütchen die Rampe hinauf und hinunter zu führen. Nachdem das Fohlen sich auch brav dort drinnen festbinden ließ und neben seiner Mutter auch ruhig blieb, als ich die Rampe schloss, erklärte ich das Training für beendet. Ich führte Arcany und Accomplishment auf ihre eigentliche Koppel und suchte dann Gine, um ihr von dem erfolgreichen Verlauf des Trainings zu berichten. Diese würde dann alles - das hatte sie mir versprochen - haarklein dem verletzten Hunter berichten.
      Als ich sie gefunden hatte, meinte ich strahlend: "Ich bin fertig! Accomplishment kann jetzt alles, was ein Fohlen so können sollte und mit ein bisschen Überredungskunst arbeitet sie eigentlich auch ganz gut mit. Man muss ihr allerdings sehr deutlich zeigen, dass sie immer belohnt wird, wenn sie etwas richtig macht. Ihr solltet die ganzen Übungen jetzt mindestens einmal die Woche mit ihr wiederholen, denn dadurch festigt sich alles und wird zur Normalität.
      Nachdem ich mich auch von Steven und Mr und Mrs Crowley verabschiedet hatte, packte ich meine Sachen und fuhr zurück auf mein Gestüt, auf dem die Fohlensaison momentan in vollem Gange war...

      Hufkontrolle
      06/2016, von sadasha | 1705 Zeichen
      Alle Hufschmieden sind ausgebucht. Joicy ist unterwegs. Dass ich schon Wochen zuvor gefragt hatte wie eine Hufbehandlung bei Fohlen aussehen sollte war mein Glück. Etwa eine Stunde vorher hatte ich Gine gebeten nach ihrer aktuellen Tätigkeit zu mir zu kommen, da sie helfen müsste Accomplishment, Arcany's erstes Fohlen auf dem Bear Brook EC zu halten. Als angehende Tierärztin kannte sie die gewöhnlichen Handgriffe um ein junges Pferd ruhig zu halten. Die erste Hufuntersuchung und -korrektur hatten wir, gemeinsam mit Joicy, nur wenige Tage nach der Geburt gemacht und nun hieß es noch einmal nachzusehen. Schließlich sollte der kleine Palominoschecke ohne Fehlstellungen aufwachsen. Die weichen, hellen Fohlenhufe gab Accomplishment mittlerweile sicher und musste daher nicht mehr auf Teufel komm raus gesichert werden. Viel Korrektur musste nicht vorgenommen werden, dennoch waren die Kleinigkeiten von großer Wichtigkeit um Wachstums-Schäden vorzubeugen. Etwa zehn Minuten brauchte ich pro Huf, bis ich zufrieden mit dem neuen Schliff war und die Kleine wieder voller Lebensfreude über die Weide hüpfen durfte. „Das war unkompliziert.“ staunte Gine und ich nickte. „Ich hab nichts anderes erwartet, aber man weiß ja nie. Sie hat viel von ihrer Mutter.“ Als hätte sie es gehört fing Accomplishment plötzlich an wie wild zu buckeln und im Dreieck zu springen. „Das meine ich.“ sagte ich grinsend und sammelte mein Werkzeug ein. Dadurch dass Accomplishment helle Hufe hat, wird sie auch in Zukunft etwas mehr Pflege benötigen. Helle Hufe sind einfach anfälliger durch ihr weiches Horn. Ein gutes Los hatte die Kleine damit nicht gezogen, aber bei guter Pflege sind keine größeren Probleme zu erwarten.
    • Samarti
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      Welcome to Canada
      07/2016, von sadasha | 4201 Zeichen
      Kanada, Riding Mountain National Park. Einige große Anlagen hatten sich hier verteilt, darunter auch die von Elisa Cranfield. Kaum hatte ich das Inserat für Accomplishment gestellt meldete sich die 24 jährige bei mir und wir wurden uns sehr schnell einig, dass die junge Stute keinen besseren Platz finden könnte. Kurze Zeit später hatten wir alles Wichtige geklärt und das Stutfohlen musste nur noch wachsen und gedeihen, bis es seine erste große Reise antreten durfte. Es war das erste Fohlen der Saison dass das Gestüt verließ. Natürlich hätte ich Miss Cranfield nach England bestellen können, um ihr Fohlen abzuholen. Doch zum einen wusste ich, dass sie viel beschäftigt war und zum anderen konnte ich die Gelegenheit nutzen auch mal bei anderen Bekannten in Kanada vorbeizusehen. „Wie lange bist du jetzt nochmal weg?“ fragte mein Vater, als mich packen sah. Ich sah kurz auf, packte dann aber weiter während ich ihm antwortete. „Vier Wochen.“ - „VIER WOCHEN?!“ Ein wenig genervt schnaubte ich. „Spreche ich undeutlich?“ Er schüttelte den Kopf. „Das ist sehr lang, was machst du denn da?“ - „Ich nehm das Motorrad mit, sobald Accomplishment gut untergebracht ist mache ich Urlaub.“ - „Alleine?!“ Ich warf ihm einen vielsagenden Blick zu. „Das ist doch gefährlich, kann nicht jemand mit dir fahren?“ meine Mutter mischte sich ein. Seit wann stand sie schon in der Tür? „Mom, Dad... Raus hier. Geht Ruby bemuttern, die ist noch jung genug für sowas.“ Eingeschnappt verschwanden die beiden und unterhielten sich unüberhörbar laut darüber wie furchtbar gefährlich mein Vorhaben doch sei.
      Kopfschüttelnd und seufzend packte ich die letzten Sachen, kramte die Papiere, die ich schnell zur Hand haben musste in die vordere Tasche meines Reiserucksacks und stellte diesen in den Flur.
      Auf der Stallgasse stand Accomplishment schon in voller Reisemontur. Gine hatte sie gemeinsam mit Ruby ordentlich geputzt und mit Transportgamaschen, einer Decke und ihrem Halfter ausgestattet. „Wann willst du los?“ fragte sie, als sie mich sah. „Gleich, ihr könnt sie schon verladen, dann komme ich gleich nach.“

      Gesagt getan. Gut zwei Stunden später waren wir gemeinsam am Flughafen. „Wie machst du es in Kanada?“ Verwirrt sah ich Gine an. „Was meinst du?“ - „Den Transport. Du hast ja keinen Hänger, kein Auto, kein Nichts. Dein... Motorrad wird dazu wohl kaum geeignet sein?“ Ich lachte. „Nein, ich hab schon was organisiert. Wird schon schief gehen.“ Aus den Lautsprechern ertönte die Ansage meines Fluges. „Gut, ich muss los. Wir sehen uns in einem Monat.“ Ein kurzer Abschied lag mir am besten. Gine hingegen konnte damit nicht umgehen. „Pass auf dich auf!“ riet sie mir während einer letzten Umarmung und ließ mich schließlich los.

