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sadasha

♚ Mr. Raw Depression

Decktaxe: 840 J.

♚ Mr. Raw Depression
sadasha, 14 Feb. 2017
Wolfszeit, Cooper, Rinnaja und 3 anderen gefällt das.
    • sadasha
      Verjährte Berichte
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      Ankaufsuntersuchung von Mr. Raw Depression
      „Morgen!“ sagte ich zu Miri als ich in die Praxis kam. „ Eine Jill K. Facer aus Deutschland hat angerufen und wollte unbedingt dich haben. Ich hab ihr gesagt das du die nächsten Tagen keine zeit hättest aber sie bestand drauf das du kommst und sie lässt nicht locker, hab jetzt einen Termin für heute angelegt echt komisch die Frau!“ sagte sie. „ Ach Jill!Das ist eine gute Freundin von mir, und ja sie kann sehr hartnäckig sein! Aber sie meint das nicht böse um was geht es denn?!“ klärte ich meine angestellte auf. „ Ankaufsuntersuchung und evtl. Zahnbehandlung.!“ Ich drehte mich um und richtige mein Werkzeug her und verließ die Praxis. Ich flog nach Deutschland rüber und machte ich mich auf dem Weg dorthin. Vielleicht war Hunter ja inzwischen aus dem Krankenhaus entlassen worden. Ich kam auf dem Hof an und es schien so als hätte sich jill auf den Hof gestellt und wie angewurzelt gewartet bis ich komme. „ Hallo Jill, du hast meiner Angestellten dein Temperament gezeigt, sie war ganz ängstlich. Weil sie dich nicht auf meine anderen Tierärzte zuteilen konnte..!“ begrüßte ich sie. „ Ja ich wollte eben dich haben!“ sagte sie mir grinsend. Wir umarmten uns kurz dann fragte ich wies hunter geht. Es freute mich das es ihm schon besser geht. „ Ankaufsuntersuchung? Ne neue Stute?!“ fragte ich. „ Ja Ankaufsuntersuchung, nein keine neue Stute, ein neuer Hengst!“ gemeinsam gingen wir in den Stall gut sie fuhr neben mir her. Da sie immer noch kein Gefühl hatte saß sie weiterhin im Rollstuhl sie deutete mir sein Halfter. Ich holte den

      Hengst aus der Box zu mindestens wollte ich es. Der höchst sensible Hengst musterte mich außergewöhnlich. „ He eigentlich bin ich diejenige die Dich untersuchen muss und nicht du mich da hast du was falsch verstanden!“ lachte ich als ich merkte das er seine Nase an meiner Jeans hatte. ER suchte wohl nach was essbarem. Nachdem er sich überzeugt hatte das ich keine Gefahr bin folgte er mir über den Hof. Ich bat Corinna die statt zoey mitkam mir den Hengst vorzuführen. Einfach laufen, fest halten, etwas Abstand halten, wenn er faxen macht streng sein und keine angst zeigen. Da Corinna noch nie mit Hengsten zu tun hatte klärte ich sie auf. Zögerlich nahm sie den Strick in die Hand. Sie machte sich mit dem schönen Kerl bekannt. „ Nen guten Fang hast du gemacht! Schade das er keinen Trakhener ist.!“ lachte ich zu jill. Schritt und Trab war klar. So jetzt mach ich die Beugeprobe, sobald ich los lasse trabst du an Corinna verstanden?. Wieder eine klare ansage. Auch mit der Beugeprobe war ohne Befund. Nun sah ich mir sein Maul an. „Die Zähne jill muss gemacht werden und den Wolfszahn entferne ich auch gleich mit, er sieht mir nicht gut aus.!“ sagte ich. Corinna hielt den Hengst immer noch fest. Sein Zahnfleisch war feucht und rosig. Seine Nüstern sauber seine Augen war auch klar, die Ohren in Ordnung. Dann hörte ich sein Herz ab und die Darm ab. Auch da war kein Befund. Im ganzen war der Hengst vollkommen gesund. Nun impfte ich ihn. Da wir die Zähne auch gleich mitmachten sedierte ich ihn ein wenig, und hielt ihn fest so konnte Corinna alles für die Zähne machen holen. Dann übernahm sie Raw und ich zog erstmals den kranken Wolfszahn heraus, und fing dann an die Zähne abzuschleifen. Die scharfen kannten leicht abzurunden, so das er noch kauen kann, aber sich nicht verletzten konnte. Raw war zwar im Land der träume zuckte aber immer wieder mal.

      Nach einer viertel stunde war ich fertig. Wir liesen den Hengst am anbinder stehen und florence die gerade dazukam sagte mir dann das sie ihn in die Box bringen würde wenn er wieder wach ist.

      „ Jill, er ist vollkommen gesund, wie du gesehen hast sind seine Zähne jetzt auch in Ordnung. Viel Spaß noch mit ihm!“ sagte ich und verabschiedete mich von ihr.(3796)
      19. September 2015

      •••

      Der Hufschmied ist zu Besuch

      Nachdem ich vor einigen Tagen Iceflower von Jill K. Facer besuchte und deren Hufe gemacht hatte führte mich mein Weg heute erneut auf Ms. Facers Hof.
      Das Wetter spielte heute ganz gut mit; Es schien die Sonne was meinen Gemütszustand deutlich hob, während ich mein Köfferchen mit all meinen Werkzeugen aus dem Kofferraum holte. Dann schlenderte ich gemütlich in den Stall.
      Hier stand Jill, zusammen mit einem hübschen, großen Hengst und kraulte diesen lächelnd. Ich grinste und begrüßte sie. Anschließend auch Mr. Raw Depression, liebevoll Ray genannt. Das Englische Vollblut zeigte sich mir gegenüber sofort aufgeschlossen und gelassen, eher unüblich für seine Rasse, aber auch sehr angenehm. Anscheinend hatte er eine gute Ausbildung genossen.
      Als ich ihn dann schon etwas schnuppern gelassen hatte widmete ich mich dann langsam seinen Hufen. Erst kontrollierte ich die Hufwände, dann die Sohle, den Strahl, die Tragefläche und testete ob er irgendwo Schmerzen hatte, was sich allerdings nicht bestätigte. Er hatte hübsche, gesunde Hufe.
      Dennoch war eine kleine Korrektur der Hufstellung notwendig, die wohl durch eine ungleichmäßige Abnutzung entstanden war. Nichts weltbewegendes, und bei Pferden ohne Hufeisen keine Seltenheit, was dennoch nicht bedeutete, dass er Eisen bräuchte.
      Ebenso wollte ich ihn ausschneiden. Dazu machte ich mit meinem Hufrinnenmesser einen Probeschnitt in die weiße Substanz seines Hufes, um zu sehen wie viel Horn ich herunter nehmen müsse. Es war nicht viel, aber dennoch notwendig, da er sonst wohl irgendwann Probleme bekommen könnte und nun alles wieder schön eben war, das Hufeauskratzen also auch wieder leichter fallen sollte. Um meine Arbeit allerdings noch zu optimieren schnitt ich auch noch den Strahl etwas in Form, wie es in der 'Hufschmiedsprache' genannt wurde.
      Dann lobte ich den jungen Hengst. Er war wirklich sehr brav und kooperativ gewesen. Gab die Beinchen ohne Mauken und schnaubte gegen Ende sogar einige Male. Anscheinend gefiel ihm die Aufmerksamkeit, nachdem er sich an das ganze Drara gewöhnt hatte, welches er erst etwas unsicher über sich ergehen ließ.
      ,,Nun noch ein wenig Hufbalsam, dann ist es auch schon vollbracht.'',sagte ich und nahm ein Fläschchen aus meinem Köfferchen. Ray drehte dabei neugierig den Kopf und musterte mich. Jill grinste. Dann tunkte ich meinen Pinsel in das Gefäß und schmierte es dann auf die Hufe des Schecken. Nach dem Auftragen durfte er dann noch einmal Vortraben, um sicher zu stellen, dass auch der Bewegungsapparat einwandfrei funktionierte, was der Fall war.
      Was für ein tolles Pferd, dachte ich mir dabei. Danach setze ich mich noch etwas mit Jill zusammen um sie etwas zu Beraten, während der Dreijährige auf der Koppel tollen durfte.
      ,,Ich bin sehr zufrieden mit Rays Hufen. Sie sind schön hart, wobei sie dennoch nicht trocken und rissig sind, was dann oft der Fall ist. Wahrscheinlich liegt das an deiner guten Pflege und dem Hufbalsam'',sagte ich grinsend und gab Jill noch zwei ungebrauchte Gefäße davon. Dann fuhr ich fort:,,Eine Fehlstellung hat er auch nicht wirklich wenn man die ungleiche Abnutzung immer wieder korrigiert.´Dass dies passiert ist keine Seltenheit, wir Menschen haben ja auch Plattfüße oder kippen nach innen. Bei Pferden ist das allerdings leichter abzufangen und zu beheben, würde ich sagen. Das wird also in näherer Zukunft kein Problem sein und er kann weiterhin barfuß gehen, ohne dass du irgendwelche Bedenken haben musst.'' ,,Okay und für den Winter?'',fragte Jill, woraufhin ich ihr ein paar Tipps gegen die Kälte im Zusammenhang mit Pferdehufen geben konnte.
      Nachdem wir uns dann noch etwas darüber unterhielten und plauderten fuhr ich dann wieder nach Hause.
      18. Okt 2015

      19.09.2015
      Das Schwert liegt im Feuer
      Es ist schon wahnsinn wie die Zeit vergeht. Eben noch hat man seinen Abschluss in der Schule gemacht, und schon steht man mit beiden Beinen im Berufsleben. In meinem Fall ist es das Springreiten. Mein Pferd ist eine dunkelbraune Vollblutstute mit breiter Blesse und weißem Stiefelchen. Ich übernahm sie von meiner Cousine Jill K. Facer. Wer ich bin? Ich bin Hunter Crowley, der Sohn eines Gutherren aus England. Mit Pferden bin ich aufgewachsen, was mich bei den anderen Kerlen in der Schule immer schlecht dastehen ließ. Es war ein hartes Stück Arbeit das zu ignorieren und einfach stur weiter zu machen. Als Jill Slap Happy kaufte stand für mich fest, dass ich wohl alles richtig gemacht habe. Scheppi ist eine tolle Stute, eben genau so wie man sich ein Vollblut vorstellt. Gut ein wenig sehr hibbelig, aber sie ist ja auch erst vier Jahre alt. Dann gibt es da noch Jill's erstes Pferd, einen ganz besonderen Vollbluthengst namens CHH' Lamperd. Er ist ein Frame Overo, fast ganz weiß in meinen Augen, auch wenn andere behaupten es gäbe ja noch viel weißere. Für mich ist er ziemlich weiß. Er ist ein unglaublich erfolgreicher Renner. Mit seinen 3 Jahren hat er bereits eine solide Rennausbildung erhalten und wurde schon in vier Rennen platziert. Jill plant ihn fest für ihre Vollblutzucht ein, da sie sehr auf Farbzucht steht und wenn dann noch so ein erfolgreicher Scheckhengst daher kommt... Es sei ihm gegönnt. Kürzlich hat sie sich dann noch einen zweiten Hengst auf einer auktion gekauft, einen bereits gekörten Dunkelbraunen. Race is Hope heißt er. Einmal hat er sogar eine Platzierung bei einer Hengst des Monatswahl ergattert. Er ist ein hübsches Pferd, ein Fohlen aus ihm und Scheppi würde mir sicher sehr gefallen. Mal sehen was die Zeit so bringt. Heute steht Turniervorbereitung für Scheppi an. Springtraining, wie fast jeden Tag in der Hochsaison. „Hunter?!“ rief mir jemand hinterher als ich Scheppis Sattel aus der Kammer trug und ichblieb stehen um mich umzusehen. Es war Jill. Jill saß zur Zeit im Rollstuhl und war nur noch für sämtliche Planungen auf dem Gestüt zuständig. Sie war auf einem Cross Countryturnier so unglücklich gestürzt, dass ein Nerv in ihrem Rücken eingeklemmt wurde. Sie wurde zwar schon operiert, aber das Gefühl ist noch immer nicht zurückgekehrt. Nach nun schon zwei Monaten hat sie sich daran gewöhnt nicht mehr aufs Pferd zu können. „Hunter, denk dran dass du auf dich aufpasst! Wenn du ins Gelände gehst, dann musst du deine Augen überall haben! Wir können nicht noch einen Verlust vertragen!“ - „Jill... bis nachher.“ sagte ich und ging weiter meines Weges um Scheppi zu satteln. Natürlich machte Jill sich Sorgen, Sorgen um sich, ihre zukunft, das Gestüt. Sie hatte eben erst damit angefangen es aufzubauen. Die Ärzte sind guter Dinge, dass sie irgendwann wieder reiten kann, aber dafür muss sie sich darauf einlassen, muss zu ihrer Gymnastik gehen und zu den Nachuntersuchungen der OP... Fertig gesattelt ging ich mit Scheppi in die Reithalle, stieg auf und ritt sie erst einmal warm. Ein E und ein A Hindernis standen in der Halle, doch bevor es damit los ging machte ich noch ein paar gymnastizierende Übungen mit Scheppi. Sie war heute sehr guckig, passte nicht ganz auf wo sie hintrat. Ich ritt also einige Übergänge um ihre Auferksamkeit zu erlangen. Nachdem ich dann ein paar Testsprünge gemacht hatte ging es raus aus der Halle auf unsere kleine Geländestrecke. Zur Zeit wurde Scheppi nebenbei im Military ausgebildet, weshalb sie die Strecke schon etwas kannte. Ein wenig Schwierigkeiten mit Wasserhindernissen hatte sie schon immer. Es dämmerte mittlerweile, ich war heute sehr spät dran. Einen Durchgang würden wir aber noch schaffen. Wenigstens einen. Niemand war mehr hier, als wir an der Geländestrecke ankamen. Der Himmel war bereits in ein seichtes rosa-orange gehüllt. Scheppi war heiß auf die Strecke und ich ließ ihr etwas Freiheit um sich auszuleben. Die ersten Hindernisse nahmen wir ohne Probleme, es war kleine, flache Sprünge die ein besonders großes Pferd wohl übergaloppieren würde. Scheppi sprang brav und ich kraulte ihr auf der folgenden Hindernis freien Strecke lobend den Hals. Das nächste Hindernis kam schneller als erwartet. Überrascht nahm ich Zügel auf um Geschwindigkeit raus zu nehmen, doch Scheppi war schon voll auf den Sprung fokussiert, ihre Ohren schossen verwirrt nach hinten als ich die Zügel aufnahm. Sie sprang trotzdem, schief, aber sie sprang. Was als nächstes geschah ging so schnell, dass ich es kaum noch zusammen kriege. Im Sprung musste sich Scheppi vertreten haben, sie hoppelte die nächsten Galoppsprünge schräg, unkontrolliert. Es fiel mirfurchtbar schwer mich oben zu halten. Dann rutschte Scheppi ab und ich verlor gänzlich den Halt. Mein Fuß verhakte sich im Steigbügel und ich schlug unsanft mit dem Kopf auf den Boden auf. Trotz Helm, war das ein deftiger Schlag der mich Schwarz sehen ließ. Scheppi schliff mich noch ein paar Meter, bis sie bemerkte, dass ich noch immer an ihr hing. ~

      Mein Kopf wurde wieder etwas klarer, in meiner Hosentasche vibrierte mein Handy. Ich war mit Dreck und Laub bedeckt. Als ich das Handy aus der Hosentasche zog spürte ich ein leichtes Ziehen im Fuß. Jill rief an... Dann fiel mir die Uhrzeit auf. Schon eine halbe Stunde war vergangen, seit wir an der Strecke ankamen? Ich hob ab. Jill war außer sich. Es war nun fast ganz dunkel und ich hatte auch noch vergessen die Beleuchtung an der Strecke an zu schalten. Als ich Jill alles erklärt hatte verstummte sie. „Bis gleich.“ sagte sie, flüsterte sie fast und legte auf. Ich ließ mich zurück in den Dreck sinken und steckte das Handy weg. Die nächsten Minuten zogen sich ungeheuerlich. Scheppi blieb ruhig stehen, als wüsste sie, dass mit meinem Fuß etwas nicht stimmte. Ich schaffte es irgendwie mich aus dem Steigbügel zu fuchsen und mein Fuß folgte der Schwerkraft auf den Boden der Tatsachen. Der Aufprall ließ mich aufstöhnen. „Was zur Hölle?!“ fluchte ich und sah meinen vom Reitstiefel verdeckten Fuß an. So betrachtet, sah es noch ganz gut aus. Es war alles an einem Stück und auch sonst schien mich der Sturz nicht allzu sehr mitgenommen zu haben. Beim Versuch aufzustehen knickte mir der Fuß jedoch immer wieder schmerzhaft weg. Damit Scheppi von meinem Eierlauf nicht unruhig wurde blieb ich letzten Endes sitzen und wartete auf Jill. Scheppis Zügel hatte ich mittlerweile gefunden und hielt sie fest. Jill kam nicht, stattdessen ein netter Herr in Begleitung einer Dame in weiß-roter Arbeitstracht. Sanitäter. Jill musste einen Krankenwagen gerufen haben, gehört hatte ich diesen nicht. Wahrscheinlich wäre Scheppi dann geflüchtet, Jill hatte mitgedacht. Der junge Mann musterte mich kurz, während mir die Frau einige Fragen stellte mir direkt in die Augen leuchtete und meinen Blutdruck messte. Sie verzogen keine Miene. Ab und an lächelte die Frau bei einer meiner sarkastischen Antworten. Dann half der Mann mir auf. Die Frau nahm Scheppi. Zusammen schafften wir es zum Anfang der Strecke, immer wieder musste ich pausieren weil ich auf einem Bein hüpfend auf dem Laub wegrutschte oder weil es zu anstrengend wurde. Am Krankenwagen stand Jill dann zusammen mit ihrer Freundin Florence. Florence war da? Wann war sie gekommen? Florence hatte selbst einen aktiven Turnierstall und alle Hände voll zu tun. Jill schien geschockt. „Hey, alles gut!“ ließ ich sie wissen, als ich mich auf die Liege im Wagen setzte. Eine Träne kullerte über ihre Wange. Wie ich damit umgehen sollte wusste ich nicht. Ich schluckte und wurde von den Sanitäten angehalten mich kurz hinzulegen damit sie mir den Stiefel ausziehen könnten. Florence brachte in der Zeit Scheppi zurück in den Stall. Als der nette Mann die Schere in die Hand nahm um meinen Stiefel aufzuschneiden saß ich schneller, als die Sanitäterin handeln konnte. „Nicht aufschneiden! Die waren teuer!“ keuchte ich empört. „Sicher?“ fragte mich der Sanitäter und drückte mich wieder in die Waagerechte. „Wenn der Fuß gebrochen oder auch nur angebrochen ist, kann es das alles viel schlimmer machen!“ warnte er mich. Doch ich war mir sicher, wegen einem kleinen Sturz wollte ich nicht meine guten Stiefel verlieren. „Sicher!“ sagte ich. Der Sanitäter schnaubte verächtlich und grummelte ein „Na gut.“ in seinen kurzen Bart. Die Sanitäterin schien etwas verunsichert und legte mir eine Hand auf die Brust. „Bereit?“, die Sanitäterin nickte und mit einem Mal ruckte der Sanitäter an dem Stiefel. Ich schrie auf. Das hatte ich nicht erwartet, mir zog sich alles zusammen. Am liebsten hätte ich mich auf die Seite eingerollt, doch der Stiefel war noch nicht runter. Dann, ich hatte kaum Zeit mich zu erholen ruckte der Sanitäter ein zweites Mal am Stiefel und riss ihn damit vom Fuß. Die Socke war dagegen nichts. Vielleicht auch, weil es mir wieder Schwarz vor Augen wurde. Mein Fußgelenk war etwas angeschwollen und blutunterlaufen, aber er war nicht offen. Florence war mittlerweile wieder vom Stall zurückgekehrt und sah sofort weg, als sie sah wie der Sanitäter den letzten Ruck vornahm. „Ist er runter?“ fragte sie Jill zur Sicherheit, bevor sie wieder zu mir sah. Jill nickte stumm, sie hatte mich die ganze Zeit traurig angestarrt und kein Wort gesagt. „Jill, es tut mir leid!“ es bedrückte mich sehr sie so zu sehen. Sie war immer ein glücklicher Mensch. Ihr Unfall hatte sie unglaublich verletzlich gemacht, übervorsichtig und in ständiger Angst um ihre Mitmenschen. Ihre Augen wurden glasig. „Wir müssen los.“ drängte die Sanitäterin. „Wollen Sie mitfahren?“ Jill schüttelte den Kopf. Geknickt ließ ich meinen Kopf zurück auf die Liege fallen und starrte die Decke des Wagens an. „Ich fahre mit, wenn's Recht ist.“ sagte Florence und sah unsicher von einem Sanitäter zum nächsten. „Kümmer dich lieber um Jill, sie braucht dich jetzt mehr.“ merkte ich an während mir die Sanitäterin eine Infusion verpasste. „Wir haben das besprochen, Hunter.“ sagte Florence eindringlich. „Ich halte Jill aufdem Laufenden.“ Ich atmete laut aus. „Ihr tut so als stünde mir eine lebensbedrohliche OP bevor bei der ich um mein Leben bangen muss...“ beschwerte ich mich, biss im gleichen Moment die Zähne zusammen und schloss die Augen weil der Sanitäter irgendetwas an meinem Fuß fummelte. Nach einer kleinen Diskussion fuhr Florence nun doch mit und im Krankenhaus stellte sich bald heraus, dass mein Fuß schlimm verstaucht war, aber immerhin nicht gebrochen. Als Krönung habe ich eine Gehirnerschütterung mitgenommen und eine Prellung der oberen Wirbelsäule. Alles halb so schlimm, wenn man bedenkt was hätte passieren können. Ein paar Wochen am Stock und das ganze ist überstanden. So jedenfalls meine Vorstellungen des weiteren Verlaufs. Nach Hause konnte ich bereits nach drei Tagen Überwachung. Florence wich nur selten von meiner Seite und schlief einmal sogar neben mir ein. Scheppi hatte sich bei der Aktion übrigens nicht verletzt. In der Zeit, in der ich nicht auf dem Hof arbeiten konnte lief einiges schief. Jill war 2 der Tage auch noch auf einem Pferdemarkt um nach interessanten Pferden zu schauen. Florence hatte den kompletten Tagesablauf für die Pferde alleine gestemmt, mit Hilfe der Reitbeteiligungen und des Stallburschens. Sie war wirklich ein Organisationstalent. Als Jill dann wieder kam strahlte sie vom einen zum nächsten Ohr. Ich saß mit meinen Krücken vor dem Reitplatz und gab den Reitbeteiligungen etwas Hilfe und Korrektur, wenn sie danach fragten. „Na Cousine, du siehst so glücklich aus. Hast du endlich deine Liebe des Lebens getroffen auf dem Markt?“ fragte ich sie neckend, doch Jill grinste unbehellt weiter und gab mir Papiere. „Ein Hengst. Noch ein Hengst?“ sagte ich stirnrunzelnd als ich die Papiere kurz überflog. Es handelte sich um einen Bay Tobiano Vollblut Hengst namens 'Mr. Raw Depression'. „Jill, du hast schon zwei Vollblüthengste, einen davon sogar gekört. Was willst du denn mit noch einem? Willst du die alle auf Scheppi lassen? Dir fehlt es an Stuten.“ Sie musste verrückt geworden sein. Drei Hengste und eine Stute. „Du hast ja keine Ahnung, Hun.“ sagte sie weiter grinsend. „Er ist uuuunglaublich toll! Du wirst schon sehen.“ - „Und wenn er noch so schön ist... Du brauchst Stuten. S-t-u-t-e-n.“ betonte ich missmutig und gab ihr die Papiere zurück. Schnaubend drehte sie sich um und humpelte mit ihrer kaputten Hüfte von dannen. „Wann kommt er denn hier her?“ rief ich ihr noch hinterher und sie hielt 3 Finger als Antwort hoch. 'Was denn nun, 3 Tage, Woche, Monate, Jahre...?' grummelte ich und versuchte mich wieder auf die Reitbeteiligungen von Race is Hope und CHH' Lamperd zu konzentrieren, die mir immer wieder recht unsichere Blicke zuwarfen. Die beiden Hengste waren wunderbar, in einem hatte sie das wohl beste Gebäude, das ich je bei einem Vollbluthengst gesehen hatte und beim anderen hatte sie die Farbe, die sich so wünscht. Sie hat wirklich einen an der Klatsche... Mehr kann man dazu nicht sagen. Nach einer halben Stunde beendeten wir das Training und die beiden Mädchen brachten die Hengste gut eingedeckt zurück auf ihre Weiden. Es ging ihnen gut hier. Sie hatten jeweils eine riesige Koppel für sich, gut eingezäunt. Unter Aufsicht durften sie auch zusammen auf eine Weide, ohne Aufsicht war es zu riskant. Scheppi stand mit ein paar Ponys eines Privateinstallers auf einer gemischten Weide im Herdenverband. Sie hatte es damit wohl am besten erwischt. Die nächsten drei Tage wechselte ich kaum ein Wort mit Jill. Ihre Miene war ernster geworden, als sie die Unordnung auf ihrem Hof bemerkte. Scheppi hatte seit 2 Tagen keinen Reiter mehr gesehen und die Hengste waren teilweise unbeaufsichtigt zusammen auf einer oder auf nebeneinander liegenden Weiden. Beim Abendessen dres dritten Tages sprach ich sie noch einmal auf den neuen Vollbluthengst an. „Wann kommt er denn, ich hatte dich letztens nicht richtig verstanden.“ - „Morgen.“ sagte Jill leise und stocherte in ihren Kartoffeln rum. „Okay.“ ...morgen Vormittag würde ich nicht da sein. Eine Nachuntersuchung wegen meiner Verletzung stand auf dem Kalender. Wahrscheinlich würde der Hengst genau in diesem Zeitraum eintreffen, so wie ich mein Glück kenne.

      Am nächsten Tag machte ich mich sehr früh auf den Weg ins Krankenhaus. Um 9 Uhr war mein Termin und just in dem Moment, als ich ins Behandlungszimmer gehen wollte klingelte mein Handy. Es brannte mir in den Fingern ranzugehen. Doch ich drückte Jill erstmal weg. Ich würde sie gleich anrufen, sobald ich hier fertig bin. Der Termin zog sich wie Kaugummi. Ich hatte das Gefühl der Fuß tat danach mehr weh als er es vorher tat. Mit dem Handy in der Hand stieg ich in den nächsten Bus in Richtung Gehöf. Kaum saß ich, rief ich Jill an. „ER IST DAAA!“ begrüßte sie mich freudig. „Er ist so großartig! Flori mag ihn auch!! ALLE mögen ihn“. - „Das bez-“ fing ich an, doch Jill ließ mich nicht reden. „Er ist so gut gepflegt, sein Fell glänzt wie Stahl, er hat ein paar ganz süße Bend-or-Spots und die Scheckung ist so toll und reinweiß. Dann diese Augen, Gott seine AUGEN! Du musst sofort kommen, wann bist du da?!“ textete sie mich zu in einer Lautstärke, dass ich dachte mein Sitznachbar könnte alles mithören. Entschuldigend blickte ich ihn an. „In einer Stunde etwa.“ sagte ich kurz und wir legten auf, auch wenn Jill mich viel lieber eine Stunde lang weiter vollgeschwärmt hätte. Beim Stall angekommen krückte ich so schnell es mir möglich war zum Innenhof, wo sich alle versammelt hatten. Der Rest der Hofs schien wie eingefroren. Dann sah auch ich den großen Scheckhengst in der Mitte stehen. Er war wirklich sehr hübsch, keine Frage. Ein gutes Gebäude hatte er auch, aber er war kein Renner. Ein Eventer vielleicht? Gut trainiert sah er jedenfalls aus, die Muskeln sprachen für sich. Sogar seine Hufe waren gemacht. Definitiv ein Frauenpferd ja. Jill kam strahelnd auf mich zu und viel mir um den Hals. „Ich will das du ihn vorbereitest und mit ihm Turniere gehst, bis er gekört ist und wir eine Stute für ihn haben!“ flüsterte sie mir ins Ohr. Ich lächelte. „Das machen wir schon, sobald ich wieder aufs Pferd darf.“ - „Hat der Arzt noch nichts gesagt?“ - ich schüttelte den Kopf und streichte Mr. Raw Depression über den starken Hals. Man er war wirklich schön.

      Den Rest des Tages verbrachten die Reitbeteiligungen mit der Pflege der Pferde, der neue Hengst durfte sich erst einmal an die neue Umgebung gewöhnen und wurde dafür in einen Offenstall in Reitplatznähe gestellt. So hatten wir ihn auch gut im Blick. Jill, Flori und ich saßen im Halbkreis im Innenhof und philosophierten noch sehr lange über mögliche Zuchtziele, wie die Stuten aussehen sollten, die als nächstes kommen sollten und ob wir nicht eine kleine Nebenzucht mit Sportpferden wie Trakehnern oder anderen Warmblütern beginnen sollten.
      16.736 Zeichen by BearBrook

      08.10.2015
      Die Glut springt noch einmal auf
      Es ist nun schon eine ganz Weile her, dass ich mich bei einem Reitunfall verletzt hatte. Ich kann wieder normal gehen, ganz selten spüre ich noch einen leichten ziehenden Schmerz in den Sehnen, wenn ich den Fuß strecke oder flexe. Aber die Ärzte meinen es sei alles soweit verheilt und ich dürfte wieder auf's Pferd. Endlich konnte der normale Alltag wieder einziehen. Florence war schon seit einer Woche wieder auf ihrem eigenem Gestüt. Slap Happy ging es auch wieder besser, nach dem kleinen Rückfall. Jill und ich waren zwar jetzt wieder auf uns gestellt, aber es lief alles rund. Heute machte sich Jill auf den Weg zur einer Jungpferdeausstellung. Die Reitbeteiligungen kümmerten sich um ihre Pferde. Sie waren eine wahrliche Erleichterung. Ich war gerade dabei die Offenställe abzuäppeln. Seit einer Stunde saß Jill im Zug, noch sechs Stunden würde sie bis nach Schweden brauchen und dort würde sie auch nochmal eine kleine Reise auf sich nehmen bis zum Ort der Veranstaltung.
      Die häuslichen Pflichten erledigt holte ich mir unseren Neuzugang Mr. Raw Depression von der Weide. Er hatte sich gut eingelebt und blühte hier regelrecht auf. Er ist wirklich ein Everybody's Darling, sehr charmant. Anders als Slap Happy, die immer etwas nervös und unruhig wirkte oder wie der unter Strom stehende Lamperd und der reservierte Race is Hope. Ray ist offener als die beiden anderen Hengste und ausgeglichener. Er kannte es nicht nonstop bewegt zu werden und das war sein Vorteil. Er hatte Ruhe gelernt und schaffte es sich auch bei scheinbar langweiligen Lektionen zu konzentrieren. Für mich wird es heute wieder das erste Mal im Sattel sein. Ich putzte den schönen Braunschecken sehr gründlich und sattelte ihn. Von Jill hatte ich noch kein Lebenszeichen erhalten, jetzt war ich für eine Stunde nicht ansprechbar. Race is Hope war ebenfalls auf dem Reitplatz mit seiner Reitbeteiligung. Die anderen drei Mädels hatten es sich in den Stühlen auf dem Innenhof gemütlich gemacht um uns zu beobachten.
      Beim Aufsteigen verspürte ich noch einmal das schmerzhafte Ziehen im Fuß, doch ich ignorierte es. Die Ärzte hatten gesagt es sei verheilt, darauf vertraute ich. Im Sattel war der Schmerz dann verschwunden. Ich ließ Ray locker am Zügel gehen und wärmte ihn zuerst auf. Er war ein Dressurtalent. Sein erstes Turnier hatte er sogar gewonnen und das bei über zehn anderen Teilnehmern. Für einen Scheckhengst war das schon sehr außergewöhnlich. Nach der Aufwärmphase fing ich ihn an zu traben, stellte ihn immer wieder an den Zügel und sah was er schon alles gelernt hatte. Ich war keinesfalls ein Dressur-Ass, deshalb wurde Ray auch nicht von mir auf turnieren vorgestellt sondern von seiner Reitbeteiligung, aber Jill wollte, dass ich mit ihm lerne. Es war anstrengend sich auf alle Kleinigkeiten zu konzentrieren. Ray war sehr fein in den Hilfen, was es mir als stumpfer Militarty-Reiter nicht gerade einfacher machte. Ich musste die Ruhe lernen, die Ray schon kannte. Die Angst ihn zu verreiten wuchs von Minute zu Minute. Unter den kritischen Blicken der Mädchen galoppierte ich Ray an. Er war stellte sich direkt an den Zügel. Galopp schien er zu mögen, er war eben doch ein Vollblut, so ausgeglichen er auch war. Ich machte meine Beine lang und spürte wieder das Ziehen im Fußgelenk, aber es war nicht so stark wie beim Aufsteigen. Hatten sich die Ärzte wohl doch geirrt? Hatten sie was übersehen? Wenn doch alles verheilt war, wieso tat es noch weh, wenn Spannung drauf kam? Meine Gedanken waren überall nur nicht beim Pferd. Ray wurde immer unsicherer und ich parierte ihn wieder durch in den Trab. Auf dem Zirkelholte ich ihn runter, ließ ihm die Zügel lang und ließ ihn sich strecken und dehnen. Er genoss das sichtlich, seine Ohren schwankten zur Seite und die rosa Unterlippe löste sich etwas. Er wurde immer langsamer bis er irgendwann in einer Gangart lief die die Westernreiter Jog nannten. Ich ließ ihn stehen und lobte ihn sanf. Wir waren jetzt eine halbe Stunde auf dem Platz, das Warmreiten ausgeschlossen. Da meine Konzentration immer weiter nachließ beschloss ich ihn nur noch abzureiten und dann den Tag abzuschließen und aus dem Gedächtnis zu streichen. "He Hunter dein Handy klingelt!" rief eine der jungen Frauen vom Innenhof rüber und rannte mit dem Handy in der Hand an den Zaun vom Reitplatz. Ich wollte sowieso gerade absteigen. Mit einem Schwung setzte ich auf den Boden und... knickte ein. Mein Fuß hielt dieser Belastung nicht stand, mit einem höllischen Schmerz brach ich zur Seite und Ray machte einen Satz nach hinten und schnaubte argwöhnisch.
      Der Schmerz ließ leider diesmal nicht so schnell nach, aber immerhin konnte ich mich nach ein paar Sekunden wieder aufrichten. Maja war mittlerweile bei mir und half mir aufzustehen und stützte mich. Ich war völlig geschockt. So viel zur Heilung. Immer wieder setzte ich den Fuß kurz ab, doch immer wieder zog der Stich vom Gelenk bis hoch ins Bein. "Das gibt's doch nicht!" murmelte ich und humpelte mit Maja und Ray vom Platz. Maja musterte mich besorgt und buchsierte mich zu ihrem Stuhl, gab mir mein Handy dessen Klingeln mittlerweile aufgehört hatte. Es war Jill, sicher war sie jetzt am Flughafen und wollte nur noch schnell bescheid geben dass soweit alles okay war. Maja übergab Ray den beiden Schwestern Linda und Laura, die ebenfalls auf dem Innenhof waren und alles beobachtet hatten. Die beiden freuten sich helfen zu können, mit 17 Jahren waren sie hier mit die jüngsten und teilten sich die Reitbeteiligung an Race is Hope und Lamperd.
      Meine Gedanken schwirrten umher, Angst stieg in mir auf. Was wenn mir da gleiche Schicksal graut wie Jill? Was wenn ich nicht mehr reiten dürfte, wenn mein Fuß jetzt ganz kaputt wäre? Maja war kurz im Reiterstübchen verschwunden. Ich starrte ins Leere, gefangen in Vorstellungen, eine grauenvoller als die andere. "Komm!", Maja war wieder da. Sie zog mir am Arm und wir gingen zu ihrem Auto. Wieder drohte mir ein Krankenhausaufenthalt. Die Fahrt über sprachen wir kein Wort. Ich schob auf meinem Handy Apps hin und her um nicht reden zu müssen. Mein Herz raste. In der Notaufnahme wurde das nochmal schwarz auf weiß aufgezeichnet. Mein Fuß wurde abermals genaustens untersucht. Die Ärzte entdeckten ach etwa zwei Stunden Krankenhaus dass eine Sehne angerissen war und jetzt noch weiter gerissen ist. Ich wollte nicht mehr hören, ich hatte furchtbare Angst Worte zu hören, die auch Jill schon einmal gesagt wurden. Doch sie kamen nicht. Im Gegenteil, die Ärzte schienen froh zu sein, dass es nichts Anderes war. "Das ist zwar nicht angenehm, aber sie werden wieder gesund." sagten sie mir. Sie erklärten mir dann die Therapie, die sie mit mir vor hatten. Mir drohten weitere zwei Wochen ohne Bewegung und mit täglichen Spritzen, damit sich die Sehen wieder aufbaute. Auch danach durfte ich erstmal keine großen Belastungen auf den Fuß geben. Reiten war demnach nicht drin. Wiedermal.
      Am Abend telefonierte ich mit Jill, die mittlerweile auf der Ausstellung war. Sie erzählte mir hellauf begeistert von einer Reitponystute, die sie einfach kaufen musste. Jill sagte sie habe es aufgegeben jemals wieder auf die Beine zu kommen und mit dieser Stute könne sie in den Fahrsport einsteigen. Sie klang so unglaublich begeistert, dass ich ihr keine Einwände gab. Iceflower hieß der Neuzugang. "Nur Jill, es werden immer mehr Pferde die wir versorgen müssen. Das schaffen wir bald nicht mehr nur zu zweit." klagte ich. Jill sprach mir zu und wenn sie wieder im Land ist würden wir und um weitere Angestellte kümmern. Von meinem Fuß erzählte ich ihr noch nicht. Sie war so glücklich, da wollte ich ihr eine ruhige Nacht schenken. Die junge Ponystute würde sie direkt aus Schweden mitbringen, sie hatte eine Fahrgemeinschaft mit einem anderen Ausstellungsbesucher gegründet.
      ...
      Iceflower machte sich prächtig! Sie war eine sehr interessante Porzellanscheckstute, gerademal zwei Jahre alt und schon recht weit geschimmelt. Jill und ich hatten mittlerweile Unterstützung auf den Hof geholt. Josy war eine sehr gute Dressurreiterin und würde Ray weiter fördern. Und für die anderen Vollblüter hatten wir eine gute Springreiterin ins Boot geholt. Sie heißt Yana und ist wirklich sehr hübsch. Direkt nach Iceflowers Ankunft machte ich jeweils einen Termin beim Tierarzt und Hufschmied für sie und der Hufschmied sollte auch gleich für Ray vorbei schauen, den ich beim letzten Besuch vergessen hatte.
      Für Fleur suchten wir jetzt noch einen Ausbilder, wir hatten alle recht wenig Erfahrung im Fahrsport, doch Jill war Feuer und Flamme dafür. Sie wälzte Bücher und kam jeden Tag mit einem neuen Trainer, den sie gerne mit Fleur arbeiten lassen würde. Mir hingegen ging es nicht so rosig. Die Therapie machte mir zu schaffen, ich war zwar mittlerweile wieder aus dem Krankenhaus entlassen worden, aber der Heilprozess ging nur schleichend voran und bei jeder kleinsten Bewegung des Fußes kamen Schmerzen auf. Ich langweilte mich sehr und ärgerte mich, dass ich mich nicht auf mein Gefühl verlassen hatte. Maja kam immer wieder ins Reiterstübchen und versuchte mich aufzuheitern. Doch ich hatte das Gefühl das Leben rauscht an mir vorbei, ich konnte nicht verstehen wie Jill das die ganze Zeit schaffte so zuversichtlich zu bleiben. Ich hatte sie zwar auch schon lange nicht mehr SO glücklich gesehen, aber selbst in ihrer ersten Zeit im Rollstuhl bewahrte sie stets die Fassung und ihren Optimismus. Geknickt starrte ich auf die Prospekte für den Fahrsport vor mir und versuchte Jill wo es ging zu helfen. Mein Zustand war immerhin nicht für die Ewigkeit.
      9609 Zeichen by BearBrook

      26.10.2015
      Hochmut kommt vor dem Fall
      Mittlerweile waren zwei Monate vergangen, es war Herbst und Jill hatte drei weitere Pferde ins Reitzentrum geholt. Einen Trakehner-Scheckhengst namens Cadiz, eine Vollblutstute namens Bear Totem's Denali und eine Reitponystute namens Princess Sansa. Mir ging es wieder gut, ich durfte wieder reiten und das verlief nun schon seit einigen Tagen völlig schmerzfrei. Jill hingegen hatte aktuell wieder ein Tief erreicht. Sie ließ ihre schlechte Laune unbewusst an mir aus. Ich wusste, sie meint es nicht so, aber es war furchtbar stressig sie ständig im Nacken sitzen zu haben bei der Arbeit. Ich war immer froh wenn Maja und Co. da waren um einen Teil der Pferde mit zu bewegen. So kümmerten sich Linda und Laura heute um Cadiz und Denali, während ich mich mit der Ponystute Sansa abgeben musste. Maja machte sich Iceflower zurecht. Sansa hatte eine unglaublich arrogante Art und erinnerte mich an eine weibliche Version von Adrianna's Sir Outlaw. Es kostete mich viele Nerven mit dieser Jungstute zu arbeiten, sie war nicht eingeritten, kannte aber die Longenarbeit. Ich diskutierte schon alleine zwanzig Minuten mit ihr um sie von der Weide zu führen. Das Putzen genoss sie sichtlich. Nach insgesamt zwei Stunden Arbeit verabschiedete ich sie dann wieder zurück in die Herde und holte mir meine Slap Happy. Seit dem Sturz damals hatte ich mich nicht mehr um sie gekümmert. Als ich sie von der Weide führte hatte ich abermals ein mulmiges Gefühl im Bauch, aber ich wusste, dass alles okay werden würde. Es war unglaublich ruhig im Stall während ich meine Stute zurecht machte. Irgendwie kam ich mir sehr beobachtet vor. Niemand schien es für richtig zu halten, dass ich Scheppi wieder reiten würde nach dem was passiert war. Aber Jill hatte mir ihr OK gegeben. Das Training heute beweiste mir auch, dass unser Verhältnis keinen allzu großen Riss erhalten hatte. Scheppi schien sogar besser mitzuarbeiten als je zuvor. Vielleicht hatte sie das genauso vermisst wie ich. Die anfänglichen Bauchschmerzen verwandelten sich urplötzlich in Glücksgefühle, als ich mit ihr den ersten Sprung genommen hatte... „Hunter?“ hörte ich eine zaghafte Stimme hinter mir sagen, als ich Scheppis Sattel nach dem Training zurück in die Sattelkammer brachte. Als ich mich umdrehte, sah ich dass es Maja war. Sie kam gerade mit Iceflower zurück. Ein wenig verwundert wieso sie zaghaft klang sah ich sie an. „Wie lief das Training mit ihr? Ist alles Gut?“ Ich schmunzelte und legte den Sattel auf die Halterung in Scheppis Spind und antwortete dann. „Ja, das Training verlief gut. Kein Grund zur Sorge.“ Man konnte sehen wie Maja ein riesen Stein vom Herzen fiel. Auch sie schien sich sehr gesorgt zu haben. „Ich geh dann mal den nächsten Kandidaten fertig machen.“ sagte ich und schob Maja sanft zur Seite um an ihr vorbei zurück zu den Weiden zu gelangen. Ich spürte Majas neugierige Blicke im Nacken, doch sie folgte mir nicht. Als letztes für den heutigen Tag holte ich Ray von der Weide. Der Vollbluthengst den hier irgendwie jeder liebte. Gesattelt und mit eingeflochtenem Langhaar führte ich ihn auf den Reitplatz. Linda und Laura waren hier mit Lamperd und Race is Hope. Die beiden hatten ihre Hengste gut im Griff und Ray war ganz froh, nicht alleine auf dem Platz zu sein, weil er wusste, dass ich ihn dann nicht zu hart ran nahm. Maja setzte sich mit mitgebrachten Broten auf einen der Stühle auf dem Innenhof um uns zu beobachten. Auch Jill war hier, schien jedoch vertieft in ein Buch zu sein dessen Titel ich vom Platz aus nicht erkennen konnte. Wahrscheinlich wieder ein Wälzer über die Pferdezucht oder -Genetik. Eben Jill-Lektüre. Auch mit Ray arbeitete es sich wunderbar heute. Ich war schon lange nicht mehr so zufrieden am Ende eines Tages wie heute. Als ich Ray fertig abgesattelt hatte kam Maja gerade von der Weide zurück und lächelte mich unverhohlen an. Ihr Blick hatte etwas Verruchtes. Ein wenig verwirrt erwiderte ich das Lächeln und wandte mich dann wieder Ray zu. Die Arbeit von heute machte sich langsam im Rücken und in den Beinen bemerkbar, ich wollte nicht wissen wie viele Kilometer ich heute insgesamt gelaufen war. Ich strich dem bunten Hengst über den Hals, auch er hatte heute ordentlich Schweiß gelassen. So zog ich Ray noch einmal mit dem Schweißmesser ab bevor ich ihn mit seiner Decke in die mit frischem Stroh befüllte Box stellte. Wie gewohnt legte er sich direkt hinein und spielte kurz mit den pieksigen Halmen. Es war schön ihm dabei zu zu sehen. „Ich bin dann weg.“ verabschiedete sich Maja und verließ nun als letzte den Hof. Jetzt waren nur noch Jill und ich da. Jill hatte sich bereits zurückgezogen und war auf der Couch eingeschlafen. Ich freute mich endlich Zeit zu haben um etwas zu essen. Es war nun schon 22Uhr Abends. Drei Pferde und die übliche Stallarbeit hatte ich heute geschafft, ohne irgendwelche gefährlichen Zwischenfälle.Nachdem ich etwas gegessen hatte machte ich mich auf meinem Bett lang und lag noch kurz wach; dachte über die Damenwelt nach, die sich heute sichtlich komisch verhalten hatte. Dann schlief ich ein und genoss einen unglaublich tiefen Schlaf, der so erholsam war, wie schon lange nicht mehr.

      28.11.2015
      Weil Frauen kompliziert sind...
      Einige gute Trainingstage waren nun vergangen, das Training mit Ray und Scheppi verlief sogar besser als gedacht. Mit der Dressur tat ich mich noch immer schwer, aber Maja half mir sehr. So oder so war Maja in letzter Zeit immer da, wenn irgendetwas war. Immer wieder erkundigte sie sich nach meinem Befinden und half mir sehr intensiv beim Training, kam mit auf Ausritte. Manchmal hatte ich das Gefühl Jill hätte sie auf mich angesetzt um darauf zu achten, dass mir nicht noch einmal etwas passierte.

      Gerade waren wir auf einem Grasplatz und übten Versammlungen mit Ray. Er konnte das, ich weniger. „Du musst die Hände noch ruhiger halten, Hunter!“ Ich brummte... Ja, ich wusste das. Aber es ist leichter gesagt als getan. „Versuch noch feinere Hilfen zu geben, denk an deine Füße!“ Sie hörte gar nicht mehr auf mit ihrer Kritik! „MAJA!“ rief ich irgendwann und sah sie frustriert an, die langen Haare im Gesicht hängend musste das regelrecht irre ausgesehen haben wie ich sie ansah. Sie schwieg und sah mich an. Ihren Audruck konnte ich nicht deuten, er lag irgendwo zwischen „Enttäuschung“ und „verletzt sein“. Dann wandte sie den Blick ab und gab Iceflower einen sanften Schub nach vorne, galoppierte mit ihr weg. „Super klasse...“ brummte ich unzufrieden. „Majaaa... es tut mir leid, das war nicht so gemeint!“ Mit Ray hatte ich sie schnell eingeholt und ritt nun neben ihr her. Sie ignorierte meine Anstrengungen. Dann ritt ich vor und stellte mich mit Ray in ihren Weg. Jetzt konnte ich ihren Blick deuten: Sie war sauer. Mehr als eindeutig. „Geh mir aus dem Weg, Hunter!“ maulte sie und ihr folgender Blick verriet mir, dass sie nun einen Weg um mich und Ray herum suchte. Links und rechts vom Weg lagen nun Kuh- und Schafsweiden. Der Platz reichte keinesfalls um an einem querstehenden Ray vorbeizukommen, so klein Iceflower auch sein mochte. Es endete darin, dass Maja das Pony rückwärts richtete und dann in die andere Richtung weiter ritt. „Ach komm schon!“ rief ich entrüstet hinterher und holte wieder auf. „Ich bin ein Trottel und weiß deine Mühen nicht zu schätzen!“ gab ich zu und versuchte ihren Blick zu erhaschen, doch sie blickte stur geradeaus. Dann irgendwann nach zig Versuchen sich zu entschuldigen hielt sie an. Ich brauchte in paar Sekunden um das zu realisieren und machte dann mit Ray kehrt sodass ich vor ihr stand. Sie sah so unglaublich enttäuscht aus. Das war nie mein Ziel. Ich wollte einfach nur, dass sie mich etwas weniger forderte. Ich war schlichtweg überlastet mit so viel Input. Dressur war nicht einfach für mich! „Du weißt garnichts! Du hast keine Ahnung!“ fauchte sie und in ihrer Stimme schwang so viel Traurigkeit mit, dass ich sie am liebsten in den Arm genommen hätte, wäre sie nicht so sauer auf mich. Ich schwieg und sah sie einfach nur an. Was wusste ich nicht? Warum sagte sie es mir nicht einfach, wenn es ein Problem gab? „Ich brauch eine Auszeit...“ sagte sie dann, drehte um und ritt wieder weg. Diesmal folgte ich ihr nicht, auch wenn Ray sich am liebsten an Iceflower gekoppelt hätte. Ich hielt ihn im Stand und wartete bis die beiden außer Sicht waren. Geknickt schritt ich dann ebenfalls Richtung Stall um die Arbeit mit Ray nieder zu legen. Maja hatte ich nicht mehr gesehen, sie musste Iceflower nur schnell abgesattelt haben um dann zu verschwinden.
      Der restliche Tag zog sich furchtbar lang. Ich redete mit niemandem und machte nur noch stur den Rest meiner Arbeit um dann in meine Wohnung zu gehen und abzuschalten.


      Sturz ins Grauen
      Es war grauenvoll die nächsten Tage. Es wurde zum einen immer kühler und zum anderen ließ sich Maja nicht mehr blicken, sodass ich auch die Arbeit mit Fleur übernahm, neben der mit Ray und Scheppi. Ich vermisste die Dressurlektionen, jetzt wo sie ausfielen. Auch Jill redete mir dauernd ein was für ein Idiot ich doch gewesen sein muss, Maja zu vergraulen. Dass ich gar nicht wusste, was genau ich jetzt alles falsch gemacht hatte interessierte sie nicht im Geringsten. Eines frühen Morgens stand ich schon um vier Uhr auf um alle Stallarbeiten bis neun erledigt zu haben. Ich hatte mir beim Holen des Heus vom Heuboden den Kopf angeschlagen und auf dem eisigen Paddockboden war ich heute auch schon fast ausgerutscht. Dann, als ich dachte es kann nicht schlimmer kommen, kam Maja auf den Hof. Ich saß da gerade in einer Ecke eines gerade fertig abgeäppelten Paddocks und starrte ins Leere, als ich die Schritte hörte und aufsah. Scheinbar wusste sie selbst nicht wie sie mit der Situation umgehen sollte. Sie lächelte immer mal kurz und sah mich ein wenig gruselig an. Mein Gesicht blieb verkühlt. Ich hatte Kopfschmerzen und absolut keine Lust auf weitere Moralpredigten und erst recht nicht auf irgendwelche anderen Vorträge von einer verbitterten Frau, die mir eh nicht sagen würde was Sache ist. Ich wandte den Blick ab und stand auf um den Mist zum Misthaufen zu bringen. Maja blieb wie angewurzelt stehen und starrte auf die Stelle, wo ich eben noch saß. Es knickte mich, dass sie mir nichts gesagt hatte, auch wenn ich eigentlich genau das nicht wollte. Gerade als ich mich auf den Weg zur Weide machen wollte hörte ich Maja „Hallo“ sagen. Sie stand etwas zwei Meter hinter mir und hatte Fleur an der Hand. „Hallo.“ gab ich zurück und ging weiter meines Weges. „Hunter... warte!“ Ich blieb wie angewurzelt stehen, drehte mich aber nicht um. Könnte der Tag noch schlimmer werden? „Du Idiot!“ sagte sie jetzt lachend und ich fand mich verwirrt zu Boden blickend. Was war daran lustig?! Ich wandte mich ihr zu und sie lachte wieder, als sie sah wie verunsichert ich war. FRAUEN! Dachte ich mir insgeheim, war jetzt aber neugierig was nun kommen würde. „Es tut mir leid, dass ich so empfindlich reagiert hab. Das war unnötig. Aber ich musste mir erst klar werden...“ begann Maja. Ich zog eine Augenbraue hoch. Ahja. Dann kam Maja näher und nahm meine Hand. „Ich... es tut mir leid. Meinst du, wir könnten wieder normal miteinander umgehen?“ Mein Blick wanderte von unseren Händen über ihren Arm hoch zu ihrem Gesicht. Sie hatte goldblonde, lange und gewellte Haare. Sie trug sie heute halb hochgesteckt. Ihre Lippen waren voll, sie hatte wunderschöne eisblaue Augen und eine etwas knollenförmige Knubbelnase, die ihre Schönheit aber in keinster Weise beeinträchtigte. Die vorderen Haarsträhnen waren hellblond gebleicht von der Sonne, ihr Blick war hoffnungsvoll und ich versank einen Moment darin bis ich antwortete. „Ja, klar.“ sagte ich stumpf und mit einem pappigen Gefühl im Mund. Dann fügte ich noch schnell hinzu: „Aber erklär' mir bitte, was an dem Tag los war!“ Maja ließ meine Hand los und sah weg. Ich hatte einen weichen Punkt getroffen. „Ich glaube, das will ich dir nicht sagen. Nicht jetzt.“ sagte sie und ich legte die Stirn in Falten. Was wollte sie mir nicht sagen? Wieso redete sie nicht einfach, das würde alles viel einfacher machen. „Nagut.“ sagte ich, drehte um und ging weiter zur Weide. Es vergingen wieder einige Stunden bis Maja abermals ein Gespräch begann. Diesmal saßen wir beide zu Pferd. Auf dem Reitplatz. Niemand sonst war mehr da, die Beleuchtung des Platzes war die einzige Lichtquelle und wir konnten unseren Atem sehen, so kalt war es. „Es ist ganz schön kühl geworden oder?“ sagte sie, sodass ich Angst hatte sie könne Gedanken lesen. Sie sah mich abermals hoffnungsvoll an. Ich nickte und stieg ab. Slap Happy hatte genug getan für heute. Maja tat es mir gleich und wir führten unsere Pferde in den Stall um sie abzusatteln. Das ganze geschah kommentarlos. Es war eine peinliche Stille. „Ich... was letztens war...“ stotterte Maja plötzlich in etwas schriller Stimme los und rannte um Scheppi herum um mir in die Augen blicken zu können, die wieder einmal ziemlich verdutzt dreinblickten über den plötzlichen Aufruhr zu so später Stunde. „Ich schätze ich hab mich etwas in dich verguckt...“ gestand Maja. „Deshalb war ich so enttäuscht, dass du das nicht erwidert hast und ganz im Gegenteil, mich auch noch aufgefordert hast meine Klappe zu halten.“ Das verschlug mir nun abermals die Sprache. Ich nickte und brachte Scheppis Sattelzeug weg. Das musste ich nun erst mal verdauen. Ich mochte Maja, aber mehr war da nicht. War es nicht? Nein... Definitiv nicht. Wieder schwiegen wir beiden uns an. Bis beide Pferde in ihren wohlig warmen Boxen standen. „Und?“ fragte mich Maja und sah mich wieder so an... „Maja, ich... kann dir da jetzt nichts zu sagen.“ fing ich an. „Ich weiß nicht ob-“ ich brach ab. „Hast du das gerade gehört?“ fragte ich sie unsicher und wandte mich um. Doch Maja sah mich nur verzweifelt an. Da, da war es wieder. Ein Schaben, Klicken und dann fiel etwas metallenes zu Boden. „Hunter, da ist jemand! Wir sollten die Polizei rufen.“ Ein Einbrecher. Ja. Das wäre möglich. Doch bevor wir die Polizei rufen wollte ich sicher gehen. Was wenn es nur ein Marder war, der hier sein Unheil trieb? Ich ging zum Ende der Stallgasse, öffnete die Stalltüre und dann sah ich ihn. Der Mann war groß gewachsen aber sehr dürr. Er hatte sich einen Strumpf über den Kopf gezogen, damit man sein Gesicht nicht erkannte. Er war sehr überrascht mich zu sehen, so hatte ich zwei Sekunden Zeit um zu handeln. „Maja!“ ich schnappte mir das was mir am nächsten war um mich zu bewaffnen: Einen Spaten. Maja huschte in die Sattelkammer und ich hoffte sie würde sofort die Polizei rufen. Der Einbrecher hatte sich mittlerweile aufgerichtet und schien noch zu überlegen was er jetzt tut. Seine Hände in den Jackentaschen stand er da und sah hektisch von links nach rechts und dann wieder zu mir. Den Spaten hatte ich so gegen ihn gerichtet, dass er mir einen Sicherheitsabstand gewähren musste. Nach einer schier unendlichen Zeit hörte ich die Sattelkammer hinter mir aufgehen. Für einen kurzen Augenblick ließ ich den Mann aus den Augen. Es reichte ihm um mir den Spaten aus den Händen zu reißen. Reflexartig ging ich einige Schritte rückwärts und versuchte den Sicherheitsabstand auch ohne den Spaten einzuhalten. Doch der Einbrecher schien jetzt sicherer. Nach wenigen Schritten stand ich an einer Boxenwand und konnte nicht noch weiter zurück. Mein Herz raste, in meinem Kopf drehte sich alles. Was sollte ich tun? „Die Polizei ist auf dem Weg, sie sollten verschwinden!“ sagte Maja erstaunlich ruhig. Der Einbrecher beachtete sie nicht. Er stand jetzt unmittelbar vor mir, eine Hand noch immer in der Jackentasche. „Welches ist das wertvollste Pferd da draußen? Sag es mir und ich werde niemandem etwas tun.“ Ich warf Maja einen flüchtigen Blick zu. Natürlich würde ich ihm kein Pferd nennen. Quälend lange Sekunden verstrichen bis der Mann sichtlich ungeduldig ein Messer zog und mich gegen die Boxenwand drückte. „Sag es!“ wiederholte er. Es war so unwirklich, klar denken war mir nicht möglich also handelte ich aus Reflex: Mit einem Ruck stieß ich mich von der Wand ab und schubste den Einbrecher mit dem gewonnenen Schwung nach hinten sodass er strauchelte. Dann rannte ich raus. Ich wusste er folgte mir. Der Tag heute hatte mich geschlaucht, doch in diesem Moment hatte ich so viel Energie wie lange nicht mehr. Ich rannte auf den Innenhof, weg von den Pferden. Kurz vor dem Haupthaus hatte mich der Einbrecher eingeholt und riss mich zu Boden. Unsanft schlug ich auf die Pflastersteine auf. „Welches Pferd?!“ fragte der Mann abermals, doch dann lauschte er auf. Auch ich hörte die Sirenen der Polizeiwagen. Mir fiel in diesem Moment ein großer Stein vom Herzen, auch wenn der Einbrecher noch über mir stand und mich bedrohte. Ich hörte wie jemand das große Haupttor öffnete, im gleichen Augenblick zog mich der Einbrecher auf die Beine und fixierte meinen rechten Arm damit ich mich nicht mehr wehren konnte. Mit der linken Hand hielt er mir sein Messer an die Kehle. „Lassen sie den Mann los!“ hörte ich eine fremde Stimme sagen. „Lassen sie mich gehen und ihm wird nichts passieren!“ die Stimme des Einbrechers bebte vor Nervosität. „Sie reiten sich nur noch weiter rein!“ So gut die Worte der Polizisten auch gewählt waren, der Einbrecher verstärkte seinen Griff nur so weit dass es schmerzte. „Bleiben sie stehen!“ sagte er schrill. „Keinen Schritt weiter!“ Immer wieder versuchte ich mich aus seinem Griff zu reißen, doch es war unmöglich, also machte ich mich schwer. Wenn er wegrennen wollen würde wäre ich so eine zu große Last. „Legen sie das Messer weg, seien sie vernünftig!“ Ich schnaubte verächtlich. Vernünftig? Ein Einbrecher? Das war jetzt wirklich lächerlich. Auch der Einbrecher ließ ein Schnauben vermerken, er zog mich noch ein paar Schritte zurück. Dann urplötzlich nahm er das Messer von meinem Hals, ich roch meine Chance um wegzurennen. Der Einbrecher ließ es zu und ich rannte zu den Polizisten, wo, wie ich jetzt sah auch Maja und Jill waren. Maja kam sofort zu mir um mich in den Arm zu nehmen und meinen Kopf anzusehen an dem eine Platzwunde klaffte. Die Polizei stellte den Einbrecher und hörte Maja und mich noch an, bis sie uns den Notärzten überließen.

      Mein Kopf pochte, ich konnte mich nicht daran erinnern jemals solche Kopfschmerzen gehabt zu haben und die Fragen der Polizisten hatten das nicht gerade besser gemacht. Es waren zwei Notärztinnen da, die eine kümmerte sich um Maja und die andere eilte so schnellen Schrittes zu mir, dass ich kurz überlegte ob ich zurückweichen sollte. Sie bugsierte mich zu einem der Stühle, die im Innenhof standen. Ein wenig unsicher sah ich sie an. Ich hatte mich selbst noch nicht gesehen, wusste nur dass ich höllische Kopfschmerzen hatte und jetzt am liebsten einfach irgendwo alleine wäre. Nachdem sie mir mit einem kleinen Licht in die Augen geleuchtet hatte schien sie halbwegs zufrieden zu sein. Mit einem kurzen Blick auf meine Schläfe wandte sie sich ab und kramte in ihrer Tasche. „Wie fühlen sie sich denn Mr. Crowley?“ fragte sie mich während sie mir eine Kompresse auf die Wunde drückte um die Blutung zu stoppen. Unglaublich tolle Frage, eine halbe Stunde nachdem einem ein Messer an die Kehle gehalten wurde. Mein Blick schien diesen Missmut wohl zu verraten, sodass die Ärztin nicht weiter nachhakte auf meine Schweigen hin. „Sollte es ihnen morgen schlechter gehen melden sie sich bitte nochmal.“ sagte sie schließlich und schien nun zu überlegen wie sie mich am besten wieder flickt. Sie entschied sich dann die Wunde zu kleben, das war für alle Parteien am angenehmsten. „Wenn die Kopfschmerzen schlimmer werden, können sie sich auch erst mal damit helfen.“ sagte die junge Frau und hielt mir gleichzeitig eine Packung Medikamente hin, die ich ihr abnahm. „Sicher, dass sie nicht reden wollen? Manchmal hilft das.“ besorgt musterte sie mich. Doch ich verneinte dankend. „Gut, dann wären wir fertig.“ Die Ärztin richtete sich auf, nahm ihre Tasche und sagte dann noch. „Ruhen sie sich aus, nicht zu viel arbeiten, heben, etc etc. Vermeiden sie Stress!“ Dann verschwand sie. Die Ärztin, die sich um Maja kümmerte redete noch mit ihr. Maja brabbelte so vor sich hin, kämpfte zwischenzeitlich mit den Tränen. Wenigstens sie konnte sich dadurch etwas lösen.

      Irgendwann stand ich auf und ging ins Haus, wo ich mich aufs Sofa fallen ließ und die Wand anstarrte. Meine Gedanken kreisten, was passiert war hatte ich noch immer nicht ganz realisiert. Irgendwann kamen Jill und Maja gemeinsam rein. „Ich geh jetzt schlafen, ich hoffe ihr seid mir nicht böse.“ sagte Jill. „Hunter, ich hab Maja angeboten heute hier zu schlafen, weil sie doch ziemlich durch den Wind ist. Ihr könnt ja dann klären, wie ihr das macht.“ Dann verschwand sie. Maja stand da und sah mich an. „Setz dich doch, oder willst du auch schlafen?“ fragte ich sie und bot ihr den Platz neben mir an. Maja kam zu mir und setzte sich. Es verstrichen ein paar Momente peinliches schweigen, bis ich mich aufraffte um Kopfkissen und Decke aus meinem Zimmer zu holen und auf das Sofa zu legen, wo ich zuvor noch saß. Maja ließ ein leises „Danke“ vernehmen. „Wenn du noch irgendwas brauchst, meld dich... Das Bad ist da drüben, wenn du Hunger hast fühl dich wie zu Hause.“ Abermals dankte Maja und ich schlich rüber ins Bad um mich Bettfertig zu machen und dann schlafen zu gehen. Müde und kaputt ließ ich mich rücklings auf die Decke fallen.

      Mitten in der Nacht wachte ich von einem zaghaften Klopfen auf. „Ja?“ sagte ich mit bröckelnder Stimme und richtete mich auf, machte das Nachtlicht an. „Kann ich rein kommen?“ - „Ja.“ meinte Stimme festigte sich etwas. Maja kam mit hellwachen Augen ins Zimmer, die Decke, die ich ihr hingelegt hatte fest im Griff. „Tut mir leid, dass ich dich geweckt habe... ich kann nicht schlafen, ich hab Angst.“ Ich lächelte und wies sie an sich zu mir zu setzen. „Willst du reden?“ Sie schüttelte den Kopf und rückte näher an mich ran um mich zu umarmen. Instinktiv legte ich meine Arme um sie und wog sie einen Moment in Sicherheit.

      Am nächsten Morgen konnte ich mich nicht erinnern, wann ich eingeschlafen war. Maja lag neben mir, in ihre Decke gehüllt wie in einen Kokon. Bemüht leise schlich ich mich aus dem Zimmer und machte mich dann im Bad fertig für den Tag. In der Küche traf ich Jill, die dabei war Frühstück zu machen. Sie grinste mich unverhohlen an. „Was?“ fragte ich etwas genervt und schmiss die Kaffeemaschine an. „Oh, lief nicht so gut?“ setzte Jill nach. „Weiß nicht wovon du redest.“ - „Na... von Maja, hier im Wohnzimmer hat sie jedenfalls nicht geschlafen.“ Ah, jetzt ging mir ein Licht auf. „Sie hat nur Trost gesucht.“ klärte ich meine etwas zu neugierige Cousine auf. „Ja ja, klar.“ sie schnaubte verächtlich. „Jill, da lief nichts und da wird auch nichts laufen.“ versicherte ich ihr und hielt dieses Gespräch damit für beendet. Mein Kaffee war jetzt auch fertig, sodass ich mich ins Wohnzimmer verkroch um meine Ruhe zu haben.

      Nachdem ich meinen Kaffee ausgetrunken hatte machte ich mich direkt auf den Weg in die Stallungen um die Pferde zu füttern, die mich schon sehnlichst erwarteten. Nach der Fütterung begann ich die Boxen zu misten. Nach drei Boxen kam Maja dazu. „Du sollst doch gar nicht arbeiten.“ tadelte sie mich und legte ihr Hand auf meine, die die Mistgabel hielt. Ich drehte mich zu ihr um. „Und wer soll das alles machen? Jill? Du?“ ich zog eine Schnute. „Das passt schon.“ Widerwillig ließ Maja mich weiter arbeiten und ging die Stallgasse entlang in Richtung Koppeln. Mittags war ich mit allem fertig und hatte sogar Slap Happy schon fertig für heute. Als ich Sansa von der Weide holen wollte traf ich wieder auf Maja. „Du willst nicht ernsthaft Sansa reiten, heute?!“ - „Und wer denkst du soll d-“ doch Maja kam wütend auf mich zu und schob mich weg. „Du hast eine Platzwunde am Kopf und willst ein Pony reiten, dass die bei jeder Gelegenheit absetzt?! Wenn du das machst bist du der größte Idiot den ich kenne!“ ihr Stimme wurde mit jedem Wort schriller und überdrehter. Perplex über so viel Aufruhr ging ich wieder weg und nahm mir stattdessen Lamperd als nächstes. Auch mit ihm hatte ich wie immer keine Probleme, allerdings forderte ich heute auch nicht fiel, da es mir tatsächlich nicht so blendend ging. Als ich nach Lamperd noch Ray holen wollte wurde es mir plötzlich so übel, dass ich mich entschied dass er es heute nicht so nötig hatte. Immerhin hat er ja auch noch eine Reitbeteiligung. Etwas benommen setzte ich mich in einen der Stühle im Innenhof und beobachtete Linda und Laura beim Reiten von Race is Hope und Cadiz. Als auch diese beiden den Tag heute beendeten und den Hof verließen wurde es unglaublich ruhig. Ich genoss die Ruhe und nickte immer wieder kurz ein. „Hunter? Alles ok?“ Maja war von ihrem Ausritt mit Iceflower zurückgekehrt. „Ja, ich bin nur eingeschlafen.“.

      „He ihr zwei, habt ihr keinen Hunger?“ Ein paar Minuten später saßen wir alle drei am Esstisch und fielen über das von Jill gekochte Essen her. So schwierig sie manchmal auch war, kochen konnte sie sehr gut. Mir ging es schlagartig etwas besser, wenn auch die Kopfschmerzen nicht verschwanden, sondern sich sogar stetig steigerten. Jill sah ständig von Maja zu mir und wieder zurück, als wolle sie uns irgend etwas mitteilen. Als Maja das bemerkte fühlte sie ihr auf den Zahn, sodass ich nicht umhin kam zu grinsen. „Sagmal Jill, meinst du das jetzt ernst?“ fragte sie und Jill lief knallrot an. „Was denn?“ - „Da läuft nichts, vergiss es. Das haben wir schon vor Tagen geklärt!“ Sie nickte stumm und aß weiter. Maja hatte dafür meinen größten Respekt, Jill zum schweigen zu bringen schaffte nicht jeder.

      Maja stand nach dem Essen gleich auf. „Ich muss jetzt los, sonst wird mir das zu spät. Danke, dass ich die Nacht hier bleiben durfte.“ sie wandte ihren Blick zu mir und lächelte. „Ich begleite dich noch zum Auto.“ sagte ich und stand ebenfalls auf, half noch schnell den Tisch abzudecken und ging dann mit Maja zu ihrem Auto. „Fahr vorsichtig.“ sagte ich und wartete noch bis sie im Auto saß bis ich mich umdrehte um wieder ins Haus zu gehen. Drinnen sah Jill mich dann etwas verwirrt an. „Hörst du das?“ und dann fiel es auch mir auf. Das Auto schien nicht richtig anzuspringen, jedenfalls hörte es sich danach an. Ich eilte wieder raus und sah die verzweifelte Maja immer noch an Ort und Stelle stehen mit ihrem Auto. Hörte sich nicht gesund an, was das Auto so von sich gab. Da Maja ja eh nicht vom Fleck kam ging ich zur Beifahrerseite und setzte mich neben sie. „Na, will er nicht wie du willst?“ meinte ich scherzend und grinste sie an. „Diese verfluchte Dreckskarre!!“ schimpfte sie und schlug ihre Hände gegen das Lenkrad, sah mich anschließend ein wenig verrückt an. „Das Lenkrad kann da auch nichts für... Komm.“ meinte ich und stieg aus dem Auto. Maja blieb sitzen, sodass ich ums Auto kam, ihr die Tür öffnete und mich hinhockte. „Mach dich nicht verrückt, das kriegen wir wieder hin. Aber da jetzt im Dunkeln dran rum zu doktoren wäre das Blödeste was wir tun könnten.“ Ich reichte ihr die Hand und half ihr aus dem Auto. Als wir zurück ins Haus kamen grinste Jill uns schon an. „Das ist ein Zeichen!“ sie lachte. Ich brummte abwertend und ging ins Wohnzimmer, schnappte mir ein Buch über die Vererbung von Genen bei Pferden und versank darin.

      Die nächsten Tage waren langatmig, es passierte nichts großes und das Auto von Maja hatte einen ordentlichen Marderschaden, den ich ohne weiteres nicht reparieren konnte, also hatte ich sie mit unserem Auto nach Hause gebracht und sie kam nur noch tagsüber mit dem Bus, für wenige Stunden. Übrigens hatte Jill die zwei Angestellten zur Unterstützung wieder weggeschickt, da sich herausstellte, dass sie irgendwie mit dem Einbruch zu tun hatten. Wir waren also wieder auf uns gestellt. Drei unserer Stuten waren wir seit ein paar Tagen los, da sie auf dem Heartlandgestüt im Training waren. Allein das war schon eine riesige Erleichterung. Aktuell bereitete ich meine liebste Slap Happy auf die Krönung vor und bin dafür in England bei Catalina Nixon, die jetzt schon seit Monaten unsere Pferde trainiert und von der Jill mehr als begeistert ist. Ich nutzte die Gelegenheit in England zu sein um meine Eltern zu besuchen. Ich war schon lange nicht mehr so glücklich wie gerade. Gerade als ich wieder auf Catalinas Gestüt ankam und mein Motorrad auf die Ladefläche des Bear Brook Trailer fuhr, kam eben jene wieder zurück vom Schnelltraining mit Scheppi. „Bitte sag nicht, du willst mit dem Ding da hier rumfahren!“ fragte sie und ihr empörter Gesichtsausdruck amüsierte mich. „Quatsch nein! Der Transporter ist groß genug, um meine Maschine mit aufzunehmen.“ - „In Ordnung. Bist du bereit für ein wenig Dressurunterricht?“ Ich nickte. Jill hatte mich zu diesem Training verdonnert, da ich als Geländereiter mit Dressur herzlich wenig am Hut hatte bisher. Lediglich Maja hatte ihr Glück an mir versucht, ist aber an meiner Dickköpfigkeit zerbrochen. "Hast du dir denn schon ein Pferd für mich ausgesucht?" fragte ich neugierig und hoffte inständig, dass es ein einfaches Pferd sein würde und keines mit dem ich noch stundenlang diskutieren müsste. Typisch britisch zog sich der über den Mittag noch so schöne blaue Himmel mit dickten Wolken zu. Den Regen konnte man jetzt schon riechen, auch wenn er noch nicht fiel. Alles roch nach nasser Erde.

      23.12.2015
      Kleiner Lagebericht
      Meine Dressurausbildung bei Catalina Dixon ist beendet und es gibt vieles zu erzählen. Schönes, aber auch nicht so Schönes... Ein halbes Jahr lang war ich die meiste Zeit in der UK, kam nur für wichtige Termine nach Deutschland wie zum Beispiel Slap Happys Zuchtzulassung. Vor zwei Monaten ist in meiner Abwesenheit etwas Furchtbares passiert. Jill hatte einen Hirnschlag und ist kurz darauf im Krankenhaus gestorben. Ich war nicht da. Ich bin natürlich sofort nach Deutschland zurückgekehrt, zum einen um Jill zu beerdigen und zum anderen um die Arbeit auf dem Bear Brook EC weiterzuführen. Meine Eltern sind zur Unterstützung aus England hergekommen und haben mir ein ultimatives Angebot gemacht den alten Hof von ihnen zu übernehmen und den in Deutschland zu verkaufen. Nach einigem Hin und Her habe ich das Angebot angenommen und sind wir seit einer Woche in England. Mit Jills Tod habe ich auch wieder angefangen zu rauchen, was die schlechten Nachrichten abschließt. Es gibt aber auch schöne Neuigkeiten. Wir haben einen Reitponyhengst gekauft, Heart of Ocean ist sein Name. Sehr angenehmer Charakter. Für Princess Sansa haben wir auch endlich jemanden gefunden. Da ich von jetzt an viel unterwegs sein werde habe ich Unterstützung für den Hof gesucht und einen Westernfreak gefunden. Steven ist Mitte 30 und der einzige der mit Princess Sansa wirklich zurecht kommt. Außerdem hilft er bei den täglichen Stallarbeiten. Er gehört jetzt fest zum Team und ist mit nach England gezogen.

      Neben unseren Pferden stehen hier auch noch zwei alte Vollblüter meiner Eltern, die euch später noch vorstellen werde. Iceflower, Princess und Bear Totem's Denali sind zur Zeit bei Jackie im Kürprogramm. Cadiz und Mr. Raw Depression gehen stark auf ihre Körung zu oh und Ray möchte ich zudem im Military weiterbilden lassen um mit ihm im Turniersport aktiv zu werden. Was ich selbst erst vor ein paar Tagen erfahren habe ist, dass Jill Slap Happy hat decken lassen, von Lamperd. Das Fohlen müsste im frühen Sommer nächsten Jahres zur Welt kommen. Der einzige zu dem es nichts Neues zu sagen gibt ist Race of Hope, der dunkle Vollbluthengst wird liebevoll von seiner Reitbeteiligung umsorgt und genießt noch die Ruhe vor dem Sturm, bis die Zucht in Gang kommt. Heute widme ich mich speziell Ocean, dem neuen Reitponyhengst. All die Tage hatte ich noch keine Zeit gehabt ihn unter die Lupe zu nehmen. Meine Eltern waren begeistert von ihm, weshalb ich mich davon heute selbst überzeugen wollte. Mit seinen 147cm war er ein recht großes Reitpony. Ich war erstaunt wie selbstverständlich er sich von der Wiede führen und putzen ließ. Da war ich anderes gewohnt von unseren Schützlingen. Auch beim reiten zeigte er sich mehr als vorbildlich. Das Talent für Dressur und Springen spürte ich sofort und testete seine Grenzen. Nach gut einer Stunde war ich mit ihm fertig und stellte ihn recht zufrieden zurück auf die Weide. Er würde mit Sicherheit noch eine große Rolle in der Ponyzucht spielen, wenn er mal soweit ist.

      27.01.2016
      Nicht viel Neues

      Es hat sich so viel getan auf dem Gestüt in England. Die Trakehner abgegeben habe ich kurz darauf zwei der Reitponys von Catalina übernommen. Beide schon zur Zucht zugelassen, ein Hengst und eine Stute. Pendragon und Arcany, ich kannte sie bereits von meinen Aufenthalten auf ihrem Gestüt und hatte Pendragon sogar einmal unterm Sattel. Außerdem habe ich euch den einzigen Wallach hier noch garnicht vorgestellt. Samson. Er ist ein Tinkerwallach und ein Allroundtalent. Ursprünglich Western eingeritten und in frühen Jahren auch eingefahren wurde er später auch in die englische Reitweise eingeführt. Er hat mich 'früher' viel begleitet und stets treue Dienste erwiesen. Meine Eltern haben auch heute noch viel Spaß an ihm, er wird hauptsächlich gefahren und als Besucher-Pferd genutzt. Heute kam ein neues Pferd auf dem Hof an, eine Vollblutstute: Chuckling Dancing Mess. Jill hätte sie nicht gemocht. Leicht rosa gesprenkelte Haut um Augen und Maul, fast weißes Langhaar und eine golden glänzende Grundfarbe. Nicht gerade pflegeleicht, aber das würden wir schon hinkriegen. Sie hat einen guten Charakter. Sehr aufgedreht, sehr intelligent, sehr schnell. Für ein englisches Vollblut großartig. Meine Eltern sind begeistert von ihr. Steven hat seine Zweifel. Er hat es gerne pflegeleicht, genau wie Jill. Ja, besonders darf es sein, aber nicht pflegeintensiv. Wahrscheinlich ist das auch der Grund für Jill's Liebe zu braunen Pferden in sämtlichen Schattierungen. Pendragon hätte sie geliebt ja... Oh wenn sie gewusst hätte wie toll Mr. Raw Depression sich auf der Körung gemacht hat.
      Gedankenversunken saß ich im Auto, auf dem Weg Ausrüstung für die neuen Pferde zu besorgen. Vor allem an Ponysachen fehlte es auf dem Gestüt. Erst am späten Nachmittag kehrte ich wieder zu Hause ein. Steven hatte Pendragon bereits bewegt, es war seltsam ihn als Westernreiter in einem englischen Sattel zu sehen, aber er hatte sichtlich Spaß daran etwas Abwechslung in seinen Alltag zu bringen und Neues zu lernen. Ein guter Mann. Ein Glücksgriff.
      Mit mir war gegenwärtig nicht viel anzufangen. Die Anprobe der neuen Reitsachen überließ ich so Jamie, eine junge Frau, die sich seit ein paar Wochen um die Ponys kümmerte. Sie ließ sich dabei von meinen Eltern fernsteuern. Sie studiert zur Zeit Tiermedizin. Dass sie sich so diktieren ließ verwunderte mich jedes mal. Während sie Arcany die mitgebrachten Sachen vorstellte ging ich zur Box von Missy, wie ich die neue Vollblutstute nannte. Mit wachen Augen sah sie mich an. Ich hob die Boxentüre zur Seite und trat ein, streichte über die weichen Nüstern, das seidige Fell am Hals. Diese Fellfarbe brachte ein sehr leichtes, dünnes Fell mit sich. Jetzt im Sommer war das kein Problem. Aber an kühleren Tagen wird sie eine Decke brauchen. Ich glaube nicht, dass sie ein ordentliches Winterfell entwickeln wird. Vorsichtig halfterte ich die Stute auf und brachte sie auf eine leere weide, damit sie rennen konnte. Es war schön ihr dabei zuzusehen. Eine Viertelstunde lang stand ich da und beobachtete sie beim Spinnen. Dann ging ich zurück zum Stall, die Boxen waren nun alle leer. Die Pferde versorgt.
      Am nächsten Tag stand ich früh auf, schlang ein schnelles Frühstück herunter, mistete gemeinsam mit Steven die Boxen und brachte dann Race is Hope und CHH' Lamperd zur Rennbahn. Wieder auf dem Hof kümmerte ich mich um Slap Happy, die nun hochtragend war. Lange konnte es nicht mehr dauern bis ihr Fohlen kam. Wir hatten bereits einen Interessenten für das Fohlen, der es rassegerecht aufziehen würde. Steven hatte sich nach der Stallarbeit Princess Sansa geholt und so beschloss ich mit Bear Totem's Denali auszureiten. Sie hatte sich toll entwickelt und schon einige Turniererfolge eingeholt. In Deutschland war sie immer eher das graue Mäuschen, das niemand beachtete. Hier in England war man begeistert von ihr. Braune Pferde sah man hier zu Hauf, aber ein Blue Roan Vollblut war etwas besonderes. Auf Ausritten mit ihr wurde man ständig angesprochen, was für ein tolles Pferd sie doch sei. Ja das war sie auch, die ausgeglichenste Vollblutstute im Stall. Ausgeglichener als Slap Happy. Jamie war mittlerweile auch eingetroffen und kümmerte sich um Arcany, Pendragon, Iceflower und PFS' Heart of Ocean. Damit war sie den ganzen Tag beschäftigt. Jedes mal wenn ich sie traf, hatte sie ein anderes Pony zwischen. Nach der Mittagspause hatte ich nur noch Mr. Raw Depression vor mir. Auch mit ihm ging es ins Gelände, allerdings nicht für einen Ausritt. Wir trainierten fürs Military. Gut eine Stunde hatte ich ihn zwischen, bis ich ihn auf die Weide entließ, Samson im Vorbeigehen grüßte und schließlich die beiden Renner von ihrem Training abholte und ebenfalls verabschiedete. Feierabend! Seit Wochen hatte ich nichts mehr von Catalina gehört. Nichtmal ein „Hallo.“ schrieb sie mir. Langsam hatte ich die Vermutung, dass etwas nicht stimmte. Abermals versuchte ich sie telefonisch zu erreichen, doch wieder hob niemand ab. Wieder ging ein Tag zu Ende ohne nennenswerte Veränderungen.
    • sadasha
      Verjährte Berichte
      06.03.2016
      Das erste Fohlen

      Es ist gerade einmal zwei Wochen her, das ich mit zwei meiner Pferde in Kanada war. Zwei Wochen und es wahr keine leichte Zeit dort. Immer wieder nahm ich Kontakt zu meinen Eltern in England auf um zu hören wie es Slap Happy ging. Die hoch tragende Vollblutstute machte sich prächtig. Erst als ich heim kam fing sie an schwierig zu werden. Sie war unerfahren, launisch. Schon zwei Tage vor dem eigentlichen Abfohlen verbrachte ich die meiste Zeit an ihrer extra großen Abfohlbox. Immer wieder dachte ich es sei gleich so weit. Miss Chattahoochee stand mir dabei zur Seite und mit ihrer Hilfe brachte Slap Happy nach zwei unendlich langen Tagen ohne Schlaf ein im ersten Augenblick sehr zerbrechlich wirkendes Rappfohlen zur Welt. Es war eine Stute, fast gänzlich schwarz und zierlich gebaut. Nach ein paar unbeholfenen Aufstehversuchen stand sie auf ihren unendlich langen Stelzen und suchte instinktiv den Weg zur Milch. „Na das sieht doch großartig aus.“ sagte ich mehr als stolz. Es dauerte fast zwei Stunden, bis ich mich abwenden konnte und der Schlaf mich nun doch übermannte.
      Cooper Chattahoochee begleitete uns durch die erste Zeit und führte alle wichtigen Fohlenuntersuchungen und -impfungen selbst durch. Es stand schon während Slap Happys Tragezeit fest, dass sie allergrößtes Interesse an diesem Fohlen hätte. Immerhin ist es der erste Nachkomme ihres ehemaligen Hengstes CHH' Lamperd, der nun in meinem Besitz war. Dass es dann auch noch eine lackschwarze Stute war, war es komplett um sie geschehen. Ich muss gestehen, dass auch ich überwältigt war von der Eleganz die dieses junge Pferd mit sich brachte und es war faszinierend die Entwicklung beobachten zu können. Es war immer wieder etwas ganz Besonderes. Man kann sich einfach nicht satt sehen an überheblichen Luftsprüngen, abgedrehten Spurts und liebevollen Schmuseeinheiten zwischen Fohlen und Stute. Ein halbes Jahr lang konnten die beiden ihre Zweisamkeit genießen, bis die kleine Stute, die wir Glamour of Death tauften, absetzten.
      Es war herzzerreißend wie die beiden nacheinander riefen und ich war mir sicher man würde uns der Tierquälerei beschulden, hätten wir direkte Nachbarn.
      Eine Woche dauerte es bis beide sich beruhigten und unabhängig voneinander wurden. Erst jetzt rief ich Miss Chattahoochee wieder nach England für den letzten Aufenthalt auf dem Bear Brook EC. Dieses mal nahm sie Glamour mit zu sich nach Hause. „Auf eine vielversprechende, erfolgreiche und lehrreiche Zukunft!“ verabschiedete ich mich und fuhr ein letztes mal durch die seidige, schwarze Mähne des sichtlich gewachsenen Fohlens. Zusammen mit einem hochwertigen Lederhalfter, einem dazu passenden Strick, den Papieren und ein paar Fotos, die wir in der letzten Zeit aufgenommen hatten, verließen Cooper und Glamour den Hof.
      „Eigentlich hätte ich Cooper ja aus Kanada direkt mitnehmen können nach England.“ dachte ich im Nachhinein.

      Neben Slap Happys Fohlen gab es außerdem zwei neue Errungenschaften für die Zucht. Mr. Raw Depression hatte seine Zuchtpapiere endlich bekommen und Bear Totem's Denali war aus Kanada zurückgekehrt und nun ebenfalls zur Zucht zugelassen. „Dann ist es ja nur noch Chuckling Dancing Mess bei den Vollblütern oder?“ merkte Steven an und ich nickte zufrieden. „Nur noch Missy, dann steht unser Zuchtstamm.“ Zu schade, dass der Kontakt zu Catalina noch immer unterbrochen war. Mittlerweile erreichte ich sie nicht mal mehr telefonisch. Sie war wie vom Erdboden verschluckt. Ein halbes Jahr Funkstille und ich dachte immer noch tagtäglich an unsere Zeit auf ihrem Hof. Wenngleich ich mich immer mehr damit abfand, dass dieses Kapitel wohl einen Haken bekommen kann, war es doch nicht einfach sie aus den Gedanken zu verdrängen. Die letzte Zeit hatte mich die Arbeit rund um das Fohlen abgelenkt. Jetzt, wo das wegfiel, wurde ich wieder ruhiger. Besonders meiner Mutter fiel das auf, doch ich tat es wie immer ab und trainierte stattdessen die Pferde. Neben Missy waren ja auch die Ponys noch da. Jamie kümmerte sich zwar super um das Training von Arcany, Pendragon und Heart of Ocean und Iceflower und Princess Sansa waren weiterhin in Kanada im Training, aber ich wollte mich ab und an selbst vom aktuellen Trainingsstand überzeugen.Zusammen mit Jamie schaffte ich es am Tag über die Hälfte der Pferde zu bewegen. Dabei ritt sie stets auf dem alten Samson und ich nahm Mr. Raw Depression oder Bear Totem's Denali. Auch für Jamie war die Geburt des Fohlens sehr lehrreich. Sie hatte noch nie die Möglichkeit so hautnah dabei zu sein und für sie als angehende Tierärztin gab es wohl kein besseres Lehrbuch als die Praxis selbst.

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      Tierärztliche Untersuchung, Immunisierung| Pferde des BearBrook ec
      Mein nächster Auftrag führte mich nach England, Lincolnshire, um genau zu sein. Mein Auftraggeber, Hunter Crowley. Wir waren relativ gute Bekannte und unsere Gestüte arbeiteten des öfteren zusammen. Er hatte damals Lamperd gekauft und das erste Nachkommen sollte meins sein. Und das war es auch. Vor einem halben Jahr war ich schon mal dort, um mich um die Geburt von dem Fohlen zu kümmern und natürlich um Slap Happy. Die Geburt dauerte anstrengende und schlafraubende zwei Tage, jedoch ohne Komplikationen. Ich hatte der trächtigen Stute damals einige Schmerzmittel gegeben und führte eine direkte Nachuntersuchung durch. Da es ihr erstes Fohlen war, war es normal das sie zuerst etwas apathisch benahm. Aber als sie ihr kleine kleine Prinzessin sah, war auch dieser Teil des 'Schocks' schnell vergessen. Es war immer wieder wundervoll bei einer Geburt dabei zu sein, jedoch war es diesmal was überaus besonderes gewesen. Da ich einige Tage auf BearBrook ec verbrachte konnte ich auch sofort eine neugeborene Untersuchung durchführen, mit allen wichtigsten Tests, sowie Immunisierungen. Ich konnte bei dieser Untersuchung bei der kleinen Rappstute keine negativen Auffälligkeiten finden und auch die Immunisierungen vertrug sie prächtig. Auch Slap Happy kümmerte sich wunderbar um ih Fohlen, was nicht immer selbstverständlich war, vor allem bei Vollblütern. Nach den schönen Tagen verschwand ich nochmal in den Hintergrund und lies die getaufte 'Glamour of Death' Fohlen sein.

      Dieses mal aber kam ich aber um die kleine ab zu holen und um mich um die anderen Pferde zu kümmern, es standen nämlich Immunisierungen und Grunduntersuchungen an. Als ich ankam wurde ich zuerst sehr nett begrüßt und wir schauten selbstverständlich erstmal nach Glamour. "Sie ist so wunderschön, das haben Slap Happy und Lamperd toll gemacht" lächelte ich. "Alllerdings" erwiederte Hunter und führte mich dann in den geräumigen aber gemütlichen Stall. Zuerst kümmerte ich mich um einen Wallach namens Samson. "Meine Güte, ist der Fluffig". Hunter lachte. Ich begrüßte den stämmigen Kerl und unterzog ihm erstmal die Vitalzeichenkontrolle, dann folgte die Abtastung des Körpers und die Untersuchung der Reflexe. "Alles supi". Dann spritze ich ihm noch die Immunisierungen für das halbe Jahr. Ich hatte das Gefühl das er es noch nicht mal spürte dass da grade etwas pickste. Nur ein regelrechtes Muskelzucken lies mich denken das er doch, ganz vielleicht, was verspürt hatte. Was er nicht mochte war die Wurmkur, aber wer mag die auch, egal wie viel süße Sachen man dazu gibt, es schmeckt für Pferde einfach widerlich. Weiter ging es nach der Belohnung mit Chuckling Dancing Mess. "Was ein Name". Hunter war inzwischen Slap Happy und ihr Fohlen von der Weide holen. Ich wiederholte den Vorgang den ich bei Samson machte bei der Vollblutstute und kam dann zu Slap Happy. "Hallo süße" sagte ich und sie schnaubte mich erstmal an. Sie fand es nicht so toll das ich in die Box von ihr und ihrem Kind kam, konnte sich dann aber doch damit abfinden. Auch hier untersuchte ich die Vitalzeichen beider Stuten und schaute nach weitern Auffälligkeiten. bei Glamour schaute ich nochmal besonders hin und unterzog ihr auch einige Tests die führ Fohlen wichtig sind, sowie Beugproben, abtasten der Muskeln und Knochen etc. "Alles perfekt, Glamour wird dem Namen Vollblut sehr gerecht". Glamour war nun alt genug für die Fohlenlähmungimpfung und auch Slap Happy's Immunierungen, sowie Wurmkur, frischte ich auch. Ich lobte die Beiden und kam dann zu einer besonders schönen Stute, Bear Totem's Denali, bekannt aus dem Grund, dass sie unglaublich viele Erfolge zu bieten hatte. Es war mir wirklich eine Ehre sie behandeln zu dürfen und danach ging es zu Mr.Raw.Depression. Beides waren wundervolle Pferde, und auch hier war nach der Untersuchung keinerlei negativen Aspekte zu finden, dennoch war es mit den Immunisierungen und den Wurmkuren nicht sehr leicht. "Was will man bei Vollblütern auch anderes erwarten" sagte Hunter. "Allerdings" lachte ich. Simon war in Kanada geblieben und kümmerte sich dort um alles. Er war ein wenig eifersüchtig das ich alleine gefahren war. Er wusste das Hunter ein gut aussehender Kerl ist und sein Anwesen sowie der Besitz von bedeutungsvollen Vollblütern und die enge Zusammenarbeit, machte ihm es ja nicht leichter. Aber sie verstanden sich das letzte mal aber sogar sehr gut und Simon wusste auch das ich in dieser Hinsicht niemals an sowas denken würde, das tat ich auch nicht. Hunter war einfach, ein guter Kerl. Jetz kam ich zu Lamperd. "Ohwww...Hallo mein süßer" sagte ich und umarmte ihn. Etwas verwirrt schaute der Hengst mich an, beugte sich aber dann nach unten und begrüßte mich mit einem lauten Schnauben. Er hatte sich prächtig entwickelt. Ich wiederholte den gleiche Prozess bei dem Overo Hengst und landete dann bei den Deutschen Reitponys. Die erste war Arcany. Diese kannte ich auch, dennoch nur vom Namen. Dann zu, Princess Sansa, Iceflower, Pendragon und PFS' Heart of Ocean. Bei allen schaute ich nach den Vitalzeichen, tastete den Körper ab, Kontrollierte extra Reflexe, Ohren, Nüstern, Schleimhäute und Mundbereich und unterzog ihnen die Immunisierungen sowie Wurmkuren. "So, ich hab euch genug gequält". Ich konnte alle Pferde ausgiebig belohnen und Hunter war um zwanzig Äpfel ärmer. "Erstmal Pause" sagte er und wir verschwanden ins Gutshaus.

      Im Gutshaus erledigten wir einigen Papierkram, inklusive des Kaufvertrags von Glamour of Death. "Wir haben acht Uhr, ich glaube langsam wird es Zeit sie fertig zu machen". Etwas traurig schaute mich Hunter an und nickte. Wir bereiteten alles vor und ich kontrollierte nochmal ob mit Glamour alles stimmte. Wir versuchten ihr es so angenehm wie möglich zu machen, dennoch war es logisch das die kleine Angst hatte. Ich hatte zum glück ein kleines Team dabei, die sich um das fachliche kümmerten, somit konnte ich mich um das Stutfohlen kümmern.
      "Auf eine vielversprechende, erfolgreiche und lehrreiche Zukunft" sagte Hunter und verabschiedete uns.

      20. April 2016
      Black Beauty

      „Dad... Nein.“ ich schüttelte den Kopf um meine Aussage zu unterstreichen. Mein Vater fing schon wieder von Schafen an. „Das sind Schnucken, keine Schafe!“ protestierte er, als würde das einen Unterschied für mich machen. „Wir haben so oder so Geldprobleme, da müssen wir nicht auch noch Schafe kaufen.“ Diskussion beendet. Dachte ich, als mein Vater abermals den Mund aufmachte unterbrach ich ihn sogleich. „Ihr habt eure fünf Esel und die damit verbundenen Feriengäste. Das reicht für's Erste!“ Im Laufschritt verließ ich den Raum um das Gespräch zu beenden. „Hi... Mr. Crowley?“ eine unsichere, recht helle und mir unbekannte Stimme klang in meinen Ohren. „I-ich... ihre Mutter hat mich zu Ihnen geschickt.“ Das dunkelhaarige Mädchen mit den großen kastanienbraunen Augen sah mich an als würde ich sie jeden Moment zusammenfalten. „Wer bist du denn?“ fragte ich noch immer etwas genervt von meinem Vater und musterte sie misstrauisch. „Ehm... ich helfe seit ein paar Wochen hier aus, beschäftige die Feriengäste und so...“ erklärte sie mir. Aaah, das war also das Mädchen von dem meine Mutter sprach. Wie hieß sie gleich? Lara? Sarah? Mara? Irgendwie sowas. „Ahja, sie hatte mir davon erzählt.“ sagte ich eher beiläufig und ging in den Stall, während mir das Mädchen folgte und weitersprach: „Ich hab nur noch etwa einen Monat Schule und ich würde gerne wissen ob ich Chancen auf Arbeit hätte.“ sie hatte für diesen etwas längeren Satz allen Mut zusammengenommen, den sie aufbringen konnte, das konnte man spüren und die Erleichterung, den Satz fehlerfrei herausgebracht zu haben stand ihr ins Gesicht geschrieben. Ich schenkte ihr ein Lächeln. „Wir reden später, ja?“ Sie nickte und blieb stehen, während ich die Stallgasse hoch ging bis zur allerletzten Box, bevor es nach rechts zu den Offenställen oder der Reithalle ging. Moulan, die schwarze Schönheit stand vor mir. Wie immer war sie unsicher und stand in der hintersten Ecke ihrer Box. „Oh! Sie hat heute keinen guten Tag.“ Ich zuckte zusammen, als Gine mich mit ihrer viel zu lauten Stimme ansprach. „Sorry...“ sie lachte kurz. „Warst du mal beim Arzt?“ Sie stellte mir diese Frage seit etwa einer Woche täglich... Nachdem Steven mir einen Dolch ins Bein gejagt hatte, war ich... etwas eingeschränkt was die Arbeit betraf. Aber um die Pferde, die nur vom Boden ausgearbeitet wurden konnte ich mich dennoch kümmern. „Hunter?“ - „Keine Zeit, Gine.“ Ich schob die Boxentüre auf und schlüpfte durch den Spalt, der sich dadurch ergab, in Moulan's Box. Die Boxentüre wieder verschlossen hörte ich die nun irgendwas vor sich hinmurmelnde Gine weiterziehen. „Hey Blacky.“ flüsterte ich fast, als die Rappstute mich mit hellwachen Augen ansah. Die Ohren drehten sich, als suchten sie ein Signal. „Alles gut, das hatten wir doch schon.“ Langsam näherte ich mich der scheuen Stute. Wir hatten alle Zeit der Welt. Je näher ich kam, desto unsicherer und nervöser wurde die schwarze Schönheit und so blieb ich immer wieder stehen, damit sie sich mit der Nähe vertraut machen konnte. Ich hatte kein bestimmtes Ziel. Ich nahm, was sie mir gab. Immer wenn jemand an der Box vorbeilief schnellte ihr Kopf hoch und die Ohren nach hinten. „Alles gut.“ wiederholte ich mehrfach, in dem Glauben es würde sie etwas beruhigen. Moulan war jetzt seit etwa einem Monat auf dem Bear Brook EC und hatte schon ein paar Fortschritte gemacht. Sie ließ sich von Gine problemlos aus der Box führen, putzen und auch ein wenig longieren, auch wenn sie dabei immer mal ausbrach, wenn sie im Stall etwas hörte. An Platzarbeit oder Gelände war in jedem Fall noch nicht zu denken. Mit Männern hatte sie noch mehr Probleme. Irgendjemand hatte ihr Vertrauen furchtbar missbraucht. So zumindest unsere Vermutung. Für heute jedenfalls beließ ich es bei ein paar wenigen Berührungen, bis ich die Box wieder verließ. „Sie hat noch immer große Angst vor dir.“ klärte Gine mich auf, als ich aus der Box kam. Sie hatte gerade mit Eismärchen gearbeitet, die noch auf der Stallgasse stand. „Ja, aber das wird schon.“ - „Apropros das wird schon...“ Gine hielt mich am Arm fest, bevor ich flüchten konnte. „Du musst zum Arzt, wenigstens der Verband sollte mal gewechselt werden. Ich sehe doch wie du gehst.“ sie sah mich in einer Mischung aus Sorge und Wut an. „Mhmmm... Wie gehe ich denn?“ gab ich zur Antwort und hoffte, das Thema sei damit erledigt. Ich löste mich aus ihrem Griff und ging weiter. „Mensch... Hunter!“ Ich zuckte zusammen. So hartnäckig war sie sonst nie. „Jetzt geh rein. Ich komm in zehn Minuten nach. Ich mach nur noch Eismärchen fertig für die Weide.“ Ich schluckte und ging rein. Keine zehn Minuten später kam Gine wie versprochen dazu und sah mich noch immer mit... diesem Blick... an. Ganz so als hätte ich irgendwas verbrochen. „Ich hab doch morgen eh einen Termin be-“ „-und genau deshalb sollte der Verband erneuert werden. Die reißen dir doch den Kopf ab, wenn du da mit einem eine Woche alten Verband ankommst!“ unterbrach sie mich. Gut. Wenn sie meinte... Ohne weitere Widerworte ließ ich sie den Verband wechseln. „Und Frau Doktor, darf ich jetzt weiter arbeiten?“ Sie wisperte irgendwas von wegen „Mach doch was du willst...“ und ließ mich alleine. Frauen... Am späten Abend kam Catalina von der Arbeit nach Hause und wirkte gestresst. Wir hatten noch immer nicht gesprochen, Steven hatte in seinem Suff ein paar nicht allzuschöne Details über sie herausposaunt. Unsere Gespräche beliefen sich seitdem nur auf Smalltalk. Vorerst würde ich an dieser Situation auch nichts ändern. Ich hatte wahrlich genug um die Ohren. Zwei meiner Stuten waren noch immer tragend und bei den Pineforest Stables wartete ein Fohlen, das ich in einem halben Jahr abholen würde. PFS' Savory Blossom hatte ich entdeckt, als ich Mr. Raw Depression's ersten Nachwuchs besucht hatte. Die junge Stute hatte sofort meine Aufmerksamkeit, als ich die Fohlen des Gestüts gesehen hatte und so kam ich nicht umher mit der Inhaberin einen Deal zu schließen. Aber auch hier würde bald noch mehr Nachwuchs erwartet. Slap Happy und Bear Totem's Denali sind noch immer tragend. Vor allem bei Denali müsste es bald soweit sein. Vielleicht noch zwei oder drei Wochen. Slap Happy hatte da noch mehr Zeit. Den heutigen Tag ließ ich damit ausklingen Samson zu longieren. So dachte ich zumindest. „Mr. Crowley?“ wieder diese helle Stimme. „Achja. Lara?“ - „Tara.“ korrigierte mich das Mädchen sofort. „Tara. Wir können dich gerne einstellen jetzt wo uns ein Mann fehlt. Du bist Springreiterin oder?“ sie nickte. „Gut. Ich mache die Papiere fertig und dann reden wir über alles Weitere. Achja und wir duzen uns hier. Davon bist du nicht ausgeschlossen, ich bin Hunter.“ Sie strahlte über das ganze Gesicht. „DANKE!“ - „Nichts zu danken.“ ich schmunzelte und kümmerte mich weiter um den Tinkerwallach am anderen Ende der Longe, der geduldig darauf wartete, dass es weiter ging.

      07. Mai 2016
      Hufschmiede Glorieas
      Großauftrag für 13 Pferde
      Heute kam der erste Großauftrag von einem Mister Crowley. Er hatte 13 Pferde die einen Hufschmied bräuchten. Gestern erst rief er mich aus England an und fragte ob ich kurzfristig kommen könnte. Darum machte ich mich am Abend noch auf den Weg nach England. Ich flog mit der letzten Maschine, in England hatte ich einen netten Kollegen der mir sein gut ausgerüstetes Mobile Hufschmiedwerkstadt lieh. Ich musste nur die Materialien die ich benötigte ersetzen, aber das war vollkommen okay.
      Mein Flug war okay, und holte um 6:30 das versprochene Hufschmiedauto und fuhr dann direkt zu mstr.Crowley. Ich war leicht aufgeregt, denn ich wusste nicht, wie er reagieren würde, wenn plötzlich eine Frau vor ihm stehen würde. Der Beruf ist sehr männerlastig. Ich kam gegen 7:30 an und wurde von einem charmanten gut aussehenden Hunter Crowley.
      Nach unserer kleinen vorstellungsrunde begann ich zuerst mit Heart of Ocean. „ Er ist seit neuestem schwierig mit fremden Menschen, hatte was Schlechtes erlebt. Hab aber leider keine Zeit um dabei zu sein!“ hörte ich noch die neben Info von Hunter. „ Keine Sorge, ich krieg das hin!“ sagte ich und beschloss mit dem schwierigsten anzufangen. Ich baute alles auf und holte mir dann den Rapproanhengst Heart of Ocean.
      Schon in der Box kam er mit angelegten Ohren auf mich zu, doch ich bemerkte natürlich dass er zwei seiner Beine nie richtig belastete. „ Na was hast du für ein Problem süßer!“ redete ich ruhig auf ihn ein. Geduldig wartete ich ab bis er sich beruhigte und legte gekonnt sein halfter auf. „Na komm mal mit! Lass mich das Ansehen!“ ich tat so als würde Ocean mich verstehen und lief zu meinem Arbeitsplatz. Nun vom ersten Blick sahen die Hufen zwar gepflegt aus, aber ziemlich abgenützt aus.
      Ich hob das linke Vorderbein und schaute es mir genauer an. Bald entdeckte ich die stelle die sich entzündet hat und eine Quetschung. „Er hat eine Pododermatitis, das ist eine Huflederhaut Entzündung, dies kann viele Ursachen haben, matschiges Paddock, Dreck, falsche Pflege der hufe, zu langes Reiten auf hartem Untergrund und vieles mehr. Sie sollten ihn jetzt ein paar Tage schonen, am besten kein Training bis es wieder verheilt ist, das ist schmerzhaft, sollte er immer noch schmerz anzeigen, würde ich empfehlen einen Ta für einen Schmerzspritze zu rufen. Bei gründlicher Pflege und Reinigung, sollte das in ein paar Tagen verheilt sein. 2x täglich das Bein 10 Minuten lang mit kaltem Wasser kühlen.!“ Sagte ich zu einem Stallburschen Dieser verzog die Mine leicht sagte aber dann dass er das weiterleiten würde. Ich kürzte dann die restlichen hufen, und entlies Ocean in seine Box und holte mir das nächste Pferd. Diesmal war es ein Tinkerwallach namens Samson. Ich kontrollierte zuerst seine hufe. Diese waren in Ordnung, nun raspelte ich sie etwas kürzer und hinten sollten sie Allu eisen bekommen. Da er viel auf harten untergründen gefahren wird, würde ich für ein Stolleneisen entscheiden, da kann man wenn nötig noch 2-4 Stifte reindrehen, damit das Rutschgefahr verringert wird. Also suchte ich seine Größe heraus und begann mich an die Arbeit Den Ofen schon angeschmissen suchte ich die Größe von Samson. Nun legte ich die Eisen eine Weile in den 100 Grad heißen Ofen, und als diese dann soweit waren hielt ich es an Samsons Huf. Es qualmte und das verbrannte Horn stank bestialisch. Samson stand still und so ging meine Arbeit sehr schnell voran, der letzte Nagel sitzt und ich betrachtete Samson noch einmal. Ich hatte noch nie einen Auftrag bekommen, die Pferde hinten zu beschlagen. Nach langen eigenen Recherchen fand ich heraus, dass es einige aber jedoch wenige Pferde gab die von hinten beschlagen wurden, deshalb war es für mich dann nicht mehr so abstrakt. Nun fettete ich noch die Hufen von Samson ein und konnte mich dem nächsten Pferd widmen.
      Als nächstes kam eine chuckling dancing mess, Missy wie sie von allen genannt wurde, war eine goldfarbende Englisches Vollblut. Da sie Barhuferin war, musste ich keine Eisen vorbereiten. Ich ließ mir die Stute vorlaufen und entdeckte keine Fehlstellung. Sie waren etwas zu lang, aber das war kein Problem. Ich fing mit dem ersten Bein an und arbeitete ruhig weiter nach hinten. Missy hielt brav still und ich lobte die 6 jährige Stute. Die Hufzustand waren sehr gut. Wenn der Abnützung so bleibt bräuchte sie nicht beschlagen werden zu mindestens jetzt nicht. Nach ca. 20 Minuten war ich auch mit ihr fertig und als nächstes kam Slap Happy. Die junge Vollblutstute raubte mir den Atem. Ich hatte sie auf einer Stutkörung gesehen und nun stand sie da und sollten die hufen gemacht bekommen. Ich strich der hübschen stute übers Fell und schaute mir ihre Hufen an. Sie waren in Ordnung etwas lang, aber das war bei Mutterstuten häufiger der Fall, da das Fohlen aber bereits abgesetzt wurde, bekam happy nun ihre Maniküre. Happy ließ sich das nur wiederwillig gefallen. „ Normalerweise ist sie nicht so“ meinte Hunter zu mir. Ich erklärte ihm dass die meisten Pferde nach der Geburt ihres erstens Fohlens ihre Charaktereigenschaften verbessern oder gar verschlechtern können. Und das es für mich kein Problem war. Nun war auch Happy fertig und sie konnte wieder in ihre Box. Nun kam einer der Stallburschen mit einem schönen AraberHengst. Auch ihn ließ ich Vortraben und beobachtete genau wie er läuft. Mit hocherhobenen Hauptes und Schweifes präsentierte sich der Braunschecke. Er wusste wie. „ Das ist Majd, ein aus Saudi-Arabien gezogener 2 Jähriger Araberhengst!“ erzählte mir hunter stolz. „ Das soll ein Hengst sein?“ fragte ich etwas ironisch gemeint, denn der Hengst stand gelassen still da obwohl gerade eine sichtlich rossige stute vorbeigeführt wurde. Nun hob ich seinen ersten Vorderhuf und sah mir es genau an. „ Die hufen sind etwas trocken, fett müsste reichen!“. Gab ich neben bei meine Meinung kund. Seine Hufen waren sonst sehr gut gepflegt, ich musste auch nicht viel wegnehmen. Ich arbeitete routiniert meine Arbeit und da der Hengst so brav stand waren wir auch schnell fertig. Und das für einen 2 jährigen. „ Wie machst du das? Hast du Tipps?!“. In meiner Karriere als Schmiedin lernte ich einige 2 jährige kennen die nicht so artig still standen. „ Er liebt Pfefferminze! Ich hoffe du hast welche!“ bemerkte hunter grinsend als er sah das ich ihn loben wollte. Natürlich hatte ich welche dabei. Mjad nahm das Leckerli an und kaute zufrieden und genüsslich rum nun konnte er wieder in seine Box. Nun kam eine DRP Stute namens Eismärchen.“ Sie ist von Geburt an auf einem Auge Blind!“ erklärte mir Hunter. Ich ließ sie mir kurz Vortraben und sah dass alles in Ordnung war. „ Also mit den Hufen hat sie nichts! Gut gewachsen, richtige Stellung, jetzt nur noch 1-2 cm wegnehmen und dann ist sie da wieder fit!“ lächelte ich. Gesagt getan. Ich machte mich ans Werk. „ Nach der Stute trinken wir einen Kaffee!“ sagte Hunter und grinste mich an. Ich sah kurz auf die Uhr, ich war schon, 3h am Werk, wie die Zeit verging. Eismärchen stand brav da und knabberte hin und da mein Hosenbund an. Endlich kam ich am letzten huf an und hunter ging in die Küche um den Kaffee aufzusetzen. Nun da Eismärchen fertig war, wusch ich mir die Hände und ging in die Küche. Dankend nahm ich die heiße Tasse Kaffee entgegen. „ Du Joicy, was ich….. fragen wollte, Bildest du auch aus? Würdest du mich als Lehrling nehmen?!“ fragte mich Hunter. Ich blickte kurz auf nahm einen Schluck meines Milchkaffees und setzte diese ab. „ Ja ich darf ausbilden, und eigentlich arbeite ich gerne alleine, ich wurde schon zu oft enttäuscht, du setzt da viel Herzblut rein, um dann von anderen gehört zu kriegen wie streng oder scheiße ich sei!“ Kurze Pause. „ Aber wenn du wirklich willst und du dich einen Monat ins Zeugs legst dann würde ich nochmal eine Ausnahme machen. „ Ich werde dich nicht enttäuschen!“ sagte mir hunter. „ Na dann legst du mit dem Rest hier mit an! Sagte ich und Stand auf als nächstes kam die tragende Bear Totem's Denali an die Reihe. Ich ließ mir die Stute Vortraben. „ Was siehst du?!“ fragte ich meinen neuen lehring. „ Das sie Risse im huf hat? Und einen B..Bockhuf?!“ kam zur Antwort. Das war recht gut, denn genau das gleiche hatte ich auch festgestellt. „ Die risse sind nicht schlimm mit einer speziellen Knetmasse kleben wir diese zu nachdem wir sie ausgeschnitten haben!“ erklärte ich. Sorgfältig machte ich den ersten Vorderhuf und den Hinterhuf, zeigte hunter wie das ging, und die zweite Seite machte er mit meiner Hilfe. Beim ausschneiden stellte er sich etwas tollpatschig an und schnitt sich mit dem Hufmesser in den Handballen, wie man sowas schaffte wusste ich nicht. Nun da hunter sich verletzt hatte schaute er einfach zu und ich machte Denali fertig. Dann drückte ich die Knetmasse ein und fettete die hufen ein. Nun kam der englische Vollbluthengst Mr. Raw Depression an der Reihe. Seine Hufen waren in Ordnung, ich musste nur einige ausgefranste stellen korregieren und fette auch diese ein. Der Hengst war atemberaubend, ob er wohl auf meine gekehrte Trakehners tute Musical Star sollte wäre wirklich eine Überlegung wert. Nun nachdem Raw brav war bekam er ein Leckerli und nun kamen wir zum vorletzten Pferd CHH´Lamperd. Von ihm hatte Vorbesitzer des Gestütes Van Helsing ein Nachkommen aus Star gezogen. Und es war eine gute Entscheidung. Der kleine entwickelte sich prächtig. Auch lamperd´s hufen waren schnell gemacht und so kamen wir zum letzten Pferd einen Tinkerhengst namens Areion. Auch er sollte hinten allu eisen bekommen. Hunter wärmte den Ofen auf. Ich erklärte ihm warum ich gerne heiß beschlage. „ Es gibt zwei verschiedene Beschlag Arten. Kalt beschlag verwendet man häufiger bei Isländern oder jungen Pferden, oder auch welche die Rauch und Feuer nicht abkönnen, hat einen Nachteil, wenn du den huf ausschneidest, entstehen kleine Luftbläschen und diese bleiben auch beim kaltbeschlag bestehen, und so fällt das eisen schneller ab. Beim heißbeschag, macht man das eisen zuerst heiß, ca. 70-100 Grad, legt es auf das Horn, das eisen brennt sich in den huf ein und verschließt diese Bläschen, und so verlieren die Pferde weniger die eisen!“ nun schnitt ich die hufen aus, und hunter gab mir von Anhieb an, die richtige Größe des Eisens. „ Ein Naturtalent!“ lachte ich. Es machte mehr Spaß wenn man zu zweit ist das musste ich eingestehen. Um 16:15 war ich mit dem letzten Bein fertig. Und so konnte ich mich auf dem Weg nachhause machen.
      10.457 Zeichen | by Elsaria | Hufschmiede Glorieas

      21. Mai 2016
      Ein derber Rückschlag

      Im Grunde wusste ich ja schon, dass es mit Catalina jetzt schwieriger werden würde. Jetzt wo sie schwer krank war. Jetzt wo ich von ihrem Seitensprung wusste. Aber der Anruf den ich gestern bekam, gerade als ich mit dem Beschlagen eines Pferdes fertig war, riss mich vollends aus der Fassung, die ich mir so hart erarbeitet hatte die letzten Wochen. „Deine Freundin ist gestorben, Hunter. Willst du nicht herkommen? Die Ärzte geben uns keine Details.“ hieß es da und die Worte schallten noch so deutlich in meinem Kopf, dass sie mich abermals betäubten, wenn ich nur daran dachte. Zum Glück saß ich, sodass mir das flaue Gefühl, dass sich nun auftat, egal sein konnte. Umkippen konnte ich nicht und in der Sitztasche vor mir waren Beutel für den Fall der Fälle, dass ich mich übergeben müsste. Dann die Ansage der Crew, dass wir in wenigen Momenten landen würden. Da ich mich nicht abgeschnallt hatte über den kurzen Flug von Deutschland nach England, kümmerte mich das monotone Gerede nicht.

      Eine halbe Stunde später war ich in Phase Zwei, auf dem Weg zurück in die Heimat: Lincolnshire. Die Zugverbindungen waren so grottenschlecht und über alle Maße überteuert, dass ich mir den Luxus ein Taxi zu nehmen gönnte. Der Taxifahrer warf immer mal einen verunsicherten bis besorgten Blick zur Seite und sprach mich, als das Navi die Ankunft in 5 Minuten ankündigte, doch noch an: „Sir, ist alles in Ordnung? Sie wirken bedrückt.“ fragte er höflich und wusste das sehr zu schätzen. Ich schenkte ihm zur Besänftigung ein kleines Lächeln. „Alles okay. Tut mir leid, dass ich so schweigsam bin.“ Den Rest der Fahrt redete mein Fahrer ununterbrochen. Es beruhigte ihn sichtlich und so war ich ihm nicht böse, auch wenn ich ihm nicht wirklich zuhörte. Ich dachte an Nichts. Zumindest versuchte ich das. Die Leere, die seit dem Anruf in mir herrschte breitete sich in solchen Momenten schneller aus als normal. Dann endlich sah ich die Einfahrt meines Hofes. Höflich wie ich war bedankte ich mich für das Gespräch, gab ein gutes Trinkgeld und stieg aus.

      Auf dem Hof wirkte ein reges Treiben. Dass hier zwei Personen fehlten würde man nicht bemerken, wüsste man es nicht. Gine und Isaac hatten ihre Meute im Griff. Ruby war gerade mit Denali und ihrem Fohlen, dass ich dank meiner Abwesenheit verpasst hatte, auf dem Springplatz beschäftigt. „Hey Honey!“ - „Mom.“ Meine Mutter schnellte mit erhobenen Armen zu mir um mich direkt in den Arm zu nehmen. So fest, dass ich diese Liebkosung abbrach. „Ist gut.“ Besorgt sah sie mich an. Das tat heute jeder.
      Aber die Tatsache außer Acht gelassen, dass ich ein unfassbar schlechtes Gewissen gegenüber Catalina hatte, der ich nicht zur Seite stand in ihren letzten Stunden, ging es mir gut. Ich war nicht mal traurig. Natürlich auch nicht glücklich, ich fühlte einfach... Nichts. „Komm rein, ich hab Essen gemacht. Du hast wieder abgenommen!“ Wieder warf sie einen besorgten Blick auf mich, diesmal musterte sie mich kurz von oben nach unten. Ich ließ mich ins Haus bugsieren, wo mein Vater gerade fertig mit dem Essen war. „Gut dich zu sehen, Junge!“ Ich nickte. Meine Eltern waren überfürsorglich. Sie hatten ihre Gründe, aber im Moment hielt ich das für unnötig. Noch bevor ich saß, hatte meine Mutter mir einen Teller fertig gemacht und vor die Nase geschoben. Nach Essen war mir nicht zu Mute und so stocherte ich lediglich ein wenig herum, bis meine Mutter mir nach einer halben Stunde den Teller wieder abnahm und ihn so verpackte, dass ich ihn mir sollte ich doch Hunger bekommen, wieder warm machen konnte. „Was willst du jetzt machen?“ fragte mein Vater schließlich und unterbrach damit die herrliche Stille der letzten vierzig Minuten. „Ins Krankenhaus fahren.“ Mit den Worten stand ich auf und warf einen Blick aus dem Fenster. Es war trocken und noch immer hell draußen. Zwar kündigte sich schon lange der Herbst an, so war es dennoch noch nicht zu spät das Motorrad zu nehmen. Sowohl mein Vater, als auch meine Mutter sahen mich entsetzt an, als ich mich wieder zu ihnen wandte. „Was?“ fragte ich verwirrt und verließ das Zimmer ohne eine Antwort abzuwarten. „Fahr vorsichtig!“ rief mir Mutter hinterher.
      Auf dem Weg nach draußen schnappte ich Schlüssel, Jacke, Handschuhe und Helm vom Flur auf und machte mich vor meiner Maschine fertig.

      Etwa zwanzig Minuten später stand ich an der Rezeption im Krankenhaus. „Ich würde gerne mehr über Miss Dixon's Tod erfahren. Ich bin- ...ich war war ihr Partner.“ Die Frau musterte mich kurz, war einen Blick auf ihren Bildschirm und tippte irgendwas in ihre Tastatur. „Tut mir leid, ich darf Ihnen keine Auskunft geben. Nur Familienangehörige.“ Ich brummte unzufrieden. „Wo finde ich ihren Arzt?“ Die Dame sah mich vielsagend an. „Aber Sir. Haben sie Kontaktdaten von Miss Dixons Angehörigen?“ Einen Moment lang spielte ich mit dem Gedanken die Gelegenheit auszunutzen. Sie bekommt Kontaktdaten, ich bekomme Antwort auf meine Frage. Dabei hatte ich nicht mal Kontaktdaten. Darüber hatten wir nie gesprochen. „Konnten Sie niemanden erreichen?“ fragte ich entgegen meines Planes. Die Dame nickte eifrig. „Doch doch, ein paar haben wir erreicht. Aber man weiß ja nie.“ Merkwürdige Antwort. Dann sah ich den Arzt vorbeilaufen, von dem ich wusste, dass er Catalina behandelt hatte. Ich lief ihm hinterher und hielt ihn schließlich an. „Dr. bitte, einen Moment nur.“ bat ich und er hielt inne. „Was genau ist mit Miss Dixon passiert? Sie wissen schon, die schwer CF kranke Frau?“ Der Mann seufzte und sah mich durchdringend an. „Erstens, darf ich Ihnen dazu nichts sagen, außer dass sie gestorben ist. Zweitens, sollten Sie es vielleicht bei den Angehörigen versuchen. Sie sind wohl im Hotel gleich gegenüber, hab ich gehört. Und Drittens, sollten sie dringend schlafen, sie sehen nicht mehr gesund aus.“ Wieder einer dieser besorgten Blicke. „Danke.“ sagte ich und lächelte nun tatsächlich, ganz ehrlich. Endlich eine gute Nachricht. Als wäre ich dabei einen Termin zu verpassen, rannte ich den kompletten Weg aus dem Krankenhaus und orientierte mich dann kurz um das Hotel ausfindig zu machen. Es gab nur eines hier und so ging ich zu Fuß rüber und fragte nach Dixon. Man leitete mich weiter und schließlich stand ich vor drei Personen, die mich ein wenig misstrauisch ansahen. „Hi.“ unangenehmer konnte diese Situation kaum sein. „Sie sind Verwandte von Catalina Dixon?“ fragte ich zögerlich und bekam ein ebenso zögerliches Nicken zurück. „Und wer sind sie?“ fragte der einzige Mann in der Runde. „Hunter Crowley.“ sprudelte es aus mir heraus. „Ehm, Catalina's Freund.“ fügte ich schnell hinzu, als eine der Frauen eine Augenbraue hob. Jetzt schienen sie etwas mit mir anfangen zu können, was nicht hieß, dass sie offener wurden. „Gut, chrm... Ich wollte auch nur fragen wann ihre Beerdigung ist.“ log ich und bekam prompt eine Antwort, bevor sich alle drei wieder abwandten. Unzufrieden mit diesem Resultat verließ ich das Hotel wieder und fuhr zurück nach Hause um dort gleich müde ins Bett zu fallen.

      „AUFSTEHEN!! Aufstehen, aufstehen, Auuuufsteheeen!“ jemand rüttelte mich grob wach und hielt mir schließlich seine eiskalten Finger an die Wange. „Los jetzt, mach dich fertig!“ Gine... Wiederwillig richtete ich mich auf. „Was ist denn los?!“ - „Slap Happy's Fohlen kommt, das willst du ja wohl nicht verpassen oder?“ Sofort war ich hellwach. Nein, ihr Fohlen wollte ich unter keinen Umständen verpassen! Schneller als Gine gucken konnte war ich angezogen und lief runter in den Stall. Tatsächlich, meine braune Stute lief in ihrer Box Runden und sah immer wieder zu ihrem Bauch. „Geh noch nicht rein.“ riet Gine mir und so wartete ich geduldig vor der Box, bis Slap Happy sich den Wehen ergab und zu Boden sank. Gerade als ich die Boxentüre aufschieben wollte griff Gine erneut ein: „Warte noch, es kann sein, dass sie sich nochmal umentscheidet.“ ernst sah sie mich ab und nahm meine Hände von der Türe. 'Umentscheidet'... sowas macht meine Slap Happy nicht... Nie. „Siehst du!“ - Verdammt! Für einen kurzen Moment hatte ich tatsächlich geglaubt meine Stute in diesem Punkt zu kennen. Die große Braune stand wieder, den Kopf gesenkt, als würde sie überlegen was sie nun tun sollte. Ein zwei Schritte ging sie nach vorne und sank dann wieder zu Boden. Einige Minutenlang lag sie komplett auf der Seite, bis sie sich noch einmal halb aufrichtete um zu ihrem Bauch zu sehen. „Gut, wir können jetzt rein. Sie wird denke ich nicht mehr aufstehen.“ - Gine schob die Türe auf - „Kann ich helfen?“ der irische Akzent verriet mir, dass Isaac gleich hinter mir stand. „Vielleicht.“ sagte Gine knapp und prüfte fachmännisch die Lage. Dafür, dass sie sonst immer sehr aufdringlich und kommunikativ war, war sie jetzt ausgesprochen ruhig und professionell. Isaac und ich kamen in die Box und schoben die Türe zu. Ohne überhaupt zu fragen schritt ich zum Kopf meiner Stute, hockte mich hin und fing an sie zu kraulen. Am Hals, an den Ohren und schließlich strich ich mit der flachen Hand über ihr hübsches Gesicht. Isaac sah sich die Lage von hinten. „Also in Irland... Da machen wir das anders.“ fing er lachend an zu erzählen um die Spannung zu nehmen. „Da kommen die tragenden Stuten auf die Weide un-“ - „Halt-die-Klappe!“ fauchte Gine ihn an. „Da kommt es!“ Ein breites Grinsen schlich sich auf ihre Lippen und als es ihr möglich war griff sie beherzt die Füße des kleinen Pferdes und erleichterte meiner Stute so das Abfohlen. „Es liegt super, sie macht das toll!“ - „Ist ja auch nicht ihr Erstes...“ brummte ich; zu leise, um von den beiden gehört zu werden. Es vergingen gefühlte Stunden bis das Fohlen mit einem letzten Schub den Mutterleib vollends verlassen hatte. Es war durch und durch braun, ein Hinterhuf erstrahlte aber in hellem Beige und etwas versetzt von der Mitte der Stirn fanden sich ein paar einzelne weiße Härchen. Es war ein Hengstfohlen, das ich mir schöner nicht hätte erträumen können. „Der dunkelt bestimmt noch nach, wenn er wächst. Die paar weißen Haare kannst du dir abschminken.“ fachsimpelte Isaac. „Das verwächst sich alles und der Huf dunkelt auch nach.“ Gine war dem groß gewachsenen Iren einen abwertenden Blick zu. „Er ist gut wie er ist. Hör auf ihn schlecht zu machen.“ Ich grinste. Auch Isaac lachte, was er aber im Grunde immer tat. „Sie hat recht.“ griff ich ein, bevor die beiden sich in eine Diskussion reiten konnten wie ein altes Ehepaar. „Er ist gut. Punkt.“ Ich stand auf und streckte mich ausgiebig. Slap Happy blieb noch einige Minuten liegen und solange wachte Gine über sie und das Hengstfohlen. „Isaac, an die Arbeit. Gine fällt für die nächsten stunden aus, sie muss die zwei im Auge behalten, damit nichts schief geht.“ - „Oh du reitest also auch mal wieder eines deiner Pferde?“ - „Fang bloß nicht an wie Steven mein Freund.“ ich schmunzelte. Isaac lachte wieder und legte mir brüderlich eine seiner großen Hände auf die Schulter. „Niemals, mein Hübscher.“ Verwirrt sah ich ihn an und bekam einen verruchten Blick als Antwort. Da ich nicht schwul war, wirkte das nicht und so räusperte ich mich und warf einen kurzen Blick auf die Boxenschilder. „Guuut... Isaac, kannst du die western gerittenen übernehmen?“ - er nickte - „Ich mache dann Pendragon, Ocean, Eismärchen...“ Isaac ließ einen verträumten Seufzer los „...und Ray. Alles Okay?“ prüfend blickte ich ihn an. Der Ire nickte und wirkte als hätte er irgendwelche Drogen genommen. „Dann los.“ mit den Worten drehte ich mich um. Missy, Lamperd und Majd waren seit ein paar Stunden auf der Galopprennbahn eines Bekannten. Princess Sansa und Iceflower waren wie schon seit Monaten auf Trainingsurlaub, bis sie ihre Zuchtzulassung bekommen. Die übrigen Stuten, also Denali und Arcany, hatten noch ihr Fohlen bei Fuß und standen mit eben diesen und Savory Blossom auf der größten Weide, die wir bieten konnten. Das heute kurz gehaltene Training mit den Pferden tat gut und bis zum Abend hatte ich vergessen, warum ich überhaupt hier war. Erst als ich auf Mr. Raw Depression saß, ihm die Zügel lang ließ und meine Gedanken abschweiften kam mir Catalina's Tod wieder in den Sinn. In fünf Tagen ist die Beerdigung. Dann würde noch einmal ihre Verwandten treffen, die nicht sonderlich überzeugt von mir waren. Sollte ich mir das wirklich antun? Immerhin hatte auch das Verhältnis zu Catalina am Ende einen Knacks. Nein. Sie hatte es verdient, dass ich ihr die letzte Ehre erweise, egal was sie getan oder nicht getan hatte. Wer weiß schon, was wirklich passiert ist.

      Gedankenverloren stieg ich ab und führte Ray auf die Stallgasse, sattelte ihn langsam ab und stand dann wie paralysiert da und starrte seine Beine an, die eben noch Bandagen trugen. Wo waren die hin? „Hey, hast du schon ein Namen für Slap Happy's Hengstfohlen?“ jemand schlug mir unwirsch die Hand auf den Rücken, sodass ich jäh aus meiner Trance erwachte und hochschrak. „Woah, ich wollte dich nicht erschrecken, sry.“ Isaac sah mich stirnrunzelnd an. „Also?“ Seine Gesichtszüge lockerten sich und es bildte sich ein erwartungsvolles Grinsen. Lachte er denn wirklich immer? „Nein, ich hab mir da noch keine Gedanken zu gemacht.“ gab ich zur Antwort und sah in die Bandagentasche, wo jemand feinsäuberlich die Bandagen verstaut hatte. „Warst du das?“ Isaac nickte eifrig. „Danke.“ ich lächelte und packte zu guter Letzt Bandagentasche, Trense und Putzkiste auf einmal um sie in die Sattelkammer zu bringen. Als ich wieder kam stand nur noch Isaac auf der Stallgasse. „Bist du mit deinen Kandidaten durch oder wieso nimmst du mir meine Arbeit weg?“ ich schmunzelte, er sollte sich nicht angegriffen fühlen. „Ach weißt du...“ fing er an und legte mir abermals einen Arm um die Schultern, was mir ein unangenehmes Gefühl einbrachte. „Ich dachte mir, etwas Unterstützung und Aufmerksamkeit, würde dir heute nicht schaden. Als Gine vorbeikam und ein gelachtes „Na ihr zwei Süßen?“ in den Raum warf löste ich mich aus Isaac's Griff und machte mich auf ins Haupthaus um mit meinen Eltern die nächsten Tage zu besprechen. Ich würde nach Catalina's Beerdigung wieder abreisen. Noch ein Jahr Ausbildung in der deutschen Eifel hatte ich vor mir, bis ich wieder endgültig nach England zurückkehren konnte. Die wenigen Tage zu Hause wollte ich dann wenigstens sinnvoll nutzen. „Die Jenkins Brüder aus Kalifornien haben sich gemeldet, sie wollten dich sprechen?“ fragte meine Mutter mehr als dass sie es sagte. „Haben sie gesagt, was sie wollen?“ fragte ich zurück und sie schüttelte den Kopf. „Gut, dann war es sicher nichts Wichtiges.“ Die beiden hatten immer irgendwelche Probleme mit denen ich nichts zu tun haben wollte. Hätte ich ihnen mal nie die Trakehner verkauft... Dann hätte ich heute meine Ruhe. Ich ließ den Tag mit einer Zigarette und meinem Skizzenbuch ausklingen. Ich zeichnete Nonsense... Nichts Nennenswertes, nicht mal etwas, das mit dem Tag heute zu tun hatte. Alles in mir versuchte im Moment auszublenden, was in Wirklichkeit geschehen war. Das machte diese Zeit erträglicher. Die nächsten Tage würde ich viel mit den frisch weitergebildeten Pferden arbeiten. Würde die Zuchtplanungen für nächstes Jahr erledigen und Namen für die drei aktuellen Fohlen finden. Vielleicht fand sich sogar schon ein Interessent für das Reitpony Stutefohlen? Jedenfalls plante ich so, dass zwischen der Arbeit kaum Pausen lagen in denen ich zu viel nachdenken konnte. So zumindest die Strategie.
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      29. Mai 2016
      Neue Gesichter

      Ein gleichmäßiges Surren, ein regelmäßiges Piepsen und hin und wieder Schritte drangen an meine Ohren. Die Lider waren schwer und der gesamte Rest des Körpers fühle sich an wie Blei. Dann kam jemand näher an mich heran, das hörte ich an den Schritten. „Mr. Crowley?“ eine unbekannte Frauenstimme. Ich öffnete die Augen und sah in ein fremdes Gesicht. „Gut Sie sind wach.“ sie lächelte mich an und verschwand wieder. Ich hätte mich so gerne aufgerichtet um zu sehen wo sie hinging, aber mein Körper war zu träge. Wenige Minuten später kam die Frau zurück in Begleitung eine weitere Ärztin. Ich wusste mittlerweile wo ich war. Aber wie war ich her gekommen? „Wie fühlen Sie sich?“ fragte die deutlich jüngere Ärztin und prüfte die Werte, die die Geräte anzeigten, an denen man mich angeschlossen hatte. Mein Mund war staubtrocken, würde ich jetzt etwas sagen wollen, würde es sowieso niemand verstehen. Stattdessen hob ich den Kopf vom Kissen um das Zimmer anzusehen. „Sir?“ sie drückte mich wieder zurück und leuchtete mir in die Augen. „Können Sie mir sagen, welcher Tag heute ist?“ Noch eine Frage... Ich räusperte mich. „Mittwoch.“ meine Stimme war rau, aber besser als ich es erwartet hätte. Die Schwester lächelte immer noch. Sie war von eher plumper Statur und mit Sicherheit schon über vierzig. Die Haare hatte sie zu einem festen Knoten gebunden. „Nun, wir haben Samstag. Nur für's Protokoll.“ Die Ärztin wirkte weniger freundlich, aber vermutlich hatte sie einfach Stress. Sie war jung, vielleicht in meinem Alter? Aber durch die Stressfalten und den strengen Gesichtsausdruck wirkte sie älter. „Mr. Crowley. Wie fühlen Sie sich?“ wiederholte sie mit Nachdruck. Gute Frage! Keine Ahnung. Ich weiß ja nicht mal wie ich hergekommen bin. Das Gefühl fand nach und nach seinen Weg zurück in die müden Glieder. Einen Versuch mich aufzurichten vereitelte die Schwester sogleich. „Was ist passiert?“ fragte ich zurück, da ich keine Antwort auf die Gefühlsfrage wusste. „Woran erinnern Sie sich?“ Fragen... wieder eine neue! Könnte Sie mir nicht einfach antworten. „Mhm...“ ich dachte tatsächlich nach, aber konnte nichts entdecken, was mich hierher hätte bringen können. „Was ist das letzte, was Sie Ihrer Erinnerung nach getan haben?“ Wahnsinn, die Ärztin konnte lächeln. Das Letzte... „Ich hab mein Pferd für ein Turnier vorbereitet und wir wollten es in den Hänger laden. Aber...“ ich legte die Stirn in Falten, das konnte nicht sein. Pendragon ist eines der ausgeglichensten Pferde, die wir auf dem Hof haben. Außerdem... „...das war aber mittwochs.“ Was ist denn passiert, zur Hölle?! Die Ärztin stellte mir noch einige belanglose Fragen, die ich zur Hälfte nicht beantworten konnte. Dennoch wirkte sie am Ende halbwegs zufrieden. „Physisch geht es ihnen den Umständen entsprechend gut. Aber wegen ihren Erinnerungen setz ich einen Psychologen auf sie an, das gefällt mir nicht.“ sprach sie jetzt absichtlich nicht im Fachchinesisch, weil sie mich für irre hielt? Ich nickte nur und sie verschwand. Die Schwester hatte sich schon während des Gesprächs aus dem Staub gemacht.

      Über Mittag wurde ich auf Normalstation verlegt, bekam allerdings ein Einzelzimmer. Gut eine Stunde später trudelte eine abgehetzte Person ins Zimmer, zog einen der umstehenden Holzstühle zu sich und setzte sich erstmal um zu verschnaufen. „Alles okay?“ fragte ich, als die Frau auch nach gut einer Minute noch nichts gesagt hatte. Endlich wandte sie sich mir zu. „Ja, ehm, Mr. Crowley, richtig?“ sie warf einen Blick auf ihr Klemmbrett und sah dann wieder zu mir. Ich richtete mich etwas auf und nickte. „Guten Tag, ich bin Ihre psychologische Betreuung für die nächsten Wochen.“ Hatte ich da jetzt richtig gehört? Für die nächsten WOCHEN?! Ich schluckte, aber sie lächelte mich weiterhin unverhohlen an und rückte näher ans Krankenbett. „Sie haben Schwierigkeiten sich zu erinnern, wie sie hier her gekommen sind, hab ich gehört?“ Sie sagte das mit einer Süßlichkeit in der Stimme, dass ich das Gefühl hatte, sie wollte nun Freundschaft schließen. Psychologenspielerei. „Ja.“ antwortete ich knapp und bemühte mich ihr nicht in die Augen zu sehen. „Das Letzte woran Sie sich erinnern ist, dass sie ihr Pferd transportfertig machten.“ Ich nickte abermals. „Sie reiten?“ Wieder nickte ich. Sie lachte leise. Ihre Stimme war sanft und ruhig, aber dennoch sehr feminin. „Man trifft nicht häufig Männer, die im Reitsport unterwegs sind. Wie kamen Sie dazu?“ Verdammt! Keine Ja/Nein-Frage. Ich atmete tief ein und aus. „Ich bin so aufgewachsen.“ Das war die kürzest mögliche Antwort, die mir einfiel und ich ahnte bereits, dass ihr das nicht reichen würde. Unsicher sah ich zu ihr, in Augen die so grün waren, dass selbst das Gras daneben Grau wirkte. Fesselnd. Ich wandte den Blick ab. Ich wollte ihr nicht zu viel Aufmerksamkeit schenken, auf Psychologengespräche hatte ich keine Lust. „Nun.“ fing sie an und ich atmete laut aus, sah aus dem Fenster auf der anderen Seite des Betts. In eben diesem Moment setzte sie sich noch ein Stück näher an mich heran, näher ging jetzt nicht mehr. Ihre Knie berührten die Stangen des Bettrahmens. „Was genau machen Sie denn im Reitsport?“ Vollendete sie ihre nächste Frage und ignorierte meine Abneigung. „Hauptsächlich Springreiten.“ Wieder eine knappte Antwort. Nichtmal sonderlich spezifisch, aber wenn ich jetzt Military oder Cross Country gesagt hätte, wüsste sie vermutlich nicht mal was das ist. „Und was für ein Turnier war das wo sie mit ihrem Pferd hin wollten?“ - „Springturnier.“ Man war ich dreist. Sie schnaubte verächtlich. „Mr. Crowley...“ sie hörte sich tadelnd an, also wandte ich mich ihr wieder zu. „Ja, Miss...?“ sie hatte mir nicht mal ihren Namen verraten. „OH, mein Name ist Kerry Robertson! Das hab ich in der Eile ganz vergessen.“ Ein verschmitztes Lächeln schlich sich auf ihr Gesicht. Ich schmunzelte zufrieden. War sie neu in dem Job? „Nun, Sie müssen sich etwas auf mich einlassen, sonst klappt das hier nicht.“ Ich schmunzelte weiter und schien sie damit ein wenig aus der nicht vorhandenen Ruhe zu bringen. „Was soll ich machen?“ fragte ich und freute mich innerlich darüber, die Zügel in der Hand zu haben. „Sie... ach...“ Sie winkte ab und vergrub sich in ihren Akten. „So hat das keinen Sinn mit Ihnen. Wenn Sie nicht wollen, kann ich auch nicht helfen.“ Meine Rede... Ich setzte mich nun ganz auf und spürte zum ersten Mal warum das Krankenhaus aktuell der richtige Ort für mich war. Ein betäubender Schmerz zog vom Knie bis hoch in die Hüfte und ließ mich keuchend zurück in die Kissen sinken. „Alles okay?“ diesmal war es Miss Robertson die diese Frage stellte. Ich lachte, da hatte sie gut gekontert. „Alles Bestens!“ log ich und sie spielte an ihrem Pieper rum. „Sie haben auch so einen?“ fragte ich ohne eine Antwort zu erwarten. Der Schmerz ließ langsam wieder nach und ich entspannte mich. „Ja, ich hab auch so einen.“ wiederholte sie lächelnd. „Nun, Sie wirken nicht auf mich, als hätten Sie Spaß daran sich Schmerzen zuzufügen. Wieso haben Sie sich aufgerichtet obwohl ihr Bein kaputt ist?“ Ich schluckte. Ertappt! „Ich hatte keine Ahnung...“ antwortete ich unsicher. „Ich weiß nicht mal was mit dem Bein ist.“ - „Oh, ich schon.“ sie lächelte. „Ich weiß auch wie Sie hier her gekommen sind. Aber ich hätte es lieber, wenn Sie sich selbst daran erinnern würden.“ Die Situation wurde zunehmend unangenehmer für mich. „Interessant, dass Sie scheinbar mehr über mich wissen als ich.“ - „Nicht mehr über Sie, aber mehr über die letzten Stunden, bevor sie hier aufgewacht sind.“ korrigierte sie mich sofort. „Nagut, ruhen Sie sich aus. Ich schicke Ihnen jetzt einen Arzt, nicht dass da noch mehr kaputt gegangen ist.“ sie schielte zu meinem Bein. „Bis morgen. Vielleicht schau ich auch heute Abend nochmal kurz rein um Gute Nacht zu sagen.“ scherzte sie und verließ das Zimmer.

      Am Abend kam Miss Robertson tatsächlich noch einmal rein, davon bekam ich allerdings herzlich wenig mit, da ich bereits schlief. Der nächste Tag begann, indem man mich unwirsch aus einem Traum riss. „Mr. Crowley. Gut, da sind Sie ja. Sie haben im Traum gesprochen, erinnern Sie sich daran?“ Ich war vollkommen außer Atem, nass geschwitzt und absolut verwirrt. Miss Roberston saß vor mir, hellwach, mit einer Tasse Kaffee in der linken, ihrem Klemmbrett in der rechten Hand. „Ich, ehm... nein.“ Ich runzelte die Stirn. „Gut beruhigen Sie sich erstmal.“ Sie beobachtete wie sich mein Brustkorb in viel zu schnellem Tempo hob und sank. Ein paar Minuten Ruhe gönnte sie mir, bis sie mich wieder ansprach. „Erinnern Sie sich jetzt?“ Sie wirkte wesentlich professioneller heute. „Ich bin mir nicht sicher.“ gab ich zu und wühlte in meinen Gedanken. Ich war absolut verwirrt. Wie spät war es eigentlich? Ich suchte verzweifelt nach einer Uhr, doch es hing keine in diesem Raum. „Ich weiß, dass ich nach dem Turnier am Mittwoch nach Hause kam und dass am Samstag, an dem ich hier aufgewacht bin, ein weiteres anstand.“ - „Soso... erinnern Sie sich auch an Details vom Samstag?“ Sie sah nur beiläufig zu mir. Sie war so abweisend. Und wie ich mich erinnerte. „Ja...“ Noch bevor Miss Robertson weiter stochern konnte, erzählte ich von mir aus wie diese Details aussahen. „Wir waren im letzten Drittel der Strecke. Mit wir meine ich mein Pferd und mich. Es war komplett verregnet, wir waren beide bis auf die Haut durchnässt. Bei so einem Turnier keine Seltenheit, das waren wir gewohnt. Dennoch... So erfahren wir auch beide waren, bei einem Wasserhindernis, wo wir von einem kleinen Abhang in Gewässer springen mussten, rutschte mein Pferd beim Absprung ab. Ich erinnere mich noch, dass ich mit einem Fuß im Steigbügel hängen geblieben bin... Weiter weiß ich nicht.“ Die Psychologin nickte anerkennend. „Mehr können Sie nicht wissen, weil sie bewusstlos wurden.“ Mein Magen zog sich zusammen. Was war mit Lamperd passiert? „Wissen Sie ob mein Pferd okay ist?“ fragte ich hoffnungsvoll, doch die Frau schüttelte entschuldigend den Kopf. „Aber vielleicht können Ihnen Ihre Verwandten da weiterhelfen, die dürfen Sie ab heute Nachmittag besuchen.“ Freude mischte sich in das mulmige Gefühl.
      „Gut, wir haben denke ich heute eine Menge erreicht, heute Abend sehe ich nochmal vorbei.“

      Am Nachmittag kamen wie versprochen meine Eltern vorbei. Mit Lamperd war soweit alles in Ordnung, sie hatten aber zur Vorsicht einen Tierarzttermin vereinbart. Selbstverständlich fragte ich auch nach den anderen Schützlingen und hörte nun zum ersten Mal etwas von „den“ Fohlen. Dabei habe ich nur eines im Kopf. Außerdem kam das Gespräch auf Catalina, meine Exfreundin. Ich gab es vor meinen Eltern nicht zu, aber ich hatte keine Ahnung von wem sie da sprachen. Nachdem die beiden wieder weg waren kam jemand und brachte mir ein paar Krücken, damit ich aufstehen konnte. Nach ein paar Übungsschritten, war ich recht sicher unterwegs. Krücken kannte ich schon aus früheren Verletzungen. Miss Robertson fing mich abends vor der Türe ab, wo ich gerade rauchte. „Hier stecken Sie!“ Sie sah mich mit einer Mischung aus Erleichterung und Empörung an. Wie schaffte sie das? Ich stieß einen Schwall Rauch aus und steckte die Zigarette aus. „Schon so spät?“ fragte ich, während ich die angelehnte rechte Krücke wieder in die Hand nahm. Miss Robertson nickte. „Wir können ja etwas spazieren gehen, wenns Ihnen nichts ausmacht?“ Sie schielte auf mein kaputtes Bein. „Gerne.“ gab ich zurück und wir schlenderten langsam in Richtung Krankenhauspark. „Und wie geht es ihrem Pferd?“ - „Gut soweit.“ - „Das ist schön.“ Eine lange Pause des Schweigens trat ein. Wie konnte ich am besten ansprechen, dass ich mich nicht an meine Exfreundin erinnerte? Nicht an sie und nicht an alles was mit ihr zusammenhing? „Was bedrückt Sie?“ - „Wie?“ - „Na hören Sie, ich bin Psychologin, ich merke wenn jemand über etwas grübelt.“ Sie lachte leise und bugsierte mich zur nächsten Bank, wo wir uns setzten. „Mhm... Da... Meine Eltern haben heute Nachmittag eine Frau erwähnt, meine Ex-Freundin...“ - „Ja?“ sie wirkte verwirrt. Konnte sie mir noch folgen oder war das jetzt schon zu kompliziert? Einen Moment zögerte ich, dann fuhr ich fort. „Ich erinnere mich nicht an sie... auch nicht an sämtliche Ereignisse die mit ihr in Verbindung stehen. Es ist mir alles fremd. Klingt das irgendwie logisch?“ Nun war es an Miss Robertson zu grübeln. „Es wäre da natürlich gut mehr über Sie und Ihre Freundin zu wissen.“ - „Ex...“ korrigierte ich. „Und für mehr Infos sind Sie bei mir im Moment falsch...“ ich lachte. Das ganze war so verrückt. Wie konnte man denn eine ganze Person einfach vergessen? „Wäre es möglich ihre Ex-Freundin herzubestellen?“ Ich schüttelte den Kopf. „Sie ist vor Kurzem gestorben.“ Ihre Augen weiteten sich, als hätte sie gerade den Einfall ihres Lebens. „Das wäre möglicherweise eine Erklärung.“ - „Ach ja?“ - „Traumatische Erlebnisse werden manchmal verdrängt.“ - „Aber wieso erst nach dem Unfall?“ Ich war verwirrt. „Weil sie sonst daran kaputt gegangen wären... Ich werde morgen mit ihren Eltern sprechen, wenn Ihnen das recht ist?“ Ich nickte. „Gut, dann belassen wir es für heute dabei.“ Wir standen auf und gingen gemeinsam zurück ins Krankenhaus, wo sich unsere Wege schließlich trennten.
      Die nächsten Tage waren für Miss Robertson sehr aufschlussreich. Sie wusste jetzt wo sie anpacken musste. Mein Erinnerung kam dennoch nicht zurück. Sie riet mir nicht in Panik zu geraten, das würde nach und nach kommen, wenn ich wieder nach Hause käme. Erstmal wurde ich in Reha geschickt, wo ich die nächsten vier Wochen verblieb. Erst danach kehrte ich nach Hause.

      „Oh mein Baby!“ meine Mutter schloss mich wie immer, wenn ich lange weg war oder etwas passiert war in ihren Arm. Dieses mal wehrte ich mich nicht dagegen. Zum einen weil sich das auf Krücken schwer gestaltete und zum anderen, weil doch ganz gut tat. „Miss Robertson hat gesagt sie möchte versuchen mindestens jeden zweiten Tag einmal herzukommen, damit du nicht in die Tagesklinik musst. Sie denkt das wäre hilfreicher für dich in deiner gewohnten Umgebung.“ Ich nickte und lächelte. „Ja, das hat sie mit mir abgesprochen. Alles okay.“ Mein Vater schleppte nach der Begrüßung meine Tasche ins Haus. „Willst du was essen?“ Das änderte sich wohl nie. Ich lachte. „Nein, danke. Ich geh in den Stall.“ Ich wollte sehen ob das meinem Kopf auf die Sprünge half. Zu meinem Entsetzen fand ich hier einige Pferde, die mir nichts sagten. „Haben wir Einstaller bekommen?“ Fragte ich Gine verwirrt, da sie gerade mit CHH' Lamperd auf der Stallgasse stand. Sie schüttelte besorgt den Kopf. „Aber erstmal 'Hi'. Schön dich wieder zu sehen.“ Den Striegel noch in der Hand kam sie auf mich zu und umarmte mich kurz. Sie wirkte furchtbar besorgt. „Alles okay?“ fragte ich schließlich, wer weiß was ich noch vergessen hatte. Ich wollte keinesfalls grob wirken, indem ich meine Mitarbeiter ignorierte. Sie schüttelte bedächtlich den Kopf, eine Träne rollte über ihre Wange. „Was ist denn passiert?“ ich lehnte die Krücken an die Boxentüre und öffnete die Arme um sie zu halten. Kaum hatte sich sie eingeschlossen fing sie an zu schlurchzen. „Hey...“ Behutsam strich ich über ihren Hinterkopf. Dann löste sie sich aus der Umarmung und sah mir mit feuchten Augen an. „Du erinnerst dich wirklich an Nichts?“ fragte sie. „Nun, 'Nichts' ist ein hartes Wort. Ich kenne Lamperd da hinten, ich kenne dich... Slap Happy und Samson sind mir auch ein Begriff und von Slap Happy's Fohlen weiß ich auch noch.“ - „Welches?“ - „Na den braunen Hengst.“ Verdutzt starrte sie mich an. „Moment, du erinnerst dich an Raving Hope Slayer, aber nicht an Bearing Spots und Accomplishment? Wie geht das, die beiden waren vor dem Hengst da.“ Was fragte sie mich das... „An wen erinnerst du dich noch?“ Sie zog mich ein Stück durch die Stallgasse. „Was ist mit dem hier?“ Ihr Blick fiel auf einen braun gescheckten Araber. „Keine Ahnung.“ - „Das ist Majd. Du hast ihn von Catalina bekommen. Genauso wie Eismärchen, Arcany und Pendragon. Arcany ist übrigens die Mutter von Accomplishment.“ - „Mhm...“ Ich hatte längst den Faden verloren. „Den nächsten kenn ich. Das ist PFS' Heart of Ocean.“ Zufrieden grinste ich, während Gine lachte. „Und ich hatte noch zwei Stuten dazu. Iceflower und Princess Sansa.“ Sie nickte anerkennend. „Die beiden sind übrigens bald bereit für ihre Zuchtzulassung, du kannst dir schon mal was überlegen für die jeweilige Kür.“ Sie warf das so nebensächlich rein. Das war doch großartig! Und es würde mich die nächsten Tage etwas ablenken von meinen eigentlichen Problemen. „RAY!“ Hätte mein kaputtes Bein mich schon richtig getragen, hätte ich mich aus Gine's Unterstützung gerissen und wäre zur Box meines zweiten Vollbluthengstes gelaufen. „Ah, den kennst du auch noch, eh?“ Sie grinste und rieb sich mit einer Hand über die noch immer etwas feuchten Augen. „Bear Totem's Denali ha-“ - „Denali kenn ich noch.“ - „Ja, sie ist die Mutter von Bearing Spots. Das zweite fohlen an das du dich nicht erinnerst.“ Wieder brummte ich. „Wo stehen die Stuten?“ - „Sie sind draußen. Komm.“ Gemeinsam schlenderten wir zu den Weiden, wo ich auch Missy und Moulan wieder erkannte, wenn auch nur nach reichlich Überlegungszeit. „Zwei sehr expressionistische Scheckungen.“ fiel mir auf. „Ja, die helle ist Bearing Spots und die Braune ist PFS' Savory Blossom. Sie sind Halbgeschwister.“ Das erklärte die Ähnlichkeit. „Hast du Hunger?“ fragte ich Gine schließlich. Als sie nickte gingen wir ins Haus, sammelten auf der Stallgasse meine Krücken ein und aßen etwas. Meine Mutter freute sich, dass ich mich doch entschlossen hatte noch etwas zu essen, obwohl ich voll war. Es hätte sie gekränkt, wenn ich ohne ihr Essen schlafen gegangen wäre. Die nächste Zeit würde es viel zu regeln geben. Erst am nächsten Morgen begriff ich wie hart es für mich war so viele für mich fremde Pferde im Stall stehen zu haben. Einige davon gehörten noch Catalina und mussten verkauft werden.
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      06. September 2016
      Exhausting

      Bei vier Fohlen und zwei Neuzugängen, die eingewöhnt und in den Alltag integriert werden müssen bleibt nicht viel Zeit um über anderes nachzudenken. Die Therapie steckt aktuell auch fest. Ich mein, es geht mir gut... aber Erinnerungen kamen bisher nur wenige zurück. Mit den Pferden bin ich wieder vertraut wie eh und je. Meinem Bein geht es ebenfalls wieder gut. Meine Eltern halten wieder Ausschau nach Pferdetrainern und geben mir immer kurz vorher Bescheid, wenn einer kommt. Zuletzt kam spontan jemand um den Reitponyhengst PFS' Heart of Ocean im Fahren zu trainieren. Er macht es einem nicht leicht, aber er wurde so vorsichtig herangeführt, wie es eben möglich war. Seit gestern ist Ocean offiziell eine Leistungsklasse aufgestiegen. An Iceflower und Princess Sansa kommt er damit zwar nicht heran, aber Eismärchen würde bald ebenfalls auf das A Niveau gebracht werden und dann könnte man daraus ein Gespann bilden. Mal sehen ob das klappt. Noch liefen sich die beiden Tigerschecken nur äußerst selten über den Weg. Die gekrönten Reitponystuten jedenfalls hatte ich meiner Kollegin in Deutschland vermacht. Iceflower und Princess Sansa würden es bei Joicy gut haben.

      Die Fohlen Raving Hope Slayer, Bearing Spots und PFS' Savory Blossom entwickelten sich gut. Herausragend waren sie alle auf ihre eigene Art. Bear Totem's Denali, Arcany und Slap Happy waren wieder vollwertig einsetzbar im Reitsport. Isaac und Gine hatten reichlich zu tun. Ich natürlich auch. Wobei sich meine Arbeit eher bei den Hengsten abspielte, so gerne ich auch mehr Zeit für Scheppi hätte, im Moment war es nicht drin sich ausführlich um meine erste Stute zu kümmern. Nun hatten wir auch noch Scarlet in Birth da, an der Isaac einen Narren gefressen hatte. Moulan war wieder so fit, dass sie auch recht gute Zeiten einlief auf der neuen Rennbahn. Chuckling Dancing Mess brachte gute Leistungen wie immer. Jeder mag Missy. Vielleicht würde sie bald den Besitzer wechseln.

      Mr. Raw Depression, CHH' Lamperd und Pendragon standen gut im Training, da sie für die Decksaison natürlich gut aussehen sollten. Besonders beschäftigte mich bei den Hengsten Majd, den ich vermehrt auf Turnieren vorstellte. Der Araber sammelte so fleißig Punkte, dass er wohl bald für die Hengstleistungsprüfung bereit war. Zu Come Back Cupcake und Samson gesellten sich nun auch zwei Jungpferde: Mephisto und Vikar. Die beiden Gypsy Cobs legten den Grundstein für eine neue Zuchtrasse auf dem Gestüt. Beide Junghengste waren sehr vielversprechend. In erster Linie durften sie aber Kind sein und wuchsen bei den Freizeitpferden auf, weil die Weide für Jungpferde noch im Aufbau war. Eigentlich fing gerade die Phase der Zucht an, in der die Pferde zu 90% zuchtfertig waren, die Ställe gut bestellt, das Personal glücklich und die Kunden ebenfalls. Eigentlich. Uneigentlich fing das Chaos jetzt erst so richtig an. An allen Ecken wurde gebaut. Die Youngsters sollten nicht nur eine eigene Weide, sondern auch einen großzügigen Offenstall bekommen. Nächstes Jahr kamen schon die nächsten Fohlen und dann würde es eng werden, sollten die Ein-, Zweijährigen keinen Platz machen können.

      Das alles heruntergerattert aufzuschreiben zeigt einmal mehr wie hektisch die Tage sind. Die Veränderung klopft von allen Seiten an und verlangt nach Einzug. So schnell konnte ich garnicht laufen um allen gerecht zu werden. Bei weitem nicht. Aber ich tat mein bestes. Heute Stand die Vorbereitung für neue Fohlen an. Sieben Fohlen sollten nächstes Jahr hier zur Welt kommen, wenn alles gut ging. Sieben. Alle außer eines von fremden Stuten, sodass ich zum Teil fremde Stuten auf dem Hof hatte und zum Teil sechs Monate, bis zum Absetzen, immer zwischen dem Hof auf dem die Stute stand und dem Bear Brook EC pendeln musste. Was für ein Spaß. Bei dem Gedanken lief es mir eiskalt den Rücken runter.

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      Haare raufend saß ich am Schreibtisch. Draußen war es bereits dunkel und man hörte nur hie und da ein Wiehern oder Schnauben der Pferde, die nachtaktiv waren. Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass es bereits 11pm war. Egal. Ein weiterer Schluck Kaffee würde mir wieder etwas Energie einhauchen. „Dein wievielter Kaffee ist das heute?“ Die sanfte Stimme Isaacs klang dumpf in meinen Ohren. Ganz so, als hätte ich es nur geträumt. Schließlich war ich alleine hier und alle anderen schliefen bereits tief und fest. Erst als er mir eine Hand in den Nacken legte schrak ich hoch. Das war definitiv eine bessere Methode um wieder wach zu werden, als abermals einen Schluck kalten Kaffees zu nehmen. Verwirrt drehte ich mich um und sah in ein fragendes, aber immer noch freundliches Gesicht. „Keine Ahnung.“ gab ich mit angeknackster Stimme zur Antwort. „Ich zähle nicht mehr mit.“ - „Du solltest schlafen, was machst du da?“ Neugierig wie er war beugte er sich über mich um zu sehen was ich gerade auf dem Bildschirm hatte. „Die Baufirma, hm?“ Die Stirn in tiefe Falten gelegt las er sich die Mail durch, die ich geöffnet hatte. Nickend klappte ich den Laptop zu. „Gibt es Probleme?“ fragte Isaac besorgt, dessen Hand noch immer auf meiner Schulter ruhte. Mit einer sehr langsamen Bewegung hob ich mich aus dem Stuhl und streckte mich in einem Zug. Ein paar der Rückenwirbel knackten vorwurfsvoll. „Hunter?“ Isaac sah mich noch immer fragend an. „Bitte?“ fragte ich, da ich schon wieder vergessen hatte was er wollte. „Schon gut.“ Jetzt grinste er wieder. „Sagmal willst du heute nicht nach Hause?“ Nun war es an mir ihn verwirrt anzusehen. Es war spät und er noch auf dem Hof. Sein Heimweg daurte rund eine Stunde. Das lohnt sich schon fast nicht mehr für ihn überhaupt loszufahren, falls er noch Schlaf haben wollte. Dann bemerkte ich dass er sowieso den Kopf schüttelte. Gut... war das geplant? „Findest du dein Zimmer oder soll ich dir eine Wegbeschreibung geben? Du siehst aus als würdest du nichtmal den Weg zur Tür finden.“ Belustigt deutete er auf die Tür hinter sich. Ich schnaubte verächtlich. „Danke ich komme zurecht.“ Kam ich nicht. Aber das würde ich niemals zugeben. „Gute Nacht, Isaac.“ beendete ich das merkwürdige Gespräch, klemmte mir den Laptop unter den Arm und schlenderte aus dem Wohnraum um ins Bett zu gehen. Die dumpfen Schritte von Isaac verrieten mir dass er auch schlafen ging. Allerdings führte ihn sein Weg in eines der Gästezimmer. Warum schlief er noch gleich hier, diese Nacht?

      Am nächsten Morgen wurde ich unsanft aus dem Schlaf gerissen, als meine Mutter ins Zimmer platzte. „Deine Therapeutin ist da!“ Stöhnend zog ich mir das Kissen über den Kopf. „Wie spät?“ fragte ich, bekam jedoch keine Antwort mehr. Nach ein paar Sekunden Halbschlaf richtete ich mich auf und sah aus dem Fenster. Regen... Großartig. Kein Wunder, dass ich nicht wach werde. „Es ist 9am, Hunter.“ Das war nicht meine Mutter. Hektisch sprang ich auf, wandte mich um und riss dabei mein Smartphone vom Nachttisch. Kerry Robertson lachte und sprach sanft weiter. „Guten Morgen!“ Perplex starrte ich sie an. Mittlerweile hatte sie sich an den Rand meines Bettes gesetzt. Was zur Hölle?! „Setz dich, wir müssen reden.“ - „Darf ich mich vielleicht erstmal fertig machen und einen Kaffee holen?“ fragte ich ein wenig schroffer als gewollt. Sie wandte sich um und sah mich herrisch an. „Nein. Setzen!“ Stumm platzierte ich mich neben ihr und starrte auf den Boden vor uns. „So... Man sagte mir du schläfst kaum und arbeitest dich stattdessen lieber kaputt?“ Finster sah ich auf. „Ist das etwas Neues?“ In ihrem Blick erkannte ich, dass sie mir am liebsten irgendwas über den Kopf gezogen hätte für diesen Spruch... einen schweren Atlas oder einen Ziegelstein vielleicht? „Hunter, ich hab die Macht dich in eine Anstalt zu versetzen. Verscherz es dir nicht mit mir.“ Mit vollster Genugtuung sah sie wie ich mich etwas aufrappelte und sie aufmerksam ansah. „Gut so.“ - „Mach dich fertig, wir sehen uns im Stall.“ Ohne eine Antwort abzuwarten stand sie auf und verschwand. Was war das denn für eine Aktion? Was ist los mit den Menschen?

      Eine kalte Dusche und ein Kaffee weckten die letzten müden Glieder in mir und gut eine halbe Stunde nach Kerrys Auftauchen stand ich auf der Stallgasse. Die Pferde waren schon gefüttert und im hinteren Teil des Stalls stand Kerry zusammen mit Gine. Die beiden hatten Pendragon und Ocean geputzt und gesattelt. Die Hengste vertrugen sich und standen mehr oder weniger ruhig da, während Majd in seiner Box am Rad drehte. Neugierig trat ich an die beiden Frauen heran. „Hey Hunni, ich mach heute die Jungpferde, Isaac ist mit den Stuten beschäftigt und dein Vater hat Lamperd schon zur Rennbahn gebracht und longiert gerade Ray ab.“ erklärte sie mir in einer unmenschlichen Geschwindigkeit. „Und warum stehen die beiden hier gesattelt rum?“ fragte ich als ich alles verarbeitet hatte. „Weil wir jetzt einen Ausritt machen.“ antwortete Kerry. Ich lachte kurz, bis ich erkannte dass sie das ernst meinte. „Ich dachte du reitest nicht?“ fragte ich verwirrt. Sie lächelte und stieg auf Pendragon. „Einen gemütlichen Ausritt kriege ich gerade so noch hin. Los, Aufsitzen!“ Seufzend stieg ich in den Sattel. Gine hatte sogar die Steigbügel schon auf meine Länge eingestellt. „Wohin solls gehen?“ fragte ich während wir auf den Innenhof ritten. Kerry zuckte mit den Schultern. „Irgendwo hin wo es schön und ruhig ist.“ - Wald... dachte ich. Aber auf freiem Feld würde ich mich wohler fühlen, also ritt ich über die große Einfahrt vom Hof und überquerte mit Kerry die Straße. Rechts lag nun ein Rapsfeld und links eine Wiese, die erst gegen Jahresende bestellt werden würde. Es regnete übrigens noch immer, aber so schwach, dass sich das Wasser nur schleichend durch die drei Lagen Stoff grub. Einige Minuten ritten wir schweigend hinterinander her. Irgendwann trabte Kerry Pendragon an und holte auf um mit mir sprechen zu können. „Kann man irgendwo Rast machen?“ fragte sie nur. Misstrauisch sah ich sie an. „Der See ist etwa zehn Minuten entfernt.“ Zufrieden grinste sie mich an. Bis zum See sagte niemand ein Wort. Erst als wir ankamen und Kerry abstieg ergriff ich das Wort. „Was hast du vor?“ mir war mulmig. Beim See war ich schon sehr lange nicht mehr, irgendwas hielt mich fern von hier. Das hatte sich nicht geändert. Alles in mir schrie danach wieder zu gehen. „Ich möchte nur mit dir reden, komm schon.“ aufmunternd sah sie mich an. „Steig schon ab.“ Während sie Pendragon abstellte, stieg ich ab. Ocean stellte ich gleich neben den Braunen. „Komm her und setz dich.“ Kann die auch was anderes sagen? Wortlos setzte ich mich neben sie und starrte mit ihr auf die glitzernde Wasseroberfläche des Sees. „Schön oder?“ fragte sie immer noch glücklich. „Wieso bist du so angespannt? Was erwartest du?“ Sie hatte meinen Blick bemerkt und sich nun etwas mehr an mich gewandt. „Keine Ahnung.“ murmelte ich ohne aufzusehen. „Kannst du schwimmen?“ Mit dieser Frage hatte sie etwas in mir zerbrochen. Ich konnte nichtmal sagen was es war. Was ich wusste war, dass mir jetzt tausende Gedanken durch den Kopf schossen. Alle drehten sich um den See und um die Erinnerung an einen Tag... Erst als Kerry mich erneut ansprach konnte ich klarer denken. „Komm ins Wasser. Das wird dir gut tun.“ Ungläubig sah ich sie an. Sie war mitsamt Kleider einfach in den See gegangen und ein bisschen rausgeschwommen. Das nannte sie Therapie? „Was für eine Methode ist das?“ fragte ich immer noch abgeneigt. Was auch immer sie versuchte, es klappte nicht. „Konfrontationstherapie, Hunter. Komm her, dann erkläre ich es dir.“ sagte sie ruhig und damit so leise, dass ich es fast nicht verstand. Ein hilfesuchender Blick zu den Pferden verriet mir, dass es wohl kaum einen Weg gab der mich am eiskalten Nass vorbeiführte. Langsam tastete ich mich ans Wasser heran bis ich mich schließlich ans Ufer setze. „So jetzt bin ich nass, reicht das?“ - „Nein.“ Ich seufzte schwer und schwamm zu ihr. Wieder schossen Erinnerungen an mir vorbei. Sie waren sehr wage, aber ich wusste jetzt dass ich mit Catalina hier war. Das war damals unser erstes 'Date'. „Können wir wieder an Land? Das Wasser ist eiskalt.“ - „Man gewöhnt sich aber daran.“ warf Kerry ein und grinste mich an. „Willst du dann reden?“ Ich nickte stumm und schwamm zurück. Angestrengt versuchte ich meine Gedanken zu sortieren bis Kerry ebenfalls an Land kam und sich mir gegenüber setzte. „Also?“ fragte sie und suchte meinen Blick. Ich nahm einen tiefen Atemzug bevor ich anfing ihr von dem Tag mit Catalina zu erzählen. Je mehr ich darüber sprach, desto mehr Details fielen mir ein. Am Ende des Tages hatte ich ein klares Bild meiner toten Freundin im Kopf. Sie hatte lange dunkle Haare, dunkler als Kerry und länger. Sie hatte dunkle, fast schon schwarze Augen. Wenn sie sauer war konnten sie sehr bedrohlich wirken. Sie war ein ganzes Stück kleiner als Kerry. Halt. Was mache ich da? Ich kann doch meine tote Freundin nicht mit meiner Therapeutin vergleichen! Erschrocken und verwirrt über diese Gedanken wich ich Kerrys Blicken aus. „Das war gut, Hunter.“ klang die viel zu ruhige Stimme in meinem Ohr. Catalina war da anders... Aber da durfte ich nicht dran denken.

      Wir beide froren wie bekloppt. Wir konnten von Glück reden, dass es aufgehört hat zu regnen und wir wenigstens ein bisschen in der Sonne trocknen konnten bevor wir wieder zum Stall ritten. Ocean und Pendragon freuten sich als wir wieder aufbrachen. Zwei Stunden gesattelt am See zu stehen war sicherlich keine angenehme Beschäftigung für die Hengste. Den Rückweg über sagte wieder niemand ein Wort. Erst als wir die Pferde abgesattelt und in die Boxen gebracht hatten nahm Kerry wieder das Gespräch auf. „Ich glaube, Hunter... Dass die Therapie bald beendet werden kann.“ sagte sie mit einem Gesichtsausdruck der sich nicht entscheiden konnte ob er glücklich oder traurig war. Was war das für ein seltsames Lächeln? „Glaubst du...“ gab ich brummend zurück, während ich Pendragons Halfter an seine Box hängte. Sie nickte stumm. Ungewöhnlich. Wieso sprach sie nicht, hat es ihr die Sprache verschlagen? Als ich mich umdrehte wich sie meinem Blick aus. „Was ist los?“ fragte ich stirnrunzelnd. „Nichts.“ der Unterton der ihrer Stimme mitschwang verhieß nichts Gutes. Ich machte mir nichts daraus und zuckte mit den Schultern. „Nun, hast du Hunger? Ich kann was kochen.“ Wenn man das so nennen konnte. Ich war ein grausamer Koch. Meine Mutter hatte heute keine Zeit dafür und wir waren eher von unserem Ausflug zurück als ich erwartet hatte. Noch immer schwirrten mir die Bilder von Catalina durch den Kopf, aber es ging mir ganz gut damit. Vermutlich würde ich erst heute Abend Gelegenheit bekommen das alles zu sortieren um schlussendlich daran zu verrecken. Seis drum. Kerry lehnte ein Essen ab und fuhr stattdessen wieder ab. Die Therapietage waren immer merkwürdig, aber so schlimm wie heute war noch keiner. Irgendwas stimmte nicht.

      Am nächsten Morgen stand ich freiwillig schon um 4am auf. Ich konnte so oder so nicht schlafen, wenn ich alle halbe Stunde auf die Uhr sah. Wie erwartet hatten mir die Gedanken den Schlaf geraubt. Mit Catalina hatte ich nun abgeschlossen. Mir ist einiges wieder klar geworden und es war eine riesige Last die mir da von den Schultern fiel. Dadurch dass Catalina nun auch schon eine Weile tot war und ich sie so lange verdrängt hatte konnte ich nichtmal traurig sein, dass das was war jetzt nicht mehr ist. Es war wie ein Buch, dass ich nun zuklappen konnte. Viel mehr Kopfzerbrechen bereitete mir Kerry, die sich so seltsam verhalten hatte, dass ich sie am liebsten angerufen hätte. Vermutlich hätte das aber den falschen Eindruck gemacht. Sie war nur meine Therapeutin, keine Freundin. Die Distanz hatte sie bisher immer gewahrt und ich würde sie nicht durchbrechen. Dankbar war ich ihr trotzdem. Der Alltag ließ sich nun trotz der Schlafstörungen einigermaßen gut meistern und laugte mich nicht mehr allzu sehr aus.
      15.822 Zeichen | sadasha

      Aktuelle Pflege
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      26. Januar 2017 | 8861 Zeichen von sadasha
      Pflege für die Drum Horse und Vollblutzucht, sowie Come Back Cupcake, Arcany + Emrys


      Hunter | Aus irgendeinem Grund war Gine eifersüchtig auf Kerry. Das wusste ich nun. Kerry kam deshalb nur noch selten auf den Hof und Gine sprach kein Wort mehr mit mir, bzw. nur das Nötigste. Das hatten wir schon mal. In der Anfangszeit. Gine müsste mittlerweile wissen, das ich kein Interesse an ihr hatte. Isaac stand zwischen den Stühlen und machte stets einen auf diplomatisch: „Ich verstehe euch ja beide...“ Genervt ging ich meiner Arbeit nach. Dieses Jahr standen wieder einige Termine für meine Stuten an. Der Deckplan war eng gestrickt und je früher ich da Struktur reinbrachte umso besser. Neben den Deckterminen musste ich außerdem meine Jungpferde weiter bringen. Die Fohlen waren jetzt groß genug um langsam an Trense und Sattel gewöhnt zu werden, auch mit leichter Bodenarbeit konnte man anfangen. Allen voran lag PFS' Savory Blossom. Die Spotted Timeout Tochter war schon weiter als die anderen drei Jungpferde. Sie war allerdings auch die älteste. Die jüngste war CHH' Classic Spring. Doch sie holt gut auf und passt sich den nächst älteren Genossen an. Raving Hope Slayer und Bearing Spots waren in der Hinsicht sehr sozial und engagierten sich.
      Neu dazu gekommen, während meiner Abwesenheit sind Riven in a Dream und LMR Lady Luna. Die beiden bunten Vollblutstuten sorgten hier auf dem Hof bei ihrer Ankunft für Aufsehen. Niemand wusste davon und da ich nicht anwesend war und auch kein Mobiltelefon nutzen konnte, blickten meine Angestellten ins Blaue. Natürlich kümmerten sie sich sorgfältig darum die Stuten zu versorgen. Sobald ich wieder zu Hause war schickte ich Riven gleich wieder weg. Sie bekam eine privilegierte Ausbildung. In Norwegen wird sie nun auf ihre Zukunft vorbereitet. LMR Lady Luna wollte ich selber weiter fördern. Neben diesen Planungen schaffte ich es außerdem noch Moulan auf eine Zuchtshow zu bringen und vorzustellen. Hier warteten wir noch auf die Ergebnisse, Scarlet in Birth war auch bald soweit. Wenn ich so daran denke macht es mich sehr stolz zu sehen wie weit ich mit meiner Vollblutzucht schon gekommen war. Mit Slap Happy, Bearing Totem's Denali,Blütenzauber, CHH' Lamperd und Mr. Raw Depression hatte ich einen großartigen Start hingelegt. Mit der Unterstützung von Freunden und anderen lokalen Züchtern schaffte ich es weitere Anwärter zu gewinnen. Dank Isaac, Gine und meinen Eltern setzte sich außerdem der Gedanke in die Realität um eine Kaltblutrasse auf den Hof zu holen. Durch die Drum Horses hatten wir nicht nur eine sondern gleich drei mögliche Kaltblutrassen, nach denen wir Ausschau halten konnten.Iseabail, Lady Lyneth Bowen, Felan, Mephisto und Vikar hatten wir nun schon. Erstmal sollte es bei diesen fünf bleiben. Sämtliche Pferde aus dem Verkaufsstall hatten uns derweil verlassen. Die Konzentration lag also voll bei den eigenen Pferden. Um die Hand voll Einstaller kümmerten sich die jeweiligen Besitzer. „Hunger?!“ Meine Mutter hielt mir einen Teller Essen unter die Nase und riss mich damit aus meinen Tagträumen. „Ja, danke.“ sagte ich immer noch etwas verträumt und probierte von dem Essen. Meine Mutter verschwand sofort wieder. „Du solltest mal wieder mit uns essen.“ sagte sie noch, als sie den Raum verließ und schloss dann die Tür.


      Gine | Wie immer tat Hunter ganz so, als wäre er vollkommen unschuldig. Anstatt mal mit mir zu reden. Nein, der Herr bleibt stumm, wie immer. Was erwarte ich eigentlich? Und Isaac war noch schlimmer. Der schlug sich immer mehr auf Hunters Seite, dabei müsste er mich doch am besten verstehen... Wenigstens konnte ich mich mit der Arbeit ablenken. Hunter tat es mir gleich. Und dass Kerry nicht mehr so oft hier war kam mir auch zu Gute. Sie stand sowieso immer nur im Weg, wenn man die Pferde bewegen wollte. „Ich hab einen Tipp für dich.“ meinte Isaac plötzlich, der ebenfalls in der Reithalle war, als ich Arcany longierte. Emrys lief freudig nebenher. „Ach ja?“ meinte ich säuerlich. „Dann schieß mal los.“ Er schmunzelte. Wieso war er immer gut gelaunt? „Wieso sprichst DU ihn nicht an?“ fragte er immer noch grinsend. „Weil ICH nicht das Problem bin.“ erwiderte ich. Er lachte. „Glaubst du er versteht das, ohne dass du es ihm sagst?“ Nachdenklich vergaß ich fast mich mitzudrehen, während Arcany um mich herumlief. „Mhmmm...“ Isaac hatte recht, aber das wollte ich keinesfalls zugeben. Aber wenn ich Hunter anspreche, bin ich eh nur die wieder Doofe. Also beließ ich es dabei. Da würde ich eher mit Kerry sprechen... Kopfschüttelnd verwarf ich den letzten Gedankengang und konzentrierte mich wieder auf die Fuchsstute und deren Fohlen am anderen Ende der Longe. „Ehrlich, Gine. Reif ist das von keinem von euch. Sei doch mal die Erwachsenere von euch beiden.“ beendete Isaac das Gespräch, während er mit seiner Come Back Cupcake die Halle verließ. Ihn stumm nachäffend holte ich Arcany zu mir um sie noch ein paar Minuten freilaufen zu lassen, bevor ich die Longenstunde beendete.
      Wieder im Stall traf ich auf Hunter. „Hi.“ meinte ich knapp und schlängelte mich an ihm vorbei, da er, wie konnte es anders sein, mitten im Weg stand mit seiner Slap Happy. „Warte.“ er hielt mich am Oberarm zurück und sah mich durchdringend an. „Was ist eigentlich los?“ fragte er ernst. Tief seufzend machte ich wieder einen Schritt zurück. „Willst du jetzt wirklich kurz vor der Arbeit darüber sprechen?“ fragte ich und verschränkte die Arme. Er musterte mich kurz und trenste dann, die schon gesattelte Braune auf, während er weitersprach. „Erzähl, ich höre dir zu.“ - „So nicht.“ meinte ich eingeschnappt und wandte mich ab zum Gehen. „Oor wirklich. Gine! Dann schnapp dir Bear und komm mit verdammt!“ fauchte er mich an und deutete auf die Box der Roanstute. „Geputzt ist sie ja schon.“ Nach einem kurzen Blick zu Slap Happy, dann zu Bear und wieder zurück zu Hunter entschied ich mich. „Aber nur, wenn wir keine Springstrecke laufen.“ - „Dann aber eine längere.“ Hunter wollte einen Kompromiss. Ich stimmte zu und beeilte mich Bear Totem's Denali fürden Ritt vorzubereiten.
      Wir waren gut eine Stunde unterwegs, bevor ich anfing mit Hunter über mein Problem zu sprechen. Und siehe da, er war auch pissed. „Kerry ist schuld.“ hielt ich fest und bekam dafür sofort einen Rüffel. Kerry sei seine Therapie und er brauche sie. Ob ihr diese Wortwahl gefallen hätte? Ich ließ das unkommentiert. „Ich hab sogar schon überlegt einfach zu gehen, nur damit ich dich nicht mehr sehen muss.“ meinte ich geknickt. „Was hielt dich davon ab?“ wollte er wissen. Gute Frage. Das wusste ich selbst nicht so genau. „Die Pferde...“ antwortete ich schließlich. Hunter wusste genau, dass es das nicht war. „Okay, Gine. Wir müssen festhalten, dass wir zwei niemals enge Freunde werden und schon gar nicht etwas darüber hinaus. Und wenn du das nicht akzeptieren kannst, dann musst du gehen.“ Hunter sagte das so ernst, dass es mehr weh tat als wenn man seine Hände auf heiße Herdplatten legen würde. Traurig blickte ich auf den Pferdehals vor mir, der sich im Takt auf und ab bewegte. „Das heißt nicht, dass wir uns hassen müssen.“ fügte Hunter hinzu und lächelte behutsam zu mir rüber. Die nächste Zeit schwieg ich und war stets darauf bedacht eine Pferdelänge hinter ihm zu reiten, damit er nicht sah wie mich seine Worte verletzt hatten.

      Hunter | Erst als wir wieder auf den Hof kamen sah ich, dass Gine aufgelöst war. Ich wusste nicht so recht wie ich damit umzugehen hatte, immerhin wollte ich keine falschen Zeichen senden. Immer wieder während wir die Pferde absattelten prüfte ich ob sie standhaft blieb oder komplett zusammenbrach. Als meine Mutter auf die Stallgasse kam und uns sah fiel mir ein Stein vom Herzen. Sie kümmerte sich nun um Gine und tröstete sie. Als die beiden Vollblutstuten wieder in ihren Boxen standen und alles Sattelzeug in der Kammer lag waren meine Mom und Gine schon ins Haus gegangen. Isaac packte derweil seine Sachen zusammen, da er Feierabend machen wollte. „Habt ihr gesprochen?“ fragte er neugierig als er mich sah. Ich nickte und ging zu ihm. „Habt ihr alles geklärt?“ Ich nickte abermals, wenn auch zögerlich. Ob Gine mich verstanden hatte und meinen Stand akzeptieren würde wusste ich nämlich nicht. „Wieso ist sie so fertig?“ fragte er dann. Schulterzuckend sah ich ihn an. „Sie hat sich vermutlich mehr erhofft.“ Isaac lachte. „Ach was!“ meinte er dann. „Ja was soll ich denn machen? Soll ich sie anlügen?“ fragte ich genervt. Isaac schüttelte immer noch grinsend den Kopf. „Nein, du hast das schon richtig gemacht.“ Er legte mir eine Hand auf die Schulter, während er das sagte. „Ich glaube sie wird nicht mehr lange bleiben.“ sagte ich nun etwas geknickt. Gine war zu einem festen Bestandteil des Hofes geworden. Man würde sie vermissen, wenn sie auf einmal nicht mehr da wäre. „Dann mach was, damit sie nicht geht.“ Verdattert sah ich zu ihm auf. „Was soll ich denn machen?“ Nun zuckte er mit den Schultern. „Überleg dir was.“
    • sadasha
      Training
      Dressur E-A 13. Oktober 2015
      Mr. Raw Depression|Dressurausbildung E ->A|by Catalina|5275 Zeichen

      Nach dem Herantasten an die Kutsche ging es für mich in meine zweitliebste Reitdisziplin. Der Dressur. Was ein Glück hatte ich kleine Helferlein, die mir beim Vorbereiten des Vollbluthengstes unter die Arme griffen. Naja, vielleicht lag das auch daran, dass ich Danielle einen Ausritt versprochen hatte. Ups...
      Nichtsdestoweniger erstaunt war ich, als der Hengst in voller Montur mir entgegen guckte. Ich konnte mir nicht anders verhelfen und knipste einige Fotos von dem stattlichen Kerl, der nun von mir noch einmal nachgegurtet und dann zur Reithalle geführt wurde.

      Hier war es recht warm. Die Steigbügel wurden noch gekürzt, dann stieg ich auf. Man merkte dem Hengst an, dass er frisch eingeritten war. Gut, mit seinen drei Jahren war er halt noch nicht so ganz erfahren mit Reitern wie beispielsweise Corry oder Arcany, aber er bewies einen kühlen Kopf´als ich ihn direkt auf den Hufschlag lenkte. Der Sattel war schief. Ich rückte ein bisschen nach links – Ray interpretierte einen Wechsel und lief auf dem zweiten Hufschlag weiter. Von dort aus ging es wieder zurück; schließlich stand noch einiges heute bevor.
      Das Aufwärmen bestand aus Gangwechseln, aber auch aus Gewichtshilfen, die ich ausprobierte. Sensible Rassetiere, diese Vollblüter, feine Hilfestellungen reichten vollkommen aus, und es machte Spaß. Auch wenn ich mich eher wie ein Westernreiter denn ein Dressurreiter fühlte, als ich mit den Gewichtshilfen statt den Zügeln arbeitete, aber der Hengst war ja auch kein Punktestrolch.
      Locker wirkten meine Beine im Trab mit, der Kopf war nach vorne gerichtet, als wir bei B auf den Zirkel abwendeten. Für Mr Raw Depression war das Ganze wohl nicht neu; beim Einreiten wurde gute Arbeit geleistet. Auch den einfachen Bahnwechsel im Leicht- und Arbeitstrab hatte der Hengst gut drauf. Das einzige, was mich derzeit störte war die unförmige Form – yeah, mein Deutsch ist super! - der Bahnfiguren. Die Zirkel waren zu flach, eirig könnte man auch sagen, und bei den Bahnwechseln, also dem Wechsel durch die ganze Bahn, kürzte er ab. Wie es sich für eine eigentlich für den Rennsport optimierte Rasse gehörte, das soll jetzt nicht falsch klingen, waren auch die Trabübergänge die für die A-Dressur gebraucht wurden nicht klar zu sehen oder gar holprig. Im Galopp würde das bestimmt anders aussehen.

      Die bereits genannten Baustellen nahm ich am nächsten Tag in die Hand. Das Abkürzen war eine einfache Sache, wenn am Anfang auch etwas rabiater Natur. Dafür fasste ich die Zügel mehr auf, und ließ Ray direkt auf die Bande zu reiten, bis er nicht mehr konnte und abwendete. So klappte es auch am lockeren Zügel, und so ähnlich verfuhr ich auch mit den Zirkeln. Nur, dass ich in diesem Fall den Zirkel auf die ganze Halle verlegte und dann Runde um Runde kleiner werden ließ. So hatte das auch bei Pünktchen geklappt und siehe da! Nicht nur, dass er jetzt runde Zirkel gehen konnte (auf beiden Händen),nein, er legte den Kopf perfekt in die Wendung hinein. So ein Erfolgserlebnis hatte ich lange nicht mehr euphorisch miterlebt! „Na los, weiter, Kleiner!“ Damit spornte ich wohl uns beide an, im Leichttrab auf dem Zirkel zu bleiben und dann direkt anzugaloppieren. Der Hengst war wirklich in seinem Element. Der frisch eingerittene Schecke legte sich in die Kurven und schnaubte gelegentlich. Stolz wie Bolle durfte er dann eine Pause einlegen. An langen Zügeln schlurfte er nicht so Vollblut-like durch die Halle.

      Am nächsten Morgen offenbarte sich der Regengott. Ja, in England gab es für den Regen einen eigenen Gott, der seine Macht demonstrierte. Und da Ray in seiner Box stand und wirklich nicht verdreckt aussah, dankte ich dem Herren und grüßte den Hengst. Der rieb sich erst einmal mit seinem Kopf an meiner Schulter und brummelte wie eine Katze. Ich hatte so einen Ton noch nie von ihm gehört, beließ es jedoch dabei, damit wir mit dem Training weitermachen konnten.
      Der Leichttrab wirkte schon viel leichter für Mr Raw Depression. Hatten ja gestern auch Runde um Runde in diesem Tempo unsere Bahnen geritten und auch den einen oder anderen Zirkel eingebaut. Dieses stumpfe Arbeiten wirkte sich nicht unbedingt auf seine Arbeitslust aus; umso mehr gab er im Galopp. Das Abwenden auf den zweiten Hufschlag klappte genauso perfekt wie gestern. Weiterhin konnte August mit ungeschultem Blick den Arbeits- von dem Leichttrab unterscheiden. „Der Kerl ist ja ein Naturtalent!“, rief er. „Auch wenn seine bevorzugte Disziplin ja eher der Military- oder Rennbereich ist.“, gab ich zu denken und klopfte seinen schwitzigen Hals.

      *

      Mit Jill und Hunter im Schlepptau zeigte ich, was der Hengst nun alles konnte. Die vergangenen Tage hatte ich nur an Feinheiten herumgeschliffen, mal dieses so, mal jenes so abgeändert, um es dem Vollblut leichter zu machen, gewissen Ansprüchen gerecht zu werden. Auch wenn es an einigen Stellen immer noch haperte – für mich war der Trab einfach viel zu ausdrucksstark, ich befürchtete, er könnte direkt im Galopp durch die Halle gehen – Jill bewunderte ihren Hengst immer noch und lobte mich. „Du wirst aus Ray einen Erfolgsdressurhengst machen, das weiß ich jetzt schon. Häng dich nicht an solchen Kleinigkeiten auf.“ Dankend nahm ich das Kompliment an, dachte mir im Stillen aber: Oho, wenn das nur die ersten Dressurrichter wüssten!
      Military E-A 30. November 2015
      Militarytraining E-A

      "Hast du immer noch nichts von Amy gehört ?", fragte ich Jack mit einem leicht verzweifelten Ton. "Nein, scheint so als gäbe es keinen Empfang. Zuletzt sagte sie, dass sie im Schnee stecken blieb. (Ja es war ein Wildunfall, aber Schnee ist dann doch realistischer ^^) und sie eine Weile in Cambridge bleiben müssten. Aber bis jetzt habe ich immer noch nichts neues von ihnen gehört". Ich seufzte, "Dann bleibt die Arbeit wohl an uns hängen", - "An dich, .. an dich" wiederholte Jack und hustete kurz. Es war bitterkalt und ich musste mir heute eine dicke Jacke überziehen. Ich brauchte nicht mal aus dem Fenster gucken, um zu erkennen, dass es einen Schneesturm geben würde. "Heute sollte Mr. Raw Depression" ankommen, murmelte Jack. Er ging zur Kaffeemaschine um sich ein Käffchen zum aufwärmen zu machen. "Heute ?? Hier ist doch alles zu geschneit... viel zu gefährlich", nun zog ich mir meine Handschuhe und eine warme Mütze über. "Ich weiß Caleb, wir werden sehen. Hunter wollte noch mal mit Jill vorbei kommen.", ich seuftze... noch mehr Arbeit für mich.

      Im Stall angekommen begann ich erst mal mit der Stallarbeit. Ich bereitete das Futter vor und holte eine Schubkarre aus der Gasse. "Was machst du da ?", überraschte mich plötzlich eine weibliche Kinderstimme. Ich dreht mich um und erkannte Georgies Gesicht. "Was ich mache ? Ich gebe dir jetzt einen Auftrag", sagte ich mit einem grinsen im Gesicht... "Was denn für einen Auftrag ?", Georgies Augen strahlten - endlich konnte sie sich nützlich machen. Ich drückte ihr Futtereimer und Schaufel in die Hand. "Die Pferde füttern... wenn du Mallory siehst, sag ihr bitte sie soll zu mir kommen. Ich muss jetzt die Pferde trainieren". Ob sie wirklich Spaß daran hatte ? Georgie rannte voller Energie mit dem Futtereimer durch die Gasse und füllte den Hafer in die Futterbehälter. Amy hatte ihr vor einigen Wochen gezeigt gehabt, wie viel welches Pferd etwas bekommt, daher konnte ich ihr mit guten Gewissen diese Aufgabe zuteilen. Ich stapfte über den verschneiten Hof zum Zuchtstall und ging zu Callas Box. Leider musste ich feststellen, dass die Stute auf der Weide stand... "Drecks Kälte", grummelte ich verärgert. Griff dann Callas Halfter und bewegte mich bibbernd zur Weide. Schnell zog ich der Stute das Halfter über, nach streicheln und schmusen war mir gerade nicht zu mute. Auch die Stute schien wohl erleichtert zu sein endlich in den warmen Stall zu kommen... nicht für lange, aber wenigstens etwas. Ich band die Stute vor der Box fest, holte den Putzkasten und ein großes Handtuch aus der Ecke und rubbelte das warme, lange Winterfell trocken. Die Stute dampfte blickte aus dem Stall hinaus und stieß ein lautes wiehern aus. "Ich mags auch nicht wirklich alleine zu sein", antwortete ich zu ihr. Als ich jedoch sah wer den Stall betrat, wusste ich weshalb sie gewiehert hat. "Hey Caleb!", begrüßte mich Hunter freudig. "Ihr seit also angekommen?" begeistert umarmte ich den dunkelhaarigen Kerl. "Wo ist Jill ?", - "Die trinkt mit Jack einen Tee, was machst du denn ?", an seiner linken hielt er Raw Depression, welcher mit gespitzten Ohren zu Calla blickte. "Ich wollte die Stute gerade im Gelände reiten. Wird ein ziemlich schwieriges Training, der Boden kann sehr rutschig sein" - "Military ?", fragte Hunter mit einem Schmunzeln auf den Lippen. "Ja genau, Raw Depression sollte doch auch trainiert werden ? Warum kommst du nicht einfach mit?", Hunter schien von der Idee begeistert zu sein "Gerne, dann können wir uns gleich messen", ich lachte und sah das Raw bereits gesattelt war. "Ich beeile mich noch eben", schnell, aber vorsichtig bürstete ich Callas verklebte Mähne und kratzte ihre Hufe aus. Nun eilte ich zur Sattelkammer um sie für das Training auszustatten.

      Gelassen lief die kleine Haflingerstute neben dem Vollbluthengst. Ich hatte dennoch zu kämpfen damit sie sich benam. Amy hatte sie erst vor wenigen Wochen eingeritten, weshalb sie erst einmal einen erfahrenen Reiter benötigte. Nämlich mich. Hunter hatte den Hengst offenbar sehr gut im Griff, dieser schien mir am gelassensten von uns allen. "Wohin müssen wir ?" Hunter zügelte Raw um etwas weiter hinter mir zu bleiben. "Richtung Felder, der High River scheint mir um diese Jahreszeit zu gefährlich zu sein. Zumindest für das, was wir vorhaben". Nach einigen Minuten Schritt gehen, trabte ich an. Wir ritten unter dem Tor an der Hofeinfahrt vorbei und steuerten auf die Felder zu. "Die Felder gehören den Stantons, auch sie nutzen sie zum trainieren. Zumindest dann wenn sie unfruchtbar oder gefroren sind. Die Monate über dürfen wir sie schließlich zum trainieren nutzen. Aber auch nur, weil Amy seit einiger Zeit mit Ashley befreundet ist und Jack einen recht guten Draht zu ihrer Mutter hat." Hunter trabte mit Raw an den Hindernissen vorbei. Machte sich mit ihnen vertraut. Calla blickte sie stattdessen argwöhnisch an. Es war von großer Wichtigkeit, dass ich es bei ihr langsam anging. Darum wollte ich für's erste mit ihr über niedrige Baumstämme springen und an Gräben vorbei reiten. Calla sollte aber auch die Berge hinausklettern, wobei ich dort aufpassen musste - da alles sehr glatt sein könnte. "Ok wollen wir anfangen ?", fragte Hunter. Er nickte und begab sich am Startpunkt, welchen ich ihm vorher gezeigt hatte. Der Schnee lag nicht all zu tief, weshalb wir glatte Stellen besser sehen konnten. Im trab ritten wir eine Gerade, damit uns das angaloppieren leichter fiel. Wir galoppierten langsam zum ersten Hindernis. Ein Baumstamm umgeben von eingeschneiten Büschen. Noch schien Calla mit Raw synchron zu sein. Dies änderte sich jedoch sehr schnell, da die Stute glaubte einen Geist gesehen zu haben. Sie machte nach dem Sprung einen Satz zur Seite, sodass ich Schwierigkeiten bekam mich im Sattel zu halten. Ich konzentrierte mich jedoch und drosselte ihr Tempo ein wenig. Hunter war schon weiter voraus und sprang über mehrere Holzbretter hinweg. Ich trieb Calla und galoppierte etwas schneller Richtung Hindernis um Hunter einzuholen. Doch musste ich sie ein klein wenig bremsen ehe sie abspringen konnte. Calla machte einen Satz, wie ein kleines Rehkitz sprang sie über die Bretter und gab von selbst Gas um den süßen Raw einzuholen. "Wie siehts bei dir aus ?", rief ich Hunter zu. "Ist schon arg rutschig. Raw hat seine Schwierigkeiten und bei dir ?" - "Ja, gut dass unsere Pferde nicht beschlagen sind... wir sollten aber Schneegrip drauf tun. Dann haben sie mehr halt". -"Das stimmt, da hast du wohl Recht!". Ich ritt am Graben vorbei, korrigierte dabei Calla im Galopp, damit sie nicht einfach ausweichen konnte.. Als nächstes kam ein Lehmhügel über dem die Pferde springen mussten. Calla holte den Hengst langsam ein, dieser war ihr jedoch immer noch eine Pferdelänge voraus. Hunter richtete sich nach vorne, verlagerte sein Gewicht und gab dem Pferd mehr Zügel. Der Vollblut segelte über den Hügel hinweg und suchte auf den Boden nach halt. Nun war Calla an der Reihe, auch sie machte einen Satz über den Hügel hinweg, wurde aber langsamer als sie aufkam. Ich lobte sie indem ich ihren Hals klopfte und ritt mit Hunter den restlichen Parcours ab. Hunter war mir zum Ende hin weiter voraus, Calla war also noch lange nicht so weit. "Hunter wie lange willst du und Jill bleiben ?", fragte ich ihn interessiert. "Eigentlich nur einen Tag. Aber wir hatten unterwegs schon Probleme hier her zu kommen. Vielleicht wäre es besser wenn wir darüber schlafen.", plötzlich kam mir ein Einfall "Lisa Stillman, die Freundin von Jack - sie besitzt ein Vollblut Gestüt nur wenige Kilometer von hier. Wir könnten die Pferde zum trainierten mitnehmen. Lisas Reithalle eignet sich dafür nämlich sehr gut. Wir besitzen sowas leider nicht. Zumindest könnten wir zusammen trainieren, solange wie ihr hier sein werdet", Hunter nickte - "Hört sich super an!".

      Nach gut 20 Minuten erreichten wir Heartland, ich staunte nicht schlecht, als ich Jack auf Nimué sitzend sah. Er ritt die junge Stute auf den Reitplatz gegenüber vom Stall. "Jack ?! Was machst du da!", lauthals rief ich dem alten Mann zu, welcher wohl hochkonzentriert war. Er konnte mich nicht hören. "Du weißt ja wo es zum Stall geht", daraufhin ritt ich zu Amys Großvater und wiederholte mich. "Jack ? Was machst du denn da ??" erst jetzt sah er mich an und lächelte, wenn auch ein wenig grimmig - was wahrscheinlich sein gräulicher Schnauzbart verursachte. "Hm du siehst doch, dass ich sie trainiere". Ich dachte ich hätte mich verhört. Würde mir Jack tatsächlich bei der Arbeit helfen ? "Wie ? Echt jetzt ?", verwundert sah ich ihm bei der Arbeit zu. Er ritt die Stute im Jog auf den Hufschlag, ritt dabei einige Kreise und stoppte zwischendurch immer wieder. Es war wirklich interessant. Jack war ein solch erfahrener Westernreiter, dass er genau wusste was er zu tun hatte um die Stute zu kontrollieren. Dagegen war ich ein Praktikant. "Ja", antwortete er nach einer langen Zeit "Ich trainiere mit ihr die Grundbefehle, damit sie auf den Reiter hört wenn man ihr Hilfen gibt". Calla döste in der Zwischenzeit. Ihr Körper lehnte sich ein bisschen nach links. "Das macht du echt gut Jack. Was ist eigentlich mit Winterdecken ? Ich habe keine Abschwitzdecke mitgenommen..." ich schluckte nervös. Denn jetzt erst fiel mir auf - wie stark Calla eigentlich zu dampfen begann. Hier jetzt rumzustehen wäre gar nicht mal so gut für das Pferd. "CALEB!", rief er energisch "Wie oft soll man es dir noch sagen? Schaff deinen Hintern samt des Pferdes in den Stall und deck die Stute ein! Wenn Amy das erfährt. Calla ist ihr Heiligtum. Unsere Pferde sind zwar an Kälte gewöhnt, aber Calla ist noch jung und weniger abgehärtet" ich wartete keine Sekunde länger ab und ritt schnell zum Stall rüber. Mensch, wo war denn auch immer mein Verstand geblieben ? Fürsorglich, wohl eher mit schlechtem gewissen, sattelte ich den Haflinger ab und legte Sattel, Schabracke und Trense vorerst auf Sattelbock und Trensenhalter ab. Wie gut das alles nötige bereits vor der Box stand. So konnte ich Callas Halfter und Decke aufnehmen um die Sachen der Stute umzulegen. Sie spitzte ihre Ohren, schnupperte an der Decke und brummelte sanft. Ich streichelte ihren nassen Hals und gab ihr noch ein Apfel-Malz Leckerchen als Belohnung. "Du bist eine liebe Stute", ich nahm den Führstrick um die Stute in die Box zu stellen. Die Weide wäre jetzt nicht das Richtige für sie. Ich gab ihr klein geschnittene Ingwerwurzeln in ihr Futter, als Absicherung gegen Erkältung. Amy würde mir den Kopf abreißen wenn ihr was zustoßen würde.

      Hunter machte es sich am Esstisch bequem. Jill saß neben ihn und trank einen heißen Tee. Als ich das Wohnhaus betrat, sah ich mit wem sich die beiden unterhielten. Es war Tim, welcher zu Besuch war. "Ganz schön stürmisch da draußen nicht wahr ?", sagte er mit einer heiteren Stimme. Ich nickte, "Ist jetzt aber wieder was ruhiger geworden. Heute morgen war es viel schlimmer - Aber Hallo Tim! Was machst du hier?", Tim zwinkerte mir zu und lächelte Jill an. "Ist Lou da?", fragte er gelassen. Ich schüttelte meinen Kopf "Die ist doch in Cambridge". Tim stand auf, sah mich eindringlich ein. "Was will die denn da ?" - ein wenig perplex über seine Reaktion zuckte ich die Schultern ehe ich langsam und vorsichtig antwortete "Golden Girl trainieren lassen ?". Tim stöhnte auf. "Ich wollte sie abholen, sie sollte doch nach Foothill" ich wusste nicht so recht was ich darauf sagen sollte. Immerhin war ich bloß der Stallbursche. "Naja Tim, bis Amy wieder kommt wird es wohl eine Weile dauern." Der Vater seufzte verärgert "Na toll, jetzt werd ich wohl eine Woche auf mein Pferd warten können" ich versuchte ihn zu beruhigen, indem ich ihm versicherte das Catalina Dixon einen guten Job macht und sich um Girly hervorragend kümmern würde. "Das glaube ich dir, aber Girly sollte auf der Rennbahn trainiert werden!" - "Audauertraining ist doch ebenfalls vom Vorteil?", Tim war und blieb ein Sturkopf, genau so wie Jack. Wahrscheinlich mochten sich die Beiden daher nicht. Ich blickte noch mal flüchtig aus dem Fenster, bekam darauf hin jedoch einen Schock. Draußen war alles zu geschneit. Es fielen riesige Flocken vom Himmel hinab, welche sich direkt auf den Boden niederließen. Es war so kalt, dass sie aneinander hafteten. "Verdammte ...!", rief ich plötzlich aus "Ich muss doch noch Windsor trainieren!". Hunter blickte mich unsicher an. "Caleb, vielleicht kannst du ihn ja später trainieren ? Bei dem Wetter ...", auch er erkannte nun, dass er nicht mehr aus Millarville kam. "Hm. Ihr habt doch Gästebette oder?". Jack musste lachen, man konnte Hunters Verzweiflung richtig ansehen. "Keine Sorge, alles vorhanden", sagte er knapp. "Hat jemand Mallory gesehen ? Sie hat sich bis jetzt immer noch nicht bei mir gemeldet". Mallory war normalerweise immer in der Menschenmenge zu sehen. "HALLO!", die Tür wurde ausgestoßen, ein völlig verschneites Mädchen betrat den Raum. Es war Mallory mit Georgie. Beide zogen ihre nassen Jacken aus und hingen sie auf den Kleiderständer auf. Mallory stellte ihre Stiefel vor dem Kleiderständer und klopfte sich den Schnee von der Hose. "Arbeit erfolgreich abgeschlossen!", sagte sie Stolz in die Runde. Wir blickten sie fragend an. "Na, ich habe gehört Amy würde nicht so schnell wieder kommen und Caleb benötigt meine Hilfe. Da habe ich Windsor trainiert.", ich blickte sie verdutzt an. "Wie jetzt ? Ich habe dir doch gar nicht gesagt was du machen sollst". Das Mädchen grinste über beide Ohren hinweg. "Ich weiß, darum habe ich ja auch Jack gefragt!" nun kam Jack auf Mallory zu, half Georgie beim ausziehen und sagte zu den beiden Mädchen "Setzt euch doch bitte erst einmal hin", in der Zwischenzeit machte Jack einen heißen Kakao. "Wer möchte alles ?", Jill und die beiden Kinder meldeten sich und freuten sich über das heiße Getränk. Die Türe polterte durch den kalten Wind, welcher an das Farmhaus vorbei zog. "Erzähl Mallory, was hast du mit dem Haflinger angestellt ?", ich beugte mich neugierig zu ihr rüber und wartete auf eine Antwort. "Windsor war zuerst gar nicht so begeistert in der Kälte arbeiten zu müssen. Aber Jack hat mir gezeigt was ich machen muss, damit er den Kopf nach unten anzog und den Hals ein wenig wölbt. Er sollte ihn nicht ständig hoch schmeißen.",
      "Und hat es auch geklappt?" - "Ja, prima. Danach bin ich einige Bahnfiguren getrabt, damit Windsor sich auf die Arbeit konzentrieren konnte. Das hat er echt gut gemacht."
      "Du weißt aber noch nicht wie eine Traversale geht oder ?" - "Nein, darum ist mir Jack zur Hand gekommen und hat es mir gezeigt. Windsor ist jetzt prima vorbereitet auf das nächste Turnier. Ich hoffe so, dass er gekört wird."
      "Ganz bestimmt", ich lächelte ihr dankbar entgegen und setzte mir einen Kaffee auf. "Es gibt doch nichts schöneres, als ein Schneesturm und ein heißes Getränk..." - als mich Jack jedoch prüfend ansah, wurde mir bewusst, dass ich etwas ganz wichtiges vergessen hatte. "Caleb,... die Pferde sind doch im Stall oder ?", ich schluckte. "Nicht alle".

      Urplötzlich stand Jack auf und stampfte wütend aus dem Haus Richtung Ställe um die Halfter zu holen. "Man kann sich echt nie auf dich verlassen!", schimpfte er zu sich selbst - ich konnte ihn hören, stürzte ihm gleich nach und entschuldigte mich im Vorbeigehen zig mal. Jack jedoch hörte mir nicht zu. Mallory und Georgie kamen nachträglich angelaufen. Hunter wollte die Beiden begleiten, doch wollte er sich lieber um Jill kümmern, in dem hohen Schnee würde sie nicht so leicht, geschweige denn schnell fort kommen. Mit Halftern bewaffnet, teilten wir uns um jeweils 2-3 Pferde von der Weide zu holen. Ich versuchte Golden Samurai einzufangen, welcher temperamentvoll über die Weide preschte und mit den Hinterbeinen ausschlug. Sein Körper war schon völlig verschneit. Es war wichtig, dass die Pferde ins Warme kommen, damit sie nicht krank wurden. Nachdem sich der Hengst endlich wieder gefangen hatte, stürzte ich mich auf ihn und holte ihn von der Weide. Im Schlepptau Figaros Schattenfalter und L'ombre de la Figaro. Jack befand sich auf der Stutenweide und brachte die zierlichen Fohlen in den Stall. Mirabella, Picola und die noch junge Stute L'ombre de la Lune trottelten ihn hinterher. Mallory und Georgie nahmen je ein Pferd mit, die Mädchen waren noch sehr klein und hatten wenig Kontrolle über zwei, geschweige denn drei Pferde. Also nahm Mallory die Zuchtstute Lady Äppel und Georgie den Hengst Burberry.

      Als alle im Stall standen, ging Jack zurück in das Wohnzimmer, wo Hunter und Jill auf die vier warteten. "Es tut mir Leid, auf unseren Stallburschen kann man sich manchmal echt nicht verlassen", grummelte er verärgert. Ich hatte ein schlechtes Gewissen "Es tut mir ja Leid Jack ! Wirklich... Ich bin wohl eher für Rodeo reiten gemacht..."
      "Komm mir jetzt nicht mit deinem Rodeo reiten! Auch ein Rodeo Futzi weiß wie man ein Pferd versorgt, damit es nicht krank wird". Er blickte mich finster an. Ob dies nun Konsequenzen hätte ? "Ok Jack. Du hast Recht. Ich wollte dennoch nicht, dass es soweit kommt", es herrschte eine betrübte Stimmung am Tisch. Jacks Miene lockerte sich wieder, anscheinend hatte er sich beruhigt. *Klingeling* Das Telefon klingelte, sofort stürzte sich Jack auf den Hörer, in der Hoffnung Amy würde sich melden. "Hallo ? Spreche ich hier mit den Flemmings ?" betrübt antwortete er der Person am Hörer.
      17.338 Zeichen by Jackie
      Dressur A-L 30. Dezember 2015
      Mr Raw Depression - L-Dressur

      Der Wagen legte sich gefährlich in die Kurve der Einfahrt, die so versteckt lag, dass ich fast daran vorbei gefahren war. Hunters Gestüt, welches erst frisch bezogen wurde, war einfach gehalten und besaß nur das Nötigste. Ein Parkplatz war aber vorhanden, und mit einer kleinen Reisetasche stieg ich aus. Da die Haustür nur angelehnt war, stellte ich die Tasche ab und lief auf den Stall zu, der sich gleich hier befand, und fand Hunter auf dem Innenhof beim Fegen. Er wirkte sehr konzentriert und so merkte er nicht wie ich ihm den Besen aus der Hand nahm und ihn küsste. "Morgen, Hunter." Verdutzt blickte er mich an und wollte sogleich wieder fegen, aber ich hielt die Hand noch weiter weg. "Nicht sehr gesprächig, wie?" Kichernd reichte ich ihm den Besen. "Warum bist du hier?", brummte Hunter und folgte mir dann in den Stall, aus dem ich Heart of Ocean holte und den jungen Hengst bürstete. "Du hast vor einem Monat einen Auftrag bei mir gegeben, und ich konnte jetzt erst kommen.", antwortete ich und kratzte noch die Hufe des Ponys aus. Der Mann brummte nur ein wenig. Heart of Ocean wurde aufgesattelt, dann führte ich ihn auf den Dressurplatz, halb versteckt unter den Bäumen. Hunter fegte weiter emsig den Vorplatz des Stalles; von Steven hatte ich bis jetzt gar nichts gesehen.
      *
      Vier Stunden später trabte Ray flüssig unter mir. Obwohl das Pony am Morgen schon genug Herausforderung war, freute ich mich auf den Vollbluthengst, der mich schon länger kannte und dementsprechend auch seine Begrüßung einforderte. Da es nieselte, wurde das Dressurtraining in die Halle verlagert, und es war kühler als erwartet. Der Hengst aber war fix genug, sodass die Überprüfungsstunde schnell vonstatten ging. Auch mit Cadiz, dem Letzten im Bunde, vollzog ich eine Überprüfung, und begann daraufhin direkt mit seinem Training. Über die Tage hinweg lernte ich auch Steven kennen, der eher desinteressiert bei meinem M-Dressurvorgang zuschaute. Der Trakehner kam bei den Bahnfiguren gut mit, blieb aber unruhig, sobald andere Stuten die Halle betraten. Mit dem Trio zu arbeiten, war herausfordernd; denn jeder war anders geeicht und so auch reaktionsfreudiger oder auch nicht. Schon am letzten Trainingstag saß sogar Hunter mit auf Ray, ich auf Cadiz. Heart of Ocean hatte seit gestern 'frei' von seinem Training, denn die A-Qualifikation war ein Leichtes; lediglich die L- bzw. M-Quali hatte es in sich; und so war ich froh, dass Hunter mir dabei unterstützend unter die Arme gegriffen hatte.

      Heart of Ocean hat erfolgreich die A-Dressur bestanden.
      Mr Raw Depression hat erfolgreich die L-Dressur bestanden.
      Cadiz hat erfolgreich die M-Dressur bestanden.
      Anfängerküken
      (Mr Raw Depression A-Springen|Cadiz A-Springen|Busted Cherry Cake A-Military)

      Der gekörte Hengst mit der hübschen Scheckung war was Dressur anging ein wahres Talent. Die Hindernisse aber waren einfach grausig für ihn. Schon das einfache Heranführen an die Hindernisse selber war so eine Sache. Totale Begeisterung entsprang seinem Wesen, sodass ich schon fast befürchtete, dass unser Training ins Wasser fallen könnte. “Das schaffst du schon, Ray.”, aufmunternd klopfte ich seine Schulter und ging weiter mit ihm über den kleinen Parcours. Allzu begeistert war er immer noch nicht, aber das war bei anderen Pferden auch so. Ich band den Hengst mit einem Möhrchen in der Schnute an, um mit Cadiz weiterzumachen. Der war komplett besessen, sich die Hürden anzuschauen, und hibbelte herum als ich das Sattelzeug holte. Das Warmreiten war sehr gut gestaltet, aber sobald ich seine Aufmerksamkeit auf die Hindernisse lenkte, merkte ich, wie übermotiviert er wurde. Hoffentlich verschätzt er sich nicht, dachte ich mulmig, musste aber feststellen, dass der Overoschecke wie ein Profi an die Sache ran ging. Wie ein ungestümer Profi, aber dem wirkte ich entgegen, indem ich meinen Sitz veränderte, und bewusst das Zügel aus der Hand Kauen variierte, sodass er sich gezwungen war, beim Absprung den Kopf nicht zur Seite zu reißen.
      Ich hatte schon ordentlich Rückenschmerzen von diesem Tag. Cadiz schien dem Platz sehnsüchtig hinterher zu schauen, und das Einführungstraining mit Ray hatte auch eher so lala geklappt. Wie meine Mathelehrer immer zu sagen pflegten: “Sie hat sich bemüht, aber…”, aber Mr Raw Depression machte seinem Namen alle Ehre. Als ich ihn zur Aufmunterung noch einige Runden abritt und ihn dann auch richtig galoppieren ließ, schien er besser drauf zu sein. Wie geplant kamen die zwei Hengste in ihre Boxen am Abend, und ich wandte mich Cherry zu. Die ließ sich ruhig kraulen. “Morgen machen wir einen Ausritt in den Wald, versprochen!”

      Versprechen müssen gehalten werden. Auch bei den eisigen Temperaturen draußen packte ich mich dick ein, und wunderte mich längst nicht mehr, dass Hunter nicht da war, seine Leute aber sich um die Pferde kümmerten. Steven, so hieß sein anderer Mittrainer, meinte ich zumindest, schien kein Problem damit zu haben, als ich Cherry aufsattelte und einfach die Einfahrt hinunter ritt und in den nächsten Wald ritt. Die Stute, die erst am Anfang ihrer Karriere stand, besaß ein dermaßen abgefahrenes Springvermögen, dass ich mich sehr wundern musste, wieso sie keine Springturniere ging. Immerhin wusste sie die Abstände zu den Hürden - im Wald gab es nur breitere Baumstämme und Wasserläufe - gut einzuschätzen, und verlangsamte das Tempo, sobald sie auf unsicheres und bergigeres Terrain gelangte, legte aber einen Affenzahn zu, sobald ich ihr die Möglichkeit gab. Was eine Rennsau. Den gelegentlich passierenden Spaziergängern und Familien machte es wohl ebenso wenig aus. Gut, umso besser. Nach einer phänomenal schlechten Landung in einer großen Matschpfütze sah ich ein, dass es für heute genug war; ihre vorher reinweißen Beine waren nun komplett versaut, und am Gestüt angekommen bürstete und wusch ich den groben Mist eine Stunde lang weg. Das ging ihr ziemlich auf die Nerven, sodass ich ihre restliche Körperpflege dahinschweifen ließ um mit Ray weiterzumachen. Für den heutigen Abendritt aber stellte ich sie auf die Weide und staunte nicht schlecht, als der gescheckte Vollbluthengst mit der Gelassenheit eines Therapiepferdes das Vorbereiten über sich ergehen ließ und bei strahlendem Sonnenschein den Springplatz beäugte. Ein reges Lüftchen wehte. Einige Vögel zwitscherten zaghaft. Der Frühling nahte. Und wie ein Frühlingswind fühlte sich das Training mit Mr Raw Depression an. Seine Abneigung von gestern war komplett entschwunden, und der typisch lernfähige und konzentrierte Hengst trat in Erscheinung, nahm Fehler in Kauf und ließ sich korrigieren, so weit ich es konnte. Vielleicht lag es gestern an dem sehr drückenden Wetter, dass der Hengst so missmutig war. Pferde reagierten auf atmosphärische Veränderungen bekanntlich genauso wie Menschen oder andere Tiere, nahmen das aber verstärkt auf, soweit mein Gedächtnis mich nicht betrug.

      Schon beinahe euphorisch beendete ich das Training nach einer Woche. Die drei durch und durch verschiedene Charaktere der Pferde hatten ihren Großteil dazu beigetragen, dass ich nichts, aber auch gar nichts, an dem Training eintönig oder gar langweilig fand. Ich wusste jetzt schon, dass mit Ray und Cadiz zwei gute Sportpferdekarrieren angefangen hatten; obwohl Ray eher besonnen und ernsthaft am Training beteilgt war und Cadiz eher den Spaß darin sah, aber das waren beides gute Eigenschaften. Und Busted Cherry Cake vereinte diese beiden Stärken in Einem und glänzte hervorragend beim Vielseitigkeitssport.
      31. Oktober 2016
      Dressur L-LM

      Es verschlug mich diesmal nach England besser gesagt Lincolnshire auf das Bear Brook EC zu Hunter Crowley, einem alten Bekannten. Herzlich würde ich begrüßt und machte mich gleich an das Dressurtraining. Ich putzte und sattelte Mr. Raw Depression und stieg anschließend auf. Er war sehr talentiert und seine Sensibilität war für die Hilfengebung von Vorteil, wie es sich später erwies. Von Kruppe- und Schulterherein bis zum versammelten Trab und Galopppirouette, alle konnte man ihm innerhalb eines Monats beibringen. Ray ist ein sehr williger und konzentrierter Hengst mit dem mir die Arbeit sehr viel Spaß machte! Ich trainierte Ray einen Monat und nun ist er auf LM Niveau in Dressur. Dann beendete ich das Training. Am letzten Tag machten Hunter und ich mit Ray und CHH's Lamperd einen ausgedehnten Ausritt durch die schöne herbstliche Natur. Anschließend fuhr ich mit einem guten Gewissen nach Hause.
      von Zion
    • sadasha
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      16. Mai 2017 | von sadasha
      Widerwillig knurrend schaltete ich nach vier Snooze Durchgängen meinen Wecker aus und rappelte mich hoch. Gerade als ich mein Schlafzimmer verlassen wollte hämmerte es gegen die Türe: „Aufstehen, Frühstück wird kalt!“ rief meine Mutter und sah mich erschrocken an, als ich sofort die Tür öffnete und vor ihr stand. „Morgen.“ murrte ich und glitt an ihr vorbei ins Bad um mich fertig zu machen. Nach etwa einer halben Stunde hatte ich so viel Kaffee intus, dass ich voller Tatendrang war. Ein kurzer Blick auf den Arbeitsplan verriet mir, dass ich heute den Vormittag bei meinen Vollblütern verbringen würde. Gine hatte die Offenställe von Mr. Raw Depression, Ehrengold und CHH‘ Lamperd schon geöffnet, sodass die Hengste nach draußen gehen konnten. Die Stuten jedoch warteten noch ungeduldig darauf herausgelassen zu werden. Blütenzauber streckte ihren Kopf in die Stallgasse, als ich mit den passenden Halftern näher kam. Neben Blütenzauber, nahm ich auch Bear Totem’s Denali, LMR Lady Luna samt Little Miss Backyard, Scarlet in Birth samt Stars of Magic und Riven in a Dream samt Rouge Trap mit raus. Natürlich musste ich mehrmals laufen. Immer eine Stute links, eine rechts. Hatte die Stute ein Fohlen bei Fuß, so lief es ohne mein Zutun mit. Nachdem alle Stuten auf dr Weide standen kümmerte ich mich um die Youngsters. Golden Sugar und PFS Strolch standen zusammen mit Raving Hope Slayer auf der Bachelor Weide. CHH‘ Classic Spring hatte Gine gerade im Training. PFS‘ Savory Blossom war mit einem der Jockeys auf dem Weg zur Ovalbahn.

      „Jetzt sind es nur noch wir beide.“ sagte ich zu Moulan, während ich meiner Rappstute das Halfter überstreifte. Moulan ließ das bei mir mittlerweile ohne Angst zu. Auf der verlassenen Stallgasse machte ich sie fest und holte ihren Putzkoffer. Beim Putzen ließ ich mir ordentlich Zeit und untersuchte meine Stute auch auf Ungeziefer oder Schrammen. Moulan war im besten Zustand seit Langem. Wir hatten seit ein paar Tagen die Testergebnisse ihrer Farbgene da. Sie war ein reinerbiger Rappe, was mir sehr zusagte. Zwar war mir die Farbe meiner Pferde im Grunde egal, wenn ich jedoch die Wahl habe würde ich immer mehr zum Braunen oder Rappen tendieren als zum Fuchs. Bei der nächsten Decksaison ist Moulan auch dabei. Mit 10 Jahren war sie eine verhältnismäßig alte Maidenstute, doch sie brauchte die Zeit.

      Eine halbe Stunde später stand ich mit Moulan auf dem Springplatz. Vor dem Platz hatten es sich meine Mutter und Kerry gemütlich gemacht. „Was machst du hier?“ wollte ich Kerry wissen, die ich heute nicht eingeplant hatte. Sie lächelte nur und wank ab. Weiß der Himmel was sie wieder hatte. Ich dachte nicht weiter daran und konzentrierte mich auf Moulan unter mir. Wir nahmen zuerst ein paar Cavalettis zum warm werden, bevor ich sie auf den aufgebauten Parcours brachte. Fehlerfrei waren unsere Durchgänge heute nicht, jedoch hatte ich das Schwierigkeitslevel erhöht. Sie musste engere Kurven gehen und sich schneller auf die neuen Hindernisse einstellen als üblich. Am Ende konnten wir aber doch zufrieden sein. Ein Durchgang ohne gefallene Stange war wirklich lobenswert für eine Stute, die eigentlich nicht als Springpferd geboren ist. Nach dem Abreiten lobte ich Moulan abermals und brachte sie schließlich mit ihrer Abschwitzdecke auf die Weide zu den anderen Stuten. Der Vormittag war damit vorbei.

      Nach der Mittagspause setzte ich mich in meinen Wagen. „Wohin willst du?“ Kerry… Die hatte ich schon ganz vergessen. „Zum Pineforest Stable.“ gab ich knapp zurück und legte den Sicherheitsgurt an. „Aha, was machst du da?“ sie warf einen suchenden Blick auf den Beifahrersitz neben mich. „Ich besuche dort ein Fohlen, das ich gekauft habe.“ Kerry fing an zu strahlen. „Darf ich mit?“ Natürlich sagte ich nicht Nein. Ich hätte keinen triftigen Grund gehabt.
      Auf dem Gestüt von Occulta Smith herrschte regen Treiben. Kerry war begeistert wie viele Pferde und Mitarbeiter es hier gab. An jeder Ecke blieb sie stehen um sich etwas genauer anzusehen. Ich hingegen lief suchend von Gebäude zu Gebäude bis ich Occulta fand. Wir grüßten uns herzlich, bevor sie mich zu PFS‘ Storm Cat führte. Das junge Schimmelstutfohlen tollte auf der Weide und man sah ihr Rennpotential ganz deutlich. Ich war begeistert. Bis zuletzt hatte ich immer versucht mich mehr auf meinen Sport zu fokussieren, doch jetzt da ich eine eigene Ovalbahn hatte, hatte ich die freie Wahl. „Und immer noch zufrieden mit deiner Wahl?“ wollte Occulta wissen und ich nickte. Mehr als das. Ein Schimmelfohlen war schon immer mein Traum. Mit Storm Cat wurde dieser erfüllt. Eine ganze Weile blieb ich am Zaun stehen und sah meinem zukünftigen Pferd zu. Kerry lief währenddessen überall herum, bis sie auch das irgendwann langweilig fand und wieder zurück wollte.

      Erst gegen Abend trafen wir wieder auf dem Bear Brook EC ein. Der Feierabendverkehr hatte uns voll erwischt. Gut zwei Stunden standen wir im Stau. Erst als ich die drei auf der Weide sah fiel mir ein, dass ich sie vollkommen vergessen hatte. „Mist…“ murmelte ich und Kerry sah mich mitfühlend, aber verwirrt an. „Was denn?“ fragte sie. „Eigentlich hätte ich heute Iseabail, Felan und Lady Lyneth Bowen bewegen sollen.“ gab ich zurück und sprang aus dem Wagen, als ich ihn geparkt hatte. Gine war noch immer auf dem Hof, zumindest stand ihr Wagen hier. Ohne Kerry weiter zu beachten suchte ich sie und fand sie in der beleuchteten Reithalle. „Es tut mir leid, Gine. Hast du die drei auch noch bewegt?“ fragte ich. Gine saß gerade auf Mister Blockhead und es sah ganz so aus, als wäre sie gerade fertig mit ihm. Sie nickte lächelnd. „Alles gut, deine Mutter hat mir geholfen und die Reitponystuten mit bewegt.“ Das hieß Princess Sansa, Iceflower, Arcany und Eismärchen waren auch beschäftigt worden. „Wen hast du noch gemacht?“ fragte ich, da ich meine Gedanken gerade nicht sortieren konnte. „Samson, Niffler, Pendragon, PFS‘ Heart of Ocean und Zuckerwatte.“ gab sie zurück und stieg ab. „Das reicht für heute oder?“ fragte sie neckend. „Isaac kam aber auch noch, er hat Come Back Cupcake gemacht und sich dann um Emrys, Mephisto und Vikar gekümmert.“ Nun war ich komplett raus. „Morgen wird es besser.“ versprach ich. Mir tat es wirklich leid, die beiden so allein gelassen zu haben, aber mein Kopf ist heute Morgen anscheinend im Bett geblieben.
    • sadasha
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      24. Juni 2017 | 17308 Zeichen von adoptedfox und sadasha
      Ich öffnete die Augen und stellte erschrocken fest dass ich auf dem Boden eingeschlafen sein musste. Unaufhörlich klopfte es an der Haustür und jemand rief nach mir. Mühsam richtete ich mich auf, drehte den Schlüssel um und öffnete die Tür. "Was machst du denn hier?" fragte ich Hunter und sah die Leute hinter ihm an "...ist etwas passiert?". Verdutzt stand er da und versuchte zu begreifen was da gerade vor sich ging. Einer der Rettungsmänner schob ihn zur Seite um nach dem Rechten zu sehen, noch bevor Hunter antworten konnte. "Ist alles in Ordnung bei Ihnen?" fragte er mich und stellte seinen Rettungskoffer ab. Ich sah zu Hunter und legte den Kopf schief. "Ich denke schon, Ja." antwortete ich und sah wieder zu ihm. "Was erwartest du, wenn du auf dem Boden liegst und dich nicht rührst?!" sagte Hunter vorwurfsvoll und ich sah ihn erneut an "Ich fühlte mich nicht gut und bin eingeschlafen!" log ich und entschuldigte mich beim Rettungsteam für den Aufruhr. Während die Rettungskräfte zum nächsten Einsatz fuhren und die Bauarbeiter wieder an ihre Arbeit gingen, blieb Hunter noch stehen und sah mich weiterhin vorwurfsvoll an. "Soll ich wieder fahren?" fragte er. Ich war im Zwiespalt. Einerseits hatte ich ihn gern in meiner Nähe, andererseits hatte ich die Befürchtung am Abend davor zu weit gegangen zu sein. Während mein Magen und mein Hirn sich stritten bat ich ihn herein und trat zur Seite.

      Er ging an mir vorbei in die Küche und lehnte sich an die Theke. Ich hoffte dass ich nicht so schlecht aussah, wie ich mich fühlte und mied seinen Blick.

      “Wieso zur Hölle hast du auf dem Boden vor deiner Tür geschlafen?!”
      “Ich bin eingeschlafen! Es war nicht geplant dass ich so lange dort sitze.”
      “Aha. Das erklärt natürlich alles.” sagte er sarkastisch schmunzelnd.
      Macht er sich da gerade wirklich über mich lustig?
      “Für mich ist das nicht so lustig wie für dich, Hunter!” fuhr ich ihn an und verschränkte die Arme.

      ”Dann sprich mit mir.”
      Ich sah zu Boden und begann auf meiner Unterlippe zu kauen. Das hab ich nun davon schoss es mir durch den Kopf und ich atmete hörbar aus.
      “Hunter ich will dich nicht anlügen. Ich bin gern in deiner Nähe und auch wenn ich mich manchmal frage, was mit dir denn nicht stimmt, hab ich dich echt gern. Ich habe nicht nachgedacht gestern, es tut mir Leid.” brach ich heraus und sah zur Tür.

      “Und deshalb hast du vor deiner Tür auf dem Boden geschlafen?” meinte er grinsend.
      “Ich war niedergeschlagen und wusste nicht was ich sonst machen sollte.”
      “Bist du denn jetzt ausgeschlafen?”
      Ich verdrehte die Augen und antwortete knapp “Ja”.
      “Also kein Kaffee nötig?”
      “Ehrlich gesagt ist mir gerade übel. Du kannst dir ja einen machen.” sagte ich und ging ins Badezimmer. Ich stellte den Wasserhahn an und putzte mir die Zähne. Da ich noch immer die gleiche Kleidung wie gestern trug ging ich ins Schlafzimmer und zog mich um.
      Hunter machte sich derweil einen Kaffee. Als ich zurück in die Küche ging stand er, in der einen Hand seine Tasse Kaffee, in der anderen Hand eine Zigarette, im Türrahmen.
      “Hast du mir vorhin überhaupt zugehört?” frage ich betreten und blieb in der Küche stehen.
      “Ja.” sagte er, doch in seiner Stimme schwang Unsicherheit mit. Ihm war bewusst, dass das jetzt auf etwas hinausläuft, was ihm unangenehm werden könnte.
      “Es tut mir wirklich Leid und wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte würde ich es tun.”
      Hunter ließ ein tiefes Brummen vernehmen. Dachte der jetzt nach?

      Da ich Angst hatte ihn zu bedrängen ging ich an ihm vorbei in den Hof um zu sehen wie die Bauarbeiter voran kamen. Als einer der Arbeiter zu mir sah hielt ich beide Daumen in die Höhe um ihm zu zeigen, dass ich zufrieden war. Hunter stand noch immer im Türrahmen und dachte nach. Ich ging zu ihm und fragte ob alles in Ordnung sei. Es war sein Glück, dass in dem Moment sein Handy klingelte. Er hob entschuldigend die Hand und nahm das Gespräch an. Da er selbst kaum antwortete wusste ich nicht worum es in dem Telefonat ging. Ich nahm ihm seine leere Kaffeetasse ab und brachte sie in die Küche. Es schien so, als würde er von Sekunde zu Sekunde nervöser. Mit dem Auflegen spurtete er mir entgegen. “ES GEHT LOS!” Erschrocken sah ich ihn an. “Was ist denn passiert?” - “Ich muss zu meinem Hof! Sofort!” Er rannte zu seinem Wagen und stieg ein.Ich zog die Haustür zu und folgte ihm. “Antworte mir gefälligst!” fuhr ich ihn an und hielt die Tür fest damit er sie nicht schließen konnte.

      ”Das letzte Fohlen kommt! Jetzt lass mich! - BITTE!”
      “Rutsch rüber ich fahre, du bist viel zu aufgedreht!” sagte ich und deutete an ihn auf den Beifahrersitz zu schieben, sollte er sich weigern. Einen kurzen Moment sah er mich kritisch an, entschied sich dann jedoch nachzugeben und sich auf den Beifahrersitz zu setzen. Die Schlüssel steckten bereits. Ich startete den Motor, wendete den Wagen geschickt und fuhr auf die Straße. Die Fahrt über wurde Hunter so nervös, dass er tatsächlich anfing zu reden. Er erzählte mir von seiner Stute und dem Hengst von dem er sie hatte decken lassen und dass er sich auf das Fohlen schon freute, seit er den Hof übernommen hatte. Aufmerksam hörte ich ihm zu. So redselig hatte ich ihn bislang noch nicht erlebt. Ich missachtete die Geschwindigkeitsbegrenzungen und war froh, dass wir in keinen Stau gerieten. Nach gerade einmal 45 Minuten erreichten wir den Hof und ich parkte Hunters Wagen. Noch bevor ich den die Schlüssel abgezogen hatte sprang Hunter raus. Ich folgte ihm in den Stall wo Gine bereits aufgeregt vor der Box von Slap Happy stand.
      “Wie sieht’s aus?” fragte Hunter und Gine versuchte ihn zu beruhigen. “Es läuft alles wie es soll.” - “Kann ich in die Box?” fragte er und fast gleichzeitig antworteten Gine und ich mit einem deutlichen “Nein!”. Nervös tigerte Hunter vor der Box hin und her. “Sicher, dass alles okay ist?” fragte er ständig. Irgendwann hielt Gine ihn fest. “Hunter. Du hast schon so oft so etwas mitgemacht. WAS IST DEIN PROBLEM?” Mit mahnendem Blick sah sie ihn an. Ich strich in kreisenden Bewegungen über seinen Rücken. “Wenn etwas nicht ok ist können wir eingreifen Hunter. Du steckst Slap Happy noch mit deiner Unruhe an!” sagte ich ruhig und ließ meine Hand sinken als ich Gines Blick bemerkte. Mit einem mal sprang Hunter wieder an die Box. “Ich sehe was!” Es dauerte nur wenige Minuten bis das Fohlen, dass er What Rainbow taufte, endlich im Stroh lag. Gine schob die Boxentüre auf und ging rein um die Erstversorgung zu übernehmen. Hunter stiefelte wie selbstverständlich hinterher und hockte sich runter zum Kopf seiner Stute.” “Herzlichen Glückwunsch Mister Crowley, es ist eine Stute!” sagte ich freudig und ging näher an die Boxentür heran. “Und sie ist gesund!” fügte Gine hinzu. “Und jetzt alle raus hier!” Gine machte eine ausladende Geste. Hunter rührte sich jedoch keinen Zentimeter. “Na komm, lass die beiden sich kennenlernen.” sagte ich und strich Hunter über den Nacken. Er brummte unzufrieden, richtete sich aber auf und ging mit mir raus. “Ich mache dann weiter, ja?” sagte Gine und sah Hunter eindringlich an, der eher verwirrt zu sein schien. Gine bemerkte das und formulierte um: “Die restlichen Pferde wollen ja noch bewegt werden.” Das klang nun schon fast vorwurfsvoll. “Ist alles ok mit Gine? Sie wirkte etwas genervt.” fragte ich Hunter und sah ihr nach. Er zog den Kopf zwischen die Schultern. “Keine Ahnung.” “Ich geh mal nach ihr sehen.” sagte ich und ließ ihn bei Slap Happy stehen. Ich lief über den Hof und entdeckte Gine an einer der Weiden. “Alles ok bei dir?” fragte ich und stellte mich neben sie an den Zaun. “Was ist das eigentlich mit Dir und Hunter, hm?” fragte sie und klang wenig erfreut. Fragend sah ich sie an “Was meinst du?”. “Er ist andauernd bei Dir, bleibt sogar über Nacht und dieses ewige angefasse…” sie brach mitten im Satz ab und wedelte mit ihren Händen durch die Luft.
      Als Hunter zum Rauchen den Stall verließ sah er, dass Gine und ich uns unterhielten. Er beschloss jedoch erstmal aufzurauchen, bevor er zu uns kam. “Ihr streitet?” fragte er verblüfft. “Ihr kennt euch nicht mal wirklich.” Verzweifelt sah ich an Gine vorbei: “Ich weiß nicht ob wir uns streiten, ich komme eigentlich gar nicht zu Wort.” Gine warf mir einen abfälligen Blick zu. Sie sah zu Hunter und überlegte, was sie ihm an den Kopf werfen könnte. Was keiner bemerkte war, dass Isaac auf die Gruppe zukam. Ein Pferd zu seiner linken und eines zu seiner rechten. Als er uns erreichte hielt er an. “Steht ihr hier nur rum oder können wir wieder an die Arbeit gehen?” fragte er und hielt Gine den Strick von Iseabail hin und Hunter den von Lady Lyneth Bowen. “Hunter setzt sich heute garantiert nicht mehr aufs Pferd.” sagte Gine zickig und zog mit ihrer Stute ab. Hilflos sah ich Hunter an und sagte traurig: “Das wollte ich wirklich nicht!”. Isaac nahm Hunter den Strick ab und folgte Gine. “Lust auf einen Ausritt?” Hunter sah zu den Hengsten rüber, die relativ unruhig auf ihren Weiden standen. Ich war mir nicht sicher ob die Frage ernst gemeint war. “Hältst du das für eine gute Idee?” fragte ich nochmal nach um mich zu vergewissern, dass er mich nicht auf den Arm nahm. “Hätte ich gefragt wenn nicht?” Wieso eigentlich nicht? dachte ich und stimmte dem Ausritt zu. Ich half Hunter dabei Ehrengold und Mr. Raw Depression von der Weide zu holen und folgte ihm in den Stall, wo wir die Pferde für den Ausritt vorbereiteten. “Wäre dir eine Schutzweste genehm?” fragte er und nach kurzem Überlegen schüttelte ich den Kopf. “Okay.” sagte er und reichte mir einen der Reithelme. Ich nahm ihm dankend den Helm ab und setzte ihn auf. Hunter tat es mir gleich, zog seine Reithandschuhe an und führte Ehrengold raus um dort aufzusitzen. Ich legte Mr. Raw Depression die Zügel um den Hals und folgte Hunter. Als ich im Sattel saß stellte ich die Steigbügel auf meine Länge ein und rief zu Hunter: “Ich bin bereit!”
      Er lächelte und ritt los. Ehrengold war sehr aufgedreht und man sah, dass Hunter Schwierigkeiten hatte ihn zurück zu halten. Ich schloss zu ihm auf und hoffte, dass Ray nicht angesteckt wurde. “Kommst du zurecht?” fragte ich und war gerade dabei den Zügel von Ehrengold zu greifen, als dieser einen Satz nach vorne machte. Da er sofort stehen blieb, fiel Hunter nach vorne. Der Hengst jedoch rannte gleich weiter, Zügelfreiheit hatte er ja nun. ”Hey!” rief ich und galoppierte Ray an. Er kam jedoch nicht annähernd hinterher. Noch bevor ich Ehrengold erreichte, lag Hunter schon am Boden. Ehrengold war zu nah an die Stallwand gekommen, sodass Hunter hängen blieb und aus dem Sattel gezogen wurde. Im Affekt riss ich Ray am Zügel um ihn zum Stehen bleiben zu zwingen und sprang ab. “Bleib ja hier!” sagte ich zu Ray und lief zu Hunter der stöhnend am Boden lag. “Beweg dich so wenig wie möglich!” wies ich ihn an und wollte mein Telefon aus der Tasche ziehen, stellte aber fest dass ich es zuhause liegen lassen hab. Da sich sein Telefon deutlich in seiner Hosentasche abzeichnete zog ich es raus und wählte den Notruf. Hektisch erklärte ich die Situation und gab die Adresse durch. Man versicherte mir in 10 Minuten da zu sein. Ich lief zurück zu Ray und brachte ihn auf die Weide wo ich ihm Sattel und Zaumzeug abnahm und in die Wiese am Tor legte. Ich ging zu Hunter und hockte mich neben ihm auf den Boden. Er hatte sich mittlerweile etwas gefasst. “Wo ist Ehrengold?” fragte er und versuchte sich aufzurappeln. “Ich kann es dir nicht sagen, er ist in Richtung der Felder gelaufen. Tut dir was weh?” fragte ich besorgt. Er schüttelte den Kopf und war mehr damit beschäftigt sich aufzurichten. Sobald er jedoch den linken Fuß aufsetzte sackte er keuchend zusammen. “Hunter!” rief ich und versagte beim Versuch ihn zu stützen. “Tu mir einen Gefallen und bleib am Boden. Der Krankenwagen wird gleich da sein!” sagte ich ernst und drückte ihn zurück auf den Boden. “Und Ehrengold?” wollte er wissen. Ich nahm sein Gesicht in meine Hände und sah ihn mahnend an. “Hunter, du bleibst hier! Und ich bei dir, ob es dir lieb ist oder nicht!”
      Der Krankenwagen bog auf die Straße ein und ich trat auf den Weg um ihn zu uns zu winken. Er hielt neben uns an und einer der Sanitäter stieg aus. Ich erklärte ihm den Unfallhergang und sagte, dass Hunter Probleme beim Aufstehen hatte. Der Sanitäter hockte sich vor Hunter und tastete seinen Knöchel ab. “Das müssen wir röntgen, tut mir Leid.” sagte er und sah zu Hunter auf. Just in dem Moment kamen Gine und Isaac an den Ort des Geschehens. “Wir haben Ehrengold auf dem Feld eingesammelt. Was ist passiert?” fragte Isaac. ”Ehrengold ist durchgegangen und Hunter ist an der Stallwand hängen geblieben. Er kann nicht aufstehen.” antwortete ich und half dem Sanitäter dabei Hunter in den Krankenwagen zu bringen. “Und wer kam auf die bescheuerte Idee ein Rennpferd auszureiten?!” warf Gine ein. “Jetzt fahr mal einen Gang runter, Gine! Wir haben uns das letzte Mal noch gut verstanden, was ist denn auf einmal los?” fuhr ich sie an. Ich mochte sie gern seitdem wir gemeinsam bei den Reiterspielen antraten und war langsam aber sicher genervt von ihrem heutigen Verhalten. “Das weißt du sicher ganz genau.” sagte sie biestig und machte auf dem Absatz kehrt.
      Aus dem Nichts kam der Sanitäter wieder. “Möchte jemand mitfahren?” fragte er freundlich ohne auf die hitzige Situation einzugehen. Ich sah zu Gine, die abrupt stehen blieb. “Gine ich werde mich nicht mit dir streiten. Er hat mir gestern eindeutig zu verstehen gegeben, dass er kein Interesse an mir hat. Du musst dir also keine Sorgen machen.” Ein Funke Genugtuung machte sich auf Gines Gesicht breit. Ich lehnte mich zu Hunter in den Krankenwagen und gab ihm sein Telefon wieder. “Gine, wir sollten uns um die Pferde kümmern.” Isaac packte sie am Arm und drehte sie zu sich um. Es war ihm ernst und Gine erkannte das. Trotzdem wollte sie sich nicht so einfach geschlagen geben. “Du ha-” - “Geh bitte mit ihm!” meldete sich Hunter zu Wort, bevor Gine ihren Satz vervollständigen konnte. Perplex sah ich zu Hunter in den Krankenwagen. “Das ist schon in Ordnung, ich komm damit klar!” sagte ich und versuchte zu verbergen, dass mich die “Gine-Angelegenheit” nicht kalt ließ. “Also kommen sie mit?!” Der Sanitäter wirkte gestresst und schob mich einfach in den Wagen um nicht noch länger warten zu müssen. Widerwillig setzte ich mich neben Hunter und versuchte ihn nicht anzusehen. “Hätte ich gewusst, dass Gine Interesse an dir hat, dann hätte ich dich in Ruhe gelassen, Hunter. Ich wollte keinen Streit entfachen.” sagte ich leise. Der Sanitäter hatte inzwischen seinen Helm abgenommen und die Infusion angeschlossen.


      Vorsichtig klopfte ich an die Zimmertür und öffnete sie einen Spalt. “Wie geht es dir?” fragte ich als ich Hunter im Krankenbett liegen sah. Es war spät geworden. Zu seinem Glück war der Knöchel nicht gebrochen, sondern nur verstaucht. “Großartig.” log er. Ich blieb an seinem Bettende stehen und fühlte mich schlecht. “Ich weiß ich entschuldige mich in letzter Zeit sehr oft, aber es tut mir wirklich leid!” sagte ich und mied seinen Blick. Hunter setzte sich auf. “Der Ausritt war meine Idee.” stellte er fest. “Ich meinte nicht den Ausritt!” korrigierte ich ihn und schmunzelte.

      “Nicht? Was war denn noch?”
      Ich sah ihn mahnend an. “Du machst mich wahnsinnig!” und musste nun doch lachen.
      “Wieso?” Er grinste.
      “Du weißt ganz genau wieso, Hunter.”
      “Nein, klär mich bitte auf.”
      “Wenn es dir besser gehen würde, würde ich dir jetzt am liebsten eine knallen.” gestand ich.
      “Das wäre aber nicht nett.”

      Ich ging nicht auf seine Sticheleien ein und sah ihn an. Es würde mir schwerfallen mich nicht bei ihm zu melden, allein schon weil ich ein von ihm gezogenes Fohlen hatte und weil er mein Hufschmied war.

      “Aha.” sagte er. “Hab ich es jetzt geschafft? Du schweigst.”
      “Gewöhn dich besser schonmal daran. Ich bin ungern das fünfte Rad am Wagen.”
      Jetzt war er verwirrt. “Wie kommst du darauf?”
      “Du und Gine. Ich möchte mich da wirklich nicht einmischen.”
      Er lachte hart. “Gine und ich?!” wiederholte er immer noch lachend. “Das ist nicht und wird auch nie sein, glaub mir.”
      Ich sah ihn verwirrt an. “Aber ihr Verhalten vorhin…?”
      “Was weiß ich, was sie da geritten hat...”

      Ich begann auf meiner Unterlippe zu kauen und sah zu Boden. Die Antwort sollte mich zufrieden stimmen, doch das tat sie nicht. Er hatte mich abgewiesen und das musste ich akzeptieren. “Trotzdem. Ich bin zu weit gegangen Hunter und ich werde das erst verarbeiten müssen.”
      Hunter brummte verständnisvoll und ließ sich wieder in seine Kissen sinken.

      Am nächsten Tag ging es ihm wieder so gut, dass er das Krankenhaus verlassen durfte. Zwar erstmal auf Krücken, aber immerhin. Als er auf den Hof kam sah er zuerst nach den beiden Hengsten um sicherzugehen, dass es ihnen gut ging. Dann meldete er sich bei seinen Eltern und seinem Personal zurück. Irgendwann gegen Mittag bekam ich eine Nachricht von ihm: “Ist bei dir alles Okay?” wollte er wissen. Hat er jetzt Langeweile? dachte ich und legte das Telefon erstmal ohne zu antworten wieder weg. Er hatte mir noch immer keine zufriedenstellende Antwort auf die essentiellen Fragen vom Tag zuvor gegeben und irgendwie hatte ich das Gefühl auch keine mehr zu bekommen und das kränkte mich.Ich widmete mich wieder der Stallarbeit. Die Bauarbeiter hatten gestern noch das Fundament ausgegossen. Das würde jetzt erstmal ein paar Tage trocknen müssen.
    • sadasha
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      25. Oktober 2017 | 13.287 Zeichen von sadasha

      „Jetzt bleib doch mal stehen!“ Kerry folgte mir schon den halben Tag und versuchte in ein Gespräch zu kommen. Aber ich hatte besseres zu tun, so besorgt sie auch wirkte. Ich war nun mehrere Monate in der Weltgeschichte unterwegs und hatte nun endlich Zeit für meine Pferde. Dass ich diese Zeit nicht für Kerry opfern würde, musste sie doch früher oder später begreifen. Verzweifelt seufzte sie, als ich die Boxentür zu Verdine aufschob. „Gut, dann halt so. Ich komme mit Braddock mit! Mir egal was du jetzt mit Verdine vor hattest!“ beschloss Kerry und wirkte stolz, endlich einen Weg gefunden zu haben mit mir zu sprechen. Schweigend machten wir die Pferde fertig und gingen dann in die Reithalle. Mirko war hier gerade dabei den Hufschlag wieder plan zu ziehen, also begnügten wir uns zum Warmreiten mit Zirkelreiterei. Braddock ‚The Parrot‘ schlurfte unter Kerry vor sich hin. Wenn Ruby das sehen würde, würde sie beide Hände über den Kopf schlagen. „Jetzt erzähl doch mal.“ forderte Kerry schließlich und sah mich erwartungsvoll an. „Du bist seit zwei Tagen wieder da und hast Nichts erzählt!“ beschwerte sie sich. „Was soll ich denn erzählen?“ brummte ich widerwillig und ging nun, da dieser gerade gezogen war, mit Verdine auf den Hufschlag. „Ich hab gearbeitet…“ antwortete ich schließlich und hörte wie Kerry abermals seufzte. „Und es ist nichts Spannendes passiert? Du warst doch auch bei deiner Freundin!“ fragte sie genervt. Ich lachte heiser. „Davon erzähle ich dir nicht.“ sagte ich bestimmt und galoppierte Verdine an, die sich freute endlich ans arbeiten zu kommen. Braddock und Kerry schlurften noch immer im Schritt und wenn Kerry es doch mal schaffte sich halbwegs durchzusetzen im langsamen Trab, vor sich hin. „Früher hast du mehr erzählt!“ sagte Kerry enttäuscht, als ich auf ihrer Höhe war. Für mich war das Gespräch beendet und so warf ich ihr nur einen flüchtigen Blick zu und widmete mich dann wieder Verdine. „Du siehst gestresst aus, deshalb hake ich nach.“ fing Kerry wieder an. „Wir machen uns alle Sorgen!“ Tief ausatmend parierte ich Verdine zum Schritt und sah rüber zu Kerry, die in der Mitte eines Zirkels stand und Braddock machen ließ, was er wollte. „Wenn du nicht willst dass er sich gleich mit dir wälzt, solltest du die Zügel aufnehmen.“ warnte ich sie die Stirn in Falten gelegt. Hektisch zog Kerry die Zügel zu sich, sodass Braddock den Kopf hob und seine Aufmerksamkeit wieder bei Kerry war. „Warum ich gestresst bin ist privat.“ sagte ich ruhig und versuchte den erstaunten Blick von Kerry zu ignorieren. „Auf einmal?“ flüsterte sie niedergeschlagen und ließ Braddocks Kopf abermals sinken. „Fängst du wieder an alles in dich hinein zu fressen, wie damals als wir uns kennenlernten?“ sagte sie noch immer leise, aber so laut, dass ich sie gut verstehen konnte. „Das war etwas anderes.“ meinte ich kühl und lobte Verdine, da sie heute trotz meiner gedanklichen Abwesenheit gut mitmachte. Kopfschüttelnd stieg Kerry ab. „Wenn du meinst.“ sagte sie abweisend und brachte Ruby’s Pony zurück in seine Box. Wirklich bewegt wurde Braddock nicht, aber das würde Ruby heute Abend schon merken. Ich arbeitete mit Verdine noch ein paar Minuten, ehe ich sie abritt und im Anschluss auf die Stutenweide brachte. Bis zum Abend beschäftigte ich noch Happy Fantasy und Felan. Mikro und Beth hatten sich ausgiebig mit den Fohlen befasst. Bear Brooks Denahi, What Rainbow, Fantastic Sonata, Rouge Trap, PFS Strolch, Golden Sugar, Little Miss Backyard, PFS‘ Storm Cat, Stars of Magic und CHH‘ Classic Spring standen in kleinen Gruppen aneinander gekuschelt auf den beiden Absetzerweiden. May und José hatten PFS‘ Savory Blossom, Raving Hope Slayer, Ehrengold, Moulan, Bear Totem’s Denali und Blütenzauber im Galopprennen trainiert. Gegen Abend kam Ruby um nach ihrem Pony zu sehen und beschäftigte dann auch noch Iseabail und Lady Lyneth Bowen.

      Am nächsten Tag war ich nach einer beinahe schlaflosen Nacht früh auf den Beinen und machte die beiden Junghengste Vikar und Mephisto soweit fertig. Die beiden waren noch nicht fertig eingeritten und so longierte ich sie vorbereitend. Der Beritt für die beiden würde außerhalb stattfinden. Anschließend machte ich mit Thomas, der ebenfalls noch nicht beritten war etwas Freidressur. Der große Hengst war nicht ganz so roh wie die beiden Tinker und würde unter meiner Hand fertig eingeritten. Ruby kam heute schon vormittags zum Stall. Nachdem sie mit ihrem Pony durch war schnappte sie sich Magical Touch von der Weide und putzte sie übergründlich, flechtete ihr Langhaar neu ein und begleitete mich dann auf einen Ausritt, bei dem ich Slap Happy ritt. „Wie kommt es, dass du so früh hier bist?“ wollte ich wissen und lächelte Ruby an, die sich in ihrer Zeit auf dem Hof verdammt gut gemacht hatte. Wenn sie so weiter macht, dann würde sie sicher eine gute Reiterkarriere hinlegen. „Ich hab heute keine Schule, weil zu viele Lehrer ausgefallen sind.“ erzählte sie mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Ich lachte kurz und trabte Scheppi dann an. Ruby folgte. „Aber nächste Woche hab ich ein paar Klausuren…“ fügte Ruby ernüchtert hinzu. „Ich bin froh, wenn ich endlich fertig bin.“ Schweigend schmunzelte ich. Alles was ich jetzt hätte sagen können, wird Ruby oft genug von Erwachsenen hören. Also beließ ich es dabei. Als wir wieder auf dem Hof waren kam uns Max mit Riven in a Dream und Scarlet in Birth entgegen, die er wohl zur Ovalbahn brachte. Ich kümmerte mich den Rest des Tages um Mr. Raw Depression und LMR Lady Luna. Kerry hielt sich heute fern von mir und versuchte Niffler und Benji in den Griff zu bekommen, die heute besonders aufmüpfig waren. Gegen Abend sah ich dass Abby sich mit Mister Blockhead beschäftigte. Der Tinkerhengst war noch recht neu auf dem Hof und zeigte durchaus Talent für die Dressur. Allerdings hätte ich nicht vermutet, dass Abby so viel aus ihm herausholen konnte wie ich da gerade sah. Da ich mit meinen Aufgaben für heute abgeschlossen hatte verweilte ich an der Bande und sah mir das Training an. Abby war ein Profi und ließ sich von Zuschauern nicht stören. Im Gegenteil, es schien sie anzufachen noch mehr Enthusiasmus reinzustecken. „Sieht gut aus, nicht wahr?!“ erschrocken fuhr ich herum und hätte Isaac beinahe eine Klatsche verpasst. Doch er hatte damit gerechnet und meinen Unterarm gepackt, bevor ich ihn erreichte. „Woah, ruhig Brauner!“ meinte er lachend und ließ mich los. „Du kommst spät.“ merkte ich an. „Ich komme immer spät, das ist eine Kunst für sich.“ meinte Isaac grinsend. Ich lachte und sah wieder zu Abby, die diese Anspielung wohl gehört hatte und angewidert den Kopf schüttelte. „Gehen dir die Witze aus?“ rief sie zu Isaac, doch Isaac fand sich immer noch äußert amüsant und ließ sich nichts anderes einreden. „Wie war deine Fortbildung?“ wollte ich wissen und ging mit Isaac ins Haus, wo wir ausgiebig über die Arbeit der letzten und der nächsten Tage sprachen. Kerry saß immer noch recht bockig daneben und schüttelte hie und da den Kopf. Als Isaac sich verabschiedete sah Kerry mich wieder mit diesem erwartungsvollen Blick an. „Was denn?“ fragte ich genervt. „Ihr habt euch mehrere Stunden nur über die Arbeit unterhalten? Im Ernst jetzt?“ sagte sie mit steinerner Miene. Ich zog den Kopf zwischen die Schultern. „Kann es sein, dass du das Problem hast, Kerry?“ fragte ich ein wenig forscher als gewollt. Ertappt sah sie mich an. „Ich bin nicht Gine!“ beteuerte sie empört und machte auf dem Absatz kehrt. „Dann mach nicht die gleichen Fehler wie sie.“ In Kerrys Gesicht mischte sich Traurigkeit. Für einen kurzen Moment sah es so aus, als würde sie noch etwas erwidern. Doch dann verabschiedete sie sich mit einer vollkommen deplatzierten Reserviertheit und verschwand. Was für eine scheußliche Lage…

      „Kerry hat sich heute und morgen krank gemeldet.“ meldete Mrs Clayton, als ich am nächsten Morgen zusammen mit Pitch im Halbschlaf die Treppe runterlief um mir den ersten Kaffee zu holen. „Was hat sie denn?“ fragte ich teilnahmslos, da ich noch nicht ganz begriffen hatte wer und was vor sich ging. „Hat sie nicht gesagt.“ Ich ließ ein Brummen vernehmen und nahm meine Tasse aus der Spülmaschine, trocknete sie kurz ab und nahm mir etwas frisch aufgebrühten Kaffee. „Soll ich hier bleiben?“ fragte ich den nächstbesten Mitarbeiter, der rein kam. Beth schüttelte eifrig den Kopf. „Fahr ruhig, wir kommen klar.“ sagte sie fröhlich und nahm sich ebenfalls eine Tasse Kaffee. Da meine nun leer war bedankte ich mich und schnappte mir Unterlagen, Leine, Jacke und Schlüssel, zog meine Schuhe an und ging mit Pitch raus. Regen. Immer noch regnete es und stürmisch war es noch dazu. Pitch, der mittlerweile kniehoch gewachsen war zog die Rute ein. Das war absolut nicht unser Wetter und die paar Meter bis zum Auto reichten aus um uns beide zu durchnässen. Der Weg führte uns heute zu einer Show für regionale Pferdezuchten. Zwar stellte ich selber nicht aus, aber es war immer gut zu wissen, mit wem man Kontakte schließen konnte.

      Auf der Show gab es viele Züchter der typisch britischen Rassen. Darunter auch einige Clydesdale und Shire Horse Züchter und ich glaubte sogar zwei Drum Horse Hengste zu sehen. Shire und Clydesdale Züchter verpönten Drum Horses meistens, da sie noch nicht lange als eigenständige Rasse galten. Ich für meinen Teil fand sowohl die einen, als auch die anderen interessant. Allerdings gefielen mir die heute anwesenden Drum Horses nicht so gut. Sie war zu schlaksig und zudem hatten sie beide eine Tovero Scheckung, was ich mit allen Mitteln zu vermeiden suchte. Sehr schön waren jedoch einige Shires. Kräftig gebaut mit ordentlich Halsung und Fesselbehang. Vor einem Exemplar blieb ich stehen. Ein Brauner ohne Blesse, mit vier symmetrisch weißen Beinen. Ein bisschen Weiß hatte er an der Stirn. Das Langhaar war zu shiretypisch verflochten und ließ die eigentliche Länge nur erahnen. Eigentlich war an diesem Pferd nicht viel Besonderes. Den Braunton hatten 90% aller braunen Shires und auch das nur sehr kleine Kopfabzeichen war nicht allzu selten. Es war seine Ausstrahlung die mir gefiel. Acht Jahre alt, gefahren und geritten, mit überschaubarer Showkarriere. Wie ich so das Informationsblatt durchlas sah ich aus dem Augenwinkel, wie sich ein Mann näherte. Neugierig wie Pitch war zog er leicht in dessen Richtung. Als der Mann neben mir stehenblieb und mich freundlich anlächelte wandte ich mich zu ihm. „Sie sehen aus, als hätten sie Ahnung?“ begann der schmale Mann etwas unsicher und sah kurz zu Pitch, den ich daraufhin zu mir zog. „Ich bin Züchter. Hunter Crowley.“ stellte ich mich vor und lächelte den Mann aufmunternd an. „Was für Pferde züchten sie, Sir?“ fragte er übertrieben höflich. „Hauptsächlich Englische Vollblüter.“ Und sie Mr …?“ Ich hatte den Herrn kalt erwischt. Eilig stellte er sich als Jayden Buck vor. „Ich baue mir gerade eine Shire Zucht auf.“ erklärte er und zeigte mir stolz seinen Deckhengst Clairkson. Er sah dem Hengst hier vor uns sogar ein wenig ähnlich, war aber wesentlich dunkler in der Farbe und hatte unregelmäßigere Beinabzeichen. Wir unterhielten uns eine Weile über die Pferdezucht, worauf man zu achten hatte und was bei den Shires als Zuchtziel galt. „Woher kennt ihr euch bei den Shires aus?“ wollte Jayden wissen, der mich noch immer siezte. „Ich habe eine Shire Stute für die Drum Horse Zucht.“ erklärte ich und rechnete eigentlich schon mit einem abfälligen Kommentar. Doch Jayden war interessiert. Mitten im Gespräch darüber ob Drum Horse eine sinnvolle Zucht war oder nicht, brach ich ab. Im Gehen fiel mir eine schwarze Stute auf, die im miserablen Zustand war. „Wieso stellt man sie hier aus?“ fragte ich empört. Die Stute hieß Bad Medicine und war lackschwarz. Sähe sie nicht aus wie ein Flickenteppich durch die ganzen Narben, wäre sie sicher ein hübsches Exemplar ihrer Rasse. Nicht ganz typisch, da weiße Beine eigentlich höchst erwünscht waren, aber ein Hingucker alle male. Auch Jaydens Blick haftete auf der Stute. „Die werden doch untersucht, bevor sie herkommen. Wie kann sie dann hier stehen?“ fragte er und warf einen Blick auf das Informationsblatt. In großen Lettern stand dort „Rette mich“. Es handelte sich hier also um ein Rettungspferd, aus schlechten Verhältnissen. Man suchte über die Show jemanden, der sich der Stute annahm. „Was hältst du davon?“ fragte mich Jayden und versuchte die Stute anzulocken, die sich im hintersten Eck ihres begrenzten Platzes verkrochen hatte. „Nicht viel.“ meinte ich knapp und musste eiskalt auf Jayden wirken, der es tatsächlich geschafft hatte, dass Bad Medicine ein paar Schritte auf uns zu tat. „Wieso nicht?“ fragte er ebenso knapp ohne den Blick von der Stute abzuwenden. „Weil man nicht weiß ob man es je wieder gerade biegen kann, was da falsch gemacht wurde.“ erklärte ich stumpf. „Dafür hätte ich keine Zeit.“ Jayden hatte dafür wenig Verständnis, ließ mir aber meine Meinung. Wir beschlossen gemeinsam etwas zu Essen und verabschiedeten uns nach dem gegenseitigen Versprechen in Kontakt zu bleiben was die Zucht betrifft. Ich machte zusammen mit Pitch noch einen Abstecher zu den Englischen Vollblütern, bevor wir uns auf den Heimweg machten. Zu Hause schrieb ich Käthe von meinem Tag und fragte gleichzeitig wie es bei ihr aussieht. Wir hatten seit einer gefühlten Ewigkeit nicht gesprochen.
    • sadasha
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      13. Februar 2018 | 14487 Zeichen von adoptedfox und sadasha

      Hunter | Mit Kopfzerbrechen lag ich wach. Käthe benahm sich wie ein Teenager, der nicht wusste ob er gute oder schlechte Laune hatte. Mit Sicherheit kam es mir auch nur so vor, aber es nervte mich. Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass es bereits 2 Uhr morgens war. Noch drei Stunden um Schlaf zu finden, bis der Arbeitstag beginnt. Eigentlich hatte Käthe nichts Schlimmes verbrochen. Wir hatten wenig Kontakt und als wir uns zufällig trafen war es komisch. Da kann Käthe auch nichts für, oder doch? Pitch riss mich aus meinen Gedanken. Er träumte und schlug dabei mit seinen Pfoten gegen das Bett, was mich richtig wach machte. Zwar kannte ich die Geräusche schon und sie versetzten mich nicht mehr in einen Schockzustand wie beim ersten Mal als ich sie hörte, aber dennoch saß ich jetzt kerzengerade im Bett und beobachtete den schwarzen Rüden. Punkt 5 Uhr sprang Pitch auf und lief im Zimmer auf und ab. Es dauerte nicht lange, bis mich das Geräusch der Krallen auf dem Parkett so nervte, dass ich aufstand um ihn rauszulassen. Bei der Gelegenheit machte ich mich gleich auch fertig für den Tag und bereitete im Anschluss Pitchs Frühstück vor. Mrs Clayton machte nebenbei Kaffee und warf ab und an einen argwöhnischen Blick auf das rohe Fleisch. „Das riecht fürchterlich.“ klagte sie und sog den Duft der ersten Tasse Kaffee ein um den Gestank loszuwerden. „Für Pitch duftet das gut.“ erwiderte ich und deutete zum Retriever, dem der Sabber schon aus den Lefzen hing. Da er dazu neigte sein Futter in einem Drei-Meter-Radius um sich herum zu verteilen wenn er fraß, fütterte ich ihn seit ein paar Monaten draußen. Auch heute stellte ich die Schüssel vor die Türe und Pitch trottete fröhlich hinterher um sein Frühstück auf dem überdachten Platz zu genießen.
      Ein paar Stunden später stand ich mit Kerry in der Reithalle und half ihr mit Vikar und Mephisto. Die beiden Junghengste waren zur Zeit im Beritt und bekamen daher besonders viel Aufmerksamkeit. Kerry hatte es mit Hilfe einer Trainerin bereits geschafft sie an das Zubehör und Reitergewicht zu gewöhnen, sodass nun die richtige Arbeit anfing. Nach gut zwei Stunden saßen wir wieder ab und brachten die zwei in ihre Boxen. “Ist bei Käthe und dir eigentlich alles in Ordnung?” fragte Kerry. “Wieso fragst du?” Wollte sie jetzt wirklich über meine Beziehung sprechen? “Weil sie lange nicht mehr hier war und du warst schon lange nicht mehr bei ihr. Am Hof gehen schon Gerüchte rund, dass es bei euch kriselt.” - “Gerüchte?” fragte ich lachend. “Jetzt lenk nicht ab! Ist alles in Ordnung?” - “Ich weiß es selbst nicht.” meinte ich schulterzuckend und machte mich auf die Suche nach Pitch. “Du solltest mit ihr sprechen, wenn du nichtmal selbst weißt was Sache ist. Das meine ich nicht nur als Psychologin, sondern auch Freundin.” Wahrscheinlich hatte sie damit recht. Sie hatte Recht. Ohne vorher anzurufen packte ich Pitch in den Wagen, den ich irgendwo bei den Weiden aufgegabelt hatte und fuhr los.

      Käthe | “Soll ich dir sicher keinen Helm bringen?” rief Erin mir über den Platz zu. Ich lachte gespielt und verneinte während ich damit beschäftigt war Smooth Gravity zu parieren. Die Stute machte es mir alles andere als einfach. Als ich sie endlich dort hatte wo ich sie wollte hielt ich neben Erin an und rieb mir mit dem Ärmel den Schweiß von der Stirn. “Du hättest sie Probe reiten sollen.” sagte sie vorwurfsvoll und reichte mir eine Flasche Wasser. “Sie muss sich erst einleben. Gib ihr etwas Zeit!” erwiderte ich und nahm einen kräftigen Schluck. “Einen Versuch noch!” motivierte ich mich selbst und nahm die Zügel auf. Konzentriert trabte ich die Stute an und wechselte durch die ganze Bahn um die Stute anzugaloppieren. Gravity kam mir jedoch einen Schritt zuvor und machte einen gewaltigen Satz nach vorn um mich abzusetzen. Was ihr gelang. “Du hättest dir einen Helm aufsetzen sollen.”

      Stöhnend rappelte ich mich auf und rieb mir die Schulter. “Was machst du denn hier?” fragte ich Hunter und lief zu Gravity die am Zaun stand und mich beobachtete. “Nach dir sehen.” gab er trocken zurück. “Jetzt hast du mich ja gesehen.” antwortete ich und öffnete das Tor um Gravity zurück in den Stall zu bringen. “Ich lass euch besser allein, ja?” flüsterte Erin und lächelte mir aufmunternd zu bevor sie ging. Ich zog der Stute die Zügel über den Hals, nahm die Trense ab und zog ihr ein Halfter an damit ich sie in der Stallgasse anbinden konnte. “Ich wollte nach dir sehen, weil wir sprechen müssen.” sagte er genervt. “Ich hör dir zu.” sagte ich ohne ihn anzusehen, nahm der Stute den Sattel ab und brachte ihn zusammen mit dem Zaum in die Sattelkammer. Mit schmerzverzerrtem Gesicht hob ich den Sattel auf seinen Platz und ging zurück zu Gravity und Hunter. Ich nahm den Hufkratzer aus der Putzbox und hob einen Huf der Stute an. “Du wolltest mit mir sprechen.” erinnerte ich Hunter und begann damit ihren Huf auszukratzen. “Hast du dich verletzt?” wollte er wissen und bemühte sich um eine nicht allzu besorgte Miene zu machen. “Natürlich habe ich mich verletzt, ich wurde gerade in hohem Bogen abgesetzt.” gab ich genervt zurück und drängte mich an ihm vorbei. “Dann fahre ich dich jetzt zum Krankenhaus.” - “Nein das wirst du nicht.” unterbrach ich ihn und sah auf. “Es geht mir gut. Zwei oder drei Tage, dann ist alles wieder in Ordnung.” - “Das.” Er packte mir forsch an die Schulter. “Ist nicht in zwei, drei Tagen wieder in Ordnung.” Ich stöhnte vor Schmerz auf und gab ihm aus Reflex eine Ohrfeige. “Was sollte das?” fragte ich und sah ihn vorwurfsvoll an. Er ignorierte meine Frage und bugsierte mich zu seinem Wagen. Pitch folgte uns fröhlich. “Ich bleibe hier!” fuhr ich ihn an und stemmte meine Hand gegen die Tür damit er sie nicht öffnen konnte. “Damit es schlimmer wird und du für Wochen ausgeknockt wirst, weil du nicht sofort zum Arzt gehen wolltest? Machst du das immer so? Sachen aufschieben?”- “Aufschieben?” fragte ich und wirbelte herum damit ich ihn ansehen konnte. “Du meinst also ich schiebe Sachen auf, ja?” - “Ja.” - “Zum Beispiel?” fragte ich und verschränkte die Arme. Er verdrehte genervt die Augen. “Jetzt gerade, zum Beispiel. Aber wenn du nicht willst. Dann geh halt und sitz es aus.” Er ließ mich los. “Ich bin auch der Meinung du solltest das abklären lassen…” warf Erin ein die, allem Anschein nach, schon eine Zeit lang in der Haustür stand und mitgehört hatte. Ich sah sie an und atmete hörbar aus. “Ich muss mich um…” begann ich, musste aber unterbrechen als Hunter die Wagentür öffnete und mich auf den Sitz schob. “Danke!” rief er Erin zu und ließ sich auf den Fahrersitz fallen. Er zog die Tür zu und verriegelte das Fahrzeug. “Hunter! Das ist Entführung!” rief ich und sah ihn an. “Sobald du aus dem Krankenhaus raus bist, fahre ich dich gerne zur Polizei, damit du mich anzeigen kannst.” meinte er spitz und fuhr los. Genervt schnallte ich mich an und sah aus dem Fenster. Die Fahrt über sprachen wir kein Wort miteinander. Auch im Krankenhaus schien es nicht besser zu werden. Die Notaufnahme war brechend voll und man teilte mir mit, dass es zirka 2 Stunden dauern würde bevor ich dran war. Nervös kaute ich auf meiner Unterlippe herum und ging nach draußen, wo ich mir von einem jungen Mann, der etwa mein Alter hatte, eine Zigarette lieh. Normalerweise rauchte ich nicht, aber manchmal war es eine Erfüllung.

      Hunter | Ich ging davon aus, dass Käthe frische Luft schnappen wollte, daher folgte ich ihr nicht sondern wartete geduldig. Als ich geistesabwesend aus dem Fenster sah konnte ich meinen Augen nicht glauben. Käthe mit einer Zigarette? Seit wann rauchte sie? Ohne nachzudenken ging ich raus und sah sie verwirrt an. “Was hab ich noch verpasst?” fragte ich fast schon enttäuscht, dass ich nichtmal davon etwas wusste. “Ich habe drei neue Pferde und habe die mobile Pferdepflege aufgegeben um meine Trainerlizenz zu erhalten und… sonst eigentlich nichts.” antwortete sie und blies mir den Rauch entgegen. Resigniert nickte ich und zog meine Schachtel Zigaretten aus der Tasche um mir eine anzumachen. “Wie sieht es bei dir aus?” fragte sie und sah mich an. “Wenn sich bei mir etwas Großes bewegt hätte, wüsstest du davon.” - “Das ist also der Grund weswegen du dich nicht mehr gemeldet hast.” - “Was?” verwirrt sah ich sie an. Ich hatte keine Lust wieder zu diskutieren. “Ach vergiss es!” sagte sie, warf ihre Zigarette auf den Boden und ging wieder hinein.

      Nach zwei Stunden wurde Käthe endlich aufgerufen. Die Schulter und der Ellenbogen waren geprellt und der Arzt riet ihr sich zu schonen. Dass sie das nicht tun würde stand außer Frage. “Wieso hast du dich nicht gemeldet?” fragte Käthe leise. “Weil ich nicht sicher war ob es richtig wäre. Deinem Vater ging es nicht gut und ich dachte du würdest dich lieber erstmal auf ihn konzentrieren. Ich wollte nicht stören. Ich war mir sicher, dass du dich gemeldet hättest, wenn es wieder passt.” - “Danke, jetzt fühle ich mich schlecht!” rief sie und rutschte tiefer in den Sitz hinein. Ich lachte leise. “Noch schlechter?” Doch anstatt zu antworten nickte sie nur. “Ich habe oft überlegt dir zu schreiben oder einfach vorbei zu fahren aber ich wollte dich nicht mit meinen Problemen belasten.” Seufzend stieg ich aus und ging um den Wagen herum um Käthe die Tür zu öffnen. “Also waren wir in etwa gleich blöd.” schloss ich und warf die Tür zu, nachdem Käthe ausgestiegen war. “Kann man so sagen, ja.” antwortete sie und lächelte. Wie sie da stand, noch immer an den Wagen gelehnt und lächelnd trotz ihrer Verletzung an der Schulter, war sie der schönste Mensch, den ich mir jetzt gerade vorstellen konnte. Es fühlte sich an als hätte jemand die Zeit angehalten, doch mein Herz raste dagegen an. Wie gerne würde ich sie jetzt... Doch ich hielt mich zurück. Wir hatten gerade erst unseren bisher größten Konflikt gelöst und da konnte ich jetzt nicht... oder doch? Unwillkürlich sah ich mich vor ihr, hatte meine Hände an ihre Hüfte gelegt und berührte sanft ihre Lippen mit meinen. Es war kein richtiger Kuss, es war mehr eine kaum spürbare Berührung. Doch sie weckte mich aus meiner Trance. Ein eiskalter Schauer durchlief meinen Körper und riss mich ein paar Schritte von ihr weg. Noch immer pochte mein Herz so stark, als wolle es mir aus der Brust springen. Ich atmete hörbar aus und fuhr mir durch die Haare, während ich mich langsam wieder beruhigte und zu ihr umdrehte. “Ist alles in Ordnung?” fragte Käthe besorgt und rieb sich die verletzte Schulter. “Alles Bestens.” gab ich verschmitzt lächelnd zurück. “Ich muss leider wieder fahren. Isaac ist heute quasi Alleine mit den Pferden und da muss ich mithelfen.” - “Schreiben wir heute Abend miteinander?” fragte sie, während sie auf mich zu kam und umarmte. “Ich habe dich wirklich vermisst.” flüsterte sie leise und lehnte ihren Kopf auf meine Brust. “Ich hab dich auch vermisst. Ich schreibe dir wenn wir mit den Pferden durch sind.” Ich konnte sie zwar nicht sehen, spürte aber dass sie zufrieden lächelte. “Dann schaue ich mal wie weit Erin mit den Pferden ist.” - “Melde dich, wenn du mich brauchst. Ich kann Isaac auch mal alleine lassen.” meinte ich schmunzelnd und öffnete die Fahrertür. “Mache ich, versprochen!” sagte sie lächelnd und entfernte sich ein paar Schritte vom Wagen damit ich fahren konnte.

      “Auch mal wieder da?” rief mi Isaac zu, der gerade mit Mr. Raw Depression von den Feldern zurück auf den Hof kam, als ich aus meinem Wagen stieg. Es war mittlerweile Spätnachmittag und eigentlich hätte ich ihm helfen müssen die Pferde zu versorgen, weil Kerry nur bis mittags da war. Entschuldigend hob ich die Hände und kam mit Pitch im Schlepptau zu ihm. “Es kam leider etwas dazwischen. Wer muss noch gemacht werden?” Isaac taxierte mich kritisch, während er Mr. Raw Depression auf eine unscheinbare, ruhige Art die Leviten las, da der Hengst versuchte einfach weiterzulaufen, obwohl Isaac stehen geblieben war. “Du kannst deine Vollblüter als abgehakt sehen. Ehrengold, Raving Hope Slayer und PFS Strolch hatte Kelly noch auf die Rennbahn gelassen und Slap Happy, Blütenzauber, Bear Totem’s Denali, Moulan, Riven in a Dream, Scarlet in Birth, LMR Lady Luna, PFS’ Savory Blossom, Happy Fantasy und CHH’ Classic Spring hab ich in der Führanlage laufen lassen. Golden Sugar, Stars of Magic, PFS’ Storm Cat, Little Miss Backyard, Fantastic Sonata, Rouge Trap, What Rainbow und Bear Brooks Denahi hat Kerry glaube ich zusammen von der einen zur anderen Weide geschickt. Keine Ahnung welcher Sinn dahinter stand, aber die Fohlen sind damit alle bedient gewesen, sodass ich sie zwischendurch nur zurück in die Boxen gebracht hatte. Immerhin soll es kommende Nacht wieder frieren. Achja, Benji und Niffler haben sich heute in den Haaren gehabt, die hab ich jetzt getrennt gestellt. Nicht dass du dich wunderst. Wir müssten jetzt noch die Großen machen und Verdine.” - “War Ruby da?” Isaac nickte. “Ja, war sie. Sie hat Braddock ‘The Parrot’ bewegt und ist dann wieder abgezischt. Die war wegen irgendwas verstört, schlechte Noten, Beziehungsdrama, weiß der Geier… Apropos Beziehungsdrama…” Wieder taxierte der Ire mich und wartete auf eine Antwort. Doch ich beschloss nicht auf diese Anspielung einzugehen. “Gut, dann schnappe ich mir als erstes Iseabail und Lady Lyneth Bowen. Du nimmst dir bitte Magical Touch und Felan vor.”
      Gesagt getan, beide machten wir uns an die Arbeit. Isaac ließ immer wieder Sticheleien vom Stapel und versuchte aus mir herauszuquetschen was denn jetzt mit Käthe und mir war, doch ich genoss es ihm den Gefallen nicht zu machen. Soll er ruhig ein bisschen grübeln, wenn es ihn so brennend interessierte. Nachdem die Stuten bewegt waren, blieben uns nur noch Mister Blockhead und Thomas. Als auch diese beiden Hengste zufrieden und müde in ihren Boxen standen war es schon längst Dunkel geworden. Die Uhr zeigte 11 Uhr abends. “Danke.” sagte ich knapp als Isaac sich in seinen Wagen schwang. “Du weißt, dass du dich immer auf mich verlassen kannst.” gab er zurück und knallt die Tür zu um loszufahren. Lachend wandte ich mich ab und ging noch einmal über den Hof um alle Tore und Türen zu kontrollieren. Nebenbei sammelte ich Pitch ein, der sich in einer leeren Box auf Mäusesuche begeben hatte. “Komm Junge.” rief ich und der schwarze Rüde folgte, wenn auch widerwillig. Als ich mir sicher war, dass der Hof gut abgeriegelt war ging ich ins Haus und sprang erstmal unter die Dusche, ehe ich mich aufs Bett warf und mein Telefon aus der Tasche kramte um mich bei Käthe dafür zu entschuldigen, dass es so spät geworden war.
    • sadasha
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      11. Juni 2018 | 13.173 Zeichen von sadasha
      Neuzugänge

      Als mitten in der Nacht das Telefon klingelte drehte ich mich zuerst noch einmal auf die andere Seite, in der Hoffnung den schrillen Ton ignorieren zu können. Doch sobald ich mich umgedreht hatte leckte mit Pitch hektisch über das Gesicht. Genervt schob ich ihn von mir weg und richtete mich ächzend mit einem Blick auf die Uhr auf. Wer zur Hölle ruft um 2:37am an? Die Vorwahl sagte mir nichts und das konnte nur bedeuten, dass der Anrufer von weit weg kam. Wenigstens erklärte das auch die irre Zeit. Verschlafen nahm ich das Gespräch an und brummte ins Telefon. "Ehm… Hunter?" Ich brummte erneut. Eine Frau war am anderen Ende der Leitung und die Verbindung stand eher schlecht als recht, sodass der Ton knisternd und rauschen bei mir ankam. "Hey! Wir hatten uns doch über deine Tinker unterhalten! Und was du suchst und ja… Ich hab eine tolle gefunden, Pearl carrier und… du wolltest keine Fohlen oder?" Nachdenklich schwieg ich. Cooper aus Kanada war am Telefon, doch auch bei ihr musste es jetzt schon spät sein. "Schläfst du auch mal?" brummte ich ohne ihre Frage zu beantworten. Sie lachte. "Ist doch noch früh hier! Oh, hab ich dich geweckt? -" sie brabbelte eine Entschuldigung und redete dann über ein Fohlen, das sie ebenfalls entdeckt hatte. "Double Dilute! Du suchtest doch sowas oder nicht? Und eine Stute! Warte, ich schicke dir Fotos. Und… Hunter ich hab die zwei gekauft, du kannst also nicht Nein sagen. Im Zweifelsfall werden die sicher auch klasse Therapiepferde für deine… Freun-, Kollegin?" Ich hatte nach Fotos mein Gehör eingestellt und kramte nach meinem Laptop. Pitch hatte seinen Kopf auf dem Bett abgelegt und sah mir schwanzwedelnd dabei zu wie ich versuchte klar zu werden. "Warte kurz, der Laptop braucht Strom…" unterbrach ich Cooper. "...und ich brauche Kaffee."

      Nachdem ich mir einen Kaffee gemacht und Pitch auf den Hof gelassen hatte, setzte ich mich mit dem Laptop ins Wohnzimmer wo auch das Ladekabel lag. Die Stute war bereits eingeritten und gefahren und komplett durchgetestet was Erbkrankheiten und Farben betraf. Für mich also perfekt und dass sie Pearl Trägerin war würde später noch mit Mephisto interessant werden. Das Tinkerfohlen war sehr kompakt gebaut trotz der Größe und sie sah auch ansonsten korrekt aus. Hier wurde nicht nur wegen der Farbe gezüchtet. Trotzdem sah ich mir auch die Linien der kleinen Stute ausgiebig an, ehe ich mich bei Cooper bedankte. Gemeinsam planten wir die Überfahrt nach England und klärten das Finanzielle. Als ich auflegte wurde es schon hell und auch Cooper war jetzt müde. Wir wünschten uns also noch eine gute Nacht und legten dann auf. Ich jedoch blieb jetzt wach. Ich ging ins Bad um zu Duschen und mich für den Tag fertig zu machen. Noch bevor einer der Angestellten eintrudelte hatte ich die Fütterung fertig, die ersten Pferde auf die Weiden gebracht und mistete die ersten paar Boxen, bis Beth zum Arbeitstag kam und mir das Werkzeug aus der Hand schnappte. "Guten Morgen!" meinte sie fröhlich und lächelte mich an. "Du hast wohl nichts Besseres zu tun, hm?" Ich verneinte grinsend und streckte mich ausgiebig, ehe ich aus Benjis Box ging. Der kleine Hengst stand zusammen mit seinem Shettykumpel Niffler auf einer doppelt gesicherten Weide aus denen sie nicht mehr ausbüchsen konnten. Zu meiner Überraschung kam mir Ruby entgegen, als ich Thomas von der Weide holen wollte um mit ihm zu arbeiten. Sie hatte ihren Ponyhengst Braddock 'The Parrot' an der Hand. "Mit dir habe ich erst am Nachmittag gerechnet. Keine Schule heute?" Sie grinste über beide Ohren und nickte. "Richtig. Es sind viele Lehrer krank und deshalb dürfen heute zwei Klassen zu Hause bleiben. Ich bin unter den Glücklichen." - "Na dann viel Spaß." meinte ich und ging weiter zu meinem Drum Horse Hengst. "Achja Hunter?!" rief Ruby noch und ich blieb kurz stehen. "Später kommen noch ein paar Freundinnen, können wir uns die Shettys dann leihen? Nur auf dem Hofplatz etwas Spielen mit den Ponys?" Ich nickte und gab ihr einen Daumen hoch, ehe ich wieder kehrt machte. Thomas stand zusammen mit Tank am Rand der Weide, wo das höchste Gras wuchs. Doch im Gegensatz zum Rappen graste er nicht, sondern beobachtete aufmerksam mein Verhalten. Vielleicht erkannte er, dass ich sein Halfter mitschleppte. Jedenfalls trabte er ein paar Schritte auf mich zu, sodass auch Tank kurz aufsah um zu überprüfen was seinen Kumpel aufmischte. "Guter Junge." lobte ich den Schecken und streichelte den kräftigen Hals, als er bei mir stand und sich das Halfter überziehen ließ. Den fast vierjährigen Hengst hatte ich seit Kurzem unterm Sattel und er machte sich soweit ganz gut. Die langen Beine bekam er noch nicht immer richtig geordnet, doch dafür übten wir das ja. Auch heute sattelte und zäumte ich ihn. In der noch recht kühlen Reithalle longierte ich Thomas zuerst ab und schwang mich dann in den Sattel. Im Moment arbeiteten wir an seinem Trab und den Übergängen zum Schritt. Hier und da, wenn die Motivation stimmte versuchten wir es auch schon mit kurzen Galoppphasen. Doch die waren kaum nennenswert und wirklich schlacksig in der Ausführung. In Trab und Schrott kam Thomas aber schon gut runter, lernte sich zu entspannen und versuchte es mir Recht zu machen.
      Nach der Session mit dem Drum Horse Hengst rief ich bei Käthe an. Sie erzählte mir vom ein oder anderen Neuzugang und dass sie nun aufpassen müsse nicht noch mehr Pferde ins Boot zu holen. Ich erklärte ihr, dass es mir da im Moment nicht viel anders ging. Die beiden Neuzugänge Stonery und Hester würden wohl nächste Woche eintreffen. "Achja und wenn du ja jetzt eine Rappstute hast verlange ich ein Shooting zusammen mit Moulan und als Kontrast vielleicht Smooth Gravity, sollten die sich verstehen." meinte ich und lächelte bei dem Bild, das ich mir da zusammenstellte. Echo's Maiden sollte die Rappstute heißen. "Mit blauen Augen!" Ich war sehr gespannt sie kennenzulernen. "Und wenn du so denkst, kannst du Sympathy of the Devil auch gleich mit einplanen. Die ist auch schwarz-weiß." Ich brummte wohlwollend. "Und wen hat dir Occulta noch verkauft?" fragte ich neugierg. "Einen Hengst." sagte sie aufgeregt. "Valentine's Cantastor heißt er. Ein Brauner." Da ging mir sofort ein Licht auf. "Den habe ich gesehen, als ich sie mal besucht habe. Holst du die zwei ab oder werden sie dir gebracht?" Käthe schwieg. "Ich sehe dich nicht, das ist dir aber klar oder?" fragte ich vorsichtig. "Ja klar… Keine Ahnung, das haben wir noch nicht geklärt." Ich lachte leise. "Gut, ich komme später vorbei. Bearing Spots und Compliment erkennen mich vielleicht schon nicht mehr, so lange war ich nicht mehr da." Wir legten auf. Kerry hatte mittlerweile Vikar und Mister Blockhead für heute fertig, sodass sie nur noch die Stuten übrig hatte. "Venetia und Magical Touch spanne ich mir an und bin für etwa eine Stunde im Gelände." erklärte ich und ging mit den Halftern der beiden Stuten auf die Weide. Erleichtert dankte sie mir und schnappte sich das Halfter von Felan. Max und José sind fleißig mit CHH' Classic Spring und PFS Strolch. Die beiden Vollblüter räumten auf den Rennen aktuell viele Schleifen ab. Bald würde ich Bear Brooks Denahi ebenfalls auf die Rennbahn schicken, doch ihr fehlte es noch an Ausbildung.
      Während ich mit den beiden Tinkerstuten unterwegs war überlegte ich was ich am nächsten Tag unternehmen wollte. Die beiden benahmen sich vorbildlich und wir hatten eine sehr entspannte Runde um das Gestüt herum. Die Schatten der Bäume ließen die brennende Sonne nicht zu uns durchdringen, sodass wir immer noch fit waren als wir auf den Hof zurück kehrten. "Crowley, sie sollten was essen!" rief mir Mrs. Clayton von der Türe zu. Ich brachte zuerst die beiden Stuten zurück auf die Weiden und schob die Kutsche die letzten paar Zentimeter in die Scheune, ehe ich zum Essen kam. Danach setzte ich mich mit Pitch ins Auto und fuhr nach Nottingham um Käthe zu besuchen.

      "Erin ist mit Hibana unterwegs." erklärte Käthe und küsste mich sanft zur Begrüßung. "Wir haben den Hof für uns!" Hinter ihr stand Amistad und stupste sie ungeduldig an. "Wir bringen den kurz weg ja? Dann zeig ich dir auf dem Rückweg Echo's Maiden und dann gehen wir rein. Die beiden anderen sind ja noch nicht hier. Aber ich hab Fotos!" erzählte sie stolz. Dass ich auch nach den beiden Fohlen gucken würde war selbstverständlich. For an Angel streckte neugierig den Kopf aus der Box, als wir an ihr vorbeigingen. Amistad war auch nicht abgeneigt gegenüber der hübschen Stute, doch Käthe kannte keine Gnade und zog den Scheckhengst weiter bis zu seiner Box. "Wo sind denn die Kleinen?" wollte ich wissen. Käthe zeigte nach draußen und ich beschleunigte meinen Schritt. Bearing Spots und Compliment standen gleich draußen, wenn man aus dem Stall kam und warteten darauf reingeholt zu werden. "Die sollen noch draußen bleiben, Hunter!" rief Käthe, als ich das Tor öffnete um mich auf die Weide zu mogeln. Sofort kamen die beiden zu mir und taxierten mich neugierig. Doch Leckerchen hatte ich heute nicht dabei. Besonders Compliment hatte nochmal einen ordentlichen Wachstumsschub. Ich ließ meinen Blick über die anderen Weiden schweifen. Grenzfee stand auch noch draußen zusammen mit der neuen Rappstute. Smarty Jones war der einzige, den ich noch nicht gesehen hatte. Aber er würde dann wohl in seiner Box stehen. Pitch fing an zu quängeln, weil ich ihn nicht mit auf die Weide gelassen hatte und bevor er richtig laut wurde kam ich lieber wieder raus und ging mit ihm Käthe hinterher ins Haus. Hier tauschten wir uns über unser beider Neuzugänge aus. "Ach, ich hab ganz vergessen dir Echo's Maiden zu zeigen." sagte Käthe schockiert. Doch ich unterbrach sie, ehe sie weitersprechen konnte. "Ich hab sie eben schon gesehen. Sie sieht toll aus. Wunderbar groß!" - "Und ihr Fell ist total samtig!" fügte Käthe hinzu woraufhin ich schmunzelte.

      Wir waren erst spät wieder heim gefahren und so schaffte ich es in dieser Nacht wieder nicht den verlorenen Schlaf nachzuholen. Doch es half nichts. Wenigstens war Kerry früher da und hatte sich schon Iseabail und Lady Lyneth Bowen gewidmet. Ich ging daher sofort über zu meinen Vollblütern. Kerry würde später noch Xana bespaßen. Ich begann mit Happy Fantasy. Die Stute kam grundsätzlich etwas zu kurz und deshalb gehörte mein Vormittag heute gänzlich ihr. Ich putzte sie ausgiebig, sattelte sie dann und ging mit ihr auf die Militarystrecke in Mitten der Rennbahn. Von hier aus konnte ich meinen Jockey bei der Arbeit zusehen. Sie hatten heute die Oldies Ehrengold und Mikado aus dem Stall geholt. In der Mittagspause erklärte ich den beiden dass ich mir als nächstes Mr. Raw Depression rausnahm. Die beiden nickten und sagten dann dass sie PFS' Savory Blossom und Raving Hope Slayer rennen wollten.
      Ich freute mich sehr, als am Nachmittag Isaac aus dem Urlaub kam. Übersäht mit noch mehr Sommersprossen als üblich und mit heller Fläche rund um die Augen, weil er wohl die Sonnebrille nicht abgenommen hatte bevor er sich an den Strand gelegt hatte. Freundschaftlich begrüßten wir uns und gingen zusammen in den Stall. Blütenzauber und Riven in a Dream waren die nächsten, die wir uns vornahmen. So heiß wie es war zogen wir uns in die Reithalle zurück, wo auch Abby schon den ganzen Tag war. Sie hatte sich mit Moulan beschäftigt und jetzt gerade ritt sie Scarlet in Birth warm. "Beth macht das mit den Fohlen gut oder?" fragte Isaac, der unsere Stallhilfe vor seinem Urlaub auserkoren hatte die Fohlenarbeit zu übernehmen. Sie hatte damit zu Beginn sehr zu kämpfen. "Sie hat sich gut mit ihnen eingespielt, ja." gab ich zurück. Besonders das Hengstfohlen Golden Sugar hatte sie ganz gut im Griff. Die Flausen von PFS' Storm Cat oder Stars of Magic waren dagegen ein Witz. Als wir mit den beiden Stuten fertig waren hatte Beth gerade Little Miss Backyard an der linken und Fantastic Sonata an der rechten Hand. "Könnt ihr nicht noch die letzten beiden übernehmen?" flehte sie und Isaac und ich tauschten vielsagende Blicke aus. Wir stimmten aber zu. So konnte Beth mit der Stallarbeit weiter machen und Isaac und ich schnappten uns What Rainbow und Rouge Trap. Die beiden Stuten brannten schon darauf die Welt zu erkunden. Als wir jedoch mit ihnen nach draußen gehen wollten um eine Runde um den Hof herum zu machen scheuten sie und wollten lieber wieder zurückgehen. Wir tasteten uns also eine Ecke vorsichtiger heran und ließen die beiden Stutfohlen in Ruhe gucken und das Tempo selbst bestimmen. Weit kamen wir so zwar nicht, aber wir konnten das Führtraining mit einem positiven Gefühl abschließen, als wir nach einer halben Stunde auf den Hof zurück kehrten um die Fohlen in ihre Boxen zu bringen wo sie übernachten würden.
      Am nächsten Tag hatten die meisten Pferde frei und so konzentrierte ich mich auf Slap Happy. Isaac hatte sich Bear Totem's Denali fertig gemacht und Kerry nahm LMR Lady Luna mit auf einen gemeinsamen morgendlichen Ausritt. Am Nachmittag kümmerten sich die beiden um Verdine und Tainted Whiz Gun, sodass ich frei hatte. Ich nutzte die Zeit um mit Pitch zum See zu gehen und die Woche ruhig ausklingen zu lassen. Nächste Woche würden die beiden Neuzugänge eintreffen und die Stallordnung wieder mal aufmischen.
    • sadasha
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      01. November 2018 | von sadasha
      Schnelle Pflege für alle Pferde

      Nachdem ich endlich vom Arzt das Go bekommen habe meine Pferde wieder zum teil selbst zu versorgen, machte ich mich heute früh gleich auf in den Stall um bei der Fütterung auszuhelfen. Ich fing bei meinen Zuchtstuten an um sie als erste auf ihre Weide bringen zu können. LMR Lady Luna, PFS' Savory Blossom und Scarlet in Birth streckten schon neugierig die Köpfe aus der Box, als sie den Fuggerwagen hörte. Slap Happy kam erst zur Tür, als ich bereits vor ihr stand. Als Boxennachbarin wurde dann auch Mikado neugierig. Riven in a Dream war noch im Halbschlaf und musste erstmal aufstehen, als sie das Futter hörte. Ich versuchte noch ein Foto davon zu machen, wie sie in ihrer Box lag, doch ich war zu langsam und erwischte sie mitten in der Bewegung. Die Dunkelheit gab dann den Rest dazu, das Bild war komplett verschwommen. Als nächstes waren Moulan, Blütenzauber und Bear Totem's Denali an der Reihe. Die Vollblut Zuchtstuten waren damit fertig. Nach der Fütterung kamen sie auf ihre Weide. Jetzt waren Tainted Whiz Gun, Verdine und Happy Fantasy bereit für ihr Frühstück. Die bunte Truppe stand nicht mit den Zuchtstuten auf einer Weide. Sie hatte ein eigenes Weideplätzchen und war so harmonisch, dass ich sie gar nicht in die große Herde werfen wollte. Die "Youngsters" hingegen schon. CHH' Classic Spring, PFS' Storm Cat, Rouge Trap, Fantastic Sonata und Essence of Life konnten sich schonmal daran gewöhnen mit tragenden Stuten und Fohlen umzugehen. Sie waren meine Anwärter. Die Jährlingsstuten Little Miss Backyard, Stars of Magic und What Rainbow standen zusammen mit Hester auf einer Weide weiter weg von ihren Mutterstuten. Das Absetzen hatten sie bereits hinter sich, doch ehe sie wieder zu den Großen kommen, würde noch etwas Zeit versteichen. Framed in Fantasy, mein neuster Zuwachs stand zusammen mit Braddock 'The Parrot', Niffler und Benji auf einer Weide, da ich aktuell keine Hengstfohlen außer ihm auf dem Hof hatte. Als die Fütterung der Stuten durch war öffnete ich die Paddockboxen der Hengste. Dabei ließ ich zuerst die älteren Hengste raus. Ehrengold und Mr. Raw Depression und danach Reverence. Zuletzt kamen Raving Hope Slayer und PFS Strolch auf ihre Paddocks.
      Mirko hatte sich in der Zwischenzeit um den zweiten Stalltrakt gekümmert und Xana, Stonery, Venetia, Felan, Magical Touch, Delmara, Iseabail, Lady Lyneth Bowen und Uschi komplett versorgt. Beth war noch dabei die Kaltbluthengste raus zu bringen. Maeyr, Schneemann und Mister Blockhead hatte ich schon draußen gesehen. Tank, Buck or Two, Thomas, Vikar und Mephisto standen noch in ihren Boxen. Ich hatte noch zwanzig Minuten Zeit um eine Box fertig zu machen für den heutigen Neuankömmling. Ramira, eine Tinkerstute, die auch Kerry gut gefallen wird. Sie war charakterlich einwandfrei und genoß bislang ein sehr liebevolles zu Hause in dem sie ordentlich in der Freiarbeit gefördert wurde. Für ein Therapiepferd exzellente Voraussetzungen. Nach der langen Reise aus Deutschland würde sie erstmal Ruhe brauchen. Ich streute deshalb so ein, dass sie es gemütlich hatte. Futter würde sie Portionsweise mitbringen, sodass ich mir darum vorerst keine Gedanken machen musste. Futterumstellungen hatte ich nun schon zu genüge umgesetzt und auch Ramira wird damit sicher gut zurecht kommen, sobald ich damit beginne. Ich legte ein paar saftige Möhren in den Futterkrug und öffnete das Fenster zum Innenhof. Damit war ich mit meinem Tagesplan fertig.
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  • Album:
    Gnadenweide | Pferdehimmel
    Hochgeladen von:
    sadasha
    Datum:
    14 Feb. 2017
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    Hengst
    2012 | 9 Jahre
    Rasse Englisches Vollblut
    Stockmaß/Endmaß 169cm
    Fellfarbe Braunschecke
    Geno Ee Aa nTo

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    Charaktereigenschaften
    Ausgeglichen, Temperamentvoll, Begabt, Nervenstark, Intelligent, Aufmerksam

    Vorgeschichte
    Aufgewachsen ist Ray in England, wo er im Herdenverband die wichtigsten Regeln im Leben eines Pferdes gezeigt bekam. Die Zucht aus der dieser Hengst stammt war überrascht als ihre Stute mit hochweißen Abzeichen plötzlich einen Schecken zur Welt brachte. Umso schöner war seine Entwicklung mit anzusehen, die sich Tag für Tag mehr entfaltete. Aus dem zierlichen Jährling wurde mit Training ein wunderschöner, stattlicher Hengst. In eine bestimmte Sparte wurde er bisher noch nicht gedrückt, Jill entschloss sich aber beim Eintreffen des Hengstes, ihn als Eventer auszubilden. Er wird also in Dressur-, Spring- und Militaryprüfungen zu sehen sein.

    Beschreibung
    Wie es sich für ein englisches Vollblut gehört ist Mr Raw Depression ein hochsensibles Tier. Er zeichnet sich durch enorme Ausdauer und Willensstärke aus. Er prägt sich sehr auf einen Menschen und bereit ihm durch seine Intelligenz viel Freude beim Training. Anders als andere Vollblüter ist Ray nicht zu schreckhaft, er hat noch nie eine Rennbahn gesehen und wurde aufgezogen wie jedes andere Sportpferd. Seine Grundausbildung war sehr solide und hat ihn zu einem ausgeglichenem Hengst gemacht, der auch mit anderen Hengsten umzugehen weiß.

    Die gute Ausbildung wird sich in Mr. Raw Depressions Zukunft bezahlt machen. Er trägt eine Kopie des Tobiano Gens ins ishc, was ihn noch interessanter machen wird. Nicht nur Jill hat sich gleich in diesen Hengst verliebt, als sie ihn sah. Seine Gliedmaßen sind wohl geformt und seine Gelenke klar. Das Langhaar ist fein und zweifarbig. Die Mähne ist, wenn sie offen getragen wird, auf Turnierlänge gekürzt. Auch der Schweif wird regelmäßig beigeschnitten. Die Hufe des Hengstes werden für Zuchtshows schwarz lackiert, darunter befinden sich die guten Hufe eines Barhufers. Eisen sind nicht geplant.


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    Trainingsplan
    Eingeritten ✔ | Eingefahren x

    Schleifenaufstieg | Trainingsaufstieg | Potential
    Oben = Joelle Qualifikation | Unten = Variationen

    Dressur E A L M S

    Lektionen der Dressur: E A L LM LP M S


    Springen E A L M S
    Show Jumping: E A* A** L M* M** S* S** S*** S****

    Military E A L M S

    Geländestrecke: CIC/CCI* CIC/CCI** CIC/CCI*** CIC/CCI****
    Eventing (British Eventing, national): BE80(T) BE90 BE100 BE100Plus Novice Intermediate Advanced Intermediate Advanced


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    Offiziell
    74. HdMW | 75. HdMW | 76. HdMW
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    SW 435 | BZSW 410 | SW 450
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    331. Dressurturnier | 328. Springturnier | 227. Militaryturnier | 331. Springturnier | 229. Militaryturnier
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    338. Dressurturnier | 336. Springturnier | 105. Synchronspringen
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    Inoffiziell

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    CHH' Third Advent Derby

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    August 2016 - Bestes Jungpferd
    Richtnote: 8.05


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    Von unbekannt
    Aus der unbekannt

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    HK 478 - Alle Rassen

    Eingetragene Zucht Bear Brook EC
    Besitzer sadasha (Hunter Crowley)
    VKR/Ersteller sadasha

    Information zur Genetik
    To ist an E gekuppert. Das heißt Tobiano Nachzucht erbt von Mr. Raw Depression xE xTo.
    x steht hierbei für den Genpool der Mutter, der natürlich variieren kann.





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    Letzter Tierarztbesuch unbekannt
    Gesamteindruck unbekannt


    Letzte Zahnpflege überfällig
    Letzte Wurmkur überfällig
    Letzte Impfung überfällig


    Letzter Hufschmiedbesuch unbekannt
    Ausgeschnitten/Korrigiert nein


    Beschlag vorne keiner
    Beschlag hinten keiner


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