1. Diese Seite verwendet Cookies. Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies. Weitere Informationen
Veija

♀ HMJ8345's Continental

7 Krönpunkte

♀ HMJ8345's Continental
Veija, 14 Aug. 2020
    • Veija
      Kennenlernen
      Oktober 2019, by adoptedfox
      Es war dunkel. Der Mond bahnte sich den Weg durch angelehnte Boxenfenster und doch reichte das Licht nicht aus um die Box voll zu erleuchten. Ich schnaubte und drehte mich um ein paar Halme Heu aus dem Netz zu ziehen, welches Sonnenuntergang für Sonnenuntergang aufgefüllt wurde. Ein Wallach, der wenige Boxen von mir entfernt stand, brummte erregt und drängte sich an die Gitterstäbe. Ich sog die Luft scharf ein. War da jemand?
      “Its clear! Only 10 minutes!”
      Das Stalltor wurde aufgeschoben und mehrere dunkle Schatten kamen hinein. Nach und nach öffneten sich Boxentüren und die Pferde wurden in die Dunkelheit geführt. “The chestnut over there too!” zischte eine dunkle, rauchige Stimme und keine Minute später öffnete sich auch meine Boxentür. Vorsichtig zog man mir das Halfter an und führte mich in den Hof. Der Mann zog am Strick und lief los. Ich musste mich beeilen.
      Er rannte bis zum großen Tor und blieb dann stehen. Ein anderer Mann nahm meinen Strick und führte mich eine Rampe hinauf. Dort waren nicht nur die Pferde der anderen Boxen, sondern noch mehr. Ich zog scharf die Gerüche ein und stieß ein Wiehern aus. Sofort traf mich ein lederner Schlag und eine Wand wurde neben mich gestellt. Es war eng und am Boden befand sich keine Streu.
      “Close the doors, we need to go now!”
      Ich wurde nervös. Was passierte hier? Wo war ich und wer waren die anderen Pferde?

      “Johanna! Ich glaube dein Pferd kommt!” rief es über den Hof und ich lehnte mich aus der noch leeren Box um einen Blick in den Hof werfen zu können.
      Da kam tatsächlich ein Pferdetransporter!
      Vor einigen Monaten konnte eine amerikanische Tierschutzorganisation 15 Pferde aus einem illegalen Händlerring retten. Während der Quarantäne organisierten sie ein Horse-Makeover um den Pferden eine Zukunft in besten Händen zu sichern. Ich hatte mich auch angemeldet, machte mir aber keine großen Hoffnungen nachdem die ersten Bewerber vorgestellt wurden. Renommierte Pferdetrainer, die sich international einen Namen gemacht haben, aber auch große Zuchtvereinigungen hatten sich beworben und doch war das Glück auf meiner Seite. Ich nahm mir drei Wochen Urlaub und buchte einen Flug nach Kanada. Auf der Bow River Ranch wurden die Pferde zugeteilt und jedem Teilnehmer wurde angeboten, seinen Schützling in Ruhe kennenzulernen bevor es die Reise ins neue Heim antreten würde. Man teilte mir das Quarter-Pony zu. Eine dunkle Fuchsstute die ich HMJ8345's Continental taufte.
      In den ersten Tagen verbrachte ich viel Zeit im Roundpen um den Charakter und das Wesen der Stute kennenzulernen.
      Sie war sensibel und obwohl ich merkte, dass uns ein langer Weg bevor stand, war ich dankbar.
      Dankbar, diesem Lebewesen eine zweite Chance geben zu dürfen.
      Dankbar, mit ihr an mir zu wachsen.
      Die Stute stieß ein grelles Wiehern aus. Der große, beinahe bärenhafte Fahrer des Transporters führte die tänzelnde Stute in die Stallgasse und ich folgte ihnen um ihm die Box zu zeigen. Nachdem ich alle Frachtbriefe unterschrieben hatte verabschiedete sich der Fahrer und ich lehnte noch einige Minuten an der Box von Continental um sie im neuen Heim willkommen zu heißen. Bevor ich mich auf den Heimweg machte, öffnete ich die Boxentür sanft und sprach beruhigend mit der Stute während ich mich ihr näherte. Sie legte die Ohren an, ließ mich aber gewähren.
      “So ists gut, mein Mädchen.” lobte ich sie während ich das Halfter vom Transport abnahm und ihr den Hals streichelte.
      Die kommenden Tage der Eingewöhnung verbrachte sie stundenweise auf einer kleinen, abgesteckten Koppel angrenzend der großen Weiden.

      [​IMG]

      [​IMG]
      Prophylaxe, Chippen
      Oktober 2019, by Cooper
      Die neue Woche begann recht spät. Mugde war schon vorgelaufen und trödelte irgendwo auf dem Gestüt rum. Somit kam er mich dann gegen zehn Uhr im Bett begrüßen, mir nassen Pfoten. „Ihhhh. Du bist nass!“ lachte ich und schubste den Collie von dem Bett. „Ich steh ja schon auf“. Ich befolgte meine Worte und machte mir nach dem duschen ein großes Frühstück bei denen auch wieder die Crewmitglieder dabei waren. Wir besprachen alle Themen und den Plan für die neue Woche. Nach dem langen Meeting schlich ich mich dann ins Büro mit einer Tasse Tee und schaute nach der Klinik. Ich hatte tatsächlich fast alle abgearbeitet, der Abschluss war dann erneut ein Event Pferd vom „Makeover“ Projekt. Er kam von Johanna Röder aus Deutschland. Ihr Hof war ein Reit- und Fahrverein. Einen Fahrverein hatte ich seit geraumer Zeit nicht mehr besucht gehabt und war wirklich sehr gespannt. Wie immer informierte ich mich weitestgehend über meine Auftraggeber und gab in Google Suche „Reit- und Fahrverein Waren 1856 e.V“ ein. Die Lage war wirklich sehr schön und ich sah das sie auch zwei Vollblüter unterstehen hatte. Mein Patient diesmal war aber eine Quarterponysute die eine Prophylaxe und einen Chip benötigte. Nachdem ich Flüge ausfindig gemacht hatte, beschloss ich Johanna Röder telefonisch direkt bescheid zu geben. Die Frau am Ende der Leitung war sehr nett und äußerte mehrmals das sie sich auf meinen Besuch freut. Ich erwiderte diese Aussage und buchte dann die Flüge. Zudem meldete ich alle Anmeldepflichtigen Utensilien, Medikamente und Geräte am Flughafen an, die ich für die Behandlung benötigte.

      Der Flug ging abends, somit hatte ich in Deutschland einen Tag, um mit der Zeitumstellung zurecht zu kommen. Ich informierte meine Auftraggeberin soft darüber das ich angekommen war und gab erneut die Termindaten durch. Dann versuchte ich so gut wie möglich nicht von der Zeit fertig gemach zu werden. Das letzte mal im Ausland geling es mir nämlich nicht. Diesmal hatte Ich jedoch Erfolg und konnte den Umständen entsprechen frisch mit dem Leihwagen zum Patienten fahren. Bevor ich mich auf den Weg machen plane ich schon immer alle Routen und Wege ein, die ich zurücklegen muss, somit musste ich nur die Adresse des Gestüts ins Navi eingeben und wusste circa wie lange ich unterwegs war.

      Am Reit- und Fahrverein Waren angekommen, begrüßte mich Johanna Röder sehr herzlich und platze fast vor Neugier. Sie wollte alles vom „Horse Makeover“ wissen, alles was ich so gehört hatte. Dementsprechend dauerte dieses Gespräch sicherlich über eine Stunde. Es war aber sehr unterhaltsam und angenehm. Auch meine Trennung war kurz Thema. „Nun. Die Stute ist sehr unsicher und sensibel. Wir nennen HMJ8345's Continental. Wir haben sie die Tage ruhen lassen, da man sieht das sie schnell gestresst wird, wenn viel Trubel ist. Auch ihre Schüchternheit ist sehr extrem“ sagte die Frau und wurde gegen Ende des Satzes etwas leiser. Ich lächelte leicht. „Keine Sorge, ich bin mir fast sicher das die kleine es schafft! Sie ist anscheinend vom Wesen her schon sensibel und schüchtern. Und ihre Vergangenheit hat das wohl auch nicht grade positiv beeinflusst. Bei schüchternen Pferden einfach immer Zeit lassen. Setz dich doch einfach mal zu ihr in einem engeren Raum eventuell die Box oder eine kleine Halle. Ich bin mir zu hundert Prozent sicher das sie nach einer Weile Neugierig wird und dich beschnuppert. Ab da ist das Eis gebrochen und dann immer weiter machen“. Ich war zwar heute nicht für eine PTBS Sitzung, war aber der Meinung das ein bisschen Beratung ohne Zahlleistung sich einfach gehört.

      Keine paar Minuten später ging es dann in den Stall. „Hier ist die Gute“ und Johanna zeigte mit der Hand auf die Box. Ich schaute rein und mich blicken große traurige Augen an. Ich konnte mein „Aww“ nicht zurückhalten. Als ich die Boxentür öffnete, um sie zu begrüßen, wich die Fuchsstute sofort in die linke Ecke aus. „Ich mache doch noch gar nichts kleine. Keine Sorge ich warte hier“ und das tat sich. Sehr lange. Letztendlich strecke die Stute soweit wie möglich den Kopf zu mir rüber und nahm auch ein Apfelstück an. Dann trat sie auch näher. In Zeitlupentempo hob ich dann meinen Arm und streichelte sie. „Es ist wahrscheinlich das Beste, wenn wir kein Halfter oder ähnliches aufsetzen. Aber ich habe eine Sichtschutzmaske dabei, würdest du mir die Eben aus der Tasche geben“ sagte ich und erhielt die Maske. Continental ließ sie sich ohne Probleme anziehen und stand tatsächlich etwas verwirrt da, war aber sichtlich weniger nervös. Ich erklärte ihrer Besitzerin den Nutzen der Maske und begutachtete dann die Stute. Ihr Fell sah super aus und auch die Ohren, Nüstern, Augen, Hufen und der Schweifansatz waren unauffällig. Ihre Vitalzeichen waren ebenfalls unauffällig. Die Stute schnaubte kräftig. Mit Hilfe von Johanna gab ich ihr dann zunächst die Wurmkur, die problemlos von statten ging. Aber auch die Immunisierungen waren zu unserem Erstaunen nicht wirklich ein Problem. Sie erschien mir aber in eine Art Angststarre. „Streichele sie mal und rede ihr leise zu. Ihre Herzfrequenz ist komplett oben, ich gebe ihr deshalb eine Beruhigungsspritze, wenn das okay für dich ist. Ich möchte nicht das die Gute uns hier aus den Latschen kipp“. Die Beruhigungsspritze war eine sehr geringe Dosis, hatte aber Wunder bewirkt. Die Stute wurde nach kurzer Zeit lockerer und Bewegte sich auch wieder. Zufrieden mit diesem Ergebnis konnte ich sie dann noch Chippen. Dann nahmen wir die Maske ab und gaben ihr einen Belohnungsapfel, den sie sichtlich genoss. „So. Dann lass ich dich jetzt mal in Ruhe“. Zufrieden schloss ich die Box und aktualisierte den Impfpass. „Also, den Chip hatte ich noch kontrolliert. Die Stute ist jetzt identifizierbar und ist dann ab Morgen beim örtlichen Amt gemeldet“. Dankend brachte mich Johanna noch zum Leihwagen und half mir meine Taschen in den Kofferraum zu packen. Wir verabschiedeten uns mit dem Wunsch uns außer beruflich mal zu Treffen.

      Geduld ist der Schlüssel zum Erfolg
      Oktober 2019, by adoptedfox
      Drei Wochen ist sie schon bei mir. Unglaublich wie schnell die Zeit verflogen ist… gedankenversunken blätterte ich in meinem Wochenkalender, in dem ich seit der Ankunft von HMJ8345's Continental nicht nur meine eigenen Termine, sondern auch jeden ihrer Fortschritte dokumentierte. Nach dem Besuch der Tierärztin hatte ich viel Zeit damit verbracht, der Stute Gesellschaft zu leisten. Ich setzte mich zu ihr in die Box, beobachtete sie und auch wenn ich dafür schiefe Blicke erntete, redete ich mit ihr.
      Die Tage verstrichen und außer einem mir zugewandten Ohr, schien sich die Stute nicht für meine Anwesenheit zu interessieren. “Hab Geduld, gib ihr Zeit!” beruhigte mich Cooper Chattahoochee, mit der ich zwischenzeitlich in Kontakt getreten war. “...nimm dir ein Buch mit zur Entspannung. Ich kann dir Horse Psychology von Lara-Tabitha Snyman empfehlen.” Auch wenn mein Englisch etwas eingerostet war nahm ich mir ihre Empfehlung zu Herzen und bestellte das Buch im Internet. Ein paar Tage später machte ich mich mit dem Buch und einer Banane auf den Weg zur Box meiner Stute. “Na, wie geht es dir heute?” fragte ich sie und setzte mich in die Ecke, in der ich es mir die letzten Besuche schon gemütlich gemacht hatte. Ich schälte die Banane und noch bevor ich einen Bissen nehmen konnte sah ich aus dem Augenwinkel, dass Continental mich direkt ansah. Sie reckte den Hals und sog die Luft scharf ein, bevor sie vorsichtig näher kam und ihre weichen Nüstern meine Knie berührten. “Magst du etwa die Banane?” fragte ich und nahm die Banane aus der Schale. Ihre weichen Lippen berührten meine Handinnenflächen, während sie die Banane nahm und zerkaute. Sollte ich es wagen? Behutsam hob ich meine Hand und legte sie auf ihre Stirn. Sie zuckte und ich begann beruhigend mit ihr zu sprechen um sie vom bleiben zu überzeugen. In kreisenden Bewegungen glitten meine Finger über ihre breite Stirn und ich spürte, wie sie sich zu entspannen begann.
      In diesem Moment fühlte ich mich wie von Wolken getragen.
      Alle meine Sorgen waren vergessen und ein Gefühl von Glück durchströmte meinen ganzen Körper. Das Eis war gebrochen!
      Ich blätterte ein paar Seiten weiter und schloss den Kalender lächelnd.
      Die Stute lehrte mich Geduld und belohnte mich dafür mit ihrem Vertrauen.
      Ich durfte die Stute am ganzen Körper berühren und mithilfe einer Bekannten, die uns Natural Horsemanship nahe legte, konnten wir auch im Roundpen Fortschritte verzeichnen.
      Mühsam, aber stetig bergauf. Wir hatten eine Geschwindigkeit für uns gefunden.

      7 Spiele
      November 2019, by adoptedfox
      Es war, selbst für norddeutsche Verhältnisse, erstaunlich schnell kalt geworden.
      Nachdem ich mich zuhause umgezogen hatte machte ich mich auf den Weg zu meinen Pferden. Ich begrüßte meine beiden Vollblüter Smarty Jones und Bear Brooks Denahi ausgiebig bevor ich mich HMJ8345's Continental zuwandte. Jetzt, wo die Stute stetig Vertrauen zu mir aufbaute und die Fortschritte deutlich zu sehen waren, wuchs auch mein Enthusiasmus und ich fragte mich, ob ich sie zur Abschlussshow des Wettbewerbs bereits von ihrem Rücken aus vorstellen könnte. Ich kraulte ihr die Stirn und bot ihr einen Bananenchip auf meiner flachen Hand an. Seit ich ihre Vorliebe für Banane entdeckt hatte stand ich regelmäßig in der Küche um die Leckerchen selbst zu backen. Ich zog der Stute das Halfter an und führte sie aus der Box um sie auf dem Putzplatz anzubinden, wo ich bereits alles vorbereitet hatte. Mit dem Striegel in der einen- und der Kardätsche in der anderen Hand begann ich die Stute zu putzen. Dabei achtete ich auf ihre Körpersprache um sicherzustellen dass sie sich wohl fühlte. Ich kämmte ihre kurze Mähne und wandte mich dann ihrem Schweif zu. Ich strich mit der Hand über ihre Kruppe und nahm den Schweif zur Seite um die Strohhalme herauszuziehen und Schweif- und Mähnenspray aufzutragen. Während das Spray einwirkte kratzte ich ihre Hufe aus. “Ich darf nicht vergessen den Hufschmied anzurufen…” sagte ich zu mir selbst und nahm den Schweif wieder zur Seite um ihn zu bürsten. Ich ließ Continental für einen Moment allein um das Knotenhalfter, ein Bodenarbeitsseil und den Carrot Stick aus meinem Schrank zu holen. Das Training auf der Grundlage von Natural Horsemanship funktionierte so gut, das ich heute mit etwas neuem beginnen wollte: Den 7-Games von Parelli.
      Ich öffnete das Halfter und zog es auf den Hals der Stute, damit ich ihr das Knotenhalfter anlegen konnte. Bevor ich das Halfter löste prüfte ich den Sitz des Knotenhalfters und hängte das Seil ein. “Dann wollen wir mal.” sagte ich und führte die Stute über den Hof zum Round Pen.
      Nach einer kurzen Aufwärmphase holte ich sie zu mir und begann mit dem ersten der 7 Spiele, dem friendly Game. Ich nahm den Carrot Stick zu Hilfe und ließ das Bodenarbeitsseil locker durchhängen. Immer auf die Körpersprache der Stute achtend, berührte ich sie mit dem Seilchen des Carrot Sticks am Hals und warf es sogar über sie um in rhythmisch-kreisenden Bewegungen zum Widerrist hinzuarbeiten. Continental war entspannt und begann sogar zu dösen. Ich ließ das Seilchen weiter über ihren Körper gleiten und berührte sie am Bauch, den Beinen und der Kruppe. Als ich bei den Fesseln angekommen war, wurde die Stute unruhig. Continental riss den Kopf hoch und ging ein paar Schritte rückwärts. Ich ließ das Seil durch meine Hand gleiten um dem Druck nachzugeben. Ich nahm den Carrot Stick nach unten und stützte mich auf ihn, während ich der Stute ein paar Minuten zur Beruhigung gab. “So ist’s brav mein Mädchen!” lobte ich sie ruhig und ging langsam auf sie zu. Ich wiederholte die Übung und ließ das Seilchen rhythmisch erst über ihren Rücken und Bauch gleiten, bevor ich zu den Beinen überging. Als Continental das Seilchen am Bein spürte, spielte sie mit den Ohren und ich nahm den Druck wieder weg. Wir wiederholten das Spiel noch einige Male, bevor ich die Trainingseinheit für beendet erklärte und sie ausgiebig lobte. “Ich bewundere dich für deine Geduld. Ich hätte schon aufgegeben…” sagte Annette, die mich vom Zaun aus beobachtet haben muss. “Danke. Ich bin eigentlich auch kein geduldiger Mensch, aber sie ist eine gute Lehrerin.” rief ich ihr zu und winkte lächelnd zum Abschied. Ich strich Continental über die Stirn und gab ihr einen Bananenchip zur Belohnung, bevor wir uns auf den Weg zurück in den Stall machten. Nachdem ich mich von der Stute verabschiedet hatte wandte ich mich meinen Vollblütern zu, die ich heute nur longieren wollte. Später am Abend trug ich das Training mit Continental in meinen Kalender ein.

      [​IMG]
      Gelassenheitstraining
      November 2019, by Sammy
      "Sammy! Du bist wieder da!", rief mir Ana fröhlich entgegen, als ich aus dem Taxi stieg. Ich war gerade von einem Trainingsauftrag in Kanada zurück und freute mich nun riesig, alle wiederzusehen. Unglaublich, was ein paar Tage Abwesenheit in einem auslösen konnten. Ganz nebenbei war heute auch ein besonderer Tag. Wir bekamen nämlich Besuch von Johanna Röder und ihrer Stute HMJ8345's Continental. Wie der Name schon verriet, stammte auch dieses Stütchen aus dem Makeover und ich sollte mit ihr ein Gelassenheitstraining absolvieren. Johanna hatte beim Auftakt des Makeovers bereits angedeutet, dass sie ihre Stute gerne von mir trainieren lassen würde, umso mehr freute ich mich nun über diesen Auftrag. "Habt ihr schon alles vorbereitet? Ich würde wahnsinnig gerne noch kurz durch die Dusche springen und mir meine Stallklamotten anziehen, bevor unsere Gäste ankommen.", fragte ich Ana. Die junge Frau nickte entrüstet. "Natürlich, was denkst du denn von uns? Die Box ist hergerichtet und das Gästezimmer fertig. Cool, dass Frau Röder hier bleibt, das Angebot hat bisher noch niemand in Anspruch genommen." Ich nickte lächelnd. Auch ich freute mich auf das kommende Training und den Austausch mit Continental's Besitzerin. Nun verschwand ich jedoch erst einmal im Haus, um alles zu checken und mich in einen angemessenen Zustand zu bringen. Nach einer stundenlangen Reise fühlte ich mich einfach immer so schmutzig.

      Eine gute Stunde später rollte ein Auto mit Pferdehänger durch das große Steintor meines geliebten Gestüts. Ich lief Johanna entgegen und winkte sie durch, damit sie direkt vor den Stallungen halten konnte. Ich wollte Continental nicht den Stress zumuten, gleich über das ganze Gestüt und vor allem am Springbrunnen vorbeilaufen zu müssen. Den fanden alle neuen Pferde erst einmal gruselig. Zumal jetzt, am späten Nachmittag, reger Betrieb auf dem Gestüt herrschte. Gerade führte Brian meine über alles geliebte Stute Leveneza vorbei. "Mann, ist das aber ein schönes Pferd! Hallo übrigens erstmal!", sagte da Johanna. Ich drehte mich lächelnd zu der jungen Frau um und drückte herzlich ihre Hand. "Ja, sie ist eines meiner Schmuckstücke. Jetzt lass uns deine Maus versorgen und dann zeige ich dir dein Zimmer." Johanna nickte zustimmend und öffnete die Seitentür des Hängers, um zu Continental zu gelangen. Ich ließ währenddessen zusammen mit Samuel die Rampe hinunter. Johanna band ihre Quarterponystute los und führte sie rückwärts aus dem Hänger. Samuel und ich hielten Abstand, um das Pferdchen nicht zu verunsichern. Continental sah sich mit ihren großen braunen Augen um und atmete mit zitternden Nüstern ein. Johanna strich ihr beruhigend über den Hals und ich winkte ihr, damit sie mir folgte. Laut Johanna war die elfjährige Stute sehr unsicher und sensibel, daher wollte ich es möglichst vermeiden, das schöne Tier zu überfordern. Ich zeigte auf die vorbereitete Box und Johanna führte das Pony hinein. Die meisten meiner Pferde waren gerade draußen auf den Koppeln und genossen den schönen Herbsttag, daher war es im Stall selbst ziemlich ruhig. Ich hatte Continental ganz bewusst neben meinem eigenen Makeover-Pferdchen untergebracht, da auch meine Stute unsicher war und Continental keinesfalls bedrängen würde. Johanna nahm Continental die Transportausrüstung ab und ließ das Pony dann alleine, damit es in Ruhe die Box erkunden konnte. Ich führte die junge Frau hinüber ins Haus und zeigte ihr das Gästezimmer.
      Kurz darauf standen wir beide wieder bei Continental vor der Box. Johanna wollte gerne bei dem Pony sein, wenn meine rund 70 Pferde in die Stallungen gebracht wurden. Wir hatten schon einmal Continental's Abendessen vorbereitet, damit die Stute ein wenig abgelenkt war, wenn der Trubel begann. Als die ersten Stuten mit lautem Tamtam in den Stall kamen, verdrehte ich die Augen. Einige meiner Prinzessinnen liebten den großen Auftritt. Continental spielte aufgeregt mit den Ohren und starrte aus der hintersten Ecke ihrer Box heraus über die Boxentür. Johanna selbst hatte nur drei Pferde im Stall stehen, daher kannte Continental diesen Trubel nur von ihrer Zeit bei der Pferdemafia und dem Kurzaufenthalt auf der Bow River Ranch. Johanna redete leise auf ihr Stütchen ein. Erst als gut die Hälfte meiner Stuten im Stall stand, entspannte sich die kleine Fuchsstute allmählich. Sie schien zu verstehen, dass der Lärm nichts mit ihr zu tun hatte. "Ich geh mal schnell und hole Elfentanz. Die wird sich nach meiner Abwesenheit wahrscheinlich schon fragen, wo ich abgeblieben bin.", entschuldigte ich mich bei Johanna. Diese nickte mir kurz zu, blieb aber ganz auf ihre Stute konzentriert. Ich konnte das absolut nachvollziehen. Die Pferde hatten in ihrem Leben schon viel zu viel mitmachen müssen und nun wollten wir einfach alles dafür tun, dass sie diese Erfahrungen so schnell wie möglich wieder vergessen konnten. Als ich mit Elfentanz zurückkam, sah die Stute ihre neue Boxennachbarin mit großen Augen an und schnorchelte unsicher. Ich strich ihr sanft über den Hals und führte sie in ihre Box. Während Elfentanz erst einmal Abstand hielt, betrachtete Continental die um ein Vielfaches größere Stute mit wachem Interesse. Wir blieben noch ein wenig bei unseren Makeover-Pferdchen, dann ging ich mit Johanna ins Haus, wo ich ihr Farfalle mit selbstgemachter sizilianischer Tomatensoße und frischem Basilikum auftischte - mein momentanes Lieblingsessen. Kaum, dass wir uns hingesetzt hatten, schossen auch schon Samuel und Donald ins Haus und blieben prompt in der Küchentür hängen, weil jeder von ihnen zuerst zum Essen gelangen wollte. "Jungs. Wir haben einen Gast, könnt ihr euch nicht mal benehmen?!", ertönte da Ana's harsche Stimme. Als die zwei Männer mit hochroten Köpfen zurücktraten, quetschte sich die schmale Frau schnell an ihnen vorbei und lud sich mit einem breiten Grinsen im Gesicht als erstes Nudeln auf den Teller. Ich warf Johanna einen Blick zu und war froh, dass die Alberei meinem Gast zu gefallen schien.

      Am nächsten Morgen frühstückten Johanna und ich gemeinsam. Normalerweise leisteten mir meine Angestellten auch hierbei Gesellschaft. Sie gehörten für mich mittlerweile zur Familie. Heute waren jedoch alle bereits draußen auf der Rennbahn. Ich hatte es nach der anstrengenden Reise nach Kanada genossen, eine gute Stunde länger in meinem kuscheligen Bett liegen bleiben zu dürfen. Nun war das Rennpferdetraining jedoch fast zu Ende und Johanna und ich wollten zur Morgenfütterung im Stall sein. "Magst du heute Vormittag mit den anderen ausreiten gehen? Heute lerne ich Continental sowieso erst einmal kennen. Immerhin muss sie mir zumindest ein bisschen vertrauen, damit ich mit ihr das Gelassenheitstraining absolvieren kann.", fragte ich Johanna. Diese nickte mit leuchtenden Augen. "Die Gegend hier ist wunderschön, es muss toll sein, das alles auf dem Pferderücken zu erkunden." Ich nickte. Seit ich hier war, hatte ich den Umzug keinen einzigen Tag bereut und so schnell würde sich das sicherlich auch nicht ändern. Wir unterhielten uns ein wenig über Johanna's bisherige Arbeit mit ihrem Stütchen, dann gingen wir hinüber zu den Stallungen. Continental sah Johanna mit gespitzten Ohren entgegen. Sie wusste genau, dass es gleich Zeit fürs Frühstück war. Johanna schnappte sich den vorbereiteten Futtereimer und betrat die Box ihrer Stute. Bevor sie Continental den Eimer hinstellte, begrüßte sie das Stütchen liebevoll. Anschließend ließen wir Continental in Ruhe futtern und sahen zu, wie die Rennpferde vom Training hereinkamen. Johanna besaß selbst ein englisches Vollblut, das ich bereits trainiert hatte. Daher betrachtete die junge Frau meine Blitzstarter mit regem Interesse. Ich führte sie weiter in den Hengsttrakt und zeigte auf meinen Rappschecken Pride & Prejudice. "Das ist Pride, den kannst du auf dem Ausritt reiten. Ist diesmal eine reine Hengstgruppe. Pride ist ziemlich stolz, aber toll zu reiten. Du wirst sicherlich viel Spaß mit ihm haben.", erklärte ich Johanna. Diese streckte begeistert die Hand über die Boxentür und streichelte Pride's weiche Nase. Nach und nach wurden nun die Pferde auf die Koppel gebracht und ich bat Johanna darum, mir Continental auf den abgetrennten Teil der Fohlenkoppel zu bringen. Ich wollte die Stute in Ruhe kennen lernen und mich ihr nicht aufzwingen. Dafür brauchten wir Platz. Das Pony ließ sich brav aufhalftern und folgte Johanna dicht auf den Fersen. Ich übernahm mit Elfentanz und Holly die Führung. Die beiden Stuten standen nämlich auf der anderen Hälfte der Fohlenkoppel, damit mein Makeover-Pferdchen sich an die Gesellschaft anderer Pferde gewöhnen konnte. Continental schien dieses Problem nicht zu haben, dennoch würden wir sie während der Tage, in denen sie hier zu Besuch war, nicht in eine der Herden integrieren. Wir sahen unseren Stuten kurz zu, dann brachte ich Johanna zurück in den Stall. "Samuel, Donald und Ana kommen mit auf den Ausritt. Sie zeigen dir auch, wo du Pride's Ausrüstung findest. Ich mache mich jetzt mal an die Arbeit mit deiner Süßen. Hab viel Spaß!", verabschiedete ich mich von Johanna. Nach einem kurzen Abstecher in mein Büro machte ich mich auf den Weg zu meinem neuesten Trainingspferdchen. Ich hatte eine alte Pferdedecke dabei, das Buch "Emma" von Jane Austen und einen Beutel voll mit kleingeschnittenen Leckereien. Als Elfentanz und Holly mich kommen sahen, kamen sie gemeinsam an den Zaun, was mir ein fröhliches Lachen aufs Gesicht zauberte. Beide Stuten waren wirklich wie ausgewechselt. Ich schlüpfte durch den Zaun und schmuste mit den beiden Hübschen. Continental beobachtete mich aufmerksam - was ich genauso beabsichtigt hatte. Das süße Pony sollte sehen, dass meine Pferde keine Angst vor mir hatten, sondern freiwillig zu mir kamen. Das hatte bei Elfentanz funktioniert und würde mir hoffentlich auch dabei helfen, Continental's Vertrauen zu gewinnen. Ich gab meinen Pferdchen einen Knutscher auf die Nasen und duckte mich dann unter dem Zaun durch. Auf Continental's Koppel breitete ich ungefähr in der Mitte meine Decke aus und ließ mich darauf nieder. Ziel war, dass Continental auf mich zukam und nicht andersherum. Ich legte mich auf den Bauch und schlug mein Buch auf. Sekunden später war ich in Austen's Welt eingetaucht und nahm meine Umgebung nur noch am Rande war. Wegen dieser Angewohnheit wurde ich ab und an mit Rory Gilmore aus der Serie "Gilmore Girls" verglichen und da gab es nun wirklich Schlimmeres. Es dauerte gar nicht lange, bis Continental sich langsam auf mich zubewegte. Nach ein bis zwei Schritten blieb die Stute immer wieder stehen und rupfte ein paar Halme Gras. Ich lächelte und beobachtete das Füchschen nur aus den Augenwinkeln. Schließlich stand das Pony direkt vor mir und schoberte vorsichtig an der Pferdedecke. Ich blieb ganz ruhig und sprach nur leise mit dem Stütchen, um sie nicht zu erschrecken. Continental spielte mit den kleinen Ohren und sah mich aus ihren großen, braunen Augen neugierig an. "Na du hübsche Maus? Schau mal, was ich hier habe. Magst du das haben?", fragte ich mit leiser Stimme, während ich Continental einen Apfelschnitz hinhielt. Die Stute hob den Kopf und spielte nervös mit den Ohren. Ich rollte die Leckerei an den Rand der Pferdedecke und wandte mich wieder meinem Buch zu. Kurz darauf hörte ich, wie Continental genüsslich den Apfel zerkaute. Ich setzt mich nun ganz langsam auf und hielt der Stute ein weiteres Leckerchen hin. Continental drehte unschlüssig ihre plüschigen Öhrchen und sah sich immer wieder um, bevor sie zu mir blickte. "Alles ist gut. Und dieses Stück Apfel schmeckt bestimmt noch viel besser, als das Letzte.", lockte ich mit schmeichelnder Stimme. Wie in Zeitlupe reckte Continental den Hals, nahm den Leckerbissen mit weichen Lippen von meiner Handfläche und zog sich dann eilig einige Schritte zurück. Als ich jedoch keine Anstalten machte, ihr zu folgen, kam das Stütchen wieder näher und bließ mir ihren warmen Atem in den Nacken. Ich kicherte, weil die Tasthaare am weichen Maul der Stute mich kitzelten und Continental machte einen Satz von mir weg und starrte mich argwöhnisch an. Dieses Annährungsspielchen wiederholte sich den gesamten Morgen lang immer wieder, doch schließlich konnte ich aufstehen und Continental kraulen. Nachdem sie die erste Scheu überwunden hatte, genoss das kleine Stütchen die Streicheleinheiten sichtlich. Der Grundstein war gelegt, nun konnten wir mit dem richtigen Training beginnen.

      "Der Ritt war sooo schön! Der Wald leuchtet in allen Farben und die Luft riecht so unglaublich frisch. Und Pride... Pride ist einfach fantastisch!", schwärmte Johanna am nächsten Morgen immer noch von ihrem gestrigen Ausritt. Sie hatte nicht schlecht gestaunt, als ich ihr am letzten Nachmittag meine Fortschritte mit Continental gezeigt hatte und war nun gespannt auf das weitere Training. Gestern Nachmittag hatten wir Continental mit auf den Platz genommen, damit sie sich erst einmal an die Umgebung gewöhnen konnte, bevor ich allerlei gruselige Dinge hinzufügen würde. Ich hatte das Ponystütchen freilaufen lassen und mir ihre Gänge angesehen. Außerdem hatten wir so auch schon ein wenig an den diversen Stimmkommandos arbeiten können. Heute wollte ich Continental nun zum ersten Mal mit einer vermeintlichen Gefahr konfrontieren - dem Springbrunnen. Am Vortag hatte ich die Stute extra hinter meinem Haus entlanggeführt, damit wir den Brunnen nicht passieren mussten, doch er war eine perfekte Trainingsmöglichkeit. Je nachdem, wie gut das klappte, würden wir dann am Nachmittag noch auf dem Platz arbeiten. Johanna und ich putzten das Stütchen, womit wir sie gleich an die Anwesenheit von zwei Zweibeinern in ihrer unmittelbaren Nähe gewöhnen konnten. Nach anfänglicher Skepsis ließ Continental sich die beidseitige Massage nun gefallen und seitdem Johanna mir von der Vorliebe der Stute für Bananen erzählt hatte, hatten wir davon natürlich auch immer eine im Gepäck. Als das fuchsfarbene Fell des Stütchens glänzte, die Hufe ausgekratzt, die Mähne gekämmt und der dichte Ponyschweif verlesen waren, statteten wir Continental mit Gamaschen, einem Halfter und einem langen Bodenarbeitsseil aus. Damit arbeitete ich in solchen Situationen am liebsten, da die Pferde auf diese Art mehr Raum hatten, ohne jedoch flüchten zu können. Ich schickte Johanna nun vor, damit sie sich vor den Brunnen stellte und kam mit Continental nach. Die Stute spitzte schon die Ohren, als wir den neuen Weg einschlugen, doch als das Plätschern des Wassers immer lauter wurde, stemmte sie entsetzt die Beine in den Boden. "Na komm du süße Maus. Schau es dir wenigstens mal an. Ist gar nicht so schlimm, wie du jetzt denkst.", redete ich leise auf das ängstliche Stütchen ein. Schritt für Schritt bewegten wir uns vorwärts, doch als der Brunnen in Sicht kam, rührte Continental sich keinen Zentimeter mehr, sondern starrte das Ungetüm mit aufgerissenen Augen an. Ich lief noch einige Schritte weiter, ließ das Seil dabei jedoch locker. Continental sollte sich nicht gezwungen fühlen. Mit kaum spürbarem Zupfen am Seil und aufmunternden Worten lockte ich Continental weiter, bis wir schließlich nur noch gut drei Meter vom Brunnen entfernt waren. Johanna sah ihr Stütchen mitleidig an. Ich lächelte ihr aufmunternd zu. "Das schafft sie schon. Wir müssen ihr einfach nur klar machen, dass der Brunnen sich nicht plötzlich auf sie stürzen wird. Und mit jedem Hindernis, dass Continental überwindet, wird sie selbstsicherer werden - du wirst schon sehen.", beruhigte ich die junge Frau. "Übernimm du mal kurz, bitte.", sagte ich dann und übergab Johanna das Ende des Bodenarbeitsseils. "Lass das Seil einfach locker, damit setzen wir sie nicht unter Druck." Ich biss die Zähne zusammen, zog meine Stiefel richtig hoch und stieg in den Brunnen. Dieser Teil des Trainings machte im Sommer entschieden mehr Spaß, aber ich hatte - auf die harte Tour- gelernt, dass es den Pferden half, wenn man sich selbst nass machte. Soll heißen, dass eine meiner Warmblutstuten mich beim Geländespringen mehr oder weniger elegant im Wasser abgesetzt hatte und - nachdem sie gesehen hatte, dass ich nicht gefressen wurde - ruhig und gelassen hineinspaziert war. Seit diesem Tag war das meine Methode, um den Pferden die Angst vor dem Wasser zu nehmen. Ohne den Teil mit dem Sturz, versteht sich. Das Wasser war eisig und ich hielt mich so gut wie möglich von der kleinen Fontäne fern. Nass wurde ich natürlich trotzdem. Ich zog eine Banane aus meiner Tasche und winkte Continental damit zu. "Schau mal Mäuschen, mir passiert gar nichts. Also bitte, bitte, beweg deinen felligen Hintern im Eiltempo hier rüber.", sagte ich lockend. Continental spitzte die kleinen Öhrchen und sah abwechselnd zu Johanna und mir. Langsam streckte sie den Hals und schnaubte. Auch Johanna redete auf das Pony ein und endlich machte Continental ein paar zögerliche Schritte vorwärts. "Fein, das machst du ganz Großartig Mäuschen!", bibberte ich. Ich hatte mich zu heftig bewegt und ein Schwall Wasser war in meinen Stiefel geschwappt. Während Johanna Continental weiter vorwärts lockte, stiefelte ich - äußerlich - seelenruhig im Brunnen herum und bis ab und an ein Stück von der Banane ab. Trotzdem Continental immer wieder scheu stehen blieb, stand sie schließlich unmittelbar vor dem Brunnen. Ich ging auf sie zu und strich ihr den fuchsfarbenen Schopf aus der Stirn. Dann hielt ich ihr den Rest der Banane hin. Das Pony war jedoch so auf den Brunnen und das Wasser fixiert, dass es die Leckerei gar nicht wahrnahm. Ich tauchte meine Hand ins Wasser und hielt sie Continental unter die Nase. Mit weit geblähten Nüstern schnoberte das Stütchen an meiner Hand. "Na siehst du. Ist nur Wasser. Kennst du doch alles.", sagte ich und strich ihr lobend über den Hals. Nun nahm Continental auch die angebotene Banane an und zerkaute sie genüsslich. Ich lockte sie soweit vor, bis das Stütchen mit der Brust direkt vor dem Mäuerchen des Brunnens stand. Langsam und jederzeit fluchtbereit senkte das Pony den Kopf und berührte die Wasseroberfläche. Die Fontäne ließ Continental dabei keine Sekunde aus den Augen. Aber es schien sie zu beruhigen, dass ich bisher noch nicht verschwunden war. Johanna lachte glücklich, als das Continental ihr Maul tiefer ins Wasser senkte, nur um den Kopf dann ruckartig hochzuziehen - womit sie mich natürlich nass spritzte. Ich fiel in das Lachen ein und Continental sah uns mit schief gelegtem Kopf an. Das Geräusch schien ihr zu gefallen. In diesem Moment erinnerte die süße Stute mich unglaublich an meinen geliebten Hengst Cheeky Jot. Der hatte auch immer den "Denkerblick" aufgesetzt, wenn ihn etwas interessiert hatte. "Führ Continental jetzt mal in beide Richtungen um den Brunnen herum. Ich möchte sehen, ob sie ihre Angst davor tatsächlich überwunden hat. Und dann brauche ich eine Dusche. Also eine richtige, mit warmem Wasser und so.", sagte ich grinsend zu Johanna. Die nickte und konzentrierte sich wieder auf ihr Makeover-Pferdchen. Continental beobachtete den Brunnen zwar sehr aufmerksam, folgte Johanna aber brav im Kreis herum. Ich nickte zufrieden und kletterte aus dem kalten Wasser. "Brr, war das kalt. Wenn du nichts dagegen hast, lasse ich euch zwei alleine und lege mich trocken.", sagte ich zähneklappernd zu Johanna. Die nickte freudestrahlend: "Klar! Ich bringe Continental auf ihre Koppel. Es ist einfach unglaublich, wie toll sie sich macht!" Ich nickte und ging lächelnd zum Haus hinüber. Es freute mich immer sehr, wenn Pferdebesitzer mit meinem Training zufrieden waren.

      [​IMG]

      Die nächsten Tage vergingen wie im Flug. Johanna und ich arbeiteten täglich zwei Mal mit Continental, um die Stute nicht in einer langen Trainingseinheit zu überfordern. Oftmals besuchten wir das Stütchen auch einfach nur, um es ein wenig zu streicheln und gingen dann wieder unserer Wege. Mittlerweile kam Continental sogar schon an den Zaun getrabt, wenn sie Johanna oder mich kommen sah. Das machte mich unglaublich froh und ich staunte immer wieder darüber, wie ähnlich sich das Quarterpony und meine Elfentanz doch waren. Wenn wir nicht gerade mit Continental trainierten, beteiligte sich Johanna am Training meiner Pferde. Vor allem das Ausreiten liebte die junge Frau und ich war um jede helfende Hand froh. Die Hallensaison hatte begonnen und für meine Vierbeiner standen noch einige Turniere auf dem Programm. Nicht zu vergessen auch unsere große Weihnachtsquadrille, die wir in jeder freien Minute übten. Nach dem erfolgreichen Training am Brunnen hatten wir mit Continental auf dem Reitplatz trainiert. Begonnen hatten wir mit einem großen pinkfarbenen Ball. Allerdings hatte ich die anderen Stationen bereits aufgebaut. So sah Continental gleich, dass die verschiedenen Dinge wie Flatterbandgasse, Regenschirm, Wippe, Kegel und Plastikplane ihr nichts anhaben konnten. Den Ball hatte das Ponystütchen recht schnell gemocht und schon am Ende der Trainingseinheit hatte sie ihn freudig vor sich hergerollt. Davon hatte Johanna auch ein Foto gemacht. Gleich am nächsten Tag waren wir mit Arriba und Prada ins nahe gelegene Dörfchen Sway geritten, um es entwickeln zu lassen. Johanna hatte das Foto ganz verliebt angestarrt - Continental machte darauf aber auch eine wirklich super Figur.Als nächstes hatten wir uns der Flatterband-Gasse zugewandt. Die hatte Continental entschieden gruseliger gefunden, als den Ball. Johanna und ich hatten mit Engelszungen auf das Stütchen eingeredet, bis ich schließlich eines der Bänder abgerissen und Continental damit abgerieben hatte. Beim anschließenden Wiederanbringen des Bandes hatte ich genau darauf geachtet, dass Continental mich beobachtete. So hatten wir sie zumindest in die Nähe der Gasse gebracht. Dennoch hatte es uns mehrere Tage gekostet, bis das Stütchen auch brav durch die Gasse hindurch ging. Die große blaue Plastikplane war dafür zu unserer Überraschung das wesentlich kleinere Problem gewesen. Continental hatte sich zwar vor dem Geraschel erschreckt, doch die Farbe - die die meisten Pferde wegen der Wasserähnlichkeit scheuten - hatte dem Stütchen überhaupt nichts ausgemacht. Heute war unser Abschlusstraining, denn schon heute Abend würde sich Johanna wieder auf den Heimweg machen. Wir machten Continental wie immer in aller Ruhe fertig und führten sie dann aus dem Stall. Ich hatte für diesen besonderen Anlass einen kleinen Parcours aufgebaut, der sich über mein gesamtes Gestüt hinwegzog. Erste Station war der Brunnen. Da wir das Ponystütchen seit unserem ersten richtigen Training jeden Tag daran vorbeigeführt hatten, stellte das Hindernis kein Problem mehr dar. Auf dem Weg zur Reithalle stand Samuel und klappte einen Regenschirm auf uns zu. Continental machte kurz einen Satz zur Seite, doch dann konzentrierte sie sich wieder auf mich - wie sie es im Training gelernt hatte. Solange ich ruhig und gelassen blieb, beruhigte sich auch das Ponystütchen schnell wieder. Das war der Vorteil an Pferden wie Continental und Elfentanz. Sie wollten die Sicherheit eines Herdenchefs und ordneten sich problemlos unter, wenn man sein Können als Anführer einmal unter Beweis gestellt hatte. Nach der Hälfte der Strecke übergab ich Continental an Johanna. Sie führte Continental zunächst über eine Plastikplane, dann durch eine Flatterbandgasse. Ich lief ein Stück voraus und nahm eine Gerte vom Wegrand, an deren Spitze ein bunter Luftballon befestigt war. Das war nun ein völlig neuer Gegenstand und ich war gespannt zu sehen, wie das Stütchen reagierte. Continental spitzte die Ohren und wurde langsamer. Johanna jedoch starrte auf die Gerte und entspannte sich dann sichtbar. Gleichzeitig stieß sie ruhig den Atem aus, wie ich es ihr gezeigt hatte. Damit signalisierte sie Continental, dass sie die vermeintliche Gefahr gesehen hatte, dass aber tatsächlich keine Gefahr drohte. Das Pony entspannte sich und folgte Johanna brav an dem Luftballon vorbei. Die restlichen - bereits bekannten - Stationen waren nach dem Luftballon ein Klacks und wir lobten das Makeoverpferdchen überschwänglich, als wir wieder beim Stall ankamen. Continental und Johanna hatten ihre Sache ganz wunderbar gemacht und ich freute mich schon darauf, die beiden spätestens bei der Abschlussfeier wiederzusehen.

      [​IMG]
      Hufkontrolle, Ausschneiden, Korrigieren
      November 2019, by Snoopy
      Vor ein paar Tagen bekam ich einen Anruf von Johanna Röder, sie brauchte einen Hufschmied für ihre Stute HMJ8345's Continental. Sie war mein drittes Pferd oder eher Pony aus dem Wettbewerb des Horse Makeover Joelle, mit viel Freude nahm ich den Auftrag an, da mich dieser sehr interessierte und ich gerne bei den Fortschritten der Trainer mitwirken wollte.
      Am heutigen Tag war auch schon der Termin und ich rollte mit meinen mobilen Van auf Johanna's Hof. Sie hatte mir ein paar Informationen schon übers Telefon gegeben, dass ihre Stute das Hufe geben zwar schon konnte, aber noch recht unsicher dabei war. Als ich den Wagen beim Stall parkte, kam auch schon Johanna mit der Stute raus. Ich winkte ihr zu und stieg aus dem Auto, ehe ich ihr die Hand gab und mit ihr kurz Small-Talk führte. Dann stellte ich mich der Stute vor, hielt ihr die Banane entgegen, die mir Johanna kurz vorher gab und wartete ab. Mit unsicher zuckenden Ohren und misstrauischen Blick beäugte sie die Banane, mich und Johanna. Johanna sprach ihr Mut zu, schließlich nahm die Stute die zwei Stücke des Obstes zögernd an und verputzte es ganz schnell ehe sie wieder etwas zurück wich. Ein Lächeln zückte mein Gesicht und ich machte mich an die Arbeit, beim ersten Huf half mir Johanna, da sie es anhob und ich meine Arbeit machte. Vorsichtig machte ich den Huf mit dem Hufkratzer sauber und bgeann sie mit den Hufmesser-Geräuschen bekannt zu machen, während ich das Innenhorn ausschnitt. Als es fertig war, stellten wir Continentals Huf auf den Hufbock, was sie skeptisch drein blicken ließ und Johanna ihr das mit Leckerlies erstmal etwas schmackhafter machen musste. Als es dann länger anhielt, machte ich die Stute mit der Hufraspel bekannt, begann vorsichtig damit das Außenhorn zu bearbeiten. Die Stute zog ab und an den Huf weg, doch mit genug Geduld hatten wir es auch bald fertig ausgeschnitten. Hier bekam sie Leckereien von mir, welche sie zögernd nach ein paar Minuten verputzte. Das zweite Huf war an der Reige, hier ging ich allein ran, glitt am Bein der Stute hinab und hob es nach ein paar Minuten an und säuberte es gründlich. Dann begann ich denn Innenstrahl zu korrigieren, da dieser gut verwachsen war und es dringend nötig hatte eine richtige Form zu bekommen. Das Ausschneiden vom Innenhorn dauerte eine Weile, da Continental oft ihr Bein wegziehen wollte aber ich blieb stur bei der Sache. Als es erledigt war bockte ich es auf und raspelte und hobelte das Außenhorn zurecht. Schon waren zwei Hufe fertig und es folgten noch die Hinteren, wo mir Johanna wieder half. Sie glitt am Bein hinab, hob es für mich an und ich säuberte es mit dem Hufkratzer. Dann schnitt ich mit dem Hufmesser den Innenstrahl zurecht, entfernte das abgestorbene und verwachsene Horn und ließ die Trainerin der Stute das Huf auf dem Hufbock rauf stellen. Dort schnitt ich überstehendes Horn weg, raspelte es mit der Hufraspe und rundete es anschließend ab. Dann war nur noch ein Huf vor uns, hier half mir Johanna ebenfalls, sie wollte nicht das was passiert auch wenn sie nicht laut ihrer Aussage tritt. Sie kannte ihr Pferd am besten also nickte ich und wir wollten mit dem letzen Huf abschließen. Doch Continental machte uns einen kleinen Strich durch die Rechnung indem sie ihr ganzes Gewicht auf der Seite verlagerte. Johanna sagte mir sie kümmerte sich darum und machte eine kurze Übung mit der Longe, so wie sie es angefangen hatte, nach ein paar Minuten schlug es an und sie schnappte sich das Bein und gab mir ein Zeichen. Ich übernahm das Huf und sie hielt die Stute derweil abgelenkt. Also machte ich weiter und schnitt das Innenhorn nach dem Säubern zurecht, besserte den Strahl aus und konnte das Bein aufbocken, dort begradigte ich das Außenhorn und war fertig.
      ,,So! Dann lauf mit ihr am besten nochmal eine Runde, dass ich sehen kann wie sie läuft!", bat ich Johanna freundlich und sie drehte eine Runde mit der Stute. ,,Das sieht super aus, am besten die nächsten zwei Tage nicht großartig auf harten Boden unterwegs, da doch viel gemacht werden musste und sie nicht plötzlich Lahmen soll. Das wäre nämlich nicht sehr schön und sie muss sich erstmal an das neue Gefühl gewöhnen.", erklärte ich Johanna lächelnd und sie bedankte sich und ich verabschiedete mich von Continental und wünschte Johanna noch viel Glück für das Horse Makeover Joelle.

      Fünf Schritte vor - fünf Schritte zurück
      Dezember 2019, by adoptedfox
      Der kalte Wind pfiff durch die blattlosen Zweige der Bäume, die den Schotterweg zum Stall säumten und obwohl die Sonne wacker kämpfte, schaffte sie es nicht die dichte Wolkendecke zu durchbrechen. Ich zog meine Jacke zu und stieg zwischen den Holzbalken des Zauns hindurch um auf die Weide zu gelangen. Continental stand, das linke Hinterbein angewinkelt, dösend bei der Heuraufe. Ich begrüßte die Stute und zog ihr das Halfter an um mit ihr zurück zum Stall zu gehen. In den letzten Wochen haben wir beachtliche Fortschritte gemacht. Nach dem Besuch bei Sammy auf den Hollybrook Stables war die Stute nicht nur entspannter beim Natural Horsemanship, sie war auch deutlich konzentrierter.
      Im Stall angekommen band ich HMJ8345's Continental vor ihrer Box an und holte ihre Putzbox. Mit kurzen, kreisenden Bewegungen striegelte ich ihr dichtes Winterfell um es von Schmutz, Staub und losen Härchen zu befreien. Mit einer Kardätsche in der einen- und einer weichen Bürste in der anderen Hand strich ich in langen Zügel nochmal über das Fell. Da sie an den Beinen noch etwas sensibel reagierte, war ich hier besonders vorsichtig. Ich kratzte ihre Hufe aus und strich sie mit einem Hufbalsam für den Winter ein um sie vor dem austrocknen zu schützen. Zum Schluss kämmte ich die kurze Mähne und fuhr mit meinen Fingern durch ihren Schweif. “Schick siehst du aus!” lobte ich die Stute, wohlwissend das sie sich später wieder auf dem Paddock wälzen würde. Ich tauschte das Halfter gegen ihr strahlend weißes Knotenhalfter aus und hängte das Bodenarbeitsseil ein. Bereit für das heutige Training verließen wir den Stall und gingen über den Hof zum Roundpen. Bevor wir mit der heutigen Einheit begannen, fragte ich die bisherigen Übungen ab um sie zu festigen. Das Friendly Game beherrschten wir immer besser. Die Stute stand entspannt während ich mit dem Seil und dem Carrot Stick ihren Körper berührte und kaute. Ich streichelte ihren Hals und lobte sie, bevor wir zu den nächsten Spielen übergingen:
      Das Porcupine Game und das Driving Game.
      “Prima machst du das!” lobte ich Continental und gab ihr zur Belohnung einen Bananenchip. Nun widmeten wir uns dem nächsten Spiel, dem Yo-Yo Game. Ich legte den Carrot Stick beiseite und ging mit der Stute zur Mitte des Round Pens. Beim Yo-Yo Game wird das Pferd mit sanftem Druck rückwärts gerichtet, um dann mithilfe einer einladenden Bewegung zurückgeholt wird. Ich teilte das Seil auf und nahm den Teil, den ich für das Spiel benutzen würde, in die rechte Hand, während das Seilende locker in meiner linken Hand lag. Die Stute stand mir gegenüber und richtete die Ohren auf mich. Ich hob meinen rechten Arm und streckte meinen Zeigefinger aus. Um es ihr am Anfang leichter zu gestalten schnalzte ich mit der Zunge im Takt, bevor ich in die erste Druckstufe überging und das Seil leicht schwang. HMJ8345 Continental wandte die Ohren von mir ab, hob den Kopf leicht und ging ein paar Schritte zurück. Ich löste den Druck und wartete einen Moment ab, bevor ich einen Schritt zurück trat und sie bat, zu mir zurück zu kommen. “Ja prima! Das machst du richtig gut, du Maus!” lobte ich die Stute und streichelte mit der flachen Hand über ihre Stirn, bevor wir die Übung wiederholten. Nach einigen Wiederholungen ließ ich das Schnalzen weg und arbeitete allein mit meiner Körpersprache. Dieses Pferd schaffte es einfach immer wieder mir ein lächeln ins Gesicht zu zaubern. Stolz lobte ich sie und gab ihr ein paar Bananenchips zur Belohnung.
      “Johanna? Luisa, Meike und Ich wollen noch eine kleine Runde ausreiten. Möchtest du mit?”
      rief Sarah mir vom Fenster des Reitstübchens aus zu und ich rief nickend “Ja gern!” zurück.
      Eine knappe Stunde spazierten wir im Wald den 3 Reiterinnen hinterher. Im Schritt bildeten wir 2-er Grüppchen damit wir uns währenddessen sogar unterhalten konnten. “Hast du etwas von den anderen Teilnehmern gehört?” fragte Luisa. “Einige von ihnen starten bereits an Regionalturnieren. Davon sind wir allerdings noch weit entfernt, stimmts?” erzählte ich und klopfte Continental den Hals. Als würde sie mir zustimmen, schnaubte sie. “Wenn ihr soweit seid und du möchtest, helfe ich dir gern beim anreiten! Ich habe noch einen alten Westernsattel zu Hause den wir dafür benutzen können, damit sie sich an das Gewicht gewöhnt.” bot sie an und ich nahm das Angebot nur zu gern entgegen. Sättel waren teuer und aufgrund des Größenunterschiedes, konnte ich auch keinen der Vollblüter benutzen da dieser einfach herunter rutschen würde. “Das klingt wirklich gut! Ich würde mich freuen wenn du mir dabei helfen würdest. Ich habe zwar theoretisches Wissen, aber ein Pferd praktisch angeritten habe ich noch nicht.” gab ich ehrlich zu und lächelte zu ihr hoch. “Dann machen wir das! Wenn ich das nächste Mal in den Stall fahre bringe ich den Sattel mit und lege ihn dir neben deinen Spind auf den Bock.” sagte Luisa und sah nach vorn.
      Als wir den Stall wieder erreichten teilte sich unsere Gruppe auf und jeder versorgte sein Pferd. Später am Abend saßen wir gemeinsam im gemütlichen Reiterstübchen und wärmten uns mit einem Glühwein auf.
      [​IMG]

