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Veija

♀ Yoomee

♀ Yoomee
Veija, 15 Okt. 2022
Gwen und AliciaFarina gefällt das.
    • Veija
      Trainingsbericht 1 "Springen von E auf A"
      Gestern noch hatte ich Sarahs Stute Willow Maiden trainiert und heute fand ich mich schon wieder auf ihrem Hof ein,um ihre Connemara Stute Yoomee im Springen zu trainieren.Sarah traf ich bei ihren Pferden an und gemeinsam gingen wir zu der braunen Stute,die uns entgegenblickte und dann doch friedlich weitergraste.Als sie und Thowra an uns vorbeirasten,schmunzelte ich und Sarah meinte:"Sie ist manchmal ein richtiger Satansbraten,vor allem,wenn Thowra mitmischt.Ich lachte und kramte ein Leckerli aus der Tasche.Das lockte die Stute dann doch an und sie bekam es zur Belohnung,weil sie gekommen war,Thowra bekam auch eines,damit sie nicht eifersüchtig wurde.Ich halfterte Yoomee auf und gemeinsam mit Sarah brachte ich sie zum dafür vorgesehenen Putzplatz.Gemeinsam putzten wir die Stute,die sich offensichtlich einen Spaß daraus gemacht hatte sich im größten 'Schlammloch' zu wälzen,das sie finden konnte.Nachdem wir den Dreck von der Stute heruntergeputzt hatten,kratzte ich ihr die Hufe aus."Sie ist brav beim Hufe auskratzen,aber wenn der Hufschmied kommt,dann fängt sie plötzlich an zu beißen.Wir vermuten,dass sie da mal schlechte Erfahrungen gemacht hat."Ich nickte und kratzte der Stute die Hufe aus.Dann ließ ich mir von Sarah ihren Sattel und die Trense zeigen.Sie blieb geduldig stehen und ließ sich auch gerne von mir kraulen."Meinst du wir können auf den Springplatz",fragte ich Sarah,denn es hatte gestern geregnet und ich wusste ja nicht,wie schnell der Platz wieder abtrocknete.Sarah überlegte kurz und sagte dann:"Lass uns heute lieber in die Halle gehen.Er müsste eigentlich trocken sein,aber ich will nichts riskieren und sie soll die Sache ja positiv in Erinnerung haben." "Alles klar",stimmte ich zu und ging gemeinsam mit Sarah in die Halle,um dort zwei Cavalettis und zwei Kreuze aufzubauen,welche wir später zu einem Rick umfunktionieren würden.Während Sarah in der Halle blieb,kehrte ich zu Yoomee zurück und sattelte und trenste die Stute.Sie ließ sich von mir brav auftrensen und folgte mir bereitwillig in die Halle,beäugte neugierig die Hindernisse und blieb ebenso brav stehen,als ich aufstieg.Ich ritt sie im Schritt an und merkte gleich,dass man der Stute klare Signale geben musste,denn sonst wusste sie nicht,was sie zu tun hatte.Als ich zum Beispiel einmal die Schenkel etwas mehr dran drückte und die Zügel aufnahm,blieb sie erst stehen und ging dann Rückwärts.Ich gab ihr etwas die Hand vor und trieb sie und sie ging wieder vorwärts.Ich brauchte etwas,um mich daran zu gewöhnen,dass sie sehr sensibel war und ab und zu auch einfach Sachen abspulte,die nicht zum Plan gehörten,aber mit der Zeit gewöhnten wir uns etwas aneinander.Schließlich trabte ich sie an,ließ sie um die Hindernisse gehen und merkte schnell,dass sie sehr mutig war.Nachdem ich eine Weile getrabt war,steuerte ich das erste Cavaletti aus dem Trab hin an.Die Stute war aufmerksam,blieb aber vor dem Hindernis stehen,als ich ihr keinen Schenkeldruck gab und sie nicht genug einrahmte.Da ich nicht damit gerechnet hatte,geriet ich etwas aus dem Gleichgewicht,konnte mich aber noch halten und wendete die Stute ab,trabte erneut an und rahmte sie dieses Mal mehr ein und gab ihr deutlichen Schenkeldruck.Die Stute setzte über das Cavaletti hinweg und trabte dann gelassen weiter.Ich lobte sie,um ihr zu zeigen,dass sie das gut gemacht hatte und steuerte dann das nächste Cavaletti an."Sie ist auf jeden Fall ein gutes Lehrpferd",sagte ich,"wenn man die Hilfen nicht korrekt dran hat,dann macht sie es auch nicht."Sarah nickte und sagte:"Das einzige,was etwas stört ist,dass sie manchmal auch einfach Sachen abspult,die sie nicht machen soll."Ich nickte nur und konzentrierte mich wieder auf die Stute,die wohl gemerkt hatte,dass meine Konzentration nachgelassen hatte und zum Schritt durchpariert war.Ich trabte sie wieder an und steuerte sie ein weiteres Mal auf das Cavaletti zu.Solange ich sie an den Hilfen hatte,sprang die Stute ohne Probleme über die Hindernisse,aber sobald meine Konzentration nachließ oder die Hilfen nicht korrekt gegeben wurden,tat sie,was sie in diesem Moment für richtig hielt.Ich konnte sie schließlich sowohl im Trab,als auch im Galopp über die Cavalettis,aber auch die Kreuze gehen lassen,sodass ich Sarah bat die beiden Kreuze zu einem Rick zu machen.In der Zwischenzeit trabte ich die Stute etwas und ließ sie dann eine Weile Schritt gehen,bevor ich sie wieder antrabte und auf das erste Rick zusteuerte.Auch dieses Hindernis war für die Stute kein Problem sowohl aus dem Trab,als auch aus dem Galopp und ich lobte sie ausgiebig dafür."Ich glaube du kannst die Hindernisse nochmal erhöhen,sodass sie auf A-Niveau sind",sagte ich zu Sarah und diese nickte,erhöhte sie auf meinen Wunsch hin und ich trabte die Stute schließlich wieder an,bevor ich sie angaloppierte und auf eines der Ricks zulenkte.Die Stute sprang ohne Probleme darüber und ich lobte sie,steuerte ein weiteres Mal ein Rick an und wieder hatte sie keinerlei Probleme damit.Ich lobte sie erneut und beendete dann das Training,ritt die Stute trocken und versorgte sie gemeinsam mit Sarah.Ich gab ihr ein Leckerli zum Abschied und half dann Sarah dabei die Hindernisse wieder abzubauen.Dann verabschiedete ich mich von ihr und machte mich auf den Nachhauseweg.

      Trainingsbericht 2 "Springen von E auf A"
      Ich hatte die letzten Tage eine Freundin da gehabt,weshalb ich keine Zeit mit meinen Trainingspferden verbringen konnte.Heute jedoch war sie wieder abgereist,weshalb ich mich gleich mit Sarah auf ihrem Hof verabredet hatte.Dort angekommen,erwartete sie mich bereits und teilte mir mit,dass sie die Sprünge bereits aufgebaut hatte.Wir fügten noch zwei weitere Sprünge hinzu und dann machten wir uns auf den Weg zu Yoomee.Die Stute hob den Kopf.Dieses Mal raste sie nicht an uns vorbei und ließ sich von mir auch einfangen.Gemeinsam mit Sarah ging ich mit der Stute in den Stall und wir begannen sie zu putzen.Nachdem das geschehen war,sattelte und trenste ich sie und wir gingen gemeinsam auf den Springplatz.Ich gurtete nach und stieg dann auf.Nachdem ich die Stute im Schritt auf beiden Händen warm geritten hatte,trabte ich sie an und ritt sie einige Runden im Trab um die Hindernisse herum,bevor ich sie über das Cavaletti trabte.Sie sprang brav darüber hinweg und ich lobte sie.Auch die beiden Ricks nahm sie ohne Probleme.Ich lobte sie und galoppierte sie schließlich an,um sie über den Steilsprung und den Oxer zu springen.Auch das gelang ihr ohne Probleme,sodass ich Sarah bat die Sprünge alle auf A-Niveau zu erhöhen.Diese ritt ich dann jeweils aus dem Galopp an.Zuerst einzeln,damit sie sich an die Höhe gewöhnen konnte und dann in unterschiedlichen Kombinationen.Da sie sich sehr gut anstellte,sprang ich schließlich die Hindernisse auch im Pacours.Yoomee schlug sich gut und ich sprang den Pacours ein weiteres Mal mit ihr.Da sie es gut gemacht hatte,beendete ich für meinen Teil das Training und fragte dann Sarah,ob sie auch einmal mit der Stute springen wollte,damit ich ihr ein paar Tipps geben konnte.Sie nickte und sagte,dass sie das sehr gerne tun würde.Wir tauschten und sie begann die Stute zu reiten.Natürlich gelang bei ihr einiges besser,weil sie die Stute schon besser kannte,aber einige Tipps konnte ich ihr doch geben.Schließlich beendete auch Sarah das Training und lächelte."Sie macht das wirklich gut",sagte sie und ich nickte."Ja",sie macht das gut.Gemeinsam versorgten wir die Stute und brachten sie dann auf die Koppel zurück.Ich gab der Stute zur Belohnung noch ein Leckerli und blieb noch eine Weile mit Sarah an der Koppel,redete mit ihr über einige Dinge und verabschiedete mich schließlich."Bis zum nächsten Mal",sagte ich,"das hoffe ich jedenfalls."Ich winkte ihr und machte mich dann auf den Nachhauseweg.

      Täglicher Arbeitswahnsinn oder "Wie Smaug vor die Kutsche kommt"
      By Ravi
      „Hab Smaug heute morgen nochmal ein wenig im Training gehabt“ kam Hansi herein und gesellte sich zum Mittagstisch – ich war in der Planung eines Besuches von Vina, dort würde ich eine ihrer Stuten zu mir nehmen und ihre beiden neuen Pferde trainieren. Hansi derweil wollte sich um den Gelderländer kümmern, damit dieser eingefahren wurde. „Ja die Langzügelarbeit war ihm ja nicht unbekannt und das Zuggeschirr hat er die letzten beiden Wochen ja auch schon dabei getragen.“ Hansi grinste mich dann über den Tisch hinweg breit an „Ich hab ihm heute einfach mal einen Reifen hinter ihn gemacht“ ich schluckte hart – Smaug war brav, aber erst seit zwei Wochen im Training für die Kutsche, jetzt schon ein Gewicht zu ziehen? „Wahnsinnig brav, stiefelte durch die Bahn als hätte er nichts anderes in seinem Leben je getan, aber was soll es auch anders sein. Die Rasse ist mit einer Kutsche am Arsch so gesehen geboren.“ Dabei kratzte er sich leicht an Kind und grinste unverfroren in meine Richtung. Ich rollte ein wenig die Augen, nickte dann „Ich vertraue darauf ,dass er bei dir eine Menge lernt, aber geh es nicht zu schnell an, wenn er auch so brav ist – man kann schließlich nie wissen.“
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      Mit der Hand griff ich nach einem der Teller, der mir von Sarah entgegen gehalten wurde. Natürlich war sie berechtigt in ihrer Sorge um den Hengst, aber ich hatte ja mittlerweile Erfahrung im Training der Pferde. Aiden und ich beeilten uns mit dem Mittag zusehends, denn wir hatten noch den Paddock der Hengste zu reinigen und eine Box vorzubereiten. Sarah hatte sich während des Filmdreh´s in eine der mitgebrachten Stuten verliebt, nach langem hin und her mit Theo hatte der sie schlussendlich verkauft. Argo - dem Pferd aus der Serie Xena nachbenannt, war seit frühsten Jahren ein Filmpferd der extra Klasse, in einigen Serien und ein paar Filmen war sie mit von der Partie gewesen, sogar als das Pferd eines Lakotahäuptlings war sie schon dabei gewesen. Heute würde sie im Laufe des Nachmittags ankommen, da gab es noch eine Menge zu tun.
      Argo mümmelte zufrieden an ihrem frisch gebrachten Heu, ließ sich von Kürbis aus Gesellschaft neben sich gar nicht ablenken in der Box – natürlich, sie war es auch gewöhnt. Ich strich ihr mit der Hand über die weiche Nüster, verabschiedete mich auch von Kürbis und kehrte zu meinem eigentlichen Job – Smaug zurück. Gemeinsam mit Aiden wollten wir erst einmal die Kutsche mit dem Transporter bei Julie abholen, wo sie noch immer stand. Anschließend die Stute Willow einspannen, mal sehen wie Smaug auf die Stute, die Kutsche und das mitnehmen reagieren würde, dann konnten wir ihn daran ein wenig gewöhnen. Sollte er das gut verkraften hatte ich bereits vor ihn etwas ins kalte Wasser zu schmeißen und vor die Kutsche zu spannen – oder eher das Trainingssulky, welches wir auch für Willow zu Anfang genommen hatten. „Los Komm, wir müssen los.“ Drängte Aiden bereits, also schwang ich mich hinter das Steuer, legte den ersten Gang ein und wir rollten die Einfahrt des Hofes hinaus. Die Fahrt würde nur knapp 5 Minuten dauern, also würde das kalte Auto sich nicht so schnell erwärmen. „Wirklich kalt geworden in den letzten Tagen“ murrte ich – ich hasste den Winter, zu allem Übel war hier auf der Insel auch noch der Nebel – momentan hatte man manchmal nicht mal Sicht auf 50 Meter, wenn überhaupt. Über Weihnachten hatte ich ursprünglich vorgehabt nach Deutschland zu meinen Eltern zu fliegen, doch hatte mich Sarah zu einem Ausritt zusammen mit Siobhan und Ty eingeladen, sodass ich meinen Eltern abgesagt – es war das einfach nicht wert…weder den Stress noch den Rest. „Tja…du hast Glück den letzten Winter nicht gesehen zu haben, da lag jetzt schon sehr hoch Schnee, dieses Jahr haben wir wirklich Glück.“ Aiden war hier geboren, oder zumindest in Schottland – er sprach Deutsch mit deutlichem Akzent, lernte jedoch außerordentlich schnell, wobei wir auch oftmals ins Englische sprangen, damit auch ich lernen konnte.
      Mit der Stute am Zügel – der Kutsche hinterher liefen wir neben einander her – Smaug zeigte sich mal wieder wunderbar diszipliniert, beäugte nur Willow von Zeit zu Zeit. Diese jedoch ignorierte den Hengst weitestgehend, suchte ihr Heil in der Arbeit womit die Arbeit sehr gut von der Hand ging. „Lass und eine kleine Runde um den Hof drehen mit den beiden“ schlug Aiden vor, also setzte sich mein Freund auf den Kutschbock, ich stieg hinten auf und führte Smaug um die Kutsche herum damit er dahinter laufen konnte. Und so setzte sich unser Tross in Bewegung, während es langsam begann zu dämmern – zumindest vermutete ich dies, denn der Nebel verdeckte die Sonne. Im Trab trottete Smaug hinterher, nahm ein wenig an Tempo zu und befand sich nun neben der Kutsche – mir gelang es nicht den Strick schnell genug herum zu dirigieren und quetschte mir dabei den Daumen ein. Mir gelang es nur knapp einen Laut des Schmerzes zu unterdrücken, leicht schüttelte ich die Hand – die Stelle puckerte und begann bereits ein wenig blau zu werden. Na Klasse…..
      Zumindest hatten wir das Training von Smaug ein ganzes Stück weiter angekurbelt, Aiden und ich wollten nun jeden Tag eine solche Tour machen – denn auch für Willow war es Training für ihre Distanzturniere.

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      Betreten senkte ich den Kopf – „Verdammt!“ murmelte ich. Cayden sah mich verwirrt an, legte den Kopf schief wie er es so oft tat. „Meine Eltern wollen zu Weihnachten hier her kommen!“ Auch Cayden schwieg einen Moment, während Kathi ungerührt in die Runde fragte „Was ist daran so schlimm?“ Erst rangen wir beide ein wenig an Worten „Naja, sie wissen noch nicht das wir uns verlobt haben, außerdem sind sie manchmal ein wenig anstrengend. Zudem feiern wir beide ja Weihnachten als Paganisten gar nicht offiziel – wir feiern bereits am 21.12 Yule und das haben sie bis heute nicht verkraftet.“ Meinte Cayden etwas zerknirscht. Wir berichteten vom letzten Jahr, dass wir beide bei ihnen verbracht hatten – als frisches Paar gemeinsam. Wir hatten keinerlei Geschenke mitgebracht, keine erwartet und das war etwas…naja weniger gut angekommen. „Im Grunde müssen sie es nun akzeptieren, dass hab ich auch schon am Telefon gesagt. Nur muss ich Vina Bescheid geben, dass es in diesem Monat wegen des Besuches nicht klappt.“
      In der Zwischenzeit beendeten wir unser gemeinsames Frühstück – heute waren Kathi und ich an der Reihe die Pferde zu versorgen, während sich Aiden und Cayden der Bewegung von Darym und Ikarus kümmern wollten, da noch kein Schnee lag wollten sie auf die Militarystrecke. Ich freute mich so unfassbar, dass sich Cayden so mit seinem neuen Hengst verstand. Hansi würde sich wieder dem Training mit Smaug widmen – nach über einer Woche lief der Hengst nun vollkommen sicher vor der Kutsche. Gerne hätte ich den Hengst mit einem der anderen zusammen angespannt, doch waren sie von der Größe her ziemlich unterschiedlich. 2Hansi? Was hast du heute vor mit Smaug?“ Der große Blonde Mann war noch beschäftigt unseren Abwasch zu erledigen und drehte mir bei seiner Antwort nicht den Kopf zu. „Da der Kleine jetzt so gesehen als Eingefahren gilt, hab ich auch gestern schon mit dem ersten Parcours für Turniere begonnen, wenn er in der A starten will.“ Ich nickte, dass würde Salera sicher freuen, denn der Hengst war jetzt bereits das November wieder hier in Schottland bei uns. „Sehr schön! Dann werde ich mich heute mal ein wenig Argo widmen und Bucks ein wenig bewegen. Die Mädels kommen später und wollen Little Grey und Kürbis auf dem Platz reiten, hast du da vielleicht ein Auge drauf?“ Hansi trocknete sich die Hände ab, nickte ebenfalls und damit verstreuten wir uns wieder in alle Richtungen auf dem Hof. Jeder ging seiner heutigen Arbeit nach – vom Stress her ließen wir uns wegen Weihnachten überhaupt nicht einnehmen. Am Nachmittag schaute ich nochmal bei Siobhan und ihrem kleinen Fionn vorbei – wahnsinnig, wie das Baby nun doch langsam nach einem Menschen ansah.

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      Ausbildungs- &Trainingsstall - Sa Diyos
      Training Military von Klasse E auf Klasse A
      An einem Sonnigen Morgen machte ich mich auf den Weg zu der Connemara Stute Yoomee. Mein Navi führte mich sich zu dem Ort des geschehens. Ich parkte meinen SUV auf dem Hofeigenen Parkplatz und begab mich auf die Suche nach der Besitzerin von Yoomee. Als ich Sie gefunden hatte, zeigte Sie mir Ihre Stute. Sie war sehr hübsch und zutraulich.Zusammen machten wir die Stute für das Training bereit. Schneller als ich schauen konnte, saß ich auf Ihr und wir machten uns auf den Weg zur Geländestrecke.
      Als wir angekommen waren, waren wir beide aufgewärmt und konnten langsam beginnen. Zunächst machten wir ein paar E Sprünge. Das kannte Sie ja schon und war auch kein Problem für Sie. Ich gönnte Ihr nochmal eine kleine Pause bevor wir mit dem eigentlichen Training begannen.Als die Pause zu Ende war, machten wir zunächst einen kleinen einfachen A Sprung.Ich lobte Sie für Ihr tolles Verhalten und wir machten uns geradewegs auf dem Weg zum nächsten Sprung. Diesen meisterte Sie ebenfalls mit bravur. Wir machten noch ein paar einfache Sprünge und ließ es auch ersteinmal so stehen. Am Stall angekommen, sattelte ich Sie ab und brachte Sie auf die Koppel zu Ihren Kumpels. Die Besitzerin der Stute bat mir an hier zu schlafen, anstatt nochmal nach Hause zu fahren und am nächsten Tag wiederzukommen. Ich begrüßte diese Einladung sehr und übernachtete dort.

      Am nächsten Morgen wurde ich zu einem leckeren Frühstück eingeladen. Nach dem herzlichen Frühstück begann ich auch sofort wieder mit dem Training, denn ich hatte auch noch eigene Pferde zu Hause die beschäfigt werden wollten. Also machte ich Yoomee fertig für den zweiten Teil des Militarytrainings. Sie sah noch sehr müde und verschlafen aus, aber das kitzelte ich noch aus Ihr herraus. Auf dem Weg zur Geländestrecke machten wir uns ordentlich warm. So langsam merkte ich wie die Stute wacher wurde. An der Geländestrecke angekommen, machten wir nocheinmal zwei bis drei Sprünge von den leichten A Sprüngen. Danach konnte es an die eigentliche Strecke gehen. Der Anfang war sehr gut geworden, mitten in der Strecke fing Sie an etwas nachzulassen und ich musste Ihren Willen etwas herrauskitzeln was mir gut gelungen war. Mit viel Energie meisterten wir den Klasse A Military Pacours. Ich lobte Sie kräftig nach dem Training.
      Am Stall angekommen, sattelte ich Sie ab und nebenbei bekam Sie auch noch eine ehrlich verdiente Möhre. Nun konnte Ihre Besitzerin auch Militaryturnier der Klasse A mit Ihr starten.

      Die Sache mit der Stallgasse
      von Vampyrin & Ravenna
      Sarah, Kathrin & Hansi

      Wir hatten die etwas stressigen Weihnachtsfeiertage mit meinen Eltern wunderbar hinter uns gebracht, am zweiten Feiertag hatten wir gemeinsam Siobhan und den kleinen Fionn besucht. Die Mutter von Ty und meine hatten der Mutter kaum eine Chance gegeben ihn zu halten – dabei hatte ich beinahe Tränen in den Augen gehabt. Nie würde meine Mutter einen eigenen Enkel in den Armen halten, das tat mir irgendwie dann doch Leid. Silvester war hier auf der Insel und in näherer Umgebung nicht viel los gewesen – umso besser war es für die Pferde gewesen. Zwar hatten wir gemeinsam ein wenig gefeiert, aber nicht sonderlich groß, die Arbeit musste weiter gehen.
      Freudig stand ich nun am Rande des Offenstalles beobachtete die Hengste, die mit dem gerade zu ihnen gelassen Gwyn umher tobten, sich aber nach wenigen Minuten schon wieder beruhigten. Es freute mich besonders, dass sich Draki und auch Moon so Klasse in unsere recht große Hengsttruppe integriert hatten – klar durch ihre kleinen Verletzungen standen sie nachts lieber drinnen in den Boxen, aber jeden Morgen kamen sie zu den anderen raus. Zwar hatte ich Moon eine Decke für den Winter geben wollen, doch Cayden winkte ab, da dies nur den Wärmehaushalt des Hengstes stören würde, Recht hatte er ja dabei. Gwyn hatte ich heute morgen leicht lahmen sehen, also hatte ich ihn aus dem Offenstall geholt und das rechte Vorderbein untersucht – da es jedoch weder heiß war oder geschwollen hatte er sich vielleicht erstmal nur vertreten. An die Pinnwand im Stall hatte ich gleich einen Zettel gepinnt, dass Gwyn beobachtet werden sollte, dann hatte ich die Zeit gleich genutzt um den Hengst ein wenig zu putzten.
      Ein Blick auf das Display meines Handys verriet mir die Uhrzeit – fast 9 Uhr – bedeutete unser Frühstück stand gleich an! Somit bewegte ich mich durch den feinen, aber zutiefst nervigen Nieselregen hinein ins Haus – das schlimme war gar nicht die Nässe an sich, aber wenn es mehrere Tage nur durchregnete, man durch den Nebel fast nichts sah und der Wind einem um die Ohren pfiff – machte die Arbeit im freien kaum Spaß. Zumindest ging es mir so…manchmal auch Hansi, diejenigen unter den Mitgliedern des Hofes die sich schon ewig in Schottland aufhielten oder gar hier aufgewachsen waren, tja die schienen dieses Wetter vollkommen zu ignorieren. Im Vorflur entledigte ich mich meiner gefütterten Gummistiefel, sprang ein wenig auf der Stelle um die innere kälte meiner Glieder loszuwerden, da ging die Tür erneut auf und Aiden kam mit nassen Haaren hinein. Zusammen mit ihm hatten wir seit um sieben den Paddock von den gröbsten Pferdeäpfeln befreit und die Pferde mit frischem Heu versorgt. Hansi hatte sich dazu bereit erklärt Moon und Draki zu den anderen zu stellen, während Cayden und Kathi sich heute um unser Frühstück kümmerten. Ich mochte diese Art der Aufgabenverteilung, rieb mir ein letztes Mal die Hände aneinander und hielt Aiden dann die Tür zum Rest des Flures auf. „Hinein in die gute Stube“ meinte ich und folgte ihm auf dem Fuße in die gemeinsame Küche des geräumigen Haupthauses. Mit einem plumpsen ließ ich mich an meinem Platz nieder, legte die Hände wohltuend um die Warme Tasse Tee und versuchte nippender Weise ihn mir einzuflößen. „Also…ganz ehrlich, wenn wir bei der Stallgasse nicht bald etwas tun, dann brech ich mir bei den dämlichen Holpersteinen noch den Hals!“ murrte ich ein wenig in die Tasse. Die anderen hatten sich auch bereits an den Tisch gesetzt, sodass sie auch mitbekamen wovon ich rede. Hansi warf ebenfalls eine Tirade gegen die Stallgasse ein – klar sie und der ganze Stall war noch aus der Gründungszeit des Hofes und man hing an der Nostalgie. Die alten Holzbalken, die Mauern aus Stein ließen einen an das Mittelalter denken, wenn man darin stand – aber nicht nur wir hatten Probleme mit den holprigen Steinen der Stallgasse, auch die Pferde eierten darüber hinweg. „Bevor wir hier im Haus neue Möbel besorgen, will ich erst die Stallgasse ordentlich haben – da ist mir die Nostalgie ehrlich gesagt egal!“ meinte Hansi – zwar war er mittlerweile ein Angestellter und durfte viele Entscheidungen treffen, doch die höchste Entscheidungsgewalt lag bei Kathi und Cayden, nach unserer Hochzeit auch bei mir.
      „Glaubst du wirklich ich hätte etwas dagegen? Diese Steine sind eine verdammte Todesfalle!“, murrte ich und streckte meine Hände aus um die verkrusteten Stellen zu zeigen, die ich mir am Vortag eingefangen hatte, als ich mich lang auf die Nase gelegt hatte.
      „Von dem Azubi den wir bald kriegen hatte ich euch erzählt richtig?“
      Schweigen.
      Alle in der Küche sahen mich ratlos an und ich meinte im Hintergrund die Grillen zirpen zu hören.
      „Es ist Winter, es gibt keine Grillen!“, murmelte ich. Obwohl ich nicht gedacht hätte, dass dies überhaupt möglich war, wurden die Blicke noch ratloser.
      „Oh.. also, wir kriegen vermutlich bald einen Azubi zugeteilt, ich habe letztens die Prüfung abgelegt und wir sind jetzt offiziell ausbildungsberechtigt. Hatte ich das echt nicht erzählt?“
      Schweigen.
      „Leute?!“
      Ich sah wie Hansi langsam den Kopf schüttelte. „Jetzt wisst ihr jedenfalls Bescheid!“, schmollte mich und vergrub mich hinter meiner Kaffeetasse.
      Den Rest des Frühstücks unterhielten wir uns nur noch über Belanglosigkeiten, dann sahen alle so schnell es ging zu, dass sie an die Arbeit kamen.
      Eigentlich hatte ich den Auftrag einen Handwerker zu finden, der die Stallgasse ausbessert, gerade an Cayden abschieben wollen, da war er auch schon an mir vorbeigehuscht und hatte die Tür hinter sich zugeworfen.
      „War ja klar, jetzt darf ich mich wieder um den langweiligen Mist kümmern“, zischte ich leise, schenkte mir noch einen Kaffee ein und begab mich dann Richtung Büro um die Arbeit rasch hinter mich zu bringen.

      Nachdem Kathi die Sache mit dem Azubi erwähnt hatte, hatten es seltsamerweise alle sehr eilig an die Arbeit zu kommen. Ich begleitete Aiden schnell in den Stall um mir Gwyn zu sichern, bevor jemand anderes die Möglichkeit hatte. Auch wenn ich es niemals zugeben würde bedeutete mir der Hengst verdammt viel, man konnte ihn fast als mein Lieblingspferd bezeichnen. Ach, streichen wir das 'fast'.
      'Gwyn's Bein beobachten', entzifferte ich aus der schnell hingekrakelten Notiz an der Pinnwand mit etwas Mühe. „So'n Mist!“, fluchte ich, dabei hatte ich eigentlich mit ihm auf den Geländeparcours gewollt.
      „Viel Spaß dabei Gwyn zu putzen!“, hörte ich Aiden aus einer der Boxen lachen. „Wieso?“, gab ich zurück, „ich dachte Sarah hätte das vorhin gemacht?!“
      „Mag schon sein, aber davon ist nicht mehr allzu viel übrig!“
      Wieder hörte ich ihn Lachen.
      „Du bist so ein schadenfrohes Ekel!“, zog ich ihn auf und seufzte laut als ich den (ehemals) schneeweißen Hengst sah, der mir freudig zuwieherte.
      „Du ebenfalls!“
      Er hatte sich offensichtlich gerade genüsslich im eigenen Dreck gewälzt und hätte so locker als Brauner durchgehen können. „Nein, nimm den Kopf weg!“, warnte ich, als er seinen großen, schmutzigen Schädel gerade an meiner Schulter reiben wollte. „Du bist 'ne elende Drecksau, weißt du das?“, murrte ich, trat einen Schritt zur Seite und gab ihm den Befehl aus der Box zu treten. Ein wenig stolz war ich schon darauf, dass er mir auf's Wort gehorchte, bei den anderen klappte das nie so gut. Gwyn stubste mir die Nase in den Bauch und ich musste unwillkürlich grinsen. „Abmarsch jetzt.“, befahl ich wieder etwas gefasster und der Hengst stellte sich mitten in die Stallgasse um sich nochmals gründlichst schrubben zu lassen.
      Gerade kämpfte ich mit einem großen Fleck auf Gwyn's Hinterteil, als Cayden mit Ikarus im Schlepptau den Stall betrat. Eine Weile gingen wir schweigend unserer Arbeit nach während im Hintergrund 'Heidevolk' aus den Boxen trällerten.
      „Könnt ihr diesen Krach nicht mal aus machen?“, knurrte Cayden, woraufhin er mit einen finsteren Blick von Aidan und mir bestraft wurde. Dennoch ging ich nach einem längeren Zögern zur Musikanlage und drehte sie leiser, aber nicht aus. Cayden konnte mit diesem 'Holländischen Käse', wie er es gerne nannte einfach nichts anfangen.
      Ich widmete mich wieder Gwyns Hintern und erneut herrschte Schweigen. Aiden räusperte sich. Wir blickten uns vielsagend an, die gleiche Frage auf den Lippen.
      „Uuund?“, sprach ich sie als erster aus „was hältst du von der Sache mit dem Azubi?“
      Einen Augenblick dachte ich er hätte mich gar nicht gehört und wollte die Frage gerade wiederholen.
      „Ich weiß nicht.“, murmelte er. Schweigen.
      Ich trommelte ungeduldig mit einer Hand auf Gwyns Rücken.
      „Ich weiß nicht.“
      „Du wiederholst dich.“, warf Aiden ein, allerdings so leise, dass nur ich ihn hören konnte.
      „Ich bin mir nicht sicher, ob wir wirklich schon wieder jemand neues hier haben müssen.“, dann fing er an zu grinsen. „Immerhin haben wir dich gerade erst halbwegs anständig erzogen.“ Die Bürste verfehlte Cayden nur knapp und fiel hinter ihm scheppernd zu Boden. Ikarus spitzte kurz die Ohren und verfiel dann wieder in seinen Halbschlaf.
      „Och ich weiß nicht, eine heiße Blondine die mir ein wenig zur Hand geht, hätte schon was.“, hörte ich Aiden lachen. Wir stimmten ein. Cayden verstummte als erstes und verfiel wieder in seine nachdenkliche Stimmung. „Aber was soll das heißen, wir kriegen einen zugewiesen? Nachher taucht irgendein Schwachkopf hier auf und bringt alles durcheinander..“
      „Wäre es dir lieber, wenn ich wieder den erstbesten Besoffenen vom Festival anschleppe, so wie Hansi?“, rief ich etwas lauter als beabsichtigt und sah belustigt wie Cayden zusammenzuckte. Hansi wollte wohl gerade zu einer Gegenwehr anstimmen, verstummte dann aber mitten im 'Eh', als er feststellte, dass er dem nichts entgegenzusetzen hatte. Mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht klopfte ich Cayden auf die Schulter. „Keine Sorge, das wird schon und es ist nicht so, dass wir den erstbesten Deppen von der Straße angedreht kriegen, das letzte Wort haben immer noch wir und die ein oder andere helfende Hand mehr kann wohl kaum schaden, allmählich wächst uns die Arbeit doch allen über den Kopf.“ Das schien seine Sorgen zumindest ein wenig zu zerstreuen. Gut gelaunt klatschte ich in die Hände. „Die Handwerker kommen übrigens in 2 Wochen.“ Mit diesen Worten auf den Lippen machte ich mich auf den Weg nach draußen um Argo einzusammeln, nicht ohne vorher die Musik wieder aufzudrehen wohl wissend was Cayden von dem 'Holländischen Käse hielt'.
      Ich kam gerade mit dem Hengst Bucks am Strick den Weg zum Stall hinauf – es regnete immer noch, dabei zog sich die Kälte bis in die Tiefe meiner Kleidung, sodass auch irgendwie das Gefühl hatte mir in die Hose gemacht zu haben. Ich seufzte betreten, froh gleich diesem Nebel – Nieselregen Gemisch aus dem Weg gehen zu können. Ich hatte bereits mit Braum ein wenig in der Halle longiert – der Kleine würde im Verlauf dieses Jahres ganz schonend angeritten werden und konnte sich bereits jetzt mit dem Gewicht eines Sattels anfreunden. Außerdem wollte ich später irgendwann mit dem Stutfohlen Primo Victoria ein kleines Führtraining für unsere nächste Fohlenschau machen. Bucks hingegen wollte ich ein wenig putzten – nachdem ich fast eine gute halbe Stunde damit zugebracht hatte ihn vom Paddock zu holen. Einerseits hatte es mich gefreut ihn wieder mit allen Hengsten in den Offenstall entlassen zu können nach seiner Genesung – er hatte ein Hufgeschwür gehabt, welches langsam aber sicher doch abgeklungen war. Auf der anderen Seite ließ er sich zwar mittlerweile „recht gut“ händeln, aber in vielen Situationen keilte er ohne ersichtlichen Grund aus. Aus diesem Grunde hatte ich auch den beiden Mädchen Maeve und Lia geraten von ihm Abstand zu halten, zumal sich Lia noch immer von ihrem gebrochenen Arm erholte. In letzter Zeit hatte ich mich oft in den Büchern wieder gefunden, im Internet geschaut und auch befreundete Trainer angeschrieben wegen dem „Problem“ mit Bucks. Im Grunde ging es ihm gut unter den Hengsten, er hatte seine Kumpels, genoss es draußen zu sein, sogar die Leckerli und Streicheleinheiten schien er zu genießen. Wir konnten alle nicht verstehen was in dem kleinen Pottockhengst so vor sich ging, klar war nur – er würde wahrscheinlich nie wie jedes andere Pferd werden, darin bestand aber auch ein Risiko für mich und jeden der ihn versorgte. Erst letzte Woche hatte er einen saftigen Tritt in Richtung Kathi ausgeteilt, dem sie nur knapp entgehen konnte. So in Gedanken versunken erschrak ich plötzlich als der Hengst gegen meine Schulter prallte – die Ohren tief angelegt. Kathi kam gerade aus dem Stall, in dem deutlich hörbar Musik drang, ich liebte die Tatsache,dass wir dort Boxen hatten! Bucks schien sich offenbar tierisch vor Kathi erschreckt zu haben, zappelte nun an der Hand und zeigte deutliche Ansätze vorn hoch zu gehen. Quietschend bewegte er sich plötzlich deutlich in meine Richtung, was mich dazu veranlasste den Strick sofort durch den Ring des Halfters gleiten zu lassen und aus der Bahn zu gehen. Wir nutzten nie einen Panikhaken, sondern nutzten einfach eine einfache Schnur, die problemloser durch den Ring zu ziehen war um aus dem Weg zu gehen. Im unruhigen Stechtrab bewegte sich der Hengst aus unserer Reichweite, drehte uns dann deutlich die linke Seite seines Körpers zu – nur allmählig schien die Fassung zurück zu kommen. Kathi war stehen geblieben, blickte zerknirscht lächelnd zu mir herüber – unser Sorgenkind! „Das fällt mir immer öfter auf….du bist von rechts gekommen….und schau er dreht uns seine linke Seite zu.“ Nachdenklich begann ich an meiner Unterlippe zu kauen, dachte an all jene Momente an denen er so reagierte. „Was sagst du dazu?“

      Wir sollten da dringend ‘nen Tierarzt drüber gucken lassen“. In Gedanken versunken beobachtete ich den Hengst, der immer noch etwas hin und her tänzelte. „Wollte Eddi nicht eh die Tage mal vorbeischauen? Dann kann sie ihn ja vielleicht gleich ein bisschen genauer untersuchen.“
      „Stimmt wohl.“
      „Gut, fragst du sie dann noch eben? Ich wollte gerade mit Argo ein wenig ausreiten, willst du mitkommen? Vielleicht kriegen wir die anderen Chaoten ja auch noch mit.“, grinste ich. „Jetzt mach dir keinen Kopf, so schlimm wird das mit Bucks schon nicht sein“, versuchte ich sie zu trösten, obwohl ich mir selber nicht sicher war, was ich von der Sache halten sollte.
      „Ja bitte, bringst du mir Yoomee mit?“
      „Klar.“

      Gut 10 Minuten später trat ich mit den beiden Ponys im Schlepptau wieder in den Stall und legte mich prompt lang über die Stallgasse.
      Argo legt die Ohren an, tänzelte ein paar Schritte zur Seite und sprang noch im selben Moment wieder zurück um Ikarus‘ Zähnen zu entgehen, wobei sie Yoomee gefährlich nahe in Richtung Wand stieß. Cayden reagierte zum Glück blitzschnell und trennte die Streithähne bevor schlimmeres passieren konnte.
      Hansi lachte.
      „Vollidiot!“, rief ich zu ihm rüber, murmelte Cayden ein zerknirschtes ‚Danke‘ zu und rappelte mich auf.
      „Sarah und ich wollen gleich ausreiten gehen, will wer mitkommen?“, fragte ich in die Runde und vergewisserte mich, dass die Pferde sicher angebunden waren.
      Eine Weile später verließen Cayden, Sarah, ich und Hansi, der etwas zerknirscht auf Ikarus saß, weil Gwyn leider noch nicht wieder ganz klar lief, den Hof. Eine Weile ritten wir schweigend den Trampelpfad entlang der von unserem Hof weg führte. Cayden eilte mit Darym ein ganzes Stück voraus, gefolgt von Sarah und Yoomee. Ich hatte schwer zu kämpfen mit Ikarus Schritt zu halten, offenbar war heute nicht Argo’s bester Tag.
      „Na, haste Angst dich nochmal auf die Nase zu legen wenn du zu schnell reitest?“, grinste Hansi zu mir herunter. Kurz darauf hatte er meine Gerte in der Seite. „Ich weiß schon warum ich die mitgenommen habe!“, lachte ich, als Hansi mich irritiert anschaute. „Und jetzt mal ein bisschen Respekt vor deiner Chefin, mein Lieber! Bevor du an mir rumkrittelst lern lieber mal das Einflechten!“
      „Da muss ich ihr allerdings rechtgeben, ich glaub die Knoten in Thowras Mähne krieg‘ ich nie wieder raus.“, grinste Sarah, die sich hatte zurückfallen lassen und nun neben mir ritt. Hansi öffnete den Mund und beschloss, dass es doch besser war nicht gleich ZWEI seiner Chefs gegen sich aufzubringen.
      „Cayden, wo willst du eigentlich so schnell hin?“, rief er stattdessen nach vorne, denn Pferd und Reiter waren bereits fast vollständig im langsam aufsteigenden Nebel verschwunden. Wir ließen die Pferde antraben um aufzuholen.
      „Also, wo wollen wir hin?“, fragte Sarah in die Runde.
      „Lasst uns die Runde am Meer lang nehmen, ich war schon ewig nicht mehr da!“, rief Hansi aufgeregt.
      „Och nööö..“, doch leider wurde meine fehlende Begeisterung einstimmig ignoriert und so schlugen wir den Weg Richtung Küste ein.

      Cayden – noch immer gut drei Pferdelängen vor uns – führte die Truppe hinunter zur Küste, auch wenn sich Kathi von dieser Idee nicht begeistern ließ. Für Yoomee und auch für Argo würde dies der erste Kontakt zum Meer werden. Ikarus wurde sichtlich schneller, kein Wunder, denn im Sommer hatten sich die Jungs hier unten Rennen geliefert. Zwar wurde der Vollbluthengst nun mehr auf Military trainiert, aber seine einstige Rennkarriere steckte ihm natürlich noch immer in den Knochen. Darym und Cayden hatten auch ihren Spaß am Sprung, denn der Hengst zeigte dafür wahrliches Talent darin. „Komm schon Kathi, zieh nicht ein solches Gesicht, oder hast du Angst nass zu werden?“ neckte sie Hansi von irgendwo weiter vorn und Kathi streckte ihm nur die Zunge raus. Ich beobachtete derweil unsere Umgebung, ganz anders als im letzten Winter in dem wir im Schnee versunken waren, gab es dieses Mal zwar eine Schweinekälte aber keinen Schnee. Noch jetzt lagen auf den Gräsern gefrorene Tautropfen, die den Eindruck von Schnee gaben. Erst in der letzten Nacht hatten wir Temperaturen von -10 Grad gehabt, sodass ich mich in meinen vielen Schichten von Sachen etwas ungelenk auf dem Pferd fühlte. Während allerdings mein Oberkörper wunderbar warm war, begannen meine Füße bereits in den Eisklumpenmodus zu gehen. Zwischen den Gräsern lagen mit ihrer dichten, weißen Wolle einige Schafe, die als solche beinahe nicht zu erkennen waren, sondern eher aussahen wie Nester. Als die Pferde den ersten Huf auf den etwas ungewohnt, tiefen Sand des Strandes setzten, senkten sie den Kopf um zu sehen was das denn genau war. Yoomee trabte etwas voran, ein kleiner Stechtrab mit hoher Beinaktion, da sie ganz offensichtlich den Sand nicht ganz Geheuer fand. Die anderen blieben stehen, bis ich mein Pferd etwas beruhigt hatte, dann ging es im Schritt weiter. „Langsam friert mir das Gesicht ein und meine Hände und Füße spür ich auch nicht mehr, dabei sind wir gerade mal ne Viertelstunde unterwegs“ stöhnte ich in Richtung Kathi, die mir nur einen erwidernden Blick zuwarf. Dann deutete sie nach vorn zu Ikarus, bei dem Hansi offensichtlich Probleme hatte ihn vom Schritt zu überzeugen. Gemeinerweise galoppierte sie nun an, preschte dicht zwischen Darym und Ikarus vorbei und rief irgendetwas das ich nicht mehr verstehen konnte. Auch ich gab Yoomee die Zügel und eine leichte Galopphilfe, folgte den anderen im rasenden Galopp. Argo und Kathi gelang es nicht lang an der Spitze zu bleiben, denn Ikarus holte sie in Windeseile ein, dahinter folgte Argo, die auch ordentlich Versengeld gab, dann kam Cayden auf Darym während ich das Schlusslicht bildete. Nach einer ordentlichen Runde im gestreckten Galopp parierten wir alle wieder zum Trab und anschließend zum Schritt durch. „Gewonnen“ feixte Hansi, grinste breit und hob die Faust in die Höhe – Ikarus stand bis knapp zu den Knöcheln im Wasser, während sich Kathi auf Argo von hinten nährte und ihm einen Stoß an der Schulter gab. Eigentlich nicht im bösen gemeint, verlor Hansi ein wenig das Gleichgewicht, dass Ikarus in dem Moment nervös zur Seite ging trug dann nicht gerade dazu bei das ihm wieder mehr Gleichgewichtssinn dazu kommen zu lassen. Da landete Hansi also im – wortwörtlich arschkalten Wasser und schneller als wir hätten „Achtung“ sagen hören können, war er auch schon wieder am Stand – seine komplette linke Seite war nass und einiges hing in seinen Haaren. „Okay, dann ist der Ausritt hier beendet – zurück zum Hof!“ kommandierte Cayden, der dem nun bereits ruhigeren Ikarus an den Zügeln hielt während Hansi mürrisch aufstieg. Ich jedoch wandte mich mit erhobenem Zeigefinger an Kathi „Lass solche Späße in Zukunft!“ befahl ich wobei ich mir ein fettes Grinsen ja doch nicht von den Lippen wischen konnte.
      Zurück am Hof versorgten wir die Pferde, gaben ihnen ein wenig Futter und schickten Hansi ins Haupthaus vor den Kamin. Anschließend teilten wir uns wieder auf, ich brachte die beiden Stuten zurück und Cayden die Hengste, während Kathi den Schmutz aus der Stallgasse etwas beseitigte – dieses Mal hatte sich keiner von uns auf die Nase gelegt. Cirilla und Primo befanden sich in einer der geräumigen Boxen, während wir den älteren Camilero zusammen mit Braum in einer anderen Box zu stehen hatten. Ansonsten befand sich kein Pferd in den anderen Boxen, morgen würde Smaug nun endgültig den Hof verlassen. Für heute jedoch hatten wir die Nase voll und gingen drinnen.

      Zwei Wochen später werkelten die Handwerker fleißig in der Stallgasse, der Termin für den Tierarzt war gelegt und Gwyn lahmte noch immer ab und an. Hansi jedoch war wegen einer Bronchitis erst einmal an das Bett gefesselt, da der Landarzt befürchtete daraus könnte eine Lungenentzündung werden. Kathi hatte ihm eine Tafel Schokolade als Entschuldigung geschenkt, sodass sie sich nun von neuem gemeinsam in die Pfanne hauen konnten. Braum machte im Round Pen mit dem baumlosen Sattel auf dem Rücken wirkliche Fortschritte und auch Aesi kam dem Thema einreiten immer näher. In der Arbeit vom Boden aus hatte sie etliche Erfahrung, Sattel und Trense waren ihr bereits geläufig und nach und nach würde ich mich auf ihren Rücken schwingen. Braum hatte jedoch noch eine ganze Weile Zeit bevor sich jemand auf seinen Rücken setzten würde. Argo hatte sich mittlerweile super eingelebt, wenn auch das Training etwas haperte, die Stute hatte in ihrer Filmzeit keine richtige Reitweise kennengelernt und die Dressur schien nicht ihr Steckenpferd zu sein. Kathi und ich spielten deshalb mit dem Gedanken, sie wie Stormbringer Western umschulen zu lassen. Aiden beschäftigte sich in der letzten Zeit besonders mit dem etwas fettleibigen Yael, damit dieser nicht noch weiter auseinander gehen würde und vor allem fitter. Zumindest zeigte der Hengst reges Interesse in der Dressur und wir wollten ihn einfahren in diesem Jahr um ihn für die kommende Turnier und Körungssaison vorzubereiten. Besonders legten wir auch Wert auf das weitere Training unserer Stuten, besonders der Connemaras damit wir bald mit ihnen auf geeigneten Krönungen starten konnten. Im Grunde jedoch legten wir nicht den kompletten Tag darauf aus, die Stuten und Hengste sollten einfach ihr Leben bei uns genießen können. Maeve und Lia waren jetzt in der Unterrichtsfreien Zeit oft auf dem Hof – kümmerten sich um ihre Lieblingsstute Soul Dance, gingen zusammen mit Draki und Moon spazieren und ritten fast jeden Tag. Noch mussten sie eine Menge lernen, das taten sie fleißig auf Kürbis und Eisblume, die als Lehrpferde wunderbar waren und lernten auch mit Soul Dance die Arbeit mit der Kutsche näher kennen. „Na wenn das so weiter geht, werden die beiden bald die Nachfolge hier antreten“ witzelte Cayden. Ich erwiderte darauf nichts weiter und biss in mein Toast belegt mit Käse, welches ich mir von drinnen mit gebracht hatte. Die Temperaturen waren noch immer kalt, aber man hielt es ganz gut draußen aus. Gamhain und Corvus erfreuten sich derweil an den Futterresten die Soul Dance rechts und links neben dem Futtereimer verteilte. „Mensch, fressen nicht ständig daneben schütten“ tadelte ich sie leicht und scheuchte die Köters beseite….ulkige Angewohnheit, die sie sich da angeeignet hatte. Ich strich ihr über die Rückenparte, flauschte durch das dicke Fell und erfreute mich einfach an der kleinen Stute. Es war Zufall gewesen, das ich ihre Verkaufsanzeige gesehen hatte und sofort ihre Besitzerin angeschrieben gehabt – ich und Amy waren es damals gewesen, die Soul eingeritten hatten. Das sich unsere Wege noch einmal kreuzen würden nachdem sie mit Pepe nach Kanada gegangen war, hielt ich zunächst gar nicht für möglich und nun befand sie sich in meinem Besitz. Sie war noch jung, hatte jedoch schon eine ganze Menge an gutem Training genossen. Es stand zur Debatte, sie vielleicht eine kleine Weile zu Vina ins Training zu geben zum Zirkuspony, doch so schnell wollte ich sie nun auch nicht wieder fort schicken – eine Reise nach Prag würde ziemlich lang für sie werden. Im Grunde konnte ich ihr einige Dinge auch selbst beibringen, oder Maeve und Lia würden dies sicher auch gern ausprobieren. Wundersam wie ich diese beiden Mädchen schon zum Inventar den Hofes zählte….
      Nach einer weiteren Woche sahen wir uns einer vollkommen erneuerten Stallgasse gegenüber in der weder wir noch die Pferde stolpern konnten. Kathi und ich „hüpften“ vor Freude durch die Gasse, grinsten uns beide Gegenseitig vollkommen dümmlich an und waren einfach nur froh. „So ist´s wirklich viel besser als der alte Zustand!“ sagte Hansi, der dick eingepackt, die Taschen mit etlichen Taschentüchern bestückt, noch immer heiser neben uns stand. Unmerklich hielt ich Abstand von ihm, da ich keinerlei Interesse daran hatte ebenfalls krank zu werden.

      Distanztraining E auf A
      von Ravenna
      Für den heutigen Tag hatte ich ziemlich viel in Arbeit – Yoomee lief sicher vor dem Sulky, aber auch mit Willow zusammen vor der Distanzkutsche war es bisher super gelaufen. Sowohl Hansi als auch Cayden und ich hatten über die letzten Monate viel an Training bei der Stute geleistet. Yoomee war eine junge Stute, die stets Beschäftigung brauchte, da sie sonst auf dämliche Gedanken kam. Als ich hinunter auf die Stallgasse kam, klang mir bereits die Musik entgegen, wir hatten eine Anlage dort instaliert, die sowohl mit USB und CD in Betrieb genommen werden konnte, aber auch per AUX-In – ich genoss es die Musik während des Putzens zu hören, wie auch alle anderen des Hofes. Es lief gerade irgendwas irisches, was sich fast nach Scarborough Fair anhörte, doch war es Gaelic und ich verstand kein Wort von dem. In der Gasse fand ich sowohl Cayden als auch die beiden Mädels Lia und Maeve vor. „Wow, ihr seit ja schon früh hier...und wahre Schätze!“ fügte ich an, als ich sah das sie sowohl Yoomee als auch Willow am Putzten waren. Ich machte mich also auf in die Sattelkammer um die Geschirre der beiden Stuten zu holen, anschließend zeigte ich den beiden Mädels wie sie alles anlegen konnten, während Cayden uns die Kutsche in den Hof zu stellen begann, da ich es nicht konnte.
      Eine halbe Stunde später zuckelten wir im Schritt die holprige Straße hinauf, um eine Rundfahrt um den Hof bis nach Craignure zu machen, an Classical Harmony vorbei und im Bogen wieder zurück. Dies waren ungefähr 10 Kilometer, die ich vorwiegend im Trab zurücklegen würde, da beide Stuten im Training für das nächste Distanzrennen waren. Willow hatte bereits eine Distanz mit Kutsche im letzten Sommer absolviert, aber Yoomee war auf diesem Gebiet noch komplett neu. Da beide Stuten eingefahren waren, musste das Training der beiden nicht einzeln stattfinden. Um die Stuten nach und nach warm zu bekommen begann ich mit einer langen Schrittphase, die erst nach der ersten Viertelstunde mit Trabphasen versetzt wurde. Auf der „Hauptstraße“ Richtung Craignure, trabten beide Stuten einträchtig nebeneinander her, Yoomee orientierte sich sehr an der ruhigen Willow. Es faszinierte mich immer wieder, wie sehr Willow mit ihrem fast blinden Auge klar kam! Maeve und Lia waren mir eine Weile auf Soul Dance und Corry in Begleitung von Cayden auf Finlay gefolgt. Die beiden Exmoorponys kannten sich bereits von früher, liefen auch recht brav nebeneinander vor der Kutsche, machten sich jedoch auch super als Pferde der beiden Mädels. Besonders der Hengst Corry hatte es der sonst so unsicheren Lia angetan, seitdem er auf dem Hof war. Durch seinen Charakter war er auch der einzige, den ich den Mädels bisher zum reiten gegeben hatte. Wobei Uprising auch keine schlechte Wahl wäre...naja, konzentrieren auf das Training!
      Mit wechselnden Gangarten hielt ich beide Stuten in Beschäftigung, nach den ersten 5 Kilometern legte ich mit ihnen eine Pause ein – durch den Loch Spelve konnten sie ihren Durst stillen, bis sich ihre Herzschläge und die Atmung beruhigt hatte. Anschließend ging es weiter, der nun folgende Weg war eher ein ausgetrampelter Pfad, denn eine Straße und schüttelte mich auf der Kutsche doch ganz schön durch. Als ich knapp 400 Meter entfernt von Classical Harmony entfernt vorbei kam, sah ich jemanden auf dem Platz reiten, konnte jedoch nicht beurteilen wer und welches Pferd, glaubte aber Rook zu erkennen. Die zweite Stunde brach bereits an – trotz der Decke über meinen Beinen, fühlte ich sie nicht mehr ganz und auch meine Hände schienen eher aus Eis, denn aus Fleisch zu bestehen. „Los kommt, ein bisschen schneller jetzt“ leicht schwenkte ich die lange Peitsche und rief dann „Teerab!“ zu den beiden Stuten, damit sie den Befehl auch erkannten. Sofort gingen sie wieder in den Trab, dieses Mal liefen wir den kleinen Abhang wieder zurück, den wir vorhin im Schritt hinauf waren. Am Hof angekommen lobte ich beide Stuten für ihre gute Zusammenarbeit, führte sie noch trocken.
      Nun standen sie angebunden, mit der Hofdecke, die wir neu hatten am Putzplatz und ließen sich ihr Sportmüsli, eine Empfehlung von Vina, sichtlich schmecken. Einem ersten Ritt der Anfängerklasse stand nun für Yoomee nichts mehr im Wege...auch Willow hatte ihre Distanzqualitäten mal wieder bewiesen! Maeve erklärte sich bereit Willow mit auf die Weide zu bringen, da Lia bereits wieder ins Internat hatte fahren müssen, da ein Vortrag ihre Aufmerksamkeit erforderte.

      Willkommen Auszubildener!
      von Vampyrin & BluePearl & Ravenna
      "Fertig!" seufzt Cayden, lehnt sich in dem Stuhl weiter zurück, beginnt das Haarband um seine Haare herum zu lösen. In sanften Wellen fallen sie ihm den Rücken herunter. Auf nackten Füßen lief ich zu ihm hinüber über den Parkettboden, vor einem Jahr war dieser Dachboden noch nicht ausgebaut worden. Zwar waren es damals schon Dielen gewesen, doch musste man aufpassen das man sich ohne Schuhe keine Splitter in den Fuß jagte. Der Boden war das erste gewesen, dass renoviert worden war. Ansonsten hatte dieses Zimmer seinen Look behalten - graue Steine des Hauses zwischen den Steinen gab es einige Halterungen für Kerzen. Der große, aber vorallem alte Schreibtisch der darin stand diente Cayden als Arbeitsplatz. Auf ihm gab es etliche Kratzer seiner Vorbesitzer, auch an dieser Wand gab es Kerzen, die den Raum in heimeliges Licht tauchte. Zwar stand direkt neben ihm eine altersschwache Lampe, die jedoch selten brannte. Sacht ließ ich mich auf Caydens Schoß nieder, bis eben hatte ich auf der Chaiselounge gelegen mit einem Buch. Das geräumige Büro war an den Wänden nicht nur bedeckt mit einigen Kerzenleuchtern, sondern mit einer ansehnlichen Buchsammlung, die Dank mir auch immer größer wurde. "Was hast du da eigentlich gemacht? " fragte ich ihn leise flüsternd. "Ach ich hab Kathi die Abrechnung für das Futter und die Rechnung wegen der Stallgasse abgenommen. Außerdem alles geklärt damit Marens Caiphi hier unbeschadet auf dem Hof ankommt, sie kommt in zwei Tagen hier an." Ich nickte, ich hatte zugesagt die Stute von Maren einzureiten... erst vor ein paar Tagen war die da gewesen um sich wieder einmal Bucks zu widmen. Periodische Augenentzündung hatte die Diagnose gelautet... ihm die Arznei einzuflößen war nicht einfach gewesen. Ein leises Winseln ließ uns beide auf den Boden zu schauen, zu unseren Füßen hockte Corvus, wollte offenbar bei der Runde mitmachen. Mit seinen Rehbraunen Augen schaute er zu uns hinauf, im Sommer hatten wir eine Hundeklappe eingebaut, sodass sich nun beide Hunde entscheiden konnten ob sie im Stall oder Haus schlafen wollten. Gamhain jedoch schaffte es mit ihrer HD nicht mehr die Treppen hinauf, während Corvus also hier oben war hörte man Gamhain unten jammern. "Holst du sie hoch?" fragte ich an Cayden gewandt. Der Tag war angenehm gewesen, noch immer hing der Nebel in der Luft, es war kalt aber für wenige Stunden hatte die Sonne unsere Leiber beschienen. Argo befand sich bei Hansi im Training, meine Hilfskraft hatte mehr Erfahrung mit Westernlektionen. Aufgrund ihres bisherigen Daseins als Filmpferd war sie sowohl Western als auch Englisch "geritten", sie konnte auf Kommando halten und in jede Gangart wechseln, Dinge wie Versammlung, Haltung und Anlehnung waren ihr fremd. Da Argo eher an den Westernsattel gewöhnt gewesen war, hatten wir beschlossen sie ebenso wie Stormbringer Western auszubilden. Nun arbeitete Hansi fast jeden Tag mit der Palominostute, langsam gewann sie immer mehr an Muskeln dazu. Außerdem hatten wir in der letzten Woche zwei Neulinge dazu bekommen - Black Lemontree und Corry. Black hatte sich bei meinen Eltern schon einmal in meinem Besitz befunden...war der Vater von Blettur und somit Großvater von Uprising. Damit hatte ich nun drei Generationen an Islandhengsten bei uns, irgendwie freute ich mich daran. Corry war ebenso wie Soul Dance ein Exmoorpony, begabt vor der Kutsche und für sein Alter recht gelassen. Maeve kümmerte sich liebevoll um den jungen Hengst, im Round Pen hatte sie bereits auf seinem Rücken gesessen. Erst hatte ich die Überlegung gehabt ihn Kastrieren zu lassen, das Thema jedoch erstmal beiseite gepackt. Vor der Kutsche mit Soul wollte ich ihn dennoch mal probieren laufen zu lassen. Gemeinsam mit Cayden hatte ich begonnen die Lerneifrige Yoomee vor die Kutsche zu bringen - mit Willow im Gespann orientierte sie sich wunderbar an der erfahrenen Rappstute. Thowra hatte heute einen freien Tag gehabt, ebenso wie Kürbis. Letztere befand sich langsam im Aufbau Training nach ihrem Fohlen...für dieses Jahr hatten wir kein weiteres Fohlen mit ihr geplant. Ganz anders Greentea, die bereits tragend von Finlay war. Mit Yael hatten wir leider einen kleinen Rückschlag was das Gewicht anging, beim Holen seiner Sachen hatte sich der verfressene Hengst losgerissen und wahrhaftig den Weg in die Futterkammer gefunden. Erst bei meiner Rückkehr hatte ich sein Fehlen bemerkt und eine halbe Stunde mit suchen verbracht - ich hatte vermutet er sei zur Hengstkoppel gelaufen. Kathi hatte den Hengst schließlich in der Kammer entdeckt, seit dem Vorfall befand er sich in Boxenhaltung neben Bucks, seine Fütterung wurde kontrolliert und täglich ging es für ihn in die Führanlage, falls niemand die Zeit fand ihn zu longieren bis der Sattelgurt wieder ordentlich passen würde. Finlay dagegen hatte langsam eine schlankere Linie bekommen, was alle versammelten freute. Auch Gwyns Lahmen hatte sich verbessert, sodass Hansi auch ihn endlich wieder reiten konnte. Damit gingen Aiden, Hansi und auch Cayden fast jeden Abend noch in die Halle um ein wenig über die Hindernisse zu jagen, da die Geländestrecke noch etwas gefroren war. Cayden erhob sich aus dem Sessel, ich hörte wie er die knarzende Treppe hinunter lief und ein wenig schnaufend mit Gamhain auf dem Arm wieder hinauf kam. Corvus trappelte Rute wedelnd aus dem Raum und kam hinter der Bearded Collie Hündin hüpfend wieder hinein. Die beiden waren wirklich ein niedliches Pärchen geworden. "Ich staune das die beiden im Haus sind." sagte Cayden, da sie sonst lieber im Stall schliefen. Ich zuckte mit den Schultern "Wer weiß, vielleicht zu kalt draußen?" Cayden wuschelte Gamhain durch das Rückenfell, kam dann wieder zu mir an den Sessel. "Wollen wir ins Bett?" dabei sah ich wie er ein Gähnen nicht unterdrücken konnte. Sehnsüchtig starrte ich noch auf mein zugeschlagenes Buch hinüber, nickte dann jedoch, folgte ihm den Flur hinunter zu unserem Zimmer. Auch dieses Zimmer war eher rustikal als modern, doch genau dieser Stil gefiel mir besonders, zwar fehlten hier die Decken hohen Bücherregale unseres Büro´s , aber ein offener Kamin und das Bett in seiner Nähe sorgten für eine ähnliche bequeme Atmosphäre. Da ich vor knapp zwei Stunden Holz hinauf gebracht hatte, konnten wir nun ein Feuer in dem Kamin entfachen und ich schlüpfte unter die dicke Federdecke. „Morgen kommt der neue Azubi, ich bin wirklich gespannt auf ihn… auch wenn ich lieber auf eine weibliche Verstärkung gehofft hatte. Die anderen Bewerber haben aber einfach nicht so eine gute Figur gemacht wie Killian.“ Bemerkte ich zu Cayden, der sich gerade seiner Hose entledigte und anschließend zu mir unter die Decke kroch. Als seine kalten Füße meine berührten zog ich die meinen ein wenig weg, kuschelte den Rücken jedoch näher an seinen Oberkörper. „Wir werden es sehen, wann wollte er noch mal kommen?“ fragte er flüsternd irgendwo in meinen Haaren. „Puuh… irgendwie gegen Mittag, aber sicher bin ich nicht genau. Wir werden es beim Frühstück erfahren, denke ich.“ Setzte ich dazu, denn manchmal schlief Kathi doch etwas länger als Cayden und ich, die einfach Frühaufsteher waren – gegen 7 Uhr war unsere Nacht einfach vorbei. „Denke ich auch, aber er schien wirklich recht anständig und beim Probearbeiten hat er sich ja sowohl mit den Hengsten als auch den Stuten gut angestellt.“ Bemerkte Cayden, während ich bereits langsam dem Schlaf entgegen sank.

      Noch im Halbschlaf öffnete ich ein Auge und blickte auf meinen Wecker. „Verdammt!“, rief ich und war sofort hellwach. Es war fast halb 10, ich hatte mal wieder verpennt und um 11 sollte der neue Azubi hier aufkreuzen, was ich natürlich mal wieder vergessen hatte weiterzuleiten.
      In Rekordzeit war ich aufgestanden, geduscht und angezogen und hätte mich fast an meinem Toast verschluckt, während ich in den Stall hetzte. Keuchend stand ich in der Stallgasse und blickte mich um. Keiner da. „Hallooo?“, rief ich zaghaft ins Blaue hinein. Keine Antwort. „Na super, wo sind denn wieder alle?!“ murmelte ich und eilte in Richtung der Offenställe.
      „Wow, endlich mal etwas Leben hier“, rief ich Aiden zu der gerade mit der Schubkarre in einer Schlammpfütze steckengeblieben war. Nachdem wir sie mit vereinten Kräften hinaus gehievt hatten, verriet er mir, dass wohl zumindest Hansi und Sarah sich in der Reithalle aufhalten sollten.
      Ich bedankte mich für den Tipp und bald darauf hatte ich sie endlich gefunden.
      „Morgen!“, rief ich und die beiden wandten sich mir zu. Keiner schien sonderlich begeistert, dass ich mal wieder so spät dran war. „Hey, jetzt rück endlich mit der Sprache raus, wann genau soll Killian jetzt hier aufkreuzen?“
      „Um 11.“
      „Verdammt, so früh schon? Dann sollte ich mich wohl beeilen.“
      Jetzt wirkte sie noch weniger begeistert.
      „Wo ist Cayden, der muss doch bestimmt auch Bescheid wissen?“
      „Der ist grad erst weg, wollte ein wenig ins Gelände mit Darym. Aber wir brauchen den armen Kerl ja nicht gleich mit alle Mann belagern, dann kommt er halt später nach..“
      Damit war ich wohl knapp einer Kugel entgangen, ich wollte nicht noch mehr Ärger stiften und wandte mich an Hansi.
      „Ich wollte jetzt noch schnell sein Zimmer herrichten, wie sieht’s aus, kann ich mich in eure Wohnung trauen?“
      „Ach, über das bisschen Unordnung kannst du wohl hinwegsehen oder?“, grinste er zurück. Ich verdrehte die Augen und stieg die Treppe zur Wohnung hoch, die direkt über der Reithalle lag.
      Da Kathi noch einen Anruf bekommen hatte musste ich nun den Sitter spielen für unseren Jungspund auf dem Hof, Aiden hätte lieber ein Mädchen in unserer lustigen WG gehabt...aber man konnte ja nicht alles haben,was?
      Die Straße hinauf, Richtung Fähre in Craighnure führte mich die holprige Straße – nun parkte ich auf dem Platz, nahm das alberne Schild von Kathi entgegen auf dem in Gaelic und Englisch die Begrüßung von „Killian McKenzi“ stand. Also ging es nun zum Anleger, in der Ferne konnte ich bereits die Fähre kommen sehen, na immerhin war ich dieses Mal pünktlich. Eine kleine Flut von Menschen ergoss sich über den Anlegeplatz, ich präsentierte das Schild und wartete also bis ich ihn wieder erkannte oder er das Schild sehen konnte. Ob ich mich lächerlich fühlte? Und ob! Wie ich da also so mit dem Schild stand sah ich den leicht schlaksigen Jungen auf mich zukommen – er sah aus wie jemand der noch nie richtig hatte arbeiten müssen in seinem Leben. Mit Pferden konnte er umgehen, dass stand außer Frage – aber die Mistgabel konnte er noch nicht sonderlich schwingen. Auf Caed Crevan jedoch musste jeder seinen Teil beitragen, also würde aus dem schlaksigen vielleicht doch noch ein wirklicher Mann werden. Wobei nicht gesagt werden konnte, das er nicht ein hübsches Gesicht aufzuweisen hatte...irgendwie erinnerte er mich an jemanden. Genau das war mir bereits beim Vorstellungsgespräch und dem späteren Probearbeiten aufgefallen. Als wir an der Bushaltestelle vorbei zum Wagen liefen, sah ich das schwarzehaarige Mädchen von Siobhan dort stehen. Mit dem Handy in der Hand stand sie da, schaute auf die Anzeige der Buszeiten und verzog das Gesicht. „Die Kleine ist mir schon auf der Fähre aufgefallen, heißes Teil oder?“ meinte Killian zu mir, hatte mir in die Magengegend gestupst dabei. Mit hochgezogener Augenbraue sah ich ihn an „Heißes Teil, eh?“ meinte ich, schüttelte den Kopf...grün hinter den Ohren..Ich stiefelte zu ihr hinüber „Lost the bus?“ fragte ich sie, da ich nicht wusste wie viel Deutsch sie sprach. Mein Englisch war...nunja bescheiden, aber zumindest konnte ich es überhaupt!
      Na toll. Der nächste Bus würde erst in einer Stunde kommen. Und natürlich keinen Empfang. Das passt ja mal wieder gut zusammen. Ich könnte die Strecke laufen oder ich warte einfach. Zum Warten war es mir aber zu kalt. Ein Mann kam auf mich zu. Ich kannte ihm vom sehen her. Er gehörte zum Caed Crevan. „Yes. Can we speak german?“ Er nickte und so fragte ich: „Du fährst doch zurück zum Hof. Könntest du mich mitnehmen?“ Hätte ich nicht gewusst, dass er einer von Sarahs Angestellten war, hätte ich so etwas nicht gefragt. Für mich wäre es super, da ich so nicht warten musste. Meine Shoppingtour hatte ich beendet und es waren auch nur zwei Tüten. Ich brauchte mehr Reitklamotten.
      Durch das tägliche reiten brauchte ich öfters neue Handschuhe und auch mehr als zwei Reithosen. Vor allem, wenn es an die Turniersaison ging.
      „Natürlich, dann lernst du gleich unseren neuen Auszubildenden kennen – das ist Killian, soeben auch mit der Fähre hier angekommen“ stellte ich dem jungen Mädchen, den jungen Mann rechts von mir vor. Zusammen ging es dann also zum Auto, da auf dem Beifahrersitz der eigenwillige Russelrüde Corvus seinen Platz eingenommen hatte – verfrachtete ich die beiden Grünschnäbel auf die hinteren Sitze und machte mich auf die Heimreise – erst Richtung Classical Harmony und dann zu unserem Hof zurück. „Auf geht´s“
      „Wie lange bist du schon Auszubildende?...Ist die Schule eigentlich direkt hier auf der Insel oder wie läuft das hier?“ Hatte ich eine Planung? Nicht wirklich, Hauptsache ich musste nicht mehr bei meiner Mutter in der Wohnung in Edinburgh verbringen, langsam wurde es mir da zu eng. Meine Schule hatte ich fast 6 Jahre in Deutschland, bei meinen Großeltern absolviert, da meine Mutter gemeint hatte ich sollte so viele Sprachen lernen wie möglich. Zugegeben eine Sprachbegabung hatte ich wirklich, aber lies das jetzt nicht gern raus hängen. Aus blauen Augen sah sie mich, vollkommen frei von Unsicherheit von der Seite her an.
      „Ich bin Mittem im zweiten Lehrjahr, aber ich bin erst seit Ende Oktober hier. Mein alter Hof musste Insolvenz anmelden und da die Leiterin gut mit meiner jetzigen Chefin befreundet ist, hat sie sich darum gekümmert, dass ich hier meine Ausbildung beenden kann. Wenn du zur Grundschule möchtest, dann bist du hier richtig. Wir haben hier keine Schule. Es gibt Unterricht per Internet und ab und an müssen wir aufs Festland um Prüfungen abzulegen“, antwortete ich ihm. Er wusste aber schon, wie das mit der Ausbildung laufen sollte, oder? Er wirkte auf mich etwas verplant. Vielleicht lag es auch an der Tatsache, dass das gerade alles neu für ihn war. Ich glaube, ich war nicht viel besser als ich das erste mal gesehen habe wo ich arbeiten werde.
      Ich beugte mich ein wenig zu ihr herüber, der Typ vorn am Steuer sollte ja nicht gleich mitbekommen, dass ich oft ziemlich verpeilt und dazu noch faul war um irgendwas zu lesen „Ich hab die Unterlagen irgendwie im Zug liegen gelassen“ ich zuckte unbekümmert die Schultern. Irgendwie hatte ich mich immer durchgeschlagen, selbst durch die Schule – dabei war ich nicht mal ein schlechter Schüler, nur fehlte es mir bei vielem an Durchhaltevermögen. Ging es jedoch um die Pferde, da war ich sofort Feuer und Flamme, weshalb es mich freute die Ausbildung auf einem Hof wie Caed Crevan zu beginnen!
      Etwas besorgt schaute ich im Rückspiegel den beiden Grünschnäbeln zu, die sich wegen der vielen Sachen auf dem Rücksitz, eng aneinander quetschen mussten. Dieser Killian würde sich doch nicht etwa als einer dieser Womanizer herausstellen? Doch schätzte ich das junge Mädchen als Bodenständige Natur ein, zumindest machte sie diesen Eindruck auf mich. Ich zuckte leicht mit den Schultern, konzentrierte mich weiter auf die Straße – in knapp 5 Minuten würde ich das Mädchen eh auf ihrem Hof absetzten….verdammt das ich mir nie ihren Namen merken konnte.
      „Oh. Das ist ja blöd“, antwortete ich ihm. Kann ja mal passieren. Ich war anfangs auch etwas durch den Wind, als ich hier angekommen war. Es war alles so neu und schön gewesen. Auch die Begrüßung von Ty und Cayden war herzlich ausgefallen und man hat sich sofort wie Zuhause gefühlt. Anfangs hatte ich etwas Zweifel, dass es mit der Sprache schwer wird, aber das war unbegründet. Wir waren schon kurz vor Lochdon, sodass ich gleich auf dem Hof sein würde. Das wäre gut. Erstmal die neuen Sachen waschen und dann schnell einweihen. „Ich denke mal, dass sie dir bestimmt nochmal alles erklären werden, wie es ablaufen wird.“
      Gerade als ich ihr antworten wollte, hielt der Wagen an einem anderen Hof – dem Hof auf dem sich wohl wohnte - „Das denke ich auch“ bleibe versonnen sitzen, ehe ich merke...sie kann gar nicht aussteigen, wenn du es nicht tust. Mit der Hand fummelte ich an der Türklinke, gehe hinaus um ihr den nötigen Platz zu geben. „Wir werden einander sehen?“ stellte ich ihr offen eine Frage. Zumindest hätte ich dann jemanden, den ich auf dieser Insel kennen würde – in meinem Alter.
      „Wer weiß. Ich bin eigentlich immer hier auf Classical Harmony. Sarah besucht uns öfters. Du weißt ja, wo du mich finden kannst, wenn man sich nicht so mal sehen sollte“, antwortete ich ihm und nahm meine Einkaufstüten auf dem Kofferraum. Ob wir uns wiedersehen würden? Bestimmt irgendwann mal. Die beiden Höfe feierten öfters mal zusammen. Von daher würden wir uns schon über den Weg laufen. „Danke Hansi fürs mitnehmen.Das war echt nett von dir. Tschüss“, sagte ich zu dem Mann und schlenderte den Weg hoch zum Hof.
      Auf dem Weg zurück schien der junge Kerl recht dünn angebunden, doch mein Blick auf die Uhr verriet mir – ich musste mich langsam beeilen! Wir würden in weniger als einer halben Stunde besprechen wollen wer zum Distanzrennen kommen würde.

      Zusammen mit Cayden, Hansi(der etwas zu spät kam) und auch Julie,Kathi und natürlich Siobhan hockte ich mit der Liste der Anmeldungen am großen Küchentisch - wir hatten uns noch nicht 100% entschieden wen wir hatten nehmen wollen. Auch der neue Auszubildende hockte gleich mit bei dieser Veranstaltung. In den letzten zwei Stunden waren wir alle gründlich durchgegangen, hatten verglichen und schließlich schon zwei Entscheidungen getroffen. Auf unserer Liste standen bereits Django und Maren "Der Kleine ist zwar nicht sonderlich ängstlich, aber um ihn an die andere Umgebung hier zu gewöhnen, könnten wir ihn und Siobhans Falabellastute zusammen vor den Trainingssulky spannen - zumindest für´s erste." schlug ich dabei vor und bekam keinerlei Einwände. Da erhob Siobhan die Stimme "Ich dachte es sei eine gute Idee, Meg das Training mit Was immer du tust absolvieren zu lassen und später am Rennen teilzunehmen?" "Wunderbar! Dann kann unser Grünschnabel vielleicht gleich bei ihr mitmachen - als Zusammenarbeit?" warf Kathi fragend in die Runde. Siobhan überlegte kurz, nickte dann aber "Fänd ich gut" - auch Killian legte kein Veto ein.
      "Zurück zur Liste" ermahnte ich dann aber wieder - sonst wäre der Abend vorrüber und noch immer keine Entscheidung getroffen.
      Wir einigten uns auf Alicia und Nienke - sie würde einen eigenen Wagen mitbringen, was die Sache für uns erleichterte.
      Bei den Reitern und ihren Pferden knobelten wir eine Weile, dabei stand dort auch schon jemand fest "Vina kommt definitiv - sie war lange nicht hier und als Trainerin braucht sie nur eine Art der Anweisung, denn sie weiß auch wie man Ausdauer mit dem Pferd üben kann. So können wir uns auf die oder den letzten im Bunde sehr gut konzentrieren. Wobei eh jeder von uns einen der Teilnehmer betreut." warf ich bittend in die Runde. "Sieht aber ganz schön nach Freundschaftsbonus aus" murmelte Hansi leicht spöttisch(offensichtlich lauter als gedacht) zu Cayden. Trotzdem wurde der Vorschlag nicht abgelehnt und Vina und Wolfilandeten auf der Liste. "Dann darf ich jetzt aber auch entscheiden,ja?" kam Kathi in die Runde zurück, mit einer Tasse Kaffee, die dampfte und einen angenehmen Geruch verbreitete. In der anderen Hand trug sie eine weitere Tasse des schwarzen Gesöffs, die Hansi froh entgegen nahm. "Battle Scars - kommt zwar jetzt doof, wenn noch ein Tinker dabei ist, aber da entscheid ich jetzt in Symphatie für den Namen!" meinte sie leicht lachend, wobei Hansi und auch Julie sofort Partie ergriff. Ich schlug die Hände in die Luft "Ganz ehrlich reizen mich alle...aber so viel kann ich uns nicht zumuten und ehe wir jetzt per Los entscheiden, gut dann eben nach dem Namen. Wer nen anderen Einwand?" allgemeines Kopfschütteln - also wurden Joyce und Battle Scarsergänzt in der Liste.
      "Damit haben wir´s - wer bleibt zum Essen?"

      Hufschmiedbericht Yoomee
      Nach meiner Reise nach Deutschland musste ich auch gleich weiter nach Schottland. Sarah hatte mich angerufen um ihrer Stute Yoomee für eine anstehende Körung die Füße zu machen und sie zu beraten ob Yoomee nun auch barhuf laufen könnte. Auf dem Hof angekommen sah ich viele schöne Pferde und wurde auch gleich von ihr begrüßt. „Ich bin so schnell gekommen wie ich konnte“, sagte ich ihr und wir gingen gemeinsam zu einem Offenstall, wo Yoomee schon angebunden dort stand. Eine Isländerstute, welche Sarah als Thowra betitelte. „Ohne sie bleibt sie nicht mal stehen. Achja, sie schnappt beim Bearbeiten der Hinterhufe, nicht das du dich wunderst“, kicherte sie kurz, räusperte sich dann um wieder ernster zu klingen. „Wenn du Hilfe brauchst, ruf mich einfach.“ Ein Nicken bestätigte ihre Aussage und ich begann auch gleich Yoomee’s Vorderhufe von den Eisen zu befreien. Dann kontrollierte ich die Hufe nach irgendwelchen vermeindlichen Fehlstellungen zu kontrollieren. Fehlanzeige. Keine war zu sehen und ich konntesie nun ausschneiden. Lang waren sie nicht unbedingt, aber das Hufhorn war relativ weich und das hieß, das sie sehr sehr fühlig sein musste. Kurz darauf kam Sarah noch einmal zu uns rüber und wollte sich erkunden ob Yoomee nicht auch Barhuf gehen könnte.
      „An sich kann sie schon. Sie muss nur langsam an harten Boden und Schotterwege gewöhnt werden und nicht zu oft darauf laufen, sonst werden die Hufe zu kurz“, erklärte ich ihr und lobte die Stute. Die Vorderhufe waren in Guter Form und nun mussten nur noch die Hinterhufe an die Reihe. Beim Ausschneiden verhielt sich Yoomee noch lieb und brav. Doch als ich dann anfing die Hufe zu raspeln, hörte sie gar nicht mehr auf nach mir zu schnappen. „Ist jetzt mal gut“, knurrte ich und stieß den Kopf weg. Wie auf Kommando hörte sie auf. Für kurze Zeit zumindest. Als ich dann fertig war, war ich geschafft von der Arbeit. Die nächsten Tage würden sich sicherlich Blaue Flecken bilden. Ich lobte Yoo nochmal und ließ sie vortraben. Wie am Anfang trabte sie Taktklar und sie durfte wieder in den Offenstall.
    • Veija
      Ein Sturm zieht auf
      von Ravenna | 7107 Zeichen
      Die Wolken am Himmel zogen sich unsanft zusammen, wurden grau – hier auf den Inseln kam es im Verlauf des Frühlings öfters zu heftigen Gewittern. Also schwang ich mich vom Rücken des jungen Hengstes, um ihn zurück in den Stall zu bringen. Seit nun mehr fast zwei Wochen befand sich Ghost in der richtigen Ausbildung zum Reitpferd. Seitdem ich ihn gekauft hatte zusammen mit Kathi hatten wir Übungen mit ihm gemacht, Hansi hatte viel Bodenarbeit gemacht und ihn bereits an Sattel und Trense gewöhnt. Jetzt hatte er vor knapp einer Woche das erste Mal einen Reiter auf seinem Rücken gehabt. Bis hier hin hatte der Hengst wirklich wunderbare Arbeit geleistet , weder gebuckelt noch sonst irgendwelche Unarten entwickelt.

      Die Wolken am Himmel zogen sich unsanft zusammen, wurden grau – hier auf den Inseln kam es im Verlauf des Frühlings öfters zu heftigen Gewittern. Also schwang ich mich vom Rücken des jungen Hengstes, um ihn zurück in den Stall zu bringen. Seit nun mehr fast zwei Wochen befand sich Ghost in der richtigen Ausbildung zum Reitpferd. Seitdem ich ihn gekauft hatte zusammen mit Kathi hatten wir Übungen mit ihm gemacht, Hansi hatte viel Bodenarbeit gemacht und ihn bereits an Sattel und Trense gewöhnt. Jetzt hatte er vor knapp einer Woche das erste Mal einen Reiter auf seinem Rücken gehabt. Bis hier hin hatte der Hengst wirklich wunderbare Arbeit geleistet , weder gebuckelt noch sonst irgendwelche Unarten entwickelt.

      Wenige Minuten später betrat ich mit dem jungen Hengst am Zügel den Stall, einige Regentropfen hatten den Weg meinen Nacken hinunter gefunden. „Uuua...nächstes Mal nehm ich ein Tuch mit.“ flüsterte ich leise. Den leicht verschwitzten Hengst stellte ich in eine der Boxen als ich den Sattel in die davor vorgesehene Kammer brachte. Die Stirn kraus gezogen drehte ich mich im Kreis herum. „Wo hab ich denn jetzt seine..?“ da fand ich die grüne Abschwitzdecke, brachte sie zurück in die Box um sie ihm auf den Rücken zu legen. Als ich nochmal in die Kammer wollte um noch ein wenig Müsli zu holen, nahm ich leise geflüsterte Worte wahr. Ich drehte mich verwundert um, hatte ich das nicht vorher auch schon gehört oder war die Musik noch an? Da ich jedoch aus den Lautsprechern nichts hörte stiefelte ich die kleine Treppe zum Heuboden hinauf. Es gab nur zwei kleine Fenster, die sanftes Dämmerlicht erschufen. Genau unter so einem sah ich nun Cayden auf dem Boden sitzend, an seine Schulter gelehnt erkannte ich die kleine Lia, auf ihrem Gesicht konnte ich die Tränen erkennen. Cayden hielt sie im Arm strich mit sanften Bewegungen über ihren Rücken, murmelte dabei Worte auf Gälisch. Als er mich sah, hob er seine Hände um mich wieder davon zu scheuchen, ich nickte still und krabbelte die Leiter wieder hinunter. In letzter Zeit war Lia abweisender denn je gewesen, hatte sich sogar von Maeve abgekoppelt – sonst waren beide Freundinnen wie Geschwister. Ich schüttelte den Gedanken zunächst beiseite, dann lief ich hinaus in den leichten Nieselregen. Da sich die Wolken weiter zusammen zogen wollte ich Bucks noch in den Stall zu bringen – bei einem Gewitter im letzten Jahr war er schließlich ausgebrochen. Es war immer noch schwierig mit dem kleinen Pottockhengst, allerdings nahm er endlich wieder richtig zu, seine Mähne und der Schweif hatten beinahe wieder eine normale Länge. Allerdings wurde der Kleine schon wieder von seiner Augenentzündung geplagt, Maren hatte beim letzten Besuch erwähnt falls es nicht besser würde , müsste das Auge entfernt werden. Natürlich wollte ich das es dem Hengst besser ging, aber solche Maßnahmen fand ich doch etwas zu drastisch – beide Augen? Cayden und ich wollten in dieser Sache noch eine zweite Meinung einholen. Zusammen mit dem Pottockhengst brachte ich auch Moon in den Stall, der noch immer mit einer Decke herum lief – seine Arthrose machte momentan wieder einiges an Mucken. Erst letzte Woche hatte er eine leichte Kolik gehabt, ich machte mir wirklich Sorgen um meinen geliebten Hengst.

      Am Offenstall der Hengste traf ich Aiden und Hansi, die mir mit einer Schubkarre voller Pferdeäpfel entgegen kamen. „Für heute sind wir fertig!“ verkündete der blonde Hüne „Heute Nachmittag werd ich zusammen mit Catalina noch ein wenig was mit Dorn tun, soll ich dann Thwora mit hinüber zu Bella nehmen?“ In der letzten Zeit hatten wir hier oben eine Menge an Zuwachs bekommen, da sich Bella auf die Islandzucht spezialisiert hatte und sie noch keine fertigen Zuchtpferde gehabt hatte wollte ich ihr unter die Arme greifen. Sowohl Uprising als auch Thowra würden bei ihr ein gutes zu Hause finden, wenn auch letztere noch immer in meinem Besitz war – doch dort wurde sie Rassenspezifischer gefördert als es uns möglich war. Zurück im Stall sah ich gerade noch wie eine etwas geknickte Lia mit Argo am Halfter den Hof verließ und mir Cayden entgegen kam, auf seinem Gesicht lagen leichte Schatten. „Was ist los mit ihr?“ mein Verlobter nahm mir den Strick von Moon ab, begann dabei zu erzählen. „Lia´s Mutter..die Leukämie ist zurück, jetzt macht sie sich unheimliche Sorgen. Ihre Mutter ist im Krankenhaus auf dem Festland, nächste Woche wird Lia sie dort erst besuchen dürfen, da die Mutter wohl noch viele Arztbesuche hat. Außerdem befindet sich ihr Bruder momentan in einer Pflegefamilie in die wohl auch Lia gehen wird, um ihrer Mutter beistehen zu können.“ Mittlerweile saß ich auf einem der Eimer, die Hände auf meine Knie gestützt „Das hat sie wirklich nicht verdient….wie lang ist das letzte Mal her?“ Cayden zuckte die Schultern „Ich weiß es nicht genau, aber damals war die Mutter glaube ich gerade mit dem Bruder schwanger, deswegen wurde es erst festgestellt. Den Vater hat sie erst vor knapp drei Jahren verloren, jetzt vielleicht noch die Mutter“ er strich sich mit der Hand durch das Gesicht über den mittlerweile ziemlich langen Bart. „Ich hab sie einfach ein wenig getröstet“ jetzt zuckte er mit den Schultern „Sie erinnert mich so eine meine jüngere Schwester, immer darum bemüht alles beieinander zu halten. Im Unterschied das bei Lia wohl alles auseinander fällt. Sie hat gefragt ob...“ Cayden hockte sich vor mich zu Boden. „Sie würde gern das wir sie begleiten...wir sind so ziemlich das nächste was einer Familie kommt.“ jetzt lachte er auf, lächelte mir zu „Schließlich ist sie neben dem Internat hier am meisten...in der Zeit seitdem wir hier wohnen war sie selbst in den Ferien kaum bei ihrer Mutter zu Hause, sondern eher hier.“
      Dabei musste ich an die beiden oben auf dem Dachboden denken...schon immer hatte sich das junge Mädchen an meinen Verlobten orientiert oder an mir. Sie stellte für mich schon beinahe ein Teil der Familie dar. „Natürlich, wenn sie sich das wünscht kommen wir mit!“ verkündete ich flüsternd. Der Gedanke eine Jungendliche zu ihrer offensichtlich sterbenden Mutter zu begleiten zog mein Innerstes zusammen – das war etwas das sie nicht sehen dürfte. Auf der anderen Seite würde sich Lia´s Zukunft in den nächsten Monaten mehr als nur drastisch verändern, ich wollte ihr beistehen so viel ich es zumindest konnte.
      Wir besprachen bei einem Abendessen mit Lia noch wann genau wir zum Krankenhaus aufbrechen wollten. Einigten uns dann auf die nächste Woche, da Cayden und ich noch einen Termin bei einem Paganpriester hatten, der uns trauen würde. Zwar ließen wir uns auch noch offiziell vor dem Standesamt verheiraten, allerdings war das ganze erst in einem Jahr geplant – per Handfasting würden wir für ein Jahr und einen Tag einander versprochen werden und erst dann wahrhaftig heiraten. Wie ich fand war das ein wunderbarer Brauch, dem ich gern zugestimmt hatte. Das gab und die Zeit wahrhaftig herauszufinden ob wir miteinander klar kamen, wenn auch Siobhan immer meinte ich solle mir darüber keine Gedanken machen.
      Also würden wir in der nächsten Woche mal wieder auf das Festland fahren.

      Mit der Wende der Sommersonne
      von Ravenna
      „Moment soll das etwa bedeuten?“ Sarah stand auf, die Hände vor der Brust verschränkt als wolle sie sich selbst schützen, ihre Augen huschten unruhig durch den Raum. Die letzten Wochen waren Nerven aufreibend gewesen, nicht nur in Anbetracht der Tatsache das wir kurz vor dem Handfasting standen. Es hatte uns ein ganzer Sturm an Entscheidungen getroffen.
      Vor knapp drei Wochen hatten wir beiden Lia ins Krankenhaus ihrer Mutter begleitet, die bereits seit geraumer Zeit gegen die Leukämie ankämpfte. Wir hatten Asmin McDubh bereits einmal kennengelernt, eine wirklich starke Frau die für ihre Kinder viel getan hatte. Jetzt jedoch verließ sie mit jeder Woche mehr und mehr die Kraft. Lia hatte es nicht lange in dem Raum gehalten in der ihre Mutter an das Bett gefesselt war, doch im Laufe unseres Besuches war klar geworden das nicht nur Lia gewollte hatte das wir beiden ins Krankenhaus kamen.
      „Meine Tochter sollte endlich wieder ein geregeltes fast normales Leben führen….wenn sie von eurem Hof erzählt, der Arbeit mit den Pferden und der Schule in Craighnure. Sie strahlt wie ich es seit Jahren nicht mehr gesehen habe. Es ist unwahrscheinlich das ich dieses Mal den Krebs überstehe...Angus ist bereits in einer liebevollen Pflegefamilie, der Kleine versteht ja kaum was mit seiner Mutter geschieht. Auch wenn sie Lia ebenfalls bei sich aufnehmen..“hier hatte ein Hustenanfall die Kranke unterbrochen. „Ich möchte einfach nicht das die beiden getrennt werden...genauso wenig möchte ich das Lia aus ihrem gewohnten Umfeld gerissen wird. Ich habe mit ihr darüber gesprochen, genauso wie mit dem Jugendamt. Wäre es für euch abwegig Lia und meinen Sohn bei euch aufzunehmen?“
      Diese Frage hatte Sarah und mich schon ziemlich überrascht, wir hatten über eine Bedenkzeit gebeten und drei Tage bekommen. Zurück auf dem Hof hatten wir mit Kathi und dem Rest des Teams darüber gesprochen. Im Grunde war uns im Falle Lia die Entscheidung nicht sonderlich schwer gefallen...ihr Bruder Angus jedoch war ein Kind von knapp 3 Jahren, das war eine ganz andere Liga gewesen. Gerade meine Partnerin hatte daran zu knabbern gehabt. Erst im letzten Jahr hatte sie ohne mein Wissen unser gemeinsames Kind abgetrieben, sie wollte nie eine Mutter werden. Zumindest war es das was sie immer erzählt hatte. Doch seitdem hatte sich einiges geändert...Fionn war in ihr Leben getreten, sie war seine Patin...oder würde es bei seiner Taufe werden. Sarah war im Umgang mit ihm anders geworden, hatte ihn in sein Herz geschlossen. Sie war einen ganzen Tag lang bei Siobhan verschwunden, doch als sie zurück kam stimmte sie wahrhaftig zu. „Machen wir sie zu einem Teil unserer Familie!“
      Nun waren zwei weitere Wochen, jede Menge Papier und Organisationskram, vergangen….neben der Hochzeit hatten wir kaum einen freien Moment für die Pferde gehabt. Da war ich mehr als froh gewesen einige der trainierten Pferde abgeben zu können. Ghost wurde jedoch nicht vernachlässigt, denn auch die Hochzeit von Siobhan und Ty rückte immer näher und wir wollten Ghost dem kleinen Fionn zur Taufe schenken. Neben der Entscheidung die Kinder bei sich aufzunehmen hatten wir ebenfalls einige unserer Pferde abgeben – nicht das uns diese Sache einfach gefallen wäre, aber weniger Pferde bedeutete auch etwas weniger Arbeit für alle von uns.
      Jetzt jedoch saßen wir – mal wieder – Büro unserer Jugendamtszuständigen und soeben mit einer weiteren „Überrraschung“ erfasst hatte. „Ja ganz richtig Frau Kyren. Sie haben die besten Voraussetzungen um beide Kinder bei sich aufzunehmen. Ein geregeltes Umfeld, im Falle des Mädchens wird sie weiterhin ihre Schule besuchen dürfen. Im Falle von ihrer Krankheit befinden sich in ihrem näheren Umfeld andere Menschen die sich um die Kinder kümmern können.“ Dabei musste ich mir ein Lachen verkneifen, wenn ich da an Hansi dachte dem wir Fionn lieber nicht übergaben da der Hüne ständig irgendwo gegen lief oder aber Kathi die noch viel weniger mit kleinen Kindern umgehen konnte….Im Grunde waren wir alle ein total chaotischer Haufen, dem wohl lieber kein Kind anvertraut werden sollte. „Nur gibt es eben diesen einen Fakt...um beide vollwertig mündig für die Kinder zu sein müsst ihr verheiratet sein, sonst wird das nur einem von euch übertragen oder jedem ein Kind.“
      Sarah setzte sich wieder auf den Stuhl, sah mit leicht entrücktem Blick zu mir hinüber. „Können wir das wagen?“
      Ich schluckte ein wenig, lächelte dann...“Wir haben eine Zucht gegründet….trainieren seit einiger Zeit Pferde und sind dabei zwei Kinder aufzunehmen. Na wenn wir das nicht packen, wer dann? Wieso noch ein Jahr warten, wenn es auch danach noch schief gehen kann. Lieber etwas riskieren….das haben wir doch immer so geregelt?“ Sarah nickte, ihre Augen dabei etwas glasig dann wandte sie sich unserer Sachverständigen zu „Also dann Miss Devencord, wir haben vor in knapp einer Woche ein Handfasting abzuhalten...wieso nicht auch am gleichen Tag eine wirklich offizielle Hochzeit auf dem Standesamt!“ Es breitete sich ein Lächeln auf dem Gesicht der sonst so streng wirkenden, tatrigen Frau aus „Dann möchte ich sie bitten hier zu unterschreiben und wir leiten alles weitere in die Wege.“
      Eine knappe Stunde später, einigem an Infomaterial und noch zwei anderen unterschriebenen Unterlagen, hockten wir vollkommen geflasht im Auto und sahen einander an. „Bin ich froh, wenn das alles vorbei ist!“ murmelte Sarah, als ich gerade den Motor anließ um in Richtung Caed Crevan aufzubrechen. Ich konnte ihr dabei nur zustimmen. „Unser verrückter Haufen auf dem Hof wird immer größer, bald bauen wir an!“ lachte Sarah auf, was in Anbetracht des Herrenhauses in dem wir wohnten lächerlich war. Es gab da noch den ein oder anderen Raum der überhaupt nicht genutzt wurde „Noch eine Woche dann sind wir richtig verheiratet. Kann ich irgendwie noch gar nicht richtig fassen. Aber so verrückt sind wir dann doch nicht.“ aus dem Augenwinkel sah ich ihren unverblümt skeptischen Ausdruck auf dem Gesicht und lachte auf „Ja okay...vielleicht doch ein wenig.“
      Der Weg nach Hause verging ohne weitere Besonderheiten, als wir allerdings zur Tür hinein kamen explodierte irgendetwas. „Woow“ Sarah ging vorsichtshalber in die Deckung, da es jedoch mehr wie Glas auf dem Boden klang und ein Fluch auf Schwedisch(zumindest denke ich das) hinterher kam.Es kostete nur einige Schritte bis zum Beginn der großen Küche, Hansi hockte auf dem Boden und kehrte Glas vom Boden auf. „Tja...eigentlich wollten wir den Met aufmachen um mit euch zusammen zu feiern. Aber der Depp hier schmeißt die lieber auf den Boden.“ dabei klopfte Kathi Hansi auf den die Schulter, der nur ein brummiges „haha“ verlauten ließ. „Kein chaotischer Haufen, eh?“ flüsterte Sarah leise zu mir.
      Trotzdem wurde der Abend ein wunderbarer...fast alle die uns Nahe standen waren bei uns um zu „feiern“. „Somit wird eure Hochzeit symbolisch also noch mehr als die Feier eurer Heirat, wir werden auch feiern das ihr Eltern werdet. Allerdings sind die Umstände besonders, ihr habt auf der einen Seite etwas zu feiern, andererseits verliert Lia ihre Mutter….eine schwierige Situation für euch.
      Unsere tägliche Frühstücksrunde war heute besonders schnell beendet gewesen „Also Aiden und ich kümmern uns darum das die Pferde heute auf die Weiden kommen – da werden sie jetzt auch bis zum Herbst bleiben. Allerdings würde ich sowohl Moon als auch Bucks viel lieber hier am Paddock lassen, damit wir sie besser unter Beobachtung haben. Killian, du bist heute für das Training von Eisblume, Green, Varulv und Kürbis verantwortlich – bei Fragen sind wir jederzeit da.“ Hansi schenkte sich noch einen Schluck Kaffee ein, genauso wie Kathi, die meine Ansprache fort führte „Dann werd ich mir heute mal Argo, Wisp und Yael zu genüge ziehen, vielleicht noch Abraham. Wobei der Spinner momentan schon wieder buckelt, vermute der Sattler muss echt mal kommen – das kann ja nicht sein. Mach später einfach mal einen Termin für uns.“
      „Wunderbar, dann kann ich mit Darym gleich mal dazu kommen, durch das viele Training müsste der Springsattel aufgepolstert werden.“ warf Cayden sogleich ein. „Gut dann für Abraham und Darym! Wolltest du heute wieder nach Morvern rüber Hansi?“ Der Hüne hob den Kopf, überlegte einen Moment lang – in letzter Zeit war er oft drüben bei Catalina und half ihr, als wolle er dem Vorbereitungsstress der Hochzeit entgehen. „Warscheinlich, vorher wollen Cayden und ich mit Darym und Yoomee erst noch auf die Geländestrecke – der Hengst soll ihr bisschen mehr Sicherheit im Parcours geben. Wollen demnächst auf ein Turnier mit der Kleinen. Anschließend mach ich noch etwas mit Gwyn, vielleicht nen Ausritt. Kommst du mit mir Aiden? Vielleicht mit Ikarus, der war auch lange nicht mehr gemütlich im Gelände.“ Aiden nickte nur bedächtig mit dem Kopf, da er den Mund noch vom Essen voll hatte. „Na dann sind ja fast alle aufgeteilt – ich selbst mach bisschen was mit Stormy. Lia kommt später noch vom Festland hierher und wollte sich mit einem Ausritt etwas ablenken.“ Wir wussten alle wovor, das ihre Mutter im sterben lag, war eine unschöne Gegebenheit, es fühlte sich einfach nicht richtig an! Zu gern würde ich ihr helfen wollen, doch ihr Leben befand sich momentan im Abwärtskurs, ihr stand ein Wechsel in die Pflegefamilie bevor, der Auszug aus dem Internat. Am meisten schien es sie zu zermürben das sie den Hof verlassen müsste. „Allerdings würde ich gerne das Training mit Yoomee machen, war schon lange nicht mehr auf unserer Strecke!“ dabei kratze ich mich am Kopf und lachte etwas gekünstelt, was Hansi mit einem Schulterzucken kommentierte „Meinetwegen!“ Somit verstreuten wir uns quer über den Hof um unseren Aufgaben nachzugehen – in knapp zwei Tagen würde die Hochzeit stattfinden.

      *~21.Juni.2015~*
      „Ich geh heute komplett vor die Hunde!“ nörgelte ich, auf dem Stuhl sitzend während meine Tante sich emsig um meine Haare zu kümmern begann. Meine Eltern hatten zugegeben etwas verwirrt auf meine Pläne reagiert...noch mehr darauf wie diese Hochzeit ablaufen würde – es war weit entfernt von einer kirchlichen Heirat, doch auch ziemlich entfernt von ihrer einfachen auf dem Standesamt. Gingen wir nämlich davon aus, so waren Cayden und ich bereits seit dem Morgen Mann und Frau, doch hatten wir eine waschechte Paganhochzeit vor uns! Wobei waschecht auch wieder falsch formuliert wäre, da es weder ein richtig noch ein falsch in unsrem „Glauben“ gab – wir hatten einige germanische, aber auch keltische Einflüsse kombiniert mit älteren schottischen Bräuchen. Da wir Lia nun als Familienmitglied bei uns aufnahmen hatten wir knapp eine Woche vor der Hochzeit noch einmal etwas in der Besetztung geändert – wir hatten Lia zu unserer Ringmaid gemacht. Ursprünglich hatten wir dafür sowohl Siobhan und Amy haben wollen, da wir nun jedoch mit einer wirklichen Maid aufwarten konnten waren die beiden von diesem Dienst entfernt worden. In Caydens Gelage den Schildbrüdern hatte sich jedoch nichts geändert – Ty, Aiden, Hansi und auch Ben waren zu diesen erwählt wurden. Zu Zeiten der „wahren“ Pagans waren diese Schildbrüder die Waffenbrüder eines Mannes gewesen – in den Schlachten als würdig, loyal und wertvoll erwiesen. Zu diesen Zeiten vielleicht nicht ganz so, doch auch sie hatten sich als die nächsten Freunde meines Mannes erwiesen. „Du wirst mir gar nichts gehen!“ erwiderte Catalina von der Seite, die Hände in die Hüfte gestützt. „Einige der Gäste sind bereits eingetroffen, deine Pferde wurden versorgt und jetzt kannst du dich gefälligst mal auf deinen Tag freuen!“

      Es war sonderbar eine Hochzeit zu feiern für mich...ich hatte nie damit gerechnet! Jetzt war ich hier inmitten meiner Freunde, meiner kleinen Welt an Familie die ich hier besaß. Trotzdem ich glücklich war hing das Schicksal von Lias Mutter schwer auf meinen Schultern, ein wahnsinniger Zwiespalt den auch Cayden ergriffen hatte. "Sag mal du gehst überhaupt nicht nach diesen traditionellen Bräuchen oder?" kam es gerade von Siobhan, die Fionn auf dem Arm hielt. Cayden hatte dem Winzling ein geschniztes Holzpferd gemacht, in dem Fionn nun seine ersten Zähne versenkte. Mittlerweile waren meine Haare zu einer komplizierten Flechtfrisur verwoben und es befanden sich jetzt im Raum nur noch Catalina, Siobhan, Amy,Kathrin und ursprünglich Lea, die jedoch war auf der Suche nach ihrem Freund war. Ich drehte mich mit dem Wickelgürtel in der Hand um,lächelte breit "Welche Bräuche genau meinst du?"
      "Was blaues,was neues - klingelt es da nicht bei dir?" warf nun Catalina statt Siobhan ein, die der jungen Frau neben sich jedoch ein Nicken schenkte. "Mhpf...klar bekannt ist es mir, aber ich war doch schon immer etwad anders, dann also auch meine Hochzeit! "
      "Natürlich dagegen ist auch absolut nichts einzuwerfen, die Kleider sind wirklich wunderschön." Dabei strich sie über den Tartanrock in dunkelrot,grün und Gold den meine engsten Freunde trugen, den Farben meines baldigen Clans. Auch klein Fionn hatten wir eine Hose verpasst in der Farbe, ein Leinenhemd und ein Tuch um ihn gegen den Wind zu helfen. "Wann er wohl den ersten Kilt trägt, so als Waschechter Highlander? " fragte ich um das Thema etwas abzulenken. "Waschecht ist er ja nun nicht wirklich, bin doch eigentlich eine Sassenach!"
      "Du hast einen Schotten geheiratet Mistress McLean,also seit ihr nicht länger eine Sassenach."
      "Tschuldige aber könntet ihr uns Nicht -Highlander mal erklären was das sein soll?" warf Amy ein,die einen Schluck von ihrem Getränk nahm, auch Cata sah etwas verwirrt aus. Siobahn und ich schenkten uns einen Blick, erinnerten uns wahrscheinlich jeder an die erste Begegnung mit dem Wort. "Früher war es wohl eine Art Schimpfwort, es bedeutet einfach nur so etwas wie Outlander,Stranger."
      Jetzt wurden wir allerdings unterbrochen von Kathi, Bella und Lea die gesammelt in den Raum "Langsam wirds eng" murmelte ich rückte näher zum Spiegel um endlich mein ankleiden zu beenden - wiedermal war ich die letzte! "Wir haben die Pferde nochmal mit Heu versorgt, Bucks in die Box gebracht zusammen mit Moon und dann umgezogen. Kann also nichts mehr schief gehen!"
      "Habt ihr eigentlich Julie schon gesehen?" fragte ich an Kathi gewandt, die den Kopf schüttelte. Ich hatte sie angerufen ob sie ihre Jungstute mitbringen würde,damit Pumpkin auf der Koppel spielerische Gesellschaft hatte. Wobei ich mir bei der ziemlich verspielten Yoomee kaum darum Gedanken machte. "Allerdings hat sie angerufen, sie muss laufen da der Hänger nen Platten hat."
      Zum Glück war die Distanz zwischen uns nicht so groß, wenn sie über unsere gepachtete Wiese lief sogar noch kürzer - vorausgesetzt Julie würde daran denken. Fertig angezogen ließ ich mich auf einen der Hocker sinken,wippte leicht mit den Füßen - wie immer war ich etwas zu früh dran. "Wann soll es eigentlich genau los gehen?" stellte nun Amy wieder die Frage.
      Unbestimmt zuckte ich die Schulter "Im Grunde bei Dämmerung in der letzten Zeit hat sie immer gegen 22 Uhr angefangen, aber da ja nun der längste Tag ist - vielleicht auch später. " Aus gleich zwei Richtungen kam ein Seufzen, welches ich sowohl Catalina als auch Siobhan zuordnen konnte,letztere wechselte den Arm mit einem offensichtlich sehr müden Fionn. "Willst du ihn bei uns im Gästezimmer in das Kinderbett verfrachten?" Da der Knirps öfter mal bei uns die Nächte verbrachte um den beiden auch Entspannung zu gewähren hatten wir ein Kinderbett für ihn besorgt, da das hin und her mit dem Reisebett nervig geworden war. "Ich glaube das ist ganz gut, das Babyphone nehm ich dann mit runter,mittlerweile schläft er allerdings ziemlich gut durch" Also verschwand Siobahn für die nächste halbe Stunde erst einmal während nun auch etwas verspätet Bella und Julie zu uns,langsam wurde der Raum etwas eng hier. Auch Lia kam noch einmal vorbei,sodass ich sie beiseite nahm, ihr mit auf die Person gerichtetem Finger alle vorstellte und ihr ihre Aufgabe nochmal erklärte. "I'm so bloody nervous, but you as bride...you're calm as always amd beautiful!" kam es so schnell über ihre blassen Lippen, das ich Mühe hatte sie zu verstehen aufgrund der Lautstärke in dem Raum hier. "Well...we're married since this morning before the law, now we just celebrate with family, friends and have a Paganwedding.This is why I'm not nervous. " ich strich ihr durch die lockigen blonden Haare "You're beautiful,too sweaty." Die Spur eines Lächelns huschte über ihr Gesicht, gesunde röte kam in ihre verblassten Züge. Ein Blick aus dem Fenster verriet mir den langsam beginnenden Sonnenuntergang, also erhob ich mich strich meine Kleider glatt und klatschte in die Hände. "Wir können uns dann zumindest schon nach draußen begeben."
      Ursprünglich hatte ich geplant gehabt das wir beide - Cayden und ich - zum Platz des Geschehens zu reiten, da unser gefundener Priester allerdings einiges an Respekt vor diesen Tieren hatte, war das einfach verplant worden. Im Endeffekt sogar besser für uns da wir nicht noch auf die Pferde achten mussten,sondern uns auf die Zeremonie konzentrieren konnten. In unserem Garten brannten bereits die Feuer, ein Gang aus Fackeln markierte den Weg den ich später hinunter getragen werden würde. Aus Lautsprechern drang leise Musik von Wardruna - gewählt um die nicht Metalfans nicht gleich zu vertreiben. Freudige Spannung schickte mir einen wohligen Schauer den Rücken hinab und ein Lächeln auf die Lippen. Meine Freundinnen gingen hinüber zu den anderen Gästen die entweder auf dem Boden neben den Feuern saßen oder herum standen. Dann wurde mein Blick auf vier hochgewachsene Männer gerichtet die sich auf die Tür zu bewegten. Ein letzter Blick auf den Kreis verriet mir das dort in der Ferne nun auch Cayden und der Priester seinen Platz in der Mitte eingenommen hatten. Es war Hansi der ein großes Rundschild in der rechten trug, in schwarzen Lettern war die Rune Tywaz darauf. Mit nunmehr klopfendem Herzen wurde ich auf dieses Schild gesetzt, während die vier Männer mich durch den Gang trugen ihnen vorweg mein Vater. Die ganze Zeremonie hier würde auf Englisch stattfinden, weshalb ich meinem Vater die gesprochenen Worte eingeprägt hatte und für unsere deutschen Gäste die Worte übersetzt hatte. Nervös schenkte ich Aiden zu meiner linken ein kleines Lächeln, der jedoch blickte stur nach vorn um sich auf die Zeremonie zu beschäftigen.
      Kurz vor dem Priester kamen wir zum stehen "Wer bringt die Braut in den Bund der Ehe?"
      "Mario Kyren" antwortete mein Vater mit fester stolzer Stimme. Die Nachricht das ausgerechnet ich heiraten würde hatte meine Eltern unheimlich gefreut, noch wussten sie allerdings nicht um die Erweiterung unserer Familie. Die vier Männer versuchten möglichst synchron in die Hocke zu gehen,damit ich mithilfe von Papa besser von dem Schild kam.

      Ein Blick auf meine Mutter am Rand, offenbarte mir ihre Tränen die silbern auf ihrer Haut schimmerten, trotzdem schenkte sie mir ein Lächeln. Mein Herz wollte am liebsten aus der Brust springen vor Stolz und Liebe zu meinen Eltern. Doch dachte ich auch an die Zeit zurück da ich mit meinen Pferden im Schlepptau von Hof gestürmt bin,mich Kopfüber in das Studium der Medizin geworfen hatte bis es mich komplett zerstört hatte. Mein Hof war pleite gegangen, ich hatte keine Ahnung was zu tun war und hatte mich nach Heartland zu Amy verschanzt. Dort war ich langsam wieder zu mir gekommen, hatte abgestreift was mir zu schaffen machte und begonnen Pferde zu trainieren - meine wirkliche Berufung gefunden. Nach und nach war meine Seele geheilt worden - vieles hatte ich auch Cayden zu verdanken. Nachdem der Friede mit mir geschlossen war, begann ich mich wieder meinen Eltern anzunähern - diese Pause hatte uns allen gut getan. Die restlichen Meter überbrückten mein Vater und ich Seite an Seite hinter uns folgten Lia und die Männer. Jeder von ihnen stellte sich in die vier Himmelsrichtungen, gerade aufgerichtet das Schwert vor sich in den Boden gestellt. Die Musik wurde lauter, der Wirbel der Trommeln immer eindringlicher - Hansi begann ins seiner Sprache melodisch mitzusingen. Als meine Hand die des kahlköpfigen Priesters berührte verstummte jedes weitere Geräusch um uns herum bis auf das prasseln des Feuers. Nun stand ich dem Priester und hinter ihm einem breit lächelndem Cayden gegenüber. Mein Mann - wie ungewohnt - trug einen traditionellen Plaid in den Farben seines Clans, an der Schulter gehalten von der Schnalle auf der "Fortiter" zu lesen war - Tapferkeit.
      "Willkommen zu dieser Stunde der Vereinigung zweier Menschen im Bund der Ehe. Wir stehen hier im Angesicht der Götter um Cayden Mc Alistair und Sarah Kyren zu ehelichen. " Mit einer Schale gefüllt mit blauer Farbe trat er auf Cayden zu zeichnete die Rune Wunjo auf seine Stirn nur um selbiges mit mir zu tun. Er begann anschließend damit den Kreis der Männer mit Wasser zu segnen, während Lia einen Kranz aus geflochtenen Blumen auf den Kopf bekam. In ihrer Hand mithilfe eines Tuches verborgen befand sich das neue Schwert von Cayden, wie es zu alten Zeiten Brauch gewesen war...er selbst trug eines an seiner Hüfte welches nun vom Priester Undr gezogen wurde. "Mit dem Bund der Ehe endet etwas altes um etwas neues beginnen zu lassen. " Damit winkte er Lia zu sich heran, schlug das Tuch beiseite - nun drehte Lia sich zu mir um. Ihre Nervosität schien gewichen, Stolz erfüllte nun ihren Blick als das Schwert zum Vorschein kam. " Mit dem Blute des alten soll das neue erwachen, möge Freya diese Verbindung segnen. Willst du Cayden McAlistair diese Frau zu der deinen nehmen, sie beschützen in Zeiten des Krieges, ihr Fels sein in Zeiten der Stürme dann sprich mit dem Segen der Götter deinen Eid!"
      Mit lauter Stimme und gälischen Worten begann er zu sprechen, nur wenige der Gäste verstanden ihn, selbst ich hatte meine Schwierigkeiten.
      "So as long as my body lives,and yours - we are one flesh. And when my body shall cease,my soul will still be yours. I swear by my hope in the gods,I shall be never parted from you." Damit drehte sich der Priester nun zu mir,mit gebrochenen gälischen Worten erwiderte ich den geleisteten Eid.
      Undr nickte wohlwollend in unsere Richtung, dann erhob er die Hand mit Caydens Kurzschwert. Als erstes ergriff er Caydens rechte Hand ritzte die Rune Wunjo nun auch in unsere Haut statt nur auf die Stirn gemalt. Mein Herz begann nun auch zu schlagen als die kalten Finger des Priesters mein Handgelenk nahm. Ich atmete tief ein als die Klinge den ersten Schnitt tat und es kostete mich meine Selbstbeherrschung ihm die Hand nicht zu entziehen. "Im Blute sind wir geboren,im Blute werdet ihr gebunden."
      Undr legte beide Hände mit der eingeritzten Rune aufeinander, unser beider Blut begann sich zu vermischen und wie aus einem Mund sprachen wir einen Schwur der schon so alt wie die Highlands selbst waren. "You are blood of my blood, and Bone of my bone. I give you my body that we two may be one. I give you my spirit, 'til our life shall be done. You are blood of my blood, and bone of my bone."
      Nun war es geschehen. ..Cayden und ich hatten auf die Ringe bei dieser Zeremonie verzichten. Was bedeutete schon ein Stück Papier und Metall für eine Verbindung? Wir würden durch den Blutschwur und die Rune in unserer Haut daran erinnert werden, denn wir waren Schmerz ein gegangen um diese Verbindung zu besiegeln. Für mich bedeutete das viel mehr und ich wusste das auch Cayden so dachte - gebunden durch Blut und Schmerz würden wir andere Krisen überstehen.
      Mit der freien Hand nahm Cayden von Lia das neue Kurzschwert entgegen,steckte es sich an den Gürtel.
      "Vor den Göttern seit ihr nun endgültig Ehemann und Eheweib, mögen sie diese Verbindung ehren und zur Kenntnis nehmen auf das sie halten mag." Während der Priester sprach legte er uns ein Band um die verschlungenen Hände, darauf erkannte ich einige Binderunen, sowie einzelne darunter wieder Wunjo welche für Harmonie und auch Partnerschaft stand.
      Jubel setzte um uns herum ein, dann traten einzelne Personen nach vorn oder in zweier Gruppen um wie zuvor der Priester ein Band um unser Handgelenk zu legen, jeweils begleitet mit einem kleinen Segensspruch. Als erstes trat Hansi nach vorn mit einem blauen Band "Glück brauche ich euch wohl nicht zu geben aber ich schenke euch mit diesem Band Verstehen...auf das ihr nicht nur einander versteht,sondern auch die Welt um euch herum." Weder Cayden noch ich sagten einen Satz dazu, senkten nur wippend den Kopf wie zu einer Verbeugung. Nach Hansi trat Aiden nach vorn „With this „ er hob das gelbe Band nach oben „ I give you courage. So you might fight for the ones in need.“ Nun waren es noch zwei Mitglieder der Schildbrüder nach Aiden war es an Ben nach vorn zu treten. „ Mit diesem Band gebe ich euch Vertrauen , damit ihr entscheiden könnt was richtig und falsch ist. Nutzt es um euch selbst durch schwierige Zeiten zu navigieren, verliert die Treue in eure Liebe nicht.“ Ty trat als letzter der vier auf uns zu, klopfte Cayden erst aufrichtig auf die Schulter, anschließend verschlang er sein graues Band mit einem geschickten Knoten „I´ll give you endurance, use it well to keep going even when you feel as though all hope and strength have left you.“ Ich war fast froh das er die Worte nicht in Englisch gesprochen hatte.
      Nun kamen langsam alle den Gang aus Fackeln hinauf um ihnen ein Band um die Hände zu schlingen und einen Segensspruch zu äußern. Nach meinen Eltern war es Caydens Vater der uns einen Teil seines Kilts gab, die Worte die er auf Gälisch zu uns sprach verstand ich zu meinem Bedauern nicht, ich würde Cayden später fragen müssen. Als erste unter meinen Freundinnen kam Amy zu uns ein dunkelrotes geflochtenes Band in den Händen „Möge eurer Weg euch stets leiten.“ Besonders freute es mich auch das ihr Großvater Jack, ihr Freund Ty und Lou gekommen waren – in ihrer Vertretung hatte Amy ebenfalls das Band geschlungen. Sie waren Teil geworden meiner ersten seelischen Heilung, deren Ende ich noch nicht erreicht zu haben glaubte. Nach Siobhan kamen auch Julie und Kathi nach einander auf uns zu. Bei so vielen Wünschen und Sprüchen konnte ich meine Tränen nun auch nicht mehr zurück halten, unaufhaltsam rannen sie in stummer Ehrfurcht meine Wangen hinab – ich hätte nie gedacht das ich einmal solche Freunde die meinen nennen könnte.
      „Mögen all Eure Träume wahr werden, mögen alle Himmel blau sein, mögen alle Freunde wahrhaft Freunde sein, mögen all eure Freuden vollkommen sein, mögen Glück und Lachen all Eure Tage erfüllen.“ sprach es Catalina aus, die zusammen mit Bella nebeneinander gekommen war. Doch auch Bella, die ich doch erst seit ein paar Monaten kannte, band eine Schleife zu den vielen anderen um unser Handgelenk und sprach „ Mögen tausend Sterne über euch wachen, wo immer ihr geht. Mögen euch tausend glückliche Stunden beschert sein, wo immer ihr steht. Möge eure Freundschaft wahrhaft und endlos sein.“
      Ich formte ein stummes Danke mit den Lippen. Nach ihnen kam Salera, die ich durch den Filmdreh und das spätere Training von Smaug ebenfalls erst seit kurzem zu meinen Freunden zählte. Joyce und ihr Helfer Ty, von der ich einst die Anzeige zugesteckt bekommen hatte die mich bewog Moon zu kaufen.
      Ich wusste am Ende nicht mehr wie viele Leute schließlich ihre Glückwünsche geäußert hatten, doch dem Bündel an Bändern zu urteilen dann doch eine ganze Menge – wir würden dies später über dem Bett aufhängen. Im Nachhinein hätte ich gern alle Sprüche mitgeschrieben oder wenigsten auf Video gehabt, so jedoch würden nur noch die Götter selbst von den Worten wissen – gewirkt in jedem einzelnen der Bänder. Nach dem Handfasting hatten wir uns die Hände gewaschen, desinfiziert und zumindest einen kleinen Verband angelegt. Danach hatten wir ein Festessen gegeben – nicht nur für uns als Vegetarier gab es einiges an Angebot. Hansi hatte doch Tatsächlich einen ganzen Ochsen besorgt, der komplett am Spieß gebraten worden war. Von dem Ding würden wir wahrscheinlich noch in drei Wochen etwas haben…
      Trotzdem hatten wir unseren Spaß bei Musik, Tanz und Undr ließ es sich natürlich nicht nehmen für einige Interessierte die Runen zu befragen. Am Abend mit einem kleinen Horn Met in der Hand saß ich in der Nähe des Feuers am Boden „Vor die Hunde bist du nun nicht gegangen, allerdings hast du eine Feier an die du dich immer erinnern kannst. Für meinen Geschmack vielleicht ein bisschen zu kitschig, aber trotzdem..nun ja nicht zu leicht nachzumachen!“ sprach Cata zu mir. Ich musste allerdings in mich hinein lächeln, sie war gerade 19 Jahre alt...damals hätte ich eine Heirat niemals in Frage gezogen doch nun mit knapp 25 Jahren war das ein anderer Gedanke.
    • Veija
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      Welcome Home
      August 2015, by Veija
      Etwas verwirrt starrte ich auf den Hörer, mit dem mich Ofagwa soeben angerufen hatte. Maracuja stand wieder bei ihr. Warum? Weil ihre Vorbesitzerin sie nicht richtig gepflegt hatte. Nun stand ich als vor der Frage, ob ich sie wieder zurücknehmen würde oder nicht.
      Nachdem ich ein wenig mit meinen Mitarbeitern geredet hatte, entschied ich mich dazu, sie zurück zu nehmen. Also fuhr ich zu Ofa und schaute mir sie kurz an, ehe sie mir erzählte, dass auch Yoomee und Njodschi sie verlassen mussten. Bei Njodschi war es sofort klar, dass ich sie mitnehmen würde, bei Yoomee jedoch noch nicht ganz, weshalb ich spontan bei Ofa übernachtete und dann am nächsten Morgen mit 3 Pferden nach Hause fahren konnte. Bei mir angekommen bekam jedes zunächst seine eigene Box, ehe es in ein paar Tagen zu den anderen Pferden gehen würde.

      the prisoners
      Oktober 2015, by Veija
      Es war Anfang Oktober, 5 Uhr morgens. Das Wetter war bescheiden- eher schlecht als recht, denn es regnete. Ab und zu donnerte es auch, aber es war ja auch Gewitter gemeldet- schon wieder. Heute würden wir die Sonne wohl nicht zu Gesicht bekommen, doch das brauchten wir auch nicht, denn wir würden heute mit der gesamten Mannschaft ins Gefängnis fahren. Warum? Tja, das wussten die anderen auch noch nicht. Zu erst mussten wir jedoch die Pferde füttern, weshalb wir alle ja auch schon um 5 Uhr aufstehen mussten. Alexis übernahm den Verkaufsstall, Caleb kümmerte sich um die Zuchtstallung, Aliena übernahm die Vollblüter und Aaron später die Jungpferde. Zu guter Letzt übernahm ich die Trainingspferde.
      Als wir damit fertig waren, sprangen wir alle schnell unter dich Dusche, packten etwas zu essen ein und machten uns mit dem 7-Sitzer und dem Pick Up auf den Weg zum Gefängnis, wo wir eine Aktion unterstützen wollten, die jugendlichen Kriminellen half, wieder festen Boden unter den Füßen zu bekommen. Es dauerte gute 2 Stunden, ehe wir am Gefängnis ankamen, die Autos am Parkplatz parkten und erstmal alle Sachen im Auto ließen, die wir wahrscheinlich nicht durch die Sicherheitskontrolle bekommen hätten. So blieben alle Handys im Auto und auch Caleb ließ, wenn auch wiederwillig, sein Messer im Wagen. So gingen wir also "unbewaffnet" zum Eingang und wurden sofort in eine große Mensa geführt, wo die Gefangenen schon auf uns und andere Rancharbeiter warteten. Ich hatte eine Präsentation vorbereitet, so wie die anderen auch, die wir den Gefangenen zeigen würden, damit sie eine Ahnung davon hatten, was sie auf den Höfen erwartete. Beim Rundumblick fielen mir sofort 4 Personen ins Auge, drei Jungs und ein Mädchen, die zusammen an einem Tisch saßen, wovon zwei Jungs den dritten argwöhnisch ansahen. Dieser grinste sie jedoch nur süffisant an und das Mädchen legte ihm eine Hand auf den Arm, sagte ihm etwas und schon wandte er den Blick wieder nach vorne, während die anderen beiden Jungs ihn noch seltsam anschauten. "Schaut euch die vier da hinten mal an", sagte ich zu meinen Mitarbeitern und sie nickten. Caleb setzte ebenfalls sein süffisantes Grinsen auf und schaute damit das Mädchen der vier an. Von dem Jungen rechts von ihr, der ihr sehr ähnlich sah, bekam er einen ziemlich eindeutigen Blick ab, so dass Caleb den Blick abwendete. Nun erhob der Chef des Gefängnisses das Wort.
      "Da nun alle eingeladenen Personen angekommen sind, herzlich willkommen Ihnen allen. Sie wissen hoffentlich alle warum Sie hier sind", begann er seine Rede und uns wurde etwas zu trinken gebracht. "Von einem Gefängnis in Colorado wissen wir, dass die Arbeit mit Pferden Jugendliche stark verändern kann. Sie alle", sagte er und zeigte zu erst auf die Gefangenen, dann auf uns: "haben ein besseres Leben bei diesen Leuten verdient. Sie werden die Chance haben, auf einer Ranch zu leben und zu arbeiten, wieder zur Schule zu gehen und sich ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen. Die Arbeit auf der Ranch wird so lange dauern, wie sie Ihre Gefängnisstrafe hier eigentlich absitzen müssten. Wenn sie dann Fuß gefasst haben, können sie selbst entscheiden, ob sie weiterhin auf der Ranch bleiben wollen, oder ob Sie einen anderen Weg einschlagen möchten. Ich wiederhole es nur gerne noch einmal, es ist eine riesen Chance für Sie, etwas aus ihrem Leben zu machen. Ruinieren Sie sich das nicht. Over and out.", sagte der stämmige Mann zum Schluss noch und gab das Wort an die erste Ranch. Insgesammt standen 7 Ranches zur Auswahl, wovon wir die letzte waren, die sich vorstellte. Ich schmiss meinen Stick in den Laptop, startete die Präsentation und wandte mich den Jugendlichen zu.
      "Hallo und herzlich willkommen auch noch einmal von mir und meinen Mitarbeitern. Ich bin Verena O'Connor, das ist meine Cousine Alexis O'Connor, das Aaron Felhorn, Caleb O'Dell, Aliena O'Dell und unser neusterZugang Riley Fortin. Wir kommen von der Gips Reminder Ranch in Kanada und möchten Sie heute aufmerksam auf unseren Hof machen.", sagte ich und atmete einmal tief durch. Es waren doch viele Augen die mich anstarrten und wissbegierig zwischen der Leinwand und meinen Mitarbeitern hin und her sahen. Nun ergriff Caleb das Wort, der nicht so nervös war und mir einfach nur unter die Arme greifen wollte, obwohl er keine Ahnung von der Präsentation hatte. "An erster Stelle steht das Wohl der Pferde auf unserer Ranch. Ich sag es Ihnen sofort klipp und klar wie es ist. Sehen wir einen von euch, der die Pferde misshandelt, seinen es unverdiente Schläge, Tritte oder Sonstiges, sei es mutwillig falsch gemischtes Futter...", sagte er und merkte, wie das Mädchen, welches sich als Octavia herausstellte große Augen machte. "Ja Octavia, man kann ein Pferd umbringen, wenn man sein Futter falsch mischt. Das ist so. Also wo war ich.. ach ja.. wenn ihr den Pferden Leid antut, geht es für euch zurück ins Gefängnis. Es kommt jedoch auf die Schwere des Vergehens an, wir werden da jedoch nicht zimperlich sein. Wenn ihr jedoch meint, euch gegenseitig an die Gurgel zu gehen, dann schön. Wir schicken euch nicht zurück, aber ihr müsst mir Konsequenzen rechnen..", erklärte er und ich räusperte mich, damit ich wieder die schönen Seiten des Ranchlebens erläutern konnte. "Zur Zeit besitzen wir um die 60-70 Pferde. Es kommen und gehen immer andere Pferde, so dass ihr nie mit den Selben arbeiten werdet. Wenn ihr also mit uns auf den Hof kommt, sollte euch bewusst sein, dass wir euch zunächst einen Monat beobachten, wie ihr füttert, mistet, Pferde auf die Koppel bringt, im Haushalt helft und und und.. Bemerken wir besonderes Interesse an den Pferden, bringen wir euch das Reiten bei und ihr dürft uns auf Turniere und Ausritte begleiten.", erklärte ich und setzte dann zu meiner ersten Frage an. "Wer von euch ist denn schon einmal geritten?", fragte ich die jungen Menschen und sah zu meiner Erleichterung, dass Octavia aufzeigte. Ich schenkte ihr ein kurzer Lächeln und sah dann in die Runde. Es sah relativ karg aus. "Wer von euch möchte denn reiten lernen?", zaghafte Hände hier und da, Octavias Hand ganz weit nach oben gestreckt. Die anderen 3 an ihrem Tisch hoben ebenfalls kurz die Hände. "Gut", sagte ich. "Sehr gut. Wisst ihr warum ihr auf der Gips Reminder Ranch besonders gut aufgehoben seit? Wir haben viele Pferde der Westernsparte, Quarter und Paint Horses. Wir haben jedoch auch zwei Missouri Foxtrotter, die es nicht so oft gibts. Zudem haben wir eine ganze handvoll Englische Vollblüter, wir haben Dressur, Spring, Distanz und Military Pferde. Eininge sind auch im Fahrsport tätig. Isländer und Ponies gibt es auch!", erklärte ich ihnen freundlich und sah, wie Octavia sich zu dem Mann an ihrer rechten wandte und ihm freudenstrahlend etwas erzählte. Er strich ihr sanft über den Arm und bewegte sie dazu, wieder nach vorne zu schauen. "Ihr werdet also eine riesige Auswahl an Pferden haben, mit denen ihr täglich arbeiten könnt. An Wochenenden gilt es auch früh aufstehen, auch wenn ihr abends mal raus feiern wart.. ja, das dürft ihr bei uns auch. Jedoch kommt immer einer oder ein paar von uns mit. Wir sind schließlich auch noch jung und möchten das Leben genießen.", sagte ich und lachte kurz, als Caleb mir einen vorwurfsvollen Seitenblick zuwarf. "Ich denke das war alles, wenn ihr noch fragen habt kommt gerne hier zu uns rüber. Danke für eure Aufmerksamkeit!", beendete ich meine Rede und setzte mich unter Applaus wieder an unseren Tisch. Wir redeten eine ganze Weile mit den jungen Leuten, erklärten ihnen noch mehr über den Hof und verließen dann mit den anderen Arbeitern den Raum. Wir bekamen Mappen vorgelegt und sollten uns die Jugendlichen näher anschauen. Es dauerte eine ganze Weile, ehe wir alle Mappen durch hatten und uns wirklich für die 4 entschieden, die ich mir am Anfang schon ausgesucht hatte. Zu meiner Freude hatte jeder der 35 Jugendlichen einen Platz auf einer Ranch gefunden... Voraussetzung war, dass sie dort hin wollten. Auf einer Liste die uns vorgelegt wurde, standen die Namen derer drauf, die auf unsere Ranch wollten. Es waren 7 Leute, von denen wir vier sicher mitnehmen würden, die anderen 3 waren unsicher, weshalb wir zunächst die sicheren Kandidaten verkündeten. "Bellamy Blake, Octavia Blake, Finn Collins und Jonathan Murphy, wenn ihr möchtet, könnt ihr mit zu uns", sagte ich ihnen und die vier nickten. Sie durften aufstehen und ihre Sachen zusammenpacken. Nun standen noch 3 Leute auf unserer Liste.
      Emily, Grace und Ethan. Ich schaute meine Mitarbeiter kurz an. Wir hatten im Auto keine Plätze mehr frei, da im Pick Up nur 3 Sitze waren. Sie schüttelten bedrückt den Kopf. "Leider können wir im Moment nur 4 neue Arbeiter aufnehmen, doch ich weiß welche Ranches euch gerne hätten, da werdet ihr es auch sehr gut haben!", erklärte ich Emily, Grace und Ethan. Ich schüttelte ihnen die Hand und wir 6 machten uns dann zu unseren vier auf. Sie stellten sich uns nochmal einzeln vor und Jonathan wollte einfach nur John oder Murphy genannt werden.
      "Finn und Murphy zu mir, Bellamy und Octavia zu Caleb", sagte ich freundlich und hielt Finn und Murphy die Tür auf, so dass sie in den 7-Sitzer steigen konnten. Bellamy und Octavia gingen zusammen mit Caleb in den Pick Up. Die restlichen Mitarbeiter kamen mit zu mir, so dass es auch gleich losgehen konnte. Die Fahrt dauerte nicht allzulange, so dass wir recht schnell am Hof ankamen und Octavia ohne zu warten aus dem Auto raussprang, um sich umzusehen. Ich wollte ihr noch nachrufen, da nickte mir ihr Bruder, wie ich erfahren hatte, zu und sprang ihr hinterher, um sie am Arm fest zu halten. "O, warte doch", sagte er leise und schaute etwas eingeschüchtert zu mir rüber. Finn und Murphy waren auch schon ausgestiegen und schauten sich mit großen Augen um. "Willkommen in eurem neuen Zuhause!", sagte ich freundlich und blickte in 4 endlos zufriedene Gesichter. "Ich habe euch 2 Zimmer fertig gemacht, eins mit 3 Betten, eins mit 2. Wenn es für dich, Octavia jedoch oke ist, können du und dein Bruder zusammen in einem Zimmer schlafen, anstatt du alleine und die drei Jungs zusammen?", fragte ich sie und sah, wie sie fragend zu ihrem Bruder sah. "Okay, dann das Einzelzimmer. Die Zimmer liegen ja nebeneinander", sagte ich und zeigte auf ihr Gepäck. "Holt euer Zeug, ich zeig euch die Zimmer. Und ihr anderen, ab an die Arbeit!", frügte ich mit Nachdruck an, weil ich sah, wie Caleb mich wieder angaffte. "Caleb, now", sagte ich lachend und gab ihm einen Klaps gegen den Arm. Entschied mich dann jedoch, Caleb mitzunehmen. Ich traute John und Bellamy noch nicht so wirklich über den Weg, vor allem da sie sich die ganze Zeit herablassend anschauten. "Das klappt ja mit euch 3 auf einem Zimmer, oder?", fragte ich skeptisch und schaute zwsichen den 3 Jungs hin und her. "Ja..", sagte Bellamy dann und setzte ein Lächeln auf, ehe er seiner Schwester einen Arm um die Schultern legte und sie zu sich heran zog. Er flüsterte ihr etwas ins Ohr, ehe sie zu strahlen anfing und sich umschaute. "Ich glaube, ich habe genau das richtige Pferd für dich, Octavia", sagte ich und zauberte ihr ein noch größeres Lächeln ins Gesicht. Unterwegs kam uns Amy Lee entgegen, die auch erst seit kurzem hier war. "Amy hat zur Zeit ein Einzelzimmer, aber falls du dich mit ihr verstehst, Ocativa, könnte ihr gerne zusammen in eins", erklärte ich lächelnd, nachdem ich Amy vorgestellt hatte. Dann waren wir an den Zimmern angekommen und ich ließ die 4 in Ruhe auspacken. In der Zwischenzeit ging ich runter in die Küche und bereitete einen kleinen Snack vor, da die vier bestimmt Hunger hatten. Zwischendruch kam Amy in die Küche, um zu fragen, was sie arbeiten solle. In der letzten Zeit ging leider alles etwas drunter und drüber, weshalb die Arbeitspläne natürlich auch hinterher hingen. "Geh die anderen fragen welche Pferde noch übrig sind, die kannst du dann arbeiten", sagte ich lachend. "Spätestens in zwei Tagen sind die neuen Pläne fertig, dann hast du fest zugeteilte Pferde", erklärte ich ihr und fing Octavia ab, die schon fertig mit auspacken war. Sie setzte sich an den Tisch und aß meine Snacks mit Freude, während sie etwas über ihr bisheriges Leben erzählte. Auch Bellamy, Finn und Murphy kamen nach einer Weile in die Küche, um sich zu uns zu gesellen.
      Dann gingen wir zum Offenstall, wo die Jungpferde der Gips Reminder Ranch standen. Nach und nach stellte ich ihnen die Pferde vor. Snapper Little Lena, Miss Holly Golightly, Striga, Natu's Little Harley, Raised from Hell, Ocarina of Time, VK Aquila T Mistery, Magnificient Crow, Crescent Wolf, Blossom Magic, Invest in Enterprise, VK Funky's Wild Berry, Day Gone By, das namenlose Fohlen, welches wir Bellamy 'O tauften, Dynur fra Frelsi, Call of Pripyat, VK Bella's Dun Gotta Gun, Kunis, VK Gunna Whiz, Lil Nucu Omira, Wildfire xx und Zues. Octavia war sofort von den Fohlen begeistert, während Murphy sich besonders für Zues interessierte. Na das konnte ja was werden, dachte ich mir lachend und ging dann mit den vier in den Stall. Zu erst waren die Zuchpferde dran: Amarula van Helsing, Bella Dun Del Cielo, Cherokee Rose, Funky Powerbabe, Goodbye Graceful, Hollywood's Silver Dream, Souls Sisters Brother of Time, Sacramento xx, Spooks Gotta Gun, Stormbringer, Supernova, Wimpys Little Devil und Yoomee. Anscheinend war kein Pferd dabei, was den vier gefiel. Aber das lag wahrscheinlich auch daran, dass sie sowieso nicht mit ihnen arbeiten durften. Dann ging es weiter zu den Vollblütern: Drag me to Hell, I've got the moves like Jagger, Faster, Augen auf! Ich komme, Zuckerschock, Wild Reflex, Nyanda, Scoubidou, Seattle Slew, Priamos Ruffia Kincsem, My lovely Horror Kid, Deadly Ambition, HGT's Massacre Boy, Chocolate Dream und Versatilely Gold. Hier war Octavia nun Feuer und Flamme. Sie wusste gar nicht, welches Pferd sie als nächstes Steicheln sollte. Kurz lachte ich. "Leider dauert es noch eine ganze Weile, bis du eines von diesen reiten darfst, Octavia.", entmutigte ich sie und sah ihr an, wie enttäuscht sie war. "Naja, vllt darfst du dich bald mal auf Chocolate Dream setzen", sagte ich lächelnd und zeigte ihr den Hengst, der ihr brummelnd die Nase entgegenstreckte. "Der ist wunderschön", sagte sie leise und streichelte über seine Nase. "Ja, das ist er."
      Flink klapperten wir nun die Pferde im Trainingsstall ab: Siku, Firewalker, Solitary, Skrúður, Eldrian Antrax, Cauldron of Renascence, Ravi, Blazing Flame, Snuff, Ahyoka, Horror Halloween, Nojrsodsch, Maracuja Limes, Bijou, Náttdís van Ghosts, Genuine Lil Cut, What Lies Ahead, Gun and Slide, Lovely Summertime, Sympathy for the Devil, Comeback of a fallen Goddess, My sweet little Secret, Marly's Pluie, Crusing's Dawn of Hope, Annie get your gun, My Blue Gun, Your possible Pasts, Hot Smoking Chex, Sheza bat cat, HGT's Enjoy Nature, Woodstock Lady, Ciel.os Double Dun It und Lucy never say goodbye.
      Spätestens jetzt war mindestens ein Pferd dabei, wofür sich die vier begeistern konnten. Außer natürlich Octavia, denn sie war für jedes Pferd zu begeistern. "Ich hoffe, euch hat der kleine Rundgang gefallen und ihr habt ein Pferd gefunden, das ihr später mal arbeiten möchtet.", erklärte ich ihnen fröhlich. "Doch bis da hin, ab an die Arbeit", fügte ich nun lachend bei und drückte jedem eine Mistgabel in die Hand, mit denen ich sie in die Boxen schickte, wo die Pferde schon auf der Koppel standen.

      Pflege und Ausritt
      April 2016, by Canyon
      Ich hätte nie gedacht, dass die Gips Reminder Ranch so viele Pferde beherbergte, jedoch waren immer noch welche zu versorgen, nachdem ich bereits bei den Jungpferden und einigen Trainingspferden gewesen war.
      Die ganze Mannschaft versammelte sich sogleich vor den nächsten Pferden, welche auf die Weide gebracht werden sollten. Wieder gab Verena die Anweisungen, was nun genau passieren sollte. Natürlich hatten auch alle anderen bereits den täglichen Ablauf verinnerlicht, jedoch war es lieb von ihr, dass sie es für mich nochmal erklärte.
      »Wie immer kommen alle Pferde auf ihre Weiden, oder wartet, was haltet ihr von einem gemeinsamen Ausritt, nachdem die Arbeit im Stall erledigt ist?«, fragte sie in die Runde. Darauf gab es viel Genicke und zustimmendes Gemurmel, was wohl bedeuten sollte, dass alle damit einverstanden waren.
      »Gut, dann sucht euch jeder ein passendes Pferd aus und sagt mir Bescheid, welches ihr nehmen wollt, nicht, dass es ausversehen mit nach draußen gebracht wird.« fügte sich noch hinzu und wandte sich dann an mich, als alle auseinander wuselten, um ein Pferd zu wählen und mit der Arbeit zu beginnen. »Möchtest du denn mitkommen? Es würde mich sehr freuen und außerdem hättest du gleich noch ein kleines Dankeschön.« fragte Verena mich freundlich.
      Klar freute ich mich auch und wollte gerade zu einem Dankeschön ansetzen, als ein junger Mann den Stall betrat. Natürlich erkannte ich ihn sofort wieder, ich hatte ja erst vor kurzem ein Pferd von ihm gekauft und würde sogar bald zu Besuch auf seiner Ranch sein, um ein Pferd zu trainieren, aber hier hätte ich ihn jetzt nicht unbedingt erwartet.
      Svejn hielt mir freundlich seine Hand zu einer Begrüßung entgegen und drückte Verena kurz, welche ihm auch so gleich erklärte, dass ein kleiner gemeinsamer Ausritt anstand. Svejn zögerte kurz, ließ sich aber dann doch dazu überreden, sich uns anzuschließen.
      »Verena, welches Pferd würdest du mir denn zutrauen?«, fragte ich sie, nachdem die Diskussion mit Svejn beendet schien. Sie überlegte kurz und ich sah ihr deutlich an, wie sie all ihre Pferdenamen durchging, bevor sie sagte: »Amarula, die ist echt geländesicher und mit ihr auszureiten macht echt viel Spaß. Das ist die hübsche Paint Stute, gleich am Anfang des Stalls.«
      Ich bedankte mich bei ihr und folgte den anderen dann in den Stall, wo sie bereits dabei waren, die Pferde aufzuteilen.
      Zu erst waren natürlich wieder die Hengste an der Reihe. Immer diese Männer, welche einfach keine Geduld hatten! Zum Glück waren es nur acht, sodass sich vier zusammen fanden, welche sie nach draußen bringen würden.
      Darunter war auch eine weitere Aushilfe, welche Samuel hieß und hier für etwas Geld ab und zu auch mal mit anpackte, wie mir Aaron erklärte. Ich merkte ihm jedoch an, dass er Samuel nicht ganz so mochte, wie er zu gab und als ich nochmal etwas tiefer nachhackte, erzählte er mir auch seine Gründe. »Er ist einfach anstrengend und weiß ständig alles besser und dazu hat er noch Ähnlichkeiten mit Caleb-« Hier beendete er seine Erklärung und wandte sich von mir ab.
      Samuel schien sich das Sagen etwas an sich gerissen zu haben, obwohl er nicht zum Team gehörte, denn er verteilte an Octavia, Aaron und mich die Pferde. Ich war trotzdem recht zufrieden mit meinen Beiden: Stormbringer und Abraham van Helsing. Samuel teilte sich selbst Soul Sisters Brother of Time und Genuine Lil Cut, sodass für Octavia und Aarin nur noch What Lies Ahead, Willo' the Wisp und Cauldron of Renascence und Race is Hope übrig blieben. Zu viert führten wir die Hengste auf die Weiden, während die anderen im Stall bereits die Stuten fertig machten und auf die Weiden brachten.
      Als wir zurück kamen, sah ich gerade noch, wie Svejn und Verena zu zweit die fünf restlichen Stuten auf die Weide brachten und sich dabei genüsslich über etwas lustiges zu unterhalten schienen.
      Ich stupste Octavia leicht an und fragte sie dann nach den Pferdenamen, denn ich wollte so schnell wie möglich all diese ganzen Namen lernen.
      »Das große Vollblut was Verena führt heißt Drag Me To Hell und daneben ist Supernova. Beide stehen zur Zeit auch zum Verkauf. Dieser Svejn führt KS' Steel Heart, Snuff und Yoomee, für die sucht Verena wahrscheinlich auch einen neuen Besitzer. Also falls du Interesse hast - «
      Ich schüttelte schnell den Kopf, musste aber trotzdem lachen. »Ne du, ich habe genügend bei mir zu Hause stehen!«
      Octavia zuckte nur mit den Schultern und verschwand dann im Stallgebäude – Ein interessantes Mädchen.
      Da gerade alle anderen bereits dabei waren ihre Pferde für den Ausritt fertig zu machen, schloss ich mich ihnen an und machte erste Bekanntschaft mit Amarula van Helsing, einer hübschen Paint Horse Stute, welche sich darüber zu freuen schien, dass es wieder hinaus in die Natur ging.
      Wie auch alle anderen putzte ich sie ausgiebig und gründlich, jedoch mit einem Blick auf die anderen, und ließ mir dann von der jungen Amy ihr Sattelzeug zeigen.
      Interessanterweise war ich doch genauso schnell wie die ganze Mannschaft, welche sich vor dem Stall versammelte und nur noch auf Verena und Svejn wartete, welche natürlich etwas länger gebraucht hatten.
      So lange wie ich noch Zeit hatte, versuchte ich die Namen der Pferde zu lernen, welche mit auf den Ausritt kommen würden. Wenn ich einen Namen nicht wusste, benahm ich mich etwas kindisch und fragte den nächstbesten, bis ich ihm Kopf eine kleine Liste von allen hatte.
      Octavia würde den hübschen Argo reiten, Alexis die Cherokee Rose, Aaron den großen Sacramento XX, Amy Lovely Summertime, Samuel Funky Powerbabe, Aliena den hübschen Spooks Gotta Gun und Riley Wimpys Little Devil.
      Als auch Verena und Svejn mit gesattelten Pferden aus dem Stall kamen, hatte ich die Namen schnell erfragt und ärgerte mich darüber, dass ich nicht selbst erkannt hatte, dass das Pferd an Verenas Seite niemand anderes als Bella Dun Del Cielo war, eine der bekanntesten Pferde der Ranch. Den Namen des Hengstes neben Svejn hörte ich jedoch das erste Mal: Hollywood's Silver Dream. Trotzdem gefiel er mir und passte dazu noch perfekt zu Bella.
      Ich schwang meiner Amarula nun die Zügel über den Hals und suchte mir einen etwas größeren Stein, von welchem aus ich mich in den bequemen Westernsattel der Stute zog. Um ich herum taten es mir neun Leute gleich, sodass wenige Sekunden später ein kleiner Tross das Gelände verließ.
      Schon nach wenigen hundert Metern hatten sich kleine Grüppchen gebildet, je nachdem wie schnell ein Pferd ging un natürlich auch, welches Pferd und welcher Reiter sich mit wem gut verstand.
      Ich ritt zusammen mit Svejn und Verena an der Spitze, fühlte mich jedoch etwas unwohl, als die beiden über Geschichten erzählten, welche ich nicht verstehen konnte. Ich ließ mich deswegen bald etwas zurück fallen und fand mich neben Samuel und seinem Funky wieder, welche uns gekonnt ignorierten.
      Mich störte es nicht weiter, so hatte ich jedenfalls genügend Zeit mich umzusehen und mich mit meiner Amarula zu beschäftigen.
      Auch als wir gemeinsam das Tempo erhöhten, schienen Funky und Amarula nebeneinander bleiben zu wollen, was ich extrem knuffig fand.
      Wir waren nicht lange unterwegs und trotzdem hatte ich das Gefühl, jede Menge von der Landschaft gesehen zu haben und dazu war ich noch mit Amarula fast perfekt zurecht gekommen, aber das war ja auch von einer Trainerin zu erwarten!
      Insgesamt war das Tempo recht langsam gewesen, doch das war kaum aufgefallen, da vorallem viel erzählt und gelacht wurde, auch wenn einige, vorallem Samuel, sich aus den meisten Gesprächen heraus hielten.
      Zurück auf dem Gestüt ließ sich jeder aus dem Sattel gleiten und putzte sein Pferd etwas über, bevor auch diese zu den anderen auf die Weide kamen.
      Es war bereits Nachmittag und bis ich heute Abend bereits wieder nach Hause fahren würde, wartete noch einige Stallarbeit auf uns. Nicht nur Ställe mussten ausgemistet werden, sondern auch Heunetze aufgefüllen, Weiden abgeäppeln und Futter vorbereiten stand auf dem Plan, sodass jeder alle Hände voll zu tun hatte.
      Ich half vorallem im Stall, wo ich die Hinterlassenschaften der Pferde, Box für Box in die Schubkarre und dann auf den Misthaufen beförderte.
      Die Sonne ging bereits unter, als ich meinen Rucksack aus dem Haus holte und mich von allen verabschiedete, denn auch ich musste wieder nach Hause, wo genauso viel Arbeit auf mich wartete. Ich war mir sicher, dass es nicht mein letzter Besuch auf der Gips Reminder Ranch gewesen war!

      Koppelbesuch & erschreckende Entdeckung
      Juni 2016, by Veija
      Nachdem Bellamy und ich die Hengst neu vergesellschaftet hatten, wollten wir den gekrönten Stuten einen Besuch abstatten, die ihr Leben als Zuchtpferde auf einer weiten Weide verbachten. Einige von ihren würden bald zurück in den Sport kommen, andere würden ihr restliches Leben Zuchtstute sein, sie hatten schon genug gearbeitet. Auch einige Fohlen sprangen auf der Koppel herum. Zu erst hielt ich Ausschau nach der Leitstute Amarula van Helsing und ihrem wunderschönen Fohlen A Gun Colored Rose, auf das ich wahnsinnig stolz war. Der Vater war niemand anderes als der berühmte Dissident Aggressor. Aus dem Fohlen konnte eigentlich nur ein Spitzensportler werden!
      Dann trabte Augen auf! Ich komme mit ihrem Hengstfohlen Golden Redstar in mein Blickfeld. Der junge Hengst war ein Sohn von Golden Ebano.
      Bella Dun Del Cielo und Cherokee Rose grasten zusammen, Drag me to Hell und ihr Fohlen Drags Solo Queen von Pawaneeh standen zusammen mit Like Twist and Gun, ein Fohlen von Genuine Lil Cut aus der Like Honey and Milk, welche sich leider nicht mehr in meinem Besitz befand.
      Lovely Summertime und Snuff standen wie immer etwas abseits und grasten. Ebenfalls standen Supernova und Yoomee am Waldrand. Nur Wimpys Little Devil mit ihrem dicken Babybauch bereitete mir ein wenig Sorgen. "Schau mal Devil.", sagte ich zu Bellamy. "Ich glaube das Fohlen kommt bald, wir holen sie besser mit in den Stall." Bellamy nickte. Wir hatten immer ein Halfter versteckt an den Koppeln liegen, da es doch ein gutes Stück zurück zur Ranch war. Angst vor einem Pferdeklau hatten wir nicht, seit neustem hatten wir Kameras überall auf der Ranch installiert, die die Videos sofort ins Haus sandten.
      "Komm, mein Schatz...", sagte ich und ging vorsichtig auf die Stute zu. Sie brummelte mir nur leise entgegen und legte nichtmal die Ohren an. "Irgendwas stimmt hier überhaupt nicht.", sagte ich besorgt zu Bellamy. "Ruf sofort Scott an!", sagte ich höchst besorgt. "Komm dann mit dem Trailer hier hin, sie soll nicht bis zum Stall laufen müssen." Bellamy nickte und lief, ja er lief, zu meinem Erstaunen so schnell er konnte in Richtung Stall. "Ist gut, Mädchen", versuchte ich sie zu beruigen und ging langsam mit ihr über die Koppel bis zum Ausgang, wo wir auf den Weg gehen konnten. Dort wartete Bellamy schon. Er hatte sogar Caleb im Schlepptau, welcher sich Devil sofort ansah. "Vielleicht liegt das Fohlen ja falsch...", schlussfolgerte er. "Hast du Scott angerufen?", fragte er dann Bellamy, welcher nickte. "Er kommt so schnell er kann." "Hast du auch gesagt, dass Scott kommen soll? Keiner seiner lächerlichen Auszubildenden, die gehen mir nicht an dieses Pferd.", sagte er harsch. "Caleb...", meinte ich nur und ließ ihn dann meckern, die Stute war mir nun wichtiger.
      Wir luden Devil ein und fuhren sie auf den Hof, wo wir sie ausluden und in eine der großen Boxen stellten, die wir zum Fohlen gebaut hatten. "Wann kommt er denn?", fragte ich Bellamy nervös. Devil schien es von Minute zu Minute schlechter zu gehen. "Er müsste gleich kommen..", meinte Bellamy nun auch sichtlich nervös und lief andauernd nach draußen, um auf Scott zu warten. "Hallo Scott, hier ist Verena O'Connor. Der Stute scheint es von Minute zu Minute schlechter zu gehen, sollen wir in die Klinik kommen?", fragte ich ihn und wartete auf eine Antwort.

      Pflege
      September 2016, by Veija
      Im Moment war leider überhaupt keine Zeit für nichts, weshalb ich heute Pferdetraining im Schnelldurchlauf machen würde. Anfangen wollte ich mit Abraham van Helsing, welchen ich einfach nur aufhalfterte und auf die Koppel brachte, die Box würde einer meiner Mitarbeiter misten, das musste ich nicht machen. Das nächste Pferd war Augen auf! Ich komme. Ich halfterte auch sie auf und brachte sie einfach nur auf die Koppel, ebenso tat ich es mit Cauldron of Renascence und Cherokee Rose. Die beiden kamen auch auf die Koppel und freuten sich über das frische Gras. Eldrian Antrax und Jacs Topnotch Pine kamen in die Führanlage, wo ich What Lies Ahead auch noch rein stellte. Yoomee und Versatilely Gold stellte ich noch auf die Koppel, bevor ich wieder zum Stall ging und mich um die Futterrationierung kümmerte.
    • Veija
      Letzte Chance
      Oktober 2016, von Occulta
      Ich war wie immer früh auf den Beinen, denn Zeit war kostbar auf einem grossen Gestüt wie Pineforest. Meine Rippen spürte ich zwar bei jedem Schritt, aber das hielt mich nicht davon ab, für Lily Frühstück zu machen und anschliessend in den Hauptstall zu wandern. Zira und Sheela folgten mir treu, während Jacky lieber mit Lily rumblödelte. Oliver fing mich schon beim Eingangstor ab. „You’re not gonna ride. No way.“ „But I’m fine! It only hurts a little bit, and I don’t feel much when I sit”, motzte ich. “I think we should reduce your painkillers, you don’t notice your broken ribs enough”, meinte Oliver nüchtern. Ich seufzte und gab mich geschlagen. Er hat ja Recht… aber trotzdem – ich kann doch nicht einfach rumsitzen und zusehen! Doch schon eine halbe Stunde später tat ich genau das. Genervt tappte ich mit den Fingern auf meine Knie und beobachtete die Jockeys mit Adleraugen. Ich hatte mich auf einem der Gartenstühle niedergelassen, die Oliver zuvor hatte anschleppen müssen. Er sass neben mir und lehnte sich, die Genugtuung ins Gesicht geschrieben, zurück. „These chairs are fantastic. Why didn’t we use them earlier?“, bemerkte er fröhlich. Ich grummelte etwas Unverständliches vor mich hin und konzentrierte mich auf die Vollblüter.

      Wenig später setzte ich mich in die Reiterstube und beobachtete durch die Glasscheibe die Dressurarbeit von Lisa und Fajir. Es war eine der letzten Trainingseinheiten, die er mit der Pflegerin haben würde. Ich hatte den Cremello Hengst an einen jungen Mann aus der entfernteren Nachbarschaft verkauft, weil er ihm so gut gefallen hatte. Ich hatte nie einen besonderen Draht zu Fajit gehabt, trotzdem war ich natürlich etwas traurig, dass er Pineforest verlassen würde. Doch einen Trost gab es: Der Käufer hatte vor, in Zukunft mindestens einmal pro Woche hier an den öffentlichen Reitstunden teilzunehmen, sodass wir Fajir wohl noch oft zu sehen bekommen würden. Was Verkäufe anging war Fajir nicht der einzige Fall – auch Blütenzauber war weg. Sie war gewissermassen ihrem diesjährigen Fohlen Savory Blossom nachgefolgt und lebte nun bei Hunter Crowley. Ich hatte viel mit der Stute erlebt, in der Zeit, in der sie mir gehörte. Hatte sie von der eher durchschnittlichen Jungstute bis zu ihrer Körung aufgebaut und im Gegenzug hatte sie mir ein paar wundervolle Fohlen geschenkt; einmal sogar Zwillinge. Merino und Primo Viktoria entwickelten sich prächtig, und besonders Primo erinnerte mich oft an ihre Mutter. So blieb wenigstens ein Teil von ihr auf Pineforest. Nicht verkauft, aber gewissermassen pensioniert hatte ich Alufolie. Die Miniature Horse Stute hatte in ihrem Leben genug Fohlen gehabt und durfte ein neues Leben auf einem Bauernhof beginnen, unter Betreuung eines fünfzehnjährigen Mädchens. Des Weiteren verliessen uns Argenté Noir und Daydreaming Sorrow, um Teil der bekannten Milky Way Welsh Zucht zu werden. Auch die beiden liess ich nur ungern ziehen, aber dort wartete eine spannendere Zukunft als bei mir, wo sie nur als Freizeitponys dienten. Lila Wolken zog erneut um – zurück zu Eddi. Und dann war da noch Herkir, für den ich ein verlockendes Kaufangebot bekommen hatte. Noch hatte ich nicht zugestimmt, aber ich wollte mich im Verlaufe des Tages entscheiden. Der Haken daran war, dass Jonas so sehr an dem Isländer hing. Ich beobachtete den Pfleger auf dem Rückweg aus der Halle beim Nebenstall. Er fegte gerade die Reste vom Hufeauskratzen zu einem ordentlichen Häufchen. Er wird bestimmt ziemlich traurig sein, wenn ich Herkir weggebe… Aber Herkir käme in einen professionellen Betrieb für Islandpferde, wo er optimal gefördert werden würde. Warum müssen Entscheidungen immer so schwer sein?

      „Hey David! Wie geht es Echo?“, fragte ich den Pfleger, als ich um halb Zwölf Uhr abermals beim Nebenstall vorbeischlenderte. Er putzte die verletzte Stute gerade. „I’d like you to look at this; I think her leg is warm again“, antwortete er besorgt und zugleich erleichtert, dass ich aufgetaucht war. Ich ging zu den beiden hin und tastete das verletzte Vorderbein der Stute ab. Eigentlich hätte es mittlerweile deutlich kühler sein sollen, und auch die Empfindlichkeit hätte abnehmen müssen. Doch Echo zuckte unsicher, als ich das Bein berührte und hob es immer wieder an. Besorgt meinte ich zu David: „Das gefällt mir nicht. Ich rufe Eddi nochmal an, es sollte eigentlich schon deutlich besser sein, aber seit die Schmerzmittel abgesetzt sind, ist es wieder schlimmer geworden.“ Meine Sorge bestätgte sich; Eddi war alles andere als begeistert, diese Neuigkeiten zu hören. Sie riet mir, das Bein gründlich zu kühlen und die Stute nur leicht im Schritt an der Hand zu bewegen, bis eine Verbesserung sichtbar war. Sie selbst hatte gerade zu viel zu tun um vorbeizukommen, doch sie gab mir die Nummer eines anderen Tierarztes, der gegen Abend rasch Zeit haben würde. Ich wollte absolut sichergehen, dass wir nichts falsch machten.

      Nach dem Mittagessen kümmerte ich mich um einen Neuzugang: die Connemarastute Yoomee. Ich hatte sie aus Mitleid gekauft, weil sie dringend einen neuen Platz suchte und sie offenbar niemand sonst wollte. Die Stute war mir nicht unbekannt gewesen (sonst hätte ich das Abenteuer nicht gewagt). Ich hatte sie schon ein paarmal an Wettbewerben gesehen, und sie hatte mir eigentlich immer ganz gut gefallen. Jedenfalls gehörte sie nun mir, und stand in ihrer neuen Box im Nebenstall. Sie hatte ein hübsches Kopfabzeichen, und ihre schicke Fellfarbe fand ich besonders toll. Die Stute war sogar gekört, hatte aber bisher nur einen einzigen Nachkommen. Darüber war ich eigentlich ganz froh, besonders wenn ich an Rosie mit ihrer Farasha dachte. Es würde noch Jahre dauern, bis die ehemalige Zuchtstute nach all den Fohlen ihre schöne Figur zurückhatte. Ich holte Yoomee nur raus um sie zu putzen, reiten konnte ich sie ja im Moment leider noch nicht. Als ich mit ihr fertig war, schlenderte ich durch den leeren Stutentrakt des Hauptstalls. Alle Vollblutstuten waren auf der Weide und man hörte nur die Hengste im anderen Teil des Stalls, die bereits am Vormittag nach dem Training draussen gewesen waren. Doch auf einmal durchbrach ein nahes Rascheln die Stille. Verdutzt entdeckte ich Pointless‘ Hinterteil in ihrer Box. Ich lief zu ihr und runzelte die Stirn. „Haben sie dich etwa vergessen?“ Ich sah mich um, aber es war gerade kein Pfleger in der Nähe. Seufzend, aber entschlossen packte ich Halfter und Seil, die an ihrer Boxentür hingen, und führte die Stute hinaus ins Freie. Auf dem Weg zu den grossen Weiden begegnete ich Darren und Parker, die mich besorgt fragten, ob ich klarkäme. Ich beschwichtigte die beiden, dass ich alles im Griff hätte. Doch wie immer zeigte Pointless spätestens bei den Tannen des Galoppweges ihr wahres Gesicht. Sie begann plötzlich neben mir zu tänzeln und wollte mich dauernd überholen. Ich hielt den Strick mit geballten Fäusten fest, entschlossen die Stute nicht loszulassen, obwohl meine Rippen bereits wieder zu stechen begannen. Ich drehte mit dem Seilende vor der Schnauze der Stute und drückte mit dem Ellbogen von mir weg, damit sie mich nicht einfach wegrempeln konnte. Sie wieherte in ohrenbetäubender Lautstärke nach ihren Kumpels und sog hörbar Luft durch die aufgeregt geblähten Nüstern. „What the – What is wrong with you?!“, rief ich aufgebracht, biss die Zähne zusammen und schickte Pointless ein paar Schritte rückwärts, um sie in den Griff zu bekommen. In diesem Moment flog in den Zweigen über uns irgendein Vogel auf. Pointless zuckte zusammen, und mir wurde in Bruchteilen einer Sekunde klar, was als nächstes passieren musste. Sie schoss an mir vorbei und bretterte über den kurzen Rasen der Rennbahn in Richtung Weiden. Wie einen Kartoffelsack zog sie mich ein paar Meter mit, dann musste ich loslassen, weil die Schmerzen in meinem Brustkorb einfach zu gross wurden. Ich rappelte mich auf, meinen Puls deutlicher als sonst spürend. Pointless bremste bei den Weiden nicht, sondern preschte im vollen Galopp geradewegs Richtung Dorf. „HELP!“, schrie ich zurück in Richtung Stall, ehe ich mich an der Verfolgung versuchte. Zum Glück hatten Oliver, Parker und Darren mich gehört, denn schon eilten sie herbei. „Are you okay?“, fragte Parker ausser Atem. „Yeah, but Pointless is getting away again!“, antwortete ich in die Richtung deutend. “Why the hell did you take her out?! You knew she was dangerous! And in your condition…”, schimpfte Oliver aufgebracht. “I thought… Well she was all alone” “That was because she almost knocked Ajith out when he tried to take her! We intended to leave her inside and wait until she calmed down!” “There’s no time, she’s heading towards the village”, erinnerte uns Parker. “Come back with us, we go get some horses and catch her, but you stay home and wait.” Ich wollte schon wieder protestieren, aber Oliver liess keine Diskussion zu. Die drei sattelten Dod, Calico und Burggraf aus dem Nordstall und ritten sofort mit Lassos bewaffnet los. Ich bezweifelte, dass sie damit wirklich umgehen konnten, aber im Zweifelsfall war es besser als nichts. Als sie nach einer halben Stunde noch nicht zurückwaren, hielt ich es nicht länger aus und fuhr mit dem Auto hinterher. Ich checkte die Umgebung, während ich auf den Quartierstrassen am Rand des Dorfes umherirrte. Plötzlich hörte ich eine Sirene und ein Polizeiwagen bog vor mir in die Strasse ein. Mit einer dunklen Vorahnung folgte ich ihm. Wie in Trance stieg ich aus dem Auto, als ich die Unfallstelle erreichte, auf die die Polizisten zugesteuert hatten. Da lag sie, regungslos und mit einigen hässlichen roten Flecken auf dem gepunkteten Fell. Vor ihr stand ein Auto mit Totalschaden, der Fahrer war bewusstlos. Oliver, Parker und Darren hielten schweigend ihre Pferde und beobachteten, wie der Krankenwagen eintraf. Meine Hände zitterten, als ich den Puls des gepunkteten Vollbluts zu ertasten versuchte. Doch es war zwecklos; Pointless war frontal erwischt worden und bei dem Zusammenprall sofort tot gewesen. Ich fühlte meine Rippenschmerzen längst nicht mehr – alles, was mir durch den Kopf ging, war: Am Ende ist dir dein Verhalten selbst zum Verhängnis geworden… Ich wandte mich entkräftet ab und stand zu meinen drei Pflegern rüber, denn natürlich mussten jetzt eine Menge Formalitäten mit der Polizei geklärt werden.

      Erst gegen Abend war ich zurück auf dem Hof, gerade rechtzeitig um die nächste schlechte Nachricht in empfang zu nehmen: Echos ‚Rückfall‘ kam nicht von direkt ihrer Beinfraktur, sondern aus der Schulter. Der Tierarzt erklärte, dass sie sich offenbar bei dem Sturz eine weitere, bisher unentdeckte Verletzung an der Schulter zugezogen hatte. Als die Schmerzmittel dann abgesetzt worden waren, hatte sie diese wohl gespürt und eine für das Bein unvorteilhafte Entlastungshaltung eingenommen, was wiederum die beobachteten Auswirkungen auf dieses gehabt hatte. Durch die Sache mit der Schulter bekam Echos Zukunft eine neue Wendung: nur noch bedingt reitbar. Niedergeschlagen zog ich mich ins Haus zurück, nachdem der Tierarzt gegangen war. Ich dachte lange nach und kam zu dem Entschluss, Echo zu Gianna auf die Gnadenweide zu geben. Eine bessere Möglichkeit sah ich nicht, denn dort würde sie den anstrengungsfreien Auslauf bekommen, den sie jetzt brauchte. Ich rief dem Bauern an, dem die Weide gehörte und besprach alles mit ihm. Bis es ihr etwas besser ging würde Echo noch hier bleiben, und danach zu meiner pensionierten Criollo-Stute ziehen. Ich legte mich aufs Sofa und starrte an die Decke. Lily war mit den Hunden drausse, sodass im Haus Totenstille herrschte. In Momenten wie diesen kommt es mir vor, als wäre ich eine Marionette, die nach den willkürlichen Fäden eines Autors tanzt, der gerade an seinem ersten Roman sitzt und verzweifelt versucht, Spannung hineinzubringen, um die Leute zu unterhalten. Aber vielleicht ist das auch einfach nur das Los des vielfachen Pferdebesitzers, das ich hier zu spüren bekomme. Ich meine, es kann ja nicht immer nur gut gehen, oder? Aber heute hat sich das Schicksal mal wieder gegen mich verschworen. Ich überlegte, den restlichen Abend im Haus zu verbringen, entschied mich dann aber doch dagegen. Ich kann mich ja mit den Pflegern besaufen oder so. Lewis ist eine humorvolle Ablenkung, wenn er zu tief ins Glas geschaut hat – na gut, das ist er eigentlich auch sonst. Gerade, als ich das Haus verlassen wollte, klingelte das Telefon. Die Nummer kam mir bekannt vor. Ach ja! Herkir… Ich drückte den Knopf und überlegte, was ich sagen sollte. Bilder von früher schossen mir durch den Kopf. Ich sah Herkir als zotteligen Dreijährigen vor mir, wie er eher scheu und wild war. Dann beim Einreiten, bereits viel offener für die Welt der Zweibeiner. Auch an den Knicklichter-Event erinnerte ich mich, wo wir eine Menge Spass mit ihm und Loki gehabt hatten. Und dann die ganzen Turniere, die er in letzter Zeit gewonnen hatte! Ich fragte mich, ob er in einem professionellen Betreib nicht sogar noch mehr Erfolge holen würde. Doch dann dachte ich daran, wie sehr Loki und er zusammenklebten und fragte mich, ob er auf einem anderen Hof glücklich wäre. Und mir kam Jonas in den Sinn, der mir den Verkauf des Hengstes nie verzeien würde. Ich traf meine Entscheidung.

      Lustlos schlenderte ich zum Hauptstall, doch viel gab es nicht mehr zu tun; die Pfleger räumten bereits auf und wischten ein letztes Mal die Stallgasse. Jemand tippte mir auf die Schulter, und als ich mich umdrehte, umarmte mich Jonas. „Nicht weinen Occu, das Leben geht weiter…“ „Ich weine nicht! Du brichst mir nur gerade die frisch verwachsenen Rippen erneut durch!“, stiess ich mit zusammengebissenen Zähnen hervor. Er liess mich erschrocken los und entschuldigte sich. Ich war dankbar für seine Nähe, die mir mehr Trost gab als jedes seiner Worte. „Ich wünschte, ich könnte etwas für dich tun. Das Punktevieh war gemeingefährlich, aber ich weiss, wie sehr sie dir dennoch am Herzen lag.“ „Du brauchst nichts weiter zu tun als mich normal zu behandeln. Ich bin nicht der Typ Mensch, der nach Mitleid bettelt.“ „Normal, huh? Okay.“ Ich sah ihn stirnrunzelnd über die letzte Bemerkung an, zuckte mit den Schultern und wandte mich zum gehen um. Da hielt er mich am Arm zurück. „Warte. Bist du dir sicher, dass ich dich einfach nur ‚normal‘ behandeln soll?“ Er wirkte plötzlich viel ernster als sonst, und ich zögerte verwirrt. „…Weil das möchte ich nämlich nicht. Ich will dich nicht länger ‚normal‘ behandeln.“ „Was meinst du?“ „Ich meine, dass ich dich zu sehr mag, um dich normal zu behandeln.“ „Ist das wieder eines deiner Spiele?“, fragte ich ungerührt. „Nein. Diesmal nicht.“ Erst jetzt begann mein Herz zu pochen, doch auf eine andere Art, als zuvor auf der Unfallstelle. Es pochte lebendiger. Ich war sprachlos, weil mir einfach nichts einfiel, was ich dazu hätte sagen können. So lange hatte ich gewartet, auf diesen einen Moment – und jetzt, wo er endlich da war, brachte ich keinen Muks heraus. „Das mag jetzt vielleicht doof klingen, aber seit Jack gestorben ist, habe ich immer gehofft, dir das eines Tages sagen zu können.“ Nun kam meine Skepsis ins Spiel. „Ach ja? Und dazwischen hattest du mal rasch Stimmungsschwankungen mit Lisa.“ „Das… Ja, das war ein Fehler. Du bist mein Boss, und ich hatte das Gefühl, dass du dich nie auf mich einlassen würdest. Als Lisa zu mir kam und mich fragte, sah ich es als Möglichkeit mich abzulenken, weiter habe ich nicht überlegt.“ Aus irgendeinem Grund fühlte sich das nicht richtig an. Hier stand ich, mit meinem heimlichen Schwarm, der mir soeben seine Gefühle gestanden hatte, und doch hatte ich Zweifel. War es nicht schrecklich unfair von ihm, Lisa Hoffnungen zu machen, wenn er tatsächlich jemand anderen im Sinn hatte? Könnte er dieselbe Nummer nicht auch genau so gut auch mit mir durchziehen? Oder kann ich ihm wirklich glauben schenken? Eine weitere entscheidende Frage schoss mir durch den Kopf, ehe ich sie aussprach: „Was hat dich dazu bewogen zu glauben, dass mich jetzt für dich entscheiden würde, wenn du vorher daran gezweifelt hast?“ Schliesslich habe ich mein Verhalten nicht geändert, im Gegenteil – ich habe mich seit der Geschichte mit Lisa eher von ihm Distanziert. „Ajith hat mir Mut zugesprochen. Er meinte, dass du vielleicht ganz ähnlich fühlen könntest wie ich und selbst wenn nicht, sei es einen Versuch wert.“ Überrascht starrte ich ihn an, dann schlich sich ein Lächeln auf mein Gesicht. Ajith… Und ich habe immer noch nicht mit Quinn geredet… Ich bin solch eine schlechte Person. “Gib mir etwas Zeit um nachzudenken, okay? Ich muss erstmal mit dem Sturm in meinem Kopf zurechtkommen, bevor ich eine Kurzschlussreaktion habe, die ich später bereuen könnte.“ Er öffnete den Mund und wollte etwas erwidern, doch dann nickte er nur und lächelte mich an. Ich liebte den Ausdruck seiner Augen, die trotz meiner etwas unromantischen Antwort hoffnungsvoll schienen. „Es wird dich vielleicht freuen zu hören, dass ich Herkir nicht verkaufe. Ich hänge zu sehr an ihm, und ich weiss ja, dass es dir gleich geht.“ „Danke Occu. Das war die richtige Entscheidung, glaub mir. Herkir wird dich nicht enttäuschen.“ Wir wandten uns zum Gehen um. Beim Pflegerheim stand eine Gruppe schnatternder Pfleger; mittendrin Rita, die ziemlich aufgeregt wirkte. „Was ist denn hier los?“, wollte ich neugierig wissen. „Rita hat soeben herausgefunden, dass Calico in Wirklichkeit gar nicht Calico heisst!“, rief Lisa aus. „Waaaas?“ „His real name is ‚Chalicó Azul Espada‘, look!“ Rita zeigte mir ein Foto auf einer Argentinischen Website auf ihrem Handy. Tatsächlich – dort war der hübsche graue Hengst als Zweijähriger abgebildet, unverkennbar durch seine auffälligen Abzeichen. „Wie ist das möglich?“ „Father never told me where he got him from, I didn’t really care either. All that was important to me back then was to get a horse, no matter what origin. I’m surprised tough, that he imported him all the way from Argentinia for me…” Ich war ziemlich durcheinander und sah mir die Website nochmal gründlich an. Es schien sich um eine der bekannteren Zuchten zu handeln, jedenfalls hatten sie ganz schön viele Zuchthengste und die Preise waren happig. Ich dachte mit einem schadenfreudigen Schaudern daran, dass ich den Hengst ziemlich viel billiger bekommen hatte. „Und jetzt? Benennen wir ihn um?“, fragte Jonas scherzend. „Nö, für uns wird er immer Calico bleiben. Aber wir könnten seinen richtigen Namen für Turniere und so verwenden.“ Der Vorschlag kam gut an. Ich beschloss, demnächst mehr über Calicos Herkunft in Erfahrung zu bringen; mir kribbelte es förmlich in den Fingern, wenn ich daran dachte. „Gute Nacht Occu“, murmelte Jonas liebevoll, als ich bekanntgab, dass ich mich jetzt ins Haus zurückziehen würde. Dies war wirklich ein Tag der Extreme gewesen.

      Glühweinritt (RS 65)
      Januar 2017, von Occulta
      Heute wollte ich meine neue Ponystute Yoomee auf Herz und Nieren testen – oder anders betrachtet etwas Spass mit ihr haben. Wir verluden sie an diesem bewölkten Wintermorgen, um zu den 65. Reiterspielen zu fahren, die in Form eines Glühweinritts stattfanden. Yoomee ging brav die Rampe hoch, was mich nicht sonderlich erstaunte, denn die Stute war ziemlich unkompliziert im Umgang. Ich klopfte ihr zufrieden auf den Hals und band sie fest, dann schloss ich alle Klappen. Jonas durfte/musste fahren, während ich die Aussicht genoss und bereits den Ablauf plante.

      Auf dem Parkplatz angekommen, luden wir Yoomee aus und zäumten sie. Jonas wischte ihr noch ein letztes Mal mit der Wurzelbürste über’s Fell, dann schwang ich mich mehr oder weniger elegant auf ihren Rücken – jawoll, ohne Sattel. Es gab zwei Kathegorien, ich nahm bei der Bareback-Kathegorie für erfahrenere Reiter teil. Bewertet wurden alle zusammen, aber da auch Kinder und Reitanfänger teilnahmen, mussten die besseren Reiter fairnesshalber auf den Sattel verzichten und so ihr Können beweisen. Ich fand die Idee lustig und konnte es kaum erwarten. Yoomee stakste etwas aufgeregt zum Abreitplatz, wo ich erstmal ein paar Runden trabte, damit sie etwas Energie loswerden konnte. Auch Galopp fragte ich ab, denn der war ohne Sattel zugegebenermassen etwas bequemer als der Trab. Yoomee benahm sich wie erwartet brav und folgte meinen Anweisungen ohne zu zögern. Solange ich sie genug beschäftigte, mit Übergängen und Richtungswechseln, hatte sie es auch nicht nötig, den anderen Pferden hinterherzuschauen. Ich fühlte mich schon längst aufgewärmt und bereit für die bevorstehende Aufgabe, aber wir mussten noch einen Moment warten. Ich gesellte mich daher zu Jonas, der beim Zaun stand und einen Apfelpunsch trank. „Ich auuch!“, bettelte ich, sodass er mir lächelnd den Becher reichte. „Das hatte ich schon erwartet, deshalb hab ich ihn ja geholt“, meinte er, und streichelte Yoomee, die ebenfalls neugierig die Nase zu ihm hinstreckte. „Nö Yoomee, für dich gibt’s erst nach dem Wettbewerb was“, murmelte er amüsiert. Noch während ich trank, wurde die Startnummer vor mir aufgerufen. „Oi, ich muss mich bereitmachen!“, rief ich erschrocken aus und verschüttete fast den Punsch. Ich drückte den Becher zurück in Jonas‘ Finger, der mir viel Erfolg wünschte. Dann trabte ich mit Yoomee zum Start. Sobald die vorherige Teilnehmerin durch war, durften wir beginnen. Gleich am Anfang ging es darum, einen Becher Glühwein zu transportieren, ohne zu viel zu verschütten. Es war eine Markierung am Becher, die zeigte, wie viel er im Ziel noch enthalten musste. Entschlossen nahm ich den Becher entgegen und trieb Yoomee an. Rasch stellte ich fest, dass es im Trab zu sehr holperte, also galoppierte ich kurzerhand an. Kurz vor dem Fass, auf das ich den Becher stellen musste, leitete ich die Bremsung ein, sodass wir rechtzeitig standen. Dazu brauchte ich die ganze Hebelwirkung meines Oberkörpers, da ich ja nur einhändig unterwegs war. Sobald der Becher sicher stand, wendete ich Yoomee und schickte sie mit einem Schnalzen zum nächsten Posten. Hier mussten wir einen ehemaligen Weihnachsbaum zu einer am Boden markierten Stelle schleiffen und aufstellen. Das stellte sich als schwieriger heraus als gedacht, denn ich musste Yoomee überzeugen, dass sie stillstand, bis ich die Tanne in die Halterung gesteckt hatte. Nun galt es, diese Tanne auch noch zu schmücken. Dazu galoppierten Yoomee und ich barrel-racing mässig zwischen Fass und Tanne, bis alle Dekosachen an ihrem Platz waren, denn wir hatten dazu nur 3 Minuten Zeit. Am Ende blieben mir noch ein paar Sekunden, um die Glitzergirlande zurechtzuzupfen, bevor ich auf den letzten Posten zusteuerte. Yoomee packte hierbei das Wettbewerbsfieber und sie gab mehr Gas als mir lieb war, sodass ich mich an der Mähne festhalten musste um nicht von ihrem Rücken zu rutschen. Der enge Slalom bremste sie zum Glück wieder, denn sonst hätte ich wohl kaum einen der Mistelzweige erwischt, die über uns hängten. Es folgte ein rasanter Endspurt mit einem Freudenbuckler, dann waren wir durch. Ich liess lachend die Zügel los und klopfte Yoomee den Hals, während sie langsam in den Trab und schliesslich in den Schritt fiel. Zügig schritt sie von selbst auf Jonas zu, der bereits mit einem Apfel wartete. Ich liess mich von ihrem Rücken gleiten und stellte zufrieden fest „Sie war echt cool, das würde ich sofort wieder machen mit ihr! Und das obwohl wir sie erst zwei Monate bei uns haben.“

      Wir brachten Yoomee zum Transporter und zogen ihr eine Fleecedecke an. Die Klappe vorne liessen wir noch offen, dass sie hinaussehen konnte. So knabberte sie zufrieden an ihrem Heunetz, während Jonas und ich uns mit den anderen Teilnehmern in die Reiterstube setzten. Es gab Plätzchen und selbstverständlich Glühwein, was gut tat bei der eisigen Kälte. Der Ritt hatte grossen Spass gemacht, und ich war gespannt zu hören, wie gut Yoomee und ich abgeschnitten hatten.

      Wenig später war klar: Yoomee und ich hatten knapp gewonnen! Ich war unglaublich stolz auf sie. Jonas und ich verwöhnten sie am Abend mit einer Extraportion Heu.

      Stille Nacht
      Januar 2017, von Occulta
      Es war der Morgen des 24. Dezembers – und noch immer kein Schnee in Sicht. Enttäuscht wandte ich meinen Blick vom Fenster ab und zog mich an. Jonas lag noch immer zusammengekugelt unter der Decke. Ich stupste ihn unsanft und drängte „aufstehen, du Siebenschläfer!“ „Wenn es wenigstens schon sieben Uhr wäre…“, grummelte er und drehte sich um. Ich lächelte verständnisvoll und ging schonmal voraus in die Küche. Lily liessen wir wie immer noch etwas länger schlafen. Ich machte Frühstück für Jonas und mich, in Form einer Tasse Breakfast Tea und einer Schüssel Müsli. Für ein wärmes Frühstück war ich zu faul; vielleicht am nächsten Morgen. Ich hörte Schritte auf der Treppe, offenbar hatte es Jonas auch aus dem Bett geschafft. Wir tranken unseren Tee und hörten leise Radio, um Lily nicht zu wecken. Ich fütterte noch die Hunde, dann begaben wir uns nach draussen zu den Ställen. Als erstes machte ich meine Morgenrunde im Hauptstall, während Jonas den Nordstall übernahm. Ich warf in jede Box einen Blick und stellte sicher, dass alle Pferde in Ordnung waren. Auch draussen bei Phantom sah ich vorbei. Für ihn begann heute ein neuer Alltag. Ich wollte endlich mit seinem Training anfangen, dass ich seit meiner Heimkehr vor zwei Tagen noch nicht in Angriff genommen hatte. Eigentlich hatte ich schon viel früher beginnen wollen, bevor er sich zu sehr eingewöhnen und in Sicherheit wägen konnte. Doch nun hatte es sich eben so ergeben. Noch ahnte er nichts und spitzte wie immer alarmiert die Ohren, als ich durchlief. Die Pfleger begannen mit dem Heufüttern und ich half bei den Offenställen mit. Auch hier warf ich ein prüfendes Auge auf sämtliche Vierbeiner. Die Hengstfohlen stürmten freudig nach draussen, als Lewis und ich das Tor aufschoben. Royal Champion schwebte dabei beinahe über die Wiese. Ich bewunderte die tollen Bewegungen des halbstarken in letzter Zeit immer mehr, denn er wuchs ja auch immer weiter und bekam mehr Ausdruck. Im Moment war er noch sehr schlaksig und hatte einen dünnen Hals, aber seine Beine sahen elegant und lang gefesselt aus, was mit seinem Gangbild zusammenpasste. Auch Skydive bewegte sich schön, ähnlich wie sein Vater. Nur hatte er nicht so viel Knieaktion wie Royal. Stop Making Sense hatte kaum Winterfell entwickelt, ganz anders als El Alba Ardienté, der im Moment einem Alpaka glich. Bei den Stuten gab es wiederum auch kaum Wolle, denn Counterfire, Subyndromal Symptomatic Depression, Sarabi, A Winter’s Tale und Shadows of the Past waren allesamt ziemlich heissblütig. Blossom Magic und Snap in Style würden uns bald wieder verlassen, denn ihre alten Besitzer hatten einen neuen Hof gefunden und konnte sie daher beide zurücknehmen. Daedra war noch immer bei ihrer Mama, wie es sich gehörte. Sarabi wurde gerade von Snowflake getrieben, die sich mit geplätteten Ohren zwischen sie und Fire schob. Die Rangfolge war offenbar noch immer nicht ganz geklärt, denn Sarabi war ja noch relativ neu in der Gruppe. Das hell cremefarbene Stutfohlen trottete missmutig ein paar Meter weiter in Richtung Bäume. Shira war im Moment das unangefochtene Leittier, obwohl Sarabi die Ponystute jetzt schon überragte. „Do you think the new Pony will fit in?“, fragte plötzlich Lewis. “New… Ah yes, Ljóski’s Daughter. Of course she will. She is already a bit older, so she will most likely not be bullied.” Die kleine rappfarbene Isländerstute hiess Ljúfa, passend zu ihrem bisherigen Charakter, der sich schon als Fohlen in Richtung brav und gut händelbar entwickelt hatte. Sie würde erst nach Weihnachten ankommen, aber ich freute mich schon unheimlich darauf. Sie war bisher mit anderen Isländern auf einer Weide gestanden.

      Während das Raufutter noch verzehrt wurde, folgte für die Sportpferde bereits eine kleine Portion Kraftfutter, über die sie sich gierig hermachten. Danach wurden die ersten Pferde aus ihren Boxen geholt. Training fand heute erst gegen Mittag statt, bis dahin durften die Pferde in Gruppen auf die Weiden. Zuerst kamen nur alle Stuten raus, damit es keine Probleme mit den Hengsten gab. Sie waren aufgeteilt in eine Gruppe Vollblutstuten, die Nebenstallstuten und diejenigen von der Stutenweide. Letztere durften ab und zu auch raus auf die grosse Weide, um das Gras auf der Stutenweide etwas zu schohnen. Oft liessen wir aber auch einfach eine der drei grossen Weiden übrig, sodass dort wieder Gras wachsen konnte. Ich durfte beim Raustreiben feststellen, dass unsere Strategie funktionierte und die Weiden grün und gesund aussahen. Die letzte Gruppe, die Nebenstallpferde, galoppierten freudig den abgezäunten Weg entlang und durch das Tor der Weide. Sie bewegten sich noch weiter bis zum Pinienwaldrand, sammelten sich dort und begannen zu fressen. Diese Gruppe war im Moment ziemlich einheitlich, anders als bei den Vollblütern und den Stutenweidepferden. Dort bildeten sich immer wieder kleinere Grüppchen, weil sich nicht alle Pferde verstanden und sie sich auf der grossen Weide aus dem Weg gehen konnten. In letzter Zeit hatte sich herauskristallisiert, dass zum Beispiel Mikke eine sehr dominante Leitstute war. Coulee, Cabinet of Caligari und Indiana hatten sich ihr angeschlossen und genossen die Sicherheit, die von der erfahrenen Fuchsstute ausging. Auch Cassiopeia beobachtete ich ab und zu in dieser Gruppe, meistens war sie jedoch alleine mit Primo Victoria unterwegs. Iskierka hatte ihre Halbschwester Shades of Gray auf ihre Seite gezogen, oder eher Gray hatte entschieden, nicht von der Seite ihrer Zickigen Schwester zu weichen. Die beiden hatten eine seltsame Beziehnung, die mich immer wieder zum Schmunzeln brachte. Einerseits war Kierka sehr abweisend und legte missmutig die Ohren platt, wenn Gray ihr zu nahe kam oder sie ärgerte, andererseits liess sie sich von ihr kraulen und röchelte ihr manchmal sehnsüchtig zu, wenn sie von einem Ausflug zurückkam. Ihr hatten sich auch noch Painting Shadows und deren Tochter Captured in Time angehängt. Paint war quasi der ruhige Gegenpol zu Kierka und Ciela eine pure Mitläuferin. Dann blieb noch die Gruppe von Sympathy of the Devil. Sie hatte Sumerian, Campina, Kaythara und Miss Moneypenny um sich geschahrt, wobei letztere zwei unzertrennlich waren und fast immer beieinander standen. Es machte mir Spass, die Gruppendynamik der Pferde zu beobachten. Es erinnerte mich immer daran, dass die natürlichen Instinkte eben doch noch vorhanden waren und auch gelebt wurden, wenn es die Möglichkeit dazu gab. So extrem wie bei den Wildpferden, die ich in den USA beobachtet hatte, war es aber bei weitem nicht. Meine domestizierten Vierbeiner waren verweichlichter und auf eine gewisse Weise gleichgültiger – die Herden waren eher lose zusammengewürfelt und die einzelnen Pferde hatten nicht gleich Todesangst, wenn sich die Gruppe ohne sie fortbewegte. Es gab immer wieder Nachzügler beim Reintreiben, oder Einzeltiere, die sich von den Gruppen absonderten und alleine in einer Ecke der Weide frassen. Aber eine gewisse Rangfolge und Zugehörigkeit war nicht abzustreiten. Ich war gespannt, ob Phantom etwas Bewegung in die Herde der Stutenweide bringen würde, denn ich plante, ihn dort dazuzustellen. Ich hielt es für geschickter, da er durch seine Wildinstinkte vielleicht eher Ärger mit den anderen Hengsten bekommen würde. Vielleicht würde ich aber bei diesem Unterfangen auch gleich die Stutenweidengruppe etwas verkleinern und die Painthorses in den Nebenstall wechseln, damit die restlichen etwas mehr Platz hatten.

      Wie auch immer; als nächstes stand ein Ausritt mit Burggraf und Artemis auf dem Plan. Ich überliess Artemis diesmal Robin, denn ich schuldete es Muffin, ihn wiedermal selbst auszureiten, nachdem ich so lange mit seinem Stallgenossen unterwegs gewesen war. Ich war gespannt auf den Ausritt, denn ich war noch nie alleine mit Robin unterwegs gewesen. Sie war noch nicht lange Pflegerin und meistens sehr still. Anfangs hatte ich sogar das Gefühl gehabt, dass sie mich nicht mochte, aber mittlerweile hatte mir Charly erklärt, dass sie einfach schüchtern war. Wir putzten und sattelten die beiden Achal Tekkiner. Für Muffin nahm ich den bequemen Stocksattel, den ich auch immer für’s Distanzreiten benutzte. Anstatt dem Biotan Zaum legte ich ihm aber diesmal Flints Bosal an, das ungefähr passte. Er kannte das gebisslose Reiten schon und reagierte brav auf die Hilfen, aber er war ja auch ohnehin unkompliziert und leichtrittig. Robin nahm gleich Artemis‘ ganze Distanzausrüstung. Die neue dunkel-beerenfarbene Satteldecke sah an ihm so schick aus, ich starrte immer wieder verliebt zu ihm rüber. Als wir beide fertig waren, stiegen wir draussen auf und ritten los in Richtung Galoppwiese. Zira begleitete uns und hüpfte durch das mit Reif bedeckte Gras. Es war zwar ausnahmsweise nicht neblig, dafür bitterkalt. Ich war einmal mehr froh um meinen Schal und meine Handschuhe. Robin schien ebenfalls etwas steif auf ihrem Schimmel zu sitzen. Wir ritten eine Weile wortlos, dann versuchte ich, ein Gespräch aufzubauen. Es war gar nicht so leicht, denn meistens gab die junge Pflegerin nur knappe Antworten und sah sich dann wieder in der Gegend um. Irgendwann gab ich auf und genoss das rascheln der trockenen Blätter am Boden. Burggraf lief freudig voran, er schien die Kälte trotz seines feinen Fells nicht zu spüren. Wir trabten über ein paar Feldwege und galoppierten auf einem Wanderweg durch den Wald, dann kehrten wir langsam in Richtung Hof zurück. Endlich machte Robin von selbst den Mund auf. „I think Artemis has a stone in his hoof…“ Tatsächlich lief der Hengst etwas lustig. Wir hielten und Robin stieg ab, um die Hufe zu checken. Sie fand den Stein und löste ihn heraus, dann kletterte sie wieder auf den Schimmelrücken. „Everything alright?“ Sie nickte, und fügte nach kurzem Zögern hinzu: „My old pony, Merlin, once had a stone in his hoof, too. But I didn’t know, and I was afraid that he got somehow seriously injured. It was ridiculus, but I was so relieved, when Charly showed me the stone.” “You two really rely on eachother”, bemerkte ich. “Yes, I don’t know what I would do without him.” “I think it’s amazing that you have such a good relationship. I wish Lily had a brother or a sister to rely on…” “I think she has a very big family on Pineforest Stable. I’m sure she is very happy.” “I hope so… After all she went through…” Robin lächelte zuversichtlich und ich konnte nicht anders, als miteinzustimmen. Wir brauchten den restlichen Weg hindurch nicht mehr zu reden, denn es lag eine seltsam beruhigte Stimmung in der Luft, als wäre alles bereits gesagt. Nur Zira konnte es nicht lassen, eine freche Krähe am Waldrand anzubellen.

      Bis um neun Uhr longierte ich Cantastor im Roundpen, weil die Halle und der Reitplatz bereits besetzt waren. Der edle dunkelbraune Zuchthengst machte elastische und fleissige Bewegungen, wozu auch ein paar Bocksprünge zählten. Ich nahm es ihm nicht übel, denn das lockerte auf eine gewisse Weise auch den Rücken – dachte ich jedenfalls. Canto war etwas pummelig geworden. Während Ajith von harmlosem Winterspeck redete, wollte Oliver den Braunen schon auf Diät setzen… Ich sah das ähnlich wie Ajith – spätestens im Frühling, wenn die Pferdchen richtig lebendig wurden, würde sich das von selbst auflösen. Zufrieden mit Cantos Arbeit lobte ich ihn und brachte ihn anschliessend zurück in seine Box. Damit er mit seiner Schur nicht kalt hatte, legte ich ihm seine Fleecedecke über. Nachts kam dann die dickere Stalldecke drauf, aber tagsüber reichte diese. Ich klopfte ihm lächelnd auf die Kruppe und verliess sein Residium.

      Nun stand Dressur auf dem Plan, und zwar mit Diarado und Circus Dancer. Jonas und ich wollten eine Art Pas-De-Deux machen – „hach wie romatisch!“ Natürlich war das ein Kommentar, der von Augenrollen meinerseits begleitet wurde. Wir scherzten und lachten während dem Putzen. Ich genoss einfach jede Sekunde, die ich mit Jonas und den Pferden verbringen konnte. Im Moment schien mein Leben seit langem wiedermal vollkommen perfekt zu sein. Liebevoll kämmte ich Dancers lange Mähne und zupfte Strohstückchen daraus hervor. „Soll ich ihm ein Zöpfchen machen?“ „Warum nicht“, meinte Jonas, und fügte dazu: „Würdest du mir auch eines machen, wenn meine Haare lang genug wären?“ „Denk nichtmal dran, ich sorge persönlich dafür, dass die kurz bleiben!“ „Warte, von welchen Haaren reden wir?“ „Jonas!“ Wir brachen wieder in Lachen aus und beschlossen, das Thema lieber nicht weiter zu ziehen. Ich holte Dancers Dressursattel und legte ihn vorsichtig auf den Rücken des Hengstes. Dann gurtete ich ins zweite Loch, sodass der Sattel zwar nicht gleich verrutschte, aber trotzdem noch relativ locker drauf lag. Auch Dancer und Diarado waren geschoren, weshalb wir die Fleecedecken vorläufig auf den Popos der beiden liessen. Wir brachten sie in die Halle und wärmten sie zuerst zehn Minuten im Schritt auf, dann begannen wir mit der Trabarbeit. Wir nutzten dazu Cavaletti und Stangen, um den Raumgriff und den Schwung zu fördern. Dann folgte das eigentliche Pas-De-Deux, bei dem wir synchron höhere Lektionen abfragten. Die beiden Hengste waren ziemlich weit in Dressur und es war einfach toll sie zu reiten. Dancer war besonders in der Piaffe angenehm und leicht zu dirigieren. Die Musik, die dazu im Radio lief, schien ihn weiter anzuspornen. Auch Diarado machte geschmeidige Bewegungen, trotz dem er eher ein Springpferd war. Er kannte noch nicht so viele Lektionen wie Dancer, aber er war sehr intelligent und eifrig, sodass er schon nach wenigen Widerholungen neue Bewegungen verinnerlicht hatte. Genau diese Intelligenz kam ihm auch im Parcours zu Hilfe, und ich hoffte, dass er sie auch an seine Nachkommen weitergab. Natürlich brachte es nicht nur Vorteile, ein solch aktiv denkendes Exemplar von Pferd unter sich zu haben; denn so schnell wie Diarado lernte, so nachtragend war er auch bei reiterlichen Fehlern. Er hatte durchaus einen gewissen Stolz und brauchte daher eine sichere, konsequente Führung, sonst tanzte er seinem Reiter ganz schön auf der Nase herum. Er konnte sehr rasch erkennen, wie sein Reiter tickte und ob er sich Spässchen erlauben durfte. Trotzdem mochte ich diese Art von Pferd sehr und genoss das fordernde, aber erfolgreiche Training.

      Um halb Elf waren wir mit den beiden fertig und ich konnte weiter zu Dod und Calico. Mit den zwei Jungs stand wieder ein Ausritt an, wobei ich Calico als Handpferd mitnehmen wollte. Auch die drei Hunde nahm ich diesmal mit, damit sie am Abend schön ausgepowert waren. Ich putzte und sattelte Dod, dann bürstete ich den zweiten im Bunde ebenfalls gründlich durch. Die beiden Hengste waren in den letzten paar Monaten ziemlich zusammengewachsen und auf der Weide immer gemeinsam unterwegs. Vermutlich hatte das damit zu tun, dass wir sie auch meistens zusammen trainierten. Jedenfalls hielt diese Freundschaft so sehr, dass Calico Dod zuverlässig folgte. So konnte ich es manchmal auf Ausritten wagen, den Schimmel frei neben uns laufen zu lassen – jedenfalls solange wir fern von Stuten waren. Wenn uns andere Reiter begegneten nahm ich ihn jeweils frühzeitig wieder ans Seil, um ganz sicher zu gehen. Das tat ich nun auch zu beginn des Ausritts, bis wir ein Stück vom Hof weg waren. Denn ich hatte das Gefühl, dass der Schimmel sonst einfach in die Futterkammer abgebogen wäre. Auf der Galoppwiese löste ich schliesslich den Haken und wir trabten ein Stück auf einem schmalen Trampelpfad. Calico hielt sich natürlich nicht so brav an den Weg und lief stattdessen neben uns durchs Feld. Manchmal ging er auch voraus und machte Schabernack, sehr zum Ärger von Dod, der eigentlich ranghöher war. Ich spürte förmlich, wie der erfahrenere Hengst unter mir brodelte, weil er den Jungspund während der Arbeit nicht korrigieren durfte. Calico nutzte das voll aus und streunerte um uns herum. Für den Fall, dass ich ihn nicht mehr zu fassen bekam, hatte ich übrigens noch ein Lasso am Westernsattel befestigt; auch wenn meine Wurfkünste bisher noch bescheiden waren und ich längst nicht jedesmal traf. Aber meistens war Calico sowieso gut abrufbar, weil er stets eine Belohnung erwartete. Fast besser als Sheela, die immer mal wieder zwischen den Büschen verschwand, wenn ich nicht aufpasste. Ich machte mir diesbezüglich Sorgen, weil es im Park auch immer wieder Wild gab und die Labrador Hündin einen ausgeprägten Jagdtrieb hatte. Daher behielt ich sie stets im Auge, bereit um sie bei einer Begegnung mit Wild rechtzeitig zurückzurufen. Ein kalter Wind stach unbarmherzig durch meine Handschuhe und ich hatte das Gefühl, dass mehr Wolken am Himmel waren als zuvor. Schnee?, überlegte ich hoffnungsvoll. Doch als ich mittags mit den beiden zurück auf dem Hof war, fiel noch immer kein einziges Flöckchen. Lily kam gerade von der Schule, als ich Dod versorgt hatte.

      Wir assen zu Mittag, dann war es endlich so weit. Nachdem die Hunde gefüttert waren, zog ich mich wieder warm an und holte aus der Sattelkammer ein stabiles, langes Führseil. Ich zog mir ein paar gute Handschuhe an, mit denen ich warm hatte und gleichzeitig genügend Grip. Ausserdem überlegte ich rasch, ob ich einen Rückenpanzer anziehen sollte, entschied mich dann aber dagegen, weil er mich womöglich in meiner Beweglichkeit eingeschränkt hätte. Ich nahm noch eine Hand voll Heu mit zu Phantom’s ‚Gehege‘, um mich ein wenig attraktiver zu machen. Zunächst betrat ich den Innenbereich der Führanlage und lehnte mich an die Wand, um zu beobachten, wie die Stimmung des Mustangs war. Er hatte bereits etwas Abstand zwischen uns gebracht und stand nun wie angewurzelt auf der gegenüberliegenden Seite, mich stets im Auge behaltend. Bisher waren hier nur Pfleger reingekommen, um ihm Futter zu bringen, weshalb er Zuversichtlich genug war, nach einigen Sekunden zögerlich ein paar Schritte näher zu kommen und abzuchecken, ob sich das Risiko für die Hand voll Heu lohnte. Ganz vorsichtig machte ich einen Schritt auf ihn zu. Er wandte den Kopf ab, bereit um abzudrehen, hielt aber inne, als ich mich nicht weiter bewegte. Ich drehte die Schulter ein, um mich möglichst einladend und harmlos aussehen zu lassen. Nach einer Weile tastete ich mich weiter vor, doch es wurde ihm rasch zu viel, also zog er sich einige Schritte zurück und trabte der Wand entlang. Ich schnitt ihm den Weg ab und liess ihn die Seite wechseln, bis er mich direkt ansah. In diesem Moment machte ich einen Schritt zurück und kreierte so einen draw. Er leckte sich die Lippen, bewegte sich aber nicht von der Stelle. Also ging ich wieder ein wenig auf ihn zu, bis er sich erneut in Bewegung versetzte. Gleiches Spiel – sobald er sich mir zuwandte, machte ich einen Schritt zurück und gab ihm release. Er begriff schnell, dass es angenehmer war, sich mir zuzuwenden und sich mit mir zu beschäftigen, als wegzulaufen. Nach wenigen Minuten konnte ich auf ihn zugehen, und er machte sogar ein, zwei Schritte in meine Richtung. Schliesslich war ich nahe genug und berührte ich in vorsichtig einige Male, jeweils sofort wieder den Druck wegnehmend. Sein ganzer Körper war angespannt, jeder Muskel bereit, im Zweifelsfall eine Flucht einzuleiten. Er atmete auch etwas schwerer als zuvor und machte einen misstrauisch gebogenen Hals, aber seine Ohren und Augen drückten eine gewisse Neugier aus. Ich streckte ihm das Bisschen Heu hin, das ich dabeihatte. Er zupfte ein paar Halme daraus hervor und wurde sofort etwas zutraulicher und entspannter durch das Kauen. Ich nutzte den Moment, um das Führseil durch die Schlaufe seines Knotenhalfters zu ziehen. Er machte einige Ausweichschritte, aber ich hatte es bereits geschafft. Nun Begann ich, ihn am Hals zu kraulen. Ich arbeitete mich Stück für Stück weiter nach hinten, stets nach einer Stelle suchend, die er besonders mochte. Wenn es ihm zu viel wurde und er Anstalten machte sich zu bewegen, nahm ich den Druck etwas zurück und verschob meine Hand wieder Richtung Widerrist. Nach ein paar Sekunden machte ich einige Schritte rückwärts und zupfte am Seil. Sobald er einen Schritt auf mich zu machte, beendete ich den Zug. Immer wieder ging ich zu ihm hin, kraulte ihn, ging seitlich von ihm zurück und liess ihn sich zu mir drehen oder einen Schritt machen. Man merkte, dass er der Sache immer noch nicht ganz traute, aber er wurde immer mutiger und zuckte immer weniger zusammen, wenn ich ihn berührte. Ab und zu schickte ich ihn wieder etwas um mich herum, denn Bewegung half auch, Stress abzubauen. Ich machte Richtungswechsel mit ihm, indem ich mich vor seine Schulter verschob und liess ihn mit seiner Hinterhand weichen, wenn ich neben ihm stand. Immer wieder dazwischen beruhigte ich ihn mit Kraulen. Er begann langsam, es zu geniessen und die Oberlippe zu spitzen. Das ging so weit, dass er mich fragend ansah, wenn ich aufhörte. Ich redete beiläufig mit ihm, um ihn an meine Stimme zu gewöhnen. Nun wagte ich schon etwas mehr: Ich tastete mich an seine Beine heran, gab ihm sofort Lob und release wenn er sie hob und gewöhnte ihn an etwas schnellere Bewegungen meinerseits. Ich hüpfte etwas auf und ab, bückte mich oder klopfte ihm auf den Hals, sodass er sich an das Geräusch gewöhnen konnte. Das reichte mir auch schon für heute. Er hatte mit seinem dichten Winterfell bereits ein klein wenig geschwitzt und seine Konzentration liess etwas nach, ausserdem wollte ich es beim ersten Mal nicht gleich übertreiben. Also löste ich das Führseil und verliess den Roundpen, wobei er mir sogar noch einige Schritte folgte. Ich brachte ihm noch mehr Heu, damit er das soeben gelernte mit dem Futter zusammen verdauen konnte.

      Es war nun halb zwei Uhr und ich hatte noch eine Menge vor. Zum Beispiel eine Springstunde mit Halluzination. Auch Anne war mit dabei, sie ritt auf Vychahr. Wir sattelten die beiden Pferde und trafen uns in der Halle, wo Lisa bereits wartete. Weiberreitstunde also, stellte ich schmunzelnd fest. Schon beim Aufwärmen stellte ich fest, dass Hallu fit war und mich heute wohl etwas fordern würde. Auch Vilou schien etwas guckig und hatte mehr Tempo drauf als sonst. Anne liess sich davon aber nicht aus der Ruhe bringen und befolgte Lisas Anweisungen. Wir machten viele Wendungen und Übergänge, ausserdem ein paar Biegeübungen in Form von Schulterherein und Traversalverschiebungen. Als beide Pferde schön locker und gelöst waren, begannen wir mit Gymnastiklinien. Hallu, die erfahrene S***-Springstute, machte es Youngster Vychahr vor. Sie konnte so leicht nichts mehr beeindrucken, daher übten wir auch nur ab und zu ein paar Hindernisse zur Aufrechterhaltung der Muskeln und der Gewohnheit. Sie wurde tatsächlich in letzter Zeit viel mehr Dressur geritten. Vychahr hingegen musste noch viel lernen und war noch am Anfang seiner Karriere. Er nahm daher regelmässig an Springstunden teil um Erfahrung zu sammeln. Die Theorie bestätigte sich kurz darauf wiedermal bei einem offenbar etwas unheimlich aussehenden Oxer. Ich entdeckte die Anzeichen schon, als Anna in die Kurve bog und auf das Hindernis zuritt: Sie hatte die Beine zu wenig dran und sah auf den Sprung hinab. Es kam wie es kommen musste; Vilou parkierte vor dem Hindernis und Anne flog prompt über seinen Hals nach vorne. Sie landete auf den Stangen, blieb aber dank dem Rückenpanzer bis auf ein paar blaue Flecken unversehrt. Vilou drehte sich unsicher vom Hindernis weg und trabte ein paar Meter, dann liess er sich von Lisa einfangen. Anne stieg wieder auf und musste den Oxer erneut anreiten. Diesmal warnte Lisa sie vor und erklärte, dass sie Vilou gut einramen musste und nicht zu viel Schwung verlieren durfte. Anne machte im entscheidenden Moment nochmal etwas mehr Durck und es klappte. Sie lobte den Fuchs ausgiebig und wir beendeten die Stunde mit Austraben. Beim Trockenreiten diskutierte ich mit ihr über Stürze und meine eigenen Erfahrungen, während die Pferde am langen Zügel durch die Bahn schlenderten. Wir redeten auch über das kommende Neujahrsturnier auf dem Gestüt Wolfsgrund, für das wir schon eifrig trainierten. Da würde auch Hallu starten, diesmal unter Jonas.

      Nun kümmerte ich mich um Yoomee, die sich ganz schön eingelebt hatte. Mit ihr wollte ich am kommenden Glühweinritt teilnehmen, darauf musste ich sie natürlich zuerst vorbereiten. Wir übten deshalb heute im Gymkhana Stil über Blachen zu laufen, Slaloms zu machen oder Dinge hinterherzuziehen. Ich hatte Dosen an einem Seil befestigt und gewöhnte Yoomee zunächst an das Klappern, bevor ich sie hinter ihr her über den Boden zog. Am Anfang klappte sie etwas nervös die Ohren zurück und klemmte den Schweif zwischen die Pobacken, aber schon nach kurzer Zeit senkte sie den Kopf und merkte, dass ihr nichts böses passierte. Am Schluss konnten wir die schäppernden Dinger sogar im Galopp hinter uns herziehen. Auch die Blache hob ich auf und legte sie über ihre Kruppe. Sie streiffte beim Laufen über den Boden, aber das schien Yoomee nichts mehr auszumachen. Ich beschloss, die Übung zu beenden und belohnte die Connemarastute ausgiebig. „Wenn du dich so benimmst, dann wird das null problemo.“ Ich versorgte sie und brachte ihr ein paar Karotten.

      Ich sah auf die weisse Tafel in der Reiterstube. Ich hatte schon fast alles hinter mir, was ich heute geplant hatte, also wollte ich rasch nachsehen, was die Pfleger noch machen mussten. Heute wollten schliesslich alle rechtzeitig fertig sein, damit sie nach Hause zu ihren Familien konnten. Tja, Pferde kannten eben kein Weihnachten, und wollten genaugleich umsorgt werden, wie auch auch sonst immer. Ich beschloss, rasch beim Training von Coulee und Rosenprinz zuzusehen. Die beiden waren mit Quinn und Charly auf der Rennbahn, wobei eigentlich-Militarypferd-Rosenprinz genauso gefordert wurde wie Coulee. Beim Geländespringen war Geschwindigkeit schliesslich auch eintscheidend. Da er aber nicht jeden Tag auf der Bahn laufen musste, konnte er mit der Stute natürlich nicht wirklich mithalten. Zufrieden verfolgte ich das Training und genoss die Pause, bevor der eigentliche Weihnachtsstress anfing. Denn kurz darauf hiess es nochmal gründlich misten und alle Pferde füttern, damit für heute Abend ausgesorgt war. Die ersten Pfleger verabschiedeten sich um sechs Uhr, die die näher am Hof wohnten blieben noch etwas länger. Zuletzt waren nur noch Ajith, Quinn und Lisa da. Letztere zwei blieben heute Abend hier, weil sie nicht extra für einen Abend nach Irland und in Lisas Fall die Schweiz reisen wollten. Sie hatten dafür nächstens ein verlängertes Wochenende frei, während die anderen anpacken mussten. Die Pfleger hatten durch das Jahr hindurch ihre Ferien so aufteilen müssen, dass immer genug Leute auf dem Hof waren. An besonderen Tagen wie heute, mussten wir einfach sichergehen, dass die grösste Arbeit erledigt war, bevor alle verschwanden – für den Rest waren dann noch Jonas und ich zuständig. An Silvester würde es nochmals dasselbe Theater werden, aber ich machte mir deswegen keine Sorgen. Ajith blieb noch, weil er sowieso gleich im Nachbardorf wohnte und jeweils gar nicht im ‚Pflegeheim‘ schlief, sondern jeden Morgen mit dem Fahrrad hierherkam. Und natürlich, weil er Quinn noch etwas Gesellschaft leisten möchte, vermutete ich im Stillen. Ich hatte Quinn vor meinem Trip in die USA tatsächlich endlich gefragt, was denn nun mit ihrer Schwimmbad-Affäre lief. Sie hatte mir erklärt, dass das nie etwas Ernstes gewesen sei und auch nie etwas werden würde – tatsächlich sei der Typ bereits wieder in Schottland bei seinen Verwandten. Auch hatte ich sie gefragt, was sie denn von Ajith halte. Ihre Antwort war ausweichend gewesen und sie hatte versucht, darum herumzureden, aber ich war mir sicher, dass sie schon darüber nachgedacht hatte. Seit ich Ajith davon erzählt hatte, wie versprochen, hatte er wieder neuen Mut gefasst und bemühte sich darum, möglichst oft mit Quinn zu reden. Ich war gespannt, wie sich das ganze entwickelte und hoffte insgeheim, dass Ajith heute, an Weihnachten, einen ersten Schritt wagen würde. Wir sassen in der Reiterstube und wärmten uns mit einer Tasse Tee auf. Jonas und Lisa gingen sich noch immer eher aus dem Weg, was gut verständlich war. Ich versuchte daher immer, Lisa möglichst in die Gespräche zu involvieren, dass sie nicht den Eindruck bekam, irgendwie fehl am Platz zu sein. Es polterte und Lily kam die Stufen zur Reiterstube hoch, in Begleitung von Sheela. Jacky und Zira lagen bereits zu meinen Füssen und hoben bloss müde den Kopf, als die Labradorhündin sich dazu gesellte. „Occu wann fangen wir mit dem Kochen an?“, fragte meine Nichte ungeduldig. Wir wollten zusammen ein etwas aufwändigeres Weihnachtsmenu zubereiten. „Gleich, ich trinke noch meinen Tee fertig. Du kannst aber schonmal den Tisch decken gehen.“ „Nö, ich warte auf dich“, meinte sie nur, setzte sich auf den Platz neben mir und lehnte sich an mich. „Du hast ja ganz kalte Finger. Gewöhn dir endlich an, Handschuhe anzuziehen“, stellte ich fest, als ich ihre Finger prüfend knetete. Sie grummelte nur etwas und ich hatte den Eindruck, dass sie, gleich wie die Hunde, ganz schön müde war. Sie war ja auch den ganzen Tag unterwegs gewesen; Schule, dann reiten, Ponys beschäftigen und nochmals reiten. An Bewegung mangelte es ihr jedenfalls nicht. Als ich endlich aufstand und vor die Halle trat, bemerkte ich ein paar feine, weisse Flöckchen, die den dunklen Himmel runter segelten und im gedämpften Licht der kleinen Lampe über dem Hallentor den Boden erreichten. Sofort war Lily wieder wach und hopserhüpfte begeistert zum Haus. Sie hatte wie ich die ganze Zeit auf den Schnee gewartet und gehofft, dass er noch vor Weihnachten kommen würde. Nun fühlte es sich richtig festlich an. Wir bereiteten alles für das Essen vor und schoben den Braten in den Ofen. Dann schmiss ich mich auf die Couch und legte mich ein wenig hin, denn nun packte die Müdigkeit auch mich. Lily spielte unterdessen in ihrem Zimmer. Jonas kam kurze Zeit später auch rein, mit ein paar Schneeflocken im Haar. „Schneit es schon so stark?“ „Schau aus dem Fenster“, meinte er und zog den Vorhang beiseite, dass ich es besser sehen konnte. Tatsächlich rieselte eine Flocke nach der anderen runter, und es wurden immer mehr. „Lily wird sich freuen. Das Essen ist bald fertig.“ Er legte sich spielerisch über mich und gab mir einen Kuss. „Oi, du bist schwer“, rief ich lachend aus. „Willst du damit sagen, dass ich dick bin?!“, antwortete er empört und rollte zur Seite, sodass er knapp nicht herunterfiel. Wir kuschelten, bis der Backofentimer zu piepsen begann. Unser Weihnachten vierlief ruhig und gemütlich. Wir sassen alle zusammen auf dem Sofa und schauten einen der alten Star Wars Filme. Ich genoss jede Sekunde.

      Hoher Besuch
      Juni 2017 von Occulta
      Gleam of Light, Spotted Timeout, Fly Fast of the Nightrunners, Caspian of the Moonlightvalley, A Winter's Day, PFS' Merino, Primo Victoria, tc Miss Moneypenny, Simba Twist, PFS' Cryptic Spots, Framed in History, Sumerian, Kaythara El Assuad, Cabinet of Caligari, Chiccory ox, Sunday Morning, Indiana, Mikke, Diarado, Vychahr, Calico, Flintstone, Baccardi, Donut, Burggraf, Sika, Yoomee, River's Blue Lady Liquor, scs Sugar and Sweets, scs Bluebell, Parányi, Fake xx, PFS‘ Ljúfa, Papillon d'Obscurité, Silhouette of a Rose, PFS' Kicks-A-Lot, Tic Tac, PFS‘ Dressy Miss Allegra, Snottles Peppermint, PFS' Sarabi, PFS' A Winter's Tale, PFS' Counterfire, PFS' Stop Making Sense, PFS' Shadows of the Past, PFS’ Skydive

      Heute musste alles etwas schnell gehen, denn meine Eltern kamen zu Besuch und ich wollte die Pferde vorher bewegt haben. Ausserdem musste alles sauber aufgeräumt werden, aber das überliess ich den Pflegern und Jonas. Ich kümmerte mich nun zuerst um Jungstute Ljúfa. Die rappfarbene Stute putzte ich gründlich, anschliessend spielte ich ein wenig im Rounpen mit ihr, um sie gegen den grossen Gymnastikball, die bunte Blache und die Fahne zu desensibilisieren. Sie fand das ganze am Anfang sehr unheimlich und machte grosse Glupschaugen. Sie war aber charakterlich sehr geduldig und aufgeschlossen, sodass wir rasch Fortschritte machten.
      Nachdem ich bei Ljúfa fertig war, ging es weiter mit Diarado. Der elegante und doch imposante Warmbluthengst war kaum schmutzig und sein kurzes Sommerfell glänzte seidig. Ich wischte nur rasch mit der Staubbürste darüber, dann war er wieder blitz-blank. Ich zog ihm den Kapzaum an und nahm ihn an der Longe mit zum Sandplatz, wo er in der noch kühlen Morgenluft sein lockerungs work-out bekam. Ich war zufrieden mit seinen durchschwingenden Bewegungen und liess ihn nach etwa einer halben Stunde austraben.
      Ich war bereits auf dem Weg zur nächsten Box, aber sah unterwegs gerade noch Lisa mit Vychahr losreiten. Die beiden gingen auf einen schönen, langen Ausritt. So wie ich Lisa kannte, würde Vilou bestimmt auch der ein oder andere Galopp bevorstehen. Der Fuchshengst war aber auch toll zu reiten im Gelände. Das machte den Galopp mit ihm umso verlockender.
      Auch Calico musste ich nicht selber bewegen - das übernahm Rita liebend gerne für mich. Sie liebte ihren Criollo immernoch wie kein anderes Pferd. Ich schmunzelte immer darüber, wie sie beim Putzen mit ihm redete. So auch heute; der Hengst wurde rundum betüddelt. Immerhin, ihm schien die Aufmerksamkeit zu gefallen.
      Ich erreichte endlich Flintstones Box. Seine kristallblauen Augen verfolgten mich gebannt, während ich seine Ausrüstung holte. Wir gingen Ausreiten, den für die Reithalle war es jetzt schon zu heiss und der Sandplatz war bereits voll mit Pferden. Wir ritten durch den schattenspendenden Wald. Flint wirkte ruhig und zufrieden, also war ich es auch. Nach dem Ritt bürstete ich ihn gut durch und brachte ihm seine Karotten.
      Baccardi und Donut wurden von Darren und David bewegt. Es sah witzig aus, wie die beiden Zwillinge auf den Ponys über den Platz kurvten. Darren war zwar der bessere Reiter, trotzdem schienen heute beide dieselben Fehler zu machen. Die Ponys waren gnadenlos und machten bei der Hitze keinen Schritt gratis. Die Reiter schienen aber auch nicht so motiviert wie sonst.
      "Du bist viel zu langsam", murmelte ich zu mir selbst und seufzte, als ich feststrellte, dass es schon fast Mittag war. Burggraf drehte den Kopf um zu sehen, ob er ein Leckerli bekam. Er musste dafür aber zuerst arbeiten. Arbeit hiess für ihn konkret, ein richtig weiter Ausritt mit viel Trab. Das war auch Teil seiner Distanzausbildung.

      Unsere Spaghetti mit Pesto-Sauce waren zwar kein Gourmet Menu, aber erfüllten ihren Zweck als Mittagessen und machten uns satt. Lily dümpelte noch ein wenig auf dem Hof herum und spielte mit den Hunden, bevor sie wieder mit dem Fahrrad in Richtung Schule verschwand. Ich hingegen begab mich zu den Miniweiden und holte Silhouette of a Rose raus. Ihre silbernen Dapples waren im Sommer besonders gut zu sehen, wie bei Arco. Mit ihr machte ich Langzügelarbeit, zusammen mit Lewis und Papillon d'Obscurité.
      Als ich mit Rose zurückkam, sah ich, dass Lisa bereits Kicks-A-Lot und Tic Tac putzte. Lewis und ich erlösten unsere beiden Ponys von deren Ausrüstung. Wir wurden gerade Zeugen, wie Dressy Miss Allegra zum Zaun geschlendert kam, um Kiwi und Tiki abzulenken. Die Jungpferde hatten eben nichts als Flausen im Kopf. Lewis und ich schmunzelten amüsiert, als Lisa das aufdringliche Fohlen verscheuchen wollte.
      Von der Miniweide wechselte ich direkt zu den Fohlen. Dort stand unter anderem die mittlerweile garnicht mehr so kleine Sarabi. Zu dem Stutfohlen hatte ich einen Besonderen Bezug; nicht wegen ihrer besonders schönen Farbe oder den ausdrucksstarken blauen Augen, sondern weil sie von meinem geliebten Stromer abstammte. Ich vermisste den Hengst immernoch wahnsinnig und sah immer wieder wehmütig auf sein Bild, das im Reiterstübchen in der Halle hing. Sarabi hatte viele der Züge ihres Vaters geerbt und besonders ihr Kopf glich dem seinigen. Das weckte einerseits stets schmerzvolle Erinnerungen, denn sie konnte Stromer ja nicht ersetzen - andererseits erinnerte es mich auch daran, dass das Leben weiterging und ein Teil von ihm immernoch hier war, direkt vor meiner Nase. Ich streichelte die Stute daher mit einem liebevollen Lächeln im Gesicht.
      Ebenfalls ein Fohlen von einem meiner Lieblingshengste war A Winter's Tale. Ihr Vater lebte aber zum Glück noch und war äusserst fit. Ein Blick in die Ferne unter den Tannen hindurch zu den grossen Weiden bestätigte mir dies. Die kleine Snowflake, wie die Pfleger sie nannten, war heute frech und neugierig. Sie kam sofort an den Zaun und beschnupperte meine Hände. Dann versuchte sie, meine Haare mit ihrer Fohlenschnauze zu zerzausen. Ich schubste sie lachend beiseite und kraulte sie am Hals, sodass sie genüsslich die Oberlippe verzog. Ich liebte es, einfach zwischendurch bei den Fohlen Halt zu machen und mit ihnen Zeit zu verbringen. So konnten wir jetzt schon eine Beziehung aufbauen und sie lernten, dass Menschen meistens Gutes brachten.
      Auch Cassys Fohlen Counterfire genoss meine Streicheleinheiten und konnte gar nicht genug kriegen. Das Fuchsfohlen vom letzten Jahr hatte ich behalten, weil sie eine vielversprechende Abstammung hatte und ich noch kaum Füchse im Rennstall besass. Ich bereute es keinen Moment, denn sie entwickelte sich prächtig und ganz entsprechend ihrer Eltern. Schon jetzt hatte sie drahtige, lange Beine und ein gut bemuskeltes Hinterteil. Ich freute mich schon darauf, sie und die anderen Fohlen ihres Jahrgangs einzureiten und rennen zu sehen.
      Mambo gefiel mir auch von Tag zu Tag besser. Stop Making Sense, wie er effektiv hiess, ich ihn aber nie nannte, war in letzter Zeit wieder ziemlich in die Höhe geschossen und immernoch hinten überbaut, aber langsam wurde sein Hals breiter und sein Langhaar liess ihn wie ein Wildpferd wirken. Weil ich es so schick fand, zögerte ich auch so lange wie es ging das Schneiden hinaus. Obwohl Oliver anderer Meinung war. Er meinte, dass es schon längst fällig sei und ein Vollblut gefälligst auch als solches erkannt werden sollte, "wenn es schon von der Farbe her nicht so aussieht." Aber da immernoch ich hier das Sagen hatte, blieb die lange Mähne vorläufig noch.
      'Prinzesschen' Shadows of the Past war mittlerweile eigentlich kräftig genug zum Anreiten. Ich wartete aber noch damit, weil die Stute sich beim Spielen auf der Weide eine kleine Verletzung am Sprunggelenk zugezogen hatte, die ich zuerst ganz verheilen lassen wollte. Sie war zwar nur kurz etwas lahm gegangen und zeigte mittlerweile kein Unwohlsein mehr, aber die Schramme war doch noch gut sichtbar und das Gelenk leicht geschwollen. Ausserdem musste bei ihr noch der Zahnarzt vorbei kommen und ihr ins Maul schauen, um sicher zu gehen, dass die Zähne uns beim Reiten keine Probleme bereiten konnten. Ich erwartete allerdings keine grossen Überraschungen, denn die Beisserchen von Shira sahen allesamt schön gerade aus - man konnte es immer wieder gut beurteilen, wenn sie damit am Zaun nagte.
      Als Lily kurz nach vier Uhr Nachhause kam, war sie wiedermal als Erstes bei Skydive zu finden. Der Junghengst wurde wirklich rundum von ihr mit Streicheleinheiten und Spielen verwöhnt. Er brummelte ihr sogar schon zu, wenn er sie sah. Die beiden werden mal ein gutes Team, stellte ich schmunzelnd fest. Skydive sollte aber nicht nur Lilys Kinderpony werden, sodern auch im Sport laufen. Der Hengst hatte mehr als genug Potential durch seinen Vater und sein Exterieur liess auch auf Springveranlagung schliessen. Je älter er wurde, desto mehr erinnerte er mich an ein britisches Riding Pony. Tatsächlich war er aber ein Mix aus englischen und deutschen Vorfahren, durch seine Mutter White Dream.

      Jetzt stand für mich noch ein schöner Nachmittagsausritt zum Fluss an, und zwar mit Yoomee. Begleitung bekamen wir von Darren und Lisa mit Sika und Blue Lady Liquor. natürlich liessen wir es uns nicht nehmen, auch ins Wasser hinein zu reiten und den Pferden eine Abkühlung zu geben. Yoomee ging ohne zu Zögern rein und begann auch gleich zu scharren. Ich musste regelrecht aufpassen, dass sie sich nicht hinlegte. Lychee war zuerst nicht ganz so begeistert, folgte dann aber Sika, die mutig voraus ging. Wir blieben einen Moment am Ufer, dann Ritten wir weiter zum Pinienwald, wo es reichlich Schatten gab.
      Auf dem Ausritt begegneten wir auch Anne und Rita, die mit Sugar and Sweets und Bluebell in die andere Richtung unterwegs waren. Sie hatten schon über eine Stunde Ausreiten hinter sich und waren auf dem Heimweg. Ich fragte rasch, wie's gelaufen war. Anne erzählte, dass Rita fast runtergefallen sei, als Bluebell sich vor einem Fahrradfahrer erschrocken habe. Rita spielte das Ganze verlegen etwas herunter und meinte, sie sei nur kurz hinter die Bewegung gekommen. "Schon okay, kann ja mal passieren. Hauptsache du bist noch oben", stellte ich schulterzuckend fest. Da musste man ja nun wirklich kein Drama draus machen. Das hätte ich gerne auch zu Anne gesagt, aber ich liess es dann doch bleiben.
      Vom Ausritt nachhause gekommen, kümmerte ich mich als nächstes um Parányi. ich wollte sie nur rasch longieren, da sie am Vortag eine anstrengende Springstunde gehabt hatte und sie mit ihrem rabenschwarzen Fell bei der Hitze sowieso bestimmt Mühe hatte. Ich putzte sie also gründlich, dann ging ich mit ihr zum Roundpen und übte lockernde Übergänge. Sie arbeitete konzentriert mit, obwohl auf dem Kiesweg neben dem Roundpen immer wieder Jonas mit Fake durchfuhr. Er hatte die Hackneystute vor ein Sulky gespannt und übte fleissig mit ihr. Ich bewunderte die extravaganten, dynamischen Bewegungen von Fake, die ganz von Natur aus die typischen Hackney Gänge zeigte.

      Um halb sieben fand ich mich wieder im Hauptstall ein, wo gerade fleissig aufgeräumt wurde. Meine Eltern kamen jeden Moment an und ich war froh, dass Jonas sich um das Abendessen kümmerte. Wir wollten grillieren, wobei die Pfleger unter sich bleiben und Jonas, Lily und ich mit meinen Eltern essen würden. Ich streichelte im Vorbeigehen Mikke, die mir zuröchelte. "Ja meine schöne, wir gehen morgen wieder zusammen raus. Für heute hat April dich genug bewegt." Sie erwiderte mein Kraulen mit ihrer Schnauze. Ajith lief fröhlich pfeifend an uns vorbei, sodass ich mich ihm gleich anschloss und 'Caprice' vorher aber noch ein letztes Mal über die Stirn strich.
      "Anything unusual today?", fragte ich Ajith beiläufig. "Nope, they all doin' fine, boss." Ich nickte zufrieden und fragte, ob denn Indiana heute wieder ausgegessen hatte. Am Vortag hatte sie nämlich am Mittag ein wenig übrig gelassen. "Yeah, I checked on her a moment ago and it was all gone", beruhigte mich der Pfleger. Ich nickte zufrieden. Vielleicht lag es ja an der Hitze, überlegte ich mir. Oder sie hatte schon genug Gras auf der Weide.
      Chiccory und Sunday Morning standen in der Stallgasse, weil sie noch eine Massage von Elliot bekamen. Der Reitlehrer hatte sich vor einer Weile weitergebildet und kannte ein paar nützliche Handgriffe, um verspannte Muskeln zu lockern. Normalerweise liessen wir das einen Experten machen, zum Beispiel kurz vor einem wichtigen Rennen. Aber so zwischendurch war es für Elliot eine gute Übung und für die Pferde natürlich auch nur positiv. Sunday, der gerade dran war, schlief jedenfalls fast ein vor Entspannung. Sein Kopf hing in den Seilen und die Unterlippe liess er hängen. Chiccory war hingegen etwas ungeduldig und scharrte, als ich neben ihm durchlief. Wie ich ihn kannte, wollte der Hengst nichtmal Futter, sondern einfach nur Aufmerksamkeit. Ich kraulte ihn deshalb kurz, bevor ich weiterging.
      Gleam of Light, Spotted Timeout, Fly Fast of the Nightrunners, Caspian of the Moonlightvalley und A Winter's Day waren noch immer auf der Weide. Sie waren die letzte Gruppe von Hengsten, die noch reingeholt werden musste. Kurze Zeit später kamen sie dann auch in die Stallgasse getrabt und wurden von den Pflegern in Empfang genommen, damit sie auch wirklich in die richtige Box gingen. Die Pferde liefen ansonsten den ganzen Weg von der Weide zum Stall und umgekehrt selbstständig über den jeweils rasch abgezäunten Weg. Winter blieb bei mir stehen, also übernahm ich ihn gleich und führte ihn in seine Box, indem ich ihm rasch einen Führstrick um den Hals legte. Die Pferde trugen auf den Weiden aus Sicherheitsgründen meistens keine Halfter.
      Ich wollte den Hauptstall gerade verlassen, als Oliver reinkam und mich zu sich winkte. "I just wanted to tell you that the second group this morning ran better than yesterday. Almost all of them made it in over a second less Time." "Ahh, wonderful to hear. I'm sorry I wasn't able to take part, but I had so much to do..." "Sure, no problem." Es freute mich zu hören, dass die jungen Rennpferde sich stets verbesserten. Framed in History, Sumerian und Kaythara El Assuad waren im Moment herausragend. Dafür hinkte Cabinet of Caligari wieder etwas hinterher. Aber für mich war es nur eine Frage der Zeit bis sie mehr Muskeln und Ausdauer hatte.
      "What about the youngest Group?", fragte ich Oliver weiter. "Well, could be better, but I guess they just need time." Ich nickte zustimmend, aber mein Ehrgeiz piekte mich trotzdem ein wenig. Ich hatte gehofft, dass in diesem Jahrgang auch wieder ein paar Überraschungen sein würden. Besonders in Merino und Primo Victoria hatte ich hohe Erwartungen gesteckt. Aber natürlich konnte sich das alles noch entwickeln - schliesslich waren die Jungspunde noch ganz am Anfang. Oliver fügte noch an: "Miss Moneypenny had the leading time today. Didn't surprise me really, she has the longest legs already." "And what about Simba Twist and Cryptic Spots?" Oliver machte sein 'ich-bin-nicht-so-zufrieden-wie-ich-es-gerne-wäre'-Gesicht und ich fragte nicht weiter. Schmunzelnd lief ich zum Parkplatz, denn ich hörte ein Auto heranrollen. Ich begrüsste meine Eltern, die aus dem Taxi ausstiegen und führte sie zum Haus.
      Wir assen alle gemütlich zu Abend und unterhielten uns über alles was seit dem letzten Telefonat so passiert war. Lily war natürlich wieder als erste fertig und wollte vom Tisch. Ich liess sie, weil sie sonst sowieso nur herumgezappelt hätte. Sie verschwand mit Sheela in Richtung Weiden. Zira und Jacky blieben treu hinter mir im mittlerweile kühlen Gras liegen. Ich war Barfuss und genoss das kitzeln der kühlen Halme. Meine Eltern redeten auch viel mit Jonas; sie fragten ihn fast schon aus, was mir etwas peinlich war. Er schien es aber locker zu nehmen und setzte sein charmantes Lächeln auf. Plötzlich kam Lily wieder zurück, ohne Sattel und nur mit Stallhalfter auf Snottles Peppermint sitzend. Offenbar wollte sie etwas bluffen, wie gut sie schon reiten konnte. Meine Eltern waren nicht so begeistert, dass ihre Enkelin keinen Helm trug und ich versuchte ihnen weiss zu machen, dass sie ihn normalerweise trug. (Was sie auch tatsächlich tat, zumindest wenn sie richtig reiten ging.) Wir genossen den Abend dann doch noch ohne weitere Diskussionen und meine Eltern blieben über Nacht im Gästezimmer.

      Herbstbeginn, oder: es gibt Ärger auf Pineforest Stable, Teil I
      Oktober 2017 von Occulta
      Chiccory ox, Shades of Gray, Iskierka, Painting Shadows, Coulee, Sympathy of the Devil, A Winter’s Day, Campina, Spotted Timeout, Fly Fast of the Nightrunners, Gleam of Light, Caspian of de Moonlightvalley, Sunday Morning, Unbroken Soul of a Rebel, Drømmer om Død, Flintstone, Calico, PFS’ Captured in Time, Kaythara El Assuad, Sumerian, Framed in History, One Cool Cat, Cabinet of Caligari, Halluzination, Yoomee, Sika, Fake xx, Parányi, River’s Blue Lady Liquor, scs Sugar and Sweets, scs Bluebell, Islah

      Seit zwei Wochen war der neue Praktikant Tobias Leech nun bei uns. Ich hatte ihn nach der ‚Schnupperzeit‘ eingestellt, denn er hatte seine Sache gut gemacht und zeigte sich sehr hilfsbereit. Auch jetzt war er stets anständig, kümmerte sich um seine Aufgaben und befolgte sämtliche Anweisungen. Ich hatte also nichts zu meckern und war zufrieden, wie es im Moment lief. Es standen ein paar interessante Events bevor, und heute hatte ich auch noch eine Notiz von einer Fuchsjagd in der Zeitung gesehen, bei der es mich schon in den Fingern kribbelte. Als erstes wollte ich heute Morgen wie immer bei den Vollblütern helfen. Um richtig in die Gänge zu kommen, musste ich mir davor aber eine Schüssel Müsli und einen kräftigen Schwarztee genehmigen. Eine weitere Leiche kam die Treppe runter geschlurft und setzte sich gähnend an den Tisch. „Ich verstehe einfach nicht, wie du jedesmal eine Stunde vor mir im Bett liegst, nur um dann am Morgen trotzdem so schlapp zu sein“, wunderte ich mich laut. Jonas murrte: „Manche Menschen brauchen nunmal mehr als fünf Stunden Schlaf.“ „Jetzt übertreibst du aber – sechs Stunden hast du ja mindestens, wenn du schon um Elf ins Bett kriechst“, neckte ich. Er seufzte mit hochgezogenen Augenbrauen und und nippte an seiner Tasse. „Schüler müsste man sein. Lily kann richtig ausschlafen im Vergleich zu uns.“ Für unsere kleine Schülerin stellte ich auch schonmal Besteck und Schüssel auf den Tisch, auch wenn sie erst in ein paar Stunden aufstehen würde. Jeden Tag zwischen Fünf und halb Sechs zu frühstücken ist schon hart, aber man gewöhnt sich daran, mit ein paar Ausnahmen – ich warf einen schmunzelnden Blick zu meinem Gegenüber. „Irgendweilche besonderen Pläne für heute, von denen ich noch nichts weiss?“, fragte Jonas während dem Müsli-Löffeln. „Nö, aber wenn du willst können wir heute wieder etwas weiter ausreiten gehen. Ich würde gerne sehen, ob sie in Tewkesbury schon meine Lieblingskürbisse haben.“ „Klingt gut.“

      Ich machte mich mit Zira und Jacky auf in den Hauptstall, wo die meisten Jockeys bereits die Pferde aus den Boxen holten und zu putzen begannen. Sheela begleitete Jonas zum Nordstall. Gruppe drei war heute zuerst dran, bestehend aus Chiccory, Shades of Gray, Iskierka, Painting Shadows, Coulee, Sympathy und Winter. Ich selbst hatte vor in Gruppe vier mitzureiten, nämlich auf Gleam of Light. Während sich Gruppe drei vorbereitete, huschte ich zwischen den Pferden durch und machte die morgendliche Stallkontrolle. Ajith hatte so früh morgens natürlich noch nicht mit dem Misten begonnen, aber ansonsten sahen die Boxen einwandfrei aus und waren gut eingestreut. Gesunder Schlaf war schliesslich wichtig für Rennpferde. Raufutter hatten sie schon bekommen; Kraftfutter gab es erst nach dem Training. Wir wollten heute die ersten Vollblüter scheren, weshalb bei den Auserwälten bereits die passenden Decken vor den Boxen hingen. Wir begannen damit jeweils früh, weil die Rennpferde natürlich um einiges mehr schwitzten als die sonstigen Reitpferde und mit Winterfell zu lange trocknen mussten. Eine der Kandidatinnen für eine heutige Schur war auch Indiana. Sie lief zwar nicht mehr aktiv Rennen, wurde aber ziemlich fit gehalten für’s Military. Die rappfarbene Stute kaute an ihrer morgendlichen Heuration, während sie interessiert das Treiben im Stallgang beobachtete. Ich fragte mich beim betrachten ihrer dunklen Augen, ob die Stute wohl den Alltag auf der Rennbahn vermisste. Doch dann fiel mir ein, dass sie vermutlich gar nie richtig Rennen gelaufen war. Ich wusste nur von einem einzigen Rennen, bei dem sie gestartet war; dem Joelle-Galopp Maiden über 1400 Meter. Dabei war sie immerhin auf dem dritten Platz gelandet. Im Training mit den jungen Vollblütern, als wir sie für’s Military aufzubauen begannen, zeigte sie auch ein gewisses Talent, schien aber mit der Startmaschine nicht vertraut und brauchte einen Moment, um sich auf ihren Jockey einzulassen. Jedenfalls schaute mich Indiana zwischendurch erwartungsvoll an, als meinte sie, dass ich gleich ihre Box öffnen und sie halftern würde. Ich ging jedoch weiter und beendete meine Runde, bevor ich mich langsam aber sicher auch ans Putzen machte. Die erste Gruppe war inzwischen draussen und wärmte sich ein. Light grunzte begeistert, als ich bei ihm hielt. Er hatte sein Heu noch längst nicht fertig gefressen, schien aber bereits begierig darauf, die soeben aufgenommene Energie wieder zu verpuffen. Vielleicht freute er sich auch einfach über die Karotte, die ich ihm als Begrüssung brachte. Ich holte ihn aus seiner Box und band ihn in der Stallgasse an, dann begann ich mit Striegeln. Er spitzte genüsslich die Lippe, als ich beim Unterhals schrubbte. Als ich bei der Kruppe angelangte, kippte der ganze Körper plötzlich nach hinten und Light streckte sich genüsslich, gefolgt von einem ungeduldigen Scharren. „Are you ready now?“, lachte ich belustigt und wechselte auf die andere Seite. Nach dem Striegeln wischte ich sein Fell mit der Staubbürste ab und kratzte die Hufe aus, ausserdem sprayte ich etwas Glanzspray in das schwarze Langhaar und kämmte es gründlich durch. Nun sah Light wieder so aus, als würde er seinem Namen alle Ehre bereiten: Er glänzte von Kopf bis Fuss. Ich sattelte Gleam und bandagierte seine Beine, mit dem Zäumen wartete ich noch. Die anderen waren noch nicht ganz fertig, also alberten wir noch ein wenig herum. Light konnte auf Kommando Lächeln und seine Zunge rausstrecken. Während dem Warten versuchte ich ihn dazu zu bewegen, abwechselnd die Vorderbeine zu strecken. „Pass auf, dass er nicht zu betteln anfängt“, rief Jonas, der sich gerade unter Sundays Anbindekette durchduckte. „Nö, er kriegt nur was, wenn ich ihm ein Kommando gebe. Was gibt’s?“ „Ich wollte nur Bescheid geben, dass Darren, Alan und ich mit Rebel, Dod und Flint rausgehen“, erklärte er, und fügte mit einem Zwinkern an „nicht dass du mich suchst.“ „Pfft, als ob ich dich von allen Leuten vermissen würde“, neckte ich zurück, und gab ihm einen raschen Kuss. „Weisst du vielleicht gerade, wo Rita ist? Vielleicht will sie mit Calico mitkommen“, fragte er beim Gehen. „Die reitet in der letzten Gruppe mit, also könnte es noch knapp reichen – ich glaube ich habe sie vorhin bei der Sattelkammer vorne gesehen.“ Er hob die Hand, zum Zeichen, dass er verstanden hatte und verschwand wieder zwischen den Pferden. Inzwischen konnte ich zäumen und dann Light hinter Caspian und Fly rausführen. Ajith und Oliver gingen uns beim Aufsteigen zur Hand, sodass alle nach wenigen Sekunden oben sassen und losreiten konnten. Wir ritten schön in einer Reihe zum Galoppweg, wo wir uns wie immer im Trab aufwärmten. Die Pferde dieser Gruppe kannten den Ablauf ganz genau und wussten, als wir ans Ende der Runde kamen, dass sie gleich auf die Bahn durften. Die vorherige Gruppe verliess gerade die Bahn, also liessen wir sie rasch durch. Fly begann etwas unruhig zu werden und steckte Spot mit Zappeln an. Auch Light schaukelte vorne leicht in die Luft, doch ich stellte ihn nach links und ritt ihn im Schulter-Vor um die Kurve, um ihn ruhig zu halten. Das Gehampel war zwar nervig, aber andererseits wollten wir auch, dass die Pferde wach waren und eine gewisse Grundspannung hatten. Tatsächlich kamen wir heute auch beim Start hervorragend weg und ich klopfte Light rasch zufrieden auf den Hals, bevor ich mich auf die Bahn vor uns konzentrierte. Die einzige Stute in dieser Gruppe, Campina, zog übermütig an uns vorbei und ich fragte mich, ob Parker das mit Oliver so abgesprochen hatte. Später stellte sich heraus, dass sie die Stute eigentlich hatte bremsen wollen, aber zuerst etwas mehr Platz schaffen wollte.

      Nach dem anstrengenden Intervalltraining liessen wir die Pferde austraben und ritten sie zurück zum Hauptstall. Dort wurden sie abgesattelt und in den Freilauftrainer gebracht, damit sie sich noch trockenlaufen konnten. Ich gab auch Light beim ‚Karussell‘ ab und übernahm stattdessen Iskierka, um die inzwischen trockene Stute in ihre Box zurück zu bringen. „Hey Zicke“, murmelte ich liebevoll, als ich sie hinausführte. Sie hatte nur eines im Kopf: Ihr Kraftfutter, das bald in der Raufe liegen würde. Beim Tor wollte sie mich wiedermal überholen, obwohl wir das schon gefühlte 1000-mal geübt hatten. Das war einfach typisch Iskierka – egal wie oft man sie zu erziehen versuchte, sie war und blieb dominant und hatte Mühe sich unterzuordnen. „I know you’re hungry, but you have to wait even longer, if you keep it up like this”, sprach ich augenrollend aber geduldig. Ich wusste, dass es nichts brachte, sich über das Verhalten der Stute aufzuregen. Man kam schneller voran, wenn man schön ruhig blieb und ihr klare Anweisungen gab. Ich liess sie deshalb rückwärts wieder vom Tor weg weichen, dann versuchte ich es erneut, so lange, bis sie respektvoll blieb. Schliesslich durfte sie in ihre Box und sich über das restliche Heu von der ersten Fütterung hermachen, bis das Kraftfutter serviert wurde. Ich beobachtete noch, wie Gruppe zwei, bestehend aus Ciela, Kaythara, Sumerian, Frame, One Cool Cat und Cabby zum Aufsteigen geführt wurden. Frame röchelte leise, als er mich sah. Ich ging rasch zu ihm hin, streichelte ihn und half Quinn beim Aufsteigen. Bei ihr war der sensible Schecke in guten Händen, aber es konnten ihn noch immer längst nicht alle reiten. Als die Gruppe zur Bahn lief, wechselte ich zum Nebenstall. Ich liess zusammen mit Robin und David die Stuten auf die Weide unter der Stutenweide. Das Gras dort war wieder etwas üppiger geworden, weil wir sie lange geschohnt hatten, also mussten die vierbeinigen Rasenmäher ran. Damit es schneller ging zäunten wir wie immer den Weg ab und liessen die Pferdchen selber zur Weide laufen. Robin und ich öffneten die Boxen, während David sicherstellte, dass niemand unterwegs anhielt zum Fressen oder mit den anderen Stuten Zanken. Sika und Lychee trotteten sogleich aus ihrer Box und liefen zügig die Betonrampe runter auf den Kiesweg. Die anderen liessen sich mehr Zeit und wollten lieber schon unterwegs am Wegrand grasen. Als alle aus den Boxen waren, liefen Robin und ich den übriggebliebenen Stuten hinterher und trieben sie bis zur Weide. Bluebell, Sweets und Yoomee waren heute auch so mühsam vorwärtszubewegen. Als sie endlich alle durch das Weidetor getrabt waren, schlossen wir dieses und beobachteten amüsiert, wie Fake im Bluff-Hackney-Trab über die Wiese schwebte, weil die Stuten von der Offenstallweide zur Begrüssung an den Zaun gekommen waren. Parányi führte die Gruppe dann aber in eine andere Ecke der Weide, wo es anscheinend besseres Gras gab. Sie war im Moment wohl die Ranghöchste der Nebenstallstuten, wobei sie sich aber immer mal wieder mit Hallu zankte. Manchmal wusste ich gar nicht so recht, wer denn nun wirklich Chef war von den beiden.

      Auf dem Rückweg zu den Ställen begann mein Handy plötzlich hartnäckig zu summen. Erstaunt erkannte ich Rosies Nummer auf dem Display. “Hello?“ “Occu, I have a problem! The horses were stolen!“ “What!!?” Ich traute meinen Ohren kaum. “What do you mean they were stolen?” “They’ve disappeared from the barn!” “Whait – I’ll come over, inform the police!” Ich lief zügig zum Parkplatz und stieg in mein Auto. Auf der Wilkinson Farm angekommen, erzählte mir die aufgewühlte Rosie, dass sie vorhin in den Stall gegangen war, um die Pferde auf die Weide zu lassen; doch diese seien einfach spurlos verschwunden gewesen. Die Polizei, die eine Viertelstunde später ebenfalls eintraf, vermutete, dass die Pferde über Nacht aus den Boxen geholt und wegtransportiert worden waren. Sie befragten alle Anwesenden und suchten nach Spuren, doch weder Rosie, noch ihr Angestellter Lucas Gordon hatten etwas mitbekommen. Ausserdem waren die Diebe anscheinend ziemlich professionell vorgegangen und hatten kaum Hinweise zurückgelassen. Besorgt und ruhelos wanderte Rosie auf dem Hof herum, trotz meiner Versuche, ihr einzureden, dass die Polizei die Pferde schon finden würde. „If they took them in the middle of the night they could already be who-knows-where!” Darauf wusste ich nichts zu erwiedern. Nachdenklich sah ich mich auf dem Hof um. Irgendeinen Hinweis muss es doch geben… Aber Natürlich war ich auch nicht schlauer als die Beamten, die ihren Job sehr gründlich auszuführen schienen. Im nächsten Moment fiel mir jedoch eine Bewegung im Augenwinkel auf, weiter hinten bei der Reithalle. „Over there! That is… Islah!?“ Rosie und ich hasteten sofort in die entsprechende Richtung. Da stand sie, die braun gescheckte Araberstute – friedlich am Wegrand grasend, als wäre nichts geschehen. Rosie näherte sich ihr langsam. Die Stute schien unversehrt. Als ich mich auf den Weg machen wollte, um ein Halfter zu holen, fand ich im halbhohen Gras ein schwarzes solches liegen, mitsamt Führstrick. Der Backenverschluss war jedoch abgerissen. Ich fasste es nicht an, damit die Beamten, die sich erst näherten als sie sahen, dass Islah bei Rosie blieb, es unverändert untersuchen konnten. „Looks like someone tried to use this, but it broke and the horse got away”, schloss einer der Polizisten. “What a clever girl, Islah!“, rief Rosie aus und umarmte die Stute, die mittlerweile ein intaktes Halfter, von Lucas gebracht, trug. Ich konnte mir sehr gut vorstellen, wie das ganze abgelaufen sein musste: vermutlich hatten die Diebe ein Pferd nach dem anderen unter Zeitdruck rausgeführt und verladen. Da Islah jedoch überhaupt nicht gerne einstieg und jeweils ordentlich rumzicken konnte, wenn es auch nur schon auf einen Anhänger zuging (erst recht mit fremden Leuten, malte ich mir aus), hatte sie sich wohl reingehängt und das Halfer zerrissen. Danach musste sie es irgendwie geschafft haben, ganz daraus zu schlüpfen und so zu entkommen. Vermutlich hatten sich die Diebe gar nicht die Mühe gemacht, der Stute hinterherzujagen, sondern stattdessen rasch die anderen Pferde verladen und weggebracht. In diesem Fall war ihr eigener Sturkopf der Stute zugute gekommen. Rosie und ich brachten Islah in ihre einsame Box und brachten ihr eine ordentliche Portion Heu, um sie abzulenken. Sie begann nämlich nach den anderen zu rufen, als sie bemerkte, dass sie weg waren. Vielleicht ist sie auch empört und denkt, die anderen seien auf der Weide, während sie in den Stall muss, überlegte ich stirnrunzelnd. Jedenfalls musste sie nun erstmal so ausharren, bis ihre Kollegen wieder auftauchten. Wenn sie denn wieder auftauchen, dachte ich missmutig. Wir sahen uns nun noch angestrengter um, falls noch ein Pferd entkommen sein sollte. Vielleicht Numair – er ist ja auch nicht immer leicht im Umgang. Oder Bintu… Doch leider fanden wir nichts Weiteres. Die Polizei schickte trotzdem noch Suchtrupps ins nahe Gelände. Schliesslich blieb mir nichts anderes übrig, als zurück auf meinen eigenen Hof zu wechseln und abzuwarten. Ich erzählte Jonas und den bereits neugierigen Pflegern was passiert war. Alle diskutierten angeregt und suchten parallelen zu anderen Pferdediebstählen in der Region. Bis plötzlich Lewis bemerkte „Speaking of disappearance – has anyone seen this Leech-guy since mornin‘?“ Es wurde still und alle schienen angestrengt nachzudenken. Lisa war die erste, die die Stille brach. „…actually I have not seen him today at all.“ Die anderen nickten langsam, und auch ich schloss müde die Augen, als es mir dämmerte. Dieser Mistkerl! Ich hatte ihm gleich am ersten Tag sogar noch brav die Wilkinson Farm gezeigt, sodass er wunderbar hatte abchecken können, wie die Infrastruktur war und wo man sich am besten Zugang verschaffte. „Ich bin so ein Idiot…“, murmelte ich enttäuscht. „Sei nicht zu hart mit dir; woher hättest du den wissen sollen, dass er ein Krimineller ist? Sogar ich fand ihn nett“, tröstete mich Jonas. Auch die Pfleger schienen fassungslos, denn Leech war immer anständig und freundlich rübergekommen. Das war wohl alles geschauspielert, stellte ich fest.

      Ich meldete die Entdeckung der Polizei und gab alle Infos weiter, die ich von dem Verdächtigen hatte. Natürlich stellte sich heraus, dass der Name und die Identität gefälscht waren und der Typ jemand ganz anderes sein musste, als er vorgegeben hatte. Wenigstens kannten wir sein Aussehen, was ein guter Anfang war. Die folgenden Tage waren für mich quälend lang und ich wartete sehnsüchtig auf Fortschritte bei der Fahndung.

      Springtraining A - L
      Oktober 2017 von Occulta
      Silverangel, Yoomee, White Dream, Co Pilot de la Bryére
      Es war ein recht kühler, nebliger Morgen – absolut passend zu Halloween. Ich hatte die Stallrunde bereits hinter mir, und die Vollblüter waren auch schon eifrig auf der Bahn. Ab und zu erspähte ich eine entsprechende Silhouette durch die Tannen. Quinn und Zira begleiteten mich zum Nebenstall, wo ich vor Silver‘s Box halt machte und die Putzbox abstellte, die ich trug. Quinn ging weiter zu White Dreams Box und holte das New Forest Pony raus. Ich halfterte die grullo farbene Stute auf und führte sie ebenfalls raus vor das Holzgeländer. Dann begann ich, ihr graues Fell durchzuschrubben. Sie war noch ein wenig matschbesprenkelt vom gestrigen nachmittäglichen Weidegang, deshalb dauerte es eine Weile, bis sie nicht mehr staubte. Wenigstens sah man den Dreck auf ihrem Fell nicht so gut. Lisa kam hinzu und band Yoomee neben Silver an. Wir schrubbten Synchron die Beine der Ponys sauber. Ich sprayte anschliessend den Schweif ein und bürstete ihn aus, bis er schön seidig-klebrig war. Bei der Mähne verlohr ich fast die Geduld, denn die war wundervoll mit Dreck-Rastas geschmückt. Irgendwie brach ich die einzelnen Stränen von Hand auf, bis es halbwegs anständig aussah; dann kratzte ich noch die Hufe aus und konnte zu guter Letzt satteln. Gemeinsam mit Quinn, White Dream, Lisa und Yoomee, führte ich Silver zur Halle. Wir hatten Springtraining mit Elliot. Zunächst wärmten wir uns im Trab auf, während Elliot den Parcours aufstellte. Ich machte viele Volten und Übergänge, um Silver zu lockern. Wenn sie schön durchlässig war, konnte ich sie auch gut zwischen den Hindernissen bremsen oder antreiben, ohne dass die Spannung verloren ging. Als alle ready waren, begannen wir mit Stangentraben, so wie fast immer. Danach folgten ein paar schräg gestellte Kreuzchen auf der Mittellinie. Das war sehr gymnastizierend für die Pferde, und ab und zu hörte man ein leises Grunzen von Silver, wenn sie etwas zu dicht absprang. Yoomee war ein echter Profi – sie sprang die Linie zuverlässig und ohne Taktverlust. Dream machte es ebenfalls hervorragend. Silver war an der Schwelle zur M Klasse, deshalb wollten wir auch heute einen 1.30 Meter Parcours mit verschiedenen Kombinationen üben. Wir steigerten die Höhe rasch, wobei immer Silver und ich zuerst sprangen, damit Elliot die Stange für Lisa und Quinn in einigen Übungen noch etwas höher machen konnte, weil die beiden anderen Ponys schon erfahrener waren. Wir übten auch einen Steilsprung mit einem anschliessenden Oxer auf einer gebrochenen Linie, die etwas schwer zu taxieren war. Aber es gelang mir, Silver gut zusammenzuhalten und den Abstand richtig einzuschätzen. Mitten im Training kamen noch Darren und Pilot in die Halle. Ich machte einen Bogen um das Hallentor, um die beiden reinzulassen. Darren fragte, ob wir den Parcours stehenlassen könnten, damit er mit Pilot auch noch ein wenig üben konnte. Ich hatte am Wochenende ein S*-Turnier mit Pilot, also fand ich es auch eine gute Idee, wenn die beiden nochmal ein paar Basics durchgingen. Eigentlich mussten wir mit Pilot nicht mehr viel trainieren, denn er hatte alle nötigen Muskeln und wusste, was zu tun war. Aber zur Erhaltung tat es ganz gut, wenn man einmal pro Woche ein paar Hindernisse überwand. Die mussten auch nicht zwingend hoch sein – es ging eher um die Technik. Darren wärmte Pilot im Schritt auf, während wir weitertrainierten. Dream musste den Parcours, den wir am Ende machten, zweimal durchlaufen. Sie hatte nämlich bei der kleinen Mauer gezögert und dadurch die darüberliegende Stange abgeworfen. Als wir endlich dran waren, wurde Silver fast schon etwas übermütig und sprang vor einem Oxer zu früh ab, wodurch sie umso mehr abdrücken musste, um sich darüberzuretten. Ich stellte sicher, sie vor dem nächsten Hindernis besser zurückzuhalten und passend zu kommen. Es klappte, und wir überwanden sogar den letzten 1.35 Meter Steilsprung ohne Fehler, was für ihr Stockmass ganz ordentlich war. Ich klopfte ihr stolz auf den Hals und liess sie am langen Zügel austraben. Mit den Ponys sprangen wir eh nicht höher als 1.40, deshalb trainierten auch Dream und Yoomee nicht höher, obwohl sie nun schon lange gesprungen wurden. Elliot stellte den Parcours noch deutlich höher für Pilot, der mittlerweile warmgelaufen war. Ich sah während dem Schrittreiten zufrieden zu und freute mich umso mehr auf das Wochenende. Ich war sicher, dass mich der Hengst zuverlässig durch den Parcours tragen würde, so wie er es auch jetzt im Training tat.
    • Veija
      Wir üben Geschick
      Februar 2018, von Occulta
      Silverangel, River’s Lychee, PFS‘ Shadows of the Past, Yoomee, tc Miss Moneypenny, Simba Twist, PFS’ Merino, PFS’ Cryptic Spots, Primo Victoria, PFS’ Stromer’s Painting Gold, PFS’ Ljúfa, Tigrotto, PFS’ Kicks-a-Lot, Tayr al Diyari, Numair, Anubis, Lindwedel, Glenns Caress, Beck’s Experience, Chocolate Chip, Papillon d’Obscurité, Parányi

      "Der schöne Schnee...", jammerte Lily traurig, als sie an diesem Morgen aus dem Haus kam. Jonas und ich waren wie immer schon viel früher draussen gewesen - Ausschlafen war für uns auch am Wochenende keine Option. Der Schnee, der vergangene Woche noch flächendeckend gelegen hatte, war weitgehend verschwunden; bloss ein paar vereinzelte weisse Stellen im Schatten erinnerten noch daran. Die Sonne wärmte meinen Rücken, als ich mit Lychee in Richtung Baumalee losritt, gefolgt von Quinn und Parker mit Silver und Shira. Ich rief Lily über die Schulter zur Erinnerung, dass wir um elf Uhr weg wollten und sie pünktlich zürück sein musste; dann wandte ich meinen Blick nach vorne und genoss unseren Ausritt. Der Boden trocknete immer mehr und das vom Gewicht der letzten Wochen müde Gras richtete sich auf, um Energie zu tanken. Man bekam richtige Frühlingsgefühle, obwohl es gut möglich war, dass es nochmal kalt werden würde. Auch die Pferde spürten den Temperaturwechsel und das Erwachen der Natur. Sie waren hibbelig und geladen, wollten am liebsten die ganze Strecke im Galopp bewältigen. Ein Grund dafür war vielleicht auch, dass sie aufgund der Schneeschmelze nicht auf die Weiden gedurft hatten, da diese sonst in Windeseile Schlammlöcher verwandelt worden wären. Ich hatte entsprechend Verständnis für mein Reittier, das beim Angaloppieren übermütig buckelte. Solange sie mich nicht ernsthaft runterbocken wollte, ignorierte ich es einfach und sass die grösseren Sprünge gekonnt aus. Wir hatten unseren Spass und pauderten ausgiebig, sodass wir am Ende tatsächlich fast selbst zu spät zurückkamen. Schliesslich musste ich noch eine ganze Menge vorbereiten, bevor wir losfahren konnten. Ich versorgte Lychee, stellte die Transporter bereit, half Ajith Gamaschen, Sättel und Knotenhalfter einzupacken. Die Reise ging zu einem Extreme Trail, etwas mehr als eine Stunde entfernt. Ich hatte schon lange vorgehabt, dort einmal hinzufahren, denn der Park war letzten Frühling neu eröffnet worden und beinhaltete viele spannende Hindernisse - ein perfektes, Mut förderndes Training für die jungen Vollblüter. Wir wollten daher gleich die ganze Gruppe der vierjährigen mitnehmen - und natürlich Goldy, die da gewissermassen auch dazuzählte. Primo und sie stiegen brav ein, Penny brauchte etwas länger, und die Jungs zögerten auch einige Augenblicke, ehe alle drin waren. Jungpferde eben. Wir fuhren mit zehn Minuten Verspätung los, das war aber kein Problem.
      Wir wurden kurz eingewiesen und bekamen ein paar Tipps zu den Hindernissen, dann durften wir selbstständig den Trail erkunden. Ich ritt auf Simba. Unser erstes Hindernis war eine einfache Reihe von dünnen Baumstämmen, die unterschiedlich schräg dalagen. Simba sah sich die Stangen an und stakste dann zügig hindurch. Ich lobte ihn und durchritt das Hindernis gleich nochmal, diesmal langsamer. Ähnlich lief es mit den anderen Aufgaben. Er zögerte zwar manchmal etwas und versuchte dann hastig weiterzukommen, aber spätestens beim zweiten oder dritten Versuch machte er es ordentlich. Ich beobachtete, wie Quinn und Merino sich an der Wippe versuchten, einer der schwersten Aufgaben. Merino ging zwar vertrauensvoll mit allen vier Beinen auf das massive, breite Holzbrett, erschrak sich aber, als es sich bewegte und sprang blitzschnell runter. Ich lachte und ritt zu Quinn rüber - sie grinste auch. "Nice try, next try..." "Maybe lead him over it first?", schlug ich vor. Sie nickte und stieg ab, um Merino die Rampe vom Boden aus zu zeigen. Diesmal zögerte der junge Hengst schon vor dem Brett, weil er wusste, dass es beweglich war. Quinn stand selbst darauf und demonstrierte ihm, wie es von Seite zu Seite kippte. Als er auch durch sanftes aber bestimmtes Einladen nicht draufstehen wollte, bewegte sie seine Hinterhand und liess ihn ein wenig arbeiten, bis er einen Fuss auf das unheimliche Ding setzte. Sie lobte ihn und nahm den Druck sofort weg, ehe sie ihn nach einer kurzen Pause zu weiteren Schritten ermutigte. Er begriff, dass es keinen anderen weg für ihn gab, also stellte er sich mit allen vier Füssen darauf und untersuchte das Brett mit der Nase. Er scharrte, um den Boden zu prüfen und zuckte zusammen, als dieser sich abermals bewegte. Er wollte schon wieder seitwärts runter, aber Quinn begrenzte ihn geschickt, sodass er sich mit der Situation auseinandersetzen musste. Er zuckte noch ein paarmal und schnaufte laut, dann konnte Quinn ihn schon deutlich besser drüberführen. Nun stieg sie wieder auf und versuchte es auch im Sattel. Diesmal ging er rasch mit allen vier Hufen auf das Brett, zögerte kurz, als es sich zu bewegen begann, machte dann noch einen Schritt, sodass es ganz kippte und hopste dann zügig runter. Quinn lobte ihn zufrieden. Nun war auch Simba an der Reihe, der das ganze ja hatte beobachten können. Er setzte zögerlich einen Huf auf die Wippe, dann den zweiten, und schliesslich auch die Hinterbeine. Ich hielt ihn an Ort und Stelle, um ihn zu loben, dann liess ich ihn rückwärts wieder vom Brett runtergehen, um ihm zu zeigen, dass er nichts zu befürchten hatte. Danach stellte ich ihn wieder auf die Wippe, kurz vor der Mitte. Von dort aus, liess ich ihn einen weiteren Schritt machen, sobald er ruhig und aufmerksam war, sodass das Brett sich langsam bewegte. Simba wurde unsicher und stand breitbeinig da, blieb aber bei mir. Ich schickte ihn noch einen weiteren Schritt voran, damit die Wippe vollständig kippte. Er wartete brav, bis ich beschloss, runterzugehen. Das war mir wichtig, damit er nicht einfach darüber hastete. Ich wollte jeden Schritt kontrollieren, sodass uns nichts passieren konnte. Ich lobte ihn ausgiebig und grinste an Quinn gewandt. Wir ritten gemeinsam zu einer Steintreppe, die die Pferde hochklettern mussten. Ganz in der Nähe war Cryptic mal wieder doppelt so schnell unterwegs, als es nötig gewesen wäre: er trabte kurzerhand die Steintreppen hoch, anstelle im Schritt wie alle anderen gesitteten Vierbeiner hochzuklettern. Natürlich wurde er von seinem Jockey gleich nochmal an den Anfang geritten und musste erneut auf die Stufen steigen, diesmal in der tieferen Gangart.
      Nach einer untensiven Dreiviertelstunde war die Konzentration der jungen Vierbeiner aufgebraucht und es war Zeit, zurück nach Hause zu fahren. Der Trail war die Reise definitiv wert gewesen, und wir wollten schon bald mit anderen Pferden wiederkommen.

      Zuhause angekommen, versorgten wir alles und alle. Ich wollte nun Yoomee bewegen, aber auf Dressur oder Springen hatte ich gerade keine Lust. Also schwang ich mich wiedermal ohne Sattel auf ihren Rücken und nutzte das herrliche Wetter für einen Ausritt. Zira begleitete mich - wie sie es auf Ausritten oft und gerne tat. Sie trottete voraus und schnupperte gelegentlich an einem Gebüsch, dann wiederum wartete sie wieder auf uns. Ich durfte sie nur freilaufen lassen, weil sie so gut erzogen war; bei dem ganzen Wild im Park hätte ich sonst längst Ärger gehabt. Yoomee war gut gelaunt und fit, aber auch sehr brav und anständig. Wir konnten auch ohne Mätzchen galoppieren. Nur einmal scheute sie im Wald ein wenig vor einem vorbeifahrenden Dirt-Bike, das uns von hinten überholte. Zira bellte dabei zweimal, weil sie merkte, dass der Fremde uns zu nahe gekommen war und mich dadurch aus der Ruhe gebracht hatte. Der Fahrer kümmerte sich nicht darum und fuhr einfach gleichschnell weiter, aber ich hatte mein Gleichgewicht rasch wieser gefunden und setzte den Ritt unbekümmert fort, wodurch sich auch die Malinois Hündin, mit ihrem ausgeprägten Beschützerinstinkt, wieder beruhigte. Es gab viele rücksichtsvolle Fahrer in der Gegend, die uns und die Pferde nach unzähligen Begegnungen kannten und respektierten. Aber natürlich gab es auch solche, die am liebsten Reitverbote für den grössten Teil des Parks erwirken und uns mit rüpelhaftem Verhalten vertreiben wollten. Im Park war das Dirt-Bike Fahren sehr beliebt, und besonders im Sommer gab es viele Touristen, die die Strecken durch den Pinienwald zu schätzen wussten. Aber das war noch nicht lange so; erst seit den letzten paar Jahren waren auffällig mehr Bikes unterwegs. Der Pinien Park war sozusagen vom Geheimtipp zum beliebten Ausflugsziel geworden. Das brachte natürlich auch eben erlebte Konflikte mit sich. Wenn ich mit jungen Pferden unterwegs war, horchte ich daher immer nach herannahenden Bikes und sorgte im Voraus für genügend Abstand, ohne auf die Vernunft der Leute zu hoffen. Andererseits verstand ich auch die Fahrer teilweise, denn es gab tatsächlich Reiter in der Gegend, die die Wege förmlich blockierten und ebensowenig Rücksicht nahmen. Jedenfalls blieb Yoomee auch den restlichen Ritt über entspannt und wir genossen die frühlingshaften Temperaturen. Ich musste mir sogar die Jacke ausziehen, weil ich in der Sonne so warm bekam.

      Es war nun halb fünf Uhr. Ich musste nur noch Ljùfa beschäftigen, aber die wollte ich an der Doppellonge arbeiten lassen, um ihren Rücken zu stärken. Etwas anderes schwebte mir für den Moment vor: ich suchte schon seit fast einer Woche die Gelegenheit, um zu Rosie rüber zu schleichen und deren neuen Araberhengst zu besuchen. Jacky hatte sich zu mir und Zira gesellt. Die beiden sassen nun entspannt neben mir, nachdem ich sie vorhin durchgeknuddelt hatte. Ich beschloss, aus meinem Vorhaben einen Spaziergang zu machen und nahm die Hunde gleich mit. Sheela war wiedermal nirgends - vermutlich begleitete sie wie so oft Jonas. Sie war schon immer eher sein Hund gewesen, oder eher gesagt ein Familienhund, denn sie verstand sich einfach mit allen gut. Aber Jonas konnte man wohl ihren Lieblingsmenschen nennen. Er alberte eben einfach mehr mit ihr herum, was ihn automatisch spannender machte. Zira war aber immernoch mir am treusten, obwohl sie ja auch jung und energievoll war. Sie hatte einfach einen ganz anderen Charakter und wich Leuten ausser mir aus, sogar wenn diese tagtäglich mit ihr zu tun hatten. Entweder klebte sie an meinen Fersen, oder streunerte irgendwo abseits vom Trubel alleine herum. Jacky war immer dort, wo es gerade Action gab (am liebsten kam sie mit auf Turniere und sonstige Ausflüge), oder jagte Mäuse. Darin bot sie übigens mancher Katze Konkurrenz. Abends lag sie dann jeweils ausgepowert auf meinem Schoss oder neben mir auf dem Sofa.
      Jedenfalls freute ich mich innterlich schon darauf, endlich Zeit für den Besuch auf der Wilkinson Farm gefunden zu haben und meine Neugierde zu sättigen. Lewis fing mich jedoch ab, bevor ich überhaupt die richtige Richtung einschlagen konnte. "What now? Well, maybe I'll get to visit her in the next life...", murmelte ich. "Occu, are you going to visit Rosie?" Ich nickte. "Can I come with you? I wanted to take a walk with the young Miniature Horses, and that would be quite the perfect route..." "Yes, you may. I'd like to have some company." Erleichtert, dass mein Plan doch nicht ein weiteres Mal aufgeschoben wurde, folgte ich ihm zu den Weiden. Er streichelte die Ministuten, als sie neugierig auf uns zukamen. Wir holten zwei Halfter, denn ich hatte beschlossen auch gleich ein Pony mitzunehmen, wenn ich schon mal hier war. Ich suchte mir Tigrotto aus, während Lewis Kiwi aufhalfterte. Dann spazierten wir los, mitsamt Ponys und Hunden. Es sah total niedlich aus, wie Tigrottos Mähne mit ihren Schritten mitwackelte. Sie hatte leichte Wellen, die das Haar umso wuscheliger wirken liessen. Hin und wieder, wenn ich gerade mit Lewis plauderte, anstatt aufzupassen, versuchte sie zum Gras am Wegrand zu ziehen. Bei Rosie bekamen wir einen aufwärmenden Tee; die Minis banden wir rasch bei einem Weidepfosten an. Danach durfte ich mir Tayr al Diyari ansehen. Der Fuchs mit den Rabicano-Stichelhaaren hatte wirklich einen bildschönen Kopf und grosse, schwarze Augen. Ich streichelte seine Nüstern und liess ihn an meiner Hand schnuppern. Rosie strich ihm liebevoll den Schopf gerade. "But of course I miss Bintu... And I’m not the only one, Anubis and Numair miss him as well. It was hard to sell him, but it's best for him." Bintu war von einer Züchterin gekauft worden, die so begeistert von ihm gewesen war. Ich fand es auch schade, aber er hatte weiterhin ein tolles Zuhause. Lindwedel schaute schon die ganze Zeit neugierig zu uns rüber. Also kraulte ich ihn auch noch eine Runde unter seiner dicken Mähne und auf der Stirn. "How is he doin'?", fragte Lewis, auf den Grauen deutend. "He is such a little sweetie. He would be a perfect pony for kids or beginners."
      Wir blieben nicht lange. Noch bevor es richtig dunkel wurde, machten wir uns auf den Heimweg. Tigrotto und Kiwi durften wieder in den Offenstall, nachdem sie lautstark von Caresse und Becks begrüsst worden waren; die meisten Minis waren bereits drinnen und kauten gemütlich an der abendlichen Heuration herum. Lewis trieb Papillon und Chip, die beiden letzten Wildfänge, auch noch rein und schloss dann das Tor. Im Sommer durften sie auch nachts raus, aber im Winter liessen wir sie im schützenden Stall. Ich kümmerte mich wie geplant um Ljúfa, danach half ich noch ein wenig den Pflegern beim Aufräumen, sah in der Dressurstunde zu, wie Jonas mit Parányi zurecht kam, ging kurz bei Thairu und Dante vorbei, um die beiden etwas zu putzen und legte mich schliesslich erschöpft aber glücklich ins Bett.

      Badewetter
      August 2018, von Occulta
      Empire State of Mind, Mikke, Indiana, PFS’ Sarabi, PFS’ Stop Making Sense, Unbroken Soul of a Rebel, Areion, Diarado, Co Pilot de la Bryére, Vychahr, Flintstone, Nosferatu, White Dream, Yoomee, Ronja Räubertochter, River’s Lychee, PFS’ Shadows of the Past, Nimué, Nera, Dancing Moonrise Shadows, Feline, Lovely Summertime, Farasha, Après la Pluie, Antarktik, Dakota S, Tigrotto, Blue Dawn’s Nachtfalke, PFS’ Arctic Silver Lining, PFS’ British Oreo Rascal, PFS’ Skydive, PFS’ Cupid, PFS’ Simply Priceless

      Es war herrliches Wetter draussen - behaupteten die einen, für die anderen (mich eingeschlossen) war die Hitze ein Graus. Ich wollte mich am Morgen kaum aus dem Haus bewegen, weil ich genau wusste, dass mir der Schweiss auch heute wieder nur so runterlaufen würde. Nichts desto trotz stand wie immer zuerst das Vollbluttraining an, und noch war die Luft angenehm kühl. Ich ritt auf Indiana mit, aber nicht zum Rennen, sondern um Trackpony zu spielen. Naja, ein bisschen rennen sollte die Stute schon, denn sie wurde ja mittlerweile im Military trainiert und da war so ein Renntraining zwischendurch ganz gut. Wir holten heute die Trackponys schon so früh raus, weil wir die jüngsten Vollblüter zuerst trainierten. Die der normalerweise ersten, erfahrendsten Gruppe waren vor kurzem fast alle ein Rennen gelaufen, also hatten sie heute noch frei, um sich vollständig zu erholen, und nahmen das Training erst morgen wieder auf. Für die Arbeit mit den Jungpferden war das "Ponying" ideal, weil die ruhigen Begleitpferde (wenn sie sich denn tatsächlich ruhig benahmen) ihnen Sicherheit vermittelten. Weil sie aber später an den Rennen kein Begleitpferd hatten (ponying war ja in England und allgemein Europa nicht üblich) trainierten wir so oder so beides. Nach einer Viertelstunde Vorbereitung, gingen die Jockeys und Pferde raus zum Aufsteigen. Ich kletterte selbstständig auf Indianas Rücken, während die Jockeys von Ajith und Oliver hinaufbefördert wurden. Iniana trug eben einen normalen Springsattel - da war das Aufsteigen kein Problem im Vergleich zu den kleinen Rennsätteln. Indiana und ich führten die Sechsergruppe auf dem Marsch zur Bahn an. Die weiteren Track Ponys waren heute Feline, Summertime, Caprice, Shadow und Flint, wobei letzterer Mambo begleitete. Wir trabten zuerst ausgiebig und ritten danach im leichten Sitz einen lockeren Galopp. Wie zuvor mit Oliver abgesprochen arbeiteten heute alle einzeln (nachdem die Track Ponys sie losliessen) und dem entsprechenden Pferd angepasst. Mit Indiana machte ich einen erfrischenden, etwas zügigeren Galopp bis zum 500-Meter-Pfosten und legte von dort an über 400 Meter etwas zu. April machte es mit Mambo ähnlich. Indiana und ich überholten die beiden unterwegs, denn er lief noch längst kein Finish-Tempo, aber der Hengst war gefordert und seine Nüstern weit geöffnet. Erst mit zunehmender Kraft würde er schneller werden und länger durchhalten. Nach dem Sprint nahm ich Indiana zurück und liess sie wieder im selben Tempo wie zuvor galoppieren, was ich mit meiner Armbanduhr überprüfte. Sie wehrte sich etwas gegen die Einschränkung und kaute missmutig auf ihrer Wassertrense herum. Ihre Nase war jetzt wieder auf der Senkrechten und ihre Galoppsprünge versammelt. Ich liess sie noch ein zweites Mal strecken, was sie freudig annahm. Oliver prüfte unterdessen die Geschwindigkeit der Jungpferde. Er sagte nichts, nickte aber zufrieden, als er die Zeit stoppte. Quinn klopfte Sarabi im leichten Sitz in den Bügeln stehend auf den Hals und liess sie langsam ausgaloppieren. Die anderen taten es ihr gleich. Ich arbeitete mit Indiana noch etwas weiter, bis ich das Gefühl hatte, dass sie genug ausgepowert war. Auch Caprice lief noch mit uns mit, die anderen waren schon mit den Jungpferden zurück zum Stall gelaufen. Als Darren und ich schliesslich auch zurückritten, sahen wir in der Ferne, dass Lisa, Jason und David mit den drei Westernpferden auf einen kurzen Ausritt zum Entspannen gegangen waren. Feline wurde gebadet, weil sie morgen mit Robin für ein 80er Springturnier gemeldet war. Die junge Frau machte den Schimmel-Criollo schick und wollte ihr sogar den Schweif einflechten. Auch Lily nahm an dem Turnier morgen teil, allerdings in der 60er Höhe und mit White Dream. Ich musste ihr höchstwarscheinlich später auch noch beim Einshamponieren helfen. Ich versorgte Indiana und half beim Vorbereiten der zweiten Rennpferdegruppe mit, dann brachte ich mit Ajith zusammen die Jungspunde aus dem Freilauftrainer, wo sie zum Abkühlen gewesen waren, zurück in ihre Boxen. Ich sah bei den Fohlen vorbei, quatschte mit Lewis, während Skydive mit meinem T-Shirt Ärmel spielte und beobachtete eine eher halbherzige Rauferei zwischen Simply Priceless und Cupid, ehe ich weiter zu Thairu ging.

      Das Zebratiergraste zufrieden mitten an der Sonne und zuckte weitaus weniger wegen der Fliegen als Zazou. Für die beiden war die Sommerhitze ideal, denn sie waren dafür ausgelegt, bei hohen Temperaturen in den Savannen Afrikas zu weiden. Die grossen, runden Ohren richteten sich interessiert nach vorne, als ich die Weide betrat. Thairu wusste mittlerweile, dass ich Abwechslung brachte, und natürlich auch immer etwas Essbares dabei hatte. Ich ging zu ihr und streichelte über ihre schwarze Schnauze, was sie sich stillhaltend gefallen liess. Dann fiel mir ein, dass ich vergessen hatte, das Halfter mitzubringen. Also probierte ich aus, ob die Zebrastute mir auch ohne Ausrüstung folgte. Ich lud sie mit eingedrehter Schulter ein und versuchte sie zu rufen. Doch Thairu sah mich nur einen Moment lang blöd an und graste dann friedlich weiter. Ich seufzte und holte das Lederhalfter des Zebras. Am Führstrick folgte sie mir brav und ohne Zögern sodass ich mich leicht veralbert vorkam. In solchen Momenten war ich froh, dass mir niemand zusah. Nichts desto trotz bürstete ich das gestreifte Fell durch und kämmte, was an der Stehmähne und dem dünnen Fliegenwedel zu kämmen war. Zazou belagerte uns hartnäckig. Er schien ebenfalls auf eine Massage zu hoffen, denn er stand immer wieder direkt neben mich und schleckte an meinem Arm. Die warme Zunge war etwas unanenehm bei dem Wetter. Thairu spitzte die Lippe, wenn ich sie vorne an der Brust kraulte. Vermutlich schwitzte sie dort besonders viel, und der getrocknete Schweiss juckte. Es war mittlerweile viertelvorzehn und die Sonne heizte die Atmosphäre immer weiter auf. Ich musste mit dem Zebra in den Schatten der Reithalle wechseln. Dort kratzte ich noch rasch die Hufe aus. Danach 'sattelte' ich das gestreifte Tier mit einem Bareback-Pad - der einzige Sattel, der auf den beinahe widerristlosen Rücken wirklich passte. Ich zog ihr ein Kopfstück mit Trense an, das nur einen Kinnriemen hatte. Sie mochte es, den Kopf möglichst frei zu haben und lief damit williger als mit einem komplett verschnallten englischen Zaum. Am liebsten mochte sie immer noch das Knotenhalfter, aber ich wollte heute etwas Dressur mit ihr machen und testen, wie gut sie sich an den Zügel anlehnen konnte. Es war auch mit Trense schwer genug, denn das Tier hatte mehr Unterhals als sonst was. Das war einfach Köperbau bedingt, denn Zebras waren nunmal nicht fürs Reiten gezüchtet. Ich führte Thairu auf den Sandplatz und stieg auf, indem ich an ihrer Seite hochsprang. Ich konnte das Aufsteigen ohne Sattel mittlerweile schon viel besser, aber manchmal brauchte ich trotzdem mehrere Versuche. Ich ritt Thairu im Schritt warm (wobei mir 'Warmreiten' heute etwas ironisch vorkam) und übte dabei schonmal an der Biegung der kurzen Reittiers. Gar nicht so leicht, wenn sich der Hals beliebig in einen starren Balken verwandeln konnte. Ich gab jedes Mal sofort nach, wenn sie sich darauf einliess und nachgiebig wurde, aber wir würden das sicherlich noch oft üben müssen. Wann immer ich zu viel verlangte, begann der Schwanz unwillig zu schlagen und die Ohren klappten nach hinten. Darauf musste ich hören, weil ich sonst Gefahr lief, in die Ungunst des Zebras zu fallen - was gewiss grenzenlose Sturheit nach sich ziehen würde. Ziel war es nicht, das Zebra zu dominieren, sondern es mit Abwechslung bei Laune zu halten und zur Mitarbeit zu ermuntern. Lily und ich waren ja schon ziemlich weit mit Thairu gekommen. Wir hatten ein freundschaftliches Verhältnis aufgebaut und sie liess inzwischen sehr viel mit sich machen. Aber wir mussten das gute Verhältnis bewahren und uns dem Tempo des Zebras anpassen. So kamen wir am Ende am besten voran. Heute bot mir Thairu zum Beispiel auf meine Hilfen hin einen schönen, fleissigen Trab an, den ich dankend annahm. Ich übte nun auch im Trab kleine Volten und Schlangenlinien um die vom Vortag noch aufgebauten Hindernisse herum. Später galoppierte ich sogar an und schaffte es, ein paar grosse Volten zu drehen, ehe Thairu wieder in den Trab fiel. Sie hatte einfach noch nicht genug Gleichgewicht unter dem Reiter, was es für sie umso anstrengender machte. Das verstand ich auch; ich war schon froh um die paar Runden, in denen sie sich echt bemüht hatte. Diese Leistungsbereitschaft, die bei ihr alles andere als selbstverständlich war, galt es zu fördern. Am Ende war sie zwar nie so am Zügel gelaufen, wie man es von Pferden kannte. Aber Elliot, der uns kurz zugesehen hatte, meinte, dass sie zumindest schön aktiv hinten gefusst hatte und einigermassen über den Rücken gelaufen war - sofern er das beurteilen konnte. Ich führte das Zebra zum Nebenstall und nahm ihr die Ausrüstung ab. Dann führte ich sie am Knotenhalfter in den Innenhof des Hauptstalls und parkierte sie bei den aus der Wand ragenden Anbinderingen. Ich schnappte mir den Schlauch und drehte den Wasserhahn auf, bis es in einer angenehmen Stärke aus dem Duschkopf floss. Thairu genoss das Bad mehr als ich dachte. Sie stand entspannt da und ihre Maulspalte wirkte zufrieden. Auch der Schwanz bewegte sich ruhig, was immer ein gutes Zeichen war. Ich entfernte das meiste Wasser mit dem Schweissmesser und nutzte danach die Gelegenheit, um die Hufe des Zebras ein wenig zu kürzen. Wenn das Horn feucht war, ging das deutlich leichter. Um halb Elf durfte das Tier zurück auf die Weide zu Zazou, der schon sehnsüchtig gewartet hatte.

      Vor dem Mittag wollte ich nun noch mit Empire ein paar Naturhindernisse springen. Es ging mir nicht darum, ihn total ins Schwitzen zu bringen, sondern eher ein wenig Gymnastik zu machen und seine Geschicklichkeit in Sachen Distanzen zu schulen. Oft verschätzte er sich nämlich und sprang noch etwas unpassend, wenn ich nicht ganz genau aufpasste. Das endete jeweils in lustigen Hasensprüngen oder eben mit fallenden Stangen. Auch heute hatten wir wieder ein paar Startschwierigkeiten, besonders, weil er den einen Kastensprung (obwohl schon gefühlte 1000 mal gesprungen) unheimlich fand. Vielleicht war das Licht heute anders, oder er sah eine Heuschrecke darauf sitzen - ich konnte wiedermal nur raten, was im Kopf des Schimmelhengstes vorging. Aber nach ein paar zögernden, grotesken Sprüngen glaubte er mir schliesslich, dass der Kasten keinen Appetit auf Pferdefleisch hatte. Und wenn Empire sich mal entschloss zu gehen, dann war er ein Traum. Wir hüpften mit Leichtigkeit über die Hindernisse, und selbst beim Wasser bremste er nicht, sodass es nur so um uns hochspritzte, als wir hindurchrasten. Deshalb lachte Jonas auch laut, als ich an der Halle vorbei zurück zum Hauptstall ritt. "Bist du runtergefallen?" "Nö", sagte ich, "Empire wollte einfach testen, ob man im Wasser genauso gut rennen kann." Er half mir schmunzelnd und übernahm den Hengst, als ich abstieg. Wir liefen gemeinsam zu Empires Box und versorgten den Schimmel, der zufrieden auf seinen Karotten herumkaute.

      Lily kam am Mittag pünktlich nachhause. Am Nachmittag hatte sie frei, also wollten wir zusammen zum Fluss reiten. Sie war schon eifrig am Badesachen bereitlegen. "Willst du wirklich ganz rein?", fragte ich, denn eigentlich hatte ich nur ein rasches Beine-Annässen im Sinn gehabt. "Klar! Es ist mehr als heiss genug!" Ich sah Jonas fragend an und er meinte schulterzuckend: "Lewis und ich waren gestern kurz mit Summer und Shadow am Ufer - das Wasser war jedenfalls gar nicht so kalt wie ich dachte." "Okay..." Ich überlegte kurz, dann holte ich mein eigenes Bikinioberteil und die Badeshorts. Nach dem Essen zog ich die Badesachen an und darüber ein Trägertop, nachdem Lily und ich uns gegenseitig eingecremt hatten. Wir mussten uns noch entscheiden, welche Pferde wir nehmen wollten. "Teddy will ich heute Abend in der Dressurstunde reiten, er hat das nötig", überlegte Lily laut. "Aber Nossi wäre bestimmt froh um ne Abkühlung - mit ihrem schwarzen Fell..." Ich nickte und beschloss: "Dann nehme ich Yoomee, die geht gut und gerne ins Wasser." Wir liessen Jonas mit den abzuwaschenden Pfannen in der Küche zurück und schlenderten zum Nebenstall. "Die Pfleger kommen nicht mit, oder?", fragte Lily. "Nö, die haben genug zu tun." "Gut." Sie grinste zufrieden, weil sie gerne ab und zu etwas mit mir alleine unternahm - das hatte sie mir jedenfalls mal so erklärt. Mir war es auch recht, keine grosse Sache daraus zu machen, sondern das Baden einfach unkompliziert zu zweit mit den Pferden zu geniessen. Wir putzten die beiden Ponystuten nur rasch, schliesslich gingen wir ja ganz ohne Sattel oder Pad. Als Zaumzeug reichten uns Knotenhalfter; so konnten wir auch nicht ausversehen im Maul herumziehen, falls wir das Gleichgewicht verloren. Sheela schlich gelangweilt um den Nebenstall herum, also beschloss ich, die Labradorhündin auch mitzunehmen. Sie mochte Wasser ohnehin sehr gerne. Auf mein Rufen hin kam sie sofort freudig angerannt und wollte gestreichelt werden. Zira wurde prompt eifersüchtig und drängte sich ziwschen mich und Sheela, sich auf meine Füsse setzend. Ich kraulte beide, lachend, weil das so typisch war. Kurz darauf führte ich Yoomee auf den Kiesweg und schwang mich auf ihren angenehm breiten Rücken. Lily kletterte ebenfalls bei Nossi hoch und rückte sich zurecht, dann warf sie einen bestätigenden Blick zu mir und wir konnten losreiten. Nosferatus Fell glänzte in der Nachmittagssonne und die rotbraunen Stellen wirkten besonders kontrastreich. Sie war einfach schick anzusehen, mit ihrem typischen, edlen Welsh-Kopf und der sportlich geschnittenen Mähne. Wenn ich nach hinten sah, konnte ich Yoomees Popo gemütlich auf und ab wippen sehen, ihr Schweif war leicht angehoben und wischte manchmal ein paar Fliegen von ihrer Flanke. Die beiden Vierbeiner spürten wohl ganz genau, dass sie heute nicht arbeiten mussten, sondern nur Spielereien auf dem Plan standen. Beim Wasser angekommen, forderten wir Nossi und Yoomee auf, ein paar erste Schritte hineinzugehen. Sheela machte es vor und sprang auf mein Handzeichen hin übermütig hinein. Zira trank erstmal ein paar Schlücke, ehe sie weitaus vornehmer hineinwatete. Die Pferde sahen sich zuerst den Flussboden an, bevor sie sich entschieden, hineinzusteigen. Yoomee fand, einmal drinnen, sofort Gefallen an der Abkühlung und scharrte kraftvoll. Nossi und Lily gingen nach kurzem eingwöhnen ‚all-in‘ und schwammen tatsächlich einen kleinen Bogen. Es war herrlich hier, wo das Flussbett über Jahrzehnte eine Art Mulde gebildet hatte, in der das Wasser langsamer floss und tief genug zum schwimmen war. Auch Yoomee und ich spielten eine Runde Flusspferd, wobei sie typischerweise die Oberlippe hochzog und ihre Zähne zeigte. Das war immer so lustig anzusehen. Lily fragte auch lachend, ob Nossi saubere Zähne habe, als die beiden auf uns zuschwammen. Später liessen wir die Pferde am Flussufer grasen und badeten alleine noch weiter, damit es ihnen nicht verleidete. Ums Abhauen machte ich mir keine Sorgen. Pineforest war in Sichtweite, also würden die beiden ohnehin als erstes dorthin zurückkehren. Und das tolle am Pineforest Park war, dass es hier kaum Strassen gab, und die paar wenigen waren kaum befahren. Aber Yoomee und Nossi entschieden sich am Ende sowieso wie erwartet dazu, das saftige Gras im Schatten der Bäume zu geniessen, anstatt stiften zu gehen. Die Zügel hatten wir natürlich abgenommen, damit sie sich nirgens verheddern konnten.

      Der Badespass hielt knapp eine Stunde an. Weil der Fluss heute etwas mehr Strömung hatte als die letzten Tage, und kurz darauf auch noch ein angenehmer, aber rauer Wind aufzog, wurde ich misstrauisch. Tatsächlich entdeckte ich daraufhin ein paar mächtig aufgebauschte Wolken am Horizont. Ich rief Lily zurück und wir machten uns, nass aber glücklich, auf dem Heimweg. Nachdem wir die Ponys versorgt hatten, begann es bereits zu tropfen. Ein typisches Sommergewitter, das in einer halben Stunde oder so bestimmt schon weitergezogen sein würde, vermutete ich. Lily fand es lustig, in den Badesachen unter dem bald darauf herunterprasselnden Platzregen herumzurennen. Ich joggte, erwachsen wie ich war, einfach zurück ins Haus und zog mich um. Obwohl ich meine Nichte insgeheim um ihre Sorglosigkeit und Freiheit beneidete. Waren wir nicht irgendwann alle so gewesen? Ich streichelte Moya, die mir schon wieder um die Beine schlich. Die schlaue Langhaarkatze hatte im Haus Schutz vor dem Regen gesucht - ein bisschen feucht war sie trotzdem. Ein lautes, eher krächzendes Miauen ertönte plötzlich, als Reaktion auf das Streicheln; aber es konnte nicht Moya gewesen sein, denn sie hatte eine hohe, niedliche Stimme. Die Quelle stand hinter mir, und schaute mich mit senkrecht aufgestelltem Schwanz, blinzelnd an. "Kafka, ich mach dich zu einem Sitzpolster, ich schwör's!" Der Kater erkannte, dass ich nicht so erfreut war ihn zu sehen, wie es umgekehrt der Fall sein musste. Er nahm reissaus, sobald ich aufstand. Vielleicht hatte er mich auch absichtlich provoziert, das traute ich ihm sehr wohl zu. Ich hatte ihn schon so oft aus dem Haus rausgeschmissen, dass er doch mittlerweile wissen musste, dass er hier nicht reingehörte. Moya durfte auch nur drinnen wohnen, weil sie noch nie tote Tiere reingebracht hatte und mittlerweile stubenrein war - ganz im Gegenzug zu dem Schildpattkater. Kafka flitzte durch die Katzenklappe, bevor ich ihn zu fassen bekam. Und ich fragte mich einmal mehr, ob sich die Investition in eine Chip-Erkennungs-Klappe nicht lohnen würde. Die restlichen beiden Katzen, Gismo und Shiva, probierten es gar nie. Sie waren im Hauptstall zuhause, wo die Pfleger sie fütterten und sie auf den alten Fleece-Decken schliefen. Kafka schien höhere Ansprüche zu haben, aber dann musste er zuerst lernen, sich zu benehmen. Ich hatte das Gefühl, dass Moya es einfach mehr in ihren Genen hatte, Hauskatze zu sein. So wie sie auch das Langhaar im Gegenzug zu den anderen geerbt hatte. Aber ich konnte wiedermal nur spekulieren.

      Draussen schüttete es wie aus Kübeln. Ein wunder, dass ich keine Hagelkörner sehe, dachte ich bei dem Krach den die schweren Tropfen machten. Aber bereits nach zehn Minuten liess die Intensität nach. Lily kam rein, den ganzen Boden volltropfend. "Ab ins Bad! Du machst mir den ganzen Parkett feucht", tadelte ich. Ich rubbelte ihre Haare mit dem Handtuch trocken. Danach zogen wir uns wieder richtige Reitsachen an und verliessen das Haus. Es roch nach nassem Asphalt und Gras - ein Geruch den ich liebte. Die Luft war durch den Schauer leider kaum abgekühlt, sondern bloss etwas feuchter geworden. Trotzdem gab es noch ein paar Vierbeiner zu beschäftigen. Während ich Vilou putzte, bekam ich eine SMS von Rosie. Sie fragte, ob ich einen Sonnenuntergangsritt mit ihr machen wolle. Ich willigte sofort ein, denn ich konnte es kaum erwarten, wiedermal mit ihr zu plaudern. Vilou scharrte ungeduldig, weil ich dem Smartphone anstelle von ihm meine Aufmerksamkeit widmete. Ich beeilte mich und striegelte den Fuchshengst dann eifrig weiter. Er genoss die kreisenden Bewegungen und wippte je nach dem mit dem Kopf mit. Es schien ihm aber auch widermal zu viele Fliegen zu haben, weshalb er nicht immer schön still stand, sondern mit dem Schweif wischte und sich zu kratzen versuchte. Er zeigte mir manchmal mit einer Kopfbewegung, wo es ihn juckte, damit ich ihn dort besonders intensiv striegeln konnte. "Faulpelz", murmelte ich, als er wieder so eine Stelle anzeigte, bei der er sich hätte verbiegen müssen, um sie zu erreichen. Ich entfernte den Staub aus seinem Fell mit der Bürste und säuberte mit dem Schwamm seinen eigentlich weissen Nasenrücken und die Nasenlöcher. Manchmal, wenn die Sonne besonders stark schien, cremten wir ihn sogar mit Sonnenschutz ein. Bei Winter, Ciela und den anderen Pferden mit viel rosa Haut musste das sogar noch gründlicher gemacht werden. Sie alle waren im Hochsommer gefärdet für Sonnenbrand und wir bemühten uns, sie jeweils erst gegen Abend oder die Nacht hindurch auf die Weide zu lassen. Nur, wenn sie früh morgens Renntraining hatten, dann mussten sie erholt sein und konnten nicht die ganze Nacht lang spielen.

      Vilou war wegen der Hitze verständlicherweise etwas träge. Ich motivierte ihn trotzdem zu einem anständigen Schritt, beschränkte die Lektionen aber auf leichte Trabarbeit und ein paar Seitengänge, ohne viel Galopp. Er war trotzdem ziemlich verschwitzt am Ende unserer Übungseinheit, genauso wie ich. Man könnte nicht meinen, dass ich vorher im Wasser war, stellte ich seufzend fest. Ich klebe schon wieder. Ich duschte Vilou gründlich ab und wusch mein Gesicht bei der Gelegenheit auch gleich nochmal. Eine fette Pferdebremse kam angebraust und wollte sich auf das Hinterteil des Fuchshengstes setzen. Ich zielte vorsichtig und erwischte sie mit der flachen Hand. Vilou, der beim Surren des dicken Brummers bereits angespannt die Ohren zurückgeklappt hatte, schien erleichtert und verscheuchte stattdessen mit seinem Maul ein paar Fliegen an der Brust. Jetzt gerade schwirrten besonders viele Viecher um ihn herum, weil er nass war. Also zog ich ihn rasch mit dem Schweissmesser ab und brachte ihn dann im Nordstall in Sicherheit. Es war schon halb fünf, aber ich war zu faul, um mich zu hetzen. Ich beschloss, Co Pilot bloss an die Longe zu hängen. Geputzt war der Rappschecke schnell, denn er war überhaupt nicht schmutzig. Auch in den Hufen war fast nichts drin – der Boden auf der Weide war zu trocken, um sich in den Strahlfurchen zu verfangen. Pilot folgte mir brav wie ein Lamm zum Roundpen und war trotz der unbarmherzigen Sonne motiviert. Ich achtete darauf, dass er schön untertrat und vorwärts-abwärts lief, um den Rücken zu heben. Ich fand jedoch, dass er hinten links nicht ganz taktklar ging und tastete besorgt sein Bein ab. Erfühlen konnte ich nichts, und warm war es auch nicht. Trotzdem liess ich ihn sicherheitshalber Schritt gehen und versorgte ihn nach zwanzig Minuten. Ich beschloss, am Abend nochmal mit ihm Spazieren zu gehen, damit er trotzdem genug Bewegung bekam. Vorläufig rief ich den Tierarzt nicht, denn es war gut möglich, dass er einfach verspannt war, oder eine unvorteilhafte Bewegung auf der Weide gemacht hatte. Ich erkannte auch, dass er nach der leichten Longenarbeit schon etwas besser lief, also sah ich meine Vermutung bestätigt.

      Ich hörte ein Auto auf den Parkplatz fahren, während ich Pilot zurück in seine Box brachte. Als ich aus dem Nordstall in die heissen Sonnenstrahlen trat, sah ich Angelina Moore aussteigen. „Good afternoon Angie“, grüsste ich die Pensionärin freundlich. Sie erwiederte es und öffnete die Autotür für ihre Kinder, Alec und Susan. Die beiden waren heute zum ersten Mal dabei. „Hey you two. Are you going to ride today, too?“, fragte ich lässig. Alec sah seine Mutter kurz an, dann meinte er: „We only watch and help grooming Nera, until she’s a bit older and not so wild.“ “Ahh, I see. But you did ride before, didn’t you?” “Yes. With Barney. A lot”, antwortete die kleine Susan. Angie fügte rasch hinzu: “…Our old horse. He was very gentle and sweet tempered, and, at his age, no longer feeling the need for speed. It was too cute how he paid attention tho the kids.” “Hmm, if your Mum is okay with it, we have some very gentle ponies here aswell, so you don’t have to wait and watch only.” Ich schmunzelte, als Alecs Augen zu leuchten begannen, und er sich abermals begeistert umsah. Angie nickte, und Susan quetschte erfreut. Gerade, als ich mich fragte, wo sie sich schon wieder herumtrieb, hörte ich Lilys Stimme hinter mir. „Occu, do you want me to look after them? I’d like to show them around.“ Meine zwölfjährige Nichte versuchte erwachsen zu klingen, ich wusste aber genau, dass sie sich darauf freute, Unsinn mit den beiden auszuhecken. „Alright, you can take over for me later, since I still have to take care of some four-legged friends after that.” Auch Angie kam mit, als wir zum Nebenstall liefen. Wir hatten hier kürzlich etwas umstrukturiert und Ronja auf die Stutenweide umgesiedelt. Die Ponys standen nun alle zuvorderst, die Warmblut Stuten näher bei den Weiden. Susan kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. „So many pretty ponies!“, rief sie aus, während sie bei einem nach dem anderen auf Zehenspitzen über die Boxentür spähte. Von Lychee bekam sie sogar einen etwas groben ‚Kuss‘, sodass sie fast rückwärts umfiel. Alec und Lily lachten laut, und Susan selbst fand es nach einem kurzen Schrecken auch lustig. Lily verkündete entschlossen: „Alec can take Nimué. I would have gone on a hack with her later, but that doesn’t matter. She’s a very nice pony, don’t worry.“ Alec reagierte auf den letzten Teil mit Empörung. „I wouldn’t mind even if she was bucky. I ride pretty well.“ “That so?”, entgegnete Lily schulterzuckend. Ich schlug vor, dass wir für Susan entweder Peppy oder eines der Miniature Horses satteln konnten. „Ich bleibe mit Alec hier, wir putzen Nim schonmal“, beschloss Lily. Der rothaarige Junge sah sie verwundert an, als hätte sie gerade Chinesisch gesprochen. „You speak german?“ Lily grinste nur stolz. Wir liessen die beiden zurück und begaben uns zu den Weiden. Angie nannte Susan schon von weitem die Namen der Ponys, die man sah – jedenfalls so weit sie sie selbst schon wusste. „That beautiful silver gray one over there is Silver Lining. The black one is Nachtfalke, I think”, mit einem fragenden Blick zu mir. Ich nickte. „The black and white one is easy to remember – he’s called Oreo, just like the cookies you like so much.“ “And the white one?“, wollte Susan wissen, mit dem Finger deutend. „She’s not white, she has creamy fur. Her name’s Daki, and she’s the big boss out here”, antwortete dismal ich. Wir betraten die Weide und ich musste auch alle restlichen Ponys noch nennen, ehe die Sechsjährige zufriedengestellt war. Dann führte ich sie zu Tigrotto, die ich am geeignetsten hielt. Gemeinsam putzten wir das braune Stütchen, und Susan durfte sogar selbst den kleinen, baumlosen Sattel auf ihren Rücken legen. Beim Führen verlangte das Mädchen meine Hilfe, weil sie sich noch nicht ganz selbst getraute und ihr ihre Mutter dabei sonst auch immer geholfen hatte, wie sie mir erklärte. Ich versprach ihr aber unterwegs schonmal, dass Tio ganz lieb war. „Sometimes, the ponies at the other barn tried to bite me…“, erzählte sie schüchtern. Angie bestätigte: “Yeah, they got a bit naughty when the kids brought carrots.” Alec und Lily waren schon auf dem Sandplatz. Alec stieg gerade mit Hilfe von Lilys Räuberleiter in Nims Sattel. „Willst du selbst nicht auch reiten?“, fragte ich meine Nichte. „Nö, ich hab ja später noch Reitstunde.“ Angie sah noch zu, wie ihre beiden Kinder die ersten paar Runden drehten, dann wandte sie sich ab, um Nera putzen zu gehen. Weil ich kein Risiko eingehen wollte, pfiff ich Lisa zu uns rüber, die gerade zum Pflegerheim unterwegs war, und fragte sie, ob sie ein Auge auf die Kinder haben könne. Bei der Gelegenheit begann sie auch gleich wieder zu plaudern, sodass ich am Ende doch noch fast eine Viertelstunde vertrödelte. „… And then Diarado saw that deer, just a few meters away, and the deer stared back at him – you should have seen his face, it was hilarious!“ “Yea, I’m sure it was… I really need to get going now”, drängte ich, mit einem symbolischen Blick auf die Uhr. Ich entkam ihren Fängen und schaffte es, mich bis halb neun Uhr mit Shira, und nochmals mit Pilot zu beschäftigen. Letzteren führte ich wie versprochen ein wenig auf den Feldwegen in der Nähe des Hofs herum und liess ihn immer mal wieder ein paar Grashalme knabbern, während Zira und Jacky nebenher liefen und durch das hohe Maisfeld streiften. Langsam wurde es ein wenig kühler, worüber ich sehr dankbar war.

      Um neun Uhr brachte ich schliesslich Rebel zum Aufsteigen auf den Kiesweg und ritt dann Richtung Wilkinson Farm. Die Familie Moore war längst wieder nachhause gefahren, und Lily ritt wie angekündigt mit Teddy in Elliots Abenddressurstunde mit. Ich musste noch rasch auf Rosie warten, als ich bei der Farm angelangte. Sie ritt auf Farasha, hatte aber Antarktik zusätzlich als Handpferd dabei. Rebel brummelte beim Anblick der beiden Araberstuten zur Begrüssung. Bei den hübschen Damen verstand ich das nur zu gut. Bei dem liebevollen Grunzen blieb es aber, und er benahm sich während des ganzen Ausritts tadellos. Sobald die Sonne untergegangen war, schwirrten und sirrten die Mücken um uns herum, was ziemlich nervig war. Ich versuchte, sie so gut es ging zu ignorieren, aber selbst Rosie schlug immer mal wieder genervt um sich. Wir lachten herzhaft darüber und unterhielten uns über die letzten paar Tage. „Pluie gives me a bit of concern these days. She is very thin, but the vet is unsure why…” “Ahh, it did not yet get better? Maybe she still hasn’t adapted to her new home?” “I can’t tell if she’s unhappy, she doesn’t really look like it. Tough she is full of beans and very jumpy at the moment. I feel like she just uses up way too much energy and that might be the reason.” “Did you try giving her magnesium? I heard that if they’ve got a lack of it, they act all nervous and stressed.” “I think I’ll try that. If it doesn’t help, it won’t hurt either, I guess.” Wir kehrten erst gegen halb elf Uhr zurück und verabschiedeten uns. Ich ritt alleine im Dunkeln mit Rebel zurück nach Pineforest Stable. Die Hengste aus dem Nordstall waren auf der Weide – sie durften im Sommer über Nacht raus. Ich sattelte Rebel ab, bürstete ihn durch und brachte ihn dann ebenfalls dorthin, wo seine Kumpels bereits friedlich grasten.

      Dressurtraining E - A
      August 2018, von Occulta
      Caspian of the Moonlightvalley, A Winter’s Day, Primo Victoria, PFS’ Navy Sniper, Yoomee, PFS’ Shadows of the Past, Nera, Chanda, PFS’ Dancin’ to Jazz, Tayr al-Diyari, PFS’ Arctic Silver Lining, PFS’ Arctic Rainstorm, PFS’ British Oreo Rascal, PFS’ Glenn’s Dare to Shine, PFS’ Bacardi Limited, PFS’ Dressy Miss Allegra, PFS’ Merino, Simba Twist, PFS’ Cryptic Spots, White Dream, Fake my Destiny, Tic Tac, PFS’ Kicks-a-Lot, Vychahr, Parányi, Satine, Areion, Diarado, Co Pilot de la Bryére, Circus Dancer

      Wir hatten trotz der Hitze heute wieder viel vor; Dressurtraining, to be exact. Es war bereits Nachmittag, somit erwischten wir leider gerade die heisseste Tageszeit. Das liess sich kaum vermeiden, denn den ganzen Morgen hindurch hatten wir auch schon gearbeitet, und die Pferde bis spät in die Nacht wach zu halten war auch keine gute Option. Deshalb brachten Lisa und ich im Voraus ein paar Wasserflaschen zum Reitplatz und stellten einen Sonnenschirm auf, damit wenigstens die Trainerin nicht unter der prallen Sonne gebraten wurde. Es kam heute extra eine externe Dressurtrainerin auf Platz, die uns und die Pferde etwas fördern sollte. Lisa ritt also heute selber auch mal in der Stunde mit, anstatt sie zu leiten. Der Name der Trainerin lautete Fiona Ramsey; eine S-Dressurreiterin die auch schon international gestartet war. Ich war gespannt auf ihr Coaching und putzte zuerst gut gelaunt Yoomee. Lisa bereitete Shira vor, Linda hatte White Dream neben mir und Yoomee angebunden und Lily ritt natürlich wieder Fake. Jonas machte nicht mit, sondern sah nur zu und reichte uns später die Wasserflaschen, wenn wir eine Pause brauchten. Anne und Robin sattelten im Nordstall Sniper und Baccardi. Darren und David waren unterdessen bei den Stuten im Offenstall und kümmerten sich um Chanda und Jazz. Auch Angelina Moore war mit ihrer Stute Nera dabei, und sogar Rosie war mit Tayr zu uns rübergeritten. Sie wartete mit dem schicken Rennaraber vor dem Nebenstall und plauderte mit mir, während ich meine Connemarastute striegelte. Fiona kam etwas früher als gedacht und sah uns schonmal beim Satteln zu. Danach trudelte ein Pferd-Reiterpaar nach dem anderen auf dem Sandplatz ein und Fiona unterrichtete uns schon beim Aufwärmen. Wir mussten eine grosse acht quer über den Platz reiten, und dabei stets die richtgie Stellung und den Abstand zum Vordermann wahren. Ausserdem machten wir viele Schlangenlinien und Seitenwechsel. Fiona war also sehr fokussiert auf Biegung und Abwechslung. Nach einer Weile durften wir die Pferde nochmal richtig strecken lassen, ehe wir mit der eigentlichen Arbeit anfingen. Yoomee schnaubte zufrieden ab und trabte locker vorwärts. Diese erste Trainingsstunde war wie eine Art Einstieg in die Dressurarbeit, denn die Pferde waren allesamt noch nicht sehr weit in der Dressur ausgebildet. Deshalb forderten wir auch nur einfache Lektionen, wie korrekte Übergänge oder leicht verstärkten Trab. Auch einfache Galoppwechsel liess uns Fiona machen, wobei sie wiederum genau darauf achtete, dass wir die Pferde richtig umstellten. Sie schien wirklich ein Auge für Feinheiten zu haben und gab wertvolle Tipps in denn richtigen Momenten. Ich war ihr zum Beispiel dankbar, als sie mich darauf hinwies, dass ich mit der äusseren Hand zu sehr mitging in den Kurven, oder dass ich mich wiedermal leicht nach vorne neigte, als ich angaloppieren wollte. Auch für Lily und Fake hatte sie ein paar Tricks auf Lager, damit die Hackneyponystute ihr volles Bewegungspotential ausschöpfen konnte. Ich sah, wie Jonas den beiden mit einem stolzen Ausdruck zusah. Die erste Runde dauerte eine Dreiviertelstunde, dann liessen wir die Pferde austraben und bereiteten die nächste Gruppe vor. Währenddessen waren Quinn, Parker, Thomas, Rita, Charly und April mit Caspian, Merino, Primo, Winter, Simba und Cryptic an der Reihe. Dem was ich beim Putzen von Parányi sah nach zu urteilen, lief es auch bei ihnen gut, obwohl die Vollblüter doch etwas mehr Power zeigten und mit der konstanten Anlehnung noch etwas Mühe hatten. Um Fiona eine Pause zu gönnen, nahmen wir uns reichlich Zeit zum Putzen und tratschten mehr mit Rosie, die noch einen Moment länger blieb. Tayr scharrte schon ungeduldig, als sie sich schliesslich auf den Heimweg machte. Ich sattelte Parányi und brachte sie auf den Platz, gefolgt von Satine, Vychahr, Co Pilot, Circus Dancer und Diarado. Jetzt kamen wir richtig ins Schwitzen. Diese sechs Vierbeiner liefen bereits höhere Dressur und kannten die meisten Lektionen, sodass wir aus dem Vollen schöpfen konnten, was Fionas Erfahrung als Grand Prix Reiterin anging. Sie gab uns wertvolle Tipps um die Piaffe zu verbessern und zeigte uns, wie wir den verstärkten Trab noch eindrucksvoller aussehen lassen konnten. Parányi machte fleissig mit und gab sich Mühe. Sie konnte zwar noch keine Piaffe, aber dafür glänzte sie bei den Galoppwechseln. Und Vychahr beeindruckte Fiona mit seinem schwungvollen Bergaufgalopp an der langen Seite. Nur das rechtzeitige Bremsen vor der Ecke bereitete ihm und Lisa noch etwas Schwierigkeiten.

      Nachdem auch diese Stunde geschafft war, kippte ich erstmal eine halbe Wasserflasche runter und setzte mich beim Nebenstall an die Wand gelehnt in den Schatten, sobald die Rappstute versorgt war. „Alles klar, Occu?“, fragte Jonas mitfühlend, als er mich sah. Ich nickte müde aber grinsend. Es hatte trotz der Hitze Spass gemacht und ich hatte das Gefühl, durchaus ein paar nützliche Inputs bekommen zu haben. Bevor Fiona wieder abreiste, wollte ich ihr aber noch ein wenig von unserem Training mit den Miniature Horses zeigen. Die wurden zwar nicht geritten, aber am langen Zügel konnten auch sie ziemlich anständige Dressurlektionen erlernen. Mit Tiki und Kiwi demonstrierten wir schon etwas komplexere Übungen, während Oreo, Lining, Acira und Darling vor den Augen der Trainerin an den Grundlagen feilten. Auch Allegra, mit der wir erst vor kurzem überhaupt angefangen hatten, zeigte immerhin schonmal schöne Übergänge. Fiona war begeistert von den Minis und nahm sogar selber mal die Zügel von Oreo in die Finger. „He’d be so handsome under saddle, if he only was a warmblood“, stellte sie belustigt fest, als Oreo mit meiner Hilfe einen ansatzweise funktionierenden Spanischen Schritt vorführte. Zuletzt gab es noch ein kleines Highlight für Lily. Sie hatte eigentlich nur noch schnell Areion auf dem Platz bewegen wollen, jetzt wo der ganze Trubel vorbei war. Aber Fiona nahm sich die Zeit, ihr mit dem Tinker ebenfalls noch eine halbe Stunde Einzelunterricht zu geben. Lily kam sogar dazu, ihre ersten Galoppwechsel zu reiten, was aber natürlich nur klappte, weil Lisa das in letzter Zeit so intensiv mit Areion geübt hatte. Lily hatte ein breites Grinsen auf dem Gesicht, als sie ihren Tinker nach dem Unterricht strecken liess. Ich war Fiona dafür extrem dankbar. Nun liessen wir sie aber endlich ziehen und verabschiedeten uns. Es war ein anstrengender, aber toller Nachmittag gewesen.

      Reitsportlager auf Pineforest Stable
      Januar 2019, von Occulta
      PFS’ Captured in Time, Kaythara El Assuad, tc Miss Moneypenny, PFS’ Merino, Simba Twist, PFS’ Cryptic Spots, Primo Victoria, PFS’ Sarabi, PFS’ A Winter’s Tale, PFS’ Stop Making Sense, Subsyndromal Symptomatic Depression, PFS’ Counterfire, Daedra, Areion, Circus Dancer, Co Pilot de la Bryére, Drømmer om Død, Vychahr, tc Herkir, Ljóski, Nosferatu, Cambria, White Dream, Yoomee, Silverangel, Fake my Destiny, River’s Lychee, scs Sugar and Sweets, scs Bluebell, PFS’ Shadows of the Past, Nimué, Moon Kiddy, Lovely Summertime, Phantom, Matinée, Cinnemont’s History, All Pride, Unbroken Soul of a Rebel, Diarado, Flintstone, PFS‘ Beck’s Daisy Orchid, Silhouette of a Rose

      Seit ich beschlossen hatte, ein Reitlager durchzuführen, hatte sich einiges getan, allerdings bei weitem nicht schnell genug. Aus dem Herbstlager war ein Winterlager geworden, weil es nebst den ganzen Turnieren einfach nicht für anständige Planung gereicht hatte. Lisa und Elliot hatten ihre Reitschüler mobilisiert und auch im Internet und in der lokalen Zeitung hatten wir es ausgeschrieben. Allerdings hatten wir nirgendwo erwähnt, dass ich auf der Suche nach Turnierreitern war. Das war Teil meines Plans – ich wollte sehen, wie die Jugendlichen sich natürlicherweise benahmen, nicht wie sie sich verstellten, um den ‘Job’ zu bekommen. Ausserdem war so sicher niemand enttäuscht, denn ich konnte die Kids später privat anfragen, ohne es an die grosse Glocke zu hängen. Das Lager würde in wenigen Tagen stattfinden und im Moment liefen noch die letzten Vorbereitungen. Aber vom Lager abgesehen, war die wohl grösste Veränderung seit langem der geplante Neubau eines weiteren Stallgebäudes. In Grobplanung war es schon länger gewesen, aber ich hatte zuerst die nötigen Bewilligungen einholen müssen. Es war sozusagen eine Erweiterung des Nordstalls, denn dort wurde langsam der Platz knapp, die Nachwuchshengste eingerechnet, die ich noch auf der Fohlenweide hatte. Wie ich die so geschaffenen vier grossen Boxen in dem halboffenen Gebäude verplanen wollte, wusste ich noch nicht genau. Aber ich hatte eine Idee im Kopf, daraus eine Art Ponystall zu machen, für die kleineren Sportponys. Das wäre auch praktisch für zukünftige Ferien-Reitlager, und so konnte ich die Boxen im Nord- und Nebenstall vollständig für die grösseren Pferde nutzen, so meine Überlegung. Ich hatte im Sinn, erstmal Herkir, Loki, Fake und Nossi dorthin umzusiedeln. Es würde aber noch eine Weile dauern, denn der Stall sollte erst im Frühling gebaut werden.

      Schliesslich war es so weit, der erste Tag des Lagers stand vor der Tür. An diesem Morgen fand ich England in einer dicken Nebeldecke eingehüllt vor. Die Luft war so feucht, dass sich Tautropfen an Jonas’ Augenbrauen bildeten, die zudem zu gefrieren drohten, als wir auf unserem morgentlichen Rundgang zu den Weiden liefen. Und das obwohl es seit etwas mehr als einer Woche nicht mehr geregnet hatte. Es war irgendwie komisch zu sehen, dass der Boden im Licht der Lampen an den Stallungen schon wieder trocken und rissig war, während die Luft und das Gras sich so feucht anfühlten. Es war bitterkalt. Ich schob das Tor des Stutenoffenstalls auf und begrüsste die Pferde. Moon und Phantom kamen sofort näher und besonders der Rappe machte auf mich einen eifrigen Eindruck, als wartete er nur darauf, dass ich ein Halfter zückte und ihm eine Aufgabe gab. Moon hingegen war noch etwas verschlafen und rieb erstmal ihre Stirn gegen meine Hand, als ich sie unter ihrem langen Schopf streichelte. Die Stute war eben im Vergleich zu Phantom und besonders Matinée immer noch viel zutraulicher, aber auch frecher zu mir. Sie kannte den Umgang mit Menschen wie die meisten domestizierten Pferde seit dem Fohlenalter, vermutlich seit ihren ersten paar Minuten in dieser Welt. Die anderen Stuten belagerten mich nun ebenfalls neugierig, in der Hoffnung, ich hätte etwas Leckeres dabei. «Später Ladies, später», versprach ich. «You will all get your carrots.» «Das ist so süss, wie du mit ihnen sprichst», bemerkte Jonas kichernd. «Machst du doch auch.» «Ja klar, hab ja nicht gesagt, dass es schlecht ist. Ich find’s toll. Sie verstehen zwar kein Wort, aber ich bin sicher, dass sie die Aufmerksamkeit geniessen.» «Ich glaube schon, dass sie was verstehen. Zum Beispiel spitzen die meisten ihre Ohren, wenn ich ‘apple’ sage.» Just in diesem Moment kam Summer einen Schritt näher und verdrehte bettelnd ihren Kopf, als wollte sie meine Theorie untermauern. Wir lachten beide los. Manche der Pferde machten die lustigsten Grimassen, wenn sie etwas zu Fressen erwarteten. Summer verdrehte ihren Kopf und streckte ihre Lippen, weil ich ihr vor einiger Zeit das Lächeln beigebracht hatte, und sie es nun manchmal einfach so anfing, zum Betteln eben. Ich hatte nichts dagegen, wenn die Pferde so verspielt und erwartungsvoll waren, solange es nicht in ein Scharren oder aggressives Verhalten ausartete. Mit Cambria hatten wir deswegen etwas Ärger, denn die Scheckstute scharrte in der Stallgasse dauernd, sobald jemand durchlief. Es war gar nicht so leicht, ihr das abzugewöhnen, und es gab meines Wissens nach auch keinen Spezial-Trick dafür. Alles, was ich tun konnte war, sie möglichst anderweitig zu beschäftigen und ihr gezielt Tricks beizubringen, als Ersatz für das Scharren. Wenn sie nie etwas dafür bekam, dann gab sie es vielleicht irgendwann auf. Jonas und ich machten uns auf den Weg um die Runde zu beenden. Ich sah noch bei Zebra Thairu und Zazou dem Esel rein. Soweit ich durch die Dunkelheit und den Nebel hindurch erkannte, standen sie beide unter ihrem Unterstand und dösten noch, also liess ich sie gleich wieder in Ruhe. Es war nun sowieso Zeit, in den Hauptstall zu gehen und dem Vollbluttraining beizuwohnen. Dort war man bereits emsig dabei, die Pferde zu putzen. Ich beeilte mich damit, Dolly aus ihrer Box zu holen und in der Stallgasse anzubinden. Die junge, roanfarbene Stute war in Spiellaune und nahm die Anbindeketten ins Maul, während ich sie Bürstete. Als ich ihren Bauch säubern wollte, schlug sie missmutig mit dem Schweif, als wollte sie eine Fliege verscheuchen. «Hey, reiss dich zusammen – ich bin schneller fertig wenn du mich machen lässt», schimpfte ich. Sie runzelte ihre Nüstern und trampelte weiterhin ungeduldig herum. Ich wollte sie nicht zu sehr provozieren, aber ich musste weitermachen, bis sie stillhielt, damit sie nicht mit der Unart Erfolg hatte. Als sie endlich einen Moment ruhig war, hörte ich auf und machte mit einer Stelle am Hals weiter, die sie mochte. Danach wandte ich mich dem Langhaar zu, und natürlich den Hufen. Bei den Hinterhufen brauchten wir heute drei Versuche, bis ich sie wirklich hochnehmen konnte. Da war es auch nicht sonderlich hilfreich, dass wir heute allen Rennpferden Stollen eindrehen mussten, weil der Rasen im Gegensatz zum Boden selbst nebelfeucht war. Sie wollte kaum stillhalten, als ich mir Eisen für Eisen vornahm. Ich fragte mich langsam, ob die Stute schlecht gelaunt war, aber wenn ich ihren Blick richtig deutete, so schien das nicht der Fall zu sein. Ausserdem genoss sie es wie immer, wenn ich sie an ihrem Unterhals kraulte. «Der muss noch etwas weniger kräftig werden», bemerkte ich dabei liebevoll murmelnd. Als das gestichelte Fell sauber war, holte ich die Trainingsausrüstung. Ich legte eine Anti-Rutsch Unterlage, dann eine gut gepolsterte Satteldecke auf Dollys Rücken und zuletzt den Trainingssattel. Den Gurt schlaufte ich durch eine Lammfellpolsterung, bevor ich den Sattel damit befestigte. Ein Vorgeschirr brauchte die Stute nicht, denn bisher war der Sattel bei ihr noch nie wirklich nach hinten gerutscht. Ich legte ihr ein Kopfstück mit gewöhnlicher, einfach gebrochener Trense an und führte sie anschliessend nach draussen. Die Jockeys bekamen von Oliver und Ajith ein leg-up. Wir ritten alle hintereinander zum Galoppweg, vorbei an ein paar Transportern, die auf dem Parkplatz standen. Für heute hatte sich wiedermal ein auswärtiger Trainer angemeldet, der die Bahn nutzen wollten, um seine Jungpferde an fremde Situationen zu gewöhnen. Sie würden mit uns trainieren – eine gute Gelegenheit, um die unsrigen mit dem fremden Nachwuchs zu vergleichen. Wir wärmten die Gruppe ganz normal ein und ritten dann auf den kurz gemähten, sorgfältig gepflegten Rasen. Die Startmaschine liessen wir weg, weil es mit den fremden Pferden ohnehin zu wenig Plätze für alle hatte. Stattdessen machten wir einen freien Start und liessen die Pferde auf eine nicht ganz so ernste Weise gegeneinander antreten. Es ging nicht darum, Höchstgeschwindigkeiten herauszulocken, sondern viel eher, ein anstrengendes, ertragreiches Training durchzuführen und am Ende zu sehen, welche Pferde noch fit waren. Trotzdem stachelten sich die Jockeys gegenseitig etwas an, und Oliver musste sie ein paarmal mit strengen Rufen daran erinnern, die Pferde nicht zu überfordern. Besonders Parker liess sich provozieren, von einem Typen mit einer ebenfalls schwarzen Stute, die man angesichts der Wetterlage und der Tageszeit kaum von Daedra unterscheiden konnte. Ich sah nur, dass die beiden die längste Zeit Kopf-an-Kopf liefen, und alle anderen hinter sich gelassen hatten. Mambo und Sarabi liefen dicht bei mir und Dolly, sodass ich sie gut im Blick hatte. Ihre Bewegungen schienen kraftvoll und raumgreifend, soweit sah also alles richtig aus. Counterfire schien aber irgendwie nicht so richtig in Fahrt zu kommen, und auch Thalia war weiter hinten; ich hörte Oliver einmal rufen, dass Charly sie endlich vorwärtsschicken solle. Ich fragte mich, was da los war, denn normalerweise waren beide Pferde eigentlich ziemlich fleissig und eher vorne mit dabei. Zurückschauen konnte ich aber nicht gut, weil ich mich auf Dolly konzentrieren musste, die schon wieder ein Ungeheuer im Gebüsch zu sehen glaubte und nach links drängeln wollte. Dann liess sich Mambo auch noch von dem Getue anstecken und begann, sich gegen Quinns Zügel zu wehren. «Was ist denn heute nur los!», rief ich aus und richtete Dolly so gut es ging wieder gerade. Die fremden Pferde liefen weiter, als wäre nichts gewesen. Sie spulten einfach ihr Programm ab, ohne den Kopf zu heben. Später sah ich Oliver nach dem Training den Kopf schütteln und seinen typischen, unzufriedenen Ausdruck präsentieren. Ich seufzte nur, denn es brachte sowieso nichts, etwas zu sagen. «What the hell was wrong with you guys? That was a perfect disaster! I’m sure the others will have a lot to laugh about on their way home.” “Oliver.” Ich sah ihn mahnend an. Es war nicht förderlich für die Motivation der Jockeys, wenn er solche Sprüche von sich gab, auch wenn wir uns das einigermassen gewohnt von ihm waren. Alle schwiegen, die Stimmung war nicht gerade auf dem Höhepunkt. «Look, we train our horses differently, so that was to be expected. They don’t have to run with their Heads tied down, they don’t have to blindly follow stupid orders and don’t get a beating if they misbehave only a little. You could say that they are spoiled and sassy. In the end however, we won’t have broken machines that only work because they have to, but horses that want to win and still have their personality and pride. That is exactly the difference between a champion and an ordinary racehorse, that gets sorted out after a few races because it has no more will to please. If anyone is unhappy with the way we work, then please say so and start looking for a new racing stable.” Meine kleine Rede zeigte Wirkung. Die Jockeys nickten zustimmend, und Oliver wirkte nachdenklich, als sei ihm bewusst geworden, dass er womöglich überreagiert hatte. Damals, als ich Oliver eingestellt hatte und ins Renngeschäft eingestiegen war, hatte ich von Anfang an ganz klare Forderungen an den Trainer und die Jockeys gestellt. Pineforest hatte eine lange Tradition als Rennpferdegestüt, aber ich hatte es nach meinen Vorstellungen umstrukturiert und damit begonnen, die Pferde auf meine Weise auszubilden; mit der skrupellosen Geldmacherei der Rennindustrie wollte ich nichts zu tun haben. Mir ging es nur um die Freude am Rennsport selbst. Mir genügte es, meine athletischen, gesunden und vor allem psychisch zufriedenen Rennpferde über die Bahn fliegen zu sehen, völlig gleich, ob sie nun als erste oder als letzte ins Ziel kamen. Aber ich brauchte mir gar keine Sorgen um die Reputation des Gestüts zu machen, denn die Pferde gewannen regelmässig und konnten gut mit den ‘auf die herkömmliche Weise’ Trainierten mithalten. Das war auch Oliver, der mich anfangs noch belächelt hatte, über all die Jahre bewusst geworden, und deshalb hatte der ehrgeizige Trainer nicht längst zusammengepackt. Nur musste ich ihn gelegentlich daran erinnern. Weil ich irgendwodurch eine sehr sture und selbstsichere Persönlichkeit hatte, fiel es mir auch überhaupt nicht schwer, dem fremden Trainer mit einem zufriedenen Lächeln gegenüberzustehen und zum Abschied die Hand zu schütteln. In meinen Augen hatten wir alles richtig gemacht. Und nur so nebenbei hatte Daedra gegen den anderen Rappen gewonnen, aber das Gefühl dieses süssen Triumphs behielt ich für mich.

      Wir brachten es auf die Reihe, ziemlich gut gelaunt mit der zweiten Gruppe ein Kopf-an-Kopf Training durchzuführen. Die Stimmung schwappte auf Primo, Merino, Simba, Cryptic, Penny und Ciela über und sie liefen hervorragende Zeiten für uns. Nun hatte sich auch Olivers Stimmung wieder aufgehellt. Er trank, nach dem die Pferde zum Trocknen in den Freilauftrainer gebracht worden waren, mit uns Tee und gab wieder sachliche, nützliche Tipps anstelle von gehässigen Sprüchen. Als er fertig geredet hatte, sah er mich einen kurzen Moment an, und ich nickte lächelnd. So machte das Rennpferdetraining Spass.

      Während Oliver und die Jockeys nun die älteren Gruppen trainierten, machten Lily und ich in der Halle Dressur mit Areion und Circus Dancer. Wir übten spielerisch ein ausgedachtes Pas-de-Deux ein, das wir im Verlaufe der Woche auch mit den Lagerkindern einstudieren wollten. Es war eine hervorragende Übung für meine Nichte, weil sie zu jeder Zeit schauen musste, was ich gerade tat und sich gleichzeitig darum kümmern musste, selbst exakt zu reiten. Areion war dabei wiedermal ein richtiger Schatz. Er half Lily immer wieder aus, wenn sie einen Patzer machte und es war so süss wie er sich Mühe gab, um seiner jungen Reiterin zu gefallen. Dafür bekam er am Ende auch eine Extraportion Karotten (nunja, die Portion war eigentlich mittlerweile gar nicht mehr ‘extra’, weil er sie eh fast immer bekam). Auch Dancer sah mich mit einem perfekten Hundeblick an, als ich vom Schrank zurückkehrte und seine Karotten hinter meinem Rücken versteckte. «Hast du dir die verdient?», fragte ich schmunzelnd, woraufhin er seinen Kopf einmal ruckartig auf und ab bewegte, was fast schon einem Nicken glich. Ich erlöste ihn und hielt die Karotten hin, damit er sie aus meiner Hand ziehen konnte. Er kaute geräuschvoll darauf herum. Pilot und Vychahr in den Nachbarsboxen streckten ihre Köpfe natürlich ebenfalls in meine Richtung, aber sie würden sich noch etwas gedulden müssen. Als nächstes holte ich Dod aus seiner Box. Der Criollo stand beim Putzen schön still, zeigte aber wiedermal seine sture Seite, als es darum ging, die Hufe hochzunehmen. Ich schaffte es trotzdem und kratzte alle vier gründlich aus. Mir blieb nicht mehr viel Zeit, denn um zehn Uhr wollte ich die Kids offiziell empfangen. Daher longierte ich ihn eine halbe Stunde in der Halle, sorgte aber dafür, dass er während dieser Zeit trotzdem ordentlich arbeiten musste und sogar ein bisschen ins Schwitzen kam. Ich liess ihn nämlich viele Galoppübergänge machen, was gutes Training für die Hinterhand war. Lisa und Darren waren mit Rebel und Flint ebenfalls in der Halle. Die beiden Schecken liefen fleissig vorwärts, wobei Flint jedoch zwischendurch mit einem Blick durch die Fensterwand abschweifte. Der Nebel war draussen nachwievor hartnäckig. Als ich Dod zurück zum Nebenstall führte, waren bereits die ersten Eltern mit ihren Kindern auf dem Parkplatz. Ich beeilte mich damit, den Criollo Hengst zu versorgen – seine Karotten bekam er natürlich trotzdem. Ich hörte schon ein paar Stimmen, sowohl von Kindern als auch von Eltern schwärmen, was denn das für ein hübscher Rappe sei und musste dabei stolz schmunzeln. Im Norstall fand ich auch gleich Jonas vor, der Diarado für einen Ausritt putzte. Wir planten noch rasch das Mittagessen, dann versorgte ich hastig Dods Ausrüstung. Schliesslich trat ich vor die Anwesenden und begrüsste sie. Zira war wie immer brav an meiner Seite und musterte die Leute mit wachsamem Blick. Shira und Jacky schnupperten schon an der ein- oder anderen Hand und liessen sich streicheln, sehr zur Begeisterung der Kinder. Nachdem ich rasch den Tagesablauf erklärt hatte, erlöste ich ich die Kinder und Eltern von der beissenden Kälte und bat sie ins Pflegerheim. Dort hatten die Pfleger einen Raum für die Kids freigeräumt, sodass diese sich nun gleich einquartieren konnten. Die Pfleger hatten eingewilligt, für die eine Woche etwas näher zusammenzurücken – sonst hätten wir das Lager im Winter gar nicht durchführen können. Im Sommer war sowas kein Problem, weil man dann auch gut im Strohlager oder in Zelten draussen übernachten konnte. Aber bei minus fünf Grad war beides nicht das Wahre. Die Eltern blieben noch einen Moment, um sich umzusehen. Danach verschwanden sie endlich und wir konnten mit dem Programm starten. Es waren insgesamt neun Kinder gekommen, allesamt Mädchen. Darüber war ich ein kleines Bisschen enttäuscht, denn ich hatte gehofft, auch ein paar Jungs für das Lager zu begeistern. Auch Lea, die Lily an der International Horse Show kennengelernt hatte, war wie versprochen mit dabei. Die beiden kicherten jetzt schon die ganze Zeit und warfen sich vielsagende Blicke zu. Wir machten ein paar Kennenlernspiele zum Aufwärmen. Es stellte sich heraus, dass manche der Mädchen sich auch schon aus der Schule kannten. Zudem hatte es einige dabei, die schon oft mit ihren eigenen Ponys in die Reitstunde gekommen waren. Aber zumindest drei Mädchen waren ganz neu, und auch Lea war noch nie hier auf dem Hof gewesen. Als wir unsere Namen schon ein bisschen kannten, führte ich die Gruppe zu den Ponys in den Nebenstall. Spätestens da war das Eis gebrochen. Die Mädchen begannen sofort damit, die neugierig über die Boxentür spähenden Ponys zu streicheln und sich begeistert zu unterhalten. Ich stellte Cinni, Silver, Sweets, Blue, Lychee, Shira, Dream, Yoomee, Nim (die Lisa freundlicherweise zur Verfügung stellte) und Fake vor und genoss dabei aufmerksame Zuhörer. Die wichtigste aller Fragen stand allen förmlich ins Gesicht geschrieben: Welches Pony darf ich reiten? Ich hatte schon im Vorfeld angekündigt, dass jedes Kind sich die ganze Woche um dasselbe Pony kümmern würde, damit ich genau sehen konnte, welche Fortschritte gemacht wurden. Ich erlöste die Kids, indem ich die teils ausgeloste, teils den mir mitgeteilten Reitkünsten angepasste Liste hervorkramte und herunterlas. „Gina will take Shira, since you seem to be the one with the most experience. She’s only four years old, so riding her will be a bit more demanding. But she has a nice temper, so you should be fine. Just keep in mind that she does not know everything yet. Fiona, your pony will be Silver. Rachel takes Cinni, Emma will have to deal with Yoomee, Mariana can ride Sweets. Sheridan, you take Dream. Ruth takes Nim. Where was I? Ah yes, Lea takes Bluebell and Aliyah can have Lychee. Lily, you are stuck with Fake, as always.” Den letzten Teil fügte ich mit einem Zwinkern hinzu. Ich war erleichtert, als ich keine wirklich enttäuschten Gesichter sah – alle schienen mit ihren zugeteilten Partnern zufrieden zu sein. So weit so gut. „What about we start right now and see how good you are?“, schlug ich vor, und bekam begeisterte Rückmeldung. “Fine. Go and get your riding clothes, we’ll meet right here in fifteen minutes.” Ein paar trugen ihre Reitsachen schon und sahen mich fragend an. „You can help me get the grooming stuff here.“ Ich führte sie zu den Sattelkammern im Hauptstall und drückte jedem zwei Kisten in die Finger. Sie waren alle beschriftet – dafür hatten Lily und ich im Vorfeld gesorgt. Als auch die anderen wieder da waren, holten wir die Ponys raus und begannen mit dem Putzen. Ich sah zu und half zwischendurch, aber sie waren natürlich alle ziemlich selbstständig. Lily und Lea plauderten ausgelassen, und auch die anderen begannen immer mehr damit, sich gegenseitig auszutauschen. Nur Ruth putzte schüchtern schweigend ihre Haflingerstute. Ich gesellte mich beiläufig zu ihr und fragte sie ein wenig aus, wobei sie auch etwas auftaute. Ich erfuhr, dass sie kein eigenes Pony hatte, aber manchmal das einer Bekannten reiten durfte. Meine Erwartungen in ihre Reitkünste sanken damit etwas, denn offenbar hatte sie ja noch nicht viel Erfahrung sammeln können. Trotzdem liess ich mich natürlich gerne überraschen. Als die Ponys zufriedenstellend sauber waren, sattelten und zäumten wir sie. Anschliessend liefen wir alle zusammen zur Halle, wo wir eine erste, klassische Reitstunde abhielten. Ich wollte nicht zu wild starten; natürlich hatte ich noch einige weitaus interessantere Pläne für die nächsten Tage. Die Reitstunde kam aber auch schon nicht schlecht an. Ruth überraschte mich tatsächlich: sie hatte einen erstaunlich guten Sitz und schien gut mit Nim klarzukommen. Bei Aliyah haperte es dagegen am Anfang etwas, weil Lychee heute recht feurig war. Sie galoppierte einmal sogar mit ein paar übermütigen Buckelsprüngen an, was Aliyah dann doch gleich etwas Respekt einflösste. Sie blieb zwar oben, war aber deutlich angespannt und unsicher. Ich beruhigte sie so gut es ging und zeigte ihr, wie sie Lychee mit Schulterherein und kleinen Volten so beschäftigen konnte, dass sie nicht wieder auf dumme Gedanken kam. Das funktionierte dann zum Glück auch. Shira machte, sich Lychee als Vorbild nehmend, ebenfalls Anstalten zum Buckeln. Gina konnte das aber gut aussitzen und hatte die junge Stute rasch wieder konzentriert bei der Arbeit. Die anderen Ponys benahmen sich zu meiner Erleichterung vorbildlicher. Ich hätte sie alle gestern nochmal richtig durchkneten sollen, überlegte ich kopfschüttelnd. Aber manchmal hing es auch einfach von der Tageseinstellung ab. Jedenfalls konnten wir nach der ersten Stunde ein durchaus positives Fazit ziehen und die Kids sahen nicht minder begeistert aus – mit Ausnahme von Aliyah vielleicht. Ich beschloss, Lily darauf anzusetzten, ihr später ein wenig gut zu zureden. Wir versorgten die Ponys, wobei Rachel etwas voreilig war und ich sie darauf hinweisen musste, dass Cinni noch nicht genug durchgebürstet sei, um schon die Decke auf ihren Rücken zu packen. Die korrekte Pflege der Ponys war mir sehr wichtig, wichtiger noch als das Reiten selbst. Reitkünste liessen sich schnell verbessern, aber eine persönliche, vielleicht eher bequeme Einstellung in die richtige Richtung zu formen war weitaus schwieriger. Wir assen alle gemeinsam in der Reiterstube zu Mittag. Ich hatte mit Jonas im Vorfeld abgemacht, dass er einen grossen Topf Nudeln kochte und dazu etwas Tomaten- und Pestosauce vorbereitete. Den Salat machten Lily, Lea und ich noch schnell. Am Nachmittag folgte dann eine Theorielektion über den allgemeinen Umgang mit Pferden. Ich versuchte dabei, möglichst bildlich und spannend, immer wieder auch mal lustig zu erzählen, und brachte viele Beispiele, die ich selbst schon erlebt oder beobachtet hatte. Das kam gut an bei den Kids. Nur Lily musste ich ab und zu ermahnen, dass sie nicht zu viel schwatzte. Ich fragte mich schmunzelnd, ob sie in der Schule auch so gesprächig war. Irgendwann machten wir eine Pause mit Tee und Baumnüssen zum selberknacken, dann ging es weiter mit einer Bodenarbeitseinheit. Die Ponys waren etwas erstaunt, dass sie ein zweites Mal arbeiten mussten. Aber das tat ihnen gut, besonders der wilden Lychee, die jetzt schon deutlich ruhiger war als zuvor. Wir stellten Pylonen auf und machten Führünungen. Ausserdem zeigte ich den Mädchen, wie man Pferde an einer Körung oder sonstigen Schau vorstellen würde. Gegen Abend mussten die Kids dann etwas im Stall mithelfen, bis es wieder Essen gab. Auch das fand ich als Einblick in den Alltag mit Pferden eine wertvolle Lektion. Nach dem Abendessen liess ich der Gruppe Freizeit, sodass sie sich ohne mein Einmischen besser Kennenlernen konnten. Ich brachte ihnen aber noch ein paar Kartenspiele, um ihnen einen Anstoss zu geben. Jonas war froh darüber, denn so hatte er mich endlich allein für sich.

      Die folgenden Tage vergingen so schnell, dass es fast schon unheimlich war. Wir studierten die ersten Elemente der geplanten Quadrille ein, machten ein Gymkhana, gingen auf Ausritte im Pinienwald, standen einmal schon früh morgens auf, um das Renntraining mitzuverfolgen und befassten uns sogar mit einfacher Pferdeanatomie. Ich hatte das Gefühl, dass die Kids mächtig Spass dabei hatten. Sie waren jedenfalls längst nicht mehr schüchtern, sondern ein bunter, schnatternder Haufen und zum Teil schon ganz schön frech. Lily schlief ab Mitte Lager nicht mehr bei uns im Haus, sondern bei Lea und den anderen. Ich ahnte schon, dass sie nachts länger aufblieben als geplant, um sich noch Räubergeschichten zu erzählen, oder zu spielen. Ich drückte natürlich beide Augen zu – ich war ja auch mal in dem Alter gewesen, und das gehörte einfach zu einem guten Lager dazu. Tagsüber, wenn wir nicht gerade Programm führten, verbrachten die Kids gerne Zeit bei den Miniature Horses. Sie nahmen Lewis und Lisa sozusagen das Bürsten der Fellkugeln ab. Die Ponys mochten daran wohl besonders, dass jeweils ein paar extra Karotten für sie heraussprangen. Am beliebtesten bei den Mädchen waren Orchid und Rose; das süsse Fohlen überzeugte mit seinem Fohlen-Flausch, und Röschen mit ihrer bestechlichen Schönheit. Die Papageien im Pflegerheim waren übrigens auch so eine kleine Attraktion. Fast in jeder Pause wurden Africa und Blue von der Horde Mädchen bespasst. Ich hatte die beiden dazwischen noch nie so friedlich in ihrem Käfig schlafen sehen; Sie schienen richtig ausgelastet. Auch die Katzen kamen in den Genuss vieler Streicheleinheiten – besonders Gismo. Die anderen liessen sich ja bei weitem nicht so oft blicken, und Moya blieb der Gruppe sowieso vollkommen fern. Und natürlich war auch das Zebra eine der Hauptattraktionen, die regelmässig besucht wurden. Die Mädchen waren eine coole Truppe. Sie kamen gut miteinander aus und machten eigentlich alle super mit. Es kristallisierte sich bald heraus, welche meine Favoriten waren, was die Zukünftige Turnierreiterei anging. Ins Auge gefasst hatte ich insbesondere Gina, Ruth und Sheridan. Und natürlich Lea, aber die war sowieso schon so gut wie dabei, jedenfalls wenn es nach Lily ging. Die hatte sie auch schon darauf angesprochen, sodass Lea bereits Bescheid wusste und es nur noch mit ihren Eltern abklären musste. Aliyah wurde leider auch bis zum Ende des Lagers nicht so richtig warm mit Lychee. Ich schätzte, dass die beiden einfach irgendwie nicht auf derselben Wellenlänge waren.

      Der letzte Tag rückte näher und wir konzentrierten uns noch etwas mehr auf die Quadrille. Wir brauchten besonders lange, um das Timing bei den diagonalen Wechseln mit dem Kreuzen zwischeneinander hindurch hinzukriegen. Auch das reissverschlussartige Einreihen auf der Mittellinie verlangte volle Konzentration von allen. Am letzten Abend blieben die Mädchen besonders lange auf, um nochmal ausgiebig die Zeit miteinander zu geniessen. Ich erlaubte ihnen, einen Film zu schauen und dazu Popcorn in der Mikrowelle zu machen. Gismo blieb dabei den ganzen Abend mit ihnen auf der Couch und liess sich verwöhnen. Am nächsten Morgen folgte dann die Generalprobe. Wir mussten noch ein paar Widerholungen machen und Kleinigkeiten anpacken, dann passte alles. Die Musik zur Quadrille hatten die Kids natürlich selbst ausgesucht (mit meiner lenkenden Beratung). Als die Eltern kamen, herrschte einen Moment lang Chaos, weil alle aufgeregt erzählten und ihre Ponys zeigten. Dann ordneten wir uns und lotsten die Eltern in die Halle, wo wir einen Teil mit Absperrband abgegrenzt hatten. Ich sorgte dafür, dass die Eltern alle warmen Tee oder Kaffee bekamen, weil es wiedermal ziemlich kalt war. Die Mädchen bereiteten sich inzwischen zusammen mit Lisa vor. Dann kamen sie alle hintereinander in die Halle geritten. Alle Ponys trugen weisse Schabracken und Bandagen, die Mähnen waren den ganzen Morgen mühsam eingeflochten worden. Es sah richtig schick aus. Die Quadrille formierte sich und die Musik startete. Es war ein voller Erfolg. Zwar klappten nicht alle Figuren perfekt synchron, und auch beim Kreuzen gerieten die letzten zwei Paare wieder etwas aus dem Takt, aber den Eltern fiel das gar nicht richtig auf und sie klatschten sowieso begeistert, als die jungen Reiterinnen fertig waren. Die strahlten alle stolz und lobten ihre Ponys. Wir liessen uns Zeit mit dem verräumen der Ponys und die meisten der Mädchen liefen sie gemeinsam mit ihren Eltern im Schritt trocken. Dann packten alle noch ihre restlichen Sachen und verabschiedeten sich von ihren Vierbeinigen Partnern. Für die Ponystuten gab es einige Abschiedskarotten und –Äpfel, worüber sie sich natürlich brummelnd und zufrieden kauend freuten.

      Ein paar Tage nach dem Lager fragte ich wie geplant bei Gina, Ruth und Sheridan nach, ob Interesse daran bestünde, die Ponys auch zukünftig zu reiten. Gina lehnte leider ab, da ihre Familie selbst einen kleinen Stall führte und sie bald die eignenen Nachwuchsponys reiten würde. Die anderen beiden nahmen das Angebot aber begeistert an, und so konnten wir Lea Reed, Ruth Crawford und Sheridan Langley neu in unserem Team begrüssen. Eine Überraschung gab es noch: Lea brachte ihren Welsh Pony Hengst All Pride mit nach Pineforest. Das hatten wir in der Vereinbarung so ausgemacht, damit Lea die Infrastruktur nutzen und den Racker auch gleich optimal trainieren konnte. Der kleine braune Hengst war ein hübsches Kerlchen – er gefiel sogar mir. Ich hatte das Gefühl, dass Lily, Suri, Lea, Ruth, Sheridan und die Ponys noch jede Menge Spass zusammen haben würden.
    • Veija
      Turnierreiterei
      Juli 2019, von Occulta
      Areion, Diarado, Vychahr, Flintstone, White Dream, Yoomee, Silverangel, Fake my Destiny, River’s Lychee, scs Sugar and Sweets, scs Bluebell, Nimué, PFS’ Shadows of the Past, Cambria, Fallen Immortality, Namuna, Farasha

      Heute stand ein aufregender Tag bevor. Es war Samstag und wir gingen auf Turnier – mit «wir» meinte ich Lily, Sheridan, Ruth, Robyn, Lisa, Darren und mich. Jonas hatte Hausarrest; jemand musste auf den Hof aufpassen und er war in letzter Zeit öfter als die anderen im Schwimmbad gewesen. Er war deswegen den ganzen Morgen etwas grumpy und streckte mir die Zunge raus, als er mich auf dem Weg zum Tor des Hauptstalls beim Stiefel-Putzen in der Sattelkammer sah. Ich lächelte nur liebevoll - er konnte so ein Kindskopf sein. Am frühen Morgen bewegte ich Flint und Yoomee, danach machte ich mit Lily, Areion, Lisa und Nimué einen Ausritt im Sattel von Silver. Wir ritten wie so oft bei Rosies Wilkinson Farm vorbei. Dort schien auch etwas los zu sein: ein Transporter stand in der Einfahrt und Rosie öffnete gerade zusammen mit einem Fremden die Rampe. Ich erkannte einen Schimmel im Inneren des Gefährts und bog prompt neugierig ab. "Hey!", riefen Lisa und Lily fast synchron, und folgten mir. "Good day to you, Miss Wilkinson!", begrüsste ich Pineforests ehemalige Rennreiterin mit frechem Unterton. "All the same for you, my dearest Mrs Smith. How are you doing lately?", meinte sie nicht minder neckisch. "Very well, thank you. And what a fine new horse do we have here. You wouldn't happen to have a moment to introduce us?" "Sure, no problem. This is Fallen Immortality, my newest acquisition." Sie löste den Anbindestrick und schickte die Stute rückwärts die Rampe runter. Es polterte kurz, dann sah sich die Araberdame mit geblähten Nüstern in ihrem neuen Zuhause um. "Hello gorgeous!", bemerkte ich bewundernd. "I hope she will get along with Namuna and Farasha. The two were a bit rough with eachother lately, I think Namuna is trying to rise in rank. Maybe this beauty will provide some distraction." Ich meinte dazu nur zwinkernd "I'm sure they will have a lot of fun."

      Nach dem Ausritt widmete Lisa ihre ganze Aufmerksamkeit Bluebell, während Lily und ich zusammen Mathe-Hausaufgaben lösten, die die Schülerin nicht ganz verstand. Die Zeit schritt rasch voran und ehe wir uns versahen, war es Zeit, uns für das Turnier fertig zu machen.
      Jonas half uns trotz schmollen beim Packen. Wir parkten den Selbstfahrer mit dem zusätzlichen zweier Anhänger hintendran und den dreier-schrägverlad-Anhänger um, räumten die am Vortag geputzten Sättel und Zäume ein, und pro Fahrzeug eine Putzbox zur Sicherheit. Danach folgte das ausgiebige Pferdeputzen. Ich nahm mir Diarado vor, den nachtschwarzen Rapphengst. Innerhalb einer halben Stunde verwandelte ich ihn von frisch-von-der-Weide-staubig zu showreif-glänzend. Der Schweif war das Mühsamste: ich musste ihn waschen, denn sonst hätte ich nur unnötig viele Haare ausgerissen. Ich sortierte also die Stohstückchen aus, machte ihn nass, arbeitete einen Klecks Shampoo ein bis es schäumte, und spülte ihn anschliessend gründlich aus. Dann drückte ich so viel Wasser wie möglich raus und sprühte ihn im noch feuchten Zustand mit Conditioner ein, um ihn einfacher entwirren zu können. Während der Schweif schon trocknete, packte ich auch gleich die Gelegenheit um die kleinen Beinabzeichen des Hengstes wieder weiss zu waschen und die Hufe zu fetten. Den Kopf bearbeitete ich mit einer weichen Bürste. Das mochte Diarado ziemlich gerne; er hielt den Kopf tief und schloss die Augen halb, als würde er nächstens einschlafen. Ich hob seinen Schopf, um auch darunter zu bürsten, wobei er ein entspanntes Seufzen von sich gab. Die Hufe waren rasch ausgekratzt, und danach fehlten nur noch die Transportgamaschen. Ein Blick zu Vychahr hinter uns verriet mir, dass auch Darren fast fertig war. Zufrieden klettete ich Diarados Gamaschen fest und überprüfte den Sitz. Dann musste er noch einen Moment warten, während ich nach den anderen sah. Ich versuchte, mich zu beeilen, denn es war elf Uhr und schon jetzt viel zu heiss. Die Prüfungen fanden erst am späten Nachmittag statt, aber wir hatten vorher drei Stunden Fahrt vor uns: den ganzen Weg nach Chelmsford. Im Nebenstall wurden Lily, Sheridan und Ruth gerade mit Fake, Lychee und Sweets fertig. Robyn kratzte Cambria noch die Hufe aus, dann war auch sie so weit, die Gamaschen anzuziehen. Die Mädchen halfen danach noch Lisa, die sowohl White Dream, als auch Shira putzte. Kurz darauf konnten wir alle Pferde zügig verladen. Bis auf Shira kannten alle das Verladen zur Gnüge, aber trotzdem war die junge Ponystute nicht die, die am längsten brauchte. Cambria schien nämlich genau zu wissen, was wir vorhatten und war nicht begeistert darüber. Sie versuchte durch Rückwärtsziehen und ansatzweisem Steigen davonzukommen. Robyn blieb aber hartnäckig und führte sie immer wieder in die Ausgangsposition vor dem Anhänger. Lisa wollte schon vorschlagen, dass wir sie doch anstelle von White Dream in den Selbstfahrer stellen sollen, aber ich wollte der Stute das sture Verhalten nicht durchgehen lassen. «Keep adding pressure, until she stops pulling back. As soon as she stops, release immediately, then ask her again to make a step.” Robyn folgte meinen Anweisungen und hielt den Führstrick entgegen. Cambria streckte ihren Hals und zog noch immer dagegen. Die junge Frau erhöhte den Druck, indem sie schnalzte und das ende des Führstricks schwang. Als Cambria immer noch keinen Schritt tun wollte und stattdessen schon wieder Anstalten zum Steigen machte, trieb ich sie von hinten einen Schritt vorwärts, damit Robyn sie loben konnte und sie begriff, was wir von ihr wollten. Wir gaben ihr einen Moment Pause, dann forderte Robyn einen weiteren Schritt in Richtung Rampe. Diesmal musste ich nicht nachtreiben; sie gab nach ein paar Sekunden des Seilziehens nach und der Führstrick entspannte sich. Wiederum liess ihr Robyn einen Moment Zeit zum Nachdenken. Die gescheckte Stute schleckte sich die Lippen und senkte den Kopf, um die Rampe zu untersuchen. Das war es, was ich sehen wollte: dass sie sich mit der Situation beschäftigte, und nicht einfach per se flüchten wollte. Wir forderten weiter und sie stellte sich schliesslich mit beiden Vorderhufen auf die Rampe. Kurz vor dem Einsteigen bekam sie aber nochmal Bedenken wegen des Dachs über ihren Ohren und sie versuchte, sich nochmals mit Steigen wegzudrehen. Robyn liess sie nicht weg und schnalzte sofort energisch, bis die Stute wieder mit einem Huf auf der Rampe stand. Cambria sog laut Luft ein und überlegte noch einen Moment, dann folgte sie der jungen Pflegerin endlich ins ach so gefährliche Innere des Anhängers. Wir lobten sie ausgiebig und schlossen rasch die Stange hinten. Im Normalfall hätte ich sie gleich nochmal ausgeladen und es erneut geübt, aber wir mussten uns langsam beeilen, weil wir nicht wussten, ob es Stau geben würde. Wir schlossen alle Rampen und liessen ein paar Fenster spaltweise offen, damit es während der Fahrt nicht zu warm im Inneren der Fahrzeuge wurde. «Everyone ready?», fragte ich, mich umsehend, ehe ich einstieg. Wir fuhren los und kamen wie geplant kurz nach zwei Uhr an. Wir fanden sogar einen Parkplatz, der halbwegs im Schatten lag. Nun hatten wir erstmal Zeit, uns umzusehen, denn die erste Prüfung begann erst um drei Uhr. Darren blieb bei den Fahrzeugen und wir öffneten alle Türen und Fenster zum Durchlüften. Die Mädchen, Lisa und ich verschafften uns einen Überblick über die Anlage. Der Springplatz war gleich neben dem Abreitplatz gelegen. Das war gut, denn so konnten die unerfahreneren Pferde sich den Parcours bereits von weitem ansehen. Gleich zuerst fand die Prüfung über 70 cm statt, die Lily mit Fake bestritt. Es tat mir etwas leid, dass meine Nichte mit dem Hackney Pony gleich in der grössten Nachmittagshitze starten musste, aber den Zeitplan konnte ich nun mal nicht ändern. Lily hatte die Startnummer 16. Wir halfen ihr beim Bereitmachen und ich lief mit ihr zum Abreitplatz, um ihr die Hindernisse beim Einwärmen zu stellen. Es tummelten sich bereits reichlich Reiter auf dem kleinen Sandplatz, sodass es ziemlich unübersichtlich wurde. Ich biss die Zähne zusammen und hoffte, dass Lily niemandem in den Weg kam – und natürlich auch umgekehrt. Ein Kreuzchen stand schon, also konnte sie nach dem Eintraben direkt damit beginnen. Fake zeigte trotz der Hitze sofort ihren lebhaften Charakter und raste mit Lily auf jedes Hindernis zu, das ich ihr aufbaute. «Halt sie etwas zurück, sonst ist sie schon müde bevor ihr reingeht!», rief ich meiner Nichte zu – und erntete dabei ein paar verwunderte Blicke, weil ich deutsch mit ihr sprach. Wir liessen Fake nur vier Hindernisse springen, danach fand ich, dass beide bereit waren. Fake hatte schon leicht geschwitzt, besonders am Hals. Die beiden blieben noch eine Runde im Schritt auf dem Platz, dann konnten sie sich beim Start melden. Lily stellte sich wie ein kleiner Profi den Richtern vor. «Number 16, Lily Adams» Der Mann nickte und winkte sie auf den Springplatz. Die vorherige Teilnehmerin war gerade gestartet. Lily ritt aussen durch, sowohl um Fake die Festzelte und Lautsprechanlagen zu zeigen, als auch um der anderen Reiterin nicht in den Weg zu kommen. Sobald die andere fertig war, konnte Lily angaloppieren und sauber auf das erste Hindernis zusteuern. Fake zog an und die beiden flitzten über ein Hindernis nach dem anderen. Ich ermahnte mich, nichts dazwischen zu rufen, aber innerlich dachte ich aufgeregt: halt sie zusammen, sonst wird sie flach. Ich machte mir die Sorgen um sonst, denn meine Nichte kannte das Pony langsam gut genug. Die beiden absolvierten den Parcours fehlerfrei und mit einer sehr schnellen Zeit. Lily schnaufte genauso wie Fake, als die beiden rauskamen und ich ihnen stolz entgegenkam. «Well done!» Ich tätschelte Fakes schlanken Hals und gab der Stute eine Karotte. Sie kaute die orange Wurzel in Rekordzeit und kratzte sich dann den Kopf an ihrem Vorderbein, um den juckenden Schweiss bei ihren Augen loszuwerden. Wir führten sie zum Anhänger zurück und nahmen sofort den Sattel ab, dann brachte Lily sie zum Waschplatz bei den Stallungen des Turniergeländes. Inzwischen begannen Robyn und Ruth mit dem Satteln. Sie waren beide gleich nacheinander in der nächsten Prüfung dran, und zwar schon nach der dritten Startnummer. Sie wärmten deshalb Cambria und White Dream schon ein wenig auf, während der alte Parcours umgebaut und die Rangverkündigung abgehalten wurde. Ich musste Lily auf deren Bitten hin wiedermal begleiten. Sie wollte nie alleine zur Siegerehrung gehen, «weil dann so viele Leute sie ansahen», wie sie mir mal erklärt hatte. Sie landete auf dem zweiten Platz – ein einziges anderes Pony war schneller als Fake gewesen. Die Leute klatschten und Lily nahm verlegen ihre Schleife entgegen. Die Siegerehrung fand übrigens unberitten statt, weil es so heiss war. Die Prüfung, in der Ruth und Robyn starteten war über 80 cm und der Parcours würde auch für die nächste, die 90er Prüfung, derselbe sein. Auch Darren und Vychahr starteten in dieser Höhe, aber erst als fünftletztes Paar. Ausserdem waren die beiden auch für den 90er gemeldet, aber das wollte ich streichen lassen, um den Fuchs zu schohnen. Als der Parcours zur Besichtigung geöffnet wurde, hielt ich die beiden Pferde rasch, damit ihre Reiterinnen sich ihre Strategien überlegen konnten. Cambria war zu erst dran. Die Scheckstute, die beim Verladen noch so unartig gewesen war, verhielt sich nun wie ausgewechselt. Sie konzentrierte sich ab dem Augenblick, in dem sie den Springplatz betrat, voll auf ihre Aufgabe. Robyn machte eine schöne, ruhige Volte, bevor sie zum ersten Sprung ansetzte. Bis zum sechsten Hindernis lief alles wie am Schnürchen. Es würde zwar vielleicht keine Bestzeit werden, aber es sah sehr harmonisch aus. Beim siebten Hindernis, einer Kombination, musste ich dann kurz die Luft anhalten, denn Cymru verpasste den richtigen Moment zum Abspringen und konnte sich nur dank der geringen Höhe und ihrer schieren Sprungkraft retten. Robyn trieb sie an, um für das zweite Hindernis den Takt wiederzufinden, was dann zum Glück auch klappte. Erleichtert atmete ich auf und verfolgte gespannt den restlichen Parcours. Leider wurde die junge Stute beim letzten Hindernis dann doch noch zu müde und zog das linke Hinterbein etwas zu spät an – sodass die oberste Stange gerade noch zu Boden fiel. «What a pity!», konnte ich nur wiederholen, lobte die beiden aber trotzdem ausgiebig. In der Hitze war es nun mal nicht leicht, die Konzentration bis zum Schluss zu behalten. «I stopped helping her a bit too early», stellte dann auch Robyn fest. Ruth hatte ihren Umgang auch bereits gestartet und ich bekam gerade noch die zweite Hälfte mit. Sie blieben fehlerfrei, in einer vernünftigen Zeit. Mit White Dream war es nicht schwierig, noch etwas mehr auf’s Gas zu drücken, aber Ruth war noch nicht so erfahren und deshalb hatten wir bisher im Training auch immer ein ruhiges Grundtempo und einen «schönen Nuller» angestrebt. Darren und Vychahr bekamen acht Strafpunkte, weil Vychahr einmal verweigerte und bei einem weiteren Hindernis einen Abwurf hatte. Darren war so enttäuscht, dass er gerne doch noch den nächsten Parcours gesprungen wäre, aber ich redete es ihm aus. «I really start to believe that he is rather a dressage prospect than a jumper», bemerkte ich lachend, um den Pfleger aufzuheitern. Vychahr hatte sich trotz allem Mühe gegeben, und war halt heute einfach nicht ganz fit gewesen. Da brachte es nichts, ihn mit noch einer Runde Schwitzen zu bestrafen. Wir wollten schliesslich, dass er alles positiv in Erinnerung behielt. Darren stimmte mir nach dieser Erklärung zu und die beiden genossen eine Abkühlung beim Waschplatz. Die nächsten waren Sheridan und Lisa. Normalerweise war geplant, dass Sheridan und Ruth mit den Ponys in der Silver- beziehungsweise Gold-League des Pony Jumping starteten. Aber da sie ohnehin viel Üben mussten, waren auch Turniere für normale Pferde für sie von Nutzen. Deshalb startete Sheridan heute mit Lychee über 1.00 m. Im Training waren die beiden schon bis 1.20 m gesprungen, aber mit den Temperarturen machte es sowieso Sinn, das Ganze etwas gemütlicher anzugehen. Lisa startete übrigens mit Shira ebenfalls auf dieser Stufe. Vorher war Sheridan aber noch mit Sweets in der 90er Prüfung am Start – und holte sich prompt den Sieg. Danach war sie so euphorisch, dass sie im Durchgang mit Lychee beim drittletzten Sprung, einem blauen Oxer, patzte. Vielleicht war die junge Reiterin auch einfach langsam zu müde geworden. Natürlich ärgerte sie sich darüber, aber der Ritt war ja trotzdem nicht schlecht gewesen. Nun gab es für uns eine Pause, bevor um acht Uhr die Prüfung für mich und Diarado über 1.30 m begann. Wir beobachteten die Durchgänge der fremden Pferde und Reiter, um ihre Ritte zu analysieren. «There he should have picked up a quicker pace – see, I knew he wouldn’t make it through those two…” Es schien auch besonders spannend für die Mädchen, von diesen vielen fremden Reitern zu lernen. Wobei ich aber am Ende feststellen musste, dass sie eher die Vierbeiner bewerteten. «Ohhh, look at his markings! That’s the type I like best…” “Hey, didn’t that one also compete in the previous class?” “Yeah, I think so. He looks a bit tired, don’t you think?” “But the rider as well. Her face is all red.” “OH MY! Did they get hurt?” Während wir plauderten driftete das Pony bei der Kombination seitlich in einen der Hindernisständer und zerlegte den halben Sprung. Die Reiterin konnte sich oben halten, aber es war offensichtlich, dass beide nicht mehr genug Energie hatten, um sich richtig zu konzentrieren. Darren reagierte auf meinen Blick und nickte nur – er verstand nun, was ich gemeint hatte und schien froh, auf die zweite Runde verzichtet zu haben.

      Schliesslich wurde der 1.30 m Parcours gebaut und ich lief ihn ab, nach möglichen Schwierigkeiten Ausschau haltend. Diarado war sehr wendig, deshalb entschied ich mich, zwischen Hindernis 4 und 7 hindurch abzukürzen und dann den neunten Sprung leicht schräg anzusteuern. Da es sich um einen der niedrigsten Steilsprünge im Parcours handelte, rechnete ich mir gute Chancen für das doch etwas riskante Manöver aus. Entschlossen lief ich zu Darren zurück, der den Rappen bereits gesattelt hatte. Wir starteten mit der Nummer sieben, deshalb musste ich gleich mit dem Aufwärmen beginnen. Diarado war etwas abgelenkt, als wir auf dem Reitplatz unsere Runden trabten und dann ein paarmal über die Hindernisse in der Platzmitte ritten. Er schielte dauernd zum Parkplatz rüber, oder drehte seine schlanken Ohren zur Tribüne und den Festzelten. Ich ermahnte ihn jeweils mit halben Paraden und versuchte, ihn möglichst abwechslungsreich zu bewegen, um seine Aufmerksamkeit auf mich zu locken. Als wir beim Eingang warteten, war er zwar am Zügel, aber ich hatte trotzdem gemischte Gefühle. Ich sollte recht behalten: gleich beim ersten Hindernis passierte uns ein Patzer. Diarado schien unvorbereitet auf den Absprung gewesen zu sein und spickte die oberste Stange mit den Vorderbeinen zu Boden. Damit waren unsere Siegeschancen verspielt. Trotzdem konzentrierte ich mich auf den Parcours vor uns. Wir hatten nun keinen Druck mehr und konnten die anspruchsvollen Kombinationen und abgekürzten Wendungen perfekt zum Üben gebrauchen. Diarado hatte anscheinend seinen Fehler bemerkt und gab sich für den Restlichen Umgang umso mehr Mühe, alles richtig zu machen. Er war nun endlich voll bei der Sache und liess sich von mir in gewohnter Weise mit feinsten Hilfen steuern. Wir überwanden die nachfolgenden drei Hindernisse wie im Flug und kürzten dann in der Kurve zur ersten Kombination gekonnt ab. Die Distanz zum hinteren Oxer passte perfekt und so konnten wir auch diesen, höchsten Sprung des Parcours fehlerfrei bezwingen. Der improvisierte Wassergraben beeindruckte Diarado überhaupt nicht, ebenso wenig wie die darauffolgende Mauer. Er drückte einfach etwas kraftvoller ab. Nun folgte die geplante Abkürzung, die ich nach kurzem innerlichem Zögern präzise ansteuerte. Diarado und ich rauschten möglichst nahe am Hindernisständer des siebten Sprungs vorbei und ich versuchte danach eine möglichst gerade Linie auf die kurze Distanz vor dem neunten Hindernis hinzubekommen. Der Absprung war nicht ganz passend, aber Diarado rettete sich mit seiner gewaltigen Sprungkraft irgendwie über die blauen Stangen. Ich kraulte für eine Millisekunde stolz seinen Hals beim Widerrist, dann widmeten wir uns dem letzten Teil, der sich als wahres Kinderspiel nach den ersten paar Herausforderungen herausstellte. Wir behielten unsere vier Punkte vom Anfang bei und schlossen in einer Spitzenzeit ab. Von Sheridan bekam der Hengst eine Karotte, als wir hinausschritten. Es war wichtig, den Patzer zu vergessen und ihn für den übrigen, souverän gemeisterten Parcours ausgiebig zu loben; da waren sich alle einig. Wir versorgten gemütlich die Vierbeiner und die Ausrüstung in den Transportern. Diarado wollte ich zuletzt einladen, weil er noch nassgeschwitzt war und ich ihn ein wenig neben den Anhängern grasen liess. Der Himmel färbte sich langsam dunkler und Wolken zogen auf, ein frisches Lüftchen zog zwischen den Fahrzeugen hindurch. Durch einen entfernten Lautsprecher wurden die Reiter für die berittene Siegerehrung aufgerufen. Nur dank dem Windzug, der den Klang der Stimme weiter mittrug, hörte ich meinen Namen unter den genannten. Ich traute meinen Ohren kaum. Sofort eilte ich mit Diarado zum Transporter rüber und drückte seinen Strick Darren in die Finger. Er sah mich verwirrt an, und ich entgegnete nur, während ich den Sattel und das Zaumzeug holte, «don’t ask me how, but somehow we made it!» Er half mir eifrig. Die Mädchen, die noch vorne beim Turnierplatz zugesehen hatten, kamen angerannt. «Occu, you have to go –» Lily brach ab als sie sah, dass ich Diarado bereits Zäumte. Lisa, an der der Trubel natürlich nicht vorbeigegangen war, setzte mir den Helm auf den Kopf und half mir auf den Rücken des Rappen. «And off you go», murmelte sie bewundernd, und gab Diarado, der vermutlich die Welt nicht mehr verstand, einen symbolischen Klaps auf die Kruppe. Ich trabte zum Reitplatz und stellte mich neben die anderen wartenden. Die letzte Reiterin beendete gerade noch ihren Parcours, konnte aber keine Platzierung mehr herausholen, da die Tafel ebenfalls schon vier Punkte anzeigte. Gespannt wartete ich ab; und wir wurden am Ende tatsächlich aufgerufen. Wir kamen gerade noch auf den zehnten Platz dank unserer schnellen Zeit – offenbar hatten nur neun Reiter den Parcours ohne Fehler geschafft. Wie froh war ich nun, dass ich mich an die ganzen Abkürzungen gewagt hatte! Stolz klopfte ich Diarados Hals, als sie ihm die Schleife anhängten und mir eine Tüte Leckerlis mit einem Gutschein überreichten. Wir hatten wiedermal das Beste aus einer unglücklichen Situation herausgeholt.

      Von überlaufenden Fässern
      November 2019, von Occulta
      Iskierka, Raving Hope Slayer, PFS’ Riptide, One Cool Cat, Kaythara El Assuad, PFS’ Counterfire, Daedra, Unbroken Soul of a Rebel, Burggraf, Areion, Diarado, Drømmer om Død, Vychahr, Flintstone, Nosferatu, Cambria, White Dream, Yoomee, Silverangel, Fake my Destiny, River’s Lychee, scs Sugar and Sweets, scs Bluebell, PFS’ Shadows of the Past, Nimué, Moon Kiddy, Chanda, Dancing Moonrise Shadows, Phantom, Matinée, PFS’ Ljúfa, PFS’ Skydive, PFS’ Reverie, Brendtwood, PFS’ Soñando Solas, PFS’ First Chant, PFS’ Clooney, PFS’ Cranberry, Cinnemont’s History, All Pride, PFS’ Karat, PFS’ Lyskra, PFS‘ Savory Blossom, Odyn, PFS‘ Strolch, Eismärchen, Piroschka, Louvré

      Was ist nur aus dem Herbst geworden?, trauerte ich innerlich, als ich zum Fenster hinaussah und feststellte, dass der Tau auf dem Gras gefroren war. Ich sah ausserdem nicht besonders weit, denn eine dicke Nebelwand verechluckte die Gebäude des Hofs. Irgendwie hatte der Herbst diesmal kaum mehr als zwei Wochen angedauert, danach hatte gleich der Winter angeklopft. Es waren sogar schon die ersten Schneeflocken gefallen, jedoch auch gleich wieder verschwunden, kaum dass sie den Boden berührt hatten. Ich rieb mir die Augen, als Jonas das Licht einschaltete. "Warum stehst du hier im Dunkeln rum? Komm runter, Frühstück steht auf dem Tisch." Es war mir ein Rätsel, welches Virus ihn diesmal erwischt hatte, dass er für einmal früher aufgestanden war als ich. Normalerweise musste ich ihn regelrecht aus dem Bett zerren, in der kalten Jahreszeit ganz besonders. Ich zog mich an und stakste die Treppen runter, möglichst leise, um Lily nicht zu wecken. Sie musste wie immer erst um 8 Uhr zur Schule, wohingegen das erste Rennpferdetraining um 6 Uhr begann. Bei so vielen Vollblütern wie wir mittlerweile hatten, konnten wir auch im Winter nicht später anfangen - sonst reichte die Zeit für alles andere nicht mehr. Und den nächste Zuwachs erwarteten wir bereits im Frühling: Felicita, Deadly Ambition und Savory Blossom erwarteten Fohlen. Ich freute mich besonders auf das von Felicita, denn der Vater war Gleam of Light und somit hatte es zwei besonders treue Gefährten aus den Anfängen meiner Zeit auf Pineforest als Eltern. Der Gedanke weckte eine gewisse Nostalgie in mir. Damals waren nur eine Handvoll Rennpferde auf dem Hof gewesen, die Jack und ich mehrheitlich alleine trainierten. Wenn ich mir überlegte, was daraus entstanden war, konnte ich es kaum glauben.
      Wenig später, als ich während dem Müsli-Kauen die Zeitung las, surrte mein Handy. Es war eine Nachricht von Lisa.
      - Komme etwas später, muss meine Mutter zum Flughafen bringen
      Fällt dir auch früh ein, tadelte ich sie stumm kopfschüttelnd.
      - Ok.
      Ich wollte das Handy gerade wieder weglegen, da surrte es erneut.
      - Btw hast du mitbekommen, dass die kleine Icy Rebel Soul gestorben ist??
      Nein, hatte ich nicht. Die Nachricht dämpfte meine Vorfreude auf den Tag ein Stück. Offenbar hatte Lisa um sieben Ecken mitbekommen, dass das Stutfohlen von Rebel nicht einmal zwei Jahre alt geworden war. Die genauen Umstände waren uns nicht bekannt, was es nicht unbedingt besser machte. Ich bereute zutiefst, dass ich im letzten Halbjahr nicht mehr nach ihr gefragt und somit gar nichts von ihrem Zustand mitbekommen hatte. Normalerweise behielt ich unsere Zuchtfohlen immer ein wenig im Auge und las mit Freude von ihren Erfolgen im Sport. Ich stand auf und stellte seufzend meine Müslischüssel in den Geschirrspühler. Jonas hakte nach, was los sei und ich berichtete ihm kurz, was ich so eben erfahren hatte. Auch er war traurig, denn das Stutfohlen hatte uns beiden gut gefallen. Aber so war das Leben nunmal.

      Nach dem Frühstück ging ich wie immer als erstes in den Hauptstall. Iskierka, Raver, One Cool Cat, Kaythara und Odyn wurden gerade für’s Trainig ausgerüstet. Ich lief durch die Stallgasse und streichelte jeden kurz, wobei ich jeweils einen prüfenden Blick über die ganzen Vierbeiner wandern liess. Besonders bei Odyn und Iskierka nahm ich mir einen Moment Zeit, um die korrekte Ausrüstung in Augenschein zu nehmen, denn die beiden wurden heute von zwei neuen Jockeys geritten. Ich hatte die eine junge Frau, Isaiah Griffiths, schon an mehreren Rennen beobachtet und Oliver hatte mir zugestimmt, dass sie talent hatte. Isaiah hatte mir dann kurz nach meiner Anfrage noch einen Rennreiter namens Idris Shaw empfohlen, sodass ich ihn ebenfalls auf einen Proberitt eingeladen hatte. Die beiden kannten sich anscheinend schon länger. Beide ritten unter Olivers und meinen kritischen Augen hervorragend, sodass ich sie gleich beide eingestellt hatte. Mit den vielen Nachwuchspferden brauchten wir einfach mehr Reiter, damit wir auch alle regelmässig starten lassen konnten. Ich freute mich auf die weitere Zusammenarbeit mit den beiden neuen Jockeys. Nicht nur Zweibeiner waren zu unserem Team gestossen, auch eine Nachwuchsstute von Riven in a Dream und Rosenprinz ergänzte meine „Sammlung“ seit ein paar Wochen. Sie hiess Riptide und war eine braune Stute mit samtigem Fell. Ich hielt bei ihrer Box und schob die Tür auf, denn ich sah eine kleine Schramme an ihrer Schulter. Sie wandte sich sofort neugierig zu mir. „She’s going to be stunning, once she has muscles and starts to race“, bemerkte Ajith hinter mir, und erschreckte mich dadurch fast. “When did you get here? Gee, don’t sneak up on me like that.” “Sorry boss.” Tut dir überhaupt nicht leid, bei deinem Grinsen. „Anyway, is Quinn already here?“ „Why would I know?“, meinte er nur schulterzuckend. Ich runzelte skeptisch die Stirn. “I thought you two had a really good time after the St. Legers?” “We’re not going out, if that’s what you expected. She… Kind of started avoiding me again.” Ich seufzte ungeduldig. “What is wrong with you guys? You obviously belong together.” Er lächelte schief, dann wechselten wir das Thema und evaluierten stattdessen Riptides Futtermenge. Quinn stiess später zu uns, denn sie ritt erst in der zweiten Gruppe mit. Diesmal sattelte sie Strolch. Der helle Palomino mit den auffallenden, grünen Augen spielte mit der Anbindekette, als ich zu ihm kam. Ich streichelte seine weisse Stirn. Die grosse Blesse verlieh seinem Gesicht noch mehr babyhafte Züge als es sonst schon hatte. Er war eines von den Pferden, die man am liebsten knuddeln wollte, wenn man sie sah. Zum Glück war er auch ziemlich verschmust, sodass er die Aufmerksamkeit toll fand. Er war kaum dünkler als Stromer es gewesen war. Auch der Körperbau war mittlerweile ähnlich geworden, anders als bei Ally, der eher grobknochig gebaut war. Alle Stromerfohlen waren recht unterschiedlich – da mischte nunmal jeweils noch ein grosser Teil der Mutterseite mit. Ich mochte sie aber alle wahnsinnig gerne, und alle erinnerten mich auf die eine oder andere Art an meinen verstorbenen Liebling. Wenn es nicht das äussere war, dann dafür umso mehr der Charakter. Ich werde ihn nie vergessen, stellte ich einmal mehr wehmütig fest. Da war es wieder, dasselbe Gefühl wie schon beim Frühstück. Vielleicht bin ich so sentimental weil Weihnachten naht, überlegte ich. Ich beschloss mich selbst etwas aufzuheitern und ging zu Counterfire. Die Stute hatte ihr Wehwehchen am Vorderbein gut überstanden und war wieder voll einsetzbar. Und frech wie immer. Sie zupfte an meinem Schal, als ich sie durchs Boxenfenster streichelte. „You will get to show your talent next year“, versprach ich ihr flüsternd, im hinblick auf die nächste Saison. Daedra hatte ihr dieses Jahr ziemlich die Show gestohlen, mit ihrem unerwarteten Sieg in den St. Leger Stakes. Aber ich war sicher, dass die feurige Fuchsstute auch noch ein paar Überraschungen für uns auf Lager hatte.
      Ich lief vom Innenhof des Hauptstalls zum Nebenstall, denn als erstes wollte ich heute mit Yoomee arbeiten. Die Ponystute wirkte noch ein wenig verschlafen, liess sich aber brav aus der Box führen. Ich bürstete sie gründlich und kämmte ihre kurze Mähne. Auch die Hufe kratzte ich aus; es war aber kaum etwas darin, weil sie noch nicht auf der Weide gewesen war. Danach sattelte ich sie und brachte das vierbeinige Tier zur Halle. Ich stellte ein paar Cavaletti auf, während ich sie herumführte. Als ich mit dem Aufbau zufrieden war, stieg ich in den Sattel und ritt Yoomee warm. Die nächste halbe Stunde nutzte ich, um das Connemara über den Cavaletti zu gymnastizieren. Es war insofern ein guter Tageseinstieg, als sie fleissig mitmachte und die meisten Aufgaben geschickt löste.
      Nach der Arbeit mit Yoomee wechselte ich vom Nebenstall zum Nordstallgebäude, das mittlerweile fertig umgebaut, beziehungsweise erweitert war. Es gab nun im Anbau vier weitere grosse Boxen aus dunklem Holz, in denen vorläufig All Pride, Areion und Skydive hausten. Lily nannte es liebevoll ihren „Ponystall“, auch wenn nicht alle Ponys dort standen. (Wo wir gerade von ihr Sprachen, sie schwang sich in diesem Moment auf ihr Fahrrad und brauste richtung Schule davon. Ich winkte ihr zum Abschied.) Skydive lief mittlerweile übrigens in allen drei Gangarten unter dem Sattel. Wir nahmen ihn im Moment so oft wie möglich auf Ausritte mit, so dass er möglichst viele neue Eindrücke kennenlernte und viel geradeauslaufen konnte. Lily war natürlich wann immer sie zuhause war dabei – sie war sogar schon ein paarmal nachdem ich ihn geritten hatte auf seinem Rücken gesessen, zum trockenreiten. Sie schwärmte jeweils, wie weich sein Schritt war. Ich fand auch, dass er bequeme Gänge hatte, aber nicht aussergewöhnliche. Lily neigte nunmal zu Übertreibungen, wenn es um ihren Liebling ging. Bevor ich heute wieder mit dem jungen Ponyhengst arbeitete, war aber Vychahr dran. Der Dunkelfuchs brummelte mir schon ungeduldig zu, als ich mit seinem Stück Begrüssungskarotte zu ihm kam. Ich bewegte ihn eine Dreiviertelstunde in der Halle und übte an unseren Seitengängen, wobei ich aufpassen musste, Lisa und Darren mit Rebel und Flint nicht in die Quere zu kommen. Die beiden trainierten nämlich ihre Reiningfertigkeiten. Irgendwie kamen wir aneinander vorbei. Ich war jedoch froh, dass ich mit Vilou fertig war, bevor auch noch David mit Aristo, Linda mit Piroschka und Thomas mit Chanda reinkamen, weil es draussen zu Regnen begann. Es war im Winter eben doch etwas mühsam, wenn alle in die Halle wollten. Ich versorgte den Dunkelfuchs und gab ihm seine Belohnung, danach holte ich gleich Dod raus. Ich hatte mich nämlich mit Jonas beim Frühstück auf einen Ausritt um neun verabredet. Angesichts des Wetters verzog ich zwar etwas das gesicht, aber wie man so schön zu sagen pflegte: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. Jonas nahm Shadow mit, und wir ritten gemeinsam Richtung Norden zu den Laubwäldern, die inzwischen nur noch einzelne, rotbraune Blätter in den Kronen trugen. Wir trabten den grössten Teil der Strecke über nasses Laub und trotzten dem garstigen Wetter. Shadow und Dod waren nach kurzer Zeit völlig durchnässt und ihr Fell klebte an ihren Hälsen. Es schien sie aber nicht sonderlich zu stören; sie klappten einfach geduldig die Ohren zurück, wenn wieder eine Windböe das Wasser in ihre Richtung zu wehen drohte.
      Nachdem wir Ausrüstung, Pferde und uns selber getrocknet hatten, hastete ich zur Stutenweide um Phantom und Matinée zu holen. Mit beiden gleichzeitig im Schlepptau joggte ich zum Nebenstall und band sie unter dem Dach an. Matinée war klitschnass, weil sie im Regen gestanden hatte. Phantom war wenigstens so gnädig gewesen, sich unter einen Baum zu stellen. Ich trocknete das Winterfell der beiden Mustangs mit einem Frotteetuch so gut es ging, dann kämmte ich noch das Langhaar durch und kratzte die Hufe aus. Jonas übernahm Phantom, sobald er vom Haus zurückkam – er hatte ein Telefonat mit dem Hufschmied geführt. Nasse Weiden bedeuteten viele fehlende Eisen. Zum Glück hatten wir auch viele Barhufpferde, sodass sich das Problem in Grenzen hielt. Wir bewegten die Mustangs, indem wir einfache Reiningübungen mit ihnen machten. Dabei ging es stets vor allem um die Losgelassenheit, besonders bei Matinée. Sie war heute aber gut aufgelegt, sodass sie mir sogar zum ersten Mal im Galopp abschnaubte und den Hals in die Tiefe streckte, als ich die Zügel länger werden liess. Höchst zufrieden lobte ich sie dafür. Allerdings liess sie sich ablenken, als Lisa mit Brendtwood reinkam, und der junge Haflingerhengst erstmal in der Gegend herum wieherte, weil Skydive nicht in der Nähe war. Die beiden klebten ein wenig aneinander, weil wir oft zusammen raus gingen. Ich hoffte, dass es besser werden würde, nun da Skydive im Anbau eingestallt war. Ich holte Matinées Aufmerksamkeit noch für ein paar letzte schöne Schlangenlinien mit korrektem Umstellen zurück, dann liess ich es gut sein. Die Halle füllte sich wieder, als wir raus gingen: Diarado, Nimué und Moon wurden von Anne, Rita und Jason bespasst. Rita und Lisa hatten sich wegen der Haflinger abgesprochen. Jonas und ich brachten die beiden Ex-Wildpferde zurück auf die Weide, wo sich Phantom gleich in den Schlamm legte und genüsslich wälzte. Jonas konnte nicht hinsehen, wie der Rappe sein sauber geputztes Fell wieder ruinierte, und auch ich stöhnte entsetzt. „Morgen dasselbe Spiel wie immer…“, stellte ich fest. „Wenigstens scheint er es zu geniessen, dem entspannten Grunzen nach zu urteilen.“, meinte Jonas dazu. Wir schlurften durch den noch immer strömenden Regen ins Haus, denn es war bereits Mittag. Ich war froh, die nassen Kleider zumindest für den Moment abzulegen. Zum Aufwärmen machten wir uns erstmal eine Tasse Tee, dann kochte ich das Mittagessen. Lily kam kurz darauf rein und tropfte alles voll, sodass ich sie ins Badezimmer scheuchen und ihr die Haare trocknen musste, wie zuvor schon den Hunden. Wir assen zusammen, dann musste sie wieder in den Unterricht. Ich sass noch eine halbe Stunde vor dem PC und checkte meine E-Mails, danach musste auch ich zurück in den Regen. Jonas half bereits eifrig beim Misten, als ich abermals zum Offenstall der Stutenweide kam. „Braucht ihr hier noch jemanden?“ Lewis, der halb hinter Ljúfa versteckt gewesen war, verneinte. „You could start with the foals though.“ Ich nickte, liess es mir aber nicht nehmen, vor dem Gehen die kleine Lyskra zu streicheln. Im Frühling wollten wir sie zu den anderen Fohlen stellen, aber im Moment war sie noch glücklich bei ihrer Mama. Da sie erst im Mai zur Welt gekommen war und mit Mama im Offenstall lebte, hatten wir es nicht eilig, die beiden zu trennen. Bei den Fohlenoffenställen herrschte ein riesen Schlammbad, direkt vor den Eingängen. Die Fohlen hatten die Weide förmlich umgepflügt. Das war aber nicht zum ersten Mal so, wir kannten das Problem längst. Zum Glück wuchs das Gras im Frühling relativ zuverlässig nach, wenn man frühzeitig mit Grassamenausstreuen nachhalf und die besonders geschädigten Stellen so gut es ging abzäunte. Solas, Louvi, Karat und Clooney bedrängten mich gelangweilt, als ich ihr Stroh mistete. Karat schubste einmal sogar fast die Schubkarre um. Ich scheuchte die Gruppe junger Flegel infolgedessen hinaus in den Regen, sodass ich in Ruhe arbeiten konnte. Bei den Stutfohlen waren auch nicht mehr viele übrig; im Moment teilten sich nur Reverie, Chime, First Chant und Cranberry die grosse Weide und den Offenstall, genau gleich viele also wie bei den Hengstchen. Dadurch gab es auch nicht so viel zu misten wie ein paar Monate zuvor, als die jungen Vollblüter noch hier standen.
      Gegen drei Uhr nutzte ich eine vorläufige Regenpause und machte mich zügig auf den Weg zum Nebenstall. Dort wartete die Ponystute Eismärchen auf mich. Ich nahm ihr Halfter vom Haken und öffnete die Boxentür. Märchen drehte die Seite mit dem gesunden Auge ihres Kopfes zu mir und kam einen Schritt auf mich zu. Ich streichelte sie, dann streifte ich ihr das Halfter über. Sie war eigentlich völlig normal im Umgang, wie jedes andere Pferd. Nur hin und wieder merkte man den Unterschied, wenn eine plötzliche Berührung auf der blinden Seite sie zusammenzucken liess. Ich wollte mir ihr ausreiten gehen, solange es noch nicht wieder aus Eimern regnete. Ich band sie draussen unter dem Vordach an und begann, ihr grauweisses Fell zu bürsten. Sie hatte wirklich eine interessante Musterung - eine Mischung aus Appaloosa- und Pintoscheckung. Das Resultat waren weisse Stellen, deren Übergang zum restlichen grauen Fell teilweise verwaschen und gestichelt erschienen. Ich bewunderte die vielseitig abgestuften Grautöne, als ich darüber bürstete. Ihr Winterfell war ausserdem richtig schön weich. „Are you daydreaming?“, drang Jonas‘ Stimme an mein Ohr. „Huh?“ „Ich hab etwa dreimal versucht dich anzusprechen. Du warst richtig schön abwesend“, meinte er schmunzelnd. „Oh, sorry. Ich war wohl tatsächlich etwas Gedankenversunken. Was gibt’s?“ „Ich will nochmal mitkommen, muss noch Cambria bewegen.“ „Na gut, wenn es unbedingt sein muss“, neckte ich. Er holte die Scheckstute raus und putzte sie in Rekordtempo. Zaumzeug und Sattel waren kurz darauf montiert und wir konnten die beiden zum Aufsteigen auf den Kiesweg führen. Der Ausritt führte uns durch den Pinienwald und über ein paar wunderschöne, neblige Galoppwege. Die Hunde Zira, Jacky und Sheela liefen artig mit und inspizierten die zahlreichen Gerüche im Unterholz. Eismärchen war so ein Engel zum Ausreiten. Sie war entgegen der Intuition überhaupt nicht guckig und marschierte selbstsicher voran. Sie verliess sich total auf mich, obwohl wir uns noch gar nicht so lange kannten – vermutlich war ihr das über die Jahre so beigebracht worden. Sie wurde auch nie irgendwie heftig, auch nach dem dritten Galopp nicht. Cambria überholte uns mehrfach, weil sie am liebsten über das feuchte Gras davonbrettern wollte. Als der Hof wieder in Sicht kam, begegneten wir am Waldrand einer ganzen Gruppe von Reitponys. Sheridan, Ruth, Lily, Lea und zu meiner positiven Überraschung auch Suri ritten mit Cinni, Silver, Bluebell, Shira und White Dream aus. Sie hatten ausserdem Sweets und Lychee als Handpferde dabei. Ich war froh, dass Lilys Kollegin Suri nun doch wieder häufiger auf den Hof kam und die Ponys ritt. Sie hatte sich offenbar damit abgefunden, dass Lindwedel weg war, so schade es auch sein mochte. Je näher wir zu der Gruppe kamen, desto mehr fiel mir auf, dass sie offenbar schwierigkeiten mit Sweets hatten. Das braun gescheckte Pony zickte immer wieder gegen Silver und dohte zwischendurch sogar auszuschlagen. Wir hielten kurz an und tauschten uns aus. „She is a total nuisance today“, jammerte Lily. Sheridan, die das Pony am Führseil hatte, bestätigte dies. “You know what? I take her, I will lunge her a bit. It’s okay, you guys can go ahead and enjoy your hack.” Die Mädchen bedankten sich, als ich Sweets Strick übernahm. Die freche Ponystute hampelte zwar auch neben Eismärchen ein wenig, aber ich hielt sie mit der Reitgerte auf Abstand. Zuhause longierte ich sie dann wie beschlossen eine halbe Stunde lang ausgiebig, damit sie sich auspowern konnte. Danach lief sie mir wie ein Lämmchen hinterher. Als ich sie versorgte, begann es gerade wieder zu tröpfeln. Ich rettete mich mit den Hunden ins Haus, aber die Mädchen mit den Ponys wurden nass, denn sie waren noch nicht zurückgekehrt. Lily musste bis zum Abendessen ausserdem noch Nossi und Fake bewegen, danach kam auch sie abermals klitschnass ins Haus. Ich wartete bereits mit einem Frotteetuch auf sie, weil ich sie durchs Küchenfenster hatte kommen sehen. „I think I’ve seen enough water for today“, bemerkte sie naserümpfend. “So you don’t even want to take a hot bath then?” “Ohhh…” Sie wechselte sofort ihre Meinung und schlich ins Bad. Ich sah ihr hinterher und schmunzelte. Sobald sie weg war, kam Moya unter dem Sofa hervor und strich mir um die Beine. Ich nahm sie auf den Arm und streichelte sie, wobei sie laut schnurrte. „Du hast dich auch ganz schön verändert, Kampfkatze“, sprach ich zu ihr. Das warme, weiche Fell verriet, dass sie wohl den ganzen Tag keinen Fuss vor die Tür gesetzt hatte. Katze müsste man sein. Ich sah zum Fenster raus uns seufzte. Es war längst dunkel und schüttete immernoch in Strömen. „Jonas, die Regentonne überläuft schon“, rief ich die Treppe hoch. Von oben kam die Antwort: „Ich weiss, schon seit dem Mittag. Wenn es nicht bald aufhört, sind die Weiden wieder eine ganze Woche lang unter Wasser.“ Ich liess mich auf’s Sofa fallen und schaltete den Fernseher ein, kurz darauf jedoch gleich wieder aus, denn es kam nichts Schlaues. „Ich freue mich auf den Sommer“, bemerkte ich laut. Moya sprang von meinem Schoss runter und tapste zu ihrem Futternapf. Sie ass die letzten paar Krümel von dem, was ich vorher aufgefüllt hatte und verschwand danach die Treppe hoch, vermutlich ins Büro auf den Schrank neben dem Fenster, ihren heimlichen Lieblingsplatz. Dafür kam Jonas runter und setzte sich zu mir. „Machen wir morgen einen Ausflug?“ „Wohin willst du denn bei dem Hundewetter?“ „Ich dachte, wir könnten mit Lily nach Bristol ins Aquarium gehen.“ „Noch mehr Wasser?“, stöhnte ich scherzhaft. Aber eigentlich fand ich es eine gute Idee, nur – „aber ich muss morgen noch so viel erledigen…“ „Genau darum möchte ich ja, dass du eine Auszeit nimmst. Bald fängt der Weihnachtsstress an, und du hast in letzter Zeit non stop gearbeitet. Ich habe bereits mit den Pflegern gesprochen, Lisa schaut, dass alles läuft.“ Ich kuschelte mich dankbar an ihn und gab ihm einen Kuss.

      „Occu, komm endlich!“, rief Lily ungeduldig. „Ja, gleich!“ Ich hastete zu Odyns Box und wechselte rasch dessen Decke zu einer leichteren Stalldecke. Dann sah ich bei Cool Cat rein und stellte fest, dass er ebenfalls noch die schwere Decke trug. „Moment noch!“ „Occu!!“ „Lass Ajith seine Arbeit machen und komm jetzt“, meldete sich nun auch Jonas. „Aber ich muss noch schnell Kaytharas Bein mit Lehm einstreichen! Und Riptide hat auch noch eine kleine Schramme auf der Schulter die ich gestern gesehen habe!“ „Das machen die Pfleger. Sie sind alle informiert. Es wird alles klappen, wirklich.“ Mit einem Seufzen gab ich auf. „Na schön. Aber wehe ich komme zurück und hier herrscht Chaos!“ „So ist’s gut“, meinte Jonas zufrieden lächelnd, und empfing mich, den Arm um meine Schulter legend. „Für alle Pferde ist gesorgt. Du kannst unseren Ausflug in vollen Zügen geniessen.“ „Meinst du?“ „Klar.“ Ich lehnte meinen Kopf an seinen und zwang mich zu einem Lächeln. Lily zog an meiner Hand. „Das Aquarium schliesst um fünf Uhr!“ „Es ist erst zehn Uhr, little Miss Adams.“ „Trotzdem!“ Jonas und ich lachten. Dann liefen wir gemeinsam zum Parkplatz.

      Zoogymkhana
      März 2020, von Occulta
      River’s Lychee, Fake my Destiny, Yoomee, PFS’ Shadows of the Past, PFS’ Skydive, Silverangel, scs Sugar and Sweets, Cinnemont’s History, PFS’ Rune, PFS’ Faro, Feline, Compliment, PFS’ Simply Priceless, PFS’ Cupid, PFS' Snap in Style, PFS’ Stop Making Sense, PFS’ Vivo Capoeira, PFS’ Dahu, Lindwedel

      Die zärtlichen Sonnenstrahlen, die sich durch das Blätterdach über mir wagten, vermochten mich kaum zu wärmen. Ich hatte die Aussentemperaturen ein wenig überschätzt und zog nun die Konsequenzen daraus - ohne Jacke. Wenigstens hatte Lily ihren Faserpelz. Schon tragisch, normalerweise ist es doch umgekehrt und die Kinder ziehen sich unpassend an? Mir wurde etwas wärmer, als wir niemand geringeren als Thairu aus dem Anhänger holten und damit sofort alle Blicke auf uns zogen. "Wow, they did a great job painting that pony like a zebra..." Ich schmunzelte, als ich die Leute tuscheln hörte. "How did they do the ears, though?" "Even the tail, look!" Es dauerte eine Weile, bis sich jemand traute, uns anzusprechen. Als es soweit war, bestätigte ich stolz: "Yes, this actually IS a zebra." "It kinda feels like cheating though", bemerkte Jonas mit verschränkten Armen. "Weren't we supposed to make a costume, instead of bringing the real deal?" "Sie haben bloss gesagt, das Thema sei Zootiere", stellte ich fest. Lily war zu beschäftigt damit, dem Zebra die Gamaschen anzulegen und die übrige Ausrüstung zusammenzustellen, um mitzureden. Sie wollte, dass alles perfekt war. Sheridan und Ruth nahmen's etwas ruhiger; sie liessen sich beim Satteln Zeit und plauderten, während Lychee und Yoomee relaxt neben dem Transporter standen. Ich verschränkte fröstelnd die Arme und sah zu, wie meine Nichte den Sattel auf dem Zebrarücken platzierte. Sie befestigte den Schweifriemen, den Thairu brauchte - sonst rutschte der Sattel aufgrund des geringen Widerrists hoffnungslos nach vorne. Es war sowieso schwierig gewesen, ein passendes Modell zu finden. Aber mit dem jetztigen war ich ziemlich zufrieden, jedenfalls schien das Zebra damit entspannt zu laufen. Ich warf einen Kontrollblick auf die drei Ponys, beziehungsweise Equiden, dann begaben wir uns gemeinsam zum Abreitplatz. Ruth trug ein Pinguinkostüm, Sheridan war als Giraffe unterwegs - passend dazu hatten wir versucht, Yoomee ein Muster ins Fell zu scheren. Es sah aber nicht ganz so toll aus wie gedacht, deshalb wollten wir es später rausscheren und die Stute komplett nackig machen. Lily trug übrigens einen Löwenanzug, was auf Thairus Rücken ziemlich komisch aussah. Die drei seltsamen Paare stellten sich in einen Halbkreis neben mich und wir analysierten gemeinsam nochmal den Parcours. Sie hatten ihn bereits besichtigt, aber es schadete nicht, sich nochmal im Voraus Lösungswege zu überlegen. Es hatte soziemlich alles dabei; ein Tor, einen Eier-Balancier-Slalom, eine Matratze, ein imposantes Flattertor, einen Schlitten mit einem Plüschkamel darauf zum ziehen, einen Posten mit Bällen zum werfen und ein Rätsel mit farbigen Karten, die man transportieren und anschliessend richtig anordnen musste. Lily machte sich etwas Sorgen um das Plüschkamel - Thairu mochte es nicht sonderlich, Dinge hinter sich herzuziehen. Ich redete ihr Mut zu und schickte alle drei zum Aufwärmen auf den Sandplatz. Belustigt stellte ich fest, dass viele neugierige Augen das Zebra verfolgten und gespannt beobachteten, wie es sich reiten liess. Thairu benahm sich zu meinem Entzücken wie eine Musterschülerin und trabte genauso wie die übrigen Ponys auf dem Hufschlag. Sie trat zwar nicht so schön ans Gebiss wie Yoomee und Lychee, aber es sah einigermassen locker aus.
      Lilys Durchgang verlief mittelmässig. Ich hatte das Gefühl, dass beide, Zebra und Reiterin, ein wenig zu nervös gewesen waren, um ihr volles Können zu beweisen. Lustigerweise war der Schlitten dann doch einer der Posten gewesen, die ihnen am Ende die meisten Punkte eingebracht hatten. Sheridan machte den hervorragenden vierten Platz und Ruth wurde mit Lychee Siebte. Lily endete auf Platz 32 von insgesamt 45 Teilnehmenden. Natürlich versuchte sie, gleichgültig zu wirken, aber ich wusste nur zu gut, dass sie enttäuscht war. Einen Trost gab es jedoch: die Jury fand die Kombination von Löwe und Zebra so lustig, dass meine Nichte den Sonderpreis für das beste Kostüm erhielt. Ich war froh, sie beim Verladen der Ponys doch noch mit einem stolzen Strahlen im Gesicht zu sehen.

      Wir fuhren nachhause und versorgten die drei Equiden, ehe wir uns eine Tasse Tee gönnten. Die Sonne schien frühlingshaft inmitten eines fluffig bewölkten Himmels. Immer mal wieder warfen die vorbeiziehenden Wolken einen Schatten über die Felder, und dann wurde es jeweils kurz frisch - doch sobald die Sonne wieder dahinter hervorkam, konnte man ohne zu schlottern im Pullover draussen stehen. Als wir unseren Tee fertig getrunken hatten, brachte ich zusammen mit Ajith ein paar der Vollblüter raus auf die Weide. Der Boden war zwar noch immer vollgesogen wie ein Schwamm, aber ich konnte ihnen ja nicht die ganze Zeit Boxenknast zumuten. Wir holten eine Hengstgruppe raus, bestehend aus Compliment, Cupid, Snap, Mambo, Capoeira und eigentlich Simply, aber irgendwie machte der Cryptic-Sohn einen seltsamen Eindruck auf mich. Er stand desinteressiert in einer Ecke seiner Box - das war alles andere als üblich für ihn. Ich versuchte ihn zu locken, aber er reagierte nicht. Sofort rief ich Ajith herbei und fragte, ob ihm etwas Ungewöhnliches aufgefallen sei. Als er verneinte, holten wir den jungen Schecken aus seiner Box und sahen ihn uns genauer an. Er wirkte lustlos, atmete irgendwie seltsam und hatte ein wenig feuchtes Fell am Hals. Ich beschloss, seine Temperatur zu messen und holte das Thermometer. Es zeigte tatsächlich einen erhöhten Wert an. "Okay, I call the vet, you keep an eye on him", beschloss ich umgehend. Der Tierarzt liess nicht lange auf sich warten. Besorgt sah ich zu, wie er die Atemgeräusche des jungen Hengstes abhörte. "I think he may have caught a respiratory desease. We need to find out if it is bacterial or a virus. I'll give him some antibiotics and vitamins to stabilize him until we know more. Would you like to keep him here or take him to the clinic?" "I think it would be better if you take him - you can react quicker if something is off and you know what to look for..." "Alright. Don't worry, we'll make him fit again." Ich nickte nur, mein ungutes Bauchgefühl verdrängend.
      "Hast du Pferde, hast du Sorgen." Jonas sah mich mitfühlend an. Ich sippte abwesend an meinem Tee. Es war für mich immer schlimm, wenn es einem Pferd nicht gut ging. Ich grübelte dann jeweils tagelang, obwohl dad nichts an der Siuation änderte. Um mich abzulenken, beschloss ich zur Stutenweide zu gehen und mit den Fohlen zu spielen. Was gibt es aufheiternderes als das? Schon allein der Anblick von klein Dahu, wie sie ihre drahtigen, langen Beine verrenkte um mit der Schnauze an die obersten, im Moment etwas kurzen Grasspitzen zu kommen, blies all meine Sorgen weg und zwang mich zu einem Lächeln. Aber auch das jüngste Fohlen, Felines Sohn namens Faro, war zuckersüss zu beobachten. Er stand noch viel näher bei seiner Mama und machte den Eindruck, als sei ihm die ganze Welt noch etwas zu viel. Er beäugte mich misstrauisch, als ich näher kam. Aber zum Glück war Mama Feline so menschenfreundlich und offen, dass er ihrem Vorbild folgend rasch auftaute und sich getraute, an meiner Hand zu schlecken. Trotzdem war das zweitjüngste Fohlen, die kleine Rune, bei weitem vorwitziger. Sie war die Tochter von Cinni und einem Hengst namens Feuervogel, der einer guten Kollegin gehörte. Das Fuchsstütlein mit den feinen Stichelhaaren, die auf Varnish Roan hindeuteten, nuckelte frech an meinem Ärmel. Zum Glück hatte sie noch keine Zähne. Im Moment war es noch süss und harmlos, aber es war klar, dass ich sie später zurechtweisen würde, wenn sie älter war.

      Es dunkelte langsam ein und die einzelnen Wolken wurden zu einer dichten grauen Decke, die sich zwischen den bunten Himmel und die Wiesen Englands drängte. Ich spielte mit Zira, Jacky und Lily hinter dem Haus, solange, bis es zu dunkel wurde, um den Ball zu sehen. Sheela war mit Jonas unterwegs auf einem Ausritt, sonst wäre unser Spiel wohl noch etwas ruppiger geworden. Einmal meinte ich Moya in den Schatten der Büsche durchschleichen zu sehen. Jedenfalls sah es nach einem buschigen Schwanz aus. Sie hätte sich aber niemals näher getraut, solange die Hunde so herumtobten. Ich versuchte sie deshalb gar nicht erst zu locken. Es wurde Zeit für Lilys Reitstunde mit Fake. Auch Sheridan, Lea, Suri und Ruth machten mit - es war unser Samstag-Abend-Training. Während die Mädchen die Ponys putzten, verräumte ich Ausrüstung und Putzsachen, die noch herumlagen. Es wird Zeit für einen Frühlingsputz, beschloss ich innerlich, als ich den Staub auf den Spinden betrachtete und mit dem Finger darüberstrich. Als meine Nichte und ihre Kolleginnen in der Halle bereitstanden, gab ich den fünf eine anspruchsvolle Springstunde, mit vielen gebrochenen Linien. Fake war so praktisch was das anging: die Hackneystute war sehr wendig und flink, und sie sprang aus beinahe jedem Winkel ab, weil sie den nötigen Mut hatte. Trotzdem musste Lily sie gewissenhaft an die Hindernisse heranreiten, denn sie neigte dazu, zu früh abzuspringen und flach zu werden. Bis 80 Zentimeter war das kein Problem, aber in höheren Klassen war die junge Reiterin gefordert. Lea ritt heute zum ersten Mal auf Skydive mit. Der Ponyhengst war noch kaum eingesprungen und musste daher nur die einfachsten Hindernisse bewältigen – überwiegend Kreuzchen und niedrige Steilsprünge. Er hatte ein wenig Mühe mit den Galoppwechseln zwischen Hindernissen, was mich nicht verwunderte. Er war ja noch nicht richtig ausbalanciert. Aber Lea achtete darauf, ihn schön gerade an die Hindernisse heranzuführen und half ihm so gut sie konnte. Ich war sehr zufrieden mit der Einwirkung der jungen Reiterin. Nicht einmal die gelegentlichen eifersüchtigen Blicke von Lily vermochten sie aus der Ruhe zu bringen. Lily wusste selbst, dass Lea ein wenig mehr Erfahrung, insbesondere mit Ponyhengsten, hatte. Immerhin durfte Lily Sky inzwischen auf Ausritten und auch schon zwischendurch in der Dressurstunde reiten. Und das Springen würde folgen, sobald das Pony genug Selbstvertrauen im Hinblick auf die bunten Stangen hatte. Sheridan ritt auf Silver. Die Grullostute war wie immer unkompliziert und zuverlässig. Sie zeigte ein gewisses Temperament unter der ebenfalls eher actionliebenden Reiterin, löste aber dennoch alle Kombinationen mit Konzentration und der nötigen Vorsicht. Ich war sehr gespannt auf die kommende Turniersaison der beiden und wollte sie weiterhin als Team fördern. Ebenso wie Ruth und Shira, in die wir aufgrund ihrer Abstammung besondere Hoffnung steckten. Suri musste noch viel lernen und war noch selber damit beschäftigt, ihre Balance zu finden. Sweets war nicht immer das einfachste Lehrpony, aber ich fand, dass die beiden gut zusammenpassten und so wurde Suri von Anfang an sattelfest. Ich fand es schade, dass das indische Mädchen nicht öfter in die Reitstunden kommen konnte, aber ihre Eltern waren nach wie vor zurückhaltend, wenn es um die Ponyreit-Karriere ihrer Tochter ging. Und seit Lindwedel weg war, hatte sie auch ein wenig von ihrer eigenen Motivation verloren, wie mir schien. Die Reitstunde war ruckzuck vorbei, denn wir waren alle so konzentriert bei der Sache, dass die Uhr förmlich zu rennen schien. Ich liess die Mädchen gründlich trockenreiten und half ihnen beim Wegräumen der Ponys. Skydive sah zufrieden aber müde aus – für ihn war es eben noch deutlich anstrengender, so lange zu arbeiten. Lily sah ganz am Schluss noch bei ihm vorbei und gab ihm eine zusätzliche Karotte. Ich fand es toll, dass sie solche Freude an dem jungen Hengst hatte.

      Unter Vierbeinern
      Juli 2020, von Occulta
      Compliment, PFS’ Captured in Time, tc Miss Moneypenny, Primo Victoria, Subsyndromal Symptomatic Depression, PFS’ Counterfire, PFS’ Sciaphobia, PFS’ Challenging Time, PFS’ Call it Karma, PFS’ Whirlwind, Areion, Diarado, Vychahr, Flintstone, PFS’ Bacardi Limited, PFS’ Navy Sniper, PFS’ Skydive, Brendtwood, Halluzination, PFS’ Ravissante, Cambria, Yoomee, Cinnemont’s History, Silverangel, Fake my Destiny, scs Sugar and Sweets, scs Bluebell, PFS’ Shadows of the Past, Nimué, Chanda, Feline, Lovely Summertime, PFS’ Ljúfa, Scooter, PFS’ Reverie, PFS’ Soñando Solas, PFS’ First Chant, PFS’ Clooney, PFS’ Karat, Louvré, PFS’ Lyskra, PFS’ Murphy’s Law, PFS’ Global Riot, PFS’ Pinot Noir, PFS’ Dahu, PFS’ Baila, PFS’ Rune, PFS’ Faro, PFS’ Charivari, HMJ Honesty

      Der Morgen begann vielversprechend. Das Training der ersten Vollblüter brachte einen neuen Bahnrekord bei den Vierjährigen, natürlich wie erwartet von Couterfire. Die Fuchsstute hatte ihre eigene Bestzeit von vor zwei Wochen geknackt und gleichzeitig auch die aller unserer bisherigen Vierjährigen auf der hauseigenen Grasbahn. Ich war unglaublich stolz, als sie, noch immer schnaufend, zurück zum Hauptstall kam. Sofort half ich Quinn, indem ich die Stute hielt, während sie vom Rücken sprang, den Gurt löste und die Bügel hochschob. Sobald der Sattel weg war, führte ich Counterfire noch einen Moment herum, bis sich ihre Atmung normalisiert hatte. Dann brachte ich sie zum Waschplatz und spülte den ganzen Schweiss ab. Anschliessend kam sie mit einer Abschwitzdecke in die Führmaschine. Dasselbe machten wir auch mit Dolly, Compliment und den anderen Vierjährigen. Compliment war beim Waschen zappeliger als sonst. Ajith beeilte sich deshalb, damit der junge Hengst nicht zu lange stillstehen musste. Es hatte keinen Sinn, ihn zu massregeln, denn er war nunmal noch aufgedreht vom Training. In der Führmaschine beruhigte er sich aber rasch und lief nach wenigen Augenblicken brav mit dem Gitter vor ihm mit. Ich hatte während des Trainings der Vierjährigen noch Primo verräumt, die ich zuvor selber galoppiert hatte. Die Ikarus-Tochter war gut in Form und zeigte eine stabile Leistung im Training, nicht wie Ciela, die im Moment sehr Launisch schien. Penny war in letzter Zeit ebenfalls nicht ganz auf der Höhe gewesen, aber das hatte damit zu tun, dass sie auf der Weide einen Tritt von Primo kassiert hatte. Ihr Sprunggelenk hinten war ein paar Tage geschwollen gewesen, aber der Tierarzt hatte Entwarnung gegeben und sie war nie Lahm gelaufen. Ich wollte Primo demnächst wieder an ein Rennen anmelden, aber im Moment konzentrierte ich mich ganz besonders auf den dreijährigen Nachwuchs. Karma, Indy und Saphi hatten dieses Wochenende Renntag; heute stand deshalb ein letztes Mal vor dem Rennen intensives Kopf-an-Kopf Training auf dem Plan. Ich übernahm Karma, gleich nachdem wir uns um Counterfire gekümmert hatten. Die grossgewachsene Stute war schon beim Satteln ungeduldig, und auch beim Aufsteigen wurde es nicht besser. Ajith musste mir quasi im Mitlaufen hoch helfen. Ich führte die Gruppe zum Galoppweg an und gab somit auch das Trabtempo unter den Tannen an. Erst nach einer ganzen Runde Trab wechselten wir auf die Grasbahn. Damit der empflindliche Rasen nicht immer an denselben Stellen beansprucht wurde, achteten wir stets darauf, uns gut zu verteilen. Trotzdem war so eine Grasbahn natürlich ziemlich aufwändig instand zu halten. Wir mussten andauernd Löcher Flicken und besonders im Sommer darauf achten, dass das Gras genügend bewässert wurde. Bei anhaltendem Regen oder Bodenfrost im Winter konnten wir die Bahn nicht benutzen und mussten die Pferde entweder anderweitig trainieren oder auswärts auf eine Sandbahn ausweichen. Trotzdem war ich zufrieden mit der Grasbahn, denn sie war schonender für die Pferdebeine und die Vierbeiner mochten sie auch lieber als Sand. Ausserdem waren ohnehin viele der Rennen in England auf Turf. Ich hielt Karma am Anfang zurück, sodass sie gespannt wie eine Bogensehne wurde und zwischendurch frustriert grunzte. Ich ignorierte ihr Getue und wartete, bis die anderen beiden uns eingeholt hatten. Dann liessen wir die drei Stuten ausstrecken. Sie bretterten rhythmisch über den Rasen, bis wir die 1000 Meter Markierung erreicht hatten und uns in den Sätteln aufrichteten. Karma hatte die Nase vorne gehabt. Die Stute hatte durch ihre Grösse einen Vorteil. Oliver und ich waren aber mit der Leistung aller drei Stuten zufrieden. Ich liess Karma austraben, ritt sie gründlich Schritt zum auskühlen und duschte sie anschliessend wiederum ab. Oliver kam auf mich zu, als ich sie in die Führanlage brachte. „I talked to Rick yesterday; he raved over his new water treadmill. Many trainers use them these days.” “Yeah, I read about it, too. Sound pretty darn cool, for sure…”, meinte ich nachdenklich. “You think it is worth considering?“, fragte er unauffällig. „I’d have to create a budget, and think of a place to build such a thing.” “It depends whether you want a round version, like the walker, or just a small treadmill - or a straigt channel.” “I think it would be best to have something straight, where they don’t have to bend. But I don’t like the treadmills, they make even me claustrophobic. I think I’d prefer a channel, then we could also use it for several horses at the same time.” “Good thought. Should I ask around what the other trainers have in their backyards?” “That would be helpful, yes.” Ich hatte schon länger mit dem Gedanken gespielt, eine Art Aquatrainer zu bauen. Natürlich war es eher ein Luxus und keine Notwendigkeit, aber ich fand es eine nette Abwechslung für die Pferde, und richtig eingesetzt war ich sicher, dass es auch durchaus seinen Nutzen haben konnte.

      Nach einer kleinen Teepause kümmerte ich mich um die Ausbildung von Karat. Der Fuchshengst machte sich hervorragend unter dem Sattel. Er war ein fleissiger Schüler, und abgesehen von ein paar schlechten Tagen auch sehr angenehm zu reiten. Nur zwischendurch hatte er seinen eigenen Kopf und konnte dann auch ein wenig ‚bockig‘ werden. Er war wie ein kleines Kind, das eigentlich alles richtig machen wollte, aber sich manchmal selber im Weg stand. Alles in allem machte es grossen Spass, ihm die Welt zu erklären. Beim Putzen spielte er heute gelangweilt mit dem Anbindeseil und verscheuchte zwischendurch überdeutlich all jene Fliegen, die es wagten, sich an seinen fuchsfarbenen Bauch zu verirren. „Vonwegen Bauch – der ist ganz schön rund. Du musst deinen Babyspeck loswerden“, murmelte ich liebevoll, während ich seinen Hals entstaubte. Die kleinen Staubwolken, die sich dabei bildeten, drohten gleich wieder auf seinem Fell zu landen, denn die Fenster des Nordstalls waren alle offen und draussen windete es zunehmend. Ich drehte Karat daher kurzerhand um, sodass der Wind den Staub wegblies. Nachdem ich auch die Hufe ausgekratzt hatte, sattelte ich ihn und führte ihn anschliessend auf den Reitplatz. Es war erst neun Uhr morgens, aber am Horizont zogen dunkle Wolken auf, so dass fast schon eine Art Abendstimmung aufkam. Ich betrachtete die Wolken skeptisch, beschloss aber, dass wir rechtzeitig vor dem Regen fertig sein würden. Durch den Wind war Karat etwas aufgeregter als sonst. Er schritt zügig über den Sand und glotzte in der Gegen herum. Solange wir beim Aufwärmen waren, liess ich ihn machen. Aber sobald ich die Zügel aufnahm, verlangte ich Konzentration von ihm. Karat lief diesmal auch in den höheren Gangarten etwas spannig und übereifrig. Verständlich, nach dem erneuten Temperatursturz von letzter Nacht. Ich machte das Beste daraus und verlangte vorwiegend Lektionen und Figuren, die bremsend wirkten. So zum Beispiel kleine Volten in korrekter Biegung. Am Ende schnaubte Karat jedenfalls zufrieden ab und hob den Rücken schön an. Es begann zu tropfen, also beeilte ich mich mit dem Austraben und ritt dann direkt zum Nordstall zurück. Wir konnten uns gerade noch rechtzeitig unter das Dach zwischen dem Nordstall und dem Neubau retten, dann begann es wie aus Eimern zu schütten. Ich klopfte Karat beruhigend auf die Schulter, als er wegen des lauten Prasselns des Regens auf dem Dach laut schnaufte und den Hals aufrichtete. Lisa und Jason kamen mit den beiden Reitponys Bacardi und Sniper angejoggt. Ich machte ihnen Platz. Sie hatten Pech gehabt und waren nun tropfnass. Bacardi und Karat streckten unbemerkt die Köpfe zusammen und quietschten scharf auf. Ich stellte mich so nebenbei dazwischen und fragte Jason, ob er mit Sniper auch Galoppwechsel geübt hatte. Er bejahte und ich gab ihm ein zufriedenes Daumen-Hoch. Wir warteten ein paar Sekunden, dann hasteten wir ins Innere des Nordstalls. Dort versorgte ich Karat und reichte den beiden Pflegern dann zwei Frottéetücher aus dem Schrank, damit sie sich selbst und die Sättel abtrocknen konnten. „You think they need a rug?“, fragte Jason. „No, it‘s warm enough. No need to pamper them unnecessarily.” Der Regen liess nicht nach, inzwischen hagelte es sogar zeitweise. Ich beschloss, mit Flint weiterzumachen, anstatt in den Nebenstall zu wechseln. Ich hatte die Hoffnung, dass das Gröbste vorüber sein würde, wenn ich ihn fertig geputzt hatte. Der Paint Hengst begrüsste mich mit einem leisen Brummeln. Ich streifte das Halfter über seine rosa Schnauze und band ihn in der Stallgasse an. Lisa hatte das Licht angelassen, weil es draussen so apokalyptisch dunkel war. Ich begann mit dem Gummistriegel und arbeitete mich mit kreisförmigen Bewegungen über den gesamten Rücken und Hals des Hengstes. Er spitzte genüsslich die Lippen und lehnte sein Hinterteil leicht gegen mich. Sein kurzes Sommerfell war pflegeleicht. Den wenigen Staub, der sich darin gesammelt hatte, konnte ich einfach mit der Bürste wegwischen. Danach schimmerten die wenigen dunklen Flecken des Hengstes wieder, und die weissen glänzten ebenfalls ein wenig im Licht der Lampen. Ich holte einen feuchten Schwamm und wusch dem Hengst die Nüstern – Zeit hatte ich mehr als genug, denn der Sturm wütete noch immer. Im Anschluss ölte ich noch gleich die Hufe ein, schnipselte ein wenig an Flints Mäne herum und massierte den Paint Hengst. Ich hatte keine Massage-Ausbildung oder so, aber ich beobachtete sehr genau, wie er auf die verschiedenen Druckpunkte reagierte und passte meine Bewegungen entsprechend an. Jedenfalls machte ich irgendetwas richtig, denn schon nach wenigen Griffen senkte er den Kopf und hing entspannt in den Anbindeseilen. Endlich wurde das Trommeln auf dem Dach sanfter und auch das gelegentliche Donnern von zuvor immer seltener. Ich wagte zusammen mit Lisa einen hoffnungsvollen Blick aus dem Tor. Wir waren uns einig und holten die Pferde; sie hatte nämlich inzwischen Vychahr geputzt. „Mit Woody hätte es gar keinen Sinn, jetzt vernünftig arbeiten zu wollen. Der könnte sich sowieso nicht konzentrieren bei dem Wetter. Ich will heute unbedingt an den Galoppübergängen arbeiten, er braucht dafür immernoch zu lange“, erklärte sie mir beim Zäumen. Wir führten die beiden Hengste zum Tor, zählten bis drei und joggten dann durch den nachlassenden Regen zur Halle. Ich ritt mit Flint diverse Reining-Lektionen, einfach zum Spass und als Abwechslung von den strengen Pleasure- und Horsemanship-Patterns, die wir sonst übten. Ihm machte es anscheinend auch Spass, denn er wurde mit der Zeit etwas übermütig, sodass ich wieder ruhigere Lektionen abfragte und am Ende besonders Schulterherein übte. Vor dem Mittag bewegte ich anschliessend noch Halluzination. Ich liess sie einen einfachen Trainingsparcours springen – just for fun. Sie war so erfahren im Springen, dass es keinen Sinn machte, noch regelmässig mit ihr an der Technik zu feilen. Stattdessen konzentrierten wir uns auf die Motivation und die Erhaltung ihrer Muskulatur. Ich war zufrieden mit ihrer Leistung und sie schien eifrig mitzumachen, obwohl sie beim Putzen etwas herumgezickt hatte. Darren und Diarado übernahmen den Parcours gleich nach uns in ähnlicher Manier, während ich Hallu verräumte und anschliessend Mittagessen kochen ging. Lily hatte am Nachmittag Schulfrei, also konnten wir gleich nach dem Essen zusammen ausreiten gehen. Wir nahmen mit Areion und Reverie die Route zum Fluss. Der jungen Stute tat es gut, so viel wie möglich rauszukommen. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass sie mich etwas veräppelte. Zum Beispiel scheute sie auch diesmal wieder vor der Holzbrücke, obwohl wir diese mittlerweile bestimmt schon zwanzig Mal überquert hatten, und es die letzten Dreimal kein Problem gewesen war. Ich begegnete der jungen Stute jedoch trotz allem mit der nötigen Geduld und erklärte ihr erneut, dass die Planken stabil genug waren. Am Ende glaubte sie es mir unter anderem Dank Areion, der brav vorausging. Lily und ich plauderten über die letzten paar Turniere, besonders aber über Ravissantes hervorragenden zweiten Platz im Synchronspringen mit einer Warmblutstute namens Maleficient. Sie machte sich langsam wirklich gut als Springpferd, wobei unser Hauptziel aber noch immer Military war. „Und wann reitest du Solas, Clooney und Chia endlich ein?“, fragte Lily frech. „Bald. Im Moment habe ich zu viel andere Baustellen, ausserdem eilt es nicht. Es reicht, dass wir Chime dieses Wochenende in den Hauptstall bringen. Bin gespannt, wie sie sich unter dem Sattel machen wird.“ „Ich auch.“ Chime sah so gut aus wie noch nie. Sie war nachwievor dünn, aber sie hatte einen Wachstumsschub hinter sich und besonders ihre Brust war etwas breiter geworden. Es sprach auch laut Tierärztlicher Abcheckung nichts dagegen, sie nun schohnend auszubilden. Ob ich sie auf die Rennbahn lassen wollte, wusste ich jedoch noch nicht so genau. Es kam ganz darauf an, wie sie die ersten Trainings vertrug.

      Nachdem wir zurück auf dem Hof waren, ging ich gleich erneut mit einer Gruppe auf einen Ausritt – diesmal eine ganze Horde Reitponys. Lea, Ruth, Sheridan und Alec, Angelinas Sohn, kamen mit Silver, Sweets, Bluebell und Cinni mit. Ausserdem waren Lily und Suri mit Skydive und Scoot dabei. Ich selber ritt Shira. Scoot zockelte brav neben Skydive her, doch der Schein trügte: das Pony hatte es faustdick hinter den Ohren. Während sie in der Halle meistens willig mitmachte und sich benahm, zeigte sie draussen oft etwas mehr Leben und war im Galopp mit Suri sogar schon zweimal durchgebrannt. Deshalb trug Suri mittlerweile auch einen Rückenprotektor – Anweisung ihres Vaters. Ich war zuversichtlich, dass das Mädchen bald lernen würde, ihr Pony besser zu kontrollieren. Die beiden mussten sich nur zuerst finden und zu einem Team werden. Angst schien Suri nicht zu haben, oder sie liess es sich nicht anmerken. Lily unterstützte sie tatkräftig; die beiden verbrachten oft ganze Abende nach der Schule bei den Ponys und ich hatte sie sogar schon bei zusätzlichen Balanceübungen, zum Beispiel über Trabstangen, erwischt. Ich musste dann jeweils über den jugendlichen Enthusiasmus schmunzeln. Wir liessen es uns nicht nehmen, die Pferde zum Flussufer zu reiten und kurz bis zu den Karpalgelenken ins Wasser zu waten. In der Gruppe gingen auch alle ohne übermässiges Zögern mit hinein. Sweets stampfte und spritzte alle um sie herum nass. Nach unserer Rückkehr kümmerte ich mich noch um Yoomee. Ich longierte die Stute im Roundpen, wobei ich versuchte, unsere gemeinsame Körpersprache weiter zu verfeinern. Lisa ritt mit Nimué vorbei – sie war auf dem Weg zur Galoppwiese. Ich wünschte ihr einen schönen Ritt. Mir fiel auf, dass bei den Fohlen Unruhe herrschte, also unterbrach ich die Arbeit mit Yoomee kurz, um Lewis zu holen. Erst, als wir bei den Weiden ankamen, wurde klar, was die Ursache war: Lyskra war ausgebüxt. Die Jährlingsstute hatte wohl irgendwie das Weidetor geöffnet, oder jemand hatte es offengelassen – jedenfalls war sie auf der falschen Seite des Zauns. Erstaunlicherweise hatten Chime, Charivari und Chia ihre Chance nicht gepackt und waren im Inneren der Weide geblieben. Die Junghengste sahen gespannt zu, wie wir die Isländerstute wieder einfingen – zuvorderst Louvi, der sogar einmal laut wieherte. Drüben auf der Stutenweide schien die Vorführung ebenfalls Anklang zu finden. Viele neugierige Pferdeköpfe drängten sich an den Zaun. „Man könnte meinen, euch allen sei langweilig“, murmelte ich kopfschüttelnd. Die jungen Fohlen schienen weniger interessiert. Baila, Pinot, Riot und Rune lagen allesamt im Gras und dösten. Einzig Dahu stand neben ihrer Mutter glotzend am Zaun. Murphy konnte ich auf den ersten Blick gar nicht sehen, aber dann bemerkte ich einen fuchsfarbenen Fohlenschweif und ein paar lange Stelzenbeine hinter Chanda. Seine eigentliche Mama graste etwas abseits. Faro und Feline waren im hintersten Teil der Weide mit Grasen beschäftigt. Sobald Lyskra wieder sicher hinter dem Zaun war, konnte ich mich wieder Yoomee widmen, die inzwischen ein Sandbad im Roundpen genommen hatte.

      HMJ Honesty war heute ein kleiner Wildfang. Wir hatten den ersten schlechten Tag seit langem, und es ging so weit, dass sie mich herunterbockte. Ich liess mich davon nicht entmutigen, denn Rückschritte gehörten nunmal mit zum Training. Aber ich beschloss, die nächsten paar Tage wieder etwas mehr an den Grundlagen zu arbeiten, denn ich vermutete, sie mit der heutigen Aufgabe ein wenig überfordert zu haben. Ich hatte ein paar Gymkhana Gegenstände aufgestellt, darunter die Blache, die sie so schrecklich unheimlich fand. Ich führte sie nach meinem Sturz vom Boden aus darüber, ehe ich noch einmal aufstieg und sie darüberritt. Danach liess ich es gutsein und lobte sie. Ich wollte mit einem guten Erlebnis aufhören.

      Gegen Abend gab ich Lily, Robin und Lea Reitstunde, auf Fake, Cambria und Ljúfa. Danach musste ich nur noch Summertime bewegen, bevor ich für heute Feierabend hatte. Für sie holte ich tatsächlich nochmal ein paar Trabstangen und Cavaletti hervor, damit wir ein paar Trail Übungen machen konnten. Am Ende des Tages liess ich mich erschöpft aber glücklich in meine Hängematte im Garten fallen. Jonas kam zu mir und gab mir einen Kuss. Ich zog ihn näher heran, bis er sich ebenfalls vorsichtig in die Hängematte setzte. Zum Glück hielt sie, sodass wir ungestört kuscheln und den Abend geniessen konnten, während Lily mit Kafka auf dem Rasen ein Feder-Angelruten-Spiel spielte.
    • Veija
      Nachtrag: Jubiläumsturnier auf dem Gestüt von der Nordwacht
      Yoomee, PFS‘ Skydive, PFS‘ Navy Sniper, Vychahr, Estragon Sky, Tayr al-Diyari, Spotted Timeout
      Oktober 2020, von Occulta
      Im Spätsommer hatte ich eine Ausschreibung für ein Turnier einer alten Kollegin in Deutschland entdeckt, gerade noch rechtzeitig vor Anmeldeschluss. Nach kurzer Beratung mit den Pflegern war klar gewesen: wir wollten mitmachen! Auch wenn das bedeutet hatte, dass wir die Pferde über den Ärmelkanal verfrachtet und eine insgesamt zehnstündige Fahrt auf uns genommen hatten. Der Transport war erstaunlich rasch geplant und organisiert gewesen. Wir waren mit einem gemieteten LKW gefahren, der den sieben ausgesuchten Pferden Platz geboten hatte. Dummerweise war Lily zwei Wochen zuvor von Areion gestürzt, als dieser im Gelände vor einem roten Handmäher gescheut hatte. Sie war dabei so unglücklich auf ihren rechten Arm gefallen, dass dieser gleich oberhalb des Handgelenks angebrochen gewesen war. Damit war sie für die Teilnahme am Turnier leider ausgeschieden, hatte aber natürlich dennoch darauf bestanden mitzukommen. Los ging’s für uns aufgrund der langen Reise bereits am Donnerstagmorgen. Hier ein paar Impressionen von diesem tollen, verlängerten Wochenende:

      Jonas fuhr bereits um sechs Uhr morgens mit dem blauen Ungetüm auf den Parkplatz, wobei ich ihn beim Wenden von aussen lotsen musste. Lea, Ruth und Lily blinzelten verschlafen und gähnten zwischendurch im Kanon. Ich schmunzelte bei dem Anblick. Die drei hatten eine kleine Sleep-Over Party in Lilys Zimmer veranstaltet, weil Ruth und Lea sonst in unmenschlicher Frühe mitsamt Gepäck auf den Hof hätten kommen müssen. Nur waren sie so natürlich viel länger wach geblieben als geplant. Damit sie nicht im Stehen einschliefen, schickte ich die drei Mädchen in die Sattelkammer, wo die vorbereitete Ausrüstung bereitlag. Rosie war noch nicht da – sie und ihr Araberhengst Tayr gehörten mit zu unserer Delegation. Ich machte mir aber keine Sorgen, denn sie war bisher noch jedes Mal pünktlich zur Stelle gewesen. Ihre Sachen hatte sie gestern schon vorbeigebracht. Wir brachten eifrig alle Sättel und sonstigen Ausrüstungsgegenstände in die eingebauten Sattelkammern des LKWs. Dann begannen wir mit dem Verladen der Pferde. Geputzt hatten wir sie bereits am Vorabend, und bis auf ein paar Strohhalme in den Schweifen waren sie auch sauber geblieben. Ich führte Spot als ersten rein. Der gesprenkelte Vollblüter folgte mir brav zur Rampe, inspizierte den unbekannten Transporter rasch mit den Nüstern und stieg dann mit raschen Tritten ein. Ich befestigte die Anbindekette an seinem Halfter und schloss dann die erste Trennwand. Als nächstes neben ihn kam Vychahr. Der Dunkelfuchs wurde von Lisa draussen im Kreis geführt, bis ich aus dem LKW hüpfte und den Weg freigab. Auch er war ein Veteran in Sachen Turniere und Transport, weshalb er ohne zu Zögern einstieg – als wäre er allzeit bereit für ein neues Abenteuer. Artemis war da schon etwas skeptischer. Er beäugte die Rampe misstrauisch und liess sich nur mit Hilfe einer Karotte und viel gutem Zuspruch ins Innere des blauen Ungetüms bewegen. Ich lobte ihn umso ausgiebiger, als er drinnen stand und nervös durch das Trenngitter die Nüstern mit Vychahr zusammensteckte. „It’s going to be alright buddy“, beschwichtigte ich den Schimmel. Die beiden Jungspunde Sniper und Sky brachten wir als nächstes. Für beide war es die erste derartig lange Reise, und Skydive hatte allgemein noch nicht viel Turnierluft geschnuppert. Trotzdem war ich zuversichtlich, dass die Ruhe der erfahreren Pferde auf die beiden abfärben würde, und ich sah es als ideale Gelegenheit um ihnen etwas beizubringen. Ausserdem war Sky ziemlich mutig und unkompliziert, solange er genug zu mampfen hatte. Deshalb hatten wir auch die Heunetze prall gefüllt und genügend Karotten dabei. Das letzte von unseren vierbeinigen Reittieren war Yoomee, die gerade von Lea gebracht wurde. Danach fehlte nur noch Tayr. „Wo bleibt sie?“, fragte ich Jonas, zunehmend besorgt. Normalerweise wäre Rosie längst aufgetaucht gewesen. „Mir hat sie auch nicht geschrieben oder so. Soll ich versuchen, sie anzurufen?“ „Ja, ich glaube das wäre besser…“, meinte ich dankbar. Rosie nahm jedoch nicht ab, und wir standen genauso ratlos da wie zuvor. Jonas sah auf seine Armbanduhr. „In einer Viertelstunde spätestens sollten wir fahren, sonst wird es knapp mit dem Eurotunnel.“ Ich verschränkte nachdenklich die Arme, schlenderte über den Rasen zwischen Hauptstall und Roundpen zum Kiesweg und sah von dort aus zu den Tannen rüber. Da entdeckte ich zwei vielversprechende Silhouetten. Rosie joggte mit Tayr im Schlepptau den Weg entlang und kam schliesslich ausser Atem bei uns an. „Sorry guys. For some reason I didn’t hear my alarm…“ “No problem. We’re still on schedule. Let’s get Tayr wrapped up.” Wir brachten den Hengst zum LKW und zogen ihm rasch die Transportgamaschen an. Zum Glück stieg auch der Araber gleich ein, sodass wir nur noch die Klappe schliessen und selber einsteigen mussten. Lily, Ruth und Lea beschäftigten sich während der Fahrt mit Kartenspielen im kleinen Wohnbereich des LKW. Beim Eurotunnel erwischten Jonas und ich fast die falsche Auffahrt auf den Zug – wir überquerten den Ärmelkanal zum erstenmal mit so einem grossen LKW. Schliesslich wurden wir aber glücklicherweise rechtzeitig von einem Arbeiter in die richtige Spur gelenkt. Wie Überfahrt dauerte nur etwas mehr als eine halbe Stunde, dann waren wir schon in Frankreich. Ich sah wie immer fasziniert aus dem Fenster und sog jedes Detail der fremden Landschaft entlang der Autobahn ein. Wenn im Radio gerade keine gute Musik kam, legte ich eine der mitgebrachten CDs ein. Den ersten Stopp legten wir nach vier Stunden an einer Raststätte ein. Wir luden die Pferde aus, liessen sie grasen und führten sie eine Runde um den Parkplatz, damit sowohl sie als auch wir die Beine strecken konnten. Nach einer halben Stunde setzten wir die Fahrt fort. In Deutschland holte uns eine Regenwolke ein, sodass wir den zweiten Stopp so lange wie möglich hinauszögerten. Nach weiteren dreieinhalb Stunden hatte ich jedoch das dringende Bedürftnis, mich doch wieder zu bewegen, also machten wir einen Regenspaziergang. Nass aber glücklich traten wir den letzten Abschnitt unserer Reise an, bis wir an der Nordküste Deutschlands ankamen. Wir fanden das Gestüt dank der Wegbeschreibung im Internet sofort. Gespannt setzte ich Fuss auf den Parkplatz und sah mich erstmal um. Jonas und ich begaben uns danach auf die Suche nach der Gestütsbesitzerin Isabel Neyer, während die anderen mit den Pferden warteten. Wir fanden sie auf einem zentral gelegenen Sandplatz, inmitten einer Trainingseinheit mit einem hübschen, dunkelbraunen Hengst. Sie begrüsste uns und nahm sich rasch Zeit uns alle wichtigen Infos durchzugeben, auch wenn diese bereits auf der Ausschreibung erwähnt worden waren. Sie zeigte uns ausserdem das Fleckchen auf dem wir unsere Zelte aufbauen und Paddocks für die Pferde abstecken durften. Sie hätte auch Gastboxen zur Verfügung gehabt, aber die Mädchen bestanden darauf, direkt neben den Ponys zu Zelten. Also richteten wir uns nach einiger Diskussion über den genauen Standort am Waldrand gemütlich ein. Beim Aufstellen des ersten Zeltes brauchten wir eine gefühlte Ewigkeit, weil sich niemand einig war, wie genau die Stangen durchgeschlauft werden mussten. Die beiden weiteren Zelte waren vergleichsweise rasch gebaut. Eines war für Jonas und mich, eines für die drei Mädchen und eines teilten sich Rosie und Lisa. Danach steckten wir die beiden Paddocks zur Hälfte zwischen den schattenspendenden Bäumen ab, wobei wir beim Hengst-Paddock natürlich Strom draufgeben mussten. Erst als alles sicher und stabil stand, holten wir die Pferde. Als zusätzliche Sicherheitsmassname installierten wir für die Hengste eine High-Line und banden sie alle in genügend Abstand daran fest. Ich rechnete zwar nicht damit, dass etwas passieren würde, aber ich wollte an diesem fremden Ort nichts riskieren. Die Stricke liessen wir lange genug zum grasen und andererseits gerade so, dass sie sich nicht zu sehr verheddern konnten. Zusätzliche Bewegungsmöglichkeit erreichten wir, indem wir den Bewegungsspielraum jedes einzelnen Hengstes durch Knoten in der High-Line definierten, zwischen denen die Stricke frei hin- und hergleiten konnten. Es war ein aufwendiges aber lohnenswertes System, dass ich auch schon oft auf Wanderritten eingesetzt hatte. Als wir mit allem fertig waren, wurde es bereits dunkel. Wir hatten unser Abendessen unterwegs auf einer Raststätte eingekauft, wurden aber eingeladen, mit den Besitzern und dem Personal des Gestüts zu essen. Dabei gab es bereits einen regen Austausch an Erfahrungen und Erlebnissen. Am Ende verliessen wir die frohe Runde aber frühzeitig, um für den nächsten Tag fit zu sein.

      Am Freitag hatte nur Lea einen Durchgang, nämlich im Reiterwettbewerb für Junioren. Die Disziplin war Dressur. Sie lieferte eine erstaunliche Vorlage: sie brillierte mit Yoomee in so ziemlich allen Aufgaben und landete prompt auf dem ersten Platz. Wir konnten es kaum fassen und feierten diesen ersten Erfolg mit einem Marshmellow-Lagerfeuer-Abend. Für Yoomee gab’s natürlich reichlich Leckerlis und Äpfel. Am Samstag hatte Ruth einen ähnlichen Wettbewerb, allerdings im Springen. Ausserdem nahm Lisa mit Sniper am Geländespringen teil. Erneut durften wir hocherfreut einen Sieg entgegennehmen: Ruth und Skydive legten eine unantastbare Zeit hin und blieben dabei auch noch fehlerfrei. Lily platzte vor Stolz fast, als „ihr“ Skydive mit der Siegerschleife geschmückt wurde. Lisa und Sniper verpassten im Geländespringen knapp das Podest und landeten auf dem undankbaren, aber dennoch hervorragenden vierten Platz. Am Sonntag ging es dann Schlag auf Schlag. Zuerst nahm Jonas gleich frühmorgens mit Vychahr in der Dressurprüfung auf S-Niveau teil. Die beiden legten eine tolle Vorstellung hin, patzten jedoch bei den Galoppwechseln auf der Mittellinie. Vychahr liess sich irgendwie zu sehr vom Publikum und den Festzelten beeindrucken, wodurch er nicht aufpasste und ein Durcheinander mit seinen Beinen bekam. Es reichte am Ende dennoch für den vierten Rang. Gleich im Anschluss nahmen Snipes und ich am Springen teil, ebenfalls S-Niveau. Sniper gab für mich alles und zog sein Fahrwerk gewissenhaft ein, sodass wir fehlerfrei blieben. Dennoch waren Cat Karenin und ihr Ares ein Tickchen schneller, und so wurden wir leider auf den zweiten Platz verwiesen. Ich gratulierte der Sigerin dennoch mit einem Strahlen im Gesicht, denn für meinen jungen Reitpony Hengst war es eine tolle Leistung, auf dieser Höhe noch mit den Warmblütern mithalten zu können. Damit waren die Turnierprüfungen vorbei und es folgte der Spassteil. Noch vor dem Mittag startete ich mit Yoomee am Ponyrennen – und siegte. Ich hatte natürlich reichlich Erfahrung in dieser Disziplin, trotzdem hätte ich nicht erwartet, dass Yoomee Verena Handewitts athletisch gebauten Eskari schlagen würde. In der Connemarastute steckte eben mehr als man auf den ersten Blick erwartete. Das Jump n‘ Run gleich im Anschluss an das Mittagessen war ein weiterer Höhepunkt. Da Ruth Skydive bereits am Vortag zum Sieg geritten hatte, einigten die Mädchen sich darauf, dass wiederum sie reiten würde, während Lea den Parcours vom Boden aus absolvierte. Lily war ganz hibbelig und konnte sich neben mir kaum stillhalten. Sie wäre so gerne selber mitgelaufen oder geritten, das sah man ihr an. Aber die Schiene an ihrem Arm erinnerte daran, dass dies keine gute Idee gewesen wäre. Ruth und Skydive starteten aus dem Stand heraus und beschleunigten direkt in den Galopp. Es galt schneller zu sein als die Bestzeit von 63.43 Sekunden, die Theo Brooks und Alex Graham mit ihrer Isländerstute Wolkenvogel vorgaben. Skydive flitzte mit wehendem Schweif über den niedrigen, aber wendungsreichen Parcours und Ruth kürzte ab, wo sie nur konnte. Einmal wurde es allerdings etwas zu knapp, sodass Sky beinahe einen der Pfosten streifte und dadurch ein paar Millisekunden verlor. Ausserdem klappte die Übergabe der Gerte nicht ganz: Lea liess sie vor lauter Aufregung fallen und musste nochmal zwei Schritte zurückhechten um sie wieder aufzuheben, bevor sie definitiv loslaufen konnte. Das kostete die beiden eine weitere wertvolle Sekunde, sodass sie am Ende auf dem zweiten Platz landeten. Keuchend und etwas enttäuscht, aber glücklich kamen sie zu uns zurück. Lily führte den ebenfalls noch völlig aufgewühlten Skydive trocken, während Jonas, Lisa, Rosie und ich uns bereitmachten fürs Mannschaftsspringen. Es blieb bis zum Schluss spannend, denn Spot und ich, die als letzte unserer Mannschaft starteten, patzten ausgerechnet beim ersten Hindernis. Ich gab dennoch mein Bestes Spots Aufmerksamkeit auf seine Aufgabe zu lenken und es gelang uns, den restlichen Parcours ohne weitere Fehler zu durchlaufen. Zu unserem Glück patzten die nachfolgenden Mannschaften ebenfalls allesamt, und so reichte es wider aller Befürchtungen am Ende knapp für den Sieg. Wir hatten es vor allen Lisa und Artemis zu verdanken, die die beste Zeit überhaupt hinlegten und unser Team damit an die Spitze zogen.

      Damit waren die Turnierteilnahmen für uns zuende und wir durften in aller Ruhe Eis-schleckend die beiden Pferdetausch-Prüfungen mitverfolgen, die gegen Abend noch stattfanden. An diesem Abend schafften wir es nicht vor zwölf Uhr in die Schlafsäcke – zu viel gab es noch zu erzählen und zu diskutieren. Ich war eine der ersten, die mit der Zahnbürste vom Waschplatz in der Dunkelheit zurück über die Wiese stolperte und dabei einmal mehr den Sternenhimmel bewunderte. Die Pferde standen ruhig unter den Bäumen und dösten, sahen jedoch auf, als ich den Reissverschluss des Zeltes etwas zu laut öffnete. „Sorry guys, it’s only me“, beteuerte ich. Artemis brummelte mir zu. Ich liess mich dazu überreden, ihm noch ein Leckerli zuzustecken, ohne dass es die anderen Vierbeiner bemerkten. Liebevoll streichelte ich den hellgrauen Hals und die Stirn des Hengstes. Diese Momente der Ruhe waren einfach magisch. Erst nach einer Weile flüsterte ich ihm eine gute Nacht und kroch in meinen Schlafsack. Die Heimreise am nächsten Tag verlief wie im Flug, und ehe wir uns versahen, befanden wir uns wieder in unserem gewohnten Alltag auf Pineforest.

      Ponyclub
      März 2021, von Occulta
      Areion, Colour Paint, PFS’ Bacardi Limited, PFS’ Navy Sniper, PFS’ Skydive, PFS’ Ravissante, Cambria, PFS’ First Chant, Yoomee, Cinnemont’s History, Eismärchen, Fake my Destiny, River’s Lychee, scs Sugar and Sweets, PFS’ Shadows of the Past, Nimué, Piroschka, Chanda, Dancing Moonrise Shadows, Lovely Summertime, Phantom, Matinée, PFS’ Ljúfa, PFS’ Dancin’ to Jazz, Lindwedel, Scooter, PFS’ Lyskra, Þota von Atomic, PFS’ Caillean, Raunchy’s Limited, Naimibia

      Ich streckte mich und blinzelte verschlafen die Decke an. Es war Samstag - ein guter Tag, weil kein Schultag. Glücklich rollte ich mich aus dem Bett und zog mich an. Occu und Jonas waren längst draussen bei den Pferden. Ich holte mir ein Stück Brot und klemmte es zwischen die Zähne, während ich mir Jacke und Schuhe anzog. Mein erstes Ziel war der Nordstall. Dort brummelte mir Areion bereits zu, weshalb ich ihn rasch begrüsste und kraulte. Natürlich war seine eigentliche Absicht gewesen, ein Leckerli zu erhaschen. Aber ohne Fleiss keinen Preis; zuerst musste er es sich verdienen. Auch Skydive war erfreut mich zu sehen, aber mit ihm wollte ich erst später reiten, wenn Lea und die anderen hier waren. Zuerst holte ich deshalb die Putzsachen von meinem Teddy. Als ich ihn rausholte und vor der Box anband, brummelte auch Scooter. Das ehemals schlaksige, schmutzige Schimmelpony hatte sich zu einem kleinen Schwan genausert. Jetzt hatte sie ein paar Muskeln bekommen und ihr Fell sah gepflegt aus. Der Rücken musste laut Occu noch etwas breiter werden, aber das dauerte nunmal. Ihren edlen Kopf besass sie nachwievor, ebenso wie die grossen, schwarzen Augen mit dem perfekten Bettelblick und den süssen, kurzen Ohren. Ich musste immer über die hohe Stimme des Stütchens lachen - sie klang fast wie eines der Miniature Horses. Und sie war ziemlich Aufmerksamkeitssüchtig. Dauernd wollte sie Menschenkontakt, womöglich um die Jahre wettzumachen, in denen sie vernachlässigt worden war. Der verwöhnte Teddy hingegen spielte gelangweilt mit dem Anbindestrick und seufzte fast schon, als ich den Sattel brachte. "We have to keep you fit, you lazy Grizzly." Immerhin senkte er brav den Kopf, als ich ihm sein Side-Pull anziehen wollte. Ich brachte ihn zum Sandplatz, denn dort sah ich Occu mit Ljúfa. Die schwarze Isländer Stute war noch flauschiger als Areion, obwohl Occu ihr eine Teilschur verpasst hatte. Die beiden trabten auf der grossen Volte am langen Zügel, wobei Ljúfa zwischendurch abschnaubte. Dann nahm Occu sie wieder auf und galoppierte an. Ich hatte gehört, dass Isländer manchmal Schwierigkeiten mit dem Galopp oder mit normalem Trab hatten. Bei der Rappstute sah es einfach etwas hastig aus, aber sonst schien sie ihre Beine gut genug zu sortieren. Ich wärmte Areion auf, dann übte ich mit ihm kleine Volten, Tempowechsel und Anhalten aus dem Trab. Er war heute fleissig aufgelegt und machte alles, was ich von ihm wollte. Nur kam er nicht so schön an den Zügel wie Ljúfa. Ich musste also noch weiter an meiner Technik feilen. Occu meinte immer, dass man irgendwann einfach 'spüre', wie man die Pferde am besten anpacken musste. Ich hoffte, dass mir das auch bald gelingen würde. Lea, Ruth und Sheridan konnten es schon, was mich ein wenig frustrierte. Allerdings hatten sie alle längere Beine als ich - wäre ich doch nur ein wenig grösser. Aber dann könnte ich gar nicht mehr auf Peppy reiten... Man hatte es nicht leicht als kleines Mädchen.

      Nachdem Areion wieder in seiner Box Halme kaute, widmete ich meine Aufmerksamkeit Yoomee. Occu hatte gefragt, ob ich das Connemara Pony für sie bewegen könne. Ich mochte die braune Stute eigentlich ganz gerne, denn sie war lieb und mutig. Da ich keine Lust hatte, nochmal auf den Sandplatz zu gehen, ritt ich sie stattdessen zur Ovalbahn, beziehungsweise zu den Naturhindernissen in deren Innerem. Am Anfang trabte ich rundherum, zwischen den Büschen hindurch und unter den tiefhängenden Ästen. Es machte Spass, absichtlich die etwas verwilderten Stellen auszusuchen. Yoomee war dafür zu haben und lief freudig vorwärts. Besonders, wenn wir einen Hügel hochtrabten wollte sie am liebsten gleich in den Galopp wechseln. Nach einer Weile liess ich sie auch ein paar Hindernisse hüpfen, aber nur die kleinen. Ich durfte nämlich eigentlich nur Geländespringen, wenn jemand dabei war und ich eine Schutzweste trug, was gerade beides nicht der Fall war. Aber ich passte schon auf, schliesslich war ich langsam alt genug. Yoomee war so brav, dass ich ihr am Ende eine Extra-Karotte brachte. Sie hatte auch kaum geschwitzt, trotz Winterpelz.

      Als nächstes spielte ich eine Runde mit Jacky - wir jagten Mäuse. Ich öffnete ihr dabei Türen, oder hob sie hoch und liess sie so überall dort hin, wo sie normalerweise nicht hinkam. Als Occu zum Mittagessen rief, waren wir gerade bei den Offenställen angelangt und mussten deshalb den ganzen Weg zurück zum Haus rennen. Jacky war natürlich schneller als ich. Es gab wiedermal Spaghetti - die mochte ich nicht so sehr, weil ich sie irgendwie nie richtig aufwickeln konnte. Aber Jonas liebte sie, deshalb gab es sie oft. Naja, man konnte sie ja auch zerschneiden; auch wenn mir das böse Blicke von Jonas einbrachte.

      Nach dem Mittag kamen endlich meine Kolleginnen auf den Hof, um die Deutschen Reitponys zu bewegen. Suri hatte erst später Zeit, gegen drei Uhr, also waren wir in Elliots Frühnachmittags-Reitstunde nur zu viert. Lea ritt auf Sweets, Ruth hatte Eismärchen, Sheridan Cinni und ich unser neustes Pony, Naimibia. Ich glaubte, dass Lea etwas eifersüchtig war deswegen. Sie beobachtete mich jedenfalls dauernd und von Ruth wusste ich, dass sie die Stute besonders Schön fand. Aber Occu hatte nunmal gesagt, dass sie sie in erster Linie für mich gekauft hätte. Ausserdem durfte Lea oft auf Raunchy's Limited reiten, dem zweiten neuen Pony, was mindestens genauso cool war. Ich fand Naimibia natürlich trotzdem schöner, weil sie so viel Weiss hatte. Umso mehr Weiss, desto mehr gab es aber auch zu putzen. Das Pony hatte sich glücklicherweise bisher nicht als aussergewöhnlichen Dreckspatz herausgestellt. Wir durften heute wieder Quadrillen-Reiten. Ich mochte das besonders, weil es mehr Action gab als in einer gewöhnlichen Dressurstunde, und weil wir passend zu Musik ritten. Elliot spielte fetzige Elvis Presley Songs ab und wir hatten jede Menge Spass. Zeitweise fiel ich vor Lachen fast vom Pony, zum Beispiel, wenn Ruth zum fünften Mal falsch abbog.

      Nach der Stunde wollten wir zusammen ausreiten gehen, also holte ich wie geplant Sky aus seiner Box und stellte ihn direkt hinter Bacardi in die Stallgasse. Alle drei Hengste kamen mit, also wurde auch Sniper kurz darauf angebunden und geputzt. Lea und Ruth diskutierten die ganze Zeit über abgesagte Festivals - wegen der Pandemie fiel im Sommer praktisch alles aus. Ich fand es irgendwie halb so wild, solange wir weiterhin auf Turniere konnten. Gerade als in in Gedanken versunken Skys Fell aufrauhte, platzte Suri herein, wie eine Art Wirbelwind. „I’m comin‘ too!“, rief sie nur, und verschwand dann wieder durch’s Tor. Ruth und ich lachten laut, aber Lea hatte gar nichts mitbekommen, weil sie gerade Bacardis Hufe auskratzte. Wir hätten so oder so vorgehabt, auf Suri zu warten. Sheridan kam übrigens nicht mit, weil sie gleich nochmal eine Reitstunde hatte – diesmal aber nicht mit einem Pony sondern mit der Anglo-Araber Stute Ravissante. Sie und Robin mit Cambria hatten eine Doppel-Privatstunde bei Elliot. Wir putzten die Ponymänner zuende und trafen uns dann draussen mit Suri, die Gas gegeben hatte und mit Lindwedel bereitstand. Als wir losritten, sah ich auch gerade Occu, Lisa und Anne losreiten, auf First Chant, Chanda und Jazz. Prompt schlug ich vor, dass wir in die andere Richtung losreiten sollten, damit wir sie irgendwo in der Mitte kreuzten. So war es dann auch; wir trafen sie im Pinienwald wieder und grüssten die Gruppe grinsend im Vorbeireiten.

      Als wir auch vom Ausritt heimgekehrt waren und uns alle mit einer Tasse Punch aufgewärmt hatten, hockten wir uns ins Strohlager unter dem Dach des Nordstalls über den Boxen der Hengste und diskutierten, was wir als nächstes tun wollten. Sheridan, die ihren Punch noch nicht ganz ausgetrunken hatte und noch immer gelegentlich daran sippte, schlug vor, dass wir mit den restlichen zu bewegenden Ponys auf die Rennbahn könnten. Ich hatte zunächst Bedenken wegen des feuchten Bodens, aber dann fiel mir ein, dass die Vollblüter am Morgen seit langem auch wieder darauf trainiert hatten. Also war es beschlossene Sache. Wir holten uns Shira, Lychee, Fake und natürlich Scooter, putzten sie alle und zogen ihnen Gamaschen zum Schutz der dünnen Beine an. „Without saddle?“, fragte Lea herausfordernd in die Runde. „Of course“, meinte Ruth schelmisch grinsend, und ich schlug begeistert die Hände zusammen. Nur Suri schien ein etwas mulmiges Bauchgefühl zu haben, jedenfalls warf sie Scoot einen skeptischen Seitenblick zu. Dann zäumte sie das Pony jedoch seufzend, zog sich die Schutzweste an und schwang sich auf den blanken, hellgrauen Rücken. Ich ritt den anderen auf Fake hinterher auf die Bahn. Sobald die Ponys den Rasen unter den Füssen spürten, wollten sie sofort loslegen – es war schliesslich nicht das erste Mal, dass wir hier die „Sau rausliessen“. Occu hatte uns gewarnt vorsichtig zu sein, damit sich weder Vier- noch Zweibeiner verletzten. Deshalb auch die Schutzwesten und Gamaschen. Ich hielt Fake so gut ich konnte im Schritt und dann in einem langsamen Trab zum Aufwärmen. Aber es war gar nicht so einfach, denn die Hackneystute tänzelte und wollte ihren Hals aufrollen, um unter der Hand wegzulaufen. Ohne Sattel schüttelte es mich ordentlich durch, sodass ich zeitweise fast die Balance verlor. Ich erinnerte mich daran was Occu mir dauernd gesagt hatte, wenn Peppy sich beim Rennen kaum hatte halten lassen: Ich stellte Fake schräg und liess sie schenkelweichen, dadurch verpuffte die ganze Energie in die Seitwärtsbewegung und ich konnte die Zügel etwas loslassen. Suri hatte mit Scooter ähnliche Probleme – auch das graue Pony verwarf den Kopf und wollte dauernd davonpreschen. Lea half ihr, indem sie mit Lychee direkt vor den beiden ritt und das freche Pony so ausbremste. Lychee war zum Glück nicht zickig und schlug nicht. Nach fünf Minuten tänzelnden, piaffierenden Trabs hatten wir alle genug und fanden, dass die Ponys warm genug aussahen. Also reihten wir uns einigermassen gerade auf. Wir zählten alle von drei runter und liessen die Ponys dann auf den Rasen los. Sie liessen sich nicht bitten; alle vier galoppierten sofort an. Sofort setzten Fake und ich uns an die Spitze und holten auch gleich einen anständigen Abstand raus. Aber Scooter hängte uns an den Fersen. Das Welsh-Partbred Pony hatte richtig viel Power, und inzwischen auch genug Ausdauer, beziehungsweise Kraft zum Beschleunigen. Trotzdem war sie noch nicht so trainiert wie die Deutschen Reitponys oder Fake, weshalb sie am Ende auch schon nach 800 Metern schlapp machte. Lea, Ruth und ich setzten nun hingegen zum Final an und trieben unsere Ponys nochmal an. Es war fast wie fliegen; ich hatte mich in Fakes dunkler Mähne festgekrallt und hielt die Schenkel schön an ihren schlanken Bauch, damit ich nicht runterrutschte. Die Ohren der Stute waren die ganze Zeit über nach vorne fixiert und sie hätte wohl auch die ganze Runde auf der Bahn durchgaloppiert, wenn ich sie nicht nach 1100 Metern zusammen mit den anderen abgebremst hätte. Shira war zweite geworden. Wir parierten in den Trab und verlangsamten, bis Suri uns einholte. Scoot schnaufte schwer, also machten wir ausgiebig Schritt am langen Zügel bis sie sich beruhigte, wobei Suri schon abstieg und den Gurt löste. Dann erst ritten wir zurück zum Stall, zogen unseren Ponys die ganze Ausrüstung ab und gingen anschliessend eine Runde mit ihnen grasen. Ich liess mich neben Fake ins frische Frühlingsgras fallen und löste den Führstrick, damit sie nicht darauftrat. Sie ging sowieso nirgens mehr hin – sie war jetzt zufrieden und müde. Mir fiel auf wie warm die Sonne inzwischen schien. Es war richtig angenehm und machte mich fast schläfrig. „I’ll send Jacky to wake you when supper is ready“, hörte ich plötzlich Occus belustigte Stimme. Ich blinzelte und stellte fest, dass sie von Matinée aus auf mich heruntersah. „I’m only taking a little break“, stellte ich klar. „Good thing to have friends who watch your pony meanwhile.” Sie deutete hinter mich, wo Fake gerade die Stutfohlen über den Zaun begrüssen wollte, und Ruth sie dabei streng im Auge behielt, damit es keine Zankerei gab.

      Wir genossen die Sonnenstrahlen noch ein wenig, dann versorgten wir die Ponys und verabschiedeten uns. Ich wartete bei den Stutfohlen darauf, dass Occu vom Ausritt zurückkam und alberte ein wenig mit Lyskra und Thota herum. Die beiden Isländerfohlen fanden den Reissverschluss an meinem Faserpelz unheimlich interessant und rupften die ganze Zeit daran. Schliesslich kam die Gruppe in Sicht. Occu war diesmal mit Lisa, Jason, Darren, Linda und Thomas draussen gewesen. Ich erkannte von weitem abgesehen von der Mausgrauen Matinée noch Nimué, Phantom, Shadow, Summer und Piroschka. Mittlerweile war ich ganz schön hungrig, also half ich Occu beim Wegräumen der Mustangstute und drängte sie dann ins Haus zurück. „Du kannst mir helfen“, befahl sie motzend, weil ich sie stresste. „Ich mache Tee“, beschloss ich daraufhin.

      Nach dem Essen sahen wir Jonas dabei zu, wie er Colour Paint im Halbdunkeln auf dem Sandplatz bewegte. Im Schein der untergehenden Sonne wirkte das Fell des Fuchses noch röter. Occu schwärmte von ihren „two handsome boys“, was bei mir nur Augenrollen auslöste. Wir warteten eigentlich noch auf die Ankunft von Caillean, dem Miniature Hengstchen das nach langer Zeit wieder nachhause kam. Occu hatte ihn von seiner Besitzerin zurückgekauft. Er war eines der ersten Zuchtfohlen bei den Minis gewesen und Occu hing sehr an ihm, auch weil sie seine Mutter Alu vermisste. Umso erfreuter war sie, als das Geräusch von Reifen die Ankunft des Hengstchens ankündigte. Wir sprangen auf, wobei Jonas ein eifersüchtiges „He!“ ausstiess. Caillean war nochmal kräftiger geworden, seit ich ihn das letzte Mal gesehen hatte. Er sah nun wie ein richtiges Mini-Hengstchen aus. Seine weissen Flecken auf dem Po fand ich cool, die machten den sonst gewöhnlichen Braunen etwas Besonderes. Ausserdem hatte er einen unglaublich süssen Kopf mit frechen Augen. Ich fragte sofort, ob ich ihn führen durfte. Wir brachten ihn nicht direkt zu den anderen Hengstchen, sondern zunächst in eine leere Box im Hauptstall, zur Quarantäne. Im Moment ging nämlich auch wieder ein Pferdevirus um, das wir auf keinen Fall einschleppen wollten. Aber er sah fit aus und würde sicher spätestens in einer Woche zu den anderen dürfen.

      Sommerzeit ist Badezeit
      September 2021, von Occulta
      Thomas, Areion, Diarado, Vychahr, Co Pilot de la Bryére, Colour Paint, Circus Dancer, Estragon Sky, Unbroken Soul of a Rebel, Flintstone, Ljóski, PFS’ Bacardi Limited, PFS’ Navy Sniper, PFS’ Skydive, Brendtwood, Bayou, Halluzination, PFS’ Ravissante, Cambria, PFS’ First Chant, Yoomee, Cinnemont’s History, Eismärchen, Silverangel, Fake my Destiny, River’s Lychee, scs Sugar and Sweets, PFS’ Shadows of the Past, Naimibia, Raunchy’s Limited, Nimué, Piroschka, Chanda, Dancing Moonrise Shadows, Lovely Summertime, Phantom, Matinée, PFS’ Ljúfa, PFS’ Dancin’ to Jazz, Namuna, Mansur, Fallen Immortality, Farasha, BOS Bintu Al-Bahri, Tayr al-Diyari, Lindwedel, Scooter, PFS’ Reverie, PFS’ Soñando Solas, PFS’ Clooney, PFS’ Karat, Cabaret, Louvré, PFS’ Lyskra, PFS’ Murphy’s Law, PFS’ Global Riot, PFS’ Pinot Noir, PFS’ Dahu, PFS’ Baila, PFS’ Rune, PFS’ Faro, PFS’ Charivari, PFS’ Nemo, PFS’ Otello di Verdi, PFS’ Braemble, HMJ Honesty, BR Wherigo, PFS’ Móinn, Þota von Atomic, Lando di Royal Peerage, RBS‘ Cubanito

      Lily und Suri hingen schlaff in der Hängematte im Schatten der Bäume hinter dem Haus. Es herrschten unglaubliche 34 Grad und dazu war es auch noch schwül. So langsam bekam ich das Gefühl dass England zum Äquator abgedriftet sein musste. Die beiden Mädchen warteten auf ihre Kolleginnen Lea, Ruth, Sheridan und Angelinas Sohn Alec. Sie wollten mit den Ponys zum Fluss baden gehen – was auch sonst bei diesen Bedingungen. Ich selbst war noch unschlüssig, wie meine Pläne für den Nachmittag aussahen. Am Morgen hatte ich mich bereits durch eine Dressurstunde mit Vychahr gequält, wobei Elliot kein Erbarmen mit uns gehabt hatte. Ausserdem war ich mit Pilot auf dem Natur-Parcours bei der Ovalbahn gewesen, zusammen mit Jonas und Diarado, Lisa und Colour Paint und Darren mit Artemis. Das hatte natürlich so oder so Spass gemacht. Besonders, weil Pilot mal wieder besonders federfüssig unterwegs gewesen war. Ich hatte ihn am Wochenende massiert – vielleicht war das ja der Grund. Jedenfalls hätte ich mit dem Hengst wohl Häuser springen können, so gut hatte er sich angefühlt. Vor dem Mittag war ich dann noch mit Rebel draussen gewesen, wiederum begleitet von Lisa mit Brendtwood, und diesmal ausserdem Robin auf Ravissante. Wir hatten uns ein paar tolle Galoppstrecken ausgesucht, selbstverständlich in den kühlen Waldstücken des Parks. Trotzdem waren die Pferde so verschwitzt zurückgekommen, dass wir alle drei hatten von Kopf bis Huf duschen müssen. Rebels Schweif hatte ich dabei auch gleich wiedermal shamponiert. Weisses Langhaar war „a pain in the butt“, auch wenn es schick aussah.

      Die Kids trudelten kurz nach zwei Uhr auf dem Hof ein. Die Mädchen kamen alle zusammen mit dem Fahrrad; sie hatten sich wohl abgesprochen. Nur Alec wurde von seiner Mutter hergefahren, denn die wollte ohnehin mit Halluzination für ein kommendes Dressurturnier trainieren. Plötzlich kam wieder Leben in Suri und Lily. Ich beobachtete vergnügt, wie die beiden sich aufrafften und ihre Freunde begrüssten. Dann verschwand die ganze Gruppe beim Nordstall. Ich schlürfte meinen gekühlten Eistee fertig und machte mich dann ebenfalls auf den Weg zurück an die Arbeit. Zunächst wollte ich Phantom longieren. Nichts wildes, nur lockerer Trab über den Rücken. Das tat dem armen Rappen ohnehin gut, denn letztens hatte ich recht viel von ihm verlangt. Er hatte sich so schön entwickelt, seit er unter dem Sattel war. Er war ja schon bei seiner Ankunft ein hübsches Kerlchen gewesen, aber inzwischen hatte er noch mehr Muskeln bekommen und richtig volles Langhaar. Er sah fast aus wie ein kleiner, sportlicher Friese. Und er hatte ein wenig Talent fürs Springen, wie ich fand. Jedenfalls zeigte er sich geschickt und ging im Moment bis zu einem Meter Höhe. Matinée klebte noch immer so sehr an ihm. Die beiden waren einfach unzertrennlich. Die graue Stute war ebenfalls etwas ruhiger geworden. Zwar blieb sie weit davon entfernt, ein „Verlasspferd“ zu werden, aber sie liess sich wenigstens alleine ausreiten und anständig in der Halle arbeiten. Ich war vielleicht auch zu nachsichtig mit ihr; Elliot hatte schon ein paar mal erwähnt, dass ich sie wie ein rohes Ei behandelte. Aber sie schien mir endlich zu vertrauen, und dieses Vertrauen wollte ich auf keinen Fall wieder verlieren. Bevor ich sie kennengelernt hatte, war ich überzeugt gewesen, dass Wildpferde genau gleich wie jedes andere Pferd trainierbar sein mussten. Mittlerweile hatte ich eingesehen, dass sie, kombiniert mit einem unnachgiebigen Charakter, echte Knacknüsse sein konnten. Blieb nur noch festzustellen, dass steter Tropfen selbst den härtesten Stein höhlte. Phantom schnaubte brav ab und streckte sich schön in die Tiefe. Ich beschloss nach einer halben Stunde, dass es genug war, bevor er zu sehr schwitzte. Als ich vom Roundpen mit ihm zurücklief, bemerkte ich bereits, dass sich etwas zusammenbraute auf dem Hofgelände. Aussergewöhnlich viele Leute hatten sich vor dem Nebenstall gesammelt und plauderten lachend. Ich versorgte den Mustang und stellte mich dann skeptisch dazu. „What’s up?“ Anne klärte mich auf: „We’re all going to take a bath together.“ “It was Lilys idea”, fügte Jason hinzu. “That so…” Ich schmunzelte und schloss mich dem Vorhaben selbstverständlich an. Wir planten rasch, welche Vierbeiner wir mitnehmen wollten, damit es kein Durcheinander gab. Die Mädchen und Alec nahmen selbstverständlich Ponys – Naimibia, Raunchy, Cinni, Silver, Scoot und Sweets. Sie hatten sogar Badezeug dabei. Anne, Jason, Lisa, Darren, David, Lewis und Robin nahmen First Chant, Reverie, Nimué, Summertime, Shadow, Chanda und Cambria. Für Jonas und mich blieben noch Piro und Jazz. Wir waren eine riesige, bunte Gruppe. Die Pferde fanden daran sichtlich gefallen, denn sie liefen allesamt motiviert und locker – so wie die Stimmung ihrer Reiter eben. Wir waren ohne Sattel unterwegs, denn zum Baden hätten wir ohnehin alles ablegen müssen. Als wir auf dem Kiesweg neben dem Fluss zu einer geeigneten Stelle ritten, begegneten wir ein paar Spaziergängern, die ihr Erstaunen über die Gruppe kaum verbergen konnten. Es war auch eine Familie mit Kindern dabei, denen man das „ich will auch!“ sofort ansah. Ich meinte zu bemerkten, dass Lily ein wenig bluffte und absichtlich einhändig ‚cool‘ vorbeiritt.

      Als wir das Wasser schliesslich erreichten, gingen alle schön gestaffelt und mit genug Abstand hinein. Manche liessen ihre Reittiere ganz schwimmen, andere blieben am nahen Ufer und kühlten nur die Beine. Viele der Pferde scharrten und spritzten, denn auch sie empfanden das kühle Nass als eine Wohltat. Ich kam mir vor wie inmitten einer Herde Zebras an einem Wasserloch. Vonwegen Zebras: Thairu fühlte sich richtig schön wohl im Moment, und auch Zazou schienen die Temperaturen nichts auszumachen. Mit den beiden war ich diese Woche auch schon dem Wasser entlang unterwegs gewesen. Besonders Thairu war eine richtige Wasserratte. Jazz lief ohne das geringste Zögern ins Wasser, wie ich es nicht anders von ihr erwartet hatte. Allerdings brauchte sie eine ganze Weile, bis sie sich entspannte und zu scharren begann. Sie war eben doch noch immer ein kleiner Angsthase, auch wenn sie alles mit sich machen liess. Wir planschten sicher eine halbe Stunde lang, ehe die ersten den Rückweg einschlagen wollten. Lily und die anderen Kids blieben noch einen Moment länger; sie hatten angefangen, von den Ponyrücken aus ins Wasser zu springen. Zum Glück waren die Reitponystuten geduldig genug. Ich ermahnte sie, trotzdem vorsichtig zu sein und auch den Ponys zuliebe nicht zu wild zu spielen. Genau in diesem Augenblick wollte Suri von Scoot runterhopsen, wobei die Stute davonlief, sodass ihre Besitzerin etwas gar ungeschickt ins Bachbett fiel. „Nichts passiert“, rief sie um Glück kurz darauf gurgelnd. Ich rollte die Augen – manchmal durfte man nicht zu genau hinsehen… Wir restlichen versorgten die Pferde zuhause gemütlich und teilten uns dann in unsere jeweiligen Tatigkeitsfelder auf. Jazz mümmelte zufrieden in ihrem Stroh und ich betrachtete die Appaloosa Stute noch eine Weile liebevoll. Sie hatte so schöne Sprenkel, auf roanfarbenem Hintergrund. Sowohl weisse, als auch schwarze. Ich wollte unbedingt irgendwann auch ein Fohlen von ihr aufziehen, aber zuerst musste klein Wherigo noch ein wenig älter werden.

      Bei dem Gedankenspiel bekam ich prompt Lust, den Fohlen einen Besuch abzustatten. Im Moment waren die Weiden gut besetzt – wir hatten fünf vielversprechende zukünftige Rennpferde, nämlich Otello di Verdi, Global Riot, Pinot Noir, Baila und Murphy’s Law. Ausserdem meinen süssen kleinen Faro, der nun mit Cubanito auch noch einen etwa gleichaltrigen Spielgefährten bekommen hatte. Reitponys hatte es auch ein Grüppchen; Cabaret, Braemble, Nemo und Rune. Und fast ebensoviele Isländer, worüber ich selbst immernoch etwas erstaunt war, denn eigentlich hatte ich das gar nicht so gepant. Aber Lyskra, Þota und Móinn gedeihten prächtig, und ich wollte keine der Flauschkugeln abgeben. Auf die kleine Dahu war ich sehr gespannt, denn sie war natürlich etwas ganz Besonderes mit ihrer seltsamen Farbe. Und dann waren da noch die Halbstarken. Lando kam an den Zaun, um meine Hand abzulecken. Der schicke schwarze Italiener war Angelinas Nachwuchs-Dressurpferd. Er glich seiner Mama Nera, die ja auch eine Weile bei uns gewesen war, auf’s Haar. Charivari und Louvré waren momentan die Anführer der beiden Weiden, denn sie hatten auch das ausgereifteste Stockmass. Während Louvi noch etwas schlaksig daherkam, wirkte Charivari schon fast fertig, aber das täuschte. Auch sie war noch im Wachstum und ich wollte noch abwarten, bevor ich sie das erste Mal unter den Sattel nahm.

      Wenig später fand ich mich im Nordstall wieder, denn ich wollte als nächstes ein wenig Dressurarbeit mit Sniper machen. Der Reitponyhengst erwartete mich freudig und senkte brav den Kopf, damit ich das Halfter besser darüberstreifen konnte. Als wollte er mich zu Eile bewegen, weil er es kaum erwarten konnte. In der Stallgasse stellte sich dann aber der wahre Grund heraus, denn der freche Ponyhengst wollte einfach so schnell wie möglich in die Reichweite seines Kumpels Skydive kommen, um mit ihm durchs Boxenfenster hindurch herumzualbern. „Komm schon, du kannst doch sonst schon die ganze Zeit mit Bacardi rumzanken“, stellte ich augenrollend fest. Ich zog ihn weg von dem weissgesichtigen Pony und befestigte die Seile an seinem Halfter, sodass er nirgends mehr Ärger machen konnte. Gesattelt und geputzt war der Roan schnell (man sah zum Glück kaum Dreck auf dem gestichelten Fell). In der Halle übte ich vor allem an der Biegung des quadratischen Hengstes. Weil er so kompakt gebaut war, fiel es ihm schwerer sich anständig um den Schenkel zu bewegen. Snipy war wie immer fit und ich bremste ihn mehrheitlich, ausser beim Schulterherein. Da musste ich ihn treiben, weil er die Bewegung nicht mochte und seine Beine noch nicht ausreichend im Griff hatte. „Ja ja, da staunst du. Sobald du mit Stellung laufen musst, bist du nicht mehr so ein Ferrari“, murmelte ich belustigt. Jonas und Loki, die nach uns hineinkamen, hatten ähnliche Probleme, denn auch der Isländer Hengst mochte es nicht sonderlich, Lektionen mit Biegung oder Seitwärtsbewegungen auszuführen. Er wollte am liebsten immer nur auf der Ovalbahn seine Runden rennen. Wir waren übrigens in die Halle gegangen, weil draussen auf dem Platz gerade eine Reitstunde stattfand. Die Pensionäre Anna und ihre Mutter hatten einen Trainer angeheuert, der dem Mädchen zweimal pro Woche Springstunden erteilte. Ihr Pony Bayou lief meist brav, stoppte zwischendurch aber abrupt vor einem Hindernis und liess sich dann kaum mehr vorwärts treiben. Mit der Mutter Sybille konnte ich nicht viel anfangen. Ich war zwar immer professionell freundlich und zuvorkommend, ging längeren Gesprächen mit ihr aber möglichst aus dem Weg. Schlichtweg weil sie mich mit ihrer Art nervte. Ich mochte einfach Menschen nicht, die das Gefühl hatten, sich dauernd mit anderen vergleichen zu müssen, oder insgeheim über andere herzogen. Und nach dem, was ich bisher mitbekommen hatte, war sie genau so jemand. Lewis nannte es liebevoll eine seltsame Abwandlung eines ‚Inferiority-Complex‘, in dem sie andere irgendwie schlechtreden musste, um sich selbst besser zu fühlen. So hatte sie zum beispiel fälschlicherweise geglaubt, sie könne mit Anne über Ajiths Herkunft lästern, und dass die dabei auch noch mitmachen würde. Stattdessen war die Pflegerin, die früher vielleicht in das Schema gepasst hätte, mittlerweile aber einiges dazugelernt hatte, ihr mehr oder weniger höflich davongelaufen und hatte uns anschliessend davon erzählt. Ich glaubte jedoch nicht, dass Sybille den „hint“ bemerkt hatte, denn sie war nachwievor bemüht, mit den Pflegern Geschichten auszutauschen. Allein darüber nachzudenken ermüdete mich, also liess ich Snipy strecken und versorgte ihn dann. Schliesslich waren wir jetzt eine Dreiviertelstunde lang schön in Stellung herumgezirkelt. Ich wusch seinen Rücken mit einem Schwamm, um ihn nicht komplett nass zu machen. Dann ging ich weiter zu Solas. Der Criollo hatte sich in letzter Zeit extrem etwickelt und war nun beinahe reif für seine Körung. Er lief für einen Grünling sehr schön in Anlehnung und ging in allen drei Gangarten ruhig unter dem Sattel. Ausserdem konnte man mit ihm problemlos alleine Ausreiten gehen, auch wenn wir meist zu dritt mit den beiden anderen Jungpferden Clooney und Karat unterwegs waren. Allerdings hatte er auch gelegentlich ganz schöne Flausen im Kopf und war längst nicht so lieb wie seine Mama Moon. In dieser Hinsicht schlug mehr der Vater durch, mit einer gewissen Unberechenbarkeit. Solange sein Reiter sich selbstbewusst und konsequent verhielt, war der junge Hengst gehorsam. Doch wenn ein unsicherer Reiter sich auf seinen Rücken verirrte, hatte er kein Erbarmen. Einmal war er mit Rita im Galopp völlig durchgebrannt und alleine von der Gruppe weg nachhause gestürmt – quer über alle Felder. Ein anderes Mal hatte er Linda verarscht, indem er partout nicht an einem Holzhaufen vorbeigehen wollte. Das war so weit gegangen, dass sie hatte aufgeben müssen, um nicht runterzufallen. Ich war anschliessend am selben Tag nochmal mit ihm dorthingeritten und hatte die Angelegenheit geklärt, aber bei mir war er längst nicht so stur gewesen. Ich mochte den Criollo trotzdem wahnsinnig gerne, wie ich auch schon seine Eltern gemocht hatte.

      Gegen Abend waren die Kids mit den Ponys längst zurückgekommen und hatten sich, nach einer längeren Pause, zu einer Reitstunde mit Lisa aufgerafft. Ich hatte sie mit einem Eis am Stiel bestochen, to be fair. Lily bereitete gerade Fake vor, und ich half ihr ein wenig. „Wann reitest du Areion?“, fragte ich sie beiläufig. „Wenn es dunkel wird. Der arme Teddy schwitzt sonst nur wie verrückt.“ Ich nickte einverstanden und holte den Sattel der Hackneypony Stute. Der Tinker besass zwar auch kurzes Sommerfell, aber es hatte eine ganz andere Struktur als das seidige, dünne Fell von Fake. Und seine dichte Mähne blieb auch im Sommer bestehen. Abschneiden war keine Option, und Einflechten dauerte immer seine Zeit. Ähnliche Probleme hatte auch der grosse Thomas. Der Behang an den Beinen der beiden war auch nicht hilfreich, auch wenn es gut aussah. Wer schön sein will, muss wohl leiden, schoss es mir durch den Kopf. Thomas wurde neuerdings übrigens wieder öfter gefahren; wir waren mit einem älteren Herren in Kontakt, den wir von einer Show her kannten. Dort war man ins Gespräch gekommen, weil ihm der Schecke so gefiel. Der Herr hatte eine Kutsche auf seinem Hof gehabt, aber nach dem Ableben seines alten Shire-Wallachs kein passendes Pferd mehr dazu. Nun kam er zwischendurch vorbei, um das Drum Horse für eine Sonntags-Ausfahrt zu entführen. Er putzte ihn dabei auch immer stundenlang und kämmte sorgfältig den Behang, sodass Thomas problemlos auf einer Hochzeit mitlaufen könnte. Der Rentner hatte eben mehr als genug Zeit übrig, und ich wurde das Gefühl nicht los, dass er ein wenig einsam gewesen war, bevor er hier zwischendurch mit dem Schecken Zeit hatte verbringen dürfen. Manchmal hörte ich ihn auch zu Thomas sprechen, wenn die beiden scheinbar alleine waren. Es war herzerwärmend mitanzusehen. Nun aber lief ich mit den Ponystuten mit zum Sandplatz, wo Lisa uns bereits erwartete. Ich wollte nur rasch den Anfang sehen, dann musste ich noch Flintstone bewegen. Yoomee, Eismärchen, Lychee und Shira waren nebst Lindwedel und Fake dabei – Alec ritt auch mit. Der Junge verbrachte immer mehr Zeit hier im Stall und schien grossen Spass daran zu haben, die Mädchengruppe aufzumischen. Angelina hatte erzählt, dass er ansonsten auch oft mit Kollegen vor dem Computer sass, aber sich jederzeit für Pineforest davor wegholen liess. Jonas ritt mit Ljúfa an uns vorbei zur Ovalbahn. Ich sah ihnen hinterher und beobachtete, wie die Isländer Dame lief. Sie war am Wochenende vorne links ein wenig unsauber gelaufen, vielleicht war es aber auch nur Muskelkater gewesen, denn heute war davon nichts mehr zu sehen. Erleichtert machte ich mich abermals auf zum Nordstall und holte den Paint Hengst raus. Darren putzte auch gerade Circus Dancer, also gingen wir spontan noch auf einen Abendausritt zusammen. Dabei begegneten wir auch Rosie wiedermal, die uns scheinbar schon am Nachmittag beim Fluss gesehen hatte. „Why didn’t you join us then?“, fragte ich enttäuscht. „I only saw you from a distance. I had to hurry back home because Murray came for a visit”, erklärte sie. “His visits became more scarce, since he’s now got a house in the Highland.” Sie wirkte fast schon etwas betrübt, als sie darüber sprach. „Did you visit him once, too?“ Sie schwieg einen Moment nachdenklich, dann schüttelte sie den Kopf. „Maybe you should.“ „Maybe I should“, wiederholte sie nickend. „But, do you remember the guy I told you about? The one from London.” Ich nickte mit zusammengekniffenen Augen. „We’re kind of… Dating.“ Ich lachte über die Ausdrucksweise, gratulierte ihr aber herzhaft. „That’s great! I’m happy for you.“ „Yeah… He’s perfect“, schwärmte sie mit schelmischem Grinsen. Wir tratschten noch eine ganze Weile, wobei ich sie nebst Männergeschichten auch über Namuna, Mansur, Fay, Farasha, Bintu und Tayr ausfragte.

      Ein vollgepackter Frühlingstag
      März 2022, von Occulta
      Khiara El Assuad, Indiana, Vai Alida, Coulee, Iskierka, Gleam of Light, Raving Hope Slayer, Caspian of the Moonlightvalley, Spotted Timeout, A Winter’s Day, Compliment, PFS’ Northern Dancer, PFS’ Stromer’s Painting Gold, Cabinet of Caligari, Odyn, PFS‘ Straight Alignment, PFS’ Strolch, PFS’ Captured in Time, PFS‘ Phaeleh, tc Miss Moneypenny, PFS’ Cryptic Spots, Primo Victoria, PFS’ A Winter’s Tale, PFS’ Stop Making Sense, Subsyndromal Symptomatic Depression, PFS’ Counterfire, Daedra, PFS’ Snap in Style, PFS’ Snap Cat, PFS’ Cupid, PFS’ Sciaphobia, PFS’ Riptide, PFS’ Vivo Capoeira, PFS’ Challenging Time, PFS’ Call it Karma, PFS’ Whirlwind, Stars of Magic, Black Powder War, Thomas, Areion, Diarado, Vychahr, Co Pilot de la Bryére, Colour Paint, PFS’ Clooney, PFS’ Karat, Circus Dancer, Estragon Sky, Unbroken Soul of a Rebel, Flintstone, PFS’ Soñando Solas, PFS‘ Dreaming of Revenge, Ljóski, PFS’ Bacardi Limited, PFS’ Navy Sniper, PFS’ Skydive, Brendtwood, Bayou, Lindwedel, Scooter, Halluzination, PFS’ Ravissante, Cambria, PFS’ Reverie, PFS’ First Chant, Yoomee, Cinnemont’s History, Eismärchen, Silverangel, Fake my Destiny, River’s Lychee, scs Sugar and Sweets, PFS’ Shadows of the Past, Naimibia, Raunchy’s Limited, Nimué, Piroschka, Chanda, Dancing Moonrise Shadows, Lovely Summertime, Phantom, Matinée, PFS’ Ljúfa, PFS’ Dancin’ to Jazz, Namuna, Mansur, Fallen Immortality, Farasha, BOS Bintu Al-Bahri, Tayr al-Diyari, Beck’s Experience, Glenns Caress, Dakota S, Lady Diva from the Sky, Chocolate Chip, Silhouette of a Rose, Papillon d’Obscurité, Tigrotto, Snottles Peppermint, Blue Dawn’s Nachtfalke, PFS‘ Caillean, PFS’ Arctic Silver Lining, PFS’ Arctic Rainstorm, PFS’ British Oreo Rascal, PFS’ Glenn’s Dare to Shine, Beck’s Daisy Orchid, Tic Tac, PFS’ Kicks-a-Lot, Cabaret, Louvré, PFS’ Charivari, PFS’ Lyskra, Þota von Atomic, PFS’ Murphy’s Law, PFS’ Otello di Verdi, PFS‘ Pokergame, PFS’ Global Riot, PFS’ Pinot Noir, PFS’ Dahu, PFS’ Baila, PFS’ Rune, PFS’ Nemo, PFS’ Braemble, BR Wherigo, PFS’ Móinn, Lando di Royal Peerage, RBS‘ Cubanito, PFS’ Faro, WHC‘ Zaunkönig

      Die Sonne brannte warm auf meinen Rücken. Ich hatte schon heute morgen früh ungläubig auf die Temperaturanzeige in meinem Auto gestarrt. Exakt 10 Grad war darauf gestanden. Und das an einem frühen März Morgen! Im Verlaufe des Tages waren aus den 10 Grad ganze 17 geworden. Eigentlich freute ich mich über das warme Wetter. Aber für die Weiden war die gleichzeitig anhaltende Trockenheit alles andere als gut. Die Böden waren jetzt schon ausgetrocknet und rissig von der hartnäckigen Sonne. Wenigstens den Pferden gefiel das Wetter genauso gut wie den Menschen. Sie waren alle richtig in Frühlingslaune, wieherten und quiekten und machten jeweils Bocksprünge, sobald man die Führstricke löste. Besonders die Hengste zeigten unter diesen Bedingungen ihre Qualität. Natürlich hatten sie nur eines im Kopf. Arbeit war es gewiss nicht. Aber dennoch liefen sie in der Dressur schöner denn je und zeigten imposante Bewegungen. Nur halt eben nicht auf das Kommando des Reiters hin, sondern ganz von selbst, zum Ärger von manch einem Zweibeiner. Auch den Rennpferden fiel es außergewöhnlich schwer, sich auf ihre Arbeit zu konzentrieren. Sie waren viel zu beschäftigt mit sich selber und ihren Kollegen. Das ging so weit, dass wir die Gruppen für kurze Zeit neu organisieren mussten. In der frühesten Gruppe waren neu Stars of Magic, Riptide, Sciaphobia, Karma, Whirlwind, Challenging Time, Thalia und Dolly. Die zweite Gruppe bestand aus Counterfire, Daedra, Caligari, Ciela, Miss Moneypenny, Primo, Goldy, Iskierka und Coulee. "Zum Glück" war Phaeleh noch nicht wieder fit genug um schon am Renntraining teilnehmen zu können. Sonst wären beide Stuten Gruppen zu neunt gewesen. So oder so ging es nur knapp auf mit den Jockeys. Die Stuten liefen immer in den ersten beiden Gruppen. Erst anschließend kamen die Hengste dran. So konnten wir die Stuten schon früh morgens auf die Weide bringen, dann in Ruhe mit den Hengsten trainieren, und diese schließlich am Nachmittag zeitgleich mit den Hengsten des Nordstalls auch noch rausbringen. In den Hengst Gruppen war die Aufteilung übergangsweise wie folgt: Gruppe drei; Cupid, Capoeira, Mambo, Snap in Style, Strolch, Cryptic und Compliment. Gruppe vier; Winter, Spot, Light, Raver, Odyn, Spy und Snap Cat. Normalerweise wären mittlerweile in jeder Gruppe genau acht Pferde gewesen. Aber besondere Umstände verlangten nun mal besondere Maßnahmen. Es war mir wichtig, dass wir weiterhin eine ruhige, konzentrierte und angenehme Atmosphäre während des Trainings aufrechterhalten konnten. Denn nur so lernten die Pferde auch etwas dabei. Man könnte auch argumentieren, dass die Rennpferde an einem richtigen Rennen sich auch trotz aller Ablenkung konzentrieren müssten. Dem würde ich auch beipflichten. Nur würde ich sämtliche meiner Jockeys vergraulen, wenn sie das Theater jeden Tag aufs Neue durchspielen müssten. Es war ja nicht so, dass die Pferde völlig unkontrollierbar wurden. Wir hatten nicht umsonst mit jedem einzelnen von ihnen schon seit den ersten Paar Trainingseinheiten ein besonderes Augenmerk auf den Gehorsam und die Zuverlässigkeit gelegt. Von daher konnte ich über solche hormonbedingten Flausen ruhigen Gewissens hinwegsehen. Man erkannte auch deutlich den Altersunterschied zwischen den Rennpferden. Die Erfahreneren blieben viel gelassener, auch wenn die hübschen Stuten auf den Weiden hinter den Tannen grasten und friedlich mit ihren Schweifen die ersten aufgetauten fliegen wegwischten. Die Jüngeren hingegen hatten den Bauch voller Schmetterlinge. Sogar der dunkle Hengst Black Powder War brummelte seiner Herzensdame Ciela noch öfter als sonst zu. Ich musste immer schmunzeln, wenn ich so eine Szene beobachten konnte. Ich fragte mich insgeheim, wann der hübsche Rappe endlich an eine Körung geschickt werden würde. Mit Ciela würde er das Vergnügen zwar nicht bekommen, aber dafür vielleicht mit der ebenfalls sehr hellen Penny. Ich konnte mir gut vorstellen die beiden Blutlinien zu vereinen. Das daraus resultierende Fohlen hätte beste Voraussetzungen für die Rennbahn. Außerdem würde vielleicht sogar eine interessante Farbe dabei zustandekommen. Ich war nun mal trotz der Leistungszucht noch immer ein Fan von bunten Fellfarben. Und Porzellan-Schecken hatten es mir in letzter Zeit besonders angetan. Aber genug davon. Das training lief trotz der diversen Ablenkungen in zufriedenstellender Manier. Zwar wurden wieder einmal keine Rekorde aufgestellt, dafür zeigten die Pferde ihre Leistung auf stabile Art und Weise. Sie erfüllten die Erwartungen von Oliver, und auch meine, was die Gehorsamkeit betraf. Am Ende mussten wir fast alle Pferde abduschen, so warm war es schon.
      Als nächstes wollte ich mit Northern Dancer für deren bevorstehende Körung üben. Ich holte die Stute aus ihrer Box, putzte sie gründlich, zäumte sie und brachte sie anschließend auf den Sandplatz. Dort übte ich das korrekte Aufstellen vor den Richtern, das Stillstehen und das brave Traben an der Hand. Sie musste auf meine Körpersprache reagieren und sofort anhalten wenn ich es tat. Die Stute arbeitete sehr konzentriert mit, was das training sehr angenehm gestaltete. Nicht einmal musste ich sie zurechtweisen. Am Ende bekam sie dafür eine Karotte mehr als sonst. Sie zerkaute die Belohnung genüsslich. Während ich mit Northy arbeitete, gingen Quinn, Charly, und Thomas mit Khiara, Indiana und Vai Alida auf einen Erholungsausritt vom anstrengenden Renntraining. Die Jockeys liebten ihren Beruf so sehr, dass sie sich sogar zum Entspannen auf den Pferderücken schwangen. Naja zugegeben; die restlichen Jockeys hatten es sich inzwischen bei einer Tasse Tee in der Reiterstube gemütlich gemacht und sahen der Dressurstunde von Elliot zu. In der Stunde liefen Ravissante, Cambria, Reverie und Halluzination, während First Chant heute mit Rosie Wilkinson auf einem Enduranceritt Begleitpony spielte, um dabei Turniererfahrung zu sammeln. Eigentlich startete sie mit ihrer eigenen Schimmelstute Fay. Weil sie und ihr Pfleger Gordon den ganzen Nachmittag abwesend sein würden, hatte sie mich gefragt, ob ich vielleicht zwischendurch einmal rasch bei ihren Pferden vorbeischauen könnte, noch alles in Ordnung sei. Selbstverständlich hatte ich eingewilligt. Aber vorher musste ich auch noch mit Diarado springen, und mit Karat ein gymnastizierendes Stangentraining absolvieren; und danach gab es erstmal noch Mittagessen. Manchmal fragte ich mich, wie ich das ganze jeden Tag auf die Reihe bekam. So viele Pferde, und nur so wenig Zeit. Aber irgendwie ging es und ich wollte keines von ihnen missen. Sie alle waren ganz besonders, mit ihrem eigenen Charakter und ihren eigenen Flausen. Jedes einzelne bereicherte mein Leben und schenkte mir jeden Tag ein Lächeln. Ein Leben ohne sie konnte ich mir nicht vorstellen. Und ich glaube, dass es vielen der Pfleger genauso ging wie mir. Sie griffen mir unter die Arme, wo sie auch konnten. Manchmal sprangen sie auch an Wochenenden ein wenn etwas Unerwartetes passierte, obwohl sie eigentlich gar nicht an der Reihe gewesen wären mit der Schicht, oder arbeiteten abends länger, damit wirklich auch das hinterletzte Pferd noch auf seine Kosten kam. Darren, Anne und Alan ritten Estragon Sky, Vychahr und Clooney in der Halle, während David, Robin und die Ponyreiterinnen Sheridan, Lea und Ruth zuerst die Ponys Sniper, Bacardi, Cinnemont, Eismärchen und Silverangel bewegten. Danach machten sie gleich nahtlos weiter mit Lychee, Yoomee, Shira, Sweets und Limited. Lisa hatte zuerst in aller Frühe ihre eigenen zwei Pferde, Brendtwood und Nimué, bewegt. Nun kümmerte sie sich vor dem Mittag noch um Piroschka und Flintstone. Die Offenstall Pfleger Lewis, Jason und Linda, hatten bis zum Mittag nebst dem Misten und Füttern noch Chanda, Shadow, Summer, Ljúfa, Jazz und das bespaßen der Fohlen auf dem Plan. Am Nachmittag wollten wir außerdem endlich den Umzug von Charivari, Cabaret, Louvré und Wherigo in Angriff nehmen. Angelina Moore hatte beschlossen, Lando, der ebenfalls alt genug wäre, noch ein Weilchen auf der Weide zu lassen. Wherigo wollte ich schon so früh anreiten, damit ich ihn möglichst rasch an eine Körung schicken konnte. Auch mit Areion wollten Lily und ich schon längst an eine Körung, aber sie wollte unbedingt dabei sein und da viele Körungen morgens oder Nachmittags unter der Woche stattfanden, mussten wir auf einen passenden Termin warten. Lily hatte mit ihren inzwischen vier Ponys, Skydive, Areion, Fake und Naimibia auch schon alle Hände voll. Aber sie bestand darauf, das Quartett fast jeden Tag selber zu bewegen. Ihre Kollegin Suri war mit ihren zweien, Lindwedel und Scooter, völlig zufrieden. Ich war froh, dass die beiden einander hatten zum Ausreiten und Spielen. Das Mädchen dem der Ponywallach Bayou gehörte, war da nicht so glücklich. Sie ging meistens mit ihrer Mutter zusammen ins Gelände, alleine durfte sie gar nicht. Sonst trainierten sie quasi täglich in der Halle oder auf dem Sandplatz. Ich fragte mich, wie lange das wohl gut gehen würde, denn das Pony zeigte seinen Missmut über die mangelnde Abwechslung immer öfter.
      Nach dem Mittag ging es im selben Stil weiter. Wir fütterten, misteten, und dazwischen bewegten wir die übrigen Vierbeiner. Auch meine Hunde waren wie immer begeistert dabei und huschten durch den Stallgang auf der Suche nach Mäusen oder heruntergefallenen Pferdeleckerlis. Ersteres galt vor allem für Jacky, letzteres für Sheela. Zira blieb brav bei Fuss. Ich nahm sie mit auf den Ausritt mit Rebel, den ich auch gleich nutzte, um bei Rosies Pferden Mansur, Tayr, Namuna, Bintu und Farasha vorbeizuschauen. Sie waren alle friedlich auf den Weiden und sahen Rebel und mich nur von weitem an. Ich machte mir nicht die Mühe, extra näher hinzugehen, denn offensichtlich war alles in bester Ordnung. Zufrieden setzte ich den Ritt fort. Unterwegs begegneten wir noch Jonas und Lewis, die mit Colour Paint und Co Pilot ausritten. Zira bellte freudig, als sie Jonas sah. Co Pilot nahm's gelassen, aber Cloud wurde etwas nervös von dem Lärm. Sie waren gerade erst losgeritten, also liess ich sie weiterziehen und machte mich alleine auf den Rückweg. Ich liess mir dabei einen frischen Galopp unter den zart knospenden Laubbäumen nicht entgehen. Zuhause versorgte ich Rebel und holte als nächstes Dreamy. Der hellgesichtige Buckskin war zu einem echten eye-catcher herangewachsen. Wir hatten ihn in den letzten Monaten intensiv gefördert, um ihn bald an eine Körung schicken zu können. Hunter Crowley und sein Team waren dabei äusserst hilfreich gewesen. Sie hatten meinen jungen Criollo auf Turniere mitgenommen wenn mir dazu die Zeit gefehlt hatte. Auch mit Solas hatten sie das gemacht, und vor allem deswegen war er nun schon gekört. Sonst hätte es wohl noch eine ganze Weile länger gedauert... Während ich Dreamy schrubbte, um ihn von seinem juckenden Winterfell zu befreien, lief Rita mit Straight Alignment durch. Sie hielt rasch, um mich zu fragen, ob sie später noch bei den Fohlen mithelfen könnte. Ich willigte selbstverständlich ein. Zufrieden zog sie mit ihrem Reittier weiter, wobei mir auffiel, dass Ally vorne links ein loses Eisen hatte. Ich rief ihr nach und wies sie darauf hin. Sie sah es sich bestürzt an und fragte mich unsicher, ob sie denn damit reiten könne. Nach kurzem Überlegen gab ich mein Okay, sie solle einfach nicht zu arg galoppieren.
      Dreamy war heute sehr abgelenkt. Er hatte seine hübsch umrandeten Ohren ihrgenwo, aber nicht geradeaus. Dauernd zuckte er zusammen und erschreckte sich scheinbar, wobei ich mir ziemlich sicher war, dass er eigentlich bloss viel zu viel Energie hatte. Ich machte deswegen absichtlich viel Galopparbeit mit ihm, sodass er am Ende richtig schön gelöst war und abschnaubte. Ein Blick auf die Uhr liess mich allerdings leer schlucken, denn ich hatte über eine Stunde mit dem Criollo trainiert. Ich liess ihn trotzdem lange genug im Schritt trocknen, ehe ich ihn versorgte und ihm seine Karotten brachte. Der Arme hatte sie sich verdient. Nun musste ich noch Matinée bewegen, ehe ich zu den Fohlen ging. Die mausgraue Stute sah mich von weitem und - zu meiner grossen Überraschung - kam mir ausnahmsweise entgegen. Ich streichelte sie vorsichtig, ungläubig. "Having a good day? Were you actually waiting for me?" Sie liess sich brav aufhalftern, und ich fasste die sonst so eigenwillige Stute mit Samthandschuhen an. Beim Putzen versuchte ich extra ihre Lieblingsstellen zu treffen und die unliebsamen Flecken, wie die Innenseite der Hinterbeine, zu vermeiden. Sie schien wirklich gut drauf zu sein, denn sie blieb sogar ruhig, als Phantom von Lisa an uns vorbei zum Roundpen geführt wurde. Ich brachte Matinée zur Ovalbahn und übte ein paar Naturhindernisse mit ihr, um ihre Konzentration aufrecht zu erhalten.
      Nachdem auch die Mustangstute wieder zufrieden auf der Weide stand, war es endlich soweit. Lewis und Jason waren bereits mit Halftern und Stricken ausgerüstet; Lewis gab mir ein Paar davon ab. "Which one do you want?", fragte er mich. "I'll take Cabaret." "That was foreseeable, of course you take the easiest one!", warf er mir vor. Ich lachte und meinte "it makes sense to leave the strong ones to the equally strong Men, doesn't it?" Lewis stiess ein lautes "Pffft" aus und krempelte die Ärmel hoch. "I've heard that hidden compliment, just so you know." Dann lief er entschlossen auf Louvré zu. Der ahnungslose Junghengst liess sich treuherzig aufhalftern und wie ein Musterschüler zum Tor führen. "Hurry up, before he notices that the others won't come", rief ich ihm zu, während ich Cabaret ebenfalls einfing. Jason kümmerte sich um den letzten, Wherigo. Murphy und Pinot folgten ihm verwirrt - sie wollten ihren älteren Gefährten wie immer folgen. Als wir die beiden und auch Riot, Nemo und Cubanito, die inzwischen auch aufgeholt hatten, beim Tor wegscheuchten und es hinter uns schlossen, ging das Drama erst los. Wherigo spürte wohl Jasons Anspannung und wieherte nervös, dann drehte er sich und wollte zurück auf die Weide. Jason schwang das Seilende und nutzte sein ganzes Kampfgewicht, um den Appaloosa zurück auf die richtige Bahn zu lenken. Klein Móinn antwortete Wherigo schrill, was die Situation nicht besserte. Wir beeilten uns und brachten die drei Hengste in den Nordstall, wo David bereits die Boxen hergerichtet hatte. Wir liessen sie in Ruhe akklimatisieren, nur David blieb bei ihnen um sie im Auge zu behalten. Auf dem Weg zurück kam uns Linda mit Charivari entgegen. "Do you need help or...?", fragte ich, doch die Pflegerin wirkte entspannt und verneinte. "She is pretty chill." Tatsächlich schien Corona eher neugierig als ängstlich. Allerdings trug sie den Kopf in den Sternen und zuckte immer mal wieder zusammen. Besonders, als auch noch Kater Kafka wie bestellt um die Ecke geschossen kam. Ich wäre fast über ihn drüber gestolpert. Augenrollend folgte ich den anderen zur Weide zurück und beobachtete die aufgebrachten Fohlengruppen. Nun hatten auch Verdi, Faro, Zaunkönig und Braemble bemerkt, dass ihre Kumpanen fehlten. Es wurde noch ein paar mal gewiehert, auch von den Stutfohlen her, dann legte sich das Adrenalin langsam. Lyskra und Þota waren die ersten, die wieder normal zu grasen begannen. Die beiden Isistuten bildeten ein eingeschworenes Zweiergrüppchen und liessen sich von der ganzen Dynamik um sie herum nicht sonderlich beeindrucken. Pogi brauchte deutlich länger, um wieder runterzukommen. Sie und Baila standen noch lange am Zaun und blickten dorthin, wo ihre Kollegin verschwunden war. Am liebsten wäre ich hingegangen und hätte sie getröstet, doch das nützte eh nichts. Stattdessen kraulte ich Dahu, die dem Spektakel nun ebenfalls den Rücken kehrte und an meine Seite des Zauns kam. Sie schleckte meine Finger ab, ohne auch nur einmal ihre Zähne zu gebrauchen. Sie verhielt sich so lieb und verschmust, wenn sie in der passenden Laune dazu war. Schon jetzt eine typische Stute. Reitponyfohlen Rune kam ebenfalls zu uns rüber, doch sie streichelte ich nur kurz - ich musste noch weiter zu den Minis.
      Anne und Lisa hatten gleich nach dem Bewegen von Circus Dancer und Phantom mit dem Training der kleinsten Equiden des Hofs begonnen. Ich gesellte mich dazu und schnappte mir Nachtfalke. Anne war mit Lenny gerade dabei ein paar Zirkuslektionen abzufragen, während Lisa noch damit beschäftigt war, Oreo sauber zu bekommen. Plötzlich hörte ich ein lautes Schnaufen näher kommen. Ich sah von Falkes kleinen Hufen auf und erkannte Rita. "I'm too late... I still had to lunge Thomas, and he was so, so dusty!" Sie wirkte ganz zerstreut und enttäuscht. "Don't worry, you didn't miss much. Just the boys having some massive drama, while the girls were all chill." "Nothing new, is it." Wir lachten alle herzhaft. "May I help with the minis instead? Since I'm already here..." "Of course", antwortete ich. Sie suchte sich Lining aus und band ihn am Zaun an. Während dem Putzen plauderten wir ein wenig. Ich fragte sie über ihren neuen Freund aus, den sie vor zwei Wochen an einem Konzert kennengelernt hatte. Wir hatten einen amüsanten Abend, und mir fiel irgendwann erst recht auf, wie lange es mittlerweile schon hell blieb. Sonst hätten wir es nämlich nicht geschafft, auch noch Becks, Caillean, Tic Tac, Kiwi, Acira, Tigrotto, Orchid, Darling, Rose, Papillon, Chip und last but not least meinen Liebling Daki anständlich zu bespassen. Irgendwann war Lily noch dazugestossen, um Peppy zu longieren. Wobei sie eher herumalberte, als anständig mit dem Shetty zu arbeiten. Sie war mittlerweile eigentlich zu gross um auf dem Pony zu reiten, aber gelegentlich setzte sie sich trotzdem noch für einen Ausritt ohne Sattel auf den Rücken von Peppy.
      Als ich zuletzt im Dunkeln den Weg hinauf schlenderte und den anderen schonmal eine gute Nacht wünschte, schlichen sich Jonas und Ljóski von hinten an mich heran. Na gut, ich hatte sie schon längst kommen gehört, aber tat trotzdem so, als ob ich überrascht wäre. Jonas beugte sich im Vorbeireiten und gab mir vom Rücken des Isis aus einen Kuss. Wir trafen uns beim Nordstall wieder, wo ich ihm noch half, Loki ins Strohbett zu bringen.
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  • Album:
    BRR Einsteller
    Hochgeladen von:
    Veija
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    15 Okt. 2022
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    EXIF Data

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    Height:
    640px
     

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  • Exterieur
    Name: Yoomee
    Rufname: Yoomee
    Alter: 14 Jahre
    Geschlecht: Stute
    Größe: 1,44 m
    Rasse: Connemara
    Fellfarbe: Bay Dun (EeAaDd)


    Stammbaum
    Von: unbekannt
    Aus der: unbekannt


    Charakter & Beschreibung:
    eifrig, lieb, nicht schmiedefromm

    Yoomee ist eine lernbegeisterte Stute, die eifrig an jede ihr gestellte Aufgabe heran geht - manchmal jedoch etwas zu eifrig. Dann neigt sie dazu Aufgaben abzuspielen, die nicht von ihr gefordert wurden nur um "ihren" Menschen zu beeindrucken. Trotzdem würde sie einen Menschen, sei er noch so unerfahren, niemals willentlich verletzten wollen. Nur den Hufschmied mag sie so gar nicht leiden, da wird auch schonmal nach ihm geschnappt. Wir vermuten schlechte Erfahrungen bei diesem Verhalten. Sie ist eine klasse Stute vom Boden aus, unterm Sattel ebenfalls, wenn sie sich nicht gerade viel zu eng macht. Einmal gestellte Aufgaben erledigt sie gewissenhaft, beinahe strebermäßig - die Stute benötigt, gerade was den Kopf angeht viel Zuneigung, denn sonst neigt sie zu kleinen oder auch großen Dummheiten.


    Zuchtinfos
    Gekört/Gekrönt: ja
    [​IMG]
    [SK430]
    Nachkommen:
    - VK Yolie Wisp, von Willo' the Wisp

    Besitzer: Veija (Caleb O'Dell)
    Vorbesitzer: Occulta
    Gezüchtet bei/Zucht:

    VKR: Occulta

    Kaufpreis: 750 Joellen
    Zu Verkaufen: nein


    Qualifikationen:

    eingeritten
    nicht eingefahren


    Dressur A
    Springen L
    Military A
    Distanz A
    Galopprennen E

    Western



    Erfolge:
    [​IMG]
    [RS 65] Glühweinritt

    [​IMG]
    3. Platz 285. Springturnier
    3. Platz 76. Synchronspringen
    3. Platz 78. Synchronspringen


    Gesundheit:
    Gesundheitszustand:
    Letzter Besuch:

    Hufschmied:
    Hufzustand: sehr gut
    Letzter Besuch:
    Beschlag: Barhuf