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Veija

♀ Like a Prayer

5 Krönpunkte

♀ Like a Prayer
Veija, 21 Dez. 2020
    • Veija
      Willkommen bei uns!
      14. Juni 2020, by Eddi
      Zuchtmäßig waren wir bereits letztes als auch dieses Jahr nicht wirklich aktiv gewesen, doch eine Anpaarung hatte ich mir bereits seit längerem gewünscht: Outlaw Torn x Like Honey and Milk. Und dieses Jahr war es so weit! Meine liebste Honey wurde zum vierten Mal Mama und diesmal sollte das Fohlen für uns selbst sein.
      Das Stutfohlen kam ohne Komplikationen zur Welt und ich durfte sogar dabei sein. Wir nannten die Hübsche Like a Prayer und alle waren begeistert von dem Zwerg. Ohne Probleme trank sie direkt und fühlte sich anscheinend pudelwohl. Sie machte sich in den ersten Wochen auch mehr als gut. Und durfte schon bald mit ihrer Mama hinaus auf die Weide.
      Inzwischen war Lizzy schon zwei Monate alt, hatte endlich einen gescheiten Spitznamen (denn so schön ihr Name auch war, immer rufen wollte man den nicht) und wuchs wie verrückt. "Wo will sie denn noch hin?" seufzte ich und ahnte bereits, dass da nichts aus meinem kleinen quadratischen Westernpferd werden würde, sondern sie anscheinend gut wachsen wollte.
      Heute stand für die beiden ein wenig Betüddeln an. Inzwischen kannte Lizzy schon das Halfter und auch Führen ging immer besser. Nun stand sie gemeinsam mit ihrer Mutter am Putzplatz und ich putzte die beiden in Ruhe nacheinander. Außerdem wusch ich bei Honey direkt die Beine und den Schweif und da Lizzy sehr neugierig war, machte sie auch direkt Bekanntschaft mit dem Schlauch. Besser konnte sie es nicht lernen. Danach gab es für beide eine Möhre und dann ging es auch schon wieder zurück auf die Weide.

      Winter, wir kommen
      30. November 2020, by Eddi
      Gähnend halfterte ich nacheinander Applaus, Feuerdrache, Paddington und Cover the Moon auf und führte dann die vier Junghengste aus dem Stall auf ihre Winterweide. Feuerdrache und Applaus liefen links, Paddington und Cover the Moon rechts. Wir waren ein eingespieltes Team und zu zankte niemand von den vieren herum. Im Gegenteil wirkten sie genauso müde wie ich.
      Das war aber auch nicht verwunderlich, wenn man bedachte, dass wir es sechs Uhr morgens hatten, es draußen noch stockduster und eiskalt war. Es war der erste Advent und ich hatte das Gefühl, dass wir zum ersten Mal dieses Jahr richtige Minusgrade hatten. Kurz musterte ich die vier Hengste, entschied dann aber, dass zumindest von ihnen keiner eine Decke benötigen würde.
      Ich öffnete das Gatter, löste die Stricke von Applaus und Feuerdrache, welche direkt losstürmten, während Paddington und Cover the Moon brav warteten, bis sie auch durften. Dann jagten die Vier über die Weide und erfreuten sich dem gefrorenen Boden, der bestens Halt für ihre Spielereien gab.
      Ich begab mich zurück in den Stall, wo ich fix Herbstmond, Acarica und Nabiri das Halfter überzog und die drei jungen Ponystuten als nächste auf ihre Weide brachte. Sie standen aktuell nah am Stall, so dass ich schnell dort war, die drei dort absetzte, umkehrte und noch Korah und Lady Fox dazugehörte.
      Die fünf Stuten waren ein eingespieltes Team und passten wirklich gut als Herde zusammen. Ich hoffte, dass sich das nicht mit zunehmenden Alter verändern würde. Nach den Kleinen kamen nun noch die Großen an die Reihe. Die führte ich aufgrund der Sicherheit lieber nur zu zweit. Also folgten mir erst Maelis und Like a Prayer aus dem Stall, ehe auch Graceful Eclipse und Merida an der Reihe waren.
      Bei den vieren hatte ich für den Winter das Einreiten angesetzt, denn es wurde wirklich langsam Zeit, dass sie sich unter den Sattel als Reitpferde zeigten. Und allmählich brauchten sie auch die zusätzliche Beschäftigung für Kopf und Körper. Mal schauen, wie weit wir dieses Jahr noch kommen würden.

      Goodbye
      08. Dezember 2020, by Eddi
      Advent, Advent, ein Lichtlein brennt. Erst eins, dann zwei und ups, dann stand Corona vor der Tür. So oder anders hätte man das Gedicht aufgrund der aktuellen Geschehnisse umschreiben könnten. Das Jahr 2020 neigte sich dem Ende und wir standen vor dem zweiten totalen Lockdown. Waren wir aus dem ersten noch zaghaft und gut herausgekommen, hatte ich nun ehrlich Sorge, dass sich das bei diesem ändern würde.
      Deshalb fokussierte ich mich auf das Wichtige und schritt in unseren Planungen voran. Ende 2020 hatten wir uns sowieso verkleinern wollen, der nächste Lockdown bestärkte dieses Bedürfnis und so standen schon bald mehrere Kaufanzeigen fest. Bis dahin wurden eben diese Pferde noch mehr gehegt und gepflegt, immerhin sollten sie gute neue Besitzer finden.
      Like a Prayer und HGT's Unitato hatten schnell einen neuen Platz bei einer bekannten Westernzüchterin gefunden. Ähnlich erging es Feuervogel, welcher zu einer alten Bekannten zog und dort den Grundstein für eine schöne DRP-Zucht legen würde. Die drei waren dementsprechend mehr oder weniger schon raus und würden kommende Woche umziehen.
      Anders sah es für die Jungspunde Korah, Nabiri und Applaus aus. Die drei Ponyfohlen waren noch da. Bei ihnen frischte ich aktuell das Fohlen-ABC auf, damit sie für ihre neuen Besitzer fit waren. Bei Merida und Graceful Eclipse arbeiteten wir bereits an weiteren Grundlagen, damit sie einen guten Eindruck machten.
      Ebenso wurden die beiden Schätze Erutan Wishes und What does the Fox say täglich trainiert. Sei es Fahren, Longieren oder einfach nur spazieren gehen. Doch die Hengste sollten einen guten Eindruck machen. So war auch Panta Rhei's Trainingsplan wesentlich gefüllter als in den Wochen davor.
      Leider hatte er noch keinen Interessenten. Ähnlich erging es Lila Wolken und Dr. Insektor. Zwei unglaublich tolle Pferde, doch bisher hatte sich noch niemand gemeldet. Aber ich hoffte, dass sich das noch ändern würde.
    • Veija
      Blindkäufe
      Februar 2021, by Veija
      Caleb
      Nachdem ich auf wundersame Weise meinen ehemaligen Hengst Myrkvidr zurückgekauft hatte, standen nun auch zwei bekannte Westernpferde zum Verkauf. Like a Prayer, eine Stute von Outlaw Torn aus der ehemaligen Stute von mir Honey and Milk und ein schöne Rappschimmelhengst von Elasso aus der Wearing the Inside Out, namens HGT's Unitato. Ein Zuchtfohlen vom Hofgut Tannenheide. Oder Tannenweide? Ich wusste es schon gar nicht mehr, denn das Hofgut existierte schon einige Jahre nicht mehr.
      Nachdem sich Mykr im Nebenstall eingelebt hatte, Like a Prayer bei den Jungpferden und Unitato im Trainingsstall, stand nun ebenfalls ein Kauf von Octavia in Frage. Durch Zufall hatten wir vom Verkauf einer Augen auf! Ich komme Nachzucht Wind bekommen. Durch ihren Vater Rasputin war sie ein veredelter Trakehner, der durch Augen auf sehr hoch im Blut stand. Die Stute: Aufgepasst, hier kommt Arcada! war ein Glücktreffer gewesen. So ganz sicher war ich mir nicht, was O mit ihr vorhaben würde... aber okay.
      Der eigentliche Blindkauf war Chapman. Der Hengst, den ich bei der Zuchtauflösung von adoptedfox ursprünglich auch übernehmen, aber nicht bekommen hatte.
      Gwen hatte ein höheres Gebot abgegeben und den Zuschlag bekommen. Leider musste sie nun ein paar Pferde abgeben und Chapman stand wieder zum Verkauf. Ich meldete mich sofort mit einem Gebot und bekam den Zuschlag, ohne das Pferd auch nur einmal live gesehen zu haben.
      Doch als der Hengst hier bei mir vom Hänger kam, waren alle Sorgen vergessen. Er schien auf der Fahrt hierher ziemlich geschwitzt zu haben, weshalb ich ihn nach seiner Ankunft sofort ins Solarium stellte, damit er sich erst einmal wieder aufwärmen konnte. Er zeigte sich sofort neugierig und mutig.
      Ich freute mich, dass er nun wieder mit seinen alten Kameraden vereint war. Abwarten, was die Zukunft bringen würde.
    • Veija
      Being mortal - wir sind sterblich.
      Februar 2021, by Ravenna & Veija
      Caleb
      Während ich in das Wartezimmers des Krankenhauses stolperte und so beinahe alle Aufmerksamkeit auch mich lenkte, scannte mein Blick den Raum nach dem Antlitz eines einzigen Menschen. Eines kleinen Menschens; Betsy.
      Das Mädchen stand am Fenster, wandte mir den Rücken zu. Eine Hand auf dem Fensterbrett, die Andere in der von Ylvi, die sich direkt neben ihr befand. Auch sie schaute zum Fenster hinaus, wirkte in sich zusammengesunken.
      Neben mir eine Regung, dann eine Hand auf meiner Schulter. „Fangen Sie wieder an zu atmen, nicht dass Sie uns hier noch zusammenklappen“, war die einfache Aussage einer älteren Dame, derer ich nun meinen Blick zuwandte und reflexartig einmal tief Luft holte. Ich hatte gar nicht bemerkt, dass ich sie angehalten hatte, spürte jetzt allerdings ein leichtes Brennen meiner Lunge. Meine rechte Hand zur Brust hebend ging ich einen Schritt auf die beiden Frauen zu. Auf halber Strecke wandte Ylvi mir den Kopf zu. Mit ihren blau unterlaufenen, tränenverquollenden Augen schüttelte sie kaum sichtbar den Kopf.
      Ich seufzte tief, schloss einmal kurz die Augen und als ich sie wieder öffnete, starrte ich direkt in Betsys kleines, ebenso tränenüberströmtes Gesicht. Sie sagte kein Wort aber ich spürte all den Schmerz, die Trauer und auch die unbändige Wut in ihrem Blick. Ich wollte etwas sagen doch mein Mund wollte einfach keine Worte formen. Stattdessen ging ich in die Hocke, breitete die Arme aus und hoffte, dass das Mädchen der stillen Aufforderung nachkommen würde. Augenblicklich löste Betsy sich von Ylvi, begab sich in meine geöffneten Arme und schmiegte sich schluchzend so fest an mich, dass mir der Cowboyhut vom Kopf fiel. In jeder anderen Situation hätte ich ihn sofort vom Boden aufgehoben, doch in diesem Moment war der Hut auf dem Boden das kleinste meiner Probleme, denn während mein Hemd langsam Betsys Tränen durchsickern ließ, rollten zunächst vereinzelt auch Tränen bei mir, ehe ich mich der eigenen Trauer hingab und ebenso bitterlich anfing zu weinen.

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      Eine Woche zuvor
      Caleb
      Wenn ich sagen würde, ich wäre schon eine ganze Weile auf den Beinen, wäre das mit Sicherheit gelogen; aber ich war… schon eine ganze Weile auf den Beinen.
      Ich stand am Fenster meines Schlafzimmers und ließ den Blick über den Hof schweifen. Schon einige Zeit dachte ich über eine kleine Feier im Haupthaus nach. Keine Feier im eigentlichen Sinne, einfach einen Abend, an dem wir gemütlich zusammensitzen und das bisherige Leben Revue passieren ließen; natürlich bei gutem Essen und für die Erwachsenen mit Alkohol.
      Klar, wir saßen zum gemeinsamen Frühstück auch das ein oder andere Mal zusammen, aber dort besprachen wir immer nur den Tagesablauf und fokussierten uns aufs Geschäft, auch wenn nicht immer alle Mitarbeiter am Frühstück teilnahmen. In letzter Zeit hatten sich Dell und Betsy immer öfter ausgeklinkt, was aber daran lag, dass Dell weniger Arbeit auf dem Hof und somit mehr Zeit am Morgen für seine Tochter hatte.
      Da so gut wie kein Pferd momentan in der Box stand fiel das Misten am Morgen fast gänzlich weg- dies würde sich zum Winter hin leider jedoch wieder ändern.
      Mein morgendlicher Gang führte mich nach der Dusche nur kurz in die Küche. Dort schnappte ich mir meinen Thermobecher Kaffee, dieser war größer als jede Tasse, die im Schrank stand, und ging ins Büro. Es wartete heute wieder einiges an Papierkram auf mich und wenn ich den morgigen Tag freimachen wollte, musste ich das heute erledigen.

      Ylvi
      Ich genoss die sanfte kühle die von meiner Hand in meine Stirn überging. Während gleichzeitig mir heiß und kalt wurde. Ganz zu schweigen von dem fiesen Ziehen im unteren Rücken.
      Daher zuckte ich völlig zusammen als sich die Tür zum Büro schwungvoll öffnete. Orientierungslos sah ich Caleb den Raum betreten, seinen großen Becher Kaffee in der Hand. “Oooh Kaffee!” seufzte ich hoffnungsvoll. Denn die Motivation aufzustehen. Die war ziemlich gering. “Es steht noch welcher in der Kaffeemaschine, sogar warm!” berichtet er mir. Während mein Hirn Sauer auf seine offensichtliche gute Laune war. Ich hingegen schwankte irgendwo zwischen Heulen und Aggression. Was der Knoten in meiner Gebärmutter, aber nur zum Anlass nahm um sich ein kleines Stück mehr zusammenzuziehen. Nur knapp unterdrückte ich mein Stöhnen. Ich brauchte dringend eine Schmerztablette um diesen Tag zu überleben. Nicht das ich meine Periode ohnehin schon verfluchte. Manchmal extrem Schmerzhaft, manchmal kam sie ewig nicht. Man mochte vielleicht den Unfall als Kind und die damit einhergehende Verletzung meines Unterleibes dafür verantwortlich machen. Aber auch andere Frauen litten unter Mens-Schmerzen.
      “Puh, ich würd so gern zuschlagen. Aber den Schluck gönn ich wem anders. Schmerztabletten und Kaffee sollen sich nicht so gut machen.”

      Caleb
      Schmerztablette? Ich horchte auf. “Schmerztablette?”, fragte ich sie dann. “Was hast du?” Am heutigen Morgen war ich wohl ausnahmsweise wirklich in Plauderlaune, weshalb ich sie auch einfach gerade heraus gefragt hatte.
      “Frauenprobleme”, bekam ich als knappe Antwort. Dann würde ich sie wohl lieber mal nicht zu viel nerven, dachte ich und stand auf, um den Raum kurz und schweigsam zu verlassen. Als ich wiederkam, hatte ich eine Flasche Wasser in der Hand und reichte sie Ylvi. “Wäre zwar nicht nötig gewesen, aber danke.” Beim Zurückgehen zum Schreibtisch sah ich ihre Flaschensammlung neben dem Schreibtisch. Sie hatte sich dort einen kleinen Vorrat hingestellt, um nicht immer zum anderen Haus laufen zu müssen. Idiot- dachte ich und setzte mich wieder schweigend auf meinen Platz.
      “Was macht… die Instagram-Seite? Haben wir mehr Follower bekommen, seit du auch das Training mit HMJ Saintly postest?”

      Ylvi
      Ich gab es natürlich nicht direkt zu, aber mir den Weg hinüber ins Haus sparen zu können war goldwert. Ich steckte mir die Pille zwischen die Lippen, nippte und schluckte. Und trank noch zwei weitere Schlucke um sie nicht in der Speiseröhre zu spüren. Dann erst konnte ich mich der Frage von Caleb widmen. Ich winkte ab. “Ach frag bloß nicht. Die Follower kommen, es gehen nur wenige. Schaut man sich die Statistiken an sind es viele weibliche Follower, dabei ich das Alter von 16-45 wirklich alles vertreten. Allerdings kommen so viele Anfragen an Nachrichten. Ich könnt quasi hier übernachten und nur diese beantworten. Ich musste auch die Mail von unserer Website nehmen. Wir wurden mit Spam und sinnfreien E-Mails BOMBARDIERT. Aktuell versuch ich der Lage da ein wenig Herr zu werden.” antwortete ich wahrheitsgemäß. Es machte mir Spaß. Wir hatten einige tolle Beiträge über die letzten Wochen schreiben können. Diese Fragenflut war dann aber doch ein wenig anstrengend. “Außerdem wird immer wieder gefragt ob wir nicht mal einen Live-Stream veranstalten könnten.” Das hatte Caleb bisher abgelehnt. Ich selbst hatte einige bereits gemacht, die Leute so virtuell über die Ranch geführt. Aber Caleb hatte sich bisher noch ein wenig gesträubt sich vor die das Smartphone zu hocken. Ich konnte es ihm nicht verübeln. Es war schon seltsam nicht in real mit anderen Menschen zu sprechen.

      Caleb
      Ich musste kurz lachen. “Viele weibliche Follower? Vor allem… was wollen die sechzehnjährigen? Ich hoffe du postet keine Bilder wo ich und die anderen Jungs oberkörperfrei herumlaufen.” Ylvi stimmte kurz in mein Lachen ein, gab mir aber keine Antwort, die das Gegenteil bezeugte, pah!
      “Was meinst du mit Spam und sinnfreien Anfragen?”, ich überlegte… mir fiel aber tatsächlich nicht wirklich etwas ein, was Fremde uns an sinnlosen Anfragen schicken sollten. Ylvi würde da jedoch gleich Licht ins Dunkle bringen.
      “Vielleicht kann ich mich ja doch irgendwann mit dem Gedanken anfreunden, mal so einen Livestream zu machen. Ich meine wenn das von so vielen gewünscht wird?” An meinem Bildschirm öffnete ich still und heimlich Instagram, wollte mir mal anschauen, was Ylvi dort so postete. Doch ohne Benutzerkonto kam ich nicht rein. Ich schmollte kurz, überlegte und fragte sie dann doch, ob sie mir nicht an ihrem Handy die letzten Beiträge zeigen könnte.

