Flair

♛ Fix the Flame [TRAK]

Trakehner, Stute, *2012, zugelassen

♛ Fix the Flame [TRAK]
Flair, 24 Feb. 2019
sadasha gefällt das.
    • Flair
      [​IMG]
      25.08.2017 | Verjährte Pflege

      Vergangene Pflegeberichte der Stute Fix the Flame

      27.01.2016 von sadasha
      Phoenix Valley

      Phoenix Valley, Kalifornien. Für immer Sommer! Zumindest denken Europäer so. Auch Hunter Crowley schwärmte davon, als er erfuhr wo die beiden Brüder lebten. Dass es aber auch in Kalifornien mal regnet und dass auch hier nicht durchgängig 30-40°C an der Tagesordnung stehen und Umweltkatastrophen in jeden kalifornischen Sommer gehören, daran dachte er sicher nicht. Immerhin liegt Phoenix Valley, ein Pferdehof zweier Brüder wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten, nicht am Strand. Er liegt im Norden Kaliforniens, an der Grenze zu Oregon, am Rand des Modoc National Forest. Es ist schön hier keine Frage. Aber auch Kalifornien bringt seine Tücken mit sich. Die Brüder sind damit aufgewachsen. Lucius und Kenneth sind in Newport groß geworden, ohne Familie. Kenneth interessierte sich schon früh für den Pferdesport. Lucius, ließ sich eher mittreiben. Er hatte keine festen Pläne und lebte einfach in den Tag hinein. Dass er eines Tages als Talent entdeckt wurde hätte er selbst nicht gedacht. Jedenfalls ist er nun als Stuntreiter auf Pferdeshows aktiv und hat ebenfalls ein Pferd. Sein Bruder ist seitdem sein Laufbursche. Kenneth liebt die Arbeit mit Pferden, er hat sich einen kleinen Breedingstock mit Trakehnern aufgebaut und verfolgt recht zielstrebig seinen Wunsch sie zur Zucht zuzulassen und dann ebenfalls Erfolg zu haben. Die Trakehner hat er aus der Umgebung, bis auf einen der zwei Hengste. Cadiz hat er Hunter Crowley abgekauft, bzw. Lucius hat vermittelt. Da bestand er drauf. Fix the Flame und Busted Cherry Cake, die beiden Stuten kommen aus Kalifornien, aus dem gleichen Gestüt und sind sehr vielversprechende Stuten. Ghost Merchant kommt aus einer Zucht Oregon und ist Ken's Liebling. Ach das Pferd von Lucius... Er hat einen Lusitanohengst namens Amador. Ein launisches Tier. Schwer zu händeln, furchtbar hengstig, aber hauptsache hübsch. Kenneth sagt seinem Bruder immer, er habe nichts anderes verdient und wahrscheinlich hatte er damit mehr als recht. Lucius verletzte sich ständig bei seinen Versuchen Neue Stunts und Lektionen mit Amador einzuüben. Kenneth hatte seinen Spaß daran, machte sich aber insgeheim doch Sorgen, dass irgendwann mal etwas ernsteres passieren würde.
      Meist schweigend kümmerte er sich um seine vier Schützlinge. Heute lag sein Augenmerk auf den Stuten. Die eine war ein Militarytalent, die andere in der Dressur begabt. Also ging es zuerst auf den Reitplatz mit Fix the Flame und anschließend mit Busted Cherry Cake in den Wald. Als er wieder kam, hatte sein Bruder Cadiz zwischen. Der Hengst hatte es ihm angetan, aber zurecht kam er mit ihm nicht. Cadiz braucht eine ruhige Hand und die hatte Lucius nicht. In keinem Fall. Nach gut eineinhalb Stunden gab er es auf, stieg ab und überließ ihn Ken. Ghost Merchant war da charakterlich eher Lucius' Liga. Er ließ sich von Unruhe nicht aus dem Konzept bringen und lief brav seine Runden. Den Abend ließen die zwei Brüder ausklingen, indem sie sich mit einem Whisky in der Hand vor den Fernseher warfen. Diese Momente waren selten im Leben der beiden. Meistens waren sie auf Montur mit der Stuntgruppe von Lucius. In dieser Zeit kümmerte sich ein ausgewähltes Team an Arbeitern um die Trakehner. Amador kam mit zu den Veranstaltungen, er kannte das und liebte es. Dort wurde er gefordert und gefördert und vor allem: Fast nonstop beschäftigt.

      _______________________________

      25.03.2016 von Jackie
      Dressurtraining E-A


      Thomas füllte gerade die Heunetze auf, als Vel völlig aufgebracht den Stall betrat. "Thomas du bist viel zu spät dran! Einer unserer Kunden ist gerade angekommen, sind die Boxen sauber?", der Stallbursche nickte. "Wenigstens eine gute Neuigkeit... Was stehst du denn noch hier? Komm und lad die Pferde gefälligst aus". Unmotiviert verließ Thomas den Stall, gab einen tiefen Seufzer von sich und staunte erst einmal über den großen Transporter. An der Seite des Transporters war eine Klappe die bereits herunter gelassen wurde. Rechts und links standen je zwei Pferde. Thomas führte zunächst Cadiz und Fix the Flame aus dem Transporter, stellte die Pferde in die vorrübergehende Box und widmete sich dann Busted Cherry Cake und Ghost Merchant. Auch diese brachte er schließlich in die frisch eingestreute Box. Vel kümmerte sich inzwischen um Kenneth Jenkins. "Wie ich anhand ihres Hängers sehe sind sie gut bestückt, wollen sie wirklich kein Leistungsfutter dazu kaufen?"
      "Aber nein doch! Außerdem ist der Hänger geliehen", Kenneth winkte genervt ihr Angebot ab und wartete krampfhaft darauf den Trainingsvertrag unterschreiben zu können. "So...dann", Vel konnte gar nicht aussprechen so schnell unter junge Bursche den Vertrag. "Wir sehen uns dann wenn sie fertig sind. Sie erreichen mich telefonisch", Kenneth stand auf und bewegte sich zum Transporter. "Eh, ja klar.", etwas enttäuscht sah Vel wie ihr Kunde davon fuhr. "Der hat es aber eilig", sagte Ashley die in ihren schicken Reitklamotten vom Platz stüppelte. "Mum ich sagte dir doch bereits du sollst nicht jeden Kunden etwas aufzudrehen versuchen", Ash grinste schelmisch und warf ihrer Mutter einen arroganten Blick zu. "Pass auf dein freches Mundwerk auf Fräulein. Sag Thomas er soll Celsius putzen. Der Schimmel sieht wieder unmöglich aus."
      "Ja doch", genervt ging Ashley in den Stall um Thomas zu suchen.
      *
      Am nächsten Morgen betrat Judy gut gelaunt den Stall. "Morgen Thomas", er lächelte sie dankbar an. "Ich bin froh das man dir die Neuankömmlinge zugeteilt hat. Du weißt ja wie Jarred ist... außerdem sieht er nicht so gut aus", er zwinkerte ihr entgegen. Auf das indirekte Kompliment reagierte Judy erst zögerlich. Sie lief rot an und schnappte sich schnell Cadiz um mit dem Training zu beginnen. Thomas sah ihr hinterher. "Schade", murmelte er und fuhr mit der Stallarbeit fort. Judy führte Cadiz schließlich in die Halle, gurtete den Trakehner Hengst nach und begann damit den Parcours aufzubauen. Sie stellte zunächst zwei 80cm hohe Steilsprünge in die Halle auf, sowie eine 2 fache Kombination. Diese Hindernisse wollte Judy am jetzigen Tag für Cadiz und Cherry Cake zum Üben verwenden. Sie stieg geschwind in den Sattel auf, und ritt Cadiz erst einmal warm. Nachdem der Hengst warm geritten war, steuerte sie auf den in der Halle allein stehenden Steilsprung zu. Kurz vor dem Hindernis gab sie Cadiz einen Klaps mit der Gerte, sowie eine Sprunghilfe. Cadiz segelte über das Hindernis, riss jedoch eine Stange. Genervt ritt Judy zum Hindernis zurück um abzusteigen und um die Stange etwas tiefer einzuhängen. Glücklicherweise kam im gleichen Moment Thomas mit Cherry Cake. "Was hast du vor?", fragte Judy ihn. "Ich wollte ihn unters Solarium tun, damit seine Rückenmuskulatur vorgedehnt wird."
      "Klingt gut. Kannst du mir beim Training helfen? Sollten mir mal Stangen fallen oder so..." - "Sicher. Judy kann ich dir mal einen Tipp geben?"
      "Hm?" - "Ich würde mit Gymnastikübungen beginnen, da Cadiz zuvor nicht gesprungen ist". Judy sah ihn verwundert an. "Bist du Trainer oder Stallbursche?", verschämt blickte Thomas zu Boden. "Ich wollte doch nur helfen."
      "Oh nicht doch Thomas! Das meinte ich nicht abwertend... aber woher weißt du das?"
      "Ich interessiere mich für Pferde, lese gerne Bücher über das Training, die Ausbildung und so..."
      Schließlich nickte Judy anerkennend und sah zu wie Thomas zwischen K und F eine Pylone aufstellte. Anschließend nahm er 3 Trabstangen die er auf den Boden im Zirkel auslegte. "So dann trab mal zunächst im Bogen über die Cavalettis und anschließend im Galopp" Judy ritt - wenn auch etwas verwirrt da ihr ein Stallbursche beim Training half, auf die Stangen zu. Aufmerksam lief Cadiz über die Stangen hinweg.
      Das Training verlief gut. Mit jeder Runde wurde Cadiz aufmerksamer, er hob die Beine höher an und wurde beweglicher. "Lass uns zum Abschluss des Trainings noch über den Steilsprung springen", Thomas lächelte das hübsche Mädchen an die scheinbar auch an Motivation gewonnen hatte. Schnell ritt Judy aus dem Zirkel zum Steilsprung, fokussierte sich auf die Stangen und sprang schließlich ab. "Fehlerfrei!", Thomas applaudierte und Judy strahlte. "Wow, du bist nicht schlecht für einen Stallburschen! Lass uns das gleiche bei Cherry Cake wiederholen". Cherry Cake döste unter dem Rotlicht und genoss die Wärme auf ihren Rücken. Thomas holte währenddessen ihr Zubehör aus dem Stall um sie zu Satteln.
      *
      Zur gleichen Zeit trainierte Jarred die Fuchsstute Fix the Flame unter dem Sattel. Sie war bereits warm geritten weshalb er daran übte ihr die Grundlagen bei zu bringen. Dazu ritt er zunächst auf den Zirkelpunkt um sie im Schritt im Kreis zu reiten, dann gab er ihr eine Hilfe wodurch sie den Kopf etwas anhob und angelehnter im Schritt ging. Flame befand sich nun im sogenannten Mittelschritt. Schließlich trabte er sie an um etwas schneller voran zu kommen. Er wechselte aus dem Zirkel in den Hufschlag und ritt bei F ganze Schlangenlinien durch die Halle. Das sollte Flame etwas gymnastizieren, zudem lernte sie dadurch auf Hilfen schneller zu reagieren. Im Leichttrab ritt Jarred anschließend eine ganze Bahn ehe er bei M das Viereck verkleinerte. Das war eine wichtige Lektion die der Reiter, aber auch das Pferd in einer Prüfung beherrschen sollte. Ab X vergrößerte er wieder das Viereck und gab der Trakehnerstute eine Galopphilfe. Zunächst ritt er im Arbeitsgalopp auf den Zirkel, wechselte dann auf die Bahn und führte währenddessen einen Galoppwechsel aus. Jarred ritt von K nach H und wechselte schließlich durch die ganze Bahn nach F. Dort parierte er die Stute und ritt ab A nach X, zog dann an den Zügeln wodurch Flame stehen blieb. Nun probte er das Rückwärtsrichten, zog dazu erneut an den Zügeln und lehnte sein Gewicht nach vorne. Etwas unsicher trat Flame einen Schritt nach hinten. Er lobte sie kräftig und wiederholte den Vorgang. Nun wurde auch die Stute selbstsicherer und lief ganze fünf Schritte rückwärts. "Super!", Jarred lobte sie und beendete somit das Training. Sein nächster Kanditat sollte dann Ghost Merchant sein.
      *
      Als Judy Cherry Cake warm geritten hatte, begann sie zunächst mit der Cavalettiübung die auch bei Cadiz gut funktioniert hatte. Thomas achtete darauf das die Stangen richtig angeordnet waren und sah anschließend Judy beim Training zu. Die zierliche Frau ritt im Schritt auf den Zirkel um die Trakehnerstute wach zu halten, nun konnte sie sehen was sie gleich erwarten wird. Nach ein zwei Runden trabte sie Cherry schließlich an und hielt sie mit kleinen Hilfen aufmerksam. Jedes Mal wenn Cherry eine fehlerfreie Runde hinterlegte, lobte Judy sie und klopfte ihr den Hals. Nach acht Trabrunden, galoppierte sie das Pferd an um die Stangen auch im Galopp zu überwinden. Das war kein Problem mehr, da Cherry durch das Solarium und den Trabübungen so aufgewärmt und vorgedehnt wurde, das sie mühelos die Beine hob um über die Stangen zu galoppieren. "Dann schaffen wir ja heute noch ein paar Hindernisse mehr", rief Judy dem Stallburschen zu. "Ja! Ich bau sie dir schon mal auf". Thomas holte ein paar Ständer aus der Ecke und stellte sie mittig in die Halle und einmal auf den Hufschlag. Dann hob er die langen schweren Stangen aus der Bande hervor um sie in den Ständer zu heben. Eine der Stangen legte er vor das Hindernis um den Absprungpunkt deutlich zu machen. Eine Hilfe für Pferd und Reiter. "Bin soweit!", rief Thomas und räumte die Cavalettistangen wieder weg. Judy ritt vom Zirkel und wärmte Cherry auf der Bahn auf ehe sie das erste Hindernis ansteuerte. Cherry sprang rechtzeitig ab und streifte ganz knapp die Stange. Beim zweiten Hindernis bewies sich das Aufwärmtraining jedoch als gelungen. "Du wirst immer besser" lobte Thomas die junge Frau. Judy strahlte und lobte Cherry für jeden Fehlerfreien Sprung. "Damit können wir das Training im guten Gewissen beenden".
      *
      Währenddessen ritt Jarred den Porzellanschecken warm. Dazu hatte er einige Cavalettistangen in einer Reihe aufgestellt, über die er hinweg ritt. Das sollte Ghost Merchants Gangart auch verbessern und ihm im Training aufmerksamer machen. Nach guten zehn bis fünfzehn Minuten Gymnastiktraining, ritt er schließlich durch die ganze Bahn. Er trabte Ghost intensiv an und wechselte durch die Bahn in den Zirkel. Aus dem Zirkel hinaus gab er ihm eine Galopphilfe und galoppierte erneut in den Zirkel, anschließend auf die Bahn und in Schlangenlinien durch die ganze Halle. Ghost wurde etwas träger, was auch Jarreds Geduld zum platzen ließ. Er trieb Ghost mit der Gerte um ihn in Bewegung zu halten. Das Pferd stöhnte und schnaubte im Galopp, erst nach einigen Runden konnte er eine Pause machen. Die Pause nutzte Jarred zum üben des Rückwärtsrichtens. Auch hier zog er wieder an den Zügel und lehnte sein Gewicht nach vorne. Ghost ging einige Schritte rückwärts. Dies konnte er wohl besser als Flame. Nach der kleinen Schritt Pause galoppierte er das Pferd wieder an und übte mehrere Galoppwechsel. Dabei ritt er auf den Zirkel, aber auch durch die Bahn. Auf der linken Hand verkleinerte und vergrößerte er das Viereck. Allerdings im Trab. Nachdem Ghost klatschnass geschwitzt war und auch ein Trockenreiten nichts mehr nützte, brachte er den Trakehner in das Solarium um ihn zu "trocknen". Erst dann konnte Ghost zurück in die Box.
      *
      Zum Abschluss des Tages kontrollierte Thomas noch einmal die Pferde. Er prüfte die Tränken und füllte das Futter bei Fix the Flame, Busted Cherry Cakes, Cadiz und Ghost Merchant nach. Dabei fiel im auf, dass Ghost Merchant gar nicht eingedeckt war. Sauer schüttelte er den Kopf "Typisch Jarred", murmelte er enttäuscht und griff nach einer Abschwitzdecke. Wenigstens war der Rest eingedeckt.

      _______________________________

      09.04.2016 von Gwen
      Dressur A-L

      Die Zeit der ruhigen Berittpferde schien mit dem April zu Ende zu gehen, zumindest versprachen die Beschreibungen von Amador und Fix the Flame eine irrsinnig witzige Zeit. Beide waren eher schlecht als recht zu händeln und ich war erstaunt, dass sich die Brüder Lucius und Kenneth genau mit solchen Pferden beschäftigten. Na gut, mit seinem schneeweißen Märchenhengst schien Lucius gelegentlich selbst zu verzweifeln.
      Und doch fiel ihm der heutige Abschied von seinem Lusitano sichtlich schwer. Er hatte die beiden Pferde mit nach Kanada begleitet, während sein Bruder zu Hause in Phoenix Valley geblieben war und die Ranch hütete. „Ich bin gespannt, ob sich die weite Reise gelohnt hat“, murmelte Lucius, ehe er seinen Hengst auf unsere Gastweide entließ. Ich ließ das Ganze unkommentiert, so war schließlich er zu mir gekommen und ich war mir sicher, dass auch Amador gut bei uns aufgehoben war.
      Für seinen Besitzer ging es nun auf die Heimreise, während die Pferde die kommenden zwei, oder auch mehr Wochen, bei mir verbringen würden. Für die ersten Stunden hätten sie aber sowieso Ruhe vor mir, denn sie sollte erst einmal ankommen und sich die Beine vertreten. Nachdem Amador auch zweimal aufgeregt am Zaun entlang getänzelt war, beruhigte er sich allmählich, so dass ich nach der Stute schauen konnte.
      Fix the Flame war ein Trakehner und erst vier Jahre alt. Man merkte es ihr deutlich an, denn sie wirkte oftmals sehr unsicher und nervös. Schon bei ihrer Ankunft wäre sie vor Aufregung fast in die Luft gegangen. Auch mit ihr würde das Training sicherlich amüsant werden. Ich hatte schon länger nicht mehr solche Herausforderungen auf dem Hof gehabt, es war zugegebenermaßen ein bisschen ungewohnt, aber ich vertraute auf mein Können. Es war schließlich einfach nur etwas länger her.
      Aus Charaktergründen wollte ich aber heute schon einmal etwas mit den beiden Pferden machen. Normalerweise bekamen meine Berittpferde den ersten Tag komplett frei, meine beiden Sonderlinge erhielten jedoch am Nachmittag jeweils eine exklusive Führung. Per Zufall wählte ich Flame als erste aus und holte die Stute von der Weide. Mit ihren 1.68m und ihrem aufgeregten Getänzel überragte sie mich um Längen und doch ließ sie sich von meiner Anwesenheit beeindrucken und auch ein wenig beruhigen.
      Im Stall war sie generell händelbarer als draußen, aber davor hatten mich bereits ihre Besitzer gewarnt. Während einer ausgiebigen Putzphase wollte ich die Stute ein wenig an mich gewöhnen, was auch gut gelang. Sie war zwar immer noch sehr aufgeregt und schreckte gefühlt bei jedem Geräusch zusammen, aber sie war gut erzogen und baute ein wenig Vertrauen zu mir auf.
      Das war ziemlich schnell weg, als wir die Halle betraten. Dort ließ ich Flame laufen, denn sie sollte sich selbstständig mit ihrem Trainingsort beschäftigen. Noch sah ich mich noch lange nicht auf dem Pferd sitzen, aber ich würde die lange Vorarbeit noch zu schätzen wissen. Laut den Jenkins Brüdern lernte Flame nämlich verdammt schnell, wenn sie sich erst einmal wohl fühlte und das war mein Ziel.
      Nachdem Flame sich dann sogar schon ausgiebig gewälzt hatte, brachte ich sie in ihre Box, wo bereits ihr Abendbrot und ihr gefülltes Heunetz auf sie warteten und ich mich nun an Amador machen konnte. Der Hengst war zwar echt hübsch, aber so gut wie gar nicht erzogen. Zu seinem Leidwesen war ich jedoch auch nicht der Typ für Spanier, weshalb er mich mit seinem Aussehen nicht überzeugen konnte und so lernte er direkt von dem Weg von Weide zum Stall, wer hier das Sagen hatte.
      Ich ahnte aber bereits, dass das nicht unsere letzte Auseinandersetzung gewesen wäre. Auch wie Flame bekam er eine ausgiebige Putzprozedur und die genoss er sogar, auch wenn er zeitweise ständig versuchte, nach mir zu schnappen. Irgendwann fing er sich aus diesem Grund auch eine und wirkte dann tatsächlich etwas beleidigt. Auch Amador durfte sich mit der Halle bekannt machen und diese ausgiebig während des Freilaufens begutachten. Dabei durfte ich auch schon seine Buckelkünste begutachten, welche mich später sicherlich auch noch unter dem Sattel erfreuen würden.

      Schnell war mir klar, dass ich die ersten drei Tage bestimmt auf keines der Pferde steigen würde und kündigte den Besitzern direkt an, dass sich das Training wohl gut um mindestens eine Woche verlängern würde. Ich wollte die Pferde korrekt und in Ruhe ausbilden und zwar so, dass auch etwas hängen blieb und so wie die beiden tickten, würde das ein Weilchen dauern.
      Die ersten Tage wurde deshalb nur longiert oder Bodenarbeit gemacht. So fasste Flame allmählich Vertrauen in mich und meine Halle und Amador hingegen zeigte mir einmal sein gesamtes Repertoire an Biestigkeit und ich ihm an Sturheit. Natürlich stattete meine Co-Trainerin Elisa uns auch mal einen Besuch ab, war sie doch neugierig auf die beiden Pferde aus Kalifornien, deren Akten höchst interessant klangen.
      „Oha. Da trifft ja dicker Sturkopf auf dicken Sturkopf“, meinte sie amüsiert, als sie mich und Amador in der Halle antraf. Grummelnd blickte ich nur einmal kurz in ihre Richtung, ehe ich mich wieder Amador widmete, der gerade der Meinung war, nicht rechts an der Longe angaloppieren zu müssen, weil das für ihn die anstrengendere Seite war und er diese Arbeit nicht einsah.
      Dass er aber als Gegenleistung noch mehr Arbeit verrichten musste als wenn er einfach galoppieren würde, gefiel ihm noch weniger und schnell gab der eine Sturkopf von beiden nach. „Nur mit dem Unterschied, dass er nicht der erste ist, der unter meine Fittiche gerät“, konterte ich Elisas Kommentar und sie streckte nur den Daumen nach oben. „Das schaffst du schon, ich glaub an dich“ und schon war sie wieder weg.
      Flame gab ich tatsächlich auch noch zwei Tage mehr in der sie sich an mich und alles andere gewöhnen durfte. Um es spannend zu lassen gab es an dem einen Tag Stangenarbeit und an dem anderen ein bisschen Schrecktraining womit ich die Stute wohl ein bisschen sehr aus der Fassung brachte. Aber zum Glück hinterließ es nur positive Schäden.
      Für Amador ging es am vierten Tag stattdessen ans Eingemachte und für mich auch. Er war schon sehr begeistert als ich ihn dieses Mal nach dem Putzen sattelte und ich ahnte schon schlimmes. Leider enttäuschte ich ihn, denn unser erster Ritt bestand nur aus Schritt und einfach Bahnfiguren und das wenn möglich am langen Zügel. Ich gab dem Hengst keinen einzigen Grund sich gegen mich aufzubäumen und grundlos tat Amador das auch nicht, auch wenn ich fühlte, wie das Pulverfass unter mir immer größer wurde und nur auf einen Auslöser wartete.
      Amador suchte förmlich danach, bis ich dann abstieg und ihn ausgiebig lobte. Abgesehen von seinem Schnapper, welcher darauf folgte, war die Luft doch schnell raus und er wirkte ausgeglichener als gedacht nach unserem ersten Ritt. Drei Tage wollte ich so verfahren und dann mal schauen, wie sich der Trab und der Galopp gestaltete.
      Den Hengst schien es auf jeden Fall zu überraschen, wie ich ihn handhabte und man sah ihm förmlich an, wie es in seinem Kopf ratterte und arbeitete. „Übernehm‘ dich nicht und spare lieber deine Kräfte. Ich könnte mir auch Schöneres vorstellen, als das schöne Biest zu trainieren“, meinte ich schmunzelnd, als ich ihn auf die Weide entließ. Selbst dieses Pferd würde ich knacken.


      Der erste Ritt mit Flame lief überraschend gut, abgesehen von den zwei Durchgehern, als sie meine Stangen hinter der Bande entdeckt hatte. Flame war wie ein Sturm, der nie zur Ruhe kam. Aber ich nutzte diese Energie für mich und wandelte sie in Volten, Zirkel und Schlangenlinien um. Viele Tempiwechsel brachten die Konzentration der Stute zu mir und ich begann mit den ersten Übungen für ihren Aufstieg in das L-Niveau: Die Versammlung.
      Es war ein wenig ironisch, dass genau das als erstes auf Flames Plan stand. Versammelte einen Wirbelsturm, aber an sich war es doch einfach, wenn man sich einmal hereindachte. Ich zwang sie nicht dazu, komplett ruhig zu werden und nichts zu tun, sondern ich bat sie, sich auf einer Stelle zu bewegen und sich zu konzentrieren. Das Pferd unter mir war gefühlt in Dauerbewegung, doch vieles war für einen äußeren Betrachter gar nicht sichtbar.
      Und Flame fand Gefallen daran, ihre Energie zu bündeln und sich genau darauf zu konzentrieren und so sahen sowohl der versammelte Trab als auch der versammelte Galopp genauso imposant aus, wie sich die Stute auch in dem Moment fühlte. Ich hoffte ja, dass der jungen Stute diese Übungen auch mehr Selbstvertrauen bringen würden, so dass sie irgendwann nicht mehr das verschreckte Küken war. Noch waren unsere Trainingsstunden jedoch immer mit mindestens einem Hüpfer verbunden und so schnell würde sie das auch nicht loswerden.
      Amador hielt hingegen nicht so viel von meinen Vorschlägen, doch selbst in das Training einbringen wollte er sich auch noch nicht. Doch ich weckte seine Neugier, indem ich an jedem Tag ein wenig hier und da kitzelte. Amador wollte sich präsentieren und er wollte zeigen, was er konnte. Dass er das nun auf die für Menschen eher unschöne Art machte, war doof, aber wir konnten es ins Positive umleiten.
      Bot er etwas an, fing ich es auf und arbeitete daran, solange wie Amador es Spaß machte. So erlernte er die Schritt-Galopp-Übergänge im Eilflug, denn natürlich machte es dem selbstbewussten Hengst Spaß, sich auf seine Hinterhand zu setzen und einen ordentlichen Übergang zu vollführen. Was für Amador hingegen sehr schwer war, war das Rückwärtsrichten.
      Eine Übung, bei welcher er mir Vertrauen musste und die zwischenzeitlich in Steigen und Austreten endete, weil es für ihn unüberwindbar schien. Also stieg ich ab. Es war keine Schande, vom Pferderücken herabzusteigen und Amador zeigte es nur, dass ich für ihn da war. Auch vom Boden aus machte es nicht sofort Klick, das wäre definitiv auch zu viel verlangt gewesen, aber wenn Amador nur einen Schritt rückwärts tat, war das schon ein voller Erfolg. Dass unsere Listen bei beiden Pferden lang waren, ignorierte ich gekonnt und nahm mir die Zeit, die ich brauchen würde, um beide auf ihr neues Trainingsniveau vorzubereiten.


      Bei Flame setzte Ende der zweiten Woche das ein, was ich bereits geahnt hatte: Sie fühlte sich wohl und die neuen Aufgaben sprudelten nur so aus ihr heraus. Sonderlich viel mussten wir für die L-Dressur auch nicht neu erlernen. Die Versammlung saß und den Außengalopp konnte Flame sowieso schon von Anfang an. Ein größeres Hindernis waren die einfachen Galoppwechsel, denn auch hier brauchte Flame ein wenig Vertrauen in sich selbst.
      Die Kehrtwendung auf der Hinterhand bot da perfekte Abwechslung und mit allerhand Ruhe und Geduld würde ich die Stute Ende der dritte Woche auch vollkommen fertig machen. Ob das bei Amador nun auch der Fall war, war fraglich. Wir kamen gut voran, aber doch langsamer als gehofft und das akzeptierte ich.
      Seine Testphase war inzwischen durch. Trotz einiger Buckelattacken hatte er mich nicht von seinem Rücken bekommen und so konnten wir inzwischen unter dem Reiter rückwärts treten und sogar eine Kehrtwendung auf der Vorderhand vollführen. Momentan arbeiteten wir am Viereck verkleinern und vergrößern. Seitengänge lagen Amador und langsam kratzte ich auch an seinem Ehrgeiz, denn lernen wollte Amador schon, nur die Arbeit machte er sich noch ungern.
      Erstaunlicherweise waren Ende der dritten Woche beide Pferde bereit für ihre Rückreise. Ich warnte die Brüder jedoch vor, dass ich aus den beiden definitiv keine Engel gemacht hatte, sondern nur meinen Weg gefunden hatte, gut mit Amador und Flame auszukommen. Perfekt war es definitiv auch bei uns nicht immer gelaufen, aber es gab immer Höhen und Tiefen und bei solchen Charakterzügen wie bei den beiden war das auch selbstverständlich.
      Dennoch schienen die Brüder sichtlich zufrieden mit dem Training zu sein und für die beiden Pferde ging es am frühen Morgen auf die Heimreise. Schon am Abend hatte ich sie vorbereitet und dann wurden sie auch schon abgeholt. Normalerweise fand ich es immer sehr traurig, wenn Berittpferde abreisten, bei den beiden war ich jedoch sogar etwas erleichtert. Nun sollte es erst einmal eine kleine Pause geben, was solche Pferde betraf, zumindest hoffte ich das.

      _______________________________

      28. April 2016
      Hufschmiedebericht Glorieas
      Alle Pferde des Phoenix Valley


      „Kalifornien. Wuzaaaah!! Auf ins Paradies! Wer ist dafür noch ein zwei Tage länger zu buchen als der Auftrag benötigen würde?“ ich hob freudig meine Hand und sah in das leicht verwirrte Gesicht meiner Chefin, die aber kurz darauf ebenfalls lächelte. „Wir schauen mal, Hunter.“ Wie ein kleines Kind freute ich mich auf Kalifornien. Erst als ich die Namen der Auftragsgeber las rutschte mir das Herz in die Hose: Lucius & Kenneth Jenkins. Noch nie hatte ich mich so sehr in einem Menschen getäuscht, wie in Lucius Jenkins. Seis drum, der Auftrag bringt dadurch, dass er fünf Pferde umfasst gutes Geld und sicherlich viele neue Eindrücke und Erfahrungen für den Beruf.
      Joicy fiel auf, dass meine gute Laune durch irgendetwas gedämpft war und sprach mich immer mal wieder darauf an, ob es mir gut gehe. Es war Privatsache, was da zwischen den Brüdern und mir passiert war, also ließ ich sie im Ungewissen. Der Flug nach Kalifornien war die reinste Qual. Im Flugzeug schlafen konnte ich noch nie und als wir in San Diego ankamen lief ich wie ferngesteuert hinter meiner Chefin her, die uns durch den Flughafen bis zum Taxi lotste, das uns schließlich zum Phoenix Valley Gut brachte, wo die Jenkins Brüder schon warteten. „Wieso haben wir kein Hotel gebucht?“ klagte ich, doch Joicy lächelte nur. „Weil die beiden sich angeboten haben und man einen kostenlosen Schlafplatz nunmal nicht ablehnt.“ Ende der Diskussion. Schweigend belud ich mich mit so viel Gepäck wie möglich und ließ mich von Kenneth einweisen, wohin ich die Sachen bringen musste. Am heutigen Tag würden wir noch nicht mit der Arbeit beginnen. Joicy hatte zwar ein wenig Schlaf abbekommen, aber auch sie war froh, als sie die Füße hochlegen konnte.
      Der nächste Tag begann stressig. Kaum wach hörte man Lucius bereits mit Amador fluchen. „GET OFF!“ ranzte er den Schimmelhengst an, dessen Hufe heute ebenfalls gemacht werden sollten.
      „Habt ihr ein Pferd das beschlagen werden soll?“ fragte ich Kenneth. Dieser schüttelte zur ntwort den Kopf. „Sind alle Barhufer oder Barhufer geworden. Wenn ihr etwas anderes empfehlen würdet nur raus damit.“ - „Nein, ist schon okay. Wir schauen uns die Pferde nacheinander an und sehen dann weiter.“ Mit den Worten lief ich zurück ins Gästezimmer um die nötigen Werkzeuge auf den sogenannten Innenhof zu bringen, der aber so offen gestaltet war, dass man ihn kaum als „Hof“ erkannte. „Schön habt ihr es hier.“ merkte Joicy an, als Kenneth den ersten Kandidaten zur Hufkontrolle herbeiführte. Ghost Merchant war ein groß gewachsener Porzellanschecke. Seine auf den ersten Blick recht ruhige Art ließ mich auf einen guten Arbeitstag hoffen. Seine Hufe waren in gutem Zustand, die beiden Brüder fetteten und wässerten die Hufe zu genüge, sodass das Horn beinahe makellos war. Kenneth ließ den Hengst vortraben. „Der läuft sehr linkslastig oder mein ich das nur?“ ich warf einen fragenden Blick zu Joicy die bereits nickte. „Ja, da müssen wir ein bisschen korrigieren.“ Sie sah mich vielsagend an. Heute war ich am Zug. „Gut, dann bring ihn mal her.“ Kenneth parkte den Trakehnerhengst vor mir, sodass ich einen Huf nach dem anderen ausschneiden und korrigieren konnte, sodass er wieder gerade aufstand und hoffentlich danach wieder normal laufen konnte. Gut eine Stunde war ich damit beschäftigt, bis ich vollends zufrieden war. Der Hengst machte es mir einfach. „Lass mal sehen wie er jetzt läuft.“ Kenneth lief mit Ghost Merchant im Schlepptau los. Er lief jetzt korrekt. Hat das ganze Üben die letzten Wochen also doch etwas gebracht. Joicy flüsterte mir ein „Gut gemacht.“ zu während Kenneth den Porzellanschecken wegbrachte und mit dem nächsten Pferd herkam. Cadiz! „Hey mein Großer.“ begrüßte ich den Scheckhengst, der mir auch einmal gehörte liebevoll und kraulte ihm kurz den Hals, bis wir auch ihn vortraben ließen. „Der sieht besser aus.“ - „Viel Horn muss da gar nicht ab.“ Da hatte Joicy recht. Cadiz kannte ich und dadurch war es ein Kinderspiel ihn fertig zu machen. Auch bei ihm war ich in weniger als einer Stunde mit dem Ausschneiden fertig. „Was nutzt ihr für ein Öl wenn ich fragen darf?“ wollte ich wissen. Die Hufe von Cadiz waren hier deutlich besser als noch bei mir. „Ehm… das hat Lucius mal irgendwo mitgebracht von einer Show. Da war wohl jemand der drauf schwörte… Ich zeig es dir gleich, wenn ich wieder komme. Kenneth verschwand in den Stallungen. Diesmal dauerte es etwas länger bis er zurück kam. Vom Innenhof aus hörte man ihn mit seinem Bruder sprechen und schließlich kamen sie beide mit dem Schimmelhengst Amador und der Dose Huffett auf uns zu. „Ach Hunter, das ist das Huffett, dass ich auf der Messe mitgenommen und noch nie getestet hab.“ erinnerte sich Joicy freudig. „Gut zu wissen, dass es einen tollen Job macht.“ Lucius war zur hälfte mit Sand bedeckt, er war wohl vom Pferd gefallen. Amador war etwas nass geschwitzt, wirkte aber entspannt. „Willst du die beiden nicht vor ihm warnen?“ fragte Kenneth seinen Bruder. „Ja. Also. Amador ist schwer zu händeln, er beißt, tritt aus und mag Fremde erst recht nicht. Viel Erfolg.“ damit verschwand er. „Idiot.“ - „Penner!“ riefen sich die Brüder noch zu, kurz bevor Lucius das Wohnhaus betrat. „Entschuldigung.“ ließ Kenneth verlauten und lief mit Amador los, der bereits vom Vorlaufen buckelte und nach Kenneth schnappte. „Kann der auch normal laufen?“ fragte ich. „So erkennt man nicht viel…“ Es war furchtbar schwer eine Fehlstellung zu erkennen, wenn das Pferd so heftig herumtänzelte und nicht einen ordentlichen Schritt gehen konnte. Erst beim dritten Anlauf konnte ich sicher sein, dass Amador keine Fehlstellung hatte. Dafür aber recht kleine Hufe, die eine gute natürliche Abnutzung zeigten. „Gut, aber er steht allgemein etwas steil, zumindest das will ich ausbessern.“ sagte ich ohne es so zu meinen. Eigentlich wollte ich die Finger von diesem Pferd lassen so flippig wie es war. Joicy schmunzelte beim Anblick meiner leicht besorgten Miene, als ich mir den ersten Huf von Amador nahm um ihn auszuschneiden. „Vorne geht’s noch, da kann man ihn gut am Boden halten.“ bemerkte Kenneth. Amador ließ die Prozedur tatsächlich ganz gut über sich ergehen. Hüpfte lediglich ein bis zwei mal ein bisschen hoch. Zumindest versuchte er das, ich schaffte es jedes Mal ihn wieder herunterzuziehen. Erst als es an die hinteren Hufe ging eskalierte der Hengst komplett. „Calm down!“ versuchte Kenneth den Schimmel zu beruhigen, der mit angelegten Ohren immer wieder nach ihm schnappte und mich partout nicht an seinen Huf lassen wollte. „Gut, dann die harte Tour.“ Mit aller Kraft zog ich seinen linken Hinterhuf auf meinen Oberschenkel und sicherte ihn, bis er sich beruhigte. Es herrschte eine unfassbare Hitze hier im äußersten Westen der USA und wir waren schon alleine vom Herumstehen nass geschwitzt. Amador trieb es immer wieder auf die Spitze. „LUCIUUUS!“ versuchte Kenneth seinen Bruder herauszurufen, doch er kam nicht. „Ist schon okay, er ist grade ruhig.“ Einen kurzen Moment brauchte ich noch um mich zu sammeln, bis ich mit dem Ausschneiden der Hufe fortfuhr. Gerade als ich den Huf fertig hatte und ihn locker ließ, damit Amador ihn aufsetzen konnte riss sich der Hengst aus Kenneth’ Griff. Ich hatte mich da bereits umgedreht und war einen Moment zu langsam. Denn im nächsten spürte ich Amadors frisch gemachten Huf in der Magengrube und ging keuchend zu Boden. Mir blieb im wahrsten Sinne des Wortes die Luft weg. Der Schimmel hatte mich gut einen Meter nach hinten befördert mit diesem Tritt. Mir zog sich alles zusammen. Joicy war direkt zur Stelle. „Kenneth, wie lautet hier der Notruf?“ fragte sie und zog ihr Handy aus der Tasche, während ich weiterhin nach Luft japste. Zehn Minuten später fuhr ein Notarzt auf das Gelände des Phoenix Valley und kümmerte sich um mich. Joicy machte währenddessen mit Amador weiter. Eine halbe Stunde diskutierte sie mit ihm, bis auch sein letzter Huf fertig war und er auf die Weide entlassen werden konnte. Mir ging es da schon wieder etwas besser. „Wir nehmen Sie mit ins Krankenhaus um zu sehen ob nichts Schlimmeres ist.“ Im Krankenhaus angekommen wurde ich schließlich von oben bis unten untersucht auf mögliche innere Verletzungen. Bis auf einige Quetschungen und Prellungen war alles im grünen Bereich und so konnte ich noch am gleichen Abend wieder ins Gästezimmer der Jenkins Brüder einziehen. Die nächsten zwei Wochen sollte ich immer mal wieder einen Arzt drüberschauen lassen ob noch alles okay ist da durch die Quetschungen auch Blutungen entstehen könnten. Gegen die Schmerzen hatte ich zum einen eine Spritze bekommen und zum anderen noch Tabletten mitbekommen. „Die Stuten machen wir morgen.“ sagte Joicy, als ich den Raum betrat. „Ich darf nicht.“ ließ ich verlauten und spürte jetzt erst wie schwer mir das atmen beim reden fiel. „Wie lange musst du aussetzen?“ - „Zwei Wochen.“ ich hob die Hand, da ich noch weiter reden wollte, aber erstmal atmen musste. „Dann zum Arzt - und dann weiter sehen.“ schloss ich ab und sah nun Joicys Sorgengesicht. „Gut, dann ruh dich aus.“ sie wirkte fast mütterlich als sie das sagte. In der Nacht fand ich nur schwer Schlaf. Immer wenn ich gerade dabei war einzudösen bekam ich Atemnot und war damit wieder wach. Es fühlte sich in diesen Momenten fast an als würde die Lunge einfach zusammenklappen. Am nächsten Morgen war Joicy früh draußen und kümmerte sih mit Kenneth um die beiden Stuten des Hofs. Fix the Flame, eine Fuchsstute war als erste dran. Die dressurbegabte Stute hatte schon lange keinen Hufschmied mehr gesehen und dementsprechend viel zu lange Hufe. „Kommt sie denn aus schlechter Haltung?“ fragte meine Chefin des Interesses halber. Doch Kenneth wusste das zu verneinen und so schwiegen sie für den Rest des Ausschneidens. Zwar war die junge Trakehnerstute sehr guckig, ließ sich die Hufe aber ohne weitere Spinnereien machen. Busted Cherry Cake hatte eine etwas ruhigere Art. Sie gefiel mir sehr und sie erinnerte mich an meinen Ray, was wohl an der gleichen Farbe lag. Sie war von der Statur her etwas zierlicher als Fix the Flame und so überraschte es mich als Kenneth sagte, dass Flame das Dressurpferd und Cherry das Springpferd war. Rein äußerlich hätte ich es eher umgekehrt vermutet. „Sie ist aber die ruhigste hier, neben Ghost Merchant.“ der groß gewachsene Mann lächelte zufrieden und begann damit den Kopf der Stute zu kraulen. Joicy begann währenddessen mit dem Ausschneiden der Hufe. Sie waren in Ordnung. Etwas lang, aber nicht so lang wie die von Flame. „Sind die beiden verwandt?“ auch diese Frage verneinte Kenneth. „Im Entferntesten vielleicht…“ ließ er ein paar Sekunden später verlauten. „Gut, dann sind wir jetzt durch.“ Joicy wischte sich den Schweiß von der Stirn und wirkte so erleichtert wie noch nie bei einem Auftrag. Wir blieben noch eine Nacht auf dem Hof. Lucius stellte mir immer wider irgendwelche Fragen, die ich nicht mal eben schnell beantworten konnte und ich wäre ihm dafür am liebsten an die Kehle gesprungen. Es fiel mir noch immer schwer längere Sätze am Stück zu sprechen. Ich hatte noch immer Atemprobleme und mir graue es vor dem Heimflug. Der Unterdruck wirkt sich sicher ganz fabelhaft auf die Quetschungen und Prellungen aus…

      _______________________________

      13. Mai 2016 von honigkuchenpferd
      Tierarztbericht
      Amador, Fix the Flame, Busted Cherry Cake und Ghost Merchant
      Ich erhielt einen Anruf der Jenkins- Brüder aus Kalifornien. Sie wollten, dass ich vier ihrer Pferde untersuchte. Ich freute mich über diesen Auftrag, da ich selber noch nie in Kalifornien war.
      Nach einem anstrengenden Flug war ich froh, endlich auf dem Hof der beiden angekommen zu sein. Ich schnappte mir meine Arzttasche und ging Richtung Stall. Ich hörte von draußen die Brüder miteinander reden. Ich begrüßte beide mit einem freundlichen „Hallo!“ und gab beiden die Hand. Lucius und Kenneth hießen die zwei. Lucius stellte mir auch direkt seinen Schimmel-Hengst Amador vor. Er sollte, wie die restlichen drei Pferde, das Standardprogramm bekommen und zudem sollte seine Lahmheit geklärt werden. Der Hengst stand mir gegenüber angebunden. Er scharrte ungeduldig mit den Hufen. „Er ist nicht immer einfach, ich hoffe, dass ist kein Problem für dich?“, fragte mich Lucius. Ich lachte und sagte: „Nein, keine Sorge. Ich kenne mich mit Problempferden aus.“
      Zuerst gab ich dem Hengst ein Leckerchen, als Bestechung sozusagen. Er wollte noch mehr und stubste mich frech in die Seite. Ich ging nicht auf sein Fordern ein und fing mit der Behandlung an. Zum Anfang schaute ich mir seine Schleimhäute an und maß seine Temperatur und seinen Puls. Seine Werte lagen im Normalbereich und er machte einen fitten Eindruck. Seine Augen waren stets wachsam und beobachteten mich bei meiner Arbeit. Um mich direkt wieder unbeliebt zu machen, spritzte ich ihm drei Impfstoffe gegen Tetanus, Influenta und Tollwut. Amador war zwar nicht gerade begeistert von den Spritzen, hielt es aber tapfer aus. Um ihm eine kleine Verschnaufpause zu geben, bevor ich ihm die Wurmkur geben wollte, lies ich ihn von Lucius vortraben um mir seine Lahmheit anzuschauen. Ich fühlte am Bein entlang und die Sehne war unnatürlich warm. „Kühlt das Bein jeden Tag und schont das Pferd eine Woche. Hat er sich vertreten oder ist er mal umgeknickt? Daran kann es schon gelegen haben. Achtet darauf, dass er nicht zu doll auf der Koppel herum tobt, dann sollte sich das Bein schnell wieder erholen. Das ist nichts dramatisches.“, rat ich den Brüdern. Sie nickten und ich fuhr mit meiner Behandlung fort. Denn jetzt bekam Amador die allseits beliebte Wurmkur. Ich öffnete sein Maul, spritzte die bittere Paste hinein und drückte schnell zu, sodass er es schlucken musste und nicht herausspucken konnte. Er wehrte sich, da die Paste nicht allzu gut schmeckte aber ich gewann den Kampf und Amador schluckte die Kur hinunter. Nun öffnete ich sein Maul, zog seine Zunge ein wenig zur Seite und begutachtete seine Zähne. Die sahen aber sehr gut aus, sodass dort nichts gemacht werden musste. Zu guter Letzt nahm ich dem Hengst Blut ab um Zuhause in der Klinik ein großes Blutbild durchzuführen.
      Der Hengst war fertig und wurde von Lucius in seine Box zurückgebracht. „So der nächste Kanditat bitte!“ Schon kam Kenneth mit einer wunderschönen Stute namens Fix the Flame an. Sie tänzelte nervös am Strick und Kenneth versuchte sie zu beruhigen. Ich stellte mich auch ihr vor und als sie bemerkte, dass ich ihr nichts tat wurde sie augenblicklich ruhiger. „ So ist gut Mädchen, ich tu dir nichts!“, sprach ich zu ihr. Auch bei ihr fing ich mit der allgemeinen Untersuchung an. Ihre Schleimhäute waren normal farbig, ihre Temperatur normal, nur ihr Puls war ein wenig erhöht. Dies lag aber wahrscheinlich an ihrer Nervosität, denn sie tänzelte schon wieder von links nach rechts und schaute immer in eine dunkle Ecke, als ob dort kleine grüne Trolle sitzen würden. Ich öffnete ihr Maul und sag mir ihre Zähne an. Auch diese Zähne sahen sehr gut aus. Danach spritzte ich auch ihr drei Impfungen gegen Tetanus, Influenza und Tollwut. Um sie nicht zu lange zu stressen hing ich das Blutabnehmen direkt hinten dran. Es gefiel ihr ganz und gar nicht, so viele Nadeln in ihrem Hals stecken zu haben, aber sie wehrte sich nicht groß. Zu aller Letzt spritzte ich ihr die Wurmkur in das Maul und auch sie fand es nicht besonders appetitlich. Fix war fertig und Kenneth brachte die Stute zurück und kam auch schon mit der nächsten Patientin an. Busted Cherry Cake hieß die schicke braungescheckte Stute. Sie war, im Gegensatz zu Fix the Flame, die Ruhe selbst und schien ein bisschen Aufmerksamkeit von einer ihr fremden Person zu genießen. Ich streichelte ihr den Hals und fing dabei an, sie zu untersuchen. Ihre Schleimhäute sowie ihre Temperatur und ihr Puls waren absolut in Ordnung und im grünen Bereich. Ich war begeistert von ihrer tollen Scheckung und träumte insgeheim auch von den ein oder anderen Schecken-Pferd in meinem Stall.
      Ich impfte die Stute gegen Tetanus, Tollwut und Influenza und nahm ihr dabei auch direkt das Blut für das große Blutbild ab. Nachdem ich die Blutprobe in meiner Tasche verstaut hatte, widmete ich mich ihren Zähnen. Auch hier waren keinerlei scharfe Kanten sichtbar. Die Brüder konnten froh sein, solche gesunden und unauffälligen Pferde im Stall stehen zu haben. Zu guter Letzt verabreichte ich der Stute die Wurmkur-Paste und entließ sie. Kenneth brachte sie in die Box zurück und kam mit dem letzten Pferd am heutigen Tage an.
      Ghost Merchant, ein siebenjähriger Hengst, ebenfalls ein Schecke. „Traumhafte Tiere habt ihr hier! Da wird man ja neidisch.“
      Ich tastete das Pferd ab, untersuchte seine Schleimhäute und maß Temperatur und Puls. Beim Abtasten entdeckte ich eine kleine offene Stelle, die wahrscheinlich beim Wälzen oder beim Spielen entstanden ist. Ich schmierte die Stelle mit einer wund heilenden Salbe ein. Ansonsten war das Pferd gesund. Auch seine Zähne sahen gut aus und benötigten keine Behandlung.
      Ich fuhr mit der Wurmkur fort. Leider hatte ich bei diesem Pferd nicht schnell genug das Maul zugedrückt, sodass Ghost die Paste wieder ausspuckte. Ich versuchte es erneut und dieses Mal geling es mir, dass Ghost die Paste schluckte, wenn auch sehr widerwillig. Ich klopfte ihm den Hals und impfte auch ihn gegen Tetanus, Influenza und Tollwut. Zu Letzt nahm ich ihm das Blut ab.
      Nachdem alle vier Pferde behandelt wurden, verabschiedete ich mich von den Brüdern und sagte ihnen, dass ich mich meldete, sobald ich die Ergebnisse des Blutbildes hatte.
      Ich fuhr nach Hause und fing sofort an, das Blut zu analysieren. Alle Pferde hatte einen minimalen Selen-Mangel. Ich rief die beiden Brüder an und Kenneth ging ans Telefon. Ich teilte ihm die Ergebnisse mit und riet ihm zu einem speziellen Zusatzfutter, welches er einige Zeit füttern sollte um den Selen-Mangel zu beheben. Er bedankte sich für meine Arbeit und lag auf. Ich notierte mir noch einige Stichpunkte in der Akte der Pferde und fuhr danach zufrieden nach Hause.

      _______________________________

      28. Mai 2016 von sasasha
      Entweder man kann oder man kann nicht...

      Die Sonne brennt geradezu auf uns nieder. Hochsommer! Und Kenneth rennt noch im Shirt hier rum und arbeitet seine Pferde. So ein Idiot... Gerade machte er mit Ghost Merchant ein paar Sprungübungen, draußen auf dem Mini-Springplatz, wenn er diesen Namen überhaupt verdient hatte mit seinen paar provisorischen Hindernissen aus umliegenden, verdorrten Zweigen. Unsere Springpferde hatten es hier wirklich schwer. Der gesamte Stall war auf Dressurreiter ausgelegt, bestenfalls sogar barocke. Die ganz hohe Kunst. Wer konnte schon ahnen, dass mein verrückter Bruder sich Sportpferde einlud? Niemand, genau! Genauso wenig ahnen konnte man jedoch, dass ich mir zwei Islandpferde nach Kalifornien holen würde. Das ist vielleicht noch eine Nummer verrückter, weil sie absolut nicht für die Hitze hier ausgelegt sind. Vor allem nicht der helle Óslogi, der bereits bei seiner Ankunft einen Sonnenbrand auf der Nase hatte. Jeden Tag wurde er gründlich eingecremt und bekam den schattigsten Platz, den wir hier bieten konnten. Eine dünne Exemerdecke hatten wir schon bestellt, aber es würde noch ein paar Tage dauern, bis die ankommt. Bei Goldmarie stand außerdem noch unser baldiges hoffentlich Schneeweißchen Félagi frá glæsileika eyjarinnar. In störte die Sonne weniger, aber die Hitze machte ihm trotzdem zu schaffen. Er haarte so stark, dass man bei jeder Berührung einen Büschel Fell in der Hand hielt. Gut so, in einer Woche würde er fast nackt hier stehen, auch er bekam zur Sicherheit eine dünne Decke. Ich saß Oberkörper frei im Schatten eines Pfostens vor den Boxen und genoss meine wohlverdiente Pause, nachdem ich mich schon mit Kenneth Dressurstütchen Fix the Flame herumgeschlagen hatte. Irgendwie hatte es mein Bruder geschafft mich in seine Sportpferdezucht einzubinden. Ein Fan davon war ich aber trotzdem nicht. Schecken mochte ich auch nicht, es sei denn sie würden wie mein kleiner Isländer, mit der Zeit so weiß werden, dass man die Scheckung eh nur noch erahnen könnte. Dann ging das. Schimmel sind einfach meine absoluten Favoriten. An oberster Stelle stand dabei mein Lusitano Amador, der heute auch noch an der Reihe war. Aber erstmal musste ich mich aufraffen Cadiz aus seiner Box zu holen und fertig zu machen. Der Schecke... hatte erst vor Kurzem seine Zuchtzulassung erhalten.

      „Hey Lucius!“ Kenneth zeigte mit seiner Minigerte auf mich, als sei sie ein Schwert. „Wird das heute noch?!“ Ich seufzte und zog mich langsam hoch, streckte mich ausgiebig und klopfte mir dann den Staub von der schwarzen Hose. Zufrieden grinsend dackelte Kenneth mit Cherry an mir vorbei in den Stall. Ich folgte ihm, und blieb an Cadiz' Box kleben, während er mit der Stute bis zum Ende der Stallgasse ritt, bevor er abstieg. „Du bist schon faul, oder?“ lachte ich bei diesem Anblick, doch Kenneth ließ sich nicht auf meine Spielchen ein, das kannte ich ja schon. Ohne auf seine Antwort zu warten holte ich Cadiz aus seiner Box und bekam fast einen Schock bei dem was mir da blühte. Er hatte sich wohl in seiner eigenen Scheiße gewälzt. Wieso macht er sowas? Kenneth lachte bitterböse, als er das Malheur sah. „Halt, deine...“ ich hob einen Striegel vom Boden, warf ihn nach meinem Bruder und – traf! „Eeh!“ beschwert er sich und ließ den Striegel über den Boden zurückschlittern. Vermutlich hatte er zu viel Sorge, dass die Pferde hochschrecken könnten, aber bis auf Cherry's verdutzten Blick hatte der fliegende Striegel nichts mit den beiden auf der Stallgasse angestellt. „Was denn? Das ist Schreck-Training!“ verteidigte ich mich schmunzelnd und fing an den furchtbar stinkenden Fleck an Cadiz Flanke wegzuschrubben. Ich versuchte es... Aber ohne Wasser würde ich da nicht weit kommen. Kenneth hatte Cherry mitterweile in ihren Offenstall gebracht und sich stattdessen Óslogi auf die Stallgasse geholt. Zu meinem Vergnügen, hatte sich der Sechsjährige nicht ehrenhafter verhalten als Cadiz und sah mindestens genauso appetitlich aus. „Viel Spaß.“ meinte ich grinsend, als ich mit dem gesattelt und getrensten und noch halbnassen Cadiz an den beiden vorbeizog. „Troll dich!“ - War das eine Mahnung? Ich lachte und führte Cadiz zur rundum geschlossenen und neuerdings sogar klimatisierten Reithalle. Gut eine Stunde arbeitete ich den frisch gebackenen Deckhengst. Als ich wieder kam war Kenneth noch immer nicht soweit mit dem Isländer. „Mein Gott, nimm doch Wasser!“ meinte ich genervt, aber irgendwie amüsierte mich der Funke von Verzweiflung im Blick meines Bruders. „Machst du den Kleinen nachher auch noch? Dann würde ich mit Amador ausreiten.“ Das hatte ich schon seit Tagen vor! Nie kam ich dazu. Kenneth murmelte irgendwas vor sich hin. „Was denn jetzt?“ hakte ich nach, während ich die Boxentüre zu Amador aufschob. Der Stall war so klein, dass wir egal wo auf der Stallgasse wir uns befanden, uns in angenehmer Lautstärke kommunizieren konnten. „Ja mach...“ Überzeugt war Kenneth scheinbar nicht, aber gut. Ich zuckte als Reaktion mit den Achseln und machte dann Amador für den Ausritt fertig. Ich liebte Ausritte mit meinem Schimmel so sehr, weil er hier wesentlich braver war als auf Plätzen oder in Hallen. Außerdem staubte er hier und da das ein oder andere Leckerlie von Passanten ab. Vermutlich war er deshalb so zugegen, wenn jemand „Ausritt“ sagte. Da wir mit allen anderen Pferden sowieso schon durch waren, blieb ich noch eine ganze Stunde länger draußen als ursprünglich geplant. Kenneth kommt schon klar. Kam er nicht – Aber das bekam ich erst mit, als ich mit Amador auf den Hof zurückkehrte und er immer noch, nach mittlerweile drei Stunden, mit Óslogi kämpfte. Der junge Hengst zeigte sich bockig, ganz in Amador-Manier. „Was macht ihr da?“ fragte ich lachend, doch Kenneth hörte mich nicht. Ich beschloss erstmal meinen Lusitano abzusatteln, abzuspritzen und zurück in seinen Offenstall zu bringen, bevor ich mich meinem Bruder widmete. Als ich wieder zum Platz kam hatte dieser sich in den Sand gesetzt und raufte sich die langen Haare. „Verfällst du jetzt in einen Sitzstreik?“ ich zog ihn hoch, doch Kenneth war mit seinen Nerven vollkommen am Ende. „Jetzt geh, mach den Zwerg fertig, ich regel das hier.“ Das ließ er sich nicht zweimal sagen. Sofort verschwand er in Richtung Stallungen und ich sah in die blauen, sturen Augen des Ponys vor mir. „Nun denn...“ bestimmt griff ich nach der Longe am Boden und ging los. Óslogi folgte. Was hatte Kenneth nur? Ohne Probleme führte ich den Perlino in den Stall. Kenneth fiel die Kinnlade runter, als er uns reinkommen sah. Er war sprachlos. „Was auch immer du versucht hast... Machs nächstes Mal anders.“ Ich grinste. Das war gemein. Ich wusste ja nicht mal was er alles versucht hatte. Eigentlich war mein Bruder nicht der Typ, der schnell aufgab, im Gegenteil. „Den kriegst du aber hin oder soll ich helfen?“ Kenneth sah mich herablassend an. „Du kannst ihn gerne übernehmen, wenn du es mir nicht zutraust.“ sagte er in abfälliger Art, aber mit weicher Stimme. „Du hast mein vollstes Vertrauen, Bruder.“ Ich klopfte ihm im Vorbeigehen auf die Schulter und begann den Hof abzukehren. Als ich fertig war, war auch Kenneth mit Félagi durch. „Wir sollten Termine vereinbaren, bevor die Anrufzeiten wieder zu Ende sind.“ Ich stimmte gedankenverloren zu und ging ins Wohnhaus. „Wir teilen uns am besten auf.“ Kenneth kramte einen seiner tollen Notizzettel hervor. „Du rufst für die beiden Isländer beim Tierarzt an. Die brauchen eine Routineuntersuchung, nur zur Sicherheit und deren Impfungen sind auch nicht komplett. Ah und bei der Gelegenheit kann dann auch die Wurmkur mit aufgefrischt werden!“ Ich nickte jeden Punkt einzeln ab, aber so schnell wie er das runterratterte behielt ich eh nur die Hälfte. „Hast du das auch noch schriftlich?“ - „Du kriegst meinen Zettel...“ - „Oh nein...“ Meinte ich leise und legte mir die Hand vors Gesicht. Kenneth ignorierte das gekonnt und fuhr fort. „Ich rufe währenddessen bei Hunter an, der soll sich die Hufe der beiden anschauen.“ - „Der muss dann von England bis hier fliegen nur für zwei Pferde, hast du sie noch alle?!“ Er meinte das tatsächlich ernst. „Na gut. Gib mir den Zettel.“ Wo hatte ich mein Smartphone? Ich tastete meine Hosentaschen ab. Nichts. Kenneth lachte. „Wo ist es?“ Er zuckte mit den Schultern. Drohend sah ich ihn an. „In deiner Jacke, wie immer. Was kann ICH denn dafür, wenn DU meinst hier ohne Oberteil rumrennen zu müssen.“ Protzig wie er war, zog er sein iPhone aus seiner Hosentasche und hielt es sich einen Moment später ans Ohr. Auch ich fand schließlich mein Smartphone und rief beim Tierarzt an um einen Termin zu vereinbaren. Für was nochmal? Ich versuchte zu entziffern was mein Bruder mir aufgeschrieben hatte. Seine Schrift war grauenvoll! Kein Vergleich zu meiner Sauklaue, aber ich wusste immerhin was ich geschrieben hatte und mutete meine Schrift niemanden sonst zu. „KENNETH!“ rief ich, aber er telefonierte noch. Bei mir meldete sich mittlerweile die melodische Stimme unserer Tierärztin. Süffisant grüßte ich zurück und bat um einen Moment, bis ich entziffert hatte was ich eigentlich von ihr wollte. Wenige Minuten spät hatte ich das Rätsel schließlich gelöst.

      Alles geregelt schmiss ich mich, samt Smartphone und Tablet-PC, aufs Sofa im Wohnzimmer. Kenneth stieß wenig später dazu und pflanzte sich in den Sessel neben mir. „Hunter kann nicht...“ meinte er geknickt. „Der steckt im Krankenhaus. Wen buchen wir stattdessen?“ Was fragte er mich? „Keine Ahnung, hast du seine Chefin mal gefragt?“ Kenneth schüttelte langsam den Kopf. Ach er wusste nichts davon. Hatte er wohl vergessen, dass er in Begleitung hier war. Wie konnte er nur? „Joicy Mc Flower, ruf die mal an. Die Nummer findest du bestimmt im Internet, du bist ja nicht von gestern.“ Ich zwinkerte ihm zu, während er die Augen rollte. Aber er tat wie ich sagte. „Sie ruft zurück. Klang aber ganz zuversichtlich.“ Gut, jetzt hatten wir wirklich alles fertig für heute. „Lucius...“ Ich hatte gerade die Augen zu gemacht! Was wollte der jetzt? Stirnrunzelnd sah ich ihn an. Oh Gott er sah besorgt aus... Das heißt nie was Gutes. „Lucius, ich wollte mit dir noch was besprechen...“ Ächzend und stöhnend, weil ich viel lieber ein Nickerchen gemacht hätte, rappelte ich mich hoch, bis ich aufrecht saß. „Was denn?“ fragte ich. „Du hast dir ja jetzt die Isländer gekauft und...“ Ohje... Jetzt kommts. „...ich möchte mein Zuchtziel etwas breiter auffächern.“ Das hätte er jetzt nicht geschwollener formulieren können. „Wie meinst du das?“ fragte ich, die Stirn noch immer in Falten gelegt. „Ich möchte nicht nur Trakehner züchten, sondern allgemein deutsche oder gar europäische Sportpferde.“ - „Du hast dir einen Narren an den Viechern gefressen, kann das? Die sind doch totale Nervenbündel! Such dir doch was ruhigeres... Wie wärs mit... Bretonen? Oder... Ja von mir aus auch Tinker oder sowas...“ - „Das ist nicht was ich will.“ - „Mhm...“ Eine unangenehm lange Pause trat ein. „Ich möchte vor allem bunte, großrahmige Sportpferde. In allen möglichen Farben und Scheckungen. Ich hab da ein Fohlen im Auge... Tigerschecke. Ein Hunter. Nachkomme von Hunter's Mr. Raw Depression.“ Verwirrt sah ich ihn an. Da war jetzt definitiv zu oft das Wort 'Hunter' drin. „Ein Vollblut-Warmblut Mix.“ klärte er mich auf. „Ah! Ein Halbblut.“ Lachend schüttelte er den Kopf. „So in der Art.“ Er zeigte mir ein Foto von dem Fohlen. Es sah tatsächlich ganz gut aus, soweit man das von einem Foto beurteilen konnte. „Dann mach halt...“ Ich konnte geradezu sehen wie ihm ein Stein vom Herzen fiel und krachend zu Boden fiel und dort zersprang. War das wirklich so eine große Last für ihn? Als würde ich ihm in seine Zucht reinreden. Er ließ mich meine Showreiterei ja auch machen ohne mir reinzureden was ich da zu tun und zu lassen hatte. Jedenfalls war ich jetzt gespannt, was er noch für Pferde auf den Hof holen würde in nächster Zeit.

      _______________________________

      Juni 2016, by Veija

      Fix the Flame Springen A - L, Busted Cherry Cake Dressur E - A

      Heute war ich wieder auf dem Weg zu einem mittlerweile bekannten Kunden, nämlich Hunter Crowley. Er war für seine Englischen Vollblüter und Deutschen Reitponys bekannt, jedoch waren meine Kunden diese Wocche zwei Trakehnerstuten, Fix the Flame, welche ich in Springen von A nach L bringen sollte und Busted Cherry Cake, die ich in der Dressur von E nach A bringen sollte. Letztere hatte nicht nur einen coolen Namen, sondern auch eine interessante Scheckung- ich hatte die beiden Pferde in Google eingegeben und von Cherry Cake ein paar Springbilder von Turnieren gefunden. Von Fix the Flame waren eher Dressurbilder im Internet. Gähnend schloss ich die Augen, denn ich hatte noch eine Weile Flug vor mir. Entgegen meiner Vorsätze, nur noch auf der Gips Reminder Ranch zu trainieren, flog ich schon wieder durch die Weltgeschichte. Kurz schüttelte ich den Kopf, ehe mich die Müdigkeit überrannte und ich doch einschlief.
      Am Flughafen wurde ich freundlich geweckt, ehe ich ausstieg und meinen Koffer nahm. Hunter holte mich heute- rechtzeitig, ab. Auf der Fahrt zu seinem Hof unterhielten wir uns ein wenig, ehe er mir nochmal mein Zimmer zeigte und ich mich dankend auf dem Bett nieder ließ. Wir hatten zwar erst 17:00 Uhr, aber ich fühlte mich, als hätten wir 23:00 Uhr. Ein bisschen musste ich, trotz meiner Müdigkeit, dann doch noch mit den beiden Pferden machen. Anfangen wollte ich heute mit Fix the Flame, in dem ich einen Teil der Halle abtrennte und an die lange Seite einen kleinen Parcours aufbaute. Ich hatte ein mal gelesen, dass man nervöse Pferde mit folgender Kombination beruhigen und verlangsamen konnte: 1 Stange auf dem Boden, 3 Meter Abstand, 1 Cavaletti, 3 Meter Abstand, 1 Cavaletti, 3,15 Meter Abstand, ein kleiner Sprung, 3,25m Abstand ein Steilsprung.
      Nun ging ich in den Stall und schnappte mir die Stute. Schon beim Putzen viel mir auf, dass sie sehr hibbelig war und kaum still stehen wollte. Da hatte Hunter mir ja ein tolles Pferd untergejubelt, dachte ich mir und band die Stute los, als ich endlich fertig mit putzen war. Dann gingen wir in die Halle, wo ich sie zunächst an der Longe ein wenig aufwärmte, ehe ich sie an den Rand der Halle stellte, das Seil wieder an die Wand hängte und sie losschickte. Zu erst übersprang sie die beiden Steilsprünge, bei denen sie die zweite Stange direkt riss, weil sie zu hektisch war. Dann kam die Kombination, welche ich aufgebaut hatte, bei der sie auch ein paar Stangen riss, weil sie einfach zu schnell war und nicht kontrollieren konnte, wo sie hin sprang. Ich baute alles wieder auf und ließ sie nochmal laufen, den zweiten Steilsprung riss sie fast- die Stange wackelte, die Kombination schaffte sie jedoch jetzt super. Sie galoppierte viel ruhiger und gelassener hinein und schaffte es dann auch, keine der Stangen hinunter zu schmeißen. "Guuut.", lobte ich die Stute und ließ sie das Ganze noch zwei mal springen, ehe ich sie wieder ans Halfter holte, noch ein wenig im Schritt durch die Halle trocken ging, ehe wir uns zurück in den Stall machten. Ich putzte kurz über und machte sie dann fertig für die Box, sie bekam noch ein Stück Apfel, ehe ich zurück in die Halle ging. Füttern würde Hunter oder seine Mitarbeiter selbst, da musste ich mir keine Sorgen machen. In der Halle schaute ich mich kurz um und entschied mich dann dazu, alles so stehen zu lassen. Mit Busted Cherry Cake konnte ich auch in der Hälfte der Halle arbeiten, in der keine Hindernisse standen. Gesagt getan, ich ging in den Stall und machte mir Cherry, wie Hunter sie nannte, fertig und ging mit ihr zusammen in die Halle, wo ich nachgurtete und sie zu erst ein wenig longierte, denn sie war heute nicht auf der Koppel gewesen und hatte bestimmt ein wenig Bewegungsmangel. Ich hatte auch recht, denn die Stute trabte die ganze Zeit vor sich hin und wollte gar nicht mehr aufhören zu laufen. Als ich sie jedoch mit viel Überredungskunst im Schritt laufen hatte, wechselte ich die Hand und ließ sie da auch eine Weile im Trab und Schritt gehen, ehe ich nach abermaligem Nachgurten aufstieg und zunächst ganze Bahnen auf beiden Händen im Schritt ritt. Ich hatte mir für heute vorgenommen, an den Übergängen und am Stehenbleiben zu arbeiten- mehr wollte ich nicht machen, denn der Tag neigte sich auch langsam dem Ende zu. So übten wir eine ganze Weile das Stehenbleiben aus dem Schritt und aus dem Trab, ebenso arbeiteten wir an den Übergängen zwischen Schritt, Trab und Galopp- auch Rückwärtsrichten erlernten wir zusammen. Zudem arbeiteten wir ein wenig an den "mittleren" Gangarten, sprich Mittelschritt, Mitteltrab und Mittelgalopp aber auch Arbeitstrab und Arbeitsgalopp, was die Stute sofort verstand. Dann ritt ich sie im Schritt trocken und machte sie fertig für die Box, ehe ich etwas zu Abend aß und ins Bett ging.
      Am nächsten Morgen machte ich Fix the Flame fertig, um sie wieder ein wenig Freispringen zu lassen. Heute ging sie mit wesentlich mehr Ruhe an die Kombination heran, so dass ich die beiden Steilsprünge, die ich auf der anderen Seite aufgebaut hatte, auf L - Höhe hochlegte, so dass das ganze doch nochmal ein wenig anders war. Auch die beiden Sprünge der Kombination veränderte ich, in dem ich den ersten Sprung auf A - Höhe legte und den Zweiten auf L - Höhe. Ich ließ die Stute den kleinen Parcours ein paar Mal springen, ehe ich sie wieder in die Box brachte. Mit Cherry machte ich heute morgen nicht viel, lediglich die Übungen von gestern Abend wiederholen.
      Am Abend sattelte ich Flame dann zum ersten Mal und durchsprang einen A - Parcours mit ein paar L - Elementen. Die Stute war zwar sehr stürmisch an den Hindernissen, es klappte jedoch alles super. Mit Cherry übte ich am Abend einige der A - Lektionen, so zum Beispiel Viereck verkleinern und vergrößern, Kehrtwendung auf der Vorderhand sowie diverse Bahnfiguren.
      In den letzten Tagen machte ich nichts anderes, als wiederholen, wiederholen und nochmals wiederholen, so dass sich die Übungen und die Abläufe festigten. Am letzten Tag sprang ich mit Fix the Flame einen L Parcours, der super klappte. Mit Busted Cherry Cake ritt ich eine A Dressur, bei der wir nur einen Fehler machten, der aber meine Schuld war, da ich die falschen Hilfen gegeben hatte. Ich konnte jedoch vollends zufrieden nach Hause fahren.

      _______________________________

      23. Juli 2016 von sasasha

      Pflege aller Pferde des Phoenix Valley
      „Wie heißt die?“ ungläubig sah ich meinen Bruder an, als er mir den Namen des Tigerscheck-Fohlens nannte, das er sich angeschafft hatte. „Ases Maskwamozi“ ließ er mich in absoluter Überzeugung wissen. „Das klingt falsch. Das spricht man bestimmt nicht so aus.“ Kopfschüttelnd nahm ich ihm die Papiere des Fohlens aus den Händen. „Ist ja auch egal. Sie wird eh einen Rufnamen bekommen.“ Ein wenig beleidigt verließ Kenneth das Haus um sich um seine neuen Youngster zu kümmern. Neben dem Tigerschecken, hatte er auch noch eine Falbscheckstute mit Rappfohlen auf den Hof geholt. Levisino's Hope und Leveneza. Die Abstammung konnte sich durchaus zeigen lassen. Endlich mal Pferde, bei dem einem die Namen im Stammbaum etwas sagten. Nachdem ich meinen Kaffe ausgetrunken hatte schlenderte auch ich in den Stall. Die Isländer hatten mittlerweile den größten Teil ihrer Winterwolle verloren und mussten nicht mehr allzu schlimm schwitzen von der kalifornischen Sonne. Vor allem um Óslogi sorgte ich mich immer wenn die Sonne besonders stark war. Zur Zeit hatte er auch mit einem hartnäckigen Sonnebrand auf der Nase zu kämpfen. Trotz Maske und Sonnencreme, ließ sich das manchmal nicht vermeiden. Der goldene Hengst war nämlich Entfesslungskünstler und wir konnten ihn nicht rund um die Uhr im Auge behalten. Félagi war da doch angenehmer. Auch er hatte immer mal einen leichten Sonnenbrand auf der Nase, war aber allgemein unkomplizierter in der Handhabe. Bis jetzt.
      Kenneth hatte den Fohlen und seiner Zuchtstute frisches Futter angeboten und die Tränken kontrolliert. „Amador kannst du heute vergessen. Der hat sich irgendwo die Schulter aufgerissen.“ Kenneth sagte das so nebenbei... Am liebsten hätte ich ihm dafür direkt den Kopf gewashcne, aber mein Schützling war mir wichtiger. Sofort rannte ich zu seiner Box um mir die Wunde anzusehen. Durch das trockene Klima hatte sich bereits eine Kruste gebildet und viel Dreck schien nicht reingekommen zu sein. An Reiten war nun jedoch erstmal nicht zu denken. „Ich longiere ihn trotzdem ab.“ Kenneth nickte und putzte an seinem Ghost Merchant herum, der wie immer nicht wirklich sauber werden sollte. „Ist das da ein Fleck im Fell oder vom Dreck?“ ich zeugte auf eine Stelle am Hals. „Keine Ahnung... Es wäre einfacher, wäre er ganz weiß.“ beschwerte sich Ken. „Tja...“ Ich hatte ihn schon beim Kauf gewarnt, aber er wollte nicht hören. „Warte ab bis dein Isländer ausschimmelt, du wirst das gleiche Probleme bekommen. Du wirst weinen!“ - „Der wird schöner schimmeln.“ scherzte ich und führte Amador vorbei und quer über das Gelände in die Reithalle. Es war heute einer dieser Tage, die viel zu heiß waren um überhaupt richtig zu arbeiten. Der Verbrauch an Trinkwasser stieg ins Unermessliche und wir konnten froh sein einen eigenen Wassertank zu haben, denn anderen Kaliforniern wurde die Wasserzufuhr dicht gemacht weil sie zu viel verbraucht hatten. Kaum zehn Minuten longiert pumpte Amador als hätte man ihn drei Stunden galoppieren lassen. Auch Kenneth war jetzt in der Reithalle. Niemand wollte bei dem Wetter länger draußen sein als unbedingt möglich. „Vielleicht solltest du ihn durchchecken lassen.“ Er wirkte ernst. „Find mal wen, der heutzutage schnell hier ist...“ Es war noch immer schwer akute Krankheiten und andere Wehwehchen schnell behandeln zu lassen. Sowohl tierärzte als auch Hufschmiede waren chronisch ausgebucht. Es brachte in diesem Moment nichts Amador noch weiter zu quälen. Also brachte ich den reinweißen Schimmel zurück in den Stall und ritt stattdessen Cadiz, einen der Hengste meines Bruders. Der Schecke war gut gelaunt und arbeitete fleißig mit. Später blieben nur noch Busted Cherry Cake und Fix the Flame übrig. Die Stuten wurden derzeit aktiv auf die Zuchtzulassung vorbereitet und würden vielleicht schon in einem halben Jahr durchstarten. Mal sehen was da noch kommt.

    • Flair
      29. August 2016 von Sammy



      "Hollybrook Stud Training Stables, Sie sprechen mit Samantha O`Neill. Was kann ich für Sie tun?", flötete ich gut gelaunt ins Telefon. Ich war gerade bei meinen fünf hochträchtigen Stuten gewesen und so langsam konnte ich die Geburt der Fohlen wirklich kaum noch abwarten. Indem ich einmal tief durchatmete, versuchte ich meine Euphorie zu zügeln und professionell zu wirken. Mir antwortete eine männliche, angenehme Stimme: "Guten Tag, hier ist Kenneth Jenkins vom Phoenix Valley in Kalifornien. Sie haben uns beim Kauf von Levistino`s Hope erzählt, dass Sie einen Trainingsstall betreiben und ich wollte fragen, ob Sie Zeit hätten, sich mit zwei unserer Pferde zu beschäftigen?"
      Mit einem Grinsen dachte ich an das erste Fohlen meines vielfach ausgezeichneten Hengstes Levistino und an ihr wundervolles neues Heim auf dem iberisch angehauchten Hof in den USA. "Ja, die nächsten Wochen hätte ich noch Zeit. Wann könnt ihr sie denn herbringen? Und um was für ein Training geht es denn genau?", fragte ich Kenneth. Ich stutzte, als er zögerte. Nach ein paar Sekunden Stille meinte er: "Hm also es geht um eine junge Trakehnerstute und um ein junges Fohlen. Es wäre wirklich besser, wenn du herkommen würdest, da die beiden ziemlich hitzig sind. Außerdem geht es bei dem Fohlen um das Fohen ABC, da wäre ein vorheriger stundenlanger Flug wohl nicht sehr zuträglich."
      Ich hörte mir alles in Ruhe an und stimmte Kenneth zu. Es war ja auch ein sehr, sehr langer Weg von England nach Kalifornien. Mit dem Stift im Mund blätterte ich in meinem Terminkalender. "Also ich könnte es schon einrichten zu kommen, wenn ich bei euch auf dem Hof unterkommen kann. Ich müsste dann allerdings schon in drei Tagen kommen, da ich auf meinem eigenen Hof wichtige Termine habe, die sich nicht verschieben lassen.", schlug ich ihm vor. Kenneth und ich diskutierten noch eine Weile über Details, dann legten wir auf. Immerhin hatte ich nun einen ganzen Haufen Arbeit vor mir, damit ich schon in zwei Tagen die Reise in die USA antreten konnte.

      ~*~

      Gähnend streckte ich meine verspannten Muskeln. Der Flug war wirklich elend lang gewesen, von der Verspätung mal ganz zu Schweigen. Ich wartete gerade am Gepäckband auf meinen Koffer, als mir von hinten jemand auf die Schulter tippte. Ich fuhr herum und sah in das lachende Gesicht von Kenneth Jenkins. "Grüß dich! Toll, dass das alles so klappt!", begrüßte er mich und ich erwiderte mit einem müden Lächeln. Kenneth verstand und hievte meinen Koffer vom Gepäckband, um mich gleich darauf zu seinem Auto zu führen. Draußen dämmerte es bereits und ich begrüßte auf dem wunderschönen Hof lediglich Kenneth`s Bruder Lucius, bevor ich mich im Gästezimmer des Haupthauses unter die Dusche und dann in das frisch gemachte Bett legte. Vor lauter Müdigkeit hatte ich nichtmal mehr Hunger.
      Am nächsten Morgen ging es mir bereits deutlich besser und ich ging gut gelaunt in die Küche. Dort saßen die beiden Brüder bereits am Frühstückstisch und sahen mich erstaunt an. "Warum bist du denn schon so früh wach? Wir dachten, wir lassen dich noch ein wenig schlafen.", sagte Lucius verwundert. "Ach, ich hab ja lange geschlafen. Außerdem kann ich es ehrlich gesagt kaum erwarten, euren Hof zu sehen. Und vor allem natürlich die Pferde! Ich bin auch wahnsinnig gespannt auf Hope und ihr Fohlen.", gab ich grinsend zur Antwort. Trotz dieser überzeugenden Erklärung weigerten sich die Brüder, mich ohne Frühstück aus dem Haus zu lassen, weshalb ich in Windeseile eine Tasse Kaffee und ein Marmeladenbrötchen herunterschlang. Auf dem Weg zum Hauptstall kabbelten sich die beiden die ganze Zeit, was ich nur mit einem breiten Grinsen quittierte. Da fühlte ich mich doch gleich wie bei mir zu Hause auf dem Hof, da "meine" Jungs dort auch immer am Zanken waren und so manches Mal auch ein wüstes Schimpfwort durch den Stall schallte. An diesem Punkt mischte sich dann meist meine Lieblingsangestellte Meg ein und das Chaos war perfekt.
      Ich sah mir alles mit großen Augen an und seufzte verliebt, als wir das wunderschöne Stallgebäude erreichten. Jede Box besaß ein Fenster, das auf den Reitplatz hinauszeigte und wo man auch hinsah, überall blühten rote Blumen. Nun wurde meine Aufmerksamkeit jedoch von den Pferden angezogen, die uns aus den Fenstern heraus beobachteten. Wir kamen an einem unglaublich beeindruckenden Schimmelhengst vorbei, den Lucius mir mit vor stolz geschwellter Brust vorstellte. Man merkte sofort, dass Amador sein ganzer Stolz war. Doch auch die anderen beiden Hengste konnten sich absolut sehen lassen. Als wir bei den Stuten angelangt waren, begrüßte ich glücklich meine ehemalige Stute Hope. Ich hatte sie selbst gezogen und entsprechend schwer war mir der Abschied gefallen. Umso mehr freute es mich natürlich, sie auf diesem wundervollen Hof in guten Händen zu wissen. Kenneth schien wirklich Ahnung vom Züchten zu haben und interessierte sich sehr für seine Pferde. Auch Hope`s Fohlen machte sich toll und ich bat die Brüder, mir ein Foto zu schicken, wenn sie ausgewachsen war. Nun stellten sie mir mein erstes Trainingspferd vor: Eine großramige Fuchsstute namens Fix the Flame. Die Stute schnoberte neugierig an meiner Hand und ich begann sofort damit, die Jenkins-Brüder über sie auszufragen. Dass ich sie im Military auf Klasse A trainieren sollte, wusste ich bereits. Ansonsten war die Stute für mich ein unbeschriebenes Blatt. Kenneth erklärte mir, dass sie erst vier Jahre alt und ein wahres Dressurtalent war. Hier lief die talentierte Stute bereits auf S**-Niveau und auch im Springen ging sie M-Niveau. Das waren sehr gute Voraussetzungen für unser Training, da die Dressur und das Springen untrennbar zur Vielseitigkeit gehörten. Ansonsten war Flame wohl sehr schreckhaft und verfügte über einen schier unstillbaren Bewegungsdrang. Und- der wohl wichtigste Punkt- sie war im Gelände kaum händelbar. Das würde mir höchst wahrscheinlich die größten Probleme bereiten, Vielseitigkeit ohne Gelände war natürlich völlig undenkbar.
      Wir gingen weiter an den Boxen entlang und blieben erst stehen, als wir zur Box eines Fohlens in Leopardenjacke ankamen. "Darf ich vorstellen, das ist Ases Maskwamozi! Der Name ist kompliziert, ich weiß! Du kannst sie Wamzi nennen, das machen wir alle.", sagte Kenneth, während er dem Fohlen sanft den Hals kraulte. Ich dachte eine Sekunde nach und meinte dann: "Bei dem Namen klingelt bei mir was. Sie stammt von Apache`s Tomahawk ab, oder?" Kenneth sah mich überrascht an: "Genau. Und von Mr. Raw Depression. Woher weißt du denn das?" Ich lächelte, von dem tollen Scheckhengst erwartete eine meiner Lieblingsstuten ein Fohlen. "Apache gehört seit kurzem mir. Eddi hat sie mir geschenkt." Mit dem jungen Fohlen sollte ich ein Fohlen-ABC machen und ich freute mich schon sehr auf die Arbeit. Lucius und Kenneth erklärten mir, dass Wamzi zwar gerne arbeitete, aber zuweilen die Aufmerksamkeitsspanne einer Fliege hatte, da sie sich von allem möglichen und unmöglichen ablenken ließ. Außerdem konnte sie außerordentlich schwierig werden, wenn sie sich langweilte. Ich behielt all diese Informationen in meinem Kopf, während wir den Hofrundgang beendeten.
      Anschließend begann ich sofort mit der Arbeit, immerhin hatte ich ja nicht unbegrenzt Zeit zur Verfügung. Ich beschloss mit Fix the Flame anzufangen und ließ mir von Lucius die Sattelkammer zeigen. Ich staunte nicht schlecht, als ich das ganze außergewöhnliche Zubehör sah. Ich hatte zwar gewusst, dass Lucius Show- und Stuntreiter war, doch die ganzen Sachen nun einmal live zu sehen, war doch noch einmal etwas anderes.

      ~*~

      Kurz darauf war ich wieder bei Fix the Flame und holte die hübsche Fuchsstute aus ihrer Box. Größentechnisch passten wir wunderbar zusammen und einem Leckerchen war die Trakehnerstute auch nicht abgeneigt. Ich putzte sie in aller Ruhe, auch wenn Flame ab und an zur Seite weg tänzelte, um das Treiben um uns herum im Auge zu behalten. Schon nach dem Putzen war mir furchtbar warm, ich hatte die Hitze Kaliforniens wohl ein wenig unterschätzt. Wie sollte das erst aussehen, wenn ich mit meinen beiden Trainingspferdchen fertig war? Dennoch bandagierte ich Flame`s Beine und führte die Stute in die klimatisierte Reithalle. Heute stand nur Bodenarbeit auf dem Programm, immerhin mussten wir uns erst einmal kennen lernen. Ich longierte die Stute anfangs und bewunderte ihre weichen, fließenden Gänge. Fix the Flame war sehr gut zu händeln und ich fragte mich, ob dies an der gewohnten Umgebung lag, oder ob sie heute einfach gute Laune hatte. Ihren Bewegungsdrang bemerkte ich trotzdem, aber das war ja auch nichts schlechtes. Er musste lediglich in die richtigen Bahnen gelenkt werden. Ich löste den Strick von Flame`s Trense und ließ die Stute freilaufen. Nachdem ich ihr grinsend zugesehen hatte, wie sie ein paar Runden im flotten Galopp durch die Halle drehte, machte ich sie mit einem leisen Pfiff auf mich aufmerksam und rief sie zu mir. Dabei hielt ich ihr die ersten Male ein Leckerchen entgegen, bis Flame schließlich auch ohne die ausgestreckte Hand zu mir kam. Ich lobte die große Stute und arbeitete noch ein wenig am Rückwärtsrichten und an den Seitengängen vom Boden aus. Flame konnte das natürlich schon alles, aber mir ging es heute auch wirklich nur darum, das fremde Pferd an mich zu gewöhnen. Nachdem das geschafft war, hakte ich die Longe wieder in Flame`s Trense ein und führte die Stute aus der Reithalle. Ganz kurz überlegte ich, ob ich noch eine kurze Runde ins Gelände laufen sollte, doch dann entschied ich mich doch anders. Flame hatte sich heute zwar wirklich tadellos benommen, doch mir war es lieber, wenn wir das Training mit einem positiven Ereignis abschlossen, anstatt mit einer möglichen Tortur im Gelände. Somit führte ich die Stute lediglich über den Hof, befreite sie von der Ausrüstung, kratzte ihre Hufe aus und fragte Kenneth, ob ich sie gleich auf eine Koppel bringen sollte. Der nickte dankbar, er war gerade damit beschäftigt, einen Mistfleck von rießigen Ausmaßen aus dem gescheckten Fell von Ghost Merchant zu bürsten. Ich erledigte meine Aufgabe und widmete mich gleich darauf meinem zweiten Kanditaten - dem Stutfohlen Ases Maskwamozi.

      ~*~

      Wamzi starrte mich mit hoch erhobenem Kopf und geblähten Nüstern an, als ich ihre Box betrat. Ich redete dem Fohlen beruhigend zu und das zeigte beinahe sofort Wirkung. Wamzi kam auf mich zu und untersuchte mich von oben bis unten. "Na deine Schüchternheit hat aber nicht sehr lange angehalten!", meinte ich lachend. Wamzi war bereits an das Halfter gewöhnt, machte allerdings noch des öfteren Ärger beim Führen. Dies wohl vor allem, weil sie sich nicht auf "ihren" Menschen konzentrierte, sondern auf all das was um sie herum passierte. Klar, war ja auch viel spannender als so ein doofer Zweibeiner. Ich führte das hübsche Stutfohlen zur Reithalle. Da der Reitplatz nicht umzäunt war, gab er kein geeignetes Trainingsgelände ab und außerdem war es in der Halle angenehm kühl. Ich kam aus England, da war ich eine solche Hitze einfach nicht gewohnt. Schon den Weg zur Halle gestaltete Wamzi äußerst schwierig. Das Stutfohlen tänzelte neben mir her und stolperte ein paar Mal über seine eigenen Füße, weil es so sehr damit beschäftigt war den Hals zu verdrehen - immerhin arbeitete Kenneth gerade mit Cadiz auf dem Platz. Als wir endlich in der Halle angekommen waren, schloss ich die Bandentür und befreite Wamzi von ihrem Halfter. Heute wollten wir erst einmal daran arbeiten, dass sie freiwillig zu mir kam. Vorerst ignorierte das Stütchen mich jedoch gekonnt und lief mit schwebenden Tritten in der Halle umher, um sich auch ja jede Ecke genaustens anzusehen. Ich rief sie bei ihrem Spitznamen, doch Wamzi drehte lediglich eins ihrer Ohren in meine Richtung. "Auch gut, wie du möchtest.", sagte ich. Dann stand ich auf, schlüpfte durch die Bandentür und holte mir den Klappstuhl und meinen gepackten Rucksack, den ich extra dort deponiert hatte. Ich trug alles in die Bahn, stellte den Klappstuhl auf und machte es mir mit einer Flasche Wasser und einem Buch bequem. Wie erwartet wurde es Wamzi sehr schnell langweilig. Sie blieb auf Höhe von C stehen und sah zu mir herüber. Ich ergriff die Gelegenheit und rief sie erneut. Dabei raschelte ich ein wenig mit den Seiten in meinem Buch und kramte gleich darauf eine Möhre aus meinem Rucksack. Wamzi kam neugierig näher. Ängstlich war das Stutfohlen wahrlich nicht. Als sie bei mir angekommen war, verfütterte ich die Leckerei an sie und strich ihr lobend über den Hals. Wamzi ließ sich die Streicheleinheiten kurz gefallen, dann beschäftigte sie sich mit meinem Rucksack und inspizierte anschließend den Stuhl. Ich dagegen packte nochmals ein Stück Möhre in meine Tasche und stellte mich ans andere Ende der Halle. Sobald Wamzi sich von den Gegenständen abwandte, rief ich sie wieder zu mir. Sie sollte auf diese Art lernen, dass sie nicht nur etwas gutes bekam, wenn sie artig war, sondern sich mit mir auch nicht langweilen musste. Kurz gesagt musste ich versuchen, mich möglichst interessant für das Punktepferd zu machen. Wieder überlegte Wamzi kurz, doch da sie meine Sachen schon gründlich betrachtet hatte, entschied sie, dass sie wohl doch lieber zu mir kam. Ich verfütterte wieder eine Möhre an sie und zeigte ihr dann eine Wurzelbürste. Damit fuhr ich mit fließenden Strichen über ihr Fell und Wamzi genoss die Behandlung sichtlich. Ich strich auch an den Beinen des Pferdekindes entlang, fuhr die Hinterhand hinunter und vom Widerrist über den Rücken. Die Jenkins-Brüder hatten bereits gute Arbeit geleistet, Wamzi ließ sich überall problemlos berühren und gab auf Kommando auch Huf. Ich lobte das Stütchen und dachte nach. Obwohl Kenneth mir erzählt hatte, dass Wamzi eine eher langsame Lernerin war, war sie doch schon recht weit, was das Fohlen ABC anging. Somit konnte ich heute, entgegen meiner Gewohnheit, ruhig auch ein wenig weiter gehen. Also versuchte ich Wamzi rückwärts zu schicken. Dafür stellte ich mich vor das Stutfohlen, legte den Zeigefinger auf ihre Brust und sagte: "Back!". Wamzi starrte mich nur verwundert an und versuchte doch tatsächlich, an meinen Finger heranzukommen. Ich lachte, als ihre Tasthaare mich kitzelten, konzentrierte mich dann jedoch schnell wieder auf unsere eigentliche Aufgabe. Ich übte nun leichten Druck aus, der Wamzi natürlich nicht wehtat, aber auch nicht angenehm war. Das Fohlen wich einen kleinen Schritt zurück und ich lobte sie postwendend. Ases Maskwamozi sah mich ein wenig verwundert an, also wiederholte ich das Ganze sofort. Andererseits gab es hier in der Halle so wenig Ablenkungen, dass sie sich tatsächlich einmal auf mich konzentrierte. Als ich sie zuverlässig ein paar Tritte rückwärts schicken konnte, lobte ich sie, verfütterte noch eine Karotte und brachte Wamzi wieder hinüber zum Stall. Der Weg dorthin war zwar genauso anstrengend, wie auch zuvor schon, doch ich hatte trotzdem das Gefühl heute ein gutes Stück weiter gekommen zu sein.

      ~*~

      Am nächsten Tag war ich schon wieder sehr früh auf den Beinen. Je früher ich das Training mit Fix the Flame und Ases Maskwamozi absolvierte, desto mehr konnten wir der schier unterträglichen Hitze entfliehen. Oder besser gesagt, konnte ich das. Die Pferde waren das Klima hier ja bereits gewohnt. Mit Wamzi wollte ich heute das Halftern und Führen üben und für Fix the Flame stand Dressurarbeit auf dem Programm. Da die hübsche Trakehnerstute sich gestern so gut benommen hatte, wollte ich heute gleich die erste Station des Trainings abhaken. Für Flame war dies sowieso reine Wiederholung.
      Ich begrüßte die Jenkins-Brüder und ging geradewegs zu Flame`s Box. Ich kraulte der Fuchsstute liebevoll die Stirn und freute mich zu sehen, dass sie mich schon zu kennen schien. Während ich sie vor ihrer Box putzte, ihre Beine bandagierte und sie anschließend aufsattelte, war Flame zwar etwas hibbelig, aber das war nicht weiter schlimm. Auch auf dem Weg zur Halle tänzelte das große Pferd neben mir her, da ich jedoch ruhig blieb, ließ Flame sich dennoch vorwärts führen. In der Halle angekommen spielten wir erst einmal mein absolutes Lieblingsspiel. Ich hatte mir schon fast gedacht, dass ich mit Flame um diesen Act nicht herum kommen würde, doch begeistert war ich trotzdem nicht. Blieb zu hoffen, dass die Stute keinen allzu großen Dickkopf hatte und schnell verstand, was ich von ihr wollte. Jedes Mal, wenn ich den Fuß in den linken Steigbügel setzte und Flame einen Schritt nach vorn, zur Seite oder zurück machte, führte ich sie im Kreis und stellte sie zurück in ihre Ausgangsposition. Als ich dann endlich im Sattel saß, ging das Ganze praktisch von vorn los, denn Flame sollte natürlich auch stehen bleiben, bis ich ihr das Kommando zum Antreten gab. Ich stieg zwar nicht wieder von ihrem Rücken, ritt nun jedoch immer einen kleinen Kreis, bevor ich Flame wieder zum Stehen brachte. Zu meiner Freude begriff die junge Stute schnell und schon bald stand sie auf dem Fleck, bis ich ihr leicht die Beine in die Seiten drückte und sie im Schritt antreten ließ. Ich ritt Fix the Flame am langen Zügel im Schritt um die Bahn und spürte dabei die geballte Power des Pferdes unter mir. Flame schritt eifrig aus und schoss auf das leichte andrücken meiner Beine hin in einer Art Stechtrab los. Ich nahm die Stute auf und hob mich im Leichttrab aus dem Sattel, um etwas Ruhe in das junge Pferd zu bringen. Flame gab nach einer Runde um die Bahn nach und drosselte ihr Tempo. Dennoch merkte ich, dass sie angespannt war. Bei jedem Geräusch, das von draußen in die Halle schallte, zuckte das große Pferd zusammen oder machte einen Satz zur Seite. Ich war gespannt, ob sie sich im Laufe des Trainings ein wenig beruhigen würde. Für die Vielseitigkeits-Dressur in Klasse A wurden die selben Aufgaben gefordert, wie auch für eine A-Dressur in der Einzeldisziplin. Genauer gesagt waren das das Rückwärtsrichten, die Schritt-Galopp-Übergänge, die Vorhandwendung und Viereck verkleinern und vergrößern. Das Ganze sollte für Flame natürlich ein Klacks sein. Indem ich mein äußeres Bein leicht zurücknahm und Flame nach innen stellte, ließ ich die Stute locker angaloppieren. Flame galoppierte mit weit ausgreifenden Sprüngen, auch wenn ich das Gefühl hatte, dass sie mir bei der kleinsten Unaufmerksamkeit meinerseits durchgehen würde. Ich bereitete die junge Stute mit mehreren halben Paraden auf das nun Kommende vor, versammelte sie ein wenig mehr, damit sie Gewicht mit der Hinterhand aufnahm und parierte das Fuchsstütchen schließlich zum Schritt durch. Der Übergang klappte auch vom Schritt in den Galopp hervorragend, sodass ich Flame kurz darauf bei A zum Halten brachte und sie eine Länge rückwärts richtete. Dies gehörte eindeutig nicht zu Flame`s Lieblingslektionen. Die Stute trat zwar rückwärts, war dabei aber sehr zögerlich und spielte nervös mit den Ohren. Ich redete beruhigend auf sie ein und wiederholte die Übung gleich nocheinmal. Zufrieden war ich trotzdem. Das Zögern konnte durchaus daher kommen, dass Flame mich kaum kannte. Ich trabte die Stute zwei Runden um die Bahn, bevor ich sie erneut zum Schritt durchparierte. Nun war das Viereck verkleinern und vergrößern an der Reihe. Dazu stellte ich Flame bereits in der zweiten Ecke der kurzen Seite nach außen, trieb dann mit dem äußeren Schenkel vorwärts-seitwärts, während der Innere verwahrend hinter dem Gurt lag. So ließ ich die Fuchsstute bis zur Mittellinie weichen, richtete sie kurz vor E geradeaus und lenkte sie nach ca. 2 Pferdelängen zurück zum Hufschlag. Die Lektion wiederholten wir dann auf der anderen Hand und natürlich auch im Trab. Fehlte nur noch eine Übung. Flame hüpfte zwar immer noch, wenn sie ein plötzliches Geräusch vernahm, ansonsten ging sie jedoch viel gelassener. Sie hatte den Rücken aufgewölbt und den Kopf gesenkt und ich strich ihr lobend über den Hals. "Wir haben es schon fast, meine Hübsche!", sagte ich aufmunternd zu ihr, als ich sie auf dem zweiten Hufschlag zum Stehen brachte. Trotz der Klimaanlage schwitzte ich und natürlich wartete auch Wamzi auf ihr Training - oder zumindest redete ich mir das ein. Flame absolvierte die Vorhandwendung ohne Schwierigkeiten, sodass ich sie gleich darauf am langen Zügel trocken reiten konnte.

      ~*~

      Als Flame versorgt war und ich Kenneth kurz von ihrem erfolgreichen Training berichtet hatte, widmete ich mich Ases Maskwamozi. Das Stutfohlen hatte schon ungeduldig Kreise in seiner Box gedreht, während ich mich in der Stallgasse mit Flame beschäftigt hatte. Offensichtlich konnte sie es nicht leiden, nicht beachtet zu werden. "Hallo du süße Maus", säuselte ich, als ich ihr das Halfter überstreifte. Wamzi untersuchte mich genaustens und malmte gleich darauf zufrieden ein Stückchen Apfel. Wie auch gestern schon, folgte Wamzi mir mit einigen Aussetzern, weil sie sich zu sehr von ihrer Umgebung ablenken ließ. Diesmal war mir das jedoch ganz recht, denn sie machte mich auf Kenneth und Lucius aufmerksam und ich führte die kleine Stute kurzerhand zu den beiden. "Hey ihr zwei! Meint ihr es wäre möglich, einen Pferdehänger auf eine der Koppeln zu stellen? Ich würde am liebsten schon heute mit dem Hängertraining anfangen. Wer weiß, wie Wamzi darauf reagiert.", trug ich mein Anliegen vor. Die beiden stimmten sofort zu, sich gleich an die Arbeit zu machen. Solange würde ich mit Wamzi wieder in die Reithalle gehen, um dort das Führen zu üben. Ich schloss die Bandentüre hinter uns und forderte Wamzi auf mir zu Folgen. Immer wenn das Stütchen nun stehen blieb, sich den Hals verrenkte, um nach draußen zu sehen oder mich sonst in irgendeiner Weise nicht beachtete, tat ich etwas unerwartetes. Mal schwenkte ich den Sommerhut, den ich mir heute extra aufgesetzt hatte, ein anderes Mal sprang ich einfach zur Seite. Der Strick hing dabei immer locker durch, doch in diesem Moment war ich für Wamzi sehr viel interessanter, als alles, was draußen vor sich ging. Schon nach nur drei solchen plötzlichen Bewegungen, folgte Wamzi mir mit gespitzten Ohren und beobachtete nun zur Abwechslung tatsächlich mich, um nur ja nichts zu verpassen. Ich grinste in mich hinein, drehte noch zwei Runden kreuz und quer durch die Halle und löste anschließend den Strick von Wamzi`s Halfter. Ich schickte Wamzi von mir Weg und rief sie erst nach einigen Minuten wieder zu mir. Zu meiner großen Freude schielte das Stutfohlen immer wieder zu mir herüber und kam auch sofort, als ich sie rief. Ich belohnte sie mit einem Leckerli und wiederholte das Ganze noch einige Male. Danach hakte ich den Strick erneut in Wamzi`s Halfter und führte das Stütchen aus der Halle. Es wurde Zeit, unser Führtraining auch außerhalb der Halle fortzusetzen. Hier gab es natürlich sehr viel mehr Ablenkungen und so musste ich meinen kleinen Affentanz ein paar Mal mehr vorführen, um Wamzi davon zu überzeugen, dass ich das beachtenswerteste Objekt hier draußen war. Glücklicherweise sahen uns die Jenkins-Brüder erst, als Wamzi mir gerade wieder aufmerksam folgte. "Wow, wie hast du denn das hinbekommen? Die ist ja total auf dich fixiert!", fragte Lucius erstaunt und ich antwortete nur grinsend, dass ich ihnen dieses kleine "Geheimnis" beim Abendessen verraten würde. Kenneth teilte mir noch mit, dass der Hänger auf der Koppel beim Stall bereitstand und ich führte Wamzi auf direktem Weg dorthin. Die Arbeit mit dem Hänger würde wahrscheinlich einige Zeit in Anspruch nehmen, deshalb wollte ich Wamzi heute einfach schon einmal damit vertraut machen. Ich ließ das Stütchen frei laufen und sah lachen zu, wie Wamzi immer wieder auf das Ungeheuer, dass da auf ihrer Weide stand, zulief und gleich darauf im gestreckten Galopp die Flucht ergriff. Wenn sie das noch ein paar Mal machte, was sie am Ende des Tages wahrscheinlich ziemlich müde. Als Wamzi den Hänger irgendwann nicht weiter beachtete, aber auch noch nicht sonderlich nah heranging, rief ich das Stutfohlen wieder zu mir und beendete das heutige Training. Wamzi ließ sich nun ganz ohne albernes Gehüpfe in den Stall führen, allerdings war ich mir nicht ganz sicher, ob sie nicht vielleicht einfach nur müde war. Wie auch immer, das würde ich in den nächsten Tagen mit Sicherheit herausfinden.

      ~*~

      Ich gähnte müde, als am nächsten Morgen bereits um kurz vor sechs Uhr mein Wecker klingelte. Heute stand Springtraining mit Fix the Flame an und das wollte ich nicht in der vollen Mittagshitze abhalten. Ich rollte mich aus dem Bett, drehte eine schnelle Runde durchs Bad und schlüpfte in meine Klamotten. Da ich nicht wusste, ob die Jenkins-Brüder schon wach waren, schlich ich auf Zehenspitzen aus dem Haus und ging sofort hinüber in die Reithalle, um Flame und mir einen netten kleinen A-Parcours aufzubauen. Da Flame auch hier schon auf einem sehr viel höheren Niveau ging, sollte der Parcours ihr keinerlei Schwierigkeiten bereiten. Doch für mich war eine solche Springstunde sehr aufschlussreich und vor allem auch notwendig, bevor es ins Gelände ging. So konnte ich mich darauf einstellen, wie Fix the Flame sich in einem Parcours benahm, wie gut sie mit verschiedenen Sprüngen zurecht kam und wie forsch sie die einzelnen Hindernisse anging. Zusätzlich zu meinem Parcours legte ich auch einige Trabstangen bereit und baute zwei Cavaletti auf. Dann lief ich in den Stall hinüber, wo ich vor lauter Tatendrang fast mit Lucius zusammenstieß. Der sah mich ein wenig verwundert an, stimmte mir aber zu, dass es angenehmer war, das Training schon jetzt abzuhalten. Ich lief zu Flame`s Box, begrüßte die große Stute und begann sogleich ihr kupferfarbenes Fell zu putzen. Flame genoss die Zuwendung sichtlich und ich freute mich auf das Training mit ihr. Nachdem ich Flame`s Hufe ausgekratzt, den Schweif verlesen und die Mähne gekämmt hatte, legte ich der Stute Gamaschen und Streichkappen an und sattelte sie anschließend auf. Ich selbst stattete mich mit Reithelm, Handschuhen und Schutzweste aus, bevor es endlich nach draußen ging. Flame tänzelte wie immer neben mir her. Die noch angenehm frische Luft schien der jungen Stute zu gefallen. Als Flame die Hindernisse sah, wurde sie noch nervöser und wir spielten wieder ein paar Runden das "Still-stehen-beim-Aufsitzen-Spiel", bevor es losgehen konnte. Wieder wärmte ich Flame zuerst im Schritt am langen Zügel auf, wobei ich die Stute recht oft zurückhalten musste, weil sie einfach antrabte. Sie schaute die bunten Hindernisse mit gespitzten Ohren an und schlug mit dem Kopf, als ich sie auch im Trab nur an den Sprüngen vorbeilenkte. "Ganz ruhig mein Mädchen, du darfst erst Springen, wenn du richtig aufgewärmt bist und dich benimmst. Ich lege wirklich überhaupt keinen Wert darauf, im Sand zu landen, nur weil du es zu eilig hast.", sagte ich fröhlich zu der aufgedrehten Stute und ritt sie Runde um Runde um die Hindernisse, bis Flame endlich im Rücken nachgab. Ihre Tritte wurden länger und weicher und sie nahm den Kopf nach unten. Ich kraulte ihren schlanken Hals und ließ sie nun über die Trabstangen gehen. Nachdem das gut klappte, galoppierte ich Flame mit einer leichten Hilfe an. Die Stute galoppierte brav an und sprang auch kontrolliert über die Cavaletti, doch als ich sie auf das erste Hindernis zulenkte, riss sie den Kopf hoch und wurde schneller. Als ich merkte, dass ich mit normalen Hilfen nicht mehr durchkam, setzte ich die sogenannte "Brücke" ein. Nicht schön fürs Pferd, aber immer noch besser, als wenn wir in diesem halbsbrecherischen Tempo über das Hindernis gehen würden. Ich schaffte es, Flame kurz vor dem Sprung abzuwenden, parierte die Stute durch und atmete ein paar Mal tief ein und aus. "Was sollte das denn Süße? So fangen wir das Ganze sicherlich nicht an!", schalt ich Flame mit ruhiger Stimme, bevor ich sie erneut angaloppierte. Diesmal ritt ich allerdings einen Zirkel und aus diesem heraus auf den ersten Sprung zu. Dadurch blieb Flame vor dem Sprung weniger Zeit um Blödsinn zu machen und wir setzten kontrolliert über den Steilsprung. Ich hatte zwar gut zu tun, die junge Stute an meinen Hilfen zu halten, doch dafür war ich absolut begeistert von ihrem Springvermögen. Wir flogen nur so über die Hindernisse hinweg und ich konnte mir absolut vorstellen, wie toll es sich anfühlen musste, höhere Sprünge mit der Stute zu gehen. Dies war jedoch heute nicht unsere Aufgabe. Ich beendete den Parcours, sprang die zweifache Kombination noch ein zweites Mal und ritt Fix the Flame dann am langen Zügel trocken. Der zweite Part ihrer Vielseitigkeitsausbildung war geschafft, ab morgen würden wir im Gelände arbeiten...

      ~*~

      Mit Ases Maswkamozi stand heute hauptsächlich Wiederholungsarbeit auf dem Programm. Nachdem ich das Stutfohlen geputzt hatte und wir auch das Hufe geben wieder einmal geübt hatten, führte ich sie kreuz und quer auf dem Hof herum. Anfangs an eher ruhigeren Stellen, dann auch direkt an den Ställen und Weiden vorbei. Jedes Mal, wenn Wamzi sich nicht mehr auf mich konzentrierte, hüpfte ich in die Luft, lief rückwärts und und und. Allerdings legte ich zwischendurch auch immer wieder kurze Pausen ein, da ich von einem jungen Fohlen nicht erwarten konnte, dass es sich eine längere Zeit lang konzentrierte. Auch das mussten Pferde erst lernen.
      Als Lucius mich so herumhüpfen sah, kam er lachend zu uns. "Du hast uns zwar gestern von deiner Methode erzählt, aber dass das so aussehen würde, hätte ich mir niemals vorstellen können! Ich bin wirklich froh, dass ich das mal zu Gesicht bekommen hab!", presste er während eines Lachanfalls heraus. Wamzi sah ihn erstaunt an und ich meinte nur: "Vielleicht sollte ich dein Gegacker in mein Repertoire aufnehmen, Wamzi scheint das sehr zu faszinieren!"
      Ich erklärte das Führtraining für beendet und führte Wamzi auf die Koppel, auf der der Pferdehänger stand. Wieder löste ich den Strick vom Halfter. Wamzi sollte von sich aus auf den Hänger gehen, dann würden ihre Besitzer damit später höchstwahrscheinlich auch nie Probleme haben. Anstatt das Fohlen jedoch wieder sich selbst zu überlassen, setzte ich mich diesmal auf die Rampe des Hängers und holte eine Möhre aus meiner Tasche. Wamzi, die in sicherer Entfernung zum Hänger ein paar Grashalme geknabbert hatte, hob den Kopf und sah aufmerksam zu mir herüber. Ich biss genüsslich von dem Gemüse ab und rief nach dem Fohlen. Wie sie es gelernt hatte, kam das Fohlen auch sofort auf mich zu, blieb jedoch gute drei Meter vom Hänger entfernt stehen und beäugte selbigen misstrauisch. Ich rief sie nochmals und biss, als sie nicht reagierte, wieder von der Möhre ab. "Süße Maus, wenn du dich nicht beeilst, bleibt nichts mehr für dich übrig. Tut mir sehr Leid!", sagte ich leise zu dem Stütchen. Dessen Mimik war momentan schon beinahe lesbar. Man konnte ihr den inneren Konflikt zwischen ihrer Neugierde und dem Drang , einen Sicherheitsabstand zu diesem Ungeheur von Hänger einzuahlten richtig ansehen. Ich erhob mich langsam, ging zu dem Fohlen hinüber und kraulte es. Dann setzte ich mich wieder auf die Rampe. Zögerlich kam Wamzi einen Schritt nach dem anderen näher und ich lobte das Stütchen sofort. Als sie schließlich sogar einen Vorderhuf auf die Rampe setzte, beschloss ich es für heute dabei zu belassen. Wir waren wieder einen großen Schritt weitergekommen und ich war mir sicher, dass Kenneth mit den Fortschritten seines Fohlens zufrieden war.

      ~*~

      Die nächste Woche verging wie im Flug. Ases Maskwamozi machte sich hervorragend, was das Hängertraining betraf und mit Fix the Flame war ich täglich im Gelände gewesen. Die junge Stute kannte das zwar bereits von ihrem Training auf E-Niveau, doch es war eine wahre Herausforderung, sie außerhalb des Hofes zu reiten. Anfangs hatte ich mit Flame deshalb zweimal täglich Spaziergänge um den Hof herum gemacht, bevor ich mich irgendwann das erste Mal in Begleitung von Kenneth auf Levistino`s Hope im Sattel hinaus wagte. Trotz Hope`s Gelassenheit, war ich bereits nach einer halben Stunde schweißgebadet. Flame sprang bei jedem Geräusch einen halben Meter in die Luft, ging durch oder versuchte zurück zum Hof zu rennen. Dementsprechend war ich nach unseren Ausritten auch immer völlig fertig und brauchte meistens erst einmal einen Mittagsschlaf, bevor ich mit Wamzi arbeiten konnte. An Tagen, an denen ich im Sattel mit Flame unterwegs war, machten wir zuvor meist ein wenig Bodenarbeit. Mal mit Stangen, mal ohne. Ich wiederholte auch das Schrecktraining, dass Flame mit einer mir ebenfalls bekannten Trainerin schon einmal durchlaufen hatte, doch sobald wir draußen waren, schien Flame das alles zu vergessen. Klar, immerhin konnte ja hinter jedem noch so kleinen Busch ein pferdefressendes Monster lauern! Was wussten wir doofen Menschen schon davon?
      An einem einigermaßen milden Tag wagte ich mich schließlich an die ersten Sprünge der Geländestrecke. Wieder war Kenneth dabei, Flame war noch nicht soweit, alleine ins Gelände zu gehen. Außerdem war es beim Geländespringen immer ratsam noch eine zweite Person dabei zu haben. Zu meiner großen Überraschung war Flame zwar schwer zu kontrollieren, aber sehr viel weniger schreckhaft, sobald sie Hindernisse vor der Nase hatte. Offensichtlich war die junge Stute so begeistert vom Springen, dass sie darüber sogar die "Gefahr" vergas, in der sie sich befand.
      Heute, am Tag vor meiner Abreise, wollte ich Flame das erste Mal die gesamte Strecke gehen lassen. Hope und Kenneth begleiteten uns. Kenneth war ein ebenso begeisterter Vielseitigkeitsreiter wie ich, dementsprechend froh war er über die Fortschritte, die Flame innerhalb dieser kurzen Zeit gemacht hatte.
      Ich hatte die Fuchstute bereits auf dem Hof über einige Stangenhindernisse springen lassen, um nicht sofort mit den festen Hindernissen im Gelände beginnen zu müssen. Flame war heute ganz gut drauf und reagierte auf jede meiner Hilfen. Im Gelände war sie gewohnt anstrengend, doch als ich sie auf den ersten Sprung der Geländestrecke zugaloppierte, besann sie sich wieder ein wenig. Wir flogen mühelos über die ersten Sprünge und kamen schon bald zum ersten Hinderniskomplex, welcher aus zwei Baumstämmen und einem Abhang bestand. Ich versammelte Flame, wir übersprangen den ersten Baumstamm, galoppierten den Abhang hinunter, übersprangen dann den zweiten Baumstamm und galoppierten auf der anderen Seite wieder aus der Senke heraus. Nun kam die erste längere Galoppstrecke. Ich gab die Zügel ein wenig nach und Flame schoss vorwärts. Wenn sie jetzt scheute, lag ich mit hoher Wahrscheinlichkeit im Dreck, doch die Stute benahm sich. Ich drosselte das Tempo wieder ein wenig, als die nächsten Hindernisse in Sicht kamen. Meine größten Bedenken galten dem Wasser. Auch das hatten wir tagtäglich geübt und Flame war irgendwann auch hindurch gegangen, Spaß machte es ihr jedoch keinen. Als das Wasser in Sicht kam, hob Flame den Kopf höher und sprang ein paar Mal um. Ich gab energische Schenkelhilfen und die Stute galoppierte durchs Wasser. Den Aussprung nahm sie mit einem rießigen Satz, doch das gab in der Geländeprüfung keine Abzüge. Ich lobte Flame und setzte die Strecke fort. Auch das zweite Wasser erforderte eine etwas deutlichere Aufforderung meinerseits, doch den Rest der Strecke meisterte die Fuchsstute beinahe spielend, sodass ich am Ende glücklich grinsend wieder mit Kenneth zusammentraf.
      "Ich würde sagen, Flame ist jetzt soweit, um sie in der Vielseitigkeit auf A-Niveau zu starten!", sagte ich fröhlich. Nun fehlte nur noch das Abschlusstraining mit Wamzi und meine Arbeit im sonnigen Kalifornien war erst einmal erledigt.

      ~*~

      Nachdem Flame ordentlich versorgt war, holte ich Ases Maskwamozi aus ihrer Box. Heute ließ ich mir beim Putzen besonders viel Zeit, da das meine Art war, mich von dem Stutfohlen zu verabschieden. Apaches Tochter machte ihr wirklich alle Ehre und ich war schon sehr gespannt auf ihren weiteren Werdegang. Ich übte ein letztes Mal das Hufe geben, führte Wamzi über den Hof und schließlich wieder auf die Weide, auf der der Hänger stand. Während meines Trainings mit Flame, hatte ich auch jeden Tag mit Wamzi gearbeitet, sodass das Fohlen mittlerweile brav in den Hänger ging. Heute wollte ich auch schon eine kleine Runde mit ihr fahren. Daher hatte ich Kenneth gebeten, den Hänger vor der Weide an sein Auto zu kuppeln. Wamzi ging ohne Anstalten in den Hänger und ich lobte das Fohlen liebevoll. Das hatte mich eine ganze Weile gekostet. Nach dem Tag, an dem Wamzi die Rampe betreten hatte, hatte ich mich immer ein Stückchen weiter in den Hänger hineingesetzt, bis das Fohlen schließlich neben mir gestanden hatte. Nun band ich Wamzi fest und strich ihr beruhigend über den gepunkteten Hals, bevor ich Kenneth zurief, dass er die Rampe schließen sollte. Er würde nur in Schrittgeschwindigkeit fahren und das auch nur für ein paar Minuten, deshalb blieb ich bei Wamzi im Hänger. Als Kenneth den Motor startete, scharrte das Fohlen aufgeregt mit dem Huf, blieb jedoch ansonsten ruhig. Der Hänger setzte sich in Bewegung und Wamzi war erst einmal vollauf damit beschäftigt, sich auszubalancieren. Ich verfütterte alle paar Sekunden ein Stückchen Möhre an sie und kraulte ihr unablässig den Hals, damit sie ihre erste Fahrt auch ja in guter Erinnerung behielt. Als Kenneth uns schließlich wieder die Rampe öffnete, strahlten wir beide über das ganze Gesicht. Damit hatte Wamzi das Fohlen ABC mit Bravour hinter sich gebracht und ich konnte guten Gewissens nach Hause fliegen....
      [37.207 Zeichen | by Sammy]
      _______________________________

      September 2016 | Ravenna | 17564 Zeichen
      Military A auf L

      “Svejn? Bist du sicher?” ich atmete ein, beziehungsweise atmete ich einen Seufzer weg. Ich saß am Kopf des Tisches, die Köpfe aller Mitarbeiter der Ranch auf mich gerichtet. Die Frage allerdings hatte O gestellt. Natürlich sah Rena trotzdem besorgt aus, die Augenbrauen nach oben gezogen. “Was haltet ihr davon - ich schleif Bellamy einfach mit, er lernt was, hat ein Auge auf mich und wenn es mir zu viel wird reitet er die Pferde.” Bellamys Kopf schoss nach oben, da er bisher nur seinen halbleeren Teller angestart hatte. Bevor er einen Widerspruch verlauten konnte, schenkten meine Augen ihm einen Blick der keinen Widerspruch duldete. Weshalb der Junge den halb geöffneten Mund öffnete,schloss,öffnete und dann die Lippen aufeinanderpresste. Die Reaktion hatte etwas von einem Fisch auf dem Trockenen, fast genauso hatte er geschaut als wir Anfang des Jahres mit den Reitstunden auf Thjalfe begonnen hatten. Also wandte ich mich wieder meinem Teller zu, schnitt die Kartoffel in Stücke, schob sie mir zwischen den Kiefer und fand trotzdem noch die Blicke des halben Tisches auf mir. “Wo soll es denn hin gehen?” knrirschte Bellamy. “Phoenix Valley Kenneth Jenkins rief an und fragte nach freien Terminen, also geht´s auf ins sonnige Kalifornien!” Bellamy nickte nur, aß dann auch weiter. Renas Hand zuckte in meine Richtung, hielt dann an, ihr Blick jedoch fixierte mich - schien mich zu durchwirken. “Du passt auf!” dann eindringlicher zu Bellamy “Ihr stellt keinen Mist an. Du bist erst seit kurzem wieder auf dem Weg zur Heilung, sei vorsichtiger dieses Mal.” mit einem Nicken stimmte ich zu, da ich mit der Zunge damit beschäftigt war die Kartoffel an meinem Gaumen zu zerdrücken. Ein leichter Schatten ging mir über die Gedanken, meinen Fehler hatte ich nicht vergessen, ich hatte dabei Bucks verloren und fast meine Fähigkeit zu laufen. Eigentlich hatte ich sogar vor Bellamy die Hauptarbeit machen zu lassen. Nach dem Essen berichtete ich Rena davon, sie war zufrieden.

      Im gewissen Sinne kannte ich die Jenkins Brüder, zumindest Lucius der Ältere war mir nicht unbekannt. 2014 hatte er auf Caed Crevan als einer der Showreiter mitgewirkt, damals war ich selbst verhindert gewesen, aber nach der Übernahme des Vereins “Action Horses” aus der Hand von Sarah McAlistair, hatte ich auch alle Unterlagen erhalten. Darin hatte ich zufällig seinen Namen gelesen. Faszinierend wie klein die Welt doch war. Sein Bruder Kenneth schien eher Züchter als Stuntreiter zu sein. Ob ich wohl fragen sollte ob sie bei dem Stunt und Showevent mit wirken wollten, das ich geplant hatte?

      In den nächsten zwei Tagen wurde zunächst einmal der Flug nach Kalifornien geplant, anschließend ging es noch mit dem Mietwagen weiter. Im Gepäck befand sich auch mein Helm, von Kenneth ließ ich mir noch einmal ein paar Sachen zu den beiden zu trainierenden Pferden geben. Fix the Flame fiel aus der Reihe, sie konnte ich Bellamy nicht überlassen, zumindest nicht solange ich nicht wusste wie weitreichend ihre Probleme gingen. Ghost Merchant konnte zwar keine unübersichtlichen Sprünge leiden - was mich wunderte da er ja doch in der Military trainiert werden sollte. Vielleicht wäre ein abgehen der Hindernisse und ein vorherige longieren über diese in seinem Fall keine der schlechtesten Indeen - das musste ich dann vor Ort klären.

      Als das Flugzeug abhob drehte sich mir der Magen um, die Ohren schmerzten obwohl ich stetig auf meinem Kaugummi umher kaute. An das fliegen würde ich mich wohl nie ganz gewöhnen können, auch vermied ich weitestgehend den Blick aus dem Fenster - mein Platz war am liebsten mit beiden Füßen auf dem Boden von Mutter Erde. Auch der Versuch den Flug irgendwie mit schlafen rum zu kriegen war nicht ganz was mein Körper wollte, zumal ich nicht mal mit Bellamy sprechen konnte. Auf diese kurze Zeit hatten wir nur zwei Tickets voneinander entfernt erhalten - Bellamy hockte knapp 6 Reihen vor mir. Ich war gequetscht zwischen einer Dame die gut und gerne zwei Sitze benötigte, während die Dame zu meiner linken in ihrem Parfum geduscht haben musste. Obendrein schenkte sie mir immer wieder faszinierende Blicke, von denen ich nicht sicher war ib sie meinen Tattoos galten oder ob sie mich gern ohne Kleidung gesehen hätte.

      Als der Flug endlich rum war, rannte ich (halb) nach draußen (man wollte ja schließlich frische Luft schnappen) , nur um den Geruch nach Großstadt in meine Lungen zu saugen - au ja, ich liebte reisen. Das durchfragen nach dem Unternehmen bei dem der gemietete Wagen bereit stand, dauerte dann auch eine ganze Weile, nicht nur weil ich ja wie bekannt wie Dr. House am Stock lief, sondern da Bellamy (ja er war Schuld) uns selbst mit Google Maps in die falsche Richtung rennen ließ.

      Zwei Stunden später saßen wir endlich im Wagen - Bellamy sichtlich zufrieden, da ich ihn fahren ließ, die Computerstimme von Google erklärte uns gerade, das wir links abbiegen sollten. Ein kleines unscheinbares Schild verkündete dann sogar das wir die Auffahrt von Phoenix Valley erreicht hatten. Die Gegend hatte wenig gemein mit den grünen Wiesen Kanadas, hier war eher alles trocken. Im Osten sahen wir die Hügel der Rockys. Den Mietwagen parkten wir an einer kleinen Lichtung aus dürren, aber hochgewachsenen Bäumen, die angenehmen Schatten spendeten. Mit den Wanderrucksäcken auf dem Rücken machten wir uns auf den Weg weiter auf den Hof, per Anruf hatte ich Kenneth bereits davon berichtet das wir gleich da seien.

      Aus dem Haupthaus kam ein hochgewachsener Typ, der mich locker um 3 Köpfe überragte, mit knapp 1,66 war man(n) eben nicht unbedingt ein Riese. Trotzdem wurden wir mit einem schmalen Lächeln begrüßt, nicht überschwänglich, eher so wie man eben Geschäftspartner begrüßte. “Ich bin der den sie suchen, Kenneth, wir hatten vorhin telefoniert. Ich zeige euch erst die Unterkunft, dann könnt ihr die Sachen ablanden, anschließend einmal einen kleinen Rundgang über den Hof.” Gesagt getan. In den spanisch anmutenden Ställen trafen wir dann auch auf den älteren Bruder Lucuis. Dieser blieb neben einen rein weißen Hengst stehen, sah erst seinen Bruder, dann mich an. Jetzt hatte ich auch einen Blick für ihn, Luciens Miene verzog sich überlegend. “Svejn Àlfarsson.” stellte ich mich vor. “Action Horses?” fragte er nun freundlich lächelnd, was ich nickend zustimmte. Die Showreiterszene war nicht groß, natürlich kannte er meinen Namen, wie ich den seinen.

      Wir unterhielten uns nicht weiter, als erstes bekamen wir den Porzellanschecken Ghost Merchant zu sehen, der sich mit seiner Außenbox sichtlich zufrieden gab, zumindest war jetzt eher von “Sandschecke” die Rede. Bellamy stellte feixend fest. “Den darfst du putzen!” an Kenneth vorbei, funkelte ich ihn an. Anschließend bekamen wir Fix the Flame zu sehen, die mich in ihrer wunderschönen Fuchsfarbe an ein Rennpferd erinnerte das ich auf der Rennbahn gekannt hatte, ich glaubte sein Name war Burning Spring gewesen, aber der Hengst war bereits eine Weile Tod. Nach dem Rundgang wurden wir erst einmal uns selbst überlassen, es war ohnehin zu spät um richtig mit dem Training zu beginnen. Nach dem Auspacken , gingen wir nur in den Stall um uns mit den beiden Pferden zu beschäftigen. Bellamy teilte ich Ghost zu, ich stiefelte mit Halfter und Box zu Flame. Diese band ich vor der Box an um sie eingehend zu putzen, es gestaltete sich jedoch so das ich in der ersten Zeit der Stute eher hinterher lief anstatt sie zu putzen. Nach einem energischen “Steh” , einem kleinen Griff an die Nüster sah mich die Stute verdutzt an. Da sie stand strich ich nun mit dem Gummistriegel sanft über ihren Hals, in vielen kleinen Kreisen. Dabei wurde ich nun argwöhnisch beobachtet, aber sie stand. Als sie sich wieder zu bewegen begann hörte ich auf. setzte mich auf die Box. Das erstaunte die Stute ebenfalls. Bei ihrem Besitzer stand sie vermutlich bereits still - ich war neu und wurde getestet. In dem Moment da sie mich wieder beobachtete, wurde also mit dem Putzen belohnt. Das ganze widerholte sich einige Zeit, bis sie verstanden hatte was erwartet wurde, daraufhin konnte sie es sogar genießen. Ich lächelte in mich hinein, machte also für heute Schluss. Im Zimmer traf ich Bellamy an der aus dem Bad kam, auch sein Putzen war gut gelaufen. Morgen würden wir die beiden zunächst auf dem Platz reiten, dort einige Stangen und kleine Sprünge aufstellen um uns erst einmal vertraut zu machen.

      Am Morgen erhielten wir ein reichhaltiges Frühstück, dann wurde uns gezeigt was beide Pferde nach der Arbeit für Futter bekämen, dann gehörte der Tag uns. In der nächsten Stunde war jeder für sich beschäftigt das Pferd fertig zu machen. Ich war gespannt wie beide Pferde reagieren würden gemeinsam auf dem Platz, es wären immerhin Hengst und Stute, ansonsten mussten wir getrennt trainieren. Der Vielseitigkeutssattel wurde kombiniert mit dem gelben Zubehör, nicht meine Lieblingsfarbe, aber da die Schabracke drunter hing und ich passend dazu auch Beinschutz gesehen hatte nahm ich das einfach. Mit der Stute am Zügel ging ich dann bereits vor zum Platz, und rollte uns eine Stangenreihe zurecht und platzierte zwei der Sprünge in die Mitte des Platzes. Aus Wasserkästen war eine Aufstiegshilfe gefertigt worden, dort gurtete ich noch einmal nach, bevor es in den Sattel ging. Fein ließ sie sich an die Hilfen stellen, war flotter unterwegs als mein Thjalfe aber ich war langsam an verschiedene Pferde zurück. Auch Bellamy kam bald hinzu, Ghost wieherte, bekam aber von Flame keine Antwort also konnten wir uns beide ganz auf die Pferde unter uns konzentrieren. “Lass ihm ruhig etwas mehr die Zügel wenn du über die Stangen gehst, setzt dich mehr auf den Arsch. …..Ja so ist´s besser. bekam Bellamy von mir trotzdem die Anweisungen. Flame war spritzig, hibbelig und heiß wenn es an den Sprung ging, sprang höher als nötig. Ihre Fortgeschrittene Ausbildung sorgte aber dafür das sie fein zu dirigieren war, trotz ihres jungen Alters. Nach einer Stunde, zwei verschwitzen Reitern ging es zurück zum Stall. Wir duschten beiden die Beine ab, ließen sie in der Sonne trocknen während sie sich die Bäuche mit dem heuhartigen Gras voll schlagen durften. Am Nachmittag würden wir zum ersten Mal auf den Militaryplatz gehen.


      ~Nachmittag~

      Bewaffnet mit jeweils einem Kappzaum für die Pferde einer langen Gerte und natürlich der Longe ging es in Richtung des Platzes. In erste Linie wollte ich selbst das Gelände erst kennenlernen, dann wollte ich beide Pferde an den Sprüngen sehen - Kenneth hatte zwar gesagt sie kannten den Platz, waren aber noch nicht alle Hidnernisse gesprungen, zumindest Ghost nicht.

      Wasser wie wir am Vormittag festgestellt hatten, mochten beide Pferde recht gern, also fingen wir mit der kleinen Senke an. Dort ging es sanft ins Wasser ehe eine Kante von etwas über 50 Zentimertern hinauf gesprungen werden musste. Da es eh heiß war, machte ich mir weiter keine Sorgen um meine Chucks, watete mit ins Wasser das “schön” pupswarm war, wieß Flame an von mir weg zu gehen und longierte erst einmal hier im Schritt auf beiden Seiten. Bellamy versuchte sein Glück mit einem niedrigen Baumstamm von dem er wusste das der Hengst ihn kannte - zunächst allerdings führte er ihn rüber. Anschließend longierte er ihn daneben um ihm aufzuwärmen, ließ ihn auf beiden Händen traben ehe er ihn zu sich holte. An der Hand sprang er zusammen mit dem Hengst über den Stamm. Ihn ärgern wollend rief ich “Hast du das bei allen Sprüngen vor?” Bellamy hielt an “Er soll sich eben erstmal dran gewöhnen!” Ich schüttelte den Kopf, ließ Flame antraben und konzentrierte mich auf sie. Statt mit treiben war ich stimmlich die ganze Zeit dabei sie auszubremsen. In Kreisen bewegten wir uns also von einem zum nächsten Hinderniss. Zwischendurch schickte ich Rena ein kurzes Video “da so trainieren wir auch, ganz ohne reiten geht´s halt auch” schrieb ich dazu.

      Nachdem ich fertig war unterstütze ich anschließend noch Bellamy mit Ghost, zwei unbekannte Hindernisse wollte er nicht allein probieren. Also nahm ich dem jungen Mann die Longe aus der Hand machte mich mit dem Hengst vertraut und schickte ihn über ein Hinderniss aus Heuquadern, das er wohl kannte direkt dahinter folgte ein großer Baumstamm, ich gab ein wenig Druck von hinten, schon sprang er hinüber.


      Am darauf folgenden Vormittag ging es dann einzeln für uns auf dem Militaryplatz, damit wir uns besser unterstützen konnten. Auch dort am Rand gab es Sprungständer mit Stangen die ich Bellamy zum Aufwärmen hinlegen ließ - außerdem konnte ich Flame durch die Stangen ein wenig von ihrem Tempo nehmen. Nach jedem Sprung wurde sie deutlich heißer, drängender. Mit vielen Trabphasen, kontrolliertem Galopp wurde sie schnell weicher in der Hand, nach dem dritten größeren Sprung merkte ich jedoch schnell mein Bein, stieg ab und ließ nun Bellamy die Stute reiten. Bis auf die Tatsache das er ihr mehr Zügel geben musste, lief es gut bei den beiden. Da langsam die Mittagshitze auf uns nieder zu drücken begann, verzogen wir uns in den Stall machten die Stute fertig, gierig trank sie das ihr gebotene Wasser und machte sich anschließend über das Kraftfutter her. “Soll ich Ghost Merchant dann schonmal holen?” fragte mich Bellamy, dem ich zu nickte. Mit der freien Hand, die nicht den Strick hielt, kraulte ich die Stute hinter den Ohren.

      Mit der Schubkarre kam uns Kenneth entgegen, fragte nach dem bisherigen Training, also erzählte ich ihm was bisher gemacht wurde. “Natürlich liegt später auch viel an dir selbst, aber das ist ja nicht dein erstes Pferd. Ich würde trotzdem morgen gern mal dich auf beiden Pferden reiten lassen, dann kannst du nochmal fragen stellen, sollten sie auftauchen.” Kenneth stimmte dem zu, verzog sich ansonsten wieder zu seiner Arbeit. Ungewöhnlich nicht lauter wuselnde Menschen im Stall zu sehen, das Team der Ranch wurde immer größer.

      Wir entschieden uns Ghost zunächst wieder longierend über die Hindernisse gehen zu lassen anschließend auch durch den kleinen Wassergraben, bei dem ich mir wieder die Füße nass machte. Anschließend schwang sich Bellamy wieder in seinen Sattel, die ersten Sprünge liefen gut. Der große Baumstamm war jedoch nicht ganz seine Sache, einmal stoppte er davor, das andere mal rannte er dran vorbei. “Du musst ihn schon richtig mit den Beinen umrahmen, gib nochmal eine Hilfe bevor es rüber geht. Los dreh mal eine Runde, geh ihn von der anderen Seite an.” Bellamy parierte den Hengst also durch, ging über die Stangen stellte ihn um und galoppierte in einem großen Bogen durch die Hindernisse, richtete den Hengst gerade auf den Baumstamm. Jetzt richteten sich die Ohren von Ghost auf den Sprung, trotzdem sah ich ihn kurz zögern, “Jetzt treiben!” rief ich und tatsächlich sprang der Hengst nun über den Baumstamm, nahm den Sprung dahinter und Bellamy parierte durch um zu loben. “Du musst nur noch selbst merken wann er unsicher wird und eher stoppen möchte. Sonst macht ihr das gut. Lassen wir es für den Moment, heute Abend springen wir beide gemeinsam. Flame ist etwas sicherer am Sprung, vielleicht lässt er sich dadurch gut führen.”


      Am Abend also ging es mit beiden Pferden nochmal auf den Platz, tatsächlich zeigte sich hier das sich Ghost an einige der Sprünge mit mehr Mut wagte als zuvor allein. Ob das jetzt daran lag das es sich um eine Stute handelte sei natürlich dahin gestellt. Aber auch ohne das Flame und ich vorn weg ritten wurden Reiter und Pferd sicherer. Ich schrieb vor dem zu Bett gehen an Rena “Kleine Aufträge können wir ihm schon zumuten” sie war stolz darauf wie sich der ehemalige Häftling entwickelt hatte.

      “Morgen lassen wir Kenneth beide Pferde reiten, das hab ich schon mit ihm abgesprochen, anschließend kann er Fragen stellen, falls welche auftreten. Da es seine Pferde sind und er sie bereits kennt, denke ich allerdings das wir gut bei weg kommen.”

      “Das Training macht echt Spaß, Ghost ist verlässlich, wenn auch vielleicht etwas ängstlicher am Sprung”

      “Denke , wenn er noch mehr Erfahrung sammelt, ist davon bald nichts mehr zu bemerken.” Bellamy stimmte mir in dem Punkt zu. Wir machten noch einen kleinen Spaziergang über den Hof, sahen anschließend bei Lucius und Amados Training zu. Der Schimmelhengst war bereits gut ausgebildet, eher dafür gemacht im Stuntreiten sein können zu zeigen. Thjalfe machte sich super als Thjostpferd, auch das Steigen hat er drauf. Langsam wollte ich beginnen ihn auf Schilde steigen zu lassen, ganz als würde es aussehen das er die Menschen mit den Schilden angriff.


      Kenneth half dieses Mal dabei als ich Flame fertig machte, wir unterhielten uns dabei über ihre Springmanier. “Habe gestern aus der Ferne gesehen wie der Junge sie geritten ist, sah nicht schlecht aus. Bin gespannt wie sie sich jetzt bei mir macht.”

      Wie von mir bereits vermutet, lief sie unter Kenneth wesentlich routinierter, ruhiger - noch immer sehr schnell aber nicht halsbrecherisch wie es teilweise bei mir oder Bellamy der Fall gewesen war. Aber auch ihm gab ich den Tipp ihr öfter die Zügel zu geben, “Sie findet schon sehr oft allein den richtigen Absprung” mein tipp wurde gut angenommen.

      Auch bei Ghost Merchant kam es nur bei dem Wasser zu einer kleinen Diskussion. “Du solltest ihn bei Pfützen erleben, da ist er noch unwilliger, aber es geht bereits. Als er zu mir kam durfte ich ihm kaum die Beine nass machen.” Also führte ich beide noch einmal durch das Wasserbecken, dann versuchte es Kenneth allein und data, Herr Pferd stiefelte durch - Beine halb an den Ohren. Ich musste Lachen bei der Grimmasse des Pferdes. Nach ereignisreichen Tagen ging unser Flug am späten Nachmittag wieder in Richtung Kanada.

      ____________________________________


      Trainingsbericht Oktober 2016
      Springen von L auf M



      Wieder einmal hatte mich der ruhige Kenneth zu sich auf den Hof gebeten. Ich sollte einen Wirbelwind im Springen trainieren. Fix the Flame war wohl eine sehr schreckhafte Stute, wie mir Kenneth lachend erklärte. Worauf ich mich da einließ, konnte ich ja noch nicht wissen, als ich mich zwei Tage später auf den Weg in die USA machte. Endlich angekommen, verstaute ich nur schnell meine Sachen und ließ mir dann von Kenneth alles zeigen. Fix the Flame - ein wirklich passender Name - war eine aufgeweckte Trakehner Stute, die mir neugierig entgegensah und kurz an meiner Hand schnupperte, bevor sie wieder angespannt auf Gefahren lauschte. Schon beim Putzen merkte ich, dass sie immer in Habachtstellung blieb, sich zwar auch kurzzeitig entspannen konnte, aber immer wieder angestrengt lauschte und beim kleinsten Geräusch auch schon mal einen Satz zur Seite machte. Da brachte auch beruhigendes Murmeln nicht mehr viel. Wenn sie sich in den Kopf gesetzt hatte, dass da etwas im Busch war, dann konnte man sie auch nicht vom Gegenteil überzeugen. Nachdem ich mich bei Kenneth versichert hatte, dass sie zwar schreckhaft und auch sehr schnell war, aber ansonsten ein von Grund auf braves Wesen hatte, sattelte und trenste ich die Stute und ging mit ihr rüber in die Reithalle. Auf dem Platz ginge es auch, aber meistens sei sie zu abgelenkt, erklärte mir Kenneth, sodass ich ihn darum bat, mir jeden Tag jemanden zur Seite zu stellen, der mir beim Auf- und Abbauen der Hindernisse helfen konnte. Er versprach, dass er jemanden damit beauftragen würde und blieb dann an der Bande eine Weile stehen, während ich mich mit der Stute bekannt machte. Zunächst lief sie im Schritt relativ entspannt, hatte zwar ein ziemlich schnelles Grundtempo. Als ich mich jedoch soweit entspannt hatte, dass ich nachlässig wurde, erschrak die Stute heftig und ich hatte Mühe sie zu halten. "Woah, alles gut", sagte ich, nachdem ich die Stute wieder einigermaßen unter Kontrolle hatte. Sanft strich ich über ihren Hals und ritt sie wieder an. Von nun an passte ich besser auf und im Laufe des heutigen Trainings wurde sie für mich händelbarer. Wir mussten uns wohl noch ein wenig aneinander gewöhnen, aber da sie weder stieg noch buckelte, hatte ich kein Problem damit die Stute zu reiten. Nach 45 Minuten beendete ich das Training für den heutigen Tag und ritt sie noch trocken, bevor ich sie wieder zurück in die Box brachte. Abends teilte mir Kenneth noch mit, dass er jemanden für mich organisiert hatte. Ich bedankte mich und er nickte. Viel Reden tat er nun wirklich nicht, aber das war schon okay für mich. Solange er mit meiner Arbeit zufrieden war, war ich zufrieden hier. Die nächsten Tage verbrachte ich damit die Stute etwas besser kennen zu lernen und zu schauen, wie ich insgesamt mehr Ruhe in unser Training bringen konnte. Viel Erfolg hatte ich mit der Ruhe zwar nicht, aber am Ende der Woche hatten wir uns soweit arrangiert, dass sie nicht mehr einfach losstartete, wenn sie vor etwas Angst hatte. Mit dem gelegentlichen Zucken oder Sätze machen konnte ich leben. Immer wieder hatte ich schon kleinere Sprünge mit eingebaut und schnell gemerkt, dass ihre Energie sich gut ins Springen umwandeln ließ. Sie hatte bequeme Gänge und wenn man sie erstmal davon überzeugt hatte, dass die Sprünge nichts schlimmes waren, dann zog sie auch gut an. Jede Veränderung war für sie erstmal ein Drama, aber mit der Zeit hatte ich das Gefühl, dass sie mir soweit vertraute, dass sie auch 'neue' Sprünge akzeptierte und gut anzog. Der Schritt von L auf M war nochmal eine ganz schöne Überwindung. Nicht nur der Reiter musste sich darauf gut vorbereiten, sondern auch das Pferd brauchte das richtige Training. Die ersten Wochen tastete ich mich nur sehr vorsichtig ran, legte zwischendurch Pausentage ein und machte auch immer wieder zwischendurch gymnastisches Training mit Cavalettis, Trab- und Galoppstangen, um sie so gut ich es vermochte, auf die höher werdenden Hindernisse vorzubereiten und sie auch mal abschalten zu lassen. Mit den L-Sprüngen hatte die Stute keinerlei Probleme. Egal ob der Abstand für sie passte oder nicht, die Stute sprang. Sehr angenehm, wenn man neues mit Pferden ausprobieren und trainieren wollte. Jeden Tag verbrachte ich mit der Stute Zeit. Ob ich trainierte oder einfach nur mal putzte und kleinere Spaziergänge machte, die für die Stute zwar okay waren, aber nicht wirklich beruhigend, sodass ich sie auf ein Minimum reduzierte und sie lieber ein bisschen in der Halle laufen ließ. Langsam näherten wir uns unserem ersten M-Sprung und als es soweit war, zog die Stute zunächst an, wurde dann aber verhaltender und sprang nur auf Grund eines energischen Schenkeldrucks meinerseits wirklich ab, riss die Stange und war danach erstmal völlig durch den Wind. Ich ritt sie also eine Weile im Schritt, sodass sie sich soweit beruhigen konnte und wir wieder weitermachen konnten. Zunächst sprang ich noch einmal über den bekannten L-Sprung und wendete mich erst dann wieder dem höheren Sprung zu. Energisch trieb ich und als ich merkte, dass sie wieder vehaltener wurde, trieb ich weiter. Dieses Mal setzte sie den Sprung höher an und es gelang uns das Hindernis zu überwinden. Es würde noch einige Zeit dauern, bis sie sich wirklich sicher mit der Höhe fühlen würde. Immer wieder bauten wir einen einzelnen M-Sprung ein. Immer wieder hatte sie ihre Probleme damit, aber mit der Zeit merkte ich, dass sie forscher und sicherer mit der Höhe wurde und so bauten wir einen zweiten M-Sprung mit ins Training ein. So konnten wir langsam aufbauen und wenn die Stute mal einen schlechten Tag hatte, dann konnte die Höhe ganz einfach wieder angepasst werden. Immer wieder hatten Flame und ich Probleme mit ihrer Schreckhaftigkeit. Einmal hätte mich ein besonders gewaltiger Satz fast aus dem Sattel geworfen. Nur mit Mühe gelang es mir, mich oben zu halten und mein etwas wackliger Sitz verunsicherte die Stute noch mehr, sodass sie gleich weitergaloppieren wollte. Gerade so konnte ich sie noch bremsen und mich wieder richtig in den Sattel ziehen. Sanft lobte ich sie und ritt im Schritt an. Sofort danach trabte ich die Stute an und galoppierte sie dann noch ein paar Runden ab, bevor wir uns wieder den Sprüngen zuwendeten. Der Schreck war uns beiden in die Glieder gefahren, sodass ich an diesem Tag nur 'kleine' und für sie bekannte Sprünge mit ihr auf L-Niveau ritt. Am nächsten Tag waren auch die M-Sprünge für sie wieder völlig normal und sie sprang von Tag zu Tag besser darüber, sodass ich es wagte immer mehr Sprünge auf M-Niveau zu heben. Gegen Ende des Trainings war die Stute sicher am Sprung. Manchmal verschätzte sie sich etwas mit der Höhe, kam aber immer drüber und selbst wenn sie mal riss, war sie nicht mehr hysterisch oder versuchte durchzugehen. Man musste schon wissen, wie man die Stute zu nehmen hatte, denn durch ihre Schreckhaftigkeit war es nicht immer leicht, der Stute Sicherheit zu geben. Mir war es auch nicht immer gelungen, aber wir hatten uns arrangiert. Kenneth würde da wahrscheinlich nicht so viele Probleme haben, weil er die Stute schon länger kannte und deshalb wusste, wie er sie zu nehmen hatte. Er hatte immer mal reingesehen und unseren Fortschritt betrachtet, aber nicht wirklich etwas dazu gesagt. Kannte ich nicht anders und verlangte ich auch nicht. Das Resultat zählte und als ich die beiden über die Hindernisse 'fliegen' sah, machte ich mir keine Gedanken mehr. Er schaffte es die Stute zu motivieren und ihr die Angst weitestgehend zu nehmen. Kopflos wurde sie bei ihm nie und selbst wenn sie mal Angst hatte, bekam er es irgendwie hin, sie zu händeln. Nicht, dass ich sie nicht auch hätte händeln können. Vertrauen zu mir hatte sie schnell gefasst und bereits nach einer Woche war sie auch nicht mehr kopflos losgerannt, aber bei ihr und Kenneth sah man ,dass die beiden schon lange zusammen trainierten. "Es gibt nichts mehr, was ich hinzuzufügen habe. Ihr habt das toll gemacht und in dieser Klasse kann ich euch zumindest nichts mehr beibringen. Du solltest sie immer wieder springen, damit sich die Höhe bei ihr festigt und sie ein besseres Gefühl dafür bekommt." Das sagte ich zu jedem. Es war einfach so meine Art. Ich wusste, dass Kenneth diese Ratschläge nicht brauchte, weil er sich gut auskannte, aber ich fühlte mich immer besser, wenn ich Ratschläge gab. Ob die dann so angenommen wurden oder nicht, war dabei dann nebensächlich. "Es hat wie immer viel Spaß gemacht", sagte ich noch zum Abschied und klopfte Flame sanft am Hals. "Ihr beiden macht das schon. Davon bin ich überzeugt." Ich machte mich schließlich auf den Heimweg. Es war immer wieder seltsam nach so langer Zeit wieder nach Hause zu kommen, aber ich freute mich auf meine Freunde und meine Pferde. Die nächsten Wochen würde ich pausieren, bevor ich zum nächsten Auftrag gehen würde. Immer mal zu Hause sein, war einfach auch wichtig für mich.
      © Samanta|8875 Zeichen

      _______________________________
    • Flair
      Hufschmiedbericht
      Kaum kam ich im Hotel an klingelte das Telefon. Kenneth... „Ehm Hunter... Du könntest doch noch ein Pferd machen.“ fing er an. Ein entrüstet Aufstöhnen ließ ihn wissen, dass ich davon nicht begeistert war. „Tut mir leid, ich habe nicht dran gedacht als du hier warst. Du bist ja noch im Land oder?“ fragte er. „Ja...“ brummte ich. „Ich komm vorbei, mach das Pferd soweit fertig.“ - „Heute noch?!“ Kenneth klang schockiert. Es war bereits dunkel. Aber morgen ging mein Flieger zurück nach England und ich hatte keine Lust mir den Stress einer Flugumbuchung anzutun. „Ja... HEUTE noch!“ betonte ich und legte auf. Idiot... Auf dem Phoenix Valley angekommen hatte Kenneth tatsächlich schon alles vorbereitet. Zum Glück musste die Stute nur ausgeschnitten und nicht beschlagen werden. Fix the Flame war eine recht hübsche Fuchsstute, wenngleich Füchse nicht wirklich mein Ding waren. Sorgfältig entfernte ich das alte Horn und schließlich auch die Tragwand. Zuletzt schliff ich Feinheiten zurecht, bis der Huf wieder in einem guten Zustand war. Das gleiche tat ich auch bei den übrigen drei Hufen. „Ich öle sie selbst ein. Danke.“ ließ Kenneth am Ende der Sitzung verlauten. „Gut. Bist du nun sicher, dass du nicht noch irgendein Pferd hast, das einen Hufschmied braucht? Denk gut nach, nochmal komme ich nicht her heute!“ Bei meinen Worten wurde ich so laut, dass Cherry die in ihrer Box döste aufsah. Die Jenkins Brüder waren nicht mein liebster Umgang und dieser nächtliche Besuch würde ihnen noch teuer zu Stehen kommen. Kenneth hatte kein weiteres Pferd mehr, bis jetzt.
      _______________________________


      07. November 2016
      Praktikum in Californien bei den Gebrüder Jenkins


      Pflege aller Pferde des Phoenix Valley

      „Warum soll ich denn jetzt nach Californien?“, fragte ich Rachel neugierig. „Ich habe vorhin bei Kennet Jenkins angerufen und habe dir dort ein einwöchiges Praktikum gesichert. Die beiden haben viel um die Ohren mit ihren Pferden und Lucius wird dir was über das Stuntreiten und das Showreiten erklären. Ken zeigt dir dann Sachen, was die Pferdezucht betrifft und der Umgang mit Fohlen.“ Mein Mund blieb offenstehen. „Dein Ernst? Show- und Stuntreiten? Ich glaub’s nicht.“ „Doch, du fliegst morgen rüber. Ich würde an deiner Stelle deine Sachen packen. In der Woche wird Cleavant dann kastriert und du hast einen Wallach und keinen Hengst mehr zur Pflege“, sagte meine Tante streng und drehte sich dann um und ging in den Stall zu ihrem Hengst Cherti. Ich stand noch eine Weile da und starrte Löcher in die Luft bis ich mich in mein Zimmer machte und meine Sachen zusammenpackte. In California lagen die Temperaturen noch zwischen 20 – 35°C und somit war es um einiges wärmer als in Mazedonien. Ich würde die Woche schon überleben ohne Cleavant, aber doch verletzte es mich irgendwie, dass er kastriert wurde. Auch wenn er ein komischer Mix war, konnte man doch sicher mit ihm züchten. Vielleicht war er hier auf unserem Hof einfach nur falsch…

      Der Flug war länger als geplant und die Landung nahm mich genauso mit wie damals von Canada nach Mazedonien. Meine Ohren taten weh, ich war fertig wie ein Lachsbrötchen und wartete nach der Passkontrolle auf meinen wohl etwas zu groß geratenen Koffer. Die ganzen Kontrollen hier dauerten immer eine Ewigkeit. Aber immerhin wurde ich von Kenneth und seinem Bruder Lucius herzlichst in Empfang genommen.

      „Du musst Valerie sein“, stellte Kenneth erfolgreich fest und ich nickte nur kurz. „Das ist mein Bruder Lucius“, sagte er und deutete dabei auf den etwas kleineren Mann neben ihn, der mich nur mit einem kurzen Grinsen begrüßte, „Und ich bin Kenneth.“ Ich reichte ihm die Hand und stellte mich auch noch einmal vor. Die Blicke der beiden waren unbezahlbar, als sie meinen Koffer entdeckten und Lucius sich bereit erklärte, diesen zu schleppen. Er hatte Kraft, hatte aber wohl nicht mit dem Gewicht gerechnet. „Was hast du darin? Klamotten oder doch eher Ziegelsteine“, fragte er mich und schaute mich mit schiefgelegten Kopf an. „Alles was ich brauche“, grinste ich und sah mich um. Der Flughafen war riesig und ziemlich modern, so hatte ich mir das ganze hier gar nicht vorgestellt. Die Fahrt zum Anwesen dauerte nur länger als gedacht und ich war sowieso schon vom Flug fertig, dass ich im Auto kurzerhand auch noch einschlief. Die Zeitverschiebung machte mir auch etwas zu schaffen, aber ich schlief die paar Stunden zum Hof sehr gut im Auto. Kenneth konnte sehr gut Auto fahren und ich wurde sofort wach, als Lucius am Steuer saß. Er hatte einen etwas rasanteren Fahrstil und ich murmelte jedes Gebet, das ich kannte vor mir her. „War das arabisch?“, fragte mich Ken neugierig und ich nickte. „Ja, muslimisch geprägt“, sagte ich und sah auf die Straße, die wir gerade einbogen. Lucius schluckte. „Gut, das wir gleich da sind.“


      Tag 1 – Monday

      Mein Tag begann bereits um sieben Uhr morgens mit dem Füttern der Pferde. Wir hatten allein in der Reitschule fast so viele Pferde wie die beiden Brüder, aber trotzdem hatte ich am Anfang noch Mühe, die Pferde auseinander zu halten. Ich schaute also lieber doppelt und dreifach auf die Boxenschilder um den Pferden die richtige Ration zu geben, als dass ich ihnen womöglich zu viel oder zu wenig zu fressen gab. Allein vom ersten Anblick her, hatten mir Morgane, eine Dark Bay Tobiano Stute, Leveneza, ein Rappfohlen mit vier weißen Stelzen und Senda Oscura, eine rabenschwarze Stute angetan. Als die Pferde den Futterwagen rollen hörten, wurden sie alle ein wenig unruhig, ließen mich aber alle brav bis auf Morgane den Weg zum Futtertrog durchschreiten. Die noch junge Stute schüchterte mich doch ein wenig ein. Bei ihr war ich froh, als sie mich heile aus der Box raus ließ. „Ärgert die dich?“, fragte mich Kenneth und ich sah etwas verwirrt zu ihm ans andere Ende der Stallgasse. „Morgane ist noch jung. Keine vier Jahre alt und auch sonst immer etwas launisch. Als sie hier hinkam, war sie die Diva und Zicke in Person. Sie ließ sich nicht kraulen, machte Palaver und und und. Aber mittlerweile lässt sie sich auch mal kraulen und streicheln. Man muss sich nur mal durchsetzen und sie muss dir ein wenig vertrauen können. Dann geht das.“ Er demonstrierte es noch kurz und begann dann mit dem Verteilen des Heus. „Nimm dir mal Busted Cherry Cake und S’Cada und führ sie dort hinten auf die Weide. Danach kannst du Leveneza und Ases Maskwamozi auf die Weide führen. Ghost Merchant und Cadiz können auf die andere Weide. Danach kannst du grad die Stallgasse fegen“, erteilte mir Kenneth meine Aufgaben zu und ich gab nicht mehr als ein kurzes „Ok“ raus. „Ist was?“, fragte er mich feinfühlig und ich schüttelte mit meinem Kopf. „Nein, ich bin nur nicht so der extrovertierte Typ Mensch“, sagte ich und nun war es Ken, der nur ein Nicken brachte. „Alles klar, wenn du das gemacht hast, kannst du was essen. Wir sind ja keine Unmenschen“, zwinkerte er und ich lächelte. „Danach kannst du meinem Bruder ja zuschauen und etwas lernen“, sagte er und schaute auf seine Uhr, für mich ein kleines Zeichen mich an meine Arbeit zu machen.

      Zuerst nahm ich mir die Scheckstute ans Halfter und dann erst S’Cada. Die dunklere der beiden, war ihres Verhalten zu urteilen auch noch jung und etwas unausgeglichener. Ihr Schritt war zügiger als der von Busted Cherry Cake und so hatte ich vielleicht doch ein paar mehr Probleme als auf Briar Cliff. Gut, dort kannte ich auch schon die Pferde etwas länger. Mit den Jungpferden, ging das ganze irgendwie leichter. Leveneza wartete sogar bis ich ihrer Freundin den Strick vom Halfter löste, sodass die zwei zusammen los tollten. Der Porzellanschecke Ghost Merchant stupste mich sanft mit seiner hellgrauen Schnauze an auf dem Weg zur Weide. Blieb auch ruhig, fast so wie ich es von Cleavie gewohnt war.

      Ich beeilte mich beim Fegen der Stallgasse und hatte nun von 8:00 bis um 8:30 Uhr eine kleine Pause in der ich ein Toast mit Marmelade aß. Ich hatte die Marmelade aus den vereinigten Staaten vermisst. Bis ich 16 wurde, hatte ich sie beinahe täglich auf dem Tisch gehabt und jetzt seit eineinhalb Jahren hatte ich endlich wieder den Genuss auf der Zunge. Kenneth schrieb mir, dass ich nun Leveneza wieder reinholen solle und sie ein wenig über den Hof führen könnte, wenn ich wollte und davor noch schnell drüber putzen sollte und so machte ich mich wieder an die Arbeit und spülte schnell ab und stapfte zur Weide. Die Sonne war noch lange nicht am höchsten Punkt, raubte mir mit ihrer Hitze aber dennoch ein paar Nerven.

      Leveneza musste ich von der Weide holen gehen, ließ sich aber super von mir leiten. Ases trottete mir hinterher und ich versuchte sie leicht abzuschütteln, damit sie nicht mit uns durchs Tor trappelte. Es gelang mir auch zum Glück und nur Levenza und ich durchquerten das Tor bis hin zur Stallgasse, an der ich sie anband. Sie blieb erstaunlicherweise ruhiger als ich dachte beim Putzen und ich fand gleich ihre Lieblingsstelle an der sie lustig die Schnute verzog und die Luft ‚kraulte‘. Ich putzte sie ausgiebig und führte sie dann gut 15 min und übte mit ihr das Stehen bleiben und weitergehen. Wenn sie nicht rechtzeitig stehen blieb, richtete ich sie zurück. Das hatte ich von Rachel gelernt gehabt und bisher gingen die meisten ihrer Pferde ordentlich vom Boden aus. Aber auch das machte die Rappstute neben mir gut. Als ich fertig war, stellte ich sie wieder auf die Weide. „Valerie!“, rief Lucius dunkle Stimme quer über den Hof und ließ mich aufzucken. Ich konnte doch bis jetzt nichts falsch gemacht haben. Ich eilte zu ihm in den Stall und sah etwas misstrauisch in die Stallgasse. „Hmm?“, machte ich und sah, dass er gerade die lange, dichte Mähne einflocht. „Komm mal her und schau mir gut zu, okey“, sagte er und ich trat näher. Der Schimmel schaute mich nur mit angelegten Ohren an. „Er hat heute einen guten Tag“, grinste Lucius und klopfte dem Hengst auf die Schulter. Als er fertig war hielt er den geflochtenen Zopf am Ende fest und fragte mich ob ich gesehen hätte, wie er geflochten hatte und ich nickte. „Ja? Gut. Dann kannst du das ja nochmal machen“, grinste er neckend und löste den gesamten Zopf noch einmal. „Ihr Ernst?“, fragte ich perplex nach. „Klar, du willst ja auch was lernen, also auf“, grinste er weiterhin und ich sah ihn nur ungläubig an. Schließlich machte ich mich dann aber doch an die Mähne und versuchte Amador so gut es ging, zu ignorieren. Es dauerte doch etwas länger als bei Lucius, doch ich gab mir Mühe nicht völlige Hilfslosigkeit darzustellen und zog den Zopf etwas enger und bekam am Ende ein Lob. „Ich flechte ihm noch den Schweif ein und dann geh ich mit ihm auf den Platz, du kannst mir zuschauen wie wir für unsere nächste Show proben. Vielleicht inspiriert dich das ja bei Cleavant. Den Kleinen, haben wir im Übrigen zusammen mit Hunter Crowley gesehen und ihn ermutigt ihn mitzunehmen.“ Meine Augen blitzten auf. „Echt?“, fragte ich neugierig und hakte weiter nach. „Ja, wir waren gerade in England unterwegs und fanden ihn zusammen mit Braddock, einem fast gleichen Mix in einer Hobbyzucht zum Verkauf. Beide hatten was. Während Braddock so ziemlich das beliebte Kinderpony war, war Cleavant der Hingucker mit seiner weißen Brust. Fast wie ein Pinguin“, erzählte er mir weiter und ich grinste über beide Ohren. „Dann muss ich mich bei ihnen ja noch bedanken“, sagte ich und tat dies auch gleich. „Du kannst mich gerne duzen.“ Ich nickte kurz, schaute ihm dabei zu, wie er den Schweif hochband. Danach legte er ein schickes Sattelzeug drauf und führte ihn zum Reitplatz mit einer Longe bewaffnet. Er longierte Amador vorher ab und ich konnte sogleich begreifen wieso. Amador hatte Pfeffer im Arsch – Verdammt viel Pfeffer. Erst nach einer Weile auf beiden Händen beruhigte er sich allmählich und wurde ruhiger. Dann stieg Lucius auch schon auf und warf mir die Longe entgegen, die ich glücklicherweise auch noch fing. „Anders kann man den hier nicht arbeiten“, sagte er mir und begann dann auch schon gleich im Schritt mit dem spanischen Schritt, ging dann über in den Spanischen Trab und blieb in der Gangart. Lucius lieferte mir eine tolle Show, in der ich viel über die beiden lernte und als er fertig war, bat er mich darum Senda Oscura zu putzen und im Anschluss zu Satteln. Ihr Sattelzeug würde ich in ihrem Spind finden. Ich nahm den Auftrag gerne an und watschelte auch schon zu der Stute und nahm sie langsam aus der Box. Und schon lutschte sie an meinem Rücken am T-Shirt rum. „Hör auf“, murmelte ich und band sie an. Sie genoss die Pflegeeinheiten und lutschte weiter an der Wand vor ihr. „Senda, du hast eine Macke“, schmunzelte ich und kratzte ihr gerade die Hufe aus, als ich ihre Schnauze auf meinem Rücken spürte. Während ich sie sattelte und dann ihre Bandagen wickelte, sah ich wie Kenneth über den Hof irrte und irgendwen suchte. Ich machte mir aber nichts draus und ging meiner Arbeit wieder nach. Lucius kam mir gerade entgegen und fragte mich dann ob ich reiten könne. Ich bejahte verwirrt. „Dann reite sie im Schritt ein wenig warm, ich komme gleich nach. Ich bringe Amador gerade auf die Weide.“ Wieder nickte ich und stieg dann auf dem Reitplatz mit einem leicht mulmigen Gefühl auf die Stute auf. „Auf geht’s“, murmelte ich und war fasziniert von ihrem zielstrebigen Schritt. Die ersten paar Runden blieb ich auf dem Hufschlag, rang mich aber dann an andere Bahnfiguren. Ich ritt jetzt bestimmt seit 30 Minuten und wunderte mich so langsam, wo Lucius denn blieb. Nun betrat auch Kenneth den Reitplatz mit seiner Stute Fix the Flame und arbeitete sie in der Dressur weiter. Es dauerte noch ein paar Minuten bis Lucius zu mir kam. „Es hat ein wenig länger gedauert“, rief er um die Ecke und ich sah zu ihm rüber. Etwas zu ruckartig, denn jetzt schmerzte mein Nacken. Er hatte einen Apfelschimmel neben ihm stehen und ich sah ihn verwirrt an. „Und was ist mit Senda?“, fragte ich nach und er sah mich von Lucero aus nachdenklich an. „Hmm. Dann reite sie ein wenig im Trab und Galopp und dann kann sie auf die Weide. Danach kannst du Estrada holen und sie spazieren führen“, sagte er und ich gehorchte. Ich ritt sie im Trab und hatte Mühe zu entdecken ob sie gerade trabte oder im Rack unterwegs war. Dann galoppierten wir auf beiden Händen. Immerhin konnte ich das gut unterscheiden. Als ich Senda Oscura trocken ritt, sagte mir ihr Besitzer, dass ich Estrada doch nicht führen brauchte. Sie käme heute nur auf die Weide und ich könnte dann jetzt Feierabend machen. Heute Abend würden sie mir die Stadt zeigen.


      Tag 2 – Tuesday

      Der zweite Tag war weniger anstrengend. Ich fütterte wieder alle Pferde und fegte nach dem Heu verfüttern wieder die Stallgasse. Heute erzählte mir Ken dann mehr über die Zucht und ich verbrachte die meiste Zeit bei ihm und hörte aufmerksam zu. Er erklärte mir, was er sich bei der Verpaarung von den Elternteilen von Ases Maskwamozi gedacht hatte. Die Kleine hatte die Farbe der Mutter geerbt und dazu das Talent des Vaters. Mr. Raw Depression kannte ich sogar vom Sehen. Ein toller Hengst mit viel Potenzial. Ases würde wohl in seine Fußstapfen treten. „Und wie kam S’Cada zu euch?“, fragte ich neugierig und schaute auf die Rappstute neben der Buckskin Tobiano Stute Levistino’s Hope. „Sie ist noch nicht lange hier, ist auch etwas stürmisch. Levistino’s Hope ist da schon anders. Sie hat uns auch Leveneza als Fohlen gebracht und zeigt so ihre Zuchttauglichkeit schon sehr deutlich. S’Cada kommt sogar von einer Freundin von uns.“ Ich nickte stumm und lauschte aufmerksam seiner Erzählung und schon führte mich Kenneth zu Ases damit ich in der Jungpferdeerziehung ein wenig weiter kam. Auch wenn sie sich bei mir sehr unaufmerksam zeigte, gab mir Kenneth Tipps wie ich ihre Aufmerksamkeit bekommen konnte. Wurde sie zu temperamentvoll, zügelte ich sie mit Rückwärtsrichten und hoffte insgeheim, dass sie nicht steigen würde. Das Problem hatten wir heute teilweise noch mit Deila, doch das hatte wohl gesundheitliche Probleme. Die Sonne zwang uns sogar zu einer längeren Pause und erst gegen Abend spürte ich die Anstrengung.


      Tag 3-4 – Wednesday + Thursday

      Den heutigen Tag plagte ich mich mit sehr viel Muskelkater rum, doch auch heute fütterte ich die Pferde dreimal am Tag und mistete heute alle Boxen aus. Danach half ich Kenneth auch wieder bei seinen Jungspunden und durfte auch über Morgane drüber putzen, was ich als Ehre empfand, denn die Scheckstute war biestig, fast schon wie unsere Bailey. Nach der Pause half ich Lucius dann wieder und durfte Senda wieder reiten. So langsam vernarrte ich mich in das Pferd, auch wenn ich Cleavant ganz schön vermisste. Senda war da schon schöner Ersatz. Wenn man das so nennen konnte. Die Hälfte meiner Zeit hier auf dem Hof war schon vergangen und ich sehnte mich irgendwie doch nach Mazedonien. Mal sehen wie die nächsten Tage vergehen würden. Ich longierte gegen Abend noch Estrada Dourada auf beiden Händen und lobte sie am Ende ausgiebig. „Geh mit der noch eine Runde spazieren, die ist ja pitschnass“, sagte mir Luci, wie ich ihn in Gedanken nun immer zu nennen pflegte. Ich nickte wieder und legte ihr noch eine Abschwitzdecke über und führte sie ein paar Runden um den Hof bis sie trocken war und ich Heu und Kraftfutter verfütterte. Am Abend machte ich mich dann auch schon wieder mit den beiden in die Stadt und schaute nach ein paar Souvenirs, die ich für Rachel, Smetti und Abby holen würde. Morgen wäre mein letzter Tag hier in Kalifornien und ich legte mich noch einmal richtig ins Zeug. Ich putzte zusätzlich das Sattelzeug der Pferde und durfte noch etwas Zeit mit Senda verbringen und Morgane putzte ich auch wieder. Am Donnerstag war sie besser drauf als den Tag zuvor. Konnte aber auch an der Bestechung liegen, die ich ihr für danach aufgehoben hatte. Mit Ghost Merchant und Fix the Flame ging es dann auch zu einer Körung und Krönung, sodass ich noch was Aufregendes erlebte und am Abend mit den beiden noch die beiden Pferde auslud. Freitag morgen flog ich wieder nach Hause.
      _______________________________


      02. November 2016 von Jackie
      Tierarztbericht


      Nachdem Scott sich den Mutterstuten gewidmet hatte, fiel Hunter spontan ein, dass es noch eine Stute gab die untersucht werden müsste. “Ich habe mir letztens eine richtig gute Zuchtstute von einer Alicia Grey gekauft. Könntest du mir den Gefallen tun und sie checken, ob sie auch gesund ist ?”, Scott nickte und ließ sich von Hunter zum Zuchtstall der Drum Horses führen. “Hier steht die Gute”, er deutete auf eine stämmige Silver Dapple farbige Stute, welche sich genüsslich Heuhalme aus dem Heunetz zog. “Sie heißt Lady Lyneth Bowen. Habe sie noch nicht zu den anderen gestellt, sollte sie sich irgendwas angeschleppt haben”, - “Okay dann lass uns mal beginnen”, Scott bat Hunter die Stute aus der Box zu führen, um ihre Gänge zu bewerten. Der Tierarzt konnte keine Anzeichen von Lahmheit erkennen und näherte sich dem großen Tier. Nun begann er die Stute von oben bis unten ab zu tasten. Dabei ließ er seine Hand über ihren Widerrist, die Kruppe und hinunter an die Beine gleiten. Er beugte jedes einzelne Bein um zu testen ob die Stute im Bein und Hufbereich Schmerzen haben könnte. Doch Scott konnte nichts finden. Also beschloss er sich die Nüstern, Augen und Ohren anzusehen. Zuerst jedoch steckte er seinen Finger seitlich in das Maul der Stute, um sich die Zähne genauer anzusehen. “Ich kürze ihr die die Zähne, dann musst du das erst im nächsten Jahr machen” Scott kramte ein Maulgatter aus seiner Behandlungstasche und legte dieses in das Maul der Stute. Hunter hielt Lady Lyneth am Halfter fest, damit Scott mit der Maschine die Scharfen Stellen und Haken an den Backenzähnen wegschleifen konnte. Gleichzeitig kürzte er auch die Schneidezähne. Zu guter letzt, führte Scott mit einer Handraspel den Feinschliff durch. Nachdem dies geschehen war, konnte er das die Maulsperre entnehmen und Nüstern, Augen sowie Ohren ansehen. Scott konnte nichts auffälliges entdecken, woraufhin er die Temperatur und den Herzschlag des Pferdes maß. “Sieht alles normal aus! Dann können wir ja mit der Impfung und der Wurmkur beginnen”

      Lady Lyneth döste auf der Stelle ein, während Scott die Impfstoffe “Tollwut, Tetanus, Influenza” und “EHV-1 + EHV-4” abfüllte. Er drückte die überschüssige Luft aus der Spritze und legte sie am Hals der Drum Horse Stute an. Ein kleiner Piekser und die Stute war geimpft. “So, in zwei Wochen solltest du deine Stute noch mal impfen lassen, damit sie immunisiert ist. Die dritte Wiederholung findet in 6 Monaten nach der zweiten statt, danach brauchst du je nach Impfung nur noch einmal im Jahr bzw. Alle zwei Jahre impfen”. Zum Schluss verabreichte Scott der Kaltblutstute oral eine Wurmkur. “Damit sollte deine Stute erstmal in Top Form bleiben. Ich glaube das war alles”, er lächelte Hunter an und packte seine Utensilien ein. “Gibt es sonst noch Pferde die kontrolliert werden müssten ?”

      Hunter dachte nach und schnippste augenblicklich mit den Fingern. “Ja, da gäbe es noch eine Stute. Sie ist ein Vollblut und müsste auch durchgecheckt werden. Komm mir einfach nach”, Scott folgte ihm Wortlos und bestaunte das große Gestüt. “Wirklich schick habt ihr es hier”, Hunter lächelte begeistert. “Freut mich sehr zu hören. War nicht gerade billig das ganze so zu renovieren”. Als sie bei der Stute angekommen waren, führte Hunter Moulan dem Tierarzt vor. Im flüssigen Gang trabte die Stute durch die Stallgasse. Scott konnte keine Lahmheiten erkennen, so dass er die Stute von nahem betrachten konnte. Beim abtasten am Körper und den Beinen sah alles normal aus. Erst bei den Augen fiel ihm auf, dass die Stute etwas tränte. “Das tränen muss aber nichts bedeuten. Es könnte sein, dass sie im Zug stand. Notfalls gebe ihr etwas Augentropfen”. Hunter nickte und wartete ab, was der Tierarzt als nächstes sagte. “Ich kürze auch ihr die Zähne, du musst mir nur noch einmal helfen”, Scott wiederholte die Prozedur von eben und schliff die Vorderzähne und Haken der Backenzähne. Anschließend ein Feinschliff mit der Handraspel und fertig. “Temperatur und Herzschlag sind normal. Moulan ist also gesund. Ich verabreiche ihr jetzt noch den Impfstoff und die Wurmkur”. Erneut füllte Scott den Impfstoff ab, erneut verabreichte er ihn im Hals des Pferdes. Schließlich griff er nach der Wurmkur, welche er der Stute Oral zufügte. “So, das war dann alles. Auch hier wäre eine Grundimmunisierung in zwei Wochen empfehlenswert.”, Hunter bedankte sich. “Bevor ich mich verabschiede, ich bräuchte einmal den Equidenpass der beiden Pferde, dann trage ich die Untersuchung eben ein”. Scott füllte den Papierkram aus und verabschiedete sich von Hunter Crowley. Sein nächstes Ziel, ebenfalls in England, war “Pineforest Stable”.

      An Pineforest Stable angekommen, parkte Scott seinen Jeep auf die große Parkfläche. Erstaunt betrachtete er das riesige, gut gepflegte Gestüt. Es dauerte nicht lange, als er auf Occulta Smith traf. Beinahe perplex überreichte er ihr grüßend die Hand. “Sie haben sich ja was schönes aufgebaut!”, sagte er staunend, während sein Blick immer noch über den Hof schweifte. “Vielen Dank! Danke übrigens das sie es so schnell geschafft haben.” Scott schluckte beklemmt. “Naja, schnell ist etwas anderes. Ich hatte vor kurzem noch einen Kunden hier in England gehabt. Aber nun bin ich ja gott sei Dank hier!”, erleichtert folgte er der Gestütbesitzerin zum ersten Pferd. “Das hier ist One Cool Cat” - “Ok gut. Wann wurde er zuletzt geritten ?”, Occulta führte das Vollblut dem Tierarzt vor. Während er sich ein Bild von seinen Gängen machen konnte, antwortete Occulta auf seine Fragen. “Er wird jeden Tag geritten, auch kommt er täglich morgens auf die Weide. Zufressen bekommt er Spezialmüsli für Rennpferde, 3x Raufutter, und Saftfutter nach der Arbeit. Hufschmied kommt auch Regelmäßig und die letzte Routineuntersuchung war am September 2015” Scott staunte nicht schlecht. “Das klingt ja mal positiv. Kenne nur wenige Pferdebesitzer die sich so um ihre Tiere sorgen. Ich glaube wohl kaum, dass ihm etwas fehlen könnte, trotzdem schau ich ihn mir näher an. Wie sieht es mit den anderen drei Pferden aus ?” - “Ich sorge mich sehr um die Gesundheit meiner Pferde, auch die anderen bekommen regelmäßige Bewegung. Gerade die Miniature Horses bekommen eine minimale Menge an Kraftfutter. Da achte ich wirklich sehr drauf. Ansonsten liegen die letzten Impfungen und Untersuchungen eine Weile zurück” Scott nickte daraufhin, tastete das Pferd ab und sagte schließlich nach der Kontrolle “Also bei ihm hier kann ich nichts auffälliges erkennen, wie ich bereits angenommen habe. Dann lass uns mit der Impfung und Wurmkur beginnen”. Occulta hielt ihr Pferd fest, damit Scott es einfacher hatte. “Wenn du ihm die Wurmkur verabreichst, musst du etwas schneller sein. Sonst könnte er bockig werden” - “Ok danke.”, Scott füllte den nötigen Impfstoff ab, drückte die Luft aus der Spritze und setzte sie am Hals des Pferdes an. “Cool Cat sollte nun gegen Tollwut, Influenza, Pferdeherpes und Tetanus geimpft sein. Die nächste Impfung wäre je nach Impfstoff in 6 Monaten oder 1-2 Jahren”, anschließend griff er nach der Wurmkur, näherte sich dem Maul des Pferdes und führte schnell seine Finger seitlich in das Maul ein. Während er One Cool Cat noch im Griff hatte, verabreichte er schnell dem Pferd die Wurmkur. “Die nächste wäre in einem Jahr nötig. Oder in 6 Monaten”.

      Occulta führte ihn zu seinem nächsten Patienten. “Hier ist Lady Diva from the Sky, sie wurde schon länger nicht kontrolliert”, Scott nickte, betrachtete die Gänge der Stute und tastete ihren Körper ab. “Fühlt sich normal an”, murmelte er. Der Tierarzt kniete sich in die Hocke und beugte jedes einzelne Bein der Stute. Gelassen gab das fuchsfarbene Miniature Horse dem Tierarzt die Hufe, Scott lächelte und sagte knapp “Sieht gut aus”, stand auf und beugte sich zum Maul des Pferdes vor. Ein Griff in die Seite und er konnte die Zähne des Tieres begutachten. “Ok, ich verabreiche ihr direkt eine Wurmkur, dann haben wir das auch schon durch.” Occulta nickte und sah Scott bei der Arbeit zu. Schließlich leuchtete Scott in die Nüstern, testete die Augenreflexe und prüfte den Hörsinn des Pferdes. “So, hier kann ich nichts finden. Ich messe jetzt die Temperatur und den Herzschlag”, er beugte sich hinunter zu seiner Tasche und kramte sein Stethoskop und Thermometer hervor. Das Stethoskop hielt er an der Brust des Pferdes. Still prüfte er den Herzschlag. Wortlos wand er sich dann dem Hinterteil zu, um die Temperatur des Pferdes zu messen. “37,8°C, eine gute Normaltemperatur” Scott säuberte das Thermometer und legte es in seine Tasche zurück, nun füllte er den Impfstoff für Lady Diva ab. Diesen verabreichte er ihr über den Hals. “Ok, wer ist der nächste ?”, er lächelte und wartete darauf, dass Occulta die Stute weg brachte und das nächste Pferd holte.

      Das nächste Pferd war ein schönes Tovero geschecktes Paint Horse. Der Hengst hieß Flintstone und war ruhiger als die anderen. “Na du!”, begrüßte Scott seinen Patienten. Er musterte die Gänge des Pferdes, näherte sich dem Tier und tastete Rücken, Flanken,Bauch und Beine ab.Nachträglich widmete er sich dem vorderen Teil des Pferdes. Die Brust, den Hals und den Kopf. Aber auch bei Flint konnte er nichts auffälliges entdecken. Also führte er eine Beugeprobe durch und kontrollierte anschließend Zähne, Nüstern, Augen und die Ohren. “Dein Pferd ist gesund”, sagte Scott zufrieden und gab dem Hengst einen klaps auf den Hintern. “Super, das freut mich! Dann können wir ja noch Impfstoff und Wurmkur verabreichen”, Occulta lächelte und tätchelte ihr Pferd am Hals. Gesagt, getan. Scott verabreichte dem Westernpferd die nötigen Mittel und folgte der jungen Frau zur Box. “So, dann bleibt ja nur noch ein Pferd übrig”. Sie lächelte begeistert. “Ich bin wirklich erleichtert. Ich wollte die Pferde demnächst bei der Leistungsschau anmelden. Da sollten sie immerhin in Topform bleiben.”, Scott nickte verständnisvoll und folgte ihr schließlich zu Calico.

      Calico war ein ausgeglichener Hengst mit ein wenig Temperament. Neugierig blickte er über die Box hinweg zum fremden Tierarzt und brummelte ihm leise entgegen. Occulta klopfte ihn begrüßend auf die Schulter und führte ihn aus der Box. Einige male führte sie ihn durch die Stallgasse, damit der Tierarzt ihn beobachten konnte. “Alles in Ordnung”, Scott tastete den Hengst ab und staunte nicht schlecht als er sein Fell spürte. “Sehr weich und gepflegt. Zumal er ein Schimmel ist. Ich bin echt begeistert von ihrem Hof. Also er hier, ist ein richtiges Prachtexemplar”, stolz betrachtete Occulta ihren Hengst und bedankte sich bei Scott. Es dauerte nicht lange bis Scott sich das Pferd genaustens unter die Lupe genommen hatte. “Dein Kerl hier ist Top-Fit. Wundert mich aber nicht bei der Pflege. Solange kein Unfall passiert ist. Dann kann ich ihn jetzt impfen”. Scott legte sein Stethoskop nieder und kramte eine frische Spritze hervor. Diese füllte er ab und drückte die überschüssige Luft raus. Das Mittel verabreichte er dem Pferd am Hals. Schließlich gab er Calico noch eine Wurmkur und sein Werk war vollbracht. “So, das wäre dann alles”, er sah Occulta zu, wie sie ihr Pferd noch weg brachte, ehe er sich von seiner Kundin verabschiedete.

      Sein nächster Auftrag verschlug ihn nach Phoenix Valley in Kalifornien. Dort sollte er sich um Kenneth Stute Fix the Flame und dem Fohlen Leveneza kümmern. Das viele hin und her reisen hatte Scott jedoch stark ermüdet. Darum beschloss er die Nacht in einem Hotel zu verbringen ehe er sich seinen neuen Patienten widmen würde.

      Am Morgen fuhr er schließlich nach Phoenix Valley, auf der Suche nach Kenneth. “Scott Cardinal”, stellte er sich dem gut aussehenden Mann, freundlich vor. “Kenneth Jenkins, schön dass sie unter den Umständen so schnell kommen konnten”, Beide schüttelten sich die Hände und gingen zu den Hauptstallungen. Scott war erstaunt wie edel das Gestüt aussah, obwohl es kaum Gebäude oder spezielle “Extras” besaß. “Schön habt ihr es”, sagte er Gedankenversunken. Auch wenn er dies zu jedem seiner Kunden sagte, meinte er es tatsächlich ernst. In den Stallungen angekommen, führte Kenneth das Fohlen aus der Box. “Unsere Leveneza ist ein erstklassisches Zuchtpferd. Wirklich eins-A Vorfahren. Ich hoffe mit ihr ist alles im grünen Lot”, er zwinkerte dem Tierarzt entgegen und gab der Kleinen einen Klaps auf den Hals. “Können sie mir etwas über ihre Pflege oder ihr Training erzählen ?” - “Ja, sie wird fast täglich kurz trainiert, also die Jungpferdeerziehung. Das übliche halt. Leveneza bekommt Heu, Saft- & Mineralfutter, steht in einem Offenstall ohne fressbare Gräser und war das letzte mal um August diesen Jahres beim Hufschmied.” Scott nickte und lächelte zufrieden “Hört sich gut an, würde mich wundern wenn ich etwas finden würde”. Da die Gänge in Ordnung aussahen, tastete er den Jährling ab. Anschließend beugte er jedes einzelne Bein und betrachtete den Kopf des Tieres. Nachdem er auch dort nichts vorfinden konnte, prüfte er den Herzschlag und die Temperatur. “Alles in bester Ordnung”, Scott lobte Leveneza, auch wenn sie während der Kontrolle nicht all zu ruhig geblieben ist. Zu letzt füllte er den Impfstoff ab, verabreichte ihn dem Fohlen und kramte eine der Wurmkuren aus dem Koffer. Mit flinker Geschwindigkeit, füllte er die Paste in den Mund des Tieres. Angewidert schüttelte Leveneza den Kopf und rollte die Augen nach hinten. Damit sie keine schlechten Erfahrungen mit der Wurmkur macht, gab Scott ihr im Anschluss ein, -zwei Leckerchen hinterher.

      Kenneth konnte Leveneza nun wieder weg bringen, so dass er Fix the Flame als nächstes vorführen konnte. Die Fuchsstute war ein temperamentvoller Trakehner, welcher jedoch einige Erfahrung mit Tierärzten gemacht hatte. So viel es Scott nicht schwer die Stute zu untersuchen nachdem Kenneth sie vorgeführt hatte. Mit einer kleinen Lampe testete er ihre Pupillenreflexe, leuchtete in Nüstern und Maul und prüfte schließlich ihren Hörsinn. “Ich höre sie jetzt ab”, kommentierte er konzentriert. Er bückte sich und legte das Stethoskop an. Als er es an die Brust auf legte, konnte er sicher gehen, dass ihr Puls im Normalbereich lag. Zu guter letzt näherte er sich dem Hinterteil des Pferdes, hob den Schweif an und prüfte die Körpertemperatur. “38°C, sie kann also sorgenfrei geimpft werden.” Bevor Scott die Stute impfte, verabreichte er ihr zuerst Oral eine Wurmkur. “Lass uns auch gleich die Zähne schleifen ok ?” Scott bat Kenneth ihm zu helfen, indem er die Stute festhalten sollte. Geschickt legte Kenneth dem Tier die Maulsperre ins Maul, um mit der Handraspel die Vorderzähne zu kürzen. Der Prozess ging schnell von dannen und Scott konnte dem Pferd die Sperre wieder entnehmen. Er verstaute sie zurück in die Tasche und fragte nach Flames Pferdepass. Kenneth überreichte ihn, damit der Tierarzt den Impftag, die Wurmkur, sowie die Zahnpflege notieren konnte. “Ich glaube das war alles”, er lächelte zufrieden und erklärte wieso die nächste Impfung in ca. 2 Wochen stattfinden sollte. Damit verabschiedete er sich von Kenneth und verließ Phoenix Valley um zurück nach Kanada zu reisen.
      _______________________________


      02. März 2017 | 20513 Zeichen von adoptedfox
      Pflege für alle Pferde des Phoenix Valley


      Ankunft

      Mittwoch. Vor wenigen Minuten noch setzte mein Flug zur Landung an und schon stand ich inmitten der Menschenmenge, welche darauf wartete abgeholt zu werden. Die Sonne stand genau über dem Flughafen und die Luft wurde nur durch die leichte Frühlingsbrise abgekühlt. Ich sah mich um und hoffte zu erkennen, wer mich abholen würde. Und da entdeckte ich Ihn. Er stand etwas Abseits mit einem Schild in der Hand auf welchem in großen Druckbuchstaben "Käthe -> Phoenix Valley" stand. Ich hängte meine Reisetasche über die Schulter, nahm meinen Koffer und ging Ihm mit einem Lächeln entgegen. "Hi, ich bin Käthe!" begrüßte ich Ihn, stellte meinen Koffer ab und machte anstalten seine Hand zu schütteln doch er kam mir zuvor, nahm meine Hand, zog mich an sich und umarmte mich. "Ich bin Kenneth, schön Dich zu sehen! Wir war dein Flug? fragte er mich während er mich aus der Umarmung entließ und nahm gleichzeitig meine Reisetasche ab. "Weniger anstrengend als ich erwartet hatte." antwortete ich Ihm ehrlich und folgte Ihm zum Kofferraum, wo ich meinen Koffer neben die Reisetasche stellte die er bereits hineingelegt hatte. Während der Fahrt zur Anlage unterhielten wir uns über die Pferde, meine Arbeit und wie es mich nach England verschlug. Nach einer Weile fuhren wir auf den Parkplatz des Phoenix Valley ein. Kenneth nahm meine Reisetasche und meinen Koffer aus dem Kofferraum und bat mich Ihm zu folgen. Während wir über den Hof zum Hauptgebäude liefen, erklärte mir Kenneth das man mich im Gästezimmer unterbringen würde für die Zeit des Aufenthalts. Dort angekommen stellte er meinen Koffer und meine Reisetasche vor das Bett und teilte mir mit, das er im Stallgebäude der Stuten auf mich warten würde. Ich nutzte seine Abwesenheit um mich umzuziehen. Eine schlichte Reithose und ein leichtes Top. Ich zog meine Stiefeletten an und ging aus dem Gebäude zu dem Stalltrakt, den ich für den Bereich der Stuten hielt.

      Tag 1
      Er ging mit mir von Box zu Box und stellte mir die Pferde vor. "Ok, ich denke es ist das einfachste wenn ich mich zuerst um die Fohlen kümmere, dann kann ich diese zusammen auf eine Weide stellen während ich mich um den Stall kümmere. Oder?" fragte ich. Kenneth sah mich an und antwortete mir lachend "Perfekt, kommst du zurecht? Dann schauen Lucius, mein Bruder und Ich nach dem Wagen, der macht nämlich Probleme.". Mit den Worten verschwand er aus der Stallgasse in Richtung Hof. Ich wandte mich den beiden Stutfohlen Ases Maskwamozi und Leveneza zu. Kenneth berichtete mir, dass die beiden Fohlen vom Ausbildungsstand am weitesten wären und so entschloss ich mit beiden eine Runde spazieren zu gehen um die Umgbung kennen zu lernen. Behutsam zog ich Ases Maskwamozi das Halfter über und führte das Fohlen in die Stallgasse, wo ich es mit einem geschickten Knoten anband um Leveneza zu holen. Ich begrüßte beide Fohlen ausgiebig, nahm eines in die linke, das andere in die rechte Hand und zu dritt verließen wir die Stallgasse. Wir wandten uns dem Weg zu, welcher von Bäumen gesäumt war um im kühlen Schatten zu laufen. Leveneza nahm die Umgebung aufmerksam wahr, die Ohren spielten und schienen jedes Geräusch einzusaugen. Ases Maskwamozi hingegen schien nur Levenza zu folgen. Mehrfach versuchte sie mich auszutricksen und den Rückweg anzustreben, doch mit Geschick konnte ich sie immer wieder überreden uns weiter zu begleiten. Die Wege um den Hof schienen miteinander verbunden, denn langsam ließen sich die Umrisse des Stallgebäudes erahnen. Auf dem Hof angekommen ließ ich die beiden Stutfohlen trinken und brachte beide auf die Weide. "Na, was stellen wir denn mit euch 2 hübschen an?" fragte ich als ich die Stallgasse betrat und ging zu der Box mit Stracciatella. Die kleine Stute sah gelagweilt aus und schenkte mir, bis auf 1 zugewandtes Ohr, keinerlei Aufmerksamkeit. Ich öffnete die Boxentür und wandte mich ihr langsam zu. "Keine Sorge, wir wollen Dir doch nichts schlechtes, hm?" sprach ich beruhigend auf das junge Fohlen ein und streichelte dessen Hals. Vorsichtig wanderte meine Hand zum Mähnenkamm, weiterhin kreisende Bewegungen streichelnd. "Super machst du das!" lobte ich Stracciatella, die aufzutauen schien. Ich holte aus meiner Hosentasche 1 Bananenchip und bot ihn Ihr an. Neugierig schnaubte sie in meine Handfläche und nahm den Bananenchip zwischen die weichen Lippen. Er schien Ihr zu schmecken, denn kaum war der erste verschwunden, schob sie Ihr weiches Maul in Richtung meiner Hose. Ich lachte "So aber nicht! Erst die Arbeit, dann das Vergnügen!". Ich strich in sanften Bewegungen in Richtung Rücken. Mit meiner anderen Hand griff ich in den Trog, wo ich zuvor einen weichen Striegel positioniert hatte. Ich bewegte den Striegel in der gleichen kreisenden Bewegung am Rücken des Fohlens, wie zuvor meine Hand. Stracciatella schien sich selbst nicht sicher zu sein, ob sie dies gut oder schlecht fand. Ich beschloss das Training für den heutigen Tag zu beenden und gab Stracciatella zur Belohnen noch einen Bananenchip. Das letzte Fohlen, Phoebe, beobachtete mich bereits neugierig als ich aus Stracciatella's Box kam. Als ich die Boxentür öffnete spürte ich eine Hand auf meiner Schulter, es war Kenneth. "Wenn du magst..." sagte er und reichte mir ein kleines Halfter. "Sie wird mir doch nicht die Hand abbeißen, oder?" fragte ich und erhielt statt einer Antwort nur ein verlegenes Schulterzucken. Er schloss die Boxentür hinter mir, blieb jedoch stehen und sah mir zu. Ich ließ mich nicht beirren strich mit beruhigenden, sanften Bewegungen über den Hals der Stute. Das Halfter war bereits geöffnet, sodass es mir leicht fiel das Genickstück sanft über Ihren Hals zu streifen. Vorsichtig zog ich Ihr das Halfter an und schloss es locker. Sobald ich meine Hand entfernte schlug die junge Stute ein paar Mal mit dem Kopf. Sie schien nicht erschrocken über das klappernde Geräusch welches die Halfterschnallen verursachten, im Gegenteil, es schien sie zu amüsieren! Lobend kraulte ich Phoebe die Brust und steckte ihr einen Bananenchip als Belohnung zu. Kenneth reichte mir durch die Boxenstäbe einen Strick. Ich nahm ihn und befestigte ihn am Halfter der Stute und führte sie in die Stallgasse. Dort band ich sie aber nicht an und griff stattdessen nach dem Striegel aus Stracciatellas Trog um in kreisenden Bewegungen über Phoebes kurzes Fell zu streichen. Es schien ihr nichts auszumachen, jedoch entschied ich das Training zu beenden, da ich die Stute nicht überfordern wollte. Damit Stracciatella nicht als einziges Fohlen im Stall bleiben musste, brachte ich auch Phoebe zurück in Ihre Box.
      Während die beiden Fohlen Ases Maskwamozi und Levenza nicht in Ihren Boxen waren, nutzte ich die Zeit um diese auszumisten. Ich schob die halb gefüllte Schubkarre an die Box von Stracciatella, öffnete die Boxentür und ging hinein. Behutsam sammelte ich alle Pferdeäpfel und das nasse Stroh ein und beförderte es in die Schubkarre. Das gute Stroh verteilte ich, wie bei den anderen beiden Boxen, über die kahlen Stellen. Den Vorgang wiederholte ich anschließend auch bei Phoebe und den anderen Stuten im Stall. Nachdem auch die letzte Schubkarre auf dem Misthaufen entleert wurde, schnappte ich mir ein paar Strohballen um die Stallboxen entsprechend aufzufüllen. Als die Boxen der Stuten und Fohlen gemistet und neu eingestreut waren schob ich die Schubkarre hinaus in den Hof, lehnte die Mistgabel gegen das Stalltor und kehrte mit einem Besen die Stallgasse sauber. Mit jedem Bürstenstrich über den Stallboden wirbelte Staub auf. Als die Arbeit erledigt war beschloss ich die beiden Fohlen wieder in die Boxen zu bringen. Da ich zuvor bereits mit beiden spazieren war und dies super funktionierte, etschloss ich auch dieses Mal beide Fohlen zeitgleich zum Stall zu bringen. Zurück in der Stallgasse traf ich Kenneth, der sich gerade ein Halfter und einen Strick nahm. "Hast du Lust auf eine Runde spazieren? Ich würde Morgane nehmen und wenn du magst, kannst du Fix the Flame nehmen." ich nickte zustimmend und brachte die beiden Fohlen in Ihre Boxen. Kenneth hat bereits beide Stuten aufgehalftert und in die Stallgasse gebracht. Geschickt löste ich den Knoten und bevor ich mich versah, befanden wir uns auf einem kleinen Waldpfad. Kenneth erzählte, das dieser Pfad angenehm für Spaziergänge mit Pferden wie Fix the Flame war, da Sie sich so an die Umgebung gewöhnte und man Ihr gleichzeitig zeigen konnte, das es außerhalb der sicheren Box nicht nur Gefahren gab. Morgane schien die Ruhe selbst zu sein, aber Kenneth versicherte mir, das dies nur ein trügender Schein ist. Über diesen Pfad kamen wir auf der Rückseite der Stutstallung an. Kenneth nahm Morgane mit in Richtung der Reithalle, während ich Fix the Flame wieder in Ihre Box brachte. Nachdem die Boxentür fest verschlossen war und ich Fix the Flame einen Bananenchip zusteckte, begab ich mich auf die gegenüberliegende Boxenseite und holte Levistino's Hope und Busted Cherry Cake aus den Boxen. Ich entschied mich mit beiden Pferden dazu, die erste Route entlang zu spazieren, welche ich bereits mit den Fohlen erkundet hatte. Beide Stuten verhielten sich vorbildlich und schienen, genau so wie ich, den warmen, sonnigen Tag zu genießen. Nachdem wir zum Hof zurückgekehrt waren stellte ich die Stuten in Ihre jeweiligen Boxen. Gerade als ich die Boxentür zu Estrada Dourada öffnete, suchte jemand anderes meine Aufmerksamkeit. "Hey, wenn du Estrada beschäftigst, kannst du an Ihrer Gelassenheit arbeiten? Der Hufschmied hat nicht jedes Mal die Zeit mit einer aufmüpfigen Stute zu diskutieren!" hallte es die Stallgasse entlang und ich war mir sicher, dass es sich nicht um Kenneth gehandelt haben kann. "Du bereitest deinen Besitzern also Kopfzerbrechen, hm?" fragte ich die Stute und strich ihr sanft über die Stirn. Ich zog Ihr das Halfter über und führte Sie in die Stallgasse, wo ich sie vor Ihrer Box festband. Ich nahm mir aus der Putzbox einen Hufkratzer und aus der Sattelkammer einen zusätzlichen Strick. Schon als ich mit meiner Hand am Bein der Stute entlang striff, schien sich diese merkbar zu verspannen. Ich sprach beruhigend auf die Stute ein und wiederholte den Vorgang immer wieder, bevor ich den Huf hoch nahm und in der Luft behielt. Immer wenn ich den Huf in der Luft hielt, zählte ich bis 5 und setzte Ihn sanft wieder ab. Nach einigen Wiederholungen nutzte ich zusätzlich den Hufkratzer um der Stute zu zeigen, das Ihr nichts geschieht und es nur um ihr Wohl ging. Von Wiederholung zu Wiederholung wurde die Stute entspannter und ruhiger. Ich klopfte lobend Ihren Hals und brachte sie zurück in Ihre Box, wo sie ein paar Bananenchips von mir bekam. Der Tag neigte sich langsam aber sicher dem Ende zu. Ich entschied, mit Senda Oscura noch eine Runde spazieren zu gehen, bevor ich den Stalltrakt für den Tag verließ und mich dem Bett in meinem Gästezimmer widmete.

      Tag 2
      Mit dem ersten aufgeregten zwitschern der Vögel wurde ich wach. Ich betrat das Badezimmer und bereitete mich auf den Tag vor. Auf dem Weg nach draußen hielt mir Kenneth eine Brottüte vor die Nase. "Frühstück nicht vergessen junge Dame!" sagte er lächelnd und ich nahm diese dankend entgegen. Bevor ich mich den Pferden widmete ging es zur Fütterung. Ich betrag die Futterkammer und richtete die Futterrationen für die Pferde. Nach und nach leerte ich jeden Eimer im Trog der Pferde, bis alle schmatzend ihr Frühstück genossen. Ich ebenso, denn ich hatte es mir gerade auf einem Strohballen gemütlich gemacht und nahm das Sandwich aus der Brottüte. Ich sollte mir für die Heimreise ein paar Sandwiches von Kenneth wünschen, denn sie schmeckten fabelhaft! Gestärkt nahm ich mir eine Longe aus der Sattelkammer und ging hinüber zu den Stuten. Ich hing die Longe an die Box von Corde de la cerise und begann die Stute in Ihrer Box zu putzen. In langen Zügen strich ich mit dem Striegel in der einen und der Bürste in der anderen Hand über das Fell der hübschen Stute. Die Mähne und den Schweif säuberte ich lediglich mit meinen Fingern und sammelte so Strohhalme heraus und löste Knötchen. Mithilfe des Hufkratzers säuberte ich die Hufe und nahm die Stute dann am Halfter und führte sie zur Boxentür. Dort hakte ich die Longe am Halfter ein und führte die Stute zur Reithalle. Ich positionierte mich in die Mitte der Halle und schickte die Stute nach außen auf den Zirkel. Sie schien arbeitswillig, denn sie setzte sich sofort in Bewegung und lief im Schritt Ihre Runden. Nach ein paar Runden schnalzte ich mit der Zunge und Corde de la cerise fiel in einen lockeren Trab. Die Stute war aufmerksam, hielt ein Ohr aber stets zu mir gerichtet. Im Galopp powerte sie sich offenbar erst aus, bevor sie zur eigntlichen Arbeit zurück kam. Ich lies sie gewähren. Ich nahm die Longe auf und ließ die Stute in den Schritt parieren und letztendlich stehen. Mithilfe einer lockeren Armbewegung gab ich der Stute zu verstehen, das ich einen Handwechsel möchte und nach einer kleinen Diskussion trabte die Stute auch auf der linken Hand auf dem Zirkel. Die anfängliche Anspannung war schnell verflogen und so holte ich die Stute zu mir, lobte sie ausgiebig und brachte sie zurück in Ihre Box. Den gleichen Ablauf versuchte ich bei S'Cada, jedoch zeigte sie mir eindeutig, das es ihr absolut nicht passte arbeiten zu müssen. Nach minutenlangen Diskussionen und wildem gereiße an der Longe holte ich die Stute zu mir und nahm die Longe ab. "Gut, dann bleibst du halt hier. Tob dich aus!" sagte ich bestimmt und verließ die Halle. Offenbar schien ihr das auch nicht wirklich Recht, denn sobald das Hallentor geschlossen war stürmte die Stute los und buckelte. Währenddessen nutzte ich die Zeit um die Boxen der Hengste auszumisten und neu einzustreuen. Als die Arbeit beendet war ging ich zurück zur Halle, wo eine ausgepowerte S'Cada bereits auf mich zu warten schien. "Na, alles klar?" rief ich ihr zu und schloss das Hallentor hinter mir. Ich ging ruhig auf die Stute zu und klopfte ihren Hals. Die Longe wieder eingehakt, gingen wir aus der Halle zurück in die Stallgasse. Ich brachte S'Cada in Ihre Box zurück und nahm ihr das Halfter ab. Als ich die Stallgasse der Hengste betrat wartete bereits Kenneth auf mich. "Bevor du dich mit unseren Jungs beschäftigst rate ich Dir an, Amador zum Schluß zu arbeiten. Und sei vorsichtig, er ist das, was sich alle unter einem Hengst vorstellen!" sagte er und redete auf mich ein aufzupassen. Ich beschloss auf ihn zu hören und ging zur Box von Cadiz. Ich strich ihm sanft über die Nüstern und tauschte sein Stallhalfter gegen eine Trense. Bereits auf unserem eigenen Gestüt lernte ich schnell, das es leichter war einen Hengst mit einer Trense, als mit einem Halfter auszuführen. Ich nahm mir, auf dem Weg an der Sattelkammer vorbei, eine Longierbrille und Longe und tauschte diese gegen die Zügel ein. Zusammen gingen wir nach draußen und schlugen den ruhigen Waldpfad ein. Der heutige Tag würde nicht so heiß werden wie der gestrige, zumindest hoffte ich das. Cadiz lief im Schritt neben mir, sodass es eine ruhige und entspannte Runde wurde. Zurück im Stall tauschte ich Cadiz gegen Ghost Merchant ein. Er war ein hübscher Hengst und gefiel mir auf Anhieb. Auch mit Ihm lief ich auf dem Waldpfad entlang. Ghost Merchant war aufmerksam und nahm seine Umgebung genauestens auf. Einige Male versuchte er mich zu überholen, doch das wusste ich mit einem einfachen Wendemanöver zu unterbieten! Da mir der Hengst gefiel gab es, zurück in der Box, einen Bananenchip.
      Bevor ich mich an Amador versuchte, wandte ich mich Lucero zu. Schon als ich in die Box kam stieß er mir seinen gewaltigen Kopf schnell entgegen und schnupperte an meiner Hosentasche. Als wüsste er was sich in Ihr befindet, knabberte und zog er am Stoff umher. "Hey du Spinner, lass das!" sagte ich und schob seinen Kopf beiseite. Ich legte ihm das Halfter an und führte ihn aus der Box auf den anhängenden Reitplatz. Da ich nicht wusste wie der Hengst sich verhält hielt ich es für die beste Idee mit Halfter und Longe zu arbeiten. Ich stellte mich mit dem Hengst auf den Zirkel und strich mit der Schlaufe der Longe über den Hals und die Schulter des Hengstes. Dies schien ihm keine Probleme zu bereiten, so begann ich damit das Longenende über seinen Rücken zu legen und herunter zu ziehen. Lucero verspannte sich, sobald er bemerkt wie das Seil heruntergezogen wird. Ich sprach beruhigend auf ihn ein und wurde langsamer, sodass er sich auf das Gefühl, welches das Seil verursachte, einlassen konnte. Schon nach ein paar Wiederholungen wurde der Hengst merklich ruhiger und entspannter. Das ich das Longenende schließlich über seinen Rücken warf bereitete ihm keinerlei Probleme mehr. Ich lobte den Hengst ausgiebig für seine Geduld und Mitarbeit und schob ihm ein paar Bananenchips zu. Diese schienen ihm zu schmecken denn sofort bettelte er nach mehr. Ich verwehrte Ihm den Zugang in meine Tasche und führte ihn zurück in seine Box. Ich schloss die Boxentür und wandte mich Amador zu. Dieser legte bereits die Ohren an, als ich auch nur zur Box trat. Ich ging in die Sattelkammer und holte ein festes Rope, sowie ein Knotenhalfter. Behutsam öffnete ich seine Boxentür und betrat diese, während ich beruhigend auf den Hengst einsprach. Die Ohren noch immer angelegt ging er ein paar Schritte auf mich zu und beobachtete mich. Ich ging ebenfalls auf den Hengst zu und sprach weiterhin beruhigend auf ihn ein. Er lies zu das ich ihn berührte und ich nutzte den Moment, ihm das Knotenhalfter anzuziehen. Ich entschloss zuerst mit dem Hengst in die Reithalle zu gehen um ihn ein paar Runden laufen zu lassen, bevor wir einen Spaziergang unternahmen. So konnte er sich auspowern und ich konnte mir ein Bild über ihn verschaffen. Allein der Weg in die Halle war kein Zuckerschlecken. Amador zog am Rope und versuchte auf der kurzen Strecke mehrmals sich mir zu entziehen und strebte den Sprung nach vorn an. Ohne mich! Ich wendete ihn immer und immer wieder, blieb stehen und richtete rückwärts. In der Halle angekommen ließ ich ihn sich auspowern. Er setzte sofort zum Galopp an und hielt diesen minutenlang am Zirkel. Irgendwann schien ihm die Lust zu vergehen und nach ein paar Buckler und gezielten, gegen mich gerichteten Tritten, lief er mit gesenktem Kopf im Schritt. Ich lobte ihn mit sicherer Stimme und ließ ihn zum Stand hin parieren. Bestimmt ging ich auf den Hengst zu und klopfte seinen Hals. "Na, hast du Lust auf Entspannung?" fragte ich ihn und ging in Richtung Hallentor. Kenneth erwartete mich bereits und öffnete das Tor. "Wer hätte gedacht das eine so zierliche Frau diese Eskarpaden aushält!" sagte er sichtlich beeindruckt und schloss das Hallentor hinter mir. "Ich begleite euch, es ist gerade Luft und sollte doch etwas passieren kann ich eingreifen" bot er an und ehe wir uns versahen, befanden wir uns im Wald. Kenneth erzählte mir von Amador und wie sie zu ihm kamen. Ebenso erfuhr ich, das ich am Tag zuvor seinen Bruder Lucius kennenlernte und er sich gleich für dessen forschen Ton entschuldigte. Er sei im Stress gewesen als er mich bei den Pferden sah. Ich beschloss ihm zu vergeben. Kenneth erkundigte sich nach dem Stand meiner Arbeit und bot mir an doch noch einen weiteren Tag zu bleiben um Kalifornien kennenzulernen. Ich nahm diesen Vorschlag dankend an, entgegnete jedoch das ich dafür am Abend kochen würde als Dankeschön. Kurz bevor wir auf den Hof einbogen stemmte Amador seine Hufe in den Boden, riss den Kopf in die Luft und stieß ein durchdringendes Wiehern aus. "Halt ihn fest....!" sagte Kenneth und sah sich um. Doch alles was er entdeckte war sein Bruder Lucius, der mit Morgane über den Hof lief. Ich hielt Amador fest und richtete ihn rückwärts um seine Aufmerksamkeit zu erhalten und um ihn dazu zu bringen weiter zu gehen. Es funktionierte und schon wenige Minuten später fanden wir uns auf dem Hof ein. "Wir bringen Amador besser auf die Weide, nicht das er uns schon wieder die Box zertritt." sagte Kenneth und nahm mir den Hengst ab. Ich wandte mich der Stallgasse der Hengste zu und begann diese für die Mittagszeit zu füttern. Als jeder der Hengste, bis auf Amador, schmatzend mit dem Maul in den Trog schauten, ging ich hinüber zu den Stuten und bereitete auch ihnen das Futter zu. Als auch die Stuten gefüttert waren ging ich zurück ins Haupthaus und besprach mit Kenneth und Lucius den Rest des Tages, sowie den Tagesablauf für Morgen. Ich freute mich schon auf die Führung durch Kalifornien, doch noch mehr freute ich mich darauf wieder nach Nottingham zu reisen. Auch wenn ich die warmen Sonnenstrahlen auf meiner Haut vermissen werde.
      _______________________________
    • Flair
      20. Juni 2017 | 20029 Zeichen von adoptedfox
      Pferdepflege von Landsberg


      Tag 1
      Ich brauche ganz dringend Zeit für mich stellte ich fest als ich mit müden Augen in das kleine Badezimmer meines Hotelzimmers ging. Am Abend zuvor war ich, nachdem meine Pferde versorgt waren, noch zum Flughafen gefahren um ein Last-Minute-Ticket nach Deutschland zu buchen. Mein Weg führte mich nach Caenheide im beschaulichen Nordrhein-Westfalen. Nachdem ich mich angezogen hatte verließ ich das Hotel und ging zu meinem Mietwagen. Ich stieg in den Wagen und gab die Adresse in das Navigationssystem ein. Glücklicherweise war mein Hotel nur zirka 25 Minuten vom Hof entfernt und da der Hof in einem Landschaftsschutzgebiet lag konnte ich die Fahrt dorthin genießen. Als ich den Hof erreichte stellte ich den Wagen auf dem Parkplatz ab und begab mich in den Stall. Ich begrüßte die Pferde und stellte fest, dass mir ein paar nicht unbekannt waren. Da es noch früh am Morgen war begann ich damit die Pferde zu füttern. Während die Pferde fraßen ging ich mit einer Schubkarre hinüber auf die Weiden und sammelte Pferdemist. Gleichzeitig kontrollierte ich die Zäune, konnte aber keine Beschädigungen feststellen. Ich wollte den heutigen Tag nutzen um mich den Fohlen zu widmen und begann mit Focus. Der schöne Braunschecke wirkte gelangweilt als ich an seine Box trat. Ich ging in die Box und hielt Focus meine Hand hin damit er mich kennenlernen konnte. Neugierig schob er sein kleines Maul über meine Handfläche als würde er etwas suchen. Mit meiner anderen Hand strich ich langsam über seinen Hals und bewegte sie in kreisenden Bewegungen in Richtung Rücken. Die Berührungen schienen ihm nichts auszumachen. Ich ging zur Boxentür und griff nach dem kleinen Halfter welches beim öffnen der Tür auf den Boden fiel. Behutsam legte ich den offenen Genickriemen über seinen Hals und zog ihm das Halfter auf. Bevor ich es schloss verharrte ich einen Moment. Ich lobte Focus ausgiebig als das Halfter geschlossen war und führte ihn an die Boxentür damit ich eine weiche Bürste aus der Putzbox nehmen konnte. Sanft strich ich über sein weiches Fohlenfell und entfernte so Staub und lose Haare. Um Focus nicht zu überfordern beendete ich die Trainingseinheit, ging aus der Box und verschloss diese. Ich würde die Fohlen erst später auf die Weide bringen. Neben Focus' Box schob Skittles bereits ihr Maul durch die Stangen und suchte meine Aufmerksamkeit. Ich öffnete die Boxentür und begrüßte das freundliche Stutfohlen. Während ich mit meinen Händen über ihren zierlichen Körper fuhr um sie an Berührungen zu gewöhnen ließ sie den Kopf hängen und fand offensichtlich gefallen an der Massage. Während ich zur Boxentür ging um das Halfter von der Halterung zu nehmen sprach ich beruhigend mit dem jungen Fohlen. Auch bei Skittles legte ich zuerst den Genickriemen um den Hals bevor ich das Halfter auf ihren Kopf zog. "Prima! Du bist ja eine ganz kluge!" lobte ich sie als das Halfter geschlossen war. Skittles schüttelte kurz ihren Kopf, schien aber kein Unwohlsein zu empfinden. Ich nahm die Bürste, die ich zuvor in den Trog ihrer Box gelegt hatte und strich in sanften, kreisenden Bewegungen über ihr weiches Fell. Zufrieden lobte ich Skittles und ging für einen kurzen Moment aus ihrer Box um einen Führstrick zu holen. Ich hängte den Strick in ihr Halfter und führte sie aus der Box. Das Focus neugierig an die Boxentür trat war ein Vorteil für mich, denn so konnte ich die Tür öffnen und den zweiten Strick in sein Halfter hängen. Mit einem Fohlen in der linken- und einem in der rechten Hand ging ich zu einer der großen Weiden und entließ sie für den heutigen Tag. Ungestüm galoppierten die beiden davon. Ich ging zurück in die Stallgasse und wand mich Phoebe zu. Das junge Stutfohlen war mir nicht unbekannt und ich begrüßte sie mit einem Leckerchen. Ich zog Phoebe das Halfter an und führte sie hinaus in die Stallgasse wo ich sie vor ihrer Box fest band. Ich nahm eine Bürste aus der Putzkiste und begann ihr kurzes Fell zu bürsten um es von Staub und Schmutz zu befreien. Da Phoebe mit dem Hufe geben noch unsicher war steckte ich den Hufkratzer in meine Hosentasche und beschloss mit ihr zu üben. Behutsam strich ich mit meinen Händen ihre Beine entlang und nahm den Huf für ein paar Sekunden hoch. Ein paar Mal entzug sie mir den Huf, doch das war in Ordnung. Beruhigend sprach ich mit Phoebe während ich den Huf hielt und mit der Bürste des Hufkratzers säuberte. Als alle 4 Hufe sauber waren lobte ich sie ausgiebig. Ich löste den Knoten im Strick und führte Phoebe über den Hof zu den Weiden um sie zu den anderen beiden zu bringen. Nun wand ich mich Stracciatella zu. Ich begrüßte die junge Stute ausgiebig nachdem ich die Box betreten hatte. "Na hast du Lust etwas zu lernen?" fragte ich sie und kraulte der jungen Stute die Stirn. Ich hatte das Halfter bereits mit in die Box genommen und lies Stracciatella nun daran schnuppern. Ich öffnete das Halfter und legte den Genickriemen sanft auf ihren Hals auf. Vorsichtig zog ich ihr das Halfter an und streichelte der Stute beruhigend den Hals. Stracciatella wirkte erst unsicher, fand aber gefallen am klappern wenn sie den Kopf schüttelte. Der Anblick war amüsant und ich konnte mir ein lachen nicht verkneifen. Ich hängte den Strick in das Halfter ein und führte sie aus der Box. In der Stallgasse band ich sie fest und griff nach der Bürste um die junge Stute zu putzen. Da auch für Stracciatella das Hufe geben unbekannt war, ging ich mit viel Ruhe vor und wurde überrascht. Stracciatella hatte überhaupt kein Problem mit dem Hufe geben und so konnte ich auch die Hufe auskratzen. Stolz lobte ich sie und schob ihr ein Leckerchen zwischen ihre weichen Lippen. Während sie es genüsslich zerkaute löste ich den Strick und ging mit Stracciatella zu den Weiden, wo ich sie zu ihren Freunden entließ. Mit den letzten beiden Fohlen plante ich einen Spaziergang zu unternehmen um die Gegend kennenzulernen. Ich ging in die Box von Leveneza, zog ihr das Halfter an und führte sie hinaus in die Stallgasse wo ich sie vor ihrer Box fest band. Ich holte einen Striegel und eine Bürste aus der Putzbox und begann Leveneza zu putzen. Mit den Fingern zog ich lose Strohhalme aus dem Schweif und der Mähne. Ich kratzte die Hufe der Stute aus und ließ sie in der Stallgasse angebunden stehen um mich ihrer Boxennachbarin Ases Maskwamozi zuzuwenden. Nachdem ich ihr das Halfter angezogen hatte führte ich sie neben Leveneza in die Stallgasse und band sie an der Boxentür fest. Ich klopfte den Striegel, den ich gerade noch für Leveneza verwendet hatte, auf dem Boden aus damit ich Ases Maskwamozi putzen konnte. Mit dem Hufkratzer säuberte ich ihre Hufe und auch bei ihrem Langhaar benötigte ich keinen Kamm. Ich fuhr mit meinen Fingern durch die feinen Haare um so Knötchen zu lösen. Nun, da beide Fohlen geputzt vor mir standen räumte ich die Putzbox zusammen Ich öffnete die Knoten der Führstricke und ging dann mit beiden Fohlen hinaus in den Hof. Die Natur der Caenheide wirkte unheimlich beruhigend und ich freute mich auf den Spaziergang. Wir wählten einen schmalen Schotterpfad der zwischen zwei Feldern durch führte. Ases Maskwamozi und Leveneza liefen brav neben mir her und hin und wieder schaffte Levenza es ein Büschel Gras zu erhaschen. An einer Weggabelung gingen wir nach rechts und wir hatten eine gute Wahl getroffen, da wir dem Hof entgegen liefen. Ich brachte die beiden Fohlen zu ihren Freunden auf die Weide und ging in die Stallgasse wo ich damit begann die Boxen auszumisten. Ich fegte die Boxen leer und wusch die Tränken aus. Nachbdem ich die Schubkarre auf dem Misthaufen ausgeleert hatte lehnte ich sie gegen die Stallmauer und löste ein paar Lagen vom Strohballen ab um sie in den Boxen aufzuschütteln. Als die Boxen fertig eingestreut waren kehrte ich die Stallgasse sauber und bereitete das Futter für die Fohlen zu. Ich sah auf die Uhr. Der Tag verging wie im Flug und ich nahm mir vor, für heute Ruhe walten zu lassen. Zurück im Hotel ging ich sofort ins Bett.

      Tag 2
      Heute war ich etwas früher auf den Beinen und nutzte die Zeit um in einem kleinen Café zu halten. Ich wählte einen Coffee-to-Go, das war für die Fahrt das einfachste. Ich parkte den Wagen und trank den letzten Schluck aus meinem Kaffeebecher bevor ich ausstieg und mich an die Arbeit machte. Heute würde ich mich den Pferden widmen. Auf dem Weg in das Stallgebäude stellte ich fest das die Fohlen gestern noch in die Boxen gebracht wurden. Das war in Ordnung und mit den Besitzern der Caenheide besprochen. Ich wandte mich dem ersten Pferd im Stalltrakt zu, Ostid OC. Der schöne Hengst klopfte mit dem Huf gegen die Boxentür und wirkte unruhig. Ich sprach beruhigend auf ihn ein und öffnete die Boxentür um ihm das Halfter überzuziehen. Ich führte ihn hinaus in die Stallgasse und band ihn an. Ich ließ ihn für einen Moment allein und holte die Putzbox aus der Sattelkammer. Mit langen Zügen striegelte ich sein Fell um es von Staub und Schmutz zu befreien. Ich nahm den Mähnenkamm aus der Putzbox und legte Striegel und Bürste wieder hinein. Sorgfältig kämmte ich Mähne und Schweif des Fuchses und kratzte anschließend seine Hufe aus. Ich ging in die Sattelkammer und holte eine der Longen. Zurück bei Ostid hängte ich die Longe in das Halfter ein und löste den Strick. Ich führte den Fuchs auf den großen Sandplatz und führte ihn in den Zirkel. Im Schritt zog er seine Runden, ein Ohr stets auf mich gerichtet. Ich schnalzte mit der Zunge und Ostid fiel in einen lockeren Trab. Er arbeitete fleißig an der Longe und auch die Handwechsel bereiteten ihm keine Probleme so das ich ihn im Galopp noch ein paar Runden auspowern lies. Ich parierte den Hengst durch und holte ihn zu mir. Lobend klopfte ich seinen Hals und brachte ihn direkt auf die Weide wo er sich nun entspannen konnte. Zurück im Stall ging ich zur Box von S'Cada. Ich begrüßte die Stute ausgiebig und zog ihr das Halfter an. Den Strick hatte ich bereits eingehängt und konnte sie so direkt in die Stallgasse bringen wo ich sie vor Ihrer Box fest machte. Ich nahm einen Striegel und eine Bürste aus der Putbox und begann das Fell der Stute zu putzen. Sorgfältig bürstete ich ihr dunkles Fell und legte Striegel und Bürste zurück in die Putzbox um mir einen Mähnenkamm zu nehmen. Ich kämmte die kurze Mähne und fuhr mit meinen Fingern durch den Schweif, bevor ich diesen ebenfalls kämmte. Nachdem auch die Hufe ausgekratzt waren zog ich mein Telefon aus der Hosentasche um mir die Beschreibungen der Pferde anzusehen. Ich hatte vor mir S'Cada spazieren zu gehen und wollte ein zweites Pferd mitnehmen. Damit es nicht zu Streitigkeiten kam fiel meine Wahl auf Estrada Dourada. Die champagnerfarbene Stute stand gegenüber von S'Cada in ihrer Box. Ich begrüßte die Stute durch die Boxenstangen, nahm das Halfter vom Sattelhalter und ging hinein. Brav ließ sie sich das Halfter anziehen und folgte mir hinaus in die Stallgasse. Ich band sie etwas versetzt an und begann sie zu putzen. In langen Zügen striegelte ich ihr Fell und hatte mit einer Stelle ganz besonders zu kämpfen. Estrada Dourada hatte sich über Nacht in ihre Hinterlassenschaften gelegt, doch zum Glück waren die Stellen bereits getrocknet und konnten mit etwas Druck ausgebürstet werden. Ich kämmte ihre Mähne und ihren Schweif und kratzte sorgsam ihre Hufe aus. Nun, da beide Pferde geputzt vor mir standen räumte ich die Putzutensilien auf die Seite und löste die Stricke. Mit beiden Pferden verließ ich die Stallgasse und nahm mir vor den gleichen Weg zu gehen, wie bereits am Tag zuvor mit den Fohlen. Das Wetter war heute zugezogen und ich hoffte inständig das es nicht zu regnen beginnen würde. Doch das Wetter hielt sich und die Stuten nahmen aufmerksam ihre Umgebung auf. Bevor wir zum Hof zurück gingen hielt ich mit beiden Stuten auf einer Wiese und lies sie etwas grasen. Der Weg zurück zum Hof verlief unspektakulär und ich brachte die beiden auf eine Weide. Die Stricke legte ich ins Gras nahe des Tors. Ich ging zurück zum Stall und wandte mich Fix the Flame zu. Nachdem ich die schöne Stute begrüßt hatte zog ich ihr das Halfter an und führte sie aus ihrer Box in die Stallgasse. Ich band die Stute vor ihrer Box an und griff in die Putzbox um Striegel und Bürste in die Hände zu nehmen. In langen Zügen putzte ich das rotbraune Fell der Stute und wandte mich ihrem Langhaar zu. Sorgfältig kämmte ich die Mähne. Bevor ich den Schweif kämmte zog ich "gesammelte" Strohhalme heraus und löste Knötchen. Als ich auch die Hufe der Stute ausgekratzt hatte ging ich zur Box von Senda Oscura. Neugierig trat sie an die Boxentür als ich diese öffnete und sie begrüßte. Ich nahm das Halfter vom Sattelhalter und zog es der dunklen Rappstute an. Noch bevor ich sie aus der Box führen konnte schob sie sich bereits an mir vorbei. "Hier geblieben!" mahnte ich sie und band sie vor ihrer Box an. Sie wirkte aufgeregt und blieb kaum ruhig stehen. Ich beeilte mich damit sie zu putzen und hatte gerade mit den Hufen einiges zu tun. Entweder sie verlagerte ihr Gewicht so sehr auf das Bein, welches ich hielt, das es mir unmöglich war sie zu halten oder sie entzog mir den Huf. Als ich endlich den letzten Huf ausgekratzt hatte strich ich mit dem Handrücken über die Stirn. Hoffentlich würde sie beim Spaziergang ruhiger werden! Ich löste zuerst den Strick von Senda Oscura und dann von Fix the Flame. Mit den beiden Stuten verließ ich die Stallgasse und ging hinaus in den Hof. Da es hinter dem Hof ein kleines Waldstück gab entschied ich mich für diesen Weg in der Hoffnung, dass Senda Oscura entspannter werden würde. Wir folgten dem schmalen Schotterweg der in den Wald führte und als hätte Senda meine Gedanken gehört, entspannte sie sich zusehends. Im Wald war es kühl und leider trieben ein paar Mücken ihr Unwesen. Nach einer entspannenden Runde im Wald schlugen wir den Weg in Richtung der Caenheide ein. Auf dem Hof angekommen brachte ich die beiden auf die Weide zu den anderen Stuten. Ich ging zurück in den Stall und widmete mich Ghost Merchant. Der Porzellanschecke stand ruhig in seiner Box. Ich öffnete die Boxentür und begrüßte den schönen Wallach bevor ich ihm das Halfter über zog und ihn in die Stallgasse führte. Ich band den Hengst vor seiner Box an und begann damit ihn zu putzen. Ghost Merchant war ein sauberer Hengst der es auch in seiner Box vor zog seine Hinterlassenschaften in eine Ecke zu platzieren. Demnach hatte sein helles Fell auch keine unansehlichen Flecken. Nachdem ich auch die Hufe ausgekratzt hatte ging zur Box von Ostid wo ich die Longe über den Sattelhalter gehängt hatte. Ich hängte die Longe in das Halfter von Ghost und führte ihn hinaus auf den Reitplatz. Von allein ging er auf den Zirkel und ich ließ ihn ein paar Runden im Schritt warm werden. Er arbeitete fleißig mit und setzte die Kommandos, die man ihm gab, gewissenhaft um. Nach ein paar Hand- und Geschwindigkeitswechseln parierte ich den Hengst durch und holte ihn zu mir. Ich lobte ihn ausgiebig und schob ihm ein Leckerchen zu. Ich führte Gost Merchant vom Reitplatz zur Nordweide wo er sich nun entspannen konnte. Bevor ich zurück in den Stall ging machte ich eine kleine Pause und ging zu meinem Wagen um mir einen Schluck aus der Wasserflasche zu genehmigen. Der Blick auf mein Telefon war ernüchternd. Keine verpassten Anrufe, keine Nachrichten. Ich entschied mein Telefon im Wagen zu lassen, trank noch einen großen Schluck und ging wieder zu den Pferden in den Stall. Ich ging zur Box von Morgane und öffnete die Tür. "Na Morgane? Wie gehts Dir denn?" fragte ich die Stute und hielt ihr die Hand zur Begrüßung hin. Die wirkte wenig begeistert das ich in ihrer Box stand, deswegen wollte ich mich mit Vorsicht nähern. In kreisenden Bewegungen streichelte ich ihren Hals und zog ihr das Halfter über. Ich führte sie hinaus in die Stallgasse und band sie vor ihrer Box an. Ich machte mich daran Morgane zu putzen und kämmte sorgfältig ihr Langhaar. Ich war erstaunt das sie keinerlei Zicken machte als ich ihr die Hufe auskratzte und lobte sie dafür. "Komm wir bewegen dich ein bisschen." sagte ich und holte die Longe. Nachdem ich die Longe in das Halfter eingehängt hatte führte ich Morgane auf den Reitplatz. Sie hatte Lust zu laufen was sie sofort zeigte in dem sie sich von mir ab wand und fleißig voranschritt. Ich sortierte die Longe in meiner Hand und achtete darauf das Morgane sie mir nicht aus der Hand zog. Morgane lief sowohl auf der linken- als auch auf der rechten Hand klar und folgte, wenn auch etwas widerwillig, den Kommandos. Im Galopp zeigte Morgane ihren Charakter und zog das Tempo an. Ich parierte sie in den Schritt und lies sie ein paar Runden laufen bevor ich ihr das Kommando gab, galoppieren zu dürfen. "Viel besser!" lobte ich sie. Sie hatte sich ordentlich ausgepowert und sich den Weidegang verdient. Ich holte Morgane zu mir und klopfte ihr lobend den Hals. Ich brachte sie auf die Weide und ging zurück in den Stall. Ich brachte die Longe zurück in die Sattelkammer und wandte mich Corde de la cerise zu. Ich begrüßte die nervös wirkende Scheckstute und führte sie hinaus in die Stallgasse, nachdem ich ihr das Halfter aufgezogen hatte. Im Stall angebunden machte ich mich an das putzen der Stute. Mit langen Zügen striegelte ich ihr Fell um Schmutz zu entfernen und bürstete nochmals nach. Sorgfältig kratzte ich die Hufe aus und bürstete festgesetzten Schmutz ab. Als ich auch die Mähne und den Schweif gekämmt hatte gab ich der Stute ein Leckerchen. Während des putzens hatte sie mehrfach an meiner Hosentasche geschnuppert und ich dachte es wäre ok wenn sie eins bekäme. Ich blickte zur Stalltür und sah das es langsam zu dämmern begann. "Na komm, eine Runde schaffen wir noch oder?" fragte ich Corde de la cerise und ging zu ihrer Boxennachbarin Busted Cherry Cake die ich mitnehmen wollte. Man hatte mir mitgeteilt das Busted Cherry Cake sich gegenüber anderen Stuten zickig verhielt, doch ich hoffte das beste. Nachdem ich auch Busted Cherry Cake geputzt hatte kratzte ich noch die Hufe aus und war bereit. Ich löste den Knoten aus dem Strick von Busted Cherry Cake und führte die an Corde de la cerise vorbei. Mit beiden Pferden an den Händen verließ ich die Stallgasse und entschied mich für den Feldweg. Damit die beiden Stuten keinen Streit anfangan konnten führte ich sie weit voneinander entfernt was ungemein zu helfen schien. Busted Cherry Cake fand es viel interessanter hier und da ein Grasbüschel zu ergattern. Nach einer 20-minütigen Runde schlugen wir den Rückweg ein. Ich brachte Busted Cherry Cake auf eine einzelne Weide nahe der Stutenweide und stellte Corde de la cerise zu den Stuten. Nun wartete nur noch ein Pferd auf mich, der Hengst Cadeau. Ich begrüßte den Hengst in seiner Box und führte ihn in die Stallgasse. Auch wenn ich ziemlich kaputt war gab ich mir die größte Mühe beim putzen und kämmte sorgsam seine Mähne und seinen Schweif. Als auch die Hufe ausgekratzt waren ging ich nochmals in die Sattelkammer und holte die Longe. Ich nahm den Strick ab und hängte die Longe in das Halfter ein. Ich führe Cadeau auf den Reitplatz welcher langsam in rotes Licht getränkt wurde. Cadeau zeigte Fleiß und arbeitete gut mit. Zum Abschluß ließ ich ihn ein paar Runden ausgelassen galoppieren bevor ich das Training beendete und ihn zu seinen Freunden auf die Weide brachte. Bevor ich mich an die Stallarbeiten machte brachte ich die Longe und die Putzutensilien zurück in die Sattelkammer. Gewissenhaft mistete ich die Boxen in diesem Stallbereich aus und fegte die Boxen leer. Mithilfe eines Schwamms wusch ich die Pferdetränken aus und brachte die volle Schubkarre ein letztes Mal auf den Misthaufen. Ich streute die Boxen wieder ein und kehrte die Stallgasse durch damit alles sauber war. Da es bereits dunkel wurde bereitete ich das Futter für die Pferde zu. Die Hofbesitzer würden die Pferde später in den Stall bringen. Ich streckte mich erschöpft aus und ging zu meinem Wagen. Ich fuhr zum Hotel zurück und stieg unter die Dusche. Das hab ich jetzt so nötig dachte ich und genoss das heiße Wasser auf meiner Haut. Am nächsten Tag würde es zurück nach Nottingham gehen.
      _______________________________


      05. Oktober 2017 | 11.205 Zeichen von sadasha

      Der Boden war vom Regen der letzten Tage so durchweicht, dass man aufpassen musste die Wiesen durch das Beweiden nicht gänzlich zu zerstören. Die Pferde störte das herzlich wenig. Sie waren auch glücklich, wenn sie die abgesteckten Bereiche nutzen konnten, die so oder so schon vom Schlamm durchzogen waren. Der Aufruhr der letzten Wochen hatte sich gelegt. Die Pferde kamen langsam aber sicher in ihrem neuen Alltag an und auch das Team wirkte Hand in Hand, als wären es schon immer knapp dreißig Pferde gewesen, die es zu versorgen galt. Doch bis vor Kurzem lebten auf diesem Hof lediglich das Ehepaar Ziegler mit zwei eigenen Stuten. Der Rest der Pferde waren Einsteller. Dass ihr Bestand an eigenen Pferden so rasch auf beinahe zwanzig Pferde wachsen würde, damit rechnete niemand. Doch die Auflösung des Phoenix Valley Gestüts in Kalifornien kam den Zieglers wie gerufen. Sie hatten den Entschluss ein Sportpferde Gestüt aufzubauen schon in ihrer Ausbildung gefasst. Sie hatten Jahre lang hart gearbeitet um sich nun diesen Traum gemeinsam erfüllen zu können. Unter der Voraussetzung, dass sie alle Pferde nehmen, bekamen sie von den Jenkins Brüdern sogar ein unschlagbares Angebot zugesichert. Als die Pferde endlich in Deutschland ankamen war die Überraschung groß. Entgegen ihrer Erwartungen, befanden sich alle Pferde in gutem Zustand. Die iberischen Pferde fanden schnell einen neuen Besitzer in England und die Morgan Horse durften bis auf Weiteres auf Caenheide bleiben. Franziska Ziegler hatte Spaß an ihnen und würde sie alsbald auf Shows vorstellen wollen. Dafür schienen die beiden Stuten wie gemacht und es würde dem Hof nur zu Gute kommen, da die Preisgelder solchers Shows sehr üppig ausfielen. An Ausrüstung mangelte es den Pferden des ehemaligen Phoenix Valley Gestüts nicht. Alle Teile waren sehr gepflegt und manche schienen sogar maßgefertigt zu sein. Immer wieder drängte sich dem Ehepaar die Frage auf, wieso die beiden Brüder ihren Hof aufgaben. Doch es erschien ihm unhöflich, diese Frage laut auszusprechen, also beließen sie es bei den Gedanken.
      Sobald die Pferde auf dem Hof waren wurde klar, dass die zwei nicht in der Lage waren so vielen Pferden ohne Unterstützung gerecht zu werden. Sie hatten zwar Sabine Faber, die ihnen bei der allgemeinen Pflege und Versorgung half, doch das reichte nicht. Sie brauchten Unterstützung beim Training der Pferde. Zwei Wochen ließen sie sich Zeit und sprachen auch mit Sabine immer wieder die verschiedenen Bewerbungen durch. Sie ließen Trainer vorbeikommen um sich die Arbeit gleich am Pferd anzusehen und schließlich fiel die Wahl auf Dominik Seiler fürs Springreiten und auf Anna Schwab fürs Dressurreiten. Die beiden könnten unterschiedlicher nicht sein, aber sie machten ihre jeweilige Arbeit gut. Außerdem wirkten sie sehr sympathisch, was ihnen durchaus Pluspunkte verschaffte.

      Heute ging der erste Monat zu Ende. Der erste Monat mit knapp zwanzig Pferden im eigenen Besitz und erst heute konnte das Ehepaar Ziegler sagen, dass sie sich wieder eingelebt hatten. Eingelebt in diese neue Situation. Mit dem Monat hörte auch endlich der Regen auf, der sie die letzten Wochen begleitet hatte. Endlich zeigte sich die Sonne und es wurde wieder etwas wärmer. Immerhin war Sommer! Und eigentlich war es zur Sommerzeit schön in Caenheide. Doch dieses Jahr, beschränkte sich die schöne Zeit des Sommers auf gerade mal eine handvoll Tage. Motivierter als üblich ging jeder auf dem Gestüt seiner Arbeit nach. Die Pferde waren gefüttert, die Boxen gemistet und Sabine war dabei die Wiesen zu überprüfen. Leon und Franziska saßen mit einem Block und Stiften mitten im Hof und planten das weitere Vorgehen. Man wusste schon, dass nicht alle Pferde auf dem Hof bleiben würden. Vor allem der Deckhengst Ghost Merchant war den beiden ein Dorn im Auge, wegen seines Overo-Gens. Es brachte zwar eine interessante Scheckung, aber auch den Tod mit sich. Letzteres allerdings nur, sollte es reinerbig auftreten. Zu riskant sei es, dass der Deckhengst für eine Stute genutzt würde, bei der das Gen im Phänotyp nicht erkennbar ist. Im schlimmsten Fall gibt es dann nicht nur einen Toten bei einer Totgeburt. Dass das Ehepaar ohne den Overo gar keinen Deckhengst hätte schien nicht von Wert zu sein. “Sicherheit geht vor.” und “Wir haben auch noch vielversprechende Jungpferde, die seinen Platz irgendwann einnehmen können.” waren die Totschlag-Argumente. Keiner kam gegen die Meinung der beiden an. Auf die Frage, was mit dem Hengst passieren sollte, wenn er schon nicht mehr für die Zucht genutzt würde, reagierten sie unsicher. Vielleicht sollte er gelegt werden, das wäre die sicherste Methode. Vielleicht hätte ein anderer Züchter Spaß an ihm. Doch wollen die beiden das verantworten? Nein. Eigentlich wollen sie das nicht. “Wir können das ein ander mal entscheiden.” hieß es immer, wenn es zu diesem Punkt kam. Auch Busted Cherry Cakes Zukunft stand noch nicht geschrieben. Die großrahmige Stute hatte zwar ihre Mutterqualitäten schon einmal unter Beweis gestellt, doch irgendetwas schien das Paar auch an ihr zu finden, das sie zögern ließ, sie fest in ihre Pläne einzugliedern.



      »⊱ —————————————— ⚜ —————————————— ⊰«


      Die beiden Reitplätze des Hofes waren durch die Trainer belegt. Dominik beschäftigte Morgane und Anna Fix the Flame. Das Ehepaar beschloss sich deshalb in der Reithalle um May Bee und Yuno zu kümmern. Die beiden Fuchsstuten kamen von verhältnismäßig kleinen Höfen und waren die ersten Pferde von Franziska und Leon. “Komm schon, muss das jetzt sein?” genervt wippte Leon mit dem Fuß, als er sah, dass seine Frau gerade damit begann die Mähne ihrer Stute einzuflechten. Auf einem Mähnengummi kauend wandte sie sich kurz von ihrem Werk ab um ihm eine Antwort zu geben: “Ja. Und wenn du schon hier herumstehst: Mir sind da eben ein paar Mähnengummis runtergefallen. Hebst du die bitte auf?” Es grenzte wohl an ein Wunder, dass Leon das verstanden hatte. Vielleicht war er aber auch nur aufmerksam genug um die Blicke von Franziska zu verfolgen. Schwer seufzend hockte er sich auf den Boden um die Gummis einzusammeln und zurück in die Tüte zu packen. “Nein, nein! Ich brauche ein paar!” rief Franziska nun ohne eines der bunten Helferlein zwischen den Zähnen und lachte ihren Mann an. “Bevor die wieder alle runterfallen, gebe ich sie dir lieber einzeln an, Madame.” tadelte er ihr und gab im nächsten Moment das erste Mähnengummi an.
      Als Franziska fertig war, gingen die beiden mit ihren Fuchsstuten in die Reithalle und ritten einige Minuten warm. “Hast du von der Jagd gehört?” fragte Franziska ihren Mann um ein Gespräch zu beginnen. Leon schüttelte den Kopf. “Welche Jagd?” wollte er wissen und sie erzählte ihm davon. Schnell wurde ihm klar, dass sie sehr gerne zu dieser Jagd fahren würde, egal ob mit oder ohne ihn. Wissend lächelte er sie an. “Mit welchem Pferd wolltest du hin?” Das Feuer in ihren Augen loderte kurz noch etwas heller auf, als sie begriff, dass sie ihren Mann wiedermal unterschätzt hatte. “Mit Cadeau?” sagte sie unsicher und beobachtete die Mimik von Leon. Dieser lächelte unbeirrt weiter. “Gute Wahl. Aber du solltest trotzdem ein wenig mehr mit ihm machen, wenn du eine sicheren Ritt auf fremden Boden mit ihm haben möchtest.” Er legte die Stirn kurz in Falten und starrte gedankenverloren auf den gewölbten Pferdehals vor ihm. “Lass uns abreiten und dann mit Cadeau und Estrada Dourada ausreiten um zu sehen wie gut das klappt. Ihr kennt euch nicht so lange und von Estra weiß ich, dass sie sich draußen ruhig verhält.” Franziska nickte ein wenig übereifrig, was Leon lachen ließ.

      “Es hat sogar aufgehört zu regnen!” sagte Franziska, die noch immer vor Begeisterung sprudelte, als sie mit Cadeau unterm Sattel den Hof verließ. “Freu dich nicht zu früh.” entgegnete ihr Mann mit einem Fingerzeig auf die dunklen Wolken etwas weiter hinten am Himmel. “Da kommt noch etwas auf uns zu.” Cadeau und Franziska schlugen sich ganz gut. Nach gut einer Stunde Geländeritt waren alle vier komplett durchnässt. Leon hatte Recht behalten mit seiner dunklen Vorahnung. Wenige Minuten, nachdem sie den Hof verlassen hatten setzte der Regen ein. Zuerst sturzbachartig und später nieselig, aber weiterhin stetig. “Wie fühlst du dich auf ihm?” fragte Leon seine Frau, als er langsam aber sicher den Drang verspürte heim zu wollen. Franziska zügelte den dunklen Hengst und parierte ihn bis zum Schritt durch, bevor sie antwortete. “Er ist eine Geländeversicherung, sag ich dir.” verkündete sie fröhlich. “Das freut mich sehr mein Schatz.”



      »⊱ —————————————— ⚜ —————————————— ⊰«



      Am vorigen Abend noch hatte sich Franziska für die Jagd gemeldet und fieberte von nun an darauf zu. “Das wird ein toller Abschluss der Geländesaison!” Auch das Team durfte an ihrer Euphorie teilhaben. Sabine tat gleich so, als würde sie ihre Chefin nicht hören und striegelte stumm Ostid OCs rotes Fell. Leon stand einen Gang weiter und kratzte die Hufe von Corde de la cerise aus. “Beschäftigte lieber deine Pferde…” murmelte er undeutlich als Franziska an ihm vorbeilief. Sie schnaubte verächtlich, schnappte sich aber Senda Oscuras Halfter und machte sich von Dannen. “Dominik ist mit S’Cada in der Halle.” meldete Sabine sich zu Wort. Leon zeigte mit einem Nicken, dass er verstanden hatte. “Dann geh du mit Ostid auf den Platz, ich sag Franziska bescheid.” Bis zum Mittag waren alle mit den ausgewachsenen Pferden beschäftigt.
      Nachmittags ging es dann an die Arbeit mit den Fohlen. Das Team machte sich einen Spaß daraus zu sehen wer mit seinem Fohlen am Weitesten kam, natürlich immer auf das Wohlbefinden der Vierbeiner bedacht. Die zweifach prämierte Leveneza schlug sich dabei besonders gut. Aber auch Ases Maskwamozi war äußerst wesensfest. “Die macht trotzdem nur Unfug…” meckerte Sabine, als Ases mal wieder in eine komplett andere Richtung wollte als sie. Dominik hatte sich den jüngsten im Bunde geschnappt. Focus war das letzte Fohlen vom 2017er Jahrgang. Übrig blieben dann noch Stracciatella, Phoebe und Skittles. Die drei waren etwas auf dem gleichen Ausbildungsstand und wurden heute besonders gefördert, da sie zuletzt beim Hufschmied ein wenig Probleme gemacht hatten.
      “Babe?” Leon sah seine Frau ernst an, als das letzte Fohlen wieder im Stall stand. Verwundert sah sie ihn an. “Ich… möchte Corde de la cerise decken lassen. Dieses Jahr schon.” - “Sicher? Wie kommst du darauf?” Er zog den Kopf zwischen die Schultern. “Sie gefällt mir und ich habe mich auch schon nach einem Hengst umgesehen… ich hätte sogar Namen für das Fohlen…” Franziska fiel die Kinnlade runter. “Du hast es jetzt aber eilig, wir reden da gleich drüber ja?”
      Am Abend zeigte Leon seiner Frau alles, was er sich zurecht gelegt hatte. “Deo Volente also? Du möchtest die Bryère Linie weiterführen?” prüfend sah Franziska ihren Liebsten an. “Gut erkannt. Ich denke das wäre eine sehr hochwertige Anpaarung.” - “Und Namen hast du auch schon? Lass mal hören.” - “Der einzige, der dir gefallen würde wäre Devotion.” Er zählte noch ein paar andere seiner Gedanken auf, die Franziska jedoch so abwegig fand, dass sie irgendwann lauthals zu lachen begann. “Das arme Pferd!” - “Ich hab dich gewarnt!”
      Die beiden bewarfen sich noch eine Weile mit unmöglichen Pferdenamen und ließen den Tag schließlich bei einem Glas Rotwein ausklingen.
      _______________________________

      16. Februar 2018 | 6274 Zeichen von sadasha

      Sie musste sich ja unbedingt Reitponys holen. Jetzt hat sie den Salat. Wenig begeistert sah Leon seiner Frau dabei zu wie sie versuchte die Reitponyhengste Thornheart und PFS’ Heart of Ocean davon abzuhalten sich gegenseitig zu Tode zu beißen. Er wartete darauf gerufen zu werden und just in diesem Moment: “Leon! Komm mal bitte!” Schmunzelnd lief er rüber und legte sich gespielt nachdenklich eine Hand ans Kinn. “Jetzt lass das, das ist nicht witzig!” Franziska war verzweifelt darum bemüht wenigstens einen der Hengste vom Boxenfenster weg zu halten. Leon lachte gehässig. “Du hast recht. Aber... “ Er kam nicht dazu seinen Satz zu Ende zu sprechen, da Franziska ihn beherzt weg schubste. “Hallooo? Jemand zu Hause?” rief sie nun ebenfalls lachend. “Wir müssen die Hengste umordnen. So geht’s nicht.” Leon zog entgeistert die Brauen hoch. “Ach WIRKLICH?” meinte er sarkastisch und nahm sich nun den anderen der beiden Hengste vor. “Welchen möchtest du woanders haben?” Franziska überlegte kurz und beschloss dann Thornheart wegzubringen, da immerhin er der Neuzugang war. Ocean hatte das Hausrecht. Gemeinsam sortierten sie das Geplänkel und brachten den jüngeren der beiden Hengste erstmal in Einzelhaft auf eine Weide. Mittlerweile hatte sich Sabine auf dem Hof eingefunden und war sichtlich verwirrt von der leeren Box neben Ocean. “Lass dir das von Franzi erklären. Ich nehm mir jetzt St Pauli raus, der ist weniger auf Drama aus, wenn du verstehst was ich meine.” scherzte Leon und tat wie geheißen.
      Währenddessen hatte Franziska Phoebe und Leveneza von der Weide geholt. Die beiden Jungstuten benötigten nur noch etwas Feinschliff um vom Fohlen-und Jungpferde-ABC zu den Vorbereitungen des Beritts überzugehen. Die junge Deutsche übte deshalb fleißig die Geländesicherheit. Die beiden Stuten machten sich wunderbar und zeigten sich unbeeindruckt von den meisten Gegebenheiten solange sie gemeinsam ausgeführt wurden. Sabine mistete unterdessen die Boxen, während Dome und Anna Ases Maskwamozi und Aphedril im Training hatten. Die beiden Tigerschecken waren noch nicht beritten und machten noch ein paar Probleme in der Vorbereitung. Doch die Trainer übten sich in Geduld mit den beiden Knalltüten.
      Als Leon von seinem Ausritt mit Pauli heimkehrte beobachtete er die beiden auf dem Reitplatz. “Sieht chaotisch aus. Wo ist denn das Problem?” wollte er wissen, bekam jedoch nur ein. “Geh wieder arbeiten, Klugscheißer!” von der genervten Anna zugeschrien. Dafür würde sie sich später reuemütig entschuldigen. Immerhin war Leon ihr Chef, aber in Stresssituation reagierte die junge Frau gerne mal etwas voreilig. Leon hob entschuldigend die Hände und ging in den Stall um nun Scared Assault, St Paulis Sohn fertig zu machen. “Ey, das ist meiner.” beschwerte sich Franziska, als sie ihn dabei erwischte. Prüfend blickte er sich um. “Dann nimm du eben Vakany. Die ist meine, aber ich weiß wie gern du sie reitest.” Er warf ihr einen Kuss zu und widmete sich dann wieder dem Rappen neben ihm. Franziska murmelte irgendwas vor sich her, während sie zu Vakany schlenderte und sie schließlich aus der Box holte. “Wieso weißt du das?” fragte Franziska schließlich, kurz bevor Leon mit Sacred Assault die Gasse verließ. “Weil du meine Frau bist und ich Alles über dich weiß.” Wie er das so sagte klang es gruselig. Franziska erschauderte und lachte dann. “Ja ja klar…” meinte sie und wank ab. Leon lachte gespielt irre und machte sich auf den Weg zur Reithalle.

      “Franzi?” Sabine war mit dem Misten fertig und stand nun an der Bande der Reithalle um Franziska und Vakany beim Training zu beobachten. Leon und Sacred Assault beschlagnahmten den hinteren Teil der Halle. “Sagmal, was ist denn bei den Ponyhengsten los?” Im Trab kam Franziska zur Bande. “Gut, dass du das erwähnst. Du bist ja jetzt fertig oder?” Sabine nickte. “Wir müssen Thornheart von den anderen Hengsten trennen, der ist streitlustig. Hast du vielleicht Lust dir da etwas zu überlegen? Du hast da so viel Erfahrung mit.” Dem bittenden Blick ihrer Chefin konnte Sabine nicht widerstehen. Sanft lächelte sie. “Mache ich. Soll ich mich danach um die restlichen Fohlen kümmern?” fragte sie. Franziska überlegte kurz. “Stracciatella und Skittles mache ich nachher noch. aber du könntest Focus noch übernehmen.” - “So machen wirs.” Gleich machte sie kehrt und ging an die Arbeit. “Ich freue mich schon auf General und Devotion.” fügte Leon hinzu, dessen Gedanken zu den Fohlen abgeschweift waren, die noch gar nicht auf dieser Welt weilten. “Lebst du jemals im Hier und Jetzt, mein Schatz?” fragte Franziska liebevoll lächelnd. “Tue ich! Pensive Cuddlepot und Louvré zum Beispiel mache ich nachdem ich mit ihm hier fertig bin. Die hast du in deiner Planung nämlich vergessen. Siebhirn.” Er zwinkerte um ihr zu zeigen, dass er das nicht bissig meinte und Franziska lachte. “Die beiden sind Neu, was erwartest du von mir! Nenn mich nicht so! Das bekommst du später zurück!” drohte sie immer noch lachend und galoppierte Vakany an. Leon brummte schmunzelnd und verkniff sich seinen Kommentar zu dieser Drohung.
      Gegen Nachmittag stand der Weidewechsel an. Senda Oscura, Estrada Dourada, Paminta, May Bee, Yuno, Morgane, Corde de la cerise, S’Cada, Fix the Flame, Princess Sansa, Arcany, Eismärchen und Busted Cherry Cake wurden reingeholt und die Hengste Ghost Merchant, Cadeau, Ostid OC, Deo Volente, Pauli und sein Sohn, Red Diamond, Emrys und die Streithähne wurden auf die kleinen Weiden aufgeteilt. Der Tage neigte sich schon bald dem Ende zu. Sabine war schon am Nachmittag in den Feierabend gegangen und Anna und Dominik blieben bis zum Abendessen. Erst als alle Mitarbeiter den Hof verlassen hatten schlossen Leon und Franziska sämtliche Türen und Tore ab. Schließlich sah Franziska ihren Mann tadelnd an. “So, jetzt bist du fällig!” Verwirrt stand Leon da, bis ihm die Geschichte von heute Mittag wieder einfiel. “Du hast es also nicht vergessen?” Sie schüttelte mit dem Kopf. “Ich habe die Zeit genutzt um meine Rache zu planen.” Hämisch grinsend kam sie näher. Leon hatte keine Chance ihr zu entfliehen. Im Endeffekt hatte auch er Spaß an diesem Spiel. Sie ließen den Tag nun ausklingen und die Arbeit und die damit verbundenen Sorgen fielen wie eine schwere Last von ihnen ab, ehe sie sich schlafen legten.
      _______________________________


      28. April 2018 | 8564 Zeichen von sadasha

      "Ich liebe ihn, Leon!" schwärmte Franziska, während sie den bunten Hengst unter ihr kraulte, der wohlig schnaubte. Eine halbe Stunde waren die beiden auf dem Reitplatz bei schwülwarmen Wetter. Leon kam gerade von einem Ausritt mit Ghost Merchant zurück. Der alte Hengst genoß seinen Ruhestand und musste nicht mehr so hart arbeiten wie seine jüngeren Kollegen. Red Diamond, auf dem Franziska gerade saß war sogar noch ein bisschen älter. Die beiden Rentner würden ihre guten Gene vielleicht noch ein paar mal vererben, ehe sie auch aus der Zucht herausgezogen würden. Dass Franziska ihren Schecken liebte wusste Leon schon. Dennoch freute er sich darüber seine Frau glücklich zu sehen und lächelte seelig, während er sie dabei beobachtete wie weiter mit dem Pferd arbeitete. "Eh Faulpelz!" beschwerte sich Dominik, als er aus der Reithalle kam. "Nicht rumstehen, weiter arbeiten." Leon nickte. "Wen hast du schon fertig?" erkundigte er sich und sein Springreiter dachte nach, bevor er die Pferde aufzähle: "Busted Cherry Cake, Morgane, Corde de la Cerise und Yuno." Abermals nickte Leon. Die beiden tragenden Stuten hätte er sowieso nicht großartig bewegen können. "Keine Lust auf die Hengste?" Dominik lachte rau und schüttelte den Kopf. "Anna hat sich die Hengste vorgenommen und wie du siehst kommen die Stuten auch bei euch beiden etwas zu kurz heute." Er deutete auf Franziska und Leon. "Ich bring die Gute hier jetzt rein. Wenn du nicht noch weiter nutzlos herumstehen willst, kannst du mir ja folgen, damit wir als nächstes zusammen ins Gelände gehen können. May Bee freut sich sicher das Wissen aus eurem Training weiter zu festigen. Und ich komme mit Paminta mit." Ohne zu antworten nahm Leon die Zügel seines Hengstes auf und wandte sich zum Gehen. Ein Blick in den Himmel verhieß jedoch nichts Gutes. Er ahnte, dass sich etwas zusammenbraute und zweifelte an Dominiks Idee jetzt auf die Geländestrecke zu gehen. Vermutlich war es auch nur die Angst davor sein Wissen zu prüfen. Schließlich hatte Leon sich immer ganz gut vor den Cross Country Pferden gedrückt, seit er vom Lehrgang wieder heim gekommen war. Wenigstens würde er gleich nicht alleine sein. Falls etwas passierte, war gleich Hilfe zur Stelle.
      Franziska beendete alsbald die Session mit ihrem Liebling und nahm sich als nächstes Deo Volente aus der Box. Der Rappe stand mit seinen sieben Jahren in der Blüte seines Lebens. Besonders im Springen war er begabt, doch Franziska forderte auch ihn heute in der Dressur. Er befand sich auf E Niveau, würde aber mit etwas Hilfe auch eine A Dressur schaffen, da war sich die Blondine sicher. Sorgfältig putzte sie das seidige Fell und holte dann Sattel und trense aus der Kammer. Im Verbeilaufen sah sie Anna, die gerade Cadeau zurück in seine Box brachte. Franziska beobachtete sie aus dem Augenwinkel dabei, wie sie als nächstes St Pauli fertig machte. Heute morgen hatte sich Anna mit den Jungpferden Sacred Assault und Thavila beschäftigt. Deo schlug unruhig mit dem Schweif, als Franziska den Sattelgurt anzog. "Zieh den Bauch ein!" scherzte sie und streichelte den Rappen kurz, ehe sie in die Zügel griff und ihn auf den Reitplatz führte. Schwungvoll stieg sie auf und ritt den Rappen im Schritt an. Sie ließ ihm viel Zügel, sodass er sich noch strecken konnte. Beim Warmreiten legte die Reiterin nicht allzu viel Wert auf Formvollendung. Deo nutzte seine Freiheit und schnaubte über den sandigen Boden. Erst als Anna mit Paulchen ebenfalls auf den Reitplatz kam hob er neugierig den Kopf und wurde wieder unruhiger. Franziska war nun gezwungen die Zügel richtig aufzunehmen. Die beiden Hengste hatten sich für diesen Tag entschieden nicht gut Freund zu sein. Beide spielten sich etwas auf und machten es den Reiterinnen schwer sich voll und ganz auf die Reiterei zu konzentrieren. Doch auch mit solchen Situationen mussten sie umgehen. Auf Turnieren ließ sich so etwas auch nicht unbedingt vermeiden.

      Nachdem der Tag gut verlaufen war begannen Leon und Franziska den nächsten Tag mit dem Training von Fix the Flame und S'Cada.Es war regnerisch und hatte sich das Paar in ihrer Reithalle einen kleinen Parcours aus Cavaletti und Stangen aufgebaut. Die beiden Stuten wurde jedoch vorher zuerst gründlich warm geritten, ehe mit der Stangenarbeit angefangen wurde. Irgendwann gesellten sich Dominik und Anna mit Ostid OC und Vakany dazu.Der Fuchshengst war jedoch deutlich abgelenkt von so viel weiblicher Präsenz. Dominik verabschiedete sich deshalb ins Gelände, nachdem Ostid gut aufgewärmt war. Zwar konnte er bei dem Wetter nicht viel anstellen im Gelände, doch er würde wissen was er tut. Nach der Mittagspause sah Franziska bei Sabine nach dem Rechten. Die ältere Frau übernahm das Fohlentraining. Gerade hatte sie Phoebe zwischen und heute früh hatte sie mit Pensive Cuddlepot geübt. Die hübsche Scheckstute machte große Fortschritte beim Führtraining. "Kann ich dir helfen? Die meisten Pferde haben heute Pause und das schaffen die drei schon ohne mich." fragte Franziska. Sabine lächelte. "Sehr gerne! Ich bringe die Kleine eben weg. Dann können wir mit Stracciatella und Skittles eine Runde gehen." Gesagt getan. Franziska holte aus der Sattelkammer die beiden Fohlenhalfter und zwei Stricke und kam Sabine dann auf dem Weg zur Fohlenbox entgegen. Die beiden Stutfohlen freuten sich endlich Auslauf zu bekommen. "Das Wetter ist leider so unbeständig und wir wollen die jungen Pferde nicht bei Gewitter und Sturm draußen stehen haben." entschuldigte sich Franziska und kassierte eine tadelnden Blick ihrer Mitarbeiterin. "Hör auf dich zu rechtfertigen. Ich weiß, dass ihr nur das Beste für eure Pferde wollt." Draußen sahen sie zwei wie Leon mit Aphedril in die Halle ging. "Viel Spaß mein Schatz." rief er seiner Frau zu und verschwand im Dunkeln.
      Nach dem Spaziergang standen die Boxen von Leveneza, Ases Maskwamozi und Emrys leer. Die drei Jungpferde standen in den Kinderschuhen was ihren Beritt betraf und Franziska hielt es für keine gute Idee die drei gleichzeitig in einer Halle zu haben. Doch wenn Leon da anderer Meinung war, musste sie darauf vertrauen, dass er die Situation unter Kontrolle hatte. Doch auch Sabine wirkte nicht begeistert von dieser Konstellation. Sie brummte leise vor sich hin, ehe sie mit einer Idee aufkam. "Am besten machen wir weiter wie bisher und nehmen und einfach die nächsten zwei Fohlen raus." Sie zuckte mit den Schultern. "Gute Idee." meinte Franziska und stülpte das Halfter, das eben noch an Skittles Kopf saß über Nase und Ohren von Louvré. Sabine nahm sich stattdessen Focus vor. Bei diesem Spaziergang redeten die zwei viel über die Reitponys. Thornheart hatte sich auf dem Gestüt prächtig entwickelt und würde bald für die wichtigen Prüfungen vorbereitet werden. Auch das ein oder andere turnier sollte der kleine Hengst laufen. Anna hatte sichtlich Spaß an ihm und allein durch seinen schönen Körperbau und die Farbe war der Hengst interessant für die Sportponyzucht. "Stell dir vor, wenn Pleasing groß ist. Ein Fohlen von den beiden!" schwärmte Franziska und brachte Sabine damit zum Lachen. "Das kann ich mir noch nicht vorstellen, Liebes." Pleasing war einfach noch zu klein. Doch jeder Genetikliebhaber würde erkennen welch Farbpotential in dieser Anpaarung steckte. "Apropros Ponys… Golden Samurai wurde seit zwei Tagen nicht bewegt und ich glaube heute wird es mal wieder Zeit. Das Wetter ist zwar blöd, aber für einen Ausritt reichts. Solange die anderen die Halle blockieren?" Franziska nickte. "Gute Idee. Dann komme ich mit PFS' Heart of Ocean mit. Die vertragen sich zwar nicht gut, aber wir müssen ja nicht aneinander kleben." Die beiden Frauen machten sich mit diesem Vorsatz auf den Heimweg und putzten im Anschluss die beiden ausgesuchten Hengste. In der Halle bewegten Anna, Leon und Dominik aktuell die übrigen Ponys: Eismärchen, Arcany und Princess Sansa.
      Spät am Abend als die Mitarbeiter das Gestüt schon verlassen hatten sattelten Franziska und Leon abermals Pferde. Die beiden Morgan Stuten Senda Oscura und Estrada Dourada durften die frische Gewitterluft schnuppern. Es hatte sich mächtig abgekühlt und die Thermik hatte jetzt ausgesetzt. Das Gewitter war kurz und heftig. "Wie lange glaubst du halten uns Morgane und Corde de la Cerise noch vor, was sie tragen? Ich möchte meine Devotion haben!" fragte Leon seine Frau auf halber Strecke. Sie zog eine Grimasse. "Wen fragst du da? Ich möchte auch endlich meinen General!" Dass die beiden Stuten zu ihrer Überraschung noch am nächsten Tag mit nur wenigen Stunden Abstand fohlen würden, konnten sie nicht ahnen.
      _______________________________


      09. Oktober 2018 | von sadasha
      Hibiskus und Thaurissan


      Auf dem Caenheide Gestüt erhielten vor Kurzem gleich zwei neue Pferde Einzug. Die Ponystute Hibiskus kam von einer alten Bekannten und hatte sich schon gut eingelebt. Sie war recht unkompliziert im Umgang, wenngleich sie durchaus verrückte Züge an sich hatte. Sie stand mittlerweile mit Eismärchen, Princess Sansa, Arcany und Pleasing auf einer Weide. Die Ponystuten hatten aktuell Pause und genossen die langen Tage auf der Weide, ehe die Temperaturen wieder so kühl wurden, dass man sie mindestens über Nacht in den warmen, schützenden Stall holen musste. Ebenfalls neu eingezogen war der stattliche Braune Thaurissan. Der Hengst verstand sich nicht ganz so gut mit anderen Pferden, weshalb er noch alleine stand, ehe man ihn mit einem Partner vergesellschaftete. Die Zeit dazu war im Moment einfach nicht da. Das Augenmerk des Ehepaars liegt zur Zeit auf den Pferden Thavila, Paminta, Skittles, Stracciatella, Thornheart und Emrys. Die beiden Ponyhengste PFS' Heart of Ocean und Golden Samurai standen aktuell leider auch viel herum. Um diese leichte Vernachlässigung alsbald zu beenden denken die Zieglers über weiteres Personal nach. Besonders freut es das Team, dass Focus, der erst frisch eingeritten wurde schon auf einem Wettbewerb punkten konnte. Phoebe ist ebenfalls als Newcomer heiß im Rennen und soll demnächst eingeritten werden, damit ihre Karriere starten kann. Leveneza wird im Moment ebenfalls schonend angeritten, ihre Ausbildung wird jedoch mit noch mehr Geduld angegangen, da sie bereits durch ihre Erfolge aus Fohlentagen genug Leistung erbracht hat. Devotion und General haben endlich das Licht der Welt erblickt und ihre Mütter Corde de la cerise und Morgane erholen sich gemeinsam mit ihren Anhängseln auf den Weiden. Damit ist die Fohlensaison 2018 auf dem Gestüt beendet. Pensive Cuddlepot, Louvré und Extra Sugar stehen als Youngstergruppe noch separat von den jungen Mutterstuten. Die beiden Morganhorse Stuten Estrada Dourada und Senda Oscura wurden regelmäßig für ausgiebige Erholungsausritte genutzt und bekam dadurch ausreichend Beschäftigung. Übrig bleiben nur noch die prämierten und gekörten Warmblüter. Vakany, May Bee, Yuno, S'Cada, Fix the Flame, Busted Cherry Cake und Chessqueen wurden in kleinen Gruppen in der Führanlage bewegt und durften dann ihren Alltag auf den Weiden genießen. Die Hengste Ghost Merchant, Deo Volente, Red Diamond, Cadeau, St Pauli, Ostid OC und Sacred Assault wurden einzeln in der Halle trainiert. Im Großen und Ganzen läuft es also ganz rund. Lediglich die Zeit ist knapp und es bedarf einer künftig besseren Organisation um diese Masse an Pferden angemessen zu beschäftigen. Vor allem den Fohlen muss sich wieder mehr gewidmet werden, damit sich ihre Erziehung und Entwicklung nicht zu stark verschlechtert.
    • Flair
      [​IMG]
      30.04.2019 | Tanz in den Mai

      Nemax, Cosmic Dawn, Bijou, For Pleasure, Valerian, Golden Ebano, Fix the Flame, Yuno, Daitona, Macaruja, Jonquil, Millenium GC, Galantis, Flashlight, Shyvana, Devil May Cry, PFS' Catching Fire, Eskador, Weltfriede, Waikiki, NWS Noblesse, NWS Checkmate, Bluegrass, Marvel, Ciri Riannon, Flavor's Feverdream, La Cadence, Civil War, Shotgun, Mimi Magical, Belle Fleur, Shiryō, Ravenclaw, NWS No Mercy, Cherrypie und NWS Dreamcatcher

      Unser Pferdebestand wuchs und wuchs. Der Nachwuchs war mehr als zufriedenstellend und Jodie und ich waren wirklich glücklich in unserem kleinen Paradies. Heute war ein warmer, sommerlicher Tag. Die Sonne schien und es herrschten Temperaturen von 20-22°. Das beste Wetter um den tag draussen zu verbringen. Das galt ebenfalls für die Pferde: Ich hatte sie schon gegen 5 Uhr in der Früh auf die Weiden verteilt, wo sie sich eifrig über das Gras hermachten. Insgesamt sahen alle Pferde gut aus, und hatten die Wurmkuren, die sie zum Anweiden bekommen hatten, gut weggesteckt. Am schönsten war der Anblick auf der Hausweide, wo die Stuten mit ihren Fohlen standen. Die kleinen strotzen nur so vor Lebensenergie und galoppierten wie die Weltmeister von morgen über die Weide. Besonders auf La Cadence war ich persönlich so stolz: Die kleine konnte in den beiden ersten Fohlenschauen überzeugen und räumte gleich zwei mal als Gewinnerin ab. Das war einfach die schönste Bestätigung, die man sich als Züchter wünschen kann. Nun wuchs sie langsam aber sicher zu einer selbstbewussten Jungstute heran. Ihr hübsches zierliches Köpfchen war das markanteste an ihr, in edler dunkler Jacke wird sie auf jeden Fall einiges her machen. Während ich am Zaun stand und die wilden Halbstarken begutachtete stellte Philipp sich neben mich und fragte: "Und? von welchen wirst du dich in den kommenden jahren trennen?" Dabei konnte er sich ein Grinsen nicht verkneifen, er wusste ganz genau, dass sie alle bleiben würden. "Pff...", machte ich nur. "Ich denke an Flavor's Feverdream." Ich versuchte wirklich überzeugend zu klingen, doch er durchschaute mich sofort "Das beste Springblut?", er tat geschockt, musste gleichzeitig allerdings wieder grinsen. Ich gab mich geschlagen. "Quatsch, sowas würde ich doch nicht machen", sagte ich und musste auch ein wenig grinsen. "Mit dem wirst du alles springen können, da bin ich mir sicher. Selbst wenn er klein bleibt - Du bist ja auch nicht der Größte unter den Springreitern!" Ich lachte und klopfte ihm die Schulter, er jedoch machte das betroffenste Gesicht auf Erden. Diesmal fiel ihm nichts ein, zumindest nicht schnell genug. "Falls er klein bleibt, bleibe ich eben bei Pleasure und Yuno, die beiden reichen mir völlig aus!" "Soso", ich zog die eine Augenbraue hoch "Und was ist wenn die beiden in dieser Saison Dressur laufen sollen?" Er sah mich erschüttert an: "Nicht dein Ernst!" Diesmal kaufte er es mir ab. Ich lachte und er grinste wieder. Wir standen zusammen da und schauten uns die Fohlen gemeinsam an. Heute war ein anstrengender Tag. Gemeinsam mit Jodie, Marie und Janina haben wir den Größten Teil der Pferde bewegt bekommen, die anderen hatten heute einen Koppeltag. Das würde sicher auch nicht schaden. Doch bei der Masse an Tieren musste das individuelle Training sehr gut organisiert werden. Mittlerweile hatte jedes Pferd seinen Trainingsplan, den Jodie während ihrer Krankheit für jedes einzelne ausgeklügelt hatte. Das war wirklich hilfreich, und vor allem half es dabei, die Pausen besser zu timen. Der Abend verlief locker und entspannt. Wir grillten zusammen, lachten, tranken etwas (die Minderjährigen Reitbeteiligungen, die ebenfalls eingeladen warn, zu kommen, bekamen selbstverständliche nur alkoholfreie Getränke) und feierten unsere gemeinsamen Erfolge.
    Keine Kommentare zum Anzeigen.
  • Album:
    Gestüt von der Nordwacht
    Hochgeladen von:
    Flair
    Datum:
    24 Feb. 2019
    Klicks:
    81
    Kommentare:
    5

    EXIF Data

    File Size:
    305,5 KB
    Mime Type:
    image/jpeg
    Width:
    960px
    Height:
    640px
     

    Note: EXIF data is stored on valid file types when a photo is uploaded. The photo may have been manipulated since upload (rotated, flipped, cropped etc).

  • [​IMG]
    _________________________________________
    ‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾
    FIX THE FLAME
    _________________________________________
    ‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾
    Grunddaten:

    Name: Fix the Flame
    Rasse: Trakehner
    Geburtsjahr: 2012
    Geschlecht: Stute
    Stockmaß: 1,68
    Farbe: Dunkelfuchs
    Abzeichen: 2x weißer Kronrand, unregelmäßige Blesse


    Besitzdaten:

    Besitzer: Flair
    Vorbesitzer: sadasha
    Ersteller: Flair
    VKR: Flair

    _________________________________________
    ‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾
    Abstammung:

    von: unbekannt

    von: unbekannt

    [von: unbekannt aus der: unbekannt]

    aus der: unbekannt

    [von unbekannt aus der: unbekannt]


    aus der: unbekannt


    von: unbekannt

    [von: unbekannt aus der: unbekannt]

    aus der: unbekannt

    [von unbekannt aus der: unbekannt]

    _________________________________________
    ‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾
    Zuchtdaten:

    Zur Zucht zugelassen: Ja
    Gewinnerin der [SK 446] Alle Stuten
    [​IMG]
    Richtspruch Exterieur:
    [folgt]

    Richtspruch Interieur:
    [folgt]


    weitere Zuchterfolge

    keine



    Zuchtdaten

    Stammt aus der Zucht: -
    Eingetragene Zucht: Gestüt von der Nordwacht

    Nachkommen:
    Cadeau (gekört, *2016)

    _________________________________________
    ‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾
    Charakter:

    Flame ist ein Wirbelwind. Die junge Stute rennt gerne, ist ziemlich flippig und scheut bei jeder Gelegenheit. Auch bei bösen Pferdegeistern! In ihr steckt aber auch viel Potential. Sie kann mit
    guten Grundgangarten überzeugen und lernt in ihrem gewohnten Umfeld schnell Neues. Sie fasst
    gut Vertrauen und lässt sich von jedem händeln, der mit so aufgewühlten Pferden wie sie eines
    ist Erfahrung hat.

    _________________________________________
    ‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾
    Ausbildungstand:

    Dressur: S

    Springen: S
    Gelände: M
    Distanz: E
    Rennen: E

    Western: E
    Fahren: E


    Schwerpunktdisziplinen: Dressur
    Eignung: Dressur, Springen, Gelände

    _________________________________________
    ‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾
    Turnier- und Zuchterfolge:

    3. Platz beim 347. Springturnier
    3. Platz beim 356. Dressurturnier
    3. Platz beim 359. Dressurturnier
    1. Platz beim 367. Dressurturnier
    1. Platz beim 72. Dressurturnier
    2. Platz beim 135. Synchronspringen
    2. Platz beim 264. Militaryturnier


    [​IMG][​IMG][​IMG][​IMG][​IMG][​IMG][​IMG]
    _________________________________________
    ‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾​