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sadasha

♛ Slap Happy

Englisches Vollblut | Stute | Brauner

♛ Slap Happy
sadasha, 18 Feb. 2017
Veija, Cooper, Rinnaja und 2 anderen gefällt das.
    • sadasha
      Verjährte Berichte
      Elsaria - 2.8.2015
      Neue Reitbeteiligung

      Seit einigen Tagen fand ich eine gute Freundin wieder . Da wir viel zu erzählen hatten gingen wir am selben tag Kaffee trinken. Bear erzählte mir das sie zwei Vollblutpferde gekauft hatten und die Stute bald auf ihrem Hof angekommen würde. Ich fragte Sie ob ich da sein dürfte und ob ich eventuell die Reitbeteiligung sein könnte. Sie verjate und teilte mir dann mit wann die stute kommen sollte. Dies war schon in einigen Tagen der Fall war verabredeten wir uns für diesen Tag.
      Es war Donnerstag um 8:30 kam ich bei Bears hof an. Sie wartete bereits und begrüßte mich freundlich. Der Transporter war noch nicht da desshalb half ich ihr schnell eine Box für die Stute fertig zu machen und dann kam der Transporter auch schon. Bear regelte das finanzielle schnell ab und lud dann die schöne Vollblutstute aus. „ Das ist sie, hübsch nicht wahr?“ fragte eine mega stolze Bear. „ Ohja das ist sie!“ gab ich ihr zur antwort und betrachtete die stute genau.
      Da sie eine lange fahrt hinter sich hatte dachten wir das sie in der halle kurz ihre beine vertreten konnte, außerdem wollte ich unbedingt ihre gänge sehen. Slap Happy lief einige runden im Trab und Gallopp. „ DA hast du aber einen guten Fang gemacht!“ staunte ich nicht schlecht.
      Dann brachten wir sie in ihre Box damit sie sich ausruhen und eingewöhnen konnte und ich musste auch schon los, meine eigenen pferde warten bereits.


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      Neue Kunden waren doch immer wieder spannend, denn durch sie konnte man neue Menschen und Pferde kennenlernen. Aus dem Grunde musste ich auch grinsen, als ich am Morgen einen Anruf von Jill K. Facer entgegen nahm. Wir machten direkt einen Termin für Nachmittag aus, an welchem ich ihre beiden Vollblüter untersuchen sollte. Dementsprechend musste ich mich jetzt auch langsam auf den Weg machen, denn es war bereits nach 14 Uhr und um drei sollte ich schließlich bei Jill sein. Ich kontrollierte noch einmal den Inhalt des Autos, um auch sicher zu sein, das alles dabei war und dann konnte es auch schon losgehen.
      Ich brauchte eine gute Dreiviertelstunde bis zum Gestüt. Es war groß, aber noch relativ leer, außer den beiden Vollblütern beherbergte es bisher keine weiteren Pferde, doch ich erahnte bereits, dass sich das in geraumer Zeit wohl noch ändern würde. Nachdem ich mir einen guten Parkplatz gewählt hatte, stieg ich motiviert aus und schritt auf das große Stallgebäude zu. Natürlich fand ich Jill auch im inneren des Stalles und sie kraulte gerade einen großen Schecken, als sie mich entdeckte.
      „Hallo Jill!“, begrüßte ich sie herzlich und musterte direkt neugierig das Boxenschild des Vollblüters. „Das ist Lamperd und wohl der erste Patient“, meinte Jill lachend und betrat die Box, um den Hengst aufzuhalftern und hinauszuführen. Ich bat sie direkt, ihn mir die Stallgasse einmal im Schritt und einmal im Trab vorzuführen. Reine Routinemaßnahme, die jedoch sehr viel über Takt, Muskeln und Spannung des Pferdes verriet.
      Bei Lamperd zeigte sie mir „nur“, dass sein Bewegungsapparat sehr fit zu sein schien, denn er hatte klare und flüssige Gänge, mit welchen er neben seiner Besitzerin daher schwebte. Zufrieden band Jill den Hengst am Putzplatz an und ich machte mich an die Untersuchung. Zuerst warf ich einen gründlichen Blick in Ohren, Augen, Nüstern und Maul. Ein kurzer Rundumcheck der mir verriet, dass seine Schleimhäute im gesunden Rosa gefärbt waren und er auch keinen Ausfluss hatte. Dann schaute ich mir direkt seine Zähne genauer an. Testweise öffnete ich sein Maul und nahm die Zunge zur Seite. Wenn auch nicht ganz freiwillig ließ Lamperd mich gewähren und ich konnte die Zahnreihen kontrollieren.
      Der Hengst war erst drei, dementsprechend sah man hier und da noch die Nachwirkungen des Zahnwechsels und seine Hengstzähne waren auch noch nicht ganz so klar zu sehen, aber ansonsten war alles vollkommen in Ordnung. Also konnte ich mich an das Abhören von Herz, Lunge und Darm machen. Schnelle bemerkte ich dabei auch Lamperds Schwäche: Er konnte nicht still stehen. Ungeduldig wanderte er von einer Seite zur anderen, bis Jill ihn ermahnte und festhielt.
      Nach dem Abhören kam noch das Abtasten der Wirbelsäule und der Beine. Auch das gefiel Lamperd nicht sonderlich, aber da musste er nun durch. Zu guter Letzt kontrollierte ich noch die Körpertemperatur und konnte dann sicher sein, dass er fit für die Impfungen war. Doch vorher musste er noch geröntgt werden. Deshalb packte ich Jill und mich in Bleischürzen und ich holte das mobile Röntgengerät herbei. Mit Lamperd war Röntgen übrigens kein Spaß. Jedes zweite Bild ging daneben, weil er nicht stillhielt und ich war ehrlich gesagt echt dankbar, als dann nach einer halben Stunde endlich alle Aufnahmen im Kasten waren. Nun noch das Blut für das Blutbild abnehmen und danach standen nur noch die Impfungen an.
      Lamperd wurde gegen Influenza, Tetanus, Herpes und Tollwut geimpft, er bekam also einmal das Gesamtpaket, dieses würde seinem Nachfolger auch noch blühen. Lamperd zappelte unterdessen vorbildlich hin und her und ließ mir kaum eine andere Wahl, als beinahe auf gut Glück die Spritze anzusetzen. Tatsächlich schafften es aber alle Impfstoffe unter seine Haut und nachdem er, wenn auch sehr unwillig, die Wurmkur geschluckt hatte, war er fertig. Ich war froh, als Jill den Hengst losband und in die Box brachte und ich hoffte ehrlich gesagt, dass zweitere nicht so anstrengend werden würde.
      Slap Happy war tatsächlich angenehmer, schon einfach wegen der Tatsache, dass ein Wort von Jill reichte und die Stute beruhigte sich sofort. Scheppi, wie sie liebevoll genannt wurde, besaß wirklich sehr schöne Gänge und lief vorbildlich neben ihrer Besitzerin her. Auch am Putzplatz blieb sie ruhig stehen und ließ sich in Ohren, Augen, Nüstern und Maul schauen. Nur bei der Zahnkontrolle musste ich leider zur Maulsperre greifen, denn so einfach wie Lamperd ließ mich die Stute nicht gewähren, sondern zwickte mich beinahe, wenn auch eher unbeabsichtigt.
      Dafür war sie die gefährliche Montur nach ein paar Minuten wieder los, denn in ihrem Maul war alles in bester Ordnung. Während ich sie nun abhörte, stand sie still, auch wenn sie anfangs leicht zusammengezuckt war, als ich mit dem Stethoskop aufgekreuzt war. Herz, Lunge und Darmgegend hörten sich gesund an. Ebenso fand ich beim Abtasten keinerlei Verspannungen, die Sehnen und Gelenke waren fest und gesund. Nun hieß es also nur noch die Temperatur messen und der erste Teil wäre geschafft.
      Die Temperatur lag im Idealbereich und so konnten wir uns nun auch bei Scheppi dem Röntgen widmen. Mit der Stute verlief das wesentlich schneller, innerhalb von zehn Minuten hatte ich alle Aufnahmen, welche auch auf Anhieb was geworden waren. Das Blut abnehmen gefiel der Vollblüterin zwar wesentlich weniger, aber man merkte, wie sie sich zusammenriss und benahm.
      Nachdem nun das geschafft war, musste auch sie das Gesamtpaket an Impfungen entgegen nehmen und Lamperds Nachfolge antreten. Bei Scheppi konnte ich die Stelle am Hals aber in Ruhe desinfizieren und die Impfung injizieren, ohne auf gut Glück zielen zu müssen. Ebenso schnell war die Stute dann fertig, denn die Wurmkur war auch kein Problem gewesen.
      Jill brachte auch Scheppi wieder in ihre Box und kehrte dann mit den Impfpässen zurück. Ich trug fix die neuen Impfungen ein und unterschrieb diese. Dann werteten wir am Computer die Röntgenbilder aus. Lamperd und Slap Happy besaßen ein ideales Exterieur und gehörten dementsprechend der Röntgenklasse I-II an, was für zwei Vollblüter die für Zucht und Sport vorgesehen waren, ideal war. Jill freute sich auch sichtlich über das Ergebnis und ich versprach ihr, ihr das ganze nochmals per Post zukommen zu lassen. Wegen der Blutbilder würde ich sie nachher noch einmal anrufen.
      Jetzt machte ich mich erst einmal auf den Heimweg, denn die Blutproben mussten im Labor untersucht werden, erst dann konnte ich Jill Bericht erstatten. Das Ganze würde aber nicht sonderlich lange dauern und tatsächlich wählte ich abends gegen 18 Uhr nochmals ihre Nummer, um ihr die frohe Kunde zu überbringen, dass beide Blutbilder keine Auffälligkeiten aufwiesen. Stattdessen lagen alle Werte im Normalbereich und Jill konnte sich über zwei kerngesunde Vollblüter freuen. Nachdem ich aufgelegt hatte, druckte ich alle wichtigen Dokumente nochmals aus und packte sie in ein A4-Kuvert. Direkt Morgen würden sie in die Post und auf den Weg zu Jill gehen.


      Hufschmiedbesuch

      Gegen 11 Uhr vormittags kam ich auf Jill K. Facers Hof an. Ich sollte mir heute eines ihrer Pferde ansehen. Slap Happy war der Name des hübschen Vollbluts. Jill, die mir bereits am Telefon das Du-Wort angeboten hatte, wartete bereits mit der edlen Stute vorm Stallgebäude.
      Aus diesem Grund beeilte ich mich umso mehr damit mir meine Schürze umzubinden und meinen Werkzeugkoffer aus dem Kofferraum zu nehmen. Dann ging ich auch schon zu den Beiden herüber und begrüßte sie freundlich. Jill war mir dabei vom ersten Augenblick an sehr sympathisch und auch Slap Happy, liebevoll Scheppi genannt, bestach sofort mit ihren großen, dunklen Kulleraugen.
      Während ich mich etwas mit ihrer Besitzerin unterhielt ließ ich die Stute etwas an mir schnuppern und sich an mich gewöhnen. Sie zeigte isch dabei neugierig und aufgeschlossen, weshalb wir nach kurzer Zeit auch schon mit der Untersuchung ihre Hufe begannen. Dabei kontrollierte ich diese auf mögliche Fehlstellungen, aber auch auf den Feuchtigkeits, Härte und Abnutzungsgrad. Das Fazit war, dass Scheppis Hüfchen in einem top Zustand waren. Lediglich etwas ausschneiden war nötig.
      Dazu nahm ich mein Hufrinnenmesser und machte einen kleinen Probeschnitt in die weiße Substanz des Hufes. Dabei sah ich, wie viel Horn ich von der Sohle nehmen musste, was ich dann auch vorsichtig tat. Außerdem schnitt ich den Strahl noch etwas in Form.
      Für den letzten Schliff nahm ich noch etwas Hufbalsam zur Hand und pinselte damit Scheppis Hufe ein. Die Stute war wirklich brav und drehte nur hier und da einmal neugierig ihr Ohr in meine Richtung.
      ,,Braves Mädchen.'',lobte ich nun und gab ihr ein Leckerli zur Belohnung. Dann durfte sie auch schon wieder zurück in die Box, wo Jill ihr ihr Futter in den Trog lehrte.


      Es kommt immer anderst als man es sich vornimmt!

      Noch nichts ahnend fuhr ich zum hof meines Besten Freunes Hunter. Nein wir waren kein Paar , wir waren nur saugute Freunde und ich war die Reitbeteiligung von Sheppi wie wir sie alle liebevoll nannten. Gegen 12 Uhr kam ich auf dem hof an und hatte ein mulmiges gefühl. Auf dem hof wusselte eine Fremde Frau. Wo zum Teufel war Hunter bloß? Und wo war Jill? Fragend strieg ich aus meinem Auto aus und schaute aufs Handy vielleicht hatte Hunter mir ja geschrieben und ich hab´s nicht bemerkt. Ich lief suchend richtung stall und sprach dann die frau an. „ Entschuligen Sie wer sind sie und was machen sie?!“ fragte ich. „ Ich bin Florence eine freundin von Jill, Hunter ist gestern von sheppi im gelände gestürtzt er wird 3 Tage nicht arbeiten können und Jill sitzt ja im Rollstuhl momentan und so mache ich den hof und wer sind sie?!“ sagte die frau außer atem. „ Hunter – Reitunfall?!?“ stammelte ich, irgendwie konnte ich mir das nicht Vorstellen. „ Ähh ich bin Adria ne gute Freundin von Hunter und Reitbeteiligung von Sheppi, kann ich helfen?!“ sagte ich schnell. Es war klar das ich jetzt nicht einfach stur meine Reitbeteiligung machen ging sondern mit anbacke. „ Es müssen ein paar noch auf den Paddocks und deren ställe gemistet werden!“ sagte sie mir erleichternd. Das musste sie mir nicht zweimal sagen, wir stellten die Pferde aufs Paddock und begannen mit dem misten jede eine box. Zu zweit ging das ganze auch recht schnell. Als wir einmal mit dem misten durch waren streuten wir stroh ein und dann fegten wir schnell die Ställe und den hof durch. So die Stallarbeit war erledigt. „ Reinbringen und füttern kann ich dann heut abend bevor ich hunter besuchen gehe!“ schlug ich Florence vor. Die es dankend annahm und so noch zu ihrem hof fahren konnte was ich später erfuhr. Ich verabschiedete mich von Florence un widmete mich nun endlich an Sheppi. „ Na süße, es kommt immer anerst als man es sich vornimmt! Was war den los?!“ stellte ich ihr die Frage. Ich halfterte die junge stute auf und führte sie zum anbindeplatz. Dort striegelte ich sie seelenruhig sauber. Als ich gerade bei war ihr die Beine zu bandagieren hörte ich ein „ Du willst nicht etwa sie reiten nicht gehört was mit Hunter passiert ist?!“. Ich drehte mich um es war jill die etwas besorgt und übernächtigt aussah. „ Eigentlich hatte ich das vor, ich longier sie aber gut ab und zum schluss einige runden in der Halle, das wird schon werden, keine sorge. Hunter kommt wieder auf die beine genauso wie du Jill!“ versuchte ich sie aufzumuntern. Und machte meine arbeit vort. Ich ging mit sheppi in die halle, lies sie einige runden im schritt warm laufen, dann holte ich sie zu mir und band sie aus. Dann trabte ich sie an. Sie lief schön um mich herum. Ich verringerte ihr Tempo und beschleunigte es, das diente zur balance und kondition . Sheppi war erst 4 jahre und noch nicht so lange unter dem Sattel. Nach einiger zeit wechsete ich die Seite und auch da machte sie sich gut. Der Unfall schien ihr auch nichts ausgemacht haben . Auch wenn ich privat herkam und keinen auftrag erhalten habe, aber als Tierärztin kann man das nicht abschalten schließlich handelt es sich um ein Lebewesen. Nach gut dreiviertel Stunde longen arbeit schwang ich mich vorsichtig auf ihren Rücken. Heute wollte ich wendungen üben. Nicht mehr lange weil ich ja noch zu Hunter wollte. Sheppi war mit eifer bei der Sache und machte ihre arbeit sehr gut. Als sie die wendungen auf beiden seiten gut machte stieg ich ab und lobte sie dafür. Ich war gerade dabei sheppi abzusatteln da kam jill aus dem haus. „ Und wie liefs?! Magst du einen Kaffee? Weißt du ob florence nochmal kommt wegen den pferen?!“ Jill sah mich fragend an. Na klar sie konnte ja nichts wissen das ich den abendienst übernommen hab. „ Sie lief prima, kaffee ist sehr gut gerne, nein florence kommt heut abend nicht mehr, da ich den dienst übernommen habe!“ sagte ich. Sie lächelte kurz, kaffee gibt’s im haus. Sagte sie und fuhr wieder ins aus. „ Ist gut, ich bringe nur schnell sheppi in die Box.
      Nun nachdem ich sheppi weggebracht habe ging ich schnell ins haus um mich mit einem Kaffee aufzuwärmen, es ist inzwischen kalt geworden. Und Abends zog gerne mal eine frische Prise umher. „ Das ist sehr nett von dir das du uns unterstüzt obwohl du gerade eine Praxis aufgemacht hast.!“ sagte jill dann. „ Ach, für das sind Freunde doch da? Ich weiß genau wenn mit mir was wäre würde Hunter oder du genauso handeln wie ich!“ sagte ich und nippte an meinem Kaffee. Da ich in Craignure lebte und Hunter und Jill in Deutschland, sehen wir uns nur einmal im monat oder wenns hochkommt 2 mal. Und ich war auch dankbar, das ich sheppis rb bin obwohl ich nicht so oft kann wegen der entfernung. Aber es war immer wieder schön eine auszeit vom eigenen Hofleben und eigenen Pferden zu haben. Da ich ja fast nur Trakhner besitze und meine Araber eigentlich meine angestellten ritten tut mir das Vollblut da echt gut.
      Nach dem ich meinen Kaffee ausgetrunken habe. „ Ähm jill, den flug zurück nach Craignure hab ich grad verpasst könnte ich eine nacht hier bleiben? Oder wenn du willst kann ich auch so lange bleiben bis Hunter wieder da ist!“ fragte ich sie und sie bejahte.
      Ich stellte meine leere Tasse in die Spülmaschine unnd brachte die Pferde rein und fütterte diese. „ So ich will noch zu Hunter, willst du mit?!“ fragte ich jill und sie bejahte. Gemeinsam fuhren wir noch ins örtliche Spital.


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      Nach dem heutigen Anruf war ich sofort auf den Beinen und schon halb auf dem Weg zum Auto, nachdem ich aufgelegt hatte. Kurz vor dem Ziel drehte ich noch einmal um, denn ich musste doch noch das ein oder andere aus der Praxis mitnehmen und dann ging es los. Während der Fahrt dachte ich bereits darüber nach, was mich erwarten würde. Die junge Frau am Telefon war sehr aufgeregt gewesen, hatte aber alles sehr detailliert wiedergegeben. Ich würde heute eine junge Vollblutstute wiedersehen, welche ich erst kürzlich einen normalen Tierarztbesuch abgestattet hatte.
      Es handelte sich um Slap Happy, die junge Stute von Jill. Während eines Geländesritts war es zu einem unangenehmen Unfall gekommen. Slap Happy war anscheinend weggerutscht und ihr Reiter war gestürzt. Leider war das aber nicht alles, denn ihren Reiter hatte sie noch ein Stück hinter sich hergeschleift. Viele Pferde empfanden so ein Erlebnis als sehr traumatisierend. Dementsprechend würde mein heutiges Augenmerk weniger auf ihren körperlichen Verletzungen, sondern vielmehr auf ihrem seelischen Wohlbefinden liegen.
      Der Hof wirkte wesentlich verlassener als sonst, aber man hatte mir bereits angekündigt, dass ich heute nicht auf Jill treffen würde. Stattdessen trat eine junge Frau aus dem Stall und stellte sich als Florence Davis vor. Sie führte mich direkt in den Stall zu der Box der jungen Stute. Ich hatte meine Arzttasche direkt mitgenommen, obwohl ich hoffte, sie heute nicht zu sehr zu gebrauchen.
      Wir traten an die Box von Slap Happy und die Stute wurde von einer Sekunde auf die andere sehr unruhig und lief im Kreis in ihrer Box herum. Florence sah mich ein wenig verunsichert an, sammelte sich dann aber schnell wieder und öffnete vorsichtig die Boxentür. Sie würde mir jetzt wohl oder übel die Stute vorführen müssen, wenn niemand anderes da war. Slap Happy war zwar unruhig, ließ sich aber dennoch gut händeln. Ohne Probleme konnte Florence sie aus der Box führen, auch wenn die Stute einen guten Abstand zu mir hielt.
      Ich bat Florence, mir die Stute einmal im Schritt und einmal im Trab vorzuführen. Wenn Slap Happy auch nur ein bisschen blöd gelandet wäre, hätte sie sich leicht etwas verstauchen können. Aber sie lief in beiden Gangarten taktklar und sauber. Nur ihr linkes Hufgelenk war ein wenig geschwollen, aber nicht sonderlich warm. Da sie deshalb auch nicht lahmte, schrieb ich der Besitzerin nur zur Sicherheit auf, dass sie darauf achten sollte und es mit Wasser kühlen müsste, wenn es warm werden würde.
      Dann betrachtete ich mir erst einmal Slap Happys Körper eingehend. Man sah ziemlich genau, auf welcher Seite sie gelandet war, denn dort hatte sie hier und da einige Schrammen, welche aber nicht besonders tief und bereits gründlich gereinigt worden waren. Zur schnelleren Heilung schmierte ich sie dennoch mit einer simplen Zinksalbe ein, welche sowohl heilend als auch schützend wirkte. Diese ließ ich auch direkt da, damit sie für die nächsten Tage noch verfügbar war, dann würden die Schrammen vermutlich kaum noch zu sehen sein.
      Körperlich ging es Slap Happy wie erwartet gut. Die Herz- und Pulswerte lagen im Normalbereich und auch bei den Bewegungsabläufen konnte ich keine Auffälligkeiten entdecken. Was man jedoch sofort merkte, war Slap Happys leichte Apathie, sie war nicht wirklich bei der Sache und da ich die Stute bereits einmal behandelt hatte, kannte ich ihr eigentliches Verhalten.
      Nun war es schwer zu entscheiden, was zu tun war. Mein letzter Weg wäre es, Slap Happy medikamentös ruhig zu stellen und in einem solch kritischen Zustand war sie auch nicht. Ich erklärte Florence kurz, wie die folgenden Tage am besten ablaufen sollten. Slap Happy sollte ihren gewohnten Tagesablauf erhalten, bei welchem natürlich aufmerksam ihr Verhalten studiert werden sollte. Betreffend des Reitens und auch des Geländes befand ich es am besten, wenn man sich mit Slap Happy wieder vorsichtig an diese Sachen herantasten würde. Die Stute war noch jung und je nachdem wie man jetzt handelte, würde sie das Ereignis für immer innehaben oder zumindest wieder sehr gut verarbeiten.
      Viele Spaziergänge waren meines Erachtens wichtig, ebenso wie der normale Kontakt mit der Stelle, wo es passiert war und natürlich dem Reiter. Slap Happy stand momentan zwar mehr oder weniger unter Schock, aber durch die sonst sehr gut verlaufene Ausbildung war ich mir sicher, dass sie mit dem richtigen Weg auch über dieses Ereignis hinüberwegkommen würde.
      Für die Nerven bekam die Scheckstute dennoch etwas, allerdings auf homöopathischer Basis. Nachdem Slap Happy wieder in der Box war, reichte ich Florence ein kleines Fläschen. Es handelte sich um eine 100ml-Portion Nehls Relaxid, das war eine flüssige Kräutermischung. Florence schaute erst das Fläschen und dann mich verwundert an. "Das wird Slap Happy ein wenig bei ihrem momentan empfindlichen Nervenkostüm helfen. Es besteht lediglich aus Kräutern. Baldrian, Kamille, Melisse und Bitterfenchel. Täglich sollte Slap Happy 10ml davon erhalten, entweder direkt oral oder zum Futter beifügen. Sollten demnächst besonders stressige Situationen für die Stute anstehen, kann man zusätzlich einmalig nochmals 10ml geben. Aber das schreibe ich dir auch noch einmal auf", meinte ich dann lachend, als ich Florence verunsichertes Gesicht da.
      Eine Viertelstunde später war die junge Frau mit Salbe und Beruhigungsmittel plus aufgeschriebenen Gebrauchsanweisungen ausgestattet und sah inzwischen auch wesentlich entspannter aus. Ich wünschte Jill und dem gestürzten Reiter noch gute Besserung, ehe auch ich mich auf den Heimweg machte. "Ach und sollte irgendwas sein, einfach anrufen!", rief ich noch aus dem Fenster, winkte nochmal kurz und fuhr dann die Auffahrt hinauf.


      Erneuter Besuch bei Sheppi - Der Spaziergang

      Heute wollte ich mich wieder um meine Reitbeteiligung kümmern darum flog ich recht früh nach Deutschland. Außerdem wollte ich sehen wie es Hunter inzwischen geht. Ich hatte einen Problemlosen Flug und der Verkehr war heute auch nicht sonderlich viel. Als ich auf dem Hof ankam sah ich wie hunter noch herum humpelte und florence. Ich stieg aus dem Auto und rief ihnen zu . „ HEY ihr zwei!“. Verdutzt drehten sie sich um mit meinem Besuch hätten sie jetzt noch nicht erwartet. „Was machst du den hier?!“ fragte mich Hunter. „ Na was wohl, dich und Sheppi besuchen, na wie geht’s dir?!“ sagte ich lachend. „ Es geht langsam wieder aufwärts, nur mit Sheppi braucht noch zeit, sie ist auffallend nervös und verunsichert!“ hörte ich und konnte es kaum glauben. „ Echt? Ich war ja direkt nach dem Unfall hier und bin sie in der halle geritten, das kann jill und florence doch bestätigen. florence nur meine Absicht sie zu reiten sie ging ja nach dem Stallarbeit, und da war sie wie sonst immer. Naja vielleicht der Schock. Ich werde mit ihr spazieren gehen, vielleicht auch schon an der Unfallstelle“ meinte ich und stapfte mit der Trense bewaffnet zur Box von scheppy, diese sofort nervös kreise in der Box umzog als wolle sie durch den Boden Verschwinden. „ Hey zuckerschnute! Ich bin´s ist doch alles in Ordnung! Ganz ruhig Maus!“ redete ich auf die Stute ein. Ich merkte wie sie die Ohren spitzte und langsam ruhiger wurde. „ Hey mach dir doch keinen Kopf, das kann passieren und hunter der schwirrt auch schon rum wenn auch seeeeeeeeehr laaaaangsam!“ erklärte ich ihr. „ HEY das habe ich gehört!“ protestierte Hunter. Ich konnte mir das lachen nicht verkneifen. „ Ich versuch doch nur sie aufzumuntern!“ verteidigte ich mich und zog sheppy ihr Zaumzeug über, verschnallte diese und ging los.

      Wir gingen langsam ich sprach ununterbrochen mit ihr, ich erzählte ihr von meiner Woche auf meinem Hof, von der Arbeit, wer mich geärgert hat. Was ich vor hatte und das ich Deutschland doch etwas vermisste. Die ersten paar Meter verlief alles in Gut. Wenn ich merkte das sheppy unsicher wurde blieb ich stehen und lies ihr die zeit sich umzusehen. Mit gutem zureden lief sie weiter. Doch je näher wir an der Unfallstelle kamen desto nervöser und Aufgeregter wurde die stute. Sie stieg sogar einmal an der Hand, was ich von ihr überhaupt nicht kannte. „ Wohhhouw ganz ruhig Mäd´l ist ja gut.!“ beruhigte ich sie und lief einige Meter zurück. Dann endlich beruhigte sich die Stute wieder und stand nun da und kraulte sie ich redete mit ihr. Sie starrte an der Unfallstelle als ob sie etwas erwarten würde. Nun der Spaziergang sollte trozdemweiter gehen, ich schlug eine andere Richtung ein und da verlief keine zwischen fälle zwar war sheppy guggig und nervös, ließ sich aber händeln. Die junge Vollblutstute muss da irgendwas gesehen haben was ihr angst gemacht hatte.
      Ich hatte gehört das es in Deutschland wieder Wolf Vorkommnisse gab.
      Schnell schlug ich diesen Gedanken weg wie unwahrscheinlich das doch sein mag.
      Nun nach einer Stunde kamen wir heil zurück. Hunter florence und Jill die inzwischen auch wieder da war kamen nervös zurück. „ NA wir dachten schon es ist was passiert!“ sagten sie. „ Naja, an der Unfallstelle muss ich gestehen das sie Stieg, aber lies sich gleich wegführen, danach ging es. Ich denke, das sie im Wald etwas gesehen haben muss. Das ihr angst macht.! Uns geht’s gut!“ sagte ich und brachte scheppy zurück in die Box.

      19.09.2015
      Das Schwert liegt im Feuer
      Es ist schon wahnsinn wie die Zeit vergeht. Eben noch hat man seinen Abschluss in der Schule gemacht, und schon steht man mit beiden Beinen im Berufsleben. In meinem Fall ist es das Springreiten. Mein Pferd ist eine dunkelbraune Vollblutstute mit breiter Blesse und weißem Stiefelchen. Ich übernahm sie von meiner Cousine Jill K. Facer. Wer ich bin? Ich bin Hunter Crowley, der Sohn eines Gutherren aus England. Mit Pferden bin ich aufgewachsen, was mich bei den anderen Kerlen in der Schule immer schlecht dastehen ließ. Es war ein hartes Stück Arbeit das zu ignorieren und einfach stur weiter zu machen. Als Jill Slap Happy kaufte stand für mich fest, dass ich wohl alles richtig gemacht habe. Scheppi ist eine tolle Stute, eben genau so wie man sich ein Vollblut vorstellt. Gut ein wenig sehr hibbelig, aber sie ist ja auch erst vier Jahre alt. Dann gibt es da noch Jill's erstes Pferd, einen ganz besonderen Vollbluthengst namens CHH' Lamperd. Er ist ein Frame Overo, fast ganz weiß in meinen Augen, auch wenn andere behaupten es gäbe ja noch viel weißere. Für mich ist er ziemlich weiß. Er ist ein unglaublich erfolgreicher Renner. Mit seinen 3 Jahren hat er bereits eine solide Rennausbildung erhalten und wurde schon in vier Rennen platziert. Jill plant ihn fest für ihre Vollblutzucht ein, da sie sehr auf Farbzucht steht und wenn dann noch so ein erfolgreicher Scheckhengst daher kommt... Es sei ihm gegönnt. Kürzlich hat sie sich dann noch einen zweiten Hengst auf einer auktion gekauft, einen bereits gekörten Dunkelbraunen. Race is Hope heißt er. Einmal hat er sogar eine Platzierung bei einer Hengst des Monatswahl ergattert. Er ist ein hübsches Pferd, ein Fohlen aus ihm und Scheppi würde mir sicher sehr gefallen. Mal sehen was die Zeit so bringt. Heute steht Turniervorbereitung für Scheppi an. Springtraining, wie fast jeden Tag in der Hochsaison. „Hunter?!“ rief mir jemand hinterher als ich Scheppis Sattel aus der Kammer trug und ichblieb stehen um mich umzusehen. Es war Jill. Jill saß zur Zeit im Rollstuhl und war nur noch für sämtliche Planungen auf dem Gestüt zuständig. Sie war auf einem Cross Countryturnier so unglücklich gestürzt, dass ein Nerv in ihrem Rücken eingeklemmt wurde. Sie wurde zwar schon operiert, aber das Gefühl ist noch immer nicht zurückgekehrt. Nach nun schon zwei Monaten hat sie sich daran gewöhnt nicht mehr aufs Pferd zu können. „Hunter, denk dran dass du auf dich aufpasst! Wenn du ins Gelände gehst, dann musst du deine Augen überall haben! Wir können nicht noch einen Verlust vertragen!“ - „Jill... bis nachher.“ sagte ich und ging weiter meines Weges um Scheppi zu satteln. Natürlich machte Jill sich Sorgen, Sorgen um sich, ihre zukunft, das Gestüt. Sie hatte eben erst damit angefangen es aufzubauen. Die Ärzte sind guter Dinge, dass sie irgendwann wieder reiten kann, aber dafür muss sie sich darauf einlassen, muss zu ihrer Gymnastik gehen und zu den Nachuntersuchungen der OP... Fertig gesattelt ging ich mit Scheppi in die Reithalle, stieg auf und ritt sie erst einmal warm. Ein E und ein A Hindernis standen in der Halle, doch bevor es damit los ging machte ich noch ein paar gymnastizierende Übungen mit Scheppi. Sie war heute sehr guckig, passte nicht ganz auf wo sie hintrat. Ich ritt also einige Übergänge um ihre Auferksamkeit zu erlangen. Nachdem ich dann ein paar Testsprünge gemacht hatte ging es raus aus der Halle auf unsere kleine Geländestrecke. Zur Zeit wurde Scheppi nebenbei im Military ausgebildet, weshalb sie die Strecke schon etwas kannte. Ein wenig Schwierigkeiten mit Wasserhindernissen hatte sie schon immer. Es dämmerte mittlerweile, ich war heute sehr spät dran. Einen Durchgang würden wir aber noch schaffen. Wenigstens einen. Niemand war mehr hier, als wir an der Geländestrecke ankamen. Der Himmel war bereits in ein seichtes rosa-orange gehüllt. Scheppi war heiß auf die Strecke und ich ließ ihr etwas Freiheit um sich auszuleben. Die ersten Hindernisse nahmen wir ohne Probleme, es war kleine, flache Sprünge die ein besonders großes Pferd wohl übergaloppieren würde. Scheppi sprang brav und ich kraulte ihr auf der folgenden Hindernis freien Strecke lobend den Hals. Das nächste Hindernis kam schneller als erwartet. Überrascht nahm ich Zügel auf um Geschwindigkeit raus zu nehmen, doch Scheppi war schon voll auf den Sprung fokussiert, ihre Ohren schossen verwirrt nach hinten als ich die Zügel aufnahm. Sie sprang trotzdem, schief, aber sie sprang. Was als nächstes geschah ging so schnell, dass ich es kaum noch zusammen kriege. Im Sprung musste sich Scheppi vertreten haben, sie hoppelte die nächsten Galoppsprünge schräg, unkontrolliert. Es fiel mirfurchtbar schwer mich oben zu halten. Dann rutschte Scheppi ab und ich verlor gänzlich den Halt. Mein Fuß verhakte sich im Steigbügel und ich schlug unsanft mit dem Kopf auf den Boden auf. Trotz Helm, war das ein deftiger Schlag der mich Schwarz sehen ließ. Scheppi schliff mich noch ein paar Meter, bis sie bemerkte, dass ich noch immer an ihr hing. ~

      Mein Kopf wurde wieder etwas klarer, in meiner Hosentasche vibrierte mein Handy. Ich war mit Dreck und Laub bedeckt. Als ich das Handy aus der Hosentasche zog spürte ich ein leichtes Ziehen im Fuß. Jill rief an... Dann fiel mir die Uhrzeit auf. Schon eine halbe Stunde war vergangen, seit wir an der Strecke ankamen? Ich hob ab. Jill war außer sich. Es war nun fast ganz dunkel und ich hatte auch noch vergessen die Beleuchtung an der Strecke an zu schalten. Als ich Jill alles erklärt hatte verstummte sie. „Bis gleich.“ sagte sie, flüsterte sie fast und legte auf. Ich ließ mich zurück in den Dreck sinken und steckte das Handy weg. Die nächsten Minuten zogen sich ungeheuerlich. Scheppi blieb ruhig stehen, als wüsste sie, dass mit meinem Fuß etwas nicht stimmte. Ich schaffte es irgendwie mich aus dem Steigbügel zu fuchsen und mein Fuß folgte der Schwerkraft auf den Boden der Tatsachen. Der Aufprall ließ mich aufstöhnen. „Was zur Hölle?!“ fluchte ich und sah meinen vom Reitstiefel verdeckten Fuß an. So betrachtet, sah es noch ganz gut aus. Es war alles an einem Stück und auch sonst schien mich der Sturz nicht allzu sehr mitgenommen zu haben. Beim Versuch aufzustehen knickte mir der Fuß jedoch immer wieder schmerzhaft weg. Damit Scheppi von meinem Eierlauf nicht unruhig wurde blieb ich letzten Endes sitzen und wartete auf Jill. Scheppis Zügel hatte ich mittlerweile gefunden und hielt sie fest. Jill kam nicht, stattdessen ein netter Herr in Begleitung einer Dame in weiß-roter Arbeitstracht. Sanitäter. Jill musste einen Krankenwagen gerufen haben, gehört hatte ich diesen nicht. Wahrscheinlich wäre Scheppi dann geflüchtet, Jill hatte mitgedacht. Der junge Mann musterte mich kurz, während mir die Frau einige Fragen stellte mir direkt in die Augen leuchtete und meinen Blutdruck messte. Sie verzogen keine Miene. Ab und an lächelte die Frau bei einer meiner sarkastischen Antworten. Dann half der Mann mir auf. Die Frau nahm Scheppi. Zusammen schafften wir es zum Anfang der Strecke, immer wieder musste ich pausieren weil ich auf einem Bein hüpfend auf dem Laub wegrutschte oder weil es zu anstrengend wurde. Am Krankenwagen stand Jill dann zusammen mit ihrer Freundin Florence. Florence war da? Wann war sie gekommen? Florence hatte selbst einen aktiven Turnierstall und alle Hände voll zu tun. Jill schien geschockt. „Hey, alles gut!“ ließ ich sie wissen, als ich mich auf die Liege im Wagen setzte. Eine Träne kullerte über ihre Wange. Wie ich damit umgehen sollte wusste ich nicht. Ich schluckte und wurde von den Sanitäten angehalten mich kurz hinzulegen damit sie mir den Stiefel ausziehen könnten. Florence brachte in der Zeit Scheppi zurück in den Stall. Als der nette Mann die Schere in die Hand nahm um meinen Stiefel aufzuschneiden saß ich schneller, als die Sanitäterin handeln konnte. „Nicht aufschneiden! Die waren teuer!“ keuchte ich empört. „Sicher?“ fragte mich der Sanitäter und drückte mich wieder in die Waagerechte. „Wenn der Fuß gebrochen oder auch nur angebrochen ist, kann es das alles viel schlimmer machen!“ warnte er mich. Doch ich war mir sicher, wegen einem kleinen Sturz wollte ich nicht meine guten Stiefel verlieren. „Sicher!“ sagte ich. Der Sanitäter schnaubte verächtlich und grummelte ein „Na gut.“ in seinen kurzen Bart. Die Sanitäterin schien etwas verunsichert und legte mir eine Hand auf die Brust. „Bereit?“, die Sanitäterin nickte und mit einem Mal ruckte der Sanitäter an dem Stiefel. Ich schrie auf. Das hatte ich nicht erwartet, mir zog sich alles zusammen. Am liebsten hätte ich mich auf die Seite eingerollt, doch der Stiefel war noch nicht runter. Dann, ich hatte kaum Zeit mich zu erholen ruckte der Sanitäter ein zweites Mal am Stiefel und riss ihn damit vom Fuß. Die Socke war dagegen nichts. Vielleicht auch, weil es mir wieder Schwarz vor Augen wurde. Mein Fußgelenk war etwas angeschwollen und blutunterlaufen, aber er war nicht offen. Florence war mittlerweile wieder vom Stall zurückgekehrt und sah sofort weg, als sie sah wie der Sanitäter den letzten Ruck vornahm. „Ist er runter?“ fragte sie Jill zur Sicherheit, bevor sie wieder zu mir sah. Jill nickte stumm, sie hatte mich die ganze Zeit traurig angestarrt und kein Wort gesagt. „Jill, es tut mir leid!“ es bedrückte mich sehr sie so zu sehen. Sie war immer ein glücklicher Mensch. Ihr Unfall hatte sie unglaublich verletzlich gemacht, übervorsichtig und in ständiger Angst um ihre Mitmenschen. Ihre Augen wurden glasig. „Wir müssen los.“ drängte die Sanitäterin. „Wollen Sie mitfahren?“ Jill schüttelte den Kopf. Geknickt ließ ich meinen Kopf zurück auf die Liege fallen und starrte die Decke des Wagens an. „Ich fahre mit, wenn's Recht ist.“ sagte Florence und sah unsicher von einem Sanitäter zum nächsten. „Kümmer dich lieber um Jill, sie braucht dich jetzt mehr.“ merkte ich an während mir die Sanitäterin eine Infusion verpasste. „Wir haben das besprochen, Hunter.“ sagte Florence eindringlich. „Ich halte Jill aufdem Laufenden.“ Ich atmete laut aus. „Ihr tut so als stünde mir eine lebensbedrohliche OP bevor bei der ich um mein Leben bangen muss...“ beschwerte ich mich, biss im gleichen Moment die Zähne zusammen und schloss die Augen weil der Sanitäter irgendetwas an meinem Fuß fummelte. Nach einer kleinen Diskussion fuhr Florence nun doch mit und im Krankenhaus stellte sich bald heraus, dass mein Fuß schlimm verstaucht war, aber immerhin nicht gebrochen. Als Krönung habe ich eine Gehirnerschütterung mitgenommen und eine Prellung der oberen Wirbelsäule. Alles halb so schlimm, wenn man bedenkt was hätte passieren können. Ein paar Wochen am Stock und das ganze ist überstanden. So jedenfalls meine Vorstellungen des weiteren Verlaufs. Nach Hause konnte ich bereits nach drei Tagen Überwachung. Florence wich nur selten von meiner Seite und schlief einmal sogar neben mir ein. Scheppi hatte sich bei der Aktion übrigens nicht verletzt. In der Zeit, in der ich nicht auf dem Hof arbeiten konnte lief einiges schief. Jill war 2 der Tage auch noch auf einem Pferdemarkt um nach interessanten Pferden zu schauen. Florence hatte den kompletten Tagesablauf für die Pferde alleine gestemmt, mit Hilfe der Reitbeteiligungen und des Stallburschens. Sie war wirklich ein Organisationstalent. Als Jill dann wieder kam strahlte sie vom einen zum nächsten Ohr. Ich saß mit meinen Krücken vor dem Reitplatz und gab den Reitbeteiligungen etwas Hilfe und Korrektur, wenn sie danach fragten. „Na Cousine, du siehst so glücklich aus. Hast du endlich deine Liebe des Lebens getroffen auf dem Markt?“ fragte ich sie neckend, doch Jill grinste unbehellt weiter und gab mir Papiere. „Ein Hengst. Noch ein Hengst?“ sagte ich stirnrunzelnd als ich die Papiere kurz überflog. Es handelte sich um einen Bay Tobiano Vollblut Hengst namens 'Mr. Raw Depression'. „Jill, du hast schon zwei Vollblüthengste, einen davon sogar gekört. Was willst du denn mit noch einem? Willst du die alle auf Scheppi lassen? Dir fehlt es an Stuten.“ Sie musste verrückt geworden sein. Drei Hengste und eine Stute. „Du hast ja keine Ahnung, Hun.“ sagte sie weiter grinsend. „Er ist uuuunglaublich toll! Du wirst schon sehen.“ - „Und wenn er noch so schön ist... Du brauchst Stuten. S-t-u-t-e-n.“ betonte ich missmutig und gab ihr die Papiere zurück. Schnaubend drehte sie sich um und humpelte mit ihrer kaputten Hüfte von dannen. „Wann kommt er denn hier her?“ rief ich ihr noch hinterher und sie hielt 3 Finger als Antwort hoch. 'Was denn nun, 3 Tage, Woche, Monate, Jahre...?' grummelte ich und versuchte mich wieder auf die Reitbeteiligungen von Race is Hope und CHH' Lamperd zu konzentrieren, die mir immer wieder recht unsichere Blicke zuwarfen. Die beiden Hengste waren wunderbar, in einem hatte sie das wohl beste Gebäude, das ich je bei einem Vollbluthengst gesehen hatte und beim anderen hatte sie die Farbe, die sich so wünscht. Sie hat wirklich einen an der Klatsche... Mehr kann man dazu nicht sagen. Nach einer halben Stunde beendeten wir das Training und die beiden Mädchen brachten die Hengste gut eingedeckt zurück auf ihre Weiden. Es ging ihnen gut hier. Sie hatten jeweils eine riesige Koppel für sich, gut eingezäunt. Unter Aufsicht durften sie auch zusammen auf eine Weide, ohne Aufsicht war es zu riskant. Scheppi stand mit ein paar Ponys eines Privateinstallers auf einer gemischten Weide im Herdenverband. Sie hatte es damit wohl am besten erwischt. Die nächsten drei Tage wechselte ich kaum ein Wort mit Jill. Ihre Miene war ernster geworden, als sie die Unordnung auf ihrem Hof bemerkte. Scheppi hatte seit 2 Tagen keinen Reiter mehr gesehen und die Hengste waren teilweise unbeaufsichtigt zusammen auf einer oder auf nebeneinander liegenden Weiden. Beim Abendessen dres dritten Tages sprach ich sie noch einmal auf den neuen Vollbluthengst an. „Wann kommt er denn, ich hatte dich letztens nicht richtig verstanden.“ - „Morgen.“ sagte Jill leise und stocherte in ihren Kartoffeln rum. „Okay.“ ...morgen Vormittag würde ich nicht da sein. Eine Nachuntersuchung wegen meiner Verletzung stand auf dem Kalender. Wahrscheinlich würde der Hengst genau in diesem Zeitraum eintreffen, so wie ich mein Glück kenne.

      Am nächsten Tag machte ich mich sehr früh auf den Weg ins Krankenhaus. Um 9 Uhr war mein Termin und just in dem Moment, als ich ins Behandlungszimmer gehen wollte klingelte mein Handy. Es brannte mir in den Fingern ranzugehen. Doch ich drückte Jill erstmal weg. Ich würde sie gleich anrufen, sobald ich hier fertig bin. Der Termin zog sich wie Kaugummi. Ich hatte das Gefühl der Fuß tat danach mehr weh als er es vorher tat. Mit dem Handy in der Hand stieg ich in den nächsten Bus in Richtung Gehöf. Kaum saß ich, rief ich Jill an. „ER IST DAAA!“ begrüßte sie mich freudig. „Er ist so großartig! Flori mag ihn auch!! ALLE mögen ihn“. - „Das bez-“ fing ich an, doch Jill ließ mich nicht reden. „Er ist so gut gepflegt, sein Fell glänzt wie Stahl, er hat ein paar ganz süße Bend-or-Spots und die Scheckung ist so toll und reinweiß. Dann diese Augen, Gott seine AUGEN! Du musst sofort kommen, wann bist du da?!“ textete sie mich zu in einer Lautstärke, dass ich dachte mein Sitznachbar könnte alles mithören. Entschuldigend blickte ich ihn an. „In einer Stunde etwa.“ sagte ich kurz und wir legten auf, auch wenn Jill mich viel lieber eine Stunde lang weiter vollgeschwärmt hätte. Beim Stall angekommen krückte ich so schnell es mir möglich war zum Innenhof, wo sich alle versammelt hatten. Der Rest der Hofs schien wie eingefroren. Dann sah auch ich den großen Scheckhengst in der Mitte stehen. Er war wirklich sehr hübsch, keine Frage. Ein gutes Gebäude hatte er auch, aber er war kein Renner. Ein Eventer vielleicht? Gut trainiert sah er jedenfalls aus, die Muskeln sprachen für sich. Sogar seine Hufe waren gemacht. Definitiv ein Frauenpferd ja. Jill kam strahelnd auf mich zu und viel mir um den Hals. „Ich will das du ihn vorbereitest und mit ihm Turniere gehst, bis er gekört ist und wir eine Stute für ihn haben!“ flüsterte sie mir ins Ohr. Ich lächelte. „Das machen wir schon, sobald ich wieder aufs Pferd darf.“ - „Hat der Arzt noch nichts gesagt?“ - ich schüttelte den Kopf und streichte Mr. Raw Depression über den starken Hals. Man er war wirklich schön.

