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Wolfszeit

♞El Pancho|Knabstrupper

In meinem Besitz seit 08.02.2020 | Hengst|0 Punkte Danke an Mohi für das tolle Pferdchen ♥(reales Pferdchen)

♞El Pancho|Knabstrupper
Wolfszeit, 8 Feb. 2020
Zion, adoptedfox, Cooper und 2 anderen gefällt das.
    • Wolfszeit
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      19.02.2020|Wolfszeit
      Samu|Heute war viel los auf dem Hof, denn es sollten vier neue Pferde ankommen. Vor zwei Wochen waren wir bei einem Pferdehändler gewesen, da wir ein besonders ruhiges Pferd für unsere Reitschule suchten.Gefunden hatten wir einen hübschen Varnish Roan Hengst. Natürlich haben wir ihn auch gleich ausprobiert. Wir hatten unsere zweijährige Tochter mit und der Hengst Namens El Pancho, ließ sich brav mit ihr auf dem Rücken longieren. Das was uns besonders Überzeugt hatte war vor allem die Tatsache, dass der Hengst auch ruhig weiterlief, als ihm ein Plastiktüte zwischen die Beine geweht wurde. Im Zuge der Such stellte der Händler uns allerdings auch noch ein weiteres Pferde vor. Das eine war eine hübsche Palomino Scheck Stute. Antigone war zwar beim Probereiten manchmal ein bisschen Stur. Die siebzehnjährige Stute, war jedoch recht gutmütig, sodass wir sie auch noch mitnehmen wollten. Als wir uns bei dem Händler umsehen entdeckten wir noch einen wunderschönen Fellponyhengst. Er hatte ein hübsches glänzendes braunes Fell und langes, dickes, lockiges Langhaar. Obwohl wir nicht auf der Suche nach einem Hengst waren überredete Colin mich Look at my Hair zu kaufen. Jamie war auch mitgekommen, da er ein Reitpferd suchte. Jamie hatte zwar Ursel - die Bärengöttin und Baroness of the Guard, doch seit er einmal Black Lady geritten war, wollte er unbedingt ein größeres Pferd zusätzlich haben. Die Stute die er sich ausgesucht hatte, hieß Lady Moon und war bildhübsch. Da eines der Pferde ihm gehörte hatte er sich bereit erklärt die drei abzuholen. Ich hatte gerade die Reitstunde beendet als er mit den Transporter auf den Hof fuhr. Die Reitschüler standen neugierig auf dem Hof. “Was ist in dem Hänger?”, fragte eines der Mädchen neugierig. “Das sind ein paar neue Pferde” antwortete ich ihnen. Lina und Luchy ware auch bereits da um uns beim Ausladen zu helfen. Ich öffnete die Hängerklappe. Ganz hinten im Hänger stand der Fellponyhengst mit seinem prachtvollen Langhaar. Lina band den Hengst los und lud ihn aus. Der nächste auf dem Hänger war der Knabstrupper Hengst. El Pancho ließ sich brav von Luchy ausladen und in sein neues Zuhause bringen. Als nächstes lud ich Antigone vom Hänger. Die goldfarbene Stute folgte ein wenig widerwillig, aber brav folgte mir die Stute zu ihrem Auslauf. Jamie lud noch Lady Moon aus. Die Reitschüler gingen in Grüppchen über den Hof um die neuen Pferde zu bestaunen.
    • Wolfszeit
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      24.06.2020| Wolfszeit
      Das Perfekte Quadrilliepferd
      Jace| Es war noch dunkel als ich aufwachte. Am Himmel war nur ein schmaler lila Streifen zu sehen und über den Wiesen am Bach hin noch Nebel. Ich duschte mich zog mich an und ging nach unten. Die Sonne tauchte alles in orangegelbes Licht und machte den Weg zu Fohlenkoppel zu einem wunderschönen Erlebnis. Friedlichen lag die Koppel vor mir. LMR Fashion Girl stand zusammen mit Vakany und ihrem Fohlen WHC’Venice nahe am Zaun und graste.Das kleine braune Fohlen mit den weißen Punkten lag ganz nah an seiner Mama und schlief. Die kleine Stute war kaum zu sehen im hohen Gras und dem Nebel. Man erkannte das Fohlen eigentlich nur daran, dass das Gras dort plattgedrückt war, denn Außer einem kleinen Ohr war nicht viel zusehen. Vakany und Girly hoben den Kopf als ich mich näherte. Die hellbraune Flecken der hellen Stute schimmerten golden in der aufgehenden Sonne. Als die Falbstute mich erkannte senkte sie wieder den Kopf und zupfte weiter Grashalme aus. Fashion Girl wieherte mir leise entgegen und streckte mir ihre hübsche rosa Nase entgegen um mich nach Möhren abzusuchen. In meiner hinteren Hosentasche wurde die hübsche Stute auch fündig, auch wenn sie eigentlich schon rund genug ist. Die braune Stute steht jetzt fast seit 9 Monaten auf der Fohlenkoppel und ihr Bauchumfang hatte nicht nur wegen dem guten Gras zugenommen. Ich bin mir sehr sicher, dass sie eine gute Mutter wird, da sie schon bei fremden Fohlen einen ausgeprägten Mutterinstinkt hat. Außerdem sind wir sicher, dass das Fohlen nicht nur die Springveranlagung seiner Eltern erben wird, sondern auch die hervorragenden Gänge von Herkules. Ich strich Girly über ihre hübsche Stirn. “Du wirst eine wundervolle Mutter”, sagte ich zu der Stute. Ich kraulte die braune noch ein wenig an ihrer Lieblingsstelle und wie immer begann Girly dabei Grimassen zu schneiden. Nachdem Girly ausreichend gekrault war ging ich hinüber zu der alten Eiche , wo die beiden Jungpferde mit einem Großteil der restlichen Stuten standen. Bis auf WHC’ Mimithe schliefen alle Fohlen noch. Mimi probierte gerade der grasenden Candela in Ohr zu beißen. WHC’ Candela bemerkte das Ponyfohlen allerding und nahm den Kopf hoch. Mimithe sah ein wenig verwundert aus als sie in die Luft biss. WHC’ Mitena sah mich über Candelas Rücken hinweg an. Die schüchterne Stute versteckte sich öfter hinter Candy.Der kleine Solist war definitiv der mutigste von den drei Jungpferden. WHC’ Solist würde heute zu Alec ziehen. Der kleine Balisto brauch noch einen Spielkameraden und Solist kommt nun in ein Alter, wo er nichtmehr mit den Stuten zusammen stehen kann.Candela hatte sich inzwischen sehr gut entwickelt und zeigte sich Selbstbewusst. Mitena war leider noch sehr zurückhaltend. Wir alle waren schon gespannt wie die Stute sich entwickeln würde, wenn Candela ausziehen würde. Ich persönlich hoffe ,dass Mitena etwas aus sich rauskommt. Wenn die kleine sich noch ein wenig Selbstbewusster präsentieren würde könnte sie ein wahrer Dressurstar werden. Minnie Maus rief ihr Fohlen wieder zu sich bevor es noch mehr quatsch anstellen konnte, was Mimi zum Anlass nahm und sich fröhlich schmatzend einen schluck an der Milchbar gönnte. Ihre Schwester WHC’ Minya lag im feuchten gras und richtete sich auf. Verschlafen schüttelte das kleine Fohlen den Kopf und blinzelte in die Morgensonne. Tautropfen hingen der kleinen Tigerscheckstute in der Mähne. Minnie Maus schnupperte an ihrem Baby und schleckte ihr liebevoll über das feuchte Fell. Hinter mir raschelte das Gras. Ich drehte mich um und dort lag der kleine Oshawa im Gras und träumte. Im Traum zuckte WHC’ Oshawa und bewegte die kleinen Hufe. Sunny Empire, die Mutter des kleinen Hengstes beknabberte Mas’uda. Masu und Empire waren unzertrennlich und ergaben ein wunderschönes Bild wie sie sich im Sonnenaufgang beknabberten. Ich nahm meine Handy raus, machte ein Foto und schickte es in die Gruppe. Sogleich kam ein ‘AWWWW’ mit einem Herzsmiley von Hazel. Für gewöhnlich steht sie immer um halb sechs auf, um joggen zu gehen. Es fehlten nur drei Stute und ich hatte auch schon eine Ahnung wo sie sich aufhielten. Gerade die Fellponystuten Anitgone und Baroness of the Guard hielten sich besonders gerne am Waldrand auf. Dort fand ich die beiden auch. Antigone schlief noch ,während Nessi sie bewachte. Da ich die Palominostute nicht wecken wollte blieb ich auf Abstand und fand ein paar Meter weiter auch die letzte Kandidatin. Black Lady stand etwas abseits. Seit ein paar Tagen hatte sie die ersten Geburtsanzeichen. Es konnte nicht mehr lange dauern bis sie ihr Fohlen bekommen würde. Es war wohl besser die Stute heute im Auge zu behalten. Auch dieser Kugelrunden Stute stecke ich eine Möhre zu bevor ich zurück zum Hof ging. Langsam lichtete sich der Nebel und auch die anderen Fohlen hüpften inzwischen fröhlich über die Koppel. Fashion Girl folgte mir noch bis zum Tor wo sie sich noch eine Möhre erbettelte. Ich strich der Stute noch einmal über ihre hübsche Blesse, bevor ich mich auf den Weg zu meinem nächsten Schützling machte. Inzwischen war es hell genug, sodass ich kein Licht im Stall machen musste. Da aktuell ein großer Teil der Stuten auf der Fohlenkoppel stand, war der Stall recht leer. Da die Pferde gerade erst gefüttert worden waren, kam mir kein Kopf entgegen. Ich ging zu Joras Box und sah hinein. Die dunkelbraune Stute war gerade dabei die letzten Reste ihres Müslis zu verspeisen. Neben ihr kam gerade ein weißer Kopf mit einer langen Mähne aus der Box. “Na Beauty, hast du schön geschlafen”, sagte ich zu der hübschen Stute und strich ihr durch die lange Mähen. Elvish Beauty gehört mit Lady Moon, Herkules und Look at my hair zu den Mähnenwunder auf diesem Hof. Was ich allerdings am meisten bewundere ist wie Sheena und Colin das immer schaffen diese Stute immer so sauber und ordentlich zu halten. Nun streckte auch Jora ihren Kopf raus und stupste mich an. “Ist ja gut meine hübsche”, sagte ich schmunzelnd zu der jungen Stute und nahm ihr Halfter von der Box. Die Stute pustete mir freundlich Luft ins Ohr ,während ich sie halfterete. Das dunkle Lila Halfter sah hervorragend auf der Stute aus. Ich ging mit der Stute zum Putzplatz und holte ihre Putzbox aus der Sattelkammer. Als ich vor Joras Schrank stand hörte ich Hufgeklapper auf der Stallgasse. Legolas, der große schwarze Hannoveraner stand jetzt neben Jora. Lina befestigte gerade die Stricke an seinem Halfter. Sie war so süß, gerade im Umgang mit Pferden. Das Gespräch zwischen mir und ihr hatte mir zwar geholfen zu verstehen weshalb sie so seltsam zu mir gewesen war, aber es hatte mich auch verwirrt. “Erde an Jace”, sagte Jayden der aufeinmal neben mir stand. “Oh, morgen Jay”, murmelte ich. “Na, was starrst du Lina so an”, stichelte er “Ist da jemand verliebt”, halt die Klappe Jay”, zischte ich als ich sah das Lina rüber kam. “Morgen Jungs”, sagte sie fröhlich. “Morgen “, erwiderte Jayden nur schelmisch grinsen. “Denkst du dran heute Farena und Voilá zu machen”, trällerte Lina und quetschte sich an mir vorbei in die Sattelkammer. “Wie kommt es denn dazu?”, fragte ich Jayden und sah ihn schief an. “Hab ne Wette verloren”, murmelte er. “Was für eine Wette?”. “Wer den cooleren Reitunterricht macht”, gab Jayden kleinlaut zu. Naja, es gibt definitiv schlimmeres als mit Farena van Hulshóf und Voilá zu arbeiten. Ich selbst möchte die kleinen Ponys sehr gerne. “Na, dann viel Spaß dabei”, sagte ich und ging wieder zu meiner Stute. “Wie läuft es mit Divine?”, fragte ich Lina, die gerade mit Legolas Putzbox wiederkam. Der weiße Freiberger war inzwischen fast 3 Monate bei uns. Was das reiten anging hatten wir noch keine großen Fortschritte mit HMJ Divine erreicht. “Ganz gut, wenn man vom reiten absieht?”, kam eine Stimme von der anderen Seite des Lackschwarzen Hengstes. Ich bürstete das dunkelbrauner Fell meiner Stute. “mmm, naja, zum Glück geht es ja nicht darum das am besten gerittene Pferd zu präsentieren”. “Ja”,sagte sie grinsend “allerdings hatte ich eine Idee. Dafür bräuchte ich dich und ein Pferd was brav Handpferde mitnimmt. Bist du dabei”. “Klar”, sagte ich etwas zu schnell. Jora war inzwischen sauber, sodass ich kurz in die Sattelkammer verschwand um Kappzaum und Longiergurt zu holen. “Dann also heute Nachmittag in der Halle?”, fragte ich Lina, während ich Jora anzog. Bevor der Kappzaum drauf kam holte ich noch Gamaschen, da ich der ungeschickten Stute zutraute einen Knoten in ihre Beine zu machen. “Dann bis später”, rief ich Lina noch zu, während ich mit der braunen Stute in Richtung Longierhalle ging. Zu meinem Glück lagen schon Stangen in der Halle sodass ich keine mehr holen musste. Ich begann damit Jora zum aufwärmen erst einmal fleißig im Schritt voran zu schreiten. Da Jora dieses Jahr langsam angeritten werden sollte, longierte ich mit Gurt, damit die junge Stute sich schon einmal daran gewöhnt etwas umgeschnallt zu haben. Da Jora auf Veränderung sehr empfindlich reagiert, wird das anreiten bei ihr besonders langsam ablaufen. Genau deshalb wird sie seit 3 Wochen mit Gurt longiert. Natürlich ist die Stute noch weit davon entfernt perfekt zu laufen, doch sie lernt erstaunlich schnell. Aktuell ist sie leider wieder ein wenig überbaut, was sie wieder ein wenig aus der Balance wirft. Weil die Stute noch im Wachstum ist soll sie nach dem anreiten nochmal eine Weile nur vom Boden aus gearbeitet werden, bis sie vollständig ausgewachsen ist. Inzwischen war sie warm und ich nahm auch den Trab und Galopp dazu. Nach einer halben Stunde beendete ich die Trainingseinheit. Ich lief noch 10 Minuten um den Hof bevor ich die Stute koppel fertig machte. Ihre Weidekameraden Miss Leika, Elvish und LMR Ice Rain waren bereits auf der Koppel und grasten zufrieden in der Morgensonne. Sobald ich Jora frei ließ trabte die junge Stute zu Ice Rain hinüber und begrüßte sie freundlich. Ich mochte Jora. Die braune Stute strahlte leichtigkeit aus und in ihrem Auftreten ließ sich ihre Abstammung nicht leugnen. Ihr Vater Red Diamond II ist ein erfolgreiches Springpferd und ihre Mutter Promise Of Sundance ist eine Prämienstute, die durchaus wusste weiß wie man sich bewegt. Die Sprungkraft ihres Vaters hatte sie definitiv geerbt. Gleich in der ersten Woch auf dem Hof war die Stute über den Paddockzaun gehüpft und ausgebüchst. Wo ich so an der Koppel stand überlegte ich welches Pferd für die Divineaktion geeignet ist. All Hope Is Gone ist definitiv zu launisch dafür, gerade jetzt wo viele der Stuten wieder rossig sind. Vikar fällt raus, weil er heute seine Westerneinheit hat. Sheena kam gerade zur Koppel um Elvish Beauty zu holen. Und da fiel es mir ein ich könnte mit El Pancho ausleihen. Der gutmütige Knabstrupperhengst war geradezu perfekt dafür, da er sogar mit Divine zusammen wohnte. “Hey, Sheena”, grüßte ich die junge Frau. “Hi, Jace”.
      “Dürfte ich mir El Pancho heute ausleihen?”, kam ich direkt zum Punkt, weil mir gerade einfiel, dass ich Gone und das Fohlen noch machen musste bevor die neue Stute ankam. “Oh ja, gerne, das passt mir heute ganz gut. Mein Bruder hat mir die kleine aufgedrückt, weil er und Luchy irgendetwas wichtiges in der Stadt machen müssen”. “ Danke. Viel Spaß mit der kleinen”. Nach Beendigung des Gesprächs machte ich mich auch gleich auf den Weg zu Fohlenkoppel um WHC’ Mitena zu holen. Die ganze Herde war inzwischen zum Waldrand gewandert, das es dort deutlich kühler war. Als ich mich der Herde näherte, sah ich dass alle Pferde da waren.

      Nur eine Stute fehlte. Black Lady. Ich ging ein paar Meter von der Herde weg und entdecke die Rappstute etwas abseits im Gras liegen. Neben ihr lag ein kleines braunes Fellbündel. Das Fohlen war noch ganz nass und wusste noch nicht so recht wo es war. Der Kopf war geziert von einer großen weißen Blesse, die das Auge aus sparte. Das was man von dem Fohlen sah, ließ sofort den Vater erkennen. Da war es also WHC’ Secret Fashion. Black Lady rappelte sich auf und begann ihr Fohlen trocken zu lecken. Ich zog mein Handy aus der Tasche und machte ein Foto von den beiden.

      Schaut nur das Fohlen ist da, schrieb ich darunter als ich es in unseren Hofchat schickte. Blacky und dem Fohlen schien es soweit gut zu gehen, sodass ich mich zurück auf den Weg zu Mitena. Wie immer kam Candela mutig auf mich zu und das dunkle Palominofohlen hielt sich noch zurück. Ich streichelte Candela über den rot weißen Hals und steckte der jungen Stute ein Leckerlie zu. Das reichte aus, dass Mitena Eifersüchtig genug war um hinter Candy hervor zu kommen. Ich arbeite erst seit ein paar Tagen mit der schüchternen Stute. Hier auf dem WHC’ erzogen wir die Fohlen zu beginn nur soweit, dass sie sich brav führen lassen und auch Tierarzt und Hufschmied kein Problem ist. Alles weitere folgte nach und nach. Da die Jungpferde dann bis sie ca. Jahr sind kaum Menschenkontakt haben sind viele der Fohlen anfangs sehr zurückhaltend. Jetzt hieß es für Mitena, erst einmal die Grundkommandos zu wiederholen. Da die Stute sich allerdings extrem schüchtern zeigt, sind wir bisher noch nicht über das Halfter anlegen hinaus gekommen. Mitena war inzwischen bis auf eine Nasenlänge an mich rangekommen. Nun machte die junge Stute einen langen Hals um an das Leckerlie zu kommen, welches ich ihr hinhielt. “Braaav machst du das”, sprach ich ruhig mit der Stute. Vorsichtig angelte sich sich das Leckerlie aus meiner Hand und sie trat gleich einen Schritt vor um noch ein weiteres Leckerlie ab zu zocken. “Super Mausi.”, lobte ich Mitena und Candela bekam gleich einen Tadel .“Candy, dräng dich nicht in den Vordergrund”, sagte ich und schob den Kopf der Scheckstute zur Seite. Langsam streckte ich meine Hand nach Mitena aus und berührte die Stute an der Schnauze. “Super, kleine Maus”, lobte ich und strich ihr vorsichtig über den Kopf. Brav ließ sich die Stute streichen und genoss es als ich begann sie zu kraulen. “Baaaav Mitena”. Nach einer kleine kraul Runde zeigte ich der Stute das Halfter was ich mitgebracht hatte und ließ sie daran schnuppern bevor ich sie vorsichtig damit am Hals berührte. Brav machte die kleine Stute das mit und ließ sich halftern. Danach versucht ich die Stute ein paar Schritte zu führen brav folgte sie mir. Auch wenn sie Menschen gruselig fand hat sie das führen offenbar nicht vergessen. Mit einem Blick auf die Uhr beschloss ich, dass es nun genug für die junge Stute war, schließlich musste ich noch meinen Tinkerhengst reiten bevor die neue Stute ankam, damit ich den Nachmittag dann für die Stute und Divine nutzen konnte. Also gab ich Mitena noch ein Leckerlie und entließ sie wieder. Sobald sie merkte das es von mir nichts mehr gab trabte sie auch sogleich zurück zu Candela. Ich brachte das Halfter zurück und holte mir All Hope Is Gone von der Koppel. Der Tinker war heute aufgeweckt, weshalb das holen ein wenig schneller ging als sonst. Da seine Mähne eingefolchten war konnte ich mir das Mähnebürsten sparen, weshalb auch das putzen schneller ging als sonst. Danach sattelte ich den Rappen und ging mit ihm auf den Platz. Ich wärmte ihn auf und als es in die Arbeitsphase ging begann der launisch Hengst rum zu mäkeln, sich gegen meine Hilfen zu wehren und zu bocken. Der Hengst wollte wohl heute länger arbeiten. Nach 15 min hatte ich den Konflikt mit Gone geklärt und wir konnten ein paar Dressurlektionen reiten. auf dem Weg zu Stall sah ich dann auch schon den LKW vorfahren. Ich drückte Jesse den Tinker in die Hand. “Kannst du ihn wegbringen? Ich muss die Stute in Empfang nehmen”. Saget ich und verschwand in Richtung einfahrt.Der Fahrer stieg gerade aus und ließ die Klappe hinten runter. Briar war scheinbar das letzte Pferd welches ausgeliefert wurde, denn sie stand alleine hinten auf dem Hänger. Briari hieß die Stute, die nun aus dem Hänger geladen wurde. Die Schimmelstute war rein weiß bis auf einen braunen Fleck, ein sogenanntes Bloodmark, am Kopf. Ich nahm die Stute entgegen und Luchy übernahm den Papierkram. Die hübsche Stute wirkte freundlich und folgte mir Brav. Ich wollte sie erst ein wenig rumführen, damit sie sich die Beine vertreten konnte. Nachdem wir ein wenig gelaufen war, ließ ich sie noch einen Moment grasen. Doch davor begann die Stute sich erst einmal zu strecken. Das sah ziemlich lustig aus. Luchy hatte gesagt ich solle Briar zu Beastly Domina auf de Koppel stellen. Einerseits damit die braune Stute nicht länger alleine war, andererseit weil die beiden Stuten sich schon kannten, da sie zusammen auf dem Deer Forest EC lebten. Also ging ich mit der Schimmelstute im Schlepptau zur Hauskoppel. Mina wierthe uns entgegen ,sobald sie Briair erkannte. Ich ließ Briair zu Mina und die Stuten begrüßten sich freundlich und begannen dann auch gleich zu spielen. Ich beobachtete die beiden Stuten noch eine halbe Stunde und nachdem sie begonnen hatten zu grasen ließ ich sie allein. Wie Luchy bereits vermutet hatte, erkannten sich die Stuten.

      Mein Blick auf die Uhr bestätigte mich darin ,dass es nun Zeit für die Mittagspause war.

      Nach der Pause machte ich zusammen mit Lina auf den Weg zur Koppel um El Pancho und HMJ Divine zu holen.”Was genau hast du eigentlich vor?”, fragte ich Lina neugierig. Naja, ich habe überlegt, entweder liegt es an de Halle, dass Ivi nicht läuft oder es liegt daran, dass er nicht alleine laufen will. Ich habe nämlich inzwischen rausgefunden, dass er wohl nach dem Feldtest ausschließlich zweispännig gefahren wurde. Deshalb habe ich mir gedacht wir könnten das mal probieren ob er läuft wenn jemand neben ihm ist”, erklärte die Finnin. “Das klingt sehr logisch”,stimmte ich zu. Inzwischen waren wir auch an der Weide angekommen und Lina rief nach Divine. Der weiße Hengst kam nach einer halben Minute auch vom hintersten Ende angetrabt. El Pancho der meistens mit Divine irgendwo rumhing folgte ihm im Schritt um zu schauen ob es etwas spannendes gibt. “Du hast ihr ja schon gut erzogen”, meinte ich anerkennend. Lin Halfter den Freiberger und wir warteten bis Pancho angetrottet war . “Na Panch, heute musst du dich mit mir abgeben”, begrüßte ich den freundliche Knabstrupper. Mit den beiden Hengsten machten wir uns auf dem Weg zu Putzplatz um die beide zu Putzen und zu satteln. “Lass uns auf den Platz gehen, da haben wir auch gleich die Halle weg” schlug ich vor. “Das ist eine super Idee stimmte” Lina mir zu und wir machten uns auf den Weg zum Platz. Ich gurtete nach, stellte meine Steigbügel ein und stieg auf. Lina saß inzwischen schon auf dem weißen Freiberger und versuchte los zu reiten. Divine lief auch los, aber wie von einem Magneten angezogen lief er nicht außenrum sonder parkte zielsicher neben Pancho ein und war auch nicht in der absicht weiter du laufen. “Hast du einen Magneten an Pancho geklebt”, kommentierte Lina das ganz lachend. “Nagut, dann nochmal zusammen”. Ich trieb den grauen Knabstrupper an und wie durch ein Wunder lief Divine gleichzeitig los und wich El Pancho auch bei Wendungen nicht mehr von der Seite. “Also im Schritt funktioniert das ja ganz gut, wollen wir es im Trab probieren”, fragte ich Lina. “Na klar, ich glaub ich hab ein anderes Pferd unter mir”, sagte sie lachend. Ich trieb den Hengst in den Trab und Divine lief sogar im Gleichschritt. “Haha, ich glaube wir können einen super Par de deux mit den beiden Reiten”, sagte Lina lachend. Sogar gemeinsame Volten und das Rückwärtsrichten klappte synchron. Ich steuerte Pancho auf den Zirkel und ließ ihn angaloppieren. Auch das klappte Problemlos. Nach ein paar Runden parierte ich Pancho wieder zum Schritt durch. “Jetzt müssen wir nur noch herausfinden wie wir ihm beibringen auch alleine zu laufen”, sagte ich lachend. Wir probieren noch einige Bahnfiguren, bevor wir das training beendeten und die beiden Hengste wieder auf die Koppel durften. “MMM ich glaube ich sollte mir El Pancho öfters ausleihen, der ist ja echt klasse”, meinte ich zu Lina. Divine und El Pancho hatten sich inzwischen zu den anderen Hengsten Gesellt die am Waldrand grasten. Divine brauchte auch nicht lange bis er im Bach lag um sich abzukühlen. Typisch Pferd gab es danach ein Sandbad, sodass dort statt einem weißen nur noch ein hellbraunes Pferd. “Na viel Spaß beim putzen morgen”, sagte ich zu Lina bevor wir zurück zum Hof gingen.
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    • Wolfszeit
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      09.10.2020|Wolfszeit
      36 Grad und es wird noch heißer
      Maskota, Don Carlo, Legolas, Flanell d’Egalité, Lancasters Peppermint, Cleavant ‘Mad Eyes’, El Pancho, PFS’ Artic Tiger,HMJ Divine, PFS’ Caruso, Vikar, Voilá, Abe’s Aelfric, Farena von Hulshóf, Black Lady, Chessqueen, Finest Selection, Colour Splash, British Gold, Nathalie, Promise Of Sundance, Jora, Keks, Elvish Beauty, Mas’uda, Sunny Empire, LMR Ice Rain, Miss Leika, Walking On Sunshine, Saturn, Lifesaver, Elf Dancer, Herkules, Acerado, Craystal Sky, Miss Griselda Braun, LMR Fashion Girl, Carry On My Wayward Son, Injaki, Look at my hair, All Hope is Gone, Beastly Domina, Briair, Lady Moon, Blue Heart, Lady Swan, Vakany, Little Buddy, What’s Happend In the Dark, LMR Royal Champion, Cremella, Miss Monty, Minnie, Nurja, Ursel, Antigone, Doo Wop, Curly, Baroness, Rum, Amigo, Nabuko, Fiama di Royal Peerage, WHC’ Delicious Donut, WHC’ Secrect Fashion, WHC’ Mimithe, WHC’ Minya, WHC’ Oshawa, WHC’ Venice, WHC’ Candela, WHC’ Mitena

      Lina| Mit einen schrillen klingeln weckte mich mein Handy. Noch ganz verschlafen tastete ich nach dem Gerät um es auszuschalten. Es war 4:30 Uhr. Da es heute extrem heiß werden sollte, wollte ich heute besonders früh anfangen.Gähnend, rollte ich mich aus dem Bett und tapste ins Bad. Ich duschte mich, putzte die Zähne und zog mich an.Nach der Dusche fühlte ich mich auch gleich lebendiger.
      Am Himmel war schon ein heller Streifen zu sehen und die Sonne kletterte langsam über den Bergrücken. Ein kleiner Vogel flog durch die Morgenluft und zwitscherte fröhlich ein Lied. Noch etwas verschlafen machte mich auf den Weg zum Hauptstall, weil ich heute mit Maskotka anfangen wollte. Als ich den Stall betrat,waren die meisten Pferde noch am schlafe und auch die Dunkelfuchsstute lag noch im Stroh. Masko hob verschlafen den Kopf als ich die Boxentür öffnete. “Guten Morgen hübsche”, sagte ich sanft zu der Stute und zupfte ihr einen Strohhalm aus dem Schopf. Ein wenig verwirrt über die frühe Störung blickte mir die Stute aus ihren braunen Augen entgegen. Langsam wanderten die Ohren, die anfangs noch entspannt herab hingen, nach vorne. Ich hielt der Stute eine Möhre vor die Nase, die sie auch sogleich fraß. “Na, komm süße, wollen wir noch etwas schaffen bevor es so richtig warm wird”, sagte ich zu ihr und stand auf. Noch waren angenehme 23 Grad. Masko war inzwischen aufgestanden und schüttelte sich. Ich holte die Fuchsstute aus ihrer Box und band sie am Putzplatz an. Ich begann damit das rötliche Fell der Stute zu striegeln. Ich liebe das neue Putzzeug was ich für sie hatte, denn es sammelte den Staub perfekt aus dem Fell raus. Jedes Pferd glänzt wunderschön wenn ich es mit diesen Bürsten geputzt wird. Nachdem ihr Fell sauber war, begann ich das Stroh aus ihren Langhaar zu sammeln, was bei ihrem voluminösen Schweif ein wenig dauerte. Fertig eingekleidet in dunkelblau ging es dann in die Reithalle. Dort angekommen ging es erst einmal ans aufwärmen, bevor es an die Dressurarbeit ging. Nach 20 Minuten beendete ich die Trainingseinheit und entließ die Stute, nach dem Abreiten zurück in ihre Box. Daniel und Elijah, begannen nun die Pferd zu füttern und wie jeden Morgen machte Don Carlo einen riesen Rabatz und trat gegen seine Boxentür, bis er sein Futter bekam. Der lackschwarze Hengst ein paar Boxen weiter schaute lieber noch gemütlich aus seinem Fenster und beobachtete die Ponys auf dem Unterhausauslauf. Legolas war allgemein ein eher unauffälliger Hengst, dennoch im Umgang ein wahrer Schatz. Masko futterte inzwischen ihr Frühstück. Ich gab ihr noch eine Möhre in den Trog und machte mich dann auf den Weg zu den Außenboxen, wo Lancasters Peppermint schon auf mich wartete. Pepper versuchte seinen Boxennachbarn Flanell d’Egalité zu ärgern, indem er versucht in seine Mähne rein zu beißen. Flanell seinerseits war auch nicht ganz untätig und versuchte ebenfalls in Pepper rein zu beißen. “Na ihr zwei Clowns”, sagte ich zu den beiden Hengsten und brachte sie auseinander. Doch als ich kurz nicht hinsah versuchte Pepper wieder den Hals lang zu machen um Flanell weiter zu ärgern.

      Für Pepper stand heute nur lockere Halfterlonge an, da er gestern ein anstrengendes Training hinter sich hatte. Also ging ich zuerst in die Sattelkammer um eine Möhre und eine Longe zu holen. Ich hielt dem schwarz-weißen Hengst die Möhre entgegen, die er genüsslich kaute, während ich ihm das Halfter anzog. Zusammen mit dem großen Hengst machte ich mich auf den Weg in die Logierhalle. Ich ließ ihn erst einmal im Schritt ein paar Runden laufen, bevor ich ihn in den Trab und anschließend im Galopp einige Runden flitzen ließ. Frisch bewegt durfte Pepper noch einmal in seine Box, da es erst in einer halben Stunde auf die Koppel ging.
      Am Oberhausauslauf angekommen kam mir als erstes Mad Eye und Panchy entgegen. Während Panch mir freundlich entgegen schaute und wartete bis ich ihm ein Leckerlie gab, machte sich Mad Eye lieber selbst auf dIe Suche nach etwas essbaren. “Ey du kleine Frechdachs”, schimpfte ich den Wallach und schubste seine Nase weg. Der Knabstrupperhengst, der brav wartete bekam ein Leckerlie, welches er auch zufrieden verspeiste. Cleavant begann nun mit den Huf zu scharren um so ein Leckerlie zu bekommen. “Maaadi so bekommst du nix”, sagte ich zu dem Schecken und stupste ihn an. Der Hengst schüttelte empört den Kopf, hörte aber tatsächlich auf zu betteln. “So bist du brav”, lobte ich den Hengst und gab ihm sein Leckerlie. Als nächstes sprang mir der kleinste Bewohner des Paddocks in den Weg, sodass ich fast über ihn fiel. Der Silberne Hengst sah mich frech an. “Na Tigerchen. Lach für mich”, raunte ich dem Miniature Horse zu und gab ihm ein Handzeichen. Daraufhin streckte er den Kopf und hob seine Oberlippe. “Braaaav”, lobte ich den kleinen Mann und gab ihm eine Belohnung. Verfolgt von dem kleinen Hengst, kam ich nun endlich zu dem Pferd, weswegen ich eigentlich hier war. Der weiße Hengst stand noch gemütlich mit Caruso im Schatten des Unterstandes. Die beiden Pferd beknabbern sich freundlich und ich sah den beiden eine Weile zu, bevor Caruso mich bemerkte und von Divine abließ. Beide Hengste kamen nun an getrottet. Ich steckte beiden ein Leckerlie zu, bevor ich den weißen Freiberger aufhalftete. Ich ging mit dem Hengst zum Putzplatz. “Morgen Jace”, rief ich dem jungen Mann entgegen der gerade mit Vikar vorbei lief. schaute ihn aber nur kurz an. Unsere Beziehung war immer noch seltsam. “Morgen”, murmelt er und ging ohne ein weiteres Wort an mir vorbei. Nachdem ich Divine ein wenig verwöhnt hatte ging es noch einmal das Aufstellen üben. Durch seine Rücksichtsvolle Art war das führen kein Problem. Bei Aufstellen neigte er dazu geschlossen zu stehen und ein wenig rum zu hampeln. Also ging ich mit ihm auf dem Platz. Zum Glück weht dort ein sanfter Wind, welcher die ansteigenden Temperaturen etwas erträglicher machte. Nach 20 min beendete ich die Übung. “So mein hübscher, jetzt gibt es noch eine Dusche für dich und dann darfst du zu den anderen auf die Koppel”, sagte ich zu meinem Hengst und klopfte ihm den Hals. Ich duschte den Freiberger ab und sprühte ihn dann mit Insektenspray ein. Mit Fliegenmaske ging es dann auf die Koppel. Divine war der erste, weshalb ich beschloss auch noch die anderen Hengste rauszustellen. El Pancho stand nicht im Auslauf, weil er gerade versorgt wurde. So schnappte ich mir als erstes Aelfric, Mad Eye und Tiger. Die drei ließen sich wie immer brav auf die Koppel bringen. Als ich zurück an den Auslauf kam wurde Nabuko gerade von seiner Reitbeteiligung geholt. Das Mädchen hatte aktuell Ferien, weshalb sie immer schon besonders früh auf dem Hof war. So blieben nur noch Amigo, Rumkugel und Caruso übrig, die ich auch auf die Koppel brachte. Meine beiden Shettys Voilá und und Farena hatten heute frei, sodass ich die beiden Stuten nur raustellen musste. Also holte ich die Stuten vom Auslauf und brachte auch sie auf die Koppel. Fehlte heute also nur noch ein Pferd. Meine schwarze Schönheit Black Lady. Ich betrat den Stall und die Stute grummelt mir schon freundlich entgegen. Für die Stute stand heute nur ein kleiner Spaziergang an. “Guten Morgen meine hübsche”, begrüßte ich sie und strich ihr liebevoll über die Strin. Für die Stute gab es dann noch ihr Lieblingsleckerli, eine halbe Banane, bevor ich ihr das Lilaflauschhalfter anzog und den Strick ein hakte. Ihre Boxennachbarin Chess streckte neugierig ihren Kopf aus der Box, als ich Lady hinaus brachte. Vor dem Stall kam mit Jace entgegen, der gerade Sally und Splash auf die Koppel gebracht hatte. British wieherte uns zu, als wir an den Koppel vorbei kamen. Promise, Nathy und Gold folgten und am Zaun entlang, bis die Koppel endete. Nach einer großen Runde um den Hof spritzte ich die Stute ab und brachte ich Lady auf die Koppel. Im Anschluss half ich die Pferde abzuspritzen und auf die Koppel zu bringen, denn die Temperaturen lagen inzwischen bei 38 Grad und sollten noch weiter Steigen. Als alle Pferde versorgt waren packte ich noch die letzten Sachen für den Flug zusammen, denn morgen ging es für Alec und mich mit Divine und Churro nach Italien.

      Zwei Tage später auf dem Sommertunier

      Ein kleines Mädchen| Neugierig blätterte ich im Programmheft.. “PAPA, es gibt weiße Freiberger?”, fragt ich meinen Vater. “Scheinbar schon”, antwortete er und schaute stirnrunzelnd in das Programmheft. “Scheint ne gute Abstammung zu haben”. “Den Hengst will ich unbedingt sehen”, quiekte ich und hüpfte aufgeregt auf und ab.”Der sieht aus wie ein Einhorn… da fehlt nur noch GANZ VIEL Glitzer”. Ein paar Minuten später folgte ich meinem Vater zu der Zuschauertribüne. Ich hibbelte ein wenig herum, bis das weiße Pferd den Platz betrat. Eine recht kleine Frau führte das Pferd bis zu einer Stange die auf dem Boden lag. Dort blieb die Frau stehen. “Der ist in echt noch vieeeel schöner”, sagte ich staunend zu meinem Vater. Nachdem das Pferd ein paar Minuten dort rum gestanden hatte, liefen sie im Schritt ein paar Runden links und dann rechts rum. Danach machten sie dasselbe noch einmal im Trab. Danach verließen sie den Platz leider schon. “Die sind ja gar nicht galoppiert”, sagte ich traurig. Ich sprang auf und lief Richtung Stallungen. Dort fand ich die Frau mit dem weißen Hengst. “Darf ich ihn mal streichen?”, fragte ich neugierig. “Na klar”, sagte die Frau freundlich. Ich hielt dem weißen Pferd meine Hand entgegen. Snaft pustete er die Luft aus seinen großen Nüstern. “Er hat ja ein gaaanz weiches Maul”, sagte ich und strich ihm über den Kopf. “Wie heißt er ?”. “Er heißt Divine”, antwortete die Frau. “Wow, ein voll schöner Name für ein schönes Pferd”.

      Am Nachmittag
      Alec| Ich hatte meinen braunen Hengst bereits aufgewärmt und ritt noch ein paar Runden Schritt um darauf zu warten bis wir aufgerufen wurden. “Nummer 401 bitte an den Start”, das war unser Signal. Ich strich meinem Hengst nochmal über sein Schokobraunes Fell und ritt zum Start. “Nun sehen wir Chocolate Churre vorgestellt von Alexander Lightwood”, ertönte es aus den Lautsprechern. Dort angekommen grüßte ich die Richter und dann ertönte auch schon gleich die Glocke. Ich galoppierte Chocolate Churro aus dem stand an. Ich versammelte meinen Hengst vor der ersten Station um mir den Becher von der Stange zu schnappen. Auf der Strecke zwischen den Stangen ließ ich ihn wieder etwas an Tempo zulegen, bevor ich ihm vor der zweiten Stangen wieder einfing. Ich schaffte es gerade so den Becher auf der Stange zu platzieren ohne die Stange dabei um zu reiten. Das nächste Hinderniss war ein leichtes für meinen Hengst, da wir die Brücke auch gerne in unsere Bodenarbeit einbauten. Brav überwand Churro das Hinderniss. Die nächste Aufgabe würde eine menge Konzentration brauchen, da ich genau wusste ,dass der Hengst sich mit den Galoppwechseln noch ein wenig schwer stand. Schon ein paar Meter vor dem Slalom holte ich den Hengst zu mir. “Jetzt schön aufpassen mein hübscher”, raunte ich ihm zu. Der erste Galoppwechsel war ein wenig holprig, aber der nächste klappte schon besser. Das letzte Fähnchen streiften wir ein wenig, aber dafür, dass Galoppwechsel nicht seine beste Lektion waren machte der Hengst das super. Die letzten beiden Aufgaben meisteren wir schließlich auch noch. Nach beendigung des Parcours Ritt ich den Hengst noch ein wenig im Schritt, damit er sich noch einmal ein wenig entspannen konnte.
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    • Wolfszeit
      Nationalteam VII | 21. März 2021
      Nurja // HMJ Divine // El Pancho // Look at my Hair // Promise Of Sundance
      Satz des Pythagoras // Northumbria // Snúra


      Vriska
      Die Reitstunde heute stellte sich als deutlicher anstrengender heraus, als ich gedacht hätte. Auch als ich zu Nurja guckte, die müde neben mir herlief, zeigte sich das Training. Es war leichter eine nasse Stelle an der Stute zu finden, als eine trockene. So folgte ich Lina in den Stall, in dem wir zuerst das ganze Zubehör abnehmen und noch einmal über die Pferde putzten.
      “Das war heute richtig gut mit Ivy. Mit etwas mehr Übung wird er nirgendwo mehr nachlaufen”, sagte ich. Dann biss ich mir auf die Zunge, da mir wieder einfiel, was Lina mir gestern berichtet hatte. Schließlich wollte sie einen neuen Weg gehen und den erst mal ohne ihr Pferd, soweit ich das verstanden habe.
      “Ja, das wird es den anderen leichter machen, mit ihm zu arbeiten, wenn ich weg bin”, antwortete sie ein wenig traurig. “Aber du sahst heute auch nicht schlecht aus. Schonmal überlegt öfter Warmblüter zu reiten?”, fügte sie dann hinzu.
      “Wenn’s dir bei uns gefällt, kann Ivy sicher nach kommen”, versuchte ich sie aufzumuntern und auch ihr Hengst stupste sie an der Schulter an. Wir lachten. Über das zweite musste ich nachdenken, weil Dressur war für mich immer nur das Mittel zum Zweck, nie etwas ernstes.
      “Nog… Auf dem Hof reite ich auch die Traber, weil wir kaum Isländer haben. Die sind alle aber so groß und werden unter dem Sattel nur korrigiert für die Rennen.”, gestand ich ihr dann.
      “Eigentlich Schade, ich glaube mit einem Pferd wie ihr, könntest du einiges hermachen”, antwortete sie und deutet auf die braune Stute.
      “Du kennst unsere Breds nicht, wirst schon sehen, was die darauf haben! Besonders Snow ist eine ganz andere Nummer. Für Rennen ist die Stute eher weniger geeignet, dafür springt sie sehr gut mit viel Feingefühl und Achtsamkeit”, schwärmte ich von der Schimmelstute, die vor einigen Wochen erst am Hof ankam.
      “Dann freu ich mich sie bald kennenzulernen”, sagte Lina lächelnd. Ich antwortete ihr nicht, sondern dachte nur wieder daran, wie es weiter gehen würde. Als die Freiberger aufgefressen hatten, kamen sie noch unter die Dusche.
      “Was machst du heute noch?”, fragte ich dann als wir die Pferde wegbrachten.
      “Luchy meinte nach dem Unwetter gestern müssen die Zäune kontrolliert werden, vor allem die Sommerkoppel oben am Waldrand. Eigentlich wollte ich mir gleich Pancho schnappen und das erledigen, schließlich sollen die Pferde bleiben, wo sie sind”, erklärte sie ihre Pläne.
      “Wer oder was ist Pancho?”, antwortete ich interessiert.
      “Pancho ist sozusagen Divines pferdiger Kumpel, ein ganz freundliche Kanbstrupper. Oh, wo wir beim Thema Divine sind, es kommt ja gleich noch der Osteo. Mal schauen, wie lang es dauert, im Zweifel müssen die Jungs den Zaun halt allein kontrollieren”, sagte Lina und strich über das nasse Fell von Divine. Unter dem hellen Fell kamen lauter dunkle Punkte zum Vorschein.
      “Okay, dann werde ich mich mal verabschieden und wünsche dir viel Erfolg. Wenn du dann fertig bist, kannst du gern zu mir kommen. Wir müssen dir dann noch zusammen ein Profil am Hof anlegen”, sagte ich zu ihr, drückte Nurjas Halfter in ihre Hand und ging zur Hütte.
      Dort ging ich erst mal Duschen. Die Temperaturen sind wieder extrem gestiegen und die schwüle Luft dominierte noch immer. Mein Geruch stieg mir in die Nase und ekelte mich. Direkt warf ich das T-Shirt und auch mein nicht notwendiger BH auf den Wäschehufen.

      Lina
      Divine stellte ich vor dem Stall ab und räumte Nurjas Halfter weg. Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass der Osteo jede Sekunde da sein müsste. Jetzt ist nur noch die Frage wo Niklas mit seiner Stute abgeblieben ist. Auf den Hof sah ich ihn nicht, also beschloss ich im Stall nachzusehen.
      “Niklas, bist du hier?”, rief ich durch die Stallgasse, bekam aber keine Antwort. Von seinem Pferd war auch weit und breit keine Spur. Also muss ich wohl weitersuchen. Auf der Koppel wird sein Pferd vermutlich nicht sein, schließlich hatte ich ihm gesagt, wann der Termin ist. Viele Möglichkeiten gab es nicht, schließlich konnten sich ein Pferd und ein Mann sich nicht einfach auflösen. Ich ging um das Gebäude herum, denn war ein Stück Wiese, wo alle auf dem Hof gern ihre Pferde grasen ließen. Da stand Niklas auch und ließ Smoothie ein paar Grashalme rupfen.
      “Hier steckst du also”, sagte ich und ging auf ihn zu. “Die Ostheopartin ist gleich da”.
      “Godmorgon, erst mal”, ging Niklas nicht weiter auf mich ein und gab mir einen Kuss auf Stirn. Interessierte folgte Smoothie ihm. Dann sprach er weiter: “Kleines, ich kann die Uhr. 5 Minuten sind noch Zeit.”
      “Ok, du hast ja recht, ich bin mal wieder überpünktlich”, sagte ich und streichelte Smooth freundlich, die Interessiert an mir schnüffelte. “Übrigens ich habe gestern mit Vriska gesprochen. Ich kann auf dem LDS wohnen und arbeiten”, berichtete ich über das Gespräch der gestrigen Nacht.
      “Super. Zum Lindö Dalen Stuteri fahre ich vom Hof aus ungefähr 20 Minuten. Dann können wir uns nach dem Training sehen.”, antwortete Niklas begeister und umarmte mich.
      “Das klingt wundervoll”, nuschelte ich an seiner Brust.
      Unsere Zweisamkeit wurde durch das Klingeln meines Handys unterbrochen. Es war Mrs. Smith, die Osteopathin.
      “Hallo”, ging ich ran.
      “Also Miss Valo, ich bin jetzt da und ihr Pferd auch. Ist nur die Frage wo sind sie?”, fragte sie ein wenig verwundert.
      “Ich bin sofort bei ihnen”, sagte ich und legte auf.
      “Niklas, wir müssen los, Mrs. Smith ist da”, verkündete ich, bevor ich loslief.
      “Nog, dann los!”, kam es und er lief mit seiner Stute im Schritt los. Als ich nachlief, fiel direkt auf, dass Smoothies Sprunggelenk auf der rechten Seite bei dem Schritt hängenblieb und sie deutlich vor dem Schwerpunkt abfußte.
      Keine Minute später wir dann auch wieder vor dem Stall angekommen.
      “Guten Morgen, Mrs. Smith”, begrüßte ich die Frau freundlich und reichte ihr die Hand. “Ich hatte ihn ja, bereits geschrieben, dass ich heute noch eine Patientin für sie habe. Das ist Herr Olofsson mit Smoothie”, stellte ich dann noch meine Begleitung vor. Auch Nikals begrüßte sie freundlich, bevor er Smooth anband.
      “Ein prächtiges Tier und gut im Training wie ich sehe”, lobte sie die Stute, als sie einen ersten Blick darauf warf.
      “Aber lasst uns erst mal mit Divine beginnen. Wie ich sehe, hat er sich prächtig entwickelt. Hab ihr noch irgendwelche Probleme?”, fragte sie, während sie begann Divines Problemzonen abzutasten.
      “Bis auf, dass er ab und zu mal stolpert, haben wir keine Probleme mehr”, antwortete ich.
      “Ausgezeichnet ich sehe auch keine Verspannungen mehr, nur ein paar kleine Blockaden im Rücken, die haben wir allerdings schnell gelöst. Kannst du ihn mir nochmal kurz Vortraben”.
      Ich band Ivy los und trabte einmal vor dem Stall Hoch und runter.
      “Ah, ich sehe euer Problem”, kommentierte Mrs. Smith.
      Ich stellte den Hengst ein Stück von der Wand weg, damit Mrs. Smith Platz zum Arbeiten hatte. Die Osteopathin begann an seinen Beinen, die Gelenke wieder einzurenken, bevor sie mit ein paar wenigen Handgriffen auch den Rücken wieder in Ordnung brachte.
      “So, das müsste es gewesen sein. Nochmal Vortraben bitte”.
      Erneut trabe ich den Hengst einmal rauf und runter und Mrs. Smith schien zufrieden zu sein.
      “Super, damit wäre er fertig. Wie immer heute nicht mehr arbeiten und morgen nur leicht”, wies sie nun an. Während ich Divine wieder anband, wand sie sich nun an Niklas, “Was ist denn das Problem Herr Olofsson”.
      “Nog … vielleicht stelle ich mein Pony erst mal vor. Mit vollen Namen heißt sie Satz des Pythagoras und ist aus unserer eigenen Zucht. Smooth ist jetzt 10 Jahre alt geworden und läuft in der S-Dressur, aber auch S-Springen sowie S-Gelände oder wie auch immer das hier heißt. Jetzt seit ungefähr einem Monat hakt ihr rechtes Sprunggelenk. Beim Röntgen wurde leichte Verknöcherung gefunden, die wohl keine Schmerzen hervorrufen soll. Dennoch macht sie sich mittlerweile unter dem Sattel im Rücken ziemlich steif und schön sieht es nicht aus, wenn sie so Schritt läuft. Nach ungefähr 30 Minuten wird es besser, aber dann ist Smoothie ziemlich müde. Eigentlich muss ich jetzt nur wissen, ob man da noch was machen kann oder ob ich für die Turniere ein weiteres Pferd kaufen sollte.”, erzählte Niklas ziemlich ernst und strich seiner Stute über den Hals.
      Mrs. Smith begann sich die Stute anzusehen, besonders die Hinterbeine und ließ sich die Stute im Schritt vorführen. Die ganze Zeit über machte sie ein ziemlich ernstes Gesicht.
      “Ich fürchte ich habe keine guten Nachrichten für sie, Herr Olofsson, ihre Stute hat Athrose. Sie wird zwar nicht unrreitbar sein, aber hohe Dressurlektionen sollte sie definitiv nicht mehr gehen. Alles, was man jetzt noch tun kann, ist dafür zusorgen, dass die Symptome sich nicht verstärken”, sagte sie ziemlich ernst.
      “Okay, alles klar. Danke. Die Vermutung hatten wir bereits in Schweden.”, antwortete Niklas, als wäre es etwas Alltägliches. Freundlich tätschelte er noch mal ihren Kopf und tritt einige Schritte zurück.
      Ich verabschiedete die Osteopathin, das war eine ganz schön harte Diagnose, dennoch sah Niklas aus als wäre alles ganz normal.
      “Ganz schön harte Diagnose”, sagte ich zu Niklas und strich seiner Stute über das seidige Fell.
      “Ach, ich hatte damit schon gerechnet, obwohl wir sie erst mit 4 angefangen haben zu arbeiten. Zudem wäre sie bald zu alt gewesen um die hohen Prüfungen mitzureiten. Ich muss jetzt nach einem anderen Pferd suchen und darauf hatte ich eigentlich keine Zeit, weil mein Onkel hat derzeit nichts da.”, erzählte er mir und band die Stute ab.
      Auch ich band Divine los.
      “Gibt es denn keine anderen guten Traberzuchten bei euch?”, fragte ich neugierig.
      “Ju meinte, dass das Vriskas Chef auch züchtet, aber da ich sie nie auf einer Show gesehen habe, werden die sicher keine vierjährige haben. In Neuseeland kenne ich jemanden. Vielleicht rufe ich sie nachher mal an”, kam es nachdenklich aus ihm.
      “Neuseeland. Das ist ja am anderen Ende der Welt”, stellte ich fest. “Ist die Traberszene da so groß?”, fügte ich noch hinzu.
      “Grundsätzlich nicht, aber mein Opa war zu Kriegszeiten dort und hat jemanden kennengelernt. Ich könnte auch mal hier in der Umgebung gucken”, fiel Niklas ein und holte sein Handy aus der Tasche.
      “Nicht das mir bekannt wäre, dass er hier Traber gibt, aber das ist für mich ja eh eine ganz neue Welt”, sagte ich nach kurzem Überlegen. Auch, wenn mir diese Welt noch gänzlich unbekannt war interessierte es mich.
      “Was ist eigentlich das worauf man bei einem Traber achtet?”, fügte ich dann noch hinzu.
      “Das er schnell trabt”, lachte Niklas eh er fortfuhr. “Also wirklich. Das Zuchtbuch sieht vor, dass jedes Standardbred eine gewisse Geschwindigkeit erreichen muss, um der Rassen angehörig zu sein. Mehr gibt es tatsächlich nicht, aber wieso ich und vor allem meine Familie - bis auf Hannes - auf die Rasse schwört ist ihr Charakter. Sie sind Nervenstark, ausdauernd und mutig. Durch die weiteren Gänge ist es dieser Rasse möglich eine höhere Schubkraft in der Hinterhand zu entwickeln und der Schritt hat eine große Raumgreife. Das Problem ist nur der Galopp, der häufig zum Vierschlag tendiert, aber das habe ich bei Smoothie auch verbessern können.”, erklärte er mir und stellte die Stute zurück auf die Weide. Zugleich legte sie ins Gras, um sich zu wälzen.
      “Das klingt als wären sie quasi perfekt für den großen Sport”, sagte ich bevor ich ein Stück weiterlief, um Divine zwei Koppel weiter abzustellen, bevor ich wieder zurück zu Niklas lief. Smooth war inzwischen wieder aufgestanden und ihr Fell wurde gezierten von großen grüne Flecken.
      “Jetzt sieht sie gleich viel hübscher aus”, scherzte ich.
      “Hast du jetzt noch was vor?”, fragte er mich.
      Ich warf einen Blick auf die Uhr, der Termin hatte länger gedauert als erwartet.
      “Da ich glaube, dass die Jungs schon fertig sind, mit der Zaunkontrolle habe ich nichts weiter vor”, überlegte ich laut.
      “Dann lass uns nach Pferdchen gucken”, freute er sich und lief los zum Zimmer.
      “Ja, das klingt super”, antwortet ich freudig und folgte ihm

      Niklas
      Im Zimmer lagen überall lose Blätter und diverse andere Sachen herum. In der Mitte dazu saß Ju und wirkte verzweifelt. Bevor Lina eintrat, bat ich sie kurz zu warten.
      “Was wird das hier, wenn’s fertig ist?”, fragte ich ihn verwundert.
      “Ich versuche zu lernen”, kam es kurz von ihm und er griff nach einem anderen Zettel, nach dem Ju einen anderen zur Seite warf.
      “Okay, dann will ich dich nicht weiter stören. Aber ich brauche ein anderes Pferd. Smoothies Arthrose wird immer schlimmer und die großen Turniere kann ich auf keinen Fall weiter reiten.”, berichtete ich ihm. Um mein Tablett zu holen, stieg ich vorsichtig über sein Chaos.
      “Und was passiert jetzt mit ihr?”, fragte er und guckte auf zu mir.
      “Weiß nicht, entweder stelle ich sie zurück zu Nils oder wenn Lina jetzt aufs LDS geht, dort hin.”
      “Warte was? Lina kommt mit?”
      “Ja, habe ich dir das nicht erzähl? Hat sie gestern Abend entschieden.”
      “Du bist doch bekloppt. Denkst du wirklich, dass das was für dich wird?”
      “Können wir bitte, wann anderes darüber diskutieren. Ich will gucken, ob ich in den nächsten Tagen noch ein Pferd finde.”
      “Jag orkarinte se på dig.”, fluchte Ju, aber ich ging nicht weiter drauf ein. Der scheint in der vergangenen Nacht nicht genug geschlafen zu haben oder was auch immer.
      “Gut, hier können wir nicht bleiben. Lass uns auf die Terrasse gehen, da war doch vor ein paar Tagen auch Schatten und bei so guten Wetter muss man sich nicht nach drinnen verkrümeln.”, schlug ich Lina vor.
      “Da hast du recht, dieses Wetter muss man genießen”, stimmte sie mir zu und folgte mir auf die Terrasse.
      Dort zog ich als allererstes mein Shirt aus und krempelte die Reithose nach oben auf Höhe meiner Waden und stellte meine Reitstiefel beiseite. Auch Lina zog ihre Reitstiefel aus und ließ sich auf die Bank fallen. Ich setzte mich zu ihr und legte das Pad auf meinem Schoß. Im Browser öffnete ich eine Website auf der nur Standardbreds zum Verkauf stehen, so wie Abstammung und was sie auszeichnet. Kurz überlegte welche Filter ich eingeben sollte, da ich bei ca. 10.000 Pferden in Kanada nicht wirklich Lust hatte alle durchzuschauen. So gab ich mein Hauptkriterium ein - Pferde ab 25.000 $, alles darunter hat weder eine gute Abstammung noch könnte Interessant werden als Reitpferd. Da ich es mir offenlassen wollte, wenn ich einen Hengst finden sollte, wählte ich nur Wallach ab. Außerdem wählte ich bei dem Alter ab 4 Jahren an, in der Hoffnung auch Pferde dabei zu haben, die nicht seit zwei Jahren auf der Rennbahn laufen. Nun standen nur noch 1300 Pferde zur Wahl. Das war doch schon mal ein Anfang. Dann drückte ich Lina das Pad in die Hand, damit sie die Postleitzahl eingeben konnte mit einem Umkreis von 350 km. So hatte ich nun die Wahl aus knapp 400 Pferden.
      “Na, bei der Auswahl sollte was zu finden sein. Und die sehen ja alle so schick aus”, sagte sie und sah fasziniert auf das Pad.
      “Dann fang mal an und such was cooles raus”, kommentierte ich, stand auf und ging zur Toilette. Dort schrieb ich meinen Onkel eine Nachricht über die Diagnose von Smoothie und steckte dann mein Handy zurück in die Hosentasche. Einen Moment hielt ich inne, um darüber nachzudenken, ob ich überhaupt für ein neues Pferd bereit sei. Aber, wenn es weiter gehen soll, brauche ich nun mal ein weiteres Pferd, dass jedoch nie meine Stute ersetzen wird, die mit mir in den letzten Jahren so viel erreicht hatte. Bevor ich das Badezimmer wieder verließ, atmete ich tief durch.

      Lina
      Neugierig scrollte ich durch die zahlreichen Anzeigen.Die meisten der Pferde waren braun oder Schwarz, doch ein paar hatten hübsche Scheckungen. Da ich absolut keine Ahnung von Abstammung bei Trabern hatte, entschloss ich einfach nach dem Aussehen zu entscheiden. Beim scrollen entdeckte ich eine hübsche Palominostute mit auffälliger Scheckung. Interessiert klickte ich ihre Anzeige an und betrachtete die Bilder. Dann kam Niklas wieder und ich präsentierte ihm die Stute.
      “Könnte was sein”, antwortete er und guckte sich die Bilder mit mir zusammen an. Sein nächster Blick ging zu den anderen Pferden, die der Herr aus Lacombe anbot.
      “Da können wir durchaus mal gucken fahren, hast du Lust?”, fragte Niklas mich spontan.
      “Oh Ja, das fände ich sehr interessant”, antworte ich begeistert.
      “Gut, dann gehen wir kurz Anders … ähm Herrn Holm Bescheid sagen und können wir los, denke ich. Wir nehmen dann den Transporter, mit dem wir herkamen.”, sagte Niklas und rannte direkt los. Nicht mal seine Schuhe hatte er angezogen. Ich streife mir meine Stiefel über und folgte ihm etwas langsamer. Ich würde ihn eh nicht einholen können.

      Niklas
      Ungebremst öffnete ich die Tür meines Trainers der mal wieder mit Kristine beschäftigt war. Nur konnte ich mir diesmal nicht einen Kommentar verkneifen: “Habt ihr nichts besseres Zutun?”
      “Niklas, du kannst auch nächstes Mal klopfen. Und nein, haben wir nicht. Schließlich seid ihr auch andauernd am Reiten.”, scherzte Herr Holm.
      “Wir können auch Tauschen … stopp.”, merkte ich, dass es ein schlechter Witz werden würde.
      “Jetzt sag’ was du hier willst, ich habe noch Zutun.”, hakte mein Trainer noch mal nach.
      “Smoothie muss in den Ruhestand, weil die Arthose schlimmer ist, als erwartet. Deswegen habe ich hier in der Umgebung mal geguckt und einen Züchter gefunden bei dem ich mir jetzt mal die Pferde anschauen will. Falls ich was finde, nehme ich es auf Probe mit. Soweit geplant.”, erklärte ich ihm was ich vorhatte. Ohne zu protestieren, gab er mir den Schlüssel und die Fahrzeugpapiere vom kleinen Transporter. Dann kam Lina und schlagartig schlug er die Tür vor meiner Tür zu.
      “So, dann werde ich mir mal ein anderes Shirt anziehen und wir treffen uns gleich am Transporter?”, fragte ich Lina aufgeregt.
      “Jep, und vielleicht solltest du auch noch Schuhe anziehen”, lachte sie und deutete auf meine Füße.
      “Mal gucken, vielleicht fahre ich auch nackt.”, sagte ich trocken und lief zurück ins Zimmer, in dem Ju immer noch im Chaos saß.
      “Schon wieder da?”, wunderte er sich.
      “Nein, wir fahren uns jetzt Pferde angucken. Willst du dann Bilder haben?”, fragte ich ihn freundlich. Von meiner Euphorie angesteckt, nickte er aufgeregt.
      “Berichte mir dann so früh wie du kannst.”, antwortete er dann und hielt mir die Faust hin, die ich erwiderte.
      Am Transporter wartete ich auf Lina. Ich hatte mir ein helles Poloshirt angezogen und meine Sonnenbrille mit Stärke auf. In einem kleinen Beutel, den ich in meiner Hand hatte, war meine richtige Brille. Dazu hatte ich noch mein Scheckheft bei, auch wenn die alle gesperrt sind, kann mein Berater jeder Zeit eine Zahlung via Anruf veranlassen. Ich hatte mich bereits Mister Echeverria angekündigt und offensichtlich war mein Familienname auch außerhalb der EU bekannt, was mich überraschte. Vor der Abfahrt prüfte ich noch ob ich alles dabei hatte. Im Transporter gab es einen kleinen Kühlschrank, der mit Getränken und einigen Snacks gefüllt war. Nur noch das wichtigste fehlt - Lina.
      “Sorry, Quinn hat mich aufgehalten, sie wollte unbedingt noch was zu einem der Ponys wissen, was offensichtlich nicht warten konnte”, entschuldigte sie sich als sie auf mich zukam. Auch sie hatte sich umgezogen, denn sie hatte nun ein blaues Shirt an. Ihre Haare hatte sie zu einem ordentlichen Zopf frisiert und eine Sonnenbrille steckte darin.
      “Na dann Lady, einsteigen. Wir haben eine 3h Fahrt vor uns”, sagte ich zu ihr und half beim Einsteigen in den Transporter.
      Die Fahrt verging wie im Fluge und freundlich wurden wir am Transporter vom Halter der Pferde begrüßt.
      “Hallo Herr Olofsson, schon viel von Ihnen gehört”, sagte er freundlich.
      “Ich hoffe nur Gutes, Mister Echeverria”, antwortete ich professionell.
      “Und sogar … ihr Freundin dabei?”, fragte der ältere Herr.
      “Eine gute Freundin, genau”, sagte ich und Lina warf ein kurz einen leicht irritierten Blick zu, sagte aber nichts weiter. Augen sagen mehr als Worte, doch wir hatten noch gar nicht weiter drüber gesprochen, deswegen hielt ich es für das Beste diese Antwort zu geben. Zusammen liefen wir über den Hof und gern hätte ich ihre Hand genommen, doch ich wollte den Schein wahren. Besonders wusste ich nicht so wirklich, wer dieser Mann war und wie vertrauenswürdig.
      “So, was suchen Sie denn genau?”; fragte er als wir im Stall ankamen. Viele Pferde Köpfe schauten zu uns und Lina begrüßte direkt eine Fuchsstute, die neugierig an ihrem Zopf schnüffelte.
      “Ich suche am liebsten eine Stute, aber ein Hengst wäre auch okay, die nicht überbaut ist. Der Hals sollte nicht zu tief angesetzt sein und eine konvexe Linie bilden in der oberen Halslinie. Von der Länge her auf keinen Fall zu kurz zu lang wäre machbar.”, begann ich zu erzählen, eh er mich unterbrach.
      “Was haben Sie denn vor mit dem Pferd”, fragte Mister Echeverria verwundert.
      “Eventing und vor allem Dressur in den hohen Klassen”
      “Wir hätten drei Stuten, die zwar eine Qualifikation auf der Bahn bekommen, haben aber unter meiner Tochter im Sport deutlich mehr hermachen. Folgen Sie mir.”, sprach er und lief los. Wir folgten ihm und er zeigte uns die Pferde. Das eine war die Palomino Stute, die Lina mir bereits gezeigt hatte. Das andere eine Mausfalbstute mit einer auffälligen Sabino Färbung und eine dunkle Stute, mit einem hübschen Kopfabzeichen.
      “Ich würde sagen, ich lasse alle drei Pferde fertig machen und dann auf den Platz bringen”, sagte er. Ich stimmte zu und ging mit Lina vor. Sie hatte in der Zeit schon alle drei Stuten begrüßten. Er verschwand kurz, um uns allen etwas zum Trinken zu holen.
      “Und was denkst du?”, fragte ich Lina höflich, die ziemlich still neben mir stand.
      “Also hübsch sind die drei schon mal. Die Falbstute scheint am freundlichen zu sein, sie hat sich gleich ein wenig kraulen lassen. Die dunkle hingegen scheint ein wenig zickig zu sein”, antwortete sie mir dann.
      Eh ich etwas sagen konnte, kam der Herr wieder. Ich nahm mir den Kaffee.
      “So, wollen sie sich dann darauf setzen?”, fragte er mich.
      “Erstmal noch nicht, möchte mir die Pferde vom Boden aus genauer anschauen.”, antwortete ich ernst. Offenbar schien er damit nicht gerechnet zu haben und guckte durch die Gegend, wer sich da nun drauf setzen könnte. Dann gucke ich an Lina runter, die zumindest noch Reitsachen anhatte und ich zog meine Augenbrauen hoch.
      Sie sah mich kurz an und schien zu verstehen. “Ich kann mich doch draufsetzten, dann kannst du dir das Ganze in Ruhe ansehen”, schlug sie dann vor.
      “Danke dir, Kleines”, sagte ich zu ihr und half beim Aufsteigen. Als Erstes wollte ich mir die Mausfalb Stute angucken.
      “So das ist Dumpty Humpty, eine 5-jährige Stute aus Stalino. Seit ungefähr zwei Jahren ist sie unter dem Sattel und läuft bereits Dressur in der L.”, begann er zu sprechen. Innerlich kam mir das kotzen. Das arme Pferd würde somit in spätestens 5 Jahren zusammen mit Smoothie stehen und nichts weiter als mein Geld verschlingen. Aus Höflichkeit ließ ich ihn jedoch weiter sprechen.
      “Durch ihren gut ausgeprägten Widerrist kann ich mir gut vorstellen, dass sie auch beim Springen eine gute Figur macht. Zum Testen werde ich gleich ein Kreuz aufstellen lassen.”, sagte er und zeigte mit seinem Finger auf den Platz. Direkt kamen zwei Mitarbeiter und stellten dieses hin. Ich entschied mich den Platz zu betreten und neben Lina herzulaufen, die mir verraten sollte, was sie vom Pferd hält.
      “Also ich hab den Eindruck sie ist recht fein im Maul, aber den Schenkel scheint sie nicht ganz so gut anzunehmen. Ich finde sie ein wenig faul und ich muss sie schon ein wenig motivieren nicht durch die Gegend zu schlurfen. Außerdem beginnt sie sofort sich einzurollen, wenn ich den Zügel ein bisschen mehr aufnehme”, vermittelte sie mir ihren ersten Eindruck von der Stute. Ich nickte ihr zustimmend zu.
      “Gut, danke. Ich hätte dann gern die Dunkle”, sagte ich zu dem Herren, dem es offenbar ziemlich wichtig war, mir dieses Pferd anzudrehen. Lina stieg ab und jemand nahm ihr die Stute ab. Dann stolzierte die dunkle Stute auf den Platz. Erst im zweiten Blick fiel auf, dass sie nicht nur ein interessantes Abzeichen hatte, sondern auch an einigen Stellen leichte Dapples und helle Färbungen. Auf den ersten Blick würde ich auf einen dunklen Buckskin tippen. Lina steig auf und die Stute schnappte nach ihrem Oberschenkel. Skeptisch beobachtete ich das ganze.
      “Das ist Northumbria, eine 6-jährige Stute, die etwas speziell ist. Humbi akzeptiert nicht jeden. Seit ungefähr zwei Jahren wird sie von meiner Tochter geritten, die es mittlerweile im Blut hat mit ihr umzugehen. Jedoch ist Humbi sehr fordernd und braucht viel Aufmerksamkeit. Springen kann sie gut, vor allem über Zäune.”, erklärte Mister Echeverria. Auch jetzt ließ ich mir wieder von Lina berichten, die nun einige ruhige Runden im Schritt auf der Stute ritt.
      “Ich wurde sagen, sie ist typisch Stute, empfindlich und launisch. Im Gegensatz zu der Falbstute ist sie allerdings sehr fleißig. Sie hört gut auf meine Hilfen und scheint mir auch recht viel Schwung mitzubringen.”, erklärte sie mir.
      “Dann Trab mal an bitte”, sagte ich bestimmt zu Lina. Etwas unsicher guckte sie mich ab aber trieb dann das Pferd vorwärts. Mit einem Ruck sprang die Stute in den Trab über, streckte den Kopf nach unten und schwebte vorwärts.
      Zuletzt ließ ich Lina nun noch auf die Palomino Stute setzen, die nach dem Aufsteigen erst mal den Kontakt zu ihrer Reiterin suchte. Aufmerksam lief sie im Schritt los und achtete bei Schritt und Tritt auf Lina, die sich auf dem Rücken der Stute wohlzufühlen scheint. Auch im Trab machten beide ein gutes Bild. Zum Test überquerte sie das Kreuz.
      “So, was sagst du?”, fragte ich ein letztes mal.
      “Sie gefällt mir am besten. Sie ist schön aufmerksam. Fleißig, aber nicht hibbelig. Sie hat schön auf meine Hilfen reagiert und hat immer schnell verstanden, was ich von ihr will. Sie scheint viel Spaß am Springen zu haben, denn sie hat denn Sprung fast von allein gemeistert“, erzählte mir Lina überaus begeistert. Ich nickte ihr zustimmend zu und half ihr von der großen Stute runter. Dann vereinbarte ich mich mit dem Herren, dass ich es mir jetzt mal durch den Kopf gehen lasse und in spätestens einer Stunde mich melden werden.
      Zusammen setzte ich mich mit Lina ins Auto, um über die Pferde zu sprechen. Ich hatte einige Videos und Fotos gemacht, die ich bereits zugeschickte hatte. Auch er war deutlich überzeugt von der Palomino Stute.
      “Lass uns mal Tanken fahren, nicht das es zu spät wird und mit einem Pferd hinten drin, möchte ich ungern irgendwo anhalten.”, sagte ich zu Lina und schnallte mich an.
      “Gute Idee. Können wir bei der Gelegenheit noch was zu essen mitnehmen? Die ganze Reiterei hat ganz schön hungrig gemacht und ich fürchte ein Müsliriegel, wird da nicht ausreichen”, fragte sie und schnallte sich ebenso an.
      “Klar, du kannst dir alles aussuchen, was du möchtest”, versicherte ich und fuhr los.
      Während Lina noch das richtige Essen auszuwählen, suchte ich mir eine Packung Zigaretten aus, die ich wirklich gerade brauchte. Eigentlich hatte ich vor mehreren Jahren aufgehört, doch heute war nicht der Tag dafür um sinnvolle Entscheidungen zu treffen.
      “Du rauchst?”, fragte Lina beiläufig. Sie legte ein belegtes Bagel und eine Tüte Studentenfutter auf den Tresen, stellte noch eine Wasserflasche dazu.
      “Eigentlich nicht”, antwortete ich beim Zahlen und verließ mit ihr das Tankstellengebäude. Ich fuhr das Auto von der Zapfsäule weg und stellte mich mit Lina auf den Parkplatz. Sie setzte sich auf die Stufe der Beifahrertür und ich zündete die Zigarette an. Bei dem ersten Zug musste ich stark husten, aber ich ignorierte es. Auf meinem Handy sah ich Ju, der mir geantwortet hatte.
      “Ju findet die Palomino Stute auch am besten.”, erzählte ich Lina, als durch seine Nachrichten scrollte.
      “Weise Entscheidung. Die dunkle was zwar hübsch, aber für meinen Geschmack zu nervös”, kommentierte sie und begann ihren Bagel zu essen.
      “Aber ich nehme die nervöse. Humbi war mir als Pferd deutlich sympathischer und ich denke, dass mit Obsidian würde mir schnell langweilig werden würde”, murmelte ich zu Lina.
      “War ja klar, dass du lieber eine Herausforderung willst, aber wunder dich nicht, wenn sie dich irgendwann aufrisst”, scherzte sie.
      “Wenn’s nicht klappt, bringe ich sie zurück. Ich zahle nur eine Kaution und wenn sie mir zusagt, überweise ich den Rest und bekomme alle unterlagen zusammen mit dem Pferd zugeschickt”, erklärte ich Lina.
      “Und bevor sie mich auffrisst, fresse ich sie”, fügte ich noch hinzu und tritt die Zigarette aus.
      “Vielleicht wird sie ja noch freundlicher, wenn sie nicht den ganzen Tag in deiner Box verbringen muss”, sagte sie schulterzuckend und kletterte zurück in den Wagen.
      Zusammen fuhren wir zurück auf den Hof und ich einigte mich auf eine Anzahlung von 10.000 (US)$. Mein Bankberater hatte bereits einen Anruf von mir bekommen. Er gab mir für die Stute noch eine Trense mit, die ihr auf jeden Fall nicht passt, aber ich packte sie doch ein. Das Verladen begann mit einigen Problemen aber am Ende stand sie.
      Auf dem WHC kamen wir im Dunkeln an. Lina schlief immer wieder ein und ich versuchte nicht bei der Musik mitzusingen, obwohl viele gute Lieder gespielt wurden.
      “Schlafmütze, wir sind da. Humbi muss irgendwo hin, wo keine Fluchtgefahr besteht.”; sagte ich zu Lina, die gerade wach wurde.

      Lina
      Ich brauchte ein paar Sekunden um mich zu orientieren und streckte mich erst einmal, bevor ich Niklas antworte. “Wenn dein Pferdchen bleiben soll, wo es ist empfiehlt sich die Hauskoppel. Seit Griselda mehrmals über den Zaun gesprungen ist, erinnert die an einen Hochsicherheitstrakt. Ansonsten wäre bestimmt auch noch irgendwo eine Box frei”, murmelte ich verschlafen.
      “Box wäre wohl nicht die beste Idee, so wie sie einen anfauchte, braucht sie frische Luft”, antwortete er mir.
      “Na, dann lass uns mal dein verrücktes Pferdchen auspacken”, sagte ich und öffnete die Autotür. Etwas steif, kletterte ich aus dem Auto und streckte mich noch einmal gründlich, bevor ich zu Ladeklappe rumging, die Niklas bereits geöffnet hatte.
      “Die ist nicht verrückt, sie ist sensibel”, protestierte er und stieg in den Transporter, um die Stute langsam herauszuführen. Neugierig guckte sie durch die Luft.
      “Ich glaube einfach, dass du eifersüchtig bist auf diese Schönheit”, fügte Niklas noch hinzu.
      “Was soll das denn jetzt heißen?”, fragte ich und sah ihn empört an.
      “Soweit habe ich bisher nicht gedacht, das Argument, dass ich 6h gefahren bin, würde nämlich nicht zählen. Schließlich bin nur für dich über 20h geflogen.”, gab er zu.
      “Ja, da hast du recht, da wäre ein sehr schwaches Argument”, stimmte ich ihm zu und streckte vorsichtig die Finger nach der Stute aus. Neugierig schnupperte sie daran und beknabberte vorsichtig meine Fingerspitzen. Ganz so launisch schien sie doch nicht zu sein.
      “Aber bevor wir weiter darüber diskutieren sollte, wir vielleicht erst mal deine ‘Schönheit’ auf die Koppel bringen. Die hat bestimmt Hunger, in dem Fall wäre ich auch so schlecht gelaunt”, sagte ich mit einem Kopfnicken in Richtung Koppel.

      Niklas
      Bevor ich loslaufen konnte, stand Ju schon vor uns und bewunderte Humbi. “Ich wusste, dass du die nimmst”, sagte er dann zu uns. Verwirrt legte sie die Ohren an und richtete sich einige Schritte rückwärts. Dann ging es weiter und keiner sagte etwas. Entspannt aber offensichtlich müde schritt die Stute neben mir her. Auf der Koppel stürzte sie sich direkt auf das Heu. Einige Minuten beobachtete ich sie dabei, doch bei jedem zwinkern meiner Augen wurde ich müder. Die Fahrt war ansprechend.
      “Lina, ich würde jetzt ins Bett gehen. Das war mir heute zu viel.”, sagte ich zu ihr. Daraufhin bekam sie ein Kuss auf sie Stirn.
      “Na, dann träum was Schönes. Dein neues Pferd können alle auch morgen noch bewundern”, erwiderte sie und lächelte mich an.
      Müde lief ich mit Ju ins Zimmer und fiel ins Bett. Es gelang mir noch die Kleidung auszuziehen, eh ich einschlief.

      Nächster Tag beginnt …

      Der nächste Tag begann früher als ich dachte mit einem Anruf von Herrn Holm, der nicht wirklich zufrieden war.
      “Dein neues Pferd steht auf dem Hof herum und lässt sich von niemanden anfassen. Komm oder wir erschießen es.”, wurde ich am Telefon angebrüllt. Einen Moment brauchte ich um zu verstehen, wovon er sprach. Dann wusste ich es - Humbi. Irgendein Shirt griff ich und zog eine kurze Hose an. An der Tür schlüpfte ich in die Stiefeletten. Dann sah ich, wovon er sprach. Mehrere Menschen wedelten mit ihren Armen. Es wirkte nicht so, als würden sie meine Stute einfangen zu wollen, sondern sie zu verängstigen.
      “Jetzt lasst Humbi doch mal in Ruhe. Sie hat Angst vor euch. Was stimmt mit euch nicht?”, rief ich verärgert drückte meinem Trainer die Schlüssel vom Transporter in die Hand und bekam im Austausch einen Strick. Ruhig lief ich auf sie und sprach mit ihr. Humbi spitze die Ohren und guckte mich an.
      “Suuuuuper”, lobte ich sie leise und legte den Strick an das Halfter.
      “Dafür musste ich jetzt aufstehen, weil ihr Pferdemenschen nicht in der Lage seid einer Stute einen Strick anzulegen?”, sagte ich genervt zu der Traube.
      “Was macht ihr eigentlich alle hier für einen Lärm?”, fragte Lina, die verschlafen aus dem Haus gestolpert kam.
      “Pony ist geflohen. Kurz kam mir der Gedanke sie mit ins Zimmer zu nehmen, eh mir auffiel, dass es Pferd ist und kein Hund”, antwortete ich Lina müde und Humbi folgte mich aufmerksam. Zwischendurch zupfte sie an Grashalmen, die unseren Weg kreuzten.
      “Und warum ist ein einziges Pferd, der Grund für so einen Aufstand?”, fragte sie immer noch ein wenig verwirrt. “Hier sollten doch alle in der Lage sein es einfangen zu können ohne so ein Theater”, murmelte sie vor sich in.
      “Kannst du einen Tierarzt anrufen, der vielleicht heute noch kommen kann? Ich möchte sie noch durchchecken lassen, eh ich mich darauf setze”, bat ich Lina und brachte Humbi zurück auf die Weide. Dort sah ich, dass das Tor offen stand. Offenbar war irgendjemand nicht in der Lage ein Pferd zu füttern, ohne das es neugierig die neue Umgebung betrachten möchte. Also stellte ich sie wieder hin und nahm den Heusack mit. Im Stall fand ich den Heuballen und ich befüllte den Sack mit diesem. Als ich zurückkam, stand die Stute aufgeregt am Gatter und konnte es gar nicht abwarten was zu futtern. Eh ich wieder die Koppel betrat, scheuchte ich Humbi weg. Respektlos blieb sie vor mir stehen und war kurz davor den Heusack aus meiner Hand zu stehlen. Einige Minuten erst vergehen, eh sie diesen haben durfte. Zufrieden tätschelte ich ihren Hals und kehrte zu Lina zurück, die sich wieder in ihr Bett gelegt hatte, aber offenbar wach war.

      Lina
      Nachdem ich enttäuscht festgestellt hatte, das hier scheinbar keiner in der Lage war ein frei laufendes Pferd einzusammeln, war ich wieder in mein Zimmer gegangen.
      “Dein Tierarzt kommt um halb 12”, murmelte ich als Niklas das Zimmer betrat. Wie ist sie überhaupt da herausgekommen”, fragte ich müde, denn wenn ich schon unnötigerweise so früh aufgestanden war, wollte ich wenigstens wissen warum.
      “Ich habe einen eigenen Tierarzt, das nenne ich mal cool. Wie sie herausgekommen ist, kann ich nur vermuten. Das Koppeltor war offen und wirkte so, als wollte jemand füttern und hat sich minimal blöd angestellt. Ich habe dann ihren Heusack befüllt. Humbi akzeptierte nicht wirklich, dass ich den selbst anhänge und stand respektlos vor mir. Das Spiel kann ich jedoch genauso lange spielen wie sie. So standen wir also einige Minuten da, eh sie zurückwich und den Raum gab zum Anhängen des Sackes.”, erklärte Niklas.
      “Natürlich ist das nicht ‘dein’ Tierarzt”, sagte ich und warf ein Kissen nach ihm bevor ich ihm weiter zuhörte.
      “Mmm, wenn das so ist, hat bestimmt Hazel heute gefüttert. Das wäre nicht das erst mal, dass ihr ein Pferd ausbüxt. Ich habe ihr schon mindestens 100-mal gesagt, dass sie das Tor hinter sich richtig schließen muss, gerade bei Pferden wie Humbi”, erklärte ich ein wenig genervt.
      “Sie konnte ja nicht viel dafür. Keiner hatte ihr berichtet, dass da plötzlich ein neues Pferd sein wird.”, nahm er sie nun in den Schutz.
      “Na gut, du hast ja recht, ich hätte ihr wenigsten einen Zettel hinlegen sollen oder einfach gleich selbst füttern sollen”, murrte ich müde. So früh am morgen, fehlte mir einfach die Energie für solche Diskussionen, vor allem wenn mein Wecker eigentlich erst in einer Stunde geklingelt hätte.
      “Wollen wir uns …. Zusammen vielleicht noch mal eine Stunde hinlegen?”, fragte Niklas mich vorsichtig und deutete auf mein Bett.
      “Das klingt nach einem hervorragenden Plan, also komm schon her”, sagte ich rutschte ein Stück zu Seite.
      Überzeugt zog er seine Hose und Shirt aus, um sich zu mir zu legen. Gemütlich kuschelte ich mich an ihn und begleitet von seinen regelmäßigen Atemzügen schlief ich ein.

      Jace
      “Wo bleibt denn Lina, die hat sich gestern schon vor dem Zäune kontrollieren gedrückt”, rief Samu genervt. Luchy hatte gestern darauf bestanden, dass die Fohlen mit ihren Müttern noch vor dem Frühstück auf eine neue Koppel kommen. Da die anderen die letzten Tage die Morgenfütterung hatten, blieb es also an Lina, Samu und mir hängen die Pferde umzuweiden.
      “Keine Ahnung, die pennt bestimmt noch”, antwortete ich Samu.
      “Na, dann sollten wir die Schlafmütze mal wecken, gehen”, kam es von Samu und er marschierte in Richtung Haus. Eilig folgte ich ihm und rannte noch vor ihm die Treppe rauf.
      “Aufstehen, du Schlafmütze, die Arbeit….”, reif ich und öffnete ihre Tür. Mitte im Satz verstummte ich, denn das Bild, was sich mir bot, hatte ich nicht erwartet. Lina lag nämlich nicht allein in ihrem Bett. Auch Samu, der mittlerweile hinter mir stand, schien ein wenig überrascht zu sein.
      “Das wird dann der Moment sein, an dem ich gehe. Am besten klärt ihr eure Familienverhältnisse ohne mich. Wirklich Lust auf einen weiteren Krankenhausbesuch habe ich nicht.”, kam es von Niklas verärgert, der seine Sachen nahm und so wie er leicht bekleidet war, das Zimmer verließ.
      “Vielen Dank ihr zwei Steinzeitmenschen, man kann auch vorher anklopfen”, beschwerte sich Lina nun.
      “Wer kann denn auch schon Ahnen, das du scheinbar beschäftigt bist”, antworte Samu grinsend. Ich stand immer noch ein wenig sprachlos im Türrahmen.
      “Was heißt hier denn beschäftigt”, schimpfte sie nun und stand aus dem Bett raus. “Wir haben ganz normal geschlafen”.
      “Ja, ja klar ihr habt geschlafen”, scherze Samu gut gelaunt. Was ist denn mit dem auf einmal los? Warum stört ihn das nicht? Er ist doch sonst der nervige Moralapostel.
      “Ja, haben wir wirklich. Wenn ihr dann genug doofe Fragen gestellte habt, könnt ihr dann verschwinden. Ich brauche keinen Babysitter, um mich anzuziehen”, schimpfte sie weiter und machte uns einfach die Tür vor der Nase zu.
      “Hab ich was verpasst, oder warum sagst du nichts dazu?”, fragte ich Samu nun, weil ich immer noch nicht verstand, weshalb er das ganze auf einmal ok zu finden schien.
      “Sagen wir mal, die Lage hat sich verändert”, sagte er verheißungsvoll. “Aber wenn du es wissen willst, kannst du Lina mal schön selbst Fragen. Aus eurem Kindergarten halte ich mich raus”, fügte er hinzu und klopfe mir auf die Schulter. “Ich warte dann draußen auf euch”, rief er während er auf der Treppe verschwand.
      Diesmal klopfte ich an Linas Tür und wartete bis sie öffnete.
      “Was willst du noch Jace”, sagte Lina genervt, die immer noch ihren Schlafanzug trug.
      “Was läuft da eigentlich zwischen dir und Niklas”, fragte ich dann vorsichtig, weil sie nicht besonders gut gelaunt zu sein schien.
      “Wonach sieht es denn aus Jace”, schimpfte sie und verdrehte die Augen. “Wars das jetzt?”, fragte sie und wartete nicht mal auf eine Antwort, sondern schloss die Tür wieder.
      Offensichtlich wollte sie nicht mit mir darüber Reden, also ging ich runter zu Samu und wartete auf Lina.
      “Kann das sein, dass du ein klein wenig eifersüchtig bist, weil du nicht mehr der einzige Macho hier bist”, triezt Samu mich. Darauf antwortete ich ihm nicht, sondern widmete mich meinem Instagramfeed.
      10 Minuten später kam dann auch endlich Lina runter, sodass wir mit der Arbeit beginnen konnten.

      Vriska
      Nach dem Lina gestern nicht mehr kam und auch beim Frühstück nicht auftauchte, entschied ich mich dafür, ihr eine kurze Mitteilung zu senden. Am Nebentisch hatte ich das Gespräch von Samu und Jace belauscht, die auch verwundert waren, dass sie nicht auftauchte. Da Niklas ebenfalls nicht da war, haben sich verschiedene Theorien eröffnet, wo die Beiden sind. Ich hatte mich dagegen entschieden daran teilzunehmen, weil es niemanden etwas anging. Außerdem ging ich von einfacher Müdigkeit aus, nach dem sie gestern Stundenlang fuhren, um für Niklas ein Pferd zu kaufen. So spontan wie es halt ist, wenn man plötzlich ein neues Pferd braucht. Natürlich hatte es sich beim Frühstück schon herumgesprochen, dass auf einer Koppel eine neue Stute stand, die bereits einen kleinen Ausflug machte am Morgen. Da das heute Training erst am Nachmittag ist und ich gestern den halben Tag gelernt hatte, überlegte ich, was man machen könnte. Da Lina nicht auf meine Nachricht reagierte, suchte ich Samu auf, der irgendwelche Pferde umstellen sollte.
      “Hej”, begrüßte ich ihn freundlich aber unsicher.
      “Guten Morgen, Vriska”, begrüßte er mich freundlich.
      “Du hast nicht zufällig etwas für mich, was ich tun könnte? Vielleicht ein Pferdchen zum Longieren oder so?”, fragte ich vorsichtig.
      “Hast du ein Glück, das es hier immer etwas zu tun gibt. Du könntest Looki longieren”, antwortete er freundlich.
      “Okay und wo finde ich den hübschen?”, erwiderte ich.
      “Er müsste schon auf der Koppel stehen. Du hast das richtige Pony gefunden, wenn es die längsten Haare hat, die du je an einem Pferd gesehen hast, pass nur auf er flirtet gerne ”, erklärte der Finne.
      Durch Lina wusste ich schon wo ich Halfter und alles andere zu finden sein wird, so konnte ich den Hengst von der Weide holen und ihn putzen. Zur Begrüßung streckte mir der Hengst seinen Kopf in mein Gesicht und zupfte freundlich an meinen Haaren, die ich in einem Zopf trug. Das Halfter anlegen gestaltete sich schwierig mit der Maße an Langhaar, die er hatte. Doch nach einer Weile war alles an Ort und Stelle, dass wir gemeinsam zum Stall gehen konnten. Auf dem Weg traf ich Milena, die Sich Snúra von der Weide holte und offenbar etwas trainieren möchte. Freundlich grüßte sie mich, bekam aber keine Antwort von mir. Wie schon auf der Weide hatte ich einige Probleme damit den Hengst richtig zu putzen, da mir durch den Windzug, der im Stall herrschte, immer wieder Strähnen seiner Mähne im Gesicht lagen. So suchte ich in der Sattelkammer noch Haargummis und wurde sogar fündig. Mit einer Plastikbürste machte ich ihm die Haare schön und flocht alles zu einem Mozartzopf, der sich sehen lassen konnte. Seinen Schweif flocht ich ganz einfach, damit dieser nicht mehr auf dem Boden mitzog. Als einziges Hilfsmittel legte ich Looki ein Kappzaum um und nahm mir eine Gerte, die herumlag. Obwohl es ziemlich warm war, aber bewölkt ging ich auf den riesigen Reitplatz, auf dem ich alleine war. Zu Beginn machte ich einige Übungen mit dem Hengst, um seine Durchlässigkeit zu testen und wie nachgiebig er ist. So stellte fest, dass er sehr genau auf die Hilfen achtet und auch den Einsatz der Stimmenhilfe als wichtig empfand. Im Schritt drehten wir gemeinsam einige Runden.
      Nach erfolgreicher Beendigung der Einheit brachte ich den Hengst zurück auf die Weide. Kurz überlegte ich, ob die Zöpfe in den Haaren bleiben sollten, aber entschied mich dafür, sie nicht raus zu machen. Es war so warm, dass es für ihn sicher angenehmer sein wird. Kurz guckte ich noch, was er machte. Natürlich warf sich Looki in den Dreck, um sich zu wälzen.

      Lina
      Inzwischen hatten Jace, Samu und ich die Fohlen umgeweidet, was sich als gar nicht so einfach herausgestellt hatte. Die beiden Zwillingsfohlen waren die ganze Zeit von ihrer Mama weg geflitzt und hatten alle anderen beunruhigt, sodass Mijou sich aufgeregt hatte und sich lieber allein mit ihrem Fohlen eine neue Weide suchen wollte. Doch letztendlich hatten wir es geschafft alle, auf die neue Koppel zu bringen. Jace hatte sich direkt danach wieder verkrümelt und ich setzte mich mit Samu noch ins Gras, um den Fohlen beim Spielen zuzusehen.
      “Hätte ihr mich nicht früher wecken können, jetzt hab ich hunger und das Frühstück ist vorbei”, jammerte ich ihn an.
      “Also wirklich, dafür das du deinen Wecker nicht hörst, kann ich ja wohl auch nichts”, erwiderte Samu vorwurfsvoll.
      “Haben wir noch was im Kühlschrank?”, fragte ich ihn dann.
      “Nein, soweit ich weiß war niemand in den letzten Tagen einkaufen.”
      “mmm..., dann muss ich mir wohl überlegen, wo ich was zu essen herbekomme”, antworte ich resigniert.
      Ein Schmetterling flog über die Wiese und landete auf meinem Fuß. Venice, die den Falter bemerkt hatte, kam langsam angetrottet und beschnüffelte mit etwas Abstand neugierig meinen Fuß. Der kleine bunte Schmetterling schlug langsam mir seinen Flügel, bevor er still hielt. Das kleine braune Fohlen schien sich darüber zu wundern, dass er sich auf einmal nicht mehr bewegt und versucht in den Schmetterling zu beißen, worauf hin er aufflog.
      “Veni, du kannst doch keine Schmetterlinge fressen”, tadelte ich die kleine Stute, die dem kleinen Insekt verwundert hinterherschaute.
      “Scheinbar kann sie schon”, machte sich Samu über mich lustig.
      “Weißt du deine blöden Kommentare werden mir nicht fehlen”, murmelte ich.
      “Wer sagt denn das ich dich allein nach Schweden fliegen lasse”, sagte mein bester Freund auf einmal.
      “Ich sage das Samu, weil ich gar nicht allein fliege, ich habe ja Niklas. Außerdem arbeitet Vriska ja auch da”, antwortete ich bestimmt.
      “Du bist dir sicher, dass ich nicht mitkommen soll”, fragte er jetzt noch einmal nach.
      “Ja, ich bin ziemlich sicher. Wie ich dir und Jace heute Morgen schon erklärt habe, brauche ich keinen Babysitter! Wenn du um bedingt auf etwas aufpassen willst, kannst du dich um Divine kümmern. Der werde ich erst einmal hier lassen, schließlich muss ich erst einmal sehen, ob das alles so klappt, wie ich mir das vorstelle”, erklärte ich meinem besten Freund.
      “Na gut. Aber dann möchte ich wenigsten jeden Tag ein Lebenszeichen von dir bekommen.”
      “Samu, ich verschwinde nicht vom Planeten, aber keine Sorge du bekommst deine Lebenszeichen”, beruhigte ich ihn.
      “Wo wir gerade bei Thema sind, hast du eigentlich schon mit Luchy darüber gesprochen?”, fragte er unschuldig.
      “Nein, das muss ich noch machen”, murmelte ich. Dieses Gespräch würde vermutlich unangenehm werden, denn ich erwarte nicht, das Luchy Luftsprünge machen wird. Immerhin muss sie dann jemand neuen finden, der die Reitschule schmeißt, ganz besonders den Teil mit den Ponys.
      “Ich finde wir haben jetzt genug rumgesessen”, verkündete ich dann, um vom Thema abzulenken. “Keine Ahnung was du machst, aber ich werde mich auf die Suche nach etwas zu essen machen”, fügte ich noch hinzu und lief in Richtung Hof.
      Irgendwer hatte Divine schon aufs Paddock gestellt, doch er schien definitiv noch auf seine morgendliche Möhre zu warten. Also lief ich in die Futterkammer und holte eine.
      “Sorry süßer, aber heute musst du teilen”, sagte ich zu meinem Pferd und brach die Möhre durch um die eine Hälfte selbst zu essen.
      “Lass deinem Pony doch mal die Möhre”, kritisierte Niklas, als er mit Humbi vorbeilief, da der Tierarzt gleich kommt zur Kontrolle.
      “Sorry, aber das ist das einzig Essbare, was ich bisher finden konnte. Ivy wird es schon überleben, mal nur eine halbe Möhre zu bekommen”, verteidigte ich mich.
      “Ich kann gern was kochen, wenn Humbi fertig ist”, bot er dann an und lächelte.
      “Wundervoll, dann geh ich meinem Pferd mal eine neue Möhre holen. Möchte Humbi auch eine?”, fragte ich freundlich und rechnete schon damit, dass er eh nein sagen würde.
      “Gern. Sie freut sich sicher. Das Heu ist auch schon wieder, dass grüne Zeug, dass auf dem Boden wächst, scheint nichts zu sein.”, kam es überrachsend.
      “Na, wenn das so ist, bin ich gleich wieder da”, antwortete ich und verschwand kurz in der Futterkammer.
      Als ich wieder neben Niklas stand, streckte die dunkle Stute neugierig ihre Nase nach mir aus, denn sie schien die Möhren bereits zu riechen. Langsam, um sie nicht zu erschrecken, hielt ihr eine Möhre hin. Hungrig nahm sie die Möhre entgegen.
      “Das scheint ihr definitiv, besser zu schmecken als Gras”, stelle ich unnötigerweise fest.

      Niklas
      Humbi konnte nicht genug von den Möhren bekommen und Lina stopfte immer mehr in sie herein. Dann stand der Tierarzt schon da. Zu Beginn holte ich den Equidenpass und führte sie vor. Auf den ersten Blick gab es keine Probleme. Auch die Beugeprobe verlief ohne Befund. Die Impfungen waren alle aktuell. Nur ihre Zähne müssten etwas geraspelt werden, so lange könnte ich jedoch Gebisslos reiten. Der Rest ihrer Muskulatur wirkte normal, sodass der Tierarzt mir ihre Gesundheit bescheinigen konnte. Am Tag des Fluges würde er noch einmal kommen, um wie allen anderen Pferden eine Reisebestätigung auszustellen.
      „Dann muss wohl ihrer Art was Erlerntes sein“, sagte ich zu Lina, als wir Humbi zurück auf ihre Koppel brachten.
      "Ich möchte liebt nicht wissen, was sie alles schon erlebt musste, dass sie so darauf ist", antwortete Lina.
      “Der Hof war auf den ersten Blick gar nicht schlecht. Ich habe schon andere Höfe gesehen.”, merkte ich an, während wir am Zaun standen und die Stute betrachteten.
      "Der Schein kann trügen, kein Pferd ist von Sich auf so", sagte Lina nachdenklich. "Aber immerhin scheint sie dich zu mögen", fügte sie noch hinzu.
      “Ach, ich habe noch was für dich”, sagte ich zu Lina und hielt ihr mein Handy hin, auf dem das Flugticket war.
      "Toll, dann steht der Reise ja fast nicht mehr im Wege" antwortete sie mit einem freudigen strahlen in den Augen.
      “Nun, du müsstest das Ticket noch ein Scannen. Dann ist alles gut”, grinste ich. Sie holte ihr Handy heraus und wusste nicht genau, wo sie hin musste. Zweifelt, gab sie mir das Ding und ich suchte nach ihrer Wallet App, die ich dann auch fand. Währenddessen ploppten mehrere Nachrichten von Jace auf, der sich offenbar ziemlich über mich aufregte. Außerdem schickte er einige Bilder, die nicht sehen wollte. Das alles in weniger als zwei Minuten.
      “Vielleicht solltest du den Kerl mal in den Griff bekommen”, sagte ich verärgert und ging, ohne sie antworten zu lassen. Die Zweifel kamen wieder auf, ob es so eine gute Entscheidung gewesen sei. Doch nun kann ich es nicht mehr rückgängig machen und zur Not, hat sie noch Vriska.

      Lina
      "ähh, was", sagte ich verwirrt, als Niklas mir wortlos mein Handy wieder in die Hand drückte und verärgert davon stapfte. Dann war ich ein Blick auf mein Handy und sah was Jace mir geschickt hatte und könnte auf einmal sehr gut nachvollziehen, warum Niklas so reagiert hatte. Wütend rief ich ihn an und natürlich ging es sofort dran.
      Er wollte irgendetwas sagen, doch ich Schnitt ihm einfach das Wort ab.
      "Was zur Hölle stimmt nicht mit dir", schrie ich in das Handy.
      "Das du Niklas nicht magst ist eine Sache, aber DAS geht definitiv zu weit. Traurig genug, dass du meine Entscheidungen nicht akzeptierst, aber dass du denkst, dass ich wie deine kleinen Gespielinnen bin, macht mich wütend, sehr WÜTEND. Die Nummer mag vielleicht bei deine kleine Flittchen funktionieren aber nicht bei mir. Du bist einfach Ekelhaft, ich weiß nicht wie ich jemals Gefühle für dich haben konnte. Du bist für mich gestorben". Nach dem letzten Satz legte ich einfach auf. Jace versuchte mich erneut anzurufen doch ich drückte ihn weg, denn ich wollte absolut gar nichts mehr von ihm sehen oder hören. Es gibt keine einzige vernünftige Erklärung warum man sowas tun sollte. Scheinbar hat ihm keiner gesagt, dass absolut niemand ungefragt solche Bilder haben wollte. Das er dann auch noch die Frechheit besaß zu glauben, das ich das gut finden würde ist einfach das Letzte.
      Wütend löschte ich diese Bilder von meinem Handy.
      Ich hielt kurz inne, bevor ich seine Nummer löschte, da er ja leider immer noch mein Arbeitskollege war, doch ganz ehrlich, sollte er doch bleiben, wo der Pfeffer wächst.
      In meiner Wut hatte ich nicht bemerkt wie die Stute, die mich jetzt anstupste, an den Zaun gekommen war. Überrascht drehte ich mich zu ihr um erblickte ihr nervöse Ohrenspiel.
      Auf einmal war ich nicht mehr wütend, sondern war nur noch darum besorgt, ob jetzt alles kaputt war. Was würde Niklas nur jetzt denken? Traurig sah ich die Stute an, die mich nicht aus den Augen ließ und nun nervös am Zaun entlang lief.
      "Woha ist ja gut, ich wollte dich nicht aufregen", sprach ich ruhig zu der Stute.
      "Weißt du, du hast echt Glück einen so tollen Besitzer gefunden zu haben", sprach ich weiter und die Stute blieb mir etwas Abstand stehen, nur ihre Ohrenstellung verriet ihre Unruhe.
      "Ich bin mal wieder nur vom Pech verfolgt".
      Was genau mach ich hier eigentlich schon wieder. Ich rede gerade mit einem Pferd, welches ich gestern noch nicht besonderes mochte und hoffte es würde mich verstehen. Eigentlich vollkommen bescheuert, doch irgendetwas hatte die etwas Stute an sich. Es war nicht wie bei Divine, denn dieses Pferd strahlte keine Ruhe aus, dieses Pferd war Nervös und hektisch.
      “Du hast Angst, kleine oder?”, fragte ich die Stute und natürlich antworte sie nicht, sondern sah mich einfach nur weiter an.
      “Ich weiß zwar nicht wovor du Angst hast, aber weißt du ich habe auch Angst. Angst vor dem was jetzt auf mich zukommt, Angst davor das es jetzt schon alles vorbei ist, bevor es überhaupt richtig begonnen hat”, erzählte ich Humbi. Logischerweise sagte die Stute immer noch nichts. Eine ganze Weile lang sah ich sie nur an und beobachtete sie und sie tat dasselbe, stand einfach nur da und bewegt nicht außer den Ohren.
      In diesem Moment ging mir eigentlich nichts mehr durch den Kopf, außer der einen Frage. Was dachte Niklas nun über mich und gleichzeitig stelle ich fest, dass ich es nur herausfinden würde, wenn ich ihn frage.
      Mit einem mulmigen Gefühl ging ich rüber zu seiner Hütte. Davor blieb ich stehen, um noch mal tief durchzuatmen, bevor ich zaghaft klopfte.
      „Ja“, antwortete Ju, nicht Niklas.
      Unsicher öffnete ich die Tür. Niklas und Ju saßen am Tisch und schienen zu lernen. “Niklas…”, begann ich vorsichtig. “… kann ich mit dir Reden?”
      „Ob du das kannst, weißt nur du, Lina. Ich möchte aber nicht, was keineswegs an dir liegt. Es ist nur so, dass mich nicht in deine Familienverhältnisse einmischen möchte. Deswegen bitte ich dich, dass du es mit allen in den nächsten Tagen klärst. Wer weiß, wann du alle wieder sehen wirst. So ist es sinnvoller, wenn du im Frieden den Hof verlässt. Wenn was ist, kannst du jederzeit mit mir sprechen, aber ich würde dich gern in Schweden richtig kennenlernen und vor allem in Ruhe.“, sprach er ernst mit mir und guckte mir tief in den Augen. In mir spannte sich alles an. Innerlich war ich auf etwas komplett anderes Eingestellt gewesen. Ich wusste zwar auch nicht genau, was ich erwartet hatte, aber das definitiv nicht.
      Dass er mich kennenlernen wollte, war ein gutes Zeichen, aber gleichzeitig hieß das auch, dass ich mich mit den Geschehen der letzten Monate noch einmal auseinandersetzen musste. Ich konnte es nicht einfach vergessen und hinter mir lassen.
      “Ok, ich … ich glaube, ich geh dann mal wieder”, sagte ich und musste mich schwer zusammenreißen, um meine Emotionen unter Kontrolle zu halten.
      „Warte!“, hörte ich ihn rufen, eh ich wieder die Tür schloss und drehte mich um.
      „Willst du trotzdem mitessen? Ich fange in 20 Minuten an und würde dir dann schreiben wenn’s fertig ist“, sagte er freundlich.
      “Ähh, ja”, antworte ich ihm ein wenig verwirrt, denn in Gedanken war ich schon woanders. Ich hatte schon fast wieder vergessen, was für einen Hunger ich eigentlich hatte.
      Mit gemischten Gefühlen verließ ich die Hütte und beschloss erst einmal Vriska zu suchen, vielleicht konnte sie mir mit der Monsteraufgabe helfen, die nun vor mir lag. Zu meinem Glück fand ich Vriska recht schnell, denn sie war in ihrem Zimmer.
      “Vriska, ich brauche dringen den Hilfe”, verkündete ich, als ich eintrat.
      “Hilfe? Wobei?”, fragte sie mich entschlossen und trat vor zur Zimmertür. Ich musste einen kurzen Moment nachdenken, weil ich mir nicht überlegt hatte, wie genau ich ihr das erklären wollte.
      “Naja, also … Jace, war vorhin... Sagen wir mal das größte, sexistische Arschloch auf diesem Planeten. Er hat mir… Du weißt schon was für Bilder geschickt und Niklas hat das mitbekommen”, begann ich ihr zu erklären.
      “Und jetzt möchte Niklas, das ich mit ihm rede und das ganze kläre. Gut, er hat es nicht direkt gesagt, aber definitiv gemeint. Da ist nur das Problem, das ich Jace angerufen hab und ihm meine Meinung zu geigen und ich habe gesagt, dass ich nie wieder mit ihm Rede, weil mir das endgültig zu blöd mit ihm und seiner dämlichen Eifersucht wird”, beendete ich meinen Erklärungsversuch.
      “Hast du die Bilder noch?”, fragte Vriska interessiert und hatte offenbar nur das mit gehört. Dann lachte sie.
      “Nein, natürlich nicht” antworte ich empört. “Hast du mir überhaupt richtig zugehört?”, fügte ich noch hinzu.
      “Ja, klar. Hätte mich nur interessiert. Du sagst einfach zu ihm, dass du dich jetzt abgeregt hast und es mit ihm klären willst, da du das blöd fandest. Vor allem, weil du nicht danach gefragt hast.”, versuchte sie mir nun doch zu helfen.
      “Ja, das klingt sinnvoll, aber es geht ja nicht nur darum, es geht um das Ganze”, versuchte ich ihr klarzumachen und während ich das sagte, fiel mir auf das Vriska gar nicht die ganze Geschichte kannte was zwischen mir und Jace jemals passiert war.
      “Ok, damit du das verstehst, sollte ich dir vielleicht erzählen, was genau zwischen mir und Jace bisher passiert ist. Also dir ist sicherlich aufgefallen, dass ich Jace Aktion mit Abigail ziemlich Scheiße fand”, begann ich ihr zu erzählen. “Ich fand es nicht nur Scheiße, weil er sich benommen hat wie ein Arschloch, sondern auch, weil ich zu diesem Zeitpunkt noch dachte ich sein in Jace verliebt. Und Jace wusste auch davon. Und was danach passierte weißt du schon. Wichtig dabei, nachdem er sich entschuldigt hatte, hab ich gemerkt, dass ich eigentlich gar nichts für ihn empfinde, aber das möchte Jace einfach nicht verstehen. Und ich glaube, das ist der Grund warum er ständig so Ausrastet, wenn er Niklas sieht.”
      “Weiß er denn, dass du gehst?”
      “Nein… bzw. Vielleicht ich habs ihm erst in dem Telefonat vorhin um die Ohren gehauen”, gab ich ein wenig verlegen zu.
      “Also entweder du klärst es, oder du lässt es. Letztendlich wird es Niklas nicht interessieren, ob du das gemacht hast oder nicht. Ich denke, dass es ihm nur darum geht, nicht noch mehr Stress hier am Hof zu haben.”
      “Danke, aber das ist nicht gerade hilfreich”, sagte ich trocken.
      “Was erwartest du denn jetzt von mir?”, fragte Vriska mit einem genervten Unterton.
      “Na das weiß ich doch auch nicht”, sagte ich resigniert.
      “Vielleicht, dass du das Problem einfach wegzauberst?”, versuchte ich es mit einem Scherz.
      “Ich darf leider nicht für Andere zaubern.”
      “Man, blöder Zauberercodex”, murmelte ich und pustete mir eine Strähne aus dem Gesicht.
      “Aber jetzt im Ernst, was willst du machen? Such’ doch wen auf Tinder für ihn.”
      “Ich fürchte ich werde mit ihm reden müssen, sonst lässt der Esel mich nie in Ruhe, denn deine Methode klingt zwar verlockend aber Jace war früher bekannt für einen hohen Frauenverschleiß, das würde nicht lange anhalten”, murrte ich.
      “Aber die anderen Frauen gehen uns nichts an und mich noch weniger.”
      “Das denkst du jetzt, aber du musst dir ja auch nicht Samus gejammert am Ende anhören, dass er nicht schlafen kann.”
      “Samu sollte aufhören sich immer, um alle Anderen zu kümmern. Vielleicht braucht er auch eine Freundin … oder Freund. Was ihm auch immer beliebt.”
      “In der Hinsicht hast du eindeutig recht, vielleicht schafft er das ja endlich mal, wenn ich nicht mehr in seiner Nähe bin”, stimmte ich Vriska zu.
      “Wie alt ist er denn jetzt eigentlich?”
      “26.”
      “Bald wird’s eng.”, lachte Vriska.
      “Das versuche ich ihm auch schon seit zwei Jahren zu erklären”, stimmte ich in ihr lachen ein.
      “Weiß er vielleicht einfach gar nicht, wie das mit der Biene und der Blume funktioniert?”
      “Also ich bin mir ziemlich sicher er weiß wie das funktioniert. Ich glaube einfach, er denkt zu wenig an sich selbst.”
      “Ich bin mir da wirklich nicht so sicher. Gib mir mal dein Handy, ich frag’ ihn jetzt.”, fragte sie dann. Grinsend reichte ich Vriska mein Handy und sie begann auch gleich fröhlich etwas hineinzutippen.
      “Ach ich ruf ihn direkt an”, sagte sie dann und löschte das getippte.
      “Samu, bevor du irgendwas sagst. Hier ist Vriska und ich habe nur eine Frage. Weißt du wie das mit den Bienchen und Blümchen funktioniert, weil Lina und ich machen uns etwas Sorgen.”, fragte sie ihn direkt mit einem ersten Tonfall. Ich musste mir allerdings das Lachen verkneifen.
      “Natürlich weiß ich wie das geht. Was denkst du denn wie alt ich bin, 10?”, kam es empört aus dem Lautsprecher.
      “Wer weiß, vielleicht ist dir das unangenehm, weil ich mich gefragt habe, warum du dich immer nur um alle Anderen kümmerst anstatt um dich selbst. Das ist nicht gesund und mal ganz im Ernst zwischen dir und mir. Lina geht es dadurch nicht so gut.”
      “Vriska, was wird das?”, sagte ich und stupste sie empört an, doch Samu hatte schon zu sprechen begonnen.
      “Warte, was und warum sagst DU mir das jetzt?”
      “Wenn die ganze Welt mich hasst, kann ich mit umgehen. Außerdem möchte Lina dich nicht verletzen und mir sind Emotionen größtenteils egal. Nimm das nicht persönlich, ich finde Menschen generell doof.”
      “Lina, stimmt das, was sie sagt?” fragte er mich nun.
      “In gewisser Weise, … ja”, antwortete ich vorsichtig.
      “Und was genau ist das Problem?”, kam es ernst aus dem Lautsprecher.
      Darauf wollte ich nicht antworten, weshalb ich lieber schwieg. Allerdings schien auch nicht zu wissen, was sie sagen sollte und zuckte seltsam mit ihren Schultern herum. Auf der anderen Seite der Leitung war es ebenfalls ruhig.
      “So Lina, jetzt zeig’ doch mal deine Eier”, flüsterte sie mir zu.
      “Naja, Samu… die Sache ist die… Du musst mir mehr Freiraum lassen. Ich muss meine eigenen dummen Entscheidungen treffen können. Du kannst mich nicht ewig beschützen”, murmelte ich und alle blieben eine Weile still.
      “Warum hast du das nicht vorher gesagt, Lina?”, frage Samu nun.
      Verlegen sah ich auf meine Fingerspitzen. “Wie Vriska, schon sagte, ich wollte dich nicht verletzen”, gab ich zu.
      “Ich finde, es wurde alles Wichtige gesagt, damit solltet ihr das sacken lassen und später noch mal drüber sprechen. Ohne mich.”, beendete Vriska die Vermittlung zwischen uns beiden. Dieses Gespräch war zwar nicht worum ich Vriska gebeten hatte, doch es tat gut ihm das endlich mal gesagt zu haben.
      “Danke für deine Gnadenlosigkeit”, bedankte ich mich bei Vriska und meinte es auch tatsächlich so.
      “Wenn ich was kann, dann das.”, gab sie zu. Einen Moment lang herrscht Stille im Raum, bis diese durch ein Ping meines Handy unterbrochen wurde. Es war die Nachricht von Niklas, das das Essen fertig sein.
      “Niklas hat das Essen fertig, willst du mitkommen?”, fragte ich Vriska.

      Vriska
      Ich dachte kurz darüber nach, ob ich mit gehe oder nicht. Besonders nach dem was Lina mir erzählte, finde ich seine Aussage ziemlich schwammig.
      “Ja klar, wieso nicht. Ich hab zwar kein Hunger, aber was Kleines sollte noch reinpassen.”, antwortete ich und folge Lina. Erst als wir vor der Tür ankomme, fällt mir auf, dass mein T-Shirt voller Pferdehaare und Sabber von Looki war, da er nach dem Longieren seinen Kopf an mir rieb.
      “Was denn mit dir passiert?”, scherzte Ju und spielte natürlich auf mein Shirt an.
      “Pony”, antwortete ich kurz und klopfte hektisch an mir herum um wenigstens einen Teil loszuwerden. Lina lief bereits rein und setzte sich an den Tisch.
      “So, Sommersalat”, sagte Niklas und stellte eine große Schüssel auf diesen. Ich kam nach und betrachtete das Essen genauer. Die Grundlage bestand aus Kartoffeln, Zuckerschoten, Radieschen und Zwiebeln.
      “Oh, ich wusste nicht, dass du auch kommst. Da ist leider Mayonnaise mit drin”, erklärte Niklas und guckte mich fragend an.
      “Ach alles gut, ich muss nichts essen”, antwortete ich und stellte den Teller zurück in den Schrank.
      “Das sieht hervorragen aus”, lobte Lina Niklas.
      “So, aber warum steht da plötzlich ein neues Pferd? Wie kam es denn dazu?”, platzte es dann aus mir heraus.
      “Smoothie hatte vor ungefähr einem halben Jahr bereits eine Untersuchung, die zeigte, dass sie was mit dem rechten Sprunggelenk hat. Dato schien es aber noch nicht so schlimm zu sein. Auf den Aufnahmen war eine kleine Veränderung des Knochens zu sehen, die sie in ihrer Bewegung nicht weiter einschränken sollte. Vor ungefähr 3 Wochen wurde es aber schlimmer. Immer häufiger hakte sie mit dem Bein und ich höre vor allem auf mit dem Springen und auch hohe Lektionen zu reiten. Da für Divine gestern eh die Ostheo kam, entschied ich sie noch mal drüber gucken zu lassen. Auf jeden Fall wird Smooth auf keinen Fall mehr im hohen Sport mehr mitlaufen. Ich behalte sie natürlich aber für den Sport brauchte ich ein anderes Pferd. Aus Interesse habe ich mich hier im Umfeld mal umgeschaut und zusammen mit Lina auf einen Hof in eine größere Stadt gefahren zu einem Züchter. Nach einigen Tests mehrerer Pferde fand ich Humbi und teste sie nun hier auch im Training. Dann entscheide ich erst, ob sie mit nach Schweden darf oder nicht. Der Tierarzt fand an ihr keine Probleme.”, erzählte Niklas freundlich und wusste nicht was ich dazu sagen sollte.
      “Und wo willst du dann mit ihr hin? Weil in Kalmar darf Smoothie sicher nicht bleiben. Wir haben doch kaum Weide.”, warf Ju ein.
      “Ich hab schon Wanner gefragt, aber er antwortet nicht. Ansonsten mal gucken. Vielleicht ist bei euch noch Platz?”, wandte er sich dann zu mir. Etwas schockiert gucke ihn an. Manchmal frage ich mich, wieso ich immer alles auf dem Hof entscheiden sollte, schließlich arbeite ich auch nur da.
      “Musst du Tyrell fragen, ich habe das nicht zu entscheiden.”, sagte ich kurz und ballte meine Hände unter dem Tisch zu Fäusten. Ohne das ich eine Antwort bekam, stand ich auf und verabschiedete ich mich. Ein Ziel hatte ich nicht, denn das Zimmer der beiden Kerle wirkte nicht einladend. Auch wollte ich nicht in meins, denn da herrschte ein Zettelkrieg. Das konnte ich nicht gebrauchen, mich meinem Versagen zu umgeben, dass mir mitteilen würde, dass den Unterrichtsstoff von einem halben Jahr nicht innerhalb von drei Wochen nachholen könnte. So suchte ich panisch nach einem Platz, an dem ich verweilen konnte und vor allem ungestört sei. Entlang der Longierhalle entfliehe ich mich von allem.

      Lina
      Nachdem Vriska das Zimmer verlassen hatte, saß ich nun alleine mit den beiden Jungs am Tisch. Irgendwie war es seltsam. Nach dem, naja Gespräch konnte man das vorhin ja nicht wirklich nennen, war ich immer noch ein wenig verwirrt, was seine Aussage anging. Etwas nachdenklich begann ich nun in meinem essen herumzustochern.
      Ich solle meine Familienverhältnisse klären. Pff, meine tatsächlichen Familienverhältnisse sind leider nicht mit ein paar Gesprächen zu klären. Schön wärs. So muss es wohl reichen, wenn ich die Verhältnisse zu meinen Freunden klären würde. Dank Vriska hatte ich ja schon den Anfang gemacht, hoffentlich nimmt Samu sich das nicht zu sehr zu Herzen. Nicht das ich nicht dankbar dafür wäre, dass er auch mich Acht gibt, aber Vriska hatte recht, es tut mir nicht gut. Und was Jace angeht,... über ihn möchte ich jetzt lieber nicht nachdenken und Luchy hab ich bisher auch noch nicht von meiner Abreise in Kenntnis gesetzt.
      “Lina, ich denke es wäre besser, wenn du jetzt gehst. Ju und ich wollen noch zusammen lernen für den Trainerschein und an der Kür weiter arbeiten.”, unterbrach mich Niklas in meinen Gedanken.
      “Aääh, klar und danke für das Essen”, murmelte ich ein wenig perplex und stand auf um das Zimmer zu verlassen. Versteh einer die Männer, einen Tag sind sie nett und zuvorkommen und den nächsten gleich wieder seltsam.
      Draußen blieb ich erst mal ein wenig dümmlich vor der Tür stehen, da ich absolut nicht wusste, was ich wollte oder wohin. Ich brauchte jetzt Zeit für mich, Zeit zum Nachdenken, wie ich jetzt vorgehen würde. Denn es war nicht nur Niklas Verhalten was mich verwirrte es war eigentlich alles, was in den letzten Tagen passiert war. Ganz weit hinten in meinem Kopf kamen leise Zweifel auf, ob es die richtige Entscheidung gewesen war mit Niklas nach Schweden zu gehen.
      Von ganz allein trugen mich meine Beine dahin, wohin sie mich immer trugen, wenn ich nicht wusste, wohin ich sollte zu, Divine. Der weiße Hengst lag entspannt im warmen Sand und schlief, friedlich sah er aus. Langsam schlüpfte ich durch den Zaun und näherte mich ihm. Die einzige Reaktion, die der Freiberger zeigte, war das langsam ein Auge aufging und mich ansah. Ansonsten blieb er still liegen. Ich setzte mich zu ihm in den warmen Sand und lehnte mich an seinen Bauch, wenn das hier nicht der richtige Ort war, um nachzudenken, weiß ich auch nicht. Der regelmäßige Atem des Pferdes beruhigte mich und brachte Ordnung in meine Gedanken.

      Vriska
      Überraschenderweise war ich nicht allein hinter der kleinen Reithalle. Milena saß da und weinte, schien genauso fehl am Platz wie ich. Weil ein Gespräch mit ihr nicht das war, was ich jetzt wollte, versuchte ich mich wieder zurückzuziehen. Doch sie sah mich.
      Sie erzählte mir, dass Anna sehr rachsüchtig war und sich nicht unter Kontrolle hatte. Milena versuchte alles, damit sie sich nicht noch tiefer in die Sache hinein ritt. Doch Anna hörte nicht auf. Für sie schien es die einzige Möglichkeit zu sein, sich an Niklas zu rächen, obwohl er eigentlich nichts getan hatte, was Anna nicht selbst auch schon tat. Milena belastete es ziemlich, da sie Anna wirklich mochte, aber das nicht mit ansehen konnte. So entschieden wir gemeinsam eine Lösung zu finden aber zunächst müsste Milena sich wieder mehr auf die Pferde konzentrieren. Schließlich war in weniger als sechs Tagen bereits die Kür. In dem Moment dachte ich darüber nach, ob ich dabei überhaupt mitreiten sollte, da es für mich in wenigen Tagen eh vorbei ist. Milena brachte ich zu Linh, die sie direkt mit offenen Armen empfing.
      Nervös stand ich vor dem Zimmer von Frau Wallin, die mir nicht die Tür öffnete. Ungeduldig tigerte ich den Flur auf und ab, eh sie unerwartet, nur mit einem Bademantel bekleidet das Zimmer unseres Trainers verließ. Schockieren guckten wir einander an, ohne etwas zu sagen. So schnell sie auf dem Flur stand, so schnell verschwand Frau Wallin auch in ihrem Zimmer. Einige Minuten später, die ich weiter nervös auf- und abgelaufen bin, öffnete sie mir die Tür.
      “Oh Hallo Vriska, was ist los?”, fragte sie mehr überrascht als sie sollte. Schauspielern lag ihr im Blut.
      “Ich hatte nur einen Gedanken. Reite ich die Kür am letzten Tag auch mit?”, erkundigte ich mich.
      “Ja natürlich. Ich werde es dann weiter geben an deinen Kursleiter, vielleicht fällt eine deiner praktischen Prüfung damit flach.”, lachte sie und verabschiedete sich direkt wieder. Verwirrt starrte ich noch mehrere Sekunden an die geschlossene Tür, eh ich mich umdrehte, um in meinem Zimmer nun eine Kür zu überlegen.
      Beim Eintreten überfiel mich der Papierkrieg, der vom Vortag noch da lag. “Ich dachte, dass ihr euch von selbst wegräumt”, fluchte ich das leblose Papier an. Schneller als ich dachte, war alles wieder ein sortierter Haufen und das Durchqueren des Zimmers kein Problem mehr. Noch einmal erinnerte Lina per Nachricht daran, dass wir sie noch in unserer Software vom Hof einpflegen müssen, bevor sie mit zum Hof kann. Es ging schließlich darum, dass Tyrell sie dann für die Zeit anmelden kann. Wie man wissen sollte, mahlen Mühlen langsam. Auf dem Tisch entdeckte ich wieder die Visitenkarte von Erik.

      Lina
      Die Gedanken an Niklas und Schweden schon ich erst einmal beiseite, weil die Sache, die mich gerade viel mehr beschäftigte war Jace. Inzwischen tat es mir Leid, dass ich ihn so angeschrien hatte er machte zwar ein hirnloser Idiot sein, aber das hatte er nicht unbedingt verdient. Die Frage war nur wie vermittelte ich ihm meine Botschaft, dass ich nicht mehr für ihn empfinde als Freundschaft ohne ihn dabei allzu sehr zu verletzen. Der Nachrichtenton meines Handy unterbrach meine Gedanken und brachte mich gleichzeitig auf eine Idee. Wer, wenn nicht Alec konnte mir bei meinem Jace Problem helfen. Immerhin kannte niemand Jace besser als sein bester Freund. Triumphierend sprang ich auf, sodass Ivy sich erschrocken aufrappelte.
      “Oh, tut mir leide süßer, ich wollte dich nicht erschrecken”, entschuldigte ich mich bei dem Hengst und strich ihn über das weiche Fell, bevor ich mich wieder meinem Handy zuwandte.
      “Ok, komme so in einer Stunde rüber, muss vorher noch was erledigen, danke für die Idee”, tippte ich in das Handy und sendete die Nachricht an Vriska.
      Anschließend wählte ich Alecs Nummer.
      “Was hat Jace jetzt schon wieder angestellt?”, erklangt seine Stimme am anderen Ende.
      “Was ziemlich dämliches, aber darum gehts jetzt nicht. Ich muss ihm viel mehr etwas Wichtiges sagen und ich denke, er wird mir nicht zuhören”, sagte ich.
      “Worum geht es denn genau?”, fragte Alec nun ein wenig misstrauisch.
      “Mmm, naja… ich muss ihm irgendwie klar machen, dass ich nicht von ihm will … und das ich, egal was er tut, mit Niklas nach Schweden gehen werde?”, erzählte ich unschuldig.
      “Du.. was?”. Es klang so als hätte Alec sich an seinem Kaffee verschluckt denn ich hörte ihn nur noch Husten, bevor er weitersprach.
      “Also erst einmal wer ist Niklas und warum willst du auf einmal nach Schweden?”, fragte er nun erstaunt.
      “Naja, du warst ja neulich hier… das hast du doch bestimmt den heißen Typen mit den blonden Haarspitzen gesehen, oder? Das ist Niklas. Und warum ich nach Schweden möchte hat mit ihm zu tun”, erklärte ich. “ Und bevor du mich jetzt auch noch belehrst, das Ticket ist schon gebucht, also gibt es keine Rückzieher mehr”, fügte ich noch hastig hinzu.
      “Ok, ich denke, du weißt, was ich sagen möchte, aber ich lasse es heute mal. Immerhin kann ich nachvollziehen, was du an Niklas findest. Aber warum genau kommst du dann ausgerechnet jetzt darauf Jace zu sagen, dass du nichts von ihm willst?”, fragte Alec dann nach.
      “Weil Jace so verdammt Eifersüchtig ist, dass er Niklas vor drei Tagen die Nase gebrochen hat und naja, er hat mir heute Bilder geschickt. Bestimmte Bilder!”
      “Ok, ich verstehe das Problem … ich bin in 20 Minuten bei dir. Dann klären wir das zusammen mit Jace, ja”, antwortete er und ich konnte eine Autotür zufallen hören. Seine Antwort duldete keinerlei Widerspruch.
      “Ok, ich werde mich nicht vom Fleck bewegen”, antwortete ich ihm und legte auf. Ok, das er gleich herkommen würde, war zwar nicht mein Ziel gewesen, aber ok, wenn er unbedingt will.

      Vriska
      Auch wenn ich mit Linas Nachricht eher wenig anfangen konnte, akzeptierte ich, was sie schrieb. Im selben Moment nahm ich die Karte zur Hand und überlegt, ob ich Erik schreiben sollte oder nicht. Lina sagte, ich soll auf mein Herz hören und das tun, was ich empfinde. Das Einzige, was in mir gerade seine Runden drehte, war Schmerz und Hoffnungslosigkeit. Ich kenne den Typen quasi gar nicht und in Kanada würde ich für ihn auch nicht bleiben wollen, so legte ich die Karte wieder beiseite und suchte aus dem Kühlschrank das Gemüse heraus, was ich vor einigen Tagen in der Stadt kaufte. Mit etwas schnippeln, hatte ich eine leckere Gemüsepfanne auf dem Herd. Nebenbei schaltete ich den Fernseher an und wählte eine Sendung auf Netflix aus.

      Lina
      Tatsächlich stand Alec ganze 20 Minuten später aus dem Hof.
      “Wo ist er denn unser kluger Freund?”, begrüßte er mich als er aus dem Auto stieg.
      “Keine Ahnung, ich denke mal in seinem Zimmer?”, antworte ich Alec der ohne eine Antwort abzuwarten in Richtung Haus lief. Ich hatte reichlich Mühe mit dem großen Mann Schritt zuhalten, warum mussten denn auch alle hier so riesig sein.
      “Willst du mir sagen, was du dir eigentlich dabei gedacht hast”, hörte ich Alecs Stimme während ich noch dabei war die Treppe hinaufzuhasten.
      “Was soll ich wobei gedacht haben?”, kam die Antwort von einem offensichtlich verwirten Jace.
      “Na, dabei einfach jemandem die Nase zu brechen, du Idiot”, war ihm Alec direkt an den Kopf.
      “Um ehrlich zu sein, hab ich in dem Moment ziemlich wenig gedacht, aber woher weißt du das überhaupt?”, antwortete Jace nun ein wenig aufgebracht.
      Seine Frage beantworte sich von selbst als ich mich in den Türrahmen stellte. Alec beachtet seine Frage nicht weiter und redete weiter “Und was genau Jace, hast du dir dabei gedacht Lina diese Bilder zuschicken? Haben wir nicht mal darüber geredet?”. Dabei sah er Jace an wie man ein kleines Kind ansieht welches, dem anderen seine Schaufel geklaut hatte.
      “Ja, haben wir”, grummelte Jace zwischen zusammengebissenen Zähen, “Sorry”.
      “Bei mir brauchst du dich nicht entschuldigen, Jace”, gab Alec zurück.
      “Es tut mir leid Lina, also die Bilder. Mein Hirn hatte mal wieder einen Aussetzer”, sage Jace nun zu mir und sah mich an. Bisher hatte ich die Szenerie einfach nur beobachtet.
      “Ist schon ok, Jace das ist gar nicht der Grund warum ich mit dir reden wollte”, antwortete ich ihm.
      “Es geht nämlich um etwas anderes. Und zwar … naja … wie soll ich es sagen, Jace ich finde dich super, als FREUND, aber mehr ist da nicht. Und wie du vielleicht schon gemerkt hast … finde ich Niklas super und damit meine ich nicht auf der optischen Ebene, naja auch aber das meine ich nicht”, versuchte ich den Grund meines Kommens zu erklären.
      “Und es ist jetzt notwendig, dass du mir genau zuhörst Jace. Ich werde mit Niklas nach Schweden gehen und möchte nicht, dass ich im Streit mit dir den Hof verlasse. Ich fühle mich sehr zwar sehr geschmeichelt, dass du, was von mir willst, aber Jace ich empfinde nicht so. Das, was ich dir gesagt habe, nachdem ich aus Schweden zurückgekommen war, hat sich als falsch herausgestellt. Ich empfinde nicht mehr als Freundschaft für dich und damals war ich ein wenig verwirrt, weil Divine … hat mich an so vieles aus der Vergangenheit erinnert. Also Jace bitte ich dich drum meine Entscheidung zu akzeptieren und mich mein Leben leben zu lassen”. Ein wenig Erleichterung macht sich in mir bereit, nachdem ich zu Ende gesprochen hatte. Jace sah mich einfach nur an und ich konnte seinen Gesichtsausdruck absolut nicht einordnen. Auf einmal wirkte der auch so selbstbewusste Jace so klein und verletzlich und schon wandelte sich die Erleichterung etwas anderes. So fühlt es sich also an jemandem das Herz zu brechen. Normalerweise war ich derjenige der das Herz gebrochen wurde, doch heute hatte sich der Spieß umgedreht.
      “Ok”, kam es nun ganz hohl von Jace als Antwort und ich hielt es für besser das Zimmer zu verlassen. Im Flur wartete ich eine ganz Weile bis Alec aus dem Zimmer trat.
      “Meinst du er verkraftet das?”, fragte ich vorsichtig.
      “Ja, alles gut Lina. Jace muss auch einmal lernen, dass nicht alles nach seiner Pfeife tanzt. Früher oder später hätte das eh passieren müssen. Mach’ dir deswegen nicht so viel Gedanken”, versuchte er mich zu beruhigen. Nicht so viele Gedanken machen, er hatte leicht reden. Alec hat bestimmt noch niemandem das Herz gebrochen.
      “Aber jetzt genug von Jace. Da hast du dir aber einen heißen Kerl ausgesucht”, feixte Alec mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht.
      “Ach das ist einfach passiert”, antworte ich zögerlich. Zufällig fiel mein Blick auf die Uhr, die an der Wand hing und mir fiel auf, dass jetzt schon mehr als eine Stunde vergangen ist seit ich Vriska geantwortet hatte. “Alec ich würde gerne mit dir weiter drüber reden, aber ich muss jetzt zu Vriska, die wartet schon auf mich”. Hastig verabschiedete ich mich und rannte die Treppe runter. Ich wollte Vriska auf keinen Fall ein weiteres Mal vergessen.

      Vriska
      Konzentriert las ich die Unterlagen über Trainingsansätze von Isländern, die eine Trabverschiebung im Tölt haben bis mich jemand durch Klopfen an der Tür aus den Gedanken riss. Freundlich öffnete ich dir Tür und bat Lina ein, hereinzukommen. Auf Herd standen die Reste meiner Gemüsepfanne und der Geruch lag noch im Raum. Zum Lüften ließ ich die Tür einen Spalt offen, denn es war ziemlich warm draußen und im Zimmer war es aushaltbar. Eine Möglichkeit wäre, dass ich keinen Hoodie tragen würde und eine kürzere Hose statt meiner innig geliebten Jogginghose.
      “Endlich bist du mal da”, begann ich mit Lina zu sprechen, die sich an den Tisch gesetzt hatte und mich etwas abwesend anblickte.
      “Was hast du denn so groß zu tun?”, fragte ich neugierig und setzte mich dazu. Vorher räumte ich noch meine Unterlagen zusammen, die wieder ein Chaos im Zimmer bildeten.
      “Ich habe gerade jemandem das Herz gebrochen”, antwortete sie ein wenig erschüttert.
      “Was wieso? Und vor allem wen? Ich habe das Gefühl, dass wir uns seit über zwei Tagen nicht mehr unterhalten haben. Aber ich bin stolz auf dich, dass du nicht weiter über dich bestimmen lässt.”, wandte ich ein. Mir war klar, dass es sich nicht um Niklas handeln konnte. Trotzdem machte ich mir Gedanken darüber, wieso sie ausgerechnet jetzt so viel Stress auf sich nimmt.
      “Danke”, nahm sie mein Lob trocken an. “Aber ich bin nicht so Stolz darauf Jace das Herz gebrochen zu haben. Aber irgendwann hätte ich ihm doch sagen müssen, dass ich den Hof verlasse”, erklärte sie und starrte aus dem Fenster.
      “Ich weiß nicht, was du gesagt hast, aber so wie es klingt, hättest du es vielleicht lieber durch die Blume sagen sollen und nicht direkt? Vielleicht wäre das netter gewesen?”, versuchte ich sie aufzumuntern. Jedoch war ich vermutlich dafür nicht die richtige Person. Normalerweise brach ich einem nach dem anderen das Herz. Dabei war das sich-nicht-mehr-melden mein Hauptmittel. Veränderungen konnte ich nie verkraften, so versuchte ich immer alles dafür, dass es blieb wie es ist. Vor allem sollte es so bleiben, dass ich krampfhaft versuchte jemanden zu finden, den ich wieder verlassen kann, um mich selbst zu bemitleiden. Sicherlich nicht mein bester Charakterzug.
      “Vielleicht, pfff. Vielleicht hilft es ja, das ich wenigstens Alec gleich da gelassen hab.”, bekam ich als Antwort.
      “Na gut, ist ja deine Sache.”, beendete ich das Thema, worüber sie offenbar nicht mehr sprechen wollte. Also holte ich mein Handy raus und stellte als Erstes den Bitte-Nicht-Stören-Modus ein. Wer weiß, wer mir was schreibt und uns dabei unterbrechen würde. Keinesfalls wollte ich, dass Lina etwas sieht, was sie nicht sehen sollte. Auch, wenn mir dabei nichts einfiel. Nun gut. Ich legte es auf den Tisch geöffnet mit der Anwendung des Hofes. Die Einrichtung begann mit dem Registrieren ihres Gerätes.
      “So Lina, möchtest du dein Handy nehmen oder hast du ein anderes, was du normaler nutzt? Für den Anfang kann ich nur ein Gerät registrieren, alles Weitere müssen wir vor Ort machen”, erklärte ich ihr als Erstes.
      ‘’Mein Handy passt schon’’, antworte Lina mir.
      “Okay gut, dann gib es mal bitte”, sagte ich zu ihr und hielt meine Hand auf. Sie tippte einen Moment darauf herum, bevor sie es mir reichte, vermutlich hatte sie keine Lust auf weitere Überraschungen. Aus den Einstellungen heraus gab ich die MAC-Adresse ihres Geräts in die Anwendung ein und ihre Handynummer, damit sie die Nachricht bekam. Ich öffnete sie aus dem SMS Menü und scannte nach dem Klicken des Links in der Nachricht den generierten QR-Code ein, der auf meinem Handy erschien.
      “Das ist nur eine Sicherheitsmaßnahme, sollte was mit deinem passieren, dass wir schneller den Zugang sperren können”, erklärte ich ihr, da Lina etwas skeptisch beobachtete, das da gerade passierte. Ohne das sie darauf antworte, fuhr ich fort. Nach dem Scannen konnte sie nun die App herunterladen auf der Seite, die im Browser erschien. Da sie am Hof über das WLAN Netz verfügte, dauerte es nur einige Sekunden. Ich installierte die App und löschte direkt die APK wieder. So nun konnte sie sich selbst ein Profil anlegen.
      “So, entweder du liest dir die AGB durch oder ich erzähle sie dir, wie du willst”, erzählte ich und gab ihr das Handy zurück.
      “Erzähl mal bitte, für Lesen habe ich heute keine Geduld”, antwortete Lina.
      So kurz wie möglich, erklärte ich ihr, was sie darf und was sie nicht darf, dazu welche Daten auf dem Handy gelesen werden und wofür sie verwendet werden. Wirklich Lust auf das Gespräch schien keiner von uns Beiden zu haben, jedoch waren diese Informationen wichtig. Unser Gestüt besaß zwar nicht viele Pferde und auch nicht viel Geld, dennoch hatten wir hochmoderne Technik, die geschützt werden musste. Danach ging es weiter. Sie trug ihre Daten ein wie Name, Geburtsdatum und auch ärztliche Informationen wie bekannte Krankheiten und Blutgruppe. Dabei schaute ich nicht über ihre Schulter. Diese Informationen dienen zur Vereinfachung einer ärztlichen Untersuchung, sollte sie einen Unfall am Hof haben. Da ihr schwedisch auf jeden Fall schlecht sein wird, müssen die Noteinsatzkräfte Bescheid wissen. Damit war ihre Registrierung soweit fertig und ich musste nun auf meinem Handy weiter machen.
      “So, jetzt müssen wir dir ein Haus aussuchen”, sagte ich zu Lina und legte mein Handy wieder in die Mitte.
      “Zur Auswahl steht die beiden 2-Zimmer-Wohnung im Gemeinschaftshaus. Die Wohnung im OG hat ein großes Schlafzimmer, aber ein kleines Badezimmer. Die Wohnung im Erdgeschoss hat ein kleines Schlafzimmer, aber ein größeres Badezimmer. Vom oberen Zimmer hast du den Blick besser auf die Hengstweide und eine große Gemeinschaftsterrasse, auf der Abends schön der Sonnenuntergang zu sehen ist. Unten ist dein Blick zu den anderen Häusern. Die Terrasse wird eh kaum genutzt, weil alle immer an der Reithalle sitzen.”, erklärte ich ihr und zeigte ihr Bilder von beiden Wohnungen.
      “Die obere gefällt mir, ich mag den Ausblick”, antworte Lina mir, nachdem sie eine Weile die Bilder betrachtet hatte. Ich nickte zustimmend und wählte sie aus.
      “Dann Välkommen!”, sagte ich zu ihr und umarmte Lina kräftig. Ihre Freude schien jedoch nicht so groß zu sein, wie ich dachte.

      Lina
      “Danke”, murmelte ich. Meine Freude hielt sich momentan sehr in Grenzen. Ich freute mich zwar irgendwo schon, aber das Gespräch mit Jace vorhin lastete immer noch ein wenig auf mir, zudem musste ich auch immer noch Luchy von meiner baldigen Abreise in Kenntnis setzen. Und auch Divine muss ich hier lassen und wer weiß schon, wann ich ihn wiedersehen werde. Lina hör auf Trübsal zu blasen und genieße die letzten 5 Tage, die du noch hast, sage ich mir in Gedanken.
      “Weißt du was, damit ich endlich in Frieden die letzten Tage hier genießen kann, muss ich, glaub ich, endlich mit Luchy reden und danach sollte ich mich dann mal endlich um mein Pferd kümmern! ”, verkündete ich nun.
      “Na dann los. Ich muss noch weiter lernen, damit ich nicht auch noch meinen Abschluss der Ausbildung verschleudere”, antwortete Vriska etwas mitleidig.
      “Ach das packst du schon”, sagte ich noch, bevor ich aufstand und das Zimmer verließ. Zielsicher marschierte ich zu Luchys Büro, wo ich allerdings Colin antraf.
      “Colin, weißt du wo deine Frau steckt, ich müsste mal mit ihr reden. Ist wichtig”, fragte ich als ich den Kopf durch die Tür steckte.
      “Ja, weiß ich. Luchy ist mit Aleen im Garten”, antwortete mir der Schotte.
      “Ok, danke”, antwortete ich bevor ich das Büro verließ und in den Garten ging.
      “Ah, hallo Lina. Wie läuft es mit Divine?”, begrüßte meine Chefin mich, als sie mich entdeckte.
      “Mit dem läuft es super. Dank der vielen Tipps von unseren Gästen hat er große Fortschritte gemacht”, beantwortete ich ihre Frage.
      “Aber eigentlich bin ich wegen etwas anderem hier”, fügte ich hinzu.
      “Es hat bestimmt mit dem jungen Mann zu tun, der Divine gekauft hat, oder?”,sagte sie lächelnd.
      “Ja”, antwortete ich leicht irritiert und errötete leicht. War es wirklich so offensichtlich, das selbst Luchy mitbekommen hatte.
      “Also Ja auch. Ich habe beschlossen mit nach Schweden zu gehen”, platze es dann auf einmal aus mir raus.
      “Ich bin ja jetzt schon zwei Jahre hier und ich möchte etwas Neues kennenlernen. Allerdings ist das erst mal … sagen wir eine Art Probezeit, deshalb wird Divine erst einmal hier bleiben, Samu wird sich um ihn kümmern. Und wegen der Reitschule brauchst du dir auch keine Sorgen zu machen. Hazel hat das Mounted Games Team bisher so toll geführt und mir so toll bei den Kindern geholfen, sie schafft das”, erklärte ich.
      “Und wann fliegst du?”, fragte sie nun etwas stutzig.
      “In 5 Tagen.”
      “Na gut, das ist ganz schön spontan, aber ich kann dich gut verstehen. Ich war auch mal so wie du”, sagte sie nun lachend. Wow, mit so viel Verständnis hatte ich nicht gerechnet.
      “Also ist de kein Problem?”, frage ich noch einmal sicherheitshalber nach.
      “Ja, ihr jungen Leute müsst die Gelegenheiten nutzen, solang ihr noch Zeit habt. Also geh auf dein Abenteuer”, antworte Luchy.
      “Ok, danke”, verabschiedete ich mich und verließ den Garten immer noch ein wenig baff über die entspannte Antwort. Eilig ging ich zu Divine, der inzwischen nicht mehr schlief, sondern an seinem Heu zupfte.
      “Divine, ich glaube, ich habe oder besser hatte die entspannteste Chefin auf der Welt”, erzählte ich dem Freiberger, denn ich hatte das dringende Bedürfnisse das jemandem zu erzählen. Natürlich interessierte sich Divine nicht dafür was ich ihm erzählte und durchsuchte lieber meine Taschen nach etwas essbaren. Nur fand er nichts, da ich keine Reitsachen trug, da es heute Morgen schon unglaublich warm gewesen war und es tatsächlich schneller gegangen war, trug ich nur eine kurze Jeans und ein Top. Bisher hatte ich noch nicht auf einem Pferd gesessen, weshalb ich mich auch noch nicht umgezogen hatte.
      “Sorry, Ivy”, sagte ich zu dem Hengst. Heute muss der Hengst sich wohl mit einer Streicheleinheit zufriedengeben, zudem hatte er heute Morgen schon seine Möhren bekommen.
      “Weißt du mein süßer, heute wollen wir einfach mal ein wenig Spaß haben”, flüsterte ich dem Hengst zu. Da ich kein Halfter dabei hatte und auch zu faul war eins zu holen, zog ich mich so auf seinen Rücken und ritt ihn zur kleinen Reithalle, die zum Glück leer war. Ich ritt hinein und glitt vom Rücken des Hengstes um das Tor zu schließen. Wie immer lag eine Gerte auf der Bande und so hatte ich alles, was ich für ein wenig Freiarbeit brauchte. Divine liebte Freiarbeit und ganz besonders das nachlaufen.

      Niklas
      Mehr als zwei Stunden hatten Ju und ich damit verbracht gemeinsam für den Trainerschein zu büffeln und uns eine Kür auszudenken. Vermutlich würde ich diese schon mit Humbi reiten, doch dafür müsste ich erst mal wissen, was meine neue Stute überhaupt schon weiß. Mit meiner grauen Reithose und dem gewaschenen weißen Poloshirt machte ich mich auf Weg zu ihr. Am Zaun lag noch der Strick von ihr und ein Halfter trug Humbi, ein nicht wirklich schönes. Das dunkelblaue Halfter war zu dem noch viel zu groß und rutschte bei der Bewegung hin und her. Am Tor beobachtete ich sie für einen Moment und neugierig begrüßte sie mich. Aus meiner Hosentasche zog ich ein Leckerli und gab es ihr. Vorsichtig tastete sie mit ihrer Oberlippe auf meiner Hand herum bis sie es im Maul hatte. Da ich kein Kappzaum dabei hatte, machte ich mich auf die Suche nach jemanden auf dem Hof. Glücklicherweise traf ich Jayden, der gerade eine Rappstute absattelte.
      “Entschuldige, hast du ein Kappzaum für mich. Also für meine Stute, dass ich nutzen kann?”, fragte ich freundlich. Einen Moment überlegte er, eh Jayden in einer Kammer verschwand und mit einem Kappzaum wieder kam.
      “Danke dir”, antwortete ich und lief mit Humbi weiter zum Anbinder. Bevor ich zu Platz ging, putze ich sie rasch über und passte den Zaum an. Tatsächlich passte es ihr ziemlich gut und zusammen machten wir uns auf zum Platz. Wirklich wohlfühlte sie sich nicht mit dem Kappzaum, aber folgte mir entspannt. Auf dem schnaubte Northumbria mehrfach an. Doch auch sie schien mein Shirt unbedingt dreckig machen zu wollen und rieb ihren Kopf an mir ab. „Danke“, murmelte ich leicht genervt und öffnete das Tor.
      Im Schritt ließ ich sie einige Runden locker um mich herum laufen, eh ich an der Hand einige Übungen machte zum Stellen und Biegen. Immer wieder legte die Stute die Ohren an und wollte nicht so gern im Genick nachgeben. Deswegen ersparte ich es ihr die Versammlungen zu testen und legte mehr Wert auf eine korrekte Ausführung der Seitengänge. Auch begann ich mit ihr das “How” zu üben als Signal, dass eine Übung zu Ende war. Zusätzlich bekam Humbi ein Leckerli das sie immer besser von der Hand nahm. Aus der Halle vernahmen wir einige Geräusche und die Stimme ordnete ich Lina zu, die vermutlich gerade mit ihrem Hengst beschäftigt sein wird. Ungewohnter weise verärgerte mich der Gedanke, dass sie nicht bei mir war und sich selbst beschäftigte. Diese Abwehrhaltung übertrug sich auf mein Pferd. Immer wieder legte die Stute ihre Ohren an und schlug mit dem Schweif.
      “Und klappt alles?”, kam Ju an, der mich aus meinem Gedankenkonstrukt zog. Direkt entspannte Humbi sich und schnaubte ab.
      “Mehr oder weniger. Arbeiten vom Boden aus scheint sie nicht zu kennen und ihr Genick lässt sie nicht fallen, egal was ich tue.”, antwortete ich Ju und stand am Zaun. Neugierig zupfte sie an der Hosentasche von meinem besten Freund.
      “Hast du ihr Genick mal ein wenig massiert? Vielleicht hat sie eine Verspannung im Halswirbel”, schlug er dann vor. Daran hatte ich tatsächlich noch gar nicht gedacht und verstellte sie ein Stück weiter vom Zaun entfernt ab. Dann löste ich den Strick, legte ihn am Boden ab und stellte mich links neben der Stute hin. Vorsicht tastete ich nach dem Atlas und bewegte meine Hand in einer kreisenden Bewegung am ersten Halswirbel entlang. Anfangs warf sie den Kopf nach oben, doch entspannte recht schnell. Mit meiner anderen Hand griff ich nach ihrem Kopf, den ich immer weiter zu mir heranzog. Ich merkte, wie sie diesem immer weiter fallen ließ, bis mein Oberarm die Last ihres Kopfes aufnahm. Das Gleiche wiederholte ich auf der anderen Seite und machte den Strick wieder dran. Schon im Schritt war eine Veränderung zu sehen und ich bedankte mich bei meinem Kumpel, der sich auf den Weg zum Essen machte. So warf ich einen Blick auf die Uhr, die mir 20 Uhr sagte. Ziemlich spät fürs Abendessen, aber am Morgen hatte Herr Holm uns keine Zeit gesagt. Ju erklärte mir, dass wieder der Grill angemacht wurde und wir noch am Feuer sitzen können. Es klang danach, als würde ein schöner Abend werden, doch ich arbeitete mit Humbi noch eine Weile die Signalworte.

      Lina
      Am Ende dieser Einheit war ich sehr zufrieden mit Divine. Aufmerksam war er meinen Kommandos gefolgt und hatte sich äußerst Kooperativ gezeigt, nicht dass das ein Wunder war, aber normalerweise bekam er doch deutlich mehr Leckerlies bei der Arbeit.
      Zum Abschluss ließ ich Ivy einen Moment, um sich zu wälzen, den er natürlich auch nutzte.
      “Na gut du kleines Wildschweinchen, dann machen wir mal Schluss für heute”, sagte ich nun wieder gut gelaunt zu dem Hengst der sich gerade schüttelte. Da ich natürlich immer noch kein Halfter dabei hatte, ließ ich ihn einfach hinter mir hertrotten. Erst als Divine aufmerksam stehen blieb, bemerkte ich Niklas der mit Humbi auf dem Platz war. Ich stellte mich neben meinen Hengst und beobachte die beiden. Aufmerksam folgte die dunkle Stute Niklas über den Platz, doch Divines Anwesenheit, schien sie ein wenig zu beunruhigen.
      “Ich glaube es ist besser, wenn wird die beiden nicht weiter stören, Süßer”, sagte ich zu meinem Hengst und zupfte an seiner Mähne, damit er sich wieder in Bewegung setzte, doch mein Pferd schien andere Pläne zu haben, denn er blieb einfach wie eine Statur dort stehen.
      “Ich denke, dein Hengst hat Bedürfnisse”, rief Niklas mir lachend zu.
      “Sieht ganz so aus, ja”, rief ich ein wenig amüsiert über Divine zurück. Ich beobachte, wie er mit seinem Pferd näher am und mir die Longe gab, die bis zu dem Moment am Zaum der Stute befestigt war.
      “Versuchs mal damit”, sagte er belehrend und führte seine Stute wieder weg vom Zaun.
      “Vielen Dank auch für diese Information”, antwortete ich und verdrehte die Augen. Trotzdem schlang ich Divine die Longe um den Hals.
      “Na, komm mein hübscher genug Stuten geschaut”, sagte ich an mein Pferd gewandt und setzte mich in Bewegung. Etwas wieder willig folgte Ivy mir zurück zu seinem Auslauf, wäre es nach ihm gegangen hätte er sich die Stute auch gerne noch näher angesehen.
      “Hab mal lieber Spaß mit deinen Freunden”, sagte ich zu dem Pferd und entließ ihn noch mal aufs Paddock, noch war es hell und ich wollte ihm noch ein, zwei Stunden auf dem Paddock gönnen, bevor es nachts in die Box kam. Sofort gesellte er sich zu El Pancho der gemütlich sein Heu fraß. Ich beobachtete ihn noch einen Moment, während ich die Longe wieder aufwickelte. Da mich Ivy allerdings keines Blickes mehr würdigte, machte ich mich recht schnell auf den Weg in den Stall, um die Longe wegzuräumen.

      Niklas
      Bevor ich mich auf den Rückweg mit Humbi machte, wartete ich mit ihr auf dem Platz, da ich Lina ungern noch mal treffen wollte. Natürlich werden wir uns beim Grillen nachher sehen, doch man sollte es nicht weiter provozieren. Dass ihre Freunde so stark gegen uns arbeiteten und auch Ju nicht wirklich begeistert davon war, brachte mich schon den ganzen Tag zum Grübeln, den so ein schlechter Mensch wie mich alle immer Darstellten war ich doch nicht. Oder? Die letzten Tage rasten wie ein Film durch meinen Kopf und es wurde mir ein wenig klar, was deren Problem war. Doch jemanden nicht mal eine Chance zugeben, war wohl auch nicht die feine englische Art. Mittlerweile verging immer mehr Zeit und ich lief mit Humbi im Schlepptau zur Weide. Dort nahm ich das Kappzaum ab und ließ sie ihres Weges gehen. Kurz guckte sie mir nach aber widmete sich ihrem Heu. Das Zaum brachte ich zurück in Kammer, aus der Jayden es mir vorhin gab. Dann lief ich weiter zu meiner nächsten Station - mal wieder das Shirt wechseln. Meine Stute hatte große Arbeit verrichtet und meine ganze Schulter beschmutzt. Ju sah ich auf dem Weg zum Zimmer schon am Feuer sitzen und auch Lina saß dort mit Samu. Vriska war nicht da. Jace schien ebenfalls nicht in Sichtweite zu sein.
      Im Zimmer zog ich die Reithose aus und wechselte zu einer bequemeren lockeren Shorts und einem Tanktop. Meine Reithose, sowie Shirt und Reitschuhe warf ich lieblos in die Ecke. In meiner Hosentasche vibrierte mein Handy. Auf dem Sperrbildschirm waren sehr viele Mitteilungen: “Können wir nachher lernen? Ich komme mit den Trainingsansätzen nicht klar.” Kurz dachte ich nach, antwortete aber nicht. Stattdessen steckte ich es zurück und lief zum Feuer. In meinem Bauch rief der Magen nach Nahrung und auch mein Kopf war der gleichen Meinung.
      “Das hat aber gedauert”, beschwerte sich Ju, als ich mich dazusetzte.
      “Mh”, knurrte ich und steckte mir die Gabel voll mit Krautsalat in den Mund.
      “Lina, hast du inzwischen mal mit Luchy geredet?”, fragte Samu Lina.
      “Ja, und sie hat erstaunlich gelassen reagiert. Hat irgendwas gemeint von wir jungen Leute müssen unsere Chancen nutzen so lange wir noch können”, berichtet sie Samu.
      Natürlich wurde direkt das Thema angesprochen, natürlich freute ich mich. Doch nach dem Ding heute früh fühlte ich mich sehr ausgegrenzt. Ich sagte nichts dazu und aß weiter den Kartoffelsalat.

      © Mohikanerin, Wolfszeit | 98.947 Zeichen

    • Wolfszeit
      Nationalteam XI | 08. Mai 2021
      Nabuko// El Pancho// HMJ Divine // Legolas // Herkules // Elf Dancer
      Blávör // Snotra // Satz des Pythagoras // Glymur // Northumbria


      Lina
      Irgendwo traf mich ihr Kommentar ein wenig, auch wenn es mir bei Niklas um viel mehr ging. Es war viel mehr die Tatsache, dass Niklas scheinbar irgendetwas an ihr gefunden hatte und irgendwo hoffte ich, dass es eine Geschmacksverirrung war.
      “Sag mal sehe ich wirklich so aus, als würde ich mit jedem schlafen?”, lenkte mich Samu von meinen Gedanken ab. Diese Frage brachte mich zum Lachen. Es erstaunte mich immer wieder, dass mein bester Freund gar nicht zu registrieren schien, wie gut er eigentlich aussah.
      “Ach Samu, du bist putzig. Hat dir eigentlich noch nie jemand erklärt, dass du ein gutaussehender Mann bist?”, versuchte ich ihm zu erklären. Er sah mich ein wenig verwirrt an, bevor er nachfragte: “Und was hat das mit meiner Frage zu tun?”
      “Na, das ist doch ganz einfach. Männer, die aussehen wie du verhalten sich in den meisten anders. Zwar auch durchaus freundlich, aber auf einer ganz anderen Ebene, wenn du verstehst”, versuchte ich ihm zu erklären und musste mir schon sehr Mühe geben, um mich nicht allzu sehr über seine Unwissenheit zu amüsieren. Mir war ja klar, dass er nicht gerade der Womanizer ist, aber dass er so ahnungslos ist, hätte nicht mal ich erwartet.
      Diese Botschaft hatte er offensichtlich verstanden, dennoch schien er es nicht nachvollziehen zu können.
      “Aber das ist doch scheiße, wenn es immer nur um Sex geht”, stellte er fest.
      “Ja, das ist richtig und deshalb ist es schön zu sehen, dass es auch Männer wie dich gibt”, sagte ich lächelnd.
      “Ich hoffe mal, das sollte ein Kompliment sein”, antwortete er und zog den Sattel von seinem Hengst.
      “Ja, sollte es. Du solltest trotzdem mehr rausgehen und Leute kennenlernen. Aber genug Lebensweisheiten fürs Erste auf mich warten noch ein paar Pferdchen. Könntest du Legolas bitte gleich für mich in die Führanlage stellen?”, fragte ich und deutete auf den lackschwarzen Hengst, der freundlich den Kopf über die Boxentür streckte.
      “Ja, klar ich muss eh noch Sky da reinstellen”, bekam ich eine freundliche Antwort von Samu.
      “Danke, du sparst mir wertvolle Zeit”, verabschiedet mich und verschwand zum Paddock auf dem Nabuko und El Pancho ihr Heu genossen.
      Da ich dank des Chaos in meinem Zimmer und Hazels Reitstunde heute schon viel, zu viel Zeit verschwendet, hatte, beschloss ich die beiden Pferde einfach nur laufen zu lassen. Ein Blick auf den Hallenbelegungsplan verriet mir, dass die Longierhalle frei war. Somit schnappte ich mir als Erstes den Haflinger, der mir ein wenig aufgedreht zu Halle folgte. Auf dem Weg dorthin, begegnet ich Jace, der gerade mit Herkules die Halle verließ. Er ignorierte mich immer noch vollkommen. Sollte er doch, eigentlich hatte ich zwar vor mit ihm befreundet zu bleiben, aber wenn er nicht wollte…
      Sobald ich Nabuko in der Halle frei ließ, begann er auch schon energiegeladen durch die Halle zu flippen.
      “Laaangsaam Blondie”, bremste ich den Hengst mit der Stimme aus, denn er sollte sich erst einmal im Schritt aufwärmen, bevor er bocken durch die Halle sprang.

      Juha
      Eine nervige Stimme trat mir entgegen, die mich um meinen Schlaf brachte. Ich schaute nach oben, um zu prüfen, wer einen Schatten auf mich warf. Milena stand vor mir und wollte etwas.
      “Hast du was verloren, oder was brauchst du?”, fragte ich und setzte mich aufrecht auf.
      “Ich suche nach Informationen”, begann sie. Irgendetwas stimmte nicht, denn Milena führte bisher keine Gespräche mit mir, vor allem nicht ohne Zeugen. Ohne mir die Möglichkeit überhaupt darauf zu antworten, sprach sie weiter: “Mit wem hat Vriska geschlafen?”
      War das ihr Ernst? Sie wäre wirklich die letzte, der ich das sagen würde. Ich wusste es natürlich, nichtsdestotrotz war das nicht meine Suppe.
      „Ich habe kein Schimmer, wovon du sprichst“, antwortete ich mit nach oben gezogenen Brauen.
      „Verraten! Du warst das, deswegen geht ihr euch auch aus dem Weg. Ich wusste es!“, triumphierte Milena. Noch immer konnte ich nicht fassen, dass sie überhaupt danach fragte.
      „Du hast eine blühende Fantasie“, wollte ich das Thema beenden, doch sie hielt ihre Hand dicht vor mein Gesicht und verlangte etwas.
      „Gib mir dein Handy, ich will in der Gruppe gucken“, forderte sie.
      „In deinen kühnsten Träumen nicht.“ Abfällig schüttelte ich meinen Kopf, bis auch sie entdeckte, dass es im Gras lag. Noch eh ich danach greifen konnte, hatte sie es in ihren zarten Fingern und versuchte hektisch es zu entsperren.
      „Tja, es ist halt gesichert und nicht wie Niklas mit seinen Informationen umging“, prahlte ich und entriss es aus ihren Händen. Dann landete es in meiner Hosentasche. Direkt ging Milena in den Angriff über und versuchte vehement, es wiederzubeschaffen. Dabei griff sie auch mehrfach daneben und landete geradewegs zwischen meinen Beinen.
      “Was stimmt mit dir nicht?”, empört schlug ihre Griffel beiseite und stieß sie zur Seite. So unsanft, dass sie im Gras landete. Schmerzerfüllt rieb Milena das knie und stand nicht wieder auf.
      “Jetzt steh auf”, sagte ich und bot meine Hand an, um ihr beim Aufstehen zu helfen. Einschnappt, weigerte sie sich und verschränkte die Arme. Nicht mal der Sohn meiner Schwester verhielt sich so, was mich stark an ihrem Auffassungsvermögen zweifeln ließ.
      “Na gut, wenn du dann glücklich bist”, entsperrte ich mein Handy und reichte es ihr. Hektisch griff sie danach und scrollte wild durch den Verlauf der Nachrichten. Viel dürfte sie dabei nicht entdecken, denn Niklas hatte nicht mal damit geprallt, dass sie sich an ihn heranmachte. Das erste Mal könnte man behaupten, dass er ein Gentleman war, doch allein, dass sie es taten, zeugte wenig für eine menschliche Seite ihn ihm. Milenas Gesichtszüge entglitten immer mehr, als sie feststellte, dass der größte Teil aus Bildern bestand, die Chris seit Tagen reinschickte und um Beratung bat.
      “Pff”, zischte sie und stand auf. Dann gab sie mir das Gerät zurück.
      “Zufrieden?”, fragte ich verärgert und sie nickte. Da es nicht mal einen Nachrichtenverkehr zwischen Vriska und mir gab, würde wohl diese Theorie ihrerseits im Sande verlaufen.
      “Aber du weißt es?”, fragte Milena erneut, was ich mit einem leichten Nicken bestätigte. Das schien ihr zu reichen und sie verschwand. Wirklich dicht war sie nicht mehr und eher ein Fall für eine Therapie als einer Nationalmannschaft. Man konnte viel über uns alle sagen, doch sogar Vriska verhielt sich normaler als Milena in dem Moment. Wenn wir darüber abstimmen dürften, würde ich gerne Tauschen. Dann könnte sie sich zumindest mit ihrer gestörten Freundin zusammensetzten und irrsinnige Rachepläne schmieden. Als ich mich an meinem Rücken kratzte, vernahm ich einen stechenden Schmerz. Es fiel mir wieder ein. Bevor Milena kam, schlief ich. In der Sonne. Das konnte nur heißen, dass ich einen schönen Sonnenbrand hatte. Ich bückte mich nach meinem Buch und lief ins Zimmer, um die Schäden an meiner Haut zu inspizieren. Im Spiegel leuchteten die freien Stellen meines Rückens in einer roten Farbe, die nicht mal meine farbigen Tattoos hatten. Auch spürte ich eine Wärme, ohne meine Haut zu berühren. Zum Kühlen stellte ich mich für mehrere Minuten unter die Dusche und merkte bereits eine Erleichterung. Im Schrank stand von Niklas ein After Sun, dass ich auftrug und mit einem Shirt bedeckte. Großartig gemacht, dachte ich und setzte mich an den Tisch. Die nächsten Tage würde es schlimmer werden und mich bei meiner Kür beeinträchtigen. Doch ich bin ein Mann, dass sollte ich aushalten können. Deswegen setzte ich mich wieder daran und suchte im Internet nach Elementen, die ich einbauen könnte. Bis die ersten Ergebnisse der Suchmaschine geladen hatten, verging einiges an Zeit. Also musste ich wohl doch weiter nachdenken und auf Niklas warten, der sicher schon fertig war.

      Einige Stunden später …

      Niklas
      Wenigstens ein Begrüßungskomitee erwartete ich bei der Rückkehr meinerseits, doch niemand stand da und wartete auf mich. Natürlich waren der Gedanke und die kleine Vorfreude darauf fernab der Realität, nichts mehr als ein Wunschtraum. Bevor ich ausstieg, erhielt der Taxifahrer noch einen großen Bonus bekommen, da es nicht leicht war jemanden zu finden, der den Weg ins Nirgendwo antrat. Ein leichter Windstoß wirbelte entlang meiner Kleidung. Wenige Wolken zogen am Himmel vorbei, warfen einen Schatten über das Land. Ein Schläfchen würde mir sicher guttun, doch ich hatte noch eine Stute, die Bewegung benötigte. Auf dem Tisch lagen die Aufzeichnungen, die Ju sich zur Kür bisher gemacht hatte. Es war wirr, eine richtige Reihenfolge nicht nachvollziehbar und unsauber noch dazu. Kaffeeflecken übersäten das Papier und die Schrift verschwamm an einigen Stellen. Sollte Ju die Zettel so abgeben wollen, würde Herr Holm ihn geradewegs vor die Tür setzen. Mein Recht war es nicht darüber ein Urteil zu bilden, schließlich stapelte sich meine Kleidung auf oder auch in meinem Koffer. Genauer konnte man das nicht erkennen. Lieblos warf ich getragenes und auch sauberes ineinander und wählte nach Geruch das passende des Tages aus. Das Vereinstrikot roch normal und wurde in Handumdrehen gegen das aktuelle Shirt gewechselt. Während ich das Alte über meinen Kopf zog, blieb es an dem Folienverband hängen und schmerzte an der Wunde. Der unschöne Teil eines Tattoos war der Heilungsprozess. In wenigen Tagen wird es anfangen zu jucken und an der Folie würden sich Hautschichten abbilden, die sich lösen. Doch erst in einer Woche konnte ich diese entfernen und die Wunde reinigen. So lang blieb es wie es war. Ich wusste nicht, ob Ju heute noch mit mir ein Wort wechseln würde, denn ich hatte noch genug vor, so schreib ich einen kleinen Zettel mit den Worten “Det är bäst att börja om framifrån :D” und klebte ihn auf seine Aufzeichnungen. Dann schloss ich die Tür hinter mir und lief zu meiner Stute. Auf dem Weg schrieb ich auch noch Lina eine Nachricht, denn noch konnte man das Tattoo gut erkennen und sie würde sicher gern ihre Zeichnung vollendet sehen wollen. Ich sagte ihr Bescheid, dass ich mit Humbria auf den Platz gehen würde und steckte das Handy zurück in meine Hose.
      “Det var länge sen”, begrüßte ich meine Stute, als ich die Weide betrat. Aufmerksam spitzte sie die Ohren und grummelte als ich meine Hand nach ihr streckte. Ein paar Schritte machte Humbria auf mich zu und senkte den Kopf. Auch wenn sie mich diesbezüglich nicht unterstützen musste, war ich äußerst froh über ihre Arbeitsbereitschaft. Zusammen liefen wir in den Stall. Am Himmel zogen immer mehr Wolken vorbei, die kaum noch die Sonne zuließen. Die Luft war trocken und unangenehm. Neugierig beobachtete Humbi alles, was ich tat, besonders Bürsten waren ihre Leidenschaft. Die Putzkiste stand ziemlich nah neben ihr, was sie dazu aufforderte, die Schnauze hineinzustecken und kräftig auszuatmen. Der Staub tanzte in den Lichtstrahlen und ihr Maul war dreckig. Auf nahm sie die Kardätsche und warf sie durch die Gasse.
      “Måste du spela apa?”, scherzte ich und sammelte das Putzequipment wieder ein. Doch immer wieder stecke Humbria ihre Nase rein und warf es durch die Gegend. Bis ich endlich auf die Idee kam, ihn zur Seite zu stellen, bückte ich mich mehrfach und brachte es zurück.
      “Vielleicht solltest du daraus einen Trick machen”, ertönte auf einmal Lina stimme am Ende der Stallgasse. Überrascht drehte ich mich zu ihr. Mein Pferd nervte mich weiter und zupfte an meinem Handy herum, dass in meiner Hose steckte. Sie bekam einen Klaps aufs Maul doch dachte nicht mal daran aufzuhören.
      „Wäre eine Idee, dann könnte sie mein Zimmer aufräumen“, scherzte ich.
      “Da würde sich Ju sicher freuen, wenn er dir nicht mehr hinterher räumen muss”, antworte sie fröhlich.
      “In einigen Tagen wird es vorbei sein, dann hat er erstmal Ruhe vor mir. Dann mach Fjona das wieder”, erklärte ich ihr und wandte mich meinem Pferd wieder zu. Sie scharte abwechselnd mit den Vorderhufen und schnappte nach dem Strick. Bisher hatte sie nie solches Verhalten gezeigt und mit ruhigen Worten versuchte ich sie zu besänftigen, vergeblich. Humbria schaukelte sich immer mehr hoch, bis sie hysterisch den Kopf nach oben riss und stieg. Ich löste den Strick vom Halfter und griff nach diesem. Zusammen liefen wir nach draußen und noch immer tänzelte sie aufgeregt neben mir her. Immer wieder ließ ich sie um mich herum kreisen und rückwärtslaufen, doch die Stute beruhigte sich kein Stück. Noch immer trippelte sie neben mir her, doch es beeindruckte mich nicht. Angekommen am Reitplatz löste ich meinen Griff am Halfter und mit aufgestelltem Schweif trabte sie wie vom Blitz getroffen auf und ab. Etwas passte ihr ganz und gar nicht. Vor mir galoppierte sie immer wieder ein Stück an, eh Humbria wieder bremste und weiter trabte. Ihre Energie erschien endlos zu sein und so konnte sie erst mal etwas ablassen.
      “Kann man dir irgendwie helfen?”, fragte Lina die das ganze vom Zaun aus beobachtet.
      “Ich wüsste nicht wie, muss selbst erst mal überlege, wie ich die wieder bekomme”, überlegte ich und blickte meinem Pferd nach, dass sich immer weiter von mir entfernte und nicht einmal Anstalten machte, sich auf mich zu konzentrieren.
      “Für mich sieht das fast so aus als würde dein Pferd dich absichtlich ignorieren. Hast du heute vielleicht etwas anders gemacht als sonst?”
      “Es gab kein Leckerli, als ich sie begrüßte. Ich hätte mir aber in meinen kühnsten Träumen nicht vorstellen können, dass Humbria deswegen nun so eingeschnappt ist. Die benimmt sich ja fast wie Milena”, rügte ich mein Pferd. Als hätte sie genau verstanden, was ich sagte, bremste sie schlagartig ab und blickte mich an. Ihr Blick fesselte mich.
      “Kom, Humbria”, rief ich nach ihr, was sie wieder in Rage brachte. Die Stute stellte den Schweif wieder auf und trabte mit viel Schwung und federnd in den Fesseln vorwärts. Wenn sie sich so unter dem Sattel präsentieren würde, hätte ich einen Sechser im Lotto.
      “Immerhin scheint deine kleine Diva zu wissen, wie man sich bewegt”, kommentierte Lina, die ein wenig belustigt von dem Verhalten der Stute zu sein schien.
      “Erfreue dich ruhig weiter am Leid der Anderen!”, schimpfte ich mit Lina, während ich mir aufgeregt durch die Haare fuhr. Meine Frisur hatte ich mir sicherlich schon versaut, denn das Gel klebte bereits an meinen Fingern. Ich warf die Handschuhe zur Seite, die ich bereits ausgezogen hatte und ließ mich in den Sand fallen. Humbria hingegen trabte fröhlich weiter und pruste laut. So stellte ich mir das heutige „“Training nicht vor, als Zuschauer meines eigenen Pferdes. Ich verschränkte meine Arme und hoffte darauf, dass sie wieder zu mir kam, vergebens.
      “Vielleicht solltest du es mal mit Bestechung versuchen? Das überzeugt eigentlich fast jedes Pferd”, sagte Lina, die nun den Platz betrat und ein paar Leckerlis aus ihrer Hosentasche zauberte.
      “Ich belohne sie doch nicht dafür. Wo leben wir denn bitte?”, regte ich mich weiter auf. Schließlich forderte das Pferd genau danach, aber so lernte sie nur weiter, dass sie ausflippen musste, um ihren Willen zu bekommen.
      “Also, wenn du dich weiter aufregst, wird sie bestimmt nicht zurückkommen. Aber wenn du keine Hilfe möchtest, kann ich auch wieder gehen”, murmelte Lina und ließ die Leckerlis wieder verschwinden.
      “Det ger jag fan i”, murmelte ich und guckte nicht zu ihr rüber. Es ärgerte mich, dass ich die Situation nicht unter Kontrolle hatte und es mir auch an Ideen fehlte damit umzugehen. Opa hatte bereits Hengste, die sich aufspielten, doch es war zu lange, um mich daran erinnern zu können. Mir fehlte die Erfahrung, obwohl ich immer eine Antwort hatte, war ich dieses Mal sprachlos.
      “Na, wenn du mich nicht brauchst, kann ich auch gehen”, antworte Lina und wandte sich zum Gehen. “Und so nebenbei nur, weil ich kein Schwedisch lesen kann, heißt das nicht, dass ich es nicht verstehe”, fügte sie noch hinzu und schloss das Tor hinter sich.
      „Ach jetzt auf einmal“, rief ich vollkommen sinnlos und bedeutungslos nach. Sie drehte sich nicht mal nach mir um und verschwand. Zwei eingeschnappt Weiber in meinem Umfeld konnte ich nicht gebrauchen und machte mich daran mein Pferd wieder einzufangen. Humbria pumpte wie ein Maikäfer und stand erschöpft am Zaun. Ich nutze den Moment aufzustehen, meine Handschuhe wieder über meine klebrigen Finger zu ziehen und zu ihr zulaufen. Sie bewegte sich kein Stück mehr und konnte nach ihrem Halfter greifen. Freundlich strich ihr über den Hals und gab ihr ein Leckerli. Ihre Augen begannen zu funkeln, als ich mit meiner rechten Hand in meiner Hose wühlte. Sie fraß es gierig und folgte mir. Mehrmals schnaubte das Pferd ab. Für heute würde es reichen, sie würde eh nicht mehr viel leisten können und ich brachte Humbria am Halfter zurück zur Weide. Dort warf sie sich in den Dreck und blieb liegen. Alle Viere streckte sie von sich und besorgt lief ich zum Pferd. Sie stand nicht auf und ich tastete vorsichtig ihren Bauch ab. Es fühlte sich alles normal an, dennoch zog ich sie am Halfter nach oben, um einige Meter mit ihr im Schritt zu laufen. Sie äppelte. Dann ließ ich wieder so los und die Stute streckte den Hals zu Boden, um am Gras zu zupfen. Hatte ich wieder übertrieben? Längere Zeit beobachtete ich sie noch, jedoch machte sie keine Anstalten sich erneut hinzulegen und beruhigt verließ ich sie, um die Stallgasse aufzuräumen. Ich hoffte Lina dort wiederzutreffen, denn ich wäre ihr eine Entschuldigung schuldig, oder nicht? Eigentlich sollte sie sich entschuldigen, denn sich bei meinen Pferden einzumischen, mochte ich überhaupt nicht. Überzeugt davon, verrichtete ich meine Arbeit.

      Lina
      Mein Weg führte mich geradewegs zur Koppel, wo Divine stand. Es ärgerte mich ein wenig, dass ich für Niklas scheinbar nur ein Pferdemädchen war, welches keine Ahnung hatte, dabei wollte ich doch nur helfen. Sicherlich fehlte mir einiges an Erfahrung, gerade mit schwierigen Pferden, doch das war doch kein Grund gleich so unfreundlich zu werden.
      “Hei Prinssi”, begrüßte ich den Freibergerhengst, der auf mich zu getrottet kam, sobald ich die Koppel erreicht hatte. Freundlich prustete er mich an und ich begann durch die dicke Mähne zu wuscheln. Wie ich denn Hengst so betrachte, kam mir die Fragen in den Sinn, warum ich die Aufgaben bekommen hatte, das WHC dieses Jahr beim HMJ zu vertreten. Hatte es den Grund, dass die Pferde im Vorhinein bekannt waren, oder hätte ich auch teilnehmen dürfen, wenn die Pferde unbekannt gewesen wären?
      Immerhin war Divine ein besonders einfacher Fall. Der Freiberger unterbrach mich sehr unsanft in meinen Gedanken, als er mir ungeschickt, wie er nun mal war, bei dem Versuch an die Leckerlis zu kommen, auf den Fuß trampelte.
      “Autsch, was soll das du kleiner Tollpatsch”, beschwerte ich mich bei meinem Hengst und schob ihn wieder von meinem Fuß runter. Ivy interessierte das Ziemlich wenig, denn er versuchte lieber weiterhin in meine Hosentasche zu kriechen.
      “Nein, dafür gibt es bestimmt nichts”, schimpfte ich leise und schob seine Schnauze von mir Weg. “Wenn du was willst, musst du es dir erst verdienen”. Ich sammelte den Strick vom Zaun, um ihm in Divines Halfter einzuhaken, doch mein Pferd schien einen anderen Plan zu haben, denn er wollte den Strick viel lieber voll sabbern. Kurzentschlossen zog ich ihm den Strick wieder aus dem Maul und befestigte ihn am Halfter.
      Als ich ihn aus dem Tor führte, passte ich diesmal besser auf meine Füße auf, denn ein schmerzender Zeh reichte mir für heute. Da die Sonne immer noch vom Himmel brannte, beschloss ich den empfindlichen Hengst lieber auf der Stallgasse zu putzen, wo ich dann auch wieder auf Niklas traf.
      “Dürfte ich da mal bitte vorbei”, fragte ich ihn denn er stand Mitten im Weg.
      “Jovisst”, murmelte er und tritt zur Seite.
      “Danke”. Ohne ihn weiter zu beachten, führte ich Divine auf den Putzplatz und band ihn dort an, bevor ich in die Sattelkammer ging, um meinen Putzkasten zu holen. Als ich zurück machte sich mein Pferd, erneut den Spaß den Strick abzukauen.
      “Statt kluge Ratschläge zu geben, solltest du dich um dein Pferd kümmern”, haute Niklas plötzlich heraus und schaute mich erwartungsvoll an.
      “Was glaubst du, du tue ich gerade”, antwortete ich ihm, ohne näher darauf einzugehen und zog dem Hengst den Strick aus dem Maul.
      “Funktioniert offensichtlich nicht so gut”, brummte er und ließ nicht locker von uns. Offensichtlich wollte er irgendetwas, doch mir leuchtete nicht wirklich ein, was.
      “Was genau möchtest du von mir?”, fragte ich deshalb nach, während ich meine Bürsten aus dem Putzkoffer holte. Divine fand inzwischen den Strick langweilig und versuchte lieber den Hals lang genug zu machen, um an irgendetwas anderes dranzukommen. Da allerdings nicht in seinem Umkreis war, wollte er sich schon wieder dem Strick widmen, doch dieses Mal reagierte ich schneller und gab ihm einen Klaps auf die Schulter. Das schien zumindest für den Moment Wirkung zu zeigen, denn er gab auf und begann lieber den Boden nach etwas fressbarem abzusuchen.
      „Hast du mir nicht etwas zu sagen?“, zog Niklas die Augenbrauen hoch und erwartete etwas. Währenddessen wippte er mit seinem Bein und schränkte die Arme. Jetzt war ich erst recht verwirrt. Hatte ich irgendwie ein Teil des Gespräches verpasst?
      “Ich glaube nicht? “, antwortete ich zögerlich und sah ein wenig unsicher zwischen ihn und meinem Pferd hin und her, in der Hoffnung dadurch schlauer zu werden.
      ”Ni är alla likadana”, zischte er und verschwand, ohne auf meine Frage einzugehen. Sein Abgang wurde begleitet mit einem Kopfschütteln und unverständlichen Worten, die er vor sich hinmurmelte. Von weitem sah ich, dass er sein Handy aus der Tasche zog und irgendwas hinein brummelte.
      Ein wenig perplex blieb ich neben meinem Pferd stehen, welches den Kopf gehoben hatte, als Niklas aus dem Stall stürmte.
      "Habe ich was falsches gesagt?", fragte ich meinen Hengst, doch natürlich antwortete dieser nicht, sondern sah mich nur freundlich aus seinen großen dunklen Augen an.
      Auch wenn ich jetzt absolut nicht mehr in der Stimmung war, zu reiten musste Divine nun mal noch bewegt werde, weshalb ich mich trotzdem wieder seiner Fellpflege zuwandte.

      Vriska
      „[...] Zukunftsfähiges Wirtschaften bedeutet, kommenden Generationen ein intaktes ökonomisches, ökologisches und soziales Umfeld zu hinterlassen. Wie kann ein Reitbetrieb nachhaltig wirtschaften?“, las ich gelangweilt die Aufgaben auf meinem Arbeitsblatt durch, dass Niklas mir auf das Pas übertragen hatte. Wer hatte sich diese Aufgaben ausgedacht. Ich sollte bis heute Abend alle 20 Aufgaben fertig haben, aber konnte bisher nur fünf wirklich nachvollziehbar formulieren. Unser Hof wäre sicher ein gutes Beispiel für nachhaltig Wirtschaften, obwohl die Kosten eindeutige die Einnahmen überstiegen, so zumindest mein letzter Stand, als Tyrell Hilfe brauchte bei der Abrechnung. Aktuelle Zahlen aus der Buchführung lagen mir nicht vor, doch im Faktor ökologisch lagen wir sehr weit Vorne. Darauf würden auch die einzigen weiteren staatlichen Förderungen der EU liegen, denn das gewünschte Freizeitareal, dass sich das Land wünscht, stand zwar, warf nur keine Gewinne ab oder begeisterte Besucher. Vor meiner Abreise standen einige Fahrradfahrer am Hof und fragten nach einem Ort zum Verweilen und den Genuss von Gebäck. Ein Hofcafé führten wir nicht, wie auch. Natürlich war eins der Häuser in der Reithalle mit einer gastronomischen Küche ausgestattet, doch Personal hatten wir nicht und niemand hatte dafür Zeit. Die wenigen Einnahmen gab es durch Wetten auf unser Pferd, bei denen besonders Vintage gute Quoten einbrachte. Tyrell verfiel unbewusst in eine Spielsucht, die Folke schnell beenden konnte. Leider bedeutete das auch, dass die Einnahmen sanken. Um was machte ich mir einen Kopf? Diese Aufgaben vernebelten mir meinen Verstand. Ich schrieb einige Stichpunkte dazu und scrollte einige Fragen weiter: „Sie planen einen Tag der offenen Tür. Das Ergebnis ist eine umfassende Checkliste.“ Das klang spannend und könnte ich sogar als mein Fachgebiet bezeichnen. Ich organisierte vieles am Hof unter anderen wollte mein Chef tatsächlich so etwas schon mal haben. Also begann ich fleißig aufzuschreiben, was mir durch den Kopf schwirrte. Feuerlöscher, Erstellung eines Fluchtplanes, Einrichtung von Sammelplätzen, Organisation von Zelten … Tatsächlich sprangen mir zuerst jegliche Horrorszenarien durch den Kopf, die bei solchen Großveranstaltungen passieren könnten. Das bei einem Tag der offenen Tür deutlich weniger Menschen kommen würden als zu einem Slipknot Konzert, beeinflusste meine Denkweise kein Stück. Fleißig schrieb ich die Liste weiter und kannte keinen Halt, bis mein Handy mich aus den Gedanken riss. Genervt davon, dass ich wieder vergaß es auf Bitte nicht stören zu stellen, warf ich einen Blick auf dem Display. „Kung, 3 Notification“, leuchtete auf. Neugierig stand ich auf und warf mich mit dem Bauch voran ins Bett. Meine Beine winkelte ich nach oben an. In meiner Brust spürte ich eine schnelle Abfolge, die gleichmäßig pulsierte. Wie konnte ich mich so darüber freuen, dass er mir drei Nachrichten geschickt hatte? Die erste beinhaltete lediglich meinen Namen, die zweite war eine kurze Sprachnachricht und die dritte „snälla“. Wollte ich mir das wirklich anhören? Mein Herz schlug immer schneller und verunsichert lief ich auf und ab. Dann warf ich mein Handy ins Bett und setzte mich zurück an die Aufgaben. Diese Anspannung fühlte sich nicht richtig an, besonders wenn ich das hier noch fertigbekommen wollte. Die Checkliste wurde länger, länger und immer länger. Dinge auf dieser verkomplizierten sich und entwickelten eine Eigendynamik, die ich unterschätzt hatte. Meine Hand hörte nicht auf zu schreiben, bis ich mich zurück in die Realität holte. Fühlte es sich so an den Boston Marathon zu laufen und einige Meter vor dem Ziel zu stolpern, wobei man sich das Bein brach? Ich wusste es nicht, woher auch. Marathon laufen war nicht meine Stärke, vor allem auch nichts, woran ich interessiert war. Die übrigen Fragen wurden schwerer und befasst sich mit Trainingsplänen für Pferde, die ich mir ausdenken sollte und für weitere Aufgaben weiter nutzen sollte.
      Ich habe kein Bock mehr, dachte ich mir und lehnte mich zurück in den Holzstuhl. Das Handy lag noch immer im Bett und ich stand auf, um mir nun doch die Nachricht anzuhören. Seine raue Stimme brabbelte unverständlich aus den Lautsprechern und ich brauchte mehrere Ansätze, um einige Teile davon entschlüsseln zu können. Schlüsselworte waren für mich: ikväll, knulla, tala, Lina und hjälp. Hatte er mit ihr gesprochen darüber, oder sollte ich mit ihr das Thema besprechen? Oder meinte Niklas, dass ich ihre Hilfe brauchte zum Sprechen?
      “Vad menar du?”, schrieb ich ihm und wartete auf eine Antwort. So schnell wie ich hoffte, kam nichts, stattdessen kamen wegen genau dieser Schlüsselworte wieder Zukunftsängste auf mich zu. Was tat ich hier? Ich lernte mit einem Typen zusammen, der nicht nur außergewöhnlich gut aussah, nein, sondern auch noch extrem viel Wert darauflegte, dass ich sicher in die Prüfungen gehe. Und mit mir zweimal geschlafen hat. Natürlich wusste ich, wie lange mich die Trennung von Tyri beschäftigte und das wird in geraumer Zeit mit Niklas nicht anderes sein. Es gab dafür nur eine Person, die mir wirklich helfen konnte - Harlen, mein großer Bruder. Im Gegensatz zu mir und meiner Schwester wuchs er bei Papa auf, was unseren Kontakt relativ minimal hielt. Zu Geburtstagen sah und hörte man einander. Doch als es mir schlecht ging und ich wochenlang im Krankenhaus lag, war Harlen Tag und Nacht da. In der Zeit wuchsen wir zusammen und sind seitdem unzertrennbar. Ob er noch wach sei? Niklas gab keine Antwort ab und ich wählte die Nummer meines Bruders. Bereits nach zwei Tut-Geräuschen hörte ich seine Stimme aus dem Lautsprecher schallen.
      “Good morning, what’s on your mind, sis?”, begrüßte er mich mit schläfriger Stimme.
      “I’m Sorry! Did I wake you?”, nervös fummelte ich an meinen Fingern herum und begriff erst jetzt, dass es 2 Uhr morgens in England war. Jenni hätte mit großer Wahrscheinlichkeit nicht reagiert.
      “Yes, you did. But you can always call, no matter what time of day”, beschäftige Harlen mich in seiner ruhigen Art und Weise.
      “Then I’ll be brief. Can you come to Sweden for a while in five or six days? I’ll tell you why later, but I really need you”, erklärte ich und musste mehrfach tief ein- und ausatmen, um die Tränen zu unterdrücken.
      “I’ll be there, no matter which airport in Stockholm?”
      “Yes, it is not important”, fügte ich noch hinzu, eh wir uns verabschiedeten und Harlen legte sich wieder schlafen. Ich konnte jetzt noch nicht schlafen gehen, denn heute Abend stand nicht nur Essen und Niklas an, sondern auch ein kleiner Spieleabend. Chris hatte die Idee, da ab morgen alles wohl sehr stressig wird. Warum ausgerechnet morgen, wusste ich nicht, aber akzeptierte diese Aussage.

      Lina
      Nachdem ich eine dreiviertel Stunde versucht hatte mich auf mein Pferd zu konzentrieren, was nur mäßig Erfolg hatte, gab ich auf und brachte den Hengst zurück auf die Koppel. Mein Gehirn wollte einfach nicht aufhören darüber nachzudenken, womit ich Niklas so verstimmt hatte. Gedankenverloren schlug ich den Weg zum Haus ein, denn am liebsten würde ich mich jetzt mit einem Tee auf mein Sofa kuschle und in einem Buch verschwinden.
      “Was schleichst du denn so durch die Gegend. Irgendetwas geht doch schon wieder vor in deinem Köpfchen.” Ich erschrak, als ich auf einmal Samu Stimme hinter mir hörte. Wo kam er denn jetzt auf einmal her?
      “Samu! Du kannst dich doch nicht einfach so anschleichen, ich hätte fast einen Herzinfarkt bekommen”, beschwerte ich mich bei ihm und dreht mich zu ihm um.
      “Würdest du auf deine Umgebung achten, hättest du mich schon lange bemerkt und vor allem ihn da”, erklärte er lachend und deutete auf den Dalmatiner, der nun mit fliegenden Ohren auf mich zu gerannt kam. Kurz vor mir stoppe Bubbles ab und sah mich freundlich an.
      Ich streckte, meine Hand nach seinem Kopf aus kraulte ihm die weichen Ohren.
      “Kerro nyt, Mitä sinä ajattelet?”, fragte er nun noch mal nach. Manchmal verfluchte ich ihn doch echt für seine gute Menschenkenntnis, oder eher für seine hervorragende Lina Kenntnis.
      “Ei mistään, luulisin”, versuchte ich ihn davon zu überzeugen, nicht weiter darüber zu reden.
      “Jos et ajattele, haluat varmasti käydä kavalilla minun ja Bubbelsin kanssa”, schlug er nun vor, vermutlich in der Hoffnung ich würde ihn doch noch erzählen, was mich beschäftigte.
      “Hyvä on, tulen mukaasi”, willigte ich ein und folgte Samu, der schon losgelaufen war.
      “Komm Bubbles”, rief nach dem Hund, der noch Schwanzwedeln dastand.
      Während wir den Waldweg entlang schlenderten, machte Bubbles immer mal wieder einen Abstecher ins Gebüsch, um irgendeiner Fährte zu folgen. Samu erzählte mir währenddessen, dass er auf dem Ausritt mit Elf Dancer eine Herde Wapitis gesehen hat und Elf, das ganze wohl äußerst seltsam fand. Ich hörte ihm nur mit halbem Ohr zu, denn mich beschäftigte immer noch dasselbe Thema.
      “Et kuuntele minua, tai? Mitä on tekeillä, Lina?”, fragte nun Samu, der meine mangelnde Aufmerksamkeit wahrgenommen hatte. Er war stehen geblieben und sah mich an.
      “Niklas on vihainen minulle, mutta en tiedä mitä tein väärin”, murmelte ich ihm als Antwort.
      “Kysyitkö häneltä siitä?”, fragte Samu einfühlsam.
      “Välillisesti. Hän sanoi sellaista jotain kuin: Olette kaikki tasa-arvoisia”, antwortete ich ihm und inzwischen schien auch Bubbles meine Stimmung bemerkt zu haben, denn der Dalmatiner stupste mich an und rieb seinen Kopf an mir.
      “Luulen, että hän haluaa sanoa sinulle täsmälleen saman asian kuin minä…”, sagte er und sah den Hund dabei an. “Älä huolehdi siitä niin paljon, Ehkä Niklaksen päivä oli huono.” Keine Gedanken machen, er hatte leicht reden.
      “En voi vain viedä sinua mukanani, niin maskottina?”, fragte ich meinen besten Freund hoffnungsvoll. Irgendwie fand er doch immer die richtigen Worte.
      “Luulen, että Divine on jo ottanut tämän roolin haltuunsa”, antworte dieser nur schmunzelnd. “Tule, Seuraava”, fügte er noch hinzu und setzte sich wieder in Bewegung. Bubbles wartete noch einen Augenblick, bis ich auch weiterging, bevor er wieder fröhlich neben mir her trabte. Diesen unfassbaren Optimismus hatten Samu und der Hund offenbar gemeinsam. Minimal besser gelaunt folgte ich den beiden durch den Wald und versuchte immerhin noch ein wenig den Spaziergang zu genießen.

      Während Lina, Samu und Bubbles im Wald spazieren sind, wird am Hof das Abendessen eingerichtet. Mal wieder wurde das Feuer angemacht und die Tische nach draußen gestellt. Die nächsten Tage würden noch intensiv genug werden, weswegen für heute Abend noch einige Festlichkeiten stattfinden, denn: Herr Holm hat Geburtstag.

      Niklas
      “Und du denkst wirklich, das reicht als Kür?”, fragte Ju als wir die letzte Bahnfigur notieren.
      “Vollkommen. Es ist doch nur eine L-Dressur. Du und Amy seid doch wunderbar darauf vorbereitet. Morgen laufen wir alles gemeinsam ab und dann nehmen wir die Pferde dazu. Am Abend üben wir dann erneut”, schlug ich ihm vor. Meine Laune hatte sich merklich verbessert, dennoch konnte ich darauf verzichten sie am Abend zu sehen. Das würde sich allerdings schwierig gestalten. Deswegen musste ich mir etwas einfallen lassen.
      “Kommt Linh heute Abend wieder?”, fragte ich und zog mich um. Ju, der hinter mir stand und sich ebenfalls umzog, sagte nichts. Erst einige Sekunden später kam eine Antwort.
      “Das weiß ich noch gar nicht. Seit ihrer Reitstunde vorhin mit Milena haben wir uns nicht gesehen, nur sie hat mal wieder genervt”, dann stoppte er. Ich kniff meine Augen zusammen und eine Falte bildete ich sich auf der Stirn. Mein Shirt hielt ich noch in der Hand und nervös zuckte meine Brustmuskulatur.
      “Und was wollte sie?”, hinterfragte ich und zog das Shirt über meinen Kopf.
      “Na ja … wie soll ich dir das sagen, ohne das du wieder schlechte Laune bekommst”, begann Ju und verzerrte den Mund von links nach rechts.
      “Jetzt sag schon, sonst frag ich sie selbst”, ungeduldig wippte mein Bein auf und ab.
      “Nein, das lässt du schön bleiben. Sonst weiß sie es. Irgendwie hat Milena mitbekommen, dass Vriska … du weißt schon”, stotterte er weiter. Ich rollte mit den Augen und lief zum Bad, um mir die Haare zu machen. Einen Geburtstag feiert man schließlich nicht jeden Tag, vor allem keinen, an dem man ein halbes Jahrhundert als wird.
      “Sie wollte in der Gruppe gucken, wer mit Vriska geschlafen hat, aber du hast ja nichts reingeschrieben. Deswegen weiß sie das noch nicht”, rückte Ju endlich heraus.
      “Okay, aber was war daran jetzt so schwierig? Und besonders, was wäre so schlimm daran? Irgendwann weiß es eh jeder”, rief ich aus dem Bad. Schritte nährten sich und ich drehte mich zu Ju um, der nun wieder neben mir stand.
      “Gestern hast du noch ein Geheimnis draus gemacht und heute ist es dir egal? Was ist denn mit Lina?”, seine Augen riss Ju dabei ziemlich weit auf, ihm missfiel, was gesagt hatte. Doch das war die Realität.
      “Ach, die kann mir den restlichen Tag fernbleiben. Sie wollte sich bei Humbria einmischen und”, er unterbrach mich.
      “Und Bla bla bla. Ja logisch. Du bist der einzige Mensch auf dem Planeten, der schlechte Laune bekommt, wenn man ihm helfen möchte”, seine Mimik wurde ernster.
      “Wieso, du darfst mir doch helfen. Aber ehrlich. Das übersteigt ihre Kompetenzen”, sagte ich und legte den Kamm wieder beiseite. Im Spiegel erblickte ich eine gute Frisur und verließ das Bad. Ju schob ich mit der Schulter zur Seite, da er unpässlich in der Tür stand. Mit einem kurzen Seufzen kommentierte er es. Dann antwortete Ju: “Das mag sein, aber du hättest es dir trotzdem anhören können, anstatt sie in deiner Art zu überrumpeln.”
      “Hörst du mir nicht zu? Es ist mir egal, soll sie jetzt mit Leben. Morgen klebt sie eh wieder an mir”, rollte ich wieder mit den Augen. Vom Stuhl nahm ich mir noch ein Hemd, da für den Abend starke Windböen angesagt waren, laut meinem Handy. Auf dem Weg zur Feier sagt Ju nichts mehr, aber schüttelte immer wieder unverständlich den Kopf, während er etwas brabbelte. Getrampel hörte ich vom Weiten, das näherkam und sich als Linh entpuppte. Erfreut sprang sie auf Jus Rücken und seine schlechte Laune verflog. Ich ließ die beiden Verliebten allein und setzte mich an den Tisch, an dem bereits Chris und Milena auf mich zu warten schienen. Man wurde die auch echt nicht los, das sagte mir sein Gesichtsausdruck sogar. Er wollte mir etwas mitteilen, doch ich verstand nicht was.
      “Du hast dich ja heute schick gemacht, noch was vor?”, Milena begann direkt zu nerven, als hätte man ihr irgendwas ins Getränk geschüttet. Vielleicht sollte jemand Chloroform besorgen, dann wäre sie ruhig. Ein schweifender Blick durch die Anwesenden verriet mir, dass wohl keiner so etwas griffbereit hatte, schade. Dann wendete ich mich ihr zu.
      “Ja, Geburtstag feiern und im Gegensatz zu dir, ziehe ich keine Jogginghose an dafür”, tadelte ich sie. Ihre Augen wurden größer.
      “Waaas für einen Geburtstag? Ich wusste nicht …”, verteidigte sie sich.
      “Herr Holm hat heute und wir wollen darauf etwas anstoßen, feiern. Was man halt, so macht”, erklärte Chris es ihr, denn so wie sie sprach, könnte Milena gerade die achte Klasse abgeschlossen haben.
      “Dann gehe ich mich mal lieber umziehen und noch duschen. Danke für die Information”, sagte sie und verschwand endlich.
      “Endlich” sagte Chris und seine Anspannung fiel von ihm.
      “Was du nicht sagst”, murmelte ich und sah Vriska, die endlich kam. Sie machte sich geradewegs zu dem freien Platz zu Chris, doch hielt sie auf und zeigte mit meiner Hand zu mir. Wie immer, wenn Vriska nachdachte, biss sie auf ihrer Unterlippe herum, eh sie zu mir kam. Mit Abstand nahm sie Platz neben mir und ich zog sie mit einem Griff in die Taille zu mir.
      “Was wird das?”, murmelte Vriska und blickte zum Tisch.
      “Ich will dich bei mir haben”, sagte ich erst zu ihr und hob mit meinem Finger ihren Kopf nach oben mir. Ihre Augen begann wieder zu funkeln. Chris mischte sich ein: “So ist das also.” Als wäre es etwas Neues, schließlich hatte ich ihm davon. Wieder mal setzte er sein breites Grinsen auf, aber sagte nichts. Meine Hand legte ich auf ihren Oberschenkel und nahm mein Handy zur Hand, um mir einige Bilder auf Instagram anzuschauen. Neben mir hörte ich die Beiden ein Gespräch führen über den Reitunterricht und was heute Abend gefeiert werden würde. Erst als ich meinen Namen hörte, guckte ich auf und schaute die Beiden an.
      “Da ist er direkt wieder bei uns”, scherzte Chris und fragte Vriska erneut: “Du nimmst Niklas sicher wieder mit zum Lernen, va?” Begleitet wurde das ganze mit einem sehr offensichtlichen Augenzwinkern. Das beherrschte er noch nie. Vriska und ich guckten einander an, eh ich die Frage beantwortete: “Das möchte ich so. Natürlich.”
      Von hinten hörte ich Ju und Linh zu uns an den Tisch kommen. Chris rutschte auf der Bank ein Stück beiseite, damit sich die beiden dazu setzen konnten. Linh hatte offenbar ebenfalls die Zeichen gespürt und sagte: “Ihr beide? Das hätte ich ja im Leben nie gedacht.” Mit rotem Kopf senkte Vriska diesen wieder. Auch biss sie wieder auf ihren Lippen herum, dass ich mit einem streichen meines Fingers an ihrer Wange unterband. Ein kleines Lächeln zauberte sich in ihr Gesicht. Auch Linh lächelte.
      “Mir war das schon klar”, brummte Ju und guckte Vriska genau an.
      “Ach, jetzt stell dich nicht so an. Sie sind doch süß zusammen”, lachte Linh. Zusammen? Das wäre genau der Moment, dass ich Veto einlege, denn das waren wir nicht. Mein Mund öffnete sich, aber Worte kamen nicht heraus. Stattdessen übernahm Chris das: “Die schlafen nur miteinander.” Er lachte wieder. Wie konnte man so viel positive Energie mit sich herumtragen, ohne davon erschlagen zu werden? Linh hörte kurz auf zu lächeln, während Chris sprach. Dann sagte sie: “Ach, aber ist doch auch schön.” Ju rollte mit seinen Augen und griff nach seinem Handy. Es hatte keine Hülle mehr um, an der Rückseite erkannt ich viele Risse und als er es leicht in meine Richtung kippte, sah das Display nicht besser aus.

      Jace
      Ich hatte es erfolgreich den ganzen Tag über geschafft möglichst wenig Leuten zu begegnen und vor allem Lina aus dem Weg zu gehen. Eigentlich hatte ich heute Abend deshalb auch nicht vorgehabt, mit den anderen zu essen, doch als ich um die Ecke vom Stall kam, sah ich etwas was mich ein wenig stutzig machte, Niklas saß mit Vriska zusammen am Tisch und für mich sah das ziemlich eindeutig aus. Das musste wohl heißen, was auch immer zwischen Lina und Niklas lief konnte nicht allzu Ernstes sei, oder? Das würde doch Bedeuten… Ich könnte doch noch eine Chance bei Lina haben. Diese Erkenntnis ließ meine Laune sofort deutlich besser werden. Ich wusste zwar noch nicht genau wie ich das anstellen wollte, Lina wieder für mich zu Gewinnen, aber es gab wieder Hoffnung.
      Innerlich einen kleinen Freudentanz aufführend, setzte ich mich zum Rest des Hofteams.
      “Oh, da ist ja unser Sonnenschein”, witzelte Jayden als ich mich dazusetzte. “Irgendwo Spaß gehabt, oder woher kommts?”, stichelte er weiter.
      “Wenn ich du wäre, wäre ich mal lieber still, ist ja nicht so als würden die Ladys bei dir Schlage stehen”, gab ich schlagfertig zurück. Jayden wollte gerade etwas erwidern, doch Sheena schnitt ihm das Wort ab.
      “Jungs könntet ihr auch mal über was anderes reden? Euer Macho gehabt geht nicht nur mir auf die Nerven”, sagte sie genervt und verdrehte die Augen. “Redet doch lieber über schöne Dinge, wie zum Beispiel, dass die Ergebnisse der Körnung endlich da sind. Keks hat bestanden”, teilte sie dann mit uns.
      “Na, wenn das kein Grund für gute Laune ist”, antwortete ich ihr, während ich in meine Hosentasche griff, um mein Handy herauszuholen. Doch da war kein Handy, ich musste es wohl in der Sattelkammer vergessen haben. Ich war gerade aufgestanden, um es zu holen, als Bubbles auf einmal angerannt kam und bellend an mit hochsprang. In der Ferne kannte ich auch den Grund entdecken, warum er so aufgeregt war. Lina und Samu waren scheinbar mit ihm gerade spazieren gewesen.
      “Na, mein Junge, war es schön im Wald”, begrüßte ich den Hund und streichelte ihm über das gepunktete Fell. Während ich dem Dalmatiner noch die Ohren kraulte, blieb mein Blick auf Lina und Samu hängen. Ich konnte sogar von hier aussehen, wie Samu Blick auf etwas fiel und dann von erstaunt in verärgert überging. Offenbar wollte er Näher kommen, doch Lina stellte sich ihm in den Weg und fing an auf ihn einzureden.


      Lina
      Der restliche Spaziergang war recht locker gewesen und so kam es, das sogar ich mich ein wenig entspannen konnte. Zurück am Hof lief Bubbles direkt zu den anderen, die bereits beim Abendessen saßen. Samu folgte dem Hund mit seinem Blick und schien dort etwas zu entdecken, was ihn beunruhigte, denn ich konnte wahrnehmen, wie er sich plötzlich anspannte und stehen blieb.
      “Lina, Tiedätkö sinä siitä?”, fragte er mich argwöhnisch, ohne mich dabei anzusehen.
      “Mistä sinä puhuu?”, fragte ich und folgte seinem Blick. Ich brauchte einen Moment, bis ich sah, was er meinte.
      “Tiesin, ettei hän ollut rehellinen”, fügte er ärgerlich hinzu und ich spürte wie seine Anspannung größer wurde und er gerade zu rüber marschieren wollte.
      “Lopeta, Kaikki hyvin”, versuchte ich ihn aufzuhalten und ihn dazu Zubringen mir zuzuhören.
      Zu mindesten blieb er stehen und ich hatte ein paar Sekunden Zeit zu überlegen, was ich ihm jetzt sagen wollte, immerhin war ich selbst ein wenig überrascht. Ja, Niklas hatte mir gesagt, dass er nicht für etwas Festes bereit war, aber dass er sich so schnell eine Alternative suchte, fand ich schon krass. Wobei wenn ich ehrlich bin, wäre es schon ziemlich naiv gewesen zu glauben, dass das nicht passieren würde. Also muss ich jetzt wohl versuchen damit umzugehen, und zwar wie ein Erwachsener.
      “Samu kuuntele minua. Minä ja Niklas puhuimme siitä ja se on aivan okei, kyllä! Olemme aluksi vain ystäviä”, erklärte ich Samu den Sachverhalt und immerhin hörte er nun auf böse zu den anderen zu starren. Stattdessen schaute er mich nun ein wenig verwundert an.
      “Kuten vain ystävät? Nyt en ymmärrä sinua enää.”
      “Kuten alussa sanoin, vain ystäviä. Hän voi tehdä mitä haluaa kenen, kanssa haluaa, enkä välitä.” Hoffentlich klang das überzeugend, denn irgendwas in mir war definitiv nicht davon überzeugt, dass es mir egal sei. Während ich das sagte, begann auch noch etwas in meinem Kopf zu arbeiten. Niklas zerkratzter Rücken vorgestern und dann heute noch die nervige Frage von Milena mit wem Vriska geschlafen habe. Natürlich konnte ich eins und eins zusammenzählen. Und im mir bildete sich der Verdacht, dass ich nun auch wusste, warum Vriska sich neulich so seltsam Verhalten hatte.
      Innerlich verfluchte ich mich ein wenig dafür, dass ich es nicht früher erkannt hatte und im selben Augenblick überlegte ich, ob Samu vielleicht doch bereits davon gewusst hatte und deshalb gestern sogar einen Streit mit mir angefangen hatte. Nein, das konnte ich mir nicht vorstellen, dafür wirkte er immer noch viel zu überrascht.
      “Rauhoitu viimein, en todellakaan välitä”, betonte ich noch einmal und versuchte damit auch das Gedankenkarussell in meinem Kopf zum Stehen zu bringen.
      “Okei, mutta olen siellä puolestasi, jos jotain muuta löytyy”, murmelte er nun schon etwas versöhnlicher.
      “Gut, dann lass uns erst einmal zu den anderen gehen, ich verhungere nämlich gleich”. Gemeinsam gingen wir nun zu den Tischen rüber.
      “Ah, da seid ihr zwei ja, hat ihr schon gesehen, Jace hat seine gute Laune wiedergefunden”, begrüßte Sheena fröhlich uns.
      “Schön, wie ist das den passiert?”, fragte ich nach und hoffte insgeheim, dass es nicht mit mir bzw. mit der Situation am Nachbartisch zu tun hatte.
      “Keine Ahnung, ist mir auch egal. Hauptsache er hört auf so ein Grouch zu sein”, antworte sie Schulterzuckend.
      “Wo ist der überhaupt hingekommen?”, fragte Samu nun nach.
      “Bestimmt geflüchtet, so wie die letzten zwei Tage”, gab Jayden einen blöden Kommentar ab.
      “Ach, Jayden jetzt sei mal nicht so blöd und freu dich lieber, dass man ihn wieder zu Gesicht bekommt”, tadelte ihn Sheena so gleich.

      Vriska
      Wenn er seine Hand nicht auf meinem Oberschenkel hätte und ich meinen Puls hören könnte, wäre ich mir unsicher, ob ich hier richtig säße und wach bin. Es fühlte sich surreal an und auch als ich Lina im Augenwinkel sah, wie sie zu guckte, wäre ich verschwunden. Natürlich hatte ich es versucht, doch er drückte seine große Hand noch stärker in meine Haut, dass es sich anfühlte, als würde er meinen Oberschenkelknochen herausziehen wollen. Nur Hunde spielen mit Knochen. Was? Lieber Kopf, bitte reiß dich zusammen.
      “Jag måste hålla med Linh”, scherzte unser Trainer und trat näher an den Tisch heran. Zugleich stimmten am Tisch alle mit “Ja må han leva” an und ich versuchte zumindest meinen Mund zu bewegen. Bisher reichte meine Schwedisch Kenntnisse aus, um mich sicher zu unterhalten, doch Geburtstagslieder fanden in meinem Vokabular bisher keinen Platz. Die anderen aus dem Verein stiegen ebenfalls mit ein. Frau Wallin kam mit einer großen Torte, auf der 50 Kerzen hell leuchteten. Er blies diese aus und alle Klatschen. Die Freude von allen war riesig, sogar ich lachte mit. Ein kurzer Moment der Lebendigkeit erfüllte meinen Körper.
      “Önska dig något, Anders!”, sagte Chris. Unser Trainer strahlte vor Freude und von allen Seiten gratulierten ihnen die Leute. Auch einige Geschenke gab es. Wenig später setzte er sich zu Tisch und es wurde wieder ruhiger. Nach dem Jubel überkam es mich wieder mit dem Unwohlsein.
      “Jag vill göra”, flüsterte ich Niklas ins Ohr.
      “Nej, vi stannar. Låt oss ge dig något åt äta”, schlug er dann vor und stand mit mir zusammen auf. Am Büfett lief ich wie ein hungriger Tiger im Zoo hinter Gittern auf und ab, eh ich eine Entscheidung traf, was ich essen wollte. Gefüllte Süßkartoffeln vom Grill sprangen mich förmlich an und ich konnte nicht anderes, als mir eine kleinere auf den Teller zu legen. Nachholen konnte ich mir immer noch. Da bediente ich mich an den kleinen Gürkchen und auf eine Scheibe Aubergine konnte ich auch nicht verzichten. Niklas überlegte noch aber sagt: “Jag tar inget kött från dig idag får kärlekens skull.”
      Ich runzelte mit der Stirn, dabei hoben sich auch die Augenbrauen mit an. Hat er eine neue Tierliebe entwickelt oder so etwas wie ein Gewissen? Erstaunlicherweise war Niklas heute ganz anderes zu mir, so offen auch gegenüber allen anderen, die vor Ort waren. Das musste ich ausnutzen.
      “På grund av mig?”, fragte ich und legte mir doch noch eine weitere Scheibe Aubergine auf. Ein Blick auf meinen Teller verriet mir, dass ich heute lange brauchen würde, um den leer zu bekommen. Aber ich hatte wirklich großen Hunger. Plötzlich kam er näher und legte eine Hand um meine Taille, in der anderen balancierte der leere Teller.
      “Jovisst”, flüsterte er. Ich spürte, dass sich an meinem Körper eine Gänsehaut bildete und meine Hände schwitzig wurden. Was war heute mit ihm los? Hat er irgendetwas zu sich genommen und wenn ja, bekomme ich davon auch etwas? Ich entriss mich seinen Fängen und packte ihm auch Auberginenscheiben auf den Teller, da keine Beschwerde kam, fuhr ich mit der Entscheidung was er heute essen würde. Dann drehten wir uns um und liefen zurück an den Tisch.
      “Nicht mal selbst Entscheidungen treffen, kann der noch. Was machst du nur mit ihm”, scherzte Chris prompt. Ich atmete laut aus und setzte mich wieder Niklas, der bereits anfing zu essen. Ganz tief in meinem Kopf hörte ich Harlens Stimme, die ihn für das unhöfliche Verhalten tadelte. Doch ich war natürlich nicht Harlen und auch niemand, der anderen vorschreibt, wie er zu essen hätte. Ju und Linh waren bereits verschwunden, um sich ebenfalls etwas zu holen. Nur Chris saß mit einem leeren Platz mit am Tisch.
      “Willst du nichts essen?”, fragte ich ihn und stopfte mir eine viel zu volle Gabel mit Süßkartoffel in den Mund.
      “Nein, so wie dein Teller aussieht, schaffst du das eh nicht. Den Rest esse ich dann einfach”, erklärte er mir. Ich nickte nur und aß weiter. Es wurde still, als Ju und Linh zurückkamen. Vom Nachbartisch versuchte ich das Gespräch zwischen Lina und Samu mitzuhören, was mir aufgrund der sprachlichen Barriere nicht gelang. Doch ich wurde das Gefühl nicht los, dass es sich um mich drehte. Die innere Unruhe kam wieder in mir auf und ich fragte Niklas erneut, ob wir gehen können. Ich bekam dieselbe Antwort erneut.
      Tatsächlich hatte ich schneller aufgegessen, als ich dachte. Chris Hoffnung verflog somit, doch mir kam eine Idee in den Kopf: “Soll ich dir noch was holen?”
      “Wenn du so lieb bist”, blickte er mich an. Seine Augen funkelten und ein breites Grinsen erstrahlte wieder sein Gesicht.
      “Skynda dig”, murmelte Niklas. Irgendwas stimmte nicht. Warum war er so besessen davon, dass ich in seiner Kontrolle bleiben sollte? Später musste ich dem nachgehen, doch jetzt vor allen anderen, war es nicht der richtige Augenblick. Einige Minuten später brachte ich Chris und gute Auswahl an Essen, worauf ich natürlich auf das Fleisch verzichtete. Er nahm das Besteck in die Hand und freute sich über die Bedienung. Dann setzte ich mich brav wieder zu Niklas, der sogleich wieder sein Revier markierte und seine Hand auf meinen Oberschenkel legte. Zur Feier des Tages trug ich eine kurze Hose und auch mein geliebter Hoodie blieb im Zimmer, denn ich hatte wieder ein Tank Top an. Obwohl ich keinen BH brauchte, wegen der fehlenden Oberweite, trug ich einen. Es war mir schon unangenehm genug, und so sah es wenigstens so aus als ob. Ju saß wieder am Handy und ich bemerkte die großen Schäden an diesem. Vor mehreren Tagen sah es noch nicht so aus, oder irrte ich mich? Vielleicht würde es die unangenehme Ruhe auflösen, wenn ich danach fragte: “Ju, was ist mit deinem Handy passiert?”
      “Das geht dich wohl überhaupt nichts an”, grummelte er mich direkt an. Von Linh kassierte er eine Faust in den Oberschenkel. Schmerzerfüllt verzog er das Gesicht und erklärte mir: “Ich war sauer auf dich und hab das durch die Stallgasse geworfen.” Meinetwegen? Warum drehte sich plötzlich alles nur noch um mich? Einer verrückter als der andere …
      “Wieso?”, fragte ich ungläubig.
      “Weil du mit ihm hier verkehrst”, beschwerte er sich so laut, dass jeder es mitbekam. Dabei zeigte er auf seinen besten Freund. Ich senkte meinen Kopf Richtung Tisch.
      “Fan! Menar du allvar”, beschwerte sich nun Niklas lautstark.
      “Vielleicht sollte ich doch besser gehen”, murmelte ich und versuchte erneut die Flucht einzuschlagen. Doch Niklas hinderte mich diesmal deutlich daran. Er drückte mein Bein nach unten, was mit einem kräftigen Schlag auf meinen Oberschenkel verbunden wurde. Ich verspürte ein Brennen auf der Haut, aber sagte nichts dazu. Gefiel es mir?
      “Du bleibst, wo du bist, da müssen wir jetzt beide durch”, zischte er mich kaum hörbar an. Seine Intention war deutlich gediegener, als ich vermutete. Dazu sagte ich nichts weiter, sondern konzentrierte mich darauf, keine Gespräche der anderen zu hören. Mein Herz pulsierte signifikant schneller in meiner Brust als sonst, wenn ich aufgeregt war.

      Lina
      Irgendwann während des Essens war Jace wieder aufgetaucht und Sheena hatte recht gehabt, er hatte eine grandiose Laune. Woher auch immer diese Laune kam, ich war ganz froh drüber, dass es mich nicht mehr, wie Luft behandelte. Außerdem war gerade jeder eine willkommene Ablenkung, denn so egal wie es versuchte Samu weiß zu machen, war es mir doch nicht.
      Meine und die Aufmerksamkeit von allen anderen wurde unweigerlich auf den Nachbartisch gelenkt, als es dort lauter wurde. Natürlich ginge es um Niklas bzw. um Niklas und Vriska.
      Langsam könnte man echt glauben, dass das alles hier eine mordende Version des Sommernachtstraums ist, nur dass es viel mehr auf eine Tragödie hinauslief. Da nun die ganze Aufmerksamkeit auf Niklas, Vriska und Ju lag, wurde mir die Situation nun auch allmählich unangenehm. Spätestes jetzt würde auch dem letzten Deppen auffallen, was für ein Theater sich hier in den letzten Tagen abspielte.
      “Luulin, että et välittänyt”, flüsterte mir Samu zu, der meine Anspannung zu spüren schien.
      “En myöskään välitä, minun ei kuitenkaan tarvitse katsoa sitä koko illan”, nuschelte ich als Antwort und stand auf, um mich den Moment zu nutzen, wo alle noch auf das Drama am Nebentisch konzentriert waren, um zu verschwinden. Ich nahm wahr, dass Jayden es mitbekam und schon einen blöden Spruch auf den Lippen hatte. Ich warf ihm einen bösen Blick zu, was bewirkte, dass er seine Klappe hielt.
      Schnellen Schrittes entfernte ich mich von der Gruppe und verschwand so schnell wie es ging um eine Ecke. Die Sonne begann bereits unterzugehen und die umliegenden Schatten wurden immer länger.
      Etwas abseits der Gebäude ließ ich mich unter einem Baum nieder und sah den Wolken zu, wie sie über den rosa gefärbten Himmel zogen.
      Wie war es eigentlich möglich, dass sich so viel in so kurzer Zeit ändern konnte?
      Gestern war alles noch so anders gewesen. Wobei war das wirklich so? Und dann war da auch noch gestern Abend. Der Abend, wo meine Gefühle, das Erste mal einen heftigen Dämpfer bekommen hatten. Einerseits war ich froh drüber, dass Niklas aufrichtig genug gewesen war, um das ganze aufzuhalten, bevor es richtig wehtun würde. Worum es bei den Beiden ging, war mir eigentlich egal, aber trotzdem hätte ich mir gewünscht, dass er mir davon erzählt hätte. Sicherlich hätte ich keine Freudensprünge vollführt, aber es wäre allemal besser gewesen als es selbst herauszufinden.
      Abgesehen davon, konnte ich mir auch immer noch nicht erklären, was ich falsch gemacht hatte, dass er auf einmal so abweisen war.
      Erstaunlicherweise verspürte ich bei diesem letzten Gedanken deutlich mehr Unbehagen. Da, wo heute Morgen noch leere gewesen war, breiteten sich auf einmal Verwirrung und Unsicherheit aus. Auf einmal war ich mir nicht mehr ganz so sicher, ob nach Schweden zu gehen, die richtige Entscheidung war.
      Wen ich jetzt brauchte, war der einzige Mensch, der mich immer bei allen Dingen Unterstützte hatte. Zum Glück verriet mir der Blick auf die Uhr, dass es relativ wahrscheinlich war, dass ich dieser Mensch auch erreichte, denn in Finnland müsste es jetzt ungefähr halb 6 sein. Ich wählte den Kontakt von Juliet und drückte auf Anrufen, es tutete.
      Es tutete lange, doch dann hörte ich eine verschlafene Stimme am anderen Ende: “Hyvää huomenta. Mitä tein tämän kunnian hyväksi?”
      “Juliet, niin paljon tapahtuu taas täällä”, fing ich an. “Mutta ensin vastaan eiliseen kysymykseesi: kyllä, lähden Ruotsiin. Ainakin kaksi tuntia sitten olin ainakin varma siitä.”
      “Mitä tämä tarkoittaa: olitko varma? Mitä tapahtui “, fragte meine Schwester nun besorgt nach.
      “Paljon on tapahtunut, Juliett. Mistä aloittaisin?... “, antworte ich mit ein wenig Verzweiflung in der Stimme. Dann begann ich ihr die Ereignisse der letzten zwei Tage zusammenzufassen, inklusive dem Drama um Jace und allem was dazu gehört. “Niklas osti uuden hevosen kaksi päivää sitten ja se puhkesi. Se on todella merkityksetöntä. Joten joka päivä tämän tapauksen jälkeen olimme vielä väsyneitä, koska oli vielä hyvin aikaista, ja sitten laitoimme itsemme takaisin sänkyyn yhdessä”. Ich endete nach dem Streit mit Samu gestern Abend. Nur das was ich inzwischen über Vriska und Niklas herausgefunden hatte, ließ ich absichtlich weg.
      “Jossain vaiheessa Niklas tuli luokseni ja me juttelimme. Hän sanoi, mitä hän ajatteli minusta... Että hänen lapsuudessaan on vielä ongelmia, joita hänen on vielä käsiteltävä…
      Keskustelun loppu on se, että hän ei ole valmis suhteeseen ja että olemme vain ystäviä.” versuchte ich Juliet dann noch die aktuelle Lage zwischen mir und Niklas zu erklären.
      „Ymmärtää. Mutta miksi sitten epäilet päätöstäsi, kun näytät pystyvän selviytymään siitä?”, antwortete meine Schwester.
      “Tänä aamuna kaikki oli hieman outoa, mutta toistaiseksi hyvin. Mutta sitten tein jotain väärin iltapäivällä, koska Niklas on ollut hapan siitä lähtien, mutta en tiedä miksi.”, berichtete ich ihr von den heutigen Ereignissen.
      “Lina, kerrotko vakavasti, että soitit minulle 5.30, koska riitelit ystäväsi kanssa?”, fragte meine Schwester und in ihrer Stimme konnte ich hören, dass sie sich Mühe geben musste nicht zu lachen.
      “Hän ei ole ystäväni!”, protestierte ich.
      “Okei, hän ei ole ystäväsi”, bekam ich als Antwort und ich konnte das grinsen ihn ihrer Stimme immer noch hören.
      “Sinusta ei ole apua!”, murmelte ich in das Telefon. Natürlich fiel meiner Schwester nichts Besseres ein, als mich auszulachen.
      “Voi suloisuutta. Samu on oikeassa, älä huoli siitä liikaa. On täysin normaalia, että se ei aina toimi täydellisesti. Tiedätkö kuinka, monta kertaa olen mistä riitelimme Taavi kanssa? Loppujen lopuksi olemme yhä yhdessä”, antwortet sie schon gleich ein wenig einfühlsamer. Sie hatte gut reden, bei normalen Menschen mit normalen Beziehungen, mag das vielleicht zutreffen, doch von normal ist das alles hier sicherlich sehr weit entfernt. “Sinulla ja poikaystävälläsi on myös kuvakirjasuhde.”
      “Olet söpö, jos uskot niin. Mutta nyt on kyse sinusta ja siitä, miten voin auttaa sinua”, lenkte Juliett das Gespräch wieder auf das eigentliche Thema.
      “Pelkään, ettei kukaan voi todella auttaa minua. En tiedä, mitä tein väärin”, sagte ich traurig und fuhr mir mit der freien Hand durch die Haare.
      “Haluaisin viedä sinut sylissäni nyt, pikkusisko.” Bei diesen Worten wurde mir wieder einmal bewusst, wie sehr ich sie vermisste. Zuhause hätte sie mir jetzt einen Kakao gebracht und mich in den Arm genommen. Doch seit fast drei Jahren habe ich sie nun nicht mehr persönlich gesehen. Das ist eine ganz schön lange Zeit und so glücklich wie ich hier auch immer gewesen war, ich vermisste sie die ganze Zeit über. Ganz besonders in solchen Momenten wie jetzt.
      “Kiitos, että kuuntelit minua Juliett. Kaipaan sinua”, murmelte ich leise in das Telefon.
      “Kaipaan myös sinua, pieni, mutta lupaan, että tapaamme pian uudelleen”, versuchte sie mich aufzumuntern. Wenn ich tatsächlich nach Schweden gehe, würden keine 4000 Km und ein Ozean zwischen uns liegen, dann wäre es tatsächlich denkbar sie wiederzusehen. Allein das reichte schon für mich, um die Sache durchzuziehen. Vielleicht hatten Samu und meine Schwester ja recht und ich machte mir wirklich zu viele Gedanken.
      “Kiitos, että olet aina tukenani”, sagte ich noch bevor ich mich von meiner Schwester verabschiedete. Wirklich viel hilfreicher als das Gespräch mit Samu vorhin, war das hier auch nicht wirklich gewesen, aber es hatte gutgetan mit Juliet zu reden.
      Mit einem seufzen ließ ich mich gegen den Stamm sinken. Hoffentlich werde ich die Entscheidung nicht doch noch bereuen.

      Vriska
      „Und in diesem Moment zerbrach ihr kleines Herz“, murmelte Chris zu uns am Tisch und unterbrach die Stille.
      „Ich dachte wirklich noch an das Gute in euch beiden, aber jetzt seid ihr beide wirklich gestorben für mich“, beschwerte Milena sich, die gerade mit nassen Haaren dazustieß. Besser hätte es wirklich laufen können. Vor versammelter Mannschaft ließ Ju uns auffliegen, doch schämte ich mich dafür? Ehrlich gesagt nicht, denn ich wieso war es meine Aufgabe die Gefühle zu schützen? Es belastete mich immer die Erwartung von allen erfüllen zu müssen, so wollte und konnte ich nicht leben. Regungslos stand Milena noch einige Minuten mit am Tisch, Chris aß währenddessen weiter und ich beobachtete jeden Bissen in seinem Mund. Nach ungefähr 16 Bissen schluckte er die Nahrung runter, dabei schnitt er die nächste Portion zurecht und hielt sie mit der Gabel vor seine Lippen.
      “Ihr seid so furchtbare Menschen”, stammelte Milena aufgebracht, warf die nassen Haare über ihre Schulter und stampfte davon. Ihr Shirt war am Rücken vollkommen durchnässt, was sich bis in ihre kurze Hose zog. Mir fehlten noch immer die Worte, würde es weiter gehen wie zu vor? Erstmal gab es wichtigeres, wie die Kür oder dem Bestehen meiner Abschlussprüfung.
      “Ich werde mal die Unterlagen holen”, sagte ich, stand auf und lief zum Zimmer. Es gab keine Beschwerden des Kerls neben mir, so konnte die Idee nicht falsch sein. Hektisch sammelte ich alles zusammen und stürzte mich wieder heraus. Ich verlor einige Blätter, bückte mich nach ihnen und immer mehr fliegen durch die Luft. Geschafft schlug der Haufen auf dem Holztisch auf und musste frische Luft schnappen. Statt auf dem Pad zu arbeiten, hatte ich mir wieder zu viele Notizen auf dem Papier gemacht und mir Videos im Internet angeguckt zum Lernen. Wusstet ihr, dass man im Internet nicht wirklich findet zu den Ausbildungsthemen als Pferdewirt in speziellen Reitweisen oder auch Rennen? Als wären es nur ein paar ausgewählte, die diese Ausbildungsunterlagen lesen dürften.

      Milena
      Lina versuchte so unauffällig wie möglich zu verschwinden, doch ich sah sie. Vorher waren Jus Worte nicht zu überhören, obwohl ich zu diesem Zeitpunkt die Runde nicht einmal erreicht hatte. Keiner machte Anstalten sie zu unterstützen, denn Niklas hatte seine Masche bei ihr wirklich gut anwenden können, doch aus welchem Grund? Wieso musste er sich eine verwundbare junge Dame aussuchen, die am anderen Ende der Welt lebte? Normalerweise wäre es der Weg ins Schlafzimmer gewesen, den er suchte, doch war Lina für ihn etwas Besonderes, etwas Ernstes? Kaum vorstellbar. Langsam ging zu dem Baum zu, an dem sie lehnte.
      “Hey”, sprach ich Lina leise an, um sie nicht zu erschrecken. Es gab keine Rückmeldung, so setzte ich mich im Schneidersitz vor sie, keinen Blick würdigte Lina mir.
      “Bevor du weggehst, oder mich wegschickst, möchte ich mich bei dir Entschuldigen. Wenn ich vorher gewusst hätte, worauf das alles hinausläuft, wäre ich nicht so zu dir gewesen. Es war nicht richtig, aber ich weiß auch nicht. Ich habe Spaß dabei Leute zu ärgern, aber meine das wirklich nicht persönlich”, vermittelte ich ihr ruhig und senkte meinen Kopf.
      “Schon ok, nervige Leute sind hier Standard, da macht einer mehr oder weniger auch nicht den Unterschied”, antworte sie gleichgültig.
      “Möchtest du darüber reden, was gerade in deinem Kopf abläuft?”, fragte ich freundlich.
      “Weißt du... manchmal frage ich mich, warum ich ausgerechnet so weit weg von meiner Heimat gelandet bin. Was genau hat mich hierhergeführt?”, begann sie indirekt meine Frage zu beantworten, wobei sie ein paar Grashalme ausrupfte. “Ich meine, die unfassbare große Auswahl an Karrieremöglichkeiten wird es wohl nicht gewesen sein”, fügte sie sarkastisch hinzu.
      “Das weiß ich leider auch nicht, der Hof ist schön, aber in Finnland gibt es sicher auch viele schöne Höfe. Und …”, stotterte ich. Der Psychokram fiel mir bis heute nicht leid, aber dass sie ihre Heimat vermisste, konnte ich gut nachvollziehen. Dann sprach ich weiter: “Und in Schweden wirst du mehr Möglichkeiten haben.”
      “Das weiß ich doch. Ansonsten wäre es vermutlich noch unvernünftiger als es eh schon ist, von heute auf morgen auszuwandern.” Offenbar schien sie sich ein wenig über sich selbst zu amüsieren, denn auf ihrem Gesicht, war der Ansatz eines Lächelns erkennbar.
      “Falls du nicht mit auf das LDS zu Vriska willst, kann ich dir anbieten mit zu mir und Linh zu kommen, oder wir gucken nach einem anderen Hof”, munterte ich Lina etwas mehr auf. Schließlich gab es noch deutlich mehr Höfe in Schweden, sogar in der Umgebung von Kalmar.
      “Das ist wirklich ein nettes Angebot, aber ich denke, ich werde erst einmal sehen, wie es so läuft dort. Immerhin ist das LDS nicht komplettes Neuland für mich”, antwortete sie und hörte auf den Boden anzustarren.
      “Okay, dann musst du eins wissen”, begann ich und stand auf. Dann schaute ich zu Lina runter und setzte fort: “Die Kleine erliegt einer regelrechten Obsession zu eurem Chef. Also falls du da mal ein Druckmittel brauchst. Ach, und wegen Niklas. Mach’ dir da keine Gedanken, ich habe das Gefühl, dass ihm das mit euch beiden wirklich wichtig ist. Deswegen hat er sich nicht direkt mit dir Vergnügt. Das ist aber rein spekulativ, Linh hatte die Vermutung schon vor ein paar Tagen, als Anna euch erwischt hat.”
      “Meinetwegen kann Vriska anbeten, wen sie möchte, aber ich werde es mir merken und vielen Dank für deine Zuversicht.”
      “Du schaffst das schon, nimm es dir nicht so zum Herzen. Wird schon werden, und sonst: Schweden hat noch einiges mehr zu bieten als den Typen”, lachte ich und verließ sie wieder. In meinem Magen grummelte es ziemlich laut, was nur mit Essen gestillt werden konnte. Obwohl mich das Gespräch mit Lina überhaupt nicht weiter gebrachte, fühlte mich gut, jemanden helfen zu können. Oder es zumindest versucht zu haben. Am Büfett legte ich mir verschiedene Speisen auf den Teller und setzte mich zu Linh, die zwar mit am Tisch der Dämlacks saß, aber allein sitzen, fand ich auch blöd. Vriska und Niklas bemerkten mich gar nicht, denn sie waren beschäftigt irgendwelche Aufgaben zu lösen. Vielleicht sollte ich auch demnächst beginnen für den Abschluss zu lernen, deswegen folgte ich dem Gespräch der Beiden auf einem Ohr, während ich aß.

      Jace
      “Soll ich mal nach ihr gucken gehen?”, fragte ich Samu leise, als Lina nun schon eine ganze Weile verschwunden war.
      “Tu, was du nicht lassen kannst, aber ich glaube nicht, dass sie derzeit Gesellschaft wünscht”, sagte er schulterzuckend. Ich wunderte mich ein wenig über seine Antwort, da normalerweise er derjenige war Lina hinterherdackelte. Aber vielleicht hatte sie ihm ja auch etwas dazu gesagt. Immerhin hatte ich mitbekommen wie Lina und Samu einen kurzen Wortwechsel hatten, bevor sie verschwunden war. Dennoch ließ ich mich von Samu Worten nicht abhalten, denn ich hatte das Gefühl, dass dies hier eine Chance sein könnte mich bei Lina wieder gut zustellen. Ihr Essen hatte sie kaum angerührt bevor sie verschwand, als beschloss ihr etwas mitzubringen. Sicherlich hatte sie Hunger.
      Mit einem Teller, der meiner Meinung nach Lina gerecht beladen war, machte ich mich auf die Suche nach ihr. Es dauerte nicht lange bis ich sie fand, denn sie war nicht sonderlich weit weggegangen. Hinter dem Stall saß sie unter einem Baum und tippte auf ihrem Handy herum.
      “Was machst du denn hier so?”, fragte ich vorsichtig, während ich mich näherte.
      “Alleine, sein oder es zu mindesten versuchen”, murmelt sie und tippe weiter auf ihrem Handy rum.
      “An einem so schönen Abend sollte man doch nicht alleine sein”, lenkte ich ein. Lina ignorierte meine Aussage und sah mich ein wenig verärgert an: “Jace, was genau willst du hier eigentlich? Heute Morgen war ich doch noch Luft für dich.” Offenbar schmollte sie noch, weil ich sie heute Morgen ignoriert hatte. Auch wenn das nicht die besten Voraussetzungen für mein Vorhaben waren, ließ ich mich nicht davon abbringen.
      “Ich dachte… du könntest vielleicht Hunger haben. Du hast schließlich kaum etwas gegessen”, sagte ich freundlich, während ich den Teller neben ihr abstellte. “Außerdem, dachte ich, du könntest jemanden zu reden gebrauchen.”
      “Danke, aber für heute habe ich schon genug geredet”, lehnte sie mein Angebot ab, nahm sich allerdings den Teller und begann zu essen. Na gut, wenn sie nicht reden möchte, werde ich sie trotzdem mit meiner Anwesenheit beehren. Ich setzte mich mit ein wenig Abstand zu ihr auf die Wiese, schließlich wollte ich ihr nicht gleich zu nahetreten. Eine Weile war nicht viel zu hören, außer den Geräuschen, die von drüben zu uns rüber wehten. Auch, wenn ich mir heute Morgen noch gewünscht hatte Lina nicht zu begegnen, jetzt betrübte mich das ganze, dass sie nicht nur den Hof verlassen würde, sondern auch gleich noch das Land. So wie es jetzt war, blieben mir nur noch wenige Tage wieder gutzumachen, was ich verbockt hatte. Während ich so darüber nachdachte, kam mir eine Frage in den Sinn: “Sag mal, wer wird sich eigentlich um Divine kümmern? Du wirst ihn ja wohl kaum direkt mitnehmen.” Lina hatte den Teller inzwischen fast leer gegessen und zur Seite gestellt.
      “Ja, da hast du recht ich werde ihn nicht direkt mitnehmen. Samu wird sich um den kleinen Prinzen kümmern, schließlich muss das jemand Kompetentes tun”, antwortete Lina, ohne mich wirklich dabei anzusehen.
      “Willst du etwa sagen hier gäbe es nicht genug Kompetenz?”, fragte ich ein wenig empört.
      “Also aktuell, gibt es hier sehr viel Kompetenz, aber das wird nicht mehr lange so sein”, antworte sie und ich konnte einen Hauch von einem schelmischen grinsen in ihrem Gesicht erkennen.
      “So ist das also…Das sollte ich mir merken, falls du jemals noch mal Hilfe brauchen solltest.” Es freute mich, dass sie offenbar zum Scherzen aufgelegt war. Das konnte nur bedeuten, dass sie nicht ganz so nachtragen war, wie sie mir zu beginnen suggerieren wollte, gut für mich.
      “Vielleicht darfst du Samu ja helfen, wenn du nett zu ihm bist”, alberte sie weiter herum.
      “Ja ja, mach du dich nur lustig darüber. Warte nur ab, was dein Pferd alles kann, wenn du es wiedersiehst!”, sagte ich überzeugt.
      “Ist das etwa eine Drohung?”, fragend sah sie mich an und grinste breit.
      “Kommt drauf an, immerhin läuft kein Pferd besser vor der Kutsche als meine Tinker”, antworte ich und grinste auch.
      “Etwa die Tinker, die du eigentlich nicht trainieren wolltest?”
      “Ja, genau die”, gab ich zu. Tatsächlich hatte ich es anfangs abgelehnt die beiden Tinker zu trainieren, dass sie mir persönlich viel zu klein waren, aber wie es der Zufall wollte, blieb es doch an mir hängen. Tatsächlich stellten die beiden sich als Ideale Kutschpferde heraus, was bei einem Tinker natürlich nicht wirklich erstaunlich ist.
      “Na, da ist dir Divine sicherlich auch zu klein, du willst den bestimmt gar nicht trainieren”, neckte Lina mich.

      Vriska
      Menschen gingen an unserem Tisch vorbei, warfen fast abfällige Blicke auf uns, während Niklas mit mir die Aufgaben besprach, die vorhin löste. Seine Brille rutschte immer wieder ein Stück von der Nase. Automatisch schob er sie wieder nach oben. Dabei kaute er auf dem Stift herum, den Niklas in seiner Hand hielt. Immer mehr Zeit verging, in der er nichts sagte, nur unverständlich vor sich hinmurmelte und die Unterlagen durchblätterte.
      “Die Trainingsmethoden solltest du dir in nächster Zeit noch weiter durchlesen, aber sonst sehr gut formuliert und reflektiert. Dein Arbeitgeber wird froh sein, über jemanden mit dem Wissen”, lobte Niklas und legte alle Blätter ordentlich zusammen.
      “Danke für deine Hilfe”, schmunzelte ich und betrachtete ihn sehr genau. Aus dem Augenwinkel heraus, sah ich, dass Chris ebenfalls alles genau beobachtete. Linh und Ju saßen auch noch am Tisch, jedoch sehr beschäftigt miteinander. Blöde Kommentare gab er nicht mehr von sich. Doch leider änderte sich es schneller, als es mir lieb war.
      “Und deine Kür? Vermutlich hast du dir darüber noch keine Gedanken gemacht”, griff er mich an. Ju schien irgendein schwerwiegendes Problem mit mir zu haben, was ich mir nicht erklären konnte. War ihm die kleine Flirterei wirklich so wichtig, um so einen Aufstand machen zu müssen? Der Abend begann bereits unschön, dass ich nicht weiter auf seine Provokation einging. Ich wollte die übrige Zeit noch guten Erinnerungen im Kopf behalten, doch es näherte sich der nächste Grund, wieso ich das vergessen konnte. Max kam zum Tisch und stütze sich mit den Händen auf der Kante ab. Erwartungsvoll blickte er zu mir.
      “Du hast ja gerade nichts zu tun, willst du heute Blávör noch bewegen. Sie hat gestern wieder angefangen herumzuzicken und du kommst so gut mit ihr klar”, fragte er freundlich. Eh ich etwas sagen konnte, wandte sich Niklas mir zu und flüsterte: “Was will der?”
      “Er fragt, ob ich seine Stute bewegen würde”, erklärte ich ihm.
      “Sie wird deine Stute bewegen und wir holen deine Andere auch direkt mit rein”, bot Niklas Max an und stand auf. Verdutzt blickte ich zu ihm hoch. Wir? Muss der mich vor irgendwas beschützen, oder was stimmt mit ihm gerade nicht? Unweigerlich guckte ich über den Tisch, neben meinem Haufen an losen Blättern standen fünf leere Bierflaschen, die er nebenbei offensichtlich getrunken hatte. Einige meiner Fragen waren damit geklärt und ich nahm meine Unterlagen hoch, um sie im Zimmer zu verstauen. Max bedankte sich bei ihm und lief freudig zu Björn und Erika, die am Feuer saßen. Auch Finley befand sich dort.
      “Was ist heute mit dir los?”, fragte ich vorsichtig im Zimmer, als ich mein Outfit wechselte.
      “Nichts”, würgte er das Gespräch ab und konzentrierte sich wieder auf sein Handy. Offenbar gab es dort etwas interessanteres. Ohne weitere Worte zu wechseln, liefen wir zur Weide mit drei Stricken. Niklas verschwand direkt, um seine Stute zu holen, die am anderen Ende der Weide stand. Durch den Mond leuchtete sie beinah und der Schimmer legte sich über den Rasen. Snotra stand ziemlich weit vorn und kam direkt mit gespitzten auf mich zu. Eh ich sie wieder einfangen müsste, nahm ich die Stute an den Strick und lief mit ihr zu Blávör. Weniger begeistert schlug sie mit dem Schweif und trat einige Schritte von mir weg. Als Niklas mit Smoothie wiederkam, konnte ich auch endlich die Bunte einfangen und mitnehmen. Noch immer sprach er kein weiteres Wort zu mir und ich kämpfte damit die Stute gleichmäßig neben mir zu führen. Blá legte mehrfach die Ohren an und zickte Smoothie an, die sich nicht beirren ließ von der Stute. Niklas legte im Tempo etwas zu, was die Isländer Dame nur noch mehr aufregte. Nervös tänzelte sie neben mir her und erst durch mehrmaliges Anhalten sowie rückwärtsrichten bekam ich sie wieder unter Kontrolle.
      “Hast du es auch endlich mal geschafft?”, schmunzelte Niklas, als ich deutlich später ankam. Seine Stute stand bereits in der Box und mümmelte im Heu. Ich gab keine Antwort, sondern drückte ihm nur die Zicke in die Hand, um Snotra wegzustellen. Kaum zu glauben, dass sie heute mal die Ruhige war. Natürlich bedeutete Blávör Hexe, dem sie heute alle Ehre machte. Er hatte sie bereits angebunden und begann sie zu putzen. Neben dem Pony wirkte er noch größer und ziemlich verloren. Ihn zu beobachten im Umgang mit Pferden beruhigte mich ungemein und hatte etwas Meditatives. Es zu beschreiben, fiel mir schwer, doch es kribbelte in mir und den Blick abzuwenden funktionierte nicht.
      “Warum beobachtet ihr mich immer, wenn ich mich mit einem Pferd beschäftige?”, unterbrach Niklas meine innerliche Ruhe.
      “Das hat was Meditatives. Du strahlst dabei so eine anziehende Ruhe aus”, wendete ich meine Blicke von ihm und half beim Putzen. Das weiße Fell der Stute färbte sich an einigen Stellen ziemlich grün und auch braun.
      “Sowas hat noch nie jemand zu mir gesagt. Sonst wollen mich alle immer nur ausziehen”, scherzte er und schien etwas überspielen zu wollen. Das Lachen klang unecht, beinah einstudiert. Ihn danach zu fragen, wirke für mich falsch.
      “Ach, das kenne ich schon. Langweilig”, stieg ich mit ein und lachte. Blá stand noch immer ruhig da, als würde sie sich genauso wohl gerade fühlen wie ich.
      “Was heißt denn hier bitte langweilig?”, beschwerte er sich lautstark. Ich lachte nur und begann die Hufe auszukratzen, als ich seine Hände an meiner Hüfte spürte.
      “Immer noch langweilig?”, provozierte Niklas weiter. Kalt lief es mit am Rücken herunter, das Kribbeln wurde wieder stärker und ich spürte, dass etwas an meinem Bein. Mit dem Huf war ich fertig und schnellte nach oben, da die Stute noch zwei weitere hatte, die gerne sauber sein wollten. Doch er ließ mich nicht los, sondern drängte mich an das Pferd. Sie legte die Ohren an und schlug wieder mit dem Schweif.
      “Oh, ich hatte nicht erwartet hier jemanden anzutreffen”, vernahm ich auf einmal eine Stimme, die aus Richtung der Tür zu kommen schien und so wie es sich anhörte, gehörte sie eindeutig zu einer Frau. Niklas ließ sofort von mir los und trat zwei Schritte zurück.
      “Ähm … ich … wir auch nicht”, stammelte ich berührt vor mir her. Es fühlte sich an, als wären wir bei irgendwas wirklich Schlimmes erwischt worden sein, doch war es das denn? Ich wollte mir darüber keine Gedanken mehr machen, aber das fiel mir wirklich schwer. Denn er fühlte sich offensichtlich auch nicht wohl dabei, sonst hätte sich nicht direkt von mir entfernt. Ich dachte zu viel. Viel zu viel. Die Unsicherheit kam wieder, meine Atmung wurde schneller und meine Hände zitterten.
      “Ähm, ich wollte eigentlich nur nach meinem Pferd sehe, aber ich kann das wohl auch später machen”, redete die junge Frau leicht irritiert weiter und wandte sich wieder zum Gehen.
      “Ach ist doch alles gut, wir wollten eh gerade die Stute satteln”, antwortete Niklas nun und legte kurz seine Hand an meinen Arm. Ich bewegte mich direkt auf die andere Seite von Blávör, um die rechten Hufe auszukratzen. Er holte schon mal das Sattelzeug, doch kam wenig später wieder aus der Sattelkammer. Offenbar wusste er nicht genau, was ihr gehörte. Doch meinen Helm hatte er bereits in der Hand.
      “Okay, dann geh ich mal zu meinem Pferd”, antwortete die blonde Frau und verschwand in einer Box, in der ein Haflinger stand. Ich wusste nicht, was ihr sagen sollte, meine Gedanken waren ganz wo anderes. Es wirkte so surreal alles. Aus der Kammer holte ich das Sattelzeug und machte die Stute fertig. Als ich den Helm aufsetzte und in der einen Hand die Zügel hielt und in der anderen die Gerte, wollte ich nach draußen. Dann fiel mir ein Problem auf. Die Dame schien hier zu arbeiten. Ich drückte Niklas alles wieder mal entgegen.
      “Du? Vielleicht kannst du mir helfen? Ich wollte mit ihr auf den Reitplatz, aber ich weiß gar nicht, wie das Flutlicht angeht”, fragte ich freundlich und leise, denn sie war vertieft mit ihrem Pferd.
      “Klar, kein Problem. Das kann ich euch zeigen, der Schalter ist direkt am Platz”, antwortete sie freundlich und trat aus der Box heraus. Niklas und ich folgten ihr zum Reitplatz, wo sie uns einen Schaltkasten an der Seite zeigte. “Der Knopf hier ist für das Licht, macht es einfach wieder aus, wenn ihr dann fertig seid.”
      Ich sah nicht, was ich erwartet hatte. Das Flutlicht war eine wirklich lange Schlauchlichterkette, die sich um den ganz Zaun wickelt. Auch die Barken vom Dressurplatz erleuchteten in einem warmen Licht. An den Ecken des Platzes standen große Flutlichter, aber spendeten nur wenig Helligkeit.
      “Danke dir”, antwortete ich und nahm Niklas wieder das Pferd ab. Er kam mit auf den Platz, hielt mir gegen und schwang mich auf den Rücken der Stute. Direkt kaute sie auf dem Gebiss herum und senkte den Kopf. Dann ritt ich im Schritt los. Dabei setzte ich mich mehrfach um. Obwohl ich mich auf das Pferd konzentrieren sollte, wich mein Blick immer wieder zu Niklas, der es sich auf einer Bank bequem gemacht hatte. Untypisch hielt er sein Handy nicht in der Hand, sondern beobachtete auch mich. Keiner von uns sagte etwas, doch ich spürte, dass sich unsere Augen mehrfach trafen. Das Kribbeln kam wieder, doch auch Jennis Worte hallten durch meinen Kopf. Auch was er am Vortag sagte, vergaß ich nicht.
      “Bleib locker und verkrampfe deine Hände nicht so sehr, das macht Bla nervös”, sagte er.
      “Wird das jetzt Unterricht, oder was ist genau dein Plan? Nur zur Information, das spricht man Blá”, protestierte ich und betonte die letzte Silbe wie ein Au, denn es war kein kurzes beinah stummes a. Obwohl Isländisch Schwedisch ziemlich nahekam, gab es einige wichtige Silben, die anderes gesprochen wurden und die Bedeutung vollkommen veränderten.
      “Bla bla bla. Jetzt mach’ was ich dir sage”, befahl er mir. Ich rollte mit den Augen und versuchte mich mehr auf die Stute zu konzentrieren. Meine Gedanken wanderten wieder an den kurzen Moment im Stall, meine Beine wurden lockerer und hingen entspannt parallel zum Pferd. Schon schnaubte Blávör ab und streckte sich. Er lobte uns beide und ich bekam ein besseres Gefühl im Sattel. Das von Max erwähnte zickige Verhalten, dass sie sonst an den Tag legte, spürte ich nicht. Erst als wir mit dem Trab begannen, legte sich Blávör auf den Zügel, schüttelte wild mit dem Kopf und bremste abrupt ab. Vorwärts wollte sie nicht mehr und lief hektisch zurück.
      “Provoziere sie nicht, sondern gebe ihr Freiraum. Blá muss darüber nachdenken und das Vertrauen mit dem Reiter finden. Körperlich scheint auf den ersten Blick als in Ordnung zu sein, also braucht sie Ruhe”, vermittelte Niklas mir. Ich ließ die Stute stehen, bis sie auf die halben Paraden reagierte und den Kopf senkte. Mit meinem Schenkel arbeite ich langsam daran, dass sie einen Schritt vorwärtslief. Dann lobte ich direkt und hörte mit dem Druck auf. Ich blieb hartnäckig, bis Blávör normal im Schritt wieder lief. Freundlich lobte ich sie, dabei spürte ich, dass die Stute davon sehr erschöpft war. Es hinderte mich nicht daran nach einigen Runden Schritt wieder in den Trab zu wechseln. Diesmal folgte Blávör meinen Hilfen und zickte nicht mehr herum. Am Ende konnten wir auch noch etwas tölten. Niklas half mir dabei meinen Sitz noch zu verbessern und meine Hände ruhiger zu halten. Ich hatte Probleme dabei mich im Sattel zu halten. Bei dem Ändern des Tempos wackelte ich im Sattel und das nahm die Stute mir übel.

      Lina
      Jace und ich hatten uns noch eine ganze Zeit unterhalten, überwiegend darüber, was Jace und ich glaubten, was Divine bereits alles konnte. Immerhin war der Hengst gerade einmal 4 Monate hier. Bei einem Pferd, welches in einem so schlechten Zustand gewesen ist wie Divine, war das eine ziemlich kurze Zeit. Wobei wir für so eine kurze Zeit schon weit gekommen waren, immerhin hatte ich Ivy im Juli auf einer Zuchtschau vorgestellt.
      “Habe ich eigentlich mal erzählt, dass Divine schon als Einhorn bezeichnet wurde”, fragte ich Jace beiläufig. Wie ist so an die Zuchtschau zurückdachte, musste ich unwillkürlich lächeln.
      “Nein, aber ich kann mir gut vorstellen, dass das öfter vorkommt”, antworte Jace.
      “Ohh, das war richtig niedlich. Nachdem ich Ivy vorgestellt hatte, kam ein kleines Mädchen an. Sie war total begeistert von meinem Hengst, Divine natürlich auch von ihr, du weißt ja er liebt Kinder”, begann ich von der Begegnung mit den kleinen Mädchen zu erzählen. “Naja, auf jeden Fall meinte die kleine irgendwann, dass Divine ja aussähe wie ein Einhorn, da würde nur noch eine Menge Glitzer fehlen. Ich habe danach tatsächlich überlegt, ob ich ihm ein Glitzerhalfter kaufe.”
      Auf einmal unterbrach Samu unser Gespräch: „Lina, denkst du auch noch daran Legolas von der Koppel zu holen.” Er stand mit Elf Dance am Weg, den er offenbar gerade von der Koppel geholt hatte. Bisher war mir gar nicht aufgefallen, dass die Sonne inzwischen gänzlich untergegangen war.
      “Oh ist es schon so spät?”, fragte ich ein wenig verwundert und griff gleichzeitig nach meinem Handy, welches immer noch neben mir im Gras lag.
      “Joo”, bestätigte Samu das was ich auch schon auf meinem sah. 21:15 leuchtete mir auf dem Display entgegen. “Ja, dann sollte ich den armen Kerl mal lieber reinholen, bevor er noch ganz allein draußen steht.“
      “Ich komm mit, ich muss Herkules auch noch holen”, steuerte Jace bei und reichte mir die Hand, um mir beim Aufstehen zu helfen.
      “Hast du mir etwa heute noch nicht lang genug das Ohr abgekaut”, scherzte ich und ließ mich von ihm hochziehen.
      “Also für mich sieht das aus...als wären deine Ohren noch dran”, stellt er nach ausreichender Betrachtung fest und grinste breit. Es freute mich, dass Jace wieder normal war, ansonsten hätte ich wohl mit dem schlechten Gewissen, einen Trauerkloß zurückgelassen zu haben nach Schweden fliegen müssen.
      “Schön, dass ihr so viel Spaß habt, aber wenn ihr in dem Tempo weitermacht, kommt ihr nie an der Koppel an”, ließ sich Samu vom Wegesrand entnehmen, bevor er seinen Hengst in Bewegung setzte.
      “Ja ja, ist ja gut”, rief ich ihm noch hinterher und machte mich mit Jace zusammen auf den Weg zur Koppel. Auf einer der vorderen Koppel stand ein schwarzer Umriss am Zaun und wartete bereits. Das Einzige, was mir verriet, dass dieser Umriss Legolas war, war seine Blesse, die mir weiß im Mondlicht entgegen leuchtete.
      “Ich gehe gerade noch Herkules holen, wartest du hier?”, fragte Jace. Damit die Stricke immer in der Näher der Pferde waren, banden wir sie an die Koppeltore. Somit löste ich Legolas Strick vom Tor, während ich Jace antwortete: ”Klar, wird ja nicht lange dauern.”
      Jace verschwand in der Dunkelheit und ich öffnete das Tor zur Koppel. Lego streckte mir schon freundlich seinen Kopf entgegen. “Na mein hübscher, bald wirst du sicher pünktlich in den Stall gebracht”. Sanft strich ich dem Hengst über die weiche Nase, bevor ich den Strick in sein Halfter einklinkte. Brav folgte mir der große Hengst aus dem Tor.
      “Der braucht ganz schön lange, Lego”, sagte ich zu dem Pferd, nachdem ich schon gefühlte 5 Minuten auf Jace wartete.
      “Ich habe da noch wen auf der Koppel gefunden”, rief mit Jace zu, der endlich kam. Neben Herkules leuchtete noch das helle Fell eines zweiten Pferdes. Natürlich Divine, wie konnte ich nur so dämlich sein. Ich hatte ihn nach dem Reiten noch mal rausgestellt.
      “Kann mir irgendwer verraten, warum ich immer ausgerechnet ihn immer vergesse?”, fragte ich Jace, de inzwischen neben mit stand und nahm den Strick entgegen.
      “Keine Ahnung”, antwortete Jace Schulterzucken. “Vielleicht ist dein kleines Köpfchen mit zu vielen anderen Dingen beschäftigt.” Damit hat er sehr wahrscheinlich ins Schwarze getroffen, doch das wollte ich jetzt nicht weiter evaluieren. “Möglich, aber jetzt gerade ist mein Hirn damit beschäftigt, dass diese beiden Pferde hier in den Stall kommen, also lass uns gehen”, versuchte ich vom Thema abzulenken. Statt auf eine Antwort von Jace zu warten, lief ich los mit den beiden Pferden im Schlepptau. Da Hufgetrappel eines dritten Pferdes verriet mir, dass er mir folgte.

      Vriska
      „Was würdest du eigentlich ohne deine Pferde machen?“, unterbrach ich die Stille. Im Stall fraß Blávör ihr Kraftfutter, dass sie nach dem Absatteln von mir hingestellt bekam.
      „Wie, was würde ich machen?“, zog Niklas die Augenbrauen hoch, als hätte er meine Frage inhaltlich nicht verstanden und steckte das Handy zurück in die Tasche, an dem er schon wieder hing.
      „Na ja, so arbeitstechnisch“, kam es kleinlaut aus meinem Mund. Würde jemand wie er überhaupt arbeiten?
      „Ich arbeite bei der Polizei“, zuckte er mit den Schultern und kam einige Schritte näher. Sonst war niemand in der Nähe.
      „Jetzt wo du das sagst, ergibt das Sinn“, schämte ich mich, ihm vorgeworfen zu haben, auf dem Reichtum seiner Familie zu sitzen. Natürlich verdiente man auf den Turnieren, die er mit ritt, ziemlich hohe Summen. Doch so wie ich es bisher verstand, hatte Niklas nur Qualifikationen und noch nichts wirklich sehr Großes in seinem Lebenslauf.
      „Jetzt bist du mir eine Erklärung schuldig“, schmunzelte er und legte seine Hände wieder mal an meine Hüften. Ich fühlte mich unwohl dabei, denn aus sehr weiter Ferne hörte ich Linas Stimme. Mit jemanden unterhielt sie sich, doch ich konnte die andere Stimme niemanden auf Anhieb zuordnen. Ungeschickt versuchte ich mich ihm zu entreißen, was mir nicht gelang. Hinter mir stand die Stute von Max, die noch immer sehr langsam ihr Futter kaute.
      „Könntest du bitte deine Hände wegnehmen“, sagte ich ihm und senkte meinen Kopf, um seinen Blicken zu entkommen.
      „Was ist, wenn ich es nicht tue?“, sagte Niklas in ruhige Stimme. Ein Lächeln kam über seine Lippen.
      „Dann muss ich dich leider anzeigen und du weißt sicher selbst, welche Folgen das haben würde“, lachte ich. Er ließ von mir und tätschelte meinen Kopf.
      „Dann beantworte wenigstens meine Frage, wenn ich dich nicht spüren darf“, schmollte er. Es fühlte sich wirklich echt an, als wollte Niklas in meiner Nähe sein, mich berühren und Glücklichsein. Das stand mir nicht zu. Gestern erklärte er noch, dass das mit uns beiden nur Liebschaft wäre. Ohne Zukunft. Ohne, dass ich mir darauf etwas einbilden sollte. Mein Lächeln verschwand wieder und Blávör war endlich fertig. Seine Frage musste für den Moment ohne eine Antwort verbleiben, denn die Hübsche wollte in ihre Box zurück. Er folgte mir, als gäbe es etwas zu verpassen, doch meine Konzentration blieb bei Blávör. Ungeschickte stolperte sie mehrfach und trat mir dabei in die Schuhe. Froh darüber, heute ausnahmsweise die Chaps angezogen zu haben, zog ich das Halfter über ihren Schopf und schloss die schwere Boxentür.
      „Mein Mann möchte noch rein, kommst du mit?“, fragte ich.
      „Hoffentlich bekommt er das mit uns nicht raus, sonst gibt es noch Streit“, antwortete er scherzhaft und legte seinen Arm um meine Schulter.
      „Er weiß es schon, aber wir führen eine glückliche offene Beziehung“, lachte ich und lief mit Niklas raus. Am Ende des Weges konnte man Lina klar identifiziere. Divine trottete neben ihr her, sowie Legolas und ganz gegen meine Erwartung, gehörte Jace die Männerstimme. Das hatte mir jetzt noch gefehlt. Niklas trug noch immer die Schiene an seiner Nase von dem Zwischenfall der Beiden. Ich nahm seinen Arm von meinen Schultern und senkte den Kopf. Sollte ich mich entschuldigen? Sie ignorieren? Nervös biss ich auf meinem Lippenpiercing herum und öffnete den Ring immer wieder. Ich spürte, dass die Innenseite meiner Unterlippe bereits wund war. Bei Nervosität tat ich das immer und letzten Tage statt ich dauerhaft unter Strom.

      Lina
      “Was hast du eigentlich morgen vor?”, fragte Jace, der den Wink mit dem Zaunpfahl offenbar verstanden hatte.
      “Viel, sehr viel außer Nathalie sind die Pferde heute die Pferde zu kurz gekommen. Hazel war ja überaus freudig, damit beschäftigt mich von meiner eigentlichen Arbeit abzuhalten”, antwortete ich Jace. Dieser sah mich zwar ein wenig verwirrt an, weil er anscheinend keine Ahnung hatte, wovon ich redete, fragte aber: “Soll ich dir morgen vielleicht ein wenig helfen?” Herkules, den neben Jace herlief, spitzte auf einmal die Ohren. Dieses Verhalten ließ meinen Blick nach vorne wandern. Vriska und Niklas kamen uns entgegen. Sofort spannte sich alles in mir an. Einerseits hatte ich ein wenig bedenken, dass Jace mal wieder irgendetwas Dummes tun würde, dieser Mann war nicht leicht einzuschätzen und andererseits, weil mein Unterbewusstsein der Meinung war, Flucht sei die beste Entscheidung. Da das nicht nur seltsam, sondern absolut bescheuert wäre, entschied ich mich dagegen.
      “Ne, schon gut. Ihr werdet noch genug zu tun haben, wenn ich nicht mehr da bin. Außerdem ist morgen eh Freispringen für Nathy und Masko.” Ich hoffte inständig, dass man mir die Anspannung nicht ansah. Aus dem Augenwinkel heraus nahm ich wahr, dass Niklas und Vriska an uns vorbeiliefen. Da mein Blick starr geradeaus ging, konnte ich nicht genau sagen, ob sie uns beachteten oder nicht.
      “Wie du meinst. Falls du es dir doch anders überlegen solltest, kannst du ja Bescheid sagen”, antwortete mir Jace schulterzuckend. Divine schnaubte laut und blieb stehen, um sich zu schütteln, was natürlich dazu führte, dass ich auch stehen bleiben musste.
      “Na komm Ivy, dein Abendbrot wartet”, mit einem leichten Zug am Strick versuchte ich meinen Hengst zum Weitergehen zu bewegen. Tatsächlich setzte sich der Freiberger in wieder in Bewegung.
      Im Stall angekommen stellte ich die beiden Hengste in die Box.
      “Soll ich Herkules Futter auch mitbringen?”, rief ich Jace über die Stallgasse zu.
      “Ja bitte. Steht schon fertig in der Futterkammer”, antwortete er. In der Futterkammer nahm ich als Erstes die Schüsseln von Divine und Legolas. Jeder bekam seine Portion Hafer in die Schüssel. Dazu gab es für jeden noch eine klein geschnitten Möhre, für Divine gab es noch ein paar Minerale, da er leider immer noch leichte Mangelerscheinungen hat. Das Öl füllte ich wie immer erst einmal in ein kleines Becherchen. Ich hatte mir angewöhnt es erst in der Box über das Futter zugeben, damit das Öl auch wirklich im Pferd landete und nicht in dem Futterschüssel. Zuletzt schnappte ich mir noch Herkules Schüssel und trat wieder auf die Stallgasse. Herkules begann in seiner Box ungeduldig im Kreis zu laufen, ab und zu stehenzubleiben und mit den Vorderhufen gegen die Tür zu schlagen.
      “Den Lärm da solltest du ihm mal abgewöhnen.” Mit diesen Worten drückte ich Jace seinen Futterschüsseln in die Hand und ging zu Legolas Box. Der Hannoveraner Hengst schaute mir bereits neugierig entgegen und brummelte leise. Divines Futter stellte ich in sicherer Entfernung zu hungrigen Pferdenasen auf dem Boden.
      “So mein großer, du musst da mal weggehen”, sprach ich den Hengst an und öffnete die Boxentür. Wohlerzogen trat der Hengst beiseite, als ich ihn an der Brust anstupste und wartete bis sein Futter im Trog war.
      Ich schütte das Öl über sein Futter und trat zu Seite: “Jetzt darfst du, Lego.” Hungrig steckte er seine Schnauze in den Trog und begann zu fressen. Aus der Nachbarbox meldete sich nun auch Divine, der auch endlich sein Fressen haben wollte, mit einem Wiehern.
      “Ich komm ja schon, Kaunokaiseni “, rief ich meinem Pferd zu, während ich die Box von Legolas hinter mir schloss.
      “Was bedeutet... Kaunokasi eigentlich, mir ist aufgefallen, dass du ihn öfter so nennst”, fragte Jace, der gerade aus der Box von Herkules heraus trat.
      “Kaunokaiseni heißt das”, wiederholte ich noch mal langsam und lachte. Was auch immer Jace da gesagt hatte, war meilenweit von dem Wort entfernt. “Es bedeutet, meine Schönheit.” Jace kam zu mir herüber geschritten und hob auf dem Weg dahin, Divines Futterschüssel auf.
      “Schönheit also? Ja, das passt zu ihm”, mit diesen Worten reichte er mir die Futterschüssel. “Soll ich die von Legoals schon mal mitnehmen? Dann mach ich die schon mal sauber.” Statt auf eine Antwort zu warten, nahm er mir einfach die leere Schüssel aus der Hand.
      “Kiitos”, antwortete ich ihm und öffnete Divines Box.
      “Und was heißt das?”. Mit einer Mischung aus Verwirrung und Neugier sah mich Jace an.
      “Sorry, kurz vergessen, dass du dieser Sprache nicht mächtig bist. Es heißt Danke. Ich dachte, das hättest du vielleicht schon einmal mitbekommen in den letzten 2 Jahren, Samu und ich sind ja nicht seit gestern hier”, erklärte ich ihm ein wenig amüsiert.
      “Ja schon, … aber ich habe das bisher nie hinterfrag und es kommt noch dazu, dass ihr mit uns tatsächlich meistens Englisch redet, sogar bei solchen Kleinigkeiten”, schilderte mir Jace. Der Sprachwechsel war für mich schon seit der Schule so selbstverständlich, dass es mir meistens gar nicht auffiel welche Sprache ich gerade sprach.
      “Oh tatsächlich, ich merk das schon gar nicht mehr”, sagte ich schmunzelnd. Ivy wollte schon seine Nase in die Futterschüssel stecken, doch ich schubste diese weg. Divine war leider noch nicht ganz so gut erzogen wie Legolas, vor allem wenn es um Futter geht. Jace verschwand derzeit in der Futterkammer. Mein Pferd belästigte die Schüssel und mich weiterhin, sodass ich ihn noch ein paar mal korrigieren musste, bevor ich an ihm vorbei an den Trog kam. Auch Divines Futter landete im Trog und ich gab es dem Hengst frei. Ich verließ die Box, um auch diese Futterschüssel noch sauberzumachen. Jace war bereits fertig mit den anderen Schüsseln und wenn ich nicht aufgepasst hätte, wäre ich ihn wohl in ihn reingelaufen. Kurz vor ihm kam ich zum Glück gerade noch so zum Stehen.
      “Immer schön langsam, Lina”, entgegnete Jace mir und sah zu mir runter. Für meinen Geschmack war das hier eindeutig zu nah, immerhin kann ich nicht leugnen bis vor ein paar Tagen noch irgendetwas von ihm gewollte hatte. Wohlgemerkt bevor er sich aufgeführt hatte wie ein vorkommender Idiot.
      “Ähh, ja…”, murmelte ich und ging ein ganzes Stück zur Seite, um aus dieser Situation zu entkommen.
      “Soll ich noch auf dich warten?”, fragte er und sah nicht so aus, als wolle er aus der Tür gehen. Denn statt Anstalten zu machen sich zu bewegen, lehnte er sich gemütlich an den Türrahmen. Da war er wieder, ganz der alte Jace.
      “Ne brauchst du nicht. Ich komm dann nach, vorausgesetzt du lässt mich da mal rein.” Mit einem Kopfnicken deutete ich auf die Futterkammer.
      “Also bitte Lina, so dick bin ich jetzt nicht, als dass du da nicht vorbeikämst”, scherzte er. Als ich nicht versuchte mich an ihm vorbeizuquetschen, bewegte er sich doch aus der Tür.
      “Danke”, murmelte ich und verschwand in der Futterkammer. Während die Tür hinter mir zu fiel, konnte ich wahrnehmen wie sich seine Schritte tatsächlich entfernten. Ich säuberte Divines Schüssel und stellte sie ins Regal. Als ich die Futterkammer wieder verließ, sah ich, dass mein Pferd mit dem Kopf aus der Box hing und dabei die Hälfte seiner Futter aus dem Maul fallen ließ. “Ach, Ivy du möchtest auch, nur dass ich gut beschäftigt bin, oder?”, sagte ich seufzend zu dem Pferd. Bevor ich zu einem Besen griff, warf ich einen Blick in den Trog des Hengstes, er war noch halb voll, also würde ich wohl warten, bis er aufgefressen hatte. Ungern würde ich die Stallgasse zweimal fegen wollte. Somit setzte ich mich vor die Box und beobachtete den Freiberger dabei, wie er vor sich hin krümelte.


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  • Album:
    WHC Oberhausauslauf
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    Wolfszeit
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    8 Feb. 2020
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  • EL PANCHO
    span der Gelassene
    Portrait folgt
    EXTERIEUR
    Geschlecht: Hengst
    Geburtstag: 31.05.2010/10 Jahre
    Geburtsort: Deutschland

    Rasse: Knabstrupper
    Stockmaß: 155cm
    Gewicht: 611 Kg
    Deck-|Langhaar: Vanish Roan| Weiß, Schwarz
    Abzeichen| Scheckung: Leopard-Komplex
    Gencode: EEaaLPlp

    STAMMBAUM

    von: Gitano (inoffizell)
    von: Unbekannt | aus der: Unbekannt
    von: Unbekannt | aus der: Unbekannt | von: Unbekannt | aus der: Unbekannt

    aus der: El Tigre (inoffizell)
    von: unbekannt | aus der: Pünktchen (inoffizell)
    von: Unbekannt | aus der: Unbekannt | von: Unbekannt | aus der: Unbekannt


    INTERIEUR & BESCHREIBUNG

    Rufname: Panchy
    Ausgeglichen|Aufmerksam|Ruhig| Brav| Neugierig| Sanftmütig| freundlich| veträglich

    Pancho ist in braver Hengst. Er war schon immer sehr ausgeglichen und ruhig. Er ist steht aufmerksam und sanftmütig, weshalb er auch für Anfänger perkfekt geeignet ist. Der freundliche Hengst ist auch in der Herde sehr verträglich.

    El Pancho stammt aus einer kleinen Hobbyzucht in Deutschland.

    Weide/Weidepartner:
    Unterbringung: Oberhausauslauf
    Einstreu: Stroh

    Letzter Tierarztbesuch: 00.00.0000
    Chipnummer: folgt
    Gesamteindruck: Gesund
    Akute Krankheit/en: keine
    Chronische Krankheit/en: Keine
    Erbkrankheit/en: Keine

    Letzter Hufschmiedbesuch:00.00.0000
    Ausgeschnitten/Korrigiert: nie
    Hufbeschaffenheit: Gut
    Hufkrankheit/en: Keine
    Beschlag: keinen

    AUSBILDUNG & QUALIFIKATIONEN
    Fohlen ABC
    Jungpferdeausbildung
    Bodenarbeit ✔
    Eingeritten ✔

    Eignungen: Dressur|Springen
    Schleifenaufstieg | Trainingsaufstieg | Potential
    Oben = Joelle Qualifikation | Unten = Variationen

    Springen: E A
    Potenzial: 0/100

    Show Jumping: E A*


    Military: E A
    Potenzial: 0/100

    Geländestrecke: CIC/CCI*


    Dressur: E A L M S
    Potenzial: 0/100

    Lektionen der Dressur: E A L LM LP MS

    Fahren: E A L M
    Potenzial: 0/100

    Dressurprüfung: CAI-A1 CAI-A2 CAI-CA3

    Distanz E A L
    Potenzial: 54/100
    Distanzritte: EL EVG1 EVG2 EVG3


    Western: E A L
    Potenzial: 0/100

    Western Pleasure: LK5 LK41

    ERFOLGE
    Offiziell
    Noch keine
    ZUCHTDATEN
    Gekört: Nein
    Schleife:
    Gewinnerthema:
    Eingetragene Zucht: Whitehorse Creek Stud
    Zuchtblatt von El Pancho

    Decktaxe: 0 Joellen

    Herkunft | Züchter: Unbekannt

    Nachzucht: 0/10

    BESITZERLEGENDE
    Besitzer/Besitzerin: Wolfszeit
    Vorbesitzer/Vorbesitzerin:
    Verkaufsrecht/Ersteller: Mohikanerin
    Reitbeteiligung/Trainer:

    zu Verkaufen : Nein
    Kaufpreis: 1200

    Spind/PNG/Puzzle PNG/Offizeller HG