      Ylvi
      Mit seinem Bürostuhl rückte er ein wenig zur Seite als ich mich erhob um ihm alles zu zeigen. Ich scrollte mit ihm einige Zeit durch den Feed. Zeigte ihm die Vorstellung einiger Mitarbeiter mit einem kleinen Bild in den Highlights. Neugieriger als ich es für möglich hielt wollte er sogar ein paar der Nachrichten lesen. “Meinetwegen kannst du auch ein paar Beantworten.” sagte ich leise lachend.
      Ich überließ ihm also mein Handy, denn die halb hockende, halb stehende Position neben dem Tisch war irgendwie ziemlich unbequem. Also kehrte ich zurück an den Schreibtisch. Langsam spürte ich auch wie die Tablette wirkte, das Zittern in meinem Körper fand endlich ein Ende. Meine Konzentration konnte so wieder auf die Probleme vor mir gerichtet werden. Ich hatte schließlich noch andere Arbeit vor mir!
      Tschetan und Kaya würden demnächst aus der Schule kommen. Wir hatten im Gespräch mit der Schule und den Kids direkt das Home Schooling schließlich aufgegeben. Stattdessen hatten wir uns eingesetzt das ein Schulbus die Kids abholte und auch wieder zurück brachte. Caleb hatte uns zur Förderung sogar Geld der Ranch zur Verfügung gestellt. Das hatte ich ihm gar nicht zugetraut. Aber er hatte nur abfällig lächelnd gesagt er könne schließlich nicht verantworten das seine besten Mitarbeiter ständig im Auto hockten um die Kinder wegzubringen. Damit hatte er mich völlig übergangen und Louis und Dell zugezwinkert. Manchmal war er eben ein rechter Schelm. Ich lugte über den Bildschirmrand zu Caleb. Ausnahmsweise sah man sein Gesicht, da er drinnen keinen Hut trug.
      Sein Gesicht war aschfahl, die Augen auf mein Handy gerichtet. Seine Ohren schienen zu leuchten. “Na? Da wird sogar ein Cowboy rot bei solchen Sachen.” scherzte ich.
      Caleb
      So viele, unfassbar tolle Kommentare unter den Fotos! Ich war begeistert, scrollte mich von oben bis unten durch und beantwortete einige der Fragen. Auf die Frage, wann es denn endlich mal einen Livestream mit dem Kopf der Ranch geben würde, antwortete ich ein paar Mal: Bald. Liebe Grüße, Caleb
      Noch während ich mich weiter durch laß, ploppten unten immer mehr Herzen auf. Ich klickte also darauf und wurde immer wieder zu meinem Kommentar zum Livestream zurückgeleitet. “Ylvi ich komm hier immer wieder zurück…”, sagte ich ein wenig verzweifelt zu ihr, stand auf und ging zu ihr rüber. Sie zeigte mir kurz, was das Problem war. Also setzte ich mich wieder auf meinen Stuhl und beantwortete munter Fragen. Das könnte ich den ganzen Tag lang machen!
      Bald fiel mir oben rechts ein Pfeil auf, auf dem eine rote Zahl stand- und keine Kleine. Ich drückte drauf und kam wohl zu den Privaten Nachrichten. “Darf ich die durchlesen?”
      “Klar”, kam es vom anderen Schreibtisch.
      Also las ich ein paar der Nachrichten, antwortete kurz- natürlich gab ich mich immer als… ich zu erkennen, denn bisher hatten die Personen ja immer nur mit Ylvi geschrieben. Ich dachte schon das wären viele, aber als ich auf ‘Nachrichtenanfragen’ klickte, wurde ich quasi von Texten erschlagen. Ich klickte ein paar an, verzog ein paar Mal schüttelnd den Kopf- bis ich zu einer Nachricht einer offensichtlich minderjährigen, jungen Dame kam, die uns ein paar… Nacktfotos geschickt hatte. ‘Sweet Dreams’ stand mit einem Kusssmiley darunter.
      Ich starrte den kleinen Bildschirm an, sagte nichts. Blickte dann zu Ylvi hoch, drehte den Bildschirm, damit sie wusste, was ich meinte. “Bekommen wir viele solcher Nachrichten?!”
      “Ja. Was meinst du denn, was ich mit sinnlosen Nachrichten gemeint habe…”
      “Ich mein.. wie alt ist sie? 14? Oh mein Gott…” Ich stand auf und drückte Ylvi ihr Handy wieder in die Hand.
      “Sind es nur Bilder von Mädchen oder auch von Jungs?”

      Ylvi
      Die Zeiten in denen ich rot geworden wäre waren längst vorbei. Ich zuckte also mit den Schultern. “Natürlich auch Jungs...Männer. Einige sind an mich gerichtet andere auch durchaus an die Männer der Ranch. Ich blockiere die Profile meistens, reagiere nicht auf die Nachrichten. Hätte niemals gedacht ,dass ein Profil das über das Leben hier auf der Ranch aus ist - solcherlei Nachrichten erhält”
      “Sollten wir in dem Stream erwähnen ...naja dass solche Sachen nicht gewünscht sind?” ich winkte ab. “Das wird die ganze Sache womöglich nur anstacheln. Aber ich habe da die Idee vielleicht einfach nochmal Aufmerksam darauf zu machen - was wir im Internet veröffentlichen verbleibt dort oft für Jahre. Das viel schlechtes mit Bildern im allgemeinen angestellt werden kann. Aber die passenden Worte dazu sind mir noch nicht gekommen.”
      “Die Idee ist gut….mit dem Schreiben kann ich dir allerdings wenig helfen fürchte ich. Nicht mein Fachgebiet.” damit deutete er auf den Bildschirm seines PC’s an dem er sicherlich einige E-Mails zu verfassen hatte. Zumindest hatten wir in den vergangenen Wochen die Zettelwirtschaft von Bellamy beseitigen können. Ordnung in einige der Prozesse gebracht und endlich einen ausgereiften Businessplan.
      Caleb hatte sich sogar damit anfreunden können, einige der Arbeitspläne und Aufgaben auf meinem alten Tablet zu organisieren. Ein geteilter Kalender. Eine Art Planner-App in der Aufgaben zugewiesen werden konnten. Bestanden zu einzelnen Prozessen Fragen konnte noch immer zum Telefon gegriffen werden. Caleb gab es nicht zu. Aber ich spürte zusehends wie ihm meine Hilfe mit der Digitalisierung gefiel. Vor allem hatten wir unseren einstigen Flow wieder gefunden. Als würde der Funke der Freundschaft wieder beginnen zu erstarken. Diese Entwicklung machte mich zusehends glücklicher. Die Liebe die ich in meinem Herzen noch immer für ihn empfand machte mir ein zusammensein mit ihm aber auch schwer. Wie konnte es sein? Das mein Herz sich gleichermaßen an zwei unterschiedliche und doch so gleiche Männer gehangen hatte. "Was meinst du? Heute Abend nach dem Essen drüben im Kaminzimmer der LiveStream?"

      Caleb
      Ich war ein wenig überfahren von Ylvis Aussage. Stimmte dem aber sofort zu, dass wir darauf aufmerksam machen mussten, dass Fotos und auch Beiträge über Jahre hinweg im Internet verweilten.
      “Heute Abend schon der Stream?”, ich zuckte die Schultern. “Warum nicht, dann hab ich's hinter mir.”
      “Caleb so schlimm wird es schon nicht sein. Zieh dir was nettes an und sei einfach du selbst, dann klappt das.”
      “Also soll ich, wie immer, mürrisch und schlecht gelaunt sein.”
      Ylvi klatschte sich mit der Hand an die Stirn. Sah mich mit zusammengezogenen Augenbrauen an. Doch als ich grinste, stieg sie in mein Grinsen ein und wandte sich wieder ihren Aufgaben zu. Das Handy gab ich ihr zurück, ehe auch ich meine Aufmerksamkeit wieder auf den Bildschirm lenkte. Bis zum Stream hatte ich noch ein paar Stunden Zeit, so dass ich noch eine halbe Stunde hier im Büro verbringen, dann aber nach draußen zu den Pferden gehen wollte.
      Die halbe Stunde neigte sich gerade dem Ende zu, da betrat Dell das Büro, nickte Ylvi kurz zu und setzte sich auf den Stuhl, der mir gegenüber. Auffordernd sah ich ihn an, doch er sagte zunächst kein Wort. Ich wusste schon, was er wollte. Zumindest konnte ich es ahnen- Zeit mit seiner Tochter.
      “Ich äh.. wollte fragen, ob du mir heute Abend frei geben kannst?”, rückte er dann doch mit der Sprache heraus.
      Wirkte ich wirklich so angsteinflößend auf meine Mitmenschen?
      “Ich würde gerne mit ihr zusammen in die Stadt gehen, Betsy will unbedingt einmal in dieses All you can eat Sushi Restaurant und danach würden wir noch ins Kino gehen.. ich brauch nur jemanden, der meine Fütterung und die Boxen übernimmt.”
      “Wie viele Boxen hast du?”
      “20 sind es im Moment misten und füttern. Es sind aber nicht alle Pferde im Stall, ein paar bleiben draußen.”
      Ich überlegte kurz. “Ylvi was meinst du wie lange brauchen wir, bis wir den Stream am Laufen haben?”
      Ylvi runzelte schon wieder die Stirn. Scheinbar hatte ich ihr wieder eine meiner technisch dämlichen Fragen gestellt.
      “Wir gehen da hin wo wir gutes Internet haben und ich drücke auf diesen Knopf, das wars.”
      “Können wir dann nicht im Stall anfangen? Dann kann ich neben dem Misten was sinnvolles tun und wenn ich keine Antwort parat hab, schwenkst du einfach auf dich um. Dann sehen die Menschen auch sofort was von der Ranch und der Arbeit.”

      Ylvi
      In Anbetracht vom kommenden Herbst. Der nasskälte die draußen auf mich wartete. War ich nicht ganz überzeugt. Sinn machte die ganze Sache aber schon. "Klar, ich denke das macht einen guten Eindruck. Außerdem sehen die Leute dann auch das du nicht einen auf Boss und Rich Kid machst, sondern auch in die tägliche Arbeit involviert bist."
      "Der Arbeitsbulle quasi" dabei warf er sich in die Brust. Dell sah ein wenig wirr von mir zu Caleb und wieder zurück. Der wusste natürlich nicht ganz worum es ging. "Hab ich jetzt also frei?" fragte er daher fast ein wenig unterwürfig. "Na klar." nahm ich Caleb die Antwort vorweg, streckte ihm seitlich die Zunge heraus als er seine Position veränderte. Theatralisch warf er die Hände in die Luft. "Gut, da man mich nicht zu brauchen scheint. Caleb verlässt das Büro!" damit erhob er sich tatsächlich. Dell hingegen blieb noch sitzen. "Betsy hat außerdem gefragt ob nicht Kaya auch dabei sein dürfte. Ich denke Louis wird später noch bei dir vorbeischauen um das ganze abzusprechen. Nur das du schon Bescheid weißt." "Danke , Dell."
      Damit verließ auch er das Büro.
      Da ich mich nicht wirklich auf meine Arbeit konzentrieren konnte, schaltete ich das MacBook aus. Schloss die Tür hinter mir. Nur um mich draußen auf die Suche nach meinem Mann zu begeben. Was auf einer Ranch der Größenordnung gar keine leichte Aufgabe war. Mir begegnete tatsächlich eher zweimal Murphy. O' war es schließlich die meinte ihn das letzte Mal in Richtung des Reining Platzes laufen gesehen zu haben. Dort begegnete er mir dann tatsächlich. Er arbeitete gerade mit einem jungen Rappquarter, den Nachbarn hier zum Training abgeliefert hatten. Da er noch in seine Arbeit vertieft schien. Wartete ich. Aber wie immer, bewies er seinen sechsten Sinn für Dinge, nur kurze Zeit später wandte sich sein lächelndes Gesicht auf mich. Mit dem Pferd am Strick kam er zu mir herüber, strich mir über den Scheitel. "Du siehst müde aus." ich winkte ab, er wusste welche Zeit des Monats war. Und auch wenn nicht mehr so streng, wie seine Vorfahren. So hielt er sich von mir als menstruierende Frau fern. Es war noch immer seltsam würde es wohl auf ewig bleiben. Zum Anfang hatte ich dieses Verhalten nicht verstanden. Er schlief dann auf der Couch. Ich hatte erst Lilly danach Fragen müssen. Das war - wie so vieles eines der Dinge die ihn so traditionell machten. "Caleb hat mir vorhin schon eine Schmerztablette besorgt" eine seiner Augenbrauen hob sich leicht. "Hat er das?" "Eifersüchtig?" sprach ich halb im Scherz. Den undurchdringlichen Blick vermochte ich nicht zu durchschauen. "Dell hat die Kids und mich eingeladen zum Sushi essen...und ins Kino. Ich habe dran gedacht ihn zu begleiten." Natürlich hatte er daran gedacht. Ich lächelte milde "Das wird bestimmt klasse. Auch wenn ich neidisch auf das Sushi werden könnte." "Sollen wir was mitbringen?"
      "Gute Idee."
      "Ich weiß." Über den Zaun hinweg, gab er mir einen leichten Kuss auf die Stirn, ehe seine Arbeit ihn wieder einspannte.

      Caleb
      Mein Weg führte mich sofort in den Stall, in dem ich mich umsah und mich mal wieder in einem riesigen Chaos befand. Wie lange hatte ich diesen Stall hier nicht mehr betreten? Drei Tage? Vier Tage?
      Es sah aus wie Kraut und Rüben… also fing ich zunächst einmal an, alle Utensilien wie Mistgabeln, Beulengabeln und Besen wieder an ihren Platz zu hängen. Ich leerte die Schubkarre auf dem Misthaufen und stellte sie schon einmal in die erste von zwanzig Boxen. Bevor ich jedoch mit dem Misten anfangen wollte, portionierte ich das Kraftfutter in die dafür vorgesehenen, mit Namen beschrifteten Eimer. Die Internetmenschen mussten nicht sehen, was die Pferde zu fressen bekamen.
      Dann fing ich mit dem Misten an, bis mir auffiel, dass ich vorher vielleicht noch etwas essen gehen könnte- wer wusste schon, wie lange der Stream dauern würde? Nach einem Blick auf die Uhr war ich mir auch sicher, dass das Essen bereits auf dem Tisch stand.
      In der Küche traf ich auf Bellamy und O die sich angeregt über das nächste Galopprennen unterhielten. “Willst du Pria nicht aus dem Sport holen?”, fragte ich O während ich mich setzte.
      “Doch. Aber ich hab ja noch andere Pferde. Clyde und Wildfire könnten mehr laufen, ebenso Tigres und Drama… aber nicht mehr dieses Jahr. Ich trainier die auf für eine letzte Saison und dann nehm ich sie alle aus dem Galopprennsport raus.”
      “Ach was?”
      “Ja, ich will mit denen allen in Richtung Vielseitigkeit, das macht mir mehr Spaß. Außerdem.. außer Pria ist keines der Pferde wirklich gut darin. Warum also nicht etwas anderes probieren?”
      Ich zuckte mit den Schultern, setzte mich auf meinen Platz am Kopf des Tisches und schaufelte mir etwas vom Eintopf auf den Teller. Dazu gab es Brötchen, die ich kleinriss und ebenfalls auf den Teller legte. Mit dem Löffel tunkte ich sie in den Eintopf, so dass sie sich richtig schön vollsaugten.
      Das Essen verlief ruhig, es gesellten sich noch ein paar Mitarbeiter dazu. Ich war mir nicht sicher, ob Ylvi auch dazustoßen würde. Normalerweise aß sie mit Louis und den Kindern zusammen drüben. Aber da die drei gleich wegfahren würden, würde sie uns vielleicht noch Gesellschaft leisten.

      Ylvi
      Ich sprang vor der Terrasse auf und ab um den Matsch ein wenig von den Füßen zu bekommen. Auf den Abend hatte leichter Nieselregen eingesetzt. Ich entledigte mich im Flur schließlich meiner feuchten Jacke. Sowie dem Filzhut der mir meine Frisur platt gedrückt hatte. Bevor ich an einen LiveStream denken konnte, verlangte mein Magen nun vehemmend nach Essen. Gerade da die Düfte aus der Küche ein erneutes Knurren auslösten. Mein Frühstück war nicht sonderlich üppig ausgefallen.
      Mit dem Betreten der Küche hoben sich vereinzelte Blicke, die sich anschließend dem Eintopf widmeten. Zielstrebig ging ich auf meinen Platz direkt neben Caleb zu. Seltsam war es schon. Ich wohnte bereits fast ein Jahr gemeinsam mit Louis. Essen taten wir meistens mit den Kindern. Aber der Platz blieb dennoch oft frei. War es aus reiner Gewohnheit. Oder teilten mir die Mitarbeiter unbewusst mit an wessen Seite ich hätte besser bleiben sollen? Natürlich waren diese Gedanken idiotisch. Das ganze konnte ich einfach der Gefühlsduselei meiner Periode zu schreiben. Was in meinem Kopf nur wieder los war. Dankend nahm ich von Bellamy einen Teller Eintopf entgegen. Begierig nahm ich mir auch eines der Brötchen. Die Haushälterin war Dolores, kurz von allen Dolly genannt, einzustellen war auch eine der Neuerungen gewesen. Sie kümmerte sich liebevoll um die Ordnung in den Häusern der Mitarbeiter, der Ferienhäuser und dem Haupthaus. Versorgte alle mit genug Essen. Machte Erledigungen in der Stadt. Sie hatte über den Sommer sogar begonnen einen kleinen Gemüsegarten neben dem Haus anzulegen. Die 53 jährige wohnte ebenfalls in einem der kleinen Bungalows. Sie konnte vor allem hervorragend Kochen. Was die Anzahl der Mitarbeiter die nicht mehr nur allein für sich kochten doch deutlich erhöht hatte. Noch fanden alle knapp in der Küche Platz. Genüsslich nahm ich zwei Bissen vom Eintopf. Anschließend sah ich zu Caleb. “Bereit für den Stream?” sprach ich mit gedämpfter Stimme. Murphy und O’ unterhielten sich zwei Plätze weiter. Angeregtes Stimmengewirr erfüllte die Küche.

      Caleb & Ylvi
      Caleb stopfte sich gerade das letzte Stückchen des Brötchens in den Mund, trank den letzten Schluck aus seinem Glas und sah dann zu Ylvi auf. “So langsam werde ich irgendwie doch nervös”, gestand er ihr wahrheitsgetreu und kratzte sich kurz am Kopf. “Kannst du den Stream gleich anfangen und irgendwann erst auf mich umschwenken?”
      Zunächst antwortete die junge Frau nichts, stand lediglich auf und ging in den Flur, in den ihr Caleb folgte. Sie zogen sich an, Caleb setzte seinen Hut auf den Kopf und gemeinsam gingen sie in Richtung des Stalles, in dem Caleb bisher noch nicht wirklich viel erledigt hatte.
      “Ich kann von mir aus anfangen”, antwortete Ylvi ihm dann, während sie ihr Handy zückte und Caleb sich daran gab, die Box auszumisten. Um die Hände frei zu haben friemelte die junge Frau aus ihrer Jackentasche ein kleines Stativ. Welches ihr ermöglichte ihr Handy anzubringen an die Stäbe der Box. Anschließend öffnete sie Instagram, wechselte vom privaten Account auf den der Ranch. Der Stream musste sich ein wenig herumgesprochen haben. Am Nachmittag hatte sie in der Story eine kleine Ankündigung gemacht. Es dauerte nur wenige Sekunden da kamen bereits die ersten Besucher. Es flogen die Herzchen und von überall aus der Welt kamen Grüße. “Willkommen zum ersten Livestream der Bow River Ranch mit dem Boss des ganzen Ladens. Hier im Hintergrund: Caleb O’Dell! Sag hallo Caleb!” Ylvi trat ein wenig zur Seite. Gab jetzt dem Auditorium freie Sicht auf Caleb, der in seiner üblichen Manier, eine Hand zum Gruß an den Cowboyhut nahm. Klischee dachte Ylvi sich bei seinem Move. Sie schüttelte nur den Kopf. “Da wir den Stream ziemlich spontan gemacht haben - dachte ich mir gestalten wir das ganze als FAQ. Daher stellt ruhig die Fragen die euch auf der Seele liegen.”
      Tatsächlich kamen viele Fragen wie es ihnen ging, die sowohl Caleb als auch Ylvi wahrheitsgemäß beantworteten. Einige der Fachfragen stellte Ylvi laut. Während Caleb zur Kamera sprach, nahm sie ihm die Forke aus der Hand und hievte Stroh in die Schubkarre. Zweimal während der Beantwortung von Fragen wechselten die beiden jeweils die Box. Während sie gerade dabei waren in die Dritte zu wechseln. Stolperte Ylvi über einen der Eimer auf dem Boden. Noch während ihr ein Aufruf der Überraschung über die Lippen kam, schaffte Caleb es gerade so nach ihr zu greifen. Mit einer Hand an ihrer Hüfte. “Hu, das war knapp.” suchte auf dem Betonboden nach dem Handy mit den Augen. Und hörte während des Bückens die Frage von Caleb “Alles klar?” “Nur der Schreck.” Ylvi hob das Handy auf. Dank Hülle war nichts passiert. “Und das meine Lieben, sollte Grund sein kein Zeug unnötig in der Gegend rumstehen zu lassen.” Ylvi wechselte die Kamera, deutete auf den Übeltäter.” Ihnen hatten nun knapp 200 Leute zugeschaut. Und plötzlich schienen die Herzen sich zu überschlagen. Caleb sah gar nicht auf das Handy, er arbeitete weiter. Da er merkte das keine weiteren Fragen kamen und Ylvi ihn nur bei der Arbeit filmte. Hielt er inne, sah Ylvi an. “Keine Fragen mehr?” Ylvi räusperte sich. Verzog etwas das Gesicht, dann schien sie zu entscheiden es sei ohnehin egal. “Seid ihr ein Paar?” Stille. Caleb räusperte sich auch. “Gute Freunde. Ylvi ist mit meinem Freund Louis Killsbears verheiratet.” Das war der Moment in dem der Livestream ablief. Die Zeit war auf 90 Minuten begrenzt. Caleb fuhr fort. Die Antwort von ihm hatten ihre Zuschauer nicht mehr mitbekommen. “Die Antwort ging nicht mehr durch. Vielleicht sollte ich die Info...naja ergänzen zur Mitarbeitervorstellung.”
      “Das wäre wohl… sinnvoll”, antwortete Caleb und machte sich wieder an die Arbeit. Er war mittlerweile an der letzten Box angekommen, streute sie mit Stroh und fuhr die volle Schubkarre auf den Misthaufen. Zähneknirschend betrat er erneut den Stall, warf Ylvi einen Blick zu, die wild auf ihrem Handy herumtippte. “Änderst du das jetzt gleich schon?”
      “Nein, aber da der Livestream zu Ende war beantworte ich die letzte Frage einmal in der Story.” Von den ganzen ‘#calvi’ Kommentaren, die eindeutig Ylvi und Caleb als Paar galten, erzählte sie dem Blonden nichts.
      “Verteilst du noch das Kraftfutter hier in den Boxen? Die Eimer sind alle fertig und beschriftet sind sie ja auch. Dann fang ich schon einmal an, die Pferde rein zu holen.”
      Ylvi nickte, machte sich sofort an die Arbeit und schnappte sich einen Eimer nach dem Anderen, die sie in die Futtertröge schüttete. Nach und nach brachte Caleb die Pferde in den Stall, die sich sichtlich über eine frisch gemachte Box freuten. Der leichte Nieselregen war einem stärkeren Regen gewichen und nach einem Wink von Caleb fing Ylvi an, die Decken derer Pferde zu tauschen, die mittlerweile triefend nass geworden waren. Zum Glück konnten die Decken in einer extra Kammer mit Waschmaschine auch zum Trocknen aufgehängt werden. Die meisten Decken waren mit Namen bestickt, so dass es ihr leicht fiel, schnell voran zu kommen.
      “Nächste Woche soll es wieder um die 20 Grad werden, nachts aber nur drei. Dann haben wir wieder einiges zu tun… abends eindecken, morgens ausdecken.” Caleb seufzte. Ylvi war drauf und dran ihn zu fragen, was er hatte, da der Seufzer offensichtlich nicht den Decken gegolten hatte, was sie an seinem Seitenblick zu ihr vermutete. Typisches Calebverhalten, unschöne Situationen einfach todschweigen.
      “Ich danke dir für die Hilfe, den Rest bekomme ich alleine hin”, winkte er ab und verließ den Stall. So schnell ließ sich Ylvi allerdings nicht abschütteln, denn das Haus war ohne Louis und die Kinder ziemlich leer. Selbst ein ruhiges Bad konnte sie nicht nehmen, denn dort war keine Badewanne vorhanden. Dafür hätte sie Caleb wieder fragen müssen, um das Bad im Haupthaus nutzen zu können.
      “Was musst du denn noch machen?”, fragte sie ihn stattdessen und blieb eine ganze Weile auf seiner Höhe, bis sie sich ein bisschen zurückfallen ließ.
      Erst dann drehte Caleb sich um, sah sie aus zusammengepressten Augen an. Der Wind peitschte ununterbrochen von unten und jagte ihm die Regentropfen in die Augen. “Ich will noch rüber zu HMJ Saintly, werde ihn auch reinholen. Er muss nicht bei dem Wetter draußen stehen, der ist eh noch angeschlagen… und dann wollte ich noch bei den Stut- und Hengstfohlen vorbeischauen.”
      “Gut, dann komm ich mit. Vielleicht bin ich dir dennoch eine Hilfe.” Hatte er sie abwimmeln wollen so sagte er nichts. Es gab auch kein Nicken. Draußen schlugen sie ihre Kragen an der Jacke höher, die Hüte tiefer in das Gesicht gezogen. Zwei dunkle Gestalten in der beginnenden Dämmerung, ein jeder mit den eigenen Gedanken beschäftigt.

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      Louis, Kaya, Tschetan, Dell & Betsy
      Dell hatte das Büro von Caleb und das Haus zügig verlassen, um auf die Suche nach Betsy und Louis zu gehen. Den Lakota fand er schließlich am Reiningplatz mit einer schwarzen Stute. “Caleb hat das ok gegeben, wir können fahren. Ylvi weiß auch schon Bescheid.”
      “Okay dann treffen wir uns in… einer dreiviertelstunde in meinem Bungalow?”, fragte ihn Louis. Dell nickte und verschwand, immer noch auf der Suche nach Betsy.
      Er fand sie schließlich auf der Koppel. Nicht bei Sue, dafür bei Sues Fohlen Pamina. Kaya und Tschetan standen ebenfalls dort und streichelten die Stutfohlen. Es war toll, dass die Pferde von Anfang an Kinder gewohnt waren. “Hört mal Betsy und ich wollten in die Stadt fahren, Sushi essen gehen und dann ins Kino. Ich hab schon mit Louis gesprochen, wenn ihr auch Lust habt würden wir alle zusammen fahren”- wildes Nicken von allen drei Kindern. Kaya und Betsy klatschten sich einmal kurz ab. “Ihr müsstet euch alle nur… nochmal umziehen und vermutlich auch noch schnell duschen.” Wieder nickten sie alle. “Wir treffen uns gleich bei euch im Haus, Tschetan und Kaya.”
      “Bis gleich”, trällerte Betsy, gab Pamina einen Kuss auf die Nase und verließ langsam die Koppel. Sie wusste genau, dass sie bei den Pferden nicht laufen durfte und dachte fast immer daran. Im Haus steckte Dell zuerst Betsy unter die Dusche, eher er selbst schnell drunter sprang. In Windeseile waren sie beide angezogen.
      Im Bungalow der Killsbears, erwartete Vater und Tochter ein eigensinniges Bild. Hintereinander standen Kaya, Tschetan und Louis da. Eingehend damit beschäftigt sich die Haare zu kämmen. Wie selbstverständlich sah er wie sich seine Tochter Betsy einen der Stühle schnappte, ihn hinter Louis stellte und gleichermaßen begann die Reihe fortzusetzen. Dell sah auf seine Hände hinab und ließ sich seufzend auf einen der Küchenstühle nieder. "Ich fühl mich wie ein schlechter Vater. Das einzige das meine Hände zustande kriegen ist ein fusseliger Pferdeschwanz." Damit deutete er auf das Gebilde an Betsys Hinterkopf. Die 11 jährige kicherte. "Dafür können deine Hände andere geschickte Sachen!" ein kurzes zustimmendes Brummen kam Dell über die Lippen. Louis nahm die Worte auf. "Wir haben eben alle unsere Talente. Schau ich in das Innere eines Wagens kann ich höchstens sagen, wenn der Motor fehlt."
      "Vielleicht hast du deine Kindheit ein wenig zu lang damit verbracht dir die Haare zu flechten." Louis ließ keine Regung im Gesicht erkennen, aber Dell kannte den Lakota gut genug um seine zuckenden Mundwinkel zu sehen. Als alle bis auf Betsy fertig gekämmt und geflochten waren. Begann Louis damit Betsy die Haare aus dem Pferdeschwanz zu ziehen, kämmte sie vorsichtig durch, nur um sie dann mit drei Strängen zu verflechten. “Noch ein Sommer nur draußen, die Haare kohlschwarz. Und sie geht als eine von Deinen durch. “schmunzelte Dell. Sah auf seine Tochter und spürte ein Gefühl in sich aufsteigen. Mit jedem Sommer konnte er mehr von ihrer Mutter in seiner Tochter erkennen.
      Louis Mundwinkel zogen sich leicht nach oben. Tschetan und Betsy fingen an zu lachen. “Betsy Killsbears, das wärs noch”, meinte der Junge und verschwand in eines der Zimmer, um sich umzuziehen.
      Kaya schaute Louis zu, stand dann aber schließlich auf und kam wenig später mit einer Jacke zurück.
      “Sind alle fertig?” - zustimmendes Nicken, Tschetan war mittlerweile auch wieder aufgetaucht. “Ich hab gedacht wir nehmen mein Auto. Es ist zwar nicht so komfortabel wie das von Caleb zum Beispiel aber man kommt von A nach B und die Kinder passen alle auf die Rückbank.
      Während die Kinder schon zum Auto vor liefen, schlenderten Louis und Dell gemütlich hinter ihnen her. “Es fällt mir von Tag zu Tag schwerer, in ihr Gesicht zu schauen”, gestand Dell ihm. “Sie sieht ihrer Mutter immer ähnlicher, es ist so unglaublich schwer… ich werde jeden Tag mehr mit ihr und dem Tod konfrontiert.”
      Louis senkte kurz den Kopf, ließ sich weiter zurückfallen, was Dell ihm gleich tat. “Der Tod gehört im Leben dazu, Dell. Genauso wie das Leben. Deine Frau hat dir deine wunderbare Tochter geschenkt, die euch Beide auf ewig vereinen wird. Sieh die Gedanken als Geschenk an, nicht als Last. Auch wenn es schwer fällt.”
      Am Auto angekommen hatten sich die Kinder bereits hineingesetzt. Dell griff zum Türgriff, hielt dann allerdings inne. “Danke”, hauchte er fast tonlos in die Dunkelheit. Dennoch vernahm er ein kurzes Nicken von Louis.
      Die Fahrt nach Calgary verlief ruhig. Eine angenehme Spannung lag in der Luft. Noch fühlte sich das Mädchen nicht wohl genug. Kaya hatte begonnen zumindest mit den Pferden zu flüstern. Tschetan und auch Ylvi hatten es bereits gehört. Betsy war vor 3 Wochen zu ihm gekommen. Ihre Augen voller Tränen, aber ihr Mund hatte gelächelt. Kaya hatte ihren Namen gesagt. Ylvi und der Lakota hatten am Abend darüber gesprochen. Fast ein wenig...enttäuscht das Kaya beschlossen hatte ihre ersten Worte an Betsy zu richten. Wie Louis es allerdings sah? Betsy gehörte mit in den Kreis der Familie. Kaya und sie verbrachten jede Minute beieinander, sie waren sich so Nahe das sie Schwestern sein könnten. Selbst er, der nicht ihr Blut teilte fühlte Stolz in sich, wenn sie gemeinsam mit Kaya auf einem Ausritt waren. Ob es wohl daran lag ,dass er in einer großen Familie aufgewachsen war? "Welchen Film habt ihr euch eigentlich ausgesucht?" fragte der Lakota schließlich in die Runde.
      “Was eine Frage, den Pferdefilm über das kleine Indianermädchen und ihr Pferd!”, rief Betsy aufgeregt von der Rückbank. Kaya nickte zustimmend, Tschetan schlug sich mit der Hand an den Kopf. Der Junge wurde langsam zu alt für die beiden Mädchen, interessierte sich zusehends für andere Dinge. Er half mehr auf der Ranch mit, packte an wo er nur konnte und schien enttäuscht, wenn seine Hilfe abgewimmelt wurde. Octavia, die mit den beiden Mädchen so froh war, konnte kaum etwas mit dem Jungen anfangen. Mittlerweile fragte er sie schon gar nicht mehr, ob sie Hilfe bräuchte.
      Bellamy war da ganz anders. Er freute sich stets über eine helfende Hand und mutete dem Jungen manchmal sogar fast zu viel zu. Es fehlte wirklich ein weiterer Junge in Tschetans Alter auf dem Hof.
      Mittlerweile waren die fünf in der Stadt angekommen. Dell parkte das Auto und gemeinsam gingen sie zum Restaurant, in dem sie an ihren reservierten Tisch gebracht wurden. Zu ihrer rechten befand sich eine Art Laufband, auf dem Teller im Schneckentempo an ihnen vorüberzogen. “Und davon kann man sich jetzt einfach nehmen, was man möchte?”, fragte Betsy neugierig. Dell und Louis nickten synchron.
      “Zeigt einfach auf was ihr wollt oder sagt uns Bescheid und wir geben es zu euch rüber”, antwortete Louis, der mit gegenüber von Dell, ebenfalls am Laufband saß. Neben ihm saß Tschetan. Neben Dell saß Betsy und am Kopfende Kaya- so saß sie zwischen ihrem Bruder und ihrer Freundin.
      Das gemeinsame Essen war im Nu vorbei und sie befanden sich wieder alle im Auto, um zum Kino zu fahren. Tschetan beteiligte sich während des Essens kaum an den Gesprächen. Louis sah ein wenig besorgt zu dem jungen Lakota hinüber. Ob er es bereute für den Abend zugestimmt zu haben? Erst später, als der Film bereits lief fiel es ihm auf. Der Todestag seiner Mutter nährte sich zum zweiten Mal. Kaya war vielleicht zu jung um sich daran zu erinnern. Der Ältere Tschetan jedoch schon. Louis nahm sich vor mit dem Jungen in der nächsten Zeit einen Ausflug allein zu unternehmen. Er mochte es vielleicht noch nicht gern sehen, aber langsam verließ Tschetan das Kindesalter.

      Caleb&Ylvi
      "Wie bitte?"
      "Ob du noch rüberkommst, ein Bier trinken? Oder...in anbetracht deiner klappernden Zähne. Wohl eher...Kamin und einen Tee?" die junge Frau sah Caleb an. Da hatte er die vergangenen 2 Stunden geschwiegen. Jetzt da er es brach. Konnte sie kaum glauben, was sie da hörte. Allerdings wollte sie ungern das Angebot ausschlagen. "Wenn du so fragst, gern. Das Haus drüben würde ohnehin so leer sein." Caleb führte den Weg, während Ylvi ihm die Treppe hinauf ins Haupthaus folgte. Auf der kleinen hölzernen Terasse, entledigten sich beide von ihren Regenmänteln. Die junge Frau schlotterte, die plötzliche Kälte setzte ihr zu. Daher frohlockte sie bei den Gedanken gleich vor dem warmen Kamin zu sitzen. Bereits vor 2 Tagen hatte sie das getan, gemeinsam mit O' in Gespräche vertieft. Zum heizen der unteren Etage hatte Dolly den Kamin daher bisher jeden Abend entzündet.
      Calebs Abende sahen immer gleich aus. Er am ins leere Haus, ging zum Kühlschrank und nahm sich ein Bier, mit dem er sich auf die Couch, die Terrasse oder oben vor sein großes Fenster setzte. So stand er nun routinemäßig vor dem Kühlschrank. Öffnete ihn, hielt dann jedoch inne. Er wollte gar kein Bier, sondern Wasser aufsetzen für den Tee.
      Ylvi war derweil im Wohnzimmer verschwunden. Der lange Regenmantel und die dicken Stiefel hatten sie davor bewahrt, klatsch nass zu sein. Der Mantel war durch nass, aber ihre Kleidung darunter war trocken. Dennoch stellte sie sich eine Weile vor den Kamin, ehe sie sich mit einer Decke auf dem Sofa einrollte.
      Wenige Sekunden später stieß Caleb wieder zu ihr, stellte ihren Tee vor sie auf den Tisch, setzte sich aufs Sofa und setzte seine Tasse vor ihn ab.
      Eine ganze Weile schlürften beide schweigend ihren Tee, ehe Caleb das Wort ergriff. “Ylvi, wie geht es dir?”
      Eine Frage und deren Antwort, die ihn lange Zeit nicht interessiert hatte. Doch die Trennung war nun schon eine ganze Weile her, es war einige Zeit verstrichen und er war… über sie hinweg. Nicht ganz, das würde er nie sein. Aber soweit, dass er sie mit vollem Ernst fragen konnte, wie es ihr ging.
      Er merkte, dass er sie mit dieser Frage überrumpelt hatte, so ganz aus dem Nichts, dennoch wartete er geduldig auf eine Antwort. Verdutzt starrte die junge Frau ihn an. Nicht sicher welche Antwort ihn wirklich interessierte. Wie weit sollte sie zurück greifen in der Beantwortung seiner Frage? Schlussendlich blieb sie ihm diese Antwort schuldig.
      O' und Bellamy betraten schnatternd den Raum. In den Händen hatten sie zwei Flaschen, deren Inhalt eigentlich nur der selbstgebrannte von Lawrence sein konnte. Die Etiketten die Flaschen waren nur halbherzig abgerissen worden. Bellamy hatte vier Gläser in der Hand. "Da du mal wieder Kinder-frei hast. Zeit für ein bisschen Spaß!" sprach O' a Ylvi gerichtet aus. Während sich O' ungeniert mit auf die kleine Couch fallen ließ, sodass Caleb und Ylvi ein wenig enger rücken mußten damit genug Platz war. "Spaß?" fragte Caleb in die Runde. Vielsagend auf die Flaschen und Gläser schauend. Der Cowboy ahnte worauf das ganze hinaus gehen konnte.
      Bellamy griff in die Tasche seines Sweaters und warf ein Kartenspiel auf den Tisch. "Eine Runde Romé hatten wir lang nicht mehr." Ylvi plusterte ihre Wangen auf. "Die Regeln müsstet ihr mir aber nochmal auffrischen. Alles krieg ich nicht zusammen."
      Mit jeder neuen Runde leerte sich auch eine der Flaschen. Die Runde wurde lockerer. Bis Bellamy der zum vierten Mal in Folge verloren hatte, Romé für beendet erklärte. Seine Motivation war im Keller angekommen. "Womit heitern wir dich wieder auf?" fragte Ylvi belustigt, die eben die letzten drei Runden für sich entschieden hatte. "Wir müssen auf jedenfall die Flaschen leer kriegen." betonte O'. Was widerum ein fragendes Gesicht von Caleb hervorrief. Bellamy sprang ein "Die sind wohl schon älter, die müssen weg. Meinte Lawrence." "Ah prima und da dachtet ihr das wär ne prima Idee die uns anzudrehen?" O' zuckte lächelnd mit den Schultern. "Never have I ever!" "Bitte?" kam es wie aus einem Munde von Caleb und Ylvi. O' klärte sie schließlich auf "Das tun wir um die Flasche leer zu kriegen. Die Regeln vom Spiel sind allen bekannt?"
      “Ich hab noch nie… nicht im Gefängnis gesessen”, fing O an und verwirrte die gesamte Mannschaft.
      “Hä? Muss ich jetzt trinken, wenn ich schon mal im Gefängnis gesessen hab, oder wenn ich noch nicht im Gefängnis gesessen habe?”
      “Letzteres.”
      Ylvi war die Einzige, die einen Schluck aus ihrem Becher trank. "Okay, das ist eine Geschichte die mich brennend interessiert." diesen Teil aus dem Leben der beiden jüngeren war Ylvi bisher unbekannt. "Und wer stellt jetzt die nächste Frage? Uhrzeigersinn, oder diejenigen die getrunken haben?"
      "Da du die einzige warst. Bist du dran."
      "Ich hab noch nie ...eine Bank ausgeraubt." um der Frage die dieser vorausging vielleicht auff den Zahn zu fühlen.
      Niemand trank.
      “Wer ist denn dran wenn niemand was getrunken hat?”, fragte Ylvi erneut. Bell und O sahen sich an, entschieden sich dann einfach dazu, dass die Person links von der, die zuvor die Frage gestellt hatte, dran war- also Caleb.
      “Ich hab noch nie… etwas gestohlen.”
      Bellamy und Octavia hoben schweigend ihre Becher zum Mund und tranken beide einen grooooßen Schluck. Caleb grinste kurz und sah die beiden amüsiert an. Natürlich wusste er über sie Bescheid. Nun galt sein Blick Ylvi. Musste sie trinken oder nicht? Ylvi hob den Becher, sah über ihn hinweg in die Runde. "Das ist wahrscheinlich Auslegungssache."
      "Ah ja?"
      "Naja, etwas materielles habe ich noch nicht gestohlen. Aber einigen das Herz."
      O' sah in die Runde. "Na dann, schluck,schluck würd ich meinen." Dabei sah niemand wie Caleb die Augen nieder schlug.
      "Ich hab noch nie...einen prekären Text an die falsche Person geschickt." kam es von Bellamy.
      “Was heißt denn bitte prekär?”, fragte O und fuhr sich einmal durch die langen Haare.
      "Naja, du weißt schon. Schmutzig Textchen...ein paar Bildchen?"
      "Wow, das ist die wievielte Frage? Und dann schon so ein Niveaulimbo?" spach Caleb, prostete allerdings in die Runde und trank- ebenso wie alle anderen.
      “Was passiert denn nun, wenn alle trinken müssen? Und vor allem.. Bellamy du Doofkopf, es geht darum dass die anderen trinken und nicht du selbst!”, protestierte O und schlug ihrem Bruder gegen den Arm.
      “Na wenn alle trinken müssen- macht eure Becher leer. Es gibt Nachschub für alle”, formte Bell kurzerhand die Regeln neu und forderte alle in der Runde auf, ihre Reste auszutrinken und sich etwas neues von ihm schütten zu lassen.
      Nun war Octavia wieder an der Reihe mit der fünften Frage… “Ich hab noch nie… mit mehr als 10 Leuten in meinem Leben geschlafen.”
      “Was ein Nivau…”, deutete ihr Bruder an, zuckte dann jedoch die Schultern. “Na dann lasst es uns spannend machen..”
      Caleb trank. Sonst niemand.
      "Mhm...um das ganze wieder auf Kurs zu bringen. Ich hab noch nie..ein Tattoo gestochen bekommen." setzte Ylvi fort, musste allerdings nun doch selbst einen Schluck nehmen. Von Caleb wusste sie schließlich bereits das er keines besaß. War allerdings überrascht die Geschwister trinken zu sehen. "Na? Überbleibsel aus Knacki-Zeiten?" fragte sie belustigt."
      “Woher du das nur erraten konntest…”, Bellamy lachte, stand auf und zog… blank. Also naja, er zog sein Shirt hoch und zeigte am unteren Rippenbogen ein Messer. Ylvi sah Octavia auffordern an, die ebenfalls aufstand und ihr Shirt nach oben zog. Calebs Blick senkte sich fast beschämend zu Boden, als sie ihren Sport-BH ein Stück nach oben schob. Unter ihrer rechten Brust hatte sie ebenfalls ein Messer.
      “Na auf die Geschichte bin ich aber echt gespannt… auf die und auf die andere, von dem Klauen”, meinte Ylvi schulterzuckend.
      “Nun bist du dran”, forderte O sie jetzt auf, ihr Tattoo zu zeigen, weshalb sie hatte trinken müssen. Fast unauffällig, aber nicht für alle Personen im Raum unsichtbar drehte Caleb seinen Kopf noch weiter weg, während Bellamy es sich nicht entgehen ließ, Ylvis Tattoo zwischen ihren Brüsten zu begutachten, auf der es nicht nur das Tattoo sondern auch einige Narben zu sehen gab. “Starr nicht so.” Dabei hielt O ihrem Bruder die Hände vor die Augen, bis Ylvi wieder komplett angezogen war. Auch Calebs Blick hob sich wieder. “Es wundert mich ja, dass du keins hast. Hast du wirklich nicht besoffen irgendwo in einer ramschigen Ecke eins von einem Bucklebunny verpasst bekommen?”
      “O werd nicht frech”, zischte der Blonde nur und überspielte Os Frage mit einer neuen, für das Spiel angemessenen: “Ich hab noch nie… Strippoker gespielt.”
      "O!" kam es überraschend von Bellamy, der zusehen musste wie seine Schwester kleinlaut, aber frech blinzelnd einen Schluck trank. "Da tun sich ganz andere abgründe auf." murmelte Caleb, leise zu Ylvi. Als wolle Bellamy genau an diesen Anknüpfen "Ich hab noch nie...beim Sex an eine andere Person gedacht." Bell und O' setzen dieses Mal aus. Dafür waren es Caleb und Ylvi die gemeinsam einen Schluck tranken. Nicht ohne sich dabei zu Fragen, wem diese Gedanken wohl galten. Caleb konnte, dem mittlerweile erreichten Pegel zu Schulden, nicht an sich halten. Lehnte sich leicht zu Seite und flüsterte "Musstest du an mich denken während dieser Typ aus Deutschland bei dir war?" Doch er erhielt keine Antwort. Und er vermochte nicht zu sagen. Ob die Röte in ihrem Gesicht vom Kamin, dem Alkohol oder der Scham kam. Bell und O' merkten von diesem Moment der beiden nichts, denn sie hatten eifrig die Becher aller Spieler wieder gefüllt. "Dann bin wohl ich dran!" zwitscherte O' zufrieden. “Ich hab noch nie...eine Schlägerei gehabt.”
      Die beiden Jungs setzten sofort zum Trinken an und nahmen einen größeren Schluck, als sie eigentlich hätten nehmen müssen. O beugte sich über den Tisch und zog die Becher runter. “Hey, hey ihr beiden. Ihr müsst doch nicht einen Schluck pro Schlägerei trinken”, lachte sie. Auch Ylvi stimmte in ihr Lachen ein.
      “Dann würden die Becher nicht reichen”, murmelte Caleb, langte zur Flasche und schüttete sich nach. Auch den Becher von Bellamy füllte er wieder auf. Würden sie weiterhin so große Schlücke trinken, dann wäre die Flasche nach einer weiteren Runde leer. "Ich habs geahnt, ich bin wieder dran." seufzte Ylvi
      "Ich hab noch nie... vor der Polizei fliehen müssen."
      "Du lässt nicht locker,oder?"
      Ylvi schüttelte daraufhin den Kopf, deutete in Bellamys Richtung an wie sie ihren Becher hob. Blieb in der Runde allerdings die einzige, die nicht trinken musste. "Das sind sie...die braven, prüden Deutschen." zog Bell sie auf. "Wir brauchen nur andere Fragen um sie zum Trinken zu kriegen." kam es von Caleb, der triumphierend lächelte. "Ich hab noch nie ….jemanden nackt gesehen obwohl ich es nicht sollte." damit spielte er auf seinen Aufmarsch in die Küche an, als sie damals mit Max gerade gefrühstückt hatte.
      “Für deine Gemeinheit von Frage müsstest du eigentlich deinen ganzen Becher leer trinken”, brachte Ylvi zwischen zusammengepressten Zähnen heraus, ehe sie einen Schluck trank. Doch auch Octavia nahm einen Schluck aus ihrem Becher. Kurz darauf sahen Caleb und Ylvi sie auffordernd an, während sich Bellamy verlegen am Kopf kratzte. Octavia warf ihm einen Seitenblick zu: “Einen Anblick, den ich leider nie in meinem Leben vergessen werde.” Caleb prustete los, steckte die Anderen mit seinem Lachen an und kam- des Alkohols geschuldet, nicht mehr dahinter. “Caleb trink noch einen Schluck, dann gehts dir gleich besser”, schmunzelte O und sah zu Bell, der wieder mit einer Frage an der Reihe war. Vielleicht hatte der Blonde sich bis dahin wieder eingekriegt.
      “Ich hab noch nie... Eifersucht verspürt, als mein Ex-Partner eine Neue oder einen Neuen hatte.”
      “Wow…” Mit einem Mal verstummte Caleb und trank einen Schluck aus seinem Becher, während die anderen nur mit den Schultern zuckten.
      Nun war Octavia wieder an der Reihe. “So Leute… Butter bei die Fische. Ich hab noch nie...darüber nachgedacht, was einen nach dem Tod erwartet… auch wenn ich jetzt selbst trinken muss.” Sie zuckte kurz mit den Schultern und trank einen Schluck. "Wenn man dabei ist zu sterben...dann denkt man nicht daran. Eigentlich." Ylvi sah nach unten auf ihren Becher im Schoß "denkt man gar nicht." O' schlug sich mit der Hand vor den Mund. Sie hatte vergessen was im vorletzten Jahr passiert war. Sie schüttelte den Kopf und trank schließlich. "Aber überlebt man es, dann dreht sich dein ganzes Sein beinahe um diese Frage." seufzte sie. So hieß es in dieser Runde trinken für alle. Was aber auch bedeutete - die Becher wurden erneut gefüllt, die zweite Flasche angebrochen. Die Stimmung wurde lockerer, gelassener. Ylvi fand sich näher an Caleb sitzend wieder, Schulter an Schulter. Während sein Arm locker hinter ihr und O' auf der Rückenlehne lag. Es brauchte ein wenig Koordination um zu ermittelt,wer denn nun eigentlich als nächstes dran sei. Es war Ylvi. "Da wir offenbar die Anstandsfragen ja sowieso hinter uns gelassen haben. Ich hab noch nie...eine Einladung für einen Dreier bekommen."
      “Wieso bin ich schon wieder der Einzige, der trinken muss”, grummelte Caleb vor sich hin, nahm die Hand hinter Ylvi nach vorne und trank einen Schluck, ehe er den Becher wieder abstellte und seine Hand wieder zurück an den Platz auf der Rückenlehne der Couch legte.
      “Bist du nicht…”, murmelte Octavia, trank einen Schluck und grinste Bellamy frech ins Gesicht.
      “Ooooh O, das hättest du besser nicht gemacht”, mischte sich Caleb ein. “Ich hab noch nie… einen Dreier gehabt”, lautete die nächste Frage und brachte niemand anderes zum Trinken, als Octavia.
      “Lalalala”, trällerte Bellamy, schloss die Augen und hielt sich die Ohren zu. Die anderen drei brachen in heiteres Gelächter aus.
      “Iiiiich hab noch nie… jemanden gedatet, der eigenartig war.” So lautete Octavias Frage, die sie zweimal wiederholen musste, da Bellamy noch immer so tat, als würde er weder sehen noch hören können; niemand trank. “Okay dann will ich nochmal.”
      “Du darfst aber nur einmal”, meldete sich ihr Bruder zu Wort.
      “Ich will aber nochmal.”
      “Dann lass sie doch, Bell”, sprach Caleb und wartete gespannt auf die nächste Frage. Sie nahm ihren Becher an die Lippen, tippte den Rand im Takt ihrer Gedanken daran. "Ich hab noch nie….Sex in einem Auto, Zug oder Bus gehabt."
      Bellamy sah seine Schwester an. "Himmel, wer würde denn…" verstummte aber als Ylvi hastig einen Schluck trank, um sich dann zu erklären "Um alle zu beruhigen...es war KEIN öffentliches Verkehrsmittel. Aber meine Jungfräulichkeit, die hab ich in einem Bulli verloren." Woraufhin Ylvi den anderen ersteinmal erklären musste was, denn genau ein Bulli wäre. Denn mit Van konnten die anderen drei deutlich mehr anfangen. "Wo wir dann dabei wären…..ich hab noch nie mit mit einem Arbeitskollegen geschlafen." feuerte Bellamy die nächste Frage in den Raum. Die war fies, denn alle wussten schließlich das Caleb und Ylvi eine gemeinsame Vergangenheit teilten. Allerdings flog ihm die Kinnlade hinunter als auch Octavia an ihrem Becher nippte. Bellamy grummelte "Hoffentlich hat das nichts mit der Dreierfrage zu tun gehabt. Den bring ich um." O' sah ihn keck an. "Wieso...den?"
      “Also ich wars nicht! Himmel, O ist wie eine kleine Schwester für mich!”, haute Caleb raus und bekam einen Schlag gegen den Hinterkopf. Er war sich nicht sicher, ob er von rechts, also von Ylvi, oder von links von Octavia gekommen war.
      “Das will eine Frau hören. ‘Du bist wie eine kleine Schwester für mich’, pah!” - der Schlag war eindeutig von links gekommen.
      “Aber um nochmal auf die wichtigere Frage zurück zu kommen.. warum eigentlich Bell?”
      “Weil ich mir nicht vorstellen will wie du einen Dreier mit… keine Ahnung, Caleb und Cayce hast.”
      “Whoaaa, whoaa, halt mich da bitte raus Bell!”
      “Und wenn es keiner von der Ranch hier war sondern… im Gefängnis? Oder sogar mit Frauen?”
      “Heilige.. O da warst du minderjährig und hör auf mir so ein Kopfkino zu bereiten!”
      “Bell beruhig dich. Der Dreier und das mit den Arbeitskollegen sind unterschiedliche Dinge, die ich hier nicht weiter erläutern werde.” O zuckte mit den Schultern. “Außerdem müsste es in Calebs Fall heißen: Ich hab noch nie mit meinem Chef geschlafen.” Das machte die ganze Sache nicht besser. Ylvi, die mit den Gedanken gerade nicht so richtig bei der Sache gewesen war, hob den Becher zum Mund und trank, was eine wahre Welle des Gelächters auslöste. In diesem Moment zeigte Bellamy ein Flusspferd Gähnen. "Puh, ich denke ich hab für heute genug Sache über meine kleine Schwester erfahren. Ich werd mich mal aufs Ohr hauen. Morgen heißt es wieder arbeiten." O' sah auf die Uhr an ihrem Handgelenk "Streng genommen..ist seit einer Minute morgen. Aber ich geh mit dir Konform. Ich werd mitkommen." "Du kannst schön in dein eigenes Bett. Nachher stellt man uns noch als Inzest-Ranch dar." O' schlug sich die Hand an die Stirn.
      "Du hattest eindeutig zu viel."
      "Natürlich!"
      Ylvi deutete in Richtung der Becher. "Lass das Stehen, ich räum das später weg." Das Geschwisterpaar verabschiedete sich, verließ noch immer schwatzend den Raum. Ylvi ließ sich nach hinten sinken, seufzte. "Ich merke erst jetzt das ich solche Abende vermisst habe." sie schaute zum Tisch, zog eine Schippe mit den Lippen. "Nur doof das der Tee, den du mir gemacht hast, jetzt kalt ist."
      "Ich könnte versuchen dir einen neuen zu machen."
      "Lass das lieber. Mir ist ohnehin nicht mehr Kalt."
      Sie sah ihn dabei von der Seite an, spürte nun in ihrem Hinterkopf seinen Arm auf der Lehne. Sich plötzlich mehr bewusst seiner Nähe. "Es ist schwierig." murmelte sie. "Ich...ich führe ein Leben das ich mir so nicht hätte vorstellen können. Tschetan und Kaya sind mir ans Herz gewachsen. Ich liebe meinen Mann, aber…" dabei senkte sie den Kopf. "aber...ich kann nicht leugnen was meine Träume mir zeigen."
      "Ich bereue es. Jeden verdammten Tag. Ich hätte kämpfen sollen. Damals." Caleb suchte ihren Blick. "Ich denke….wir haben beide unsere Fehler gehabt. ...Ich hab noch nie...das Gefühl gehabt egoistisch gehandelt zu haben." flüsterte sie, um aus dem Becher aus ihrem Schoß zu trinken.
      “Ich hab noch nie… eine Entscheidung so lange hinausgezögert, bis mir sie jemand anderes abgenommen hat.” Damit musste Caleb nun selbst trinken. Der Abend nahm Züge an, die er in nüchternem Kopf und mit klaren Gedanken niemals angenommen hätte. Aus dem Bauch heraus (oder folgte er da doch seinem Herzen?) stellte er Ylvi folgende Frage: “Was zeigen dir deine Träume?” Er schien nicht vergessen zu haben das man sich auf ihre Träume verlassen konnte. "Manchmal tief in der Nacht, wenn Louis schläft. Dann wünsche ich mich an deine Seite zurück." antwortete sie wahrheitsgemäß "Ich kann nicht leugnen was mein Herz mir mitteilt. Ich verstehe es selbst noch so wenig." Ylvi balancierte den Becher zwischen ihren Oberschenkeln, während sie sich die Hände vor die Augen hielt. Caleb nahm der jungen Frau den Becher ab, stellte ihn gemeinsam mit dem seinen auf den Tisch. Nur um ihr die Hände vom Gesicht fortzuziehen. "Ich hab es ja verstanden. Es hat eine Weile gedauert...aber ich hab es verstanden. Louis...er war deine Chance zu bleiben. Ihr hattet eine gemeinsame Geschichte. Vielleicht war es deine Art dich bei ihm zu bedanken...er hat dir dein Leben gerettet." Caleb wischte die Tränen fort die ihr über die Wange zu laufen drohten. "Wir haben damals beide seltsam gehandelt. Aber…" Ylvi schüttelte den Kopf. "Nicht zwing mich nicht….zwing mich nicht dazu mich zu entscheiden." flüsterte sie ihm zu. Kaum hörbar. "Wer spricht von entscheiden?" Und dann...waren da plötzlich seine Lippen auf den ihren. Ein Gefühl von Heimat. Ein aufeinandertreffen von bekannten Seelen. Ihre Körper zogen sich zueinander hin, Calebs Hand suchte sich einen Weg unter ihr Shirt. Dann unterbrach sie den Kuss, ihre Hand umklammerte sein Handgelenk. Stirn an Stirn saßen sie da. Plötzlich lachte Caleb. "Verdammt. Ich kann Louis nicht mal mehr böse sein, das er dich geküsst hat. Ich muss mich ja selbst zusammenreißen dich nicht die Treppe hinauf in mein Bett zu tragen." ...keine Veränderung ihrer Position. Erst langsam befreite Caleb seinen Arm. Umarmte Ylvi, ließ sich nach hinten auf die Couch sinken. Ihr Kopf auf seiner Brust, ihr Oberkörper umschlungen von seinen Armen. "Verdammt." murmelte er nochmal.

      Louis, Kaya, Tschetan, Dell & Betsy
      “Woooooow”, schwärmte Betsy noch immer von dem Pferdefilm, den sie alle zusammen soeben gesehen hatten. Dell war noch zur Toilette, weshalb sie drinnen im warmen Kino auf ihn warteten. Tschetan grummelte ein paar mehr oder minder zustimmende Worte, ihm war der Film zu kitschig und zu mädchenhaft gewesen. Kaya allerdings teilte Betsys Meinung, weil sie bei jeder ihrer Aussagen kräftig nickte. Louis kratzte sich am Kopf, ließ den Mädchen jedoch ihre Freude, auch wenn der Film voller Fehler gewesen war.
      “Morgen früh mal ich Sue so an, wie das Mädchen ihren Akecheta (bedeutet wohl Krieger :D) angemalt hat. Mit den roten Ringen ums Auge und die Streifen am Bein.”
      “Du weißt schon…”, begann Tschetan doch Louis legte ihm kurz eine Hand auf die Schulter, schüttelte den Kopf und gab ihm so zu verstehen, dass er Betsy nur machen lassen sollte.
      “Ich erklär es ihr morgen früh”, sagte er leise, nur für Tschetans Ohren bestimmt.
      Dell schloss wieder zur Truppe auf. Sie gingen alle gemeinsam zum Auto, stiegen ein und er startete den Motor, um die Heimfahrt anzutreten. “Das sollten wir öfter machen.” Dell brach die Stille. Allerdings antworteten ihm nur Louis und Tschetan, Kaya und Betsy waren beinahe sofort eingeschlafen, sobald er losgefahren war.
      “Da haben wohl zwei etwas nachzuholen.” Vergangene Nacht hatte Besy bei Kaya übernachtet. Gott allein weiß, wann die beiden endlich die Augen zugemacht und geschlafen hatten.
      Auf der Ranch angekommen schaltete Dell den Motor aus und drehte sich zeitgleich mit Louis nach hinten. Die Mädels schliefen noch immer. “Tragt ihr sie jetzt etwa ins Bett oder kann ich sie wecken?”, fragte Tschetan und machte schon Anstalten, an seiner Schwester zu schütteln.
      Dell und Louis schauten sich an, hatten denselben Gedanken im Kopf und sagten zeitgleich: “Wir tragen.”
      Leise wurde also ausgestiegen, die Mädchen aus den Gurten befreit und sich bis zum Morgigen Tag verabschiedet. Dell mit seiner Tochter Betsy auf dem Arm gingen in ihren Bungalow, Tschetan und Louis, der Kaya auf dem Arm hatte, gingen in den Ihren.
      Lautlos öffnete Dell die Haustür, schloss sie hinter sich wieder und steuerte auf Betsys Zimmer zu, wo er mit der freien Hand die Bettdecke zurückschlug und das Mädchen in ihr Bett legte. Er öffnete gerade den Reißverschluss ihrer Schuhe, da hob sie den Arm und rieb sich einmal durch die Augen. “Hmm?”, fragte sie verschlafen und richtete sich halb auf. “Sind wir schon wieder zuhause?”
      “Ja, meine Kleine, seit ein paar Minuten.”
      “Dad kann ich bei dir übernachten heute, bitte?” Diese Frage hatte sie ihm schon lange nicht mehr gestellt. Einerseits war er froh, dass sie es endlich schaffte, alleine in ihrem Bett zu bleiben und dass die Albträume aufgehört hatten. Andererseits kam ihm selbst sein Bett in letzter Zeit viel zu kalt und leer vor.
      “Natürlich. Ziehst du dich um und kommst dann rüber?” Betsy nickte zustimmend.
      Dell verließ das Zimmer seiner Tochter, machte einen Abstecher im Bad und zog sich dann ebenfalls in seinem Zimmer um. Er schlug gerade seine Bettdecke rüber, da stand seine Tochter mit ihrem Kuscheltierpferd, natürlich war es schwarz, so wie ihre Stute Sue, in der Tür. “Komm, kuschel dich schon mal ein, ich mach das Licht aus.”
      Kurze Zeit später fand sich Dell ebenfalls im Bett wieder. Seine Tochter in den Armen, an seinem Bauch das Kuscheltierpferd.
      “Weißt du… du bist der beste Dad auf der ganzen Welt. Ich hab dich unglaublich lieb.” Mit diesen Worten kuschelte sich das Mädchen noch enger an ihren Vater heran.
      “Womit hab ich das denn verdient?”, flüsterte er ihr ins Ohr und wartete geduldig auf ihre Antwort, doch Betsys Atemzüge wurden länger, gleichmäßiger und sie blieb ihm die Antwort schuldig.

      Ylvi & Caleb
      Stille lag über dem Raum. Nur das einsame Licht des Feuers, sowie eine kleine Lampe in der Nähe der Tür erleuchteten den Raum. Das Knacken aus dem Kamin blieb das einzige Geräusch. Caleb strich versonnen über die Finger die Ylvi auf seiner Brust liegen hatte. Tiefe, gleichmäßige Atemzüge zeigten dem Cowboy das sie bereits schlief. Waren ihre Träume auch in diesem Moment gefüllt von ihm? In seinen umnachteten Gedanken tauchte die Frage aus dem Spiel auf. Sah wie Ylvi trank. Ich hab noch nie...beim Sex an eine andere Person gedacht. flackerte Bells Frage durch seinen Verstand. Er schaute hinab auf Ylvis Gesichtszüge. Als er sich einer Bewegung im Türrahmen gewahr wurde. Louis trat gerade in das Licht der kleinen Lampe. Die beiden geflochtenen Zöpfe lagen unter seinen verschränkten Armen. Wie so oft gab es keine Regung auf dem Gesicht des Lakota. Beide Männer starrten sich ob der Dunkelheit gegenseitig ins Gesicht. Caleb nahm fast mechanisch seine Hand von Ylvi, wollte hinter sich greifen um aufzustehen. Da machte Louis eine Geste. Sie bedeutete Ende. Dann drehte sich der Lakota um. Hatte Caleb da ein Lächeln auf seinem Gesicht gesehen?

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      Louis
      Das ich darauf gewartet hatte wäre übertrieben gewesen. Viel mehr überraschte mich meine Reaktion. Im Schatten des Flures hatte ich sie beobachtet. Zwei Körper eng verschlungen. Hatte gesehen wie Caleb sie ansah.
      Wieso war da keine Eifersucht in mir? Fühlte ich mich zu sicher? Wegen eines blattes Papier? Meines Namens den Ylvi trug? Ich wusste nur zu gut wie sehr sie sich ihren Gefühlen hingab. Selbst am Tag der Hochzeit hatte ich gewusst, das in ihrem Herzen immer die Liebe für Caleb bleiben würde. Meine Schritte gingen hinaus in die Dunkelheit des Hauses. Caleb war wie ein Bruder für mich. Wir hatten einander in den letzten Jahren mehrere Male unser Leben bewahrt. Mein Herz war bei dem Anblick der mir wichtigsten Menschen in meinem Leben nicht zerbrochen. Hatte ich stattdessen...Stolz verspürt?
      Ich hatte Caleb zu verstehen gegeben zu bleiben wo er war. War gegangen...noch jetzt zuckten meine Mundwinkel mit einem Lächeln. Liebte ich Ylvi weniger? Ich blieb stehen, schaute hinauf in den bewölkten Himmel. Horchte tief in mich hinein. Bis mein Bauchgefühl mir eine Antwort zu geben vermochte. Mir fehlte in diesem Bezug einfach jegliches Gefühl von Eifersucht. Eher ein bestimmendes Gefühl völliger Verwirrung. Mit diesem im Kopf kehrte ich zurück in das Bett.

      Caleb
      ‘Fuck, fuck, fuck, fuck’, dachte ich unentwegt, warf meinen Kopf zurück gegen die Rückenlehne des Sofas und seufzte tief. Wie lange hatte Louis schon da gestanden? Was hatte er gesehen- und vor allem: warum war er einfach gegangen, nicht jedoch ohne mir vorher ein Zeichen zu geben, ich solle liegen bleiben? Und lag wirklich ein Lächeln auf seinem Gesicht, als er sich umdrehte?
      Der Lakota würde mir keine reinhauen, so wie ich es bei ihm getan hatte. Er würde auch nur im äußersten Fall zurückschlagen, sollte es erneut zu einem Kampf kommen.
      Alles nur wegen dieser einen Frau, bei der ich zu Beginn des Abends gedacht hatte, ich wäre über sie hinweg. War ich nicht. Augenscheinlich- und dann war ich auch noch so dumm gewesen sie einfach zu küssen! Setzte ihr Flausen in den Kopf, sie müsse sich nicht zwischen mir und Louis entscheiden. Verdammt sie hatte sich entschieden. Vor einem Jahr schon. Seit einem Jahr war sie die Frau an der Seite von Louis. Wie lange hatten wir uns gegenseitig gebraucht und aufgebaut? Auch ein Jahr? Weniger? Länger? Ich wusste es schon gar nicht mehr.
      Was würde mein dummes, egoistisches Verhalten für die Zukunft bedeuten? Hatte ich mein Recht verspielt, egoistisch zu handeln?
      Sollte ich Ylvi sagen, dass Louis uns gesehen hatte? Wobei… sie lagen nur zusammen auf der Couch- angezogen. Keine Spur von Romantik oder einem Kuss… Würde Ylvi ihm erzählen, was vorgefallen war? Würde sie ihm erzählen, was ich ihr vorgeschlagen hatte? Dass sie sich nicht entscheiden müsse? Ich wusste, dass Lakota ihre Frauen mit ihrem Kola, ihrem Freund, teilten. Wollte ich das? Stand das im Raum? Was würde das für die Ranch heißen? Dass wir hier lebten, wie die Wilden?
      Ylvi fing an sich zu bewegen, löste sich aus meinem Griff. Sie richtete sich auf und sah zu mir hoch, rieb sich einmal mit der Hand durch die Augen. “Caleb was ist los? Warum spannst du dich so an?”
      Meine Gedanken rasten. Noch immer unsicher, was ich ihr erzählen sollte, oder ob ich ihr überhaupt etwas erzählen sollte. Hatte ich dieses Mal die Eier in der Hose, ihr die Wahrheit zu sagen? Oder trug sich der Kampf wieder einmal nur in meinem Kopf zu? Der Caleb aus dem letzten Jahr hätte ihr vermutlich nichts gesagt, geschwiegen und das Gespräch zunächst mit Louis gesucht- oder eben auch nichts gesagt. Der heutige Caleb war erwachsener, reifer geworden und wollte vor seinen Problemen nicht mehr davonlaufen. Ich wollte sie anpacken, mich ihnen stellen. Ganz so wie meinen Dämonen, die mich nachts so häufig um den Schlaf brachten. Um diesen entgegen zu wirken schien dies ein guter, erster Schritt zu sein.
      Doch war es erwachsen und vernünftig, zu erst mit ihr und nicht mit Louis zu reden? Fiel ich ihm mit meinem Verhalten nicht in den Rücken?
      Ich entschied mich dazu, Ylvi die halbe Wahrheit zu erzählen- ‘verdammter Idiot’, hallte es in meinem Kopf wider.
      “Louis stand eben im Türrahmen, hat uns gesehen. Als ich aufstehen wollte, hat er mir das Signal zum sitzenbleiben gegeben und ist... gegangen.”

      Ylvi
      Ich schnappte plötzlich nach Luft, mir bis dahin nicht bewusst das ich die Luft angehalten hatte. Ich fühlte mich schlagartig weder neblig vom Schlaf, noch vom Alkohol.
      Wie sollte ich Caleb erklären das Louis und ich in dieser Sache keine Geheimnisse voreinander hatten? Mir war jedoch nicht gänzlich klar wieso Louis die Situation nicht aufgelöst hatte. Natürlich….er war nicht Caleb. Seine Gedanken setzte mein Mann nicht direkt in Aktionen um. “Caleb...Louis und ich. Wir sprechen darüber. Das war ein Versprechen nach unserer Hochzeit. Wir würden uns alles erzählen.” ich sah auf die Hände in meinem Schoß nicht ganz sicher was ich sagen wollte. Ich wollte ehrlich mit Caleb sein, aber die Worte auszusprechen war so schwer. Ich setzte an. Verstummte. Setzte wieder an. “Dass ich Gefühle für dich habe. Ich kann nicht ahnen bis wohin sein Verständnis geht. Aber...ich weiß nicht. Dass er ging.” ich sah und deutete zum Türrahmen, sah dann wieder direkt in Calebs Augen. “Ich weiß nicht ob das Louis Art war…”ich lachte kurz auf “uns eine Erlaubnis zu geben...für was auch immer.” und dann spürte ich das Kribbeln in meiner Nase und schluckte um nicht weinen zu müssen..”Oder seine Art mir Bewusst zu machen das ich mich entscheiden sollte. Wir uns entscheiden sollten.”

      Caleb
      Ich wusste ehrlich nicht was ich ihr antworten sollte, saß stattdessen einfach nur stumm da. Die Zahnrädchen in meinem Kopf rasten unaufhörlich, formten Worte und ließen sie wieder verschwinden.
      “Es kann auf jeden Fall nicht auf ewig so weitergehen. Ich habe wirklich gedacht ich sei über dich hinweg, bin es aber augenscheinlich nicht. Dich beziehungsweise euch vom Hof zu schmeißen ist allerdings auch das allerletzte, was ich möchte. Außerdem würde ich Betsy damit das Herz brechen, das könnte ich nie im Leben wieder gut machen”, ich seufzte tief, vergrub meinen Kopf in meinem Händen, schloss die Augen und verharrte einen Moment so.
      “Ylvi was machen wir hier eigentlich überhaupt? Was soll der Mist?” Langsam fing ich an mich wieder in Rage zu reden, sprach zuerst Dinge aus, bevor ich darüber nachdachte. “Wie soll das hier weitergehen? Dass wir uns alle paar Wochen betrinken, uns küssen oder andere Dinge machen und du dann zurück zu Louis gehst und neben ihm im Bett einschläfst?” Ich stand auf, fing an um den Wohnzimmertisch und die Couch herum zu tigern. “Ich kann mich nicht konzentrieren, bin ständig abgelenkt. Abgelenkt davon, nicht über uns nachzudenken. Dich nicht zu packen und zu küssen, dich nicht mit in mein Bett zu nehmen. Ich denk sogar darüber nach dich einfach zu umarmen, wenn du neben mir stehst, meinen Kopf an den Deinen zu legen und einfach deine Nähe zu spüren, dich bei mir zu haben. Wie soll ich das aus mir rausbekommen? Was soll ich machen? Wenn du eine Lösung weißt, sag es mir. Ich kann das auf jeden Fall nicht mehr, es macht mich wahnsinnig.” Beim letzten Wort blieb ich stehen. Zwischen Couch und Tisch war ich wieder genau vor Ylvi angekommen, schaute sie von oben herab an und atmete einmal schwer.

      Ylvi
      Ich konnte nicht anders als das Tränen meine Wangen hinab liefen. “Ich...Ich wünschte bloß ich könnte zwei Personen sein. Eine...die liebende Frau, eine gute Mutter für Kaya und Tschetan. Zufrieden, mit dem was ich habe, wie ich es bin. Die zweite? ...jemand anderes, jemand neues. Vielleicht nur für einen Tag..damit ich an deiner Seite sein kann, dich küssen, dein Bett teilen....ohne mich illoyal gegenüber Louis zu fühlen.”
      “Und du glaubst….du wärst damit zufrieden? Oder...ich?” Caleb nahm eine Strähne meines Haares und steckte es mir hinter die Ohren. “Ich habe es erst nicht begriffen. Bis heute nicht. Aber ich sehe eure Blicke, denselben mit dem du mich anschaust.” “Caleb..” seufzte ich “Hab Geduld mit mir. Wie ich Geduld mit dir hatte...bis ich, wir, eine Lösung haben..” ich wische fahrig meine Tränen fort. “Danke...für den Abend. Aber...ich, ich sollte gehen.”
      Ich verzichtete auf den nassen Regenmantel, sogar meinen Hut. Ich zog nur die Stiefel an und joggte hinüber zum Bungalow.Ich schloss leise die Tür. Fand meinen Weg auf Socken hinein in das Schlafzimmer das ich mit Louis teilte. Gedämpftes Licht kam von einer Lampe, über der ein gelbes Tuch hing. Daneben rauchte ein Bündel Salbei in einer Schale. Ich wusste um die Bedeutung. Louis schrak auf als ich den Raum betrat. Wir sahen einander nicht an. In Klamotten legte ich mich neben ihm ins Bett. “Darf ich fragen?” setzte er an. “Nein Louis.” ich seufzte und schniefte gleichzeitig. “Frag mich nichts” Stattdessen rückte er ein Stück näher, nahm mich in den Arm. Mein Kopf nun auf seiner Brust, während ich einfach nur weinte. Ich hatte nicht die Kraft jetzt darüber nachzudenken was für eine Entscheidung ich treffen wollte...treffen sollte. Mein Herz liebte zwei Männer...und es zerriss mir selbiges. Es spürte Liebe und Mitleid für beide Männer die ich auf die eine oder andere Weise betrogen hatte.

      Caleb
      ‘Ich wünschte bloß ich könnte zwei Personen sein’, dieser Satz hallte Minuten, nachdem Ylvi den Raum und sogar das Haus verlassen hatte, noch immer in meinem Kopf nach. ‘Hab Geduld mit mir. Wie ich Geduld mit dir hatte, bis ich, wir eine Lösung haben.’ Eine Lösung haben? Ich hatte alles ruiniert. Hätte ich sie bloß nicht geküsst, ihr nicht nahegelegt, was in mir vorgeht. Hätte ich Schweigen sollen? Nein, mit Sicherheit nicht. Ich hatte etwas sagen müssen, meinen Gedanken freien Lauf gewähren müssen… und von jetzt an: musste ich mit den Konsequenzen leben. Der Jetzige Zustand hätte mich auf Dauer von innen heraus zerfressen. Ich wollte es mir nicht eingestehen, aber ich fühlte mich einsam wie schon lange nicht mehr. Auf dem Hof war vom Frühstück morgens bis zum Abendessen abends immer etwas los. Ich hatte Menschen um mich herum, manchmal mehr als mir lieb war. Von jungs bis alt, mit allen kam ich aus und war froh um jeden Einzelnen, den ich hier hatte. Aber spät abends, wenn ich alleine auf der Couch saß und die Mitarbeiter ihre Wege in die Bungalows angetreten hatten, dann fühlte ich mich einsam. Ging ich abends alleine in ein leeres Bett, fühlte ich mich einsam. Stand ich morgens alleine auf, fühlte ich mich einsam. Ging ich morgens runter zum Frühstück an den gedeckten Tisch, der voll mit meinen Mitarbeitern saß, war das Gefühl der Einsamkeit verflogen.
      Saß ich mit Ylvi zusammen im Büro, verspürte ich eine große innere Anspannung, bei der ich ständig versuchte, sie nicht nach außen hin durchkommen zu lassen.
      Bisher hatte es funktioniert, bis zum heutigen Abend. Ob es dem Alkohol oder Louis Reaktion geschuldet war, wusste ich nicht. Tatsache war, dass ich meine Gedanken ausgesprochen hatte und ich sie nicht wieder zurücknehmen konnte.
      Ylvi hatte mich vor ihrem Verlassen eben darum gebeten, ihr Zeit zu geben. Zeit, eine Lösung zu finden- und genau das würde ich jetzt tun. Es gab diese Momente im Leben, da musste man sich zusammenreißen, nun war einer dieser Momente gekommen.
    • Veija
      Being mortal - wir sind sterblich.
      Februar 2021, by Ravenna & Veija
      Caleb
      Am nächsten Morgen tauchte ich erst spät beim Frühstück auf, lediglich Dell und Betsy saßen noch am Tisch, alle anderen waren schon auf der Ranch unterwegs und fingen mit ihren Arbeiten an.
      “Wars gestern schön im Kino gewesen?”, fragte ich an Betsy gewandt und trank einen langen Zug aus meiner Kaffeetasse.
      “Oh ja und wie! Darf ich mir Sue nehmen und sie wie ein Indianerpferd anmalen? Das hat das Mädchen im Film auch gemacht mit ihrem Pferd, bitte, bitte, bitte!”
      Ich grinste kurz, sah zu Dell der nur mit den Schultern zuckte. “Ja darfst du. Nimm sie aber mit auf einen der kleinen Paddocks, dann kann sie ein bisschen fressen, sieht die anderen Pferde und wenn sie keine Lust mehr hat kann sie weggehen, aber nicht weglaufen. Pass nur auf, dass du sie auf einen der Stutenpaddocks stellst, nicht auf die andere Seite zu den Hengsten… sind Tschetan und Kaya auch dabei?”
      “Kaya ist immer dabei, Tschetan weiß ich nicht.. aber ich glaube, Louis wollte mir da noch was erklären.”
      ‘Zusammenreißen...zusammen… reißen…’ “Wenn Louis dabei ist, umso besser. Geh gleich mal rüber und frag ihn ob er Sue sogar mit dir von der großen Koppel holen kann.” Ich hoffte, dass er Betsys Einladung folgen würde. So wusste ich wenigstens, welchen Bereich der Ranch ich heute meiden würde. Das Büro und die Stutenpaddocks.
      “Dell kannst du gleich nach dem Pferdehänger schauen? Seit Cayce und Bell mich und Tschetan mit Saintly vom Flughafen abholen sollten, steht der hier herum und ist kaputt. Ich kann auch deinen Stalldienst übernehmen, gar kein Problem.”
      “Also wenn das so ist… natürlich.”
      Betsy stopfte sich das letzte Stück ihres Brotes in den Mund, stand auf, umarmte ihren Vater mit den Worten “Hab dich lieb” und ging dann nach draußen. “Hab dich auch lieb…”, murmelte er, aber seine Tochter war schon lange verschwunden.
      “Ich hab mir beim besten Willen niemals vorstellen können, einmal so viele Kinder um mich herum zu haben. Ich bin von einer festen Beziehung und Vater sein meilenweit entfernt, ich mein… bei mir hier im Haus kommen und gehen sie, ich hab die Kids nie 24 Stunden am Tag um mich herum… aber, wie ist das Leben eigentlich überhaupt, wenn das Kind… von einem selbst ist? Man Vater ist?
      “Wie es ist Vater zu sein?”, wiederholte er meine Frage in einfachen Worten. Ich nickte, dann antwortete er: “Es ist anstrengend… es bereitet dir unendlichen Kummer. Wenn Betsy krank ist oder es ihr nicht gut geht, leide ich mit ihr, manchmal sogar mehr als sie. Ich weiß nicht wie es wäre, wenn ihre Mutter noch da wäre… aber Caleb, es ist das Schönste im Leben.”
      Ich nickte wieder, lächelte ihn an. Dann stand ich auf, füllte Kaffee in meine Thermoskanne, bedankte mich bei Dolly für das Frühstück und begab mich dick eingepackt nach draußen. Dort steuerte ich sofort auf den Trainingsstall zu, fernab von den Stutenkoppeln oder dem Bungalow von Ylvi und Louis.

      Louis fand die beiden Mädchen auf einem der Paddocks. Sue fraß genüsslich an der Schubkarre voll Heu. Kaya und Betsy waren in Gummistiefeln begeistert dabei Farbe, nicht nur auf Sue, sondern auch sich zu streichen. Wehmütig lehnte er sich an den Zaun, seufzte leise. Wann nochmal hatte er sich ausgesucht ein Vater zu sein? Das war einer der Momente in denen er es nicht mochte.
      "Louis! Schaut Sue nicht toll aus! Wie gestern in dem Film." seufzte Bety verträumt. Louis sah zu Kaya, aus ihren Zöpfen hatten sich die Strähnen gelöst, flatterten wild im Wind. Und er versuchte sich daran zu erinnern, als ihre Mutter noch gelebt hatte. Kaya war damals noch in Windeln umher gelaufen, in einer für sie angefertigten Regalia hatte sie an der Seite ihrer Mutter begonnen zu tanzen. Viel zu lange hatte Louis seine eigene Regalia nicht getragen. "Kommt mal hier rüber Mädels." winkte er die beiden Mädchen heran, setzte sich auf den Rand der Badewanne, die hier als Tränke diente. Auch die Kids setzten sich neben ihn. Dann deutete er auf Sue, die weiter ungeniert ihr Heu fraß. "Könnt ihr euch daran erinnern? An die Geschichte von Wakan Tanka? Was habe ich dabei zu seinem Namen erzählt?" Betsy und Kaya sahen ihn an, Kaya machte ein Zeichen. Und wie es für die beiden mittlerweile üblich war sprach Betsy die Worte für sie. "Du hast gesagt Wakan..das heiße Heilig. Sein Name bedeutet Großer Geist. Hat das etwas damit zu tun was du mir gestern erzählen wolltest?" fragte Betsy neugierig. Louis lächelte ihr zu antwortete jedoch nicht. "Als die ersten Siedler mit ihren Pferden dieses Land betraten wussten die Leute unseres Volkes nicht was sie da vor sich sahen. Es transportierte große Lasten, konnte weite Strecke laufen ohne zu ermüden. Sie dachten sie hätten es mit etwas heiligem zu tun. Man kannte kein Wort für diese Geschöpfe also nannte man sie Sunka Wakan. Sie nannten also das was sie vor sich sahen heiliger Hund." beide Kinder folgten dem Blick des Mannes der mit den Lippen eine kurze Geste in Richtung der Stute machte. Er ließ Betsy eine ganze Weile Zeit. Dies war nicht die erste Lehrstunde über das Leben der Lakota oder viel mehr. Nicht die erste über alle Indigenen Völker. "Heißt das...ich darf Sue nicht mehr anmalen? Es sieht doch so schön aus!" seufzte Betsy
      Louis sah das blonde Mädchen von der Seite an, bevor er ihr zu lächelte. Er schüttelte beruhigend den Kopf. "Du bist ein Kind. Aber du bist dabei erwachsen zu werden. Und wie bisher. Möchte ich das du verstehst. Für Tschetan, Kaya, mich und viele andere Indigene ist es da draußen gar nicht so einfach. Nicht wie hier auf der Ranch. Am Ende des Tages, wenn das Wasser dir die Farbe von der Haut gewaschen hat. Dann bist du wieder einfach nur Betsy." Betsy sah zu Boden, fast ein wenig enttäuscht. "Eure Kultur ist keine Verkleidung ich weiß. Bist du mir böse?" damit sah Betsy ihn wieder an. "Ich wäre dir nur böse, wenn du nicht lernen würdest. Komm ich erkläre euch ein paar der Zeichen, die man mir beibrachte. Die WarPaint eines jeden Kriegers war unterschiedlich und auch nicht jedes Pferd wurde mit den gleichen Zeichen bemalt. Das kam ganz darauf an ob das Pony ein Büffelläufer oder ein Kriegspony war."
      Für die nächsten zwei Stunden lernten beide Kinder durch die kleinen Geschichten die Louis ihnen erzählte. In der Kultur seines Volkes wurden die Kinder nicht bestraft. Es gab unzählige Lehrreiche Geschichten die dazu dienen sollten die Kinder zu erziehen. Louis selbst war nicht auf die selbe Weise erzogen worden. Doch mit den Geschichten der Ältesten kannte er sich aus.

      Ylvi
      Ich war müde und verheult aufgewacht. Schlaf hing in den Augenwinkeln, meine Klamotten die ich gestern nicht mehr ausgezogen hatten hingen an mir. Fast ein wenig feucht. Ich konnte mich nur vage an meine Träume erinnern, aber ich musste geschwitzt haben. Ich schlich mich leise aus dem Zimmer unter die Dusche. Draußen war es noch dunkel. Die Anzeige der Uhr in der Küche zeigte mir das es kurz vor 6 war.
      Wie ein Geist stand ich in der dunklen Küche. Mein Bademantel hielt mich nur vage Warm..noch rann mir ein Tropfen Wasser über das Knie. Auf leisen Füßen schlich ich mich in unser Schlafzimmer zurück, fand im Zwielicht den Schrank und zog einige neue Sachen für mich hervor. In der Dunkelheit konnte ich Louis nicht sehen. Aber die Scham drückte mich nieder, also verließ ich den Bungalow. Noch würde niemand auf sein, aber es sprach nichts dagegen bereits die Decken der Pferde abzunehmen, die Boxen zu misten. Ich brauchte jetzt Beschäftigung!
      Vielleicht würde ich mir zum Mittag eines meiner Trainingspferde entführen um einen Ausritt zu machen.

      Caleb
      Eine ganze Weile schon war ich dabei, Dells Boxen zu misten, die Pferde umzudecken, nach draußen zu bringen und schon das Futter für den Abend vorzubereiten. Bei den Pferden, die nur Mineralfutter und Kraftfutter bekamen, wartete ihr Futter am Abend bereits im Trog. Das waren auch die Pferde, die momentan nicht wirklich im Training standen.
      Alle anderen, besonders die, die ich so gut wie jeden Tag ritt, weichte ich Rübenschnitzel auf. Die konnte ich erst beim reinholen der Tiere in den Trog schütten, da sie sonst das restliche Kraftfutter zu einem labbrigen Brei aufweichen würden.
      Die Stutenkoppeln umgehend schaute ich noch bei HMJ Saintly vorbei, der momentan ein Luxusleben führte. Herumstehen und Fressen, was könnte es besseres geben.
      Da ich doch nicht drum herum kam, einige E-Mails zu beantworten, schlich ich mich ins Büro, welches zum Glück leer war, schnappte mir das Tablet und ging damit hoch in mein Schlafzimmer, wo ich mich vors Fenster setzte und mit dem Blick auf den Hof E-Mails beantwortete. Ich konnte Bellamy mit einigen der Pferde bei der Führanlage sehen, Louis und Betsy bei Sue sowie Dell beim Pferdeanhänger. Ich hoffte, dass er ihn wieder zum Laufen bringen würde.
      Doch kaum hatte ich ein, zwei Mails beantwortet, musste ich mich doch runter ins Büro setzen, da das Akku den Geist aufgegeben hatte.

      Dell
      Nach dem Frühstück war ich zunächst wieder in den Bungalow gegangen, um mir andere Kleidung anzuziehen. Die Jeans, mit der ich die Ställe mistete, war zum Reparieren des Anhängers nicht wirklich geeignet, denn sie hatte zu wenige Taschen.
      Ich schlüpfte in meine Arbeitshose- die mit den extra vielen Taschen, und machte mich zum Anhänger auf den Weg. Da wo er jetzt stand kam ich nicht gut dran, weshalb ich Calebs Truck dranhängte, um ihn mir auf den Hof zu ziehen. Caleb hatte was erwähnt, dass er sein Auto später brauchen würde, weshalb ich es wieder abhing und ein paar Meter nach vorne fuhr.
      Nachdem ich nun auch meine Arbeitsutensilien alle beisammen hatte, schaute ich mir einmal an, wo denn das Problem war. Schon beim Fahren war mir aufgefallen, dass der Hänger ziemlich schief war. Zunächst schaute ich mir also den Reifen an. Doch wenn dieser platt gewesen wäre, wären Bellamy und Cayce schon auf die Idee gekommen, ihn zu ersetzen. Also musste ich weiter drunter gehen und fand eine Stelle an der Achse, die sich verzogen hatte. Genaueres sah ich nicht, dafür musste ich mir den Hänger wohl aufbocken, um weiter drunter zu kommen- eine Aufgabe, die ich schon hundert mal erledigt hatte.
      Ich war mir sicher, ich könne den Schaden ohne großen Aufwand beheben, weshalb ich auch den Reifen drauf ließ. Ohne noch lange weiter darüber nachzudenken, bockte ich mir den Hänger auf, legte mich auf den Rücken und robbte mich zu der Stelle vor, die ich genauer unter die Lupe nehmen wollte.

