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Flair

♚ Bijou [TRAK]

Trakehner, Hengst, *2005, zugelassen [Decktaxe: xxxJoellen]

♚ Bijou [TRAK]
Flair, 1 Mai 2020
Donoma, Cooper, Zaii und 3 anderen gefällt das.
    • Flair
      [​IMG]
      25.08.2017 | Verjährte Pflege

      Vergangene Pflegeberichte des Hengstes Bijou

      Sammelpflegebericht
      ubk | Ranga

      Am frühen Morgen wurde ich von den Vögeln des Westerwaldes auf dem Bett gezwitschert. Ich schleppte mich aus dem Bett in das Bad. Nachdem ich mich fertig gemacht hatte, setzte ich mich an den Frühstückstisch und nahm die wichtigste Mahlzeit am Tag zu mir. Eine schale Müsli und ein Brot mit Käse, Gurke und Tomate für unterwegs. Ich schlüpfte in meine Arbeitsschuhe und lief zum ersten Stall rüber. In dem ersten Stall standen vier Trakehner, darunter auch zwei Fohlen. Ich nahm eine Schubkarre und befüllte diese mit Heu und den anderen Futtereimern und drehte die Runde durch den Stall. Denn auch die Vierbeiner brauchten Ihr Frühstück. Aufgeregt scharrten Sie mit Ihren Hufen das Stroh auf und klapperten gegen die Box. Nachdem ich das Heu und Müsli verteilt hatte ging ich in die zweite Stallgasse. Zu den Freibergern. Leider war diese Stallgasse noch nicht so befüllt, doch ich hoffte das würde noch werden. Bisher steht hier nur die Fuchsstute Firestone und der neu dazu gewonnene Hengst Go Solo. Auch in dieser Stallgasse verteilte ich das Futter. Die Trakehner Bijou, Simble Jacson, Falona und Celeberity Girl durften jetzt fertig sein mit dem Frühstück. Ich ging zunächst zu Bijou und nahm ihn aus der Box. Ich putzte Ihn gründlich und führte Ihn dann in die Führmaschiene. Er war ein unheimlich liebes Pferd. Nie würde er einer Fliege was zu leide tun und auch hier hoffte ich, das ich eines Tages mal Nachwuchs von Ihm ernten könnte. Nachdem ich Bijou nun eine Aufgabe gegeben hatte, ließ ich Falona und Celebrity Girl in der Dressurhalle etwas laufen und Simble Jacson holte ich ebenfalls aus der Box und putzte ihn gründlich. Dann legte ich Ihm die Longiersachen an und ging mit Ihm in den Roundpen. Als erstes ließ ich Ihn ein wenig Schritt laufen zum Aufwärmen. Nach geraumer Zeit trabte ich Ihn locker an. Immer wieder wechselte ich die Seiten und ließ Ihn auch mal über Stangen laufen. Nachdem ich mit Simble Jacson fertig war durfte ich ein wenig auf die Weide. Ich holte die Fohlen wieder rein und Bijou durfte auch noch was auf die Weide. Ich ging in den Freibergerstall rüber und holte Go Solo aus der Box. Ich putzte Ihn und brachte Ihn dann in die Führmaschiene. Ich ging wieder zurück in die Stallgasse und holte Firestone aus der Box. Ich machte Sie fertig fürs reiten und ging mit Ihr in die Halle, denn heute war es mir zu windig als das ich auf dem Platz reiten könnte. Wir machten uns ein wenig im Schritt warm und konnten dann nach geraumer Zeit anfangen zu traben. Nachdem reiten ließ ich Sie noch ein bisschen Schritt laufen und brachte Sie dann auf die Weide, wo Go Solo auch hin durfte. Jetzt waren so gut wie alle Pferde auf der Weide und ich konnte endlich die Boxen ausmisten. Nachdem ich mit dem Boxen ausmisten fertig war holte ich alle Pferde wieder rein und am späten Abend bekamen sie Ihr Abendessen.

      Tierarztbericht
      ubk | Eddi

      Der heutige Tag begann für mich mit einem großen Auftrag, denn auf Nachfrage hatte ich eingewilligt, gleich einmal auf einen Schlag Steffies gesamten Stall unter Augenschein zu nehmen. Erst vor einer knappen Woche hatte ich ihre beiden Freibergern untersucht und heute sollte der Rest dran sein. Das hieß, dass ich meinen Vormittag ihren restlichen acht Pferden widmen würde. Ich war mir ziemlich sicher, dass wir das ohne Probleme schaffen würden. Als ich auf ihrem Gestüt ankam, war es gerade kurz nach acht und Steffie war auch schon im Stall unterwegs.
      Ich begrüßte sie herzlich und folgte ihr dann direkt mit zur ersten Box. Wir begannen mit ihren beiden Stutfohlen und als erstes war Falona an der Reihe. Mit der Hübschen würde ich wohl weniger Probleme haben, denn sie hatte eine zeitlang bei mir selbst im Stall gestanden und so kannte sie mich bereits. Problemlos ließ sie sich im Schritt und Trab vorführen, ehe Steffie sie für mich am Putzplatz festband. Zuerst warf ich einen Blick in Augen und Maul, dann hörte ich das Stütchen gründlich ab, ehe ich auch noch Genick, Rücken und Beine abtastete.
      Falona war topfit und auch die Körpertemperatur war in Ordnung. So konnte ich sie guten Gewissens impfen und entwurmen. Die Spritzen hielt Falona tapfer aus und ließ sich auch nach dem Chippen nicht entmutigen. Dementsprechend gelobt wurde sie auch und dann war sie ja auch schon fertig und durfte zurück in ihre Box. Stattdessen war direkt ihre Nachbarin Celebrity Girl an der Reihe. „Die beiden sehen sich ja verdammt ähnlich“, meinte ich lachend zu Steffie und sie nickte zustimmend.
      „Die beiden sind Vollgeschwister“, klärte sie mich auf. „Oh“, meinte ich grinsend. Nicht nur abstammungsmäßig ähnelten sie sich sehr, sondern auch was ihre Gänge und ihren Körperbau betraf. Beide besaßen ein korrektes Exterieur und würden später in Sport und Zucht sicherlich ein gutes Bild abgeben. Auch Celebrity Girl ließ sich brav untersuchen, abhören und abtasten. Nur die Impfungen fand sie gar nicht toll und Steffie musste sie mir festhalten. Dann gab es auch noch die Wurmkur und den Chip, aber dann war die kleine Stute zum Glück fertig und durfte mich verlassen.
      Nun wechselten wir zu den größeren Kalibern und als erstes führte mir Steffie ihren Hengst Simble Jacson vor. Direkt zu Anfang wurde deutlich, dass der Hengst sehr dominant war und dementsprechend hatten wir dann auch zu tun, als ich ihn untersuchte, denn das mochte er gar nicht. Dennoch war rundum fit. So wurde er geimpft, entwurmt und gechippt und durfte unter großem Theater wieder den Putzplatz verlassen.
      Als nächstes war direkt Bijou an der Reihe. Ich fand den weißen Hengst ja wunderschön und zudem war er ein wirklicher Engel. Ohne Probleme ließ er sich vorführen und dann untersuchen. Auch er war kerngesund und topfit, so wie ich es eben von Steffies Pferde gewöhnt war. Also wurde auch er geimpft, entwurmt und gechippt.
      Dieses Schema betrieben wir auch bei Steffies Privatpferden weiter, denn vier waren nun noch an der Reihe. Den Anfang machte die Kleinste: Antalia. Die Falabellastute war ganz lieb und es war witzig sie traben zu sehen. Während ich sie abhörte und abtastete musste ich mich bücken, um überhaupt an die Zwergin dran zu kommen. Das Gleiche galt auch für die Impfungen und das Chippen. Dann gab es noch die Wurmkur und schon war auch Antalia fertig.
      Als nächstes folgte der junge Majandro. Der war ja von Tierärzten nicht sonderlich angetan und von Anfang an recht misstrauisch. Dennoch ließ ich mich nicht beirren und untersuchte ihn ausgiebig, was er auch brav über sich ergehen ließ. Bei den Impfungen zuckte er ein wenig zusammen, hielt aber wunderbar still. Auch der Chip war schnell unter der Haut und Majandro entwurmt.
      Zanyah, die Araberstute machte da ein paar größere Probleme, denn sie mochte weder mich, noch Spritzen und so benahm sie sich auch. Steffie und ich hatten alle Hände voll zu tun, damit die Stute am Putzplatz stehen blieb und sich untersuchen ließ. Eine der Spritzen ging sogar ins Leere, weil Zanyah gekonnt daneben sprang, kaum zu glauben! Doch nach fast einer halben Stunde war auch die Blüterin geimpft, gechippt und entwurmt.
      Den Abschluss machte dann Pezzata, eine Lewitzerstute. Sofort war ich wieder mit neuem Interesse dabei, denn ich selber züchtete Lewitzer und es war immer interessant Frischblut anzutreffen. Pezzata war ein Falbschecke und dementsprechend hübsch. Auch charakterlich war sie wirklich sympathisch und benahm sich auch während der Untersuchung ohne Probleme. Flott war auch sie geimpft, gechippt und entwurmt und ich hatte tatsächlich Steffies gesamten Stall am Vormittag geschafft! Es war jetzt kurz nach 11 Uhr und Steffie lud mich als Dank noch auf eine Tasse Kaffee ein, welche ich nur zu gerne annahm.

      Großer Bericht für die Privatpferde
      30. Mai 2015 | Snoopy

      Endlich mal ein schöner Tag, da hatte das Abendrot von gestern wohl Glück gebracht. Weshalb wir wohl heute mal draußen trainieren könnten, aber nur wenn die Plätze nicht mit Pfützen voll waren. Maxi und ich entschieden uns Heute mal dafür, das er die Männer übernahm und ich die Frauen.
      Somit holte er sich als erstes Arcado den Norwegerhengst des Stalles und ich nahm mir die Isländerstute Frejka zur Hand. Dann begannen wir die Beiden erstmal gründlich sauber zu striegeln. Arcado hatte sich wohl in der Dreckpfütze gestern gewälzt, aber Frejka war relativ sauber, hatte nur ein paar größere Dreckige Flecken, zwar keine Ahnung wie sie das hinbekommen hatte, aber was solls, sie mussten beide sauber gemacht werden, was auch seine Zeit brauchte, zumindestens bei Arcado und Maxi. Also brauchten die noch etwas länger, weshalb ich nun erstmal Frejkas Hufe säuberte, die wohl das dreckigste am ganzen Pferd waren, wie die junge Stute nur das schafft, wunderte mich. Doch ich machte mir nicht weiter groß darüber den Kopf und putzte sie weiter, ehe ich ihr Langhaar kämmte und ihre Ausrüstung dann anlegte. ,,Ich geh schon mal vor!“, sagte ich zu meinen Freund und er nickte mir entgegen, während ich mich auf den Weg zum Reitplatz machte. Dieser war glücklicherweise heute ma trocken geblieben, bei den ganzen Regenfällen in der letzten Zeit. Was mich ziemlich wunderte, aber auch irgendwie glücklich machte, somit stieg ich auf und begann die junge Stute warm zu reiten. Brav trabte der Isländer seine Runden und hielt kurz inne, als Maxi auf Arcados Rücken zu un stieß. ,,Ah auch schon da!“, grinste ich und er lachte: ,,Jaa endlich!“ Dann ritt er den Ponyhengst schließlich ebenfalls warm und wir trainierten zusammen etwas auf dem Platz. Also übten wir alle Bahnfiguren gründlich durch und lobten die beiden Pferde, als sie ihre Arbeit heute ordentlich durchführten. Deshalb stiegen wir ab und führten die Beiden zurück zum Stall, wo wir den Beiden die Ausrüstung abnahmen und in ihre frisch gemisteten Boxen stellten, wo sie sofort ihr leckeres Hafer fraßen.
      Dann holten wir uns die nächsten zwei Pferde, diese waren Compañero und Mikado. Mikado würde ich nur Longieren, da sie noch nicht eingeritten war. Und Maxi trainierte heute Nero im Westernreiten, bzw. machte ein paar typische Übungen mit dem bunten Criollohengst. Doch davor mussten wir sie natürlich putzten, was bei Beiden heute nicht sehr lange dauern würde, da sie kaum dreckig waren. Also schnappte ich mir den Striegel aus Mikados Putzkasten und säuberte gründlich ihr Roanfell. Maxi striegelte Neros Fell ebenso lange wie ich Mikados, weshalb wir Beide gleichzeitig mit den Hufe säubern anfingen. Dreckig waren diese nicht sehr stark, was uns beruhigte, da sie sich somit keine Verletzungen einfangen würden. Als die hufe sauber waren, kam das Langhaar und ich kämmte nicht lange an Mikado‘s Haaren, da sie eh recht kurze hatte und nur der Schweif etwas mehr Arbeit verlangte. Bei Maxi brauchte es auch nicht viel Zeit, denn er war schon beim Satteln, was bei Mikado noch nicht der Fall war, da sie noch nicht eingeritten war und deshalb nur Longieren angesagt war. Also legte ich ihr alles dafür an und führte sie dann Maxi hinterher, wo ich sie dann auf den Platz longierte. Maxi trainierte währenddessen mit Companero einige Westernlektionen und meisterte diese sehr gut. Dies machte mich sehr stolz und ich lobte ihn ab und zu, doch konzentrierte mich hauptsächlich auf Mikado. Wir trainierten noch eine ganze Weile, bis ich die Vollblutstute an der Leine Schritt laufen ließ und dann zurück zum Stall führte. Dort legte ich ihr alles ab und brachte sie in ihre Box. Maxi hatte Nero auch schon in die Bpx gebracht, weshalb wir gleich mit den nächsten zwei Pferden weiter machten.
      Diese waren die Trakehner Bijou und Possy Pleasure Mainstream. Ich nahm die junge zickige Dame und Maxi nahm den selten farbigen Bijou. Also holten wir sie aus den Boxen heraus und begannen ihr Fell zu striegeln. Bei dem Hengst dauerte es etwas länger, da er ja hell war, bei Possy hatte ich nur Probleme bei den weißen Fell. Doch Beide brauchten wir dann doch nicht so lang und hatten die beiden Pferde sauber gestriegelt, ehe wir mit den Hufe säubern weiter machten und am Ende dann das Langhaar kämmten. Dann legten wir Beiden die Springausrüstung an, brauchten etwas beim festschnallen, hatten dann aber umso schneller die Trensen dran, sodass wir schneller zum Springplatz gehen konnten. Dort stiegen wir Beide auf die Rücken der Pferde, anders gesagt in den Sattel und drehten ein paar Bahnrunden, um die Pferde warm zu bekommen. Dann begann das Training und wir übten fleißig einige Sprünge und merkten das die Beiden mittlerweile höher waren als früher, sie trauten sich schon höhere Sprünge zu machen, obwohl sie soweit noch nicht ausgebildet waren. Also trainierten wir noch eine Weile mit den beiden Warmblütern und machten dann bald Schluss und führten sie zurück zu den Ställen. Dort angekommen legten wir ihre Ausrüstung ab und stellten sie in ihre Boxen, wo sie sich gleich entspannten und genüsslich ihre Mahlzeit zu sich nahmen.
      Weiter ging es und wir schnappten uns diesmal einmal die Vollblutstute Sympathy of the Devil und einmal den Isländerhengst Ártali van Ghosts, der ebenfalls noch nicht eingeritten war. Also war diesmal Maximilian mit dem Longieren an der Reihe und ich mit den normalen Training. Doch davor, wie bei allen Pferden zuvor, war die Pflege an der reihe. Somit schnappten wir uns die Striegel und kümmerten uns um das Pferdefell. Devil war ziemlich dreckig aber der junge Ártali nicht. Doch was solls, gepflegt werden mussten Beide, also machten wir uns an die Arbeit. Gründlich säuberte ich ihr Fell und blickte ab und zu, zu Maxi der mittlerweile schon beim Hufe säubern war. Dies hatte ich auch bald erreicht und säuberte mittlerweile Devil‘s Hufe und war bald beim Langhaar, wo ich nun mit Maxi gleich auf war. Dann wurden wir gleichzeitig fertig und legten den Pferden die passende Ausrüstung an. Devil bekam die Vielseitigkeitsausrüstung dran und wurde heute auf Bahnfiguren trainiert, also führte ich die junge Stute zum Platz und stieg auf. Dann ritt ich sie warm und begann mit den Training. Während ich mit dem Training beschäftigt war, kümmerte sich mein Freund ums Longieren mit Ártali. Bald neigte es sich aber dem Ende zu und wir brachten beide Pferde zurück zum Stall, nahmen ihnen die Ausrüstung ab und stellten sie in ihre Boxen.
      Dann kam der Letzte der Runde dran, der kleine Shettyhengst Spencer, mit dem ich heute Kunststücke üben wollte, doch davor war auch hier die übliche Pferdepflege an der Reihe. Also nahm ich mir den Striegel zur Hand, säuberte sein buntes Fell und machte dann mit den Hufen weiter. Diese säuberte ich gründlich, bis sie wieder in Ordnung waren und ich seine wilde Mähne bändigen musste. Also kämmte ich diese und machte dann mit dem Schweif weiter, ehe ich ihn zum Reitplatz führte und mit kleinen Kunststücken anfing. Diese stuften sich dann immer Höher bis ich ein paar Neue probierte und bald aufhörte, da es sich wieder zuzog. Daraufhin führte ich den kleinen Frechdachs zurück in seine Box und machte für heute Schluss...

      the prisoners
      Oktober 2015 | Veija

      Es war Anfang Oktober, 5 Uhr morgens. Das Wetter war bescheiden- eher schlecht als recht, denn es regnete. Ab und zu donnerte es auch, aber es war ja auch Gewitter gemeldet- schon wieder. Heute würden wir die Sonne wohl nicht zu Gesicht bekommen, doch das brauchten wir auch nicht, denn wir würden heute mit der gesamten Mannschaft ins Gefängnis fahren. Warum? Tja, das wussten die anderen auch noch nicht. Zu erst mussten wir jedoch die Pferde füttern, weshalb wir alle ja auch schon um 5 Uhr aufstehen mussten. Alexis übernahm den Verkaufsstall, Caleb kümmerte sich um die Zuchtstallung, Aliena übernahm die Vollblüter und Aaron später die Jungpferde. Zu guter Letzt übernahm ich die Trainingspferde.
      Als wir damit fertig waren, sprangen wir alle schnell unter dich Dusche, packten etwas zu essen ein und machten uns mit dem 7-Sitzer und dem Pick Up auf den Weg zum Gefängnis, wo wir eine Aktion unterstützen wollten, die jugendlichen Kriminellen half, wieder festen Boden unter den Füßen zu bekommen. Es dauerte gute 2 Stunden, ehe wir am Gefängnis ankamen, die Autos am Parkplatz parkten und erstmal alle Sachen im Auto ließen, die wir wahrscheinlich nicht durch die Sicherheitskontrolle bekommen hätten. So blieben alle Handys im Auto und auch Caleb ließ, wenn auch wiederwillig, sein Messer im Wagen. So gingen wir also „unbewaffnet“ zum Eingang und wurden sofort in eine große Mensa geführt, wo die Gefangenen schon auf uns und andere Rancharbeiter warteten. Ich hatte eine Präsentation vorbereitet, so wie die anderen auch, die wir den Gefangenen zeigen würden, damit sie eine Ahnung davon hatten, was sie auf den Höfen erwartete. Beim Rundumblick fielen mir sofort 4 Personen ins Auge, drei Jungs und ein Mädchen, die zusammen an einem Tisch saßen, wovon zwei Jungs den dritten argwöhnisch ansahen. Dieser grinste sie jedoch nur süffisant an und das Mädchen legte ihm eine Hand auf den Arm, sagte ihm etwas und schon wandte er den Blick wieder nach vorne, während die anderen beiden Jungs ihn noch seltsam anschauten. „Schaut euch die vier da hinten mal an“, sagte ich zu meinen Mitarbeitern und sie nickten. Caleb setzte ebenfalls sein süffisantes Grinsen auf und schaute damit das Mädchen der vier an. Von dem Jungen rechts von ihr, der ihr sehr ähnlich sah, bekam er einen ziemlich eindeutigen Blick ab, so dass Caleb den Blick abwendete. Nun erhob der Chef des Gefängnisses das Wort.
      „Da nun alle eingeladenen Personen angekommen sind, herzlich willkommen Ihnen allen. Sie wissen hoffentlich alle warum Sie hier sind“, begann er seine Rede und uns wurde etwas zu trinken gebracht. „Von einem Gefängnis in Colorado wissen wir, dass die Arbeit mit Pferden Jugendliche stark verändern kann. Sie alle“, sagte er und zeigte zu erst auf die Gefangenen, dann auf uns: „haben ein besseres Leben bei diesen Leuten verdient. Sie werden die Chance haben, auf einer Ranch zu leben und zu arbeiten, wieder zur Schule zu gehen und sich ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen. Die Arbeit auf der Ranch wird so lange dauern, wie sie Ihre Gefängnisstrafe hier eigentlich absitzen müssten. Wenn sie dann Fuß gefasst haben, können sie selbst entscheiden, ob sie weiterhin auf der Ranch bleiben wollen, oder ob Sie einen anderen Weg einschlagen möchten. Ich wiederhole es nur gerne noch einmal, es ist eine riesen Chance für Sie, etwas aus ihrem Leben zu machen. Ruinieren Sie sich das nicht. Over and out.“, sagte der stämmige Mann zum Schluss noch und gab das Wort an die erste Ranch. Insgesammt standen 7 Ranches zur Auswahl, wovon wir die letzte waren, die sich vorstellte. Ich schmiss meinen Stick in den Laptop, startete die Präsentation und wandte mich den Jugendlichen zu.
      „Hallo und herzlich willkommen auch noch einmal von mir und meinen Mitarbeitern. Ich bin Verena O‘Connor, das ist meine Cousine Alexis O‘Connor, das Aaron Felhorn, Caleb O‘Dell, Aliena O‘Dell und unser neusterZugang Riley Fortin. Wir kommen von der Gips Reminder Ranch in Kanada und möchten Sie heute aufmerksam auf unseren Hof machen.“, sagte ich und atmete einmal tief durch. Es waren doch viele Augen die mich anstarrten und wissbegierig zwischen der Leinwand und meinen Mitarbeitern hin und her sahen. Nun ergriff Caleb das Wort, der nicht so nervös war und mir einfach nur unter die Arme greifen wollte, obwohl er keine Ahnung von der Präsentation hatte. „An erster Stelle steht das Wohl der Pferde auf unserer Ranch. Ich sag es Ihnen sofort klipp und klar wie es ist. Sehen wir einen von euch, der die Pferde misshandelt, seinen es unverdiente Schläge, Tritte oder Sonstiges, sei es mutwillig falsch gemischtes Futter...“, sagte er und merkte, wie das Mädchen, welches sich als Octavia herausstellte große Augen machte. „Ja Octavia, man kann ein Pferd umbringen, wenn man sein Futter falsch mischt. Das ist so. Also wo war ich.. ach ja.. wenn ihr den Pferden Leid antut, geht es für euch zurück ins Gefängnis. Es kommt jedoch auf die Schwere des Vergehens an, wir werden da jedoch nicht zimperlich sein. Wenn ihr jedoch meint, euch gegenseitig an die Gurgel zu gehen, dann schön. Wir schicken euch nicht zurück, aber ihr müsst mir Konsequenzen rechnen..“, erklärte er und ich räusperte mich, damit ich wieder die schönen Seiten des Ranchlebens erläutern konnte. „Zur Zeit besitzen wir um die 60-70 Pferde. Es kommen und gehen immer andere Pferde, so dass ihr nie mit den Selben arbeiten werdet. Wenn ihr also mit uns auf den Hof kommt, sollte euch bewusst sein, dass wir euch zunächst einen Monat beobachten, wie ihr füttert, mistet, Pferde auf die Koppel bringt, im Haushalt helft und und und.. Bemerken wir besonderes Interesse an den Pferden, bringen wir euch das Reiten bei und ihr dürft uns auf Turniere und Ausritte begleiten.“, erklärte ich und setzte dann zu meiner ersten Frage an. „Wer von euch ist denn schon einmal geritten?“, fragte ich die jungen Menschen und sah zu meiner Erleichterung, dass Octavia aufzeigte. Ich schenkte ihr ein kurzer Lächeln und sah dann in die Runde. Es sah relativ karg aus. „Wer von euch möchte denn reiten lernen?“, zaghafte Hände hier und da, Octavias Hand ganz weit nach oben gestreckt. Die anderen 3 an ihrem Tisch hoben ebenfalls kurz die Hände. „Gut“, sagte ich. „Sehr gut. Wisst ihr warum ihr auf der Gips Reminder Ranch besonders gut aufgehoben seit? Wir haben viele Pferde der Westernsparte, Quarter und Paint Horses. Wir haben jedoch auch zwei Missouri Foxtrotter, die es nicht so oft gibts. Zudem haben wir eine ganze handvoll Englische Vollblüter, wir haben Dressur, Spring, Distanz und Military Pferde. Eininge sind auch im Fahrsport tätig. Isländer und Ponies gibt es auch!“, erklärte ich ihnen freundlich und sah, wie Octavia sich zu dem Mann an ihrer rechten wandte und ihm freudenstrahlend etwas erzählte. Er strich ihr sanft über den Arm und bewegte sie dazu, wieder nach vorne zu schauen. „Ihr werdet also eine riesige Auswahl an Pferden haben, mit denen ihr täglich arbeiten könnt. An Wochenenden gilt es auch früh aufstehen, auch wenn ihr abends mal raus feiern wart.. ja, das dürft ihr bei uns auch. Jedoch kommt immer einer oder ein paar von uns mit. Wir sind schließlich auch noch jung und möchten das Leben genießen.“, sagte ich und lachte kurz, als Caleb mir einen vorwurfsvollen Seitenblick zuwarf. „Ich denke das war alles, wenn ihr noch fragen habt kommt gerne hier zu uns rüber. Danke für eure Aufmerksamkeit!“, beendete ich meine Rede und setzte mich unter Applaus wieder an unseren Tisch. Wir redeten eine ganze Weile mit den jungen Leuten, erklärten ihnen noch mehr über den Hof und verließen dann mit den anderen Arbeitern den Raum. Wir bekamen Mappen vorgelegt und sollten uns die Jugendlichen näher anschauen. Es dauerte eine ganze Weile, ehe wir alle Mappen durch hatten und uns wirklich für die 4 entschieden, die ich mir am Anfang schon ausgesucht hatte. Zu meiner Freude hatte jeder der 35 Jugendlichen einen Platz auf einer Ranch gefunden... Voraussetzung war, dass sie dort hin wollten. Auf einer Liste die uns vorgelegt wurde, standen die Namen derer drauf, die auf unsere Ranch wollten. Es waren 7 Leute, von denen wir vier sicher mitnehmen würden, die anderen 3 waren unsicher, weshalb wir zunächst die sicheren Kandidaten verkündeten. „Bellamy Blake, Octavia Blake, Finn Collins und Jonathan Murphy, wenn ihr möchtet, könnt ihr mit zu uns“, sagte ich ihnen und die vier nickten. Sie durften aufstehen und ihre Sachen zusammenpacken. Nun standen noch 3 Leute auf unserer Liste.
      Emily, Grace und Ethan. Ich schaute meine Mitarbeiter kurz an. Wir hatten im Auto keine Plätze mehr frei, da im Pick Up nur 3 Sitze waren. Sie schüttelten bedrückt den Kopf. „Leider können wir im Moment nur 4 neue Arbeiter aufnehmen, doch ich weiß welche Ranches euch gerne hätten, da werdet ihr es auch sehr gut haben!“, erklärte ich Emily, Grace und Ethan. Ich schüttelte ihnen die Hand und wir 6 machten uns dann zu unseren vier auf. Sie stellten sich uns nochmal einzeln vor und Jonathan wollte einfach nur John oder Murphy genannt werden.
      „Finn und Murphy zu mir, Bellamy und Octavia zu Caleb“, sagte ich freundlich und hielt Finn und Murphy die Tür auf, so dass sie in den 7-Sitzer steigen konnten. Bellamy und Octavia gingen zusammen mit Caleb in den Pick Up. Die restlichen Mitarbeiter kamen mit zu mir, so dass es auch gleich losgehen konnte. Die Fahrt dauerte nicht allzulange, so dass wir recht schnell am Hof ankamen und Octavia ohne zu warten aus dem Auto raussprang, um sich umzusehen. Ich wollte ihr noch nachrufen, da nickte mir ihr Bruder, wie ich erfahren hatte, zu und sprang ihr hinterher, um sie am Arm fest zu halten. „O, warte doch“, sagte er leise und schaute etwas eingeschüchtert zu mir rüber. Finn und Murphy waren auch schon ausgestiegen und schauten sich mit großen Augen um. „Willkommen in eurem neuen Zuhause!“, sagte ich freundlich und blickte in 4 endlos zufriedene Gesichter. „Ich habe euch 2 Zimmer fertig gemacht, eins mit 3 Betten, eins mit 2. Wenn es für dich, Octavia jedoch oke ist, können du und dein Bruder zusammen in einem Zimmer schlafen, anstatt du alleine und die drei Jungs zusammen?“, fragte ich sie und sah, wie sie fragend zu ihrem Bruder sah. „Okay, dann das Einzelzimmer. Die Zimmer liegen ja nebeneinander“, sagte ich und zeigte auf ihr Gepäck. „Holt euer Zeug, ich zeig euch die Zimmer. Und ihr anderen, ab an die Arbeit!“, frügte ich mit Nachdruck an, weil ich sah, wie Caleb mich wieder angaffte. „Caleb, now“, sagte ich lachend und gab ihm einen Klaps gegen den Arm. Entschied mich dann jedoch, Caleb mitzunehmen. Ich traute John und Bellamy noch nicht so wirklich über den Weg, vor allem da sie sich die ganze Zeit herablassend anschauten. „Das klappt ja mit euch 3 auf einem Zimmer, oder?“, fragte ich skeptisch und schaute zwsichen den 3 Jungs hin und her. „Ja..“, sagte Bellamy dann und setzte ein Lächeln auf, ehe er seiner Schwester einen Arm um die Schultern legte und sie zu sich heran zog. Er flüsterte ihr etwas ins Ohr, ehe sie zu strahlen anfing und sich umschaute. „Ich glaube, ich habe genau das richtige Pferd für dich, Octavia“, sagte ich und zauberte ihr ein noch größeres Lächeln ins Gesicht. Unterwegs kam uns Amy Lee entgegen, die auch erst seit kurzem hier war. „Amy hat zur Zeit ein Einzelzimmer, aber falls du dich mit ihr verstehst, Ocativa, könnte ihr gerne zusammen in eins“, erklärte ich lächelnd, nachdem ich Amy vorgestellt hatte. Dann waren wir an den Zimmern angekommen und ich ließ die 4 in Ruhe auspacken. In der Zwischenzeit ging ich runter in die Küche und bereitete einen kleinen Snack vor, da die vier bestimmt Hunger hatten. Zwischendruch kam Amy in die Küche, um zu fragen, was sie arbeiten solle. In der letzten Zeit ging leider alles etwas drunter und drüber, weshalb die Arbeitspläne natürlich auch hinterher hingen. „Geh die anderen fragen welche Pferde noch übrig sind, die kannst du dann arbeiten“, sagte ich lachend. „Spätestens in zwei Tagen sind die neuen Pläne fertig, dann hast du fest zugeteilte Pferde“, erklärte ich ihr und fing Octavia ab, die schon fertig mit auspacken war. Sie setzte sich an den Tisch und aß meine Snacks mit Freude, während sie etwas über ihr bisheriges Leben erzählte. Auch Bellamy, Finn und Murphy kamen nach einer Weile in die Küche, um sich zu uns zu gesellen.
      Dann gingen wir zum Offenstall, wo die Jungpferde der Gips Reminder Ranch standen. Nach und nach stellte ich ihnen die Pferde vor. Snapper Little Lena, Miss Holly Golightly, Striga, Natu‘s Little Harley, Raised from Hell, Ocarina of Time, VK Aquila T Mistery, Magnificient Crow, Crescent Wolf, Blossom Magic, Invest in Enterprise, VK Funky‘s Wild Berry, Day Gone By, das namenlose Fohlen, welches wir Bellamy ‚O tauften, Dynur fra Frelsi, Call of Pripyat, VK Bella‘s Dun Gotta Gun, Kunis, VK Gunna Whiz, Lil Nucu Omira, Wildfire xx und Zues. Octavia war sofort von den Fohlen begeistert, während Murphy sich besonders für Zues interessierte. Na das konnte ja was werden, dachte ich mir lachend und ging dann mit den vier in den Stall. Zu erst waren die Zuchpferde dran: Amarula van Helsing, Bella Dun Del Cielo, Cherokee Rose, Funky Powerbabe, Goodbye Graceful, Hollywood‘s Silver Dream, Souls Sisters Brother of Time, Sacramento xx, Spooks Gotta Gun, Stormbringer, Supernova, Wimpys Little Devil und Yoomee. Anscheinend war kein Pferd dabei, was den vier gefiel. Aber das lag wahrscheinlich auch daran, dass sie sowieso nicht mit ihnen arbeiten durften. Dann ging es weiter zu den Vollblütern: Drag me to Hell, I‘ve got the moves like Jagger, Faster, Augen auf! Ich komme, Zuckerschock, Wild Reflex, Nyanda, Scoubidou, Seattle Slew, Priamos Ruffia Kincsem, My lovely Horror Kid, Deadly Ambition, HGT‘s Massacre Boy, Chocolate Dream und Versatilely Gold. Hier war Octavia nun Feuer und Flamme. Sie wusste gar nicht, welches Pferd sie als nächstes Steicheln sollte. Kurz lachte ich. „Leider dauert es noch eine ganze Weile, bis du eines von diesen reiten darfst, Octavia.“, entmutigte ich sie und sah ihr an, wie enttäuscht sie war. „Naja, vllt darfst du dich bald mal auf Chocolate Dream setzen“, sagte ich lächelnd und zeigte ihr den Hengst, der ihr brummelnd die Nase entgegenstreckte. „Der ist wunderschön“, sagte sie leise und streichelte über seine Nase. „Ja, das ist er.“
      Flink klapperten wir nun die Pferde im Trainingsstall ab: Siku, Firewalker, Solitary, Skrúður, Eldrian Antrax, Cauldron of Renascence, Ravi, Blazing Flame, Snuff, Ahyoka, Horror Halloween, Nojrsodsch, Maracuja Limes, Bijou, Náttdís van Ghosts, Genuine Lil Cut, What Lies Ahead, Gun and Slide, Lovely Summertime, Sympathy for the Devil, Comeback of a fallen Goddess, My sweet little Secret, Marly‘s Pluie, Crusing‘s Dawn of Hope, Annie get your gun, My Blue Gun, Your possible Pasts, Hot Smoking Chex, Sheza bat cat, HGT‘s Enjoy Nature, Woodstock Lady, Ciel.os Double Dun It und Lucy never say goodbye.
      Spätestens jetzt war mindestens ein Pferd dabei, wofür sich die vier begeistern konnten. Außer natürlich Octavia, denn sie war für jedes Pferd zu begeistern. „Ich hoffe, euch hat der kleine Rundgang gefallen und ihr habt ein Pferd gefunden, das ihr später mal arbeiten möchtet.“, erklärte ich ihnen fröhlich. „Doch bis da hin, ab an die Arbeit“, fügte ich nun lachend bei und drückte jedem eine Mistgabel in die Hand, mit denen ich sie in die Boxen schickte, wo die Pferde schon auf der Koppel standen.