      Den Rest des Tages verbrachten die Reitbeteiligungen mit der Pflege der Pferde, der neue Hengst durfte sich erst einmal an die neue Umgebung gewöhnen und wurde dafür in einen Offenstall in Reitplatznähe gestellt. So hatten wir ihn auch gut im Blick. Jill, Flori und ich saßen im Halbkreis im Innenhof und philosophierten noch sehr lange über mögliche Zuchtziele, wie die Stuten aussehen sollten, die als nächstes kommen sollten und ob wir nicht eine kleine Nebenzucht mit Sportpferden wie Trakehnern oder anderen Warmblütern beginnen sollten.
      16.736 Zeichen by BearBrook


      08.10.2015
      Die Glut springt noch einmal auf
      Es ist nun schon eine ganz Weile her, dass ich mich bei einem Reitunfall verletzt hatte. Ich kann wieder normal gehen, ganz selten spüre ich noch einen leichten ziehenden Schmerz in den Sehnen, wenn ich den Fuß strecke oder flexe. Aber die Ärzte meinen es sei alles soweit verheilt und ich dürfte wieder auf's Pferd. Endlich konnte der normale Alltag wieder einziehen. Florence war schon seit einer Woche wieder auf ihrem eigenem Gestüt. Slap Happy ging es auch wieder besser, nach dem kleinen Rückfall. Jill und ich waren zwar jetzt wieder auf uns gestellt, aber es lief alles rund. Heute machte sich Jill auf den Weg zur einer Jungpferdeausstellung. Die Reitbeteiligungen kümmerten sich um ihre Pferde. Sie waren eine wahrliche Erleichterung. Ich war gerade dabei die Offenställe abzuäppeln. Seit einer Stunde saß Jill im Zug, noch sechs Stunden würde sie bis nach Schweden brauchen und dort würde sie auch nochmal eine kleine Reise auf sich nehmen bis zum Ort der Veranstaltung.
      Die häuslichen Pflichten erledigt holte ich mir unseren Neuzugang Mr. Raw Depression von der Weide. Er hatte sich gut eingelebt und blühte hier regelrecht auf. Er ist wirklich ein Everybody's Darling, sehr charmant. Anders als Slap Happy, die immer etwas nervös und unruhig wirkte oder wie der unter Strom stehende Lamperd und der reservierte Race is Hope. Ray ist offener als die beiden anderen Hengste und ausgeglichener. Er kannte es nicht nonstop bewegt zu werden und das war sein Vorteil. Er hatte Ruhe gelernt und schaffte es sich auch bei scheinbar langweiligen Lektionen zu konzentrieren. Für mich wird es heute wieder das erste Mal im Sattel sein. Ich putzte den schönen Braunschecken sehr gründlich und sattelte ihn. Von Jill hatte ich noch kein Lebenszeichen erhalten, jetzt war ich für eine Stunde nicht ansprechbar. Race is Hope war ebenfalls auf dem Reitplatz mit seiner Reitbeteiligung. Die anderen drei Mädels hatten es sich in den Stühlen auf dem Innenhof gemütlich gemacht um uns zu beobachten.
      Beim Aufsteigen verspürte ich noch einmal das schmerzhafte Ziehen im Fuß, doch ich ignorierte es. Die Ärzte hatten gesagt es sei verheilt, darauf vertraute ich. Im Sattel war der Schmerz dann verschwunden. Ich ließ Ray locker am Zügel gehen und wärmte ihn zuerst auf. Er war ein Dressurtalent. Sein erstes Turnier hatte er sogar gewonnen und das bei über zehn anderen Teilnehmern. Für einen Scheckhengst war das schon sehr außergewöhnlich. Nach der Aufwärmphase fing ich ihn an zu traben, stellte ihn immer wieder an den Zügel und sah was er schon alles gelernt hatte. Ich war keinesfalls ein Dressur-Ass, deshalb wurde Ray auch nicht von mir auf turnieren vorgestellt sondern von seiner Reitbeteiligung, aber Jill wollte, dass ich mit ihm lerne. Es war anstrengend sich auf alle Kleinigkeiten zu konzentrieren. Ray war sehr fein in den Hilfen, was es mir als stumpfer Militarty-Reiter nicht gerade einfacher machte. Ich musste die Ruhe lernen, die Ray schon kannte. Die Angst ihn zu verreiten wuchs von Minute zu Minute. Unter den kritischen Blicken der Mädchen galoppierte ich Ray an. Er war stellte sich direkt an den Zügel. Galopp schien er zu mögen, er war eben doch ein Vollblut, so ausgeglichen er auch war. Ich machte meine Beine lang und spürte wieder das Ziehen im Fußgelenk, aber es war nicht so stark wie beim Aufsteigen. Hatten sich die Ärzte wohl doch geirrt? Hatten sie was übersehen? Wenn doch alles verheilt war, wieso tat es noch weh, wenn Spannung drauf kam? Meine Gedanken waren überall nur nicht beim Pferd. Ray wurde immer unsicherer und ich parierte ihn wieder durch in den Trab. Auf dem Zirkelholte ich ihn runter, ließ ihm die Zügel lang und ließ ihn sich strecken und dehnen. Er genoss das sichtlich, seine Ohren schwankten zur Seite und die rosa Unterlippe löste sich etwas. Er wurde immer langsamer bis er irgendwann in einer Gangart lief die die Westernreiter Jog nannten. Ich ließ ihn stehen und lobte ihn sanf. Wir waren jetzt eine halbe Stunde auf dem Platz, das Warmreiten ausgeschlossen. Da meine Konzentration immer weiter nachließ beschloss ich ihn nur noch abzureiten und dann den Tag abzuschließen und aus dem Gedächtnis zu streichen. "He Hunter dein Handy klingelt!" rief eine der jungen Frauen vom Innenhof rüber und rannte mit dem Handy in der Hand an den Zaun vom Reitplatz. Ich wollte sowieso gerade absteigen. Mit einem Schwung setzte ich auf den Boden und... knickte ein. Mein Fuß hielt dieser Belastung nicht stand, mit einem höllischen Schmerz brach ich zur Seite und Ray machte einen Satz nach hinten und schnaubte argwöhnisch.
      Der Schmerz ließ leider diesmal nicht so schnell nach, aber immerhin konnte ich mich nach ein paar Sekunden wieder aufrichten. Maja war mittlerweile bei mir und half mir aufzustehen und stützte mich. Ich war völlig geschockt. So viel zur Heilung. Immer wieder setzte ich den Fuß kurz ab, doch immer wieder zog der Stich vom Gelenk bis hoch ins Bein. "Das gibt's doch nicht!" murmelte ich und humpelte mit Maja und Ray vom Platz. Maja musterte mich besorgt und buchsierte mich zu ihrem Stuhl, gab mir mein Handy dessen Klingeln mittlerweile aufgehört hatte. Es war Jill, sicher war sie jetzt am Flughafen und wollte nur noch schnell bescheid geben dass soweit alles okay war. Maja übergab Ray den beiden Schwestern Linda und Laura, die ebenfalls auf dem Innenhof waren und alles beobachtet hatten. Die beiden freuten sich helfen zu können, mit 17 Jahren waren sie hier mit die jüngsten und teilten sich die Reitbeteiligung an Race is Hope und Lamperd.
      Meine Gedanken schwirrten umher, Angst stieg in mir auf. Was wenn mir da gleiche Schicksal graut wie Jill? Was wenn ich nicht mehr reiten dürfte, wenn mein Fuß jetzt ganz kaputt wäre? Maja war kurz im Reiterstübchen verschwunden. Ich starrte ins Leere, gefangen in Vorstellungen, eine grauenvoller als die andere. "Komm!", Maja war wieder da. Sie zog mir am Arm und wir gingen zu ihrem Auto. Wieder drohte mir ein Krankenhausaufenthalt. Die Fahrt über sprachen wir kein Wort. Ich schob auf meinem Handy Apps hin und her um nicht reden zu müssen. Mein Herz raste. In der Notaufnahme wurde das nochmal schwarz auf weiß aufgezeichnet. Mein Fuß wurde abermals genaustens untersucht. Die Ärzte entdeckten ach etwa zwei Stunden Krankenhaus dass eine Sehne angerissen war und jetzt noch weiter gerissen ist. Ich wollte nicht mehr hören, ich hatte furchtbare Angst Worte zu hören, die auch Jill schon einmal gesagt wurden. Doch sie kamen nicht. Im Gegenteil, die Ärzte schienen froh zu sein, dass es nichts Anderes war. "Das ist zwar nicht angenehm, aber sie werden wieder gesund." sagten sie mir. Sie erklärten mir dann die Therapie, die sie mit mir vor hatten. Mir drohten weitere zwei Wochen ohne Bewegung und mit täglichen Spritzen, damit sich die Sehen wieder aufbaute. Auch danach durfte ich erstmal keine großen Belastungen auf den Fuß geben. Reiten war demnach nicht drin. Wiedermal.
      Am Abend telefonierte ich mit Jill, die mittlerweile auf der Ausstellung war. Sie erzählte mir hellauf begeistert von einer Reitponystute, die sie einfach kaufen musste. Jill sagte sie habe es aufgegeben jemals wieder auf die Beine zu kommen und mit dieser Stute könne sie in den Fahrsport einsteigen. Sie klang so unglaublich begeistert, dass ich ihr keine Einwände gab. Iceflower hieß der Neuzugang. "Nur Jill, es werden immer mehr Pferde die wir versorgen müssen. Das schaffen wir bald nicht mehr nur zu zweit." klagte ich. Jill sprach mir zu und wenn sie wieder im Land ist würden wir und um weitere Angestellte kümmern. Von meinem Fuß erzählte ich ihr noch nicht. Sie war so glücklich, da wollte ich ihr eine ruhige Nacht schenken. Die junge Ponystute würde sie direkt aus Schweden mitbringen, sie hatte eine Fahrgemeinschaft mit einem anderen Ausstellungsbesucher gegründet.
      ...
      Iceflower machte sich prächtig! Sie war eine sehr interessante Porzellanscheckstute, gerademal zwei Jahre alt und schon recht weit geschimmelt. Jill und ich hatten mittlerweile Unterstützung auf den Hof geholt. Josy war eine sehr gute Dressurreiterin und würde Ray weiter fördern. Und für die anderen Vollblüter hatten wir eine gute Springreiterin ins Boot geholt. Sie heißt Yana und ist wirklich sehr hübsch. Direkt nach Iceflowers Ankunft machte ich jeweils einen Termin beim Tierarzt und Hufschmied für sie und der Hufschmied sollte auch gleich für Ray vorbei schauen, den ich beim letzten Besuch vergessen hatte.
      Für Fleur suchten wir jetzt noch einen Ausbilder, wir hatten alle recht wenig Erfahrung im Fahrsport, doch Jill war Feuer und Flamme dafür. Sie wälzte Bücher und kam jeden Tag mit einem neuen Trainer, den sie gerne mit Fleur arbeiten lassen würde. Mir hingegen ging es nicht so rosig. Die Therapie machte mir zu schaffen, ich war zwar mittlerweile wieder aus dem Krankenhaus entlassen worden, aber der Heilprozess ging nur schleichend voran und bei jeder kleinsten Bewegung des Fußes kamen Schmerzen auf. Ich langweilte mich sehr und ärgerte mich, dass ich mich nicht auf mein Gefühl verlassen hatte. Maja kam immer wieder ins Reiterstübchen und versuchte mich aufzuheitern. Doch ich hatte das Gefühl das Leben rauscht an mir vorbei, ich konnte nicht verstehen wie Jill das die ganze Zeit schaffte so zuversichtlich zu bleiben. Ich hatte sie zwar auch schon lange nicht mehr SO glücklich gesehen, aber selbst in ihrer ersten Zeit im Rollstuhl bewahrte sie stets die Fassung und ihren Optimismus. Geknickt starrte ich auf die Prospekte für den Fahrsport vor mir und versuchte Jill wo es ging zu helfen. Mein Zustand war immerhin nicht für die Ewigkeit.
      9609 Zeichen by BearBrook

      26.10.2015
      Hochmut kommt vor dem Fall
      Mittlerweile waren zwei Monate vergangen, es war Herbst und Jill hatte drei weitere Pferde ins Reitzentrum geholt. Einen Trakehner-Scheckhengst namens Cadiz, eine Vollblutstute namens Bear Totem's Denali und eine Reitponystute namens Princess Sansa. Mir ging es wieder gut, ich durfte wieder reiten und das verlief nun schon seit einigen Tagen völlig schmerzfrei. Jill hingegen hatte aktuell wieder ein Tief erreicht. Sie ließ ihre schlechte Laune unbewusst an mir aus. Ich wusste, sie meint es nicht so, aber es war furchtbar stressig sie ständig im Nacken sitzen zu haben bei der Arbeit. Ich war immer froh wenn Maja und Co. da waren um einen Teil der Pferde mit zu bewegen. So kümmerten sich Linda und Laura heute um Cadiz und Denali, während ich mich mit der Ponystute Sansa abgeben musste. Maja machte sich Iceflower zurecht. Sansa hatte eine unglaublich arrogante Art und erinnerte mich an eine weibliche Version von Adrianna's Sir Outlaw. Es kostete mich viele Nerven mit dieser Jungstute zu arbeiten, sie war nicht eingeritten, kannte aber die Longenarbeit. Ich diskutierte schon alleine zwanzig Minuten mit ihr um sie von der Weide zu führen. Das Putzen genoss sie sichtlich. Nach insgesamt zwei Stunden Arbeit verabschiedete ich sie dann wieder zurück in die Herde und holte mir meine Slap Happy. Seit dem Sturz damals hatte ich mich nicht mehr um sie gekümmert. Als ich sie von der Weide führte hatte ich abermals ein mulmiges Gefühl im Bauch, aber ich wusste, dass alles okay werden würde. Es war unglaublich ruhig im Stall während ich meine Stute zurecht machte. Irgendwie kam ich mir sehr beobachtet vor. Niemand schien es für richtig zu halten, dass ich Scheppi wieder reiten würde nach dem was passiert war. Aber Jill hatte mir ihr OK gegeben. Das Training heute beweiste mir auch, dass unser Verhältnis keinen allzu großen Riss erhalten hatte. Scheppi schien sogar besser mitzuarbeiten als je zuvor. Vielleicht hatte sie das genauso vermisst wie ich. Die anfänglichen Bauchschmerzen verwandelten sich urplötzlich in Glücksgefühle, als ich mit ihr den ersten Sprung genommen hatte... „Hunter?“ hörte ich eine zaghafte Stimme hinter mir sagen, als ich Scheppis Sattel nach dem Training zurück in die Sattelkammer brachte. Als ich mich umdrehte, sah ich dass es Maja war. Sie kam gerade mit Iceflower zurück. Ein wenig verwundert wieso sie zaghaft klang sah ich sie an. „Wie lief das Training mit ihr? Ist alles Gut?“ Ich schmunzelte und legte den Sattel auf die Halterung in Scheppis Spind und antwortete dann. „Ja, das Training verlief gut. Kein Grund zur Sorge.“ Man konnte sehen wie Maja ein riesen Stein vom Herzen fiel. Auch sie schien sich sehr gesorgt zu haben. „Ich geh dann mal den nächsten Kandidaten fertig machen.“ sagte ich und schob Maja sanft zur Seite um an ihr vorbei zurück zu den Weiden zu gelangen. Ich spürte Majas neugierige Blicke im Nacken, doch sie folgte mir nicht. Als letztes für den heutigen Tag holte ich Ray von der Weide. Der Vollbluthengst den hier irgendwie jeder liebte. Gesattelt und mit eingeflochtenem Langhaar führte ich ihn auf den Reitplatz. Linda und Laura waren hier mit Lamperd und Race is Hope. Die beiden hatten ihre Hengste gut im Griff und Ray war ganz froh, nicht alleine auf dem Platz zu sein, weil er wusste, dass ich ihn dann nicht zu hart ran nahm. Maja setzte sich mit mitgebrachten Broten auf einen der Stühle auf dem Innenhof um uns zu beobachten. Auch Jill war hier, schien jedoch vertieft in ein Buch zu sein dessen Titel ich vom Platz aus nicht erkennen konnte. Wahrscheinlich wieder ein Wälzer über die Pferdezucht oder -Genetik. Eben Jill-Lektüre. Auch mit Ray arbeitete es sich wunderbar heute. Ich war schon lange nicht mehr so zufrieden am Ende eines Tages wie heute. Als ich Ray fertig abgesattelt hatte kam Maja gerade von der Weide zurück und lächelte mich unverhohlen an. Ihr Blick hatte etwas Verruchtes. Ein wenig verwirrt erwiderte ich das Lächeln und wandte mich dann wieder Ray zu. Die Arbeit von heute machte sich langsam im Rücken und in den Beinen bemerkbar, ich wollte nicht wissen wie viele Kilometer ich heute insgesamt gelaufen war. Ich strich dem bunten Hengst über den Hals, auch er hatte heute ordentlich Schweiß gelassen. So zog ich Ray noch einmal mit dem Schweißmesser ab bevor ich ihn mit seiner Decke in die mit frischem Stroh befüllte Box stellte. Wie gewohnt legte er sich direkt hinein und spielte kurz mit den pieksigen Halmen. Es war schön ihm dabei zu zu sehen. „Ich bin dann weg.“ verabschiedete sich Maja und verließ nun als letzte den Hof. Jetzt waren nur noch Jill und ich da. Jill hatte sich bereits zurückgezogen und war auf der Couch eingeschlafen. Ich freute mich endlich Zeit zu haben um etwas zu essen. Es war nun schon 22Uhr Abends. Drei Pferde und die übliche Stallarbeit hatte ich heute geschafft, ohne irgendwelche gefährlichen Zwischenfälle.Nachdem ich etwas gegessen hatte machte ich mich auf meinem Bett lang und lag noch kurz wach; dachte über die Damenwelt nach, die sich heute sichtlich komisch verhalten hatte. Dann schlief ich ein und genoss einen unglaublich tiefen Schlaf, der so erholsam war, wie schon lange nicht mehr.
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      28.11.2015
      Weil Frauen kompliziert sind...
      Einige gute Trainingstage waren nun vergangen, das Training mit Ray und Scheppi verlief sogar besser als gedacht. Mit der Dressur tat ich mich noch immer schwer, aber Maja half mir sehr. So oder so war Maja in letzter Zeit immer da, wenn irgendetwas war. Immer wieder erkundigte sie sich nach meinem Befinden und half mir sehr intensiv beim Training, kam mit auf Ausritte. Manchmal hatte ich das Gefühl Jill hätte sie auf mich angesetzt um darauf zu achten, dass mir nicht noch einmal etwas passierte.

      Gerade waren wir auf einem Grasplatz und übten Versammlungen mit Ray. Er konnte das, ich weniger. „Du musst die Hände noch ruhiger halten, Hunter!“ Ich brummte... Ja, ich wusste das. Aber es ist leichter gesagt als getan. „Versuch noch feinere Hilfen zu geben, denk an deine Füße!“ Sie hörte gar nicht mehr auf mit ihrer Kritik! „MAJA!“ rief ich irgendwann und sah sie frustriert an, die langen Haare im Gesicht hängend musste das regelrecht irre ausgesehen haben wie ich sie ansah. Sie schwieg und sah mich an. Ihren Audruck konnte ich nicht deuten, er lag irgendwo zwischen „Enttäuschung“ und „verletzt sein“. Dann wandte sie den Blick ab und gab Iceflower einen sanften Schub nach vorne, galoppierte mit ihr weg. „Super klasse...“ brummte ich unzufrieden. „Majaaa... es tut mir leid, das war nicht so gemeint!“ Mit Ray hatte ich sie schnell eingeholt und ritt nun neben ihr her. Sie ignorierte meine Anstrengungen. Dann ritt ich vor und stellte mich mit Ray in ihren Weg. Jetzt konnte ich ihren Blick deuten: Sie war sauer. Mehr als eindeutig. „Geh mir aus dem Weg, Hunter!“ maulte sie und ihr folgender Blick verriet mir, dass sie nun einen Weg um mich und Ray herum suchte. Links und rechts vom Weg lagen nun Kuh- und Schafsweiden. Der Platz reichte keinesfalls um an einem querstehenden Ray vorbeizukommen, so klein Iceflower auch sein mochte. Es endete darin, dass Maja das Pony rückwärts richtete und dann in die andere Richtung weiter ritt. „Ach komm schon!“ rief ich entrüstet hinterher und holte wieder auf. „Ich bin ein Trottel und weiß deine Mühen nicht zu schätzen!“ gab ich zu und versuchte ihren Blick zu erhaschen, doch sie blickte stur geradeaus. Dann irgendwann nach zig Versuchen sich zu entschuldigen hielt sie an. Ich brauchte in paar Sekunden um das zu realisieren und machte dann mit Ray kehrt sodass ich vor ihr stand. Sie sah so unglaublich enttäuscht aus. Das war nie mein Ziel. Ich wollte einfach nur, dass sie mich etwas weniger forderte. Ich war schlichtweg überlastet mit so viel Input. Dressur war nicht einfach für mich! „Du weißt garnichts! Du hast keine Ahnung!“ fauchte sie und in ihrer Stimme schwang so viel Traurigkeit mit, dass ich sie am liebsten in den Arm genommen hätte, wäre sie nicht so sauer auf mich. Ich schwieg und sah sie einfach nur an. Was wusste ich nicht? Warum sagte sie es mir nicht einfach, wenn es ein Problem gab? „Ich brauch eine Auszeit...“ sagte sie dann, drehte um und ritt wieder weg. Diesmal folgte ich ihr nicht, auch wenn Ray sich am liebsten an Iceflower gekoppelt hätte. Ich hielt ihn im Stand und wartete bis die beiden außer Sicht waren. Geknickt schritt ich dann ebenfalls Richtung Stall um die Arbeit mit Ray nieder zu legen. Maja hatte ich nicht mehr gesehen, sie musste Iceflower nur schnell abgesattelt haben um dann zu verschwinden.
      Der restliche Tag zog sich furchtbar lang. Ich redete mit niemandem und machte nur noch stur den Rest meiner Arbeit um dann in meine Wohnung zu gehen und abzuschalten.


      Sturz ins Grauen
      Es war grauenvoll die nächsten Tage. Es wurde zum einen immer kühler und zum anderen ließ sich Maja nicht mehr blicken, sodass ich auch die Arbeit mit Fleur übernahm, neben der mit Ray und Scheppi. Ich vermisste die Dressurlektionen, jetzt wo sie ausfielen. Auch Jill redete mir dauernd ein was für ein Idiot ich doch gewesen sein muss, Maja zu vergraulen. Dass ich gar nicht wusste, was genau ich jetzt alles falsch gemacht hatte interessierte sie nicht im Geringsten. Eines frühen Morgens stand ich schon um vier Uhr auf um alle Stallarbeiten bis neun erledigt zu haben. Ich hatte mir beim Holen des Heus vom Heuboden den Kopf angeschlagen und auf dem eisigen Paddockboden war ich heute auch schon fast ausgerutscht. Dann, als ich dachte es kann nicht schlimmer kommen, kam Maja auf den Hof. Ich saß da gerade in einer Ecke eines gerade fertig abgeäppelten Paddocks und starrte ins Leere, als ich die Schritte hörte und aufsah. Scheinbar wusste sie selbst nicht wie sie mit der Situation umgehen sollte. Sie lächelte immer mal kurz und sah mich ein wenig gruselig an. Mein Gesicht blieb verkühlt. Ich hatte Kopfschmerzen und absolut keine Lust auf weitere Moralpredigten und erst recht nicht auf irgendwelche anderen Vorträge von einer verbitterten Frau, die mir eh nicht sagen würde was Sache ist. Ich wandte den Blick ab und stand auf um den Mist zum Misthaufen zu bringen. Maja blieb wie angewurzelt stehen und starrte auf die Stelle, wo ich eben noch saß. Es knickte mich, dass sie mir nichts gesagt hatte, auch wenn ich eigentlich genau das nicht wollte. Gerade als ich mich auf den Weg zur Weide machen wollte hörte ich Maja „Hallo“ sagen. Sie stand etwas zwei Meter hinter mir und hatte Fleur an der Hand. „Hallo.“ gab ich zurück und ging weiter meines Weges. „Hunter... warte!“ Ich blieb wie angewurzelt stehen, drehte mich aber nicht um. Könnte der Tag noch schlimmer werden? „Du Idiot!“ sagte sie jetzt lachend und ich fand mich verwirrt zu Boden blickend. Was war daran lustig?! Ich wandte mich ihr zu und sie lachte wieder, als sie sah wie verunsichert ich war. FRAUEN! Dachte ich mir insgeheim, war jetzt aber neugierig was nun kommen würde. „Es tut mir leid, dass ich so empfindlich reagiert hab. Das war unnötig. Aber ich musste mir erst klar werden...“ begann Maja. Ich zog eine Augenbraue hoch. Ahja. Dann kam Maja näher und nahm meine Hand. „Ich... es tut mir leid. Meinst du, wir könnten wieder normal miteinander umgehen?“ Mein Blick wanderte von unseren Händen über ihren Arm hoch zu ihrem Gesicht. Sie hatte goldblonde, lange und gewellte Haare. Sie trug sie heute halb hochgesteckt. Ihre Lippen waren voll, sie hatte wunderschöne eisblaue Augen und eine etwas knollenförmige Knubbelnase, die ihre Schönheit aber in keinster Weise beeinträchtigte. Die vorderen Haarsträhnen waren hellblond gebleicht von der Sonne, ihr Blick war hoffnungsvoll und ich versank einen Moment darin bis ich antwortete. „Ja, klar.“ sagte ich stumpf und mit einem pappigen Gefühl im Mund. Dann fügte ich noch schnell hinzu: „Aber erklär' mir bitte, was an dem Tag los war!“ Maja ließ meine Hand los und sah weg. Ich hatte einen weichen Punkt getroffen. „Ich glaube, das will ich dir nicht sagen. Nicht jetzt.“ sagte sie und ich legte die Stirn in Falten. Was wollte sie mir nicht sagen? Wieso redete sie nicht einfach, das würde alles viel einfacher machen. „Nagut.“ sagte ich, drehte um und ging weiter zur Weide. Es vergingen wieder einige Stunden bis Maja abermals ein Gespräch begann. Diesmal saßen wir beide zu Pferd. Auf dem Reitplatz. Niemand sonst war mehr da, die Beleuchtung des Platzes war die einzige Lichtquelle und wir konnten unseren Atem sehen, so kalt war es. „Es ist ganz schön kühl geworden oder?“ sagte sie, sodass ich Angst hatte sie könne Gedanken lesen. Sie sah mich abermals hoffnungsvoll an. Ich nickte und stieg ab. Slap Happy hatte genug getan für heute. Maja tat es mir gleich und wir führten unsere Pferde in den Stall um sie abzusatteln. Das ganze geschah kommentarlos. Es war eine peinliche Stille. „Ich... was letztens war...“ stotterte Maja plötzlich in etwas schriller Stimme los und rannte um Scheppi herum um mir in die Augen blicken zu können, die wieder einmal ziemlich verdutzt dreinblickten über den plötzlichen Aufruhr zu so später Stunde. „Ich schätze ich hab mich etwas in dich verguckt...“ gestand Maja. „Deshalb war ich so enttäuscht, dass du das nicht erwidert hast und ganz im Gegenteil, mich auch noch aufgefordert hast meine Klappe zu halten.“ Das verschlug mir nun abermals die Sprache. Ich nickte und brachte Scheppis Sattelzeug weg. Das musste ich nun erst mal verdauen. Ich mochte Maja, aber mehr war da nicht. War es nicht? Nein... Definitiv nicht. Wieder schwiegen wir beiden uns an. Bis beide Pferde in ihren wohlig warmen Boxen standen. „Und?“ fragte mich Maja und sah mich wieder so an... „Maja, ich... kann dir da jetzt nichts zu sagen.“ fing ich an. „Ich weiß nicht ob-“ ich brach ab. „Hast du das gerade gehört?“ fragte ich sie unsicher und wandte mich um. Doch Maja sah mich nur verzweifelt an. Da, da war es wieder. Ein Schaben, Klicken und dann fiel etwas metallenes zu Boden. „Hunter, da ist jemand! Wir sollten die Polizei rufen.“ Ein Einbrecher. Ja. Das wäre möglich. Doch bevor wir die Polizei rufen wollte ich sicher gehen. Was wenn es nur ein Marder war, der hier sein Unheil trieb? Ich ging zum Ende der Stallgasse, öffnete die Stalltüre und dann sah ich ihn. Der Mann war groß gewachsen aber sehr dürr. Er hatte sich einen Strumpf über den Kopf gezogen, damit man sein Gesicht nicht erkannte. Er war sehr überrascht mich zu sehen, so hatte ich zwei Sekunden Zeit um zu handeln. „Maja!“ ich schnappte mir das was mir am nächsten war um mich zu bewaffnen: Einen Spaten. Maja huschte in die Sattelkammer und ich hoffte sie würde sofort die Polizei rufen. Der Einbrecher hatte sich mittlerweile aufgerichtet und schien noch zu überlegen was er jetzt tut. Seine Hände in den Jackentaschen stand er da und sah hektisch von links nach rechts und dann wieder zu mir. Den Spaten hatte ich so gegen ihn gerichtet, dass er mir einen Sicherheitsabstand gewähren musste. Nach einer schier unendlichen Zeit hörte ich die Sattelkammer hinter mir aufgehen. Für einen kurzen Augenblick ließ ich den Mann aus den Augen. Es reichte ihm um mir den Spaten aus den Händen zu reißen. Reflexartig ging ich einige Schritte rückwärts und versuchte den Sicherheitsabstand auch ohne den Spaten einzuhalten. Doch der Einbrecher schien jetzt sicherer. Nach wenigen Schritten stand ich an einer Boxenwand und konnte nicht noch weiter zurück. Mein Herz raste, in meinem Kopf drehte sich alles. Was sollte ich tun? „Die Polizei ist auf dem Weg, sie sollten verschwinden!“ sagte Maja erstaunlich ruhig. Der Einbrecher beachtete sie nicht. Er stand jetzt unmittelbar vor mir, eine Hand noch immer in der Jackentasche. „Welches ist das wertvollste Pferd da draußen? Sag es mir und ich werde niemandem etwas tun.“ Ich warf Maja einen flüchtigen Blick zu. Natürlich würde ich ihm kein Pferd nennen. Quälend lange Sekunden verstrichen bis der Mann sichtlich ungeduldig ein Messer zog und mich gegen die Boxenwand drückte. „Sag es!“ wiederholte er. Es war so unwirklich, klar denken war mir nicht möglich also handelte ich aus Reflex: Mit einem Ruck stieß ich mich von der Wand ab und schubste den Einbrecher mit dem gewonnenen Schwung nach hinten sodass er strauchelte. Dann rannte ich raus. Ich wusste er folgte mir. Der Tag heute hatte mich geschlaucht, doch in diesem Moment hatte ich so viel Energie wie lange nicht mehr. Ich rannte auf den Innenhof, weg von den Pferden. Kurz vor dem Haupthaus hatte mich der Einbrecher eingeholt und riss mich zu Boden. Unsanft schlug ich auf die Pflastersteine auf. „Welches Pferd?!“ fragte der Mann abermals, doch dann lauschte er auf. Auch ich hörte die Sirenen der Polizeiwagen. Mir fiel in diesem Moment ein großer Stein vom Herzen, auch wenn der Einbrecher noch über mir stand und mich bedrohte. Ich hörte wie jemand das große Haupttor öffnete, im gleichen Augenblick zog mich der Einbrecher auf die Beine und fixierte meinen rechten Arm damit ich mich nicht mehr wehren konnte. Mit der linken Hand hielt er mir sein Messer an die Kehle. „Lassen sie den Mann los!“ hörte ich eine fremde Stimme sagen. „Lassen sie mich gehen und ihm wird nichts passieren!“ die Stimme des Einbrechers bebte vor Nervosität. „Sie reiten sich nur noch weiter rein!“ So gut die Worte der Polizisten auch gewählt waren, der Einbrecher verstärkte seinen Griff nur so weit dass es schmerzte. „Bleiben sie stehen!“ sagte er schrill. „Keinen Schritt weiter!“ Immer wieder versuchte ich mich aus seinem Griff zu reißen, doch es war unmöglich, also machte ich mich schwer. Wenn er wegrennen wollen würde wäre ich so eine zu große Last. „Legen sie das Messer weg, seien sie vernünftig!“ Ich schnaubte verächtlich. Vernünftig? Ein Einbrecher? Das war jetzt wirklich lächerlich. Auch der Einbrecher ließ ein Schnauben vermerken, er zog mich noch ein paar Schritte zurück. Dann urplötzlich nahm er das Messer von meinem Hals, ich roch meine Chance um wegzurennen. Der Einbrecher ließ es zu und ich rannte zu den Polizisten, wo, wie ich jetzt sah auch Maja und Jill waren. Maja kam sofort zu mir um mich in den Arm zu nehmen und meinen Kopf anzusehen an dem eine Platzwunde klaffte. Die Polizei stellte den Einbrecher und hörte Maja und mich noch an, bis sie uns den Notärzten überließen.

      Mein Kopf pochte, ich konnte mich nicht daran erinnern jemals solche Kopfschmerzen gehabt zu haben und die Fragen der Polizisten hatten das nicht gerade besser gemacht. Es waren zwei Notärztinnen da, die eine kümmerte sich um Maja und die andere eilte so schnellen Schrittes zu mir, dass ich kurz überlegte ob ich zurückweichen sollte. Sie bugsierte mich zu einem der Stühle, die im Innenhof standen. Ein wenig unsicher sah ich sie an. Ich hatte mich selbst noch nicht gesehen, wusste nur dass ich höllische Kopfschmerzen hatte und jetzt am liebsten einfach irgendwo alleine wäre. Nachdem sie mir mit einem kleinen Licht in die Augen geleuchtet hatte schien sie halbwegs zufrieden zu sein. Mit einem kurzen Blick auf meine Schläfe wandte sie sich ab und kramte in ihrer Tasche. „Wie fühlen sie sich denn Mr. Crowley?“ fragte sie mich während sie mir eine Kompresse auf die Wunde drückte um die Blutung zu stoppen. Unglaublich tolle Frage, eine halbe Stunde nachdem einem ein Messer an die Kehle gehalten wurde. Mein Blick schien diesen Missmut wohl zu verraten, sodass die Ärztin nicht weiter nachhakte auf meine Schweigen hin. „Sollte es ihnen morgen schlechter gehen melden sie sich bitte nochmal.“ sagte sie schließlich und schien nun zu überlegen wie sie mich am besten wieder flickt. Sie entschied sich dann die Wunde zu kleben, das war für alle Parteien am angenehmsten. „Wenn die Kopfschmerzen schlimmer werden, können sie sich auch erst mal damit helfen.“ sagte die junge Frau und hielt mir gleichzeitig eine Packung Medikamente hin, die ich ihr abnahm. „Sicher, dass sie nicht reden wollen? Manchmal hilft das.“ besorgt musterte sie mich. Doch ich verneinte dankend. „Gut, dann wären wir fertig.“ Die Ärztin richtete sich auf, nahm ihre Tasche und sagte dann noch. „Ruhen sie sich aus, nicht zu viel arbeiten, heben, etc etc. Vermeiden sie Stress!“ Dann verschwand sie. Die Ärztin, die sich um Maja kümmerte redete noch mit ihr. Maja brabbelte so vor sich hin, kämpfte zwischenzeitlich mit den Tränen. Wenigstens sie konnte sich dadurch etwas lösen.

      Irgendwann stand ich auf und ging ins Haus, wo ich mich aufs Sofa fallen ließ und die Wand anstarrte. Meine Gedanken kreisten, was passiert war hatte ich noch immer nicht ganz realisiert. Irgendwann kamen Jill und Maja gemeinsam rein. „Ich geh jetzt schlafen, ich hoffe ihr seid mir nicht böse.“ sagte Jill. „Hunter, ich hab Maja angeboten heute hier zu schlafen, weil sie doch ziemlich durch den Wind ist. Ihr könnt ja dann klären, wie ihr das macht.“ Dann verschwand sie. Maja stand da und sah mich an. „Setz dich doch, oder willst du auch schlafen?“ fragte ich sie und bot ihr den Platz neben mir an. Maja kam zu mir und setzte sich. Es verstrichen ein paar Momente peinliches schweigen, bis ich mich aufraffte um Kopfkissen und Decke aus meinem Zimmer zu holen und auf das Sofa zu legen, wo ich zuvor noch saß. Maja ließ ein leises „Danke“ vernehmen. „Wenn du noch irgendwas brauchst, meld dich... Das Bad ist da drüben, wenn du Hunger hast fühl dich wie zu Hause.“ Abermals dankte Maja und ich schlich rüber ins Bad um mich Bettfertig zu machen und dann schlafen zu gehen. Müde und kaputt ließ ich mich rücklings auf die Decke fallen.

      Mitten in der Nacht wachte ich von einem zaghaften Klopfen auf. „Ja?“ sagte ich mit bröckelnder Stimme und richtete mich auf, machte das Nachtlicht an. „Kann ich rein kommen?“ - „Ja.“ meinte Stimme festigte sich etwas. Maja kam mit hellwachen Augen ins Zimmer, die Decke, die ich ihr hingelegt hatte fest im Griff. „Tut mir leid, dass ich dich geweckt habe... ich kann nicht schlafen, ich hab Angst.“ Ich lächelte und wies sie an sich zu mir zu setzen. „Willst du reden?“ Sie schüttelte den Kopf und rückte näher an mich ran um mich zu umarmen. Instinktiv legte ich meine Arme um sie und wog sie einen Moment in Sicherheit.

      Am nächsten Morgen konnte ich mich nicht erinnern, wann ich eingeschlafen war. Maja lag neben mir, in ihre Decke gehüllt wie in einen Kokon. Bemüht leise schlich ich mich aus dem Zimmer und machte mich dann im Bad fertig für den Tag. In der Küche traf ich Jill, die dabei war Frühstück zu machen. Sie grinste mich unverhohlen an. „Was?“ fragte ich etwas genervt und schmiss die Kaffeemaschine an. „Oh, lief nicht so gut?“ setzte Jill nach. „Weiß nicht wovon du redest.“ - „Na... von Maja, hier im Wohnzimmer hat sie jedenfalls nicht geschlafen.“ Ah, jetzt ging mir ein Licht auf. „Sie hat nur Trost gesucht.“ klärte ich meine etwas zu neugierige Cousine auf. „Ja ja, klar.“ sie schnaubte verächtlich. „Jill, da lief nichts und da wird auch nichts laufen.“ versicherte ich ihr und hielt dieses Gespräch damit für beendet. Mein Kaffee war jetzt auch fertig, sodass ich mich ins Wohnzimmer verkroch um meine Ruhe zu haben.

      Nachdem ich meinen Kaffee ausgetrunken hatte machte ich mich direkt auf den Weg in die Stallungen um die Pferde zu füttern, die mich schon sehnlichst erwarteten. Nach der Fütterung begann ich die Boxen zu misten. Nach drei Boxen kam Maja dazu. „Du sollst doch gar nicht arbeiten.“ tadelte sie mich und legte ihr Hand auf meine, die die Mistgabel hielt. Ich drehte mich zu ihr um. „Und wer soll das alles machen? Jill? Du?“ ich zog eine Schnute. „Das passt schon.“ Widerwillig ließ Maja mich weiter arbeiten und ging die Stallgasse entlang in Richtung Koppeln. Mittags war ich mit allem fertig und hatte sogar Slap Happy schon fertig für heute. Als ich Sansa von der Weide holen wollte traf ich wieder auf Maja. „Du willst nicht ernsthaft Sansa reiten, heute?!“ - „Und wer denkst du soll d-“ doch Maja kam wütend auf mich zu und schob mich weg. „Du hast eine Platzwunde am Kopf und willst ein Pony reiten, dass die bei jeder Gelegenheit absetzt?! Wenn du das machst bist du der größte Idiot den ich kenne!“ ihr Stimme wurde mit jedem Wort schriller und überdrehter. Perplex über so viel Aufruhr ging ich wieder weg und nahm mir stattdessen Lamperd als nächstes. Auch mit ihm hatte ich wie immer keine Probleme, allerdings forderte ich heute auch nicht fiel, da es mir tatsächlich nicht so blendend ging. Als ich nach Lamperd noch Ray holen wollte wurde es mir plötzlich so übel, dass ich mich entschied dass er es heute nicht so nötig hatte. Immerhin hat er ja auch noch eine Reitbeteiligung. Etwas benommen setzte ich mich in einen der Stühle im Innenhof und beobachtete Linda und Laura beim Reiten von Race is Hope und Cadiz. Als auch diese beiden den Tag heute beendeten und den Hof verließen wurde es unglaublich ruhig. Ich genoss die Ruhe und nickte immer wieder kurz ein. „Hunter? Alles ok?“ Maja war von ihrem Ausritt mit Iceflower zurückgekehrt. „Ja, ich bin nur eingeschlafen.“.

      „He ihr zwei, habt ihr keinen Hunger?“ Ein paar Minuten später saßen wir alle drei am Esstisch und fielen über das von Jill gekochte Essen her. So schwierig sie manchmal auch war, kochen konnte sie sehr gut. Mir ging es schlagartig etwas besser, wenn auch die Kopfschmerzen nicht verschwanden, sondern sich sogar stetig steigerten. Jill sah ständig von Maja zu mir und wieder zurück, als wolle sie uns irgend etwas mitteilen. Als Maja das bemerkte fühlte sie ihr auf den Zahn, sodass ich nicht umhin kam zu grinsen. „Sagmal Jill, meinst du das jetzt ernst?“ fragte sie und Jill lief knallrot an. „Was denn?“ - „Da läuft nichts, vergiss es. Das haben wir schon vor Tagen geklärt!“ Sie nickte stumm und aß weiter. Maja hatte dafür meinen größten Respekt, Jill zum schweigen zu bringen schaffte nicht jeder.

      Maja stand nach dem Essen gleich auf. „Ich muss jetzt los, sonst wird mir das zu spät. Danke, dass ich die Nacht hier bleiben durfte.“ sie wandte ihren Blick zu mir und lächelte. „Ich begleite dich noch zum Auto.“ sagte ich und stand ebenfalls auf, half noch schnell den Tisch abzudecken und ging dann mit Maja zu ihrem Auto. „Fahr vorsichtig.“ sagte ich und wartete noch bis sie im Auto saß bis ich mich umdrehte um wieder ins Haus zu gehen. Drinnen sah Jill mich dann etwas verwirrt an. „Hörst du das?“ und dann fiel es auch mir auf. Das Auto schien nicht richtig anzuspringen, jedenfalls hörte es sich danach an. Ich eilte wieder raus und sah die verzweifelte Maja immer noch an Ort und Stelle stehen mit ihrem Auto. Hörte sich nicht gesund an, was das Auto so von sich gab. Da Maja ja eh nicht vom Fleck kam ging ich zur Beifahrerseite und setzte mich neben sie. „Na, will er nicht wie du willst?“ meinte ich scherzend und grinste sie an. „Diese verfluchte Dreckskarre!!“ schimpfte sie und schlug ihre Hände gegen das Lenkrad, sah mich anschließend ein wenig verrückt an. „Das Lenkrad kann da auch nichts für... Komm.“ meinte ich und stieg aus dem Auto. Maja blieb sitzen, sodass ich ums Auto kam, ihr die Tür öffnete und mich hinhockte. „Mach dich nicht verrückt, das kriegen wir wieder hin. Aber da jetzt im Dunkeln dran rum zu doktoren wäre das Blödeste was wir tun könnten.“ Ich reichte ihr die Hand und half ihr aus dem Auto. Als wir zurück ins Haus kamen grinste Jill uns schon an. „Das ist ein Zeichen!“ sie lachte. Ich brummte abwertend und ging ins Wohnzimmer, schnappte mir ein Buch über die Vererbung von Genen bei Pferden und versank darin.

      Die nächsten Tage waren langatmig, es passierte nichts großes und das Auto von Maja hatte einen ordentlichen Marderschaden, den ich ohne weiteres nicht reparieren konnte, also hatte ich sie mit unserem Auto nach Hause gebracht und sie kam nur noch tagsüber mit dem Bus, für wenige Stunden. Übrigens hatte Jill die zwei Angestellten zur Unterstützung wieder weggeschickt, da sich herausstellte, dass sie irgendwie mit dem Einbruch zu tun hatten. Wir waren also wieder auf uns gestellt. Drei unserer Stuten waren wir seit ein paar Tagen los, da sie auf dem Heartlandgestüt im Training waren. Allein das war schon eine riesige Erleichterung. Aktuell bereitete ich meine liebste Slap Happy auf die Krönung vor und bin dafür in England bei Catalina Nixon, die jetzt schon seit Monaten unsere Pferde trainiert und von der Jill mehr als begeistert ist. Ich nutzte die Gelegenheit in England zu sein um meine Eltern zu besuchen. Ich war schon lange nicht mehr so glücklich wie gerade. Gerade als ich wieder auf Catalinas Gestüt ankam und mein Motorrad auf die Ladefläche des Bear Brook Trailer fuhr, kam eben jene wieder zurück vom Schnelltraining mit Scheppi. „Bitte sag nicht, du willst mit dem Ding da hier rumfahren!“ fragte sie und ihr empörter Gesichtsausdruck amüsierte mich. „Quatsch nein! Der Transporter ist groß genug, um meine Maschine mit aufzunehmen.“ - „In Ordnung. Bist du bereit für ein wenig Dressurunterricht?“ Ich nickte. Jill hatte mich zu diesem Training verdonnert, da ich als Geländereiter mit Dressur herzlich wenig am Hut hatte bisher. Lediglich Maja hatte ihr Glück an mir versucht, ist aber an meiner Dickköpfigkeit zerbrochen. "Hast du dir denn schon ein Pferd für mich ausgesucht?" fragte ich neugierig und hoffte inständig, dass es ein einfaches Pferd sein würde und keines mit dem ich noch stundenlang diskutieren müsste. Typisch britisch zog sich der über den Mittag noch so schöne blaue Himmel mit dickten Wolken zu. Den Regen konnte man jetzt schon riechen, auch wenn er noch nicht fiel. Alles roch nach nasser Erde.

      28.11.2015
      Slap Happy's Kür
      Zwei lange Monate hatten wir uns speziell auf diese Kür heute vorbereitet und jetzt war es endlich so weit. Das eigentliche Springteam, das bisher schon alleine sechs Platzierungen auf Springturnieren geholt hatte wird eine einfache Dressurkür zum Besten geben. Für mich war das noch nicht ganz klar, Dressur ist weder mein, noch Slap Happy's Steckenpferd. Lamperd war ein Selbstläufer, aber diese Stute... Nun denn, es musste heute laufen. Catalina hatte uns bestens vorbereitet und je- „Startnummer 03 – Hunter Crowley & Slap Happy vom Bear Brook EC“. Jetzt geht’s los. Wir ritten im Arbeitstrab in die festlich geschmückte Reithalle ein. Die gut befüllte Zuschauertribüne verstumme, sodass ich jeden Huftritt meiner Stute hören konnte. In der Hallenmitte hielten wir und grüßten die Richter vor uns. Weiter ging es auf der rechten Hand, wieder im Arbeitstrab. Wie bei Lamperd, entschieden wir uns auch bei Slap Happy für eine Vorführung auf dem Zirkel direkt vor den Richtern. Ich galoppierte die Braune an und spürte ihren Drang nach vorne, nahm die Zügel etwas auf und hielt sie so in Stellung. Nach drei Zirkelrunden parierten wir zum Schritt und bei der nächsten langen Seite zeigten wir Schlangenlinien. Scheppi war butterweich im Genick, ließ sich sehr hübsch biegen und schnaubte zufrieden, als wir zur kurzen Seite wieder angaloppierten. Den Handwechsel führten wir ebenfalls im Galopp aus, bei einem Wechsel durch die ganze Bahn. Bei X schafften wir einen sauberen fliegenden Galoppwechsel für den ich am liebsten gleich Luftsprünge gemacht hätte, da ich mir nicht sicher war, ob es heute klappen würde. Auf der nun linken Hand ritten wir auf den hinteren Zirkel, zum Zirkel hin parierten wir in den Arbeitstrab und schließlich, nach drei Runden wieder in den Schritt und auf die ganze Bahn. Ich ließ Slap Happy etwas längere Zügel und nahm sie nur auf der Geraden zur Hallenmitte noch einmal ein wenig auf. Wieder bei X verabschiedeten wir uns und verließen anschließend die Halle. Die Nervosität war diesmal wesentlich schlimmer als bei Lamperd. Ich hatte das Gefühl, die Kür nicht ganz korrekt geritten zu sein, auch wenn ich nicht einordnen konnte wo Fehler gewesen sein könnten. Vielleicht hatte ich das auch nur, weil mir so viel an dieser Stute lag. Jill und Maja jedenfalls schienen begeistert, als sie uns außerhalb der Halle in Empfang nahmen. Für mich ging es anschließend fast direkt wieder zurück nach England, da mein Training noch nicht beendet war.

      23.12.2015
      Kleiner Lagebericht

      Meine Dressurausbildung bei Catalina Dixon ist beendet und es gibt vieles zu erzählen. Schönes, aber auch nicht so Schönes... Ein halbes Jahr lang war ich die meiste Zeit in der UK, kam nur für wichtige Termine nach Deutschland wie zum Beispiel Slap Happys Zuchtzulassung. Vor zwei Monaten ist in meiner Abwesenheit etwas Furchtbares passiert. Jill hatte einen Hirnschlag und ist kurz darauf im Krankenhaus gestorben. Ich war nicht da. Ich bin natürlich sofort nach Deutschland zurückgekehrt, zum einen um Jill zu beerdigen und zum anderen um die Arbeit auf dem Bear Brook EC weiterzuführen. Meine Eltern sind zur Unterstützung aus England hergekommen und haben mir ein ultimatives Angebot gemacht den alten Hof von ihnen zu übernehmen und den in Deutschland zu verkaufen. Nach einigem Hin und Her habe ich das Angebot angenommen und sind wir seit einer Woche in England. Mit Jills Tod habe ich auch wieder angefangen zu rauchen, was die schlechten Nachrichten abschließt. Es gibt aber auch schöne Neuigkeiten. Wir haben einen Reitponyhengst gekauft, Heart of Ocean ist sein Name. Sehr angenehmer Charakter. Für Princess Sansa haben wir auch endlich jemanden gefunden. Da ich von jetzt an viel unterwegs sein werde habe ich Unterstützung für den Hof gesucht und einen Westernfreak gefunden. Steven ist Mitte 30 und der einzige der mit Princess Sansa wirklich zurecht kommt. Außerdem hilft er bei den täglichen Stallarbeiten. Er gehört jetzt fest zum Team und ist mit nach England gezogen.

