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Wolfszeit

♞Carry On My Wayward Son|Paint Horse

In meinem Besitz seit 02.02.2014 | Hengst |3 Punkte

♞Carry On My Wayward Son|Paint Horse
Wolfszeit, 10 Jan. 2020
AliciaFarina gefällt das.
    • Wolfszeit
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      09.10.2020|Wolfszeit
      36 Grad und es wird noch heißer
      Maskota, Don Carlo, Legolas, Flanell d’Egalité, Lancasters Peppermint, Cleavant ‘Mad Eyes’, El Pancho, PFS’ Artic Tiger,HMJ Divine, PFS’ Caruso, Vikar, Voilá, Abe’s Aelfric, Farena von Hulshóf, Black Lady, Chessqueen, Finest Selection, Colour Splash, British Gold, Nathalie, Promise Of Sundance, Jora, Keks, Elvish Beauty, Mas’uda, Sunny Empire, LMR Ice Rain, Miss Leika, Walking On Sunshine, Saturn, Lifesaver, Elf Dancer, Herkules, Acerado, Craystal Sky, Miss Griselda Braun, LMR Fashion Girl, Carry On My Wayward Son, Injaki, Look at my hair, All Hope is Gone, Beastly Domina, Briair, Lady Moon, Blue Heart, Lady Swan, Vakany, Little Buddy, What’s Happend In the Dark, LMR Royal Champion, Cremella, Miss Monty, Minnie, Nurja, Ursel, Antigone, Doo Wop, Curly, Baroness, Rum, Amigo, Nabuko, Fiama di Royal Peerage, WHC’ Delicious Donut, WHC’ Secrect Fashion, WHC’ Mimithe, WHC’ Minya, WHC’ Oshawa, WHC’ Venice, WHC’ Candela, WHC’ Mitena

      Lina| Mit einen schrillen klingeln weckte mich mein Handy. Noch ganz verschlafen tastete ich nach dem Gerät um es auszuschalten. Es war 4:30 Uhr. Da es heute extrem heiß werden sollte, wollte ich heute besonders früh anfangen.Gähnend, rollte ich mich aus dem Bett und tapste ins Bad. Ich duschte mich, putzte die Zähne und zog mich an.Nach der Dusche fühlte ich mich auch gleich lebendiger.
      Am Himmel war schon ein heller Streifen zu sehen und die Sonne kletterte langsam über den Bergrücken. Ein kleiner Vogel flog durch die Morgenluft und zwitscherte fröhlich ein Lied. Noch etwas verschlafen machte mich auf den Weg zum Hauptstall, weil ich heute mit Maskotka anfangen wollte. Als ich den Stall betrat,waren die meisten Pferde noch am schlafe und auch die Dunkelfuchsstute lag noch im Stroh. Masko hob verschlafen den Kopf als ich die Boxentür öffnete. “Guten Morgen hübsche”, sagte ich sanft zu der Stute und zupfte ihr einen Strohhalm aus dem Schopf. Ein wenig verwirrt über die frühe Störung blickte mir die Stute aus ihren braunen Augen entgegen. Langsam wanderten die Ohren, die anfangs noch entspannt herab hingen, nach vorne. Ich hielt der Stute eine Möhre vor die Nase, die sie auch sogleich fraß. “Na, komm süße, wollen wir noch etwas schaffen bevor es so richtig warm wird”, sagte ich zu ihr und stand auf. Noch waren angenehme 23 Grad. Masko war inzwischen aufgestanden und schüttelte sich. Ich holte die Fuchsstute aus ihrer Box und band sie am Putzplatz an. Ich begann damit das rötliche Fell der Stute zu striegeln. Ich liebe das neue Putzzeug was ich für sie hatte, denn es sammelte den Staub perfekt aus dem Fell raus. Jedes Pferd glänzt wunderschön wenn ich es mit diesen Bürsten geputzt wird. Nachdem ihr Fell sauber war, begann ich das Stroh aus ihren Langhaar zu sammeln, was bei ihrem voluminösen Schweif ein wenig dauerte. Fertig eingekleidet in dunkelblau ging es dann in die Reithalle. Dort angekommen ging es erst einmal ans aufwärmen, bevor es an die Dressurarbeit ging. Nach 20 Minuten beendete ich die Trainingseinheit und entließ die Stute, nach dem Abreiten zurück in ihre Box. Daniel und Elijah, begannen nun die Pferd zu füttern und wie jeden Morgen machte Don Carlo einen riesen Rabatz und trat gegen seine Boxentür, bis er sein Futter bekam. Der lackschwarze Hengst ein paar Boxen weiter schaute lieber noch gemütlich aus seinem Fenster und beobachtete die Ponys auf dem Unterhausauslauf. Legolas war allgemein ein eher unauffälliger Hengst, dennoch im Umgang ein wahrer Schatz. Masko futterte inzwischen ihr Frühstück. Ich gab ihr noch eine Möhre in den Trog und machte mich dann auf den Weg zu den Außenboxen, wo Lancasters Peppermint schon auf mich wartete. Pepper versuchte seinen Boxennachbarn Flanell d’Egalité zu ärgern, indem er versucht in seine Mähne rein zu beißen. Flanell seinerseits war auch nicht ganz untätig und versuchte ebenfalls in Pepper rein zu beißen. “Na ihr zwei Clowns”, sagte ich zu den beiden Hengsten und brachte sie auseinander. Doch als ich kurz nicht hinsah versuchte Pepper wieder den Hals lang zu machen um Flanell weiter zu ärgern.

      Für Pepper stand heute nur lockere Halfterlonge an, da er gestern ein anstrengendes Training hinter sich hatte. Also ging ich zuerst in die Sattelkammer um eine Möhre und eine Longe zu holen. Ich hielt dem schwarz-weißen Hengst die Möhre entgegen, die er genüsslich kaute, während ich ihm das Halfter anzog. Zusammen mit dem großen Hengst machte ich mich auf den Weg in die Logierhalle. Ich ließ ihn erst einmal im Schritt ein paar Runden laufen, bevor ich ihn in den Trab und anschließend im Galopp einige Runden flitzen ließ. Frisch bewegt durfte Pepper noch einmal in seine Box, da es erst in einer halben Stunde auf die Koppel ging.
      Am Oberhausauslauf angekommen kam mir als erstes Mad Eye und Panchy entgegen. Während Panch mir freundlich entgegen schaute und wartete bis ich ihm ein Leckerlie gab, machte sich Mad Eye lieber selbst auf dIe Suche nach etwas essbaren. “Ey du kleine Frechdachs”, schimpfte ich den Wallach und schubste seine Nase weg. Der Knabstrupperhengst, der brav wartete bekam ein Leckerlie, welches er auch zufrieden verspeiste. Cleavant begann nun mit den Huf zu scharren um so ein Leckerlie zu bekommen. “Maaadi so bekommst du nix”, sagte ich zu dem Schecken und stupste ihn an. Der Hengst schüttelte empört den Kopf, hörte aber tatsächlich auf zu betteln. “So bist du brav”, lobte ich den Hengst und gab ihm sein Leckerlie. Als nächstes sprang mir der kleinste Bewohner des Paddocks in den Weg, sodass ich fast über ihn fiel. Der Silberne Hengst sah mich frech an. “Na Tigerchen. Lach für mich”, raunte ich dem Miniature Horse zu und gab ihm ein Handzeichen. Daraufhin streckte er den Kopf und hob seine Oberlippe. “Braaaav”, lobte ich den kleinen Mann und gab ihm eine Belohnung. Verfolgt von dem kleinen Hengst, kam ich nun endlich zu dem Pferd, weswegen ich eigentlich hier war. Der weiße Hengst stand noch gemütlich mit Caruso im Schatten des Unterstandes. Die beiden Pferd beknabbern sich freundlich und ich sah den beiden eine Weile zu, bevor Caruso mich bemerkte und von Divine abließ. Beide Hengste kamen nun an getrottet. Ich steckte beiden ein Leckerlie zu, bevor ich den weißen Freiberger aufhalftete. Ich ging mit dem Hengst zum Putzplatz. “Morgen Jace”, rief ich dem jungen Mann entgegen der gerade mit Vikar vorbei lief. schaute ihn aber nur kurz an. Unsere Beziehung war immer noch seltsam. “Morgen”, murmelt er und ging ohne ein weiteres Wort an mir vorbei. Nachdem ich Divine ein wenig verwöhnt hatte ging es noch einmal das Aufstellen üben. Durch seine Rücksichtsvolle Art war das führen kein Problem. Bei Aufstellen neigte er dazu geschlossen zu stehen und ein wenig rum zu hampeln. Also ging ich mit ihm auf dem Platz. Zum Glück weht dort ein sanfter Wind, welcher die ansteigenden Temperaturen etwas erträglicher machte. Nach 20 min beendete ich die Übung. “So mein hübscher, jetzt gibt es noch eine Dusche für dich und dann darfst du zu den anderen auf die Koppel”, sagte ich zu meinem Hengst und klopfte ihm den Hals. Ich duschte den Freiberger ab und sprühte ihn dann mit Insektenspray ein. Mit Fliegenmaske ging es dann auf die Koppel. Divine war der erste, weshalb ich beschloss auch noch die anderen Hengste rauszustellen. El Pancho stand nicht im Auslauf, weil er gerade versorgt wurde. So schnappte ich mir als erstes Aelfric, Mad Eye und Tiger. Die drei ließen sich wie immer brav auf die Koppel bringen. Als ich zurück an den Auslauf kam wurde Nabuko gerade von seiner Reitbeteiligung geholt. Das Mädchen hatte aktuell Ferien, weshalb sie immer schon besonders früh auf dem Hof war. So blieben nur noch Amigo, Rumkugel und Caruso übrig, die ich auch auf die Koppel brachte. Meine beiden Shettys Voilá und und Farena hatten heute frei, sodass ich die beiden Stuten nur raustellen musste. Also holte ich die Stuten vom Auslauf und brachte auch sie auf die Koppel. Fehlte heute also nur noch ein Pferd. Meine schwarze Schönheit Black Lady. Ich betrat den Stall und die Stute grummelt mir schon freundlich entgegen. Für die Stute stand heute nur ein kleiner Spaziergang an. “Guten Morgen meine hübsche”, begrüßte ich sie und strich ihr liebevoll über die Strin. Für die Stute gab es dann noch ihr Lieblingsleckerli, eine halbe Banane, bevor ich ihr das Lilaflauschhalfter anzog und den Strick ein hakte. Ihre Boxennachbarin Chess streckte neugierig ihren Kopf aus der Box, als ich Lady hinaus brachte. Vor dem Stall kam mit Jace entgegen, der gerade Sally und Splash auf die Koppel gebracht hatte. British wieherte uns zu, als wir an den Koppel vorbei kamen. Promise, Nathy und Gold folgten und am Zaun entlang, bis die Koppel endete. Nach einer großen Runde um den Hof spritzte ich die Stute ab und brachte ich Lady auf die Koppel. Im Anschluss half ich die Pferde abzuspritzen und auf die Koppel zu bringen, denn die Temperaturen lagen inzwischen bei 38 Grad und sollten noch weiter Steigen. Als alle Pferde versorgt waren packte ich noch die letzten Sachen für den Flug zusammen, denn morgen ging es für Alec und mich mit Divine und Churro nach Italien.

      Zwei Tage später auf dem Sommertunier

      Ein kleines Mädchen| Neugierig blätterte ich im Programmheft.. “PAPA, es gibt weiße Freiberger?”, fragt ich meinen Vater. “Scheinbar schon”, antwortete er und schaute stirnrunzelnd in das Programmheft. “Scheint ne gute Abstammung zu haben”. “Den Hengst will ich unbedingt sehen”, quiekte ich und hüpfte aufgeregt auf und ab.”Der sieht aus wie ein Einhorn… da fehlt nur noch GANZ VIEL Glitzer”. Ein paar Minuten später folgte ich meinem Vater zu der Zuschauertribüne. Ich hibbelte ein wenig herum, bis das weiße Pferd den Platz betrat. Eine recht kleine Frau führte das Pferd bis zu einer Stange die auf dem Boden lag. Dort blieb die Frau stehen. “Der ist in echt noch vieeeel schöner”, sagte ich staunend zu meinem Vater. Nachdem das Pferd ein paar Minuten dort rum gestanden hatte, liefen sie im Schritt ein paar Runden links und dann rechts rum. Danach machten sie dasselbe noch einmal im Trab. Danach verließen sie den Platz leider schon. “Die sind ja gar nicht galoppiert”, sagte ich traurig. Ich sprang auf und lief Richtung Stallungen. Dort fand ich die Frau mit dem weißen Hengst. “Darf ich ihn mal streichen?”, fragte ich neugierig. “Na klar”, sagte die Frau freundlich. Ich hielt dem weißen Pferd meine Hand entgegen. Snaft pustete er die Luft aus seinen großen Nüstern. “Er hat ja ein gaaanz weiches Maul”, sagte ich und strich ihm über den Kopf. “Wie heißt er ?”. “Er heißt Divine”, antwortete die Frau. “Wow, ein voll schöner Name für ein schönes Pferd”.

      Am Nachmittag

      Alec| Ich hatte meinen braunen Hengst bereits aufgewärmt und ritt noch ein paar Runden Schritt um darauf zu warten bis wir aufgerufen wurden. “Nummer 401 bitte an den Start”, das war unser Signal. Ich strich meinem Hengst nochmal über sein Schokobraunes Fell und ritt zum Start. “Nun sehen wir Chocolate Churre vorgestellt von Alexander Lightwood”, ertönte es aus den Lautsprechern. Dort angekommen grüßte ich die Richter und dann ertönte auch schon gleich die Glocke. Ich galoppierte Chocolate Churro aus dem stand an. Ich versammelte meinen Hengst vor der ersten Station um mir den Becher von der Stange zu schnappen. Auf der Strecke zwischen den Stangen ließ ich ihn wieder etwas an Tempo zulegen, bevor ich ihm vor der zweiten Stangen wieder einfing. Ich schaffte es gerade so den Becher auf der Stange zu platzieren ohne die Stange dabei um zu reiten. Das nächste Hinderniss war ein leichtes für meinen Hengst, da wir die Brücke auch gerne in unsere Bodenarbeit einbauten. Brav überwand Churro das Hinderniss. Die nächste Aufgabe würde eine menge Konzentration brauchen, da ich genau wusste ,dass der Hengst sich mit den Galoppwechseln noch ein wenig schwer stand. Schon ein paar Meter vor dem Slalom holte ich den Hengst zu mir. “Jetzt schön aufpassen mein hübscher”, raunte ich ihm zu. Der erste Galoppwechsel war ein wenig holprig, aber der nächste klappte schon besser. Das letzte Fähnchen streiften wir ein wenig, aber dafür, dass Galoppwechsel nicht seine beste Lektion waren machte der Hengst das super. Die letzten beiden Aufgaben meisteren wir schließlich auch noch. Nach beendigung des Parcours Ritt ich den Hengst noch ein wenig im Schritt, damit er sich noch einmal ein wenig entspannen konnte.
      12315 Zeichen = 14 Pkt.

    • Wolfszeit
      Nationalteam VIII | 28. März 2021
      Maskotka//Elvish Beauty// Nathalie//Walking On Sunshine//Lifesaver// Don Carlo// Elf Dancer// Injaki// Carry On My Wayward Son// Blue Heart
      Satz des Pythagoras // HMJ Holy// Glymur // Northumbria


      Lina
      “Ob sie damit wohl ihr Kind meinte”, scherzte Samu, als ihm ihn erzählte, was Luchy gesagt hatte.
      “Sei nicht so fies”, antworte ich und wollte ihn gerade boxen, als jemand meine Hand festhielt.
      “Na, wollen wir doch schön freundlich bleiben”, hörte ich Alec Stimme belustigt sagen.
      “Alec, was machst du denn noch hier? Ich dachte, du seist schon nach Hause gefahren?”, fragte ich ein wenig erstaunt.
      “Na ich habe gehört hier gibt es heute leckeres Abendessen”, sagte er und setzte sich einfach zwischen mich und Samu. “Außerdem wollte ich deinen Kerl mal von nahem sehen”, flüsterte er mich noch feixend zu, wofür er einen knuff kassierte.
      “Übrigen herzlichen Glückwunsch, dein Post von eben geht jetzt schon durch die Decke, du scheinst inzwischen einen ganz schön großen Divine-Fanclub zu haben”, fügte er noch hinzu, während er sich etwas zu essen nahm. Etwas verwundert sah ich nun auf mein Handy. Tatsächlich Alec hatte recht, der Post, den ich vor ca. 20 Minuten hochgeladen hatte, hatte jetzt schon über 100 Likes.
      “Oh toll, die Fleischfresser übernehmen wieder den Grill”, kam Vriska leicht verärgert an und schien beim Buffet nichts gefunden zu haben. Dann setzte sie sich mit zu uns.
      “Wow, Vriska ich habe jetzt schon 100 Likes auf meinen Post”, sagte ich, ohne ihr Gemecker zu beachten und hielt ihr mein Handy vor die Nase. Darauf zusehen, war der Instagram mit einem kleinen Video was ich vorhin in der Halle aufgenommen hatte.
      “Herzlichen Glückwunsch”, sagte sie vorsichtig und schien etwas auf der Seele zu haben. “Also hast du es noch nicht mitbekommen?”, fügte Vriska hinzu. Währenddessen scrollte sie auf meinem Handy die Gallery weiter.
      “Was soll ich mitbekommen haben?”, fragte ich Vriska nun etwas verwirrt.
      “Das Makeover wurde plötzlich kommentarlos beendet. Hedda hat mich vorhin weinend angerufen, weil sie einen Brief bekommen hat, dass das Programm zu Ende ist und sie das Pferd behalten darf. Folke war dann schockiert und schlecht gelaunt. Sie hatte dann Angst, dass Holy wegmuss. Tyrell hat kein Problem damit, dass Holy bleibt, aber sie muss jetzt irgendwie am Hof eingebunden werden.”, erzählte sie.
      “Das ist ja Schade”, kommentierte ich Vriskas Nachricht.
      “Habt ihr mal überlegt Holy das Kutschefahren beizubringen. Vielleicht könnte man dann Kutschfahrten über den Hof oder so anbieten”, schlug ich dann vor.
      “Tatsächlich hat Folke das bereits geplant. Er macht das Training mit den Trabern und deswegen war Fahren eh ein wichtiger Punkt. Tyrell will ab der nächsten Saison auch Rundfahrten machen, also ich weiß auch nicht. Ich bin leider nicht da, um sie zu unterstützen.”, antwortete Vriska traurig. Man merkte ihr an, dass sie nicht mehr hier sein möchte.
      “So lange bist du doch nicht mehr hier. 5 Tage sind schnell rum als du denkst. Dann kannst du wieder alles volle unterstützen”, starte ich einen Versuch sie aufzuheitern.
      “Ja, das hast du recht. Aber ich habe Angst, dass ich Glymur wieder abgegeben wird. Tyrell kann da ziemlich Gefühlslos werden.”, sprach sie leise.
      “Ich glaube nicht, dass du Glymi wieder abgeben musst, immerhin hast du in 6 Monaten eine neue Chance ins Team zu kommen und ohne Pferd ist schließlich äußert schwierig”, sagte ich zuversichtlich zu Vriska. Leider konnte ich absolut nicht Einschätzen, ob meine Aussage tröstlich war, schließlich kannte ich Tyrell nicht und konnte somit auch seine Reaktion nicht einschätzen.
      “Mal sehen, ob ich überhaupt dann noch mal darf. Das ist nämlich davon abhängig, wie sehr ich am Hof gebraucht werde. Solang ich keine schwedische Staatsbürgerschaft habe, bin ich davon abhängig einen Arbeitsvertrag zu haben, sonst muss ich zurück nach England.”, spricht sie weiter.
      “Sie doch nicht immer alle so negativ, ich glaube kaum, dass du direkt vom Hof geworfen wirst. Aus welchem Grund denn”, versuchte ich zu argumentieren.
      “Das weiß man nicht. Du wirst ihn noch kennenlernen. Nimm es dann nicht persönlich”, erläuterte Vriska, stand auf und ging. Sie sagte nichts mehr und auch Ju guckte ihr etwas traurig nach.
      “Das war nicht besonders hilfreich, Lina”, merkte Samu an.
      “Ach, was du nicht sagst”, maulte ich ihn an. “Was hätte ich den bitte machen sollen? Ihr zustimmen wäre wohl kaum besser gewesen”.
      “Hat jemand ne Ahnung, was mit ihr schon wieder stimmt?”, rief Niklas in die Runde und versuchte lustig zu sein.
      “Ich denke, das geht dich nichts an”, mischte sich nun Ju auch noch ein.
      “Wenn ihr zwei euch jetzt streitet, ist ihr auch nicht geholfen. Lasst sie einfach in Ruhe oder redet selbst mit ihr, aber das ist kein Thema, was in der Öffentlichkeit diskutiert werden sollte”, warf ich genervt ein. Das hier nicht einmal einen Abend alle gut laufen konnte.
      “Na dann stell doch mal den netten Herren zwischen dir und Samu vor”, stichelte Niklas weiter.
      “Keine Sorge Niklas, er ist keine Konkurrenz für dich. Alec ist vom andern Ufer”, antworte ich. Ich wollte weiterreden, doch Alec unterbrach mich.
      “Vielen Dank Lina, aber ich kann selbst sprechen. Wie sie schon sagte, ich bin Alec. Ich leite einen Ableger des Hofes hier in der Nähe.”, stellte er sich freundlich vor.
      “Hallo Alec, schön dich kennenzulernen. Und Lina, vielleicht ist er ja eher Konkurrenz für dich.”, machte Niklas weiter aber setzte direkt fort: “Und was machst du so da?”
      “Blödmann”, knurrte ich leise, während Alec begann zu reden.
      “Na, das was man auf einem Pferdehof so macht. Unser Schwerpunkt liegt auf dem Vorstellen der Vollblüter auf Turnieren. Diese sollen dann hier zu Veredlung der Warmblüter dienen. Aber ich habe z.B. auch den Hof im Makeover 2019 vertreten”, erzählte Alec von seiner Arbeit.
      “Das klingt interessant. Wenn du Lust hast, kannst du sicher auch die Tage noch bei einem Training mit machen. Anders ist ein richtig guter Trainer.”, antwortete Niklas interessiert.
      “Da hat er recht, ich habe schon richtig viel gelernt”, stimmte ich Niklas Aussage zu.
      “Na, wenn das so ist, werde ich mir dein Angebot gerne überlegen”, antworte Alec freundlich.
      “Super, sag dann Bescheid. Ich regle das. Herr Holm hat noch was offen bei mir”, grinste er schelmisch und stand auf.
      “Was offen?”, fragte Samu neugierig.
      “Wo willst du denn auf einmal hin, sind wir dir zu langweilig?”, fügte ich noch zu Samus Frage hinzu.
      “Man kann zwar alles Essen, aber nicht alles Wissen. Und nein, aber ich habe noch Aufgaben zu erledigen, damit ich in wenigen Jahren den Sportrichterschein habe”, rief er uns zu und wedelte wild mit den Armen herum.
      “Liegt es an mir oder sind heute einfach alle übermotiviert zum Lernen?”, fragte ich Ju, der bisher noch nicht geflüchtet war.
      “Übermotiviert nur bedingt, eher das es langsam notwendig ist. In 2 Monaten haben wir alle
      Prüfungen. Niklas und ich haben dann die drei theoretischen Prüfungen vom Trainer C und Vriska macht ja gerade ihren Pferdewirt.”, erklärte er mir.
      “Ah, ok. Dan lass mich raten du verschwindest auch gleich?”. Natürlich war das ein vernünftiger Grund, dennoch wunderte es mich das sie erst jetzt anfingen zu lernen. Gleichzeitig fiel mir bei dem Thema dann auch wieder ein, dass ich so langsam auch mal überlegen müsste, wie es für mich beruflich weitergehen sollte. Seit meinem Abitur hatte ich mir nicht Gedanken darüber gemacht, weil ich damals einfach nur weg von Zuhause wollte und hier mitten im Nirgendwo hatte es niemanden wirklich interessiert, welchen Akademischen weg man bereits bestritten hatte. Hier hatte bisher nur das können gezählt.
      “Nö, ich bleib ihr. Ich habe den halben Tag schon gelernt und es muss auch mal gut sein.”, erwiderte er und nahm sich noch etwas zum Essen.
      “Wenigstens einer hier, der Versteht wie man Pause macht”, kommentierte Alec das ganze.
      “Niklas hat es gar nicht nötig zu lernen, der kann das alles schon auswendig. Trotzdem sitzt er sicher drei bis vier Stunden am Tag bis zur Prüfung, einfach damit er sicher sein kann, es zu schaffen. Als Bester.”, erklärte Ju weiter.
      “Ist ja klar, dass er der beste sein muss”, sagte ich schmunzelnd. Das war mir bereits am ersten Tag aufgefallen, das durchschnitt nichts für Niklas war. In der Schule war ich ähnlich gewesen. Allerdings hatte ich am liebsten allein gelernt, denn Bücher machen wenigstens keine dummen Kommentare so wie Mitschüler.
      „Allerdings ist er trotzdem Anspruchslos, also wenn ich nicht lernen würde, würde er mir keinen Vorwurf machen. Er macht das für sich, um sich selbst was zu beweisen“, sprach er weiter.
      “Das kommt mir nur zu bekannt vor”, sagte Samu und sah mich dabei grinsend an.
      “Was meinst du etwas mich?”, fragte ich unschuldig, natürlich wusste ich genau was er meinte.
      “Ja, genau dich meine ich, du Streber. Ich erinnere mich an Zeiten, da hast du mich sogar nach meinen Lehrbüchern gefragt, um schon mal den Stoff für die nächste Klassenstufe zu lernen”, erzählte er.
      „Da haben sich ja zwei gefunden. Nicht das ich
      jetzt aufpassen muss, dass ihr euch zu Tode lernt. Niklas vergisst schnell den Rest seines Lebens wie Essen oder trinken“, schmunzelt Ju.
      “Keine Sorge, ich habe bereits festgestellt, dass man sich leider nicht von Wissen ernähren kann. Nahrung zählt zu meinen Grundbedürfnissen”, beruhigte ich ihn. Eher würde ich vergessen zu schlafen, als dass ich das Essen vergessen würde.
      „Freut mich zu hören. Ich vermute aber, dass du nicht dein Leben lang den Dreck auf Höfen weg machen willst, oder?“, erkundigt Ju sich.
      “Nein, das ist eher nicht der Plan, wobei ich gerne bei der Arbeit mit Pferden bleiben würde. Aber so genau habe ich, das noch nicht überlegt, was ich machen möchte”, erklärte ich.
      „Wenn du in Schweden bist, kannst du einen Termin an der Schule machen, auf der Vriska ist. Die machen Beratungen und helfen dabei, was man machen könnte. Kostenlos.“, schlug er vor.
      “Das klingt nach einer guten Idee”, stimmte ich ihm zu.
      „Vielleicht sollte ich jetzt doch mal gucken gehen. Ich komme aber wieder, keine Sorge“, sagte Ju zu mir, eh er aufstand und verschwand.
      “Und da waren nur noch drei”, kommentierte ich.
      “Ach komm schon, ist doch auch nett”, sagte Samu.
      “Erzähl mal Lina, wie läuft es eigentlich mit den beiden Ponyfohlen, sind die beiden immer noch so frech?”, frage Alec nun. “Oh ja, und vor ein paar Tagen haben sie dank Baroness ein wenig Chaos auf den Reitplatz angerichtet”, sagte ich und begann davon zu erzählen.

      Juha
      Ich wusste nicht, was mich nun erwarten würde, doch ein übermüdeter Niklas lag schon ziemlich nach. So betrat ich langsam das Zimmer und sah ihn wirklich umringt mit Blättern und dem Pad am Tisch sitzend.
      “Brauchst du noch Bücher?”, scherzte ich. Hektisch nickte Niklas und schien die zwischenmenschliche Ebene verlassen zu haben. Da war wieder der Kerl, den ich aus der Schule kannte.
      “Also keine Bücher?”, fragte er etwas traurig und versuchte mich aus dem Zimmer zu schicken. Freundlich stellte ich ihm eine Flasche Wasser hin und wollte gerade noch das Zimmer verlassen.
      “Warte”, sagte Niklas und ich drehte mich um.
      “Ich werde gleich noch mit Vriska lernen. Sie kommt mit den Trainingsansätzen nicht klar.”, erklärte er mir.
      “Aber reiß dich zusammen”, fügte ich hin zu, eh ich wieder zurück zum Feuer ging.
      Lina, Alec und Sam saßen noch immer da und unterhielten sich über den Ausbruch der Ponys.
      “Wie versprochen. Wieder da! Ich musste dem Kerl nur vor dem Dehydrieren retten.”, scherzte ich und setzte mich wieder.
      “Sehr vorbildlich von dir”, lobte Lina mich.
      “Habt ihr morgen schon was geplant? Herr Holm hat nichts gesagt heute, ich weiß gar nicht wie es morgen weiter geht.”, sagte ich in die Runde.
      “Wir haben nichts Konkretes vor”, antwortete Samu.
      “Was würdet ihr denn von einem schönen langen Ausritt halten?”, schlug Alec vor.
      “Find ich gut, kamst du dann extra noch mal vorbei morgen?”, fragte sie bei Alec nach.
      “Theoretisch kannst du auch hierbleiben, das Gästezimmer ist frei”, merkte Samu an.
      “Mmm, bevor ich da entscheiden muss ich mit den anderen klären, ob sie es auch so packen. So ein Hof schmeißt sich nicht von allein”, erklärte Alec und verschwand, um zu telefonieren.

      Alec
      Bevor ich Magnus anrufen würde, wollte ich noch einmal nach Jace sehen. Vorhin hatte er mich einfach irgendwann rausgeschmissen. Das Ganze ging ihm näher, als ich gedacht hatte. So niedergeschlagen hatte ich ihn noch nie erlebt.
      “Du vergisst aber nicht, dass sich die Welt nach weiterdreht”, sagte ich, während ich sein Zimmer betrat. Jace lag auf seinem Bett und starrte an die Decke.
      “Das überlege ich mir noch, ob die Welt sich noch dreht”, sagte er traurig und starrte weiter an die Decke.
      “Na gut, meinetwegen bleib hier und starre weiter Löcher in die Decke. Ich bin unten, wenn du mich suchst und ich werde wohl besser auch hierbleiben”, teilte ich ihm mit. Da ich keine weitere Reaktion von ihm kam, verließ ich das Zimmer wieder. Jace war einfach nicht zu helfen, wenn er nicht wollte, diese Erfahrungen hatte ich bereits gemacht. Besser sollte ich hierbleiben, nicht das Jace noch irgendetwas Dummes tut, dazu tendiert er leider in jeder emotionalen Verfassung. Also rief ich Magnus an.
      “Hey Babe, meinst du ihr kommt morgen allein zu Recht, Jace braucht mich”, erklärte ich ihm.
      “Klar, wir packen das schon. Mach dir keine Sorgen um uns Alexander”, antwortete er.
      “Super, ich denke auch ich bin morgen Abend wieder da”, damit beendete ich das Gespräch und Gesellte mich wieder zu den anderen.
      “Das war aber ein langes Telefongespräch”, bemerkte Lina.
      “Nein eigentlich nicht, aber ich habe noch mal geschaut ob Jace noch atmet”, antwortete ich ihr.
      “Und was ergab sich? Atmet er noch?”, fragte Ju nach.
      “Jap., atmet eindeutig noch”, bestätigte ich.