      Der Flug war lang und auslaugend, auch Accomplishment hatte er ordentlich zugesetzt. Die junge Stute war so gelangweilt und aufgedreht, dass ich sie nur mit viel Geduld in den Hänger verladen konnte, der sie durch Kanada fahren würde. Immer wieder sprach beruhigend auf das junge Pferd ein. Verladen und gesichert ging es dann vom Flughafen aus weiter zum Nationalpark und schließlich zum Towensend Acres. Elisa Cranfield hatte Erfahrungen mein Deutschen Reitponys, züchtet sie auch selbst. So viel wusste ich. Ich hatte noch keine Ahnung wie groß ihre Anlage ist. Nach etwa dreizehn Stunden Reise rollten wir endlich auf den Hof. Wie selbstverständlich half man beim ausladen der jungen Stute, sodass sie sich recht bald die Beine verteten konnte. Auch ich war froh nicht mehr sitzen zu müssen und sah mich staunend um. Es war ein absolutes Sportpony-Paradies hier. Dass Accomplishment hier die beste Zukunft haben wird, konnte nun niemand mehr bezweifeln. Das eigentliche Gespräch mit Miss Cranfield fiel recht knapp aus. Wir waren beide keine großen Redner, da wir gleicher Meinung waren erzählte ich kurz etwas über die bisherige Entwicklung der jungen Stute und wünschte noch eine erfolgreiche Zeit. Zu guter Letzt erfuhr ich noch, wo ich mich später über die Entwicklung der Scheckstute informieren könnte. Mehr hätte ich mir nicht wünschen können. Zufrieden stieg ich in meinen Mietwagen und fuhr in das angemietete Hotel, wo ein Bett und mein Motorrad schon warteten.
    • Samarti
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      Die Pokémon im eigenen Stall
      07/2016 | 5576 Zeichen
      „LAPRAS!“
      „Wo?!“
      „Könnt ihr vielleicht weniger hier rumschreien? Ich versuche gerade zu lesen. Danke.“ Joline seufzte auf und verdrehte die Augen.
      „Nein, lies woanders“, ertönte es im Einklang von Matthew und mir, was Joline nur dazu brachte, genervt aufzustehen und sich in ein anderes Zimmer zu begeben.
      Eigentlich hätte ich nicht erwartet, dass wir hier in der Nähe wirklich einen PokéStop haben würden. Tatsächlich war aber mein Gestüt einer – warum auch immer. Musste wohl jemand damals eingereicht haben, als man bei Ingress die Portale selbst noch einschicken konnte.
      Jedenfalls hatten sowohl Matthew als auch ich dann ziemlich viel Spaß daran, den PokéStop vom Sofa aus zu aktivieren und einfach immer Lockmodule anzuschmeißen, wenn es gerade die Gelegenheit dazu gab. Meist waren es dann nur Taubsis, Raupys, Hornlius – obwohl die ja zum Leveln alle echt pures Gold waren – oder eben ein nerviges Rattfratz. Bei denen konnte man ja wohl wirklich schon von einer Plage sprechen …
      Nur jetzt war gerade ein wildes Lapras aufgetaucht.
      „Wie viel hat deins?“, grinste ich Matthew an, zufrieden mit der Anzahl der CP, die mir bei meinem angezeigt wurden.
      „Das ist doch nicht wahr? Ich bin Level 17, warum kriege ich ein 43er Lapras?!“
      „Haha, meins hat 1200!“ Ich war versucht, die Zunge rauszustrecken, aber das wäre wohl doch ein wenig zu viel. Zumindest sollte es Matthew ein wenig stören, dass ich drei Level unter ihm war. Tja, wäre er auch mal Level 14 geblieben.