      Neben unseren Pferden stehen hier auch noch zwei alte Vollblüter meiner Eltern, die euch später noch vorstellen werde. Iceflower, Princess und Bear Totem's Denali sind zur Zeit bei Jackie im Kürprogramm. Cadiz und Mr. Raw Depression gehen stark auf ihre Körung zu oh und Ray möchte ich zudem im Military weiterbilden lassen um mit ihm im Turniersport aktiv zu werden. Was ich selbst erst vor ein paar Tagen erfahren habe ist, dass Jill Slap Happy hat decken lassen, von Lamperd. Das Fohlen müsste im frühen Sommer nächsten Jahres zur Welt kommen. Der einzige zu dem es nichts Neues zu sagen gibt ist Race of Hope, der dunkle Vollbluthengst wird liebevoll von seiner Reitbeteiligung umsorgt und genießt noch die Ruhe vor dem Sturm, bis die Zucht in Gang kommt. Heute widme ich mich speziell Ocean, dem neuen Reitponyhengst. All die Tage hatte ich noch keine Zeit gehabt ihn unter die Lupe zu nehmen. Meine Eltern waren begeistert von ihm, weshalb ich mich davon heute selbst überzeugen wollte. Mit seinen 147cm war er ein recht großes Reitpony. Ich war erstaunt wie selbstverständlich er sich von der Wiede führen und putzen ließ. Da war ich anderes gewohnt von unseren Schützlingen. Auch beim reiten zeigte er sich mehr als vorbildlich. Das Talent für Dressur und Springen spürte ich sofort und testete seine Grenzen. Nach gut einer Stunde war ich mit ihm fertig und stellte ihn recht zufrieden zurück auf die Weide. Er würde mit Sicherheit noch eine große Rolle in der Ponyzucht spielen, wenn er mal soweit ist.
    • sadasha
      Verjährte Berichte
      27.01.2016
      Nicht viel Neues

      Es hat sich so viel getan auf dem Gestüt in England. Die Trakehner abgegeben habe ich kurz darauf zwei der Reitponys von Catalina übernommen. Beide schon zur Zucht zugelassen, ein Hengst und eine Stute. Pendragon und Arcany, ich kannte sie bereits von meinen Aufenthalten auf ihrem Gestüt und hatte Pendragon sogar einmal unterm Sattel. Außerdem habe ich euch den einzigen Wallach hier noch garnicht vorgestellt. Samson. Er ist ein Tinkerwallach und ein Allroundtalent. Ursprünglich Western eingeritten und in frühen Jahren auch eingefahren wurde er später auch in die englische Reitweise eingeführt. Er hat mich 'früher' viel begleitet und stets treue Dienste erwiesen. Meine Eltern haben auch heute noch viel Spaß an ihm, er wird hauptsächlich gefahren und als Besucher-Pferd genutzt. Heute kam ein neues Pferd auf dem Hof an, eine Vollblutstute: Chuckling Dancing Mess. Jill hätte sie nicht gemocht. Leicht rosa gesprenkelte Haut um Augen und Maul, fast weißes Langhaar und eine golden glänzende Grundfarbe. Nicht gerade pflegeleicht, aber das würden wir schon hinkriegen. Sie hat einen guten Charakter. Sehr aufgedreht, sehr intelligent, sehr schnell. Für ein englisches Vollblut großartig. Meine Eltern sind begeistert von ihr. Steven hat seine Zweifel. Er hat es gerne pflegeleicht, genau wie Jill. Ja, besonders darf es sein, aber nicht pflegeintensiv. Wahrscheinlich ist das auch der Grund für Jill's Liebe zu braunen Pferden in sämtlichen Schattierungen. Pendragon hätte sie geliebt ja... Oh wenn sie gewusst hätte wie toll Mr. Raw Depression sich auf der Körung gemacht hat.
      Gedankenversunken saß ich im Auto, auf dem Weg Ausrüstung für die neuen Pferde zu besorgen. Vor allem an Ponysachen fehlte es auf dem Gestüt. Erst am späten Nachmittag kehrte ich wieder zu Hause ein. Steven hatte Pendragon bereits bewegt, es war seltsam ihn als Westernreiter in einem englischen Sattel zu sehen, aber er hatte sichtlich Spaß daran etwas Abwechslung in seinen Alltag zu bringen und Neues zu lernen. Ein guter Mann. Ein Glücksgriff.
      Mit mir war gegenwärtig nicht viel anzufangen. Die Anprobe der neuen Reitsachen überließ ich so Jamie, eine junge Frau, die sich seit ein paar Wochen um die Ponys kümmerte. Sie ließ sich dabei von meinen Eltern fernsteuern. Sie studiert zur Zeit Tiermedizin. Dass sie sich so diktieren ließ verwunderte mich jedes mal. Während sie Arcany die mitgebrachten Sachen vorstellte ging ich zur Box von Missy, wie ich die neue Vollblutstute nannte. Mit wachen Augen sah sie mich an. Ich hob die Boxentüre zur Seite und trat ein, streichte über die weichen Nüstern, das seidige Fell am Hals. Diese Fellfarbe brachte ein sehr leichtes, dünnes Fell mit sich. Jetzt im Sommer war das kein Problem. Aber an kühleren Tagen wird sie eine Decke brauchen. Ich glaube nicht, dass sie ein ordentliches Winterfell entwickeln wird. Vorsichtig halfterte ich die Stute auf und brachte sie auf eine leere weide, damit sie rennen konnte. Es war schön ihr dabei zuzusehen. Eine Viertelstunde lang stand ich da und beobachtete sie beim Spinnen. Dann ging ich zurück zum Stall, die Boxen waren nun alle leer. Die Pferde versorgt.
      Am nächsten Tag stand ich früh auf, schlang ein schnelles Frühstück herunter, mistete gemeinsam mit Steven die Boxen und brachte dann Race is Hope und CHH' Lamperd zur Rennbahn. Wieder auf dem Hof kümmerte ich mich um Slap Happy, die nun hochtragend war. Lange konnte es nicht mehr dauern bis ihr Fohlen kam. Wir hatten bereits einen Interessenten für das Fohlen, der es rassegerecht aufziehen würde. Steven hatte sich nach der Stallarbeit Princess Sansa geholt und so beschloss ich mit Bear Totem's Denali auszureiten. Sie hatte sich toll entwickelt und schon einige Turniererfolge eingeholt. In Deutschland war sie immer eher das graue Mäuschen, das niemand beachtete. Hier in England war man begeistert von ihr. Braune Pferde sah man hier zu Hauf, aber ein Blue Roan Vollblut war etwas besonderes. Auf Ausritten mit ihr wurde man ständig angesprochen, was für ein tolles Pferd sie doch sei. Ja das war sie auch, die ausgeglichenste Vollblutstute im Stall. Ausgeglichener als Slap Happy. Jamie war mittlerweile auch eingetroffen und kümmerte sich um Arcany, Pendragon, Iceflower und PFS' Heart of Ocean. Damit war sie den ganzen Tag beschäftigt. Jedes mal wenn ich sie traf, hatte sie ein anderes Pony zwischen. Nach der Mittagspause hatte ich nur noch Mr. Raw Depression vor mir. Auch mit ihm ging es ins Gelände, allerdings nicht für einen Ausritt. Wir trainierten fürs Military. Gut eine Stunde hatte ich ihn zwischen, bis ich ihn auf die Weide entließ, Samson im Vorbeigehen grüßte und schließlich die beiden Renner von ihrem Training abholte und ebenfalls verabschiedete. Feierabend! Seit Wochen hatte ich nichts mehr von Catalina gehört. Nichtmal ein „Hallo.“ schrieb sie mir. Langsam hatte ich die Vermutung, dass etwas nicht stimmte. Abermals versuchte ich sie telefonisch zu erreichen, doch wieder hob niemand ab. Wieder ging ein Tag zu Ende ohne nennenswerte Veränderungen.

      05.03.2016
      Das erste Fohlen

      Es ist gerade einmal zwei Wochen her, das ich mit zwei meiner Pferde in Kanada war. Zwei Wochen und es wahr keine leichte Zeit dort. Immer wieder nahm ich Kontakt zu meinen Eltern in England auf um zu hören wie es Slap Happy ging. Die hoch tragende Vollblutstute machte sich prächtig. Erst als ich heim kam fing sie an schwierig zu werden. Sie war unerfahren, launisch. Schon zwei Tage vor dem eigentlichen Abfohlen verbrachte ich die meiste Zeit an ihrer extra großen Abfohlbox. Immer wieder dachte ich es sei gleich so weit. Miss Chattahoochee stand mir dabei zur Seite und mit ihrer Hilfe brachte Slap Happy nach zwei unendlich langen Tagen ohne Schlaf ein im ersten Augenblick sehr zerbrechlich wirkendes Rappfohlen zur Welt. Es war eine Stute, fast gänzlich schwarz und zierlich gebaut. Nach ein paar unbeholfenen Aufstehversuchen stand sie auf ihren unendlich langen Stelzen und suchte instinktiv den Weg zur Milch. „Na das sieht doch großartig aus.“ sagte ich mehr als stolz. Es dauerte fast zwei Stunden, bis ich mich abwenden konnte und der Schlaf mich nun doch übermannte.
      Cooper Chattahoochee begleitete uns durch die erste Zeit und führte alle wichtigen Fohlenuntersuchungen und -impfungen selbst durch. Es stand schon während Slap Happys Tragezeit fest, dass sie allergrößtes Interesse an diesem Fohlen hätte. Immerhin ist es der erste Nachkomme ihres ehemaligen Hengstes CHH' Lamperd, der nun in meinem Besitz war. Dass es dann auch noch eine lackschwarze Stute war, war es komplett um sie geschehen. Ich muss gestehen, dass auch ich überwältigt war von der Eleganz die dieses junge Pferd mit sich brachte und es war faszinierend die Entwicklung beobachten zu können. Es war immer wieder etwas ganz Besonderes. Man kann sich einfach nicht satt sehen an überheblichen Luftsprüngen, abgedrehten Spurts und liebevollen Schmuseeinheiten zwischen Fohlen und Stute. Ein halbes Jahr lang konnten die beiden ihre Zweisamkeit genießen, bis die kleine Stute, die wir Glamour of Death tauften, absetzten.
      Es war herzzerreißend wie die beiden nacheinander riefen und ich war mir sicher man würde uns der Tierquälerei beschulden, hätten wir direkte Nachbarn.
      Eine Woche dauerte es bis beide sich beruhigten und unabhängig voneinander wurden. Erst jetzt rief ich Miss Chattahoochee wieder nach England für den letzten Aufenthalt auf dem Bear Brook EC. Dieses mal nahm sie Glamour mit zu sich nach Hause. „Auf eine vielversprechende, erfolgreiche und lehrreiche Zukunft!“ verabschiedete ich mich und fuhr ein letztes mal durch die seidige, schwarze Mähne des sichtlich gewachsenen Fohlens. Zusammen mit einem hochwertigen Lederhalfter, einem dazu passenden Strick, den Papieren und ein paar Fotos, die wir in der letzten Zeit aufgenommen hatten, verließen Cooper und Glamour den Hof.
      „Eigentlich hätte ich Cooper ja aus Kanada direkt mitnehmen können nach England.“ dachte ich im Nachhinein.

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      Tierärztliche Untersuchung, Immunisierung| Pferde des BearBrook ec

      Mein nächster Auftrag führte mich nach England, Lincolnshire, um genau zu sein. Mein Auftraggeber, Hunter Crowley. Wir waren relativ gute Bekannte und unsere Gestüte arbeiteten des öfteren zusammen. Er hatte damals Lamperd gekauft und das erste Nachkommen sollte meins sein. Und das war es auch. Vor einem halben Jahr war ich schon mal dort, um mich um die Geburt von dem Fohlen zu kümmern und natürlich um Slap Happy. Die Geburt dauerte anstrengende und schlafraubende zwei Tage, jedoch ohne Komplikationen. Ich hatte der trächtigen Stute damals einige Schmerzmittel gegeben und führte eine direkte Nachuntersuchung durch. Da es ihr erstes Fohlen war, war es normal das sie zuerst etwas apathisch benahm. Aber als sie ihr kleine kleine Prinzessin sah, war auch dieser Teil des 'Schocks' schnell vergessen. Es war immer wieder wundervoll bei einer Geburt dabei zu sein, jedoch war es diesmal was überaus besonderes gewesen. Da ich einige Tage auf BearBrook ec verbrachte konnte ich auch sofort eine neugeborene Untersuchung durchführen, mit allen wichtigsten Tests, sowie Immunisierungen. Ich konnte bei dieser Untersuchung bei der kleinen Rappstute keine negativen Auffälligkeiten finden und auch die Immunisierungen vertrug sie prächtig. Auch Slap Happy kümmerte sich wunderbar um ih Fohlen, was nicht immer selbstverständlich war, vor allem bei Vollblütern. Nach den schönen Tagen verschwand ich nochmal in den Hintergrund und lies die getaufte 'Glamour of Death' Fohlen sein.
      Dieses mal aber kam ich aber um die kleine ab zu holen und um mich um die anderen Pferde zu kümmern, es standen nämlich Immunisierungen und Grunduntersuchungen an. Als ich ankam wurde ich zuerst sehr nett begrüßt und wir schauten selbstverständlich erstmal nach Glamour. "Sie ist so wunderschön, das haben Slap Happy und Lamperd toll gemacht" lächelte ich. "Alllerdings" erwiederte Hunter und führte mich dann in den geräumigen aber gemütlichen Stall. Zuerst kümmerte ich mich um einen Wallach namens Samson. "Meine Güte, ist der Fluffig". Hunter lachte. Ich begrüßte den stämmigen Kerl und unterzog ihm erstmal die Vitalzeichenkontrolle, dann folgte die Abtastung des Körpers und die Untersuchung der Reflexe. "Alles supi". Dann spritze ich ihm noch die Immunisierungen für das halbe Jahr. Ich hatte das Gefühl das er es noch nicht mal spürte dass da grade etwas pickste. Nur ein regelrechtes Muskelzucken lies mich denken das er doch, ganz vielleicht, was verspürt hatte. Was er nicht mochte war die Wurmkur, aber wer mag die auch, egal wie viel süße Sachen man dazu gibt, es schmeckt für Pferde einfach widerlich. Weiter ging es nach der Belohnung mit Chuckling Dancing Mess. "Was ein Name". Hunter war inzwischen Slap Happy und ihr Fohlen von der Weide holen. Ich wiederholte den Vorgang den ich bei Samson machte bei der Vollblutstute und kam dann zu Slap Happy. "Hallo süße" sagte ich und sie schnaubte mich erstmal an. Sie fand es nicht so toll das ich in die Box von ihr und ihrem Kind kam, konnte sich dann aber doch damit abfinden. Auch hier untersuchte ich die Vitalzeichen beider Stuten und schaute nach weitern Auffälligkeiten. bei Glamour schaute ich nochmal besonders hin und unterzog ihr auch einige Tests die führ Fohlen wichtig sind, sowie Beugproben, abtasten der Muskeln und Knochen etc. "Alles perfekt, Glamour wird dem Namen Vollblut sehr gerecht". Glamour war nun alt genug für die Fohlenlähmungimpfung und auch Slap Happy's Immunierungen, sowie Wurmkur, frischte ich auch. Ich lobte die Beiden und kam dann zu einer besonders schönen Stute, Bear Totem's Denali, bekannt aus dem Grund, dass sie unglaublich viele Erfolge zu bieten hatte. Es war mir wirklich eine Ehre sie behandeln zu dürfen und danach ging es zu Mr.Raw.Depression. Beides waren wundervolle Pferde, und auch hier war nach der Untersuchung keinerlei negativen Aspekte zu finden, dennoch war es mit den Immunisierungen und den Wurmkuren nicht sehr leicht. "Was will man bei Vollblütern auch anderes erwarten" sagte Hunter. "Allerdings" lachte ich. Simon war in Kanada geblieben und kümmerte sich dort um alles. Er war ein wenig eifersüchtig das ich alleine gefahren war. Er wusste das Hunter ein gut aussehender Kerl ist und sein Anwesen sowie der Besitz von bedeutungsvollen Vollblütern und die enge Zusammenarbeit, machte ihm es ja nicht leichter. Aber sie verstanden sich das letzte mal aber sogar sehr gut und Simon wusste auch das ich in dieser Hinsicht niemals an sowas denken würde, das tat ich auch nicht. Hunter war einfach, ein guter Kerl. Jetz kam ich zu Lamperd. "Ohwww...Hallo mein süßer" sagte ich und umarmte ihn. Etwas verwirrt schaute der Hengst mich an, beugte sich aber dann nach unten und begrüßte mich mit einem lauten Schnauben. Er hatte sich prächtig entwickelt. Ich wiederholte den gleiche Prozess bei dem Overo Hengst und landete dann bei den Deutschen Reitponys. Die erste war Arcany. Diese kannte ich auch, dennoch nur vom Namen. Dann zu, Princess Sansa, Iceflower, Pendragon und PFS' Heart of Ocean. Bei allen schaute ich nach den Vitalzeichen, tastete den Körper ab, Kontrollierte extra Reflexe, Ohren, Nüstern, Schleimhäute und Mundbereich und unterzog ihnen die Immunisierungen sowie Wurmkuren. "So, ich hab euch genug gequält". Ich konnte alle Pferde ausgiebig belohnen und Hunter war um zwanzig Äpfel ärmer. "Erstmal Pause" sagte er und wir verschwanden ins Gutshaus.
      Im Gutshaus erledigten wir einigen Papierkram, inklusive des Kaufvertrags von Glamour of Death. "Wir haben acht Uhr, ich glaube langsam wird es Zeit sie fertig zu machen". Etwas traurig schaute mich Hunter an und nickte. Wir bereiteten alles vor und ich kontrollierte nochmal ob mit Glamour alles stimmte. Wir versuchten ihr es so angenehm wie möglich zu machen, dennoch war es logisch das die kleine Angst hatte. Ich hatte zum glück ein kleines Team dabei, die sich um das fachliche kümmerten, somit konnte ich mich um das Stutfohlen kümmern.
      "Auf eine vielversprechende, erfolgreiche und lehrreiche Zukunft" sagte Hunter und verabschiedete uns.

      10. März 2016
      Zeit für eine neue Aufgabe

      Nach dem Stress der letzten Wochen kehrte etwas Ruhe ins Hofleben zurück. Slap Happy machte sich immer besser im Training und mit Ocean hatten sich Steven und Gine rumzuschlagen. Seit dem Trainingsaufenthalt in Kanada war er nicht mehr derselbe. Würde sich sein Verhalten nicht bessern, würde ich wohl demnächst Cooper noch einmal beauftragen müssen. Im Grunde eine gute Gelegenheit um zu hören wie sich Slap Happy's Kind so macht. In meiner Freizeit beschäftigte ich mich aktuell viel mit den einheimischen Pferderassen und ihren Zuchten. Shetlandponys, Irish Sporthorses, Hunter, Gypsies. Die Vollblüter waren mir ja bereits mehr als vertraut. Seit ich Samson jeden Tag sehe spiele ich tatsächlich mit dem Gedanken mich mehr für diese Rasse einzusetzen. Um sie zu züchten würde die Zeit fehlen. Allein die Vollblut und Reitponyzucht ist schon sehr zeitintensiv in ihren Nachforschungen. Außerdem werden Tinker in großem Stil an jeder Ecke gezüchtet und am Ende landen sie als zweitklassige Unterrichtspferde in europäischen Reitschulen. Mein Ziel wird es sein Tinkern, in denen ich Potential sehe, die Möglichkeit zu geben ihr Talent zu beweisen um dann in eine bessere Zukunft zu gehen.
      Eine Woche Urlaub nahm ich mir um mich auf den Auktionen, Märkten und Shows umzusehen und die Umstände waren teilweise katastrophal. Massen von Pferden und Ponys wurden teilweise ohne groß nachzudenken auf enge Marktplätze getrieben um sie in aller Hektik kurz zu „reiten“ und dann möglichst günstig abzugeben. Kein schönes Schauspiel und auch nichts, was ich unterstützen wollte. Meine Reise führte mich schließlich zu einer Pferdemesse auf der verschiedene Rassen vorgestellt und auch verkauft wurden, auf diversen Reitplätzen gab es Shows und Workshops zu bestaunen. Mich zog es zu den Verkäufen. Gut ein Dutzend Tinker standen hier zum Verkauf. Teilweise aus Zuchten, teilweise aus privater Hand. Verschiedenste Farben und Alterklassen waren vertreten. Angetan hat es mir ein Braunschecke, ein Hengst. Er erinnerte mich vom Gemüt her sehr an Samson. Sehr freundlich und aufgeschlossen und gut gebaut war er auch noch. So viel Fell! Mit „Areion“ hatte er auch noch einen wahrhaft göttlichen Namen. Ohne zu zögern erkundigte ich mich nach Infos zu seiner Herkunft und recht bald war klar, dass Areion mit nach Lincolnshire kommen würde.
      „Noch ein Tinker?!“ klagte meine Mutter, als ich den Hengst, der gut 10cm kleiner als Samson war, aus dem Hänger lud. Ohne Worte lächelte ich meine Mutter an, die ihr „Glück“ noch immer nicht fassen konnte. „Du hast doch schon einen Tinker, was willst du mit noch einem?“ - „Mom, Areion wird hier nicht groß auffallen. Er bleibt auch nur solange hier, bis ich ihm eine etwas bessere Ausbildung verschafft habe und ihn dann in verantwortungsvolle Hände geben kann.“ Immer noch missmutig trat meine Mutter an die Fellkugel heran. „Du willst ihn also wieder verkaufen?“ fragte sie ungläubig, während sie mit den Händen durch die dichte lange Mähne fuhr und schließlich den Hals des Hengstes kraulte. „Ja, sobald ich denke, dass er dazu bereit ist.“ gab ich zurück, wobei ich selber noch nicht recht glauben wollte, dass ich dieses Prachtexemplar irgendwann abgeben könnte. „Er hat was besseres verdient, als in irgendeinem 0-8-15 Schulbetrieb zu landen.“ Meine Mutter nickte. „Du bist erwachsen, du weißt was du machst.“ Mit diesen Worten klopfte sie ein letztes mal sanft den kräftigen Hengsthals und schlurfte dann in ihren Badelatschen in Richtung Weiden davon.
      Areion brachte ich erstmal für ein paar Minuten auf einen der Hengstpaddocks, wo er sich alleine austoben konnte. Er stand zuvor mehrere Stunden im Hänger und war froh sich einmal auszulassen. Anschließend machte ich ihn Boxfertig und ließ ihn für den Rest des Tages in Ruhe. Die nächsten Tage kümmerte ich mich um künftige Termine für Areion. Er sollte im Fahren und später auch im Western weitergebildet werden und auch ein Tierarzt-Check-Up war nötig.

      28. März 2016
      Zwei neue alte

      Bereits im Training bei Catalina Dixon hatte ich Eismärchen kennen gelernt und wenig später fanden wir gemeinsam den verlassenen Hof, inkl. der verdreckten Pferde. Darunter auch ein Araberhengst namens Majd. Dass Catalina diese Pferde jemals abgeben wollen würde, kam mir nie in den Sinn. Aber jetzt stehen sie hier auf dem Bear Brook EC und kauen genüsslich ihr Heu. Es ist ein toller Tag und Catalina teile ihn mit mir. Gerade steht sie auf der Stallgasse und macht Bear Totem's Denali fertig für einen Ausritt. Neben mir steht Slap Happy bereits fertig gesattelt.
      Aber bevor wir ausreiten, muss ich noch einmal weiter hinten in der Geschichte ansetzen. Nachdem ich zuletzt einen Unfall mit Princess Sansa im Wald hatte dauerte es ein paar Tage bis ich mich komplett erholt hatte. Die genauen Details werde ich vielleicht in einem späteren Eintrag noch einmal erzählen. Jedenfalls war das die Zeit in der Catalina sich bei mir meldete. Ich habt vielleicht die Anzeigen gelesen. Sie wollte ihren Hof auflösen, sah keinen Sinn mehr darin weiter zu machen, wenn immer alles drunter und drüber geht. Sie hatte sogar schon das ein oder andere Pony verkauft, als ich davon erfuhr. Nach ein wenig Überzeugungsarbeit konnte ich sie aber zu bringen, doch wenigstens ein paar ihrer Pferde zu halten. Schließlich war sie erst vor Kurzem nach England gezogen und es wäre zu schade um ihre Pläne, jetzt einfach alles hinzuwerfen!Zwei der Pferde, die in dieses Konzept jedoch nicht passten nahm ich ohne zu zögern zu mir. Eismärchen, die ich mir nirgendwo anders vorstellen konnte und Majd, der sicherlich erfolgreich im Sport würde und vielleicht auch die Zuchtzulassung einmal schafft. Gesagt, getan. Der kurze Transportweg machte es möglich, den Umzug der beiden binnen weniger Stunden durchzuziehen und so stehen sie jetzt bereits seit zwei Tagen hier und machen sich bisher bestens. In den nächsten Tagen würde Majd Bekanntschaft mit Pendragon machen, der ihm, sollte alles klappen, Gesellschaft leisten wird. Eismärchen wird nach Majd's Integration an die Stutenherde gewöhnt.

      Slap Happy's zufriedenes Schnauben riss mich aus meinen Notizen. Sie hing mit ihrer Nase gleich über mir, während ich nieder schrieb, was mir durch den Kopf ging. Etwas Neues, zu dem mich Catalina gebracht hatte. Sie schrieb häufig und so fanden sich seit Kurzem auch in meinem Skizzenbuch kleine Textpassagen zusätzlich zu den Zeichnungen. Talentiert war ich nicht, aber es half doch sehr einfach mal alles von der Seele zu schreiben, was passiert war. „Komm jetzt!“ - Wenn man vom Teufel spricht. Denali und Catalina waren schon fast am Hoftor, als ich gerade mal aufsaß. „Warte!“ Gemeinsam ritten wir die kurze Allee entlang, bis sich die Felder Lincolnshires vor uns zeigten.

      20. April 2016
      Black Beauty

      „Dad... Nein.“ ich schüttelte den Kopf um meine Aussage zu unterstreichen. Mein Vater fing schon wieder von Schafen an. „Das sind Schnucken, keine Schafe!“ protestierte er, als würde das einen Unterschied für mich machen. „Wir haben so oder so Geldprobleme, da müssen wir nicht auch noch Schafe kaufen.“ Diskussion beendet. Dachte ich, als mein Vater abermals den Mund aufmachte unterbrach ich ihn sogleich. „Ihr habt eure fünf Esel und die damit verbundenen Feriengäste. Das reicht für's Erste!“ Im Laufschritt verließ ich den Raum um das Gespräch zu beenden. „Hi... Mr. Crowley?“ eine unsichere, recht helle und mir unbekannte Stimme klang in meinen Ohren. „I-ich... ihre Mutter hat mich zu Ihnen geschickt.“ Das dunkelhaarige Mädchen mit den großen kastanienbraunen Augen sah mich an als würde ich sie jeden Moment zusammenfalten. „Wer bist du denn?“ fragte ich noch immer etwas genervt von meinem Vater und musterte sie misstrauisch. „Ehm... ich helfe seit ein paar Wochen hier aus, beschäftige die Feriengäste und so...“ erklärte sie mir. Aaah, das war also das Mädchen von dem meine Mutter sprach. Wie hieß sie gleich? Lara? Sarah? Mara? Irgendwie sowas. „Ahja, sie hatte mir davon erzählt.“ sagte ich eher beiläufig und ging in den Stall, während mir das Mädchen folgte und weitersprach: „Ich hab nur noch etwa einen Monat Schule und ich würde gerne wissen ob ich Chancen auf Arbeit hätte.“ sie hatte für diesen etwas längeren Satz allen Mut zusammengenommen, den sie aufbringen konnte, das konnte man spüren und die Erleichterung, den Satz fehlerfrei herausgebracht zu haben stand ihr ins Gesicht geschrieben. Ich schenkte ihr ein Lächeln. „Wir reden später, ja?“ Sie nickte und blieb stehen, während ich die Stallgasse hoch ging bis zur allerletzten Box, bevor es nach rechts zu den Offenställen oder der Reithalle ging. Moulan, die schwarze Schönheit stand vor mir. Wie immer war sie unsicher und stand in der hintersten Ecke ihrer Box. „Oh! Sie hat heute keinen guten Tag.“ Ich zuckte zusammen, als Gine mich mit ihrer viel zu lauten Stimme ansprach. „Sorry...“ sie lachte kurz. „Warst du mal beim Arzt?“ Sie stellte mir diese Frage seit etwa einer Woche täglich... Nachdem Steven mir einen Dolch ins Bein gejagt hatte, war ich... etwas eingeschränkt was die Arbeit betraf. Aber um die Pferde, die nur vom Boden ausgearbeitet wurden konnte ich mich dennoch kümmern. „Hunter?“ - „Keine Zeit, Gine.“ Ich schob die Boxentüre auf und schlüpfte durch den Spalt, der sich dadurch ergab, in Moulan's Box. Die Boxentüre wieder verschlossen hörte ich die nun irgendwas vor sich hinmurmelnde Gine weiterziehen. „Hey Blacky.“ flüsterte ich fast, als die Rappstute mich mit hellwachen Augen ansah. Die Ohren drehten sich, als suchten sie ein Signal. „Alles gut, das hatten wir doch schon.“ Langsam näherte ich mich der scheuen Stute. Wir hatten alle Zeit der Welt. Je näher ich kam, desto unsicherer und nervöser wurde die schwarze Schönheit und so blieb ich immer wieder stehen, damit sie sich mit der Nähe vertraut machen konnte. Ich hatte kein bestimmtes Ziel. Ich nahm, was sie mir gab. Immer wenn jemand an der Box vorbeilief schnellte ihr Kopf hoch und die Ohren nach hinten. „Alles gut.“ wiederholte ich mehrfach, in dem Glauben es würde sie etwas beruhigen. Moulan war jetzt seit etwa einem Monat auf dem Bear Brook EC und hatte schon ein paar Fortschritte gemacht. Sie ließ sich von Gine problemlos aus der Box führen, putzen und auch ein wenig longieren, auch wenn sie dabei immer mal ausbrach, wenn sie im Stall etwas hörte. An Platzarbeit oder Gelände war in jedem Fall noch nicht zu denken. Mit Männern hatte sie noch mehr Probleme. Irgendjemand hatte ihr Vertrauen furchtbar missbraucht. So zumindest unsere Vermutung. Für heute jedenfalls beließ ich es bei ein paar wenigen Berührungen, bis ich die Box wieder verließ. „Sie hat noch immer große Angst vor dir.“ klärte Gine mich auf, als ich aus der Box kam. Sie hatte gerade mit Eismärchen gearbeitet, die noch auf der Stallgasse stand. „Ja, aber das wird schon.“ - „Apropros das wird schon...“ Gine hielt mich am Arm fest, bevor ich flüchten konnte. „Du musst zum Arzt, wenigstens der Verband sollte mal gewechselt werden. Ich sehe doch wie du gehst.“ sie sah mich in einer Mischung aus Sorge und Wut an. „Mhmmm... Wie gehe ich denn?“ gab ich zur Antwort und hoffte, das Thema sei damit erledigt. Ich löste mich aus ihrem Griff und ging weiter. „Mensch... Hunter!“ Ich zuckte zusammen. So hartnäckig war sie sonst nie. „Jetzt geh rein. Ich komm in zehn Minuten nach. Ich mach nur noch Eismärchen fertig für die Weide.“ Ich schluckte und ging rein. Keine zehn Minuten später kam Gine wie versprochen dazu und sah mich noch immer mit... diesem Blick... an. Ganz so als hätte ich irgendwas verbrochen. „Ich hab doch morgen eh einen Termin be-“ „-und genau deshalb sollte der Verband erneuert werden. Die reißen dir doch den Kopf ab, wenn du da mit einem eine Woche alten Verband ankommst!“ unterbrach sie mich. Gut. Wenn sie meinte... Ohne weitere Widerworte ließ ich sie den Verband wechseln. „Und Frau Doktor, darf ich jetzt weiter arbeiten?“ Sie wisperte irgendwas von wegen „Mach doch was du willst...“ und ließ mich alleine. Frauen... Am späten Abend kam Catalina von der Arbeit nach Hause und wirkte gestresst. Wir hatten noch immer nicht gesprochen, Steven hatte in seinem Suff ein paar nicht allzuschöne Details über sie herausposaunt. Unsere Gespräche beliefen sich seitdem nur auf Smalltalk. Vorerst würde ich an dieser Situation auch nichts ändern. Ich hatte wahrlich genug um die Ohren. Zwei meiner Stuten waren noch immer tragend und bei den Pineforest Stables wartete ein Fohlen, das ich in einem halben Jahr abholen würde. PFS' Savory Blossom hatte ich entdeckt, als ich Mr. Raw Depression's ersten Nachwuchs besucht hatte. Die junge Stute hatte sofort meine Aufmerksamkeit, als ich die Fohlen des Gestüts gesehen hatte und so kam ich nicht umher mit der Inhaberin einen Deal zu schließen. Aber auch hier würde bald noch mehr Nachwuchs erwartet. Slap Happy und Bear Totem's Denali sind noch immer tragend. Vor allem bei Denali müsste es bald soweit sein. Vielleicht noch zwei oder drei Wochen. Slap Happy hatte da noch mehr Zeit. Den heutigen Tag ließ ich damit ausklingen Samson zu longieren. So dachte ich zumindest. „Mr. Crowley?“ wieder diese helle Stimme. „Achja. Lara?“ - „Tara.“ korrigierte mich das Mädchen sofort. „Tara. Wir können dich gerne einstellen jetzt wo uns ein Mann fehlt. Du bist Springreiterin oder?“ sie nickte. „Gut. Ich mache die Papiere fertig und dann reden wir über alles Weitere. Achja und wir duzen uns hier. Davon bist du nicht ausgeschlossen, ich bin Hunter.“ Sie strahlte über das ganze Gesicht. „DANKE!“ - „Nichts zu danken.“ ich schmunzelte und kümmerte mich weiter um den Tinkerwallach am anderen Ende der Longe, der geduldig darauf wartete, dass es weiter ging.

      07. Mai 2016
      Hufschmiede Glorieas
      Großauftrag für 13 Pferde

      Heute kam der erste Großauftrag von einem Mister Crowley. Er hatte 13 Pferde die einen Hufschmied bräuchten. Gestern erst rief er mich aus England an und fragte ob ich kurzfristig kommen könnte. Darum machte ich mich am Abend noch auf den Weg nach England. Ich flog mit der letzten Maschine, in England hatte ich einen netten Kollegen der mir sein gut ausgerüstetes Mobile Hufschmiedwerkstadt lieh. Ich musste nur die Materialien die ich benötigte ersetzen, aber das war vollkommen okay.
      Mein Flug war okay, und holte um 6:30 das versprochene Hufschmiedauto und fuhr dann direkt zu mstr.Crowley. Ich war leicht aufgeregt, denn ich wusste nicht, wie er reagieren würde, wenn plötzlich eine Frau vor ihm stehen würde. Der Beruf ist sehr männerlastig. Ich kam gegen 7:30 an und wurde von einem charmanten gut aussehenden Hunter Crowley.
      Nach unserer kleinen vorstellungsrunde begann ich zuerst mit Heart of Ocean. „ Er ist seit neuestem schwierig mit fremden Menschen, hatte was Schlechtes erlebt. Hab aber leider keine Zeit um dabei zu sein!“ hörte ich noch die neben Info von Hunter. „ Keine Sorge, ich krieg das hin!“ sagte ich und beschloss mit dem schwierigsten anzufangen. Ich baute alles auf und holte mir dann den Rapproanhengst Heart of Ocean.
      Schon in der Box kam er mit angelegten Ohren auf mich zu, doch ich bemerkte natürlich dass er zwei seiner Beine nie richtig belastete. „ Na was hast du für ein Problem süßer!“ redete ich ruhig auf ihn ein. Geduldig wartete ich ab bis er sich beruhigte und legte gekonnt sein halfter auf. „Na komm mal mit! Lass mich das Ansehen!“ ich tat so als würde Ocean mich verstehen und lief zu meinem Arbeitsplatz. Nun vom ersten Blick sahen die Hufen zwar gepflegt aus, aber ziemlich abgenützt aus.
      Ich hob das linke Vorderbein und schaute es mir genauer an. Bald entdeckte ich die stelle die sich entzündet hat und eine Quetschung. „Er hat eine Pododermatitis, das ist eine Huflederhaut Entzündung, dies kann viele Ursachen haben, matschiges Paddock, Dreck, falsche Pflege der hufe, zu langes Reiten auf hartem Untergrund und vieles mehr. Sie sollten ihn jetzt ein paar Tage schonen, am besten kein Training bis es wieder verheilt ist, das ist schmerzhaft, sollte er immer noch schmerz anzeigen, würde ich empfehlen einen Ta für einen Schmerzspritze zu rufen. Bei gründlicher Pflege und Reinigung, sollte das in ein paar Tagen verheilt sein. 2x täglich das Bein 10 Minuten lang mit kaltem Wasser kühlen.!“ Sagte ich zu einem Stallburschen Dieser verzog die Mine leicht sagte aber dann dass er das weiterleiten würde. Ich kürzte dann die restlichen hufen, und entlies Ocean in seine Box und holte mir das nächste Pferd. Diesmal war es ein Tinkerwallach namens Samson. Ich kontrollierte zuerst seine hufe. Diese waren in Ordnung, nun raspelte ich sie etwas kürzer und hinten sollten sie Allu eisen bekommen. Da er viel auf harten untergründen gefahren wird, würde ich für ein Stolleneisen entscheiden, da kann man wenn nötig noch 2-4 Stifte reindrehen, damit das Rutschgefahr verringert wird. Also suchte ich seine Größe heraus und begann mich an die Arbeit Den Ofen schon angeschmissen suchte ich die Größe von Samson. Nun legte ich die Eisen eine Weile in den 100 Grad heißen Ofen, und als diese dann soweit waren hielt ich es an Samsons Huf. Es qualmte und das verbrannte Horn stank bestialisch. Samson stand still und so ging meine Arbeit sehr schnell voran, der letzte Nagel sitzt und ich betrachtete Samson noch einmal. Ich hatte noch nie einen Auftrag bekommen, die Pferde hinten zu beschlagen. Nach langen eigenen Recherchen fand ich heraus, dass es einige aber jedoch wenige Pferde gab die von hinten beschlagen wurden, deshalb war es für mich dann nicht mehr so abstrakt. Nun fettete ich noch die Hufen von Samson ein und konnte mich dem nächsten Pferd widmen.
      Als nächstes kam eine chuckling dancing mess, Missy wie sie von allen genannt wurde, war eine goldfarbende Englisches Vollblut. Da sie Barhuferin war, musste ich keine Eisen vorbereiten. Ich ließ mir die Stute vorlaufen und entdeckte keine Fehlstellung. Sie waren etwas zu lang, aber das war kein Problem. Ich fing mit dem ersten Bein an und arbeitete ruhig weiter nach hinten. Missy hielt brav still und ich lobte die 6 jährige Stute. Die Hufzustand waren sehr gut. Wenn der Abnützung so bleibt bräuchte sie nicht beschlagen werden zu mindestens jetzt nicht. Nach ca. 20 Minuten war ich auch mit ihr fertig und als nächstes kam Slap Happy. Die junge Vollblutstute raubte mir den Atem. Ich hatte sie auf einer Stutkörung gesehen und nun stand sie da und sollten die hufen gemacht bekommen. Ich strich der hübschen stute übers Fell und schaute mir ihre Hufen an. Sie waren in Ordnung etwas lang, aber das war bei Mutterstuten häufiger der Fall, da das Fohlen aber bereits abgesetzt wurde, bekam happy nun ihre Maniküre. Happy ließ sich das nur wiederwillig gefallen. „ Normalerweise ist sie nicht so“ meinte Hunter zu mir. Ich erklärte ihm dass die meisten Pferde nach der Geburt ihres erstens Fohlens ihre Charaktereigenschaften verbessern oder gar verschlechtern können. Und das es für mich kein Problem war. Nun war auch Happy fertig und sie konnte wieder in ihre Box. Nun kam einer der Stallburschen mit einem schönen AraberHengst. Auch ihn ließ ich Vortraben und beobachtete genau wie er läuft. Mit hocherhobenen Hauptes und Schweifes präsentierte sich der Braunschecke. Er wusste wie. „ Das ist Mjad, ein aus Saudi-Arabien gezogener 2 Jähriger Araberhengst!“ erzählte mir hunter stolz. „ Das soll ein Hengst sein?“ fragte ich etwas ironisch gemeint, denn der Hengst stand gelassen still da obwohl gerade eine sichtlich rossige stute vorbeigeführt wurde. Nun hob ich seinen ersten Vorderhuf und sah mir es genau an. „ Die hufen sind etwas trocken, fett müsste reichen!“. Gab ich neben bei meine Meinung kund. Seine Hufen waren sonst sehr gut gepflegt, ich musste auch nicht viel wegnehmen. Ich arbeitete routiniert meine Arbeit und da der Hengst so brav stand waren wir auch schnell fertig. Und das für einen 2 jährigen. „ Wie machst du das? Hast du Tipps?!“. In meiner Karriere als Schmiedin lernte ich einige 2 jährige kennen die nicht so artig still standen. „ Er liebt Pfefferminze! Ich hoffe du hast welche!“ bemerkte hunter grinsend als er sah das ich ihn loben wollte. Natürlich hatte ich welche dabei. Mjad nahm das Leckerli an und kaute zufrieden und genüsslich rum nun konnte er wieder in seine Box. Nun kam eine DRP Stute namens Eismärchen.“ Sie ist von Geburt an auf einem Auge Blind!“ erklärte mir Hunter. Ich ließ sie mir kurz Vortraben und sah dass alles in Ordnung war. „ Also mit den Hufen hat sie nichts! Gut gewachsen, richtige Stellung, jetzt nur noch 1-2 cm wegnehmen und dann ist sie da wieder fit!“ lächelte ich. Gesagt getan. Ich machte mich ans Werk. „ Nach der Stute trinken wir einen Kaffee!“ sagte Hunter und grinste mich an. Ich sah kurz auf die Uhr, ich war schon, 3h am Werk, wie die Zeit verging. Eismärchen stand brav da und knabberte hin und da mein Hosenbund an. Endlich kam ich am letzten huf an und hunter ging in die Küche um den Kaffee aufzusetzen. Nun da Eismärchen fertig war, wusch ich mir die Hände und ging in die Küche. Dankend nahm ich die heiße Tasse Kaffee entgegen. „ Du Joicy, was ich….. fragen wollte, Bildest du auch aus? Würdest du mich als Lehrling nehmen?!“ fragte mich Hunter. Ich blickte kurz auf nahm einen Schluck meines Milchkaffees und setzte diese ab. „ Ja ich darf ausbilden, und eigentlich arbeite ich gerne alleine, ich wurde schon zu oft enttäuscht, du setzt da viel Herzblut rein, um dann von anderen gehört zu kriegen wie streng oder scheiße ich sei!“ Kurze Pause. „ Aber wenn du wirklich willst und du dich einen Monat ins Zeugs legst dann würde ich nochmal eine Ausnahme machen. „ Ich werde dich nicht enttäuschen!“ sagte mir hunter. „ Na dann legst du mit dem Rest hier mit an! Sagte ich und Stand auf als nächstes kam die tragende bear totem denali an die Reihe. Ich ließ mir die Stute Vortraben. „ Was siehst du?!“ fragte ich meinen neuen lehring. „ Das sie Risse im huf hat? Und einen B..Bockhuf?!“ kam zur Antwort. Das war recht gut, denn genau das gleiche hatte ich auch festgestellt. „ Die risse sind nicht schlimm mit einer speziellen Knetmasse kleben wir diese zu nachdem wir sie ausgeschnitten haben!“ erklärte ich. Sorgfältig machte ich den ersten Vorderhuf und den Hinterhuf, zeigte hunter wie das ging, und die zweite Seite machte er mit meiner Hilfe. Beim ausschneiden stellte er sich etwas tollpatschig an und schnitt sich mit dem Hufmesser in den Handballen, wie man sowas schaffte wusste ich nicht. Nun da hunter sich verletzt hatte schaute er einfach zu und ich machte Denali fertig. Dann drückte ich die Knetmasse ein und fettete die hufen ein. Nun kam der englische Vollbluthengst Mr. Raw Depression an der Reihe. Seine Hufen waren in Ordnung, ich musste nur einige ausgefranste stellen korregieren und fette auch diese ein. Der Hengst war atemberaubend, ob er wohl auf meine gekehrte Trakehners tute Musical Star sollte wäre wirklich eine Überlegung wert. Nun nachdem Raw brav war bekam er ein Leckerli und nun kamen wir zum vorletzten Pferd CHH´Lamperd. Von ihm hatte Vorbesitzer des Gestütes Van Helsing ein Nachkommen aus Star gezogen. Und es war eine gute Entscheidung. Der kleine entwickelte sich prächtig. Auch lamperd´s hufen waren schnell gemacht und so kamen wir zum letzten Pferd einen Tinkerhengst namens Areion. Auch er sollte hinten allu eisen bekommen. Hunter wärmte den Ofen auf. Ich erklärte ihm warum ich gerne heiß beschlage. „ Es gibt zwei verschiedene Beschlag Arten. Kalt beschlag verwendet man häufiger bei Isländern oder jungen Pferden, oder auch welche die Rauch und Feuer nicht abkönnen, hat einen Nachteil, wenn du den huf ausschneidest, entstehen kleine Luftbläschen und diese bleiben auch beim kaltbeschlag bestehen, und so fällt das eisen schneller ab. Beim heißbeschag, macht man das eisen zuerst heiß, ca. 70-100 Grad, legt es auf das Horn, das eisen brennt sich in den huf ein und verschließt diese Bläschen, und so verlieren die Pferde weniger die eisen!“ nun schnitt ich die hufen aus, und hunter gab mir von Anhieb an, die richtige Größe des Eisens. „ Ein Naturtalent!“ lachte ich. Es machte mehr Spaß wenn man zu zweit ist das musste ich eingestehen. Um 16:15 war ich mit dem letzten Bein fertig. Und so konnte ich mich auf dem Weg nachhause machen.
      10.457 Zeichen | by Elsaria | Hufschmiede Glorieas

      21. Mai 2016
      Ein derber Rückschlag

      Im Grunde wusste ich ja schon, dass es mit Catalina jetzt schwieriger werden würde. Jetzt wo sie schwer krank war. Jetzt wo ich von ihrem Seitensprung wusste. Aber der Anruf den ich gestern bekam, gerade als ich mit dem Beschlagen eines Pferdes fertig war, riss mich vollends aus der Fassung, die ich mir so hart erarbeitet hatte die letzten Wochen. „Deine Freundin ist gestorben, Hunter. Willst du nicht herkommen? Die Ärzte geben uns keine Details.“ hieß es da und die Worte schallten noch so deutlich in meinem Kopf, dass sie mich abermals betäubten, wenn ich nur daran dachte. Zum Glück saß ich, sodass mir das flaue Gefühl, dass sich nun auftat, egal sein konnte. Umkippen konnte ich nicht und in der Sitztasche vor mir waren Beutel für den Fall der Fälle, dass ich mich übergeben müsste. Dann die Ansage der Crew, dass wir in wenigen Momenten landen würden. Da ich mich nicht abgeschnallt hatte über den kurzen Flug von Deutschland nach England, kümmerte mich das monotone Gerede nicht.
      Eine halbe Stunde später war ich in Phase Zwei, auf dem Weg zurück in die Heimat: Lincolnshire. Die Zugverbindungen waren so grottenschlecht und über alle Maße überteuert, dass ich mir den Luxus ein Taxi zu nehmen gönnte. Der Taxifahrer warf immer mal einen verunsicherten bis besorgten Blick zur Seite und sprach mich, als das Navi die Ankunft in 5 Minuten ankündigte, doch noch an: „Sir, ist alles in Ordnung? Sie wirken bedrückt.“ fragte er höflich und wusste das sehr zu schätzen. Ich schenkte ihm zur Besänftigung ein kleines Lächeln. „Alles okay. Tut mir leid, dass ich so schweigsam bin.“ Den Rest der Fahrt redete mein Fahrer ununterbrochen. Es beruhigte ihn sichtlich und so war ich ihm nicht böse, auch wenn ich ihm nicht wirklich zuhörte. Ich dachte an Nichts. Zumindest versuchte ich das. Die Leere, die seit dem Anruf in mir herrschte breitete sich in solchen Momenten schneller aus als normal. Dann endlich sah ich die Einfahrt meines Hofes. Höflich wie ich war bedankte ich mich für das Gespräch, gab ein gutes Trinkgeld und stieg aus.
      Auf dem Hof wirkte ein reges Treiben. Dass hier zwei Personen fehlten würde man nicht bemerken, wüsste man es nicht. Gine und Isaac hatten ihre Meute im Griff. Ruby war gerade mit Denali und ihrem Fohlen, dass ich dank meiner Abwesenheit verpasst hatte, auf dem Springplatz beschäftigt. „Hey Honey!“ - „Mom.“ Meine Mutter schnellte mit erhobenen Armen zu mir um mich direkt in den Arm zu nehmen. So fest, dass ich diese Liebkosung abbrach. „Ist gut.“ Besorgt sah sie mich an. Das tat heute jeder.
      Aber die Tatsache außer Acht gelassen, dass ich ein unfassbar schlechtes Gewissen gegenüber Catalina hatte, der ich nicht zur Seite stand in ihren letzten Stunden, ging es mir gut. Ich war nicht mal traurig. Natürlich auch nicht glücklich, ich fühlte einfach... Nichts. „Komm rein, ich hab Essen gemacht. Du hast wieder abgenommen!“ Wieder warf sie einen besorgten Blick auf mich, diesmal musterte sie mich kurz von oben nach unten. Ich ließ mich ins Haus bugsieren, wo mein Vater gerade fertig mit dem Essen war. „Gut dich zu sehen, Junge!“ Ich nickte. Meine Eltern waren überfürsorglich. Sie hatten ihre Gründe, aber im Moment hielt ich das für unnötig. Noch bevor ich saß, hatte meine Mutter mir einen Teller fertig gemacht und vor die Nase geschoben. Nach Essen war mir nicht zu Mute und so stocherte ich lediglich ein wenig herum, bis meine Mutter mir nach einer halben Stunde den Teller wieder abnahm und ihn so verpackte, dass ich ihn mir sollte ich doch Hunger bekommen, wieder warm machen konnte. „Was willst du jetzt machen?“ fragte mein Vater schließlich und unterbrach damit die herrliche Stille der letzten vierzig Minuten. „Ins Krankenhaus fahren.“ Mit den Worten stand ich auf und warf einen Blick aus dem Fenster. Es war trocken und noch immer hell draußen. Zwar kündigte sich schon lange der Herbst an, so war es dennoch noch nicht zu spät das Motorrad zu nehmen. Sowohl mein Vater, als auch meine Mutter sahen mich entsetzt an, als ich mich wieder zu ihnen wandte. „Was?“ fragte ich verwirrt und verließ das Zimmer ohne eine Antwort abzuwarten. „Fahr vorsichtig!“ rief mir Mutter hinterher.
      Auf dem Weg nach draußen schnappte ich Schlüssel, Jacke, Handschuhe und Helm vom Flur auf und machte mich vor meiner Maschine fertig.
      Etwa zwanzig Minuten später stand ich an der Rezeption im Krankenhaus. „Ich würde gerne mehr über Miss Dixon's Tod erfahren. Ich bin- ...ich war war ihr Partner.“ Die Frau musterte mich kurz, war einen Blick auf ihren Bildschirm und tippte irgendwas in ihre Tastatur. „Tut mir leid, ich darf Ihnen keine Auskunft geben. Nur Familienangehörige.“ Ich brummte unzufrieden. „Wo finde ich ihren Arzt?“ Die Dame sah mich vielsagend an. „Aber Sir. Haben sie Kontaktdaten von Miss Dixons Angehörigen?“ Einen Moment lang spielte ich mit dem Gedanken die Gelegenheit auszunutzen. Sie bekommt Kontaktdaten, ich bekomme Antwort auf meine Frage. Dabei hatte ich nicht mal Kontaktdaten. Darüber hatten wir nie gesprochen. „Konnten Sie niemanden erreichen?“ fragte ich entgegen meines Planes. Die Dame nickte eifrig. „Doch doch, ein paar haben wir erreicht. Aber man weiß ja nie.“ Merkwürdige Antwort. Dann sah ich den Arzt vorbeilaufen, von dem ich wusste, dass er Catalina behandelt hatte. Ich lief ihm hinterher und hielt ihn schließlich an. „Dr. bitte, einen Moment nur.“ bat ich und er hielt inne. „Was genau ist mit Miss Dixon passiert? Sie wissen schon, die schwer CF kranke Frau?“ Der Mann seufzte und sah mich durchdringend an. „Erstens, darf ich Ihnen dazu nichts sagen, außer dass sie gestorben ist. Zweitens, sollten Sie es vielleicht bei den Angehörigen versuchen. Sie sind wohl im Hotel gleich gegenüber, hab ich gehört. Und Drittens, sollten sie dringend schlafen, sie sehen nicht mehr gesund aus.“ Wieder einer dieser besorgten Blicke. „Danke.“ sagte ich und lächelte nun tatsächlich, ganz ehrlich. Endlich eine gute Nachricht. Als wäre ich dabei einen Termin zu verpassen, rannte ich den kompletten Weg aus dem Krankenhaus und orientierte mich dann kurz um das Hotel ausfindig zu machen. Es gab nur eines hier und so ging ich zu Fuß rüber und fragte nach Dixon. Man leitete mich weiter und schließlich stand ich vor drei Personen, die mich ein wenig misstrauisch ansahen. „Hi.“ unangenehmer konnte diese Situation kaum sein. „Sie sind Verwandte von Catalina Dixon?“ fragte ich zögerlich und bekam ein ebenso zögerliches Nicken zurück. „Und wer sind sie?“ fragte der einzige Mann in der Runde. „Hunter Crowley.“ sprudelte es aus mir heraus. „Ehm, Catalina's Freund.“ fügte ich schnell hinzu, als eine der Frauen eine Augenbraue hob. Jetzt schienen sie etwas mit mir anfangen zu können, was nicht hieß, dass sie offener wurden. „Gut, chrm... Ich wollte auch nur fragen wann ihre Beerdigung ist.“ log ich und bekam prompt eine Antwort, bevor sich alle drei wieder abwandten. Unzufrieden mit diesem Resultat verließ ich das Hotel wieder und fuhr zurück nach Hause um dort gleich müde ins Bett zu fallen.

      „AUFSTEHEN!! Aufstehen, aufstehen, Auuuufsteheeen!“ jemand rüttelte mich grob wach und hielt mir schließlich seine eiskalten Finger an die Wange. „Los jetzt, mach dich fertig!“ Gine... Wiederwillig richtete ich mich auf. „Was ist denn los?!“ - „Slap Happy's Fohlen kommt, das willst du ja wohl nicht verpassen oder?“ Sofort war ich hellwach. Nein, ihr Fohlen wollte ich unter keinen Umständen verpassen! Schneller als Gine gucken konnte war ich angezogen und lief runter in den Stall. Tatsächlich, meine braune Stute lief in ihrer Box Runden und sah immer wieder zu ihrem Bauch. „Geh noch nicht rein.“ riet Gine mir und so wartete ich geduldig vor der Box, bis Slap Happy sich den Wehen ergab und zu Boden sank. Gerade als ich die Boxentüre aufschieben wollte griff Gine erneut ein: „Warte noch, es kann sein, dass sie sich nochmal umentscheidet.“ ernst sah sie mich ab und nahm meine Hände von der Türe. 'Umentscheidet'... sowas macht meine Slap Happy nicht... Nie. „Siehst du!“ - Verdammt! Für einen kurzen Moment hatte ich tatsächlich geglaubt meine Stute in diesem Punkt zu kennen. Die große Braune stand wieder, den Kopf gesenkt, als würde sie überlegen was sie nun tun sollte. Ein zwei Schritte ging sie nach vorne und sank dann wieder zu Boden. Einige Minutenlang lag sie komplett auf der Seite, bis sie sich noch einmal halb aufrichtete um zu ihrem Bauch zu sehen. „Gut, wir können jetzt rein. Sie wird denke ich nicht mehr aufstehen.“ - Gine schob die Türe auf - „Kann ich helfen?“ der irische Akzent verriet mir, dass Isaac gleich hinter mir stand. „Vielleicht.“ sagte Gine knapp und prüfte fachmännisch die Lage. Dafür, dass sie sonst immer sehr aufdringlich und kommunikativ war, war sie jetzt ausgesprochen ruhig und professionell. Isaac und ich kamen in die Box und schoben die Türe zu. Ohne überhaupt zu fragen schritt ich zum Kopf meiner Stute, hockte mich hin und fing an sie zu kraulen. Am Hals, an den Ohren und schließlich strich ich mit der flachen Hand über ihr hübsches Gesicht. Isaac sah sich die Lage von hinten. „Also in Irland... Da machen wir das anders.“ fing er lachend an zu erzählen um die Spannung zu nehmen. „Da kommen die tragenden Stuten auf die Weide un-“ - „Halt-die-Klappe!“ fauchte Gine ihn an. „Da kommt es!“ Ein breites Grinsen schlich sich auf ihre Lippen und als es ihr möglich war griff sie beherzt die Füße des kleinen Pferdes und erleichterte meiner Stute so das Abfohlen. „Es liegt super, sie macht das toll!“ - „Ist ja auch nicht ihr Erstes...“ brummte ich; zu leise, um von den beiden gehört zu werden. Es vergingen gefühlte Stunden bis das Fohlen mit einem letzten Schub den Mutterleib vollends verlassen hatte. Es war durch und durch braun, ein Hinterhuf erstrahlte aber in hellem Beige und etwas versetzt von der Mitte der Stirn fanden sich ein paar einzelne weiße Härchen. Es war ein Hengstfohlen, das ich mir schöner nicht hätte erträumen können. „Der dunkelt bestimmt noch nach, wenn er wächst. Die paar weißen Haare kannst du dir abschminken.“ fachsimpelte Isaac. „Das verwächst sich alles und der Huf dunkelt auch nach.“ Gine war dem groß gewachsenen Iren einen abwertenden Blick zu. „Er ist gut wie er ist. Hör auf ihn schlecht zu machen.“ Ich grinste. Auch Isaac lachte, was er aber im Grunde immer tat. „Sie hat recht.“ griff ich ein, bevor die beiden sich in eine Diskussion reiten konnten wie ein altes Ehepaar. „Er ist gut. Punkt.“ Ich stand auf und streckte mich ausgiebig. Slap Happy blieb noch einige Minuten liegen und solange wachte Gine über sie und das Hengstfohlen. „Isaac, an die Arbeit. Gine fällt für die nächsten stunden aus, sie muss die zwei im Auge behalten, damit nichts schief geht.“ - „Oh du reitest also auch mal wieder eines deiner Pferde?“ - „Fang bloß nicht an wie Steven mein Freund.“ ich schmunzelte. Isaac lachte wieder und legte mir brüderlich eine seiner großen Hände auf die Schulter. „Niemals, mein Hübscher.“ Verwirrt sah ich ihn an und bekam einen verruchten Blick als Antwort. Da ich nicht schwul war, wirkte das nicht und so räusperte ich mich und warf einen kurzen Blick auf die Boxenschilder. „Guuut... Isaac, kannst du die western gerittenen übernehmen?“ - er nickte - „Ich mache dann Pendragon, Ocean, Eismärchen...“ Isaac ließ einen verträumten Seufzer los „...und Ray. Alles Okay?“ prüfend blickte ich ihn an. Der Ire nickte und wirkte als hätte er irgendwelche Drogen genommen. „Dann los.“ mit den Worten drehte ich mich um. Missy, Lamperd und Majd waren seit ein paar Stunden auf der Galopprennbahn eines Bekannten. Princess Sansa und Iceflower waren wie schon seit Monaten auf Trainingsurlaub, bis sie ihre Zuchtzulassung bekommen. Die übrigen Stuten, also Denali und Arcany, hatten noch ihr Fohlen bei Fuß und standen mit eben diesen und Savory Blossom auf der größten Weide, die wir bieten konnten. Das heute kurz gehaltene Training mit den Pferden tat gut und bis zum Abend hatte ich vergessen, warum ich überhaupt hier war. Erst als ich auf Mr. Raw Depression saß, ihm die Zügel lang ließ und meine Gedanken abschweiften kam mir Catalina's Tod wieder in den Sinn. In fünf Tagen ist die Beerdigung. Dann würde noch einmal ihre Verwandten treffen, die nicht sonderlich überzeugt von mir waren. Sollte ich mir das wirklich antun? Immerhin hatte auch das Verhältnis zu Catalina am Ende einen Knacks. Nein. Sie hatte es verdient, dass ich ihr die letzte Ehre erweise, egal was sie getan oder nicht getan hatte. Wer weiß schon, was wirklich passiert ist.

      Gedankenverloren stieg ich ab und führte Ray auf die Stallgasse, sattelte ihn langsam ab und stand dann wie paralysiert da und starrte seine Beine an, die eben noch Bandagen trugen. Wo waren die hin? „Hey, hast du schon ein Namen für Slap Happy's Hengstfohlen?“ jemand schlug mir unwirsch die Hand auf den Rücken, sodass ich jäh aus meiner Trance erwachte und hochschrak. „Woah, ich wollte dich nicht erschrecken, sry.“ Isaac sah mich stirnrunzelnd an. „Also?“ Seine Gesichtszüge lockerten sich und es bildte sich ein erwartungsvolles Grinsen. Lachte er denn wirklich immer? „Nein, ich hab mir da noch keine Gedanken zu gemacht.“ gab ich zur Antwort und sah in die Bandagentasche, wo jemand feinsäuberlich die Bandagen verstaut hatte. „Warst du das?“ Isaac nickte eifrig. „Danke.“ ich lächelte und packte zu guter Letzt Bandagentasche, Trense und Putzkiste auf einmal um sie in die Sattelkammer zu bringen. Als ich wieder kam stand nur noch Isaac auf der Stallgasse. „Bist du mit deinen Kandidaten durch oder wieso nimmst du mir meine Arbeit weg?“ ich schmunzelte, er sollte sich nicht angegriffen fühlen. „Ach weißt du...“ fing er an und legte mir abermals einen Arm um die Schultern, was mir ein unangenehmes Gefühl einbrachte. „Ich dachte mir, etwas Unterstützung und Aufmerksamkeit, würde dir heute nicht schaden. Als Gine vorbeikam und ein gelachtes „Na ihr zwei Süßen?“ in den Raum warf löste ich mich aus Isaac's Griff und machte mich auf ins Haupthaus um mit meinen Eltern die nächsten Tage zu besprechen. Ich würde nach Catalina's Beerdigung wieder abreisen. Noch ein Jahr Ausbildung in der deutschen Eifel hatte ich vor mir, bis ich wieder endgültig nach England zurückkehren konnte. Die wenigen Tage zu Hause wollte ich dann wenigstens sinnvoll nutzen. „Die Jenkins Brüder aus Kalifornien haben sich gemeldet, sie wollten dich sprechen?“ fragte meine Mutter mehr als dass sie es sagte. „Haben sie gesagt, was sie wollen?“ fragte ich zurück und sie schüttelte den Kopf. „Gut, dann war es sicher nichts Wichtiges.“ Die beiden hatten immer irgendwelche Probleme mit denen ich nichts zu tun haben wollte. Hätte ich ihnen mal nie die Trakehner verkauft... Dann hätte ich heute meine Ruhe. Ich ließ den Tag mit einer Zigarette und meinem Skizzenbuch ausklingen. Ich zeichnete Nonsense... Nichts Nennenswertes, nicht mal etwas, das mit dem Tag heute zu tun hatte. Alles in mir versuchte im Moment auszublenden, was in Wirklichkeit geschehen war. Das machte diese Zeit erträglicher. Die nächsten Tage würde ich viel mit den frisch weitergebildeten Pferden arbeiten. Würde die Zuchtplanungen für nächstes Jahr erledigen und Namen für die drei aktuellen Fohlen finden. Vielleicht fand sich sogar schon ein Interessent für das Reitpony Stutefohlen? Jedenfalls plante ich so, dass zwischen der Arbeit kaum Pausen lagen in denen ich zu viel nachdenken konnte. So zumindest die Strategie.
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      29. Mai 2016
      Neue Gesichter

      Ein gleichmäßiges Surren, ein regelmäßiges Piepsen und hin und wieder Schritte drangen an meine Ohren. Die Lider waren schwer und der gesamte Rest des Körpers fühle sich an wie Blei. Dann kam jemand näher an mich heran, das hörte ich an den Schritten. „Mr. Crowley?“ eine unbekannte Frauenstimme. Ich öffnete die Augen und sah in ein fremdes Gesicht. „Gut Sie sind wach.“ sie lächelte mich an und verschwand wieder. Ich hätte mich so gerne aufgerichtet um zu sehen wo sie hinging, aber mein Körper war zu träge. Wenige Minuten später kam die Frau zurück in Begleitung eine weitere Ärztin. Ich wusste mittlerweile wo ich war. Aber wie war ich her gekommen? „Wie fühlen Sie sich?“ fragte die deutlich jüngere Ärztin und prüfte die Werte, die die Geräte anzeigten, an denen man mich angeschlossen hatte. Mein Mund war staubtrocken, würde ich jetzt etwas sagen wollen, würde es sowieso niemand verstehen. Stattdessen hob ich den Kopf vom Kissen um das Zimmer anzusehen. „Sir?“ sie drückte mich wieder zurück und leuchtete mir in die Augen. „Können Sie mir sagen, welcher Tag heute ist?“ Noch eine Frage... Ich räusperte mich. „Mittwoch.“ meine Stimme war rau, aber besser als ich es erwartet hätte. Die Schwester lächelte immer noch. Sie war von eher plumper Statur und mit Sicherheit schon über vierzig. Die Haare hatte sie zu einem festen Knoten gebunden. „Nun, wir haben Samstag. Nur für's Protokoll.“ Die Ärztin wirkte weniger freundlich, aber vermutlich hatte sie einfach Stress. Sie war jung, vielleicht in meinem Alter? Aber durch die Stressfalten und den strengen Gesichtsausdruck wirkte sie älter. „Mr. Crowley. Wie fühlen Sie sich?“ wiederholte sie mit Nachdruck. Gute Frage! Keine Ahnung. Ich weiß ja nicht mal wie ich hergekommen bin. Das Gefühl fand nach und nach seinen Weg zurück in die müden Glieder. Einen Versuch mich aufzurichten vereitelte die Schwester sogleich. „Was ist passiert?“ fragte ich zurück, da ich keine Antwort auf die Gefühlsfrage wusste. „Woran erinnern Sie sich?“ Fragen... wieder eine neue! Könnte Sie mir nicht einfach antworten. „Mhm...“ ich dachte tatsächlich nach, aber konnte nichts entdecken, was mich hierher hätte bringen können. „Was ist das letzte, was Sie Ihrer Erinnerung nach getan haben?“ Wahnsinn, die Ärztin konnte lächeln. Das Letzte... „Ich hab mein Pferd für ein Turnier vorbereitet und wir wollten es in den Hänger laden. Aber...“ ich legte die Stirn in Falten, das konnte nicht sein. Pendragon ist eines der ausgeglichensten Pferde, die wir auf dem Hof haben. Außerdem... „...das war aber mittwochs.“ Was ist denn passiert, zur Hölle?! Die Ärztin stellte mir noch einige belanglose Fragen, die ich zur Hälfte nicht beantworten konnte. Dennoch wirkte sie am Ende halbwegs zufrieden. „Physisch geht es ihnen den Umständen entsprechend gut. Aber wegen ihren Erinnerungen setz ich einen Psychologen auf sie an, das gefällt mir nicht.“ sprach sie jetzt absichtlich nicht im Fachchinesisch, weil sie mich für irre hielt? Ich nickte nur und sie verschwand. Die Schwester hatte sich schon während des Gesprächs aus dem Staub gemacht.

      Über Mittag wurde ich auf Normalstation verlegt, bekam allerdings ein Einzelzimmer. Gut eine Stunde später trudelte eine abgehetzte Person ins Zimmer, zog einen der umstehenden Holzstühle zu sich und setzte sich erstmal um zu verschnaufen. „Alles okay?“ fragte ich, als die Frau auch nach gut einer Minute noch nichts gesagt hatte. Endlich wandte sie sich mir zu. „Ja, ehm, Mr. Crowley, richtig?“ sie warf einen Blick auf ihr Klemmbrett und sah dann wieder zu mir. Ich richtete mich etwas auf und nickte. „Guten Tag, ich bin Ihre psychologische Betreuung für die nächsten Wochen.“ Hatte ich da jetzt richtig gehört? Für die nächsten WOCHEN?! Ich schluckte, aber sie lächelte mich weiterhin unverhohlen an und rückte näher ans Krankenbett. „Sie haben Schwierigkeiten sich zu erinnern, wie sie hier her gekommen sind, hab ich gehört?“ Sie sagte das mit einer Süßlichkeit in der Stimme, dass ich das Gefühl hatte, sie wollte nun Freundschaft schließen. Psychologenspielerei. „Ja.“ antwortete ich knapp und bemühte mich ihr nicht in die Augen zu sehen. „Das Letzte woran Sie sich erinnern ist, dass sie ihr Pferd transportfertig machten.“ Ich nickte abermals. „Sie reiten?“ Wieder nickte ich. Sie lachte leise. Ihre Stimme war sanft und ruhig, aber dennoch sehr feminin. „Man trifft nicht häufig Männer, die im Reitsport unterwegs sind. Wie kamen Sie dazu?“ Verdammt! Keine Ja/Nein-Frage. Ich atmete tief ein und aus. „Ich bin so aufgewachsen.“ Das war die kürzest mögliche Antwort, die mir einfiel und ich ahnte bereits, dass ihr das nicht reichen würde. Unsicher sah ich zu ihr, in Augen die so grün waren, dass selbst das Gras daneben Grau wirkte. Fesselnd. Ich wandte den Blick ab. Ich wollte ihr nicht zu viel Aufmerksamkeit schenken, auf Psychologengespräche hatte ich keine Lust. „Nun.“ fing sie an und ich atmete laut aus, sah aus dem Fenster auf der anderen Seite des Betts. In eben diesem Moment setzte sie sich noch ein Stück näher an mich heran, näher ging jetzt nicht mehr. Ihre Knie berührten die Stangen des Bettrahmens. „Was genau machen Sie denn im Reitsport?“ Vollendete sie ihre nächste Frage und ignorierte meine Abneigung. „Hauptsächlich Springreiten.“ Wieder eine knappte Antwort. Nichtmal sonderlich spezifisch, aber wenn ich jetzt Military oder Cross Country gesagt hätte, wüsste sie vermutlich nicht mal was das ist. „Und was für ein Turnier war das wo sie mit ihrem Pferd hin wollten?“ - „Springturnier.“ Man war ich dreist. Sie schnaubte verächtlich. „Mr. Crowley...“ sie hörte sich tadelnd an, also wandte ich mich ihr wieder zu. „Ja, Miss...?“ sie hatte mir nicht mal ihren Namen verraten. „OH, mein Name ist Kerry Robertson! Das hab ich in der Eile ganz vergessen.“ Ein verschmitztes Lächeln schlich sich auf ihr Gesicht. Ich schmunzelte zufrieden. War sie neu in dem Job? „Nun, Sie müssen sich etwas auf mich einlassen, sonst klappt das hier nicht.“ Ich schmunzelte weiter und schien sie damit ein wenig aus der nicht vorhandenen Ruhe zu bringen. „Was soll ich machen?“ fragte ich und freute mich innerlich darüber, die Zügel in der Hand zu haben. „Sie... ach...“ Sie winkte ab und vergrub sich in ihren Akten. „So hat das keinen Sinn mit Ihnen. Wenn Sie nicht wollen, kann ich auch nicht helfen.“ Meine Rede... Ich setzte mich nun ganz auf und spürte zum ersten Mal warum das Krankenhaus aktuell der richtige Ort für mich war. Ein betäubender Schmerz zog vom Knie bis hoch in die Hüfte und ließ mich keuchend zurück in die Kissen sinken. „Alles okay?“ diesmal war es Miss Robertson die diese Frage stellte. Ich lachte, da hatte sie gut gekontert. „Alles Bestens!“ log ich und sie spielte an ihrem Pieper rum. „Sie haben auch so einen?“ fragte ich ohne eine Antwort zu erwarten. Der Schmerz ließ langsam wieder nach und ich entspannte mich. „Ja, ich hab auch so einen.“ wiederholte sie lächelnd. „Nun, Sie wirken nicht auf mich, als hätten Sie Spaß daran sich Schmerzen zuzufügen. Wieso haben Sie sich aufgerichtet obwohl ihr Bein kaputt ist?“ Ich schluckte. Ertappt! „Ich hatte keine Ahnung...“ antwortete ich unsicher. „Ich weiß nicht mal was mit dem Bein ist.“ - „Oh, ich schon.“ sie lächelte. „Ich weiß auch wie Sie hier her gekommen sind. Aber ich hätte es lieber, wenn Sie sich selbst daran erinnern würden.“ Die Situation wurde zunehmend unangenehmer für mich. „Interessant, dass Sie scheinbar mehr über mich wissen als ich.“ - „Nicht mehr über Sie, aber mehr über die letzten Stunden, bevor sie hier aufgewacht sind.“ korrigierte sie mich sofort. „Nagut, ruhen Sie sich aus. Ich schicke Ihnen jetzt einen Arzt, nicht dass da noch mehr kaputt gegangen ist.“ sie schielte zu meinem Bein. „Bis morgen. Vielleicht schau ich auch heute Abend nochmal kurz rein um Gute Nacht zu sagen.“ scherzte sie und verließ das Zimmer.

      Am Abend kam Miss Robertson tatsächlich noch einmal rein, davon bekam ich allerdings herzlich wenig mit, da ich bereits schlief. Der nächste Tag begann, indem man mich unwirsch aus einem Traum riss. „Mr. Crowley. Gut, da sind Sie ja. Sie haben im Traum gesprochen, erinnern Sie sich daran?“ Ich war vollkommen außer Atem, nass geschwitzt und absolut verwirrt. Miss Roberston saß vor mir, hellwach, mit einer Tasse Kaffee in der linken, ihrem Klemmbrett in der rechten Hand. „Ich, ehm... nein.“ Ich runzelte die Stirn. „Gut beruhigen Sie sich erstmal.“ Sie beobachtete wie sich mein Brustkorb in viel zu schnellem Tempo hob und sank. Ein paar Minuten Ruhe gönnte sie mir, bis sie mich wieder ansprach. „Erinnern Sie sich jetzt?“ Sie wirkte wesentlich professioneller heute. „Ich bin mir nicht sicher.“ gab ich zu und wühlte in meinen Gedanken. Ich war absolut verwirrt. Wie spät war es eigentlich? Ich suchte verzweifelt nach einer Uhr, doch es hing keine in diesem Raum. „Ich weiß, dass ich nach dem Turnier am Mittwoch nach Hause kam und dass am Samstag, an dem ich hier aufgewacht bin, ein weiteres anstand.“ - „Soso... erinnern Sie sich auch an Details vom Samstag?“ Sie sah nur beiläufig zu mir. Sie war so abweisend. Und wie ich mich erinnerte. „Ja...“ Noch bevor Miss Robertson weiter stochern konnte, erzählte ich von mir aus wie diese Details aussahen. „Wir waren im letzten Drittel der Strecke. Mit wir meine ich mein Pferd und mich. Es war komplett verregnet, wir waren beide bis auf die Haut durchnässt. Bei so einem Turnier keine Seltenheit, das waren wir gewohnt. Dennoch... So erfahren wir auch beide waren, bei einem Wasserhindernis, wo wir von einem kleinen Abhang in Gewässer springen mussten, rutschte mein Pferd beim Absprung ab. Ich erinnere mich noch, dass ich mit einem Fuß im Steigbügel hängen geblieben bin... Weiter weiß ich nicht.“ Die Psychologin nickte anerkennend. „Mehr können Sie nicht wissen, weil sie bewusstlos wurden.“ Mein Magen zog sich zusammen. Was war mit Lamperd passiert? „Wissen Sie ob mein Pferd okay ist?“ fragte ich hoffnungsvoll, doch die Frau schüttelte entschuldigend den Kopf. „Aber vielleicht können Ihnen Ihre Verwandten da weiterhelfen, die dürfen Sie ab heute Nachmittag besuchen.“ Freude mischte sich in das mulmige Gefühl.
      „Gut, wir haben denke ich heute eine Menge erreicht, heute Abend sehe ich nochmal vorbei.“

      Am Nachmittag kamen wie versprochen meine Eltern vorbei. Mit Lamperd war soweit alles in Ordnung, sie hatten aber zur Vorsicht einen Tierarzttermin vereinbart. Selbstverständlich fragte ich auch nach den anderen Schützlingen und hörte nun zum ersten Mal etwas von „den“ Fohlen. Dabei habe ich nur eines im Kopf. Außerdem kam das Gespräch auf Catalina, meine Exfreundin. Ich gab es vor meinen Eltern nicht zu, aber ich hatte keine Ahnung von wem sie da sprachen. Nachdem die beiden wieder weg waren kam jemand und brachte mir ein paar Krücken, damit ich aufstehen konnte. Nach ein paar Übungsschritten, war ich recht sicher unterwegs. Krücken kannte ich schon aus früheren Verletzungen. Miss Robertson fing mich abends vor der Türe ab, wo ich gerade rauchte. „Hier stecken Sie!“ Sie sah mich mit einer Mischung aus Erleichterung und Empörung an. Wie schaffte sie das? Ich stieß einen Schwall Rauch aus und steckte die Zigarette aus. „Schon so spät?“ fragte ich, während ich die angelehnte rechte Krücke wieder in die Hand nahm. Miss Robertson nickte. „Wir können ja etwas spazieren gehen, wenns Ihnen nichts ausmacht?“ Sie schielte auf mein kaputtes Bein. „Gerne.“ gab ich zurück und wir schlenderten langsam in Richtung Krankenhauspark. „Und wie geht es ihrem Pferd?“ - „Gut soweit.“ - „Das ist schön.“ Eine lange Pause des Schweigens trat ein. Wie konnte ich am besten ansprechen, dass ich mich nicht an meine Exfreundin erinnerte? Nicht an sie und nicht an alles was mit ihr zusammenhing? „Was bedrückt Sie?“ - „Wie?“ - „Na hören Sie, ich bin Psychologin, ich merke wenn jemand über etwas grübelt.“ Sie lachte leise und bugsierte mich zur nächsten Bank, wo wir uns setzten. „Mhm... Da... Meine Eltern haben heute Nachmittag eine Frau erwähnt, meine Ex-Freundin...“ - „Ja?“ sie wirkte verwirrt. Konnte sie mir noch folgen oder war das jetzt schon zu kompliziert? Einen Moment zögerte ich, dann fuhr ich fort. „Ich erinnere mich nicht an sie... auch nicht an sämtliche Ereignisse die mit ihr in Verbindung stehen. Es ist mir alles fremd. Klingt das irgendwie logisch?“ Nun war es an Miss Robertson zu grübeln. „Es wäre da natürlich gut mehr über Sie und Ihre Freundin zu wissen.“ - „Ex...“ korrigierte ich. „Und für mehr Infos sind Sie bei mir im Moment falsch...“ ich lachte. Das ganze war so verrückt. Wie konnte man denn eine ganze Person einfach vergessen? „Wäre es möglich ihre Ex-Freundin herzubestellen?“ Ich schüttelte den Kopf. „Sie ist vor Kurzem gestorben.“ Ihre Augen weiteten sich, als hätte sie gerade den Einfall ihres Lebens. „Das wäre möglicherweise eine Erklärung.“ - „Ach ja?“ - „Traumatische Erlebnisse werden manchmal verdrängt.“ - „Aber wieso erst nach dem Unfall?“ Ich war verwirrt. „Weil sie sonst daran kaputt gegangen wären... Ich werde morgen mit ihren Eltern sprechen, wenn Ihnen das recht ist?“ Ich nickte. „Gut, dann belassen wir es für heute dabei.“ Wir standen auf und gingen gemeinsam zurück ins Krankenhaus, wo sich unsere Wege schließlich trennten.
      Die nächsten Tage waren für Miss Robertson sehr aufschlussreich. Sie wusste jetzt wo sie anpacken musste. Mein Erinnerung kam dennoch nicht zurück. Sie riet mir nicht in Panik zu geraten, das würde nach und nach kommen, wenn ich wieder nach Hause käme. Erstmal wurde ich in Reha geschickt, wo ich die nächsten vier Wochen verblieb. Erst danach kehrte ich nach Hause.

      „Oh mein Baby!“ meine Mutter schloss mich wie immer, wenn ich lange weg war oder etwas passiert war in ihren Arm. Dieses mal wehrte ich mich nicht dagegen. Zum einen weil sich das auf Krücken schwer gestaltete und zum anderen, weil doch ganz gut tat. „Miss Robertson hat gesagt sie möchte versuchen mindestens jeden zweiten Tag einmal herzukommen, damit du nicht in die Tagesklinik musst. Sie denkt das wäre hilfreicher für dich in deiner gewohnten Umgebung.“ Ich nickte und lächelte. „Ja, das hat sie mit mir abgesprochen. Alles okay.“ Mein Vater schleppte nach der Begrüßung meine Tasche ins Haus. „Willst du was essen?“ Das änderte sich wohl nie. Ich lachte. „Nein, danke. Ich geh in den Stall.“ Ich wollte sehen ob das meinem Kopf auf die Sprünge half. Zu meinem Entsetzen fand ich hier einige Pferde, die mir nichts sagten. „Haben wir Einstaller bekommen?“ Fragte ich Gine verwirrt, da sie gerade mit CHH' Lamperd auf der Stallgasse stand. Sie schüttelte besorgt den Kopf. „Aber erstmal 'Hi'. Schön dich wieder zu sehen.“ Den Striegel noch in der Hand kam sie auf mich zu und umarmte mich kurz. Sie wirkte furchtbar besorgt. „Alles okay?“ fragte ich schließlich, wer weiß was ich noch vergessen hatte. Ich wollte keinesfalls grob wirken, indem ich meine Mitarbeiter ignorierte. Sie schüttelte bedächtlich den Kopf, eine Träne rollte über ihre Wange. „Was ist denn passiert?“ ich lehnte die Krücken an die Boxentüre und öffnete die Arme um sie zu halten. Kaum hatte sich sie eingeschlossen fing sie an zu schlurchzen. „Hey...“ Behutsam strich ich über ihren Hinterkopf. Dann löste sie sich aus der Umarmung und sah mir mit feuchten Augen an. „Du erinnerst dich wirklich an Nichts?“ fragte sie. „Nun, 'Nichts' ist ein hartes Wort. Ich kenne Lamperd da hinten, ich kenne dich... Slap Happy und Samson sind mir auch ein Begriff und von Slap Happy's Fohlen weiß ich auch noch.“ - „Welches?“ - „Na den braunen Hengst.“ Verdutzt starrte sie mich an. „Moment, du erinnerst dich an Raving Hope Slayer, aber nicht an Bearing Spots und Accomplishment? Wie geht das, die beiden waren vor dem Hengst da.“ Was fragte sie mich das... „An wen erinnerst du dich noch?“ Sie zog mich ein Stück durch die Stallgasse. „Was ist mit dem hier?“ Ihr Blick fiel auf einen braun gescheckten Araber. „Keine Ahnung.“ - „Das ist Majd. Du hast ihn von Catalina bekommen. Genauso wie Eismärchen, Arcany und Pendragon. Arcany ist übrigens die Mutter von Accomplishment.“ - „Mhm...“ Ich hatte längst den Faden verloren. „Den nächsten kenn ich. Das ist PFS' Heart of Ocean.“ Zufrieden grinste ich, während Gine lachte. „Und ich hatte noch zwei Stuten dazu. Iceflower und Princess Sansa.“ Sie nickte anerkennend. „Die beiden sind übrigens bald bereit für ihre Zuchtzulassung, du kannst dir schon mal was überlegen für die jeweilige Kür.“ Sie warf das so nebensächlich rein. Das war doch großartig! Und es würde mich die nächsten Tage etwas ablenken von meinen eigentlichen Problemen. „RAY!“ Hätte mein kaputtes Bein mich schon richtig getragen, hätte ich mich aus Gine's Unterstützung gerissen und wäre zur Box meines zweiten Vollbluthengstes gelaufen. „Ah, den kennst du auch noch, eh?“ Sie grinste und rieb sich mit einer Hand über die noch immer etwas feuchten Augen. „Bear Totem's Denali ha-“ - „Denali kenn ich noch.“ - „Ja, sie ist die Mutter von Bearing Spots. Das zweite fohlen an das du dich nicht erinnerst.“ Wieder brummte ich. „Wo stehen die Stuten?“ - „Sie sind draußen. Komm.“ Gemeinsam schlenderten wir zu den Weiden, wo ich auch Missy und Moulan wieder erkannte, wenn auch nur nach reichlich Überlegungszeit. „Zwei sehr expressionistische Scheckungen.“ fiel mir auf. „Ja, die helle ist Bearing Spots und die Braune ist PFS' Savory Blossom. Sie sind Halbgeschwister.“ Das erklärte die Ähnlichkeit. „Hast du Hunger?“ fragte ich Gine schließlich. Als sie nickte gingen wir ins Haus, sammelten auf der Stallgasse meine Krücken ein und aßen etwas. Meine Mutter freute sich, dass ich mich doch entschlossen hatte noch etwas zu essen, obwohl ich voll war. Es hätte sie gekränkt, wenn ich ohne ihr Essen schlafen gegangen wäre. Die nächste Zeit würde es viel zu regeln geben. Erst am nächsten Morgen begriff ich wie hart es für mich war so viele für mich fremde Pferde im Stall stehen zu haben. Einige davon gehörten noch Catalina und mussten verkauft werden.
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      26. August 2016
      Stuten und Fohlenuntersuchung

      Währenddessen am Flughafen in England...
      Scott erhielt wenige Tage vorher einen Anruf von Hunter Crowley. Ein Großauftrag wie man so schön sagt. Da eine Nachuntersuchung bei Arcany eh noch nötig wäre, beschloss Scott nach England zu fliegen um Hunters Pferde auf mögliche Beschwerden zu untersuchen. Scott verließ den ETA Travel Airport um sich ein Taxi nach Lincolnshire zum BearBrook EC zu holen. Das pendeln verließ diesmal recht flüssig. Schließlich bog das Taxi eine schmale Straße, zwischen zwei großen Feldern ab um den Tierarzt auf den Parkplatz aussteigen zu lassen. Scott bedankte sich und bezahlte das Taxi ehe er sich gegenüber zum Haupthaus begab. Er klingelte, doch es war wohl niemand zu Hause. Grübelnd schlenderte er über den Hof und hielt dabei Ausschau nach Hunter. Im Stall wurde er schließlich fündig. "Hunter!", begrüßte er den kantigen Stallbesitzer. Dieser sortierte gerade das Zubehör, welches willkürlich in einer Ecke geschmissen wurde. "Was ist denn hier passiert ?", fragte Scott stirnrunzelnd, als er das Chaos sah. "Irgendein Idiot hat das gesamte Zubehör rausgeräumt. Schau dir das mal an! War bestimmt Ruby oder einer ihrer Freunde", genervt entwirrte er die Zügel aus der Trense um sie nacheinander zurück am eigentlichen Platz zu hängen. "Tut mir Leid wenn ich gerade ungünstig komme. Aber ich wollte mir deine Pferde ansehen, wir können mit Arcany anfangen", der Tierarzt nach seine Tasche und folgte dem Gestütsbesitzer über den Innenhof.

      "Hier ist die gute", Scott näherte sich dem Reitpony, ließ sich beschnuppern und betrat schließlich die Box. Er bückte sich um den verheilten Hufballentritt am rechten Vorderbein zu kontrollieren. Vorsichtig tastete er die verheilte Stelle ab, Arcany jedoch schien sich nicht daran zu stören. Gelassen blieb sie stehen und fraß dabei etwas Heu. Scotts Kopf wurde schon etwas vollgerieselt. Er richtete sich auf und wandte sich dem jungen Mann zu. "Super, alles verheilt. Dann wollen wir uns mal zu den richtigen Patienten begeben"

      Zuerst führte Hunter ihn zu Bear Totem's Denali und Bearing Spots. Das kleine Vollblutfohlen trabte ausgeglichen neben ihrer Mutter her. "Ich bring dir die Mutterstute rüber, warte noch kurz", Hunter betrat die großflächige Weide und näherte sich der Vollblutstute, um ihr das Halfter überzuziehen. Im Gegenteil zum Fohlen, war die Stute ruhig und entspannt. Sie lies sich problemlos zum Innenhof führen, während Bearing Spots sich weigerte die Weide zu verlassen. Als Druckmittel, nämlich mit ihrer Mutter (Wie furchtbar es auch klingen mag), schaffte Hunter das Fohlen von der Weide zu bekommen. "Gleich wenn ich es mir ansehen will, musst du es aber kurz am Halfter fest halten oder es am Strick machen.", sagte Scott schnell. Hunter führte beide Tiere über den Hof. "Die Stute ist in Ordnung, da kann ich keine Anzeichen auf Lahmheit sehen, aber das Fohlen geht heute nicht gut. Vielleicht wollte es deshalb nicht von der Wiese ? Der Boden auf der Wiese ist ja weich, aber nun steht es auf harten Stein, ich kann mir vorstellen Bearing Spots hat Schmerzen. Aber ich fahre erst mal fort, vielleicht hatte es sich nur vertreten, kann sein dass es gleich wieder normal läuft. "Die Figur der Stute ist gut, das Fohlen sieht etwas dünn aus. Du kannst jetzt stehen bleiben" Er näherte sich dem Fohlen, um es zuerst auf mögliche Verletzungen zu untersuchen. Dabei tastete er den Körper ab und strich mit seinen rauen Händen über die dünnen, schlaksigen Beinchen. Er hob die Hufe nacheinander an, um eine mögliche Verletzung ausschließen zu können. "Hat sich wohl nur vertreten. Ich finde nichts", Scott lächelte erleichtert und leuchtete mit einer kleinen Lampe in die Nüstern, dem Maul und kurz in die Augen. "Die Nüstern sehen nicht so gut aus. Sie hier hat Nasenausfluss. Ich schätze es könnten Würmer sein, das würde die Figur erklären. Ich gebe ihm sicherheitshalber eine Wurmkur, genau sagen – ob es Würmer sind, kann ich aber nicht. Dafür müsste ich eine Stuhlprobe machen. Ich nehme aber an, es sind kleine Stongyliden. Das sind kleine Zwergbandwürmer, die gerade junge Fohlen duch das aufnehmen von Gras oder der Muttermilch bekommen können. Wie gesagt, wenn du ganz sicher gehen willst, mach eine weitere Untersuchung mit Behandlung. Du kannst aber auch abwarten wie es sich entwickelt. Ich werde eh einige Tage bleiben." Dann sah sich Scott die Mutterstute an. Er tastete ihr Fell ab, führte eine Beugeprobe an jedem Bein durch und näherte sich schließlich dem edlen Kopf der Stute. Mit schnellen griffen, leuchtete Scott in Denali's Maul, Nüstern sowie in den Augen. "Reflexe stimmen, kein Ausfluss, alles gut. Zur Sicherheit gebe ich deiner Stute aber auch eine Wurmkur.", er griff nach der Tube aus seiner Tasche, um sie sowohl den Fohlen als auch der Stute zu verabreichen. Anschließend hörte er den Puls mit dem Stethoskop ab und misste die Temperatur vom Pferd. "Die Stute ist gesund und munter. Du kannst die Beiden wieder auf die Weide lassen und mir meine nächsten Patienten zeigen."

      Hunter holte die nächste Stute von der Weide. Raving Hope Slayer war wesentlich entspannter. Das Vollblutfohlen trabte gelassen von der Weide, der Mutter hinterher und ließ sich innerhalb wenigen Sekunden führen. Hunter führte die Beiden mehrmals im Kreis, damit sich Scott ein Bild machen konnte. "Alles gut, keine Anzeichen vom Lahmheit. Fütterungsstand sieht auch in Ordnung aus, dann kann ich jetzt Slap Happys Körper abtasten. Scott strich über das seidig glänzende Fell, bis hin zu den Beinen um erneut eine Beugeprobe durchzuführen. Auch hier schien alles in Ordnung. Er richtete sich auf und öffnete das Maul der Stute. Nachdem er auch hier nichts finden konnte, kontrollierte er Nüstern und Augen. "Alles Top!", sagte er knapp und griff nach seinem Stethoskop. Die Herzfrequenz schien normal zu sein und Scott misste schließlich die Temperatur. "37.6° ist noch im normalen Bereich.", Hunter schien erleichtert über die positive Nachricht. Nun musste auch Raving Hope Slayer durch diese Kontrolle. Scott taste den Körper des Fohlens ab, beugte die Beine und begutachtete die Hufe. Als er auch hier nichts finden konnte, leuchtete er ins Maul, die Nüstern und die Augen. Zu guter letzt misste er Puls und Temperatur. "Dein Fohlen ist gesund. Ich konnte nichts finden", er lächelte freundlich. Nachdem Hunter die Beiden Pferde zurück auf die Wiese gebracht hatte, setzten die Beiden sich auf einen Tee ins Haupthaus.
      6436 Zeichen | © Jackie

      06. September 2016
      Exhausting

      Bei vier Fohlen und zwei Neuzugängen, die eingewöhnt und in den Alltag integriert werden müssen bleibt nicht viel Zeit um über anderes nachzudenken. Die Therapie steckt aktuell auch fest. Ich mein, es geht mir gut... aber Erinnerungen kamen bisher nur wenige zurück. Mit den Pferden bin ich wieder vertraut wie eh und je. Meinem Bein geht es ebenfalls wieder gut. Meine Eltern halten wieder Ausschau nach Pferdetrainern und geben mir immer kurz vorher Bescheid, wenn einer kommt. Zuletzt kam spontan jemand um den Reitponyhengst PFS' Heart of Ocean im Fahren zu trainieren. Er macht es einem nicht leicht, aber er wurde so vorsichtig herangeführt, wie es eben möglich war. Seit gestern ist Ocean offiziell eine Leistungsklasse aufgestiegen. An Iceflower und Princess Sansa kommt er damit zwar nicht heran, aber Eismärchen würde bald ebenfalls auf das A Niveau gebracht werden und dann könnte man daraus ein Gespann bilden. Mal sehen ob das klappt. Noch liefen sich die beiden Tigerschecken nur äußerst selten über den Weg. Die gekrönten Reitponystuten jedenfalls hatte ich meiner Kollegin in Deutschland vermacht. Iceflower und Princess Sansa würden es bei Joicy gut haben.
      Die Fohlen Raving Hope Slayer, Bearing Spots und PFS' Savory Blossom entwickelten sich gut. Herausragend waren sie alle auf ihre eigene Art. Bear Totem's Denali, Arcany und Slap Happy waren wieder vollwertig einsetzbar im Reitsport. Isaac und Gine hatten reichlich zu tun. Ich natürlich auch. Wobei sich meine Arbeit eher bei den Hengsten abspielte, so gerne ich auch mehr Zeit für Scheppi hätte, im Moment war es nicht drin sich ausführlich um meine erste Stute zu kümmern. Nun hatten wir auch noch Scarlet in Birth da, an der Isaac einen Narren gefressen hatte. Moulan war wieder so fit, dass sie auch recht gute Zeiten einlief auf der neuen Rennbahn. Chuckling Dancing Mess brachte gute Leistungen wie immer. Jeder mag Missy. Vielleicht würde sie bald den Besitzer wechseln.
      Mr. Raw Depression, CHH' Lamperd und Pendragon standen gut im Training, da sie für die Decksaison natürlich gut aussehen sollten. Besonders beschäftigte mich bei den Hengsten Majd, den ich vermehrt auf Turnieren vorstellte. Der Araber sammelte so fleißig Punkte, dass er wohl bald für die Hengstleistungsprüfung bereit war. Zu Come Back Cupcake und Samson gesellten sich nun auch zwei Jungpferde: Mephisto und Vikar. Die beiden Gypsy Cobs legten den Grundstein für eine neue Zuchtrasse auf dem Gestüt. Beide Junghengste waren sehr vielversprechend. In erster Linie durften sie aber Kind sein und wuchsen bei den Freizeitpferden auf, weil die Weide für Jungpferde noch im Aufbau war. Eigentlich fing gerade die Phase der Zucht an, in der die Pferde zu 90% zuchtfertig waren, die Ställe gut bestellt, das Personal glücklich und die Kunden ebenfalls. Eigentlich. Uneigentlich fing das Chaos jetzt erst so richtig an. An allen Ecken wurde gebaut. Die Youngsters sollten nicht nur eine eigene Weide, sondern auch einen großzügigen Offenstall bekommen. Nächstes Jahr kamen schon die nächsten Fohlen und dann würde es eng werden, sollten die Ein-, Zweijährigen keinen Platz machen können.
      Das alles heruntergerattert aufzuschreiben zeigt einmal mehr wie hektisch die Tage sind. Die Veränderung klopft von allen Seiten an und verlangt nach Einzug. So schnell konnte ich garnicht laufen um allen gerecht zu werden. Bei weitem nicht. Aber ich tat mein bestes. Heute Stand die Vorbereitung für neue Fohlen an. Sieben Fohlen sollten nächstes Jahr hier zur Welt kommen, wenn alles gut ging. Sieben. Alle außer eines von fremden Stuten, sodass ich zum Teil fremde Stuten auf dem Hof hatte und zum Teil sechs Monate, bis zum Absetzen, immer zwischen dem Hof auf dem die Stute stand und dem Bear Brook EC pendeln musste. Was für ein Spaß. Bei dem Gedanken lief es mir eiskalt den Rücken runter.

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      Haare raufend saß ich am Schreibtisch. Draußen war es bereits dunkel und man hörte nur hie und da ein Wiehern oder Schnauben der Pferde, die nachtaktiv waren. Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass es bereits 11pm war. Egal. Ein weiterer Schluck Kaffee würde mir wieder etwas Energie einhauchen. „Dein wievielter Kaffee ist das heute?“ Die sanfte Stimme Isaacs klang dumpf in meinen Ohren. Ganz so, als hätte ich es nur geträumt. Schließlich war ich alleine hier und alle anderen schliefen bereits tief und fest. Erst als er mir eine Hand in den Nacken legte schrak ich hoch. Das war definitiv eine bessere Methode um wieder wach zu werden, als abermals einen Schluck kalten Kaffees zu nehmen. Verwirrt drehte ich mich um und sah in ein fragendes, aber immer noch freundliches Gesicht. „Keine Ahnung.“ gab ich mit angeknackster Stimme zur Antwort. „Ich zähle nicht mehr mit.“ - „Du solltest schlafen, was machst du da?“ Neugierig wie er war beugte er sich über mich um zu sehen was ich gerade auf dem Bildschirm hatte. „Die Baufirma, hm?“ Die Stirn in tiefe Falten gelegt las er sich die Mail durch, die ich geöffnet hatte. Nickend klappte ich den Laptop zu. „Gibt es Probleme?“ fragte Isaac besorgt, dessen Hand noch immer auf meiner Schulter ruhte. Mit einer sehr langsamen Bewegung hob ich mich aus dem Stuhl und streckte mich in einem Zug. Ein paar der Rückenwirbel knackten vorwurfsvoll. „Hunter?“ Isaac sah mich noch immer fragend an. „Bitte?“ fragte ich, da ich schon wieder vergessen hatte was er wollte. „Schon gut.“ Jetzt grinste er wieder. „Sagmal willst du heute nicht nach Hause?“ Nun war es an mir ihn verwirrt anzusehen. Es war spät und er noch auf dem Hof. Sein Heimweg daurte rund eine Stunde. Das lohnt sich schon fast nicht mehr für ihn überhaupt loszufahren, falls er noch Schlaf haben wollte. Dann bemerkte ich dass er sowieso den Kopf schüttelte. Gut... war das geplant? „Findest du dein Zimmer oder soll ich dir eine Wegbeschreibung geben? Du siehst aus als würdest du nichtmal den Weg zur Tür finden.“ Belustigt deutete er auf die Tür hinter sich. Ich schnaubte verächtlich. „Danke ich komme zurecht.“ Kam ich nicht. Aber das würde ich niemals zugeben. „Gute Nacht, Isaac.“ beendete ich das merkwürdige Gespräch, klemmte mir den Laptop unter den Arm und schlenderte aus dem Wohnraum um ins Bett zu gehen. Die dumpfen Schritte von Isaac verrieten mir dass er auch schlafen ging. Allerdings führte ihn sein Weg in eines der Gästezimmer. Warum schlief er noch gleich hier, diese Nacht?
      Am nächsten Morgen wurde ich unsanft aus dem Schlaf gerissen, als meine Mutter ins Zimmer platzte. „Deine Therapeutin ist da!“ Stöhnend zog ich mir das Kissen über den Kopf. „Wie spät?“ fragte ich, bekam jedoch keine Antwort mehr. Nach ein paar Sekunden Halbschlaf richtete ich mich auf und sah aus dem Fenster. Regen... Großartig. Kein Wunder, dass ich nicht wach werde. „Es ist 9am, Hunter.“ Das war nicht meine Mutter. Hektisch sprang ich auf, wandte mich um und riss dabei mein Smartphone vom Nachttisch. Kerry Robertson lachte und sprach sanft weiter. „Guten Morgen!“ Perplex starrte ich sie an. Mittlerweile hatte sie sich an den Rand meines Bettes gesetzt. Was zur Hölle?! „Setz dich, wir müssen reden.“ - „Darf ich mich vielleicht erstmal fertig machen und einen Kaffee holen?“ fragte ich ein wenig schroffer als gewollt. Sie wandte sich um und sah mich herrisch an. „Nein. Setzen!“ Stumm platzierte ich mich neben ihr und starrte auf den Boden vor uns. „So... Man sagte mir du schläfst kaum und arbeitest dich stattdessen lieber kaputt?“ Finster sah ich auf. „Ist das etwas Neues?“ In ihrem Blick erkannte ich, dass sie mir am liebsten irgendwas über den Kopf gezogen hätte für diesen Spruch... einen schweren Atlas oder einen Ziegelstein vielleicht? „Hunter, ich hab die Macht dich in eine Anstalt zu versetzen. Verscherz es dir nicht mit mir.“ Mit vollster Genugtuung sah sie wie ich mich etwas aufrappelte und sie aufmerksam ansah. „Gut so.“ - „Mach dich fertig, wir sehen uns im Stall.“ Ohne eine Antwort abzuwarten stand sie auf und verschwand. Was war das denn für eine Aktion? Was ist los mit den Menschen?
      Eine kalte Dusche und ein Kaffee weckten die letzten müden Glieder in mir und gut eine halbe Stunde nach Kerrys Auftauchen stand ich auf der Stallgasse. Die Pferde waren schon gefüttert und im hinteren Teil des Stalls stand Kerry zusammen mit Gine. Die beiden hatten Pendragon und Ocean geputzt und gesattelt. Die Hengste vertrugen sich und standen mehr oder weniger ruhig da, während Majd in seiner Box am Rad drehte. Neugierig trat ich an die beiden Frauen heran. „Hey Hunni, ich mach heute die Jungpferde, Isaac ist mit den Stuten beschäftigt und dein Vater hat Lamperd schon zur Rennbahn gebracht und longiert gerade Ray ab.“ erklärte sie mir in einer unmenschlichen Geschwindigkeit. „Und warum stehen die beiden hier gesattelt rum?“ fragte ich als ich alles verarbeitet hatte. „Weil wir jetzt einen Ausritt machen.“ antwortete Kerry. Ich lachte kurz, bis ich erkannte dass sie das ernst meinte. „Ich dachte du reitest nicht?“ fragte ich verwirrt. Sie lächelte und stieg auf Pendragon. „Einen gemütlichen Ausritt kriege ich gerade so noch hin. Los, Aufsitzen!“ Seufzend stieg ich in den Sattel. Gine hatte sogar die Steigbügel schon auf meine Länge eingestellt. „Wohin solls gehen?“ fragte ich während wir auf den Innenhof ritten. Kerry zuckte mit den Schultern. „Irgendwo hin wo es schön und ruhig ist.“ - Wald... dachte ich. Aber auf freiem Feld würde ich mich wohler fühlen, also ritt ich über die große Einfahrt vom Hof und überquerte mit Kerry die Straße. Rechts lag nun ein Rapsfeld und links eine Wiese, die erst gegen Jahresende bestellt werden würde. Es regnete übrigens noch immer, aber so schwach, dass sich das Wasser nur schleichend durch die drei Lagen Stoff grub. Einige Minuten ritten wir schweigend hinterinander her. Irgendwann trabte Kerry Pendragon an und holte auf um mit mir sprechen zu können. „Kann man irgendwo Rast machen?“ fragte sie nur. Misstrauisch sah ich sie an. „Der See ist etwa zehn Minuten entfernt.“ Zufrieden grinste sie mich an. Bis zum See sagte niemand ein Wort. Erst als wir ankamen und Kerry abstieg ergriff ich das Wort. „Was hast du vor?“ mir war mulmig. Beim See war ich schon sehr lange nicht mehr, irgendwas hielt mich fern von hier. Das hatte sich nicht geändert. Alles in mir schrie danach wieder zu gehen. „Ich möchte nur mit dir reden, komm schon.“ aufmunternd sah sie mich an. „Steig schon ab.“ Während sie Pendragon abstellte, stieg ich ab. Ocean stellte ich gleich neben den Braunen. „Komm her und setz dich.“ Kann die auch was anderes sagen? Wortlos setzte ich mich neben sie und starrte mit ihr auf die glitzernde Wasseroberfläche des Sees. „Schön oder?“ fragte sie immer noch glücklich. „Wieso bist du so angespannt? Was erwartest du?“ Sie hatte meinen Blick bemerkt und sich nun etwas mehr an mich gewandt. „Keine Ahnung.“ murmelte ich ohne aufzusehen. „Kannst du schwimmen?“ Mit dieser Frage hatte sie etwas in mir zerbrochen. Ich konnte nichtmal sagen was es war. Was ich wusste war, dass mir jetzt tausende Gedanken durch den Kopf schossen. Alle drehten sich um den See und um die Erinnerung an einen Tag... Erst als Kerry mich erneut ansprach konnte ich klarer denken. „Komm ins Wasser. Das wird dir gut tun.“ Ungläubig sah ich sie an. Sie war mitsamt Kleider einfach in den See gegangen und ein bisschen rausgeschwommen. Das nannte sie Therapie? „Was für eine Methode ist das?“ fragte ich immer noch abgeneigt. Was auch immer sie versuchte, es klappte nicht. „Konfrontationstherapie, Hunter. Komm her, dann erkläre ich es dir.“ sagte sie ruhig und damit so leise, dass ich es fast nicht verstand. Ein hilfesuchender Blick zu den Pferden verriet mir, dass es wohl kaum einen Weg gab der mich am eiskalten Nass vorbeiführte. Langsam tastete ich mich ans Wasser heran bis ich mich schließlich ans Ufer setze. „So jetzt bin ich nass, reicht das?“ - „Nein.“ Ich seufzte schwer und schwamm zu ihr. Wieder schossen Erinnerungen an mir vorbei. Sie waren sehr wage, aber ich wusste jetzt dass ich mit Catalina hier war. Das war damals unser erstes 'Date'. „Können wir wieder an Land? Das Wasser ist eiskalt.“ - „Man gewöhnt sich aber daran.“ warf Kerry ein und grinste mich an. „Willst du dann reden?“ Ich nickte stumm und schwamm zurück. Angestrengt versuchte ich meine Gedanken zu sortieren bis Kerry ebenfalls an Land kam und sich mir gegenüber setzte. „Also?“ fragte sie und suchte meinen Blick. Ich nahm einen tiefen Atemzug bevor ich anfing ihr von dem Tag mit Catalina zu erzählen. Je mehr ich darüber sprach, desto mehr Details fielen mir ein. Am Ende des Tages hatte ich ein klares Bild meiner toten Freundin im Kopf. Sie hatte lange dunkle Haare, dunkler als Kerry und länger. Sie hatte dunkle, fast schon schwarze Augen. Wenn sie sauer war konnten sie sehr bedrohlich wirken. Sie war ein ganzes Stück kleiner als Kerry. Halt. Was mache ich da? Ich kann doch meine tote Freundin nicht mit meiner Therapeutin vergleichen! Erschrocken und verwirrt über diese Gedanken wich ich Kerrys Blicken aus. „Das war gut, Hunter.“ klang die viel zu ruhige Stimme in meinem Ohr. Catalina war da anders... Aber da durfte ich nicht dran denken.
      Wir beide froren wie bekloppt. Wir konnten von Glück reden, dass es aufgehört hat zu regnen und wir wenigstens ein bisschen in der Sonne trocknen konnten bevor wir wieder zum Stall ritten. Ocean und Pendragon freuten sich als wir wieder aufbrachen. Zwei Stunden gesattelt am See zu stehen war sicherlich keine angenehme Beschäftigung für die Hengste. Den Rückweg über sagte wieder niemand ein Wort. Erst als wir die Pferde abgesattelt und in die Boxen gebracht hatten nahm Kerry wieder das Gespräch auf. „Ich glaube, Hunter... Dass die Therapie bald beendet werden kann.“ sagte sie mit einem Gesichtsausdruck der sich nicht entscheiden konnte ob er glücklich oder traurig war. Was war das für ein seltsames Lächeln? „Glaubst du...“ gab ich brummend zurück, während ich Pendragons Halfter an seine Box hängte. Sie nickte stumm. Ungewöhnlich. Wieso sprach sie nicht, hat es ihr die Sprache verschlagen? Als ich mich umdrehte wich sie meinem Blick aus. „Was ist los?“ fragte ich stirnrunzelnd. „Nichts.“ der Unterton der ihrer Stimme mitschwang verhieß nichts Gutes. Ich machte mir nichts daraus und zuckte mit den Schultern. „Nun, hast du Hunger? Ich kann was kochen.“ Wenn man das so nennen konnte. Ich war ein grausamer Koch. Meine Mutter hatte heute keine Zeit dafür und wir waren eher von unserem Ausflug zurück als ich erwartet hatte. Noch immer schwirrten mir die Bilder von Catalina durch den Kopf, aber es ging mir ganz gut damit. Vermutlich würde ich erst heute Abend Gelegenheit bekommen das alles zu sortieren um schlussendlich daran zu verrecken. Seis drum. Kerry lehnte ein Essen ab und fuhr stattdessen wieder ab. Die Therapietage waren immer merkwürdig, aber so schlimm wie heute war noch keiner. Irgendwas stimmte nicht.
      Am nächsten Morgen stand ich freiwillig schon um 4am auf. Ich konnte so oder so nicht schlafen, wenn ich alle halbe Stunde auf die Uhr sah. Wie erwartet hatten mir die Gedanken den Schlaf geraubt. Mit Catalina hatte ich nun abgeschlossen. Mir ist einiges wieder klar geworden und es war eine riesige Last die mir da von den Schultern fiel. Dadurch dass Catalina nun auch schon eine Weile tot war und ich sie so lange verdrängt hatte konnte ich nichtmal traurig sein, dass das was war jetzt nicht mehr ist. Es war wie ein Buch, dass ich nun zuklappen konnte. Viel mehr Kopfzerbrechen bereitete mir Kerry, die sich so seltsam verhalten hatte, dass ich sie am liebsten angerufen hätte. Vermutlich hätte das aber den falschen Eindruck gemacht. Sie war nur meine Therapeutin, keine Freundin. Die Distanz hatte sie bisher immer gewahrt und ich würde sie nicht durchbrechen. Dankbar war ich ihr trotzdem. Der Alltag ließ sich nun trotz der Schlafstörungen einigermaßen gut meistern und laugte mich nicht mehr allzu sehr aus.
      15.822 Zeichen | sadasha
    • sadasha
      Aktuelle Pflege
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      26. Januar 2017 | 8861 Zeichen von sadasha
      Pflege für die Drum Horse und Vollblutzucht, sowie Come Back Cupcake, Arcany + Emrys


      Hunter | Aus irgendeinem Grund war Gine eifersüchtig auf Kerry. Das wusste ich nun. Kerry kam deshalb nur noch selten auf den Hof und Gine sprach kein Wort mehr mit mir, bzw. nur das Nötigste. Das hatten wir schon mal. In der Anfangszeit. Gine müsste mittlerweile wissen, das ich kein Interesse an ihr hatte. Isaac stand zwischen den Stühlen und machte stets einen auf diplomatisch: „Ich verstehe euch ja beide...“ Genervt ging ich meiner Arbeit nach. Dieses Jahr standen wieder einige Termine für meine Stuten an. Der Deckplan war eng gestrickt und je früher ich da Struktur reinbrachte umso besser. Neben den Deckterminen musste ich außerdem meine Jungpferde weiter bringen. Die Fohlen waren jetzt groß genug um langsam an Trense und Sattel gewöhnt zu werden, auch mit leichter Bodenarbeit konnte man anfangen. Allen voran lag PFS' Savory Blossom. Die Spotted Timeout Tochter war schon weiter als die anderen drei Jungpferde. Sie war allerdings auch die älteste. Die jüngste war CHH' Classic Spring. Doch sie holt gut auf und passt sich den nächst älteren Genossen an. Raving Hope Slayer und Bearing Spots waren in der Hinsicht sehr sozial und engagierten sich.
      Neu dazu gekommen, während meiner Abwesenheit sind Riven in a Dream und LMR Lady Luna. Die beiden bunten Vollblutstuten sorgten hier auf dem Hof bei ihrer Ankunft für Aufsehen. Niemand wusste davon und da ich nicht anwesend war und auch kein Mobiltelefon nutzen konnte, blickten meine Angestellten ins Blaue. Natürlich kümmerten sie sich sorgfältig darum die Stuten zu versorgen. Sobald ich wieder zu Hause war schickte ich Riven gleich wieder weg. Sie bekam eine privilegierte Ausbildung. In Norwegen wird sie nun auf ihre Zukunft vorbereitet. LMR Lady Luna wollte ich selber weiter fördern. Neben diesen Planungen schaffte ich es außerdem noch Moulan auf eine Zuchtshow zu bringen und vorzustellen. Hier warteten wir noch auf die Ergebnisse, Scarlet in Birth war auch bald soweit. Wenn ich so daran denke macht es mich sehr stolz zu sehen wie weit ich mit meiner Vollblutzucht schon gekommen war. Mit Slap Happy, Bearing Totem's Denali, Blütenzauber, CHH' Lamperd und Mr. Raw Depression hatte ich einen großartigen Start hingelegt. Mit der Unterstützung von Freunden und anderen lokalen Züchtern schaffte ich es weitere Anwärter zu gewinnen. Dank Isaac, Gine und meinen Eltern setzte sich außerdem der Gedanke in die Realität um eine Kaltblutrasse auf den Hof zu holen. Durch die Drum Horses hatten wir nicht nur eine sondern gleich drei mögliche Kaltblutrassen, nach denen wir Ausschau halten konnten. Iseabail, Lady Lyneth Bowen, Felan, Mephisto und Vikarhatten wir nun schon. Erstmal sollte es bei diesen fünf bleiben. Sämtliche Pferde aus dem Verkaufsstall hatten uns derweil verlassen. Die Konzentration lag also voll bei den eigenen Pferden. Um die Hand voll Einstaller kümmerten sich die jeweiligen Besitzer. „Hunger?!“ Meine Mutter hielt mir einen Teller Essen unter die Nase und riss mich damit aus meinen Tagträumen. „Ja, danke.“ sagte ich immer noch etwas verträumt und probierte von dem Essen. Meine Mutter verschwand sofort wieder. „Du solltest mal wieder mit uns essen.“ sagte sie noch, als sie den Raum verließ und schloss dann die Tür.

      Gine | Wie immer tat Hunter ganz so, als wäre er vollkommen unschuldig. Anstatt mal mit mir zu reden. Nein, der Herr bleibt stumm, wie immer. Was erwarte ich eigentlich? Und Isaac war noch schlimmer. Der schlug sich immer mehr auf Hunters Seite, dabei müsste er mich doch am besten verstehen... Wenigstens konnte ich mich mit der Arbeit ablenken. Hunter tat es mir gleich. Und dass Kerry nicht mehr so oft hier war kam mir auch zu Gute. Sie stand sowieso immer nur im Weg, wenn man die Pferde bewegen wollte. „Ich hab einen Tipp für dich.“ meinte Isaac plötzlich, der ebenfalls in der Reithalle war, als ich Arcany longierte. Emrys lief freudig nebenher. „Ach ja?“ meinte ich säuerlich. „Dann schieß mal los.“ Er schmunzelte. Wieso war er immer gut gelaunt? „Wieso sprichst DU ihn nicht an?“ fragte er immer noch grinsend. „Weil ICH nicht das Problem bin.“ erwiderte ich. Er lachte. „Glaubst du er versteht das, ohne dass du es ihm sagst?“ Nachdenklich vergaß ich fast mich mitzudrehen, während Arcany um mich herumlief. „Mhmmm...“ Isaac hatte recht, aber das wollte ich keinesfalls zugeben. Aber wenn ich Hunter anspreche, bin ich eh nur die wieder Doofe. Also beließ ich es dabei. Da würde ich eher mit Kerry sprechen... Kopfschüttelnd verwarf ich den letzten Gedankengang und konzentrierte mich wieder auf die Fuchsstute und deren Fohlen am anderen Ende der Longe. „Ehrlich, Gine. Reif ist das von keinem von euch. Sei doch mal die Erwachsenere von euch beiden.“ beendete Isaac das Gespräch, während er mit seiner Come Back Cupcake die Halle verließ. Ihn stumm nachäffend holte ich Arcany zu mir um sie noch ein paar Minuten freilaufen zu lassen, bevor ich die Longenstunde beendete.
      Wieder im Stall traf ich auf Hunter. „Hi.“ meinte ich knapp und schlängelte mich an ihm vorbei, da er, wie konnte es anders sein, mitten im Weg stand mit seiner Slap Happy. „Warte.“ er hielt mich am Oberarm zurück und sah mich durchdringend an. „Was ist eigentlich los?“ fragte er ernst. Tief seufzend machte ich wieder einen Schritt zurück. „Willst du jetzt wirklich kurz vor der Arbeit darüber sprechen?“ fragte ich und verschränkte die Arme. Er musterte mich kurz und trenste dann, die schon gesattelte Braune auf, während er weitersprach. „Erzähl, ich höre dir zu.“ - „So nicht.“ meinte ich eingeschnappt und wandte mich ab zum Gehen. „Oor wirklich. Gine! Dann schnapp dir Bear und komm mit verdammt!“ fauchte er mich an und deutete auf die Box der Roanstute. „Geputzt ist sie ja schon.“ Nach einem kurzen Blick zu Slap Happy, dann zu Bear und wieder zurück zu Hunter entschied ich mich. „Aber nur, wenn wir keine Springstrecke laufen.“ - „Dann aber eine längere.“ Hunter wollte einen Kompromiss. Ich stimmte zu und beeilte mich Bear Totem's Denali fürden Ritt vorzubereiten.
      Wir waren gut eine Stunde unterwegs, bevor ich anfing mit Hunter über mein Problem zu sprechen. Und siehe da, er war auch pissed. „Kerry ist schuld.“ hielt ich fest und bekam dafür sofort einen Rüffel. Kerry sei seine Therapie und er brauche sie. Ob ihr diese Wortwahl gefallen hätte? Ich ließ das unkommentiert. „Ich hab sogar schon überlegt einfach zu gehen, nur damit ich dich nicht mehr sehen muss.“ meinte ich geknickt. „Was hielt dich davon ab?“ wollte er wissen. Gute Frage. Das wusste ich selbst nicht so genau. „Die Pferde...“ antwortete ich schließlich. Hunter wusste genau, dass es das nicht war. „Okay, Gine. Wir müssen festhalten, dass wir zwei niemals enge Freunde werden und schon gar nicht etwas darüber hinaus. Und wenn du das nicht akzeptieren kannst, dann musst du gehen.“ Hunter sagte das so ernst, dass es mehr weh tat als wenn man seine Hände auf heiße Herdplatten legen würde. Traurig blickte ich auf den Pferdehals vor mir, der sich im Takt auf und ab bewegte. „Das heißt nicht, dass wir uns hassen müssen.“ fügte Hunter hinzu und lächelte behutsam zu mir rüber. Die nächste Zeit schwieg ich und war stets darauf bedacht eine Pferdelänge hinter ihm zu reiten, damit er nicht sah wie mich seine Worte verletzt hatten.

      Hunter | Erst als wir wieder auf den Hof kamen sah ich, dass Gine aufgelöst war. Ich wusste nicht so recht wie ich damit umzugehen hatte, immerhin wollte ich keine falschen Zeichen senden. Immer wieder während wir die Pferde absattelten prüfte ich ob sie standhaft blieb oder komplett zusammenbrach. Als meine Mutter auf die Stallgasse kam und uns sah fiel mir ein Stein vom Herzen. Sie kümmerte sich nun um Gine und tröstete sie. Als die beiden Vollblutstuten wieder in ihren Boxen standen und alles Sattelzeug in der Kammer lag waren meine Mom und Gine schon ins Haus gegangen. Isaac packte derweil seine Sachen zusammen, da er Feierabend machen wollte. „Habt ihr gesprochen?“ fragte er neugierig als er mich sah. Ich nickte und ging zu ihm. „Habt ihr alles geklärt?“ Ich nickte abermals, wenn auch zögerlich. Ob Gine mich verstanden hatte und meinen Stand akzeptieren würde wusste ich nämlich nicht. „Wieso ist sie so fertig?“ fragte er dann. Schulterzuckend sah ich ihn an. „Sie hat sich vermutlich mehr erhofft.“ Isaac lachte. „Ach was!“ meinte er dann. „Ja was soll ich denn machen? Soll ich sie anlügen?“ fragte ich genervt. Isaac schüttelte immer noch grinsend den Kopf. „Nein, du hast das schon richtig gemacht.“ Er legte mir eine Hand auf die Schulter, während er das sagte. „Ich glaube sie wird nicht mehr lange bleiben.“ sagte ich nun etwas geknickt. Gine war zu einem festen Bestandteil des Hofes geworden. Man würde sie vermissen, wenn sie auf einmal nicht mehr da wäre. „Dann mach was, damit sie nicht geht.“ Verdattert sah ich zu ihm auf. „Was soll ich denn machen?“ Nun zuckte er mit den Schultern. „Überleg dir was.“

      Training

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      Trainingsbericht Military E-A

      Einheit 1 - Dressur
      Fröhlich vor mich hinsummend bog ich in die Auffahrt zu BearBrook`s Gestüt ein. Heute sollte ich mit dem Training ihrer Englischen Vollblutstute Slap Happy beginnen, da wir eine ganz besondere Abmachung hatten. BearBrook besaß nämlich einen wunderschönen Traberhengst und da ich durch den Umbau meines eigenen Gestüts nicht mehr so viel Geld besaß, hatte ich ihr angeboten, zusätzlich ihre Pferde zu trainieren. Ich konnte es noch immer kaum glauben, dass das Ganze tatsächlich so funktioniert hatte, doch umso mehr freute ich mich nun darauf, mein neues Trainingspferd kennen zu lernen.
      Ich sprang aus meinem Auto und wurde sofort von BearBrook begrüßt, bevor es gleich darauf zum Stall ging. Dort stellte Bear mir ihre beiden Vollblüter Slap Happy und CHH`Lamperd vorstellte. Letzteren würde ich ebenfalls trainieren, doch erst einmal war nun Slap Happy an der Reihe. Ich betrat die Box der wunderschönen Stute und hielt ihr meine Hand unter die Nase, bevor ich ihr über den glänzenden schwarz-braunen Hals strich.
      "Sie ist vier und ich nenne sie immer Scheppi. Außerdem geht sie im Springen bereits auf A-Niveau. Ansonsten kann ich dir leider noch nicht allzu viel über die Gute sagen, da ich sie selbst noch nicht lange besitze... Soll ich dir gleich alles zeigen?", meldete sich Bear zu Wort. Ich drehte mich lächelnd um und nickte.
      Bear führte mich über den Hof, zeigte mir die Sattelkammer, den Reitplatz und die Halle, die Hindernisse und schließlich den Weg zur Military-Strecke. Dort würden wir in Einheit zwei trainieren, doch heute war erst einmal die Dressur an der Reihe.
      Wir kehrten in den Stall zurück und während ich Slap Happy aus ihrer Box führte, um sie zu putzen, entschuldigte sich Bear mit den Worten, dass sie noch einiges an Papierkram zu erledigen habe.
      Ich fuhr mit gleichmäßigen Strichen über Happy`s Fell und redete dabei mit der jungen Stute. Sie machte einen aufgeweckten und intelligenten Eindruck und ich war schon sehr gespannt darauf zu sehen, wie sie sich unterm Sattel benahm. Es war einfach immer wieder aufregend, neue Pferde zu reiten. Nachdem ich Scheppi aufgesattelt hatte, führte ich die Vollblutstute aus dem Stall und entschied mit einem kurzen Blick auf das Wetter, dass ich das Training auf dem Platz abhalten würde. Es war ja schon abends und daher nicht mehr so unerträglich heiß.
      Dort angekommen stellte ich die Stute auf der Mittellinie auf, gurtete nach und schwang mich dann in den Sattel. Scheppi drehte die Ohren nach hinten, blieb aber brav stehen. Das war schonmal ein sehr guter Anfang. Meist verbrachte ich nämlich beim ersten Training viel Zeit damit, den Pferden beizubringen, dass sie Stehen zu bleiben hatten, bis der Reiter das Kommando zum Losgehen gab. Ich lehnte mich nach vorn und kraulte die Stute hinterm Ohr, bevor ich sanft meine Waden an ihre Seiten drückte und sie im Schritt antreten ließ.
      Nun wärmte ich Scheppi im Schritt und Trab auf und versuchte dabei, ein Gespür für sie zu entwickeln. Scheppi bewegte sich sehr anmutig und hatte einen ordentlichen Vorwärtsdrang, sodass ich sie eher zurückhalten als treiben musste.
      Beim abgaloppieren konnte ich mir ein Grinsen nicht verkneifen : ich fühlte mich ein wenig, als würde ich auf einem überdimensionalen Schaukelpferd sitzen. Slap Happy hatte einen wunderschönen schwungvollen Aufwärtsgalopp und ich musste mich fast schon zwingen, die eifrige Stute wieder durchzuparieren. Immerhin hatten wir heute einiges vor. Beim Vielseitigkeitsreiten wurde in der Dressur mehr Wert auf Gehorsam und Durchlässigkeit, als auf Versammlung und spektakuläre Gänge gelegt, doch zumindest in Klasse A blieben die Lektionen noch gleich. Wir mussten also die Schritt-Galopp-Wechsel, das Rückwärtsrichten, die Vorhandwendung und Vereck verkleinern und vergrößern erarbeiten.
      Da Scheppi gerade so gut mitarbeitete, begann ich mit den Schritt-Galopp-Übergängen. Dazu ritt ich die schöne Stute im Schritt um die Bahn und gab ihr in der zweiten Ecke der langen Seite die Hilfen zum Angaloppieren. Scheppi sprang sofort eifrig los und ich lobte sie. Schwieriger war es da, das Vollblut vom Galopp in den Schritt zu parieren. Die braune Stute schüttelte den Kopf und und viel zunächst in einen holprigen - und viel zu schnellen- Trab. Ich bemühte mich, ruhig zu sitzen und nahm die Stute allmählich auf, bis sie erst einen ruhigen Trab und schließlich Schritt ging.
      "Na Mäuschen, das müssen wir wohl noch ein bisschen üben.", sagte ich lächelnd zu der Stute, während ich sie erneut aus dem Schritt angaloppieren ließ. Beim zweiten Versuch reagiert Slap Happy schon sehr viel besser und nach einigen weiteren Wiederholungen war ich so zufrieden, dass ich mit der nächsten Aufgabe weitermachen konnte.
      Dazu ließ ich mich aus dem Sattel gleiten und stellte mich vor Slap Happy auf. Nun war nämlich das Rückwärtsrichten an der Reihe und da ich zuvor ja noch nie mit der Stute gearbeitet hatte, wollte ich erst einmal sehen, was sie schon gelernt hatte. Ich ging einen Schritt auf Scheppi zu und übte leichten Druck auf ihre Brust aus. Sofort wich die Stute zurück und ich lobte sie postwendend. Soweit so gut. Das Rückwärtsrichten klappte auch , wenn ich mit seitlich neben Scheppi stellte, weshalb ich mich schon bald wieder auf ihren Rücken schwingen konnte, um das Ganze nun auch vom Sattel aus zu probieren. Ich ritt die Stute zur Bande und parierte sie bei A zum Halten durch. Dann hob ich mich leicht aus dem Sattel, ließ die Zügel anstehen und wartete, ob Scheppi reagieren würde. Als die Stute zögerlich ihr Gewicht nach hinten verlagerte, ließ ich sofort die Zügel locker und lobte sie. Beim nächsten Mal machte Scheppi bereits einen Schritt zurück und als die brave Stute schließlich verstanden hatte, was ich von ihr wollte, trat sie gehorsam eine Pferdelänge zurück. Ich begrenzte dabei die von der Bande abgewandte Seite mit der Gerte, damit Scheppi gerade zurücktrat. "Feines Mädchen, du machst das ganz toll!", lobte ich sie.
      Nun hatten wir schon die Hälfte geschafft und Scheppi war immer noch voll konzentriert bei der Sache, das war schoneinmal ein sehr gutes Zeichen. Ich wiederholte als nächtes zuerst das Schenkelweichen und machte mich dann ans Viereck verkleinern und vergrößern. Dazu stellte ich Scheppi bereits in der zweiten Ecke der kurzen Seite nach außen, trieb dann mit dem äußeren Schenkel vorwärts-seitwärts und legte den inneren verwahrend hinter den Gurt. So ließ ich sie bis kurz vor E Richtung Mittellinie weichen, ritt dann zwei Pferdelängen geradeaus und stellte sie anschließend nach innen, um sie zurück zum Hufschlag weichen zu lassen. Natürlich wiederholten wir die Lektion auch auf der anderen Hand, doch da Scheppi damit keinerlei Probleme hatte, konnten wir uns schon bald darauf der nächsten und letzten Lektion für heute widmen: der Vorhandwendung.
      Wieder ritt ich Slap Happy im Schritt um die Bahn und lenkte sie dann an der nächsten langen Seite auf den zweiten Hufschlag. Dort parierte ich zum Halten durch, stellte das Vollblut wiederum leicht nach außen, drückte das äußere Bein an und legte das innere verwahrend zurück. Zusätzlich hinderte ich sie mit den Zügeln daran, einfach nach vorn wegzulaufen. Ich ließ Scheppi die Zeit, die sie brauchte, bis wir uns schließlich um 180° gedreht hatten. Nachdem die Lektion auch auf der anderen Hand saß, ließ ich die Zügel lang und ritt Slap Happy trocken, bevor ich aus dem Sattel rutschte und die Stute liebevoll umsorgte.
      Anschließend suchte ich BearBrook in ihrem Büro auf und sagte: "Hey, ich wäre für heute fertig! Am besten du wiederholst die Lektionen diese Woche noch mit ihr, nächsten Montag würde ich dann fürs Geländetraining wiederkommen."
      Bear nickte freundlich und begleitete mich noch zurück zu meinem Auto. Ich freute mich bereits jetzt auf das nächste Training mit der schönen Stute!

      Einheit 2 - Geländespringen
      Als ich in der nächsten Woche wieder auf BearBrook`s Hof fuhr, konnte ich es kaum noch erwarten mit Scheppi auf die Geländestrecke zu kommen. Das Wetter war einfach herrlich und da ich mir gestern bereits die Strecke angesehen hatte, wusste ich auch, was wir zu tun hatten. Bear hatte mir schon gesagt, dass sie heute nicht da war, doch da ich mich ja auskannte, machte das überhaupt nichts.
      Zielstrebig ging ich zur Box von Slap Happy, halfterte die Stute auf und steckte ihr dann ein Stückchen Karotte zu, während ich ihr liebevoll über die Blesse strich. Dann begann ich damit, sie zu putzen, legte ihr Gamaschen an und sattelte sie anschließend auf. Gleich darauf zog ich mir selbst Helm, Handschuhe und Schutzweste über, bevor ich die Stute auf den Hof führte. Draußen gurtete ich nach und schwang mich in den Sattel. Scheppi war heute gut aufgelegt, schlug mit dem Kopf und konnte es kaum erwarten, loszukommen.
      "Ist ja gut mein Mädchen, du hast heute mehr als genug Möglichkeiten, deine Energie loszuwerden!", sagte ich lachend zu ihr, drückte ihr leicht die Beine in die Seiten und verließ im Schritt den Hof. Auf dem Weg zur Geländestrecke wärmte ich Scheppi mit Schritt-Trab-Übergängen auf und arbeitete daran, sie schön an meine Hilfen zu stellen. Immerhin musste sie beim Geländespringen zu 100% auf mich hören. Bei der Strecke angekommen, suchte ich mir zwei einfache Hindernisse aus, die ich zum Einspringen benutzen wollte. Scheppi spitzte eifrig die Ohren und setzte mit ordentlich Luft über die Sprünge. Wie erwartet musste ich meine Energie eher darauf verwenden, ihr Tempo zu regulieren.
      Die erste Kombination, die ich einzeln üben wollte bestand aus zwei Baumstämmen. Der erste stand vor einem Abhang - Scheppi würde zwar noch auf ebenem Boden landen, musste jedoch gleich danach den Abhang hinunter gehen. Am Ende des Hangs galt es dann den zweiten Stamm zu überwinden.
      Ich ritt Scheppi zunächst im Schritt um das Hindernis herum, damit die Stute Gelegenheit hatte, sich alles in Ruhe anzusehen. Anschließend ließ ich die Stute angaloppieren und ritt sie geradewegs auf den ersten Baumstamm zu. Scheppi spitzte aufmerksam die Ohren und wir flogen kurz darauf problemlos über den Baumstamm. Danach hatte ich alle Hände voll zu tun, Scheppi`s Tempo zu kontrollieren, da die Stute am liebsten in gestrecktem Galopp den Abhang hinunter gerannt wäre. Das war aber natürlich nicht Sinn der Sache. Vielmehr sollte das Pferd ja sein Gewicht auf der Hinterhand tragen. Ich lehnte mich also zurück, nahm die Zügel ein wenig auf und versuchte so, Scheppi dazu zu bringen, ihr Gewicht zu verlagern. Sobald wir auch den zweiten Baumstamm überwunden hatten, ritt ich das Hindernis erneut an. Diesmal wusste Scheppi was auf sie zu kam und ließ sich schon sehr viel besser händeln. Als nächstes sprangen wir das Hindernis von der anderen Seite. Scheppi sprang mit großen Sätzen den Hang hinauf und wir überwanden das Hindernis problemlos.
      Als nächste Kombination stand ein Wasserhindernis auf dem Programm. Dieses bestand eigentlich einfach nur aus einem seichten Tümpel, an dessen anderem Ufer ein Hindernis aufgebaut war. Slap Happy hob den Kopf und drehte unsicher die Ohren, während sie andauernd umsprang. Ich schüttelte den Kopf und parierte die Stute zum Schritt durch. "Keine Sorge, meine Süße. Wenn du das noch nicht kennst, gehen wir alles ganz langsam an.", beruhigte ich sie. Scheppi schnaubte jedoch immer noch und stämmte schließlich die Beine in den Boden. Ich stieg ab, kraulte Scheppi hinter den braunen Ohren und lockte sie aufmunternd weiter, bis wir schließlich direkt am Ufer standen. Nach einer gefühlten Ewigkeit senkte Scheppi den Kopf und prustete das Wasser an. Als nichts passierte, senkte sie ihr Maul ins Wasser und wandte sich dann schon fast gelangweilt wieder ab.
      "Siehst du? Das ist nur Wasser, kein böses, pferdefressendes Monster. Können wir jetzt dann weitermachen? ", fragte ich die Stute grinsend, während ich mich wieder in den Sattel schwang.
      Ich ritt Scheppi wieder erst im Schritt an das Wasser heran und diesmal bekam ich sie auch dazu, hinein zu waten. Wir drehten zwei Runden im Wasser, dann ritt ich sie wieder zur Startposition und galoppierte an. Scheppi war immer noch nicht begeistert, doch wir durchquerten unter lautem Platschen das Wasser und überwanden auch das anstehende Hindernis ohne Probleme. Ich lobte die Stute ausgiebig, könnte ihr eine kurze Pause und nahm das Hindernis anschließend gleich nochmal.
      Nun war es an der Zeit, einmal die gesamte Strecke zu reiten, da diese zwei Hindernisse mir die meisten Sorgen gemacht hatten. Ich ritt Scheppi zurück an den Start und ließ sie dann kontrolliert vorwärts gehen. Slap Happy blühte richtig auf und reagierte hervorragend auf meine Kommandos. Am Wasser zögerte sie wieder kurz, doch mit ein bisschen Routine würde sie wahrscheinlich schon bald ohne mit der Wimper zu zucken jegliche Wasserhindernisse übewinden.
      Nach dem letzten Hindernis, einer niedrigen Hecke, parierte ich Scheppi zum Schritt durch und ritt gemächlich zurück zu BearBrook`s Hof. Das war ein sehr erfolgreiches Training gewesen und außerdem hatten wir nun den Knackpunkt für den Aufstieg in die Klasse A des Military überwunden. In Einheit drei stand dann nur noch das Parcoursspringen auf dem Programm, doch ich war überzeugt, dass die brave Stute das mit Leichtigkeit schaffen würde...

      Einheit 3 - Springen
      Eine Woche später stand auch schon der dritte und letzte Teil unseres momentanen Trainings auf dem Programm. Ich kehrte gerade vom Reitplatz zurück. Dort war ich die letzte halbe Stunde damit beschäftigt gewesen, uns einen schönen A-Parcours aufzubauen. Für die Militaryklasse waren die Sprünge maximal 1,15 Meter hoch und 1,40 Meter breit. So wie Slap Happy sprang, würde das heute ein spaßiges Training werden, am Sprungvermögen mangelte es der jungen Stute definitiv nicht.
      Ich begrüßte mein Trainingspferd wie immer liebevoll und putzte sie dann ausgiebig. Ich baute zu jedem meiner Trainingspferde eine ganz besondere Beziehung auf und war sehr froh, dass ich Happy noch einige Monate trainieren durfte.
      Nachdem die Vollblutstute gesattelt war, führte ich sie aus dem Stall zum Reitplatz. Sobald Scheppi die Hindernisse sah, begann sie zu tänzeln und schlug aufgeregt mit dem Kopf.
      "Na na, so fangen wir gar nicht erst an. Du darfst dich freuen, aber leg deine Energie lieber ins Springen, anstatt jetzt hier so herumzuhampeln!", wieß ich sie zurecht, während ich nachgurtete, die Steigbügel einstellte und mich dann in den Sattel schwang. Zuerst musste ich Scheppi sowieso aufwärmen. Dabei wurde die eifrige Stute jedesmal schneller, wenn wir uns auf ein Hindernis zubewegten, weshalb ich die Aufwärmübungen ein wenig in die Länge zog, um Scheppi zu zeigen, dass sie nicht einfach machen konnte, was sie wollte. Als die Stute schließlich schön an meine Hilfen gestellt war und gleichmäßig dahin trabte, nahm ich die Trabstangen und Cavaletti in mein Training mit auf. Slap Happy kannte diese Übungen und wir konnten schon kurz darauf zu ein paar niedrigen E-Sprüngen übergehen. Scheppi benahm sich wirklich vorbildlich und setzte sauber über die Hindernisse.
      "Gut, du Süße. Dann gehen wir jetzt mal an die eigentliche Arbeit!", sagte ich voller Vorfreude und lenkte Scheppi auf das erste Hindernis - einen Steilsprung zu. Ein paar Sekunden später segelten wir auch schon darüber hinweg und ich lenkte Scheppi zu einem Oxer. Dabei erlaubte ich der Stute auch, ein wenig an Tempo zuzulegen, was sie nur zu gerne annahm. Mit viel Luft überwanden wir den Oxer. Nun lag es an mir, Scheppi wieder aufzunehmen, da die nächste Station eine zweifache Kombination aus Oxer und Steilsprung war. Wir brauchten Tempo für den Oxer, hatten danach aber nur zwei Sprünge Zeit, um den Steilsprung gut anzureiten.
      Scheppi war immer noch ein wenig zu schnell, als wir den Oxer übersprangen und kam daher etwas zu dicht an den Steilsprung. Trotzdem verweigerte die Stute nicht, sondern sprang steil in die Luft. Die oberste Stange lag zwar am Boden, doch Scheppi war gesprungen und das war die Hauptsache! Ich klopfte ihr den glänzenden Hals, ritt den Parcours zu Ende und nahm zum Schluss noch einmal die zweifache Kombination. Diesmal passte auch der Absprung am Steilsprung besser und wir kamen fehlerfrei über das Hindernis.
      Ich ritt Slap Happy im Schritt trocken, versorgte die Stute und suchte dann Bear, um ihr zu sagen, dass ihre Stute nun im Military auf Klasse A trainiert war.
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      Trainingsbericht Military A-L

      Einheit 1 - Dressur
      Stirnrunzelnd stieg ich an diesem wunderschönen Septembertag aus meinem Auto und sah mich auf dem Gestüt von Jill um. Normalerweise herrschte hier reger Betrieb, doch heute wirkte alles irgendwie verlassen. Ich betrat den Stall und begrüßte als erstes CHH`Lamperd, dann bewunderte ich zwei neue Vollbluthengste. Beide waren bei meinem letzten Besuch noch nicht da gewesen. Als ich zur Box von Slap Happy kam und die Stute sich sofort in die letzte Ecke verzog, wurden die Falten in meiner Stirn noch tiefer. Das sah der neugierigen, aufgeweckten Stute überhaupt nicht ähnlich. Ich musste unbedingt Jill finden. Gerade als ich aus dem Stall kam, lief mir eine junge Frau und ein humpelnder Mann entgegen. Ich lächelte und stellte mich vor: "Hallo, ich bin Samantha O´Neill. Ich trainiere Slap Happy und CHH`Lamperd und würde gerne mal mit Jill sprechen. Ist bei ihr alles in Ordnung?"
      "Ah ja, Jill hat uns schon von Ihnen erzählt, aber sie muss bei der ganzen Aufregung wohl vergessen haben, dass sie heute kommen. Ich bin Hunter und das hier neben mir ist Florence. Wir kümmern uns mit Jill um das Gestüt."
      "Was macht ihr denn da?", ertönte plötzlich eine Stimme hinter uns und ich zog erschrocken die Luft ein, als Jill im Rollstuhl auf uns zukam. Als sie mich erkannte, schlug sie sich mit der flachen Hand an die Stirn. "Ohje, Sammy, ich hab vollkommen vergessen, dich anzurufen. Das tut mir wirklich Leid!"
      "Meine Güte, was ist denn mit dir passiert? Wenn das mit dem Training zur Zeit ungünstig ist, kann ich auch gerne erst nächsten Monat wieder kommen.", sagte ich mitfühlend zu der jungen Frau. Jill sprühte normalerweise vor Lebensfreude, jetzt jedoch sah sie eher verletzlich aus.`Genau wie Scheppi`, ging es mir durch den Kopf. Jill führte mich in ihr Büro und erzählte mir, dass sie bei einem Cross Country Turnier von Slap Happy gestürzt war und die junge Stute bei ihrem letzten Gelände-Training erneut einen Unfall gehabt hatte, bei dem sich Hunter verletzt hatte. Am Sonntag war bereits meine Freundin Eddi da gewesen, um die Stute zu untersuchen und Jill überreichte mir bereitwillig den Bericht. Eddi`s Aufzeichnungen waren wie immer äußerst penibel und ausführlich, so dass ich mir schon bald ein recht genaues Bild von Scheppi`s Zustand machen konnte.
      "Okay und du sagst, sie wurde seit dem Unfall einmal geritten?", fragte ich und fuhr, als Jill nickte, fort: "Sehr gut. Dann lasse ich es einfach sehr langsam angehen. Heute steht ja sowieso erst einmal die Dressur auf dem Programm, damit hat sie ja keine schlechten Erfahrungen gemacht. Das Geländespringen hebe ich mir diesmal einfach bis zum Schluss auf und gehe vorher viel Spazieren, das hat ja auch Eddi empfohlen." Jill dankte mir und ich ging zu Scheppi. Wenigstens war der Stute außer ein paar Kratzern nichts passiert. Ich holte Scheppi`s Putzzeug und auch schon ihre Ausrüstung zur Box, da ich sie heute hier drinnen putzen wollte. Dann nahm ich den Strick vom Haken und öffnete die Boxentür. Slap Happy begann sofort unruhig in der Box umherzugehen. Ich blieb einfach in der offenen Tür stehen und redete leise auf die nervöse Stute ein: "Hey Scheppi-Maus, du kennst mich doch. Wir haben schon so viel zusammen geschafft, das bekommen wir schon wieder hin." Nach und nach wurde Scheppi ruhiger und ich konnte den Strick an ihrem Halfter befestigen und die braune Stute anbinden. Mit geübten Blicken besah ich mir die Stute, fuhr vorsichtig über die fast verheilten Kratzer und prägte mir ein, wo sie sich befanden, damit ich beim putzen nicht versehentlich darüber strich. Dann säuberte ich in aller Ruhe das Fell der Stute, verlas ihren Schweif und kratzte die Hufe aus. Anschließend massierte ich Scheppi vom Hals bis zur Hinterhand. Immerhin wollte ich das Training so entspannt wie möglich beginnen. Wir hatten heute auch wieder einiges vor, da ich mit Slap Happy den Außengalopp, die Kurzkehrt und den einfachen Wechsel erarbeiten musste. Während ich die Stute gemütlich aufsattelte und dabei immer wieder meine Arbeit unterbrach, um sie zu kraulen, merkte ich endlich, dass sie sich entspannte. Lächelnd holte ich ihren schwarzen Schopf unter dem Stirnriemen hervor, der sich so schön von ihrer leuchtend weißen Blesse abhob, dann zog ich mir Helm und Schutzweste an und führte die Vollblutstute aus ihrer Box. Hunter und Florence schauten nur kurz von ihrer Arbeit auf und wünschten mir viel Erfolg. Wahrscheinlich wunderten sie sich, was ich über eine Stunde lang in der Box der Stute getrieben hatte.
      In der Halle angekommen, stellte ich Slap Happy auf der Mittellinie auf, zog die Steigbügel herunter und schwang mich in den Sattel. Die schöne Stute schlug zwar unruhig mit dem Kopf, blieb aber stehen. Ich strich ihr lobend über den glänzenden Hals und ließ sie im Schritt antreten. Die Schwellung am Hinterbein war bereits gut zurück gegangen und auch jetzt vom Sattel aus konnte ich keinerlei Unregelmäßigkeiten feststellen. Ich wärmte Slap Happy trotzdem ein wenig länger als sonst im Schritt und Trab auf und horchte auf jedes noch so kleine Signal von ihr. Scheppi bewegte sich erstaunlich geschmeidig. Sie war zwar recht flott unterwegs, doch das war bei ihr eigentlich nichts neues. Während ich Zirkel, einfache Schlangelinien, Schlangenlinien durch die ganze Bahn, Volten, Übergänge und Handwechsel ritt, wurde die Stute allmählich durchlässiger. Sie nahm den Kopf herunter und wurde weicher im Rücken. Ich gab die Zügel ein wenig vor und lobte sie. Das lief wirklich besser, als ich gedacht hatte. Doch die Hauptaufgabe bei dem Stufentraining würde dieses Mal defintiv im Geländespringen liegen. Langsam wurde es auch Zeit, mit unserem eigentlichen Training zu beginnen. Ich ließ Slap Happy im Arbeitstempo angaloppieren, um mich als erstes dem einfachen Wechsel zu widmen. Er sollte für die intelligente Stute eigentlich kein Problem darstellen, da die Lektion lediglich aus zwei aneinander gehängten Schritt-Galopp-Übergängen bestand. Diese wiederum hatte Scheppi ja bereits in ihrem letzten Training gelernt. Mit einem leichten Annehmen des inneren Zügels ließ ich Scheppi auf den Zirkel abwenden und gab ihr kurz vor X das Kommando zum Durchparieren in den Schritt. Drei Tritte später hatte ich sie umgestellt und galoppierte auf der anderen Hand wiederum an, während wir aus dem Zirkel wechselten. Ich rieb Scheppi lobend über den glänzenden Hals und wiederholte die Übung zunächst auf der anderen Hand und dann noch jeweils einmal auf jeder Hand. Die Vollblutstute arbeitete gut mit und ich freute mich, dass ihre Unfälle sich wenigstens nicht auf das Dressurtraining auszuwirken schienen.
      Als nächstes war der Außengalopp an der Reihe. Zuerst ritt ich mit Scheppi einfache Schlangenlinien, da die junge Stute in den Wendungen bereits eine kurze Strecke im Kontergalopp laufen musste. Nach und nach zog ich den Bogen der Schlangelinie immer weiter in die Länge und wechselte schließlich durch die ganze Bahn. Kurz vor Erreichen des Hufschlags saß ich so ruhig wie möglich, um Scheppi auch ja nicht zum Umspringen zu animieren. Nachdem wir es durch die Ecken der kurzen Seite geschafft hatten, ließ ich die Stute zwei Runden im Außengalopp um die Bahn gehen, bevor ich sie zum Schritt durchparierte und ihr eine kurze Pause am langen Zügel gönnte. "Du arbeitest heute ja fast noch besser mit, als beim letzten Mal. Ich bin wirklich gespannt, wie du dich im Gelände verhälst.", sagte ich leise zu Scheppi, bevor ich sie wieder antrabte. Nun wollte ich das direkte Anspringen im Außengalopp üben. Dazu stellte ich Scheppi auf gerader Linie nach außen, drückte den äußeren Schenkel an und legte den inneren eine Handbreit hinter den Gurt. Die junge Stute hob den Kopf und zögerte, doch dann sprang sie im Außengalopp an und ich lobte sie augenblicklich. Das Ganze wiederholte ich noch einige Male an verschiedensten Punkten der Bahn und schließlich auch auf der anderen Hand. Dann war es auch schon an der Zeit, mit der letzten Lektion für heute - der Kurzkehrt- zu beginnen. Um diese Übung perfekt einzuleiten, ritt ich mit Scheppi den Anfang einer Volte und führte die braune Stute dann weiter in die Biegung hinein, während ich sie mit dem inneren Schenkel seitwärts trieb und die Bewegung mit dem äußeren abfing. Anfangs ließ ich Scheppi immer nur ein paar Tritte wenden, um die Stute bloß nicht dazu zu animieren, sich einfach herumzuwerfen. Mit etlichen Pausen und Handwechseln schafften wir jedoch schließlich die geforderten 180° der Wendung und ich musste nur noch daran arbeiten, die Kurzkehrt aus einer geraden Linie heraus zu reiten und nicht mit der Volte zu beginnen. Als auch das gut funktionierte, ritt ich Slap Happy am langen Zügel gut trocken, ließ mich von ihrem Rücken gleiten und brachte die junge Stute zurück in ihre Box. Dort bekam sie noch einmal eine Massage und einen ganzen Haufen Möhren, bevor ich mich von ihr verabschiedete. Bereits morgen würden wir mit dem Springtraining weiter machen und ich war schon sehr gespannt, was mich dabei erwartete.

      Einheit 2 - Parcoursspringen
      "Brr, ist das schon wieder kalt geworden!", sagte ich bibbernd, als ich mein Auto auf dem Gestüt von Jill abstellte. Heute stand das Springtraining mit Slap Happy an und ich ging geradewegs in die Reithalle, um dort einen netten kleinen Parcours für uns aufzubauen. Da an die Pferde beim Vielseitigkeitsreiten völlig andere Anforderungen gestellt wurden, als an reine Springpferde, wichen die Hindernishöhen und - weiten ein wenig von denen im Springreiten ab. Daher lag die Maximalhöhe für Klasse L bei 1,15 Metern, die Maximalbreite bei 1,40 Metern. Außerdem baute ich auch einen künstlichen Wassergraben mit einer Breite von 1,90 Metern auf. Slap Happy ging im Springen bereits auf M-Niveau, weshalb das hier für sie nur eine kleine Wiederholungsstunde darstellen würde. Aber mir ging es sowieso viel mehr darum, zu sehen, ob sich durch den Unfall etwas an Scheppi`s Springverhalten geändert hatte. Immerhin hatte sie bei ihrem letzten Springtraining im Gelände ihren Reiter hinter sich hergeschleift, so etwas konnte ein so sensibles Pferd wie Scheppi durchaus traumatisieren. Nachdem ich uns einen hübschen Parcours zusammengestellt hatte, der aus sechs Hindernissen, inklusive einer zweifachen Kombination bestand. Außerdem hatte ich auch einige Trabstangen und Cavaletti bereitgelegt, um Slap Happy bestmöglich aufzuwärmen. Wie üblich begrüßte ich auch die anderen Pferde, bevor ich zu Scheppi ging und blieb bewundernd vor der Box eines wunderschönen Scheckhengstes stehen. Bei der ganzen Aufregung letztes Mal hatte ich gar keine Gelegenheit gehabt, diesen Prachtkerl ausgiebig zu betrachten. Sacht strich ich über die weiche Nüster, bevor ich weiter zur Box von Scheppi ging. Da hatte Jill sich wirklich einen tollen Hengst auf ihr Gestüt geholt und ich freute mich schon darauf, seine Entwicklung miterleben zu können.
      "Guten Morgen, Scheppi! Na, wie geht es meiner Prinzessin heute?", säuselte ich, bis ich ein amüsiertes Schnauben hinter mir hörte. Ich fuhr erschrocken herum und blickte in Hunter`s Gesicht. "Entschuldige, ich wollte dich nicht erschrecken. Jill fühlt sich heute nicht so wohl und hat mich gebeten, dich zu fragen, ob du Hilfe mit Scheppi brauchst.", sagte er grinsend. "Naja, du könntest schonmal damit anfangen, dich nicht so an mich anzuschleichen, du hast mich zu Tode erschreckt!", brachte ich lachend hervor, bevor ich mich dem eigentlichen Thema zuwandte: "Ich denke nicht, dass ich Hilfe brauchen werde. Ich lasse es einfach ganz langsam angehen und wenn was ist, würde ich dich rufen, in Ordnung? Ach ja, nach dem Springen möchte ich ein bisschen mit Scheppi spazieren gehen, um sie auf die Geländestrecke vorzubereiten und zu sehen, wie sie sich draußen verhält." Hunter nickte, gab mir für alle Fälle seine Handynummer mit und ging dann seiner Arbeit nach.
      Ich dagegen betrat nun endlich die Box der braunen Vollblutstute und begrüßte sie liebevoll. Slap Happy war schon nicht mehr so abweisend wie gestern und ich hoffte, dass sich das nach unserem Training nicht ändern würde. Wie auch gestern schon, ließ ich mir sehr viel Zeit und machte die Stute in aller Ruhe fertig. Nachdem ich ihr Gamaschen und ihr Vorderzeug angelegt hatte, schlüpfte ich selbst in meine Schutzweste, setzte meinen Helm auf und führte Slap Happy dann aus ihrer Box. Sie tänzelte neben mir her zur Reithalle, doch ich spürte ihre Freude über die Bewegung dahinter. In der Halle angekommen, merkte ich jedoch, dass Scheppi nervös wurde. Sie spielte unruhig mit den Ohren, ihre Tritte waren nun abgehackter und nicht mehr so geschmeidig und sie trug den Kopf hoch erhoben.
      "Ganz ruhig, meine Süße. Heute wird nichts passieren, das verspreche ich dir.", sagte ich leise zu dem Vollblut und schwang mich in den Sattel, als Scheppi gerade einmal eine Minute lang still stand. Dann wärmte ich die Stute ordentlich auf und ritt ein paar Dressurlektionen, darunter natürlich auch die, die wir erst gestern eingeübt hatten. Die Hindernisse ließ ich einfach links liegen. Ganz allmählich wurde Slap Happy ruhiger. Sie nahm den Kopf tiefer, wölbte den Rücken auf und hörte auf, bei jedem noch so kleinen Geräusch zusammen zu fahren. Nun nahm ich auch die Trabstangen mit auf und lächelte, als Scheppi ganz selbstverständlich darüber hinweg schwebte. Auch die Cavaletti stellten kein Problem dar. Den Parcours immer noch außer Acht lassend, galoppierte ich mit Scheppi auf ein E-Hindernis zu, dass ich am anderen Ende der Halle aufgebaut hatte. Die Ohren der Stute zuckten unruhig vor und zurück, doch ich hinderte sie mit meinen Beinen am Ausbrechen und gab ihr kurz vor dem Hindernis einen leichten Klaps auf die Schulter, um sie zum Springen zu animieren. Scheppi setzte in gewohnter Manier über den Sprung hinweg und ich nahm das Hindernis gleich noch ein paar Mal, bis ich merkte, dass ein wenig von Scheppi`s altem Selbstbewusstsein zurück kehrte. Die Stute war nun auch nicht mehr so verspannt, so dass ich es wagte, mit ihr den Parcours zu springen. Zunächst ragte ein Steilsprung vor uns auf, den Scheppi übersprang, als wäre er überhaupt nicht vorhanden. Gleich darauf flogen wir über eine Mauer und dann über eine Tripplebarre. Der vierte Sprung war der künstliche Wassergraben. Slap Happy sprang auf der Geraden davor einmal um, doch mit einer kleinen Aufforderung meinerseits überwanden wir auch diesen Sprung ausgezeichnet. Gleich darauf musste ich Scheppi ein wenig zügeln, da nun die zweifache Kombination vor uns lag. Die junge Stute reagierte bereitwillig auf meine Hilfen und drosselte ihr Tempo so, dass wir den perfekten Absprungspunkt für den Steilsprung erwischten. Zwei Galoppsprünge später setzten wir auch schon über den nachfolgenden Oxer. Das letzte Hindernis bildete eine weitere Tripplebarre, aus bunt gestrichenen Stangen und noch bunteren Blumenkübeln daneben. Doch Scheppi war nun richtig in ihrem Element. Es war einfach ein großartiges Gefühl, das positive Temperament der Stute unter sich zu spüren und ich parierte sie nach dem letzten Sprung ein wenig unwillig wieder zum Schritt durch. Scheppi war gut aufgelegt und hätte mit Sicherheit noch weiter machen können, doch ich wollte das Springtraining so positiv wie möglich abschließen. Also rutschte ich aus dem Sattel, löste das Vorderzeug von den Zügeln und führte Scheppi zu den Stallungen. Dort angekommen befreite ich sie vom Sattelzeug, nur die Gamaschen ließ ich noch drauf. Dann winkte ich Hunter, um ihn zu bitten, mir Scheppi`s Abschwitzdecke zu bringen, da es nun doch schon recht kühl geworden war. An ihrem Halfter befestigte ich mein langes 4-Meter-Bodenarbeitsseil und ein paar Minuten später entfernten wir uns bereits vom Gestüt.
      Ich hatte jetzt schon alle Hände voll zu tun und war froh, dass ich die Gelegenheit hatte, mit Scheppi spazieren zu gehen. Von hier unten konnte ich doch einfach besser auf sie einwirken. Ich redete die ganze Zeit mit der jungen Stute und begann - als mir nichts mehr einfiel - irgendwelche Lieder zu summen. Potenziell gefährliche Dinge, wie seltsam aufgeschichtete Holzstapel, raschelnde Büsche, oder pferdefressende Vögel, beachtete ich überhaupt nicht und lief festen Schrittes weiter. Wenn Scheppi mal stehen blieb, um sich aufzuspielen, oder rückwärts zu gehen, ließ ich das Seil ganz einfach länger, es dauerte nie lange und die Stute folgte mir wieder. Als ich bei einer ebenen Wiese angelangte, machte ich dort ein paar Übungen mit Scheppi. Ich schickte sie rückwärts, ließ sie seitwärts gehen und übte die Vorhandwendung vom Boden aus. Das alles diente dazu, Scheppi von den "Gefahren" um sie herum abzulenken. Tatsächlich war die junge Stute auf dem Heimweg schon sehr viel ruhiger und ich lobte sie überschwänglich. Nach ein paar solcher Spaziergänge sollten wir auch das Training im Gelände beide heil überstehen.

      Einheit 3 - Geländespringen
      Einige Zeit später war es schließlich soweit: Ich wollte mit Scheppi zur Geländestrecke. Jill wartete mit bleichem Gesicht vor der Box, während ich Scheppi fertig machte und die Ausrüstung noch ein letztes Mal kontrollierte.
      "Denkst du wirklich, sie ist soweit?", fragte Jill unsicher. Ich nickte lächelnd: "Ja, sonst würde ich das nicht machen. Mir liegt sehr viel an Scheppi und auch an meiner eigenen Gesundheit. Auf den Spaziergängen hat sie sich wirklich gut angestellt und als wir gestern die Geländestrecke abgegangen sind, war sie auch schon sehr viel ruhiger. Natürlich weiß ich nicht, wie sie reagiert, wenn wir die Strecke reiten, aber ich glaube ganz fest, dass sie es schafft. Also mach dir keine Sorgen."
      Ich hatte Jill zwar Mut machen wollen, aber ich war tatsächlich sehr zuversichtlich. Ich war so viel mit Scheppi spazieren gewesen, dass ich nun fitter war als je zuvor und auch die Stute hatte ordentlich Muskeln aufgebaut. Beim ersten Besuch der Geländestrecke waren wir nicht sehr weit gekommen, da Scheppi sich fürchterlich aufgeregt hatte. Doch wir waren einfach jeden Tag ein Stückchen weiter gelaufen und irgendwann war die Strecke so interessant, wie jeder x-beliebige Feldweg - nämlich überhaupt nicht mehr.
      Ich gurtete ein letztes Mal nach, führte Scheppi zum Springplatz und wärmte sie dort auf, um sie anschließend über ein paar einfache Hindernisse springen zu lassen. Die Geländestrecke lag nicht weit weg und ich wollte, dass Scheppi sich gut einspringen konnte. Schließlich ritt ich die Stute im Schritt vom Hof, winkte Jill nocheinmal lächelnd zu und ritt dann im flotten Trab zum Anfang der Geländestrecke. Slap Happy war heute sehr gut drauf und reagierte auf jede meiner Hilfen. Das intensive Training der letzten Wochen schien sich bezahlt zu machen. Ich hielt es für besser, wieder mit den schwierigeren Hindernissen zu beginnen und erst dann vom Anfang der Strecke los zu reiten. So würden wir auch die Stelle, an der Scheppi mit Hunter gestürzt war, erst später passieren.
      Ich entschied mich, mit dem Wasserhindernis zu beginnen. Im Gegensatz zu dem Hindernis bei unserem letzten Training, musste Scheppi hier nicht nur einen Aussprung, sondern auch einen Einsprung und ein Hindernis in der Mitte des Wassers meistern. Scheppi`s Kopf flog hoch, als ich sie auf den Sprung zulenkte. Unsicher spielte sie mit den Ohren und wechselte andauernd den Galopp. Ich schüttelte den Kopf und parierte die Stute erst zum Trab und schließlich in den Schritt durch. "Scheppi Süße, so wird das nichts. Du kennst das Wasser doch schon. Komm, wir schauen es uns einfach mal ganz in Ruhe an.", sagte ich beruhigend zu dem Vollblut und lenkte Scheppi auf das Wasser zu. Im Zeitlupentempo senkte Scheppi den Kopf, schnupperte erst an dem Hindernis, dann am Wasser selbst. Schließlich setzte sie einen Huf ins Wasser und schlug damit, sodass meine Beine sofort nass waren.
      "Ihhhh, Scheppi du Clown, lass das!", sagte ich lachend. Insgeheim freute ich mich aber, dass die Stute mit dem Wasser spielte. So groß konnte die Angst davor ja dann nicht sein. Also wendete ich die braune Stute und ritt den Hindernis-Komplex erneut an. Diesmal sprang Scheppi ohne zu zögern ab, galoppierte spritzend durchs Wasser, nahm den Sprung in der Mitte und setzte danach auch sauber über die Hecke, die den Aussprung bildete. Ich klopfte ihr begeistert den seidig weichen Hals und ritt sofort zur nächsten Schwierigkeit der Strecke. Diese war eine dreistufige Treppe. Das gemeine hieran war, dass viele Pferde das Hindernis als einen Sprung ansahen, wodurch dann natürlich die Distanzen überhaupt nicht mehr passten. Ich parierte Slap Happy zum Trab durch und ging es wieder einmal langsam an. Das Ganze machten wir zuerst aufwärts und dann auch die Treppe hinunter. Erst als Slap Happy sicher genug war, ritt ich das Hindernis auch im Galopp. Die Stute musste nun nach jeder Landung sofort wieder abspringen, doch sie machte ihre Sache absolut hervorragend. Nun lag nur noch ein Tiefsprung vor uns, dann konnten wir die Strecke einmal im Ganzen reiten. Der Tiefsprung bestand aus einem niedrigen Holzzaun, hinter dem es direkt 1,55 Meter hinunter ging. Ich versammelte Slap Happy und ritt kontrolliert auf den Zaun zu, um sie bestmöglich auf den Tiefsprung vorzubereiten. Scheppi reagierte perfekt auf meine Hilfen und wir kamen sauber unten auf. Ich parierte die junge Stute zum Trab durch, lobte sie und ritt zum Anfang der Strecke. Die ersten Sprünge nahm Slap Happy spielend, doch als wir eine längere, hindernisfreie Strecke entlangpreschten, merkte ich, dass die Stute sich verspannte. Ich nahm die Zügel kürzer und reduzierte Scheppi`s Tempo, als ich das nächste Hindernis kommen sah. Hier war also der Unfall passiert. Scheppi driftete leicht nach rechts, also rahmte ich sie stärker mit den Beinen ein, um sie am Ausbrechen zu hindern. "Du schaffst das, mein Schatz. Heute wird nichts passieren.", redete ich der Stute ermutigend zu und rieb ihren Hals, während wir die letzten Galoppsprünge zum Hindernis zurück legten. Scheppi sprang ab und wir landeten sauber auf der anderen Seite. Ab da war die Strecke das reinste Vergnügen und ich ritt anschließend über das ganze Gesicht grinsend, zurück zum Gestüt. Dort wurde ich bereits von Jill, Hunter und Florence erwartet und Jill platzte sofort heraus: "Wie war es? Wie war sie? Hattest du Probleme? Geht es ihr gut?" Ich saß ab und hob abwehrend die Hände: "Halt, nicht so schnell! Scheppi war anfangs recht unsicher und natürlich auch an dem Hindernis, an dem sie und Hunter gestürzt sind. Aber allmählich wurde sie wieder richtig sicher und hatte Spaß am Springen. Ihr solltet mit ihr das eine Hindernis unbedingt so oft es geht springen, damit sie dieses Erlebnis möglichst schnell vergisst. Ansonsten kann ich nur gratulieren, Scheppi hat damit nämlich den Aufstieg in die Klasse L im Military geschafft!"
      Die drei strahlten um die Wette und verfolgten mich noch zu Scheppi`s Box, um sich das ganze Training detailliert erzählen zu lassen, während ich mich wie immer liebevoll um das braune Stütchen kümmerte. Ich war wirklich unglaublich stolz auf das hübsche Vollblut!
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      Trainingsbericht Military L-M

      Einheit 1 - Dressur
      "Scheppilein, guten morgen du süße Maus!", säuselte ich fröhlich, als ich die Boxentür der braunen Stute öffnete. Nachdem nun Lamperd`s Training für diesen Monat abgeschlossen war, war natürlich auch Slap Happy an der Reihe. Hunter hatte mir erzählt, dass sie sich beim letzten Mal im Gelände vorbildlich verhalten hatte, also sollte ihrem Aufstieg in die Klasse M im Military auch nichts entgegenstehen. Ich strich der schönen Stute liebevoll über die breite Blesse und steckte ihr dann ein Leckerli zu. Es ging doch nichts über ein bisschen Bestechung. Anschließen zog ich Scheppi das Halfter über und band die Stute auf der Stallgasse an, um sie fürs Training fertig zu machen. Dann putzte ich das glänzende Fell der Stute in aller Seelenruhe, bevor ich ihre schlanken Beine bandagierte und sie aufsattelte. Scheppi lief mit schwungvollen Schritten neben mir hier, als ich sie zur Reithalle führte und wartete dann brav, bis ich nachgegurtet und mich in den Sattel geschwungen hatte. Dafür lobte ich das Stütchen auch postwendend und ließ sie im Schritt antreten. Auf unserem Trainingsplan standen heute die Hinterhandwendung, der Halt aus dem Galopp und das Schulterherein. Ich wärmte Slap Happy im Schritt und Trab auf, indem ich wie immer Volten, Zirkel, Schlangenlinien, Handwechsel und Übergänge ritt. Dadurch wurde die Stute auch lockerer und durchlässiger. Schon beim ersten Galopp wusste ich, dass dies ein hervorragendes Training werden würde. Ich spürte zwar bei jedem Galoppsprung die Power, die in der braunen Stute schlummerte, doch Scheppi lief in einem gleichmäßigen, kontrollierten Galopp und reagierte auf jede meiner Hilfen. Im Training für Klasse M zeigten sich nun auch erstmals in den Lektionen die Unterschiede zwischen der Military- und der Dressurklasse. Im normalen Dressurtraining wären heute eigentlich die ganzen Seitengänge wie Travers, Renvers und Traversale auf dem Programm gestanden, doch diese wurden im Military erst ab Klasse S verlangt. Außerdem wurde bei der Vielseitigkeit mehr Wert auf Durchlässigkeit und Gehorsamkeit des Pferdes gelegt, anstatt auf spektakuläre Gänge und höchste Versammlung.
      Ich beschloss mit dem Halten aus dem Galopp zu beginnen und wendete Slap Happy auf die Mittellinie ab. Mit halben Paraden bereitete ich die schicke Stute auf das nun kommende vor und parierte sie bei X zum Halten durch. Scheppi wehrte sich zunächst ein wenig, anscheinend wäre sie lieber weitergaloppiert, doch dann ergab sie sich ihrem Schicksal und kam zum Stehen. Ein prüfender Blick nach hinten verriet mir, dass wir alles andere als geschlossen zum Halt gekommen waren. Scheppe stand schief auf der Mittellinie. Ich trieb Scheppi mit dem Schenkel Tritt für Tritt mit der Hinterhand auf die Mittellinie und tippte anschließend ihr Hinterbein sacht mit der Gerte an, bis wir wirklich schön standen. Dann lobte ich die braune Stute und startete sofort den zweiten Versuch. Diesmal klappte es schon bedeutend besser und nach ein paar weiteren Durchgängen, kam Slap Happy jedes Mal korrekt zum Stehen. Ich streichelte liebevoll den seidigen Hals der Stute und machte mich sofort an die nächste Lektion. Das war in diesem Fall das Schulterherein. Wir begannen wie üblich im Schritt, um die Lektion zu erarbeiten. Ich stellte Slap Happy bereits in der zweiten Ecke der kurzen Seite leicht nach innen, trieb mit dem inneren Schenkel vorwärts-seitwärts und legte den äußeren verwahrend hinter den Gurt. Scheppi zögerte anfangs noch etwas, doch nach und nach wurde die Vollblutstute sicherer und überkreuzte die Vorderbeine. Somit konnte ich auch vermehrt auf ihre Hinterhand achten und tippte sie ab und zu an, damit sie ihre Hinterbeine nicht einfach hinter sich herzog, sondern auch weiterhin schön untertrat. "Fein machst du das, meine Süße, wirklich ganz toll!", lobte ich die Stute fröhlich. Sie arbeitete heute wirklich besser mit, als je zuvor. Wir übten das Schulterherein auch auf der anderen Hand und schließlich im Trab. Bei Letzterem musste ich die Stute zurücknehmen, da sie viel zu übereilt an die Aufgabe heranging. Also arbeitete ich erst einmal wieder an Versammlung und Takt, bevor wir das Schulterherein wiederholten.
      Nachdem das schließlich einwandfrei klappte, fehlte nur noch die Hinterhandwendung. Diese hatten wir ja bereits im letzten Training mit der Kurzkehrt vorbereitet. Als Prüfung ritt ich auf jeder Hand einmal eine Kurzkehrt, dann brachte ich Slap Happy auf dem zweiten Hufschlag zum Stehen. Nun gab ich Scheppi die gleichen Hilfen, wie auch schon bei der Kurzkehrt: Ich stellte die schöne Stute leicht nach innen, trieb mit dem inneren Bein seitwärts und fing ihre Bewegung mit dem äußeren ab. Nachdem wir um 180° gewendet hatten, beendete ich die Lektion mit einer ganzen Parade. Das war nämlich der Unterschied zwischen Hinterhandwendung und Kurzkehrt: Die Hinterhandwendung wurde aus dem Halt geritten und endete auch im Halten, während die Kurzkehrt von der Forwärtsbewegung lebte. Ein letztes Mal wiederholte ich noch den Halt aus dem Galopp und das Schulterherein, dann ritt ich das Vollblut in aller Ruhe trocken, führte es zurück zum Stall und gab der Stute zum Abschied einen dicken Schmatzer auf die Lippen. Als nächstes stand die Geländestrecke an!

      Einheit 2 - Geländeparcours
      "Guten Morgen Hunter! Ich schnappe mir gleich Scheppi, okay?", fragte ich den gut aussehenden jungen Mann an diesem Morgen fröhlich. Das Dressurtraining für den Aufstieg in Klasse M hatten wir ja bereits absolviert und heute ging es endlich wieder ins Gelände. Ich freute mich schon rießig darauf und hoffte sehr, dass Slap Happy genauso gut aufgelegt war, wie bei unserem Dressurtraining.
      Seit Hunter wieder reiten konnte wurde die Stute mehr bewegt und das merkte man ihr deutlich an. Auf Hunter`s Nicken hin, verschwand ich im Stall und begrüßte sogleich meinen auserwählten Liebling unter den Stuten - Scheppi natürlich. Sie nahm sacht das Stückchen Möhre von meiner Hand und zermalmte es genüsslich, während ich ihr das Halfter überstreifte und sie aus der Box führte. Wir hatten perfektes Wetter für unser Geländetraining erwischt: Es war weder zu kalt, noch zu warm und die Sonne schien freundlich vom Himmel herab.
      Ich putzte Slap Happy in aller Ruhe, legte ihr die Gamaschen an und sattelte sie anschließend auf. Danach rüstete ich auch mich mit Schutzweste, Helm und Handschuhen aus und führte die Vollblutstute hinaus auf den Hof, wo ich mich in den Sattel schwang. Scheppi wartete mittlerweile sogar, bis ich ihr das Kommando zum Antreten gab, ich konnte es kaum glauben. Um die Geduld der Stute nicht übermäßig zu strapazieren, ritt ich trotzdem zügig an und wir machten uns im flotten Schritt auf zur Geländestrecke. Nach kurzer Zeit trabte ich Slap Happy an und ritt auf dem Weg ein paar Dressurlektionen, um die Aufmerksamkeit der Stute bei mir zu behalten. Ich fand es sowieso absolut großartig, im Gelände Dressur zu reiten. Als der Anfang der Geländestrecke in Sicht kam, ließ ich Scheppi locker angaloppieren und ritt auf einer großen Wiese im Zirkel. Hier standen auch ein paar niedrige Stangenhindernisse, mit denen sich Scheppi einspringen konnte, bevor ich sie auf die festen Hindernisse der Geländestrecke losließ. In der Klasse M maßen die Geländehindernisse 1,15 Meter in der Höhe, mit Bürste 1,35 Meter. Die Maximalbreite betrug 1,60 Meter und der Tiefsprung hatte eine Höhe von 1,80 Metern. Scheppi war gut an meine Hilfen gestellt und wir flogen mit viel Abstand über die Sprünge. Ich lobte das gehorsame Stütchen und nahm nun endlich die Geländestrecke in Angriff. Als erstes setzten wir über einen aufwändig geschnitzten Baumstamm, galoppierten mit großen Sprüngen über das Gras und nahmen ein breites Blumenbeet. Slap Happy jagte mit gespitzten Ohren voran, gehorchte aber auf jedes Kommando. Es war kaum zu fassen, was die Stute seit unserem ersten Training für eine Wandlung durchgemacht hatte. Trotzdem war ich mir wohl bewusst, dass Scheppi höchstwahrscheinlich jede noch so kleine Unachtsamkeit meinerseits ausnutzen würde. Nun mussten wir ein Waldstück passieren. Ich nahm Scheppi`s Tempo zurück, da die Lichtverhältnisse sich änderten und der Weg zudem recht schmal war. Am Ende des Waldstücks überwanden wir einen weiteren Stamm und preschten auf das erste Wasser zu. Wieder drosselte ich Scheppi`s Tempo vor dem Hindernis, um den richtigen Absprungpunkt zu finden. Wir überwanden eine Art Holzbox, legten die drei restlichen Galoppsprünge ins Wasser zurück und sprangen im Wasser selbst über einen bunt bemalten Fisch. Scheppi beäugte den seltsamen Sprung zwar argwöhnisch, sprang aber mit einem großen Satz darüber hinweg - sie schien einfach froh zu sein, sich schnell wieder von ihm entfernen zu können. Wir galoppierten nun einen Hang hinauf, überwanden einen Weitsprung und galoppierten denselben Hang wieder hinunter, diesmal deutlich langsamer. Der nächste Sprung war eine überbaute Brücke, nicht sonderlich schwer anzureiten. Danach musste ich allerdings ein paar Volten reiten, da die hitzige Vollblutstute unter mir am liebsten sofort losgeprescht wäre, als sie die nun folgende Grasstrecke sah. "Nein, so nicht. Du darfst rennen, aber erst, wenn ich es dir sage!", sagte ich bestimmt und beschäftigte Scheppi solange, bis sie ihren hübschen Kopf herunternahm und wieder lockerer wurde. Erst dann ging ich in den leichten Sitz und gab die Zügel nach. So ungefähr musste sich der Start einer Rakete anfühlen. Scheppi brauchte natürlich keine zweite Aufforderung und wir flogen förmlich über das Gras hinweg. Viel zu schnell näherten wir uns dem Ende der Galoppstrecke und ich nahm die Stute allmählich wieder auf, damit wir in angemessenem Tempo zum nächsten Sprung kamen. Die folgenden Sprünge stellten für die fleißige Stute überhaupt kein Problem dar und schließlich waren wir am letzten Hindernis - wieder einem Wasserkomplex - angelangt. Ich ritt Scheppi im versammelten Galopp zum Einsprung, ließ sie locker durchs Wasser galoppieren und nahm ihr Tempo noch mehr zurück. Der Aussprung aus dem Wasser war nämlich eine Kombination. Sobald Scheppi nach dem ersten Sprung gelandet war, musste sie auch schon wieder abspringen, um den zweiten zu überwinden. Dieses Hindernis war ziemlich anspruchsvoll, doch die braune Stute war noch immer hochkonzentriert und so überwanden wir auch das letzte Hindernis fehlerfrei. Ich klopfte Slap Happy den schweißnassen Hals und ritt am langen Zügel im Schritt zurück zum Hof. Dort angekommen, befreite ich Scheppi von ihrer Ausrüstung, legte eine Abschwitzdecke über ihren glänzenden Rücken und führte sie noch eine Weile im Hof herum. In ein paar Tagen würde ich wieder kommen, um das Training abzuschließen....

      Einheit 3 - Parcoursspringen
      Gähnend betrat ich am Ende der Woche Scheppi`s Box, um die Stute fürs Springtraining fertig zu machen. Den Parcours hatte ich bereit in der Halle aufgebaut, da es an diesem Tag in Strömen regnete. Ich war ja schon auf dem Weg zum Stall fürchterlich nass geworden und hängte meine tropfende Jacke erst einmal an einen Haken. Wie immer begrüßte ich Slap Happy mit einem Stückchen Möhre und putzte die Stute anschließend in aller Ruhe. Wenn das Training heute gut lief, ging Scheppi offiziell auf M-Niveau, was das Military betraf. Hunter und Jill waren sicherlich fürchterlich stolz auf die süße Maus. Ich stattete Scheppi mit Springsattel, Martingal, Gamaschen und Trense aus, zog mir selbst meine Schutzweste über und führte Scheppi hinüber zur Reithalle. Froh, dem ekligen Wetter für eine Weile entkommen zu sein, stellte ich die braune Stute auf der Mittellinie auf, gurtete nach und schwang mich in den Sattel. Scheppi lief mit trippelnden Schritten los und ich brauchte eine ganze Weile, bis sie sich fallen ließ. Nach dem Aufwärmen, widmete ich mich dem Parcours, den ich aufgebaut hatte. Er bestand aus acht Hindernissen, darunter zwei zweifache und eine dreifache Kombination und ein provisorischer Wassergraben mit 3 Metern Breite. Bei den Hindernissen zeigten sich gravierende Unterschiede zu den Klassen im Springreiten. Die Hindernisse waren maximal 1,20 Meter hoch und 1,15 Meter breit. Die Tripplebarre entsprechend 1,65 Meter, während die Maße in Klasse M des normalen Springreitens bis 1,40 Meter in der Höhe und 1,55 Meter in der Breite betrugen. Ich ritt Scheppi locker auf den ersten Sprung - einen grellbunt gestrichenen Steilsprung zu und die Stute setzte sauber darüber hinweg. Auch die nachfolgende Tripplebarre überwand sie ohne weitere Schwierigkeiten. Vor der ersten zweifachen Kombination nahm ich die eifrige Stute etwas zurück, ritt sie im versammelten Galopp durch die enge Wendung und führte sie dann an den richtigen Absprungpunkt, sodass wir gut durch die Kombination kamen. Den einzelnen Oxer überflogen wir ebenfalls und schon befanden wir uns auf der Geraden vor dem Wassergraben. Nun durfte Scheppi auch an Tempo zulegen und ließ sich das natürlich nicht zweimal sagen. Mit einem gewaltigen Satz sprang die Stute über den Graben hinweg und schlug anschließend übermütig mit dem schönen Kopf. Die zweite Kombination schafften wir ebenfalls gut, genauso wie die hohe, knallrot gestrichene Mauer danach. Nun fehlte nur noch die dreifache Kombination. Ich ritt Scheppi in einer engen Wendung, versammelte sie und wir setzten über den ersten Steilsprung. Nach drei kurzen Galoppsprüngen folgte bereits der nächste und nach nur zwei weiteren Sprüngen der abschließende Oxer. Nach dem letzten Steilsprung zog Scheppi jedoch plötzlich an, sodass der Abstand zum Oxer überhaupt nicht mehr passte. Ich schüttelte den Kopf und ritt die Stute in einem Bogen aus der Kombination hinaus. Die junge Stute wehrte sich nun gegen das Gebiss, es gefiel ihr anscheinend überhaupt nicht, dass ich sie vom Springen abgehalten hatte. Also ritt ich erst einmal ein paar Dressurfiguren um die Hindernisse herum, bevor ich die dreifache erneut anging. Diesmal klappte auch alles hervorragend und wir beendeten den Parcours mit einer zufriedenstellenden Leistung. Ich parierte Slap Happy zum Schritt durch, ließ die Zügel lang und lobte das Stütchen begeistert. Wer hätte gedacht, dass sie den Aufstieg in Klasse M so schnell schaffte?
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      Distanz A-> L|7786 Zeichen|by Catalina

      „Hunter?“, verdutzt hielt ich Pünktchen in der Halle an. Der Cousin von Jill führte Schleppi, die eigentlich Slap Happy hieß, in kompletter Montur auf X zu. Der Knabstrupper legte direkt die Ohren an, als Schleppi einfach den Kopf umherwarf und den Hinterhuf anwinkelte. „Hat Jill dich nicht benachrichtigt?“, fragte er verdutzt und krempelte den Ärmel seines schwarzen Pullovers runter. Ich guckte rasch auf mein Handy, eine verpasste Nachricht von ihr war in meinem Whatsapp-Verlauf.

      Jill – Geschrieben am 19.11.2015 um 13.40

      Hey Cata! Hunter kommt mit Slap Happy weil sie für die SK noch ein Schnelltraining braucht! Kannst du sie wo reinschieben? ^~^'

      „Äähm, klar kann ich das machen. Wenn du mir dafür hilfst, Onkelchen für die Weide fertig zu machen, dann kann ich direkt mit ihr losreiten. Aber pass auf, Pünktchen beißt gerne!“ Wir tauschten die Pferde. Die Vollblutstute schnaufte, als ich bei ihr direkt aufsaß und auf den Hof ritt.

      Es war schon zappenduster und die Luft war knarztrocken, als ich mit Slap Happy wieder auf dem Hof ankam. Die zehn Kilometer hatten wir in anderthalb Stunden hinter uns gebracht. Hunter saß in der Reiterlounge und trank einen Tee. „Wolltest du nicht nach Hause fahren?“, fragte ich verwirrt und zog meine Jacke aus. „Hab den Flug verpasst. Ich hoffe, es ist nicht schlimm wenn ich hier auf der Couch schlafe?“, genüsslich schlürfte er einen Schluck und schmatzte. Irritiert blinzelte ich. „Ja, äh, nein! Ich meine, klar kannst du hier schlafen. Wenn du willst, ich habe noch eine Gastwohnung, da kannst du übernachten. Wirst du dann hier noch frühstücken oder wie sieht die Planung aus?“ Hunter zuckte mit den Schultern. „Es soll ja ein Schnelltraining werden, da lohnt sich das Herumfliegen nicht. Wenn es keine Umstände macht...“ Ich schüttelte nur den Kopf. „Ist schon okay. Ich habe noch genug zu Essen. Jedenfalls, die Wohnung ist im zweiten Stock, die Eingangstür steht offen. I-ich gehe jetzt schlafen.“ Warum musste ich ausgerechnet jetzt stottern?!

      Ich war nicht ausgeruht genug, um mitzukriegen, dass Hunter am nächsten Morgen schon in der Küche saß mit einer Stulle und Tasse Kaffee am Tisch und schrieb eifrig an seinem Handy. „Guten Morgen. Hast du gut geschlafen?“, fragte der Mann höflich und schaute mich an. „Ja, habe ich. Sag mal, ich möchte gerne heute einen etwas größeren Ausritt mit Slap Happy machen. Magst du mitkommen oder willst du lieber hier bleiben?“ Hunter legte sein Handy weg und fuhr sich dann durch seine dunklen Haare. Gott, er sah so gut dabei aus, dachte ich und zuckte direkt zusammen. Wie konnte ich das über einen Fremden denken?, schalt ich mich. „Ich bleibe hier. Jill wollte mich noch anrufen.“, meinte er und aß seine Stulle auf. Ich nickte nur einige Male, und ging dann vorbei an ihm zum Kühlschrank, um die Wegzehrung vorzubereiten.
      Nervös tänzelte Schleppi umher, als ich ihren Sattel holte und sie darauf stierte, als sei es der Teufel persönlich. Unverzagt machte ich sie fertig und schaute dann auf den Eingang. Hunter ging in Richtung des Stalls und lehnte sich dann gegen einen der Pfeiler. „Ich will doch mitkommen.“, sagte er und verschränkte die Arme. „In Ordnung. Willst du Schleppi reiten?“ Der Mann schüttelte den Kopf. „Jill und Maya meinten, ich solle mal andere Pferde reiten.“ Maya? „Maya ist die RB von einem unserer Pferde. Wen kann ich den reiten, der auch in der Distanz ausgebildet ist?“ Ich musste nicht lange überlegen und nannte ihm den Namen meines Berberhengstes.

      Es war eine dieser wohltunden Stillen, von denen ich nur wenige hatte genießen dürfen. Das ungleiche Pferdepaar trabte ruhig nebeneinander her. Ein Glück war ich dafür gewappnet und sagte gar nichts. Eine gezwungene Konversation konnte sehr unangenehm sein, also summte ich leise vor mich hin. Die Vögel stimmten in mein Gesumme ein, und irgendwo krähte ein Hahn...
      *
      Kurz nachdem ich geduscht hatte, stand ich schon in der Küche. Neben Hunter kamen heute auch ein paar Kinder aus der Stadt, die bei mir zweimal die Woche auf den Berbern und Ponys reiten durften. Heute waren es nur drei Stück, die aber auch von mir verköstigt werden sollten.Wo Hunter war, wusste ich nicht, aber es war ruhig auf dem Gelände, und ich vermutete er war im Stall oder spazieren. Das nahm ich mir zwar auch nicht unbedingt ab, aber ich war hier schon genug konzentriert auf den Ofen. Aus dem entstieg der würzige Duft von Folienkartoffeln, eingelegt in Öl, Rosmarin, Thymian und Oregano, einer Prise Salz und Pfeffer. Im Kühlschrank warteten sowohl Butter als auch Kräuterquark und Tzaziki auf ihren Auftritt und in der Pfanne brutzelten Fischstäbchen. Nicht sehr originell, aber deutscher ging es halt nicht. Die Fishnuggets zischelten ein wenig, dann wurde die Tür aufgestoßen. „Hallo Ms Dixon!“ Elliot, Candice und Richie stürmten in die Küche und umarmten mich. „Hallo ihr Lieben! Na, habt ihr eure Hausaufgaben mitgebracht?“ Die Zwillinge nickten und packten sogleich am Esstisch ihre Hefte raus. Nur Candice blieb bei mir stehen. „Darf ich erst zu Eismärchen?“ Leise, damit die anderen mich nicht hörten, steckte ich ihr noch zwei alte Knabel in die Hand. „Wenn du ihr das hier noch gibst und dich beeilst – gerne!“ Candice nickte und huschte sofort aus dem Gebäude raus.
      Die Kinder langten kräftig zu. Die Esskultur der Briten erlaubte es ihnen nicht unbedingt regelmäßig, gut gewürzt zu essen, ich selber empfand die meisten Gerichte von der Insel als zu lasch. Hunter saß neben mir und verschlang seine zweite Kartoffel. „Ich werde die Liebe der Deutschen zur Kartoffel nie verstehen.“ „Kartoffeln sind ernährungswissenschaftlich gesehen Beilagen mit einem hohen Sättigungsgrad. Da kommen keine Nudeln ran, Reis schon eher, aber Kartoffeln sind vielschichtig.“, erklärte ich während ich meine Kartoffel mit Quark einstrich und dann etwas aß. „Und dieses perfektionistische Erklären ist auch so eine Unart von euch.“ Augenrollend speisten wir zu Ende.

      „Kannst du den Kindern kurz beim Aufsatteln helfen? Ich hole Schleppi für einen Besorgungsritt.“ Damit verschwand ich auch, um Schleppi aus ihrer Box zu holen. Während des Putzens sinnierte ich über ihren Namen und ihren Spitznamen, denn dieser Kontrast passte gar nicht zu der eher scheuen Stute, die sich von mir gerade im Ohr kraulen ließ und zufrieden brummelte. Statt ihres Dressursattels warf ich ihr Pünktchens Fellsattel drauf, denn da passten auch die zwei kleinen Taschen dran, mit denen ich das Spezialhafer für Corry mitnehmen konnte. Schon in der Stallgasse schwang ich mich auf den Rücken der Stute. Als ich vom Trainingsstall zum Hauptstall ritt, um nach dem Rechten zu sehen, bot sich mir ein göttliches Bild. Corry, Eismärchen und Pendragon standen angebunden vor dem Gebäude und wurden gerade von einem völlig überforderten Hunter aufgesattelt. Natürlich wollten alle Kinder gleichzeitigihre Ponys fertig haben, und ich saß schmunzelnd ab, um dem Mann zu helfen. „Du musst dich bei ihnen durchsetzen, das ist dir klar, oder? Elliot, Richie, ihr könnt das doch alles selber! Beim Trensen einfach das Gebissstück vorwärmen, das finden die Ponys nicht so toll!“ Dann warf ich Corry brüsk den Sattel auf den Rücken. „Und jetzt, hopp hopp! Eure Lehrerin kommt in ein paar Minuten!“ Hunter wirkte mehr als nur erleichtert, als ich ihm auf die Schulter klopfte. „Ich bin weg, müsste in einer Stunde wieder hier sein."
      *
      Corry mampfte seine Portion Hafer genüsslich auf. Elliot steckte ihm noch eine Möhre zu, dann kam ihre Mutter, um die drei abzuholen und gab mir 50 Pfund. „Vielen Dank, Catalina.“, sie umarmte mich, schaute dann schmunzelnd Hunter an und verschwand. Der runzelte die Stirn und folgte mir dann ins Haupthaus. Dort pflanzte er sich nach altmännlicher Tradition aufs Bett und runzelte die Stirn, als sein Telefon mehrfach bimmelte und er abnahm. Er blickte mich kurz an, dann seufzte er und ging nach nebenan. Wenig später kam er miesepetrig zurück. „Was ist?“, fragte ich amüsiert. „Jill hat vorgeschlagen, dass ich noch ein wenig länger hier bleiben soll. Anscheinend kann ich bei dir lernen, wie es ist, ein Pferd weicher zu reiten.“ Ich verdrehte die Augen. „Na, wenn das weiter nichts ist. Morgen gibt es noch einen kurzen Ritt mit Slap Happy, dann kann es los gehen. Morgen wird sie dann schon fertig sein. Und ich werde mir überlegen, welches Pferd du reiten wirst, damit du das auch wirklich lernst.“

      Schleppi hatte sehr viel Spaß, durch den Wald zu brettern. Wie ein kleines Mammut raste sie schon fast im Galopp über die kleine Waldstrecke, die einen kurzen Bogen umschrieb und dann wieder etwas weiter versetzt an der Sommerweide anknüpfte. Als sie dann aber somit die halbe Stutenweide in heller Aufregung versetzte, scheute sie und verpflanzte ihre Hufe direkt in die Erde. Hätte ich nicht mitgekriegt, was die Kleine vorhatte, würde ich jetzt den anderen Stuten Guten Tag sagen. Stattdessen spürte ich nur ein leichtes Ziehen im Rücken und fluchte kurz auf. Musste ich halt mal gleich zum nächsten Veterinärarzt gehen. In einer Gegend, in der es mehr Tier- als Humanärzte gab, war es anzuraten, tatsächlich zu einem Vet zu gehen. Und meiner kannte auch die Pferde und die Gepflogenheiten von vor allem Pünktchen und Corry, und hatte bei mir schon so manche Prellung oder Pferdekuss behandelt. Vom Hof hörte ich ein kratzendes Röhren, und neugierig trieb ich Slap Happy auf das Geräusch zu. Die Vollblutstute weigerte sich kurz darauf, weiter zu traben und schaute voller Gräuel das Ungetüm an, dass Hunter nun vor dem Transporter seines Gestüts hielt. Ich saß ab, klopfte der Stute den Halz und räusperte mich. „Bitte sag nicht, du willst mit dem Ding da hier rumfahren!“ „Quatsch nein! Der Transporter ist groß genug, um meine Maschine mit aufzunehmen.“ Mir fiel ein Stein vom Herzen. „In Ordnung. Bist du bereit für ein wenig Dressurunterricht?“
    • sadasha
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      13. April 2017 | 12.988 Zeichen von sadasha

      „Du bist komplett dehydriert. Trink mal was!“ Kerry war aus dem Nichts aufgetaucht und streckte mir eine Flasche Wasser entgegen. Doch ich hatte jetzt keine Zeit, Emrys war drauf und dran sich mit Niffler anzulegen und im schlimmsten Fall würde das blutig enden. „Später.“ Gab ich Kerry zurück und ließ sie stehen um die Koppel zu betreten, die wir eigens für die Junghengste abgesteckt hatten. Das Shetlandpony hatte hier nichts verloren. Mit großen Schritten ging ich auf den Rappen zu, der noch ausreichend Abstand zu Emrys hatte, der Niffler aus der Ferne angiftete. Gerade als ich Niffler an der Mähne packen wollte sprach Kerry mich erneut an und war näher als ich dachte, weshalb ich erst mal zusammenzuckte und mich dann umdrehte. „Kann ich helfen?“ fragte sie und deutete zu Niffler, der wohl noch nicht sicher war ob er sich mit Emrys anlegen wollte oder nicht. Immerhin war das junge Reitpony schon so groß gewachsen, dass es mehr Masse hatte als das Shetty, flinker war es sicher auch. „Geh runter von der Koppel.“ befahl ich Kerry, die sofort Richtung Zaun verschwand. Im Gegensatz zu Gine, wusste sie, wann ich etwas ernst meinte und vertraute auf mein Wort im Umgang mit Pferden. Gerade hatte ich mich noch versichert, dass Kerry außerhalb des Zaunes stand fing hinter mir das Gequietsche schon an. Ich machte abermals ein paar Schritte in Richtung der Hengste. Als sie mich sahen bewegten sie sich immer noch zankend von mir weg. Irgendwie schaffte ich es dann doch Niffler von der Koppel zu jagen. Draußen wartete schon Gine um ihn abzufangen und in seine Box zu bringen. Schwer atmend stemmte ich die Hände auf die Knie und verschnaufte kurz, bevor ich die Koppel ebenfalls verließ. „Jetzt aber!“ Schon wieder hielt mir Kerry die Wasserflasche fürs Gesicht, diesmal nahm ich sie dankend entgegen und nahm einen großen Schluck daraus. „Siehst gleich viel besser aus.“ feixte sie. „Hunter? Ich hab eine Frage an dich.“ Sie sah mich mit so großen Augen an, dass ich vom Schlimmsten ausging. Was konnte sie wollen? Mehr Gehalt? Ein fertiges Therapiepferd, damit sie endlich Stunden geben konnte? „Gehen wir rein?“ fragte sie. „Eigentlich hab ich dafür keine Zeit.“ beteuerte ich und das war nicht mal gelogen. In den letzten Tagen hatte ich zusammen mit Isaac und meinem Vater die Geländestrecke wieder betriebsfertig gemacht und die Pferde brannten darauf endlich wieder einheizen zu können. Isaac war im Moment auch schon draußen mit seiner Come Back Cupcake und eigentlich wollte ich längst mit Slap Happy gefolgt sein. Kerry schien zu sehen, dass meine Gedanken gerade ganz woanders kreisten und nahm mich einfach am Arm und schliff mich Richtung Haus. „Aber mach es bitte kurz.“ drängelte ich. Drinnen angekommen schnappte sich Kerry zwei Tassen und füllte sie mit Kaffee, der schon seit zwei Stunden in der Kanne stand. Er reichte gerade so für ihr Vorhaben. „Wir trinken die jetzt und währenddessen erzähle ich dir meine Frage. Danach kannst du gehen.“ Kerry hatte immer irgendwelche Taktiken auf Lager, die einem kaum Spielraum ließen sich der Situation zu entziehen. Vermutlich weil sie Psychologie studiert hatte? Jedenfalls nahm ich die Tasse entgegen und lehnte mich damit gegen die Küchentheke. „Also, du weißt ja dass ich im Moment mit Mephisto arbeite. Er ist super!“ fing sie an und ich lauschte stumm. „Und ich bin auch absolut zufrieden mit ihm und möchte kein weiteres Pferd.“ Jetzt machte sie mich stutzig, doch ich sagte noch nichts. „Aber ich… hab einen Kurs gesehen. Bei dem nicht nur Mephisto etwas lernen könnte, sondern auch ich.“ Erleichtert lächelte ich. „Und dafür mussten wir rein gehen?“ fragte ich grinsend, doch sie blieb ernst. „Mein Problem ist nur, dass der Kurs in Schottland ist und ich hab keinen Hängerführerschein und ohne Mephisto macht der Kurs keinen Sinn. Außerdem dauert der Kurs einen Monat. Solange würde ich hier fehlen.“ Das war allerdings eine Problematik die ich auf die Schnelle nicht bedacht hatte. „Wo in Schottland?“ – „Dinnet bei Ballater.“ Das hatte ich noch nie gehört, musste ein kleines Dorf sein. „Es ist nicht ganz im Norden, aber schon ein Stück zu fahren.“ – „Ich überleg mir was.“ Mehr wusste ich im Moment nicht dazu zu sagen. Ich musste mich erst mal informieren ob der Kurs den Aufwand wert wäre und wie man dort hin kommen könnte ohne dass einer der Trainer den Hof verlassen muss.

      Kerry nahm einen letzten Schluck von ihrem kalten Kaffee, an dem ich nicht einmal genippt hatte. Dann bedankte sie sich für das Gespräch, schrieb mir alle wichtigen Eckdaten zum Kurs auf einen Zettel und ging raus um weiter mit Mephisto zu arbeiten.
      Den Tag über verschwendete ich keinen weiteren Gedanken an Kerrys Kursidee, sondern arbeitete ausgiebig mit Emrys. Immerhin war der Jährling bald zwei Jahre alt und irgendwie kam er doch immer etwas zu kurz. Er ließ sich nur ungerne aufhalftern und auch beim Hufe geben zeigte er sich stur. Wenigstens ließ er sich problemlos überall anfassen, putzen und hin führen. Als ich mit dem Reitponyhengst durch war schnappte ich mir Moulan. Die Rappstute freute sich ausgiebig bewegt zu werden und war heiß auf die Rennbahn. Wir hatten so lange an der Ovalbahn gebaut und endlich war sie fertig. Zumindest die Bahn. Das Rasenstück im Herzen der Rennbahn war noch weitestgehend unbebaut. Hier sollte dann bis nächstes Jahr noch ein Fahrparcours entstehen, auf dem wir unsere Reitponys und Niffler ordentlich auspowern können. Vielleicht würde mein Vater dann auch wieder mehr Sport machen. In den Sattel wollte er nicht mehr, was ich sehr schade fand.
      Moulan lief heute großartig. Sie holte noch einmal alles aus sich heraus undvielleicht würden wir sie bei der nächsten Saison nach ihrer Trächtigkeit nochmal starten lassen. Erst mal jedoch würde sie in Mutterpause gehen. Ikarus stand als Vater für ihr erstes Fohlen schon fest, wir mussten nur auf ihre Rosse warten. „Brrrt!“ Moulan parierte zum Schritt und kam mit wachen Augen auf mich zu. Ihre Nüstern waren noch immer gebläht und ihr Atem pumpte. Ich machte den Strick fest und führte sie quer über den Hof, damit sie sich runter kühlen konnte. Als sie nicht mehr pumpte legte ich ihr eine Abschwitzdecke auf und brachte sie auf die Koppel.
      Am Abend setzte ich mich an den Rechner. Links von mir Kerrys Zettel mit den Daten zu ihrem Kurs. Bis der Rechner hochgefahren war hatte ich meinen Kaffee schon halb leer. Doch dann endlich konnte ich mit meiner Recherche anfangen. Es stellte sich heraus, dass der Kurs tatsächlich recht renommiert war und Kerry dort eine ordentliche Ausbildung erfahren würde. Auch mit meinen Eltern sprach ich über diese Idee und über Möglichkeiten, Kerry den Wunsch zu erfüllen. „Du musst so oder so noch jemanden fest einstellen. Die Lösung mit Tom ist nur vorübergehend. Du weißt, dass er bald wieder weg muss und dann stehst du wieder vor stressigen Zeiten.“ Da hatte meine Mutter recht. Mein Vater nickte abwesend, was mir jedoch reichte.

      Der nächste Tag war voll von Büroarbeit. Für die Pferde hatte ich keine Zeit. Es galt den Kursaufenthalt zu planen. Wieder suchte ich stundenlang nach einem potentiellen neuen Arbeiter für den Hof und wieder war einfach nicht der oder die Richtige dabei. „Essen ist fertig. Kommst du?“ Ich wank ab. Essen war das letzte woran ich jetzt dachte. War es schon so spät? Ein flüchtiger Blick auf die Uhr verriet mir, dass es bereits um Mittag war. Die Tür fiel wieder ins Schloss und so arbeitete ich weiter. Kerrys Kurs war nun in trockenen Tüchern. Tom würde noch so lange bleiben, aber sobald Kerry wieder da ist, würde er verschwinden und dann hätten wir wieder ein Problem. Kerry war kein Ersatz für einen Pferdetrainer, so toll dieser Kurs auch sein mochte. Er bildete sie als Therapeutin weiter, nicht als Pferdeausbilderin.
      Gerade schrieb ich einige Eckdaten auf, die ich mir für den morgigen Tag noch merken wollte, da ging hinter mir die Türe auf. „Du isst jetzt was!“ hörte ich den Befehlston von Kerry. Ich lachte leise und drehte mich in meinem Schreibtischstuhl um. „Danke.“ gab ich zurück und stellte den Teller ab. Da Kerry noch da war ging ich davon aus, dass sie noch etwas wollte. „Hast du dir die Sachen angesehen?“ wollte sie wissen. Ich nickte und sah kurz rüber zu meinem Zettel, den ich eigentlich gerade schrieb. „Und?“ – „Sieht gut aus.“ meinte ich knapp und drehte mich wieder um und fing an meinen Schreibtisch aufzuräumen. Für heute war genug Arbeit im Büro getan. „Nichts weiter?“ Kerry ließ nicht locker und versuchte einen Blick darauf zu erhaschen, was ich heute aufgearbeitet hatte. Als ich alles halbwegs sortiert und den Rechner heruntergefahren hatte stand ich auf. „Du machst den Kurs.“ meinte ich beiläufig. Vollkommen unerwartet sprang Kerry auf mich zu und umarmte mich unbeholfen. „DANKE!“ – Ein wohliges Brummen musste als Antwort genügen. Vorsichtig löste ich mich aus ihrer Umklammerung. „Ich geb dir morgen alle genauen Daten.“ Den einen Tag wollte ich mir noch Zeit lassen um alles auf Richtigkeit zu überprüfen. „Okay. Was machst du jetzt? Gehen wir ausreiten? Hast du Zeit?“ Wow, drei Fragen auf einmal. Prüfend sah ich sie an. „Können wir machen.“ Die Reitponyhengste würden sich freuen, dachte ich mir. Zumindest zwei von ihnen.
      „Seit wann ist der denn hier?“ Wir waren schon eine gute halbe Stunde unterwegs, als Kerry endlich den zweiten Gang bei Pendragon entdeckte und aufholte. „Zuckerwatte ist schon seit einer Woche hier.“ gab ich zurück und sah sie kurz an. „Nimm die Zügel kürzer und gib ihm mehr Druck, der schläft ja gleich wieder ein.“ korrigierte ich sie knapp. Sie tat wie geheißen und war jetzt neben uns. „Der ist schön, eignet der sich nicht als Therapiepferd?“ sie grinste. Die Frage war nicht ernst gemeint, aber den Gedanken konnte ich nachvollziehen. Zu Mephisto würde Zuckerwatte äußerlich wunderbar passen. Aber sie hatte Vikar. Der Tinker eignete sich charakterlich besser als Zuckerwatte und obwohl er viel dunkler war als Mephisto, würde auch er eine gute Ergänzung sein. Kerry folgte diesem Gedanken anscheinend. „Vikar ist auch super.“ sagte sie schnell und trieb Pendragon noch ein wenig mehr, weil sie wohl vorne laufen wollte. Zuckerwatte ließ sich bei einem Rennen nicht zweimal bitten. Ich bezweifelte jedoch, dass Kerry sich so gut im Sattel halten konnte, dass sie schon einem Renngalopp im Gelände Stand halten würde. Also zügelte ich Zucker und beobachtete, das Kerry da veranstaltete. „Na komm!“ rief sie lachend und galoppierte Pendragon tatsächlich an. Keine fünf holprige Halb-Galoppsprünge später parierte sie ihn wieder durch und hielt ihn an. „Okay, Galopp ist nichts für mich.“ meinte sie immer noch lachend. „Wieso sieht das bei euch immer so einfach aus?“ Ich lachte. „Übung?“ ich zog den Kopf zwischen die Schultern.
      Es war ein sehr angenehmer Ritt und auch die Hengste hatten sich von ihrer guten Seite gezeigt. Bei Zuckerwatte weiß man ja nie so recht.
      Zu Hause half mir Kerry wie immer beim Absatteln, doch es dämmerte schon und ich wusste, dass sie noch eine gute Strecke zu fahren hatte, bis sie zu Hause ist. „Du kannst ruhig gehen. Das schaffe ich alleine.“ sagte ich ruhig und zog den Sattel von Pendragons Rücken. Sie sah mich mit großen Augen an. „Ich helfe dir immer dabei!“ sagte sie schon fast patzig und schnappte sich die Trense von dem braunen Pony um mir in die Kammer zu folgen. Ich wollte nur nett sein, dachte ich mir und schwieg. Auf dem Rückweg zu den Ponys lief Kerry vor und klaute mir den Sattel von Zuckerwatte. Sie fiel dabei fast hintenüber, so viel Wucht hatte sie aufgewandt. Ich lachte und nah mir stattdessen die Trense über die Schulter und band Zuckerwatte los um ihn im Einen in seine Box zu bringen. „Du mogelst!“ beschwerte sich Kerry, die wohl in der Sattelkammer gewartet hatte. Mittlerweile hatte ich beide Hengste in ihre Box gebracht und hatte nun neben der Trense auch die zwei Putzkästen gepackt. Schmunzelnd sah ich sie an und ging an ihr vorbei in die Sattelkammer. Kerry fegte in der Zwischenzeit die Stallgasse. „Das ist unnötig.“ meinte ich lachend. Doch Kerry war das egal, sie wollte mir wohl irgendwas beweisen. Gerade drehte ich mich um, um zu gehen, da sprach sie mich nochmal ganz anders an. „Hunter?“ ihr Tonfall ließ es mir eiskalt über den Rücken laufen und so drehte ich mich gar nicht wirklich zu ihr um. „Hmm?“ – „Können wir mal zusammen was Essen gehen oder so?“ Nun drehte ich mich doch um und bereute es sofort. Sie sah mich mit diesem Blick an, wie ihn nur Frauen zu nutzen wussten. Ich seufzte, sah kurz auf die Uhr an der Stallwand und dann wieder zu Kerry. „Nicht heute!“ sagte sie hastig. „Du kannst dir ja... einen Tag aussuchen.“ Ich nickte. „Gute Nacht. Fahr vorsichtig.“ gab ich zurück und ließ sie stehen. Sie wollte ausgehen. Das musste ich erst mal verarbeiten. Vermutlich wollte sie sich damit dafür bedanken, dass sie den Kurs machen konnte auf meine Kosten. Sie sah wohl den Eigennutzen nicht, den ich damit verband. Müde fiel ich ins Bett und dachte nicht weiter darüber nach.
    • sadasha
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      20. Mai 2017 | von sadasha

      Ach Felan… Seufzend musterte ich die Schimmelstute, die ich gerade von der Weide geholt hatte um sie zu putzen. Sie hatte sich mal wieder im Schlamm gewälzt und komplett eingedreckt. „Viel Spaß.“ wünschte mir Isaac, der auf der Stallgasse stand und seine Stute Come Back Cupcake striegelte. Es dauerte eine ganze Weile, bis Felan wieder einigermaßen weiß war. Wenigstens war ihr Langhaar nicht ganz so übel dran, da ich das in weiser Voraussicht eingeflochten hatte. Mit ein bisschen Schimmelspray wurde die Tinkerstute wieder ganz weiß. Zumindest bis auf den Behang, den man für die perfekte Weiße einshampoonieren müsste. Dafür war heute aber keine Zeit und gut für die Haut wäre eine tägliche Waschsession eh nicht. Ich löste den Strick und führte Felan zur Schmiede, wo bereits ein neuer Satz Hufeisen auf sie wartete. Immerhin würde sie bald zur Zuchtzulassung kommen. Da sollte sie bestmöglich ausgerüstet sein. Risikoreduzierung nannte ich das. Da die Stute frisch geputzt war konnte ich sofort mit der Arbeit beginnen. Erst löste ich die alten Eisen und schnitt dann die Hufe sorgfältig aus und schliff sie plan. Immer wieder prüfte ich den Sitz der neuen Eisen und schlug sie auf dem Amboss in die richtige Passform. Erst als ich mir sicher war, dass alles stimmte begann ich damit die Eisen nacheinander aufzuschlagen. Ich war gerade fertig als meine Mutter in die Schmiede kam. Sofort fiel mir der kleine Zettel in ihrer Hand auf, von dem sie sogleich ablas. „Ein Herr Kenneth Jenkins hat angerufen, er brauche einen Hufschmied. Hier ist seine Summer, damit du ihn zurückrufen kannst. Die Telefonverbindung reicht ja nicht bis zur Schmiede, sonst hätte ich ihn dir gleich weitergereicht.“ Ich nickte knapp und nahm den Zettel dankend entgegen. Meine Mutter nahm mir meine stille Art nicht übel. So war ich schon immer und sie wusste dass ich wenn es drauf an kam die richtigen Worte fand.

      „Wann brauchst du mich?“ fragte ich wie immer ein wenig mürrisch, da ich die Jenkins Brüder nicht so gern hatte, wie sie es sich wohl wünschten. „Sobald wie möglich?“ Kenneth hatte meinen Tonfall bemerkt und wirkte gleich dagegen indem er etwas herunterfuhr. „Aber wir richten uns da ganz nach deinem Zeitplan.“ meinte er hastig. Suchend blätterte ich in meinem Planer herum. Eigentlich waren die Tage bespickt mit anderen Unternehmungen. Turniere hier und da, ab und an ein Termin zur Zuchtzulassung, Tierarztbesuche und so konnte die Liste ewig weiter geführt werden. Doch dann fand ich eine Lücke. Ein Wochenende, das ich mir eigentlich für etwas andere frei gehalten hatte. „Nur die eine Stute?“ wollte ich wissen, damit ich besser kalkulieren konnte. Er bejahte und so einigten wir uns darauf, dass ich morgens einfliegen würde und mittags sofort wieder nach England aufbrach. So musste ich kein Hotel mieten und verlor nur einen Tag.

      Gesagt getan. Samstags kam ich auf dem Phoenix Valley Gestüt an wo Kenneth bereits wie geplant auf mich wartete. Er hatte eine langbeinige, dunkle Stute mit vier weißen Füßen an der Hand. „Ist sie das?“ fragte ich noch vor dem Hallo. Stolz präsentierte mir Kenneth sein Goldstück. Er hörte kaum noch auf von ihr zu sprechen. Zwischendrin bat ich ihn um ein paar Hilfen wie zB dem Vorführen der Stute in Schritt und Trab oder dem Ablenken, damit sie mich nicht mehr beim Betrachten der Hufe ablutschte, als wäre ich ein Eis. Ich säuberte die Hufe und schnitt sie anschließend aus. Sie war noch nicht beschlagen. Doch so wie ich di Jenkins Brüder mittlerweile kannte, wusste ich, dass Corde de la cerise einen Teilbeschlag bekommen sollte. Natürlich fragte ich noch einmal nach, bevor ich mir alles für den Beschlag zurecht legte. Ich bereitete zuerst die Hufe auf den Beschlag vor, kürzte die Hufwand noch so weit, dass das Eisen die übrige Strecke bis zum Boden übernahm. Einige Minuten später trug die Trakehnerstute ihre ersten Eisen. „Lass sie noch einmal vorlaufen um zu sehen wie sie sich verhält.“ bat ich und beobachtete aufmerksam. Wie erwartet lief sie ein wenig unsicher. Doch sie fand sich schnell ein und hielt es schließlich nur bei einer etwas höheren Aktion. „Das legt sich auch noch. Sieht nur bescheuert aus.“ erklärte ich Kenneth, der nicht wusste ob er lachen sollte, da ihn der Anblick doch verwirrte.

      Planmäßig kam ich wieder in England an und freute mich wahnsinnig als mir Gine mit Slap Happy entgegen kam, als ich aus dem Wagen stieg. Was für eine tolle Begrüßung, nach so einem ermüdenden Tag! Die braune Stute war die letzte noch tragende Stute dieses Jahr. Sie war wirklich spät dran, sollte aber eigentlich jeden Moment abfohlen. „Wie ist ihr PH Wert heute?“ fragte ich und streichelte Scheppi liebevoll. Gine schüttelte den Kopf. „Da tut sich nichts.“ beteuerte sie. Ein paar Tage würden wir ihr noch geben, bis sie in die Klinik müsste. Aber wir hofften weiterhin nur das Beste.
    • sadasha
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      24. Juni 2017 | 17308 Zeichen von adoptedfox und sadasha
      Ich öffnete die Augen und stellte erschrocken fest dass ich auf dem Boden eingeschlafen sein musste. Unaufhörlich klopfte es an der Haustür und jemand rief nach mir. Mühsam richtete ich mich auf, drehte den Schlüssel um und öffnete die Tür. "Was machst du denn hier?" fragte ich Hunter und sah die Leute hinter ihm an "...ist etwas passiert?". Verdutzt stand er da und versuchte zu begreifen was da gerade vor sich ging. Einer der Rettungsmänner schob ihn zur Seite um nach dem Rechten zu sehen, noch bevor Hunter antworten konnte. "Ist alles in Ordnung bei Ihnen?" fragte er mich und stellte seinen Rettungskoffer ab. Ich sah zu Hunter und legte den Kopf schief. "Ich denke schon, Ja." antwortete ich und sah wieder zu ihm. "Was erwartest du, wenn du auf dem Boden liegst und dich nicht rührst?!" sagte Hunter vorwurfsvoll und ich sah ihn erneut an "Ich fühlte mich nicht gut und bin eingeschlafen!" log ich und entschuldigte mich beim Rettungsteam für den Aufruhr. Während die Rettungskräfte zum nächsten Einsatz fuhren und die Bauarbeiter wieder an ihre Arbeit gingen, blieb Hunter noch stehen und sah mich weiterhin vorwurfsvoll an. "Soll ich wieder fahren?" fragte er. Ich war im Zwiespalt. Einerseits hatte ich ihn gern in meiner Nähe, andererseits hatte ich die Befürchtung am Abend davor zu weit gegangen zu sein. Während mein Magen und mein Hirn sich stritten bat ich ihn herein und trat zur Seite.

      Er ging an mir vorbei in die Küche und lehnte sich an die Theke. Ich hoffte dass ich nicht so schlecht aussah, wie ich mich fühlte und mied seinen Blick.

      “Wieso zur Hölle hast du auf dem Boden vor deiner Tür geschlafen?!”
      “Ich bin eingeschlafen! Es war nicht geplant dass ich so lange dort sitze.”
      “Aha. Das erklärt natürlich alles.” sagte er sarkastisch schmunzelnd.
      Macht er sich da gerade wirklich über mich lustig?
      “Für mich ist das nicht so lustig wie für dich, Hunter!” fuhr ich ihn an und verschränkte die Arme.

      ”Dann sprich mit mir.”
      Ich sah zu Boden und begann auf meiner Unterlippe zu kauen. Das hab ich nun davon schoss es mir durch den Kopf und ich atmete hörbar aus.
      “Hunter ich will dich nicht anlügen. Ich bin gern in deiner Nähe und auch wenn ich mich manchmal frage, was mit dir denn nicht stimmt, hab ich dich echt gern. Ich habe nicht nachgedacht gestern, es tut mir Leid.” brach ich heraus und sah zur Tür.

      “Und deshalb hast du vor deiner Tür auf dem Boden geschlafen?” meinte er grinsend.
      “Ich war niedergeschlagen und wusste nicht was ich sonst machen sollte.”
      “Bist du denn jetzt ausgeschlafen?”
      Ich verdrehte die Augen und antwortete knapp “Ja”.
      “Also kein Kaffee nötig?”
      “Ehrlich gesagt ist mir gerade übel. Du kannst dir ja einen machen.” sagte ich und ging ins Badezimmer. Ich stellte den Wasserhahn an und putzte mir die Zähne. Da ich noch immer die gleiche Kleidung wie gestern trug ging ich ins Schlafzimmer und zog mich um.
      Hunter machte sich derweil einen Kaffee. Als ich zurück in die Küche ging stand er, in der einen Hand seine Tasse Kaffee, in der anderen Hand eine Zigarette, im Türrahmen.
      “Hast du mir vorhin überhaupt zugehört?” frage ich betreten und blieb in der Küche stehen.
      “Ja.” sagte er, doch in seiner Stimme schwang Unsicherheit mit. Ihm war bewusst, dass das jetzt auf etwas hinausläuft, was ihm unangenehm werden könnte.
      “Es tut mir wirklich Leid und wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte würde ich es tun.”
      Hunter ließ ein tiefes Brummen vernehmen. Dachte der jetzt nach?

      Da ich Angst hatte ihn zu bedrängen ging ich an ihm vorbei in den Hof um zu sehen wie die Bauarbeiter voran kamen. Als einer der Arbeiter zu mir sah hielt ich beide Daumen in die Höhe um ihm zu zeigen, dass ich zufrieden war. Hunter stand noch immer im Türrahmen und dachte nach. Ich ging zu ihm und fragte ob alles in Ordnung sei. Es war sein Glück, dass in dem Moment sein Handy klingelte. Er hob entschuldigend die Hand und nahm das Gespräch an. Da er selbst kaum antwortete wusste ich nicht worum es in dem Telefonat ging. Ich nahm ihm seine leere Kaffeetasse ab und brachte sie in die Küche. Es schien so, als würde er von Sekunde zu Sekunde nervöser. Mit dem Auflegen spurtete er mir entgegen. “ES GEHT LOS!” Erschrocken sah ich ihn an. “Was ist denn passiert?” - “Ich muss zu meinem Hof! Sofort!” Er rannte zu seinem Wagen und stieg ein.Ich zog die Haustür zu und folgte ihm. “Antworte mir gefälligst!” fuhr ich ihn an und hielt die Tür fest damit er sie nicht schließen konnte.

      ”Das letzte Fohlen kommt! Jetzt lass mich! - BITTE!”
      “Rutsch rüber ich fahre, du bist viel zu aufgedreht!” sagte ich und deutete an ihn auf den Beifahrersitz zu schieben, sollte er sich weigern. Einen kurzen Moment sah er mich kritisch an, entschied sich dann jedoch nachzugeben und sich auf den Beifahrersitz zu setzen. Die Schlüssel steckten bereits. Ich startete den Motor, wendete den Wagen geschickt und fuhr auf die Straße. Die Fahrt über wurde Hunter so nervös, dass er tatsächlich anfing zu reden. Er erzählte mir von seiner Stute und dem Hengst von dem er sie hatte decken lassen und dass er sich auf das Fohlen schon freute, seit er den Hof übernommen hatte. Aufmerksam hörte ich ihm zu. So redselig hatte ich ihn bislang noch nicht erlebt. Ich missachtete die Geschwindigkeitsbegrenzungen und war froh, dass wir in keinen Stau gerieten. Nach gerade einmal 45 Minuten erreichten wir den Hof und ich parkte Hunters Wagen. Noch bevor ich den die Schlüssel abgezogen hatte sprang Hunter raus. Ich folgte ihm in den Stall wo Gine bereits aufgeregt vor der Box von Slap Happy stand.
      “Wie sieht’s aus?” fragte Hunter und Gine versuchte ihn zu beruhigen. “Es läuft alles wie es soll.” - “Kann ich in die Box?” fragte er und fast gleichzeitig antworteten Gine und ich mit einem deutlichen “Nein!”. Nervös tigerte Hunter vor der Box hin und her. “Sicher, dass alles okay ist?” fragte er ständig. Irgendwann hielt Gine ihn fest. “Hunter. Du hast schon so oft so etwas mitgemacht. WAS IST DEIN PROBLEM?” Mit mahnendem Blick sah sie ihn an. Ich strich in kreisenden Bewegungen über seinen Rücken. “Wenn etwas nicht ok ist können wir eingreifen Hunter. Du steckst Slap Happy noch mit deiner Unruhe an!” sagte ich ruhig und ließ meine Hand sinken als ich Gines Blick bemerkte. Mit einem mal sprang Hunter wieder an die Box. “Ich sehe was!” Es dauerte nur wenige Minuten bis das Fohlen, dass er What Rainbow taufte, endlich im Stroh lag. Gine schob die Boxentüre auf und ging rein um die Erstversorgung zu übernehmen. Hunter stiefelte wie selbstverständlich hinterher und hockte sich runter zum Kopf seiner Stute.” “Herzlichen Glückwunsch Mister Crowley, es ist eine Stute!” sagte ich freudig und ging näher an die Boxentür heran. “Und sie ist gesund!” fügte Gine hinzu. “Und jetzt alle raus hier!” Gine machte eine ausladende Geste. Hunter rührte sich jedoch keinen Zentimeter. “Na komm, lass die beiden sich kennenlernen.” sagte ich und strich Hunter über den Nacken. Er brummte unzufrieden, richtete sich aber auf und ging mit mir raus. “Ich mache dann weiter, ja?” sagte Gine und sah Hunter eindringlich an, der eher verwirrt zu sein schien. Gine bemerkte das und formulierte um: “Die restlichen Pferde wollen ja noch bewegt werden.” Das klang nun schon fast vorwurfsvoll. “Ist alles ok mit Gine? Sie wirkte etwas genervt.” fragte ich Hunter und sah ihr nach. Er zog den Kopf zwischen die Schultern. “Keine Ahnung.” “Ich geh mal nach ihr sehen.” sagte ich und ließ ihn bei Slap Happy stehen. Ich lief über den Hof und entdeckte Gine an einer der Weiden. “Alles ok bei dir?” fragte ich und stellte mich neben sie an den Zaun. “Was ist das eigentlich mit Dir und Hunter, hm?” fragte sie und klang wenig erfreut. Fragend sah ich sie an “Was meinst du?”. “Er ist andauernd bei Dir, bleibt sogar über Nacht und dieses ewige angefasse…” sie brach mitten im Satz ab und wedelte mit ihren Händen durch die Luft.
      Als Hunter zum Rauchen den Stall verließ sah er, dass Gine und ich uns unterhielten. Er beschloss jedoch erstmal aufzurauchen, bevor er zu uns kam. “Ihr streitet?” fragte er verblüfft. “Ihr kennt euch nicht mal wirklich.” Verzweifelt sah ich an Gine vorbei: “Ich weiß nicht ob wir uns streiten, ich komme eigentlich gar nicht zu Wort.” Gine warf mir einen abfälligen Blick zu. Sie sah zu Hunter und überlegte, was sie ihm an den Kopf werfen könnte. Was keiner bemerkte war, dass Isaac auf die Gruppe zukam. Ein Pferd zu seiner linken und eines zu seiner rechten. Als er uns erreichte hielt er an. “Steht ihr hier nur rum oder können wir wieder an die Arbeit gehen?” fragte er und hielt Gine den Strick von Iseabail hin und Hunter den von Lady Lyneth Bowen. “Hunter setzt sich heute garantiert nicht mehr aufs Pferd.” sagte Gine zickig und zog mit ihrer Stute ab. Hilflos sah ich Hunter an und sagte traurig: “Das wollte ich wirklich nicht!”. Isaac nahm Hunter den Strick ab und folgte Gine. “Lust auf einen Ausritt?” Hunter sah zu den Hengsten rüber, die relativ unruhig auf ihren Weiden standen. Ich war mir nicht sicher ob die Frage ernst gemeint war. “Hältst du das für eine gute Idee?” fragte ich nochmal nach um mich zu vergewissern, dass er mich nicht auf den Arm nahm. “Hätte ich gefragt wenn nicht?” Wieso eigentlich nicht? dachte ich und stimmte dem Ausritt zu. Ich half Hunter dabei Ehrengold und Mr. Raw Depression von der Weide zu holen und folgte ihm in den Stall, wo wir die Pferde für den Ausritt vorbereiteten. “Wäre dir eine Schutzweste genehm?” fragte er und nach kurzem Überlegen schüttelte ich den Kopf. “Okay.” sagte er und reichte mir einen der Reithelme. Ich nahm ihm dankend den Helm ab und setzte ihn auf. Hunter tat es mir gleich, zog seine Reithandschuhe an und führte Ehrengold raus um dort aufzusitzen. Ich legte Mr. Raw Depression die Zügel um den Hals und folgte Hunter. Als ich im Sattel saß stellte ich die Steigbügel auf meine Länge ein und rief zu Hunter: “Ich bin bereit!”
      Er lächelte und ritt los. Ehrengold war sehr aufgedreht und man sah, dass Hunter Schwierigkeiten hatte ihn zurück zu halten. Ich schloss zu ihm auf und hoffte, dass Ray nicht angesteckt wurde. “Kommst du zurecht?” fragte ich und war gerade dabei den Zügel von Ehrengold zu greifen, als dieser einen Satz nach vorne machte. Da er sofort stehen blieb, fiel Hunter nach vorne. Der Hengst jedoch rannte gleich weiter, Zügelfreiheit hatte er ja nun. ”Hey!” rief ich und galoppierte Ray an. Er kam jedoch nicht annähernd hinterher. Noch bevor ich Ehrengold erreichte, lag Hunter schon am Boden. Ehrengold war zu nah an die Stallwand gekommen, sodass Hunter hängen blieb und aus dem Sattel gezogen wurde. Im Affekt riss ich Ray am Zügel um ihn zum Stehen bleiben zu zwingen und sprang ab. “Bleib ja hier!” sagte ich zu Ray und lief zu Hunter der stöhnend am Boden lag. “Beweg dich so wenig wie möglich!” wies ich ihn an und wollte mein Telefon aus der Tasche ziehen, stellte aber fest dass ich es zuhause liegen lassen hab. Da sich sein Telefon deutlich in seiner Hosentasche abzeichnete zog ich es raus und wählte den Notruf. Hektisch erklärte ich die Situation und gab die Adresse durch. Man versicherte mir in 10 Minuten da zu sein. Ich lief zurück zu Ray und brachte ihn auf die Weide wo ich ihm Sattel und Zaumzeug abnahm und in die Wiese am Tor legte. Ich ging zu Hunter und hockte mich neben ihm auf den Boden. Er hatte sich mittlerweile etwas gefasst. “Wo ist Ehrengold?” fragte er und versuchte sich aufzurappeln. “Ich kann es dir nicht sagen, er ist in Richtung der Felder gelaufen. Tut dir was weh?” fragte ich besorgt. Er schüttelte den Kopf und war mehr damit beschäftigt sich aufzurichten. Sobald er jedoch den linken Fuß aufsetzte sackte er keuchend zusammen. “Hunter!” rief ich und versagte beim Versuch ihn zu stützen. “Tu mir einen Gefallen und bleib am Boden. Der Krankenwagen wird gleich da sein!” sagte ich ernst und drückte ihn zurück auf den Boden. “Und Ehrengold?” wollte er wissen. Ich nahm sein Gesicht in meine Hände und sah ihn mahnend an. “Hunter, du bleibst hier! Und ich bei dir, ob es dir lieb ist oder nicht!”
      Der Krankenwagen bog auf die Straße ein und ich trat auf den Weg um ihn zu uns zu winken. Er hielt neben uns an und einer der Sanitäter stieg aus. Ich erklärte ihm den Unfallhergang und sagte, dass Hunter Probleme beim Aufstehen hatte. Der Sanitäter hockte sich vor Hunter und tastete seinen Knöchel ab. “Das müssen wir röntgen, tut mir Leid.” sagte er und sah zu Hunter auf. Just in dem Moment kamen Gine und Isaac an den Ort des Geschehens. “Wir haben Ehrengold auf dem Feld eingesammelt. Was ist passiert?” fragte Isaac. ”Ehrengold ist durchgegangen und Hunter ist an der Stallwand hängen geblieben. Er kann nicht aufstehen.” antwortete ich und half dem Sanitäter dabei Hunter in den Krankenwagen zu bringen. “Und wer kam auf die bescheuerte Idee ein Rennpferd auszureiten?!” warf Gine ein. “Jetzt fahr mal einen Gang runter, Gine! Wir haben uns das letzte Mal noch gut verstanden, was ist denn auf einmal los?” fuhr ich sie an. Ich mochte sie gern seitdem wir gemeinsam bei den Reiterspielen antraten und war langsam aber sicher genervt von ihrem heutigen Verhalten. “Das weißt du sicher ganz genau.” sagte sie biestig und machte auf dem Absatz kehrt.
      Aus dem Nichts kam der Sanitäter wieder. “Möchte jemand mitfahren?” fragte er freundlich ohne auf die hitzige Situation einzugehen. Ich sah zu Gine, die abrupt stehen blieb. “Gine ich werde mich nicht mit dir streiten. Er hat mir gestern eindeutig zu verstehen gegeben, dass er kein Interesse an mir hat. Du musst dir also keine Sorgen machen.” Ein Funke Genugtuung machte sich auf Gines Gesicht breit. Ich lehnte mich zu Hunter in den Krankenwagen und gab ihm sein Telefon wieder. “Gine, wir sollten uns um die Pferde kümmern.” Isaac packte sie am Arm und drehte sie zu sich um. Es war ihm ernst und Gine erkannte das. Trotzdem wollte sie sich nicht so einfach geschlagen geben. “Du ha-” - “Geh bitte mit ihm!” meldete sich Hunter zu Wort, bevor Gine ihren Satz vervollständigen konnte. Perplex sah ich zu Hunter in den Krankenwagen. “Das ist schon in Ordnung, ich komm damit klar!” sagte ich und versuchte zu verbergen, dass mich die “Gine-Angelegenheit” nicht kalt ließ. “Also kommen sie mit?!” Der Sanitäter wirkte gestresst und schob mich einfach in den Wagen um nicht noch länger warten zu müssen. Widerwillig setzte ich mich neben Hunter und versuchte ihn nicht anzusehen. “Hätte ich gewusst, dass Gine Interesse an dir hat, dann hätte ich dich in Ruhe gelassen, Hunter. Ich wollte keinen Streit entfachen.” sagte ich leise. Der Sanitäter hatte inzwischen seinen Helm abgenommen und die Infusion angeschlossen.


      Vorsichtig klopfte ich an die Zimmertür und öffnete sie einen Spalt. “Wie geht es dir?” fragte ich als ich Hunter im Krankenbett liegen sah. Es war spät geworden. Zu seinem Glück war der Knöchel nicht gebrochen, sondern nur verstaucht. “Großartig.” log er. Ich blieb an seinem Bettende stehen und fühlte mich schlecht. “Ich weiß ich entschuldige mich in letzter Zeit sehr oft, aber es tut mir wirklich leid!” sagte ich und mied seinen Blick. Hunter setzte sich auf. “Der Ausritt war meine Idee.” stellte er fest. “Ich meinte nicht den Ausritt!” korrigierte ich ihn und schmunzelte.

      “Nicht? Was war denn noch?”
      Ich sah ihn mahnend an. “Du machst mich wahnsinnig!” und musste nun doch lachen.
      “Wieso?” Er grinste.
      “Du weißt ganz genau wieso, Hunter.”
      “Nein, klär mich bitte auf.”
      “Wenn es dir besser gehen würde, würde ich dir jetzt am liebsten eine knallen.” gestand ich.
      “Das wäre aber nicht nett.”

      Ich ging nicht auf seine Sticheleien ein und sah ihn an. Es würde mir schwerfallen mich nicht bei ihm zu melden, allein schon weil ich ein von ihm gezogenes Fohlen hatte und weil er mein Hufschmied war.

      “Aha.” sagte er. “Hab ich es jetzt geschafft? Du schweigst.”
      “Gewöhn dich besser schonmal daran. Ich bin ungern das fünfte Rad am Wagen.”
      Jetzt war er verwirrt. “Wie kommst du darauf?”
      “Du und Gine. Ich möchte mich da wirklich nicht einmischen.”
      Er lachte hart. “Gine und ich?!” wiederholte er immer noch lachend. “Das ist nicht und wird auch nie sein, glaub mir.”
      Ich sah ihn verwirrt an. “Aber ihr Verhalten vorhin…?”
      “Was weiß ich, was sie da geritten hat...”

      Ich begann auf meiner Unterlippe zu kauen und sah zu Boden. Die Antwort sollte mich zufrieden stimmen, doch das tat sie nicht. Er hatte mich abgewiesen und das musste ich akzeptieren. “Trotzdem. Ich bin zu weit gegangen Hunter und ich werde das erst verarbeiten müssen.”
      Hunter brummte verständnisvoll und ließ sich wieder in seine Kissen sinken.

      Am nächsten Tag ging es ihm wieder so gut, dass er das Krankenhaus verlassen durfte. Zwar erstmal auf Krücken, aber immerhin. Als er auf den Hof kam sah er zuerst nach den beiden Hengsten um sicherzugehen, dass es ihnen gut ging. Dann meldete er sich bei seinen Eltern und seinem Personal zurück. Irgendwann gegen Mittag bekam ich eine Nachricht von ihm: “Ist bei dir alles Okay?” wollte er wissen. Hat er jetzt Langeweile? dachte ich und legte das Telefon erstmal ohne zu antworten wieder weg. Er hatte mir noch immer keine zufriedenstellende Antwort auf die essentiellen Fragen vom Tag zuvor gegeben und irgendwie hatte ich das Gefühl auch keine mehr zu bekommen und das kränkte mich.Ich widmete mich wieder der Stallarbeit. Die Bauarbeiter hatten gestern noch das Fundament ausgegossen. Das würde jetzt erstmal ein paar Tage trocknen müssen.
    • sadasha
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      25. Oktober 2017 | 13.287 Zeichen von sadasha

      „Jetzt bleib doch mal stehen!“ Kerry folgte mir schon den halben Tag und versuchte in ein Gespräch zu kommen. Aber ich hatte besseres zu tun, so besorgt sie auch wirkte. Ich war nun mehrere Monate in der Weltgeschichte unterwegs und hatte nun endlich Zeit für meine Pferde. Dass ich diese Zeit nicht für Kerry opfern würde, musste sie doch früher oder später begreifen. Verzweifelt seufzte sie, als ich die Boxentür zu Verdine aufschob. „Gut, dann halt so. Ich komme mit Braddock mit! Mir egal was du jetzt mit Verdine vor hattest!“ beschloss Kerry und wirkte stolz, endlich einen Weg gefunden zu haben mit mir zu sprechen. Schweigend machten wir die Pferde fertig und gingen dann in die Reithalle. Mirko war hier gerade dabei den Hufschlag wieder plan zu ziehen, also begnügten wir uns zum Warmreiten mit Zirkelreiterei. Braddock ‚The Parrot‘ schlurfte unter Kerry vor sich hin. Wenn Ruby das sehen würde, würde sie beide Hände über den Kopf schlagen. „Jetzt erzähl doch mal.“ forderte Kerry schließlich und sah mich erwartungsvoll an. „Du bist seit zwei Tagen wieder da und hast Nichts erzählt!“ beschwerte sie sich. „Was soll ich denn erzählen?“ brummte ich widerwillig und ging nun, da dieser gerade gezogen war, mit Verdine auf den Hufschlag. „Ich hab gearbeitet…“ antwortete ich schließlich und hörte wie Kerry abermals seufzte. „Und es ist nichts Spannendes passiert? Du warst doch auch bei deiner Freundin!“ fragte sie genervt. Ich lachte heiser. „Davon erzähle ich dir nicht.“ sagte ich bestimmt und galoppierte Verdine an, die sich freute endlich ans arbeiten zu kommen. Braddock und Kerry schlurften noch immer im Schritt und wenn Kerry es doch mal schaffte sich halbwegs durchzusetzen im langsamen Trab, vor sich hin. „Früher hast du mehr erzählt!“ sagte Kerry enttäuscht, als ich auf ihrer Höhe war. Für mich war das Gespräch beendet und so warf ich ihr nur einen flüchtigen Blick zu und widmete mich dann wieder Verdine. „Du siehst gestresst aus, deshalb hake ich nach.“ fing Kerry wieder an. „Wir machen uns alle Sorgen!“ Tief ausatmend parierte ich Verdine zum Schritt und sah rüber zu Kerry, die in der Mitte eines Zirkels stand und Braddock machen ließ, was er wollte. „Wenn du nicht willst dass er sich gleich mit dir wälzt, solltest du die Zügel aufnehmen.“ warnte ich sie die Stirn in Falten gelegt. Hektisch zog Kerry die Zügel zu sich, sodass Braddock den Kopf hob und seine Aufmerksamkeit wieder bei Kerry war. „Warum ich gestresst bin ist privat.“ sagte ich ruhig und versuchte den erstaunten Blick von Kerry zu ignorieren. „Auf einmal?“ flüsterte sie niedergeschlagen und ließ Braddocks Kopf abermals sinken. „Fängst du wieder an alles in dich hinein zu fressen, wie damals als wir uns kennenlernten?“ sagte sie noch immer leise, aber so laut, dass ich sie gut verstehen konnte. „Das war etwas anderes.“ meinte ich kühl und lobte Verdine, da sie heute trotz meiner gedanklichen Abwesenheit gut mitmachte. Kopfschüttelnd stieg Kerry ab. „Wenn du meinst.“ sagte sie abweisend und brachte Ruby’s Pony zurück in seine Box. Wirklich bewegt wurde Braddock nicht, aber das würde Ruby heute Abend schon merken. Ich arbeitete mit Verdine noch ein paar Minuten, ehe ich sie abritt und im Anschluss auf die Stutenweide brachte. Bis zum Abend beschäftigte ich noch Happy Fantasy und Felan. Mikro und Beth hatten sich ausgiebig mit den Fohlen befasst. Bear Brooks Denahi, What Rainbow, Fantastic Sonata, Rouge Trap, PFS Strolch, Golden Sugar, Little Miss Backyard, PFS‘ Storm Cat, Stars of Magic und CHH‘ Classic Spring standen in kleinen Gruppen aneinander gekuschelt auf den beiden Absetzerweiden. May und José hatten PFS‘ Savory Blossom, Raving Hope Slayer, Ehrengold, Moulan, Bear Totem’s Denali und Blütenzauber im Galopprennen trainiert. Gegen Abend kam Ruby um nach ihrem Pony zu sehen und beschäftigte dann auch noch Iseabail und Lady Lyneth Bowen.

      Am nächsten Tag war ich nach einer beinahe schlaflosen Nacht früh auf den Beinen und machte die beiden Junghengste Vikar und Mephisto soweit fertig. Die beiden waren noch nicht fertig eingeritten und so longierte ich sie vorbereitend. Der Beritt für die beiden würde außerhalb stattfinden. Anschließend machte ich mit Thomas, der ebenfalls noch nicht beritten war etwas Freidressur. Der große Hengst war nicht ganz so roh wie die beiden Tinker und würde unter meiner Hand fertig eingeritten. Ruby kam heute schon vormittags zum Stall. Nachdem sie mit ihrem Pony durch war schnappte sie sich Magical Touch von der Weide und putzte sie übergründlich, flechtete ihr Langhaar neu ein und begleitete mich dann auf einen Ausritt, bei dem ich Slap Happy ritt. „Wie kommt es, dass du so früh hier bist?“ wollte ich wissen und lächelte Ruby an, die sich in ihrer Zeit auf dem Hof verdammt gut gemacht hatte. Wenn sie so weiter macht, dann würde sie sicher eine gute Reiterkarriere hinlegen. „Ich hab heute keine Schule, weil zu viele Lehrer ausgefallen sind.“ erzählte sie mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Ich lachte kurz und trabte Scheppi dann an. Ruby folgte. „Aber nächste Woche hab ich ein paar Klausuren…“ fügte Ruby ernüchtert hinzu. „Ich bin froh, wenn ich endlich fertig bin.“ Schweigend schmunzelte ich. Alles was ich jetzt hätte sagen können, wird Ruby oft genug von Erwachsenen hören. Also beließ ich es dabei. Als wir wieder auf dem Hof waren kam uns Max mit Riven in a Dream und Scarlet in Birth entgegen, die er wohl zur Ovalbahn brachte. Ich kümmerte mich den Rest des Tages um Mr. Raw Depression und LMR Lady Luna. Kerry hielt sich heute fern von mir und versuchte Niffler und Benji in den Griff zu bekommen, die heute besonders aufmüpfig waren. Gegen Abend sah ich dass Abby sich mit Mister Blockhead beschäftigte. Der Tinkerhengst war noch recht neu auf dem Hof und zeigte durchaus Talent für die Dressur. Allerdings hätte ich nicht vermutet, dass Abby so viel aus ihm herausholen konnte wie ich da gerade sah. Da ich mit meinen Aufgaben für heute abgeschlossen hatte verweilte ich an der Bande und sah mir das Training an. Abby war ein Profi und ließ sich von Zuschauern nicht stören. Im Gegenteil, es schien sie anzufachen noch mehr Enthusiasmus reinzustecken. „Sieht gut aus, nicht wahr?!“ erschrocken fuhr ich herum und hätte Isaac beinahe eine Klatsche verpasst. Doch er hatte damit gerechnet und meinen Unterarm gepackt, bevor ich ihn erreichte. „Woah, ruhig Brauner!“ meinte er lachend und ließ mich los. „Du kommst spät.“ merkte ich an. „Ich komme immer spät, das ist eine Kunst für sich.“ meinte Isaac grinsend. Ich lachte und sah wieder zu Abby, die diese Anspielung wohl gehört hatte und angewidert den Kopf schüttelte. „Gehen dir die Witze aus?“ rief sie zu Isaac, doch Isaac fand sich immer noch äußert amüsant und ließ sich nichts anderes einreden. „Wie war deine Fortbildung?“ wollte ich wissen und ging mit Isaac ins Haus, wo wir ausgiebig über die Arbeit der letzten und der nächsten Tage sprachen. Kerry saß immer noch recht bockig daneben und schüttelte hie und da den Kopf. Als Isaac sich verabschiedete sah Kerry mich wieder mit diesem erwartungsvollen Blick an. „Was denn?“ fragte ich genervt. „Ihr habt euch mehrere Stunden nur über die Arbeit unterhalten? Im Ernst jetzt?“ sagte sie mit steinerner Miene. Ich zog den Kopf zwischen die Schultern. „Kann es sein, dass du das Problem hast, Kerry?“ fragte ich ein wenig forscher als gewollt. Ertappt sah sie mich an. „Ich bin nicht Gine!“ beteuerte sie empört und machte auf dem Absatz kehrt. „Dann mach nicht die gleichen Fehler wie sie.“ In Kerrys Gesicht mischte sich Traurigkeit. Für einen kurzen Moment sah es so aus, als würde sie noch etwas erwidern. Doch dann verabschiedete sie sich mit einer vollkommen deplatzierten Reserviertheit und verschwand. Was für eine scheußliche Lage…

      „Kerry hat sich heute und morgen krank gemeldet.“ meldete Mrs Clayton, als ich am nächsten Morgen zusammen mit Pitch im Halbschlaf die Treppe runterlief um mir den ersten Kaffee zu holen. „Was hat sie denn?“ fragte ich teilnahmslos, da ich noch nicht ganz begriffen hatte wer und was vor sich ging. „Hat sie nicht gesagt.“ Ich ließ ein Brummen vernehmen und nahm meine Tasse aus der Spülmaschine, trocknete sie kurz ab und nahm mir etwas frisch aufgebrühten Kaffee. „Soll ich hier bleiben?“ fragte ich den nächstbesten Mitarbeiter, der rein kam. Beth schüttelte eifrig den Kopf. „Fahr ruhig, wir kommen klar.“ sagte sie fröhlich und nahm sich ebenfalls eine Tasse Kaffee. Da meine nun leer war bedankte ich mich und schnappte mir Unterlagen, Leine, Jacke und Schlüssel, zog meine Schuhe an und ging mit Pitch raus. Regen. Immer noch regnete es und stürmisch war es noch dazu. Pitch, der mittlerweile kniehoch gewachsen war zog die Rute ein. Das war absolut nicht unser Wetter und die paar Meter bis zum Auto reichten aus um uns beide zu durchnässen. Der Weg führte uns heute zu einer Show für regionale Pferdezuchten. Zwar stellte ich selber nicht aus, aber es war immer gut zu wissen, mit wem man Kontakte schließen konnte.