      Niklas
      “Also was für Trainingsansätze sind denn das Problem”, fragte ich Vriska, die verzweifelt am Tisch saß.
      “Trab Tölt”, antwortete sie kurz gebunden. Genervt rollte ich mit den Augen und zog ihr die Dokumente unter der Nase weg. “Ey”, regt sie sich auf.
      “Ich habe keine Ahnung von eurem Viertakt, also lass mich doch kurz mal lesen. Sonst erzähle ich dir gleich was zum Training in der Passage oder Zick-Zack-Traversalen.”, schlug ich ihr vor. Einsichtig schob sie mir alles zu und ich las mich in die Materie ein.
      “Also was ich erst mal lese, kommt der Trab Tölt durch eine schwache Hinterhand. Sprich alles was getan werden sollte, muss mit der Förderung der Kraft in der Hinterhand zu tun haben. Aus der Logik eines jeden Pferdes braucht es eine gleichmäßige Anlehnung und gedehnten starken Rücken. Dabei helfen normale Dressurübungen.”, erzählte ich ihr. Sie nahm mir wieder alles ab und las erneut.
      Wie oft ich ihr das noch erklären sollte, konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. „Können wir jetzt weiter machen, oder willst du noch Stunden über den Dokumenten hängen und hoffen, dass plötzlich alles in deinem Hirn ist?“, meckerte ich Vriska an, die sich seit Minuten nur mit dieser einer gleichen Seite beschäftigte. Sie sagte nichts. Genervt zog ich mein Handy aus der Tasche und scrollte durch eine WhatsApp Gruppe vom Verein. Überraschenderweise waren noch mehr Leute wach, als ich dachte. Vor einigen Minuten präsentierte Chris wieder mal Bilder einer Dame, die auf ihm Stockholm wartete. Je mehr ich die Bilder betrachtete, musste ich mir eingestehen, dass mein Verlangen zurzeit Teile meiner kognitiven Fähigkeiten ersetzte. Lina wollte sich noch Zeit lassen und gucken, wie es sich weiter mit uns entwickelt. Doch ich bin ein Mann und habe Bedürfnisse.
      „So ein letztes Mal, dann kannst du gehen“, sagte Vriska und legte das Pad in die Mitte des Tisches. Statt die Bilder durch zu swipen, die wir die ganze Zeit besprachen, wählte ich welche mit einer Paßverschiebung aus. In ihrem Gesicht machte sich Verzweiflung breit, hinterfrage dies jedoch nicht weiter. Stattdessen konnte sie mir genau erklären, welche Ursachen die Verschiebung hat, dass man auf keinen Fall Hufglocken oder ähnliche Gewichte anlegen sollte, da das Problem von einem steifen Rücken kommt. Die Folge davon wird eine Unbeweglichkeit sein, die dafür sorgt, dass es zu stark auf die Vorderhand kippt.
      „Vielleicht bist du doch gar nicht so dämlich, wie ich dachte“, provozierte ich etwas und spürte die Zeichen, die wir einander zu warfen. Sie hatte die letzten Tage viel gelernt und die Zeit zusammen schien noch ganz andere Dinge zu erwecken. Eh ich etwas dagegen tun konnte, setzte sie sich auf meinen Schoß und küsste sanft meinen Hals. Kurz dachte ich darüber nach, was nun passieren würde, doch lehnte diese Gelegenheit nicht. Entspannt stützte ich meinen Rücken hinten an der Lehne des Stuhls ab und legte meine Hände an ihren Po, der jedoch durch ihre zu große Jogginghose verdeckt wurde. Ungebremst steckte ich einer meiner Hände in ihre Hose. Sie trug nur wenig Stoff darunter, was mein Blut immer mehr in Wallung brachte. Für ihre Unwissenheit wusste Vriska jedoch ziemlich gut, was sie da tat. Provokant griff ich immer stärker in ihre Backen, worauf sie ungezügelter reagierte. Draußen war es bereits dunkel und ich konnte nicht riskieren mit ihr so gesehen zu werden. So schaltete ich das Licht aus und trug sie zum Bett. Eine kleine Nachttischlampe schaltete sie ein und ich schloss die Tür hinter mir. Durch das einzige Fenster im Raum war es nicht möglich hereinzuschauen, auch die Milchfolie verhinderte dies. Eh ich selbstständig mein Shirt über den Kopf ziehen konnte, übernahm sie das Ganze. Doch ich konnte es nicht zulassen, dass Vriska die treibende Kraft sein würde. So drückte ich bestimmend weiter nach hinten ins Bett, legte eine Hand an ihrem Hals worauf hin sie genießend die Augen schloss. Meine andere steckte ich in ihre Hose, was ihr zu gefallen schien. An ihrer Bauchmuskulatur spürte ich ein Zucken und nahm Hände wieder weg. Bevor ich mich meiner Hose entledigte, zog ich ihr ihre aus. Leicht verängstigt zog sie ihre Beine nach oben und dann sah ich, was sie versuchte zu verstecken. Gezeichnet von einem Krieg gegen sich selbst, schämte Vriska sich für ihre Narben. Unkommentiert zog ich Beine wieder zu mir und küsste die Innenseite. Langsam arbeitete ich mich über ihren Bauch nach oben zu ihrem Hals. Für einen Moment schauten wir uns tief in die Augen. Ohne weiter darüber nachzudenken, küsste ich sie auf den Mund und zog mich nah an sie heran.
      “Denkst du, das ist richtig?”, wendete ich ein und flüsterte ihr ins Ohr.
      “Ich will gerade nichts anderes”, antwortete Vriska und küsste meinen Hals wieder. Doch ich stütze mich mit meinen Armen etwas weiter von ihr entfernt ab, um sie besser angucken zu können. Vorsichtig drückt sie sich etwas nach aufrechter nach oben.
      “Ich möchte nur sicher gehen … w-weil das mit Ju wirkte, so ernst”, erklärte ich dann.
      „Willst du nicht? Dann kannst du auch gehen. E-Es tut mir leid“, antworte sie beschämt und wollte sich die Decke hochziehen, auf der wir lagen. Ich sagte nichts, zog ihr Shirt aus und drückte sie ins Kissen. Da es ihr erstes Mal war, ging ich so behutsam vor, wie es mir nur möglich war. Immer wieder bettelte sie nach mehr und konnte nicht genug von mir kriegen.
      Um nicht noch mehr Aufmerksamkeit zu erregen, stellte ich mich unter die Dusche. Das Wasser prasselte an mir herunter. Ich konnte förmlich spüren, wie meine Anspannung von mir floss. Als ich die Tür öffnete, rief Vriska noch aus dem Schlafzimmer: „Sehen wir uns nachher wieder zum Lernen oder Lernen?“ Dabei betonte sie das zweite Lernen deutlicher und es war eindeutig was sie meinte. Natürlich überlegte ich, dass Ganze zu wiederholen, doch fürs Erste war meine Lust gestillt. So antwortete ich mit einem normalen lernen und verließ den Raum. Am Feuer saßen noch immer die anderen, so entschied ich mir noch ein Bier zu nehmen, eh ich mich zu Ju setzte.

      Lina
      “Na, genug wissen angehäuft”, begrüßte ich Niklas der gerade wieder zu uns gekommen war.
      “Natürlich, in der Theorie kann ich nun perfekt Tölt reiten und sogar Fehler korrigieren. Vielleicht sollte ich das mit Smoothie morgen mal machen, schließlich ist Vriska sie vor ein paar Tagen bereits einige Schritte getöltet. Nur, weil sie keine hohen Lektionen mehr laufen sollte, kann sie ruhig noch neues Lernen”, erzählte er triumphierend und nahm einen kräftigen Schluck aus seiner Flasche.
      “Ich bin mir ziemlich sicher, sie kann auch so noch, dass ein oder andere lernen, schließlich ist sie ja nicht doof”, sagte ich lächelnd. Ich bin mir ziemlich sicher das Smooth zwar top erzogen ist, aber das ist sicherlich noch Potenzial für den ein oder anderen kleinen Trick. Ich schätzte Niklas nicht gerade als den Typ ein, der seinem Pferd kleine Spielereien beibrachte.
      “Nein, bis auf weitere Gänge kann sie alles. Sonst wären wir nie so weit gekommen”, prallte er ein wenig.
      “Ich meine auch weniger Sache, die sie unter dem Sattel lernen kann. Ich meine eher kleine Tricks, nicht nötig, aber gut fürs Köpfchen”, erklärte ich Niklas.
      “Was denkst du denn bitte? Das meine Pferde reine Sportgeräte sind? Smooth kann alles, wirklich alles. Ich würde es dir jetzt präsentieren, aber es ist schon ziemlich dunkel und vor allem auch spät”, antwortete Niklas und zog aus seiner Hosentasche die Packung Zigaretten, die er am Flughafen gekauft hatte. Er bot welche in der Gruppe an, aber lehnten höflich ab.
      “Nein, natürlich sind deine Pferde keine Sportgeräte, aber mir wird hier immer vorgehalten, dass das Mädchenkram sei”, sagte ich.
      Prüfend warf er einen Blick in seine Hose. “Nog … Nej. Ich denke, dass das auch Männerkram sein wird. Oder Ausnahmen bestätigen die Regel. Smooth kann sogar eine Kapriole als den höchstmöglichen und vollkommenen aller Sprünge. Mein Opa war immer der Meinung, dass das Pferd erst am Boden vollständig versammelt werden muss, eh Übungen im Sattel abgerufen werden können.”, klärte er uns alle auf.
      “Beeindruckend. Ich denke auch, dass die Bodenarbeit heutzutage sehr unterschätzt wird.”, stimmte ich zu.
      “Ich denke, wir sollten alle langsam ins Bett. Es ist gleich 2 Uhr”, merkte Ju an, während alle anderen bereits die Augen zu fielen.
      “Oh, schon so spät. Ja, dann sollten wir wirklich langsam ins Bett gehen”. Tatsächlich fiel mir erst jetzt auf wie müde ich eigentlich schon war. Müde stand ich von meinem Stuhl auf und streckte mich ausgiebig. Meine Knie waren steif vom Langen herumsitzen. Alec und Samu waren bereits vorgelaufen.
      “Gute Nacht”, murmelte ich mehr als, dass ich es aussprach und setzte mich auch in Bewegung. Mühsam folgte ich den beiden, denn meine Beine trugen mich nur noch mit Mühe ins Haus. In meinem Zimmer angekommen, tauschte ich noch schnell meine Klamotten gegen mein übergroßes Schlafshirt und ließ mich ins Bett fallen.

      Vriska
      Der Trubel draußen verstummte. Einerseits hätte ich mich noch dazugesetzt, andererseits wäre ich sicher nicht in der Lage gewesen mich normal zu verhalten. Vor allem, weil mein ganzer Körper schmerzte, auch am nächsten Morgen. Im Bett waren noch Spuren von gestern zu erkennen. Das dunkle Handtuch von mir konnte das nötigste aufhalten, doch einige Blutflecken übersäten die Bettdecke und das Bettlaken ebenfalls. Im Schrank fand ich keine neuen Bezüge. Nach einer Dusche waren die Schmerzen besser, aber ich war noch weit weg von einem normalen Gang. Im Saal, in dem wir die letzten Tage frühstückten, sah ich niemanden. Einige Stimmen vernahm ich von draußen. Heute saßen wir wohl wieder auf den Bänken auf der Wiese. Die Pfützen waren getrocknet und durch die Sonne strahlte eine angenehme Wärme aus. Der Tau auf den Gräsern ließ das Licht glitzern und genauso fühlte ich mich. Eine Energie floss durch meinen Körper, die nur schwer beschreiben konnte. Irgendwie war ich glücklich. Ju saß allein mit Samu am Tisch also schrieb ich Lina eine Nachricht, bevor ich mich dazu gesellte. “Guten Mooooorgen. Ich habe ein Problem, ein Mädchen Problem. Kannst du mir später einen neuen Bettdeckenbezug und ein neues Bettlaken geben? Bis gleich.”, tippte ich auf den Bildschirm meines Handys ein und drückte auf Senden. Mein verändertes Gangbild wurde natürlich direkt gemerkt.
      “Na, was den mit dir passiert?”, scherzte Ju. Wusste er es? Konnte Niklas seine Schnauze nicht halten? Aber würde er dann nicht anders reagieren?
      “Ich hatte in der Nacht einen Krampf und seitdem tut es immer noch weh”, erklärte ich nach einem Moment und setzte mich dazu.

      Niklas
      Bedenklich betrachtete ich die Spuren an meinem Rücken, die Vriska hinterlassen hatte. Am Feuer war es gestern Abend zu dunkel, um das jemand etwas mitbekommen haben könnte, doch jetzt bei Tageslicht waren die Kratzer wirklich stark zu sehen. Aus meiner Tasche holte ich das Teamshirt, dass in der ganzen Zeit nur einmal trug. Ju war schon vorgegangen zum Frühstück, sodass ich mich in Ruhe fertig machen konnte, ohne mich erklären zu müssen. Die Unordnung hatte sich wieder breitgemacht und begann in der kurzen Zeit etwas mehr Ordnung hereinzubringen. Den Tisch konnte man wieder als diesen erkennen, dass ich beruhigt zum Frühstück gehen konnte. Ju und Vriska saßen bereits da und unterhielten sich. Samu wirkte etwas abwesend und aß sein Essen.

      Lina
      Mit einem laute surren weckte mich mein Handy, welches noch zusammen mit meinen Klamotten von gestern auf dem Boden lag. Ein Blick auf meine Wecker verriet mir, dass ich wieder einmal verschlafen hatte. Die halbe Nacht wach zu bleiben war definitiv keine gute Angewohnheit, die sich hier einschlich, seit die Besucher auf dem Hof sind. Ich war zwar noch Ultra müde, aber wenn ich den Tag nicht schon wieder ohne Frühstück starten wollte, musste ich wohl jetzt aufstehen. Also rollte ich mich aus dem Bett und sammelt als Erstes mein Handy vom Boden auf. Ein Blick auf den Bildschirm verriet mir das Vriska mir geschrieben hatte.
      "Morgen. Regeln wir nach dem Frühstück" antwortete ich ihr knapp. Ein Blick in den Spiegel verriet mir, dass ich genauso aussah, wie ich mich fühlte. Da ich mir gestern nicht die Mühe gemacht hatte, mich abzuschminken, bevor ich ins Bett fiel, sah ich aus wie ein Panda auf Drogen. Um erstmal wach zu werden und wieder auszusehen wie ein Mensch, beschloss ich erst einmal unter die Dusche zu schlüpfen. Die Klamotten von gestern sammelte ich vom Boden und warf sie auf dem Weg in den Wäschekorb.
      20 Minuten später fühlte ich mich wieder wie ein Mensch und sah zum Glück auch wieder so aus. Da ich bereit genug Zeit vertrödelt hatte und es draußen eh warm genug war, übersprang ich einfach die Haare föhnen. Ich keine Ahnung was heute an Programm anstand, beschloss ich lieber gleich Reitklamotten anzuziehen. So griff ich zu einer schwarzen Reitleggins und einem Shirt.
      Als ich aus der Haustür trat, stellte ich fest das heute erstaunlich schönes Wetter war. Die Sonne schien an einem nahezu strahlend blauen Himmel. Scheinbar hatte nicht nur ich das schöne Wetter bemerkt, denn anhand der Stimmen stellte ich fest, dass heute scheinbar wieder draußen gefrühstückt wird.
      Wie ich es bereits erwartet hatte, war ich die letzte die auftauchte, nein nicht ganz Jace war auch nicht da und Alec sah so, als würde er gerade ein Frühstück für seine Kumpel fertig machen, um es ihm zu bringen.
      „Morgen“ begrüßte ich alle die schon am Tisch saßen.
      “Guten Morgen, ich würde fragen, ob du gut geschlafen hast, aber deine Körperhaltung sagt alles aus”, entgegnete Ju und biss vom Brötchen ab. Ich hätte jetzt gerne einen blöden Kommentar gemacht, doch im Gegensatz zu mir, sah er ziemlich wach aus.
      Also beließ ich es dabei und holte mir lieber erst einmal etwas zu essen. Meine Wahl fiel auf ein Brötchen mit Frischkäse und einen Obstsalat. Mit meinem Essen begab ich mich zurück zu den anderen und setzte mich hinzu.
      “Hat einer von euch schon die Trainer gesehen?”, fragte Ju dann.
      “Nein, aber ist schon komisch. Vielleicht sollte ich mal gucken gehen”, wand Niklas ein und stand auf.
      “Was denkt ihr, ist los? Wer am nächsten dran ist, hat einen Wunsch frei”, scherzte Vriska.
      “Wer weiß, vielleicht hatten die auch eine lange Nacht”, scherzte ich und erntete dafür gleich einen tadelten Blick von Samu.
      “Was denn sind auch nur Menschen”, sagte ich trotzig zu Samu.
      “Wir werden es sicher gleich erfahren”, kam es von Ju wenig später und zeigte auf Niklas, der auf dem Weg zu uns war.
      “Den beiden geht es nicht so gut, vermutlich ein Sonnenstich. Wir sollen heute an unserer Kür arbeiten. Bei Fragen sollen wir anrufen.”, erklärte er und setzte sich wieder. Auf seinem Handy tippte Niklas etwas und steckte es wieder weg.
      “Kling als würde das heute ein entspannter Tag werden”, stellte ich fest und begann meinen Obstsalat zu essen.
      “Deiner vielleicht Prinzessin. Ich muss zwei Pferde arbeiten, die beide nicht für eine gute Kür bereit sind.”, stichelte Niklas.
      “Du glaubst aber auch, dass ich hier zum Spaß bin, oder? Ich habe auch zu arbeiten. Nathalie und Masko werden sich wohl nicht von selbst bewegen”, protestierte ich. Gerade Masko wird eine Herausforderung werden, die Stute ist nicht besonders gut gelaunt, wenn man sie ein paar Tage nicht vernünftig arbeitet.
      “Dann wünsche ich dir viel Erfolg dabei”, grinste er mich an und verließ den Tisch. Ju folgte ihm.
      “Und du willst immer noch nach Schweden?”, flüsterte mir Samu unschuldig zu.
      “Ja”, motzte ich ihn an.
      “Vielleicht sollte ich einfach zu meinen Pferden gehen, die sind wenigstens still”, fügte ich noch hinzu und begann mein Brötchen zu essen, denn ohne Frühstück wollte ich dann doch nicht reiten.

      Niklas
      Mit dem Halfter bewaffnet, lief ich nach draußen, um meine Stute zu holen, die fröhlich auf der Weide graste. Als ich Smoothie rief, spitze sie die Ohren und kam freundlich zu mir. “Na meine Hübsche”; begrüßte ich sie, legte das Halfter um ihren Kopf und erzählte ihr leise von der vergangenen Nacht. Ich hoffte darauf, dass sie mir eine Antwort geben würde, wie es nun weiter gehen könnte. Doch sie sagte nichts. Natürlich. Was habe ich auch erwartet? Am Tisch fiel es mir schwer den Augenkontakt zu Vriska zu suchen, denn sie wirkte so glücklich. In mir machten sich jedoch einige Schuldgefühle breit. Sowas kannte ich vorher nicht. Das Bedürfnis mich bei Ju zu entschuldigen, kam auch immer wieder auf oder mit jemanden zu sprechen. Doch jeden denn davon erzählen würde, würde es schlecht machen. Aber es war gar nicht schlecht, ganz im Gegenteil. Am Hof sah ich sie dann, wie sie ihren Hengst fertig machte. Da aber Smoothie genauso viel Lust hatte wie ich in der Nacht, würde das nicht gut enden. Wortlos lief ich an den Beiden vorbei und band meine Stute vor dem Stall an. Ich holte den Putzkasten und reinigte ihr Fell ausgiebig. Dabei stellte ich fest, dass ihre Hüfte leicht nach rechts kippte, obwohl sie geschlossen stand.
      “Wieder zu viel getoppt auf der Weide?”, fragte ich sie.
      “Nö, heute nicht”, hörte ich Vriska aus dem Stall antworten.
      “Fan, jag menade min hästen (Man, ich meinte mein Pferd.)”, antwortete ich etwas genervt und wand mich wieder meiner Stute zu. Doch provokant stellte sie sich an das Tor des Stalls, das einige Meter links von mir war.
      “Något annat? (Noch was?)”, drehte ich mich zu ihr und zog die Brauen hoch.
      “Nein.”, antwortete sie und verschwand wieder. Smoothie schien genauso viele Fragezeichen im Kopf zu haben. Bevor ich mit ihr arbeiten werden, musste die Kruppe wieder gerichtet werden. Vorsichtig stellte ich mich hinter das Pferd, legte die Zeigefinger neben den ersten Kreuzbeinwirbel und drückte in die Haut. Langsam zog ich sie entlang der Wirbel bis zur Schweifrübe. Ich merkte wie ihre Muskulatur darauf reagierte. Einige Male wiederholte ich diese Übung. Dann streckte ich das rechte Hinterbein noch vorn und hinten. Smoothie arbeitete auch jetzt super mit. Noch einmal kontrollierte ich die Verschiebung und stellte eine deutliche Verbesserung fest. Damit konnte ich sie beruhigt satteln. Wie immer setzte ich keinen Helm auf, sondern stieg direkt am Anbinder auf. Heute hatte ich zur Abwechslung die Springkandare rumgemacht und ritt auf den Reitplatz. Das Tor war geschlossen, sodass ich vom Pferd aus, mich zu diesem lehnte, Smoothie über den Schenkel herantreten, ließ und ohne es loszulassen, durchritt. Aufmerksam wartete meine Stute jede Hilfe ab und tritt, ohne das Tor zu berühren hindurch. “Jättebra (super gemacht)”, lobte ich sie und strich über ihren Hals. Am langen Zügel ritt ich sie einige Runden im Schritt, damit sich vor allem ihr Sprunggelenk aufwärmen konnte.

      Lina
      Nach dem Frühstück hatte auch ich mich auf den Weg zum Stall gemacht. Ich hatte beschlossen mich, als Erstes mit Maskotka zu beschäftigen. Die Fuchsstute war die letzten Tage ein wenig kurz gekommen. Mit Halfter bewaffnet ging ich zur Koppel, wo die Stute bereits am Zaun stand. Unfreundlich sah sie mir entgegen. “Na, du scheinst ja gut drauf zu sein heute”, begrüßte ich sie. Unbeeindruckt von ihr gehabte streifte ich ihr das Halfter über und wollte mit ihr zum Putzplatz gehen. Die Pläne der Stute schienen allerdings anders zu sein, denn sie begann sich aufzuspielen, aufgeregt, um mich herumzuspringen, so war sie nun mal, die kleine Diva. Einen Tag keine Bewegung und das sonst so freundliche Verlasspferd wurde ein wenig verrückt. Wenn ich heut nicht im Sand landen wollte, war es wohl die klügste Entscheidung sie heute nicht zu reiten. Unser Weg zum Putzplatz dauerte heute ein wenig, da Madam ständig der Meinung war an mir vorbeirennen zu müssen und ich sie dann korrigieren musste. Da ich die Stute heute eh nur Longieren wollte, beschränkte ich das Putzen lediglich auf ihren Kopf, was schon genug Herausforderung war. Die große Stute hielt es für eine hervorragende Idee ihren Kopf einfach so hochzunehmen, dass ich nicht mehr drankam, was bei einem Zwerg wie mir nicht sonderlich schwierig war. Als ich dann endlich den Kappzaum auf der Giraffe hatte, wollte ich mich eigentlich in die Longierhalle bewegen, du musst allerdings feststellen, dass Matt sich bereits mit Elvish Beauty darin befand. Da in der kleinen Halle sicher auch irgendwer war und wir in der großen nicht Longieren dürfen, bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als mit Masko auf den Reitplatz zu gehen. Mit der Stute im Schlepptau machte ich mich also auf den Weg dorthin. Kaum hatte Masko Niklas entdeckt, der gerade Smoothie aufwärmte, begann sie wieder sich aufzuregen.
      Die Stute tat so als hätte sie noch nie ein anderes Pferd gesehen, begann zu schnaufen wie eine Lok und bewegte sich keinen Zentimeter Vorwärts, dafür aber etliche Schritte zur Seite und nach hinten.
      “Na gut, wenn du nicht vorwärts willst, dann halt Rückwerts”, sagte ich zu der Stute und begann sie Rückwärts zuschicken, bevor ich es erneut mit Vorwärts versuchte. Nach 4 Versuchen fand die Fuchsstute das ganze immerhin blöd genug, um mir dann doch auf den Platz zu folgen. Doch kaum hatte ich die Mitte des unteren Zirkels erreicht, schoss die Stute los und riss mir dabei die Longe aus der Hand.
      “Wie wäre es denn, wenn du sie erst mal einfach laufen lässt, statt sie in irgendeine Position zu zwingen?”, schlug Niklas vor und brachte mir die Stute an der Longe wieder. Entspannt lief sie neben Smoothie her. Es war doch einfach unfair, dass ihm jedes Pferd einfach so folgte.
      “Würde ich ja gerne, aber die Halle ist belegt”, murrte ich und nahm mein Pferd wieder entgegen. Masko stand auf einmal wieder da, als wäre nie was gewesen, ob das jetzt an dem kurzen Sprint über den Reitplatz lag oder an etwas anderem war mir allerdings nicht so ganz klar.
      “Hier ist doch sonst keiner, lass sie machen. Ich weiche dann einfach aus”, sagte er und trabte Smoothie am langen Zügel an.
      Einfach machen lassen, dass ließ sich die Stute natürlich nicht zweimal sagen. Kaum war sie frei, rannte sie bockend über den Platz. Es dauerte bestimmt 5 Minuten, bevor sie vom Galopp in einen flotten Trab fiel und begann, abzuschnauben. Allmählich schien sie sich auch daran zu erinnern, dass es da ja noch jemanden gab, denn sie wurde immer langsamer und begann sich mir wieder anzunähern.
      “So, hübsche genug getobt?”, fragte ich die Stute, als sie nun vor mir stehen blieb. Ein Schnauben war die einzige Antwort, die ich erhielt. Dennoch schien die Stute nun um einiges Kooperativer zu sein, denn diesmal hielt sie mir sogar ihre Nase entgegen, als ich die Longe wieder einhakte, sodass ich tatsächlich noch ein wenig mit ihr arbeiten konnte.

      Vriska
      Tatsächlich hätte ich von ihm wirklich mehr erwartet, vermutlich liegt es aber auch in meiner Natur mehr in etwas hineinzuinterpretieren. So schnappte ich mir meinen Hengst und suchte nach einem Ort zum Üben. Auf dem ganzen Hof waren Leute mit ihren Pferden beschäftigt. Lina war zusammen mit Niklas auf dem Reitplatz, was ich mir ersparen wollte. In der Halle hörte ich Linh, Milena und Max sprechen und in der kleinen Reithalle waren auch Leute. So guckte ich mich verzweifelt um und entschied mich für ein Training im Wald. Im Schritt ritt ich weiter und betrachtete noch mal den Himmel, eh ich mich darauf konzentrierte, meinen Hengst ordentlich vorwärtszureiten. In meiner Schulter kam wieder der Schmerz vom Unfall durch, sitzen auf dem Sattel schmerzte ebenfalls im Becken und meine Rippen taten auch weh. Ich fühlte mich in dem Moment überhaupt nicht wohl auf meinem Pferd, was auch Glymur spürte. Unruhig schlug er mit dem Kopf und tänzelte vorwärts. Seine Schritte waren verkürzt, wodurch er immer härter im Rücken wurde und auf der Vorderhand das Gewicht lagerte. Ich hatte Probleme damit ihn richtig zu reiten, so gab ich ihm die Zügel und ließ ihn einfach machen, ohne weiter darüber nachzudenken. Entspannt schnaubte Glymur ab und streckte seinen Kopf Richtung Boden. “Weißt du, vielleicht sollte ich es wie Milena machen. Mir jemanden vom anderen Ufer suchen, dann kann ich es nicht mehr darauf schieben, dass alle Männer Idioten sind”, schimpfte ich mit mir selbst. Glymur tippelte weiter fröhlich vor sich hin. Eh ich weiter sprach, schaute ich mich paranoid um. Ich hatte das Gefühl, dass wir beide nicht allein waren. Doch mein Pferd schien nichts zu sehen. Einem Fluchttier sollte man in solchen Fällen vertrauen, denn ich bin hier die Verrückte. Erleichtert tätschelte ich seinen Hals und sprach weiter: “Normalerweise würde ich meine Freude in die ganze Welt herausschreien, doch Milena kann ich es nicht erzählen, die rastet aus und wenn Anna das dann noch mitbekommt, bin ich Hack. So, Lina kann ich es auch nicht erzählen, da sich gerade was entwickelt und ich mich da nicht einmischen möchte. Schließlich hatte ich das in die Wege geleitet. Vielleicht sollte ich Jenni anrufen.” Ich merkte, dass sich meine Anspannung etwas legte und auch Glymur aktiver mit der Hinterhand wurde. Am langen Zügel trabte ich ihn an aber hatte Probleme damit im Sattel zu sitzen. So parierte ich ihn wieder durch und bereitete den Hengst auf das Tölten vor. Deutlich bequemer saß ich im Sattel und meine Schmerzen wurden erträglicher. Im Kopf schwirrte weiterhin die vergangene Nacht und die Gefühle, die sie mit sich brachte. Natürlich hatte ich mir mein erstes Mal anders vorgestellt, weniger spontan, mehr romantisch. Doch es war die richtige Entscheidung, redete ich mir ein.
      Als ich am Horizont wieder den Hof sah, überkam es mich. Diese Traurigkeit, die mich seit Tagen begleitete und gestern von einem auf den anderen Moment verließ. Es war ein schwarzes Loch in mir, dass mich verschlag und immer weiter machte. Ich fing an zu weinen. Während ich mit meinen Händen versuchte, die Tränen aus meinem Gesicht zu wischen, sah ich meinen Eyeliner an meinen Fingern, der sicher nun überall kleben wird. Eh ich die letzten Meter zum Stall auf mich nahm, atmete ich tief durch und stieg ab. Mit gesenktem Haupte lief ich vorwärts, stolperte über eine Wurzel und versuchte mich am Zügel zu halten, was Glymur für eine schlechte Idee hielt. Hektisch zog er seinen Kopf nach oben. Mit dem Rücken zum Boden lag ich da und schaute in den Himmel. Einige wenige Wolken zogen an mir vorbei und mein Hengst stupste mich freundlich im Gesicht an. Ich lachte und stand auf. Jetzt hätte ich wenigstens eine gute Ausrede für mein Make-up Unfall.