      [​IMG]
      Einreiten von HMJ8345's Continental
      Dezember 2019, by Veija
      Es war schon eine ganze Weile her, seit ich meinen letzten Trainingsauftrag entgegengenommen hatte. Auf der Ranch war so viel zu tun gewesen, und dann hatte Caleb auch noch die ganzen Menschen des Joelle Horse Makeovers auf die Ranch geholt gehabt. Das waren Tage voller Action gewesen. Nun war es wieder ruhiger geworden, aber ganz weg von den Eventpferden kamen wir alle nicht. Caleb hatte mit Witch, Padon und Blacky einiges zu tun und kam zur Zeit nicht richtig weiter. Und ich? Ich würde später nach Deutschland fliegen. Genauer gesagt zu Johanna Röder und ihrem Makeover Pferd HMJ8345's Continental.
      Meine Sachen waren gepackt und ich war abfahrbereit. Nur noch Caleb musste ich auf Wiedersehen sagen, dann konnte die Reise losgehen. Schließlich würde ich ein paar Wochen auf der Ranch fehlen. Und jetzt da Ylvi und Louis… naja. Caleb konnte zur Zeit jede Hilfe benötigen, die er kriegen konnte. “Jo Caleb ich bin dann weg.”, sagte ich zu ihm, als er gerade an mir vorbei ins Haus gehen wollte. “Hm?”, bekam ich nur als Antwort. “Na nach Deutschland. Zu dem Eventpferd von der Johanna. Das rote Quarter Pony.”, erklärte ich ihm und bekam wieder ein: “Hm.” zu hören. Dieses Mal jedoch gefolgt von einem Nicken. Ich seufzte und dachte kurz darüber nach, den Auftrag doch noch abzusagen. Doch ich hatte es Johanna versprochen und war auch ein kleines bissche geehrt, dass sie mich aus Kanada einfliegen ließ, um ihr Pferd einzureiten.
      Ich ging nun also doch zum Auto, warf meine Tasche hinein und machte mich auf, zum Flughafen. Nachdem ich endlich im Flugzeug saß ging alles ganz schnell, denn ich schlief immer wieder ein. Zum Glück hatte ich noch einen Direktflug buchen können, so dass ich nur knapp 10 Stunden in der Luft war. Ich war noch nie zuvor in Deutschland gewesen und dementsprechend ein wenig… verwirrt. Nachdem ich mein Gepäck gefunden hatte ging ich nach draußen und sah mich um. Mein Blick blieb an einem selbst gemalten Schild hängen, auf dem mein Name stand. Außerdem ein Pferdekopf und ein Cowboyhut. Ich fing an zu lachen und ging langsam auf die junge Frau zu. “Wonderful. That’s how you germans welcome other people? I’m Cayce.”, stellte ich mich vor und brachte auch die Frau zum Lachen, die sich als Johanna herausstellte. Sie fuhr mich zuerst zur Pension, in der ich die nächste Zeit bleiben konnte, ehe sie mich mit auf den Hof nahm, wo sie ihre Pferde eingestellt hatte. Dort wartete auch ein Mietwagen auf mich, mit dem ich später zurück zur Pension fahren konnte.
      Als Johanna mit mir zu Continental ging, erkannte ich sie sofort wieder. “Hey red girl.”, begrüßte ich die Stute. Ich erklärte Johanna, dass ich mich zusammen mit Laurence die erste Zeit um die Pferde gekümmert hatte und sie mich wohl noch erkannte. Das war gut, denn so hatte ich sofort eine Bindung zu ihr. Für heute wollte ich nicht mehr viel machen, nahm die Stute nur aus der Box zum Putzen und ein wenig zu longieren. Longieren war ein Basic, das sitzen musste, bevor ich weiter machen konnte. Wir brauchten ein bisschen, um uns aufeinander einzuspielen, aber am Ende der Einheit schafften wir es, zusammen zu arbeiten und auch aufeinander Acht zu geben. Ich brachte sie wieder zurück in die Box, ging zum Wagen und fuhr zur Pension, wo schon ein gedeckter Tisch auf mich wartete. Ich runzelte kurz die Stirn, bedankte mich jedoch bei der Frau, die das Essen gekocht hatte und setzte mich an den Tisch.
      Am nächsten Morgen frühstückte ich eine Kleinigkeit und fuhr dann wieder rüber. Dass die Stute schon ein Gelassenheitstraining hinter sich hatte, kam mir wirklich zu Gute. Wieder putzte ich sie zu erst. So konnten wir uns besser kennen lernen. Dann ging ich in den Round Pen und ließ sie ein wenig laufen. Danach fing ich sie mir ein und nahm das Pad, mit dem ich sie abklopfte. Am Rücken und am Bauch hatte sie damit keine Probleme, an den Beinen jedoch schon. Jedes Mal wenn sie wegging, ging ich ein paar Schritte nach vorne und ließ sie mir folgen. Dann kam ich wieder mit dem Pad. Ging sie weg, ging ich weiter und kam mit dem Pad ‘zurück’. Sie hatte schnell begriffen, dass sie davor nicht fliehen konnte und fand sich damit ab. Ich lobte sie ausgiebig und hob am Rand des Round Pens die Banane auf, die ich für sie dort hingelegt hatte. “Damit werden wir zwei Freunde, nicht wahr?”
      Die nächsten Tage verbrachte ich ausschließlich im Round Pen. Nachdem sie das Pad akzeptierte und auch keine Angst mehr hatte, wenn es sie an den Beinen berührte, konnte ich einen Schritt weiter gehen. Ich legte ihr das Pad auf den Rücken und machte es mit einem Longiergurt fest. Zunächst war das für sie natürlich ungewohnt und sie wusste nicht so recht, wie sie damit umgehen sollte. Ich schaffte es jedoch ihr so viel Sicherheit zu geben, dass sie sich trotz dessen dazu bewegen ließ, im Round Pen Schritt und Trab zu laufen. Ich verbrachte mit dieser Übung mehr Zeit, als ich eigentlich eingeplant hatte. Doch ich wollte nichts überstürzen und dann nachher beim Draufsetzen die Quittung dafür bekommen. Deshalb investierte ich lieber jetzt ein wenig mehr Zeit und hatte es so später leichter.
      Nachdem ich sie soweit hatte, dass sie damit ordentlich lief, kam wieder ein kleines Schrecktraining dazu. Ich band auf jeder Seite ein dickeres Seil fest, dass wenn sie losging, ihre Kruppe nach unten rutschen und dort hängen bleiben würde. Es konnte immer mal sein, dass ein Zügel oder ein Lasso ihre Kruppe oder ihre Hinterbeine berührte. Es war wichtig, dass die Pferde dies schon in der Anreitphase kannten und wussten, dass sie davon nicht aufgefressen wurden. Wie jedes Pferd, welches ich bis jetzt angeritten hatte, sprang Conti nach vorne und wollte vor dem Seil weglaufen. Das Seil ging jedoch nicht weg, so dass sie langsam ruhiger wurde und sich an die Situation gewöhnte. “Good girl.”, lobte ich sie.
      Eine weitere Übung, die ich sowohl jetzt, als auch später mit Sattel einbringen wollte, waren meine leeren Flaschen. In den nächsten Einheiten band ich immer mal wieder eine, zwei oder drei Flaschen an den Longiergurt. Manchmal auch mit kleinen Steinen gefüllt. Sie sollte sich daran gewöhnen, dass später beim Sattel die Steigbügel an ihrer Brust baumeln würden. Conti nahm es mittlerweile gelassen. Sie hatte gemerkt, dass sie mit weglaufen bei mir nicht weiter kam. Sie hatte aber auch gelernt, dass ich ihr in jeder Situation beistand und auch nicht wegging.
      Heute wollte ich dann den Sattel rauflegen. Ich erwartete keine große Szene, schließlich war es das Selbe wie der Longiergurt, nur ein bisschen schwerer. Ich zeigte ihr also den Sattel und legte ihn ihr dann behutsam auf den Rücken. Dann zurrte ich den Sattelgurt fest und ließ sie wieder im Round Pen laufen. Conti fiel sofort in den Trab und lief ihre Runden. Ich ließ sie laufen und wartete darauf, dass sie müde wurde und in den Schritt fallen wollte. Dann trieb ich sie weiter an. Sie durfte laufen, keine Frage. Aber es war an mir, wann sie langsamer werden durfte und wann nicht. Nach drei Runden ließ ich sie jedoch in den Schritt fallen, wechselte die Hand und machte das Gleiche nochmal. Dann ließ ich es für heute gut sein.
      Die nächsten Tage übten wir weiterhin mit dem Sattel, den Flaschen und dem Seil hinter der Kruppe. Als sie auch diesen Job solide machte, tasteten wir uns langsam zur Trense vor. Dafür harkte ich zunächst die Longe rechts ins Halfter ein, legte sie einmal hinten um Conti herum und stellte mich auf die linke Seite. Ich baute Zug aus und die Stute gab sofort nach, drehte sich um die eigene Achse und blieb dann stehen. “Good girl.”, lobte ich sie wieder und wiederholte auch diese Übung einige Male.
      Das Trense anziehen ein paar Tage später war für Conti nun keine Schwierigkeit mehr, denn sie hatte in den letzten Tagen so unglaublich viel dazu gelernt und war viel selbstsicherer geworden. Ich hatte wirklich Glück gehabt, dass sie mich noch erkannt hatte und sofort wieder akzeptiert hatte. Mit einer ganz fremden Person hätte sie sicherlich ihre Schwierigkeiten gehabt.
      Eine Übung die ich ebenfalls für sehr wichtig hielt war das seitliche Ausbinden. Zum Ausbinden stand jeder anders, Caleb und ich vertraten da jedoch die selbe Meinung, dass es wichtig war und auch förderlich sein konnte, wenn man es richtig machte. Einen Zügel band ich also locker am Horn fest. Auf der anderen Seite des Pferdes bog ich ihren Kopf zu mir und band ihn mit Zug an der Seite fest. Ich ging einen Schritt nach hinten und fing an zu schnalzen. Conti verstand sofort, was sie tun musste. Sie fing an dem Druck nachzugeben und sich im Kreis zu drehen. “Whooooa.”, sagte ich und die Stute blieb stehen. Ich löste den Zügel und machte das selbe auch auf der anderen Seite. Hier tat sie sich ein bisschen schwerer, verstand dann aber auch relativ schnell, was ich von ihr wollte. Es fehlte noch ein Schritt, bevor es ans aufsitzen ging. Das Ausbinden nach unten. Ich wollte der Stute den Weg in die Tiefe erleichtern, nicht sie nach unten zusammenbinden. Das war ein großer Unterschied, den viele beim Thema ausbinden aufschreien ließ. Johanna, die zwischendurch immer wieder mal nach uns gucken kam, schien jedoch zufrieden mit meiner Arbeit, denn sie sagte nichts und ließ sich nicht anmerken, dass sie unzufrieden mit mir wäre.
      Meine letzte Woche in Deutschland war angebrochen. Sieben Tage hatte ich noch, um Conti fertig einzureiten. Dann wäre ich drei Wochen hier gewesen und es war allerhöchste Zeit, wieder zurück nach Kanada zu fliegen. Die letzten beiden Tage hatte ich schon Aufsteigübungen gemacht, so dass ich mich heute ganz auf Conti draufsetzen wollte. Johanna war heute auch dabei und würde uns moralischen Beistand leisten. Sie hatte mir die Stute heute auch freundlicherweise fürs Training fertig gemacht. Im Round Pen stellte ich mich in den Bügel, ruckelte ein bisschen am Sattel, sprang leicht hoch und schwang dann mein Bein über ihre Kruppe, um mich langsam in den Sattel sinken zu lassen. Meine ganzen Übungen mit übers Pferd legen, den Bauch auf der anderen Seite streicheln, Steigbügel sachte gegen die Brust hauen und auf der anderen Seite hochspringen hatte ich ja alle schon gemacht. Nun saß ich also auf der Stute und sah lächelnd zu Johanna rüber. “Good job.”, sagte sie und ich nickte. “But I’m not done yet.”, verkündete ich ihr und ritt mit Conti los. Die Stute schien unsicher. Es war doch etwas anderes, wenn der Mensch nun oben drauf saß und nicht mehr nebendran mitlief. Nach ein paar Runden im Schritt wurde die Stute jedoch sicherer und auch entspannter. Ihre Schritte wurden größer und sie ließ den Hals fallen.
      Vier Tage trainierten wir noch im Schritt und Trab im Round Pen, ehe wir in die Halle gingen und auch dort viel Schritt und Trabarbeit machten. Continental machte sich wirklich gut. Sie arbeitete fleißig mit und man merkte ihr an, dass sie arbeiten und beschäftigt werden wollte.
      An unserem letzten Tag nahm ich auch ein paar kurze Galoppsprünge dazu. Sie musste jetzt noch nicht unter dem Reiter galoppieren, das hatte noch Zeit. Sie musste sich erst richtig ausbalancieren und sicher im Schritt und Trab sein, ehe daran zu denken war.
      Ich war jedoch wirklich zufrieden mit der Entwicklung der Stute und wie gut sie alles aufgefasst hatte. Ich verabschiedete mich von Johanna und sagte ihr, dass sie sich jederzeit bei mir oder Caleb melden konnte, falls sie Fragen hatte oder sie Hilfe bei Conti brauchte. Nach einem kurzen Zwischenstop in der Pension, wo ich meine Sachen abholte, fuhr ich zum Flughafen und machte mich auf den Rückweg nach Kanada.Dort wurde ich mit offenen Armen empfangen, ehe ein grummeliger Caleb mir einen Zettel mit meinen Aufgaben in die Hand drückte, die ich am besten schon bis gestern erledigt haben sollte. Ich seufzte. Morgen würde ich ihm vorschlagen, noch ein paar zusätzliche Hände einzustellen.

      Teilnahme an der Horse Makeover Show 2019
      Dezember 2019, by adoptedfox
      “...hiermit bestätigen wir Ihnen die Teilnahme an der Horse Makeover Show 2019…”
      Als ich die Teilnahmebestätigung in den Händen hielt war ich mir nicht mehr sicher, ob die Entscheidung die richtige gewesen war. Mein Bauchgefühl sagte “ Wag es!” während mein Verstand mich mit abertausenden Gedanken zu beunruhigen versuchte. HMJ8345's Continental hatte beachtliche Fortschritte gemacht und konnte zuletzt sogar ihre erste Schleife mit nach Hause bringen. Ich sortierte das lange, schwere Bodenarbeitsseil in meinen Händen und öffnete das Tor der Halle um mit der Stute zurück zum Stall zu gehen. Das Training lief gewohnt gut und ich entschied, der Stute ein paar Tage Ruhe zu genehmigen bevor wir mit den Vorbereitungen für die Horse Makeover Show beginnen würden. In meinem Kopf hatte ich schon einige Ideen für unsere Vorstellung gesammelt.

      “....vielen Dank! Als nächstes bitten wir Johanna Röder und HMJ8345 in die Halle!”
      Der Lautsprecher verstummte. Ich hielt einen Moment inne um mich zu sammeln und folgte dann der Aufforderung. Am durchhängenden Seil führte ich meine Stute in die Halle und stellte sie mittig auf. Ich sah zu der Tribühne und konnte neben den Veranstaltern des Horse Makeovers auch einige Teilnehmer erkennen. Cooper Chattahoochee winkte mir freudestrahlend zu und ich freute mich bereits auf den Austausch beim gemütlichen beisammensitzen am Ende des Tages. Ich wandte mich meiner Stute zu und begann mit der Vorstellung und dem ersten Spiel. Darauf achtend, dass das schwere Bodenarbeitsseil locker durchhing ging ich einen Schritt zurück und entspannte mich. Während das eine Ohr der Stute aufmerksam nach vorn gerichtet war, war einen stets bei mir. Ich nahm den Carrot-Stick als Verlängerung meines Armes auf und begann sie damit am ganzen Körper zu berühren. Ich warf das Seilchen locker und rhythmisch über ihren Hals, ihren Rücken und die Hinterhand bevor ich zu den Beinen überging. Beim Porcupine-Game zeigte ich, das die Stute bei kleinstmöglichem Druck reagierte. Ich schickte Continental ein paar Schritte rückwärts als ich meine flache Hand auf ihre Nase legte und wendete sie allein mit der flachen Hand auf ihrer Kruppe. Für das nächste Spiel nahm ich den Carrot-Stick wieder zu Hilfe. Ich hielt das Seil locker in der linken Hand und den Carrot-Stick in der rechten. Das Driving-Game ist die Fortführung des Porcupine-Game. Ich richtete die Stute mit sanftem Druck rückwärts und zeigte auch eine Hinterhandwendung. Bevor wir das nächste Spiel zeigten, bot ich der Stute einen Bananenchip zur Belohnung an. Ihre zarten Lippen nahmen den Chip von meiner flachen Hand und sie schien zuerst daran zu lutschen, bevor sie ihn genüsslich zerkaute. Ich stellte die Stute auf und legte den Carrot-Stick ab. Ich hielt das Bodenarbeitsseil locker in der linken Hand und zeigte mit meinem rechten Finger auf. Continental verstand sofort und begann rückwärts zu gehen. Mit dem senken der rechten Hand blieb die Stute stehen und als ich auch den linken Arm etwas herab senkte, kam sie wieder zu mir zurück. Wir wiederholten das Spiel ein paar Mal bevor wir zum Circling-Game übergingen. Ich stoppte die Stute und schickte sie von ihrer Position direkt in den Zirkel. Continental lief im gleichbleibenden Tempo und gleichbleibendem Abstand um mich herum während ich neutral stehen blieb. Als die Stute wieder in meinem Gesichtsfeld auftauchte hob ich den linken Arm etwas an um sie anzutraben. Ich hätte innerlich vor Stolz platzen können, doch ich blieb konzentriert bei der Sache. Ich holte die Stute zu mir und klopfte ihr lobend den Hals, bevor ich sie für das Sideways-Game aufstellte. Ich ließ das Bodenarbeitsseil wieder locker durchhängen und nahm meinen rechten Arm auf die Höhe meiner Brust um die Stute seitwärts zu schicken. Die ersten Schritte waren etwas holprig weil ihr, anders als bei dem Training daheim, eine leitende Linie fehlte doch sie orientierte sich schnell. “Prima!” lobte ich sie und ging zum letzten Spiel über: Dem Squeeze-Game. Bei diesem Spiel ging es darum das Pferd damit vertraut zu machen enge Hindernisse zu bewältigen. Dieses Spiel fiel der Stute anfangs sehr schwer und es brauchte viel Zeit und Geduld. Ich legte das Seil ab und entfernte mich von meiner Stute um die zwei großen Tonnen, die in die Halle gebracht wurden, in Position zu stellen. Mit einem Abstand von 5 Metern beginnend, verringerte ich den Abstand mehr und mehr bis die Stute noch gerade so durchgehen konnte. Ich schickte Continental wieder in den Zirkel und ließ sie sich im Schritt dem Hindernis nähern. Bevor sie hindurch ging hielt ich sie an, damit sie es sich ansehen konnte. Sie schnaubte entspannt und so ließ ich sie zwischen den eng stehenden Tonnen durchgehen. Ich holte die Stute zu mir und lobte sie überschwänglich. Die Zuschauer applaudierten leise und Caleb O’Dell stieß einen Pfiff aus. Ich winkte ihm lachend zu und führte meine Stute aus der Halle. Sie hatte ihre Sache mehr als gut gemacht!

      [​IMG]
      Trail LK5 - LK4
      Dezember 2019, by AliciaFarina
      Kurz nachdem ich aus Kanada zurückgekehrt war, ging es für mich schon wieder los. Dieses Mal blieb ich aber in Deutschland, denn es ging nach Mecklemburg Vorpommern. Johanna Röder hatte mich gebeten ihre Stute HMJ 8345's Continental im Trail weiterzubilden. Die Stute stammte wie mein Narvik HMJ1005 aus dem Joelle Horse Makeover. Da Johanna noch nicht viel Erfahrung im Westernreiten hat, nahm ich meine Stute Greta mit. Greta war im Trail bis zur LK2 und in der Pleasure bis zur LK3 ausgebildet und damit ein gutes Lehrpferd. Vor meiner Anreise hatte ich mich um eine Unterkunft für Greta gekümmert, daher konnte ich unbesorgt losfahren. Auf der Strecke machte ich ein paar Mal Pause und schaute nach dem Rechten im Transporter. Als ich auf dem Gelände des Reit und Fahrvereines Waren 1856 e.V. angekommen war lud ich Greta, nachdem ich die Box gefunden hatte, aus. Nachdem ich mich sortiert hatte machte ich mich auf die Suche nach Johanna und Continental, kurz Conti. Beide erwarteten mich vor der Weide, die Conti tagsüber bewohnte. Nachts stand sie in einer Box. Ich begrüßte Johanna und Conti, der hübschen Stute bot ich zur Begrüßung und zum einschleimen ein Bananenleckerchen an, Johanna hatte mir im Vorgespräch verraten, dass Continental total auf alles steht was nach Banane schmeckt. Gemeinsam brachten wir sie rein, denn ich wollte heute schon die erste Einheit stattfinden lassen. Bein Satteln kontrollierte ich die Passform des Sattels, dieser lag nicht schlecht aber auch nicht perfekt. Aber wenn Continental damit keine Probleme hat, kann sie erst einmal damit geritten werden, bis sie so aufgebaut hat und einen anderen besser passenden bekommt. Johanna trenste die Stute und wir gingen in die Halle, während Johanna warmführte und anschließend warmritt, baute ich ein paar Trailaufgaben auf. Ein Stangen L, ein Viereck, ein Tor bestehend aus zwei Sprungständern und einer Longe und Trab beziehungsweise Schrittstangen. Nachdem ich alles aufgebaut hatte nahm ich Johanna's Platz im Sattel ein. Ich ritt noch einige Runden Schritt, dann nahm ich die Zügel auf und trabte an. Man merkte der Stute an, dass sie noch nicht so erfahren unter dem Reiter ist, denn sie schwankte etwas unter mir, das würde sich aber mit zunehmender Balance geben. Als ich auf beiden Händen getrabt war, galoppierte ich etwas. Anschließend fing ich mit den Übungen an, die Erste war die Trab beziehungsweise die Schrittstangen. Die bereitete ihr natürlich keine Probleme, denn das kannte sie bereits. Dann machte ich mit dem Stangen L weiter. Ich ritt geradeaus hinein und forderte Continental auf rückwärts raus zu gehen. Die klappte gut, also probierte ich mich am gesamten Stangen L. Ich ritt komplett durch, hielt an und ließ dann Continental rückwärts raus gehen, das komplette L machte ihr keine Probleme. Da sie alles brav mitmachte, gab ich ihr eine Pause, dabei ließ ich sie am langen Zügel durch das Viereck gehen. Im Viereck hielt ich zwischendurch an und ritt wieder weiter, als Vorbereitung auf die nächste Aufgabe. Der nächste Aufgabenteil war in dem Viereck anhalten, drehen und wieder raus reiten. Um etwas anderes zu machen trabte ich sie an und überprüfte, ob sie aus dem Trab anhalten kann, diese Aufgabe wurde schon in LK5 gefordert also müsste sie es können. Das Stoppen fiel ihr leicht, also testete ich ob sie es auch im Viereck schafft. Beim ersten Mal stoppte ich sie zu früh, beim nächsten Mal zu spät, den sich schätzte jedes Mal ihren Bremsweg falsch ein. Aber beim dritten Mal klappte es und wir stoppten in der Mitte des Viereckes, dann drehte ich sie und wir ritten raus aus dem Viereck. Ein paar Male wiederholte ich diese Übung, ich merkte wie sie immer mehr mitdachte und schon fast von selber stoppte. Dies kann einem zum Verhängnis werden, aber daran muss man später arbeiten. Da alles gut klappte galoppierte und trabte ich noch etwas und ließ Johanna dann wieder in den Sattel, denn ich wollte nun Greta holen um Johanna eine Reitstunde zu geben. Während Johanna Continental absattelte und wieder auf die Koppel brachte, ritt ich Greta warm. Als Johanna wieder da war, galoppierte ich gerade. Aus dem Galopp heraus stoppte ich im Viereck, drehte sie und trabte heraus. Vor Johanna hielt ich an, stieg ab und drückte ihr die Zügel in die Hand. Sie stieg auf und ich fing an ihr zu erklären wie Greta ausgebildet ist, aber ich machte mir keine Sorgen, dass irgendetwas passieren konnte, denn Greta war bombensicher und lief bei mir teilweise im Anfängerunterricht mit. Ich ließ Johanna sich mit ihr einfummeln, sie sollte kucken was sie sich traut und ob alles klappt. Zwischendurch gab ich ihr Tipps wie sie Greta besser an die Hilfen bekommt. Die erste Übung die ich ihr beibringen wollte war das Tor, das war die schwerste Übung. Ich lief vor und erklärte: „Zuerst stellt man sich neben das Tor, öffnet es und reitet Zwei-Drei Schritte rückwärts. Dann reitet man durch das Tor und macht eine Vorhandwendung, dabei achtet man darauf, dass man möglichst nah am Tor bleibt, denn die Übung kommt aus der Rancharbeit. Da ist es wichtig, dass sich die Rinderherden nicht vermischen oder Rinder durch ein zu weit geöffnetes Tor entwischen. Nach der Vorhandwendung richtet man das Pferd wieder ein paar Schritte rückwärts und schließt dann das Tor.“ Ich ließ Johanna dann selbstständig üben und gab hin und wieder einen Tipp. Als das Tor gut klappte ging es weiter an die anderen Aufgaben. Am Ende der Einheit hatte Johanna eine ungefähre Vorstellung wie was geritten werden muss.
      Wir einigten uns beim absatteln darauf, dass wir jeden Tag zusammen reiten, Ich Continental und Johanna Greta.
      Nach einer Woche machten wir wieder einen Rücktausch. Ich ließ Johanna ausprobieren was ich Conti beigebracht hatte und gab ihr während ich Greta locker ritt etwas Reitunterricht. Am Ende der Einheit gingen wir eine Runde ins Gelände. Am nächsten Tag machten wir einen weiteren Trainingstag. Ich hatte von Zuhause eine Brücke mitgebracht. Diese wollte ich an meinem voraussichtlich letzten Tag hier mit Johanna und Continental üben. Ich baute die Brücke und alle anderen Aufgaben auf einem der Reitplätze auf. Es war relativ schönes Wetter und der Weg vom Transporter zum Reitplatz war nicht weit. Johanna machte Conti fertig und ich ließ sie ihrer Stute alles zeigen. Ich machte mir währenddessen Greta fertig und führte sie warm. Greta lief natürlich ohne mit der Wimper zu zucken über die Brücke, Conti kuckte etwas skeptisch fing aber nachdem sie die Brücke von allen Seiten begutachten durfte drüber. Ich gab Johanne eine LK4 Pattern, diese erklärte ich ihr und dann ließ ich sie üben. Ich stellte mich mit Greta an den Rand des Platzes und schaute zu. Als Johanna die Pattern konnte lies ich sie diese einmal durchreiten. Ich beobachtete den Ritt mit Richteraugen. Alles klappte und wir hörten auf, denn der Ritt war sehr gut und somit waren beide für die LK4 Trailprüfungen der Welt bereit. Wir sattelten unsere Pferde ab und räumten dann gemeinsam auf. Ich freute mich darauf die beiden vielleicht demnächst auf dem ein oder anderen Turnier zu treffen.
      Am nächsten Tag lud ich Greta morgens auf den Transporter und es ging für uns wieder auf den Weg nach Hause.

      Jahresrückblick
      Dezember 2019, by adoptedfox
      Endlich wieder zuhause… Ich hatte die Weihnachtsfeiertage bei meinen Eltern in Greifswald verbracht und so sehr ich die Zeit mit der Familie auch genoss, freute ich mich auch auf mein Zuhause. Ich legte die Schlüssel in die kleine Schale auf der Anrichte und brachte meine Koffer ins Schlafzimmer. Zum auspacken würde ich später Zeit finden. Ich nahm mir eine halbe Stunde um anzukommen, bevor ich mich umzog und auf den Weg in den Stall machte. Das Wetter war unbeschreiblich. Die Sonne strahlte vom nahezu wolkenlosen Himmel und ließ den winterlichen Frost funkeln.
      Nichtsdestotrotz war es eisig kalt. Ich zog den Schal enger um meinen Hals und schob die Enden unter den hohen Kragen meines Pullovers. Nach nur einer viertel Stunde Fahrt erreichte ich den Hof. Ich stellte meinen Wagen auf dem Parkplatz ab und griff in den Fußraum hinter dem Beifahrersitz um die Karotten mitzunehmen, die ich am Abend zuvor noch gekauft hatte. “Habt ihr Weihnachten gut überstanden?” fragte ich in den Stall und begrüßte meine Pferde Bear Brooks Denahi, Smarty Jones und HMJ8345’s Continental. Ich legte jedem der drei eine Karotte in den Futtertrog und ging in die Sattelkammer um die Karotten zu verstauen. Meine Pferde belegten hier 3 große Sattelschränke die, nach einem Tausch mit einer anderen Einstellerin, nebeneinander standen. Ich holte meine Putzbox aus dem Regal und ging zur Box von meinem Hengst Smarty Jones. Vor ein paar Jahren hatte ich in den Kleinanzeigen eine Reitbeteiligung auf einem englischen Vollblut gefunden und war seither vernarrt in diese Rasse. Als der Gedanke des eigenen Pferdes aufkam, bot mir die Besitzerin an sich umzuhören und keinen Monat später sahen wir uns bereits die ersten Vollblüter an. Anfang des Sommers fand ich dann die Anzeige von Smarty Jones. “Westerngerittener Allrounder sucht neue Wirkungsstätte” hieß es im Titel und allein das Bild des Hengstes hatte mein Interesse geweckt.
      Ein paar Tage- und einige e-Mails später saß ich im Flugzeug um mir den Hengst anzusehen.
      “...eigentlich dachte ich an einen Wallach. Eventuell sogar eine Stute. Aber das ich in ein anderes Land reisen muss um mir ein Pferd anzusehen hätte ich nicht gedacht.” seufzte ich und war hin- und her gerissen. Die Besitzerin meiner Reitbeteiligung lachte und klopfte mir auf die Schulter.
      “Man bekommt immer das, womit man am wenigsten rechnet. Ich hab damals nach einem Haflinger gesucht.” Und sie behielt, wie zu oft, Recht.
      Unter dem Sattel zeigte sich der Hengst von seiner besten Seite. Er reagierte fein auf Hilfen, hatte saubere und klare Gänge und ließ sich einfach wunderbar aussitzen. Als der Hengst wieder in seiner Box stand und ein paar Halme Heu aus dem Netz zog unterhielt ich mich mit der Besitzerin.
      “...das ist der aktuelle Stand. Das Gestüt liegt mir am Herzen und ich möchte nicht das es verkauft wird. Ich möchte den Traum meiner Mutter aufrecht erhalten. Es ist das beste wieder nach Deutschland zu ziehen. Viele der Pferde gehen in die Zucht von Freunden, doch bei ihm ist das etwas komplizierter. Das hatte ich dir ja geschrieben. Ich würde mich freuen wenn er einen Endplatz findet wo er so geschätzt wird, wie er ist.” Ich hörte aufmerksam zu und nickte. “Bitte entschuldige meine Unhöflichkeit. Darf ich dir einen Kaffee anbieten?” Ich nahm das Angebot dankend an und folgte der jungen Frau, die kaum älter als ich zu sein schien, ins Haus. Im Flur hingen ein paar Bilder ihrer Pferde und ich blieb stehen um sie mir anzusehen. “Das ist doch aber nicht Smarty Jones, oder?” fragte ich und zeigte auf das Bild. Die junge Frau drehte sich um und lachte. “Nein das ist Bear Brooks Denahi. Die beiden sehen sich ähnlich, nicht wahr?” Ich nickte mit dem Kopf. “Das tun sie in der Tat.”
      Dankend nahm ich die Tasse Kaffee und setzte mich an den Küchentisch. Die junge Frau holte ihren Laptop und setzte sich mir gegenüber. Wir sprachen sowohl über den Hengst, als auch über die Stute und wenig später fanden wir uns in der Reithalle wieder. “Die hat auf jeden Fall mehr Feuer.” rief ich der jungen Frau, die sich mir als Käthe vorgestellt hatte, zu und wechselte im Galopp auf den Zirkel. Nach einer halben Stunde hielt ich die Stute an, stemmte eine Hand in die Hüfte und nickte.
      Am nächsten Morgen kam ein Tierarzt auf den Hof um eine AKU durchzuführen und nur wenige Stunden später waren die Kaufverträge unterschrieben. Für beide Vollblüter. Käthe hatte mir ein Angebot gemacht das ich nicht abschlagen konnte. Einige Wochen später konnte ich die beiden im neuen Zuhause Willkommen heißen. Entgegen aller Pläne vervollständigte HMJ8345’s Continental wenige Monate später das “rote Trio”.
      Man bekommt immer das, womit man am wenigsten rechnet.
      Ich klopfte Smarty Jones den Hals und ging in die Sattelkammer um seine Trense und das Bodenarbeitsseil zu holen. Da die Halle voll belegt war entschied ich mich mit meinen Pferden zum Jahresende eine Runde spazieren zu gehen und da auch bei uns schon einige Raketen und Böller gezündet wurden, entschied ich mich zur sicheren Variante. Mit dem Gebiss ließen sich die Pferde doch noch etwas mehr kontrollieren als am Knotenhalfter. Ich ging sowohl mit Smarty Jones, als auch mit Bear Brooks Denahi und Continental eine große Runde ohne Zwischenfälle im Wald spazieren. Wieder im Stall räumte ich die Sattelschränke auf schrieb eine Liste mit Dingen, die ich im neuen Jahr unbedingt besorgen musste. Lederpflege, Mähnenspray, eine Tüte Leckerchen und auch die Stallapotheke hatte es bitter nötig aufgefüllt zu werden. Ich steckte den Zettel in meine Hosentasche und verabschiedete mich von meinen Pferden. Morgen fand die Jahresabschlussfeier des Reitvereins statt und ich freute mich schon auf das Essen und das darauffolgende gemütliche Beisammensitzen. Das Jahr 2019 war bewegend und ich war gespannt was das neue Jahr bereit hielt.
    • Veija
      Zu Besuch in Österreich
      Januar 2020, by Elsaria
      Es waren nun 3 Wochen vergangen als ich mit Beastly Domina in Italien war. Wir hatten auf dem Hof eine menge zu tun, den es schneite bei uns in den Bergen schon. In der Mittagspause bekam ich eine Email. “ Hallo Frau Preske, Mein name ist Johanna Röder und ich mache auch bei dem Make Over mit, mein Pferd ist Continental, ich wollte Sie fragen ob wir euch besuchen dürften. Ich habe etwas nachgeforscht und fand heraus das sie in den schönen bergen wohnen und da möchte ich gerne sehen. Mit Freundlichen Grüßen Johanna.” las ich in der Email.
      Ich überlegte kurz ob ich bzw wir das Zeit potential hätten und schrieb ihr eine Antwort. “ Hallo Frau Röder, Sie können mich ruhig Juna nennen, gerne laden Wir Sie dazu ein bei uns auf dem Hof für ein paar Tage zu wohnen. Gerne bringen sie Continental mit, wir haben noch eine freie Box neben Beastly Domina! Mit Freundlichen Grüßen Juna. Ich sendete die Email und machte mich nun an meine Restliche arbeit. Der nachmittag verlief ohne Probleme, abends hatte ich dann eine antwort. “ Hallo Juna, ich freue mich das es klappt und würden morgen gegen mittag ankommen!”. “ Ok, wir erwarten dich!” schrieb ich zurück. Und ging schlafen.
      Am nächsten Morgen wachte ich gegen 6 uhr auf und machte für meine Crew erstmal ein Frühstück. “ Tom, du machst bitte die Box neben Beastly Domina fertig!” sagte ich so beiläufig am Tisch. “ wieso bekommen wir wieder ein neues Pferd?!” fragten alle. “ Nein eine Teilnehmerin von Make Over kommt mit ihrem Pferd und das Pferd sollte neben mina stehen!” Sie kommen gegen mittag, Luna wir haben einige Bereiterbewerber die wir uns ansehen . Sagte ich zu meiner treuen Mitarbeiterin. Wir gingen dann gemeinsam in den stall und holten Hibana und Uruguay aus ihren Boxen. Wir wollten sie longieren. wir waren gerade dabei die 2 Stuten zu putzen da kamen auch schon die ersten 2 Bewerber. Wir beschlossen, das sie Hibana und Uruguay reiten sollten. Die eine stellte sich als Sarah vor und die andere war Milessa. Milessa wirkte auf uns sehr hochnässig. Während Sarah hibana striegelte und fertig machte. Rümpfte sich milessa die nase und sagte “ Wo ist meine Pflegerin die für mich die pferde fertig macht?!” “ Das gibt es bei uns nicht.das muss man selbst machen!” erklärte ich. “ Dann gehe ich, ich bin doch keine die den dreck selber machen muss!”. Sie drehte sich um und verschwand. “ Was für eine schnepfe!” lachten wir, und sarah war bereits mit hibana fertig. “ Bin ich zu früh?!” hörten wir eine junge männerstimme. Wir drehten uns um da sah uns ein schlanker junger mann. “ Mein name ist Sascha und komme zum vorreiten!” stellte er sich vor. “ Das passt gut, das ist Uruguay!” sagte ich und zeigte ihm das pferd. Sarah war mit Hibana mittlerweile in der Halle, luna war mit ihr gegangen. Sascha holte uruguays Putzkasten und fing an die stute zu säubern. Ich ging inzwischen in die Halle um Sarah zu beobachten, die machte gerade lockerungsarbeiten und stellung der Stute. Sie ging sehr einfühlsam um. Dann kam auch schon Sascha und stieg auf. Auch ihn beobachtete ich ihn. Nach einer weile schnappte ich mir luna und holten Frigg und Pudgy wir wollten Pudgy heute longieren und Frigg das Fohlen ABC üben. Luna übte mit Frigg am Halfter und ich longierte den schwarzen Fellkneul am Kapzaun. Nach 20 minuten sehen wir wie Sarah und Sascha die pferde zurück brachten. Sie machten sie fertig und stellten sie in ihre boxen, die boxen waren mit den Namen versehen. Dann kamen sie zu mir auf dem Reitplatz. “ Wir haben die 2 wieder zurückgestellt, wie ist ihre Meinung!”. “ Ich finde ihr würdet auf unser Hof passen, wann könnt ihr anfangen?!” fragte ich “ Terab!” schickte ich den kleinen eine Gangart schneller. “ Sofort!” sagten beide. “ Gut, freut mich, dann holt Cielo und Totenbringer! die Beiden würden etwas Dressurarbeit nicht schaden!”. Im augen winkel sah ich wie luna traurig sah. Cielo war ihr liebling!. Aber Arbeitseinteilung liegt nun bei mir. Nachdem Sascha und Sarah gegangen sind bracchten wir Pudgy und Frigg in ihre boxen. In der Stallgasse sahen wir wie sarah und Sascha ihre Pferde fertig machten, Beide standen gechillt da. Wir holten Elsa und Golden Veronica aus ihren Boxen und band sie davor an. Tim und Tom waren beschäftigt die leeren boxen dann zu misten. “ Wow jetzt geht das aber flott!, wir brauchen noch hilfe!” schnaufte Tim. “ Wir werden sehen!” lachte ich und schwang mich auf Elsa Luna auf Veronica. Wir ritten mit Sarah und Sascha in der Halle. Die Halle war noch nie so voll, ich mochte diese Arbeitstrubel gerne sehen. Nach dem wir alle gut mit den Pferden gearbeitet haben, brachten wir sie zurück Luna sollte nun Tim und Tom helfen. Sascha sollte Flanell D´Egalité reiten und Sarah sollte ihm helfen. Ich würde für uns und unser gast kochen wenn sie angekommen ist. In einer Stunde sollte sie da sein. Irgendwie freute ich mich schon auf unseren Besucher. Ich machte heute Rollschinken mit Sauerkraut. Dann deckte ich den tisch 7 Personen. der Tisch reichte gerade so aus. Dann ging ich auf den Hof und sah nach sarah und sascha, die kamen mit dem Hengst gut klar, ich sagte ihnen bescheid das das Essen fertig sei. “ Wir haben unser eigenes mit!” hörte ich. “ Das ist nicht nötig, wir essen gemeinsam, und alle wohnen hier auf den Hof, wenn es für euch passen würde!”. “ oh na klar!” beide waren einverstanden. Dann ging ich zu Tim Tom und luna um zu sagen das das Essen fertig war. Als ich wieder rauskam, kamen sascha, Sarah und flanell entfgegen sie redeten miteinander. Dann sah ich einen Hänger auffahren. Das musste Johanna mit Contentinal sein. Ich blieb stehen und winkte freundlich zu. Der Wagen hielt an und eine junge frau stieg aus. Wir begrüßten uns und luden dann ihr Pferd ab. Das Quaterpony war wunderschön. Wir brachten sie neben Beastly. Dann gingen wir gemeinsam essen. Wir redeten am Tisch viel über unsere Pferde wie es lief und was sie bereits gelernt haben. Für heute wollten wir die Pferde in ruhe lassne. Ich zeigte johanna dann ihr zimmer. Dann beendeten wir den Tag. Sarah und Sascha waren bei ihrem umzug am planen.
      Am nächsten morgen gab es für alle Frühstück, endlich war das Haus belebter. “ Johanna wollen wir mit unseren Ausreiten?!” fragte ich sie . “ Ja klar die schöne gegend möchte ich gerne genießen!” gab sie zur antwort. nach dem frühstück erteilte ich die aufgaben an meine Mitarbeiterin und mitarbeiter und ging dann mit Johanna zu unseren Pferden. Ich striegelte Beastly sauber und sattelte sie auf. Ich bemerkte das der Steigbügelriemen schon spröde ist, dachte aber das es für den Ausritt noch reichen würde. Johanna war auch schon Bereit und wir ritten los. Richtung der Berge. Wir redeten viel und genossen die Natur. Als wir an dem Bergsee entlang ritten kam ein schneesturm auf. Dort erschrack Beastly kurz und ging durch. wir streiften einige baumstämme, als ich Beastly unter kontrolle hatte bemerkte ich das der eine Steibügel ab war. Sattel kann man ersetzten ich war froh das Beastly nichts passiert war. Es schneite immer noch. “ Gehts dir gut!” hörte ich johannas besorgte stimme. “ Ja mir gehts gut, Beastly hat sich nur vom Schnee erschrocken!” sagte ich grinsend. Da der Sturm immer dichter wurde drehten wir um und versorgten die Pferde. Dann arbeiteten wir noch auf den hof, johanna half uns fleißig. Sie blieb noch einige Tage auf dem Hof und nun war es soweit das wir uns wieder verabschiedeten. Sie fuhr gegen mittag los.
      [​IMG]

      [​IMG]
      Distanz E- A
      Januar 2020, by Sammy
      Freudig fieberte ich dem Weihnachtsmorgen entgegen. Ich war nicht sonderlich religiös, doch ich liebte die Weihnachtszeit. Alles leuchtete und glitzerte. Ganz zu schweigen vom Plätzchenduft, der aus beinahe jedem Fenster strömte. Auch mein Hof war selbstredend festlich geschmückt und die Pferde hatten Tannenzweige zum Spielen in ihren Paddocks. Ganz nebenbei hatte ich mich für ein Weihnachtswichteln angemeldet und mein Wichtel war Johanna Röder aus Deutschland. Ich hatte mich riesig gefreut, die junge Frau gezogen zu haben, denn ich wusste sofort, was ich ihr schenken wollte. Heute würde ich auch mein eigenes Wichtelgeschenk bekommen und war fürchterlich gespannt, was und von wem es sein könnte. Ich setzte mich in mein Büro, wo seit einigen Wochen beinahe rund um die Uhr Weihnachtsmusik lief und schrieb Johanna eine E-Mail. Ich hatte beschlossen Johanna und ihre beiden Pferde HMJ8345’s Continental und Bear Brooks Denahi auf mein Gestüt einzuladen, um beide Stuten im Distanzreiten zu trainieren. Für Continental würde dieses Training zeitgleich ein weiteres Gelassenheitstraining darstellen, da uns im Wald auf den kilometerlangen Distanzritten natürlich viele vermeintliche Gefahren begegnen konnten. Ich wartete kurz, bis die Mail sicher versendet war und fuhr den Rechner dann hinunter. Nun durfte ich erst einmal mit all meinen Angestellten Heiligabend feiern und es wartete ein regelrechtes Festmahl auf mich.
      ~*~
      Bereits am nächsten Morgen hatte ich eine Antwort von Johanna in meinem Postfach. Die junge Frau freute sich sehr über mein Geschenk und wollte schon in wenigen Tagen mit ihren beiden Stuten anreisen. Da sie ihre Pferde in einem Reitstall untergebracht hatte, würde ihr drittes Pferd, der Hengst Smarty Jones auch gut versorgt werden. Ich informierte gleich mein Team und setzte mich dann in mein Büro, um Trainingspläne für die beiden Stütchen auszuarbeiten.
      ~*~
      Als Johanna einige Tage später auf meinem Gestüt ankam, begrüßten wir uns herzlich. Wir hatten uns erst vor einiger Zeit bei der Horse Makeover Show gesehen und ich hatte nicht schlecht gestaunt, wie sehr sich Continental entwickelt hatte. Inzwischen war das Quarterponystütchen auch eingeritten und hatte bereits das erste Turnier bestritten. Während Johanna das Fuchspony aus dem Hänger führte, übernahm ich die Roanstute Denahi. In dieses Vollblut verliebte ich mich bei jedem Anblick aufs Neue und freute mich daher umso mehr, die schöne Stute wieder trainieren zu dürfen. Denahi sollte im Distanzreiten bereits Klasse L erreichen, was einem EVG 2-Ritt von 59 Kilometern entsprach. Bei diesen Ritten wurde die Strecke auf zwei Etappen gesplittet. Etwa auf der Hälfte erfolgte ein medizinischer Check. Continental dagegen sollte Klasse A, also EVG1 erreichen. Das entsprach einer Streckenlänge von 39 Kilometern. Größtenteils würden wir die beiden Stuten dennoch gemeinsam trainieren können. Genau das war auch meine Absicht gewesen, damit Contintental von der neuen Umgebung und den langen Ausritten nicht überfordert wurde. Heute hatten die beiden Pferde jedoch erst einmal frei. Wir quartierten Continental wieder neben meinem Makeover-Pferdchen Elfentanz ein und Denahi bezog die Box direkt nebenan. Nachdem wir uns versichert hatten, dass es den beiden Stuten an nichts fehlte, gingen wir hinüber ins Haus und ich tischte Johanna Winterpunsch-Tee und meine Lieblingskekse auf. Den Keksteller hatte ich seit gestern bereits zweimal aufgefüllt, da meine Jungs ihn quasi mit einem Happs leer essen konnten. Johanna war vor allem von meinen bemalten Tannenbaum-Keksen begeistert, die ich stundenlang mit voller Hingabe verziert hatte. Wir redeten über alles Mögliche und Unmögliche, aber vor allem natürlich über unsere Pferde und das Makeover. Die drei Monate waren beinahe um und dann hatten wir nur noch einen Monat Zeit, um uns auf die große Abschlussshow vorzubereiten. Ich hatte noch absolut keine Ahnung, was ich dort zeigen wollte und war ziemlich erleichtert, als Johanna mir erzählte, dass es ihr genauso ging. Allerdings waren wir uns einig, dass die Teilnahme eine wunderbare Erfahrung war. Am Nachmittag sattelten wir meine beiden Stuten Cassidy und Coeur de Lilith und machten einen Ausritt in den schneebedeckten New Forest National Park. „Mensch, bei dir ist es so schön! In Deutschland regnet es seit Tagen ununterbrochen!“, meinte Johanna. „Ja, dieses Jahr haben wir wirklich Glück. Dafür sind wir im Herbst fast abgesoffen, weil es nur noch geschüttet hat.“, lachte ich. Tiefer im Wald war der Boden einigermaßen trocken, sodass wir die Pferde locker angaloppieren ließen. Der Wind stach ein wenig in den Augen, doch Cass, Lilly und wir beiden Zweibeiner hatten unseren Spaß. Zurück auf dem Gestüt zeigte ich Johanna die Trainingspläne, die wir ab morgen gemeinsam in die Tat umsetzen würden.
      ~*~
      Am nächsten Morgen stand ich an der Sandbahn und beobachtete das Training meiner Rennpferde. Ich hatte extra speziellen Sand für den Bau besorgt, damit ich meine Rennpferde auch im Winter trainieren konnte. Vorausgesetzt natürlich, es war nicht alles völlig vereist. Für nächstes Jahr wollte ich eine Innenbahn bauen, da die Vollblüter neben meinen Vielseitigkeitspferden den Schwerpunkt meiner Arbeit bildeten. Bearing Spots galoppierte gerade locker über die Bahn. Das junge Punktepferd machte sich wirklich gut und lief momentan mit riesen Sprüngen in Richtung Krönung. Am anderen Ende der Bahn trabten Pirate’s Pride und PFS‘ Storm Cat nebeneinanderher. Als ich Schritte hörte, riss ich mich vom Anblick meiner hochbeinigen Vollblüter los und drehte mich um. „Morgen, hast du gut geschlafen?“, fragte ich fröhlich. Johanna gähnte herzhaft. „Viel zu gut. Ich hätte problemlos auch noch länger schlafen können, aber was würde ich damit bitte für einen Eindruck bei euch Frühaufstehern machen?“, grinste sie. Ich lachte. „Naja, das Morgentraining ist gleich vorbei. Dann steht die Morgenfütterung für die Pferde auf dem Plan und anschließend die für uns. Spätestens zu Letzterem hätte ich dich sowieso geweckt.“, sagte ich. Bearing Spots beendete ihr Training als Erste. Ana lenkte sie mit leuchtenden Augen vom Geläuf. Sie liebte das Stütchen und genau deshalb durfte sie den Großteil ihres Rennbahn-Trainings übernehmen. Johanna strich dem schönen Pferd über die Nase, bestaunte aber auch Pride und Cat, die kurz darauf von der Bahn kamen. „Super gemacht, Leute. Kümmert ihr euch mal ums Füttern, ich mache solange Pancakes.“, verkündete ich, woraufhin lautes Jubeln von Cat’s Rücken erschallte, was die junge Stute dazu veranlasste, erschrocken zur Seite zu springen. Ich zog die Augenbrauen hoch und Samuel sprang mit knallrotem Kopf vom Rücken der Schimmelstute, um sie zu beruhigen. Dann ging ich gemeinsam mit Johanna ins Haus, um das Frühstück für die ganze Bande vorzubereiten.
      Knapp zwei Stunden später waren wir endlich soweit, um mit der ersten Trainingseinheit von Denahi und Continental beginnen zu können. Heute stand ein sehr ausgiebiger Spaziergang auf dem Plan. So konnten wir gleich sehen, wie gut das Quarterpony-Stütchen mit der neuen Herausforderung zurechtkam. Wir hatten die beiden schönen Stuten in aller Ruhe geputzt und sie anschließend mit Gamaschen, Halftern und langen Bodenarbeitsseilen ausgestattet. Wir selbst trugen gefütterte Stiefel und warme Jacken. Zudem hatte ich einen Rucksack mit Proviant auf dem Rücken. Für mich war das Lauftraining bei Distanzpferden schon absolute Routine, doch Johanna musste sich an die ganze Sache erst einmal herantasten. Ich band Continental los und führte das Stütchen hinter Johanna und Denahi aus dem Stall. Wir liefen an den Stutenkoppeln vorbei und durch das hintere Hoftor hindurch, in Richtung Waldrand. Continental hielt sich dicht bei mir und sah sich mit großen Augen und gespitzten Ohren um. Denahi war dagegen die Ruhe selbst. Sie blickte interessiert durch die Gegend, schien dabei aber nicht nervös zu sein. Diese Ruhe übertrug sich langsam auch auf das Fuchsstütchen neben mir. Ich lächelte. Genau das war meine Hoffnung gewesen. Wir liefen eine ganze Weile am Waldrand entlang, bevor wir schließlich in den Wald abbogen. Nachdem wir einen flachen Hügel hinaufgestapft waren, erreichten wir meine Galoppstrecke und trabten mit den Pferden neben uns an. Johanna hatte ein wenig damit zu tun, Denahi in einem angenehmen Tempo zu halten und ich damit, Continental’s Konzentration auf mich zu lenken. Das Pony hatte im Schritt genügend Zeit gehabt, sich ausgiebig umzusehen, doch jetzt im Trab fiel ihr das zunehmend schwerer. Während ich Johanna den Tipp gab, Denahi mit leichtem Zupfen am Führseil zu beschäftigen, lenkte ich Continental von den vermeintlich pferdefressenden Bäumen und Büschen ab, indem ich mein Tempo variierte und mal langsamer, mal schneller wurde. Da Continental stets darum bemüht war, alle Kommandos prompt auszuführen, achtete sie irgendwann mehr auf meine Signale, als auf ihre Umgebung. Ich lobte das Stütchen und wir parierten unsere Pferde zum Schritt durch. Johanna und ich hatten beide rote Nasen und rote Backen und ich war wieder einmal froh über mein regelmäßiges Lauftraining. Denahi war noch topfit, während Continental allmählich ein wenig müde wirkte. Ich führte Johanna und die Pferde zu einer schönen kleinen Lichtung und wir tauschten die Pferde. Während Johanna und Continental eine kleine Verschnaufpause bekamen, würde ich mit Denahi ein paar Steigungen meistern. Immerhin war ging die Vollblutstute bereits sicheres EVG1-Niveau, weshalb ihre größere Ausdauer kein bisschen verwunderlich war. „Falls Continental alleine unruhig wird, kannst du ein bisschen Bodenarbeit mit ihr machen. Nichts körperlich anstrengendes, aber Übungen, bei denen sie sich auf dich konzentrieren muss. Je länger sie im Gelände unterwegs ist, desto eher merkt sie, dass ihr hier nichts passiert.“, gab ich Johanna ein paar letzte Tipps, bevor ich mit Denahi die Lichtung verließ. Continental wieherte uns sofort hinterher und Denahi antwortete brummelnd, doch ich führte die Stute konsequent vorwärts. Bei Distanzritten war es völlig normal, streckenweise mit anderen Pferden zusammenzugehen und streckenweise alleine zu sein. Umso besser, wenn Continental dies gleich zu Anfang unseres Trainings lernte.
      Ich kletterte mit der Vollblutstute Hügel hinauf und hinunter. Die ganz Steilen erklommen wir im Schritt, die flacheren auch im Trab. Denahi arbeitete gut mit und ich war wesentlich flotter außer Atem, als die junge Stute. Als wir zur Lichtung zurückkehrten, war ich ziemlich müde. Aber immerhin waren Continental und Johanna nun bereit für den Rückweg. Die Ponystute wirkte nach der kleinen Pause ausgeruht und munter und wieherte Denahi fröhlich entgegen. „Eine klitzekleine Aufgabe hätte ich aber noch für unsere beiden Hübschen, bevor wir uns auf den Heimweg machen.“, sagte ich grinsend. Hier in der Nähe gab es eine recht breite steinerne Brücke, die so dicht von Bäumen überdacht war, dass man sie auch im tiefsten Winter problemlos passieren konnte. Der Fluss darunter war auch so gut wie nie eingefroren, sodass er fröhlich unter der brücke dahinrauschte. Continental spitzte schon meterweit vor der Brücke die Ohren und brummelte ängstlich. Denahi hatte die Brücke bei unserem letzten Distanztraining schon kennengelernt und hob nur etwas skeptisch den Kopf. Ich nickte Johanna zu, damit sie mit dem Vollblut die Führung übernahm. Denahi betrat vorsichtig die Brücke, folgte Johanna aber artig. Continental dagegen stemmte etwa zwei Meter vor dem Fluss die Beine in den Boden und weigerte sich, auch nur einen Schritt vorwärts zu gehen. „Na komm meine Süße, die Angst vor dem Springbrunnen hast du doch im Herbst auch ganz hervorragend überwunden!“, lockte ich das fuchsfarbene Stütchen mit sanfter Stimme vorwärts. Angespornt von meiner aufmunternden Stimme und Denahi, die am anderen Ufer stand, lief Continental bis an den Rand der Brücke. Dort blieb sie wieder stehen und rollte ängstlich mit den Augen. Ich lief über die Brücke und ließ das Bodenarbeitsseil dabei locker durchhängen. Nun standen Johanna, Denahi und ich auf der einen und Continental auf der anderen Seite. Das gefiel dem hübschen Makeover-Stütchen überhaupt nicht. Sie trat von einem Bein aufs andere und setzte schließlich wie in Zeitlupe einen Huf auf die Brücke. Johanna und ich lobten Continental sofort und ermunterten sie, weiterzugehen. Schritt für Schritt kam das Pony auf uns zu und erreichte schließlich das andere Ufer. „Fein, du Süße. Wusste ich doch, dass du das kannst. Und es war doch gar nicht mal so schlimm, oder?“, fragte ich Continental. Wir überquerten die Brücke nochmals, doch diesmal blieb ich in der Mitte stehen und gab Continental ein Stückchen Banane. Ich hoffte, dass die Stute die Brücke so mit etwas Positivem verknüpfen würde. Nach diesem spannenden Erlebnis führten wir die Stuten zurück in Richtung Gestüt und kamen eine gute Stunde später ziemlich erledigt dort an. Wir versorgen Continental und Denahi umsichtig und brachten sie zurück in ihre Boxen, wo sie sich eifrig über ihr Heu hermachten. Den Abend hatten die Stuten frei, morgen wollten wir dann mit den beiden auf dem Platz ein wenig Bodenarbeit machen, um ihr Vertrauen in uns zu stärken, aber auch, um den Muskelaufbau zu unterstützen.
      ~*~
      „So ist es fein!“, lobte ich Denahi am nächsten Tag, als die junge Stute auf mein Kommando hin artig einige Schritte rückwärts trat. Heute übte ich mit dem großen Vollblut und Johanna übernahm das Ponystütchen. Es war noch relativ früh am Morgen, doch da heute Mittag wieder ein ausgiebiger Spaziergang anstand, hatten wir zeitig beginnen wollen. Ich hatte alle möglichen Dinge in die Halle geschleppt. Ein paar Stangen lagen in verschiedenen Abständen auf dem Boden, in der Ecke wartete der kleine pinke Ball auf seinen Einsatz und mein Tor aus Flatterbändern hatte auch seinen Platz gefunden. Somit konnten wir in die Bodenarbeit gleich noch ein wenig Gelassenheitstraining einbauen. Das kannten zwar beide Stuten schon, aber eine kleine Auffrischung konnte sicherlich nicht schaden. Johanna ließ Continental gerade im Kreis um sich herumtraben und erweiterte nach und nach den Radius, sodass Continental schließlich über die Stangen lief. Das Pony senkte den Kopf und schätzte umsichtig den richtigen Abstand ein, um über die Stangen zu traben. Ich nickte zufrieden. Auch ich erzog meinen Pferden immer ein gewisses Maß an Selbstständigkeit an. Das förderte das Selbstvertrauen der Tiere und konnte so manchen reiterlichen Fehler ausgleichen. Denahi brummelte ungeduldig, um meine Aufmerksamkeit wieder auf sich zu lenken. Ich lächelte. „Alles gut, du Hübsche. Wir machen sofort weiter.“, besänftigte ich sie und widmete mich dem Regenschirm. Als ich den Schirm aufklappte, machte Denahi einen kleinen Hüpfer, beruhigte sich aber schnell wieder. Auch das Flatterband-Tor war keine große Herausforderung für die schöne Stute. Ich strich Denahi über den glänzenden Hals, gab Johanna ein Zeichen und löste den Führstrick vom Halfter der Stute. Dann räumte ich Regenschirm und Stangen auf die Seite und rollte Denahi den Ball zu. Continental spitzte sofort die kleinen Öhrchen und sah Johanna aus ihren großen braunen Augen an. Diese lachte nur und löste den Führstrick. Vorsichtig trabte Continental auf Denahi zu und kurz darauf entbrannte ein wildes Spiel zwischen den beiden Stuten. Sie bissen und traten nach dem Ball und sprangen in großen Sprüngen hinter ihm her. Wir beiden Zweibeiner lachten solange, bis uns die Bäuche weh taten. Erst als beide Stuten genug hatten, fingen wir sie wieder ein und brachten sie zurück in den Stall. Ich kürzte unseren Nachmittagsspaziergang in Gedanken um ein beträchtliches Stück, da die Stütchen jetzt doch wesentlich mehr getobt hatten, als eigentlich geplant. Aber Pferdetraining lief nun einmal nicht immer strikt nach Plan und wenn das passierte, hieß es kreativ werden.
      ~*~
      Die Tage vergingen wie im Flug und schon stand der Tag unserer Abschlussritte auf dem Programm. Johanna und ich hatten besprochen, nach 35 Kilometern die Verfassungskontrolle einzubauen. Für Continental war der Ritt nach dieser ersten Etappe zu Ende, für Denahi war dann etwas mehr als die Hälfte geschafft. Wir putzten die Stuten wie immer sehr sorgfältig und statten sie dann mit ihrem Zubehör aus. Dazu gehörten neben den bequemen Wanderreitsätteln und dem Zaumzeug auch Vorderzeug, damit die Sättel nicht verrutschten und natürlich Gamaschen. Zudem trugen beide Tiere Halfter über ihren Zäumungen. In den Satteltaschen befanden sich Pulsmessgerät, Kompass, Brötchen für uns, etwas Hafer für die Pferde und Thermoskannen mit Tee. Außerdem hatten wir jeweils eine Regendecke zusammengerollt an den Sätteln verschnallt. So gerüstet, machten wir uns in aller Frühe auf den Weg.
      Die letzten Wochen waren zwar anstrengend, aber sehr erfolgreich gewesen. Einen Tag in der Woche hatten beide Stuten frei gehabt. Die restliche Zeit hatten wir sorgfältig verplant. Bereits am dritten Tag waren wir nicht mehr neben den Stuten hergelaufen, sondern geritten und hatten die Distanz immer weiter vergrößert. Da Denahi ja weiter im Training war, als Continental, waren wir irgendwann zu dritt losgeritten. Johanna hatte Denahi übernommen und war dann mit Samuel auf Devil in Prada weitergeritten, während ich mit Continental zum Hof zurückgekehrt war. Beim ersten Mal hatte ich beinahe sofort vom Rücken des Stütchens steigen und neben ihr hergehen müssen, doch inzwischen meisterte Continental den Rückweg auch alleine ziemlich gut. Ich hatte die Strecke so gewählt, dass Denahi und ich unseren Zwischenstopp auf dem Gestüt einlegen konnten. So musste ich meine Mitarbeiter nicht durch die Gegend jagen und Continental war direkt zu Hause, wenn sie den anstrengenden Ritt hinter sich hatte. Denahi und ich würden anschließend noch einmal eine große Schleife von guten 25 Kilometern zurücklegen, um dann zum Gestüt zurückzureiten.
      Ich übernahm mit Continental die Führung und freute mich riesig, als die kleine Stute eifrig ausschritt. Inzwischen genoss das Stütchen unsere Ritte zum größten Teil. Außerdem liebte sie meine Galoppstrecke. Es war wunderbar zu sehen, wie viel Lebensfreude das Quarterpony mittlerweile ausstrahlte. Ich ließ die Zügel locker und ließ Continental ihr eigenes Tempo finden. Denahi und Johanna schlossen zu uns auf, sobald der Weg es zuließ. Als wir in den Wald ritten, trabten wir die Pferde an und legten so ein gutes Stück der Strecke zurück. Beide Stuten hatten deutlich Kondition aufgebaut und vor allem bei Continental waren die Muskeln der Hinter- und Vorhand nun deutlich zu sehen. Wir überquerten die Steinbrücke, die keine der Stuten noch großartig schreckte und kletterten im Schritt einen Hügel hinauf. Nach etwa zwanzig Kilometern legten wir eine kurze Rast ein. Während Johanna die Führstricke in die Halfter einhakte, maß ich den Puls der Stuten und grinste zufrieden. Bisher lief unser Abschlusstraining wie geschmiert. Johanna und ich genehmigten uns ein paar Schlucke Tee aus den Thermoskannen, aßen eines unserer Brötchen auf und gaben den Stuten je eine halbe Hand voll Hafer. Dann ging es auch schon weiter – immer noch bergauf.
      Als wir den Berg schließlich erklommen hatten, gönnten wir den Stuten wieder eine kurze Verschnaufpause und galoppierten sie dann auf einer ebenen Strecke locker an. Denahi streckte sich und machte einen übermütigen kleinen Hüpfer, während Continental sich bemühte, mit den größeren Schritten der Stute mitzuhalten. Allerdings hatten Johanna und ich von vornherein verabredet, dass sie Richtung Ende mit Denahi voraus reiten würde. Zum einen war das Tempo der Ponystute für das Vollblut zu langsam, zum anderen war es ja auch für Denahi ein richtiges Stufentraining. Denahi zog weiter an und Johanna blickte sich fragend zu mir um. Ich parierte Continental zum Schritt durch und zeigte Johanna den erhobenen Daumen. Diese drehte sich daraufhin wieder nach vorn und ließ Denahi ein wenig mehr Zügel, worauf die Stute ein wenig schneller wurde und in ihren gewohnten Rhythmus fand. Continental stellte die kleinen Öhrchen auf und wieherte ihrer Freundin hinterher, doch ich wartete, bis die beiden außer Sicht waren, bevor ich das Pony wieder angaloppieren ließ. Anfangs versuchte Continental noch, schneller zu werden, doch schließlich akzeptierte sie, dass sie nun mit mir alleine war und fiel in einen ruhigen Arbeitsgalopp. Ich rieb ihr lobend über das fuchsfarbene Fell und stellte mich in die Bügel, um Continental so wenig wie nur möglich zu belasten. Schließlich parierte ich die süße Maus wieder zum Schritt durch und wir machten uns an den Abstieg. Das war in meinen Augen immer der beschwerlichste Teil. Die Strecke des Weges, die noch einigermaßen flach abfiel, blieb in Continental’s Sattel, doch schließlich sprang ich vom Rücken des Ponys und wir suchten uns vorsichtig unseren Weg. Continental hüpfte nur einmal zur Seite, als ein Vogel aus einem Busch aufflog, doch ansonsten lief alles paletti. Als wir schließlich mein Gestüt erreichten, hatte Denahi bereits den Vet-Check hinter sich. Den hatten Ana und Samuel übernommen, da sie sich damit gut auskannten. Sie kamen nun auch sofort auf mich zu und übernahmen Continental. Ich genehmigte mir einen Schluck Tee und wickelte mein zweites Brötchen aus, nur um mich gleich darauf auf Denahi’s Rücken zu schwingen. Unser Timing war perfekt. Johanna hatte die schöne Stute gerade erst wieder aufgesattelt und winkte mir nun zu, bevor sie sich liebevoll um ihr Pony kümmerte.
      Ich dagegen lenkte Denahi wieder vom Hof und konzentrierte mich die ersten Minuten ganz auf den Gang der Stute. Denahi schritt federnd aus und sah sich mit wachen Augen um. Von Müdigkeit keine Spur. Bestens. Damit konnte der zweite und letzte Teil der Strecke beginnen. Mit einem leichten Schenkeldruck ließ ich Denahi antraben und bog diesmal in Richtung Heide ab. Dort konnten wir wunderbar galoppieren, bevor es wieder in den Wald und in einem großen Bogen zurück zum Gestüt ging. Denahi reagierte auch auf die leichtesten Hilfen meinerseits und galoppierte mit großen, gleichmäßigen Sprüngen vorwärts. Ich wickelte meinen Schal fester um mein Gesicht, denn allmählich wurde es kalt. Daher war ich eigentlich ganz froh, als wir den Waldrand erreichten. So waren wir wenigstens vor dem eisigen Wind geschützt. Ich parierte Denahi zum Schritt durch und dirigierte sie auf einen schmalen Pfad, der sich den Berg hinaufwand. Schritt für Schritt arbeiteten wir uns vorwärts und legten eine kurze Rast ein, als wir den breiteren Waldweg erreichten, der mein Ziel war. Ich strich Denahi über die samtweiche Nase, kontrollierte ihren Puls und die Ausrüstung und schwang mich dann wieder in den Sattel. Allmählich schwand das Tageslicht und ich merkte, dass die Stute müde wurde. „Alles gut, meine Hübsche. Nur noch drei Kilometer, das ist gar nichts.“, sagte ich aufmunternd zu ihr. Kaum, dass wir den Wald verlassen hatten, hätte ich meine Worte am liebsten zurückgenommen. Es schneite dicke Flocken und ein beißender Wind schlug uns entgegen. Ich ritt solange wie möglich am Waldrand entlang und ließ Denahi dann über die Wiesen nach Hause traben. Das war zwar nicht ganz der geplante Streckenverlauf, von der Kilometeranzahl unterschieden sich beide Wege jedoch nicht. Und so froren das Vollblut und ich wenigstens nicht an Ort und Stelle fest.
      Die Lichter des Gestüts kamen in Sicht und ich atmete erleichtert auf. Denahi legte von ganz allein noch einmal an Tempo zu und wir trabten flott über den Hof und vor den Stall. Ich sprang aus dem Sattel und flüchtete mich in der Stute in die behagliche Wärme des Stutentrakts. Sofort war Johanna bei uns und half mir, die Stute von der nassen Ausrüstung zu befreien. Dann maßen wir den Puls und rieben sie mit Stroh trocken. Sowohl Denahi als auch Continental hatten ihren Stufenaufstieg mit Bravour gemeistert und ich war sehr stolz auf meine beiden Trainingspferdchen!
      ~*~
      Als Johanna sich am nächsten Tag mit ihren beiden Stuten auf den Heimweg machte, umarmten wir uns herzlich. Ich mochte die junge Frau und freute mich bereits auf ein Wiedersehen. Dieses würde ja spätestens in gut eineinhalb Monaten beim Abschluss des Horse Makeover in Canada stattfinden und ich war gespannt darauf, wie sich Continental bis dahin entwickeln würde…

      [​IMG]
      Prophylaxe
      Januar 2020, by Cooper
      Mein nächster Auftrag war seit langem mal wieder ein Pferd, oder eher ein Pony, vom „Horse Makeover Projekt“, welches sich dem Ende zuneigte.
      Tatsächlich besuchte ich dieses Tier schon am Anfang des Projektes.Liav hatte ich Potential erreicht und ich hatte entschieden sie nicht weiter am Projekt teilnehmen zu lassen,
      aber natürlich würde ich sie weiter fördern.

      Da das Projekt nicht mehr lange lief kontaktierte „Johanna Röder“ noch vor einem Auftrag, der schon in der Klink einging.
      Johanna, die ich auch privat kannte, freute sich über meinen Anruf und wir einigten uns auf einen Termin. Schon am Tag darauf machte ich mich auf den Weg zu ihr auf den Hof.