      Auf der Show gab es viele Züchter der typisch britischen Rassen. Darunter auch einige Clydesdale und Shire Horse Züchter und ich glaubte sogar zwei Drum Horse Hengste zu sehen. Shire und Clydesdale Züchter verpönten Drum Horses meistens, da sie noch nicht lange als eigenständige Rasse galten. Ich für meinen Teil fand sowohl die einen, als auch die anderen interessant. Allerdings gefielen mir die heute anwesenden Drum Horses nicht so gut. Sie war zu schlaksig und zudem hatten sie beide eine Tovero Scheckung, was ich mit allen Mitteln zu vermeiden suchte. Sehr schön waren jedoch einige Shires. Kräftig gebaut mit ordentlich Halsung und Fesselbehang. Vor einem Exemplar blieb ich stehen. Ein Brauner ohne Blesse, mit vier symmetrisch weißen Beinen. Ein bisschen Weiß hatte er an der Stirn. Das Langhaar war zu shiretypisch verflochten und ließ die eigentliche Länge nur erahnen. Eigentlich war an diesem Pferd nicht viel Besonderes. Den Braunton hatten 90% aller braunen Shires und auch das nur sehr kleine Kopfabzeichen war nicht allzu selten. Es war seine Ausstrahlung die mir gefiel. Acht Jahre alt, gefahren und geritten, mit überschaubarer Showkarriere. Wie ich so das Informationsblatt durchlas sah ich aus dem Augenwinkel, wie sich ein Mann näherte. Neugierig wie Pitch war zog er leicht in dessen Richtung. Als der Mann neben mir stehenblieb und mich freundlich anlächelte wandte ich mich zu ihm. „Sie sehen aus, als hätten sie Ahnung?“ begann der schmale Mann etwas unsicher und sah kurz zu Pitch, den ich daraufhin zu mir zog. „Ich bin Züchter. Hunter Crowley.“ stellte ich mich vor und lächelte den Mann aufmunternd an. „Was für Pferde züchten sie, Sir?“ fragte er übertrieben höflich. „Hauptsächlich Englische Vollblüter.“ Und sie Mr …?“ Ich hatte den Herrn kalt erwischt. Eilig stellte er sich als Jayden Buck vor. „Ich baue mir gerade eine Shire Zucht auf.“ erklärte er und zeigte mir stolz seinen Deckhengst Clairkson. Er sah dem Hengst hier vor uns sogar ein wenig ähnlich, war aber wesentlich dunkler in der Farbe und hatte unregelmäßigere Beinabzeichen. Wir unterhielten uns eine Weile über die Pferdezucht, worauf man zu achten hatte und was bei den Shires als Zuchtziel galt. „Woher kennt ihr euch bei den Shires aus?“ wollte Jayden wissen, der mich noch immer siezte. „Ich habe eine Shire Stute für die Drum Horse Zucht.“ erklärte ich und rechnete eigentlich schon mit einem abfälligen Kommentar. Doch Jayden war interessiert. Mitten im Gespräch darüber ob Drum Horse eine sinnvolle Zucht war oder nicht, brach ich ab. Im Gehen fiel mir eine schwarze Stute auf, die im miserablen Zustand war. „Wieso stellt man sie hier aus?“ fragte ich empört. Die Stute hieß Bad Medicine und war lackschwarz. Sähe sie nicht aus wie ein Flickenteppich durch die ganzen Narben, wäre sie sicher ein hübsches Exemplar ihrer Rasse. Nicht ganz typisch, da weiße Beine eigentlich höchst erwünscht waren, aber ein Hingucker alle male. Auch Jaydens Blick haftete auf der Stute. „Die werden doch untersucht, bevor sie herkommen. Wie kann sie dann hier stehen?“ fragte er und warf einen Blick auf das Informationsblatt. In großen Lettern stand dort „Rette mich“. Es handelte sich hier also um ein Rettungspferd, aus schlechten Verhältnissen. Man suchte über die Show jemanden, der sich der Stute annahm. „Was hältst du davon?“ fragte mich Jayden und versuchte die Stute anzulocken, die sich im hintersten Eck ihres begrenzten Platzes verkrochen hatte. „Nicht viel.“ meinte ich knapp und musste eiskalt auf Jayden wirken, der es tatsächlich geschafft hatte, dass Bad Medicine ein paar Schritte auf uns zu tat. „Wieso nicht?“ fragte er ebenso knapp ohne den Blick von der Stute abzuwenden. „Weil man nicht weiß ob man es je wieder gerade biegen kann, was da falsch gemacht wurde.“ erklärte ich stumpf. „Dafür hätte ich keine Zeit.“ Jayden hatte dafür wenig Verständnis, ließ mir aber meine Meinung. Wir beschlossen gemeinsam etwas zu Essen und verabschiedeten uns nach dem gegenseitigen Versprechen in Kontakt zu bleiben was die Zucht betrifft. Ich machte zusammen mit Pitch noch einen Abstecher zu den Englischen Vollblütern, bevor wir uns auf den Heimweg machten. Zu Hause schrieb ich Käthe von meinem Tag und fragte gleichzeitig wie es bei ihr aussieht. Wir hatten seit einer gefühlten Ewigkeit nicht gesprochen.
    • sadasha
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      13. Februar 2018 | 14487 Zeichen von adoptedfox und sadasha

      Hunter | Mit Kopfzerbrechen lag ich wach. Käthe benahm sich wie ein Teenager, der nicht wusste ob er gute oder schlechte Laune hatte. Mit Sicherheit kam es mir auch nur so vor, aber es nervte mich. Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass es bereits 2 Uhr morgens war. Noch drei Stunden um Schlaf zu finden, bis der Arbeitstag beginnt. Eigentlich hatte Käthe nichts Schlimmes verbrochen. Wir hatten wenig Kontakt und als wir uns zufällig trafen war es komisch. Da kann Käthe auch nichts für, oder doch? Pitch riss mich aus meinen Gedanken. Er träumte und schlug dabei mit seinen Pfoten gegen das Bett, was mich richtig wach machte. Zwar kannte ich die Geräusche schon und sie versetzten mich nicht mehr in einen Schockzustand wie beim ersten Mal als ich sie hörte, aber dennoch saß ich jetzt kerzengerade im Bett und beobachtete den schwarzen Rüden. Punkt 5 Uhr sprang Pitch auf und lief im Zimmer auf und ab. Es dauerte nicht lange, bis mich das Geräusch der Krallen auf dem Parkett so nervte, dass ich aufstand um ihn rauszulassen. Bei der Gelegenheit machte ich mich gleich auch fertig für den Tag und bereitete im Anschluss Pitchs Frühstück vor. Mrs Clayton machte nebenbei Kaffee und warf ab und an einen argwöhnischen Blick auf das rohe Fleisch. „Das riecht fürchterlich.“ klagte sie und sog den Duft der ersten Tasse Kaffee ein um den Gestank loszuwerden. „Für Pitch duftet das gut.“ erwiderte ich und deutete zum Retriever, dem der Sabber schon aus den Lefzen hing. Da er dazu neigte sein Futter in einem Drei-Meter-Radius um sich herum zu verteilen wenn er fraß, fütterte ich ihn seit ein paar Monaten draußen. Auch heute stellte ich die Schüssel vor die Türe und Pitch trottete fröhlich hinterher um sein Frühstück auf dem überdachten Platz zu genießen.
      Ein paar Stunden später stand ich mit Kerry in der Reithalle und half ihr mit Vikar und Mephisto. Die beiden Junghengste waren zur Zeit im Beritt und bekamen daher besonders viel Aufmerksamkeit. Kerry hatte es mit Hilfe einer Trainerin bereits geschafft sie an das Zubehör und Reitergewicht zu gewöhnen, sodass nun die richtige Arbeit anfing. Nach gut zwei Stunden saßen wir wieder ab und brachten die zwei in ihre Boxen. “Ist bei Käthe und dir eigentlich alles in Ordnung?” fragte Kerry. “Wieso fragst du?” Wollte sie jetzt wirklich über meine Beziehung sprechen? “Weil sie lange nicht mehr hier war und du warst schon lange nicht mehr bei ihr. Am Hof gehen schon Gerüchte rund, dass es bei euch kriselt.” - “Gerüchte?” fragte ich lachend. “Jetzt lenk nicht ab! Ist alles in Ordnung?” - “Ich weiß es selbst nicht.” meinte ich schulterzuckend und machte mich auf die Suche nach Pitch. “Du solltest mit ihr sprechen, wenn du nichtmal selbst weißt was Sache ist. Das meine ich nicht nur als Psychologin, sondern auch Freundin.” Wahrscheinlich hatte sie damit recht. Sie hatte Recht. Ohne vorher anzurufen packte ich Pitch in den Wagen, den ich irgendwo bei den Weiden aufgegabelt hatte und fuhr los.

      Käthe | “Soll ich dir sicher keinen Helm bringen?” rief Erin mir über den Platz zu. Ich lachte gespielt und verneinte während ich damit beschäftigt war Smooth Gravity zu parieren. Die Stute machte es mir alles andere als einfach. Als ich sie endlich dort hatte wo ich sie wollte hielt ich neben Erin an und rieb mir mit dem Ärmel den Schweiß von der Stirn. “Du hättest sie Probe reiten sollen.” sagte sie vorwurfsvoll und reichte mir eine Flasche Wasser. “Sie muss sich erst einleben. Gib ihr etwas Zeit!” erwiderte ich und nahm einen kräftigen Schluck. “Einen Versuch noch!” motivierte ich mich selbst und nahm die Zügel auf. Konzentriert trabte ich die Stute an und wechselte durch die ganze Bahn um die Stute anzugaloppieren. Gravity kam mir jedoch einen Schritt zuvor und machte einen gewaltigen Satz nach vorn um mich abzusetzen. Was ihr gelang. “Du hättest dir einen Helm aufsetzen sollen.”

      Stöhnend rappelte ich mich auf und rieb mir die Schulter. “Was machst du denn hier?” fragte ich Hunter und lief zu Gravity die am Zaun stand und mich beobachtete. “Nach dir sehen.” gab er trocken zurück. “Jetzt hast du mich ja gesehen.” antwortete ich und öffnete das Tor um Gravity zurück in den Stall zu bringen. “Ich lass euch besser allein, ja?” flüsterte Erin und lächelte mir aufmunternd zu bevor sie ging. Ich zog der Stute die Zügel über den Hals, nahm die Trense ab und zog ihr ein Halfter an damit ich sie in der Stallgasse anbinden konnte. “Ich wollte nach dir sehen, weil wir sprechen müssen.” sagte er genervt. “Ich hör dir zu.” sagte ich ohne ihn anzusehen, nahm der Stute den Sattel ab und brachte ihn zusammen mit dem Zaum in die Sattelkammer. Mit schmerzverzerrtem Gesicht hob ich den Sattel auf seinen Platz und ging zurück zu Gravity und Hunter. Ich nahm den Hufkratzer aus der Putzbox und hob einen Huf der Stute an. “Du wolltest mit mir sprechen.” erinnerte ich Hunter und begann damit ihren Huf auszukratzen. “Hast du dich verletzt?” wollte er wissen und bemühte sich um eine nicht allzu besorgte Miene zu machen. “Natürlich habe ich mich verletzt, ich wurde gerade in hohem Bogen abgesetzt.” gab ich genervt zurück und drängte mich an ihm vorbei. “Dann fahre ich dich jetzt zum Krankenhaus.” - “Nein das wirst du nicht.” unterbrach ich ihn und sah auf. “Es geht mir gut. Zwei oder drei Tage, dann ist alles wieder in Ordnung.” - “Das.” Er packte mir forsch an die Schulter. “Ist nicht in zwei, drei Tagen wieder in Ordnung.” Ich stöhnte vor Schmerz auf und gab ihm aus Reflex eine Ohrfeige. “Was sollte das?” fragte ich und sah ihn vorwurfsvoll an. Er ignorierte meine Frage und bugsierte mich zu seinem Wagen. Pitch folgte uns fröhlich. “Ich bleibe hier!” fuhr ich ihn an und stemmte meine Hand gegen die Tür damit er sie nicht öffnen konnte. “Damit es schlimmer wird und du für Wochen ausgeknockt wirst, weil du nicht sofort zum Arzt gehen wolltest? Machst du das immer so? Sachen aufschieben?”- “Aufschieben?” fragte ich und wirbelte herum damit ich ihn ansehen konnte. “Du meinst also ich schiebe Sachen auf, ja?” - “Ja.” - “Zum Beispiel?” fragte ich und verschränkte die Arme. Er verdrehte genervt die Augen. “Jetzt gerade, zum Beispiel. Aber wenn du nicht willst. Dann geh halt und sitz es aus.” Er ließ mich los. “Ich bin auch der Meinung du solltest das abklären lassen…” warf Erin ein die, allem Anschein nach, schon eine Zeit lang in der Haustür stand und mitgehört hatte. Ich sah sie an und atmete hörbar aus. “Ich muss mich um…” begann ich, musste aber unterbrechen als Hunter die Wagentür öffnete und mich auf den Sitz schob. “Danke!” rief er Erin zu und ließ sich auf den Fahrersitz fallen. Er zog die Tür zu und verriegelte das Fahrzeug. “Hunter! Das ist Entführung!” rief ich und sah ihn an. “Sobald du aus dem Krankenhaus raus bist, fahre ich dich gerne zur Polizei, damit du mich anzeigen kannst.” meinte er spitz und fuhr los. Genervt schnallte ich mich an und sah aus dem Fenster. Die Fahrt über sprachen wir kein Wort miteinander. Auch im Krankenhaus schien es nicht besser zu werden. Die Notaufnahme war brechend voll und man teilte mir mit, dass es zirka 2 Stunden dauern würde bevor ich dran war. Nervös kaute ich auf meiner Unterlippe herum und ging nach draußen, wo ich mir von einem jungen Mann, der etwa mein Alter hatte, eine Zigarette lieh. Normalerweise rauchte ich nicht, aber manchmal war es eine Erfüllung.

      Hunter | Ich ging davon aus, dass Käthe frische Luft schnappen wollte, daher folgte ich ihr nicht sondern wartete geduldig. Als ich geistesabwesend aus dem Fenster sah konnte ich meinen Augen nicht glauben. Käthe mit einer Zigarette? Seit wann rauchte sie? Ohne nachzudenken ging ich raus und sah sie verwirrt an. “Was hab ich noch verpasst?” fragte ich fast schon enttäuscht, dass ich nichtmal davon etwas wusste. “Ich habe drei neue Pferde und habe die mobile Pferdepflege aufgegeben um meine Trainerlizenz zu erhalten und… sonst eigentlich nichts.” antwortete sie und blies mir den Rauch entgegen. Resigniert nickte ich und zog meine Schachtel Zigaretten aus der Tasche um mir eine anzumachen. “Wie sieht es bei dir aus?” fragte sie und sah mich an. “Wenn sich bei mir etwas Großes bewegt hätte, wüsstest du davon.” - “Das ist also der Grund weswegen du dich nicht mehr gemeldet hast.” - “Was?” verwirrt sah ich sie an. Ich hatte keine Lust wieder zu diskutieren. “Ach vergiss es!” sagte sie, warf ihre Zigarette auf den Boden und ging wieder hinein.

      Nach zwei Stunden wurde Käthe endlich aufgerufen. Die Schulter und der Ellenbogen waren geprellt und der Arzt riet ihr sich zu schonen. Dass sie das nicht tun würde stand außer Frage. “Wieso hast du dich nicht gemeldet?” fragte Käthe leise. “Weil ich nicht sicher war ob es richtig wäre. Deinem Vater ging es nicht gut und ich dachte du würdest dich lieber erstmal auf ihn konzentrieren. Ich wollte nicht stören. Ich war mir sicher, dass du dich gemeldet hättest, wenn es wieder passt.” - “Danke, jetzt fühle ich mich schlecht!” rief sie und rutschte tiefer in den Sitz hinein. Ich lachte leise. “Noch schlechter?” Doch anstatt zu antworten nickte sie nur. “Ich habe oft überlegt dir zu schreiben oder einfach vorbei zu fahren aber ich wollte dich nicht mit meinen Problemen belasten.” Seufzend stieg ich aus und ging um den Wagen herum um Käthe die Tür zu öffnen. “Also waren wir in etwa gleich blöd.” schloss ich und warf die Tür zu, nachdem Käthe ausgestiegen war. “Kann man so sagen, ja.” antwortete sie und lächelte. Wie sie da stand, noch immer an den Wagen gelehnt und lächelnd trotz ihrer Verletzung an der Schulter, war sie der schönste Mensch, den ich mir jetzt gerade vorstellen konnte. Es fühlte sich an als hätte jemand die Zeit angehalten, doch mein Herz raste dagegen an. Wie gerne würde ich sie jetzt... Doch ich hielt mich zurück. Wir hatten gerade erst unseren bisher größten Konflikt gelöst und da konnte ich jetzt nicht... oder doch? Unwillkürlich sah ich mich vor ihr, hatte meine Hände an ihre Hüfte gelegt und berührte sanft ihre Lippen mit meinen. Es war kein richtiger Kuss, es war mehr eine kaum spürbare Berührung. Doch sie weckte mich aus meiner Trance. Ein eiskalter Schauer durchlief meinen Körper und riss mich ein paar Schritte von ihr weg. Noch immer pochte mein Herz so stark, als wolle es mir aus der Brust springen. Ich atmete hörbar aus und fuhr mir durch die Haare, während ich mich langsam wieder beruhigte und zu ihr umdrehte. “Ist alles in Ordnung?” fragte Käthe besorgt und rieb sich die verletzte Schulter. “Alles Bestens.” gab ich verschmitzt lächelnd zurück. “Ich muss leider wieder fahren. Isaac ist heute quasi Alleine mit den Pferden und da muss ich mithelfen.” - “Schreiben wir heute Abend miteinander?” fragte sie, während sie auf mich zu kam und umarmte. “Ich habe dich wirklich vermisst.” flüsterte sie leise und lehnte ihren Kopf auf meine Brust. “Ich hab dich auch vermisst. Ich schreibe dir wenn wir mit den Pferden durch sind.” Ich konnte sie zwar nicht sehen, spürte aber dass sie zufrieden lächelte. “Dann schaue ich mal wie weit Erin mit den Pferden ist.” - “Melde dich, wenn du mich brauchst. Ich kann Isaac auch mal alleine lassen.” meinte ich schmunzelnd und öffnete die Fahrertür. “Mache ich, versprochen!” sagte sie lächelnd und entfernte sich ein paar Schritte vom Wagen damit ich fahren konnte.

      “Auch mal wieder da?” rief mi Isaac zu, der gerade mit Mr. Raw Depression von den Feldern zurück auf den Hof kam, als ich aus meinem Wagen stieg. Es war mittlerweile Spätnachmittag und eigentlich hätte ich ihm helfen müssen die Pferde zu versorgen, weil Kerry nur bis mittags da war. Entschuldigend hob ich die Hände und kam mit Pitch im Schlepptau zu ihm. “Es kam leider etwas dazwischen. Wer muss noch gemacht werden?” Isaac taxierte mich kritisch, während er Mr. Raw Depression auf eine unscheinbare, ruhige Art die Leviten las, da der Hengst versuchte einfach weiterzulaufen, obwohl Isaac stehen geblieben war. “Du kannst deine Vollblüter als abgehakt sehen. Ehrengold, Raving Hope Slayer und PFS Strolch hatte Kelly noch auf die Rennbahn gelassen und Slap Happy, Blütenzauber, Bear Totem’s Denali, Moulan, Riven in a Dream, Scarlet in Birth, LMR Lady Luna, PFS’ Savory Blossom, Happy Fantasy und CHH’ Classic Spring hab ich in der Führanlage laufen lassen. Golden Sugar, Stars of Magic, PFS’ Storm Cat, Little Miss Backyard, Fantastic Sonata, Rouge Trap, What Rainbow und Bear Brooks Denahi hat Kerry glaube ich zusammen von der einen zur anderen Weide geschickt. Keine Ahnung welcher Sinn dahinter stand, aber die Fohlen sind damit alle bedient gewesen, sodass ich sie zwischendurch nur zurück in die Boxen gebracht hatte. Immerhin soll es kommende Nacht wieder frieren. Achja, Benji und Niffler haben sich heute in den Haaren gehabt, die hab ich jetzt getrennt gestellt. Nicht dass du dich wunderst. Wir müssten jetzt noch die Großen machen und Verdine.” - “War Ruby da?” Isaac nickte. “Ja, war sie. Sie hat Braddock ‘The Parrot’ bewegt und ist dann wieder abgezischt. Die war wegen irgendwas verstört, schlechte Noten, Beziehungsdrama, weiß der Geier… Apropos Beziehungsdrama…” Wieder taxierte der Ire mich und wartete auf eine Antwort. Doch ich beschloss nicht auf diese Anspielung einzugehen. “Gut, dann schnappe ich mir als erstes Iseabail und Lady Lyneth Bowen. Du nimmst dir bitte Magical Touch und Felan vor.”
      Gesagt getan, beide machten wir uns an die Arbeit. Isaac ließ immer wieder Sticheleien vom Stapel und versuchte aus mir herauszuquetschen was denn jetzt mit Käthe und mir war, doch ich genoss es ihm den Gefallen nicht zu machen. Soll er ruhig ein bisschen grübeln, wenn es ihn so brennend interessierte. Nachdem die Stuten bewegt waren, blieben uns nur noch Mister Blockhead und Thomas. Als auch diese beiden Hengste zufrieden und müde in ihren Boxen standen war es schon längst Dunkel geworden. Die Uhr zeigte 11 Uhr abends. “Danke.” sagte ich knapp als Isaac sich in seinen Wagen schwang. “Du weißt, dass du dich immer auf mich verlassen kannst.” gab er zurück und knallt die Tür zu um loszufahren. Lachend wandte ich mich ab und ging noch einmal über den Hof um alle Tore und Türen zu kontrollieren. Nebenbei sammelte ich Pitch ein, der sich in einer leeren Box auf Mäusesuche begeben hatte. “Komm Junge.” rief ich und der schwarze Rüde folgte, wenn auch widerwillig. Als ich mir sicher war, dass der Hof gut abgeriegelt war ging ich ins Haus und sprang erstmal unter die Dusche, ehe ich mich aufs Bett warf und mein Telefon aus der Tasche kramte um mich bei Käthe dafür zu entschuldigen, dass es so spät geworden war.
    • sadasha
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      05. Mai 2018 | 7664 Zeichen von sadasha

      Schwarz-weißes langes und verfilztes Langhaar, eigentlich weiße Füße, breites Kopfabzeichen, blaue etwas getrübte Augen. So beschrieb man mir eine verwahrloste Stute, die wohl so abgemagert war, dass man nur erahnen konnte wie sie in Topform aussehen würde. Es war purer Zufall, dass ihre Papiere auffindbar waren und man sie als reinrassiges Quarter Horse mit klasse Abstammung identifizieren konnte. "Wir wissen nicht wohin mit ihr." klagte mir die Mitarbeiterin des Tierschutzes ihr Leid. In ihrer Not rief sie mit einem Kollegen sämtliche Ställe in der Umgebung an und mich kannte sie noch von einer Rettung die nun schon Jahre her ist. Der Araber Majd lebte längst nicht mehr bei mir, hatte aber bei Rin einen wunderbaren Platz gefunden. Eismärchen wurde erst letzten Winter abgeholt und lebte jetzt in Deutschland. "Crowley?" fragte die Stimme am anderen Ende der Leitung zögernd, da ich keine Antwort mehr gab. Ich ließ ein gedankenverlorenes Grunzen vernehmen, während ich meinen imaginären Blick über meine noch freien Boxen schleifen ließ. "Wie schlimm ist es?" fragte ich knapp und hatte die Frau damit verwirrt. "Ähm." Sie suchte nach Worten, doch ehe sie antworten konnte lenkte ich ein. "Vergiss es. Wo steht sie denn jetzt? Wann muss sie da weg?" Hysterisch jubelte sie und begann sich bei mir zu bedanken, noch ehe wir meine Fragen klärten.

      Am nächsten Tagen kuppelte ich mit Isaacs Hilfe den Hänger an meinen Wagen. Er verlor kein Wort über die nun folgende Aktion, sondern zeigte mir mit einem breiten Grinsen dass er schon wusste, dass es nicht mehr lange hätte dauern können ehe ich mit einem neuen Pferd die funktionierende Stallordnung über den Haufen werfen würde. Zumindest dachte ich das. Ich hatte mir von Verdine ein Halfter geborgt und einige Leckereien mit verschiedenen Geschmacksrichtungen in die Tasche gepackt. Käthe informierte ich per WhatsApp über eine neue Westernstute.
      In aller Ruhe parkte ich den Hänger auf dem kleinen Hof, als plötzlich jemand neben der Fahrertür auftauchte und an die Scheibe klopfte. Vor Schreck trat ich auf die Bremse und erkannte dann dass es die Frau vom Tierschutz war. Sie hatte sich über die Jahre kaum verändert. Sie trug ihr dunkelblondes Haar noch immer zu einem tiefen Pferdeschwanz gebunden, hatte einen komfortablen Kleidungsstil, was wohl auch ihrer harten Arbeit zu verdanken war und sie trug offenbar noch die gleichen abgerockten Stiefeletten. Ich kurbelte die Scheibe runter und grüßte sie freundlich. Dann nahm ich den Fuß von der Bremse und ließ weiter rückwärtsrollen. "Nein, nein. Du solltest gleich auf die Weide fahren, dann können wir sie einfacher eintreiben." korrigierte sie mein Vorhaben und mir rutschte fast das Herz in die Hose. Was sagte sie da? Eintreiben? Ließ sich die Stute denn nicht normal führen? Ich schluckte und schaltete den Gang um. "Folge mir einfach, ich weise dich dann ein. Wir haben Alles vorbereitet."
      Tatsächlich waren auf der Weide noch ein paar andere Mitarbeiter des Tierschutzes, bewaffnet mit großen Brettern mit denen sie eine Gasse bilden konnten. Erst als ich ausstieg äußerste ich meine Bedenken an dieser Aktion. Das Verletzungsrisiko für Pferd und Mensch war enorm hoch bei sowas. Mit verschränkten Armen und dem Leckerliebeutel am Gürtel stand ich da und beobachtete das Treiben. Die braune, enorm verdreckte Stute stand in der hintersten Ecke der Weide. "Stand die hier ganz alleine?" Man schüttelte den Kopf, war aber jetzt nicht zu Gesprächen auferlegt. Jemand bugsierte mich zur Seite, sodass ich nicht aus Versehen umgerannt werden konnte. Ich war noch immer nicht überzeugt, doch sie hatten die Stute schnell in Hängernähe. Hier scheute sie vor den ganzen Menschen, wurde jedoch nicht wieder weggelassen. Sie war eine tickende Zeitbombe. Irgendwann würde sie steigen und auskeilen und den nächstbesten hier verletzen. Oder sie würde unkontrolliert buckelnd stürzen sich irgendwo verkeilen und sich irgendwas brechen. Meine Gedanken überschlugen sich während ich dem Theater zusah. Kurz bevor die Braune auf den Hänger rannte erfasste sie mich mit ihrem panischen Blick. Einen Augenblick später zog man auch schon die Rampe hinter ihr hoch. Aus dem Hänger klopfte es heftig und mir blutete das Herz. "War das wirklich nötig?" fragte ich entrüstet. Ich kassierte ein paar mitleidige aber auch ein paar genervte Blicke, doch wieder keine Antwort. Ich wandte mich an die mir bekannte Kollegin, die mir endlich erklärte warum hier so ein Aufriss veranstaltet wurde. Es wurde wohl schon versucht die Sache ruhig anzugehen, doch die Stute war so verängstigt, dass sie keinen an sich ran ließ. Ich seufzte. "Das konnte man mir am Telefon nicht sagen?" - "Hättest du sie dann genommen?" Ihr Blick war reumütig, was auf mich deeskalierend wirkte. Wenigstens war sie sich ihrer Schuld bewusst. Trotzdem konnte ich nicht fassen was in den letzten Minuten passiert war. "Danke, Crowley." Ich schnaubte verächtlich und stieg in meinen Wagen. Doch bevor ich losfuhr saß ich noch einige Minuten mit offener Türe da und beruhigte mich, dachte nach was ich jetzt zu organisieren hatte. Ich beschloss Isaac zu informieren, damit er einen Weidenteil abstecken konnte, wo sich die Stute erstmal einleben konnte. Er sollte Kerry ebenfalls vorbereiten, dass sie in der nächsten Zeit viel Zeit mit der neuen Stute verbringen würde. Sie musste erst wieder Vertrauen zu Menschen fassen.
      Isaac hatte wie besprochen eine Weide abgesteckt und so kurvte ich mit dem Hänge so ein, dass wir die Stute nicht noch mehr Stress aussetzen mussten. Einmal auf der Weide lief sie wieder in die hinterste Ecke und wagte es nicht zum Hänger zu kommen, ehe nicht beide Menschen verschwunden waren. "Sie muss dringend geputzt werden und hast du ihre Hufe gesehen?" fragte Isaac besorgt, der wohl etwas anderes erwartet hatte. Ich nickte stumm, während ich Hänger und Wagen quer über den Parkplatz stehend abstellte. "Um den Hänger kümmere ich mich morgen." Sobald ich ausgestiegen war zog ich meine Schachtel Zigaretten hervor und steckte mir eine an. Meine Nerven lagen blank. Nichtmal Pitch der sich freute, dass ich wieder da war, konnte mein Gemüt erhellen. Kerry sah genauso besorgt aus wie Isaac. "Du solltest sie einem Tierarzt vorstellen. Wer weiß, was sie sich Alles eingefangen hat." forderte sie. Mir war klar, was ich jetzt tun musste, also nickte ich. Für eine ausführliche Antwort fehlte mir die Energie. Kerry ließ von mir ab und schien zur Weide der neuen Stute zu gehen. Es war gut, wenn einer sie im Blick behielt. Isaac war so schlau gewesen den Teil vor dem Wohnhaus abzustecken, sodass ich schnell bei ihr war, sollte ich irgendwas Verdächtiges hören. Abermals schrieb ich Käthe und gab ihr ein Update über den Verlauf des Mittags. Erst als ich noch eine zweite Zigarette aufgeraucht hatte ging ich ins Haus, zog mich um und ging mit Pitch joggen um den Kopf frei zu bekommen. Wieder zu Hause setzte ich einen Tierarzttermin für Tainted Whiz Gun, wie Tainy mit vollem Namen hieß.

      Heute konnte ich für die Braune nichts mehr tun, außer ihr etwas Futter und Wasser hinzustellen. Also beschäftigte ich mich für den Rest des Tages mit Slap Happy. Die Vollblutstute hatte etwas an sich, was mich immer wieder zur Ruhe brachte. Ich putzte sie heute besonders ausgiebig und befreite sie dabei von gefühlt zehn Tonnen Winterfell. Dann sattelte ich sie für einen langen Ausritt. Kerry versicherte sich, dass mein Handyakku voll genug war und ließ mich erst danach vom Hof reiten.
      Der Ausritt war heilend und wir kamen erst spät abends wieder nach Hause. Da die Mitarbeiter schon größtenteils den Hof verlassen hatten ließ ich den Abend mit Pitch ausklingen.
    • sadasha
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      11. Juni 2018 | 13.173 Zeichen von sadasha
      Neuzugänge

      Als mitten in der Nacht das Telefon klingelte drehte ich mich zuerst noch einmal auf die andere Seite, in der Hoffnung den schrillen Ton ignorieren zu können. Doch sobald ich mich umgedreht hatte leckte mit Pitch hektisch über das Gesicht. Genervt schob ich ihn von mir weg und richtete mich ächzend mit einem Blick auf die Uhr auf. Wer zur Hölle ruft um 2:37am an? Die Vorwahl sagte mir nichts und das konnte nur bedeuten, dass der Anrufer von weit weg kam. Wenigstens erklärte das auch die irre Zeit. Verschlafen nahm ich das Gespräch an und brummte ins Telefon. "Ehm… Hunter?" Ich brummte erneut. Eine Frau war am anderen Ende der Leitung und die Verbindung stand eher schlecht als recht, sodass der Ton knisternd und rauschen bei mir ankam. "Hey! Wir hatten uns doch über deine Tinker unterhalten! Und was du suchst und ja… Ich hab eine tolle gefunden, Pearl carrier und… du wolltest keine Fohlen oder?" Nachdenklich schwieg ich. Cooper aus Kanada war am Telefon, doch auch bei ihr musste es jetzt schon spät sein. "Schläfst du auch mal?" brummte ich ohne ihre Frage zu beantworten. Sie lachte. "Ist doch noch früh hier! Oh, hab ich dich geweckt? -" sie brabbelte eine Entschuldigung und redete dann über ein Fohlen, das sie ebenfalls entdeckt hatte. "Double Dilute! Du suchtest doch sowas oder nicht? Und eine Stute! Warte, ich schicke dir Fotos. Und… Hunter ich hab die zwei gekauft, du kannst also nicht Nein sagen. Im Zweifelsfall werden die sicher auch klasse Therapiepferde für deine… Freun-, Kollegin?" Ich hatte nach Fotos mein Gehör eingestellt und kramte nach meinem Laptop. Pitch hatte seinen Kopf auf dem Bett abgelegt und sah mir schwanzwedelnd dabei zu wie ich versuchte klar zu werden. "Warte kurz, der Laptop braucht Strom…" unterbrach ich Cooper. "...und ich brauche Kaffee."

      Nachdem ich mir einen Kaffee gemacht und Pitch auf den Hof gelassen hatte, setzte ich mich mit dem Laptop ins Wohnzimmer wo auch das Ladekabel lag. Die Stute war bereits eingeritten und gefahren und komplett durchgetestet was Erbkrankheiten und Farben betraf. Für mich also perfekt und dass sie Pearl Trägerin war würde später noch mit Mephisto interessant werden. Das Tinkerfohlen war sehr kompakt gebaut trotz der Größe und sie sah auch ansonsten korrekt aus. Hier wurde nicht nur wegen der Farbe gezüchtet. Trotzdem sah ich mir auch die Linien der kleinen Stute ausgiebig an, ehe ich mich bei Cooper bedankte. Gemeinsam planten wir die Überfahrt nach England und klärten das Finanzielle. Als ich auflegte wurde es schon hell und auch Cooper war jetzt müde. Wir wünschten uns also noch eine gute Nacht und legten dann auf. Ich jedoch blieb jetzt wach. Ich ging ins Bad um zu Duschen und mich für den Tag fertig zu machen. Noch bevor einer der Angestellten eintrudelte hatte ich die Fütterung fertig, die ersten Pferde auf die Weiden gebracht und mistete die ersten paar Boxen, bis Beth zum Arbeitstag kam und mir das Werkzeug aus der Hand schnappte. "Guten Morgen!" meinte sie fröhlich und lächelte mich an. "Du hast wohl nichts Besseres zu tun, hm?" Ich verneinte grinsend und streckte mich ausgiebig, ehe ich aus Benjis Box ging. Der kleine Hengst stand zusammen mit seinem Shettykumpel Niffler auf einer doppelt gesicherten Weide aus denen sie nicht mehr ausbüchsen konnten. Zu meiner Überraschung kam mir Ruby entgegen, als ich Thomas von der Weide holen wollte um mit ihm zu arbeiten. Sie hatte ihren Ponyhengst Braddock 'The Parrot' an der Hand. "Mit dir habe ich erst am Nachmittag gerechnet. Keine Schule heute?" Sie grinste über beide Ohren und nickte. "Richtig. Es sind viele Lehrer krank und deshalb dürfen heute zwei Klassen zu Hause bleiben. Ich bin unter den Glücklichen." - "Na dann viel Spaß." meinte ich und ging weiter zu meinem Drum Horse Hengst. "Achja Hunter?!" rief Ruby noch und ich blieb kurz stehen. "Später kommen noch ein paar Freundinnen, können wir uns die Shettys dann leihen? Nur auf dem Hofplatz etwas Spielen mit den Ponys?" Ich nickte und gab ihr einen Daumen hoch, ehe ich wieder kehrt machte. Thomas stand zusammen mit Tank am Rand der Weide, wo das höchste Gras wuchs. Doch im Gegensatz zum Rappen graste er nicht, sondern beobachtete aufmerksam mein Verhalten. Vielleicht erkannte er, dass ich sein Halfter mitschleppte. Jedenfalls trabte er ein paar Schritte auf mich zu, sodass auch Tank kurz aufsah um zu überprüfen was seinen Kumpel aufmischte. "Guter Junge." lobte ich den Schecken und streichelte den kräftigen Hals, als er bei mir stand und sich das Halfter überziehen ließ. Den fast vierjährigen Hengst hatte ich seit Kurzem unterm Sattel und er machte sich soweit ganz gut. Die langen Beine bekam er noch nicht immer richtig geordnet, doch dafür übten wir das ja. Auch heute sattelte und zäumte ich ihn. In der noch recht kühlen Reithalle longierte ich Thomas zuerst ab und schwang mich dann in den Sattel. Im Moment arbeiteten wir an seinem Trab und den Übergängen zum Schritt. Hier und da, wenn die Motivation stimmte versuchten wir es auch schon mit kurzen Galoppphasen. Doch die waren kaum nennenswert und wirklich schlacksig in der Ausführung. In Trab und Schrott kam Thomas aber schon gut runter, lernte sich zu entspannen und versuchte es mir Recht zu machen.
      Nach der Session mit dem Drum Horse Hengst rief ich bei Käthe an. Sie erzählte mir vom ein oder anderen Neuzugang und dass sie nun aufpassen müsse nicht noch mehr Pferde ins Boot zu holen. Ich erklärte ihr, dass es mir da im Moment nicht viel anders ging. Die beiden Neuzugänge Stonery und Hester würden wohl nächste Woche eintreffen. "Achja und wenn du ja jetzt eine Rappstute hast verlange ich ein Shooting zusammen mit Moulan und als Kontrast vielleicht Smooth Gravity, sollten die sich verstehen." meinte ich und lächelte bei dem Bild, das ich mir da zusammenstellte. Echo's Maiden sollte die Rappstute heißen. "Mit blauen Augen!" Ich war sehr gespannt sie kennenzulernen. "Und wenn du so denkst, kannst du Sympathy of the Devil auch gleich mit einplanen. Die ist auch schwarz-weiß." Ich brummte wohlwollend. "Und wen hat dir Occulta noch verkauft?" fragte ich neugierg. "Einen Hengst." sagte sie aufgeregt. "Valentine's Cantastor heißt er. Ein Brauner." Da ging mir sofort ein Licht auf. "Den habe ich gesehen, als ich sie mal besucht habe. Holst du die zwei ab oder werden sie dir gebracht?" Käthe schwieg. "Ich sehe dich nicht, das ist dir aber klar oder?" fragte ich vorsichtig. "Ja klar… Keine Ahnung, das haben wir noch nicht geklärt." Ich lachte leise. "Gut, ich komme später vorbei. Bearing Spots und Compliment erkennen mich vielleicht schon nicht mehr, so lange war ich nicht mehr da." Wir legten auf. Kerry hatte mittlerweile Vikar und Mister Blockhead für heute fertig, sodass sie nur noch die Stuten übrig hatte. "Venetia und Magical Touch spanne ich mir an und bin für etwa eine Stunde im Gelände." erklärte ich und ging mit den Halftern der beiden Stuten auf die Weide. Erleichtert dankte sie mir und schnappte sich das Halfter von Felan. Max und José sind fleißig mit CHH' Classic Spring und PFS Strolch. Die beiden Vollblüter räumten auf den Rennen aktuell viele Schleifen ab. Bald würde ich Bear Brooks Denahi ebenfalls auf die Rennbahn schicken, doch ihr fehlte es noch an Ausbildung.
      Während ich mit den beiden Tinkerstuten unterwegs war überlegte ich was ich am nächsten Tag unternehmen wollte. Die beiden benahmen sich vorbildlich und wir hatten eine sehr entspannte Runde um das Gestüt herum. Die Schatten der Bäume ließen die brennende Sonne nicht zu uns durchdringen, sodass wir immer noch fit waren als wir auf den Hof zurück kehrten. "Crowley, sie sollten was essen!" rief mir Mrs. Clayton von der Türe zu. Ich brachte zuerst die beiden Stuten zurück auf die Weiden und schob die Kutsche die letzten paar Zentimeter in die Scheune, ehe ich zum Essen kam. Danach setzte ich mich mit Pitch ins Auto und fuhr nach Nottingham um Käthe zu besuchen.

      "Erin ist mit Hibana unterwegs." erklärte Käthe und küsste mich sanft zur Begrüßung. "Wir haben den Hof für uns!" Hinter ihr stand Amistad und stupste sie ungeduldig an. "Wir bringen den kurz weg ja? Dann zeig ich dir auf dem Rückweg Echo's Maiden und dann gehen wir rein. Die beiden anderen sind ja noch nicht hier. Aber ich hab Fotos!" erzählte sie stolz. Dass ich auch nach den beiden Fohlen gucken würde war selbstverständlich. For an Angel streckte neugierig den Kopf aus der Box, als wir an ihr vorbeigingen. Amistad war auch nicht abgeneigt gegenüber der hübschen Stute, doch Käthe kannte keine Gnade und zog den Scheckhengst weiter bis zu seiner Box. "Wo sind denn die Kleinen?" wollte ich wissen. Käthe zeigte nach draußen und ich beschleunigte meinen Schritt. Bearing Spots und Compliment standen gleich draußen, wenn man aus dem Stall kam und warteten darauf reingeholt zu werden. "Die sollen noch draußen bleiben, Hunter!" rief Käthe, als ich das Tor öffnete um mich auf die Weide zu mogeln. Sofort kamen die beiden zu mir und taxierten mich neugierig. Doch Leckerchen hatte ich heute nicht dabei. Besonders Compliment hatte nochmal einen ordentlichen Wachstumsschub. Ich ließ meinen Blick über die anderen Weiden schweifen. Grenzfee stand auch noch draußen zusammen mit der neuen Rappstute. Smarty Jones war der einzige, den ich noch nicht gesehen hatte. Aber er würde dann wohl in seiner Box stehen. Pitch fing an zu quängeln, weil ich ihn nicht mit auf die Weide gelassen hatte und bevor er richtig laut wurde kam ich lieber wieder raus und ging mit ihm Käthe hinterher ins Haus. Hier tauschten wir uns über unser beider Neuzugänge aus. "Ach, ich hab ganz vergessen dir Echo's Maiden zu zeigen." sagte Käthe schockiert. Doch ich unterbrach sie, ehe sie weitersprechen konnte. "Ich hab sie eben schon gesehen. Sie sieht toll aus. Wunderbar groß!" - "Und ihr Fell ist total samtig!" fügte Käthe hinzu woraufhin ich schmunzelte.

      Wir waren erst spät wieder heim gefahren und so schaffte ich es in dieser Nacht wieder nicht den verlorenen Schlaf nachzuholen. Doch es half nichts. Wenigstens war Kerry früher da und hatte sich schon Iseabail und Lady Lyneth Bowen gewidmet. Ich ging daher sofort über zu meinen Vollblütern. Kerry würde später noch Xana bespaßen. Ich begann mit Happy Fantasy. Die Stute kam grundsätzlich etwas zu kurz und deshalb gehörte mein Vormittag heute gänzlich ihr. Ich putzte sie ausgiebig, sattelte sie dann und ging mit ihr auf die Militarystrecke in Mitten der Rennbahn. Von hier aus konnte ich meinen Jockey bei der Arbeit zusehen. Sie hatten heute die Oldies Ehrengold und Mikado aus dem Stall geholt. In der Mittagspause erklärte ich den beiden dass ich mir als nächstes Mr. Raw Depression rausnahm. Die beiden nickten und sagten dann dass sie PFS' Savory Blossom und Raving Hope Slayer rennen wollten.
      Ich freute mich sehr, als am Nachmittag Isaac aus dem Urlaub kam. Übersäht mit noch mehr Sommersprossen als üblich und mit heller Fläche rund um die Augen, weil er wohl die Sonnebrille nicht abgenommen hatte bevor er sich an den Strand gelegt hatte. Freundschaftlich begrüßten wir uns und gingen zusammen in den Stall. Blütenzauber und Riven in a Dream waren die nächsten, die wir uns vornahmen. So heiß wie es war zogen wir uns in die Reithalle zurück, wo auch Abby schon den ganzen Tag war. Sie hatte sich mit Moulan beschäftigt und jetzt gerade ritt sie Scarlet in Birth warm. "Beth macht das mit den Fohlen gut oder?" fragte Isaac, der unsere Stallhilfe vor seinem Urlaub auserkoren hatte die Fohlenarbeit zu übernehmen. Sie hatte damit zu Beginn sehr zu kämpfen. "Sie hat sich gut mit ihnen eingespielt, ja." gab ich zurück. Besonders das Hengstfohlen Golden Sugar hatte sie ganz gut im Griff. Die Flausen von PFS' Storm Cat oder Stars of Magic waren dagegen ein Witz. Als wir mit den beiden Stuten fertig waren hatte Beth gerade Little Miss Backyard an der linken und Fantastic Sonata an der rechten Hand. "Könnt ihr nicht noch die letzten beiden übernehmen?" flehte sie und Isaac und ich tauschten vielsagende Blicke aus. Wir stimmten aber zu. So konnte Beth mit der Stallarbeit weiter machen und Isaac und ich schnappten uns What Rainbow und Rouge Trap. Die beiden Stuten brannten schon darauf die Welt zu erkunden. Als wir jedoch mit ihnen nach draußen gehen wollten um eine Runde um den Hof herum zu machen scheuten sie und wollten lieber wieder zurückgehen. Wir tasteten uns also eine Ecke vorsichtiger heran und ließen die beiden Stutfohlen in Ruhe gucken und das Tempo selbst bestimmen. Weit kamen wir so zwar nicht, aber wir konnten das Führtraining mit einem positiven Gefühl abschließen, als wir nach einer halben Stunde auf den Hof zurück kehrten um die Fohlen in ihre Boxen zu bringen wo sie übernachten würden.
      Am nächsten Tag hatten die meisten Pferde frei und so konzentrierte ich mich auf Slap Happy. Isaac hatte sich Bear Totem's Denali fertig gemacht und Kerry nahm LMR Lady Luna mit auf einen gemeinsamen morgendlichen Ausritt. Am Nachmittag kümmerten sich die beiden um Verdine und Tainted Whiz Gun, sodass ich frei hatte. Ich nutzte die Zeit um mit Pitch zum See zu gehen und die Woche ruhig ausklingen zu lassen. Nächste Woche würden die beiden Neuzugänge eintreffen und die Stallordnung wieder mal aufmischen.
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  • Album:
    Gnadenweide | Pferdehimmel
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    sadasha
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    18 Feb. 2017
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    Stute
    11 Jahre
    Rasse Englisches Vollblut
    Stockmaß/Endmaß 162cm
    Fellfarbe Brauner
    Geno EE Aa

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    Charaktereigenschaften
    Treu, Liebevoll, Scheu

    Vorgeschichte
    Slap Happy hatte einen ruhigen Start ins Leben, auf einem Gestüt in Wales/England. Ihre Mutter ist erfolgreich Distanzrennen gelaufen und der Vater war ein talentierter Show- und Military-Springer. Diese Talente wurden ihr in die Wiege gelegt. Wider aller Erwartungen hat Scheppi ein besonderes Talent für die Galopprennenbahn. Hier hat sie bereits im ersten Rennen eine Platzierung erreicht.

    Beschreibung
    Fleißig, manchmal etwas hektisch. Slap Happy lässt sich gut beruhigen, sollte sie vor etwas scheuen und ist sehr treu am Sprung. Sie hat ein angenehmes Vollblut-Temperament und weiß sich zu präsentieren. Turniere machen ihr manchmal noch zu schaffen, mit Applaus und Schreien im Publikum kann sie nicht umgehen. Sie wird dann unkonzentriert und versucht zu flüchten. Im Stall ist sie ein Everybodys Darling. Wenn sie rossig ist ein wenig launischer als sonst. Ansonsten kommt sie mit groß und klein gut zurecht.


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    Trainingsplan
    Eingeritten ✔ | Eingefahren x

    Schleifenaufstieg | Trainingsaufstieg | Potential
    Oben = Joelle Qualifikation | Unten = Variationen

    Dressur E A L

    Lektionen der Dressur: E A L LM

    Springen E A L M S

    Show Jumping: E A* A** L M* M** S* S** S*** S****

    Military E A L M S

    Geländestrecke: CIC/CCI* CIC/CCI** CIC/CCI*** CIC/CCI****
    Eventing (British Eventing, national): BE80(T) BE90 BE100 BE100Plus Novice Intermediate Advanced


    Galopprennen E A L M S
    Ausgleichsrennen|Hindernisrennen: AIV AIII AII AI | AU AM AG
    Flachrennen: 800m 1000m 1250m 1500m 1750m 2000m 2250m 2500m 3000m 3400m


    Distanz E A L M S

    Distanzritte: EL EVG1 EVG2 EVG3 EVG4 CEN* CEN** CEN***


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    Offiziell
    72. SdmW
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    89. Synchronspringen | 304. Galopprennen | 93. Synchronspringen | 222. Distanzturnier | 95. Synchronspringen
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    96. Synchronspringen | 226. Militaryturnier | 332. Springturnier | 101. Synchronspringen
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    Inoffiziell

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    CHH' Stutensprint Rennen

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    Von unbekannt
    Aus der unbekannt


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    SK 436 - Alle Rassen

    Eingetragene Zucht Bear Brook EC

    Besitzer sadasha (Hunter Crowley)
    VKR/Ersteller sadasha

    Nachkommen
    Glamour of Death von CHH' Lamperd
    Raving Hope Slayer von Race is Hope
    What Rainbow von Mr. Raw Depression


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    Letzter Tierarztbesuch unbekannt
    Gesamteindruck unbekannt


    Letzte Zahnpflege überfällig
    Letzte Wurmkur überfällig
    Letzte Impfung überfällig


    Letzter Hufschmiedbesuch unbekannt
    Ausgeschnitten/Korrigiert nein


    Beschlag vorne keiner
    Beschlag hinten keiner


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    > Sattelkammer <