      Lina
      Nachdem Maskotka dann doch noch recht kooperativ mitgearbeitet hatte, beendete ich das Training. “Gut gemacht” lobte ich die Stute und steckte ihr ein Leckerli in die Schnauze, bevor ich mich auf dem Weg zum Tor begab. Verschwitzt und zufrieden folgte mir die Stute brav vom Platz und kaute auf ihrem Leckerli rum.
      “Was hältst du von einer Dusche Masko”, sagte ich zu der Stute und steuerte zielstrebig die Waschbox an, wo ich sie kurz alleinstehen ließ, um ihr Halfter zu holen. Entspannt stand sie dort und wartete, als ich zurückkam.
      Im Gegensatz zu vorhin streckte sie mir diesmal den Kopf entgegen, sodass es deutlich einfacher war ihr den Kappzaum ausziehen. Nur beim Abspritzen, hampelte sie so rum, dass ich anschließen nasser war als die Stute selbst.
      “Danke, aber eigentlich habe ich heute schon geduscht, Masko”, bedankte ich mich bei der Stute, die sich daraufhin nur schüttelte. Zum trocken stellte ich sie draußen in der Sonne ab und holte noch ihr Futter.
      “Mit wem hast du denn eine Wasserschlacht gemacht”, fragte Jayden amüsiert, der gerade mit Walking On Sunshine vorbeiritt.
      “Mit dem Pferd da, sieht man doch”, antworte ich und deutete auf die nass glänzende Maskotka.
      “Na, wer weiß schon mit wem du so deinen Spaß hast”, stichelte er.
      “Ach halt doch die Klappe”, murrte ich ihn an.
      “Was habe ich denn verpasst?”, scherzte Niklas, der nun auch mit Smoothie zurückkam und mich deutlich von oben bis unten musterte.
      “Eigentlich wollte ich mein Pferd duschen, aber es hat mich geduscht” antworte ich ihm.
      “Da werde ich glatt neidisch”, gab er zu und nahm den Sattel vom Rücken seiner Stute.
      “Ich hätte dich ja eingeladen, wenn Masko vorher gefragt hätte”, gab ich grinsend zurück. Masko legte kurz die Ohren an, als Smooth neugierig an ihrer Schüssel schnupperte.
      “Ey, benimm dich Masko”, tadelte ich die Stute und schon gingen die Ohren wieder in normal Stellung.
      “Ich schätze, das hätten die Beiden von selbst geklärt”, klärte Niklas mich auf und ging nun auch mit ihr zur Dusche. Da er sah, wie ich ihm nachschaute, zog er provokant sein Shirt auf und duschte sein Pferd. Als er sich umdrehte, sah man viele Kratzer auf seinem Rücken.
      “Sag mal in was für einen Busch bist du den Gefallen? Und vor allem wann, soweit ich weiß, haben wir kein Gebüsch auf dem Reitplatz”, fragte ich misstrauisch und betrachte seinen Rücken.
      “Ach das?”, fragte er etwas scheinheilig. “Das ist nichts, Mücken”, antwortete Niklas, ohne weiter etwas zu erklären, was gar nicht seine Art war.
      “Mücken?”, fragte ich wenig überzeugt, denn wie Mückenstiche sah das nicht aus.

      Vriska
      Bevor ich den Boden näher kennenlernen durfte, war es vor dem Stall ruhig. Nun schied es eine Großveranstaltung zu werden. Aufgeragt tänzelte Glymur neben mir her. Erst als ich fast neben Lina stand, sah ich Niklas der seine Stute abduschte, die Glymur schon auf einige Meter verrückt machte. Doch auch merkte, wie mein Verstand von mir floss. Anders als erwartet trug er Spuren von letzter Nacht auf sich, seinem Gesichtsausdruck zufolge, hatte Niklas es ebenfalls vergessen. Für einen Moment schien es, dass wir zusammen im Boden versinken wollten. Das einzige Wort, was ich hörte, war Mücken, was ich nutzen musste. Innerlich spürte ich wieder die letzte Nacht und musste mich wirklich zusammenreißen, dass mein Kopf nicht rot anlief.
      “Ach, bei dir waren sie auch heute Nacht?”, versuchte ich cool zu bleiben. Auch Glymur an Masko vorbeizuführen, wirkte sehr willkürlich und unkontrolliert.
      “Das müssen aber sehr hungrige Mücken gewesen sein!”, wirklich überzeugt klang Lina nicht. “Aber was ist dir denn passiert Vriska”, fügte sie dann bei einem Blick auf hinzu.
      Zum Glück wechselte sie das Thema auf mein Gesicht, was nicht besser aussah als sein Rücken. “Ich bin dahinten über eine Wurzel gestolpert und auf meine Schulter gefallen. Glymi war heute schrecklich, deswegen wollte ich absteigen und den Rest laufen”, erklärte ich Lina glaubwürdig. Im Augenwinkel sah ich, dass Niklas sein Shirt wieder anzog. Zum Glück. Den auf der Saubsaugerunfall auf seiner Brust war noch sichtbar.
      “Ja, die Erfahrung mit den seltsamen Pferden durfte ich heute auch schon machen”, sagte sie nur.
      “Aber du bist gleich wieder trocken, ich muss mich neu schminken”, maulte ich leicht herum, nahm den Sattel runter und warf in ins Gras. Dann führte ich den Hengst zurück auf seine Koppel. Beinah stolperte ich noch einmal über die Wurzel.

      Lina
      Irgendwie scheinen heute alle Lebewesen hier ein wenig seltsam zu sein. Aggressive Mücken, die scheinbar nur bestimmte Leute anfallen, Pferde, die ein wenig wild drauf sind und Vriska die scheinbar vergessen hatte, wie man läuft, bestätigten diese These. Während die Stute noch ihr Futter mampfte, setzte ich mich auf den Zaun. Erst beim Abstützen bemerkte ich, dass die Hand, aus der mir Masko die Longe gerissen hatte, von einem hübschen roten Streifen geziert wurde, den nun langsam begann weh zu tun und hier und da sogar Blasen zu werfen.
      “Wann lerne ich denn endlich mit Handschuhen zu longieren”, schimpfte ich vor mich hin. Gerade bei Maskotka hätte ich mir denken können, dass so etwas passiert, schließlich war es nicht das erste Mal, dass die Stute sich losriss.
      „Am besten Kühlen und Betaisodona drauf“, kommentierte Niklas, als er seine Stute zurückbrachte und an mir vorbeilief.
      “Na danke für den Tipp”, murmelte ich. Masko hatte endlich aufgefressen und somit brachte erst ihre Schüssel und dann auch die Stute weg. Natürlich fand sie sich viel zu sauber nach der Dusche und warf sich direkt wieder in den Sand auf der Koppel.
      Mit einem seufzen schloss ich das Tor hinter Masko. Eigentlich wollte ich jetzt direkt mit Nathalie weitermachen, doch jetzt musste erst mal meine Hand aufhören zu brennen. Also begab ich mich in die Küche, wo ich erst einmal einen gefühlten Liter Wasser über meine Hand laufen ließ.
      “Mal wieder ohne Handschuhe longiert?”, fragte Samu beiläufig, der sich gerade etwas zu trinken aus dem Kühlschrank holte.
      “Jap., sieht ganz danach aus”, antworte ich ihm leicht genervt, da ich mich auf eine Belehrung seinerseits bereit machte. Doch zu meiner Überraschung drückte er mir lediglich kommentarlos die Salbe in die Hand und verschwand wieder. Schon den ganzen Morgen lang hatte er kaum etwas zu mir gesagt, ob das mit dem Telefonat von gestern zusammenhing? Ich sollte ihn später noch mal ansprechen. Im Haus war es kühl. In Kombination mit meiner immer noch nassen Klamotte ein wenig zu kühl. Also beschloss ich, mein Zeichenzeug aus meinem Zimmer zu holen und mich zum trocken in die Sonne zusetzten.

      Niklas
      Dank Jayden fand ich Lina recht schnell. Sie saß im Gras mit ihrem Zeug. Vor einigen Tagen beobachte ich sie bereits dabei, was mir nun sehr gelegen kam. Auch wenn mir nach dem gestrigen Streit nicht ganz wohl bei der Sache war, musste ich das nun tun.
      “Lina?”, fragte ich vorsichtig, um sie nicht zu erschrecken.
      “Ja, anwesend”, antwortete sie und blicke von ihrer Zeichnung auf.
      “Ich habe morgen den Termin fürs neue Tattoo und wollte dich fragen, ob du Lust hast dir vielleicht was Kleines auszudenken? M-Musst du nicht machen, ich dachte nur … ich dachte, es sei eine schöne Idee.”, stammelte ich etwas herum und es fiel mir schwer den Blickkontakt zu halten.
      “Was hast du dir das Ungefähr vorgestellt?”, fragte sie. Erstaunlicherweise schien sie gerade recht gut gelaunt zu sein.
      “Was Cooles? Ich weiß es nicht. Nie gehe mit Plan irgendwo rein, aber immer mit einem Tattoo raus.”, erklärte ich und setzte mich dazu.
      “Was Cooles ist aber keine hilfreiche Angabe”, sagte sich schmunzelnd. “Aber mal sehen, was mir so einfällt. Fangen wir doch mal an mit der Frage: Wo soll es überhaupt hin?”, fragte sie mich nun.
      “Entweder auf die linke Schulter oder Nacken. Meine Arme sind schon voll”, sagte ich und gucke mich auf meinem Armen nach einer freien Stelle um. Viel Auswahl gab es da nicht, wenn ich meine anderen Motive nicht bedecken wollte.
      “Na, das ist ja schon mal ein Anfang und wie groß soll das ganze werden?”
      „Nicht größer als meine Handfläche“, überlegte ich und zeigte sie ihr.
      “Und verfolgst du auch noch ein genaueres Konzept als was Cooles? Einen bestimmten Stil, ein Thema oder so?”, fragte sie weiter und ließ ihren Blick über meine Arme schweifen.
      “Kleines, stell mir doch nicht so komplizierte Fragen.”, begann ich zu maulen. “Hauptsache Schwarz, leichte Schattierung. Bisher habe ich einen Kompass, Wolken, einige Spielkarten, die Rose auf der Hand, eine Waffe und der Rest sind Muster.”
      “Na gut, dann warte mal einen Moment”, sagte sich und begann zu zeichnen. Kurz guckte ich zu, doch meine Aufmerksamkeitsspanne ähnelt eher einer Fliege. Ich legte mich auf den Rücken, hielt mein Handy über den Kopf. Chris hatte wieder Bilder geschickt, diesmal war es eine blonde Dame mit großer Oberweite. Kurz warf ich einen Blick zu Lina, die konzentriert über ihrem Blatt hing. Ich swipte weiter und guckte mir die Errungenschaften der anderen weiter. Auch Bilder, die ich von Anna und Milena machte, sah ich. Da fiel mir auf, dass für meine Sammlung Vriska fehlte und ich irgendwie noch an Bilder rankommen musste. Dann tippte Lina mich an und steckte mein Handy schnell in die Hosentasche.
      “So, das ist natürlich noch nicht ganz fertig, aber das wäre meine Idee”, präsentierte sie mir ein paar Minuten später eine grobe Skizze.
      “Ja, sieht doch super aus.”, sagte ich und guckte mir ihre Kunst an. Auch blätterte ich unbedacht im Block, ohne weitere Zeichnungen zu finden und gab es ihr zurück.
      “Kommst du dann morgen mit?”, fragte ich sie, während ich aufstand.
      “Ja, ich würde gerne sehen wie dieses Kunstwerk auf deine Haut landet”, antwortet sie.
      “Schön, dann morgen um 11 Uhr geht es los. Danke für deine Hilfe”, erklärte ich ihr und ließ sie allein. Mein Weg führte mich wieder zu Ju, der im Zimmer saß und an der Kür arbeitete.

      Lina
      Relativ gut gelaunt zeichnete ich noch weiter an dem Entwurf für Niklas Tattoo. Es war angenehm in der Sonne und vor allem, was ich so langsam auch wieder trocken. In etwas Entfernung nah, ich Schritte wahr und blickte auf. Jace und Alec gingen über den Hof. Irgendwie sah Jace aus als hätte er nicht sonderlich gut geschlafen. Bisher hatte ich verdrängt was gestern zwischen mir und Jace passiert war, doch jetzt Tat er mir wieder ein wenig leid. Bei den Aktionen, die er gebracht hatte, hätte ich niemals gedacht das ich ihm so wichtig war.
      Einen Moment lang wollte ich die Zeit zurückdrehen und den gestrigen Abend ungeschehen machen, bis mir mein Gehirn wieder sagte, dass es besser so war. Lieber die harte Wahrheit als sich ein Konstrukt aus Versprechungen aufzubauen, die eh nie in Erfüllung gehen werden.
      Seufzend legte ich den Stift beiseite, die Lust am Zeichnen war mir vergangen. Jetzt brauchte ich irgendeine andere Ablenkung, am besten eine Vierbeinige.
      Kaum hatte ich den Gedanken fertig gedacht, tauchte die kleine graue Katze auf die seit ein paar Monaten immer mal wieder hier auftauchte. Anklagend setzte sie sich vor mich ins Gras und maunzte mich an.
      “Du hast bestimmt Hunger, oder?”, fragte ich die magere Katze. Seit ich die kleine Entdeckt hatte, stand immer eine Dose Futter in der Küche. Also sammelte ich mein Zeug an und stand auf. Maunzend strich mir die Katze um die Füße und ich musste mir Mühe geben nicht über sie drüber zu fallen, während ich ins Haus lief. Drinnen legte ich mein Zeichenkram auf den Tisch und nahm eine kleine Schüssel aus dem Schrank. Erwartungsvoll sprang die Katze auf die Anrichte und beobachte, wie ich das Futter in den Napf gab.
      “Bitte schön, kleine”, sagte ich und stellte die Schüssel vor die Katze. Misstrauisch schnupperte sie an dem Inhalt, bevor sie zögerlich begann zu fressen.
      Ziemlich schnell hatte sie alles aufgefressen. Sanft strich ich der Katze über ihr weiches Fell, bevor ich die leere Schüssel wegräumte.
      “So, jetzt musst du aber wieder raus hier, die anderen haben dich nicht gern im Haus”, sprach ich mit der kleinen Katze und hob sie von der Theke. Statt einfach in meinen Armen zu bleiben, wühlte sie sich raus und kletterte auf meine Schultern.
      Mit der Katze auf der Schulter verließ ich die Küche wieder und begab mich nach draußen.

      Alec
      Mit viel Mühe und Einfühlungsvermögen hatte ich Jace endlich dazu bekommen aus seinem Zimmer zu kommen. Er hatte einfach die halbe Nacht in seinem Bett gelegen und bewegungslos die Decke angestarrt. Zum Frühstücken hatte ich ihn auch nur bekommen, weil ich es ihm auf Zimmer gebracht habe. Unglaublich so fertig hatte ich meinem besten Freund tatsächlich noch nie erlebt.
      “Und du möchtest immer noch nicht sprechen?”, fragte ich ihn während ich meine braune Stute trenste. Wortlos führte Jace seine Scheckstute zur Aufstiegshilfe.
      “Dann halt nicht”, sagte ich zu mir selbst und folgte ihm nach draußen. Jace stieg bereits auf und machte sich nicht mal die Mühe auf mich zu warten. Schnell stieg ich auf und ließ Keks neben Jace Stute traben. Wenn er nicht reden möchte, werde ich ihn so lange nerven, bis er es doch tun würde.
      Eine ganze Weile ritten wir schweigend nebeneinanderher, bis Jace auf einmal seine Stute auf einer kleinen Sonnenbeschienen Lichtung anhielt. Auch ich hielt meine Stute an und warte einfach was weiter passieren würde.
      “Alec…”, begann er nach einer Weile mit rauer Stimme. “... ich glaube, ich habe mich noch nie so… So leer gefühlt”, setzte er fort und starrte in den Wald vor uns. Ich sagte erst einmal nichts, sondern hörte ihm nur zu.
      “Ich dachte wirklich sie sei die eine”, erzählte er weiter und ich schwieg noch einen Moment, um ihm den Raum zu lassen, noch mehr zu sagen. Außerdem kamen nun auch in mir alte Gefühle hoch. Damals, noch bevor ich mich geoutet hatte, war ich in Jace verliebt gewesen, hatte es ihm allerdings nicht gesagt.
      “Weißt du Jace, manchmal hat das Schicksal andere Dinge für Menschen vorgesehen, die uns sehr am Herzen liegen. Dann muss man selbst stark sein und die Menschen ziehen lassen, auch wenn es noch so sehr schmerzt”, sagte ich mitfühlend. Ich konnte Jace Gefühle nur zu gut nachvollziehen, aber gleichzeitig wusste ich auch, dass es für mich damals gut gewesen war, Jace loszulassen. Wäre ich ewig dem unmöglichen nachgejagt hätte ich niemals Magnus kennengelernt und wäre vermutlich auch nicht geoutet.
      “Irgendwann wird auch dein großer Tag kommen”, fügte ich noch aufmunternd hinzu.
      Jace sah mich nur mit einem Blick an, in dem so viele Gefühle lagen, wie ich es bei Jace noch nie erlebt hatte.
      “Soll ich wieder meine Klappe halten?”, fragte ich. Jace antworte damit, dass er sein Pferd wieder antrieb, und ich folgte ihm still.

      Vriska
      Die Wärme wurde immer unerträglicher, weswegen ich den Entschluss fasste mich im Shirt an den Tisch im Wohnzimmer zu setzten. Immer wieder blickte ich verzweifelt auf meine Uhr, auf der die Zeit nicht verging. Vor mir langen die Unterlagen über die Führung eines landwirtschaftlichen Betriebs und ich konnte nicht von mir behaupten, wirklich motiviert zu sein. So blätterte ich also in den Seiten der zusammengehefteten Blätter hin und her, in der Hoffnung mir etwas zu merken. Doch die Worte schwirrten nur vor meinen Augen, ohne dass etwas davon verstand. Das lag jedoch nicht an den Unterlagen an sich, sondern meiner Lustlosigkeit. So beschloss ich es, fürs Erste sein zulassen. Unmotiviert schmiss ich mich mit dem Kopf voran in das frisch bezogene Bett und schrie ins Kissen, bis ich Schritte hinter mir vernahm. Panisch drehte ich mich um. Ju stand im Raum, betrachtete die Unterlagen. Mit seinen großen Augen blickte er mich an.
      “Klarar du dig? (Kommst du klar?”, fragte er mit einem ironischen Unterton.
      “Jovisst … (Ja, natürlich)”, murmelte ich leise und drehte mich zurück ins Kissen. Wortlos setzte er sich zu mir und legte seine Hand auf meinen Rücken. Schmerzerfüllt drehte ich mich wieder um.
      “Was willst du denn?”, fragte ich ihn gestresst.
      “Jetzt entspann dich doch mal. Ich wollte nur gucken, ob alles okay ist, seit ein paar Tagen bist du so komisch.”, antwortete Ju und wirkte besorgt.
      “Ach, kennen wir uns schon so lange, dass du das beurteilen kannst?”, regte ich mich auf. In mir stieg grundlos die Wut auf.
      “Es nervt mich, dass du immer so schlechte Laune hast, es an mir auslässt, obwohl ich nicht Ansatzweise für deine Unzufriedenheit kann. Wenn’s dir passt, kannst du dich gern wieder melden.”, sagte er nun deutlich angespannt und verschwand wieder. In mir zog sich alles zusammen und ich schrie wieder ins Kissen. Warum bin ich so? Kann ich mich nicht normal verhalten wie alle anderen? Ich stellte fest, dass Kanada noch immer um mich herum war und ich nicht einfach in Wald zu meinem Hochstand gehen konnte. Vermutlich würde es hier auch so etwas geben, doch mit hoher Wahrscheinlichkeit würde ich nie wieder zurückfinden. Mein Handy half dabei auch nicht. So kramte ich wieder nach meinem Pulli, zog die Kapuze über den Kopf und lief raus zur Weide zu meinem Hengst. Auf dem Weg sah ich Linh bei Ju sitzen. Genervt wendete ich den Kopf wieder nach vorn und blickte zu Boden. Diesmal achtete ich mehr auf den Untergrund, um nicht erneut zu stürzen. Glymur graste fröhlich mit seiner Decke und hatte in dem Moment rein optisch einige Übereinstimmungen mit mir.

      Lina
      “Und was machen wir zwei jetzt?”, fragte ich die kleine Katze. Natürlich bekam ich keine Antwort.
      “Na gut, wenn das so ist, müssen wir wohl mal schauen, ob uns was über den Weg läuft”, meinte ich zu der Katze und begann über den Hof zu schlendern. Irgendwie war nichts los auf dem Hof. Auf einmal sprang mein kleiner Passagier von meiner Schulter und lief zielstrebig auf die Reithalle zu und verschwand aus meinem Blickfeld.
      “Na, wo willst du denn auf einmal hin”, murmelte ich und folgte der Katze. Samu ritt gerade Lifesaver. Die kleine Katze ließ sich gerade auf der Bande nieder und ich gesellte mich dazu, was dazu führte, dass der Schimmelhengst seine Konzentration verlor und ausfiel.
      “Na, wen hast du denn da mitgebracht”, fragte nun Samu, der seinen Hengst zu uns rüber trotten ließ.
      “Na sieht man doch, eine Katze. Die kleine taucht immer mal wieder hier auf”, erklärt ich und beobachtete Lifesaver wie er neugierig die Katze beäugte. Vorsichtig streckte Lifey die Nase nach dem grauen Fellbündel aus. Die Katze schien recht wenig an dem Pferd interessiert, denn sie schmiegte sich lieber an mich und begann zufrieden zu schnurren.
      “Scheint ganz so als fände dein Pferd die kleine deutlich interessanter als sie ihn”, sagte ich lachend zu Samu, denn der Schimmel beschnupperte neugierig den zuckenden Schwanz der Katze.
      “Sieht ganz so aus” erwiderte Samu lachend. “Aber eigentlich wollte ich heute reiten und nicht hier herumstehen”, fügte er dann noch hinzu und versuchte seinen Hengst wieder in Bewegung zu setzen, der die Katze allerdings deutlich spannender fand
      “Na, wenn der Herr nicht gestört werden möchte, gehen wir dann wohl”, erwiderte ich und hob die Katze von der Bande, um sie nach draußen zu tragen. Draußen sprang sie auf den Boden und verschwand hinter der Halle.
      Gut, ich hatte bis jetzt auch schon genug Zeit vertrödelt, ich sollte nun wirklich Nathalie holen. Kurz darauf stand ich mit der Scheckstute am Anbinder und putzte sie. Für heute hatte ich mir vorgenommen zu testen wie die Stute mit festen Hindernissen und Wasser zurechtkommen würde, da sie dabei ohnehin wieder dreckig werden wird, beschränkte ich das Putzen auf die notwendigen Stellen. Somit hatte ich die Stute recht schnell gesattelt und war bereit zum Losreiten. Doch halt, während ich an den Schutz meines Pferdes gedacht hatte, hatte ich meinen fast vergessen.
      “Warte süße”, sagte ich zu Nathalie und parkte sie vor der Sattelkammer, um Weste und Helm zu holen. Als ich wieder auf die Stallgasse trat, musste ich leider feststellen, dass Nathalie nicht brav gewartet hatte, sondern geradewegs auf der Stallgasse herumspazierte.
      “Heute hast du es aber eilig”, rief ich meinem Pferd hinterher. Die Stute dachte nicht daran mich zu beachten, sondern spazierte lieber in die geöffnete Box neben ihr, um den Futtertrog auszukundschaften.
      “Na, erst die Arbeit”, sagte ich zu der Stute, als ich sie in der Box einsammelte und zum Aufsteigeblock führte. Immerhin blieb die Stute bei Aufsteigen artig stehen. Zum Aufwärmen beschloss ich erst einmal eine kurze Runde, um den Hof zu drehen und im flotten Schritt lief die Stute los.

      Vriska
      Während ich jeden Biss ins Gras meines Hengstes betrachtete, kam mir eine Idee für einige Stunden nicht von mir zu weisen und weiter das Gespött vom Hof zu sein. In der Hütte hatte ich in meiner Tasche noch Stuff übrig von Ambrose. Auf dem Weg dorthin meldete sich mein Schrittzähler, der sich darüber freute, dass ich das heutige Ziel erreicht hatte. Genervt entfernte ich die Meldung. Länger als ich dachte, kramte ich in meiner Tasche, bis ich fündig wurde. “Komm’ Vriska”, sagte ich zu mir selbst und baute mir Tütchen, nahm meine Schachtel und Feuerzeug nach draußen. Direkt auf dem Hof wollte ich niemanden belästigen, lief also durch den großen Toreingang weg. Ein prüfender Blick verriet mir, dass ich allein war und zündete ihn an. Entspannt setzte ich mich ins Gras und rauchte die viel zu große Tüte auf. Die Zeit schien an mir vorbeirennen und lehnte mich nach hinten ins Grüne. Wenige kleine Wolken huschten am Himmel vorbei und ich spürte einen Windzug in meinen Pulli ziehen. Ich merkte, dass sie Hitze immer unerträglicher wurde, so zog ich das zu große schwarze Ding aus und legte mich zurück. Vielleicht sollte ich doch mit Lina drüber sprechen, überlegte ich. Doch auch in diesem Zustand fand ich es keine gute Idee. Stattdessen griff ich nach meinem Handy und suchte nach Jenni als Erstes auf Instagram. Bevor ich mich bei ihr meldete, musste ich wissen, was sie überhaupt machte. Den Vorteil hatte meine Mädchen schon immer, sie posten jeden Nonsens. Natürlich tat ich das damals auch. So entdeckte ich, dass auf meinem Profil noch mehr Bilder von damals waren, als ich dachte. Kurz musste ich darüber nachdenken, ob ich das noch bin. Ja. Das bin ich noch. Schnell kam ich auf den Beschluss, dass diese Fahrt viele Dinge von mir wieder hervorbrachte, die ich in Deutschland innerhalb weniger Wochen ablegen konnte. Nun festigte sich das alles wieder. Jenni schien zu Hause zu sein, natürlich. Es müsste in England 21 Uhr sein. Ich fand auch heraus, dass sie noch immer mit den anderen um die Häuser zog. In meinen Nachrichten suchte ich nach ihr und schrieb: “Hej Jenni. Es tut mir leid, dass ich mich nie gemeldet hatte, seitdem ich nicht mehr zu Hause bin. Seit dem Vorfall bei meinem Vater musste ich viel verarbeiten und war nicht bereit dazu mich bei alten Freunden zu melden. Falls du Zeit hast, ich brauche deine Hilfe. Dringend. In Liebe, Vriska”. Dann steckte ich mein Handy weg, stand auf und lief wieder zum Hof. Nach dem Durchqueren des großen Tors vibrierte mein Telefon bereits. Zittern nahm ich es aus der Hosentasche. Ich las: “Hey Vriska. Du weißt doch, ich bin immer da, wenn du mich brauchst. Freud mich von dir zu hören, auch wenn es nach einem unschönen Anlass klingt.” In meinem Kopf drehte es sich. Jeder Schritt, den ich lief, fühlte sich an, als würde ich schweben. Das Zeug kickt. So musste ich erst einmal stehen bleiben im Schatten, um ihr Antworten zu können. “Ich habe mit einem Typen geschlafen. Das erste Mal. Und es ist der zukünftige Freund von einer neuen Freundin.”, versuchte ich mich kurzzufassen. Im Kopf flogen wieder die Momente der letzten Nacht herum und ich spürte ein Kribbeln in meinem Bauch. Es fiel mir schwer daran zu glauben, was passierte. “Klingt doch nach keinem großen Drama, klar ist nicht cool von dir, aber es gehören immer Zwei dazu und solang es noch nichts Ernstes mit den Beiden ist, mach dir nicht weiter Gedanken. Irgendwann kannst du es ihr erzählen, aber auf keinen Fall jetzt. Das geht dich nichts an. Aber ich muss dann auch ins Bett. Lass uns morgen doch mal morgen telefonieren”, hatte sie schon geantwortet und ich hielt mich kurz mit “Okay”, bevor ich es wieder in meine Tasche steckte. Jenni fand immer die richtigen Worte, die jemand hören wollte. Zufriedener lief ich weiter und sah Samu einen Schimmelhengst zum Stall führen. Da ich immer noch den Schmerz im ganzen Körper hatte, gab ich mein Bestes in dem Zustand zu ihm zu laufen. Mein Mitteilungsbedürfnis war noch immer groß, so suchte ich noch Rat bei ihm. Zumindest versuchte ich es. Den Beiden nachzukommen stellte sich eine große Schwierigkeit heraus.

      Samu
      Nach der kurzen Unterbrechung von Lina und der Katze, hatte Lifey noch hervorragend mitgearbeitet, sodass ich das Training relativ bald beendete. Zufrieden sabbernd lief er neben mir her. Auf dem Putzplatz nahm ich ihm die Trense ab und erst durch den aufmerksamen Blick des Schimmels die Stallgasse hinunter bemerkte ich Vriska, die sich näherte.
      “Kann ich dir irgendwie helfen?”, fragte ich die junge Frau hilfsbereit.
      Es dauerte einen Moment, bis sie antwortete: “Weiß auch nicht so richtig. Irgendwie zerfrisst es mich von innen.”
      Irgendetwas schien ihr auf dem Herzen zu liegen.
      “Möchtest du darüber reden?”, fragte ich freundlich, während ich meinem Hengst das Halfter überstreifte und ihn anband.
      “Ich habe was getan, worauf ich nicht stolz bin, aber ich bereue es nicht, empfinde es nicht als Fehler. Es war nur falsch und nicht nett gegenüber Anderen.”, murmelte sie, ohne den Blickkontakt zu suchen, stattdessen guckte sie zum Boden.
      Sie antworte überaus rätselhaft, weshalb es gar nicht so einfach ist eine Antwort auf ihre Frage zu finden. Doch es war offensichtlich das, was auch immer es ist, ihr das ganz schön zu schaffen macht.
      “Wer sagt denn, dass es falsch ist? Nur weil etwas nicht nett ist, muss es nicht gleich falsch sein”, antworte ich ein wenig nachdenklich, während ich Lifesaver absattelte.
      “Weil ich damit die Gefühle von anderen verletzt habe oder noch könnte. Das ist doof, aber ich weiß auch nicht. Mir hat’s Spaß gemacht und ich würde es jederzeit wieder tun.”, erklärte sie.
      “Schwierig… Die Frage ist die, ob dir deine oder die Gefühle der anderen wichtiger sind und bei der Entscheidung kann dir eigentlich nur dein Gewissen helfen”. Ihre Lage schien nicht ganz einfach zu sein und ich würde ihr gerne hilfreicher Ratschläge geben, doch sobald es um die Gefühle von außenstehenden geht, muss jeder persönlich abwägen.
      “Okay … Danke für deine Zeit. Ich geh’ dann lieber”, verabschiedete Vriska sich und schien nicht ganz anwesend zu sein.
      “Kein Problem, ich helfe gerne, wo ich helfen kann”, sagte ich noch, während Vriska sich schon entfernte. Ich fühlte mich leicht unwohl, dass ich ihr nicht wirklich helfen konnte, doch bei der Sache kann sie sich leider nur selbst helfen.
      “Na, komm kleiner, dann bring ich dich mal auf die Koppel”, sagte ich seufzend zu meinem Pferd und löste die Anbinder von seinem Halfter.

      Niklas
      Zusammen mit Ju erarbeiteten wir die Kür weiter, bis er nach einem Blick auf sein Handy, ohne etwas zu sagen das Zimmer verließ. Versunken über meinem Plan für Humbi, verblieb ich im Zimmer, bis ich seltsame Geräusche wahrnahm. Vriska irrte Gedanken verloren umher und führte Selbstgespräche.
      “Kann man dir helfen?”, fragte ich höflich und lehnte mich aus dem Fenster des Zimmers mit den Unterarmen gestützt auf dem Fensterbrett.
      “Ich habe Hunger”, flüsterte Vriska und kam näher.
      “Dann komm’ rein, wir haben noch was”, bat ich sie rein und half ihr durchs Fenster. Ungeschickt blieb Vriska mit ihrem Fuß hängen, stolperte und fiel geradewegs in meine Arme.
      “Nog? Du bist heute stürmischer als sonst … obwohl, wenn an letzte Nacht denke”, begann ich.
      “Lass mich los”, nörgelte Vriska und blickte hoch zu mir. Ihre Augen waren feuerrot, was viel darüber aussagte, wieso sie so drauf war. Ich ließ sie los und ging zum Kühlschrank, um ihr das Mittagessen aufzuwärmen.
      “Nee, lass das Schnitzel darauf”, meckerte sie, als ich begann zu sortieren. Ohne zu antworten, legte ich alles zurück auf den Teller und erwärmte alles in der Mikrowelle. Konzentriert blickte sie zu dem Essen, das sich drehte. Das Piepen des Gerätes erschreckte sie auf. Freundlicherweise holte ich den Teller aus der Mikrowelle und stellte ihn auf den Tisch. Dann setzte ich mich dazu. Genüsslich begann sie zu Essen und ich scrollte mich durch endlose Bilder auf meiner Timeline. Immer wieder bekam ich die Benachrichtigung über neue Likes und auch Follower. Es schien, als würden die Leute nie schlafen. Vermutlich wird die Zeitverschiebung auch sein Teil dazu betragen.
      “Wie schaffst du das eigentlich?”, unterbrach Vriska die Ruhe.
      “Mhm?”, guckte ich von meinem Telefon auf und legte es Beiseite.
      “Du bist so … normal. Als wäre gestern nichts passiert”, murmelte sie vor sich hin und schob den leeren Teller von sich. Dann sprach sie weiter: “Du gibst mir etwas zum Essen, sitzt hier einfach so. Als hätte nichts eine Bedeutung.” In meinem Kopf spielten sich wieder die Szenen vom Abend ab. Es war nicht das erste Mal heute, natürlich dachte ich daran und fühlte mich schlecht dabei, dass sie behauptet, dass es mir nichts bedeuten würde. Als hätte nichts eine Bedeutung für mich.
      “Das stimmt so nicht”, begann ich mich zu verteidigen und versuchte sie etwas aufzumuntern: “Wir hatten einen schwachen Moment, wir brauchten einander. Und jetzt geht es weiter, wie vorher. Es ist alles cool.”
      Ihre Blicke sagten alles. Für sie konnte es nicht einfach weitergehen wie immer. Am liebsten hätte ich mich selbst geohrfeigt für diese Worte, denn damit traf ich einen Nerv bei ihr. Einen, der offensichtlich gut geschützt wurde von einer Mauer aus Erinnerungen. Tränen liefen ihre Wangen herunter.
      „Kann ich dir jetzt irgendwie helfen? Meine Wortwahl war …“, ich pausierte, um das richtige Wort zu finden. So merkte ich, dass es nicht nur Buchstaben aufgereiht an anderen Buchstaben. Sie bedeuten mehr und viel mehr. „klumpig“ fiel es mir nur auf Schwedisch ein. Das zauberte ihr ein Lächeln auf die Lippen. „Unbeholfen? Ungeschickt?“, half Vriska mir. Ich nickte zustimmend.
      „Und nein, du kannst mir nicht helfen. Alles was ich nun sagen würde, wären Wünsche und keine wirkliche Hilfe“, fügte sie noch hinzu. Ich bemerkte ihre Blicke. Es waren die von letzter Nacht. In mir kribbelte es und mein Körper schien sich auf mehr vorzubereiten. Kurz schloss ich die Augen, denn es sollte nicht wahr sein. Tief atmete ich durch, eh ich wieder die Augen öffnete.
      „Das geht Vriska. Auf keinen Fall“, flüsterte ich.
      „Was geht auf keinen Fall?“, wiederholte Ju interessiert meine Worte, als er in das Zimmer hereinkam.
      „, Dass ich mich mal auf Humbi setze, ich wollte sie so gern mal näher kennenlernen aber weder sie noch ich sind schon so weit“, log sie fast fröhlich. Ihre Augen waren noch immer rot und auch ihre Wagen waren verschmiert mit schwarzer Farbe ihrer Augen. Es schien jedoch schon etwas länger so auszusehen.
      „Ach Mensch. Ich hab’s auch schon versucht“, stieg er mit ein und setzte sich dazu. Ihm fiel auf das etwas anderes war. Doch er fragte nicht.

      Lina
      Auf dem Weg zum Geländeplatz hatte ich Jace und Alec am Waldrand entdeckt, was meiner inzwischen doch recht guten Laune einen kleinen Dämpfer versetzte. Die beiden waren zwar zu weit weg, als dass ich eine Laune oder Ähnliches hätte deuten können, dennoch sagte mir mein Bauchgefühl, das Jace das ganz nicht so gut verkraftete wie Alec behauptete und mein schlechtes Gewissen meldete sich wieder. War es denn wirklich das richtige gewesen es ihm so direkt zusagen? Hätte ich es überhaupt sagen sollen? Zu diesen Zweifeln gesellte sich nun auch noch der Gedanke an Samus seltsames Verhalten vorhin im Haus. Normalerweise hätte er mir einen stundenlangen Vortrag gehalten, warum man nicht ohne Handschuhe longiert, dass ich meine Pferde gefälligst regelmäßig Bewegen soll und dass es reichlich dämlich ist mit einem unausgelasteten Pferd gleich auf den Platz gehen zu wollen. Doch, das hatte er nicht getan, aber in der Halle war er dann wieder so normal. Wie schaffen das alle immer so normal zu bleiben? Wobei was heißt, normal… Was ist denn normal überhaupt?
      Mein Gedanken wurde abrupt beendet, als Nathalie fast über ihre eigenen Füße fiel und ein wenig unsanft mit der Nase bremste. So viel zum Thema auf sein Pferd konzentrieren also. Scheinbar ist heute nicht der Tag, wo ich einem Pferd gegenübertreten sollte. Als Nathy sich wieder aufgerappelt hatte, stieg ich ab, um mir die Knie der Stute anzusehen, auf die sie gefallen war. Zum Glück war, außer ein paar Grasflecken dort nichts zu entdecken.
      Jetzt stellte sich nur die Farge wie ich wieder auf mein Pferd kommen sollte. Nathalie war mit ihren 170 für einen Zwerg wie mich ganz schön riesig und natürlich hatten wir keine Aufstiegshilfe auf dem Geländeplatz, da wir hier für gewöhnlich nicht zu Fuß unterwegs sind.
      “Vielleicht sollten wir einfach umkehren”, sagte ich ratlos zu meiner Stute. Diese schüttelte sich nur und sah nicht aus als wäre sie bereit mir zurück zum Hof zu folgen.
      “Na gut, du hast ja recht, du musst dich ja schließlich bewegen”. Einen Moment lang stand ich einfach nur dämlich in der Gegend herum.
      Freundlich stupste die Scheckstute mich an und erst da fiel mir auf, dass man Hindernisse wie Baumstämme auch als Aufstiegshilfe nutzen konnte.
      “Mensch Nathalie, ich glaube ich bin heute einfach nur dämlich”, sagte und schüttelte den Kopf über mich selbst. Mit der zugegebenermaßen recht späten Erkenntnis führte ich die Stute also zu einem der Baustämme, die auf dem Boden lagen und parkte sie dort so, dass ich Aufsteigen konnte. Natürlich kam jetzt Jayden um die Ecke, scheinbar nicht auf dem Weg zum Geländetraining, denn er saß ohne Sattel auf seinem Schimmel.
      “Vom Pferd gefallen?”, rief er mir belustigt zu.
      “Nein”, motze ich ihn an. “Bist du eigentlich nur hier, um mir auf die Nerven zu gehen?”
      “Also eigentlich, wollte ich dir nur behilflich sein, aber du scheinst ja wunderbar allein zurechtzukommen”, antwortete er und drehte seinen Hengst wieder um.
      Während Jayden wieder verschwand, kletterte ich alles andere als elegant auf mein Pferd, da ich die Höhe des Baumstamms wohl ein wenig überschätzt habe.
      Zum locker werden begann ich nun Nathalie ein wenig über ein paar kleiner Hügel zu traben und anschließend das Ganze auch noch im Galopp. Die braun Weiße Stute arbeitet fleißig mir und galoppierte schön ruhig über die großen Flächen und auch die Wechsel sprang sie schön sauber.
      Als erstes Element wollte ich eine kleine Stufe mit der Stute testen. Dafür ritt ich erst einmal im Trab die Stufe hinunter. Die ersten Male fand die Stute es noch ein wenig gruselig und machte einen riesigen Satz, statt sich einfach fallen zu lassen, doch das legte sich recht schnell, sodass wir das Ganze auch recht schnell andersherum probierten.
      Nach der Stufe nahm ich ein paar kleine Sprünge im leichten Galopp die Nathalie, dank ihrer Springerfahrung problemlos meisterte. Natürlich schaute sie hier und da mal ein wenig komisch, doch sie sprang immer zuverlässig. Neben den Stufen und kleinen Hindernissen machte ich sie auch noch mit Wällen, kleinen Gräben und Untergrundwechseln vertraut.
      Wie ich es von der Stute kannte, arbeitete, sie steht bemüht mit und ließ sich auch nicht auf der Konzentration bringen. Jetzt stand also nur noch der Endgegner auf dem Plan. Das Wasser. Im Schritt ritt ich an das Wasserloch ran und ließ sie das ganze erst einmal in Ruhe beäugen. Es dauerte nicht lange, das steckte die Stute ihre Nase hinein und begann erst einmal zu trinken.
      “Prima”, lobte ich die Stute als sie dann auch von ganz allein die ersten Schritte in das nass wagte. Einen Moment lang ließ ich die Stute noch das Wasser allein erkunden bevor ich begann, erst im Schritt und anschließend auch im Trab und Galopp ein wenig durch das Wasser zu reiten. Offensichtlich machte Nathalie das Wasser sehr viel Spaß, denn als ich ca. 20 Minuten später unser Training beendete, hatte das Pferd und ich ein stylishes neues Punktemuster.

      Vriska
      Schneller als mir lieb war, ließ die Wirkung nach. Es fühlte sich an, würde mir jemand den Boden unter den Füßen wegziehen. Erschöpft stellte ich den Teller weg und wollte mich auf den Rückweg zum Zimmer machen, um weiter zu büffeln. Doch mein Plan ging nicht auf, den Niklas hielt mich auf.
      “Wir können für eine praktische Prüfung mit Humbi arbeiten, dann ist es wie reiten.”, schlug er vor. In der Tür drehte ich mich um, nickte und wir verabredeten uns bei ihm vor dem Zimmer. In mir machte mein Herz Luftsprünge und aufgeregt, zog ich mir meine Reithose an und ein langärmliges dünnes Shirt drüber.
      “Ich bin so weit”, sagte ich, als wieder am Zimmer von ihm stand.
      “Denkst du nicht, dass Humbi sollte sich erst mal an das alles gewöhnen?”, merkt Ju skeptisch an.
      “Ach, sie kann sich ruhig etwas mehr bewegen. Aus Informationen des Züchters weiß ich, dass sie täglich zwei Stunden trainiert wurde, so konnte die Bodenarbeit kaum etwas verschlimmern oder verbessern.”, verteidigte Niklas die Idee.
      Zusammen liefen wir zur Weide, auf der Northumbria genüsslich graste. Sie freute sich genauso sehr wie ich ihn zu sehen und kam zur Begrüßung an den Zaun. Mein Blick schweifte immer wieder zu Niklas, der konzentriert wirkte. Als er es bemerkte, drehte ich mich schnell zu seiner Stute.
      “Nun, dann fangen wir direkt hier an. Welche Verhaltensweise zeigt Humbi in Bezug auf ihre Umwelt? Was lässt sich dabei für die nachfolgende Arbeit ableiten?”, fragte er mich und setzte sich auf den Zaun. Neugierig stupste sein Pferd ihn in die Seite. Ich ging einige Schritte zurück, um das Pferd besser im Auge zu haben. Die Wärme der Sommer erhitzte mein dunkles Oberteil, ein wenig Schweiß lief meinem Rücken herunter.
      “Auf den Blick wirkt Humbi gelassen und aufmerksam. Doch ihr schlagender Schweif und den Rückzug zu dir zeigt, dass sie kein Vertrauen zum Menschen generell hat und nervös ist. Ihr Ohrenspiel ist zurückhaltend und sie hat die Umwelt ständig im Auge. Bei der Arbeit mit ihr sollte man immer darauf gefasst sein, dass ihr Verhalten umspringt oder die Signale anders deutet. Grundsätzlich vermute ich, dass Humbi motiviert ist und beim Vertrauen sich auf den Menschen verlässt.”, versuchte ich die Stute zu analysieren. Niklas sprang vom Zaun und Humbi ging einige Schritte mit angelegten Ohren zurück.
      “Ist doch schon mal ein Anfang. Dann hol sie mal raus und wir gehen auf den Platz”, erklärte er mir und reichte mir den Strick des Pferdes. Vorsichtig betrat ich die Weide. Die Stute stellte sich vor mir und hob den Kopf. Sie wirkte verunsichert und wollte mich versuchte mich zu verscheuchen. Freundlich streckte ich meine Hand vor ihren Kopf. Dieser senkte sich und mit ihren großen Nüstern beschnuppert sie mich. Ihre Körperhaltung verändert sich und macht mir den Weg frei. Einige Schritte ging ich auf sie zu und befestigte den Stick am Halfter. Ich streiche mit meiner Hand über den Hals der Stute, die deutlich größer war. Niklas hielt mir das Tor auf und zusammen verließen wir die Weide. Der Weg zum Stall verlief ohne Vorkommnisse und Humbi merkte, dass ich ihr nichts Böses wollte. So senkte sie immer, wenn nötig den Kopf, dass ich die Möglichkeit hatte sie vollständig zu Putzen. Bei dem Rücken half Niklas, da ich nicht viel sehen von diesem sehen konnte. Ich genoss den Moment der Zweisamkeit und wünschte, die Zeit würde stillstehen. Auch Humbria war sehr gelassen und döste in der Mittagssonne.

      Samu
      Nachdem ich den jungen Schimmelhengst auf die Koppel gebracht hatte, war nun der nächste Kandidat dran. Dieser wartete auch schon am Koppelzaun.
      Neugierig hatte Elf Dancer mich schon beobachtet, wie ich seinen Kumpel zurückbrachte.
      Wie immer ließ der braune Hengst sich brav einsammeln und folgte mir zum Putzplatz.
      Am Stall musste ich leider feststellen, dass mein Lieblingsplatz leider schon besetzt war.
      Niklas und Vriska, standen dort mit der neuen Stute, die nun neugierig den Kopf hob, als sie mein Pferd und mich bemerkte. Neugierig wie Elf nun mal war, blieb er natürlich stehen, um sich die Stute näher anzuschauen.
      “Hübsches Pferd hast du da”, sagte ich an Niklas gerichtet, während ich auch ein Blick auf die Stute warf.
      “Das weiß sie zu schätzen”, scherzte er und legte die Bürste zur Seite. Vriska wirkte etwas teilnahmslos da und verschwand, um das Kappzaum zu holen, dass Jayden ihnen zur Verfügung gestellt hatte.
      “Ich glaube bei dir weiß jedes Pferd zu schätzen, was es hat”. Auch wenn ich ihm immer noch ein wenig misstrauisch gegenüber war, das musste ich ihm dennoch zugestehen. Mit Pferden konnte er wirklich gut. Dancer begann nun am Strick zu ziehen und mit den Hufen zu scharen, weil er unbedingt näher an die Stute wollte.
      “Ist es ok für dich, wenn er mal schnuppert?”, fragte ich Niklas freundlich als mein Hengst den Hals immer länger machte. Auch wenn ich mir nicht die Gedanken machte, dass Elf Blödsinn im Kopf hat, mag es doch nicht jeder, wenn Hengste ihren Stuten zu nahekommen, zumal ich ja auch nicht weiß, wie die braune Stute reagieren wird.
      “Klar, sofern er nicht den nächsten Moment nutzt, ein Fohlen zu zeugen, ist doch in Ordnung”, schmunzelte er und ging einige Schritte zur Seite.
      “Keine Sorge, der ist sehr wohlerzogen”, sagte ich und gab Elf den Raum, um sich der Stute zu nähern. Mit freundlich aufgestellten Ohren näherte er sich einige Schritte und schnupperte neugierig an der Stute. Kurz quietschte sie und trat mit dem Vorderbein nach ihm. Dancer trat daraufhin zwar ein paar Schritte zurück, ließ sich aber nicht beirren und wollte die Stute weiterhin kennenlernen. Sie schien allerdings anderer Meinung zu sein, wenn man ihre Ohren so sah.
      “Das scheint mir so als fände die Dame dich nicht so interessant, Ruskea”, sagte ich dann zu meinem Hengst und strich ihm über den Hals.
      “Ich glaube, wir gehen dann mal, der große soll sich schließlich noch ein wenig bewegen” fügte ich dann an Niklas gewandt hinzu und führte den braunen Hengst in die Stallgasse.

      Vriska
      “Alles klar, sie muss sich noch daran gewöhnen mit anderen Pferden Kontakt zu haben. Wir werden gleich auf den Platz gehen. Vriska möchte noch Unterstützung haben für ihre Abschlussprüfung im Longieren und ich kann auch noch meine Übungen fürs Training für den Schein wiederholen.”, hörte ich Niklas zu Samu sagen, während ich mich noch in der Sattelkammer versteckte.
      “Sie ist nicht das erste Pferd, welches so auf anderes Pferd reagiert, wir haben hier auch den ein oder andern Kandidaten, der das erst lernen musste. Naja, und der Dicke hier ist ihr vielleicht auch einfach zu aufdringlich”, kam von Samu eine freundliche Antwort.
      Ich hörte, dass er sein Hengst weiterführte und verließ die Kammer.
      „Na, hattest du dich verlaufen?“, konnte Niklas sich nicht verkneifen.
      „Ich wollte nicht …“, wollte ich mich rechtfertigen, doch er unterbrach meine Worte: „Versteh‘ schon. Jetzt mach‘ sie fertig für die Doppellonge.“
      So stellte ich mich vor das Pferd und löste den Haken des Halfters ab der Ganasche. Nervös richtete sie ihren Kopf auf. Unbeholfen blickte ich Niklas an, der mit verschränkten angelehnt an der Wand stand.
      “Vielleicht solltest du erst mal lernen, wie man ein Pferd abhalftert, besonders bei deiner Größe”, scherzte er und kam näher. Er verschloss das Halfter erneut und ging zur Seite. Fragend beobachtete ich was Niklas tat. Mir war nicht klar, wovon er sprach, doch stellte ich mich wieder zu ihr, hielt ihr ein Leckerchen hin und wiederholte es. Humbi hingegen nahm das Leckerli und streckte wieder den Hals samt Kopf nach oben, als wüsste sie ganz genau, dass ich da nicht herankommen würde.
      “Offenbar ist sie dir nicht nur in der Größe überlegen”, lachte er.
      “Was soll das denn heißen?”, protestierte ich und verschränkte eingeschnappt die Arme.
      “Stell dich mit deiner rechten Schulter an ihren Hals, sodass du jeder Zeit mit deinem rechten Arm unter sie hindurch zu der anderen Seite des Kopfes greifen kannst. Dann senkt Humbria automatisch den Kopf und du kannst ohne Probleme alles machen”, erklärte er mir mahnend. Wieder mal blickte nur unbeholfen zu ihm aber versuchte es direkt. Die Art der Stute war direkt verändert. Sie legte entspannt den Kopf auf meine Schulter, so konnte ich das Halfter öffnen und über ihren Hals ziehen. Dann nahm ich den Kappzaum und legte es ihr an. Mit meinen Fingern kontrollierte ich, wie es saß. Passt, dachte ich. Einwände von dem Oberlehrer kamen keine, so konnte ich fortfahren und ihr den Gurt umlegen. Da ich ungern ihn ihr über den Rücken schmeißen wollte, fragte ich Niklas nach Hilfe. Statt mir den Gurt abzunehmen und der Stute diesen draufzulegen, hob er mich hoch.
      Auf dem Platz stand die Sonne und so gut wie kein Schatten legte sich über den Sand. Ein Blick in den Himmel verriet mir, dass sich das auch so schnell nicht ändern würde. Niklas setzte sich auf den Zaun des Platzes und legte sein T-Shirt neben sich. Abgelenkt guckte ich ihn an und Humbi machte sich selbstständig. Neugierig lief sie los zurück zum Tor.
      “Statt mich zu bewundern, solltest du dich auf das Pferd konzentrieren. Sie geht gerade”, mahnte er und ich guckte mich um. Fröhlich graste sie am Rand. Mit ihrem Hinterhuf stand sie auf der Longe, so musste ich langsam vorgehen, damit sie sich erschreckte. Ich sprach Humbria an, damit sie hörte, dass ich kam. Mit gespitzten Ohren drehte sie sich zu mir und die Longe zog fest am Kappzaum. Ich hob ihr mein Bein hoch und befreite sie. Sie streckte aufgeregt den Kopf nach oben, aber folgte mich im Anschluss. Zunächst liefen wir gemeinsam einige Runden im Schritt über den Platz. Mehr als dachte, schwitzte ich zu Tode und würde gern mich meines Shirts entledigen, doch ich wollte nicht meinen Rücken zeigen oder einen Sonnenbrand bekommen. Gelassen folgte sie mir, so beschloss ich die Doppellonge vollständig zu befestigen.

      Lina
      Nathalie hatte ich inzwischen abgesattelt und auf die Weide gebracht. Ich war gerade dabei das Tor zu schließen, als mich eine Nachricht erreichte.
      “Mach bitte heute noch Carry und Injaki, ich komme heute nicht dazu”. Die Nachricht kam von Hazel, eigentlich hätte sie heute die Pferde vom Chef übernehmen sollen, da er irgendetwas Wichtiges zu erledigen hatte, doch schien bar hatte sie kein gutes Zeitmanagement. Grundsätzlich hätte ich auch nichts dagegen die beiden zu übernehmen, doch da gab es ein kleines Problem.
      “Du weißt aber schon das ich von Western keine Ahnung hab”, antwortete ich ihr.
      “Aber du weißt, wie ein Pferd funktioniert, also geh mit denen Ausreiten oder was weiß ich”, bekam ich als Antwort. Na toll, sieht so aus als hätte ich jetzt zwei Westernpferde an der Backe. “Ok” tippe ich seufzend in mein Handy. Na toll, da ist heute schon eh nicht mein Tag Pferde mäßig und dann soll ich mich auch noch um zwei kümmern, dessen Sprache ich nicht sprach, Danke Hazel. Dann werde ich wohl einen Ausritt unternehmen und hoffen wieder mit Pferd auf dem Hof anzukommen, denn die Führanlage hatte heute Morgen leider ihren Geist aufgegeben und Daniel, der sich sonst um so etwas kümmerte, war leider im Urlaub. Vielleicht würde ich irgendwen finden, der mich auf einem Ausritt begleiten möchte, nur die Frage war wer.
      Samu war sicherlich noch mit seinen eigenen Pferden beschäftigt, Jayden hatte ich noch nicht wieder gesehen, Hazel hatte mir die beiden ja erst abgedrückt und der Rest hatte sicherlich auch zu tun. Naja, vielleicht hatte ich ja Glück und würde trotzdem jemanden finden. So lief ich also zurück zum Hof in der Hoffnung irgendwen zu finden, der so aussah, als sei ihm langweilig.
      Schon von Weitem konnte ich erkennen, dass Niklas neue Stute auf dem Platz war. Doch mit ein wenig Verwunderung stellte ich fest, dass nicht er mit der Stute arbeitete, sondern Vriska. Niklas saß entspannt auf dem Zaun und sah dabei zu, ohne Shirt wohlgemerkt, was bei der Hitze durchaus nachvollziehbar war. Ich selbst hatte mein Shirt, nachdem ich von Nathalie abgestiegen war, zusammengeknotet, um wenigstens nicht ganz zu schmelzen.
      Wie ich Niklas da so sitzen sah, fiel mir wieder ein, dass es eventuell doch noch eine Möglichkeit geben könnte, wie ich die beiden Hengste nicht reiten musste.
      “Eigentlich war ich auf der Suche nach jemandem, der mit mir Ausreiten geht, aber du kennst dich nicht zufällig mit Führanlagen aus?”, fragte ich Niklas und stellte mich neben ihn an den Zaun. Natürlich entgingen mir auch diesmal nicht die Kratzer auf seinem Rücken, doch ich beschloss lieber nicht weiter nachzuforschen. Ich würde eh nur wieder zu hören bekommen, dass es hier sehr aggressive Stechmücken gibt.
      “Vriska. Wärst du so freundlich die Frage zu beantworten?”, scherzte er und wandte sich seinem Sprössling zu. Etwas verwunderte ich zu ihr.
      “Wartung, Pflege, Reinigung und Prüfung von Maschinen sowie Geräten, Betriebsanlagen und elektrischen Anlagen gehört mit zur Prüfung zum Pferdewirt”, antwortete sie sichtlich genervt.
      “Also ja, kann ich. Können wir uns gern nach dem Unterricht mal anschauen”, grinste Niklas mich an.
      “Gott sei Dank, du bewahrst mich gerade davor mich auf zwei wahnsinnige Pferde zu setzen. Ich hatte heute genug Wahnsinn für einen Tag”. Ein Pulsieren in meiner Handfläche bestätigte mich darin. Zumindest für den Rest der Woche würde ich wohl an meine Handschuhe denken.
      “Wieso was ist, den so wahnsinnig an denen?”, fragte er freundlich und blickte zu mir.
      “Naja, mein Chef steht scheinbar auf bekloppte Pferde. Injaki, ist noch harmlos. Er ist halt eine kleine Diva. Aber Carry wollte, glaub ich, eigentlich beim Rodeo anfangen. Er lässt sich nur sehr widerwillig auf neue Reiter ein. Aber das viel größere Problem an den beiden ist wohl nicht ihr Charakter, sondern die Tatsache, dass es Westernpferde sind”, erklärte ich Niklas ein wenig erleichtert mich vor allem nicht auf den Paint Horse Hengst einlassen zu müssen. Der Hengst war bekannt dafür, schon so manchen guten Reiter auf den Boden geschickt zu haben.
      “Das kann ich nachvollziehen, aber ein Westernsattel kann schon ziemlich bequem sein, zumindest für Mann”, erklärte er und ein breites Grinsen erhellte sein Gesicht.
      “Na, das glaub ich dir, aber zumindest ich möchte heute keine nähere Bekanntschaft mit dem Boden machen”, erklärte ich, während ich Vriska und Humbi beobachtet. “Das hat Hazel schon ganz clever gemacht mir die beiden Wildfänge aufzudrücken. Hätte sie mir Blue oder so hingestellt hätte ich mich eindeutig mehr gefreut”, fügte ich noch hinzu.
      “Vielleicht hat sie ja irgendwas im Schilde oder will dafür sorgen, dass du bleibst”, vermutete er.
      “Das wäre aber ein ziemlich fieser Plan, das zu erreichen, indem ich vom Pferd falle, da würden mir bessere Pläne einfallen. Sie sollte sich lieber freuen, dass sie die Reitschule übernehmen darf.”, sagte ich und begann Gleichzeit darüber nachzudenken, ob er recht haben könnte. Aber auf welchem Grund könnte Hazel den wollen, dass ich hierbleibe?
      “Manche Menschen tun alles, um an ihr Ziel zu kommen”, erklärte Niklas. In dem Moment blickte auch Vriska zu uns. “Du konzentrierst dich mal mehr auf Humbi. Versuche sie etwas mehr zu Biegen, sie fällt immer wieder auf die Vorderhand und die Handwechsel müssen sauberer werden. Bevor du sie das alles im Trab machen lässt, übe erst mal weiter im Schritt. Sie sagt dir dann schon, wenn du etwas richtig oder falsch machst”, tadelte er sie. Vriska antwortete nicht, sondern bremste die Stute zurück in den Schritt und fasste die Longe neu.
      “Mag ja sein, aber man kann erst mit mir reden, bevor man versucht mich umzubringen. Ist nicht so als würde es mir nicht schon schwer genug fallen, dass alles hier verlassen. Immerhin ist das hier so was wie meine zweite Heimat”, murmelte ich. Schon waren sie wieder da, die Zweifel, ob die Entscheidung richtig gewesen war oder vielleicht viel zu spontan. Unbewusst begann ich an meinen Finger zu spielen.
      “Ach Kleines, entspann dich. Wird schon alles werden”, versuchte Niklas mich nun aufzumuntern und strich mir mit seiner Hand über die Wange.
      Augenblicklich hörten meine Finger auf sich zu bewegen. Dafür bohrten sich meine Fingernägel nun tief in meine Haut. Das wird schon, ein Satz, den ich bereits so oft gehört hatte, dass ich ihn normalerweise keinerlei Bedeutung gab. Doch heute war es anders, heute wollte ich es zumindest Glauben. Das wird schon wiederholte ich in meinem Kopf. Es wird alles gut werden. Die Entscheidung ist kein Fehler. All diese Sätze wiederholte ich in meinem Kopf und tatsächlich funktionierte es. Die negativen Gedanken verloren an Bedeutung, rückten in den Hintergrund und meine Finger verloren an Kraft.
      “Das wird schon”, flüsterte ich mehr für mich selbst und ein schwaches Lächeln stahl sich auf meine Lippen, als ich zu Niklas hochsah. Alles wird gut werden, wenn ich mir nicht selbst im Weg stehe.
      “Lina, hör mir zu. Im Leben gibt es Veränderungen, die sowohl positiv als auch negativ ausfallen können. Aber man muss manches erst einmal probieren und nicht davor wegrennen. Dein oder unser neues Leben in Schweden kann vieles mit sich bringen. Du kannst dich weiter entwickeln, zu einem noch besseren Menschen”, erklärte Niklas mir. Offenbar hatte er mehr mitbekommen als ich dachte. In mir regten sich direkt Gefühle von Hoffnung, dennoch dauerte es noch ein paar Sekunden bis auch mein Gehirn ansatzweise davon überzeugt war.
      “Du hast recht, ich muss mich das Unbekannte einlassen”, antwortete ich und war gleichzeitig ein wenig von mir selbst überrascht. Auch damals, als ich mit Samu ausgewandert war, hatte ich Angst vor der Zukunft gehabt, aber damals hatte ich meine Vergangenheit mit Freude hinter mir gelassen und nicht weitergedacht als bis zum nächsten Tag. Doch das hier war etwas anderes. Das hier könnte der Anfang von einem neuen Ich würde gut sein, auch wenn es bedeutete alles was ich in den letzten zwei Jahren erlebt, hatte hinter mir zu lassen.
      “Ich denke…”, setzte ich zögerlich an “ich bin bereit für etwas neues”, fügte ich halbwegs überzeugt hinzu und auch die letzte Anspannung verließ meinen Körper.

      Vriska
      Als ich beobachte und teilweise mithörte, wie Lina und Niklas sich unterhielten, spürte ich den Schmerz in mir. Den Schmerz, den ich in der Stallgasse gelassen hatte und nun hatte er den Weg zurück zu mir gefunden. Das wirkte sich auch auf Humbi aus. Immer wieder legte sie die Ohren und biss drohend nach mir. Niklas war noch immer mit Lina beschäftigt, so konnte ich ihn nicht nach Rat fragen. Stattdessen holte ich sie mir in die Mitte und lief im Schritt einfach nur herum. Auf eine gewisse Art beruhigte Humbria mich, denn sie reagierte sensibel auf alles, was ich tat. So musste ich genau aufpassen, was ich dachte und fühlte. Die Uhr verriet mir, dass schon 40 Minuten vergangen sind, so brauchte das Training mit ihr gar nicht mehr weiterzugehen. Wortlos verließ ich den Reitplatz, doch im Stall begannen wieder die Probleme, die wir beim fertig machen hatten. Frustriert, warf ich Gurt zur Seite.
      “Man”, beschwerte ich mich bei ihr. Plötzlich schien die Stute mir wirklich zuzuhören. Neugierig spitzte sie die Ohren und nahm ihren Kopf herunter. Schnell zog ich das Halfter über ihren Hals und nahm den Kappzaum ab. Niklas war noch immer nicht da, so brachte ich die Stute allein zurück. Im Stall brachte ich alles wieder in Ordnung und verschwand in meinem Zimmer.
      So wie der Gurt flog nun auch die Reithose in die Ecke, auch mein Shirt durfte sich dazu gesellen. Es war mir klar, dass es so nicht weiter gehen konnte. Kurzerhand schnappte ich mir mein Handy und schrieb Niklas eine Nachricht: “Jävat skit. Din jävla idiot. Berätta för henne eller gör det. Jag står inte ut med det längre. (Schei*e. Du bist so ein verdammter Idiot. Du sagst es ihr oder ich tue es. Ich halte das nicht mehr länger aus.)”
      Etwas erleichtert, legte ich es auf den Tisch und ließ mir im Badezimmer Wasser in Wanne ein. Meine Schmerzen im Unterleib wurden immer schlimmer und ich hoffte, dass es nach dem Bad besser werden würde. Nach einem Blick auf mein Telefon, auf dem noch immer keine Antwort war, legte ich es zurück und ging ins Badezimmer.

      Niklas
      “Also dann gleich wegen der Führanlage gucken?”, sprach ich das ursprüngliche Thema wieder an. Da fielen mir auch meine Worte wieder ein und bemerkte, dass Vriska nicht mehr da war. Eh eine Antwort von Lina kam, fragte ich sie: “Hast du mitbekommen, wo Vriska hin ist?”
      “Ähh Nein. Aber sie wird sich sicherlich nicht in Luft aufgelöst haben?”, antwortete sie mir irritiert.
      “Wäre nichts Neues, wenn sie auf einmal noch Superkräfte hätte”, scherzte ich. Dann vibrierte mein Handy und bekam eine Nachricht von ihr. Langsam wurde sie wirklich verrückt und das in weniger als 24h. Worauf hatte ich mich da nur eingelassen? Auf keinen Fall durfte Lina das erfahren, ich wollte das mit ihr nicht verlieren. Also musste ich eine Lösung finden, kurz überlegte ich, ob Mord eine Lösung wäre, doch das bringt auch nichts. Wie sollte man das Verschwinden begründen?
      “Möglich, dass sie auf einmal zaubern kann, aber ich vermute einfach mal sie ist in Richtung Stall gegangen, wie ein normaler Mensch”, lenkte Lina meine Aufmerksamkeit auf das Gespräch.
      “Ich schätze Vriska ist alles, außer normal”, murmelte ich und warf einen erneuten Blick auf mein Handy.
      “Wer ist denn schon normal”, antworte sie.
      “Ich denke schon, dass Ju und Samu deutlich näher an Normal dran ist als Vriska”, lachte ich.
      “Das mag sein, aber aus Erfahrung kann ich Dir sagen, nicht mal Samu ist normal. Wäre er das hätte er mich vermutlich schon damals für komplett bescheuert gehalten”, stimmte sie mir fröhlich zu.
      “Sie hat mir geschrieben und ist ziemlich sauer, vielleicht sollte ich mal gucken gehen”, log ich teilweise und verabschiedete mich. Da ich nicht genau wusste, was nun auf mich zukommen würde, bereitete ich mich auf alles vor.
      Vorsichtig klopfte ich an ihre Tür, keine Reaktion. Ich fühlte mich nicht wohl mit Gedanken ihr Zimmer zu betreten ohne Erlaubnis, doch ich ignorierte es. Aus dem Bad hörte ich sie fragen, wer da sei. Vorsichtig schob ich die Tür einen Spalt auf.
      “Was willst du? War meine Nachricht nicht eindeutig genug?”, fragte Vriska ziemlich genervt.
      “Doch, aber es geht nicht. Auf keinen Fall wird ihr das jemand sagen”, versuchte ich den Ernst der Lage zu schildern.
      “Und was habe ich davon, außer Schmerzen?”, fragte sie wieder und dachte wirklich etwas gegen mich in der Hand zu haben.
      “Das kannst du dir aussuchen”, schlug ich vor. Der Blick in ihrem Gesicht sagt vieles aus. Die Sache schien mir jedoch nicht so sicher zu sein, wie ich hoffte. Auch ihre Antwort dauerte mir persönlich etwas zu lange, um das es gut für mich verlaufen würde.
      “Wir lernen nachher”, sagte sie dann trocken. Unsicher nickte ich und schloss die Tür. Mehr oder weniger gut verlaufen. Worauf hinauswollte, lag in den Sternen. Diese Andeutung hatte sie gestern schon gemacht. Aber mir gefiel der Gedanke und erleichtert ging ich zurück.
      “Wollen wir dann jetzt mal gucken wegen der Anlage?”, schrieb ich Lina, während ich zum Zimmer lief.


      © Mohikanerin, Wolfszeit | 98.471 Zeichen

    • Wolfszeit
      Nationalteam IX | 1. April 2021
      HMJ Divine // Voilá // Carry On my Wayward Son // Injaki // Vakany
      Northumbria // Glymur // Kempa // Blávör


      Lina
      Nachdem Niklas verschwunden war, hatte ich beschlossen zu meinem Pferd zu gehen. Den gab es schließlich auch noch. Zum Glück hatte irgendwer ihn mit auf die Koppel gebracht, denn ich hatte es heute Morgen einfach vergessen. Zum Glück schien der weiße Hengst nicht nachtragend zu sein. Wie immer kam er freundlich ans Tor getrabt.
      “Na Süßer, du hast bestimmt schon gewartet”, begrüßte ich den Hengst und hielt ihm eine Möhre hin, die er auch sogleich wegknusperte.
      “Weißt du Ivy, heute ist einfach ein seltsamer Tag”, begann ich und kletterte auf den Zaun. Der Freiberger trat ein Stück zurück und begann mein Knie voll zu sabbern. Da ich eh noch mit Schlammspritzern bedeckt war, ließ ich ihn einfach machen.
      “Auf pferdiger Ebene läuft heute einiges falsch” erzählte ich dem Hengst. “Doch dafür scheint es ansonsten heute ganz ok zu laufen, auch wenn ich absolut nicht weiß, warum das so ist”. Mein Knie schien inzwischen uninteressant zu sein, denn der weiße Hengst begann nun lieber mein Handy in der Hosentasche zu inspizieren. Da das Pferd mir eh nicht zuhört, beendete ich das Selbstgespräch und ging dazu über ihn einfach nur zu beobachten. Neugierig, wie er war, begann Divine an der Hose zu knabbern.
      “Das kannst du nicht essen mein kleiner Prinz”, sagte ich, während ich das Handy aus der Tasche zog, um zu vermeiden, dass er noch ein Loch in meine Hose knabberte. Gerade als ich es in die Hand nahm, kündigte es durch ein kurzes Signal, den Eingang einer neuen Nachricht an. Die Nachricht war von Niklas, er wollte wissen, ob es sich jetzt die Führanlage anschauen sollte.
      “Jap, mache mich sofort auf den Weg. Ich bin in 2 min vorm Stall ”, antworte ich ihm.
      “Die Arbeit ruft, mein hübscher”, verabschiedete ich mich von meinem Pferd, welches inzwischen gelangweilt am Gras knabberte und kletterte wieder vom Zaun runter.
      Keine drei Minuten später stand ich auch schon im Hof und sah mich nach Niklas um.

      Niklas
      Im Zimmer wollte ich nur meine Hose wechseln, um dann Lina zu helfen, doch Ju hatte anderes im Kopf. Jetzt wurde mit klar, dass die Monstermücken noch immer offensichtlich waren.
      “Bevor du gehst, musst du mir ein paar Fragen beantworten”, sagte er und stellte sich vor die Tür.
      “Dafür habe ich jetzt keine Zeit, ich will bei der Reparatur der Führanlage helfen”, versuche ich mich herauszureden und gab mein Bestes durch die Tür zu kommen. Doch er blockierte sie gut.
      “Ja, dann schieß los.”, gab ich nach.
      “Diese Kratzspuren waren gestern noch nicht da und von Lina werden sie wohl nicht sein, also was hast du getan? Und sagt mir jetzt nicht, dass meine Gedanken stimmen”, meckerte er. Vermutlich wusste Ju schon was passiert war.
      “Können wir das wann anders besprechen? Ich möchte nicht drüber sprechen”, murmelte ich verlegen.
      “Nein. Du verschwindest immer, wenn es brenzlig wird. Also sprich es aus, sonst erzähle ich es allen. Ob ich recht habe oder nicht.”, drohte Ju nun.
      “Ist doch gut, ja. Ich habe mit Vriska geschlafen. Zufrieden? Sie wollte es”, gab ich zu.
      “Ich hätte es von Anfang an wissen sollen. Deswegen wolltest du nicht, dass ich was mit ihr etwas anfange, weil du Arsch sie flachlegen wolltest. Und fair gegenüber Lina ist das auch nicht. Warum bist du so? Immer wenn ich jemanden kennenlernen möchte, kommst du dazwischen. Noch einmal und du kannst Lebewohl zu mir sagen. Werd’ erwachsen.”, die Enttäuschung in der Stimme war deutlich zu hören. Ohne mich weiter zu äußern, lief ich raus, nach dem Ju mir den Weg frei machte. Von Lina hatte ich bereits eine Nachricht bekommen, wo ich denn bliebe. Im Eiltempo machte ich mich zum Stall, vor dem Lina bereits wartete.
      “Tut mir leid für die Verspätung. Ich hatte einen Streit mit Ju wegen Nichtigkeiten”, entschuldigte ich mich bei ihr.

      Lina
      “Alles gut, hier gibt es immerhin Schatten”, antwortete ich Niklas. Während ich auf ihn gewartet hatte, hatte ich mich im Schatten einer der Eichen niedergelassen und hatte ein paar Schmetterlinge beobachtet, die fröhlich durch die Luft taumelten. “Und es ist wirklich nichts Wichtiges zwischen euch? Ich kann sonst, auch wenn anders fragen”, fragte ich dann noch vorsichtig nach, denn er wirkte ein wenig gestresst auf mich.
      “Ach er bildet sich nur mal wieder Sachen ein”, lenkte Niklas überzeugt ein. Dass er mir etwas nicht sagte, spürte ich dennoch.
      “Falls du doch irgendwann das Bedürfnis zum Reden haben solltest, weißt du wo du mich findest”, bot ich an und rappelte mich auf.
      “Willst du dir dann jetzt die Führanlage ansehen?”, fragte ich freundlich.
      “Natürlich, dafür bin ich schließlich gekommen und nicht eine Selbsthilfegruppe zu gründen”, scherzt Niklas.
      “Na dann los”, forderte ich ihn auf und lief in Richtung Führanlage, vor der wir einen Moment später standen.
      “So und das Problem ist, folgendes...”, demonstrierte ich und drückte den Startknopf. “Es bewegt sich nicht mehr”, fügte ich dann hinzu, auch wenn es recht offensichtlich war.
      “Und ja, bevor du fragst, ich habe die Anlage bereit schon mal komplett ein- und ausgeschaltet”.
      “Wann ist denn das Problem aufgetreten? Und vor allem gab es Anzeichen?”, stellte er mir komische Fragen.
      “Du stellst vielleicht Fragen. Soweit ich weiß, funktioniert das Ding seit zwei Tagen nicht mehr”, antwortete ich ihm. “Und von Anzeichen weiß ich nichts, aber ich bin hier ja auch nicht die Einzige, die das benutzt.”
      “Sorry, aber das hätte den Prozess etwas optimieren können”, protestierte er und begann mit der Arbeit. Ich beobachte Niklas dabei, wie er die Schaltfläche auseinandernahm und mit dem Messgerät überprüfte er, ob durch die Leitungen Strom floss.
      “An der Elektronik liegt es schon mal nicht. Die Messwerte sind okay”, berichtete er mir und schraubte wieder alles zusammen.
      “Na das klingt schon mal gut”, kommentierte ich das Ganze und beobachtete ihn. Er kletterte hoch zum Motor der Anlage. Schneller als ich gucken konnte, hatte er die Verschalung entfernt. Mit wenigen Handgriffen sprach er triumphierend: “Problem gefunden!” und hielt einen Stein in die Luft. Niklas baute wieder alles zusammen und kam zurück.
      “Der hübsche Kerl steckte im Antrieb.”, erklärte er und schaltete die Anlage an, die erst ruckelte und dann flüssig loslief.
      “Wie genau kommt denn ein Stein da oben rein?”, fragte ich ein wenig verwirrt. Auch wenn ich absolut keine Ahnung von Technik hatte, wusste ich dennoch, dass Steine nicht von allein nach oben fliegen. “Aber danke, dann kann ich die zwei Wildfänge jetzt da reinstellen”, bedankte ich mich bei Niklas.
      “Vermutlich wird er im Sand gewesen sein und wenn die Pferde sich hier bewegen, kann das schon mal passieren. Immer wieder gern. Noch was?”, erläuterte Niklas.
      “Mhm, nein ich denke zwei Pferde reinstellen, sollte ich grade so schaffen”, scherzte ich. “Und die Jungs sollen sich besser mal nicht an so einen Service gewöhnen”, fügte ich noch hinzu.
      “Ach in paar Tagen müssen sie wieder alles allein machen, dann lasse ich noch die Rechnung hier und gut ist. Oder bist du meine Bezahlung?”, scherzte er und legte seine Hände an meine Hüften.
      “Das kommt ganz darauf an”, antworte ich ihm und blickte ihn verführerisch an.
      “Und auf was?”, kam er näher und lehnte sich ein wenig herunter zu mir.
      Ich zögerte absichtlich einen Moment, bis ich ihm antworte. “Na, ob du weiterhin so charmant bleibst”, raunte ich ihm zu.
      “Na werden wir sehen, was du dann von meinem Keller hältst”, sagte Niklas und küsste mich leidenschaftlich.
      Eine wohlige Wärme durchfloss mich und für den Augenblick schien die Zeit stillzustehen, bis wir uns wieder voneinander lösten. Scheinbar hatte ich für einen Moment vergessen zu atmen, denn ich spürte auf einmal, wie mein Körper nach Luft verlangte. Mit der Luft, die nun wieder meine Lungen füllte, breitete sich auch ein Kribbeln auf meiner Haut aus, welches mir die Haare zu bergen stehen ließ.
      “Alles gut bei dir?”, erkundigte er sich etwas besorgt.
      “Ja, sehr gut sogar”, antworte ich mit einem lächeln.
      “Es tut mir leid, was ich gestern zu dir sagte. Ich möchte nicht, dass deine Freunde und Familie sich gemeinsam gegen uns stellen, weißt du”, versuchte Niklas das gestrige Gespräch zu entschuldigen.
      “Ach, ist schon gut. Mit Jace hätte ich früher oder später eh reden müssen. Und was Samu angeht, kann ich dir sagen, so blöd findet er dich gar nicht, er kann es nur nicht so zeigen”, erklärte ich und musste fast lachen, bei dem Gedanken an Samu.
      „Vielleicht mag er dich ja mehr, als er sich eingestehen möchte“, murmelte er. Es wirkte, als würde Niklas sich darüber mehr Gedanken machen als nötig.
      “Mach dir deswegen keine unnötigen Gedanken. Für mich ist er eher wie ein Bruder und das weiß er auch”, versuchte ich Niklas zu beruhigen, denn selbst wenn er mit seinen Gedanken recht haben sollte, würde das für mich keinen Unterschied machen.
      „Gut sieht er aber aus, dass kannst du nicht abstreiten. Da könnte sogar ich schwach werden“, scherzte er nun.
      “Sowas in der Art hat Alec auch neulich über dich gesagt”, sagte ich schmunzelnd. “Und ich würde ihm da eindeutig zustimmen.”
      „Wenn er was braucht, kann er sich gern melden. Ich bin offen für Neues“, offenbar spielte er wirklich mit dem Gedanken homosexuelle Erfahrungen zu machen.
      “Ich fürchte da muss ich dich leider enttäuschen, er ist glücklich vergeben, aber ich werde es ihm ausrichten”, antworte ich.
      „Wo ein Wille ist, ist auch Weg. Aber du solltest jetzt lieber weiterarbeiten. Schließlich wirst du nicht fürs Herumstehen und gut aussehen bezahlt“, lenkte Niklas ein, gab mir einen Kuss auf die Stirn und war im Begriff zu gehen.
      “Also bei letzterem, wäre ich mir nicht so ganz sicher. Außerdem wartet da auch noch ein anderer Herr auf mich”, scherzte ich, schließlich musste ich nicht nur die beiden Westernpferde noch bewegen, denn auch Divine wartete noch auf seine Bewegung.
      „Ach, du guckst dich nun schon nach Alternativen zu mir aus? Frauen“, scherzhaft schüttelte er den Kopf, als er sich noch mal zu mir drehte auf dem Weg zurück zum Zimmer.
      “Keine Sorge er ist zwar hübsch, aber zuhören ist nicht so seine Stärke. Vor allem antwortet er nie”, rief ich ihn noch hinterher, bevor auch ich mich auf den Weg zu den Koppeln machte.
      Nur um mir noch einmal zu antworten joggte Niklas zurück: „Neben seinem Herz wird vermutlich aber noch was anderes deutlich größer sein.“ Mit einem breiten Grinsen geht er wieder, ohne mich etwas sagen zu lassen. Das war mal wieder typisch Mann, immer darauf bedacht, wer den größten hat. Erheitert machte ich mich auf den Weg zu den Koppeln, um Carry und Injaki in die Führanlage zu stellen, bevor ich mich dann meinem eigenen Pferd widme.

      Niklas
      Ein wenig schlecht fühlte ich mich für mein Verhalten schon. Für Lina war alles wie immer, doch in mir schwebten die Bilder von letzter Nacht sowie deren Folgen und Emotionen, die sie mit sich brachte. Besser machte es auch nicht, dass Ju nun davon wusste, wo mir klar sein musste, dass er deutlich mehr in ihr sah als ich. Ich hatte versucht die Nacht zu stoppen, mehr oder weniger. Sie ging mir nicht aus dem Kopf und auch nicht, dass Vriska offenbar einen Plan hatte. Wie konnte das nur so weiter gehen?
      Gedankenverloren kam ich im Zimmer an und erwartete einen frustrierten und niedergeschlagenen besten Freund, doch das Gegenteil saß am Tisch. „Was denn mit dir los? Vorhin wolltest du mich noch am besten um die Ecke bringen?“, fragte ich ihn überrascht.
      „Du hast mir die Augen geöffnet und mir die Irre abgenommen. Dafür bin ich dir Dankbar. Stattdessen kann ich nun ohne schlechten Gewissen Linh besser kennenlernen. Schon vor der Fahrt hatten wir bereits einige vielversprechende Gespräche und seit dem Kuss am Feuer am ersten Tag, na ja. Ist deutlich mehr an Gefühlen da...“, erklärte Ju mir. Verwirrt setzte ich mich. „Und was war das dann mit Vriska?“, versuchte ich der Sache nun auf der Spur zu gehen. „Sie ist sympathisch und ich hoffte mit ihr Neues erleben zu können. Stattdessen merkte ich, dass zwar vieles und vor allem versautes in ihrem Kopf abgeht aber genauso viel Kindergarten. Deswegen würdet ihr beiden Psychos echt was hermachen, natürlich unter der Prämisse, dass die Welt bereits in Flammen steht“, sprach er fröhlich weiter. Natürlich kannte ich ihn genauso. Nicht lange hielt Ju sich mit Personen auf, die ihm nicht guttaten, doch dass er Empfehlungen aussprach, war auch für mich etwas Neues. „Und was sollte dann der Aufstand vorhin?“, wollte ich noch Wissen. „Du musst auch mal in deine Schranken gewiesen werden. Außerdem war ich bis zu dem Zeitpunkt noch davon überzeugt einen besseren Menschen aus ihr machen zu können. Das wird dann aber in deinen Aufgabenbereich fallen“, wies er mich ein, als wäre Vriska ein Forschungsprojekt. Ich wusste nicht, was ich dazu sagen sollte. Tatsächlich war ich noch nie so sprachlos wie jetzt. Am liebsten hätte ich sie nun vor ihm verteidigt, aber aus welchem Grund? Schließlich war da nicht, also zumindest nicht viel.
      „Jetzt denk weiter daran, wie gut sie es dir besorgt hat, sondern mach‘ deine Kür weiter“, forderte Ju mich auf und reichte mir das Pad. Geöffnet war bereits die Datei mit den Mindestanforderungen.
      „Und gut war es nicht, für befriedigend hat es gereicht. Schließlich ist das Neuland für sie gewesen und ich musste sie erst mal einreiten“, nutze ich alle Wortspiele, die mir einfielen. Zusammen lachten wir. Das fehlte mir wirklich.

      Lina
      Ich hatte die beiden Hengste gerade in die Führanlage gestellt und sie angeschaltet.
      "Gut dann habe ich jetzt ca. eine halbe Stunde, bis die zwei da wieder rausmüssen", murmelte vor mich hin und warf einen kurzen Blick auf die Uhr.
      "Wow, die geht ja wieder", hörte ich plötzlich von Hazel, die gerade mit Voilà um die Ecke kam.
      "Jap, Niklas hat sie repariert, war nur ein Stein im Getriebe", erklärte ich ihr, während ich dem Shetty freundlich über die Schnauze strich.
      "Na da hast du dich ja nochmal ums Reiten herum geschummelt. Kann der noch mehr so Zeug?"
      "Ja, er kann auch andere Dinge reparieren", bestätigte ich Hazel.
      "Ohhhh, toll noch ein Grund ihn zu behalten", quietschte sie plötzlich, dass das kleine Pony neben ihr zusammenzuckte.
      "Was heißt hier denn noch ein Grund?“, fragte ich und sah sie ein wenig verwirrt an.
      “Na ja, bisher dachte ich, wir können ihn einfach als Deko behalten, aber wenn er auch noch etwas kann...", führte Hazel aus.
      "Du Hazel wirst ihn weder als Deko noch als Handwerker behalten, denn im Gegensatz zu dir hat es auch noch einen richtigen Job", unterbrach ich sie. "Außerdem wenn ihn hier jemand behält, dann bin das ausschließlich ich", protestierte ich. Oh Gott, hätte ich das gerade wirklich gesagt? Offensichtlich ja, denn Hazels Augen wundern ungefähr so groß wie Untertassen.
      "So ist das also", sagte sie mit einem sehr interessierten Unterton und zog eine Augenbraue hoch.
      "Was ist eigentlich mit euch allen los, dass ihr immer alles wissen wollt, habt ihr kein eigenes Leben? Hofft ihr etwas, wenn ihr mir lang genug auf die Nerven geht, bleibe ich doch hier, oder was? Was habt ihr denn alle für ein Problem?", fragte ich Hazel nun etwas genervt.
      "Na wir mögen dich halt und wenn du’s unbedingt wissen willst… Ich brauche dich. Ich kann die Reitschule noch nicht allein Schmeißen", gab sie nun zähneknirschend zu.
      "Doch Hazel, das kannst du. Außerdem tust du ja gerade so, als würde ich den Planeten verlassen. Ich geh nach Schweden, nicht auf den Mond. Falls du mal Hilfe brauchst, bin ich doch immer noch erreichbar", erklärte ich ihr.
      "Na gut, aber du musst mir vor deiner Abreise nochmal alles genau erklären, sonst lass ich dich nicht gehen", fügte Hazel trotzig hinzu.
      "Du, lässt mich nicht gehen? Das klingt jetzt aber bedrohlich”, scherzte ich. “Natürlich erklär ich dir alles und du bekommst auch alle wichtigen Notizen. Außerdem bist du auch nicht allein, Samu wird dir sicherlich genauso helfen, wie er mir immer geholfen hat." bestätigte ich sie.
      “Ok, aber wenn ich die Reitschule übernehmen kann, dann kannst du dich auch morgen
      auf eins von den Westernpferden setzten, vielleicht stell ich dann sogar Blue hin”, murmelte sie und verschwand mit dem Pony im Auslauf. Naja, wenn sie mir dafür nicht mehr auf die Nerven geht, werde ich das Wohltun. Ihre nervige Art war sicherlich eines der Dinge, was ich nicht vermissen werde.
      Da mir Hazel ein wenig Zeit gestohlen hatte, musste ich mich nun ein wenig beeilen, um Divine zu holen, wenn ich noch mit Putzen fertig sein wollte, bevor ich die beiden Hengste wieder auf die Koppel brachte. Glücklicherweise war der Freiberger heute nicht besonders dreckig, sodass ich ihn schon gesattelt hatte als die Führanlage fertig war.
      “So hübscher, nicht weglaufen ich bringe nur gerade die beiden anderen noch schnell weg”, sagte ich zu meinem Pferd und zog ihm das Halfter wieder über die Trense. Divine störte sich nicht wirklich dran, dass ich noch mal wegging und döste einfach weiter.
      Injaki und Carry folgten mir brav auf der Koppel und so war ich auch recht schnell zurück bei meinem Pferd.
      “Genug geschlafen Ivy. Heute musst du mal ein wenig arbeiten”, kommentierte ich das Abziehen des Halfters und führte ihn zu Halle.
      Schon als ich das Tor öffnete, konnte ich sehen, dass ich allein war. Ideale Voraussetzung für ein erfolgreiches Training mit dem Freiberger.
      Ich entschloss ihn noch einen Moment zu führen, bevor ich aufstieg und so ließ ich ihn erst einige Runden neben mir hertrotten. Damit mit dem Hengst dabei nicht einschlief, baute ich immer mal wieder einen Halt und Richtungswechsel ein, auch den Rückwärtsgang fragte ich ab.
      Nachdem aufwärmen vom Boden aus, gurtete ich nach und stieg auf. Schon gleich beim Losreiten fiel mir auf, dass er heute ein wenig maulig im Maul ist. Da der Hengst bereits ausreichend aufgewärmt war, ging ich somit direkt dazu über ihn locker am langen Zügel zu traben. Nach ein paar Runden begann er sich allmählich zu locken und abzukauen. Dennoch war dem Hengst anzumerken, dass er nun schon seit einigen Tagen nicht ordentlich geritten worden war.
      Um den Hengst ein wenig aufzuwecken, begann ich nun neben den Handwechsel nun auch noch Tempounterschiede und Übergänge hinzuzunehmen. Allmählich kam Divine nun in ein vernünftiges Arbeitstempo, sodass ich nun auch ein paar schwierigere Bahnfiguren dazu nehmen konnte.

      Niklas
      Die Worte die Ju über Vriska sagte, brachten mich zum Nachdenken. War sie wirklich so? So irre, wie er sagt? Oder war es nur eine Ausrede seinerseits, sich keine Gedanken mehr zu machen? Es ließ mir keine Ruhe, doch weiter darüber zu sprechen, würde es nicht besser machen. Mir fiel es schwer an der Kür weiterzuarbeiten, auch weil das Training mit Humbi vorhin nicht verlief, wie ich dachte. Zusammen mit Vriska wollte ich die Grenzen meines Pferdes testen und neues Ausprobieren. Durch das Gespräch mit Lina lenkte mich so stark ab, dass ich beide vergaß. Eigentlich wollte ich mit Vriska noch mal darüber sprechen, doch nach dem vorhin, wäre es wahrlich nicht die beste Entscheidung. Stattdessen entschied ich mich nach getaner Arbeit zu duschen.
      Als ich zurück aus dem Badezimmer kam, mit nur einem Handtuch um die Hüfte gebunden, war Ju wieder weg. War das mit Linh so Ernst? Ich hoffte darauf in den nächsten Tagen mehr Antworten zu bekommen. Mein Handy leuchtete auf, als ich mich auf die Suche nach sauberer Kleidung machte, was wirklich schwierig war.
      “Hej killar. Vi hade ett hälsoproblem i dag, men vi har det mycket bättre. Så vi bestämde oss för att göra en träning på kvällen. Vi finns till hands för att ge råd. Kristine kommer att vara på ridplatsen och jag kommer att vara på planen. Var uppmärksam på din säkerhet. Från klockan sex på kvällen hittar du oss där. Kom i små grupper.”
      Las ich in der normalen Vereinsgruppe. Ich spürte eine Erleichterung, denn so konnte Anders sich Humbria nochmal genauer anschauen. Ohne mir noch etwas drüber zu ziehen, nahm ich den Wäschekorb und lief rüber zur Waschküche. Die Maschinen waren alle frei, so wählte ich eine aus und warf die dreckige Wäsche in die Trommel. Aber welches Programm? Eigentlich mache ich sowas nicht, so versuchte ich anhand der kleinen Bildchen mehr Informationen zu bekommen.
      “Noch nie eine Waschmaschine gesehen?”, ertönte auf einmal eine amüsierte Stimme hinter mir. Jayden stand grinsend mit einem Wäschekorb in der Tür. “Aus deinem Outfit, schließe ich mal ja”, zog er dann seine Schlüsse.
      “Gesehen schon, aber nie bewusst benutzt. Zu Hause haben wir einen Aufkleber darauf, falls Fjona nicht da sein sollte.”, erklärte ich Jayden.
      “Also wenn du wirklich sauber Wäsche willst, würde ich es mal mit Waschmittel probieren”, sagte er und schob ein kleines Fach oben an der Waschmaschine auf, um etwas dort hineinzufüllen.
      “Danach stellst du es einfach hier rauf und drückst da”, erklärte er und drehte er einen Schalter, bevor er auf einen Knopf drückte. “So in ca. einer dreiviertel Stunde hast du dann saubere Wäsche”, fügte er noch an und begann nun seine eigene Wäsche in einer der Waschmaschinen zu werfen.
      “Faszinierend”, antwortete ich begeistert und machte ein Foto von der Einstellung der Maschine.
      “Ja, echt faszinierend”, sagte er mit deutlichem ironischem Unterton und machte sich wieder auf den Weg, den Raum zu verlassen. Offenbar war das etwas Normales, aber ich fand es wirklich spannend. Nun hatte ich 45 Minuten Zeit, die ich nackt herumlief. Entspannt legte ich mich vor dem Zimmer auf den Bauch und Gras und genoss die Sonne.

      Vriska
      Was wie spät ist es? Fragte ich mich, als ich in Wanne im kalten Wasser aufschreckte. Mehr als eine Stunde lag nun hier. Dein schlechter Traum weckte mich aus einem erholsamen Schlaf, den brauchte. Die Nacht war kurz. So stieg ich aus dem Wasser, trocknete mich ab und zog mir wieder was Langes drüber. In der Wohnküche schien die Sonne auf den Boden und saß unterkühlt auf dem Bett. Auf dem Handy las ich die Nachricht von unserem Trainer und brauchte einige Minuten, bis ich diese verstand. Mein Schwedisch reichte bisher nur dafür, dass ein relativ sicheres Gespräch führen konnte und einfache Sätze zu formulieren, doch längere Sätze brachten noch Schwierigkeiten mit sich. Die Rede war von gesundheitlichen Problemen, Training ab 18 Uhr und Sicherheit. Also gut. Vermutlich würde heute wieder gesprungen werden. Angst breitete sich in mir aus, denn einen erneuten Sturz mit meinem Hengst musste ich auf jeden Fall verhindern. So fragte ich lieber noch einmal nach: “Behöver vi verkligen hoppa?” Meine Hände zitterten beim Eintippen der Worte und ich musste mehrfach die Autokorrektur seine Arbeit machen lassen. Sogleich kam eine Antwort von Ju: “Niklas kommer säkert att fånga dig om du faller.” Wusste er davon? Ein Unbehagen kam nun zur Angst hinzu. Von den anderen kamen rofl Emoji und ich schien nun wieder das Gespött zu sein. Ich hätte es wissen müssen. Manchmal verhalten sich die alle wie Kleinkinder, aber ich trug sicher meinen Teil dazu bei. Gerade als ich das Handy wieder wegpacken wollte, kam noch eine Nachricht von Frau Wallin: “Om du inte är säker, kommer ingen att tvinga dig att göra det. Men om du vill. Jag är här.” Diese Frau fand immer die richtigen Worte und ich fühlte mich direkt wieder besser. Danach schrieb niemand mehr etwas.

      Lina
      Divine hatte heute gut mitgearbeitet und so beendete ich die Einheit recht zufrieden. Das Einzige war auch am Ende noch da war, war das er immer noch ein wenig unzufrieden mit dem Gebiss schien.
      “Morgen probieren wir es mal mit einem anderen Gebiss”, sagte ich zu dem Hengst und ließ mich aus dem Sattel gleiten. Obwohl es in der Halle eine recht angenehme Temperatur herrsche, hatte Ivy geschwitzt, was die dunklen Flecken in seinem sonst weißen Fell zum Vorschein brachte. Zufrieden strich ich ihm über den Hals.
      “Na, komm für heute hast du genug geschafft”, sprach ich ihn an und verließ die Halle. Nicht nur meinem Pferd war ordentlich warm, sondern auch mir. Vom Helm platt gedrückt gelebten mir die Haare feucht auf der Haut, bestimmt ein wunderschöner Anblick.
      Zügig sattelte ich Divine ab und brachte ihn, ohne noch extra zu duschen auf die Koppel, ein Sandbad ist ihm vermutlich eh viel Lieber. Kaum hatte ich ihn die Trense abgezogen, warf er sich auch schon auf den Boden und rollte fröhlich grunzend über die Erde.
      Ich sah dem nun nicht mehr ganz so weißen Hengst noch einen Moment zu, wie er sich nach dem Wälzen dem Gras zu wand, bevor ich zurück zum Stall ging.
      Die durchgeschwitzte Schabracke hängte ich zum Trocknen in die Sonne. Am liebsten hätte ich sie direkt gewaschen, aber bei den Temperaturen, die hier aktuell herrschen, wurde eine frische Schabracke eh nur wenig Sinn ergeben.
      Nachdem ich im Stall alles aufgeräumt hatte, führte mich mein Weg für heute ein zweites Mal unter die Dusche, denn neben der Tatsache das ich verschwitzt war, klebte auch immer noch der Schlamm von Geländetraining auf mir und so wollte ich schließlich nicht den ganzen Tag herumlaufen.

      Einige Stunden später bauten Luchy und die anderen eine Kleinigkeit auf der Wiese auf. Da niemand wusste, wie der Abend gestalten werden würde, gab es zur Stärkung eine Kleinigkeit zum Essen bestehend aus Brot und Rohkost. Alle hatten sich versammelt und unterhielten sich.

      Niklas
      “Hej Alec, ich habe mit Anders gesprochen. DU bist heute herzlich eingeladen zum Training auf dem Geländeplatz”, erzählte ich ihm, als ich am Tisch ankam.
      “Cool, da werde ich mit Freude teilnehmen”, antworte er gut gelaunt. “Ihr zwei habt findet doch bestimmt noch ein Pferd für mich, oder?”, fragte er dann an Lina und Samu gewandt.
      “Klar, für dich haben wir immer ein Pferd und wenn ich dir meins gebe”, scherze Samu.
      “Ach und der Rest vom Hof kann heute leider nur zu gucken. Den Beiden geht es nicht so gut u-und sie wollten nur das nötigste heute schaffen.”, versuchte ich so freundlich wie möglich die Nachricht zu überbringen.
      “Ich für meinen Teil hatte heute eh genug Pferde. Am Ende fall ich sonst heute wirklich noch samt Pferd um”, kommentierte Lina schon fast erleichtert. Samu sagte nichts dazu. Er schien es zu akzeptieren. Ich setzte mich dazu, denn mein Verständnis für Jus Gefühle waren zwar groß, doch dass er mit Linh einige Meter rummachte, interessierte mich nun wirklich nicht. So ließ ich auch meinen Blick durch die Runde schweifen. In der letzten Ecke saß Vriska, allein. Unschuldig fragte ich den anderen Tisch: “Wisst ihr was Vriska nicht stimmt? Die sitzt da hinten so allein.”
      “Keine Ahnung, ich habe sie heute quasi nicht zu Gesicht bekommen”, antworte Lina schulterzuckend. Es kam mir komisch vor, dass sie so gleichgültig ihr gegenüber war. Wusste Lina etwas? Ich sagte nichts dazu, sondern aß auf.
      “Ich mach’ dann mal Humbi fertig. Wir sehen uns später”, verabschiedete ich mich und ging los zur Weide. Am Horizont färbte sich der Himmel in einem Verlauf von Rosa, Orange und Blau. Alte Erinnerungen kamen in mir hoch aus den Monaten in Neuseeland. Stunden verbrachte ich damit Pferde zu trainieren, das Land zu Entdecken und Freiheit zu spüren. Ich vermisste auch die Unabhängigkeit, die ich in der Zeit in mir trug und täglich auf den Social Media Plattformen teilte. Doch was soll ich von hier teilen? Das mein Pferd kaputt ist und ich direkt ein neues kaufte? Dass ich versuchte jemanden glücklich zu machen und im selben Atemzug weiterhin alternativen ausprobierte? Meinen besten Freund hinterging? Die Medikation weckte wieder Gefühle, die ich vorher immer nur schluckte. Aber jetzt konzentriere dich, Niklas. “Wenn du zu den Reiterspielen willst, musst du in Höchstleistung sein”, flüsterte ich mir selbst zu. Bevor ich mich meinem Pferd zu wandte, machte ich die Atemübung, die mich entspannen lässt. Heute brauchte es Länger, bis die schlechten Gefühle von mit fielen und ich gedanklich ganz bei Humbi war. Obwohl wir heute schon mehr oder weniger gearbeitet hatten, begrüßte sie mich freundlich am Tor. Ihren Ohren standen gespitzt nach vorn, der Schweif wehrte sich gegen einige Insekten, die um sie flogen und der ganze Körper war entspannt. Ich strich ihr über die Stirn, eh ich den Strick am Halfter befestigte und mich zum Stall begab. Nach der Bodenarbeit hatte sie sich offensichtlich noch mehrfach gewälzt, denn das Fell war staubig und feucht. Nicht nur, dass es heute das erste richtige Geländespringtraining mit ihr werden würde, so würde es auch das erste gemeinsame Reiten sein. Bisher saß nur Lina auf ihr und machte dabei eine gute Figur. Am Ende der Gasse stand auch Alec mit einer hübschen Scheckstute.
      “Na, dass du aber ein dir ebenbürtiges Pferd gegeben. Einer hübscher als der Andere”, sagte ich ziemlich Ernst zu ihm, als ich mein Pferd putzte.
      “Du und dein Pferd können sich aber auch sehen lassen”, bekam ich als Antwort.
      “Dann werden wir wohl zusammen den Platz erhellen”, fügte ich noch hinzu, doch er antwortete nicht. So schweiften meine volle Aufmerksamkeit wieder zu Humbria, die etwas nervös hin und her tänzelte. Mit wenigen Worten und Ruhe gelang es mir, die Stute zu beruhigen. Aus dem Putzkoffer holte ich die Glocken, Gamaschen und Streichkappen. Neugierig beschnupperte sie das Zubehör, bevor ich es ihr umlegte. Als ich den Sattel holte, stieg ihre Aufregung wieder. Humbi schlug gereizt mit dem Schweif und drehte sich bei jedem Versuch den Sattel aufzulegen mit der Hinterhand weg. Ich legte das Ding zur Seite, entfernte die Schabracke, um klein anzufangen. Wieder beschnupperte sie das Zubehör und ich berührte sie erst einmal am Bauch mit der Unterlage. Also Humbria merkte, dass ich ihr nichts Böses wollte, konnte ich die Schabracke auf ihren Rücken legen. Einige Minuten später gelang es mir auch den Sattel auf sie zu legen und den Gurt zu schließend. Lobend bekam die Stute ein Leckerli. Da ihre Zähne noch nicht gemacht wurden, würde das Springen ebenfalls am Kappzaum stattfinden. In die Zügel fädelte ich das kombinierte Martingal ein.
      “Alec, bist du auch so weit?”, fragte ich ihn als ich die Zügel in der Hand hielt am Stallausgang.
      “Eine Sekunde noch, dann bin ich so weit”, antwortete er und verschloss gerade den Nasenriemen seiner Stute.
      Als Alec auch fertig war mit dem Satteln seines Pferdes, liefen wir stillschweigend zum Geländereitplatz, auf dem Chris bereits seinem Wallach warm ritt. Herr Holm saß neben einem Sprung auf einem Plastikgartenstuhl und sah nicht gut aus. Er lehnte mit seinen Unterarmen auf den Beinen nach Vorn und die Haare wirkten ungewöhnlich ungepflegt. Mit angelegten Ohren blieb Humbi abrupt stehen und lief nicht weiter. Die Hindernisse machten ihr Angst und ich blieb ruhig. Sie betrachtete den Platz und nach mehrmaligen umdrehen und neu anlaufen, folgte sie mir vertraut. Ich lobte sie und zeigte ihr vor dem Aufsteigen alles. Interessiert stupste sie die Hindernisse an und knabberte an einigen. Alec saß bereits auf der Stute, als ich noch Übungen mit meiner machte. Herr Holm gab ihm Tipps für den Sitz und auch das Tempo gleichmäßiger zu halten.
      Humbi schien nun gar kein Problem mehr mit den Hindernissen zu haben und war auch aufgewärmt. Ich stellte die Steigbügel neu ein, gurtete nach und schwang mich mit der Aufstiegshilfe auf den Rücken meiner Stute. Zufrieden schnaubte sie beim Anreiten ab und streckte sich.

      Samu
      Alec und die meisten anderen waren irgendwann verschwunden, um ihre Pferde für das Training fertig zu machen. Einen Moment lang war alles sehr ruhig, doch ich konnte spüren, dass Lina mir irgendetwas sagen wollte.
      “Was liegt dir auf dem Herzen, kleines?”, fragte ich sie.
      “Mmm, du erinnerst dich sicherlich an unser Telefongespräch von gestern, oder?”, begann sie zögerlich.
      “Ja, daran erinnre ich mich durchaus”. Natürlich erinnerte ich mich denn das, was sie mir gesagt hatte, war ganz schön hart gewesen. Eigentlich wollte ich immer nur das Beste für Lina, schon seit ich sie das erste Mal getroffen hatte. Sie war damals so zerbrochen. Ich wollte sie doch immer nur davor beschützen noch einmal zu zerbrechen.
      “Ich hoffe, es ist trotzdem noch alle gut zwischen uns?”
      Ich musste ein wenig darüber lächeln, dass sie glaubte wegen so einer Kleinigkeit würde unsere Freundschaft auf einmal beendet sein.
      “Ach Lina, wegen sowas geht doch die Welt nicht gleich unter. Ich hätte mir nur gewünscht, du hättest es mir eher gesagt. Und vor allem persönlich”, erklärte ich ihr Ernst.
      “Ich hätte es dir auch gerne früher gesagt, aber … ich habe mich einfach nicht getraut. Ich hatte einfach Angst vor deiner Reaktion”, murmelte sie und sah dabei auf den Tisch.
      “Was hast du denn erwartet, dass ich dir böse bin, weil ich dich einenge? Das ist doch überhaupt nicht logisch”, versuchte ich ihr zu erklären. “Es ist alles gut. Und das nächste Mal, wenn du dich unwohl fühlst, sagst du mir das direkt”.
      “Okay, mache ich”, sagte sie und sah schon gleich wieder ein wenig glücklicher aus.
      “Na, komme her”, sagte ich und umarmte sie freundschaftlich. “Und ich will nie wieder, dass du denkst, dass du mir irgendetwas nicht sagen kannst”, fügte ich noch hinzu.
      Nachdem dieses ‘’Problem’’ besprochen war, schien Lina auch schon gleich besser drauf zu sein.
      “Was hältst du davon, wenn jetzt mal schauen gehen, ob Alec mit hübschen Damen genauso gut klarkommt wie mit den Kerlen”, schlug ich vor.
      “Klingt nach einem hervorragenden Plan”, stimmte sie mir zu und zusammen gingen wir also zum Geländeplatz hinüber.
      Während Vakany eine ganz wunderbare Figur machte, war die von Alec noch ein wenig verbesserungswürdig. Alec ist kein schlechter Reiter, aber in der Vielseitigkeit ist er eindeutig nicht zu Hause.
      “Sieht ganz so aus, als müsse er da noch ein wenig üben”, sagte ich ein wenig belustigt zu Lina.
      “Das war aber auch ein wenig gemein, du hättest ihm ruhig ein netteres Pferd geben können”, verteidigte sie ihn.
      “Ey, Kany ist sehr freundlich. Man muss ihr nur die richtigen Anweisungen geben”, protestierte ich. Die Trakehner Stute ist ein wahres Vielseitigkeitstalent und war durchaus schon sehr erfolgreich. Mit ein paar Tipps des Trainers wurde es auch allmählich besser und Vakanys Körpersprache wirkte deutlich entspannter.
      “Hat Niklas vorher schon mal auf dem Pferd draufgesessen?”, fragte ich Lina nun neugierig.
      “Nein, nicht das wüsste”, antwortete Lina. “Ich glaub seit dem Probereiten saß keiner darauf”.
      “Warte, seit dem Probereiten. Aber wer hat sie denn Probe geritten, wenn er es nicht war?”, fragte ich ein wenig verwundert.
      “Na, ich. Habe ich dir das etwa nicht erzählt? Sie ist echt toll, wenn man nervöse Gemüter mag”, erzählte Lina nun.
      “Ah, deshalb warst du also auf einmal spurlos verschwunden. Und ich dachte schon, dass du dich beim Einkaufen verlaufen hast”, scherzte ich dann fröhlich.

      Vriska
      Auf der Wiese wurde es nach und nach ruhiger, mehr als ich mir eingestehen wollte genoss ich die Einsamkeit. So fasste ich neue Kraft und lief runter zur Weide, um meinen Hengst zu holen, dessen Ausritt heute früh nicht ansatzweise seiner Leistung entsprach. Seine Begeisterung mich zu sehen, hielt sich jedoch in Grenzen. Ich rief ihn und er schaute zu mir, eh er sich wieder umdrehte und weiter weg von mir lief. Mit Schmerzen machte ich mich auf den Weg zu ihm. Je näher ich dem Hengst kam, umso weiter lief er vor mir weg. Am Ende der Weide schaffte ich es endlich mein Pferd einzufangen.
      “Mach’, dass nicht noch mal”, drohte ich ihm und lief los zum Stall. Auf dem Weg dorthin folgte er mir, ohne zu diskutieren, erst als ich mit ihm durchs Tor der Gasse wollte zum Putzen, stieg er. Glymur machte einen riesigen Aufstand und mir fehlte die Kraft mich dem entgegenzustellen.
      Auf einmal tauchte Jace von irgendwo auf und nahm mir einfach den Strick aus der Hand.
      “Reg dich mal nicht so auf kleiner”, sagte er zu dem Hengst und begann beruhigen auf ihn einzureden. Tatsächlich zeigte das ganze insofern Wirkung, das Glymur auf dem Boden blieb. Mit ein wenig Hartnäckigkeit und Geduld führte Jace ihn durch das Tor und stellte ihn auf den Putzplatz.
      “Du solltest deinem Pferd nicht so viel Druck machen. Er scheint sehr sensibel zu sein”, kommentierte er das Anbinden.
      “Du hast ja recht”, murmelte ich mit gesenktem Kopf und bückte mich nach einer Bürste. “Wo kommst du eigentlich her?”, fragte ich dann vorsichtig, während ich Glymur putze.
      “Ich arbeite hier? Das Heu verteilt sich nicht von allein in den Boxen”, brummte er unfreundlich.
      “Was denn mit dir? Wenn dir dein Job nicht gefällt, dann such’ dir einen anderen. Ich kann am wenigsten für deine Probleme”, fauchte ich zurück.
      Sorry”, murmelte er etwas freundlicher. “Wenn es nur der Job wäre, gab es wenigstens eine Lösung dafür”, fügte er erklärend dazu.
      „Kann ich dir bei irgendwas behilflich sein? Schließlich bin ich dir jetzt was schuldig“, antwortete ich freundlich deutete auf mein kleines Monster, das sich gerade den Kopf am Anbinder scheuerte.
      “Nein, mir ist momentan nicht wirklich zu helfen”, antworte er nun schon wieder deutlich verschlossener.
      “Na gut. Dann lass ich dich mal in Ruhe. Wir haben heute offenbar alle großen Probleme”, schloss ich mich seiner Aussage an und wandte mich Glymur zu, der mittlerweile sauber war. Aus der Kammer holte ich seinen Sattel und den Beinschutz.
      Wenig später tauchte ich auf dem Platz auf. Im Vergleich zum letzten Mal trug ich eine Schutzweste, die nicht wirklich angenehm an mir lag. Wieder schwitzte ich und beschloss meinen Hoodie für heute auszuziehen. Ich legte ihn über den Zaun am Eingang und führte Glymur zu Frau Wallin, die offenbar schon auf mich wartete.
      “Freut mich dich zu sehen. Wie geht es dir?”, fragte sie freundlich. Ich senkte wieder meinen Kopf, eh ich antwortete: “Könnte besser sein, meiner Schulter schmerzt noch und Atmen fällt mir manchmal auch schwer. Und …” da stoppte ich. Die richtigen Worte für das finden, was passiert war, überforderte mich.
      “Und?”, wollte sie nun noch wissen.
      “Und ich habe was getan, worauf ich nicht stolz bin”, erklärte ich. Frau Wallin zog eine Augenbraue hoch, aber sagte nichts. Ich gurtete noch einmal nach, machte die Bügel kürzer und stieg auf. Ein Blick über den Platz offenbarte mir, dass schlimmste. Obwohl ich mich darüber freute, dass Ju glücklich war, schockierte es mich genauso sehr, dass er direkt die nächste am Start hatte. Linh klebte förmlich an ihm und warf mir böse Blicke zu. Auf der anderen Seite unterhielten sich Milena und Max intensiv. Die Einsamkeit, die ich vorhin noch genoss, erschlug mich nun. Glymur unter mir legte die Ohren an und stolperte immer häufiger. Dann kamen mir die Worte vom letzten Training wieder ins Ohr. Ich setzte mich tiefer in den Sattel und versammelte ihn etwas mehr. Neben einem Sprung parierte ich in den Halt durch und richtete ihn rückwärts. Aus der Bewegung heraus trabte ich ein Stück, eh ich wieder in den Schritt zurück bremste. Zufrieden lobte ich ihn und gab ihm mehr Zügel. Neben mir hörte ich ein Pferd landen. Milena sprang mit Kempa eine zweifache Kombination und dahinter kam Max mit Blávör. Beide beherrschten ihre Pferde deutlich besser als ich, was mich wieder dazu bewegte, mich in Gedanken zu verlieren.
      “So Vriska, wenn du so weit bist, kannst du es auch versuchen”, motivierte mich meine Trainerin. Ich nickte und trabte Glymur an. Bevor ich mich an die Kombination wagte, wählte ich ein niedriges Kreuz, dass mein Hengst problemlos sprang. Zufrieden lobte ich ihn, ritt einen Zirkel und galoppierte an. Als Nächstes steuerte ich ihn auf einen Oxer zu, der deutlich höher als das Kreuz war. Überzeugt trieb ich ihn weiter und lehnte mich nach Vorn. Erfolgreich landete er mit seinen Hufen im Sand und freute mich sehr darüber. Intensiv lobte ich ihn und strich über den Hals meines Hengstes, der kurz davor war, dass nächste Hindernis anzusteuern.

      Jace
      Nachdenklich begann ich das Heu in den Boxen zu verteilen. Eigentlich hatte ich mich geweigert zu Arbeiten, doch Alec war mir so lange auf die Nerven gegangen, bis ich genervt das Zimmer verlassen hatte. Ich mochte es nicht besonders, wenn andere sich um meine Probleme kümmern, schon gar nicht Fremde, weshalb ich Vriskas Angebot vorhin ausschlug.
      Nachdem ich die ganze Nacht die Wand angestarrt hatte, weil ich einfach viel zu viel fühlte, wobei ich nicht genau sagen kann, was ich fühlte, hatte ich mir im Laufe des Tages die Gefühle verboten. Trotzdem versuchte ich allen aus dem Weg zugehen, es reichte schon, dass Alec mich den ganzen Tag verfolgte. Immerhin hatte er das leise getan, zum Großteil zumindest.
      So wo ich darüber nachdachte, fielen mir seine Worte aus dem Wald wieder ein. Ich solle stark sein und sie ziehen lassen, er hatte gut reden. Er war der Mann mit der Bilderbuchbeziehung. Irgendwann wird auch deinen großen Tag kommen hatte er noch gesagt. Doch was genau meinte er damit? Wen meinte er mit auch? Wie ich so darüber nachdachte, konnte ich spüren, wie die Gefühle wiederkamen.
      Mein Körper ging sofort in Abwehrhaltung und ich spürte die Anspannung. Nein, keine Gefühle, nicht hier.
      Schnell verteilte ich das restliche Heu und steuerte zielstrebig meine kleine Wohnung an. Kaum hatte ich die Tür hinter mir geschlossen, brachen die Gefühle endgültig über mich herein.
      “Fuck”, rief ich in einer Mischung aus Wut und Verzweiflung und boxte gegen die Wand, um gleich darauf an dieser entlang zum Boden zu gleiten. In mir wirbelten viel zu viele Empfindungen durcheinander, wie soll man bei dem Chaos bitte einen klaren Gedanken fassen.
      Wie fremdgesteuert stand ich auf einmal auf und ging hinüber zu dem Klavier. Von allein flogen meine Finger über die Tasten und formten eine Melodie, mit der sich ein Gefühl besonders herauskristallisierte. Schmerz, bitterer Schmerz.

      Alec
      Ich hatte eine ganze Weile gebraucht, um mich mit der Stute und vor allem mit der Disziplin anzufreunden. Schon nach dem Aufsteigen hätte ich die Bügel am liebsten wieder länger geschnallt. Immerhin bemühte sich Vakany meine vermutlich eher unverständlichen Hilfen umzusetzen. Mit den Tipps des Trainers wurde die Kommunikation zwischen mir und der Stute auch ein wenig besser. Zu meinem Glück hat die Stute einen recht guten Autopiloten, wenn es an die Sprünge geht und so meisterten wir diese zwar nicht ganz so schön, aber immerhin kamen wir auf der anderen Seite an.
      “Du musst den Sprung gerade anreiten, dann springt sie auch schöner und achte darauf sie in der Bewegung nicht zu behindern”, korrigierte der Trainer.
      Mit etwas mehr Konzentration versuchte ich also den Sprung erneut anzureiten. Ungefähr auf halber Strecke kam einer der anderen Pferde recht nah. Vakany legte unfreundlich die Ohren an und wollte nach dem Pferd schnappen. Ich korrigierte die Stute, indem ich ein wenig mehr, Tempo verlangte. Keine gute Idee, denn die Stute machte dadurch größere Galoppsprünge und somit wurde der Abstand zum Hindernis zu knapp. So legte die Stute kurz vor den Stangen eine 1A Vollbremsung hin. Das war wohl nichts.
      Bei einem neuen Versuch konzentrierte ich mich noch mehr auf das Pferd unter mir und diesmal funktionierte der Sprung recht sauber. Ich lobte die Stute dafür und versuchte mich direkt am nächsten Sprung. Auch dieser funktionierte mit der nötigen Konzentration hervorragend und so langsam fand ich Spaß an der Sache.

      Niklas
      Mit großen Schritten schritt Humbria vorwärts und zog immer wieder Aufmerksamkeit der anderen auf sich. Dieses Gefühl von zu Hause hatte ich zuletzt beim Einreiten von Smoothie vor einigen Jahren und nun schien diese Stute ihr eine ebenbürtige Nachfolgerin werden zu können. An der Seite lagen einige Stangen, die ich für den Anfang im Schritt und Trab überritt. Erstaunt von ihrem enormen Schwung im Trab, hatte sogar ich Probleme in diesem Auszusitzen. Auf dem Zirkel trabte ich leicht und steuerte nach einigen Galoppsprüngen einen kleinen Oxer an, eh sie aus dem Takt fiel und unter mir einen Gangsalat veranstaltete. Verwundert blickten Anders und ich uns an. Bis er die einzige wichtige Frage stellte: “Was sollte dann denn werden?”
      “Wenn ich das wüsste”, wunderte ich mich noch immer. Um nicht wie Vriska vor einigen Tagen zu Enden entschied ich etwas fernab der Gruppe die Stute mehr zu versammeln und zu stellen. Humbi reagierte zuverlässig auf meinen Schenkel und schien gefallen daran zu haben, geritten zu werden. Ihr Genick war locker und auch die Hinterhand tritt zuverlässig unter. Doch als ich sie wieder angaloppieren wollte, verschwand der Takt, der Kopf erhob sich und es wurde umgehend bequemer. Ein ungutes Gefühl schlich sich bei mir ein, aber da konnte nur einer vom Ponyclub helfen. “Vielleicht sollte ich mal rüber zu Kristine”, sagte ich zu Herrn Holm und ritt im Schritt am langen Zügel hinüber auf den Reitplatz, dem bereits gesprungen wurde. Ju war auch da, jedoch unter den Zuschauern und wirkte sehr konzentriert auf seine kleine Bekanntschaft.
      “Niklas, kann man dir helfen?”, fragte die Trainerin freundlich. Ich nickte und sie kam näher.
      “Ich habe ein Gangproblem und ich schätze … Humbria töltet lieber, statt zu galoppieren, oder irgendwas anderes. Ich weiß es nicht”, erklärte ich ihr. Sie öffnete die Tür, ließ alle anderen den Hufschlag verlassen und ich sollte es zeigen. Also bereitete ich meine Stute vor auf dem Zirkel, trabte einige Runden locker und gab ihr die Galopphilfe, doch der Gangsalat kam wieder. Etwas genervt versuchte ich es immer wieder auch auf dem Stand und auf Linien, doch der Galopp kam einfach nicht.
      “Herzlichen Glückwunsch Niklas. Dein Pferd läuft 1A Tölt. Anfangs mit einer Passverschiebung doch nun, erstklassig. Vielleicht solltest du die Abteilung wechseln”, scherzte sie und schien sich bereits zu freuen. Doch in mir machte sich alles andere als Begeisterung breit.
      “Schön und wie bekomme ich das weg? Ich brauche Galopp, sonst kann ich nicht Springen”, beschwerte ich mich.
      “Darüber werden wir morgen sprechen. Am besten beendest du das für heute mit ihr”, schlug sie vor. Im Schritt verließ ich wieder den Reitplatz und ritt auf dem Hof meine Stute ab. Ich spürte, dass Vriska mich beobachte, doch ich ignorierte sie. Stattdessen lenkte ich meine ganze Energie auf Humbi, die fröhlich unter mir vorwärtsschritt.
      “Also meine Hübsche, da müssen wir wohl den Teufel aus dir austreiben. Aber keine Sorge, ich werde behutsam mit dir umgehen”, scherzte ich und stieg ab. Ich nahm die Zügel vom Kappzaum ab und fummelte das Martingal ab. In der Zeit schubberte sie ihren Kopf am Anbinder. Ohne das Halfter ihr umzuhängen, nahm ich den Sattel ab und brachte sie zurück auf die Weide. Für heute ließ ich den Schutz an ihren Beinen, da ich vorhin bereits festgestellt hatte, dass sie sich dort immer wieder in die eigenen Beine trat. Frei folgte sie mir und freute sich auf den vollen Heusack, der dort hin. Doch nach einigen Happen warf sie sich auf den Boden und genoss das Sandbad.
      “Na gut, ich werde dann wohl mal aufräumen gehen. Wir sehen uns morgen”, verabschiedete ich mich und trat den Rückweg zum Stall an, um meine Sachen wegzuräumen. Die feuchte Schabracke legte ich in der Kammer über den Sattel mit dem Äußern auf die Sattelfläche. Vorher entfernte ich noch den groben Schmutz, ebenfalls entschied ich die Bürsten sauberzumachen. Wirklich verärgerte mich ihr fehlender Galopp, besonders, weil mir die Erfahrung fehlte, so ein Pferd zu trainieren. Ich wünschte mir, meinen Opa genau jetzt kontaktieren zu können, er wüsste eine Lösung. Mit gesenktem Kopf setzte ich mich in die Stallgasse auf den Boden und betrachtete die Wand. Der Gedanke, Humbi wieder zurückzubringen rückte in den Vordergrund, doch in den wenigen Tagen hatte sie mein Herz gestohlen und ich wollte es wenigstens noch versuchen. Selbst wenn die Lösung dafür wäre, noch einmal mit Vriska zu sprechen. Sie ritt schon etwas länger auf den Tollpatschen und könnte mir sicher einige Tipps geben, außerdem hatte ich einige Probleme mit dem Training von Kristine. Ständig bremste mich die Dame aus und versuchte mich zu jemand anderes zu machen. Meine Familienverhältnisse stellte sie immer infrage und konnte es nicht wahrhaben, dass ich reiten kann. So empfand ich Unterricht mit ihr immer wie eine Qual, statt etwas Neues zu lernen. Gedankenverloren hörte ich Schritte von weiten und drehte mich um, als ich Alec und seinen Fanclub erblickte. Schnell rappelte ich mich auf und brachte schnell die Kiste weg.

      Lina
      “Also dafür, dass das nicht deine Welt ist, hast du das gut gemacht”, lobte Samu Alec, während wir zusammen mit ihm zurück zum Stall liefen. Es war bereits dunkel geworden, sodass der Hof nur noch von den Lampen am Stall beleuchtet wurde. Dennoch schien Alec nicht der Meinung zu sein Vakany auf der Stallgasse abzusatteln und steuerte lieber den Putzplatz draußen an.
      “Meinst du, nicht dass du dein Pferd sehen möchtest?”, gab ich ihn zu bedenken.
      “Ach was, wozu denn? Absattelt schaffe ich auch gerade noch so, außerdem ist es hier draußen doch viel schöner”, antwortete er nur und begann bereits die Trense der Stute zu öffnen.
      “Sag mal ist das nicht deine?”, fragte Samu mich nun und deutete auf eine Schabracke, die über dem Abbinde Balken lag.
      “Ja, die sollte da trocknen”, erklärte ich ihm.
      “Na, das ist ja schön, aber bei welcher Sonne soll die denn jetzt noch trocknen?”, merkte Samu an.
      “Ja…, da hast du recht. Ich sollte die wohl wegräumen”, antwortete ich und nahm die Schabracke vom Balken. “Soll ich die Trense schon mitnehmen?”, wandte ich mich an Alec und noch bevor ich eine Antwort bekam, hatte ich ihn die Trense bereits aus der Hand genommen.
      “Das hätte ich zwar auch selbst geschafft, aber danke”, bedankte sich Alec.
      “Weiß ich doch, aber ich muss doch jetzt eh dahin”, reif ich ihm im Gehen noch zu und betrat die Stallgasse.
      Anhand der Tatsache wie viel Heureste auf dem Boden lagen, merkte ich das Jace seinen Stalldienst heute wohl gemacht hatte. Ich werte das mal als gutes Zeichen, dass er aus seiner Wohnung gekommen war, auch wenn er das zu einer Zeit tat, wo ihm niemand begegnen würde. Nichts desto trotzt, ärgerte ich mich ein wenig darüber, dass er die Stallgasse nicht gekehrt hatte, das hätte er dann auch noch geschafft. Dann würde ich wohl gleich noch fegen, aber zuerst muss ich die Sachen wegbringen. Ich öffnete die Tür zu Sattelkammer und wollte direkt die Schabracke weghängen, doch Niklas stand im Weg und kramte nach irgendwas.
      “Huch, willst du etwa durch?”, scherzte er und stellte sich noch mehr in den Weg.
      “Ja, wäre schon ganz praktisch. Ich kann das Ding auch schmeißen, aber Schabracken haben leider nicht die besten Flugvoraussetzungen”, antworte ich ihm und versuchte mich an ihm vorbeizuquetschen.
      „Na gut, ausnahmsweise“, sagte Niklas und ging einige Schritte beiseite.
      “Ist eigentlich alles ok mit Humbi, ihr wart so schnell verschwunden?”, fragte ich während ich versuchte die Schabracke auf das Regal zu befördern. Leider fiel sie wieder runter. Noch bevor er antwortete, bückte er sich nach der Schabracke und legte sie für mich auf das Regal. Dann drehte Niklas sich zu mir und guckte mir in die Augen: “Grundsätzlich ja, aber du wirst sicher den Gangsalat gesehen haben. Frau Wallin meinte, dass sie wirklich guten Tölt hatte und auch Passveranlagung. Es wäre somit normal, dass der Galopp weniger ausgeprägt ist und in ihrem Fall noch nicht einmal da. Doch sie ist der Meinung, dass sich machen lässt. Ungern würde ich sie wieder zurückgeben.”
      “Das ist doch gut, wenn sich daran arbeiten lässt”, sagte ich zuversichtlich. “Und zurückbringen solltest du sie auf keinen Fall. Ich mag sie, sie ist irgendwie so anders ”, fügte ich noch hinzu.
      “Sprichst du gerade über mich oder Humbria?”, scherzte er mit einem breiten Grinsen im Gesicht.
      “Lass mich überlegen… eindeutig von euch beiden”, antworte ich mit einem lächeln. “Ihr seid beide sehr besonders”, fügte ich noch an.
      “Na dann”, sagte er und wendete sich wieder von mir ab. Ich wandte mich dem Waschbecken zu und Vakanys Gebiss abzuwaschen. Wie schafft Niklas es denn immer alles, was ich sage auf sich zu beziehen. Dieser Mann ist doch einfach zum Wahnsinnig werden, in einem positiven Sinne, wohlgemerkt.
      Nachdem das Gebiss von Sabber befreit war, wollte ich die Trense weghängen und musste leider feststellen, dass sie ganz oben hingehörte. Natürlich wie sollte es denn auch anders sein, bei einem von Samus Pferden, er war ja auch kein Zwerg.
      “Warum ist das denn hier alles nur für Riesen gebaut”, schimpfte ich leise vor mich hin und blickte mich nach dem Hocker, um den ich extra mal hier platziert hatte. Natürlich stand er nicht, da wo er sein sollte. Auch wenn es mich normalerweise nicht sonderlich störte, klein zu sein, manchmal verfluchte ich die Welt dafür.
      “Könntest du mir noch mal kurz helfen? Hier ist einfach alles zu hoch für mich”, fragte ich Niklas, der eigentlich gerade den Raum verlassen wollte und blickte ein wenig genervt zu dem leeren Trensenhalter.
      “Aber selbstverständlich”, scherzte er, kam zurück und hing die Trense an seinen Halter.
      “Vielen Dank. Ich würde dich als Held bezeichnen, aber besser als ich an irgendetwas dranzukommen ist noch keine außergewöhnliche Fähigkeit”, bedankte ich mich.
      “Nun, ich habe schon mehr in wenigen Tagen repariert als du offenbar in deinem ganzen Leben. Ist das ein Argument?”, stichelte Niklas.
      “Ey, nur weil ich eine Frau bin, heißt das nicht, dass ich nicht weiß, wie man etwas repariert”, protestierte ich empört. “Nur halt nicht wie man Führmaschinen repariert.”
      “Ich habe nicht gesagt, dass das an deinem Geschlecht liegt. Eher an deiner Körpergröße”, versuchte er sich zu verteidigen und grinste schelmisch.
      “Pff, klein sein hat auch seine Vorteile”, erwiderte ich und wollte gehen. Wie kann man den bitte so frech sein und dabei so verdammt gut aussehen, das ist einfach unfair.
      “Ich weiß doch und jetzt komm, eh die draußen noch auf komische Ideen kommen”, sagte er, gab mir einen Kuss auf die Haare und legte den Arm um meine Schulter als wir die Kammer verließen.
      “Ah, da bist du also abgeblieben. Wir dachten schon du hättest dich verlaufen”, reif Alec mit einem breiten Grinsen über die Stallgasse als er uns mit Vakanys Sattel in der Hand entgegenlief.
      “So groß ist die Sattelkammer jetzt auch nicht, dass man sich darin verlaufen könnte, auch wenn sie eindeutig für Riesen gebaut wurde”, entgegnet ich ihm. “Und hör gefälligst auf so blöd zu grinsen.”
      “Ich freue mich doch nur, dass du dich nicht verlaufen hast. Darf ich das etwa nicht?”, sagte er unschuldig als er an uns vorbeiging.
      “Mach’ dir nichts draus, Lina ist nur eifersüchtig, dass sie gerade nicht die hübscheste ist”, fing nun auch Niklas an mich zu föppeln.
      “Ihr beide seit doch echt bescheuert”, murmelte ich und boxte Niklas leicht in die Seite, da Alec leider zu weit weg stand dafür.
      “Na, ich nehme das mal als Kompliment”, entgegnete Alec immer noch grinsend. “Ich lass euch zwei hübschen, dann mal wieder allein”, hängte er noch an und verschwand in der Sattelkammer.
      “Das tat weh”, beschwerte sich nun der Riese neben mir.
      “Ach wirklich? Ich dachte, du seist ein großer starker Mann”, antwortete ich zynisch.
      „Deine kleinen Händchen sind wie Pfeile, die sich in die Haut bohren. Außerdem habe ich Muskelkater“, murmelte er am Ende etwas unverständlich.
      “Dann solltest du nicht immer so fies sein, dann muss ich auch nicht meine kleinen Händchen benutzen”, sagte ich ein ganz klein wenig schadenfroh.
      “Ich kann ja mal fies werden”, antwortete Niklas schlagartig, schnappte meine Hände und drückte mich gegen die Wand einer Box. Dabei guckte er mir tief in die Augen und hielt meine Arme nach oben.
      “Kannst du?”, fragte ich provokant. Sanft küsste er meinen Hals bis runter zur Schulter und guckte mich mit seinen großen Augen wieder an. Dabei trat er einen Schritt weiter heran an mich, ich spürte seinen Körper an mir. Mir wurde warm. Ich spürte wie meine Haut zu kribbeln begann und mit einem leichten Ziehen in der Körpermitte meldete sich ein Verlangen in mir. Ich wollte mich bewegen, doch Niklas hatte mich fest im Griff uns sah mich weiter mit großen Augen an.
      “Ok..., jetzt bist du wirklich fies”, flüsterte ich kaum hörbar.
      “Gut” antwortete er verschmitzt und ließ mich los. Von weiten hörte man jemanden kommen. Erst auf den zweiten Blick erkannte ich Vriska, die mit ihrem Schecken in den Stall kam.
      “Nehmt euch nen Zimmer”, murrte sie uns an und legte Glymur das Halfter um, dass in der Gasse hing. Einen kurzen Moment war ich ein wenig verlegen gewesen, aber Vriskas Kommentar nervte mich einfach nur. Heute Morgen beim Frühstück war sie doch noch normal gewesen und danach hatte ich sie nur noch mit schlechter Laune gesehen. Wenn ihr Pferd nicht in der Lage war seine Füße zu heben, musste sie das doch nicht an mir auslassen.
      “Was ist mit dir denn eigentlich heute los mit dir? Immer, wenn ich dich sehe, werde ich nur an gemault. Habe ich dir was getan?”, fragte ich sie leicht genervt.
      “Geht dich gar nichts an”, zischte sie mich aggressiv an. Niklas verabschiedete und ließ uns beide allein.
      ”Wenn du ein Problem mit mir haben solltest, sag es halt, ansonsten lass deine schlechte Laune an irgendwem anders aus”, motze ich sie an. Glymur schien wenig begeistert und begann nervös auf der Stelle herumzutänzeln.
      “Habe ich schon”, murmelte Vriska und wirkte plötzlich zerbrechlich, als würde sie den Rest von ihr schützen. Auf einmal tat es mir ein klein wenig leid sie so angemeckert zu haben, wer konnte dann schon Ahnen das sie tatsächlich irgendetwas Ernsthaftes beschäftigte.
      “Wenn ich dir irgendwie helfen kann, sag Bescheid”, versuchte ich es nun ein wenig versöhnlicher und wollte mich zum Gehen wenden.
      “Geh mal zurück zu deinen Freunden, ich komm’ klar”, murmelte sie noch immer und verschloss sich noch mehr.
      Ich zögerte einen Moment und überlegene, ob es tatsächlich jetzt richtig war zu gehen. Immerhin hatte Vriska mir auch bei meinen Problemen zugehört, doch irgendwie ahnte ich, dass sie nicht mit mir reden würde, egal was ich tun werde.
      “Falls du es dir doch anders überlegst, weißt du wo du mich findest”, murmelte ich noch bevor Vriska mit ihrem Hengst allein ließ.

      Vriska
      Hätte ich doch mit ihr sprechen sollen, obwohl wir es anderes verhandelt hatten? Sie und Niklas zusammen zu sehen weckte etwas in mir, dass ich vorher noch nie verspürte. Es war wie eine Angst, jemanden zu verlieren, obwohl es nichts zu verlieren gab. Oder doch? Glymur nahm alles an von mir wahr und hampelte noch immer nervös in der Gasse, ich ließ meinen Blick nach draußen schweifen. Als Lina um die Ecke verschwand vibrierte mein Handy. Auf meinem Sperrbildschirm sah ich, dass Niklas mir geschrieben hatte. Es war klar gewesen, dass mir schrieb. Bestimmt um abzuchecken, ob ich ihr irgendetwas verraten hatte. Hingegen meiner Erwartungen schrieb er jedoch: “Var inte ledsen. Vi ses efteråt och lär oss lite, jag hade trots allt varit ofokuserad med Humbria tidigare. Pigga upp.” Bevor ich die Nachricht vollständig verstand, musste ich einige Worte nachschlagen. Langsam wurde mir bewusst, dass Lina an ihm fand. Es war genau das, was er mir schrieb. In mir glühte etwas Hoffnung auf und deutlich fröhlicher nahm ich den Rest von Glymur runter, zog die Weste aus und brachte ihn in seine Box. Erst jetzt kamen mir die anderen drei oder besser gesagt vier entgegen. Böse Blicke warf ich Linh zu, die sich gerade mit Ju unterhielt. Schnellen Schrittes versuchte ich wegzukommen, doch jemand hielt mich am Arm fest. Ich drehte mich panisch und guckte ihn an. Erst dann ließ er los. Erwartungsvoll blickte ich hoch in sein Gesicht.
      “Ich weiß, was ihr getan habt”, sprach er leise zu mir.
      “Und was genau meinst du? Dass ich heute mit Glymur gesprungen bin?”, lenkte ich ab und grinste.
      “Du und Niklas. Ihr beide”, begann er, bis ich seinen Mund zu hielt.
      “Das geht niemanden etwas an”, flüsterte ich eindringlich. Ju schlug meine Hand von ihm weg und ich spürte den Schmerz in meiner Schulter kommen. Betrübt legte ich die andere Hand auf die pochende Stelle und sein Gesicht verzog sich.
      “E-Es tut mir leid. Ich wollte das nicht”, entschuldigte er sich. Es war der richtige Moment einen Abgang zu machen, doch irgendwas verankerte mich fest im Boden. Ich nickte nur und hörte zu.
      “Was dachtest du dir dabei? Hat es dir mit uns gar nichts bedeutet?”, fragte Ju leidet. Offenbar hatte ich die Gefühle seinerseits vollkommen außer Acht gelassen, doch nun konnte ich es eh nicht mehr rückgängig machen.
      “Ich … Gar nichts. Ich dachte an gar nichts und doch … E-Es hat mich schon etwas bedeutet”, ich pausierte, denn ich hatte keine Antwort darauf. Er hatte etwas an sich, dass mir gefiel, doch für mehr reichte es nicht. Zumindest jetzt nicht mehr, nach der Nacht und so wie er am Wasser über ihn sprach, erkannte ich Ju nicht mehr wieder.
      “Aber? Okay, ich möchte es gar nicht wissen. Ich sollte Linh helfen. Danke fürs Gespräch”, fauchte er mich nun an und lief zum Stall. Ich spürte die Blicke der anderen und fühlte mich nicht gut. Mein Magen knurrte und es wäre sicher gut noch etwas zu essen. Vorher sollte ich jedoch etwas anderes anziehen und meine Haare neu machen. Alles klebte an mir, was sicher auch dem Wetter zu verschulden war. Obwohl ich vor mehr als 10 Minuten noch die Welt brennen sehen wollte, ging es mir nach der Nachricht und dem kleinen Gespräch schon viel besser. Im Zimmer war der Griff zur kürzeren Hose sehr nah, doch als ich an mir herunterblickte und neben den Narben auch die frischen sah, entschied ich mich dagegen. Ich wollte keine unangenehmen Fragen gestellt bekommen oder möchte-gern-Hilfe. Das musste ich die letzten Jahre in England schon immer ertragen. Ich guckte auf die Uhr, kurz nach 8 Uhr abends. Wenn ich heute vor 23 Uhr schlafen wollen, würde, müsste ich mich beeilen. Erst recht, wenn Niklas später noch herkommen wollte. Ich bemerkte, dass ich meinen Hoodie auf dem Platz vergessen hatte, doch war froh darüber. Denn dann musste ich mich dazu zwingen mal etwas Kurzes anzuziehen. In meiner Tasche entdeckte ich mein Lieblingsshirt, das ich viel zu selten anzog. Es war ein graues oversized Shirt, dass überall Farbflecken hatte und bauchfrei. Bei dem Wetter wäre es durchaus angebracht etwas mehr Haut zu zeigen, denn alle anderen liefen auch beinah nackt herum. Die Truppe saß gemeinsam am Tisch und unterhielten sich. Ju und Linh waren auch bereits dabei.

      Niklas
      “Und Alec, wie fandest du den Unterricht?”, fragte ich neugierig, während wir alle noch etwas aßen. Jemand von Hof hatte das Feuer wieder mal angemacht und im Hintergrund liefen über Musikboxen entspannte Musik.
      “Sehr lehrreich, aber dieses gehüpfe ist definitiv nicht meine Welt. Ich bleibe glaube ich lieber bei der Dressur”, antwortete Alec gutgelaunt.
      “Das unterschreibe ich so”, stimmte ich ihm zu und riss ein Stück vom Brot ab. Wenn ich ehrlich war, reichte mir das Essen vom Buffet langsam, aber sicher. Stückweise wünschte ich mir Fjona her, die sonst frisch kochte, wenn ich keine Lust hatte.
      “Und bist du froh, wenn wieder Ruhe am Hof einkehrt?”, fragte ich Samu, denn Lina würde mit nach Schweden kommen und dachte vermutlich nicht weiter daran.
      “Oh ja und wie froh ich sein werde, wenn sich nicht mehr alle benehmen wie im Kindergarten. Auch, wenn es zugegebenen Maßen dann wieder ein wenig langweilig hier werden wird”, antworte Samu ehrlich.
      “Was denn für einen Kindergarten?”, fragte Ju etwas verärgert.
      “Keine Sorge, dich meine ich nicht”, versuchte Samu ihn zu besänftigen.
      “Er spricht bestimmt von unserem Bipolaren Monster”, warf Milena ein, die gerade mit Max vorbeilief.
      “Wer nichts Nettes zu sagen hat, sollte lieber die Klappe”, verteidigte ich Vriska, die ich von weiten sehen konnte. Überrascht guckte ich noch mal genauer hin und sah, dass sie mal einen Pullover trag, sondern sogar Haut zeigte.
      “Also wenn hier jemand ein Monster ist, dann du”, stellte Alec an Milena Gewand fest.
      “Pff, ich werdet es noch kapieren. Spätestens, wenn sie wieder manisch wird, habt ihr meine Worte im Kopf”, zischte sie und ging. Tatsächlich ergab es Sinn, was sie da erzählte. Vriska konnte innerhalb kürzester Zeit ihre Stimmung wechseln, ohne selbst viel davon mitzubekommen. Andererseits hatte ich das auch schon bei Lina erlebt und Ju erst recht. Sind jetzt alle Krank? Vriska setzte sich neben mich und alle blickten zu ihr, als gehörte sie nicht mehr dazu. Jus Augen blitzten mich an und ich wusste, was er wollte. Unbeeindruckt drehte ich mich zu ihr und hörte zu, was sie uns zusagen hatte.
      “Hej”, begann sie vorsichtig. Niemand sagte etwas. Vriska fuhr fort: “E-Es tut mir leid, also euch allen gegenüber. Ich weiß nicht mehr, was ich heute zu wem sagte, ob es nett, oder weniger nett war. Aber nach dem Ju vorhin mit mir kurz gesprochen hatte, wurde mir klar, dass mein Verhalten nicht gut war. Also. Es tut mir leid, wirklich. Wenn ihr wollt, dass ich gehe, dann ist das confirm für mich.”
      “Bleib ruhig hier. Jeder von uns hat mal einen schlechten Tag, wo er dann auch schon mal nicht so nette Dinge sagt. Sogar bei mir soll das schon vorgekommen sein”, sagte Alec diplomatisch.
      “Oh, danke”, antwortete sie verlegen und stellte den Teller auf den Tisch. Unauffällig musterte ich ihr Outfit und bemerkte die Narben, die sie am Arm versteck von einem großen Sleeve versteckte. Da fiel mir ein, dass auch mein Termin morgen sei, bei dem Lina dabei sein wollte.
      “Ach Nik, ich muss noch was besprechen”, begann Ju und ich blickte zu ihm aufmerksam. Er sprach weiter: “Linh schläft nachher mit bei uns und ich schätze, du solltest dir diesmal ein anderes Zimmer suchen.”
      “Ja, geht klar. Lina? Kann ich nachher zu dir kommen? Wann gehst du schlafen, weil ich wollte mit Vriska noch über Betriebsleitung und andere wirtschaftliche Dinge sprechen zum Lernen”, wandte ich mich ihr zu.
      An Samu Gesichtsausdruck war deutlich zu sehen, was er von der Idee hielt.
      “Klar, kein Problem. Was die Uhrzeit angeht, habe ich keine genaueren Pläne. Ich hatte nur vor heute mal vor 3 Uhr nachts im Bett zu sein” antwortete sie, ohne Samu wirklich zu beachten.
      „Freut mich“, sagte ich grinsend.
      Ich spürte wie eine Hand durch meine Hose über den rechten Oberschenkel langsam in meinen Schritt wanderte. Mein Herz begann schneller zu schlagen und auffällig wechselte ich meine Sitzposition, um es mir bequemer zu machen. Gleichzeitig unterhielt Vriska sich mit Lina und ließ sich nicht anmerken, was sie gerade tat. Dieses Mädchen machte mich verrückt. Ihre Art etwas zu wollen und alles dafür zu tun, faszinierte mich und zog mich in den Bann. Nebenbei versuchte ich weiter zu essen und jeder Happen fiel mir von einer Sekunde zur nächsten schwerer. In meinem Kopf malte ich mir aus, was noch passieren würde und wie ich, ohne mir etwas anmerken zu lassen, bei meiner Auserwählten schlafen sollte. Ich nahm Vriskas Hand aus meiner Hose und richtete alles unauffällig, um die Teller wegzuräumen.
      “Möchte noch jemand was, wenn ich schon mal da bin?”, fragte ich in die Runde und unterbrach dabei einige Gespräche.
      “Ja gern, ich würde noch etwas Kartoffelsalat nehmen”, sagte Linh und reichte mir ihren Teller, auf dem noch ein halbes Steak lag. Sonst meldete sich niemand und ich machte mich auf den Weg. Als ich wieder kam, herrschte eine leichte Aufbruchstimmung. Alec verabschiedete sich, um nach Hause zu fahren. Etwas traurig wünschte ich ihm eine gute Fahrt.
      “Wollen wir dann nicht langsam anfangen? Je früher wir fertig sind, so länger kannst du mit Lina ungestört sein”, schlug Vriska vor. In ihren Augen funkelte etwas Boshaftes, aber ich stimmte zu.

      Lina
      Natürlich war mir Samu vielsagender Blick nicht entgangen, als Niklas gefragt hatte, ob er bei mir schlafen konnte, doch eigentlich hatte ich nicht die Motivation es mit ihm auszudiskutieren. Leider schien er das anders zu sehen, denn kaum waren Niklas und Vriska verschwunden bedeutete er mir ziemlich eindeutig, dass er reden wollte. Für einen Moment überlegte ich, ob ich ihn einfach ignorieren konnte, doch dann würde vermutlich noch mehr nerven.
      Seufzend stand ich also auf und folgte ihm zu der großen Eiche, die etwas abseits der Tische wuchs.
      “Was willst du denn?”, fragte ich Samu genervt.
      “Was ich will? Ich will gar nichts, ich finde nur du solltest noch mal Nachdenken. Ihr kennt euch gerade mal etwas länger als eine Woche”, regte er sich ein wenig auf.
      “Erinnerst du dich an unser Gespräch heute? Was habe ich da gesagt? Richtig, du sollt mich nicht immer so krass beschützen ich bin keine 12 mehr”, sagte ich ein wenig genervt.
      “Und mal ganz abgesehen davon, was ich mit wem in meinem Bett mache, geht dich absolut nichts an. Auch für dich gibt es Grenzen”, fügte ich unmissverständlich hinzu.
      “Aber…”, er wollte gerade ansetzen noch etwas zu sagen, aber ich schnitt ihm einfach das Wort ab.
      “Nichts, aber. Mein Bett, meine Entscheidung! Das steht auch nicht zu Diskussion. Ich schreib dir auch nicht vor wen du in dein Schlafzimmer lässt”, meckerte ich ihn an. Daraufhin war er erst mal still. Ein wenig verwundert war ich trotzdem, denn ich hatte ihn noch nie so nervig erlebt wie heute. Ok, zugegebenermaßen habe ich auch noch nie so wenig auf seinen Rat gehört, dass könnte die Lage vielleicht erklären.
      “Lina, hör doch wenigstens zu, danach hör ich auch auf die zu nerven versprochen”, bettelte er nun fast, dass ich ihm zuhörte.
      “Wenn denn sein muss”, gab ich genervt nach.
      “Kann sein das du nachdem, was ich sage, nie wieder mit mir spricht, aber ich möchte, dass du das in deine Entscheidungen einbeziehst. Ich glaube immer noch, dass Niklas nur mit dir spielt. Ich meine, warum sollte er von heute auf morgen ein anderer Mensch sein, das ergibt keinen Sinn”, Samu schien diese Sache wirklich wichtig zu sein. “Und ich kann auch verstehen, dass du ihn äußerlich anziehend findest, aber bitte schalte nur für eine Sekunde dein Gehirn ein, bevor du etwas tust, was du später bereust.” Eine unangenehme stille herrschte zwischen uns. Normalerweise hätte ich auf ihn gehört, denn Samu besaß eine unglaubliche gute Menschenkenntnis, doch in diesem Fall wollte ich ihm nicht glauben. Mir gegenüber hatte sich Niklas so verständnisvoll Verhalten und es fühlte sich einfach so gut an. Dennoch kam da diese fiese kleine Stimme in meinen Kopf, diese fiese Stimme, die immer alles zerstörte. Glaub ihn Lina, du hast Niklas Rücken schon wieder vergessen. Außerdem einer, wie er will dich sowieso nicht haben. Das glaubst du wohl selbst nicht, verspotte die Stimme mich. Nein, diese Stimme ist böse, ich darf ihr nicht glauben. Mit all meiner Willenskraft hielt ich gegen die Zweifel und schob sie beiseite.
      “Ich werde deinen Tipp berücksichtigen, aber eigentlich steht meine Entscheidung bereits fest, egal was du davon hältst”, antworte ich und ließ ihn einfach unter dem Baum stehen.

      Juha
      Während Linh noch aß, belauschte ich das Gespräch von Lina und Samu. Auch, wenn ich nicht alles verstehen konnte, hörte ich immer wieder Niklas und mir war klar, worum es ging. Offenbar hatte Kerl wieder nicht besseres in seinem Schädel, als alle Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Sichtlich genervt, ließ Lina Samu allein sitzen und ich nutzte die Gunst der Stunde ihn etwas aufzumuntern. Leicht geduckt lief ich zu ihm und setzte mich.
      “Ich sage dir, dass nun nur ein einziges Mal, also höre mir gut zu”, begann ich. Samu nickte und ich fuhr fort: “Deine Sorgen sind berechtigt und Lina wird vermutlich schneller wieder hier sein, als du gucken kannst. Ich möchte ihn damit nicht zu einem schlechteren Menschen machen, als er ist, denn er ist durchaus eine freundliche und zuvorkommende Persönlichkeit sein. Doch er kann unberechenbar und sprunghaft in seinen Entscheidungen verhalten. Dabei ist er so in seinem Film festgefahren, dass er den Rest seiner Umwelt außer Acht lässt. Wenn Lina damit nicht umgehen kann und nicht standhaft ihm gegenüber ist, kann das nur im Krieg enden. So, hast du noch eine Frage?” Ich versuchte so leise zu sprechen wie möglich, denn nach dem letzten richtigen Zerwürfnis mit meinem besten Freund, endete es seinerseits mit einem mehrwöchigen Krankenhausaufenthalt sowie vieler Gespräche. Das konnte ich nicht riskieren, denn ich wünschte ihm vieles, nur nicht das nochmal.
      “Warum genau erzählst du mir das jetzt eigentlich. Wie du siehst, hört Lina ohnehin nicht mehr auf mich”, fragte er mit einer Mischung aus Verwirrung und Besorgnis in der Stimme.
      “Ich möchte sie vor dem schlimmsten bewahren. Und ganz ehrlich? So wie ich dich einschätze, warst du bei den Mädels sicher beliebt und wie oft hast du mit jemanden einfach nur gelernt?”, deute ich an und zog meine Brauen hoch.
      “Öfter, als du zu glauben scheinst”, antwortete Samu.
      “Nun gut. Wir haben nie drüber gesprochen”, flüsterte ich und lief zurück zu Linh, die bereits auf mich wartete.
      “Alles gut bei dir, du wirkst so … aufgeregt”, fragte sie besorgt.
      “Natürlich, ich musste nur was Wichtiges klären. Wollen wir rüber, Fernsehen?”, entgegnete ich freundlich und lief mit ihr zum Zimmer. Niklas hatte ein riesiges Chaos hinterlassen. Ich entschuldigte mich bei ihr und warf schnell alles zusammen. Aus meiner Rage stoppte sie mich und gab mir einen Kuss.
      “Es ist nicht das erste Mal, dass er das Zimmer verwüstete und ich das sah”, antwortete Linh liebevoll und zog mich auf die Couch. Mit meinem Arm um ihre Schulter guckten wir eine Dokumentation auf Netflix.

      Niklas
      Gerade als ich die Tür hinter mir schloss, fiel Vriska mir um den Hals. Meine Hände legte ich an ihrem Hinterteil und zog sie fest an mich heran. „Wärst du so freundlich, heute keine Spuren zu hinterlassen?“, flüsterte ich bestimmend in ihr Ohr und schmiss sie aufs Bett. Mit ihrem Kopf auf der Decke zog ich unsere Hosen runter und liebäugelte mit ihrer Unterwäsche, die sie trug. In Gedanken an Lina suchte ich in meiner Hosentasche meiner Reithose nach einem Gummi.
      „Wenn du nicht willst, dann müssen wir das nicht tun“, sagte sie besorgt und schien zu merken, dass ich nicht ganz bei der Sache war. Dann drehte sie sich auf den Rücken und guckte mich an. Noch eh ich antworten konnte, sagte sie überrascht: „Ach, warst du schon vorbereitet, was heute passiert?“
      „Nein, ich bin immer vorbereitet. Du bist nicht die Erste, die plötzlich über mich herfällt“, antworte ich ernsthaft und distanziert. „Und um auf deinen ersten Satz zurückzukommen, wenn ich wollen würde, hätte ich meine Hosen noch an“, grinste ich, drehte sie unsanft um und zog sie an mich heran. Leise winselte sie nach mehr und ich genoss das Gefühl von ihr gebraucht zu werden. So schön es auch war, musste ich dafür sorgen, dass sie leise ist. Ich legte meine Hand auf ihren Mund und drückte sie nieder. Doch nur mit Mühe gelang es mir, ihre Leidenschaft zu unterdrücken. Gestern hatte sie noch andere Möglichkeiten sich dem zu entziehen, nur Monstermücken würde mir keiner mehr abnehmen, erst recht nicht Lina, wenn die Kratzer frisch waren.
      „Zieh dir was drüber und setzt dich an den Tisch“, befahl ich ihr, als ich ins Bad lief, um mich sauberzumachen.
      „Komm‘ doch lieber ins Bett“, quengelte Vriska erschöpft.
      „Ich bin nicht zum Spaß hier. Betriebswirtschaftslehre lernt sich nicht von allein“, antwortete ich standhaft, als ich meine Hände wusch. Als ich zurückkam, lag sie immer noch im Bett, wie ich sie hinterließ.
      “Steh’ jetzt auf oder war heute das letzte Mal da”, drohte ich und war selbst überrascht. Offenbar konnte ich mir vorstellen, dass nun öfter zu tun. Der Gedanke fühlte sich besser an, als wollte, dennoch setzte ich mich und nahm das Pad zur Hand. Aus dem Augenwinkel heraus beobachtete ich, dass Vriska sich etwas drüberzog und dazu kam. Ihre Haare waren durcheinander und ihre Hose kurz. Ein Bild, dass sie ruhig öfter zeigen konnte und vor allem nicht nur mir.
      “Du siehst wunderschön aus”, schmeichelte ich ihr. Verlegen zog sie ihr Shirt über die Shorts und setzte sich an den Tisch. Zusammen gingen wir die Seiten durch und ich erklärte ihr, welche Faktoren die wichtigsten waren und was die Prüfer wissen wollten. Im Gegensatz zu ihr hatte ich alles schon durch und wusste, worauf es ankam. Obwohl Vriska sehr erschöpft wirkte, gab sie sich Mühe mir genau zuhören und die Aufgaben sorgfältig zu erledigen.
      “Ich denke, dass das für heute reicht”, erklärte ich ihr nach einer Stunde. Ich stand vom Stuhl auf und sie sprang auf, um mich festzuhalten.
      “Willst du nicht hierbleiben?”, begann sie wieder zu quengeln.
      “Du weißt, dass das nicht geht”, redete ich mich raus und nahm ihre Arme von mir.
      “Also ist dir das nicht wichtig mit uns?”, in ihrem Gesicht war die Enttäuschung zu erkennen, die in ihr herrschte.
      “Nein … doch. Irgendwie schon. Wir schlafen nur miteinander und lernen. Mehr ist das nicht”, versuchte ich Vriska zu erklären, die offensichtlich mehr wollte als ich.
      “Okay, ich verstehe. Aber wenn das nicht mehr …“, sie stoppte. Eine Träne lief auf ihrer Wange herunter und sie drehte sich weg.
      “Vriska, dir muss klar sein, dass das nicht mehr sein wird. Wenn du das nicht willst, dann sag’ es jetzt und ich verhindere alles Weitere, was du versuchen willst. Ich möchte nicht, dass du sich schlecht dabei fühlst. So macht das keinen Spaß”, muntere ich sie auf und strich einige Strähnen aus ihrem Gesicht.
      “Mir geht’s gut. Ich wollte nur wissen, woran ich bin. Das weiß ich nun”, lachte sie und umarmte mich. Das ging für mich klar und ich drückte sie.
      “Dann schlaf gut. Morgen gleiche Zeit, gleicher Ort?”, scherzte ich. Fröhlich nickte sie und schloss die Tür, als ich ging.
      “Lina, ich bin gleich da, setz’ mich noch für einen Moment ans Feuer”, schrieb ich meiner Herzensdame und setzte mich auf einen Stuhl am Feuer. In meiner Hosentasche befand sich ebenfalls die Schachtel von der Tankstelle und ich zündete mir eine an. In meinem Kopf schwebten tausend Gedanken und einer davon war Lina. Ich wollte sie nicht verletzen und auch nicht hintergehen, doch sie gab mir nicht das, was ich bei Vriska fühlte. So fasste ich den einzigen richtigen Entschluss. Ich musste mit Lina darüber sprechen, zumindest teilweise.
      Als ich aufgeraucht hatte, lief ich zu ihr und rechnete damit, dass ich die Nacht bei Vriska verbringen würde. Ich selbst würde mich nicht ertragen wollen. Vorsichtig klopfte ich an Linas Tür.


      Lina
      Nachdem Streit mit Samu war ich innerlich so aufgewühlt gewesen, dass ich mir erst einmal einen Tee machen musste. Auch wenn ich es Samu gegenüber nicht zugeben wollte, machte ich mir doch mehr Gedanken darüber, was er gesagt hatte. Mit meinem Tee hatte ich mich auf mein Sofa begeben und die Zeichnungen angestarrt, die kreuz und quer über den Tisch verteilt lagen. Ganz obendrauf, mein Block auf dem noch die Zeichnung von Niklas Tattoo aufgeschlagen war.
      Auch wenn sich die negativen Gedanken immer wieder in den Vordergrund drängten, fasste ich einen Entschluss. Mir ist egal was Samu sagt, immer hin bin ich hier diejenige die mit den Konsequenzen der Entscheidung leben muss, nicht er. Ich komme was wolle, ich werde mit nach Schweden gehen. Auch wenn Niklas noch ein Fremder für mich ist, bin ich überzeugt davon, dass es das Richtige ist. Es fühlt sich einfach zu gut an, um es mir von irgendwem kaputt machen zu lassen.
      Ich war so fokussiert auf meine Gedanken gewesen, dass ich vor Schreck fast vom Sofa fiel, als es an der Tür klopfte und natürlich, wie hätte es auch anders sein sollen, hatte ich dabei den restlichen Inhalt meiner Tasse auf mir und dem Fußboden verteilt.
      “Komm rein, die Tür ist offen”, rief ich durch die Wohnung, während ich zur Spüle ging, um einen Lappen zu holen. Langsam öffnete sich die Tür und Niklas trat ein, während ich den Tee vom Boden entfernte.
      „Was denn hier passiert?“, fragte er freundlich und betrachtete die Flecken auf dem Boden.
      “Wie es aussieht schaffe ich es heute nicht mal auf einem Sofa zu sitzen, ohne dass dabei etwas passiert”, klärte ich ihn auf.
      „Nun gut. Ich habe ein Anliegen“, murmelte Niklas und setzte sich auf die Couch.
      “Und was wäre das für ein Anliegen?”, fragte ich etwas beunruhigt, denn ich konnte seine Körpersprache absolut nicht einordnen und konnte mir auch nicht so richtig vorstellen, was er jetzt von mir wollte.
      „Ich mag dich sehr und ich würde sogar sagen, dass ich sowas wie Schmetterlinge im Bauch habe, wenn ich an dich denke. Und ich denke sehr oft an dich aber …“, er stoppte und ich merkte das es ihm schwerfiel zu sagen, was er gerade fühlte.
      „Du kennst meine ganze Geschichte nicht und ich bin auch noch nicht bereit sie mit dir zu teilen. Denn ich weiß es selbst erst seit weniger als 2 Jahren und habe selbst noch mitzukämpfen, dass ernsthaft zu verarbeiten. Meine Psychologin sagte etwas von verdrängt oder so. Keine Ahnung. Aber auf jeden Fall steht mir das noch im Weg. Dass vorhin im Stall … das war ein Test, meinerseits. Normalerweise hatte ich immer sowas wie ein Kick und hätte dir die Kleider vom Leib gerissen, doch bei dir hatte ich das nicht. Grundsätzlich ist das nichts Schlechtes, doch ich denke ich bin noch nicht so weit, wieder was wirklich Festes einzugehen. Und für jemanden zwischendurch bist du mir eindeutig zu wichtig. Ich würde gern dich weiter kennenlernen, im Leben begleiten und gucken, wo wir am Ende rauskommen, doch erstmal nur als Freunde. Besondere Freunde, die in Aussicht auf was Großes sind. Was in den letzten Jahren alles bei mir passierte, ist einfach zu viel um jemanden wie dich damit zu belasten. Ich möchte dich schützen, verstehst du das? Ich will dich, aber aktuell geht es nicht. Auf keinen Fall”, erzählte er zu Ende, ohne mich anzugucken. Stattdessen fummelte er nervös an seinen Fingern. Seine Augen waren glasig und den Tränen nah.
      Was Niklas mir da erzählte, waren so viele Informationen auf einmal, dass mein Gehirn erst mal ein paar Sekunden brauchte, um die Massage zu verstehen. Seltsamerweise war ich nicht krass enttäuscht oder so, sondern fühlte in diesem Moment eher sowas wie eine Mischung aus Erleichterung und Verständnis. Ich kann nur zu gut nachvollziehen, dass er mich nicht mit seinen Problemen belasten möchte. Und so sehr, wie ich mir wünschte, es gäbe einen andern, einen leichteren Weg, so gut verstand ich es auch, dass es der richtige sein würde.
      Bei seinem Anblick würde ich am liebsten auch anfangen zu weinen. Doch hier geht es gerade nicht um mich, also versuchte ich die Tränen so gut wie möglich herunterzuschlucken. Aus einer Intuition heraus legte ich meine Hände auf seine. “Ja, ich versteh das”, war alles, was ich über die Lippen brachte, denn dann suchten sich die Tränen doch wieder einen Weg nach draußen.
      “Kleines, wein doch nicht. Ich bin noch immer da für dich aber lass mir meine Zeit, um zu dir zu finden”, versuchte Niklas mich aufzumuntern und wischte mit seiner Hand die Tränen von meiner Wange. Ich reagierte nicht. Dann sprach er weiter: “Ich freue mich, auf das was auf uns zu kommt, die gemeinsame Zeit in der meiner Heimat. Es gibt so viel, dass ich dir zeigen möchte und Vriska freut sich sicher auch, nicht allein zwischen den Kerlen auf dem LDS zu sein. Da bin ich mir sicher. Sie kommt hier schon kaum klar.” Er lachte herzlich und strich mir übers Haar. Der Gedanke an all das, was mich in Schweden erwarten würde, konnte mich tatsächlich ein wenig aufheitern, immerhin würde mich dort viele neue Dinge erwarten. Außerdem freute ich mich wieder näher an der Küste zu sein. Schon damals als ich für das HMJ in Schweden war, hatte ich gemerkt wie sehr mir die Küste fehlte. Nicht das Kanada keine schöne Natur bot, doch steinige Bergwälder sind nun mal nicht dasselbe.
      Nun musste auch ich anfange zu lächeln, dieser Mann war einfach ansteckend.
      “Das ist ja auch wirklich nicht so einfach mit euch Kerlen. Aber ich freu mich schon deine Heimat kennenzulernen”, fügte ich nun etwas heiterer hinzu.
      “Ich schätze, dass du es mit Frauen auch nicht leichter hättest”, scherzte er, aber konnte noch immer nicht in meine Augen schauen. Mit irgendetwas schien er sich immer noch unwohl zu fühlen. Gerne würde ich ihn danach fragen, was ihn beschäftigt, doch natürlich hatte ich noch seine Worte im Kopf, die ich natürlich respektierte. Somit sagte ich nichts und eine seltsame Stille herrschte im Raum, die dadurch unterbrochen wurde, dass mein Handy lautstark den Eingang einer Nachricht ankündigte. Etwas zu eilig griff ich nach dem Gerät. Die Nachricht war von meiner Schwester, die wissen wollte, wie genau ich mich jetzt eigentlich wegen Schweden entschieden hatte. Da hat sie mal wieder ein perfektes Timing. Ich hatte zwar gestern mit ihr telefoniert, aber dieses Thema bewusst außen vorgelassen. Da ich das gerade absolut den falschen Zeitpunkt davon Juliet den Sachverhalt zu erklären, legte ich das Handy wieder beiseite, ohne ihr zu antworten, sie würde noch früh genug eine Erklärung bekommen.

      Niklas
      “Möchtest du noch was besprechen oder wie sieht es aus? Ich halte es für die beste Entscheidung rüber zu Chris zu gehen”, murmelte ich zu Lina, die erst hektisch aufsprang, um ihr Handy zu prüfen und im nächsten Moment es wieder beiseite packte.
      “Nein, passt schon”, antwortete sie fast unverständlich, weil sie so schnell sprach.
      “Ich verstehe dich nicht. Ist er dir egal, dass ich jetzt gehe?”, fragte ich schockiert. In dem Moment kamen mir direkt wieder Vriskas Worte, die es wenigstens versuchte, dass ich bliebe. Aich erwischte ich mich dabei, darüber nachzudenken, ob sie das bessere Gegenstück sei.
      “Nein, natürlich ist es mir nicht egal”, antwortete sie und ich konnte eine Spur Verunsicherung mitschwingen hören. “Es ist nur. Ich weiß nicht. ich weiß nicht genau was ich tun soll… Auf der einen Seite möchte ich, dass du hierbleibst und andererseits … möchte ich deine Worte respektieren und dich nicht bedrängen”, den letzten Teil des Satzes sprach sie so leise aus, dass er kaum hörbar war. “Ich möchte doch nur das richtige tun”, fügte sie hinzu und sah dabei auf den Boden. Ich legte meine Hände an ihren Kopf, damit sie den Blick zu mir richtete. Dann sprach ich zu ihr: “Du musst dir überhaupt keine Gedanken darüber machen, was richtig oder falsch ist. Alles, was du bisher getan hast, war richtig. Es liegt nicht an dir, ich bin das Problem. Also bitte sei du selbst, denn nur diese Lina brauche ich.”
      “Ok” sagte sie und machte ein paar Sekunden pause, um Luft zu holen. “Dann sagt dir diese Lina jetzt, dass du ihretwegen nicht zu gehen brauchst, denn für einen Freund hat sie immer einen Platz, egal was das Problem ist.”
      “Danke, aber ich werde trotzdem zu ihm rübergehen. Er wollte auch noch Männerkram besprechen”, erklärte ich ihr mit einem Augenzwinkern und stand auf.
      “Ok, dann also gute Nacht”, sagte sie und schien sogar ein wenig enttäuscht zu sein.
      “Es tut mir leid”, antwortete ich nur und schloss die Tür. Einen Moment wartete ich, um zu hören, ob sie wieder anfing zu weinen, doch ich hörte nichts und lief los. Chris hatte ein Zimmer etwas weiter weg und teilte es sich mit Björn, der gerade mit Erika für die Prüfungen lernte. Denn auch die Beiden wollen dieses Jahr den C Schein ablegen. Also war ich froh, dass ich herzlich von ihm empfangen wurde.
      “Na was hast du schon wieder vergeigt?”, fragte es spöttisch und saß auf seinem Bett, als ich den Raum betrat.
      „Alles oder auch gar nichts“, antwortete ich und gesellte mich mit in den Raum.
      „Na dann bin ich mal gespannt“, haute er heraus und setzte sich aufrecht hin.
      „Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen sollte. Es ist so viel“, murmelte ich und machte es mir bequem in dem Holzstuhl, der alles andere als bequem war.
      “Wie wäre es am Anfang? Oder warum du jetzt überhaupt hier sitzt?”, munterte Chris mich ein wenig auf. Gestärkt begann ich zu erzählen: “Nun, dass mit Anna ist nun vorbei und ehrlich gesagt, bin ich auch froh darüber. Die Zeit mit ihr war schön, aber sie war mir dann doch eine Nummer zu verrückt. Ihr Hass übernahm immer mehr die Oberhand und du weißt ja, den letzten Monat lief es eh nicht so gut. Dann kamen die Neuen und Milena wollte mich einfach, also hat sie bekommen, was sie wollte. Aber ich fühlte es einfach nicht, denn ihre Freundin hatte es mir von Anfang an angetan. Irgendwie hat es direkt gefunkt, obwohl sie immer gegen mich war.”
      “Die kleine Blonde meinst du? Wie war ihr Name noch mal … Vriska?” fragte er.
      “Ja, genau. Und jetzt rate mal, wen ich am Haken habe?”, lachte ich herzlich.
      “Ach, da schlägt mal wieder der typische Niklas zu. Wie bist du denn an die Ehre gekommen?”
      “Nun, man muss nur wissen wie. Wir sind auf einer Wellenlänge. Ich wusste direkt was sie braucht, jemanden, der sie hält und vor allem fest”, triumphierte ich und imitierte ihren Hintern vor meiner Hüfte. Chris wusste, wo von ich spreche, schließlich waren wir damals zusammen auf Reisen. Auch wenn Joanna noch an meiner Seite war, hatten wir durchaus Spaß zusammen in den Clubs uns nach hübschen Mädels umzuschauen.
      “Da wird man glatt neidisch, aber was ist mit der anderen Kleinen? Die hier vom Hof. Der hast du auch ganz schön die Augen verdreht”, schwärmte er.
      “Ja, genau das ist das Problem. Sie kommt jetzt mit nach Schweden. Ich mag sie sehr, aber es fehlt einfach etwas. Das was Vriska mir gibt”, lenkte ich ein und hatte direkt das Gesicht von Lina vor den Augen, als sie eben vor mir saß und anfing zu weinen. Es macht mich immer nachdenklicher.
      “Dann pack’ sie in den Ringkampf und guck, wer übrigbleibt. Ich würde 5000 SEK auf die Blonde setzen. Sie hat Temperament und so viel Verzweiflung”, scherzte Chris und holte seine Brieftasche aus der Hose.
      “Ne, ne. Lieber nicht. Außerdem bedenke, dass sie aktuell ein Handicap hat durch den Sturz mit ihrem Hengst. Ich habe mit Lina mehr oder weniger darüber gesprochen, dass ich noch nicht bereits für etwas Festes bin, also kann ich Vriska weiterhin besuchen”, erklärte ich ihn und schaute auf die Uhr. Die Zeit rannte förmlich an mir vorbei. Es war bereits kurz vor Elf und langsam wollte ich schlafen.
      “Sicher, dass du nicht rüber willst zu deiner Leibeigenen?” schlug er vor. Nach kurzen Überlegungen lehnte ich ab und wir richteten einen Platz auf dem Fußboden ein. Jeder für sich nahm eine bequeme Position im Bett ein. Chris schlief innerhalb kürzester Zeit ein, doch in mir wanderten noch die Gedanken. Auf meinem Handy lass ich eine Nachricht von Vriska, die wirklich kurz war, doch im Rückblick zu vorhin viel aussagte: “Tack.” Ich wusste nicht genau, ob sie nun sauer auf mich war oder wirklich dankbar. Für heute ließ ich es gut sein und würde sie morgen darauf ansprechen.

      Lina
      Nachdem Niklas die Tür hinter sich geschlossen hatte, saß ich einen Moment lang einfach nur still da. Hatte Samu etwa doch recht gehabt und Niklas spielte nur mit mir? Aber warum würde er dann trotzdem noch wollen, dass ich mit nach Schweden gehe? Nein, dass ergäbe keinen Sinn, zumindest keinen der sich mir ergeben würde. Ich glaube immer noch das Stecken so was wie Gefühle dahinter, nur welche genau, darüber bin ich nicht ganz sicher. Aber was genau fühle ich eigentlich gerade? Enttäuschung darüber, dass das, was gerade er begonnen hatte, so schnell endete? Hoffnung? Verunsicherung? Verzweiflung? Vielleicht alles auf einmal? Was auch immer ich gerade fühlte, ich war nicht in der Lage das einzuordnen und das verwirrte mich. Wie soll man mit etwas umgehen, was man noch nie gefühlt hat? Soll man einfach normal weitermachen oder sollte man sich Sorgen machen?
      Die zunehmende Dunkelheit draußen erinnerte mich daran, dass es bereits spät war und somit entschloss ich mich fürs Erste, für das normal weitermachen und meine verwirrten Gefühle erst einmal zu ignorieren. Also stand ich vom Sofa auf und stellte die Tasse, deren Inhalt ich ja bereits über meinem Boden verteilt hatte, in die Spüle.
      In meinem Schlafzimmer tauschte ich die staubigen und nun auch mit Tee getränkten Klamotten gegen das viel zu große Shirt, was ich immer zum Schlafen trug und bewegte mich ins Bad, um mich Bettfertig zu machen.
      Als ich wieder aus dem Bad kam, fiel mein Blick auf mein Handy, auf dem eine Nachricht aufleuchtete. Sie stammte diesmal von Samu. “Ich hätte vorhin dein Urteilsvermögen nicht Anzweifeln sollen, tut mir leid. Aber du musst, verstehen ich mache mir doch nur Sorgen um dich”, las ich.
      “Ja, verstehe ich doch. Mir tut es auch leid, ich hätte dich trotzdem nicht so anmotzen dürfen. Und jetzt hör auf dir Sorgen zu machen, ich schlafe heute allein”, tippe ich eine Antwort, doch zögerte kurz bevor ich sie absendete. Sollte ich ihm das jetzt schon mitteilen? Naja, spätestens morgen würde er es vermutlich eh rausfinden, also konnte ich es ihm auch jetzt sagen.
      Nachdem ich die Nachricht gesendet hatte, schaltete ich das Licht aus und ließ mich ins Bett fallen, vielleicht würde meinem Gehirn ja bis morgen einfallen, wie ich mich Verhalten soll.

      Am nächsten Morgen wachte ich von meinem nervtötenden Wecker auf. Müde öffnete ich die Augen und blinzelte in das schwache Licht, welches durch die Rollläden fiel. Ich hatte gestern ungewöhnlich lange zum Einschlafen gebraucht, denn die Ereignisse des gestrigen Tages waren mir immer wieder durch den Kopf geschwirrt. Zwar hatte ich den Rest der Nacht dann geschlafen wie ein Stein, aber wirklich erholt fühlte ich mich nicht und schlauer war ich leider auch nicht geworden. Das heißt du es wohl heute normal sein, was auch immer normal sein bedeuten mag. Also rollte ich mich aus dem Bett und wie jeden morgen führte mich mein Weg als Erstes ins Bad, wo ich mich fertig machte. Da es heute genauso unerträglich warm bleiben sollte wie die letzten Tage, entscheid ich mich lieber gleich für ein luftiges Top zu Reithose. Als ich Treppe runterging, stellte ich fest, dass ich scheinbar die Erste war, die bereits wach war, denn im Haus war es noch erstaunlich still. An der Tür überlegte ich kurz, ob ich direkt meine Stiefel anziehen sollte, doch entschied mich doch lieber für meine inzwischen nicht mehr ganz so weißen Sneaker. Auch als ich nach draußen trat, war es noch recht still auf dem Hof.
      Da es nicht so aussah, dass es schon Frühstück gab, machte ich mich also als Erstes auf den Weg zum Stall. Die meisten Pferde waren bereits wach und knabberten gemütlich an ihrem Heu, nur Divine lag noch gemütlich im Stroh. Freundlich brummte er mich an, als ich seine Box betrat.
      “Guten Morgen mein hübscher”, begrüßte ich den Hengst und hielt ihm eine Möhre hin. Kurz schnupperte das Pferd daran, bevor er kräftig abbiss.
      “Ich hoffe, wenigstens du hast besser geschlafen als ich”, sagte ich zu Divine und strich im dabei durch die weiche Mähne. Natürlich antworte der Freiberger nicht, sondern klaute sich nur den Rest der Möhre aus meiner Hand. Damit es heute nicht wieder vergaß ihn rauszubringen, beschloss ich ihn einfach jetzt schon rauszubringen. Während Ivy noch in aller Ruhe seine Möhre fraß, ging ich in die Sattelkammer und seine Sonnencreme und seine Fliegenmaske zu holen. Ohne diese Schutzmaßnahmen bekam er bei einem solchen Wetter leider sehr schnell Sonnenbrand. Als ich zurück zu seiner Box kam, hatte sich der Freiberger bereits aufgerappelt und schüttelte sich das Stroh aus dem Fell.
      “Na, heut mit Strohextension”, scherzte ich und zog ihm einen Strohhalm aus der Mähne. Anschließend cremte ich ihn ein und zog ihn an. Fertig für die Koppel verließ ich mit Divine den Stall.

      Vriska
      Erholt wachte ich auf und warf einen Blick auf die Uhr. Der Trubel am Hof war sonst, wenn ich aufwachte, bereits zu hören, doch heute herrschte eine angenehme stille. Erstaunlicherweise hatte ich heute keine Schmerzen und konnte mich wie üblich fertig machen. Die Hitze machte mich zu schaffen und mittlerweile sammelte sie sich auch im sonst so kühlen Zimmer. Aus meiner Tasche rief mich die einzige Shorts, die ich eingepackte hatte. Zum Notfall. Einem Notfall den ich nun hatte. Etwas unwohl bei dem Gedanken meine Beine zu zeigen, zog ich sie drüber und betrachtete mein Outfit im Spiegel. Die hellgraue lockere Sweat Shorts mit dem schwarzen Swoosh stand mit wirklich gut, auch wenn nun meine Narben offensichtlich zu sehen waren und auch der riesige Spalt zwischen meinen Oberschenkeln. Passend dazu zog ich mir das lockere graue bauchfreie Shirt drüber. Von den letzten Tagen wusste ich, dass die Leute am Hof wirklich Probleme hatten meinen Hengst die Decke umzulegen, weswegen ich schon am Abend beschlossen hatte, das heute selbst zu machen. Ein erneuter Blick zur Uhr zeigt mir, dass ich wirklich trödelte, wenn ich mich nicht unter die Leute mischen wollte. An der Tür schlüpfte ich die meine Stallschuhe, setzte noch die Sonnenbrille auf und verließ das Zimmer. Die Sonne brannte auf meiner Haut und in der Luft lag eine angenehme Feuchte. Es war ein ausgesprochen schöner Sommermorgen, denn ich gern nicht allein genießen wollte. Auf dem Weg traf ich niemanden und fröhlich lief ich zum Stall, in dem Glymur bereits in seiner Box warten würde. Doch, bevor ich einen Fuß in die Gasse setzte, hörte ich Lina. Frustration kam in mir hoch. Würde sie sich verfolgt fühlen? Kann ich mich noch normal verhalten? Doch das bisschen Selbstbewusstsein, was irgendwo in mir steckte, musste jetzt herauskommen und sich präsentieren. Nach einem tiefen Ein- und Ausatmen betrat ich den Stall und grüßte Lina freundlich mit den Worten: “Ach auch schon wach. Good morning.” Für meinen Geschmack fühlte sich das Grinsen zu groß und auch falsch an, um dass ich das war. Selbstbewusstsein, dass auf Bestellung da war, war schon etwas Feines.
      “Morgen Vriska”, grüßte Lina freundlich zurück und wandte sich dann wieder ihrem Pferd zu. War irgendetwas? Ich entschied nicht nachzufragen, da es sicher mit Niklas zu tun hätte und ich versuchte so gut gelaunt wie möglich heute zu sein. Die Decke von meinem Hengst lag wie ein Wäschehaufen vor seiner Box und ich benötigte einige Minuten, bis ich alles sortiert hatte. “So kleiner Mann, jetzt wird sich hübsch angezogen”, bereitete ich ihn auf die Decke vor und betrat die Box. Neugierig stupste er diese an und knabberte an meinen Dutt, der auch so schon völlig durcheinander war. Schnell hatte er seine graue Decke um, die viel Grasflecken aufwies. Ich zog ihm das Halfter drüber, führte ihn raus aus der Stallgasse. Lina ignorierte mich noch immer und ich beließ es dabei.
      Der Weg zur Koppel war ruhig. Vogelzwitschern kam aus den Bäumen, die ringsherum standen.


      © Mohikanerin, Wolfszeit | 97.733 Zeichen

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  • Album:
    Memorial Park of Lake Mountain Ranch
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    Wolfszeit
    Datum:
    10 Jan. 2020
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  • CARRY ON MY WAYWARD SON
    engl. mach weiter mein eigenwilliger Sohn
    Portrait folgt

    EXTERIEUR
    Geschlecht: Hengst
    Geburtstag: 29.05./12 Jahre
    Geburtsort: Deutschland

    Rasse: American Paint Horse
    Stockmaß: 152cm
    Gewicht: 505 Kg
    Deck-|Langhaar: flaxen chestnut| Weiß
    Abzeichen| Scheckung: Overo
    Gencode: folgt
    STAMMBAUM

    von: Unbekannt
    von: Unbekannt | aus der: Unbekannt
    von: Unbekannt | aus der: Unbekannt | von: Unbekannt | aus der: Unbekannt

    aus der: Unbekannt
    von: unbekannt | aus der: Unbekannt
    von: Unbekannt | aus der: Unbekannt | von: Unbekannt | aus der: Unbekannt

    INTERIEUR & BESCHREIBUNG

    Rufname: Carry
    Ruhig, Wild, Misstrauisch, Gehortsam, Verschmust

    Carry on ist ein für sein Alter bereits äußerst ruhiger Hengst. Auch beim Reiten bemerkt man seine Ruhe. Als Westernpferd ist er sehr empfänglich für die kleinsten Hilfen. Er stellt sich außerdem sehr gut auf seinen Reiter ein, wenn dieser eine weiche Hand hat. Zieht man ihm zu viel im Maul wird man prompt auf den Boden geschickt. Carry on weiß was er will und lässt sich erst dann reiten, wenn man sein Vertrauen errungen hat. Er ist sehr misstrauisch Fremden gegenüber, was ihn als Schulpferd ungeeignet machte.Hat man jedoch sein Vertrauen folgt er einem wohin auch immer. In der Herde hat er ohne Probleme die Führung übernommen.

    Wir wissen nicht über Carrys Vergangenheit.


    Weide/Weidepartner: All Hope Is Gone, Captain Morgan , Injaki & Vikar
    Unterbringung: Box 5, Torstall links
    Einstreu: Stroh

    Letzter Tierarztbesuch: 00.00.0000
    Chipnummer: folgt
    Gesamteindruck: Gesund
    Akute Krankheit/en: keine
    Chronische Krankheit/en: Keine
    Erbkrankheit/en: Keine

    Letzter Hufschmiedbesuch:00.00.0000
    Ausgeschnitten/Korrigiert: nie
    Hufbeschaffenheit: Gut
    Hufkrankheit/en: Keine
    Beschlag: Vorne |Eisenbeschlag


    AUSBILDUNG & QUALIFIKATIONEN
    Fohlen ABC
    Jungpferdeausbildung
    Bodenarbeit ✔
    Eingeritten ✔

    Eignungen: Western Dressage
    Schleifenaufstieg | Trainingsaufstieg | Potential
    Oben = Joelle Qualifikation | Unten = Variationen

    Springen: E
    Potenzial: 0/100
    Show Jumping: E


    Military: E A
    Potenzial: 0/100

    Geländestrecke: CIC/CCI* CIC/CCI**


    Dressur: E A L M
    Potenzial: 0/100
    Lektionen der Dressur: E A L LM LP M

    Fahren: E A L
    Potenzial: 0/100

    Dressurprüfung: CAI-A1 CAI-A2

    Distanz E A
    Potenzial: 0/100
    Distanzritte: EL EVG1 EVG2


    Western: E A L M
    Potenzial: 0/100

    Western Pleasure: LK5 LK41


    Galopprennen E

    Potenzial: 0/100
    Ausgleichsrennen|Hindernisrennen: AIV

    ERFOLGE
    Offiziell
    [​IMG]
    1. Platz
    452. Westerntunier
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    2.Platz
    450. Westerntunier
    [​IMG]
    3.Platz
    400. Westerntunier

    ZUCHTDATEN
    Gekört: Ja
    Schleife:
    Gewinnerthema:
    Eingetragene Zucht: Whitehorse Creek Stud
    Zuchtblatt von Carry On My Waywars Son

    Decktaxe: 0 Joellen
    Exterieur: 0
    Interieur: 0
    Gesamtnote:0

    Herkunft | Züchter: Unbekannt

    Nachzucht: 0/10


    BESITZERLEGENDE
    Besitzer/Besitzerin: Wolfszeit
    Vorbesitzer/Vorbesitzerin: Rain
    Verkaufsrecht/Ersteller: Rain
    Reitbeteiligung/Trainer: Colin Blackburn

    zu Verkaufen : Nein
    Kaufpreis: /

    Spind/PNG/Puzzle PNG/Offizeller HG