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sadasha

♛ Blütenzauber

Englisches Vollblut | Stute | Schwarzbrauner | Occulta

♛ Blütenzauber
sadasha, 4 Okt. 2016
Cooper, Rinnaja, Muemmi und 4 anderen gefällt das.
    • sadasha

      Alte Pflege-, Hufschmied- und Tierarztberichte Teil 1

      Ankunft von Blütenzauber und Umzug von Winter

      Heute fruh bekam ich einen Anruf von einem meiner Nachbaren, der in einer Anzeige eine interessante Stute entdeckt hatte. "Na, die wäre doch was für euch! Ich mein, die gefällt sogar mir gut, aber ich hab halt meine Kaltblüter und die reichen mir völlig aus. Aber für's Renngeschäft wär die doch was." "Hmm, da magst du recht haben, die sieht ganz ordentlich aus. Ich werd sie mir mal angucken gehen, danke für den Anruf." Kaum hatte ich aufgelegt, da kam mein Mann in die Küche. "Schatz, Winter ist mir beim Füttern ausgebüxt! Der hat nur noch Flausen im Kopf. Ich glaube es ist langsam Zeit, dass er unter den Sattel kommt und seine Energie für Besseres nutzt." "Das dachte ich mir auch schon, er ist ja auch der grösste in der Gruppe. Ich denke, wir können ihn bedenkenlos in den Hauptstall stellen. Am besten in die Box gegenüber von Donut." Mein Mann nickte und machte sich auf um Winter zu holen. Währenddessen erkundigte ich mich nach dem Standort der Stute. Kurz darauf war ich auch schon auf dem Weg zu Veijas Stall. Dort wurde ich freundlich begrüsst und direkt zu Blüte geführt. Sie sah sogar noch hübscher aus, als auf dem Zeitungsfoto. Ich verhandelte ein wenig mit der Besitzerin was den Preis anging, dann konnte ich die Stute gleich verladen und mitnehmen. Zuhause angekommen war sie zuerst etwas vorsichtig und sah unruhig umher, aber die eigentlich ganz mutige Stute beruhigte sich rasch und wollte schon am Wegrand gras zupfen. Das liess ich natürlich nicht zu, sondern führte sie in ihre neue Box, wo schon ein frischer Heuhaufen auf sie wartete. Auch Winter schien in seiner neuen Box zufrieden zu sein, auch wenn er anfangs noch sehr unruhig darin im Kreis gelaufen war und nach seinen Kollegen gerufen hatte. Nun war aber auch er am Fressen.

      Ein kleiner Spätsommerausflug
      Es war ein kühler Morgen, aber die ersten Sonnenstrahlen tauchten bereits hinter den Pinien in der Ferne auf. Ich war gerade auf dem Weg zum Parkplatz, um dort das Transportfahrzeug, ein Miet-Camion, für den Ausflug bereitzumachen: wir hatten vor, nach Waterloo (in der Nähe von Liverpool) an den Strand zu fahren und dort baden zu gehen. Ich brachte ein paar Bürsten und Heu, sowie Zaumzeuge verschiedener Art in die kleine Seitenkammer für das Zubehör. Wir konnten maximal 6 Pferde mitnehmen, waren uns aber noch nicht ganz einig welche. Als ich die Ausrüstung vorbereitet hatte, lief ich zum Nebenstall, wo sich Quinn, Lewis, Jonas, Lisa und mein Mann bereits versammelt hatten. „So, habt ihr euch schon entschieden, wen ihr mitnehmt?“ Die meisten nickten, nur Lisa schien unentschlossen. Mein Mann erklärte kurz: „Quinn nimmt Summer, Lewis möchte gerne Islah, Jonas schnappt sich Blüte. Lisa kann sich nicht entscheiden zwischen Peace und Dream…“ „Lisa, nimm doch Dream, mit der verstehst du dich sicher gut und sie ist nicht so gross, du bist dir ja eher kleine Pferde gewöhnt.“, schlug ich vor. Sie nickte zustimmend. „Und wen nimmst du Jack?“, fragte ich meinen Mann. „Shadow, die mag Wasser ja so gerne und dann fühlt sich Summer auch wohler.“ Die Westernpferde wurden meistens zusammen trainiert und waren zusammen deutlich ruhiger. „Gut, dann nehme ich Gray.“ Sagte ich, anschliessend holten wir die Pferde. Summer war etwas irritiert durch die Transportgamaschen, sie war noch nicht oft gereist. Islah machte wiedermal ihren Trippelschritt, denn auf dem Weg zum Parkplatz stiess Lewis ausversehen einen Eimer an, der laut scheppernd vor dem Nebenstall umfiel. Da die Stute sehr Lärmempfindlich war, hatte er seine liebe Mühe sie zu halten. Er fluchte gut hörbar, beruhigte sich aber schnell und lief zielgerichtet weiter. Islah tänzelte zwar noch etwas, aber liess sich führen. Blütenzauber und die restlichen liefen schön brav mit. Wir fuhren los, als alle eingestiegen waren. Jack kannte die Route, weshalb wir kein Navi brauchten. Die Fahrt war schnell vorbei, und Waterloo kam in Sicht. Wir hatten unterwegs gefrühstückt, die Pferde genossen ihr Heu. Wir parkierten auf einem kleinen Parkplatz in der Nähe des Strandes und luden alle aus. Summer war etwas aufgeregt, sie blähte die Nüstern und hatte die Augen weit aufgerissen als sie rückwärts raus lief. Aber das hatte ich schon erwartet, denn die Stute mochte fremde Gegenden nicht wirklich. Sobald Shadow ganz relaxt ausgestiegen war, beruhigte sie sich aber doch ein wenig. Wir hörten ein paar Möwen schreien, und die Luft war feucht und salzig. Ich cremte mich kurz ein; als Rothaarige verbrannte man sich nunmal schnell. Auch Lewis musste aufpassen, seine Haare waren ja noch feuriger. Ich zäumte Gray mit einem einfachen Mexikanischen Zaum, zog das T-Shirt und die kurzen Hosen aus, denn ich hatte wie die anderen die Badekleider schon darunter an, und führte sie ein wenig abseits zu einem Grasstreifen, damit sie noch ein wenig fressen konnte, bis die anderen fertig waren. Es dauerte aber nicht lange, und schon machten wir uns auf den Weg zum Wasser. Die Sonne brannte schon jetzt auf meine Schultern. Vor mir lief Quinn barfuss und genoss den warmen Sand. Ich hatte noch meine Sandalen an, die ich später ausziehen wollte. Vorne beim Wasser half ich Quinn beim Aufsteigen und schwang mich dann selber auf den blanken Rücken von Gray. Fast wäre ich wieder heruntergerutscht, aber ich klammerte mich an der Mähe fest und schaffte es, mich hochzuziehen. Ich strich mir die von der feuchten Luft gekräuselten Haare aus dem Gesicht und tätschelte Grays Hals. Noch bevor alle oben waren, trabte Islah plötzlich an und wollte Richtung Parkplatz flüchten. Offensichtlich mochte sie das laute Rauschen der Wellen nicht. Auch Summer begann etwas zu tänzeln, aber Quinn hatte auf ihrem breiten Rücken guten Halt und nahm sie ihn einen kleinen Kreis, um sie zum Stehen zu bringen. Schliesslich schaffte es auch Jonas, sich auf Blütes Rücken zu schwingen. „Antraben?“, fragte Jack hoffnungsvoll. Ich blickte zu Lewis, der immer noch Islah in schach hielt. „Schon okay, ich bin froh, wenn ich die Zicke müde machen kann.“, rief er mir zu. Ich nickte und folgte Jonas im Trab, der vorausritt. Neben mir holte Quinn auf und sah fröhlich umher. Unter mir spannte sich Gray, sie war wie ein kleines Gummibällchen, schön locker und im Spicktrab hüpfte sie durch den Sand. Ich fühlte jede Bewegung der kräftigen Muskeln, die schön rhythmisch angespannt wurden. Islah lief zügig vorwärts, aber Lewis hielt die Araber-Pinto Stute schön zurück. Dennoch trug sie den Schweif aufgeregt hoch. Als Jonas Blüte angaloppierte, schoss Islah plötzlich buckelnd nach vorne und Lewis klammerte sich an ihren Hals. Er schafte es sich im Renngalopp zurück in den Sattel zu retten und zügelte die Stute ein wenig, bis wir aufgeholt hatten. "Alles okay?", fragte ich besorgt, er hatte ein vor Anstrengung rotes Gesicht und schnaufte fast so wie Islah. Aber er nickte und meinte mit ironischem Unterton: "Na klar, ist denn was passiert?" Dann grinste er und legte ein wenig zu im Galopp. Wir flogen eine Weile über den Sand, ab und zu steuerte ich auch ein Stück ins Wasser, wobei dieses bei jedem Galoppsprung bis zum Sattel hochspritzte. Gray schüttelte kurz den Kopf, weil ihr etwas Salzwasser ins Ohr gespritzt war, dann streckte sie sich und wir überholten Islah. Als der Strand wieder schmaler wurde und weiter vorne Kieselsteine in Sicht kamen, bremsten wir ab. "Das war toll!", rief Lisa aus. Dreamy war ganz nass, weil sie fast die ganze Zeit durch die heranschwappenden Wellen geritten war. "Au ja! Gehen wir jetzt noch richtig ins Wasser? Summer hat sich bisher noch nicht so getraut...", fragte Quinn hoffnungsvoll. Wir diskutierten kurz, wobei wir uns eigentlich sowieso einig waren: ab ins Wasser! Dann ritt ich mit Gray vorsichtig voraus. Wir achteten darauf, dass es keine Felsen unterwasser hatte und wateten bald schon Bauchtief im Wasser. Weiter gingen wir aber nicht, da die Pferde die Wellen nicht gewöhnt waren. Dream hielt den Kopf ganz hoch, um ja kein Wasser in die Nüstern zu bekommen. Sie war schliesslich auch die Kleinste. Gray scharrte ein wenig mit den Hufen im Sand. Wir ritten langsam schräg zum Strand zurück. Als der Boden anstieg und das Wasser flacher wurde, lief Gray wieder etwas schneller. Schliesslich verliessen wir das Wasser ganz und die Hufe der Pferde wurden nur noch von den sanften Wellen umspühlt. So ritten wir unter dem tosenden Wellengeräusch noch eine Weile weiter, zurück in Richtung Parkplatz. Dort banden wir die Pferde an einem alten Holzzaun an, lange genug, dass die grasen konnten. In der Zwischenzeit gingen wir Zweibeiner nochmal zum Wasser und badeten. Das Wasser war ziemlich kalt, schliesslich waren wir ja nicht in Spanien, sondern in England. Aber nach einer kurzen Überwindungszeit und nachdem Jack schonmal alle nassgespritzt hatte, waren alle im Meerwasser. Ich liess mich von den mässig hohen Wellen tragen und beobachtete, wie Lewis und Quinn sich nass spritzten. Aber spätestens als ich auch etwas abbekam, stürtze ich mich auf sie. Am Ende liessen wir uns wieder müde treiben. Als eine unerwartet grosse Welle kam wurde ich vor schreck kurz untergetaucht. "Woa, die war riesig!", rief Jonas aus. Ich stimmte zu und beobachtete, wie die Welle an den Strand rollte. Nach etwa einer Stunde liessen wir uns schliesslich müde in den Sand fallen und sonnten noch ein wenig. Es war immernoch recht kühl, aber die direkten Sonnenstrahlen wärmten mich. Ausserdem kam Jack schon wieder angeschlichen und umarmte mich. Nach einer weiteren halben Stunde stiess ich ihn spielerisch beiseite und stand auf. "Ich denke, wir sollten uns langsam etwas zu Essen suchen. Ich hab ordentlich Hunger.", schlug ich vor. Die anderen stimmten zu und wir ernannten Jonas zum Aufpasser. Einer sollte schliesslich bei den Pferden bleiben. Wir anderen machten uns auf in Richtung Stadt. Wir wurden schnell fündig und kauften in einem kleinen Supermarkt Zutaten für ein anständiges Sandwich. Ausserdem noch eine Wassermelone und genügend Getränke für alle. Zurück beim Parkplatz hatte es sogar Campingtische, an die wir uns setzten. Nach dem jeder sein eigenes Sandwich gamacht und gegessen hatte, teilten wir uns noch die Melone. Als alle satt waren und noch Melone übrig war, schnappten wir uns je ein Stück und gaben es den Pferden. Blüte schmazte gleich drauf los, Summer schnupperte zuerst daran und schleckte dann vorsichtig etwas dran rum, Shadow mochte ihr Stück nicht und Islah schnappte es sich liebend gerne auch noch. Gray war am Anfang auch etwas skeptisch, nahm ihr Stück dann aber mit Begeisterung. Danach verluden wir die Pferde auch schon wieder und machten uns auf den Heimweg. Zuhause durften die Sechs dann noch zu den anderen Stuten auf die Weide.
      Anschliessend trainierte ich Stromer, Winter und Paint, die übrigens ihre erste Körung gleich gewonnen hatte. Ich war unheimlich stolz auf sie. Mein Mann, Lily und Oliver trainierten mit mir, sie nahmen dabei nacheinander Spot, Sunday und Felicita; Iskierka und Light; Und Crack und Pina. Wir absolvierten ein paar Trainingsrennen und übten saubere Starts aus den Startboxen. Danach liessen wir sie austraben und brachten sie auf die Weiden, damit sie den Abend noch draussen geniessen konnten. Schliesslich war es bald Winter und dann würden sie früher in den Stall zurück müssen. Ich mochte den Winter trotzdem und freute mich schon auf den flockigen weissen Schnee und die Eiszapfen an den Dächern. Aber nun beobachtete ich erstmal noch die Stuten auf der Weide, mit einem Wassereis in der Hand und im schönen Schein der untergehenden Sonne.

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      Heute machte ich mich auf den Weg zu Occulta, um einige ihrer Pferde zu beschlagen. Nach kurzer Zeit kam ich auf dem großen Gestüt an und stieg aus meinem Auto. Grade als ich mein Werkzeug aus dem Auto holte, kam Occulta aus dem Stall und begrüßte mich: „Hallo, schön, dass du kommen konntest. Ich habe die Pferde schon von der Weide geholt.“ Lächelnd schüttelte ich ihre Hand, die sie mir entgegen streckte: „Hallo. Dann zeig sie mir doch mal.“ Occulta nickte und führte mich in den großen Hauptstall. Dort standen vier schicke Rennpferde und warteten auf neue Eisen. Zuerst holte Occulta Gleam of Light aus seiner Box und band ihn auf der Stallgasse an. Der große Hengst guckte mich mit seinen warmen Augen an, als ich ihm über den Hals streichelte. „Dann fangen wir mal an“, sagte ich und hob den ersten Huf hoch. Zuerst mussten die alten Hufeisen runtergenommen werden. Dafür nahm ich Hammer und Meißel und legte die alten Nägel frei. Mit der Zange hebelte ich das Eisen schließlich vom Huf. Gleam schien das ganze nicht zu stören, er war in Occultas Jackentaschen auf der Suche nach Leckerlis. Scheinbar aber erfolglos, da er es nach einiger Zeit aufgab. Ich fuhr fort, indem ich den Huf mit dem Hufauskratzer ordentlich säuberte. Danach griff ich ich in meine Tasche und holte das Hufmesser heraus. Der Huf sah noch sehr gut aus, weswegen ich nur ein ganz kleines Stück vom Horn abschnitt. Mit der Raspel feielte ich den Huf schön glatt. Dann ließ ich den Huf runter und kontrollierte ob alles gut aussah. Das tat es und ich fuhr mit dem nächsten Huf fort. Bei den verbleibenden Hufen nahm ich ebenfalls zuerst die alten Eisen ab und schnitt die Hufe dann in die richtige Form.
      Nachdem alle Hufe fertig waren, ging es an die neuen Eisen. Gleam bekam, wie die anderen Pferde, Renneisen. Diese sind aus Aluminium und daher sehr leicht, um die Rennleistung nicht durch zusätzliches Gewicht zu beeinträchtigen.
      Das Eisen erhitzte ich nun im Brennofen, bis es glühend heiß war. Um es an den Huf anzupassen, legte ich es auf diesen. Zischend stieg Rauch empor. Auf dem Amboss verlieh ich dem Hufeisen den letzten Schliff und kühlte es dann in einem Eimer Wasser ab. Mit den Nägeln befestigte ich das Eisen schließlich am Huf. Dabei achtete ich darauf, die neuen Nägel nicht in die alten Nagellöcher zu schlagen.
      Nachdem das erste Eisen an seinem Platz war, machte ich am nächsten Huf weiter. Auch hier passte ich das leichte Aluminiumeisen dem Huf an und nagelte es anschließend fest. Das wiederholte ich auch bei den letzten beiden Hufen.
      Dann war Gleam fertig und durfte zurück in seine Box. Occulta löste den Strick und führte den dunklen Hengst in seinen Stall, wo er direkt zu fressen begann.
      Als nächstes war Sunday Morning dran, ebenfalls ein Hengst. Nachdem Occulta ihn angebunden hatte, begann ich damit, die alten Eisen abzunehmen. Das war eine ziemlich schweißtreibende Arbeit, da sich die Eisen nur sehr widerspenstig abnehmen ließen. Als ich es dann endlich geschafft hatte, alle vier Eisen abzunehmen, machte ich mich daran, die Hufe in die richtige Form zu bringen. Dafür schnitt ich mit dem Hufmesser überschüssiges Horn ab und feielte die Schnittstellen anschließend mit der Raspel glatt. Sunday war dabei sehr ruhig und stand entspannt neben seiner Box.
      Nachdem alle Hufe wieder die richtige Länge hatten, holte ich die passenden Eisen aus dem Auto und erhitzte das Erste im Ofen. Glühend heiß legte ich es mit der Zange auf den Huf, um es danach mit dem Hammer in die richtige Form zu bringen. Das passende Eisen kühlte ich nun in einem Eimer mit kalten Wasser ab, anschließend nagelte ich es auf den Huf. Dabei achtete ich wieder darauf, nicht in die alten Nagellöcher zu schlagen.
      Ich wiederholte den Vorgang bei den anderen drei Hufen und klopfte Sunday dann lobend den Hals. Occulta band den Hengst ab und brachte ihn zurück in seine Box.
      Als nächstes holte sie die Stute Blütenzauber und band sie an. Ich begann wieder damit, die Hufeisen abzunehmen. Bei der hübschen schwarzbraunen Stute ging das viel einfacher als bei den Eisen von Sunday, was ich natürlich sehr begrüßte. Nachdem alle vier Eisen ab waren, fuhr ich damit fort, die Hufe auszukratzen und anschließend das Horn zu kürzen. Blütenzauber war dabei brav, schaute sich aber aufmerksam um. Nachdem ich die geschnittenen Hufe mit der Raspel glatt gefeielt hatte, lobte ich die Stute und gab ihr ein Leckerli. Dann ging es daran, Blütenzauber's Hufe mit neuen Eisen zu versehen. Auch sie bekam die leichten Renneisen aus Aluminium. Das erste Eisen war schnell erhitzt und ich legte es zum Anpassen auf den Huf. Es passte auf Anhieb wie angegossen, ich musste nichts korrigieren, also kühlte ich das Eisen ab. Mit den Nägeln befestigte ich es dann am Huf, auch bei der Stute achtete ich darauf, die neuen Nägel nicht in die Löcher der alten Eisen zu schlagen. Es klappte alles prima und ich verpasste auch den anderen drei Hufen neue Eisen. Dann war auch Blütenzauber fertig und durfte zurück in ihre Box.
      Zum Schluss war noch eine hübsche Schimmelstute mit dem Namen Iskierka dran. Bei ihr begann ich ebenfalls damit, die alten Eisen zu entfernen und die Hufe anschließend auf die richtige Länge zu schneiden. Die Stute war dabei etwas zappelig und versuchte mir mehrmals den Huf aus der Hand zu ziehen, doch dass ließ ich nicht durchgehen. Ich fuhr unbeirrt damit fort, die Hufe mit der Raspel glatt zu feilen. Nun suchte ich die richtigen Eisen raus und begann das erste im Schmiedeofen zu erhitzen. Dabei guckte Iskierka schon etwas skeptisch, blieb aber dennoch ruhig stehen. Als ich das heiße Eisen jedoch zum Anpassen auf den Huf legte, war es vorbei mit der Ruhe. Wild schlug die Stute mit dem Kopf und versuchte mir mit aller Kraft den Huf zu entziehen. Occulta versuchte sie so gut es ging zu beruhigen und ich nahm das Eisen zügig wieder runter. Als der Rauch verzogen war, entspannte sich Iskierka wieder etwas und das Eisen passte auch gut auf den Huf, sodass ich es nicht nocheinmal heiß auf den Huf legen musste. Mit den Nägeln befestigte ich das Renneisen am ersten Huf. Dann ging es mit dem nächsten Huf weiter. Bis auf ein paar kleine Zickereien als ich die heißen Eisen anpasste, war die Stute brav und ich lobte sie dafür, nachdem das letzte Eisen festgenagelt hatte. Occulta brachte die Stute zurück in ihre Box und sagte dann zu mir: „Nochmal vielen Dank!“ - „Ist doch gar kein Problem“, antwortete ich. Wir verabschiedeten uns kurz, dann machte ich mich auf den Weg nach Hause.
      © Mongofisch

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      Zahnarztbesuch bei Occulta.
      Bereits bevor sich die ersten Sonnenstrahlen ihren Weg durch die Wolken suchten, war ich mit dem Jeep auf den Straßen unterwegs zu Occulta. Doch dieses mal begleitete mich Olivia, eine Studentin die die nächsten sechs Wochen ein Praktikum in meiner Praxis absolvierte. Bei Behandlungen, die mehr erforderten als nur eine Impfung oder eine Routineuntersuchung, fuhr ich nie alleine los, um eine helfende Hand bei mir zu haben. Zwar sollte ich heute nur nach vier von ihren Pferden sehen, doch brauchte eine Zahnkontrolle immer einiges an Zeit. Ich hatte die junge Frau bereits gebeten, die Pferde vier Stunden zuvor das letzte Mal fressen zu lassen, so dass auch ihr Tag früh begonnen haben musste. Schließlich rollte ich die Auffahrt des Vollblütergestüts herauf und parkte den Wagen. „Guten Morgen.“, lächelte ich, als Occulta auf mich zu kam. Die sympathische junge Frau begrüßte mich und auch meine Praktikantin, welche ich ihr kurz vorstellte und wir gingen herüber zu den Hauptstallungen, wo die vier in ihren Boxen standen, die jedoch nur mit Sägespänen gefüllt waren. „Gut.“, sagte ich freundlich und folgte ihr zur ersten Box. „Dann untersuche ich zuerst Kiefer und Zähne ob Behandlungsbedarf besteht.“, erklärte ich und blickte in die erste Box. „Hallo Blüte.“, murmelte ich, als ich die schicke Stute vor mir sah und streckte ihr meine Hand entgegen. Vertrauensvoll reckte die Stute ihren Hals und ich strich ihr über die Stirn. „Sie war mein erstes Pferd.“, erklärte ich Occulta und lächelte leicht, ehe ich meine Tasche nahm und die Box betrat. Ich hätte nicht damit gerechnet, sie hier in Occultas erfolgreicher Zucht wiederzufinden, zumal sie sich wirklich gemacht hatte. Es erleichterte mir die Untersuchung sehr, dass ich ihre Macken bereits kannte. Denn Blüte war ein sehr umgängliches Pferd, solange man ihr zeigte, wer das Sagen hatte. Ich bat Occu Blüte festzuhalten, während ich von außen ihren Kiefer abtastete und so bemerken würde, sollte ihr etwas weh tun. Doch weder am Gelenk noch an ihrer Kaumuskulatur ließ sich etwas auffälliges feststellen. So schob ich ihre Lippen hoch und kontrollierte ihre Zähne von außen. „Bei ihr sieht alles super aus.“, sagte ich zu Blütes Besitzerin und bückte mich nach meiner Tasche, um die Maulsperre herauszunehmen. „Nun sehen wir noch in der Mundhöhle nach Karies, Zahnstein scharfen Kanten, Wellen et cetera und schleifen dies gegebenfalls ab.“, erklärte ich meine weitere Vorgehensweise. Dies tat ich nicht nur für Olivia, sondern auch für Occulta, denn ich hatte häufig die Erfahrung gemacht, dass meine Kunden mir so ihr Vertrauen schenkten und ihre Tiere in guten Händen wussten. Doch zuvor nahm ich noch eine Einwegspritze aus meiner Tasche, öffnete die Verpackung und zog sie mit einer klaren Flüssigkeit auf. „Ich gebe ihr nun etwas zur Beruhigung, damit sie sich während der Behandlung nicht erschrickt. Nebenwirkungen können auftreten, sollten aber morgen wieder verschwunden sein, ansonsten kontaktierst du mich bitte.“, sagte ich freundlich und injizierte der Stute das Mittel. „Zudem sollte sie acht Tage keine Turniere mehr gehen, da die Dopingprobe positiv ausfallen kann. So. Das wird ihr jetzt vermutlich wenig gefallen, aber weh tut es nicht.“, sagte ich, während ich der Stute das Maul aufdrückte und die Sperre platzierte. Widerwillig ließ sie es über sich ergehen, auch als ich mit Hilfe eines langen Führstrickes und einem Haken an der Decke ihren Kopf hochzog und Occulta bat, diesen hochzuhalten. „Stellst du sich neben sie und hältst ihren Kopf ein wenig fest, sodass sie ihn nicht weg zieht.“, bat ich meine Praktikantin und begann mit der Untersuchung. Zuerst reinigte ich ihr Maul mit einer übergroßen Zahnbürste von Futterresten, was jedoch wenig nach Zähne putzen aussah, als mehr nach anstrengendem Schrubben. Mit einem leichten Schmunzeln klopfte ich ihr kurz den Hals und machte mich daran, ihre Zahnflächen und -hälse nach Karies abzusuchen, nachdem ich ihr den Mund ausgespült hatte, doch der Befund fiel negativ aus. „Gut, dann lass ihren Kopf wieder runter.“, sagte ich und lobte die Stute. „Die Zähne passen wunderbar aufeinander, was heißt, wir müssen nichts abschleifen, Karies hat sie auch keinen.“, erklärte ich lächelnd und verließ mit Olivia die Box, ehe ich sie verschloss. Diese Prozedur bestand uns nun noch drei mal bevor. Die nächste Patientin war Iskiera, eine Stute, von der Occulta bereits am Telefon berichtet hatte, mit den Worten ich solle auf meine Finger achten. Mit einem Schmunzeln betrat ich die Box und die schicke Schimmelstute blickte mich missbilligend an. „Na du.“, sagte ich und trat neben sie, um mit dem Abtasten zu beginnen, während Olivia sie am Halfter hielt. Am Kiefergelenk und an dem Kaumuskeln konnte ich nichts feststellen und noch ließ sie alles über sich ergehen, wenn auch widerwillig. Als ich jedoch ihre Lippen hochschob, riss sie unvermittelt den Kopf zurück und schnappte. „Hey!“, ermahnte ich sie mit strengem Tonfall, nachdem ihre Zähne kurz vor meinem Arm aufeinander schlugen. Nun wusste ich, was Occulta gemeint hatte. „Gut, dann gebe ich ihr jetzt die Beruhigungsspritze.“ Pferde verstanden nicht, warum sie die Zahnbehandlung über sich ergehen lassen mussten und so war ihr erster Gedanke natürlich die Flucht, was die Spritze jedoch verhindern sollte. Ich zog die klare Flüssigkeit und und gab sie ihr in die Vene am Hals, woraufhin ihr Widerstand langsam etwas nachließ. Als ich ihr jedoch das große Halfter mit der Maulsperre überzog, legte sie missmutig die Ohren an und Olivia und Occulta hatten genug damit zu tun, den Kopf ruhig zu halten. „Ganz ruhig.“, murmelte ich und begann als alles vorbereitet war rasch mit der Untersuchung, denn ich wollte dem Tier nicht mehr Stress als nötig bereiten. Schnell war ihr Mund gereinigt und an ihren Zähnen befand sich ebenfalls kein Karies, doch mussten einige Ecken abgeschliffen werden, sowie die Schneidezähne, die nur schlecht aufeinander passten. So zog ich meinen Mundschutz auf, um den Staub nicht einzuatmen und begann mit der Prozedur. Das Geräusch ließ mir trotz Routine jedes Mal das Blut in den Andern gefrieren und auch Iskiera schien das Ganze alles andere zu gefallen. „Und fertig.“, seufzte ich und zog der Stute das Halfter ab, woraufhin sie noch etwas benommen den Kopf senkte. „Braves Tier.“, lobte ich sie und verließ mit Olivia und Occulta die Box. Die Hälfte war nun geschafft und uns standen noch zwei Hengste bevor, die jedoch unproblematisch sein sollten. Zuerst gingen wir zu dem dreijährigem Gleam of Light, welcher die Prozedur der beiden Stuten neugierig beobachtete hatte. Ich betrat die Box und begann auch bei ihm mit der Untersuchung, welche er anstandslos über sich ergehen ließ. Auch bei ihm musste ich die Schneidezähne ein wenig abschleifen und Zahnstein entfernen, was jedoch eine schnelle Behandlung war. Nach einer guten Dreiviertelstunde nachdem ich die Box betreten hatte konnte ich ihm die Maulsperre wieder abnehmen und lobte ihn. „Guter Junge.“, murmelte ich und klopfte dem dunklen Tier den kräftigen Hals. „Dann wollen wir mal zum letzten Patienten gehen.“, sagte ich zu den beiden und Occulta führte uns zu Sunday Morning, ebenfalls ein dreijähriger Hengst, jedoch lammfromm im Umgang, wie sie erklärte. Dies zeigte er auch während der Untersuchung, doch fand ich bei dem jungen Hengst Karies auf der Kaufläche einer der hinteren Zähne. „Dies bedeutet, der Karies muss ausgefräst werden und anschließend in mehreren Schichten gefüllt. Weh wird es ihm nicht tun, aber er muss noch ein Weilchen still halten.“, erklärte ich und begann mit meiner Arbeit. So weit hinten im Maul zu arbeiten war weder für mich noch für das Tier schön, doch hatte ich den Karies bald Rückstandslos entfernt und konnte mit dem Auffüllen beginnen, während ich Occulta erklärte, was sie noch zu beachten hatte. „Die nächsten beiden Tage solltest du säurehaltiges Futter unbedingt vermeiden, ansonsten sieht man an ihren Zähnen und dem Fell, dass du super fütterst. In einem halben bis ganzen Jahr, sollte man wieder nach ihnen schauen.“, sagte ich lächelnd und beendete meine Behandlung. Zu dritt verließen wir den Stall und ich räumte meine Tasche ins Auto, ehe ich Occulta die Hand gab und mich verabschiedete. Inzwischen war es schon früher Mittag und ich machte mich mit Olivia wieder auf den Weg in die Praxis von Musta Kyyneleet.
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      Betdaq Race at Kempton Park
      Heute war einmal mehr ein grosser Tag für Blüte und zwei weitere unserer Vollblüter. Wir würden in Richtung London zum Kempton Park Rennkurs fahren und dort am Betdaq Klasse 2 Handicap Rennen teilnehmen. Das Rennen war offen für alle Vollblüter ab 3 Jahren, also meldeten wir Oliver mit Blüte, Quinn mit Paint und Lily mit Fly an. Es ging über 2 Meilen Grasbahn und das Wetter so wie es aussah trocken, aber bewölkt. Die drei Jockeys standen schon um 17:00 Uhr bereit um die Pferde zu verladen, und die ganze Fahrt in Richtung London verlief problemlos. Das Rennen startete um 19:00, also hatten wir genug Zeit um die Pferde noch einzuwärmen und die Konkurrenz zu begutachten. Besonders ein grosser Fuchshengst machte mir Sorgen, denn er sah äusserst durchtrainiert aus. Ich führte gerade Fly im Ring, während Lily sich bereit machte zum Aufsteigen. Die anderen zwei sassen bereits oben. Dann wurden die Pferde zu den Startmaschinen geführt und die Tore geschlossen. Das Publikum wurde still und in der Luft lag eine allgemeine Anspannung. Dann zerriss das Läuten der Startglocke die Stille und die Pferde schossen aus den Maschinen. Ich hatte mich inzwischen auf einen der reservierten Plätze neben Lewis gesetzt, der darauf bestanden hatte mitzukommen, und beobachtete das Ganze gespannt. Blüte startete wie immer sehr gut und hielt sich von Anfang an an der Aussenseite vorne. Fly hingegen hatte wieder einmal beim Betreten der Startmaschine rumgezickt und war daher auch entsprechend abgelenkt gewesen. Er war im Moment Zweitletzter. Paint hatte sich ebenfalls sofort einen guten Platz im Mittelfeld ergattert, Quinn musste nun aber aufpassen, dass sie nicht blockiert wurden. Als sie die 1-Meile-Markierung passierten war aber genau dies der Fall, Paint konnte weder vor noch zurück, die einzige Möglichkeit war eine schmale Lücke auf der Innenseite. Ich kreuzte die Finger und murmelte scharf „versuch es!“ Als hätte sie mich gehört steuerte Quinn auf die Lücke zu und galoppierte nun direkt neben einem grossen braunen Hengst. Unter ihr bebte Paint und schob sich Zentimeter für Zentimeter nach vorne. „Gut so“, rief ich und konnte kaum stillsitzen vor Aufregung. Auch Lewis fieberte mit. Paint und Quinn waren noch immer so nahe an dem Hengst, dass sich ihre Steigbügel beinahe berührten. „Pass auf die verdammten Bügel auf!“, murmelte ich, wohlwissend, dass so verheerende Unfälle entstehen konnten.

      „Blütenzauber is still at the front but Red Sundance is coming slow and steady from the left side. Highway follows them but he seems to slow down a bit now. Lizard’s Passion is still fighting with Painting Shadows but – oh, now she got past him. She’s now going after Highway who is still on the outside. Actually on the sixth place is Al Don Cumarco, but directly behind him follows our number three Caviar. Then comes Fly Fast and the last two are Lady Daylight and Armalite. Now Red Sundance comes closer, he’s only 1 length behind the leader, a half-length, now they are head to head, it’s Sundance, no, Blütenzauber again, now Sundance again and Sundance is the leader, only a quarter mile left, Painting Shadows leaves Highway behind her, she’s now third, Al Don Cumarco is fifth, Fly Fast is head to head with Caviar, Painting Shadows is coming now, she overtakes Blütenzauber, it’s still Sundance but she is coming really close, Painting Shadows is only a half-length behind, less than 300 yards left now, Painting Shadows takes the lead! Sundance follows tight, Painting Shadows leads by two lengths, two and a half lengths, and it’s over. Painting Shadows is the Winner.”

      Blüte wurde stolze Dritte und Fly immerhin noch sechster. Lewis und ich jubelten auf der Tribüne und liefen rasch zu den erschöpften Jockeys und Pferden. Nach der Siegerehrung waren wir alle froh, dass es nach hause ging. Wir gönnten den Pferden die wohlverdiente Ruhe im Stall und auch die Jockeys wurden mit heissem Tee gestärkt.

      Blüte an der 415. SK
      Das Tor wurde geöffnet und wir betraten die Halle. Drinnen war alles hell und sauber, ab und an sah man ein grosses Werbeplakat. Die Richter sassen an ihrem kleinen Tischchen am Ende der Halle und die Zuschauer auf der Tribüne tuschelten aufgeregt. Blüte war trotz meiner Anspannung sehr ruhig und schritt ohne zu zögern auf die Richter zu. Ich grüsste sie und atmete tief durch, dann hob ich die Zügel und trieb Blüte aus dem Stand in den Trab. Sie trat sofort artig an den Zügel und trabte schwungvoll. „Du zeigst dich von deiner Schokoladenseite, nicht wahr mein Mädchen?“, flüsterte ich ihr zu, während ich auf die Diagonale bog. Sie wackelte zufrieden und entspannt mit den Ohren im Takt und auch der Schweif wirkte wie ein harmonisches Pendel. Nach einer Runde Trab auf die andere Seite hielt ich bei E und vollführte eine Hinterhandwendung. Blüte drehte sauber, wenn auch etwas nahe an der Wand, denn ihre Schweifrübe wurde ein wenig eingequetscht. Anschliessend liess ich sie im starken Schritt eine Volte machen, ehe ich sie bei C in den versammelten Galopp springen liess. Unter mir bebte die Vollblutstute und ich fühlte, dass sie am liebsten losrasen würde. Sie nahm sich jedoch zusammen, was ich äusserst nett fand. Bei A verstärkte ich den Galopp dann doch und bei C parierte ich wieder durch. Sie genoss die kurze Phase sichtlich und spitzte die Ohren als es um die kurve ging, liess sich aber problemlos wieder bremsen. Ich wechselte im verstärkten Trab die Hand und galoppierte bei A wieder an, diesmal aber im Aussengalopp. Wir hatten diesen zwar mehrfach geübt, aber es fühlte sich auch für mich jedes Mal wieder ‚falsch‘ an. Wiederum bei C liess ich sie in den richtigen Galopp umspringen, worüber wir beide froh waren, und versammelte diesen wieder, bevor ich bei E in den schritt zurückging. Ich liess sie im Mittelschritt eine kleine Volte machen, wobei Blüte ihre schönen Gänge zur Geltung brachte und trabte anschliessend im versammelten Trab über die Mittellinie auf die Richter zu. Ich grüsste sie zum Abschied und zum Zeichen dass ich fertig war ehe ich die Halle verliess. Währenddessen liess ich die Zügel lang und tätschelte Blüte’s Hals begeistert. „Toll Blüte, das hat ja prima geklappt!“ Sie schnaubte als Antwort und schüttelte entspannt den Kopf. Ich sah kurz nach hinten in die Halle zurück, wobei mir auffiel, dass sie den Schweif sehr schön trug. Draussen kam uns Jack entgegen und gab Blüte ihre wohlverdiente Karotte. „Das sah vielversprechend aus, ich bin gespannt auf das Resultat!“, meinte er und ich nickte nur, strahlend. Ich stieg ab und Jack half mir, den Sattel abzunehmen. Blüte durfte, am Hänger angebunden, auf dem schmalen Grasstreifen daneben fressen, während wir zwei zurück zur Halle liefen um die Resultate abzuwarten und die nachfolgenden Darbietungen zu bewundern.
      Das Resultat der Körung wurde auch bald verkündet, Blüte hatte eine genügende Punktzahl erreicht! Jack und ich waren überglücklich und gaben der Stute gleich noch eine Karotte.

      Osterschnitzeljagd
      Donut
      röchelte mir schon entgegen, als ich den Hauptstall betrat. Ich musste mich jedoch erst noch durch die Stallgasse kämpfen, in der gerade Hochbetrieb herrschte. Die Pfleger waren am füttern und man hörte ungeduldiges Hufscharren und Gewieher. Ich schlängelte mich an den Schubkarren vorbei und wich Empires weicher Schnauze aus, der gerade geputzt wurde und mich im vorbeigehen an stupsen wollte. Endlich war ich bei Donuts Box angelangt und stellte die Putzkiste ab. „Na mein kleiner schicker?“ begrüsste ich ihn, wie ich es immer tat. Trotz dem ich so viele Pferde zu betreuen hatte nahm ich es mir nicht, bei jedem Einzelnen gewisse Rituale einzubauen und ihnen allen so Sicherheit zu vermitteln. Ausserdem ritt ich alle Pferde mindestens zweimal pro Woche selber, den Rest übernahmen jeweils die Pfleger, die schliesslich auch gefördert werden mussten. Ausserdem hatten die Pferde alle einmal in der Woche frei, nämlich immer sonntags. Dann durften sie in Gruppen auf die grossen Weiden und das Pferdeleben geniessen. Ich schnappte mir einen Striegel und warf einen Blick auf die Uhr. „Schon halb eins, Jonas du bist spät dran.“, murmelte ich erbarmungslos, denn der Pfleger war gerade in Baccardis Box geschlichen. „T’schuldigung, ich musste noch Telefonieren….“, antwortete er hastig und kam nochmal raus, um sich ebenfalls einen Striegel zu angeln. Als er aufsah trafen sich unsere Blicke. „Etwas Wichtiges?“ „Jain, meine Tante ist letzte Woche verstorben, die Vorbereitungen für die Beerdigung sind schon in vollem Gange.“ „Das hast du mir ja gar nicht erzählt, tut mir schrecklich leid…“ „Ach ich mochte sie nie besonders, wir redeten seit Jahren nicht mehr zusammen.“ Er erklärte mir während dem Putzen, dass seine Tante mit seiner neuen Berufswahl als Pferdepfleger nicht einverstanden gewesen sei. Sie sei immer schon der Meinung gewesen, dass Pferde gefährlich seien und stinken würden. Ich hörte gespannt zu und entwirrte Donuts Mähne. Jonas unterbrach seine Rede, weil er konzentriert versuchte, Baccardis Mähne zu einem französischen Zopf zu flechten. Ich musste lachen bei dem Anblick und wechselte die Box um ihm zu helfen. Ich übernahm die Haarsträhnen und schob ihn sanft zur Seite. Doch er hielt leicht gegen und legte plötzlich seine Arme um mich. Ich sah ihn verwundert an und stupste ihm in den Bauch, da liess er auch schon wieder los und stupste zurück. Ich beschloss, nicht weiter darauf einzugehen, da es vermutlich wieder nur eine Spielerei seinerseits gewesen war. Ich flocht sie Mähne ruckzuck zu einem ordentlichen Zopf, da ich darin viel Übung hatte. Er sah mir dabei ganz genau auf die Finger, beeindruckt von meiner Geschicktheit. „Naja, manche Dinge werd ich wohl nie beherrschen.“, grinste er als ich fertig war. „Sag niemals nie.“, meinte ich und lächelte verschwörerisch. Wir sattelten endlich und führten die Pferde in den Innenhof. Dort stiegen wir auf und ritten anschliessend zum Dressurviereck, wo wir die beiden erstmal gründlich aufwärmten. Nach einer Weile trabte ich an und begann, Volten und Schlangenlinien zu reiten. Donut löste sich schon nach wenigen Runden und lief locker durch’s Genick. Wenn er versuchte, mit dem Kopf auf und ab zu wackeln, gab ich ihm eine leichte Parade am inneren Zügel. Wir hatten das Headshaking dank der vielen Longenstunden gut in den Griff bekommen, aber ab und zu zeigte er noch Rückfälle. Baccardi schien heute etwas aufgezogen zu sein, er trabte recht zügig und glotze ab und zu wieder das Gebüsch an, als ob dort etwas Gefährliches drin schlummern würde. Als ich an derselben Stelle vorbei kam, fuhr Donut plötzlich zusammen und bockte daraufhin los. Ich war völlig unvorbereitet und plumpste schon nach wenigen Sekunden in den weichen Sand. Donut rannte mir gehobenem Schweif und gespitzten Ohren in Richtung Ausgang, doch Jonas konnte ihm gerade noch den Weg versperren. Da Donut angehalten hatte, konnte er ihn nun leicht am Zügel fassen und mit zu mir führen. „Alles okay?“, fragte er besorgt und stieg ab. Ich stand noch etwas benebelt auf und richtete meinen Helm gerade. „Ja, nix passiert. Irgendwas muss da im Gebüsch sein!“, meinte ich, und lief auf die Stelle zu. Mit triumphierendem Blick richtete ich mich kurz darauf wieder auf und drehte mich zu ihm um. In der Hand hatte ich einen kleinen Korb mit bunten Ostereiern. „Da war jemand fleissig. Ich wette, das war Lisa. Die hat immer solchen Unsinn im Kopf.“ Wir lachten herzhaft und versteckten den Korb wieder, ehe wir weiter ritten. Nach knapp einer Stunde intensiver Arbeit mit den beiden Ponyhengsten stiegen wir zufrieden ab und brachten die beiden in ihre Boxen zurück. Nach dem Absatteln und Bürsten spielte ich noch etwas mit Donut: Ich zeigte ihm ein Handzeichen und sagte ruhig und deutlich: „Lachen“. Daraufhin streckte er seine Oberlippe nach oben und flehmte. Ich lobte ihn und gab ihm Karottenstückchen. Als ich keine mehr hatte kam er mit seinem Maul und fummelte mir an der Stirn herum. Ich stiess ihn lachend zur Seite als es mir zu bunt wurde, um zu Baci zu wechseln und ihn noch etwas zu streicheln. Die Blesse die sich über sein Gesicht zog war elegant den Augen angepasst und liess ihn frech und neugierig wirken. Die kräftigen Hengstpony-Backen und die kurzen Ohren unterstützten dieses Bild. Alles in allem war der Hengst wie Donut einfach ein Traum von einem Pony. Ich wuschelte ihm noch etwas mit der Hand durch die Mähne, und weil Jonas mit seinen dunklen, kurzen Locken gerade daneben stand, ihm ebenfalls.
      Am späteren Nachmittag trommelten uns Lisa und Rosie zusammen. Gespannt hörte ich zu, was die beiden wieder ausgeheckt hatten: Eine Ostereier-Schnitzeljagd. Sie hatte mich zuvor gefragt, ob die Pfleger heute mit den Pferden ins Gelände dürften. Ich schlug vor, dass sie gleich die Vollblüter nehmen sollten, die noch nicht bewegt waren. So suchte sich jeder ein Pferd aus und machte es hübsch für die Jagd nach den Eiern. Lewis nahm Sunday, Quinn nahm Paint, Ich nahm Gray, Jack nahm Fly, Rosie nahm Stromer, Jonas nahm Light, Lisa nahm Empire, Oliver nahm Indiana, Lily nahm Chiccory, Ajith nahm Felicita und Elliot nahm Campina. Die anderen, Smarty, Sumerian, Winter, Spot, Kierka, Crack, Blüte undCantastor waren schon am Morgen auf der Bahn trainiert oder longiert worden. Gray war artig beim Aufsteigen und blieb schön stehen, während Campina neben uns die ganze Zeit wegen der vielen Pferde zappelte. Immerhin waren wir 11 Reiter! Lisa gab uns den Tipp, wo der erste Posten versteckt war und hielt sich dann zusammen mit Rosie im Hintergrund, denn die beiden kannten die Verstecke ja. Jonas und ich erkannten den ersten Posten auch gleich wieder, denn der Tipp lautete: ‚Der Start beginnt, wo der Schüler im Sommer stunden nimmt.‘ Die anderen berieten sich kurz, ehe die Gruppe auf den Platz ritt und das erste Nest suchte. Es dauerte auch nicht lange, bis Lewis es entdeckt hatte. Darin war ein Zettel, der mir vorher gar nicht aufgefallen war: ‚Wo der Fisch schwimmt, dort die Suche erst recht beginnt.‘ Die Zettel waren auf Deutsch, was mir erst jetzt in den Sinn kam. Ich fragte Rosie deswegen und sie meinte, dass es so spannender für die englisch sprechenden sei, da sie erst noch übersetzten mussten. Wir ritten also zum Fluss, der vermutlich gemeint war. In einer Hecke am Ufer war der zweite Korb aufgehängt, diesmal bekam ihn Jack. Auf dem Zettel stand: ‚Zögert nicht und reitet zum dritten, dort wo sich einst Räuber stritten.‘ Ich wusste sofort, was damit gemeint war. Es gab eine alte Bauern Legende, dass im nahen Pinienwald auf der grossen Lichtung einmal eine Banditenfestung gewesen sei. Sie soll ganz aus Holz gewesen sein. Einmal seien die Räuber jedoch erfolglos von einem Beutezug heimgekehrt und hätten sich aus ärger gegenseitig so lange beschimpft, bis einer die Festung in Brand gesetzt hatte. In ihrer Wut hätten sie nicht bemerkt, wie die Rauchfahne ihren Standort verriet und die wütenden Dorfbewohner anlockte. Die Festung sei komplett ausgebrannt und durch die Flammen sei der Wald um sie herum auch noch fast kreisrund gerodet worden, dies war die heutige Lichtung der Legende nach. Wir ritten also auf meinen Aufruf hin zur Waldlichtung. Tatsächlich fanden wir dort hinter einem Steinhaufen versteckt das dritte Körbchen. Rein aus Neugier sah ich mich ausserdem diesmal genauer auf der Lichtung um. Ich ritt in die Mitte, konnte jedoch auf dem Boden nichts Ungewöhnliches entdecken. Enttäuscht trieb ich Gray wieder zur Gruppe zurück. Was hatte ich überhaupt erwartet? Es war ja nur eine Legende und selbst wenn nicht, musste diese Geschichte schon laaange zurück liegen und es würde keine Spuren mehr geben. Ich schob diese Gedanken beiseite und genoss den Ritt. In meiner Abwesenheit hatte ich den neuen Rätselspruch gar nicht mitbekommen. Ich machte mir jedoch auch keine Mühe, ihn noch herauszufinden. Wir ritten zur Galoppwiese, auf der mitten im Feld ein weiterer Korb versteckt war. Wir mussten uns alle aufteilen, um ihn zu finden. Und so jagten auf der ganzen Wiese Pferde im Galopp durchs saftige Gras, auf der Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Als wir sie nach einer Viertelstunde immer noch nicht gefunden hatten, wurde Lisa um Hilfe gefragt. Zu allem Überfluss wusste sie jedoch nicht mal mehr, wo genau sie den Korb hingelegt hatte. Gerade als wir aufgeben wollten hüpfte Elliot triumphierend vom Pferd. Auf dem Zettel stand: ‚Den zweitletzten Schatz hältst du beinahe schon in der Hand. Um ihn zu finden halte dich am Waldesrand.‘ Wir wunderten uns ein wenig über die Einfachheit dieses Hinweises, doch sagten nichts und ritten weiter. Die suche war schliesslich doch nicht so leicht wie gedacht, denn der Korb hängte am Ende an einem Ast über unseren Köpfen. Quinn musste auf Paints Rücken stehen um ihn zu erreichen. Die Stute hielt zum Glück schön still, weil Ajith sie hielt. ‚Das Ende ist nah und doch noch fern, du findest es im Kern.‘ Im Kern? – Ich hatte keine Ahnung, was damit gemeint war. „Ist das Nest etwa in einem Apfel?“, scherzte Jonas und die Gruppe brach die Stille mit herzhaftem Gelächter. Lisa schüttelte weise lächelnd den Kopf. „Eigentlich ist es ganz leicht.“, stellte sie fest. Auch Rosie nickte eifrig. Wir beschlossen, erstmal zurück zum Hof zu reiten, denn wir vermuteten, dass das Körbchen dort irgendwo versteckt sein musste. Ich schnalzte und trieb Gray in den Galopp, denn wir waren auf einem der sandigen Galoppwege im Wald angelangt und die Reiter vor uns waren ebenfalls angaloppiert. Ich hielt die Zügel gespannt und schnappte mir ein Büschel Mähne, um Gray besser zu stützen. Wir sprangen den Weg entlang, das dumpfe Geräusch aufschlagender Hufe im Sand klang rhythmisch und vor mir wehten die Schweife. Am Ende der Strecke musste ich Gray in ihrem Eifer stark bremsen, denn wir wären fast in Light reingerasselt. Dieser war zum Glück gerade abgelenkt mit einer Wurzel, über die er halb drüber stolperte. Wenige Augenblicke später hatten wir die kurze Schrittpassage überquert (dort durfte man nur im Schritt durch, da ab und an ein Fussgänger durchlief) und die Vordersten sausten bereits wieder los. Ich trieb Gray auch wieder an. Der Wind zerzauste mir die Haare und Gray nahm gewaltige Sprünge, um einen kleinen Rückstand zu den Vorderen Pferden aufzuholen. Wir galoppierten die ganze Strecke bis zum Waldrand. Erst als wir wieder auf freiem Feld waren, parierten wir die Pferde in den Trab durch und ritten so den restlichen Weg zum Stall zurück. Es war herrlich; Die späte Nachmittagssonne und die angenehm aufgewärmte Luft unterstützten die ausgelassene Stimmung perfekt. Wir plauderten und lachten auf dem ganzen Weg und Lewis erzählte immer wieder Witze. Wir durchquerten die Galoppbahn mit ihren grossen Tannen, wobei wir uns leicht unter einem tief hängenden Ast ducken mussten. Als wir an den Weiden vorbei kamen, kamen die beiden Mini Hengstchen aufgeregt angetrabt und begleiteten uns. Die Stuten schienen sich nicht für uns zu interessieren. Nun ging die Sucherei los: Wir teilten uns auf und durchkämmten das Hofgelände nach dem fehlenden Korb. Ich wollte gerade zu Jack reiten, als Jonas an meine Seite kam. Daher bildeten wir beide gleich ein Team. Er schlug vor, dass wir zuerst auf dem Geländeparcours suchen sollten, schliesslich war dieser der ‚Kern‘ der Galoppbahn. Ich fand dies eine gute Idee und wendete Gray in die richtige Richtung. Ich nutzte die Gelegenheit, um Light etwas zu beobachten. Der sensible Hengst mochte keine harte Hand, doch bei Jonas schien er locker und zufrieden. Er war zwar feurig, wie immer, doch Gray hielt gut mit (sie war ebenfalls recht fleissig) und er trat schön ans Gebiss. Ich blieb stumm und wnedete meinen Blick wieder von dem schwarzen Hengst ab, um nach dem Vogel zu suchen, der sein Lied über unseren Köpfen trällerte. Wir überquerten die Galoppbahn und gelangten schliesslich zur Geländestrecke. Zuerst ritt ich zu der vordersten Baum-Insel und suchte das Bodengestrüpp ab. An den Stellen, an denen der Boden kahl war, wuchs nur spärlich Gras und die Erde war hart getreten von den vielen Hufen, die hier durchgekommen waren. Dennoch sahen die mit Schatten und einzelnen Lichtstrahlen überzogenen Flächen harmonisch und geheimnisvoll aus. Da ich nichts entdecken konnte, trieb ich Gray weiter zur nächsten kleinen Baumgruppe. Ich suchte auch in den Ästen über mir, doch selbst dort befand sich kein Korb. Als nächstes sah ich beim kleinen Grabenhindernis, beim Gebüsch-Sprung, beim Baumstamm und beim Hügelchen. Doch nirgends war etwas zu finden. Auch Jonas schien erfolglos geblieben, deshalb ritten wir zurück zu den anderen. Die hatten sich gerade um Elliot versammelt, der soeben den letzten Korb im Innenhof des Hauptstalls gefunden hatte. „Na klar, der Kern ist der Hauptstall mit unseren Engländern!“, Lachte ich und gratulierte ihm. Dann bedankte ich mich formell bei Lisa und Rosie für die hervorragende Durchführung dieser Eier-Jagd und lud alle Teilnehmer zu einem heissen Tee im Garten des Haupthauses ein. Zuerst wurden jedoch natürlich noch die Pferde versorgt. Sie genossen den Sonnenuntergang in Gruppen auf der Weide.

      Life goes on Fortsetzung des Nebenstallberichts 'Having troubles or what'
      Mir wurde ganz schwindlig, als sie Jack auf die Trage legten und wegbrachten. Auf einmal kam der ganze Schock, die Verzweiflung, Angst und Trauer über mich wie eine gewaltige Flutwelle, die mich beinahe zu Boden riss. Jonas, der ebenfalls in den Krankenwagen getragen wurde, beobachtete mich mit sorgenvollen Augen. Ich stützte mich gegen Rosie, die mir eine Umarmung anbot und schluchzte ungehalten in ihre Schulter. Alles um mich herum kam mir so unwirklich vor und ich hörte die Stimmen wie durch eine unsichtbare Wand. Alles, was ich von diesem Abend noch mitbekam war, dass Lisa, Rosie und Quinn mich ins Haus brachten und mit einen Tee kochten. Am nächsten Morgen wachte ich auf und fühlte mich wie ein Stein. Mir steckte die Trauer augenblicklich wie ein Kloss im Hals, als ich mich an den vergangenen Tag erinnerte. Am Morgen war ich noch so sorglos gewesen und dann war alles zerbrochen. Ich versuchte mich abzulenken und sah auf die Uhr. Es war erst fünf und draussen ging gerade die Sonne auf. Seufzend richtete ich mich auf und zog meine Reitsachen an. Die Pferde würden mich jetzt am besten trösten können, besonders meine und Jacks geliebte Vollblüter. Als ich durch die Küche lief sprang Jacky von ihrer Decke auf und folgte mir, jedoch schien sie auf seltsame Weise nicht so energievoll wie sonst. Ich machte mich ohne etwas zu frühstücken auf zum Hauptstall und holte die Putzsachen von Winter aus der Sattelkammer. Als ich die Box des schneeweissen Hengstes betrat, streckte er mir mitfühlend seine rosarote Schnauze entgegen, als wüsste er genau, was in mir vorging. Ich krallte mich in dem weichen Fell fest und legte die Wange an seinen Hals. Seinen warmen Puls zu fühlen, jedes Zucken der Muskeln, tat mir gut. Schliesslich angelte ich mir den Striegel und putzte meinen Liebling. Als ich fertig war, sattelte ich ihn mit seinem kleinen Rennsattel und hängte das Vorgeschirr ein. Ich führte ihn wie in Trance nach draussen und stieg auf. Ich ritt zunächst eine Runde Schritt auf der Galoppbahn und trabte anschliessend eine weitere Runde auf die andere Seite. Dann ritt ich zur Rennbahn und liess ihn laufen. Beim 500m-Pfosten sah ich auf die Armbanduhr und stoppte in der nächsten Runde an derselben Stelle. Mein grosser hatte eine gute Geschwindigkeit drauf und war ordentlich fit, deshalb beschloss ich, gleich noch eine Runde zu trainieren, aber diesmal mit Startbox. Prüfend sah ich mich nach den Pflegern um, schliesslich brauchte ich jemanden der die Boxen öffnete. Gerade als ich zurückreiten wollte um jemanden zu rufen, entdeckte ich Quinn, Lily und Oliver mit Spot, Iskierka und Light, die auf uns zu ritten. Winter spitzte die Ohren und hob den Kopf, um seine Stallgenossen zu begrüssen. Ich freute mich wahnsinnig, meine alten Freunde so anzutreffen, hielt dieses Glücksgefühl aber noch versteckt. Ich ritt ihn in eine der mittleren Boxen und wartete konzentriert auf den Start. Die anderen reihten sich ebenfalls ein und Ajith kam herbeigeeilt um die Boxen zu öffnen. Dann donnerten die Vollblüter auch schon los. Ich hielt mich bei Winters Absprung etwas an seiner Mähne, um von der Wucht nicht gleich aus dem Sattel zu gleiten. Es war ein wundervolles Gefühl, die schnaufenden Pferdeköpfe links und rechts von mir zu sehen und unter mir den gewaltigen Körper des Hengstes zu fühlen. Das rhythmische Aufschlagen der Hufe liess mich all den Schmerz vergessen und holte mich zurück in die Welt, in die ich gehörte; das hier und jetzt. Light gewann zwar das Trainingsrennen knapp vor Winter und mir, doch das war mir schnuppe. Ich hatte einen Entschluss gefasst während dem Galoppieren: Das Leben musste weitergehen. Ich tätschelte Winters Hals und plauderte begeistert mit den anderen über das Training. Anschliessend arbeiteten die restlichen Jockeys noch etwas weiter mit ihren Pferden, während ich Winter austraben liess. Er schnaubte schön ab und streckte den Hals tief zu Boden. Schliesslich brachte ich ihn zurück in die Box und versorgte ihn gründlich, ehe ich mich Stromer widmete. Mit dem cremefarbenen Hengst hatte damals alles angefangen – er war mein allererstes Vollblut gewesen. Nun war er schon ganze sechs Jahre alt und hatte sich prächtig entwickelt. Aus dem einst so zerbrechlichen dreijährigen mit der schlechten Vergangenheit war ein top bemuskelter, aufmerksamer und freundlicher Hengst mit wundervollen Gängen geworden. Jetzt im Sommer schimmerte seine rosafarbene Haut stark durch das Fell, was ihm deutlich mehr Farbe verlieh als im Winter, wenn er mit dem dichteren Fell fast weiss wurde. Ich putzte auch ihn sorgfältig und ritt anschliessend wie schon mit Winter in voller Rennmontur zur Bahn, wo ich ihn zunächst aufwärmte. Er hatte viel mehr Erfahrung als Winter und konnte seine Kräfte gut einteilen. Ausserdem hörte er sehr fein auf meine Hilfen und wurde nicht so heftig wie die jüngeren Genossen. Wenig später hatten auch die drei Jockeys ihre Pferde ausgetauscht; sie ritten nun Pina, Sunday und Felicita. Wiederum lieferten wir uns ein Spassrennen und arbeiteten dann noch etwas für uns auf der Bahn, was aber mit den tollen Pferden genauso viel Spass machte. Ich bewegte an diesem Morgen noch Gray, Crack und Indiana, während Quinn Chiccory und Fly, Oliver Paint und Empire und Lily Blüte und Cantastor übernahmen. Besonders bei Crack musste ich wieder mit den Tränen kämpfen, denn ich hatte sie damals von Jack zum Geburtstag geschenkt bekommen und mich so sehr über sie gefreut. Die Erinnerungen kamen wieder in mir hoch und ich musste daran denken, wie ich ihn so voller liebe umarmt hatte. Und doch war ich zuletzt wütend auf ihn und habe ihn mit eben diesem Gefühl angesehen… Dieser Gedanke schmerzte am meisten von allen. Als ich Diana versorgt hatte bemerkte ich ein grummeln und stellte fest, dass ich durch das ganze Arbeiten doch noch Hunger bekommen hatte. Aber alleine zu kochen würde bestimmt schrecklich werden. Ich schlenderte lustlos in Richtung Haus und bemerkte nicht, wie Lisa sich von hinten anschlich. Sie tippte mir auf die Schulter und rief laut „Buh!“, während Quinn und Ajith, die sich an die kühle Wand des Hauptstalls gelehnt hatten die Augen rollten. Ich vergab Lisa diese Taktlosigkeit angesichts meiner Trauer und sah sie bloss fragend an. „Ich… äehm… Ich meine Quinn, Ajith, Lily und ich wollten dich fragen, ob du vielleicht mit uns in die Stadt kommen willst. Wir dachten, wir gehen Jonas im Krankenhaus besuchen und essen unterwegs zu Mittag…“ Mein Herz machte einen Hüpfer. Jonas! Er lebt ja noch… Beschämt, dass ich meinen treuen Freund in der Not ganz vergessen hatte, willigte ich rasch ein und folgte den Pflegern auf den Parkplatz. Wir fuhren mit Lilys kleinem Toyota, in den wir uns allerdings ziemlich reinquetschen mussten. Wir bestellten wie geplant auf dem Weg zum Hospital ein Falafel für mich und sonstigen Schnellimbiss-Kram für die anderen. Als ich den langen Gang zu Jonas‘ Zimmer entlanglief, wurde mir etwas schwindelig. Wie hatte ich nur nicht an ihn denken können? Immerhin war er genauso wie Jack in Lebensgefahr gewesen und hätte genauso gut auch tot sein können! Langsam öffnete ich die Tür und trat ein. Es war vollkommen Still in dem hellen Raum. Die anderen Patienten schienen zu schlafen und auch Jonas hatte die Augen geschlossen. Die Pfleger folgten mir leise und schlossen die Tür hinter sich. Vorsichtig kniete ich mich neben sein Bett und betrachtete die üblen Verbrennungen, die sich über seine Oberarme zogen. Wie durch ein Wunder war das Gesicht beinahe unversehrt geblieben. Er muss es rechtzeitig mit den armen geschützt haben, überlegte ich und begann, seine Nase zu kitzeln. Seine Augenlieder zuckten, dann musste er niesen und wachte auf. „Occu… und ihr! Ich bin so froh, dass ihr gekommen seid.“ Ich lächelte verlegen, immerhin wäre ich ohne die anderen nicht hier. Zögernd fragte ich: „Wie fühlst du dich?“ „Den Umständen entsprechend, aber eigentlich nicht allzu schlecht. Bloss mein Rücken tut ziemlich weh. Aber die Ärzte meinten, es sei nichts ernstes, bloss eine Prellung. Wie geht es Jack?“ Ich zuckte zusammen und sah betreten zu Boden. Er weiss es also noch nicht… Quinn fasste Mut und antwortete leise auf die Frage. „Er hat nicht überlebt…“ Ich beobachtete, wie sich seine Pupillen weiteten und er den Mund öffnete, um etwas zu sagen, ihn dann aber ohne einen Mucks wieder schloss und ins Leere starrte. „Tot? D das ist schrecklich. Es tut mir so leid Occulta…“ Ich nickte nur und biss mir auf die Oberlippe, um die Fassung nicht wieder zu verlieren. Ich war froh, als er das Thema wechselte. „Wie geht es den Pferden? Haben sie sich sehr erschreckt als das Flugzeug abstürzte?“ „Nein, ich denke nicht. Heute Morgen liefen die Vollblüter im Training jedenfalls top“, antwortete ich. Er nickte mit einem Lächeln und ich fragte ihn, was denn so amüsant sei. „Ich finde es faszinierend, wie glücklich du wieder wirkst, sobald wir über Pferde reden.“ Nun lächelte ich ebenfalls und stupste ihn zur Strafe in die Seite, worauf er sofort aufschrie. „Au au, pass doch auf!“ „tut mir leid, ich hab gar nicht…“, stammelte ich erschrocken, doch schon grinste er mich wieder breit an und ich erriet, dass er nur mit mir gespielt hatte. Böse sein konnte ich ihm allerdings nicht. Wir plauderten noch etwas, dann machten die Pfleger und ich uns auf den Rückweg zum Stall. Er sah uns gequält hinterher, als wir einer nach dem anderen zur Tür hinausgingen, besonders mir, so kam es mir jedenfalls vor.
      Zuhause half ich Quinn, die mit dem Einreiten von Sumerian und Frame weitermachte. Die beiden waren noch ganz am Anfang ihrer Ausbildung, machten sich aber alles andere als schlecht. Fröhlich beobachtete ich die Fortschritte von Frame, der Monate zuvor noch so erbärmlich ausgesehen hatte, mit all seinen Wunden und Schrammen. Nun ging er nicht mehr lahm und nur eine Narbe zierte den Hals dort, wo der Pfosten einst ein so grosses Loch hinterlassen hatte. Meine Tierärztin hatte hervorragende Arbeit geleistet. Gegen Abend kam dann noch eine Überraschung auf dem Hof an. Ein Transporter fuhr auf den Parkplatz, beladen mit zwei neuen Vollblütern. Als ich mich fragend an den Fahrer wandte erfuhr ich, dass die beiden von Eddy stammten und Jack sie wenige Wochen zuvor abgekauft hatte, da Eddy ihren Bestand etwas reduzieren wollte. Auch ein Fohlen würde in den nächsten Tagen noch ankommen. Ich ignorierte das Stechen, das sich bei Jacks Namen wieder bemerkbar machen wollte und bewunderte den Hengst, Muskat. Er war bereits gekört und würde sicherlich ein wunderbarer Zuchthengst werden. Die Stute, Cassiopeia, hatte ich auch schon ein paarmal an Rennen gesehen, sie war Jack damals besonders aufgefallen. Ich führte beide in den Hauptstall und half anschliessend den Pflegern beim Füttern. Um halb zehn lief ich endlich müde zum Haus, zögerte aber davor und wandte mich stattdessen im halbdunkeln dem Hof zu. Es kehrte Ruhe ein auf Pineforest Stable, nach all der Aufregung schienen sogar die Pferde erledigt. Die Gebäude lagen still im Zirpen der Insekten da und erste Sterne tauchten am Himmel auf. Ich erinnerte mich daran, wie ich einmal mit Jonas im Gras hinter dem Dressurviereck gelegen und an den dunklen Tannen vorbei die Sternbilder betrachtet hatte. Augenblicklich breitete sich eine Art entspannende Wärme in mir aus und zum ersten Mal am heutigen Tage war ich wirklich glücklich. Glücklich hier zu sein, glücklich, dass Jonas lebte und glücklich, dass noch so viel vor mir lag. Ich murmelte sanft, an die Sterne gewandt: „Auf wiedersehen Jack.“ Dann drehte ich mich um und verschwand im Haus.

      There must be something in the Water…
      Ich schlug die Augen auf und sass sofort kerzengerade im Bett. Ich hatte soeben einen schrecklichen Albtraum gehabt, in dem ich wieder zurück auf dem Feld mit dem Flugzeugwrack gewesen war. Um mich herum hatte alles lichterloh gebrannt und mitten in den Trümmern hatte jemand schrecklich geschrien. Dann war ich von dunklem Rauch eingehüllt worden und meine Augen hatten fürchterlich gejuckt. Ich hatte das Gefühl gehabt, keine Luft mehr zu bekommen und war schliesslich verzweifelt zu Boden gesunken. Dann war ich aufgewacht – zum Glück. Noch immer schweissgebadet rieb ich mir die Augen und stand auf. Es hatte keinen Sinn, weiterzuschlafen. Auch wenn erst halb fünf morgens war, fühlte ich mich nicht mehr müde und beschloss augenblicklich nach Blüte zu sehen. Sie sollte in den nächsten Tagen ihr Fohlen bekommen und ich war wie immer ziemlich aufgeregt deswegen. Schliesslich konnte so vieles schief gehen! Aber Blüte hatte schon einmal ein Fohlen gehabt und da war alles nach Plan gelaufen. Ich schmierte mir ein Honigbrot und ass es während ich zum Hauptstall lief. Die Pfleger waren noch nicht da, würden aber bald kommen. Ich betrat das grosse Stallgebäude und schlich an den dösenden Pferden vorbei zu Blütes Box. Die Stute stand ruhig da und zuckte nur ab und zu mit der Unterlippe, was mir zeigte, dass auch sie noch schlief. Beruhigt kraulte ich Campina, die nach Coulees Umzug neben Blüte gestellt worden war. Sie war wohl trotz meiner Vorsicht aufgewacht und so fühlte ich mich verpflichtet, die kleine Stute ein wenig zu beschäftigen. Ich betrat ihre Box und strich liebevoll über das bunt gesprenkelte Fell. Als ich sie gekauft hatte, war sie ein solch kleines, verwahrlostes Fohlen gewesen und nun gab sie mir all die Liebe und Arbeit zurück, die ich in sie gesteckt hatte. Ich verstand noch heute nicht, warum niemand das hübsch gescheckte Fohlen gewollt hatte. Aber eines stand fest: auf Pineforest Stable war sie aufgeblüht. Ich klopfte ihr ein letztes Mal auf die Schulter, dann verliess ich den Stall in Richtung Fohlenweiden. Die Jungspunde waren wie immer schon früh morgens unterwegs, jetzt hatte es nämlich noch keine lästigen Fliegen und Brämen. Zuerst ging ich zu den Stuten und setzte mich einfach nur ins kühle Gras. Sie kamen neugierig angelaufen und schnupperten an meinen Schuhen. Ich musste aufpassen, dass Bluebell nicht hineinbiss. Die junge Stute war ordentlich frech geworden und ihre Zähne waren leider nicht mehr so klein und stumpf wie zu Beginn. Bald würde ich sie einreiten können, stellte ich fest. Auch Sweets, Lychee und Mano würden bald so weit sein. Ich wollte die vier gleich alle gemeinsam ausbilden. Amüsiert beobachtete ich, wie Ciela Penny in die Kruppe kniff und diese daraufhin einen Bocksprung machte. Diese Spielereien waren immer sehr unterhaltsam, weshalb ich auch oft einfach hier unter dem Baum sass und die Stimmung genoss. Point graste etwas entfernt, die etwas zickige Genossin erinnerte mich immer wieder an Iskierka. Aber das war nicht schlimm – Kierka war schliesslich trotz allem ein ausgezeichnetes Rennpferd. Ein Blick zu den Hengstfohlen sagte mir, dass auch dort alles im Lot war; Sheba und Mano kraulten sich friedlich am Widerrist. Vielleicht bekommt ihr bald Zuwachs, dachte ich belustigt. Ein Hengstchen wäre schon toll.

      Vier Stunden später rannte ich zum Hauptstall, weil Ajith nach mir gerufen hatte. Blütes Fohlen war auf dem Weg, völlig überraschend am helllichten Tag. Bisher sah alles gut aus, doch zur Sicherheit wollte ich dennoch den Tierarzt rufen. Ich warf kurz einen Blick in die Box, dann flitzte ich zurück ins Haus um das Telefon zu holen. Unterwegs stiess ich beinahe mit jemandem zusammen, den ich in diesem Moment am allerwenigsten erwartet hatte. „Jonas!“ Er grinste verlegen und sah mich dann fragend an. „Ich muss den Tierarzt rufen gehen, danach komm ich gleich – ähhh, warte hier.“ Schon brauste ich davon. Warum sollte er überhaupt dort warten? Er konnte doch gerade so gut zu den anderen Pflegern gehen und sie begrüssen!, dachte ich mir während dem laufen, genervt über mich selbst und meine sinnlosen Einfälle. Als ich jedoch wieder aus der Tür hervortauchte, stand er zu meiner grossen Überraschung tatsächlich noch genau an der Stelle, an der ich ihn hatte warten lassen. „Und, was willst du mir nun erzählen?“, lächelte er erwartungsvoll. Ich rollte die Augen und antwortete: „Gar nichts, ich war bloss wie immer verwirrt und hab nicht nachgedacht. Du kannst natürlich gehen, wohin du willst und brauchst nicht auf mich zu warten.“ Bei den letzten Worten wurde ich etwas verlegen. Schnell überdeckte ich dieses Gefühl mit einem Themenwechsel. „Was machst du überhaupt schon hier? Müsstest du nicht noch im Krankenhaus sein?“ „Willst du mich etwa nicht hier haben?“, fragte er trotzig. Zögernd meinte ich: „Doch schon… aber deine Verbrennungen. Ich will doch, dass du dich nicht überanstrengst.“ Seine Miene hellte sich auf. „Meine Verbrennungen sind nicht mehr so schlimm, in zwei Wochen sollte man kaum mehr etwas davon sehen, meinen die Ärzte. Ausserdem habe ich es dort nicht mehr ausgehalten, es war viel zu still und du hast mir gefehlt.“ Ich zuckte ein wenig zusammen, bemerkte aber, dass er mich schelmisch angrinste und vermutete, dass diese Bemerkung nur wieder eine seiner Spielereien gewesen war. Man wusste eben doch nie so genau, was er wirklich dachte. Schnell sagte ich: „So jetzt aber, komm! Wir müssen zu Blüte.“
      Nur eine Stunde später hatte nicht nur ein wunderschönes, sehr dunkles Hengstfohlen die Welt erblickt, sondern zu aller Überraschung auch ein kleines, dunkelbraunes Stutfohlen. Beide hatten wie ihr Vater einige weisse Flecken, das Hengstchen an der Flanke und an der Schulter. Sein krauses Fohlenhaar erinnerte mich stark an die Wolle eines Schafs, weshalb ich ihn Merino nannte. Die hübschen, noch etwas bläulichen Augen hatten etwas Besonderes in sich, sie wirkten unheimlich intelligent und wissend. Vorsichtig kraulte ich den kleinen, als er auf mich zu stolperte und betrachtete die krummen Tasthaare an seiner Schnauze. Das Stutfohlen bekam vorerst noch keinen Namen, da ich keinen weiteren genialen Einfall hatte. „Occu“, unterbrach mich eine leise Stimme von hinten. Es war Jonas, der anscheinend schon länger auf diesen Moment gewartet hatte, denn er fuhr hastig fort. „Ich habe noch eine kleine Überraschung für dich. Würdest du mir kurz nach draussen folgen?“ Verwundert sah ich ihm in die Augen, stand dann aber Wortlos auf. Mein Herz pochte lauter als sonst und ich versuchte mir vorzustellen, was für eine Überraschung er meinen könnte. Draussen liess er mich alleine um etwas zu holen. Es war eine Kartonschachtel mit Löchern auf der Seite und im Deckel. Etwas Materielles…, stellte ich leicht enttäuscht fest. Was hast du erwartet? Vorsichtig öffnete ich den Deckel und starrte auf den Inhalt. Ein pummeliger, lackschwarzer Welpe fiepte mich an, wedelte mit dem kurzen Schwänzchen und versuchte, am Rand der Schachtel hochzuklettern. Ich hob ihn heraus und war einen Moment sprachlos. „Gefällt er dir nicht? Ich dachte, du könntest noch etwas Gesellschaft brauchen nachdem das Haus nun so leer ist. Ausserdem hat Jacky einen Spielpartner nötig, schau nur, wie unmotiviert sie in letzter Zeit ist. Aber wenn du ihn nicht haben willst, übernehme ich ihn eben…“ „Doch doch! Er ist wunderschön und ich bin sicher, dass Jacky sich sehr freuen wird. Aber wie um Himmels Willen kommst du dazu, einen Welpen zu kaufen?“ „Eine bekannte von mir züchtet Labrador Retriever und diese kleine Dame hier ist von ihrem letzten Wurf noch übrig. Sie hat mich daher gefragt, ob ich sie nehmen würde und ich konnte bei dem Fellbündel doch nicht ablehnen.“ Ich lächelte und streichelte das dunkle Wesen auf meinem Arm. Sie musste etwa 4 Monate alt sein und trug ein blaues Halsband. Ich sah Jonas kurz an, dann fasste ich all meinen Mut und gab ihm einen hastigen Kuss auf die Wange. „Danke“, murmelte ich danach verlegen und musterte konzentriert die Hündin. Er lächelte bloss nachdenklich und meinte, die Hündin heisse übrigens Sheela. Ich war erfreut über den schönen Namen und trug den Wildfang ins Haus, wo ich ihr erstmal etwas zu trinken anbot. Jonas half mir, ihr einen Korb zu errichten und sie zu versorgen. Hach, was für ein Hundeleben!
    • sadasha

      Alte Pflege-, Hufschmied- und Tierarztberichte Teil 2

      Nachts fürchten die Mäuse den Jäger...

      Ich wachte nach einer unruhigen, mehr oder minder schlaflosen Nacht früh auf und begab mich zum Kühlschrank. Während ich nach einem geeigneten Joghurt kramte, plante ich den Morgen. Es würde alles etwas durcheinandergeraten nach meinem 'announcement', da war ich mir sicher. Doch verängstigte Mitarbeiter zu beruhigen war immer noch angenehmer, als Leichen zu entsorgen. Wenn es denn so weit käme... Vielleicht halste ich mir auch nur zu viele Sorgen auf. Als ich fertig gelöffelt hatte, schmiss ich das leere Gefäss in den Müll und öffnete mit wetterfesten Kleidern die Tür. Es Regnete und war neblig - was konnte es an so einem Morgen sonst sein. Ich seufzte kaum hörbar, aber reichlich genervt und machte mich auf zum Hauptstall. Es war noch finster und die Pferde dösten vor sich hin, als ich vorsichtig das Tor aufschob und eintrat. Winter, in einer der beiden vordersten Boxen, lag mit eingeklappten Beinen im Stroh und sah auf, sobald ich mich näherte. Er blieb jedoch liegen, als ich die Box öffnete und auf ihn zuschritt. Er röchelte sogar leise, und ich kniete neben ihn, um ihn zu kraulen. Es war unheimlich beruhigend, seine dunklen, verschlafenen Augen zu begutachten und seine Lippen entzückt zittern zu sehen. Nach einer Weile öffnete sich das Tor erneut; Quinn und Ajith tauchen in der Öffnung auf. Einen Moment sahen sie sich verwirrt um, dann hörten sie meine Stimme und kamen zur Box. "I woke up earlier. You weren't expecting murderer inside here, were you?" Ajith zeigte sich bestürzt. "What?? No, why?" "Because there's a murderer spraying around in our forests." "No way! And what are we going to do?" Ich schwieg einen Moment. "We inform the others as soon as possible, but then we go on as normally and hope thqt the policemen do their work." Die beiden nickten und ich stand auf, um den besorgten Gesichtern ebenbürtig zu sein. Ich klopfte Winter zum Abschied auf den Hals und verliess seine Box. Wir holten die Schubkarre und füllten sie mit Heu, während nach und nach auch die anderen Pfleger auftauchten. Bald war der Stall erfüllt von munterem Geplapper und dem Scharren und Schnauben der Pferde. Dann hielt ich meine kleine Rede. Und schon war die fröhliche Stimmung ersetzt durch sorgenvolles Schweigen. Keine lustig pfeifenden, witzelnden Pfleger mehr, nur stille Arbeiter. Ich beschloss neutral zu bleiben und lief zu Paints Box - es war Zeit fürs morgendliche Training. Oliver hatte die Pferde ihren Reitern schon am Vorabend zugeteilt, es änderte sich aber kaum etwas im Vergleich zum Wochenplan. Die schwarze Stute begrüsste mich mit ihrer weichen, rosa Schnauze. Ich streichelte das samtige Fell an ihrem Hals und kraulte sie liebevoll hinter dem Ohr, bevor ich ihr das Halfter überzog. Anschliessend band ich sie in der Stallgasse an. Ich öffnete die Schnallen ihrer Fleece Decke und zog sie nach hinten, liess sie jedoch halb auf der Kruppe liegen, denn die Stute war geschoren und um halb sechs war es bekanntlich noch ziemlich frisch, draussen und in der Stallgasse. Ich bürstete das kurze, stoppelige Fell gründlich und entwirrte ihren Schweif. Dann sah ich mir die Hufe an, prüfte ob die Eisen noch hielten und entfernte den Schmutz der Nacht. Weiter vorne in der Gasse richtete Oliver Blüte her, Iskierka wurde gegenüber von mir von Ajith betreut. Auch Gray, Cold, Mikke, Sumerian, Campina, Felicita, Indiana und Cassy wurden geputzt, heute Morgen trainierten wir nämlich alle Stuten zuerst. Diana sah mit ihrem neuen Zaumzeug extrem schick aus. Die Stute nahm zwar aufgrund ihres Alters nicht mehr an grossen Rennen Teil, diente den jüngeren Vollblütern aber als Vorbild und wurde in erster Linie mittrainiert, um sie für's Military fit zu halten. Als alle fertig waren und ihre Pferde nach draussen zum Aufsteigen führten, löste auch ich den Strick von Paint und ging mit der Stute ins Freie. Vor uns hob und senkte sich das muskulöse Hinterteil von Cassy. Ich beobachtete entzückt, wie ihr seidiger, weisser Schweif im Takt dazu Tanzte. Ich war unheimlich froh, die Stute übernommen zu haben, denn sie musterte sich mehr und mehr zu einem talentierten Galopper. Bei ihrer Abstammung war das ja auch kein Wunder. Ich zog den Reissverschluss meiner Fleecejacke höher, trotzdem zitterte ich noch vor Kälte. Bald nicht mehr, dachte ich schmunzelnd. Auch Paint war zappelig, sie kreiste um mich als ich mich in die Reihe stellte um von Oliver auf's Pferd geschmissen zu werden. Mit den kurzen Steigbügeln war es schwer, ohne Hilfe hochzukommen und der kleine Hocker, der bis anhin diese Hilfe geleistet hatte, hatte vor drei Tagen den Geist aufgegeben, sehr zum Pech von Quinn, die danach erschrocken halb am Pferd hing. Ich massregelte Paint und hielt sie einigermassen ruhig, bis ich endlich oben war, dann liess ich sie zügig den anderen zur Galoppbahn folgen. Wir ritten im Gänsemarsch eine Runde schritt, dann trabte die ganze Reihe auf Kommando an. Paint ging schwungvoll und locker, trotz der Temperaturen, aber Grey vor mir zog den Schweif ein wenig ein. Nach einer weiteren Runde wurde es besser. Wir wechselten die Seite und galoppierten schliesslich nach ein wenig linksseitigem Trab an. Nach einem Umlauf verliessen wir die Bahn über den sauber gewischten Kiesweg und ritten zu den Startboxen. Natürlich hatten nur acht Pferde in den acht Boxen Platz, weshalb wir zwei Gruppen bildeten. Per Handzeichen wurde bestimmt, dass Caprice, Felicita, Blüte, Iskierka und Paint zur ersten Gruppe zählten. Ich entschied mich für die dritte Box und trieb Paint hinein, doch sie ging sowieso freiwillig da sie wusste, dass sie gleich rennen durfte. Ich spannte die Zügel, hielt sie kurz, nahm die Startposition ein, um beim Absprung nicht aus dem Gleichgewicht zu kommen. Endlich waren alle drin und Ajith, der als "Bodenpersonal" dabei war, rief uns die Kommandos zum fertig machen zu. Dann sprangen die Türen auf und Paint beförderte uns kraftvoll von Anfang an an die Spitze. Ich hielt mich ein wenig an der Mähne der grossen, schwarzen Stute und war froh um meine Schutzbrille, denn die Morgenluft schlug mir eisig ins Gesicht. Ich wagte beim 500-Meter-Pfosten einen Blick über die Schulter und sah, dass Blüte aufholte. Ich liess sie passieren, denn ich wollte Paints Energie für den geplanten Kopf-an-Kopf Schluss sparen. Auch Felicita kam neben uns und hielt diese Position bis zum 1000m-Pfosten. Nun ging es nochmals in die Kurve, danach folgte die Zielgerade. Alle Pferde schlossen zueinander auf und Blüte und Felicita teilten sich die Spitze. Ich gab Paint etwas Zügel frei, sodass wir auch vorne mitmischen konnten. Kierka hängte sich links an Paints Flanke, nur Capri blieb verschollen. Ich drehte mich nochmals kurz und sah die Fuchsstute in einer Pferdelänge Abstand folgen, Tendenz steigend. Die Stute war noch immer nicht wieder 100%ig fit, da erstaunte dieses Schwächeln auf der Bahn nicht. Ich gab Paint nochmals etwas Zügel frei, sodass sie sich streckte und wir mit einer Nasenlänge gewannen. Ich tätschelte ihren Hals, während ich mich aufrichtete und sie auslaufen liess. Als sie in den Trab, und schliesslich in den Schritt fielen, sammelten sich die Pferde und Reiter wieder und ritten gemeinsam zurück zur Startmaschine. Oliver kam auf Aerith angetrabt. Die Stute wurde mittlerweile als Trackpony ausgebildet und eingesetzt, neben den Westernturnieren, die sie regelmässig lief. Oliver wollte später mit Iskierka und Campina das vom-Pony-aus-geführt-werden trainieren. Doch zunächst war die zweite Gruppe auf der Bahn. Ich reihte Paint und mich neben Caprice ein und wir beobachteten das Schauspiel vom Bahnrand aus. Die Türen flogen auf und alle sechs Pferde schossen aus dem Metallgeflecht hervor. Indiana teilte sich sogleich die Spitze mit Gray. Die erfahrene Stute hatte Tendenzen zum Sprinter, Gray jedoch war ganz klar Steher und sollte am Anfang eher im Mittelfeld bleiben, da sie zu wenig ausdauernd war, um das Tempo durchgehend zu halten. Oliver rief die Anweisung, die mir auf der Zunge lag: David solle sie doch endlich zurücknehmen. Unser Trainer hatte wie immer ein Auge für Feinheiten und war unterdessen zu uns getrabt, um diese Details zu besprechen. "Occu, let her go at approximately 900 meters next time. She is old enough to start early." Ich nickte als Zeichen der Kenntnisnahme und kraulte Paint stolz am Widerrist. In der Bemerkung war nämlich ein verstecktes Lob für ihre raschen Fortschritte gewesen. Campina hatte mittlerweile Gray an der zweiten Position abgelöst und Cassy folgte dicht neben der dunkelgrauen Stute. Zu dicht. "Stay away from Gray, or do you want to trap over her legs!", schrie Oliver in gereiztem Tonfall über die Bahn zu Darren. "I told him last time already, but je won't change a bit until the horse has a broken leg!", meinte er an uns gewandt. Ich schwieg und verfolgte das Training. Der 1000m-Pfosten war passiert, nun wurde es erst richtig heiss. Indiana wurde von Cassy überholt, Sumerian tauchte aus dem Nichts auf und zog an Gray vorbei, Crack schob sich vor Campina. Sumerian konnte das Tempo mangels Ausdauer allerdings nicht lange halten und fiel rasch wieder zurück. Indiana entwickelte zwar guten Schub, konnte mit den leichten Jünglingen jedoch nur schwer mithalten. Gray lieferte sich auf den folgenden Metern einen spannenden Kampf mit Crack, die schliesslich richtig zulegte und sich sogar vor Cassy schob, allerdings nicht lange. Die Palominostute mit den grossen Abzeichen verteidigte die Spitze bis zum Schluss. Wir jubelten den heftig atmenden Körpern von Reiter und Pferden über die Bahn zu, ehe wir selbst auf die Bahn zurückkehrten um ein paar fliegende Starts zu üben. Der Nebel hing immer noch erdrückend über unseren Köpfen, doch immerhin hatte es aufgehört zu regnen. Paint lief etwas zögerlich, vielleicht war sie noch erschöpft vom Rennen. Meine Sorge stieg jedoch, als sie auch nach vier Starts noch nicht gut wegkam. Normalerweise hatte sie mit dem Starten kaum Probleme. Ich rief Oliver, damit er sie sich ansah und tatsächlich: nach einer kurzen Demonstration schüttelte er den Kopf und winkte uns zu sich. "I think there's something wrong with her right foreleg. I'll call the vet." Solche Nachrichten waren in einem Rennstall sehr ungern gesehen, ich hoffte aber natürlich das Beste. Ich liess mich hinuntergleiten und führte die Stute, sorgsam beobachtend, in den Hauptstall zurück. Dort versorgte ich sie mit allem was sie brauchte, schmierte etwas Kühl Gel auf das betroffene Bein und zog ihr die blaue Fleece-Decke an. "Good girl, you'll be back in few days, I'm sure", flüsterte ich, etwas bedrückt. Ich schloss die Boxentür und holte Sheela und Jacky aus dem Haus. Auch die anderen Jockeys waren mittlerweile fertig und versorgten ihre Pferde, ehe sie sich versammelten, um die Hengste aufzuteilen. Ich wählte Sunday, denn ich hatte ihn die ganze letzte Woche Quinn überlassen. Nun wollte ich die Feinheit und Kraft des Hengstes selbst wieder geniessen. Wir trainierten wie zuvor, doch nach den Übungsrennen wurden Gruppen gebildet, um das Abteilungsreiten zu fördern. Die Pferde mussten bei ihrer Gruppe bleiben, selbst im rasenden Galopp. Sie mussten geduldig sein und auf die Hilfen ihres Reiters hören. Ich hängte mich an die Gruppe mit Stromer, Muskat, Winter und Chiccory. Die andere Gruppe bestand aus Fly, Light, Cantastor, Spot und Empire. Was für ein Gefühl das ist, mit fünf bebenden Hochleistungssportlern in einer Reihe über die Bahn zu jagen! Besonders wenn ein Pferd wie mein Sunday so fein mitmacht. Ich beobachtete ausserdem die anderen Pferde mit scharfem Auge, sodass ich mir fast wie Oliver vorkam. Frame war noch immer nicht beim Training dabei. Er war zwar schon mehrfach auf dem Platz kurz von mir geritten worden, doch ich wollte zuerst sicherstellen, dass er gut ausgebildet war und nicht überfordert wurde, ehe ich ihn mit zum Konditionstraining nehmen würde. Auch Oliver hatte mir dabei zugestimmt. Ich musste lachen, als Chiccory sich nach dem letzten Galopp schüttelte, als hätte er Fliegen in den Ohren. Dabei hatte Lisa ihm nur kurz ein Strohstück vom Ohr wischen wollen.

      Nachdem auch diese Trainingseinheit zu Ende war, gab es erst einmal eine Kaffee Pause. Selbstverständlich erst, als die wertvollen Tiere zufrieden in ihrer Box raschelten. Ich hatte Sundays Hufe eingefettet, damit sie nicht brüchig wurden. Dies war eines unserer Rituale, wie das tägliche Bürsten und das Abduschen nach harter Arbeit. Die Stimmung in der Sattelkammer liess nicht den geringsten Zweifel an der Sorglosigkeit der Pfleger zu, sie waren gute Schauspieler. Sie mussten immerhin regelmässig vor Publikum so tun, als ob alles im Griff sei. Schwäche zeigen wollte auf der Rennbahn keiner, es ging den meisten nicht nur um Geld, sondern auch um die Ehre. Die Pferde funkelnd, das Sattelzeug gepflegt und wie neu. Und ein nahtloser Ablauf, ohne sichtbare Kommandos oder Anweisungen. Jeder wusste, was zu tun war. So auch heute, zuhause. Keiner verlor ein Wort über meine Ansprache vor dem Training, alle lächelten. Ich kam mir seltsam verloren vor, in dieser Maskierten Welt. Wem konnte man trauen, wenn das Leben das reinste Gaukelspiel war? Plötzlich ertönte ein lauter Knall, augenblicklich flutete eine erschrockene Stille den Raum. Ein Jäger? Ein Knallen eines Motors? Ich malte mir einige Szenarien aus, während ich mit Ajith und Lewis nach draussen hastete. Stille - wie im Raum zuvor. Dann ein zweiter Schuss, Hilfeschreie. "What the - " Ich stürzte um die Ecke und erblickte unseren Nachbaren, einen sonst so friedvollen, älteren Herren, mit seinem Jagdgewehr in der Hand. Er gestikulierte wild umher und deutete auf einen parkierten Ford, hinter dem jemand kauerte. Lewis und Ajith umstellten den Wagen und packten die Person, ich beruhigte den Bauern. "It is him, he is it! The murderer! I know it!" Der verängstigte junge Bursche stotterte einige unbedeutende Worte, ehe seine Stimme versiegte. Nie und nimmer ist er ein Mörder. Wir klärten das Ganze auf dem Parkplatz, und schon nach einigen Sätzen wusste ich, was tatsächlich vorgefallen war. Der Junge hatte am Morgen wie gewohnt die Arbeit auf dem Lehrbetrieb aufnehmen wollen, doch das Tor war noch verschlossen gewesen, vermutlich als Vorsichtsmassnahme gegen Killer. Daraufhin hatte sich der Junge als Kletterkünstler erwiesen, denn er war kurzerhand auf den Baum neben dem Bauernhaus geklettert, um über den Zaun zu kommen. Der Bauer hatte kaum das raschelnde Laub, die kräftigen Arme und die dunkle Hose des Burschen erblickt, als er schon zur Flinte griff und hinausstürmte. Der Junge, erschrocken über die Reaktion des Bauern, empfand es als klüger, das Weite zu suchen. Dadurch sah sich wiederum der Bauer bestätigt in seiner Annahme und nahm die Verfolgung auf. Ich schüttelte lachend den Kopf, als die Story geklärt war. Die beiden gaben sich noch immer misstrauisch die Hand zur Versöhnung, dann kehrten sie nach einem Beruhigungstee zurück auf ihr Land. Lewis, Ajith und ich sahen uns vor Erleichterung grinsend an. Doch in meinem Kopf sortierte ich die wilden Gedanken der Sorge. Wenn nun schon unser Nachbar so durchdrehte, wie konnten wir dann entspannt hier warten und uns in Sicherheit wägen?
      Alle hatten die Arbeit wieder aufgenommen, einer lag ruhig im Stroh. Lisas Schreie liefen mir kalt den Rücken hinunter. Ich raste mit Jonas zum Schauplatz und bemerkte, wie es ihm fast den Magen umkehrte. Vor uns lag der Elektriker, mit einem verheissungsvollen roten Flecken auf der Brust und im friedlichen, ewigen Schlaf. Ich habe schon schlimmeres gesehen, zum Beispiel zerstückelte Ehemänner, dachte ich bitter. Jonas betreute Lisa, während ich die Polizei rief. Jetzt musste alles schnell gehen - vielleicht waren Spuren auf der Leiche. Etliche Stunden später war klar; der Täter war kein Amateur. Er hatte nicht den geringsten Tipp hinterlassen. Sie jagen ein Phantom, welches uns alle jagt...

      Ich biss mir auf der Unterlippe herum, während ich den Stall der Ministuten ausmistete. Ständig horchte ich auf, in der Erwartung, einen weiteren Schrei zu hören. Doch es blieb still. Totenstill. Nicht einmal die Pferde waren in der Lage, diese erdrückende Stille zu durchbrechen. Sie schnaubten lediglich hin und wieder leise. Als ich mit den Minis fertig war, befasste ich mich mit den dreijährigen Ponys. Sie waren mittlerweile alt genug um eingeritten zu werden. Zwar standen alle drei noch auf der Fohlenweide, doch wir hatten bereits mit Longentraining und Sattelgewöhnung begonnen. Obwohl alle drei etwa gleichzeitig mit dem Training begonnen hatten, waren erhebliche Unterschiede zu erkennen. Lychee machte fast täglich grosse Fortschritte und arbeitete eifrig mit, manchmal fast zu eifrig. Sweets hingegen war etwas zurückhaltender und brauchte länger, um den Gurt zu akzeptieren. Bluebell war unkompliziert und lernfreudig, mochte es aber überhaupt nicht, angebunden zu werden. Ich fasste eines der schwarzen Standardhalfter und streifte es Sweets über die kurzen Ohren. Sie kam brav mit, als ich mit ihr die Strecke zur Halle lief, bloss hin und wieder drehte sie den Kopf und wieherte. Ein Wohlklang in der Einsamkeit an diesem Nachmittag - dachte ich schmunzelnd. Ich schritt zügig voran und schob das Hallentor auf. Drinnen wärmte Rosie gerade Ocean auf, wie vereinbart. Auch Jockeys mussten ab und zu ein wenig Dressur reiten, um nicht aus der Übung zu kommen, und so konnte ich auch gleich die erfahrene Stute als Lehrmeister für Sweets einsetzen. Kaum erblickte sie Ocean, da wurde Sweets auch schon deutlich ruhiger und konzentrierter. Ich hängte zunächst die Longe ein und liess sie im Schritt um mich herum gehen. Sie tat dies nun zum vierten Mal und wusste bereits, dass sie auf der Kreisbahn bleiben musste. Nur die Biegung konnte noch verbessert werden. Nach vier Runden rief ich deutlich "Trot" und machte etwas Druck mit der Longiergerte, sodass sie beides verknüpfen konnte. Die junge Stute lief schwungvoll - sehr schwungvoll, ich musste sie in ihrem Eifer bremsen. Beim angaloppieren kamen dann die berüchtigten Freudensprünge, doch ich hatte damit gerechnet und vorsorglich Handschuhe angezogen. Nun war es an der Zeit, den Gurt und den Sattel zu holen. Sie wirkte auf den Longiergurt wie zuvor skeptisch, blieb aber still stehen und liess mich ohne zu zicken anziehen. Ich lobte sie einige Male, während ich den Gurt löste und wieder anzog. Als ich das Gefühl hatte, dass sie entspannter sei, holte ich den Sattel und den richtigen Gurt. Ohne zu zögern schwang ich ihn auf Sweets' Rücken und zog den Gurt an, ehe ich ihn wieder löste und das ganze Spiel wiederholte. Später ging ich einen Schritt weiter und longierte sie mit Sattel. Zum Schluss führte ich Sweets noch ein wenig durch die Halle und machte Gehorsamkeitstraining. Danach brachte ich sie in den Nebenstall, wo bereits drei Boxen hergerichtet worden waren. Ja, es war Zeit die Terrorherrschaft der drei Ponys über die anderen Fohlen zu beenden. Sweets zögerte etwas, als ich sie in die hinterste Box führte, sie schien zu ahnen, dass ihr leichtes, sorgloses Dasein auf der grünen Wiese vorbei war. Doch sie wird bald herausfinden, dass es gegen ein anstrengendes, aber spannendes Leben eingetauscht wird, dachte ich schmunzelnd und stellte mir einen herrlichen Wintergalopp mit Sweets vor. Ich liess die kleine Stute in der Box zurück, was ihr so gar nicht passte. Sie lief im Kreis und wieherte nach ihren Kollegen. Den frischen Heuhaufen zu ihren Hufen beachtete sie nicht. Aus einiger Entfernung kam eine gedämpfte Antwort, offenbar wurden Lychee und Blue gerade von Jonas und Rosie geholt. Alles verlief reibungslos: auch die beiden wurden in ihre neuen Boxen gebracht. Blue beschnupperte Sweets prüfend durch das Gitter, dann entspannten sich alle sichtlich und Lychee begann zu fressen. Bald senkte sich auch der letzte Kopf dem Heu entgegen und Ruhe kehrte im Nebenstall ein. Jonas nahm mich spielerisch in den Arm, doch ich war nicht in der Stimmung für Flausen; noch immer horchte ich ständig nach Ungewohntem. Ich kam mir vor wie in einem Krimi. Wir schlenderten zum Hauptstall und ich half beim Wischen.

      Die Dunkelheit schlich sich langsam über den Horizont auf die Britischen Inseln zu und mit ihr die Angst. In der Nacht hatte der Killer bisher gejagt, das war auch überaus vernünftig gewesen. Ich sah zumindest die Logik darin, auch wenn das meine und der Pfleger Situation nicht sonderlich zu bessern vermochte. Ich hatte mich überreden lassen, mit Quinn, Rosie, Lily und Lisa im "Pflegeheim", wie es scherzhaft genannt wurde, zu übernachten. Ich musste zugeben, dass mich der Gedanke an mein einsames, dunkles Zimmer nicht gerade gelockt hatte, doch alles war besser als mit Lisa in einem Raum zu nächtigen - was mir leider viel zu spät klar wurde. Sie plapperte den ganzen Abend mit ihrer schrillen Stimme, als wäre dies eine spassige Pyjamaparty, und spätestens mit ihren etwas taktlosen Horrorszenarien über den Tod des Elektrikers verlor sie den letzten Zuhörer. Ich meinerseits litt bereits an Kopfschmerzen und floh in den Gang hinaus. Im Aufenthaltsraum brannte Licht, Lewis, Darren und Jonas sassen auf den Sofas und unterhielten sich gedämpft. Ich setzte mich wortlos auf den erstbesten Platz der mir einfiel: die Armlehne neben Jonas. Er blickte mich einen Moment geheimnisvoll an, dann wandte er sich wieder den anderen beiden zu. "Do you think they'll catch him soon?" "Nay, he seems to be very clever and of course our dear officers are too lazy, they have not had anything like this since they work here", meinte Lewis. Er fuhr sich gähnend mit den Fingern durch die hellrote Mähne, dann grinste er verheissungsvoll. "I'll go to bed now, or I'll be dead tomorrow." Ich lächelte halbherzig und sah Darren und Jonas an, mit der Erwartung, dass sie ebenfalls aufstehen würden. Doch sie fuhren fort mit dem Gespräch. "They must certainly have found something, or at least they will, 'cause nobody is perfect. He'll make mistakes, like people do" brummte Darren. Jonas konterte: "Jack the Ripper blieb auch verschollen." Darren wollte etwas entgegnen, schloss den Mund jedoch, stumm. Jonas sah mir wieder in die Augen, als wollte er meine Meinung hören. Ich überlegte, dann antwortete ich: "Mir war es egal, wann und wie sie ihn fassen. Solange er einen grossen Bogen um Pineforest Stable machte. Aber das hat er nicht getan, also hoffe ich, dass sie ihn schnappen und er in der Hölle schmort." "Woher weisst du, dass es ein 'er' ist?", wollte Darren wissen. "Ich glaube kaum, dass eine Frau genug Kraft gehabt hätte, um den Elektriker niederzuringen... Abgesehen davon wäre eine Frau geschickter vorgegangen und hätte die Leiche gleich verschwinden lassen." Jonas sah mich gespielt böse an und stupste mir in die Seite, ich musste lachen, da ich schon immer zu den eher Kitzligen gehört hatte. Dann schlang er plötzlich seinen Arm um mich, zog mich von meinem Platz auf seinen Schoss und fasste meine Hand. Ich lachte noch immer, versuchte meine Verwirrung zu verbergen. Darren stand auf und murmelte etwas von wegen "Gute Nacht ihr Turteltäubchen" auf Englisch, ehe er grinsend in einem der Zimmer verschwand. Ich protestierte, in der Hoffnung, dass er es noch hören würde. Mir war bewusst, wonach dieses Szenario aussehen musste, doch ich wusste auch, dass Jonas es nicht ernst meinte (das tat er ja anscheinend nie) und ich wollte keine falschen Gerüchte über uns im Umlauf haben. Besonders Lisa fände solch eine Geschichte bestimmt spannend. Ich schauderte bei dem Gedanken. Jonas wollte mich nun hinlegen, indem er mich hochhob. Ich sperrte mich im ersten Augenblick, doch dann gab ich nach. Mein Herz klopfte, trotz all der Zweifel - ich liess mich fallen. Er legte sich ebenfalls hin, Ende des Spiels war, dass wir beide auf dem Sofa ausgestreckt waren, ich an ihn gekuschelt. Ich hatte mich damit abgefunden, mehr noch; ich begann es zu geniessen. Trotzdem da die übliche Vernunftsstimme in meinem Kopf hallte, "Du weisst, das das nichts ernstes ist". Er fragte leise: "Bequem?" Ich nickte. Ich musste zugeben: es war schon warm und angenehm, wie er den Arm um mich legte. Und das sanfte streicheln seiner Finger über meine Hand jagte mir ein Kribbeln quer durch Körper. Wir lagen dort bestimmt eine halbe Stunde, in der zunächst ich ständig prüfend zur Tür starrte, fest entschlossen bei einer Bewegung sofort aufzuspringen. Ich kann das hier jederzeit beenden, und ich werde ihm auch nicht wieder hinterher trauern. Doch auch nach fünfzehn Minuten war kein Lebenszeichen der Tür zu erkennen, also entspannte ich mich vollends. Und dann war der Spuk auch schon vorbei. Aus einem der vorderen Zimmer rief jemand: "Jonas come here, we want to sleep. If you do not, you have to stay outside!" Er zuckte zusammen und ich stand auf, damit er sich aufrichten konnte. Ein letztes Mal durchwuschelte ich seine dunklen Locken, dann liefen wir gemeinsam zum Gang und trennten uns. Etwas wehmütig war ich schon, denn ich hatte es insgeheim sehr genossen, mit dem Ohr auf seinem Brustkorb dem Herzschlag zu lauschen, oder seinen warmen Atem zu fühlen. Doch ich legte mich in eines der leeren Betten, die anderen schliefen bereits, und leerte meinen Kopf von allen Geschehnissen des Tages, ehe ich in einen kurzen, aber tiefen Schlaf sank.

      Tierarztbericht für Blütenzauber
      Als nächstes war Blütenzauber an der Reihe.
      Sie war eine andere Liga wie die Pferde, die ich zuvor behandelt hatte. Man merkte ihr recht deutlich an, dass sie ihren eigenen Kopf hatte und diesen auch durchzusetzen suchte.
      Dementsprechend hatte ich beim Impfen schon meine liebe Mühe. Bei der ersten Spritze sprang sie zur Seite und giftete mich energisch an.
      Doch mit liebevoller Konsequenz beruhigte ich sie wieder und machte mich an die nächste Impfung. Dieses Mal war es etwas besser, aber nicht perfekt. Dennoch bekam ich die Impfung irgendwie ins Pferd und erreichte so mein Ziel.
      Auch bei der Wurmkur war sie unglaublich querig und ich brauchte die Hilfe von Occulta, da sie so wenig begeistert von der Paste war, dass sie sogar vor mir hoch ging und rückwärts rumpelte.
      Es war mehr Glück als Verstand, dass wir die Wurmkur unfallfrei ins Pferd bekamen. „Vielleicht sollten wir über eine Wurmkur zum Spritzen nachdenken. Nur sind diese leider nicht zugelassen für Pferde – eigentlich“, stellte ich fest und gab das OK, dass die Kleine wieder in ihre Box durfte.

      White Storm
      Sonnenstrahlen wärmten meinen Rücken, als ich mit Lila den Feldweg entlang töltete. Es war Sonntag, kurz nach dem Weihnachtsball. Ein Blick auf die Armbanduhr unterrichtete mich von der Tageszeit – zehn nach zwei Uhr. Es war ein vollgepackter Morgen gewesen. Zwei neue Pferde hatte ich begrüssen dürfen, und morgen würde nochmals eines folgen. Um fünf Uhr war ich aufgestanden, um beim Füttern zu helfen und anschliessend mit den Rennpferden und Jockeys ins Training zu gehen. Kaum war Cantastor wieder abgesattelt und versorgt gewesen, hatte ich Gini auf dem verschneiten Platz bewegt. Es waren sogar immer noch ein paar Flöckchen gefallen, während ich mit ihr Slaloms, Stops und Seitwärtsgänge geübt hatte. Richtig hübsch hatten die weissen Fetzen sich ihren Weg durch den nebligen Himmel getanzt. Danach hatte ich Amor Casdove vom Flughafen abgeholt. Der Pintoaraber hatte wohl einen echten Kulturschock gehabt, als er vom warmen Australien ins verschneite England verfrachtet worden war. Er hatte sich auch entsprechend verhalten und war trotz seiner Winterdecke extrem zappelig gewesen, als hätte es ihm an die Beine gefroren. Ich nahm es dem temperamentvollen Jungspund nicht allzu übel. Er hatte sich in der Box einige Male gedreht und gewiehert, danach war aber auch schon Ruhe eingekehrt. Ich hatte anschliessend Anubis bewegt, der zum Glück einiges ruhiger gewesen war. Nachdem ausserdem auch Donut und Hallu bewegt gewesen waren, hatte ich mich auf den Weg in den Süden gemacht, um meine neue Paint Stute abzuholen. Sie war ein interessantes Projekt, da sie vollkommen militärisch ausgebildet worden war. Ich hatte zwar gute zwei Stunden bis Bristol gehabt, doch die Fahrt hatte sich gelohnt: Echo war bereits mit einigen anderen Pferden angebunden auf dem Parkplatz gestanden, denn sie war nicht das einzige Pferd gewesen, das heute abgeholt worden war. Der alte Bauer, der aufgrund seiner Demenz seine Hobbyzucht aufgeben musste, war etwas verwirrt in Begleitung seiner Tochterzwischen den Pferden und Anhängern hindurch gewuselt und es war ihm sichtlich schwer gefallen zu verstehen, warum seine Pferde weg mussten. Als ich Echo endlich hatte die Rampe hochführen dürfen, hatte ich ihm versichern müssen, dass ich sie weiterhin kavallerietauglich ausbilden würde. Er hatte mir ihr Zaumzeug geschenkt, da sie dieses in der Ausbildung so gut angenommen hatte. Ich hatte beschlossen, ihm diesen Wunsch zu erfüllen und es für mich als Challenge zu betrachten. Nun war die Stute in ihrer neuen Box und lebte sich ein, während ich auf dem Ausritt mit Lila war.
      Mein Mopho summte, ich bremste die Islandstute. "Hey, bist du noch lange weg?", stand auf dem Display, darüber fand ich das Profilbild von Jonas. Ich verneinte und fragte warum, konzentrierte mich dann aber wieder auf Lila. Mein Pferdchen war fleissig heute: kaum nahm ich die Zügel wieder auf, spurtete sie auch schon im Trab los. Die wollige Mähne tanzte dabei im Takt auf und ab. Überhaupt war alles an ihr wollig. Ich hatte sie noch nicht geschoren, da es so schnell so kalt geworden war, doch nun schien es langsam Zeit zu werden. Sie wird sich sonst zu Tode schwitzen, wenn sie so Gas gibt. Der Schnee war bereits wieder am Schmelzen, doch er stand noch immer knöchelhoch. Und für die nächste Woche war ein Schneesturm angekündigt worden. Ich mochte den Schnee, sehr sogar. Und ich mochte es, gemütlich im warmen Wohnzimmer zu sitzen, während draussen der Wind heulte und der Schnee wirbelte. Alles um mich herum lag still und weiss da, nur hin und wieder lösten sich das schmelzende Pulver von einem Ast und hinterliess einen glitzernden Nebel aus Eiskristallen in der Luft. Irgendwo in der Ferne rief eine Krähe, als ich den Weg beim Flussufer erreichte. An einer steil abfallenden Stelle beim Ufer, dort wo Schmelzwasser in den Fluss lief, entdeckte ich einige wunderschöne Eiszapfen. Ich hielt Lila und liess mich zu Boden gleiten, um einen abzubrechen. Den muss ich unbedingt Lewis zeigen! Er behauptet immer noch, dass 'seiner' bei der Reithalle der grösste sei. Ich sah nochmal auf das Display meines Mophos, ehe ich wieder aufstieg. "Wir wollen Schlitteln gehen. Keine Angst - die Pferde sind schon alle versorgt." Ich lächelte kopfschüttelnd und lenkte mein Pferdchen auf den Heimweg.

      Vor dem Nebenstall stieg ich ab und führte Lila unter das Vordach zum Anbinden. Sie stützte entspannt den Huf auf, während ich den Sattel von ihrem Rücken nahm und das lange Winterfell kurz durchbürstete. Ich schäre sie später gegen Abend. Schon kamen Lewis und Jonas um die Ecke. "Ah, you're back! Okay, let's groom Lila and then go, while it's still sunny", rief Lewis freudig. Ich nickte und die beiden halfen mir kurz beim Hufe Auskratzen und Beine Bürsten. Dann brachten wir Lila rein und holten meinen Holzschlitten aus dem Keller. Rosie, Lisa, Elliot, Darren und Oliver standen schon bereit; Quinn war nicht dabei weil sie sich eine Grippe eingefangen hatte. Ajith fehlte ebenfalls, da er keinen Schlitten hatte und sich nicht so geeignet für den Schneesport fand. Die anderen hatten versucht, ihn zu überreden, doch Ajith bleibt hart Granit wenn er sich einmal entschieden hat. Wir liefen los in Richtung Galoppwiese, dann ein wenig südöstlich. Dort gab es, weit vom Hof entfernt, einen grossen Hügel, den ich letztens mit Numair hochgaloppiert war, um dessen Kondition zu verbessern. Es war mühsam, durch den bereits schmelzenden Schnee zu stapfen. Der Weg auf den Hügel kam mir ewig vor. Doch die Mühe lohnte sich: trotz des klebrigen Schnees fuhren die Schlitten schnell. Dumm nur, dass mein Schlitten bei der zweiten Abfahrt einige Meter neben der Piste eine unliebsame Begegnung mit ein paar Felsen erlitt, die hinterhältig unter der Schneedecke schlummerten. Ich landete unsanft im Tiefschnee und der Schlitten sah mitleidserregend aus. Ich sammelte die linke Kufe und das restliche Holzgestell ein und lief damit die Piste hinunter, wo die anderen halb besorgt, halb lachend warteten. Jonas bot mir an, auf seinem Schlitten mitzufahren, was ich nach einigem Zögern auch annahm. Dankbar hastete ich neben ihm den Hügel hinauf, während er den Schlitten zog. Ich setzte mich vorne hin, er sich hinten, da er so besser lenken konnte. Die Abfahrt war turbulent aber lief gut, bis Lewis uns hinauswarf, indem er den Schlitten hinten packte und herumriss. Wir machten ständig solche Spiele beim Schlittenfahren - das machte es um einiges spannender. Ich lag lachend neben dem Gefährt im Schnee und sah zu Jonas, der sich ärgerlich die Mütze ausschüttelte. Schon entdeckte ich das typische, herausfordernde Glitzern in seinen Augen und wir erklimmten den Hügel erneut. Noch einige Male landeten wir im Schnee, und oft revanchierten wir uns an diesem Nachmittag. Ich genoss es in vollen Zügen und das Beste war, dass Jonas und ich ein hervorragendes Team bildeten. Als der Spass schliesslich zu Ende ging, da es bereits dunkel wurde, liefen wir fröhlich lachend und schnatternd zurück zum Stall. Im Pflegerheim liess ich mich erschöpft aber glücklich mit einem warmen Punsch in der Hand auf die blaue Couch fallen. Jonas setze sich neben mich. Wir redeten eine Weile, ehe wir beschlossen, einen Film zu schauen. Doch zuerst mussten die Pferde versorgt werden. Ich trank aus und zog mich wetterfest an. Es war sechs Uhr und dunkel draussen, ausserdem kam ein starker Wind auf, der eisig durch meine Jacke zog.
      Ich stampfte durch den bloss noch knöchelhohen Schnee zu den Weiden, wo ich Pina und Indiana auf halfterte. Die beiden liefen zügig und aufgeregt schnaubend neben mir den Weg hinauf, offenbar spürten sie den herannahenden Sturm. Ich liess, im Hauptstall angekommen, Diana los, damit sie selber in ihre Box laufen konnte. Währenddessen brachte ich Pina in die ihrige. Auch Jonas kam gerade mit Caprice undCrack angelaufen. Beim Zurückgehen schob ich auch Dianas Tür zu und warf einen Blick in die Box vonCassy, die bereits nass, aber zufrieden am Heu knabberte, dann lief ich erneut los um zwei weitere Stuten zu holen. Beim Eingang wich ich Ajith aus, der Kierka und Blüte hineinführte. Auf dem Weg zu den Weiden hielt mich Lisa auf um zu fragen, wann die Pfleger füttern sollten. Sie schaffte es kaum, Paintund Gray ruhig zu halten. Paint stand breitbeinig da, den Kopf hoch erhoben, und sog hin und wieder geräuschvoll Luft ein. Gray stand mit gespitzten Ohren daneben. Ich beschloss, dass wir das Füttern und Misten gleich erledigen sollten und anschliessend um neun nochmals Heu geben und Kontrolle machen würden. Lewis hatte inzwischen auch Sumerian geholt. Ich kümmerte mich also noch um die letzten beiden, Shio und Pointless. Doch auf dem Weg schüttelte Point die ganze Zeit heftig den Kopf und riss am Strick. Ich massregelte sie mehrfach, Wirkung zeigte es bei der sensiblen Stute kaum. Im Gegenteil: kurz vor dem Hauptstall nahm sie einen gewaltigen Satz in meine Richtung und warf mich beinahe um, sodass ich sie loslassen musste, um nicht überrannt zu werden. Knapp gelang es mir, Shio zu halten. Die gepunktete Stute hingegen raste im gestreckten Galopp zurück in Richtung Weiden. "Spinnvieh!" Ich fluchte vor mich hin und brachte Shio schleunigst in die Box, um gleich darauf ein paar Pfleger zusammenzutrommeln und Pointless zu suchen. Mittlerweile stürmte es fast schon, und es schneite. "Na toll, sie haben den Sturm doch erst für Montag angesagt!", beschwerte sich Lisa. Ich beachtete sie nicht und kniff die Augen zusammen, damit keine Schneeflocke hineingeweht wurde. Ich lief zielstrebig in Richtung Fohlenweide, denn dort vermutete ich die ausgerissene Stute. Die anderen folgten mir. Tatsächlich stand Pointless beim Zaun und sah uns entgegen, doch als wir zu nahe kamen, drehte sie ab und bewegte sich im Stechtrab weiter den Weg hinab. "No chance, she'll run to the field if we try to chase her. We have to block the way down there", rief ich durch den Wind und deutete auf das Ende des Weges zwischen den letzten beiden Weiden. Lewis und ich rannten in einem Bogen über die Weiden nach unten, indem wir uns unter den massiven Holzzäunen hindurch zwängten. Point beobachtete uns hin und wieder misstrauisch, dann wiederum sah sie zu Lisa und Ajith hoch. Als wir unten ankamen, streckten Lewis und ich die Arme aus und blockierten den Weg, von Zaun zu Zaun. Dann trieben wir die aufgewühlte Stute langsam nach oben zu Ajith. Er schaffte es schliesslich, ihr noch immer am Halfter baumelndes Seil zu fassen und ihr zusätzlich einen Strick um den Hals zu legen. Gemeinsam führten wir Pointless in den Stall, was diesmal bis auf einige grunzende Seufzer ihrerseits ereignislos verlief. Als sie endlich in der Box war, atmete ich auf. Wir waren alle vier Total durchnässt und zerzaust vom Wind, der draussen gerade erst seine volle Kraft zu entwickeln schien.
      Wir fütterten die ungeduldig schnaubenden Pferde rasch und säuberten die Boxen, danach machten wir uns gemeinsam auf den Weg zum Pflegerheim. Kaum waren wir da, legte der Sturm richtig los. Es flitzten eine Menge weisser Flocken am Fenster vorbei und der Wind heulte durch die Spalten des Hauses. Drinnen war es dafür umso gemütlicher: die Heizung lief auf Hochtouren und es wurden bereits Decken und heisser Tee verteilt. Ich zog die Jacke aus und stellte fest, dass nicht nur meine Haare, sondern auch meine Hosen durchnässt waren. Ich wickelte mich daher rasch auf dem Sofa in eine der Decken ein und liebäugelte mit einer blauen Tasse auf dem Tisch vor mir. Mit einem federnden Aufschlag liess sich Jonas neben mich fallen, wie ich es mir insgeheim erhofft hatte. Wir starteten den Film und verdunkelten den Raum. Es dauerte nicht lange, da fühlte ich eine Hand sich um meine Schulter legen, und eine sanfte Kraft zog mich weiter nach links. Ich liess es zu, bis ich mit dem Kopf an seine Schulter gelehnt war und wagte es nicht, aufzusehen. Als ich es doch tat, sah er mich mit solch einer Herzlichkeit an, dass ich mir ein glückliches Lächeln unmöglich hätte verkneifen können. Ich liebte seine tiefgründigen Augen, seine feinen und doch kantigen Gesichtszüge und das wollene Haar - alles an ihm war in diesem Moment wundervoll und ich vergass die schmerzenden Monate der Kälte und Nüchternheit. It's so silly, sagte ich zu mir selbst, but if this was a dream, I would never want to wake up. Die Zeit ging viel zu schnell vorüber. Und so kam das unweigerliche Ende der zärtlichen Liebkosungen. Still hatten wir unser Glück für ein paar Stunden gehabt, und ebenso schnell war es wieder vorüber. Das Licht ging an, unsere Wege trennten sich bei den Schlafzimmertüren. Ich lag noch lange wach, während draussen der Sturm an den Schindeln zerrte und alles in Dunkelheit tauchte. Wie wird es wohl morgen sein? Harmonischer Sonnenschein, oder Verwüstung?

      Der Herbst kommt…
      Die ersten Blätter wehten Shades of Gray und mir um die Ohren, als wir im Laubwald unterwegs waren. Ein starker Wind war aufgezogen – ein richtiger kleiner Herbststurm. Ich fand es herrlich. Die kurze Mähne der Vollblutstute wurde mit jedem Windstoss von neuem zerzaust, sodass sie ungebändigt über ihren schmalen Hals fiel, der seinerseits einen hübschen Bogen machte. Noch waren nicht viele Blätter auf dem feuchten Waldboden, doch der Herbst brach an allen Enden und Ecken ins Land herein und lange würde es nicht mehr dauern, bis ich wieder zwischen feurigen Ahornbäumen Galoppieren konnte. Ausserdem hatte Lisa versprochen, heute Abend die erste Kürbissuppe für uns alle zu kochen; eines meiner Lieblingsgerichte. Der Herbst war eine seltsame Jahreszeit für mich, denn er weckte in mir Erinnerungen an das vergehende Jahr, als läge es bereits lange zurück. Es lag eine seltsame, gemütliche und zugleich bedrückende Stimmung in der Luft, die vom goldenen Schein der untergehenden Sonne noch verstärkt wurde.
      Ich schnalzte und trieb Gray in den Trab. Wir trotteten den Schotterweg entlang, bis der Pinienwald wieder in Sicht kam. Der Übergang zwischen den beiden Wäldern verlief nahtlos, sodass grün-bunt angehauchte Blätter in olivgrüne verflossen, wie zwei Flüssigkeiten. Hier lagen die Stämme weiter auseinander und der Waldboden war kaum bewachsen. Nur hin und wieder besetzte ein mächtiges Gebüsch den Nadelboden. Auch der Weg hatte sich verändert: Aus gelblichen Steinchen war feiner Sand geworden, aus dem die Parkwege in diesem Bereich gemacht waren. Ich liebte die Abwechslung, die der grosse Park bot und war immer wieder froh, dass er für die Reiter frei zugänglich war. Gray verlor unterwegs eine Streifkappe, sodass ich absteigen und sie aufheben musste. Wenigstens hab ich’s bemerkt, dachte ich schulterzuckend. Als ich mich bückte, sah ich ganz in meiner Nähe ein heruntergestürztes Vogelnest. Es war leer und verlassen. Ich hob es auf und betrachtete bewundernd die kunstvoll geflochtenen Äste. Ich beschloss, es mitzunehmen und steckte es, soweit es Platz hatte, in die Tasche meiner Fleece Jacke. Dann setzten Gray und ich unseren Ausritt fort und verzichteten auch nicht auf einen letzten Galopp am Waldrand. Die Stute war wie immer feurig, doch blieb stets kontrollierbar, sodass die Ausritte mit ihr richtig Spass machten. Zurück auf dem Hof versorgte ich sie und stellte das Nest auf das Fensterbrett in der Küche. Ich beschloss, es später etwas zu verzieren. Doch erstmal kümmerte ich mich um Mikke. Da es jetzt kühl genug war, spielte es keine Rolle mehr, wann genau die Vollblüter trainiert wurden. Im Winter wurde ebenfalls trainiert, allerdings vor allem Dressur und Springen in der Halle. Mit der Fuchsstute wollte ich heute etwas an der Steuerbarkeit arbeiten, da sie mit ihrem eher sturen Charakter nicht gerade angenehm zu lenken war. Dazu sattelte ich sie und ritt zur Grasbahn. Ich liess sie nach dem Einwärmen immer wieder kurze Strecken zulegen und zügelte sie dann wieder. Ausserdem steuerte ich sie mal nach innen, mal auf die äussere Bahn. Dabei musste ich stets konsequent bleiben. Der Effekt war, dass sie lockerer im Hals wurde und nach einigen Wiederholungen schneller nachgab, wenn ich die Spur wechseln wollte. Zufrieden liess ich sie nach zwanzig Minuten austraben und ritt sie anschliessend im Schritt auf der Galoppbahn trocken. Nun war es dunkel und ich konnte unter den Tannen kaum noch etwas erkennen, doch auf dem Feld nebenan schien der Mond hell durch die Wolken. Capri schüttelte sich entspannt, als ich sie absattelte. Dann gähnte sie demonstrativ. Ich lächelte und streichelte der feuerroten Stute über die weisse Stirn, die sie als Reaktion an meinem Bauch rieb. „Ist ja gut du hübsche, gleich bist du erlöst.“ Ich führte sie in die Box und zog ihr das schwarze Lederhalfter ab, um es wieder an seinen Platz an der Boxentür zu hängen. Danach schlenderte ich zur Halle, um zu sehen, ob die Hindernisse für die nachfolgende Reitstunde schon bereitstanden. Elliot und Darren bauten sie gerade auf. Als wir den kleinen Parcours fertig hatten, gingen wir gemeinsam zurück zum Hauptstall und holten die Pferde für die Stunde raus. Rosie und David kamen etwas später, also putzten wir ihre beiden Pferde gleich mit. Ich hatte mich für Blütenzauber entschieden, da Parányi, die ich diesen Monat eigentlich betreute, noch kaum eingeritten war und Lisa, die eigentlich für Blüte zuständig war, eh gerade die Suppe verkochte. Nebenbei putzte ich Cassy für Rosie. Die beiden Vollblüter vertrugen sich einwandfrei, sodass ich sie direkt nebeneinander anbinden konnte. Ich wechselte beim Putzen immer hin und her, während ich zu ‚Waiting for Love‘, das gerade aus dem Radio neben der Reiterstube hervortönte, mitsummte. Der freundliche Elektriker hatte vor einem halben Jahr, bevor er ermordet worden war, auf meinen Wunsch hin bei allen Stallgebäuden Radios installiert, damit die Pfleger während der Arbeit Musik hören konnten. In der Halle war sowieso von Anfang an beim Eingangstor eine grössere Musikanlage mit verteilten Lautsprechern an den Hallenwänden eingebaut worden. Beim Hufeauskratzen bemerkte ich, dass Cassy’s Hufe hinten schon wieder etwas lang waren. Ich überprüfte am Infobrett, wann sie den letzten Hufschmiedetermin gehabt hatte und schrieb sie gleich für den nächsten ein. Dann widmete ich mich dem Satteln der beiden. Rosie kam kurze Zeit später hinzu und übernahm das Verschliessen der restlichen Schnallen des Zaumzeugs. Mit Blüte war ich schon fertig. Wir warteten noch kurz auf die anderen, damit wir gemeinsam zur Halle laufen konnten. Elliot stand in der Mitte bereit, er würde uns heute Coachen. Ich wärmte Blüte wie die anderen im Trab und im Galopp auf, was mit der Musik im Hintergrund echt Spass machte. Ausserdem war die Stimmung sehr ausgelassen und wir bekamen alle fast einen Lachkrampf, als Darren, beim Versuch, seine Jacke an einem Hindernispfosten aufzuhängen, fast das Gleichgewicht verlor und seitlich am Pferd hing. Cantastor war das Gezappel zu blöd, also lief er im Schritt weiter, trabte dann sogar an und machte schliesslich, als Darren ihn zu sehr mit dem Fuss am Bauch kitzelte, einen einzigen gezielten Buckler, der ihm den Rest gab. Er plumpste in den Hallensand. Der Hengst blieb stehen und sah ihn ‚lächelnd‘ an (seine zuvor ausgeprägten Falten bei den Nüstern waren verschwunden und die Ohren nach vorne gerichtet). Darren klopfte sich den Sand von den Reithosen und stieg wieder auf, leicht rötlich anlaufend – was ganz bestimmt nicht von der Kälte stammte, die mit dem Einbruch der Dunkelheit angekrochen gekommen war. Elliot unterbrach das Gekicher und begann die Stunde, um von Darren abzulenken, der dankbar jede Anweisung aufsog. Wir begannen mit einer Gymnastikreihe bestehend aus Kreuzchen, In-Outs und niedrigen Steilsprüngen. Blüte war heute etwas faul, denn ich musste sie mit der kurzen Springgerte motivieren, die Beine zu heben. Wir räumten in dieser Stunde schon zu Beginn ein paar Stangen ab, sodass ich aufpassen musste, dass ich mir am Ende der Stunde nicht den berüchtigten Titel des ‚Pole-Knockers‘ verdiente (Ich mochte auch den Begriff ‚Stangen Narr‘). Den Titel hatten wir eingeführt, nachdem Jonas es einmal geschafft hatte, in einer einzigen Stunde 12 Stangen abzuräumen, weil er jedes Mal zu schräg angeritten war und runter geschaut hatte. Das war aber noch am Anfang seiner Reitkarriere auf Pineforest Stable gewesen und längst Vergangenheit. Heutzutage wurde ‚Pole-Knocker’, wer mindestens 10 Stangen zum Fall brachte. Derjenige oder diejenige musste am Ende der Stunde allen anderen Reitschülern ein Bier spendieren.
      Wir wechselten zu den Cavaletti, die in einem Viereck aufgestellt waren und die Beingeschicklichkeit förderten. Darüber war ich froh, denn so musste Blüte etwas aufwachen, um nicht darüber zu stolpern. Ich galoppierte auf der linken Hand an, wendete die Stute auf der langen Seite nach innen in Richtung des Vierecks und übersprang die ersten beiden Cavaletti. Dann musste ich vor der Wand rechts abbiegen und bei A auf die Mittellinie reiten, alles im Galopp. Hier musste ich Blüte gut zusammenhalten, damit der Abstand stimmte und sie auch diese beiden Cavaletti problemlos überwinden konnte. Sie schlug beim zweiten etwas mit den Hinterbeinen an, also wiederholte ich das Ganze gleich nochmal. Es war tricky, weil die Wendungen über die Breite der Bahn sehr eng waren und man extrem auf die Länge der Galoppsprünge achten musste. Doch auch die Pferde waren trotz der geringen Höhe gefordert, denn sie mussten unpassende Abstände auskorrigieren indem sie früher bzw. später abdrückten und danach gleich wieder bremsen um auch sauber über das zweite Cavaletti zu kommen. Caspian grunzte jedesmal, wenn er aus der engen Wendung übers Cavaletti hüpfte. Er sprang aber auch übertrieben hoch darüber. Nach den Hindernissen zog er den Kopf jeweils in die Tiefe um sich zu strecken, sodass er David erfolgreich etwas Zügel klaute. Elliot wies ihn darauf hin, und David gab fortan eine halbe Parade, wenn der Hengst den Trick versuchte. Mit Erfolg: Er versammelte sich schön und blieb aufgerichtet. Darren und Canto hatten schon mehr Mühe. Canto zog immer vor den Hindernissen an, weil Darren zu früh mitging. Elliot zeigte ihm, dass er bis kurz vor dem Sprung aufgerichtet bleiben musste, wenn er den Hengst ruhig halten wolle. Es klappte gegen Ende der Stunde schon viel besser, doch er musste immer noch ruhiger werden. Ich hatte Verständnis für die Mühe des Pflegers, denn im Winter waren die sonst schon fleissigen Vollblüter nochmal eine Stufe fitter und feuriger unterwegs. Besonders wenn draussen der erste Schnee lag, was zum Glück noch nicht der Fall war.
      Wir beendeten die Stunde nachdem wir die verschiedenen Hindernisse aneinandergehängt und so einen kleinen Parcours geritten hatten. Danach liessen wir die Pferde austraben und versorgten sie nach gründlicher Pflege wieder in ihre sauberen Strohboxen. Caspian liess sich gerade in sein weiches Bett plumpsen, als ich neben seiner Box vorbeiging. Später am Abend wollte ich nochmal kontrollieren, ob alles gut versorgt war, doch erstmal gönnte ich mir mit den anderen Pflegern eine Tasse Tee.

      Schwarz wie die Nacht
      Parányi!“, rief ich meine lackschwarze Jungstute. Sie stand weit weg auf der anderen Seite der Weide und glotzte mich nur verständnislos an. Ich wollte sie heute das erste Mal in ihrem Leben reiten, aber dazu musste ich sie zuerst zu fassen bekommen. Sie konnte manchmal richtig stur sein, das hatte ich in den Wochen seit ich sie gekauft hatte schon gemerkt. Begleitet wurde ich, als ich auf sie zu lief, von den letzten Sonnenstrahlen des Tages. Es herrschte eine seltsame Stimmung am Himmel. Alles leuchtete kitschig rosa und orange, doch im Vordergrund bauschten sich dunkle Wolken auf. Ausserdem war es bitterkalt geworden, aber das war mir schon den ganzen Tag aufgefallen. Ob es wohl schneien wird? Mir gefiel das rötliche Licht, in welches die Tannen und Wiesen getaucht wurden. Es schien ebenso melancholisch und nachdenklich, wie ich mich den ganzen Morgen gefühlt hatte, sei mich die schreckliche Nachricht von Sarahs Tod erreicht hatte. Sie war mitsamt ihrer Familie bei einem Unfall mit Gas ums Leben gekommen. Ich konnte es noch immer kaum glauben, denn ich hatte oft mit ihr zu tun gehabt und sie war eine hervorragende Trainerin gewesen. Es war ein Verlust, den alle auf Pineforest Stable zutiefst bedauerten. Daher waren selbst die Pfleger schon den ganzen Tag schweigsam gewesen, sogar Ajith hatte ausnahmsweise auf sein fröhliches Summen und Pfeifen verzichtet. Die Pferde waren den ganzen Tag besonders brav gewesen, als spürten sie, dass etwas uns bedrückte. Nur Parányi wollte nicht mitspielen. Sie blieb lieber bei ihren Kollegen auf der Weide, anstatt artig angetrottet zu kommen. Ich überlegte einen Moment, gleich alle Stuten reinzuholen, denn sonst würde ich wohl ein riesen Theater mit dem Jungspund haben. Ausserdem waren sie seit dem Mittag draussen gewesen. Ich entschied mich und trommelte ein paar Pfleger zusammen. Wir hatten, nun da alles fertig umgebaut war, damit angefangen, die Pferde selber zu den Boxen laufen zu lassen. So sparte man viel Zeit. Dazu mussten wir lediglich sämtliche Fluchtmöglichkeiten auf dem Weg mit Elektroband schliessen und die Boxentüren öffnen. Wir hatten vor einer Weile bei allen Durchgängen Bänder abgemessen und befestigt, sodass wir sie jeweils nur noch umhängen mussten. Genau das taten wir jetzt, und danach wurde das erste Weidetor geöffnet. Die Stuten bemerkten unser Pfeifen und begannen, sich trabend auf uns zu zubewegen. Sie wussten genau, dass in den Boxen das Kraftfutter auf sie wartete, wie immer nach dem abendlichen Weidegang. Nacheinander flitzten Sweets, Halluzination, Lady Liquor, Islah, Dream, Bluebell, Ronja, Parányi und zuletzt Satine durch das offene Tor. Sie überquerten die Galoppbahn und kamen erst vor dem Nebenstall zum Halt, wo bereits Lisa und Jonas bereit standen, um sie in die richtigen Boxen zu lotsen. Als alle drin waren, pfiffen die beiden Pfleger und wir öffneten das Tor der zweiten, oberen Weide. Hier standen die Vollblutstuten schon am Zaun und scharrten zum Teil ungeduldig. Sie hatten beobachtet, wie die anderen reingerannt waren und warteten nun selbst darauf. Auch hier öffneten wir, als alles bereit war.Sumerian, Paint, Caprice, Campina, Kierka, Gray, Blüte, Cassy, Shio, Pointless und Indiana nahmen es lustigerweise dann doch etwas gemütlicher als die anderen Stuten. Vielleicht lag es daran, dass sie auch sonst immer genug Gelegenheit zum Rennen hatten. Sie trabten vom Hauptstall und wurden von den Pflegern in Empfang genommen, die sie an den Weidehalftern zu den Boxen führten. Nur Pointless entwischte und machte einen Abstecher zum Hengsttrakt. Die Jungs sahen ihr natürlich prompt interessiert durch die Gitterstäbe nach und versuchten, sie näher zu locken. Doch Point legte nur die Ohren platt und lief zielstrebig innenherum zum Stutentrakt. „Dass du immer eine Ehrenrunde brauchst!“, schimpfte ich kopfschüttelnd und scheuchte sie in ihre Box. Die Jungs waren übrigens am frühen Morgen auf der Weide gewesen, da wir sie immer getrennt von den Stuten raus liessen. Zufrieden schob ich die letzte Tür zu und begab mich zu Parányis Box im Nebenstall. Sie hatte noch nicht ganz fertig gefressen, also nutzte ich die Gelegenheit, um noch rasch die Putzsachen und den Sattel vorzubereiten. Danach bürstete und sattelte ich sie. Beim Zäumen wollte sie den Mund nicht so recht öffnen, also schob ich ihr den Daumen seitlich in den Mund, sodass sie diesen Öffnete. Als ich die kurzen, eher spärlichen Schopfhaare entwirrt und alle Riemen geschlossen hatte, führte ich sie zum Sandviereck. Ich hatte sie bisher schon einige Male mit Sattel und Zaum longiert, aber aufgestiegen war ich noch nie. Auch heute longierte ich sie zuerst etwas, worüber ich im Nachhinein froh war. Denn so musste ich die Freudenbuckler die folgten nicht im Sattel miterleben und konnte einschätzen, wie fit sie war. Schliesslich hängte ich die Longe aus und führte die Stute zur Aufstiegshilfe. Eigentlich wäre ich auch ohne hochgekommen, aber ich wollte es dem jungen Pferd am Anfang so etwas erleichtern. Zunächst liess ich sie neben dem Treppchen stillstehen. Dann lehnte ich mich vorsichtig über den Sattel und kraulte sie gleichzeitig am Hals. Sie war konzentriert, aber ruhig. Also machte ich weiter, bis ich das Bein auf die andere Seite nehmen konnte. Allerdings blieb ich immer noch stehen mit ihr – so jedenfalls geplant. Denn kaum sass ich ganz drauf, lief Parányi im Schritt los. Ich wollte sie mit der Stimme beruhigen und bremsen, aber sie lief zielgerichtet zu den Büschen, die das Viereck säumten. Dort hielt sie dann doch; nämlich um zu fressen. Ich liess mich aus dem Sattel gleiten und führte sie zurück zur Treppe, um das ganze Spiel zu wiederholen. Diesmal steuerte ich sie (so gut es ging). Plötzlich spürte ich eine Schneeflocke auf meiner Nase. Es war mittlerweile wirklich beinahe dunkel und nur ein letztes, rotes Glimmen hinter den Bäumen erinnerte an den vergangenen Tag. Feine Schneeflocken tanzten aus der dunklen Wolkendecke und liessen beinahe Weihnachtliche Stimmung aufkommen. Ich lächelte glücklich und genoss die kalten Kristalle auf meinem Gesicht. Parányi und kurvten unterdessen ein wenig auf dem Platz herum. Sie hatte noch nicht das Gleichgewicht, um gerade Lilien zu laufen, also kam ich mir vor wie jemand der besoffen reitet. Auch Jonas grinste schelmisch, als er mit der Schubkarre vorbeikam. „Du musst gar nicht so schauen, es ist ein junges Pferd!“, entgegnete ich. „‘türlich, ich kenne dich doch, Boss“, bekam ich als Antwort, während er seinen Weg fortsetzte. Ich schüttelte lachend den Kopf und stieg ab. Parányi hatte genug für heute und ich wollte ihre Konzentrationsfähigkeit nicht überspannen.

      Ich versorgte die mit der Dunkelheit verschmelzende Stute und liess Jacky, Sheela und Zira wieder aus dem Haus. Ich sperrte sie jeweils ein, wenn ich sie aus dem Weg haben wollte. Es schneite nun schon ein Bisschen stärker, vor allem waren es grössere Flocken als zuvor. Lily, wo steckst du wieder? Fragte ich mich selbst, während ich zu den Offenställen lief, stets begleitet von meinem kleinen Rudel. Tatsächlich sass sie dort bei den Miniature Horses im Gras und bürstete Tiki. Na toll, ihre Hosen sehen bestimmt wieder schön eingesaut aus, stellte ich fest, denn der Boden war herbstlich feucht. „Siehst du überhaupt noch etwas?“, rief ich ihr von weitem fragend zu. Sie erklärte mir, als ich nahe genug war, dass Tiki so langes ‚Flauschefell‘ hatte und sich damit immer wälzen täte. „Hast du eine Idee, was man dagegen tun könnte?“, fragte ich sie. „Nö, ich hab’s auch schon mit dem Kuhstriegel versucht, aber bei den kleinen Beinchen trau ich mich nicht.“ „Komm, bring Tiki mit – ich bring dir was neues bei.“, meinte ich verschwörerisch und führte die beiden (selbstverständlich mitsamt Queeny und Kiwi und den Hunden) in den Innenhof des Hauptstalls, wo es zum Glück taghelle Lampen hatte. Dann holte ich eine der Akku-Schermaschinen aus der Sattelkammer und zeigte Lily an der ersten Körperhälfte von Tiki, wie sie vorgehen musste. Die halbstarke Stute blieb geduldig stehen; sie kopierte ihre Ziehmuttter, die komplett relaxt an dem dünnen Grasstreifen zwischen Kiesplatz und Karussell knabberte. Als ich zum Bauch kam, wurde sie dann doch etwas zappelig. „Das ist normal, weil das lose Fell sie kitzelt“, erklärte ich. Nun legte meine keine Schülerin selber Hand an. Sie machte es ganz gut für das erste Mal. Natürlich musste ich am Schluss noch ein paar Streifen ausgleichen, aber viel hatte ich nicht zu bemängeln. Ich lobte beide, Schülerin und Testobjekt, und wir brachten die Truppe gleich zurück zum Offenstall, doch nicht, ohne Tiki eine Fohlendecke („Ohhhh süss, die ist ja so gross wie ne Hundedecke!“) anzulegen, damit sie nicht kalt hatte. Die Hengstchen nebenan bewiesen, dass man Minis durchaus als Pferde, und nicht als Spielzeug betrachten sollte: Arco und Caress drehten buckelnd ein paar Showrunden, als wir Queeny zurückbrachten. Auch der kleine Caillean mischte kräftig mit.

      Ich wurde von den Worten „Occu, wann kommt das Zebra?“ aus meinen Gedanken gerissen. „Öhh, um… Warte, jetzt!“, stellte ich fest, als das Mädchen in Richtung eines sich dem Parkplatz nähernden Transporters zeigte. Zum Glück hatte ich am Morgen schon eine Box vorbereitet, denn ich hatte damit gerechnet, dass das seltsame Tier irgendwann im Verlaufe des Tages ankommen würde. Lily stürmte mit den begeisterten Hunden voraus und ich liess mich zugegebenermassen auch zu einem Joggen verleiten. Ich gab es nicht gern zu, aber war unheimlich gespannt, was mich mit dem Exoten erwartete. Gesehen hatte ich die Zebrastute schon einmal, denn ich hatte sie aus der Gruppe des Zoos aussuchen dürfen. Sie stamme nicht etwa aus der Wildnis, sondern aus einer Zucht in Afrika und war Pferde gewöhnt; Ausserdem total handzahm – einer der Gründe, warum ich sie schlussendlich doch genommen hatte. Die Klappe wurde bereits geöffnet und ich entdeckte einen gestreiften Po im Inneren des Transporters. Dann drehte sie mir den Kopf zu und ich war augenblicklich verliebt in die grossen, runden Ohren, die sich mir zuwandten. Mit einem Mal war ich aufgeregt und froh, solch einen aussergewöhnlichen Equiden zu besitzen. ‚Thairu‘ trug ein breites Lederhalfter, an dessen Seite ein kleines Metallplättchen mit ihrem Namen glitzerte. „Ein Abschiedsgeschenk ihrer Fans“, murmelte die Zoowärterin und lächelte beim Anblick des kleinen Mädchens, das ehrfürchtig starrte. „Sie war nicht lange bei uns, aber hatte schon eine grosse Fangemeinschaft, weil sie so zahm ist.“ Ich nickte beeindruckt und löste dann den Strick, mit dem das Zebra angebunden war. Sie lief vorbildlich aus dem Transporter und wirkte auch nicht sonderlich aufgeregt. Das überraschte mich, denn ich hatte mir sogar schon die Handschuhe aus meiner Jackentasche angezogen, weil ich das Schlimmste befürchtet hatte. Mit ihren grossen Ohren scannte sie die Umgebung nach potentiellen Gefahren, aber offenbar schien nichts da zu sein, was sie beunruhigen konnte. Ich bedankte mich bei der Wärterin und unterzeichnete ein paar letzte Formulare, dann standen Lily und ich alleine mit dem Zebra da. „And now?“, fragte ich Lily herausfordernd, und streichelte dabei die schwarze Schnauze von Thairu. Das Zebra zuckte etwas mit dem Kopf, liess sich die Berührung dann aber gefallen. „Du wolltest sie doch zu Dante stellen, nicht wahr?“, meinte Lily, und bettelte im nächsten Atemzug „Darf ich? Biiiite!“ Ich vertröstete sie auf ein andermal, da ich immer noch nicht sicher war, wie brav das Vieh sich benahm. Dann setzten wir uns in Bewegung. Das gestreifte Tier liess sich nicht ganz so wunderbar führen, wie ich es nach der Glanzleistung beim Transporter erwartet hatte. Sie drängelte hin und wieder, oder versuchte, mich an den Rand zum Gras zu ziehen. Ich setzte mich aber durch und schaffte es bis zu dem hübschen, mittlerweile zumindest temporär Wallach gewordenen Eselherrn. Die Tierärztin hatte mir auf mein Zögern bezüglich der anstehenden Kastration hin angeboten, ihn nur chemisch kastrieren zu lassen. So konnte ich mir immernoch alle Optionen offenhalten. Ich hatte natürlich eifrig zugestimmt, sodass er nun seit etwa einer Woche Wallach war. Seinen hengstigen Charakter hatte er aber vorerst noch behalten, dies würde sich erst in ein paar Wochen auch legen. Er rief dem Zebra schon von weitem mit seiner Schrillen Stimme und schnüffelte ganz genau an Thairu, als wir sie über den Zaun die Köpfe zusammenstecken liessen. Thairu schien nicht abgeneigt gegenüber ihrem zukünftigen Gefährten. Dante schien noch nicht so recht zu wissen, was er von dem Gestreiften Tier halten solle. Lily öffnete vorsichtig das Tor zur Weide und ich brachte das Zebra hinein. Die beiden beschnupperten sich sofort wieder. Dante trieb Thairu ein wenig im Kreis herum, bis es ihr zu doof wurde und sie den Kopf zum Fressen senkte. Dann war Friede im Paradies eingekehrt, so schien es jedenfalls. Als ich später am Abend nochmal vorbeischaute, standen die beiden dösend nebeneinander und Thairu hob den Kopf, als sie mich entdeckte. „Gute Nacht mein Mädchen, alles okay“, murmelte ich beschwichtigend und liess die beiden in Ruhe. Doch ganz war der Tag für mich noch nicht vorbei. „Na mein Süsser“, murmelte ich, als ich zuPilot’s Box im Nordstall kam. Ich erinnerte mich noch gut an den Tag, als ich ihn das erste Mal gesehen hatte. Er war damals als sensibler, aber begabter Junghengst ausgeschrieben gewesen. Trotzdem war er noch ziemlich untrainiert und eher gestresst gewesen, als ich ihn schliesslich anschauen ging. Doch ich hatte das Potential des Hengstes gesehen und beschlossen, ihm eine Chance zu geben. Mittlerweile war er in der Höchsten Spring-Liga erfolgreich unterwegs und zeigte mir jeden Tag von neuem, dass ich damals richtig ausgewählt hatte. Niemals könnte ich ihn verkaufen, denn er war ein fester Bestandteil von Pineforest Stable. Und wer könnte diesen intelligenten, dunklen Augen schon wiederstehen? Pilot blickte mir manchmal fast schon etwas schelmisch entgegen, als hätte er wieder etwas geplant. Dabei war der Hengst in den richtigen Händen ein richtiges Lamm, das nach Zuneigung hungerte. Deshalb senkte er auch den Kopf, als ich ihn an den Ohren kraulte, schmiegte sich mit der Stirn an mich und döste fast ein. Ich fuhr nach einer Weile, so leid es mir tat, mit dem Bürsten des gescheckten Stoppelfells fort und kämmte auch den Schweif vorsichtig durch. Dann kratzte ich die Hufe aus und holte das Sattelzeug. Ich hatte vor, einen gemütlichen Ritt am Fluss entlang zu machen, was ich auch umsetze. Es war zugegebenermassen ab und zu etwas unheimlich alleine durch die neblige Dunkelheit zu reiten, doch irgendwie war es auch seltsam beruhigend. Pilot war zügig unterwegs, verhielt sich aber wie ein Musterschüler und scheute auch nicht stark, als vor uns ein Reh aus dem Gebüsch sprang. Wieder zuhause angekommen, gab ich Pilot seine verdiente Portion Karotten und einen Apfel, den er genüsslich zu Brei verarbeitete.

      Geschäftiger Dienstag
      Der Wecker klingelte, und ich schaltete ihn murrend aus, doch drehte mich danach nochmal um. Fünf Minuten, nur fünf Minuten… Wenn Lily mich nicht geweckt hätte, wäre ich wohl eine ganze Stunde zu spät aufgestanden. Zum Glück kam sie aber wie jeden Morgen polternd mit den Hunden durch die Tür gestürmt. Ich zog mich an und machte uns und den Hunden Frühstück. Als ich die Haustür öffnete, war es zwar noch immer dunkel, aber immerhin sah man die Sterne – es war kein Wölkchen zu sehen. Zira hüpfte fröhlich raus und verschwand in den Büschen hinter dem Haus, um ein paar schlafende Spatzen aufzuscheuchen. Sheela und Jacky blieben neben mir stehen und sahen mich erwartungsvoll an. Ich streichelte die beiden und nahm sie mit zum Hauptstall. Lily ging zu Dream und Skydive, das tat sie jeden Morgen zuallererst. Ich hingegen sah bei meinem Liebling Winter vorbei, der ja in der Box gleich neben dem Eingang stand. Er war kein bisschen verschlafen, sondern wirkte voller Elan, hungrig und motiviert, sein morgendliches Galopptraining zu absolvieren. Ich kraulte ihn durch die Gitterstäbe, musste dann aber weiter zu Cool Cat, den ich diesen Monat auf der Liste hatte. Ich war noch immer nicht ganz überzeugt von dem Hengst und hatte die Zuteilung dementsprechend missmutig gemacht, aber ich konnte mich nicht immer davor drücken, ihn zu reiten. Tatsächlich war dies das erste Mal, dass ich persönlich mit ihm arbeitete, seit ich ihn vor ein paar Monaten gekauft hatte. Ich schlurfte also zur Sattelkammer und holte seine Putzsachen, den Sattel und das Zaumzeug schon mal zur Box. Dann holte ich den Hengst raus und band ihn zum Putzen an. Ich begann damit, den schwarzen Hals zu striegeln. Der Hengst hatte schön definierte Muskellinien – die Jockeys hatten bisher gut mit ihm gearbeitet. Sein Fell war weich und seidig, auch an den Stellen, an denen er nicht geschoren worden war. Seine wilde, lange Mähne machte es nicht gerade leicht, den Hals zu bearbeiten. Ich warf sie deshalb auf die andere Seite, doch er schüttelte sich kurze Zeit später und verteilte das rabenschwarze Haar wieder auf beide Halsseiten. „Thanks a lot“, murmelte ich grimmig. Beim Bauch wollte er einfach nicht stillstehen, offenbar war er kitzlig. Ausserdem begann er zu scharren, als ich nicht aufhörte. Ich ignorierte es und entfernte stur jedes kleinste Erdspritzerchen, das noch vom gestrigen Weidegang zu finden war. Mittlerweile herrschte geschäftiges Trieben im Hauptstall. Die Pfleger waren nun alle am Vorbereiten der restlichen Vollblüter für die erste Gruppe und ich war schon etwas hintendrein. Ich beeilte mich deshalb etwas mehr und kratzte nach dem Bürsten direkt die Hufe aus, ehe ich den Sattel auflegte. Als ich schliesslich fertig gesattelt und gezäumt hatte, kämmte ich das widerspenstige Langhaar dann doch noch rasch ein paar Mal durch. Einmal mehr überlegte ich, einfach die Schere zu holen und die Lange Mähne zu kürzen. Doch Rosie hätte mich wohl lebendig begraben, denn sie vergötterte die eher an ein Wildpferd erinnernde Frisur. Ich ignorierte gekonnt ein paar der Knoten im Schweif und schmiss die Bürste zurück in die Kiste. Dann führte ich Cool Cat nach draussen und stieg mit Hilfe von Ajith auf. Es musste alles schnell gehen, denn die jungen Athleten waren ungeduldig und wollten kaum stillhalten. Wir verschwendeten keine Energie damit, sie zum Warten zu erziehen, sondern ritten direkt in einer Reihe zur Bahn. In diesem Alter bestanden wir, anders als bei den Warmblütern, noch nicht auf jede Kleinigkeit im täglichen Umgang, sondern handelten vor allem praktisch; einerseits, um Zeit zu sparen, und andererseits um die Geduld der jungen Pferde nicht unnötig zu strapazieren. Sie sollten sich in erster Linie auf das Rennen konzentrieren, alles andere lernten sie nebenbei. Heute trainierten wir die Zwei- und Dreijährigen mit Startmaschine, doch zunächst mussten alle Pferde warm geritten werden. Danach stellten wir uns hinter den mobilen Startboxen auf und wurden einer nach dem anderen von Oliver und Ajith hineingeführt. Ganz aussen waren Quinn undDublin, dann folgten Rita und Caligari, Rosie und Ciela, April und Alysheba, Lily und Sumerian, Charly mit Frame und Thomas mit Kaythara. Auch hinter mir und Cool Cat wurden die Tore geschlossen. Der Hengst war ein wenig nervös und ich machte mich bereit, auf ein allfälliges Steigen zu reagieren. Doch er blieb am Boden und trampelte nur ein wenig auf der Stelle. Ich kraulte ihn am Widerrist, nahm meine Schutzbrille runter und fasste die Mähne, bereit für den Start. Dann klirrte die Glocke und die Türen flogen auf. Sofort schossen alle Pferde raus und das Feld formte sich. Ein Blick über die Schulter sagte mir, dass alle sauber weggekommen waren. Zufrieden richtete ich mich wieder nach vorne und fasste die Zügel ein wenig nach. Ich hatte vorhin beim Aufwärmen bereits die Steuerung von Cool Cat ausprobiert und ihn ausreichend kennengelernt, sodass ich ihn nun optimal lenken konnte. Der Rappe machte geschmeidige, raumgreifende Bewegungen und gewann immer mehr Boden. So weit, so gut, dachte ich anerkennend. Aber die Konkurrenz war hart; besonders die anderen Dreijährigen Caligari und Sumerian lagen noch voraus und hielten ein hohes Grundtempo. Im hinteren Teil des Feldes hingegen, hatte Charly sichtlich Mühe mit Frame klarzukommen. Der Schecke blieb nicht auf seiner Spur und schwankte, weil er den Kopf nicht ruhig hielt. Schliesslich musste Charly enttäuscht abbrechen. Ich hatte diesen Ausgang schon vermutet, ohne pessimistisch sein zu wollen, aber Frame lief bei keinem der Pfleger so gut wie bei mir. Er vertraute ihnen einfach nicht genug. Dublin war direkt hinter mir und Cool Cat, Ciela lag etwas weiter zurück und Alysheba war direkt neben ihr. Kaythara war ganz aussen ein wenig vor uns, sodass ich sie gut beobachten konnte. Auf den letzten 300 Metern trennte sich das Feld deutlich auf. Die Zweijährigen blieben zurück, während die Dreijährigen nochmal alles gaben und auf ihre Höchstgeschwindigkeit kamen. Auch Cool Cat zog an. Wir arbeiteten uns an Caligari vorbei, deren Kondition bereits bröckelte und schlossen zu Sumerian auf, die wie ein Motor beständig voransprang. Kurz vor dem Ziel hatten wir die Stute beinahe geschlagen, doch dann feuerte Lily sie nochmal an und konnte so eine ganze Kopflänge Vorsprung ergattern. Trotzdem war ich beeindruckt vom Vermögen Cool Cats und legte die letzten Zweifel an seinem Potential beiseite. Er hatte sich souverän bis ins Ziel dirigieren lassen und bis zum Schluss gekämpft, wie es sein soll. Ich streichelte stolz seinen Hals und liess ihn austraben. Von den Zweijährigen hatte diesmal wieder Kaythara die Nase vorn gehabt, was niemanden sonderlich überraschte. Die Stute hatte ausgezeichnetes Blut und schon jetzt viel Ausdauer.
      Wenig später brachten wir die Vollblüter zum Absatteln, während Ajith und Oliver bereits die zweite Gruppe bereit machten. Die Jockeys von vorhin ritten auch in dieser Runde alle wieder mit, nur ich nicht, also übernahmen Ajith und ich alle Pferde der ersten Gruppe zum Versorgen. Ich nahm Alyshebas Sattel vom Rücken des Hengstes und legte ihn auf Flys. So tauschten wir einer nach dem anderen alle Sättel. Ein Vorteil an den kleinen Rennsätteln war, dass sie praktisch auf jedes Pferd passten, also brauchten wir nicht für jeden ein eigenes Modell. Als Fly, Sympathy, Light, Caspian, Spot, Winter, Campina und Grayallesamt gesattelt waren, übernahmen die Jockeys sie der Liste entsprechend und ich wünschte allen viel Spass. Ich warf, zurück in der Stallgasse, die Abschwitzdecke über Frames Rücken und brachte den Hengst nach dem Hufeauskratzen in seine Box. Dasselbe taten Ajith und ich mit den anderen. Als Belohnung bekamen die Pferde immer nach dem Reiten ein paar Karotten oder einen Apfel.
      Während die zweite Gruppe am Trainieren war, misteten Ajith und ich schonmal die meisten Boxen. Danach half ich beim Versorgen der Pferde aus der zweiten und beim Satteln jener aus der dritten Gruppe. Es handelte sich um die letzte Gruppe für heute, mit Iskierka, Sunday, Stromer, Empire,Chiccory, Cantastor und Muskat. Die tragenden Stuten brachten wir gleich anschliessend auf die Weide, damit wir auch deren Boxen noch misten konnten, wobei uns diesmal Thomas und April noch halfen. April hängte die Zaunbänder um, damit der Weg zu den grossen Weiden seitlich begrenzt war. Als sie rief, öffnete ich die Boxen von Paint, Indiana und Caprice. Alle drei trabten die Stallgasse entlang raus auf den Schotterweg. Auch Pointless und Cassy drehten schon ungeduldig in der Box. Nur Blütenzauberschien irgendwie nicht mitbekommen zu haben, dass sie raus durfte. Sie durchwühlte weiterhin ihr Stroh nach letzten Heuhalmen, bis ich schliesslich schwungvoll die Tür aufschob und die Schwarzbraune rausschickte. Dann trabte auch sie den anderen hinterher. Wir verbrachten den restlichen Morgen mit Misten, Aufräumen und Füttern. Am Nachmittag waren dann die Pferde dran, um die sich die Neben-, Nord- und Offenstallpfleger noch nicht gekümmert hatten.
    • sadasha

      Alte Pflege-, Hufschmied- und Tierarztberichte Teil 3
      Freunschaftliches Wettreiten
      Es war Anfang März. Mittlerweile wurde es täglich etwas wärmer und trockener, sodass die Pferde wieder jeden Tag auf die Weide konnten. Sie genossen dies sichtlich; hatten sie anfangs auch wild gebuckelt und galoppiert, grasten sie nun friedlich in der Nähe des Waldrands und genossen das Frühlingsgras. Allerdings durften sie noch nicht allzu lange draussen bleiben, da das frische Gras in Massen sonst zu Bauchschmerzen geführt hätte. Lily musste wieder in die Schule, was ihr anfangs ganz und gar nicht gepasst hatte. „Warum kannst nicht einfach du mich hier unterrichten? Du hast doch auch studiert und weisst ganz schön viel!“ Ich hatte schmunzelnd geantwortet: „Leider ist das Leben kein Ponyhof; du lernst dort viel, was ich dir nicht beibringen könnte, und ausserdem hätte ich darauf auch gar keine Lust.“ Sie war nun neu in einer Klasse in Birmingham, und nach ein paar Tagen hatte sie auch schon gute Freunde gefunden. Aber im Knüpfen von neuen Bekanntschaften schien das Mädchen sowieso nie Schwierigkeiten zu haben, ganz anders als ich. Natürlich bedeutete die Schule auch, dass sie nun nicht mehr so viel reiten konnte, was sie richtig schlimm fand. Ich tröstete sie jeweils damit, dass sie beinahe jeden Abend Dream und kleinSkydive beschäftigen durfte, und regelmässig Dressurstunden auf Skyrim bekam. Ausserdem hatten wir das ‚Projekt Zebra‘ fortgeführt und waren mit Thairu nun so weit, dass man nun auf dem Viereck Slaloms mit ihr reiten konnte, jedenfalls solange sie Lust dazu hatte.
      Wie jeden Morgen half ich heute zuerst den Pflegern beim Füttern. Danach brachten wir die Nebenstallpferde auf die oberste, und die Nordstallpferde auf die unterste der drei grossen Weiden. Die Bäume, die den Strassenrand zierten und die Zufahrt somit zu einer Allee machten, waren erst vor kurzer Zeit gepflanzt worden und daher noch nicht sehr gross, aber sie boten auch eine Art Sichtschutz, damit die Hengste auf der unteren Weide gar nicht erst auf Ideen kamen. Aber das ganze wäre wohl auch sonst kein Problem gewesen, da die Jungs schon immer alle gemeinsam auf der Weide gewesen waren und sich gut kannten. Die Raufereien, die hin und wieder beobachtet werden konnten, waren also rein spielerischer Natur, auch wenn das weibliche Geschlecht in der Nähe war. Nur die Neulinge in der Gruppe, wie im Moment Artemis, hatten jeweils Startschwierigkeiten. Der Schimmel brachte deshalb sofort etwas Distanz zwischen sich und die Gruppe, als wir sie durch das Weidetor lotsten. Ich erkannte, dass Pilot ihm mit Drohgebärden bei jedem Näherkommen klarmachte, dass er ihm noch nicht ganz traute. Pilot war momentan der Chef der Hengstgruppe. Er hielt diese Position nun schon seit einem ganzen Jahr aufrecht und erzog aufmüpfige Junghengste konsequent. Trotzdem war er sehr tolerant und ging nicht jedem kleinsten Fehlverhalten nach. So liess er auch zu, dass zum Beispiel Baccardi und Calico sich ein wildes Spiel lieferten. Als sie ihm dann doch zu nahe kamen, schlug er geschickt in Richtung Baccardi aus, verfehlte ihn vermutlich absichtlich, doch zeigte ihm so, dass er vorsichtiger sein musste. Baccardi akzeptierte die Zurechtweisung und drehte ab, Calico folgte ihm. Die beiden Trabten etwas weiter weg und senkten dann die Köpfe um friedlich nebeneinander zu fressen. Ich fand das Herdenverhalten äusserst interessant und beobachtete meine Pferde oft über längere Zeit. Doch nun musste ich mich zuerst um das Training der Vollblüter kümmern, wobei ich aber heute nicht selber mitmachte. Die beiden Pferde, die ich in diesem Monat in erster Linie zu betreuen hatte (nämlich Stromer und Light), waren gestern an einem Handicap gestartet und hatten heute frei. Das einzige Vollblut, das ich noch bewegen musste, warFrame, aber der war diese Woche schon dreimal nacheinander im Sprinttraining gelaufen und hatte daher am Nachmittag zur Abwechslung Dressur auf dem Programm. Trotzdem musste ich dafür sorgen, dass alles klappte und Oliver beim Beurteilen der Pferde und Jockeys helfen. Optimierung war beim Vollbluttraining alles; wenn wir merkten, dass etwas nicht so lief, wie es das sollte, griffen wir sofort ein. Daher tauschte Oliver auch sofort Charlys Pferd gegen Caligari aus, als er sah, dass dieser mit Sumerian schon beim Aufsteigen nicht zu Rande kam. Charly musste später in Ruhe mit Sumerian etwas Bodenarbeit machen, um sie besser kennenzulernen. Der junge Jockey war noch nicht lange auf Pineforest Stable, und kannte daher noch nicht alle Pferde gleich gut. Seine Schwester blitzte mich schon wieder vom linken Torbogen des Hauptstalls aus an. Ich mochte sie immer noch nicht besonders, weil ich das Gefühl hatte, dass sie mir aus irgendeinem Grund misstraute. Ich gab mir aber keine Mühe, ihre Sympathie zu gewinnen; entweder, sie renkte sich ein und kam mit mir klar, oder sie musste sich am Ende eben einen neuen Job suchen.
      Oliver und ich liefen mit zur Bahn, führten ein Pferd nach dem anderen in die mobile Startmaschine und lösten dann den Start aus. Die Pferde schossen los und bretterten über das saftige, kurzgemähte Frühlingsgras. Oliver und ich stoppten die Zeiten mit vier Uhren. Es wurden zwar an diesem Morgen keine Rekorde aufgestellt, was auch sonst eher selten vorkam, sehr wohl aber persönliche Bestzeiten der Pferde verbessert.

      Gegen Mittag holten wir die Pferde von den Weiden und liessen sie zu ihrem Mittagessen in die Boxen laufen. Bei den meisten klappte das auf Anhieb, nur manche musste man aus einer fremden Box scheuchen und zu ihrer eigenen bringen. Danach wurden die Stallgassen aufgeräumt und gefegt. Ich suchte noch rasch meine Hunde, ehe ich ins Haus ging um selbst auch etwas zu essen. Sie warteten jedoch bereits bei der Haustür. Ich strubbelte Sheela, die schwanzwedelnd auf mich zugekommen war und rief übertrieben hoch „You clever dogs! Yass, so clever!“
      Um ein Uhr durften die Vollblüter raus, wieder auf die drei grossen Weiden verteilt. Die Stuten teilten wir in zwei Gruppen auf, da gewisse Zicken nicht miteinander auskamen. Die Zicke, von der ich sprach, war hellgrau und legte gerade die Ohren gegen Blütenzauber platt. „Kierka, be nice“, rief ich augenrollend. Die Stuten quietschten, dann trabte Iskierka mit Fahnenschweif davon, nur um wenig später eine Runde im Jagdgalopp am Zaun entlang zu drehen. Immerhin – das Gangbild der Stute war einwandfrei und die Sprünge in bester Manier. Sie teilte sich die grosse Weide nur mit Blüte, ihrer Halbschwester Shades of Gray, Painting Shadows und Indiana. Alle anderen waren auf der Weide dahinter. Unten bei den Hengsten war alles in bester Ordnung. Sie grasten friedlich schweifschlagend verstreut über die ganze Weide.
      Als ich gegen fünf Uhr Frame reinholte, um mit ihm zu arbeiten, kreuzte ich betend die Finger, dass er sich nicht eingeschlammt hatte. Ich war erhört worden: der weiss gescheckte Hengst erstrahlte noch immer in gepflegtem Glanz, nur die Beine waren etwas verspritzt. Ich führte ihn von den anderen weg zum Hauptstall, was mit ihm kein Problem war, jedenfalls solange ich ihn führte. Ich wusch rasch die Beine ab und trocknete sie mit dem Handtuch, dann bürstete ich ihn gleich im Innenhof an der wärmenden Sonne durch und sattelte ihn. Ich musste sogar die Jacke ausziehen, so warm wurde mir. Wir schlenderten zum Sandplatz und liefen uns ein. Mit ‚uns‘ meinte ich auch uns beide, denn ich stieg nicht gleich auf, sondern trabte mit ihm an der Hand spielerisch ein paar Volten. Dabei verzichtete ich darauf, den Zügel zu halten, sondern machte einen Knoten rein, damit er nicht über den Hals fiel. Ich lief ab und zu absichtlich langsamer, woraufhin der feinfühlige Hengst auch bremste. Dann wiederum rannte ich über den Platz und er machte sogar einen Freudenbuckler. Damit er nicht zu wild wurde, liess ich ihn gleich anschliessend anhalten und ging im Schritt weiter. Danach legte ich aber mit der eigentlichen Dressurarbeit los und ritt eine gute halbe Stunde lang verschiedenste Lektionen mit ihm.
      Als ich ihn zurück zum Hauptstall führen wollte, bemerkte ich Mark und Charlotte mit ihren Pferden beim Parkplatz. „Hey, hello! What are you two doing here?“, rief ich ihnen winkend zu. Sie schienen erleichtert, mich gefunden zu haben und kamen mir entgegen. „We were riding along the forest, when we spotted what we thought to be Pineforest Stable. Looks like we were right”, stellte er zuletzt zufrieden fest. Panther schnaubte und rieb den Kopf an Marks Schulter, der ihn sanft wegschob. „Well… I will show you around a bit“, schlug ich vor. Die beiden brachten ihre Pferde zum Nebenstall, wo sie sie mit den mitgebrachten Knotenhalftern anbanden. Charlotte bewunderte Frames blaues Auge. „It’s so beautiful“, stellte sie fest, und streichelte die rosa Nase des Hengstes. „I wish Milena had such pretty eyes!“ Ich entgegnete, dass ihre Stute dafür eine tolle, gewellte Mähne hatte. Ich fühlte mich etwas seltsam, als ich die beiden herumführte, weil sie kaum Fragen stellten und auch sonst eher schweigsam waren. Mark interessierte sich sehr für Unbroken Soul of a Rebel, vermutlich weil der schicke Hengst auch ein Westernpferd war. Er fragte nach der Abstammung des Hengstes und seinen bisherigen Erfolgen. Panther und Milena warteten entspannt beim Nebenstall und genossen die Sonne. Irgendwann stiessen Lewis, Rosie und Jonas zu uns. Mark blühte etwas auf und unterhielt sich ausgiebig mit Rosie über die Vorzüge eines Quarter Horse. Lewis unterbrach ihn nach einer Weile, wobei ich eine leichte Gereiztheit in seiner Stimme zu erkennen glaubte: „Mark, according to Lisa, your horse is very fast and strong. Now that I see him, I must say that I’m a bit disappointed. I expected a better shaped stallion.” Ich war etwas sprachlos über die Unverfrorenheit meines Angestellten und wollte gerade den Mund aufmachen, um ihn zurechtzuweisen, als Mark kühl und gefasst antwortete: „Well, I could show you, how fast he is. How about a little race?“ Lewis war genauso stutzig wie ich, liess es sich aber nicht anmerken. “Alright – Boss, could you lend me Dod for a while?“ Nun griff ich definitiv ein. “Lewis, it’s enough! We do not insult our guests, nor do we challenge them in silly races! They obviously came a long way to see us, and their horses must not spend too much energy on stupid cock fights.” Mark entgegnete gelassen: “Panther is fit enough, it should be no problem. Besides, I am really interested in competing against such a strong opponent.” Lewis verengte argwönisch die Augen, Mark lächelte nur. Jonas stiess mich in die Seite und flüsterte: „Lass es sie ausdiskutieren, Dod wurde heute eh noch nicht bewegt. Ich will auch sehen, wer gewinnt!“ Ich verdrehte die Augen, genauso wie Rosie. Als wir uns wenig später auf zu Dods Box machten, während Charlotte und Mark sich um ihre Pferde kümmerten, nahm sie ihn wütend zur Seite. „What the hell were you thinking? He is our guest, and you were really rude! You will have to apologize afterwards!” Lewis antwortete gereizt: “He is a braggart, I will prove that. I saw it right away, that’s why I don’t like him.” Ich schwieg und ordnete meine Gedanken. Es muss noch etwas anderes dahinterstecken… Ob Lewis Mark wohl kennt? Unwahrscheinlich, sonst hätten die beiden anders aufeinander reagiert. Aber was ist es dann? Jedenfalls muss Dod jetzt gewinnen, sonst wird es eine ziemlich peinliche Geschichte für uns… Ich half mit, den Criollo zu putzen und redete ihm gut zu. Der Rappe mit der grossen Blesse schob seinen Kopf unter meinen Arm und liess sich die Ohren kraulen – etwas, was er sonst nur bei völliger Entspannung tat. Es schien, als wollte er sagen: „Du kannst dich auf mich verlassen.“ Plötzlich fiel mir ein, dass es vielleicht nützlich war, wenn wir unbeteiligten ebenfalls Pferde hätten, um die beiden Streithähne zu begleiten. In Rekordzeit bürstete ich Donut. Rosie nahm Baccardi und Jonas Numair, wobei er auf meine Frage hin, ob er nicht noch Stallarbeiten zu erledigen habe, gespielt unschuldig den Kopf schüttelte. Ich seufzte und erlaubte ihm, auch mit zu kommen. Sobald Dod gesattelt war, führten wir ihn nach draussen zu den beiden Gästen. Der Fairness halber trug auch er einen Westernsattel, sodass beide Pferde etwa dasselbe Gewicht zu tragen hatten. Gleichberechtigung war auch der Grund gewesen, warum Lewis keinen Vollblüter ausgewählt hatte, wie er beim Putzen erklärt hatte. Mark streichelte Panther gelassen die Stirn, während er Dod und seinen Reiter betrachtete. „Ready?“, fragte Lewis. Sein Gegenüber nickte, und die beiden ritten voraus in Richtung Galoppwiese. Charlotte, Rosie, Jonas und ich folgten ihnen. Wir reihten uns bei der Imaginären Startlinie auf und Ich gab das Signal zum Start, sobald alle ruhig waren. Die beiden schossen los und waren sofort gleichauf, ein fairer Start also. Wir Beobachter ritten am Waldrand entlang mit, allerdings in gemütlichem Schaukelgalopp. Aus der Ferne beobachtete ich, wie Lewis Dod anfeuerte und der Hengst als Reaktion unwillig mit dem Schweif schlug, dann aber zulegte. Man sah, dass beide alles gaben, denn Dod schien zu verstehen, dass sein Reiter um jeden Preis gewinnen wollte und liess sich davon anstecken. Bei Mark und Panther war es aber nicht anders; die beiden waren ein eingespieltes Team und der Dunkelbraune reagierte unmittelbar auf jedes Zeichen seines Reiters. Dod war da schon etwas sturer und blieb auf seiner bevorzugten Spur, aber der Hengst war auch clever und nutzte seine Kenntnisse über den hiesigen Boden; er kannte die Galoppwiese und ihre Unebenheiten nur zu gut. Eine Weile sah es so aus, als wären die beiden tatsächlich gleichauf, doch dann fiel Panther immer weiter zurück. Der braune Quarterhengst konnte mit der Ausdauer und Geschicklichkeit des ausgezeichnet trainierten und robusten Criollos nicht mithalten; Lewis ritt triumphierend über den schmalen Trampelpfad, der als Ziellinie diente. Mark tätschelte Panther geschlagen den Hals und zwang sich zu einem Lächeln. Jonas klatschte freudig Lewis‘ Hand, doch Rosie schenkte ihm nur einen verachtenden Blick. Ich gratulierte ihm mit gemischten Gefühlen: froh, dass er unsere Ehre verteidigt hatte, aber skeptisch, ob Mark nun nicht zu verärgert war. Zu meiner Erleichterung winkte er ab: „Ahh, next time we win, right Panther? You have a very good horse right there Miss Smith.“ Ich nickte dankbar und führte die Gruppe zurück zum Hof. Lewis musste sich natürlich trotzdem noch bei Mark entschuldigen, konnte aber auf dem ganzen Rückweg ein schelmisches Grinsen kaum verkneifen. Die beiden Gäste blieben noch für eine Tasse Tee, dann machten sie sich langsam auf den Nachhauseweg. Als ich mich zum Nebenstall begab, um Ronja zu holen, bekam ich mit, wie Lewis an Rosie vorbeilief, wobei er fröhlich meinte: „Sloppy shaped Quarter Horses are still not comparable with good trained Criollos.“ Sie ignorierte ihn und lief davon. „Hey, it was only a joke!“, rief er ihr noch nach, aber das nützte auch nichts mehr.



      Viele viele bunte…
      „Occu, Blütenzauber bekommt ihr Fohlen!“, rief Lisa mir vom Hauptstall entgegen. Ich hastete dorthin um nach dem Rechten zu sehen. Im selben Moment rief Lily hysterisch vom Nebenstall: „Ich glaubeSkydive hat gehustet, Tante Occu! Komm schau ob er krank ist!“ So ging das nun schon seit Wochen; ein Fohlen nach dem anderen kam zur Welt. Naja, eigentlich war ja auch absichtlich geplant gewesen, dass die Fohlen fast alle März kommen sollten. Ich rollte die Augen und drehte um. Ich wusste schliesslich genau, dass mir meine kleine Nichte keine Ruhe lassen würde, bis ich mich um ‚ihr‘ Fohlen kümmerte. Wie erwartet hatte sich Skydive aber nur beim Trinken verschluckt, sonst fehlte ihm absolut nichts. Das Hengstchen war kräftig und verspielt, und manchmal überlegte ich skeptisch, ob er nicht schon fast etwas zu moppelig war. Als Lily mich endlich gehen liess, lag Blütenzaubers Fohlen schon als feuchtes Bündel neben ihr im frischen Stroh. Ich betrachtete die beiden liebevoll und versuchte zu erkennen, welches Geschlecht das Tierchen hatte. „Eine Stute!“ Über einen Namen würde ich mir später Gedanken machen. Das Fohlen war das erste von Spot und dementsprechend neugierig war ich auf seine Qualitäten. Ich sah ein paar Boxen weiter nach Caprice und ihrem wolligen braunen Hengstchen, das Gestern in der Frühe geboren worden war. Die Fuchsstute war entspannt und kümmerte sich liebevoll um ihr Erstgeborenes. Sogar noch besser war es vor zwei Wochen mit Pointless gelaufen. Das gepunktete Monster hatte uns alle überrascht und sich als hervorragende Mutter entpuppt. Ausserdem war ihr Fohlen eine unglaublich hübsche, dominant weisse Stute mit ganz feinen, braunen Fleckchen auf dem ganzen Körper. An der Schnauze und um die Augen hatte sie ebenfalls dunkle Flächen, die aufgrund des dort feineren, weissen Fells noch etwas deutlicher zu sehen waren. Auch sie hatte noch keinen Namen, aber ich spielte mit der Idee ‚A Winter’s Tale‘. Ausserdem hatte ich bereits beschlossen, sie definitiv zu behalten, denn ich war neugierig, wie sie sich entwickeln würde. Ich wusste noch nicht genau, welche Fohlen dieses Jahrgangs wir sonst noch zur Ausbildung hier behalten würden; das wollte ich in den kommenden Tagen zusammen mit Oliver bestimmen. Ausser den drei bereits erwähnten Babys hatten noch ein Welsh von Noir, ein Mini von Alu und ein Criollo Fohlen von Gini das Licht der Welt erblickt. Ja, nun war der Frühling definitiv gekommen. Ich freute mich schon auf die letzten Geburten, die noch bevorstanden. Bei Indiana und Islahkonnte es jetzt auch jeden Tag so weit sein. Doch nicht nur solch junge Neuankömmlinge hatten wir in letzter Zeit begrüssen dürfen; auch sonst hatte sich viel verändert. Zum Beispiel stand nun in Box Nummer 14 der wunderschöne Fajir El Assuad, ein knapp sechsjähriger Halbbruder von Kaythara. Ich erhoffte mir, ihn später erfolgreich als Zuchthengst einsetzen zu können, denn seine Abstammung war ausgezeichnet. Der einzige Haken daran war, dass er sozusagen keine Rennleistung hatte. Er war früh aus den Rennen zurückgezogen und stattdessen in Dressur oder Springreiten trainiert worden, sodass ich nicht mit Sicherheit sagen konnte, wie gut seine Nachkommen auf der Bahn sein würden. Vom Körperbau her schien er aber alle Voraussetzungen für einen guten Galopper zu erfüllen. Ausser Fajir waren noch Shattered Glass, eine Paint Horse Stute, und Dante, ein Holsteinerhengst übergangsweise hier. Ich hatte die Beiden von einem Rettungshof übernommen und bereits neue Besitzer gefunden, doch solange der Papierkrieg um die Ausfuhr noch andauerte, blieben sie hier. Auch Álaedis hatte den Weg zurück nach Pineforest Stable gefunden: ich hatte die Stute zurückgekauft, weil sie vernachlässigt worden war. Nun überlegte ich, ob ich sie vielleicht als zukünftige Zuchtstute behalten wollte, doch es hatten sich auch für sie schon wieder Interessenten gemeldet, also würde ich sie wohl weiterziehen lassen. Der letzte Neuling, der heute ankommen sollte, war ein prächtiger Andalusierhengst, den ich im Frühsommer zusammen mit den meisten Fohlen dieses Jahrgangs versteigern wollte. Ich hatte ihn ebenfalls von einem Schutzhof freigekauft und wollte ihn nun aufpäppeln. Er war laut den Tierschützern in Spanien bereits Gekört worden und hörte auf den Namen Negresco. Seine Ankunft war für fünf Uhr geplant, also hatte ich noch etwas Zeit, mich um die Minis zu kümmern.
      Es war drei Uhr, die Sonne schien und die Vögel wollten gar nicht mehr ihren Schnabel halten. Ich schlenderte Barfuss und mit hochgekrempelten Hosen durch das saftige Gras am Wegrand zu den Weiden. Nur im Schatten der Tannen war es noch etwas zu kalt, sodass ich leichte Gänsehaut bekam. Ich hüpfte über den Schotterweg zum Weidetor und betrat das Reich der Stuten. Meine Hornhaut ist auch nicht mehr das, was sie mal war, stellte ich angesichts meiner nun etwas schmerzenden Füsse fest. Aber das wird sich bald wieder ändern. Chip, Daki und Allegra kamen angetrabt, die restlichen glotzten mich nur von weitem an, weil sie genau wussten, dass es nicht Futterzeit war. Ich wich Dakis Hufen geschickt aus, als sie mir fast auf die Füsse trampelte, mit dem Resultat, dass ich fast über Allegra stolperte. Der winzige Fellball versteckte sich erschrocken hinter ihrer Mutter, nachdem sie mir einen warnenden Tritt verpasst hatte. Na zum Glück ist sie noch so klein und schwächlich, dachte ich augenrollend, und rieb mir die Wade wo sie mich getroffen hatte. Ich konnte ihr aber nicht wirklich böse sein, weil es ja meine Schuld gewesen war. „Stupid humans shouldn’t come here barefoot, right?“, rief ich lachend. „That’s probably right“, rief eine Stimme hinter mir zurück. Lewis stand mit der Mistgabel beim Offenstall; ich hatte ihn zuvor gar nicht bemerkt. Er grinste und machte sich wieder an die Arbeit. Ich lief zu den restlichen Stuten, die in der Nähe der Bäume grasten. Alu und ihr kleines Anhängsel wurden von Papillon beschützt, die sehr Herdenorientiert war und sich anscheinend dazu verpflichtet fühlte. Ich machte mir aber ein wenig Sorgen, dass Papillon das Kleine vielleicht stehlen könnte. Daher bat ich Lewis später ‚to keep a close eye‘ was die beiden anging. Bei den Minis musste nur noch Rapunzel abfohlen. Sie war ein richtiges Fass auf zwei Beinen und ich fragte mich, wie lange sie noch brauchen würde. Eigentlich war der errechnete Termin schon vor über einer Woche gewesen. Andererseits hatte die Stute bei ihrem letzten Fohlen auch etwas länger gebraucht, und am Ende war trotzdem alles gut gegangen. Wo wir schon vom Teufelchen sprachen - Kicks-a-Lot und Tigrotto lieferten sich gerade dem Zaun entlang ein Wettrennen, mit anschliessendem Gerangel. Tic-Tac sah ihnen bloss verschlafen zu, denn sie lag zusammen mit Ladyund Rose im Schatten. Ein wenig Training würde ihnen wiedermal guttun, beschloss ich bei Kiwis pummeligem Anblick. Ich hatte in letzter Zeit mehr mit den ausgewachsenen Minis trainiert und die Halbstarken etwas vernachlässigt. Dafür war Lady Diva was das Country Pleasure Fahren betraf nun in die höchste Turnierklasse aufgestiegen.
      Bevor ich wieder zum Nebenstall schlenderte, sah ich kurz bei den Hengstchen rein. Die Langweiler dösten alle im Offenstall, anstatt das tolle Wetter draussen zu geniessen. Ich ging nicht näher heran, um Arco,Caress und Caillean nicht zu stören. In einer Ecke des Stalls lag Becks, den ich vor ein paar Tagen gekauft hatte. Er brachte frisches Blut in meine Zucht und war bereits ein erfahrenes Showpferd. Rapunzel hatte sogar schon einmal Bekanntschaft mit ihm gemacht – das Fohlen von den beiden war damals aber an einer Krankheit gestorben. Immer noch barfuss begab ich mich zu Dreams Box, weil ich Lily suchte. Doch sie war ausnahmsweise nicht hier. Erstaunt sah ich mich um und rief nach den Hunden, die jeweils auch ein gutes Indiz für den Aufenthaltsort meiner Nichte waren. Sheela und Zira kamen hinter der Halle hervorgeschossen, Jacky folgte ihnen humpelnd. Sie war letztens ziemlich übel gestolpert und hatte sich die Pfote dabei verstaucht; nichts Ernstes, aber es würde noch ein/zwei Wochen dauern, bis sie wieder ganz normal lief. Ich lobte die drei für ihr rasches Auftauchen und lief dann, von ihnen verfolgt, auf dem Schotterweg zur Ovalbahn. In der Ferne sah ich Ajith und Quinn beim Osteingang zum Hof stehen. „What’s going on?“, fragte ich, sobald ich bei ihnen war. „Muskat broke free from Charly, when he was trying to get him and Cantastor back to the barn. At first he was able to hold back Canto, but then he fell and Canto got away too. They both ran in this direction; Lily and Charly are following them. We’re standing here in case they manage to chase them back.” Ich entgegnete wütend: “What was he thinking by taking them both at once? He must have known It’s springtime and the horses are all very jumpy!” Ajith zuckte mit den Schultern und Quinn schüttelte den Kopf. Ich nahm Quinn mit zum Nordstall, wo wir Calico und Dod sattelten, um die Ausbrecher einfangen zu gehen. Ich konnte nicht gut mit einem Lasso umgehen, weshalb ich darauf hoffte, nahe genug an die beiden heranzukommen, um die Führstricke zu fassen, die noch immer an den Halftern hängen mussten. Quinn und ich ritten an Ajith vorbei raus und trabten schon nach einer kurzen Einwärmzeit an, um die Verfolgung aufzunehmen. Zunächst mussten wir Charly und Lily finden. Nach langem Rufen begegneten wir ihnen weiter oben am Flussufer. „Where are they?“, fragte ich hoffnungsvoll. „We last saw them somewhere over there, but they’re hidden behind the bushes now.“ Charly deutete zu den Büschen weiter oben. Wir teilten uns auf und ritten, beziehungsweise liefen um das Gebiet herum, sodass wir die Pferde von Norden her einfangen konnten. Mit dieser Strategie wollte ich verhindern, dass sie noch weiter weg liefen. Vorsichtig streiften wir an den Büschen vorbei, bis ich Cantastor entdeckte. Der Dunkelbraune sah mich und Dod mit gespitzten Ohren an. Er blieb zum Glück ruhig stehen, sodass ich mich nähern konnte und sein Seil zu fassen bekam. Ich lobte ihn erleichtert und band sein Seil am Sattelhorn fest. Dann trabte ich weiter auf der Suche nach Muskat. Die anderen hatten ihn inzwischen aufgespürt und umkreisten ihn, doch er suchte bereits nach einer Lücke zum entwischen. Als Quinn auf ihn zuritt, drehte er ab und bretterte mit Fahnenschweif in Richtung Pineforest Stable zurück. Canto tänzelte etwas und rief seinem Kumpel lautstark, versuchte aber nicht, sich wieder loszureissen. Ich befahl Charly, sich auf Cantos Rücken zu schwingen und an der Mähne zu halten, während die kleine Lily bei Quinn vorne mit aufstieg. Wir trieben Muskat in die Richtige Richtung, sodass Ajith einen entscheidenden Versuch hatte, ihn zu fassen zu bekommen. Der dunkelhäutige Pfleger warf die Arme hoch und liess Muskat abbremsen, dann schnappte er sich zielsicher den Strick des Hengstes. Wir jubelten ihm zu brachten dann die beiden Vollblüter gemeinsam zurück zum Hauptstall. Quinn meinte lachend zu Ajith: „That was not bad, he had no chance!“ Er winkte ab, grinste aber übers ganze Gesicht. Charly hatte seine Lektion gelernt und versprach, in Zukunft zumindest die Hengste einzeln zu führen. Kurz darauf kam Negresco an und wurde von Jonas in seine vorläufige Box im Nordstall gebracht. Der Braune hatte einen wunderschönen Kopf und ich konnte mich nur schwer davon abhalten, mit dem Gedanken zu spielen, ihn hier zu behalten.
      Am Abend sassen wir alle auf Gartenstühlen und Bänken unter den drei Bäumen zwischen dem Pflegerheim und dem Haupthaus. Nur Elliot, Lisa und Oliver waren noch unterwegs, um ausserhalb von Pineforest Stable Reitstunden zu geben. Es gab Tee und Kekse, was nach dem langen Arbeitstag eine verdiente Wohltat war. Wir überlegten uns Namen für die Fohlen, war gar nicht so leicht war. Sie mussten nicht nur gut klingen, sondern auch zu den Namen der Eltern passen und später von den Sprechern bei Rennen oder Turnieren gut genannt werden können. Für Pointless‘ Fohlen setzte sich ‚A Winter’s Tale‘ durch, denn uns fiel ausser ‚Surely no Spots‘ und ‚Snowbutt‘ nichts mehr ein (Lewis machte einen Schmollmund, als ‚Snowbutt‘ einstimmig abgelehnt wurde). Blütes Fohlen wurde dank Rosie vorläufig ‚Savory Blossom‘ genannt. ‚Gamble Away‘ wurde es für Mikkes Fohlen. Das kleine Welsh-Tier nannte ich ‚Daydream of Money‘, als Anspielung auf Noir’s französischen Namen. Ginis Fohlen hiess fortan ‚Dreams of Revenge‘ und das Mini-Fohlen von Alu ‚Arctic Alinghi‘. Bei der anschliessenden Stallkontrolle entdeckten wir ausserdem, dass bei Indiana die Wehen eingesetzt hatten. Die Geburt verlief Problemlos und ohne unser Eingreifen. So stand eine Stunde später auch Spots zweites Fohlen, ‚Stop Making Sense‘, zum ersten Mal auf wackeligen Beinen. Ich mochte dieses Kerlchen schon jetzt ganz besonders, weil es fast dieselben wilden Sprenkel wie sein Vater trug. Ausserdem hatte es einen Bildschönen Kopf.



      Unspektakulär ist auch gut
      Am selben Nachmittag an dem ich die Übernahme von Eddi’s Ice Coffee bestätigte, wollte ich zum ersten Mal Halftertraining mit den neuen Fohlen machen. Die meisten waren nun schon etwas über zwei Monate alt und begannen, die Welt neugierig und vorwitzig zu erkunden. Der perfekte Zeitpunkt, um die bisher unangetasteten Fohlen schon mal ein wenig auf ihr zukünftiges Leben vorzubereiten. Die Pfleger und ich hatten die Fohlen schon zwei Wochen nach der Geburt spielerisch festgehalten und sie so ans Stillstehen ohne sich zu wehren gewöhnt. Zudem mussten sie lernen, sich überall anfassen zu lassen. Des Weiteren hatten wir schon einige Spaziergänge auf dem Hofgelände hinter uns, bei denen sie neben der Mutter hergelaufen waren. Jedes Mal, wenn wir die Stuten führten oder sonst mit ihnen umgingen, lernten die Fohlen die tägliche Routine und den Kontakt zum Menschen kennen. Die Mütter wurden übrigens bereits wieder trainiert: sie wurden entweder wieder geritten oder an der Doppellonge aufgebaut, je nach Verfassung. Dadurch, dass wir sie bis zwei Monate vor dem Abfohlen geritten hatten, waren sie auch jetzt noch gut in Form und erholten sich rasch. Die Fohlen blieben während dem Training entweder bei Fuss, oder verbrachten die kurze Zeit ohne ihre Mutter mit den anderen auf der Weide. Das klappte eigentlich ohne grössere Probleme, abgesehen von gelegentlichem sehnsüchtigem Wiehern beiderseits. Doch auch das wurde derweilen immer weniger weil die Kleinen lernten, dass ihre Mütter schon nach kurzer Zeit zurückkahmen.

      Zusammen mit Rosie betrat ich nun Caprices Box. Gamby, wie das kleine braune Hengstchen neben ihr von uns gerne genannt wurde, kam zutraulich heran und schnupperte an dem schwarzen Nylon. Ich liess ihn auch daran knabbern, wobei er mit seinen kurzen Zähnchen sowieso keinen Schaden anrichten konnte. Als seine Mutter ihn etwas unsanft wegschubste, weil sie Rosies Hosentasche nach Leckereien absuchen wollte, klackerte er unterwürfig, stakste dann aber nach einer kurzen Pause um sie herum auf die andere Seite, um wieder zu uns zu kommen. Ich kraulte seinen kurzen Hals, während Rosie ihm das Halfter hinhielt. Er spitzte die Lippe und wippte mit dem Kopf im Takt zu meiner Handbewegung. Rosie hielt das Halfter halb über seine Nase, dann zog sie es wieder weg, als er dabei gelassen blieb. Das wiederholte sie einige Male, wobei sie immer ein Stückchen weiter vorrückte, bis sie schliesslich das Band hinter den Ohren durch die Schnalle ziehen und schliessen konnte. Ich kraulte noch ausgiebiger, um es Gamby so angenehm wie möglich zu machen. Dann entfernten wir das Halfter wieder. Für heute reichte das Halftertraining schon. Ich wollte nur noch rasch seine Hufe hochheben und den kleinen dann in Ruhe lassen. Wie jedes Fohlen musste Gamby zuerst verstehen, was ich von ihm wollte. Deshalb belohnte ich schon das kürzeste Hufheben mit Streicheleinheiten. Es fiel ihm sowieso noch zu schwer, das Gleichgewicht auf drei Beinen länger zu halten. Er gab mir sogar nach kurzem Zögern das linke Hinterbein für ein paar Sekunden. Das reichte mir völlig für die erste richtige Trainingseinheit.

      Rosie und ich schlenderten weiter bis wir bei Blütenzauber ankamen. Sie sah uns erwartungsvoll entgegen, offenbar war sie noch nicht longiert worden. Auch bei Blüte war der Effekt des Aufbautrainings schon sichtbar, auch wenn sie im Vergleich zu vorher doch noch ein bisschen pummelig war. Savory Blossom lag ausgestreckt im Stroh und döste, hob jedoch sofort den Kopf, als wir die Boxentür aufschoben. Ich hatte fast schon ein schlechtes Gewissen, weil wir sie geweckt hatten, aber Rosie meinte nur, sie könne ja später weiterschlafen. Ich war erstaunt, dass das bunte Fohlen nicht auf die Beine sprang, als wir uns näherten. Sie blieb entspannt liegen und liess noch etwas verschlafen die Unterlippe hängen. Eigentlich wollte ich gerade beschliessen, ihr Training auf später zu verschieben, doch in diesem Moment drehte sich Blüte und stupste ihr Fohlen an, um es zum Aufstehen zu bewegen. Vielleicht hatte sie das Gefühl, dass etwas Abwechslung ihrem Nachwuchs guttun würde. Doch wer wusste schon, was im Kopf einer Stute vor sich ging? Rosie nutzte die Gelegenheit jedenfalls und versuchte, das Stütchen fürs Halftertraining zu begeistern. Savory blieb skeptisch und wollte sich hinter ihrer Mutter verstecken. Rosie lief ihr hinterher und zeigte ihr so, dass sie sich uns Menschen nicht einfach entziehen konnte. Sie streifte dem Fohlen sanft das Halfter über und liess sie sofort wieder laufen, als sie es ein paar Sekunden stillstehend duldete. Savory stakste durch das Stroh um uns herum und kam von hinten zu mir. Sie nibbelte an meinem T-Shirt und zupfte mit zunehmendem Selbstvertrauen richtig grob daran. „Heyy!“, rief ich aus und schob sie lachend weg. Eigentlich sollte ich in solch einem Moment streng sein, aber es fiel mir in Anbetracht dieser süssen rosa Schnauze unglaublich schwer… Die Hufe hob Savory ziemlich willig, wackelte und stolperte dann aber genauso schnell wie sie sie gehoben hatte auch wieder davon. Wenigstens schien sie sich Mühe zu geben. Das Kraulen schien sie übrigens nicht ganz so sehr zu begeistern wie Gamby, dafür schien bei ihr die pressure-release Methode besonders gut zu funktionieren. Blüte interessierte sich wenig für unser Gehampel – solange sie wusste, dass ihrem Fohlen nichts geschah, sortierte sie entspannt ihre Strohhalme. Ich schätzte sie wirklich sehr als Zuchtstute, weil sie so unkompliziert war. Doch für die kommenden Jahre wollte ich ihr erstmal eine längere Pause geben und sie wieder mehr im Sport fördern. Auf der Rennbahn gab es für sie natürlich kein Comeback mehr, aber ich hoffte, dass sie mit ihren geschmeidigen Gängen vielleicht die eine oder andere Dressurprüfung bestreiten könnte.

      Weiter ging’s zu Pointless und A Winter’s Tale. Mein kleiner Schatz kam neugierig auf Rosie und mich zu. Rosie hielt ihr das Halfter hin, auf dem sie ohne Zögern rumzukauen begann. Die kleine Stute war aufgeweckt und frech, hatte aber keine Mühe, Grenzen einzuhalten. Ihre Mutter war da etwas anders gestrickt, aber offenbar färbte es zumindest jetzt noch nicht ab. Ziemlich spielerisch gewöhnten wir Talia an das Halfter und tasteten uns an ihre Beine heran. Ich wagte es kaum mich zu erinnern, wie Pointless‘ ersten Trainingseinheiten ausgesehen hatten. Das Punktetier war schon immer dickköpfig und selbstbewusst gewesen, und hatte es uns nie leicht gemacht. Irgendwie hatten wir sie einreiten können, aber da war der Spass auch schon vorbei. Auf einem richtigen Rennen war sie bisher noch nie gelaufen, dafür war sie zu unberechenbar. Doch wenn alles gut ging wollten wir im Herbst einen neuen Anlauf starten, sobald Talia entwöhnt war. Vielleicht war Pointless dann endlich etwas erwachsener und ausgeglichener. Aber ob sie den Wiedereinstieg in ihre Rennkarriere fand, hängte ganz von ihren Trainingsfortschritten ab. Es war zwar eher unwahrscheinlich, dass Olivers Plan aufging, aber wir versuchten es zumindest.

      Auch Stop Making Sense aka Mambo interessierte sich zunächst für das Nylonhalfter, wandte sich aber kurz darauf ab. Offenbar hatte er es schon untersucht und fand es bereits wieder langweilig. Rosie versuchte vergeblich, ihn zur Mitarbeit zu begeistern. Der gesprenkelte Hengst wetzte lieber seine Babyzähne an den Gitterstäben der Box. Das hatte er von seiner Mutter abgekupfert, die so bei den Fütterungen jeweils die Aufmerksamkeit der Pfleger auf sich lenken wollte. Wir liessen ihn in Ruhe, nachdem wir das Halfter einmal erfolgreich übergestreift hatten.

      Das jüngste Mitglied der Vollblutgemeinschaft erwartete mich und Rosie in der nächsten Box. Counterfirevon Cassiopeia war letzte Woche endlich auch auf die Welt gekommen. Sie schien schon jetzt dratig und robust gebaut, kombiniert in einem eleganten Gesamtbild. Eine hübsche Fuchsschecke, mit vielversprechender Abstammung. Ich war nun beinahe froh, Cassy die Zwangspause von der Bahn gegeben zu haben, die mir aufgrund ihrer Beinverletzung empfohlen worden war. Nun hatte das Bein genug Zeit gehabt und sie konnte langsam wieder aufgebaut werden. Mit etwas Glück und einem gut strukturierten Trainingsplan hofften wir sie sogar wieder auf die Rennbahn zu bekommen. Seit der Verletzung hatten wir Cassy oft als Handpferd mitgenommen oder vom Boden aus trainiert, damit sie ihre Ausdauer und die Muskeln nicht abbaute, das Bein aber trotzdem nicht mehr als nötig belastet wurde. Es hatte nun ein ganzes Jahr lang Zeit gehabt zu heilen und wir waren gespannt auf den nächsten Tierarzt Check, der bereits anstand. Iskierka nebenan giftete Counterfire an, die ein wenig zu nahe an die Boxenwand gekommen war. Manchmal kam es mir vor, als wäre die Stute eifersüchtig. Das kleine Fuchsfohlen mit der ungewöhnlichen Blesse wich erschrocken zurück und stolperte zu seiner Mutter. Mit diesem Stutfohlen trainierten wir heute noch nicht, dafür war sie noch zu jung. Nur das Festhalten übte ich mit ihr, wie ich es auch mit den anderen Fohlen getan hatte.

      Dafür wurde der nächste Kandidat schonungslos angepackt: Syndromatic Depression musste all das lernen, was auch den anderen Fohlen beigebracht wurde, auch wenn sie sich lieber verkrochen hätte. Sie war bereits jetzt sowas wie ein chronischer Angsthase und versteckte sich immer zuerst hinter Sympathy for the Devil, bevor sie Fragen stellte. Ich runzelte die Stirn, als sie auch heute zuerst eine schöne Kurzkehrtwendung hinlegte und dann zügig hinter Mamas Flanke verschwand, sobald wir die Box öffneten. Sie hatte keinerlei schlechte Erfahrungen gemacht, aber offenbar hatte ihre Mutter sie zur Vorsicht erzogen, weil sie nach den Komplikationen bei der Geburt anfangs schwächlich und kleiner als die anderen gewesen war. Auch Devil hatte etwas gelitten und musste schonender trainiert werden als die anderen Mütter. Doch mittlerweile war sie wieder fit, genauso wie ihre Tochter. Stück für Stück gewannen wir das Vertrauen der Kleinen und bereiteten sie auf das Halftern vor. Mamma Devil war angenehm zurückhaltend und beobachtete uns mit aufgestütztem Hinterhuf. Irgendwann, als wir die Hinterbeine von Dolly heben wollten, entschied Devil offenbar, dass es nun genug sei und schob sich zwischen uns. Sie knabberte sanft an meiner Hand, doch ich verstand, dass für heute reichte.

      Bei Empire of Irony hatten wir überraschend Mühe, die Hinterbeine zu heben. Das gescheckte Stutfohlen trat sogar zweimal nach mir aus, als ich nicht aufgab. Was für eine kleine Zicke sie jetzt schon ist… dachte ich schmunzelnd. Allerdings gab es auch Momente, in denen Islahs heissblütiger Jungspund lammfromm und verschmust war. Es war eben ganz von ihrer Tagesform abhängig. Islah mischte sich hie und da mit platten Ohren ein, um ihr Fohlen zu ‚beschützen‘. Ich nahm die Araberdame sehr ernst, denn ich hatte in der Vergangenheit bereits Bekanntschaft mit ihren Reisszähnen gemacht. Irony schien aber durch das Einschreiten ihrer Mutter eher verwirrt als beruhigt. Sie versuchte ja nicht, uns zu entkommen, im Gegenteil; sie kam immer wieder heran um uns erneut herauszufordern. Dabei hätte sie sich ohne Probleme hinter ihrer mürrisch Schweifschlagenden Mutter verstecken können. Es war wichtig, ihr jetzt den nötigen Respekt beizubringen, denn offenbar war dieses Stutfohlen geistig schon weiter als die anderen und testete bereits aus, wie weit sie mit uns Zweibeinern gehen konnte. Ich besänftigte Islah mit ein paar Karottenstücken, als sie uns gerade etwas in Ruhe liess. Zu allem Überfluss schwenkte ihr Verhalten aber nun in Futterneid um, sodass sie Irony in die Seite kniff, als das Fohlen an den Karottenscheibchen schnuppern wollte. Ich beschloss, dass es besser war, den beiden erstmal eine Pause zu geben, bevor noch jemand verletzt wurde.

      Argenté Noir war da unkomplizierter. Sie frass ungestört weiter und liess uns ohne zu zicken mit ihrem Fohlen spielen, als sei sie froh, dass sich mal jemand anderes um den Wildfang kümmerte. Daydream of Money war heute frech wie Oskar und klaute Rosie sogar einmal das Halfter. Sie konnte schon jetzt geschickt rückwärtsgehen und abdrehen, was von gutem Gleichgewicht zeugte. Ausserdem war sie kräftig und ein ziemlicher Brocken, aber nicht zu dick. Sie bewies auch den anderen Fohlen gerne ihre Stärke, indem sie bei fast jedem Spiel gewann. Sogar den beiden Vollblut Hengstchen konnte sie das Wasser reichen. Ebenso dominant wie sie mit ihren Fohlenkumpels umging, versuchte sie auch mit uns Menschen zu sein. Sie wird bestimmt nicht leicht einzureiten sein, überlegte ich schmunzelnd. Die Hinterbeine gab sie uns aber überraschend gut, was für mich darauf hinwies, dass sie durchaus kooperativ war.

      Skydive war allen anderen Fohlen bereits Meilen voraus, denn Lily konnte es nicht lassen, fast täglich mit ihm zu üben. Ich musste meine neunjährige Nichte richtiggehend bremsen, damit sie ihn nicht überforderte. Dann wiederum sah ich, wie Dive jeweils bereits neugierig die Schnauze über den Rand des unteren Teil der Boxentür hob und Lily begrüsste. Also hatte er die vielen bunten Gegenstände, die sie ihm mitbrachte, wohl bereits als harmlos und eher spannend abgestempelt. Im Moment war Lily noch bis fünf Uhr in der Schule, aber sie hatte mir heute Mittag schon aufgeregt erzählt, dass sie heute mit ihm Ballspielen wollte. Ich hatte daraufhin mal ein ernstes Wörtchen mit ihr reden müssen, weil wir sonst riskierten, dass Skydive durch das viele Training zu frech wurde. Sie hatte sich daraufhin einverstanden erklärt, sich vorläufig wieder auf Streicheleinheiten zu beschränken. White Dream war glücklicherweise sehr ausgeglichen und nachsichtig mit den beiden, sodass ich mir keine Sorgen um irgendwelche Verteidigungsmechanismen ihrerseits machte.

      Und dann waren da noch die kleinsten im Bunde: Arctic Alinghi und Glenn’s Cookie. Sie waren sowieso eher Plüschtiere, als richtige Pferde und man konnte die beiden problemlos wie einen Hund hochheben. Allerdings durfte man dabei nicht vergessen, dass es sich eben doch um richtige Tiere handelte, die genauso sorgfältig wie die anderen an Neues gewöhnt werden mussten. Dressy Miss Allegra, die schon etwas älter und grösser war, spielte sehr ausgiebig mit ihren beiden ‚Geschwistern‘. Sie war vor deren Geburt für ein paar Wochen die Jüngste gewesen und hatte höchstens unsanfte Raufereien mit Tiki undKiwi bekommen, die nun als bald Dreijährige übrigens schon ziemlich hochgewachsen waren (natürlich im Mini Pferdchen Format gemeint). Nun konnte sie ihre armen beiden Baby-Geschwister rumschubsen, wie es die anderen mit ihr selbst getan hatten. Auch ihnen zogen wir geduldig die Halfter an und aus, bis es problemlos klappte. So sehr ich es auch wollte - ganz ernstnehmen konnte ich die kleinen Fellkugeln dann doch nicht.



      Abschied nehmen - mit Freude!
      Was für ein herrlicher Morgen das doch war: die Sonne schien und versprach schon jetzt, die Welt wieder in einen überdimensionierten Backofen zu verwandeln. Ausserdem war kein Wölckchen am Himmel zu sehen, bloss ein paar Kondensstreifen von Flugzeugen. Noch waren die Temperaturen erträglich, aber ich hatte vorsorglich schonmal mein Trägertop und möglichst kurze Hosen angezogen. In die Reithosen musste ich heute zum Glück erst gegen Abend schlüpfen. Wir hatten aufgrund der Sommerhitze den ganzen Tagesverlauf etwas umgestellt, sodass so viele Pferde wie möglich frühmorgens oder abends bewegt wurden. Durch den Tag hindurch waren sie entweder auf der Weide, wo sie sich bevorzugt im Schatten der Bäume aufhielten, oder in den kühlen Ställen. Die Pfleger mussten abends nun länger arbeiten, dafür hatten sie am frühen Nachmittag jeweils Siesta. Die meisten gingen während dieser Zeit in Birmingham oder am Fluss baden. Heute brauchte ich jedoch noch mindestens zwei Leute hier, die mir dabei helfen mussten, die Abholung der Fohlen zu koordinieren. Denn heute war der letzte Tag, den sie mit ihren Müttern verbringen würden. Wir hatten sie ausreichend darauf vorbereitet und immer wieder für kurze Zeit als Fohlengruppe auf die Weide gelassen, um mit den Müttern zu arbeiten. Mittlerweile konnten eigentlich alle problemlos über eine Stunde alleine bleiben. Auch hatten wir das Wegführen des Fohlens von der Stute und die Halfterführigkeit geübt. Doch blieben sie auch ruhig, wenn sie merkten, dass ihre Mütter diesmal nicht mehr zurückkehren würden? Ich war gespannt. Im kleinen Hallenrestaurant war eine kleine Versammlung einberufen worden, um zu bestimmen, wer heute hier bleiben musste. "Ich finde, die Offenstallpfleger dürfen das unter sich ausmachen", verkündete Jonas schelmisch grinsend. Lewis verteidigte sich mit verschränkten Armen. "Halt halt, nicht so schnell - schliesslich sind auch Fohlen von 'euren' Vollblütern dabei!" Ich mischte mich ein: "Wir beziehen hier alle mit ein, der Fairness wegen. Ich weiss, es ist heiss und ihr wollt heute Nachmittag ausfliegen, aber denkt daran dass wir einen guten Eindruck hinterlassen müssen und auch, dass ihr die Fohlen heute das letzte mal seht. Ich schlage vor, dass wir Lose ziehen." "Abgelehnt - dann müsste ja zuerst noch jemand die Lose schreiben. Ich finde wir können das auch auf die klassische Art mit Schere-Stein-Papier machen", meinte Jonas. Ich nickte. "Meinetwegen", murrte Lewis und tippte April und Linda auf die Stirn. "Ihr zwei fangt an. Hier drüben beginnen Lisa und Rosie." Er teilte alle in Zweierteams ein und liess sie gegeneinander antreten. Danach wiederholten wir das Ganze mit den Verlierern. Am Ende traten Elliot und Parker, und auf der anderen Seite Lewis und David gegeneinander an. Parker und Lewis verloren. Jonas klopfte Lewis mit gespieltem Mitleid aber triumphierender Miene auf die Schulter. "Ich richte der hübschen Dame vom Eisstand einen Gruss aus." Ich sah die beiden Stirnrunzelnd an und schüttelte schmunzelnd den Kopf.

      Lily war gar nicht so unzufrieden mit ihrem Los - sie erklärte mir beim Verlassen der Halle, dass sie heute ohnehin nicht ins Wasser gegangen wäre. Wir schlenderten zum Hauptstall und holten Putzzeug aus der Sattelkammer, um die Fohlen nochmal schick für ihre Besitzer zu machen. Hierbei halfen die anderen Pfleger auch noch mit - jedenfalls die, die nicht gerade Boxen Misteten. Ich begab mich mit den Putzsachen zum Nebenstall und holte danach Gianna und Dreaming of Revenge von der Weide. Der kleine Criollohengst stolzierte übermütig neben seiner Mutter her und wollte auch mal abbiegen, weshalb ich eine Weile brauchte, bis ich die beiden beim Nebenstall angebunden hatte. Man merkte, dass er so langsam selbstständiger wurde und die Welt entdecken wollte. "Und genau das wirst du heute", murmelte ich liebevoll. Ich begann, Revenge mit einem Gummistriegel am Widerrist zu massieren, was er ausgesprochen toll fand. Er verdrehte seinen ganzen Hals und spitzte die Lippen. Gianna döste währenddessen entspannt. Ich entstaubte das Fohlenfell mit der Bürste und putzte dabei auch den Bauch und die Innenseiten der Beine, welche ja oftmals empfindliche Stellen waren. Der kleine Hengst stampfte, als wollte er eine Fliege verscheuchen, aber er liess mich machen. zufrieden bürstete ich auch den Kopf. Keines der Fohlen war kopfscheu, denn wir hatten ausgiebig geübt, dass sie sich überall anfassen liessen. Ausserdem hatte Lily sie so oft geknuddelt, dass sie wohl nichts mehr beeindrucken konnte. Ich bürstete auch spielerisch die wolligen Ohren, wobei Revenge dann doch den Kopf etwas schüttelte. Ich machte solange weiter, bis er still hielt und lobte ihn dann. Seine hübschen blauen Augen glänzten im Licht der Morgensonne. Ich versuchte mir vorzustellen, wie der Hengst später mal aussehen würde. Bestimmt wird er ein richtiger Hingucker, wie sein Vater, überlegte ich lächelnd. Auch das Hufegeben klappte beinahe auf Anhieb. Revenge verlagerte zwar aus Gleichgewichtsgründen noch das Gewicht gegen mich, aber das meinte er ja nicht böse. Ich stützte ihn daher so gut ich konnte, um ihm Sicherheit zu vermitteln. Hinten hob er seine Füsse bereits viel sicherer. Das weiche Langhaar bürstete ich nur mit einer Wurzelbürste rasch durch, denn viel zum Kämmen war noch nicht da.

      Als ich mit Revenge fertig war, sah ich mich bei den anderen Pflegern um, ob sie noch Hilfe benötigten. Die meisten waren fertig, nur bei Savory Blossom fuhr ich noch rasch mit der Bürste durchs Langhaar. Das farbige Stutfohlen wurde dann auch als erstes geholt. Hunter Crowley hatte aber auch den kürzesten Weg, glaubte ich zumindest. Er schüttelte mit fröhlich die Hand - offenbar hatte er mit grosser Vorfreude auf den heutigen Tag gewartet. Ich liess ihn Savory das Halfter gleich selbst anziehen und sie auch selbst zum Parkplatz führen, wo der Anhänger wartete. Um die kleine Stute etwas zu beruhigen hatte ich Blütemitgeführt. Nun schoben Parker und Hunter Savory in den Anhänger, wo bereits ein Pony stand, das Hunter wie empfohlen mitgebracht hatte. So musste das Fohlen nicht alleine reisen und auch das Einsteigen wurde einfacher. Trotzdem versuchte Savory natürlich ein zwei mal rückwärts zurück zu Blütenzauber zu gelangen. Mit vereinten Kräften schafften es die beiden, das Fohlen neben dem Pony festzubinden und die Klappe zu schliessen. Die kleine rief etwas verunsichert, als sie bemerkte, dass ihre Mutter weggebracht wurde. Auch Blütenzauber wieherte nach ihrem Fohlen, folgte mir aber brav zurück in ihre Box. Sie hatte das ganze Theater ja schon ein paarmal durchgemacht. Dann wünschten wir den beiden eine gute Reise und verabschiedeten uns, damit Hunter rasch nachhause fahren und Savory nicht zu viel Stress entwickeln konnte. Ich sah dem Transporter schon etwas wehmütig hinterher, aber Loslassen gehörte nunmal auch zum Züchten. Ich freute mich schon darauf, in Zukunft von unserem Nachwuchs zu hören.

      Noch am Vormittag wurden Gamble Away und Empire of Irony von Juli Mayers und Elisa Cranfield abgeholt. Die beiden hatten eine sehr lange Reise vor sich – den ganzen Weg nach Kanada. Ich hoffte sehr, dass die beiden den Flug unbeschadet überstehen würden, denn das war natürlich schon etwas krass für ein frisch abgesetztes Fohlen. Andererseits konnten sie zu zweit reisen, was wohl einiges erleichterte und ihnen Sicherheit gab. Ich half auch hier beim Verladen und kraulte beide Fohlen zum Abschied. „In Kanada gibt es riesige Weiden“, flüsterte ich Gamby ins Ohr und streichelte dem kleinen Hengst liebevoll über die Nüstern. Er wird bestimmt einmal ein grosses Rennpferd, oder sonst erfolgreich. Ich wünschte allen vieren einen guten Heimflug und winkte; halb glücklich, halb traurig.

      Endlich war es Zeit für’s Mittagessen. Die Pfleger assen noch alle hier, doch um halb zwei Uhr verschwanden sie ins Schwimmbad. Ich hatte mir ein Sandwich gebastelt und genoss es nun, während ich durch die Ställe schlenderte und die Pferde eifersüchtig machte. Wir hatten die Mütter wieder in ihre Boxen gebracht und Daydream of Money und Dreaming of Revenge zusammen auf die Weide gestellt, sodass sie bereits von ihnen getrennt waren aber trotzdem noch beieinander bleiben konnten. Ich stand beim Zaun und beobachtete die beide. Nur die beiden Minifohlen waren noch bei den anderen Minis, aus Sicherheitsgründen. Money rief die ganze Zeit nach Noir. Ein bisschen Leid tat mir das schon, aber da musste sie jetzt durch. Sie würde auf dem Gestüt Milky Way sicherlich viele neue Welsh-Freunde finden. Gerade als ich wieder zum Hauptstall hoch schlendern wollte, fuhr Maren Tucholsky, eine meiner Lieblingstierärztinnen, auf den Parkplatz. Ich begrüsste sie formell mit „Guten Tag Miss Tucholsky, ihr Fohlen wartet bereits ungeduldig auf sie“, und führte sie zu den Minis. Ursprünglich hatte Annabell Schmiedemann das Fohlen ersteigert, es danach aber wohl aus Platzgründen an Maren abgetreten. Ich hatte nichts dagegen gehabt, weil ich die Tierärztin mittlerweile sehr gut kannte und sicher sein konnte, dass die Kleine bei ihr ein ausgezeichnetes Zuhause hatte. Arctic Alinghi stand zuhinterst neben Alufolieund sah uns zuerst nur skeptisch an. Als sie merkte, dass wir mit dem Halfter auf sie zu steuerten, wollte sie flüchten, als ahnte sie, was als nächstes kommen würde. Doch weit kam sie nicht: Ich schnitt dem langbeinigen Jungspund den Weg ab und hielt sie fest, während Maren ihr das Halfter überzog. „Habt ihr das nicht geübt?“, fragte sie erstaunt. Ich erklärte beschämt: „Doch, sogar ziemlich oft. Aber hier lief halt schon den ganzen Morgen ziemlich viel und es wurde auch reichlich gewiehert - daher sind alle Pferde im Moment etwas nervös.“ Ich hätte das Fohlen wohl notfalls sogar hochtragen können, denn es war kaum grösser als ein durchschnittlicher Hund. Aber stattdessen zogen wir sie hinterher zum Anhänger. „Hast du an ein Beistellpony gedacht?“, fragte ich vorsorglich. „Jap, ich habe Silverlight dabei.“ Ich spähte in den Transporter und entdeckte eine Falabella Stute. „Na da ist Alinghi ja in bester Gesellschaft!“ Ich verabschiedete mich auch von Alu’s Fohlen, dann musste ich mich um schon um die nächsten kümmern. Zum Glück war noch Parker da, die Kira Esenbeck bereits empfangen hatte. Ich folgte den beiden und sagte hallo, dann fingen wir Money ein. Revenge protestierte lautstark, als ihm seine Freundin auch noch weggenommen wurde. Lewis blieb bei ihm, um ihn etwas zu beschäftigen. Aber viel brachte es wohl nicht, denn wir hörten das Rufen vom Parkplatz aus immer noch. Zum Glück liess Lea Stanfort nicht mehr lange auf sich warten und kam kurz nachdem Kira gegangen war. Sie beruhigte Revenge so gut es ging und ich liess sie ihn selbst zum Transporter führen. Wie ein Musterschüler stieg der aufgeregte Criollo ein. Er war wohl so damit beschäftigt nach seiner Mutter Ausschau zu halten, dass er gar nicht merkte, dass er die Rampe hoch lief. Wir schlossen die Klappen, bevor er recht wusste wie ihm geschah. Ich verabschiedete mich von Lea und wünschte auch ihr eine sichere Heimreise.

      Ich konnte es kaum fassen, dass nun schon fast alle weg waren. Nur Cookie war noch übrig. „Wo bleibt Cata?“, fragte nun auch Parker besorgt. Ich versuchte ihr anzurufen, aber niemand nahm ab. „Wir warten einfach ab. Irgendwann meldet sie sich bestimmt“, beschloss ich. „Ich hoffe nur, es ist ihr nichts passiert“, murmelte ich jedoch gegen Abend, als sie immer noch nichts von sich hören gelassen hatte. So blieb Cookie eben erstmal noch auf Pineforest Stable.
    • sadasha

      Trainingsberichte von Occulta


      [​IMG] A-L Dezember 2013
      Ich sattelte Blüte und ritt mit ihr auf den Reitplatz. Es war zwar nass und auf dem Rasen um den Platz lag noch Schnee von der vergangenen Nacht, aber ich fand es schöner draussen zu reiten. Sie zickte ein wenig, als wir an der Schubkarre mit dem Mist vorbei ritten, „Vollblüter eben“, murmelte ich Kopfschüttelnd. Ich hatte nun schon einige male mit ihr trainiert und heute sollte sozusagen das Abschlusstraining für die L Stufe sein. Später würde auch Elliot vorbeischauen um die Stute zu beurteilen. Er war ja schliesslich professioneller Ausbilder und Reitlehrer und hatte schon einige Auszeichnungen erhalten. Nachdem ich Blüte eingewärmt hatte, zog ich die dünne Fleecedecke von der Kruppe und hängte sie über einen Hindernisständer der in der Mitte des Platzes stand. Lewis hatte ihn wohl nach dem Training mit Moon da gelassen. Ich war jedenfalls dankbar und ritt gleich noch eine enge Volte im Schritt darum, um die Biegung zu üben. Dann ging ich ganze Bahn und trabte an. Blüte lief schön schwungvoll und zügig, sie war ein wenig aufgezogen. Ich konzentrierte mich auf die Schenkelhilfen und ritt viele kleine und grosse Volten. Anschliessend versammelte ich die Stute auf der kurzen Seite der Bahn und liess sie auf der Langen zulegen. Dies klappte wunderbar, also galoppierte ich an und wiederholte das Ganze im Galopp. Auch das war keine Schwierigkeit, denn die Stute war sich auch von der Rennbahn her gewöhnt viele Tempowechsel zu machen. Gerade als ich Wieder in den Schritt durchparierte kam Elliot angestapft. Er sah etwas unzufrieden aus, wahrscheinlich weil es ein wenig regnete, denn er mochte es nicht nass zu werden. „What’s that face for Elliot? Did you bite in a sour apple?“ „Haha, very funny. This weather will kill me one day, I know it. Nothing but rain and fog. I should have stayed in Jamaika when I was there for holidays.” “Ahh come on, better watch me now riding flower here, I think she’s ready for L-dressage.” Ich ritt weiter im Schritt und führte eine Kurzkehrtwende vor. „How was that?“, fragte ich als ich fertig war, während ich weiter ritt und den Schritt versammelte. „Quite good, but be careful that she finishes the last steps.” Ich nickte und ritt weiter. Dann wechselte ich aus der Ecke die Hand und legte auf der Geraden wieder etwas zu. Danach ging’s im versammelten Trab auf die Mittellinie. Blüte blieb schön gerade und wendete erst kurz vor dem Gebüsch. Ich lobte sie ab und zu mit einem Überstreichen des Halses. Nun galoppierte ich erneut an und ritt eine kleine Volte im versammelten Galopp. Beim ersten Versuch wurde die Volte noch etwas zu gross, beim zweiten Mal klappte es aber. Zum Abschluss ritt ich noch etwas Schulterherein, dann liess ich sie austraben. Nachdem ich ihr die Decke wieder über die Kruppe gelegt und um meine Beine geschlungen hatte, ritt ich zu Elliot, der mir ein Feedback gab. „It was very good but you have to be a bit careful with the circles. She should be a bit more like a banana. But you’re right; she’s now ready for L-dressage.” Ich grinste zufrieden und klopfte Blüte auf den Hals. Dann ritt ich gemütlich zurück zum Hauptstall und versorgte die Stute.

      [​IMG] E-A Dezember 2015
      „Hey Occu, herzlichen Glückwunsch, das war ein hervorragendes Rennen!“ Ich drehte mich um, um zu sehen, woher die Stimme kam. „Ahhh Henry, ja ja, ich bin mehr als zufrieden.“ Mein alter Kumpel hatte sich den Weg über die Tribüne zu mir erkämpft. Wir befanden uns wieder mal in Ascot, am jährlichen Bengough Stakes Rennen. Stromer hatte das Rennen für sich entschieden, mit einer traumhaften Zeit von 1:13.20 auf den 1‘200 Metern. Auf dem dritten Platz war Winter gelandet, mit ebenfalls hervorragenden 1:14.80. Chiccory, der auch teilgenommen hatte, war leider nur im Mittelfeld geblieben. „Deine Pferde sind richtige Muskelprotze geworden – richtig schöne Tiere“, schwärmte Henry. Ich lächelte verlegen und meinte: „Da steckt auch viel Arbeit drin. Aber gelohnt hat es sich.“ „Ich weiss noch, als ich einmal bei euch zu Besuch war, bei dir und dem alten Jack… Armes Schwein, ich kann’s auch nach all der Zeit noch nicht glauben… Wie auch immer, damals wart ihr grad mitten im Training und ich war so begeistert von Iskierka, erinnerst du dich?“ „Ja, das war vor etwa zwei Jahren, oder? Kierka war damals noch ziemlich frisch auf dem Hof und ein richtiges Monster. Ich weiss noch, als ich an der Auktion schlussendlich die einzige war, die sich für das wilde Biest interessierte. Und schau sie dir heute an!“ „Also damals als ich zugesehen hab, hat sie sich jedenfalls benommen“, meinte Henry. „An dem Tag haben wir aber auch viel mit Sprints gearbeitet, das mochte sie schon immer. Ganz anders sah es beim Ausdauertraining am nächsten Tag aus – da wollte sie bloss noch durchbrennen.“ „Aber ihr habt ja dann im 2 Meilen Rennen einen Monat später gewonnen, nicht wahr? Da hatte sie auch Ausdauer.“ „Während den Rennen selbst ist sie sowieso immer anders; Sie hat einen gewissen Stolz, der sie zum Gewinnen zwingt. Aber wir haben vorher wirklich hart daran gearbeitet, dass sie nicht schon am Anfang abdampft. Oliver musste mich einige Male anschnauzen, weil ich sie zu wenig zusammenhielt. Erst auf den letzten vierhundert Metern durfte ich sie ziehen lassen.“ „Richtig so. Dadurch lernen sie den Schlusssprint am besten. Sie durfte dann ja auch schon kurz darauf an den höher dotierten Rennen teilnehmen. Ich sag’s dir, der Oliver, der ist Gold wert. Lass den ja nie weggehen, hörst du?“ Ich nickte lächelnd. Oliver hatte zum Glück auch nicht vor, irgendwo anders hin zu verschwinden. Er beharrte immer darauf, dass er nirgends sonst so viele Freiheiten beim Aufstellen der Trainingspläne hatte. Henry fuhr fort: „Wie macht sich eigentlich die zweite Graue?“ „Ganz gut, vor er Weile haben wir etwas Pausiert, weil sie nach dem letzten Rennen etwas warme Gelenke hatte und nicht ganz gerade ging, aber sie läuft im Training mittlerweile schon wieder ganz vorne mit.“ „Sie war damals bei meinem Besuch aber nicht auf der Bahn, oder? Ich glaube, ich habe sie noch gar nie trainieren sehen.“ „Ich glaube damals hatten wir sie schon am frühen Morgen für irgendein Qualifikationsrennen trainiert. Sie schlug sich ganz gut, blieb schön ruhig bis zur Zielgeraden.“ „Hmm, ich bin gespannt, sie einmal im Rennen zu sehen. Wenn sie so viel Power wie Iskierka hat, aber dazu einen angenehmeren Umgang, dann dürfte sie ein ziemlicher Crack sein.“ „Jaaa, leider fehlt es ihr an Power etwas… Jedenfalls muss man sie immer gehörig motivieren - ausser, wir gehen ins Gelände.“ „Ha! Das kenn ich nur zu gut. Mein Hengst braucht auch immer zuerst einen Schubser. Aber sag mal – was wurde aus Blütenzauber?“ „Ich bin ziemlich stolz auf Blüte. Sie war gerade letztens wieder in einem kleineren Rennen platziert; Nur eben für die grossen scheint es nicht ganz zu reichen. Aber wir arbeiten dran. Es war halt nicht gerade leicht, sie nach ihrer Fohlenpause wieder in Form zu bringen.“ „Fohlen? Davon wusste ich ja gar nichts!“ „Wir haben sie, nachdem wir sie übernommen hatten, nicht sofort trainiert, sondern erstmal einleben lassen. Da sie so ein gutes Exterieur hatte, obwohl sie völlig unbemuskelt bei uns ankam, wollte ich in der Zwischenzeit bereits ein Fohlen von ihr. Für den kleinen Hengst hatte ich ein gutes Kaufangebot bekommen, also liessen wir sie im nächsten Jahr gleich nochmal decken, weil ich selber auch noch ein Fohlen von ihr behalten wollte. Diesmal wurden es Zwillinge, was etwas bedenklich war. Aber wie durch ein Wunder haben beide Fohlen überlebt und sich seither prächtig entwickelt. Besonders das Hengstfohlen namens Merino ist ein Kraftprotz geworden. Primo Victoria, das Stütchen, steht seit einer Weile auch wieder bei uns, denn sie war am Anfang an eine gute Kollegin abgegeben worden, weil ich zu wenig Zeit für das Aufpäppeln gehabt hatte. Jedenfalls haben wir danach angefangen, Blüte intensiv zu trainieren. Aber vermutlich wird sie den Vorsprung der anderen Fünfjährigen nie einholen, dafür hat sie einfach zu viel verpasst. Durch ihre Reife und ihre Ausgeglichenheit ist sie aber eine hervorragende Lehrerin für jüngere Pferde. Nach ihrem ersten Erfolg in den Einsteigerrennen, haben wir sie übrigens gezielt für die Handicaps ausgebildet. Weil sie schon älter und kräftiger war, hatte sie kaum Mühe mit den Zusatzgewichten.“ Henry nickte beeindruckt. „Du schaffst es immer wieder Occu. Auch Stromer hast du so weit gebracht.“ „Ach was, jetzt übertreibst du. Stromer ist ein Naturtalent!“ „Schon möglich, aber ich habe noch genau den unsicheren, schlaksigen Cremello vor Augen, der damals am Zweijährigenrennen, genau hier in Ascot, startete. Er war so überfordert, dass er den Start verpasst hat! Du hast ihn zurück auf die richtige Bahn gelenkt.“ Ich sah verlegen umher. „Da, sie kommen raus. Ich muss meinen Champion knuddeln gehen“, scherzte ich. Wir schlenderten gemütlich zu den Pferden, die bereits zum Siegerring geführt wurden. Viele Fotos wurden für die Zeitungen geknipst und Stromer erhielt eine hübsche Schärpe. Winter war übrigens wiedermal der Publikumsliebling, weil er mit seinem weissen Fell ein besonderer Blickfang war. Aber auch sein Geblödel begeisterte die Leute (er war ein echter Clown, wenn er im Mittelpunkt stand). „Winter hast du ja auch ganz schön erzogen, was?“, neckte mich Henry. „Ich wünschte ich hätte es. Aber er war einfach so ein hübsches Fohlen, ich konnte ihm nie lange böse sein, geschweige denn mit ihm schimpfen. Dafür hab ich ihn im Training hart rangenommen. Er musste einmal gefühlte zehn Runden durchstehen, weil er mir die ganze Zeit Zügel klaute und nach aussen driftete, was ich ihm nicht durchgehen lassen wollte. Er hat’s überlebt und lief am Schluss brav innen.“ „Und nebenbei hat er Kondition aufgebaut, nicht wahr?“ „Naja, er war danach schon ziemlich fertig. Er hat seither nie mehr so geschwitzt wie damals. Aber er hat es mit Stolz ertragen, denn er liess es sich nicht nehmen, danach immer noch mit gehobenem Schweif zum Stall zurück zu tänzeln. Ich liebe dieses Pferd einfach.“ „Das kann ich gut nachvollziehen, er ist wahrlich einzigartig.“ „Du würdest lachen, wenn du seine Tochter sähest! Sie ist eine perfekte Kopie von ihm, nur etwas eleganter“, schwärmte ich. „Aber Occu, jetzt interessiert mich doch noch – warum war denn Chiccory heute nicht weiter vorne anzutreffen?“ „Keine Ahnung, jeder hat mal nen schlechten Tag.“ „Also läuft er normalerweise besser?“ „Ja, viel. Im Training ist er meistens im Mittelfeld, aber an den Rennen gibt er sonst immer Gas. Heute war ihm vielleicht das Feld zu langweilig…“ „Zu langweilig? Ha!“ „Vielleicht darf ich ihn auch einfach nicht mehr im selben Rennen wie seine Kumpels laufen lassen, sonst denkt er, es sei auch nur eine Art Training.“ „Ist es das nicht? Ich finde, sie wachsen mit jedem Sieg.“ „Natürlich, da stimme ich dir voll und ganz zu. Mit jedem Mal gewinnen sie mehr Selbstvertrauen und Kampfwille. Wenn man Glück hat, werden sie irgendwann süchtig nach dem Gewinnen.“ Ich sah auf meine Uhr, mit der Absicht, das Gespräch endlich zu beenden und den Jockeys beim Absatteln zu helfen. Henry bemerkte meine Ungeduld glücklicherweise und erlöste mich. Wir hatten uns bestimmt nicht das letzte Mal gesehen, und beim nächsten Treffen würde ich ihm wieder von neuen Siegen erzählen können, da war ich sicher.

      [​IMG] A-L Januar 2016
      Nun waren noch die Fünfjährigen Vollblüter an der Reihe. Auch sie hatten noch ein paar Saisons zu laufen, also mussten sie in Form gehalten werden. Diese Pferde waren mittlerweile richtige Profis und kannten sämtliche Spielregeln der Rennbahn. Trotzdem kam es hin und wieder zu Unstimmigkeiten zwischen Jockey und Pferd, besonders, weil diese durchtrainierten Athleten ihren Stolz hatten. So zum Beispiel auch an diesem Nachmittag. Gleich nach dem Mittagessen machten wir uns wieder auf zum Hauptstall um Caspian, Light, Sunday, Blütenzauber und Iskierka vorzubereiten. Ich befasste mich heute wiedermal mit der schwarzbraunen Blüte. Die Stute war gut in Form und zeigte schon beim Einwärmen, dass sie keine halben Sachen machen wollte. Ich mochte sie besonders wegen ihres arbeitsfreudigen Charakters. Sie war aber hin und wieder etwas eigen und nicht immer mit mir einverstanden. Heute jedoch schien sie gut aufgelegt. Iskierka und Rosie waren hingegen wiedermal nicht auf derselben Wellenlänge. Die Stute stapfte mit platten Ohren durch den Schnee und wollte immer wieder lospreschen. Rosie hatte ihre liebe Mühe, sie zu halten. Doch da sie die Stute mittlerweile gut kannte, wusste sie ein paar Tricks anzuwenden, um die Kontrolle zu behalten. Caspian und Light verstanden sich anscheinend gut, denn die beiden Hengste liefen vollkommen entspannt nebeneinander. Von wegen Hengste seien Streitsüchtig! Auch Sunday Morning benahm sich wiedermal wie ein Musterknabe. Er schien einfach froh zu sein, wiedermal rennen zu dürfen. Wir trainerten die fünf ausgiebig auf der Bahn. Dabei ging es aber nicht in erster Linie ums Tempo, sondern um die Kontrolle. Wir wollten damit sichergehen, dass die Kraftpakete sich zum Sieg dirigieren liessen, und nicht Energie durch Ungehorsam verpufften. Nach allem war ich von Blütenzaubers Rücken aus beurteilen konnte, waren besonders Gleam of Light und Sunday diesbezüglich den anderen weit voraus. Und wer hätte es erwartet – Iskierka musste sich hinten anstellen. Ich nahm Blüte immer wieder etwas mehr auf, dann liess ich sie wieder eine Strecke lang zulegen. Bis auf etwas Kopfschütteln beim versammeln machte sie willig mit und reagierte fein. Ich musste lachen, als Caspian an uns vorbeibrauste. Mit seinen niedlichen 1.53 war er ein echter Zwerg, aber ein giftiger, wenn es um seine Leckerlis ging. Er streckte die kurzen Beine geschickt und polterte über den Pulverschnee, die Ohren vor dem Wind geschützt nach hinten gerichtet. Sein seidiger, weisser Schweif wehte hinterher. Ich hatte aber nicht lange Zeit, ihn und Thomas zu beobachten, denn ich musste vor Light und Quinn bremsen, die plötzlich langsamer wurden. Ich parierte ebenfalls in den Trab durch und wechselte neben die beiden. „What’s going on?“, fragte ich die dunkelhaarige Pflegerin. “Nothing – I needed to slow him down because he constantly wants to push off.“ Ich nickte beruhigt und überholte die beiden im leichten Canter. Light konnte manchmal ziemlich heftig werden, das wusste ich selbst nur zu gut. Dann war es jeweils besser, ihm eine Denkpause zu geben und ihn eine Weile im Trab zu halten, bis er sich wieder eigekriegt hatte. Wenigstens blieb er während den Rennen konzentriert. Wir beendeten das Training nach zwanzig Minuten und liessen die Pferde mit der Abschwitzdecke im Freilauftrainer trockenlaufen, während wir die Boxen misteten. Danach bürsteten wir sie nochmal gründlich durch.

      [​IMG] L-M Mai 2016
      Ich stand im Hauptstall und versorgte gerade das Sattelzeug von Coulee, als Quinn und Lewis angeschlendert kamen. „Coffee break?“, fragten beide im Chor, und lachten danach herzhaft. „Ihr seid kindisch. But of course“, gab ich zurück und folgte ihnen, sobald ich fertig war. Wir setzten uns in die Reiterstube in der Halle und machten Tee. Oliver stand an die Wand gelehnt neben der Vitrine mit den Pokalen und war vertieft in ein Fotoalbum. „What are you looking at?“, fragte ich neugierig, und schlicht mich an. Es war das Album von 2014. „Ahh, Winter. He looks gorgeous on that Pic”, bemerkte ich schwärmend. Ich hatte das Album gar nie richtig angeschaut, nur einmal überflogen. Rachel hatte es gemacht, mit den Fotos, die sie bei den zahlreichen Rennen geschossen hatte, an denen sie uns zugesehen hatte. Ich zog Oliver zum Tisch und wir legten das Album in die Mitte, damit die anderen es auch ansehen konnten. „Do you remember that one? It was so muddy, I’ve never had a race like that ever since!“, rief Quinn aufgeregt, auf ein Foto von Stromer deutend. Tatsächlich war der Hengst auf dem Bild kaum noch zu erkennen – er war vom Cremello zum Grauschimmel geworden. Doch Quinn jubelte auf dem Bild mit hochgestrecktem Arm und hatte ein breites Grinsen im Gesicht. „You won that race, right?“, wollte Ajith wissen. „No, we came in second, I think. But It was my first race with him and I was so happy because you know how difficult he used to be.” “Oh yes, I remember very well. Once he jumped into the rail because of a Bird”, bemerkte Oliver augenrollend. “But remarkable speed, once he was focused. And look at him now – he is just incredible for his lineage. His parents weren’t really that much of a promising combination, but he really surprised me.” Ich warf ein: “Just as Winter did. Remember? Your words were ‘that silly foal is never going to be something extraordinary’” “Who would have thought that? I only saw the colour and knew: that colt is more of a toy than a racehorse.” “Well, seems like your opinion changed quite a bit over these past few years”, lachte Quinn. “Yea… I have to admit that they seem to have kind of a talent.” Quinn stocherte nach. “And who was the one who desperately wanted to buy Sumerian? Don’t tell me she has none of that ‘toy like colour’!” Wir lachten alle und Oliver gab sich geschlagen. Dann blätterten wir weiter. „Oh look, these are from the autumn training on our old track!“, rief Rosie aus. “That was with Cantastor, Chiccory, Stromer, Paint and Blütenzauber, right?” “Yep. Pity we don’t race Canto anymore. He was always a pleasure to ride.” “Well now he’s comin’ up in eventing, so I’m not too sad about it. But I like to think back at these times. That was when they made huge progress at home and later succeeded in the annual Brighton Festival, right?” “Jup, except for Blüte, who had a bad start.” Wir diskutierten noch eine Weile weiter. Irgendwann fragte ich nachdenklich: “Today Spot managed to win against Light and Winter, with a nice distance between them. He was always quite fast, but since when does he have so much stamina?” “I guess it’s thanks to Olivers interval training. They did that yesterday again, while you were out with Anubis. Fly also stayed always very close to these three, I think they are pretty much on the same level now.” “That’s great. I can assume then that they are ready for Ascot next month?” “Yes, they should do fine. We will do even more intense training in the next few days and then give them a break after the race.” Ich nickte zufrieden und klatschte übermütig in die Hände. “I can’t wait to see them win!”
    • sadasha
      13. Oktober 2016
      Pflegebericht für drei Neuankömmlinge

      Blütenzauber | Emrys | CHH' Classic Spring
      Die Zeit vergeht einfach viel zu schnell. Das wurde mir immer dann klar, wenn ich meine Nachzuchten betrachtete. Gerade eben war Emrys, die diesjährige Reitpony Nachzucht auf die Welt gekommen und heute konnte er das Fohlen ABC schon fast aus dem Effeff. Stolz spazierte ich mit dem Junghengst an Strick und Halfter über den Hof und begrüßte alle, die uns entgegen kamen. Emrys machte freudig mit, wurde aber je länger wir draußen waren immer müder. Als ihm schon fast die Augen zufielen, brachte ich ihn zurück zu seiner Mutter Arcany. Ebenfalls jung und unerwähnt in bisherigen Berichten ist unser Neuzugang bei den Vollblutfohlen: CHH' Classic Spring. Diese Stute ist meine persönliche Wundertüte. Sie barg mehr genetische Vielfalt, als man ihr im ersten Augenblick zusprechen mochte. Zusammen mit den anderen jungen Vollblütern durfte sie heute unbeschwert über die Wiese tollen. Mit dem Fohlen ABC hatten wir bei ihr gerade erst angefangen, Gine kümmerte sich an drei Tagen in der Woche darum, dass Classic Spring gefördert wurde. Ebenfalls neu bei den Englischen Vollblütern war Blütenzauber. Eine erfahrene Mutterstute aus den Pineforest Stables von Occulta Smith. Sie auf dem Hof zu haben ist mir eine wahre Ehre, immerhin habe ich auch schon eine Tochter aus ihr hier. Blütenzauber machte hier erstmal eine Umstellung mit. Und zwar die vom Zucht- und Rennpferd zum Reitpferd. Sie hatte bereits Erfahrungen in Dressur in Springen, aber in letzter Zeit hatte sie noch ein Fohlen bei Fuß und musste so oder so wieder rein kommen. Wir begannen also schonend damit sie im Intervall zu trainieren. Erst in einfacher Dressur und mit Ausritten und später dann mit Springtraining und vielleicht dem ein oder anderen Turnier. Sie fremdelte noch etwas mit der neuen Umgebung, auch heute gab es deshalb nur eine kurze Runde auf dem Platz und einer anschließenden Erkundungstour über das gesamte Gelände. Wenigstens mit den anderen Stuten auf der Weide kam sie mittlerweile gut zurecht. Hier und da mal Gezicke war nichts Neues und das würde sich nie ändern, aber sie stand nun nicht mehr außerhalb und lief gut mit den anderen mit. Alle Pferde versorgt ließ ich mich am Abend müde aufs Sofa fallen und plante die Arbeit für die nächsten Tage.
    • sadasha
      [​IMG]
      Moulan Springen A-L | Blütenzauber Pflege
      25. Januar 2017 | 3950 Zeichen von Zion

      Edda schaute mich seltsam an, als ich wie wild auf meinen Koffer klopfte, in der Hoffnung, dass er endlich zu gehen würde. Nach einer Weile ließ meine Wolfshundhündin ab und legte sich auf den Boden. Nero und Napoleon beachteten mich gar nicht und beschäftigten sich mit sich selbst. “Na endlich!” Sagte ich seufzend. Hastig stolperte ich die Treppe bis zum Hof hinunter. Bevor ich in meinen Volvo steigen konnte, hielt Malte mich am Arm fest. “Welche Biene hat dich denn gestochen? Und wo willst du überhaupt hin?” Sagte er. “Nach England, Lincolnshire zu Hunter Crowley.” Antwortete ich kurzer Hand und fuhr los.
      Mit der Fähre verlief die Überfahrt reibungslos und ich kam am nächsten Tag auf dem Anwesen an. Hunter begrüßte mich freundlich und stellte mich gleich der Stute vor. Moulan wirkte nervös und scheu - vorsichtig streckte ich meine Hand aus und ließ die schwarze Stute schnuppern Derweil erklärte mir Hunter alles was ich über die Stute wissen musste und entschied mich anschließend dazu, sie zu gymnastizieren. Einerseits um Vertrauen aufzubauen und andererseits um sie auf das bevorstehende Springtraining vorzubereiten.
      Also holte ich für Moulan einen Kappzaum, eine Longe und ihr Putzzeug. Ihr Zubehör hängte ich vorerst an die Box und band die noch sehr scheue Stute in der Stallgasse an. Beginnend mit dem Striegel putze ich sie und legte ihr anschließend den Kappzaum an. Gemeinsam gingen wir in die Halle und ich wärmte sie auf. Nach ca zehn Minuten trieb ich die Stute zum Galopp und beobachtete ihre Bewegungen - wunderschön und elegant - mit hochgestrecktem Kopf galoppierte sie eine Runde und schon nach kurzer Zeit entspannte sie sich und der Kopf ging nach unten. “So ist es gut Moulan!” Versicherte ich der Stute. Nach einem Handwechsel ließ ich sie antraben und vergrößerte den Kreis auf dem sie lief. Die anfängliche Nervosität hatte sich gelegt und die Rappstute lief entspannt ihre Runden. Nach einer halben Stunde Arbeit, brachte ich sie in den Stall zurück und bezog mein Gästezimmer.
      Die erste Woche verlief genauso wie geplant, Moulan machte tolle Fortschritte. Die Hindernishöhe von 1,10-1,20m machte ihr nichts aus, bloß bei der zweifachen Kombination hatte sie noch ihre Schwierigkeiten. Für ihr Training hatte ich drei Wochen geplant, aber bei ihr reichten schon zwei, da sie sehr lernbegeistert ist.
      Am frühen Morgen noch während der Nebel die Landschaft bedeckte, ging ich in den Stall um Moulan für das Training fertig zu machen. “Guten Morgen du Hübsche! Na mal sehen was Hunter zu deinem Können sagt.” Ich machte sie fertig und legte ihr den Springsattel auf. Nachdem ich die Gamaschen und Hufglocken angelegt hatte, befestigte ich das Vorderzeug an ihrem Stollengurt. Zu guter Letzt trenste ich sie und fädelte die Martingalringe durch die Zügel. Bevor wir in die Halle gingen, schloss ich meine Reitstiefel und schnallte den Helm fest.
      Hunter wartete bereits auf uns und öffnete die Hallentür. Ich stieg auf und ritt Moulan warm, ehe es an die sieben Sprünge ging. Also wir dann den Parcours starteten, trieb ich sie in einen lockeren Galopp und schon auf das erste Hindernis zu. Oxer und andere Hindernisse übersprang sie mit Bravour. Nach einer engen Wendung ritten wir auf die zweifache Kombination zu, ich hatte zu tun Moulans Tempo zu regulieren, doch nach ein paar halben Paraden gelang es. Ich verkürzte die Galoppsprünge und wir überwunden die zweifache Kombination zum ersten Mal fehlerfrei. Jubelnd drehte wir noch eine Galopprunde ehe ich Moulan vor Hunter durchparierte. Ich klopfte ihr den Hals und stieg ab. Als nun Hunter “Proberitt”, gab ich noch ein paar Tipps für bevorstehende Turniere.
      Zum runterkommen machten wir einen gemütlichen Schrittausritt mit Moulan und Blütenzauber. Auch wenn ich viele Pferde trainiere, fällt mir jedes Mal der Abschied schwer. Mit dem Koffer im Schlepptau verabschiedete ich mich auch von Hunter und fuhr zum Hafen und von der Fähre runter, nach Hause.
    • sadasha
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      26. Januar 2017 | 8861 Zeichen von sadasha
      Pflege für die Drum Horse und Vollblutzucht, sowie Come Back Cupcake, Arcany + Emrys

      Hunter | Aus irgendeinem Grund war Gine eifersüchtig auf Kerry. Das wusste ich nun. Kerry kam deshalb nur noch selten auf den Hof und Gine sprach kein Wort mehr mit mir, bzw. nur das Nötigste. Das hatten wir schon mal. In der Anfangszeit. Gine müsste mittlerweile wissen, das ich kein Interesse an ihr hatte. Isaac stand zwischen den Stühlen und machte stets einen auf diplomatisch: „Ich verstehe euch ja beide...“ Genervt ging ich meiner Arbeit nach. Dieses Jahr standen wieder einige Termine für meine Stuten an. Der Deckplan war eng gestrickt und je früher ich da Struktur reinbrachte umso besser. Neben den Deckterminen musste ich außerdem meine Jungpferde weiter bringen. Die Fohlen waren jetzt groß genug um langsam an Trense und Sattel gewöhnt zu werden, auch mit leichter Bodenarbeit konnte man anfangen. Allen voran lag PFS' Savory Blossom. Die Spotted Timeout Tochter war schon weiter als die anderen drei Jungpferde. Sie war allerdings auch die älteste. Die jüngste war CHH' Classic Spring. Doch sie holt gut auf und passt sich den nächst älteren Genossen an. Raving Hope Slayer und Bearing Spots waren in der Hinsicht sehr sozial und engagierten sich.
      Neu dazu gekommen, während meiner Abwesenheit sind
      Riven in a Dream und LMR Lady Luna. Die beiden bunten Vollblutstuten sorgten hier auf dem Hof bei ihrer Ankunft für Aufsehen. Niemand wusste davon und da ich nicht anwesend war und auch kein Mobiltelefon nutzen konnte, blickten meine Angestellten ins Blaue. Natürlich kümmerten sie sich sorgfältig darum die Stuten zu versorgen. Sobald ich wieder zu Hause war schickte ich Riven gleich wieder weg. Sie bekam eine privilegierte Ausbildung. In Norwegen wird sie nun auf ihre Zukunft vorbereitet. LMR Lady Luna wollte ich selber weiter fördern. Neben diesen Planungen schaffte ich es außerdem noch Moulan auf eine Zuchtshow zu bringen und vorzustellen. Hier warteten wir noch auf die Ergebnisse, Scarlet in Birth war auch bald soweit. Wenn ich so daran denke macht es mich sehr stolz zu sehen wie weit ich mit meiner Vollblutzucht schon gekommen war. Mit Slap Happy, Bearing Totem's Denali, Blütenzauber, CHH' Lamperd und Mr. Raw Depression hatte ich einen großartigen Start hingelegt. Mit der Unterstützung von Freunden und anderen lokalen Züchtern schaffte ich es weitere Anwärter zu gewinnen. Dank Isaac, Gine und meinen Eltern setzte sich außerdem der Gedanke in die Realität um eine Kaltblutrasse auf den Hof zu holen. Durch die Drum Horses hatten wir nicht nur eine sondern gleich drei mögliche Kaltblutrassen, nach denen wir Ausschau halten konnten. Iseabail, Lady Lyneth Bowen, Felan, Mephisto und Vikar hatten wir nun schon. Erstmal sollte es bei diesen fünf bleiben. Sämtliche Pferde aus dem Verkaufsstall hatten uns derweil verlassen. Die Konzentration lag also voll bei den eigenen Pferden. Um die Hand voll Einstaller kümmerten sich die jeweiligen Besitzer. „Hunger?!“ Meine Mutter hielt mir einen Teller Essen unter die Nase und riss mich damit aus meinen Tagträumen. „Ja, danke.“ sagte ich immer noch etwas verträumt und probierte von dem Essen. Meine Mutter verschwand sofort wieder. „Du solltest mal wieder mit uns essen.“ sagte sie noch, als sie den Raum verließ und schloss dann die Tür.

      Gine | Wie immer tat Hunter ganz so, als wäre er vollkommen unschuldig. Anstatt mal mit mir zu reden. Nein, der Herr bleibt stumm, wie immer. Was erwarte ich eigentlich? Und Isaac war noch schlimmer. Der schlug sich immer mehr auf Hunters Seite, dabei müsste er mich doch am besten verstehen... Wenigstens konnte ich mich mit der Arbeit ablenken. Hunter tat es mir gleich. Und dass Kerry nicht mehr so oft hier war kam mir auch zu Gute. Sie stand sowieso immer nur im Weg, wenn man die Pferde bewegen wollte. „Ich hab einen Tipp für dich.“ meinte Isaac plötzlich, der ebenfalls in der Reithalle war, als ich Arcany longierte. Emrys lief freudig nebenher. „Ach ja?“ meinte ich säuerlich. „Dann schieß mal los.“ Er schmunzelte. Wieso war er immer gut gelaunt? „Wieso sprichst DU ihn nicht an?“ fragte er immer noch grinsend. „Weil ICH nicht das Problem bin.“ erwiderte ich. Er lachte. „Glaubst du er versteht das, ohne dass du es ihm sagst?“ Nachdenklich vergaß ich fast mich mitzudrehen, während Arcany um mich herumlief. „Mhmmm...“ Isaac hatte recht, aber das wollte ich keinesfalls zugeben. Aber wenn ich Hunter anspreche, bin ich eh nur die wieder Doofe. Also beließ ich es dabei. Da würde ich eher mit Kerry sprechen... Kopfschüttelnd verwarf ich den letzten Gedankengang und konzentrierte mich wieder auf die Fuchsstute und deren Fohlen am anderen Ende der Longe. „Ehrlich, Gine. Reif ist das von keinem von euch. Sei doch mal die Erwachsenere von euch beiden.“ beendete Isaac das Gespräch, während er mit seiner Come Back Cupcake die Halle verließ. Ihn stumm nachäffend holte ich Arcany zu mir um sie noch ein paar Minuten freilaufen zu lassen, bevor ich die Longenstunde beendete.
      Wieder im Stall traf ich auf Hunter. „Hi.“ meinte ich knapp und schlängelte mich an ihm vorbei, da er, wie konnte es anders sein, mitten im Weg stand mit seiner Slap Happy. „Warte.“ er hielt mich am Oberarm zurück und sah mich durchdringend an. „Was ist eigentlich los?“ fragte er ernst. Tief seufzend machte ich wieder einen Schritt zurück. „Willst du jetzt wirklich kurz vor der Arbeit darüber sprechen?“ fragte ich und verschränkte die Arme. Er musterte mich kurz und trenste dann, die schon gesattelte Braune auf, während er weitersprach. „Erzähl, ich höre dir zu.“ - „So nicht.“ meinte ich eingeschnappt und wandte mich ab zum Gehen. „Oor wirklich. Gine! Dann schnapp dir Bear und komm mit verdammt!“ fauchte er mich an und deutete auf die Box der Roanstute. „Geputzt ist sie ja schon.“ Nach einem kurzen Blick zu Slap Happy, dann zu Bear und wieder zurück zu Hunter entschied ich mich. „Aber nur, wenn wir keine Springstrecke laufen.“ - „Dann aber eine längere.“ Hunter wollte einen Kompromiss. Ich stimmte zu und beeilte mich Bear Totem's Denali fürden Ritt vorzubereiten.
      Wir waren gut eine Stunde unterwegs, bevor ich anfing mit Hunter über mein Problem zu sprechen. Und siehe da, er war auch pissed. „Kerry ist schuld.“ hielt ich fest und bekam dafür sofort einen Rüffel. Kerry sei seine Therapie und er brauche sie. Ob ihr diese Wortwahl gefallen hätte? Ich ließ das unkommentiert. „Ich hab sogar schon überlegt einfach zu gehen, nur damit ich dich nicht mehr sehen muss.“ meinte ich geknickt. „Was hielt dich davon ab?“ wollte er wissen. Gute Frage. Das wusste ich selbst nicht so genau. „Die Pferde...“ antwortete ich schließlich. Hunter wusste genau, dass es das nicht war. „Okay, Gine. Wir müssen festhalten, dass wir zwei niemals enge Freunde werden und schon gar nicht etwas darüber hinaus. Und wenn du das nicht akzeptieren kannst, dann musst du gehen.“ Hunter sagte das so ernst, dass es mehr weh tat als wenn man seine Hände auf heiße Herdplatten legen würde. Traurig blickte ich auf den Pferdehals vor mir, der sich im Takt auf und ab bewegte. „Das heißt nicht, dass wir uns hassen müssen.“ fügte Hunter hinzu und lächelte behutsam zu mir rüber. Die nächste Zeit schwieg ich und war stets darauf bedacht eine Pferdelänge hinter ihm zu reiten, damit er nicht sah wie mich seine Worte verletzt hatten.


      Hunter | Erst als wir wieder auf den Hof kamen sah ich, dass Gine aufgelöst war. Ich wusste nicht so recht wie ich damit umzugehen hatte, immerhin wollte ich keine falschen Zeichen senden. Immer wieder während wir die Pferde absattelten prüfte ich ob sie standhaft blieb oder komplett zusammenbrach. Als meine Mutter auf die Stallgasse kam und uns sah fiel mir ein Stein vom Herzen. Sie kümmerte sich nun um Gine und tröstete sie. Als die beiden Vollblutstuten wieder in ihren Boxen standen und alles Sattelzeug in der Kammer lag waren meine Mom und Gine schon ins Haus gegangen. Isaac packte derweil seine Sachen zusammen, da er Feierabend machen wollte. „Habt ihr gesprochen?“ fragte er neugierig als er mich sah. Ich nickte und ging zu ihm. „Habt ihr alles geklärt?“ Ich nickte abermals, wenn auch zögerlich. Ob Gine mich verstanden hatte und meinen Stand akzeptieren würde wusste ich nämlich nicht. „Wieso ist sie so fertig?“ fragte er dann. Schulterzuckend sah ich ihn an. „Sie hat sich vermutlich mehr erhofft.“ Isaac lachte. „Ach was!“ meinte er dann. „Ja was soll ich denn machen? Soll ich sie anlügen?“ fragte ich genervt. Isaac schüttelte immer noch grinsend den Kopf. „Nein, du hast das schon richtig gemacht.“ Er legte mir eine Hand auf die Schulter, während er das sagte. „Ich glaube sie wird nicht mehr lange bleiben.“ sagte ich nun etwas geknickt. Gine war zu einem festen Bestandteil des Hofes geworden. Man würde sie vermissen, wenn sie auf einmal nicht mehr da wäre. „Dann mach was, damit sie nicht geht.“ Verdattert sah ich zu ihm auf. „Was soll ich denn machen?“ Nun zuckte er mit den Schultern. „Überleg dir was.“
    • sadasha
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      16. Mai 2017 | von sadasha
      Widerwillig knurrend schaltete ich nach vier Snooze Durchgängen meinen Wecker aus und rappelte mich hoch. Gerade als ich mein Schlafzimmer verlassen wollte hämmerte es gegen die Türe: „Aufstehen, Frühstück wird kalt!“ rief meine Mutter und sah mich erschrocken an, als ich sofort die Tür öffnete und vor ihr stand. „Morgen.“ murrte ich und glitt an ihr vorbei ins Bad um mich fertig zu machen. Nach etwa einer halben Stunde hatte ich so viel Kaffee intus, dass ich voller Tatendrang war. Ein kurzer Blick auf den Arbeitsplan verriet mir, dass ich heute den Vormittag bei meinen Vollblütern verbringen würde. Gine hatte die Offenställe von Mr. Raw Depression, Ehrengold und CHH‘ Lamperd schon geöffnet, sodass die Hengste nach draußen gehen konnten. Die Stuten jedoch warteten noch ungeduldig darauf herausgelassen zu werden. Blütenzauber streckte ihren Kopf in die Stallgasse, als ich mit den passenden Halftern näher kam. Neben Blütenzauber, nahm ich auch Bear Totem’s Denali, LMR Lady Luna samt Little Miss Backyard, Scarlet in Birth samt Stars of Magic und Riven in a Dream samt Rouge Trap mit raus. Natürlich musste ich mehrmals laufen. Immer eine Stute links, eine rechts. Hatte die Stute ein Fohlen bei Fuß, so lief es ohne mein Zutun mit. Nachdem alle Stuten auf dr Weide standen kümmerte ich mich um die Youngsters. Golden Sugar und PFS Strolch standen zusammen mit Raving Hope Slayer auf der Bachelor Weide. CHH‘ Classic Spring hatte Gine gerade im Training. PFS‘ Savory Blossom war mit einem der Jockeys auf dem Weg zur Ovalbahn.

      „Jetzt sind es nur noch wir beide.“ sagte ich zu Moulan, während ich meiner Rappstute das Halfter überstreifte. Moulan ließ das bei mir mittlerweile ohne Angst zu. Auf der verlassenen Stallgasse machte ich sie fest und holte ihren Putzkoffer. Beim Putzen ließ ich mir ordentlich Zeit und untersuchte meine Stute auch auf Ungeziefer oder Schrammen. Moulan war im besten Zustand seit Langem. Wir hatten seit ein paar Tagen die Testergebnisse ihrer Farbgene da. Sie war ein reinerbiger Rappe, was mir sehr zusagte. Zwar war mir die Farbe meiner Pferde im Grunde egal, wenn ich jedoch die Wahl habe würde ich immer mehr zum Braunen oder Rappen tendieren als zum Fuchs. Bei der nächsten Decksaison ist Moulan auch dabei. Mit 10 Jahren war sie eine verhältnismäßig alte Maidenstute, doch sie brauchte die Zeit.

      Eine halbe Stunde später stand ich mit Moulan auf dem Springplatz. Vor dem Platz hatten es sich meine Mutter und Kerry gemütlich gemacht. „Was machst du hier?“ wollte ich Kerry wissen, die ich heute nicht eingeplant hatte. Sie lächelte nur und wank ab. Weiß der Himmel was sie wieder hatte. Ich dachte nicht weiter daran und konzentrierte mich auf Moulan unter mir. Wir nahmen zuerst ein paar Cavalettis zum warm werden, bevor ich sie auf den aufgebauten Parcours brachte. Fehlerfrei waren unsere Durchgänge heute nicht, jedoch hatte ich das Schwierigkeitslevel erhöht. Sie musste engere Kurven gehen und sich schneller auf die neuen Hindernisse einstellen als üblich. Am Ende konnten wir aber doch zufrieden sein. Ein Durchgang ohne gefallene Stange war wirklich lobenswert für eine Stute, die eigentlich nicht als Springpferd geboren ist. Nach dem Abreiten lobte ich Moulan abermals und brachte sie schließlich mit ihrer Abschwitzdecke auf die Weide zu den anderen Stuten. Der Vormittag war damit vorbei.

      Nach der Mittagspause setzte ich mich in meinen Wagen. „Wohin willst du?“ Kerry… Die hatte ich schon ganz vergessen. „Zum Pineforest Stable.“ gab ich knapp zurück und legte den Sicherheitsgurt an. „Aha, was machst du da?“ sie warf einen suchenden Blick auf den Beifahrersitz neben mich. „Ich besuche dort ein Fohlen, das ich gekauft habe.“ Kerry fing an zu strahlen. „Darf ich mit?“ Natürlich sagte ich nicht Nein. Ich hätte keinen triftigen Grund gehabt.
      Auf dem Gestüt von Occulta Smith herrschte regen Treiben. Kerry war begeistert wie viele Pferde und Mitarbeiter es hier gab. An jeder Ecke blieb sie stehen um sich etwas genauer anzusehen. Ich hingegen lief suchend von Gebäude zu Gebäude bis ich Occulta fand. Wir grüßten uns herzlich, bevor sie mich zu PFS‘ Storm Cat führte. Das junge Schimmelstutfohlen tollte auf der Weide und man sah ihr Rennpotential ganz deutlich. Ich war begeistert. Bis zuletzt hatte ich immer versucht mich mehr auf meinen Sport zu fokussieren, doch jetzt da ich eine eigene Ovalbahn hatte, hatte ich die freie Wahl. „Und immer noch zufrieden mit deiner Wahl?“ wollte Occulta wissen und ich nickte. Mehr als das. Ein Schimmelfohlen war schon immer mein Traum. Mit Storm Cat wurde dieser erfüllt. Eine ganze Weile blieb ich am Zaun stehen und sah meinem zukünftigen Pferd zu. Kerry lief währenddessen überall herum, bis sie auch das irgendwann langweilig fand und wieder zurück wollte.

      Erst gegen Abend trafen wir wieder auf dem Bear Brook EC ein. Der Feierabendverkehr hatte uns voll erwischt. Gut zwei Stunden standen wir im Stau. Erst als ich die drei auf der Weide sah fiel mir ein, dass ich sie vollkommen vergessen hatte. „Mist…“ murmelte ich und Kerry sah mich mitfühlend, aber verwirrt an. „Was denn?“ fragte sie. „Eigentlich hätte ich heute Iseabail, Felan und Lady Lyneth Bowen bewegen sollen.“ gab ich zurück und sprang aus dem Wagen, als ich ihn geparkt hatte. Gine war noch immer auf dem Hof, zumindest stand ihr Wagen hier. Ohne Kerry weiter zu beachten suchte ich sie und fand sie in der beleuchteten Reithalle. „Es tut mir leid, Gine. Hast du die drei auch noch bewegt?“ fragte ich. Gine saß gerade auf Mister Blockhead und es sah ganz so aus, als wäre sie gerade fertig mit ihm. Sie nickte lächelnd. „Alles gut, deine Mutter hat mir geholfen und die Reitponystuten mit bewegt.“ Das hieß Princess Sansa, Iceflower, Arcany und Eismärchen waren auch beschäftigt worden. „Wen hast du noch gemacht?“ fragte ich, da ich meine Gedanken gerade nicht sortieren konnte. „Samson, Niffler, Pendragon, PFS‘ Heart of Ocean und Zuckerwatte.“ gab sie zurück und stieg ab. „Das reicht für heute oder?“ fragte sie neckend. „Isaac kam aber auch noch, er hat Come Back Cupcake gemacht und sich dann um Emrys, Mephisto und Vikar gekümmert.“ Nun war ich komplett raus. „Morgen wird es besser.“ versprach ich. Mir tat es wirklich leid, die beiden so allein gelassen zu haben, aber mein Kopf ist heute Morgen anscheinend im Bett geblieben.
    • sadasha
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      06. August 2017 | 28.226 Zeichen von adoptedfox und sadasha

      Hunter | Der erste Tag wieder zu Hause war chaotisch. Zum ersten Mal fühlte ich mich fremd auf dem eigenen Hof. Das Team funktionierte und sobald ich etwas anrührte, stand ich irgendjemandem im Weg. “Mr. Crowley?” Auf dem Weg zum Schuppen hielt Elizabeth mich auf und sah mich stirnrunzelnd an. “An Blütenzaubers Boxentür stimmt etwas nicht. Die lässt sich nur noch sehr schwer öffnen.” erklärte sie. “Ich kümmere mich darum. Danke.” gab ich freundlich lächelnd zurück und ging weiter zum Schuppen. Eigentlich hatte ich andere Pläne, aber die Box zu reparieren schlug auch etwas Zeit tot. Ich war beinahe schon enttäuscht, als ich mir das Problem mit der Tür angesehen hatte und feststellte, dass nur etwas den Mechanismus blockierte. Mit wenigen Handgriffen ließ sich die Box geschmeidig wie eh und je öffnen und schließen. Pitch folgte mir auf Schritt und Tritt und sah mich, als ich das Werkzeug zurück gebracht hatte erwartungsvoll an. “Hast du wohl Hunger?” fragte ich und musterte ihn. Ja, hatte er. Im Haus machte ich sein Mittagessen fertig und stellte es ihm anschließend draußen hin. Als würde er sonst verhungern, stürzte er sich auf die Mahlzeit. Als Isaac an uns vorbeilief, hielt ich ihn fest. “Wie viele Pferde musst du noch machen? Und welche?” wollte ich wissen. Sein Blick fiel auf meine Schulter. “Falls du vorhast...” - “Lass das meine Sorge sein!” warf ich ein, noch bevor er seinen Satz zu ende sprechen konnte. “Dann mach Moulan fertig, Hunter. Ich komme mit Riven in a Dream dazu. Kein Ausritt, Halle!” sagte er bestimmt und sah mich herrscherisch an. “Gut.” sagte ich knapp. Pitch brachte ich solange ins Haus, er musste auch das Alleine bleiben irgendwann lernen. Gelegenheiten wie diese konnte ich genau dafür nutzen.
      Moulan war sehr motiviert und es war toll sie nach langer Zeit selbst zu reiten. Die Rappstute nahm die Therapie wunderbar an und mauserte sich zu einem selbstbewussten Vollblut. “Das macht sie gut!” lobte Isaac beim Vorbeireiten. “Ist das denn wirklich okay mit deiner Schulter?” Überzeugt war er wohl nicht, aber ich versicherte ihm, dass es mir gut ging. Abgesehen von der Tatsache, dass ich wieder unglaublich müde war. Ich hatte nichtmal wirklich gearbeitet und könnte schon wieder schlafen. Isaac musste davon nichts wissen, also verblieben wir für den Rest des Trainings schweigend. Auf der Stallgasse sprach er mich dann doch noch einmal an: “Was ist eigentlich mit deinem neuen Pferd? Das wird von uns nur sporadisch bewegt, weil wir nicht wissen was wir mit ihr anfangen sollen.” meinte er schulterzuckend. Verdine… die hatte ich schon gar nicht mehr auf dem Schirm. Das Pferd, das Käthe mir heimlich angedreht hatte. Ein Pferd das noch weniger in diesen Stall passte, als ein Clown auf eine Beerdigung. “Danke, dass du mich daran erinnerst.” Sanft lächelte er mich an. Er merkte, dass ich heute nicht ganz auf der Höhe war und hielt sich deshalb auch, während ich Verdine, ritt immer in meiner Nähe auf. “Wurdest du beauftragt ein Auge auf mich zu haben?” fragte ich lachend, als ich die Appaloosastute aus der Halle führte und an Isaac vorbeiging. “Dafür brauche ich keinen Auftrag.” konterte er promt und grinste mich schelmisch an. “Du bist jetzt durch?” fragte er anschließend. Ich nickte ihm zu und brachte Verdine dann auf die Stallgasse, wo ich sie absattelte. “Gut Hunter.” Isaac war mir gefolgt. “Ich bin dann jetzt weg. Bis morgen. Soll ich die noch auf die Weide bringen, bevor ich fahre?” - “Das schaffe ich schon noch. Bis morgen, Isaac.” gab ich zurück und wartete bis der Ire verschwunden war, bevor ich meine Stute wegbrachte und dann zu Pitch ins Haus ging. Gegen Abend verschwanden auch die restlichen Mitarbeiter vom Hof, sodass wir um 8pm schon alleine waren. Mit dem letzten Kontrollgang schloss ich die Tore ab und legte mich früher als üblich schlafen. Schneller als gedacht fiel ich in einen tiefen, traumlosen Schlaf.

      Mrs Clayton | Wie gewohnt öffneten Louis und ich am Morgen die Tore des Bear Brook EC. Da es im Moment keine Gäste auf dem Hof gab, waren wir nur für die Organisation der Mitarbeiter zuständig. Wer auf welches Turnier musste, welche Pferde bald auf einer Zuchtschau vorgestellt werden sollten. Sämtliche Einsatzbereiche überwachten wir. Bisher lief alles reibungslos. Üblicherweise kam Mr. Crowley spätestens um 9am dazu um sich einen Überblick zu verschaffen. Heute jedoch war es schon bald 11am, als mir auffiel, dass der Herr noch immer nicht an uns vorbeigehuscht war um sich seinen Kaffee zu holen. Fragend sah ich meinen Mann an, der nicht verstand worauf ich hinaus wollte. “Sollten wir mal nach ihm sehen?” fragte ich unsicher. Louis seufzte. “Lass ihn doch schlafen…” - “So lange?!” - “Er wird schon wissen was er macht, das ist nicht unsere Sache.” Darauf wusste ich nun auch nichts mehr zu sagen. Er hatte ja recht, aber vielleicht… “Vielleicht hat er seinen Wecker überhört?” Genervt sah Louis auf. “Vielleicht hat er das mit Absicht gemacht.” - “Vielleicht auch nicht?” Das ging noch weiter so, bis ich aufstand. “Ich geh jetzt hoch und sehe nach ihm!” beschloss ich und stapfte die schmale Treppe hoch. Das abfällige Stöhnen von Louis überhörte ich. Ein wenig zögerlich klopfte ich an die Türe. Als niemand antwortete wiederholte ich das Ganze nochmal etwas energischer. “Der macht nicht auf, Louis!” rief ich nach unten. Wieder schnaubte mein Mann. “Vielleicht ist er gar nicht da!” rief er zurück. “Was für ein Quatsch!” gab ich bissig zurück und öffnete einfach die Tür zu Mr. Crowleys Schlafzimmer. Er lag tatsächlich noch im Bett und schlief. “Mr. Crowley?” fragte ich vorsichtig vom Türrahmen aus. Ich wollte keinen einzigen Schritt in das Zimmer machen, weil es sich jetzt schon falsch anfühlte. Doch als er nach mehrmaliger Ansprache immer noch nicht aufwachte, blieb mir nichts anderes übrig, als zu ihm zu gehen. “Mr. Crowley sie sollten aufstehen.” sagte ich und stupste ihn unsicher an. Endlich rührte er sich und sah mich müde an. “Geht doch.” Mir fiel ein Stein vom Herzen. “Soll ich ihnen Kaffee machen?” fragte ich. Mr. Crowley brummelte etwas Unverständliches und drehte sich wieder um. “Mr. Crowley! Es ist nach 11!” sagte ich empört und stupste ihn nochmal an. “Lass ihn schlafen und komm jetzt wieder mit an die Arbeit!” Louis stand im Türrahmen und sah mich kopfschüttelnd an. “Kommt dir das nicht komisch vor, er ist sonst nicht so…” - “Woher willst du das wissen, wir kennen ihn doch kaum!” Er trat ins Zimmer und zog mich raus. Doch ich fand keine Ruhe damit. Eine Stunde später, stand ich wieder oben. “Ist alles in Ordnung bei ihnen?” wollte ich wissen. Doch Mr. Crowley schlief wieder. Meiner Intention folgend fühlte ich seine Stirn. Er glühte! Eilig lief ich die Treppe runter. “Was ist denn jetzt los?” Louis verdrehte genervt die Augen. “Er hat Fieber, Louis. Wir sollten ihn zu einem Arzt bringen.” - “Und wer macht dann unsere Arbeit?” - “Du bist ein Idiot! Dann rufe ich halt einen her!” Sowas Dummes. Wie konnte man so ignorant sein? Wer weiß warum Mr. Crowley Fieber hat.
      Als der Arzt endlich da war schlug ich drei Kreuze. “Er liegt oben im Bett. Keine Ahnung was er hat, aber Fieber hat er garantiert.” erklärte ich und ging mit nach oben. Mr. Crowley wirkte nicht sehr glücklich, als er aufwachte und den Arzt registrierte, der um ihn herumschwirrte. “Liegen bleiben.” befahl der Mediziner gleich. “Irgendwelche anderen Symptome? Waren sie kürzlich erkältet, wurden operiert oder hatten andere Verletzungen?” wollte er wissen. Mr. Crowley erzählte von seiner Schulterverletzung, die sich der Arzt gleich ansah. “Sieht äußerlich nicht sehr verdächtig aus. Sonst war nichts?” Mr. Crowley schüttelte den Kopf. “Ihr Fieber ist hoch, Sir. Bevor wir nicht wissen was sie haben, kann ich sie nicht in Ruhe lassen.”
      Schlussendlich musste unser Chef für weitere Untersuchungen und zur Beobachtung ins Krankenhaus. Als er abtransportiert wurde sah ich zu meinem Mann, der nun neben mir stand. “Und du wolltest nicht nach ihm sehen!” ging ich ihn an. Verständnislos schüttelte ich den Kopf.

      Käthe | “Ich bin in ein paar Stunden zurück, ja?” rief ich Erin durch das Küchenfenster zu. Sie war gerade auf der Weide und versuchte Hibana einzufangen, die offenbar kein Interesse hatte zu arbeiten. Als sie die Stute endlich am Strick hatte sah sie auf. “Ich hab mein Telefon dabei, falls nicht.” rief sie lachend und zwinkerte mir zu. Ich lachte ebenfalls und nahm meine Tasche von der Theke bevor ich zum Wagen ging und mich auf den Weg zum Bear Brook EC machte. Trotz des hohen Verkehrsaufkommen erreichte ich den Hof nach einer guten Stunde. Ich stellte den Wagen auf dem Parkplatz ab und ging hinüber zum Haus. Abgeschlossen. Nachdem niemand auf das Klingeln reagierte drehte ich mich um und ging zum Stallgebäude wo ich auf Isaac traf. “Hey Isaac, weißt du wo Hunter sich rum treibt?” fragte ich und ging auf ihn zu. Ratlos sah er mich an. “Ich dachte er sei bei dir? Hier scheint er jedenfalls nicht zu sein.” sagte er knapp und nahm seine Arbeit wieder auf. Ich verließ das Stallgebäude wieder und ging zu den Weiden, doch auch hier war niemand. “Hunter?” rief ich und lief über den Hof. “Wie kann ich ihnen helfen?” fragte eine dunkle Stimme hinter mir. “Hallo, können sie mir sagen wo Mr. Crowley ist?” fragte ich den Mann. Ohne die Schubkarre abzustellen antwortete er nüchtern “Im Krankenhaus.” und ging weiter. Ich lief zum Wagen und fuhr mit durchdrehenden Reifen vom Hof. Der Mann zieht das Unglück magisch an! dachte ich und fuhr zum Krankenhaus. Ich lief zur Rezeption und klopfte gegen die Scheibe. “Hunter Crowley wurde heute eingeliefert, können sie mir sagen welches Zimmer er hat?” fragte ich die Frau nachdem sie die Scheibe zur Seite geschoben hatte. “Wer sind sie denn?” fragte sie und sah im Computer nach. “Käthe Crowley, ich bin die Schwester.” log ich und hoffte das sie mir das abkaufen würde. “Zimmer 307.” sagte sie endlich und lächelte mich freundlich an. Ich bedankte mich bei ihr und ging zum Aufzug. Als ich das Zimmer endlich gefunden hatte klopfte ich an die Tür, bevor ich sie öffnete. “Was hast du denn wieder angestellt?” fragte ich Hunter und setzte mich seufzend an das Bettende. “Können sie erst sagen, wenn sie die Ergebnisse vom Bluttest haben.” erklärte er. “Wie geht es dir denn aktuell?” wollte ich wissen. “Super.” Ich sah ihn eindringlich an und stand dann auf um mir einen Stuhl zu nehmen, damit ich mich neben ihn setzen konnte. “Schau nicht so, wir haben doch schon damit gerechnet dass du hier landest.” sagte ich beruhigend und deutete auf seine Schulter. “Eigentlich hatte ich damit schon abgeschlossen.”
      “Abgeschlossen ist es erst wenn du keine Schmerzen mehr hast, Hunter.”
      Darauf wusste er nichts mehr zu sagen. Ich wollte ihm gerade einen Kuss geben, als die Tür aufging und ein Arzt erschien. “Mr. Crowley, ein bekanntes Gesicht!” sagte er in sein Klemmbrett vertieft und schloss die Tür. “Nanu, die Besuchszeit beginnt doch erst in 2 Stunden.” sagte er und sah auf seine Uhr. Ich sah Hunter ernst an und sah dann wieder zum Arzt. “Ich bin seine Schwester. Ich bin gleich her gefahren als ich erfahren habe dass er hierher gebracht wurde.” sagte ich lächelnd. Er nickte verständnisvoll und stellte sich an das Bettende. “Ihre Entzündungswerte sind relativ hoch. Das Fieber geht dank unserer Hilfe zurück. Mr. Crowley ich weiß, dass ihnen das schwer fällt aber sie sollten sich schonen mit einer Verletzung wie dieser.” sagte der Arzt ernst und tippte mit seinem Kugelschreiber gegen seine Schulter. “Ich kann doch nicht die ganze Zeit im Bett liegen!” beschwerte er sich. “Das müssen sie auch nicht. Setzen sie sich an die frische Luft, gehen sie spazieren. Leichte Arbeiten die sie mit einem Arm ausführen können erlaube ich ihnen, alles andere nicht.” sagte er lächelnd und sah dann zu mir. “Ms. Crowley, haben sie ein Auge auf ihren Bruder! Wenn er nicht auf mich hört, dann vielleicht auf sie.” fügte er lachend hinzu und ging wieder zur Tür. Bevor er den Raum verließ drehte er sich nochmal um: “Wenn sie mir versprechen auf sich zu achten, können wir sie später entlassen.” Ich sah Hunter an und lachte. “Tut mir Leid, sie hätten mich sonst nicht reingelassen.” Er grinste schief: “Wo bleibt eigentlich meine heiße Krankenschwester?” Empört sah ich ihn an. “Reiche ich dir nicht?” fragte ich und lachte. Sein Blick glitt an mir herab. “Zu wenig Krankenschwester. Ich bin im Krankenhaus, etwas Authentizität bitte.” Ich sah ihn an und stand auf. “So schlecht geht es dir anscheinend nicht.” sagte ich kühl und verließ das Zimmer.

      Hunter | “Eh!” rief ich Käthe noch hinterher, doch dann fiel die Tür schon ins Schloss. Sofort zog ich die Schublade des Beistelltisches auf um mein Telefon zu suchen. Doch sie war leer. Natürlich war sie das. Mein Telefon lag zu Hause. Ich schwang die Beine zur Seite und stand auf um Käthe nachzugehen, doch mir wurde von der plötzlichen Aktivität so schummrig, dass ich auf der Bettkante sitzen blieb. Ich hatte mich gerade wieder gefangen als die Tür aufging und Käthe ins Zimmer kam. “Mr. Crowley sie sollten sich schonen!” sagte sie streng und drückte mich zurück auf das Bett. Käthe hatte sich einen Schwesternkittel ausgeborgt und spielte diese Rolle großartig. “Aber…” begann ich, doch sie legte mir einen Finger auf die Lippen. “Sie wollen doch keinen Ärger, oder?” flüsterte sie und öffnete grinsend den obersten Knopf. Ich schluckte und lächelte sie betört an. “Mit ihnen bestimmt nicht.” Käthe stieg zu mir aufs Bett und beugte sich über mich. “So ists brav.” flüsterte sie lächelnd und küsste mich. Ich beschloss nichts zu sagen und erwiderte ihren Kuss. Plötzlich ging die Tür auf und der Arzt von gerade eben stand im Raum. Käthe setzte sich erschrocken auf und auch ich sah ihn entsetzt an. Er räusperte sich und konnte sich ein Lachen nicht verkneifen. “Ihre Unterlagen sind in diesem Umschlag, ich leg ihn einfach hier hin.” sagte er und legte den Umschlag auf den Tisch. Ohne uns anzusehen ging er wieder zur Tür. “Hören sie…” begann Käthe und sah ihn ängstlich an. Die Türklinke in der Hand drehte er sich um. “Sie ist nicht meine Schwester!” kam ich ihr zuvor und setzte mich leicht auf. Der Arzt lachte wieder. “Das dachte ich mir, Mr. Crowley.” sagte er und zeigte auf das Badezimmer. “Die Tür lässt sich übrigens abschließen. Für den Fall der Fälle.” fügte er hinzu und verließ lachend das Zimmer. Käthe sah mich an und musste nun ebenfalls lachen. Schmunzelnd beobachtete ich sie. “Sollen wir dann gehen?” fragte ich und warf einen kurzen Blick zu den Unterlagen. “Wenn du möchtest. Ich hol nur meine Sachen.” sagte sie und stieg vom Bett.
      Eine Stunde später waren wir auf meinem Gestüt. “Wie ich mich auf die Fragen freue, die gleich kommen.” meinte ich sarkastisch. “Sei nicht so!” sagte sie durch das offene Fenster und öffnete mir die Tür damit ich aussteigen konnte. Wehleidig sah ich sie an. “Aber…” - “Sie sorgen sich einfach um dich, das ist doch nichts schlimmes.” sagte sie und gab mir einen Kuss. “Nein, aber...” - “Da seid ihr ja!” Isaac freute sich uns zu sehen. “Wie gehts dir?” fragte er gleich und ich warf Käthe einen vielsagenden Blick zu. “Gut.” antwortete ich freundlich. Gemeinsam gingen wir ins Haus, wo ich mich auch bei den Claytons zurück meldete, die mir die gleiche Frage stellten. “Gut?” wiederholte Isaac, als wir uns in alter Tradition ins Wohnzimmer gesetzt hatten. “Das klang heute Nachmittag noch ganz anders.” - “Mir geht es gut.” sagte ich bestimmt und sah ihn streng an. “Hunter muss sich unbedingt ausruhen. Wenn es zu viel Arbeit wird im Stall ruft mich an, dann komme ich vorbei.” warf Käthe in die Runde und schrieb ihre Telefonnummer auf einen Zettel um sie Isaac zu geben. Er faltete den Zettel und steckte ihn gewissenhaft weg. “Wenn es dir wirklich gut geht, bin ich weg. Pitch liegt in deinem Schlafzimmer und schläft, falls du ihn suchst.” Auch die Claytons verabschiedeten sich, sodass wir alsbald alleine waren. “Schone dich wirklich, Hunter!” mahnte Käthe und nahm meine Hand. “Ich hab mich geschont.” wandte ich ein und sah sie fast schon trotzig an. “Was hast du denn den ganzen Tag getan?” fragte sie mich und sah mich erwartungsvoll an. “Ich hab mich gelangweilt.” Sie zog die Augenbrauen zusammen. “Auf dem Pferderücken? Du wolltest doch keinen Ärger mit mir.” Ich öffnete den Mund um etwas zu erwidern, fand dann aber keine passende Ausrede. Also spannte ich den Bogen noch ein Stück weiter: “Pferderücken?” wiederholte ich arglos. “Ich habe mit Isaac gesprochen.” sagte sie trocken und sah mich weiterhin an.
      “Okay? Was hab ich damit zu tun?”
      “Du bist gestern geritten. Zwei Mal. Obwohl du dich schonen sollst.”
      “Hat Isaac das behauptet?” hakte ich nach um von mir abzulenken. Dieser räudige Mistkerl.
      “Wenn du dich nicht schonst passe ich auf dich auf. Und dann wirst du dich schonen!” drohte sie.
      “Ach, was willst du denn machen?” fragte ich sie ohne auch nur einen Funken Reue zu zeigen.
      “Ich binde dich am Bett fest und wenn du auf Toilette musst, begleite ich dich.”
      Ich lachte hart. “Das will ich sehen!”
      “Dann komm.” sagte sie provokant, stand auf und griff nach meinem Arm.
      “Du glaubst ja wohl nicht, dass ich jetzt freiwillig mit komme!” entgegnete ich spöttisch.
      Sie ging zur Treppe und lehnte sich lasziv gegen das Geländer. “Sicher nicht freiwillig?” hauchte sie mir zu und fuhr sich durch die Haare. Aufmerksam beobachtete ich sie und es fiel mir unfassbar schwer nicht einfach aufzustehen und zu ihr zu gehen. “Das ist nicht fair!” protestierte ich. “Ich soll mich doch schonen!” Sie kam langsam auf mich zu und zog mich an sich um meinen Hals zu küssen. “Du wirst dich auch schonen. Und solange du das nicht tust, darfst du mich nicht mehr anfassen.” flüsterte sie in mein Ohr und ließ von mir ab. “Du bist böse.” sagte ich leise und packte sie um sie wieder an mich zu ziehen. Lachend drehte sie ihr Gesicht weg. “Ich weiß.” - “Du machst mich wahnsinnig!” fuhr ich fort, wohl wissend, dass sie genau diese Worte auch einmal gewählt hatte. “Tut mir Leid.” sagte sie lachend und strich durch meine Haare. “Ist das so?” wollte ich wissen und funkelte sie an. “Nein, es macht mir sogar Spaß!” gab sie grinsend zu und versuchte meinem Griff zu entkommen. “Dafür ist es jetzt zu spät.” raunte ich und schob sie die Treppe hoch. “Zu spät für Spaß? Oder zu spät um zu entkommen?” fragte sie frech und drückte die Türklinke hoch damit ich die Tür nicht mehr öffnen konnte. Ich lachte verzweifelt. “Mach die Tür auf, dann erfährst du es.” Sie drehte sich zu mir um und sah mich vorwurfsvoll an. “Du sollst dich schonen!” mahnte sie mich. Da sie die Türklinke nun nicht mehr hoch drückte griff ich an ihr vorbei um die Tür zu öffnen. “Das liegt nicht in meiner Verantwortung, du hast den Arzt gehört.” konterte ich und bugsierte sie zum Bett. “Da spricht der Raufbold aus dir.” sagte sie lachend und ließ sich aufs Bett fallen. Ich stieg über sie um sie zu küssen. Sie drückte mich lachend weg. “Die Tür ist offen!” Pitch hob den Kopf und sah mich schwanzwedelnd an. Bevor Pitch rauslaufen konnte schloss ich die Tür und kam zurück. Käthe war weiter aufs Bett gerutscht und saß, die Beine angewinkelt, grinsend da. Ich ließ mich neben ihr aufs Bett fallen und zog sie dann zu mir runter um da weiter zu machen, wo ich aufgehört hatte. “Hey sei nicht so grob!” rief sie lachend und sah mir tief in die Augen. “Tut mir leid, mit nur einer Hand ist das etwas komplizierter zu koordinieren.” entschuldigte ich mich grinsend und ließ von ihr ab. “Ich muss doch aufpassen dass du dich schonst.” erwiderte sie frech und beugte sich über mich. “Solltest du.” sagte ich heiser und zog sie mit einem beherzten Griff auf mich um sie zu küssen.

      Käthe | “Ich will nicht dass du dir komisch vorkommst…” begann ich und zog meine Hose hoch “...aber ich muss dann leider los.” vollendete ich meinen Satz und setzte mich aufs Bett um mir die Schuhe anzuziehen. Er rappelte sich hoch und sah mir zu. “Du hast es aber eilig.” sagte er, wobei eine Spur Unsicherheit auf seiner Stimme lag, die verriet, dass er sich sehr wohl komisch vorkam. Entschuldigend sah ich ihn an. “Hunter, schau nicht so! Du weißt was ich für dich empfinde.” Seine Augen blitzten kurz auf. “Weiß ich das?” Seine Miene verriet, dass er eigentlich noch etwas trotziger reagieren wollte. “Natürlich weißt du das.” antwortete ich mit hochgezogenen Augenbrauen und stand auf. Er beschloss nichts weiter zu sagen und zog sich ebenfalls seine Hose wieder an, damit er mich noch bis nach draußen begleiten konnte. Bevor ich in meinen Wagen stieg lehnte ich mich gegen die Tür und sah Hunter an. “Versprich mir, dass du dich schonst und den Pferden fern bleibst.” Widerwillig brummte er. “Mir wird schon nichts mehr passieren. Andernfalls kann ich es immer noch auf dich schieben.” sagte er frech. “Hallo, wieso denn auf mich?” fragte ich empört. “Weil der Arzt dich damit beauftragt hat darauf zu achten, dass ich mich schone.” erwiderte er mit einem erhabenen Lächeln. “Du weißt doch, dass ich wegen der Pferde nicht jeden Tag herkommen kann.” meinte ich schmollend und legte meine Arme um ihn. “Das weiß ich doch.” gab er zurück und blickte mir dabei tief in die Augen. Ich seufzte. “Wenn du magst kannst du die Tage ja zu mir kommen. Dann kochen wir was schönes, hast du Lust?” fragte ich ihn. “Gerne, mir wird hier so oder so die Decke auf den Kopf fallen. Ich darf ja nichts mehr machen...” meinte er betrübt. “Es ist zu deinem besten!” versuchte ich ihn aufzumuntern und gab ihm einen Kuss. Er seufzte schwer. “Ja… Fahr vorsichtig. Nicht dass dir auch noch etwas zustößt.” Ich lächelte ihn an und versprach vorsichtig zu fahren, bevor ich in den Wagen stieg und die Fensterscheibe runter ließ. “Du siehst niedlich aus wenn du traurig bist.” sagte ich grinsend und lehnte mich aus dem Fenster. Zurückhaltend lächelte er und gab mir noch einen letzten Kuss bevor er zurücktrat, damit ich vom Hof fahren konnte.

      Hunter | Nach ein paar Stunden unruhigen Schlafes stand ich schließlich auf und brachte Pitch nach draußen. Es war noch dunkel, der Hof verlassen und Pitch genauso überreizt wie ich. Zu allem Unheil regnete es, ein Gewitter bahnte sich an. Wäre ich bei besserer Laune gewesen hätte ich erkannt, dass ein morgendliches Gewitter besser ist, als eines das über Tag käme, wo dann alle Arbeit kurzzeitig stillgelegt werden müsste. Andererseits waren dann genug Leute da falls durch Sturm, Regen oder Blitz irgendwelche Schäden entstehen. Während ich darauf wartete, dass Pitch sein Geschäft verrichtete, zog ich sämtliche Stühle vom Innenhof zur Seite, damit sie im Trockenen standen. Als Pitch auf mich zu lief ging ich wieder rein und nahm mir den Laptop. Dreißig ungelesene Mails. Erst als die Claytons kamen und mich grüßten, sah ich auf und bemerkte wie spät es geworden war. “Alles okay bei ihnen?” fragte Mrs Clayton. “Mir geht es gut.” versicherte ich ihr. Doch sie sah noch immer sehr besorgt aus, als sie sich umdrehte um mit ihrem Mann an die Arbeit zu gehen. Noch zehn Mails. Ich horchte auf als ein weiterer Wagen auf den Hof fuhr. Das musste Mirko sein oder Elizabeth. Interessiert stand ich auf und ging ans Fenster. Es war Mirko. Da ich wusste, dass er nicht zur Begrüßung rein kam ging ich raus. Die restlichen Mails konnten warten. Gemeinsam fütterten Mikro und ich die Pferde, eine Aufgabe, die ich noch ausführen durfte. Während wir die Boxen abliefen fragte Mirko auch noch einmal was passiert war. An ihm war der ganze Aufruhr vorbei gegangen. Trotz meiner nur knappen Ausführung der Geschehnisse hakte er nicht noch einmal nach, sondern ließ mich nach der Fütterung wieder ins Haus gehen. Immer noch zehn Mails… Erst jetzt fiel mir auf, dass eine dieser Mails von Käthe kam. “(Kein Titel)” - Klasse Käthe. Schmunzelnd klickte ich sie an. Sie schrieb, dass sie ein interessantes Vollblut bei ihrer Arbeit in Italien entdeckt hatte. An der Art und Weise wie sie dieses Pferd anpries wusste ich schon, dass sie mir diese Mail nicht ohne Hintergedanken gesendet hatte. Im Anhang fand ich ein Foto des besagten Pferdes. Es handelte sich um einen Strawberry Roan Hengst. Einen Moment lang überlegte ich, doch dann beschloss ich ihr nicht auf die Mail zu antworten. Stattdessen nahm ich mein Telefon zur Hand und schrieb ihr, dass ich die Mail erhalten und lieber persönlich mit ihr darüber sprechen wollte.

      Käthe | Nachdem Erin und ich gefrühstückt hatten stellte ich die Teller in den Geschirrspüler und folgte ihr in den Stall um die Boxen der Pferde zu misten. Wir hatten uns die Arbeit aufgeteilt und so waren wir nach nur einer Stunde fertig. Erin widmete sich Hibana und ich half ihr die Stute von der Weide zu holen, damit keines der anderen Pferde entwischen konnte. Ich beobachtete die Pferde noch eine Weile bevor ich den Weg zum Haus einschlug. Gerade als ich die Tür öffnete fuhr Hunters Wagen auf den Hof. “Konntest du es zuhause nicht mehr aushalten?” rief ich ihm lachend zu als er ausstieg. “Hättest du auf dein Telefon geguckt, wüsstest du wieso ich hier bin! Nutzt du das überhaupt? Wofür hast du denn eins?” fragte er ebenfalls lachend, während er mit Pitch auf mich zuging. Ich griff meine Hosentaschen ab und sah ihn grinsend an. “Damit du her kommst und mich dran erinnerst es zu benutzen?” fragte ich ihn und ging ins Haus. Er folgte mir und sprach weiter: “Dann erzähl mir mal etwas mehr über den Hengst, den du gefunden hast.” verlangte er. Ich setzte mich an den Tisch und überlegte kurz, bevor ich ihm dann alles erzählte was ich von dem Vollblut wusste. “Hunter wartet nun auf meinen Anruf.” schloss ich und sah auf. Verwirrt sah er mich an. “Der Inhaber heißt ebenfalls Hunter.” meinte ich und musste ein Lachen unterdrücken. Er zog eine Augenbraue hoch. “So so… Und du bist dir nicht sicher mit dem Pferd?” fragte er, sprach aber ohne auf eine Antwort zu warten weiter: “Für mich klang das doch alles recht positiv, was schreckt dich ab?” Ich atmete hörbar ein und aus. “Ehrlich gesagt möchte ich ihn unbedingt kaufen. Ich wollte mir nur deine Meinung einholen, da du dich mit englischen Vollblütern weitaus besser auskennst.” Er nickte verständnisvoll. “Das Pferd an sich scheint absolut in Ordnung zu sein. Wenn du gut mit ihm zurecht kommst und für ihn aufkommen kannst, sehe ich nicht wieso du es nicht kaufen solltest.” Wir beschlossen, dass ich mich in den nächsten Tagen bei Hunter melden würde um den Kauf zu bestätigen. Ich beugte mich zu Pitch runter, der sich neben mich gelegt hatte um ihn zu streicheln. “Bleibst du bis heute Abend?” fragte ich Hunter ohne aufzusehen. “Wenn du mich nicht vorher rauswirfst, ja.” Ich sah auf und zog die Augenbrauen zusammen. “Wieso sollte ich dich rauswerfen?” - “Vielleicht nerve ich ja. Arbeiten darf ich schließlich auch nicht.” meinte er grinsend. Ich schüttelte nur mit dem Kopf und stand dann auf um ins Schlafzimmer zu gehen. “Kochen wir zusammen?” rief ich ihm zu und zog mich um. “Gerne!” antwortete er. “Meinst du Pitch kann alleine bleiben?” fragte ich als ich zurück in die Küche ging und meinen Geldbeutel und meinen Autoschlüssel nahm.

      Hunter | Alles Nötige eingekauft, standen wir zwei Stunden später in Käthes Küche und kochten. Pitch hatte die Zeit in der wir weg waren in einer leeren Pferdebox verbracht und gut überstanden. In einer kurzen Pause lehnte ich mich gegen die Arbeitsplatte, zog mein Telefon aus der Tasche und sah nach ob es irgendwas Neues gab. Ben hatte geschrieben. Er hatte ein Pferd gefunden, das für mich interessant wäre. Schließlich bräuchte ich ja noch eines, das ich mit zu Lagern nehmen könnte und dieses, wäre absolut geeignet. Dass es sehr jung und dadurch fast komplett roh war, schien ihm dabei entgangen zu sein. Ohne ihm zu antworten seufzte ich und steckte ich das Telefon wieder weg.
      Den Abend über überlegte ich stumm hin und her ob ich mir den Drum Horse Hengst vielleicht doch einmal ansehen sollte. Auch Toby hatte nur Gutes für ihn übrig. Immerhin seien auch seine Eltern nicht gerade unbekannt. Ich hatte noch immer nicht geantwortet und beobachtete das Gespräch zwischen den beiden in unserer WhatsApp Gruppe. Erst als ich wieder zu Hause war ließ ich die beiden wissen, dass sie mich überredet hatten. In den nächsten Tagen würde ich mir Thomas, so hieß der Hengst, einmal ansehen.
    • sadasha
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      25. Oktober 2017 | 13.287 Zeichen von sadasha

      „Jetzt bleib doch mal stehen!“ Kerry folgte mir schon den halben Tag und versuchte in ein Gespräch zu kommen. Aber ich hatte besseres zu tun, so besorgt sie auch wirkte. Ich war nun mehrere Monate in der Weltgeschichte unterwegs und hatte nun endlich Zeit für meine Pferde. Dass ich diese Zeit nicht für Kerry opfern würde, musste sie doch früher oder später begreifen. Verzweifelt seufzte sie, als ich die Boxentür zu Verdine aufschob. „Gut, dann halt so. Ich komme mit Braddock mit! Mir egal was du jetzt mit Verdine vor hattest!“ beschloss Kerry und wirkte stolz, endlich einen Weg gefunden zu haben mit mir zu sprechen. Schweigend machten wir die Pferde fertig und gingen dann in die Reithalle. Mirko war hier gerade dabei den Hufschlag wieder plan zu ziehen, also begnügten wir uns zum Warmreiten mit Zirkelreiterei. Braddock ‚The Parrot‘ schlurfte unter Kerry vor sich hin. Wenn Ruby das sehen würde, würde sie beide Hände über den Kopf schlagen. „Jetzt erzähl doch mal.“ forderte Kerry schließlich und sah mich erwartungsvoll an. „Du bist seit zwei Tagen wieder da und hast Nichts erzählt!“ beschwerte sie sich. „Was soll ich denn erzählen?“ brummte ich widerwillig und ging nun, da dieser gerade gezogen war, mit Verdine auf den Hufschlag. „Ich hab gearbeitet…“ antwortete ich schließlich und hörte wie Kerry abermals seufzte. „Und es ist nichts Spannendes passiert? Du warst doch auch bei deiner Freundin!“ fragte sie genervt. Ich lachte heiser. „Davon erzähle ich dir nicht.“ sagte ich bestimmt und galoppierte Verdine an, die sich freute endlich ans arbeiten zu kommen. Braddock und Kerry schlurften noch immer im Schritt und wenn Kerry es doch mal schaffte sich halbwegs durchzusetzen im langsamen Trab, vor sich hin. „Früher hast du mehr erzählt!“ sagte Kerry enttäuscht, als ich auf ihrer Höhe war. Für mich war das Gespräch beendet und so warf ich ihr nur einen flüchtigen Blick zu und widmete mich dann wieder Verdine. „Du siehst gestresst aus, deshalb hake ich nach.“ fing Kerry wieder an. „Wir machen uns alle Sorgen!“ Tief ausatmend parierte ich Verdine zum Schritt und sah rüber zu Kerry, die in der Mitte eines Zirkels stand und Braddock machen ließ, was er wollte. „Wenn du nicht willst dass er sich gleich mit dir wälzt, solltest du die Zügel aufnehmen.“ warnte ich sie die Stirn in Falten gelegt. Hektisch zog Kerry die Zügel zu sich, sodass Braddock den Kopf hob und seine Aufmerksamkeit wieder bei Kerry war. „Warum ich gestresst bin ist privat.“ sagte ich ruhig und versuchte den erstaunten Blick von Kerry zu ignorieren. „Auf einmal?“ flüsterte sie niedergeschlagen und ließ Braddocks Kopf abermals sinken. „Fängst du wieder an alles in dich hinein zu fressen, wie damals als wir uns kennenlernten?“ sagte sie noch immer leise, aber so laut, dass ich sie gut verstehen konnte. „Das war etwas anderes.“ meinte ich kühl und lobte Verdine, da sie heute trotz meiner gedanklichen Abwesenheit gut mitmachte. Kopfschüttelnd stieg Kerry ab. „Wenn du meinst.“ sagte sie abweisend und brachte Ruby’s Pony zurück in seine Box. Wirklich bewegt wurde Braddock nicht, aber das würde Ruby heute Abend schon merken. Ich arbeitete mit Verdine noch ein paar Minuten, ehe ich sie abritt und im Anschluss auf die Stutenweide brachte. Bis zum Abend beschäftigte ich noch Happy Fantasy und Felan. Mikro und Beth hatten sich ausgiebig mit den Fohlen befasst. Bear Brooks Denahi, What Rainbow, Fantastic Sonata, Rouge Trap, PFS Strolch, Golden Sugar, Little Miss Backyard, PFS‘ Storm Cat, Stars of Magic und CHH‘ Classic Spring standen in kleinen Gruppen aneinander gekuschelt auf den beiden Absetzerweiden. May und José hatten PFS‘ Savory Blossom, Raving Hope Slayer, Ehrengold, Moulan, Bear Totem’s Denali und Blütenzauber im Galopprennen trainiert. Gegen Abend kam Ruby um nach ihrem Pony zu sehen und beschäftigte dann auch noch Iseabail und Lady Lyneth Bowen.

      Am nächsten Tag war ich nach einer beinahe schlaflosen Nacht früh auf den Beinen und machte die beiden Junghengste Vikar und Mephisto soweit fertig. Die beiden waren noch nicht fertig eingeritten und so longierte ich sie vorbereitend. Der Beritt für die beiden würde außerhalb stattfinden. Anschließend machte ich mit Thomas, der ebenfalls noch nicht beritten war etwas Freidressur. Der große Hengst war nicht ganz so roh wie die beiden Tinker und würde unter meiner Hand fertig eingeritten. Ruby kam heute schon vormittags zum Stall. Nachdem sie mit ihrem Pony durch war schnappte sie sich Magical Touch von der Weide und putzte sie übergründlich, flechtete ihr Langhaar neu ein und begleitete mich dann auf einen Ausritt, bei dem ich Slap Happy ritt. „Wie kommt es, dass du so früh hier bist?“ wollte ich wissen und lächelte Ruby an, die sich in ihrer Zeit auf dem Hof verdammt gut gemacht hatte. Wenn sie so weiter macht, dann würde sie sicher eine gute Reiterkarriere hinlegen. „Ich hab heute keine Schule, weil zu viele Lehrer ausgefallen sind.“ erzählte sie mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Ich lachte kurz und trabte Scheppi dann an. Ruby folgte. „Aber nächste Woche hab ich ein paar Klausuren…“ fügte Ruby ernüchtert hinzu. „Ich bin froh, wenn ich endlich fertig bin.“ Schweigend schmunzelte ich. Alles was ich jetzt hätte sagen können, wird Ruby oft genug von Erwachsenen hören. Also beließ ich es dabei. Als wir wieder auf dem Hof waren kam uns Max mit Riven in a Dream und Scarlet in Birth entgegen, die er wohl zur Ovalbahn brachte. Ich kümmerte mich den Rest des Tages um Mr. Raw Depression und LMR Lady Luna. Kerry hielt sich heute fern von mir und versuchte Niffler und Benji in den Griff zu bekommen, die heute besonders aufmüpfig waren. Gegen Abend sah ich dass Abby sich mit Mister Blockhead beschäftigte. Der Tinkerhengst war noch recht neu auf dem Hof und zeigte durchaus Talent für die Dressur. Allerdings hätte ich nicht vermutet, dass Abby so viel aus ihm herausholen konnte wie ich da gerade sah. Da ich mit meinen Aufgaben für heute abgeschlossen hatte verweilte ich an der Bande und sah mir das Training an. Abby war ein Profi und ließ sich von Zuschauern nicht stören. Im Gegenteil, es schien sie anzufachen noch mehr Enthusiasmus reinzustecken. „Sieht gut aus, nicht wahr?!“ erschrocken fuhr ich herum und hätte Isaac beinahe eine Klatsche verpasst. Doch er hatte damit gerechnet und meinen Unterarm gepackt, bevor ich ihn erreichte. „Woah, ruhig Brauner!“ meinte er lachend und ließ mich los. „Du kommst spät.“ merkte ich an. „Ich komme immer spät, das ist eine Kunst für sich.“ meinte Isaac grinsend. Ich lachte und sah wieder zu Abby, die diese Anspielung wohl gehört hatte und angewidert den Kopf schüttelte. „Gehen dir die Witze aus?“ rief sie zu Isaac, doch Isaac fand sich immer noch äußert amüsant und ließ sich nichts anderes einreden. „Wie war deine Fortbildung?“ wollte ich wissen und ging mit Isaac ins Haus, wo wir ausgiebig über die Arbeit der letzten und der nächsten Tage sprachen. Kerry saß immer noch recht bockig daneben und schüttelte hie und da den Kopf. Als Isaac sich verabschiedete sah Kerry mich wieder mit diesem erwartungsvollen Blick an. „Was denn?“ fragte ich genervt. „Ihr habt euch mehrere Stunden nur über die Arbeit unterhalten? Im Ernst jetzt?“ sagte sie mit steinerner Miene. Ich zog den Kopf zwischen die Schultern. „Kann es sein, dass du das Problem hast, Kerry?“ fragte ich ein wenig forscher als gewollt. Ertappt sah sie mich an. „Ich bin nicht Gine!“ beteuerte sie empört und machte auf dem Absatz kehrt. „Dann mach nicht die gleichen Fehler wie sie.“ In Kerrys Gesicht mischte sich Traurigkeit. Für einen kurzen Moment sah es so aus, als würde sie noch etwas erwidern. Doch dann verabschiedete sie sich mit einer vollkommen deplatzierten Reserviertheit und verschwand. Was für eine scheußliche Lage…

      „Kerry hat sich heute und morgen krank gemeldet.“ meldete Mrs Clayton, als ich am nächsten Morgen zusammen mit Pitch im Halbschlaf die Treppe runterlief um mir den ersten Kaffee zu holen. „Was hat sie denn?“ fragte ich teilnahmslos, da ich noch nicht ganz begriffen hatte wer und was vor sich ging. „Hat sie nicht gesagt.“ Ich ließ ein Brummen vernehmen und nahm meine Tasse aus der Spülmaschine, trocknete sie kurz ab und nahm mir etwas frisch aufgebrühten Kaffee. „Soll ich hier bleiben?“ fragte ich den nächstbesten Mitarbeiter, der rein kam. Beth schüttelte eifrig den Kopf. „Fahr ruhig, wir kommen klar.“ sagte sie fröhlich und nahm sich ebenfalls eine Tasse Kaffee. Da meine nun leer war bedankte ich mich und schnappte mir Unterlagen, Leine, Jacke und Schlüssel, zog meine Schuhe an und ging mit Pitch raus. Regen. Immer noch regnete es und stürmisch war es noch dazu. Pitch, der mittlerweile kniehoch gewachsen war zog die Rute ein. Das war absolut nicht unser Wetter und die paar Meter bis zum Auto reichten aus um uns beide zu durchnässen. Der Weg führte uns heute zu einer Show für regionale Pferdezuchten. Zwar stellte ich selber nicht aus, aber es war immer gut zu wissen, mit wem man Kontakte schließen konnte.

      Auf der Show gab es viele Züchter der typisch britischen Rassen. Darunter auch einige Clydesdale und Shire Horse Züchter und ich glaubte sogar zwei Drum Horse Hengste zu sehen. Shire und Clydesdale Züchter verpönten Drum Horses meistens, da sie noch nicht lange als eigenständige Rasse galten. Ich für meinen Teil fand sowohl die einen, als auch die anderen interessant. Allerdings gefielen mir die heute anwesenden Drum Horses nicht so gut. Sie war zu schlaksig und zudem hatten sie beide eine Tovero Scheckung, was ich mit allen Mitteln zu vermeiden suchte. Sehr schön waren jedoch einige Shires. Kräftig gebaut mit ordentlich Halsung und Fesselbehang. Vor einem Exemplar blieb ich stehen. Ein Brauner ohne Blesse, mit vier symmetrisch weißen Beinen. Ein bisschen Weiß hatte er an der Stirn. Das Langhaar war zu shiretypisch verflochten und ließ die eigentliche Länge nur erahnen. Eigentlich war an diesem Pferd nicht viel Besonderes. Den Braunton hatten 90% aller braunen Shires und auch das nur sehr kleine Kopfabzeichen war nicht allzu selten. Es war seine Ausstrahlung die mir gefiel. Acht Jahre alt, gefahren und geritten, mit überschaubarer Showkarriere. Wie ich so das Informationsblatt durchlas sah ich aus dem Augenwinkel, wie sich ein Mann näherte. Neugierig wie Pitch war zog er leicht in dessen Richtung. Als der Mann neben mir stehenblieb und mich freundlich anlächelte wandte ich mich zu ihm. „Sie sehen aus, als hätten sie Ahnung?“ begann der schmale Mann etwas unsicher und sah kurz zu Pitch, den ich daraufhin zu mir zog. „Ich bin Züchter. Hunter Crowley.“ stellte ich mich vor und lächelte den Mann aufmunternd an. „Was für Pferde züchten sie, Sir?“ fragte er übertrieben höflich. „Hauptsächlich Englische Vollblüter.“ Und sie Mr …?“ Ich hatte den Herrn kalt erwischt. Eilig stellte er sich als Jayden Buck vor. „Ich baue mir gerade eine Shire Zucht auf.“ erklärte er und zeigte mir stolz seinen Deckhengst Clairkson. Er sah dem Hengst hier vor uns sogar ein wenig ähnlich, war aber wesentlich dunkler in der Farbe und hatte unregelmäßigere Beinabzeichen. Wir unterhielten uns eine Weile über die Pferdezucht, worauf man zu achten hatte und was bei den Shires als Zuchtziel galt. „Woher kennt ihr euch bei den Shires aus?“ wollte Jayden wissen, der mich noch immer siezte. „Ich habe eine Shire Stute für die Drum Horse Zucht.“ erklärte ich und rechnete eigentlich schon mit einem abfälligen Kommentar. Doch Jayden war interessiert. Mitten im Gespräch darüber ob Drum Horse eine sinnvolle Zucht war oder nicht, brach ich ab. Im Gehen fiel mir eine schwarze Stute auf, die im miserablen Zustand war. „Wieso stellt man sie hier aus?“ fragte ich empört. Die Stute hieß Bad Medicine und war lackschwarz. Sähe sie nicht aus wie ein Flickenteppich durch die ganzen Narben, wäre sie sicher ein hübsches Exemplar ihrer Rasse. Nicht ganz typisch, da weiße Beine eigentlich höchst erwünscht waren, aber ein Hingucker alle male. Auch Jaydens Blick haftete auf der Stute. „Die werden doch untersucht, bevor sie herkommen. Wie kann sie dann hier stehen?“ fragte er und warf einen Blick auf das Informationsblatt. In großen Lettern stand dort „Rette mich“. Es handelte sich hier also um ein Rettungspferd, aus schlechten Verhältnissen. Man suchte über die Show jemanden, der sich der Stute annahm. „Was hältst du davon?“ fragte mich Jayden und versuchte die Stute anzulocken, die sich im hintersten Eck ihres begrenzten Platzes verkrochen hatte. „Nicht viel.“ meinte ich knapp und musste eiskalt auf Jayden wirken, der es tatsächlich geschafft hatte, dass Bad Medicine ein paar Schritte auf uns zu tat. „Wieso nicht?“ fragte er ebenso knapp ohne den Blick von der Stute abzuwenden. „Weil man nicht weiß ob man es je wieder gerade biegen kann, was da falsch gemacht wurde.“ erklärte ich stumpf. „Dafür hätte ich keine Zeit.“ Jayden hatte dafür wenig Verständnis, ließ mir aber meine Meinung. Wir beschlossen gemeinsam etwas zu Essen und verabschiedeten uns nach dem gegenseitigen Versprechen in Kontakt zu bleiben was die Zucht betrifft. Ich machte zusammen mit Pitch noch einen Abstecher zu den Englischen Vollblütern, bevor wir uns auf den Heimweg machten. Zu Hause schrieb ich Käthe von meinem Tag und fragte gleichzeitig wie es bei ihr aussieht. Wir hatten seit einer gefühlten Ewigkeit nicht gesprochen.
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  • Album:
    Gnadenweide | Pferdehimmel
    Hochgeladen von:
    sadasha
    Datum:
    4 Okt. 2016
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    Stute
    05. Juli | 11 Jahre
    Rasse Englisches Vollblut
    Stockmaß/Endmaß 172cm
    Fellfarbe Schwarzbraun
    Geno Ee ata

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    Charaktereigenschaften
    Ausdauernd, mutig, arbeitsfreudig, manchmal stur, nicht für Anfänger geeignet

    Vorgeschichte
    Lange Zeit lebte Blütenzauber auf dem Pineforest Stable von Occulta Smith, bis sie ein paar Kilometer weiter östlich zum Bear Brook EC kam.

    Beschreibung
    Blütenzauber ist eine schnelle und ausdauernde Stute, die hin und wieder ihren eigenen Kopf hat. Wenn sie merkt, dass ein Anfänger auf ihr reitet, nutzt sie dies gnadenlos aus und zeigt ihre wilde Seite.


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    Trainingsplan
    Eingeritten ✔ | Eingefahren x

    Schleifenaufstieg | Trainingsaufstieg | Potential
    Oben = Joelle Qualifikation | Unten = Variationen

    Dressur E A L

    Lektionen der Dressur: E A L LM LP

    Springen E A L M S

    Show Jumping: E A* A** L M* M** S* S** S*** S****

    Military E A

    Eventing (British Eventing, national): BE80(T)
    BE90 BE100

    Galopprennen E A L M S
    Ausgleichsrennen|Hindernisrennen: AIV AIII AII AI | AU AM AG
    Flachrennen: 800m 1000m 1250m 1500m 1750m 2000m 2250m 2500m 3000m 3400m


    Distanz E A L M S

    Distanzritte: EL EVG1 EVG2 EVG3 EVG4 CEN* CEN** CEN***


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    Offiziell
    71. SdMW
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    38. Synchronspringen | 223. Dressurturnier
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    Inoffiziell

    keine

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    Von unbekannt
    Aus der unbekannt

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    SK 415

    Eingetragene Zucht Bear Brook EC
    Züchter/Herkunft Pineforest Stable
    Besitzer sadasha (Hunter Crowley)
    VKR/Ersteller Occulta

    Nachkommen
    Efeumond von Ehrengold
    PFS' Blossom Magic von Stromer
    Merino von Ikarus
    PFS' Savory Blossom von Spotted Timeout


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    Letzter Tierarztbesuch unbekannt
    Gesamteindruck unbekannt


    Letzte Zahnpflege überfällig
    Letzte Wurmkur überfällig
    Letzte Impfung überfällig


    Letzter Hufschmiedbesuch unbekannt
    Ausgeschnitten/Korrigiert nein


    Beschlag vorne keiner
    Beschlag hinten keiner


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    PNG | Puzzel PNG | Offizieller Hintergrund