      Bellamy
      Heute war einer dieser Tage, an denen ich mit dem falschen Bein aufgestanden war und mich das Gefühl nicht losließ, dass der Tag schrecklich werden würde. Dabei hatte ich heute gar nicht viele Aufgaben zu erledigen oder irgendwelche Sachen zu machen, auf die ich keine Lust hatte. Mir lag einfach ein Gefühl im Magen, dass heute kein guter Tag war.
      Ein Scheppern riss mich aus meinen Gedanken wieder in die Gegenwart zurück. Die Führanlage hatte den Geist aufgegeben. “Toll. Wirklich toll. Dann kann es heute ja nur noch besser werden…”, murmelte ich, ehe ich die beiden Führstricke von Magic und Tex schnappte, die Anlage mit der Hand weiterdrehte, um die beiden Pferde ans Halfter zu bekommen und mich auf den Weg zum Stall machte.
      Wieder hörte ich ein Krachen, dieses Mal jedoch etwas weiter weg. “Was hat denn nun schon wieder den Geist aufge… Oh mein Gott!” Die Stricke der Pferde glitten mir beim Anblick dessen, was ich vor mir sah, einfach aus der Hand. Ich rannte los, ganz gleich was die Tiere machen würden, die könnten wir später wieder einfangen.
      “Scheiße… hörst du mich? Oh Gott… HILFE!”, in einem wahrlichen Schockzustand brüllte ich so laut ich konnte, doch auf der weitläufigen Ranch würde mich vermutlich niemand so einfach hören können.
      Ich schien jedoch Glück zu haben, Ylvi lief auf mich zu. “Ylvi ruf einen Krankenwagen! Schnell!” Sie stoppte in der Bewegung, kramte ihr Handy aus der Tasche und lief wieder auf mich zu. Neben mir ließ sie sich auf die Knie fallen. “Was ist passiert? Hörst du mich… Dell?!”
      Keine Reaktion. Die Wagenheber, mit der Dell den Hänger aufgebockt hatte, war gebrochen. So war der Hänger mit voller Wucht nach unten gekracht und hatte Dell unter sich begraben. Dieser reagierte nicht mehr, ich wusste nicht einmal ob er atmete!
      “Bellamy atmet er? Die vom Rettungsdienst sind unterwegs…”
      “Ich weiß es nicht, wie soll ich denn dran kommen? Sollen wir den Hänger hochheben??”
      “Nein, bloß nicht. Wir müssen warten, die Feuerwehr kommt auch hierher, wenn wir den Hänger heben und er bekommt nicht sofort Hilfe… stirbt er.” Ylvi versuchte die Tränen zurückzuhalten und dem Mann am anderen Ende des Hörers Antworten zu geben.
      “Bellamy versuch herauszufinden, ob er atmet…”, gab sie mir die nächste Anweisung.
      Ich schluckte, kroch vorsichtig ein wenig unter den Hänger und blickte direkt in eine große Blutlache, die sich von Dells Kopf auf den Boden ergoss.
      Regungslos, wie erstarrt blieb ich liegen und starrte seinen Kopf an. Überall… war Blut… er hatte die Augen geschlossen… wirkte tot… “BELLAMY!”, schrie Ylvi mich nun an. “ATMET ER NOCH?”
      Zaghaft befreite ich mich aus meiner Erstarrung, hob eine Hand nach vorne und hielt sie unter seine Nase. Ich spürte einen ganz schwachen Luftstoß, legte zwei Finger an seinen Hals und kontrollierte seinen Puls, welcher ebenfalls schwach, aber noch da war.
      “Ganz schwach, Atmung und Herzschlag”, gab ich Ylvi Bericht und krabbelte wieder unter dem Anhänger heraus. “Ylvi er hat eine große Wunde am Kopf, liegt in einer ziemlichen Blutlache.” Ich versuchte mich zu besinnen. Wie oft schon hatten damalige “Bekannte” mir von Situationen erzählt, in denen sie beim Raub handgreiflich geworden waren oder sogar absichtlich Menschen verletzt hatten, um sie zu beklauen. O und mir war das nie passiert, noch nie hatten wir einen Mensch absichtlich oder unabsichtlich verletzt. Einmal war ich dabei gewesen, als mein Partner auf einen Menschen geschossen hatte. Mir sollte der Anblick von Blut nichts ausmachen, aber es war etwas ganz anderes auf einen fremden zu schießen oder seinen Freund hier, in seinem eigenen Blut liegend, vorzufinden.

      Ylvi
      Man konnte die Anspannung im Saal förmlich in Stücke schneiden. Auch ich konnte auf meinem Stuhl nicht vernünftig sitzen, mit tat der Hintern weh. Außerdem hatte ich taube Knie. Allerdings wollte ich mich auch nicht bewegen. Louis war vor 3 Stunden mit Betsy ins Krankenhaus gefahren. Bellamy war inzwischen wieder gefahren. Calebs Truck hatte wieder gesponnen, daher musste er warten bis Bell zurück war um selbst ins Krankenhaus zu kommen.
      Wir warteten bereits 5 Stunden im Wartezimmer des Krankenhauses. Ich hatte jetzt erst eine klare Vorstellung davon wie es Louis und Caleb ergangen sein musste, als ich die Patientin gewesen war. Louis hatte eine Hand um die meine geschlungen. Ich hatte Betsys Kopf auf meinem Oberschenkel. Das Kind hatte geweint. Selbst jetzt in ihrem unruhigen Schlummer der Erschöpfung zuckten ihre Schultern. Mechanisch strich ich ihr über die Stirn, durch das blonde Haar. Plötzlich wurden unsere Namen aufgerufen. Da ich mich nicht rühren wollte, erhob sich Louis an meiner statt. Eine der Ärztinnen erklärte ihm genau was nun mit Dell passierte. Ich brannte darauf auch zu hören was los war. Doch ich wollte die gerade schlafende Betsy nicht wecken. Keine Regung sah ich im Gesicht meines Mannes. Erst als die Frau sich herum drehte und ging strich sich Louis Seufzend die losen Haare aus dem Gesicht. Seine Backen plusterten sich auf,die Luft entwich seinen Lippen auf dem Weg zurück zu mir. Ich hielt Betsys Ohr zu, während mir Louis leise in mein Ohr flüsterte. "Sie haben ihn wieder zusammen geflickt. Aber seine Reaktionen auf sämtliche Tests, sieht nicht gut aus. Noch ist es zu früh um zu sagen er sei Hirntod, die Prognose allerdings ist schlecht." Ich starrte hinunter auf den Kind. Alsbald würde sie womöglich mehr mit ihrer Freundin teilen als sie ahnte. Wie nur sollte ich ihr erklären, dass nach ihrer Mutter nun auch der Vater ihre Welt verlassen würde? Ich schluchzte auf, das war einfach zu viel. Da erscholl eine zarte Stimme von meinen Knien her. "Er wird nicht wieder gesund,oder?" Betsy richtete sich auf. Sah uns beide an. Plötzlich wirkte sie viel älter als sie es in Wahrheit war. Ich konnte nur mit dem Kopf schütteln. Ich zog Betsy an meine Brust. Mir fehlten ohnehin die Worte, welche Bedeutung hätten sie jetzt auch noch?

      Caleb
      Wenige Minuten später, nachdem ich mich ins Büro gesetzt hatte klingelte mein Telefon. Die Rinder waren unten am Fluss durch den Zaun gegangen und unterwegs in Richtung der Hauptstraße. Ich seufzte, manchmal, wenn man am wenigsten Zeit hatte, kam einem sowas noch dazwischen.
      Ich legte das Handy auf den Schreibtisch, zog mir die Stiefel, die ich der Bequemlichkeit halber eben ausgezogen hatte, wieder an und ging dick eingepackt und Schal und Jacke nach draußen. Sogar unter dem Hut hatte ich eine Mütze auf dem Kopf. Es war kalt geworden, hier in Kanada.
      Im Stall traf ich den Mann, den ich gesucht hatte: Cayce. “Hey Cayce schnapp dir Shorty und triff mich am hinteren Ausgang der Ranch, Richtung Fluss. Wir müssen die Rinder nochmal einfangen die sind da durch den Zaun, Mr. Lance hat mich gerade angerufen.”
      “Okay ich beeil mich.”
      Während Cayce zu den Nordkoppeln lief steuerte ich die Südkoppeln an, denn dort stand Gipsy, der zwar schon eine Weile nicht mehr an den Rindern gearbeitet hatte aber zur Zeit besser im Training stand als Gangster oder Devil.
      Fünfzehn Minuten später traf ich auf Cayce und Shorty, die ebenfalls Packtaschen mit Werkzeug und Zaunstücken zum Reparieren besorgt hatten.
      Wir brauchten etwa eine dreiviertel Stunde bis zu den Rindern, trieben sie über eine halbe Stunde zusammen, reparierten den Zaun und ritten wieder eine dreiviertel Stunde zur Ranch zurück, wo mich der Schlag traf: auf dem Hof standen Feuerwehrleute und die Cops, die sich den Hänger anschauten, an dem Dell heute morgen gearbeitet hatte. Ich trieb Gipsy im flotten Galopp auf die Männer zu, hielt ihn an und sprang von seinem Rücken. “Was ist hier passiert?”

      “Caleb beruhig dich, wenn du aufs Lenkrad einschlägst, startet der Motor immer noch nicht”, versuchte Cayce mich zu besänftigen. Der verdammte, alte Truck sprang mal wieder nicht an, weshalb ich keine Möglichkeit hatte, jetzt nach Calgary ins Krankenhaus zu kommen.
      Dell hatte einen schlimmen Unfall gehabt. Der Hänger war auf ihn draufgefallen, schon vor Stunden. Weder Cayce noch ich hatten unsere Handys auf der Einfangaktion dabei gehabt, weshalb uns niemand hatte erreichen können. Mittlerweile wusste ich, dass Ylvi, Louis und Betsy im Krankenhaus waren und warteten. Bellamy befand sich gerade auf dem Rückweg zur Ranch, damit ich mit dem anderen Truck nach Calgary fahren konnte.
      Arme Betsy.. ich konnte mir gar nicht ausmalen, wie es ihr gerade erging.
      Als ich Bellamy die Einfahrt hochfahren sah lief ich ihm schon entgegen. “Ich halte hier die Stellung!”, rief Cayce mir nach, ich winkte ihm kurz und riss dann die Beifahrertür des Trucks auf.
      “Ich… hatte sowieso vor wieder zurück zu fahren…”, murmelte Bellamy, wandte und fuhr wieder zurück dorthin, von wo er gerade gekommen war- nämlich zum Krankenhaus, in das Dell eingeliefert worden war.

      Während ich in das Wartezimmers des Krankenhauses stolperte und so beinahe alle Aufmerksamkeit auch mich lenkte, scannte mein Blick den Raum nach dem Antlitz eines einzigen Menschen. Eines kleinen Menschens; Betsy.
      Das Mädchen stand am Fenster, wandte mir den Rücken zu. Eine Hand auf dem Fensterbrett, die Andere in der von Ylvi, die sich direkt neben ihr befand. Auch sie schaute zum Fenster hinaus, wirkte in sich zusammengesunken.
      Neben mir eine Regung, dann eine Hand auf meiner Schulter. „Fangen Sie wieder an zu atmen, nicht dass Sie uns hier noch zusammenklappen“, war die einfache Aussage einer älteren Dame, derer ich nun meinen Blick zuwandte und reflexartig einmal tief Luft holte. Ich hatte gar nicht bemerkt, dass ich sie angehalten hatte, spürte jetzt allerdings ein leichtes Brennen meiner Lunge. Meine rechte Hand zur Brust hebend ging ich einen Schritt auf die beiden Frauen zu. Auf halber Strecke wandte Ylvi mir den Kopf zu. Mit ihren blau unterlaufenen, tränenverquollenden Augen schüttelte sie kaum sichtbar den Kopf.
      Ich seufzte tief, schloss einmal kurz die Augen und als ich sie wieder öffnete, starrte ich direkt in Betsys kleines, ebenso tränenüberströmtes Gesicht. Sie sagte kein Wort aber ich spürte all den Schmerz, die Trauer und auch die unbändige Wut in ihrem Blick. Ich wollte etwas sagen doch mein Mund wollte einfach keine Worte formen. Stattdessen ging ich in die Hocke, breitete die Arme aus und hoffte, dass das Mädchen der stillen Aufforderung nachkommen würde. Augenblicklich löste Betsy sich von Ylvi, begab sich in meine geöffneten Arme und schmiegte sich schluchzend so fest an mich, dass mir der Cowboyhut vom Kopf fiel. In jeder anderen Situation hätte ich ihn sofort vom Boden aufgehoben, doch in diesem Moment war der Hut auf dem Boden das kleinste meiner Probleme, denn während mein Hemd langsam Betsys Tränen durchsickern ließ, rollten zunächst vereinzelt auch Tränen bei mir, ehe ich mich der eigenen Trauer hingab und ebenso bitterlich anfing zu weinen.

      “Caleb?”, riss mich Louis Stimme aus den Gedanken. “Die Ärzte wollen mit dir reden… mit dir und Ylvi.”
      Ich sah auf, stand vom Boden auf und reichte Betsy die Hand, um auch ihr vom Boden auf zu helfen. “Mit mir und Ylvi?”
      “Ja, ihr seid als Notfallkontakte angegeben worden und… mehr weiß ich nicht, Ylvi wartet bereits vor der Tür.”
      Ich nickte, drückte noch einmal feste Betsys Hand, ehe Louis das Mädchen in den Arm nahm. Wieso hatte Dell Ylvi und mich gemeinsam als Notfallkontakte angegeben?
      Draußen angekommen folgte ich dem Arzt sowie Ylvi in einen separaten Raum, dessen Tür geschlossen wurde, ehe der Mann im weißen Kittel ein Klemmbrett herausnahm und sich vor uns stellte.
      “Ich möchte sie nicht anlügen, es sieht wirklich schlecht aus. Wir haben alle getan was wir konnten, aber die Verletzungen waren zu schwerwiegend. Um ihn für Hirntod zu erklären, ist es offiziell noch zu früh. Wir würden gerne 48 Stunden abwarten und in gewissen Abständen unsere Test wiederholen. Wenn wir bis dahin noch immer keine Reaktion erkennen können, müssen wir über weitere Schritte wie das Abschalten der Maschinen sprechen… Dell hat sie beide gemeinsam als seine Notfallkontakte angegeben. Was seine Tochter”, er suchte auf seinem Zettel nach dem Namen des Kindes, “Betsy angeht.. Wir können eine liebevolle Sozialhilfe anrufen, die sie in Obhut nimmt, bis der Papierkram geklärt ist und…”
      “Kommt gar nicht in Frage”, antwortete ich und schüttelte den Kopf. “Betsy bleibt in unserer Obhut und kommt zur Ranch mit zurück. Sie kennt uns, sie kennt die Ranch. Das ist ihr Zuhause. Da wird es doch eine Möglichkeit geben?” Wie schaffte ich es, in dieser Situation so ruhig zu bleiben? Ich war selbst von mir überrascht. Im Kopf ging ich bereits durch, was ich Betsy erzählen müsste, was mich unglaublich traurig stimmte. Die nächsten Tage, Wochen und Monate würden die Hölle für sie werden. Nicht, dass es schon schlimm genug war, seine Mutter in so jungen Jahren zu verlieren. Nein. Nun verlor sie auch noch ihren Vater. Offiziell konnten sie ihn noch nicht für tot erklären, aber er war kurz davor. Aufwachen würde er nicht mehr, es gab nur noch einen Weg für ihn.
      “Ich… ich bin mir sicher, dass dies in Ordnung geht. Ich spreche noch einmal mit unserer Sozialabteilung und gebe Ihnen in kürze Bescheid. Wenn sie möchten, können sie zu Herrn William Dell ins Zimmer. Überlegen Sie jedoch gut, ob Sie das Mädchen mitnehmen möchten oder ob der derzeitige Anblick ihres Vaters nicht zu viel für sie ist… Intensivstation Zimmer 23.”
      Damit verabschiedete sich der Arzt und ließ eine völlig baffe Ylvi und mich zurück. Eine ganze Weile sagte niemand von uns etwas, dann entschieden wir uns, zunächst alleine zum Zimmer zu gehen, um zu schauen, ob wir Betsy den Anblick ihres Vaters zumuten konnten.
      Bei Dell angekommen schlug Ylvi sofort die Hand vor den Mund. In seinem Hals steckte ein Beatmungsschlauch, um seinen Kopf hatte er einen großen Verband. Sein Gesicht hatte weniger abbekommen als erwartet, weshalb wir uns entschieden, Betsy zu ihm ins Zimmer zu holen, da er noch immer wie ihr Vater aussah und nicht wie ich zunächst vermutet hatte, völlig entstellt war.
      Betsy betrat wenige Minuten später zusammen mit Louis das Zimmer. Sie schluchzte, auch wenn so langsam keine Tränen mehr aus ihren Augen hinauskommen wollten.
      “Kann ich… mich zu ihm legen?”, fragte sie Ylvi leise, welche nickte und ihr aufs Bett half. Keiner von uns vermochte ein Wort zu sagen. Was auch? Betsy wusste vermutlich genau, was hier los war und dass wir ihren Vater nicht mehr mit nach Hause nehmen würden.
      Das Mädchen war durch die vielen Stunden total ausgelaugt, weshalb sie sich kurze Zeit später, im Krankenhausbett ihres Vaters, in den Schlaf geweint hatte. Mit einem kurzen Nicken befahl ich Ylvi und Louis in den Flur.
      “Was machen wir jetzt?”, fragte ich in die Runde und knetete nervös meine Hände. Mit aller Kraft hielt ich die Tränen zurück, dafür war nun nicht der richtige Zeitpunkt.
      “Wir warten noch eine Weile hier und fahren dann zurück zur Ranch? Wir dürfen bestimmt nicht die ganze Nacht hier bleiben”, meinte Louis.
      “Könnt ihr Betsy mit zu euch beziehungsweise Kaya nehmen? Wie erklärt ihr den beiden, was passiert ist?”
      “Ich weiß es noch nicht”, gestand Louis mir wahrheitsgetreu. “Aber wir nehmen sie heute Nacht mit zu uns. Morgen sehen wir weiter.”
      Ich nickte zur Antwort ehe wir wieder ins Krankenzimmer gingen und darauf warteten, dass die Besuchszeit vorbei war und wir nach Hause gehen mussten.

      ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

      22:00 Uhr - Stunde 2 von 48
      "Ich hab Betsy zu Kaya ins Bett gelegt, sie ist völlig fertig. Beide schlafen jetzt." antwortete Ylvi flüsternd auf die beiden fragenden Blicke der Männer am Küchentisch des Bungalows. Calebs Hut lag auf dem Tisch, er strich sich gerade mit beiden Händen von seinen Augen durch seine Haare. "Ich wünschte ich könnte auch so schlafen. Mir brennen die Augen, aber ich glaube kaum das ich in den nächsten Stunden schlaf bekomme." Die junge Frau ließ sich ebenso erschöpft auf den Stuhl nieder, nur um dann wieder aufzustehen in Richtung Schrank. "Es ist so schrecklich nichts tun zu können."
      Klirrend stellte sie eine Flasche Whisky sowie drei Gläser auf den Tisch. "Ich denke der kann uns allen nicht schaden." damit goß sie jedem etwas ein. Das würden die längsten 48h ihres Lebens werden.

      6:00 Uhr - Stunde 8
      Louis hatte sich mittlerweile auch ins Bett verzogen. Caleb und Ylvi saßen an dem kleinen Tisch. Die Zeit zog sich in dürren Fäden. Schweigen zwischen ihnen. Ylvis Hand fuhr nervös immer wieder den Rand des leeren Glases entlang. Die Flasche stand fast unberührt in der Mitte des Tisches. Jeder hing seinen Gedanken nach. "Wieso er wohl uns beide eingetragen hat?"
      "Mhm?" Ylvi hob den Kopf und verzog die Augenbrauen, die junge Frau hatte die Frage nicht verstanden. "Dell, uns beide hat er als Kontakte eingetragen. Wieso?"
      "Findest du nicht das ist offensichtlich?" Caleb zuckte mit den Schultern. "Er hat keine andere Familie, falls ja so hat sie nicht viel Interesse an Betsy oder Dell gezeigt. Du bist das näheste was einer Bezugsperson für Betsy gleicht. Und ich...ich denke die Eintragung stammt noch aus der Zeit, als wir ein Paar waren. Drinnen gelassen hat er es sicherlich auch...um zu gewährleisten, daß Betsy einen Ansprechpartner hat. Darum hat er mich mal gebeten." Nun sah Caleb die junge Frau etwas verwirrt an. "Im Sommer….da hat er mich gebeten mich um Betsy zu kümmern..bei Fragen um Frauensachen. Die Pubertät steht in den Startlöchern..und dann nur mit einem *verschrobenen Vater* aufzuwachsen sei ungünstig." Als sie Dells Worte wiedergegeben hatte, nutze sie seinen texanischen Akzent um klar zu machen das es sich um seine Worte handelte. Caleb erwiderte darauf nur ein bedächtiges Kopfnicken, dann riss er den Mund weit auf. Sein Gähnen steckte auch Ylvi an. "Ich denke wir sollten auch schlafen gehen." kommentierte Caleb mit einem Japsen. "Wach vor den Handys zu sitzen bringt die Zeit auch nicht schneller dazu zu vergehen."
      "Willst du auf der Couch schlafen?" fragte Ylvi und deutete auf das kleine Wohnzimmer .
      "Ich wäre gern in der Nähe von Betsy, ja." So leise wie möglich bereiteten sie also für Caleb die Couch zum Schlafen vor. Gerade als sich Ylvi verabschieden wollte, kam eine verschlafene Betsy aus dem Zimmer von Kaya und Tschetan getappert. Mit einem müden Blick sah sie in Richtung Caleb auf der Couch. "Darf ich bei dir schlafen?" kam es ihr über die Lippen. Der Blonde lächelte, tappte neben sich. "Komm her." Betsy sprang beinahe zu ihm unter die Decke, kuschelte sich an ihn. Ylvi beugte sich über das Mädchen strich eine Strähne aus ihrem Haar, küsste sie auf die Stirn. "Gute Nacht." flüsterte Ylvi. "Ich mach das Licht aus." sagte sie dann in gedämpfter Stimme. "Ylvi? Bleibst du auch?" halb aufgerichtet, fragend sah Betsy Ylvi an. Der Blick der Frau ging von dem Mädchen zu dem Mann hinter ihr. Er sah sich um, als wolle er schauen ob genug Platz da war. Gerade als Ylvi ansetzen wollte das die Couch zu klein war. Rückte Caleb ein wenig weg. "Wir rücken einfach alle zusammen."
      Also fand sich die junge Frau wenige Augenblicke später auf der Couch wieder. In ihren Arm gekuschelt, schlief das Mädchen beinahe schon wieder. Ihr kleines Gesicht war in Richtung Caleb gedreht. Sein Arm lag über dem Kind und ruhte auf Ylvis Hüfte. Die ganze Situation war völlig absurd. Ylvi wusste sie würde keinen Moment schlafen können. Doch noch während sie diesen Gedanken fasste, entführten sie die regelmäßigen Atemzüge ihrer Bettgenossen in einen traumlosen Schlaf.

      10:00 Uhr - Stunde 12
      Gefühlt war der Blonde mit Betsy und Ylvi im Arm eingeschlafen, da riss ihn die ihm ins Gesicht scheinende Sonne schon wieder aus dem Schlaf. Nach einem Blick auf die Uhr an seinem Handgelenk wusste er, dass es höchste Zeit war einen kurzen Abstecher im Stall zu machen. Aber konnte er gehen? Betsy hatte sich zu ihm und Ylvi gekuschelt. Was würde sie denken, wenn sie aufwachte und er wäre weg? Wobei Betsy den Tagesablauf auf der Ranch ganz genau kannte… außerdem wäre Ylvi ja noch da.
      Also setzte er sich langsam und zögerlich auf, langte nach dem Tisch und kletterte vorsichtig über die beiden schlafenden Frauen hinüber. Als er sich gerade über Ylvi befand, öffnete diese die Augen und ihre Blicke trafen sich. Mit der einen freien Hand legte Caleb seine Finger über die Lippen, zum Zeichen, dass Ylvi nichts sagen solle. Er machte eine Essensgeste, zeigte dann nach draußen und sah Ylvi nicken- sie schien verstanden zu haben.
      Im Stall traf er auf einige der Mitarbeiter, denen er stets nur mit Kopfschütteln berichten konnte, dass es keine Neuigkeiten bezüglich Dells gab. Schneller als sonst deckten sie die noch im Stall verbliebenen Pferde um, brachten sie nach draußen und Caleb delegierte das Boxenmisten an seine Mitarbeiter ab, damit er wieder zurück zu Betsy gehen konnte.
      Mittlerweile war es schon 12:00 Uhr mittags, Ylvi und die drei Kinder saßen am Esstisch. Louis stand in der Küche und schien eine Kleinigkeit zu kochen. Das flaue Gefühl im Magen, sich jetzt dazu zu setzen schob Caleb ganz schnell beiseite. Er würde auch in zwei Tagen noch genug Möglichkeit haben, sich in der Gegenwart von Louis und Ylvi unwohl zu fühlen.

      12:00 Uhr - Stunde 14
      “Louis kannst du mir einen Kaffee mitmachen?”, fragte er den Lakota, welcher kurz nickte und sich der Kaffeemaschine widmete. Wenig später stand eine wohl duftende Tasse auf dem Tisch, in die Caleb ein wenig Milch kippte und langsam daran nippte. Niemand sagte etwas, alle saßen schweigend am Tisch. Betsy starrte ins Leere, Kaya drehte die Gabel in ihrer Hand hin und her. Selbst Tschetan, der immer am quasseln war, schien im Moment keine Worte zu finden.
      “Fahren wir später nochmal zu Dad?”, durchsprach Betsy die unangenehme Stille und schaute zunächst zu Caleb, dann zu Ylvi, welche letztendlich das Wort ergriff: “Ja, natürlich. Gleich nach dem Essen.”
      “Ich hab keinen Hunger…”, erwiderte das Mädchen und richtete den Blick gen Boden.
      Caleb seufzte kurz, rückte auf der Bank ein wenig näher an das Mädchen heran und nahm sie in den Arm. Sie lehnte sich sofort gegen ihn, schlang ihre kleinen Arme um seinen Körper und fing wieder an zu weinen. “Ich kann mir vorstellen, dass du keinen Hunger hast, Betsy. Mir geht es genauso. Aber wir müssen alle etwas essen, auch wenn es nur eine Kleinigkeit ist. Du möchtest doch nicht umkippen.”
      “Aber damit ist meinem Dad auch nicht geholfen, wir können nichts machen, damit es ihm besser geht”, schluchzte das Mädchen. “Der große Geist wacht über ihn.” flüsterte Tschetan zu ihr, während er einen Arm um sie legte.
      Louis hielt mit seiner Hand inne, die gerade zum Mund fuhr um sich den Kaffee einzuverleiben. Er hielt sie in der Luft. "Vielleicht könnten wir eine kleine Healing Ceremony machen. Tschetan erinnerst du dich? Wie damals für deinen Onkel."
      "Ich könnte die Trommel für dich schlagen, während du singst." sprach der Junge andächtig.

      14:00 Uhr - Stunde 16
      Die Fahrt zum Krankenhaus war für alle erdrückend gewesen. Die Hälfte der Leute musste im Warteraum sitzen bleiben. Tschetan hatte versprochen ein paar der Heilpflanzen im Wald zu suchen. Sowie eine gute, ruhige Stelle für die Zeremonie und ein Feuer zu suchen. Louis und Kaya durften die Intensivabteilung nicht betreten. Caleb und Ylvi saßen, Hand in Hand, auf den Stühlen im Zimmer. Dell angeschlossen an viele piepsende Geräte, das Pumpen und Zischen der Beatmungsmaschine. Und dazwischen auf der Bettkante das Mädchen. Ylvi spürte wie es ihr kalt den Rücken herunter lief. Der Ausdruck ihrer Augen. Nicht leer. Nicht länger verweint. Sondern geklärt. In diesem Moment schienen die Augen einer Erwachsenen aus dem Gesicht eines Kindes auf die Situation zu schauen. Und was sie sahen war der Tod. Die Ärzte hatten bereits davon berichtet, das sein Nieren kurz davor waren seinem Körper den Dienst zu versagen. Die Hoffnung des Erwachens das wir noch vor einigen Stunden gehabt hatten schwand immer wieder.

      22:00 Uhr - Stunde 24
      Am späten Nachmittag, gegen 17 Uhr waren sie alle wieder zurück zur Ranch gefahren. Dies war Betsys Idee gewesen. Sie hatte gesagt, dass dort genug Arbeit auf alle von ihnen warten würde, als dass sie es sich erlauben könnten, den ganzen Tag im Krankenhaus zu sitzen. Betsy, Kaya und Tschetan hatten den Rest des Tages im Bungalow von Louis und Ylvi verbracht. Letztere leistete den Kindern Gesellschaft. Louis als auch Caleb kamen den Arbeiten auf dem Hof nach.
      Gegen 20 Uhr klingelte das Telefon. Das Krankenhaus. Sie sollten, wenn sie Dell noch lebend sehen wollten, sofort kommen.
      Gegen halb 10 waren sie alle in Calgary angekommen. Louis, Ylvi, Betsy und Caleb. Cayce und Bellamy passten auf Kaya und Tschetan auf.
      Hier saßen sie nun, Louis auf einem Stuhl in der Ecke des Intensivzimmers, Ylvi und Caleb auf je einer Seite des Bettes. Betsy im Arm ihres Vaters. Sie hatte sich an ihn gekuschelt, weinte bitterlich, auch wenn die Tränen erneut versiegt waren.

      Gegen 22 Uhr verstarb Dell im Beisein derer, die für ihn in den letzten Jahren zur Familie geworden waren.

      ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

      3 Uhr - Stunde 5
      Als das Licht angeschaltet wurde, gab der Blonde ein brummendes Grunzen von sich. Im Reflex zog er sich die Decke vor seine Augen. Sein Schlaf, oder eher das Ruhen im Bett wurde je unterbrochen. Im Schlafanzug, mit großen Augenringen stand Ylvi vor seinem Bett. Allerdings vermochte er dies nicht zu sehen - wir erinnern uns?
      Stattdessen gab ihr hastiges Gequatsche ihre Identität preis. Er spürte wie etwas auf seine Decke geworfen wurde. Anschließend bewegte sich die Matratze. "Caleb? Hast du gehört?!" Sie zog ihm die Decke weg, sein genuscheltes Nein, entfuhr ihr ein Seufzen. Dann wedelte sie mit einem Haufen Papier vor ihrer Nase. "Caleb, hör zu. Du musst dich entscheiden. Entweder du übernimmst Verantwortung, oder die Behörden könnten entscheiden, dass sie woanders besser aufgehoben wäre."
      Caleb griff nach dem Haufen Blätter, blinzelte die Müdigkeit fort.
      'Adoptionsantrag' -waren was die Druckbuchstaben auf dem ersten Zettel verkündeten.
      Fohlenweide: Like a Prayer, BR Dissident Whiz, BR Colored in Style, BR Alans Smart Dream, BR Raised to Slide, A Walking Dignity, BR Wimpys Bright Gangster, BR Atlantis Dream, BR Double Gunslide, Blue Fire Cat, Dual Shaded Ace

      Jungpferde: tc Mister’s Silvermoon Cody, Smart Lil Vulture, PFS‘ Unclouded Summer Skies, GRH’s Funky’s Wild Berry, Four Bar Chocolate Becks, Chic‘ N Shine, Chapman, BR Colonels Lil Joker, BR Colonels Golden Gun, Jacks Inside Gunner, Gun Sophie, Ginger Rose, Colonels Blue Splash, Captains Blue Crystal, BR Dress to Impress

      Trainingsstall: Bittersweet Temptation, Cielos, Whitetails Shortcut, Zues, Abandon all Hope, California Rose, Cupcake Cult, Easy Going, Frosty Lagoon, HMJ8345’s Continental, Honey’s Aleshanee, Kholáya, Lady Blue Skip, My sweet little Secret, Snapper Little Lena, Stormborn, Special Luna Zip, Stormborn, Striga, Tortured Witch HMJ 6693, Blanton’s Gentleman, Heza Bat Man, HGT’s Unitato, How ‘Bout Moonies, I’m a Playboy, Silent Bay, Small Town Dude

      Zuchthengste: Alan’s Psychedelic Breakfast, Chocolate Dream, GRH’s Bellas Dun Gotta Gun, Gun and Slide, Gunners Styled Gangster, Hollywoods Silver Dream, Nachtschwärmer, Till Death, GRH’s Unbroken Soul of a Devil

      Zuchtstuten: A Walking Honor, Bella Cielo, Black Sue Dun It, Chou, DunIts Smart Investment, Ginny my Love, GRH’s A Gun Colored Lena, GRH’s Aquila T Mistery, GRH’s Unbroken Magic, Jade, Kristy Killings, Lovin‘ Out Loud, Magnificient Crow, Miss Independent, Only Known in Texas, Tainted Whiz Gun, Wimpys Little Devil

      Sommerweide: Aufgepasst, hier kommt Arcada!, Breia LDS, Ceara Isleen, Dakota, Drama Baby, Flashlight, Leuchtfeuer di Royal Peerage, Pocahontas, Priamos Ruffia Kincsem, Prias Colourful Soul, Raspberry, Tasmania, Tigres Eye, Absolute Bullet Proof, Birk, Culain, Myrkvidr, Peacful Redemption, Wildfire xx

      Verkaufspferde: Magic Lanijos, Chapter 24, General’s Coming Home, A Shining Chrome, Picture of a Ghost, Verdine, Whinney, Cruel Twist of Fate, Kisshimbye, Sweet like Chocolate, BR Homecoming Queen, BR Hollywoods Dream Anthem, BR Sheza Topnotch Babe, BR General Pleasure, BR Black Pamina, BR Heart N‘ Soul, BR Lovely Gun, BR Twenty 4 Killings
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  • Album:
    BRR Fohlenweide
    Hochgeladen von:
    Veija
    Datum:
    21 Dez. 2020
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    640px
     

    Note: EXIF data is stored on valid file types when a photo is uploaded. The photo may have been manipulated since upload (rotated, flipped, cropped etc).

  • Exterieur
    Name: Like a Prayer
    Rufname:
    Alter: 2020, 1 Jahr
    Geschlecht: Stute
    Größe: wird 1,55m
    Rasse: American Paint Horse
    Fellfarbe: Palominoschecke (ß)


    Stammbaum
    Von: Outlaw Torn
    von: Nacota, aus der: Saramont


    Aus der: Like Honey and Milk
    von: Call me a Twist, aus der: unbekannt

    Charakter & Beschreibung:
    -folgt-

    Zuchtinfos

    Gekört/Gekrönt: nein

    Besitzer: Veija (Caleb O'Dell)
    Vorbesitzer: Eddi
    Gezüchtet bei/Zucht: Eddi

    VKR: sweetvelvetrose

    Kaufpreis: 500 Joellen
    Zu Verkaufen: nein


    Qualifikationen:

    nicht eingeritten
    nicht eingefahren


    Dressur E
    Springen E
    Military E
    Distanz E
    Galopprennen E

    Western



    Erfolge:


    Gesundheit:
    Gesundheitszustand:
    Letzter Besuch:

    Hufschmied:
    Hufzustand: gut
    Letzter Besuch:
    Beschlag: