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sadasha

♚ Sunday Morning - Occulta

Decktaxe: 600 J.

♚ Sunday Morning - Occulta
sadasha, 29 Dez. 2018
Ezi, Cooper, Rinnaja und 4 anderen gefällt das.
    • sadasha

      Pflegebericht
      18. September 2012 | von Occulta

      Nachdem ich an Sunday's Ausbildungstag trotz meiner eigenen Ausbilderfähigkeiten nur wenig mitgespielt hatte und den anderen Ausbilder, Scenery, gespannt beobachtet hatte, machte ich mich nun wieder ein wenig selber an die weitere Ausbildung. Ich holte ihn von der Weide und wir machten ein kleines Fangspiel in der Halle. Er lief mir bedingungslos hinterher, obwohl ich kein Halfter dabei hatte. Ein echter Vertrauensbeweis, und das nach so kurzer Zeit! Ich übte verschiedene Bodenarbeit-Figuren wie Schulterwendungen und Traversalbewegungen mit ihm. Sogar ein paar Cavalettis übersprangen wir gemeinsam. Am Ende durfte er noch im Schatten der grossen Bäume hinter der Halle grasen, denn dort hatte es noch mehr Gras. Ich füllte inzwischen das Wasser und das Futter auf seiner Weide nach. Für nächste Woche nahm ich mir einen schönen langen Ausritt mit ihm vor.

      Pflegebericht
      01. Oktober 2012 | von Occulta
      Ankunft im neuen Stall II

      Endlich fuhren wir mit den restlichen Pferden auf den Hof. Es war schon spät am Nachmittag. Am Vortag hatten mein Mann und ich schon einige Pferde hergebracht, nun waren die Letzten auch da. Diesmal hatten wir noch Stromer, Sunday Morning, Co Pilot, Darling und Andersland dabei. Zuerst führte ich Stromer und Sunday in den Hauptstall. Die beiden hatten sich so gut miteinander angefreundet, dass ich sie beide gleichzeitig führen konnte. Unterwegs wieherte uns bereits frech Daki entgegen. Sunday hob den Kopf und wieherte zurück, Stromer hingegen blieb erst mal noch unsicher und sah andauernd unruhig umher. Klipp, klapp, klipp, klapp tönten die Hufe auf dem frischen Asphalt vor dem Hauptstall. Sunday schnupperte an den kleinen Zierbüschen im mittleren Rasenteil des Innenhofes. Ich führte die beiden durch die weit geöffneten Stalltore und zeigte ihnen ihre Boxen. Sie waren im Bereich für die Vollblüter am einen Ende des Stalles. Die Boxen waren bereits grosszügig mit neuer Einstreu befüllt und es duftete nach frischem Heu. Sunday machte sich sofort daran, die grünen Halme zu zermalmen, während Stromer immer noch leicht aufgeregt in seiner Box Runden drehte und immer wieder wieherte. Man sah deutlich, dass er neue ungewohnte Umgebungen nicht mochte. Als ich die Boxentüre öffnete, wollte er mir schon wieder entgegen springen und flüchten. Ich beschloss, ihn erst mal ein wenig auf dem Hof umher zu führen. Währenddessen brachte mein Mann auch Co Pilot, Andersland und Darling einer nach dem andern in den Hauptstall. Darling und Andersland kamen in den Bereich für besonders grosse Pferde, während Co Pilot im mittleren Bereich Platz fand. Er brachte ausserdem Bella vom neben- in den Hauptstall. Sie bekam die Box neben Pilot. So hatte jeder einen Kumpel neben sich. Währenddessen lief ich mit Stromer auf der Galoppbahn eine Runde, dann an den Weiden vorbei zur Rennbahn, in die Halle und wieder hinaus, auf den Aussenplatz und zum Longierzirkel. Sogar das Haupthaus zeigte ich ihm nochmal. Je mehr er sah, umso ruhiger wurde er. Ich vermutete, dass er nun beruhigt war, weil er seine Umgebung kannte und gleichzeitig sein neues Zuhause. Als ich ihn wieder neben Sunday in die Box führte, machte auch er sich endlich ans Fressen. Ich tätschelte noch einmal seinen Hals und flüsterte ihm ins Ohr: „Jetzt bist du wirklich zu Hause.“ Ich lief zur Kontrolle noch einmal durch den gesamten Haupt- und Nebenstall und stellte zufrieden fest, dass alle Pferde versorgt und glücklich waren. Am Nachmittag durften sie dann das erste Mal auf die frisch abgesteckten Weiden.

      Pflegebericht
      07. Oktober 2012 | von Occulta
      Tag der Auktion

      Als ich heute Morgen aufwachte, wunderte ich mich zunächst über die weisse Decke meines Zimmers. Mein Zimmer hat doch eine gelbe Decke! Dann fiel es mir wieder ein. Wir sind ja schon umgezogen! Sofort stand ich auf und öffnete das Fenster. Die Vögel zwitscherten vom Pinienwald her. Ein herrlicher morgen. Dann sah ich auf den Terminkalender neben meinem Bett. Der heutige Tag war rot umkreist und es stand ganz klein „Auktion“ darunter. Heute war die Vollblut Auktion, bei der ich mir erhoffte, ein paar zukünftige Renn- und Zuchtpferde zu kaufen. Wenige Minuten später hatte ich gefrühstückt und öffnete die Haustüre. Jack schlief noch – kein Wunder, die Auktion war erst am Nachmittag. Ich beschloss erstmal noch eine Runde Bodenarbeit mit Daki und Sunset zu machen. Da fiel mir plötzlich ein: heute um 11 Uhr würden ja noch die neuen Miniature Pferdchen kommen! Mein Mann hatte die beiden auf dem Weg zur Arbeit bei einer kleinen Privatzucht entdeckt und sich sofort in sie verliebt. Da wir ja nun mehr als genug Platz hatten, hatte ich zugestimmt die beiden zu übernehmen. Allerdings wollte mich mein Mann überraschen und hatte mir deshalb noch nicht verraten, wie sie aussahen. Wie auch immer; ich lief nun in den Nebenstall wo mich Daki schon ungeduldig begrüsste. Es war ein Ritual, dass sie jeden Morgen als erste raus durfte. Ich nahm ihre Halfter vom Haken der Boxentür und öffnete die Box. Sofort kam sie mir entgegen und prüfte, ob ich auch genügend „Proviant“ dabei hatte. Zufrieden schnaubte sie und ich zog ihr das Halfter über. Dann holte ich gleich noch Sunset aus der Nachbarsbox und band beide nebeneinander unter dem Vordach des Nebenstalls fest. Zuerst striegelte ich beide gründlich durch, dann ging ich mit der Glanzbürste über’s Fell, bis beide wiederschön glänzten. Schliesslich kratzte ich noch die kleinen Hüfchen aus und löste die Stricke wieder. Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass es schon viertel nach zehn war. Ich führte Daki und Sunny auf den grossen Aussenplatz. Dort begann ich ein paar Zirkus Lektionen mit ihnen zu üben. Eine halbe Stunde später war Miss Mini Daki fünf Mal abgehauen und auf die Galoppbahn gerannt, ich jeweils fluchend hinterher, Sunset hatte gelernt zu steigen, was sie nun jedes Mal tat, wenn ihr etwas nicht passte, und Daki hatte nun endgültig genug, weshalb ich sie beim letzten Ausflug in ihrer Box beim Heufressen fand. Nach diesem wunderbaren Durcheinander war ich völlig kaputt und wollte schon zurück ins Haus, als ein Anhänger auf den Parkplatz fuhr. Oh nein, noch zwei mehr von diesen Biestern! Ich lief auf den Mann zu, der gerade ausgestiegen war und die Rampe des Transporters öffnete. „Guten Tag, haben die beiden die Fahrt gut überstanden?“ Er grunzte nur ein knappes „Ja“ und führte die Minis die Rampe runter. Dann verabschiedete er sich wieder und fuhr davon. Ich betrachtete die beiden neugierig. Der eine war ein windfarbenes Hengstchen, die andere eine braune Stute. Beide liefen schön brav mit, als ich sie auf die Weiden führte. Das Hengstchen bekam eine eigene grosse Weide, das Stütchen stellte ich daneben, später holte ich dann Daki und Sunset dazu. Die Offenställe würden bald fertig sein; es fehlten nur noch ein paar Kleinigkeiten, doch die Pferdchen konnten bereits einziehen. Neugierig beschnupperten sie sich, und das Stütchen – Chocolate Chip war ihr Name – quieckte ab und zu aufgeregt. Auch mit Arctic Blue, dem Hengstchen mit den ausgesprochen guten Manieren, verstanden sie sich durch den Zaun super. Zufrieden lief ich zurück zum Haus.
      Nach dem Mittagessen fuhren mein Mann und ich zur Auktion. Es waren nicht so viele Leute da wie erwartet, was ein gutes Zeichen war, denn es handelte sich um eine sehr bekannte Veranstaltung. Wir Namen Platz auf der kleinen Tribüne in der Auktionshalle und warteten gespannt auf das erste Pferd. Bis zur Pause gefiel mir aber eigentlich kein Pferd so richtig. In der Pause selbst liefen wir ein wenig zwischen den parkenden Transportern umher und sahen uns die Pferde an. Ein fast gänzlich weisses Fohlen stach mir sofort ins Auge. Ich war fasziniert von seinem eleganten Körperbau, dem schneeweissen Fell und den kleinen schwarzen Punkten auf dem Kronrand der Hufe. Seine Augen blickten klar und freundlich, und es schien überhaupt nicht aufgeregt. Ich besprach mich kurz mit meinem Mann, dann stand fest: dieses Fohlen wollten wir kaufen. Zurück auf der Tribüne beobachteten wir eine Apfelschimmel Stute, die fast schon über den Hallenboden schwebte. „Nummer 17: Iskierka“. Alle schienen begeistert von ihr und es wurde ein Gebot nach dem anderen gemacht. Plötzlich ertönte das Geräusch eines Traktors hinter der Halle. Sofort stieg die Stute, schlug nach allen Richtungen aus, riss sich los und rannte quer durch die Halle. Der Führer lag am Boden und hielt sich mit vor Schmerz verzerrtem Gesicht das Bein und Iskierka wäre beinahe noch über ihn drüber gerannt. Ich hatte noch nie ein Pferd so toben sehen. Und ich war anscheinend nicht die einzige; fast sämtliche Bieter zogen ihre Gebote augenblicklich zurück und der Besitzer der Stute sah enttäuscht zu Boden. Anscheinend hatte er gehofft, sie würde sich ausnahmsweise benehmen. Ich wechselte einen kurzen Blick mit meinem Mann. Wir hatten beide gesehen, dass sie schwierig im Umgang war, jedoch auch, dass sie grosses Rennpotential hatte. Entschlossen hob ich die Hand und bot für sie. Es bot niemand sonst mehr mit, also bekamen wir sie für einen Schnäppchenpreis. Dann, drei Nummern weiter, kam der nächste unserer Favoriten: eine braune Stute namens Felicita. Auch sie schien etwas unsicher und zuckte einmal zusammen, als jemand seine Jacke auszog. Aber als es dann still in der Halle war, zeigte sie ausgezeichnete Gänge und folgte brav. Diesmal war es nicht so leicht mitzubieten, aber da wir Iskierka so günstig bekommen hatten, blieb uns mehr Geld zur Verfügung und so bekamen sie schlussendlich doch noch. Nun warteten wir nur noch auf das weisse Fohlen. Mein Herz machte einen Hüpfer, als sein Name verkündet wurde. A Winter’s Day – gar nicht so schlecht. Wir boten eifrig und bekamen dann endlich den Zuschlag. Nach der Auktion verluden wir die neuen Pferde. Iskierka wollte zuerst partout nicht einsteigen, deshalb luden wir zuerst die anderen ein, in der Hoffnung, dass sie es ihnen gleichtun würde. Winter stieg wie ein Musterknabe ein und auch Felicita folgte, jedoch etwas zögernd. Dann starteten wir einen neuen Versuch mit Iskierka. Es war deprimierend zu sehen, wie die schöne Stute stieg und austrat. Am Ende schafften wir es mit sehr viel Geduld, Ruhe und der Hilfe von 3 anderen Leuten, sie doch noch einzuladen. Dann fuhren wir endlich in den Stall zurück. Beim Aussteigen sprang Iskierka unkontrolliert aus dem Transporter, verletzte aber zum Glück niemanden. Ich führte sie, während mein Mann Felicita und das Fohlen führte. Ich hatte den ganzen Weg einen richtigen Kampf mit der Schimmelstute, denn sie versuchte immer wieder zu drängeln, zu steigen und sich loszureissen. Endlich in der Stallgasse angekommen stellte ich sie einige Boxen entfernt neben Stromer und Sunday. Wie erhofft beruhigte sie sich ein wenig, als Felicita in die Box neben sie gebracht wurde. Die Neuankömmlinge wurden von den anderen Pferden durch die Gitterstäbe hindurch aufmerksam beobachtet, und die Hengste waren natürlicherweise etwas aufgedrehter als sonst, aber das würde sich bald legen. Winter brachte ich zu den anderen Fohlen auf die Weide. Am Abend zählte ich meine blauen Flecken von Iskierka, war aber, wenn ich so darüber nachdachte, eigentlich doch glücklich sie vermutlich sogar gerettet zu haben. Wer weiss, was sonst mit der hübschen Stute passiert wäre?

      Pflegebericht
      09. November 2012 | von Occulta
      Ein typischer Arbeitstag

      Heute war wiedermal ein purer Arbeitstag: zuerst eilte ich zu den Weiden um bei Daki, Sunset und Chip um ihre Weideboxen auszumisten und Wasser und Raufutter nachzufüllen. Neben mir hüpfte meine neue Jack-Russel Hündin Jacky ungeduldig auf und ab. Ich hatte sie mit acht Wochen von der Züchterin abgeholt, was eher früh war, aber sie war jetzt mit 10 Wochen schon neugierig und in keiner Weise ängstlich. Sie hatte sich gut eingelebt und tapste mir brav hinterher. Allerdings hatte sie eine kurze Leine an, damit ich sie anbinden konnte, wenn ich zu den Pferden ging. Ich wollte ja nicht, dass sie getreten wurde. Die drei mini Stütchen bekamen noch etwas dünnere Decken, denn es war wieder etwas wärmer geworden (trotzdem wollte ich nicht, dass sie zu viel Fell bildeten). Als ich die Weide verliess, um zu den beiden mini Hengstchen zu gehen, wollte mir Daki schon hinterher laufen. Ich sagte amüsiert zu ihr: "Zu den Hengstchen kommst du besser nicht mit. Aber…" nach kurzem Zögern gab ich ihrem treuen Blick nach und öffnete das Weidetor so weit, dass nur sie hinausschlüpfen konnte. Ich wusste genau: Miss Mini Daki kam überall mit mir mit wie ein Hund. Auch ohne Seil. Und wenn sie abhauen würde, dann eh in die Futterkammer. Ich band Jacky vom Weidepfosten los und sie beschnupperte Daki sofort neugierig. Als ich zu den Hengstchen reinging, begann Daki entspannt aussen am Zaun zu grasen, während Jacky ihr zwischen den Beinen hindurch flitzte. Ich machte mir keine Sorgen um sie, weil Daki ja klein war und die Hufe vorsichtig aufsetzte. Ich kümmerte mich nun um Blue und Prinz. Die beiden hatten sich seit Prinz‘ Ankunft prächtig verstanden und dösten oft entspannt nebeneinander. Ich mistete zuerst wieder die Box und streute neues Stroh rein, dann legte ich noch einen Heuhaufen hin, weil Raufutter besser ist für die Zähne und füllte die beiden Wassereimer wieder auf. Jeder hatte einen eigenen, damit sie auch sicher genug hatten. Dann zog ich auch ihnen die leichteren Decken an und lief anschliessend zu den Fohlen. Die sahen, weil es Winteranfang war, besonders pelzig aus. Ich hatte ihnen zwar schon eine Decke angezogen, jedoch eine eher dünne. Schliesslich sollten sie auch etwas robust werden. Ich lief an Campina vorbei, die mir kurz darauf gelangweilt hinterher lief. Ich wusste, dass sie meine Anwesenheit immer mit Spannung und Abwechslung verbanden, aber heute mussten sie ausnahmsweise verzichten. Auch Flower lief mir hinterher und kniff mir spielerisch ins Hosenbein. Ich packte ihr Ohr um ihr zu signalisieren, dass ich in Ruhe gelassen werden wollte. Währenddessen spielte Jacky mit Fake und Kabuki. Auch Daki fand schnell jemanden zum Zanken: Flower, die sich wieder von mir entfernt hatte. Nur Winter stand etwas abseits und beobachtete die Anderen. Nach dem ich auch mit der Box der Fohlen fertig war, lief ich zu ihm und kraulte ihn ein wenig. Er taute sofort auf und begann mir frech in den Ärmel zu kneifen. Ich joggte etwas davon und forderte ihn auf, mir zu folgen. Nach einer Weile trabte und galoppierte er mir hinterher und auch Campina schloss sich uns an. Aber ich musste bald weiter und mich auch noch um die Anderen kümmern. Deshalb verliess ich die Weide und lief mit Jacky und Miss Mini Daki zum Nebenstall. Daki Blieb bei Goia stehen und leistete ihr etwas Gesellschaft, während ich bei der neuen Criollo-Stute Moon Kiddy anfing. Ich hatte sie, Goia, Flint, Summer, Pilot und Love in den Nebenstall umgesiedelt, damit der Hauptstall nun vollkommen für die Vollblüter genutzt werden konnte. Als ich in allen Nebenstallboxen die Einstreu gewechselt und frisches Heu hingelegt hatte, rief ich Daki und lief die kurze Strecke zum Hauptstall. Neugierig erkundeten Daki und Jacky das Gebäude, während ich mich der Reihe nach um Stromer, Sunday, Light und Spot kümmerte. Spot und Light waren ebenfalls neu. Nach ihrer Ankunft hatte ich beschlossen, dass die Stuten im südlichen Teil des Hauptstalles und die Hengste im nördlichen stehen sollten. Als ich mit den Hengsten fertig war, lief ich zu den Stuten wo Daki und Jacky schon warteten und mit Felicita schmusten. Iskierka, die kleine Diva, war etwas speziell und fand Daki anscheinend nicht besonders anziehend. Auch vor Jacky hatte sie eher Angst, weil ihr das kleine, wilde, bällende Ding nicht geheuer war. Ich mistete die Box des Sensibelchens und befasste mich zu guter Letzt mit Felicita. Am Nachmittag durften alle Pferde auf die Weiden.

      Pflegebericht
      25. Dezember 2012 | von Occulta
      Ausritt mit Sunday Morning

      Der Wecker klingelte und ein Blick in seine Richtung verriet, dass es halb fünf morgens war. Ich stand mühsam auf, unterdrückte ein Gähnen und zupfte die Bettdecke zurecht. Um meinen Mann nicht zu wecken, schlich ich aus dem Zimmer. Ich hatte mir vorgenommen heute so früh aufzustehen, weil ich heute besonders viel zu tun hatte. Erstmal machte ich mir aber eine heisse Schokolade und ass ein Müsli. Kurz darauf stand ich angezogen und bereit auf dem Kiesweg zum Hauptstall. Die Pferde schnaubten und röchelten mir bereits entgegen. Ich streichelte ein paar von ihnen durch die Stäbe, dann lief ich weiter zur Sattelkammer in der einen Ecke des Stalls. Ich schnappte mir das Putzzeug von Sunday und seinen Zaum und lief zu seiner Box. Auch er hatte mich vorhin schon gesehen und begrüsste mich freudig, wobei er einen Seitenblick zu Stromer wagte, der fast aussah wie ein triumphierendes "ha! Ich hab doch gewusst, sie kommt zu mir!" Ich gab ihm ein Karottenstück als Begrüssung und, weil ich Stromer nicht eifersüchtig machen wollte, diesem ebenfalls eins. Danach zog ich Sunday die Halfter über und führte ihn in die Stallgasse, wo ich ihn anband. Ich putzte ihn gründlich, besonders die Sattellage. Dann machte ich noch ein kleines Bisschen Glanzspray in sein Langhaar. Anschliessend schnappte ich mir seine Abschwitzdecke und zäumte ihn. Ich führte ihn nach Draussen zu einem Kessel den ich umdrehte. Ich stand darauf und zog mich so auf seinen blanken Rücken. Danach legte ich ihm die decke auf seiner Kruppe zurecht und schlang sie um meine Beine, so dass ich schön warm hatte. Ich liebte es einfach ohne Sattel zu reiten und tat dies mindestens einmal in der Woche. Ich ritt den Kiesweg hinunter in Richtung Weiden, wo ich auf den Holzschnitzelweg abbog der in den Wald führte. Wir kreutzten die Galoppbahn. Nun, da wir an den grossen Tannen vorbei waren, sah man die wundervolle Winterlandschaft, die noch dick im Nebel eingehüllt war. Alles schien zu schlafen, Sundays Tritte waren das einzige Geräusch weit und breit. Ich ritt eine weile am Waldrand dann bogen wir in den lichten Pinienwald ab. Wir liefen eine weile auf dem mit Nadeln und wenig Schnee bedeckten Waldboden, dann kamen wir auf einen der Sandwege. Ich trabte Sunday an und wir ritten im gemütlichen Tempo den Weg entlang. Ab und zu kam eine Wurzel, bei der er die Beine etwas höher heben musste. Das war gut für die Trittsicherheit. Nach einer Biegung wurde der Weg breiter; hier galoppierten wir an. Sunday war sofort im Galopp, noch bevor ich das Zeichen gab. Aber ich liess ihn machen. Wir jagten über den Sandboden und das rythmische, dumpfe Aufschlagen seiner Hufe gab den Takt seiner Geschwindigkeit an. Manchmal bremste ich ihn, manchmal erhöhte ich das Tempo, als Übung für die Rennbahn. Er wurde langsamer als viele Wurzeln kamen. Ich liess ihn in den Trab übergehen und wir trabten so bis wir wieder aus dem Wald kamen. Dort begann das Galoppfeld, wie wir es nannten. Eine grosse schneise im Wald, wo Wiese war und man super galoppieren konnte. Manchmal trainierten wir hier auch. Ich hielt ihn noch zurück, denn er wollte bereits wieder losrasen. Ungeduldig tänzelte er im Schnee. Dann gab ich nach und er stiess kraftvoll ab. Im Renngalopp jagten wir einen Pfed hinunter, der sich durch Wanderer und Reiter gebildet hatte. Ich genoss die kühle Morgenluft und bremste erst wieder, als der Stall hinter uns weit weg war. Dann drehte ich Sunday und liess ihn den Weg zurück bergauf traben. Das war gut für die Hinterhandmuskulatur. Auch wenn das Feld nich steil war, war dies dennoch anstrengender für ihn als sonst. Oben angekommen lobte ich ihn ausgebig und liess ihn im Schritt zurück zum Stall laufen. Unterwegs liess ich ihn dehnen. Wieder im Stall putzte ich ihn und wusch ihm die Beine ab. Es war nun schon heller Draussen und die sonne begann durch den Nebel zu dringen. Ich brachte Sunday zurück in den stall und gab ihm seine verdiente Ration Karotten.

      Pflegebericht
      05. März 2013 | von Occulta
      Alltag auf Pineforest Stable

      Wie jeden Samstag stand ich früh auf und schlang mein Müsli runter, bevor ich dann in den Hauptstall lief und den Stallburschen beim Füttern half. Alle Pferde warteten schon ungeduldig und besonders Spot klopfte mit dem Huf gegen die Boxentür. Er bekam deshalb als Letzter sein Futter. Die Vollblüter im Hauptstall bekamen eine spezielle Futtermischung, die ihnen die nötigen Vitamine und Mineralstoffe für ihre Rennleistungen brachte. Diese Futtermischung schmeckte wohl auch besonders gut, denn wenn Pferde, die aus irgendeinem Grund gerade nicht im Rennsport tätig waren, stattdessen normales Futter, wie das der Nebenstall-Pferde bekamen, assen sie deutlich weniger und langsamer. Auch im Nebenstall wurde die Schubkarre mit dem Futter schon freudig erwartet und viele der Pferde "röchelten" aufgeregt. Anschliessend brachten wir den Pferden auf den Weiden ihre Heu und Stroh Portionen, denn die bekamen wenn überhaupt nur wenig Getreidefutter. Es war schon recht warm an diesem Morgen und der Schnee war fast gänzlich geschmolzen. An manchen Stellen tauchten erste Frühlingsblumen auf und die Gräser begannen sich wieder aufzurichten. Auch die Luft roch nach Frühling und man hörte überall Vögel zwitschern. Da der geschmolzene Schnee die Weiden matschig werden liess, wurden Teile der Weiden zur Schonung des frischen Grases abgetrennt. Die Mini-Pferdchen waren immer süss anzusehen, wenn sie angerannt kamen, sobald der Futterwagen in Sicht war. Arco wieherte schon aufgeregt als wir die Weide betraten. Anschliessend liessen wir erstmal alle Pferde in Ruhe fressen, dann lief ich erneut zur Mini-Pferdchen Weide. Um neun Uhr kamen dann ein paar Kinder, die regelmässig am Wochenende mit den Mini-Pferdchen spielten und sie putzten. Ich blieb zuerst wie immer etwas dabei und half mit. Unsere Minis waren zwar allesamt super lieb im Umgang und sehr menschenbezogen, aber kommunizierten natürlich auch untereinander als Herde und dabei gab es öfter mal kleine Zankereien. Daki’s Nüstern durchstöberten schon wieder meine Hosentaschen nach Leckerlies und Chip versuchte gerade Goldy in den Hintern zu beissen. Ich packte sie am Ohr und ermahnte sie, denn solange die Kinder anwesend waren, hatte sie sich gefälligst zu benehmen. Arco und Prinz wurden separat geputzt, weil sie ja Hengstchen waren. Besonders an Diva’s knallrotem, flauschigen Winterfell hatten die Kids Freude. Die Minis sahen allgemein wie kleine Plüschkugeln aus. Bei Prinz kam man kaum noch durch den dichten Schweif; ein Frisör-Termin stand für alle an. Später am Morgen arbeitete ich mit Light und Stromer auf der Rennbahn, während mein Mann Spot und Sunday bewegte. Auch Felicita und Iskierka waren trainiert worden, allerdings schon am frühen Morgen. Am Mittag ritten ich und mein Mann gemeinsam mit Ronja und Burggraf aus. Der Boden war auf den Feldwegen recht gut, sodass wir auch viel galoppieren konnten. Auf den Feldern war es dafür allerdings zu matschig. Auf dem kleinen Gelände-Parcours in der Mitte der Rennbahn trainierten wir anschliessend noch etwas für die kommenden Distanzprüfungen. Beim Mittagessen liessen wir uns etwas mehr Zeit. Wir assen wie eigentlich immer mit allen Lehrlingen und Stallhelfern gemeinsam im Restaurant in der Halle. Dort wurde über den Tagesplan und die bereits verrichteten Arbeiten geredet, oder auch über allerlei sonstige Themen.
      Danach ritt ich mit Julia und Jonny, zwei der Helfer, auf den Aussenreitplatz. Ich ritt auf Flint, Julia auf Shadow und Jonny auf Summer. Wir stellten ein paar Stangen auf und bereiteten einen kleinen Western-Parcours auf. Während 45 Minuten trainierten wir diverse Bahnfiguren, Stops, Spins und vieles mehr. Flint war langsam richtig gut im Stoppen, er reagierte auf die feinsten Gewichtshilfen. Auch Summer machte gute Fortschritte, sie hatte allerdings ordentlich Winterfell, was das Westernpferde-Image ein wenig verfälschte. Sie sah lustig aus, wie sie mit all dem Teddy-Fell umher galoppierte. Shadow hingegen hatte sehr feines Fell und fror schnell, wenn sie gerade nicht bewegt wurde. Etwa um 3 Uhr nachmittags ritt ich mit Pilot in der Springstunde mit, die immer Samstags auch offen für Leute aus der Nachbarschaft war. Es kamen oft andere Leute mit ihren Pferden um in der grossen Halle zu trainieren. Einer der Helfer, Freddy, ritt mit Costa mit. Wir machten wieder mal Witze und lachten viel, alle waren fröhlich aufgelegt weil der Frühling kam. Nach der Springstunde ritt ich Peace, den ich ebenfalls noch nicht lange hatte. Er war noch sehr schreckhaft und unkonzentriert, was das Training zur Herausforderung machte, allerdings war bereits eine deutliche Besserung bemerkbar. Trotzdem erschreckte er sich vor einer Taube, die vor seiner Nase durch die Halle flog. Der kräftige Dreijährige bockte mich beinahe runter. Als ich ihn wieder beruhigt hatte, war er dann auch ganz schön verschwitzt, obwohl er geschoren war. Ich beschloss noch ein wenig mit ihm Seitengänge zu üben, zum Abkühlen ritt ich ihn dann noch eine Runde auf der Galoppbahn im Schritt. Nun war ein wenig Spass und Abwechslung mit den Criollos geplant: Ich sattelte Moon, nachdem ich Peace zurück in die Box gebracht hatte, und mein Mann holte Feline. Moon zappelte ungeduldig während wir auf Feline und meinen Mann warteten. Als er endlich kam stiegen wir vor dem Nebenstall auf und ritten zur Galoppbahn. Dort wärmten wir die beiden erstmal im Schritt ein. Anschliessend trabten wir an und machten einige Tempowechsel. Auch Schulterherein übten wir ein wenig. Schliesslich galoppierten wir auch. Nun da es schon fast 6 Uhr war kam starker Wind auf und fegte durch die Tannen des Galoppweges. Es war aber trotzdem noch recht warm und die Abendstimmung mit dem rötlich gefärbten Himmel war wunderschön. Wir beschlossen ein kleines Rennen zu machen. Zuerst ritten wir zur Begrenzung der Rennbahn und zogen den Pferden die Sättel aus. Wir legten sie über den Zaun, dann stiegen wir wieder auf und begaben uns auf die Startposition. Auf sein Zeichen hin preschten wir los. Es war ein herrliches Gefühl gegen den Wind zu galoppieren und die Tannen links und rechts vorbeifliegen zu sehen. Am Anfang lag mein Mann in Führung, dann holten Moon und ich aber auf. Nach der halben Runde waren wir Kopf an Kopf, aber Moon wurde langsam etwas müde. Deshalb verloren wir am Ende knapp. Aber das machte nichts, schliesslich war es ein Spass-Rennen. Wir holten die Sättel wieder und versorgten Moon und Feline. Danach ging ich mit Bella in die Halle und mein Mann mit Sparrow ins Gelände. Ich arbeitete mit Bella an der Losgelassenheit und der Balance, dazu liess ich sie auch über Stangen traben. Um 9 Uhr abends lief ich dann erschöpft zum Haus zurück um das Abendessen zu geniessen. Danach schauten mein Mann und ich einen Horror-Film bevor wir um 11 Uhr nochmals zur Kontrolle durch die Stallgassen liefen. Alles war ruhig und viele Pferde schliefen schon. Pilot röchelte mir zu, als ich an seiner Box vorbei lief. Ich ging ein wenig zu ihm in die Box und kraulte ihn an der Stirn. Dann ging ich ins Bett, voller Vorfreude auf den nächsten Tag.

      Pflegebericht
      14. September 2013 | von Occulta
      Ein kleiner Spätsommerausflug

      Es war ein kühler Morgen, aber die ersten Sonnenstrahlen tauchten bereits hinter den Pinien in der Ferne auf. Ich war gerade auf dem Weg zum Parkplatz, um dort das Transportfahrzeug, ein Miet-Camion, für den Ausflug bereitzumachen: wir hatten vor, nach Waterloo (in der Nähe von Liverpool) an den Strand zu fahren und dort baden zu gehen. Ich brachte ein paar Bürsten und Heu, sowie Zaumzeuge verschiedener Art in die kleine Seitenkammer für das Zubehör. Wir konnten maximal 6 Pferde mitnehmen, waren uns aber noch nicht ganz einig welche. Als ich die Ausrüstung vorbereitet hatte, lief ich zum Nebenstall, wo sich Quinn, Lewis, Jonas, Lisa und mein Mann bereits versammelt hatten. „So, habt ihr euch schon entschieden, wen ihr mitnehmt?“ Die meisten nickten, nur Lisa schien unentschlossen. Mein Mann erklärte kurz: „Quinn nimmt Summer, Lewis möchte gerne Islah, Jonas schnappt sich Blüte. Lisa kann sich nicht entscheiden zwischen Peace und Dream…“ „Lisa, nimm doch Dream, mit der verstehst du dich sicher gut und sie ist nicht so gross, du bist dir ja eher kleine Pferde gewöhnt.“, schlug ich vor. Sie nickte zustimmend. „Und wen nimmst du Jack?“, fragte ich meinen Mann. „Shadow, die mag Wasser ja so gerne und dann fühlt sich Summer auch wohler.“ Die Westernpferde wurden meistens zusammen trainiert und waren zusammen deutlich ruhiger. „Gut, dann nehme ich Gray.“ Sagte ich, anschliessend holten wir die Pferde. Summer war etwas irritiert durch die Transportgamaschen, sie war noch nicht oft gereist. Islah machte wiedermal ihren Trippelschritt, denn auf dem Weg zum Parkplatz stiess Lewis ausversehen einen Eimer an, der laut scheppernd vor dem Nebenstall umfiel. Da die Stute sehr Lärmempfindlich war, hatte er seine liebe Mühe sie zu halten. Er fluchte gut hörbar, beruhigte sich aber schnell und lief zielgerichtet weiter. Islah tänzelte zwar noch etwas, aber liess sich führen. Blütenzauber und die restlichen liefen schön brav mit. Wir fuhren los, als alle eingestiegen waren. Jack kannte die Route, weshalb wir kein Navi brauchten. Die Fahrt war schnell vorbei, und Waterloo kam in Sicht. Wir hatten unterwegs gefrühstückt, die Pferde genossen ihr Heu. Wir parkierten auf einem kleinen Parkplatz in der Nähe des Strandes und luden alle aus. Summer war etwas aufgeregt, sie blähte die Nüstern und hatte die Augen weit aufgerissen als sie rückwärts raus lief. Aber das hatte ich schon erwartet, denn die Stute mochte fremde Gegenden nicht wirklich. Sobald Shadow ganz relaxt ausgestiegen war, beruhigte sie sich aber doch ein wenig. Wir hörten ein paar Möwen schreien, und die Luft war feucht und salzig. Ich cremte mich kurz ein; als Rothaarige verbrannte man sich nunmal schnell. Auch Lewis musste aufpassen, seine Haare waren ja noch feuriger. Ich zäumte Gray mit einem einfachen Mexikanischen Zaum, zog das T-Shirt und die kurzen Hosen aus, denn ich hatte wie die anderen die Badekleider schon darunter an, und führte sie ein wenig abseits zu einem Grasstreifen, damit sie noch ein wenig fressen konnte, bis die anderen fertig waren. Es dauerte aber nicht lange, und schon machten wir uns auf den Weg zum Wasser. Die Sonne brannte schon jetzt auf meine Schultern. Vor mir lief Quinn barfuss und genoss den warmen Sand. Ich hatte noch meine Sandalen an, die ich später ausziehen wollte. Vorne beim Wasser half ich Quinn beim Aufsteigen und schwang mich dann selber auf den blanken Rücken von Gray. Fast wäre ich wieder heruntergerutscht, aber ich klammerte mich an der Mähe fest und schaffte es, mich hochzuziehen. Ich strich mir die von der feuchten Luft gekräuselten Haare aus dem Gesicht und tätschelte Grays Hals. Noch bevor alle oben waren, trabte Islah plötzlich an und wollte Richtung Parkplatz flüchten. Offensichtlich mochte sie das laute Rauschen der Wellen nicht. Auch Summer begann etwas zu tänzeln, aber Quinn hatte auf ihrem breiten Rücken guten Halt und nahm sie ihn einen kleinen Kreis, um sie zum Stehen zu bringen. Schliesslich schaffte es auch Jonas, sich auf Blütes Rücken zu schwingen. „Antraben?“, fragte Jack hoffnungsvoll. Ich blickte zu Lewis, der immer noch Islah in schach hielt. „Schon okay, ich bin froh, wenn ich die Zicke müde machen kann.“, rief er mir zu. Ich nickte und folgte Jonas im Trab, der vorausritt. Neben mir holte Quinn auf und sah fröhlich umher. Unter mir spannte sich Gray, sie war wie ein kleines Gummibällchen, schön locker und im Spicktrab hüpfte sie durch den Sand. Ich fühlte jede Bewegung der kräftigen Muskeln, die schön rhythmisch angespannt wurden. Islah lief zügig vorwärts, aber Lewis hielt die Araber-Pinto Stute schön zurück. Dennoch trug sie den Schweif aufgeregt hoch. Als Jonas Blüte angaloppierte, schoss Islah plötzlich buckelnd nach vorne und Lewis klammerte sich an ihren Hals. Er schafte es sich im Renngalopp zurück in den Sattel zu retten und zügelte die Stute ein wenig, bis wir aufgeholt hatten. "Alles okay?", fragte ich besorgt, er hatte ein vor Anstrengung rotes Gesicht und schnaufte fast so wie Islah. Aber er nickte und meinte mit ironischem Unterton: "Na klar, ist denn was passiert?" Dann grinste er und legte ein wenig zu im Galopp. Wir flogen eine Weile über den Sand, ab und zu steuerte ich auch ein Stück ins Wasser, wobei dieses bei jedem Galoppsprung bis zum Sattel hochspritzte. Gray schüttelte kurz den Kopf, weil ihr etwas Salzwasser ins Ohr gespritzt war, dann streckte sie sich und wir überholten Islah. Als der Strand wieder schmaler wurde und weiter vorne Kieselsteine in Sicht kamen, bremsten wir ab. "Das war toll!", rief Lisa aus. Dreamy war ganz nass, weil sie fast die ganze Zeit durch die heranschwappenden Wellen geritten war. "Au ja! Gehen wir jetzt noch richtig ins Wasser? Summer hat sich bisher noch nicht so getraut...", fragte Quinn hoffnungsvoll. Wir diskutierten kurz, wobei wir uns eigentlich sowieso einig waren: ab ins Wasser! Dann ritt ich mit Gray vorsichtig voraus. Wir achteten darauf, dass es keine Felsen unterwasser hatte und wateten bald schon Bauchtief im Wasser. Weiter gingen wir aber nicht, da die Pferde die Wellen nicht gewöhnt waren. Dream hielt den Kopf ganz hoch, um ja kein Wasser in die Nüstern zu bekommen. Sie war schliesslich auch die Kleinste. Gray scharrte ein wenig mit den Hufen im Sand. Wir ritten langsam schräg zum Strand zurück. Als der Boden anstieg und das Wasser flacher wurde, lief Gray wieder etwas schneller. Schliesslich verliessen wir das Wasser ganz und die Hufe der Pferde wurden nur noch von den sanften Wellen umspühlt. So ritten wir unter dem tosenden Wellengeräusch noch eine Weile weiter, zurück in Richtung Parkplatz. Dort banden wir die Pferde an einem alten Holzzaun an, lange genug, dass die grasen konnten. In der Zwischenzeit gingen wir Zweibeiner nochmal zum Wasser und badeten. Das Wasser war ziemlich kalt, schliesslich waren wir ja nicht in Spanien, sondern in England. Aber nach einer kurzen Überwindungszeit und nachdem Jack schonmal alle nassgespritzt hatte, waren alle im Meerwasser. Ich liess mich von den mässig hohen Wellen tragen und beobachtete, wie Lewis und Quinn sich nass spritzten. Aber spätestens als ich auch etwas abbekam, stürtze ich mich auf sie. Am Ende liessen wir uns wieder müde treiben. Als eine unerwartet grosse Welle kam wurde ich vor schreck kurz untergetaucht. "Woa, die war riesig!", rief Jonas aus. Ich stimmte zu und beobachtete, wie die Welle an den Strand rollte. Nach etwa einer Stunde liessen wir uns schliesslich müde in den Sand fallen und sonnten noch ein wenig. Es war immernoch recht kühl, aber die direkten Sonnenstrahlen wärmten mich. Ausserdem kam Jack schon wieder angeschlichen und umarmte mich. Nach einer weiteren halben Stunde stiess ich ihn spielerisch beiseite und stand auf. "Ich denke, wir sollten uns langsam etwas zu Essen suchen. Ich hab ordentlich Hunger.", schlug ich vor. Die anderen stimmten zu und wir ernannten Jonas zum Aufpasser. Einer sollte schliesslich bei den Pferden bleiben. Wir anderen machten uns auf in Richtung Stadt. Wir wurden schnell fündig und kauften in einem kleinen Supermarkt Zutaten für ein anständiges Sandwich. Ausserdem noch eine Wassermelone und genügend Getränke für alle. Zurück beim Parkplatz hatte es sogar Campingtische, an die wir uns setzten. Nach dem jeder sein eigenes Sandwich gamacht und gegessen hatte, teilten wir uns noch die Melone. Als alle satt waren und noch Melone übrig war, schnappten wir uns je ein Stück und gaben es den Pferden. Blüte schmazte gleich drauf los, Summer schnupperte zuerst daran und schleckte dann vorsichtig etwas dran rum, Shadow mochte ihr Stück nicht und Islah schnappte es sich liebend gerne auch noch. Gray war am Anfang auch etwas skeptisch, nahm ihr Stück dann aber mit Begeisterung. Danach verluden wir die Pferde auch schon wieder und machten uns auf den Heimweg. Zuhause durften die Sechs dann noch zu den anderen Stuten auf die Weide.
      Anschliessend trainierte ich Stromer, Winter und Paint, die übrigens ihre erste Körung gleich gewonnen hatte. Ich war unheimlich stolz auf sie. Mein Mann, Lily und Oliver trainierten mit mir, sie nahmen dabei nacheinander Spot, Sunday und Felicita; Iskierka und Light; Und Crack und Pina. Wir absolvierten ein paar Trainingsrennen und übten saubere Starts aus den Startboxen. Danach liessen wir sie austraben und brachten sie auf die Weiden, damit sie den Abend noch draussen geniessen konnten. Schliesslich war es bald Winter und dann würden sie früher in den Stall zurück müssen. Ich mochte den Winter trotzdem und freute mich schon auf den flockigen weissen Schnee und die Eiszapfen an den Dächern. Aber nun beobachtete ich erstmal noch die Stuten auf der Weide, mit einem Wassereis in der Hand und im schönen Schein der untergehenden Sonne.

      Pflegebericht
      12. Januar 2014 | von Occulta
      Neujahrsturnier in Worcestershire

      Heute wurde ich von Jacky geweckt. Ja, Jacky, die kleine, freche Jack Russel-Terrier Hündin die sonst mein Leben angenehm versüsste sprang mit einem riesen Satz auf mein Bett und schleckte mir das Gesicht ab. Ich schlug entsetzt die Augen auf und schubste sie runter. Dann blinzelte ich verschlafen aus dem Fenster um zu sehen, wie spät es war. Ich hatte offenbar verschlafen, denn die Sonne stand schon hoch am Himmel. Sofort sprang ich auf und lief die Treppe runter in die Küche. Jack war nirgends zusehen, also ass ich ein Stück Brot und lief anschliessend zum Nebenstall, wo ich Ajith traf. Er war gerade damit beschäftigt, die Boxen auszumisten. “Good morning, have you seen Jack?“ “Yes, he disappeared in the Main Stable half an hour ago.“ Ich bedankte mich für die Auskunft und betrat den Hauptstall. Drinnen duftete es nach frischem Heu und die Pferde waren beschäftigt mit dem Sortieren der Halme. Ich entdeckte Jack beim Putzen von Gleam und Spot. „Ahh da bist du. Warum hast du mich nicht geweckt?“ „Du hast so schön geschlafen, da wollt ich dich doch nicht aus deinen Träumen reissen.“, grinste er als Antwort. Ich gab ihm einen Klaps auf die Schulter und schnappte mir die Bürste von Spot. Jacky, die mir die ganze Zeit hinterher trottete legte sich vor eine der Boxen und döste ein wenig. „Was machen wir heute?“ „Wir gehen auf Turnier, schon vergessen?“ Ich starrte ihn an, dann fiel es mir wieder ein. Wir hatten vor am Nachmittag zum Neujahrsturnier vom Gracelandsequestriancentre in Worcestershire zu gehen. Es war nicht weit entfernt vom Hof und wir kannten die Besitzer sehr gut. „Welche Pferde hast du gemeldet?“, fragte ich und versuchte, Spot einen Schmutzfleck auszubürsten. „Kierka, Stromer, Sunday und Feli“ Ich nickte einverstanden und legte die Bürste erfolglos weg um ihm nun die Hufe auszukratzen. Er wollte den rechten Hinterhuf jedoch mal wieder nicht heben. Schliesslich schaffte ich es aber doch noch, indem ich mich gegen den Junghengst lehnte. Als ich ihn nach draussen führte spielte er gelangweilt mit der Oberlippe. „Du musst gar nicht so tun Spot, ich weiss dass du aufgeregt bist weil wir auf die Bahn gehen!“ meinte ich, ihm tief in die frechen Augen blickend. Er hörte auf und ich stieg auf. Als Jack ebenfalls oben war, ritten wir gemeinsam auf die Rennbahn. Wir trabten, dort angekommen, auch gleich an, denn die Pferde waren durch die kurze Strecke bereits aufgewärmt. Spot zog wiedermal ziemlich an den Zügeln und ich musste ein paar Paraden geben damit er nicht einfach davonflitzte. Light nebendran schien hingegen schön ruhig und noch etwas verschlafen. Nach zwei ganzen Runden auf beide Seiten gab ich Jack ein Handzeichen zum angaloppieren. Wir galoppierten eine halbe Runde bevor wir dann in der Kurve die Zügel etwas freigaben. Sofort machte Spot ein paar grosse Galoppsprünge und war vorne. Doch in diesem Moment war Light aufgewacht und holte schnell auf. Der feurige Hengst hatte den Blick straight forward gerichtet und überholte Spot mühelos. Jack schien Mühe zu haben ihn zu bremsen, schaffte es dann aber ihn kontrolliert laufen zu lassen. Er senkte dazu die Hände und stützte sie auf den Hals von Light, sodass dieser quasi gegen seinen eigenen Hals zog. Wir galoppierten eine ¾ Runde in hohem Tempo und bremsten dann ab. Light war zwar noch immer am tänzeln als ich mit Spot näherkam, aber er war tatsächlich im trab. “Woa, that was great!“, lachte Jack nur und tätschelte dem Hengst auf den verschwitzten Hals. „Ja, aber wir müssen aufpassen, dass er sich nicht überarbeitet.“ Er nickte und parierte ihn in den Schritt. Auch Spot bremste und streckte den Kopf nach unten sobald ich die Zügel lockerer liess. Ich lobte ihn und wir liessen die beiden noch eine Weile im schritt gehen, dann wechselten wir auf die Galoppbahn zum Ausdauertraining. Wir liessen sie dort langsam galoppieren und machten immerwieder Trabpausen, dafür zwei ganze Runden lang. Als wir fertig waren dampften die beiden förmlich, also legten wir ihnen im Stall direkt eine Abschwitzdecke an. Es war zwar nicht mehr ganz so kalt, aber wir wollten kein Risiko eingehen. Kaum waren sie wieder zufrieden in der Box holten Jack und ich auch schon die nächsten beiden, Crack und Pina.
      Besonders mit Pina mussten wir die Starts noch üben, da die junge Stute noch unerfahren mit den Startboxen war. Wir ritten also nach dem Putzen direkt zu den Startmaschinen und liessen uns von Lewis, der kurz Zeit hatte, hineinführen. Ich hatte Pina und Jack nahm Crack. Zusätzlich begleiteten uns Lily mit Winter und Oliver mit Gray. Pina war wie erwartet unruhig und legte die Ohren angespannt zurück. Winter hingegen kaute entspannt auf der Trense und Gray schaute abgelenkt in der Gegend herum. Crack schien ebenfalls gelassen, um sie genauer zu beobachten hatte ich aber keine Zeit, denn schon wurde die letzte Türe geschlossen und Lewis öffnete die Vordertüren – los ging’s. Jedoch nur im Trab und nicht für lange, schon nach ein paar hundert Metern bremsten wir ab und widerholten das Ganze. So brachten wir den Pferden bei, beim Start kontrollierbar zu bleiben. Nach dem dritten Versuch trabten wir weiter und galoppierten dann nach einer Runde locker an. Die ganze Gruppe bewegte sich schön taktvoll und locker. Nach einer weiteren halben Runde parierten wir durch und machten eine Trabpause, danach wechselten wir die Seite und galoppierten erneut an, diesmal beschleunigten wir. Wir versuchten jedoch erstmal noch den Platz in der Gruppe zu halten, ehe wir sie dann richtig gehen liessen. Ich hielt Pina mit Winter Kopf an Kopf um ihren Kämpfergeist zu wecken, während Crack und Gray sich weiter hinten massen. Pina hielt sich gut neben dem schneeweissen Hengst und wir absolvierten ein konzentriertes, wundervolles Training. Danach liessen wir alle vier austraben und brachten die drei Damen nach dem Absatteln auf die Weide, Winter ebenfalls aber etwas entfernt und mit Light und Spot. Als wir alles verräumt hatten, assen wir zu Mittag.
      Am Nachmittag verluden wir Stromer, Sunday, Kierka und Feli in den Camion. Kierka machte natürlich wie immer ein riesen Theater und wir hatten fast zehn Minuten bis sie drin war, aber wir schafften es immerhin zu zweit und ganz ohne Hilfsmittel. Die anderen machten keine Probleme. Lisa und Elliot kamen auch mit, es war aber noch unklar welches Pferd von wem geritten werden würde. Schon eine halbe Stunde später waren wir auf dem Hof angekommen, hatten die Pferde ausgeladen und angebunden. Wir putzten sie noch vor Ort, denn sie waren nicht sehr dreckig da wir sie am Vortag bereits geputzt hatten. Ich erlas noch das letzte Stroh aus Kierkas Schweif, dann konnten wir Satteln. „Wer nimmt den jetzt wen?“ Fragte ich ungeduldig, während ich den Sattel hochhievte. „Occu, du kümmerst dich doch grad so toll um Kierka, da könntest du doch sicher…“ Weiter kam Lisa gar nicht, denn ich hatte schon entschieden den Kopf geschüttelt. „Vergiss den Fisch, ich will endlich wiedermal Stromer, du kannst dich mit der Zicke herumschlagen.“ Wir lachten alle und Lisa nickte augenrollend. Jack rief in die Runde: „Ich nehm Sunday, wir verstehen uns ja so gut.“ Elliot war mit Felicita total zufrieden, also war auch das endlich geklärt. Wir führten die Pferde zum Abreitpaltz und stiegen auf. Das Neujahrturnier war etwas speziell: Ein Springturnier kombiniert mit Dressurübungen. Ich war gleich als erste dran, was die Aufgabe nicht gerade erleichterte. Stromer verhielt sich ein wenig unruhig, was nicht ungewöhnlich für den Hengst war, hatte er doch so einige schlechte Erfahrungen gemacht. Ich kraulte ihm den Hals und zeigte ihm die Sprünge, dann durfte ich anfangen. Ich galoppierte an und ritt auf den ersten Sprung zu. Es war ein Steilsprung, 1m hoch und blau-gelb. Stromer überwand ihn ohne Schwierigkeiten. Nun mussten wir vor dem nächsten Sprung aus dem Trab korrekt anhalten. Auch das war kein Problem, wenn ich auch Mühe hatte den fleissigen Hengst zu bremsen. Der nächste Sprung war ein kleiner Oxer. Danach mussten wir im Trab bei A abwenden und Seitwärts zurück auf den Hufschlag. Darauf folgte ein in-out, nachdem wir im versammelten Galopp eine kleine Volte reiten mussten. Und so ging es weiter, im Ganzen über 10 Sprünge. Beim letzten Sprung, abermals ein Steilsprung, hatten wir sehr wenig Schwung und ich hielt die Luft beim Absprung an, aber zum Glück blieb die Stange oben. Zufrieden verliess ich den Platz und führte Stromer trocken, während ich dem Lautsprecher lauschte. Am Ende wurde Elliot mit Feli zweiter, ich und Stromer wurden stolze vierte, Jack wurde siebter und Lisa leider nur 17te, da Kierka ein paar Stangen getreten hatte. Ich war dennoch ganz zufrieden mit der sensiblen Stute, denn zum wiedereinladen zickte sie überhaupt nicht. Zuhause gönnten wir ihnen den Feierabend und wir hart arbeitenden Zweibeiner trafen uns im Garten zu einem Gläschen Weisswein, während die Ministuten wiedermal den Hof unsicher machen durften.

      Pflegebericht
      25. April 2014 | von Occulta
      Osterschnitzeljagd

      Donut röchelte mir schon entgegen, als ich den Hauptstall betrat. Ich musste mich jedoch erst noch durch die Stallgasse kämpfen, in der gerade Hochbetrieb herrschte. Die Pfleger waren am füttern und man hörte ungeduldiges Hufscharren und Gewieher. Ich schlängelte mich an den Schubkarren vorbei und wich Empires weicher Schnauze aus, der gerade geputzt wurde und mich im vorbeigehen an stupsen wollte. Endlich war ich bei Donuts Box angelangt und stellte die Putzkiste ab. „Na mein kleiner schicker?“ begrüsste ich ihn, wie ich es immer tat. Trotz dem ich so viele Pferde zu betreuen hatte nahm ich es mir nicht, bei jedem Einzelnen gewisse Rituale einzubauen und ihnen allen so Sicherheit zu vermitteln. Ausserdem ritt ich alle Pferde mindestens zweimal pro Woche selber, den Rest übernahmen jeweils die Pfleger, die schliesslich auch gefördert werden mussten. Ausserdem hatten die Pferde alle einmal in der Woche frei, nämlich immer sonntags. Dann durften sie in Gruppen auf die grossen Weiden und das Pferdeleben geniessen. Ich schnappte mir einen Striegel und warf einen Blick auf die Uhr. „Schon halb eins, Jonas du bist spät dran.“, murmelte ich erbarmungslos, denn der Pfleger war gerade in Baccardis Box geschlichen. „T’schuldigung, ich musste noch Telefonieren….“, antwortete er hastig und kam nochmal raus, um sich ebenfalls einen Striegel zu angeln. Als er aufsah trafen sich unsere Blicke. „Etwas Wichtiges?“ „Jain, meine Tante ist letzte Woche verstorben, die Vorbereitungen für die Beerdigung sind schon in vollem Gange.“ „Das hast du mir ja gar nicht erzählt, tut mir schrecklich leid…“ „Ach ich mochte sie nie besonders, wir redeten seit Jahren nicht mehr zusammen.“ Er erklärte mir während dem Putzen, dass seine Tante mit seiner neuen Berufswahl als Pferdepfleger nicht einverstanden gewesen sei. Sie sei immer schon der Meinung gewesen, dass Pferde gefährlich seien und stinken würden. Ich hörte gespannt zu und entwirrte Donuts Mähne. Jonas unterbrach seine Rede, weil er konzentriert versuchte, Baccardis Mähne zu einem französischen Zopf zu flechten. Ich musste lachen bei dem Anblick und wechselte die Box um ihm zu helfen. Ich übernahm die Haarsträhnen und schob ihn sanft zur Seite. Doch er hielt leicht gegen und legte plötzlich seine Arme um mich. Ich sah ihn verwundert an und stupste ihm in den Bauch, da liess er auch schon wieder los und stupste zurück. Ich beschloss, nicht weiter darauf einzugehen, da es vermutlich wieder nur eine Spielerei seinerseits gewesen war. Ich flocht sie Mähne ruckzuck zu einem ordentlichen Zopf, da ich darin viel Übung hatte. Er sah mir dabei ganz genau auf die Finger, beeindruckt von meiner Geschicktheit. „Naja, manche Dinge werd ich wohl nie beherrschen.“, grinste er als ich fertig war. „Sag niemals nie.“, meinte ich und lächelte verschwörerisch. Wir sattelten endlich und führten die Pferde in den Innenhof. Dort stiegen wir auf und ritten anschliessend zum Dressurviereck, wo wir die beiden erstmal gründlich aufwärmten. Nach einer Weile trabte ich an und begann, Volten und Schlangenlinien zu reiten. Donut löste sich schon nach wenigen Runden und lief locker durch’s Genick. Wenn er versuchte, mit dem Kopf auf und ab zu wackeln, gab ich ihm eine leichte Parade am inneren Zügel. Wir hatten das Headshaking dank der vielen Longenstunden gut in den Griff bekommen, aber ab und zu zeigte er noch Rückfälle. Baccardi schien heute etwas aufgezogen zu sein, er trabte recht zügig und glotze ab und zu wieder das Gebüsch an, als ob dort etwas Gefährliches drin schlummern würde. Als ich an derselben Stelle vorbei kam, fuhr Donut plötzlich zusammen und bockte daraufhin los. Ich war völlig unvorbereitet und plumpste schon nach wenigen Sekunden in den weichen Sand. Donut rannte mir gehobenem Schweif und gespitzten Ohren in Richtung Ausgang, doch Jonas konnte ihm gerade noch den Weg versperren. Da Donut angehalten hatte, konnte er ihn nun leicht am Zügel fassen und mit zu mir führen. „Alles okay?“, fragte er besorgt und stieg ab. Ich stand noch etwas benebelt auf und richtete meinen Helm gerade. „Ja, nix passiert. Irgendwas muss da im Gebüsch sein!“, meinte ich, und lief auf die Stelle zu. Mit triumphierendem Blick richtete ich mich kurz darauf wieder auf und drehte mich zu ihm um. In der Hand hatte ich einen kleinen Korb mit bunten Ostereiern. „Da war jemand fleissig. Ich wette, das war Lisa. Die hat immer solchen Unsinn im Kopf.“ Wir lachten herzhaft und versteckten den Korb wieder, ehe wir weiter ritten. Nach knapp einer Stunde intensiver Arbeit mit den beiden Ponyhengsten stiegen wir zufrieden ab und brachten die beiden in ihre Boxen zurück. Nach dem Absatteln und Bürsten spielte ich noch etwas mit Donut: Ich zeigte ihm ein Handzeichen und sagte ruhig und deutlich: „Lachen“. Daraufhin streckte er seine Oberlippe nach oben und flehmte. Ich lobte ihn und gab ihm Karottenstückchen. Als ich keine mehr hatte kam er mit seinem Maul und fummelte mir an der Stirn herum. Ich stiess ihn lachend zur Seite als es mir zu bunt wurde, um zu Baci zu wechseln und ihn noch etwas zu streicheln. Die Blesse die sich über sein Gesicht zog war elegant den Augen angepasst und liess ihn frech und neugierig wirken. Die kräftigen Hengstpony-Backen und die kurzen Ohren unterstützten dieses Bild. Alles in allem war der Hengst wie Donut einfach ein Traum von einem Pony. Ich wuschelte ihm noch etwas mit der Hand durch die Mähne, und weil Jonas mit seinen dunklen, kurzen Locken gerade daneben stand, ihm ebenfalls.
      Am späteren Nachmittag trommelten uns Lisa und Rosie zusammen. Gespannt hörte ich zu, was die beiden wieder ausgeheckt hatten: Eine Ostereier-Schnitzeljagd. Sie hatte mich zuvor gefragt, ob die Pfleger heute mit den Pferden ins Gelände dürften. Ich schlug vor, dass sie gleich die Vollblüter nehmen sollten, die noch nicht bewegt waren. So suchte sich jeder ein Pferd aus und machte es hübsch für die Jagd nach den Eiern. Lewis nahm Sunday, Quinn nahm Paint, Ich nahm Gray, Jack nahm Fly, Rosie nahm Stromer, Jonas nahm Light, Lisa nahm Empire, Oliver nahm Indiana, Lily nahm Chiccory, Ajith nahm Felicita und Elliot nahm Campina. Die anderen, Smarty, Sumerian, Winter, Spot, Kierka, Crack, Blüte und Cantastor waren schon am Morgen auf der Bahn trainiert oder longiert worden. Gray war artig beim Aufsteigen und blieb schön stehen, während Campina neben uns die ganze Zeit wegen der vielen Pferde zappelte. Immerhin waren wir 11 Reiter! Lisa gab uns den Tipp, wo der erste Posten versteckt war und hielt sich dann zusammen mit Rosie im Hintergrund, denn die beiden kannten die Verstecke ja. Jonas und ich erkannten den ersten Posten auch gleich wieder, denn der Tipp lautete: ‚Der Start beginnt, wo der Schüler im Sommer stunden nimmt.‘ Die anderen berieten sich kurz, ehe die Gruppe auf den Platz ritt und das erste Nest suchte. Es dauerte auch nicht lange, bis Lewis es entdeckt hatte. Darin war ein Zettel, der mir vorher gar nicht aufgefallen war: ‚Wo der Fisch schwimmt, dort die Suche erst recht beginnt.‘ Die Zettel waren auf Deutsch, was mir erst jetzt in den Sinn kam. Ich fragte Rosie deswegen und sie meinte, dass es so spannender für die englisch sprechenden sei, da sie erst noch übersetzten mussten. Wir ritten also zum Fluss, der vermutlich gemeint war. In einer Hecke am Ufer war der zweite Korb aufgehängt, diesmal bekam ihn Jack. Auf dem Zettel stand: ‚Zögert nicht und reitet zum dritten, dort wo sich einst Räuber stritten.‘ Ich wusste sofort, was damit gemeint war. Es gab eine alte Bauern Legende, dass im nahen Pinienwald auf der grossen Lichtung einmal eine Banditenfestung gewesen sei. Sie soll ganz aus Holz gewesen sein. Einmal seien die Räuber jedoch erfolglos von einem Beutezug heimgekehrt und hätten sich aus ärger gegenseitig so lange beschimpft, bis einer die Festung in Brand gesetzt hatte. In ihrer Wut hätten sie nicht bemerkt, wie die Rauchfahne ihren Standort verriet und die wütenden Dorfbewohner anlockte. Die Festung sei komplett ausgebrannt und durch die Flammen sei der Wald um sie herum auch noch fast kreisrund gerodet worden, dies war die heutige Lichtung der Legende nach. Wir ritten also auf meinen Aufruf hin zur Waldlichtung. Tatsächlich fanden wir dort hinter einem Steinhaufen versteckt das dritte Körbchen. Rein aus Neugier sah ich mich ausserdem diesmal genauer auf der Lichtung um. Ich ritt in die Mitte, konnte jedoch auf dem Boden nichts Ungewöhnliches entdecken. Enttäuscht trieb ich Gray wieder zur Gruppe zurück. Was hatte ich überhaupt erwartet? Es war ja nur eine Legende und selbst wenn nicht, musste diese Geschichte schon laaange zurück liegen und es würde keine Spuren mehr geben. Ich schob diese Gedanken beiseite und genoss den Ritt. In meiner Abwesenheit hatte ich den neuen Rätselspruch gar nicht mitbekommen. Ich machte mir jedoch auch keine Mühe, ihn noch herauszufinden. Wir ritten zur Galoppwiese, auf der mitten im Feld ein weiterer Korb versteckt war. Wir mussten uns alle aufteilen, um ihn zu finden. Und so jagten auf der ganzen Wiese Pferde im Galopp durchs saftige Gras, auf der Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Als wir sie nach einer Viertelstunde immer noch nicht gefunden hatten, wurde Lisa um Hilfe gefragt. Zu allem Überfluss wusste sie jedoch nicht mal mehr, wo genau sie den Korb hingelegt hatte. Gerade als wir aufgeben wollten hüpfte Elliot triumphierend vom Pferd. Auf dem Zettel stand: ‚Den zweitletzten Schatz hältst du beinahe schon in der Hand. Um ihn zu finden halte dich am Waldesrand.‘ Wir wunderten uns ein wenig über die Einfachheit dieses Hinweises, doch sagten nichts und ritten weiter. Die suche war schliesslich doch nicht so leicht wie gedacht, denn der Korb hängte am Ende an einem Ast über unseren Köpfen. Quinn musste auf Paints Rücken stehen um ihn zu erreichen. Die Stute hielt zum Glück schön still, weil Ajith sie hielt. ‚Das Ende ist nah und doch noch fern, du findest es im Kern.‘ Im Kern? – Ich hatte keine Ahnung, was damit gemeint war. „Ist das Nest etwa in einem Apfel?“, scherzte Jonas und die Gruppe brach die Stille mit herzhaftem Gelächter. Lisa schüttelte weise lächelnd den Kopf. „Eigentlich ist es ganz leicht.“, stellte sie fest. Auch Rosie nickte eifrig. Wir beschlossen, erstmal zurück zum Hof zu reiten, denn wir vermuteten, dass das Körbchen dort irgendwo versteckt sein musste. Ich schnalzte und trieb Gray in den Galopp, denn wir waren auf einem der sandigen Galoppwege im Wald angelangt und die Reiter vor uns waren ebenfalls angaloppiert. Ich hielt die Zügel gespannt und schnappte mir ein Büschel Mähne, um Gray besser zu stützen. Wir sprangen den Weg entlang, das dumpfe Geräusch aufschlagender Hufe im Sand klang rhythmisch und vor mir wehten die Schweife. Am Ende der Strecke musste ich Gray in ihrem Eifer stark bremsen, denn wir wären fast in Light reingerasselt. Dieser war zum Glück gerade abgelenkt mit einer Wurzel, über die er halb drüber stolperte. Wenige Augenblicke später hatten wir die kurze Schrittpassage überquert (dort durfte man nur im Schritt durch, da ab und an ein Fussgänger durchlief) und die Vordersten sausten bereits wieder los. Ich trieb Gray auch wieder an. Der Wind zerzauste mir die Haare und Gray nahm gewaltige Sprünge, um einen kleinen Rückstand zu den Vorderen Pferden aufzuholen. Wir galoppierten die ganze Strecke bis zum Waldrand. Erst als wir wieder auf freiem Feld waren, parierten wir die Pferde in den Trab durch und ritten so den restlichen Weg zum Stall zurück. Es war herrlich; Die späte Nachmittagssonne und die angenehm aufgewärmte Luft unterstützten die ausgelassene Stimmung perfekt. Wir plauderten und lachten auf dem ganzen Weg und Lewis erzählte immer wieder Witze. Wir durchquerten die Galoppbahn mit ihren grossen Tannen, wobei wir uns leicht unter einem tief hängenden Ast ducken mussten. Als wir an den Weiden vorbei kamen, kamen die beiden Mini Hengstchen aufgeregt angetrabt und begleiteten uns. Die Stuten schienen sich nicht für uns zu interessieren. Nun ging die Sucherei los: Wir teilten uns auf und durchkämmten das Hofgelände nach dem fehlenden Korb. Ich wollte gerade zu Jack reiten, als Jonas an meine Seite kam. Daher bildeten wir beide gleich ein Team. Er schlug vor, dass wir zuerst auf dem Geländeparcours suchen sollten, schliesslich war dieser der ‚Kern‘ der Galoppbahn. Ich fand dies eine gute Idee und wendete Gray in die richtige Richtung. Ich nutzte die Gelegenheit, um Light etwas zu beobachten. Der sensible Hengst mochte keine harte Hand, doch bei Jonas schien er locker und zufrieden. Er war zwar feurig, wie immer, doch Gray hielt gut mit (sie war ebenfalls recht fleissig) und er trat schön ans Gebiss. Ich blieb stumm und wnedete meinen Blick wieder von dem schwarzen Hengst ab, um nach dem Vogel zu suchen, der sein Lied über unseren Köpfen trällerte. Wir überquerten die Galoppbahn und gelangten schliesslich zur Geländestrecke. Zuerst ritt ich zu der vordersten Baum-Insel und suchte das Bodengestrüpp ab. An den Stellen, an denen der Boden kahl war, wuchs nur spärlich Gras und die Erde war hart getreten von den vielen Hufen, die hier durchgekommen waren. Dennoch sahen die mit Schatten und einzelnen Lichtstrahlen überzogenen Flächen harmonisch und geheimnisvoll aus. Da ich nichts entdecken konnte, trieb ich Gray weiter zur nächsten kleinen Baumgruppe. Ich suchte auch in den Ästen über mir, doch selbst dort befand sich kein Korb. Als nächstes sah ich beim kleinen Grabenhindernis, beim Gebüsch-Sprung, beim Baumstamm und beim Hügelchen. Doch nirgends war etwas zu finden. Auch Jonas schien erfolglos geblieben, deshalb ritten wir zurück zu den anderen. Die hatten sich gerade um Elliot versammelt, der soeben den letzten Korb im Innenhof des Hauptstalls gefunden hatte. „Na klar, der Kern ist der Hauptstall mit unseren Engländern!“, Lachte ich und gratulierte ihm. Dann bedankte ich mich formell bei Lisa und Rosie für die hervorragende Durchführung dieser Eier-Jagd und lud alle Teilnehmer zu einem heissen Tee im Garten des Haupthauses ein. Zuerst wurden jedoch natürlich noch die Pferde versorgt. Sie genossen den Sonnenuntergang in Gruppen auf der Weide.

      Pflegebericht
      09. August 2014 | von Occulta
      Life goes on | Fortsetzung des Nebenstallberichts 'Having troubles or what'

      Mir wurde ganz schwindlig, als sie Jack auf die Trage legten und wegbrachten. Auf einmal kam der ganze Schock, die Verzweiflung, Angst und Trauer über mich wie eine gewaltige Flutwelle, die mich beinahe zu Boden riss. Jonas, der ebenfalls in den Krankenwagen getragen wurde, beobachtete mich mit sorgenvollen Augen. Ich stützte mich gegen Rosie, die mir eine Umarmung anbot und schluchzte ungehalten in ihre Schulter. Alles um mich herum kam mir so unwirklich vor und ich hörte die Stimmen wie durch eine unsichtbare Wand. Alles, was ich von diesem Abend noch mitbekam war, dass Lisa, Rosie und Quinn mich ins Haus brachten und mit einen Tee kochten. Am nächsten Morgen wachte ich auf und fühlte mich wie ein Stein. Mir steckte die Trauer augenblicklich wie ein Kloss im Hals, als ich mich an den vergangenen Tag erinnerte. Am Morgen war ich noch so sorglos gewesen und dann war alles zerbrochen. Ich versuchte mich abzulenken und sah auf die Uhr. Es war erst fünf und draussen ging gerade die Sonne auf. Seufzend richtete ich mich auf und zog meine Reitsachen an. Die Pferde würden mich jetzt am besten trösten können, besonders meine und Jacks geliebte Vollblüter. Als ich durch die Küche lief sprang Jacky von ihrer Decke auf und folgte mir, jedoch schien sie auf seltsame Weise nicht so energievoll wie sonst. Ich machte mich ohne etwas zu frühstücken auf zum Hauptstall und holte die Putzsachen von Winter aus der Sattelkammer. Als ich die Box des schneeweissen Hengstes betrat, streckte er mir mitfühlend seine rosarote Schnauze entgegen, als wüsste er genau, was in mir vorging. Ich krallte mich in dem weichen Fell fest und legte die Wange an seinen Hals. Seinen warmen Puls zu fühlen, jedes Zucken der Muskeln, tat mir gut. Schliesslich angelte ich mir den Striegel und putzte meinen Liebling. Als ich fertig war, sattelte ich ihn mit seinem kleinen Rennsattel und hängte das Vorgeschirr ein. Ich führte ihn wie in Trance nach draussen und stieg auf. Ich ritt zunächst eine Runde Schritt auf der Galoppbahn und trabte anschliessend eine weitere Runde auf die andere Seite. Dann ritt ich zur Rennbahn und liess ihn laufen. Beim 500m-Pfosten sah ich auf die Armbanduhr und stoppte in der nächsten Runde an derselben Stelle. Mein grosser hatte eine gute Geschwindigkeit drauf und war ordentlich fit, deshalb beschloss ich, gleich noch eine Runde zu trainieren, aber diesmal mit Startbox. Prüfend sah ich mich nach den Pflegern um, schliesslich brauchte ich jemanden der die Boxen öffnete. Gerade als ich zurückreiten wollte um jemanden zu rufen, entdeckte ich Quinn, Lily und Oliver mit Spot, Iskierka und Light, die auf uns zu ritten. Winter spitzte die Ohren und hob den Kopf, um seine Stallgenossen zu begrüssen. Ich freute mich wahnsinnig, meine alten Freunde so anzutreffen, hielt dieses Glücksgefühl aber noch versteckt. Ich ritt ihn in eine der mittleren Boxen und wartete konzentriert auf den Start. Die anderen reihten sich ebenfalls ein und Ajith kam herbeigeeilt um die Boxen zu öffnen. Dann donnerten die Vollblüter auch schon los. Ich hielt mich bei Winters Absprung etwas an seiner Mähne, um von der Wucht nicht gleich aus dem Sattel zu gleiten. Es war ein wundervolles Gefühl, die schnaufenden Pferdeköpfe links und rechts von mir zu sehen und unter mir den gewaltigen Körper des Hengstes zu fühlen. Das rhythmische Aufschlagen der Hufe liess mich all den Schmerz vergessen und holte mich zurück in die Welt, in die ich gehörte; das hier und jetzt. Light gewann zwar das Trainingsrennen knapp vor Winter und mir, doch das war mir schnuppe. Ich hatte einen Entschluss gefasst während dem Galoppieren: Das Leben musste weitergehen. Ich tätschelte Winters Hals und plauderte begeistert mit den anderen über das Training. Anschliessend arbeiteten die restlichen Jockeys noch etwas weiter mit ihren Pferden, während ich Winter austraben liess. Er schnaubte schön ab und streckte den Hals tief zu Boden. Schliesslich brachte ich ihn zurück in die Box und versorgte ihn gründlich, ehe ich mich Stromer widmete. Mit dem cremefarbenen Hengst hatte damals alles angefangen – er war mein allererstes Vollblut gewesen. Nun war er schon ganze sechs Jahre alt und hatte sich prächtig entwickelt. Aus dem einst so zerbrechlichen dreijährigen mit der schlechten Vergangenheit war ein top bemuskelter, aufmerksamer und freundlicher Hengst mit wundervollen Gängen geworden. Jetzt im Sommer schimmerte seine rosafarbene Haut stark durch das Fell, was ihm deutlich mehr Farbe verlieh als im Winter, wenn er mit dem dichteren Fell fast weiss wurde. Ich putzte auch ihn sorgfältig und ritt anschliessend wie schon mit Winter in voller Rennmontur zur Bahn, wo ich ihn zunächst aufwärmte. Er hatte viel mehr Erfahrung als Winter und konnte seine Kräfte gut einteilen. Ausserdem hörte er sehr fein auf meine Hilfen und wurde nicht so heftig wie die jüngeren Genossen. Wenig später hatten auch die drei Jockeys ihre Pferde ausgetauscht; sie ritten nun Pina, Sunday und Felicita. Wiederum lieferten wir uns ein Spassrennen und arbeiteten dann noch etwas für uns auf der Bahn, was aber mit den tollen Pferden genauso viel Spass machte. Ich bewegte an diesem Morgen noch Gray, Crack und Indiana, während Quinn Chiccory und Fly, Oliver Paint und Empire und Lily Blüte und Cantastor übernahmen. Besonders bei Crack musste ich wieder mit den Tränen kämpfen, denn ich hatte sie damals von Jack zum Geburtstag geschenkt bekommen und mich so sehr über sie gefreut. Die Erinnerungen kamen wieder in mir hoch und ich musste daran denken, wie ich ihn so voller liebe umarmt hatte. Und doch war ich zuletzt wütend auf ihn und habe ihn mit eben diesem Gefühl angesehen… Dieser Gedanke schmerzte am meisten von allen. Als ich Diana versorgt hatte bemerkte ich ein grummeln und stellte fest, dass ich durch das ganze Arbeiten doch noch Hunger bekommen hatte. Aber alleine zu kochen würde bestimmt schrecklich werden. Ich schlenderte lustlos in Richtung Haus und bemerkte nicht, wie Lisa sich von hinten anschlich. Sie tippte mir auf die Schulter und rief laut „Buh!“, während Quinn und Ajith, die sich an die kühle Wand des Hauptstalls gelehnt hatten die Augen rollten. Ich vergab Lisa diese Taktlosigkeit angesichts meiner Trauer und sah sie bloss fragend an. „Ich… äehm… Ich meine Quinn, Ajith, Lily und ich wollten dich fragen, ob du vielleicht mit uns in die Stadt kommen willst. Wir dachten, wir gehen Jonas im Krankenhaus besuchen und essen unterwegs zu Mittag…“ Mein Herz machte einen Hüpfer. Jonas! Er lebt ja noch… Beschämt, dass ich meinen treuen Freund in der Not ganz vergessen hatte, willigte ich rasch ein und folgte den Pflegern auf den Parkplatz. Wir fuhren mit Lilys kleinem Toyota, in den wir uns allerdings ziemlich reinquetschen mussten. Wir bestellten wie geplant auf dem Weg zum Hospital ein Falafel für mich und sonstigen Schnellimbiss-Kram für die anderen. Als ich den langen Gang zu Jonas‘ Zimmer entlanglief, wurde mir etwas schwindelig. Wie hatte ich nur nicht an ihn denken können? Immerhin war er genauso wie Jack in Lebensgefahr gewesen und hätte genauso gut auch tot sein können! Langsam öffnete ich die Tür und trat ein. Es war vollkommen Still in dem hellen Raum. Die anderen Patienten schienen zu schlafen und auch Jonas hatte die Augen geschlossen. Die Pfleger folgten mir leise und schlossen die Tür hinter sich. Vorsichtig kniete ich mich neben sein Bett und betrachtete die üblen Verbrennungen, die sich über seine Oberarme zogen. Wie durch ein Wunder war das Gesicht beinahe unversehrt geblieben. Er muss es rechtzeitig mit den armen geschützt haben, überlegte ich und begann, seine Nase zu kitzeln. Seine Augenlieder zuckten, dann musste er niesen und wachte auf. „Occu… und ihr! Ich bin so froh, dass ihr gekommen seid.“ Ich lächelte verlegen, immerhin wäre ich ohne die anderen nicht hier. Zögernd fragte ich: „Wie fühlst du dich?“ „Den Umständen entsprechend, aber eigentlich nicht allzu schlecht. Bloss mein Rücken tut ziemlich weh. Aber die Ärzte meinten, es sei nichts ernstes, bloss eine Prellung. Wie geht es Jack?“ Ich zuckte zusammen und sah betreten zu Boden. Er weiss es also noch nicht… Quinn fasste Mut und antwortete leise auf die Frage. „Er hat nicht überlebt…“ Ich beobachtete, wie sich seine Pupillen weiteten und er den Mund öffnete, um etwas zu sagen, ihn dann aber ohne einen Mucks wieder schloss und ins Leere starrte. „Tot? D das ist schrecklich. Es tut mir so leid Occulta…“ Ich nickte nur und biss mir auf die Oberlippe, um die Fassung nicht wieder zu verlieren. Ich war froh, als er das Thema wechselte. „Wie geht es den Pferden? Haben sie sich sehr erschreckt als das Flugzeug abstürzte?“ „Nein, ich denke nicht. Heute Morgen liefen die Vollblüter im Training jedenfalls top“, antwortete ich. Er nickte mit einem Lächeln und ich fragte ihn, was denn so amüsant sei. „Ich finde es faszinierend, wie glücklich du wieder wirkst, sobald wir über Pferde reden.“ Nun lächelte ich ebenfalls und stupste ihn zur Strafe in die Seite, worauf er sofort aufschrie. „Au au, pass doch auf!“ „tut mir leid, ich hab gar nicht…“, stammelte ich erschrocken, doch schon grinste er mich wieder breit an und ich erriet, dass er nur mit mir gespielt hatte. Böse sein konnte ich ihm allerdings nicht. Wir plauderten noch etwas, dann machten die Pfleger und ich uns auf den Rückweg zum Stall. Er sah uns gequält hinterher, als wir einer nach dem anderen zur Tür hinausgingen, besonders mir, so kam es mir jedenfalls vor.
      Zuhause half ich Quinn, die mit dem Einreiten von Sumerian und Frame weitermachte. Die beiden waren noch ganz am Anfang ihrer Ausbildung, machten sich aber alles andere als schlecht. Fröhlich beobachtete ich die Fortschritte von Frame, der Monate zuvor noch so erbärmlich ausgesehen hatte, mit all seinen Wunden und Schrammen. Nun ging er nicht mehr lahm und nur eine Narbe zierte den Hals dort, wo der Pfosten einst ein so grosses Loch hinterlassen hatte. Meine Tierärztin hatte hervorragende Arbeit geleistet. Gegen Abend kam dann noch eine Überraschung auf dem Hof an. Ein Transporter fuhr auf den Parkplatz, beladen mit zwei neuen Vollblütern. Als ich mich fragend an den Fahrer wandte erfuhr ich, dass die beiden von Eddy stammten und Jack sie wenige Wochen zuvor abgekauft hatte, da Eddy ihren Bestand etwas reduzieren wollte. Auch ein Fohlen würde in den nächsten Tagen noch ankommen. Ich ignorierte das Stechen, das sich bei Jacks Namen wieder bemerkbar machen wollte und bewunderte den Hengst, Muskat. Er war bereits gekört und würde sicherlich ein wunderbarer Zuchthengst werden. Die Stute, Cassiopeia, hatte ich auch schon ein paarmal an Rennen gesehen, sie war Jack damals besonders aufgefallen. Ich führte beide in den Hauptstall und half anschliessend den Pflegern beim Füttern. Um halb zehn lief ich endlich müde zum Haus, zögerte aber davor und wandte mich stattdessen im halbdunkeln dem Hof zu. Es kehrte Ruhe ein auf Pineforest Stable, nach all der Aufregung schienen sogar die Pferde erledigt. Die Gebäude lagen still im Zirpen der Insekten da und erste Sterne tauchten am Himmel auf. Ich erinnerte mich daran, wie ich einmal mit Jonas im Gras hinter dem Dressurviereck gelegen und an den dunklen Tannen vorbei die Sternbilder betrachtet hatte. Augenblicklich breitete sich eine Art entspannende Wärme in mir aus und zum ersten Mal am heutigen Tage war ich wirklich glücklich. Glücklich hier zu sein, glücklich, dass Jonas lebte und glücklich, dass noch so viel vor mir lag. Ich murmelte sanft, an die Sterne gewandt: „Auf wiedersehen Jack.“ Dann drehte ich mich um und verschwand im Haus.

      Pflegebericht
      03. Dezember 2014 | von Occulta
      Nachts fürchten die Mäuse den Jäger...

      Ich wachte nach einer unruhigen, mehr oder minder schlaflosen Nacht früh auf und begab mich zum Kühlschrank. Während ich nach einem geeigneten Joghurt kramte, plante ich den Morgen. Es würde alles etwas durcheinandergeraten nach meinem 'announcement', da war ich mir sicher. Doch verängstigte Mitarbeiter zu beruhigen war immer noch angenehmer, als Leichen zu entsorgen. Wenn es denn so weit käme... Vielleicht halste ich mir auch nur zu viele Sorgen auf. Als ich fertig gelöffelt hatte, schmiss ich das leere Gefäss in den Müll und öffnete mit wetterfesten Kleidern die Tür. Es Regnete und war neblig - was konnte es an so einem Morgen sonst sein. Ich seufzte kaum hörbar, aber reichlich genervt und machte mich auf zum Hauptstall. Es war noch finster und die Pferde dösten vor sich hin, als ich vorsichtig das Tor aufschob und eintrat. Winter, in einer der beiden vordersten Boxen, lag mit eingeklappten Beinen im Stroh und sah auf, sobald ich mich näherte. Er blieb jedoch liegen, als ich die Box öffnete und auf ihn zuschritt. Er röchelte sogar leise, und ich kniete neben ihn, um ihn zu kraulen. Es war unheimlich beruhigend, seine dunklen, verschlafenen Augen zu begutachten und seine Lippen entzückt zittern zu sehen. Nach einer Weile öffnete sich das Tor erneut; Quinn und Ajith tauchen in der Öffnung auf. Einen Moment sahen sie sich verwirrt um, dann hörten sie meine Stimme und kamen zur Box. "I woke up earlier. You weren't expecting murderer inside here, were you?" Ajith zeigte sich bestürzt. "What?? No, why?" "Because there's a murderer spraying around in our forests." "No way! And what are we going to do?" Ich schwieg einen Moment. "We inform the others as soon as possible, but then we go on as normally and hope thqt the policemen do their work." Die beiden nickten und ich stand auf, um den besorgten Gesichtern ebenbürtig zu sein. Ich klopfte Winter zum Abschied auf den Hals und verliess seine Box. Wir holten die Schubkarre und füllten sie mit Heu, während nach und nach auch die anderen Pfleger auftauchten. Bald war der Stall erfüllt von munterem Geplapper und dem Scharren und Schnauben der Pferde. Dann hielt ich meine kleine Rede. Und schon war die fröhliche Stimmung ersetzt durch sorgenvolles Schweigen. Keine lustig pfeifenden, witzelnden Pfleger mehr, nur stille Arbeiter. Ich beschloss neutral zu bleiben und lief zu Paints Box - es war Zeit fürs morgendliche Training. Oliver hatte die Pferde ihren Reitern schon am Vorabend zugeteilt, es änderte sich aber kaum etwas im Vergleich zum Wochenplan. Die schwarze Stute begrüsste mich mit ihrer weichen, rosa Schnauze. Ich streichelte das samtige Fell an ihrem Hals und kraulte sie liebevoll hinter dem Ohr, bevor ich ihr das Halfter überzog. Anschliessend band ich sie in der Stallgasse an. Ich öffnete die Schnallen ihrer Fleece Decke und zog sie nach hinten, liess sie jedoch halb auf der Kruppe liegen, denn die Stute war geschoren und um halb sechs war es bekanntlich noch ziemlich frisch, draussen und in der Stallgasse. Ich bürstete das kurze, stoppelige Fell gründlich und entwirrte ihren Schweif. Dann sah ich mir die Hufe an, prüfte ob die Eisen noch hielten und entfernte den Schmutz der Nacht. Weiter vorne in der Gasse richtete Oliver Blüte her, Iskierka wurde gegenüber von mir von Ajith betreut. Auch Gray, Cold, Mikke, Sumerian, Campina, Felicita, Indiana und Cassy wurden geputzt, heute Morgen trainierten wir nämlich alle Stuten zuerst. Diana sah mit ihrem neuen Zaumzeug extrem schick aus. Die Stute nahm zwar aufgrund ihres Alters nicht mehr an grossen Rennen Teil, diente den jüngeren Vollblütern aber als Vorbild und wurde in erster Linie mittrainiert, um sie für's Military fit zu halten. Als alle fertig waren und ihre Pferde nach draussen zum Aufsteigen führten, löste auch ich den Strick von Paint und ging mit der Stute ins Freie. Vor uns hob und senkte sich das muskulöse Hinterteil von Cassy. Ich beobachtete entzückt, wie ihr seidiger, weisser Schweif im Takt dazu Tanzte. Ich war unheimlich froh, die Stute übernommen zu haben, denn sie musterte sich mehr und mehr zu einem talentierten Galopper. Bei ihrer Abstammung war das ja auch kein Wunder. Ich zog den Reissverschluss meiner Fleecejacke höher, trotzdem zitterte ich noch vor Kälte. Bald nicht mehr, dachte ich schmunzelnd. Auch Paint war zappelig, sie kreiste um mich als ich mich in die Reihe stellte um von Oliver auf's Pferd geschmissen zu werden. Mit den kurzen Steigbügeln war es schwer, ohne Hilfe hochzukommen und der kleine Hocker, der bis anhin diese Hilfe geleistet hatte, hatte vor drei Tagen den Geist aufgegeben, sehr zum Pech von Quinn, die danach erschrocken halb am Pferd hing. Ich massregelte Paint und hielt sie einigermassen ruhig, bis ich endlich oben war, dann liess ich sie zügig den anderen zur Galoppbahn folgen. Wir ritten im Gänsemarsch eine Runde schritt, dann trabte die ganze Reihe auf Kommando an. Paint ging schwungvoll und locker, trotz der Temperaturen, aber Grey vor mir zog den Schweif ein wenig ein. Nach einer weiteren Runde wurde es besser. Wir wechselten die Seite und galoppierten schliesslich nach ein wenig linksseitigem Trab an. Nach einem Umlauf verliessen wir die Bahn über den sauber gewischten Kiesweg und ritten zu den Startboxen. Natürlich hatten nur acht Pferde in den acht Boxen Platz, weshalb wir zwei Gruppen bildeten. Per Handzeichen wurde bestimmt, dass Caprice, Felicita, Blüte, Iskierka und Paint zur ersten Gruppe zählten. Ich entschied mich für die dritte Box und trieb Paint hinein, doch sie ging sowieso freiwillig da sie wusste, dass sie gleich rennen durfte. Ich spannte die Zügel, hielt sie kurz, nahm die Startposition ein, um beim Absprung nicht aus dem Gleichgewicht zu kommen. Endlich waren alle drin und Ajith, der als "Bodenpersonal" dabei war, rief uns die Kommandos zum fertig machen zu. Dann sprangen die Türen auf und Paint beförderte uns kraftvoll von Anfang an an die Spitze. Ich hielt mich ein wenig an der Mähne der grossen, schwarzen Stute und war froh um meine Schutzbrille, denn die Morgenluft schlug mir eisig ins Gesicht. Ich wagte beim 500-Meter-Pfosten einen Blick über die Schulter und sah, dass Blüte aufholte. Ich liess sie passieren, denn ich wollte Paints Energie für den geplanten Kopf-an-Kopf Schluss sparen. Auch Felicita kam neben uns und hielt diese Position bis zum 1000m-Pfosten. Nun ging es nochmals in die Kurve, danach folgte die Zielgerade. Alle Pferde schlossen zueinander auf und Blüte und Felicita teilten sich die Spitze. Ich gab Paint etwas Zügel frei, sodass wir auch vorne mitmischen konnten. Kierka hängte sich links an Paints Flanke, nur Capri blieb verschollen. Ich drehte mich nochmals kurz und sah die Fuchsstute in einer Pferdelänge Abstand folgen, Tendenz steigend. Die Stute war noch immer nicht wieder 100%ig fit, da erstaunte dieses Schwächeln auf der Bahn nicht. Ich gab Paint nochmals etwas Zügel frei, sodass sie sich streckte und wir mit einer Nasenlänge gewannen. Ich tätschelte ihren Hals, während ich mich aufrichtete und sie auslaufen liess. Als sie in den Trab, und schliesslich in den Schritt fielen, sammelten sich die Pferde und Reiter wieder und ritten gemeinsam zurück zur Startmaschine. Oliver kam auf Aerith angetrabt. Die Stute wurde mittlerweile als Trackpony ausgebildet und eingesetzt, neben den Westernturnieren, die sie regelmässig lief. Oliver wollte später mit Iskierka und Campina das vom-Pony-aus-geführt-werden trainieren. Doch zunächst war die zweite Gruppe auf der Bahn. Ich reihte Paint und mich neben Caprice ein und wir beobachteten das Schauspiel vom Bahnrand aus. Die Türen flogen auf und alle sechs Pferde schossen aus dem Metallgeflecht hervor. Indiana teilte sich sogleich die Spitze mit Gray. Die erfahrene Stute hatte Tendenzen zum Sprinter, Gray jedoch war ganz klar Steher und sollte am Anfang eher im Mittelfeld bleiben, da sie zu wenig ausdauernd war, um das Tempo durchgehend zu halten. Oliver rief die Anweisung, die mir auf der Zunge lag: David solle sie doch endlich zurücknehmen. Unser Trainer hatte wie immer ein Auge für Feinheiten und war unterdessen zu uns getrabt, um diese Details zu besprechen. "Occu, let her go at approximately 900 meters next time. She is old enough to start early." Ich nickte als Zeichen der Kenntnisnahme und kraulte Paint stolz am Widerrist. In der Bemerkung war nämlich ein verstecktes Lob für ihre raschen Fortschritte gewesen. Campina hatte mittlerweile Gray an der zweiten Position abgelöst und Cassy folgte dicht neben der dunkelgrauen Stute. Zu dicht. "Stay away from Gray, or do you want to trap over her legs!", schrie Oliver in gereiztem Tonfall über die Bahn zu Darren. "I told him last time already, but je won't change a bit until the horse has a broken leg!", meinte er an uns gewandt. Ich schwieg und verfolgte das Training. Der 1000m-Pfosten war passiert, nun wurde es erst richtig heiss. Indiana wurde von Cassy überholt, Sumerian tauchte aus dem Nichts auf und zog an Gray vorbei, Crack schob sich vor Campina. Sumerian konnte das Tempo mangels Ausdauer allerdings nicht lange halten und fiel rasch wieder zurück. Indiana entwickelte zwar guten Schub, konnte mit den leichten Jünglingen jedoch nur schwer mithalten. Gray lieferte sich auf den folgenden Metern einen spannenden Kampf mit Crack, die schliesslich richtig zulegte und sich sogar vor Cassy schob, allerdings nicht lange. Die Palominostute mit den grossen Abzeichen verteidigte die Spitze bis zum Schluss. Wir jubelten den heftig atmenden Körpern von Reiter und Pferden über die Bahn zu, ehe wir selbst auf die Bahn zurückkehrten um ein paar fliegende Starts zu üben. Der Nebel hing immer noch erdrückend über unseren Köpfen, doch immerhin hatte es aufgehört zu regnen. Paint lief etwas zögerlich, vielleicht war sie noch erschöpft vom Rennen. Meine Sorge stieg jedoch, als sie auch nach vier Starts noch nicht gut wegkam. Normalerweise hatte sie mit dem Starten kaum Probleme. Ich rief Oliver, damit er sie sich ansah und tatsächlich: nach einer kurzen Demonstration schüttelte er den Kopf und winkte uns zu sich. "I think there's something wrong with her right foreleg. I'll call the vet." Solche Nachrichten waren in einem Rennstall sehr ungern gesehen, ich hoffte aber natürlich das Beste. Ich liess mich hinuntergleiten und führte die Stute, sorgsam beobachtend, in den Hauptstall zurück. Dort versorgte ich sie mit allem was sie brauchte, schmierte etwas Kühl Gel auf das betroffene Bein und zog ihr die blaue Fleece-Decke an. "Good girl, you'll be back in few days, I'm sure", flüsterte ich, etwas bedrückt. Ich schloss die Boxentür und holte Sheela und Jacky aus dem Haus. Auch die anderen Jockeys waren mittlerweile fertig und versorgten ihre Pferde, ehe sie sich versammelten, um die Hengste aufzuteilen. Ich wählte Sunday, denn ich hatte ihn die ganze letzte Woche Quinn überlassen. Nun wollte ich die Feinheit und Kraft des Hengstes selbst wieder geniessen. Wir trainierten wie zuvor, doch nach den Übungsrennen wurden Gruppen gebildet, um das Abteilungsreiten zu fördern. Die Pferde mussten bei ihrer Gruppe bleiben, selbst im rasenden Galopp. Sie mussten geduldig sein und auf die Hilfen ihres Reiters hören. Ich hängte mich an die Gruppe mit Stromer, Muskat, Winter und Chiccory. Die andere Gruppe bestand aus Fly, Light, Cantastor, Spot und Empire. Was für ein Gefühl das ist, mit fünf bebenden Hochleistungssportlern in einer Reihe über die Bahn zu jagen! Besonders wenn ein Pferd wie mein Sunday so fein mitmacht. Ich beobachtete ausserdem die anderen Pferde mit scharfem Auge, sodass ich mir fast wie Oliver vorkam. Frame war noch immer nicht beim Training dabei. Er war zwar schon mehrfach auf dem Platz kurz von mir geritten worden, doch ich wollte zuerst sicherstellen, dass er gut ausgebildet war und nicht überfordert wurde, ehe ich ihn mit zum Konditionstraining nehmen würde. Auch Oliver hatte mir dabei zugestimmt. Ich musste lachen, als Chiccory sich nach dem letzten Galopp schüttelte, als hätte er Fliegen in den Ohren. Dabei hatte Lisa ihm nur kurz ein Strohstück vom Ohr wischen wollen.

      Nachdem auch diese Trainingseinheit zu Ende war, gab es erst einmal eine Kaffee Pause. Selbstverständlich erst, als die wertvollen Tiere zufrieden in ihrer Box raschelten. Ich hatte Sundays Hufe eingefettet, damit sie nicht brüchig wurden. Dies war eines unserer Rituale, wie das tägliche Bürsten und das Abduschen nach harter Arbeit. Die Stimmung in der Sattelkammer liess nicht den geringsten Zweifel an der Sorglosigkeit der Pfleger zu, sie waren gute Schauspieler. Sie mussten immerhin regelmässig vor Publikum so tun, als ob alles im Griff sei. Schwäche zeigen wollte auf der Rennbahn keiner, es ging den meisten nicht nur um Geld, sondern auch um die Ehre. Die Pferde funkelnd, das Sattelzeug gepflegt und wie neu. Und ein nahtloser Ablauf, ohne sichtbare Kommandos oder Anweisungen. Jeder wusste, was zu tun war. So auch heute, zuhause. Keiner verlor ein Wort über meine Ansprache vor dem Training, alle lächelten. Ich kam mir seltsam verloren vor, in dieser Maskierten Welt. Wem konnte man trauen, wenn das Leben das reinste Gaukelspiel war? Plötzlich ertönte ein lauter Knall, augenblicklich flutete eine erschrockene Stille den Raum. Ein Jäger? Ein Knallen eines Motors? Ich malte mir einige Szenarien aus, während ich mit Ajith und Lewis nach draussen hastete. Stille - wie im Raum zuvor. Dann ein zweiter Schuss, Hilfeschreie. "What the - " Ich stürzte um die Ecke und erblickte unseren Nachbaren, einen sonst so friedvollen, älteren Herren, mit seinem Jagdgewehr in der Hand. Er gestikulierte wild umher und deutete auf einen parkierten Ford, hinter dem jemand kauerte. Lewis und Ajith umstellten den Wagen und packten die Person, ich beruhigte den Bauern. "It is him, he is it! The murderer! I know it!" Der verängstigte junge Bursche stotterte einige unbedeutende Worte, ehe seine Stimme versiegte. Nie und nimmer ist er ein Mörder. Wir klärten das Ganze auf dem Parkplatz, und schon nach einigen Sätzen wusste ich, was tatsächlich vorgefallen war. Der Junge hatte am Morgen wie gewohnt die Arbeit auf dem Lehrbetrieb aufnehmen wollen, doch das Tor war noch verschlossen gewesen, vermutlich als Vorsichtsmassnahme gegen Killer. Daraufhin hatte sich der Junge als Kletterkünstler erwiesen, denn er war kurzerhand auf den Baum neben dem Bauernhaus geklettert, um über den Zaun zu kommen. Der Bauer hatte kaum das raschelnde Laub, die kräftigen Arme und die dunkle Hose des Burschen erblickt, als er schon zur Flinte griff und hinausstürmte. Der Junge, erschrocken über die Reaktion des Bauern, empfand es als klüger, das Weite zu suchen. Dadurch sah sich wiederum der Bauer bestätigt in seiner Annahme und nahm die Verfolgung auf. Ich schüttelte lachend den Kopf, als die Story geklärt war. Die beiden gaben sich noch immer misstrauisch die Hand zur Versöhnung, dann kehrten sie nach einem Beruhigungstee zurück auf ihr Land. Lewis, Ajith und ich sahen uns vor Erleichterung grinsend an. Doch in meinem Kopf sortierte ich die wilden Gedanken der Sorge. Wenn nun schon unser Nachbar so durchdrehte, wie konnten wir dann entspannt hier warten und uns in Sicherheit wägen?
      Alle hatten die Arbeit wieder aufgenommen, einer lag ruhig im Stroh. Lisas Schreie liefen mir kalt den Rücken hinunter. Ich raste mit Jonas zum Schauplatz und bemerkte, wie es ihm fast den Magen umkehrte. Vor uns lag der Elektriker, mit einem verheissungsvollen roten Flecken auf der Brust und im friedlichen, ewigen Schlaf. Ich habe schon schlimmeres gesehen, zum Beispiel zerstückelte Ehemänner, dachte ich bitter. Jonas betreute Lisa, während ich die Polizei rief. Jetzt musste alles schnell gehen - vielleicht waren Spuren auf der Leiche. Etliche Stunden später war klar; der Täter war kein Amateur. Er hatte nicht den geringsten Tipp hinterlassen. Sie jagen ein Phantom, welches uns alle jagt...

      Ich biss mir auf der Unterlippe herum, während ich den Stall der Ministuten ausmistete. Ständig horchte ich auf, in der Erwartung, einen weiteren Schrei zu hören. Doch es blieb still. Totenstill. Nicht einmal die Pferde waren in der Lage, diese erdrückende Stille zu durchbrechen. Sie schnaubten lediglich hin und wieder leise. Als ich mit den Minis fertig war, befasste ich mich mit den dreijährigen Ponys. Sie waren mittlerweile alt genug um eingeritten zu werden. Zwar standen alle drei noch auf der Fohlenweide, doch wir hatten bereits mit Longentraining und Sattelgewöhnung begonnen. Obwohl alle drei etwa gleichzeitig mit dem Training begonnen hatten, waren erhebliche Unterschiede zu erkennen. Lychee machte fast täglich grosse Fortschritte und arbeitete eifrig mit, manchmal fast zu eifrig. Sweets hingegen war etwas zurückhaltender und brauchte länger, um den Gurt zu akzeptieren. Bluebell war unkompliziert und lernfreudig, mochte es aber überhaupt nicht, angebunden zu werden. Ich fasste eines der schwarzen Standardhalfter und streifte es Sweets über die kurzen Ohren. Sie kam brav mit, als ich mit ihr die Strecke zur Halle lief, bloss hin und wieder drehte sie den Kopf und wieherte. Ein Wohlklang in der Einsamkeit an diesem Nachmittag - dachte ich schmunzelnd. Ich schritt zügig voran und schob das Hallentor auf. Drinnen wärmte Rosie gerade Ocean auf, wie vereinbart. Auch Jockeys mussten ab und zu ein wenig Dressur reiten, um nicht aus der Übung zu kommen, und so konnte ich auch gleich die erfahrene Stute als Lehrmeister für Sweets einsetzen. Kaum erblickte sie Ocean, da wurde Sweets auch schon deutlich ruhiger und konzentrierter. Ich hängte zunächst die Longe ein und liess sie im Schritt um mich herum gehen. Sie tat dies nun zum vierten Mal und wusste bereits, dass sie auf der Kreisbahn bleiben musste. Nur die Biegung konnte noch verbessert werden. Nach vier Runden rief ich deutlich "Trot" und machte etwas Druck mit der Longiergerte, sodass sie beides verknüpfen konnte. Die junge Stute lief schwungvoll - sehr schwungvoll, ich musste sie in ihrem Eifer bremsen. Beim angaloppieren kamen dann die berüchtigten Freudensprünge, doch ich hatte damit gerechnet und vorsorglich Handschuhe angezogen. Nun war es an der Zeit, den Gurt und den Sattel zu holen. Sie wirkte auf den Longiergurt wie zuvor skeptisch, blieb aber still stehen und liess mich ohne zu zicken anziehen. Ich lobte sie einige Male, während ich den Gurt löste und wieder anzog. Als ich das Gefühl hatte, dass sie entspannter sei, holte ich den Sattel und den richtigen Gurt. Ohne zu zögern schwang ich ihn auf Sweets' Rücken und zog den Gurt an, ehe ich ihn wieder löste und das ganze Spiel wiederholte. Später ging ich einen Schritt weiter und longierte sie mit Sattel. Zum Schluss führte ich Sweets noch ein wenig durch die Halle und machte Gehorsamkeitstraining. Danach brachte ich sie in den Nebenstall, wo bereits drei Boxen hergerichtet worden waren. Ja, es war Zeit die Terrorherrschaft der drei Ponys über die anderen Fohlen zu beenden. Sweets zögerte etwas, als ich sie in die hinterste Box führte, sie schien zu ahnen, dass ihr leichtes, sorgloses Dasein auf der grünen Wiese vorbei war. Doch sie wird bald herausfinden, dass es gegen ein anstrengendes, aber spannendes Leben eingetauscht wird, dachte ich schmunzelnd und stellte mir einen herrlichen Wintergalopp mit Sweets vor. Ich liess die kleine Stute in der Box zurück, was ihr so gar nicht passte. Sie lief im Kreis und wieherte nach ihren Kollegen. Den frischen Heuhaufen zu ihren Hufen beachtete sie nicht. Aus einiger Entfernung kam eine gedämpfte Antwort, offenbar wurden Lychee und Blue gerade von Jonas und Rosie geholt. Alles verlief reibungslos: auch die beiden wurden in ihre neuen Boxen gebracht. Blue beschnupperte Sweets prüfend durch das Gitter, dann entspannten sich alle sichtlich und Lychee begann zu fressen. Bald senkte sich auch der letzte Kopf dem Heu entgegen und Ruhe kehrte im Nebenstall ein. Jonas nahm mich spielerisch in den Arm, doch ich war nicht in der Stimmung für Flausen; noch immer horchte ich ständig nach Ungewohntem. Ich kam mir vor wie in einem Krimi. Wir schlenderten zum Hauptstall und ich half beim Wischen.

      Die Dunkelheit schlich sich langsam über den Horizont auf die Britischen Inseln zu und mit ihr die Angst. In der Nacht hatte der Killer bisher gejagt, das war auch überaus vernünftig gewesen. Ich sah zumindest die Logik darin, auch wenn das meine und der Pfleger Situation nicht sonderlich zu bessern vermochte. Ich hatte mich überreden lassen, mit Quinn, Rosie, Lily und Lisa im "Pflegeheim", wie es scherzhaft genannt wurde, zu übernachten. Ich musste zugeben, dass mich der Gedanke an mein einsames, dunkles Zimmer nicht gerade gelockt hatte, doch alles war besser als mit Lisa in einem Raum zu nächtigen - was mir leider viel zu spät klar wurde. Sie plapperte den ganzen Abend mit ihrer schrillen Stimme, als wäre dies eine spassige Pyjamaparty, und spätestens mit ihren etwas taktlosen Horrorszenarien über den Tod des Elektrikers verlor sie den letzten Zuhörer. Ich meinerseits litt bereits an Kopfschmerzen und floh in den Gang hinaus. Im Aufenthaltsraum brannte Licht, Lewis, Darren und Jonas sassen auf den Sofas und unterhielten sich gedämpft. Ich setzte mich wortlos auf den erstbesten Platz der mir einfiel: die Armlehne neben Jonas. Er blickte mich einen Moment geheimnisvoll an, dann wandte er sich wieder den anderen beiden zu. "Do you think they'll catch him soon?" "Nay, he seems to be very clever and of course our dear officers are too lazy, they have not had anything like this since they work here", meinte Lewis. Er fuhr sich gähnend mit den Fingern durch die hellrote Mähne, dann grinste er verheissungsvoll. "I'll go to bed now, or I'll be dead tomorrow." Ich lächelte halbherzig und sah Darren und Jonas an, mit der Erwartung, dass sie ebenfalls aufstehen würden. Doch sie fuhren fort mit dem Gespräch. "They must certainly have found something, or at least they will, 'cause nobody is perfect. He'll make mistakes, like people do" brummte Darren. Jonas konterte: "Jack the Ripper blieb auch verschollen." Darren wollte etwas entgegnen, schloss den Mund jedoch, stumm. Jonas sah mir wieder in die Augen, als wollte er meine Meinung hören. Ich überlegte, dann antwortete ich: "Mir war es egal, wann und wie sie ihn fassen. Solange er einen grossen Bogen um Pineforest Stable machte. Aber das hat er nicht getan, also hoffe ich, dass sie ihn schnappen und er in der Hölle schmort." "Woher weisst du, dass es ein 'er' ist?", wollte Darren wissen. "Ich glaube kaum, dass eine Frau genug Kraft gehabt hätte, um den Elektriker niederzuringen... Abgesehen davon wäre eine Frau geschickter vorgegangen und hätte die Leiche gleich verschwinden lassen." Jonas sah mich gespielt böse an und stupste mir in die Seite, ich musste lachen, da ich schon immer zu den eher Kitzligen gehört hatte. Dann schlang er plötzlich seinen Arm um mich, zog mich von meinem Platz auf seinen Schoss und fasste meine Hand. Ich lachte noch immer, versuchte meine Verwirrung zu verbergen. Darren stand auf und murmelte etwas von wegen "Gute Nacht ihr Turteltäubchen" auf Englisch, ehe er grinsend in einem der Zimmer verschwand. Ich protestierte, in der Hoffnung, dass er es noch hören würde. Mir war bewusst, wonach dieses Szenario aussehen musste, doch ich wusste auch, dass Jonas es nicht ernst meinte (das tat er ja anscheinend nie) und ich wollte keine falschen Gerüchte über uns im Umlauf haben. Besonders Lisa fände solch eine Geschichte bestimmt spannend. Ich schauderte bei dem Gedanken. Jonas wollte mich nun hinlegen, indem er mich hochhob. Ich sperrte mich im ersten Augenblick, doch dann gab ich nach. Mein Herz klopfte, trotz all der Zweifel - ich liess mich fallen. Er legte sich ebenfalls hin, Ende des Spiels war, dass wir beide auf dem Sofa ausgestreckt waren, ich an ihn gekuschelt. Ich hatte mich damit abgefunden, mehr noch; ich begann es zu geniessen. Trotzdem da die übliche Vernunftsstimme in meinem Kopf hallte, "Du weisst, das das nichts ernstes ist". Er fragte leise: "Bequem?" Ich nickte. Ich musste zugeben: es war schon warm und angenehm, wie er den Arm um mich legte. Und das sanfte streicheln seiner Finger über meine Hand jagte mir ein Kribbeln quer durch Körper. Wir lagen dort bestimmt eine halbe Stunde, in der zunächst ich ständig prüfend zur Tür starrte, fest entschlossen bei einer Bewegung sofort aufzuspringen. Ich kann das hier jederzeit beenden, und ich werde ihm auch nicht wieder hinterher trauern. Doch auch nach fünfzehn Minuten war kein Lebenszeichen der Tür zu erkennen, also entspannte ich mich vollends. Und dann war der Spuk auch schon vorbei. Aus einem der vorderen Zimmer rief jemand: "Jonas come here, we want to sleep. If you do not, you have to stay outside!" Er zuckte zusammen und ich stand auf, damit er sich aufrichten konnte. Ein letztes Mal durchwuschelte ich seine dunklen Locken, dann liefen wir gemeinsam zum Gang und trennten uns. Etwas wehmütig war ich schon, denn ich hatte es insgeheim sehr genossen, mit dem Ohr auf seinem Brustkorb dem Herzschlag zu lauschen, oder seinen warmen Atem zu fühlen. Doch ich legte mich in eines der leeren Betten, die anderen schliefen bereits, und leerte meinen Kopf von allen Geschehnissen des Tages, ehe ich in einen kurzen, aber tiefen Schlaf sank.
    • sadasha

      Pflegebericht
      08. März 2015 | von Occulta
      Ein schicksalhafter Tag

      Wie gewohnt lief ich morgens um 5 Uhr durch den Hauptstall und hielt vor der weissen Tafel in der Sattelkammer. Auch Lily und April standen bereits dort und suchten ihren Namen. Am Vorabend waren nämlich die neuen Einsatzpläne für den Februar ausgearbeitet worden. Ich hatte wie immer mitgeholfen beim Einteilen und wollte nun sehen, ob die Jockeys zufrieden waren. April fand sich auf der Liste und rief erfreut: „Yes! I hoped I’d get Fly and Sunday!“ Sie hatte ausserdem noch Blüte und Gray zugeteilt bekommen. Lily nickte ebenfalls zufrieden (sie hatte Light, Campina, Chiccory und Cantastor bekommen) und schien sich im Kopfe schon zu überlegen, wie sie diesen Monat Trainieren wollte. Ich selbst hatte darauf bestanden, wieder Winter und Stromer zu übernehmen, ausserdem hatte ich wie immer Frame bekommen, da der sensible Hengst bei mir mit Abstand am besten lief. Ausserdem hatte ich mich für die neue Stute gemeldet, die wir bei einem Ungarischen Pferdehändler gekauft hatten. Es handelte sich um einen Furioso, ein hübsches dunkelrotes Tier, das jedoch in einem recht schlechten Zustand war. Sie würde heute Nachmittag nach einer langen Auto- und Fährenfahrt ankommen. Noch am Morgen würde ein neuer Vollbluthengst ankommen, von dem wir uns viele Erfolge für die Zukunft erhofften. Ausserdem hatte ich beschlossen, Feline wieder zu mir zu holen. Die Stute hatte sich zu einer echten Schönheit gemausert und so wollte ich sie nicht länger verkaufen. Es fiel mir schwer zuzugeben, dass Elliot recht gehabt hatte und tatsächlich Potential in ihr steckte.
      Ich entschied, zuerst zu Stromer zu gehen und mich der ersten Morgengruppe für die Hengste anzuschliessen. In dieser Gruppe liefen bisher anscheinend Muskat, Empire, Light und Sunday mit. Eine gute Gruppe, dachte ich zufrieden, denn Muskat und Empire waren ja schon etwas älter und erfahren, die jungen Pferde konnten viel von ihnen lernen. Sie wurden eigentlich auch nicht mehr offiziell zum Rennen eingesetzt, nahmen jedoch immer noch regelmässig am Training teil damit sie fit blieben und Kondition fürs Springen hatten. Ich löste die Schnallen von Stromers babyblauer Fleece-Decke und faltete sie über der Kruppe. Dann schnappte ich mir die Langborsten Bürste und wischte damit über sein geschorenes Fell. Für den Kopf nahm ich eine kleinere Kopfbürste, denn er mochte die Grossen Bürsten nicht bei den Ohren. Nachdem ich auch mit der Kardätsche und dem Fellhandschuh über den Körper des Hengstes gefahren war, befand sich kein Stäubchen mehr auf dem Stoppelfell. Auch die Mähne wurde schön gekämmt und auf eine Seite gelegt, doch nach einmal schütteln hatte sie Stromer wieder kreuz und quer über den Hals fallend. Ich musste schmunzeln bei dem Anblick, denn er schien sich immer dann zu schütteln, wenn ich einen Bändigungsversuch an dem weissen Langhaar unternommen hatte. Als nächstes holte ich den kleinen Rennsattel und das Zaumzeug, wobei ich zu Empire und Thomas rüber schielte und feststellte, dass der Jockey auch erst am Satteln war. So weit so gut – als ich fertig war, führte ich meinen Cremello nach draussen zum Aufsteigen. Er wartete geduldig bis ich oben war und die Bügel eingestellt hatte. Ich schloss mich Light und Sunday an, sobald die beiden in Richtung Galoppbahn ritten. Wir würden wie immer zuerst dort aufwärmen und danach auf die Grasbahn gehen, die noch immer von einer dünnen Schneeschicht bedeckt war. Stromi war gut drauf und machte schön lange, geschmeidige Schritte. Ich freute mich also auf ein tolles Training. Während dem Schrittreiten plante ich, was heute noch alles zu tun war. Um vier Uhr fand ein Qualifikationsrennen in Nottingham – Colwick Park statt, bei dem the Cold Crack of Dawn und Campina eingetragen waren. Tom und Lily würden sich beim Training unter keinen Umständen verletzen dürfen. Endlich trabte die Gruppe an und ich tat es den anderen gleich. Wir ritten schön hintereinander den Schnitzelweg entlang, dann bogen wir auf den Kiesweg in Richtung Trainingsbahn. Wir starteten heute im Feld und jeder trainierte für sich, wobei wir ab und zu kleine Kopf-an-Kopf Sequenzen einbauten. Einmal rief ich zum Beispiel April, die daraufhin etwas abbremste damit ich aufholen konnte. Sunday gab sich alle Mühe, meinen sechsjährigen Cremello nicht nach vorne zu lassen, doch Stromer streckte sich wie eine geschmeidige Katze und schob sich bei jedem Sprung einige Zentimeter vor. Am Ende des Trainings fiel mir auf, dass Light ein paarmal hustete. Zur Sicherheit sagte ich Oliver Bescheid, der es ebenfalls schon von seiner Beobachterposition am Rand der Bahn bemerkt hatte. Er verordnete einen Ruhetag und eventuell einen weiteren, falls es nach einem längeren Longieren wieder passieren würde. Auf meine Frage hin meinte er, dass es nichts Ernstes sei und sich der fast schwarze Hengst vermutlich etwas erkältet hatte. Ich nickte, beruhigt, dass er dasselbe dachte. Wir verräumten die Pferde, wobei ich Stromer lange mit der Fleecedecke trockenführte, damit er nicht auch noch zu husten anfing. Danach holte ich das Putzzeug von Winter, denn der war als nächstes dran. Mein grosser Schneemann sah mich ungeduldig an und verdrehte die Augen beim ausgiebigen Gähnen. Ich bürstete das weisse Fell liebevoll und kratzte die Hufe aus, ehe ich ihn sattelte und zäumte. In dieser Gruppe liefen Fly, Chiccory und Spot mit, ausserdem einige der Stuten: Paint, Capri und Diana. Dies klappte normalerweise Problemlos, da die Jockeys die Hengste voll im Griff hatten und diese sich sowieso eher auf das Training konzentrierten. Ich beobachtete beim Aufsteigen belustigt, wie Spot herumalberte, als Quinn auf seinen Rücken klettern wollte. Dem Vollblüter mit den lustigen Flecken konnte man einfach nicht böse sein. Er zählte zu meinen absoluten Lieblingen, doch natürlich liebte ich alle meine Pferde. Jedes von ihnen hatte seine eigene Geschichte und seinen eigenen Charakter, was das Reiten immer wieder aufs Neue spannend machte. Es kam auch häufig vor, dass ich mich mit den Pflegern absprach und spontan ein Pferd ritt, welches nicht bei mir eingeteilt war. Ich hatte kein Problem damit, den ganzen Tag im Sattel zu sein.
      Das Training mit Winter verlief wiederrum gut, allerdings war er nicht in Bestform gewesen und hatte seine Zeit vom letzten Mal überboten. Ich lobte ihn trotzdem sehr beim Absteigen, und hielt ihm ab und zu ein Karottenstück hin beim Trockenführen. Ich lief mit ihm hinunter zu den Weiden, liess ihn an den Minis schnuppern und die Nase zu den Hengstfohlen stecken. Die ganze Zeit über machte Winter ein fröhliches Gesicht und hatte die Ohren entspannt nach vorne gerichtet. Das Wetter war auch herrlich: Die Sonne schien und obwohl es noch immer ziemlich kalt war, kam es mir vor wie an einem Frühlingstag. Doch ich liess mich nicht täuschen, es war erst Februar und der Winter würde sich bestimmt nicht so leicht geschlagen geben. Ich brachte meinen Hengst nach zwanzig Minuten zurück in den Hauptstall und schaute, dass es ihm an nichts fehlte, ehe ich die Boxentüre schloss. Ich sah auf die Uhr. Schon acht! Herrjeh, ich muss noch Frame beschäftigen ehe ich den Vollbluthengst und Feline abhole. Ich beschloss, den Hengst zu longieren, denn das hatte ich schon länger nicht mehr mit ihm gemacht. Er war, seit seine Wunden vollständig verheilt waren, intensiv trainiert worden und hatte ordentlich Muskeln und Kondition aufgebaut. Von dem schwächlichen Jährling, den ich damals auf der Wiese gesehen hatte, war äusserlich keine Spur mehr. Innerlich spukten jedoch immer noch die Bilder von damals in dem Hengst, sodass er kaum eine Person ausser mir wirklich nahe an sich heranliess. Immerhin hatten wir ihn so weit, dass er sich auch von anderen Pflegern einigermassen problemlos führen liess. Doch es war noch ein langer, vielleicht unendlicher Weg bis zum nervenstarken, coolen Leistungssportler. Wie Oliver so schön sagte – das beste Rennvermögen nützt nichts, wenn sich das Tier beim Start erschreckt und den Jockey runterbockt. Ich seufzte bei dem Gedanken an den letzten Versuch mit Lily. Das war nun beinahe zwei Wochen her. Frame hatte sich nicht nur geweigert, in die Startbox zu gehen, er hatte sich auch mitten im Trainingsrennen erschreckt und war aus der Gruppe ausgebrochen, wobei er nur haarscharf an Muskat vorbeigestolpert war. Es hätte übel ausgehen können und Lily war danach so wütend, dass sie sich weigerte, wieder aufzusitzen. Bei mir war der Hengst, aus welchen Gründen auch immer, brav wie ein Lamm. Er folgte mir ohne Seil, zickte nicht rum beim Aufsteigen, tat überhaupt alles, was ich von ihm verlangte. Nur ab und zu vermochte ihn ein plötzliches Geräusch oder eine schnelle Bewegung im Gebüsch zu erschrecken. Jedenfalls putzte ich ihn an diesem Morgen rasch, legte ihm den Longiergurt an und hängte die Doppellonge ein. Dann ging ich mit ihm in die Halle, da dort die Ablenkungsgefahr geringer war. Ich übte mit ihm eine halbe Stunde diverse Übergänge, die Biegung und das schwungvolle Schieben aus der Hinterhand. Danach nahm ich mir Zeit, ihn zu versorgen und hastete anschliessend auf den Parkplatz zum Auto. Zuerst fuhr ich mit dem Anhänger eineinhalb Stunden nach Bristol um den Hengst namens Caspian zu holen. Ich hatte ihn direkt von seinem Züchter gekauft, den ich an einer Auktion kennengelernt hatte. Er hatte mir Caspian weit unter seinem Wert überlassen unter der Bedingung, dass seine Tochter, der er sehr ans Herz gewachsen war, ihn später hin und wieder besuchen durfte. Es war ein rührender Abschied vor Ort, denn die 16 Jährige kannte den Hengst seit seinen ersten wackeligen Schritten. Doch so war das nun mal, sie hatte von Anfang an gewusst, dass der Tag kommen würde, an dem sie ihn loslassen musste. Ich für meinen Teil war froh, Caspian nun endlich nach Hause fahren zu können. Doch auf dem Rückweg ging es erstmal noch zu Feli, die mich mit Diana zusammen schon erwartete. Diana wollte auch in Zukunft immer mal wieder rüber auf Pineforest Stable kommen um Feli zu besuchen, doch sie hatte mittlerweile endlich ein eigenes Pferd von ihrem Vater bekommen, sodass sie sicherlich genug zu tun hatte. Zurück auf dem Hof half mir Jonas beim Ausladen und brachte Feli gleich in den Nebenstall, während ich Caspian vorerst in die Box neben Shio stellte. Falls das gut klappen würde, würde er auch dort bleiben dürfen, wenn nicht, dann mussten wir mal wieder eine neue Boxenordnung ausarbeiten. Der Schimmel schnupperte zwar interessiert an Shio, wandte sich dann jedoch gierig dem Heu zu.
      Am Nachmittag kam wie erwartet Satine, die Furioso Stute. Sie sah noch übler aus, als ich sie in Erinnerung hatte, doch wenigstens schien sie unverletzt. Traurig betrachtete ich das ehemalige Zirkuspferd aus der Nähe. Sie hatte kaum Muskeln und war mager bis auf die Rippen. Selbst ihre strahlend blauen Augen wirkten nichts als gestresst und müde. Ich fasste sie etwas näher am Halfter, als die den Kopf vor meiner Hand wegziehen wollte und murmelte beim Streicheln „Everything’s allright, you’re at home now.“ Sie senkte den Kopf etwas und blinzelte, weil sie Angst hatte, dass ich ihr in die Augen fasse. Ich führte sie nach einigen Minuten langsam in den Nebenstall, denn sie lief von der langen Fahrt noch wackelig und unsicher. In der Box machte sie sich nur halbherzig über das Heu her, sodass ich mich gezwungen sah, einen Tierarzt zu rufen. Hoffentlich ist sie nicht ernsthaft krank, betete ich innerlich. Die Diagnose war eine mittelschwere Lungenentzündung. Würden keine Komplikationen auftreten, so konnte sie in etwa zwei Wochen grösstenteils genesen sein. Sie bekam Antibiotika und strikte Stallruhe verordnet. Die Stute tat mir leid, denn sie hustete nun auch hin und wieder, was ihr Schmerzen zu bereiten schien. Wenigstens bestand kein Risiko für die anderen Pferde. Nachdem ich noch eine Weile bei ihr geblieben war und sie besorgt beobachtet hatte, ging ich zum Hauptstall um zu sehen, wie weit Tom und Lily waren. Sie hatten die Sättel und das restliche Zubehör bereits in den Anhänger gebracht und zogen nun gerade den Vollblütern die Transportgamaschen an. Campina stand bockstill und liess Lily an sich herumzupfen, während Crack wie immer vor und zurück zappelte. Ich half kurz, die Stute festzuhalten und streichelte sie liebevoll, während ich das Halfter hielt. Sie bedeutete mir sehr viel, denn ich hatte sie damals von Jack zum Geburtstag geschenkt bekommen, das machte sie unbezahlbar. Endlich waren die Gamaschen fest um die Beine gelegt und die Pferde wurden zum Parkplatz geführt, wo sie ohne zu zicken die Rampe hochliefen. Ich wünschte den fünfen eine gute Fahrt (Oliver ging als Trainer natürlich auch mit, ich hingegen hatte heute noch zu viel zu tun) und viel Glück beim Rennen. Besonders von Campina erhoffte ich mir eine gute Platzierung, denn die Stute war im Training ausgezeichnet gelaufen und schien auch heute in Topform zu sein. Fröhlich summend ging ich zu Rita, die beim Nebenstall Calico sattelte. Ich hatte versprochen, ihr heute eine Reitstunde zu geben. Die junge Frau, die mittlerweile sogar die Ausbildung zum Jockey in angriff genommen hatte, war extrem fleissig und saugte neues Wissen über Pferde auf wie ein Schwamm. Sie hatte sich von der gnadenlos überforderten Anfängerin zur zuverlässigen Pflegerin gemausert und wohnte nun sogar endlich mit den anderen im Pflegerheim. Ihr Vater hatte sich anfangs dagegen gesträubt, doch schliesslich hatte sie gewonnen, da sie ja schon 24 war und damit gedroht hatte, externe Hilfe anzufordern. Sie konnte zwar nun nichtmehr vom Reichtum ihres Vaters profitieren, doch das brauchte sie auch nicht. Sie verdiente sich ihr Geld nun selbst. Ich war anfangs sehr skeptisch gewesen, was ihren Charakter betraf, hatte ich sie doch als verwöhntes einzelkind eingeschätzt. Doch die Pfleger und ich hatten sie nun wirklich lieb gewonnen und sie war ein fester Teil von uns geworden. Als wir auf dem Platz waren stellte ich einmal mehr fest, dass sich das harte Training gelohnt hatte: Rita sass gerade und selbstsicher auf dem Schimmelhengst, hielt die Absätze tief und am rechten Ort. Ich musste sie jedoch ab und zu daran erinnern, die Hände nicht zu hoch zu halten. Calico spielte brav mit. Er hatte gelernt, respektvoll mit seiner ehemaligen Besitzerin umzugehen und lief bei den restlichen Pflegern und mir sowieso wundervoll. Ich hatte recht behalten: der Hengst hatte eine ausgezeichnete Veranlagung und lernte so schnell wie Rita. Nach der Stunde ging ich mit Sorrow ins Gelände. Es wäre eine Schande gewesen, solch wundervolles Wetter nicht zu nutzen. Vor dem Aufsteigen flocht ich dem stämmigen Hengst einen französischen Zopf in die Mähne. Es stand ihm ausgezeichnet. Wir ritten zum Fluss, überquerten die Brücke und dann nach Süd-Osten zu den beliebten Galoppstrecken. Sorrow gab ordentlich Gas auf den grasüberwachsenen Feldwegen, liess sich jedoch stets wieder bremsen. Einmal kam uns eine Frau mit einem schwarzen Hund entgegen, an dem der Hengst interessiert schnupperte. Dann hüpfte der Hund wieder davon und wir setzten unseren Ritt gemütlich fort. Genoss die Sonne und auch Sorrow drehte die Ohren zufrieden in der Umgebung herum. Auf dem Rückweg liess ich ihn etwas Schulterherein laufen und stellte ihn an den Zügel. So hatten wir auch unsere heutige Protion Dressur.
      Als ich auf dem Kiesweg an den Weiden vorbei ritt, klingelte plötzlich mein Handy. Huch, Was ist denn nun wieder los? Ich nahm ab und erkannte erschrocken Olivers besorgte Stimme. „We‘ve had an accident, you must come quickly to decide what to do with the horses.“ Wie in Trance stieg ich ab, rief Rosie, die Sorrow übernahm und rannte zum Parkplatz. Man hatte entschieden mich vor Ort zu rufen, da die Unfallstelle nur zwanzig Minuten entfernt war. Vor Ort fand ich einen Krankenwagen und mehrere Polizeiautos, ausserdem war bereits ein Tierarzt da. Wie sich herausstellte, hatten die drei eine Kollision mit einem betrunkenen Geisterfahrer gehabt. Dabei hatte sich der Transporter überschlagen. Tom, der gefahren war, war bewusstlos und hatte einige Brüche erlitten, sein Zustand war aber so weit stabil. Lily hatte einen gebrochenen Arm und Prellungen und Oliver war mit einer blutenden Nase davongekommen. Doch am schlimmsten hatte es die Pferde erwischt. Campina hatte starke Prellungen und lahmte. Für Crack gab es keine Rettung mehr. Ich stimmte zu, die Stute von ihren Leiden zu erlösen, denn sie hatte mehrere komplizierte Brüche erlitten und konnte nicht mehr aufstehen. Es war ein schrecklicher Augenblick, als der Tierarzt die Spritze aufzog, und ich drehte mich weg zu Pina, vergrub mein Gesicht in ihrem weichen Fell. Meine wunderschöne kleine Crack, das Geschenk von Jack! Es kam mir so unfair vor, dass mir nun auch diese Erinnerung an ihn genommen wurde. Doch es war besser für die Stute, alles andere wäre Quälerei gewesen. Campina wurde in eine Klinik in der Nähe gebracht, wo sie umfassend untersucht und behandelt wurde. Tom landete im Krankenhaus, durfte zum Glück aber schon nach vier Tagen nach Hause zu seinen Eltern. Auf Pineforest Stable würde er erst wieder in ein paar Monaten zurückkehren, wenn er wieder einsatzfähig war. Lily kam noch am selben Tag mit uns zurück auf den Hof, den Arm in eine Schlinge gehüllt. Sie wurde liebevoll von den anderen begrüsst und Ajith übernahm die ihr zugeteilten Pferde für den restlichen Monat. Ich wanderte nach all den aufmunternden und mitleidigen Worten der anderen still ins Haupthaus, wo ich mir erstmal einen Tee machte. Ich starrte während dem Trinken aus dem Fenster und beobachtete, wie Jonas den Kiesweg entlang zur Tür kam und klopfte. Soll ich aufmachen? Eigentlich will ich nicht… Ich bewegte mich nicht von der Stelle und wartete, bis er wieder verschwunden war. Trotzig dachte ich: wenn etwas passiert bin ich gut genug für dich und sonst behandelst du mich wie Luft. Spar dir die Mühe. Dann legte ich mich aufs Sofa und versank bis zum Abend in Melancholie. Der Tag hatte so schön begonnen, und nun das.
      Am Abend schlenderte ich lustlos zur Halle, wo Lisa gerade eine Reitstunde gab. Es waren ein paar Leute von auswärts da und vier Pfleger: Darren mit Herkir, Jason mit Bluebell, Jonas mit Loki und Anne mit Sweets. Ich setzte mich in den Zuschauerraum hinter die Scheibe und sah zu. Blue lief wiedermal zügig, sodass Jason ständig abwenden musste. Sweets ging beinahe konstant in Anlehnung, doch Anne liess sie zwischendurch strecken, damit sie nicht zu müde wurde. Schliesslich waren beide Pferde erst seit kurzer Zeit unter dem Sattel und noch nicht vollständig ausbalanciert. Herkir und Loki liefen mittlerweile richtig toll und nur Herkir gab ab und zu Gas – immer dann wenn Darren angaloppieren wollte. Ich war zufrieden mit den vieren. Nach der Stunde wollte ich mich wegschleichen, doch Jonas erwischte mich. „Warum hast du nicht reagiert, als ich geklopft habe?“, wollte er wissen. „Ich hab dich nicht gehört.“ „Aber ich war echt laut…“ „Kann passieren. Gute Nacht.“ Es schmerzte, so kalt zu sein, doch er hatte es verdient, da war ich mir sicher. Er sollte ruhig sehen, wie sich das anfühlte. Ich lief nocheinmal durch die Ställe und ging sicher, dass alle Pferde eingedeckt waren, dann legte ich mich ins Bett. Was für ein Tag…

      Pflegebericht
      28. Juli 2015 | von Occulta
      Gesellschaft für Echo

      Gähnend verliess ich das Haus, wie immer um 5 Uhr morgens. Ich hatte eigentlich nie Schwierigkeiten um diese Uhrzeit schon wach zu sein, aber heute fühlte ich mich wie gerädert. Selbst der kurz gezogene Schwarztee hatte daran nichts geändert. Auf dem Weg traf ich auf Lisa, Darren, David, Quinn und Ajith, die sich pünktlich wie immer zu den Ställen begaben. Ich schloss mich Quinn und Ajith an. In der Sattelkammer des Hauptstalls besammelten sich alle Jockeys, wie jeden Morgen, um den Trainingsplan zu besprechen. Heute starteten in der Morgengruppe zuerst die Erfahrenen Pferde, denn in einer Woche war ein wichtiges Qualifikationsrennen in Doncaster für die drei und vierjährigen. Das Feld bestand aus Lily mit Sunday, April mit Spot, Quinn mit Campina, Rita mit Winter, Tom mit Fly, Oliver mit Yalata und mir mit Gleam of Light. Tom und Fly waren ein Experiment, denn der Pfleger war sehr ruhig und sorgfältig im Umgang mit den Pferden, hatte aber dennoch genug Kraft, was mich zuversichtlich stimmte, dass er mit Fly klarkommen würde. Wir putzten die Pferde und stiegen dann auf, um im Schritt zur Galoppbahn zu reiten. Der grosse schwarze Light tänzelte schon ungeduldig, obwohl er sich beim Bürsten absolut brav benommen hatte. Aber er war bekannt dafür, im Umgang ein Engel zu sein. Wir ritten schön hintereinander im Trab zum Aufwärmen. Ich musste Lights Zügel die ganze Zeit über kurz halten und tief in den kleinen Rennsattel sitzen, um ihn ruhig zu halten. Auch Spotted Timeout war geladen, aber Quinn hatte ihn im Griff. Smelyalata erschrak in der dritten Kurve vor einer Amsel und scheute zur Seite. Oliver ging geschickt mit der Bewegung mit und gab ihr eine Parade, um sie vor einem erneuten Sprung abzufangen. Schon waren die beiden wieder auf Kurs. Nach dem Einwärmen bogen wir auf die eigentliche Rennbahn. Es war jedes Mal ein tolles Gefühl hier zu sein, auf dieser grossen, neuen Strecke mit dem trotz der Sommerhitze saftigen, kurzen Gras. Die Hitze – die war so früh morgens zum Glück noch nicht zu spüren, aber frühestens am Nachmittag würde ich mich wieder nach einem Bad sehnen. Fly stieg wiedermal vor den Startboxen, also musste Ajith, der wiedermal Bodenassistent spielte, zu Hilfe eilen. Indem wir die Türen ganz öffneten und ich mit Light voraus ritt, schafften wir es schliesslich, den braunen Hengst hinein zu bugsieren. Ich schloss die Türen vorne, bevor er mir und Light gleich wieder hinterher traben konnte, während Ajith hinten zuzog. Flys Augen waren noch immer geweitet und seine Nüstern gebläht. Er hielt den Kopf aufgeregt oben und die Ohrenspitzen berührten sich fast. Kopfschüttelnd dachte ich, wann wird er endlich wieder normal in eine Startboxe gehen? Nun trieb ich Light ebenfalls in seine Box und wartete gespannt auf den Start. In Lights Körper kribbelte jede Faser; er war sowas von bereit. Ich machte mich gefasst auf seinen üblichen, gewaltigen Absprung und duckte mich tief nach unten – da krachte es und die Türen flogen auf. Light schoss wie erwartet nach vorne und war sofort an der Spitze. Ich hielt ihn energisch zurück, denn sonst würde er sich zu früh verausgaben. Heute war zwar keine besonders weite Distanz geplant („nur“ 1600 Meter) doch ich kannte den Hengst gut und wusste, dass er grössere Leistungen brachte, wenn er im letzten Viertel noch in der Mitte des Feldes lag. Wir trainierten etwas härter als sonst, um zu testen, ob die jungen Athleten fit für das Rennen waren. Dazu trieben wir die Vollblüter von Anfang an zu einer hohen Grundgeschwindigkeit an, die im Finish nochmals gesteigert wurde. Light hielt durch und ich konnte ihn auf der Zielgeraden an den anderen vorbei pilotieren, sodass wir mit einer Länge Abstand gewannen. Gleich hinter uns folgte Winter ins Ziel. Der weisse Hengst hatte im Moment eine Art Glücksphase, denn er war bei den letzten acht Trainingsrennen immer entweder auf dem ersten oder dem zweiten Platz gelandet. Ich tätschelte Light stolz den Hals und warf ein rebellierendes Büschel der sportlich geschnittenen, rabenschwarzen Mähne wieder auf die richtige Seite. Wir ritten zum Abkühlen in Richtung Pinienwald und dann denselben Weg wieder hoch. Dann versorgten wir die Pferde und die Pfleger gönnten sich in der Reiterstube der Halle einen Kaffee. Ich jedoch lief weiter zur grossen Stutenweide, um Echo zu holen. Ich wollte mit der Stute ins Gelände, ehe ein ganz besonderer Zuwachs ankommen würde. Heute würde nämlich endlich Unbroken Soul of a Rebel eintreffen. Sein Begleitpfleger hatte mir vorhin angerufen und mich informiert, wann genau er ankommen würde. Dem Hengst ging es soweit gut und er war anscheinend auch nicht allzu gestresst gewesen, aber das erstaunte mich auch nicht, denn er war für seine Nervenstärke bekannt. Auch für seine etwas sture und wählerische Art hatte er Bekanntheit erlangt, was mir jetzt schon ein mulmiges Gefühl in die Magengegend trieb. Würde er mich als Bezugsperson akzeptieren? Andererseits vertraute ich auf meine Fähigkeiten im Umgang mit Pferden. Grinsend beschloss ich im Stillen „Challenge accepted!“ und lief zügig durch das Weidetor.
      Das hübsche Lederhalfter von Echo, das an der Stallwand hing, legte ich mir um die Schulter. Dann lief ich zu den schattenspendenden Bäumen, unter denen sich die Pferde gesammelt hatten. Sie sahen mir alle entgegen, alle bis auf Noir. Denn die Stute war im Moment gar nicht hier, sondern bei Sarah McAlistair zur Ausbildung. So wie ich Sarah kannte, fühlte sich Noir dort bestimmt wie im Paradies. Bevor ich zu Echo vordringen konnte, musste ich an Feline vorbei, die mich fast auffrass. Ich schickte sie einige Schritte rückwärts, da sie zu aufdringlich war. Schmusen war gut und recht, aber sie durfte nicht zu unverschämt werden. Nachdem ich auch Moon ein wenig gestreichelt hatte, halfterte ich die Paint Stute auf. Sie zog zuerst den Kopf etwas hoch, aber ich schaffte es trotzdem das breite Lederhalfter über ihre Ohren zu streifen. Nun führte ich sie zum Offenstallgebäude und band sie an. Sie stand schön brav da während ich sie rasch bürstete und hübsch machte. Dann holte ich den Militärsattel aus dem abgetrennten Bereich im Inneren des Stalls und machte sie fertig zum Aufsteigen. Ich wollte ihr irgendwann noch einen Western-Kavalleriesattel besorgen, wegen Style und so, aber für den Moment fand ich den auf den ich jetzt aufstieg ganz bequem. Ich ritt im Schritt vom Hofgelände weg und trabte dann zügig einige Feldwege entlang. Dabei achtete ich darauf, dass sie das Tempo beibehielt, ohne dass ich treiben musste. Das Ziel war, dass sie erst langsamer wurde, wenn ich sie bremste. Ganz klappte es noch nicht, aber immerhin blieb sie im Trab. Ich galoppierte einen Hügel im Wald hinter der Whispering Creek Ranch hoch, machte eine grosse Schlaufe mit einigen weiteren Waldgalopps und ritt dann im Trab Richtung Fluss zurück. Ich trabte geradewegs auf das Wasser zu, denn der Fluss hatte einen rekordmässig tiefen Spiegel und ich wollte testen, ob sie einfach so hineintrabte. Schon spritzte das Wasser auf beiden Seiten hoch und wir befanden uns mitten im Flussbett. Ich lobte sie und parierte in den Schritt durch. Wir überquerten die mit ein paar Bäumen und Büschen bestückte Insel und ritten dann durch den zweiten Flussarm. Hier war der Boden sandig unter dem Wasser, sodass ich mich fast wie am Meer fühlte. Nun trieb ich sie aber zurück in Richtung Pineforest Stable.
      Wir wurden von Oliver empfangen. „Can you come and have a look at Muskat? He’s a bit lame I fear.” Ich nickte und stieg ab. Ich führte Echo mit zum Hauptstall, wo ich sie beim Waschplatz anband. Dann kam Oliver mit Muskat nach draussen und führte ihn mir auf dem Schotterweg vor den Weiden vor. Tatsächlich lief er vorne rechts nicht sauber. „Okay, I’ll call the Vet after I took care of Echo. It doesn’t look too bad, but save is better than sorry.” Ich streichelte Muskat liebevoll und kehrte zu Echo zurück. Die Stute hatte das Abspritzen nötig, denn es war immer noch unglaublich heiss und sie hatte geschwitzt. Sie zappelte etwas, als das kalte Wasser an ihre Beine kam. Als ich fertig war, kam mir Alan entgegen, einer der beiden neuen Pfleger. „Hi boss, Daydreaming Sorrow was lunged this morning, but I’d like to take him out again for a forest gallop…“ “Alright, he’ll like that”, antwortete ich lächelnd. Obwohl der junge Mann erst vor drei Tagen angefangen hatte, konnte man denken er sei schon Jahre hier und er kam ausgezeichnet mit den Hengsten des Nordstalls klar. Ich mochte seine stille, aufmerksame Art und war sicher, die richtige Entscheidung bei der Auswahl aus den vielen Bewerbungen getroffen zu haben. Auch das 19 jährige Mädchen, Linda, verstand sich schon hervorragend mit den anderen Pflegern. Sie hat aber auch einen Bonus durch Jason, dachte ich schmunzelnd. Die beiden waren gut befreundet. Er hatte ihr vor ein paar Wochen vorgeschlagen, sich bei mir zu bewerben. Natürlich waren aber schliesslich ihre Fähigkeiten ausschlaggebend für ihre Einstellung gewesen.
      Ich schob diese Gedanken beiseite, als ein Transporter auf den Parkplatz fuhr. Das muss er sein! Freudig beschleunigte ich meinen Schritt und kam gerade recht, um die Klappe zu öffnen. Da stand er, der wunderschöne Paint Hengst mit der weissen Hinterhand die aussah, als wäre er rückwärts in einen Farbtopf gefallen. Er war ein Traum, nicht nur von der Farbe her: Sein Körper war sehr gut bemuskelt und der Kopf mit den hübschen kleinen Ohren und nussbraunen Augen drehte sich mir aufmerksam zu. Ich streichelte ihm vorsichtig über die Stirn und gab ihm einen Moment Zeit, mich kennenzulernen, ehe ich ihn rückwärts aus dem Transporter schob. Im Sonnenlicht schimmerte sein kurzes Sommerfell wie eingeölt. Ich bedankte mich herzlich beim Begleitpfleger und führte Rebel geradewegs zum Nordstall, wo er sich einleben konnte, bis er am Abend erstmal neben den anderen Hengsten auf die Weide durfte. Es war mir zu riskant, ihn schon heute zu den anderen zu lassen, zumal ich nicht wusste, wie er reagieren würde. Er drehte sich noch etwas in seiner neuen, geräumigen Box, dann begann er, sein Heu zu mampfen, wobei er zwischendurch wieder den Kopf hob und herumlief.

      Es war mittlerweile Abend geworden und ich stand beim robusten Holzzaun der grossen Weide beim Pinienwald. In einiger Entfernung grasten Co Pilot, Vychahr, Peace, Donut, Baccardi, Dancer, Sorrow und Burggraf. Die restlichen Hengste befanden sich auf der obersten Weide, damit es nicht zu viel Gruppendynamik gab. Rebel war alleine auf der Weide dazwischen, aber ihn trennte jeweils noch eine Strasse oder ein Feldweg von seinen zukünftigen Kumpels. Sie schienen ihn nicht gross zu verunsichern, jedenfalls liess er es sich nicht nehmen, direkt am Zaun zu fressen, da das Gras bekanntlich auf der anderen Seite des Zauns immer grüner wächst. Belustigt beobachtete ich einen harmlosen Spielkampf zwischen Dancer und Pilot. Es war toll den kraftvollen Hengsten beim Balgen zuzusehen, aber natürlich blieb ich im Stillen immer bereit, im Ernstfall einzugreifen. Die Hengste waren zwar sehr ausgeglichen und friedlich, doch in seltenen Fällen artete das Spiel aus und dann musste ein Schlichter dazwischen, bevor sich jemand verletzte. Viele befreundete Züchter konnten es nicht nachvollziehen, dass ich das Risiko auf mich nahm und die teuren Hochleistungssportler zusammen raus liess. Aber ich war der Ansicht, dass diese Pferde genau deswegen so ausgeglichen waren und ihr volles Potential zeigten. Pilot und Dancer bewiesen mir in ebendiesem Moment, dass ich Recht hatte und ein friedliches Spiel nicht nur möglich war, sondern auch von allen Beteiligten geschätzt wurde. Jedenfalls klappt es gut, solange keine Stuten in der Nähe sind. Plötzlich spürte ich eine Hand auf meiner Schulter. Ich drehte mich um und stand direkt vor Jonas, der mich anlächelte. Ich antwortete ebenfalls mit einem herausfordernden Lächeln. Er schlang seinen Arm um mich und wir liefen gemeinsam zurück zum Haupthaus. Die Frage brannte mir die ganze Zeit über auf der Zunge, doch ich konnte mich erst vor der Tür überwinden, sie auszusprechen. „Willst du heute hier schlafen?“ „Okay“, war alles was ich zu hören bekam. In dieser Nacht lagen wir eng beieinander und ich genoss jede Sekunde, in der ich seinen rhythmischen Herzschlag hörte. Ich fühlte mich auf einmal so lebendig. Ich wusste weder, warum ich ihn überhaupt hereingelassen hatte, noch warum er sich auf mich einliess. Aber ich war glücklich, und er schien es auch zu sein.

      Pflegebericht
      01. Oktober 2015 | von Occulta
      Vorbereitungen

      Ich stand gerade mit Jonas auf dem Sandviereck, um Lisa bei ihrem Training mit Feline zuzusehen. Die Stute musste fit sein, denn in wenigen Wochen stand ein grosses Event bevor: Jolympia. Ich hatte beschlossen, auch etwas mitzumischen und kurzerhand Indiana und Feline genannt. Doch damit war es natürlich noch nicht getan – nun mussten die beiden Pferde entsprechend auf das Turnier vorbereitet werden. Indiana war ziemlich gut im Trainingsplan vorangekommen, doch Feline hatte sich vor kurzem auf der Weide einen Fehltritt geleistet und hinten links einen etwas geschwollenen Fesselträger gehabt. Die Schwellung war mittlerweile zurückgegangen, doch dadurch hatten wir einen Trainingsrückstand von etwa zwei Wochen. Feline hatte noch etwas Mühe mit den Schenkelweichen, denn sie kreuzte hinten zu wenig. Indiana machte dafür Probleme im Cross Country: Sie zog vor den Hindernissen extrem an und kam so meist unpassend. Doch an beidem arbeiteten wir nun intensiv. „Nimm das Bein noch etwas weiter nach hinten“ riet ich Lisa, als sie an uns vorbei kam. Sie setzte die Anweisungen um und hatte prompt etwas mehr Erfolg. Nach weiteren zwanzig Minuten beendeten wir das Training und Lisa ging mit der Criollostute auf die Galoppbahn zum Trockenreiten. „Gehst du zu Oliver und sagst ihm, dass Diana morgen nicht im Renntraining mitlaufen soll?“, forderte ich Jonas auf, der noch immer neben mir stand. Er nickte und schlenderte davon. Ich dachte kurz nach, was ich noch alles vorhatte. Stallkontrolle, Springen mit Dream, nach Pointless sehen. Ich begann in ebendieser Reihenfolge. Im Hauptstall duftete es nach frischem Stroh, wie es sich gehörte. Die teuren Rennpferde standen allesamt auf ihrem trockenen Bett und sortierten gelassen die Hälmchen. Manche trugen schon Fleece Decken, denn wir wollten vermeiden, dass sie viel Winterfell produzierten. Ich sah kurz bei Chiccory rein, denn letztes Mal hatte April vergessen, seine Tränke zu säubern. Ich fand zwar noch ein paar Strohhalme darin, doch die schienen frisch zu sein, woraus ich schloss, dass meine Zurechtweisung von gestern Früchte trug. Zufrieden tätschelte ich dem Scheckhengst auf die Schulter. Er war einer der Kandidaten, die ohnehin nicht viel Winterfell hatten. Seine Mähne war noch ganz weich und geschmeidig vom Einflechten am Samstag. Wir hatten mit ihm und Sunday am Jubiläums Cup einer kleineren Bahn im Norden teilgenommen. Der Hengst hatte dabei wiedermal einen hervorragenden Start hingelegt und war knapp Zweiter geworden. Sunday war etwas zu lange im Mittelfeld blockiert gewesen, sodass er erst spät hatte aussen vorstossen können. Trotzdem war er noch Fünfter geworden. Ausserdem hatte Smelyalata am selben Wochenende beim Green Turf in Liverpool gewonnen und war in die nächst höhere Klasse aufgestiegen. Sie brauchte nun nur noch zwei Siege um im kommenden Frühling für das Aufgewichtrennen in Betaque qualifiziert zu werden. Ich schloss Chiccory‘s Boxentür und spazierte durch die sauber gefegte Stallgasse zum Tor. Im Nebenstall wartete Dream bereits am Boxenfenster auf mich und als sie realisierte, dass ich auf sie zukam, röchelte sie erfreut. „Na meine Süsse“, murmelte ich und hielt ihr ein Karottenstückchen hin. Nichts geht über Bestechung. Ich halfterte sie auf und öffnete die Boxentür, dann führte ich sie geradeaus nach draussen zum Holzgitter und band sie fest. Die Schimmelstute hatte es wiedermal gut gemeint mit dem vom Regen feuchten Weideboden. „Hast du’s wenigstens genossen?“, fragte ich sie vorwurfsvoll und begann, die verkrustete Erde aus ihrer Mähne zu lösen. Ich war vorsichtig, denn ich wollte die langen Haare nicht ausrupfen. Nah zehn Minuten hatte ich genug und nahm etwas Glanzspray und eine Wurzelbürste zu Hilfe. Danach wandte ich mich dem fast weissen Fell des Forest Ponys zu. Oder besser gesagt dem fast braunen. Ich schrubbte eine gefühlte halbe Stunde (pro Körperseite) und war erst zufrieden, als das letzte Klümpchen von den Sprunggelenken weggekratzt war. Danach konnte ich endlich satteln, die Geländegamaschen anziehen und zäumen. Nach dem Aufsteigen ritt ich zur Ovalbahn, dorthin wo früher die Grasrennbahn gewesen war. In deren Mitte befand sich noch immer die kleine Geländestrecke, die meine Tante beim Bau von Pineforest Stable in Auftrag gestellt hatte. Sie war, nun da die alte Grasrennbahn weg war, sogar noch etwas ausgebaut worden. Ich ritt zunächst im Trab um die Hindernisse und Büsche, was ich immer wieder praktisch fand, denn hin und wieder gab es kleine Hügel, bei denen Dream die Hinterhand etwas mehr gebrauchen musste. Nachdem die Stute gründlich eingewärmt war, konnte ich mit dem richtigen Training beginnen. Ich übersprang zuerst den grossen Baumstamm, dann aus der Kurve das Buschhindernis. Anschliessend ging’s den künstlichen Hang hoch und auf der anderen Seite über einen Steilsprung nach unten. Nun folgte der Wassergraben. Der machte Dream besonders Spass, denn die Stute liebte das Wasser seit unserem ersten gemeinsamen Strandausflug. Ich hatte manchmal den Eindruck, als würde sie absichtlich stampfen damit es hochspritzt und auch ich etwas von der Erfrischung abbekomme. Jedenfalls waren diese Hindernisse kein Problem für die Ponystute, was aber auch nicht verwunderlich war. Wir hatten diesen Parcours ja schon oft durchritten, da es der einzige auf Pineforest Stable war und die Hindernisse nur bedingt verschiebbar waren. Ich beschloss, spontan in den Wald zu reiten und dort nach ein paar neuen Herausforderungen für Dream zu suchen. Das würde ihr bestimmt auch mehr Spass machen als immer dieselben Hindernisse zu überspringen. Ich ritt also in Richtung Pinienwald und verliess den Sandweg in nach Westen hin. Schon nach wenigen Minuten fand ich einen massiven, umgestürzten Ast, der schräg an einen anderen Baum gelehnt war. Ich ritt prüfend rundherum und holte dann etwas Anlauf. Dream spitzte die Ohren und war zunächst etwas unsicher, ob ich das wirklich ernst meinte. Doch als ich etwas Druck mit den Beinen machte, hüpfte sie willig über den Ast. Im vorsichtigen Galopp ging’s weiter zwischen den Bäumen hindurch, doch schon nach wenigen Metern musste ich wieder bremsen, da die Bäume hier enger beieinander standen. Zum Glück war der Pinienwald abgesehen von ein paar frisch umgestürzten Bäumen frei von Unterholz, da die Parkwächter immer wieder aufräumten. So hatten wir keine Mühe, uns durchzuschlängeln. Ich fand noch ein paar kleinere Abhänge und ein hübsches kleines Bachbett, sodass wir das Klettern und runterrutschen etwas üben konnten. Dream bekam mit der Zeit richtig Freude an den abwechslungsreichen Situationen und ich musste aufpassen, dass sie nicht zu unvorsichtig wurde. Zuletzt übersprangen wir am Ende des Pinienwaldes, wo bereits der anschliessende Wald aus Tannen begann, ein weiteres hervorragendes Hindernis. Es war eine umgestürzte Tanne, deren Äste eine Lücke bildeten, durch die wir springen konnten. Auch hier zögerte Dream etwas, doch mit meiner Überzeugungskraft flogen wir schliesslich höher als nötig über den harzigen Stamm. Danach machte ich mich auf den Heimweg.

      Zuhause schmierte ich zu Sicherheit eine wohltuende Salbe auf die strapazierten Sehnen und versorgte Dream mit frischem Heu. Gerade als ich fertig wurde, kam Ajith, fröhlich pfeifend wie immer, vom Hauptstall herüber. Er tätschelte Dream und fragte mit seinem Indischen Akzent: „And how did she perform?“ „She was very well“, antwortete ich grinsend und wartete auf das, was er mir eigentlich erzählen wollte. Ich war gut im zwischen-den-Zeilen-Lesen. „I wanted to ask if I could possibly leave at five o’clock today“, murmelte er verlegen, als er meinem auffordernden Blick begegnete. „Sure. I think there’s not much left to do today anyway. But… Do you have a date or what? You never leave without extraordinary reason », stichelte ich schelmisch. « Actually… yes. She’s from Ireland, but she works in Liverpool for one year.“ „Oi, I knew it! And how did you meet her then?“, hakte ich neugierig weiter. „I met her the first time this weekend at the Green Turf. Wait, maybe you’ve seen her aswell…“ Er zeigte mir ein Selfie mit einer hübschen Rothaarigen auf seinem Handy. Sie erinnerte mich augenblicklich an Quinn. Er steht wohl auf diesen Typ Frau, dachte ich im Stillen schmunzelnd. Ich wünschte ihm viel Erfolg und er lief emsig zurück an die Arbeit, umso motivierter als zuvor. Eigentlich ist es schade. Die beiden würden gut zusammenpassen, aber irgendwie laufen sie immer aneinander vorbei… Vielleicht will es einfach das Schicksal, dass sie nicht mehr als gute Freunde sind. Dafür sind sie das allemal, so viel wie sie zusammensitzen. Ich schob die Gedanken an Ajith und Quinn beiseite und machte mich auf den Weg zu Pointless. Warum denn das? Ganz einfach: Vor ein paar Monaten (um genau zu sein vor etwas mehr als sechs) war ein Hengst mit interessanten Blutlinien und hübschem Exterieur aus der öffentlichen Zucht verabschiedet worden, doch zum Schluss wurden noch ein paar letzte Decksprünge von ihm versteigert. Ich hatte dabei gleich an den gepunkteten Satansbraten gedacht. Die Stute hatte ja im Winter eine besonders schlimme Phase gehabt, wodurch Oliver und ich seither die einzigen gewesen waren, die sie trainiert hatten. Wir waren uns beide einig gewesen, dass eine Pause der jungen Stute guttun würde und sie vielleicht durch ihre Aufgabe als Mutter sogar ruhiger werden würde. Zudem erhoffte ich mir, dass sie sich, sobald das Fohlen abgesetzt war, im Training etwas reifer und erwachsener verhalten würde.
      Ich blieb also vor der Box von Pointless stehen und streichelte sie durch die Gitterstäbe. Sie kam mir im Moment so lieb und harmlos vor, doch sie war noch immer schwierig im Umgang. „In der Box ein Engel, draussen ein Bengel“, pflegte ich zu sagen. Sie durfte heute zusammen mit Ronja auf die Weide. Die Achal Tekkiner Stute und Gianna, das Cremello-Criollo-Tier, erwarteten mittlerweile ebenfalls Nachwuchs. Allerdings erst etwas später. Ich zog die Handschuhe an, die in einem kleinen Sack an der Box hingen, und öffnete die Tür um die Führkette einzuhängen. Pointless hielt ausnahmsweise still. Kurz darauf konnte ich sie aus dem Hauptstall zu den Weiden führen. Ich brachte die Stute auf die grosse Weide unter der Stutenweide, da diese als einzige noch frei war. Dann holte ich Ronja aus dem Nebenstall und liess sie ebenfalls laufen. Die beiden beschnüffelten sich kurz, denn Pointless hatte schon wieder am Zaun gewartet. Dann quietschte Ronja, machte einen Freudenbuckler und trabte mit stolz erhobenem Kopf zum Zaun der an die Stutenweide angrenzte. Dort warteten bereits Moon, Gianna und Shadow, um die seltsam gescheckte Genossin zu begrüssen. Sie grasten nach einer Weile Kopf an Kopf, während Pointless auf der anderen Seite der Weide ihr eigenes Grasfleckchen bearbeitete. Einmal mehr hatte ich das Gefühl, dass in der Sozialisierungsphase der Stute etwas schief gelaufen war. Allgemein musste ihre Fohlenzeit sehr unvorteilhaft abgelaufen sein, nur so konnte ich mir das Verhalten der stürmischen und beinahe gefährliche Jungstute erklären. Selbst in dem knappen Jahr, dass sie auf der Fohlenweide von Pineforest Stable verbracht hatte, war sie nie wirklich abhängig von irgendwem gewesen und hatte immer ihren eigenen Kopf gehabt. Ich nahm mir vor, endlich Nachforschungen über ihre Herkunft zu treiben. Und eines war sicher – ich würde nicht zulassen, dass ihr Fohlen denselben Charakter entwickelte. Doch für heute hatte ich noch genug anderes zu tun, schliesslich wartete ein ganzer Hof voller Pferde und Pfleger auf mich.

      Pflegebericht
      18. Oktober 2015 | von Mongofisch
      Sunday an der HK 476 für Hengste aller Rassen

      Heute stand mal wieder etwas besonderes auf dem Plan: Occu hatte mich gebeten, ihren Hengst Sunday Morning auf der Hengstkörung vorzustellen. Liebend gerne erklärte ich mich dazu bereit und befand mich nun mit Occu und dem Hengst auf dem großzügigen Gelände, auf welchem die Prüfung stattfand.
      Während wir gemeinsam die Beine bandagierten, genoss Sunday die Aufmerksamkeit, war aber auch wachsam und überblickte genau, was um ihn herum geschah.
      „Ich bin aufgeregt“, grinste ich Occu an, während ich den Sattel vorsichtig auf den Pferderücken gleiten ließ.
      „Du machst das schon! Sunday ist artig, weißt du ja“, zwinkerte seine Besitzerin mir lachend zu, klopfte dann ihrem Pferd den Hals und machte eine einladende Kopfbewegung. Rasch schloss ich noch die restlichen Schnallen der Trense und führte den braunen Hengst zum Abreiteplatz.
      Während wir darauf warteten, aufgerufen zu werden, wärmte ich Sunday auf und holte mir noch wertvolle Tipps von Occu.
      „Startnummer 18 – Sunday Morning von Occulta mit seiner Reiterin Lisa bitte in die Halle“, tönte eine krächzende Stimme aus den Lautsprechern. Ein letztes, lächelndes Kopfnicken von Occu, dann betraten wir im versammelten Trab die Halle. Es waren viele Zuschauer da, ich konzentrierte mich aber voll und ganz auf das Pferd unter mir.
      Bei A bogen wir mit einem schönen Bogen auf die Mittellinie und trabten schnurgerade auf die Richter zu. Es reichte eine minimale Parade, um den Hengst zum Stehen zu bringen, sodass ich die Richter grüßte und erneut antrabte. Sunday stand wunderbar an den Hilfen, auch wenn ich ihn zeitweise etwas zügeln musste, damit er nicht zu schnell wurde.
      Bei C ging es auf die linke Hand, direkt im Anschluss ritten wir an der langen Seite eine einfache Schlangenlinie. Der Hengst war konzentriert und es schien, als könne er die nächste Aufgabe gar nicht abwarten.
      Ich ließ ihn auch nicht lange unbeschäftigt: An der kurzen Seite parierten wir zum Schritt durch und wechselten durch die ganze Bahn. Auf der Diagonalen baute Sunday einen kleinen Schlenker ein, aber nicht weiter schlimm und auch kaum erkennbar, sodass ich ihn bei den Richtern erneut antrabte.
      Bei M ging es nun auf den Zirkel, auf welchem ich Sundays Galopp präsentieren wollte. Wie von dem Hengst gewohnt, war sein Galopp recht flott, aber er war nun mal ein Rennpferd, so konnte man es ihm nicht verübeln. Eine ganze Runde ließ ich das Vollblut galoppieren, anschließend parierte ich ihn zum Trab, dann zum Schritt durch und wechselte so aus dem Zirkel.
      Das Umstellen im Mittelpunkt klappte gut und ich verlor nicht viel Zeit, bis ich den Hengst antrabte und kurz darauf angaloppierte. Auch auf dieser Hand zeigte Sunday seinen taktklaren, raumgreifenden Galopp und reagierte gut auf meine Hilfen. Das Durchparieren hingegen klappte nicht perfekt, der Hengst wehrte sich für einen Moment gegen die Parade, schlug unruhig mit dem Schweif und machte einen kleinen Bocksprung. Ich ließ mich nicht davon beeindrucken, sondern gab die Hilfe erneut, woraufhin Sunday dann auch durchparierte und sich brav auf die Mittellinie lenken ließ. Zum Abschluss der Kür hielten wir bei X an, ich grüßte die Richter und verließ dann unter Applaus die Halle.
      „Das ist doch super gelaufen“, rief Occu, die bereits auf mich wartete. Sie hielt die Zügel des Hengstes, sodass ich absteigen konnte. „Danke! Mal schauen, wie es ausgeht.“
      Während wir auf das Ergebnis warteten, versorgten wir gemeinsam Sunday und schauten dann noch bei den anderen Teilnehmern zu.

      Pflegebericht
      30. Dezember 2015 | von Occulta
      Im tiefsten Winter

      Grosse Schneeflocken wehten Campina und mir um die Ohren, als wir im Laubwald unterwegs waren. Ein starker Wind war aufgezogen – ein richtiger kleiner Blizzard. Ich fand es herrlich. Die kurze Mähne der Vollblutstute wurde mit jedem Windstoss von neuem zerzaust, sodass sie ungebändigt über ihren schmalen Hals fiel, der seinerseits einen hübschen Bogen machte. Der Gedanke an einen guten Film und einen Becher heisse Schokolade erfüllte mich mit Wärme. Ausserdem hatte Lisa versprochen, heute Abend eine letzte Kürbissuppe für uns alle zu kochen; eines meiner Lieblingsgerichte. Das konnte ich gut vertragen, jetzt wo Lily wieder zuhause bei ihrer Mutter war. Ich vermisste das kleine Mädchen meiner Cousine mehr als mir lieb war, und auch sie schien Pineforest Stable zu vermissen, jedenfalls schickte sie dauernd wieder Briefe mit Bildern der Pferde (besonders von White Dream). Ich hängte sie jeweils am Kühlschrank auf. Der Winter war eine seltsame Jahreszeit für mich, denn er weckte in mir Erinnerungen an das vergehende Jahr, als läge es bereits lange zurück. Besonders abends lag eine seltsame, gemütliche und zugleich bedrückende Stimmung in der Luft, die von der unglaublichen Stille, die der dämpfende Schnee bewirkte, noch verstärkt wurde.

      Ich schnalzte und trieb Pina in den Trab. Wir trotteten den Schotterweg entlang, bis der Pinienwald wieder in Sicht kam. Der Übergang zwischen den beiden Wäldern verlief nahtlos und liess sich normalerweise nicht genau festlegen, doch der Wechsel von kargen Ästen zu den immergrünen Nadeln liess ihn abrupt erscheinen. Hier lagen die Stämme weiter auseinander und der Waldboden war kaum bewachsen. Nur hin und wieder besetzte ein mächtiges Gebüsch den Nadelboden. Auch der Weg hatte sich verändert: Aus gelblichen Steinchen war feiner Sand geworden, aus dem die Parkwege in diesem Bereich gemacht waren. Ich liebte die Abwechslung, die der grosse Park bot und war immer wieder froh, dass er für die Reiter frei zugänglich war. Campina verlor unterwegs eine Streifkappe, sodass ich absteigen und sie aufheben musste. Wenigstens hab ich’s bemerkt, dachte ich schulterzuckend. Als ich mich bückte, sah ich ganz in meiner Nähe ein heruntergestürztes, halb eingefrorenes Vogelnest. Es war leer und verlassen. Ich hob auf und betrachtete bewundernd die kunstvoll geflochtenen Äste mit den Eisstückchen daran. Ich beschloss, es mitzunehmen und steckte es, nachdem ich das Eis etwas entfernt hatte, soweit es Platz hatte in die Tasche meiner Fleece Jacke. Dann setzten Pina und ich unseren Ausritt fort und verzichteten auch nicht auf einen letzten Galopp am Waldrand. Die Stute war wie immer feurig, doch blieb stets kontrollierbar, sodass die Ausritte mit ihr richtig Spass machten. Ich war froh, dass ich meine Handschuhe und den dicken Schal trug, die meine Haut vor dem eisigen Wind schützten.

      Zurück auf dem Hof versorgte ich Campina und stellte das Nest auf das Fensterbrett in der Küche. Ich beschloss, es später etwas zu verzieren. Doch erstmal kümmerte ich mich um Winter. Da es jetzt kühl genug war, spielte es keine Rolle mehr, wann genau die Vollblüter trainiert wurden. Auch im Winter wurden die Vollblüter von Pineforest Stable trainiert, allerdings vor allem in Dressur und Springen in der Halle. Mit Winter wollte ich heute etwas an der Steuerbarkeit arbeiten. Dazu sattelte ich ihn und ritt zur Grasbahn. Zum Glück war er nicht so matschig gewesen wie in den vergangenen Wochen. Ich liess den weissen Hengst nach dem Einwärmen immer wieder kurze Strecken zulegen und zügelte ihn dann wieder. Ausserdem steuerte ich ihn mal nach innen, mal auf die äussere Bahn. Der Effekt war, dass er lockerer im Hals wurde und nach einigen Wiederholungen schneller nachgab, wenn ich die Spur wechseln wollte. Wir kämpften gegen den Wind an, der seit meinem Ausritt nicht nachgelassen hatte. Winter hielt die Ohren meist nach hinten gedreht, damit keine Schneeflocken hinein wehten, doch ansonsten lief er freudig und sehr anständig. Zufrieden liess ich ihn nach zwanzig Minuten austraben und ritt ihn anschliessend im Schritt auf der Galoppbahn trocken. Nun war es ganz dunkel und ich konnte unter den Tannen kaum noch etwas erkennen. Wenigstens waren wir hier etwas besser vor dem Wind geschützt. Winter schüttelte sich entspannt den Schnee von der Kruppe, als ich ihn absattelte. Dann gähnte er demonstrativ. Ich lächelte und streichelte dem Hengst über die weisse Stirn, die er als Reaktion an meinem Bauch rieb. „Ist ja gut du Schmusetier, gleich bist du erlöst.“ Ich führte ihn in die Box und zog ihm das schwarze Lederhalfter ab, um es wieder an seinen Platz an der Boxentür zu hängen. Danach schlenderte ich zur Halle, um zu sehen, ob die Hindernisse für die nachfolgende Reitstunde schon bereitstanden. Elliot und Darren bauten sie gerade auf. Als wir den kleinen Parcours fertig hatten, gingen wir gemeinsam zum Hauptstall und holten die Pferde für die Stunde raus. Rosie und David kamen etwas später, also putzten wir ihre beiden Pferde gleich mit. Ich hatte mich für Frame entschieden, den ich heute noch nicht bewegt hatte. Nebenbei putzte ich Cantastor für Rosie. Die beiden Vollblüter vertrugen sich einwandfrei, sodass ich sie direkt nebeneinander anbinden konnte. Ich wechselte beim Putzen immer hin und her, während ich zu ‚Waiting for Love‘, das gerade aus dem Radio unter dem Dach des Stalls hervortönte, mitsummte. Der freundliche Elektriker hatte vor einem halben Jahr, bevor er ermordet worden war, auf meinen Wunsch hin bei allen Stallgebäuden Radios installiert, damit die Pfleger während der Arbeit Musik hören konnten. In der Halle war sowieso von Anfang an beim Eingangstor eine grössere Musikanlage mit verteilten Lautsprechern an den Hallenwänden eingebaut worden. Beim Hufeauskratzen bemerkte ich, dass Frame’s Hufe hinten schon wieder etwas lang waren. Ich überprüfte am Infobrett, wann er den letzten Hufschmiedetermin gehabt hatte und schrieb ihn gleich für den nächsten ein. Dann widmete ich mich dem Satteln der beiden Hengste. Rosie kam kurze Zeit später hinzu und übernahm das Verschliessen der restlichen Schnallen des Zaumzeugs. Mit Frame war ich schon fertig. Wir warteten noch kurz auf die anderen, damit wir gemeinsam zur Halle laufen konnten. Elliot stand in der Mitte bereit, er würde uns heute Coachen. Ich wärmte Frame wie die anderen im Trab und im Galopp auf, was mit der Musik im Hintergrund echt Spass machte. Ausserdem war die Stimmung sehr ausgelassen und wir bekamen alle fast einen Lachkrampf, als Darren, beim Versuch, seine Jacke an einem Hindernispfosten aufzuhängen, fast das Gleichgewicht verlor und seitlich am Pferd hing. Sunday war das Gezappel zu blöd, also lief er im Schritt weiter, trabte dann sogar an und machte schliesslich, als Darren ihn zu sehr mit dem Fuss am Bauch kitzelte, einen einzigen gezielten Buckler, der ihm den Rest gab. Er plumpste in den Hallensand. Der Hengst blieb stehen und sah ihn ‚lächelnd‘ an (seine zuvor ausgeprägten Falten bei den Nüstern waren verschwunden und die Ohren nach vorne gerichtet). Darren klopfte sich den Sand von den Reithosen und stieg wieder auf, leicht rötlich anlaufend – was ganz bestimmt nicht von der Kälte stammte, die mit dem Einbruch der Dunkelheit angekrochen gekommen war. Elliot unterbrach das Gekicher und begann die Stunde, um von Darren abzulenken, der dankbar jede Anweisung aufsog. Wir begannen mit einer Gymnastikreihe bestehend aus Kreuzchen, In-Outs und niedrigen Steilsprüngen. Frame war heute etwas faul, denn ich musste ihn mit der kurzen Springgerte motivieren, die Beine zu heben. Wir räumten in dieser Stunde schon zu Beginn ein paar Stangen ab, sodass ich aufpassen musste, dass ich mir am Ende der Stunde nicht den berüchtigten Titel des ‚Pole-Knockers‘ verdiente (Ich mochte auch den Begriff ‚Stangen Narr‘). Den Titel hatten wir eingeführt, nachdem Jonas es einmal geschafft hatte, in einer einzigen Stunde 12 Stangen abzuräumen, weil er jedes Mal zu schräg angeritten war und runter geschaut hatte. Das war aber noch am Anfang seiner Reitkarriere auf Pineforest Stable gewesen und längst Vergangenheit. Heutzutage wurde ‚Pole-Knocker’, wer mindestens 10 Stangen zum Fall brachte. Derjenige oder diejenige musste am Ende der Stunde allen anderen Reitschülern ein Bier spendieren.

      Wir wechselten zu den Cavaletti, die in einem Viereck aufgestellt waren und die Beingeschicklichkeit förderten. Darüber war ich froh, denn so musste Frame etwas aufwachen, um nicht darüber zu stolpern. Ich galoppierte auf der linken Hand an, wendete den Schecken auf der langen Seite nach innen in Richtung des Vierecks und übersprang die ersten beiden Cavaletti. Dann musste ich vor der Wand rechts abbiegen und bei A auf die Mittellinie reiten, alles im Galopp. Hier musste ich Frame gut zusammenhalten, damit der Abstand stimmte und er auch diese beiden Cavaletti problemlos überwinden konnte. Er schlug beim Zweiten etwas mit den Hinterbeinen an, also wiederholte ich das Ganze gleich nochmal. Es war tricky, weil die Wendungen über die Breite der Bahn sehr eng waren und man extrem auf die Länge der Galoppsprünge achten musste. Doch auch die Pferde waren trotz der geringen Höhe gefordert, denn sie mussten unpassende Abstände auskorrigieren indem sie früher bzw. später abdrückten und danach gleich wieder bremsen um auch sauber über das zweite Cavaletti zu kommen. Coolcat grunzte jedesmal, wenn er aus der engen Wendung übers Cavaletti hüpfte. Er sprang aber auch übertrieben hoch darüber. Zugegebenermassen hatte er noch ziemlich viel Luft nach oben. Es kam mir langsam mit einem Grinsen der Gedanke, dass ich vielleicht doch nicht das schlechteste Pferd ausgesucht hatte. Nach den Hindernissen zog er den Kopf jeweils in die Tiefe um sich zu strecken, sodass er David erfolgreich etwas Zügel klaute. Elliot wies ihn darauf hin, und David gab fortan eine halbe Parade, wenn der Hengst den Trick versuchte. Mit Erfolg: Er versammelte sich schön und blieb aufgerichtet. Darren und Sunday hatten schon mehr Mühe. Sunday zog immer vor den Hindernissen an, weil Darren zu früh mitging. Elliot zeigte ihm, dass er bis kurz vor dem Sprung aufgerichtet bleiben musste, wenn er den Hengst ruhig halten wolle. Nachdem wir auch noch ein paar höhere Hindernisse aneinandergehängt hatten, machten Rosie und ich uns noch einen Spass daraus, gleichzeitig über ein extra auseinandergezogenes Kreuz zu springen. Dabei wachte Frame endlich richtig auf und gab nochmal kurz vor Ende der Stunde richtig Gas. Wir ritten gemeinsam auf den Sprung zu, dann hüpften die beiden Pferde Mühelos darüber und Cantastor liess sich sofort wieder versammeln, während Frame rummaulte und mit dem Kopf schlug. Ich beruhigte den Hengst augenrollend und versuchte es nochmal, bis er endlich neben Canto blieb. Dann lobte ich ihn ausgiebig und liess ihn strecken.

      Wir versorgten die Pferde und packten sie mit den warmen Decken ein, ausserdem schlossen wir alle noch offenen Fensterläden beim Hauptstall, sodass es nirgends mehr Durchzug gab. Nun war es schön gemütlich im Hauptstall. Man hörte überall das Rascheln der Pferde und manche lagen sogar schon auf ihren dicken Strohbetten. Bei Chiccory musste ich noch die Decke wechseln, denn er trug noch immer die dünne Abschwitzdecke vom Training. Der Hengst lag aber ebenfalls schon, als ich die Box betrat. Er machte auch keine Anstalten, aufzustehen, als ich näher zu ihm hinging, sondern gähnte demonstrativ. Er sah mich trotzig an und knabberte an meinem Reissverschluss, als ich mich zu ihm hinunterkniete. Ich kraulte ihn ein wenig an der Stirn, doch dann zupfte ich am Halfter um ihn auf die Beine zu bekommen. „Come on boy, this will be much more comfortable“, murmelte ich beschwichtigend, als er mit einem lauten Seufzen aufstand und sich schüttelte. Ich wechselte die Decke und gab ihm als Entschädigung das letzte Karottenstück, das sich noch in meiner Jackentasche befand. Dann verliess ich mit den anderen Pflegern das Gebäude und löschte das Licht.

      Pflegebericht
      08. März 2016 | von Occulta
      Geschäftiger Dienstag

      Der Wecker klingelte, und ich schaltete ihn murrend aus, doch drehte mich danach nochmal um. Fünf Minuten, nur fünf Minuten… Wenn Lily mich nicht geweckt hätte, wäre ich wohl eine ganze Stunde zu spät aufgestanden. Zum Glück kam sie aber wie jeden Morgen polternd mit den Hunden durch die Tür gestürmt. Ich zog mich an und machte uns und den Hunden Frühstück. Als ich die Haustür öffnete, war es zwar noch immer dunkel, aber immerhin sah man die Sterne – es war kein Wölkchen zu sehen. Zira hüpfte fröhlich raus und verschwand in den Büschen hinter dem Haus, um ein paar schlafende Spatzen aufzuscheuchen. Sheela und Jacky blieben neben mir stehen und sahen mich erwartungsvoll an. Ich streichelte die beiden und nahm sie mit zum Hauptstall. Lily ging zu Dream und Skydive, das tat sie jeden Morgen zuallererst. Ich hingegen sah bei meinem Liebling Winter vorbei, der ja in der Box gleich neben dem Eingang stand. Er war kein bisschen verschlafen, sondern wirkte voller Elan, hungrig und motiviert, sein morgendliches Galopptraining zu absolvieren. Ich kraulte ihn durch die Gitterstäbe, musste dann aber weiter zu Cool Cat, den ich diesen Monat auf der Liste hatte. Ich war noch immer nicht ganz überzeugt von dem Hengst und hatte die Zuteilung dementsprechend missmutig gemacht, aber ich konnte mich nicht immer davor drücken, ihn zu reiten. Tatsächlich war dies das erste Mal, dass ich persönlich mit ihm arbeitete, seit ich ihn vor ein paar Monaten gekauft hatte. Ich schlurfte also zur Sattelkammer und holte seine Putzsachen, den Sattel und das Zaumzeug schon mal zur Box. Dann holte ich den Hengst raus und band ihn zum Putzen an. Ich begann damit, den schwarzen Hals zu striegeln. Der Hengst hatte schön definierte Muskellinien – die Jockeys hatten bisher gut mit ihm gearbeitet. Sein Fell war weich und seidig, auch an den Stellen, an denen er nicht geschoren worden war. Seine wilde, lange Mähne machte es nicht gerade leicht, den Hals zu bearbeiten. Ich warf sie deshalb auf die andere Seite, doch er schüttelte sich kurze Zeit später und verteilte das rabenschwarze Haar wieder auf beide Halsseiten. „Thanks a lot“, murmelte ich grimmig. Beim Bauch wollte er einfach nicht stillstehen, offenbar war er kitzlig. Ausserdem begann er zu scharren, als ich nicht aufhörte. Ich ignorierte es und entfernte stur jedes kleinste Erdspritzerchen, das noch vom gestrigen Weidegang zu finden war. Mittlerweile herrschte geschäftiges Trieben im Hauptstall. Die Pfleger waren nun alle am Vorbereiten der restlichen Vollblüter für die erste Gruppe und ich war schon etwas hintendrein. Ich beeilte mich deshalb etwas mehr und kratzte nach dem Bürsten direkt die Hufe aus, ehe ich den Sattel auflegte. Als ich schliesslich fertig gesattelt und gezäumt hatte, kämmte ich das widerspenstige Langhaar dann doch noch rasch ein paar Mal durch. Einmal mehr überlegte ich, einfach die Schere zu holen und die Lange Mähne zu kürzen. Doch Rosie hätte mich wohl lebendig begraben, denn sie vergötterte die eher an ein Wildpferd erinnernde Frisur. Ich ignorierte gekonnt ein paar der Knoten im Schweif und schmiss die Bürste zurück in die Kiste. Dann führte ich Cool Cat nach draussen und stieg mit Hilfe von Ajith auf. Es musste alles schnell gehen, denn die jungen Athleten waren ungeduldig und wollten kaum stillhalten. Wir verschwendeten keine Energie damit, sie zum Warten zu erziehen, sondern ritten direkt in einer Reihe zur Bahn. In diesem Alter bestanden wir, anders als bei den Warmblütern, noch nicht auf jede Kleinigkeit im täglichen Umgang, sondern handelten vor allem praktisch; einerseits, um Zeit zu sparen, und andererseits um die Geduld der jungen Pferde nicht unnötig zu strapazieren. Sie sollten sich in erster Linie auf das Rennen konzentrieren, alles andere lernten sie nebenbei. Heute trainierten wir die Zwei- und Dreijährigen mit Startmaschine, doch zunächst mussten alle Pferde warm geritten werden. Danach stellten wir uns hinter den mobilen Startboxen auf und wurden einer nach dem anderen von Oliver und Ajith hineingeführt. Ganz aussen waren Quinn und Dublin, dann folgten Rita und Caligari, Rosie und Ciela, April und Alysheba, Lily und Sumerian, Charly mit Frame und Thomas mit Kaythara. Auch hinter mir und Cool Cat wurden die Tore geschlossen. Der Hengst war ein wenig nervös und ich machte mich bereit, auf ein allfälliges Steigen zu reagieren. Doch er blieb am Boden und trampelte nur ein wenig auf der Stelle. Ich kraulte ihn am Widerrist, nahm meine Schutzbrille runter und fasste die Mähne, bereit für den Start. Dann klirrte die Glocke und die Türen flogen auf. Sofort schossen alle Pferde raus und das Feld formte sich. Ein Blick über die Schulter sagte mir, dass alle sauber weggekommen waren. Zufrieden richtete ich mich wieder nach vorne und fasste die Zügel ein wenig nach. Ich hatte vorhin beim Aufwärmen bereits die Steuerung von Cool Cat ausprobiert und ihn ausreichend kennengelernt, sodass ich ihn nun optimal lenken konnte. Der Rappe machte geschmeidige, raumgreifende Bewegungen und gewann immer mehr Boden. So weit, so gut, dachte ich anerkennend. Aber die Konkurrenz war hart; besonders die anderen Dreijährigen Caligari und Sumerian lagen noch voraus und hielten ein hohes Grundtempo. Im hinteren Teil des Feldes hingegen, hatte Charly sichtlich Mühe mit Frame klarzukommen. Der Schecke blieb nicht auf seiner Spur und schwankte, weil er den Kopf nicht ruhig hielt. Schliesslich musste Charly enttäuscht abbrechen. Ich hatte diesen Ausgang schon vermutet, ohne pessimistisch sein zu wollen, aber Frame lief bei keinem der Pfleger so gut wie bei mir. Er vertraute ihnen einfach nicht genug. Dublin war direkt hinter mir und Cool Cat, Ciela lag etwas weiter zurück und Alysheba war direkt neben ihr. Kaythara war ganz aussen ein wenig vor uns, sodass ich sie gut beobachten konnte. Auf den letzten 300 Metern trennte sich das Feld deutlich auf. Die Zweijährigen blieben zurück, während die Dreijährigen nochmal alles gaben und auf ihre Höchstgeschwindigkeit kamen. Auch Cool Cat zog an. Wir arbeiteten uns an Caligari vorbei, deren Kondition bereits bröckelte und schlossen zu Sumerian auf, die wie ein Motor beständig voransprang. Kurz vor dem Ziel hatten wir die Stute beinahe geschlagen, doch dann feuerte Lily sie nochmal an und konnte so eine ganze Kopflänge Vorsprung ergattern. Trotzdem war ich beeindruckt vom Vermögen Cool Cats und legte die letzten Zweifel an seinem Potential beiseite. Er hatte sich souverän bis ins Ziel dirigieren lassen und bis zum Schluss gekämpft, wie es sein soll. Ich streichelte stolz seinen Hals und liess ihn austraben. Von den Zweijährigen hatte diesmal wieder Kaythara die Nase vorn gehabt, was niemanden sonderlich überraschte. Die Stute hatte ausgezeichnetes Blut und schon jetzt viel Ausdauer.
      Wenig später brachten wir die Vollblüter zum Absatteln, während Ajith und Oliver bereits die zweite Gruppe bereit machten. Die Jockeys von vorhin ritten auch in dieser Runde alle wieder mit, nur ich nicht, also übernahmen Ajith und ich alle Pferde der ersten Gruppe zum Versorgen. Ich nahm Alyshebas Sattel vom Rücken des Hengstes und legte ihn auf Flys. So tauschten wir einer nach dem anderen alle Sättel. Ein Vorteil an den kleinen Rennsätteln war, dass sie praktisch auf jedes Pferd passten, also brauchten wir nicht für jeden ein eigenes Modell. Als Fly, Sympathy, Light, Caspian, Spot, Winter, Campina und Gray allesamt gesattelt waren, übernahmen die Jockeys sie der Liste entsprechend und ich wünschte allen viel Spass. Ich warf, zurück in der Stallgasse, die Abschwitzdecke über Frames Rücken und brachte den Hengst nach dem Hufeauskratzen in seine Box. Dasselbe taten Ajith und ich mit den anderen. Als Belohnung bekamen die Pferde immer nach dem Reiten ein paar Karotten oder einen Apfel.
      Während die zweite Gruppe am Trainieren war, misteten Ajith und ich schonmal die meisten Boxen. Danach half ich beim Versorgen der Pferde aus der zweiten und beim Satteln jener aus der dritten Gruppe. Es handelte sich um die letzte Gruppe für heute, mit Iskierka, Sunday, Stromer, Empire, Chiccory, Cantastor und Muskat. Die tragenden Stuten brachten wir gleich anschliessend auf die Weide, damit wir auch deren Boxen noch misten konnten, wobei uns diesmal Thomas und April noch halfen. April hängte die Zaunbänder um, damit der Weg zu den grossen Weiden seitlich begrenzt war. Als sie rief, öffnete ich die Boxen von Paint, Indiana und Caprice. Alle drei trabten die Stallgasse entlang raus auf den Schotterweg. Auch Pointless und Cassy drehten schon ungeduldig in der Box. Nur Blütenzauber schien irgendwie nicht mitbekommen zu haben, dass sie raus durfte. Sie durchwühlte weiterhin ihr Stroh nach letzten Heuhalmen, bis ich schliesslich schwungvoll die Tür aufschob und die Schwarzbraune rausschickte. Dann trabte auch sie den anderen hinterher. Wir verbrachten den restlichen Morgen mit Misten, Aufräumen und Füttern. Am Nachmittag waren dann die Pferde dran, um die sich die Neben-, Nord- und Offenstallpfleger noch nicht gekümmert hatten.

      Pflegebericht
      09. Juli 2016 | von Occulta
      Jolympia Klappe die 2te

      „Occu, Diarado hat sich eine der Transportgamaschen abgezogen.“ „Wie zum Teufel hat er das denn geschafft??“, rief ich Lisa ungläubig zu. Wir waren gerade auf dem Hollybrook Stud angekommen und es schien schon den ganzen Morgen so ziemlich alles schief zu laufen, was irgendwie schieflaufen konnte. Zuerst war der Tank des Transportfahrzeuges fast leer gewesen, dann hatte ich das ausgedruckte Infoblatt mit dem Wegbeschrieb nicht mehr gefunden, Hallu war wiedermal erst nach einer halben Stunde voller Überzeugungsübungen eingestiegen und schliesslich mussten wir auch noch umkehren, weil Quinn ihr Springsakko liegengelassen hatte. „Was zur Hölle ist heute nur los? Wenigstens sind wir rechtzeitig hier“, stellte ich beim Anblick von Diarado fest, der tatsächlich nur noch drei Gamaschen trug. Den Rappen schien das wenig zu stören; er sah mich mit seinem charmantesten Blick an und versuchte sich so ein Leckerlie zu ergattern – was ihm natürlich nicht gelang. „Da braucht es schon ein Bisschen mehr Freundchen, zum Beispiel einen Sieg“, erklärte ich lachend. Sammy empfing uns kurze Zeit später und führte uns zu den Stallzelten, wo wir den Pferden erstmal eine Fresspause gönnten um uns das Gelände anzusehen. Es war noch kaum jemand da, also hatten wir umsonst so gestresst. Trotzdem war ich froh darüber, denn so hatten wir ein Gästezimmer auf dem Hof ergattert, die nur begrenzt zur Verfügung standen. Ich war beeindruckt über die Grösse des Gestüts, denn es hatte sogar eine richtige eigene Geländestrecke, nicht bloss ein paar Möchtegern-Hindernisse wie Pineforest. In den Ställen konnten wir viele verschiedene Rassen bewundern. Hier fielen mir besonders die schicken New Forest Ponys auf, bei denen wohl auch klein Lilys Herz höher geschlägen hätte. Sie war ohnehin sauer auf mich, weil sie nicht hatte mitkommen dürfen.

      Am Nachmittag putzten wir unsere eigenenen Pferde blitzblank und ritten dann zum späteren Abreitplatz, um ein paar Dressurlektionen zu üben. Ich war besonders stolz auf Diarados Piaffe. Obwohl er erst auf L Niveau war, hatte er diese schwierige Lektion dank Lisas hervorragender Ausbildungskünste bereits gelernt. Dafür happerte es überall sonst, besonders mit dem Tempo. Im Galopp wurde er oft zu schnell, im Trab musste ich aufpassen, dass er nicht unter der Hand wegschoss und im Schritt bummelte er zu sehr. Nach dem Training zeigten wir den Pferden beim Trockenreiten das Gelände. Der sensible Sunday war am aufgeregtesten und schnaufte die ganze Zeit besonders laut. Ich hoffte sehr, dass sich der Jungspund bis zum nächsten Tag an alles gewöhnt haben würde.

      Die Nacht verbrachten wir nach einem Geselligen Abend mit den anderen Teilnehmern und Gastgebern in einem sauberen, kleinen Zimmer. Für das Frühstück am nächsten Morgen war auch gesorgt, also konnten wir gestärkt zu den Stallzelten gehen und die Pferde bereit für die erste Runde machen. Es stand zuerst Dressur auf dem Plan. Ich murmelte zu Lisa „Gut, dann haben wir’s hinter uns…“, und putzte mit skeptischem Gesicht meinen grossen Rappen. Lisa brauchte sich mit Hallu keine Sorgen zu machen, die war nämlich bestens ausgebildet. Quinn und Sunday hingegen konnten meine Sorgen zu gut verstehen. Sunday war kein Dressurcrack, aber durch seine raumgreifenden Gänge konnte er vieles kompensieren. Ob das wohl für die strenge Jolympia Jury reichen würde? Ich beschloss, dass man es zumindest versuchen musste. Diarado und ich kamen als zweite von unserer kleinen Gruppe dran, nachdem Sunday bereits mehr oder weniger erfolgreich unterwegs gewesen war. Quinn kam mit gemischten Gefühlen vom Platz, aber ich war zuversichtlich. Diarado lief wie erwartet zum teil etwas zu schwungvoll, zeigte sich sonst aber von seiner Schokoladenseite und legte eine nahezu perfekte Piaffe hin. „Er hätte noch etwas gesetzter sein können“, meinte Lisa im Nachhinein, aber ich war ganz zufrieden mit dem Hengst. Nun war noch Hallu dran, die eine perfekte Show ablieferte und das Publikum zum staunen brachte. Lisa überschüttete sie zum Dank mit Liebe, auf die die Stute wohl gut hätte verzichten können.

      Am Nachmittag gings gleich weiter mit einem anspruchsvollen Springparcours. Allerdings kein Thema für unser Team, denn alle drei Pferde waren sehr weit ausgebildet im Springen und auch schon oft erfolgreich auf Turnieren gewesen. So konnten wir alle fehlerfreie Durchgänge zeigen, die zudem in einem ordentlichen Tempo vonstatten gingen. Springen war gewissermassen unsere Königsdisziplin.

      Es war ziemlich warm und die Pferde waren nach der Anstrengung bachnass. Wir duschten sie ab und führten sie trocken, wobei wir sie auch etwas grasen liessen. Sie stürzten sich trotzdem gierig auf ihr Müsli, als sie wieder im Stallzelt waren. Arbeit macht nunmal hungrig.

      Am zweiten Tag war das Geländespringen angesetzt. Ich beschloss, bei Diarado zur Sicherheit doch den Zügel in den unteren Ring der Trense zu schnallen, damit ich ihn besser halten konnte. Mir war dabei bewusst, dass das nur Symptombekämpfung war, aber ich hatte nunmal nicht die Zeit, jetzt noch sämtliche Horsemanship-Tricks mit ihm durchzuackern. „Das muss klappen, irgendwie“, meinte ich zu Lisa. Sie verschnallte Hallus Zügel ebenfalls im unteren Ring. Wir ritten die Pferde nach dem Satteln fründlich ab und checkten vor dem Start nochmal die besonders schützenden Gelädegamaschen. Dann ging’s für Diarado und mich los. Wie erwartet wurde er auf der Waldstrecke ziemlich heftig und ich konnte ihn nur mit Mühe passend an die Hindernisse heranreiten, aber er übersprang sie alle und blieb fehlerlos. Stolz klopfte ich ihm im Angesicht unserer Zeitlichen Leistung den Hals. Hallu war zwar wieder grumpy, aber auch sie gab ihr bestes und meisterte die Strecke. Sunday, der zuletzt kam, wurde von Quinn wunderbar über die Hindernisse pilotiert, sodass auch er eine Bestzeit abliefern konnte. Nun hiess es warten und zusehen, wie sich die anderen Teilnehmer machten. Unterdessen durften die Pferde ihr Heu und ihre wohlverdienten Karotten geniessen.

      Pflegebericht
      25. August 2016 | von Occulta
      Heisse Gemüter

      Es waren zwei Wochen vergangen, seit Rosie die ‚Wilkinson Ranch‘, wie sie nun alle nannten, übernommen hatte. Rosie hatte sich eigentlich zuerst gegen den Namen gewehrt, doch am Ende siegte der Gruppendruck, indem die Pfleger etwas Geld für ein grosses Holzschild mit dem entsprechenden Schriftzug zusammengelegt hatten. Sie hatten die Nachricht von dem gelüfteten Geheimnis um Rosies Herkunft gar nicht so erstaunt wahrgenommen. Lisa hatte sogar steif und fest behauptet, sie habe die ganze Zeit über so etwas vermutet – was ihr natürlich keiner glaubte. Jedenfalls war Rosie mittlerweile täglich auf ihrer Ranch und schuftete ebenso viel wie die Arbeiter, die sie bestellt hatte. Auf Pineforest vermisste man sie inzwischen schon etwas. So erwischte ich zum Beispiel Oliver beim organisieren des Morgentrainings, ausnahmsweise auf Deutsch: „Quinn reitet statt Cool Cat Spotted Timeout, ich weiss nicht welche Idiot das wieder falsch eingetragen hat. Rosie kann Cat stattdessen übernehmen.“ „Ehmm Boss, Rosie is, ehh…“, meldete sich Thomas scheu. „Yes yes, fine. Ich kann mir auch nicht alles merken hier. Na gut, dann nimmt eben April Cool Cat.“ „But I already ride Caspian!“ „All of you – you drive me nuts! And just because of a certain lady that thinks that she can quit and leave all of a sudden – and a certain boss here doesn’t even stop her!“, rief Oliver aufgebracht aus. Alle schwiegen, bis er sich beruhigt hatte und fortfuhr. Ich wusste ganz genau, dass er es in Wirklichkeit einfach sehr bedauerte, dass Rosie nun nicht mehr 100% für Pineforest zur Verfügung stand. Aber geschäftsorientiert wie er war, versuchte er einfach darüber hinwegzusehen und weiterzumachen. „However. Rita, if I remember it correctly, you have no horse to ride in the first group, have you?“, fragte Oliver mit sarkastischer Stimme. Rita nickte unsicher. “Good. Then go get Cool Cat. All of you – move! Before I make you!” Ich sah ihn streng an, doch wenn er schlechte Laune hatte (was heute mehr als offensichtlich der Fall war) liess man ihn am besten einfach in Ruhe seinen Job machen. Ich begab mich zu Sundays Box. Viel zu lange hatte ich den Braunen nicht mehr im Training geritten, weil ich immer andere Pferde auf der Liste gehabt hatte. Doch diesen Monat waren wir endlich wieder zusammengewürfelt worden. Ich führte den braunen Hengst in die Stallgasse und stellte ihn zwischen Gleam of Light und Spotted Timeout. Dann begann ich wie immer damit, sein Fell gründlich durchzustriegeln. Heute wollte er anscheinend nicht besonders gekrault werden, denn er verzog weder die Lippe, noch legte er den Kopf schief, wie er es sonst so oft tat, wenn ich beim Widerrist angelangte. Ich zuckte mit den Schultern und machte weiter. Das Fell des Braunen war kurz und schimmerte schon nach wenigen Bürstenstrichen wieder wie frisch ein gesprayt. Auch der Schweif liess sich ohne grossen Widerstand kämmen. Ich sortierte ein paar Strohhalme aus dem ordentlich geschnittenen, schwarzen Langhaar heraus, dann ging ich zu den Hufen über. „Occu, can you have a quick look? Sumerian has a scratch…“, rief Thomas um die Ecke. Ich liess den Hufkratzer liegen und ging nachsehen, was er meinte. Innerlich betete ich: bitte nicht noch ein Pferd das verletzt ist! Es reicht schon, dass Winter und Iskierka den ganzen letzten Monat ausgefallen sind! Doch meine Sorge wurde gelockert als ich sah, dass es sich tatsächlich nur um eine oberflächliche Blessur am Sprunggelenk handelte. Vermutlich hatten die Stuten auf der Weide wieder miteinander gezickt. Trotzdem besprühte ich die Wunde mit etwas Silberspray, um die Fliegen und den Dreck fernzuhalten. Dann widmete ich mich wieder Sunday, der bereits ungeduldig scharrte. „Du kriegst nix, Kumpel. Erst nach der Arbeit“, stellte ich mit gehobenem Finger klar, aber natürlich nützte das nichts. Ich stupste ihn an und sagte deutlich „stop it“, woraufhin er tatsächlich aufhörte. Nun konnte ich bereits Satteln und zäumen. Die Anderen waren ähnlich weit, sodass wir alle etwa gleichzeitig das Gebäude verliessen und die Pferde zum Aufwärmen auf die Galoppbahn ritten. Hier blieben wir erstmal fünf Minuten im Schritt, danach folgte zehn Minuten lockerer Trab und schliesslich begaben wir uns zur Rennbahn. Einer nach dem anderen wurde in die Startboxen geführt. Bei dieser Gruppe fand das Training eigentlich bloss noch zur Erhaltung, nicht mehr zum Neuaufbau von Muskeln statt. Diese Pferde waren schon so gut ausgebildet und durchtrainiert, dass man gar nicht mehr viel steigern konnte. Deshalb erlaubten wir uns mit ihnen auch öfter spassige Ausritte anstelle anstrengenden Trainings. Während den ausgiebigen Galopps im Gelände oder dem Schwimmen im Bach wurden die Muskeln schliesslich auch fit gehalten. Trotz des zum Teil jahrelangen Trainings hatte aber immer noch der ein oder andere unangenehme Macken, an denen wir wohl doch noch bis zum Ende der Rennkarriere feilen mussten. Beispielsweise zeigte sich mein Sunday wieder von seiner besten Seite: Ajith wollte ihn wohl für seinen Geschmack etwas zu hastig in die Startmaschine führen, sodass der Versuch damit endete, dass der Hengst stieg und sich beinahe den Kopf anstiess. „Dass du immer gleich Männchen-machen musst, sobald dir etwas nicht passt“, tadelte ich laut, zum Vergnügen der anderen Jockeys. Beim zweiten Versuch klappte es, indem Ajith dem Hengst genug Zeit gab, sich alles anzusehen. Als hätte er es nicht schon 1000 mal gesehen… Aber auch Sumerian hatte mal wieder nen Zickenanfall, und das ausgerechnet beim Start. Anstatt anständig abzudrücken, schoss sie aus der Box und keifte Campina an, die prompt erschrak und einen Seitensprung gegen Cool Cat machte, der durch den Zusammenprall wiederum beinahe stürzte. Wir brachen ab und bremsten die Pferde. Oliver schüttelte genervt den Kopf. „Thomas, what was that? Weren’t you supposed to control your horse? Instead you are dreaming again! I saw that coming since you entered the box!” Und warum hast du dann nichts gesagt? Diese Frage stand Tom förmlich ins Gesicht geschrieben, doch er wollte nicht noch mehr Ärger provozieren und murmelte bloss „sorry Oliver“. Ich war froh, dass er sich unter Kontrolle behielt, denn er zählte normalerweise auch zu den eher heisseren Gemütern auf dem Hof. Eine Meinungsverschiedenheit zwischen den beiden wollte ich nicht erleben.

      Beim zweiten Anlauf klappte es: Sumerian musste ganz aussen Starten und Tom hielt die Zügel straff genug, dass er sofort reagieren konnte, falls die Stute erneut den Kopf drehen wollte. Die Klappen flogen auf und die Pferde sprangen los. Ich krallte mich in Sundays Mähne fest, als der Hengst mit ein paar gewaltigen Galoppsprüngen beschleunigte. Zu sehr liess ich ihn aber noch nicht vor, denn die Kraft musste er sich für den Finish sparen. In jedem Trainingsrennen achteten wir auf dieselben Spielregeln wie bei einem richtigen Rennen, damit sich die Pferde an den Ablauf gewöhnten und später besser kontrollierbar waren, wenn es mal drauf ankam. Wir blieben alle dicht beieinander bis wir eine ganze Runde um die Bahn durchritten hatten, dann folgte die letzte Gerade. Aus der Kurve heraus liess ich Sunday ziehen. Dicht neben mir gab auch Parker Light den Kopf frei. Ich konzentrierte mich so sehr auf diese Seite der Bahn, dass ich nicht bemerkte, wie Cool Cat auf der anderen überholte. Als ich wieder nach vorne sah, sah ich seinen Schweif direkt vor uns wehen und erkannte, dass Rita uns blockieren wollte. Ich zog Sunday auf eine Bahn weiter aussen und duckte mich tief in seine Mähne, doch den Abstand konnte ich in der kurzen Zeit bis zur Zielmarkierung nicht mehr wettmachen. Light konnte sich noch etwas weiter vorschieben, also kamen wir als dritte ins Ziel. „Not bad Rita, it was clever to block Occu and Sunday. But if you try this over a longer distance you probably won’t come away so easily. They were already catching up again and Cat lost all his power during that sprint”, wertete Oliver kurz darauf beim Abkühlen aus. “Sumerian and Spot have to start the final run earlier; they have enough strength to do that. And Campina plus Caspian need a little bit more condition.”

      Wir brachten die erste Gruppe in den Freilauftrainer, damit sie noch etwas länger Schritt laufen konnten. Dann holten wir die nächsten sechs Kandidaten: Chiccory, Winter, Iskierka, Painting Shadows, Sympathy und Shades of Gray. Mein Liebling Winter und Zicke Iskierka liefen wegen besagtem Trainingsrückstand hier mit. Winter hatte sich auf der Koppel bei einem Gerangel mit Neuankömmling Rosenprinz eine üble Schramme am Vorderbein zugezogen, durch die er einige Tage etwas unsauber lief. Ich gab ihm daraufhin gleich einen ganzen Monat Pause, denn Beinverletzungen waren bei den Rennpferden immer heikel. Iskierka hingegen hatte erhöhte Temperatur und Nasenausfluss gehabt, vermutlich eine leichte Grippe, die sie sich bei einem Handicap in London eingefangen hatte. Ärgerlich – aber jetzt ging es ihr dank der führsorglichen Pflege von Ajith wieder gut. Sie hatte uns allen richtig Sorgen gemacht, denn sie war so aussergewöhnlich lieb und ruhig gewesen. Ich musste jetzt noch schmunzeln, obwohl es ja eigentlich nicht lustig gewesen war. Sympathy wurde wie versprochen vorsichtig wieder hochtrainiert, jetzt da ihr Fohlen entwöhnt war. Sie machte sich besser als ich gedacht hatte und kam langsam aber sicher zu ihrer alten Form zurück. Trotzdem war es mit dem ganzen Trainingsverlust und in ihrem Alter nicht mehr ganz so einfach, mit den jungen Fliegengewichten mitzuhalten, die jetzt immer mehr aufstiegen. Paint war schlicht und ergreifend in dieser Gruppe dabei, damit überall etwa gleich viele Pferde liefen. Das Trainingsrennen entschied Gray für sich, und bewies mir damit, dass sie reif für die geplanten Einsätze am Wochenende war.

      Die letzte Gruppe bestand aus den Jungspunden Caligari, Kaythara, Ciela, Cassiopeia, Pointless und Framed in History. Wir bereiteten sie vor, während die vorherige Gruppe in die Führanlage kam; ausser Iskierka – die durfte unter’s Solarium, was sie sichtlich genoss. Cassy war bei weitem noch die pummeligste, denn sie hatte ja auch als eine der letzten abgefohlt. Auch ihre Kondition liess etwas zu wünschen übrig, sodass sie heute als abgeschlagene Letzte ins Ziel bretterte. Kaythara hingegen hatte ein absolutes Formhoch und gewann mit unglaublichen vier Längen Vorsprung und einem neuen persönlichen Bahnrekord. Und dann war da noch Pointless. Sie ging nicht zuletzt durchs Ziel, aber ihre Leistung war nicht gerade schön anzusehen gewesen. Schon bei der Startbox hatte das Gezanke wieder angefangen, und die darauffolgenden 500 Meter waren für mich, die sie abgesehen von Oliver als einzige reiten durfte, ein unangenehmer Kampf gewesen. Doch danach hatte die Stute der Ehrgeiz gepackt; anders konnte ich es mir nicht erklären. Sie hatte die Ohren nach hinten geklappt und sich plötzlich gestreckt, als würde sie verfolgt werden. So waren wir mit dem für ihren Trainings(rück)stand unglaublichen vierten Platz durchgekommen. Doch kaum wollte ich sie bremsen, war alles wieder beim alten: sie schüttelte den Kopf, schlug unwillig mit dem Schweif und stampfte unzufrieden, sobald ich sie in den Schritt gebremst hatte. Oliver war erstaunlich zuversichtlich: „I think it was much better than last time. The foal-break was definitely the right thing to do with her.” Ich nickte nur und dachte insgeheim: das lässt sich leicht sagen, wenn man nicht selber oben sitzt. Wir versorgten auch diese Gruppe. Es wurde jetzt langsam warm, denn es war bereits acht Uhr morgens.

      Am Abend schickte ich dann Coulee zusammen mit Rosenprinz auf die Bahn. Quinn und Parker ritten die beiden. Ich hatte das Gefühl, dass Coulee durch Quicks Anwesenheit viel ruhiger und selbstbewusster war. Die beiden waren quasi zusammen aufgewachsen und hatten sich anscheinend furchtbar vermisst. Jedenfalls grunzte Coulee dem hübschen Falben bei jeder Gelegenheit zu, und meist bekam sie auch eine Antwort. Coulee war auch auf der Bahn wie ausgewechselt, seit Quick mit ihr trainierte. Sie hatte wieder mehr Ehrgeiz, mehr noch, als nach meinen unzähligen Motivierungsversuchen. Ich war sichtig glücklich, wenn ich den beiden zusah. Das einzige, was meine Stimmung noch immer trübte, war die ehemalige Box von Stromer. Caspian stand jetzt darin – überhaupt hatten wir die Boxenordnung etwas umgestellt, weil in Zukunft Cantastor, Empire, Fly Fast, Fajir und Muskat bei Rosie untergebracht werden würden. Sie gehörten noch immer mir, aber sie durften aus praktischen Gründen dorthin ziehen. Fly ging auf Wunsch von Rosie mit, denn er war immer schon ihr Liebling gewesen.

      Ich sah noch rasch nach Mikke und Indiana. Die beiden waren ausgeritten worden und machten einen zufriedenen Eindruck. Den ‚Verlust‘ ihrer Fohlen hatten sie wohl einigermassen überstanden. Auch Dublin war heute nicht mitgelaufen, wie schon die letzten paar Wochen. Grund dafür war, dass sie ein Fohlen von Sacramento erwartete und ich ihr das Training langsam nicht mehr zumuten wollte. Zufrieden löschte ich das Licht um zehn Uhr und verschwand ins Haus.
    • sadasha

      Pflegebericht
      22. Oktober 2016 | von Occulta
      Moonlight Shadows

      Draussen war alles noch dunkel und still. Nebel lag bedrückend dicht über den Feldern und um die Gebäude von Pineforest Stable. Doch ich mochte diese Stimmung, sehr sogar. Es war als loyale Teil-Engländerin wohl mein ideales Klima. Ich hatte mich nie irgendwo mehr zuhause gefühlt als hier, auf diesem Hof mit meinen Pferden. Ein bisschen fröstelte es mich dann aber doch, als ich zum Hauptstall lief. Ich versteckte mein Gesicht in meinem Schal und rieb mir die Hände, bevor ich nach dem kalten Tor griff und es aufschob. Ich betätigte den Lichtschalter und lief zuallererst mit prüfendem Blick durch den Stall, um abzuchecken, ob die Pferde munter waren. Dabei hatte ich ein besonderes Ziel: Dublins Box. In ihr wartete nebst der Scheckstute eine wackelige, schwarze Gestalt, die gerade gierig nach der Milchbar suchte. Daedra war erst wenige Tage alt und trug eine warme Fohlendecke, damit sie einen Schutz gegen die Kälte hatte. Ihr kurzes, flauschiges Fohlenfell war da nämlich noch nicht besonders hilfreich. Liebevoll betrachtete ich die gekrümmten Tasthaare an ihrer Schnauze und die grossen Ohren. Die kleine stammte von Sacramento ab, wodurch sie zwei tolle Blutlinien vereinte. Sie hatte sicherlich eine grosse Zukunft vor sich. Ich lief weiter an den nächsten Pferden vorbei. Bei Pointless‘ leerer Box blieb ich abermals stehen. Sie fehlt mir sehr. Trotz allem Ärger den sie mir bereitet hat, haben wir doch viel zusammen erlebt und ich wollte ihr eine Chance geben. Ich bin gescheitert… Ich unterdrückte den Kloss, der sich in meinem Hals zu bilden drohte und setzte meinen Rundgang fort. Bisher hatte ich es nicht über mich gebracht, die Box von Pointless neu zu besetzen, doch das würde sich heute ändern. Denn heute wollten wir die zweijährigen Nachwuchsrennpferde in den Hauptstall bringen. Sechs Stück waren es, die von diesem Tag an den Ernst des Lebens kennenlernen mussten. Doch erstmal verlangten die bereits durchtrainierten Vollblüter meine Aufmerksamkeit. Die ersten Pfleger trudelten im Hauptstall ein und wir begannen mit den Stallarbeiten. Die erste Gruppe fürs Training machte sich bereit, bestehend aus Campina, Fly Fast, Sunday Morning, Spotted Timeout, Shades of Gray, Gleam of Light und Caspian. Wir hatten die Gruppenzusammensetzung erst gestern wieder den momentanen Rennleistungen der einzelnen Pferde angepasst und diskutiert, wer wo mitlaufen musste. Sympathy for the Devil, Iskierka, Coulee, Chiccory, A Winter’s Day, Painting Shadows und Cassiopeia bildeten die zweite Gruppe. Die Dreijährigen folgten in der dritten Gruppe, bestehend aus Sumerian, Framed in History, One Cool Cat, Cabinet of Caligari, Kaythara und Captured in Time. Nachdem alle drei Gruppen durch waren (ich selbst durfte immernoch nicht mitmachen, wegen meiner Rippen), war es endlich soweit. Ich liess es mir nicht nehmen, den nicht mehr ganz so kleinen Merino selbst hinauf in seine neue Box zu führen. Auf dem Weg zu den Weiden wechselte ich einen Blick mit Jonas, der im Nebenstall Heu verteilte. „Guten Morgen, Occu“, murmelte er lächelnd, und ich wusste genau, was ihn beschäftigte. Ich hatte ihm noch immer keine Antwort gegeben. Ich zögerte es seit Tagen hinaus und ging ihm aus dem Weg, weil ich mir immer noch nicht sicher war. Ich erwiderte seinen Gruss und stolperte dann rasch weiter, um den Anschluss zu den Pflegern nicht zu verpassen. Ajith schnappte sich Miss Moneypenny, Quinn übernahm Primo Viktoria und Parker fing Riven ein. Bevor die Jungstuten wussten, wie ihnen geschah, wurden sie aus der Weide geführt. Sie kannten die Prozedur, denn wir waren oft genug mit einzelnen Jungpferden aus der Gruppe spazieren gegangen. Trotzdem wieherte Dolly aufgeregt, während Shira, Thalia und Counterfire ihren Kolleginnen aufgeregt neben dem Zaun folgten. Ich beobachtete die Fohlen wie in Trance, dann konzentrierte ich mich wieder auf meine eigene Aufgabe – Merino. Die Junghengste hatten die Aufregung natürlich mitbekommen und waren nun ebenfalls etwas aufgewühlt. Sie bewegten sich dynamisch, sodass ich mir einen Moment lang Sorgen um klein Mambo machte, der als jüngstes Gruppenmitglied oftmals rücksichtslos angerempelt wurde. Wir beeilten uns mit dem Einfangen. Ich ging mit Merino voraus; hinter uns folgten April mit Simba Twist und Charly mit Bring me to Life. Die sechs bezogen ihre neuen Boxen und brauchten erstmal einen Moment um zur Ruhe zu kommen als sie realisierten, dass dies kein Spaziergang war.

      Ich kümmerte mich inzwischen um den ersten Neuzugang, der heute ankam. Es handelte sich um eine Vollblutstute namens Amira, die ich von Verena O’Connor gekauft hatte. Eigentlich hätte sie schon früher zusammen mit Yoomee ankommen sollen, doch sie wurde, warum auch immer, länger in der Quarantäne gehalten. Jetzt hatte sie jedenfalls endlich grünes Licht bekommen und stürmte aus dem Transporter auf den sicheren Boden. Offenbar hatte sie den langen Flug und den Transport bis hierher nicht sonderlich gemocht. Ich prüfte ihre Beine auf Verletzungen und bedankte mich bei Hans, der die kleine vom Flughafen her zu uns gebracht hatte. Die immer noch aufgeregten Stutfohlen waren natürlich gleich wieder voller Bewegung, als ich ihnen den Neuankömmling brachte. Ich beobachtete die Gruppe eine Weile, für den Fall, dass es Schwierigkeiten gab, doch wie immer beliessen die Zicken es bei ein paar Quietschern und Drohgebärden. Amira hatte jedenfalls keine Probleme sich unterzuordnen und so blieb die Atmosphäre friedlich. Ich seufzte erleichtert und begab mich zurück zum Hauptstall. Es war Zeit, mit Empire State of Mind rauszugehen. Ich hatte mir vorgenommen, mit dem Schimmelhengst heute einen ausgiebigen Herbstwald-Galopp zu machen. Also holte ich ihn raus und putzte ihn gründlich. Er mutierte langsam zu einem Teddybär, doch noch war es zu früh für eine Schur. Ausnahmsweise hatte das Schimmeltier mal keinen gelben Fleck, was mich sehr freute. Ich nahm mir Zeit beim Kämmen des gelblichen Schweifes und nahm mir vor, diesen bald einmal zu waschen, damit er wieder etwas weisser wurde. Ich sattelte und zäumte den Hengst, dann machten wir uns auf den Weg. Wenige Minuten vor uns war eine Gruppe mit Mikke, Indiana, Cantastor und Rosenprinz aufgebrochen, doch ich hatte nicht unnötig stressen wollen und ging deshalb gerne alleine. Ganz alleine bin ich ja sowieso nicht, dachte ich schmunzelnd und klopfte Empire liebevoll auf den Hals. Die Blätter raschelten bei jedem von Empires Schritten im Laubwald hinter der Wilkinson Farm. Ich hatte Rosie auf dem Farmgelände nicht gesehen, war mir aber sicher, dass sie um diese Zeit auch irgendwo im Gelände unterwegs sein musste. Und tatsächlich: wenig später trafen wir auf sie und Bintu. Der feurige Araber tänzelte herausfordernd, als er Empire sah. Ich achtete stets auf das Ohrenspiel meines Schimmels, als ich mich den beiden näherte. „Hi Rosie! It’s been a while.“ „Yes, sure has. Everyone’s doing fine at Pineforest?“ “Except for Pointless… yep.” “Ahh… I heard of it. I’m very sorry.” “It’s alright, ‘the show must go on’, haha. Are you busy working with Farasha?” “I am currently only lunging her to get her some new muscles. I don’t think it would be wise to ride her already, would you agree?” “Absolutely. Give her enough time and she will be just fine.” “Oh, and there’s something else - she’s gained a bit of weight, so I will let the vet check her again soon…” “You think she was already pregnant again when you bought her?” “It’s very likely. Tough it’s strange that nobody mentioned it to me – maybe it was an accident and they didn’t even know.” “Or maybe you’re just over-feeding her?”, schlug ich grinsend vor. “No, but seriously – checking her sure is a good thing.” Empire wurde langsam ungeduldig, und auch Bintu konnte kaum stillstehen. Also verabschiedeten wir uns und führten unsere Wege fort. Nach den versprochenen Galopps kehrte ich mit Empire zurück auf meinen eigenen Hof und sattelte ihn ab. Er hatte ein wenig geschwitzt, also bürstete ich ihn gut durch und ging sicher, dass er trocken war, bevor ich ihn ganz wegräumte.

      Gegen Mittag begrüsste ich mein neues Criollo Fohlen, ein Dunkelfuchs namens el Alba Ardiente. Er war ein interessanter zukünftiger Hengstanwärter, denn er hatte gute Abstammung und einen korrekten Körperbau. Besonders seine Beinstellung war makellos und vielversprechend. Nachdem ich ihn mit den anderen Hengstfohlen bekanntgemacht hatte, kümmerte ich mich um die Minis. Miss Mini Dakota und Chocolate Chip sahen sofort auf, als ich die Weide betrat. Seit Alufolie weg war, hatte Daki wieder die Herdenführung übernommen, und Chip war ihr dauernd auf den Fersen, um ihr den Posten streitig zu machen. Ich streichelte die beiden zur Begrüssung, ehe ich von sämtlichen Ponys umzingelt wurde. In solchen Momenten fragte ich mich, ob wir in Zukunft nicht doch lieber ganz auf das Müsli zum reinlocken am Abend verzichten sollten. Die Ponys wussten jedenfalls ganz klar, dass Ich einer der bediensteten Futterspender war. Ich hörte ein Bellen, dann rief meine kleine Nichte nach mir. „Ach ja, es ist ja schon Mittag!“, rief ich überrascht und verstrubbelte Jackys Fell. Die Hündin war zusammen mit Sheela den ganzen Weg vorausgeeilt, während Zira brav bei Lily blieb. Ein Wunder, dass die sonst so Kinderscheue Hündin Lily vertraut, stellte ich zufrieden fest. Aber ich schätze sie hat sich mittlerweile einfach an sie gewöhnt. Wir verschwanden im Haus und machten uns je ein Sandwich, welches wir auf Lilys Vorschlag hin mit zu den Minis nahmen und unterwegs verspeisten. „Du musst es gegessen haben, bevor du die Weide betrittst! Sonst wirst du totgetrampelt“, warte mich das Mädchen. Ich lachte amüsiert und genoss jeden Bissen. Nach dem Essen half mir Lily bei der Fellpflege der neuen Shetty-Stute Snottles Peppermint. Das Shetty hatte mir einfach auf den ersten Blick gefallen, und das obwohl ich eigentlich kein Shetty-Fan war. Zum Glück stach sie unter den Minis nicht allzu sehr hervor. Aber ihre zottelige Mähne war nur schwer zu bezwingen, besonders mit all dem getrockneten Schlamm, der sich darin verfangen hatte. Andererseits sahen Rapunzel und Tigrotto auch nicht gerade wie Engel aus. Um die beiden kümmerten wir uns im Anschluss. Tic-Tac und Kicks-a-Lot konnten es nicht lassen, immer wieder zu uns hinzukommen um an unseren Jacken herumzuziehen. Zu allem Überfluss beobachtete Dressy Miss Allegra das Spiel der beiden Halbstarken aufmerksam, und ich sah es förmlich in ihrem Kopf rattern. Bestimmt würde sie die beiden früher oder später nachahmen. Die Jungen Pferdchen hatten eben nichts als Flausen im Kopf. „Genau wie du“, tadelte ich Lily künstlich. Sie lachte und warf mir ein paar Blätter an. „Bald ist Halloween! Verkleiden wir eines der Ponys? Biiiitteee!“ Ich stimmte seufzend zu und versuchte mir Papillon d’Obscurité als Zombiepferd vorzustellen. Der Gedanke war äusserst witzig, wenn man bedachte, dass die Stute solchen Spielereien eher nüchtern gegenüberstand, besonders wenn Kinder involviert waren. Silhouette of a Rose passte da schon viel besser, wobei ich sie aber eher als Barbiepferd vor meinem inneren Auge sah, genau wie Lady Diva. „Aus Daki lässt sich bestimmt ein tolles Geisterpony machen“, überlegte Lily laut. Wir schmiedeten noch etwas weiter Verkleidungspläne, ehe wir zu den Mini-Hengstchen wechselten. Beck’s Experience, Glenns Caress, Arctic Blue und Nachtfalke kannten keine Scham wenn es darum ging sich einzusauen. Einzig Rumpelstielzchen, der wohl noch nicht lange genug dabei war um angesteckt zu werden, war gnädig mit Lily und mir gewesen. Die anderen mussten wir insgesamt über eine Stunde lang sauber bürsten. Irgendwann legte ich den Striegel beiseite und sagte zu Lily: „Wir lassen es für heute gut sein, morgen sehen die eh wieder genau gleich aus. Ausserdem reicht es sonst nicht mehr um mit dem Zebra zu arbeiten.“ Lily liess sich das nicht zweimal sagen und sprang sofort auf. „Ich geh schon mal voraus, räum du das Putzzeug weg!“ „Danke“, stiess ich empört aus, aber sie war bereits auf dem Weg, gefolgt von Sheela und Jacky. Zira blieb diesmal mir treu. „Du bist wohl immer da, wo die anderen zwei gerade fehlen, hmm?“, murmelte ich belustigt.

      Die Arbeit mit Thairu war heute unspektakulär, denn wir machten nur einen Spaziergang mit ihr. „Siehst du, wie grumpy sie ist? Da willst du dich im Moment nicht draufsetzen, glaub mir“, erklärte ich der enttäuschten Lily während dem Laufen. Ich betrachtete das Zebra, während es neben mir her schlurfte. Bist du krank, oder was ist los? Etwas Sorgen bereitete sie mir schon, andererseits waren keine Krankheitssymptome sichtbar. Vermutlich hat sie einfach einen schlechten Tag, überlegte ich schulterzuckend. Wir waren in zügigem Tempo unterwegs, denn ich musste gleich im Anschluss nochmals zwei Jährlinge abholen gehen. Das Besondere dabei war, dass beide Abkömmlinge meines geliebten Stromers waren. Bisher hatte ich tatsächlich keinen seiner Nachkommen selbst behalten, denn wer hätte gedacht, dass ich ihn schon nach so kurzer Zeit verlieren würde? Nun sah alles anders aus, und ich freute mich darauf, die beiden Jungpferde auszubilden. Ob sie ihrem Vater ähnlich sein werden? Ich hoffte es sehr. Es handelte sich um eine Stute und einen Hengst, die gegensätzlicher nicht hätten sein können. Blossom Magic, die eher schreckhaft und abweisend war, wohingegen Snap in Style vorwitzig und verspielt schien. Die beiden waren übrigens bisher die einzigen Vertreter für den Jahrgang 2015 auf Pineforest Stable, doch ein weiterer Zuwachs war bereits geplant, nämlich ein Jährling von Caprice, den ich auf einer auswärtigen Fohlenweide platziert hatte. Ein Kumpel von mir besass nämlich zwei Vollblutfohlen, für die er einen weiteren Spielpartner gesucht hatte.

      Später arbeitete ich mit Estragon Sky aka Artemis in der Halle. Der weisse Achal Tekkiner taute langsam etwas auf, wenn ich mich mit ihm beschäftigte. Am Anfang war er total unzugänglich gewesen, doch mittlerweile genoss er Streicheleinheiten und arbeitete deutlich williger mit. Trotzdem gab es auch heute wieder etwas Ärger, sobald wir am Fenster der Reiterstube vorbeikamen, denn dahinter versteckten sich die schrecklichsten Monster. Ich versteifte mich nicht zu sehr auf seine Mätzchen und lockerte ihn stattdessen mit vielen Übergängen. Als ich fertig war, und den Hengst wieder zum Nordstall führte, entdeckte ich Jonas vor Halluzinations Box. Er hatte die Stute offenbar kurz zuvor geritten und kümmerte sich nun noch etwas um sie. Er hatte mich noch nicht bemerkt. Ich blieb stehen und dachte nach, dann öffnete ich verlegen den Mund. „Hast du Lust, nachher mit Diarado und mir rauszukommen? Du musst Circus Dancer eh noch bewegen.“ „Als ob ich nein sagen könnte…“, murmelte er lächelnd und nickte. Ich erwiderte das Lächelnd erleichtert und versorgte Artemis. Wir holten Diarado und Dancer gleichzeitig raus und begannen sie zu putzen. „Sollte nicht eigentlich ich den Rappen reiten? Ich meine, ich bin doch hier der Bösewicht, der dich in Verlegenheit bringt“, scherzte Jonas nach einer Weile des peinlichen Schweigens. Ich konterte: „Ich dachte, du wolltest der Prinz auf dem weissen Pferd sein?“ Er grinste breit. Überhaupt schien er ziemlich fröhlich und lebhaft. Das steigerte mein schlechtes Gewissen, denn ich dachte wieder daran, dass jetzt so lange hatte zappeln lassen. Andererseits hast du doch auch Jahre lang mit mir gespielt, ist das nicht mehr als fair? Ich entwirrte Diarados Schweif und kratzte seine Hufe aus, dann war er bereit zum Satteln. Ich holte wie immer seinen Springsattel, denn ich ritt am allerliebsten damit. Dressursättel waren nicht so meins. Als wir beide fertig waren, ritten wir vom Hof weg in Richtung Galoppwiese. Wir redeten viel unterwegs; so viel wie schon lange nicht mehr. Die Themen waren für mich zweitrangig, mir tat es vor allem gut, seine Stimme zu hören und von Zeit zu Zeit einen Blick auf diese wunderschönen Augen zu erhaschen. Es wurde schon dunkel, und so langsam kroch der Nebel wieder vom Fluss her über die Landschaft. Wir galoppierten auf Jonas‘ Lieblingsstrecke am Waldrand und bogen dann Richtung Fluss ab. Ein Stück des Weges führte durch den Pinienwald, dessen Boden zwischen den rauen Stämmen nur spärlich bewachsen war. Hier gab es kaum Blätter, nur eine dicke Schicht von Piniennadeln, die das ganze Jahr über den Waldboden bedeckte. Jonas und ich alberten ein wenig herum, sodass ich am Ende im Damensitz auf Diarados Sattel sass, während Jonas wie ein Cowboy einhändig auf Dancer um uns herum trabte. „So Schluss jetzt, du machst Dancer ganz hibbelig!“, rief ich lachend. „Very well milady, then follow me to the old castle”, erwiderte er geheimnisvoll. Wir ritten Seite an Seite zur berüchtigten, kreisrunden Lichtung im Pinienwald mit dem Steinhaufen in der Mitte. „Weisst du, was mich an der Legende immer schon gestört hat? Der Pinienwald steht erst seit siebzehnhundertirgendwas hier, und gehörte damals einem reichen Lord. Ich bezweifle, dass sich Banditen hier einnisten konnten.“ Jonas stieg ab und verknotete Dancers Zügel, damit sie nicht über den Hals rutschen konnten. Währenddessen antwortete er auf meine Bemerkung: „Vielleicht wollte auch einfach jemand etwas Besonderes aus dieser Lichtung machen, um jemand anderen zu beeindrucken. Oftmals ist es romantischer, wenn geheimnisvolle Plätze wie dieser eine interessante Geschichte haben.“ „Da könntest du recht haben“, meinte ich, und liess mich ebenfalls von Diarados Rücken gleiten. Wir setzten uns ins kühle Gras, wobei ich förmlich spürte, wie mein Po dreckig wurde, weil der Boden unter dem Gras feucht war. „Du kannst auch auf meinen Schoss sitzen, wenn dir das lieber ist.“ Crap, bin ich so durchschaubar? Ich zögerte einen Moment, dann folgte ich seiner Einladung tatsächlich. Zum Glück war es dunkel, denn meine Ohren fühlten sich heiss an und ich war mir sicher, dass sie rot angelaufen sein mussten. Wir sassen eine Weile schweigend da und sahen den Pferden beim Grasen zu. Der Mond schien sehr hell, sodass man beinahe die Grashalme zählen konnte. Die Schatten der Pferde waren ebenfalls deutlich zu erkennen. Irgendwann bemerkte Jonas: „Und was war der wahre Grund, dass du mich hier raus entführt hast?“ „Ich schulde dir noch eine Antwort, nicht?“, meinte ich zögernd. Er umarmte mich zärtlich und flüsterte mir ins Ohr. „Dann erlöst du mich endlich?“ Ich spürte meinen Herzschlag laut und deutlich, sodass ich mich beinahe fragte, ob er ihn nicht auch hören konnte. Dann überkam mich ein seltsames Gefühl, wie eine Stimme, die mich dazu aufrief, alle scheu abzulegen und für einmal die hartnäckige Vernunft in mir auszuschalten. Als Resultat drehte ich den Kopf und küsste ihn rasch. Er sah mich überrascht, dann mit einem breiten Lächeln an und bevor ich etwas anderes tun konnte, erwiderte er meine Geste mit einem weiteren, leidenschaftlicheren Kuss. „Tut mir leid, ich schätze, ich bin etwas ausser Übung…“, murmelte ich, als meine Lippen wieder frei waren. „Dann wird es Zeit, diese Übung wieder aufzunehmen.“ Ich genoss jede Sekunde mit ihm. Aber ganz konnte ich meine Vernunft dann doch nicht ausschalten. „Es wird spät, wir sollten zurückgehen, bevor jemand uns vermisst.“ Er setzte einen Hundeblick auf, doch ich strich ihm mit der Hand übers Gesicht und begab mich zu Diarado. Wir ritten zurück zum Hof. Es war mittlerweile fast acht Uhr, aber offenbar hatte sich niemand Sorgen um uns gemacht. Wir versorgten die beiden Hengste und ich gab Diarado zur Belohnung ein paar Karotten. Der Hengst hatte schön warm mit seiner Fleecedecke, die er trug, damit er nicht zu viel Winterfell produzierte. Jonas schlich sich zu mir und legte sein Kinn auf meine Schulter. „Na gut, von mir aus“, lachte ich, denn ich hatte seine Gedanken durchschaut, bevor er etwas sagen konnte. Er grinste zufrieden und folgte mir nach dem Stallrundgang ins Haus. Als wir reinkamen, sah uns Lily vorwurfsvoll vom Sofa aus entgegen, meinte dann aber „wurde auch Zeit“ und „es läuft Harry Potter im Fernsehen“. So landeten wir am Ende wie eine Familie auf dem Sofa und sahen fern. Was für eine Patchwork-Familie, dachte ich schmunzelnd, und lehnte mich liebevoll an Jonas‘ Schulter.

      Pflegebericht
      20. Januar 2017 | von Occulta
      Neues Jahr, wie wunderbar

      Es war der Morgen des 31. Dezembers. Ich war sofort hellwach, als ich die Augen aufschlug. Es gab noch so viel zu tun heute, bevor das neue Jahr beginnen konnte! Jonas war ausnahmsweise ebenfalls rasch auf den Beinen; normalerweise war er ein echter Siebenschläfer. Ich ass ein Honigbrot, fütterte die Hunde und zog die Reitsachen an. Als ich die Haustür aufmachte, erschrak ich beinahe. So viel Schnee! Es musste die ganze Nacht hindurch geschneit haben, denn die Schicht von den letzten paar Tagen hatte sich verdoppelt. Hinter mir hörte ich Jonas, also hüpfte ich die Veranda runter und lauerte ihm mit einem Schneeball auf. Natürlich verfehlte ich. „Muss ich dich in den Schnee legen?“, rief Jonas herausfordernd. Ich rannte lachend davon, zum Hauptstall. Es war draussen noch dunkel, aber im Stall brannte bereits Licht und die Pfleger begannen gerade mit dem Füttern. „Good morning everyone!“, rief ich fröhlich durch die Stallgasse. Als erstes stand eine Dressurstunde mit Sunday, Caspian und Cool Cat an. Heute war nur für die unerfahreneren Vollblüter Galopptraining auf dem Plan – die etwas älteren mussten anderweitig arbeiten und morgen war für alle Ruhetag. Ich ritt in der Stunde auf Caspian. Der Schimmelhengst war ziemlich geladen und ich musste ihn dauernd mit kleinen Volten und engen Wendungen bremsen. Der nette Nebeneffekt war, dass er wunderschön ans Gebiss trat, weil ihn die Biegung löste.

      Nach uns hatten Parker, Charly und Anne ebenfalls Dressurstunde, und zwar mit Gleam of Light, Chiccory und Spotted Timeout. In der Zwischenzeit begaben Jonas und ich uns mit Fly Fast und Framed in History auf einen Ausritt, um die beiden geländetauglicher zu machen. Beide waren noch sehr guckig und fanden immer wieder eine Ausrede um einen Seitensprung ins Feld zu machen. Um den beiden Nervenbündeln etwas Sicherheit zu geben, kamen auch Flint und Rebel mit, geritten von Lisa und Darren. Von den erfahrenen Westernpferden konnten sich die beiden Vollblüter viel abschauen. Wir waren länger unterwegs als geplant, weil Fly bei einem mit Planen abgedeckten Holzhaufen partout nicht vorbeiwollte. Wir nahmen uns daher viel Zeit um ihm den unheimlichen Haufen zu zeigen – bis er beim Durchreiten bloss noch das Ohr dorthin drehte. Ich fand es immer besser, solche Dinge auszudiskutieren, besonders bei Fly. Ansonsten neigte er dazu, sich bei kleinen Dingen immer weiter aufzuschaukeln, bis man kaum mehr anständig reiten konnte. Deshalb erklärten wir ihm immer alles doppelt, damit er keine Zweifel mehr hatte. Das brauchte Zeit, und genau diese Zeit hatten wohl seine alten Besitzer, bei denen er sich am Ende komplett verweigerte, nie gehabt. Er war eben von Natur aus ein sensibles Pferd und war schnell überfordert. Seit er auf Pineforest war, hatten wir uns grosse Mühe gegeben, dass er nie wieder eine seiner Ausraster hatte, bei denen er alles um sich herum vergass und wie mit Scheuklappen davonpreschte. Ich hatte einmal ein altes Video gesehen, von einem seiner letzten Rennen, bei dem er vor Verwirrung in die Rails gekracht war. Mittlerweile war er meistens ziemlich gut händelbar, aber sicherlich kein Anfängerpferd. Frame war ebenfalls nicht ganz einfach, aber er war einfach ein Angsthase. Er lernte jeweils schnell, doch fragte vorher lieber einmal zu viel nach, ob er nicht doch abdrehen sollte. Wenigstens glaubte der Schecke mir nach kurzer Zeit, dass der Haufen ungefährlich war. Und einmal begriffen, testete er es auch nicht erneut aus. Da war Fly hartnäckiger. Aber Frame vertraute mir sowieso aussergewöhnlich stark. Es kam mir manchmal fast so vor, als sähe er mich wegen seines üblen Weideunfalls immernoch als seine Retterin an. Jedenfalls war er bei mir viel mutiger als bei anderen, weshalb ich ihn noch immer fast ausschliesslich selbst ritt.

      Als wir vom Ausritt zurückkamen, machten sich gerade die Jockeys für das Training mit den jüngsten Vollblütern fertig. Die fünf kannten noch nicht viel und waren entsprechend hibbelig, als sie hintereinander zur Bahn ritten, während die Pfleger mit anderen Pferden an ihnen vorbeiliefen. Merino und Primo Victoria waren für mich immernoch etwas ganz Besonderes, mit ihren weissen Birdcatcher-Spots auf dem dunklen Fell, das so sehr dem ihrer Mutter ähnelte. Punkte hatte auch Cryptic Spots, und zwar nicht zu knapp. Aber mein heimlicher Liebling dieser Gruppe war immernoch Simba Twist, mit seinem aussergewöhnlich hellen, fuchsfarbenen Fell. Besonders wenn die Sonne darauf fiel schillerte es wie richtiges Gold. Ob er auch in Sachen Gewinne ein Goldjunge war, musste sich noch zeigen. Im Moment dominierte Miss Moneypenny die Trainingsrennen der Gruppe.

      Sobald ich Frame versorgt hatte, machte ich mich auf den Weg zu Moon Kiddy. Ich fand es eine reizvolle Idee, am Jahresabschluss mit ihr einen etwas längeren Ausritt zu machen. Mit der Stute hatte ich schon so viel erlebt und sie war einfach ein absoluter Schatz im Umgang. Nach der wilden Runde mit Fly und Frame war das nun genau das Richtige für mich. Ich striegelte und bürstete Moons weiches Winterfell. Dann entwirrte ich ihr dichtes Langhaar. Es war eher etwas dratig und robust im Vergleich zu dem feinen Haar eines Vollblüters, ausserdem hatte es hartnäckige Wellen, die es noch voluminöser wirken liessen. Ohne etwas Glanzspray war es fast unmöglich durchzukommen, ohne Haare auszureissen. Doch als ich fertig war, fiel es schön locker und war frei von Strohstückchen. Auch die Hufe kontrollierte ich, aber die Stute war barhuf und vom Schnee auf der Weide waren die Sohlen saubergewaschen, also gab es nichts auszukratzen. Mit der etwas kleineren Bürste nahm ich mir noch den Kopf vor, dann waren wir ready. Ich packte den Westernsattel auf ihren Rücken und zäumte sie mit ihrem Bosal. Der Ausritt führte uns durch das Nachbardorf und auf dessen anderer Seite durch ein Waldstück, in das ich bisher nur selten vorgestossen war. Hier gab es viele befestigte Wanderwege, auf denen wir wunderbar galoppieren konnten. Ich begegnete auch ein paar Spaziergängern, die mir jeweils einen guten Rutsch wünschten – was ich natürlich dankend erwiderte. Ein kleines Mädchen, dem wir unterwegs mit seiner Familie ebenfalls begegneten, war ganz begeistert von Moon und wollte die Stute streicheln. Wir unterhielten uns ein paar Minuten und ich lud sie ein, einmal auf Pineforest vorbeizuschauen und vielleicht eine Reitstunde zu nehmen. So macht man Werbung, dachte ich schmunzelnd, als ich weiterritt. Ich war sicher, dass ich das Mädchen namens Emilia nicht zum letzten Mal gesehen hatte. Überhaupt wollte ich mich im kommenden Jahr wieder etwas mehr den Ferienkindern widmen, die jeweils in den Sommerferien bei uns waren. Ich musste mir neue Spassturniere ausdenken und das Programm möglichst vielseitig machen. Aber das hatte alles noch Zeit. Im Moment genoss ich die stille, gefrorene Winternatur mit Moon. Auf dem Heimweg begann es sogar wieder zu schneien. Ich liess es mir nicht nehmen, mit Moon noch ein letztes Mal über ein Feld zu galoppieren, bevor wir zuhause waren. Im Tiefschnee wurde die Stute rasch müde, dafür machte es uns beiden umso mehr Spass.

      Um elf Uhr hatte ich Moon versorgt und gönnte mir eine Teepause, bevor ich weiter zu Lily mit Areion ging. Dank der Weihnachtsferien konnte ich ihr jetzt wieder vormittags eine Reitstunde geben und nicht erst abends, wenn es schon dunkel wurde. Die anderen Pfleger hatten schon um zehn Uhr Pause gemacht, deshalb sass ich alleine in der Reiterstube und beobachtete das Springtraining von Baccardi, Bluebell, Sugar and Sweets, White Dream und Donut. Die fünf Ponys galoppierten geschickt um die Kurven und schienen ganz schön fit. Zufrieden bemerkte ich, dass Bluebell fast jedes Mal im richtigen Galopp landete und abgesehen von ein wenig Zögern beim Plankensprung flüssig über alle Hindernisse drüberging. Sweets hatte da noch mehr Mühe, David musste sie jeweils neu angaloppieren wenn sie im Aussengalopp war. Baccardi und Donut waren sowieso erfahrener und beherrschten die fliegenden Wechsel; sie landeten aber ohnehin meist richtig. Mit Dream war es dasselbe, aber heute war sie etwas zu hastig und räumte dann doch ein paar Stangen ab.

      Ich fragte Lily, was sie heute mit ihrem flauschigen Tinker machen wollte. Sie beschloss, dass sie mit ihm zum ersten Mal ohne Sattel Cavaletti springen wollte. Ich nickte schmunzelnd und dachte mir, dass ich die Gelegenheit auch gleich nutzen könnte, um mit Adrenaline etwas Spass zu haben. Wir putzten die beiden, wobei ich meiner Nichte etwas half, denn Line war praktisch sauber, während Areion mit seinem langen Winterfell mehr Pflege brauchte. Besonders die dichten Puschel an den Beinen waren mühsam, denn darin verfingen sich dutzende Strohstückchen. Ausserdem musste ich die Fesselbeugen auf Mauke kontrollieren, denn unter dem ganzen Behang staute sich Feuchtigkeit. Vorsorglich salbte ich deshalb ein wenig und erklärte währenddessen Lily worauf sie achten musste. Meine Nichte kümmerte sich gewissenhaft und ausdauernd um ihren Tinker. Sie machte jeden Tag etwas mit ihm, und wenn es nur Spazieren war. Die beiden wurden immer mehr zu einem Team, wie ich es mir bei seinem Kauf erhofft hatte. Areion war ein gutmütiger, ausgeglichener Hengst. Und wenn es doch mal Probleme gab, konnte ich ihr rasch helfen. Zur Sicherheit setzte ich mich trotz allem sowieso einmal pro Woche selbst drauf; auch, damit der Hengst richtig gymnastiziert wurde. Tinker neigten ja dazu, einen weichen Rücken zu haben. Mit Lilys Fliegengewicht war das im Moment kein Thema, aber ich wollte auch in Zukunft sicherstellen, dass Areion die nötigen Muskeln hatte und gesund blieb. Als wir die beiden fertig vorbereitet hatten, gingen wir zusammen in die Halle. Die Ponygruppe hatte die Hindernisse stehengelassen, also stellten wir sie einfach etwas tiefer und benutzten sie anstelle der Cavaletti. Zuerst wärmten wir die beiden Pferde vom Boden aus auf. Zum Aufsteigen schwang ich mich einfach vom Boden aus auf Lines Rücken, während Lily ihren Tinker von der Aufstiegshilfe aus bekletterte. „Irgendwann musst du mir das auch noch beibringen Occu“, meinte sie etwas frustriert, als sie mich beobachtete. „Es sieht einfacher aus, als es ist. Ich brauchte auch lange, bis ich es endlich beherrschte“, ermunterte ich sie. Wir galoppierten zuerst ein wenig, dann sprang ich mit Line das erste Hindernis vor. Lily und Areion taten es uns gleich. Lily rutschte zwar auf Areions Hals, rückte aber schnell wieder in die richtige Position zurück und grinste ünbers ganze Gesicht. „Gut gemacht für den ersten Versuch“, lobte ich anerkennend. Ich riet ihr noch etwas besser in die Mähne zu greifen, denn „dafür ist seine dicke Wolle ja geradezu perfekt“. Schon nach wenigen Versuchen hielt sie das Gleichgewicht deutlich besser und wurde mutiger. Einmal mehr war ich froh, dass Areion so gutmütig und geduldig war. Wenn es nicht passte, dann stoppte er zwar, aber dann musste Lily einfach neu anreiten und schon klappte es. Adrenaline hoppste übrigens auch brav über die Sprünge.

      Nach dieser kurzen Spass Lektion gingen wir mittagessen. Um ein Uhr begab ich mich einmal mehr zu Phantom, meinem original USA Mustang, mit dem ich die letzten Tage intensiv gearbeitet hatte. Seit einer ganzen Woche ging ich nun schon jeden Tag zu ihm und gewöhnte ihn Stück für Stück an alles, was er in der Menschenwelt kennen musste. Am zweiten Tag hatte ich ihn weiter an Berührungen gewöhnt, auch an den Beinen, und sogar schon erste Versuche gemacht, die vorderen zu hochzuheben. Ausserdem hatte ich angefangen, ihn ein wenig zu longieren und unsere gemeinsame Sprache zu finden. Ich hatte ihm die Peitsche gezeigt und ihn dagegen desensibilisiert, und zu guter Letzt hatte ich bereits begonnen, neben ihm zu hüpfen und ihn an schnellere Bewegungen zu gewöhnen. Tag drei nutzte ich bereits dazu, zum ersten Mal auf seinem Rücken zu sitzen. Dazu kraulte ich ihn wieder ausgiebig und verstärkte das Hüpfen neben ihm immer weiter, bis ich mich schliesslich über seinen Widerrist legte. Anfangs machte er immer wieder Ausweichschritte, aber mit der Zeit blieb er stehen und so konnte ich fortfahren, bis ich ganz oben sass. Mehr als das verlangte ich noch nicht. Nebenbei gewöhnte er sich auch an das Führseil, dass er meistens einfach lose hinterherzog. Er lernte, dass er darauf stehen konnte und dass es sich um seine Beine wickeln konnte, ohne dass ihm etwas schlimmes passierte. Tag vier verbrachten wir damit, ein paar erste Schritte mit mir auf seinem Rücken zu gehen. Anfangs noch in einer kleinen Volte, dann schon etwas selbstsicherer. Er erschreckte sich zunächst noch, wenn ich wieder runtersprang, also übten wir das auch ausgiebig. Ausserdem zeigte ich ihm schon die wichtigsten Hilfen, nämlich Lenkung und Bremsen, bzw. Rückwärtsgang. Er war sehr aufmerksam und lernte schnell, aber seine Körpersprache verriet mir, dass er immernoch sehr angespannt und unsicher war. Am Abend von Tag vier führte ich ihn dann auch zum ersten Mal aus dem überdachten Roundpen in den Hauptstall. Wir machten eine Runde durch den Stallgang und ich liess ihn an allem schnuppern, was ihm unheimlich vorkam. Die Pfleger sahen begeistert zu. Am darauffolgenden Tag nahm ich ihn zum ersten Mal mit in die Halle und longiere ihn dort. Am ende liess ich ihn freilaufen und stellte ihm den grossen blauen Gymnastikball vor, den wir im Lagerraum hatten. Er schubste ihn sogar etwas herum. Tag sechs nutzte ich, um den ganzen Schweiss und Dreck von seinem Körper zu waschen. Auch das nahm wieder viel Zeit in Anspruch; zunächst gewöhnte ich ihn an den Schlauch, dann Schritt für Schritt an den Wasserstrahl. Ich benutzte ganz wenig Shampoo am Körper und genug beim Langhaar, um es zu entknoten und ganz sauber zu bekommen. Danach stellte ich ihn, weil es Winter war und draussen Schnee lag, unters Solarium im Hauptstall. Auch dabei musste ich ihn zuerst überzeugen, dass das rot leuchtende Ding keinen Appetit auf Pferde hatte. Aber als er es einmal begriffen hatte, stand er brav still und ich konnte nebenbei das trocknende Langhaar ein wenig frisieren. Gestern Nachmittag schliesslich hatte ich mit ihm Schrecktraining in der Halle gemacht und ihm ein paar neue, wichtige Alltagsdinge wie Klettverschluss und Blachen gezeigt. Ausserdem hatte ich den Morgen dafür genutzt, zum ersten Mal auf ihm zu traben und ihn bereits etwas ausgiebiger zu reiten. Heute wollte ich daran anknüpfen und ihn draussen auf der Ovalbahn reiten. Wenn alles gutging, konnte ich einen ersten Galopp wagen. Die Ovalbahn war aussenherum durchgehend mit Rails abgegrenzt, was ihn im schlimmsten Fall daran hindern würde, einfach auszubüxen. Trotzdem hatte ich ein etwas mulmiges Gefühl, weil ich ihn noch nie zuvor draussen geritten hatte. Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Ich betrat den überdachten Roundpen und rief den Mustang zu mir. Er reagierte darauf jeweils sofort und kam zügig angelaufen, was mich immer wieder von neuem freute. Er hatte sich also schon weitgehend auf mich eingelassen und begann, mir wirklich zu vertrauen. Das merkte ich auch beim anschliessenden Bürsten, denn er stand still obwohl ich das Seil nur über die Wand der Führanlage gelegt hatte und genoss das Striegeln mit gespitzter Oberlippe. Er war im Umgang sehr respektvoll (vermutlich war auch noch ein Rest Unsicherheit im Spiel) und wurde von Tag zu Tag neugieriger. Ich versuchte, so viel Zeit wie möglich mit ihm zu verbringen. Daher war ich in den letzten Tagen auch immer wieder zwischendurch zu ihm gegangen – bloss um ihn zu kraulen oder ihm eine Karotte zu bringen. So verknüpfte er mich sehr positiv und deshalb kam er auf Rufen auch sofort zu mir. Bürsten am Kopf klappte mittlerweile auch ganz gut; am Anfang hatte er die Bürste in seinem Gesicht ganz und gar nicht gemocht. Das Hufeauskratzen mussten wir noch weiter üben, denn im Moment zog er den Huf nach kurzer Zeit wieder weg. Als ich fertig war, führte ich ihn zur Ovalbahn. Er folgte mir brav und sah sich neugierig um, als wir das fremde Gelände betraten. Natürlich hatte er es von der Halle her auch schon gesehen, aber ich liess ihm dennoch Zeit, die Umgebung etwas zu erkunden. Dann knotete ich das Führseil als Zügel an das Knotenhalfter und schwang mich auf seinen Rücken. Zunächst machte ich eine Schrittrunde und überprüfte die Hilfen indem ich kleine Volten und Seitenwechsel machte, oder ihn rückwärtstreten liess. Dann trabte ich an und machte auch dabei immer mal wieder eine kleine Volte. Ich begann damit, ihn ein wenig Schulter vor zu reiten – auch um sein Tempo etwas besser zu kontrollieren. Endlich war es so weit und ich konnte angaloppieren. Sein Galopp war bequemer als erwartet und er blieb in einem angenehmen Tempo. Beim zweiten Angaloppieren machte er einen kleinen Buckler, den ich aber ohne weiteres aussitzen konnte. Ich machte zwei Runden auf jede Seite, dann parierte ich ihn durch und hüpfte von seinem Rücken. Ich lobte ihn ausgiebig mit Kraulen und brachte ihn zurück ins Roundpen. „Und, wie lief’s?“, wollte Jonas wissen, als er mich dabei entdeckte, wie ich den Rappen noch ein wenig beobachtete. „Richtig gut, wir konnten problemlos galoppieren“, antwortete ich stolz. „Das ist toll, wenn es so weiter geht ist er bald so sicher wie die Criollos“, stellte Jonas etwas übertrieben fest. „Meinst du, wir könnten einen Versuch wagen und ihn morgen mit ein, zwei anderen Jungs auf die Weide bringen? Ich möchte ihn nächstens etwas intensiver reiten und da wäre es gut, wenn er ausgeglichen ist…“ Er stimmte zu, dass es an der Zeit wäre, das auszuprobieren. Ich konnte nicht wirklich einschätzen, wie gut er sich mit den anderen verstehen würde, aber ich drückte die Daumen, dass alles gut ging. Irgendwann wollte ich ihn auf die Stutenweide umsiedeln, aber zuerst wollte ich sichergehen, dass er den grössten Teil seines Hengstverhaltens abgelegt hatte.

      Um halb drei bewegte ich Co Pilot in der Halle, während Ljóski und Herkir draussen auf der Ovalbahn von Jonas und Darren geritten wurden. Ich sah ihnen während der Dressurarbeit immer mal wieder zu und suchte nach Fehlerchen, mit denen ich Jonas später aufziehen konnte. Aber es war schon ganz schön schwer bei ihm und Herkir noch etwas zum motzen zu finden – die beiden waren ein sehr eingespieltes Team. Pilot liess sich den Winter nicht anmerken, er lief heute so ruhig wie schon lange nicht mehr. Trotzdem war er bei der Sache und gab sich Mühe, alle meine Hilfen umzusetzen. Ich galoppierte mit ihm viel, wobei ich vorallem immer wieder angaloppierte; mal aus dem Schritt, mal aus dem Stehen. Denn das gab den besten Muskelzuwachs. Beim Anspringen musste er viel Kraft mit der Hinterhand aufnehmen, was ihm wiederum dabei half, sich zu versammeln. Ausserdem feilte ich weiter an den Galopppirouetten, die er noch nicht perfekt beherrschte.

      Eine gute Stunde Später wünschte ich Lisa, Elliot, Lewis, Linda und David einen schönen Ausritt. Die fünf ritten mit Dancing Moonrise Shadows, Piroschka, Ice Coffee, Ronja Räubertochter und Lovely Summertime vom Hof weg in Richtung Fluss. Ausserdem erwischte ich Jonas dabei, wie er Lily auf Fake Reitstunde gab. Still schmunzelnd beobachtete ich die beiden einen Moment, dann schlich ich davon, um sie nicht abzulenken. Ich beschloss, mit der frisch gekörten Feline ein wenig Bodenarbeit im Roundpen zu machen. Die Criollostute hatte es tatsächlich endlich geschafft – noch vor zwei Jahren hatte niemand daran geglaubt. Sie war so ein unscheinbares Fohlen gewesen, nie besonders hübsch, immer etwas schmal – sozusagen ein graues Entlein. Auch als Jungstute hatte sie nicht überzeugen können, doch nun endlich hatte sie sich zu einer hübschen Schimmelstute mit einem grossen Herzen entwickelt. Sie war eines der liebsten, gutmütigsten Pferde die ich kannte und dankte uns jeden Tag von neuem die Zeit und die Arbeit, die wir in sie gesteckt hatten. Ich putzte das jetzt im Winter beinahe weisse Fell der Stute gründlich, ehe ich sie zum Roundpen brachte. Dort angekommen spielte ich einfach ein bisschen mit ihr herum. Ich schickte sie weg und liess sie wieder zu mir kommen, motivierte sie zu einem frischen Galopp auf dem schneebedeckten Sandboden und machte ein paar Seitenwechsel, bei denen ich sie spielerisch anstachelte. Ich fand es auch eine gute Gelegenheit, um das Steigen mit ihr zu üben. Als wir fertig waren, zeigte sie tatsächlich gute Ansätze. Zufrieden warf ich das Führseil über ihren Hals und öffnete das Tor des Rounpens. Ich machte mir gar nicht erst die Mühe, das Seil wieder in die Finger zu nehmen; die Stute folgte mir auch so zurück zur Stutenweide. Als ich danach beim Nebenstall durchschlenderte, sah ich, dass Satine und Parányi nicht da waren. Ich warf einen Blick in die Halle, wo Lily und Fake gerade am Trockenreiten waren. Auch nicht, hmm… Auf dem Viereck war ebenfalls keine Spur von den beiden. Sind sie ausreiten gegangen?, wunderte ich mich. Doch kurz darauf entdeckte ich die beiden mit Jason und Rita auf dem Galoppweg. Sie trabten nebeneinander unter den Tannen hindurch und schienen Spass zu haben. Zufrieden schlenderte ich zum Haus und machte mir eine Tasse Tee, denn ich brauchte auch mal eine Pause.

      Wenig später kam Lily durch die Tür gepoltert. „Und? Wie war deine Reitstunde?“, fragte ich grinsend. „Toll! Jonas gibt besser Unterricht als du!“ Sie streckte mir die Zunge raus und ich meinte empört: „Na dann brauche ich dir in Zukunft ja keinen mehr zu geben.“ „Doooch!“ Sie setzte sich auf meinen Schoss und forderte: „Ich brauche von euch beiden Reitunterricht, damit ich noch viel besser werde. Ich will schliesslich im Frühling mit Areion auf Turniere gehen!“ „Pass auf, dass du nicht zu ehrgeizig wirst und dich selbst überforderst. Ich bin sicher, du wirst nächstes Jahr ein paar Schleifen sammeln.“ „Nächstes Jahr, pah!“ „Das ist aber doch schon bald, also so viel Geduld wirst du wohl noch haben müssen.“ „Nächstes Jahr ist… Ach ja, mähh Occu du bist doof“, machte sie, als ihr wieder einfiel, dass heute Abend Silvester war. „Wer ist hier doof?“, erwiederte ich lachend und schloss sie in den Arm. Ihre Stimme drang gedämpft durch meinen Ärmel. „Jenny hat ihrem weissen Pony zu Weihnachten eine Mütze aufgesetzt. Das sah echt cool aus! Sie hat mir das Bild gestern gezeigt.“ „Echt? Das kann ich mir gut vorstellen. Wir haben Empire auch mal ne Mütze aufgesetzt, aber das ist schon zwei Jahre her.“ Sie befreite sich aus meinem Griff und meinte: „Wir könnten ja ein paar von unseren weissen Pferden für Silvester schmücken! Dann kann ich Jenny auch ein Foto zeigen, wenn wir wieder in die Schule müssen.“ „Könnten wir, ja.“ „Tun wir?“, fragte sie nocheinmal mit hoffnungsvollem Nachdruck. „Tun wir.“, versicherte ich kopfnickend. „Dann los!“ Sie rutschte von meinem Schoss runter und wollte schon zur Tür stürmen. „Warte, womit willst du sie schmücken?“ „Ehhh… Keine Ahnung…“ „Komm hier, wir nehmen die Girlande vom Weihnachtsbaum und irgendwo in meinem Schrank habe ich noch zwei Mützen. Ich hole sie rasch.“ Wir kramten ein paar Dinge zusammen, dann liefen wir zum Hauptstall. Die drei perfekten Pferde für das Unterfangen waren Empire State of Mind, A Winter’s Day und Captured in Time. Wir holten alle drei raus und putzten sie. Ich rief Ajith, damit er Lily mit Ciela helfen konnte, während ich Winter und Empire gleichzeitig putzte. Ajith half auch beim Dekorieren mit, weil er die Idee lustig fand. Als wir fertig waren, stellten wir die drei auf dem Parkplatz draussen auf und schossen ein Foto. Es sah wirklich hübsch aus und Lily freute sich wahnsinnig darauf, es ihrer Kollegin zu zeigen.

      Am Abend Machten Jonas, Lily und ich uns Pizza. Diejenigen Pfleger, die nicht nachhause gingen, schmissen im Pflegeheim ihre eigene Party. Um Mitternacht gingen wir zu ihnen rüber und stiessen alle zusammen auf’s neue Jahr an – für Lily gab es natürlich nur Traubensaft. Lewis zeigte mir und Lily bei der Gelegenheit gleich noch stolz, welche Wörter die Papageien schon kannten. Spätestens als Africa zu fluchen begann, fand ich dass es Zeit war, ins Bett zu gehen. So starteten wir lachend und gut gelaunt ins neue Jahr. Als ich mich schliesslich in meine Bettdecke kuschelte, versuchte ich mir vorzustellen, was dieses Jahr alles mit sich bringen würde. Ich freute mich schon darauf weiter mit Phantom zu arbeiten, aber auch mit allen anderen Pferde lag ein weiteres Jahr voller Abenteuer und Spass voraus.

      Pflegebericht
      31. Januar 2017 | von Occulta
      Zwei Reitponys finden ihren Weg nach Pineforest

      …Im Fall von Blue Lady Liquor, oder Lychee, wie ich sie immer schon gerne genannt hatte, war es sogar ein Wiedersehen. Weil meine Kollegin Ally beschlossen hatte, sich nun endgültig von ihren Pferden zu trennen, durfte ich die Stute mit der speziellen Farbe wieder zuhause begrüssen. Sie befand sich in Begleitung einer zweiten Scheckstute namens Sika. Diese war Allys absoluter Liebling und ich sah, wie schwer es ihr fiel, sie loszulassen. Ihr einziger Trost war, dass Sika es auf Pineforest Stable bestimmt gut haben würde. Nach ihrer Ankunft brachte ich die beiden Stuten zuallererst auf die Weide, damit sie sich von der Fahrt erholen konnten. Lychee zeigte, dass sie die Umgebung wiedererkannte und sich sofort pudelwohl fühlte – sie bretterte im Hoppelgalopp durch den Schnee. Sika hingegen schnaufte lauft hörbar und sah sich unsicher um. Sie schien ein eher vorsichtiges Pferd zu sein und blieb zurückhaltend, obwohl ihre Gefährtin sich nicht fürchtete. Ich beobachtete die beiden eine Weile gespannt, dann beschloss ich, die anderen Stuten aus dem Nebenstall auf die Nachbarweide zu stellen. Lisa und David halfen mir rasch dabei. Wir nahmen immer zwei Pferde gleichzeitig und entliessen sie in die von heute Nacht mit frischem Schnee bedeckte Weide. Sofort gingen die Stuten neugierig zum Zaun, wo bereits Lychee auf sie wartete. Ich meinte im Verhalten von Bluebell und Sweets zu erkennen, dass sie durchaus noch wussten, wer Lychee war, und dass sie schon als Fohlen alle zusammen gespielt hatten. Ich fand die Wiedervereinigung rührend, besonders, als die drei anfingen, dicht am Zaun Kopf an Kopf zu grasen. Sika kam unterdessen auch näher, um mit den fremden Stuten Bekanntschaft zu schliessen. Es gab etwas Gequietsche und Gestampfe, doch dann verlohren beide Partien das Interesse und wandten sich ebenfalls dem Freischarren von Gras zu. Zufrieden ging ich zurück zum Nebenstall und überprüfte, ob die Boxen der zwei bereit waren. Danach machte ich eine kleine Pause in der Reiterstube. Stolz betrachtete ich das Foto von Sunday Morning, welches an der Pinwand hing. Es stammte vom Neujahrsspringen auf dem Gestüt Wolfsgrund, bei dem Team Pineforest alle drei Podestplätze belegt hatte. Halluzination, Satine und eben Sunday hatten hervorragende Arbeit geleistet und sich eine Menge Karotten verdient. Doch es gab noch weiteren Grund zum Feiern: Feline hatte endlich die Körung bestanden. Es war ein langer, beschwehrlicher Weg mit der Stute gewesen; nicht etwa, weil sie schwierig im Umgang war, sondern weil sie gewissermassen immer ein graues Entlein gewesen war. Schon als Fohlen hatte sie niemand gewollt, weil sie zu unscheinbar und zu unförmig gewesen war. Doch mittlerweile hatte sie sich zu einem Schwan gemausert, der sogar schon an Jolympia geglänzt hatte. Längst wurde sie von den Pflegern für ihre liebe, freundliche Art geliebt und war besonders für Lily eine gute Lehrerin. Vielleicht würde sie in Zukunft nun auch noch eine hervorragende Mutter werden? Jedenfalls war ich froh, auch diese Hürde geschafft zu haben.

      Gegen Mittag holten wir die Stuten wieder rein, denn am Nachmittag waren die Hengste dran mit dem Auslauf. Sika sah sich noch immer etwas unwohl in ihrer neuen Box um, während Lychee sich bereits gierig über die Mittagsration Heu hermachte. Ich freute mich schon, mit den beiden zu arbeiten und war gespannt zu sehen, was Lychee inzwischen alles gelernt hatte.

      Pflegebericht
      14. Juni 2017 | von Occulta
      Hoher Besuch

      Gleam of Light, Spotted Timeout, Fly Fast of the Nightrunners, Caspian of the Moonlightvalley, A Winter's Day, PFS' Merino, Primo Victoria, tc Miss Moneypenny, Simba Twist, PFS' Cryptic Spots, Framed in History, Sumerian, Kaythara El Assuad, Cabinet of Caligari, Chiccory ox, Sunday Morning, Indiana, Mikke, Diarado, Vychahr, Calico, Flintstone, Baccardi, Donut, Burggraf, Sika, Yoomee, River's Blue Lady Liquor, scs Sugar and Sweets, scs Bluebell, Parányi, Fake xx, PFS‘ Ljúfa, Papillon d'Obscurité, Silhouette of a Rose, PFS' Kicks-A-Lot, Tic Tac, PFS‘ Dressy Miss Allegra, Snottles Peppermint, PFS' Sarabi, PFS' A Winter's Tale, PFS' Counterfire, PFS' Stop Making Sense, PFS' Shadows of the Past, PFS’ Skydive

      Heute musste alles etwas schnell gehen, denn meine Eltern kamen zu Besuch und ich wollte die Pferde vorher bewegt haben. Ausserdem musste alles sauber aufgeräumt werden, aber das überliess ich den Pflegern und Jonas. Ich kümmerte mich nun zuerst um Jungstute Ljúfa. Die rappfarbene Stute putzte ich gründlich, anschliessend spielte ich ein wenig im Rounpen mit ihr, um sie gegen den grossen Gymnastikball, die bunte Blache und die Fahne zu desensibilisieren. Sie fand das ganze am Anfang sehr unheimlich und machte grosse Glupschaugen. Sie war aber charakterlich sehr geduldig und aufgeschlossen, sodass wir rasch Fortschritte machten.
      Nachdem ich bei Ljúfa fertig war, ging es weiter mit Diarado. Der elegante und doch imposante Warmbluthengst war kaum schmutzig und sein kurzes Sommerfell glänzte seidig. Ich wischte nur rasch mit der Staubbürste darüber, dann war er wieder blitz-blank. Ich zog ihm den Kapzaum an und nahm ihn an der Longe mit zum Sandplatz, wo er in der noch kühlen Morgenluft sein lockerungs work-out bekam. Ich war zufrieden mit seinen durchschwingenden Bewegungen und liess ihn nach etwa einer halben Stunde austraben.
      Ich war bereits auf dem Weg zur nächsten Box, aber sah unterwegs gerade noch Lisa mit Vychahr losreiten. Die beiden gingen auf einen schönen, langen Ausritt. So wie ich Lisa kannte, würde Vilou bestimmt auch der ein oder andere Galopp bevorstehen. Der Fuchshengst war aber auch toll zu reiten im Gelände. Das machte den Galopp mit ihm umso verlockender.
      Auch Calico musste ich nicht selber bewegen - das übernahm Rita liebend gerne für mich. Sie liebte ihren Criollo immernoch wie kein anderes Pferd. Ich schmunzelte immer darüber, wie sie beim Putzen mit ihm redete. So auch heute; der Hengst wurde rundum betüddelt. Immerhin, ihm schien die Aufmerksamkeit zu gefallen.
      Ich erreichte endlich Flintstones Box. Seine kristallblauen Augen verfolgten mich gebannt, während ich seine Ausrüstung holte. Wir gingen Ausreiten, den für die Reithalle war es jetzt schon zu heiss und der Sandplatz war bereits voll mit Pferden. Wir ritten durch den schattenspendenden Wald. Flint wirkte ruhig und zufrieden, also war ich es auch. Nach dem Ritt bürstete ich ihn gut durch und brachte ihm seine Karotten.
      Baccardi und Donut wurden von Darren und David bewegt. Es sah witzig aus, wie die beiden Zwillinge auf den Ponys über den Platz kurvten. Darren war zwar der bessere Reiter, trotzdem schienen heute beide dieselben Fehler zu machen. Die Ponys waren gnadenlos und machten bei der Hitze keinen Schritt gratis. Die Reiter schienen aber auch nicht so motiviert wie sonst.
      "Du bist viel zu langsam", murmelte ich zu mir selbst und seufzte, als ich feststrellte, dass es schon fast Mittag war. Burggraf drehte den Kopf um zu sehen, ob er ein Leckerli bekam. Er musste dafür aber zuerst arbeiten. Arbeit hiess für ihn konkret, ein richtig weiter Ausritt mit viel Trab. Das war auch Teil seiner Distanzausbildung.

      Unsere Spaghetti mit Pesto-Sauce waren zwar kein Gourmet Menu, aber erfüllten ihren Zweck als Mittagessen und machten uns satt. Lily dümpelte noch ein wenig auf dem Hof herum und spielte mit den Hunden, bevor sie wieder mit dem Fahrrad in Richtung Schule verschwand. Ich hingegen begab mich zu den Miniweiden und holte Silhouette of a Rose raus. Ihre silbernen Dapples waren im Sommer besonders gut zu sehen, wie bei Arco. Mit ihr machte ich Langzügelarbeit, zusammen mit Lewis und Papillon d'Obscurité.
      Als ich mit Rose zurückkam, sah ich, dass Lisa bereits Kicks-A-Lot und Tic Tac putzte. Lewis und ich erlösten unsere beiden Ponys von deren Ausrüstung. Wir wurden gerade Zeugen, wie Dressy Miss Allegra zum Zaun geschlendert kam, um Kiwi und Tiki abzulenken. Die Jungpferde hatten eben nichts als Flausen im Kopf. Lewis und ich schmunzelten amüsiert, als Lisa das aufdringliche Fohlen verscheuchen wollte.
      Von der Miniweide wechselte ich direkt zu den Fohlen. Dort stand unter anderem die mittlerweile garnicht mehr so kleine Sarabi. Zu dem Stutfohlen hatte ich einen Besonderen Bezug; nicht wegen ihrer besonders schönen Farbe oder den ausdrucksstarken blauen Augen, sondern weil sie von meinem geliebten Stromer abstammte. Ich vermisste den Hengst immernoch wahnsinnig und sah immer wieder wehmütig auf sein Bild, das im Reiterstübchen in der Halle hing. Sarabi hatte viele der Züge ihres Vaters geerbt und besonders ihr Kopf glich dem seinigen. Das weckte einerseits stets schmerzvolle Erinnerungen, denn sie konnte Stromer ja nicht ersetzen - andererseits erinnerte es mich auch daran, dass das Leben weiterging und ein Teil von ihm immernoch hier war, direkt vor meiner Nase. Ich streichelte die Stute daher mit einem liebevollen Lächeln im Gesicht.
      Ebenfalls ein Fohlen von einem meiner Lieblingshengste war A Winter's Tale. Ihr Vater lebte aber zum Glück noch und war äusserst fit. Ein Blick in die Ferne unter den Tannen hindurch zu den grossen Weiden bestätigte mir dies. Die kleine Snowflake, wie die Pfleger sie nannten, war heute frech und neugierig. Sie kam sofort an den Zaun und beschnupperte meine Hände. Dann versuchte sie, meine Haare mit ihrer Fohlenschnauze zu zerzausen. Ich schubste sie lachend beiseite und kraulte sie am Hals, sodass sie genüsslich die Oberlippe verzog. Ich liebte es, einfach zwischendurch bei den Fohlen Halt zu machen und mit ihnen Zeit zu verbringen. So konnten wir jetzt schon eine Beziehung aufbauen und sie lernten, dass Menschen meistens Gutes brachten.
      Auch Cassys Fohlen Counterfire genoss meine Streicheleinheiten und konnte gar nicht genug kriegen. Das Fuchsfohlen vom letzten Jahr hatte ich behalten, weil sie eine vielversprechende Abstammung hatte und ich noch kaum Füchse im Rennstall besass. Ich bereute es keinen Moment, denn sie entwickelte sich prächtig und ganz entsprechend ihrer Eltern. Schon jetzt hatte sie drahtige, lange Beine und ein gut bemuskeltes Hinterteil. Ich freute mich schon darauf, sie und die anderen Fohlen ihres Jahrgangs einzureiten und rennen zu sehen.
      Mambo gefiel mir auch von Tag zu Tag besser. Stop Making Sense, wie er effektiv hiess, ich ihn aber nie nannte, war in letzter Zeit wieder ziemlich in die Höhe geschossen und immernoch hinten überbaut, aber langsam wurde sein Hals breiter und sein Langhaar liess ihn wie ein Wildpferd wirken. Weil ich es so schick fand, zögerte ich auch so lange wie es ging das Schneiden hinaus. Obwohl Oliver anderer Meinung war. Er meinte, dass es schon längst fällig sei und ein Vollblut gefälligst auch als solches erkannt werden sollte, "wenn es schon von der Farbe her nicht so aussieht." Aber da immernoch ich hier das Sagen hatte, blieb die lange Mähne vorläufig noch.
      'Prinzesschen' Shadows of the Past war mittlerweile eigentlich kräftig genug zum Anreiten. Ich wartete aber noch damit, weil die Stute sich beim Spielen auf der Weide eine kleine Verletzung am Sprunggelenk zugezogen hatte, die ich zuerst ganz verheilen lassen wollte. Sie war zwar nur kurz etwas lahm gegangen und zeigte mittlerweile kein Unwohlsein mehr, aber die Schramme war doch noch gut sichtbar und das Gelenk leicht geschwollen. Ausserdem musste bei ihr noch der Zahnarzt vorbei kommen und ihr ins Maul schauen, um sicher zu gehen, dass die Zähne uns beim Reiten keine Probleme bereiten konnten. Ich erwartete allerdings keine grossen Überraschungen, denn die Beisserchen von Shira sahen allesamt schön gerade aus - man konnte es immer wieder gut beurteilen, wenn sie damit am Zaun nagte.
      Als Lily kurz nach vier Uhr Nachhause kam, war sie wiedermal als Erstes bei Skydive zu finden. Der Junghengst wurde wirklich rundum von ihr mit Streicheleinheiten und Spielen verwöhnt. Er brummelte ihr sogar schon zu, wenn er sie sah. Die beiden werden mal ein gutes Team, stellte ich schmunzelnd fest. Skydive sollte aber nicht nur Lilys Kinderpony werden, sodern auch im Sport laufen. Der Hengst hatte mehr als genug Potential durch seinen Vater und sein Exterieur liess auch auf Springveranlagung schliessen. Je älter er wurde, desto mehr erinnerte er mich an ein britisches Riding Pony. Tatsächlich war er aber ein Mix aus englischen und deutschen Vorfahren, durch seine Mutter White Dream.

      Jetzt stand für mich noch ein schöner Nachmittagsausritt zum Fluss an, und zwar mit Yoomee. Begleitung bekamen wir von Darren und Lisa mit Sika und Blue Lady Liquor. natürlich liessen wir es uns nicht nehmen, auch ins Wasser hinein zu reiten und den Pferden eine Abkühlung zu geben. Yoomee ging ohne zu Zögern rein und begann auch gleich zu scharren. Ich musste regelrecht aufpassen, dass sie sich nicht hinlegte. Lychee war zuerst nicht ganz so begeistert, folgte dann aber Sika, die mutig voraus ging. Wir blieben einen Moment am Ufer, dann Ritten wir weiter zum Pinienwald, wo es reichlich Schatten gab.
      Auf dem Ausritt begegneten wir auch Anne und Rita, die mit Sugar and Sweets und Bluebell in die andere Richtung unterwegs waren. Sie hatten schon über eine Stunde Ausreiten hinter sich und waren auf dem Heimweg. Ich fragte rasch, wie's gelaufen war. Anne erzählte, dass Rita fast runtergefallen sei, als Bluebell sich vor einem Fahrradfahrer erschrocken habe. Rita spielte das Ganze verlegen etwas herunter und meinte, sie sei nur kurz hinter die Bewegung gekommen. "Schon okay, kann ja mal passieren. Hauptsache du bist noch oben", stellte ich schulterzuckend fest. Da musste man ja nun wirklich kein Drama draus machen. Das hätte ich gerne auch zu Anne gesagt, aber ich liess es dann doch bleiben.
      Vom Ausritt nachhause gekommen, kümmerte ich mich als nächstes um Parányi. ich wollte sie nur rasch longieren, da sie am Vortag eine anstrengende Springstunde gehabt hatte und sie mit ihrem rabenschwarzen Fell bei der Hitze sowieso bestimmt Mühe hatte. Ich putzte sie also gründlich, dann ging ich mit ihr zum Roundpen und übte lockernde Übergänge. Sie arbeitete konzentriert mit, obwohl auf dem Kiesweg neben dem Roundpen immer wieder Jonas mit Fake durchfuhr. Er hatte die Hackneystute vor ein Sulky gespannt und übte fleissig mit ihr. Ich bewunderte die extravaganten, dynamischen Bewegungen von Fake, die ganz von Natur aus die typischen Hackney Gänge zeigte.

      Um halb sieben fand ich mich wieder im Hauptstall ein, wo gerade fleissig aufgeräumt wurde. Meine Eltern kamen jeden Moment an und ich war froh, dass Jonas sich um das Abendessen kümmerte. Wir wollten grillieren, wobei die Pfleger unter sich bleiben und Jonas, Lily und ich mit meinen Eltern essen würden. Ich streichelte im Vorbeigehen Mikke, die mir zuröchelte. "Ja meine schöne, wir gehen morgen wieder zusammen raus. Für heute hat April dich genug bewegt." Sie erwiderte mein Kraulen mit ihrer Schnauze. Ajith lief fröhlich pfeifend an uns vorbei, sodass ich mich ihm gleich anschloss und 'Caprice' vorher aber noch ein letztes Mal über die Stirn strich.
      "Anything unusual today?", fragte ich Ajith beiläufig. "Nope, they all doin' fine, boss." Ich nickte zufrieden und fragte, ob denn Indiana heute wieder ausgegessen hatte. Am Vortag hatte sie nämlich am Mittag ein wenig übrig gelassen. "Yeah, I checked on her a moment ago and it was all gone", beruhigte mich der Pfleger. Ich nickte zufrieden. Vielleicht lag es ja an der Hitze, überlegte ich mir. Oder sie hatte schon genug Gras auf der Weide.
      Chiccory und Sunday Morning standen in der Stallgasse, weil sie noch eine Massage von Elliot bekamen. Der Reitlehrer hatte sich vor einer Weile weitergebildet und kannte ein paar nützliche Handgriffe, um verspannte Muskeln zu lockern. Normalerweise liessen wir das einen Experten machen, zum Beispiel kurz vor einem wichtigen Rennen. Aber so zwischendurch war es für Elliot eine gute Übung und für die Pferde natürlich auch nur positiv. Sunday, der gerade dran war, schlief jedenfalls fast ein vor Entspannung. Sein Kopf hing in den Seilen und die Unterlippe liess er hängen. Chiccory war hingegen etwas ungeduldig und scharrte, als ich neben ihm durchlief. Wie ich ihn kannte, wollte der Hengst nichtmal Futter, sondern einfach nur Aufmerksamkeit. Ich kraulte ihn deshalb kurz, bevor ich weiterging.
      Gleam of Light, Spotted Timeout, Fly Fast of the Nightrunners, Caspian of the Moonlightvalley und A Winter's Day waren noch immer auf der Weide. Sie waren die letzte Gruppe von Hengsten, die noch reingeholt werden musste. Kurze Zeit später kamen sie dann auch in die Stallgasse getrabt und wurden von den Pflegern in Empfang genommen, damit sie auch wirklich in die richtige Box gingen. Die Pferde liefen ansonsten den ganzen Weg von der Weide zum Stall und umgekehrt selbstständig über den jeweils rasch abgezäunten Weg. Winter blieb bei mir stehen, also übernahm ich ihn gleich und führte ihn in seine Box, indem ich ihm rasch einen Führstrick um den Hals legte. Die Pferde trugen auf den Weiden aus Sicherheitsgründen meistens keine Halfter.
      Ich wollte den Hauptstall gerade verlassen, als Oliver reinkam und mich zu sich winkte. "I just wanted to tell you that the second group this morning ran better than yesterday. Almost all of them made it in over a second less Time." "Ahh, wonderful to hear. I'm sorry I wasn't able to take part, but I had so much to do..." "Sure, no problem." Es freute mich zu hören, dass die jungen Rennpferde sich stets verbesserten. Framed in History, Sumerian und Kaythara El Assuad waren im Moment herausragend. Dafür hinkte Cabinet of Caligari wieder etwas hinterher. Aber für mich war es nur eine Frage der Zeit bis sie mehr Muskeln und Ausdauer hatte.
      "What about the youngest Group?", fragte ich Oliver weiter. "Well, could be better, but I guess they just need time." Ich nickte zustimmend, aber mein Ehrgeiz piekte mich trotzdem ein wenig. Ich hatte gehofft, dass in diesem Jahrgang auch wieder ein paar Überraschungen sein würden. Besonders in Merino und Primo Victoria hatte ich hohe Erwartungen gesteckt. Aber natürlich konnte sich das alles noch entwickeln - schliesslich waren die Jungspunde noch ganz am Anfang. Oliver fügte noch an: "Miss Moneypenny had the leading time today. Didn't surprise me really, she has the longest legs already." "And what about Simba Twist and Cryptic Spots?" Oliver machte sein 'ich-bin-nicht-so-zufrieden-wie-ich-es-gerne-wäre'-Gesicht und ich fragte nicht weiter. Schmunzelnd lief ich zum Parkplatz, denn ich hörte ein Auto heranrollen. Ich begrüsste meine Eltern, die aus dem Taxi ausstiegen und führte sie zum Haus.
      Wir assen alle gemütlich zu Abend und unterhielten uns über alles was seit dem letzten Telefonat so passiert war. Lily war natürlich wieder als erste fertig und wollte vom Tisch. Ich liess sie, weil sie sonst sowieso nur herumgezappelt hätte. Sie verschwand mit Sheela in Richtung Weiden. Zira und Jacky blieben treu hinter mir im mittlerweile kühlen Gras liegen. Ich war Barfuss und genoss das kitzeln der kühlen Halme. Meine Eltern redeten auch viel mit Jonas; sie fragten ihn fast schon aus, was mir etwas peinlich war. Er schien es aber locker zu nehmen und setzte sein charmantes Lächeln auf. Plötzlich kam Lily wieder zurück, ohne Sattel und nur mit Stallhalfter auf Snottles Peppermint sitzend. Offenbar wollte sie etwas bluffen, wie gut sie schon reiten konnte. Meine Eltern waren nicht so begeistert, dass ihre Enkelin keinen Helm trug und ich versuchte ihnen weiss zu machen, dass sie ihn normalerweise trug. (Was sie auch tatsächlich tat, zumindest wenn sie richtig reiten ging.) Wir genossen den Abend dann doch noch ohne weitere Diskussionen und meine Eltern blieben über Nacht im Gästezimmer.

      Pflegebericht
      12. Oktober 2017 | von Occulta
      Herbstbeginn, oder: es gibt Ärger auf dem Pineforest Stable, Teil I

      Chiccory ox, Shades of Gray, Iskierka, Painting Shadows, Coulee, Sympathy of the Devil, A Winter’s Day, Campina, Spotted Timeout, Fly Fast of the Nightrunners, Gleam of Light, Caspian of de Moonlightvalley, Sunday Morning, Unbroken Soul of a Rebel, Drømmer om Død, Flintstone, Calico, PFS’ Captured in Time, Kaythara El Assuad, Sumerian, Framed in History, One Cool Cat, Cabinet of Caligari, Halluzination, Yoomee, Sika, Fake xx, Parányi, River’s Blue Lady Liquor, scs Sugar and Sweets, scs Bluebell, Islah

      Seit zwei Wochen war der neue Praktikant Tobias Leech nun bei uns. Ich hatte ihn nach der ‚Schnupperzeit‘ eingestellt, denn er hatte seine Sache gut gemacht und zeigte sich sehr hilfsbereit. Auch jetzt war er stets anständig, kümmerte sich um seine Aufgaben und befolgte sämtliche Anweisungen. Ich hatte also nichts zu meckern und war zufrieden, wie es im Moment lief. Es standen ein paar interessante Events bevor, und heute hatte ich auch noch eine Notiz von einer Fuchsjagd in der Zeitung gesehen, bei der es mich schon in den Fingern kribbelte. Als erstes wollte ich heute Morgen wie immer bei den Vollblütern helfen. Um richtig in die Gänge zu kommen, musste ich mir davor aber eine Schüssel Müsli und einen kräftigen Schwarztee genehmigen. Eine weitere Leiche kam die Treppe runter geschlurft und setzte sich gähnend an den Tisch. „Ich verstehe einfach nicht, wie du jedesmal eine Stunde vor mir im Bett liegst, nur um dann am Morgen trotzdem so schlapp zu sein“, wunderte ich mich laut. Jonas murrte: „Manche Menschen brauchen nunmal mehr als fünf Stunden Schlaf.“ „Jetzt übertreibst du aber – sechs Stunden hast du ja mindestens, wenn du schon um Elf ins Bett kriechst“, neckte ich. Er seufzte mit hochgezogenen Augenbrauen und und nippte an seiner Tasse. „Schüler müsste man sein. Lily kann richtig ausschlafen im Vergleich zu uns.“ Für unsere kleine Schülerin stellte ich auch schonmal Besteck und Schüssel auf den Tisch, auch wenn sie erst in ein paar Stunden aufstehen würde. Jeden Tag zwischen Fünf und halb Sechs zu frühstücken ist schon hart, aber man gewöhnt sich daran, mit ein paar Ausnahmen – ich warf einen schmunzelnden Blick zu meinem Gegenüber. „Irgendweilche besonderen Pläne für heute, von denen ich noch nichts weiss?“, fragte Jonas während dem Müsli-Löffeln. „Nö, aber wenn du willst können wir heute wieder etwas weiter ausreiten gehen. Ich würde gerne sehen, ob sie in Tewkesbury schon meine Lieblingskürbisse haben.“ „Klingt gut.“

      Ich machte mich mit Zira und Jacky auf in den Hauptstall, wo die meisten Jockeys bereits die Pferde aus den Boxen holten und zu putzen begannen. Sheela begleitete Jonas zum Nordstall. Gruppe drei war heute zuerst dran, bestehend aus Chiccory, Shades of Gray, Iskierka, Painting Shadows, Coulee, Sympathy und Winter. Ich selbst hatte vor in Gruppe vier mitzureiten, nämlich auf Gleam of Light. Während sich Gruppe drei vorbereitete, huschte ich zwischen den Pferden durch und machte die morgendliche Stallkontrolle. Ajith hatte so früh morgens natürlich noch nicht mit dem Misten begonnen, aber ansonsten sahen die Boxen einwandfrei aus und waren gut eingestreut. Gesunder Schlaf war schliesslich wichtig für Rennpferde. Raufutter hatten sie schon bekommen; Kraftfutter gab es erst nach dem Training. Wir wollten heute die ersten Vollblüter scheren, weshalb bei den Auserwälten bereits die passenden Decken vor den Boxen hingen. Wir begannen damit jeweils früh, weil die Rennpferde natürlich um einiges mehr schwitzten als die sonstigen Reitpferde und mit Winterfell zu lange trocknen mussten. Eine der Kandidatinnen für eine heutige Schur war auch Indiana. Sie lief zwar nicht mehr aktiv Rennen, wurde aber ziemlich fit gehalten für’s Military. Die rappfarbene Stute kaute an ihrer morgendlichen Heuration, während sie interessiert das Treiben im Stallgang beobachtete. Ich fragte mich beim betrachten ihrer dunklen Augen, ob die Stute wohl den Alltag auf der Rennbahn vermisste. Doch dann fiel mir ein, dass sie vermutlich gar nie richtig Rennen gelaufen war. Ich wusste nur von einem einzigen Rennen, bei dem sie gestartet war; dem Joelle-Galopp Maiden über 1400 Meter. Dabei war sie immerhin auf dem dritten Platz gelandet. Im Training mit den jungen Vollblütern, als wir sie für’s Military aufzubauen begannen, zeigte sie auch ein gewisses Talent, schien aber mit der Startmaschine nicht vertraut und brauchte einen Moment, um sich auf ihren Jockey einzulassen. Jedenfalls schaute mich Indiana zwischendurch erwartungsvoll an, als meinte sie, dass ich gleich ihre Box öffnen und sie halftern würde. Ich ging jedoch weiter und beendete meine Runde, bevor ich mich langsam aber sicher auch ans Putzen machte. Die erste Gruppe war inzwischen draussen und wärmte sich ein. Light grunzte begeistert, als ich bei ihm hielt. Er hatte sein Heu noch längst nicht fertig gefressen, schien aber bereits begierig darauf, die soeben aufgenommene Energie wieder zu verpuffen. Vielleicht freute er sich auch einfach über die Karotte, die ich ihm als Begrüssung brachte. Ich holte ihn aus seiner Box und band ihn in der Stallgasse an, dann begann ich mit Striegeln. Er spitzte genüsslich die Lippe, als ich beim Unterhals schrubbte. Als ich bei der Kruppe angelangte, kippte der ganze Körper plötzlich nach hinten und Light streckte sich genüsslich, gefolgt von einem ungeduldigen Scharren. „Are you ready now?“, lachte ich belustigt und wechselte auf die andere Seite. Nach dem Striegeln wischte ich sein Fell mit der Staubbürste ab und kratzte die Hufe aus, ausserdem sprayte ich etwas Glanzspray in das schwarze Langhaar und kämmte es gründlich durch. Nun sah Light wieder so aus, als würde er seinem Namen alle Ehre bereiten: Er glänzte von Kopf bis Fuss. Ich sattelte Gleam und bandagierte seine Beine, mit dem Zäumen wartete ich noch. Die anderen waren noch nicht ganz fertig, also alberten wir noch ein wenig herum. Light konnte auf Kommando Lächeln und seine Zunge rausstrecken. Während dem Warten versuchte ich ihn dazu zu bewegen, abwechselnd die Vorderbeine zu strecken. „Pass auf, dass er nicht zu betteln anfängt“, rief Jonas, der sich gerade unter Sundays Anbindekette durchduckte. „Nö, er kriegt nur was, wenn ich ihm ein Kommando gebe. Was gibt’s?“ „Ich wollte nur Bescheid geben, dass Darren, Alan und ich mit Rebel, Dod und Flint rausgehen“, erklärte er, und fügte mit einem Zwinkern an „nicht dass du mich suchst.“ „Pfft, als ob ich dich von allen Leuten vermissen würde“, neckte ich zurück, und gab ihm einen raschen Kuss. „Weisst du vielleicht gerade, wo Rita ist? Vielleicht will sie mit Calico mitkommen“, fragte er beim Gehen. „Die reitet in der letzten Gruppe mit, also könnte es noch knapp reichen – ich glaube ich habe sie vorhin bei der Sattelkammer vorne gesehen.“ Er hob die Hand, zum Zeichen, dass er verstanden hatte und verschwand wieder zwischen den Pferden. Inzwischen konnte ich zäumen und dann Light hinter Caspian und Fly rausführen. Ajith und Oliver gingen uns beim Aufsteigen zur Hand, sodass alle nach wenigen Sekunden oben sassen und losreiten konnten. Wir ritten schön in einer Reihe zum Galoppweg, wo wir uns wie immer im Trab aufwärmten. Die Pferde dieser Gruppe kannten den Ablauf ganz genau und wussten, als wir ans Ende der Runde kamen, dass sie gleich auf die Bahn durften. Die vorherige Gruppe verliess gerade die Bahn, also liessen wir sie rasch durch. Fly begann etwas unruhig zu werden und steckte Spot mit Zappeln an. Auch Light schaukelte vorne leicht in die Luft, doch ich stellte ihn nach links und ritt ihn im Schulter-Vor um die Kurve, um ihn ruhig zu halten. Das Gehampel war zwar nervig, aber andererseits wollten wir auch, dass die Pferde wach waren und eine gewisse Grundspannung hatten. Tatsächlich kamen wir heute auch beim Start hervorragend weg und ich klopfte Light rasch zufrieden auf den Hals, bevor ich mich auf die Bahn vor uns konzentrierte. Die einzige Stute in dieser Gruppe, Campina, zog übermütig an uns vorbei und ich fragte mich, ob Parker das mit Oliver so abgesprochen hatte. Später stellte sich heraus, dass sie die Stute eigentlich hatte bremsen wollen, aber zuerst etwas mehr Platz schaffen wollte.

      Nach dem anstrengenden Intervalltraining liessen wir die Pferde austraben und ritten sie zurück zum Hauptstall. Dort wurden sie abgesattelt und in den Freilauftrainer gebracht, damit sie sich noch trockenlaufen konnten. Ich gab auch Light beim ‚Karussell‘ ab und übernahm stattdessen Iskierka, um die inzwischen trockene Stute in ihre Box zurück zu bringen. „Hey Zicke“, murmelte ich liebevoll, als ich sie hinausführte. Sie hatte nur eines im Kopf: Ihr Kraftfutter, das bald in der Raufe liegen würde. Beim Tor wollte sie mich wiedermal überholen, obwohl wir das schon gefühlte 1000-mal geübt hatten. Das war einfach typisch Iskierka – egal wie oft man sie zu erziehen versuchte, sie war und blieb dominant und hatte Mühe sich unterzuordnen. „I know you’re hungry, but you have to wait even longer, if you keep it up like this”, sprach ich augenrollend aber geduldig. Ich wusste, dass es nichts brachte, sich über das Verhalten der Stute aufzuregen. Man kam schneller voran, wenn man schön ruhig blieb und ihr klare Anweisungen gab. Ich liess sie deshalb rückwärts wieder vom Tor weg weichen, dann versuchte ich es erneut, so lange, bis sie respektvoll blieb. Schliesslich durfte sie in ihre Box und sich über das restliche Heu von der ersten Fütterung hermachen, bis das Kraftfutter serviert wurde. Ich beobachtete noch, wie Gruppe zwei, bestehend aus Ciela, Kaythara, Sumerian, Frame, One Cool Cat und Cabby zum Aufsteigen geführt wurden. Frame röchelte leise, als er mich sah. Ich ging rasch zu ihm hin, streichelte ihn und half Quinn beim Aufsteigen. Bei ihr war der sensible Schecke in guten Händen, aber es konnten ihn noch immer längst nicht alle reiten. Als die Gruppe zur Bahn lief, wechselte ich zum Nebenstall. Ich liess zusammen mit Robin und David die Stuten auf die Weide unter der Stutenweide. Das Gras dort war wieder etwas üppiger geworden, weil wir sie lange geschohnt hatten, also mussten die vierbeinigen Rasenmäher ran. Damit es schneller ging zäunten wir wie immer den Weg ab und liessen die Pferdchen selber zur Weide laufen. Robin und ich öffneten die Boxen, während David sicherstellte, dass niemand unterwegs anhielt zum Fressen oder mit den anderen Stuten Zanken. Sika und Lychee trotteten sogleich aus ihrer Box und liefen zügig die Betonrampe runter auf den Kiesweg. Die anderen liessen sich mehr Zeit und wollten lieber schon unterwegs am Wegrand grasen. Als alle aus den Boxen waren, liefen Robin und ich den übriggebliebenen Stuten hinterher und trieben sie bis zur Weide. Bluebell, Sweets und Yoomee waren heute auch so mühsam vorwärtszubewegen. Als sie endlich alle durch das Weidetor getrabt waren, schlossen wir dieses und beobachteten amüsiert, wie Fake im Bluff-Hackney-Trab über die Wiese schwebte, weil die Stuten von der Offenstallweide zur Begrüssung an den Zaun gekommen waren. Parányi führte die Gruppe dann aber in eine andere Ecke der Weide, wo es anscheinend besseres Gras gab. Sie war im Moment wohl die Ranghöchste der Nebenstallstuten, wobei sie sich aber immer mal wieder mit Hallu zankte. Manchmal wusste ich gar nicht so recht, wer denn nun wirklich Chef war von den beiden.

      Auf dem Rückweg zu den Ställen begann mein Handy plötzlich hartnäckig zu summen. Erstaunt erkannte ich Rosies Nummer auf dem Display. “Hello?“ “Occu, I have a problem! The horses were stolen!“ “What!!?” Ich traute meinen Ohren kaum. “What do you mean they were stolen?” “They’ve disappeared from the barn!” “Whait – I’ll come over, inform the police!” Ich lief zügig zum Parkplatz und stieg in mein Auto. Auf der Wilkinson Farm angekommen, erzählte mir die aufgewühlte Rosie, dass sie vorhin in den Stall gegangen war, um die Pferde auf die Weide zu lassen; doch diese seien einfach spurlos verschwunden gewesen. Die Polizei, die eine Viertelstunde später ebenfalls eintraf, vermutete, dass die Pferde über Nacht aus den Boxen geholt und wegtransportiert worden waren. Sie befragten alle Anwesenden und suchten nach Spuren, doch weder Rosie, noch ihr Angestellter Lucas Gordon hatten etwas mitbekommen. Ausserdem waren die Diebe anscheinend ziemlich professionell vorgegangen und hatten kaum Hinweise zurückgelassen. Besorgt und ruhelos wanderte Rosie auf dem Hof herum, trotz meiner Versuche, ihr einzureden, dass die Polizei die Pferde schon finden würde. „If they took them in the middle of the night they could already be who-knows-where!” Darauf wusste ich nichts zu erwiedern. Nachdenklich sah ich mich auf dem Hof um. Irgendeinen Hinweis muss es doch geben… Aber Natürlich war ich auch nicht schlauer als die Beamten, die ihren Job sehr gründlich auszuführen schienen. Im nächsten Moment fiel mir jedoch eine Bewegung im Augenwinkel auf, weiter hinten bei der Reithalle. „Over there! That is… Islah!?“ Rosie und ich hasteten sofort in die entsprechende Richtung. Da stand sie, die braun gescheckte Araberstute – friedlich am Wegrand grasend, als wäre nichts geschehen. Rosie näherte sich ihr langsam. Die Stute schien unversehrt. Als ich mich auf den Weg machen wollte, um ein Halfter zu holen, fand ich im halbhohen Gras ein schwarzes solches liegen, mitsamt Führstrick. Der Backenverschluss war jedoch abgerissen. Ich fasste es nicht an, damit die Beamten, die sich erst näherten als sie sahen, dass Islah bei Rosie blieb, es unverändert untersuchen konnten. „Looks like someone tried to use this, but it broke and the horse got away”, schloss einer der Polizisten. “What a clever girl, Islah!“, rief Rosie aus und umarmte die Stute, die mittlerweile ein intaktes Halfter, von Lucas gebracht, trug. Ich konnte mir sehr gut vorstellen, wie das ganze abgelaufen sein musste: vermutlich hatten die Diebe ein Pferd nach dem anderen unter Zeitdruck rausgeführt und verladen. Da Islah jedoch überhaupt nicht gerne einstieg und jeweils ordentlich rumzicken konnte, wenn es auch nur schon auf einen Anhänger zuging (erst recht mit fremden Leuten, malte ich mir aus), hatte sie sich wohl reingehängt und das Halfer zerrissen. Danach musste sie es irgendwie geschafft haben, ganz daraus zu schlüpfen und so zu entkommen. Vermutlich hatten sich die Diebe gar nicht die Mühe gemacht, der Stute hinterherzujagen, sondern stattdessen rasch die anderen Pferde verladen und weggebracht. In diesem Fall war ihr eigener Sturkopf der Stute zugute gekommen. Rosie und ich brachten Islah in ihre einsame Box und brachten ihr eine ordentliche Portion Heu, um sie abzulenken. Sie begann nämlich nach den anderen zu rufen, als sie bemerkte, dass sie weg waren. Vielleicht ist sie auch empört und denkt, die anderen seien auf der Weide, während sie in den Stall muss, überlegte ich stirnrunzelnd. Jedenfalls musste sie nun erstmal so ausharren, bis ihre Kollegen wieder auftauchten. Wenn sie denn wieder auftauchen, dachte ich missmutig. Wir sahen uns nun noch angestrengter um, falls noch ein Pferd entkommen sein sollte. Vielleicht Numair – er ist ja auch nicht immer leicht im Umgang. Oder Bintu… Doch leider fanden wir nichts Weiteres. Die Polizei schickte trotzdem noch Suchtrupps ins nahe Gelände. Schliesslich blieb mir nichts anderes übrig, als zurück auf meinen eigenen Hof zu wechseln und abzuwarten. Ich erzählte Jonas und den bereits neugierigen Pflegern was passiert war. Alle diskutierten angeregt und suchten parallelen zu anderen Pferdediebstählen in der Region. Bis plötzlich Lewis bemerkte „Speaking of disappearance – has anyone seen this Leech-guy since mornin‘?“ Es wurde still und alle schienen angestrengt nachzudenken. Lisa war die erste, die die Stille brach. „…actually I have not seen him today at all.“ Die anderen nickten langsam, und auch ich schloss müde die Augen, als es mir dämmerte. Dieser Mistkerl! Ich hatte ihm gleich am ersten Tag sogar noch brav die Wilkinson Farm gezeigt, sodass er wunderbar hatte abchecken können, wie die Infrastruktur war und wo man sich am besten Zugang verschaffte. „Ich bin so ein Idiot…“, murmelte ich enttäuscht. „Sei nicht zu hart mit dir; woher hättest du den wissen sollen, dass er ein Krimineller ist? Sogar ich fand ihn nett“, tröstete mich Jonas. Auch die Pfleger schienen fassungslos, denn Leech war immer anständig und freundlich rübergekommen. Das war wohl alles geschauspielert, stellte ich fest.

      Ich meldete die Entdeckung der Polizei und gab alle Infos weiter, die ich von dem Verdächtigen hatte. Natürlich stellte sich heraus, dass der Name und die Identität gefälscht waren und der Typ jemand ganz anderes sein musste, als er vorgegeben hatte. Wenigstens kannten wir sein Aussehen, was ein guter Anfang war. Die folgenden Tage waren für mich quälend lang und ich wartete sehnsüchtig auf Fortschritte bei der Fahndung.
    • sadasha

      Pflegebericht
      10. Februar 2018 | von Occulta
      Aftermath

      Satine, Dancing Moonrise Shadows, Ronja Räubertochter, PFS’ Dancin’ to Jazz, Moon Kiddy, Phantom, Fake xx, PFS’ Ljúfa, Estragon Sky, Areion, Co Pilot de la Bryére, Vychahr, Flintstone, tc Herkir, PFS’ Ljóski, Drømmer om Død, Circus Dancer, Feline, Unbreaking Soul of a Rebel, PFS’ Navy Sniper, PFS’ Bacardi Limited, Lovely Summertime, Burggraf, Cantastor, Chiccory ox, Sunday Morning, Rosenprinz, Empire State of Mind, Gleam of Light, Caspian of the Moonlightvalley, A Winter’s Day, Spotted Timeout, Framed in History, One Cool Cat, PFS’ Merino, Simba Twist, PFS‘ Cryptic Spots, Mikke, Khiara El Assuad, Indiana, Vai Alida, Sympathy of the Devil, Campina, Sumerian, Cabinet of Caligari, PFS’ Captured in Time, Kaythara El Assuad, Nosferatu, PFS’ Sarabi, PFS’ A Winter’s Tale, PFS’ Stop Making Sense, Subsyndromal Symptomatic Depression, PFS’ Counterfire

      Der Tag nach dem Sturm war von Aufräumarbeiten geprägt. Der Forstwart kam gegen Nachmittag vorbei, um die gefallenen Tannen einzusammeln, aber abgebrochene Äste mussten wir selber wegräumen. Damit waren wir den ganzen Morgen beschäftigt, denn es gab reichlich davon. Auch die Zäune mussten kontrolliert werden, bevor wir die Pferde wieder auf die Weiden lassen konnten; dazu schickte ich April los. Jonas, Ajith, Quinn, Oliver, Parker, Lisa und ich liefen die Galoppbahn ab und luden das Geäst in Schubkarren. Hier lag zum Glück nicht so viel Schnee (wenn im Moment auch mehr als sonst), sodass wir gut vorankamen. Insgesamt waren vier Tannen dem Wind zum Opfer gefallen. Sonst hatte es zum Glück aber kaum Schäden gegeben. Gegen Mittag waren wir soweit, dass wir die ersten Gruppen wieder rauslassen konnten. Wir zäunten alle Fluchtwege ab und liessen die Stuten aus dem Nebenstall auf die unterste, lange Weide laufen. Sie mussten nicht zweimal aufgefordert werden: alle trabten oder galoppierten sogar zwischen den anderen Weiden hindurch in Richtung der schneebedeckten Wiese. Satine trottete zuhinterst den anderen nach, offenbar nicht sonderlich bemüht, jemanden einzuholen. Die Stuten aus dem Offenstall kamen wie immer an den Zaun, um ihre Kolleginnen zu begrüssen. Shadow und Ronja steckten die Schnauzen zusammen, aber gingen kurz darauf quietschend wieder auseinander. Jazz beobachtete die beiden interessiert, bevor sie von Moon mit einem warnenden Ohrenspiel verscheucht wurde, weil diese ebenfalls zum Zaun wollte. Besonders Phantom hatte die Nase zuvorderst und schien erfreut über den Besuch. Nach dem Begrüssungsritual begannen die Stuten im Schnee zu scharren, um sich zu rollen, oder unter der weissen Decke nach müden Grashalmen zu suchen, während die Offenstallherde sich wieder unter die Bäume bewegte. Nur Fake und Ljúfa blieben beim Zaun, um miteinander zu spielen. Phantom behielt die schwarze Isländerstute vom Schatten der Bäume aus im Auge, machte sich aber nicht die Mühe, sie zu den anderen zu treiben. Er hatte noch immer ausgeprägtes Herdenverhalten, dass er wohl bis ans Ende seiner Tage behalten würde, doch inzwischen hatte er auch begriffen, dass ‘seine’ Stuten nirgends hinkonnten, weil der Zaun sie eingrenzte. Dadurch war er trotz seiner grossen Herde sichtlich entspannter geworden. Jonas und ich grenzten den unteren Teil des Weges ab und leiteten Mikke, Khiara, Indiana, Vai Alida, Sympathy, Campina, Sumerian, Caligari, Ciela und Kaythara auf die untere der beiden Weiden neben den Miniature Horse und Fohlen Offenställen. Anschliessend durften die übrigen Vollblutstuten auf die Weide daneben. Die Hengste teilten wir ebenfalls auf zwei der grossen Weiden ausserhalb des Hofes auf, auch die aus dem Nordstall. Normalerweise kamen nicht alle Pferde gleichzeitig raus, aber da heute Morgen der Weidegang wegen der Aufräumarbeiten ja ausgefallen war, konnten wir so die Zeit wieder wettmachen und inzwischen nochmal alle Boxen Misten, das Futter vorbereiten, oder die Stallgassen wischen. Das taten wir auch – zumindest bis Ajith mich darüber informierte, dass die meisten der Hengste auf der Weide neben dem Pinienwald verschwunden waren. Verdutzt und ungläubig sah ich ihn an. «U sure they aren’t just under the trees or somethin?» Er schüttelte grimmig den Kopf. Anscheinend waren Artemis, Areion, Donut und Baccardi (Senior) noch dort, aber die restlichen fehlten. «Aaaapril…», rief ich genervt durch den Hauptstall. Die Pflegerin tauchte hinter der nächsten Ecke auf und liess ein unschuldiges «hmm?» hören. «You said you checked ALL the fences, right?» «Well…» «Well what?» «I didn’t walk all the way ‘round of course, I mean, it would have taken me forever. But the parts that I checked looked all real good, so the rest should be fine, too.» «Doesn’t quite seem like it.», konterte ich ungeduldig und schickte Ajith los, um Oliver zu holen. Wir trommelten die verfügbaren Pfleger zusammen und planten die Suche rasch, danach schwärmten alle aus, um entweder per Auto oder per Pferd nach der ausgebüxten Herde zu suchen. Meine Vermutung war, dass die Pferde irgendwo im Pinienwald herumstreunten, oder aber hinter dem Wald auf einer Wiese – allerdings glaubte ich nicht, dass sie sich allzu weit von ihrem Zuhause entfernt hatten. Bevor wir überhaupt mit der Suche anfangen konnten, kam plötzlich Co Pilot, gefolgt von Vychahr, Ljóski, Flint, Herkir und Dancer seelenruhig von den Weiden her über den Kiesweg geschlendert. Unterwegs hielten sie immer mal wieder an, um Grashalme am Wegrand zu zupfen, oder mit den Miniature Horses die Schnauze zusammenzustecken. Ich hörte Lewis, der bereits in diese Richtung unterwegs gewesen war, laut lachen und beobachtete, wie er auf Pilot zuging, um ihn an seinem Halfter zu greifen und ihn zu streicheln, während ich mich selbst zügigen Schrittes auf den Weg dorthin machte. Grinsend stellte ich fest «That’s a fine boy. Brought your buddies home, didn’t ya?» Ich klopfte ihm stolz auf den Hals und nahm dann Ljóski und Herkir am Halfter, während Lewis Pilot und Vychahr führte, sodass die letzten beiden uns einfach folgten. Wir brachten alle zurück in ihre Boxen, wo die (eigentlich) Abendportion Heu auf sie wartete, sodass sie gewissermassen eine Belohnung für ihre freiwillige Heimkehr hatten. Herkir kniff Loki eifersüchtig ins Hinterteil, als dieser vor ihm reindurfte. Vilou wartete geduldig, bis Lewis Pilots Box geschlossen hatte. Dancer lief bereits selbstständig vor seine Boxentür und wartete dort, bis jemand für ihn öffnete, während Flint draussen blieb und neben dem Vorplatz graste, bis ich ihn abholte. Danach schlossen Lewis und ich uns der Suche nach den restlichen Pferden an. Zuerst hatte ich die Idee im Kopf, mit dem Fahrrad zu gehen – das konnte ich aber natürlich gleich wieder abhaken, angesichts des vielen Schnees. Also Rannten Lewis und ich kurzerhand zum Offenstall, schnappten uns Moon und Feline, schwangen Westernsättel über ihre Rücken und ritten im Halfter los. Zira, Sheela und Jacky rannten freudig nebenher, als wir den Weg am Waldrand runtertrabten. Lisa, Elliot und Jonas waren bereits vor Ort, als wir die ersten Pferde fanden. Jonas hatte Rebel an den Führstrick genommen. Er war mit Hilfe von Shadow problemlos an den Hengst rangekommen. Ich war einmal mehr froh, dass wir unsere Hengste so rigoros trainierten und erzogen, damit sie in jeder Situation händelbar und respektvoll blieben, ansonsten wäre die Fangaktion auf diese Weise undenkbar gewesen. Einen Haken gab es: die Neulinge, Sniper und Bacardi, hatten ebendiese Erziehung natürlich noch nicht erfahren. Daher waren sie recht aufdringlich, als wir mit den vielen Stuten in die Nähe kamen. Dennoch schafften wir es, die Gruppe hinter Jonas, Shadow und Rebel zurück zum Hof zu treiben. Sogar Dod lief brav mit, obwohl er ja manchmal recht eigenwillig sein konnte. Wann immer Sniper und Bacardi unseren Reittieren zu nahekamen, legten diese zuverlässig die Ohren platt und wiesen die Jungspunde zurecht. Besonders Moon war im ‘Cutting Modus’ und verstand keinen Spass mit aus der Reihe tanzenden Individuen. Sie machte ihren Hals rund, plusterte sich tänzelnd auf und schlug ab und zu mit dem Schweif, um ihre Gesten zu verdeutlichen. Als wir endlich alle Pferde wieder in ihre Boxen versorgt hatten, war es bereits vier Uhr. «Phew, alright. Thank you guys, let’s go back to work.» Unter zustimmendem Gemurmel zerstreuten sich die Pfleger wieder und Normalität kehrte ein. April schien sich ihren Fehler zwar immer noch nicht so recht einzugestehen, wischte aber gründlicher als sonst. Ich schüttelte den Kopf über dieses Verhalten, beschwichtigte mich selbst aber mit dem Gedanken, dass sie wenigstens sonst gut mitarbeitete.


      Ich sattelte Summertime und führte sie zum Sandplatz. Die Paint Stute hatte beim Striegeln schon ein paar erste Haare verloren, der restliche Plüsch war aber noch voll ausgebildet und glänzte seidig in der Wintersonne. Ich stieg auf und ritt sie ausgiebig warm, dann machte ich ein paar Reiningübungen. Wir arbeiteten am Stop aus verschiedenen Galoppgeschwindigkeiten. Sie beherrschte die Lektion zwar längst; ich wollte sie aber noch weiter verfeinern, sodass es auch auf kleinste Hilfen klappte. Im Schnee machte das echt Spass, weil es richtig schön spritzte, wenn sie gekonnt darauf herumrutschte. Der Schnee hatte genau die richtige Konsistenz dafür, denn er war schön pulvrig und leicht. Auch die Seitwärtsgänge nahm ich mir vor, damit die Stute schön weich am Schenkel wurde und sich auch gut biegen liess. Sie war voll bei der Sache und galoppierte sofort aus dem Schritt an, wenn ich das äussere Bein entsprechend zurücknahm. Manchmal war sie fast etwas zu eifrig und nahm mir die Hilfen vorweg. Dann bremste ich sie jeweils nochmal und versuchte es erneut, bis es zu meiner Zufriedenheit klappte. Während ich mit Summer meine Runden drehte, kam Lisa mit Burggraf dazu und ritt ihn in Dressur. Nach dem Ausbruch-Abenteuer schien der Hengst etwas geladen zu sein; er bockte ein paarmal kräftig, als Lisa Galoppwechsel üben wollte. Ich schmunzelte bei dem Anblick. Aristo war eben ‘voll im Saft’ und spürte wie die anderen Pferde den Schnee – oder den kommenden Frühling – oder den Vollmond - oder was auch immer gerade Grund zum herumhüpfen bot. Summer war inzwischen richtig toll vor dem Bein und galoppierte, wohl auch etwas angesteckt durch Aristo, bereits an, wenn ich nur daran dachte. Ich liess sie schliesslich austraben, wobei sie schön streckte und ihr Rücken mitsamt Popo locker durchschwang. «That’s a good girl». Ich versorgte sie nach dem Trockenführen (mit Winterfell schwitzte man eben doch etwas mehr als sonst, auch wenn der Bauch und die Brust geschoren waren), und machte schonmal alles bereit für’s Jungpferdetraining, doch bevor ich damit loslegen konnte, mussten wir zuerst noch die Pferde von der Weide holen. Also lief das ganze Spiel rückwärts: Wir zäunten alles ab, öffneten die erste der drei grossen Weiden und liessen Cantastor, Chiccory, Sunday, Quick, Empire, Light, Caspian, Winter, Spot, Frame, Cool Cat, Merino, Simba, Cryptic und Mambo, der unterwürfig zuhinterst mitlief, zurück in den Offenstall laufen. Bei so vielen Pferden auf einmal dauerte es einen Moment, bis alle drin waren. Die Pferde aus dem Nordstall hingegen waren ja bereits im Stall; Ajith und Parker hatten auch die restlichen schon reingeholt, damit sie nicht auch noch hatten entwischen können.


      Sobald auch die letzten, die Nebenstall Stuten, wieder in ihren Boxen standen, kümmerte ich mich um die zukünftigen Rennpferde. Sie wurden nun seit zwei Monaten ‘Trainiert’; das hatte bis anhin beinhaltet, dass sie an der Longe und Doppellonge Muskelaufbautraining mit vielen Übergängen erhalten hatten, und an die Ausrüstung gewöhnt worden waren – alles noch ohne Reiter. Das hatte mehrere Vorteile: zum einen kannten sie nun Stimmkommandos als Hilfe, zum anderen hatten sie bereits ein Startkapital an Muskeln, die ihnen halfen, den Reiter schadlos zu tragen. Heute wollten wir zum ersten Mal versuchen, jemanden auf den Rücken der Jungspunde zu setzen. Ich lief zu Counterfires Box und Streichelte sie zur Begrüssung. Sie musterte mich mit ihren frech, aber freundlich wirkenden Augen und zupfte an meinem Ärmel. Ich schob die Tür auf und streifte ihr das Halfter über, dann band ich sie in der Stallgasse an. Sie spielte mit der Kette, während ich sie striegelte, und brummelte, als Dolly von Quinn ebenfalls in die Stallgasse geführt wurde. Beim noch nicht straff trainierten Bauch fand ich eine Stelle, an der es sie wohl gerade juckte. Sie drehte den Kopf zu mir und spitzte die Lippe, als wollte sie mithelfen. Belustigt gluckste ich und schrubbte kräftiger. Nach dem Putzen zog ich ihr ein Knotenhalfter an und wartete noch kurz, bis die anderen auch fertig waren. Ausserdem holte ich zur Sicherheit eine Sturzweste aus der Sattelkammer. Während dem Warten zupfte Fire an der Regendecke vor ihrer Box herum, untersuchte den Stallboden, untersuchte Jacky, die nicht so recht wusste, was sie davon halten sollte und jeweils hilfesuchend zu mir hochschaute; versuchte Dolly zu nerven, oder scharrte ungeduldig. Ich war es längst gewohnt, dass es für junge Vollblüter, oder überhaupt junge Pferde, einfach nicht schnell genug gehen konnte. Thomas kam mit Mambo um die Ecke und winkte uns, zum Zeichen, dass er fertig war. Wir führten die Vierbeiner, gefolgt von Oliver und Ajith, durch die Stalltüren raus in den Innenhof und an der Führanlage vorbei in Richtung Halle. Es wurde nun immer dunkler draussen, aber in der Halle brannte glücklicherweise schon Licht. Als wir reinkamen, erblickte ich überrascht Lily und Suri, die mit Nosferatu spielten. Suri sass gerade auf Nossis blankem Rücken und wurde von Lily herumgeführt. «Hey girls. I see, you have fun, but would you mind to go out for a bit? We’d like to train the youngsters for a bit, and it would be safer for you not to be around…» «Jup, no probs Occu. C’mon Suri, we go for a walk outside!» Das dunkelhäutige Mädchen nickte und Lily zupfte am Stallhalfter, um Nossi wieder in Bewegung zu versetzen. Wir begannen unterdessen, die Vollblüter warmzuführen und am langen Führstrick ein wenig im Kreis zu schicken. Als ich das Gefühl hatte, dass Counterfire bereit war, zog ich mir die Sturzweste und den Helm an. Dann begann ich, neben der Stute auf und ab zu hüpfen, während ich mich leicht mit einer Hand auf den Widerrist stützte. Ich übte das von beiden Seiten. Als nächstes legte ich meinen Arm über ihren Rücken und klopfte ihr ausgiebig mit der Hand auf die gegenüberliegende Flanke, als Desensibilisierung. Ajith und Oliver stellten unterdessen in der Halle Cavalettis auf, als Aufstieghilfen. Zu solch einem führte ich Fire nun, und stellte mich darauf. Ich beobachtete ihr Ohrenspiel und ihre Körpersprache ganz genau, während ich mich über ihren Rücken lehnte, immer noch auf ihre Flanke klopfend. Ich wollte sie auf keinen Fall überrumpeln, deshalb nahm ich mir viel Zeit und stellte immer sicher, dass sie sich auf mich konzentrierte. Als ich mein Bein über ihren Rücken legte, kamen ihre Ohren zurück und sie drehte ihr Hinterteil vom Cavaletti weg. Ich blieb ruhig und richtete sie neu aus, dann versuchte ich es erneut. Ich liess mich langsam auf ihren Rücken gleiten und lobte sie ausgiebig mit Kraulen, dann stellte ich mich wieder auf das Cavaletti. Ich hatte soeben das erste Mal richtig auf ihrem Rücken gesessen! Total happy wartete ich einen Moment, bevor ich es ein zweites Mal versuchte, wieder erfolgreich. Diesmal blieb ich etwas länger oben und bewegte meine Beine ein wenig. Ich wiederholte das Spiel, bis es für Fire nichts Besonderes mehr war und sie sich vollkommen entspannte. Dann sass ich einfach oben und beobachtete eine Weile die anderen Jockeys. Sarabi hatte demonstrativ das Hinterbein angewinkelt, wobei ich mir nicht sicher war, ob es eine entspannte, oder eine drohende Geste war. Sie hielt aber brav still, während Parker auf ihr herumturnte. Bei den anderen sah es ähnlich aus; Thalia und Mambo untersuchten die Beine ihrer Reiter neugierig. Es sah ein Bisschen so aus, als wollten sie zu verstehen versuchen, was da auf ihrem Rücken vor sich ging. Es war gut, wenn sie sich damit auseinandersetzten, denn das bedeutete, dass sie auch wirklich etwas dabei lernen konnten. Nur Dolly schien nicht so begeistert von der Idee. Sie hatte einen eingeklemmten Schweif und zuckte immer wieder zusammen, wenn Quinn sich unerwartet bewegte. Sie seufzte tief und senkte den Kopf, aber ich sah ihr an, dass sie sich unwohl fühlte. Manche brauchen eben ein bisschen länger, sagte ich mir. Plötzlich bewegte sich Fire unter mir, sodass ich aus meinen Gedanken gerissen wurde. Die Stute hatte offenbar eine interessante Stelle im Sand entdeckt, die sie nun untersuchen wollte. Sie begann zu scharren, und ich dachte mir nichts dabei – bis sie auf einmal vorne in die Knie gehen wollte. «Woa, stop that girl!» ich zupfte am Knotenhalfter, denn ich wollte auf keinen Fall, dass sie schon beim ersten Reitversuch lernte, sich mit dem Reiter hinzulegen. Sie hielt inne und bog auf mein Zupfen hin brav ihren Kopf nach hinten. Ich liess mich von ihrem Rücken gleiten; jetzt durfte sie von mir aus Wälzen. Tat sie auch: wenig später begann sie wieder zu scharren und legte sich genüsslich grunzend in den Sand. Selbst Oliver konnte sich bei dem Anblick ein Lachen nicht verkneifen. Dolly glotzte zu uns rüber und vergass offenbar einen Moment lang Quinn auf ihrem Rücken, nur um dann wieder zusammenzuzucken, als diese abstieg. Als ich zur Glasscheibe des Reiterstübchens hinüberschaute, bemerkte ich belustigt, dass Lily und Suri das Welshpony verräumt hatten, um uns zuzusehen. Ich Winkte ihnen zu und führte Counterfire noch ein Weilchen herum, bis alle fertig waren und wir die Pferde zurück in den Hauptstall bringen konnten. In den nächsten paar Tagen wollten wir das spielerische Aufsitzen wiederholen und bereits ein wenig im Schritt herumreiten, danach erst würden die anderen Gangarten folgen; vor allem aber viel Trabarbeit. Ich war zuversichtlich, dass alles gut gehen würde. Der Tierarzt hatte die Pferde vor kurzem untersucht und als kerngesund befunden, was mir zusätzliche Sicherheit gab. Jacky und Zira waren froh, dass sie mich wieder begleiten durften. Ich hatte sie nicht mit in die Halle gelassen, damit sie die Jungpferde nicht hatten ablenken können. Jonas kam mir mit dem Wegräumen zu Hilfe und fragte mich darüber aus, wie es gelaufen war. «Also gelaufen ist noch nix, aber gestanden, wie ein Musterschüler», scherzte ich. «Klingt toll. Ich hab übrigens vorhin den schwarzen Flohpelz wieder gesehen.» «Flohpelz? Moya?» «Jup. Ist durch die Sattelkammer geschlichen. Da hat’s wohl Mäuse.» Als er wieder davonlief, lief ich ‘zufällig’ an besagter Sattelkammer vorbei. Zuerst entdeckte ich keine Katze, aber dann sah ich einen buschigen Schwanz hinter einer der Putzboxen hervorschauen. Ich schlich mich an und griff zielsicher zu. Meine Hand erwischte tatsächlich Fell, und ich konnte das schwarze Tier triumphierend hochhalten. «Hab ich dich!» Ich hielt sie auf meinem Arm fest; alles Zappeln nützte nichts. Sie hatte plattgelegte Ohren und geweitete Augen, ausserdem schluckte sie entsetzt. Ich streichelte und knetete das rauchschwarze, lange Fell. Es war seidig und weich wie Kaninchenpelz, obwohl es noch nie gebürstet worden war. Andererseits sah man schon die ein- oder andere verfilzte Stelle. Solches Fell war eben eigentlich nicht für Streuner gedacht, sondern für verwöhnte Wohnungskatzen, sodass Moya es so alleine nicht gründlich genug pflegen konnte. Ich trug das Raubtier, das sich inzwischen erstaunlich ruhig hielt (sie hatte wohl aufgegeben) in Richtung Haus. Lisa führte gerade Aristo vom Viereck runter, als sie mich, selbst im Dunkeln, mit der Katze entdeckte. «Waaas?! Ist das Moya? Du hast es echt geschafft sie anzufassen?» Naja, über meine Methoden wollen wir jetzt mal lieber nicht sprechen, aber «Ja, so könnte man es nennen», antwortete ich halb gedacht, halb gesprochen. Mit ihrem typisch faszinierten Gesichtsausdruck kam sie näher und streichelte den Kopf der Katze, die prompt einen neuen Fluchtversuch unternahm - natürlich erfolglos. «Was machst du jetzt mit ihr? Wenn du sie loslässt, ist sie gleich wieder weg, und wird in Zukunft vermutlich noch viel vorsichtiger sein…» «Ich nehme sie ins Haus und sperre sie für’s erste im Badezimmer ein. Du wolltest sie ja schon lange einmal vom Tierarzt impfen und durchchecken lassen. Danach schaue ich weiter.» Lisa nickte begeistert. Die anderen Katzen liess sie, seit sie alt genug dazu waren, regelmässig entwurmen und was auch immer dazugehörte, aber Moya war seit sie selbstständig geworden war praktisch nicht mehr angefasst worden. Ich hatte, wenn ich sie so ansah, auch einen regen Verdacht auf Flöhe oder Haarlinge – aber zu sehr wollte ich darüber jetzt wirklich nicht nachdenken. Ich konnte Lisa, die die entsetzte Katze noch immer mit ihren Händen malträtierte, abschütteln und durch die Haustür schlüpfen. Erst, als wir im Badezimmer waren und ich die Tür fest verschlossen hatte, liess ich das Tier los. Sie stürzte sofort in die hinterste Ecke des Badezimmers, unter die Toilette, und kauerte sich fauchend hin. «Ja ja, du wirst mir schon noch dankbar sein», murmelte ich schulterzuckend und huschte raus, bevor sie entwischen konnte. Ich holte im Pflegerheim eine Schüssel Katzenfutter von Lisa, wobei ich gleich noch ein wenig mit Africa und Blue herumalberte. Die beiden Graupapageien hatten eine Tonne Spielzeug in ihrer Voliere, aber verpassten trotzdem keine Chance auf Beschäftigung und Zuwendung. Ich öffnete die Voliere und kraulte Blues Kopf mit dem Zeigefinger, wobei er genüsslich die Federn aufstellte. Africa versuchte mich eifersüchtig in die Hand zu zwicken, sodass ich das Katzenfutter absetzen und beide gleichzeitig streicheln musste. Africa wollte mir schon auf die Schulter klettern, als sie genug vom Streicheln hatte – aber ich wusste, dass sie dann nur wieder mit meinen Haaren spielen würde (was nicht besonders angenehm war), also zog ich mich zurück und kümmerte mich wieder um die inzwischen jämmerlich miauende Katze im Badezimmer. Ich fand eine alte Haarbürste, welche ich opfern konnte, und ein Anti-Flohmittel für den Nacken, das ich auch für die Hunde benutzte. Der Futterschale wurde während meiner Anwesenheit kaum Beachtung geschenkt. Ich sass eine Weile an die Wand gelehnt und versuchte, Moya anzulocken, aber sie machte keine Anstalten es sich auch nur zu überlegen. Also schnappte ich sie mir wieder, was mir vor allem dank der rutschigen Badewanne gelang, und hielt sie auf meinem Schoss fest, während ich ihr Fell zu kämmen begann. Am Anfang wehrte sie sich wieder mit allem was sie hatte, aber ich hatte vorsorglich Gartenhandschuhe montiert und den langen Pullover anbehalten, weshalb ich gut geschützt war. Nach einer Weile wurde sie ruhiger und ich konnte vorsichtig alle Knoten lösen. Sobald ich fertig war und sie losliess, huschte sie wieder unter ihren Toilettenplatz und funkelte mir böse entgegen. Ich liess sie in Ruhe, denn es war inzwischen acht Uhr und ich hatte noch ein paar Dinge im Stall zu erledigen.

      Pflegebericht
      29. Juni 2018 | von Occulta
      Kleine und grosse Rennen

      Iskierka, Chiccory ox, Gleam of Light, Sunday Morning, A Winter’s Day, Snottles Peppermint

      Es war Freitag Abend auf Pineforest Stable. Uns stand eine kleine Reise bevor, denn wir waren mit fünf Pferden für ein Wochenendevent in Doncaster angemeldet. Naja, eigentlich mit sechs. Denn Lily und Peppy hatten am selben Event ihr erstes Qualifikationsrennen. Weil die Rennbahn diesmal etwas weiter weg und die einzelnen Rennen auf das Wochenende verteilt waren, mussten wir die Pferde vor Ort einstallen. Wir mussten bereits heute losfahren, denn das erste Rennen fand auf Grund der Sommerhitze bereits am frühen Morgen statt, und auch damit sich die Pferde über Nacht eingewöhnen konnten. Lily war schon den ganzen Tag total nervös und konnte kaum stillsitzen. Sie hatte mehrfach Peppys Ausrüstung überprüft und alles bereitgelegt, ausserdem war Peppy wohl so sauber geputzt und so gründlich massiert wie noch nie. Wir assen gemütlich das Abendessen, dann gingen wir in den Hauptstall, bzw. Lily zur Ministutenweide, um ihr Shetty abzuholen. Sie brachte das kurzbeinige Pony in den Hauptstall und band sie in einer der dafür vorgesehenen Nischen an, damit sie mir bei den Grosspferden helfen konnte. Ich hatte inzwischen Light mit einem mit Lammfell unterlegten Halfter aus seiner Box geholt und striegelte gerade sein kurzes Rappfell durch. Er genoss die Massage, war aber aussergewöhnlich aufmerksam und zappelig. Er schien ganz genau zu wissen, dass wir etwas vorhatten. Naja, es war ja auch ungewöhnlich, dass wir ihn Abends nochmal so gründlich durchputzten. Winter schien dagegen schon halb verschlafen, denn er stand mit waagrechtem Hals da und stüzte ein Hinterbein auf. Er hob den Kopf nur gelegentlich, wenn jemand durchlief, oder er Zira und Jacky beobachtete, die gelangweilt herumschnüffelten. Sheela war in der Sattelkammer bei Jonas, der zusammen mit Ajith die Ausrüstung vorbereitete und in den Transportern verstaute. Wir fuhren mit dem grossen Lastwagen und einem Selbstfahrer. Ich fühlte während dem Bürsten die Beine der Vollblüter ab, um sicherzugehen, dass sie sich auf der Weide trotz Gamaschen nicht noch eine Verletzung geholt hatten. Besonders Chiccory traute ich alles zu; der Hengst war irgendwie anfällig für kleine Schrammen und kahle Stellen. Aber wir hatten Glück, alle Pferde schienen zumindest äusserlich kerngesund zu sein. Als ich vor dem Verladen noch etwas Zeit hatte, massierte ich Sundays Rücken, um ihn so gut es ging zu lockern. Der Braune zeigte mir an, wenn ich eine gute Stelle erwischte und schien nirgends empfindlich zu sein. Ein gutes Zeichen also. "Occu wir sind auch fertig", meldete Lily um die Ecke, stellvertretend für Quinn und die anderen. Ich nickte und schlug vor, langsam mit dem Verladen zu beginnen. Ahjith übernahm gleich Sunday, während ich zu Winter ging. Ich schmiss ihm eine dünne Fleecedecke über den Rücken und legte ihm die gut gepolsterten Transportgamaschen an, damit seinen wertvollen Beinen nichts passieren konnte. Ich löste die Anbindestricke und führte den schneeweissen Vollblüter durch das Tor raus unter den langsam dunkler werden Himmel. Es wurde schon langsam kühler. Ajith lief vor uns mit Sunday die Rampe hoch. Ich wartete kurz, bis das braune Rennpferd nach kurzem beschnuppern der Rampe gefügig hinauf stakste, dann führte ich Winter näher. Ajith schloss rasch die schräge Trennwand, dann spazierten Winter und ich ebenfalls die Rampe hoch ins Innere des Camions. Die Gruppen der erfahrenen Rennpferde kannten den Ablauf eben in und auswendig, und weil wir versuchten, an Renntagen eine gewisse Routine einzuhalten, regten sie sich auch nicht übermässig auf. Ich band Winter locker an und schob die nächste Trennwand zu, damit Light und Chiccory reinkommen konnten. Iskierka und Peppy fuhren zusammen im Selbstfahrer mit. Und weil ich meine Schimmelstute und ihre Macken sehr gut kannte, hatten wir extra etwas mehr Zeit eingeplant - die wir nun auch wiedermal brauchten. Denn wie fast immer, brauchte Iskierka einfach ein paar Minuten länger, um sich für's Einsteigen zu entscheiden. Sie war nunmal sensibel (oder einfach durchgeknallt, wie Jonas zu sagen pflegte), aber ich respektierte das und gab ihr die Möglichkeit, sich alles in Ruhe anzusehen. Dafür lief sie in den Rennen jeweils tadellos (wenn man sie denn einmal in die Startmaschine bugsiert hatte). Oliver hatte schon oft bemerkt, dass sie bei anderen Trainern und Besitzern wohl längst den Kopf ab hätte, und ich aussergewöhnlich geduldig mit ihr war. Aber wenn Kierka ihre Rivalen wie neulich mit Leichtigkeit um Längen besiegte, war er stumm, oder vollen Lobes für die Stute. Sie ist eben ein Drache: wild, eigenwillig, manchmal feuerspuckend und vor allem stolz. Als sie schliesslich neben Peppy im Transporter stand, konnten wir endlich die Klappen schliessen und losfahren. Ich fuhr den Selbstfahrer, Quinn sass auf dem Beifahrersitz und Lily in der Mitte. Jonas blieb auf Pineforest - jemand musste schliesslich nach dem Rechten sehen, während ich weg war. Wir plauderten viel während der Fahrt, um Quinns und vor allem Lilys Nervosität abzuschwächen. Quinn hatte ja jahrelange Erfahrung als Jockey, aber für Lily war es das erste, ernste Rennen.
      Der Transportlastwagen bog vor uns in die Einfahrt des Renngeländes, wir folgten. Nun lief alles zügig und professionell ab. Wie parkierten auf den ausgewiesenen Plätzen, luden die Pferde aus und brachten sie in die Boxen des Rennstalls. Die Boxen waren nicht sehr gross und der Boden nur dürftig mit Spänen eingestreut, aber wenigstens war alles schön sauber, aufgeräumt und gut beleuchtet. Ajith und ich brachten den Athleten etwas Heu, damit sie sich sofort wohlfühlten. Iskierka war noch etwas zu aufgewühlt, um wie die Jungs genüsslich am Heu zu knabbern. Ich blieb noch einen Moment länger bei ihr und streichelte sie, als sie neugierig in die Stallgasse schaute. Die anderen verstauten die Ausrüstung für morgen griffbereit und schlossen die Fahrzeuge ab. Danach fuhren wir alle ins nahegelegene Hotel. Lily machte vermutlich die ganze Nacht kein Auge zu, aber ich schlief relativ rasch ein und träumte so ziemlich von allem, was irgendwie schiefgehen konnte.

      Am nächsten Morgen holten wir Light und Chiccory aus den Boxen, stellten beide in die Vorbereitungsabteile, bürsteten sie nochmal durch, zäumten und sattelten sie und brachten sie zum Warmlaufen in den Führring. Quinn und Parker beschäftigten sich unterdessen mit der Gewichts- und Ausrüstungskontrolle. Als wir überall grünes Licht bekamen, war es Zeit zum Aufsitzen. Ajith half Quinn auf Lights Rücken, ich ünernahm Parker. Es war mir bewusst, dass Besitzer selten so viel mithalfen, aber ich wollte immerzu bei den Pferden sein und selbst Hand anlegen, um sicherzustellen, dass alles nach Plan lief. Wir führten die beiden Pferde noch einen Moment mitsamt den Jockeys, sodass die Zuschauer sich ein Bild der Pferde machen und entsprechend ihre Wetten abgeben konnten. Danach hiess es, dass man zich zum Start begeben solle. Wir durchquerten einen Tunnel unter der Tribüne durch und führten die Pferde bis zum Eingang der Bahn, dann mussten die Jockeys alleine klarkommen. In England war es nicht üblich, Begleitponys einzusetzen - das machten wir eigentlich nur Zuhause auf Pineforest. Ich nahm Platz auf der Tribüne und beobachtete, wie die Jockeys einen raschen Aufwärmgalopp machten und danach zur Startmaschine trabten. Es lief heute alles rasch und ruhig ab, alle Pferde schienen gut vorbereitet zu sein und gingen eigentlich sofort in die Maschine. Sobald der letzte drin war, startete das Rennen, sodass die Pferde nur einen Moment lang in der Maschine stillstehen mussten. Light und Chiccory waren wie geplant von Anfang an im Mittelfeld. Es war wichtig, dass sie sich eine gute Position mit Möglichkeiten nach vorne freihielten, obwohl sie jetzt noch Energie für den Schluss sparten. Gute Vorbereitung war für die finalen Sekunden des Rennens essentiell, denn die Zielgerade kam rasch näher, und war umso schneller vorbei. Lasst euch nicht einklemmen, fieberte ich mit. Das Rennen war so schnell vorüber, wie es begonnen hatte. Light war für einen Moment zuvorderst gewesen, doch kurz vor dem Ziel trotzdem noch von einem Dunkelbraunen überholt worden. Natürlich war ich stolz auf den zweiten Platz, den er sich ergattert hatte - aber eine gewisse Enttäuschung konnte ich schwer verbergen. Chiccory war erst an fünfter Stelle eingetrudelt, nachdem er schon in der Kurve ein Überholmanöver gestartet und sich so zu früh verausgabt hatte. Ich lief zügig zurück, um die beiden und ihre Jockeys zu empfangen. Parker war total zerknirscht über ihren Misserfolg und redete nicht viel. Quinn ging es ähnlich wie mir; sie kopfte dem schnaufenden Light stolz auf den Hals, die Begeisterung hielt sich aber in Grenzen. Wir duschten die Pferde ab, sobald ihr Puls sich etwas gesenkt hatte. Dann belohnten wir sie mit Äpfeln und brachten sie auf die kleinen, abgezäunten Paddocks, damit sie zu. Trocknen ein wenig grasen konnten, während Ajith sie bewachte. Den ganzen Morgen schauten wir Rennen und Lily durfte mit Ajith zusammen ins Wettbüro, um 10 Pfund auf einen hübschen, dunkelbraunen Hengst zu wetten. Zu aller Überraschung gewann der dann auch tatsächlich das Rennen, sodass Lily am Ende 60 Pfund zurückbekam. "She seems to have a good eye...", murmelte ich zu Quinn, noch immer etwas verdutzt über das unerhörte Glück meiner Nichte. Am Nachmittag sahen wir uns zusammen die Stadt an und später im Rennstall die vielen fremden Vollblutpferde, die am morgigen Rennen mitlaufen würden. Es hatte einige ganz hübsche dabei, aber keines hatte so eine spezielle Farbewie Winter oder Chiccory. Ausserdem sah bei vielen die Kruppe oben etwas eingefallen aus, und ich fragte mich, ob das eher am Trainings- oder am Fütterungszustand der Tiere lag. Meine Rennpferde waren wohl eher auf der schwereren Seite (mal abgesehen von der kleinen Chime), dafür hatten sie viel Kraft und sahen rund um gesund aus. Die Hinterteile schön muskelbepackt und definiert, der Lendenbereich ausgefüllt und der Bauch zwar schmal, aber nicht zu sehr geschürzt. Für mich machte es mehr Sinn, die Pferde ausreichend und vor allem mit hochwertigem Futter zu versorgen, damit sie optimal Muskeln aufbauen konnten, anstatt sie magern zu lassen, damit sie weniger Gewicht hatten. Muskelkraft konnte das Zusatzgewicht gut wettmachen, und die Gesundheit der Pferde war sowieso immer oberste Priorität.
      Oliver und ich holten am Abend beim Eindunkeln Winter, Sunday und Iskierka raus. Ihr Rennen war am nächsten Morgen, also wollten wir uns nochmal die Zeit für ein letztes Training nehmen. Das war auch eine gute Gelegenheit, die Pferde schonmal an das Geläuf und die Umgebung zu gewöhnen. Wir trainierten ohne Startmaschine und im Kopf-an-Kopf-Stil, um die Vierbeiner für morgen anzufeuern. Das Training lief hervorragend, Sunday stellte sogar eine neue persönliche Bestzeit auf. Meine Pferde mochten das Gras als Boden, weil wir zuhause ja auch nur die Grasbahn hatten. Gras war ohnehin schonender für die Beine als Sand oder Kunstboden. Ich nahm meine Lieblinge und ihre Jockeys in Empfang, als sie im Licht der Scheinwerfer über die Bahn in Richtung Eingang zurückgetrabt kamen. Wir führten die drei im Schritt trocken und wuschen die Sattellage mit dem Schwamm (sie hatten nicht wahnsinnig viel geschwitzt, weil die Luft inzwischen schon ziemlich abgekühlt war). Danach verbrachten wir eine weitere Nacht im Hotel, wobei sogar Lily gut einschlafen konnte, weil sie den ganzen Tag auf den Beinen gewesen war.

      Quinn half uns am nächsten Morgen, die beiden weissen Vollblüter Iskierka und Winter vorzubereiten, aber Parker hatte sich irgendwo auf die Tribüne zurückgezogen, um das Rennen der Zweijährigen zu beobachten. Ich wischte mit der Staubbürste über Winters kurzes, seidiges Sommerfell. Er war so weiss wie schon lange nicht mehr (in der kalten, nassen Jahreszeit hatte er sich dauernd gründlich eingesaut und daher immer einen gewissen Staubanteil im Fell gehabt, aber nun wurde er wieder nach jedem Training Abgeduscht, weil es wärmer war und die Rennpferde mehr schwitzten). Seine rosa Haut, die am Kopf und zwischen den Beinen durchschimmerte, war manchmal etwas gefärdet für Sonnenbrand. Daher cremte ich sie sogar ein, wenn die Sonne stark schien und er nachmittags raus durfte. Heute Morgen verzichtete ich aber darauf, denn die Sonne war noch nicht hoch am Himmel und es war leicht bewölkt. Ausserdem stand er ja nicht wie au der Weide stundenlang direkt im Einfluss der Strahlung. Ich kraulte Winter zwischen den Ohren, wodurch er sich ein wenig entspannte. Er war zwar nicht wahnsinnig hibbelig, aber eine gewisse Anspannung vor den Rennen war einfach unvermeidlich - und sogar erwünscht, denn die Rennbereitschaft trug massgeblich zu den Erfolgschancen bei. Ein träges, schläfriges Pferd hatte hier genausowenig verloren wie ein übersensibles, nicht händelbares, das im Voraus Energie verpuffte. Iskierka war an letzterem wiedermal nahe dran. Im Führring tänzelte sie dauernd, versuchte zu steigen und konnte keine Sekunde still halten. Seufzend liess ich sie um mich kreisen und ignorierte das Gehampel. Es hatte gar keinen Sinn, sie beruhigen zu wollen, wusste ich aus Erfahrung. Iskierka hatte genug Energie, um ihre Attitüde zu kompensieren und trotzdem noch das Rennen zu laufen. Ausserdem schien sie die Bewegung zu brauchen, um ihre Nerven unter Kontrolle zu halten. Iskierka hatte mir in all der bisherigen gemeinsamen Zeit etwas wichtiges beigebracht; nämlich auch mal einen Kompromiss einzugehen und nicht immer nach Perfektion zu streben. Vielleicht würde der 'weisse Drache' nie vollständig gezähmt werden. Also war es meine Aufgabe, einen gemeinsamen Weg zu finden, der trotzdem alle Beteiligten zufriedenstellen konnte. Wenn ich ehrlich war, konnte und wollte ich mir Iskierka auch nicht treu-doof oder brav wie ein Lamm vorstellen. Es lag einfach nicht in ihrer sensiblen und zugleich selbstbewussten Natur. Ihr starker Charakter machte ihre Eleganz und Schönheit aus, die mich immer wieder verzauberten. Ich wollte diesen Drachen mit all seinen Eigenheiten als Partner haben, und nicht dem Lehrbuch entsprechend zurechtbiegen. Was aber selbstverständlich trotz aller Toleranz einen gewissen Grundgehorsam für den sicheren Umgang voraussetzte. Den hatte Iskierka auf Pineforest gelernt und akzeptiert. Zum Beispiel wusste die Schimmelstute ganz genau, dass sie niemanden umrennen durfte. Sie wich auf Druck aus, schlug nicht (sofern nicht provoziert) und liess eigentlich total fein mit sich kommunizieren, nur hing letzteres stark von ihrer Tagesform ab und man konnte manchmal bloss mit klaren Argumenten überzeugen; aber immerhin konnte man sie überhaupt überzeugen. Ich meinte mit 'klaren Argumenten' nicht Kraft, sondern verständliche Anweisungen und Geduld - und ein Hinwegsehen über den gelegentlichen Verlust ihrer Selbstkontrolle. Denn genau das war das Problem, in meinen Augen. Mir kam es vor, als sei Iskierka durchaus bemüht, alles richtig zu machen, aber könne sich manchmal einfach nicht genug beherrschen - besonders, wenn ihr langweilig war oder es nicht schnell genug voran ging. Wenn sie eine Aufgabe hatte, war die Sache mit dem Beherrschen kein Thema mehr. Sobald die Stute mit April auf ihrem Rücken in der Startmaschine stand, war sie konzentriert und mit jedem Muskel ihres Körpers bereit zum Lossprinten. Kein Wunder also, dass der Start perfekt ablief. Auch Winter kam gut weg, und meine Freude wuchs, als die beiden dicht beieinander im vorderen Feld rhythmisch mitgaloppierten. Sie hatten einen beinahe freien Weg nach vorne (nur zwei andere Pferde liefen mit), erhöhten aber das Grundtempo nicht zu stark bis zum finalen Sprint. Alles lief optimal - bis plötzlich die Fuchsstute, die vorne mitgaloppiert war, vor Iskierka rüberschwankte und sie im entscheidenden Moment zu blockieren drohte. Die Schimmelstute warf wütend den Kopf hoch und fiel kurz aus dem Takt. Die anderen Jockeys begannen, ihre Pferde nach vorne zu schicken, aber Kierka hatte deutlich Schwung verloren und musste ihre Sprünge zuerst wieder verlängern. Es sah so aus, als hätte der andere Jockey absichtlich versucht, Iskierka zu blockieren, um genau das zu bewirken. Als die beiden endlich wieder frei an der Aussenbahn waren, kniff ich bereits missmutig die Lippen zusammen; die Wahrscheinlichkeit dass sie so noch aufholen konnte, noch dazu auf der Aussenbahn, war gering. Winter war gut unterwegs, aber ich befürchtete, dass auch er seine Position nicht lange halten können würde, denn zwei Braune holten bereits von hinten auf arbeiteten sich immer weiter vor. Die Konkurrenz war heute stärker, als ich das eingeschätzt hatte. Plötzlich bemerkte ich, dass Iskierka den Abstand zu der Fuchsstute deutlich verringert hatte. Kierka sprang mit jeder Bewegung näher an die Stute heran und zog schliesslich an ihr vorbei. Ihr kraftvoller Galopp sah beinahe aus, als käme sie gerade erst aus der Startmaschine, und sie streckte sich voll aus, wodurch sie mehr Boden gewann als die anderen. Ich wusste ja, dass die Stute im Galopp einen weiten Raumgriff hatte, aber ihre Sprünge waren, wie jetzt im Vergleich gut zu sehen war, deutlich länger als die der anderen Pferde. Sie hatte die Ohren nach hinten geklappt und streckte ihren Kopf nach vorne. Nach wenigen Augenblicken hatte sie nicht nur die Fuchsstute hinter sich gelassen, sondern auch das restliche Feld. Keiner hatte mehr eine Chance, sie bis zum Ziel einzuholen. Und so flog sie einsam über die Endlinie. Winter folgte an vierter Stelle. Ich hätte wohl Freudenhopser ohne Ende machen können, riss mich aber zusammen und lief bloss mit einem breiten Grinsen auf die Stute und ihren Jockey zu, die gerade ausgaloppierten und dann im Trab die Bahn verliessen. April sprang runter und umarmte erst mich überglücklich, dann wieder Kierka. Die Schimmelstute schnaufte noch stark und war nass geschwitzt. Sie rieb ihren Kopf an meiner Schulter, um den Schweiss am Kopf loszuwerden. Schon kamen die ersten Journalisten auf uns zu und schossen ein paar Bilder. Wir führten Kierka gemeinsam zum Siegerring, nachdem ich auch rasch nach Winter gesehen hatte. Dort bekam sie einen Kranz und es wurden weitere Bilder geknipst. Es war längst nicht das erste mal, dass ich hier stand und einem meiner Athleten beschwichtigend den Hals tätschelte - Iskierka hatte bereits die letzten paar ihrer Rennen gewonnen und auch meine anderen Pferde sammelten fleissig Erfolge. Aber es kam dennoch nicht alle Tage vor und fühlte sich jedes mal wieder speziell an. Ausserdem war dies ein bedeutenderes Rennen gewesen als die letzten und durch diesen weiteren Sieg, angereiht an die vorherigen, würde Kierka ihre Bekanntheit in der Rennszene bedeutend verbessern.
      Nachdem der ganze Trubel vorbei war, duschten wir die Schimmelstute gründlich ab. Ihr Puls war noch nicht zur Ruhe gekommen - es schien einfach zu warm zu sein und sie wirkte etwas schlapp. Ich führte sie daher noch länger als sonst auf dem Gelände herum und beobachtete sie genau, weil ich Angst hatte, dass sie kollabieren könnte. Dadurch verpasste ich dann auch Sundays Rennen. Die anderen hatten mir zwar angeboten, dass sie Iskierka führen könnten, aber ich wollte es selbst tun. Ich wurde doppelt belohnt: Sunday wurde zweiter, und Iskierka verhielt sich nach einer Weile wieder völlig normal; begann sogar zu grasen. Als ich sie zurück zum Anhänger brachte, bereitete sich gerade Lily vor. Die Shettys liefen im letzten Rennen des Tages, sozusagen als kleines Highlight. "Alles klar bei dir?", fragte ich möglichst lässig. Meine Nichte nickte nur und legte den Sattel auf Peppys Rücken. Ich half ihr beim Gurten und reichte ihr anschliessend Peppys Zaumzeug. Die Stute schien mehr als fit zu sein, denn sie zappelte herum und wollte den Kopf kaum stillhalten, als Lily die Schnallen zu schliessen versuchte. Lily liess sie beim Führen um sich herumkreisen, wenn sie zu stark wurde. So liefen wir zusammen zum Führring und ich setzte Lily so rasch wie möglich auf Peppys Rücken. Auch die anderen Shettyreiter sassen auf und ritten die Ponys warm, jeweils begleitet von einer Führperson. Es hatte wirklich athletische Exemplare dabei; da konnte Peppy noch nicht wirklich mithalten. Ich hoffte, dass die beiden trotzdem möglichst weit vorne durchs Ziel laufen konnten. Die ersten Ponys machten sich auf den Weg zur Bahn, die innerhalb der grossen Rennbahn lag; wir folgten. Von hier an musste Lily selber klarkommen, ich durfte nicht mit auf den Rasen. Sie wärmte Peppy mit einem flotten, aber lockeren Galopp auf, wie sie es gelernt hatte. Die Shettystute war schon dabei ziemlich stark und versuchte dauernd, Lily die Zügel zu klauen. Aber die junge Reiterin setzte sich durch und diktierte Peppy ihr Tempo durch. Schliesslich fielen die beiden in den Trab und sammelten sich mit den anderen Shettys zusammen vor der Tribüne. Die Shetland Ponys stellten sich schön ordentlich in einer Linie auf und warteten auf den Start. Auf das Handzeichen des Starthelfers setzten sie sich langsam im trab in Bewegung, immernoch alle auf möglichst gleicher Höhe; dann erklang die Startglocke und die Ponys schossen los. Lily und Peppy waren von Anfang an vorne mit dabei und versuchten, nicht zwischen die anderen Ponys zurückzufallen. Das war eine gute Strategie, angesichts des Tohuwabohus, das oft herrschte, wenn alle Ponys dicht beieinander galoppierten. Die Gruppe hüpfte problemlos über den ersten Zaun. Ich fieberte total mit und jubelte bei jedem Erfolgreichen Hüpfer, genauso wie die anderen Zuschauer, die die Ponys mit ihren flauschigen Mähnen und den kurzen Beinchen anspornten. Kurz vor dem Ziel war Lily immernoch an zweiter Stelle. Peppy schaffte es auch bis zum Schluss nicht, das Braune Pony vor ihr einzuholen, aber das machte nichts. Lily war glücklich über den zweiten Platz in ihrem ersten richtigen Rennen und fiel beinahe vom Sattel, als sie Peppy mit strahlendem Gesicht am Hals kraulte, während sie im Trab die Bahn verliess. Ich fragte neckisch: "Beim letzten Mal hast du dich nicht so über den zweiten Platz gefreut" "Ach, das war Training. Das kann man nicht Vergleichen." Ich hob skeptisch die Augenbrauen. Später wurde mir klar, warum sich meine Nichte so freute. Im selben Rennen war auch eines der Mädchen aus ihrer Schule mitgeritten, und erst au dem fünften Platz eingetrudelt. Ich fragte mich, was in der Schule zwischen den Mädchen wohl so passierte, aber solange meine Lily nichts sagte, konnte ich nur raten, dass ein kleiner Konkurrenzkampf stattfand. Das andere Mädchen war entsprechend missmutig gelaunt, wie ich mit ein paar Blicken über den Parkplatz erhaschte.
      Lily bekam eine violette Schleife, auf der in silbernem Schriftzug der 2. Platz stand. Fünf weitere solcher Schleifen musste sie bis im Herbst sammeln, dann konnte sie am Shetland Pony Grand National teilnehmen. Für heute packten wir unsere Sachen zusammen, luden alle Pferde ein und fuhren endlich nach Hause.

      Pflegebericht
      30. Juni 2018 | von Occulta
      Donnerwetter

      Empire State of Mind, Mikke, Khiara El Assuad, Indiana, Painting Shadows, Chiccory ox, Sunday Morning, Vai Alida, Sympathy of the Devil, Coulee, Rosenprinz, Iskierka, Gleam of Light, Caspian of the Moonlightvalley, Spotted Timeout, Shades of Gray, A Winter’s Day, Campina, Cassiopeia, Sumerian, Framed in History, One Cool Cat, PFS’ Stromer’s Painting Gold, Cabinet of Caligari, PFS’ Captured in Time, Kaythara El Assuad, tc Miss Moneypenny, PFS’ Merino, Simba Twist, PFS’ Cryptic Spots, Primo Victoria, PFS’ Sarabi, PFS’ A Winter’s Tale, PFS’ Stop Making Sense, Subsyndromal Symptomatic Depression, PFS’ Counterfire, Daedra, Drømmer om Død, PFS’ Bacardi Limited, PFS’ Navy Sniper, Ronja Räubertochter, Silverangel, Satine, Parányi, River’s Lychee, Nera, PFS’ Ljúfa, PFS’ Dancin’ to Jazz, Anubis, Numair, Tayr al-Diyari, Areion

      Es war wiedermal Morgen, sechs Uhr, ein gewöhnlicher Arbeitstag stand bevor. Ich streckte mir die Müdigkeit aus den Gliedmassen, begab mich in die Küche und stellte das Frühstück bereit. Jonas lag noch unter der Decke, und um ihn auf die Beine zu bekommen, musste ich ihn auskitzeln gehen. Selbst dann dauerte es noch einige Minuten, bis er genug Energie fand. Lily schlief munter weiter, sie musste ja wie immer erst um acht Uhr in die Schule. Moya schlich mir hungrig unter dem Küchentisch um die Beine. Ich bereitete deshalb rasch das Futter der rauchig schwarzen Langhaarkatze vor und stellte ihr den Napf hin. Sie nahm es dankbar an. Ich fütterte auch die drei Hunde, die schon mit glänzenden Augen eifersüchtig warteten. Danach ass ich selbst zuende und zog mir meine Reitsachen an. Draussen hörte ich die Pfleger, die gerade plaudernd zum Hauptstall liefen. Ich cremte mich noch rasch gegen die UV-Strahlung ein, dann verliess ich das Haus zusammen mit Jonas, Zira, Sheela, Jacky und Moya, die hinterherhuschte, bevor ich die Tür schloss. Zira blieb bei mir, Sheela folgte Jonas zum Nordstall und Jacky streunerte davon, um Mäuse zu jagen. So war es bei uns fast jeden Morgen – eine Abfolge von Ritualen. Im Hauptstall traf ich auf die Jockeys und Oliver. Sie besprachen gerade den heutigen Trainingsablauf. Ich hörte mit, obwohl ich schon wusste, was der Trainer vorhatte, weil er es immer zuerst am Vortag mit mir absprach. Ich ritt heute im Training auch wieder mit, und zwar in fast allen Gruppen. Als erste war die erfahrene Gruppe mit Chiccory, Sympathy, Coulee, Iskierka, Light, Caspian und Sunday dran. Ich öffnete Lights Box, streichelte den Rappen zur Begrüssung liebevoll und streifte ihm sein Lederhalfter, mit dem goldenen Namensplättchen auf der Seite, über die Ohren. Er folgte mir eifrig aus der Box und scharrte beim Putzen immer mal wieder ungeduldig. „Ja ja, ich weiss, dass es dir nicht schnell genug gehen kann. Aber benimm dich bitte etwas besser“, tadelte ich. Er sah mich nur mit einer Art unschuldigem Hundeblick an. Ich wischte die letzten Staubkörner von seinem Hinterteil, dann kratzte ich die Hufe aus und bandagierte seine Beine. Anschliessend konnte ich bereits satteln. Caspian hatte wieder nichts als Blödsinn im Kopf und zerzauste mir im Vorbeigehen mit seiner Schnauze die Haare. Ich band sie mir zugleich lachend und fluchend neu zusammen, während ich zur Sattelkammer lief. Gesattelt hatte ich schnell, obwohl es jedesmal eine Kunst war, die Pads und Satteldecken faltenfrei und in der richtigen Reihenfolge auf den Rücken zu packen. Aber nach all der Zeit konnte ich die individuelle Zusammenstellung für jedes einzelne Pferd im Schlaf. Ich zäumte Light und führte ihn raus, wo mir Ajith beim Aufsteigen half. Dann liefen wir auch gleich los in Richtung Rennbahn – hier lief einfach alles wie in einem Uhrwerk. Die Pferde gingen brav im Gänsemarsch und benahmen sich auch beim Aufwärmen im Trab und langsamen Galopp. Dann durften sie endlich aufdrehen. Wir machten ein anspruchsvolles Intervalltraining, denn bald war wieder ein wichtiges Rennen für Kierka, Chiccory, Light und Sunday. Coulee verbesserte ihre Zeit auch heute um ein paar Millisekunden. Sogar Iskierka benahm sich ausnahmsweise ganz gut und zickte kein einziges Mal rum. Sunday war nicht ganz auf der Höhe: er war etwas langsamer als am Vortag. Aber das machte nichts, denn die Zeiten hingen von so vielen Faktoren ab – war zum Beispiel gut möglich, dass ihm das etwas feuchtere Gras nicht passte. Ich war auch mit Sympathys Leistung zufrieden, konnte und wollte mich aber nicht so recht auf sie konzentrieren, denn die Stute hatte ich vor kurzem an eine gute Kollegin mit Spitznamen Fuchsel verkauft, zusammen mit ihrem Vater Cantastor. Der kommende Abschied machte mir zwar zu schaffen, aber ich wusste, dass es die beiden gut haben würden, denn Cantastor hatte ich damals von Fuchsel übernommen. Nun hatte sie einen neuen Hof und viel Platz, deshalb begrüsste sie es sehr, als ich sie wegen der beiden angesprochen hatte. Ich brauchte nunmal einfach wieder etwas mehr Luft im Hauptstall, besonders wenn ich in Zukunft noch ein paar Fohlen ausbilden wollte.
      Nach dem Training brachten wir die Pferde in den Freilauftrainer zum auskühlen. Wir beeilten uns mit dem Vorbereiten der nächsten Gruppe genauso, denn es wurde immer wärmer, je länger die Sonne am Himmel stand. Campina, Gray, Winter, Cassiopeia, Spot und Painting Shadows waren diesmal dran. Ich ritt Gray, und die lief grossartig. Sie setzte sich in einem Kopf-an-Kopf Rennen mit Paint klar durch. Aber am beeindruckendsten fand ich diesmal Campina, die ihre Beine so weit auszog, dass es beinahe unnatürlich aussah. Dadurch konnte sie mit jedem Galoppsprung mehr Boden als die anderen gewinnen. Da zeigte sich wiedermal ihr hervorragendes Blut. Ich war schon gespannt, was aus ihrer genetischen Tochter Call it Karma werden würde – von der Kombination aus Cataract und Black Bloom erhoffte ich mir grosses Potential. Winter war nicht herausragend, aber er lief in gewohnter Zuverlässigkeit die 1500 Meter und war gar nicht so sehr verschwitzt danach, wie Spot, der auch eine gute Ausdauer zu haben schien. Cassiopeia war diesen Frühling zu einem richtigen Kraftpaket mutiert. Ihre Schulter war beängstigend stark, aber sie musste im gegensatz zu Spot an ihrer Ausdauer noch arbeiten. Sie war mit Abstand am verschwitztesten von den sechs Pferden.
      Auch für die dritte Gruppe mit Sumerian, Framed in History, One Cool Cat, Cabinet of Caligari, Captured in Time und Kaythara El Assuad reichte es noch, doch danach wurde es bereits zu warm. Wir verschoben daher die letzten zwei Gruppen auf den späten Abend. Ich konnte mich also nach dem Training mit Frame voll und ganz den anderen Pferden auf Pineforest widmen. Zum einen machte ich eine halbe Stunde Reining auf dem Sandplatz mit Dod, wobei ich weiter an unseren Stops und Rollbacks arbeitete. Der Hengst war einfach ein purer Genuss zum Reiten, so feinfühlig und reaktionsfreudig. Wir feilten wirklich nur noch an kleinen Details, denn er war top ausgebildet und lief auf den schwersten Turnieren mit. Als nächstes kümmerte ich mich um Satine und machte einen eineinhalbstündigen Ausritt durch die Pinienwälder mit ihr. Der Schatten der Bäume war dabei eine wohltat, angesichts der immer stärker werdenden Sonnenstrahlen. Es ging gegen Mittag zu und ich wollte vor dem Essen noch rasch Jazz an der Doppellonge arbeiten. Die Stute sprach gut auf diese Art von Training an und war motiviert bei der Sache, völlig anders als noch am Anfang. Sie trabte ohne zu Zögern über die Stangen am Boden und folgte brav den Stimmkommandos für die Übergänge. Oft war sie schon im Galopp, bevor ich das Wort zuende Sprechen konnte.

      Nach dem Mittag ging es für mich weiter mit Bacardi Limited. Der Baccardi Sohn glänzte in der Nachmittagssonne so richtig kitschig. Sein dunkles Fuchsfell schillerte in vielen Orangetönen, und das obwohl ich ihn diesmal nicht ganz so gründlich geputzt hatte. Jonas und Darren begleiteten mich zusammen mit Sniper und Silver auf einen weiteren Ausritt. Wir ritten in Richtung Wilkinson Farm und nutzten den breiten Grasstreifen des Feldwegs nach der Brücke für einen flotten Trab. Bacardi hatte federnd weiche Gänge, sogar noch mehr als sein Vater, weshalb ich wohl den ganzen Ausritt ohne Probleme im Trab hätte machen können. Aber spätestens im Wald kurz nach Rosie’s Gestüt bremsten wir ab, weil uns wiedermal Dirt-Bike-Fahrer entgegenkamen. Zum Glück waren sie anständig und fuhren im Schritttempo an uns vorbei, so dass es keinen Ärger gab. Wenig später begegneten wir auch noch Rosie und Lucas, die mit Numair und Anubis unterwegs waren. Wir plauderten kurz und ich erfuhr, dass Diyari vor noch nicht all zu langer Zeit eine Haltershow gewonnen hatte. Ich gratulierte Rosie herzlich. Der Fuchshengst war wirklich ein Hingucker, und ich hoffte, dass ihre Zuchtpläne mit ihm aufgehen würden.
      Wieder zuhause versorgten wir die Ponys und ich machte bei Ronja weiter. Mit der Achal Tekkiner Stute arbeitete ich ein paar Dressurlektionen durch; nichts besonderes, nur Gymnastizierung. Sie lief am Ende schön vorwärts-abwärts und liess den Rücken schwingen, worüber ich sehr froh war. Vor einer Weile war sie nämlich wieder auf einem Distanzritt mit Lisa gewesen und hatte danach wohl etwas Muskelkater gehabt. Jedenfalls war sie ein paar Tage steif gegangen, aber jetzt schien alles wieder gut zu sein. Lily kam irgendwann nach vier Uhr aus der Schule zurück und begab sich wie immer sogleich zu ihrem Areion. Ich sah nicht, was die beiden heute trieben, weil ich mit Ljúfa auf der Ovalbahn war, aber sie hatte etwas von „Roundpen – Longieren“ gemurmelt. Ljúfa hatte durch unser ausgiebiges Training schon viel mehr Muskeln bekommen und nun kein Problem mehr, Reitergewicht zu tragen; sofern es sich nicht gleich um einen 80-Kilo-Mann handelte. Im Moment ritten eh nur Lisa und ich auf ihr, und wir waren beide halbe Protionen, wie Lewis immer so schön bemerkte. Ljúfa ging heute aber trotz ihrer neu gewonnenen Muskelkraft nicht so fleissig voran. Ich verstand die Stute; mit ihrem pechschwarzen Fell unter der brütenden Nachmittagssonne zu arbeiten, konnte nicht gerade sonderlich motivierend sein. Auch ich hatte keine Lust, noch mehr zu schwitzen. Also verkürzte ich die Töltarbeit und duschte sie nach dem reiten gründlich ab. Ich konnte förmlich zusehen, wie sie wieder trocknete, als ich sie zurück auf die Stutenweide brachte. Auf dem Rückweg zum Hauptstall, wo ich als nächstes Caprice bewegen wollte, bemerkte ich eine dunkelhaarige Frau mittleren Alters. „Ahh, Angelina Moore! …I suppose.“ “Yes, and you must be Occulta Smith?” “Occu is fine. Welcome on Pineforest Stable! I’m embarrassed to say I almost forgot that you planned to come today.” “Oh, don’t be. We were already welcomed by your daughter and husband.” “…Haha, he’s not my husband and Lily not my daughter, either. But close enough. We have kind of a patchwork family.” “Oh, sounds exciting. I have two kids, a daughter and a son. And a typical husband – always working or out with his buddies, so there’s lots of time left for horse riding.” “So, let’s see your black pearl!” “’Course. She’s waiting in the trailer.” Wir schlenderten plaudernd zum Parkplatz. Angy war eine neue Pensionärin. Ihre rappfarbene Murgesenstute namens Nera drehte neugierig den Kopf, als sie unsere Stimmen hörte. Wir öffneten die Klappe des Anhängers und Angy lud sie aus. Ein echtes Prachtexemplar, das mich etwas an die Ritterpferde aus diversen Filmen erinnerte. Sie hatte eine lange, gewellte Mähne und einen prächtigen Schweif. Ausserdem schien sie ziemlich umgänglich zu sein. Angy war meines Wissens zufolge Dressurreiterin und das auch recht erfolgreich. Ich war gespannt, mehr über dieses Pferd-Reiter-Paar zu erfahren. Ich zeigte den beiden ihre Box im Nebenstall und führte sie auf dem Hof herum. Angy hatte sich bisher auf die Fotos auf unserer Website verlassen, war aber nicht minder begeistert von der nun greifbaren Infrastruktur. Ich verliess sie nach einer Weile, um mich endlich um Caprice zu kümmern. Die neue Pensionärin hatte ja noch Lily, die irgendwann dazugekommen war und nun eifrig eine Frage nach der anderen stellte. Zira, die die ganze Zeit treu an meiner Seite blieb und die neue nur misstrauisch beäugt hatte, schien erleichtert darüber, dass wir jetzt wieder unsere eigenen Wege gingen. Sie sass stolz neben Caprice’s Boxentür und hielt Wache, als ich die Fuchsstute putzte. Auch später, als ich auf dem Sandplatz ein paar Trainingshindernisse übersprang, wartete sie neben dem Eingang im Gras liegend und behielt alles in ihrem Blick. Caprice war schön locker vom gestrigen Doppellongentraining. Sie schien allgemein sehr zufrieden und kraftvoll vorwärtszugehen; keine Spur von Anspannung. Die Hindernisse waren ein Kinderspiel für sie, im Vergleich zu jenen in den Military Events. Aber es ging ja nicht darum, die Stute zu überfordern, sondern sie mit interessanten, abwechslungsreichen Kombinationen bei Laune zu halten. Ausserdem konnte es nie schaden, ein wenig an Takt und Timing zu arbeiten. Gegen Ende bekamen wir noch Zuschauer: Lisa und David waren zurück von ihrem Ausritt mit Parányi und Lychee. Sie stellten sich am Eingang des Vierecks zu Zira und beobachteten mich eine Weile, bis es mir peinlich wurde und ich mit dem Austraben begann. „So so. Habt ihr nichts Besseres zu tun?“, tadelte ich freundschaftlich. Lisa entgegnete fröhlich: „Wir dürfen wohl mal Pause machen, oder etwa nicht, Boss?“

      Wenig später gingen wir nochmal mit Empire, Indiana, Rosenprinz, Khiara und Vai Alida raus – Charly und Thomas kamen ebenfalls mit. Danach war es Zeit für die Fortsetzung des Vollbluttrainings. Ein kühler Wind war aufgekommen, ideal für die abendliche Arbeit. Angy war noch hier und folgte ineressiert Oliver und Ajith zur Bahn. Die Jockeys und ich waren unterdessen bereits am Warmreiten. Ich sass in Miss Moneypennys Sattel und trabte so ruhig es ging hinter Simba her. Heute war irgendwie der Wurm drin; die junge Stute war unkonzentriert und viel zu geladen. „Was ist denn los, Penny. Du warst den ganzen Morgen auf der Weide, und gestern haben wir auch schon Intervalltraining gemacht. Trotzdem noch so viel überschüssige Energie?“, murmelte ich, während ich sie beruhigend zu kraulen versuchte. Aber es wurde auch während der Galopparbeit nicht besser. Immer wieder liess sie sich von Kleinigkeiten ablenken und machte Seitensprünge, oder versuchte, ihren Hals steif zu machen. Beim austraben sagte ich deshalb ernüchtert zu Oliver „We’ve seen better days, aye?“ Er nickte zuerst nur mit strengem Blick, meinte dann aber, dass Penny vielleicht in letzter Zeit etwas viel gearbeitet habe und eine kleine Pause brauche. Nicht alle Pferde waren gleich, und manche brauchten einfach einen etwas anderen Trainingsplan als andere. Das respektierte Oliver, und genau deshalb schätzte ich ihn so als Trainer. Primo, Merino, Cryptic und Goldy waren wie sonst auch gelaufen – im Moment keine herausragende Verbesserung, aber immerhin eine stabile Leistung. Die jüngste Gruppe hingegen wollte es wissen: gleich zwei neue persönliche Bestzeiten stellten sie auf (Counterfire und Sarabi), und alle inklusive Angsthase Dolly gingen heute problemlos in die Startmaschine. Mambo und Thalia waren von der Anstrengung viel nasser als die anderen, also duschten wir die beiden gleich nochmal komplett ab und bei den anderen, um die Haut zu schonen, nur die Sattellage und den Rest mit dem Schwamm. Angy war inzwischen nachhause gefahren. Ich ging bei der abendlichen Kontrollrunde, bevor ich ins Haus ging, sicher, dass sich Nera rundum wohlfühlte. Die Rappstute mümmelte zufrieden an ihrem Strohbett herum, also machte ich mir keine Sorgen. „Gute Nacht“, murmelte ich symbolisch an alle Pferde gewannt, dann gesellte ich mich noch ein wenig zu den Pflegern, die mit den beiden Papageien Africa und Blue spielten.

      Pflegebericht
      18. November 2018 | von Occulta
      Herbstliche Fuchsjagd

      Indiana, Painting Shadows, Chiccory ox, Sunday Morning, Coulee, Iskierka, Gleam of Light, Caspian of the Moonlightvalley, Spotted Timeout, Shades of Gray, A Winter’s Day, Campina, Cassiopeia, One Cool Cat, PFS’ Stromer’s Painting Gold, Cabinet of Caligari, PFS’ Captured in Time, Kaythara El Assuad, tc Miss Moneypenny, PFS’ Merino, Simba Twist, PFS’ Cryptic Spots, Primo Victoria, PFS’ A Winter’s Tale, Subsyndromal Symptomatic Depression, PFS’ Counterfire, Ronja Räubertochter, Silverangel, Satine, Fake my Destiny, scs Bluebell, Anubis, PFS’ Vivo Capoeira

      Es war ein nebliger Herbsttag, wie schon die letzten fünf davor. Ich öffnete das Schlafzimmerfenster und genoss für einen Moment die kühle Luft, die hineinströmte. Die Natur war vollkommen ruhig; es war noch alles dunkel und die Vögel schliefen. Ich streckte mich erneut, dann begab ich mich nach unten in die Küche, stupste im Vorbeigehen aber noch den reglosen Deckenhaufen, der sich Jonas nannte. "Aufstehen." Das Frühstück war heute simpel: eine Schüssel Müsli für jeden. Ich hatte meine schon fast fertig gelöffelt, als Jonas die Treppe runterkam. Lily schlief wie immer noch etwas länger - das war auch gesünder für sie. Ich ging zuerst raus und machte sogleich die morgendliche Stallrunde, bevor die ersten Pfleger eintrudelten. Es war kühl und ich bereute es jetzt schon, nur meine Fleecejacke angezogen zu haben. Aber um sie extra im Haus zu wechseln war ich zu faul. Da biss ich lieber die Zähne zusammen und bewegte mich eben etwas mehr. Bei den Fohlen und Minis war alles ruhig, auch die Stuten im Offenstall schliefen noch so halb. Zurück im Hauptstall verfolgte ich wie gewöhnlich das Renntraining. Diesmal ritt ich aber bei den beiden jüngsten Gruppen nicht mit, sondern schwang mich erst bei den erfahrenen Rennpferden in den Trainingssattel. Zuerst ritt ich Gleam of Light, den eleganten Schwarzbraunen. Trotz seiner muskelbepackten Schultern und Hinterhand, hatte er schlanke, lange Beine und einen recht feinen Hals für einen Hengst. Er war so ein Schatz im Umgang, und so fein zu lenken. Er reagierte auf die feinsten Hilfen, war aber gleichzeitig ein richtiges Powerpacket. Beim Aufwärmen ritt ich ihn vorab und gab das Tempo vor, die anderen folgten uns. Spot war wiedermal etwas lustig aufgelegt, und Winter liess sich gleich davon anstecken. Die beiden piaffierten fast frustriert, weil sie hinter Light bleiben mussten. Sunday und Paint wurden durch das Theater zwar auch etwas schneller, hampelten aber nicht so herum. Erstaunlicherweise blieb Iskierka diesmal konzentriert, obwohl man Charly auf ihrem Rücken ansah, dass ihm mulmig war und er ihre Ohren misstrauisch genau beobachtete. Oliver forderte uns auf, die Gruppe ruhig zu halten, als wir auf die Bahn abbogen. Er wollte trotz allem einen geordneten freien Start sehen, keinen 'Ameisenhaufen'. Wir reihten uns in eine Linie ein, so gut es ging, und warteten auf sein Handzeichen. Die Pferde kannten das Zeichen für den Start nach all den Trainings natürlich genauso, und schossen sofort los, ohne dass wir irgendwas tun mussten (oder konnten). Light liess sich von der wilden Bande vor uns nicht abschütteln und suchte förmlich nach einer Lücke. Ich hielt die Zügel straff und liess ihn nicht vorrücken, bis der 1000 Meter Pfosten kam. Ab hier machten wir drei Intervalle im Sprinttempo und beendeten dann das Training mit einem lockeren Auslauf-Galopp bis zum Eingang der Bahn. Ich parierte Light in den Schritt durch und liess ihn strecken, während ich seinen Hals kraulte, um ihn zu loben. Der Hengst schnaubte zufrieden und schüttelte seinen Kopf. Sein Schritt war trotz der Anstrengung noch immer geschmeidig und fleissig; er trug seinen Hals nach anfänglichem in-die-Tiefe-Dehnen entspannt waagrecht und sein Schweif war stolz angehoben. So schreiteten wir hinter Shades of Gray und den anderen zurück zum Hauptstall. Ich liess mich von Lights Rücken gleiten und führte ihn in den Innenhof. Ajith fragte mich mit einem Handzeichen, ob er ihn übernehmen solle, aber ich schüttelte lächelnd den Kopf; ich wollte mir die Zeit nehmen und ihn selber versorgen. Wir stellten die Pferde zum trocknen mit Abschwitzdecken bepackt in den Freilauftrainer und liessen sie dort zehn Minuten ausschreiten. Danach kamen diejenigen, die immernoch etwas feucht waren unters Solarium und die anderen wurden durchgebürstet, anschliessend in ihre Boxen gebracht. Light schlang zufrieden seine Karotten runter und ich streichelte nochmal seinen Hals. Dann begann ich damit, Caligari aus der nächsten Gruppe vorzubereiten. Die Stute mit dem auffälligen, weissen Gesicht schaute mir freundlich entgegen und nahm mein Begrüssungsgeschenk, ein Karottenstückchen, gerne an. Sie liess sich brav anbinden und gab auch alle vier Hufe artig, nur beim Bürsten zickte sie ein wenig, weil sie bei den Hinterbeinen kitzelig war. Sie war kaum schmutzig, denn auch sie hatte bereits kurzgeschorenes Fell und trug eine leichte Decke. Ich sattelte auch sie mit Anti-Rutschpad, gepolsterter Satteldecke und Trainingssattel, dann führte ich sie fertig gezäumt nach draussen. Quinn brauchte mit Ciela am längsten, denn die Stute hatte sich die Beine und den Bauch so gut es ging eingesaut. Quinn wusch zwar ihre Beine mit lauwarmem Wasser bis fast ganz oben, aber das dauerte trotzdem eine Weile. Wir warteten alle draussen auf die beiden. Caspian wollte kaum stillhalten; er verstand nicht, warum wir nicht wie sonst auch gleich losliefen. Bei seinen Tänzeleien lief er fast rückwärts in Campina rein, die sofort aufgebracht die Ohren plattlegte. April liess sie etwas weiter zur Seite weichen, um dem Schimmel vor ihnen aus dem Weg zu gehen. Quinn lächelte verlegen, als sie endlich mit der schneeweissen Stute im Schlepptau rauskam und sich von Ajith auf ihren Rücken helfen liess. Sie sortierte rasch ihre Zügel und nickte dann, sodass wir losreiten konnten. Wiederum liefen wir uns zuerst ein wenig auf dem Galoppweg warm, dann absolvierten wir das Training nach Olivers Vorgaben. Caligari streckte sich schön, als ich sie beim ersten Sprint ziehen liess. Sie galoppierte ausgezogen, und doch sehr rhythmisch. Cool Cat holte uns trotzdem mit Leichtigkeit ein und zog beinahe bluffend an uns vorbei. Es sah fast so aus, als würde das Ego des Hengstes mit jedem überholten ‘Rivalen’ weiterwachsen. Er hatte jedenfalls einen wilden Blick drauf und schien entschlossen, als er uns überholte. Kalte Luft streifte mein Gesicht unter der Schutzbrille, obwohl ich den Kragen meiner Fleecejacke ganz zugezogen hatte. Ausserdem froren meine Ohren trotz des Helmes. Es dämmerte langsam, aber der Nebel blieb hartnäckig über den Wiesen hängen. Nach dem Training waren auch wir Jockeys ganz schön feucht, weil sich die Tröpfchen aus der Luft an unseren Kleidern festgesetzt hatten. Wir wärmten uns daher, nachdem alle Pferde trocken und versorgt waren, in der Reiterstube auf und Oliver gab seine übliche Bewertung zum Training ab.
      Ich spazierte nochmal durch den Hauptstall, um zu sehen, ob alle Pferde zufrieden und wohlauf waren. Coulee sah mir mit solch einem Hundeblick entgegen, dass ich gar nicht anders konnte, als sie rasch zu streicheln. Sie schleckte meine Hand ab, aber leider hatte ich gerade keine Leckereien mehr dabei. Zira, die schon in der Reiterstube wieder die ganze Zeit neben mir gesessen hatte, bellte einmal kurz, als Kaythara ihren Kopf über die Boxenwand reckte und sie so erschreckte. Ich musste darüber lachen, denn eigentlich liess sich Zira sonst nicht so schnell aus der Ruhe bringen. Aber sie hatte mich wohl so konzentriert beobachtet, dass sie Kaya nicht bemerkt hatte. Dieser Hund war einfach faszinierend. Sie hatte so eine unheimliche Arbeitseinstellung und wollte mir bei jedem Schritt, den sie machte gefallen. Ich musste ihr auch dauernd neue Kommandos beibringen und Aufgaben stellen, damit sie zufriedengestellt war. Ich fragte mich, ob das eher von der Rasse oder ihrem Charakter herrührte. Sheela war zwar auch gehorsam, wenn man ihr einen Ernsthaften Befehl gab, aber sie machte viel mehr Blödsinn und hatte einfach eine verspieltere Natur. Aber man sagt ja, dass Hunde ihren Besitzern gleichen, überlegte ich, schmunzelnd an Jonas denkend. Jackie war eine Mischung aus beidem. Sie war zwar verspielt und wild, aber auch pflichtbewusst. Und sie schmuste gerne abends auf dem Sofa, anders als Zira, die körperlichen Kontakt eher mied. Wenn ich sie streicheln wollte, was ich in diesem Moment tat, legte sie sich sofort unterwürfig auf den Rücken. Sie genoss die Berührungen zwar, wenn sie von mir kamen, aber es wäre ihr wohl nie in den Sinn gekommen, darum zu Betteln. Ich kraulte sie liebevoll am Bauch, dann stand ich auf und sie folgte mir sofort wieder wie ein Schatten zum Nebenstall.

      An diesem Nachmittag wurde in der Nähe von Manchester eine Fuchsjagd durchgeführt (natürlich keine richtige, es ging lediglich um Spiel und Spass). Lily und ich hatten uns angemeldet – es würde Lilys erste Fuchsjagd werden. Als Reittiere hatten wir Satine und Fake genannt, und da es erlaubt war, Hunde mitzubringen, waren Zira und Sheela ebenfalls dabei. Jacky musste hierbleiben, denn bei ihr war mir das Risiko des unter-die-Hufe-Geratens etwas zu gross, ausserdem hatte sie doch deutlich kürzere Beine als die anderen zwei und würde damit vielleicht nicht so gut mithalten können. Da die Fahrt fast zwei Stunden dauerte, mussten wir schon am Mittag losfahren. Bis dahin blieb mir noch Zeit, um mit Silver Dressur auf dem (etwas feuchten) Sandplatz zu machen, Ronja zu longieren und mit Bluebell ebenfalls noch rasch ein paar Runden auf dem Platz zu drehen. Mittagessen wollten wir uns unterwegs besorgen, deshalb begannen wir direkt mit dem Verladen, sobald ich mit Blue fertig war. Lily führte Fake selbst in den Anhänger. Die Hackney Pony Stute zögerte kurz und überlegte, folgte Lily dann aber hinein. Satine war nach ihren unzähligen Turnieren ebenfalls schon ein Verladeprofi und brauchte keine zweite Einladung. Für sie war jede Fahrt mit dem Anhänger wie ein neues Abenteuer, auf das sie sich zu freuen schien. Wir hielten also unterwegs bei einem Döhnerladen (Ja, auch ich gönnte mir gelegentlich etwas Ungesundes) und kauften uns zwei Falafel. Wir waren zwar beide nicht reine Vegetarier, aber wir assen kaum Fleisch, wenn dann nur bei besonderen Gelegenheiten. Es war schon etwas komisch, den Pferdeanhänger auf dem kleinen Parkplatz abzustellen, aber wir waren ja schnell wieder weg. Zum Glück gab es keinen Stau auf der Autobahn, sodass wir sogar etwas früher als erwartet ankamen. Die beiden Stuten sahen sich neugierig um, als wir sie ausluden. Es waren schon viele andere Reiter und Pferde auf der Wiese, die als Parkplatz diente. Die Stimmung schien gut zu sein, jedenfalls die Gruppe von Frauen neben uns stiess gelegentlich lautes Gelächter aus. Lily sattelte Fake ganz selbstständig, wie sie es mittlerweile immer tat. Vor ein paar Jahren, als sie gerade erst nach Pineforest Stable gekommen war, hatte ich ihr dabei noch helfen müssen; später war mein Eingreifen zu einer simplen Kontrolle vor dem Aufsteigen geschrumpft, und nun war sie selbst dafür verantwortlich, dass alles passte. Natürlich behielt ich trotzdem immer ein wachsames Auge, und half rasch nach, wenn etwas vergessen ging oder z.B. der Gurt noch nicht ganz angezogen war. Wir ritten nebeneinander zu den bereits wartenden Teilnehmern. Es dauerte nicht lange, bis der Organisator auftrat und nochmal den Ablauf erklärte. Dann stellte sich die ganze ‘Jagdgesellschaft’ auf und wartete auf das Signalhorn. Wir trabten in der Gruppe los und überquerten das Feld zum ersten Waldrand. Von dort aus lag eine zweistündige Strecke durch die malerisch schöne Herbstlandschaft bei Manchester vor uns.
      Es war wundervoll über den Laubbedeckten Boden zu schreiten, oder sogar zu galoppieren, wo die Wege dies zu liessen. Es gab auch weniger angenehme Stellen; zum Beispiel wurde es ein paarmal recht matschig und die Gamaschen der Pferde waren bei unserer Rückkehr kaum noch als solche zu erkennen. «Eww, den Gurt von Fake werden wir definitiv auch waschen müssen», bemerkte ich, als wir zurück beim Anhänger anhielten und abstiegen. Die Ausrüstung war braun gesprenkelt und die Pfoten der Hunde waren ebenfalls durchgeweicht. Aber sowohl die beiden als auch die Pferde wirkten äusserst zufrieden und ausgepowert. Wir beeilten uns mit dem Absatteln und legten Fleecedecken auf die feuchten Rücken der beiden Stuten. Zira und Sheela durften schonmal ins Auto hüpfen und es sich auf der Decke im Kofferraum gemütlich machen. Wir verluden die Pferde und gingen noch zum Abschliessenden Glühwein-Trinken. Gewonnen hatten wir die Jagd zwar nicht, aber es hatte viel Spass gemacht und war wiedermal eine schöne Abwechslung für Fake und Satine gewesen.

      Gegen Abend gab es für mich nicht mehr viel zu tun; ich musste nur noch Goldy und Indiana bewegen. Mit letzterer machte ich etwas Gelassenheitstraining, einfach, um das Ganze wiedermal aufzufrischen und zu testen, ob sie nach dem doch schon etwas weiter zurückliegenden, letzten solchen Training noch immer bei all den bunten und lauten Gegenständen ruhig blieb. Bis auf eine kleine Panikattacke bei den Luftballons erfüllte sie meine Erwartungen. Bevor ich anschliessend ins Haus ging, um das Abendessen zu machen, sah ich noch bei den Fohlen vorbei. Ich war die letzten paar Tage stets mit einem Auge wachsam gewesen, denn bei den Hengstfohlen gab es einen Neuling. Der kleine Palomino mit dem auffällig bleichen Gesicht hiess Capoeira, oder einfach nur «Capy». Es war unschwer zu erraten, wer seine Mutter sein musste. Er glich Cassiopeia in unheimlichem Masse, sodass man die beiden später wohl von weitem locker Verwechseln würde. Nur seine Beinabzeichen waren nicht ganz so hoch, wie die der Mutter. Capy hatte sich in den paar Tagen seit seiner Ankunft bei den Pflegern auch bereits einen weiteren Spitznamen eingehandelt: Capybara - Wasserschwein. Man sah ihn nämlich höchstens direkt nach dem Bürsten mit sauberem Fell auf der Weide stehen; ansonsten war er stets in eine gräuliche Schlammkruste eingepackt. Lewis, der sich alle Mühe gab, den hübschen Palomino sauber zu halten, fluchte dann jeweils mit vielseitigem Wortschatz.
      Was Cassiopeia anging, hatte ich eine schwere Entscheidung treffen müssen. Die Stute hatte sich beim Training in feuchten Geläuf ihre alte Beinverletzung wieder überlastet, obwohl der Tierarzt eigentlich gemeint hatte, dass sie vollständig verheilt sein müsste. Nach einigen Selbstvorwürfen und Diskussionen mit Oliver, hatte ich entschieden, die Stute nun definitiv aus dem Rennsport zu verabschieden, um ihre Gesundheit nicht weiter zu riskieren. Für sie suchte ich nun einen Käufer, der sie weiterhin auf Pineforest einstellen würde, damit sie hierbleiben konnte, aber trotzdem mit einem neuen Karottenspender optimal gefördert wurde. Für den grossen Sport war sie natürlich nicht mehr geeignet, aber als Freizeitpferd taugte sie allemal, und vielleicht konnte sie ja irgendwann noch in der Dressur glänzen. Im Moment lahmte sie noch etwas, aber die Verletzung war bloss gereizt, nicht komplett zurückgekehrt. Mit ein paar Tagen Schonfrist würde sie wieder ganz die Alte sein. Auch Chiccory hatte ich aus dem Rennsport und der Zucht zurückgezogen, weil er nun doch schon einige Nachkommen auf Pineforest hatte, und ich sein Blut nicht weiter verwenden wollte. Im Rennsport trudelte er ausserdem seit einer Weile immer eher im hinteren Teil des Feldes ins Ziel – er war langsam einfach vom Körperbau her zu schwer und konnte nicht mehr mit den Jungen mithalten. Ihn schickte ich deshalb auf den etwas weiter entfernten Hof, auf dem ich auch Fly Fast untergebracht hatte. Dort wurden die beiden zu Springpferden umgeschult und ambitionierten Nachwuchsreitern zur Verfügung gestellt, sodass diese Turniererfahrung sammeln konnten. Ich fand das einen guten Kompromiss, denn ich war jederzeit willkommen, sie beide zu besuchen.
      Aber genug von den Vierbeinern, die uns mehr oder weniger verlassen mussten. Es gab auch genug erfreuliche Nachrichten, zum Beispiel die rückblickend sehr starke Saison der Vierjährigen. Cryptic, Merino, Primo, Penny, Simba und Goldy hatten allesamt einige wichtige Erfolge zu verzeichnen und waren mittlerweile wirklich grossartige Rennpferde geworden. Sie hatten noch ein paar aufregende Jahre auf der Bahn vor sich, und ich hoffte natürlich nichts geringeres als Siege in ganz England für die Zukunft. Aber wie es auch kommen mochte, ich war glücklich, solch wertvolle und talentierte Pferde in meinem Stall zu haben. Bei den jüngeren Jahrgängen hatten wir ebenfalls einen sauberen Einstieg in den Rennsport erreicht. Dank Olivers Idee, die Jünglinge diesmal schon etwas früher einzureiten und dadurch über längere Zeit schonend auf die Belastung vorzubereiten, hatten sie mehr Knochensubstanz aufgebaut und waren mittlerweile wie ihre älteren Vorbilder mit einem athletischen, gut bemuskelten Körper gesegnet. Talia erinnerte mich an schlechten Tagen zwar manchmal doch etwas an ihre Mutter Surely not Pointless, aber meistens war sie ein Schatz wie ihr Vater und gab sich sichtbar Mühe auf der Bahn. Dolly war ebenfalls auf dem Weg, mutiger und gelassener zu werden, auch wenn wir noch einen langen Weg vor uns hatten, wie ich befürchtete. Dafür strotzte Counterfire nur so vor Talent, und wir mussten aufpassen, dass sie an Renntagen nicht zu grosse Vorsprünge herausholte, denn das würde in Handicaps zusätzliches Gewicht für sie bedeuten.
      Auch bei Rosie auf der Wilkinson Farm schien es übrigens gut zu laufen: Anubis hatte erst letztens wieder erfolgreich ein Distanzturnier bestritten und seine Qualität unter Beweis gestellt. Er gehörte zwar jetzt nicht mehr mir, sondern ganz Rosie, aber ich ritt ihn hin und wieder, wenn Rosie mich zu einem Ausritt einlud. Jetzt hiess es aber erstmal Abendessen machen, denn ich hatte längst nicht mehr nur hungrige Vierbeiner zu versorgen. Nebst Moya und den Hunden warteten auch Lily und Jonas bereits hungrig im Wohnzimmer. „Ihr könntet die Teigwahren auch selber ins Wasser tun, wisst ihr?“, stellte ich augenrollend fest, als ich reinkam und sie mich wie wilde Tiere vom Sofa aus ansahen. „Kommt nicht in Frage, du bist heute dran“, rief Lily aus. Jonas sah mich amüsiert an und zuckte unschuldig mit den Schultern.
    • sadasha

      Pflegebericht
      03. Dezember 2018 | von Occulta
      Every cloud has a liver lining

      Sunday Morning, Gleam of Light, Spotted Timeout, A Winter’s Day, Sumerian, Framed in History, PFS’ Sarabi, PFS’ A Winter’s Tale, PFS’ Stop Making Sense, Subsyndromal Symptomatic Depression, PFS’ Counterfire, Daedra, PFS’ Sciaphobia

      Es war ein Tag, an den ich mich ungern erinnern wollte. Denn es war das passiert, wovor sich jeder Rennpferdebesitzer und Trainer am meisten fürchtete.
      Es begann alles mit einem gewöhnlichen, nebligen Morgen und fröhlich summenden Pflegern. Ich huschte durch den Hauptstall und sammelte die frisch geputzte Ausrüstung zusammen, denn heute war wiedermal Renntag – für Sumerian, Frame und Winter. Die Jockeys waren ebenfalls emsig damit beschäftigt, ihre persönliche Ausrüstung zu überprüfen. Die Rennen fanden erst am späteren Nachmittag statt, aber wir wollten frühzeitig sicherstellen, dass alles vorhanden und funktionstüchtig war. Den Morgen hindurch trainierten wir nebst der Bereitstellung natürlich auch mit den restlichen Vollblütern wie gewohnt. Winter und Frame verstanden nicht, warum Light, Sunday und Spot ohne sie herausgeführt wurden. Winter scharrte ungeduldig und drehte sich in seiner Box, immer wieder zum Fenster rausschauend. «Schon gut, mein Süsser. Du bekommst heute schon noch genug Bewegung», murmelte ich beruhigend, und streichelte ihn, als er den Kopf zurück in die Stallgasse streckte. Die Jockeys sassen draussen auf und ritten zur Bahn. Sobald sie genug weit weg waren, beruhigten sich die beiden Hengste sofort. Die Rennpferde wussten nun mal, zu welcher Gruppe sie gehörten; das hatte mit der täglichen Routine zu tun. Sie merkten es sofort, wenn etwas anders ablief als sonst. Ich half bereits beim Vorbereiten der nächsten Renngruppe, während die erste trainiert wurde. Ajith, die übrigen Jockeys und ich holten die jüngsten; Sarabi, Dolly, Thalia, Daedra, Counterfire und Mambo raus. Daedras seidig schwarzes Fell war unter ihrer Decke bisher einigermassen dünn geblieben, sodass wir sie bisher nicht hatten scheren müssen. Ich bürstete die schlanken, langen Beine der Vollblutstute mit der gewöhnlichen Bürste. Ajith hatte sie bereits am Vortag nach dem Weidegang geputzt, damit sie für das Training bereits entschlammt war. Das handhabten wir meistens so – es sparte Zeit am Morgen und gehörte sich meiner Meinung nach einfach so, dass die Pferde nicht schmutzig in der Box herumstanden. Ich kratzte die Hufe aus und holte die Ausrüstung, legte das Anti-Rutsch-Pad auf und Satteltuch. Als ich den Sattel hochhob, schlich mir Kafka, der Kater, zwischen den Beinen hindurch. Überrascht hielt ich inne, dann scheuchte ich ihn genervt weiter. «Nicht jetzt du Flohfänger.» Ich hatte anscheinend eine magische Anziehung auf den Schildpattkater, denn er tauchte immer wieder aus dem Nichts auf und wollte meine Aufmerksamkeit, obwohl ich eigentlich nie darauf einging. Aber irgendwie wollte er nicht aufgeben, oder fand es vielleicht ja sogar lustig, wenn ich ihn mal wieder wegschob, sobald er vor meiner Nase auf einen Sattel hüpfte, oder sich in einem Spind verkriechen wollte. Jedenfalls flitzte er auch heute wieder mit spielerisch gebogenem Schwanz davon, hielt dann abrupt an und leckte sich die Pfote, bevor er langsam um die Ecke stolzierte. Ich schüttelte den Kopf und konzentrierte mich auf das Gurten. Daedra gab mir fast eine Kopfnuss, als sie sich an der Seite kratzen wollte. Ich half ihr, damit sie sich nicht noch mehr verrenken musste und kraulte die Stelle, die sie angezeigt hatte. Sie spitzte genüsslich die Oberlippe und streckte ihren Kopf. Wenig später im Training bretterte sie mit Charly als Gepäck an den Rails vorbei. Ich stand neben Oliver und beobachtete das Training diesmal nur von aussen. Das hatte keinen bestimmten Grund, ich war schlichtweg nicht in Laune und hatte schon im Stehen kalt, daher verzichtete ich dankend auf den frostigen Fahrtwind. Mambo schaffte es, einen neuen persönlichen Rekord aufzustellen. An die von Daedra und Counterfire kam er aber nicht heran. Stolz begleitete ich die Vollblut-Babys zurück zum Stall. Sie schnauften noch und hatten wiedermal stark geschwitzt – ihre Kondition war eben doch noch nicht so gut wie die der ‘Grossen’. Die Jockeys, die bei uns ja gleichzeitig auch als Pfleger fungierten, sattelten sie ab und brachten sie in Fleecedecken eingepackt in den Freilauftrainer zum ausschreiten. Danach ging’s für die immer noch feuchten unter das Solarium, bevor sie zurück in die Box zu ihren belohnungs-Karotten durften. Danach folgten die weiteren Gruppen; alles ging seinen gewohnten Gang.
      Den Tag hindurch sass ich fast dauernd im Sattel oder im Sulky mit einem Mini vornedran – an manchen Tagen war das Standard, an anderen hatte ich mehr Bürokram zu erledigen, oder wir gingen auf Turniere… Oder ich nahm mir ausnahmsweise einen freien Tag und machte einen Ausflug mit Lily. Mir war bewusst, dass dieser Lebensstil, mit stets vollgepacktem Terminkalender, nicht jedermanns Sache sein konnte. Aber für mich passte das so. Lily schien ebenfalls klarzukommen, sie hatte sich jedenfalls noch nie wirklich darüber beschwert. Ich achtete aber auch extra darauf, genug Zeit für sie einzuplanen, sodass gar kein Missmut aufkam. Wir hatten zwischen den stressigeren Alltagsabschnitten stets wieder Momente mit jeder Menge Spass, sowohl mit, als auch ohne Vierbeiner.

      Gegen halb drei Uhr nachmittags begannen wir schliesslich mit dem Verladen. Ajith stellte sicher, dass die Transportgamaschen der teuren Rennpferde richtig sassen. Die drei waren perfekt herausgeputzt und hatten kein Stäubchen übrig auf ihrem kurzen, bereits geschorenen Fell. Die Stollen waren bei allen zur Sicherheit eingeschlagen, obwohl das Geläuf Sand war. Im Sommer liess ich die Pferde lieber auf Gras laufen, denn das war gelenkschonender. Aber sobald es nass und matschig wurde, war Sand einfach sicherer. Ich streichelte Winters Nase, die er mir entgegenstreckte, als ich mit dem Rennsattel und den Bandagen durchlief. Ich war überzeugt, dass die Pferde ganz genau wussten, was los war. Trotzdem schienen sie die Ruhe selbst und scharrten höchstens ungeduldig. Sobald die ganze Ausrüstung verstaut war, ging es ans Einladen der Athleten. Alles lief sehr professionell und rasch ab, die Pferde folgten problemlos Ajiths ruhiger Hand ins Innere des Selbstfahrers. Wir schlossen die Klappen und ich lief zur Kontrolle nochmal um das Fahrzeug herum, dann stiegen Quinn und ich in den Selbstfahrer; Oliver, Parker und Rita nahmen den kleinen Gestüts-Allzweck-PW. Die Rennen fanden im etwa zwei Stunden entfernten Kempton Park statt und das erste startete um vier Uhr; die für uns wichtigen Meetings waren aber erst ab halb sechs eingeplant. Die Fahrt verlief ohne Zwischenfälle, und wir fanden auch sofort einen Parkplatz. Im Nachhinein betrachtet lief alles fast schon verdächtig perfekt ab. Wir luden die Rennpferde aus und brachten sie zu den Vorbereitungsständen. Winter war erst im letzten Rennen des Tages gemeldet, aber Sumerian und Frame konnten wir gleich satteln. Eigentlich war es relativ sinnfrei, gleich zwei Pferde in einem Rennen laufen zu lassen, denn so würde eines von beiden zwangsläufig ‘verlieren’. Da ich aber realistisch war, und ohnehin nicht damit rechnete, dass Frame schnell genug für einen Sieg war, nutzte ich das Rennen einfach als gute Übung für den Schecken. Er war nämlich immer noch eher ‘spooky’ und liess sich leicht vom Publikum oder anderen Einflüssen ablenken. Zuhause lief er gut, aber auswärts war das eine ganz andere Geschichte. Frame hatte zwar einen ordentlichen Körperbau und eine hübsche Farbe, aber seine Abstammung war dürftig (es gab nur wenige bekannte Blutlinien darin) und seine Einstellung schwierig. Er hatte zwar schon ein paar Nachkommen, darunter sogar ein Fohlen aus einer Eizelle von Sumerian – ein ‘Experiment’ von Oliver. Ob sie aber für den Rennsport geeignet waren, musste sich erst noch zeigen. Ich liebte den Hengst, der manchmal so sehr an mir klebte wie ein Kaugummi, wirklich abgöttisch. Besonders wegen seiner Vorgeschichte fühlte ich mich tief mit ihm verbunden und hätte ihn um nichts auf der Welt weggegeben. Nur war meine Einstellung was die Zucht mit ihm anging nüchtern, und ich hielt ihn nicht gerade für einen Top-Vererber, abgesehen von seinen Farbgenen. Deshalb hatte ich ihn bisher auch nur zögerlich für die eigene Zucht eingesetzt. Jedenfalls ruhten meine Hoffnungen heute vollständig auf Sumerian, die sich einmal mehr top fit präsentierte. Sie war schon sein einem ordentlichen paar Rennen ungeschlagen geblieben und das hatte sich auch bei der Konkurrenz herumgesprochen. Die Zuschauer wetteten emsig auf ihren Namen; auch heute schien sie der eindeutige Favorit zu sein. Die Gegner waren heute kaum besorgniserregend. Ich hatte beim Nennen weder besonders bekannte Namen darunter erkannt, noch sah ich beim Warmlaufen ein besonderes Pferd herausstechen. Nur ein dunkelbrauner Zappelphilipp fiel auf, indem er schon beim Führen im Paradering dreimal auf die Hinterbeine stieg. Während ich Sumerian beiläufig neben mir herführte, beobachtete ich das Geschehen und liess meinen Blick dann wieder zu Frame wandern, der sich im Vergleich dazu ebenfalls geradewegs heilig benahm. Mir war es ein Rätsel, wie man solch ein Pferd überhaupt mit an ein Rennen nehmen konnte. Ich machte mir allerdings keine weiteren Gedanken darüber, denn gerade kam Oliver auf mich zu. «Everythin’ alright?», fragte er mich und Quinn. «Yep, they’re doin’ fine. I think we’re gonna have another win today”, mit einem Blick zu Sumerian. Quinn streichelte Frame beruhigend, weil er gerade schwer schnaufend einem Blumentopf ausgewichen war. Wir sahen uns amüsiert an und Quinn zuckte mit den Schultern. «He’ll always be a chicken, I guess», meinte sie. Oliver murmelte daraufhin kaum hörbar: “As long as he runs like one…” Parker und Rita kamen von den Vorbereitungsräumen her angelaufen. «Ready?», fragte Oliver. Beide bestätigten. Die erfahrene und scharfsinnige Parker durfte Sumerian in diesem Rennen reiten; die beiden hatten schon mehr als einmal bewiesen, dass sie ein gutes Team waren. Pferd und Reiter schienen auf derselben Wellenlänge zu sein. Rita hingegen konnte auf Frame weiter Renn-Luft schnuppern, ohne dabei so einen grossen Erwartungsdruck auf den Schultern zu verspüren. Zuhause trainierte sie zwar jeden Tag mit und hatte auch die Ausbildung längst abgeschlossen; sie war aber noch nicht so oft an richtigen Rennen mitgeritten. Wir gaben den beiden ein leg-up und begleiteten sie zum Eingang der Bahn. Dann waren sie auf sich allein bzw. die Starthelfer gestellt, die nach dem Aufwärmgalopp bei der Startmaschine warteten. Alle Pferde gingen zügig in die Abteile, sogar der Dunkelbraune von zuvor. Erfreut gespannt warteten wir auf der Tribüne auf den Start. Die Tore öffneten sich und meine beiden Pferde kamen gut weg. Oliver liess erleichtert die Schultern sinken und nahm seine Standardhaltung mit den verschränkten Armen ein, ich tat es ihm unbewusst gleich. Soweit lief alles gut. Das Feld kam dicht beieinander in die erste Kurve und Sumerian hatte eine vielversprechende Position vorne an der Innenseite, wenn auch etwas eingeklemmter als mir lieb war. Sie hielt die Stute so dicht wie möglich bei dem anderen Pferd, damit der benachbarte Jockey sie nicht zu nahe zu den Rails drängen konnte, was sie zum Abbremsen gezwungen hätte. Der Dunkelbraune von zuvor war wider Erwarten ebenfalls an der Front dabei, wobei ich gespannt überlegte, ob er wohl bis zur Zielgeraden mithalten würde. Frame war im hinteren Mittelteil, lief aber stabil und rhythmisch mit. Auch nach der zweiten Kurve zeigten unsere beiden Athleten keine Schwäche und bewegten sich zuverlässig voran. Es hätte ein perfektes Rennen für uns werden können, aber dann stolperte ein Fuchs, der nur wenig vor Sumerian gerannt war. Der Vollblüter überschlug sich und die nachfolgenden Pferde konnten ihm nicht mehr ausweichen. Ich schlug erschrocken die Hände vor den Mund und hielt die Luft an. Sumerian wurde von dem Pferd direkt neben ihr angerempelt, sodass sie kurz in die Knie ging, sich aber mit dem verbleibenden Schwung sofort wieder aufrappelte und weitergaloppierte. Die Pferde des Mittelfelds fielen übereinander wie Dominosteine, und mitten drin waren auch Frame und Rita. Oliver neben mir schrie entsetzt auf. Wir bahnten uns sofort unseren Weg von der Tribüne runter zu den Rails. Es war das reinste Chaos, mehrere Reiterlose Pferde galoppierten über die Bahn. Nur drei Jockeys sassen noch auf den Rücken ihrer Pferde, darunter auch Parker. Doch auch sie bremste ab, anstatt wie die anderen beiden das Rennen zu Ende zu reiten. Ich bekam davon nicht so viel mit, da mein Blick auf Frame fokussiert war, der inzwischen zwar wieder stand, aber schrecklich humpelte. Rita lag regungslos am Boden, offenbar war Frame auf sie gefallen. Wir zögerten einen Moment, aber als Oliver und ich sahen, dass das Rennpersonal hoffnungslos überfordert war, duckten wir uns unter den Rails hindurch und hasteten zu der gestürzten Reiterin – auch wenn das eigentlich verboten war. Ich bog ab und fasste Frames Zügel, damit sich der Schecke in seiner Panik nicht noch grössere Schäden zuziehen konnte, als er ohnehin schon zu haben schien. Aber er machte keine Anstalten, sich irgendwo hin mehr zu bewegen, trotz der vorbeilaufenden Pferde. Sanitäter und Tierärzte sprinteten über den Rasen; nicht nur Rita lag am Boden. Ein Arzt kam zu mir und Frame, aber man brauchte keinen Doktortitel, um zu erkennen, dass es alles andere als gut um den Schecken stand. Mindestens sein linkes Hinterbein war auf den ersten Blick zertrümmert, aber es hätte mich erstaunt, wenn nach dem Sturz ‘nur’ das gewesen wäre. Auch am linken vorderen Fesselgelenk hatte er sich Frakturen zugezogen. Es war kaum zu glauben, dass er überhaupt noch stand. Sein schmerzvolles Schnaufen trieb mir Tränen in die Augen. Der Tierarzt riet mir, ihn auf der Stelle zu erlösen und ich stimmte verbittert zu, ihm zuliebe. Ich wollte und konnte nicht zusehen, wie sie die grüne Trennwand aufstellten und ihm die Spritze setzten, also lief ich zitternd zurück zu Oliver. Er nahm mich tröstend in den Arm, während wir zusahen, wie sich die Sanitäter um Rita kümmerten. Sie war bei Bewusstsein und verzog schmerzvoll das Gesicht, was in diesem Fall ein kleiner Trost war (wenigstens schien sie keine fatalen Verletzungen zu haben). Als wir sahen, dass sie gut umsorgt wurde, wandten wir uns zu Parker und Sumerian. Die Rennreiterin war inzwischen abgestiegen und führte ihre graue Stute auf uns zu. Zu meinem Entsetzen humpelte Sumerian ebenfalls. «How bad is it?!», rief ich aus, und tastete sofort ihre Beine ab. Das linke vordere Röhrbein war heiss, aber ich konnte erleichtert aufatmen, als ich keine offensichtlichen Frakturen spürte. Alles bitte, nur nicht noch ein totes Pferd. Parker wirkte zerschmettert. Sie liess Sumerians Zügel keine Sekunde los und sagte kein Wort, während Oliver und ich die Stute untersuchten. Ich glaubte nicht, dass die ehrgeizige Berufsreiterin diesmal einem möglichen Sieg nachtrauerte. Für einen Jockey war es genauso, oder noch viel verstörender, einen solchen Unfall mitzuerleben. Ich war sicher, dass sie sich immense Vorwürfe machte und in diesem Moment genauso wie ich selbst all ihre Leidenschaft infrage stellte. Als ich mich aufrichtete und ihr die Stute abnehmen wollte, streichelte sie mit trübem Blick Sumerians Hals und machte noch immer keine Anstalten, sie mir zu übergeben. Wie auch einer der Tierärzte wenig später bestätigte, hatte Sumerian sich vermutlich einen Sehnenschaden zugezogen. Um es genau zu wissen, würden wir sie röntgen lassen müssen. Trotz dieser Prognose war ich erleichtert. Während Oliver der damit wohl beendeten Rennkarriere der Stute nachtrauerte, war ich einfach nur froh, dass sie lebte und wieder gesund werden würde. Wir verluden sie, nachdem der Trubel sich etwas gelegt hatte. Für uns gab es hier nichts mehr zu tun. Winter meldete ich mit Quinns Unterstützung von seinem Rennen ab – für heute war mir die Lust auf den Galopprennsport eindeutig vergangen, und ich wollte nichts mehr riskieren. Ich streichelte die beiden Vollblüter traurig, als sie im Selbstfahrer standen. Vielleicht war es nur eine Einbildung meines aufgewühlten Gewissens, aber ich meinte an Winters Verhalten erkennen zu können, dass er besorgt war und auf Frames Rückkehr wartete. Sumerian hatte Schmerzmittel bekommen und war daher etwas benebelt. Ich hätte Winter gerne getröstet, aber bei dem Gedanken schlichen sich sofort wieder Tränen in meine Augen, also schloss ich die Klappen. «Oliver, you have to drive», krächzte ich. Quinn fuhr den PW.
      Zuhause angekommen überliess ich es Oliver, den bestürzten Pflegern zu schildern, was geschehen war. Besonders Ajith war aufgelöst, als er hörte, dass einer seiner Lieblinge nicht mit uns zurückgekehrt war. Parker verräumte noch immer wortkarg ihre Sachen und begab sich dann ins Pflegerhaus. Wir liessen sie in Ruhe. An oberster Stelle stand nun Sumerians medizinische Versorgung, also riefen wir den nächsten Tierarzt sofort auf Platz. Sie wurde geröntgt und der Verdacht des Sehnenschadens bestätigte sich. Damit war das Ende ihrer Karriere besiegelt. Ich war darüber nicht halb so traurig wie Oliver, der die ganze Zeit mit nachdenklich verschränkten Armen zusah. Als die Stute in ihrer Box stand, in der sie nun den grössten Teil der nächsten paar Wochen verbringen würde, beschloss ich an ihn gewandt: «No training tomorrow. We’ll decide what comes next after that.» Oliver reagierte aufgebracht. “I knew it! Something like this happens, and now you want to throw everything away!” Ich gab mindestens genauso gereizt zurück: “And so what?! Maybe yeah, maybe I’ll do just that! Who wouldn’t, after what we saw?” “Anyone with the slightest bit of sense! You knew very well that this could happen anytime! You’ve heard of accidents countless times, and you knew racing was a risk from the very start!” “A quite unnecessary risk, as I’ve realised now – sadly a bit too damn late for Frame!” “Cross Country, Show Jumping or any type of Sport is just as risky! Even when you go out on a trail ride you could get into an accident, especially nowadays with those many cars! Do you want to lock your horses up all their life, or what?” “That’s not true, you know that. Racing is by far more dangerous than any other discipline!” “How many accidents and injuries did we have over the years?” “Too many.” “How many!?” “I don’t remember.” “See? That’s because there were almost none, and they were all minor! If you exercise the way we do and prepare them enough for the physical and psychological struggle, then the risk comes down to a same level as with other sports. We’ve talked about this so many times, and you’ve always agreed with me!” “I was a fool.” “You even were the one who explained to me the benefits of this way of Training in the first place!” “Oliver! How can I go on after this? How can I love my horses and at the same time risk their lives and their health for a stupid desire to see them run?” Meine Stimme wurde leiser, Trauer mischte sich hinein. Deshalb wurde auch Oliver ruhiger. «It was not your fault, Occu.» “I’ve sent them to this race.” “You couldn’t have known. Nothing would have happened, if that other Horse had not fallen. It was bad luck, nothing more.” “I saved him, Ollie. I saved him, only to lose him now.” “I know. It is cruel.” Er nahm mich wie schon auf der Rennbahn in die Arme, bis ich mich gefasst hatte. «I have to think it over. I need a little while to sort out my thoughts”, bat ich danach. “Okay. I’ll be waiting to hear your decision.” “Thank you.” Mit diesen Worten wandte ich mich zum Gehen und zog mich ins Haupthaus zurück. Dort wartete Jonas bereits mit einer Tasse warmem Tee auf mich. Wir redeten ausgiebig; es tat mir gut. Als Lily reinkam, rannte sie sofort auf mich zu und umarmte mich, offenbar hatte sie von den Pflegern gehört, was passiert war. Sie war in solchen Momenten einfach nur ein kleiner Schatz. Aber sie war auch ein Kind, deshalb stellte sie unverblümt die Frage aller Fragen: «Hörst du jetzt auf mit Galopprennen?» Ich seufzte erschöpft und fragte sie, mit ernstem Blick, «Soll ich?» Sie schüttelte eifrig den Kopf. «Es wäre richtig doof aufzuhören! Du machst das doch so gerne. Du hast mir mal gesagt, dass man das Leben geniessen soll und das tun soll, was einem Spass macht - wann immer man kann.» «…Solange es anderen nicht schadet, ja.» «Ich glaube die Pferde mögen es zu rennen.» «Woher weisst du das?» «Ich sehe es ihnen an.» «Ach ja?» «Klar. Du liebst sie und behandelst sie gut, und zum Dank laufen sie für dich.» Ihre naive Ansicht verleitete mich zu einem Lächeln, aber irgendwie waren ihre Worte auch erlösend. «Na gut. Wenn du das sagst, dann muss es ja stimmen», beschloss ich. Es war mittlerweile spät geworden, aber dennoch fuhren Oliver, Quinn, Ajith, Jonas, Lily und ich noch ins Spital, um Rita zu besuchen. Es ging ihr den Umständen entsprechend gut und sie freute sich über unseren Besuch, brach aber mehrfach in Tränen aus, sobald wir auch nur annähernd die Pferde oder insbesondere Frame erwähnten.
      Sobald wir wieder Zuhause waren, lief Quinn in einem wutentbrannten Laufschritt in Richtung Pflegerheim davon. Ajith und ich tauschten einen besorgten Blick aus und folgten ihr, Übles ahnend. Quinn, die normalerweise nicht gerade zu den aufbrausenden Charakteren gehörte, öffnete schwungvoll die Tür zum Schlafraum, sodass die beiden Graupapageien Arfrica und Blue in ihrem Gehege im Aufenthaltsraum aufgeregt flatterten und Parker, die auf dem Bett gesessen hatte, erschrocken aufstand. «What -» bevor sie fragen konnte, knallte Quinn ihr die Flache Hand ins Gesicht. Ajith und ich gingen sofort überrascht dazwischen, aber Parker stand nur wortwörtlich ‘georfeigt’ da. «Why didn’t you come to the hospital? Rita is your friend! She would visit you right away if you were the one lying there, you know!», rief Quinn aufgebracht. Parker schwieg. “Quinn, Rita only has some broken ribs, no life-threatening injuries. Besides, we were already too many people in the car – you even had to take Lily on your lap”, sprach ich beschwichtigend. “No! She’s always like that! She always goes hiding and sulking on her own, whenever something doesn’t go according to her plans. It’s really getting on my nerves!” Um noch etwas Brandbeschleuniger ins Feuer zu kippen, zischte Parker nun «Seems like it.» Quinn reagierte prompt. «Watch your mouth! Are you really so self-seeking? If so, then I don’t understand why you’re still here. There’s many champion-horses out there, and lots of a**hole trainers that give sh*t about horses or jockeys. Those should serve you just fine!” Ich sah leicht überfordert zu Ajith, hoffend, dass er etwas Passendes zu sagen wusste, um die Situation zu entschärfen. Das war das erste Mal (seit Empire ihr einmal auf den Fuss gestanden war) gewesen, dass ich Quinn hatte fluchen hören. Ajith wirkte jedoch genauso hilflos wie ich und konnte es seinem Gesicht nach zu urteilen nicht glauben, Quinn so aufgebracht zu sehen. «Did I hear someone say a**hole just now, without even mentioning my name in the process?» Lewis kam rein, und ich war unendlich froh, ihn zu sehen. Der Pfleger hatte wohl mitgehorcht, denn er holte sofort zum nächsten Schlag aus. «Quinn, leave the bad words to the big kids and give it a rest. I think Parker is now very aware of her mistakes and after all it is still Occulta who decides when it comes to throwing someone out.” Quinn hatte dem nichts entgegenzusetzen und verliess das Zimmer leicht beschämt. Im Augenwinkel sah ich, dass Ajith ihr hinterherblickte. Ich stupste ihn an, ihr zu folgen; was er dankbar tat. Lewis stellte unterdessen Parker zur Rede. «So?» «There’s nothing to say.» «I think there is.» Nach einem weiteren Schweigen fragte er: «So you just hate Rita?» «Don’t be ridiculus!», rief Parker aus. Endlich machte sie den Mund auf. «Of course I like her, and I feel bad for not visiting her.” “…But you wanted to just disappear and be left alone with all your troubles? ‘Cause that’s definitely gonna make everything miraculously better?” “I should have kept Sumerian back until the very end. I thought it was a good idea to ride her in between the rails and that other horse, since it made a shorter distance. It would have been better to stick to the outside and trust upon her stamina. The other horse could have ran at the rails, so it would have potentially created an opening for Rita and Frame, and they could have come out of the pulk.” Diesmal mischte ich mich ein. «…And get right behind that stumbling chestnut? They would have fallen anyways. Besides, we all know that Frame wasn’t fast enough to get to the front.” “But at least Sumerian would have stayed sound.» «Well, I’m not going to deny that”, gab ich zu. “But how could you have known? You had a risky, but very good position there, and would have definitely won.” “That’s the point. I was all about winning, not even once concerned about Sumerian’s well-being. Quinn was right to hit me; I’m a horrible person.» “So now you’re gonna sulk in self-pity and that’s it?”, fragte Lewis provozierend. “You have to grow up, girl. Learn to take responsibility and do it better next time. There’s no meaning in looking back, except if you learn from it.” Parker kniff die Lippen zusammen und nickte nachdenklich. Dann meinte sie plötzlich: «Occu, I want to buy Sumerian.» Ich sah sie überrascht an. «She’s not going to race again, but I want to give her back all the effort she gave me, winning so many races for me, without me valuing it properly.” Ich zögerte, den eigentlich hatte ich nicht vorgehabt, die Stute zu verkaufen. Aber vor Parkers Entschlossenheit konnte ich schlecht nein sagen. An Lewis gewandt fuhr Parker fort: «And I’m going to visit Rita tomorrow, first thing in the morning.” “Don’t go ‘first thing in the morning’. The poor girl needs to get enough sleep, and the hospital opens at eight o’clock”, stellte Lewis klar. Dann klopfte er Parker auf die Schulter. «Of course we still love you.» Ich spürte, dass ich auch noch etwas sagen musste, also informierte ich sie: «No exercising tomorrow, we go on trail rides instead. I guess we all need to clear our heads with fresh air.” Sie nickte und ich wollte mich schon zum gehen umdrehen, hielt aber noch einen Moment inne. «…We’ll talk about Sumerian as soon as she has recovered a bit more – I’d feel bad to sell you an injured horse and just leave all the medical business to you.” Sie lächelte dankbar. Beim Hinausgehen streichelte ich Africa, die noch immer neugierig über die Aufregung am Volierengitter hing.
      Oliver wollte nochmals mit mir sprechen, also begab ich mich leicht widerwillig in die Reiterstube. Er kam kurz nach mir rein und machte sich einen Kaffee – ich selbst lehnte dankend ab. «You remember the embryo transfer sale we offered to that old Mr Ferris about two years ago?” “Yes…” Ich ahnte sofort, worum es ging. «It was a special deal; a Sumerian foal, out of Framed in History. To us it was a rather strange combination, given that Sum had only started her career back then and Frame had almost no famous blood lineage or relatives. But the guy had owned Frames father and he knew, that Sum’s mother was also related to that Lineage, so he had been hoping to get a similar horse to his beloved one out of the two.” «…Right.» «The foal was born healthy, but we never heard of it again.” “Jup.” «Well. I have contacted him and explained what happened.» “You didn’t”, murmelte ich ungläubig. “I asked him whether he would be ready to sell the foal back to us.” «Don’t tell me -» «He agreed.» Ich setzte mich und faltete meine Hände vor meinem Gesicht. Dann senkte ich sie wieder und fragte ihn «What does the foal look like?» «It is a filly. She looks exactly like Frame. He sent me pictures, if you want to see them.» Ich schüttelte den Kopf, bereits wieder den Tränen nahe. «And her name?» «He calls her ‘Saphi’, in honor of his dead wife.” «But is it alright? You didn’t blackmail him or anything to make him sell that horse, did you?» Er lachte herzhaft. «Oh no, no. The thing is, he always wanted another Stallion, so it was kind of a pity it ended up being a filly. And I promised that I would help him look for a colt with related lineage. Besides, since we were helping him back then, he now is happy to return a favour and help you in a similar way this time.” Ich war gerührt über den Aufwand, den Oliver so spontan und in so kurzer Zeit betrieben hatte, nur um dieses Fohlen aufzustöbern, und über die wundervolle Geste von Mr Ferris. Aber ich wusste auch, was Oliver dafür im Gegenzug von mir hören wollte. «You will be happy to hear that I already decided anyway. Go and thank our little Miss Lily. She reminded me that ‘the show must go on’.” Ein zufriedenes Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus.

      Am späten Abend wurde in den Nachrichten berichtet, dass es wohl einer der schlimmsten Unfälle auf Britischen Rennbahnen seit langer Zeit gewesen war. Als der Kommentator sagte, es seien «vier Pferde leicht bis schwer verletzt und ein weiteres getötet» worden, sah ich betrübt aus dem Fenster. Warum ausgerechnet eines von meinen?, war ein etwas unfairer, aber hartnäckiger Gedanke. Ganz wohl fühlte ich mich noch nicht, wenn ich daran dachte, den Rennbetrieb wieder aufzunehmen. Aber die Zeit heilte bekanntlich alle Wunden, und irgendwann würde ich es vielleicht wieder so geniessen können, wie vorher.

      Pflegebericht
      29. Dezember 2018 | 11.777 Zeichen von sadasha

      Schnee – Zur Weihnachtszeit - In England. Ungläubig sah ich nach draußen und beobachtete wie dicke Flocken langsam zu Boden fielen und mein komplettes Anwesen in ein Winterwonderland verwandelten. Die Galopper und Vielseitigkeitspferde hatten über diese Tage eine wohlverdiente Pause und so kamen auch ihre Jockeys heute nicht. Abby und Isaac jedoch schlitterten über die stellenweise vereisten Wege in Richtung Stallungen. Sie konnten direkt vom Stall in die Rethalle gehen mit ihren Schützlingen, da gab es keine Ausreden. Sie würden jedoch auch früher Schluss machen, da die Halle ab Nachmittag für die Einstaller reserviert war. Ich hatte heute etwas ganz anderes vor. Es ging ein letztes Mal dieses Jahr nach Birmingham zum Pineforest Stable. Dort warteten PFS' Straight Alignment und Sunday Morning auf ihr Taxi ins neue Heim. Ich prüfte mein Inventar für den Tag. Halfter, Decke und Transportgamaschen bekamen die Hengste von Occulta. Ich brachte zwei Stricke, Heu und ein paar Leckerlies mit. Den Trailer hatte ich mit Schneeketten aufgerüstet, damit wir die Fahrt unbeschadet überstehen. Mr. und Mrs. Clayton passten für heute auf Pitch auf und Elizabeth und Mirko bereiteten die zwei Boxen vor. „Fahr vorsichtig!“, warnte mich Käthe am Telefon, bevor wir uns verabschiedeten und ich losfuhr. Mit dem Trailer und bei diesen äußeren Einflüssen kam ich gut eine Stunde später als geplant in Birmingham an. Auch hier war Alles weiß gepudert. Occulta begrüßte mich freudig. „Ich hatte mir schon Sorgen gemacht.“, gab sie zu. Entschuldigend lächelte ich sie an. „Tut mir leid, ich hab die Zeit aus den Augen verloren.“ Sie nickte verständnisvoll und begleitete mich zu den Stallungen. „Zuerst der Senior.“, legte sie fest. „Ich hab sie dir in der Wartezeit schon komplett fertig gemacht. Wir müssen also nur noch verladen.“ Sunday Morning stand zu beiden Seiten angebunden in der Stallgasse und döste. Ich begrüßte den Hengst und streichelte ihm liebevoll über die Stirn, während ich mit der freien Hand die Stricke löste und durch meinen mitgebrachten ersetzte. „Danke, Occulta.“, sagte ich leise, nachdem ich ihn kurz gemustert hatte. Die hatte sogar die Mähne eingeflochten und den Schweif in einen Schoner gelegt. Mehr als ich je erwartet hätte. Gemeinsam brachten wir den erfahrenen Hengst zum Trailer und stellten ihn in die hinterste Box. Er kannte das Prozedere und sah uns neugierig hinterher, als wir noch einmal rausgingen ohne die Ladetür zu schließen. „Er weiß genau, dass noch ein Pferd kommt.“, erklärte Occulta. „Sicher überlegt er schon, welcher seiner Kumpel mitfährt.“ Sie lachte leise und fuhr dann fort. „Wenn er wüsste, dass er einen Greenie zur Seite gestellt bekommt, den er noch gar nicht so gut kennt...“ Prüfend sah ich sie an. „Meinst du, das könnte Probleme geben.“ Nun lachte Occulta etwas lauter und schüttelte den Kopf. „Denkst du ich würde dich ins offene Messer laufen lassen? Nein, das wird kein Problem sein. Wir stellen Ali zwei Stellplätze weiter in den Trailer. Sie sind beide recht sozial eingestellt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es Probleme gibt. Selbst wenn du Sunday zuerst ablädst.“ Ich nickte und folgte weiter zu den Stallungen. Occulta war ein ganzes Stück besser auf den Schnee eingestellt. Der Hof war ordentlich gestreut worden und kein bisschen vereist und die Wege zu den Weiden hatte jemand freigeschaufelt. Der fast 10cm kleinere Straight Alignment stand ebenfalls fertig geputzt und eingekleidet für den Transport in seiner Box und kaute genüsslich auf seinem Heu. „Ah, bevor ich das vergesse, Hunter. Ich hab dir zwei Säcke Futter zur Seite gestellt mit unserem Futterplan. Damit du sie einfacher umstellen kannst. Du kennst das ja.“ Abermals nickte ich und schob die Boxentür auf um den Strick ins Halfter einzuklinken und den Junghengst zum Trailer zu bringen. Er war um einiges unsicherer auf der Laderampe. Zu zweit gelang es uns ihn souverän aufzuladen und in den Stellplatz außer Reichweite von Sunday Morning zu bringen. Wir kontrollierten die Sicherungen beider Hengste und gaben beiden eine Fuhre Heu. Erst dann luden wir die zwei Futtersäcke auf und schlossen den Trailer.

      Ich bedankte mich abermals bei Occulta und umarmte sie kurz, bevor ich mich wieder hinters Steuer setzte und mit ihrer Justierhilfe den Trailer vom Hof fuhr, um die Heimreise anzutreten. Es hatte abermals begonnen zu schneien und je länger wir unterwegs waren, desto dicker und dichter wurden die Flocken. Auf der Autobahn war es so nicht möglich schneller als 80km/h zu fahren, wenn überhaupt. Manch einer schlich mit 60km/h auf dem linken Streifen. Ich war froh, als wir die Autobahn wieder verlassen konnten und nur noch Landstraßen vor uns hatten. Dank der Schneeketten machten diese uns keine Probleme und die meisten Autofahrer trauten sich nicht diese Wege zu nehmen, solange Schnee lag. Es war angenehm leer hier und ich konnte die gänzlich eingeschneite Landschaft ganz für mich genießen. Ich drehte die Musik ein bisschen lauter und zog etwas am Tempo, soweit das möglich war. Dann endlich lag mein Gestüt vor uns. Langsam fuhr ich auf den Hof vor und parkte den Trailer so, dass der Weg zu den Stallungen möglichst kurz war. Mirko und Kerry hatten mich schon bemerkt und warteten gespannt darauf, dass ich ausstieg. Ich schaltete die Musik aus, ließ die Laderampe per Knopfdruck runter und kletterte dann aus dem Wagen. „Lief hier alles ruhig?”, wollte ich wissen und erntete ein paar ungeduldige Blicke. „Ja ja... Können wir beim Abladen helfen?”, fragte Kerry. „Es wäre sicher hilfreich, wenn ihr euch links uns rechts an die Rampe stellt, damit die nicht danebentreten.“ Gesagt, getan. Die beiden stellten sich auf und ich holte Sunday Morning als ersten aus der Box. Mein Herz machte einen kleinen Sprung, als wir problemlos an Straight Alignment vorbeigingen. Die beiden Hengste sogen zwar interessiert den Duft des jeweils anderen ein und sahen sich neugierig an, spielten sich aber nicht auf. Ohne Murren kam Sunday mit mir vom Trailer runter und sah sich sogleich neugierig um. Wohin hatte man ihn nur gebracht? Keine anderen Hänger oder Trailer hier. Ich fragte mich ob er erkannte, dass es sich hierbei nicht um eine kurze Veranstaltung handelte. Ich brachte den Braunen in seine neue Box und nahm ihm hier die Transportgamaschen und das Halfter ab. Die Decke blieb noch einen Moment auf. Ohne Pause schob ich die Tür wieder zu und holte den nächsten Kandidaten aus dem Trailer. Ally war abermals etwas unsicherer auf der Rampe als sein Vorgänger. Doch Kerry und Mirko machten ihren Job als Helfer so gut, dass es keinen Unfall gab und ich den dunklen Hengst wenige Augenblicke später ebenfalls in seine frische Box stellen konnte. Auch ihm nahm ich die Gamaschen und das Halfter ab. Beide Hengste suchten zu allererst die Tränke und nahmen tiefe Züge Wasser auf. Als ich zurück zum Trailer kam waren Mirko und Kerry schon dabei diesen sauber zu machen und das übrig geblieben Heu zu sammeln. So konnte ich die zwei Futtersäcke abladen und in die Futterkammer bringen. Beide Hengste hatten jeweils ein Heunetz in ihren Boxen hängen und konnten sich daran bedienen, sollten sie Hunger haben. Futter würde es dann später geben, dann nahm ich auch ihre Decken ab. Durch den mittlerweile zum Sturm herangewachsenen Schnee stapfte ich zum Haupthaus und meldete mich bei den Claytons zurück. „Pitch war sehr nervös. Gut, dass du wieder da bist. Lief alles rund?“ Ich nickte und entschuldigte mich für Pitch, den ich an die Leine nahm um mit ihm eine Runde in den Wald zu gehen. Es wurde sehr schnell klar, dass der Rüde dringend pinkeln musste und sicher deshalb nervös war. Den Claytons machte ich jedoch keinen Vorwurf. Ich hatte heute Morgen einfach keine Zeit mehr gehabt mich um ihn zu kümmern und so musste er nun ein paar Stunden länger als üblich durchhalten. „Armer Kerl.“, beteuerte ich und löste die Leine, damit Pitch ein bisschen im Schnee herumtollen konnte. Der schwarze Rüde nutzte die Gelegenheit und rannte wie von der Tarantel gestochen im Schweinsgalopp und Haken schlagend zwischen den Bäumen hin uns her. Ab und an kam er zu mir und versuchte mich bellend zum Mitspielen zu animieren. Immer wieder schickte ich ihn lachend zurück in den Wald. Als die Energie nachließ trabte Pitch zufrieden vor mir her, bis wir wieder zurück auf den Hof kamen. Er trank etwas und suchte sich dann ein warmes Plätzchen im unteren Strohlager.

      Für mich war es jetzt an der Zeit noch einmal nach den beiden Neuankömmlingen zu sehen. Beide sahen aufmerksam auf, als ich die Stallgasse betrat. Sie standen wie schon im Trailer zuvor zwei Boxen entfernt und gegenüber, sodass sie sich ansehen konnten. Ich kontrollierte ihre Heunetze und nahm ihnen nun die Decken ab. Lobend streichelte ich sie und brachte auf dem Rückweg von der Sattelkammer etwas Futter für die beiden mit. Wie zwei ausgehungerte Hunde machten sie sich über ihr Abendbrot her und schmatzten zufrieden. Zufrieden beobachtete ich sie dabei und schloss in Gedanken Wetten ab, wer sein Futter schneller verschlungen hatte. Als plötzlich mein Handy klingelte unterbrachen beide Hengste kurz ihre Mahlzeit und sahen auf, was hier vor sich ging. Als ich zu sprechen begann sanken sie jedoch ihre Köpfe wieder in die Tröge und fuhren fort wie gehabt. „Käthe! Ja, die Fahrt verlief gut. Ich bin schon seit ein paar Stunden wieder zu Hause, hab es aber bisher nicht geschafft mich zu melden.“, erklärte ich. „Die beiden haben gerade ihre Abendration bekommen, es scheint ihnen gut zu gehen.“ Käthe war erleichtert zu hören, dass alles problemlos verlaufen ist soweit. Sie erzählte mir von ihrem Tag und machte sich über ihre Katze lustig, die wiedermal etwas sehr typisch katziges angestellt hatte. „Die hat sich doch tatsächlich gefühlt zehn meiner Haargummis geklaut um damit zu spielen! Du solltest sehen, wie sie die überall rumschleppt!“ Sie lachte. „Schade, dass du so allergisch auf sie reagierst. Du fändest das sicher auch lustig. Ach! Weißt du was? Ich mach ein Video!“ Sie legte abrupt auf und schrieb mir kurz darauf eine kurze Entschuldigung auf WhatsApp, dass das nicht mal Absicht war, sie aber an den Button gekommen ist. Keine zwei Minuten späte trudelte das Video der Katze ein, die da gleich zwei Haargummis von A nach B transportierte um sie kurz vorm Kratzbaum fallen zu lassen und mit den Pfoten anzustupsen und wegzuschleudern nur um ihnen wieder hinterherjagen zu können. Schmunzelnd antwortete ich ihr. Es war wirklich schade, dass die Katze in mir eine so heftige Reaktion hervorruf, dass ich sie mir lieber auf Abstand hielt. Auch ich hatte mir jetzt ein ordentliches Abendessen verdient. Mrs. Clayton hatte etwas für die kleine Mitarbeitergruppe gekocht, dessen Reste ich mir warm machen konnte. Es war mittlerweile früher Abend und stockfinster draußen. Kerry verabschiedete sich, als ich mit Pitch noch einmal eine Runde drehen wollte. Auch die Claytons machten sich bald auf den Heimweg, sodass ich als ich wieder zu Hause eintraf alleine war. Ich schloss sämtliche Tore ab und sah noch einmal kurz bei den Pferden nach ob Alles in bester Ordnung war. Sunday und Ally dösten zufrieden und satt. Pitch war nun auch ausgelastet für den Tag und so machte auch ich mich bettfertig und legte mich schlafen. Morgen würden die beiden Hengste mehr zu sehen bekommen. Ich hoffte sehr, dass der Schnee schmolz und ich die beiden auf dem Platz etwas bewegen konnte, da die Halle sicher wieder rappelvoll sein würde. Doch darüber konnte ich nun noch lange philosophieren und würde dennoch keine Antwort bekommen, denn der Schnee kam auch überraschend, ohne dass er angesagt war. Ich tippe für Occulta noch eine kurze Nachricht, dass beide Hengste sich soweit gut eingewöhnt hatten. Erst dann erklärte ich den Tag für abgeschlossen.

      Hufschmiedbericht
      21. November 2013 | von Mongofisch

      Heute machte ich mich auf den Weg zu Occulta, um einige ihrer Pferde zu beschlagen. Nach kurzer Zeit kam ich auf dem großen Gestüt an und stieg aus meinem Auto. Grade als ich mein Werkzeug aus dem Auto holte, kam Occulta aus dem Stall und begrüßte mich: „Hallo, schön, dass du kommen konntest. Ich habe die Pferde schon von der Weide geholt.“ Lächelnd schüttelte ich ihre Hand, die sie mir entgegen streckte: „Hallo. Dann zeig sie mir doch mal.“ Occulta nickte und führte mich in den großen Hauptstall. Dort standen vier schicke Rennpferde und warteten auf neue Eisen. Zuerst holte Occulta Gleam of Light aus seiner Box und band ihn auf der Stallgasse an. Der große Hengst guckte mich mit seinen warmen Augen an, als ich ihm über den Hals streichelte. „Dann fangen wir mal an“, sagte ich und hob den ersten Huf hoch. Zuerst mussten die alten Hufeisen runtergenommen werden. Dafür nahm ich Hammer und Meißel und legte die alten Nägel frei. Mit der Zange hebelte ich das Eisen schließlich vom Huf. Gleam schien das ganze nicht zu stören, er war in Occultas Jackentaschen auf der Suche nach Leckerlis. Scheinbar aber erfolglos, da er es nach einiger Zeit aufgab. Ich fuhr fort, indem ich den Huf mit dem Hufauskratzer ordentlich säuberte. Danach griff ich ich in meine Tasche und holte das Hufmesser heraus. Der Huf sah noch sehr gut aus, weswegen ich nur ein ganz kleines Stück vom Horn abschnitt. Mit der Raspel feielte ich den Huf schön glatt. Dann ließ ich den Huf runter und kontrollierte ob alles gut aussah. Das tat es und ich fuhr mit dem nächsten Huf fort. Bei den verbleibenden Hufen nahm ich ebenfalls zuerst die alten Eisen ab und schnitt die Hufe dann in die richtige Form.
      Nachdem alle Hufe fertig waren, ging es an die neuen Eisen. Gleam bekam, wie die anderen Pferde, Renneisen. Diese sind aus Aluminium und daher sehr leicht, um die Rennleistung nicht durch zusätzliches Gewicht zu beeinträchtigen.
      Das Eisen erhitzte ich nun im Brennofen, bis es glühend heiß war. Um es an den Huf anzupassen, legte ich es auf diesen. Zischend stieg Rauch empor. Auf dem Amboss verlieh ich dem Hufeisen den letzten Schliff und kühlte es dann in einem Eimer Wasser ab. Mit den Nägeln befestigte ich das Eisen schließlich am Huf. Dabei achtete ich darauf, die neuen Nägel nicht in die alten Nagellöcher zu schlagen.
      Nachdem das erste Eisen an seinem Platz war, machte ich am nächsten Huf weiter. Auch hier passte ich das leichte Aluminiumeisen dem Huf an und nagelte es anschließend fest. Das wiederholte ich auch bei den letzten beiden Hufen.
      Dann war Gleam fertig und durfte zurück in seine Box. Occulta löste den Strick und führte den dunklen Hengst in seinen Stall, wo er direkt zu fressen begann.
      Als nächstes war Sunday Morning dran, ebenfalls ein Hengst. Nachdem Occulta ihn angebunden hatte, begann ich damit, die alten Eisen abzunehmen. Das war eine ziemlich schweißtreibende Arbeit, da sich die Eisen nur sehr widerspenstig abnehmen ließen. Als ich es dann endlich geschafft hatte, alle vier Eisen abzunehmen, machte ich mich daran, die Hufe in die richtige Form zu bringen. Dafür schnitt ich mit dem Hufmesser überschüssiges Horn ab und feielte die Schnittstellen anschließend mit der Raspel glatt. Sunday war dabei sehr ruhig und stand entspannt neben seiner Box.
      Nachdem alle Hufe wieder die richtige Länge hatten, holte ich die passenden Eisen aus dem Auto und erhitzte das Erste im Ofen. Glühend heiß legte ich es mit der Zange auf den Huf, um es danach mit dem Hammer in die richtige Form zu bringen. Das passende Eisen kühlte ich nun in einem Eimer mit kalten Wasser ab, anschließend nagelte ich es auf den Huf. Dabei achtete ich wieder darauf, nicht in die alten Nagellöcher zu schlagen.
      Ich wiederholte den Vorgang bei den anderen drei Hufen und klopfte Sunday dann lobend den Hals. Occulta band den Hengst ab und brachte ihn zurück in seine Box.
      Als nächstes holte sie die Stute Blütenzauber und band sie an. Ich begann wieder damit, die Hufeisen abzunehmen. Bei der hübschen schwarzbraunen Stute ging das viel einfacher als bei den Eisen von Sunday, was ich natürlich sehr begrüßte. Nachdem alle vier Eisen ab waren, fuhr ich damit fort, die Hufe auszukratzen und anschließend das Horn zu kürzen. Blütenzauber war dabei brav, schaute sich aber aufmerksam um. Nachdem ich die geschnittenen Hufe mit der Raspel glatt gefeielt hatte, lobte ich die Stute und gab ihr ein Leckerli. Dann ging es daran, Blütenzauber's Hufe mit neuen Eisen zu versehen. Auch sie bekam die leichten Renneisen aus Aluminium. Das erste Eisen war schnell erhitzt und ich legte es zum Anpassen auf den Huf. Es passte auf Anhieb wie angegossen, ich musste nichts korrigieren, also kühlte ich das Eisen ab. Mit den Nägeln befestigte ich es dann am Huf, auch bei der Stute achtete ich darauf, die neuen Nägel nicht in die Löcher der alten Eisen zu schlagen. Es klappte alles prima und ich verpasste auch den anderen drei Hufen neue Eisen. Dann war auch Blütenzauber fertig und durfte zurück in ihre Box.
      Zum Schluss war noch eine hübsche Schimmelstute mit dem Namen Iskierka dran. Bei ihr begann ich ebenfalls damit, die alten Eisen zu entfernen und die Hufe anschließend auf die richtige Länge zu schneiden. Die Stute war dabei etwas zappelig und versuchte mir mehrmals den Huf aus der Hand zu ziehen, doch dass ließ ich nicht durchgehen. Ich fuhr unbeirrt damit fort, die Hufe mit der Raspel glatt zu feilen. Nun suchte ich die richtigen Eisen raus und begann das erste im Schmiedeofen zu erhitzen. Dabei guckte Iskierka schon etwas skeptisch, blieb aber dennoch ruhig stehen. Als ich das heiße Eisen jedoch zum Anpassen auf den Huf legte, war es vorbei mit der Ruhe. Wild schlug die Stute mit dem Kopf und versuchte mir mit aller Kraft den Huf zu entziehen. Occulta versuchte sie so gut es ging zu beruhigen und ich nahm das Eisen zügig wieder runter. Als der Rauch verzogen war, entspannte sich Iskierka wieder etwas und das Eisen passte auch gut auf den Huf, sodass ich es nicht nocheinmal heiß auf den Huf legen musste. Mit den Nägeln befestigte ich das Renneisen am ersten Huf. Dann ging es mit dem nächsten Huf weiter. Bis auf ein paar kleine Zickereien als ich die heißen Eisen anpasste, war die Stute brav und ich lobte sie dafür, nachdem das letzte Eisen festgenagelt hatte. Occulta brachte die Stute zurück in ihre Box und sagte dann zu mir: „Nochmal vielen Dank!“ - „Ist doch gar kein Problem“, antwortete ich. Wir verabschiedeten uns kurz, dann machte ich mich auf den Weg nach Hause.

      Hufschmiedbericht
      20. November 2014 | 5009 Zeichen von Rasha

      Bei Occulta wartete heute ein Großauftrag auf mich. Drei ihrer Pferde sollten beschlagen werden. Da sie Aluminiumeisen gewünscht hatte, überprüfte ich noch einmal den Vorrat in meinem Auto, bevor ich mich auf den Weg zu ihr machte.

      Als ich auf den Hof einbog, kam mir Occulta bereits mit einem schicken braunen Vollblut entgegen. Ich stieg aus dem Auto aus und begrüßte sie. „Hallo, schön, dass du da bist! Das hier erst der erste Kanditat für heute, er heißt Sunday Morning“, begrüßte sie mich.

      Ich nahm meine Lederschürze aus dem Auto und holte das Werkzeug heraus. Dann ging ich zu dem Hengst, den Occulta bereits am Putzplatz angebunden hatte. Mit einem Leckerli begrüßte ich den Braunen. Freundlich schnupperte er an meiner Hand und nahm sanft den Leckerbissen. Mit dem Hufkratzer säuberte ich seine Hufe, um die alten Eisen dann vorsichtig mit der Zange zu entfernen.

      „Ich werde die Hufe kürzen und in Form schneiden. Anschließend bringe ich die Aluminiumeisen auf. Aluminiumeisen gehören zu den Kaltbeschlägen, da dieses Material beim Erhitzen an Festigkeit verliert. Zudem müssen die Eisen alle 4 Wochen erneuert werden. Ein Aufbrennen in diesem kurzen Intervall würde den Huf schädigen“, erklärte ich Occulta.

      Mithilfe der Kneifzange knipste ich das überstehende Horn ab. Unterdessen blieb der Hengst brav stehen. Mit dem Hufmesser schnitt ich Hufe und Strahl in Form. Anschließend holte ich den Hufbock und korrigierte die Hufform noch abschließend mit der Feile. Das ganze Prozedere störte Sunday Morning nicht. Neugierig beobachtete er mich, blieb aber brav stehen.

      Aus meinem Vorrat an Eisen suchte ich die passenden Aluminiumeisen für den Hengst heraus und brachte diese mit dem Hammer in Form. Schnell waren die Eisen angenagelt und der Hengst konnte mir in Schritt und Trab vorgeführt werden. „Alles sitzt wie es soll, er läuft super“, sagte ich.
      „Alles klar, dann hole ich mal das nächste Pferd“, antwortete Occulta.

      Auch das nächste Pferd war ein prachtvolles Vollblut. Shades Of Gray trug ihren Namen zu Recht. Zahlreiche Grautöne zeigten sich auf dem Fell der Stute.

      Neugierig schnüffelte die Stute an meiner Jackentasche, während ich ihr den Dreck aus den Hufen entfernte und mir einen Überblick über deren Zustand verschaffte. „Die Hufe sehen gut aus, ich denke, wir müssen hier nicht viel machen“, sagte ich zu Occulta. Mit der Zange entfernte ich die alten Eisen. Auch darunter war das Horn in gutem Zustand.

      Zunächst kürzte ich die Huflänge mit der Zange, um danach das lose Sohlenhorn mit dem Hufmesser zu entfernen und Hufe und Strahl in Form zu schneiden. Da die Stute bereit öfter beim Hufschmied gewesen war, ließ sie sich alles gefallen und blieb brav auf der Stelle stehen.

      Nun holte ich den Hufbock und stellte ihren linken Vorderhuf darauf. Neugierig beobachtete sie von Oben, was ich nun tat. Mithilfe der Feile verlieh ich der Hufform den letzten Schliff. Als alle vier Hufe wieder in guter Form waren, suchte ich auch für Shades of Gray die passende Eisengröße heraus. Auch sie erhielt den Kaltbeschlag mit Aluminiumeisen, welche ich zuvor mit dem Hammer angepasst hatte. Das Aufnageln der Eisen geschah flott und nachdem ich die Nagelenden auf der Hufoberseite abgeknipst hatte, wurde mir die Stute auch noch einmal vorgeführt.

      „Bald hast du es geschafft, nun kommt das letzte Pferd für heute“, sagte Occulta, während sie Shades of Gray zurück brachte. Dann kehrte sie mit Spottet Timeout, ebenfalls einem VB, aber in „Sonderfarbe“ zurück zum Putzplatz.

      Der Hengst schmiegte seinen Kopf an Occulta, während ich den Dreck entfernte und mir einen Überblick über seinen Hufzustand machte. „Seine Hufe sind schon ein wenig lang, sie scheinen schnell zu wachsen. Aber ich denke, da reicht es, sie ordentlich zurück zu schneiden. Du musst nur in Zukunft darauf achten und gegebenenfalls früher einen Hufschmied rufen“, erklärte ich ihr.
      Dann entfernte ich die alten Eisen und kürzte die Hufe auf eine anständige Länge. Währenddessen blieb der Hengst gut stehen, sodass ich mithilfe des Hufmessers zügig das lose Sohlenhorn entfernen und den Strahl ausschneiden konnte. Als ich den Hufbock holte, musterte der Hengst diesen kurz, entschied sich aber dafür, dass ihm dieses „Ding“ nichts anhaben würde. Mit der Feile raspelte ich die Hufe in Form.

      Auch für ihn hatte ich glücklicherweise die passende Eisengröße parat. Auf dem Amboss brachte ich die Eisen kalt in Form und nagelte diese dann an. Nachdem die Nagelenden gekürzt waren, führte mir Occulta den verschmusten Hengst in Schritt und Trab vor.
      „Alles ist in Ordnung, du kannst in zurück bringen“, sagte ich.

      Während der Hengst zurück in den Stall gebracht wurde, räumte ich mein Werkzeug zusammen. Die alten Eisen verschenkte ich an ein paar neugierige Kinder, welche mir beim Beschlagen zugesehen hatten. Stolz präsentierten sie ihre „Beute“ Occulta, die gerade zu uns kam. Ich bedankte mich für den Auftrag und wir erledigten das Geschäftliche. Dann stieg ich in meinen Wagen und machte mich auf den Weg nach Hause.

      Hufschmiedbericht
      24. Juli 2015 | 5000 Zeichen von Bracelet

      Gegen 5 Uhr nachmittags kam ich auf Pineforest Stable, Occulta Smiths Gestüt, an. Ich sollte heute 3 ihrer Pferde ausschneiden und anschließend beschlagen. Voller Tatendrang riss ich meine Autotür auf, was bei jener Hitze, die es heute hatte, wohl ein riesiger Fehler war. Schnaufend ging ich zum Kofferraum, hang mir meine Schürze um und nahm mein Hufschmiedköfferchen heraus.
      Als ich mich gerade umdrehen wollte, spürte ich plötzlich etwas auf meiner Schulter. Reflexartig fuhr ich zusammen. ,,Haha entschuldige.'', sagte eine Stimme aus dem Hintergrund. Ich guckte über meine Schulter: ,,Aah. Hallo. Du bist dann wohl Occulta Smith?'', entgegnete ich nun. Sie bejahte und führte mich, während sie mir einige Dinge über ihre 3 Schützlinge erzählte, zum Stall, wo in der Stallgasse auch schon das erste Pferd tip-top geputzt da stand.
      Es handelte sich dabei um Fly Fast of the Nightrunners. Ein hübscher, großer Vollbluthengst. Als ich auf ihn zukam musterte er mich erst einmal sehr genau. Er schien mir nicht so ganz zu vertrauen, was ich allerdings irgendwie auch verstand. Musste schon eine komische Situation für ein Pferd sein, dass dieses Prozedere noch nicht gewohnt war. Und wie hätte er auch sollen, mit seinen gerade mal 3 Jahren.
      ,,Na du?'', sprach ich ihn an. Occu hatte erzählt, dass er aufgrund seiner Vorgeschichte ehr viel Geduld benötigte. Umso vorsichtiger war ich, als ich sein Bein herunter fuhr um seinen Huf zu nehmen. Diesen gab er dann aber sehr brav. ,,Feein.'', lobte ich und nahm eines meiner Werkzeuge, mit welchen ich die alten Eisen vorsichtig entfernte. Dies ließ er brav über sich ergehen, somit konnte ich auch gleich mein Hufmesser zur Hand nehmen. Damit entfernte ich loses Horn von seiner Sohle und schnitt seinen Strahl in Form. Hier und da zog er seinen Huf weg, beziehungsweise versuchte er's. Im Großen und Ganzen waren wir dann aber doch bald fertig und der Huf war wieder einwandfrei.
      Nun ging es samt Pferd raus, zu meinem Auto. Hier hatte ich einige Hufeisen parat, die ich an seine Hufe probierte, wovon eine Größe perfekt passte. Die gewünschten, superleichten Renneisen fanden also einen neuen Besitzer. Ich erhitzte sie erst in meinem brandneuen Auto-Ofen und brannte sie erst mal auf. Anschließend wanderten sie ins Wasserbad und daraufhin sofort auf Fly's Hufe. Er tänzelte zwar herum, aber ich schaffte es dennoch eines nach dem anderen aufzunageln.
      Als er fertig war lobte ich ihn noch und ließ ihn mir von Occu vortraben. So konnte ich sehen, ob die Eisen gut saßen und den Bewegungsablauf nicht störten. ,,Sitzen 1A.'',stellte ich fest.
      Dann ging es auch schon zu Sunday Morning, ebenfalls einem englischen Vollbluthengst. Dieser war ebenfalls noch sehr jung. Doch er wirkte nicht skeptisch sondern sehr neugierig. Er akzeptierte mich sofort und ließ sich brav den alten Beschlag abnehmen. Er drehte seinen Kopf dabei so weit er konnte und beäugte ganz genau, was da vor sich ging. Seine Besitzerin strichelte ihn grinsend und auch ich musste schmunzeln.
      Nachdem die alten Eisen ab waren, nahm ich wieder mein Hufmesser. Ich machte einen kleinen Probeschnitt in die weiße Substanz des Hufes, um mich zu vergewissern wie viel Horn bereits heruntergenommen gehörte. Dies war eine ganze Menge, weshalb ich mich gleich an die Arbeit machte. Während ich dies tat schnaubte Sunday Morning ganz zufrieden vor sich hin. Entweder es war entspannend für ihn, oder er wollte Occulta auf die Möhre aufmerksam machen, welche nur knapp aus seiner Reichweite lag.
      Als auch der Strahl in Form geschnitten war, ging es wieder raus, zu meinem Auto. Eisengröße probieren, erhitzen, etwas in Form hammern, aufbrennen, ab ins Wasserbad und schon an Sundays Hufe. ,,Braav.'',lobte ihn seine Besitzerin, da er wirklich vorbildlich da stand. Fertig. Auch er zeigte im Trab keine Beschwerden; im Gegenteil. Ich hatte das Gefühl der besondere Rennbeschlag gefiel ihm.
      Zu guter Letzt ging es dann nochmal in den Stall zu Halluzination, einer wunderschönen, edlen Hannoveranerstute. Das Füchschen spitzte neugierig ihre Ohren. Occulta hatte erzählt, dass sie in letzter Zeit ein wenig stur war. Umso neugieriger war ich, wie das Ganze werden würde.
      Auch bei ihr begann ich damit ihre Eisen herunter zu nehmen. Um die Hufe ließ sie sich tatsächlich sehr bitten, da sie da ihren Sturschädel schon einbringen musste. ,,Na komm'', sagte ich, als sie beim abklipsen der alten Hufeisen ihr Bein wieder wegziehen wollte. Ich gewann - sie gab kurz nach und diese Zeit nutzte ich auch schon, um das Eisen ab zu nehmen. Daraufhin schnitt ich den Huf sorgfältig aus, wobei sie zwar auch nicht unbedingt still stand. Klappen tat es aber alle male.
      Als es auch für sie neue Eisen gab, zeigte sie dann aber doch, welche Flausen sie im Kopf hatte. Bei den ersten 3 war sie sehr brav, doch das letzte flog, gottseidank schon abgekühlt, durch die Gegend. Ich holte es zurück und bei diesem Versuch klappte es, es aufzunageln. Das Vortraben mit dem neuen Aluminiumbeschlag klappte auch gut.

      Hufschmiedbericht
      11. Juni 2016 | von Rhapsody
      Pine Grove Stud - mobile Hufschmiede

      Als bekannt wurde, dass ich wieder einen Kurztrip nach England organisierte, bekam ich sofort eine Flut an WhatsApp-Nachrichten von Elena. Im Grunde liefen sie alles auf eines hinaus – Elena wollte mit. Da ich das letzte Mal Gwen mitgenommen hatte, war sie jetzt an der Reihe.

      „Gwen war aber nicht bei der Arbeit dabei,“ konterte ich, sobald Elena den Anruf angenommen hatte.

      „Noch schlimmer,“ meinte Elena, „ihr habt euch zusammen vergnügt und mich ganz systematisch rausgehalten. Mobbing ist das.“

      „Du würdest Occulta nur volllabern, sei mal ehrlich.“

      „Vielleicht möchte sie das ja?“

      „Jetlag ist unschön, das weißt du? Da ist nichts mit lang schlafen oder zu einer normalen Uhrzeit ins Bett gehen.“

      „Ich bin anpassungsfähig!“

      Aber leider Gottes fielen die Tage in England genau mit einem Showwochenende zusammen. Elena warf mir vor, dass ich das geplant hatte. Dafür versprach ich, ihr ganz viele Bilder von Gambit mitzubringen. Den hatte sie bis jetzt nur in einem kurzen Video gesehen, das mir Occulta vor ein paar Wochen zugeschickt hatte, und darauf hatte man ihn auch nicht gut erkannt; wohl eher sah man eine große Menge Fohlen, die von einem Ende der Weide zum anderen sprinteten, während die Stuten im Vordergrund gemütlich grasten. Ich hatte Gambit natürlich sofort erkannt, für Elena war er jedoch nur ein kleiner brauner Punkt.

      Also hatte ich daran gedacht, meine Kamera einzupacken. Als Assi hatte ich dann doch noch jemanden mitgenommen – es war ihm nicht leicht gefallen, seinen Ironic zuhause zu lassen, aber Lesja hatte sich doch bereit erklärt, mitzufahren. Mürrisch, aber er hatte ja gesagt. Und das war alles, was wichtig war.

      Kaum waren wir auf englischem Boden, überfiel mit Elena auch schon mit Bildern – in 50% zog sie eine Schnute. Seufzend steckte ich mein Handy weg und schmiss meine Tasche in den Laderaum des Vans. „Denkst du, es wäre klug, in einen Lieferwagen in England zu investieren?“

      „Nein. Und das wirst du auch nicht tun. Nur über meine Leiche.“

      Ganz vergessen – Lesja mit Jetlag war schlimmer als Mariah Carey was das Diven-Getue anging.

      Ein wenig holprig war die Fahrt ins Motel – Diven mussten ja normalerweise nicht Auto fahren, da konnte man den Frust schon mal am Leihwagen auslassen – aber kürzer als ich sie in Erinnerung hatte. Während Lesja sich auf die Suche nach einem McDonalds in der Umgebung machte, packte ich meine Tasche für den morgigen Tag.

      ***

      Der nächste Tag begann dann, natürlich, viel zu früh. Zum Glück kamen wir noch an einem kleinen Starbucks vorbei, der uns beide mit Zucker und Koffein versorgte, sodass wir um kurz vor neun schon auf dem Pineforest Stable ankamen. Wir konnten unsere Augen fast offenhalten, doch um uns war reger Betrieb; die Pfleger waren schon mindestens vier Stunden auf den Beinen und mussten jetzt die Boxen ausmisten – aus der Anzahl der vollen Schubkarren, die uns auf dem kurzen Weg zum Haupthaus begegneten, schloss ich, dass die meisten Pferde wohl schon alle auf den Weiden verteilt waren.

      Occulta begrüßte uns herzlich wie immer – ich hatte gar nicht klopfen müssen, sie hatte uns wohl schon kommen sehen. Als sie Lesja mit der Tasche über die Schulter geschlungen sah, musste sie grinsen. „Dann bist du wohl der neue Hufschmied?“

      „Aufpassen,“ murmelte ich, „wir sind nicht in der besten Laune heute.“

      Den Gehfehler, den er mir auf dem Weg zum ersten Pferd gab, war berechtigt. Ich nahm ihm dann auch nicht übel, dass ich nun aufgeschlagene Knie hatte – das hatte ich mir ja selbst eingebrockt.

      ***

      Trotz minderschweren Verletzungen an den Beinen und Handflächen stürzte ich mich förmlich in die Arbeit. Während Lesja zusammen mit einem Pfleger das erste Pferd holte, besprach ich mit Occulta die Details noch einmal. Zwei Hengste, eine Stute; normale Eisenbeschläge (und würde Lesja sich da erst freuen, wenn ich ihn noch einmal zum Van holen wegschickte, sobald er mit Halluzination zurück kam!) mit Stollenlöchern, damit alle drei gut ausgestattet waren für Jolympia.

      Während Lesja mit saurem Gesicht wieder in Richtung Parkplatz ging, wollte ich der Hannoveranerstute schon einmal die alten Eisen abnehmen. Da hatte ich aber nicht mit Halluzination gerechnet – es brauchte mehrere Versuche, bis sie mir den ersten Huf gab, und dann bekam ich diesen fast an die Stirn.

      „Sie ist… etwas eigensinnig?“ hörte ich Occulta hinter mir. „Das hätte ich wohl früher sagen sollen, was?“

      „Ist ja nochmal gut gegangen,“ scherzte ich und versuchte es nochmal. Auf den zweiten Versuch klappte es dann besser; blitzschnell klemmte ich den Huf zwischen meine Knie ein und konnte dann die alten Nägel erst mit einer Nietklinge „entnieten“ und schließlich die Nägel ziehen. Das ein oder andere Mal versuchte die Stute, den Huf wegzuziehen, aber da hatte sie wohl nicht mit mir gerechnet. Wenn man das Reiten und Versorgen von Pferden anhand eines kleines, sturen Shettys, das jedes Mal versucht, den Huf wegzuziehen, lernt, dann nimmt man da in der Beziehung wohl so einiges mit.

      Unterdessen war Lesja mit dem Van angekommen und sah mir jetzt zu – sein Gesichtsausdruck war nach wie vor sauer, aber man sah, dass er sich zusammenriss. Er hatte sogar den Ofen im Laderaum schon angeheizt – so viel konnte er also noch mitdenken. Starbucks war mal wieder der Retter des Tages gewesen.

      Nach dem Ausschneiden ging es schließlich ans Abknipsen des Tragrands und der anschließenden Begradigung der Hufwände und Sohle. Das Aufbocken gefiel Halluzination überhaupt nicht, aber auch hier war sie nicht das erste Pferd, dem das nicht ganz so gefiel. Doch wer schöne Hufe haben wollte, der musste eben auch ein paar Sachen durchstehen, die ihm (oder in diesem Fall ihr) nicht gefielen. Unbeirrt bockte ich die Hufe immer wieder von neuem auf und raspelte über die Hufwand, bis auch das geschafft war.

      Ein letztmaliger Check von allen vier Hufen – im Stand, im Schritt und im Trab – und dann ging es an das wirkliche Arbeit. Sobald der Ofen die richtige Temperatur hatte, wurden vier Eisen in die passende Form gebracht – unter viel Rauch und Zischen natürlich. Die Stollenlöcher hatte ich bereits zuhause bohren können, sodass wir in England keine großen Bohraktionen mehr starten mussten. Geeinigt hatten wir uns auf selbstschneidende Stollen, sodass die Verletzungsgefahr durch irgendwelche Werkzeuge gemindert wird. Vor allem bei Halluzination schien mir das jetzt im Nachhinein die beste Variante. Neben den Stollen gab es für Occulta auch noch Verschlussstopfen dazu, damit sie die Löcher auch verschließen konnte, sollte es erwünscht sein.

      Nach einem diesmal-wirklich-letzten Check wurde Halluzination dann entlassen. Der Pfleger krallte sich wieder Lesja und verdonnerte ihn zum Pferdehol-Dienst, sodass er wenige Minuten später mit einem schmalen Braunen in die Stallgasse des Haupstalles.

      „Sunday Morning,“ sagte ich grinsend und hielt dem Hengst meine Hand zum beschnuppern hin. „Ich sollte froh sein, dass ich schon ein Vollblut von dir habe – aber ich würde unheimlich gern mal eins von seinen Babys treffen.“ Und haben, aber das blieb ungesprochen.

      „Du suchst dir aber auch immer die Sprinter raus,“ meinte Occulta lachend. „Dann musst du dich wohl ans Jockey-Dasein gewöhnen.“

      „Das würde ich sogar in Kauf nehmen,“ sagte ich grinsend und half ihr dann, den Braunen in der Stallgasse von beiden Seiten anzuhängen. Genau wie Halluzination bekam auch Sunday Morning einmal eine Komplettbehandlung; die alten Beschläge sollten für neue getauscht werden. Im Gegensatz zu der Stute davor schien es jedoch, als könnte den Hengst nichts aus der Ruhe bringen. Brav ließ er sich jeden einzelnen Beschlag abnehmen ohne einmal zusammenzuzucken. Definitiv ein Traumhengst. „Sollte ich je einen Veredler brauchen, melde ich mich, okay?“

      „Dann muss ich dich warnen – er ist ein ziemliches Sensibelchen, und wir konnten noch nicht testen, ob er das weitervererbt.“

      „Das nehm‘ ich auch in Kauf.“

      Die eigentliche Arbeit war keine große Veränderung zu Halluzination. Auch Sunday Morning hatte gesunde Hufe, keinerlei Anzeichen von irgendwelchen Hufkrankheiten. Das Abknipsen des Tragrandes ließ ihn ein paar Mal zusammenzucken, obwohl es eigentlich nicht lauter war als das Hineinschlagen der Mulden unter den alten Nieten.

      Ebenfalls wie Halluzination bekam Sunday Morning selbstschneidende Stollen und Verschlussstopfen dazu, dann war auch er fertig und durfte zurück, während ich schnell die Stallgasse fegte. Occulta warf einen kurzen Blick auf den gähnenden Lesja und lud uns spontan zu einem kleinen Lunch ein, ehe es mit dem letzten Kandidaten für heute weiterging. Und dann kam natürlich noch der Besuch bei Gambit, auf den ich mich insgeheim schon seit dem Flug am meisten gefreut hatte.

      Frisch gestärkt ging es dann in Richtung Nordstall – vom Haupthaus aus kein großer Weg, aber wenn man vollgefressen war, fühlte sich jeder Schritt wie einer zu viel an. Hier, und das wusste ich von unserer Hofführung bei der Aktion, standen die großen Warmblutstars: ausdrucksstarke Trakehnerhengste, Dressurmeister, teure Westernpferde. Ein paar isländische Pferdenamen erkannte ich auch an den Boxentüren als wir auf Lesja warteten, der natürlich wieder das jetzige Pferd holen durfte/musste. (Und danach den Van umparken, aber mit ein bisschen mehr Essen als einem mickrigen Starbucks-Cupcake ging das Arbeiten dann doch viel leichter. Man ist einfach nicht man selbst wenn man hungrig ist.)

      Diarado – der Name war Programm. Groß, schwarz, glänzend, eigentlich ein Warmbluthengst, wie er im Buche steht. Er strahlte eine gewisse Präsenz aus, sodass ich, als Lesja mit ihm die Stallgasse entlang kam, gleich ein wenig aufrechter stehen musste. Man muss ja einen guten ersten Eindruck machen, oder? Meine Hand beschnupperte der Hengst nur kurz, aber es schien, als wäre er nur hier, um sich mal eben schnell die Hufe neu beschlagen zu lassen – da konnte man sich nicht allzu lange mit Förmlichkeiten beschäftigen. Innerlich zuckte ich daraufhin mit den Schultern, nahm meine Nietklinge und begann, die Nägel des ersten Beschlags zu lockern.

      Ebenso kurz wie seine Begrüßung ausgefallen war (war ich etwa gekränkt, weil ein Hengst mir wenig Beachtung geschenkt hatte? Vielleicht. Ein bisschen) wurde auch Diarados Behandlung. Ihm schien wenig egal zu machen, was ich gerade an seinen Hufen machte, und ihm schien auch egal zu sein, dass er dafür selbst ein bisschen etwas tun musste. Wie ein Profi ließ er sich die Hufe aufbocken und zuckte auch nicht zusammen, als ich die heißen Eisen immer wieder auflegen musste, um die richtige Form zu bekommen. Dementsprechend entspannt ging dann auch das Aufnageln vonstatten, sodass wir relativ zügig auch schon fertig waren. Selbst Occulta blinzelte ein paar Mal, als sie die Zeit sah. Aber Diarado lief klar und die Eisen passten – es war also alles okay.

      „Und jetzt zu Gambit,“ sagte ich grinsend und verdonnerte Lesja kurzerhand zum Fegen.

      Tierarztbericht
      24. November 2013 | 8360 Zeichen von Tikka
      Zahnarztbesuch

      Bereits bevor sich die ersten Sonnenstrahlen ihren Weg durch die Wolken suchten, war ich mit dem Jeep auf den Straßen unterwegs zu Occulta. Doch dieses mal begleitete mich Olivia, eine Studentin die die nächsten sechs Wochen ein Praktikum in meiner Praxis absolvierte. Bei Behandlungen, die mehr erforderten als nur eine Impfung oder eine Routineuntersuchung, fuhr ich nie alleine los, um eine helfende Hand bei mir zu haben. Zwar sollte ich heute nur nach vier von ihren Pferden sehen, doch brauchte eine Zahnkontrolle immer einiges an Zeit. Ich hatte die junge Frau bereits gebeten, die Pferde vier Stunden zuvor das letzte Mal fressen zu lassen, so dass auch ihr Tag früh begonnen haben musste. Schließlich rollte ich die Auffahrt des Vollblütergestüts herauf und parkte den Wagen. „Guten Morgen.“, lächelte ich, als Occulta auf mich zu kam. Die sympathische junge Frau begrüßte mich und auch meine Praktikantin, welche ich ihr kurz vorstellte und wir gingen herüber zu den Hauptstallungen, wo die vier in ihren Boxen standen, die jedoch nur mit Sägespänen gefüllt waren. „Gut.“, sagte ich freundlich und folgte ihr zur ersten Box. „Dann untersuche ich zuerst Kiefer und Zähne ob Behandlungsbedarf besteht.“, erklärte ich und blickte in die erste Box. „Hallo Blüte.“, murmelte ich, als ich die schicke Stute vor mir sah und streckte ihr meine Hand entgegen. Vertrauensvoll reckte die Stute ihren Hals und ich strich ihr über die Stirn. „Sie war mein erstes Pferd.“, erklärte ich Occulta und lächelte leicht, ehe ich meine Tasche nahm und die Box betrat. Ich hätte nicht damit gerechnet, sie hier in Occultas erfolgreicher Zucht wiederzufinden, zumal sie sich wirklich gemacht hatte. Es erleichterte mir die Untersuchung sehr, dass ich ihre Macken bereits kannte. Denn Blüte war ein sehr umgängliches Pferd, solange man ihr zeigte, wer das Sagen hatte. Ich bat Occu Blüte festzuhalten, während ich von außen ihren Kiefer abtastete und so bemerken würde, sollte ihr etwas weh tun. Doch weder am Gelenk noch an ihrer Kaumuskulatur ließ sich etwas auffälliges feststellen. So schob ich ihre Lippen hoch und kontrollierte ihre Zähne von außen. „Bei ihr sieht alles super aus.“, sagte ich zu Blütes Besitzerin und bückte mich nach meiner Tasche, um die Maulsperre herauszunehmen. „Nun sehen wir noch in der Mundhöhle nach Karies, Zahnstein scharfen Kanten, Wellen et cetera und schleifen dies gegebenfalls ab.“, erklärte ich meine weitere Vorgehensweise. Dies tat ich nicht nur für Olivia, sondern auch für Occulta, denn ich hatte häufig die Erfahrung gemacht, dass meine Kunden mir so ihr Vertrauen schenkten und ihre Tiere in guten Händen wussten. Doch zuvor nahm ich noch eine Einwegspritze aus meiner Tasche, öffnete die Verpackung und zog sie mit einer klaren Flüssigkeit auf. „Ich gebe ihr nun etwas zur Beruhigung, damit sie sich während der Behandlung nicht erschrickt. Nebenwirkungen können auftreten, sollten aber morgen wieder verschwunden sein, ansonsten kontaktierst du mich bitte.“, sagte ich freundlich und injizierte der Stute das Mittel. „Zudem sollte sie acht Tage keine Turniere mehr gehen, da die Dopingprobe positiv ausfallen kann. So. Das wird ihr jetzt vermutlich wenig gefallen, aber weh tut es nicht.“, sagte ich, während ich der Stute das Maul aufdrückte und die Sperre platzierte. Widerwillig ließ sie es über sich ergehen, auch als ich mit Hilfe eines langen Führstrickes und einem Haken an der Decke ihren Kopf hochzog und Occulta bat, diesen hochzuhalten. „Stellst du sich neben sie und hältst ihren Kopf ein wenig fest, sodass sie ihn nicht weg zieht.“, bat ich meine Praktikantin und begann mit der Untersuchung. Zuerst reinigte ich ihr Maul mit einer übergroßen Zahnbürste von Futterresten, was jedoch wenig nach Zähne putzen aussah, als mehr nach anstrengendem Schrubben. Mit einem leichten Schmunzeln klopfte ich ihr kurz den Hals und machte mich daran, ihre Zahnflächen und -hälse nach Karies abzusuchen, nachdem ich ihr den Mund ausgespült hatte, doch der Befund fiel negativ aus. „Gut, dann lass ihren Kopf wieder runter.“, sagte ich und lobte die Stute. „Die Zähne passen wunderbar aufeinander, was heißt, wir müssen nichts abschleifen, Karies hat sie auch keinen.“, erklärte ich lächelnd und verließ mit Olivia die Box, ehe ich sie verschloss. Diese Prozedur bestand uns nun noch drei mal bevor. Die nächste Patientin war Iskiera, eine Stute, von der Occulta bereits am Telefon berichtet hatte, mit den Worten ich solle auf meine Finger achten. Mit einem Schmunzeln betrat ich die Box und die schicke Schimmelstute blickte mich missbilligend an. „Na du.“, sagte ich und trat neben sie, um mit dem Abtasten zu beginnen, während Olivia sie am Halfter hielt. Am Kiefergelenk und an dem Kaumuskeln konnte ich nichts feststellen und noch ließ sie alles über sich ergehen, wenn auch widerwillig. Als ich jedoch ihre Lippen hochschob, riss sie unvermittelt den Kopf zurück und schnappte. „Hey!“, ermahnte ich sie mit strengem Tonfall, nachdem ihre Zähne kurz vor meinem Arm aufeinander schlugen. Nun wusste ich, was Occulta gemeint hatte. „Gut, dann gebe ich ihr jetzt die Beruhigungsspritze.“ Pferde verstanden nicht, warum sie die Zahnbehandlung über sich ergehen lassen mussten und so war ihr erster Gedanke natürlich die Flucht, was die Spritze jedoch verhindern sollte. Ich zog die klare Flüssigkeit und und gab sie ihr in die Vene am Hals, woraufhin ihr Widerstand langsam etwas nachließ. Als ich ihr jedoch das große Halfter mit der Maulsperre überzog, legte sie missmutig die Ohren an und Olivia und Occulta hatten genug damit zu tun, den Kopf ruhig zu halten. „Ganz ruhig.“, murmelte ich und begann als alles vorbereitet war rasch mit der Untersuchung, denn ich wollte dem Tier nicht mehr Stress als nötig bereiten. Schnell war ihr Mund gereinigt und an ihren Zähnen befand sich ebenfalls kein Karies, doch mussten einige Ecken abgeschliffen werden, sowie die Schneidezähne, die nur schlecht aufeinander passten. So zog ich meinen Mundschutz auf, um den Staub nicht einzuatmen und begann mit der Prozedur. Das Geräusch ließ mir trotz Routine jedes Mal das Blut in den Andern gefrieren und auch Iskiera schien das Ganze alles andere zu gefallen. „Und fertig.“, seufzte ich und zog der Stute das Halfter ab, woraufhin sie noch etwas benommen den Kopf senkte. „Braves Tier.“, lobte ich sie und verließ mit Olivia und Occulta die Box. Die Hälfte war nun geschafft und uns standen noch zwei Hengste bevor, die jedoch unproblematisch sein sollten. Zuerst gingen wir zu dem dreijährigem Gleam of Light, welcher die Prozedur der beiden Stuten neugierig beobachtete hatte. Ich betrat die Box und begann auch bei ihm mit der Untersuchung, welche er anstandslos über sich ergehen ließ. Auch bei ihm musste ich die Schneidezähne ein wenig abschleifen und Zahnstein entfernen, was jedoch eine schnelle Behandlung war. Nach einer guten Dreiviertelstunde nachdem ich die Box betreten hatte konnte ich ihm die Maulsperre wieder abnehmen und lobte ihn. „Guter Junge.“, murmelte ich und klopfte dem dunklen Tier den kräftigen Hals. „Dann wollen wir mal zum letzten Patienten gehen.“, sagte ich zu den beiden und Occulta führte uns zu Sunday Morning, ebenfalls ein dreijähriger Hengst, jedoch lammfromm im Umgang, wie sie erklärte. Dies zeigte er auch während der Untersuchung, doch fand ich bei dem jungen Hengst Karies auf der Kaufläche einer der hinteren Zähne. „Dies bedeutet, der Karies muss ausgefräst werden und anschließend in mehreren Schichten gefüllt. Weh wird es ihm nicht tun, aber er muss noch ein Weilchen still halten.“, erklärte ich und begann mit meiner Arbeit. So weit hinten im Maul zu arbeiten war weder für mich noch für das Tier schön, doch hatte ich den Karies bald Rückstandslos entfernt und konnte mit dem Auffüllen beginnen, während ich Occulta erklärte, was sie noch zu beachten hatte. „Die nächsten beiden Tage solltest du säurehaltiges Futter unbedingt vermeiden, ansonsten sieht man an ihren Zähnen und dem Fell, dass du super fütterst. In einem halben bis ganzen Jahr, sollte man wieder nach ihnen schauen.“, sagte ich lächelnd und beendete meine Behandlung. Zu dritt verließen wir den Stall und ich räumte meine Tasche ins Auto, ehe ich Occulta die Hand gab und mich verabschiedete. Inzwischen war es schon früher Mittag und ich machte mich mit Olivia wieder auf den Weg in die Praxis von Musta Kyyneleet.

      Tierarztbericht
      08. September 2014 | von Eddi
      Clinic Caen

      Hatte ich mich so eben noch um ein Pferd aus Occultas ehemaliger Zucht gekümmert, führte mich mein nächster Termin direkt auf die Pineforest Stables.
      Dort wartete Occulta auch schon auf mich, obwohl ich ausnahmsweise sogar überpünktlich war. „Hey Eddi! Zum Glück bist du eher da. Mir ist heute Morgen aufgefallen, dass Sunday Morning lahmt.“ erklärte sie mir und so liefen wir direkt zum ersten Patienten.
      Sunday war ein braunes Vollblut mit neugierigen klaren Augen, der dem Tierarzt wohlgesonnen war. Ich nahm ihn erst einmal äußerlich gründlich in Augenschein und überprüfte seine Gesundheit.
      Dann tastete ich vorsichtig sein linkes Vorderbein ab. Dieses war leicht warm und geschwollen. „Ich glaube es ist nichts schlimmes, wahrscheinlich hat er sich nur vertreten.“ erklärte ich Occulta, welche schon erleichtert ausatmete. Bei Vollblütern kam es gerne mal zu Sehnenentzündungen und dann fielen sie für unbestimmte Zeit aus.
      Ich erklärte Occulta, dass sie Morgens und Abends mit Wasser kühlen sollte und danach immer Heilerde draufmachen sollte. Eine Packung davon ließ ich ihr da.
      „Sollte es wieder wärmer werden – das Wetter spinnt ja momentan sowieso – dann mach über den Tag einen Kühlakkuverband drauf, sonst wärmt sich das Bein zu sehr auf.“
      erklärte ich und bereitete bereits die ersten Spritzen vor. Trotz seiner Lahmheit sollte Sunday geimpft werden und so musste er tapfer vier Spritzen aushalten. Danach gab es noch die Wurmkur und der erste Vollblüter war fertig.
      Danach war der schwarze Gleam of Light an der Reihe. Ich begrüßte den jungen Hengst kurz und begann dann direkt mit der Untersuchung.
      Erst ein gründlicher Blick in Augen und Maul, dann das Abtasten und Abhören und zum Schluss noch die Kontrolle der Körpertemperatur.
      Gleam war rundum fit und konnte so auch guten Gewissens geimpft werden. Er hielt bei den Spritzen nur leider nicht so fein still wie Sunday, so dass Occulta ihn vorne mit festhalten musste.
      Als das geschafft war, gab es noch die Wurmkur und dann musste ich auch schon wieder los. „Tut mir leid, ich würde gerne noch quatschen, aber mein Terminkalender ist heute übervoll!“ seufzte ich und verschwand.

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      26. Juni 2013 | 6230 Zeichen von Sevannie
      Tierklinik Briar Cliff

      Meine Reise ging heute nach England, auf Occu's Hof. Ja sie hatte mir einen riesen Gefallen getan und dafür hatte ich mich nun auf den Weg gemacht drei ihrer wundervollen Pferde zu verarzten, oder eher gesagt sie vor schlimmeren zu schützen. Denn diese drei Pferde sollten einmal eine Wurmkur bekommen, sowie durchgecheckt und geimpft werden. An ihrem Hof angekommen, parkte ich auf dem riesigen Parkplatz und lief zum Haupthaus, auf dem Weg dorthin fing sie mich ab und lief zusammen mit mir zu den Stallungen. ,,Als erstes machen wir uns an Fly Fast ran, da er in der Box am ruhigsten ist müssen wir das alles dort machen.'',erklärte sie und ich nickte. ,,Klar kein Problem.'',meinte ich dann daraufhin und lief mit ihr den Hauptstall entlang. Ein Englisches Vollblut nach dem anderen, bis wir an der Box des braunen Hengstes ankamen. ,,Von Fly wurde zu früh zuviel erwartet.'',murmelte sie knapp als sie ihn aufhalfterte und ihn in der Box anband. ,,Oh okay.'',murmelte ich und ließ mich von dem Hengst beschnuppern - was kein Problem darstellte. Als mich der Hengst fertig abgeschnuppert hatte, schaute ich mir seine Augen an und blickte ihm ins Maul. Hier war nichts auffälliges festzustellen also begann ich damit den Hengst von oben bis unten abzutasten. Auch hier war nichts ungewöhnlich, er hob nur wie fast jedes andere Pferd brav die Beine als ich diese abtastete. Sanft lobte ich ihn kurz und sprach gut auf ihn ein, ehe ich dann mir mein Stethoskop schnappte und ihn abhorchte. ,,Sein Puls und die Atemfrequenz liegen im Durchschnittsbereich, also er ist nichtmals aufgeregt wegen dem ganzen hier.'', erklärte ich schmunzelnd. Nachdem ich ihn abgehört hatte, das Stethoskop weg gepackt war und ich das Thermometer zu mir nahm, lief ich zur Hinterhand des Hengstes, während Occu dem Hengst vorne zusprach und ihn festhielt. Ich begann die Körpertemperatur zu messen und gleich beim ersten Mal funktionierte das Ganze. ,,37,9°C, Also auch kerngesund.'',erklärte ich schmunzelnd und lobte den Hengst, bevor ich dann das Thermometer desinfizierte. ,,Also mich wundert es ja jetzt das er bei allem ruhig bleibt.'' - ,,Naja ist er denn sonst nicht so?'' - ,,Ich kenne ihn in der Box anders wie außerhalb doch so totenbrav dann auch wieder nicht. Ich dachte beim Tierarzt macht er mehr Terz.'',lächelnd lobte ich dann Fly Fast. ,,Vielleicht mag er mich.'',meinte ich scherzend und zog dabei schon den Impf-Cocktail auf. Er sollte ja immerhin noch alle Impfungen bekommen, ehe es dann auch an die Wurmkur ging. Ich desinfizierte die Stelle mit einem Tupfer, wo ich gleich einstechen würde, ehe ich mir einen trockenen zur Hand schnappte und dann die Spritze injizierte. Kurz quickte der Hengst auf, doch kaum hatte er gequickt da hielt ich schon den trockenen Tupfer an die Einstichstelle und lobte ihn. ,,Alles gut, Großer. Nur noch die Wurmkur dann hast du es geschafft.'',schmunzelte ich und schmiss das ganze Zeug in den Müll, also die Einwegspritze und die Tupfer. Ich nahm mir die Wurmkurpaste zur Hand und mit Occu's Hilfe drückte ich ihm diese in sein Maul, wir hielten den Kopf oben damit er ja nicht auf die Idee kam das ganze wieder auszuspucken. Als wir dachten alles wäre hinuntergeschluckt, oder zumindest das meiste, bekam er noch etwas Müsli und durfte natürlich etwas trinken. ,,So Großer, wir sehen uns dann irgendwann vielleicht. Sofern mich Occulta nochmal zu dir lässt.'',schmunzelte ich und lobte ihn, ich packte meine Sachen zusammen und Occu machte das Halfter ab und die Tür zu. Sie führte mich zum nächsten Pferd..

      Ebenfalls ein EVB-Hengst, ebenfalls ein brauner Hengst. Doch im Gegensatz zu Fly Fast stand Sunday Morning auf dem Putzplatz. Doch Sunday hatte im Gegensatz zu Fly Fast gar keine Abzeichen. Sanft lobte ich den braunen Hengst und ließ mich wie bei Fly Fast abschnuppern. ,,Das neben an ist dann auch Arctic Blue.'', erklärte mir Occulta und ich blickte mich um, ehe ich hinunter sah. ,,Oh.'',murmelte ich verlegen und kniete mich etwas, damit ich auf Augenhöhe war und mich der American Minatur Horse- Hengst auf Augenhöhe hatte. ,,Ihr sollt brav sein, hab ich gehört, wobei ich von meinen anderen Patienten auch nichts anderes sagen kann.'',murmelte ich und lobte auch Artic kurz. So behandelte ich erst einmal den EVB Hengst. Ich tastete diesen ab, fand hier nichts Auffälliges, ehe ich dann mir die Augen und das Maul ansah. Das Zahnfleisch hatte eine gute Farbe und die Augen waren nicht trüb, sie tränten auch nicht. Also ging es an das Abhören. Sein Puls betrugt 40 Schläge pro Minute und er tat ca. 14 Atemzüge pro Minute. Also alles im Durchschnittsbereich wie bei Fly Fast. Sanft lobte ich ihn und schnappte mir mein Thermometer. Auch bei diesem Hengst gab es keinerlei Probleme beim Messen und das Thermometer zeigte mir am Ende 37,7°C an. ,,So auch er ist kerngesund also noch schnell impfen und entwurmen und dann gehts an den Kleinen ran.'',grinste ich und zog dabei den Impf-Cocktail auf, auch das Impfen ging wie bei Fly Fast schnell von statten und wurde genauso gehandhabt wir zuvor auch. Der Hengst brummelte kurz, schlug mit dem Schweif aber blieb ansonsten still. ,,So ist's brav.'',meinte ich und drückte ihm dann auch die Wurmkurpaste in das Maul, Occulta hielt den Kopf wieder nach oben, ehe ich den Eimer mit dem bisschen Müsli vor den Hengst hielt. Er verschlang es relativ schnell. Nun ging es an Arctic Blue heran. Bei diesem Hengst schien alles in Windeseile zu verlaufen. Schnell war auch er abgetastet, abgehört und die Körpertemperatur gemessen, wobei er als einziger dort etwas Probleme machte. Er schlug mit dem Schweif und tänzelnde etwas, doch beim zweiten Anlauf verlief dann doch alles gut. Nachdem er dann auch fertig durchgecheckt war, bekam er noch alle Impfungen und auch die Wurmkurpaste. Der kleine Hengst war brav und ruhig gewesen, bis auf das Messen der Körpertemperatur. Er und Sunday Morning bekamen beide zum Abschied eine Möhre, ehe ich mich von Occulta verabschiedete und zum Parkplatz stiefelte. Vorher hatte ich ihr noch erklärt das sie bitte die drei Pferde die nächsten Tage etwas schonen möchte, wegen ihrem Immunsystems und der Impfungen. Das alles müsste erst einmal ins Reine kommen, bevor sie wieder Sport ausgesetzt wurden.

      Tierarztbericht
      08. Januar 2015 | von Eowin

      Nun war Sunday Morning an der Reihe. Ich war froh, dass sich langsam ein Ende erkennen ließ, denn diese Fließbandarbeit ging auf's Gemüt.
      Der Hengst war groß und für sein junges Alter schon beachtlich bemuskelt.
      Ich begrüßte ihn und er schmiegte sich gegen meine Hand – er schien es wirklich zu genießen.
      Und es stellte sich heraus, dass er auch beim Impfen sehr artig war und auch die Wurmkur ohne Murren nahm. Offensichtlich hatte er einen gewissen Will to Please.
      Nochmals klofpte ich ihm den Hals, woraufhin er zufrieden schnaubte. Dann durfte er wieder in seine Box.
    • sadasha

      Ausbildungsbericht
      18. September 2012 | 3905 Zeichen von Snoopy
      Einreiten

      Auch heute erwartete ich wieder Pferd & Reiter! Um zehn Uhr morgens kam Occulta mit ihrem Vollblut Hengst Sunday Morning zu mir auf den Hof. Gespannt sah ich auf die runter gehende Laderampe, wo Occulta den Hengst dann hinunter führte. Trotz der Tatsache, dass er einfach nur braun war, sah er irgendwie hübsch & interessant aus.
      Nach dem Putzen brachte ich ihn gesattelt und getrenst in die Halle. Damit er sich zunächst an den Sattelgewöhnen konnte, schnallte ich ihn an die Longe. In einem fleißigem Schritt schreitete er seine Runden. "So ist er ein Feiner!", lobte ich ihn und ließ ihn wenig später antraben. Erst hier zeigte er erste Widerspenstigkeit gegen den Sattel. Manchmal drückte er seinen Po und somit auch seinen Rücken weg, als wollte er dem Sattel so ausweichen. Hoffentlich macht er das nicht, wenn ich nachher auf ihm sitze. "Sehen Sie Occulta, es war richtig ihn vorher an die Longe zu nehmen. So kann er überschüssige Energie abladen & merkt gleich den Sattel auf seinem Rücken." Nach einigen Runden & einem Handwechsel trabte er zwar noch sehr flott, aber machte keine Anstalten mehr. Auch im Galopp buckelte er ein einziges Mal & danach war er ganz der alte: Der ruhige Hengst.
      Nun war es an der Zeit, sich auf seinen Rücken zu schwingen. Occulta nahm mir freundlicherweise Longe & Peitsche ab & ich schnallte meinen Reithelm auf. Langsam stieg ich in den Steigbügel & ließ mich dann ruhig in den Sattel gleiten. Sunday Morning riss den Kopf und und ging nervös einen Schritt zur Seite. "Hey mein Großer, alles gut, nichts passiert, alles super.", beruhigte ich ihn und strich über seinen braunen Hals. Langsam ritten wir am langen Zügel im Schritt los. Immer wieder schnaubte er nervös, doch dies legte sich mit jeder Runde mehr. Lobend sprach ich immer wieder auf den Hengst ein & schließlich konnten wir sogar schon antraben. Fleißig lief er an, und ich hatte es echt noch nie erlebt, dass ein eingerittenes Pferd schon so gut die Hinterhand mitnimmt. Auch Occulta war sichtlich begeistert & stolz auf ihren Sunday Morning. Nach einer Weile bekam ich ihn in eine schöne Dehnunghaltung, in welcher wir Volten, Zirkel, Schlangenlinien & Handwechsel ritten. Zum Ende hin galoppierten wir an. Wow! Genau jetzt merkte ich, dass ich ja eigentlich ein Rennpferd unter mir habe. Er hatte irgendwie schon diesen gestreckten Galopp drin & ich hatte meine Mühen ihm klar zu machen, dass er aus der Reithalle keine Rennbahn machen konnte! Wir gingen wieder zurück in den Trab, ich ließ den Hengst austraben und fragte dann, ob auch Occulta mal auf ihn setzen mag. Strahlend nickte sie und ich half ihr hoch in den Sattel. "Er hat jetzt wieder erst mal ein anderes Gefühl, deswegen reiten auch zu zunächst Schritt am langen Zügel. Lassen Sie ihre Schenkel am Pferdekörper und schwingen sie mit ihrem Becken mit. Er muss merken, dass Sie die ganze Zeit bei ihm sind, Sie müssen ihn also genau zwischen Ihren Beinen haben. Und das muss er merken.", erklärte ich ruhig. "Genau, das sieht doch schon super aus!", lobte ich beide & schließlich trabten sie an. Auch vom Boden sah ich noch einmal, dass die Hinterhand wirklich sehr schön aktiv war. "Wenn er mehr Zügel will, dann geben Sie ihm mehr Zügel. Dann haben Sie ihn gleich auch in der Dehnunghaltung.", fuhr ich fort. Am Ende der Stunde war Occulta total begeistert und wollte gar nicht mehr so richtig absteigen.
      Nachdem der Hengst wieder im Hänger war, gab ich ihr noch ein paar kleine Tipps: "Sie müssen halt drauf achten, dass ein Reiter immer noch neu für ihn ist. Er wird sich das nächste Mal auf keinen Fall wie ein alter Hase im Showgeschäft verhalten, deshalb fangen sie immer ruhig an. Und wenn mal was nicht auf Anhieb klappt ist das ganz normal. Das Pferd darf keinen Druck oder Stress durch die Arbeit verspüren, es soll Spaß daran haben. Aber ich denke, dass kriegen Sie schon hin!", meinte ich lächelnd. "Auf Wiedersehen!"

      Trainingsbericht
      22. Juni 2013 | von Occulta
      Galopprennen E-A

      Wie versprochen machte ich mich nach dem Spaziergang mit den Minis noch auf zum Hauptstall, wo ich Sunday putzte und sattelte. Stromer, Felicita, Light, Crack und Paint waren am Morgen schon bewegt worden, blieben also nur noch Spot, Kierka, Pina und Sunday eben. Ausserdem sollte um sieben Uhr noch eine neue Stute ankommen: Shades of Gray. Ich hatte die Süsse von einem Kollegen in Süd England abgekauft. Die Zweijährige war noch nicht eingeritten worden. Doch nun erstmal zurück zu Sunday, den ich nach dem Putzen zur Bahn ritt. Es war schon deutlich kühler geworden und die Sonne stand nicht mehr ganz so hoch. Auf der Grasbahn liess ich ihn locker eintraben, darauf folgte ein kleiner Galopp. Dann trabte ich ihn bis zum 500-Meter Pfosten und machte dort einen fliegenden Start. Er ging gut, galoppierte sauber im Takt. Bei der 1000-Meter Markierung liess ich ihn noch einmal zulegen bis zur 1200er Markierung, danach liess ich ihn auslaufen. Ich lobte ihn und wendete auf der Bahn. Nun wiederholte ich das Ganze auf dieser Seite. Diesmal machten wir eine ganze Runde auf der 1500 Meter langen Bahn. Er blieb bis zum Ende fit, also hängte ich nach einer halben Trabrunde einen kleinen Lockerungsgalopp an. Danach liess ich ihn austraben. Er streckte trotz der Anstrengung schön den Kopf nach unten und lief schwungvoll vorwärts, ein Zeichen dass er mittlerweile gute Kondition hatte. Ich lobte ihn ausgiebig, dann verliess ich im Schritt die Bahn und ritt zur Galoppbahn, um ihn dort noch eine Weile Schritt zu reiten.
      Zurück beim Hauptstall sattelte ich Sunday ab und wusch ihn. Er hatte stark geschwitzt wegen der Wärme und der hohen Luftfeuchtigkeit. Ich nutzte die Gelegenheit, um ihn ganz abzuduschen. Dazu rieb ich ihn ordentlich mit Shampoo ein und spülte dieses danach gründlich aus. Zum Trocknen liess ich ihn ein wenig an der Hand grasen. Er war recht schnell trocken, also verräumte ich ihn wieder in die Box und lief danach zum Parkplatz, wo mein Mann schon wartete. Gleich würde die neue Stute kommen. Wenige Minuten später fuhr der Anhänger auf den Hof und die graue Zweijährige wurde herausgeführt. Ich nahm sie entgegen, während mein Mann sie sich genau ansah. Sie schien top fit und bereit zum einreiten. Zufrieden führte ich sie in ihre neue Box neben Crack. Mein Mann fuhr daraufhin los um eine weitere neue Stute zu holen: Islah. Auch sie kam gut an, die beiden neuen schienen sich jedenfalls auf Anhieb wohl zu fühlen in der grossen Box. In der Zwischenzeit hatten Quinn, Oliver und Lily Pina, Kierka und Spot bewegt. Nun waren also alle müde und zufrieden, Zeit dass auch die Menschen eine Pause bekamen. Zum Abschluss des Tages sassen wir also alle noch draussen vor dem Haus und assen eine Schüssel Fruchtsalat.

      Trainingsbericht
      25. Juni 2013 | 3378 Zeichen von IceLandGirl
      Galopprennen A-L | Teil 1

      Occulta hatte mir wieder einen Auftrag gegeben,kaum,dass ich bekannt gemacht hatte,dass ich wieder Zeit hatte.Es freute mich sehr und ich freute mich auch darauf,dass ich ein neues Pferd von ihr kennen lernen würde.Sie hatte mich gleich darauf vorbereitet,dass Sunday Morning ein richtiges Sensibelchen war und das tat mir gut,da ich die letzte Zeit irgendwie immer nur Pferde trainiert hatte,die eine strenge Hand brauchten.Ich kam am Hof an und machte mich dann direkt auf die Suche nach dem Hengst.Ich wurde im Hauptstall ziemlich schnell fündig.Neugierig beschnupperte der Hengst meine ausgestreckte Hand und schien sich zu freuen.Im Umgang war er auf jeden Fall ein Schatz,denn auch als ich ihn aufhalfterte und rausführte,blieb er gelassen,wieherte nur einmal nach seinen Kameraden,beruhigte sich aber schnell wieder.Ich brachte ihn zum Putzplatz und begann ihn dort gründlich zu putzen,ließ mir dabei viel Zeit,damit ich ihn und er mich besser kennen lernen konnte.Schließlich beendete ich die ausgedehnte Putzsession und holte Sattel und Trense.Nachdem ich ihm beides aufgezogen hatte,führte ich ihn auf den Platz,wo ich ihn heute nur zum Kennenlernen reiten wollte.Morgen würde dann das richtige Training beginnen.Ich gurtete nach und bekam bereits hier zu spüren,dass er sehr sensibel war,denn ich konnte nicht einfach fest nachgurten,sondern musste vorsichtig vorgehen.Sanft kraulte ich den Hengst und beruhigte ihn mit sanften Worten,bevor ich dann aufstieg.Man merkte sofort,dass er sensibel war,aber es machte mir auch Spaß.Als erstes ritt ich ihn im Schritt am langen Zügel warm.Er machte gut mit und ich brauchte ihn nicht zu tadeln.Als ich antraben wollte,erschrak er kurz und da ich zu heftig am Zügel zog,stieg er kurz.Ich gab sofort nach und er kam auch sofort wieder runter.Vorsichtig klopfte ich ihm den Hals und beruhigte ihn mit sanften Worten.Er schien mir das ganze nicht übel zu nehmen und ich passte von nun an auf.Als ich dieses Mal antraben wollte,klappte es besser und ich war sehr erleichtert darüber.Es würde schwer mit ihm werden,denn er war fleißig,man durfte ihn vorne aber nicht zu hart rannehmen.Aber mit der Zeit gewöhnten wir uns aneinander und ich fand heraus,wie ich ihn zu händeln hatte.Natürlich passierte es immer mal wieder,dass wir uns Missverstanden,aber an sich klappte es fürs erste Mal doch schon recht gut und ich war froh darüber.Seinem Vorwärtsdrang war zu entnehmen,dass er wohl gerne Galoppierte und für das Galopprennen wie geschaffen zu sein schien.Im Galopp war er schnell,ließ sich aber leicht bremsen und versammeln und machte an sich eine sehr gute Figur.Ich war dankbar dafür,denn ein sensibles,aber kaum händelbares Pferd war immer schwer zu trainieren.Er war zwar sensibel,aber reagierte fein auf meine Hilfen.Sanft lobte ich ihn und ritt ihn im Trab auf beiden Händen,baute einige Bahnfiguren ein,um mich an die Hilfengebung bei ihm zu gewöhnen und stellte fest,dass es mir wirklich eine große Freude bereitete,mit ihm zu trainieren.Er war ein tolles Pferd,wenn man erstmal wusste,wie man sich mit ihm arrangieren konnte und ich war mir sicher,dass er bestens geeignet für den Galopprennsport war.Schließlich beendete ich das Training und versorgte ihn gründlich.Abschließend schmuste ich noch eine ganze Weile mit ihm,bevor ich ihm noch ein Leckerli zur
      Belohnung gab und mich dann auf den Nachhauseweg machte.

      Trainingsbericht
      26. Juni 2013 | 3194 Zeichen von IceLandGirl
      Galopprennen A-L | Teil 2

      Der zweite Trainingstag war angebrochen und ich machte mich früh an diesem Tag auf den Weg zu Sunday Morning.Der Hengst sah mir schon neugierig entgegen und schien mit seiner Umgebung und sich im Reinen.Er war ein sehr kontaktfreudiges Pferd,was ich bereits bemerkte hatte und es freute mich,denn das machte den Umgang mit ihm auf jeden Fall leichter.Ich halfterte ihn nach einem kurzen Begrüßungsstreicheln auf und führte ihn dann zum Putzplatz,wo ich ihn ausgiebig putzte.Heute würden wir zur Galopprennbahn fahren und uns dort mit den Gegebenheiten vertraut machen.Morgen würde dann ein weiteres Pferd mit uns auf die Rennstrecke gehen und wir würden seine Fähigkeiten verfeinern und ausweiten.Nachdem ich ihn geputzt hatte,lud ich alles,was ich brauchte ein und dann auch ihn auf den Hänger.Dabei war er zum Glück gelassen und auch,als ich ihn an der Rennbahn wieder auslud,blieb er vollkommen ruhig und sah sich neugierig um.Den anderen Pferden auf der Koppel wieherte er zu,blieb aber ansonsten ruhig und ließ sich brav zum Anbindeplatz führen.Dort sattelte und trenste ich ihn auf und führte ihn dann auf die Rennbahn.Ich gurtete nach und stieg dann auf.Er war doch ein wenig nervös,aber leichte Paraden brachten ihn wieder runter und mit der Zeit beruhigte er sich auch,sodass es einfacher war,ihn zu händeln.Ab und zu stießen wir beide noch aneinander,aber ansonsten klappte es und er stieg heute nicht,was mich erleichterte,denn das flößte mir bei fremden Pferden doch Respekt ein.Nachdem ich ihn im Schritt aufgewärmt hatte,trabte ich an und spürte sofort,dass er am liebsten sofort galoppiert wäre,aber ich hielt ihn zurück und versuchte nicht zu hart auf ihn einzuwirken.Mit der Zeit bekam ich das Mittelmaß zwischen harten und weichen Hilfen heraus und es klappte viel besser zwischen uns beiden.Nachdem er auch im Trab aufgewärmt war,wollte ich ihn abgaloppieren und dann ein kleines 'Rennen' mit ihm machen.Natürlich noch ohne Konkurrent,denn er sollte sich erstmal mit der Rennbahn vertraut machen.Ich galoppierte ihn also an und er lief sofort schneller,als erwartet.Er war einfach ein Rennpferd mit viel Energie,was ich schon vorher bemerkt hatte,aber ich konnte ihn wieder einfangen und auch versammelt galoppieren,auch wenn ihm das nicht so gut gefiel.Schließlich war er auch auf beiden Händen im Galopp abgeritten und ich ritt mit ihm an die Startlinie,die in dieser Klasse noch keine Startbox war.Dann ließ ich ihn angaloppieren und gab ihm die Zügel,sodass er so schnell,wie er konnte,laufen konnte.Er war enorm schnell und ich war mir sicher,dass er ein wundervolles Rennpferd werden würde.Wirklich beeindruckend.Ich parierte am Ende der Strecke durch und lobte ihn ausgiebig.Für heute reichte es mit dem Training und ich ritt ihn im Schritt trocken.Wir hatten unsere Mitte wohl gefunden,denn mittlerweile reagierte er gut auf meine Hilfen und benahm sich auch sonst sehr gut.Nachdem er trocken geritten war,sattelte und trenste ich ihn ab und lud dann alles,einschließlich ihm,wieder ein.Ich fuhr zurück zum Hof,brachte alle Sachen an ihren Platz und Sunday Morning in seinen Stall.Er bekam zum Abschied noch ein Leckerli und dann machte ich mich auf den Nachhauseweg.

      Trainingsbericht
      29. Juni 2013 | 3320 Zeichen von IceLandGirl
      Galopprennen A-L | Teil 3

      Heute war der letzte Trainingstag und ich freute mich darauf Sunday Morning zu trainieren.Am Hof angekommen,ging ich sofort zu dem hübschen Hengst und kraulte ihn.Ich war froh,dass er im Umgang ein echter Schatz war und beim Reiten kamen wir mittlerweile auch ganz gut zurecht.Ich holte ihn aus seiner Box und brachte ihn dann zum Putzplatz,wo ich ihn gründlich und ausgiebig putzte.Es schien ihm zu gefallen,denn er senkte zufrieden den Kopf und schloss die Augen.Ich lächelte und beendete schließlich das Putzen,lud dann ihn und alles andere in den Hänger,um zur Rennbahn zu fahren.Ein Bekannter dort würde heute mit einem erfahrenen Rennpferd gegen uns antreten.Darauf freute ich mich,denn ich wollte herausfinden,wie gut Sunday Morning war.Er war schnell,unzweifelhaft,aber ob er schnell genug war?Wir kamen schließlich an und ich lud ihn aus,sattelte und trenste ihn dann und führte ihn auf die Bahn.Gemeinsam mit meinem Bekannten ritt ich den Hengst warm,während er sein Pferd ebenfalls warm ritt.Die beiden sollten sich so schon einmal aneinander gewöhnen.Zunächst ritt ich ihn im Schritt warm,bevor ich antrabte und sofort feststellte,dass er heute sehr gut drauf war und am liebsten sofort losgelegt hätte,aber ich parierte ihn und ließ ihn langsam traben,damit er sich erstmal locker machen konnte.Es dauerte ein bisschen,bis er wirklich locker war und der Galopp fiel ebenfalls schnell aus.Ich trabte und galoppierte ihn auf beiden Händen,damit er sich nicht irgendwie versteifte und dann war es soweit.Wir würden gegen den anderen Hengst antreten.Wir stellten uns an der Startlinie auf und ein Mann gab das Startzeichen.Wie auf Kommando schossen beide Pferde los und der Wind trieb mir und wohl auch meinem Mitreiter die Tränen in die Augen.Er war verdammt schnell,aber sein Gegner war auch sehr schnell und so lieferten sich die beiden ein richtig tolles Rennen.Offensichtlich war Sunday Morning ein hervorragendes Rennpferd und würde es wohl noch weit bringen.Ich kam beinahe gleichauf mit meinem Bekannten ins Ziel und lobte Sunday Morning.Er hatte sein bestes gegeben und wir waren ja sogar fast erster geworden.Ich ritt ihn eine Weile im Schritt,damit er wieder runterkam,bevor wir ein weiteres Rennen waren.Auch hier war er hervorragend und dieses Mal schlugen wir seinen Gegner.Ich hatte gemerkt,dass er sich sehr angestrengt hatte und dass sein Siegeswille voll entfacht war.Ich lobte ihn ausgiebig und ritt ihn derweil trocken.Mein Bekannter tat das gleich.Schließlich war er trocken geritten und ich sattelte und trenste ihn ab,lud alles,einschließlich ihm ein und fuhr dann zurück zum Hof.Dort versorgte ich Sunday Morning gründlich und verabschiedete mich mit einer langen Kuschelsession von ihm.Er schien sich darüber zu freuen und auch ich genoss es.Bevor ich ging,schrieb ich die übliche Nachricht an seine Besitzerin:
      Hallo Occulta,
      dein Pferd ist nun offiziell im Galopprennen auf Klasse L trainiert.Du kannst nun Rennen mit ihm in dieser Klasse gehen.Er wird es auf jeden Fall meistern können,denn er ist eine Kämpfernatur und ein hervorragendes Rennpferd.Fördere ihn weiter so und ihr werdet zu einem Superpaar heranwachsen.
      Liebe Grüße IceLandGirl
      Nachdem ich die Nachricht überbracht hatte,gab ich Sunday Morning zur Belohnung noch ein Leckerli.Dann machte ich mich auf den Nachhauseweg.

      Trainingsbericht
      01. Juli 2013 | 3610 Zeichen von IceLandGirl
      Galopprennen L-M | Teil 1

      Occulta hatte mir wieder einen Auftrag gegeben.Ich sollte ein weiteres Mal Sunday Morning im Galopprennen trainieren.Ich freute mich darauf,denn der Hengst war wirklich ein ganz tolles Pferd,wenn man sich erstmal auf seine Sensibilität eingestellt hatte,dann war er ein wundervolles Pferd,mit einer Begabung für das Galopprennen.Fröhlich begrüßte ich den Hengst und kraulte ihm sanft den Rücken,bevor ich ihn zum Putzplatz führte und dort gründlich und ausgiebig putzte.Bereits gestern hatte ich meinen Bekannten angerufen und ihn gebeten das Rennpferd für ein Training mit Sunday Morning fertig zu machen und ihm auch die Uhrzeit genannt,an der wir antreffen würden.Ich putzte den Hengst und lud dann ihn und alles andere ein.Dann machte ich mich auf den Weg zur Rennbahn.Dort angekommen lud ich ihn aus,sattelte und trenste ihn und führte ihn dann auf die Rennbahn.Man merkte ihm an,dass er genau wusste,wo wir waren,denn er wurde nervös und tänzelte neben mir her.Ich bekam ihn aber mit sanften Paraden dazu,wieder ruhiger zu werden.Es war manchmal gar nicht so einfach,ruhig zu bleiben,wenn das Pferd neben einem den Hermann machte.Aber ich gab mir große Mühe,denn ich wollte Occulta nicht verärgern und auch Sunday Morning nicht verderben.Er war ein toller Kerl und würde sicher ein super Rennpferd werden.Er war schon super,aber mit dem jetzigen Training würde er noch besser werden.Ich führte ihn auf die Rennbahn,wo bereits mein Bekannter mit seinem Pferd wartete.Wir würden heute das erste Mal aus einer Startbox starten und das machte mich doch ein wenig nervös,denn manche Pferde bekamen darin Angst.Dennoch blieb ich äußerlich ruhig,um den Hengst nicht zu verunsichern und meine Nervosität nicht auf ihn zu übertragen.Ich stieg auf und ritt ihn erstmal im Schritt und Trab warm,damit er gut gelockert ins Rennen gehen konnte.Zunächst führte ich ihn in die Startbox,damit er sich daran gewöhnen konnet und keine Angst bekam,aber er blieb ruhig.Auch als die 'Tür' aufging blieb er gelassen,spitzte nur neugierig die Ohren.Ich führte ihn wieder hinaus und stieg auf.Dann wurde er von einem Mitarbeiter in die Startbox geführt und er blieb ruhig.So etwas war wichtig für ein Rennpferd.Es musste nervenstark sein.Er war zwar sensibel,hatte aber starke Nerven.Ich lobte ihn dafür und dann sprang auch schon die 'Tür' auf.Er galoppierte sofort an und schoss gemeinsam mit seinem Konkurrenten aus der Startbox.Ich spürte wieder die Tränen in meinen Augen,genoss aber diesen schnellen Ritt sehr.Er war eine schöne Abwechslung zu den strengen Regeln der Dressur.Ich trieb ihn an,damit er wieder aufholte,denn sein Gegner lag gerade mit einer Nasenlänge vorne.Er spannte sich an und ich spürte,wie er schneller wurde und zog knapp vor dem Ziel noch an seinem Konkurrenten vorbei.Ich lobte ihn immer wieder und sagte:"Gut gemacht,mein Junge,gut gemacht."Nachdem ich ihn ein bisschen hatte ausruhen lassen,wollten wir ein weiteres Rennen wagen.Wieder wurden wir beide in die Startbox geführt und dann ging es auch schon los.Dieses Mal verlor Sunday Morning,aber das war gar nicht schlimm,denn er hatte nur ganz knapp verloren und hatte sich ordentlich ins Zeug gelegt.Ich ritt ihn im Schritt trocken und sattelte und trenste ihn dann danach ab,lud alles wieder ein und fuhr zurück zum Hof,wo ich ihn am Putzplatz noch versorgte und dann zurück in den Stall brachte.Dort bekam er ein Leckerli zur Belohnung und dann machte ich mich auf den Nachhauseweg.Ich war mir sicher,dass wir morgen bereits gegen mehrere Pferde starten konnten.Das würde das Training verkürzen.Ein Vorteil,wenn man ein Pferd bereits kannte.

      Trainingsbericht
      03. Juli 2013 | 3784 Zeichen von IceLandGirl
      Galopprennen L-M | Teil 2

      Ich hatte gestern keine Zeit mehr gefunden Sunday Morning zu trainieren,weshalb ich erst heute hin ging.Er sah mir entgegen und ließ sich brav von mir kraulen.Ich genoss diese Zweisamkeit und halfterte ihn schon mal auf.Nachdem ich noch ein bisschen mit ihm gekuschelt hatte,führte ich ihn zum Putzplatz und putzte ihn dort gründlich und ausgiebig.Er schien das zu genießen,jedenfalls machte der die Augen zu und ließ seinen Kopf locker hängen.Ich schmunzelte.Es war angenehm den sonst so hellhörigen Hengst auch mal entspannt zu sehen.Nachdem ich ihn geputzt hatte,lud ich alles - auch ihn - ein und fuhr dann zur Galopprennbahn.Heute würden wir gegen zwei Gegner antreten und aus der Startbox starten.Ich war gespannt,wie er damit umgehen würde.Wir kamen an und ich putzte ihn noch einmal über,bevor ich ihn sattelte und trenste.Dann führte ich ihn auf die Rennbahn,wo ich ihn erstmal im Schritt und Trab warm ritt.Das war gar nicht so einfach,denn er wollte liebend gerne losrennen und endlich galoppieren.Aber ich schaffte es - auch wenn er zwei Mal stieg - ihn ruhig zu halten und lobte ihn immer wieder,wenn er ruhiger wurde.Er war eben ein Sensibelchen und ab und an vergaß ich das natürlich.Ich hatte aber nie grob zugepackt,sondern nur ein bisschen zu viel Druck ausgeübt.Ich schaffte es meistens richtig zu parieren,aber manchmal passierte es mir,dass ich doch zu viel Druck aufbaute.Alles in allem klappte das Aufwärmen aber gut und ich ließ ihn einmal auf beiden Händen galoppieren,damit er wirklich richtig aufgewärmt war.Dann wurden Sunday Morning und seine Gegner in die Startboxen geführt und wenige Sekunden später ging es auch schon los.Sunday schoss gemeinsam mit seinen Konkurrenten aus der Startbox und blieb dicht auf.Er war zu Anfang eher weiter hinten,aber ich spürte,dass er sich sehr anstrengte und zirka auf der Hälfte der Strecke holte er mächtig auf.Ich lobte ihn dafür und ließ ihn weiter laufen.Er genoss es offensichtlich und strengte sich sehr an.Den einen Gegner überholte er,aber seinen zweiten Gegner schaffte er nicht mehr.Mit einem lächerlichen Abstand gewann das andere Pferd.Ich lobte ihn dennoch,denn er hatte sich unglaublich gut geschlagen.Nachdem ich ihn eine ganze Weile im Schritt geritten hatte,damit er sich erholen konnte,wollten wir ein weiteres Rennen wagen.Wieder wurden die drei in die Startboxen geführt und dann ging es auch schon los.Dieses Mal blieb Sunday Morning nicht zurück,sondern lag gleich von Anfang an gleich auf mit den Konkurrenten.Er zog kurz vor dem Ziel noch an beiden vorbei und ich lobte ihn überschwänglich.Er war ein hervorragendes Rennpferd und ich war mir sicher,dass er es weit bringen würde.Ich beendete das Training.Er hatte sich gut geschlagen und ich war mir sicher,dass er bereit für die Klasse L des Galopprennens war.Ich ritt ihn gemeinsam mit meinen Bekannten trocken und brachte ihn dann zum Putzplatz,wo ich ihn versorgte und dann sein Zeug in den Hänger lud.Danach lud ich auch ihn ein und fuhrt dann zurück zum Hof.Dort angekommen brachte ich ihn in die Box und kraulte ihn noch eine Weile."Gut gemacht,mein Süßer",sagte ich liebevoll.Dann gab ich ihm ein Leckerli zur Belohnung und schrieb die obligatorische Nachricht an seine Besitzerin.
      Hallo Occulta,
      ich habe dein Pferd Sunday Morning nun offiziell auf Stufe L des Galopprennens trainiert.Ich hoffe,dass du mit meiner Arbeit zufrieden bist und dass ihr beiden auch weiterhin gute Arbeit leisten werdet.Bitte übe doch ein wenig mit ihm auf der Rennbahn,damit er sicherer wird und auch du eine Ahnung von seinen Fähigkeiten bekommst.Ich wünsche euch viel Spaß und Erfolg auf eurem weiteren Weg.
      Liebe Grüße IceLandGirl
      Ich überbrachte die Nachricht,verabschiedete mich nochmal von Sunday Morning und machte mich dann auf den Nachhauseweg.

      Trainingsbericht
      07. Oktober 2014 | 6130 Zeichen von Cascar
      Springen E-A

      Einmal mehr fahre ich bei Occu vor, die mich mal wieder mit einer Stufenerhöhung ihrer Vollblüter betraut hat. Dieses mal geht es um's springen.
      Ich freue mich ehrlich und bin beinahe ungeduldig, als mich mein Mitarbeiter Marc auf den Hof bringt. Etwas zu schwungvoll steige ich aus und tappe zielstrebig zum Wohnhaus, betätige die Klingel. Meine Auftraggeberin öffnet und wir fallen uns in die Arme - ein mustergültiges Wiedersehen. Heute ist also mal so richtig Arbeit angesagt. Drei Pferde. Aber ich habe ja Hilfe.
      So kommt es, dass ich kurze Zeit später den Engländern gegenüberstehe, die mich alle mit einer komplett anderen Grundeinstellung beäugen. Angebunden sind sie übrigens draußen (das Wetter ist nämlich heute mal schön..).
      Zuerst werde ich mit Felicita bekannt gemacht. Die Liebe ist mir gegenüber merklich scheu und unsicher. Eine gemütliche Putztour soll das beheben.
      Parallel zu mir putzen Marc und Occu Sunday und Light, sodass wir beinahe gleichzeitig mit dem Satteln beginnen. Ich muss ehrlich sagen, mein Plan für heute ist kühn und risikobehaftet, aber... No risk no fun.
      Unter dem Motto geht es auf den Reitplatz, wo irgendwie schon Sprünge aufgebaut sind. Mit Felicita an der Hand, die mich ständig nervös anschielt und denkt, ich würde das nicht merken, gehe ich den Parcours ab und korrigiere diverse Hindernisse. Das führt dazu, dass die Stute hin und wieder zwei Minuten allein klarkommen muss, sodass sie sich immer mal erholen kann. Als ich mit dem Longieren beginne, ist sie schon halbwegs locker.
      Marc hat sich den Nachbarzirkel gekrallt und lässt dort Gleam of Light, das einzige Pferd mit Springerfahrung, ordentliche Runden traben. Wie ich das so beobachte stelle ich fest, dass der Schwarzbraune nur mühsam seine Energie unterdrücken kann. Ich lächle und weise Marc darauf hin, worauf er etwas Abstand zu mir und meinem Schützling nimmt und den hübschen Hengst angaloppiert.
      Das wäre also soweit geklärt, mein Blick wandert zu Occu. Pure Ironie, dass die Hofbesitzerin, die sich noch selbst ausbildet, das liebste Pferd trainiert. Ich grinse und sehe meiner Freundin dabei zu, wie sie Sunday zu sich in die Mitte holt und seine Stirn krault. Es rührt mich irgendwie immer wieder, wenn ich solche herzerwärmenden Bilder sehe. "Herzerwärmend, Feli... Hör meinen Gedanken zu!" Die Stute dreht ein Ohr zu mir und schnaubt. Mein Grinsen wird immer breiter.

      Nach einer guten halben Stunde gründlicher Longenarbeit schwingen wir uns alle drei in den Sattel. Schon beim folgenden Warmreiten, lerne ich die fliegenden Gänge der Vollblüter wieder zu schätzen und ich lasse mein Pferd ordentlich arbeiten. Es gibt vor allem Bahnfiguren, Biegungen im Schritt und Trab und nach ein wenig Auspowerung auch einen annehmbaren und steuerbaren Galopp. Felicita hört mir zu, ob aus Angst oder Neugier oder Ehrgeiz - ich weiß es nicht, aber sie wird nicht aufmüpfig und gibt sich große Mühe.
      In dem Punkt von ich sehr zufrieden, wenn ich mir ansehe, dass Marc schon wieder im leichten Sitz ist, um erstmal sein Energiebündel auf Arbeitstemperatur zu bringen. Occu hat mir heute schonmal erzählt, dass Sunday sensibel ist, unter dem Sattel, insofern bin ich beinahe erleichtert, dass der Braune so fein aufgehoben ist.
      Nach zahlreichen Volten und Wechseln geht es schließlich ans Eingemachte, das Aufwärmen an den Sprüngen und im Gymnastikparcours. Ich glaube so langwierig und gründlich wie heute, habe ich noch nie ein Pferd aufgewärmt, aber in Felis Fall war das wohl ganz gut. Die Liebe braucht nämlich vor allem etwas Zeit, sich psychisch auf mich einzustellen.
      Letztendlich sind die Hühs von Occu und mir bereit für die neue Stute und Schimmer ist heillos unterfordert. Ganz so einfach ist das mit der gemeinsamen Stufenerhöhung eben nicht, aber wir haben ja Zeit.
      Weil außerdem niemand da ist, zum Sprünge bauen, steigen wir alle ab und brezeln die Hindernisse innerhalb von zehn Minuten auf die neuen Höhen. Für jedes Pferd entsteht erstmal eine Kombination, in der es sich der neuen Herausforderung stellen kann. Ich muss sagen, ich bin wirklich begeistert von meiner Kreativität. So begeistert, dass sich Feli anstecken lässt und vor Schreck fehlerfrei springt... Naja, hüpft.
      Ich lobe sie prompt und wiederhole parallel zu Occu die Prozedur, bis bei uns beiden alles sitzt. Dazu gehört auch, dass wir Ausbilder uns gegenseitig korrigieren, was Zügel- und Galoppsprunglänge angeht.
      Dann gönnen wir uns eine kurze Pause, in der wir Marc und Light bei ihrem S zusehen. Die zwei arbeiten gut zusammen, mit demselben Ehrgeiz und der gleichen Ausdauer. Ich klatsche, als sich der Hengst ein letztes Mal mit gewölbtem Hals streckt und sie die Kombination fehlerfrei überwinden.
      Nun steht nur noch der endgültige Qualifikationsparcours an und dafür müssen wir wieder absteigen. Die Pferde zupfen solange das schmächtige Gras an der Umzäunung.
      Als der Umbau abgeschlossen ist, muss ich Feli wieder kurz aufwärmen. Die Stute hat sich wohl mit mir abgefunden, denn sie steigt auf meine Motivation ein und überwindet im zweiten Durchgang auch als erste fehlerfrei den gesamten Parcours. Ich lobe sie überschwänglich und reite sie trocken, während Occu Sunday durch den Hinderniswald bringt. Der Hengst scheint ausgeglichen und in vollem Einklang mit sich. Er lässt sich nicht aus der Ruhe bringen; ob das an Pferd oder Reiter liegt, ist allerdings schwer zu sagen.
      Kompliziert, wie wir sind, bauen wir kurz darauf alles für die letzten Männer um. Die nehmen letztendlich Kurs auf das S und schaffen es auch irgendwie heil und mit ziemlich gewagten Manövern. Ich gratuliere dann einfach allen Anwesenden zu einer gelungenen Stufenerhöhung; im Schein der untergehenden Sonne.
      Total romantisch.
      Während ich im Stall alles Neue eintrage, satteln meine beiden Freunde die Pferde ab und putzen das verschwitze Fell sowie die Hufe. Ich lasse es mir nicht nehmen, allen dreien einen Apfel zu reichen; Occu bekommt dann auch noch einen. Ich bedanke mich noch für die Arbeit und den schönen Tag und entschuldige mich für meine... Nun ja, für meine fehlende Effizienz, bevor es mit dem Jeep wieder Richtung Heimat geht.

      Trainingsbericht
      11. September 2015 | 4934 Zeichen von Samanta
      Springen M-S

      Kaum war ich zu Hause angekommen, rief mich Occu ein weiteres Mal an und fragte, ob ich Sunday Morning trainieren könnte. Begeistert stimmte ich zu und machte mit ihr einen Termin aus. Direkt am nächsten Tag machte ich mich auf den Weg zu ihrem Hof Pine Forest Stable. Ich freute mich wahnsinnig den Hengst wiederzusehen und auch Occu mochte ich gerne, sodass ich froh war, dass sie mir ihre Pferde immer wieder im Training anvertraute. Bei Sunday Morning erinnerte ich mich daran, dass er ein wahrer Flitzebogen war und es gar nicht mochte, wenn man hart in der Hand wurde. Ich kam am Hof an. Es war immer wieder schön hierher zu kommen. Ich fühlte mich wohl hier, vor allem, weil es nicht weit von meinem neuen zu Hause war und auch, weil Occu und ihre Mitarbeiter immer sehr herzlich waren. Mit einem Lächeln auf den Lippen betrat ich den Stall, wo ich auf Occu traf, die mir ebenfalls ein strahlendes Lächeln schenkte."Hey",sagte ich und grinste."Da bin ich auch schon wieder,um dich zu nerven."Ich zwinkerte ihr zu und trat dann zu Sunday Morning."Nett, dass du ihn für mich reingeholt hast", sagte ich schmunzelnd. "Na, mein Hübscher", sagte ich sanft und kraulte ihn. Er schloss genießerisch die Augen."Sieh mal. Ich kenne sogar noch deine Lieblingsstelle." Der Hengst schnaubte und ich lächelte. Ich halfterte ihn auf und begann ihn dann ausgiebig zu putzen, was er offenbar sehr genoss. Er war sehr menschenbezogen, was ich sehr zu schätzen wusste. Es machte es um einiges leichter mit dem sensiblen Pferd zurecht zu kommen. Denn obwohl er einem eine harte Hand übel nahm und ab und zu auch steigen konnte, konnte man ihn schnell wieder besänftigen. "Kann ich in die Halle mit ihm",erkundigte ich mich und nachdem Occu kurz überlegt hatte, antwortete sie:"Ja, klar. Die dürfte gerade frei sein." Ich bedankte mich und ging erst einmal in die Halle, um dort einige Sprünge aufzubauen. Nachdem das geschehen war, kehrte ich zum Hauptstall zurück und fragte Occu:"Sag mal, kannst du mir beim Training helfen?"Sie überlegte kurz und nickte dann. "Heute schon, aber morgen hab ich schon was vor."Ich winkte ab und meinte:"Ich finde morgen schon jemanden, der mir hilft." Nachdem ich Sunday Morning gesattelt und getrenst hatte, ging ich gemeinsam mit ihm und Occu hinüber zur Halle. Der Hengst sah sich neugierig um und betrachtete schließlich die Sprünge. Ich hatte drei Sprünge aufgebaut, was für das Training reichen dürfte. Zumindest heute. "Wie gibt er sich im Springen",fragte ich nach, während ich nachgurtete und aufstieg."Er ist sehr schnell, aber mutig, muss zwischenzeitlich aber ganz schön gebremst werden. Man hat das Gefühl, dass er immer in einem Stechen ist." Sie lachte und auch ich musste lachen."Alles klar. Damit kann ich umgehen." Es war schwieriger ein Pferd zu trainieren, das vor den Sprüngen Angst hatte. Mit Schnelligkeit hatte ich kein Problem. Ich ritt ihn erst einmal warm, bevor ich mich ans Traben und Galoppieren machte. Er war wirklich schnell, aber das war ich von ihm ja auch nicht anders gewohnt. Ich trabte und galoppierte ihn ab und erst dann wendete ich mich dem ersten Sprung zu. Sofort zog er noch ein bisschen mehr an und ich musste ihn wirklich bremsen, durfte aber nicht zu viel Druck ausüben, denn sonst würde er wieder steigen. Es war ein Spiel zwischen Annehmen und Nachgeben. Das hatte ich schnell gemerkt, als ich ihn das erste Mal geritten war. Er überwand den Sprung ohne Probleme. Ich übersprang den Sprung noch einige Mal und machte es auch mit den anderen Sprüngen so. Er war wirklich nicht schlecht, nur sehr schnell. Ich lobte ihn und parierte zum Trab durch, versuchte ihn erstmal wieder etwas runter zu bekommen. Nachdem er sich ein bisschen beruhigt hatte, bat ich Occu die Hindernisse alle etwas zu erhöhen. Er riss das erste Mal, aber beim zweiten Mal kam er ohne Probleme rüber. Auch die anderen Hindernisse konnte er bald überspringen. Ich beendete das Training für heute und brachte ihn zurück in die Box. Ich verabschiedete mich von Occu und machte mich auf den Nachhauseweg.
      Am nächsten Tag war ich schon früh auf Occus Hof. Wie sie gesagt hatte, hatte sie heute leider keine Zeit für mich. Mein Weg führte mich zuerst in die Reithalle, wo ich erneut die drei Hindernisse aufbaute.Danach ging ich auf direktem Weg in den Hautstall, wo ich Sunday Morning fertig machte und eine der Angestellten bat, mir zu helfen. Die junge Frau nickte und folgte mir dann. Nachdem ich nachgegurtet hatte, stieg ich auf und wärmte ihn erstmal in allen drei Gangarten auf. Wieder sprang ich die Hindernisse einzeln, bevor ich sie von der jungen Frau noch einmal erhöhen ließ, sodass sie auf S-Niveau waren. Sunday Morning wurde immer heißer, sodass ich ihn schließlich erstmal wieder runterbringen musste, bevor ich noch einmal die Hindernisse übersprang. Er machte sich gut, sodass ich das Training schließlich beendete. Ich versorgte ihn und machte mich dann auf den Nachhauseweg.

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      15. November 2015 | von Occulta
      Galopprennen S*-S**

      Nachdem wir mit den Zweijährigen schon fertig waren, kamen nun Sunday Morning, Caspian und Smelyalata in den Genuss eines Intervalltrainings. Man konnte die Jungspunde von eben, die wir gerade noch zugedeckt und mit einer Portion Heu in die Box geführt hatten, natürlich nicht mit den Vierjährigen Muskelprotzen vergleichen. Besonders Sunday hatte eine tolle Hinterhand entwickelt, aber auch Smelyalata hatte ordentlich aufgemuskelt, seit sie bei uns war. Caspian, den ich heute ritt, war sowieso ein kleines Kraftpaket. Man durfte ihn und seine kurzen Beine nicht unterschätzen: er hatte die Angewohnheit im letzten Moment von innen her aufzuholen. Smelyalata hingegen bevorzugte die Aussenseite, da sie dort mehr Platz für ihre raumgreifenden Bewegungen hatte. Wir putzten und sattelten die Vollblüter. „Ich liebe Rennsättel“, schwärmte Quinn hinter mir. „Die sind so leicht!“ Wir lachten und ich zog den Gurt bei Caspian an. Beim Zäumen streckte er den Kopf nach unten, sodass ich mich fast bücken musste, um ihm die Trense in den Mund zu legen. Dafür war es umso leichter, das Nackenband über die Ohren zu streifen. Sunday wurde heute probeweise mit Haube geritten, da er in letzter Zeit immer etwas abgelenkt gewesen war. Smelyalata hatte ein extra gepolstertes Nasenband und Caspian gar keines, sondern nur den Kehlriemen und das Stirnband. Wir führten die Drei zum Karussell und liessen sie dort für eine Viertelstunde im Schritt aufwärmen. In dieser Zeit begannen wir schon mal mit dem Misten. Dann wurden die drei wieder geholt und wir ritten eine Runde Trab auf der Bahn. Es war wichtig, die Rennpferde gut einzuwärmen, um Zerrungen und andere Überlastungsverletzungen zu vermeiden. Wir machten schliesslich einen freien Start, indem wir uns alle in einer Linie aufreihten und in Bewegung blieben, ohne die Startboxen. Es folgte ein flotter Canter, jedoch längst nicht auf Höchstgeschwindigkeit. Nur zwischendurch beschleunigten wir etwas, meist über 200 Meter, und liessen sie kurzzeitig ganz strecken. So ging das ganze über 1600 Meter. Diese Art des Trainings war standard, dazu kamen zweimal die Woche sogenannte ‚Galopptage‘ mit Kopf-an-Kopf Training, wobei meist auch die erfahrenen, bereits nicht mehr aktiv rennenden Vollblüter mitliefen, damit die Jungen von ihnen lernen konnten. Caspian arbeitete wie eine Maschine unter mir. Er ging etwas stärker als sonst gegen meine Hand und wollte den Kopf frei bekommen. Dich ich beharrte auf dem Canter-Tempo und hielt ihn zusammen. Er schäumte dafür umso mehr und kaute auf dem Gebiss herum. Smelyalata lief eine Weile neben uns, sodass ich sie gut beobachten konnte. Die Stute hatte einen guten Takt und wurde erst schneller, als Quinn sie antrieb. Sie hatte die Spielregeln anscheinend längst begriffen und tanzte auch danach über die Bahn. Sunday war etwas vor uns, aber das machte nichts. Oliver ritt ihn und strebte absichtlich ein etwas höheres Grundtempo an, denn der Hengst musste entsprechend seiner Kondition gefördert werden. Er machte sich so gut, dass Oliver ihn etwas härter rannehmen konnte. Offenbar schien das dem Braunen nichts auszumachen – im Gegenteil. Er schien fleissiger denn je und hielt die Ohren im Canter stets vorne. Am Ende des Trainings trabten wir noch eine Runde auf der anderen Hand aus und ritten dann im Schritt auf der Galoppbahn, wobei und Ajith die Fleece-Decken brachte. Alle drei waren nun langsam fit für die höher dotierten Rennen im Frühling, doch leicht würde es bei der guten Konkurrenz nicht werden. Trotzdem war ich stolz und freute mich auf die kommende Saison.

      Trainingsbericht
      09. Dezember 2015 | von Gwen
      WHT Ausbildungsbetrieb | Springen S-S*

      Heute war ich mal wieder früher unterwegs als sonst. Grund hierfür war ein gewisses Vollblut namens Sunday Morning und der Hengst hatte die lange Reise von England nach Kanada hinter sich – zumindest fast. Vor einer halben Stunde hatte ich den Anruf erhalten, dass er heil am Flughafen in Winnipeg angekommen war und nun nur noch durch die tierärztliche Untersuchung musste, ehe er sich auf den Weg zu uns machen konnte.
      Aus diesem Grund war ich gerade dabei, seine Gastbox gründlich vorzubereiten. Ich kehrte sie erst einmal gründlich aus und ging über Trog und Tränke mit einem feuchten Lappen drüber. Danach streute ich die Box ein, füllte das Heunetz und legte dem Hengst als Willkommensgruß zwei Karotten in den Trog. Nun hieß es nur noch warten…
      Momentan war das Wetter in Kanada angenehm: Die Sonne schien, der Himmel war blau und so hatte man auch keine Probleme, durch unsere Massen an Schnee zu kommen. Aus diesem Grunde kam auch Sunday Morning auf die Minute genau pünktlich bei uns an.
      Ich unterschrieb fix die Formulare des Fahrers, ehe dieser mir die Kisten mit Sunday Mornings Ausrüstung in die Stallgasse stellte und ich derweil den Hengst auslud. Sunday war ein Engel auf vier Hufen, zwar ein recht sensibler, aber das war für mich kein Problem.
      Ein wenig unsicher schaute sich der große Braune bei uns um, ehe er wie ein Storch durch den Schnee stiefelte, solche Massen war er dann wohl doch nicht gewohnt. Ich ging mit ihm zuerst in die Halle, um ihn dort ein wenig umherzuführen und ihn dann noch ein paar Minuten laufen zu lassen. Nach der langen Fahrt durfte er sich ruhig ein wenig bewegen, ehe er dann heute den restlichen Tag seine Box erkunden durfte.
      Dort ging es dann auch für den Hengst hin und natürlich entdeckte er direkt die Leckereien im Trog, ehe er sich neugierig dem Heunetz widmete. Ein wenig unsicher wirkte er immer noch, aber er schien das Beste aus seiner Situation zu machen und wirkte weder aufgeregt noch wirklich unruhig.
      Heute hatte er noch Schonfrist, ehe wir dann Morgen langsam mit dem richtigen Training beginnen würden. Sein Plan stand schon und ich war auch voller Motivation, diesen demnächst voller Tatkraft umzusetzen.

      Sunday sollte im Springen trainiert werden. Momentan lief er auf S-Niveau und war dementsprechend nun im Begriff, sich sein erstes Sternchen zu verdienen. Dafür würde er jedoch auch allerhand leisten müssen, dementsprechend hatten wir einen straffen Zeitplan. Dieser begann mit dem Aufbau weiterer Kondition und Kraft.
      Beides waren schlichtweg die Grundkomponenten eines erfolgreichen Springpferdes, so lange sie vorhanden waren, konnte eigentlich nicht viel schiefgehen. Koordination und Geschick setzten dem Ganzen dann natürlich das Krönchen auf.
      Beim heutigen ersten Training mit Sunday in der Halle zeigt er mir schon deutlich, dass über alle vier Komponenten verfügte und auch wusste, wie er sie einsetzen musste. Da Occulta mich bereits gewarnt hatte, fasste ich den Hengst von Anfang an mit Samthandschuhen an, natürlich blieb ich konsequent und griff auch ein, wenn ich musste, aber wie ich merkte, war das bei Sunday sowieso eher selten der Fall.
      Wir durchsprangen heute dreimal einen Parcours auf S-Höhe und auch von deren Schwierigkeitsanforderungen. Das Ganze nahm ich auch mit einer Kamera auf, die brav auf ihrem Stativ an der Bande Wache hielt. Ich wollte mir die Videos heute Abend anschauen und sehen, was wir auch technisch verbessern konnten.
      Ich liebte es ja, mir die Sprünge auch mal in Zeitlupe anzuschauen und man erfuhr so viel über das Pferd und natürlich auch über sich selber. Auch heute musste ich mich erst einmal an Sunday und seine Art gewöhnen – ein eingespieltes Team waren wir noch lange nicht, aber da Sunday deutlich zeigte, was er verlangte, verlief unsere Kommunikation wirklich gut ab.
      Das erste Training hatte mir nun genügend gezeigt und für den Rest des Tages würde Sunday frei haben. Die Zeit durfte er auf seiner etwas kleineren Gastweide verbringen. Auf die Nachbarkoppel hatte ich zwei meiner ruhigeren Hengste gestellt, so dass unser Neuankömmling ein paar Kontakte knüpfen konnte und nicht vollkommen alleine war.
      Während Sunday als den sonnigen Wintertag genoss, kümmerte ich mich um die Stallarbeit und dann machte ich mir Gedanken über sein Training. Bei einem Aufstieg von S auf S* veränderte sich nicht viel, es kamen kaum noch neue Hindernisse oder Höhen hinzu, ebenso wenig wie neue Parcoursmöglichkeiten.
      Natürlich war jeder Parcours auf seine eigene Art und Weise schwierig und anders, aber wenn Reiter und Pferd einmal das Prinzip verstanden hatte, war es oftmals ein Leichtes, durch die Parcours zu kommen und dabei auch eine passable Zeit zu leisten.
      Aus diesem Grund bestand Sundays Training auch aus viel Dressur- und Ausdauertraining. Ebenso war die Stangenarbeit ein wichtiger Bestandteil und ab Morgen begannen wir auch genau damit. Für Sunday hieß das, Bauch-Beine-Po-Training!
      So erwarteten den Hengst am nächsten Morgen in der Halle viele verschiedene Trabstangen- und Cavalettikombinationen. Nachdem wir uns ordentlich erwärmt hatten, begann ich mit den einfacheren Komponenten, ehe ich dann immer mehr zunahm und Sunday mehr und mehr forderte.
      Sunday musste nicht nur seine Beine heben und sich konzentrieren, sonderlich auch wirklich mitdenken und selber zu einer Lösung kommen. Das war gar nicht so einfach und besonders die Stangenarbeit im Galopp machte ihm zu schaffen – zumindest bis es plötzlich Klick machte und er den Dreh heraushatte.
      Am Tag darauf gingen wir hinaus ins Gelände und nutzten die großen verschneiten Wiesen des Nationalparks für unser Galopptraining. Ich forderte verschiedene Tempi, ritt bergauf und bergab und arbeitete so auch noch ein wenig an Sundays Balance.
      Generell war er ein sehr ausbalanciertes Pferd, aber selbst diese konnte im Parcours stolpern und stürzen, je mehr Prävention betrieben wurde, desto besser. Und Sunday machte die Arbeit im Gelände auch tierisch Spaß, das merkte man richtig.
      Hingegen war für ihn die Dressurarbeit beinahe ermüdend. Er arbeitete fleißig mit und war auch motiviert, aber man spürte doch dieses kleine Fünkchen Unlust, dass er einfach viel lieber andere Dinge machte. Dennoch führte die Dressurarbeit seine Kraft und die kam uns am nächsten Tag im Springtraining wirklich zu Gute.
      Ein wenig erhöht hatte ich die Hindernisse, aber ich stellte sie vor allem jetzt bei jedem Training um und forderte Sunday zu neuen Varianten auf, motivierte ihn, selbst kreativ zu sein. Diesen Vorschlag nahm Sunday gerne an und es machte echt Spaß, mit dem jungen Kerl zu arbeiten.
      Drei Wochen war er bei mir, dann befand ich ihn für bereit, ihm das erste Sternchen zu vergeben. Er hatte sich wirklich toll geschlagen und ich hatte nichts mehr zu beanstanden. So gut wie jeder der neuen Parcours saßen und trotz seiner Sensibilität reagierte er fantastisch auf die Hilfen und Vorschläge des Reiters, so dass man in ihm einen willigen Partner hatte. Denn wichtig war natürlich auch die Zusammenarbeit zwischen Pferd und Reiter. Wenn jeder sein eigenes Ding durchzog, würde der Parcours nie wirklich hundertprozentig klappen.
      Sunday hatte sich nun aber zur Genüge bewiesen. Also tätigte ich den Anruf bei Occulta und klärte gemeinsam mit ihr die Heimreise des Hengstes ab. Der Transport von Kanada zurück nach England war natürlich genauso mühsam wie seine Ankunft, aber ich versprach ihr, dass sich der Aufwand lohnte und sie in ein paar Tagen ihren tollen Hengst wieder zurückhaben würde. Dieser wurde eines Morgens schon früh von mir zum Flughafen gefahren, wo ich noch bis zum Vet-Check blieb und dann auch noch sah, wie Sunday in die Wartezone für die Tiere gebracht wurde.
      Wie schon auf der Hinreise war er relativ entspannt, er schaute sich natürlich neugierig um und begutachtete das ein oder andere auch etwas suspekt, aber das durfte er auch - ich wäre nicht anders gewesen! Als er dann offiziell im Flugzeug war, rief ich Occulta an und gab ihr ein letztes Mal Bescheid, ehe ich mich zufrieden auf den Heimweg machte.

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      19. Januar 2016 | von Occulta
      Galopprennen S**-S***

      Nun waren noch die Fünfjährigen Vollblüter an der Reihe. Auch sie hatten noch ein paar Saisons zu laufen, also mussten sie in Form gehalten werden. Diese Pferde waren mittlerweile richtige Profis und kannten sämtliche Spielregeln der Rennbahn. Trotzdem kam es hin und wieder zu Unstimmigkeiten zwischen Jockey und Pferd, besonders, weil diese durchtrainierten Athleten ihren Stolz hatten. So zum Beispiel auch an diesem Nachmittag. Gleich nach dem Mittagessen machten wir uns wieder auf zum Hauptstall um Caspian, Light, Sunday, Blütenzauber und Iskierka vorzubereiten. Ich befasste mich heute wiedermal mit der schwarzbraunen Blüte. Die Stute war gut in Form und zeigte schon beim Einwärmen, dass sie keine halben Sachen machen wollte. Ich mochte sie besonders wegen ihres arbeitsfreudigen Charakters. Sie war aber hin und wieder etwas eigen und nicht immer mit mir einverstanden. Heute jedoch schien sie gut aufgelegt. Iskierka und Rosie waren hingegen wiedermal nicht auf derselben Wellenlänge. Die Stute stapfte mit platten Ohren durch den Schnee und wollte immer wieder lospreschen. Rosie hatte ihre liebe Mühe, sie zu halten. Doch da sie die Stute mittlerweile gut kannte, wusste sie ein paar Tricks anzuwenden, um die Kontrolle zu behalten. Caspian und Light verstanden sich anscheinend gut, denn die beiden Hengste liefen vollkommen entspannt nebeneinander. Von wegen Hengste seien Streitsüchtig! Auch Sunday Morning benahm sich wiedermal wie ein Musterknabe. Er schien einfach froh zu sein, wiedermal rennen zu dürfen. Wir trainerten die fünf ausgiebig auf der Bahn. Dabei ging es aber nicht in erster Linie ums Tempo, sondern um die Kontrolle. Wir wollten damit sichergehen, dass die Kraftpakete sich zum Sieg dirigieren liessen, und nicht Energie durch Ungehorsam verpufften. Nach allem war ich von Blütenzaubers Rücken aus beurteilen konnte, waren besonders Gleam of Light und Sunday diesbezüglich den anderen weit voraus. Und wer hätte es erwartet – Iskierka musste sich hinten anstellen. Ich nahm Blüte immer wieder etwas mehr auf, dann liess ich sie wieder eine Strecke lang zulegen. Bis auf etwas Kopfschütteln beim versammeln machte sie willig mit und reagierte fein. Ich musste lachen, als Caspian an uns vorbeibrauste. Mit seinen niedlichen 1.53 war er ein echter Zwerg, aber ein giftiger, wenn es um seine Leckerlis ging. Er streckte die kurzen Beine geschickt und polterte über den Pulverschnee, die Ohren vor dem Wind geschützt nach hinten gerichtet. Sein seidiger, weisser Schweif wehte hinterher. Ich hatte aber nicht lange Zeit, ihn und Thomas zu beobachten, denn ich musste vor Light und Quinn bremsen, die plötzlich langsamer wurden. Ich parierte ebenfalls in den Trab durch und wechselte neben die beiden. „What’s going on?“, fragte ich die dunkelhaarige Pflegerin. “Nothing – I needed to slow him down because he constantly wants to push off.“ Ich nickte beruhigt und überholte die beiden im leichten Canter. Light konnte manchmal ziemlich heftig werden, das wusste ich selbst nur zu gut. Dann war es jeweils besser, ihm eine Denkpause zu geben und ihn eine Weile im Trab zu halten, bis er sich wieder eigekriegt hatte. Wenigstens blieb er während den Rennen konzentriert. Wir beendeten das Training nach zwanzig Minuten und liessen die Pferde mit der Abschwitzdecke im Freilauftrainer trockenlaufen, während wir die Boxen misteten. Danach bürsteten wir sie nochmal gründlich durch.

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      28. Juni 2016 | von Veija
      Military A-L

      Heute war ich mal wieder auf dem Weg nach England, jedoch nicht zu Hunter, sondern zu Occulta Smith. Aufschwatzen gelassen hatte ich mir 5 Pferde, wovon ich 3 in Military und 2 in Western trainieren sollte. Um also nicht ganz alleine da zu stehen, hatte ich mir Aliena und Aaron mitgenommen. Aliena würde mir vor allem bei den Westernpferden unter die Arme greifen, Aaron würde sich vor allem um die Militarypferde kümmern. Ice Coffee sollten wir in der Western Pleasure von S auf S* bringen. Diese Klasse gab es in der eigentlichen Westernszene nicht, jedoch konnte man Manöver immer verbessern oder präzisieren. Das nächste Pferd war Calico, ein schicker Criollohengst, welchen ich in Trail von LK 3 auf LK 2 bringen sollte. Halluzination sollte in Military von E nach A gebracht werden, Sunday Morning, eines von Occultas in der ganzen Welt bekanntem Englischen Vollblut, von A nach L und Diarado von L nach M. Ich hatte mir als Maß eine Woche gesetzt, in der wir alle Pferde trainieren sollten, da auch zu Hause auf der Ranch genügend Arbeit war und mir leider im Moment die Zeit fehlte, durch die Weltegschichte zu reisen. Bei fünf Pferden wäre es jedoch Quatsch, sie nach Kanada fliegen zu lassen. Da konnte ich dann auch mal in den Flieger steigen und sie zu Hause besuchen.
      So kamen Aliena, Aaron und ich bei Occu an und ich stellte meine beiden Mitarbeiter kurz vor, ehe wir auch schon in den Stall gingen. Anfangen wollte ich heute noch mit den drei Militarypferden. Nach Occus Charakterbeschreibung entschied ich mich dazu, Halluzination zu reiten, da sie die Stute als unberechenbar beschrieb und ich sie meinen Mitarbeitern nicht zutrauen wollte. Aaron bekam den Hengst und Aliena die Englische Vollblutstute. Diarado hatte Occulta als fleißig, willig, stolz und intelligent beschrieben. Die Vollblutstute als sensibel und brav. "Tauscht doch bitte die Pferde.", sagte ich unvermittelt zu den beiden Zweibeinern. Schulterzuckend tauschten sie die Pferde, ehe wir die drei Tiere fertig machten und im Hof aufstiegen. "Aliena geh du mit dem Hengst vor, wir kommen mit den Stuten nach.", erklärte ich und so verließen wir den Hof, um zur Militarystrecke zu reiten.
      Dort angekommen begann Aliena mit dem Hengst die Strecke. Wir warteten ca 5 Minuten, ehe ich Aaron mit der Stute hinein schickte. Dann wartete ich wieder einige Zeit, ehe Halluzination und ich uns auf den Weg machten. Die Stute ging im Springen schon auf S***, springen konnte sie also. Ich brauchte auch wirklich nicht viel Überzeugung, sie über die Hindernisse zu bekommen. Lediglich bei den Tiefsprüngen war sie sehr vorsichtig und vertraute mir nicht, was auch eigentlich klar war, denn wer vetraute schon einem wildfremden? Alles in allem kamen wir aber gut durch den Parcours, so dass meine Mitarbeiter und ich guter Dinge zurück zur Ranch reiten konnten. Dort warteten nämlich noch zwei Pferde, die jedoch nicht so viel Arbeit bedurften. "Aliena schnappst du dir Calico, dann schaue ich, was ich aus Ice Coffee noch rausholen kann?", fragte ich meine Mitarbeiterin und sie nickte. Wir sattelten also die drei Pferde ab und schnappten uns Calico und Ice Coffee. Aaron hatte jetzt freu und konnte sich auf dem Hof umsehen. Ich hatte ihm wärmstens ans Herz gelegt, sich Unbroken Soul of a Rebel anzusehen, den Vater von Devils Fohlen. Mit Calico ging Aliena auf den Platz, wo Aaron dann doch auftauchte und ihr tatkräftig zur Hand ging. Mit Ice Coffee ging ich in die Halle. Dort gurtete ich nach und schwang mich in den Sattel, ehe ich sie ordentlich aufwärmte. Schon schnell merkte ich, dass ich hier kaum etwas zu tun hatte, denn die Stute konnte schon alles, was sie können musste. Das einzige was ich ihr noch beibringen konnte, war auf noch weniger Hilfen zu laufen, doch auch das war kein Problem für das Tier. Ich ritt die Stute also nur eine gute halbe Stunde, denn sonst hätte ich die nächsten Tage nichts mehr zu tun.
      So kam es, dass wir mit den Militarypferden jeden Tag im Gelände waren und sie ordentlich an die Hindernisse gewöhnten. Halluzination stellte sich als gar nicht so unberechenbar heraus, wie Occu sie mir beschrieben hatte. Auch machten die beiden anderen Militarypferde super gut. Von den beiden Westernpferden ganz zu schweigen. Die beiden waren einsame Spitze, so dass wir nach unserer Woche hier auf Pineforest Stables guten Gewissens nach Hause fahren konnten.

      [​IMG]Military L-M
      09. Juli 2016 | von Occulta
      Military L-M

      Nachdem Verena und ihr Team bereits hervorragende Vorarbeit geleistet hatten, wollten Lisa, Quinn und ich uns heute nochmals an ein Military Training mit unseren drei Jolympia Kandidaten wagen. Es war sozusagen das letzte Training, bevor es in zwei Tagen dann ernst werden würde. Wir ritten gleich die Pferde, die wir auch am Turnier selbst reiten wollten, also holte ich Diarado aus dem Nordstall. Wir putzten alle im Innenhof des Hauptstalls, damit wir gleichzeitig den Trainingsplan besprechen konnten. Lisa kam mit Halluzination zuletzt dazu – die Stute hatte mal wieder etwas schlechte Laune. Ich hoffte nur, dass sich das in den nächsten Tagen bessern würde. Diarados Fell war eigentlich schon ziemlich sauber. Ich musste ihm nur noch den letzten Schliff geben, denn die Weideböden waren die letzten Tage von der andauernden Hitze ausgedorrt worden; also gab es keine Gelegenheiten mehr für Schlammbäder. Bestimmt würde der Boden somit auch auf dem Jolympia Gelände optimal sein. Quinn und Sunday alberten mal wieder etwas herum, doch weil sie schon fertig waren, durften sie sich das erlauben. Der Vollblüter hatte die besondere Aufmerksamkeit der letzten Tage sichtlich genossen und sah auch jetzt relaxt und zufrieden aus. Anders als Hallu, die eine Schrumpelschnauze zog. Ich strich ihr im vorbeigehen liebevoll die Nüstern glatt und flüsterte „Smile Hallu, just smile.“ Ich wusste genau, dass sie den Applaus der Leute liebte und daher alles geben würde. Diarado war heute etwas gemütlicher unterwegs. Er sah mich nur verschlafen an, als ich seinen Kopf bürstete und ihn anschliessend sattelte. Als alle fertig waren, ritten wir zur Ovalbahn, in deren inneren ein paar Geländesprünge standen. Wir wärmten uns zunächst separat ein und übten dann besonders an den Hindernissen, die den Pferden noch schwer fielen. Diarado hatte mit den einzelnen Hindernissen eigentlich kaum Probleme. Seine Macke war vielmehr, dass er sehr heftig wurde, sobald längere Galoppstrecken mit eingebaut wurden. Mit ihm feilte ich daher vor allem am Tempo und an der Lenkung. Hallus Ohren spitzten sich im verlaufe des Trainings immer weiter nach vorne, ausser wenn sie besonders konzentriert war - dann klappten sie wieder nach hinten. Mit ihrer gewaltigen Sprungkraft und der bemerkenswerten Technik auf höchstem Niveau meisterte sie jede Aufgabe problemlos. Sunday war natürlich zwischen den Hindernissen am schnellsten von den dreien, aber er hatte dafür mehr schwierigkeiten wenn es darum ging, passend an den Sprung zu kommen. Oft sprang er zu früh ab und kam dann nur knapp drüber. Nach einer halben Stunde intensivem Training liessen wir die drei Athleten austraben und ritten sie dann im Schritt auf der Galoppbahn trocken.

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      31. August 2016 | von Occulta
      Dressur A-L

      Heute hatte ich mir vorgenommen, ein paar unserer Vollblüter wiedermal etwas in der Dressur zu schulen. Ich wollte, dass sie ein gutes Gleichgewicht hatten und über den Rücken gymnastiziert wurden, damit sie später keine Probleme bekamen – aber auch, um ihr aktuelles Handling auf der Rennbahn zu verbessern. Ausserdem sprach die Dressur wichtige Muskeln an, die auch auf der Bahn nützlich waren. Kurzgefasst ging es darum, die Vollblüter weiter zu stärken und zu formen. Aber in der heutigen Reitstunde liefen nur zwei der aktiven Rennpferde mit, nämlich Sunday Morning und Gleam of Light, den ich persönlich ritt. Die anderen Teilnehmer waren Indiana, Vilou, Satine, Parányi und Areion. Obwohl sie alle etwa gleich weit waren, was die Lektionen anging, gab es doch riesige differenzen in Alter und Erfahrung. Parányi, die von Elliot geritten wurde, war zum Beispiel noch mehr mit sich selbst beschäftigt, als auf ihren Reiter zu hören. Sie war nun knapp ein Jahr unter dem Sattel und solide Eingeritten. Im Springen hatte sie sogar schon einige Erfolge von Jungpferdeprüfungen aufzuweisen und war ziemlich weit für ihr Alter. In der Dressur ging es hingegen etwas gemächlicher voran, denn hier war ja vor allem der gymnastische Effekt entscheidend. Sie hatte schlicht und ergreifend noch nicht die Kraft und Balance um schwierige Lektionen zu zeigen. Im Moment arbeiteten wir an der Anlehnung, denn die Losgelassenheit dafür besass sie mittlerweile. Hingegen war Indiana eigentlich schon längst reif für höhere Dressur. Sie hatte ein ausgezeichnetes Gleichgewicht und war kräftig bemuskelt durch das viele Training im Gelände. Weil wir sie immer mal wieder zu Trainingszwecken mit den jungen Rennpferden auf der Bahn laufen liessen, hatte sie ausserdem eine kräftgie Hinterhand mit viel Schub und eine gute Kondition. Doch sie war nunmal auch eine hervorragende Zuchtstute und hatte schon vor ihrer Zeit auf Pineforest drei Fohlen bekommen – dementsprechend langsam war sie in Sachen Karriere vorangekommen. Nach ihrem diesjährigen Fohlen Mambo ging es darum, sie wieder aufzutrainieren. Und nun wollten wir die siebenjährige Stute auch endlich richtig weiterbilden. Für Areion und Lily war es nochmal eine andere Situation: Sie hatten beide noch viel zu lernen. Ich ritt Areion zwar auch ab und zu, damit er ordentlich arbeiten musste, aber ich hielt es für genauso wichtig, dass er und meine kleine Nichte gemeinsam besser wurden und so noch mehr zusammenwuchsen. Mit Vychahr hatten wir es nach seiner Körung eher ruhig angehen lassen, denn der Hengst war noch ein Stück gewachsen. Jetzt, mit seinen sechs Jahren, war es auch für ihn Zeit, in der Dressur und vor allem im Springen Fuss zu fassen und sein Potential zu zeigen. Mit Satine verhielt es sich ähnlich wie mit Parányi: sie war im Springen sehr weit, aber die Dressur war etwas zu kurz gekommen. Sie arbeitete in Dressur überhaupt nicht so schön mit wie im Springen. Ich vermutete, dass die Lektionen sie zu sehr an die Zeit im Zirkus erinnerten und sie deshalb auf Widerstand schaltete. Wir mussten das Programm für sie deshalb möglichst vielseitig und positiv gestalten, ohne dabei zu viel zu wollen.

      Die Stunde war schneller vorüber, als ich erwartet hatte. Elliot liess uns volle 45 Minuten lang verschiedene Lösende und auch schon leicht versammelnde Übungen machen, wobei auch viel Galopparbeit vorkam. Das Ganze hatte an meinen Kräften genauso gezehrt wie an Lights, also waren wir beide froh, als wir nach dem Ausschreiten in den Hauptstall zurückkehren konnten. Ich packte den Hengst in seine warme Stalldecke ein, denn er war wie fast alle anderen geschoren. Für die Rennpferde war dies nunmal ein Muss, denn sie schwitzten sonst einfach zu viel.


      Nach der Dressurstunde vom frühen Nachmittag widmete ich mich Halluzination. Ich schloss mich mit ihr Darren, David und Thomas an, die in der Halle Circus Dancer, Diarado und Baccardi trainierten. Wir ritten mehrheitlich selbstständig und es herrschte Abreitplatz Atmosphäre, aber da Dancer und Hallu etwa gleich weit waren, was die Lektionen anging, konnten wir eine Art Pas-De-Deux bilden. Besonders die Passage nebeneinander machte richtig Spass und sah auch laut David unheimlich toll aus. Wir versuchten uns auch an gleichzeitigen Galopppirouetten, was nach einigen Versuchen ganz gut klappte. Einmal bogen wir im Galopp gemeinsam auf die Mittellinie und gingen dann mit Traversalverschiebungen auseinander zur Wand zurück, nur um anschliessend bei A wieder zusammenzukommen. Baccardi und Diarado waren manchmal etwas verwirrt durch die beiden spiegelgleichen Tänzer, die ihre Runden drehten. David und Diarado arbeiteten vor allem am Schulterherein, denn damit hatte der Rappe noch etwas Mühe. Entweder war er zu schnell unterwegs, oder er versuchte von der Wand wegzudriften. Baccardi und Thomas hatten ganz andere Probleme. Thomas war selbst noch nicht sehr erfahren, daher lernte er zur Zeit mehr dazu als Baccardi. Die beiden übten sich an A-Lektionen wie dem Galopp-Schritt Übergang. Baccardi spielte brav mit, spiegelte aber auch ganz genau Thomas‘ Fehler wieder. Genau das machte ein gutes Lehrpferd aus.

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      04. Oktober 2016 | von Occulta
      Military M-S

      Heute stand wiedermal ein Ausflug auf die nahegelegene Cross-Country- und Jagd-Übungsstrecke an. Ich liebte es immer wieder, auf dem weitläufigen Gelände mit dem kurzen englischen Rasen, der mehr dem Untergrund einer Golffläche geglichen hätte, wären da nicht die vielen Löcher von den Pferdehufen gewesen, zu reiten. Wir hatten zur Abwechslung One Cool Cat, Caspian, Sunday, Light und Campina, aber auch Mikke und Indiana dabei. Die Erfahrenen Rennpferde hatten heute alternatives Programm auf dem Plan, damit ihnen nicht langweilig wurde und auch ihre Muskeln vielseitiges Training erfuhren. Im Cross Country war Zeit ja auch ein wichtiger Faktor, sodass die Pferde heute gewissermassen statt Flachrennen einfach Steeplechase trainierten – nur eben in etwas kontrollierterem Tempo. Abgesehen davon fand ich, dass Hindernisspringen den Schub in der Hinterhand noch weiter kräftigte. Ich war übrigens nicht wirklich Fan von Hürdenrennen, zumindest wollte ich es meinen Pferden ersparen. Dort war die Unfallquote nämlich noch viel höher als in den gewöhnlichen Flachrennen. Jedenfalls hatten wir die Pferde nun alle ausgeladen und gurteten nochmal nach. Indiana, die ich heute ritt, kannte das Gelände und die Naturhindernisse bereits gut, denn wir hatten damals vor Jolympia einige male hier trainiert und auch seither immer wieder. Caprice, die von Oliver geritten wurde, war da noch etwas unerfahrener. „Everyone ready?“, fragte Oliver in die Runde. „Yep Olly“, riefen einige fröhlich. Wir waren alle im T-Shirt unterwegs, weil es so warm war, obwohl leicht bewölkt. Vielleicht würde es am Abend noch ein Gewitter geben. Wir ritten hintereinander auf das Gelände und begannen, um die Hindernisse zirkelnd, uns warmzureiten. Quinn, die auf dem Rücken von Campina sass, ritt stets neben mir, damit wir miteinander plaudern konnten. Auch anderswo hatten sich Grüppchen gebildet; April und Charly waren mit Caspian und Sunday beim grossen Baumstamm hinten, Anne und Rita unterhielten sich fröhlich mit Oliver, während Cool Cat und Light sich aufplusterten, um Caprice aka Mikke zu gefallen. Ich deutete auf die drei und Quinn gluckste belustigt. Dabei war Light sonst gar nicht so ein Macho, aber in Gesellschaft von dem italienischen Charmeur Cool Cat schien er sich herausgefordert zu fühlen. Wir trabten ausgiebig, wie wir es auch jeweils vor dem Renntraining taten. Indiana lief fleissig vorwärts und in lockerer Anlehnung. Ich nahm sie noch nicht zu sehr auf und konzentrierte mich stattdessen auf ihre Hinterhand, wodurch sie automatisch den Hals rund machte und von der Vorhand wegkam. Schliesslich ritt ich die ersten Hindernisse an. Diana trug mich zuverlässig über die sperrigen Hindernisse und wenn sie einmal mit ihren Geländegamaschen streifte, dann sprang sie beim nächsten Mal einfach etwas höher. Ich lobte sie immer wieder zufrieden und hielt sie mit abwechslungsreichen Hinderniskombinationen bei Laune. Beim Hügel stolperte sie mir einmal, und drückte ihre Stirn auf den Boden. Sie rappelte sich aber gleich wieder auf und bis auf ein wenig Erde auf ihrem weissen Abzeichen war nichts passiert. Oliver bemerkte es, als wir das nächste Mal aneinander vorbeiritten und lachte laut. „Ey, thats not funny!“ „Yes it is! Your horse is an ostrich!“ Ich stiess ein lautes “Tsk” aus und grinste dann aber selber auch. Wenig später nahm Rita Flugstunden von Gleam of Light. Gleich zweimal hintereinander riss der schwarzbraune Hengst einen Vollstopp vor einem Hindernis das aussah wie ein grosser Schuh – und zweimal unterlag Rita hoffnungslos der die Schwerkraft. Bevor sie zum dritten Mal anritt, riet ich ihr, die Zügel nicht so kurz zu halten und stattdessen mehr mit dem Oberkörper zurückzukommen. Ausserdem musste sie aufhören mit den Beinen zu klammern, denn Light mochte das ganz und gar nicht. Sie setzte meine Korrekturen um und ritt erneut an. Light bremste zwar wieder, doch dadurch, dass sie jetzt nicht mehr so nach vorne Lag, konnte sie die Bewegung ausgleichen und Light im richtigen Moment einen Klaps mit der Gerte geben, sodass der Hengst trotzdem noch absprang. Zum Glück war das Hindernis nicht allzu hoch, sodass er trotz seltsamem Absprung gut darüber hinweg kam. Rita lobte ihn und konzentrierte sich wieder auf andere Hindernisse. Nach einer intensiven halben Stunde begannen wir mit dem Austraben und machten uns schliesslich auf den Heimweg.
    • sadasha
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      1. April 2019 | von sadasha
      Frühlingseinbruch

      Den Kopf auf eine Hand gestützt, saß ich auf dem Hocker in der Sattelkammer. Ich starrte die offene Dose Lederfett an, die vor mir auf dem Boden stand, sah sie jedoch nicht. Ich war mit meinen Gedanken bei meinen Eltern, suchte Lösungen für das Dilemma, das sich um sie wob, wie ein giftiges Netz. Die Nachricht vom Schlaganfall meines Vaters hatte mich vor zwei Tagen aus der Bahn geworfen. Meine Mutter war vollkommen aufgelöst und lief herum wie ein aufgescheuchtes Huhn, wenn man sie besuchte. Sie fand sich alleine nur schwer zurecht. Jahrzehnte lang hatte sie meinen Vater an ihrer Seite, ihr Ruhepol, ihr Anker. Jetzt war er im Krankenhaus und kämpfte mit den Folgen des Schlaganfalls. Die Ärzte wollten uns nicht zu viel versprechen, er würde vielleicht wieder gehen lernen, vielleicht wieder sprechen können, aber sein Geist war sehr mitgenommen. Ich hatte meine Mutter wegen ihrer ebenfalls schlechten Verfassung nach Hause geholt. Hier konnte ich immer ein Auge auf sie werfen, sie ablenken. Mein Team half mir dabei und es zeigte bereits Wirkung. Aber war das die Lösung? Sicher nicht. Ich musste mir für die Zukunft etwas anderes überlegen.
      Ich seufzte und riss mich aus meinem Gedankenkarussell. Jemand hatte die Tür hinter mir geöffnet. Als ich mich umwandte sah ich, dass es Kerry war. Sie brachte Sattel und Trense von Vikar nach ihrem Training zurück. „Vikar kam heute aus dem Schwitzen kaum noch raus. Auch die anderen Kaltblüter tun sich schwer mit dem plötzlichen Frühlingseinbruch. Kannst du mir helfen sie zu scheren? Ich bin mit der Maschine so unsicher.“, fragte sie, als sie das Zubehör fertig verstaut hatte und sich zum Gehen wandte. Ich nickte zum Sattel auf dem Bock vor mir. „Ich mach den noch fertig, dann komme ich.“
      Kerry hatte Tank auf die Stallgasse geholt und ihn gründlich geputzt. Der Shirehengst sah mich aufmerksam an, als ich mich mit der Schermaschine näherte. Er war meistens entspannt. Das Scheren kannte er und gerade ihm mit seinem schwarzen Fell, war es immer eine große Erleichterung, wenn wir ihm beim Fellwechsel halfen. „Ich hol schon mal den nächsten Kandidaten, dann kann ich Putzen, solange du Tank scherst.“ Abermals nickte ich und schloss die Maschine am Strom an. Ich stellte eine recht kurze Haarlänge ein und begann am Hals gegen den Strich zu scheren. Kerry hatte die Mähne fest eingeflochten, sodass sie mich jetzt nicht störte, selbst wenn sich Tank einmal schüttelte. Ich nahm mir die Zeit um langsam die Bahnen zu ziehen und auf Unebenheiten zu achten. Schließlich wollte ich den Hengst nicht verletzen. Immer wenn ich absetzte prüfte ich die Temperatur der Schermaschine. Wurde sie zu heiß, setzte ich für ein paar Minuten aus, damit sie sich abkühlen konnte. Nach Tank war Felan an der Reihe. Kerry brachte den Hengst weg und ich ging eine Stallgasse weiter um die Schimmelstute zu scheren. Felan war auch sehr ausgeglichen und ruhig. Der Krach der Schermaschine machte ihr nichts. Ihre dunkle Haut ließ das Fell grau erscheinen. Kerry half mir beim Po und hob den Schweif an, da Felan ihn nicht von selbst hochnahm, wenn ich in die Gegend kam. Dadurch dass die Stute deutlich kleiner war, als Tank war ich auch viel schneller mit dem Scheren fertig. Kerry hatte dennoch schon das nächste Pferd fertig geputzt. Schneemann war zwar auch weiß, hatte aber eine helle Haut, da er kein Schimmel war. Er bekam eher einen rosa Touch, wo die Haut durchschimmerte. Während ich ihn scherte, putzte Kerry Uschi, deren Dapples beim Schervorgang deutlicher zum Vorschein kamen. Eine Herausforderung stellte Maeyr dar. Der Hengst war mal wieder in Höchstform und schnappte immer wieder nach mir, wenn ihm eine Stelle nicht passte. Als ich seine Spinnereien satt hatte bat ich Kerry ihn abzulenken, damit ich den Schervogang in Ruhe abschließen konnte. Auch Mister Blockhead war nicht begeistert vom heutigen Tagesprogramm. Nach ihm legten wir erstmal eine Pause ein und aßen zu Mittag.
      „Holt ihr die anderen? Wir haben für Alle gekocht.“, bat meine Mutter, als wir die Küche betraten. Sie sah glücklich aus. Mrs. Clayton deckte im Hintergrund den Tisch. Es roch köstlich nach gebratenem Fleisch und Rosmarin. Kerry und ich teilten uns auf und holten den Rest des Teams. Ein so üppiges Essen hatten wir selten. Meistens gab es Eintöpfe, Suppen, irgendwas, das sich schnell für eine große Truppe anrichten ließ. Jetzt wo Mrs. Clayton jedoch die Hilfe von meiner Mutter hatte tischten sie gemeinsam auf. Sie waren ein ausgezeichnetes Team. „Als nächstes scheren wir Mephisto und Buck or Two. Dann sind es nur noch die übrigen Stuten.“, erklärte Kerry. Liz sah auf. „Das macht ihr also den ganzen Tag! Vielleicht könnte man bei der Gelegenheit die Fohlen an das Geräusch gewöhnen?“, schlug sie vor. Ein zustimmendes Murren ging durch die Reihe, da niemand den Mund leer hatte um in Worten zu antworten. Den Rest des Essens diskutierten wir aus wie dir das Fohlentraining am besten einbringen konnten ohne die Kleinen komplett zu verschrecken. Am besten ging das mit den sehr routinierten Stuten. Xana, Venetia, Ramira und Sovereign boten sich an.
      Nach dem Essen ging es dann an die Umsetzung. Ich begann damit die Stuten zu scheren und Kerry sah immer mal wieder mit einem der Fohlen vorbei. Zuerst mit Hester, die das Alles recht wenig interessierte. Gut für sie, denn als Tinker würde die später öfter in den Genuss kommen zum Fellwechsel geschoren zu werden. Aber auch die Vollblutfohlen Little Miss Backyard, What Rainbow und Framed in Fantasy konnten sich mit dem Geräusch und dem Vorgang etwas vertraut machen. Als die vier Stuten unseres Vertrauens durch waren mit Scheren, fehlte nur noch Stonery. Auch sie wurde heute von überschüssigem Winterfell befreit und anschließend mit einer leichten Decke eingedeckt.
      Der nächste Tag begann ganz standardmäßig. Es war für mich schon so normal, meine Mutter im Haus zu haben, dass es sich unnatürlich anfühlte, sie demnächst wieder wegzuschicken, damit sie weiter mit meinem Vater leben konnte. Doch für den Moment genoss ich ihre Anwesenheit und ihre Hilfsbereitschaft im Haushalt. Sie hatte sogar Pitch raus gelassen, sodass ich sofort an die Arbeit mit den Pferden gehen konnte. Ich schnappte mir zuerst Ehrengold und Sunday Morning und steckte sie in die Führanlage, die beiden braunen Hengste verstanden sich erstaunlich gut und so konnte man sie halbwegs unbeaufsichtigt ihre Runden drehen lassen. Von der Reithalle aus konnte ich sie beobachten. Ich machte mir Riven in a Dream fertig und wärmte sie zuerst einmal gründlich auf. Als ich damit fertig war betrat Isaac mit Mikado in die Halle. „Keine Stangen aufgebaut? Bist du krank?“ Ich lachte. „Kein Bedarf. Aber nur zu, wenn du Stangenarbeit machen möchtest: Fühl dich frei.“, gab ich zurück und trabte Riven an. Isaac beließ es für seine erste Trainingseinheit des Tages dabei und baute erst nachdem er Mikado weggebracht hatte ein paar Stangenlektionen auf. Ich hatte nun PFS Strolch unter mir und nutzte die Stangen ebenfalls. Da Isaac jetzt den Halbbruder PFS' Straight Alignment ritt kamen wir mit den Abständen in etwa hin, wenngleich Ally ein Stückchen kleiner war. Die Schrittlänge war erstaunlicher Weise recht ähnlich. Nach dem Mittag schnappte ich mir zuerst Golden Sugar und später Reverence und machte ihn für den Geländeparcours fertig, der sich endlich wieder bereiten ließ, nach all den nassen Tagen. Die Hofeigene Strecke hatte ich für mich alleine, da heute nur Isaac als Trainer auf dem Hof war. Er blieb jedoch den Tag über in der Halle. Die Stuten PFS' Savory Blossom und Essence of Life würde das freuen, da sie sonst gleich gewaschen werden müssten, was keine von ihnen sonderlich mochte. In der Führanlage liefen, als ich von meiner Geländesession zurück kam, Rouge Trap, PFS' Storm Cat, Tainted Whiz Gun und CHH' Classic Spring. Damit waren die Vollblüter für heute bewegt. Frei war mein Nachmittag jedoch trotzdem nicht, da ich noch ein paar Besorgungen für die Schmiede machen musste. Erst als ich spät Abends wieder nach Hause kam, hatte ich endlich frei und konnte mit Pitch die Ruhe genießen.
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  • Album:
    Gnadenweide | Pferdehimmel
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    sadasha
    Datum:
    29 Dez. 2018
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  • Sunday

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    Hengst
    14. Juni | 8 Jahre
    Rasse Englisches Vollblut
    Stockmaß/Endmaß 174cm
    Fellfarbe Bay
    Geno Ee Aa

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    Charaktereigenschaften
    Sensibel, Brav, Liebt den Kontakt mit Artgenossen und Menschen

    Vorgeschichte
    Sunday Morning wurde auf dem Pineforest Stable gezogen und ausgebildet. Durch die Unterstützung des dortigen Teams gewann er die Hengstkörung und wird seitdem als Deckhengst gelistet und eingesetzt. Nach etwas Überlegung ging er mit acht Jahren zum Bear Brook EC, wo er seine Laufbahn fortführen wird.

    Beschreibung
    Hübscher brauner Hengst, extrem brav im Umgang. Sunday soll für Rennen trainiert werden. Er ist allerdings sehr fein im Maul und mag weder eine unruhige Hand, noch wenn man zu stark am Zügel zieht. Dann steigt er nämlich auch mal. Außerdem mag er nicht zu viel Druck vom Reiter. Wenn man ihn stresst oder ihm Angst macht, geht gar nichts mehr. Eben ein richtiges Sensibelchen. Er liebt die Geschwindigkeit und er ist auch sehr sozial und möchte am liebsten immer ganz viele Leute oder Pferde um sich haben.


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    Trainingsplan
    Eingeritten ✔ | Eingefahren x

    Schleifenaufstieg | Trainingsaufstieg | Potential
    Oben = Joelle Qualifikation | Unten = Variationen

    Dressur E A L

    Lektionen der Dressur: E A L


    Springen E A L M S S*
    Show Jumping: E A* A** L M* M** S*

    Military E A L M S

    Geländestrecke: CIC/CCI* CIC/CCI** CIC/CCI*** CIC/CCI****
    Eventing (British Eventing, national): BE80(T) BE90 BE100 BE100Plus Novice Intermediate Advanced


    Galopprennen E A L M S S* S** S***
    Ausgleichsrennen|Hindernisrennen: AIV AIII AII AI | AU AM AG
    Flachrennen: 800m 1000m 1250m 1500m 1750m 2000m 2250m 2500m 3000m 3400m


    Distanz E A

    Distanzritte: EL EVG1



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    Offiziell
    288. Galopprennen | 310. Springturnier | 153. Distanzturnier | 242. Galopprennen | 300. Galopprennen
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    207. Militaryturnier | 312. Springturnier | 328. Dressurturnier
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    Inoffiziell

    1. Wintercup Champions Rennen von Joelle Galopp
    2. Platz

    Galopprennen des Joelle World-Cup 2015
    2. Platz

    Qualifikationslauf Wintercup (WCS)
    1. Platz
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    Neujahrsspringen des Gestüt Wolfsgrund
    3. Platz


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    [​IMG]
    Von Cantastor
    Von Cataract Aus der Belinda
    Von Shirocco XX Aus der Nushin | Von Cleef Aus der Bessy

    Aus der unbekannt


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    HK 476

    Eingetragene Zucht Bear Brook EC
    Züchter/Herkunft Pineforest Stable
    Besitzer sadasha (Hunter Crowley)
    VKR/Ersteller Occulta

    Nachkommen
    Sweet Revenge
    PFS' Ravissante aus Antarktik


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    Letzter Tierarztbesuch 08. Januar 2015
    Gesamteindruck gut


    Letzte Zahnpflege 08. Januar 2015
    Letzte Wurmkur 08. Januar 2015
    Letzte Impfung 08. Januar 2015


    Letzter Hufschmiedbesuch 11. Juni 2016
    Ausgeschnitten/Korrigiert 11. Juni 2016


    Beschlag vorne Sportbeschlag
    Beschlag hinten Sportbeschlag


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    PNG | Puzzel PNG | Offizieller Hintergrund