      Neue und alte Sorgen
      19. Oktober 2015 | Loulou

      Predazzo, Italien - 05.38 Uhr

      „Alex!“ Genervt blickte ich mich um. Wo steckte er nur wieder? Nun war der junge Mann bald eine Woche hier - und Daavid genauso lange fort. Ich seufzte. Doch nun verpassten wir gleich unseren Flieger wegen ihm. „Alexander!“, rief ich erneuert, als plötzlich ein blonder Kopf aus der Stalltür gesteckt wurde. „Bekomm dich wieder ein Lilith. Ich bin schon da.“, murrte er und schob sich ohne ein weiteres Wort an mir vorbei in den Wagen. Genervt verdrehte ich die Augen. Warum hatte ich mich darauf nur eingelassen? Doch mein Kopf erinnerte mich ganz schnell daran, warum. Weil ich sonst niemanden mehr hatte. Ich verzog das Gesicht. Und auch wenn ich seine Art nicht ausstehen konnte und er keinen blassen Schimmer von Pferden hatte, so erledigte er seine Arbeit zügig und gewissenhaft. Ich schüttelte den Kopf und stieg an der Fahrertür in den Jeep. „Wieso nimmst du mich überhaupt mit? Ich hab doch keine Ahnung von Pferden.“, gab er mir zu verstehen. „Außerdem macht die Arbeit sich nicht von alleine.“, fügte der junge Mann hinzu. Er hatte recht. „Eine Freundin kümmert sich zwei tage um die Tiere.“, gab ich knapp zurück. Schweigen. Der Flug konnte tatsächlich interessant werden - nicht.
      Es waren vermutlich die längsten Stunden meines Lebens gewesen und ich war heilfroh, als wir auf der Gips Reminder Ranch ankamen. Dort erwartete uns Verena bereits und ich umarmte die gute Freundin freudig, ehe ich meine Aufmerksamkeit dem Tier schenkte, dass gesattelt neben ihr stand und mich misstrauisch beäugte. „Dafür einen so weiten Weg? Muss ja ein Goldesel sein.“, ertönte es hinter mir und ich lachte. Doch mehr unbeholfen als glücklich. „Das ist übrigens Alexander. Mein neuer Stallbursche.“, stellte ich ihn trocken vor und schenkte ihm einen viel sagenden Blick. Doch Verena schien eher amüsiert von seiner schroffen Art. „Das ist er also?“, fragte ich bewundernd und betrachtete den großen Schimmel. Verena wusste, dass ich auf der Suche nach einem Warmblut war, mit dem man es auch in die höheren Klassen schaffen konnte. Sie nickte und ich tätschelte das weiße Fell. Bijou spielte mit den Ohren und ich lächelte leicht.
      Wir gingen herüber zum Springplatz, wo ich Verena das Tor öffnete. Sie führte den Hengst hinein und reichte mir die Zügel. Kurz klopfte ich dem Pferd den Hals, ehe ich mich in den Sattel schwang. Wenn er so gut zu reiten war, wie er aussah, dann würde er sich schon in wenigen Stunden im Flieger wieder finden. Voller Vorfreude begann ich ihn warm zu machen. Es schien, als wäre ihm der fremde Reiter etwas suspekt, doch schon bald wurde er lockerer. Alex hatte sich an ein Hindernis gelehnt und betrachtete uns skeptisch, wie ich aus dem Augenwinkel feststellen konnte. Kurz schnalzte ich mit der Zunge und Bijou fiel in einen lockeren Galopp. Ich ritt ihn auf einen der aufgebauten Sprünge zu. Er spitzte konzentriert die Ohren und zog im Tempo ordentlich an, sodass ich ihn ein wenig bremsen musste. Dennoch fand er genau den richtigen Moment zum abspringen und wir segelten über das Hindernis. Begeistert klopfte ich ihm den Hals, nahm die Zügel jedoch wieder auf und ritt auf eine Kombination aus einem Steilsprung, einem Oxer und einer Mauer zu. Er sprang perfekt ein, als würde ihn das Hindernis gar nicht stören. Er schenkte ihm einfach keine Beachtung, man merkte, dass er noch ein wenig mehr brauchte, um wirklich gefordert zu werden. Meine Konzentration lag ganz auf dem Pferd, welches auch mit Leichtigkeit den nächsten Sprung überwand. „Ruhig, Großer.“, murmelte ich, denn seine Galoppsprünge waren nun viel zu lang, um einen dritten vor dem letzten Hindernis machen zu können. In Gedanken hörte ich schon die Stange zu Boden fallen, doch Bijou taxierte das Hindernis und sprang mit einem riesigen Satz hinüber. Trotz zu frühem Absprung klapperte die Stange zwar in ihrer Halterung, viel jedoch nicht herunter. Grinsend parierte ich ihn zum Schritt durch und lobte ihn erneuert. „Es scheint euch Spaß zu machen.“, kommentierte Verena mein strahlendes Gesicht. „Mein Dickerchen hätte die Stangen mit seinem Bauch abgeräumt.“, lachte ich und dachte an meinen geliebten Norweger.
      Ich arbeitete ihn noch eine weitere viertel Stunde, ehe ich ihn wieder trocken ritt. „Und?“ Venchen sah mich gespannt an. „Ich denke, du hast nun ein Pferd weniger.“, grinste ich glücklich. Gemeinsam verließen wir den Platz und versorgten Bijou im Stall, um noch einmal ins Haus zu gehen und ein wenig zu plaudern. Alex hielt sich dezent zurück, doch ließ Verena nicht locker und versuchte ihn immer wieder zum Reden zu bringen. Er war sichtlich erleichtert, dass der Abflug immer näher rückte. Somit auch der Abschied. Ich wartete immer noch, endlich einmal genug Zeit zu finden, um Vena richtig zu besuchen. Nicht als Arzt, nicht als Käufer, sondern als Freundin. „Also bis dann.“, lächelte ich und umarmte sie. Zu gern hätte ich ihr von Daavid erzählt, doch war ich nicht gewillt, mir die gute Laune verderben zu lassen. Und mein Herz wollte ich auch nicht vor Alexander ausschütten.
      Somit ging es wieder nach Hause, zurück nach Italien. Der Flug verlief unproblematisch und Alex übernahm im Heimatstall sogleich den Hengst, um ihn zu versorgen, sodass ich mit Kochen beginnen konnte.

      Faceless Hunter
      25. Oktober 2015 | Loulou

      Predazzo, Italien - 01.12 Uhr

      „Psscht, Alex, nicht so laut!“, zischte ich, als er den Riegel vor Bijous Box etwas zu ruckartig aufschob. „Sonst ist gleich der ganze Stall wach!“ Ich konnte selbst im Halbdunklen erahnen, wie er gerade mit den Augen rollte. „Ich fasse es nicht, dass ich mich dazu hab überreden lassen!“, murrte er leise und halfterte Bijou auf, während ich ihm die Tür aufhielt. „Ich auch nicht, aber ich bin ziemlich froh darüber.“, kicherte ich, ehe das laute Klappern von Hufeisen die Stille im Stall zerriss. Eigentlich hätte er auch gleich die Tür eintreten können. Gemeinsam verließen wir dem Stall, ich bewaffnet mit einer Kette und einer Kamera, Alex mit wehendem Umhang und dem Hengst. „Das steht dir unheimlich gut.“, grinste ich und zog ihm die Kapuze über den Kopf. „Findest du ja?“ Er lachte. Das erste mal, dass ich ihn wirklich lachen hörte. Ich lächelte. „Ja. Würde ich nicht wissen, wie harmlos du bist, hätte ich glatt Angst vor dir!“ Er knurrte leise, jedoch entging mir im fahlen Licht sein Lächeln nicht. „Du hast ja keine Ahnung.“ Ich knipste die Taschenlampe an und den Rest des Weges gingen wir schweigend. Vom Fuß des Felsens gingen wir über Wiesenhänge in das Tal herab, bis wir in einen dichten Wald kamen. Seichte Nebelschwaden hingen über dem Boden und ich begann etwas unruhig mich umzusehen. „Angst?“, fragte Alex und ich hörte das Grinsen in seiner Stimme. „Nein. Du etwa?“ Just in diesem Moment flatterte ein aufgescheuchter Vogel kreischend vor uns auf. Ich schrak fürchterlich zusammen und versteckte mich reflexartig hinter Alex‘ Schulter. „Natürlich hast du keine Angst.“, bemerkte er trocken, während er dem Hengst beruhigend über den Hals strich, welcher wohl auch nicht ganz wusste, was wir hier mit ihm vor hatten. „Wir sind da.“, sagte ich leise, als der Wald lichter wurde und der Boden weicher. „Pass auf, wo du hin trittst!“, mahnte ich ihm, denn wenn man sich im Moor nicht auskannte, endete das schnell unglücklich im Erdboden. „Wieso genau machen wir das nochmal?“, bohrte er nach und ich verdrehte die Augen. „Für den Fotowettbewerb zu Halloween. Außerdem können wir so direkt deine Verkleidung für den Besuch bei Verena austesten.“, erklärte ich und blieb stehen. „Geh darüber, der Platz ist super!“, sagte ich und wies auf eine vom Mond beleuchtete, grasüberwachsene Stelle. Er tat was ich sagte und ging mit dem Hengst ins Mondlicht. Ich half ihm hoch und musterte ihn kritisch. „Es ist wichtig, dass du dich gut fest hältst, aber auf gar keinen Fall an der Kette!“, wies ich ihn an. „Ich bin ja nicht blöd.“, kam murrend zurück und ich seufzte. „Drück einfach die Schenkel zusammen, zur Not pack in die Mähne.“, sagte ich genervt und nahm ihm die Kette aus der Hand, um sie an der Stelle, wo zwei Kettenglieder von einem dünnen Stab zusammen gehalten wurden, in Bijous Maul zu verfrachten. Ich war begeistert von Alex‘ Handwerkkünsten gewesen, welcher das Gebiss einer alten Trense mit der Kette zusammen geschweißt hatte. Dennoch sah Begeisterung anders aus. Nun kamen wir zum nächsten Problem. Wie sollte ich Alex, der sich kaum im Trab auf einem Pferd halten kann, erklären, wie er den Schimmel zur Levade bringt. Nach unsäglichen vielen fehlgeschlagenen Fotos und einer guten halben Stunde, die verstrichen war, gelang es ihm endlich. „Perfekt Alex!“, rief ich begeistert und knipste mein Foto. Als ich meinen Blick wieder von der Kamera nahm und auf ihn richtete, blieb für einen Moment mein Herz stehen. Genau in diesem Moment rutschte Alex vom Rücken des Hengstes und landete unsanft hinter ihm auf dem Boden, während der Schimmel erschrocken einen Satz nach vorne machte. „Alex!“ Erschrocken eilte ich zu ihm und kniete mich neben ihn. Inzwischen hatte er sich wieder zum Sitzen aufgerappelt und blickte mich an, grinste dann jedoch. „Du bist mir was schuldig, Lilith!“, murrte er und ich seufzte erleichtert auf. „Erschreck mich das nächste Mal gefälligst nicht so.“ Lachend boxte ich ihm gegen die Schulter und half ihm dann auf die Beine. „Jetzt lass uns verschwinden, mir ist der Wald immer noch unheimlich. Rasch fingen wir Bijou ein und kehrten mit ihm zum Stall zurück, wo wir ihn versorgten und eindeckten, ehe wir im bett verschwanden.
      Als ich am nächsten Morgen schon früh am Laptop in der Küche saß, kam Alex herein. „Schau mal her.“, sagte ich, ohne den Blick vom Bildschirm abzuwenden. Mit einer Tasse Kaffee, welche er sich eingekippt hatte, kam er herüber und lehnte sich hinter mir über meine Schulter. „Faceless Hunter?“ Ich konnte das Schmunzeln förmlich hören. „Seit wann hat Bijou eigentlich Laseraugen?“, fragte er trocken und ich musste lachen. „Photoshop.“, entgegnete ich nur und klickte auf Senden. „Ihr schaut echt super aus!“, lächelte ich und blickte hinter mir herauf in Alex‘ Gesicht. „Erzähl mir was, was ich noch nicht weiß.“

      Die Ruhe vor dem Sturm
      24. Februar 2016 | Loulou

      Predazzo, Italien - 11.43 Uhr

      Müde nippte ich an meinem Kaffee und stopfte mir den Rest meines Brötchens in den Mund, während mir ein grinsender Alex gegenüber saß. „Du traust mir also zu, dass ich irgendwann mit Zues klar komme, aber lässt mich nicht einmal auf Mørke reiten?“, fragte er halb belustigt, halb gekränkt. Desinteressiert, doch mit einem leichten Schmunzeln zuckte ich die Schultern. „Gib es einfach auf.“, sagte ich knapp und nahm den letzten Schluck, äugte misstrauisch in die Tasse und stellte sie ab. „Wir sollten ihm ein wenig Bewegung nach der langen Reise gönnen.“ Mit diesen Worten stand ich auf und ging aus der warmen Küche hinaus. Auch mir steckte der lange Flug noch in den Knochen, doch viel mehr beschäftigten mich die Geschehnisse auf dem Hof von Venchen. Kurz verzog ich das Gesicht und biss mir auf die Lippe, als ich ein lautes Rumpeln im Stall hörte, gefolgt von einem schrillen Wiehern, das eindeutig von meinem kleinen Norweger stammte. Rasch huschte ich durch die Tür in die Wärme und erblickte einen verängstigten Zues, welcher in der hintersten Ecke seiner Box kauerte, während Mørke mit angelegten Ohren zu ihm herüber schielte und missmutig an seinem Strohnetz zupfte. Mit gerunzelter Stirn ging ich zu ihm und öffnete die Boxentür. „So kenn‘ ich dich ja gar nicht.“, sagte ich tadelnd und halfterte ihn auf. Als ich neben ihm stand, war aller Ärger der Freude gewichen und er stupste mich sanft an. Ein Lächeln legte sich auf meine Lippen und ich rieb dem hübschen Tier die Stirn, was er sichtlich genoss. Zues hatte sich inzwischen auch ein wenig beruhigt, stand jedoch immer noch an die hintere Wand seiner Box gedrückt und betrachtete misstrauisch das Geschehen. Seufzend schnappte ich mir Mørkes Strick und führte ihn aus der Box. Er folgte mir brav auf die Stallgasse hinaus und auch Zues schien sichtlich interessiert daran, aus dem Stall zu kommen. Doch genau in dem Moment, als er sich ein wenig aus seinem Versteck hervor wagte, legte Mørke die Ohren an und kickte scheppernd gegen die Boxentür, hinter der sich der Apfelschimmel verbarg. „Spinnst du?!“, fuhr ich ihn an und ruppte unsanft am Strick, woraufhin er sich wieder beruhigte, jedoch weiter mit angelegten Ohren zu dem neuen Hengst sah. Nicht nur, dass Zues kein Vertrauen in niemanden hatte, mein Pferd musste mir auch noch das Leben schwer machen. Und ihm. Verängstigt stand er da und ich verließ rasch den Stall, als Alex mir auch schon entgegen kam. „Was ist denn hier los?“, fragte er und beäugte und kritisch. „ Mørke kann ihn wohl nicht leiden.“, murrte ich und blickte zu dem Falben, welcher vorsichtig an meinem Ärmel zupfte. Er merkte nur zu gut, dass ich sauer auf ihn war, doch liebte ich ihn zu sehr, um es ihm lange zu verübeln. „Na komm dicker.“, murmelte ich und brachte ihn auf die Weide hinterm Stall. Eigentlich hatte ich Zues zu ihm stellen wollen, damit er wenigstens einen hatte, an dem er sich in der fremden Umgebung orientieren konnte, doch machte Mørke mir einen Strich durch die Rechnung.
      „Ich verstehe das nicht, seit wann hat er so einen Hass auf andere Hengste?“, murmelte ich wenig später, als ich Bree aus der Box führte. Alex zuckte mit den Schultern. „Er kann ihn wohl einfach nicht leiden.“ Ich wusste, damit hatte sich das Thema für ihn erledigt und so beließ ich es dabei. Rasch putzte ich die Traberstute und holte ihren Sattel. Kritisch sah sie mir entgegen, ließ sich jedoch ohne Widerstand aufsatteln. Noch vor einem halben Jahr hätte ich mich gar nicht mit dem Ding nähern brauchen. Doch inzwischen ließ sie es sich gefallen und duldete nicht nur mich, sondern auch einen fremden Reiter auf sich. Das zu üben war der eigentliche Grund, warum ich sie von Bella hatte trainieren lassen. Sie hatte ihre Arbeit jedoch hervorragend gemacht und Bree zeigte tatsächlich ein wenig Tölt unterm Sattel. „Braves Mädchen.“, lobte ich die Stute und führte sie aus dem Stall. Auch Alex hatte sich gebessert, was das Reiten anging und so hatte er sich Bijou geschnappt und wir würden das erste mal ins Gelände gehen. Es war für Bree das erste Mal außerhalb der Halle und auch für den jungen Mann. „Bereit?“, fragte ich grinsend und musterte ihn, wie er nachgurtete und misstrauisch den Sitz seines Helmes überprüfte. „Er wird dich schon nicht umbringen.“, lachte ich und schwang mich in den Sattel der Stute. „Du hast gut Reden.“, entgegnete er, doch schon um einiges entspannter, nachdem er auch aufgesessen hatte.
      Gut anderthalb Stunden verbrachten wir im Gelände, auf den von Schnee gezierten, schmalen Wegen der Dolomiten. Erstaunt stellte ich fest, dass Bree tatsächlich Spaß zu haben schien, was ich bei ihr unterm Sattel noch nie beobachten konnte. Zufrieden lobte ich die Stute und sie schnaubte entspannt, während Alex und Bijou neben uns her trotteten. Bei dem Anblick der Berge und der frischen Luft verflogen die Kopfschmerzen, welche mir die letzten Tage bereitet hatten und auch die Gedanken, die bei Verena geblieben waren, lösten sich für einen Moment.
      Mit einem Lächeln brachte ich schließlich den Sattel des Trabers zurück auf seinen Bock und deckte die Beiden ein, ehe Alex und ich uns an die Stallarbeit machten.

      Springen E - A
      29. Mai 2016 | Veija

      „Aaron, Alexis, mitkommen.“, sagte ich und schaltete den Fernseher aus. „Warum denn das?“, fragte Aaron mich und schaute mit verzweifelt nach. „Pferde trainieren.“, erklärte ich knapp und ging schonmal vor in den Stall, wo ich mir Bijou fertig machte, der nun wieder bei uns stand. Ebenso wie Zues.
      Endlich kamen die beiden in den Stall und schauten mich mit großen Augen an. „Alexis du schnappst dir Neala, Aaron du holst dir Scarlet Sun. Du wolltest ein neues Spingpferd, da hast du eins. Vielleicht kommt bald noch eins. Also mach was draus.“, erklärte ich und gab ihm einen Klaps gegen die Schulter. „Heute noch..“, murmelte ich sattelte Bijou nun fertig. Zusammen mit ihm ging ich schon mal in die Halle, wo ich einen A Parcours mit E - und einem A** Element aufbaute. Während ich Bijou warm ritt kamen die anderen beiden auch eingetrudelt, so dass ich schon einzelne Sprünge ging, während sie sich noch aufwärmten. Bijou schienen die kleinen Sprünge sichtlich zu langweilen, da er schon wirklich gut springen konnte, weshalb ich mich in eine Ecke stellte und Alexis und Aaron zuschaute. „Aaron schau wo du hinreitest, du verwirrst Scarlet nur.“, gab ich ihm Anweisungen und schaute dann zu, wie er endlich mal in die Richtung schaute, in die er auch reiten wollte. „Super!“, lobte ich die beiden dann, als sie den Parcours geschafft hatten. „Alexis jetzt du.“, sagte ich und schaute ihr und Neala zu. Neala war nicht schlecht, aber ihr schien das Springen, fast so wie Kunis, nicht sonderlich viel Spaß zu machen.
      „Alexis, drück Aaron Moon in die Hand und leg alle Stangen auf A- Höhe.“, erklärte ich und schaute ihr dabei zu. Dann sprangen die vier ihren Parcours nochmals durch, ehe sie ihre Pferde trocken ritten und die Halle verließen. Dann legte ich mir die Stangen auf A**- Höhe und sprang noch eine Runde mit Bijou, ehe ich auch ihn trocken ritt und zurück in den Stall brachte.
      In der folgenden Woche trainierten wir drei immer wieder zusammen, so dass wir die Pferde bald je eine Stufe höher auf Turnieren starten konnten.

      Kommt zu Tisch und hört die News!
      18. September 2016 | 18.527 Zeichen | Canyon

      Charly » „Malte?“ Meine Stimme klang etwas kratzig, als ich nach unserem Mitarbeiter rief, welchen ich gerade zufällig vor seiner Haustür entdeckt hatte. Die Nacht war für mich mehr als kurz gewesen, denn erst in den frühen Morgenstunden hatte Bart Ruhe gefunden und da Nico zur Zeit unterwegs war, hatte ich das diese Nacht alleine schaffen müssen.
      Malte blickte auf, als er meine Stimme vernahm und überquerte dann den Hof, um zu mir zu kommen. Fragend blickte er mich mit seinen kastanienbraunen Augen an und auch wenn ich versuchte mir den Gedanken zu verkneifen, fragte ich mich abermals, warum er, laut seinem Freund Petyr, seit Jahren keine feste Freundin mehr hatte. Diesen Augen konnte sogar ich nicht widerstehen, dabei war ich seit geraumer Zeit glücklich mit Nico zusammen und auch wenn wir beide keine, oder jedenfalls nicht so früh, Kinder haben wollten, hatte unser Bartholomäus unser Leben nochmal ganz schön auf den Kopf gestellt.
      Ich riss mich von seinen Augen los und sammelte meine Gedanken. „Es gibt ein paar wichtige Dinge zu besprechen“, erklärte ich ihm. „Ich würde dich deswegen bitten, und Petyr auch noch zu Bescheid geben, heute Mittag um eins zu kommen. Es wird euch bestimmt interessieren, vor allem dich.“ Ich wartete seine Antwort nicht mehr ab und schloss sachte mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen vor ihm die Tür. Ich kannte ihn mittlerweile recht gut und wusste, dass er kommen würde.
      Teodor und Torun hatte ich gestern bereits Bescheid gegeben und so fehlte jetzt nur noch Nico, welcher jedoch auch bald und hoffentlich pünktlich zurückkommen würde.
      Den restlichen Vormittag blieb mir wohl nichts anderes übrig, als mich mit Bart zu beschäftigen. Auf dem Plan stand also aufräumen und putzen, mit meinem Sohn spielen, dann einen kleinen Spaziergang am Ufer des Tyrifjords und dann Mittagessen kochen. Ich war mehr als erleichtert, als Bart wenig später in seiner Hängematte einschlief und doch tatsächlich nicht mal wach wurde, als ich ihn in den Kinderwagen hiefte und mit ihm das Haus verließ. Die Mittagszeit war meiner Meinung nach die beste Zeit. Jetzt schlief Bart und auch all die anderen Hofbenutzer waren meist in ihren Wohnungen.
      Mit Bart schlug ich den Weg zum Stall ein. Da bei uns die Pferde über Nacht auf den Weiden waren und den Tag in den Boxen dösten, war der Stall mehr als gefüllt. Auch wenn wir bis jetzt noch einige leere Boxen hatten, so war es jetzt schon reichlich Arbeit, all die Pferde zu versorgen.
      Bart ließ ich am Eingang des Stalls stehen. Sollte er aufwachen, würde er sich schon bemerkbar machen.
      Mir fiel auf, dass der junge Óslogi nicht in seiner Box stand und daraus schloss ich, dass Malte, nicht wie erwartet, in seiner Wohnung sein würde, sondern mit seinem Hengst irgendwohin unterwegs war. Das Wetter war dazu ja wirklich perfekt, denn auch wenn die Sonne heute schien, so war es nicht zu warm und ein kleiner Westwind trieb ein kühles Lüftchen vom Atlantik zu uns.
      Meine Schritte lenkten mich weiter zur Box von Braum, allerdings war auch dieser nicht in seiner Box zu finden, weswegen ich, mit meinem überaus klugen Kopf daraus schloss, dass auch Braum mit Óslogi unterwegs war. Entweder als Handpferd, oder auch Petyr hatte sich Malte angeschlossen Das würde ich leider nicht so schnell erfahren, weswegen ich nach einem Plan B suchte.
      Schließlich entschied ich mich dafür, statt Braum mich mit der Jungstute Scion zu beschäftigen. Sie war ein wahres Prachtexemplar und ich war froh, sie vor einiger Zeit aus einer so berühmten Zucht gekauft zu haben. Es zerbrach mir jetzt schon das Herz, dass ich sie bald von ihrem besten Vollblutfreund Aspantau trennen musste. Die beiden waren dickste Freunde, nur leider hatte ich nicht vor, Aspantau zu kastrieren und bevor wir ungewollt Nachwuchs bekamen, mussten wir sie trennen.
      Ich legte der jungen Stute ihr hübsches Halfter um und führte sie dann aus der Box nach draußen ans Tageslicht. Bart schlief natürlich immer noch, nur hatte sich zu ihm noch jemand dazugesellt. Capucine. So sehr ich die alte verfilzte Katze mochte, genauso wenig erfreut war ich, dass sie sich zu Bart in den Kinderwagen gelegt hatte.
      Cap war eine Straßenkatze gewesen, welche wir aus Südfrankreich mit nach Norwegen genommen hatte. Kein Hund, nicht mal die beiden Wolfshunde Gery und Edda konnten ihr Angst einjagen. Sie wusste genau was sie wollte und ließ sich davon dann auch nicht abbringen.
      Ich seufzte tief, klemmte mir dann trotzdem den Führstrick von Scion unter den Arm und hob die dicke Katze aus dem wagen. Hübsch war sie ja, so caramellfarben mit dunkleren Flecken, aber wenn sie einem ihre Krallen zeigte, gab es nichts mehr zu lachen.
      Diesmal fauchte sie jedoch nur kurz, bevor sie mir vom Arm sprang und mit erhobenem Schwanz majestätisch im Stall verschwand.
      Auch Scion fand den Kinderwagen einfach nur interessant und streckte ihre helle Schnauze tief ins Innere.
      Ich musste lächeln, schob jedoch ihren Kopf zurück, bevor ich sie am Kinderwagen anband und mit beiden den Hof verließ.
      Scion liebte Spaziergänge. Jeder Stein, jeder Busch und jede Rose am Wegesrand musste unbedingt von ihr beschnüffelt werden und dafür nahm sie sich auch genügend Zeit.
      Auch ich genoss es, einfach nur dahin zuschlendern, Scion zu beobachten und meinen Gedanken nachzuhängen. Allerdings konnte das natürlich nicht immer so weiter gehen. Kaum war Bart aus seinem tiefen Mittagsschlaf aufgewacht, wurde auch Scion unruhiger. Bart bewegte sich immer wieder, wollte auch etwas sehen und gab lautstark Geräusche von sich, sodass ich unseren gemeinsamen Spaziergang bald abbrach und zurück zum Stall ging.
      Viel Zeit hätte ich sowieso nicht mehr gehabt. Es war kurz vor eins und ich wollte die anderen nicht warten lassen. Auch Braum und Óslogi waren mittlerweile wieder in ihren Boxen, sodass also auch Malte wieder da sein sollte.
      Ich brachte Scion in ihre Box und ging dann den kleinen Uferweg am Tyrifjord zurück zu unserem kleinen Hof.
      Bereits aus der Ferne erkannte ich Nicos schwarzes Auto und auch wenn ich es nur ungerne zugab, so freute ich mich doch, ihn nach nur drei Tagen endlich wiederzusehen. Mal wieder war er mit Asuka und seinem auf einem Lehrgang gewesen und so sehr wie ich ihm das gönnte, genauso öde und anstrengend waren die Tage ohne ihn. Wäre Mio nur noch da, dann wäre das kein Thema gewesen, aber jetzt-.
      Erstaunt stellte ich fest, dass ich wohl die Letzt war, die ankam. Die anderen hatten bereits ein paar Stühle zusammengesucht und bei uns im Garten einen kleinen gemütlichen Kaffeetisch gedeckt.
      Es war mir peinlich, dass ich sie alle einlud und dann noch nicht mal pünktlich war. Allerdings schien das niemanden zu stören. Von allen wurde ich freundlich begrüßt und natürlich auch Bart, welcher gleich nach unserer Ankunft aus dem Wagen gehoben und von allen beknuddelt wurde.
      Laut bellend stürzte sich mein kleiner Schützling Asuka auf mich und es freute mich zu sehen, wie sehr der kleine Whippet mich vermisst hatte. Bevor ich ihn allerdings begrüßte, nahm mich Nico in den Arm und drückte mir sanft einen Kuss auf die Lippen. Auch wenn er manchmal, nein, sehr oft ein großes Ar***loch war, hatte ich ihn mehr als lieb.
      Ich ließ mich neben Teo am Tisch nieder und neben mich setzte sich Nico. Wir waren nun also alle vollzählig. Torun, Petyr und Malte saßen auf der anderen Seite des runden Tischs.
      Während Malte sich entspannt zurück gelehnt hatte und alles mit ausdruckslosem Gesicht beobachtete, hatte Petyr wie immer ein freches Grinsen auf dem Gesicht und schaute mich erwartungsvoll an. Die blinde Torun schien etwas nervös und kaute unablässig auf ihrer Lippe herum, während ihr Vater Teodor sich mit dem kleinen Bart beschäftigte, welcher dem alten Mann im Bart herum spielte. Bei dem Gedanken musste ich mir ein Grinsen verkneifen, denn mein Bart spielte im Bart, eine witzige Vorstellung.
      Jetzt, wo es soweit war, fand ich nicht die Worte, welche ich mir den ganzen Vormittag bereitgelegt hatte und das ärgerte mich extrem. Ich war früher immer sehr wortgewandt gewesen, seitdem das allerdings mit Shadow und Mio gewesen war und all die Verantwortung nun auf meinen Schultern lag, war dieses Talent erheblich geschrumpft.
      »Okay, danke erst mal, dass ihr alle gekommen seid.« fing ich ahnungslos an, ohne zu wissen, was ich als nächstes sagen sollte. »Nico und ich haben in letzter Zeit uns oft darüber Gedanken gemacht, was wir verbessern können und uns fiel auf, dass wir zwar mit unseren Pferden viele erfolgreiche Turniere gehen, aber trotzdem kein Ziel vor Augen haben. Deswegen haben wir uns dazu entschieden, nun auch ganz aktiv in die Zucht einzusteigen.« Ich beobachtete die Reaktionen am Tisch genau. Petyr schien sich zu freuen, denn seine Grübchen wurden noch tiefer und seine Augen noch strahlender als sonst. Malte zog nur eine Augenbraue in die Höhe und Torun hörte auf, auf ihrer Lippe zu kauen. Teo zeigte mit keinem Finger, dass er uns verstanden hatte, sondern beschäftigte sich immer noch mit Bart.
      »Wir haben viel überlegt, viel geplant und trotzdem wurde uns die Entscheidung von jemandem erleichtert. Nico und ich waren letztes Wochenende auf einem Gestüt, wo einige Pferde zum Verkauf standen. Besser gesagt, einige Achal Tekkiner und zwei davon stammen auch noch aus der berühmten Reuthlinie. Die Besitzerin überlegte nicht lange und verschenkte« dieses Wort betonte ich extra stark, »verschenkte drei Stuten und einen Hengst an uns.«
      Hier blickte ich kurz zu Nico, welcher mir zunickte und sich so bereiterklärte, weiterzuerzählen. »Ihr wisst alle, dass Nelly und April unserem alten Freund viel bedeuteten und nun werden wir genau das tun, wovon er immer geträumt hatte. Eine kleine Zucht mit diesen überaus majestätischen und eleganten Geschöpfen. Zwei der Stuten sind bereits erfolgreich geritten wurden, die eine ist fast vier und wird nun so langsam eingeritten. Ich weiß, wenn ich euch jetzt erzähle, dass der Hengst das Spiegelbild von meinem Marid ist, werdet ihr uns für verrückt halten, aber ich bin mir sicher, dass es nicht lange dauern wird, bis auch er vernünftig wird. Ich kenne mich ja so langsam mit solche Pferden aus.« Ein breites angeberisches Grinsen tauchte auf seinen Lippen auf. Gerade hatte ich noch gedacht, dass er es jedenfalls einmal schaffen würde, nicht der große Angeber zu sein, sondern ein ganz normaler Junge. Da hatte ich wohl umsonst gehofft.
      »Schön und gut«, hängte sich nun Malte ins Gespräch, »Aber mit den neuen Pferden haben wir fünf Stuten und einen Hengst, das Verhältnis ist etwas unausgeglichen.«
      »Sechs Stuten, um genau zu ein.« antwortete ich ihm. »Ich habe bereits seit längerem eine weitere Stute im Blickfang und der Verkäufer hat sich gestern nun endlich zurückgemeldet und dem Kauf zugesagt.«
      Zweifelnd blickte Malte mich an. Ich hatte zwar gewusst, dass er etwas kritisch an die ganze Sache heran gehen würde, aber so schwer musste er es mir nun wirklich nicht machen. »Keine Angst Malte. Cascar, die Vorbesitzerin der Tekken, hat drei weitere Hengste bei sich stehen. Diese will sie behalten, möchte mir diese allerdings zur Verfügung stellen, sodass wir erst mal genügend Hengste haben und trotzdem keine weitere Arbeit. Zufrieden?«
      Er nickte leicht mit dem Kopf und ich atmete erleichtert aus. Ich wollte gerade weitererzählen, als ich sah, wie Torun leicht ihren Mund öffnete und so wartete ich ab, bis das zierliche Mädchen auch gesprochen hatte.
      Mit sanfter und verträumter Stimme, welche ich schon immer so toll fand, fragte sie: »Wann kommen diese neuen Pferde denn an?«
      »Aller Wahrscheinlichkeit bereits morgen, wenn nichts dazwischen kommt und sie alle Kontrollen gut überstehen. Cascar wollte sie so schnell wie möglich zu uns bringen, denn ihr fehlt gerade einfach die Zeit, sich um die Tiere zu kümmern.« Antwortete ich ihr.
      »Da werden wir aber einige Decken für den Winter brauchen, wenn wir uns im hohen Norden Vollblüter aus dem tiefen Süden anschaffen«, meinte Petyr und grinste frech in die Runde.
      »Darüber haben wir uns auch schon Gedanken gemacht,« ging Nico auf Petyrs Kommentar ein und auch auf seinen Lippen breitete sich ein Grinsen aus. »Wir werden einen Waschdienst brauchen und dieser hat dann eine Woche die Aufgabe, die Decken zu waschen und aufzuhängen und da haben wir gleich an dich gedacht, lieber Petyr, weil wir wussten, dass du dich darüber freuen wirst.«
      Bevor Petyr zurückschießen konnte, ging ich diplomatisch dazwischen und erzählte weiter. Immerhin wollte ich heute noch so einiges schaffen.
      »Klar wird es mit ihnen anstrengender als mit felligen Pony, aber nichtsdestotrotz werden wir auch dies gemeinsam schaffen.
      Wie ihr wisst, haben wir in letzter Zeit einige Pferde verkauft und so sehr es mich schmerzt, werden auch Leiðtogi und Ocarina uns bald wieder verlassen. Linn hat sich dazu entschlossen, Togi in ihre Zucht aufzunehmen, jetzt wo er kurz vor seiner Kür steht. Oca wird zurück zu Verena auf die Gips Reminder Ranch gehen und sich dort hoffentlich wohler fühlen als hier in Norwegen. Im Gegenzug haben wir ja vor einigen Tagen Bijou und Modjo bekommen. Ich finde, dass in beiden ein großes Talent schlummert und vielleicht werden wir sie ja irgendwann kören lassen können.
      Außerdem wollen wir unsere EV-Zucht wiederbeleben und da wir nun mit Lady Gweny auch hier Stuten im Übermaß haben, habe ich einen perfekten Hengst gefunden, welcher auch in einigen Tagen bei uns eintreffen wird. Bitte habt Verständnis mit ihm und stempelt ihn nicht gleich als böse ab, ja?« Bittend schaute ich in die Runde und außer Nico machten alle ein verwirrtes Gesicht. »Glaubt mir, das werdet ihr schon früh genug erfahren!«
      Genau als ich meinen Satz beendet hatte, kam Bart auf Teos Schoß ein freudiger Schrei aus dem Mund und die ganze Aufmerksamkeit am Tisch richtete sich auf ihn. Darauf schien er nur gewartet zu haben, denn als ihn alle anblickten, grinste er breit und fing an zu lachen.
      In die dadurch entstandene Pause fragte Malte: »Wie wird denn der Hengst heißen?«
      »Cotsworlds Eik«, sagte Nico stolz. Auch er hatte den Hengst von Anfang an toll gefunden und sich genauso gefreut wie ich, dass das mit dem Kauf so gut geklappt hatte.
      »Das klingt irgendwie nach Kotze.« lachte Petyr und konnte kaum noch aufhören. Ich verdrehte nur die Augen. Dieser Kerl! Jedenfalls hatte noch einer etwas Humor.

