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Tassila

♀ Valentine's Dublin

"Lin" | prämierte Stute | Decktaxe: 170 j. | Abstammung: 3 P. | Galopper, VS

♀ Valentine's Dublin
Tassila, 25 Sep. 2016
Cooper und Occulta gefällt das.
    • Occulta
      Alte Berichte:
      Lynx, 08.06.2014
      Hufschmiedbericht

      "Guten Tag Mr. Borden" begrüßte mich Haily mit einem freundlichen Lächeln. "Wie kann ich dir helfen?", Haily berichtete mir, das sie 4 Pferde hätte welche kontrolliert werden müssten. "Kein Problem. Würdest du mir bitte das erste Pferd vorführen ?" gesagt - getan. Hailey führte Odyn über unseren Hof. Einmal rund um den großen Springbrunnen. "Wann war er denn das letzte mal beim Hufschmied?" fragte ich sie. "Das kann ich dir leider nicht sagen, das hier sollte eine Ankaufsuntersuchung werden", ich nickte und nahm ihr dann Odyn ab, führte ihn vor die Schmiede und tastete seine Beine ab. "Er scheint gut in Form zu sein", bemerkte ich. Nachdem ich seine Hufe begutachtet hatte, sah ich Haily an:"Odyn hat keine Verletzungen, auch keine Fehlstellungen, die Hufe sind nicht zu lang - ich müsste nur die Hufe in Form raspeln und den Strahl zuschneiden." Diese Prozedur war auch in wenigen Minuten geschehen.
      Nun kam das nächste Vollblut. Es war Mikke. Sie war das letzte Mal am 22.05.2014 beim Hufschmied. Als ich sie führen wollte, stemmte sie ihre Beine in den Boden und lehnte die Ohren an. Glücklicherweise bot sich Haily an, mir zur Hand zu gehen. "Beim Führen wird sie öfters einmal zickig." sagte sie errötend. "Macht doch nichts!" Als ich Mikkes Hufe kontrollierte, konnte ich nichts Ungewolltes feststellen, also griff ich nach meiner Raspel und stellte den ersten Huf auf den Hufbock auf. Etwas unruhig ließ sich Mikke die Hufe verschönern. Anschließend nahm ich das Hufmesser um den Strahl zurechtzuschneiden und die Sohle auszuschneiden.
      Unser nächster Patient war Dublin. Auch ein Vollblut. Dublin war noch ein Jungpferd und stammt aus einer ziemlich erfolgreichen Zucht. Mit der Raspel war er allerdings noch nicht vertraut. Als Haily ihn mir vorführte, hüpfte er mit federnden Tritten über den Pflasterstein. Ich verkniff mir ein Grinsen, um mich zu konzentrieren. "Sieht ja alles gut aus!" bemerkte ich. Ließ mir Dublin dann vor der Schmiede festhalten um seine kleinen Hufe mit der Raspel zu kürzen. Viel musste allerdings nicht getan werden. Anschließend schnitt ich ihm die Hufe aus.


      Félin war mein letzter Patient. Haily warnte mich das sie ziemlich temperamentvoll sein kann. Also beschloss sie Félin selbst zu führen und festzuhalten. So konnte ich die Welsh Stute gut beurteilen und anschließend 'behandeln'. Erst als ich die Raspel aus meiner Schürze zog, wurde Félin unruhig und lehnte die Ohren an. Ich handelte schnell um es der Stute einfach zu machen. Nachdem auch die Hufe ausgeschnitten waren, belohnte ich sie mit einer dicken Möhre.
      2597 Zeichen | © Jackie

      Zasa, 22.01.2015
      Die große Reise

      Nach langen Vorbereitungen war es nun soweit, zwar hat es länger gedauert aber jetzt konnte es losgehen.
      Die letzten Tage habe ich schon fleißig Cartons gepackt, Möbel verschickt und den Hof von Interessenten anschauen lassen. Es hat nicht lange gedauert bis mein kleines Gestüt einen neuen Besitzer fand, doch trotzdem werde ich es mit kleinen Tränen verlassen. Vor etwa einem Jahr habe ich auf einen Mittelalterevent in Südeuropa Ally kennengelernt, eine junge Frau welche die gleichen Begeisterungen wie ich hatte.
      Ich traf mich das Jahr über öfter mit ihr, mal hier, mal da, bis uns die große Idee kam -
      Wir verwirklichen unsere Faszination für die alten Zeiten zusammen auf einem eigenen Hof.
      Dann begann auch schon die Suche nach einem geeigneten Grundstück. Zum Glück hatten wir keine wirklichen Begrenzungen was Land und so anging, deshalb stoßen wir aus Zufall über eine Anzeige
      im Internet, zu verkaufen war ein kleiner ausgebauter Hof in Irland, genauer in Luggala.
      Es besaß alles was wir uns vorgestellt haben und so war es uns klar. Dort beginnen wir
      ein neues Leben! Uns begleiten viele Ideen in Form von Mittelalter Events und auch eine eigene Reitweise,
      basierend auf Vertrauen zum Pferd war schon in Planung. Alles perfekt soweit.
      Vor einem Monat habe ich den Flug gebucht. Es war die größte Hürde die ich zu überbrücken hatte,
      den kaum ein passender Flug hatte Platz für 15 Pferde. Doch nach langen Suchen und hin und her telefonieren war auch dies geplant. Ebenfalls hatte ich eine Fähre für den ganzen Möbel und Schnickschnak kram gebucht, welche innerhalb eines Tages auch ankommen sollte.
      Zunächst ging ich raus in den Stall, ich fütterte und mistete ein letztes mal.
      Ich glaube die Pferde konnten es ebenfalls fühlen das bald Stress anstand. Sie wirkten irgendwie nervös
      und unruhig. Nach dem füttern ging ich zurück zum Haus wo mich schon einer der 3 LKWs erwartete.
      Jeder von ihnen hatte Platz für 5 Pferde, welche zum Flughafen gebracht werden sollten.
      Ich bat die Fahrer auf einen Kaffee pause zu machen und packte in der Zeit allen restlichen kram zusammen, so das nur noch die Pferde und ich fehlen. Die Möbel seien schon in Luggala angekommen was mich sehr beruhigte, denn ein Leben ohne Möbel? Ich schmunzelte und packte weiter zusammen.
      Nach cirka einer Stunde kam auch die Käuferin der Gestüts zur Schlüsselabgabe also dachte ich das nun ein guter Zeitpunkt war die Pferde zu verladen. Mit genügend Hilfe verluden wir Pferd für Pferd, jedoch waren alle sehr verschieden. Shapaan zum Beispiel ging hoch wie eine eins, da er durch viele Tuniere da ein alter Hase war, aber Pferde wie Hnakki machten da schon mehr Probleme, aber nach gut einer Stunde haben wir es trotz Turbulenzen endlich geschafft. Ich überreichte den Fahren die Pferdepässe und schickte sie los zum Flughafen.
      Noch kurz unterhielt ich mich mit der Hauskäuferin und Checkte mit ihr noch einmal die ganze Anlage das auch ja alles geklärt war. Wir unterschrieben den Vetrag und dann verabschiedete ic mich mit tränenden Augen bis mein Taxi da war. Nun war noch einmal die Zeit gekommen in sich zu gehen. Ich dachte über die vielen schönen Tage hier nach, und wie alles anffing. Die Zeit verging schnell da ich vermeindlich eingeschlummert war, doch
      der Taxifahrer weckte mich aus meinen Träumen. "Wir sind da, das macht dan 21,50€".
      Schnell übergab ich ihm das Geld und ging zum Check In. Mein Flug startete in einer Stunde und auch die LKWs waren bereits eingetroffen. Ich schaute noch einmal im Tierbereich vorbei, lies die Pässe checken und ging zurück zum Passagierbereich. Dann wurde mein Flug auch schon aufgerufen und nervös ging ich zum Flieger.
      Freundlich wurde ich auf meinen Platz gewiesen. Es war erstaunlich leer, aber wer flog auch schon groß nach Irland, schmunzelte ich erneut. Der Flug würde nur etwa 2 Stunden dauern was mich sehr beruhigte.
      Nachdem ich noch ein wenig am Laptop spielte und Ally berichtete das ich bereits im Flieger saß.
      Etwas aufgeregt war ich ja schon, den jetzt gab es kein zurück und alles musste einfach gut gehen. Nach kurzem einschlummern hieß es auch schon das wir in kürze landen werden und ich war sofort wieder Hellwach.
      Direkt nach dem Landen Ging ich flott zu den Pferden um zu schauen ob alles okay war. Alle außer Zuckerschock waren wohlauf, sie war leider etwas müde da die radau machte und sediert werden musste.
      Zum Gkück waren auch schon die organisierten Transporter da und wir luden nach einer Futterpause die
      Pferde erneut auf. Diesmal ging sogar Hnakki brav hoch. Ich durfte im LKW mitfahren und lehnte mich entspannt zurück und schaute mir ein wenig die Landschaft an. Insgesamt fuhren wir noch einmal 2 Stunden da Luggala etwas abseits aller Städte lag, doch dann htten wir es auch schon geschafft. Ich stieg aus und schaute mir zunächst die Ställe an. Eine unheimliche Stille lag momentan noch in der Luft, aber das sollte sich bald schon legen.
      Mit Hilfe einer Anwohnerin bereitete ich die Boxen und Ställe vor. Heu und Stroh wurde zum Glück bereits geliefert.
      Dann luden wir alle zusammen die Pferde ab und brachten die ind die vorher eingeteilten Ställe.
      Man man man war das vielleicht ein Stress. Erschöpft setzte ich mich auf einen Holzstamm neben den Offenställen und beobachtete die Pferde, ob alles gut gehen würde, wie sie sich verhalten und träumte bereits von der Zukunft.
      Nun war es an der zeit die Möbel einzuräumen, denn gerade als ich eine Runde laufen wollte hupte es im Wald.
      Gott sei dank hatten sie genug Hilfen dabei, denn alleine war es doch..etwas schwierig. Nach gut 2 Stunden war das gröbste eingeräumt, fehlten nur noch die Gästehäuser, aber dies hatte noch 2 Tage zweit.
      Langsam wurde es dunkel und ich machte meine Runde über das Gelände, alle Pferde bekamen noch einmal Futter, und dann genoss ich die letzten Stunden des Tagen. Ich chattete noch ein weinig mit Ally welche bald eintreffen wird und schlief dann nach einem langen stressigen Tag endlich ein.


      Zasa, 31.01.2015
      Drei Neuzugänge in Luggala

      Heute stand wieder ein ereignisreicher Tag an. Nachdem ich und meine Pferde uns bereits gut eingelebt haben sollte sich der Hof um einzelne Tiere erweitert werden. Zunächst ging es aber wie jeden Tag in den Stall. Schnell war das Futter angerichtet und ich stritt zur Gabel, zum Glück standen nur 4 Pferde in den Boxen, schmunzelte ich.
      Die Zeit verging schnell undso ertönte auch schon das Handy. Es war mein Bekannter, welcher für mich die neuen Pferde am Flughafen abholen sollte, es hieß er sei in 30 Minuten schon da.
      Wie ein kleines Kind sprang ich auf und machte schnell die Ställe für die neuen fertig. Es handelte sich un Nachtschwärmer, ein Haflingerhengstfohlen, welchen ich vom Käufer wieder zurpckholte, da diese leider keine Zeit mehr hatte. Desweiteren konnte ich eine Hannoveranerstute namens Golden Wonder ergattern. Sie war die Mutter der vielseitig bekannten To Where the Skies are Blue aus dem Stalle Saleras. Ein wenig stolz war ich auf den dritten aus der Runde, Nachtfalke aus dem Stalle Occultas. Ein kleiner Amarican Miniatur Horse Hengst von einem Jahr. Dann war es auch schon soweit. Ich hörte bereits den LKW im Walt, dann durfte ich ihn auch erblicken. Wir luden alle Pferde ab, brachten sie in ihre Ställe und ließen sie natürich zunächst in Ruhe.
      Morgen würde ich noch einmal nach ihnen schauen und alle ein wenig mehr umkümmern.


      Friese, 09.02.2015
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      Ich sah auf meine Uhr. Es war noch sehr früh und draußen noch dunkel, doch heute hatte ich einen langen Tag vor mir. Ich wollte Zasa Levy und ihre Pferde besuchen und diese durchchecken. Da es sich nicht wie oft um nur ein Pferd handelte sondern gleich um sechs Pferde. Dies würde seine Zeit dauern, da ich nicht einfach nur schnell machen wollte. Ich stieg in mein Auto und speicherte dann ihre Adresse ein. Ich starte die Routenführung und fuhr dann los. Nach einer längeren Fahrt war ich bei ihr und stieg aus meinem Auto. Mittlerweile war es hell geworden und es war auch schon ein bisschen wärmer. Ich ging auf Zasa zu, welche bereits auf mich warte. „Hallo Zasa, um wie viele Pferde handelt es sich jetzt eigentlich?“ fragte ich lächelnd und sie sagte mir, dass es um 7 Pferde ginge. Ich nickte und ging dann mit ihr zu den Pferden. Noch waren die Pferde in ihren Boxen und so musste man sie nicht erst noch reinholen und putzen. „ Mit wem willst du anfangen?“ fragte sie und sie meinte, dass sie gerne mit den Fohlen beginnen würde. Sie holte Jinx aus ihrer Box und band sie dann an. Ich begrüßte die Stute und sah mir dann ihren Kopf an. Weder an Ohren, Augen noch an den Nüstern konnte ich Verletzungen erkennen. Ich hörte ihr Herz und ihre Lunge ab. „ Hört sich alles sehr gut an. Verletzungen hat sie auch keine vom Umzug davon getragen. Bitte trab sie jetzt draußen auf dem Boden mal vor“ meinte ich und sie tat das. Das Fohlen ging nicht lahm und so konnten wir sie guten Gewissens wieder in die Box stellen. Danach holten wir Nachtschwärmer aus der Box und ich hörte auch sein Herz und seine Lunge ab. Hier hörte sich auch alles normal an und so sah ich mir auch seine Ohren an. „In seinem rechten Ohr ist ein kleiner Kratzer. Er ist nur oberflächlich, also nichts schlimmes“ teilte ich ihr mit und sah mir dann seine Augen und die Nüstern an. Hier war wieder alles in Ordnung und so ließ ich sie nochmal vortraben. Er ging klar und ich hörte ihn danach nochmal ab. „Bis auf das Ohr ist alles bei ihm sehr gut“ meinte ich und wir brachten den Haflinger auch wieder in die Box. Darauf holten wir Valentines Dublin aus der Box und ich lobte die Stute. „ Ein echt hübsches Pferd“ meinte ich und sah sie an. Dann sah ich mir ihren Kopf an. Ihre Augen, ihre Nüstern und ihre Ohren waren in bester Ordnung. Dann hörte ich ihr Herz ab und ihre Lunge, dies wiederholte ich nach dem Vortraben auf dem Hof. „ Bei ihr ist alles sehr gut. Bring sie wieder in die Box und wir wenden uns den anderen Pferden zu“ meinte ich und sah sie an. Sie nickte und stellte die Vollblutstute in die Box. „ Fangen wir gleich mit Drachentöter an“ meinte ich und sie nickte wieder. Sie band den Hengst an und ich hörte ihn ab. Ich konnte auch bei ihm keine Unregelmäßigkeiten feststellen und so sah ich mir seinen Kopf an. Auch hier sah alles gut aus. „ Trab ihn bitte auf dem Hof noch schnell vor“ meinte ich und zusammen gingen wir. Drachentöter trabte ein Stück und ich merkte, wie er immer weniger auf dem rechten Hinterbein auftrat. „ Es scheint mir als habe er Schmerzen an der rechten Hinterhand“ fügte ich hinzu und klopfte den Hals des Hengstes. Ich schaute mir sein Bein genauer an und entdeckte eine kleine Schwellung. „ Ich würde die Stellung kühlen und einen Verband mit Salbe anbringen“ meinte ich und sie stimmte meiner Meinung zu. Ich nahm eine kühlende und schmerzlindernde Salbe und schmierte sie dann auf sein Bein. Ich legte den Verband noch an und meinte dann „ Den Verband würde ich jeden Tag oder jeden zweiten Tag wechseln. Die Salbe kann ich dir hier lassen und ich würde ihn die nächsten Tage stehen lassen. Es scheint nur eine Prellung zu sein, also nichts schlimmes, das geht wieder weg.“ Wir brachten ihn in seine Box und holten dann Hnakki aus der Box. Der Hengst sah mich an und wieherte dann kurz. Ich hörte ihn ab und sah mir seine Augen und seinen restlichen Kopf an. Dann schaute ich mir seinen restlichen Körper an und entdeckte auf einer Seite einen kleinen Kratzer. „ Er ist beim Transport anscheinend hängen belieben“ meinte ich und säuberte die Wunde und schmierte dann Salbe auf diese. „Trab ihn auch noch vor, dann sind wir mit ihm auch fertig“ meinte ich und gemeinsam gingen wir auf den Hof. Hnakki ging klar und ich war sehr erleichtert darüber. Als nächstes holten wir Desire H aus der Box und lobten die junge Stute. Ich sah sie mir genau an und hörte sie dann ab. „ Sie hat die Reise gut überstanden. Ich kann weder Kratzer noch eine Unregelmäßigkeit des Herzens oder ein Rauschen in der Lunge hören“ meinte ich. Wir gingen gemeinsam wieder raus und sie ließ die Stute vortraben. „ Auch hier schaut alles sehr gut aus“ sagte ich dann erfreut, als die beiden wieder zu mir kamen. Gleich geschafft, nur noch ein Pferd, dachte ich mir kurz und ging dann mit den beiden wieder in den Stall. Das letzte Pferd war Outside Girl, eine Lewitzerstute. Ich hörte sie auch ab und schaute sie mir dann genau an. „Sie schaut auch sehr gut aus“ meinte ich und wir gingen wieder raus. Sie trabte sie wieder vor und auch bei ihr war keine Unregelmäßigkeit oder Lahmheit festzustellen. „ Bei ihr ist alles in Ordnung“ sagte ich und ging dann wieder mit ihr in den Stall, dort packte ich meinen Koffer wieder ein und meinte dann „ Hat mich sehr gefreut, dass ich deine Pferde anschauen durfte.“ Sie bedankte sich, dass ich Zeit hatte und mich so gut um ihre Pferde gekümmert hatte. „ Wenn du wegen Drachentöter, Hnakki oder den anderen noch eine Frage hast dann kannst du jeder Zeit anrufen. Wenn es bei Drachentöter nicht besser wird, dann ruf mich an. Ich komm dann wieder vorbei“ meinte ich und wir beiden gingen zu meinem Auto. Dort verabschiedeten wir uns und ich fuhr wieder in meine Praxis.

      Occulta
      Dublin? Dublin.

      "Hey Olly, what about her?", fragte ich den Vollbluttrainer erwartungsvoll. Dieser nickte langsam und meinte, man könne es sich ja mal ansehen. Wir sassen am Küchentisch und durchblätterten die Zeitungen der Rennsport News nach potentiellen Nachwuchsgaloppern. Wir hatten nämlich entschieden, noch einen weiteren Zweijährigen zum einreiten und ausbilden dieses Jahr zu kaufen. Ich hatte Oliver auf eine hübsche Scheckstute angesprochen, die ich soeben entdeckt hatte. Sie war ein echter Hingucker, noch dazu mit interessanter Abstammung. Ob sie überhaupt noch zu haben ist? Ein Versuch ist es wert. Ich rief wenige Minuten später an und erreichte die Besitzerin tatsächlich. Es stellte sich heraus, dass sich schon ein paar Interessenten gemeldet hatten, doch noch nichts entschieden war. Ich vereinbarte ein Treffen für den nächsten Tag. Oliver stimmte zu, mich zu begleiten und sich die kleine anzusehen. Er wusste mittlerweile, dass ich eine Schwäche für Schecken hatte, deshalb musste er ein wenig schmunzeln, als er zur Tür hinaus trat.

      Am nächsten Morgen fuhren wir los, sodass wir gegen Mittag auf dem Hof ankamen. Es sah schön sauber und aufgeräumt aus, und wir wurden sogleich freundlich empfangen. Die Besitzerin zeigte uns die Stute - Dublin hiess sie - und auch ihren Stammbaum. Der Name des Vaters war mir wohl bekannt, denn bereits mein Hengst Cantastor war ein Sohn dieses begabten Vollblüters. Da ich also bereits im Besitz eines erfolgreichen und gut zu händelnden Abkömmlings war, wurde ich umso interessierter an der Stute. Wenn sie genauso ist wie Canto, dann werden wir zwar anfangs einen kleinen Kampf haben, danach jedoch eine steile Erfolgskarriere. Ich teilte meine Gedanken Oliver mit, der ebenfalls zustimmend nickte. Wir tasteten die Sehnen des jungen Pferdes ab und prüften mit geübtem Auge die wichtigsten Körperpartien. Dann liessen wir sie vortraben. Oliver meinte, sie könnte vorne noch etwas mehr mit dem Bein vorschwingen, doch das sei bestimmt durch gezieltes Training beeinflussbar. Ich nickte zufrieden, also tranken wir mit der Besitzerin einen Tee um zu Verhandeln. Schliesslich einigten wir uns auf einen Preis und unterzeichneten den Kaufvertrag. Mit einem guten Gefühl stieg ich zurück ins Auto, wir würden die Stute nächste Woche abholen können.

      Eine Woche später, an einem sonnigen Donnerstag, führte ich Dublin aus dem Anhänger in ihre provisorische Box, in der sie ein paar Tage bleiben musste, bis sie zu den anderen Jungpferden durfte. Ich brachte ihr Heu und eine Karotte, dann liess ich sie in ruhe aklimatisieren.
      14 März 2015


      Occulta
      Heisses Blut

      Es war der erste richtig warme Frühlingstag dieses Jahres. Ganze 22 Grad sollte es am Nachmittag werden, und selbst die letzten müden Flecken Schnee im Schatten der Gebäude hatten sich endlich aufgelöst. Eigentlich sah ich dem warmen Wetter schon etwas wehmütig entgegen, schliesslich hatten das Schlitteln und die ganzen Schneegallops einen riesen Spass gemacht. Andererseits war nun die Vorfreude auf das Baden im Sommer gross.
      Ich lief summend zu den Weiden, denn ich wollte mich heute morgen zuerst um die Fohlen kümmern, bevor ich mit Sorrow auf dem Platz arbeiten ging. Auf das Vollblütertraining hatte ich diesen Morgen verzichtet, denn es waren genug Jockeys da gewesen und so konnte ich seit langem mal wieder bis halb neun Uhr ausschlafen. Als ich die beiden bunten Fohlenherden erblickte, musste ich schmunzeln. Im Moment hatten wir tatsächlich nur Vollblüter hier! Und noch dazu eine grosse Farbenvielfalt. Besonders Ciela stach bei den Stuten hervor, mit ihrem strahlend weissen Fell. Aber auch Dublin fiel auf, denn bei ihr sah es aus, als hätte der Winter noch ein paar Reste des Schnees auf ihrem Fell zurückgelassen. Penny hingegen wirkte, als hätte sie den Kopf in einen Eimer Farbe getaucht. Sie begrüsste mich mit ihrer rosa Schnauze sanft beim Zauntor und ihre eisblauen Augen rollten frech. Oi oi, so viel Vollblut auf einem Haufen, dachte ich, als Alysheba, Merino, Simba und Life nebenan mit geschmeidigen Bewegungen am Zaun vorbeibretterten und einander um den Baum herum jagten. Ich betrat nichts desto trotz zuerst die Stutfohlen Weide und begann damit, Kaythara zu kraulen und sie gleichzeitig nach kleinen Wunden von Raufereien abzusuchen. Bei den Spielereien der Damen kam es durchaus mal zu blutigen Nüstern und fehlenden Fellfetzen auf der Kruppe. Aber das gehörte eben auch zum erwachsenwerden. Ich tastete auch ihre Sehenen ab, doch sie fühlten sich einwandfrei an, ganz ohne Klümpchen. Ich kontrollierte auch die anderen Stütchen auf diese Weise: spielerisches Kraulen und so nach und nach den gesamten Körper nach Verletzungen abtasten. Sie liessen sich beinahe alle gut anfassen, nur Riven wich mir aus und zog das Bein auf, als ich sie am Bauch anfassen wollte. Ich blieb hartnäckig, bis sie die Berührung duldete, denn es war mir wichtig, dass sich die Fohlen überall anfassen liessen, dies vereinfachte den täglichen Umgang mit den zukünftigen Rennpferden enorm. Ich tastete als letztes Dublins Beine ab und nahm sie lachend am Ohr, als sie an meinem Genick schnüffelte. Dann richtete ich mich auf und holte die dunkelblaue Schabracke, die ich beim Herkommen über den Zaun gelegt hatte. Einem nach dem anderen zeigte ich sie und liess die Fohlen auch daran schnuppern oder knabbern. Es handelte sich um eine alte Schabracke, die ohnehin recht mitgenommen aussah, sodass es nicht schlimm war, wenn die Fohlen auf ihr herumkauten. Anschliessend legte ich die Decke auf die Rücken der Stuten und wartete gespannt die Reaktion ab. Penny zum Beispiel sah sich augenblicklich nach dem seltsamen Gegenstand auf ihrem Rücken um und versuchte, ihn auzuschütteln. Ciela hingegen, die ein ganzes Jahr älter und schon fast einreit-bereit war, schnüffelte an meinem Arm nach einem Leckerli. Ich spielte noch etwas mit den Stuten, bis alle die Decke akzeptiert hatten, dann machte ich mich auf zu den Hengsten.
      Auch auf dieser Weide suchte ich zuerst alle Fohlen nach Verletzungen ab, die man behandeln müsste. Tatsächlich hatte Simba ein grösseres Stück Haut bei der Flanke eingebüsst, vermutlich bei einer Rauferei mit Merino. Ich holte zur Sicherheit eine desinfizierende Salbe zur Förderung der Wundheilung und schmierte sie sorgfältig auf die Stelle. Er hielt brav still und ich lobte ihn durch kraulen. Auch Life hatte einige oberflächliche Verletzungen, jedoch keine Bedeutenden. Er hatte es in den letzten Tagen noch etwas schwer gehabt, schliesslich war er vor kurzer Zeit in die Herde integriert worden. Mittlerweile schien die Rangordnung geklärt und er hatte sich, wie alle anderen, Alysheba untergeordnet. Der zupfte mir übrigens gerade an meinem Ärmel, sodass ich aus meinen Gedanken auftauchte. Zeit für die Schabracke! Die Hengste waren so gar nicht beeindruckt und interessierten sich eher für meine Wanderschuhe. Ihnen schien es dauernd langweilig zu sein, ausser, wenn bei den Stuten nebenan etwas lief. In diesen Momenten war ich froh um den stabilen Holzzaun, der die Halbstarken davon abhielt, zu den Damen rüberzuhüpfen. Sie versuchten es auch gar nicht erst. Dafür rasten sie den Zaun entlang, im schönsten Schwebetrab, zwickten sich hin und wieder gegenseitig in den Po und erhaschten einen Blick auf die ebenfalls in Bewegung gekommene Stutenherde. Manchmal dauerte dieses Spektakel fünf Minuten an und der Auslöser war zumeist ein tief fliegendes Flugzeug oder ein lautes Geräusch von den Stallgebäuden. Zum Teil reichten auch ein Fuchs oder ein Wiehern vollkommen aus. Ich fand es interessant, wie die beiden Herden miteinander interagierten. Allerdings klappte diese Aufteilung nur während der Jugendzeit, denn sobald die Hengstchen alt genug waren, wurde ihr Verhalten untereinander zunehmend aggressiver, wenn sie Schnüffelkontakt mit den Stuten hatten. Sobald sie zu den Grossen umzogen, kamen sie zu anderen Zeiten auf die Weide, als die Stutenherden. Dann gab es unter den Männern zwar immernoch die eine oder andere Rauferei, jedoch kam es selten zu ernsthaften Verletzungen und ein gewisses Risiko ging ich gerne ein, wenn die Jungs dafür artgerecht miteinander interagieren durften. Sie erinnerten mich jeweils an die Bachelor Herden bei den Mustangs. Im Stall klappte das Nebeneinanderstehen gut, die meisten akzeptierten ihre Boxennachbaren schnell, egal von welchem Geschlecht sie waren.
      Ich schnappte mir die Schabracke wieder von Merinos Rücken, der damit schon in Richtung anderes Ende der Weide davonlaufen wollte, und verliess die Fohlen um zu Daydreaming Sorrow zu gehen.
      16 Apr. 2015


      Occulta
      Welcome back, Sister!

      Heute schien die Sonne unbeirrt auf die saftigen Weiden von Pineforest Stable. Es schien, als wollte der Sommer sich bereits im voraus ankünden. Es war auch richtig heiss, sodass das Vollblütertraining so früh wie noch nie dieses Jahr am Morgen stattgefunden hatte. Nun war es bereits kurz nach Mittag und ich lag zusammen mit Quinn und Lily im Schatten hinter der Halle. Das kühle Gras kitzelte meine Beine, aber ich war zu beschäftigt mit dem leckeren Eis in meiner Hand, um mich davon ablenken zu lassen. Wir beobachteten, wie die Stuten auf den Weiden sich ebenfalls vorzugsweise im Schatten der Bäume bewegten. Als wir fertig gegessen hatten, lief ich mit Lily zum Hauptstall, Quinn hingegen gesellte sich zu Lewis und Elliot zu den Tischen im Zuschauerraum der Reithalle. Lily und ich holten Cantastor aus seiner Box und putzten ihn gemeinsam. Der kleine Stern auf seiner Stirn erinnerte mich sehr an den von Fly, nur dass dieser dazu noch eine Schnippe besass. Aber auch sonst waren die beiden Hengste sehr unterschiedlich, denn Canto war ein cooler, ruhiger Typ, während Fly sich im Moment eher hektisch und schreckhaft verhielt. Natürlich war Canto auch schon etwas erfahrener. Nach dem Hübschmachen führten Lily und ich den Dunkelbraunen zur Hengstfohlenweide. Wir wollten ihn nicht etwa wieder zu den Junggesellen schicken, nein. Aber wir wollten ihn mit Alysheba bekannt machen, der aus dem gleichen Gestüt stammte wie er. Auch Dublin war ein Valentine’s-Fohlen, aber es war praktischer, einen Spaziergang mit den beiden Jungs zu machen. Wir wollten nämlich auch gleich ein wenig Führtraining mit Aly machen und erhofften uns, dass er von Canto etwas lernen konnte. Zu diesem Zweck hatte ich ein kleines Lederhalfter mitgebracht, das ich in die richtige Grösse verstellte und dem Jährling über streifte. Er liess es sich ohne zu zicken gefallen - war ja nicht das erste mal. Es gab ein kleines Gewieher, als ich den braunen Jungspund weg von seinen Kollegen führte, doch auch das hatte ich schon mehrere Male gemacht, weshalb die anderen bloss ein wenig nach ihm riefen, danach aber gleich wieder weitergrasten. Aly seinerseits war neugierig auf den grossen Hengst vor ihm und vergass die anderen Rabauken schnell. Die beiden beschnupperten sich und Aly kaute unterwürfig, um sich keinen Ärger einzufangen. Ich lachte bei dem Anblick, war der kleine Mann doch sonst immer sehr mutig und frech im Umgang mit den anderen. Wir sprachen kurz ab, welchen Weg wir gehen würden, dann liefen wir los in Richtung Fluss. Bei solchem Wetter war eine Abkühlung genau das Richtige, und Aly konnte das Wasser kennenlernen. Unser Plan funktionierte: Der Kleine beobachtete Canto, wie er ohne zu zögern einige Schritte in den Fluss lief und zu trinken begann. Ich zog mir die Schuhe aus und die Hosen hoch, wie es auch Lily schon getan hatte, und führte Aly zum Ufer. Er zögerte kurz, dann folgte er mir in die kühle Flüssigkeit. Das Wasser umspülte seine Beine und führte hie und da ein kleines Blatt oder einen Ast mit sich. Nach ein paar Sekunden begann er übermütig mit dem Vorderhuf zu scharren und mich nass zu spritzen. Ich stand etwas zur Seite, indem ich das Seil länger liess. „Good boy!“, lobte ich dieses spielerische Verhalten, denn er sollte ruhig auf den Geschmack kommen. Schliesslich würde er später immer wieder mit dieser Substanz zu tun haben. Canto stand da und sah zu, einfach nur die Kühle geniessend. Nach einer Weile zogen wir weiter. Wir kamen auf dem Spaziergang an einer Kuhweide, einem Traktor und einem Fahrrad vorbei. Besonders die Kühe jagten dem Jährling Angst ein, aber auch den Trakor fand er etwas furchteinflössend. Obwohl wir in einigem Abstand im Feld standen, als er uns kreuzte, sog Aly laut hörbar Luft ein und sah im mit grossen Telleraugen nach. Ansonsten verlief der Ausflug entspannt. Ich war froh, in Canto einen so tollen Lehrmeister zu haben und stolz auf meinen kleinen Nachwuchsathleten, der heute wieder viel gesehen und hoffentlich auch gelernt hatte. Jetzt durfte er aber erstmal zurück zu seinen Kumpels, die ihn eifrig begrüssten. Als ich Merino sah, fiel mir ein, dass heute ja Primo ankommen würde. Die kleine Vollschwester des dunkelbraunen Fohlens war ebenfalls auf Pineforest Stable zur Welt gekommen, danach aber aufgrund ihrer Schwäche als Flaschenaufzucht an eine gute Freundin von mir übergeben worden. Ich sah auf die Uhr und stellte erleichtert fest, dass noch genug Zeit übrig war, um alles vorzubereiten.

      Um vier Uhr fuhr der Transporter mit der kleinen Stute auf den Hof. Gespannt öffnete ich die Klappe und begrüsste die Kleine sanft. Klein war wohl nicht der richtige Ausdruck, denn sie hatte sich dank der ausgezeichneten Pflege wunderbar entwickelt und war wie Merino zu einem kräftigen Jährling herangewachsen. Ich erkannte amüsiert die kleinen weissen Flecken auf ihrem Fell wieder, die sich auch bei Merino und ihrem Vater Ikarus finden liessen. Ob Blüte sie wohl wiedererkennt?, fragte ich mich schmunzelnd, und führte die Stute zum Hauptstall, um die beiden sich beschnuppern zu lassen. Blütenzauber zeigte sich interessiert an der kleinen Stute, wandte sich dann jedoch nach wenigen Augenblicken wieder ihrem Heu zu. Etwas anderes hatte ich aber auch nicht erwartet, schliesslich hatte sie ihre kleine Tochter schon sehr lange nicht mehr gesehen und wohl bereits vergessen. Der nächste Halt war die Stutfohlenweide. Auch dort herrschte reges Interesse an Primo, doch zu meiner Überraschung war es Merino, der sich am aufgeregtesten zeigte. Kann es wirklich sein, dass er seine Schwester wiedererkennt? Jedenfalls schnüffelten die beiden durch den massiven Holzzaun aneinander und beknabberten sich gegenseitig die Backen. Primo wurde kurz danach von allen Seiten umstellt und beschnuppert. Dublin, die im Moment die Ranghöchste in der Gruppe war, nahm es besonders genau und quietschte einige male, um der Neuen Eindruck zu machen. Ich blieb dabei, bis sich die Situation entspannte, denn ich wollte keine Verletzungen riskieren. Primo ordnete sich der Scheckstute kommentarlos unter, etwas anderes blieb ihr auch gar nicht übrig, denn Dublin war älter und kräftiger.

      Als es dunkel wurde, sattelte ich Sumerian. Die Stute war am Morgen nicht mit den anderen im Training gewesen, da sie vor kurzem geimpft worden war. Ich wollte es deshalb mit ihr etwas ruhiger angehen lassen und hatte einen gemütlichen Mondscheinausritt geplant. Ich stieg im Dunkeln auf und ritt nach Osten über die Drücke. Der Mond schien sehr hell über die hohen Felder und in der Ferne schuhuhte ein Käuzchen. Nach der Hitze des Tages war die frische, nächtliche Brise, die snaft Sumerians Mähne hob, sehr angenehm. Nach einigen Trabstrecken fühlte ich mich plötzlich unglaublich müde und ausgelaugt und beschloss deshalb, langsam aber sicher zurückzureiten, bevor ich noch einschlafen würde. Ich nahm es beinahe als selbstverständlich hin, dass die kaum dreijährige Stute im Dunkeln mutig und zügig voranschritt. Dennoch linste sie beim Vorbeireiten an Gebüschen manchmal etwas zu Seite, als erwartete sie, dass ein Monster daraus hervorbrechen würde. Ich nahm es ihr aber nicht allzu übel, denn mir war die Nacht auch nicht mehr ganz geheuer, seit ich im Wald vermutlich dem Killer begegnet war. Davor hatte ich mich nun nicht mehr zu fürchten: Sie hatten ihn vergangene Woche endlich geschnappt, nachdem er in ein Bauernhaus eingebrochen war. Alle waren unglaublich erleichtert gewesen, denn seine Präsenz hatte wie ein dunkles Wolkendach über dem Hof gelegen. Sumerian und ich schritten jedenfalls unbeirrt und sorgenfrei den Kiesweg zum Hauptstall zurück.
      3 Juni 2015


      Occulta
      Coming Home

      Es war Sonntagabend und ich sass gerade vor dem Computer, um meine E-Mails und sonstige Neuigkeiten zu checken. Ein Mailtitel zog mich ganz besonders in seinen Bann. Dort stand „Some Pics for you“, der Absender war Jonas. Er hatte mir ja versprochen, Bilder von seinen Ferien zu schicken. Doch gerade, als ich die Mail öffnen wollte, klingelte das Telefon. Seufzend stand ich auf und ging ran. Es war Marcus, ein befreundeter Trainer und Züchter aus Liverpool. Wir hatten vor einer Woche bereits geschäftlich miteinander telefoniert, das war auch diesmal so. Das Thema waren zwei der fünf neuen Vollblüter, die er vor kurzem entdeckt und prompt ersteigert hatte. Er hatte mir die vielversprechenden Jungpferde nach der Auktion zu einem fairen Preis angeboten, da er selber von Anfang an nur drei der fünf hatte behalten wollen. „They arrived yesterday and appear healthy and fit. So, which two do you want?“ Ich hatte mir die fünf mehrmals angesehen und ihre Stammbäume studiert, um meine Favoriten rauszupicken. „I think I’ll take Buck’s Lemon and Caligari“ „Ohhhh no, not so fast. Lemon is mine, I’m not quite such a fool. This one will undoubtedly be a champion one day” Ich rollte die Augen, musste aber trotzdem über seine Sturheit lachen. Der Hengst hatte es ihm wohl echt angetan. „Okay, fine, I’ll take Cool Cat instead“ „Sure, that one will be just as well” Na klar, deshalb scheust du dich auch nicht, ihn loszuwerden. Naja, ich denke dass er tatsächlich Potential haben könnte, auch wenn er so… gewöhnlich ist, dachte ich im Stillen. Marcus wollte sie mir morgen gleich vorbeibringen, da er sowieso noch in Richtung Birmingham kommen wollte, warum auch immer. Endlich konnte ich auflegen und mich wieder dem Computer widmen. Ich öffnete die Mail, las den kurzen Einleitungstext (Hatte eine schöne Reise, bla bla) und scrollte dann die Bilder durch. Ein paar hübsche Landschaftsfotos waren dabei, aber richtig interessant wurde es für mich, als die Bilder der Gips Reminder Ranch kamen. Zu meiner Enttäuschung waren keine von Flint dabei, doch Jonas hatte auch gleich den Grund dazugeschrieben, nämlich dass er mittlerweile an Eddi verkauft worden war. Na dort hat er es bestimmt sehr gut, dachte ich grinsend, denn ich wusste ja, wie sehr Eddis Lieblinge verwöhnt wurden. Mir stockte der Atem, als ich Shadow auf den Bildern erkannte. Die Lackschwarze Stute war sogar noch wunderschöner als ich sie in Erinnerung hatte. Was würde ich dafür geben, sie wiederzubekommen… Ich schrieb Jonas zurück, wie schön die Stute geworden war und wie sehr ich sie vermisste. Vielleicht konnte er ja mit Verena verhandeln? Ich glaubte zwar nicht, dass sie sie hergeben würde, aber träumen durfte man ja. Ich rieb mir die Augen und bemerkte erst jetzt, wie spät es schon wieder war. Zeit endlich ins Bett zu klettern.

      Am Morgen liess ich den PC gleich wieder an, vielleicht hatte Jonas bereits wieder geschrieben. Schliesslich war er dank der Zeitverschiebung erst später ins Bett gegangen. Tatsächlich war eine Antwort im Posteingang. „Ich habe Verena auf Shadow angesprochen und sie meinte, sie liesse mit sich verhandeln“, las ich murmelnd vom Bildschirm, ehe ich die Worte begriff und aufjubelte. Rasch tippte ich alles in die Mail, was Jonas wissen musste, denn ich verliess mich diesmal auf seine Verhandlungskünste. Als ich schliesslich zur Haustür raus lief, die Jacke halb im Gehen anziehend, konnte ich es noch immer kaum fassen. Sie kommt tatsächlich zurück! Mit federnden Schritten begab ich mich zum Hauptstall.

      Am frühen Nachmittag kümmerte ich mich um die Fohlentruppe. Die Jungspunde brauchten wiedermal eine Lektion in Sachen Erziehung, schliesslich wollten sie einmal Grosses erreichen. Kaythara, Ciela und Dublin waren zusammen mit Alysheba die ältesten der Fohlen. Sie waren beinahe zwei Jahre alt und würden schon bald mit dem Ernst des Lebens konfrontiert. Doch auch jetzt schon mussten sie gewisse Abläufe lernen, mit denen man nicht früh genug anfangen konnte. Zum einen gehörte das Putzen dazu. Die drei ältesten Jungstuten kannten das schon längst und blieben brav stehen, als Jason, Linda und ich mit den Bürsten ankamen. Linda hatte sich inzwischen gut eingelebt und kannte langsam aber sicher die einzelnen Persönlichkeiten ihrer Pfleglinge. Sie wusste zum Beispiel, dass Kaythara nicht gerne an der Stirn angefasst wurde, und dass Riven allgemein etwas spezielle Behandlung verlangte. Jason versuchte trotzdem die ganze Zeit, ihr dazwischenzureden und zu helfen. Ich liess die gelegentlichen Zankereien aber die Sorge der beiden sein und hielt mich da raus, solange die Arbeit sauber ausgeführt wurde. Gerade passierte es wieder. „You should be careful with her hindlegs, she kicks sometimes“, bemerkte Jason, als Linda Dublins hintere Hufe auskratzen wollte. Die Pflegerin biss sich auf die Unterlippe und verkniff sich so einen gereizten Kommentar, schliesslich wusste sie genau, dass sie mit der zappeligen Stute vorsichtig umgehen musste. Ich beobachtete das Ganze beiläufig, während ich Cielas Kruppe bürstete. Mit Penny, Riven und Primo war das Prozedere des Putzens nicht ganz so einfach: Die Jährlinge verstanden nicht wirklich, warum sie stillhalten mussten und konnten zudem aus Sicherheitsgründen noch nicht angebunden werden, was es nicht gerade leichter machte. Bei den Hengsten hingegen wurden wir positiv überrascht. Life und Simba hielten trotz ihres jungen Alters artig still und genossen die Rückenmassage durch den Striegel sichtlich. Auch an empfindlichen Stellen wie dem Bauch konnte ich beide problemlos bürsten. Anders war es bei Merino, der auffällig zuckte, als ich ihn bei der Schulter striegelte. Ich runzelte die Stirn und tastete ihn vorsichtig ab. Tatsächlich reagierte er empfindlich beim Schulter-Hals Übergang und legte die Ohren platt. Vermutlich hat er sich bloss beim Spielen etwas gezerrt, beschloss ich nachdenklich. Jason war der selben Meinung, also wollten wir vorerst noch auf den Tierarzt verzichten und abwarten. Ausserdem würde dieser so oder so in drei Tagen zur wöchentlichen Routineuntersuchung auf den Hof kommen. Alysheba war brav wie ein Lamm, nur ab und zu versuchte er meinen Arm zu beknabbern. „Wie dein Vater, als er noch klein war!“, rief ich lachend und stiess ihn sanft aber bestimmt weg. Ich verglich Aly oft mit seiner Halbschwester Ciela, denn die beiden waren sehr unterschiedlich. Ciela hatte wohl allgemein mehr von ihrem Vater geerbt, nicht nur was die Fellfarbe anging. Aber dennoch war die Ähnlichkeit zwischen Winter und Alysheba nicht zu verkennen, besonders der athletische Körperbau mit den langen Beinen hatte sich durchgesetzt. Ich konnte es kaum erwarten, den Sprössling auf der Bahn zu sehen. Auch um Paluche und Jack kümmerte ich mich ausgiebig. Die beiden waren etwas abseits der Vollblütergruppe, die ihnen offenbar zu aufgedreht war. Obwohl besonders Jack auch sehr temperamentvoll war, konnten beide nicht mit dem raumgreifenden Galopp mithalten, den die anderen Hengste zur Genüge vorführten. Dafür klebten sie umso mehr aneinander.

      Gegen Abend kamen One Cool Cat und Cabinet of Caligari endlich an. Sie bezogen gleich ihre neuen Boxen im Hauptstall, die bereits nach frischem Heu dufteten. Cool Cat überzeugte mich mit seinem Auftreten noch immer nicht so ganz, wehmütig dachte ich an Lemon. Aber irgendwie wird er sich schon beweisen, beschwichtigte ich mich selbst. Von Caligari hingegen war ich begeistert. Ich hatte (wie an meinem bunten Stall unschwer zu erkennen war) ein Flair für auffällige Pferde, und das war sie allemal. Bewundernd musterte ich sie bei jedem Schritt in Richtung Box. Schliesslich streichelte ich ihr liebevoll ein letztes Mal die weisse Stirn, ehe ich mich zum Nebenstall begab um dort weiterzuhelfen.
      6 Sep. 2015


      Occulta
      Sonne und Nebel

      Es war wiedermal an der Zeit, mit dem Einreiten einiger Jungspunde auf Pineforest Stable zu beginnen. Wir wollten sie den Winter hindurch trainieren, damit sie fit für ihre erste Saison im Frühling waren. Heute waren zuerst Ciela, Kaythara und Dublin dran. Ich wollte sie das allererste Mal satteln und sehen, wie sie so ausgerüstet an der Longe liefen. Das Longieren kannten sie alle schon, denn sie hatten als Jährlinge bereits intensives Führtraining genossen und Bekanntschaft mit dem extra etwas nach innen abgeschrägten Roundpen gemacht. Dies diente dem Rückenmuskelaufbau und der Balance Förderung. Es war wichtig, dass die bekanntlich sehr früh eingerittenen Rennpferde bereits über die nötige Grundmuskulatur verfügten, um spätere Schäden am Bewegungsapparat zu verhindern. Dementsprechend sahen die zweijährigen Stuten, die wir von der Weide zum Roundpen führten, schon jetzt kräftig aus, aber der Schein täuschte: Noch waren sie nicht fit für das Reitergewicht. Ich führte Ciela, meinen heimlichen Liebling. Ich hatte eine ganz besondere Beziehung zu ihr, da sie das erste Fohlen meines geliebten A Winter’s Day gewesen war. Ausserdem war sie mit ihrem schneeweissen Fell ein echter Hingucker. Dublin hatte Rosie übernommen, und Quinn Kaythara. Wir banden die Drei im Roundpen an und bürsteten sie erstmal mit Putzzeug, das uns Ajith, fleissig wie er war, bereits gebracht hatte. Besonders Dublin und Kaya hatten den Nieselregen, der die letzten Tage geherrscht hatte, sichtlich genossen. Sie waren wiedermal ordentlich Dreckverkrustet. Captured in Time hatte hingegen nur ein paar Spritzer an Bauch und Beinen, war mich sehr erstaunte, schliesslich waren weisse Pferde normalerweise die ersten, die sich einsauten. So grinste ich beim Anblick der beiden Pflegerinnen, die alle Hände voll zu tun hatten. Da ich etwas früher fertig wurde, half ich ihnen dann aber doch etwas, ich wollte ja nicht unfair sein. Kaythara wollte die Hufe nicht anständig geben. Sie stampfte immer wieder zurück auf dem Boden und verlagerte das Gewicht auf den Huf, den man gerade heben wollte. Ich massregelte sie konsequent, indem ich ihr mit dem Hufkratzer in den Bauch stupste und mich gegen sie lehnte, bis sie die Hufe schliesslich hob. Normalerweise verhielt sie sich artiger, aber vermutlich war sie gerade rossig. Nun kam der grosse Moment: Ajith brachte uns die Sättel – für den Anfang etwas ältere Springsättel. Ich wollte die Jungspunde zuerst an die schwereren Sättel gewöhnen, denn sie wurden später auch zuerst mit diesen geritten. Das Einreiten selbst fand aber ohnehin ganz ohne Sattel statt. Wir strichen die drei zuerst je mit den Schabracken ab, damit sie keine Angst davor hatten. Sie liessen sich dies alle ruhig gefallen. Dann nahmen wir einen Führstrick und wickelten ihn mit Schwung um praktisch alle Körperstellen. Dies diente ebenfalls der Desensibilisierung. Als nächstes schlangen wir den Strick um die spätere Gurtlage und bewegten ihn etwas hin und her, ehe wir in zusammenzogen. Zwischendurch gab es eine Karottenscheibe zur Belohnung für’s Stillstehen. So wurden sie spielerisch an den Druck des Gurtes gewöhnt. Zufrieden holte ich nach einigen Durchgängen den eigentlichen Sattel und zeigte ihn Ciela. Die anderen taten dies ebenfalls mit Dublin und Kaya. Ciela schnüffelte daran und wirkte dann eher desinteressiert, während Dublin versuchte, das Sattelblatt anzuknabbern. Ich legte der weissen Stute nun ohne zu Zögern den Sattel auf den Rücken und bewegte ihn etwas. Sie legte die Ohren konzentriert zurück, blieb jedoch stehen. Ich lobte sie mit einem Karottenstück und nahm ihn wieder runter, das ganze wiederholte ich einige Male, bevor ich den Gurt unter dem Bauch durch nahm. Kaythara machte ein paar Schritte rückwärts, bis das Seil angespannt war. Quinn schob sie korrigierend zurück auf ihre alte Position und fuhr unbeeindruckt fort. Ich schloss unterdessen bei Ciela das erste Mal den Gurt, immer das Ohrenspiel beobachtend. Ich zog ihn nicht fest, denn ich wollte, dass sie ihn auf keinen Fall schlecht verknüpfte. Sie stand noch immer brav da und sah neugierig nach hinten. Kaya hingegen wurde es jetzt zu viel: sie zog erneut rückwärts, bis der Haken des Stricks mit einem Knacken kaputtging. Quinn war zum Glück schnell genug und legte der Stute sofort den zweiten Strick, den sie noch um die Schulter geschlungen hatte, um den Hals. So konnte sie nicht abhauen und hatte daher auch kein Erfolgserlebnis. Da war sehr wichtig, denn ansonsten hätte sie wohl in Zukunft noch einige Halfter zerrissen. Sie versuchte es nochmal mit dem Satteln, redete mit beruhigender Stimme auf die Stute ein und kraulte sie am Widerrist, um sie zu entspannen. Nach einer Weile schnaubte Kaya lautstark und senkte den Kopf. Quinn gab ihr zufrieden ein Karottenstück und löste den Strick, an dem sie angebunden war. Auch ich löste meine Vollblutstute und begann, sie im Roundpen herumzuführen. Sie trat mir einige Male fast auf die Füsse, weil sie unaufmerksam war. Ich holte ihre Konzentration mit ein paar Wendungen und Rückwärtsschritten zurück zu mir. Dublin tänzelte etwas und wollte schon traben. „You’re too fast my dear, far too fast“, murmelte Rosie und wendete ebenfalls einige Male ab. Anschliessend hängten wir die drei eine nach der anderen an die Longe. Die beiden jeweils übrigen verliessen den Roundpen und warteten draussen. Durch die Anwesenheit der anderen beiden Stuten war Ciela schön ruhig und selbstsicher, doch mein Ziel war am Ende dennoch, dass ich so rasch wie möglich alleine mit ihr arbeiten konnte. Daran gewöhnte ich sie Schritt für Schritt, indem ich alleine mit ihr spazieren ging. Es zahlte sich aus, denn sie lief auch jetzt an der Longe konzentrierter als noch vor einem Monat. Sie lief zwar am Anfang mit Aussenstellung und sah zu den anderen hinüber, doch ich konnte sie schon bald für die Arbeit begeistern. Sie senkte den Kopf und begann zu kauen. Ich lobte die weisse Stute und holte sie zu mir in den Kreis, um die Seite zu wechseln. Als wir alle drei auf diese Weise mit Sattel longiert hatten, war das Training für den heutigen Tag beendet. Wir brachten die drei zurück zur Weide, wo sie bereits von den anderen empfangen wurden. Nun war noch Alysheba dran. Der kleine Hengst war schon beim Putzen nerviger und versuchte immer wieder, mir in den Arm zu kneifen. Irgendwann hatte ich genug, löste den Strick und schickte ihn aufgebracht, mit dem Seilende schwingend rückwärts. Da merkte er, dass mit mir nicht zu spassen war und stand fortan still. Ich wiederholte auch mit ihm die ganzen Schritte der Sattelgewöhnung. Er war zwar nicht unsicher, zappelte aber aus Ungeduld. Dafür gab er umso mehr Gas an der Longe. Er machte sogar zwei Freudenhüpfer mit Ausschlagen, wenigstens nicht gegen mich, so war es mir egal. Er hatte, als ich ihn zurück auf die Weide brachte, kein einziges feuchtes Härchen. Daraus schloss ich schmunzelnd, dass ihm das heutige Training nicht sonderlich viel Stress bereitet hatte. Dennoch machte er eine Szene, als er seine Kumpels begrüsste. Er trabte mit Fahnenschweif und hochgeworfenen Beinen auf sie zu und galoppierte dann einige Runden im geschmeidigen Hoppelgalopp, ehe er den Kopf wieder zum Grasen senken konnte. Böse war er mir aber anscheinend nicht, denn als ich kurz darauf zum Misten die Weide betrat, kam er als erstes neugierig heran.

      Am späten Nachmittag hatte ich Lust auf einen Ausritt, denn die Sonne schien und gleichzeitig war Bodennebel auf den Feldern, was eine seltsame Stimmung mit goldenem Licht bewirkte. Ich wollte unbedingt über eines der bedeckten Felder galoppieren und diese Stimmung geniessen. Dazu putzte ich Piroschka und kletterte ohne Sattel auf ihren Rücken. Ich ritt sie mit Moons Bosal, da ihr eigenes gerade repariert wurde (Sheela hatte damit gespielt und so war einer der Riemen gerissen). Ich nahm ausserdem Jacky mit, die ich am Morgen im Haus gelassen hatte, damit sie mir mit den Jungpferden nicht in den Weg gekommen war. Sheela nahm ich nicht mit, denn sie hatte sich gestern beim Spaziergang die Pfote verstaucht und humpelte noch ein wenig. Piro war gut gelaunt, jedenfalls waren ihre Ohren aufgerichtet und die Schnauze faltenfrei. Ich ritt mit ihr und Jacky zur Galoppwiese, denn dort war der Nebel besonders dicht. Es war eine Herausforderung für Piro, die den Boden nicht richtig sah, über das feuchte Gras zu galoppieren. Natürlich kannte ich das Feld so gut, dass ich wusste, wo die sicheren Trampelpfade waren und gefährliche Löcher ausschliessen konnte. Es machte unglaublich Spass, mit der Schimmelstute über die Felder zu preschen. Durch die feuchte Luft wurden wir aber rasch durchnässt, sodass ich schliesslich doch froh war, auf den Hof zurück zu kehren. Doch nicht nur aus diesem Grund: Ich wollte heute Abend einen ganz besonderes, neues Familienmitglied und einen Gast abholen gehen. Nun kümmerte ich mich aber zuerst um Piro. Ich zog ihr die Fleece Decke über und brachte sie in ihre Box, nachdem ich die Hufe ausgekratzt hatte. Die Stute röchelte schon wieder, als ich weglaufen wollte. Ich konnte nicht widerstehen, ihr nochmal ein wenig Heu zu bringen. „Du verwöhntes Schimmeltier, jetzt muss ich aber wirklich los“, murmelte ich lächelnd und begab mich zum Nordstall. Bis um acht Uhr wollte ich Burggraf bewegt haben. Ich begann ihn zügig zu putzen und stellte fest, dass auch Darren und Jonas sich gerade reitfertig machten. Ich überlegte, mit den beiden etwas Springtraining zu machen. Der Vorschlag gefiel ihnen, also holten sie Vychahr‘s und Peace’s Springsattel aus der Sattelkammer. Nachdem ich Burggraf ebenfalls gesattelt hatte, gesellte ich mich zu ihnen in die Halle, denn sie waren schon vorausgegangen. Ajith ging uns freundlicherweise kurz zur Hand mit dem Parcours. Ich wärmte Burggraf, mit der Fleece Decke noch auf dem Po, ein, als mein Handy klingelte. Normalerweise nahm ich nicht ab, wenn ich auf dem Pferd sass, aber da ich vermutete, dass es wegen heute Abend war, machte ich eine Ausnahme. „Smith? Ah, n’Abend Tante Rachel, schön dass du noch lebst“, scherzte ich, als ich die Stimme meiner lieben Cousine vernahm. „Ja, mmmhm, alles klar, dann… ja ist gut, dank… äh was? Ah, Achso, ja… also, Na dann – chiao…“ So in etwa klang es jedesmal, wenn wir zwei telefonierten. Ich fand es ja schon nervig, dass sie mich nie ausreden liess, aber andererseits war ich froh, dass sie immer so wirkte, als hätte sie alles im Griff. So brauchte ich mir jedenfalls keine Gedanken zu machen. Zufrieden verstaute ich das Handy wieder in meiner Jackentasche. Dann wartet mein kleiner Liebling also schon sehnsüchtig, dachte ich verträumt. Ich mahnte mich selbst, konzentriert zu bleiben, zog die Decke von Muffins Kruppe und schmiss sie über einen der Hindernispfosten. Dann trabte ich an. Der Tekkiner Hengst War fit – vermutlich fror es ihn an den Bauch, nackig geschoren wie er war. Dafür kam er umso schöner an den Zügel und packte seine schwungvollen Gänge aus. Ich ritt viele Volten um ihn zu beschäftigen. In der Halle herrschte Abreitplatzstimmung, denn nun war auch noch Lisa mit Sorrow reingekommen. Sie beteuerte aber, nur etwas Dressur reiten zu wollen. Jonas, Darren und ich begannen nun mit den ersten Hindernissen. Zum Aufwärmen sprangen wir über eine kleine Gymnastikreihe, später hängten wir noch einen Oxer auf der Diagonalen an. Es ging darum, nach der Reihe wieder schön langsam auf den Oxer zuzureiten, damit der Abstand stimmte. Ich brauchte zugegebenermassen einige Versuche, ehe ich Muffin ruhig genug um die Kurve bekam. Das Problem war vor allem, dass er mitdachte und nach einer Weile genau wusste, dass der Oxer als nächstes kam. Trotzdem war ich nach fünf Versuchen einigermassen zufrieden und übersprang zur Abwechslung ein In-Out. Jonas hatte dort nicht so viel Glück: Vilou zögerte im letzten Moment und Parkierte vor dem Hindernis, sodass der Pfleger beinahe seitlich runtergeflogen wäre. Mit Mühe konnte er sich wieder richtig hinsetzen und es nochmals versuchen. Ich beobachtete die beiden gespannt, denn Vychahr war noch immer aufgeregt. Doch meine Sorge war unbegründet, diesmal machten die beiden alles richtig. Vychahr hob brav die Beinchen und Jonas ging schön mit. Ich nickte zufrieden und ritt nun selber auch weiter.

      Nach der Stunde versorgte ich Burggraf, liess Jacky aus seiner Box, in der ich sie eingesperrt hatte, und lief mit ihr zum Auto. Sie rollte sich auf dem Rücksitz zusammen und bleib ruhig während der Fahrt. Als ich nach einer gefühlten Ewigkeit bei Rachel ankam, war sie erstaunlicherweise wieder hellwach und aufgedreht. „Wo nimmst du nur die Energie her?“, fragte ich sie einmal mehr kopfschüttelnd. Ich klingelte an der Tür. Kurz darauf öffnete ein neunjähriges Mädchen mit verstrubbelten braunen Haaren und fiel über mich her. „Tante Occu! Endlich!“ „Heh, nicht so wild, du machst Jacky ganz nervös“, meinte ich lachend, denn die Terrier Hündin hüpfte bellend um uns herum. Nun erschien auch meine liebe Cousine im Türrahmen um mich zu begrüssen. Lily, das kleine Mädchen, liess zum Glück von mir ab um Jacky zu streicheln. Wir setzten uns ins Wohnzimmer, wo in einer Ecke ein provisorisch aufgebautes Krabbelgitter stand. Da ich wusste, dass Rachels Sohn aus dem Krabbel-Alter längst raus war, reimte ich mir selbst zusammen, was sich darin befand. Vorsichtig kniete ich mich vor dem Gitter hin und spähte unter das Badetuch, das schützend darüber lag. Lily liess sich polternd neben mich plumpsen und rief „ Komm her Zira, schau wer da ist!“ Ein schlaksiger Welpe lag in der hintersten Ecke am Gitter und sah abwechselnd mit müden Augen mich und das lärmige Kind an. Rachel las meine Gedanken und rief Lily zu sich. „Komm Spatz und lass die beiden sich kennenlernen.“ Ich hatte lange auf diesen Moment gewartet, denn die kleine Malinois Hündin, die da so eingerollt lag, gehörte nun mir. Sie kam von einem Züchter, der in der Nähe von Rachel wohnte. Meine Cousine hatte ihn für mich abgeholt, sodass ich ihn nun zusammen mit ihrer Tochter, die einen Monat lang bei mir in die Reitferien durfte, mit nach Hause nehmen konnte. Sobald das kleine Mädchen weg war, traute sich Zira aufzustehen, sich zu strecken, dabei ausgiebig zu gähnen und zu mir zu kommen, um an meiner Hand zu schnuppern. Ich kraulte sie durch das Gitter und staunte über das weiche Welpenfell. Dann hob ich sie aus dem Gitter auf meinen Schoss und sah mir die kleine Maus genauer an. Sie schien kerngesund und munter, wie ich es bei dem erstklassigen Züchter erwartet hatte. Ausserdem war sie schon jetzt eine echte Schönheit. Sie gähnte nochmal, als ich sie begutachtete, sodass ich die spitzen weissen Zähnchen sah. „Kleines Krokodil“, murmelte ich liebevoll. Sie blinzelte mich nur neugierig an. Man hatte mir gesagt, dass sie Kinder nicht sehr gerne möge, daher überraschte es mich nicht, dass sie anfangs zurückhaltend gewesen war. Dafür blühte sie nun auf: Sie tapste sofort neugierig um mich herum, als ich sie runter setzte. Jacky, die schon die ganze Zeit interessiert darauf gewartet hatte, zu ihr hin zu können, beschnüffelte sie und klärte prompt etwas grob die Rangordnung. Ich griff nicht ein, weil ich meine Hündin gut kannte und wusste, dass sie ihr nichts Ernstes tun würde.

      Wenig später sassen wir alle auf dem Sofa und tranken Tee. Zira sass auf meinem Schoss und nagte an meiner Hand, Jacky krabbelte unter dem niedrigen Glastisch herum, weil Lily ihr einen blauen Ball immer wieder drunter hindurch rollte. Gegen Zehn Uhr schnappte sich Lily ihr Gepäck und schleppte es erwartungsvoll ins Wohnzimmer, sodass auch Rachel einsah, dass es Zeit war, uns gehen zu lassen. Wir verabschiedeten uns (Rachel machte in letzter Sekunde noch Stress weil sie sichergehen wollte, dass Lily ihr Pyjama eingepackt hatte) und stiegen wieder ins Auto. Zira musste auf Lilys Schoss bleiben, was sie, wenn auch etwas wiederwillig, ertrug. Wenigstens wurde das Mädchen langsam müde, sodass ich auf der Rückfahrt fast das Gefühl hatte, sie sei eingeschlafen. Doch auf der Autobahn Ausfahrt bei Birmingham meldete sie sich mit gespielt schüchterner Stimme zu Wort. „Du Tante Occu, ich glaub ich hab mein Pyjama doch unter dem Bett liegen lassen….“ Wir lachten herzhaft, dann meinte ich grinsend: „Ach macht nix, du kannst ein T-Shirt von mir nehmen wenn du willst.“

      Als wir zuhause waren, war sie dann doch weggenickt. Ich setzte Zira auf den Boden, löste vorsichtig den Gurt des Mädchens und trug sie ins Haus. Zira tapste ohnehin Jacky hinterher. Ich legte Lily in ihr Bett im Gästezimmer und deckte sie zu, dann brachte ich die kleine Malinois Hündin auf ihren Platz. Sheela sah mich verschlafen an, als ich mich neben sie kniete, um Zira ins Körbchen nebenan zu setzen. Dann schnüffelte sie neugierig an dem Welpen. Ich hoffte, dass die beiden nun nicht gleich die Hütte auseinandernehmen würden, doch anscheinend war Zira dazu sowieso zu müde, und Sheela musste das akzeptieren. Jacky hatte sich auch bereits zusammengerollt und hob nicht einmal den Kopf, als ich das Licht löschte. Als ich in meinem eigenen Zimmer aus dem Fenster sah, konnte ich ein paar Sternbilder sehen, deren Namen ich vergessen hatte. Viel schöner aber war der Anblick meines Hofes, wie er still im Dunkeln dalag, so friedlich auf den nächsten Morgen wartend. Und eine warme Zufriedenheit überkam mich, die mir bis in meine Träume folgte.
      30 Nov. 2015


      Occulta
      Endlich Schnee!

      Feine Flocken rieselten mir ins Genick, als ich mich Bückte, um meine Chaps zu schliessen. Es war ein herrlicher Donnerstagmorgen und endlich zeigte der Winter sein wahres Gesicht. Hinter mir stolperte Lily aus dem Haus und konnte gerade noch verhindern, dass Zira auch rausflitzte. Die Hunde wollten wir erstmal noch im Haus lassen, denn Lily und ich wagten uns heute ans erste offizielle Zebra Training. Meine Nichte hatte mich überzeugt, dass ich Thairu nicht einfach so rumstehen lassen konnte, ohne nicht wenigstens zu versuchen, ihr ein paar Dinge beizubringen. Ich hatte daraufhin gestern Abend eine Menge Recherche betrieben und festgestellt, dass das Projekt ‚Zebra Einreiten‘ gar nicht so abwegig war wie anfangs gedacht. Wir machten uns also auf den Weg zu Thairu und Dantes Weide. Damit sich das Zebratier wohler fühlte, musste Lily sich um Dante kümmern und ihn ebenfalls mitnehmen, während ich Thairu aufhalfterte und zum Nebenstall brachte. Sie kannte es schon von ihrer Fohlenzeit her, angebunden und geführt zu werden, was vieles erleichterte. Das Hufegeben war allerdings etwas eingerostet. Ich blieb hartnäckig und zog und stupste sie, bis sie reagierte und den Huf hob. Dann kratzte ich nur rasch über die Sole, um sie gleich ausgiebig zu loben, indem ich sie am Widerrist kraulte. Lily hatte Dante ebenfalls angebunden. Sie stellte sich neben Thairu und kramte in ihrer Jackentasche, dann zauberte sie ein Karottenstück daraus hervor. Die Zebrastute beschnupperte es misstrauisch und frass es dann zögernd, wobei sie übertriebene Kaubewegungen machte. Doch anscheinend mochte sie das orange Gewächs, denn schon schnupperte sie wieder an Lilys Händen. „Gut, so haben wir etwas, um sie zu bestechen. Aber ich denke es ist besser, wenn wir sparsam mit Futter umgehen, weil sie sonst vielleicht zu frech wird“, meinte ich. Lily war einverstanden und schnappte sich den Striegel für Dante. Ich kümmerte mich um das gestreifte Fell. Es war ziemlich verschieden vom Fell eines Pferdes; irgendwie weicher und zugleich borstiger. Ausserdem war es trotz der Kälte ziemlich kurz, aber Thairus Körper fühlte sich schön warm an, also nahm ich an, dass ihr die Temperaturen nichts ausmachten. Den Zebraschwanz zu bürsten fühlte sich auch speziell an, besonders, weil er nur unten lange Haare hatte, fast wie bei einer Kuh. Ich achtete darauf, nicht zu viele Haare auszuzupfen, da ich nicht wusste, wie schnell Zebra Haar nachwuchs. Die Mähne hingegen war Pflegeleicht. Sie war kurz und buschig, und die Stehmähnen Frisur war unzerstörbar. Bei den Ohren stiess ich auf Widerstand: Thairu schlug wütend mit dem Kopf, sobald ich mich ihnen mit der Bürste näherte. Ich beschloss also, das Ohren Bürsten erstmal noch zu unterlassen. Nun brachten wir die beiden in die Halle und liessen sie erstmal frei laufen. Ich hatte diverse Gegenstände aufgestellt: Einen grossen, blauen Ball, eine Blache, ein Cavaletti, ein paar Stangen und Pylonen. Die beiden durften diese Objekte nun auf eigene Faust genauer inspizieren. Thairu war durchaus interessiert, was sie durch moderates Schweifwedeln verdeutlichte. Sie schnüffelte an den Gegenständen und zupfte sogar an der Blache, nur um gleich darauf erschrocken abzudrehen. Ich studierte ihr Verhalten genau und versuchte, das Zebra zu verstehen. Ich wusste, dass Zebras sehr aggressiv werden konnten, wenn sie missverstanden wurden. Aber auch, dass sie sehr enge Freundschaften knüpften. Also musste ich solch eine starke Beziehung zu ihr aufbauen, damit sie mich mit ihr arbeiten lassen würde. Nach einer Weile, genauer gesagt als Thairu begann, sich nicht mehr für die Objekte zu interessieren, holte ich sie zurück an den Strick. Dann führte ich sie auf die Stangen zu. Sie zögerte und senkte den Kopf, doch folgte mir gemächlich. Ich lobte sie wieder durch Kraulen. Bei der Blache zeigte sich aber schon bald das wahre Gesicht des gestreiften Tiers: Sie stampfte drohend in den Sand und weigerte sich, einen weiteren Schritt in die gewünschte Richtung zu gehen. Als ich darauf beharren wollte, und den Druck auf das Seil erhöhte, schüttelte sie widerwillig den Kopf und klappte die Ohren böse nach hinten. Der Schweif wischte nun in raschen und heftigen Bewegungen. Ich beschloss, dass es so keinen Sinn hatte, und versuchte stattdessen, sie zu bestechen. Ich entfernte den Druck, indem ich meine Position an ihre Seite wechselte und ihr so ermöglichte, gefahrenfrei zu mir zu kommen. So bestand ich wenigstens noch darauf, dass sie zu mir laufen musste, und nicht umgekehrt. Tatsächlich war sie einverstanden, dem Seilzug zu folgen, solange es nicht auf die Blache zuging. Ich kraulte sie dafür wieder. Dann lud ich sie ein, mir auf eine kleine Volte um die Blache herum zu folgen, indem ich bloss ein wenig auffordernd zupfte. Dabei verringerte ich den Abstand zur Blache immer etwas mehr, während ich sie eifrig am Hals streichelte. Die Ohren waren alarmbereit, aber der Schweif war nun vollkommen still, was ich zunächst als gutes Zeichen wertete. Doch ich hatte für einen Moment vergessen, dass dies trotz allem kein Pferd war, und so folgten auf die vermeintlich ruhige, tatsächlich aber völlig angespannte Geste ein paar kleinere Buckler, bei denen sie abermals ihren Widerwillen demonstrierte. Wenigstens zielte sie nicht gegen mich, sondern versuchte wohl eher, mich zu beeindrucken. Ich führte Thairu nichts desto trotz wieder auf eine grössere Volte und startete einen neuen Versuch, diesmal mit Geduld. Durch Dominanz und Überlistung war ich nicht zum Ziel gekommen, aber vielleicht konnte ich mit etwas Geduld das Überqueren der Blache zu ihrer eigenen Idee werden lassen. Ich ging also mit ihr bis an die ‚Schmerzensgrenze‘ und liess sie dann einfach dort verharren. Das unwillige Schweifschlagen wurde zwar mit der Zeit wieder ruhiger, doch das Zebra war eine harte Nuss und hatte anscheinend alle Zeit der Welt. Nachdem sich eine Viertelstunde lang nichts gerührt hatte, mir langsam der Arm vom konstanten Zupfen schmerzte und Lily allmählich ungeduldig wurde, weil sie mit Dante schon so gut wie alle Objekte durchgegangen war, machte Thairu endlich den entscheidenden Schritt. Sie senkte den Kopf und schnupperte an der Blache. Ich lief ein Stück weiter und klopfte mit dem Fuss darauf, um ihr zu zeigen, dass darunter fester und sicherer Boden war. Plötzlich kam sie zu mir und stand mit allen vier Beinen auf dem blauen Untergrund. Ich kraulte sie sofort eifrig. Ich zupfte etwas am Strick und konnte sie problemlos wieder von der Blache herunter Führen. „Gut, das war’s für heute, ich möchte sie das erstmal verarbeiten lassen.“ Lily verstand das nicht und äusserte ihre Enttäuschung, sobald wir die beiden zurück gebracht hatten. „Wir haben doch gar nichts richtig mit ihr gemacht. Warum wolltest du schon aufhören?“, fragte sie frustriert. „Wir haben keinesfalls ‚nichts‘ gemacht. Es war eine schwierige Lektion für Thairu, über diese Blache zu gehen. Ich glaube sie hat vorhin die ersten Ansätze gezeigt, mir zu vertrauen. Das wollte ich sofort belohnen, indem ich sämtlichen Druck wegnehme. Und nun kann sie in aller Ruhe darüber nachdenken, bis wir das nächste Mal mit ihr arbeiten.“ Lily schien immer noch etwas skeptisch. „Du bist viel zu ehrgeizig. Lass ihr Zeit, dann kann sie lernen, dass ihr bei uns nichts passiert. Das Ziel ist, dass sie Spass an den Übungen bekommt; nicht, dass wir sie zwingen müssen. Denn ein Zebra kannst du zu nichts zwingen – das habe ich heute gelernt.“ „Hmm, ja, hast recht… Ich hoffe nur, dass sie bald Spass dran bekommt, weil ich ja in zwei Wochen schon wieder gehen muss“, erklärte Lily. Ich lächelte und legte den Arm um ihre Schulter. „Wir kriegen das hin, keine Angst. Und wenn nicht, dann kommst du mich in den nächsten Ferien wieder besuchen.“

      Am Nachmittag lief ich zu den Weiden und holte den Hufauskratzer aus dem verschliessbaren Wandfach im Offenstall der Hengste, um Alyshebas Hufe auszukratzen. Heute war sein grosser Tag; er würde zusammen mit Kaythara, Dublin und Ciela definitiv in den Hauptstall umziehen. Ajith bereitete gerade noch die Boxen vor, während Quinn, Rosie und ich schon mal den grössten Matsch aus den Hufen der Fohlen entfernten. Es hatte seit dem Morgen durchgehend geschneit. Auch der Wetterbericht versprach endlich bleibenden Schnee. Das hatte meine Laune an diesem Morgen ziemlich angehoben. Ich rutschte und stolperte durch den Matsch vor dem Offenstall auf der Hengstweide und kämpfte mich zum Weidetor, um Quinn meine geliebte Ciela abzunehmen. Alysheba wollte ich als letztes hochbringen. Wir führten die drei Stutfohlen aus der Weide, was zum Glück (noch) kein grosses Gequietsche verursachte, da die Gruppe die Prozedur vom Jungpferdetraining her gewohnt war. Aber spätestens heute Abend, malte ich mir aus, wird die Ruferei losgehen. Penny, Primo, Riven und Prada beobachteten uns, bis wir mit ihren Gefährten im Hauptstall verschwanden. Ich beschloss, ihnen später zur Beruhigung noch ein wenig Heu zu bringen. Als wir die drei auftrennten und in ihre neuen Boxen brachten, schienen sie zu begreifen, dass diesmal etwas anders war. Kaythara begann prompt damit, in der Box zu drehen und nach den anderen zu rufen, obwohl sie auf Sichtkontakt nebenan standen. Ciela stimmte mit ein und gab mir fast eine Kopfnuss. Ich beschloss, dass es das Beste war, die Box zu verlassen und die kleine erstmal in Ruhe zu lassen. Wir kümmerten uns also erstmal um die restlichen Vollblüter. Lily half uns beim Misten, indem sie die Schubkarren auf dem Mist leerte, sobald sie voll waren und dann im Renntempo zurück karrte. Ich lachte über ihre Energie und Motivation, denn meine Finger schmerzten schon wieder vor Kälte, obwohl wir uns im Stallgebäude befanden. Wenig später schickte ich sie los, um Gianna für ihre Reitstunde vorzubereiten. Sie bekam diesmal nicht Privatunterricht von mir, sondern wurde gemeinsam mit den fremden Reitschülern aus der Umgebung von Elliot unterrichtet. Nachdem ich mich einmal mehr geärgert hatte, weil die Leute mit den Transportern den ganzen Parkplatz zugestellt hatten, obwohl es eigentlich genug Platz hatte, wenn man sich schön aufreihte, setzte ich mich in die kleine Reiterstube in der Halle, um den Anfang der Stunde mitzuverfolgen. Lily sah etwas verloren aus zwischen all den Fremden, und ein Mädchen auf einem schwarzen Pony ritt ihr ganz schön nahe auf, aber sie hatte Gini im Griff. Sie nutzte die nächste Gelegenheit um auf eine Volte zu biegen und so der unangenehmen ‚Verfolgerin‘ zu entkommen. Ich nickte ihr durch das Glas ermutigend sie lächelte zurück. Dann konzentrierte sie sich auf die Schlangenlinie, die sie anführen musste. Ich beobachtete die beiden eine Viertelstunde lang, bevor ich zur Stutenweide wechselte und Echo mitnahm. Die Paint Horse Stute folgte mir gehorsam zum Nebenstall, wo ich sie anband, um sie zu putzen. Beim Kopfbürsten senkte sie den Kopf und rieb kurz die Stirn an meiner Schulter, doch sobald ich sie kraulen wollte, drehte sie sich weg. Sie war nicht kopfscheu, sondern mochte es einfach nicht, wenn man sie mehr als nötig anfasste. Ich akzeptierte das und holte ihren Sattel. Zum Glück war das Kavalleriezaumzeug, das ich von ihrem ehemaligen Besitzer geerbt hatte, so praktisch und einfach zu verschnallen. Echo mochte es auch gar nicht, mit anderen Zäumungen zu laufen. Dann sperrte sie jeweils den Mund auf oder schüttelte dauernd mit dem Kopf. Die breiten Lederriemen dieses Reithalfters und die eher dicke Schenkeltrense schien sie hingegen bequem zu finden. Auch mit einer simplen Westernkandare hatte ich es einmal versucht, mit dem Resultat, dass sie kaum mehr vorwärts ging. Mittlerweile hatte ich es definitiv aufgegeben, die Stute auf irgendeine andere Art als die Gewohnte zu reiten. Dafür lief sie mit ‚ihrer‘ Ausrüstung mustergültig. Als ich den Baumwollführstrick fertig um ihren Hals geknotet hatte, führte ich sie auf den Schotterweg und stieg auf. Dann lenkte ich sie in Richtung Süden zur Galoppwiese. Während wir den ganzen Weg ins nächstgelegene Dorf einschlugen, trabte ich viel und achtete dabei darauf, dass sie ein angenehmes, zügiges Tempo und einen sauberen Takt hielt. Sie sollte lernen, auch über lange Strecken schön konstant zu traben und erst in eine andere Gangart zu wechseln, wenn ich es verlangte. Man merkte auch, dass sie sich Mühe gab und ihrem Reiter gefallen wollte. Wir ritten durch die Siedlungen am Dorfrand und kamen zu einem kleinen Dorfladen – meinem eigentlichen Ziel. Ich stieg ab und löste den Strick. Nachdem ich sie an einem massiven Zaunpfosten festgebunden hatte, stellte ich sicher, dass die Zügel nicht über den Hals fallen konnten. Erst dann liess ich die Stute kurz alleine, um im Laden zwei Flaschen Met und ein Körnerbrot, das in diesem Dorf eine Spezialität war, zu kaufen. Der Ladenbesitzer, ein älterer Herr, kannte mich gut, denn ich kam immer mal wieder zu hoch zu Ross vorbei. Er kam sogar mit nach draussen und betrachtete Echo bewundernd. Er erzählte mir, dass er früher selber noch in der Kavallerie geritten sei, auf einem Pferd namens ‚Rover‘. Ich hörte ihm interessiert zu, denn so konnte ich noch ein paar Dinge von ihm lernen und Tipps bekommen. Er meinte aber, Echo sähe jetzt schon wie ein Kraftprotz aus. Ich lachte und beteuerte, dass dies der Paint Horse Einfluss sei. Nach einer Weile verabschiedeten wir uns und ich machte mich mit Echo auf den Heimweg. Sie hatte brav gewartet und zur Belohnung eine Karotte bekommen, dementsprechend gut gelaunt wackelte sie nun mit den Ohren während dem Laufen. Es wurde langsam dunkel, doch der Schnee hatte nicht nachgelassen und die Felder waren bereits alle weiss überdeckt. Ich liess die beliebte Galoppstrecke durch den Pinienwald nicht aus und kam so sogar noch etwas früher zurück als erwartet. Dafür liess ich mir Zeit beim Versorgen der Stute und befreite ihre Fesseln gründlich von den letzten Schlammkrusten und Schneeknötchen, die ich zuvor zugegebenermassen gekonnt ignoriert hatte. Dann war Echo endlich erlöst und durfte zurück auf die Weide zu ihren Gefährtinnen. Sie war auch nach diesem langen Ritt nicht erschöpft und brauste rutschend und stolpernd durch den Schnee auf die anderen Stuten zu. Ich stapfte ebenfalls zurück zum Nebenstall, wo noch nirgends geschaufelt worden war. Ich entdeckte Ajith und Quinn nebenan und stellte sicher, dass es gleich nach dem Abendessen erledigt wurde.

      Wenig später stand ich bei Parányi und putzte den Jungspund direkt in ihrer Box. Dort war es etwas wärmer und nicht so windig wie draussen. Das samtige, schwarze Fell war seit langem wiedermal bereits sauber und nicht dreckverkrustet. Allerdings waren die Haare an manchen Stellen gekräuselt, sodass ich mir zusammenreimte, dass sie sich auf der Weide im Schnee gewälzt hatte. Auch die Hufe waren schön ausgewaschen – hach, wie ich den Schnee liebe! Da ich mit Parányi die letzten zwei Tage geritten war, wollte ich heute nur an der Doppellonge mit ihr arbeiten, und morgen würde sie ganz frei bekommen. Ich wollte die frisch eingerittene Stute noch nicht überfordern und ritt sie deshalb höchstens dreimal pro Woche, je zwanzig Minuten lang. Lily war übrigens längst mit der Reitstunde fertig und tollte im Schnee mit den Hunden herum. Ich sah ihr durch den geöffneten, oberen Teil der Boxentür lächelnd beim Schneeballwerfen zu, während ich Parányis Mähne kämmte. Schliesslich holte ich den Doppellongengurt und legte ihn ihr an. In der Halle ritten Darren und April auf Halluzination und Vychahr, nun da die Reitschüler endlich verschwunden waren. Ich beobachtete beiden Füchse aus dem Augenwinkel, während ich Parányi alle vier Hallenecken zeigte. Ich tat das immer, damit sie keinen Grund hatte, sich zu erschrecken. Danach zog ich die Leinen durch die Ringe am Gurt und hängte sie beim Kappzaum ein. Es handelte sich um einen mit Trensenstück kombinierten Zaum. Parányi blieb geduldig stehen, als ich die Leinen um ihren Po und über die Hinterbeine schwang, um sie wieder daran zu gewöhnen. Daraus schloss ich, dass sie seit dem letzten Training nichts verlernt hatte. Ich schnalzte und nahm die halblange Fahrpeitsche in die rechte Hand, um sie anzutreiben. Dann schickte ich sie raus auf die Volte und begann, sie im Schritt mit aufnehmen und wieder loslassen zum Dehnen zu bringen. Als nächstes Trabte ich sie an und spielte ein wenig mit der Temporegulation. Auch Übergänge übten wir, besonders aus dem Schritt in den Trab, da sie dabei zunächst immer gleich anhalten wollte. Ich war erstaunt, wie kooperativ die Stute heute gelaunt war. Die letzten paar Tage war ich beim Reiten jeweils eher enttäuscht gewesen, aber heute schienen wir einen Fortschritt nach dem anderen zu machen. Ich hörte daher auch etwas früher auf und lobte sie ausgiebig. Ich führte sie noch ein wenig in der Halle herum, dann brachte ich sie in ihre Box und zog ihr die Abschwitzdecke an, falls sie doch noch nachschwitzen sollte. Zufrieden warf ich einen letzen Blick in die Box und stellte fest, dass Parányi bereits wieder döste.
      25 Dez. 2015


      Occulta
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      Heute wollte ich mit den Zweijährigen zum zweiten Mal auf die Bahn. Sie waren am Dienstag das erste Mal auf den Geschmack gebracht worden, und nun galt es, eine erste Grundkondition aufzubauen. Während sechs Monaten waren die vier Jungspunde sorgfältig darauf vorbereitet worden; anfangs nur durch Longieren, nach dem Anreiten durch viel Trabarbeit und Ausreiten. Ich hatte diesen Monat die Verantwortung für meine Ciela übernommen, da ich meinem kleinen Liebling die Grundlagen selbst zeigen wollte. Quinn ritt Kaythara, Lily hatte Dublin, und Alysheba wurde von Thomas übernommen. Ausserdem begleiteten uns die erfahrenen Rennpferde Chiccory, Stromer, Painting Shadows, Empire State of Mind und Cantastor, geritten von Rosie, April, Rita, Charly und Oliver höchst persönlich. Die fünf ‚alten Hasen‘ waren schon am Vortag richtig gearbeitet worden und dienten heute nur als Lehrmeister für die jungen Nachwuchstalente. Ich führte Ciela nach draussen, als ich fertig war. Charly stand mit Empire bereits da und redete mit seiner Schwester Robin. Die beiden neuen Pfleger waren noch etwas zurückhaltend und blieben gerne unter sich, aber besonders Charly wurde von Tag zu Tag offener. Seine Schwester war etwas stiller. Ich erwischte sie dabei, wie sie wieder mal mit geheimnisvoller Miene zu mir schielte. Sie tat das häufig, ausserdem mied sie meine Anwesenheit und ich glaubte langsam, dass sie mich nicht sonderlich mochte. Ich zuckte mit den Schultern über meine eigenen Gedanken und löste die Steigbügel zum Aufsteigen. Zum Einwärmen hatte ich sie noch lang, besonders bei diesen jungen, unerfahrenen Pferden. So hatte ich mehr Kontrolle und Einwirkung. Mit einem lauten, schlitternden Hufgetrappel kündigte sich Stromer an, der sich vor einer umfallenden Heugabel erschreckt hatte. April beruhigte den Cremello geschickt und führte ihn weiter. Er lief zwar noch mit aufgeregt gehobenen Kopf, liess die Reiterin aber brav aufsteigen. Charly, geweckt von dem Geräusch, stieg ebenfalls auf; seine Schwester verschwand in Richtung Nordstall. Als alle draussen waren, ritten wir zum Aufwärmen auf die Galoppbahn. Kaythara, die direkt hinter mir und Ciela lief, war ganz beschäftigt mit den vielen Hengsten um sie herum, denen sie bei jeder Gelegenheit ihre Abneigung demonstrieren musste. Zum Glück liefen wir auf der Galoppbahn in einer Einerreihe, sodass sie sich etwas abregen konnte. Captured in Time war sowieso wiedermal ein Engelchen auf vier Hufen. Beim Antraben versuchte Alysheba, sich vor Chiccory zu drängen, was Thomas zu spät bemerkte. „Ey Cooper, watch it!“, schimpfte Oliver sofort. Mit dem strengen Trainer war während der Arbeit nicht zu spassen. Er hatte seine Jockeys und Pferde allesamt fest im Griff, seinen Adleraugen entging nichts. Ich hörte Tom zu Rosie „sorry“ murmeln. Sie lächelte nur und trieb Chiccory weiter vorwärts. Ich war froh, dass die Pfleger eigentlich alle gut miteinander auskamen. Das erleichterte vieles in der täglichen Arbeit. Wir bogen schliesslich auf die Rennbahn und teilten uns auf. Ciela und ich gesellten uns zu Oliver und Canto, damit der Trainer und ich uns gut unterhalten konnten. Kaythara musste neben Paint laufen, damit sie ruhig blieb. Dublin bekam gleich von zwei Seiten Unterstützung, nämlich von Chiccory und Empire. Und auch Stromer und Alysheba stellten sich auf. Dann galoppierten wir alle in leichtem Canter bis zur ersten Kurve. Die Jungen Athleten orientierten sich wie erhofft an ihren älteren Genossen und glichen ihr Tempo an. Dublin senkte sogar den Kopf und lief beinahe am Zügel, was man von Empire nicht behaupten konnte. Oliver wies Charly darauf hin, den Hengst etwas mehr zusammenzuhalten, damit er über den Rücken lief. Der junge Jockey setzte die Anweisung sofort um. Captured in Time sprang in regelmässigem Rhythmus voran und liess sich nicht beirren, wenn Canto ihr etwas nahe kam weil Oliver damit beschäftigt war, jemanden zu korrigieren. Painting Shadows und Kaythara kamen gut miteinander aus, also konnten wir diese beiden auch in Zukunft miteinander trainieren lassen. Wir machten eine Viertelstunde lang leichte Galopparbeit. Dabei legten wir auch einmal über 200 Meter etwas zu, aber das war auch schon alles in Sachen Tempo. Wie erwartet schwitzten die Jungen Pferde und blähten ihre Nüstern; eindeutige Zeichen der mangelnden Kondition. Aber sie hatten sich gut geschlagen und das heutige Trainingsziel erfüllt. Auch die Erfahrenen Pferde hatten heute wieder ein Stückchen mehr Gehorsam auf der Bahn gelernt, was in ihrem Stadium ebenso wichtig wie Muskelarbeit war.
      21 Jan. 2016

      Occulta
      Geschäftiger Dienstag

      Der Wecker klingelte, und ich schaltete ihn murrend aus, doch drehte mich danach nochmal um. Fünf Minuten, nur fünf Minuten… Wenn Lily mich nicht geweckt hätte, wäre ich wohl eine ganze Stunde zu spät aufgestanden. Zum Glück kam sie aber wie jeden Morgen polternd mit den Hunden durch die Tür gestürmt. Ich zog mich an und machte uns und den Hunden Frühstück. Als ich die Haustür öffnete, war es zwar noch immer dunkel, aber immerhin sah man die Sterne – es war kein Wölkchen zu sehen. Zira hüpfte fröhlich raus und verschwand in den Büschen hinter dem Haus, um ein paar schlafende Spatzen aufzuscheuchen. Sheela und Jacky blieben neben mir stehen und sahen mich erwartungsvoll an. Ich streichelte die beiden und nahm sie mit zum Hauptstall. Lily ging zu Dream und Skydive, das tat sie jeden Morgen zuallererst. Ich hingegen sah bei meinem Liebling Winter vorbei, der ja in der Box gleich neben dem Eingang stand. Er war kein bisschen verschlafen, sondern wirkte voller Elan, hungrig und motiviert, sein morgendliches Galopptraining zu absolvieren. Ich kraulte ihn durch die Gitterstäbe, musste dann aber weiter zu Cool Cat, den ich diesen Monat auf der Liste hatte. Ich war noch immer nicht ganz überzeugt von dem Hengst und hatte die Zuteilung dementsprechend missmutig gemacht, aber ich konnte mich nicht immer davor drücken, ihn zu reiten. Tatsächlich war dies das erste Mal, dass ich persönlich mit ihm arbeitete, seit ich ihn vor ein paar Monaten gekauft hatte. Ich schlurfte also zur Sattelkammer und holte seine Putzsachen, den Sattel und das Zaumzeug schon mal zur Box. Dann holte ich den Hengst raus und band ihn zum Putzen an. Ich begann damit, den schwarzen Hals zu striegeln. Der Hengst hatte schön definierte Muskellinien – die Jockeys hatten bisher gut mit ihm gearbeitet. Sein Fell war weich und seidig, auch an den Stellen, an denen er nicht geschoren worden war. Seine wilde, lange Mähne machte es nicht gerade leicht, den Hals zu bearbeiten. Ich warf sie deshalb auf die andere Seite, doch er schüttelte sich kurze Zeit später und verteilte das rabenschwarze Haar wieder auf beide Halsseiten. „Thanks a lot“, murmelte ich grimmig. Beim Bauch wollte er einfach nicht stillstehen, offenbar war er kitzlig. Ausserdem begann er zu scharren, als ich nicht aufhörte. Ich ignorierte es und entfernte stur jedes kleinste Erdspritzerchen, das noch vom gestrigen Weidegang zu finden war. Mittlerweile herrschte geschäftiges Trieben im Hauptstall. Die Pfleger waren nun alle am Vorbereiten der restlichen Vollblüter für die erste Gruppe und ich war schon etwas hintendrein. Ich beeilte mich deshalb etwas mehr und kratzte nach dem Bürsten direkt die Hufe aus, ehe ich den Sattel auflegte. Als ich schliesslich fertig gesattelt und gezäumt hatte, kämmte ich das widerspenstige Langhaar dann doch noch rasch ein paar Mal durch. Einmal mehr überlegte ich, einfach die Schere zu holen und die Lange Mähne zu kürzen. Doch Rosie hätte mich wohl lebendig begraben, denn sie vergötterte die eher an ein Wildpferd erinnernde Frisur. Ich ignorierte gekonnt ein paar der Knoten im Schweif und schmiss die Bürste zurück in die Kiste. Dann führte ich Cool Cat nach draussen und stieg mit Hilfe von Ajith auf. Es musste alles schnell gehen, denn die jungen Athleten waren ungeduldig und wollten kaum stillhalten. Wir verschwendeten keine Energie damit, sie zum Warten zu erziehen, sondern ritten direkt in einer Reihe zur Bahn. In diesem Alter bestanden wir, anders als bei den Warmblütern, noch nicht auf jede Kleinigkeit im täglichen Umgang, sondern handelten vor allem praktisch; einerseits, um Zeit zu sparen, und andererseits um die Geduld der jungen Pferde nicht unnötig zu strapazieren. Sie sollten sich in erster Linie auf das Rennen konzentrieren, alles andere lernten sie nebenbei. Heute trainierten wir die Zwei- und Dreijährigen mit Startmaschine, doch zunächst mussten alle Pferde warm geritten werden. Danach stellten wir uns hinter den mobilen Startboxen auf und wurden einer nach dem anderen von Oliver und Ajith hineingeführt. Ganz aussen waren Quinn und Dublin, dann folgten Rita und Caligari, Rosie und Ciela, April und Alysheba, Lily und Sumerian, Charly mit Frame und Thomas mit Kaythara. Auch hinter mir und Cool Cat wurden die Tore geschlossen. Der Hengst war ein wenig nervös und ich machte mich bereit, auf ein allfälliges Steigen zu reagieren. Doch er blieb am Boden und trampelte nur ein wenig auf der Stelle. Ich kraulte ihn am Widerrist, nahm meine Schutzbrille runter und fasste die Mähne, bereit für den Start. Dann klirrte die Glocke und die Türen flogen auf. Sofort schossen alle Pferde raus und das Feld formte sich. Ein Blick über die Schulter sagte mir, dass alle sauber weggekommen waren. Zufrieden richtete ich mich wieder nach vorne und fasste die Zügel ein wenig nach. Ich hatte vorhin beim Aufwärmen bereits die Steuerung von Cool Cat ausprobiert und ihn ausreichend kennengelernt, sodass ich ihn nun optimal lenken konnte. Der Rappe machte geschmeidige, raumgreifende Bewegungen und gewann immer mehr Boden. So weit, so gut, dachte ich anerkennend. Aber die Konkurrenz war hart; besonders die anderen Dreijährigen Caligari und Sumerian lagen noch voraus und hielten ein hohes Grundtempo. Im hinteren Teil des Feldes hingegen, hatte Charly sichtlich Mühe mit Frame klarzukommen. Der Schecke blieb nicht auf seiner Spur und schwankte, weil er den Kopf nicht ruhig hielt. Schliesslich musste Charly enttäuscht abbrechen. Ich hatte diesen Ausgang schon vermutet, ohne pessimistisch sein zu wollen, aber Frame lief bei keinem der Pfleger so gut wie bei mir. Er vertraute ihnen einfach nicht genug. Dublin war direkt hinter mir und Cool Cat, Ciela lag etwas weiter zurück und Alysheba war direkt neben ihr. Kaythara war ganz aussen ein wenig vor uns, sodass ich sie gut beobachten konnte. Auf den letzten 300 Metern trennte sich das Feld deutlich auf. Die Zweijährigen blieben zurück, während die Dreijährigen nochmal alles gaben und auf ihre Höchstgeschwindigkeit kamen. Auch Cool Cat zog an. Wir arbeiteten uns an Caligari vorbei, deren Kondition bereits bröckelte und schlossen zu Sumerian auf, die wie ein Motor beständig voransprang. Kurz vor dem Ziel hatten wir die Stute beinahe geschlagen, doch dann feuerte Lily sie nochmal an und konnte so eine ganze Kopflänge Vorsprung ergattern. Trotzdem war ich beeindruckt vom Vermögen Cool Cats und legte die letzten Zweifel an seinem Potential beiseite. Er hatte sich souverän bis ins Ziel dirigieren lassen und bis zum Schluss gekämpft, wie es sein soll. Ich streichelte stolz seinen Hals und liess ihn austraben. Von den Zweijährigen hatte diesmal wieder Kaythara die Nase vorn gehabt, was niemanden sonderlich überraschte. Die Stute hatte ausgezeichnetes Blut und schon jetzt viel Ausdauer.
      Wenig später brachten wir die Vollblüter zum Absatteln, während Ajith und Oliver bereits die zweite Gruppe bereit machten. Die Jockeys von vorhin ritten auch in dieser Runde alle wieder mit, nur ich nicht, also übernahmen Ajith und ich alle Pferde der ersten Gruppe zum Versorgen. Ich nahm Alyshebas Sattel vom Rücken des Hengstes und legte ihn auf Flys. So tauschten wir einer nach dem anderen alle Sättel. Ein Vorteil an den kleinen Rennsätteln war, dass sie praktisch auf jedes Pferd passten, also brauchten wir nicht für jeden ein eigenes Modell. Als Fly, Sympathy, Light, Caspian, Spot, Winter, Campina und Gray allesamt gesattelt waren, übernahmen die Jockeys sie der Liste entsprechend und ich wünschte allen viel Spass. Ich warf, zurück in der Stallgasse, die Abschwitzdecke über Frames Rücken und brachte den Hengst nach dem Hufeauskratzen in seine Box. Dasselbe taten Ajith und ich mit den anderen. Als Belohnung bekamen die Pferde immer nach dem Reiten ein paar Karotten oder einen Apfel.
      Während die zweite Gruppe am Trainieren war, misteten Ajith und ich schonmal die meisten Boxen. Danach half ich beim Versorgen der Pferde aus der zweiten und beim Satteln jener aus der dritten Gruppe. Es handelte sich um die letzte Gruppe für heute, mit Iskierka, Sunday, Stromer, Empire, Chiccory, Cantastor und Muskat. Die tragenden Stuten brachten wir gleich anschliessend auf die Weide, damit wir auch deren Boxen noch misten konnten, wobei uns diesmal Thomas und April noch halfen. April hängte die Zaunbänder um, damit der Weg zu den grossen Weiden seitlich begrenzt war. Als sie rief, öffnete ich die Boxen von Paint, Indiana und Caprice. Alle drei trabten die Stallgasse entlang raus auf den Schotterweg. Auch Pointless und Cassy drehten schon ungeduldig in der Box. Nur Blütenzauber schien irgendwie nicht mitbekommen zu haben, dass sie raus durfte. Sie durchwühlte weiterhin ihr Stroh nach letzten Heuhalmen, bis ich schliesslich schwungvoll die Tür aufschob und die Schwarzbraune rausschickte. Dann trabte auch sie den anderen hinterher. Wir verbrachten den restlichen Morgen mit Misten, Aufräumen und Füttern. Am Nachmittag waren dann die Pferde dran, um die sich die Neben-, Nord- und Offenstallpfleger noch nicht gekümmert hatten.
      8 März 2016

      CreepyGirl
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      Heute hatte ich einen etwas größeren Auftrag. Ich sollte mich um vier Pferde von dem Sportpferdegestüt Pineforest Stable kümmern... als0 um derren Hufe. Ich ging zu meinem Auto und tat alles was ich brauchen würde in den Kofferraum dann stieg ich ein und fuhr los.
      Schon von weitem sah ich die großen Ställe, Galoppstrecken und anderes. Begeistert fuhr ich auf den Hof und parkte mein Auto. Ich stieg aus und machte mich auf die suche nach Occulta Smith, der Hofbesitzerin. ,,Hallo?", rief ich da ich mich auf dem großen Hof einwenig verloren fühlte. Gott sei Dank kam mir Occulta Smith lächelt entgegen und gab mir die Hand. ,,Schön das Sie so schnell kommen konnten!", meinte sie und schüttelte meine Hand. ,,Kein Problem ich habe ja Spaß an meiner Arbeit!", lachte ich. Die rot-blond haarige Frau zeigte mir einen Platz wo ich mein Zeugs ausräumen konnte und half mir beim aufbauen. ,,Also mit welchen Pferdchen fangen wir an?", fragte ich und grinste. ,,Mit Diarado einem Oldenburger.", erklärte Occulta und führte mich zu dem Nordstall. Dort fanden wir den Rappen und brachten ihn zu meinem Hufschmied-Platz. Occulta band ihn an und streichelte ihn. Auch ich stellte mich als erstes bei dem Hengst vor, das machte ich immer da ich der Meinung bin das die Pferde dann weniger Angst vor meiner Arbeit hatten. Nach der kurzen "Kuschel-Vorstellung" machte ich mich an die Arbeit. Als erstes machte ich mich an das rasplen der Hufe, schnell,sauber aber auch vorsichtig machte ich diese Arbeit. Als ich fertig war kontrollierte ich meine Arbeit nochmal, dannach machte ich mich an die Hufeisen. Vorsichtig um das Pferd nicht zu erschrecken machte ich auch diese Arbeit schnell und sauber. ,,Very very good, sweet boy!", sagte ich lachend und streichelte den Hengst. Occulta lachte... kein wunder bei meinem Englisch haha. Die Hofbesitzerin band den Hengst los und führte ihn weg, während sie den nächsten hollte, richtete ich schon alles her. Occulta kam zurück mit einem süßen und wunderschönen Isländer Hengst. ,,Na hallo du!", lächelte ich und streichelte den Süßen. Der Isi stupste mich verspielt und frech an worauf ich lachte. ,,Okayokay!", kicherte ich, dann machte ich mich an die Arbeit die diesmal etwas schwieriger war als zuvor bei Diarado. Herkir war halt etwas frecher. Aber auch diesmal ging das raspeln und neu beschlagen gut. Das war ja die Hauptsache! Ich kontrollierte nochmal meine Arbeit dann tätschelte ich den Isländer. ,,Wer ist mein nächster Patient?", fragte ich lachend und klatschte in die Hände. ,,Valentine's Dublin eine Englisches Vollblut Stute.",lächelte Occulta und führte Herkir weg. Ein paar Minuten später kam sie mit der gefleckten Stute wieder. Ich streichelte die Stute und sagte zu Occulta, wie schön die Stute wäre, worauf Occulta mir sofort zustimmte. Nach dieser kurzen Pause, machte ich mich an das raspeln der Hufe. Nachdem strechelte ich die Stute nochmals, dannach ging es an das neu beschlagen. Bei der jungen Stute war ich noch mehr vorsichtig, da ich nicht wusste ob die kleine sich bereichts an Hufschmiede gewöhnt hatte. Wie sich herausstellte blieb die Stute aber ganz ruhig. ,,Finish.", lächelte ich und tätschelte die Stute. ,,Kannst du dir jetzt noch schnell die Hufe von einem Miniature Horse ansehen? Nur zur Sicherheit?", fragte Occulta. ,,Sicher!", meinte ich. Occulta brachte Dublin weg und führte mich dann zu einer Weide wo mehrere Mini Pferdchen herumtollten. Die Hofbesitzerin ging rein und ich folgte, bei einer kleinen Stute blieben wir stehen und ich beugte mich um mir ihre Hufe anzusehen. ,,Sieht gut aus.", murmelte ich und kontrollierte alles. ,,Ja alles super!", nickte ich und streichelte das kleine. ,,Das ist gut.", lachte Occulta. Wir redeten noch ein wenig doch dann musste ich weg. Schnell packte ich meine Sachen und verabschiedete mich.
      28 März 2016
    • Occulta
      Eddi
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      Es war schon ein Weilchen her, dass ich das letzte Mal auf dem Vollblutgestüt Pineforest Stable von Occulta vorbeigeschaut hatte. Heute sollten mich sogar vier Pferde erwarten. Diese wollte Occulta demnächst in Körungen schicken und deshalb brauchten sie noch ihre Veterinärsuntersuchungen. Zu meinem Leidwesen hatte ich den Termin ziemlich vertrödelt und kam schon etwas zu spät bei Occulta an. Doch sie winkte nur lachend ab und führte mich direkt in den Stall zum ersten Hengst. Das war Diarado, ihr schicker lackschwarzer Oldenburger. Ich sah direkt seine frisch gemachten Hufe und generell sah er wirklich gut aus. Ich bat Occulta, ihn mir erst einmal im Schritt und Trab die Stallgasse entlang zu führen, damit ich kurz seinen Bewegungsablauf kontrollieren konnte. Wie zu erwarten lief er taktklar und schwungvoll, also ging es zum Putzplatz, wo er angebunden wurde. Kurz warf ich einen Blick in Augen und Maul, um den Pupillenreflex und seine Zähne zu kontrollieren. Dann hörte ich Herz und Lunge ab, ehe ich die Körpertemperatur kontrollierte. Alles war einwandfrei, der Hengst wurde nur noch abgetastet und konnte dann auch schon geimpft werden. Für die Körung benötigte der die Impfungen Herpes und Influenza und wurde auch direkt noch entwurmt und schon war Diarado fertig. Ich wechselte die Sachen, während Occulta den Hengst wegbrachte und den nächsten Patienten holte. Herkir war ein Isländer und ziemlich aufgeweckt. Wahrscheinlich besaß er von allen Pferden die ich heute sehen würde noch das meiste Winterfell, auch wenn er schon geschoren war. "Vor der Körung schere ich ihn komplett", meinte Occulta grinsend und führte mir auch Herkir vor. Danach kontrollierte ich auch bei ihm den Pupillenreflex und die Zähne, hörte ihn danach ab und kontrollierte die Temperatur. Auch bei Herkir war alles im grünen Bereich und es gab die zwei Impfungen plus die Wurmkur ins Maul. Angetan war Herkir von der nicht, aber immerhin durfte er dann wieder gehen. In die folgende Stute setzte Occulta große Hoffnungen. Valentine's Dublin sollte als Zuchtstute viel Ruhm ernten, das hofften zumindest alle von Pineforest und dementsprechend wurde die Stute auch ausgiebig umsorgt. Auch charakterlich war sie nett und so verlief die Untersuchung ohne große Probleme ab. Auch sie wurde vorgeführt, ehe ich sie ausgiebig von Kopf bis Huf untersuchte. Sie hatte ein wirklich schönes Exterieur und konnte sich auch farblich sehen lassen. Die Impfungen fand sie zwar nicht so toll, hielt diesen aber tapfer stand. Als letztes war Circus Dancer an der Reihe. Er tanzte ein bisschen aus der Reihe, immerhin war er ein Knabstrupper. Auch ihn konnte man ohne Probleme untersuchen. Also kontrollierte ich Augen und Maul und hörte ihn daraufhin ab. Dann tastete ich seine Wirbelsäule entlang, ehe er auch schon geimpft und entwurmt wurde und schon waren wir mit allem durch und ich wünschte Occulta viel Erfolg auf den Wettbewerben.
      19 Apr. 2016

      Occulta
      Weird Dreams

      Etwas kitzelte mein Gesicht. Im nächsten Moment öffnete ich die Augen und erblickte direkt vor meiner Nase Kafkas gesprenkelten Pelz. „Was hat das Mistvieh hier drin zu suchen?!“, ärgerte ich mich lautstark, und scheuchte den Kater von meinem Bett. Ich stand auf, zog mich an, klemmte Kafka unter meinen Arm und schmiss ihn aus dem sperrangelweit offenen Küchenfenster. „Lily? LILY warum ist das verdammte Fenster offen?!“, rief ich die Treppe hoch. Es kam keine Antwort. „Lily?!“, rief ich abermals, und stampfte die Treppe hoch. Es fiel mir schwer, oben anzukommen, denn ich war schon nach der Hälfte völlig ausser Puste. Meine Beine fühlten sich schwer an. Ich muss unbedingt wieder trainieren gehen, beschloss ich keuchend. Endlich stolperte ich durch Lilys Zimmertür. Es sah aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen, doch sie sass unschuldig auf dem Bett, mit dem Rücken gegen mich gewandt. „Hey, warum war das Fenster offen? Und warum gleicht dein Zimmer einem Schweinestall?!“, schimpfte ich. Sie zuckte mit den Schultern. „Hey, sieh mich gefälligst an! Was machst du da überhaupt?“ Sie drehte sich um und sagte grinsend: „Ich sortiere meine toten Eichhörnchen nach Farbe!“, ein steifes Eichhörnchen am Schwanz hochhaltend. Erschrocken stolperte ich rückwärts und fiel über Kafka, der irgendwie schon wieder im Haus war. Bevor ich jedoch den Boden berührte, schlug ich die Augen auf und starrte die Zimmerdecke an. Nur ein Traum, dachte ich erleichtert und richtete mich auf, wobei ein schwarz-rotes Fellknäuel vom Bett sprang. „KAFKA!“ Ich traute meinen Augen nicht, als der Kater flink durch den Türspalt flitzte. Ich kniff mich in den Arm, „jetzt reicht es aber“ murmelnd. Doch diesmal schien ich tatsächlich wach zu sein, denn ein paar Herzschläge später schepperte der Wecker los. „Arrrgh“, murrte ich und schaltete ihn grob aus. Dann liess ich mich seufzend zurückfallen und starrte abermals nach oben. Was gibt es heute zu tun? Das Mistvieh von Katze rauswerfen – klar. Und dann über den Morgen hinweg Kaythara, Muskat, Vychahr und Ljóski bewegen. Ich streckte meine restliche Müdigkeit weg und zog mich an. Das Küchenfenster war zu, als ich nach unten kam – immerhin. Kafka stand auf der Anrichte und schnupperte am Früchtekorb. Ich packte ihn und setzte ihn vor die Haustüre. Dann suchte ich nach dem Schlupfloch, durch das er sich Eintritt verschafft hatte. Im Badezimmer wurde ich fündig, denn ich hatte wohl am Vorabend nach dem Duschen vergessen, das Badezimmerfenster zu schliessen. Seufzend schloss ich es und schlurfte zurück in die Küche, um mir Frühstück zu machen. Lily musste erst um acht Uhr zur Schule und konnte sich sehr gut selber ein Brot schnappen. Mit einem Erdbeer-Marmelade-Brot zwischen den Zähnen fixiert, zog ich mir die Schuhe an und lief zum Hauptstall. Es dämmerte nun jeweils schon um halb sechs Uhr, wenn ich das Haus verliess. Das war deutlich angenehmer als im Winter, wenn es noch stundenlang ‚pitch black‘ war. Im Hauptstall waren die ersten Pfleger schon am Füttern. Ich half bei der Morgenroutine mit, danach holte ich Kaythara raus und putzte sie, ebenso wurden die anderen Vollblüter für die erste Morgengruppe fertig gemacht. Es musste wie immer zackig gehen, aber dennoch bestand ich darauf, dass alle Pferde blitzblank geputzt waren. Quinn fragte mich, ob sie Caligari bandagieren, oder ihr die Gamaschen anziehen sollte; ich antwortete Ersteres. Auch Kaythara bandagierte ich zum Schutz der Sehnen ein. Dann holte ich den leichten Rennsattel und das Zaumzeug. Cool Cat, der seit kurzem auch Lammfell an seinem Nasenband hatte, scharrte ungeduldig. Wir hatten das Lammfell montiert, weil er am Nasenrücken recht empfindlich war. Er lief damit etwas entspannter, wie Caspian. Der wurde übrigens im Moment auf sein nächstes grosses Qualifikationsrennen vorbereitet und entsprechend hart rangenommen, trainierte aber heute einzeln mit April. Endlich waren alle bereit und wir konnten aufsitzen. Gemeinsam ritten wir zur Galoppbahn und wärmten uns dort erstmal im Trab auf, bevor wir schliesslich auf die Grasrennbahn wechselten. Es war mittlerweile Hell und ein paar Amseln auf den Tannen zwitscherten fröhlich. Ich hatte meine Schlechte Laune von vorhin überwunden und genoss nun den Geruch nach taufeuchtem Gras und Tannenharz. Sumerian an vorderster Stelle ging frisch voran. Sie war top fit und bereit, wie fast immer im Training den Takt anzugeben. Dublin, die mit Henry direkt vor mir und Kaythara lief, wackelte mit ihrem kräftigen Po taktvoll auf und ab. Auch sie hatte unglaublich schnell Fortschritte gemacht. Sie hatte das gewisse Talent und die Leichtigkeit, die man sich bei einem Galopper wünschte. Doch bei ihrer Abstammung, hatte ich auch kaum etwas anderes erwartet. Schon jetzt war sie kaum geschlagen worden und wurde häufig als Favorit beim Wetten gehandelt. Es war sogar schon einmal eine Zeitungsreporterin auf dem Hof gewesen, um einen Artikel für eine Renn-Zeitschrift zu verfassen. Was die Stute beim Publikum so beliebt machte, war vermutlich ihre auffällige Fellzeichnung, kombiniert mit ihrem Erfolg. Es war ähnlich wie mit A Winter’s Day und Painting Shadows, dank denen Pienforest Stable immer mal wieder in den News vorkam. Doch am meisten zu sprechen gab sicher Campina, die einen Sieg nach dem anderen holte. Sie war mittlerweile fast schon berüchtigt für ihre Schlusssprints, mit denen sie spielerisch an den anderen vorbeizog. Auch sie entstammte einer herausragenden Blutline, die zudem recht selten geworden war. Ich lachte immer wieder über die Tatsache, dass sie als Fohlen und Jährling an mehreren Bewertungsshows als ‚durchschnittlich‘ eingestuft worden war. Ich hatte insgeheim immer gewusst, dass sie einmal grosses leisten würde. Sie hatte ihr Potential im Training schon von Anfang an unter Beweis gestellt. Und dann war da schliesslich noch Kaythara, die unter mir stetig voranmarschierte. Sie war noch ganz am Anfang ihrer Karriere und hatte auch noch nicht genug Muskeln, um mit den anderen mitzuhalten. Aber ich hatte grosse Hoffnungen in die hübsche Stute, denn ihre Mutter, Rennlegende Kiara El Assuad, war international bekannt. Wie auch immer, sie schien sich keine Gedanken um das Rennen zu machen, denn sie war viel zu beschäftigt damit, Cool Cat anzugiften.

      Wir liefen 1500 Meter in durchschnittlichem Tempo und die letzten 200 Meter davon in 15 Sekunden, wobei wir immer versuchten, möglichst nahe beieinander zu bleiben. So konnten sich die Pferde gegenseitig anheizen und keiner musste zurückbleiben. Nach dem Schlusssprint schnauften Kaythara, Ciela und Caligari erschöpft. Doch wenigstens hatten sie deutlich weniger geschwitzt als noch die letzten Male. Wir führten die Pferde zum Abkühlen etwas herum, dann wuschen wir den Schweiss ab und brachten sie zum Trocknen in die Führmaschine. Cielas rosa Haut schimmerte durch das nasse Fell, sodass April sie scherzend „Miss Piggy“ nannte. Kaythara konnte es nicht lassen, mich mit einem kräftigen Schnauben anzufeuchten, bevor ich sie in das Karussell entliess.

      Nun war ich bei Muskat. Der elegante Braune mit der hübschen Blesse wartete bereits ungeduldig, weil Fajir, der in der Nachbarbox wohnte, bereits draussen war. Muskat benahm sich wie ein nervöses Frettchen im Umgang; dauernd musste er irgendwas mit dem Mund oder den Hufen bearbeiten. Es schien, als würde er gleich platzen vor Energie und Tatendrang. Manchmal kam mir der zehnjährige Hengst wie ein frecher zweijähriger vor, der gerade seine und meine Grenzen austestete. Als er an meinem T-Shirt zupfte, während ich seinen Hals bürstete, packte ich ihn spielerisch am Ohr, umfasste seinen Kopf und knuddelte ihn liebevoll. Dann fuhr ich fort und bearbeitete seinen von der Weide staubigen Schweif mit ein wenig Glanzspray. Als ich die Mähne kämmte, kürzte ich gleich noch den bridle path hinter den Ohren mit der Schere nach. Er mochte das knirschende Geräusch nicht und schüttelte ein paarmal den Kopf. Ich schaffte es trotzdem, die Lücke wieder anständig hinzubekommen. Als nächstes suchte ich einen passenden Dressursattel und das mexikanisches Zaumzeug, das ich bei ihm oft einsetzte. Ich zog ihm das Halfter aus, wobei er die Gelegenheit nutzte, um seinen Kopf unsanft an meiner Schulter zu kratzen. Ich schob ihn wieder in eine gerade Position, damit ich mit dem Zäumen fortfahren konnte. Als es geschafft war, liefen wir zum Dressurplatz, wo ich zuerst aufwärmte, was wie immer recht anstrengend war, und dann ein paar Seitwärtsbewegungen üben wollte. Ich musste dabei aufpassen, dass er sich nicht einfach entzog, indem er immer schneller wurde. Ich war mir nichtmal sicher, ob er aus Protest schneller wurde, oder einfach um dem Druck zu entkommen, den ich durch die Lektionen aufbaute. Ich entschleunigte ihn mit ein paar kleinen Volten und aktivierte gleichzeitig mit meinen Schenkelhilfen seine Hinterhand. Durch die Gewichtsverlagerung wurde er automatisch langsamer und konzentrierte sich wieder mehr. Langsam nahm er das Gebiss an und kaute darauf herum, während sein Hals immer runder wurde. Er löste sich zwar am Anfang noch ab und zu aus der Anlehnung, aber nach gut 20 Minuten war er endlich vollkommen gelöst und lief am Zügel. Nun konnte ich mit dem Schenkelweichen beginnen. Ich lobte ihn immer wieder nach erfolgreichem Beinkreuzen mit einem raschen Halskraulen. Er schaffte es bei weitem nicht perfekt, aber für ihn reichte das erstmal vollkommen. Ich gestaltete die Lektionen abwechslungsreich, damit seine Konzentration nicht wieder abschweifte. Am Ende liess ich ihn am langen Zügel austraben und ritt schliesslich noch eine Runde im Schritt um die Galoppbahn.

      Wieder in der Stallgasse, machte mir mein Körper durch ausgiebiges Gähnen wieder bewusst, dass es erst acht Uhr war. „Coffee brake?“, fragte Quinn grinsend, als ich zu ihr sah. Ich nickte und folgte ihr zur Halle, wo auch die Reiterstube mit der Kaffee Maschine war. Die meisten anderen Jockeys und Pfleger folgten ebenfalls, wie jeden Morgen. Wir sassen rund um den grossen Tisch und unterhielten uns über den Tagesablauf. Ich warf zwischenzeitlich einen Blick durch die Glasscheibe in die Halle und bat Lewis und Darren, die Hindernisse, die noch von gestern dastanden, für die auswertigen Reitschüler, die um zehn Uhr von Lisa unterrichtet werden würden, wegzuräumen.

      Um halb 9 ging’s weiter mit Ljóski. Ich entwirrte die wuschelige, dank einem enzymhaltigen Shampoo schneeweisse Mähne ganz vorsichtig, ohne Haare rauszurupfen. Loki zappelte die ganze Zeit vor und zurück. „Was ist heute nur los mit euch Vierbeinern? Ist Vollmond oder was?“, fragte ich ihn, ohne eine Antwort zu erwarten. „Vollmond ist erst in ein paar Tagen wieder“, kam die Antwort, aber selbstverständlich nicht aus Lokis Mund, sondern von Jonas. Ich entdeckte ihn in Calicos Box, als er den Kopf über hob. „Warum sind dann alle so zappelig?“ „Vielleicht bist du selbst zappelig und überträgst es auf die Pferde“, meinte er achselzuckend. Mir fiel mal wieder kein Konter ein, und ich musste mir selbst eingestehen, dass ich angesichts meiner bisherigen Erlebnisse schon ziemlich zerstreut sein musste. „Wenn ich Calicos Box fertig gemistet habe, soll ich dann zuerst auch noch die anderen fertig machen, oder die Stuten von der Weide holen?“, fragte Jonas nun. „Lass die Stuten noch draussen bis 9 Uhr, dann hatten sie mit drei Stunden für heute genug. Das Gras ist noch zu frisch um sie länger draussen zu lassen. Ach und pass auf, dass es nicht wieder so ein Durcheinander mit den Fohlen gibt.“ Wenig später war ich mit Loki auf der Ovalbahn und übte den Rennpass. Der junge Hengst war so fortgeschritten in seiner Ausbildung, dass ich als nicht-Gangreit-Experte regelmässig an meine Grenzen stiess, was die Exaktheit und auch die Kreativität der Übungen anging. Wenigstens konnte ich am Rennpass noch arbeiten, weil er dabei noch merklich Mühe hatte. Danach wollte ich anfangen, ihn dressurmässig weiter zu fördern. Am Ende des heutigen Trainings waren wir beide etwas ausser Puste, besonders ich. Ich ritt im Schritt auf dem Schotterweg zurück zum Nordstall. Die ersten Reitschüler streunerten bereits auf dem Hof herum und kamen neugierig auf Loki zu. Es gab lauter „Awwww“ und „So fluffy!“ Rufe und alle wollten den Hengst streicheln. Loki blieb cool und genoss die Aufmerksamkeit. So ein Charmeur, dachte ich verschmitzt und klopfte ihm stolz auf den Hals.

      Es war nun viertel nach 10. Loki war gut versorgt und ich konnte mich ein wenig der Buchhaltung widmen. Ich setzte mich an mein Pult und vertiefte mich in offene Rechnungen, Steuern, Turniernennungen und vieles mehr. Pineforest Stable war als vielseitiges Gestüt ein rentabler Betrieb. Unsere Einnahmequellen umfassten in erster Linie Gewinnsummen, Reitschüler, Pferdeverkäufe, Deckeinsätze und Veranstaltungen, die auf unserem Gelände stattfanden. Dazu kam bald noch der Online-Zubehörshop, der sich im Aufbau befand. Alles in allem schrieben wir schwarze Zahlen und hatten immer noch ein ordentliches Sümmchen vom Vermögen meiner Grosstante auf der Seite. Dass wir das meiste Heu selbst herstellten und Stroh relativ billig von benachbarten Bauernhöfen beziehen konnten, erleichterte die finanzielle Lage ebenfalls. Ich führte trotz allem streng Buch über alle Einnahmen und Ausgaben, um wo immer möglich weiter zu optimieren. Ich checkte noch meine Mails, wobei auch eines von Eddi dabei war. Neugierig las ich, was sie geschrieben hatte und war freudig überrascht über den Inhalt. Sie bot mir an, mir eine ihrer Paint Stuten zu schenken. Ich hatte vor kurzem Interesse an der hübschen Ice Coffee gezeigt, ohne mich am Ende für den Kauf zu entscheiden. Da Eddi aber überzeugt war, dass es Coffee auf Pineforest Stable gefallen würde, wollte sie sie mir nun kurzerhand überlassen. Sie selbst wollte ihren Bestand etwas reduzieren, wie sie mir als Begründung mitteilte. Ich schrieb ihr zurück, dass ich Coffee liebend gerne übernehmen wollte und den Transport selbst organisieren würde. Somit schaltete ich den PC zufrieden aus und kochte Lily und mir Mittagessen.
      18 Mai 2016

      Occulta
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      Zuallererst stand heute das Renntraining mit der unerfahrendsten Gruppe an. Kaythara, Dublin, Ciela, Sumerian und Frame machten zwar täglich Fortschritte, konnten aber noch lange nicht mit der Geschwindigkeit und Ausdauer der älteren Rennpferde mithalten. Ich übernahm den Ritt auf Ciela, für die ich diesen Monat eingetragen war. Die schneeweisse Winter Nachkommin hatte das letzte bisschen Winterfell schon vor Wochen verloren und hatte nun sehr feines, kurzes Sommerfell. Nur dass es weiss war, erschwerte das Putzen. Man sah jeden Grasflecken darauf, weshalb ich mir Zeit nahm und sie schon früher in der Stallgasse anband als die anderen. Zunächst striegelte ich den ganzen Körper mit dem Gummistriegel gründlich durch. Sogar auf der Stirn löste ich so ein paar weisse Haare raus. Danach wischte ich den groben Schmutz und Staub mit einer langen, weichen Bürste raus. Ausserdem passte ich auf, dass ihr keine Haare in die Augen kamen. Als nächstes bearbeitete ich das Fell mit der normalen Bürste, bis auf den ersten Blick alles sauber war. Und zum Schluss kam noch die ‚Politur‘, indem ich mit dem Lammfellhandschuh die letzten Rückstände entfernte. Nun war Ciela, bis auf einen bösen grünen Flecken am Bein, durch und durch sauber. Ich kratzte die hellen Hufe aus, bürstete das weiche Langhaar und holte schliesslich den Rennsattel. Ciela wippte etwas vor und zurück beim Auflegen des Sattels, stand aber still sobald ich angurtete. Manchmal kam es mir vor, als sei sie einfach ungeduldig. Die Trense nahm sie ohne zu zögern in den Mund und kaute sofort darauf herum, während ich versuchte, die Riemen zu schliessen. Als ich es endlich geschafft hatte, standen die anderen Jockeys mit ihren Reittieren schon draussen bereit. Eilig führte ich Ciela raus und stieg auf, dann ritten wir alle gemeinsam in einer Einerreihe zur Bahn. Zunächst wurde gründlich eingewärmt. Ciela war heiss und explosiv; sie wollte kaum im Trab bleiben. Ich liess mich davon aber nicht beeindrucken und sass einfach ruhig obendrauf. Kaythara war genauso hibbelig und zickte gegen Frame, der heute von Quinn geritten wurde. Sie war die einzige, die den Schecken ausser mir einigermassen im Griff hatte, beziehungsweise die einzige, der Frame sonst noch einigermassen vertraute. Bis heute war die Narbe am Hals zu sehen, wo er sich damals fast am Zaun erstochen hatte. Seitdem war er sehr vorsichtig und führte quasi ständig seinen eigenen kleinen Überlebenskampf, auch wenn dazu kein Grund bestand. Er entspannte sich nur wirklich in der Box oder wenn ich dabei war. Sogar auf der Weide erwischte ich ihn manchmal dabei, wie er in unsicheren Runden dem Zaun entlang trabte und nach einem Weg in den Stall suchte. Auch heute war der Junghengst aufgrund der allgemeinen Anspannung etwas verklemmt und guckig, aber Quinn hatte sie Situation im Griff. Sie wusste, dass bei Frame nicht viel mit Druck zu erreichen war, und stattdessen beruhigende Stimmhilfen und sanftes Halskraulen zur Besserung beitrugen. Er hatte in seiner Misslichen Lage beim Zaun gelernt, dass Druck und Schmerz nicht nachliessen, selbst wenn man aufgab. Mein Kraulen hingegen war damals mit seiner Rettung einhergegangen, woran er sich noch gut zu erinnern schien. Sumerian war heute wohl die angenehmste Athletin. Sie arbeitete still mit und reagierte brav auf Aprils Anweisungen. Auch hielt sie sich im Vergleich zu den anderen beim Einwärmen noch vornehm zurück. Die Letzte im Bunde, Dublin, war nicht viel anders als sonst. Sie zog ihr eigenes Ding durch und wartete nur ungerne, bis wir endlich zu den Startboxen ritten. Charly schien etwas unsicher, und das spürte die Stute sofort. Doch sie trug ihn zuverlässig, wenn auch in ihrem Tempo voran. Sie schien fast schon wie ein alter Hase im Rennsport und liess sich ohne grosse Zickereien von Ajith in die Gitterbox führen, zappelte dann jedoch ungeduldig. Mit Ciela hatte ich mehr Mühe überhaupt rein zu kommen – wir brauchten fünf Minuten, bis die Stute endlich ganz drin war. Sobald alle Pferde und Jockeys bereit waren, löste Ajith den Start aus und die Klappen flogen auf. Sofort setzte sich Dublin an die Spitze und brachte eine ordentliche Distanz zwischen sich und uns restlichen. Oliver schrie vom Zaun her „Slow her down you moron, she has to wait or she will be tired after 2 furlongs!“ Genau das geschah. Schon nach kurzer Zeit fiel Dublin wieder zurück und galoppierte den anderen am Ende abgeschlagen auf der letzten Position hinterher. Ich liess Ciela im richtigen Moment ziehen, sodass wir Sumerian beinahe einholten. Es fehlte am Ende nur eine Kopflänge, doch Sumerian entschied diese Runde für sich. Gleich hinter uns folgten Kaythara und Frame, ziemlich genau gleichzeitig. Wir lobten die Blüter und machten noch etwas lockere Galopparbeit, danach ritten wir sie trocken und versorgten sie.
      30 Mai 2016

      Occulta
      Heisse Gemüter

      Es waren zwei Wochen vergangen, seit Rosie die ‚Wilkinson Ranch‘, wie sie nun alle nannten, übernommen hatte. Rosie hatte sich eigentlich zuerst gegen den Namen gewehrt, doch am Ende siegte der Gruppendruck, indem die Pfleger etwas Geld für ein grosses Holzschild mit dem entsprechenden Schriftzug zusammengelegt hatten. Sie hatten die Nachricht von dem gelüfteten Geheimnis um Rosies Herkunft gar nicht so erstaunt wahrgenommen. Lisa hatte sogar steif und fest behauptet, sie habe die ganze Zeit über so etwas vermutet – was ihr natürlich keiner glaubte. Jedenfalls war Rosie mittlerweile täglich auf ihrer Ranch und schuftete ebenso viel wie die Arbeiter, die sie bestellt hatte. Auf Pineforest vermisste man sie inzwischen schon etwas. So erwischte ich zum Beispiel Oliver beim organisieren des Morgentrainings, ausnahmsweise auf Deutsch: „Quinn reitet statt Cool Cat Spotted Timeout, ich weiss nicht welche Idiot das wieder falsch eingetragen hat. Rosie kann Cat stattdessen übernehmen.“ „Ehmm Boss, Rosie is, ehh…“, meldete sich Thomas scheu. „Yes yes, fine. Ich kann mir auch nicht alles merken hier. Na gut, dann nimmt eben April Cool Cat.“ „But I already ride Caspian!“ „All of you – you drive me nuts! And just because of a certain lady that thinks that she can quit and leave all of a sudden – and a certain boss here doesn’t even stop her!“, rief Oliver aufgebracht aus. Alle schwiegen, bis er sich beruhigt hatte und fortfuhr. Ich wusste ganz genau, dass er es in Wirklichkeit einfach sehr bedauerte, dass Rosie nun nicht mehr 100% für Pineforest zur Verfügung stand. Aber geschäftsorientiert wie er war, versuchte er einfach darüber hinwegzusehen und weiterzumachen. „However. Rita, if I remember it correctly, you have no horse to ride in the first group, have you?“, fragte Oliver mit sarkastischer Stimme. Rita nickte unsicher. “Good. Then go get Cool Cat. All of you – move! Before I make you!” Ich sah ihn streng an, doch wenn er schlechte Laune hatte (was heute mehr als offensichtlich der Fall war) liess man ihn am besten einfach in Ruhe seinen Job machen. Ich begab mich zu Sundays Box. Viel zu lange hatte ich den Braunen nicht mehr im Training geritten, weil ich immer andere Pferde auf der Liste gehabt hatte. Doch diesen Monat waren wir endlich wieder zusammengewürfelt worden. Ich führte den braunen Hengst in die Stallgasse und stellte ihn zwischen Gleam of Light und Spotted Timeout. Dann begann ich wie immer damit, sein Fell gründlich durchzustriegeln. Heute wollte er anscheinend nicht besonders gekrault werden, denn er verzog weder die Lippe, noch legte er den Kopf schief, wie er es sonst so oft tat, wenn ich beim Widerrist angelangte. Ich zuckte mit den Schultern und machte weiter. Das Fell des Braunen war kurz und schimmerte schon nach wenigen Bürstenstrichen wieder wie frisch ein gesprayt. Auch der Schweif liess sich ohne grossen Widerstand kämmen. Ich sortierte ein paar Strohhalme aus dem ordentlich geschnittenen, schwarzen Langhaar heraus, dann ging ich zu den Hufen über. „Occu, can you have a quick look? Sumerian has a scratch…“, rief Thomas um die Ecke. Ich liess den Hufkratzer liegen und ging nachsehen, was er meinte. Innerlich betete ich: bitte nicht noch ein Pferd das verletzt ist! Es reicht schon, dass Winter und Iskierka den ganzen letzten Monat ausgefallen sind! Doch meine Sorge wurde gelockert als ich sah, dass es sich tatsächlich nur um eine oberflächliche Blessur am Sprunggelenk handelte. Vermutlich hatten die Stuten auf der Weide wieder miteinander gezickt. Trotzdem besprühte ich die Wunde mit etwas Silberspray, um die Fliegen und den Dreck fernzuhalten. Dann widmete ich mich wieder Sunday, der bereits ungeduldig scharrte. „Du kriegst nix, Kumpel. Erst nach der Arbeit“, stellte ich mit gehobenem Finger klar, aber natürlich nützte das nichts. Ich stupste ihn an und sagte deutlich „stop it“, woraufhin er tatsächlich aufhörte. Nun konnte ich bereits Satteln und zäumen. Die Anderen waren ähnlich weit, sodass wir alle etwa gleichzeitig das Gebäude verliessen und die Pferde zum Aufwärmen auf die Galoppbahn ritten. Hier blieben wir erstmal fünf Minuten im Schritt, danach folgte zehn Minuten lockerer Trab und schliesslich begaben wir uns zur Rennbahn. Einer nach dem anderen wurde in die Startboxen geführt. Bei dieser Gruppe fand das Training eigentlich bloss noch zur Erhaltung, nicht mehr zum Neuaufbau von Muskeln statt. Diese Pferde waren schon so gut ausgebildet und durchtrainiert, dass man gar nicht mehr viel steigern konnte. Deshalb erlaubten wir uns mit ihnen auch öfter spassige Ausritte anstelle anstrengenden Trainings. Während den ausgiebigen Galopps im Gelände oder dem Schwimmen im Bach wurden die Muskeln schliesslich auch fit gehalten. Trotz des zum Teil jahrelangen Trainings hatte aber immer noch der ein oder andere unangenehme Macken, an denen wir wohl doch noch bis zum Ende der Rennkarriere feilen mussten. Beispielsweise zeigte sich mein Sunday wieder von seiner besten Seite: Ajith wollte ihn wohl für seinen Geschmack etwas zu hastig in die Startmaschine führen, sodass der Versuch damit endete, dass der Hengst stieg und sich beinahe den Kopf anstiess. „Dass du immer gleich Männchen-machen musst, sobald dir etwas nicht passt“, tadelte ich laut, zum Vergnügen der anderen Jockeys. Beim zweiten Versuch klappte es, indem Ajith dem Hengst genug Zeit gab, sich alles anzusehen. Als hätte er es nicht schon 1000 mal gesehen… Aber auch Sumerian hatte mal wieder nen Zickenanfall, und das ausgerechnet beim Start. Anstatt anständig abzudrücken, schoss sie aus der Box und keifte Campina an, die prompt erschrak und einen Seitensprung gegen Cool Cat machte, der durch den Zusammenprall wiederum beinahe stürzte. Wir brachen ab und bremsten die Pferde. Oliver schüttelte genervt den Kopf. „Thomas, what was that? Weren’t you supposed to control your horse? Instead you are dreaming again! I saw that coming since you entered the box!” Und warum hast du dann nichts gesagt? Diese Frage stand Tom förmlich ins Gesicht geschrieben, doch er wollte nicht noch mehr Ärger provozieren und murmelte bloss „sorry Oliver“. Ich war froh, dass er sich unter Kontrolle behielt, denn er zählte normalerweise auch zu den eher heisseren Gemütern auf dem Hof. Eine Meinungsverschiedenheit zwischen den beiden wollte ich nicht erleben.

      Beim zweiten Anlauf klappte es: Sumerian musste ganz aussen Starten und Tom hielt die Zügel straff genug, dass er sofort reagieren konnte, falls die Stute erneut den Kopf drehen wollte. Die Klappen flogen auf und die Pferde sprangen los. Ich krallte mich in Sundays Mähne fest, als der Hengst mit ein paar gewaltigen Galoppsprüngen beschleunigte. Zu sehr liess ich ihn aber noch nicht vor, denn die Kraft musste er sich für den Finish sparen. In jedem Trainingsrennen achteten wir auf dieselben Spielregeln wie bei einem richtigen Rennen, damit sich die Pferde an den Ablauf gewöhnten und später besser kontrollierbar waren, wenn es mal drauf ankam. Wir blieben alle dicht beieinander bis wir eine ganze Runde um die Bahn durchritten hatten, dann folgte die letzte Gerade. Aus der Kurve heraus liess ich Sunday ziehen. Dicht neben mir gab auch Parker Light den Kopf frei. Ich konzentrierte mich so sehr auf diese Seite der Bahn, dass ich nicht bemerkte, wie Cool Cat auf der anderen überholte. Als ich wieder nach vorne sah, sah ich seinen Schweif direkt vor uns wehen und erkannte, dass Rita uns blockieren wollte. Ich zog Sunday auf eine Bahn weiter aussen und duckte mich tief in seine Mähne, doch den Abstand konnte ich in der kurzen Zeit bis zur Zielmarkierung nicht mehr wettmachen. Light konnte sich noch etwas weiter vorschieben, also kamen wir als dritte ins Ziel. „Not bad Rita, it was clever to block Occu and Sunday. But if you try this over a longer distance you probably won’t come away so easily. They were already catching up again and Cat lost all his power during that sprint”, wertete Oliver kurz darauf beim Abkühlen aus. “Sumerian and Spot have to start the final run earlier; they have enough strength to do that. And Campina plus Caspian need a little bit more condition.”

      Wir brachten die erste Gruppe in den Freilauftrainer, damit sie noch etwas länger Schritt laufen konnten. Dann holten wir die nächsten sechs Kandidaten: Chiccory, Winter, Iskierka, Painting Shadows, Sympathy und Shades of Gray. Mein Liebling Winter und Zicke Iskierka liefen wegen besagtem Trainingsrückstand hier mit. Winter hatte sich auf der Koppel bei einem Gerangel mit Neuankömmling Rosenprinz eine üble Schramme am Vorderbein zugezogen, durch die er einige Tage etwas unsauber lief. Ich gab ihm daraufhin gleich einen ganzen Monat Pause, denn Beinverletzungen waren bei den Rennpferden immer heikel. Iskierka hingegen hatte erhöhte Temperatur und Nasenausfluss gehabt, vermutlich eine leichte Grippe, die sie sich bei einem Handicap in London eingefangen hatte. Ärgerlich – aber jetzt ging es ihr dank der führsorglichen Pflege von Ajith wieder gut. Sie hatte uns allen richtig Sorgen gemacht, denn sie war so aussergewöhnlich lieb und ruhig gewesen. Ich musste jetzt noch schmunzeln, obwohl es ja eigentlich nicht lustig gewesen war. Sympathy wurde wie versprochen vorsichtig wieder hochtrainiert, jetzt da ihr Fohlen entwöhnt war. Sie machte sich besser als ich gedacht hatte und kam langsam aber sicher zu ihrer alten Form zurück. Trotzdem war es mit dem ganzen Trainingsverlust und in ihrem Alter nicht mehr ganz so einfach, mit den jungen Fliegengewichten mitzuhalten, die jetzt immer mehr aufstiegen. Paint war schlicht und ergreifend in dieser Gruppe dabei, damit überall etwa gleich viele Pferde liefen. Das Trainingsrennen entschied Gray für sich, und bewies mir damit, dass sie reif für die geplanten Einsätze am Wochenende war.

      Die letzte Gruppe bestand aus den Jungspunden Caligari, Kaythara, Ciela, Cassiopeia, Pointless und Framed in History. Wir bereiteten sie vor, während die vorherige Gruppe in die Führanlage kam; ausser Iskierka – die durfte unter’s Solarium, was sie sichtlich genoss. Cassy war bei weitem noch die pummeligste, denn sie hatte ja auch als eine der letzten abgefohlt. Auch ihre Kondition liess etwas zu wünschen übrig, sodass sie heute als abgeschlagene Letzte ins Ziel bretterte. Kaythara hingegen hatte ein absolutes Formhoch und gewann mit unglaublichen vier Längen Vorsprung und einem neuen persönlichen Bahnrekord. Und dann war da noch Pointless. Sie ging nicht zuletzt durchs Ziel, aber ihre Leistung war nicht gerade schön anzusehen gewesen. Schon bei der Startbox hatte das Gezanke wieder angefangen, und die darauffolgenden 500 Meter waren für mich, die sie abgesehen von Oliver als einzige reiten durfte, ein unangenehmer Kampf gewesen. Doch danach hatte die Stute der Ehrgeiz gepackt; anders konnte ich es mir nicht erklären. Sie hatte die Ohren nach hinten geklappt und sich plötzlich gestreckt, als würde sie verfolgt werden. So waren wir mit dem für ihren Trainings(rück)stand unglaublichen vierten Platz durchgekommen. Doch kaum wollte ich sie bremsen, war alles wieder beim alten: sie schüttelte den Kopf, schlug unwillig mit dem Schweif und stampfte unzufrieden, sobald ich sie in den Schritt gebremst hatte. Oliver war erstaunlich zuversichtlich: „I think it was much better than last time. The foal-break was definitely the right thing to do with her.” Ich nickte nur und dachte insgeheim: das lässt sich leicht sagen, wenn man nicht selber oben sitzt. Wir versorgten auch diese Gruppe. Es wurde jetzt langsam warm, denn es war bereits acht Uhr morgens.

      Am Abend schickte ich dann Coulee zusammen mit Rosenprinz auf die Bahn. Quinn und Parker ritten die beiden. Ich hatte das Gefühl, dass Coulee durch Quicks Anwesenheit viel ruhiger und selbstbewusster war. Die beiden waren quasi zusammen aufgewachsen und hatten sich anscheinend furchtbar vermisst. Jedenfalls grunzte Coulee dem hübschen Falben bei jeder Gelegenheit zu, und meist bekam sie auch eine Antwort. Coulee war auch auf der Bahn wie ausgewechselt, seit Quick mit ihr trainierte. Sie hatte wieder mehr Ehrgeiz, mehr noch, als nach meinen unzähligen Motivierungsversuchen. Ich war sichtig glücklich, wenn ich den beiden zusah. Das einzige, was meine Stimmung noch immer trübte, war die ehemalige Box von Stromer. Caspian stand jetzt darin – überhaupt hatten wir die Boxenordnung etwas umgestellt, weil in Zukunft Cantastor, Empire, Fly Fast, Fajir und Muskat bei Rosie untergebracht werden würden. Sie gehörten noch immer mir, aber sie durften aus praktischen Gründen dorthin ziehen. Fly ging auf Wunsch von Rosie mit, denn er war immer schon ihr Liebling gewesen.

      Ich sah noch rasch nach Mikke und Indiana. Die beiden waren ausgeritten worden und machten einen zufriedenen Eindruck. Den ‚Verlust‘ ihrer Fohlen hatten sie wohl einigermassen überstanden. Auch Dublin war heute nicht mitgelaufen, wie schon die letzten paar Wochen. Grund dafür war, dass sie ein Fohlen von Sacramento erwartete und ich ihr das Training langsam nicht mehr zumuten wollte. Zufrieden löschte ich das Licht um zehn Uhr und verschwand ins Haus.
      25 Aug. 2016
    • Occulta
      Besuch bei Daedra

      Diesmal verschlug es mich und Jonas nach Irland. Ich wollte mein lackschwarzes Stutfohlen Daedra besuchen gehen, das bis zu seiner Entwöhnung mit Mama Dublin in Tassilas Stall umgezogen war. Ajith hatte mich vor dem Gehen gebeten, ein paar aktuelle Fotos der kleinen zu machen. Der Pfleger konnte es, wie ich, kaum erwarten, die Kleine zurück auf Pineforest Stable zu holen. Aber wir wollten ihr dennoch so viel Zeit wie möglich mit ihrer Mutter lassen.

      Wir wurden von Tassila begrüsst und tauschten ein paar Neuigkeiten aus, während wir zu den Weiden schlenderten. Schon von weitem erblickte ich Daedra und Dublin. Das Stutfohlen flitzte gerade im gestreckten Galopp den Zaun entlang, während die Mama gelassen Gras zupfte. „Sie strotzt ja richtig vor Energie! Offenbar ist ihr langweilig“, bemerkte ich lachend. Jonas meinte: „Wir sollten das ausnutzen um ihr etwas beizubringen.“ Tassila schlug vor, dass wir die beiden auf einen Spaziergang entführen könnten. Ich fand das eine tolle Idee und fragte, ob ich auch gleich Sing my Lullaby mitnehmen könnte, weil ich mich ja schon eine Weile nicht mehr um mein ‚Pflegepferd‘ gekümmert hatte. Jonas und ich fingen also Dublin und ihr Fohlen ein, brachten sie zum Anbindeplatz und putzten Dublin erstmal grob. Schliesslich konnten wir uns so schlammverkrustet nicht in der Nachbarschaft blicken lassen! Tassila überliess uns unserem Schicksal, denn sie musste selbst noch ein paar Pferde bewegen. Ich holte Lullaby und band die Fuchsstute in der Nähe an, um sie ebenfalls rasch zu bürsten. Jonas musste aufpassen, dass Daedra ihm keine Bürsten aus der Putzkiste verschleppte. Das neugierige Fohlen musste alles mit seiner Schnauze untersuchen. Eine Viertelstunde später zog Jonas Daedra spielerisch ein Fohlenhalfter über, denn er wollte sie ebenfalls führen, damit sie beim Spazieren nicht verloren gehen konnte. Die Kleine kannte das Halfter schon, es war nach dem überall-Anfassen das zweite gewesen, was sie hatte lernen müssen. Sie akzeptierte es mittlerweile auch ganz gut, auch wenn sie sich hin und wieder doch noch mit dem Hinterhuf am Kopf kratzen und das Ding loswerden wollte. Führen klappte im Moment nur, wenn Dublin daneben lief. Aber das hatte auch noch etwas Zeit. Ich war mit Lullaby auch fertig, also machten wir uns auf den Weg.

      Unterwegs zeigten wir Daedra ein paar potentiell furchteinflössende Dinge wie Hydranten, Fahrräder und mit Planen abgedeckte Holzhaufen. Ich achtete aber sehr darauf, die Kleine nicht zu überfordern und respektierte es, wenn sie sich lieber hinter Dublin verstecken wollte. Jonas und ich tauschten immer wieder Pferde, damit wir beide in den Genuss des ‚Fohlentrainings‘ kamen. Einmal kreuzten wir einen Spaziergänger mit Kinderwagen. Dabei machte sogar Lullaby einen langen Hals und wich auf den Feldrand aus. Klein Daedra hingegen begriff gar nicht, was los war; sie wirkte tatsächlich eher verwirrt und stolperte einfach ihrer Mama nach. Ein andermal war ich unheimlich stolz, denn das Stutfohlen schnupperte von sich aus an zwei bunten Luftballons, die an eine Laterne geknüpft waren. Ich kraulte sie als positive Bestätigung am Widerrist, was sie sichtlich genoss. Während dem laufen rempelte sie mich manchmal noch an, aber von einem Fohlen erwartete ich auch noch nichts anderes. Trotzdem blieb ich jeweils standhaft und versuchte sie davon abzubringen, in meinen persönlichen Bereich zu einzufallen. Sie hatte jetzt noch nicht viel Kraft, und das musste ich ausnutzen. Wie Oliver immer so schön sagte: Wenn der kleine Elefant lernt, dass er die Kette nicht zerreissen kann, versucht er es im besten Fall gar nicht erst, wenn er ausgewachsen ist.

      Als wir vom Ausflug zurückkamen, brachten wir die drei Vollblüter wieder auf die Weide. Es hatte Spass gemacht, an diesem ausnahmsweise wieder sonnigen Tag spazieren zu gehen, sowohl uns Menschlein als auch den Pferden. Jedenfalls waren Lullaby und Dublin bestimmt nicht wütend gewesen, als sie gegen Ende der Tour am Waldrand noch Gras hatten zupfen dürfen. Ich beobachtete die Pferde noch einen Moment. Lullaby massregelte Daedra, als diese ihr direkt vor die Füsse lief. Das Fohlen trabte erschrocken zu seiner Mutter zurück und klackerte unterwürfig mit den Zähnen. Ich fand es immer wieder schön zu sehen, wie kurz und effektiv die Pferde einander erzogen. Ohne dabei irgendwie nachtragend oder übermässig streng zu sein – so, wie es sein sollte. Genau aus diesem Grund fand ich es so wichtig, dass die Fohlen lange genug bei der Mutter blieben und danach in der Herde auf der Weide weitere Erfahrungen sammeln konnten, und zwar ein Leben lang. Denn warum sollte man sich als Zweibeiner die Mühe machen, einen rüpeligen Halbstarken zu erziehen, wenn das die anderen Pferde doch einwandfrei im Griff hatten? Jedenfalls war Daedra im Augenblick in besten Händen und wir konnten guten Gewissens wieder abreisen. Jonas und ich verabschiedeten uns von Tassila und machten uns auf den Heimweg. Unterwegs fiel mir plötzlich ein, dass ich die Fotos ganz vergessen hatte. „Ich bin so ein Löcherbecken…“, murmelte ich ärgerlich. Doch Jonas grinste nur und streckte mir während dem Fahren sein Handy rüber, auf dem ich ein paar tolle Schnappschüsse vom Spaziergang fand. „Du bist einfach super“, bemerkte ich liebevoll. „Ich weiss“, war die scherzhafte Antwort.
    • Tassila
      Pflege April - Normalität im Ausnahmezustand

      Auf dem großen Anwesen in Irland hatte sich nach den einschneidenden Ereignissen wieder soetwas wie Normalität eingestellt. Die verbliebenen Pferde werden täglich trainiert, sogar einige Neuankömmlinge haben sich hier eingefunden. Dennoch laufen die Planungen hinter den Kulissen auf Hochtouren, ein Umzug ist geplant, zurück auf's europäische Festland, genauer in die ostbayerische Gegend. Ein mögliches neues zu Hause wurde schon ausgekundschaftet, ein altes Herrenhaus mit Gutsanlage.

      Bis es soweit ist, geht das Leben auf der grünen Insel seinen gewohnten Lauf:
      die drei prämierten Stuten Dublin, Aerith und Might bite a Bit genießen ihr Leben größtenteils auf den weitläufigen Weiden, da sie nicht mehr aktiv im Turnierbetrieb gehen, werden sie nur leicht gearbeitet. Die größten Freizeitler jedoch sind die Youngsters: Gigolo's Smokin Silverado, Depressed Mr. Dexterity, Here comes Copycat und Golden Redstar. Die Junghengste bilden eine harmonische Gruppe (meistens zumindest) und lernen nebenher im täglichen Handling die Grundlagen des guten Umgangs mit Menschen.
      Die aktiven Turnierpferde sind ebenfalls in Gruppen aufgeteilt auf verschiedene Weiden, wo sie nach Möglichkeit mehrere Stunden täglich verbringen. Trainiert wird dann je nach Disziplinen: Chuckling Dancing Mess, Silmaril und Seleya, die Langstreckenläufer sind meist in der Umgebung unterwegs um auf verschiedenen Terrains und Steigungen zu trainieren.
      Die verbliebenen Galopper Suddenly Airborne und Sing my Lullaby sind bereits in aller Frühe auf der oft noch nebligen Grasbahn oder der kleineren Sandstrecke anzutreffen.
      In der Reithalle und den Aussenplätzen ist immer etwas los, wenn die Dressur- und Vielseitigkeitspferde sowie die Quarter Horses trainieren: Lune de Miel, Efeu, Aquila, Joaquín, Sweeney, Alonso, Acapulco und Roses never Die.
    • Tassila
      Pflege Dezember - Eine Herde zieht um

      VK Golden Redstar, Depressed Mr. Dexterity, Moya, Here comes Copycat, Gigolo's smokin Silverado, Orpheus, scs Sweeney Todd, scs Silmaril, Lune de Miel, Efeu, scs Sing my Lullaby, tc Roses never Die, scs Suddenly Airborne, Joaquín, Allons-y Alonso, Belfalas, Connerie, Seleya, tc My little colored Ken, Aquila, tc Amor Casdove, Official Legito, Laith, Chuckling Dancing Mess, Valentine's Dublin, Acapulco goes for Gold, Aerith, scs Might bite a Bit

      "Auf den Neuanfang!" Die Erleichterung ist jedem der im Kreis Stehenden im Gesicht anzusehen, als sie alle mit Sektgläsern anstoßen. Die Gestütsleiterin, Pfleger, Bereiter und Umzugshelfer sehen müde aus, aber glücklich. Denn 28 Pferde werden heute ihre erste Nacht im neuen Heim in Ostbayern verbringen, hinter ihnen und der Crew liegt eine Reise über Land und durch die Luft. Gerade für die Jungpfperde war die lange Reise kräftezährend, letztendlich ging aber alles bis auf kleinigkeiten reibungslos über die Bühne. Jetzt sind alle Pferde auf die Stallgebäude aufgeteilt, die letzten Reste vom Abendessen werden vernichtet und nurnoch gelegentliches Schnauben ist zu hören, es kehrt Ruhe ein.
      Die Crew zieht sich ins Haupthaus zurück, Freunde vor Ort haben Gulasch für alle vorbereitet um die Reisenden willkommen zu heißen.
    • Tassila
      Pflege Mai

      Moya, Orpheus, Here comes Copycat, Gigolo's smokin Silverado, Depressed Mr. Dexterity, Lune de Miel, Efeu, VK Golden Redstar, Official Legito, Laith, Connerie, tc Roses never Die, Chuckling dancing Mess, Valentine's Dublin, scs Silmaril, Seleya, Belfalas, tc Amor Casdove, scs Sweeney Todd, Allons-y Alonso, Hibiskus, tc My little colored Ken, scs Suddenly Airborne, scs Might Bite a Bit, Acapulco goes for Gold, Aerith, scs Sing my Lullaby, Aquila, Joaquín


      Der Sommer hat Einzug gehalten in Bayern, und das schon im April. Temperaturen bis 28 Grad haben jeden auf dem Hof den eisigen Winter vergessen lassen und die Pferde haben endlich wieder frisches Grün. Zunächst stundenweise werden die Gruppen auf die Koppeln losgelassen, und wie jedes Jahr ist der erste Weidegang eine rasante Angelegenheit.

      Zudem beginnt die Turniersaison und erste Erfolge gibt es auch schon zu verbuchen. Jedes Wochenende schwärmen die Reiter aus, auf Veranstaltungen in allen Sparten des Sports sind die Teams zu finden. Zu Hause läuft das alltägliche Training und es laufen die Planungen für das geplante Hoffest, das Ende Juli stattfinden soll..
    • Tassila
      Pflege August

      Moya, Orpheus, Here comes Copycat, Gigolo's smokin Silverado, Depressed Mr. Dexterity, Lune de Miel, Efeu, VK Golden Redstar, Official Legito, Laith, Connerie, tc Roses never Die, Chuckling dancing Mess, Valentine's Dublin, scs Silmaril, Seleya, Belfalas, tc Amor Casdove, scs Sweeney Todd, Allons-y Alonso, Hibiskus, tc My little colored Ken, scs Suddenly Airborne, scs Might Bite a Bit, Acapulco goes for Gold, Aerith, scs Sing my Lullaby, Aquila, Joaquín, Albatros, Vintage Brass Affaire

      "... und gegen Abend steigendes Gewitterrisiko in Teilen der Oberpfalz und Niederbayern..." - hatte gestern Abend zumindest der Wetterfrosch der lokalen Radiostation behauptet, wobei das mal wieder alles oder nichts heißen konnte. In diesem Falle: nichts, kein Tröpfchen Regen ging im Tal nieder, die anhaltende Hitze ging langsam aber sicher jedem hier auf den Geist. Ausser vielleicht den Wüstenpferden, die fühlen sich wahrscheinlich gerade wie im Land ihrer Ahnen. Für die Normalsterblichen heißen Temperaturen bis zu 36° aber vor allem eines: Training nur in den Morgenstunden und Abends. Auch sind die für Pferde zugänglichen Gewässer der Umgebung ein sehr populärer Anlaufpunkt, kaum ein Ausritt kommt daran vorbei. Man munkelt, dass auch schon berittene Exkursionen losgeschickt wurden, um die Qualität der Eisdielen der umliegenden Dörfer zu erforschen...
    • Tassila
      Pflege März

      Cor de Chasse, Amor's Arrow, Cheshire Cat, Jane Doe, Orpheus, Gigolo's smokin Silverado, Official Legito, Laith, Efeu, Lune de Miel, Albatros, Allons-y Alonso, Chuckling dancing Mess, Valentine's Dublin, Sing my Lullaby, VK Golden Redstar, Depressed Mr. Dexterity, Connerie, Moya, Here comes Copycat, tc Amor Casdove, scs Silmaril, Belfalas, Asfari-Sharin, Seleya, Arcadia Bay, Foggy Dew, D'Argo, Fada Fid


      Der Winter scheint langsam doch aufzugeben, für's Wochenende sind 20° angesagt. Andererseits hatte es vor zwei Tagen noch gut fünf Zentimeter geschneit, wenn auch nichts davon von dauer war. Durchhaltend und durchdringend ist hingegen der Wind, der die Pferde etwas nerviger als gewöhnlich werden lässt.
      Auf der Jungpferdeweide hat sich seit dem Sommer einiges getan, vier neue Pferde mischen dort nun mit. Das tägliche Training läuft wie gewohnt, bei einem Faschingsritt in der Region konnten zudem gleich mehrere Pferde des PSZ Jura ihre Nervenstärke beweisen.
    • Tassila
      Pflege August 2019

      Chuckling Dancing Mess, Valentine's Dublin, VK Golden Redstar, scs Sing my Lullaby, Depressed Mr. Dexterity, Connerie, Moya, Here comes Copycat, Batacuda, Noonwraith

      22°, bewölkter Himmel und der Geruch von Regen in der Luft. Soweit irgend möglich, stehen alle Fenster auf dem Hof sperrangelweit offen, hin und wieder bringt eine leichte Brise die Blätter der Bäume zum Rascheln. Für alle auf dem Hof, ob Mensch oder Tier, sieht so der perfekte Sommertag aus, zumindest wenn eine Hitzeperiode mit Temperaturen bis 38 Grad und hinter ihnen liegt.

      Während der letzten Wochen war das Training der Pferde auf die Morgen- und Abendstunden beschränkt gewesen. Jetzt geht es wieder geschäftiger zu, und auch die Hofhunde liegen nichtmehr nur wie Bettvorleger im Schatten herum.

      Derzeit warten gleich drei Hengste nurnoch auf den Termin der nächsten Körung, nachdem sie monatelang darauf vorbereitet worden waren. Allwöchentlich schwärmen Teams aus der Oberpfalz in alle Himmelsrichtungen aus und stellen die Pferde in einem breiten Spektrum an Disziplinen vor. Nebenher laufen die Vorbereitungen zum Sommerfest auf der Anlage, das für Mitte August geplant ist.
    • Sevannie
      Verschoben am 25.02.2020
      Grund: 6 Monate lang keine Pflege
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  • Kategorie:
    Himmel - ungepflegte Pferde
    Hochgeladen von:
    Tassila
    Datum:
    25 Sep. 2016
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    EXIF Data

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    Note: EXIF data is stored on valid file types when a photo is uploaded. The photo may have been manipulated since upload (rotated, flipped, cropped etc).

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    Vom: Cataract
    Shirocco XX x Nushin

    Aus der: Delta Queen
    Solo xx x Desecration Smile xx

    Grunddaten
    Geburtstag & Alter: 09.03. ; 5 Jahre
    Geburtsort: (Deutschland) Zuchtgestüt Burnin' Valentine
    Geschlecht: Stute
    Rasse: Englisches Vollblut
    Fellfarbe: Bay Tovero
    (Ee,Aa,Toto,Oo)
    Stockmaß: 1.66 m

    Charakterbeschreibung
    neugierig, temperamentvoll, mutig, lernwillig

    Dublin ist ein typisches Fohlen. Sie ist neugierig, kennt keine Grenzen und ist erst recht auf der Weide sehr wild. Sie hat gehörig Feuer im Hintern und ist sehr temperamentvoll und ungeduldig. Nicht einmal beim Putzen kann sie still stehen. Angst ist ein Fremdwort für sie: Sie würde sogar einen Räuber mit gespitzten Ohren und freudigem Wiehern begrüßen. Trotz dem ist sie sehr lernfähig und konzentriert sich bei der Bodenarbeit gut, es sei denn natürlich, einer ihrer Kumpels wiehert ihr zu: Dann ist die ganze Konzentration hinüber und man kann harte Arbeit vergessen.

    Ausbildung & Fitness
    Gesundheit: sehr gut
    Eingeritten: ja
    Einsatz: Galopprennen (flach) S, Military A

    Zuchtdaten
    Prämiert: ja
    Decktaxe: 170 j.
    Besitzer: Huhn
    Pferd erstellt von: Ivi.Kiwi
    Vorkaufsrecht: Ivi.Kiwi

    Erfolge
    SK 439
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    353.DT | 330.GR | 346.ST | 241.MT | 332.GR | 357.DT
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    Nachkommen
    ⌂ Depressed Mr. Dexterity ♂ | Blood Bay Tobiano | v.d. Mr. Raw Depression​