      Nach knapp sieben Minuten ging das Lockmodul dann auch wieder aus und Matthew und ich entschlossen uns dafür, dass es heute wohl genug gewesen wäre. Ich hatte immerhin mein Blitza entwickeln können und ein Lapras gefangen, bei Matthew war es ein recht gutes Aquana geworden und im Großen und Ganzen waren wir doch ziemlich zufrieden. Also beschloss ich, nur noch einmal eine Runde durch die Ställe zu drehen und mich dann schlafen zu legen; immerhin war es schon wieder kurz nach Mitternacht. Matthew hatte mir sogar empfohlen, das zu tun. Ich solle doch mal lieber nach meinen eigenen „Pokémon“ sehen ... Am liebsten hätte ich ihm für den Spruch eine reingehauen, aber ich konnte mich gerade noch beherrschen.
      Beginnen tat ich im Stall der Stuten. Momentan befanden sich hier nur fünf von ihnen, zumindest nachdem ich vor einer Weile den Bestand mal wieder etwas reduziert hatte. Inzwischen waren hier nur noch Hall of Fame CU, Ace of Clubs, Très Jolie, Liluye und die gute alte Ocean Water anzutreffen. Vielleicht würde Beverly auch bald hierher umziehen. Je nachdem, wie sie sich machte, würde sich das wohl in der nächsten Zeit herausstellen.
      Ich checkte nur, ob die Boxen alle vernünftig geschlossen waren und verteilte kurz Streicheleinheiten, bevor ich noch das Licht ausmachte und dann die große Stalltür verschloss.
      Daraufhin ging es weiter zum Hengststall. Sechs waren es hier an der Zahl, und bis auf Allelujah, der noch nicht sonderlich lange wieder bei mir war, und Tenacious waren inzwischen alle erfolgreich gekört. Intoxicated, Levi, Cardillac und Avanti hatten den Stress bereits hinter sich und die Körungen erfolgreich für sich gewonnen. Mal sehen, wie es mit ihnen weitergehen würde. Avanti war ja bereits Papa geworden, und sein Nachkomme hatte sich auch echt entwickelt. Kam ganz nach dem Papa.
      Auch hier ging ich nur einmal kurz von Box zu Box und machte mich dann auf den Weg zum Stall der Kleineren, wo auch Beverly momentan ja noch stand. Liberté's Nessaja fand sich hier auch noch wieder, mal sehen, wann sie den Umzug in den anderen Stall eintreten würde – allzu lange dauerte es bestimmt nicht mehr, sie hatte sich echt gut gemacht. Bei Pina war das ein wenig komplizierter, sie war noch immer sehr kritisch, was die Menschen um sie herum betraf und auf größere Menschenmassen reagierte sie leider nicht sonderlich positiv, was aber auch total nachvollziehbar war. Mit ihr hatten wir noch eine Menge Arbeit vor uns.
      Chesmu hatte sich auch wirklich entwickelt und er wuchs immer mehr zu einem schicken Hengst heran. Der Gute war ja inzwischen auch schon dreieinhalb Jahre alt und meine Erwartungen in ihn waren tatsächlich sehr hoch. Allerdings versprachen sowohl seine Abstammung als auch der junge Hengst selbst, dass er wohl noch einmal einen beeindruckenden „Lebenslauf“ vermerken könnte.
      Aponi und Pamuya waren noch immer beinahe unzertrennlich. Flightless Bird hatten sie jedoch sehr schnell aufgenommen und so bildeten die drei jetzt ihre eigene kleine „Clique“. Leslie war dabei eher diejenige, die immer schüchtern im Hintergrund blieb, während die anderen neue Kontakte knüpften. So war es auch, als Accomplishment, die Neue, dazustieß und sie sich alle erst einmal aneinander gewöhnen mussten. Das Baby unter den vier Stutfohlen sah zwischen den älteren immer sehr zierlich und zerbrechlich aus, machte aber schnell klar, dass das keineswegs auf ihren Charakter zutraf. Stattdessen wollte sie ihren Willen sehr stark durchsetzen und ließ dies auch den Rest wissen. Obwohl Aponi und Pamuya das nicht so recht in den Kram passte (Leslie hatte da wenig beizusteuern, die akzeptierte das einfach), fügte Accomplishment sich doch recht schnell in die wachsende „Gang“ ein und so waren sie dann schon zu viert. Bald würde auch noch Empire of Irony dazustoßen, noch verweilte die allerdings auf dem Pineforest Stud. Mal sehen, wie das mit denen dann werden würde. Für heute hatte ich jedenfalls genug und schloss auch den Stalltrakt der Jüngeren sorgfältig ab, bevor ich wieder ins Haus ging und noch einen Rauch anschmiss. Man wollte ja nicht unnötig Lockmodule verballern.
    • Samarti
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      Die schönste Zeit des Jahres
      11/2016 | 5592 Zeichen
      Weihnachten näherte sich – wieder einmal. Man merkte jetzt schon jedem an, der auf dem Gestüt lebte oder beschäftigt war.
      Dieses Jahr hatte es sogar mich schon ziemlich erwischt. Meine Stimmung hob sich schon, wenn ich nur an Weihnachtsmärkte und Glühwein dachte. Glücklicherweise gab es zur heutigen Zeit auch in Kanada schöne Weihnachtsmärkte, auf denen man sich die Zeit totschlagen konnte – mit Glühwein natürlich.
      Aber bevor ich mich heute Abend mit Joline auf einen dieser Weihnachtsmärkte begeben würde, hatten wir noch einiges vor uns. Denn obwohl meine Vierbeiner momentan in ihre wohlverdiente Winterpause entlassen worden waren und heute sowieso Ruhetag hatten, also demnach nicht ganz so viel zu tun war, wollten sie doch zumindest alle ein wenig Beschäftigung haben.
      Beginnen taten wir mit den Stuten. Matthew und Sophia hatten uns ebenfalls begleitet, sodass es alles noch etwas schneller gehen würde. Ich entschied mich dafür, Très Jolie und Ace of Clubs einfach eben in der Halle ein wenig laufen zu lassen, damit sie sich ihre Beine vertreten konnten (die Paddocks waren zur Zeit leider eine Zumutung für jedes Pferd) und es dauerte nicht lange, bis die beiden Stuten fröhlich durch die Halle galoppierten. Sophia, Matthew und Joline machten mit Hall of Fame CU, Liluye und Ocean Water lieber einen gemütlichen, völlig entspannten Schrittausritt durch einen der Wälder, die sich hier nur so tummelten.
      Nach einer Weile verfrachtete ich meine beiden Stuten wieder in ihre Boxen und gab ihnen noch die Abendportion Futter, ehe es mich schon zu den Hengsten verschlug. So ganz wusste ich noch nicht, was ich mit ihnen heute anfangen sollte. Grundsätzlich waren ja alle recht sozial untereinander und es gab keine wirklichen Dominanzkämpfe, dennoch wollte ich die sechs Hengste nicht mal eben so mir nichts, dir nichts frei in der Halle laufen lassen. Intoxicated hatte ich dann kurzerhand an die Longe genommen, um ihn wenigstens ein bisschen zu arbeiten, genau wie es auch bei dem schicken Rappen Levi der Fall war. Allelujah ließ ich allein in der Halle laufen, bei ihm war es dann doch noch zu riskant, ihn mit den anderen so frei laufen zu lassen, nachdem sich seine ganze Energie angestaut hatte. Zuletzt blieben dann noch Avanti, Cardillac und Tenacious. Auch die drei durften noch ein paar Runden in der Halle drehen, bevor es für sie auch wieder zurück in die Boxen ging.
      Für die Jungpferde und Fohlen nahm ich mir dann etwas mehr Zeit. Die Anderen waren inzwischen auch von ihrem Ausritt zurück und so schnappte sich jeder eins der vier Reitponyfohlen: Matthew beanspruchte Aponi für sich, Joline halfterte Pamuya auf und Sophia kümmerte sich um Flightless Bird, während ich Accomplishment unter meine Fittiche nahm. Für die Kleine hatten wir noch immer keinen passenden Spitznamen gefunden, obwohl sie doch schon eine ganze Weile bei uns war. Die kreative Eingebung, auf die wir alle hofften, blieb aber leider momentan noch aus. Die vier Stutfohlen wurden allesamt ausgiebig verwöhnt und praktisch blitzeblank geputzt, ehe es für sie wieder in die Boxen ging. Auch PFS‘ Empire of Irony durfte sich noch einer Putzeinheit unterziehen und schien auch dies sichtlich zu genießen, denn der Anglo-Araber schloss zufrieden die Augen und begann spontan zu dösen. Generell war sie doch schon sehr zutraulich für ihr junges Alter, ließ sich aber dennoch Zeit dabei, bis sie jemandem wirklich vertraute.
      Beverly und Pina liefen inzwischen beide wirklich sehr gut unter dem Sattel – zumindest für ihren Ausbildungsstand. Pina ließ sich zwar nur von mir reiten, weshalb ich mir für sie immer besonders viel Zeit nehmen musste, doch bei ihrer Vergangenheit war das kein Wunder. Dementsprechend störte es mich auch nicht, dass sie so gesehen eine Extrabehandlung benötigte, denn ihre Fortschritte machten sowieso alles wieder wett und Trainingsfortschritte verfolgte man doch immer wieder gern, wenn man wirklich sehen konnte, was man bereits alles erreicht hatte. Liberté’s Nessaja nahm ich ebenfalls noch kurz an die Longe, damit sie sich wenigstens etwas bewegen konnte.
      Zu guter Letzt kam dann noch Chesmu dran. Der Gute hatte sich in der letzten Zeit wahnsinnig gemacht und inzwischen war er doch tatsächlich schon fast ganze vier Jahre alt – wie die Zeit verging! Chessi war von einem kleinen, süßen Fohlen zu einem wahnsinnig schicken Hengst herangewachsen, dessen war er sich aber auch mehr als nur bewusst. Mit dem goldenen Fell und dem seidigen Langhaar könnte man ihn inzwischen fast für ein Barbiepferd halten. Glücklicherweise benahm er sich nicht wie Cardillac, denn sonst wäre der Vergleich wirklich treffend.
      Auch Chesmu durfte sich eine Weile an der Longe austoben und ihn schien das wirklich zu freuen. Ein paar Freudensprünge und Buckler waren schon drin, als er angaloppieren sollte. Auch, wenn dies sich relativ schnell legte, schlich sich doch ein Grinsen in mein Gesicht, als ich ihn so beobachtete.

      „Joliiiine, wir können los!“, rief ich durchs Haus, nachdem ich mir meine Jacke noch übergestreift hatte und in meine Schuhe schlüpfte.
      Besagte Person kam die Treppe heruntergestolpert und grinste mich nur an. „Ja, ich bin so-“, sie hickste kurz, „-weit!“ Dann kicherte sie kurz, weil sie sich versprochen hatte.
      Ein Blick auf die Tasse in ihrer Hand, aus der noch etwas Dampf stieg, verriet sowieso schon alles. „Ist das Glühwein?“, wollte ich wissen und zog fragend eine Augenbraue hoch. Das Nicken ihrerseits hatte zur Folge, dass wir uns einfach zu zweit mit Glühwein auf dem Sofa niederließen, Lost laufen ließen und uns einen gemütlichen Abend machten.
    • Samarti
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      Erwachsen werden
      01/2017 | 6052 Zeichen
      „Na“, ermahnte ich das inzwischen knapp dreijährige deutsche Reitpony, welches gerade zum wiederholten Male den Huf, den ich gerade auskratzen wollte, wegzuziehen versuchte. Ich wusste nicht, was ab und zu in Accomplishments Köpfchen so vor sich ging, aber sie konnte manchmal unglaublich frech sein. Grundsätzlich war sie sehr lernwillig und aufgeschlossen gegenüber Neuem, aber ab und zu stellte sie auch gern mal auf stur und tat, als hätte sie alles vergessen, was sie jemals gelernt hatte. Dass der Fall eintrat, war zum Glück aber auch ziemlich selten und demnach konnte ich es ihr gerade noch so verzeihen, wenn sie mal wieder einen schlechten Tag hatte.
      Der Palominoschecke stupste mich in dem Moment an und drückte mir die kleine, samtige Nase in die Seite. Lächelnd wuschelte ich Accomplishment (die dringend noch einen Spitznamen brauchte!) über den Kopf und durch den Schopf, ehe ich ihren letzten Huf auskratzte und den Hufkratzer dann wieder in ihre Putzbox legte. Die war, wie für uns üblich, in den Farben dunkelgrün und gold gehalten, um alles schön den Stallfarben anzupassen. Es war aber auch eine echt schöne Farbkombination und mit der Wahl war ich jedes Mal wieder aufs Neue komplett zufrieden.
      Nachdem ich Accomplishment fertig geputzt hatte, wurde die junge Stute wieder entlassen und durfte zurück zu ihren Freundinnen auf die Koppel. Viel mehr wollte ich ihr nicht antun, sie sollte ruhig erst einmal ihre Fohlenzeit ausgiebig genießen dürfen, ehe es an die erste „richtige“ Arbeit gehen würde. Da der Tobiano noch nicht einmal ein Jahr alt war, war das völlig selbstverständlich – ich wollte keinesfalls riskieren, dass sie irgendwann sauer werden würde. Genauso ging es auch PFS‘ Empire of Irony. Der Anglo-Araber war in etwa im selben Alter wie Accomplishment und überragte das Ponyfohlen zwar um ein gutes Stück, alles in allem hatten sich die beiden Fohlen aber doch miteinander befreundet und wichen sich nicht von der Seite.

      Ganz anders verhielt es sich momentan mit Chesmu. Er hatte in knapp einer Woche Geburtstag und wäre dann schon vier Jahre alt. Die Zeit mit ihm war wahnsinnig schnell vergangen und es kam mir selbst nicht einmal ansatzweise so vor, aber aus ihm war tatsächlich ein stattlicher, wunderschöner Hengst geworden. Ich konnte es selbst gar nicht erwarten, irgendwann seine ersten Nachkommen begrüßen zu dürfen, aber bis dahin hatte er noch ein wenig Zeit.
      Nichtsdestotrotz ließ es sich nicht verleugnen, dass er sich im Training sehr gut machte. In den letzten Monaten hatten wir uns verstärkt mit dem Einreiten des Fuchses beschäftigt und die Fortschritte ließen sich definitiv blicken. Auch, wenn er nicht ganz so sicher gegenüber Neuem war, ließ er sich dennoch an eben solche Sachen heranführen und wenn er dann einmal gemerkt hatte, dass es ihn nicht beißen würde, war alles kein Problem. So hatte er sich auch bei der Gewöhnung an den Sattel und die Trense verhalten, aber lange hatte es nicht gedauert, bis es ihn nicht mehr wirklich interessierte. Im Großen und Ganzen war Chessi da sehr pflegeleicht.
      Heute würde ich zum ersten Mal alleine mit ihm eine kleine Runde durchs Gelände drehen. Die letzten Monate hatte ich ihn dabei entweder nur geführt oder aber wir hatten jemanden als Begleitung dabei, beispielsweise auf Oma Ocean Water, was auch stets gut geklappt hatte, da die Ponydame doch eine sehr ruhige, gelassene Zeitgenossin war. Ich hatte aber selbst während der letzten Ausflüge gemerkt, dass Chesmu immer ruhiger und sicherer im Gelände geworden war, weshalb ich mich dazu entschieden hatte, heute allein mit ihm einen kleinen Ritt zu unternehmen.
      Bereits als ich am Koppelzaun stand, kam der Hengst auf mich zugelaufen und gab sein Bestes, sich bei mir einzuschleimen, um eventuell ein paar Leckerlis abzustauben. Gezwungenermaßen ließ ich mich erweichen, ihm ein Stück Karotte zu geben, als er sich von mir gehorsam aufhalftern und zum Putzplatz führen ließ. Seine Box holte ich mir rasch aus der Sattelkammer, nachdem ich den Fuchs mit dem hellen Langhaar angebunden hatte, und kümmerte mich dann darum, dass sein Fell wieder von dem Dreck befreit wurde. Anscheinend war es mal wieder nötig gewesen, dass er sich inmitten der Koppel die einzige nicht von Schnee bedeckte Stelle suchen und sich im Schlamm wälzen musste.

      Der Ausritt verlief insgesamt sehr gut und vor allem sehr ruhig. Chesmu ließ sich von nichts beirren und sah auch nicht an jeder Ecke Gespenster, wie man es von manch anderem Pferd kannte, das so etwas gut und gern mal tat. Stattdessen stapfte er seelenruhig durch den tiefen Schnee und zögerte lediglich kurz, als im Gebüsch etwas raschelte; ging aber dann tapfer weiter, als der Hase sich zu erkennen gab und sich schnell vom Acker machte. Viel geschah momentan zum Glück nicht um uns herum, da im Winter in Kanada nicht viel los war und der Großteil der Tiere im Nationalpark beziehungsweise der direkten Umgebung noch im Winterschlaf lagen, weshalb dies die optimale Gelegenheit war, um Chesmu langsam, aber sicher an alleinige Ausflüge ins Gelände zu gewöhnen. Ich war schon gespannt, wie sich das im Frühling und im Sommer entwickeln würde, wenn alles wieder farbenfroh und lebendig sein würde, war mir aber auch sicher, dass das für Chesmu dann kein Problem mehr darstellen sollte.

      Wir drehten heute nur eine kurze Runde. Vielleicht waren wir knapp fünfzehn Minuten im Schritt unterwegs gewesen, als wir schon wieder auf dem heimischen Boden ankamen und ich meinen Ponyhengst stolz zum Putzplatz ritt, wo ich abstieg und ihn anschließend noch verpflegte und etwas verwöhnte. Hier ein Leckerli, hier eine Streicheleinheit – Chessi könnte keinesfalls meckern, dass ihm nicht genügend Aufmerksamkeit zugutekommen würde. Als ich ihn schlussendlich wieder auf die Koppel brachte, sah ich Matthew, der mir gerade entgegenkam und von mir wissen wollte, was ich mit Chessi gemacht hätte. Dass ich wie ein Honigkuchenpferd bis über beide Wangen strahlte, sagte aber dann auch schon alles und Matthew nickte nur grinsend, bevor er wieder von der Bildfläche verschwand.
    • Samarti
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      Rückblick
      02/2017 | 3000 Zeichen
      Unruhig zuckte das helle Scheckfohlen neben mir mit den winzigen, goldenen Ohren. Aber wen wunderte das schon bei den vielen fremden Eindrücken; gerade für so junge Fohlen war dies eine ganz neue Erfahrung, die Accomplishment in diesem Ausmaß selbst noch nicht erlebt hatte. Nichtsdestotrotz hatte ich mich dafür entschieden, mit ihr an einer Fohlenschau teilzunehmen. Selbst, wenn es ein totaler Reinfall sein würde, hätte die Stute dann immerhin ersten Kontakt zu solchen Veranstaltungen sammeln können.

      Die Lautsprecher rauschten kurz, bevor uns eine weiche Frauenstimme über eben diese Boxen ankündigte. Kurz zuvor hatte Occu ebenfalls eines ihrer Fohlen vorgestellt und da sie nun mit der Kür durch war, waren wir nun am Zug. Ich atmete noch einmal kurz durch, zupfte Accomplishments kurze Stehmähne zurecht und strich ihr über den weißen Hals, ehe ich losging und den Tobiano neben mir somit dazu brachte, ebenfalls mit mir loszulaufen.

      Zunächst ging es im Schritt zum Bahnmittelpunkt X, wo ich kurz die Richter grüßte und einige Worte über Accomplishments Abstammung verlor, wobei ich mich hierbei eher auf ihren Vater konzentrierte.
      Äußerlich kam sie nämlich ganz nach diesem und wenn sie erst einmal noch größer und älter wäre, würde sich dieser Eindruck bestimmt noch verstärken. Vom Charakter her war das ein aber manchmal (leider) ein ganz anderes Erlebnis: Obwohl sie doch recht klug war und schnell lernte, konnte sie diese Eigenschaft gut und gerne verstecken, wenn ihr mal nicht nach Lernen zumute war. Auch sonst hatte sie ihren eigenen Willen, den sie immer wieder durchzusetzen versuchte, grundsätzlich aber war sie doch ein Engel auf Erden und präsentierte sich immer wieder gern von ihrer Schokoladenseite – wenn man das bei ihrer Fellfarbe noch so nennen durfte.

      Nachdem ich das Fohlen kurz vorgestellt hatte, klinkte ich den Führstrick aus und gab ihr mit „Ab!“ zu verstehen, dass sie sich ein wenig die Beine vertreten sollte. Accomplishment nutzte sofort die Chance, in einen raumgreifenden Trab zu verfallen, sodass sie praktisch über den Hallenboden schwebte. Das zierliche Stutfohlen liebte es geradezu, immer im Rampenlicht zu stehen und alle Blicke auf sich zu spüren, dann blühte sie komplett auf.
      Auf den Trab folgte noch der Galopp, der ebenso elegant war, und wieder schien der Palominoschecke bald zu fliegen. Hier und da waren zwar noch ein paar kleinere Stolper zu sehen, was aber bei ihrem Alter noch akzeptabel war. Im Großen und Ganzen schlug sie sich wirklich gut.

      Irgendwann kam ich Accomplishment zuvor und stellte mich etwas höher als sie, sodass sie die Richtung wechselte und den Galopp noch einmal auf der rechten Hand, ihrer besseren, zeigte. Auch der Trab wurde noch einmal vorgeführt, ehe ich sie zu mir rief und sie auch direkt im Schritt auf mich zugelaufen kam (wie oft hatten wir das geübt, bis es saß?). Daraufhin verabschiedeten wir uns noch von den Richtern, bevor auch wir die Halle verließen und Platz für das nächste Team machten.
    • Samarti
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      Kabelchaos
      02/2017 | 4814 Zeichen
      Unschlüssig starrte ich auf die beiden HDMI-Kabel, welche ich in je einer Hand hielt, und mein Blick schweifte abwechselnd vom einen zum anderen. Matthew und Joline hatten mich losgeschickt, weil sie es gestern Abend tatsächlich geschafft hatten, dass Pebbles das Kabel zerstört hatte – weil die beiden Kasper es für nötig gehalten hatten, es wie einen Faden vor dem grauen Kater herzuziehen. Damit, dass er wirklich darauf anspringen würde, hatten sie, laut eigener Aussage, nicht gerechnet. Haha, ja klar.

      „Die Länge habe ich auch“, erklang eine tiefe, rauchige Stimme neben mir und eine Hand deutete auf das fünf Meter lange Kabel. Innerlich verfluchte ich Zai dafür, dass mein erster Gedanke bei so etwas in eine völlig falsche Richtung ging, ließ es mir aber äußerlich nicht anmerken. Mein Blick wanderte von den Fingerspitzen bis hinauf zum Ellbogen; ein Großteil der Haut war mit Tattoos versehen. Natürlich durfte auch ein Schriftzug über die Finger nicht fehlen, was mich zum Schmunzeln brachte. Wie vorhersehbar.
      Der Mann neben mir räusperte sich, sodass ich mich wieder auf die Verpackungen konzentrierte, die ich noch immer in den Händen hatte. „Danke“, meinte ich kurzangebunden, aber freundlich, und wandte mich von dem Fremden wieder ab. Ich hatte einen straffen Zeitplan.
      „Das sind nur zwei Meter“, kommentierte er meine Wahl. „Das reicht auf Dauer nicht, ist total unflexibel. Was man braucht, ist eine mindestens angemessene Länge. Außerdem ist das Kabel, das du dir gerade kaufen willst, fast genauso teuer wie das längere und viel unstabiler. Glaub mir, ich hab damit schon Erfahrungen gemacht.“
      Langsam nervte mich der Typ. Schön und gut, dass er mir helfen wollte, aber ich würde das auch wohl alleine schaffen. Es war schließlich nicht das erste Mal, dass ich ein Kabel kaufen musste. Sowas machte man als erwachsene Person nun mal. Also seufzte ich nur auf und drehte mich um. „Willst du mir hier ein Kabel andrehen oder dich? Ich habe nämlich irgendwie das komische Gefühl, dass du ganz schön nervig bist. Keine Ahnung, warum“, entgegnete ich schnippisch, noch während ich mitten in der Bewegung steckte, und schüttelte den Kopf.
      Jetzt bekam ich zum ersten Mal die Gelegenheit, den Typen vor mir zu mustern. Die eisblauen Augen musterten mich ebenso gründlich wie meine eigenen ihn. Schlecht sah er eigentlich nicht aus, auch wenn er etwas mehr Sonne und etwas weniger Haargel gut vertragen könnte.

      „Du hast da was“, nickte ich ihm zu und zeigte mit der Hand in die Richtung seiner Haare. Verwirrt fuhr er sich mit der linken Hand durch seine Frisur. Es schien ihn ein wenig irritiert zu haben, kurz zerfiel sein kühles Auftreten und er wurde zu einem etwas sympathischeren Menschen.
      „Weg?“ Mit seiner Frage riss er mich aus meinen Gedanken und ich sah kurz hoch – er überragte mich um knappe 25 Zentimeter, wie eklig! –, nur um daraufhin den Kopf zu schütteln. „Sorry, aber ich glaube, so schnell wirst du zwei Kilo Haargel zu viel nicht los“, teilte ich ihm dann bedauernd mit und zuckte gleichgültig mit den Schultern.
      Grummelnd verdrehte der Dunkelblonde die Augen. „Dann viel Spaß mit deinem kurzen Kabel. In spätestens zwei Wochen kommst du hier eh nochmal hin, um dir ein längeres zu besorgen. Das ist einfach zu kurz.“
      Mein Blick hob sich und ich starrte ihn beständig an. Von solch einem Kabeldepp würde ich mich nicht einkriegen lassen. „Das werden wir ja sehen“, nickte ich, ehe ich süffisant lächelte. „Dir viel Glück mit deinen verklumpten Haaren!“


      Daheim angekommen war mal wieder die Hölle los. Matthew rannte mir entgegen und erklärte mir, dass Accomplishment sich ein weiteres Mal einen kleinen Spaß erlauben wollte, indem sie sich in irgendeiner Ecke versteckte und das Gras am Wegesrand verschlang. Ein Glück waren wir weit entfernt von der nächsten vielbefahrenen Straße, darüber müsste man sich wahrscheinlich nie großartig Sorgen machen.
      „Wie konnte das denn jetzt schon wieder passieren?“, seufzte ich und stellte meine Einkaufstüte auf den Küchentresen. Auspacken würde ich die wohl erst später.
      „Joline wollte mit ihr und Pina etwas arbeiten. Pina hat sich erschrocken, Joline sich auf sie konzentriert und zack, Accomplishment hat ihre Chance genutzt. Elisa, du musst ihr wirklich mal mehr Manieren beibringen“, wurde ich getadelt und ich nickte nur zustimmend. Für Diskussionen war jetzt keine Zeit – auch, wenn ich mir sicher war, zu wissen, wo Accomplishment stand.

      Ich behielt Recht. Es war jetzt das dritte Mal, dass die inzwischen dreijährige Stute sich mal eben so mir nichts, dir nichts vom Acker machte, trotzdem fand man sie immer an derselben Stelle wieder: gut versteckt in einem der kleinen Miniwälder auf der Anlage. Immerhin blieb sie auf dem Gestüt und rannte nicht quer durch den Nationalpark, das war bestimmt ein Fortschritt. Bestimmt.
    • Samarti
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      Ein Neuanfang
      03/2017 | 5280 Zeichen
      „Guck mal, ich hab ein neues Halfter für Acco gefunden!“, freute sich Gwen, als sie über den Hof hüpfend auf mich zugelaufen kam. Ich war gerade am Boxen ausmisten, als sich dies ereignete, stellte aber die Mistgabel auf, stützte mich darauf und zog eine Augenbraue hoch.
      Acco?
      „Accomplishment!“ Schmollend schob meine Nachbarin die Unterlippe nach vorn und sah mich mit ihrem typischen Welpenblick an. „Nicht gut?“
      Ich hatte das Gefühl, dass sie gleich Wasserfälle heulen würde, wenn ich den Spitznamen für meine Scheckstute nicht akzeptierte, so, wie sie da gerade stand. Ein jämmerliches Häufchen Elend, das nur auf der Suche nach Bestätigung war.
      „Nein. Ganz und gar nicht gut.“

      Es stimmte aber. Accomplishment war inzwischen ziemlich erwachsen geworden und der Name war einfach unfassbar lang, als dass man ihn immer wieder aussprechen könnte. Bereits vor einer Weile hatte ich mich darüber beschwert, dass wir einfach noch nicht dazu gekommen waren, uns einen passenden einfallen zu lassen, und anscheinend hatte Gwen sich das als Anreiz genommen, um sich daheim mit Stift und Papier an den Tisch zu setzen und sich ihre eigenen Gedanken zu machen. Was dabei rauskam, hatte man ja gesehen … jetzt.
      Ich war von so viel Kreativität wirklich, äh, überwältigt.

      Das Halfter war jedenfalls ganz „schlicht“ in den Farben pink und weiß gehalten. Zuerst war ich skeptisch, aber als sowohl Gwen, als auch Elena und Zai bei der Vorführung dabei waren und ich deren Reaktionen beobachten konnte, fand ich es selbst doch ganz süß. Gwen quietschte direkt verliebt auf, während Elena damit begann, dass Acco/Lisha/Accomplishment dann später auch unbedingt ihr weiteres Zubehörzeug in diesen Farben bekommen sollte, dafür würde sie sich persönlich einsetzen und anderes sei auf gar keinen Fall akzeptiert.
      Und Zai? Die verdrehte erst die Augen, gab einen spöttischen Kommentar ab und ließ sich anschließend doch noch von der Begeisterung der Anderen mitziehen.
      Nach der Halfteranprobe für Accomplishment wurde die junge Stute wieder auf ihre Weide geführt (natürlich mit dem schicken, neuen Halfter, das aber selbstverständlich auf der Weide abgenommen wurde, bevor Elena meckern konnte) und ich machte mich mit Matthew auf den Weg zum Nebenstall. Dort standen momentan nur die beiden Vollbluthengste Morengo und Hidden Flyer, wovon letzterer erst vor wenigen Tagen angekommen war. Relativ schnell hatten die Zwei sich wiedererkannt und da sie auch bei Michelle zusammen aufgewachsen waren, durften sie sich auch eine Weide teilen. Inzwischen hatten beide ordentlich zugelegt und sahen auch schon wieder mehr nach Pferd aus. Wir hatten zwar noch immer einen sehr weiten Weg vor uns, doch das wären alles keine riesigen Hürden, wenn alle an einem Strang arbeiteten – und das würden wir wohl irgendwie schaffen.

      Charles war ganz begeistert von unseren Neuzugängen, die natürlich nicht die einzigen beiden Großpferde im Stall bleiben durften. Stattdessen plante ich nun, einige Vollblüter mehr zu uns zu holen; auch PFS‘ Empire of Irony würde sich hier ganz gut machen, sobald sie erst einmal ausgewachsen wäre. Die kleine Porzellanscheckstute hatte sich ebenfalls ordentlich gemacht und sah immer weniger nach einem Fohlen aus, auch das erste Weiß kam schon ein bisschen zum Vorschein.
      Und genau das war der Punkt: Drei von drei Pferden, die kein Deutsches Reitpony waren, waren Schimmel. In ferner Zukunft würde also mein ganzer Nebenstall komplett weiß sein, wenn ich nicht etwas Farbe reinbringen würde.

      Bei Morengo trafen wir auf Charles. Matthew grüßte ihn direkt, während ich nur ein wissendes Grinsen benötigte. Von Morengo bekam er momentan einfach nicht genug, aber wen wunderte das schon – mir ging es da ähnlich. Das englische Vollblut hatte es auch mir angetan, aber Charles aus einem ganz anderen Grund: Er sah in Morengo das Rennpferd, welches den Titel „Pferd des Jahres 2010“ als Hengst für sich hatte erobern können und sogar die Triple Crown gewonnen hatte. Endlich hatten sich die Rennpferde auf diesem Gestüt behaupten können, somit war ein kleiner Traum für den Rennpferdetrainer in Erfüllung gegangen.
      Genau deshalb beschäftigte er sich nur zu gern mit dem Training der Galopper, um beide wieder zu den Pferden zu machen, die sie einst waren; oder ihnen zumindest das zu bieten, was sie beide liebten: den Rennsport. Wahrscheinlich würden beide nun viel mehr im Vielseitigkeitssport unterwegs sein als auf der Rennbahn, aber die Freude daran dürfte man ihnen dennoch nicht nehmen.
      Hidden war sehr viel umgänglicher geworden, auch wenn er sein Misstrauen den Menschen gegenüber noch nicht vollends überwunden hatte. Wir arbeiteten jedoch genug daran und schritten immer weiter fort, und solange er sich mit dem Menschen schon angefreundet hatte, der gerade mit ihm arbeitete, machte er bei der Arbeit auch mit. Man bemerkte deutlich, dass ihm die Arbeit gefehlt hatte. Vor allem die Denkarbeit machte dem Rappschimmel sichtlich Spaß und hatte er sich erst einmal überwunden, konzentrierte er sich auch darauf. Noch immer war er sehr aufmerksam und vorsichtig, ließ sich schnell ablenken und achtete haargenau auf seine Umgebung, doch es waren eindeutige Fortschritte zu erkennen.
      Mal sehen, wie sich die beiden Rennpferde auf einem Reitponygestüt so machen würden.
    • Samarti
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      Tierarztkontrolle
      05/2017, von Jeanne | 8830 Zeichen

      Inzwischen ging es für Ms. Vernon und mich zum dritten Mal in die bereits bekannte kanadische Nachbarschaft. Ms. Cranfield, die Besitzerin von Townsend Acres, hatte uns wieder zu sich gebeten. Diesmal würde sie selbst nicht anwesend sein, stattdessen hatte Ms. Vernon mir erzählt, dass uns eine Trainerin zur Seite stehen würde, Joline Carpani. Sie war im gleichen Alter wie ich, was es wieder sehr viel komischer machen würde, sie zu siezen. Aber damit würde ich klarkommen.
      Den Weg kannte ich noch vom letzten Mal, als wir bei Ms. Campbell gewesen waren. Inzwischen würde ich wahrscheinlich fast allein ohne Navi herfinden, ohne dabei große Probleme zu haben.
      Auf Townsend Acres angekommen erwartete Ms. Carpani uns bereits fröhlich lächelnd und während sie auf uns zugelaufen kam, pfiff sie ein Lied. Alles in allem schien sie super gelaunt zu sein, weshalb sie mich direkt damit ansteckte.
      „Hi! Ich bin Joline.“ Sie streckte mir ihre Hand entgegen, die ich sofort ergriff und zur Begrüßung schüttelte. Ms. Vernon stellte mich ihr vor, als hätte ich selbst keine Stimme mehr. Dennoch lächelte ich nur.
      „Also dann – wollen wir mal!“ Beinahe hüpfend lief Ms. Carpani vor uns her zur Weide. „Die Pferde und Ponys stehen inzwischen tagsüber durchgehend auf der Weide“, erklärte sie uns, während sie sich das schöne braune Lederhalfter mit Goldbeschlägen griff, das über dem Zaun hing. Dann pfiff sie einmal kurz, woraufhin sich die Köpfe der drei Ponys, die auf der Weide standen, hoben. Ein lautes Rufen der Name sorgte dafür, dass die Deutschen Reitponys sich gemütlich auf den Weg zum Zauntor machten. Als sie angekommen waren, halfterte Ms. Carpani den leuchtenden Fuchs mit hohen Abzeichen auf. Verspielt wollte er an ihrer Jackentasche knabbern, höchstwahrscheinlich um sich ein Leckerli zu ergaunern. „Das ist Chesmu“, sagte sie, während die Frau mit den rotblonden Haaren die Stirn des Hengstes kraulte. Chesmu war vierjährig und von Ms. Cranfield selbst gezüchtet worden. Jetzt stand für ihn eine Routineuntersuchung inklusive Schutzimpfungen und Wurmkur und eine Zahnbehandlung auf dem Plan.
      Der junge Hengst machte sich ausgesprochen gut. Ms. Vernon ließ mich diesmal die gesamte Untersuchung durchführen, also kontrollierte ich zunächst seine Augen und leuchtete ihm mit der Taschenlampe dagegen, um den Pupillenreflex zu testen. Diese zog sich durch den plötzlichen Lichteinfall zusammen und auch sonst konnte ich keine Probleme erkennen. Die Ohren sahen ebenfalls in Ordnung aus, Milben waren nirgends auffindbar und so hörte ich Herz und Lunge des Ponys noch ab und maß die Körpertemperatur, um die PAT-Werte zu überprüfen. Da ich den Ruhepuls und die Atemfrequenz vorher schon gemessen hatte, wollte ich diese nun noch nach etwas Bewegung testen.
      „Würden Sie ihn mir kurz vorlaufen lassen?“, bat ich Ms. Carpani deshalb, die nur lachte. „Du kannst mich ruhig duzen. Es ist komisch, von jemandem im selben Alter gesiezt zu werden, wenn man noch so jung ist. Aber ja, klar“, grinste sie dann und lief motiviert los. Chesmu folgte ihr etwas gelangweilter, brauchte aber dennoch keine Überredungskünste, um neben ihr herzutraben.
      Sein Bewegungsapparat war ausgesprochen schön, er zeigte keine Taktunklarheiten. Deshalb rief ich Joline und Chesmu zu mir zurück, hörte ihn noch einmal ab und wandte mich dann an Ms. Vernon. Die Zahnbehandlung würde sie durchführen müssen.
      Es stellte sich bei Chesmu heraus, dass bei ihm nur die Schneidezähne etwas gekürzt werden mussten, weshalb Ms. Vernon ihm das Maulgatter ins Maul schob, damit er während der Behandlung nicht kneifen konnte. Es war ihm etwas unangenehm, dass die Tierärztin ihm so im Maul rumhantierte, dennoch hielt er still und ließ es mehr oder weniger erfreut über sich ergehen.
      Nachdem ich ihm anschließend die Impfungen und die Wurmkur verabreicht hatte, konnten wir den Hengst guten Gewissens wieder entlassen und uns um die nächste Patientin kümmern.
      Accomplishment war eine dreijährige Reitponystute in schönem Fell. Sie war ein Palominoschecke mit viel Weiß und allem Anschein nach wusste sie genau, dass sie gut aussah. Genau so verhielt sie sich nämlich, als Joline sie von der Weide geholt hatte. Mit erhobenem Schweif tänzelte sie neben der Frau her und blähte die Nüstern auf. Aufrecht und mit großen Augen starrte sie uns an.
      „Keine Sorge, Lisha tut nur so“, ermunterte Joline mich, als wir das Pony angebunden hatten. Noch immer verfolgte Accomplishment jeden unserer Schritte. „Die ist ganz lieb, präsentiert sich einfach nur zu gern.“
      So war es auch. Nachdem ich sie abgehört hatte, ließ Joline die Ponystute vortraben. Wieder schmiss sie ihre Beine praktisch in die Luft und trabte mit hoch erhobenem Schweif neben der Rotblonden her. Aber auch hier konnten weder Ms. Vernon, noch ich irgendwelche Ungereimtheiten erkennen und so fuhren wir mit der Untersuchung fort. Die Augen waren in Ordnung, auch bei den Ohren verlief die Untersuchung ohne Befund. Ms. Vernon kümmerte sich wieder um die Zahnbehandlung, fummelte hier und da etwas im Maul des Ponys rum, musste aber keine großartige Behandlung durchführen, sodass ich mich direkt darum kümmerte, die Impfungen vorzubereiten. Dann suchte ich mir die Einstichstelle heraus, machte kurzen Prozess und verpasste der Stute mit einem kleinen Pieks die Impfungen gegen Herpanus, Tetanus, Influenza und Tollwut. Nachdem ich die Kanüle wieder aus dem Pferdekörper gezogen hatte, massierte ich die Stelle noch kurz, damit sich keine Verklumpungen bildeten und bereitete dann noch die Wurmkur vor, die Accomplishment durch die Maulspalte durch verabreicht bekam. Danach war auch sie fertig und konnte sich der Tortur entziehen.
      Unsere nächste Patientin war eine knapp 16 Wochen alte … Hündin. Obwohl Ms. Vernon auf Pferde spezialisiert war, behandelte sie auch immer wieder andere vier- oder andersbeinige Patienten und diesmal hatte Ms. Cranfield uns gebeten, Dalmatinerwelpe Bonnie ebenfalls zu untersuchen und zu immunisieren. Vor vier Wochen war sie zuletzt geimpft worden, nun standen nur noch das Wiegen, die Auffrischung der Impfungen und eine Wurmkur auf dem Plan.
      Bonnie war ein wenig schüchtern und es kostete sie jede Menge Überwindung, ehe sie schließlich doch zu uns kam. Dann aber genoss sie die Streicheleinheiten, die sie sich bei uns abholen konnte. Das kleine Hundemädchen war einfach goldig. Am liebsten hätte ich sie eingepackt und mitgenommen, aber ich war mir sicher, dass Ms. Cranfield und wohl auch die ganzen anderen Kanadier hier etwas dagegen hätten.
      Ms. Vernon hatte einfach alles in mobiler Ausführung dabei. Aus dem Kofferraum des Autos hatte sie eine Waage entführt, die sie jetzt aufbaute, während Joline und ich uns nicht von Bonnie losreißen konnten. Diese lag inzwischen auf dem Rücken und ließ sich genüsslich von uns unterm Bauch kraulen.
      Nachdem die Waage aufgebaut und einsatzbereit war, verfrachteten wir Bonnie auf die Platte und sorgten dafür, dass sie ruhig stehen blieb. Während die Anzeige noch etwas schwankte, beobachtete Bonnie diese genau und legte den Kopf schief, als würde sie versuchen zu verstehen, was dort vor sich ging.
      „9,3 Kilo“, las Ms. Vernon anschließend vor. „Das durchschnittliche Gewicht im Alter von 16 Wochen liegt bei etwa 11 Kilo, aber einige Schwankungen sind normal. Und sie ist ja auch eine recht zierliche, kleine Hündin, also ist da alles in Ordnung.“ Sie trug das Gewicht auf ihrem Tablet in die Patientenakte ein und vermerkte es dort, um später den Verlauf des Gewichts genau dokumentiert zu haben.
      Bonnie machte insgesamt einen sehr fitten, gesunden Eindruck. Sie war aktiv, verspielt und lebensfroh. Genau deshalb war es etwas schwierig, sie ruhig zu halten, als Ms. Vernon ihr kleines Herz abhörte, denn die Hündin wollte die ganze Zeit in das Stethoskop beißen.
      Nach der grundlegenden Untersuchung bekam Bonnie die Wurmkur noch ins Maul. Schmatzend hielt sie den Kopf in die Höhe und versuchte, die Paste irgendwie loszuwerden, schluckte sie dabei aber zum Glück runter und spuckte sie nicht aus.
      Für die Impfungen gegen H.c.c., Staupe, Parvovirose und Tollwut suchte Ms. Vernon sich die Stelle kurz hinter dem Schulterblatt aus, zog ein Stück Haut nach oben und setzte die Spritze dort. Bonnie sah kurz erschrocken nach hinten, als der Pieks kam, schnupperte dann aber neugierig an der Hand der Tierärztin und schien sich nicht weiter darum zu kümmern, was dort eigentlich geschah. Schlussendlich setzte Ms. Vernon noch den Chip unter die Haut des Welpen und las die Nummer zur Kontrolle nochmal aus, ehe sie sie im Pass eintrug.
      Von Bonnie hätte ich mich am liebsten gar nicht verabschiedet, aber uns erwartete bereits ein weiterer Auftrag. Wenn wir in der Praxis daheim ankommen würden, würde uns ein Patient in der Klinik erwarten, bei dem eine Kastration anstand. Darauf war ich wirklich gespannt.
    • Samarti
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      Die Flucht vor Verantwortung
      05/2017 | 1256 Zeichen
      Hauptstall: Accomplishment, Ace of Clubs, Beverly, Hall of Fame CU, Liluye, Liberté’s Nessaja, Ocean Water, Pina, Très Jolie
      Südstall: Allelujah, Avanti, Cardillac, Chesmu, Intoxicated, Levi, Tenacious
      Weststall: Aponi, Flightless Bird, Pamuya, PFS‘ Empire of Irony
      Nebenstall: Morengo, Hidden Flyer

      „Ich will noch nicht aufstehen“, grummelte Matthew genervt und zog sich die Bettdecke wieder über den Kopf, als ich sie ihm gerade entreißen wollte.
      „Wir haben verschlafen“, klärte ich ihn gütiger Weise auf und strafte ihn mit einem vorwurfsvollen Blick. „Du hast noch viel zu tun heute, denk dran.“
      Plötzlich schlug der Mann die Bettdecke entrüstet ans Fußende. „Ich? ICH?! Das ist DEIN Hof, schon vergessen?“
      „Nö, aber mit dem Titel als Gestütsleiter kommen gewisse Verantwortungen auf dich zu, Matthew. Dem hättest du dir vorher bewusst sein sollen.“
      „Ich bin das eh nur, damit du einen Grund hast, meinen Nachnamen als Gestütsnamen zu nehmen.“
      Ich seufzte. Ja, vielleicht hatte er da Recht. Aus einem anderen Grund hätte ich Matthew niemals mehr Verantwortung überlassen. Als ich das Zimmer wenige Minuten später verließ, um mich fertig zu machen, hörte ich vom Bett aus schon wieder ein tiefes, gleichmäßiges Atmen.
      Wenigstens schnarchte er nicht.
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  • Album:
    2.1 - Hauptstall
    Hochgeladen von:
    Samarti
    Datum:
    6 Juli 2018
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    Rufname: Acco, Lisha
    geboren: 2014 | Alter: 4 Jahre

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    Herkunft: Bear Brook EC, England
    Züchter/Ersteller (VKR): sadasha

    Aktueller Standort: Townsend Acres, Kanada
    Besitzer: Samarti

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    Rasse: Deutsches Reitpony
    Geschlecht: Stute
    Farbe: Palomino Tobiano
    Stockmaß: im Wachstum


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    Accomplishment mag ihrem Vater äußerlich gleichen wie ein Ei dem nächsten, charakterlich kommt sie dafür ganz nach ihrer Mutter. Sie ist launisch und eigensinnig. Sie macht anfangs den Eindruck langsam zu lernen, dabei wehrt sie sich lediglich dagegen zu zeigen, was sie längst begriffen hat. Kooperativ ist anders. Accomplishment lernt eigentlich sogar recht schnell und wenn sie mal eine gute Phase hat, zeigt sie ihre Fortschritte auch gerne und überrascht damit ihre Menschen, die wahrscheinlich schon kurz vor einem Nervenzusammenbruch standen. In ihren guten Moment zeigt sich die helle Stute zutraulich und sucht die Nähe.
    Wunderbare Grundgangarten wurden ihr von Vaterseite in die Wiege gelegt. Sie geizt auch nicht damit ihr Talent zu zeigen. Es ist einfach ihre Art, sich elegant und flüssig zu bewegen. Accomplishment ist recht zierlich gebaut und ganz eindeutig für den Reitsport prädestiniert.

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    eingeritten [] |
    eingefahren []
    Reitstil: Englisch

    Dressur A | Springen E | Geländeritt E


    Turniererfolge
    311. Fahrturnier
    370. Galopprennen
    387. Westernturnier
    406. Dressurturnier
    397. Westernturnier



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    zur Zucht zugelassen []
    steht als Leihmutter zur Verfügung [
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    Momentane Punktzahl: 12 (14) Punkte
    Abstammung: 6 | Trainingsberichte: 0 | Schleifen: 4 | RS-Schleifen: 0 | TA: 2 | HS: 0 (2)| Zubehör: 2

    Gencode: ee Aa Ff Crcr nTo

    Carenté-Pferd []
    Leihmutterschaftsgebühr: n. v.



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    gechippt []

    Letzte Kontrolle: 05/2017
    Letzte Impfung: 05/2017 | Letzte Wurmkur: 05/2017

    beschlagen []
    Letzte Kontrolle: n. v.


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