      Bevor ich weitererzählen konnte, ergriff abermals Nico das Wort. »Und um unseren Plan einer Vollblutzucht noch komplett zu machen, habe ich eine perfekte Stute für meinen Marid gefunden. Und ob ihr es glaubt oder nicht, sie ist bereits gekrönt und dazu noch überaus hübsch.« Stolz blickte Nico in die Runde und ich freute mich, dass er endlich ein weiteres Pferd gefunden hatte, welches ihm etwas bedeutete. Niemand in der Runde schien etwas dagegen zu haben und diesmal war die Atmosphäre um einiges positiver. Eine Stute für Marid, dass war perfekt und das schienen auch alle zu finden.
      »Charly was hast du eigentlich für deinen Geburtstag geplant?« Teo hatte sich einen Moment von Bart losgerissen und blickte mich nun fragend an.
      »Woher weißt du von meinem Geburtstag?« Erstaunt blickte ich Teo an. Mein Geburtstag war nichts besonderes und ich hatte nicht geplant mit allen eine große Feier zu veranstalten.
      »Na steht doch ganz groß am Stallkalender«, brummte Teo und ich sah wie er die Augen verdrehte.
      Ungläubig drehte ich mich zu Nico um und blicke ihn dann wütend an. Dieser zuckte allerdings nur mit den Schultern und schien sich keiner Schuld bewusst zu sein. Na super!
      »Geplant ist nichts, ist sowieso mitten in der Woche, da hat sowieso niemand Zeit.« Bevor das Thema weiter vertieft werden konnte, erzählte ich einfach weiter. »Das nächste wird eich bestimmt sehr interessieren! Da wir nun einige Pferde auf dem Gestüt haben, brauchen wir dringend Hilfe! Ich habe mich also im Internet nach jemandem umgeschaut, der einen Job braucht und tatsächlich! Ich habe den perfekten Mann gefunden. Er kommt ursprünglich aus Namibia und hat bereits sein ganzes Leben mit Pferden zu tun. Er ist vom Beruf her eigentlich Reitlehrer und hat nicht nur von Westernpferden, sondern auch von Vollblütern und Galopprennen jede Menge Ahnung. Er wird erst mal bei uns im Gästezimmer wohnen und sobald dann der Schuppen fertig ausgebaut ist, wird er dort einen Teil bewohnen. Ihr anderen werdet also nicht wirklich davon beeinflusst, außer, dass es endlich zwei weitere helfende Hände im Stall gibt!«
      Alle nickten zustimmend und vor allem Malte, welcher in letzter Zeit sehr viel unterwegs gewesen war und deswegen reichlich gestresst erschien, schien erleichtert.
      »Der letzte Punkt ist, dass wir eine weitere Bewohnerin bekommen und das wird vor allem dich, Malte, interessieren.« Diesmal wandte ich mich genau an ihn. »Ich hoffe es ist für dich in Ordnung, dass ich die noch leere Wohnung neben dir an ein junges Mädchen vermietet habe. Sie hat in Sylling eine Arbeitsstelle gefunden und ich habe sie letztens beim Einkaufen ganz zufällig kennengelernt. Sie wird dir gefallen, glaube mir. So ein besonderes Mädchen hast du wahrscheinlich noch nie gesehen.«
      Malte hatte die Augenbrauen hoch gezogen, seine Mundwinkel hatten sich allerdings nicht bewegt. »Das bedeutet, dass ich meine Küche und mein Klo nun teilen muss?«
      Ich nickte leicht mit dem Kopf. »Ich weiß, ich hätte dich vorher fragen müssen, aber so ein Mädchen, das brauchte ich unbedingt bei uns. So fröhlich, so hübsch und so intelligent, glaube mir, dass wird uns allen gut tun!«
      »Wie heißt sie? Wie alt ist sie? Hat sie einen Freund?« mit leuchtenden Augen hatte sich Petyr vorgebeugt und blickte mich nun fasziniert an. Ich musste bei seinem Anblick lachen und freute mich über die Entscheidung, sie nicht zu Petyr auf den Dachboden einquartiert zu haben.
      »Tjarda Winter, 22 Jahre und das andere musst du sie selbst fragen. Sie will sich uns in den nächsten Tagen vorstellen, da könnt ihr sie kennenlernen.«
      Petyr zog eine Schmolllippe und ließ sich mit verschränkten Armen zurück in den Stuhl sinken.
      »Ich hoffe, ihr seid alle jedenfalls einigermaßen mit den Neuigkeiten zufrieden. Ich freue mich darauf, mit euch allen unsere Ziele zu erreichen! Wir schaffen das und ich bin mir sicher, dass das eine tolle Zeit werden wird!« Ich versuchte alle aufzumuntern, während mein Blick auf Bart fiel und sich mein Herz bestimmt um einige Grad erwärmte. Ich liebte diesen Ort, die Menschen und die Tiere und ich hatte es geschafft, die Trauer um Shadows Ableben und Mios Verschwinden zu überwinden. Jetzt hatte ich alles in der Hand und ich freute mich riesig auf all die Dinge, die ich hier noch erleben würde.
    • Flair
      Heimlicher Besuch
      9. Oktober 2016 | 28.544 Zeichen | Canyon

      Mio » Ich konnte meine Tränen nicht mehr zurückhalten, als ich endlich da war. Wochenlang, nein, Monatelang hatte ich die Tränen verdrückt und versucht meine Entscheidung nicht in Frage zu stellen. Doch nun, nun da ich hier war, schienen all meine Vorhaben und Pläne in Luft aufgelöst zu sein. Wie sehr wünschte ich mir doch, dass noch alles so wie früher wäre, dass wir alle noch zusammen lebten, dass Shadow nicht gestorben wäre. Wie sehr wünschte ich mir, alles rückgängig machen zu können und doch merkte ich, dass ich die letzten Monate nicht gerade unglücklich gewesen war. Ich parkte den gemieteten Wagen auf dem Parkplatz vor einem großen Stallgebäude. Natürlich war ich noch nie hier gewesen, aber das Internet und Google Maps hatten mir genügend Informationen ausgespuckt, um den Weg hier her zu finden. Niemandem hatte ich etwas gesagt, nur Addison hatte ich erzählt, dass ich nicht länger ahnungslos in Nevada sitzen konnte. Einmal, einmal musste ich nochmal meine Freunde sehen, das Baby und natürlich all die Pferde die ich zurückgelassen hatte. Mir schossen die Tränen schon wieder in die Augen, welche ich mit letzter Kraft gerade erst verbannt hatte, als ich die Wagentür öffnete und ohne diese wieder zu schließen, in Richtung Stall stolperte. Es war bereits pure Nacht, die genaue Uhrzeit wusste ich nicht, und der Mond schien über dem Gestüt. Hinter dem Stall konnte ich einen Blick auf ein großes Gewässer erhaschen, bevor ich das Stalltor leise aber hastig aufschob und in den Stall schlich. Er war unbeschreiblich schön, mit genau der Art von Boxen, welche ich mir schon immer gewünscht hatte. Groß, luftig und mit so wenig Gitter wie möglich, es war einfach perfekt. Lange musste ich nicht suchen, wie eh und je, seit Anbeginn der Zeiten, lag Excelsiors Box ganz am Anfang des Stalls auf der linken Seiten. Er war schon immer der Torwächter gewesen, hatte jeden Freund freundlich begrüßt und jeden unerwünschten Besucher mit bösen Blicken davon abgehalten, näher zu treten. Er döste in seiner Box, während er einen Kopf auf der Tür abgelegt hatte. Mein Exel, mein kleiner, unbeschreiblicher Exel. Wie sehr hatte ich ihn vermisst, wie sehr…
      Das Mondlicht fiel durch die vielen Fenster im Dach und beschien genau die lange Stallgasse, sodass ich genügend Licht hatte, um alles gut erkennen zu können. Ich traute mich nicht näher zu treten, aus Angst, dass genau jener Wallach mich nicht wiedererkenne würde oder mir vielleicht sauer war, dass ich ihn allein gelassen hatte. All das verstand ich, ich konnte es selbst nicht fassen, dass ich es getan hatte und trotzdem hatte ich gedacht, dass es für mich die beste Entscheidung gewesen war und die war es auch. Ich hatte gemerkt, was das Leben in Nevada mit mir gemacht hatte, es hatte mich gemacht. Mich, die endlich ihren Schatten übersprungen hatte und zurückgekehrt war. Zwar nur für einen kurzen Moment, aber ich war wiedergekommen und endlich das abzuschließen, wovor ich vor einem dreiviertel Jahr nicht die Möglichkeit gehabt hatte.
      Ich lehnte mich an das Holztor und nahm meine Hand zum Mund. Bereits als Schülerin hatte ich immer den Tick gehabt, mir mit dem Finger gegen die Lippen tippen zu müssen, wenn ich nicht weiter wusste und leider hatten das die Lehrer sehr schnell herausgfunden und mich dann immer extra dran genommen.
      Als auch meine letzte Träne versiegt war, stieß ich mich vom Tor ab und ging mit leisen und langsamen Schritten auf die Box von Excelsior zu. Ich behielt ihn genau im Blick, als dieser jedoch die Augen öffnete und mich ansah, musste ich seinem Blick weichen und schaute wie ein kleines Kind hinab auf meine Schuhe. Ich stand nun so nah vor ihm, dass wir in Reichweite waren und mit angehaltenem Atem wartete ich auf eine erste Reaktion des Pferdes. Des Pferdes, mit welchem alles begonnen hatte, wegen welchem ich jetzt genau an diesem Fleck stand. Nach einer gefühlten Ewigkeit fühlte ich die feuchte Schnauze in meinen Haaren und atmete erleichtert aus. Und wieder einmal kamen mir heute die Tränen, allerdings waren es Freudenstränen, Tränen, die mir zeigten, dass ich nicht alles falsch gemacht hatte. Natürlich war auch Excelsior irgendwo nur ein Pferd, aber für mich war es DAS Pferd und ging sogar hinaus über Chosposi und das musste erst mal jemand schaffen. Nun völlig übermütig schob ich den Riegel der Boxentür zur Seite und fiel dem grauen Pferd um den Hals. Sein Duft hatte sich nicht verändert und auch wenn sein Haar nochmal etwas länger und sein Fell dichter geworden war, so war es eindeutig noch mein Exel, welchen ich vor so vielen Monaten in Südfrankreich zurückgelassen hatte. Ich hatte es nicht gemerkt, dass ich zu Boden gesunken und auch dort eingeschlafen war. Wahrscheinlich war es die Müdigkeit oder die Erschöpfung, oder eben beides gewesen, aber erst als mich kräftige Arme hoch hoben und aus dem Stall trugen, wachte ich so langsam wieder auf. Es war noch immer tiefste Nacht, auch wenn ich hätte schwören können, dass es bereits morgen sein müsste. Mit einem Erschreckensschrei bemerkte ich, dass ich den Mann nicht kannte, welcher mich in seinen Armen hielt und versuchte mich so schnell wie möglich daraus zu befreien. Der Mann schien nichts dagegen zu haben und setzt mich auf dem Boden ab, wo ich dann einige Meter zurück stolperte. Er sagte nichts und ich konnte seinen genauen Gesichtsausdruck in der Dunkelheit nicht erkennen, auch wenn mir mein Gefühl sagte, dass er nichts Böses wollte. Meinem Gefühl vertraute ich jedoch schon lange nicht mehr. Einige Sekunden schauten wir uns stumm an, bevor ich vorsichtig auf englisch fragte: »Wer bist du? Arbeitest du hier?« Ich wusste nicht genau welche Sprache er sprach, immerhin waren wir hier mitten in Norwegen und ich hatte noch nie ein Wort dieser Sprache gesprochen. Er schien mich auf jeden Fall zu verstehen und das war schon mal ein Anfang.
      »Allerdings«, meinte er mit tiefer und ruhiger Stimme, bevor er sich umdrehte und den schmalen Weg entlang vom Stall wegging. »Wenn du nichts dagegen hast, würde ich gerne alles weitere mit dir im Haus besprechen.«
      Ich wusste nicht was ich tun sollte und hätte ich es gewusst, wäre ich ihm wahrscheinlich gefolgt. Ich war schon immer ein Angsthase gewesen und diese Angst hatte sich noch nicht mal gelegt, als ich alleine nach Amerika ausgewandert war. Jeder vermutete von mir, dass ich eine mutige und starke Persönlichkeit war, dabei war ich einfach nur ich. Ich Mio, die vor jedem Angst hatte, den sie nicht kannte. Super. Ich schaffte es dem jungen Mann hinter her zu stolpern und mir einen Weg über den unebenen Pfad zu suchen. Er musste auch auf dem kleinen Hof wohnen, den auch Charly und Nico bewohnten, denn er steuerte zielgerichtet darauf zu. Still, einsam und unbeleuchtet lag das kleine Gut in der Nacht. Die weitläufigen Weiden waren verlassen und das sanfte Rauschen des Fjords vervollständigte das perfekte Bild eines perfekten Platzes. Ich konnte verstehen, warum sie sich genau hier niedergelassen hatten. Es war perfekter als perfekt, wenn man es eben so mochte. Ich könnte mir nie vorstellen, wieder so zu leben. Nicht jetzt, nachdem ich all das in Nevada erlebt hatte. Hier würde ich verrückt werden, in dieser kleinen, perfekten Welt. Der Mann führte mich zu einem kleinen Nebengelass, bei welchem er die Tür aufschloss und mich hinein winkte. Der leere Flur wurde nur spärlich von einer alten und dazu noch flackernden Lampe an der Decke beleuchtet und war für mich persönlich ein Albtraum. Am Ende des Flur gab es zwei Türe. Links und rechts. Während die Rechte nur so von Spinnenweben verhangen war, schien die linke frisch gestrichen zu sein, was ich allerdings in dem Dämmerlicht nur erahnen konnte. Der Mann stieß die Tür grob auf und ich sah noch, wie er einige Briefe und Papiere vom Sofa wischte und in einem Schubfach verschwinden ließ. Die Wohnung, wenn man sie überhaupt so nennen konnte, bestand nur aus einer Wohnküche und einer kleinen Toilette. Ein größeres Bad konnte ich nirgends finden. Es war nicht dreckig oder muffig, aber unaufgeräumt und etwas chaotisch. Zum Glück brachte der brennende Kamin an einer Seite etwas Wärme in das Durcheinander. Vor dem Kamin auf einem alten Teppich lag ein ebenso alter Hund. Oder sollte ich lieber Wolf sagen? Sein Fell war ursprünglich bestimmt schwarz gewesen, doch jetzt mit dem Alter war es mit jeder Menge weißen Strähnen durchzogen. Er schien dazu auch noch taub zu sein, denn er zuckte nicht mal mit den Ohren, als der Mann die Tür hinter mir wieder schloss und auf das Sofa deutete, welches vor dem Kamin stand.
      Jetzt war ich sowieso einmal hier drinnen gefangen, es war also zu spät, weswegen ich mich nicht lange bitten ließ und mich auf diesem niederließ. Der Mann schien sich noch nicht mit mir unterhalten zu wollen, sondern drehte sich einfach nur zu der kleinen Küchenzeile um und setzte Wasser auf. Ich konnte ihn damit endlich von nahen und im Licht betrachten. Er war nicht allzu groß für einen Mann, vielleicht 1,80m, wenn ich schätzen musste. Seine rotblonden Haare waren an den Seiten abrasiert und die restlichen zu einem Zopf auf seinem Kopf zusammen gebunden. Er sah nicht gefährlich aus, jedenfalls nicht auf den ersten Blick, und auch wenn ich damit keine Ahnung hatte, so würde sich ein Vergewaltiger wahrscheinlich als erstes nicht einen Tee kochen, so wie er es gerade tat.
      »Fenchel?« fragte er mich und ich brauchte etwas länger, um zu verstehen was er meinte. Ich sprach mittlerweile so perfekt Englisch, dass mir manche nicht mehr abkaufen wollten, dass ich ursprünglich Deutsche war und erst seit wenigen Monaten in den USA lebte. Aber dieser Mann hier hatte wahrscheinlich nie so gut Englisch sprechen gelernt, weswegen sein Englisch durch den Akzent schwer verständlich war.Ich nickte nur auf seine Frage und wandte meinen Blick dann von ihm ab. In Gedanken versunken schaute ich ins Feuer. Auch wenn ich durch den Schock beim Erwachen meine Erschöpfung vergessen hatte, so kehrte diese nun langsam zu mir zurück. Die wohlige Wärme des Feuers und das bequeme Sofa luden einfach dazu ein. Meine Augen wollten mir gerade zu fallen, als der Mann zwei dampfende Tassen vor uns auf den kleinen Holztisch abstellte und sich dann selber in einen Sessel auf der anderen Seite des Tischs fallen ließ. Jetzt endlich blickte der Hund am Boden auf und seine großen braunen Augen und schauten fragend zu seinem Herrchen hinauf. Dieser kraulte seinen Hund nur kurz, bevor er ihm das Zeichen gab, dass er sich wieder hinlegen konnte. Um nicht noch länger schweigen zu müssen, übernahm ich die Offensive. »Ich bin Mio und es tut mir Leid, dass ich ohne zu fragen den Stall betreten habe.«
      »Ich weiß wer du bist, es hängt ein Bild von dir bei uns im Stall.« sagte der Mann zu mir. »Ich bin Malte. Ich muss dich nur leider enttäuschen, denn Charly unf Nico sind für mehrere Tage verreist.«
      Endlich wusste ich seinen Namen. Malte, das klang nordisch, was ja nicht weiter verwunderlich war, wenn er in Norwegen wohnt. Ich winkte nur ab, es war mir sogar recht, dass sie nicht da waren. Ich wusste selbst, dass es nicht fair ihnen gegenüber war, aber das Leben war nun mal nicht fair und das hatte ich bereits vor langer Zeit gelernt. Aber der Satz von Malte, dass ein Bild von mir im Stall hing, der schallte noch etwas länger in meinem Kopf nach.
      »Danke«, meinte ich dann nur, als mir auffiel, dass ich Malte noch gar nicht geantwortet hatte.
      Auch Malte schien nicht gerade ein Mann großer Worte zu sein. Ihm schienen die Worte genauso ausgegangen zu sein wie mir und deswegen schob er mir einfach eine der beiden Tassen auf dem Tisch zu und fing dann in Gedanken versunken seinen Hund zu seiner rechten zu streicheln. Mein Blick verfing sich wieder im Feuer. Die Flammen flackerten in allen möglichen Farben und es sah so aus, als würde nicht nur der Kamin brennen, sondern auch der Teppich, der Hund und Malte, welche genau davor saßen. Ich fand es komisch, dass es gerade mal Ende September war und hier bereits geheizt werden musste. In Nevada waren es immer noch jeden Tag etwa 70 Fahrenheit und so würde es auch noch eine ganze Zeit lang bleiben. An die Wärme hatte ich mich mittlerweile gewöhnt, weswegen die Kälte hier für mich noch unerträglicher war als ohnehin schon.Ruckartig setzte sich Malte gerade hin, griff mit seiner Hand in seine Hosentasche und zog seinen Autoschlüssel, nein, es war ja meiner, heraus. Dann reichte er ihn mir über den Tisch sagte: »Hätte ich fast vergessen, den habe ich aus deinem Auto geholt und gleich abgeschlossen, das hattest du anscheinend vergessen.«
      Dankend nickte ich ihm zu und nahm ihm die Autoschlüssel ab. Kurz berührte ich seine Hand und ich war erstaunt, wie weich sie sich anfühlte, denn im schwachen Licht sah sie aus, als wäre sie von der täglichen Arbeit rau geworden. Ich steckte den Autoschlüssel in meine Jackentasche und nahm dann die immer noch dampfende Tasse Tee vom Tisch. Tee, auch so etwas, was ich schon lange nicht mehr getrunken hatte.
      »Wie lange hast du vor zu bleiben?« fragte mich Malte, während er aber den Blickkontakt zu mir vermied. Es löste ein seltsames Gefühl in meinem Magen aus, dass wir hier gemeinsam saßen, uns erst einige Minuten kannte und trotzdem keine Themen zum Reden hatten.
      »Weiß nicht, darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Einen Tag, vielleicht auch zwei?« meinte ich achselzuckend. Dabei sah ich zu, wie Malte beide Augenbrauen nach oben zog.
      »So kurz nur? Charly und Nico kommen erst in zwei Tagen wieder.«
      Ich wusste nicht was er von mir halten sollte, aber ich wollte ehrlich sein. »Ich weiß, dass ich Charly damit mal wieder verletze, aber ich werde vor ihrer Ankunft wieder weg sein. Ich bin schon lange nicht mehr die Freundin, die ich einmal war und ich mache es Charly nur noch schwerer, wenn ich wieder gehe. Ich gehe nun meinen eigenen Weg.«Ich konnte nicht erkennen, welche Emotionen Malte nun durchflossen, überhaupt konnte ich keine Reaktion in seinem Gesicht erkennen. Er zuckte nur mit den Schultern und wandte sich dann wieder seinem Tee zu.
      »Du kannst gerne die beide Nächte bei mir schlafen, es sieht so aus, als bräuchtest du dringend mal wieder etwas Schlaf.«
      »Danke, das nehme ich gerne an.« Meinte ich und lächelte wahrscheinlich das erste Mal an diesem Tag.
      Auch wenn das Sofa nicht gerade das größte und bequemste war, so schlief ich doch gut und auch recht lange. Das war ja auch kein Wunder, immerhin hatte ich den ganzen letzten Tag im Flieger gesessen und war dementsprechend ausgelaugt gewesen. Als ich von den Sonnenstrahlen geweckt wurde, welche durch die kleinen Fenster zu mir herein schienen, blieb ich nicht mehr lange liegen, sondern begann den Tag mit neuer Motivation und Freude. Gestern hatte ich nur Augen für Excelsior gehabt, aber es gab ja auch noch einige andere Pferde, welche ich vermisst hatte. Vor allem Jeanie, Ocarina of Time und Happy, aber auch Grenzfee und Teufelstanz, Charelle und April Rain. Ich war gespannt was auch aus Marid dem Idioten geworden war und ob es ihn überhaupt noch gab. Malte konnte ich nirgends finden, weswegen ich davon ausging, dass er bereits unterwegs war. Ein Blick auf die Uhr bestätigte diese Vermutung, denn es war bereits kurz nach zwölf. Als ich das kleine Haus verließ, brauchte ich einen Moment um mich orientieren zu können. Bei Tag sah das Ganze schon etwas anders aus und ich war erstaunt, welch freundliche Aura das Anwesen hatte. Rechts von mir lag eine purpurrote Scheune mit schwarzem Dach, genau vor mir stand ein prächtiges kleines, weiß gestrichenes Gutshaus und links konnte ich zwei weitere Häuser erkennen. Eines davon sah eher nach einem Schuppen und das andere nach einem Fischerhaus aus, aber wahrscheinlich würde auch Maltes Haus nicht sehr stattlich aussehen. Als ich einige Schritte zurücktrat und mir das kleine Häuschen genauer ansah, sah ich auf den ersten Blick nichts als Efeu. Das ganze Haus war davon überwuchert und ich verliebte mich auf den erstes Blick. Ich seufzte. Ich hätte nicht gedacht, dass es mir hier oben im Norden in der Kälte tatsächlich so gut gefallen würde. Den Weg in den Stall fand ich tatsächlich schneller als gedacht, sodass ich wenige Minuten später am großen Haupttor stand und zum ersten Mal den Stall im Licht der Tagessonne sah. Wie mir auch gestern schon aufgefallen war, war es ein überaus stattlicher und von hellem Licht durchfluteter Stall, welcher mich vor allem mit seinen modernen und offenen Boxen überzeugte. Nun waren die Boxen jedoch leer und nur das aufgeregte Zwitschern der Schwalben im Gebälk gaben Geräusche von sich. Ich hatte meinen Blick nach oben gewandt, sodass ich nicht mitbekam, wie der große pelzige Hund von gestern Abend auf mich zu kam. Dementsprechend erschreckte ich mich, als sich die großen dunklen Augen zu mir hinaufwandten und mich zu durchbohren schienen. Wie hieß er nochmal? Ich und mein Namensgedächntnis! Ich streichelte ihn kurz und begab mich dann auf die Suche nach bestimmten Pferdenamen an den Boxentüren.
      »Excelsior, Jeanie - «, murmelte ich vor mich hin und ging Box für Box ab. Nach Jeanie hielt ich kurz inne, denn der Namen an der Boxentür versetzte mir einen kleinen Stich in der Magengegend. Klar hatte mir Charly von Jelda erzählt, Jeanies erstem Fohlen, aber nie hatte sie auch nur erwähnt, dass ihr ganzer Name ‚Mios Jelda‘ hieß. Ich war zu Tränen gerührt und zum ersten Mal seit vielen Monaten fühlte ich wieder diese innige Freundschaft, welche Charly und ich so viele Jahre lang gehabt hatten. Braum van Ghosts kannte ich tatsächlich noch aus den letzten Wochen meiner Zeit auf Saint Gorge, Hendersin, wie auch Braddock ‚The Parrot‘ waren mir unbekannt.
      »So viele unbekannte Pferde«, murmelte ich, als ich auch an Óslogis, Félagis und Dynurs Box vorbeiging. Isländer, dem Namen nach. Aber warum Isländer? Weder Charly noch Nico hatten sich je für diese Gangpferde interessiert!
      »Oh ha!« Sagte ich überrascht, als ich tatsächlich ein Boxenschild mit dem Namen Marid fand. Den gab es also auch noch. Ich blieb einen Moment davor stehen und versank in Gedanken bei dem Tag, an dem ich Marid das erste Mal gesehen hatte, bevor ich mir noch die anderen Boxen ansah. Da gab es eine Rubina und einen Khadir, sowie eine Zanyah und einen Tiramisu. Auch Bijou, Abs und Milosch kannte ich nicht. Besonders freute ich mich, dass es Charelle und April Rain überlebt hatten, immerhin hatten sie ihm gehört. Vor allem Nelly war sein absolutes ein und alles gewesen. Aber gewesen. Nach den beiden folgte eine Reihe Namen, die ich nie und nimmer aussprechen konnte. Worgait war davon noch der normalste, aber wer ließ sich bitteschön Himmawallajugaga, Sysahlreuth und Devrienterreuth einfallen?! Das waren doch keine Namen! Zwischendurch gab es zum Glück etwas einfaches, Raja zum Beispiel. So viele Namen und zu kaum einem Pferd hatte ich ein Bild im Kopf. Ein Stein fiel mir allerdings vom Herzen, als ich an den letzten Boxen die Namen Grenzfee, Teufelstanz und Aspantau und Seattle‘s Scarlett laß. Auch sie hatten es also bis hier her geschafft! Scion d‘Or und Lady Gweny kannte ich jedoch wieder nicht. Schmunzeln musste ich, als ich ganz am Ende, oder eigentlich auch wieder am Anfang der Stallgasse den Namen Cotsworld Eik las. So interessant er war, vor allem mich als gebürtige Deutsche erinnerte er mich extrem an K*tze. Besser hätte es der Zufall nicht planen können, doch kaum hatte ich meinen Rundgang beendet und war mir bewusst geworden, dass weder Happy, noch Leiðtogi oder Sleipnir, noch Ocarina of Time bei den Namen dabei gewesen waren, als ich Malte den Parkplatz überqueren sah. An seiner rechten Seite lief das hübscheste Pony was ich je gesehen hatte und das sagte ich wahrlich nicht oft. Ein hübscher Perlino Splash mit blauen Augen, dicker Mähne und dichtem Fell. Das pure Traumpferd für mich! Wäre es jedoch ein Mustang und kein Isländer, dann wäre es noch perfekter als perfekt gewesen.
      Malte sagte nichts, bis er direkt neben mir anhielt. »Du musstest anscheinend wirklich viel Schlaf nachholen. Hast du jedenfalls auch gut geschlafen?«
      Ich nickte. »Danke, so gut wie lange nicht mehr.« Bedankte ich mich und lächelte kurz. »Ist das dein Pferd?«
      Stolz blickte Malte auf den Hengst hinunter. »Ja, mein kleiner Prinz. Soll ich dir noch die anderen Pferde zeigen? Ich komme zwar gerade erst von den Weiden, aber wenn du mir nachher bei der Stallarbeit hilfst, sollte das kein Problem sein.«
      Ich nickte. »Gerne doch, es gibt einige Pferde, welche ich gerne mal wieder sehen würde.
      Die Weiden in Südfrankreich waren nichts im Vergleich zu denen hier in Norwegen. Geschützt, windsicher und umringt von Bäumen waren sie das pure Paradies für die Pferde. Ich war wirklich erstaunt, welch gutes Konzept und mit welch guter Planung Charly und Nico den Hof führten und versuchten, es jedem Pferd so recht wie möglich zu machen. Ich lernte all die Vollblüter kennen, vor allem Achal Tekinner, aber auch viele Araber und Englische Vollblüter, dufte die Friesen irgendeines Petyrs bestaunen und mich darüber freuen, dass mein Excelsior haufenweise Freunde um sich gescharrt hatte. Was mich jedoch wirklich entzückte waren die Zackelschafe. Sieben Stück und ein kleines Lämmchen, welche auf einer der Weiden lebten. Auch Malte schien von seinen Schafen begeistert und stellte mir gleich jeden mit Namen vor. Alle besaßen Cocktailnamen, das fand ich extrem witzig. Die große Jungpferdeweide befand sich direkt am Ufer. Der Boden war hier um einiges sandiger und auch der Wind kühler, jedoch hatten die sieben Pferde mehrere Unterstellmöglichkeiten, um sich vor der kühlen Seeluft schützen zu können. Meine Jeanie besuchten wir als letztes. Zusammen mit ihrem Fohlen und einer kleinen Shettystute stand sie so Gestütsnah wie nur möglich, da sie hier am sichersten waren. Einen Moment verweilte ich noch am Zaun und beobachtete die kleine Jelda dabei, wie sie immer wieder versuchte, die beiden anderen Stuten zum Spielen zu ermutigen. Jeanie und Belle schienen jedoch die Lust zum Toben verloren zu haben und drehten sich immer wieder weg. Malte musste meinen Blick gesehen haben, denn ein kleines Lächeln erschien auf seinen Lippen. »Keine Angst, es dauert nicht mehr lange und da kann die kleine Jelda mit zu den anderen Jungpferden. Sie scheint nur etwas früh entwickelt zu sein und es kaum abwarten zu können, endlich von ihrer Mutter loszukommen.«
      Ich grinste zurück und zog Malte dann mit zum Stall. »Los komm schon, die Arbeit wartet!«
      Ich hätte nicht gedacht, dass der Stall so viel Arbeit war. Meine anfängliche Motivation war schnell wieder geschrumpft und auch die norwegische Musik im Radio, welche ich als mega witzig eingestuft hatte, wurde schnell nur noch zu einer Qual. Fast schien es, als hätte ich im letzten ¾ Jahr verlernt, was es bedeutete, so viele Boxen sauber machen zu müssen. Malte schien dies jedoch gar nicht zu stören. Die Arbeit im Stall schien sein Leben zu sein, so als könnte er sich nie etwas anderes vorstellen. Erst nach mehreren Stunden hatten wir die fünfzig Boxen von jeglichem Mist befreit, die Stallgase gekehrt und allen Pferden das Heu für den Abend vorbereitet.
      »Kaffee?« fragte mich Malte, als wir beide unseren Besen an die Wand lehnten. Ich nickte und kletterte erschöpft und sehr ungelenkig auf einen Heuballen in der Stallgasse. Daraufhin verschwand Malte in der kleinen Reiterstube und kurz darauf hörte ich das vertraute Geräusch einer Kaffeemaschine. Ja Kaffee, das war wohl eines der wichtigsten Mittel, welche mich jeden Morgen auf den Beinen hielt, wenn ich in aller Frühe mein Bett verlassen musste. Die Zeit nach dem Kaffee verging um einiges schneller. Nachdem die Arbeit im Stall geschafft war, verlief der Tag viel angenehmer. Ich wich Malte nicht von der Seite, beobachtete ihn dabei, wie er eine junge Ponystute von der Weide holte, diese putzte und sattelte und sie dann zur Reithalle führte. Auch diese lag versteckt mitten im Wald und nur ein kleiner Pfad führte dorthin. Staunend beobachtete ich ihn, wie er die Stute mit viel Geduld und vor allem Gefühl an die Lektionen heranführte und wenn etwas nicht klappte, versuchte er es einfach nochmal. Er schien ein richtiges Talent fürs Trainieren zu haben und irgendwo in meiner Magengegend spürte ich einen kleinen Eifersuchtsknoten, welchen ich jedoch erfolgreich wieder verbannen konnte. Auch der restliche Nachmittag war vor allem pure Entspannung. Pferde und Natur, mehr gab es eigentlich nicht, was mich glücklich stimmen konnte. Zusammen mit Malte und seinem großen Hund, machten wir einen Spaziergang mit einigen der Jungpferden. Während Malte seine beiden Isländer Félagi und Dynur nahm, entschied ich mich für Scion und Aspantau. Vor allem Aspantau hatte sich gigantisch entwickelt und ich freute mich, dass es ihm so gut ging. Fast zwei Stunden waren wir unterwegs und als wir zurück zum Gestüt kamen, dämmerte es bereits leicht. Die Pferde putzten wir noch ab und brachten sie dann zurück auf die Weide.
      »Holst du sie heute nicht über Nacht in den Stall?« fragte ich Malte, als dieser gerade das große Tor des Stalls schloss. Er schüttelte nur den Kopf. »Nein, heute nicht. Die Arbeit erspare ich mir. Morgen Nachmittag kommen alle wieder, dann machen wir das zusammen.«
      Ich fragte mich, ob er mit „wir“ auch mit meinte, denn ich hatte bereits etwas anderes geplant.
      Den Abend verbrachten wir, eingehüllt in warme Decken, unten am Strand. Auf Klappstühlen, mit einer heißen Tasse Tee in der Hand und einer flackernden Kerze zu unseren Füßen blickten wir auf den Tyrifjord, über welchem bereits der helle Mond aufgegangen war und sich nun in dessen Oberfläche spiegelte. Ich war erstaunt, als Malte nach einer Zeit des Schweigens anfing, mir von dem Leben auf der Ranch zu erzählen, seinen Freunden und seiner Geschichte. Ich hatte Malte heute als einen überaus stillen und schweigsamen Menschen erlebt und deswegen verwunderte es mich, dass er mir nun so freizügig erzählte. Irgendwann fing auch ich an, ihm vom Leben in der Wüste zu erzählen und es schien ihn ehrlich zu interessieren, so als ob er mich und meine Entscheidung verstand. Ich war ihm überaus dankbar, mit wie wenig Vorurteilen er an mich heran getreten war, obwohl er wusste, dass ich Charly und vielleicht auch Nico enttäuscht hatte. Es war bereits spät nach Mitternacht, als wir unseren schönen Platz aufgaben und zurück zum Hof gingen. Diesmal kam mir der Flur bereits gar nicht mehr so unheimlich vor und auch an das flackernde Licht schien ich mich gewöhnt zu haben. Ohne viel Umschweife zog ich mir meine dreckigen Kleider aus und schlüpfte unter die warme Decke des Sofas. Malte wünschte mir noch eine gute Nacht und bevor er das Licht gelöscht hatte, war ich eingeschlafen.
      Am nächsten Morgen wachte ich in aller Frühe auf. Perfekt, genau zur richtigen Zeit. Malte schlief auch noch und so zog ich mir langsam meine Kleidung wieder an, schnappte mir meine Tasche und wollte die kleine Wohnung verlassen. Kurz bevor ich jedoch die Türklinke nach unten drückte, überlegte ich es mir nochmal anders und kritzelte mit zitternder Hand auf einen kleinen Zettel:
      Danke für alles!
      Vielleicht sehen wir uns ja irgendwann nochmal wieder.

      Mio
      Es tat mir Leid, dass ich ihn ohne ordentliche Verabschiedung wieder verlassen würde und doch war das mein neues ich. Ich war sprunghaft geworden, wollte mich mit keinem anderen Ort mehr verbinden und am besten mich mit keinem anfreunden. Ich lebte nur noch für Nevada, für die Mustangs, für Addison und für mich. Der Mietwagen brauchte etwas länger um zu starten, der Motor schien etwas eingefroren zu sein. Doch als er endlich startete, verließ ich die Ranch ohne einen Blick zurück zu werfen. Hätte ich es getan, so hätte ich bestimmt den jungen Man gesehen, welcher vor seiner Haustür stand und mir mit einem kleinen Lächeln nachlächelte.
      Etliche Stunden später landete der Flieger auf dem Flugplatz in Las Vegas. Es war ein Las Minute Flug gewesen und dementsprechend ramponiert und unbequem war der Flug gewesen. Zum Glück hatte ich so die verlorenen Schlafzeit jedenfalls etwas wieder aufholen können. Vor dem Gebäude, angelehnt an seinen dunklen Jeep, wartete Addison auf mich. Er hatte seinen Hut tief ins Gesicht gezogen und ich konnte sehen, wie er jeden an ihm vorbeikommenden Passanten mit zusammengekniffenen Augen musterte. Ich musste bei seinem Anblick lächeln und als auch er mich erblickte, streifte sein Blick als die Erlebnisse von Norwegen von mir ab. Ich hatte mein Gewissen mit diesem Besuch nun endlich beruhigt und es war Zeit, nun nur noch hier und jetzt zu leben. Ich stieg auf der Beifahrerseite ein und kurz darauf schlängelte sich das brummende Gefährt durch die vollen Straßen von Las Vegas, genau auf den Red Rock Canyon zu.

      Beacon Lodge Hufschmiedbesuch
      12. Oktober 2016 | 4.530 Zeichen | Rinnaja

      Es wurde wieder Zeit meinen Hufschmied Wagen Fertig zu machen. Ich hatte gestern Abend noch einen Anruf von einer Dame Namens Charlotte Eylenstein kurz gesagt Charly wie sie mir am Telefon sagte. Es ging um 4 Pferde die ich Kontrollieren sollte und auch beschlagen sollte. Ich machte mich natürlich auf den weg zu hier. Nach einer langen und ruhigen Fahrt kam ich bei Charly an. Ihr Hof war geräumig und groß wie ich es erwartet hatte. Ich suchte sie auf den Großen Gelände als ich sie Schlussendlich im Büro fand. Wir begrüßten und und redet drüber welche Pferde gemacht werden mussten und welchen Beschlag sie brauchten. Zu erst machte ich mich an Cotsworlds Eik ran. Ich bat Charly bei zu bleiben da der Hengst nicht ohne war er biss Fremde nur zu gerne und versucht einen Krafige Tritt zu verteilen und das konnte ich bei besten will nicht gebrauchen. Charly sprach ruhig auf den Hengst ein und ich hole die wichtigsten Sachen aus meinen Wagen die ich brauchte. Wie mein Hufmesser,Hufschneidezange (Nipper) und meine treue Raspel auch die Aluminiumbeschlag nahm ich mit da der Hengst ein Rennbeschlag brauchte. Charly streichelte und beruhte so gut es ging Cotsworlds Eik aber er blieb ruhig und ich konnte mit den ersten Hufen Anfang. Zu erst fing ich an mit den Hufmesser den Huf Ordentlich zurecht zu schneiden und mit der Nipper die Tragrande ordentlich zu machen um Später mit der Raspel den Huf für den Beschlag fertig zu machen. Cotsworlds Eik hat zwar versucht mich zwei mal zu Zwicken aber zu Glück war Charly da die genau achtet das er mich nicht Verletzte ich war sehr dankbar das sie sich die Zeit genommen hatte mir zu Helfen. Ich fing an die anderen 3 Hufen zu bearbeiten. bei den Hinterhufen hat Cotsworlds Eik zwar mehr Mals versucht nach mir zu treten aber wir hatten Cotsworlds Eik sehr gut unter Kontrolle gehabt. Ich versuchte das Aluminiumbeschlag an zu passen und ihn den zu befestigen an alle 4 Hufen. Als das geschafft war kontrollierte ich alle Hufen und guckte ob die nagle richtig saßen und nicht falsch gemacht habe. Charly führte den Hengst ein mal raus und runter alles war Perfekt. Bei Parwaneeh war es einiger maßen entspannter und ich konnte auch hier meine Hufschmied Arbeit ganz in Ruhe machen. Charly kümmerte sich wieder drum die Stute ruhig blieb und ich Ausscheiden mit der Zange arbeite konnte und später mit der Raspel den den Rest machte. Parwaneeh Hufen waren super und ich hatte nix zu meckern das sagt ich auch Charly mit einen Lachen im Gesicht. Als ich auch mit Parwaneeh Fertig war brachte Charly die Stute zurück in den Stall und brachte mir Zanyah eine Ruhe Vollblut Araber Stute. Sie brauchte einfach nur neue Eisen. Ich machte die alten Eisen ab und packte sie zu Seite bevor ich den Offen an machte um die neuen Eisen auf zu Warmen/Heizen. In der Zwichen Zeit Schied ich Zanyah Hufe aus und ging noch mal mit der Hufzange ran um den Tragrand zu Kurzen bevor ich aber Mals mit der Raspel den feinschliff machte. Ich bat Charly ein Eimer Wasser zu holen damit ich die Eisen abkühlen konnte. Sie brachte mir auch ein Eimer Wasser und ich passte die Hufeisen in zwischen bei Zanyah an. Zanyah Zeigte keine angst auch wenn der Rauch in hier Gesicht zock war sie ganz entspannt. Als ich alle 4 Eisen angepasst hatte kühlte ich sie ab und brachte sie an der Stute an. Auch da gab es keine Probleme Zanyah fing so gar an fast ein zu nicken und es kam so rüber als genoss sie die Huf Pflege sehr. Ich war nun mit allen 4 Hufen Fertig und Kontrolliert noch mal ob alles richtig saß bevor ich Charly aber Mals bat mir das Pferd vor zu führen. Zum Schluss war Bijou dran. Auch er sollte beschlagen werden ich suchte nach den passenden Hufeisen und machte sie in den Ofen damit sie Heiß werden konnten. In der zwischen Zeit kümmerte ich mich um Bijou. Der Hengst stand ganz Entspannt da und Doste vor sich hin als war alles Alltag für ihn. Ich schied auch hier die Hufen aus benutze die Nipper und Raspelte alles zurecht. Ich konnte das nun auch langsam im Schlaf hatte ich das Gefühl. Als das getan an Fing ich nach und nach alle 4 Hufeisen anzupassen und ab zu kühlen. Bevor ich sie fest machte mit den Nagel. Zwar guckte Bijou zwischen durch Neugierig was ich machte aber fing den gleich wieder an sich zu entspannen. als mein Werk verbracht war lies ich mit Bijou noch mal vor führen von Charly alles war in Ordnung und auch Bijou konnte zurück in den Stall. ich packte alle meine Sachen zusammen und redet noch kurz mit Charly bevor ich mich auf die Lange heimfahrt wieder machte.

      Bijou, meine neue Reitbeteiligung
      23. Dezember 2016 | 4.932 Zeichen | FrauHolle

      Ich fuhr mit meinem Fahrrad durch die wunderschöne Landschaft neben dem Tyrifjord. Ein bisschen aufgeregt war ich ja schon. Gestern sah ich eine Anzeige im Internet, dass eine Reitbeteiligung für Bijou gesucht wird. Auf der Ranch, auf der er stand, war ich schon einmal, als ich eine Freundin dort besuchte. Eine absolute Traumranch! Und das beste: Wunderbares Ausreitgelände. Ich freute mich schon jetzt darauf, über die Wiesen zu galoppieren. Man hatte ich das vermisst! Dazu hatte Bijou eine total nette Besitzerin. Hatte sie gestern sofort angerufen, als ich die Anzeige sah. Ganz spontan durfte ich heute schon vorbeikommen.
      Endlich war ich am Hof angekommen. Ich hatte noch etwas Zeit, bis ich mich mit der Besitzerin Charlotte traf, was mir aber ganz gut passte, da ich von meiner Fahrradtour völlig außer Puste war. Ich stieg vom Rad, schloss es an und sah mich etwas auf der Ranch um. Der Stallbursche mistete gerade die Boxen aus, eine Frau bandagierte gerade ihr Pferd und auf dem Platz hatte eine Reiterin gerade Springstunde. Sofort fühlte ich mich wohl auf der Ranch. Ich schlenderte zur Weide und stellte mich an der Zaun, als mir plötzlich jemand auf die Schulter klopfte. „Bist du Jenny?“. Hinter mir stand eine Frau mit kurzen, glatten, schwarzen Haaren. „Ich bin Charlotte, du darfst mich aber gerne Charly nennen.“ Charly war mir sofort total sympathisch. Zusammen gingen wir in die Sattelkammer und Charly zeigte mir Bijous Sachen. Wir nahmen Trense, Sattel und Putzkasten mit und stellten alle Sachen zum Putzplatz. Ich schnappte mir das Halfter von Bijous Box und wir gingen zur Weide. Als Charly Bijou rief, kam er sofort angetrabt. Was für ein wunderschönes Pferd! Ich halfterte Bijou auf und führte ihn zum Putzplatz. Während ich ihn putzte, erzählte mir Charly alles über ihre Pferde und die Ranch. Nachdem ich gesattelt und getrenst hatte, setzte ich meinen Helm auf und ging mit Charly und Bijou zum Reitplatz.
      Die Frau, die eben Springstunde hatte, war inzwischen fertig und war gerade noch dabei, alle Hindernisse vom Platz zu räumen. Ich führte Bijou eine Runde im Schritt über den Platz, bevor ich zum Hocker ging und aufstieg. Schon beim warmreiten fühlte ich mich total sicher und wohl auf Bijous Rücken. Nachdem ich ihn zehn Minuten im Schritt warm gemacht hatte, trabte ich ihn an. Ich lies die Zügel etwas länger , damit er sich abstrecken konnte. Nach einiger Zeit nahm ich die Zügel auf und fing an ihn zu stellen und zu biegen. Er war total weich im Maul und reagierte auf die kleinsten Hilfen. Sein Trab war total gleichmäßig und gemütlich und er hatten einen ziemlichen Vorwärtsdrang. Ich gab immer wieder halbe Paraden und versuchte, das Tempo etwas zu zügeln. Ich ritt ein paar Schlanglinien und Volten. Nach einiger Zeit hörte Bijou mir viel besser zu, als am Anfang. Ich gab ihm eine kleine Schrittpause und klopfte ihn am Hals. „Na stimmt die Chemie bei euch beiden?“, fragte Charly mich. „Bijou ist toll zu reiten. Es macht richtig Spaß“, antwortete ich ihr. Ich nahm die Zügel wieder an und gab Bijou das Zeichen zum antraben. Sein Trab war ruhiger als eben und ich musste sie nicht mehr so stark zurückhalten. Ich ritt einen Zirkel und zur geschlossenen Zirkelseite gab ich die Galopphilfe. Bijou sprang in einen fleißigen Galopp, der trotz viel Schwung total gut zu sitzen war. Nach zwei Runden Galopp parierte ich durch zum Trab, lobte ihn und wechselte die Hand. Aus einer Volte heraus galoppierte ich ihn an. Ich ritt ganze Bahn und ließ Bijou etwas mehr vorwärts galoppieren. Er schnaubte und ich gab ihm das Signal zum durchparieren. Ich ließ die Zügel aus der Hand kauen und klopfte Bijou am Hals. Er senkte ihren Kopf und kaute zufrieden. Nachdem ich ein paar Runden locker vorwärts getrabt war, ging ich in den Schritt über und ritt trocken.
      Charly kam auf den Platz, lobte erst ihr Pferd und danach mich: „Gut gemacht, du ist eine sehr gute Reiterin. Ihr beide werdet sicherlich ein tolles Team. Ihr passt jetzt schon super zusammen!“. Überglücklich stieg ich vom Pferd und führte Bijou zurück zum Putzplatz. Ich nahm ihm den Sattel und die Trense ab, putze ihn noch kurz über und kratzte seine Hufe aus. Zur Belohnung gab ich ihm einen Apfel und eine Karotte, die sie mit Freude verschlang. Während Charly die Sachen zurück in die Sattelkammer brachte, führte ich Bijou zurück auf die Weide zu seinen Freunden. Ich streichelte ihn am Kopf und verabschiedete mich von ihm. Als ich mich umdrehte, trabte Bijou zufrieden zu seiner Herde zurück. Ich hing das Halfter zurück an die Box und ging zu Charly, die gerade aus der Sattelkammer kam. „Also meinetwegen darfst du gerne wiederkommen. Und ich glaube, Bijou hat dich auch schon ins Herz geschlossen“. Ich machte für übermorgen eine Uhrzeit mit Charly ab, ging zu den Fahrradständern und schwang mich auf mein Rad. Mit einem Lächeln im Gesicht radelte ich nach Hause. Ich freute mich schon auf das nächste Mal!

      Reitbeteiligung
      27. Dezember 2016 | 6.275 Zeichen | FrauHolle

      Es war ein stürmischer Tag und ich hatte Mühe, gegen den Gegenwind anzukommen. Ich tritt so stark in die Pedale, doch kam gefühlt nicht richtig vorwärts. Nach einer gefühlten Ewigkeit war ich endlich an der Tyrifjord Ranch angekommen. Ich stellte mein Fahrrad an den Fahrradständer. Ich merke, wie durstig ich von der Fahrt war und griff nach meiner Trinkflasche. Nachdem ich einen großen Schluck genommen hatte, machte ich mich auf zur Sattelkammer. Charly konnte heute leider nicht dabei sein. Sie hatte mir gestern eine lange SMS geschrieben und alles erklärt was ich noch wissen musste.
      Ich nahm Bijous Sachen aus der Sattelkammer und brachte sie zum Putzplatz. Mit dem Halfter in der Hand marschierte ich zur Weide. „Biiiiijoooouuuuu“. Ich rief ihn, in der Hoffnung er würde sich vielleicht dazu entscheiden mir ein bisschen entgegen kommen. Ich wartete einen Moment und rief dann nochmal. Keine Reaktion. War ja klar. Bei Charly kam er gleich an. Wäre ja auch zu schön gewesen. Also machte ich mich auf zur Herde. Die Weide war riesig und ich war froh, dass Bijou nicht ganz hinten stand. Als ich endlich bei ihm und den anderen Pferden angekommen war, halfterte ich ihn auf und gab ihm zur Begrüßung eine Möhre. Ich führte ihn bis zum Tor und dann zum Putzplatz. Zum Glück kam er ganz brav mit mir mit und ich brauchte nicht mit ihm zu diskutieren. Ich putze ihn ganz ordentlich, denn am ersten „richtigen“ Tag wollte ich auf keinen Fall etwas falsch machen. Ich kratzte sie Hufe heute besonders ordentlich aus, striegelte die Sattellage dreimal, bis sie ganz sauber war und kämmte Mähne und Schweif, bis ich keine einzige Klette mehr finden konnte. Als ich zufrieden war, sattelte und trenste ich. Ich setzte meinen Helm auf, zog meine Handschuhe an und ging mit ihm Richtung Platz. Der Platz war frei und ich freute mich darüber, da ich nicht mehr genau wusste wie die Bahnregeln waren. Ich holte mir die Aufstiegshilfe, gurtete noch einmal nach und stieg dann auf. Nachdem ich alles zurecht gezupft hatte, ritt ich los. Trotz Wind war Bijou die Ruhe selbst. Auch heute war er wieder ziemlich flott. Nachdem ich ihn zehn Minuten im Schritt ritt, nahm ich die Zügel auf und trabte an. Bijou trabte viel zu schnell und ich hatte das Gefühl, er läuft mir unterm Hintern davon. Ich nahm die Zügel noch etwas kürzer und fing an, viele Volten und Schlangenlinien zu reiten, in der Hoffnung, er würde etwas langsamer werden. Ich ritt einen Übergang in den Schritt, hielt an, richtete ihn Rückwärts und lobte ihn. Aus dem Stand trabte ich wieder an. Trab, Schritt, Halt, Rückwärts, Trab. Ich wiederholte diese Reihenfolge vier- bis fünfmal. Von Mal zu Mal hörte Bijou mir besser zu und ich hatte das Gefühl, immer mehr Kontrolle über ihn zu bekommen. Ich versuchte das Tempo im Trab zu variieren. An der langen Seite verlängerte ich die Tritte und an der kurzen Seite hielt ich ihn wieder etwas zurück.
      Langsam fühlte ich mich richtig sicher auf ihm und ich fand, dass nun der richtige Zeitpunkt zum angaloppieren war. Ich ritt einen Zirkel und galoppierte an. Seine Galoppsprünge waren sehr groß und er wurde immer und immer schneller. Ich nahm die Zügel, die ich beim angaloppieren etwas verloren hatte, wieder etwas auf und ritt immer wieder Volten im Galopp. Er wurde ruhiger und ich lobte ihn, bevor ich ihn durchparierte zum Trab. Ich machte einen Handwechsel und galoppierte auf der anderen Hand an. Wieder preschte er los aber diesmal konnte ich ihn recht schnell beruhigen und er galoppierte schön versammelt und ruhig unter mir. Bijou war ziemlich außer Puste, also gab ich ihm (und mir) eine kleine Schrittpause. Ich überlegte, was ich gleich noch mit ihm reiten könnte und versuchte mich an meinen Unterricht vor einiger Zeit zu erinnern. Ich beschloss, mit Bijou einen fliegenden Wechsel auszuprobieren. Ich trabte wieder an, ging auf den Zirkel bei A und galoppierte auf der rechten Hand an. Diesmal lief Bijou mir nicht davon und ich konnte ihn von Anfang an gut halten. Kurz vor X stellte ich ihn um, gab die Galopphilfe für den Linksgalopp und wechselte damit den Zirkel und die Hand. Mit einem riesigen Galoppsprung sprang Bijou um. Ich parierte sofort durch, lobte ihn und ließ die Zügel aus der Hand kauen. Bijou schnaubte und streckte seinen Hals. Ich trabte locker leicht und war sehr zufrieden mit ihm. Nachdem ich noch ein paar Runden locker getrabt war, gab ich ihm das Kommando zum Schritt.
      Ich schaute nach oben. Der Himmel war ziemlich grau und dunkel. Ich hatte das Gefühl, es würde gleich anfangen zu regnen. Ich bekam schon den ersten Tropfen ab und beschloss abzusteigen, da ich meine Jacke vor dem reiten ausgezogen hatte und nicht nass werden wollte. Der Regen wurde immer stärker. Ich schnappte mir meine Sachen vom Putzplatz und flüchtete in die Stallgasse vor Bijous Box. Gerade als ich drinnen war, fing es an zu gießen. Zum Glück stand ich im trockenen. Ich nahm Bijou die Trense ab und zog ihm das Halfter auf. Nachdem ich das Gebiss ausgewaschen hatte, sattelte ich ihn ab und brachte den Sattel gleich in die Sattelkammer. Ich putze die Sattellage noch einmal über und kratze seine Hufe aus. Meine Mutter hatte mir netterweise noch ein paar Äpfel und Möhren für Bijou mitgegeben, die Bijou mit Freude entgegen nahm.
      Langsam wurde der Regen etwas weniger und ich beschloss, Bijou zurück auf die Weide zu bringen. Ich zog meine Jacke an, setzte die Kapuze auf und ging mit Bijou zur Weide. Ich klopfte ihn am Hals. „Bis nächstes Mal, mein Großer“. Ich drehte mich um und ging zurück Richtung Stallgasse. Bijou wartete am Tor, bis ich nicht mehr in Sichtweite war und lief dann zurück zu seiner Herde. Ich brachte die restlichen Sachen zurück in die Sattelkammer und hing das Halfter zurück an die Box. Der Boden war durch das Auskratzen der Hufe ziemlich dreckig geworden. Ich schnappte mir einen Besen und fegte den Dreck weg. Inzwischen war der Regen wieder etwas stärker geworden und ich hatte ehrlich gesagt gar keine Lust mit dem Fahrrad nach Hause zu fahren. Aber mir blieb nichts anderes übrig. Also schnappte ich mir mein Fahrrad und radelte im strömenden Regen Richtung Stadt. Nach einer halben Stunde war ich völlig durchnässt. Zu Hause hing ich meine Sachen zum Trocknen in den Keller und freute mich auf eine warme Dusche.

      Dressur E - A
      28. Dezember 2016 | 4.067 Zeichen | Canyon

      Malte » Zwischen Weihnachten und Neujahr gab es, zu meinem Bedauern, noch immer übermäßig viel zu tun. Petyr und ich lagen mit unserem Trainingsplan so zurück, dass wir schon befürchteten, nicht mehr alles zu schaffen. An einem Donnerstag vor Silvester schmiss ich Petyr recht früh aus seinem Bett und zwang ihn dazu, sich so schnell wie möglich anzuziehen und dann zu mir in den Stall zu kommen. Während Petyr mal wieder gefühlte Stunden länger brauchte als ich, um im Stall zu erscheinen, hatte ich die beiden Pferde für heute bereits fertig gemacht. Bijou und Shari waren die einzigen Dressur- und Springpferde des Hofes und so verschwanden sie des öfteren im ganzen Trubel zwischen all den großen Vollblütern. Charly hatte uns jetzt jedoch die Aufgabe gegeben, Bijou und seine neue Freundin mal endlich zu dem zu trainieren, was sie sein könnten. Auch ich musste zugeben, dass die Dressur nicht unbedingt mein Lieblingsgebiet war, aber wenn der Boss dies nunmal von mir verlangte… Da Shari noch eine sehr neue und unerfahrene Stute war, hatte ich sie mir gekrallt, während Petyr Bijou reiten durfte, welcher wegen seiner tollen neuen Reitbeteiligung und natürlich der hübschen Shari zu einem überaus gelassenen Pferd geworden war.
      Da der Schnee mir bis zu den Knien reichte, gingen wir in die Halle, stiegen dort auf und erwärmten die beiden Trakehner einige Minuten im Schritt. Wir wussten beide was zu tun war, sodass wir bei dem leisen Gedudel des Radios Stück für Stück die neuen Lektionen mit den Pferden erarbeiteten.
      Shari brauchte viel Aufmerksamkeit und Abwechslung. Ich entschied mich also dafür, bei ihr mit den Schritt – Galopp Übergängen anzufangen. Ich liebte den sanften Galopp der jungen Stute und auch das Angaloppieren saß bei ihr meistens genau auf dem Punkt. Wichtig war nur, und daran versuchte ich zu arbeiten, dass sie sich auf meine Hilfen und Befehle einließ und nicht das tat, was sie gerade gerne wollte. Immer wieder holte ich ihre Aufmerksamkeit zu mir zurück, in dem ich Volten oder verschiedene Bahnfiguren ritt. Gleich nebenbei erlernte ich so mit ihr auch durch die Länge der Bahn wechseln. Hier konnte man perfekt die Übergänge üben und nebenbei der Stute zeigen, dass sie immer gerade auf der Mittellinie bleiben musste und nicht davon abweichen durfte. Petyr übte währenddessen mit dem völlig entspannten Bijou, so hatte ich ihn selten gesehen, den Mitteltrab und kurz darauf das Rückwärtsrichten. Ich entschied mich, nachdem die Übergänge so gut wie immer funktionierten, mit dem Viereck verkleinern und vergrößern anzufangen. Shari war leider noch etwas verspannt und steif und auch die Schlangenlinien durch die ganze Bahn mit vier Bögen konnten sie nicht so wirklich lösen. Trotzdem versuchte ich es weiter und tatsächlich wurde sie mit der Zeit immer lockerer und auch ihre Bewegungen immer weicher. Das Zügel aus der Hand kauen lassen klappte, nachdem sie gelöst lief, auch nahezu perfekt, sodass ich mich für heute nur noch mit dem Mitteltrab und dem Mittelgalopp beschäftigen wollte. Während Petyr auf Bijou fleißig und erfolgreich die Kehrtwende auf der Vorderhand einstudierte, nutzte ich den restlichen Platz der Halle dafür, um mit dem Mitteltrab zu beginnen. Am Anfang hob Shari ihre Beine kaum, aber nachdem wir das Training vor allem auf die Zirkel verlegt hatten und sie sich unter meiner Führung immer besser bog, kamen auch ihre Beine immer höher und ihre Schritte wurden kräftiger. Auf dieser guten Grundlage fing ich noch den Mittelgalopp an, sah aber schnell ein, dass Shari für heute genügend geleistet hatte und verschob diesen dann doch auf den nächsten Monat.
      Auch Petyr war mit Bijou ein ganzes Stückchen weiter gekommen, sodass wir uns beide dafür entschlossen, für heute aufzuhören. Wir ritten Shari und Bijou noch in Ruhe trocken und brachten beide dann zurück in ihren Box, wo eine warme Decke, sowie frisches Heu und Kraftfutter auf sie warteten. Ich war zufrieden mit mir, dass wir jedenfalls das trotz des ganzen Weihnachtsstresses geschafft hatten und die beiden Pferde nun in der A-Dressur starten konnten.

      Reitbeteiligung
      30. Dezember 2016 | 8.744 Zeichen | FrauHolle

      Ich saß mit meiner Mutter am Esstisch und aß Pfannkuchen, als ich eine SMS von Charly bekam:
      Hey Jenny, ich wollte dir nur kurz Bescheid geben, dass Bijou jetzt mit Shari auf der Weide steht. Shari ist eine Stute, die von Bijou gedeckt werden soll. Ich hoffe Bijou macht nicht allzu viel Theater. Er ist ziemlich scharf auf Shari. Nur damit du vorgewarnt bist und dich nicht wunderst. Viel Spaß mit dem Dickerchen und liebe Grüße. Charly.
      Ich verputze meinen Pfannkuchen, zog meine Reitklamotten an und holte mein Fahrrad aus dem Schuppen. Die Sonne schien in mein Gesicht. Es war eisig kalt aber zumindest trocken. Ich freute mich total aufs Reiten mit Bijou. Ich hatte zu Weihnachten einen neuen Halsring von meiner Mutter geschenkt bekommen und wollte diesen unbedingt ausprobieren.
      Auf der Ranch angekommen stellte ich mein Fahrrad ab und ging erstmal zur Weide. Dort stand Bijou zusammen mit einer braunen Stute. Das musste Shari sein. Shari war ein wunderschönes Pferd, wie ich fand. Ich stand eine Zeit lang am Tor und beobachtete die beiden. Bijou scheint wirklich ganz vernarrt in die Stute zu sein. Ich ging zu Bijous Box und schnappte mir das Halfter und ging danach wieder zur Weide, auf der Bijou und Shari gerade miteinander spielten. Ich wartete noch einen Moment und ging dann zu den beiden Trakehnern. Shari schnupperte an mir und guckte dann gespannt zu wie ich Bijou aufhalfterte. Ich ging auf Bijous linke Seite und lief los. Bijou bewegte sich kein Stück vorwärts. Ich zog am Strick und versuchte ihn zu motivieren mit mir zu kommen. Doch er ließ sich nicht überzeugen. Stur stand er da. Ich versuchte ihn mit dem Strick vorwärts zu treiben, indem ich ihm mit dem Strick einen Klaps auf den Hintern gab. Doch auch das störte ihn keineswegs. Ratlos stand ich auf der Weide und wusste nicht, wie ich Bijou zum Putzplatz schaffen sollte.
      Da fiel mir ein, dass Charly mal gesagt hat, Bijou sei sehr verfressen. Ich machte den Strick von Bijous Halfter ab und lief zurück in die Futterkammer. Ich schnappte mir ein paar Möhren, Äpfel und ein bisschen Müsli und packte alles in eine Futterschüssel. Von meiner Idee überzeugt lief ich zurück auf die Weide. Bijou sah nicht gerade begeistert aus, dass ich wiederkam. Ich machte den Strick wieder an sein Halfter und gab ihm eine Möhre. Shari streckte neidisch ihren Kopf in meine Richtung und nach kurzem Überlegen gab ich auch ihr ein Stück Karotte. Ich schüttelte die Schüssel und versuchte Bijou so vorwärts zu locken. Vorsichtig und noch nicht richtig entschlossen ging Bijou einige Schritte vorwärts. Erleichtert gab ich ihm noch ein Stück Apfel. Schritt für Schritt nährten wir uns dem Tor. Nun hatte ich es fast geschafft. Ich öffnete das Tor und musste aufpassen, dass Shari mir nicht entwischte. Ich band Bijou am Putzplatz an und fing an zu putzen. Heute war er total unruhig. Er drehte sich andauernd nach Shari um, wieherte und tänzelte von links nach rechts. Wo war der entspannte Bijou hin? Ich überlegte, ob es besser wäre wenn ich heute in die Halle gehen würde. Ich entschied mich dafür und nachdem ich gesattelt und getrenst hatte wanderten wir, mit Halsring im Gepäck, Richtung Halle.
      Die Halle war sauber und gepflegt und im Gegensatz zu der Halle in meinem letzten Stall kam sie mir riesig vor. Eine Westernstute wurde gerade in der Halle geritten. Gut, dass ich gestern nochmal die Bahnregeln im Internet nachgeschaut hatte. „Tür frei, bitte“, rief ich laut und deutlich. „Ist frei“, antwortete die Reiterin mir und ich ging mit Bijou in die Halle. Ich stieg vom Hocker aus auf und ritt im Schritt los. Zuerst wollte ich die Trense noch drauf lassen, aber die Zügel lang lassen, und versuchten mit Halsring zu reiten, ohne die Zügel aufzunehmen. Im Notfall konnte ich so die Zügel wieder aufnehmen. Wenn ich mich sicher genug fühle, würde ich die die Trense abmachen. Ich teste, wie gut Bijou auf den Halsring reagierte. Immer wieder hielt ich an, denn anhalten musste klappen. Ich ritt die ersten Bahnfiguren und Bijou reagierte einigermaßen gut auf den Halsring. Nachdem ich genug Schritt geritten war, trabte ich an. Jederzeit bereit, die Zügel aufzunehmen, ritt ich locker im Trab. Bijou war ziemlich unruhig. Immer wieder schielte er nach draußen. Ab und zu wieherte er und ich merkte, wie er mir nicht richtig zuhörte. Um seine Aufmerksamkeit zu bekommen, ritt ich Schritt - Trab Übergänge. Bijou wurde beim durchparieren immer sensibler und darüber war ich sehr froh. Langsam fühlte ich mich trotz Halsring immer sicherer, obwohl Bijou sich nicht richtig entspannte. Auch wenn er sich für eine kurze Zeit beruhigte und seinen Kopf senkte, riss er diesen spätestens an der Tür wieder hoch und klotzte nach draußen. Meine Versuche, ihn an der Tür bei mir zu behalten scheiterten. Ich entschied mich die Trense heute noch zur Sicherheit nicht ab zu machen und für das Galoppieren auf den hinteren Zirkel zu gehen, um nicht andauern an der Tür vorbei reiten zu müssen. Zur geschlossenen Zirkelseite gab ich die Galopphilfe. Genau wie beim letzten Mal preschet Bijou los. Doch diesmal wusste ich schon vorher, was mich erwartete und erschreckte mich nicht mehr. Stattdessen setzte ich mich tief in den Sattel und atmete aus. Ein leichtes Zupfen am Halsring genügte, um Bijou langsamer zu bekommen. Ruhig galoppierte er auf dem Zirkel und ich war erstaunt, wie gut er sich mit Halsring zurückhalten ließ. Ich parierte durch und wechselte durch die ganze Bahn. Als wir an der Tür vorbei ritten war seine Entspannung verflogen und er schaute wieder aufgeregt nach draußen. Ich versuchte ihn durch Beschäftigung abzulenken und ritt ein paar Seitengänge. Kaum nährten wir uns wieder dem hinteren Teil der Halle, war es wieder bei mir und hörte mir zu. Ich lobte ihn für die Seitengänge und galoppierte in der Ecke an. Gleich beim ersten Galoppsprung gab ich ihm einen kleinen Impuls über den Halsring und er wurde langsamer. Plötzlich fühlte ich mich so sicher, dass ich ganze Bahn ritt und ihn an der langen Seite mehr vorwärts trieb. Mein Kommando zum schneller werden nutze er aus und gab richtig Gas. Kurz vor der Ecke hielt ich ihn wieder ein bisschen zurück. Wieder wurde er unruhig aber ich ignorierte sein Gewieher und galoppierte ihn weiter. An der langen Seite ließ ich ihn noch einmal etwas schneller laufen, bevor ich ihn an der kurzen Seite wieder zurückhielt. Aus einem entspannten Galopp parierte ich durch. Für heute war ich zufrieden mit Bijou. Auch wenn es mich total genervt hatte, dass er wegen Shari so unruhig war, war ich überrascht wie gut er auf den Halsring reagierte. Ich hatte zwar die Trense drauf gelassen, aber ich brauchte nicht einmal die Zügel aufnehmen. Ich klopfte Bijou am Hals und nachdem ich noch ein paar Runden leichtgetrabt war, parierte ich ihn durch und ging über zum Trockenreiten.
      Als ich aus der Halle ging, drehte Bijou komplett durch. Aufgeregt tänzelte er neben mir her und ich hatte Mühe, ihn festzuhalten und nebenbei die Tür zu schließen. Beruhigend sprach ich mit ihm aber er war nur auf Shari fokussiert. Im Zügel hängend führte ich den wiehernden, aufgeregten Bijou zum Putzplatz. Ich machte ihm das Halfter über den Hals, denn ich hatte das Gefühl, er würde jeden Moment abhauen und zu seiner Shari rennen. Ich hatte Schwierigkeiten, Bijou Trense und Sattel abzunehmen, weil er einfach nicht mehr still stehen wollte. Das Hufe Auskratzen gestaltete sich besonders schwierig, weil er sich nicht konzentrierte. Er hatte nur eines im Kopf: Shari. Im Nachhinein war ich froh, dass er im Gegensatz zum Putzen beim Reiten noch relativ entspannt war. Ich knotete den Strick vom Anbinder ab und ging mit Bijou Richtung Weide. Er konnte es kaum noch abwarten und trabte los. Mit Halfter hatte ich wenig Einwirkung auf ihn und er dagegen viel zu viel Kraft. Halb von ihm hinterher geschliffen schaffte ich es zum Tor. Bijou wieherte. Stolz trug er seinen Schweif hoch. ‚So ein Angeber‘, dachte ich mir. Ich öffnete das Tor und führte ihn auf die Weide. Sofort begann er, an Shari zu schnuppern. Gerade noch konnte ich das Halfter von seinem Kopf ziehen, da tobten die beiden los. Kopfschüttelt sah ich den beiden beim Spielen zu. Seitdem Bijou mit der Stute zusammen steht ist er ein total anderes Pferd. Hoffentlich bessert sich das wieder. Ich schlenderte zurück zum Putzplatz und machte mich ans Aufräumen und Fegen.
      Auf dem Rückweg war ich hin und hergerissen. Einerseits war ich total sauer auf Bijou, dass er sich so aufführte und mich beinahe umrannte, auf dem Weg zur Weide. Andererseits war ich super glücklich, dass das Reiten mit Halsring besser geklappt hatte als erwartet. Ich entschied mich, mich auf die positiven Sachen zu konzentrieren. Hoffentlich ist Bijou beim nächsten Mal etwas entspannter.

      Reitbeteiligung
      06. Januar 2017 | 13.509 Zeichen | FrauHolle

      „Jiiiiihaaaaa!!!!“ Bijou wurde immer und immer schneller. Ich streckte die Arme zur Seite. Es fühlte sich wie fliegen an. Ich liebte dieses Gefühl, ohne Sattel und nur am Halsring die Galoppstrecken lang zu düsen. Ich schnalzte. „Schneller, noch schneller! Looos Bijou!“.
      ‚Piep, piep, piep‘ Mein Wecker klingelte. Ich machte die Augen auf und zog meine Gardine ein Stückchen nach rechts. Die Sonne schien in mein Gesicht. Es war alles nur ein Traum. Ein Traum, der hoffentlich irgendwann wahr werden wird. Ich nahm den Stecker meines Handys aus der Steckdose und entsperrte mein Handy. ‚Eine neue Nachricht von Charly‘: Hey Jenny. Ich bin schon im Stall und habe gerade nach Rabea geguckt. Sie hat die Nacht in der neuen Herde gut überstanden, alles total ruhig und entspannt bei den Stuten. Wir sehen uns gegen 11 Uhr. Ich freue mich. Bis dann. Charly
      Beruhigt konnte ich nun in den Tag starten. Das gute Wetter lockte mich aus meinem Bett. Ein kurzer Blick auf die Uhr verriet mir, dass ich mir Zeit lassen konnte. Es war halb 10. Eine viertel Stunde brauche ich mit dem Fahrrad zur Tyrifjord Ranch. Entspannt ging im Schlafanzug die Treppe hinunter. Meine Mutter war gerade dabei, den Tisch zu decken. „Guten Morgen, Jenny“. Meine Mutter hatte selten schlechte Laune. Ich kenne keine Person die so viel lacht wie meine Mutter. Ich half ihr, den Tisch zu decken und wir waren gerade fertig, als mein Vater mit den Brötchen nach Hause kam. Ich liebte die gemütliche Stimmung, die bei uns herrschte, wenn alle frei hatten. Meine Eltern hatten Urlaub und wollten heute einen Ausflug machen und ich hatte Ferien. Ganz viel Zeit für die Ponys!
      Nach dem Frühstück packte ich meine Sachen. Ich wusste, dass ich wahrscheinlich erst gegen Abend wieder zu Hause sein würde, also packte ich mir auch etwas zu essen und zu trinken ein. Ich radelte los. Das Wetter war wirklich schön. Es war zwar kalt, aber die Luft war frisch und die Sonne gab heute mal wieder alles. In meinem Kopf stellte ich einen Plan auf, was ich heute mit den Ponys machen würde. Zuerst würde ich mit Charly und Treebeard einen Spaziergang machen, damit ich das Gelände rund um den Tyrifjord kennenlerne. Danach werde ich mir Bijou schnappen und etwas Stangenarbeit machen. Bijou war ein Pferd, was viel Abwechslung brauchte und ich versuchte ihr dies so gut wie möglich zu ermöglichen. Als letztes würde ich Rabea longieren. Wir mussten dringend etwas gegen ihren Speck tun.
      Mit meinen Gedanken ganz woanders, merkte ich gar nicht, dass ich schon fast da war. Von weitem sah ich schon Charly. Sie winkte mir zu, während ich mein Fahrrad abstellte. Ich guckte auf die Uhr. Fünf vor 11. Ich war pünktlich!
      Zusammen gingen Charly und ich zu Beardy, der uns mit einem Wiehern begrüßte. Ich zog im sein neues Halfter auf. „Passt wie angegossen“, Charly lachte. Während Charly eine aufgeregte, junge Stute putzte, schrubbte ich Beardy von oben bis unten, bis er ganz sauber war. Als wir beide fertig waren mit Putzen, brachte Charly ihre Stute zurück auf die Weide, bevor wir zusammen Richtung Fjord wanderten. Beardy kannte die Umgebung, doch ich war hier noch nie gewesen. Vor 4 Monaten zogen ich und meine Eltern nach Norwegen in die Nähe des Tyrifjords. Ich hatte mit dem Umzug und der neuen Schule schon genug zu tun, sodass ich kaum Zeit hatte, die Umgebung zu erkunden. Umso froher war ich, dass Charly so lieb war und mir das Gelände rund um die Ranch zeigte. Nachdem wir einen kleinen Sandweg langgegangen waren, kam der Fjord zum Vorschein. Die Sonne strahlte aufs Wasser und dieser Anblick war einfach traumhaft. Während Beardy völlig entspannt zwischen uns lief, erzählte mir Charly alles über den Fjord: „Der Tyrifjord ist mit seinen knappen 140 Quadratmetern der fünftgrößte Fjord in Norwegen. An der tiefsten Stelle ist er 330 Meter tief“. Gespannt hörte ich Charly zu. Man merkte, dass sie ordentlich Ahnung hatte. Nach knappen eineinhalb Stunden bogen wir wieder auf den kleinen Sandweg ein, der zur Ranch führte. Beardy schnaubte und ich gab ihm eine Möhre. Sowohl er, als auch ich waren zufrieden. Ich brachte ihn zurück zu seinen Kumpels.
      „Komm, ich helfe dir noch schnell Bijou zu holen. Wahrscheinlich macht er wieder so ein Theater wegen Shari“, dankbar nahm ich Charlys Angebot an. Zusammen schlenderten wir zur Weide, auf der Bijou und Shari standen. Ich halfterte Bijou auf und während Charly ihn von hinten antrieb, ging ich vorweg. Ein paar Mal blieb Bijou stehen, doch dann ging er ganz artig mit mir bis zum Tor. Charly hielt Shari zurück, als ich Bijou durchs Tor führte. „Geschafft!“, dankend sah ich Charly an. „Na dann viel Spaß euch beiden. Ich werde mich mal um die anderen Pferde kümmern. Bis nachher“, Charly ging Richtung Stall und ich ging mit Bijou Richtung Putzplatz. Ich freute mich, heute etwas Stangenarbeit mir ihm auszuprobieren und war gespannt, wie er sich anstellte.
      Nachdem ich gesattelt, getrenst und, zu meiner Verwunderung, bandagiert hatte, ging ich mit Bijou in die Halle. Ich hoffte, er würde sich in der Halle nicht allzu wegen Shari aufregen. Ich hängte mir Die Zügel über meinen Arm und fing an, die Stangen aufzubauen. Ich baute mir ein „U“ aus Stangen auf, sowie 4 Trabstangen auf der Linie zwischen B und E. Nach gründlichen Vermessungen mit meinem Fuß war ich zufrieden und stieg auf. Locker ritt ich am langen Zügel durch die Halle. Nach und nach ließ ich ihn immer öfters über die Stangen laufen. Ich nahm die Zügel auf und ritt ihn durch das „U“, in dem ich stehen blieb und rückwärts ausparkte. Bevor ich antrabte, gurtete ich noch einmal nach.
      Nachdem sich das Tempo einigermaßen eingependelt hatte, ritt ich eine halbe Volte links von E zu X, stellte Bijou bei X um und ritt eine halbe Volte zu B. Ich stellte fest, dass Bijou sich heute super stellen ließ und total weich im Maul war. Von allen Seiten ritt ich über und durch das „U“. Immer wieder versuchte ich aus dem Trab anzuhalten, doch ich schaffte es nicht, ohne das Bijou zwischendurch Schritt ging.
      „Du musst mehr sitzen, das Kreuz mehr anspannen wenn du anhalten willst.“ Entsetzt drehte ich mich um, denn ich war völlig in meine Stangenarbeit vertieft gewesen. An der Bande stand ein junger, sportlicher Mann, der mich mit einem breiten Grinsen anguckte. „Versuchs nochmal! Ich bin mir sicher, mit ein bisschen mehr Kreuz klappt das gleich schon viel besser“. Ohne darüber nachzudenken, wer dieser Typ war und was er hier machte, trabte ich wieder an. Am Zirkelpunkt zwischen F und B gab ich Bijou die Parade zum Anhalten und spannte dabei mein Kreuz an. Wie durch ein Wunder blieb Bijou auf der Stelle stehen. Begeistert klopfte ich ihn am Hals. „Na siehst du, geht doch“, schon wieder, oder vielleicht auch noch immer, grinste mich der Mann an der Bande an. Im Schritt ritt ich zu ihm. Freundlich begrüßte er mich: „Hallo, ich bin Malte. Malte Tordenværson. Du kannst mich aber gerne duzen.“ Ich stellte mich vor und erzählte von Bijou, Beardy und Rabea. „Am Montag habe ich den Kaufvertrag für Treebeard unterschrieben. Als ich erfahren hatte, dass er verkauft werden soll, habe ich sofort meine Mutter überredet. Und am gleichen Tag kam auch Rabea, meine Shettystute. Wir haben sie von einem alten Schulfreund meiner Mutter. Bijou ist seit knappen zwei Wochen meine Reitbeteiligung.“ Malte hörte mir interessiert zu und ich merkte gar nicht, dass er gar nicht mehr zu Wort kam, so war ich im Reden vertieft. Als ich endlich fertig war mit erzählen, fragte er vorsichtig: „Darf ich dir noch etwas beim Reiten zugucken?“.
      Etwas nervös ritt ich weiter über die Stangen. Jetzt bloß nicht so viel falsch machen. Eigentlich hasste ich es, wenn mich jemand beim Reiten beobachtete. Und dann auch noch jemand fremdes. „Du musst ihn mehr fixieren und zu den Stangen hintreiben“. Ich wusste nicht so ganz, ob mich die Tipps von Malte störten, oder ob ich dankbar war, dass er mich verbesserte. Ich entschloss mich dazu, seine Ratschläge so gut wie möglich umzusetzen und lenkte Bijou zu den Trabstangen, vor denen ich ihn vorwärts trieb. „Ja, gut so!“. Malte hielt seinen Daumen hoch und streckte ihn in meine Richtung. Irgendwie war er ja doch ganz drollig. Ich gab Bijou eine kurze Schrittpause und ging dann in die Galopparbeit über. Während Malte mir von der Bande aus immer wieder Ratschläge zurief, merkte ich, dass diese gar nicht so doof waren, sondern mir ziemlich halfen. Vielleicht sollte ich mal wieder richtigen Reitunterricht nehmen.
      Nach guten 20 Minuten Trab und Galopparbeit war ich völlig nassgeschwitzt. Ich ritt trocken und stieg ab. Während ich Bijou die Abschwitzdecke überlegte, erzählte Malte mir, was er auf der Ranch zu suchen hatte.
      Auf dem Weg von der Halle zum Putzplatz begleitete er mich und er wurde mir bei jedem Wort sympathischer. „Es tut mir leid, wenn ich es dich gestört hat, dass ich dich verbessert habe. Aber ich habe einfach diesen Drang, das zu sagen, was ich denke.“
      „Alles gut, so ein kostenloser Unterricht hat ja auch was“. Zusammen lachten wir los. Wenn du magst, können wir bald mal zusammen ausreiten und ich zeige dir die besten Galoppstrecken der Welt“. Wieder lachten wir beide. „Na das hört sich auf jeden Fall nach Spaß an“. Wir tauschten unsere Handynummern aus, damit wir uns zum Ausreiten verabreden konnten. „Es hat mich gefreut, dich kennengelernt zu haben. Man sieht sich!“, Malte verabschiedete sich von mir und ging zum Stall, um die restlichen Boxen auszumisten. Während ich mit meinen Gedanken über Malte nachdachte, machte ich Bijou fertig und brachte ihn zurück auf die Weide. Ich hatte noch nicht ganz herausgefunden, was Malte für eine Person war. Ich entschied mich, ihn als eine interessante und aufgeschlossene Person in Erinnerung zu behalten und war gespannt, auf dem Ausritt mehr über ihn zu erfahren. Bevor ich Bijous Sachen wegpackte, räumte ich die Stangen in der Halle zurück. Hungrig vom Spazieren gehen und vom Reiten, packte ich mein Butterbrot aus und biss genüsslich hinein.
      Schließlich machte ich mich auf den Weg zu Rabeas Offenstall. Ich musste lächeln, als ich sah, wie gut die Herde Rabea angenommen hatte. Ich führte sie zum Putzplatz und öffnete den neuen Putzkasten, den ich für sie gekauft hatte. Nach einer knappen halben Stunde putzen, nahm ich die Longe und die Peitsche in die Hand. Da ich weder eine Trense, noch ein Kappzaum hatte, schnallte ich die Longe ins Halfter und ging mit Rabea zum Longierzirkel. Ich nahm mir vor, Rabea in nächster Zeit öfters zu longieren, denn sie war eine einzige Kugel und der Speck musste dringend bis zum Sommer runter. Ich führte sie einige Runden im Schritt, bevor ich mich in die Mitte stellte und sie nach außen schickte. Da ich nicht wusste, was in ihrem alten Stall mit ihr gemacht wurde, wollte ich es langsam angehen. Ich holte sie wieder nach innen und schickte sie auf der anderen Hand wieder nach außen. Fleißig lief sie ihre Runden um mich herum und ich beschloss, sie antraben zu lassen. „Teeeeeeerab!“. Ich schnalzte. Zögerlich trabte Rabea an. „Feeeein“, ich lobte sie, um ihr zu zeigen, dass sie alles richtig machte. Als sie den Hufschlag verließ und ein bisschen zu mir in die Mitte kam, zeigte ich mit der Peitsche auf ihre Schulter, woraufhin sie wieder nach außen ging. Ich wechselte ein paar Mal zwischen Schritt und Trab hin und her und machte Handwechsel. Ich merkte, wie unsicher Rabea war. Immer wieder lobte ich sie, gab ihr damit Sicherheit und Bestätigte sie mit meiner Stimme. Vorsichtig versuchte ich, sie in den Galopp zu bekommen und wedelte mit der Peitsche. Zuerst reagierte sie gar nicht, doch dann buckelte sie urplötzlich los. „Na da hat wohl jemand lange nichts gemacht“, lachend stand Charly an der Bande, „Ich wollte nur mal sehen, wie es so klappt.“
      Nachdem Rabea sich ordentlich ausgepowert hatte, gab ich ihr das Zeichen zum durchparieren. Schnaubend ging sie in den Schritt über und streckte ihren Hals nach unten. „Na das klappt doch schon ganz hervorragend“, Charly lobte Rabea und mich. „Ja, fürs erste Mal war ich wirklich ganz zufrieden mit ihr“, antwortete ich. „Ich glaube, Rabea will sich wälzen. Guck mal sie scharrt schon auf dem Boden herum“, Charly zeigte auf die kleine Shettystute. Kaum hatte Charly ausgeredet, schmiss sich Rabea schon in den weichen Sand. Es war kalt draußen und der Boden war teilweise gefroren. Kein Wunder, dass Rabea es genoss, sich im weichen Sand ordentlich zu panieren.
      Während ich Rabea am Putzplatz wieder zu einem Schecken machte (ihre weißen Flecken waren beim Wälzen nämlich auch braun geworden), erzählte ich Charly von meiner Begegnung mit Malte. „Bald wollen wir zusammen ausreiten gehen“, begeistert erzählte ich ihr von Maltes Vorschlag. „Malte ist ein total lieber. Wenn man ihn erstmal besser kennengelernt hat, kann man ihn nur mögen. Du wirst schon sehen“, Charly war überzeugt davon, dass ich mich schnell mit Malte anfreunden werde.
      Auch Charly hatte wieder zu tun und verabschiedete sich von mir. Ich brachte Rabea zurück zu ihren Freundinnen, die sie freundlich in Empfang nahmen. Noch eine Weile beobachtete ich, wie Rabea mit einer anderen Stute spielte.
      Erst jetzt merkte ich, wie kaputt ich war. Erst mit dem Fahrrad zur Ranch, dann der lange Spaziergang mit Charly und Beardy, das Reiten mit Bijou und schließlich die Longenarbeit mit Rabea. Auch wenn ich müde vom Tag war, war ich total glücklich, denn ich hatte einen wunderbaren Tag auf der Ranch. Während ich mich auf eine warme Dusche und Mamas Lasagne freute, radelte ich mit dem Fahrrad am Tyrifjord entlang bis nach Hause.

      Reitbeteiligung
      15. Januar 2017 | 6942 Zeichen | FrauHolle

      Hey, heute Lust auf den versprochenen Ausritt? So gegen 13 Uhr im Stall? Freudig laß ich die SMS, sie war von Malte. Ich tippte auf meinem Handy herum:Natürlich habe ich Lust, was für eine Frage (= Wir sehen uns um 13 Uhr. Bis dann!
      Ich legte mich in mein Bett und schlug mein Lieblingsbuch auf. Ich war so in mein Buch vertieft, dass ich die Zeit total vergaß. Erschrocken guckte ich auf meine Uhr. Zwanzig vor 1! Eine viertel Stunde brauchte ich mit meinem Fahrrad zur Ranch. Ich knallte mein Buch auf meinen Nachttisch und raste nach unten. Schnell schmiss ich mich in meine Reitklamotten, schnappte nach einer Flasche Wasser und kramte meinen Helm hervor. „Tschüüüüs, bis nachher!“, rief ich meiner Mutter zu. Ich knallte die Haustür zu und holte mein Fahrrad aus dem Schuppen. In Rekordzeit strampelte ich zur Ranch.
      Völlig erschöpft kam ich bei der Ranch an. Malte stand lässig am Zaun und amüsierte sich, wie ich völlig außer Puste mein Fahrrad wegstellte. „Na, da hat wohl jemand die Zeit vergessen“, Malte grinste mich an. Zusammen schlenderten wir zur Sattelkammer und suchten unsere Sachen zusammen. „Wen reitest du eigentlich?“, fragte ich ihn. „Ich werde meinen Isländerhengst Óslogi nehmen. Mal sehen wer von uns beiden schneller unterwegs ist“, Malte freute sich auf die Galoppstrecke.
      Wir holten beide unsere Pferde. Diesmal hatte ich keine Probleme, Bijou von der Weide zu holen. Auch wenn Shari es gar nicht lustig fand, alleine gelassen zu werden, schaffte ich es, die beiden voneinander zu trennen. Malte und ich trafen uns am Putzplatz wieder. Ich verliebte mich sofort und Logis blaue Augen und war hin und weg von dem kleinen Isländer. Nachdem beide Pferde sauber waren, sattelten und trensten wir Logi und Bijou. Schon saßen wir auf unseren Pferden und ritten auf einem kleinen Sandweg Richtung Tyrifjord
      Das Wetter war wunderschön. Es war zwar kalt (ich hatte noch eine Jacke unter meine Winterjacke gezogen), aber der Himmel war blau und die Sonne strahlte mit mir um die Wette
      Bijou war fleißig unterwegs und auch Malte musste Logi ein wenig zurückhalten. Endlich kam der Fjord zum Vorschein und wir bogen rechts ab. Die Vögel zwitscherten und wir genossen beide die Ruhe. „Na, wollen wir antraben?“, fragte Malte mich. Ich nickte ihm zu und trieb Bijou vorwärts. Ohne zu zögern trabte er an. Locker trabte ich leicht und nachdem ich das Tempo etwas gezügelt hatte ließ ich die Zügel etwas länger. Entspannt nahm Bijou seinen Kopf herunte
      Wir trabten ein ganzes Stück. Die Pferde wurden ruhiger und liefen entspannt nebeneinander. Am Ende des Weges parierten wir die beiden durch. „Hier entlang“, Malte zeigte mir, wo wir lang mussten. Das Gelände hier war wirklich wunderschön. Die Sonne spiegelte sich auf dem Wasser und der Wind erzeugte ein leichtes Rascheln der Bäume. Hier konnte man so richtig schön die Seele baumeln lassen.
      Wir bogen in einen kleinen Weg ab. „In ungefähr fünf Minuten kommt die erste Galoppstrecke. Nicht wundern, wenn Bijou sofort losrennt. Die Pferde kennen die Galoppstrecken in und auswendig“.
      Etwas beunruhigt von Maltes Worten ritten wir im Schritt Richtung Galoppstrecke. Wir kamen auf einen breiten Weg. Links von uns lag der Fjord, rechts von uns war ein wunderschöner Wald. Bijou wurde schneller und ich nahm die Zügel etwas auf. Auch wenn Charly mir erzählt hatte, dass Bijou im Gelände gut zu händeln wäre, wollte ich auf Nummer sicher gehen. Malte galoppierte an und ohne dass ich etwas machte, rannte Bijou ihm hinterher. Schnell hatten wir die beiden eingeholt und Logi und Bijou galoppierten nebeneinander her. Obwohl Logi viel kleiner war als Bijou, konnte er ganz schön Gas geben. Beide Pferde waren ganz schön ausdauernd und wurden nicht langsamer. Die Galoppstrecke war ziemlich lang. Entspannt ging ich in den leichten Sitz und ließ die Zügel wieder etwas länger, denn jetzt konnte ich ihn ohnehin nicht mehr aufhalten. „Alles gut?“, Malte schrie mir entgegen. „Alles super!“, antwortete ich ihm
      Kurz bevor die Galoppstrecke zu Ende war, parierten wir die beiden durch. Bijou ließ sich gut anhalten und meine anfänglichen Sorgen waren wie weggeblasen. Die Pferde schnauften und auch Malte und ich brauchten eine kleine Pause. Im Schritt bogen wir nach rechts in einen kleinen Sandweg ein. Bijou hatte geschwitzt und auch mir war mit meinen zwei Jacken ziemlich warm geworden. „Wow, das hat Spaß gemacht!“, begeistert strahlet ich Malte an, „das müssen wir unbedingt öfter machen“. Malte und ich alberten herum. Ich verstand mich super mit ihm und ich war froh, jemanden auf der Ranch gefunden zu haben, mit dem ich mich so gut unterhalten konnte.
      Die Pferde hatten sich ein wenig ausgeruht. Der Weg machte einen Knick und wir waren wieder auf dem Weg Richtung Ranch. „Na hast du noch Kraft für ein kleines Wettrennen?“, Malte war ganz heiß darauf, mich herauszufordern. Wir machten ab, dass das Ziel die kleine Hütte kurz vorm Ende des Weges war. Ich kannte die Hütte nicht, aber irgendwann werde ich wohl an einer vorbei kommen. Wir stellten uns nebeneinander auf eine Linie. Malte zählte bis drei
      Die Pferde preschten los. Logi und Malte hatten den besseren Start hingelegt und waren uns nun ein Stück voraus. „Los Bijou, lauf!“, Bijou gab noch einmal richtig Gas. Langsam zogen wir an Malte und Logi vorbei. Von weitem sah ich die Hütte und es war nicht mehr weit bis zum Ziel. Ich trieb Bijou noch etwas vorwärts und ließ ihm noch ein bisschen mehr Zügel. Kurz vor Malte und seinem Isländer preschten wir ins Ziel. Ich parierte durch und klopfte Bijou kräftig am Hals. „Das gibt es doch nicht! Das nächste Mal gewinne ich“, Malte ärgerte sich, dass er verloren hatte. Wahrscheinlich störte es ihn, gegen ein Mädchen verloren zu haben.
      Logi und Bijou waren völlig nassgeschwitzt und trotteten nebeneinander her. Wir waren fast eineinhalb Stunden unterwegs gewesen, als wir die Ranch erreichten. Während ich die beiden Pferde festhielt, holte Malte die Abschwitzdecken und schwang sie über die Pferde. Wir sattelten die beiden ab und brachten ihnen jeweils eine Schüssel mit Müsli. Während die Pferde ihr Müsli genossen, packten wir die Sachen zurück in die Sattelkammer. „Na ihr beiden, was habt ihr wieder angestellt?“, Charly kam uns lachend entgegen, als wir aus der Sattelkammer kamen. Wir erzählten ihr von unserem Ausritt und dem Wettrennen. „Na, das lässt Malte aber sicher nicht auf sich sitzen. Ich glaube da braucht jemand eine Revanche“, Charly freute sich über meinen Sieg.
      Inzwischen hatten die Pferde ihr Müsli schon längst aufgegessen und schauten uns erwartungsvoll entgegen. Malte brachte Logi zurück zu seiner Herde und auch Shari freute sich, ihren Bijou wiederzuhaben.
      „Danke! Der Ausritt war wirklich wunderschön. Wiederholungsbedarf!“, ich bedankte mich bei Malte. „Auf jeden Fall! Charly hatte Recht: Das lasse ich nicht auf mir sitzen!“, Malte grinste mich an und nachdem ich mich von ihm verabschiedet hatte, radelte ich nach Hause.

      Routineuntersuchung
      19. Januar 2017 | 3.104 Zeichen | Möhrchen

      Früh am Morgen machte ich mich auf den Weg zu Charlotte. Sie hatte mich gebeten, ihre drei Turnierpferde durchzuchecken. Als ich auf den Hof fuhr, kam Charly mir schon entgegen und gab mir zur Begrüßung die Hand. Sie führte mich über den Hof zum Putzplatz, wo die schon die ersten beiden Patienten Bijou und Shari angebunden hatte. Sie erzählte mir, dass die beiden beste Freunde waren und dass Shari sich deshalb am besten in Bijous Gegenwart behandeln lassen würde.
      Ich fing mit Bijou an. Der weiße Hengst stand ganz entspannt da und ließ mich brav Augen, Ohren und Zähne kontrollieren. Es sah alles vollkommen normal aus und ich tastete mich weiter nach hinten, über den Hals zum Rücken. Er zeigte keinerlei Schmerzreaktionen und alles fühlte sich locker und geschmeidig an. Ich tastete seine Beine ab, konnte aber auch hier nichts Auffälliges feststellen.
      Ich bat Charly, den Hengst einmal auf dem Hof im Schritt und Trab zu führen, damit ich mir seine Gänge anschauen konnte. Alles sah vollkommen normal aus und Bijou trabte brav und schwungvoll neben seiner Besitzerin her. Zum Abschluss hörte ich sein Herz, seine Lunge und seinen Bauchraum nach auffälligen Geräuschen ab, konnte aber auch hier nichts finden.
      „Das sieht alles wunderbar aus, er ist kerngesund“, sagte ich zu Charly, „Ich würde sagen, wir machen dann mit dem schwierigeren Kandidaten weiter...“
      Shari hatte mich die ganze Zeit misstrauisch angesehen, während ich ihren Freund untersucht hatte. Die kleine braune Stute hatte wohl schon viel schlechtes erlebt und daher wenig Vertrauen zum Menschen. Charly stellte sich an ihren Kopf und beruhigte sie, während ich sie zuerst abhörte. Sie war nicht begeistert, dass ich sie anfassen wollte, aber sie blieb widerwillig einigermaßen ruhig stehen. Alles hörte sich gut an und ich machte mich daran, ihren Rücken und ihre Gelenke abzutasten. Sie machte sich sehr fest und verspannte sich, aber es fühlte sich nicht nach festen Verspannungen an. Sie war einfach nur angespannt und unsicher und machte sich deshalb fest.
      Ich wanderte langsam vor zum Kopf, und versuchte, ihr ins Maul zu schauen. Sie wehrte sich, aber ich hatte Erfahrung mit solchen Pferden und schaffte es schließlich, einen Blick in ihr Maul zu werfen. Ihre Augen ließ sie mich relativ brav anschauen. Auch hier war alles ok und ich hatte keinen Grund zu Sorge.
      Zum Abschluss sollte Charly auch sie eine Runde im Schritt und Trab auf hartem Boden führen. Als sie den Strick löste, schmiss Shari sich dagegen. Sie wollte einfach nur weg. Aber Charly kannte die Stute und schaffte es, sie einigermaßen ruhig auf dem Hof auf und ab zu führen, obwohl Shari aufgeregt um sie herum tänzelte.
      „Es sieht alles wunderbar aus, ich glaube du kannst sie wieder auf die Koppel entlassen“. Charly ging mit Shari gleich in Richtung Koppel, ich löste Bijous Strick und folgte den anderen beiden mit ihm. Der Hengst hatte die ganze Zeit über entspannt am Balken gestanden und das Spektakel seelenruhig betrachtet. Als wir jetzt beide Stricke auf der Koppel lösten, fetzte er aber doch hinter seiner Freundin her auf die riesige Koppel.
    • Flair
      Rakkaus Ja Epätoivo
      08. Juni 2017 | 23.781 Zeichen | Canyon


      Mio » Zwei Jahre später stand ich an einem Punkt in meinem Leben, wo ich mir nie hätte denken können zu stehen. Die Zweifel plagten mich, Nächte lag ich wach und blickte in das stets friedlich ruhende Gesicht von Jacob. Die Mondstrahlen spiegelten sich auf seiner Haut wider und brachten seine dunklen Locken zum teuflischen Glänzen. Ich lag im tiefen Schatten.
      Als die ersten Sonnenstrahlen einige unruhige Stunden später den Weg durch die Vorhänge suchten, war ich längst munter. Ich stand im T-Shirt in der Küche und rührte in einem Topf umher, welcher eigentlich so etwas wie Schokopudding enthalten sollte. Es sah jedoch eher nach aufgeweichten Pferdeäpfeln aus. Der Schneebesen in meiner Hand wollte einfach nicht verstehen, dass ich keine Klumpen in meinem Essen haben wollte. Ich biss die Zähne zusammen, um für Jacob jedenfalls so etwas ähnliches wie ein Frühstück auf die Beine zu stellen. Mein Blick fiel auf den Garten hinter dem Fenster. Jacob hatte sich wunderbar darum gekümmert und fast konnte ich mit Stolz sagen, dass unsere blühenden Blumen die prächtigsten waren. Hinter dem Garten erstreckte sich die trübe See. Dunkles Wasser schwappte immer wieder gegen die Brandung und hielt das Geschehen in Bewegung. Es war so anders, so vollkommen anders und doch fühlte ich mich wohl.
      Mein Gedanke fiel auf Addi. Er war nicht glücklich gewesen, aber er hatte es getan. Er hatte es für mich getan. Aber sein Leben war nun gezielter geworden. Er lebte nicht nur noch von Spenden, sondern verdiente sich mit seiner Arbeit viel Geld. Er hatte seine Prinzipien geändert, hatte sie den meinen angepasst und da waren wir nun. Familie Moore und Mio mitten auf einer Insel im norwegischen Fjord.
      Ich hatte gerade die Schokoklumpensoße in eine Schüssel gefüllt und auf den Tisch gestellt, als Jacob unsere Küche betrat. Er gähnte ausgiebig und schlurfte dann zu seinem Stuhl, wo er sich erschöpft niedersinken ließ.
      „Guten Morgen, Jac.“ Meinte ich liebevoll und drückte ihm einen Kuss auf die Stirn. Dieser brummte nur zustimmend, schnappte sich seinen Löffel und begann wild zu essen. Nach den ersten Bissen hielt er jedoch inne und blickte zu mir hoch, denn ich stand immer noch neben ihm.
      „Willst du denn nichts essen?“
      Ich schüttelte den Kopf. „Mag keinen Schokopudding.“
      „Mio“, meinte er warnend, „du isst zu wenig.“
      „Tue ich nicht!“ Wehrte ich mich. „Und außerdem mag ich wirklich keinen Schokopudding.“ Ich setzte mich gegenüber von ihm nieder. Jac zuckte nur kurz mit den Schultern und begann dann weiterzuessen.
      Addison » „He Chill! Das ist mein T-Shirt!“ Erfolglos versuchte Buck seinem Bruder das Badmanshirt aus den Händen zu reisen.
      „Das stimmt nicht! Das ist meins!“ Chill stemmte beide Füße in den Boden, um seinem Bruder standzuhalten.
      „Daaad! Chill will mir nicht mein T-Shirt wiedergeben!“ Rief Buck laut.
      Addison steckte den Kopf durch die Tür. Er war in den letzten Monaten stark gealtert. Seine Augen lagen tief in ihren Höhlen und die Haare hatten erste graue Strähnen. Er schien kraftlos, als er beschwichtigend nach dem T-Shirt griff, trotzdem zog er es seinen Kindern ohne Probleme aus den Händen. Er suchte den kleinen Zettel im Nacken heraus, laß den Namen und gab es dann Buck. „Dein Bruder hat Recht, Chill, das T-Shirt gehört Buck. Schaue mal in deinem Schrank, wo sich deins versteckt haben könnte.“ Meinte er liebevoll und klopfte Chill aufmunternd auf die Schulter. „Beeilt ihr euch bitte? Ich will nicht, dass ihr den Bus verpasst.“
      Charly » „Warum schreit Bart denn schon wieder?“ Mit grimmigen Gesicht steckte Nico seinen Kopf durch die Küchentür und versuchte verschlafen etwas zu erkennen.
      „Guten Morgen, Nico. Gut, dass du dich auch endlich dazu bereit erklärt hast, aufzustehen.“ Gestresst blickte Charly über die Schulter zu ihm hin.
      „Was ist denn jetzt schon wieder los?“ Meinte dieser genervt und betrat den Raum.
      „Ach nichts!“ Lachte Charly hölzern und warf sich dann ihr wildes Haar über die Schulter. „Es ist ja nur Montagmorgen, die Arbeit wartet und dein Sohn wehrt sich krampfhaft gegen alles, was ich ihm aufs Brot schmiere und was kein Lolligeschmack hat, also gegen alles!“ Wütend ließ sie das Messer fallen, drehte Barts Stuhl zu sich herum und hob den immer noch schreienden und nun auch strampelnden Jungen heraus. „Dann geht er heute ohne Frühstück in den Kindergarten!“
      „Charly, hey“, Nico war an sie heran getreten und legte ihr beruhigend eine Hand auf die Schulter. „Komm‘, gib ihn mir.“
      Grob reichte Charly ihren Sohn an Nico weiter, welcher sich von ihr abwendete und versuchte sein Kind zu beruhigen. Charly ließ sich erschöpft aufs Sofa fallen und verbarg ihr Gesicht hinter ihren Händen.
      Zwei Minuten später hatte Bartholomäus sich beruhigt und Nico setzte sich neben Charly, auf seinem Schoß Bart sitzend. „He Charly,“ meinte er sanft. „Du bist ganz schön fertig. Ich kümmere mich heute um Bart, mache du mal einen ruhigen, das hast du dir verdient.“
      Als Charly nicht antwortete, stand Nico auf und verließ mit Bart den Raum.
      Malte » Mittlerweile hatte ich mich daran gewöhnt, nicht allzu hastig aufstehen zu können. Die Decke meines kleinen Zuhauses war nur wenige Zentimeter über meinem Kopf. Langsam rollte ich mich deswegen aus dem großen Bett und lief leicht gebückt bis zur Holzleiter. Gery nahm es mir übel, dass er alleine unten schlafen musste, dafür hatte er auch in unserem neuen Zuhause seinen geliebten Kamin bekommen. Obwohl dieser nicht brannte, schlief der große Rüde jede Nacht davor, als würde dieser ihm die Wärme geben, die er zu brauchen glaubte. Der schwerhörige alte Hund hob erst den Kopf, als ich auf den Knopf meines Radios drückte und dieses mit einigen Startproblemen ansprang. Er murrte jedoch nur kurz und ließ seinem Kopf dann wieder zurück auf die Pfoten sinken. Ich betrachtete den alten Herren einige Sekunden, während aus dem Radio „Keep on the sunny side“ erklang. Gute Einstellung, dachte ich, während ich im Takt den Abwasch der letzten Tage machte. Leise summte ich die Melodie mit, richtete meinen Blick aus dem Fenster und betrachtete die Natur vor meiner Haustür. Ich hatte den hübschesten Platz erwischt. Der Wald um mich herum bot mir jede Menge Schutz vor der Sonne und vorm Wind, welcher an manchen Tag recht frisch vom Fjord zu uns herüber wehte.
      Nachdem der Abwasch erledigt war, zog ich mich an und machte mich auf den Weg zum Stall. Gery ließ ich im Haus zurück. Seit ein paar Wochen schon, begleitete er mich nicht mehr täglich, seine Kraft schien zu schwinden. Ich hatte damit gerechnet und es war in Ordnung, so wie es war.
      Mio » Ich stand pünktlich wie immer am Weidezaun, den Hut trotz der fehlenden Sonnenstrahlen auf meinem Kopf und eine dicke Jacke über mein helles Hemd gezogen. Auch die Pferde hatten ihre Zeit gebraucht, um sich von vierzig Grad täglich auf eine Durchschnittstemperatur von 17 Grad umzugewöhnen. Im Gegenteil zu Addison, welcher sich komplett den Klimaverhältnissen angepasst hatte, hielt ich meinen Stil aus vergangenen Zeiten so gut wie möglich bei. So schnell würde ich nicht alles aufgeben.
      Addison kam wie immer zu spät. Chill und Buck forderten, seitdem wir in Norwegen wohnten, durchgängig seine Aufmerksamkeit. Heather half ihm so sehr wie möglich bei der Erziehung der Zwillinge, jedoch hatte auch sie noch ihr eigenes Leben.
      Abgehetzt und mit grimmigem Blick, kam Addi auf mich zu, er nickte mir kurz zu, ich nickte zurück und gemeinsam machten wir uns an die tägliche Arbeit. Unsere Mustangs hatten einen schönen Platz bekommen. Sie hatten ihren eigenen Teil der Insel. Zwei weitläufige Weiden, mit Bäumen, Sträuchern und kleinen Hügeln waren so natürlich angelegt wie nur möglich und viele der Pferde hatten sich schnell daran gewöhnt.
      Während wir zusammen neues Heu schleppten, merkte ich, wie Addi mir immer wieder Blicke zuwarf. Er schien mich zu begutachten und seine Skepsis war nicht zu übersehen. „Mio“, er legte einen Arm auf meine Hand, als ich gerade einen Wassereimer anheben wollte, „Mio, seit wann hast du schon nichts mehr gegessen?“
      Ich ließ den Eimer los und richtete mich auf. „Seit wann, macht sich jeder darum Gedanken, dass ich zu wenig esse?! Ich bin erwachsen und kann selbst gut genug einschätzen, wann und was ich esse!“ Ich zog meine Hand aus seinem Griff und blickte Addi in die Augen. Ich sah den Schmerz in ihnen, den Verlust, die Angst. Ich sah seine grauen und mageren Haare, die Falten auf seiner Stirn und die knorrigen Hände. „Du solltest lieber selbst einmal in den Spiegel schauen, du siehst nicht besser aus.“ Meinte ich schwach und hob den Eimer ein weiteres Mal. „Warum machst du dir zu erst um mich Sorgen, anstatt um dich selbst?“ Sagte ich, bevor ich mich von ihm abwendete.
      „Das weißt du Mio.“ Flüsterte Addi zerschlagen. „Du wärst dumm, wenn du es nicht sehen würdest.“
      Petyr » „Saga Glasberg, was soll bitte dieses eklige Gummiband auf meinem Schreibtisch?“ Grinsend hob Petyr ein breites Band in die Höhe und hielt es seiner Freundin vor die Augen. „Bitte nicht schon wieder ein neues Hobby!“
      „Ach quatsch!“ Saga riss ihm das himmelblaue Band aus der Hand. „Das ist mein neues Stretchband. Das haben seit neuestem alle in meiner Balettgruppe und ich finde es auch ziemlich hilfreich!“
      Petyr verzog angeekelt den Mund und ließ das Band fallen. Bevor es auf dem Boden aufkam, hatte Saga es aufgefangen und sich mit einem dramatischen Nebeneffekt in die Arme von Petyr geworfen. Dieser hielt sie fest umschlungen und drückte ihr dann einen Kuss auf den Mund. Als sie sich wieder von einander lösten, lag auf beiden Gesichtern ein rötlicher Schleier und sie lächelten verliebt.
      „Malte wartet bestimmt schon im Stall auf mich. Du weißt, dass er es nicht leiden kann, wenn ich zu spät komme.“
      „Jaja, renne nur zu deinem Malte.“ Saga dreht sich eingeschnappt und mit verschränkten Armen um, sodass Petyr sie noch einmal zu sich ziehen musste und sie innig küsste. Dann schnappte er sich eilig seine Jacke und verließ die Dachbodenwohnung, ohne noch einmal zurückzublicken.
      Eyvind » Während alle anderen noch schliefen, war Eyvind wie immer der erste im Stall. Ihn trieb nichts anderes an, als die Pferde. Die tägliche Arbeit, beginnend beim Morgengrauen, hielt ihn in Bewegung. Er brauchte den Ausgleich zu den Stunden in der Nacht, die er im Bett verbrachte und selbst diese wurden in manchen Nächten von Spaziergängen durchbrochen. Er war der stille Nachtwächter, welcher mit seinem wachen Auge jede Regung genau auffasste. Er war so unauffällig, wie sonst keiner auf dem Gestüt. Jeder hatte seine Probleme zu tragen und jeder trug dies offensichtlich als Rucksack. Nur Eyvind schien seine Sorgen in dem Platz vor den Zehen in den Schuhen zu verstauen und hatte sogar noch Freiraum für die seiner Freunde.
      Die Pferde waren bereits gefüttert, als Malte und Petyr zu ihm hinzu stießen. Die letzten kauten friedlich an den restlichen Körnern. Der Hauptstall war riesig, mit neuester Technik ausgestattet und perfekt an die Wünsche der Sportpferde angepasst, welche hier ihr Zuhause gefunden hatten. Die Boxen besaßen allesamt ein kleines Paddock, welches die Pferde ganztägig benutzen durften.
      „Wie du nur immer so früh wach sein kannst...“ Petyr gähnte ausgiebig und blieb vor Eyvind stehen.
      Malte währenddessen klopfte Eyvind auf die Schulter. „Danke man, was würden wir nur ohne dich tun.“ Dankbar schaute er seinem Freund an und lächelte. Es hatte seine Zeit gedauert, bis die drei sich als Team verstanden hatten, denn vor allem Malte war es schwer gefallen, einen weiteren Arbeiter zwischen ihm und seinem langjährigen Freund Petyr zu akzeptieren.
      Die drei Männer wollten sich gerade an die Arbeit machen, als Heather in den Stall gehetzt kam. Die junge und auffällige Frau mit den blonden Locken hatte keine Probleme gehabt, sich in der Stallgesellschaft einzufinden. Sie war offen, warmherzig und stets voller Energie.
      „Leute!“ Trällerte sie lauthals und hastete auf die kleine Versammlung zu. „Los, los! Ihr habt eine Minute Zeit mir zu sagen, was ihr aus der Stadt braucht!“ Sie kramte einen Notizblock samt Stift aus ihrer Tasche und schaute die drei Männer erwartungsvoll an.
      Malte schüttelte bloß den Kopf. „Danke, ich brauche nichts.“
      Heathers Blick schwankte weiter zu Petyr. „Und was ist mit dir, du Faulpelz?“
      „Öh“, überfordert zuckte Petyr mit den Schultern. „Kein Plan. Ruf‘ aber mal Saga an, die hat bestimmt was für dich.“
      Auch Eyvind lehnte dankend Heathers Angebot ab, sodass diese ihren Stift einsteckte und seufzte. „Ich bin jetzt extra wegen euch zum Stall gerannt. Den Weg hätte ich mir ja dann auch sparen können.“ Sie boxte Eyvind gegen die Schulter und zwinkerte Malte kurz zu. „So bis dänne, ihr Pappnasen!“ Rief sie, als sie sich bereits wieder umgedreht und mit großen Schritten den Stall verließ.
      Tjarda » Tjarda liebte diesen hochgewachsenen Mann mit dem kantigen und doch so weichen Gesicht und viel mehr liebte sie jedoch die hellen Augen, welche sich so von seinem dunklen Körper abhoben. Es war ihre liebste Zeit, wenn sie nebeneinander im Bett lagen, er noch schlief und sie am frühen Morgen die Erste war, die in diese Augen blicken durfte. Vuyo schlief jede Nacht friedlich, während Tjarda oft stundenlang wach lag. Es war diese Gegenteiligkeit, an welcher beide Gefallen gefunden hatten.
      Als Tjarda wenig später das gemeinsame Haus verließ und sich auf den Weg zum Haupthaus machte, stieß sie auf Heather. Stürmisch umarmte diese ihre Freundin, erzählte ihr dann von dem geplanten Einkauf und bot Tjarda an, sie in die Stadt mitzunehmen.
      Die Wälder und Berge, Seen und kleine Dörfer zogen nun an ihr vorbei, während sie verträumt aus dem Fenster blickte. Heather am Steuer erzählte ununterbrochen, lachte über ihre eigenen Witze und fand zu jedem Thema ein weiteres Thema, welches damit in Verbindung stand. Heather erzählte immer. Egal ob es ihr gut ging oder nicht. Tjarda mochte diese offene Art, sie selbst war eher das Gegenteil. Verschlossen und ruhig. Sie wollte nicht hoch hinaus, der ihr angebotene Modeljob hätte das erbracht, sondern ihr reichte das stille Kunstmuseum in der Innenstadt. Menschen zu beobachten und zu zeichnen war ihre große Stärke und seit einigen Jahren war sie mit dem bisschen Einkommen schon zufrieden.
      Heather parkte ihren kleinen Flitzer genau im Parkverbot vor dem Museum, schaffte es, ihre Freundin schwungvoll im Auto zu umarmen und sie mit reichlich Worten zu verabschieden. Tjarda winkte ihr noch lächelnd zu, bevor Heather Gas gab und um die nächste Ecke brauste. Lächelnd betrat Tjarda die schmuckvolle Eingangshalle und begann ihren Arbeitstag.
      Mio » Ich schaffte es, Addi die nächsten Stunden aus dem Weg zu gehen. Erst kurz nach Mittag traf ich in der kleinen Reithalle auf ihn. Quisquilloso lief erst seit einigen Wochen unter dem Sattel und so musste ich einen Moment bewundert stehen bleiben, als ich Addi mit dem Hengst arbeiten sah. Quisquis Start war nicht einfach gewesen. Er hatte immer wieder Rückenprobleme und leichte Verletzungen gehabt, obwohl er sein Bestes tat sich schnell anzupassen. In Gedanken versunken lehnte ich an der halboffenen Tür. Addis Arbeit begeisterte mich immer wieder und obwohl ich seit drei Jahren Tag für Tag mit ihm verbrachte, hatte ich mir noch längst nicht alles abschauen können. Hinzu kam, dass die Beziehung zwischen uns schon seit längerer Zeit abgekühlt war, seit genau dem Tag, an dem ich Jacob lieben gelernt hatte. Addison mochte seinen Cousin nicht.
      Ich war so in Gedanken versunken, dass ich nicht merkte, wie Addi vor mir zum Stehen kam, leichtfüßig aus dem Sattel rutschte und dann vor mir landete. Er hatte geweint, ich erkannte einen leichten roten Rand um seine Augen und mittlerweile kannte ich ihn so gut, dass ich wusste, dass es ihm nicht gut ging.
      „Hallo Mio.“
      Malte » „Was sind das denn für fette Brocken?“ Sagas tiefe Lache schallte durch die Stallgasse, als sie die beiden Irish Draughts sah. Ich schaute sie wütend an. Man merkte, dass sie von Pferden nicht allzu viel Ahnung hatte, denn ihre Lautstärke schaffte sie nicht zu zügeln.
      „Der eine davon heißt sogar Brock.“ Flüsterte ihr Petyr ins Ohr und sie brach wieder in Gelächter aus.
      „Petyr, musste das sein?“ Mein wütender Blick galt nun Petyr, welcher sich kindisch hinter Saga versteckte und so tat, als wäre er dort sicher vor mir. Ich hatte mir immer erhofft, dass er in einer Beziehung endlich seine reife Seite finden würde, aber genau das Gegenteil war geschehen. „Saga, was machst du eigentlich hier? Musst du nicht arbeiten?“
      „Nö, erst heute Nachmittag.“ Sie grinste. „Aber Malte, jetzt mal ehrlich, die beiden kenne ich noch nicht, oder? An den Namen Brock würde ich mich sonst erinnern.“ Vergnügt gluckste sie und stieß Petyr an.
      Ich ließ Saga mit einer Antwort warten, bis ich erst Belmonts Brock und dann Belmonts Beo in ihre Boxen gebracht und beide Türen verschlossen hatte. „Beo und Brock. Nein kennst du noch nicht, sind erst seit ein paar Tagen hier und es wird hoffentlich auch nur eine Übergangslösung.“ Antwortete ich ihr knapp, während ich meine stets verdreckten Hände an meiner Hose abzuwischen versuchte. „Noch mehr Pferde und ich erwarte von Charly eine Gehaltserhöhung.“
      Charly » Unruhig stieß Charly immer wieder mit dem Bleistift auf den Tisch. Hunderte von kleinen Einkerbungen hatten sich bereits angesammelt, diese schien sie jedoch nicht zu merken. Der helle Bildschirm zeigte Dokumente, Tabellen und Internetseiten, mehrere leere Kaffeetassen standen neben ihr und Briefe aller Art stapelten sich auf dem ganzen Tisch. Charly hatte Nico seit heute Morgen nicht mehr gesehen, aber auch das schien sie verdrängt zu haben. Auch Charly hatte schon bessere Zeiten gesehen. Sie hatte zugenommen und ihre sonst so makellose Haut sah unrein aus. Auch der Konsum an Zigaretten war wieder gestiegen und das, obwohl sie genau wusste, dass sie das Geld nicht hatten. Viele Jahre lang hatte sie drauf verzichtet, aber mit ihren entstandenen Problemen war sie wieder in alte Gefilde gefallen.
      Es klopfte. Es klopfte selten jemand an ihre Tür, die meisten spazierten herein wie sie wollten und es erstaunte sie noch mehr, als Nico den Kopf zur Tür herein steckte. „Charly?“
      Sie drehte sich zu ihm um, wusste einen Moment nicht, was sie sagen sollte und meinte dann: „Ja? Alles gut?“
      Nico nickte und trat ganz ein. „Hast du kurz Zeit? Ich würde dir gerne jemanden vorstellen.“ Aufgewühlt blickte Charly zu ihm auf. Nico verwirrte sie. Er schien fast unsicher in seiner Art, als wüsste er selbst nicht so genau, was er gerade tat. Es versetzte ihr einen Stich, ihn leiden zu sehen. Sie hatten sich mal geliebt und vielleicht liebten sie sich immer noch.
      „Nico?“
      „Ja?“
      „Wirklich alles in Ordnung? Geht es Bart gut?“
      Nico nickte hastig. Charly stand auf und ging durch die offene Tür, welche Nico ihr aufhielt.
      „Was ist das?“ Erschrocken blieb Charly stehen, als sie einen Transportkorb im Wohnzimmer stehen sah. „Nico!“
      „Bitte sei mir nicht böse!“ Flehentlich presste er die Hände zusammen. „Bitte, gib ihr eine Chance.“
      „Wem eine Chance?“ Charly blieb ruhig, ihre Augen funkelten jedoch. „Nico, wem soll ich eine Chance geben?“
      Nico zögerte, dann ging er zum Transportkorb, öffnete ihn und drehte sich dann zu Charly um. Auf seinem Arm saß ein kleiner Welpe, einige Wochen alt. Nur ein Fleck am Ohr, ein blaues und ein braunes Auge.
      „Nico was soll das?! Ich habe dafür keine Zeit!“ Charly hielt sich die Hand an die Stirn. „Nico...“
      „Charly, es tut mir Leid, bitte, ich wollte dir einen Gefallen tun. Wir können uns zusammen um sie kümmern, als Familie. Du weißt, wie sehr Bart Hunde mag.“
      „Sind wir überhaupt noch eine Familie, Nico?“
      „Charly“, schmerzhaft verzog Nico das Gesicht. Er trat einen Schritt auf sie zu, den ängstlich schauenden Welpen immer noch auf dem Arm. „Sage so etwas nicht, ich liebe dich. Ich liebe dich so sehr, du hast mich verzaubert und ich sehe nun, dass ich so viele Fehler begangen habe. Bitte, gib mich nicht auf!“
      „Woher weiß ich, dass du dich wirklich verändert hast? Warum sollte ich dir glauben, dass du nun wahrhaftig auf meiner Seite bist? Es ist so viel passiert.“
      „Ich liebe dich“, verzweifelt flüsterte Nico die magischen Worte. „Ich liebe dich.“ Seine Stimme versagte.
      „Ich liebe dich doch auch.“ Charly flüsterte ebenfalls und trat einen Schritt auf ihn zu. Zärtlich streichelte sie den weichen Kopf des Hundes und blickte dann ins Nicos Gesicht. Er lächelte vorsichtig, zog eine Hand unter dem Bauch des Hundes hervor und strich sanft eine dunkle Strähne aus Charlys Gesicht.
      „Also gut.“ Charly seufzte und trat einen Schritt zurück. „Wie soll unsere neue Mitbewohnerin denn heißen?“
      Mio » Addison schwang die Zügel über den Kopf des Pferdes und trat dann noch einen Schritt auf mich zu. „Schön dich zu sehen.“ Ich blinzelte. Wie meinte er das? Er verhielt sich komisch. Ich hatte plötzlich das Gefühl, als ragte Addison bedrohlich vor mir auf und mit einem Mal spürte ich so etwas wie Angst vor ihm. Seine hochgewachsene Gestalt drängte mich zurück, doch konnte ich nicht weichen, nur wenige Zentimeter hinter fühlte ich das schwere Tor. Er streckte eine Hand nach mir aus, legte sie an meine Hüfte und zog sich zu mir heran.
      „Addi,“ mein Atem stockte. „Addison!“ keuchte ich und versuchte ihn von mir wegzuschieben. „Addison, was soll das?“
      „Mio, ich kann nicht mehr, du kannst mir das nicht mehr antun.“ Er beugte seinen Kopf zu mir herunter, kam meinen Lippen bedrohlich nahe, während ich mit aller Macht versuchte, mich seinen starken Armen zu entwinden. „Vielleicht muss ich dich dazu zwingen, damit du siehst, was du verpasst.“ Die Zeit schien still zu stehen. Ich presste meinen Mund zusammen, doch Addison legte den seinen erstaunlich sanft auf den meinen, um dann mit jeder Menge Energie seinen Mund mit meinem zu verbinden.
      Mit einem befreienden Stoß stieß jemand das Tor auf und drückte Addisons Körper von mir weg. Helles Licht flutete ihn die Halle und erleuchtete Eyvind, welcher sich schützend vor mir aufgebaut hatte. Addison stolperte zurück, ich sah den Schock und die Verständnislosigkeit in seinen Augen, bevor er sich auf Quisquilloso stürzte und mit dem erschrockenen Hengst im Galopp die Halle verließ.
      Ich stand unter Schock. Die Tränen flossen, ich merkte sie kaum. Nur Eyvinds Arme, welche sich um mich schlossen und an sich zogen. Stumm weinte ich, während die ruhige Stimme von Eyvind ein Lied summte. Er hielt mich fest, bewahrte mich davor zu versinken und auch ich krallte mich an ihn, verkrampfte mich, während immer wieder Schüttelanfälle über mich hereinbrachen.
      Ich sah Addison nicht mehr. Nicht an diesem Tag und auch am nächsten nicht. Ich trocknete meine Tränen, Eyvind brachte mich zu meinem Haus und nachdem ich ihm versichert hatte, dass alles gut war, ließ er mich alleine. Jacob erzählte ich nichts. Er merkte, dass es mir nicht gut ging, hackte jedoch nicht weiter nach. Ich versank am Abend in seinen Armen und tauchte ab in einen unruhigen Schlaf.
      Eyvind » Nachdem Addison spurlos verschwunden war und nur Eyvind und Mio die Geschichte wussten, zog Heather für eine Nacht zu Chill und Buck ins Haus. Beide waren verwirrt, erwarteten eine klare Antwort von ihrer Tante und erfuhren jedoch nur noch mehr neblige Ausreden.
      Als Addi kurz nach um zehn noch immer samt Quisquilloso verschwunden war, stiegen Nico und Vuyo, sowie Malte und Tjarda in ihre Autos und machten sich auf dem Festland auf die Suche nach dem verschwundenen Addison. Als auch nach Mitternacht noch keine Spur von ihm zu finden war, gaben die vier es auf und kehrten zurück auf die Insel. Nach einer kurzen Besprechung im Haupthaus, verteilten sich alle auf der Insel und wenig später lag diese von einem stummen Tuch umhüllt, unruhig schlafend da. Nur ein Schatten, wachend, schlich am südlichen Ufer entlang. Seinen wachen Blick über dunkle Wasser in die Ferne gerichtet
      „Rakkaus ja epätoivo.“ Flüsterte Eyvind in seiner Sprache und wendete seinen Blick dann zum Himmel. „Wer braucht das schon?“

      Jeder hat jemanden, den er nicht hat
      30. Juli 2017 | 8.623 Zeichen | Canyon

      Malte » „Ich spreche nun ganz offen meine von Misstrauen geprägte Abneigung zu Paul aus!“
      „Wer ist Paul?"
      „Anscheinend der LKW-Fahrer da vorne, an dessen Scheibe ein Schild mit dem Namen „Paul“ klebt. Er kann natürlich auch Erwin heißen und trotzdem dieses Schild dort hängen haben, ist ja jedem selbst überlassen. Ich will ja auch nicht so schnell solche subjektiven Vorurteile verstreuen, aber mir scheint er verdächtig.“
      „Was hast du denn gegen Paul?“
      „Was ich gegen Paul habe? Das fragst du noch?!“
      „Ja.“
      „Mhm. Keine Ahnung. Wahrscheinlich nichts. Ich habe nur gerade Langeweile.“
      „Du bist komisch.“
      „Ich weiß.“
      „Das ist doch schonmal ein Anfang.“
      Petyr und ich sitzen vor dem Stallgebäude wie üblich auf der roten Bank und genießen wohl die letzten warmen Sonnenstrahlen dieses Jahres. Es ist Mittag, die Pferde stehen gemütlich auf den Weiden und die wichtigste Arbeit im Stall haben wir auch schon hinter uns. Petyr neben mir kaut nachdenklich an einem Strohhalm, während ich gedankenlos das Geschehen auf dem Parkplatz vor uns betrachte. Charlys Haare sind in den letzten Monaten lang geworden, mittlerweile kräuseln sie sich nach unten hin. Das gefällt mir. Nico neben ihr trägt seit kurzem einen Zopf. Ich gebe es ungerne zu, aber dieser lässt ihn noch attraktiver aussehen und das mag ich nicht.
      „Malte?“
      „Mpf?"
      „Du starrst sie schon wieder an.“
      „Was?“ Verwundert blicke ich zu Petyr, welcher mich mit zusammengekniffenen Augen betrachtet.
      „Charly, dein Blick liegt ununterbrochen auf ihr.“ Meint Petyr. Ich sehe ihm an, dass er mit aller Macht versucht sein Grinsen zu verbergen. „Sag‘ mal, merkst du das wirklich nicht? Dann wärst du bestimmt der perfekte Stalker.“
      „Haha.“ Lache ich trocken. „Sehr witzig.“ Mehr fällt mir zu meiner Verteidigung nicht ein. Zum Glück brauche ich das auch gar nicht, Petyr wechselt von ganz alleine das Thema.
      „Was machen die da eigentlich? Ich will endlich sehen, wer oder was da im Hänger ist!“
      Pause. Wir schweigen. „Malte, normale Menschen würden jetzt etwas sagen. Das nennt man Kommunikation.“
      „Du sagst doch etwas.“ Sage ich abwesend und betrachte weiter die kleine Gruppierung. Was für schöne Finger, denke ich, als Charly mit fließender Handbewegung eine Unterschrift auf das Klemmbrett gibt, welches ihr Paul entgegen hält. Was für geschmeidige Bewegungen...
      „Du brauchst dringend eine Freundin und damit meine ich nicht Charly.“ Petyr boxt mich gegen die Schulter. „He! Aufwachen! Zu wenig Kaffee getrunken oder was? Das ist ja unaushaltbar!“ Klagt Petyr genervt. „Ich gehe da jetzt hin und finde es heraus!“
      „Gute Idee.“ Murmle ich, als Petyr aufsteht und mit großen Schritten auf den LKW zugeht. Er ist noch nicht ganz angekommen, da lässt Paul die Klappe herunter und kommt wenige Sekunden später mit einem Pferd heraus. Ich seufze. Warum muss auf der Welt nur alles so schön sein? Charly ist schön, Nicos Haare sind schön, dieses Pferd ist schön. Jetzt merke ich es selbst. Komisch. Gut möglich, dass Petyr ausnahmsweise Recht hatte. Heute stimmt mit mir wirklich etwas nicht.
      Ich stehe auf, bleibe einen Moment unschlüssig stehen, mache mich dann aber schlussendlich auf den Weg zurück nach Hause. Meine Haustür ist kaum aufgeschlossen, da kommt Petyr angehetzt, drängelt sich an mir vorbei und lässt sich auf mein kleines Sofa fallen. Ich bleibe verwirrt stehen - Genau da hatte ich mich hinsetzen wollen. Jetzt war ich überfordert. Unschlüssig blickte ich mich im Raum um. Petyr machte es sich reichlich bequem, legte die Beine auf den kleinen Tisch davor und beobachtete mich aus zusammengekniffenen Augen. „Ich weiß jetzt übrigens, was das für ein Pferd da war.“
      „Ein neues“, murmle ich.
      „Was?“
      „Nichts, nichts.“
      Petyr murrt verwirrt. „Auf jeden Fall ist das endlich die lang ersehnte Stute. Für Nico, versteht sich. A Touch Of Peace, geniale Abstammung und die besten Voraussetzungen für gigantische Siege.“
      „Ich muss wohl doch eine Gehaltserhöhung verlangen.“
      „Was?“
      „Nichts nichts.“
      „Malte, du bist heute komisch.“
      „Ich weiß.“
      „Na das ist doch schonmal ein Anfang.“
      „Gut gekontert, du Pflaume.“
      Petyr richtet sich auf. „Ach Malte, hätte ich fast vergessen, ich habe gerade Charly versprochen, dass wir heute anfangen die neuen Boxenschilder im Südstall anzunageln. Deswegen bin ich ja eigentlich hier.“
      Sagte ich doch, denke ich, Gehaltserhöhung.
      In der Sattelkammer begegne ich Tjarda. Sie schließt gerade ihre Tür und obwohl das dämmrige Licht in dem kleinen Raum kaum den Boden berührt, leuchten Tjardas Augen in der Dunkelheit. Tjarda war auch schön, sehr schön sogar. Ich bleibe stehen. Mein Blick liegt auf ihr, auf ihren dunklen Haaren, der zarten Figur und den bunt gemixten Klamotten, welche ihr so gut stehen. Ich wollte sie nicht erschrecken, aber sie erschreckt sich trotzdem, als sie sich zu mir herum dreht und mich hier stehen sieht. Ich Malte, klein, trostlos und unschön. Sie keucht auf und legt sich die beruhigend Hand auf die Brust.
      „Malte! Erschrecke mich nicht so!“ Schnell hat sie sich wieder beruhigt und lächelt mich an. Ihr Lächeln ist auch schön. Und die Lippen, aus ihnen entspringt dieses Lächeln, welches ich immer wieder erkennen würde. Ich lächle nicht. Seit einem Jahr lächle ich bereits nicht mehr, wenn ich Tjarda begegne, ich kann es nicht und dazu zwingen will ich mich auch nicht. Erst als sie sich an mir vorbei gedrängt hat, kann ich wieder atmen. Was wollte sie in der Sattelkammer? Frage ich mich noch, bevor ich meinen Weg fortsetze. Klick. Mit dem Lichtschalter zu meiner Linken erhelle ich den Raum. Ich hätte erstaunt sein sollen, bin es jedoch nicht, als ich Vuyo auf einer der Kisten sitzen sehe. Der dunkelhäutige Afrikaner lächelt beschämt und sammelt hektisch die weit verstreuten Klamotten zusammen, bevor er hastig tippelnd, ohne etwas zu mir zu sagen, sich auch an mir vorbei drängt. Ich bleibe einen Moment stehen. Die Gedankenwelt ohne Gedanken erscheint mir so friedlich.
      „Aaaah Malte, da steckst du ja, du Gnom.“ Petyr betritt den Raum, bleibt neben mir stehen und stützt sich die Arme in die Seite. „Du, war das gerade Vuyo, der ohne Shirt zur anderen Seite raus ist? Also so warm ist es nun heute auch nicht.“
      „Ihm war es wahrscheinlich in der Sattelkammer etwas warm.“ Sage ich trocken.
      Petyr blickt sich fragend um. „Also ich habe jetzt keinen Unterschied zu draußen gemerkt.“
      „Mensch Petyr“, sage ich seufzend und erwache aus meiner Starre. „Ich bin Tjarda begegnet, als ich die Tür geöffnet habe.“
      „Achsooo!“ Petyrs Augen hellen sich begeistert auf. „Du meinst, die beiden haben es heimlich im Dunkeln in der Sattelkammer-“
      Ich unterbreche ihn. „Du musst nicht immer alles in Worte fassen. Manchmal sollte man es dabei belassen.“
      Petyr grinst glücklich. „Du musst es mal anders sehen. Ich finde es super, dass hier mal ein bisschen Liebe ins Spiel kommt.“
      „Da bist du aber auch der Einzige“, flüstere ich und sage dann laut zu Petyr gewandt: „Wo sind nun diese blöden Dinger, die wir annageln sollen?“
      Die Boxenschilder anzunageln ist schwerer als gedacht. Zweimal muss ich die Nägel wieder aus dem Holz ziehen, weil Petyr durch sein unaufmerksames Arbeiten schräg oder das komplett falsche Schild angehalten hat.
      „Das ist Sasanchos Box, nicht Deo Volentes“, murre ich und reiche Petyr das Schild zurück.
      „Hä?“ Fragt Petyr entsetzt. „Seit wann das denn? Da stand doch immer Volente.“
      „Seit dem Tag, an dem Sancho zu uns zog, eben weil das die einzige Möglichkeit ist, dass er neben Brego II stehen kann und nun gib mir dieses verdammte Schild!“
      „Nicht so ungeduldig!“ Sagt Petyr und kramt in der Tüte. Bevor er das richtige Schild gefunden hat, hält er inne. „Aber wo steht dann Volente?“
      „Petyr“, sage ich warnend. „Gib mir sofort das Schild.“
      „Achso!“ Er schlägt sich an den Kopf. „Bijou und Ghostly Phenomenon stehen ja nun ganz vorne. Ich Schlaukopf.“
      Ich schaffe es, Petyr zu ignorieren und mit ihm auch noch die Boxenschilder für die Stuten anzubringen. Shari, Colour Splash, Seattle‘s Scarlett, Sweet Prejudice, Samarra, Shyvana, Sawanna und Fannie Mae anzunageln, bevor noch die drei Fohlen an die Reihe kamen.
      „Und was sollen wir mit Picturesque Diova machen? Aufheben?“ Fragt Petyr wenig später und hält eine weiteres Boxenschild in die Höhe. Ich kann die Dinger langsam nicht mehr sehen. Augenkrebs.
      „Das machen wir unten drunter. Und das von Simplicity of Sophistication auch.“ Sage ich bestimmend. „Mir egal, wer die dann abnagelt.“
      „Tz Tz“, macht Petyr. „Malte mein Freund, das ist heute nicht dein Tag.“
      „Habe ich auch nie behauptet“, knurre ich und schlage einen weiteren Nagel ins Holz. Noch eins, denke ich, als Petyr mir das von Royal Champion reicht. Noch eins, dann habe ich es geschafft.
    • Flair
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      27.08.2017 | Der alltägliche Wahnsinn

      Cosmic Dawn, Nemax, Waikiki, Macaruja, Daitona,
      Bijou, Shyvana, Magic Attack, Eskari & Kjarkur


      "Marie, könntest du dir mit Dai nicht etwas mehr Mühe geben? So kompliziert ist sie jetzt auch nicht!" Ich stellte bei dem Anblick, die das Paar abgaben, genervt meine Tasse auf die Bande. "Nimm doch mal bitte die Zügel etwas mehr an und treib sie in den Zügel rein." Mit einem prüfendem Blick verfolgte ich die unglücklichen Versuche, die Marie im Sattel unternahm. Nachdem Daitona sich auf der Zirkellinie immer wieder heraushob und wie eine Giraffe durch die Bahn schlenderte, sah sie mich verzweifelt an. "Isa, das ist einfach nicht mein Pferd. Gib mir meine Macaruja oder meinen Nemax, die beiden sind meine Freunde." Ich sah sie vorwurfsvoll an. "Ich möchte aber, dass du dich auch mit Dai anfreundest." "Sie will sich aber nicht mit mir anfreunden, das ist ja wohl ganz offensichtlich", entgegnete Marie und hielt die Rappstute unelegant auf der Mittellinie an. "Bitte..." - "Wenn du willst, kannst du auch Cosmic reiten", entgegnete ich ihrem verzweifeltem Versuch, Gnade walten zu lassen. "Der hat bloß noch mehr Pfeffer im Arsch, und wenn beide Pferde auf Turnier gleichzeitig vorgestellt werden müssen, dann wirst du dich wohl mit Dai zufrieden geben müssen. Aber das wird schon, reite sie einfach so oft du kannst. Und wenn Philipp oder Janina Zeit haben, dann geh doch mit Dai zum Training." Marie seufzte und trieb die Stute wieder an. "...Lass sie nicht so sehr in deinen losen Zügel latschen, Mensch!" Marie nahm die Zügel auf, und trabte die Rappstute wieder an. Ich setzte mich noch eine Weile lautlos hinter die Bande und schlürfte meinen Cappuccino, während mein Blick auf Daitona und Marie ruhte. Insgesamt sah es eigentlich gar nicht schlecht aus. Marie hatte zwar alle Hände voll zu tun, aber wenn sie sich auf die Stute erst einmal eingefummelt hat, dann werden die beiden auch ein gutes Paar abgeben. Marie arbeitete mit vielen Volten und Biegungen, und so langsam aber sicher, stellte Dai sich ordentlich an den Zügel, kaute hin und wieder auch auf ihrem Gebiss. "Siehst du? geht doch!", sagte ich zu Marie, die mich daraufhin mit einem hochrotem Kopf angrinste.
      Ich Verließ die Reithalle und machte mich auf den Weg zum Stalltrakt, um Cosmic und Nemax fertig zu machen. Die beiden Hengste haben am nächsten morgen mehrere Prüfungen. Kjarkurs, Eskaris, Shyvanas und Bijous Boxen waren leer, die vier standen noch draußen auf der Wiese. Marie sollte sie später reinholen, ich darf nicht vergessen ihr das noch zu sagen. Macaruja grummelte mich freundlich an, und ich tätschelte ihr im Vorbeigehen den Hals. "Später hab ich etwas mehr Zeit für dich, meine Liebe", vertröstete ich sie. Waikiki knabberte an ihrem Heu und betrachtete mich argwöhnisch, als ich an ihrer Box vorbei ging. Cosmic freute sich abnormal, als ich ihn aus seiner Box holte. Vermutlich erwartete er, dass ich ihn zu den anderen rausstellte. Als ich ihn zum Waschplatz dirigierte, hielt sich seine anfängliche Freude dann doch eher in Maßen. Allerdings war die Waschplatte unumgänglich. Seine weißen Füße waren vom Springtraining noch voller Matsch, und auch der Schweif war mit einzelnen Erdbrocken verklumpt. Ich suchte vergeblich nach Shampoo, und fand letzten Endes eine Halb leere Packung in der Sattelkammer. "Mensch Philipp...", fluchte ich leise, als ich auf dem Weg zur Waschplatte war. "Hat man dir nicht beigebracht, die Dinge so zu hinterlassen, wie du sie vorgefunden hast?!" "Hm?", machte es hinter mir. Ich drehte mich um und sah dem Übeltäter direkt ins Gesicht. Er hatte Nemax im Schlepptau. Ich betrachtete ihn argwöhnisch, vermutlich genau so, wie Waikiki mich gerade eben noch angesehen hat. "Cosmic war beim Springen heute wirklich sehr nett", lenkte er gekonnt vom Thema ab. Er wusste, wie sehr ich es liebte, wenn man meine Pferdchen lobte und gut von ihnen Sprach. "Philipp du hättest den ruhig auch direkt danach mal abspritzen können..." murmelte ich über Cosmics Vorderbein gebeugt. "Der sieht ja fast auf wie ein Fall für den Tierschutzverein!", witzelte ich, allerdings schien er meinen ironischen Unterton nicht zur Kenntnis zu nehmen "Isa, du übertreibst maßlos! Ich hatte es eilig, ich hatte einen Termin. ich wollte Cosmics Pediküre ja gerade nachholen, aber da hattest du ihn ja schon rausgeholt." Wenigstens fühlte er sich schuldig, dachte ich gekränkt. Seine "Termine" waren wohl eher Verabredungen, und irgendwie ging es an mir nicht gerade spurlos vorbei, dass er mir diese Tatsache noch immer verheimlichte. "Ist schon in Ordnung, ich mache das jetzt eben. Muss ihn sowieso noch startklar für morgen machen." Phillip stand noch einen Augenblick da, ich konnte seine Blicke in meinem Nacken spüren, während ich mich krampfhaft darauf konzentrierte Cosmics Vorderbein wieder zum strahlen zu bringen. Er sagte nichts mehr und führte Nemax, der die Stille mit einem Schnauben unterbrach, an mir und dem großen Fuchshengst vorbei, um ihn am nächstgelegenen Putzplatz anzubinden und seine Mähne zu kleinen Zöpfchen zu flechten. Gebannt betrachtete ich die vier weißen Beine des Hengstes, und war mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Nun begann auch ich, seine Mähne einzuteilen und flocht ihm einzelne kleine Zöpfchen. Seine Mähne war einfach einzuflechten. Sie war sehr schön gleichmäßig und hatte kaum Wirbel, allerdings war Cosmic vom langen Stehen mittlerweile genervt, und brachte dies auch schnell zum Ausdruck: Er begann, die Wände abzuschlecken, stampfte hin und wieder auf den Boden und erschreckte sich dann vor dem lauten Geräusch, welches durch den Aufschlag seiner Eisen auf dem Beton erzeugt wurde. Als ich in der Mitte seiner Haarpracht angelangt war, war ich genau so schweißgebadet wie Marie, die mit Daitona gerade aus der Halle kam. Sie strahlte mich an "Ist am Ende doch noch richtig gut gewesen. Janina kam zufällig vorbei, sie hatte ihr Handy im Stübchen liegen gelassen, sie konnte mir noch ein paar richtig gute Tipps geben!". "Das freut mich! Siehst du, ich sag doch, sie ist gar nicht so schwer, man muss sich bloß einmal darauf eingefummelt haben. Mach doch am besten noch ein paar Stunden mit Janina zusammen", schlug ich vor. "Auf jeden Fall. Dai hat auch wirklich gut mitgearbeitet, und wenn man sie einmal 'geknackt' hat, dann läuft sie ja auch echt traumhaft". Noch so ein wundervolles Lob! "Ja, das Pony habe ich mir ja auch nicht grundlos zugelegt, meine Liebe!", lachte ich. "Warte eben, ich mache dir Platz. Ich räume Cosmic eben woanders hin." Dankbar klopfte Marie Daitonas verschwitzen Hals. Als ich Cosmic an ihr vorbei führte, achtete ich akribisch darauf, dass sie mit ihrem Maul dort blieb, wo sie war. Dann hielt ich kurz inne: "Könntest du nachher noch die Pferde reinstellen? Das wäre super lieb. Ich habe hier noch wegen morgen einiges zu erledigen." Ich hielt die Tüte mit den Mähnengummis und das weiße Klebeband hoch. "Ja natürlich!", Marie willigte sofort ein. "Lass mich nur eben Daitona abspritzen und in den Stall stellen. Der große Fuchshengst war ganz aufgedreht und quietschte vergnügt, als er an Dai vorbeiging. Die Stute legte die Ohren an, verhielt sich ansonsten aber nett. Vermutlich war sie genau so fertig wie Marie.
      Trotz Cosmics Hampeleien konnte ich ihm innerhalb der nächsten Stunde eine halbwegs hübsche Frisur machen, mit der ich ihn in seine Box entließ. Marie war längst nach Hause gegangen, Nemax war ebenfalls wieder in seiner Box. Philipp ist demnach wohl auch schon zuhause. Ich schnappte mir noch Cosmics Sattel und sein Zaumzeug, verfrachtete es in das Reiterstübchen und suchte in der Sattelkammer vergeblich nach einer weißen Springschabracke ohne braune Flecken. Irgendwo hier musste diese eine mit der Schwarzen und der Goldenen Kordel und dem Schriftzug vom Gestüt liegen, das wusste ich genau. Es war wie zum verrückt werden. Letzten Endes nahm ich mir eine der dreckigen, eine, mit einer silbernen Kordel und kleiner Karosteppung und versuchte, den Fleck abzubürsten. Wo ist die gute Schabracke geblieben? Die hat doch wohl niemand mitgehen lassen? In Gedanken versunken ging ich mit der fleckigen Schabracke wieder ins Stübchen und begann damit, den Sattel mit Sattelseife zu reinigen und anschließend zu fetten. genau so ging ich mit der Trense und dem Vorderzeug vor. Als ich aufblickte, war es bereits halb neun. Schnell baute ich die Einzelteile wieder zusammen und befestigte die Schabracke unter dem Sattel, als Philipp durch die Tür kam. "Ach du bist noch hier?", fragte er mich verdutzt, "Ich dachte, deine Serie läuft schon." "Ja, seit fünfzehn Minuten", antwortete ich schnell, konnte meinen überraschten Gesichtsausdruck aber wohl nicht verbergen, "und du möchtest Überstunden machen, oder wie habe ich das zu verstehen..?" Auf diese Frage war er wohl vorbereitet. Er betrachtete die Schabracke mit den Flecken, an der ich Alibimäßig den Klettverschluss unter dem Sattelblatt noch einmal auf und zumachte. Mit einem schrägen Grinsen im Gesicht hielt er eine Tüte in die Luft. "Nein, auf keinen Fall! Ich wollte nur die Schabracke vorbei bringen. Die habe ich nach dem letzten Turnier gewaschen und dann unglücklicherweise vergessen. Ist mir gerade noch rechtzeitig eingefallen." Er legte die Tüte auf den Tisch. "Außerdem kannst du dein Pferd doch nicht damit vorzeigen", er deutete auf die hässliche Schabracke, an der ich noch immer herumfummelte. "Immerhin wäscht du die dreckigen Schabracken", witzelte ich. Sein Lächeln veränderte sich in eine ernstere Miene. "Ja", schweifte er ab, "Wir treffen uns dann morgen gegen halb 6 hier, Marie kommt auch mit, ich hatte sie gerade eben noch gefragt, bevor sie gefahren ist." "Gut", nickte ich, und machte mich daran, die alte Schabracke gegen die frisch gewaschene zu tauschen. Philipp verabschiedete sich mit einem kurzen Nicken nicht und machte sich auf den Weg nach draußen. Ich war innerhalb weniger Minuten ebenfalls fertig, machte alle Lichter aus und verschloss die Stalltür hinter mir. Eine warme Sommerbrise wehte über den Hof. Es war wirklich noch sehr schön draußen, aber ich beeilte mich trotzdem, denn meine Serie wollte ich nicht verpassen.
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      31.08.2017 | Neues, und Neuankömmlinge


      Jonquil, Cosmic Dawn, Nemax, Macaruja,
      Waikiki, Daitona, Bijou, Shyvana, Eskari und Kjarkur


      Bericht Tag 1
      [Philipp] "Philipp später kommt noch eine Kundin zu uns, sie bringt ihr Pony zum Springtraining her. Würdest du ihr die Box vorbereiten? Ich habe für das Training zwei, vielleicht drei Tage eingeplant - Je nachdem wie gut es klappt." Das waren schon fast zu viele Informationen in einem Satz für mich. "Isa, sag mir einfach, was ich machen soll." "Habe ich doch gerade eben gesagt! Ich bin eben drinnen, ich erwarte noch einen Anruf." In Eile rauschte Isa aus der Stallgasse und ließ mich alleine stehen. "Wundervoll, Philipp." Ich bemitleidete mich selbst ein wenig, während ich die Box neben Macaruja für das Pony großzügig einstreute. Einerseits freute ich mich auf die Eröffnung des Trainingszentrums, andererseits machte es sichgleich am ersten Tag bemerkbar, dass das vorhandene Personal dafür nicht ausreichte. Nachdem meine Arbeit erledigt war, setzte ich im Stübchen Kaffee auf, um mir eine kleine Pause zu gönnen. Allerdings hielt der Moment der Ruhe nur wenige Minuten an, da Isa kurze Zeit später mit einer jungen Frau an ihrer Seite ins Stübchen trat. "Philipp, dass ist Stefanie Westside. Die Besitzerin des Springponys. Stefanie, das ist Philipp Gerdes, er wird sich in den nächsten Tagen um Heartbreaker kümmern." Ich stand auf, machte zwei große Schritte auf die junge Frau zu und reichte ihr die Hand "Schön Sie kennen zu lernen Frau Westside." "Ich freue mich ebenfalls, Herr Gerdes!", sie lächelte mich herzlich an und schüttelte mir die Hand. In den folgenden Minuten besprachen wir gemeinsam das Trainingsprogramm, und erhielten von Stefanie noch Informationen zum Verhalten des Ponys und zu seiner Fütterung. "An sich ist er ein ganz lieber, er ist aufmerksam, guckt ab und an auch ganz gerne mal, aber er würde niemals aus einer Mücke einen Elefanten machen", versicherte Stefanie mir. "Bei uns zuhause am Stall zeigte er sich stets als rittig und arbeitete freudig mit."Als Heartbreaker's Temptation in seiner Box verfrachtet war und zufrieden an seinem großen Haufen Heu knabberte, verabschiedeten wir uns voneinander. "Ich werde mich in zwei bis drei Tagen noch einmal bei Ihnen melden Frau Westside. Ich sage Ihnen Bescheid, sobald sie ihn wieder abholen können, bis dahin ist er in den besten Händen", erklärte ich ihr. Sie nickte verständnisvoll. "Auf jeden Fall, ich stehe mit Isa sowieso in Kontakt, falls etwas vorfallen sollte, lassen Sie es mich bitte wissen". Ich nickte fürsorglich "Selbstverständlich, Frau Westside." Isa brachte Stefanie zum Parkplatz, während ich den Neuankömmling begutachtete. Es war schon Ewigkeiten her, dass ich mich auf ein Pony gesetzt hatte. Insgeheim hatte ich mir das Ponyreiten ja abgeschworen, allerdings könnte Isa ja wohl kaum die Kundschaft mit Ponys ablehnen. Zumal sie ja selbst eine kleine Ponyfanatikerinin ist. Bei dem Gedanke musste ich ein wenig schmunzeln.

      [Isa] Als Stefanie vom Hof fuhr, winkte ich ihr noch kurz hinterher, bevor ich ins Haus verschwand und mich hinter meinen Rechner klemmte, um den nötigen Papierkram zu erledigen. Außerdem musste ich für die Zeitung und fürs Netz noch zwei Stellenanzeigen verfassen, da Philipp, Janina und Marie in der kommenden Zeit mit Sicherheit Unterstützung brauchen werden. Neben dem Trainingszentrum, welches neben der Pferdezucht und der Ausbildung der eigenen Pferde laufen sollte, stand ein kleines Lädchen für Reiter und Pferd in der Planung. Allerdings sollte dies ein kleiner Vertrieb werden, der in einer ungenutzten Scheune hier auf dem Hof unterkommen sollte. Dennoch würde der Laden Arbeit verursachen, die ich meinen bisherigen Mitarbeitern nicht zumuten möchte. Außerdem wollte ich die beiden Ponys ins Internet einstellen, um eine Reitbeiligung für sie zu finden. Damit fing ich gleich an, denn mir schwebte schon ein passender Text für die Anzeige vor Augen: "Biete Reitbeteiligung an Welsh B und Islandpony", lautete der Titel schon einmal. Nach einigen Minuten stand auch schon der Text für die Anzeige. Ich las ihn noch einmal und prüfte ihn auf Rechtschreibfehler.
      Biete Reitbeteiligung an Welsh B und Islandpony; Hallo zusammen. Ich suche auf diesen Weg eine Reitbeteiligung für meine beiden Ponys. Das erste Pony ist Kjarkur. Er ist ein 9-jähriger Islandponyhengst und sehr sensibel, sodass er eine feine Reiterhand braucht. Insgesamt ist er sehr gelassen, entzieht sich aber, sobald der Reiter zu grob wird. Das zweite Pony ist Eskari, ein 5-jähriger Welsh B Hengst. Er ist ebenfalls leicht zu reiten, allerdings muss man sich als Reiter doch durchsetzen können. Im Viereck macht er gut mit, und macht auch den einen oder anderen Hüpfer.
      Ich suche keine Reitanfänger oder Wiedereinsteiger! Am besten bist du bereits über 18 und bist mobil, da unser Stall nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist. Gerne können sich Freundinnen für die beiden melden, vergebe aber auch an Einzelpersonen eine Reitbeteiligung. Ich freue mich auf Anfragen! Isabell Neyer.
      Zufrieden speicherte ich die Anzeige und fügte jeweils noch zwei Fotos von den beiden Ponys an. Spaßeshalber schaute ich nach neuen Pferdeanzeigen in der Umgebung, wo ich doch sowieso schon im Netz unterwegs war. Ich hatte mehrere Tabs geöffnet, zwei Pferde sahen wirklich sehr interessant aus. Eine kleine Vollblutstute, welche hier ganz in der Nähe zu Verkauf stand, und ein dunkler Vollbluthengst. Letzterer stand allerdings in München. Ich schrieb mir die Nummern auf und rief zuerst bei den Besitzern der Stute an. Am anderen Ende der Leitung meldete sich ein junger Herr. Als ich nach der Stute fragte, bat er um einen kurzen Moment und reichte das Telefon an eine junge Dame weiter. "Ika Helms am Telefon, Sie melden sich wegen Jonquil?", begrüßte sie mich. "Guten Tag, ich bin Isa Neyer. Ja genau, die kleine Vollblutstute hats mir angetan", sagte ich ihr durchs Telefon. Am anderen Ende der Leitung wurde um Hintergrund gelacht, während ich mit Ika einen Termin zum Probereiten vereinbarte. Sie hatte glücklicherweise gleich morgen etwas frei. Glücklich beendete ich das Gespräch und ging voller Motivation den weiteres Büroarbeiten nach.


      Bericht Tag 2
      [Philipp] "Wahnsinn Philipp, da bist du ja endlich!" Marie sah mich genervt an. "Ich habe dir das Pony schon einmal fertig gemacht, du hättest ruhig mal Bescheid geben können. Weißt du, dein Tagesplan ist jetzt recht stramm, da könnte man durchaus mal pünktlich auf der Arbeit erscheinen!" Ich wich ihrem vorwurfsvollen Blick aus und versuchte ihr erhitztes Gemüt zu beschwichtigen: "Vielen Dank Marie, du hast bei mir etwas gut." Damit schien sie sich vorerst zufrieden zu geben, aber irgendwie spürte ich, dass eines Tages eine Aufgabe für sie bewältigen soll, der ich absolut nicht gewachsen bin. Ich musterte das hübsche Pony, klopfte seinen Hals und nahm ihm das Halfter ab, welches über der Trense angelegt war und an dem der kleine Ponyhengst noch angebunden war. Ich klopfte seinen Hals und nahm ihn an den Zügeln. Fleißig ging er neben mir nach draußen und wieherte laut, sobald wir im Nieselregen standen. Irgendwo aus der Ferne wieherte ein Pferd - Nein, nicht irgendein Pferd, eigentlich war es ziemlich genau Shyvanas Wiehern, welches eher nach einem Missglückten Versuch klingt, einen Löwen zu imitieren. Eine kuriose Mischung aus Husten, Grummeln, und lautstarkem Wiehern. Es war wirklich schwierig zu beschreiben. Breaker schien davon doch wesentlich entzückt zu sein, denn er wieherte gleich ein zweites Mal. Diesmal bekam er jedoch keine Antwort. "Können wir weitergehen?", fragte ich das Pony, und ging einen Schritt voran. Er folgte willig und tänzelte neben mir her. Anscheinend ist er doch ein klein wenig aufgeregt. Auf dem Springplatz hatte ich zu Beginn wirklich alle Hände voll zu tun. Breaker wieherte am laufenden Band und konzentrierte mich nicht so richtig auf mich. Erst als sich Marie mit Daitona zu uns auf den Springplatz gesellte, wurde Breaker etwas ruhiger. Ob die Kombination von aufgewühlten Pony und der tickenden Zeitbombe nun so glorreich war, würde sich wohl später erst herauskristallisieren. Zunächst jedoch lief alles gut, und nach ausgiebiger Trabarbeit stand der Ponyhengst gut an meinen Hilfen. Ich taxierte den ersten kleinen Steilsprung mit einer Höhe von 80 Zentimetern an. Breaker galoppierte wie ein Uhrwerk darauf zu. Wir kamen passend vor den Sprung und Breaker blieb auch nach dem Sprung gut am Zügel und ließ sich in einem gleichmäßigem Tempo dirigieren. Erstaunt von dem kleinen Kerl ritt ich auf den nächsten Sprung zu, einen Oxer, 75 Zentimeter hoch und etwa einen Meter breit. Breaker verhielt sich genau so entspnnt wie beim ersten Sprung. Ich fühlte mich, als hätte sich ein Hebel bei dem kleinen Pony umgelegt. Kaum hat er einen Sprung vor der Nase, ist er 'Breaker der Profi'. Nach einigen weiter Sprüngen, die Breaker problemlos überwand, sprang ich einen kleinen Parcours, bestehend aus 6 Sprüngen. In der Kombination hatte er beim zweiten Sprung Schwierigkeiten, den passenden Absprung zu finden. Allerdings ließ sich dieses Problem leicht lösen, da Breaker wirklich gut an den Hilfen stand, und ich auch zwischen den Sprüngen gut einwirken konnte, sodass ich ihn beim Absprung gut Hilfe stellen konnte. Nachdem ich die Kombination ein drittes, und ein viertes Mal gesprungen bin. ließ ich die Zügel lang und ritt Breaker für heute trocken. dabei beobachtete ich noch ein wenig Marie und Daitona, die mittlerweile richtig gut zusammengefunden hatten. Offensichtlich war Dai heute gut drauf und etwas spritzig, jedoch wusste Marie ganz genau, was sie da zu tun hatte und machte ihre Sache sehr vorbildlich. Ich klopfte das Pony, hielt ihn auf der Mittellinie an und brachte ihn zurück in den Stall. Ich warf ihm eine Abschwitzdecke über und gab ihm sein tägliches Kraftfutter. Außerdem steckte ich ihm ein paar Möhrchen zu, die hatte er sich wirklich verdient.


      [Isa] Die Anfahrt zum Hof, auf dem Jonquil stand, war kurz. ich fuhr gerade mal 40 Minuten auf der Autobahn und schlängelte danach noch weitere 10 Minuten durch Feldwege und kleinere Straßen. Der Hof war wirklich schön, sehr überschaubar mit 7 Pferdeboxen, aber sehr schön und gemütlich. Ich wurde gleich von Ika empfangen, sie hatte Jonquil bereits fertig gesattelt und begrüßte mich mit einem Grinsen im Gesicht. "Schön Sie kennen zu lernen, Frau Neyer!", sie hielt mir ihre Hand entgegen. "Ebenso, Frau Helms", sagte ich und schüttelte ihre Hand zur Begrüßung. Sie zeigte mir die Stute und erklärte mir, worauf ich zu achten hatte. Jonquil war erst seit einem halben Jahr unterm Sattel, zeigte aber bereits ihre Stärken und Schwächen. "...solange sie viel beschäftigt wird, ist sie gut zufrieden, aber sobald sie sich langweilt, denkt sie sich eben Quatsch aus. Ich bin mir nicht sicher, ob das zur Zeit so eine Phase ist, oder ob das einer ihrer markanten Charaktereigenschaften sein wird. Aber das wirst du gleich selbst merken, wenn du drauf sitzst." Von der Beschreibung her passte ihr Verhalten sehr gut zu dem von Dai und Cosmic, und mit den beiden kam ich auch zurecht.
      Kurze Zeit später fanden wir drei uns auf dem Reitplatz wieder, der Nieselregen hatte aufgehört und die Sonne schien zum ersten Mal heute. Das musste ein Zeichen sein. Die Stute ging fleißig vorwärts und schaute sich in der Aufwärmphase ein wenig um. Jedoch fand sie nichts, wovor sie sich hätte erschrecken können. Ich gab mir Mühe, entspannt und locker zu sitzen, um dem Pferd eine gewisse Sicherheit zu geben und Ruhe auszustrahlen. Nach einigen Minuten gurtete ich fix nach und trabte die Stute an. Sie kaute auf ihrem Gebiss und trabte zügig, aber im Takt. Auch auf Zirkelrunden ließ sie sich nicht verunsichern und hielt ihr Gleichgewicht. Beim angaloppieren hob sie sich kurz heraus, fand aber schnell den Takt wieder und dehnte sich an meinem Zügel. "Sieht doch super aus", kommentierte Ika meinen bisherigen Ritt. "Es fühlt sich auch echt super an", lachte ich zurück. Jonquil lief artig wie ein Uhrwerk und konnte die von mir gestellten Aufgaben gut umsetzen. Nach zwanzig Minuten Reiten ohne Zwischenfall, entschied ich mich dazu, die Zügel lang zu lassen und die Stute trocken zu reiten. "Ich denke, die würde ich schon ganz gerne mit nach Hause nehmen wollen", sagte ich zu Ika. Sie lachte und freute sich sichtlich "Das lässt sich bestimmt einrichten!" Ich marschierte auf, hielt die Stute an und stieg ab. Ich führte die Stute zu Ika herüber, und besprach mit ihr alles weitere. Als wir zum Schluss einen Preis von 2300€ inklusive ihrem Zubehör aushandelten, waren wir beide zufrieden. Ika nahm mir die Stute ab, und wir verabschiedeten und voneinander. Morgen gegen 13.00 konnte ich die kleine Apfelschimmelstute abholen.


      Bericht Tag 3
      [Philipp] "Du hast nicht ernsthaft noch eins gekauft, Isa! So langsam wird es echt voll hier."Sie sah mich mit ihrem Dackelblick an. "Bitte Philipp das ist nicht einmal eine Stunde Fahrt. Ich muss mich noch um die Stellenanzeigen kümmern." Ich seufzte. "Nagut,Isa. Ich erledige das später. Aber du kannst Stefanie Westside anrufen. Heute Abend kann sie ihr Pony wieder mit zu sich nach hause nehmen. Ich wollte ihn heute nur noch eine Gymnastikreihe springen lassen, um den Absprung etwas zu festigen!" Isa sah mich vorwurfsvoll an. "Ich weiß, dass es eilig ist, aber lass mich eben erst das Pony machen. Die Sprungreihe steht noch von Bijous Freispringen in der Halle." Daraufhin presste Isa ihre Lippen zu einer schmalen Linie zusammen. "Nagut. Aber vergiss es bitte nicht!", sagte sie in einem Ton zu mir, in dem eigentlich Eltern mit ihren Kindern sprechen, wenn sie ihre Hausaufgaben erledigen sollten. "Natürlich nicht", versicherte ich ihr. Sie betrachtete mich noch kurz mit einem prüfenden Blick und verschwand dann im Stübchen. Gedämpft hörte ich, ihre Stimme, sie schien mit Frau Westside zu telefonieren.
      "Dann mal zu dir, kleiner Mann." Nachdem Breaker mich gestern so sehr von seinem Können unterm Reiter überzeugt hat, wollte ich ihn heute eine Springreihe gehen lassen, damit er selbst lernt, die Distanzen zwischen den Sprüngen besser einzuschätzen. Ich longierte ihn zunächst auf beiden Händen ab, bevor ich ihn laufen ließ. Zuerst hatten die Sprünge eine Höhe von 40 Zentimetern, doch nach jeder guten Runde erhöhte ich das Maß um jeweils 10 Zentimeter. Die ersten Versuche waren noch etwas wackelig, doch er verstand das Prinzip schnell, sodass er zwischen den Sprüngen einen guten Rhythmus entwickelte und flüssig über die Sprünge hinweg hüpfte. Dieses Training war wohl am effektivsten für den Ponyhengst. Bei der letzten Runde waren die ersten drei Sprünge auf 60 Zentimeter Höhe eingestellt, der vierte auf 80 Zentimeter und der Letzte war einen guten Meter hoch aufgebaut. Mühelos meisterte Breaker die Distanzen und zeigte eine gute Manier am Sprung. Pumpend und schwitzend sah mich der Ponyhengst auffordernd an. Anstatt ihn jedoch eine weitere Runde über die Sprungreihe zu schicken, ging ich auf ihn zu und klopfte seinen Hals. "Gut gemacht, du kleiner Kerl. Weißt du, für jemanden in deiner Größe ist das wirklich schon sehr anständig. Du wirst es auf jeden Fall noch viel Höher schaffen." Ich ließ Breaker an der Longe noch ein wenig Schritt gehen, brachte ihn anschließend auf die Waschplatte und duschte ihm den Schweiß aus dem Fell. Anschließend brachte ich ihn in seine Box und schrieb Isa eine kurze Nachricht, dass alles gut geklappt hat und ich mich jetzt für sie auf den Weg mache.

      Am späten Abend, als ich mit Jonquil im Anhänger wieder auf den Hof kam, erfuhr ich von Isa, dass Frau Westside ihr Pony gut und sicher auf den Anhänger aufladen konnte und ihre Freude über seinen Zustand kaum in Worte zu fassen war. "Ich bin gespannt, ob wir von dem kleinen Pony noch etwas hören werden", sagte ich zu Isa, "er ist gesprungen wie ein ganz Großer." "Naja", sie legte ihren Kopf schief, "wie ich es immer zu sagen pflege: Ponys sind halt die besseren Pferde!" bei ihrem bekloppten Gesicht, das sie dabei zog, musste ich loslachen: "Warum hast du dir denn dann so viele Große angeschafft?!", forderte ich sie heraus. "Man kann halt nicht alles haben, was man will! ich hätte zum Beispiel auch gerne einen Springreiter für meine Pferde gehabt, der Ponys nicht so sehr verachtet!" "Jetzt übertreibst du aber!", entgegnete ich, "außerdem sind ja auch nicht alle Ponys... Nunja... Biestig! Aber die meisten sind es halt doch. Gott sei Dank war Breaker keiner von der schlimmen Sorte. Im übrigen hast du dir ein hübsches Pferdchen ausgesucht, die hat mir gleich gefallen, als ich sie gesehen habe". Ich reichte ihr Jonquils Pass und Besitzurkunde. "Danke! Was Pferdchen angeht, ist unser Geschmack wohl doch recht ähnlich, nicht wahr?" Ich lachte und musste doch zustimmen. Isa brachte Jonquil in ihr neues Heim. Nemax, Macaruja und Waikiki wieherten leise, als der Neuankömmling die Stallgasse heruntergeführt wurde. Magic Attack und Bijou schenkten uns ebenfalls aufmerksame Blicke, während Cosmic vor lauter Aufregung seine halbe Box verwüstete. Jonquil ging angespannt, blieb aber brav neben ihr, und spielte aufgeregt mit ihren Ohren. "Willkommen in deinem neuen Zuhause!", sagte ich zu ihr, und klopfte im gehen ihren Hals.
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      09.11.2017 | Winterzauber


      Ravenclaw, Mimi Magical, Jonquil, Valerian, Cosmic Dawn, Bijou,
      Shyvana, Nemax, Waikiki, Macaruja, Daitona, Angel's Kiss, Eskari und Kjarkur.

      Ich fröstelte und zog mir mit zittrigen Händen die Ärmel über meine eiskalten Finger. In der Halle war Marie gerade mit Ravenclaw beschäftigt. Sie gewöhnte den kleinen Träumer langsam aber sicher an Sattel und Trense. Er trabte locker an der Longe, und gehorchte Maries Stimmkommandos artig. Janina war ebenfalls in der Halle und bewegte gerade Waikiki. Mit Nemax und Macaruja war sie bereits fertig. Außerdem hatte sie heute erstmals Cosmic unter dem Sattel, um ihn auch in der Dressur fit zu halten. Bisher war der Hengst überwiegend auf dem Springplatz oder im Gelände geritten worden, weshalb er etwas hitzig geworden ist. Philipp hatte sich heute bereits schon Daitona, Valerian, Mimi und Shyvana gewidmet, Marie würde nachher noch Bijou reiten und ich übernehme Jonquil und Angel, während die beiden Reitbeteiligungen sich heute um die Ponyhengste Eskari und Kjarkur kümmerten. Lisa und Emily hatten sich auf meine Anzeige gemeldet. Zwei Freundinnen, die bereits einige Erfahrungen auf Turnieren sammeln konnten, und denen der Reitunterricht einfach nicht genügte. Lisa ist 16 Jahre jung und kümmert sich um den Isländerhengst Kjarkur, währens Emily ein Jahr älter ist und sich Eskari widmet. Die beiden haben sich bisher als sehr zuverlässig erwiesen, und kamen mit den Ponys schnell zurecht.

      Mittlerweile haben sich einige Pferde auf dem Gestüt angesammelt, und wenn in Zukunft noch zwei weitere Warmblutrassen, nämlich Hannoveraner und Holsteiner, in die Zucht mit aufgenommen werden, dann müsste definitiv weiteres Personal eingestellt werden. Jodie übernahm in letzter Zeit die Arbeit im Büro, und wir waren zu viert mit allen 14 Pferden mehr als ausgelastet. Bald würden noch zwei weitere Pferde dazukommen: Ein Holsteinerhengst und eine Hannoveranerstute. Beide waren von interessanter Blutlinie und ansonsten völlig unverbraucht. Philipp hat darauf geschworen, dass der Hengst im Springen sehr weit kommen würde, während die Stute ein kleines Überraschungspaket sein wird. Janina hoffte darauf, dass sie Dressurbegabt ist, denn optisch wäre sie der reinste Knaller mit den vier weißen Stiefeln und dem weißen Schweif.

      Ich schaute auf die Uhr. Halb 5, draußen wurde es bereits Dunkel. "Möchtet ihr nachher einen Glühwein oder einen Kakao? Ich geh jetzt ins Stübchen und wärme mich auf", fragte ich in die Halle, worauf hin beide einen Kakao bestellten. "Stelle ich euch dann gleich auf die Bande", sagte ich, und wanderte zum Stübchen. Drinnen war es schön behaglich warm, der Ofen feuerte wirklich gut. Ich drückte den Kakao-Knopf auf dem Automaten, zwei mal, und brachte die Becher nach einer kurzen "Hand-Auftau-Einheit" vor dem Ofen zu den beiden Reiterinnen in der Halle. Janina bedankte sich, hielt Waikiki an und griff nach ihrem Becher. Ich machte mich auf den Weg zu Jonquil, um sie zum reiten fertig zu machen. Die kleine Stute freute sich, mich zu sehen und ich schob ihr wie immer einen Apfel zu. "Huhu meine Liebe", begrüßte ich die Stute, halfterte sie auf und führte sie aus der Box auf die Gasse, wo ich sie festband. Dann nahm ich ihre Winterdecke herunter und musterte das geschorene Fell. Hübsch ist das ja nicht geworden, da müsste ich Philipp noch einen Tacken zu sagen. Ich sah vorerst darüber hinweg und begann damit, die Stute zu putzen. "So langsam wird es richtig kalt, kleine Maus, was?" Als hätte Jonquil mich verstanden, stöhnte sie leise und schloss ihre Augen, ich lachte, und bemerkte das draußen die ersten Schneeflocken rieselten.
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      07.02.2018 | Hallo 2018!


      NWS Dreamcatcher, Devil May Cry, Nemax, Cosmic Dawn, Bijou, Ravenclaw, Valerian, Golden Ebano, Shiryō,
      Mimi Magical, Jonquil, NWS No Mercy, Belle Fleur, Waikiki, Macaruja, Daitona, Galantis, Shyvana und Black Eyed Smoky.


      "Achte einfach mal auf seine Unterlippe." Marie beobachtete ihr dösendes Pferd nachdenklich. Sie übte gerade das Aufsteigen mit ihrem Rappschwarzen Hengst Ravenclaw. Dabei hat sie mit vehementen Einwürfen seitens Raven gerechnet, doch er entspannte sich so sehr, dass sie an seiner psychischen Anwesenheit zweifelte. Sicherlich waren die beiden mittlerweile miteinander vertraut - Marie hat so viel Bodenarbeit mit ihm gemacht, dass sie mehr Ausdauer als das ein oder andere Pferd in meinem Stall haben musste. Und er entwickelte sich dabei zu einem wahren Goldstück. Es konnte sogar Dinge auf Kommando apportieren, so etwas verrücktes hatte ich zuvor noch nicht gesehen. Marie gab ihm einen Klaps auf seine Schulter: "Huhu Pony, Anwesenheitspflicht." Raven gähnte ausgiebig, und betrachtete Marie mit großen Kulleraugen. Jetzt war er wach. Ich musste schmunzeln. "Dann drücke ich dir mal die Daumen, dass er dir bei den ersten Schrittversuchen nicht einpennt, Marie!" Sie grinste schief und lobte den Hengst, als sie sich über seinen Rücken beugte. Ich machte mich währenddessen auf den Weg in die Stallgasse, um zu füttern.
      Philipp machte gerade Cosmic fertig und war nicht sonderlich gesprächig. Ich wies ihn kurz darauf hin, dass Marie die kleine Halle mit Janina belegt hatte, und er somit nach draußen auf den Platz oder in die große Halle nebenan verbannt wurde. Cosmic schnaubte erschüttert, als würde er das persönlich nehmen. Philipp lächelte kurz und meinte nur: "Soso, das Wildpferd wird also gebändigt." Ich lächelte zurück und stellte Cosmics Futter in einem Eimer vor seiner Box ab. "Schmeiß ihm das nachher noch rein, ja?" Philipp nickte und legte dem großen Fuchs den Sattel auf. In letzter Zeit war es stiller geworden, Janina und Philipp waren mit dem aktuellen Bestand an Pferden absolut überfordert, daher hatte ich einige Anzeigen geschaltet, in denen Verstärkung fürs Team gesucht wird. Es gab tatsächlich auch schon einige Bewerbungen, mit denen ich mich dringend auseinandersetzen sollte. Jodie lag mit der Grippe flach, sodass ich irgendwie doppelt belastet war. Nebenbei mussten auch noch die ganzen Kürtermine geplant und das Training der Pferde getaktet werden. Diese Aufgaben fielen eigentlich in Jodies Bereich, doch jetzt war sie krank. Der Start in das Neue Jahr verlief ebenfalls chaotisch: Zwischen etlichen Körungen lief der Transport zwei neuer Westfalen schief, was nicht nur viel Zeit, sondern auch wertvolle Nerven kostete. Mittlerweile spannte ich für solche Geschichten Janina mit ein, denn diese Frau hatte offensichtlich Nerven aus Stahl. Gedankenumwoben scheffelte ich Hafer und Pellets in die Tröge der Pferde und prüfte mit einem kurzen Blick, ob die Decken noch vernünftig lagen. Das letzte, was wir jetzt noch gebrauchen könnten, wäre ein krankes Pferd. Als alle Pferde versorgt waren, machte ich mich auf den Weg ins Stübchen, machte mir dort einen Kaffee und suchte nach den Bewerbungsunterlagen. Zwischen den Zeilen schaute ich ab und zu durch das große Fenster in die Reithalle, um Raven, Marie und Janina zuzusehen. Mittlerweile saß Marie oben - Janina hatte den Rappen an der Hand und führte ihn vorsichtig einige Schritte vor. Er ging noch etwas zögerlich, machte aber keine Anstalten unartig zu sein. Marie lobte ihr Pferd ausgiebig und ich gönnte ihr diesen Erfolg. Seit sie Ravenclaw hatte, ist sie so viel selbstbewusster geworden. Mit Dai, ihrer kleinen Erzfeindin, hatte sie sich mittlerweile gut zurechtgefunden, was mit Sicherheit auch mit iherer Arbeit mit Ravenclaw zusammenhing. Unwillkürlich musste ich an meine kleine Lieblingsstute Jonquil denken. Sie hatte auch enorme Fortschritte gemacht. Während ich sie zuhause trainiert habe, hat Philipp sie zu einigen Turnieren mitgenommen, um mit ihr als Zweitpferd zu starten, und die kleine Apfelschimmelstute erwies sich auf dem Turnier stets als sehr ehrgeizig, wo sie sich zuhause als aufmüpfig erwies. Als würde man einen Schalter umlegen, dachte ich. Ein Fohlen von ihr und Cosmic würde vermutlich wahnsinnig toll werden. Nicht nur vom Potenzial her, nein, sondern auch charakterlich. Ich schweifte in meinen Gedanken ab, bis ich mich träumend auf meinem Platz im Stübchen erwischte. Ich sollte mich wahrlich mit wichtigeren Dingen, wie zum Beispiel dieser Bewerbung von Fabienne, Saskia, Jenny, Tobias und Maximilian. Diese fünf Kandidaten hatte Jodie (vor ihrem krankheitsbedingten Ausfall) bereits in die engere Auswahl sortiert. Unwillkürlich dachte ich an mich, Janina und Philipp. Wir hatten uns damals ganz ungezwungen zusammengefunden. Zuerst zu Pferd als Konkurrenten auf dem Platz, später als Sportkollegen an dem Pommesstand und eines Tages eben auch als Freunde auf dem Reiterball vor ca 6 Jahren. Irgendwie hatten wir uns auf Anhieb gut verstanden, hatten oftmals (auf keinen Fall immer!) dieselben Ansichten zum Thema Pferd und Reiterei, und so kam es zu dem, was im Hier und Jetzt stattfindet. Müde legte ich die Bewerbungen an die Seite und schwelgte in den alten Zeiten...
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      07.07.2018 | Eingekehrte Ruhe

      Millenium GC, For Pleasure, NWS Dreamcatcher, Devil May Cry, Nemax, Cosmic Dawn, Bijou, Ravenclaw, Valerian, Golden Ebano, Shiryō,
      Mimi Magical, Jonquil, NWS No Mercy, Belle Fleur, Waikiki, Macaruja, Daitona, Galantis, Shotgun, Cherrypie, Shyvana und Black Eyed Smoky,
      Eskari, Bajana, Chin Chin, Angels Kiss und Kjarkur, Ciri Riannon, Flavor's Feverdream, PFS Catching Fire und La Cadence.


      Mein Handy zeigt 4:50 an, als ich vergnügt aus dem Stall ging. Die Pferde waren alle gefüttert und versorgt, ich konnte jetzt noch kurz etwas Schlaf nachholen, mich später in die Sonne legen und den Stall den Händen meiner Mitarbeiter überlassen. Heute habe ich ausnahmsweise mal frei. Nachdem wir unsere kleine Familie um zwei weitere Bereiter und zwei Pferdewirte erweitert haben, ist der Alltag (verhältnismäßig) um einiges entschleunigt worden. Turnierwochenenden waren noch immer stressig, aber sobald unser LKW, auf den tatsächlich 5 Pferde passen werden, finanziert wird, würde auch das leidige Fahren zu den Turnierplätzen ein Ende nehmen. Unseren Pferden geht es zur Zeit prächtig, einzig unser Neuankömmling For Pleasure hatte etwas mit der Umstellung zu kämpfen. Der große Fuchs hat den Besitzer schon des öfteren gewechselt, doch hier sollte er nun seinen Endplatz genießen. Philipp hat ihn geleast, wollte noch ein wenig aus ihm herauskitzeln, sodass er eines Tages als Deckhengst einsetztbar ist, und letztenendes dann sein Gnadenbrot hier auf dem Gestüt genießen darf. Seine Erfolge im Springen, und auch seine Rittigkeit hatten mich gleich überzeugt, sodass ich ihn mit der Stute Millenium GC, welche die Mutter unserer Galantis ist, kaufte. Damit wurde der Hannoveranerbestand enorm erweitert. Außerdem durften neben den beiden Hannoveranern auch zwei Stuten hier einziehen: Die Holsteinerstute Shotgun und die Trakehnerstute Cherrypie. Beide lebten sich schnell ein und Cherrypie konnte unter Janina sogar schon einige leichte Klassen im Springen erfolgreich abschließen. Jetzt würde die Stute sicherlich von Philipp weiter geritten werden, um auch in den hohen Klassen erfolgreich zu sein. Insgesamt läuft alles gut, denn neben den Pferden haben sich auch vier weitere Mitarbeiter gut eingelebt. Malte und Saskia zählen zu den beiden neuen Bereitern, wobei beide mit dem Schwerpunkt Springen zu uns auf den Hof kamen. Die beiden Pferdewirte, Alexander (kurz Alex gennant) und Pierre waren ebenfalls nun Teil des Teams. Zuerst herrschte eine gewisse Zurückhaltung, jedoch legte sich diese Stimmung schnell, da alle vier "Neuen" eine super aufgeschlossenen und sehr umgängliche Art hatten. Marie machte mit Raven stetig Fortschritte. Der umgängliche Rappe lässt sich mittlerweile in allen Grundgangarten Reiten und lässt sich auch bei neuen Aufgaben nicht aus der Fassung bringen. Marie entwickelte sich mit dem Pferd, und sie traute sich mit meinen Pferden auch immer mehr zu. Mit Daitona hat sie sich mittlerweile wirklich angefreundet. Sowohl Dressuraufgaben als auch kleine Hüpfer waren mit der hitzigen Rappstute keine Probleme mehr. Jodie hatte einiges mit ihrem Shop zu tun, der eigentlich schon im Februar hätte eröffnen sollen, wegen ihrem Krankheitsbedingten Ausfall verzögerte sich die Eröffnung allerdings. Insgesamt schien alles seinen Lauf zu nehmen: Die Turniertage liefen zur Zeit gut, unsere Fohlen kamen alle gesund zur Welt und die Atmosphäre am Stall war wirklich toll.
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      20.12.2018 | Weihnachtszeit

      Valerian, Golden Ebano, PFS'Catching Fire, Eskador, Daitona, Mimi Magical, Jonquil, Shiryō, Cosmic Dawn, Bijou, Cherrypie und Shyvana.

      Bibbernd saß ich an der Bande und sah dem regen Treiben in der kleinen Halle am Haupthaus zu. Langsam aber sicher haben sich auch die wetterfestesten unserer Bereiter in die überdachte Reithalle zurückgezogen um dem kalten und nassen Wetter zu entkommen. Aufgrund der Wetterverhältnisse musste der Geländeplatz gesperrt werden - noch in der letzten Woche hat sich Daitona beinahe mit Marie hingelegt. Die beiden tasten sich langsam aber sicher an die ersten Sprünge, und Marie kommt mit der wilden Stute immer besser zurecht. Nicht ganz unschuldig daran ist womöglich ihr kleiner Rapphengst Ravenclaw. Dank seiner gelassenen Art hat sie einiges an Selbstvertrauen gewinnen können. Bei seiner Ausbildung lief alles ohne Vorfälle einwandfrei. Er ließ sich mittlerweile in allen Grundgangarten reiten und arbeitete stets aufmerksam mit.
      "Soll ich euch mal den Spiegel aufschieben?", fragte ich Philipp, der gerade dabei war die ersten Runden auf Catchy zu zu reiten, und Marie, die gerade mit Ravenclaw an den Seitengängen arbeitete. Ein wildes "Ja!" kam allerdings von Janina aus der hintersten Ecke. Sie bereitete aktuell Galantis für die Krönung vor, und war äußerst gut mit der Entwicklung der Stute zufrieden. Mittlerweile war sie auf einem sicheren A-Niveau und Janina arbeitete auf die ersten L-Lektionen hin. Die fliegenden Galoppwechsel werden zwar erst in der M abgefragt, jedoch beherrschte Galantis diese jetzt schon. Zwar nicht schön, aber das Prinzip saß! Lachend schob ich die Hallentür auf, machte mich zum Spiegel und schon dann auch diesen auf. Catchy fand das alles äußerst spannend, was selbst den griesgrämigen Philipp amüsierte. Er stellte den jungen Hengst vor den Spiegel, und ließ ihn sich bestaunen. Der kleine gepunktete Vollbluthengst war von sich sehr begeistert und prustete, sodass der Spiegel an seinen Nüstern beschlug. "Soll ich euch im Stübchen schon einmal den Kamin anfeuern und Kaffee bereitstellen?", fragte ich Philipp, während ich Catchys sehnigen Hals tätschelte. Er hatte sich wirklich zu einem Prachtkerl entwickelt. "Was für eine Frage!", entgegnete Philipp. Und so machte ich mich auf den Weg zum Stübchen, wo ich das kleingehackte Feuerholz vom Stapel nahm und in den Ofen legte. Danach machte ich mich daran, in der Futterkammer das Abendessen für die Pferde vorzubereiten. Mittlerweile ist der Bestand zu groß geworden, dass ich und Jodie noch zwei weitere Stallungen anbauten. Ich war wirklich stolz auf das, was wir mittlerweile geschaffen hatten und vor allem war ich auf unsere wunderschöne Nachzucht stolz. La Cadence, unser erstes Stutfohlen hat ihre beiden Fohlenschauen als Gewinnerin verlassen dürfen. Mit diesem Erfolg hat niemand von uns gerechnet. Die Konkurrenz war nämlich in beiden Fällen wirklich sehr stark, und dennoch haben wir uns so gut mit der Kleinen präsentiert, dass wir eine Schleife mit nach Hause nehmen konnten. Das Jahr 2018 können wir in jeder Hinsicht wirklich positiv beenden.
    • Flair
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      30.04.2019 | Tanz in den Mai


      Nemax, Cosmic Dawn, Bijou, For Pleasure, Valerian, Golden Ebano, Fix the Flame, Yuno, Daitona, Macaruja, Jonquil, Millenium GC,
      Galantis, Flashlight, Shyvana, Devil May Cry, PFS' Catching Fire, Eskador, Weltfriede, Waikiki, NWS Noblesse, NWS Checkmate,
      Bluegrass, Marvel, Ciri Riannon, Flavor's Feverdream, La Cadence, Civil War, Shotgun, Mimi Magical, Belle Fleur, Shiryō, Ravenclaw,
      NWS No Mercy, Cherrypie und NWS Dreamcatcher

      Unser Pferdebestand wuchs und wuchs. Der Nachwuchs war mehr als zufriedenstellend und Jodie und ich waren wirklich glücklich in unserem kleinen Paradies. Heute war ein warmer, sommerlicher Tag. Die Sonne schien und es herrschten Temperaturen von 20-22°. Das beste Wetter um den tag draussen zu verbringen. Das galt ebenfalls für die Pferde: Ich hatte sie schon gegen 5 Uhr in der Früh auf die Weiden verteilt, wo sie sich eifrig über das Gras hermachten. Insgesamt sahen alle Pferde gut aus, und hatten die Wurmkuren, die sie zum Anweiden bekommen hatten, gut weggesteckt. Am schönsten war der Anblick auf der Hausweide, wo die Stuten mit ihren Fohlen standen. Die kleinen strotzen nur so vor Lebensenergie und galoppierten wie die Weltmeister von morgen über die Weide. Besonders auf La Cadence war ich persönlich so stolz: Die kleine konnte in den beiden ersten Fohlenschauen überzeugen und räumte gleich zwei mal als Gewinnerin ab. Das war einfach die schönste Bestätigung, die man sich als Züchter wünschen kann. Nun wuchs sie langsam aber sicher zu einer selbstbewussten Jungstute heran. Ihr hübsches zierliches Köpfchen war das markanteste an ihr, in edler dunkler Jacke wird sie auf jeden Fall einiges her machen. Während ich am Zaun stand und die wilden Halbstarken begutachtete stellte Philipp sich neben mich und fragte: "Und? von welchen wirst du dich in den kommenden jahren trennen?" Dabei konnte er sich ein Grinsen nicht verkneifen, er wusste ganz genau, dass sie alle bleiben würden. "Pff...", machte ich nur. "Ich denke an Flavor's Feverdream." Ich versuchte wirklich überzeugend zu klingen, doch er durchschaute mich sofort "Das beste Springblut?", er tat geschockt, musste gleichzeitig allerdings wieder grinsen. Ich gab mich geschlagen. "Quatsch, sowas würde ich doch nicht machen", sagte ich und musste auch ein wenig grinsen. "Mit dem wirst du alles springen können, da bin ich mir sicher. Selbst wenn er klein bleibt - Du bist ja auch nicht der Größte unter den Springreitern!" Ich lachte und klopfte ihm die Schulter, er jedoch machte das betroffenste Gesicht auf Erden. Diesmal fiel ihm nichts ein, zumindest nicht schnell genug. "Falls er klein bleibt, bleibe ich eben bei Pleasure und Yuno, die beiden reichen mir völlig aus!" "Soso", ich zog die eine Augenbraue hoch "Und was ist wenn die beiden in dieser Saison Dressur laufen sollen?" Er sah mich erschüttert an: "Nicht dein Ernst!" Diesmal kaufte er es mir ab. Ich lachte und er grinste wieder. Wir standen zusammen da und schauten uns die Fohlen gemeinsam an. Heute war ein anstrengender Tag. Gemeinsam mit Jodie, Marie und Janina haben wir den Größten Teil der Pferde bewegt bekommen, die anderen hatten heute einen Koppeltag. Das würde sicher auch nicht schaden. Doch bei der Masse an Tieren musste das individuelle Training sehr gut organisiert werden. Mittlerweile hatte jedes Pferd seinen Trainingsplan, den Jodie während ihrer Krankheit für jedes einzelne ausgeklügelt hatte. Das war wirklich hilfreich, und vor allem half es dabei, die Pausen besser zu timen. Der Abend verlief locker und entspannt. Wir grillten zusammen, lachten, tranken etwas (die Minderjährigen Reitbeteiligungen, die ebenfalls eingeladen warn, zu kommen, bekamen selbstverständliche nur alkoholfreie Getränke) und feierten unsere gemeinsamen Erfolge.
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    Gestüt von der Nordwacht
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    1 Mai 2020
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    BIJOU
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    Grunddaten:

    Trakehner
    Hengst
    2005
    1,69
    Dominant White
    Abzeichen: -


    Besitzer: Flair

    Vorbesitzer: Canyon
    Ersteller: Ranga, Repaint by Flair
    VKR: Flair

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    Abstammung:

    von: unbekannt


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    Zuchtdaten:

    Gewinner der [HK 487] Großpferde
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    Stammt aus der Zucht: -
    Eingetragene Zucht: Gestüt von der Nordwacht

    Nachkommen:
    Samarra - *2014 (aus der Shari)

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    Charakter:

    Bijou ist ein wahrer Engel und dazu noch so unheimlich hübsch, dass er wahrlich das pure Traumpferd
    für jeden wäre. Mit seiner seltenen Farbe und den stetig blau leuchtenden und freundlichen Augen ist er
    überall ein Hingucker, auch wenn ihm manchmal zu viel Aufmerksamkeit nicht gefällt. Er liebt
    Streicheleinheiten und ist für jeden Blödsinn zu haben. Auch auf dem Platz arbeitet er stets gut mit, will
    allerdings auch gefordert werden und hasst es, wenn das Training eintönig oder langweilig ist. Außerdem
    ist er recht schnell unterwegs, sodass man ihn de Öfteren bremsen muss. Auch im Gelände ist er ein
    leicht zu reitender Hengst, welcher die Natur in voller Länge genießt.

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    Ausbildungstand:

    Dressur: L
    Springen: S**

    Gelände: E
    Distanz: A
    Rennen: E
    Western: A

    Fahren: A

    Schwerpunktdisziplinen: Springen
    Eignung: Springen, Dressur, Distanz

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    Turniererfolge:

    1. Platz 300. Springturnier
    2. platz 300. Dressurturnier
    2. Platz 279. Westernturnier
    2. Platz 272. Distanzturnier
    2. Platz 387. Springturnier
    3. Platz 390. Springturnier
    3. Platz 392. Dressurturier
    2. Platz 163. Synchronspringen
    2. Platz 393. Springturnier
    3. Platz 299. Fahrturnier
    2. Platz 394. Springturnier

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