      Ich wurde sehr herzlich begrüßt und wie fast immer, tauschte ich mich erst mit meiner Auftraggeberin über einiges aus. „Also, Liav hat wirklich viele Punkte gehabt. Ihr wart echt gut dabei“. „Ja das stimmt, und ich bin wirklich sehr froh darum. Aber die Zeit hat uns auch am Ende nicht gereicht und sie hat ihre maximale Bewegungsradius erreicht und ich glaube nicht, dass es förderlich ist, sie dann viele Turniere gehen zu lassen“. Verständnisvoll nickte meine Gesprächspartnerin und führte mich dann zu dem Tier. „Es geht sich, wie du sicher weißt, erneut um HMJ 8345, Continental. Charakterlich kann man mittlerweile sagen das sie sehr sensibel ist. Vertrauen fasst sie nur sehr schwer, ist aber gutmütig und nicht aggressiv“. Ich hörte aufmerksam zu und blickte die Stute schon einige male währenddessen an. Sie lief auch neugierig auf uns zu. „Hallo, du!. Na erkennst du mich?“ sagte ich leise und fasste ihre Nüstern an. Johanna öffnete die Box. Ich trat erst ein, als ich merkte das die Stute damit auch einverstanden war. Ich schaute in den Pass und erfasste die Daten des Tieres und begann dann mit einer visuellen Begutachtung. Continental tolerierte meine Anwesenheit, legte aber ab und an die Ohren an und versicherte sich das Johanna ebenfalls in der Nähe war. Ihre Besitzerin legte das Halfter an und hielt sie vorsichtshalber fest. Dann tastete ich den Körper ab. „Keine Auffälligkeiten“ sagte ich kurz zu mir selbst und dokumentierte es in unsauberer Schrift. Ich spritze ihr ein ganz leichtes Beruhigungsmittel, da ich merkte das sie mit mir langsam nicht mehr zufrieden war. Nachdem konnte ich ohne Probleme die Vitalzeichen kotrollieren, die alle unauffällig waren. Um ihr zu zeigen das ich auf ihrer Seite war, gab ich ihr nach Johannas Empfehlung hin, ein Bananenstück. Sie schmatze vor sich hin während ich mir ihre Hufen ansah. Dann führte ich die üblichen Immunisierungen durch, die noch offen waren. Das Beruhigungsmittel hörten langsam auf zu wirken. Der Stute ging es gut und nach erneuten Vitalzeichenkontrolle zu urteilen, war sie auch stabil. Ich aktualisierte ihren Impfpass, dokumentierte meinen Besuch und verabschiedete mich dann langsam von Johanna und der Quarter Pony Stute.

      Teilnahme am Horse Makeover Finale
      Januar 2020, by adoptedfox
      Prüfung 5 - Bodenarbeit: Die 7 Games von Parelli | 30 Punkte
      Vor gerade einmal drei Tagen hatte ich mich mit meiner Stute HMJ 8345’s Continental auf eine 8221 Kilometer lange Reise nach Calgary - Kanada begeben und schon heute fand unsere erste Prüfung statt. Ich kontrollierte ein letztes Mal den Sitz des Knotenhalfters und sortierte das lange Bodenarbeitsseil in meinen Händen, bevor wir das Signal erhielten mit der Prüfung zu beginnen. Ich nickte und führte meine Stute auf den weiß umzäunten Reitplatz. Das Tor wurde geschlossen und alle Augenpaare waren auf uns gerichtet. Etwa in der Mitte des Platzes hielt ich Continental an und stellte sie auf. “Dann zeigen wir mal was wir in den letzten 3 Monaten gelernt haben!” sagte ich mit ruhiger Stimme und strich mit meiner flachen Hand die breite Stirn meiner Stute. Darauf achtend, dass das schwere Bodenarbeitsseil locker durchhing ging ich einen Schritt zurück und entspannte mich. Während das eine Ohr der Stute aufmerksam nach vorn gerichtet war, war das andere stets bei mir. Ich nahm den Carrot-Stick als Verlängerung meines Armes auf und begann sie damit am ganzen Körper zu berühren. Ich warf das Seilchen locker und rhythmisch über ihren Hals, ihren Rücken und die Hinterhand bevor ich zu den Beinen überging. Beim Porcupine-Game zeigte ich, das die Stute bei kleinstmöglichem Druck reagierte. Ich schickte Continental ein paar Schritte rückwärts als ich meine flache Hand auf ihre Nase legte und wendete sie allein mit der flachen Hand auf ihrer Kruppe. Für das nächste Spiel nahm ich den Carrot-Stick wieder zu Hilfe. Ich hielt das Seil locker in der linken Hand und den Carrot-Stick in der rechten. Das Driving-Game ist die Fortführung des Porcupine-Game. Ich richtete die Stute mit sanftem Druck rückwärts und zeigte auch eine Hinterhandwendung. Bevor wir das nächste Spiel zeigten, bot ich der Stute einen Bananenchip zur Belohnung an. Ihre zarten Lippen nahmen den Chip von meiner flachen Hand und sie schien zuerst daran zu lutschen, bevor sie ihn genüsslich zerkaute. Ich stellte die Stute auf und legte den Carrot-Stick ab. Ich hielt das Bodenarbeitsseil locker in der linken Hand und zeigte mit meinem rechten Finger auf. Continental verstand sofort und begann rückwärts zu gehen. Mit dem senken der rechten Hand blieb die Stute stehen und als ich auch den linken Arm etwas herab senkte, kam sie wieder zu mir zurück. Wir wiederholten das Spiel ein paar Mal bevor wir zum Circling-Game übergingen. Ich stoppte die Stute und schickte sie von ihrer Position direkt in den Zirkel. Continental lief im gleichbleibenden Tempo und gleichbleibendem Abstand um mich herum während ich neutral stehen blieb. Als die Stute wieder in meinem Gesichtsfeld auftauchte hob ich den linken Arm etwas an um sie anzutraben. Ich hätte innerlich vor Stolz platzen können, doch ich blieb konzentriert bei der Sache. Ich holte die Stute zu mir und klopfte ihr lobend den Hals, bevor ich sie für das Sideways-Game aufstellte. Ich ließ das Bodenarbeitsseil wieder locker durchhängen und nahm meinen rechten Arm auf die Höhe meiner Brust um die Stute seitwärts zu schicken. Die ersten Schritte waren etwas holprig weil ihr, anders als bei dem Training daheim, eine leitende Linie fehlte doch sie orientierte sich schnell. “Prima!” lobte ich sie und ging zum letzten Spiel über: Dem Squeeze-Game. Bei diesem Spiel ging es darum das Pferd damit vertraut zu machen enge Hindernisse zu bewältigen. Dieses Spiel fiel der Stute anfangs sehr schwer und es brauchte viel Zeit und Geduld. Ich legte das Seil ab und entfernte mich von meiner Stute um die zwei großen Tonnen, die in die Halle gebracht wurden, in Position zu stellen. Mit einem Abstand von 5 Metern beginnend, verringerte ich den Abstand mehr und mehr bis die Stute noch gerade so durchgehen konnte. Ich schickte Continental wieder in den Zirkel und ließ sie sich im Schritt dem Hindernis nähern. Bevor sie hindurch ging hielt ich sie an, damit sie es sich ansehen konnte. Sie schnaubte entspannt und so ließ ich sie zwischen den eng stehenden Tonnen durchgehen. Ich holte die Stute zu mir und lobte sie überschwänglich. Sie hatte ihre Sache gut gemacht. Ich führte Continental vom Reitplatz und ließ sie ein paar Grashalme zupfen, bevor es zur wohlverdienten Pause auf dem Paddock ging.
      [​IMG]
      [​IMG]

      Prüfung 0 - Westernkür: Trail Parcours LK4 | 50 Punkte
      Der Vierte und somit letzte Tag des Horse Makeover Finales war gekommen.
      Nach einem ausgewogenen Frühstück mit den anderen Trainern in der warmen Reiterstube der Bow River Ranch und einem kurzen Austausch der Ereignisse wurde es nach und nach wieder ruhiger im Haus. Ich genoss die ruhige Atmosphäre und blieb noch einen Moment sitzen, bevor auch ich mich auf den Weg zu meinem Pferd machte. HMJ8345’s Continental drängte sich nah an die Boxenwand und trat ungeduldig mit dem Huf dagegen. Ich ermahnte sie und betrat die Box um ihr ein Halfter anzuziehen. Ich führte sie nach draußen und band sie vor ihrer Box an. Continental schnaubte entspannt und ich nahm ihr die Decke ab, die sie aufgrund der hier herrschenden Minusgrade trug, damit ich sie für die bevorstehende Prüfung vorbereiten konnte.
      “Das gibts doch nicht…” sagte ich verwundert und räumte den Inhalt meiner Putzbox aus, nachdem alles umherschieben nicht das gewünschte Ergebnis brachte. Ich hatte die Mähnengummis vergessen.
      “Kann man dir helfen?” Ich drehte mich um und blickte in das fragende Gesicht von Caleb.
      “Ich kann meine Mähnengummis nicht finden…” seufzte ich und räumte die Putzutensilien zurück in die Box.
      “Das ist schlecht.” Nach einer kurzen Pause murmelte er “Ich denke wir haben noch welche.” und verschwand. Während seiner Abwesenheit kratzte ich die Hufe von Continental aus. Als Caleb zurück kam hielt er mir, verschmitzt lächelnd, seine geschlossene Hand entgegen. Ich öffnete meine Hand und fand nur einen Augenblick später jede Menge weiße Mähnengummis in meiner Handinnenfläche. “Oh Gott ich danke dir so sehr!” sagte ich freudig und umarmte ihn in meiner Euphorie. Caleb trat einen Schritt zurück und rieb sich den Nacken. “Es sind doch nur Mähnengummis…”
      Ich entschuldigte mich und wand mich wieder meiner Stute zu. Aus dem Augenwinkel nahm ich wahr, dass Caleb den Kopf schüttelte bevor er sich umdrehte und ging. In einer halben Stunde würde meine Prüfung starten. Ich band der Stute eine schlichte Turnierfrisur und sattelte sie auf.
      ...tief durchatmen...wir haben geübt...wir können das schaffen…wir werden das schaffen…
      Ich atmete aus und streichelte meiner Stute ein letztes Mal den Hals.
      Im Schritt ritten wir in den Parcours und steuerten geradewegs auf das erste Hindernis zu: ein Tor. Ich hielt meine Stute neben dem Tor an und legte den Bügel um, der das Tor verschlossen hielt. Continental reagierte fein auf meine Hilfen und ging ein paar Schritte rückwärts damit wir das Tor durchschreiten konnten. Nachdem das Tor wieder geschlossen war stellte ich meine Stute auf und richtete sie rückwärts durch eine Gasse aus Stangen im Sand. Prima! sagte ich in Gedanken und trabte die Stute aus dem Stand an. Vor uns lagen nun 3 grelle Stangen im Sand. Continental war konzentriert bei der Sache und trabte am langen Zügel über die Stangen ohne sie dabei zu berühren. Ich gab meiner Stute die Hilfen zum Galopp und ritt sie über die Stangen um sie danach wieder in den Trab zu parieren und zwischen den Stangen durchzureiten. Nach zwei weiteren Stangenhindernissen im Galopp und Trab kamen wir an das letzte Hindernis: Einer Box aus Stangen. Ich parierte meine Stute in den Schritt und stellte sie in der Box auf. Ich korrigierte meinen Sitz im Sattel und legte den äußeren Zügel an den Hals an damit Continental sich auf der Stelle um 360 Grad drehte und wieder stehen blieb. Im Schritt verließen wir die Box und beendeten den Parcours, indem wir über die letzten 2 Stangen am Boden ritten. Mehr als zufrieden klopfte ich den Hals der Stute und nahm einem der Helfer die Abschwitzdecke ab, damit ich sie ihr über die Kruppe legen konnte. Ich ließ sie noch ein paar Runden am langen Zügel über den Abreitplatz laufen, bevor wir zurück zum Stall ritten wo ich meine Stute absattelte und ihr zur Belohnung eine Schüssel Mash herrichtete.
      [​IMG]
      [​IMG]

      Frage 10 "Wie denkst du, sah die Vergangenheit deines Pferdes aus?" | 15 Punkte
      Darüber habe ich mir lange den Kopf zerbrochen. Gerade in den ersten Wochen.
      War sie in ein Turnierpferd oder war sie das Lieblingspony eines kleinen Mädchens in der Reitschule? Da man weder den richtigen Pass, noch den Namen oder andere Informationen hatte war auch die Suche im Internet mehr als schwierig. Als ich schon fast alle Hoffnung aufgegeben hatte, erreichte mich eine eMail aus Idaho. Susanne Hold wurde durch Bekannte auf das Horse Makeover aufmerksam und vermutete hinter Continental eines ihrer früheren Fohlen. Nach ein paar eMails und einem Videotelefonat bestätigte sich ihr Verdacht. Continental stammte gebürtig aus Glenns Ferry in Idaho und hieß Bonnie Bo Chex. “I am so happy to know that she is fine…!” sagte sie und wischte sich mit dem Handrücken eine Träne weg. Ich zeigte ihr ein paar aktuelle Bilder und Videos und versprach ihr, sie auf dem laufenden zu halten. Nur wenige Minuten nach dem Videotelefonat erhielt ich eine Mail von Susanne mit einem Bild von meiner Stute als Fohlen mit ihrer Mutter. “Das gibt es ja nicht.” sagte ich leise und lächelte. Auch wenn das Bild mehr als 11 Jahre alt war, erkannte man Continental sofort.
      Ich wusste zwar noch immer nichts genaues über die Vergangenheit meiner Stute, aber ich wusste woher sie kam und allein das stimmte mich schon glücklich.
      [​IMG]

      Frage 15 "Was war dein Ziel, als du vor drei Monaten mit dem Pferd angefangen hast zu trainieren?" | 5 Punkte
      Mir war es vom ersten Tag an wichtig, dass ich das Pferd zu nichts zwingen werde.
      Die ersten Wochen mit Continental waren alles andere als leicht, gerade wenn man die Fortschritte der anderen gesehen hat und man selbst auf dem Boden der Box saß und an sich zweifelte. Die Basis jeder Trainingseinheit war Geduld und ich denke das wir beide während dieser kurzen Zeit viel voneinander lernen konnten und auch weiterhin lernen werden. Um ehrlich zu sein hätte ich niemals geglaubt, dass ich mein Pferd zum Finale unter dem Sattel vorstellen können würde.

      Statement zum Horse Makeover Joelle 2019
      Herzlichen Dank an alle, die dieses Event organisiert und unterstützt haben.
      Auch wenn die Motivation hier und da geschwächelt hat, hat es doch eine Menge Spaß gemacht sich mit dem Pferd auf einer virtuellen Ebene zu beschäftigen. Das Horse Makeover hat mir sogar ein Stück weit den Spaß am Spiel zurückgebracht, weil die Community aktiver wurde und die User sich untereinander oft geholfen haben. Danke für das Horse Makeover Joelle 2019!

      [​IMG]

      Quelle:
      Hintergrund Bow River Ranch von Samarti | Hintergrund braun umzäunter Reitplatz von sadasha | Knotenhalfter von Maleen
      Westernsattel und Pad von Maleen | Einohrtrense mit Shanks von sadasha | Johanna Röder von sadasha
      Bild "Continental als Fohlen mit Mutterstute" von sadasha | Pferd von Canyon | Bodenarbeitsstangen von sosox3
      Bewegungen und Lineart von adoptedfox

      Pflegebericht
      März 2020, by adoptedfox
      Seufzend lehnte ich mich über das Lenkrad meines Wagens und blickte hinaus zu den Wolken. Es war ein regnerischer Tag und der harsche Wind wiegte die Bäume, als habe er vor sie zum schlafen zu verführen. Ich schloss den Reißverschluss meiner Jacke und lehnte mich nach hinten um meine Tasche von der Rücksitzbank zu holen. Sie war schwerer als ich es in Erinnerung hatte und doch schaffte ich es, sie nach vorn auf meinen Schoß zu heben. Nachdem ich einen letzten prüfenden Blick auf die dunklen Wolken über mir geworfen hatte, öffnete ich die Tür und lief schnellen Schrittes über den Hof. An der Tür angekommen verriegelte ich den Wagen und steckte den Schlüssel in das Schloss, damit er mir nicht aus der Hand fallen würde während ich die Tasche auf dem Boden abstellte. Ich holte die Post aus dem Briefkasten und begab mich ins Haus. Vor einem Monat waren meine Pferde HMJ8345’s Continental, Bear Brooks Denahi, Smarty Jones und ich auf das weitläufige Gelände der Willowbranch Farm umgezogen. Mein Leben hatte sich um 180 Grad verändert und obwohl es eine Menge Mut gekostet hat, war ich überglücklich mit meiner Entscheidung.
      Ich stellte meine Tasche auf dem Küchentisch ab und warf einen Blick aus dem Fenster. Blanton’s Gentleman und How ‘Bout Moonies standen mit gesenkten Köpfen im Unterstand des Paddocks und dösten, während unmittelbar vor ihnen das Wetter tobte. Ich schüttelte lächelnd den Kopf und ging die Post durch, bevor ich ins Büro ging uns sie in die entsprechenden Ablagen verteilte. “Das erledige ich heute Abend.” murmelte ich und begann die Knöpfe meiner Bluse zu öffnen. In Blusen, Röcken und Kleidern fühlte ich mich alles andere als wohl und doch kam ich nicht drum herum wenn es um wichtige Termine und Treffen ging. Ich warf die Sachen aufs Bett, schlüpfte in meine Lieblingsreithose und zog einen Hoodie aus dem Kleiderschrank. Auf dem Weg in den Stall band ich meine Haare zu einem Pferdeschwanz zusammen und knotete eine Schleife in die Bänder meiner Kapuze. Thomas und Martin, meine beiden Pferdepfleger, waren gerade dabei die Boxen der Pferde zu misten als ich das Stallgebäude betrat. Four Bar Chocolate Becks, Chapman, Smarty Jones und die beiden Stuten standen entspannt in ihren Boxen. Ich ging in die Sattelkammer und begann das Futter für die Pferde herzurichten. Für Smarty Jones kochte ich zusätzlich eine Portion Mash. Während die anderen Pferde sich bereits im Fellwechsel befanden, lief es bei ihm schleppend. “Gut das du da bist!” sagte ich als Thomas in die Sattelkammer kam. “Ich zieh das Gladiator für Smarty Jones schon auf und leg es in seinen Futtereimer. Gibst du ihm das später bitte?” fragte ich ihn und griff nach der Flasche, die im Regal stand. “Natürlich.” antwortete er und nahm die Abschwitzdecken der beiden Hengste, die auf der Koppel standen, mit. Thomas war kein Mann großer Worte. Er war nur wenige Jahre älter als ich und besaß ein schier endloses Wissen über Pferde. Ich war mehr als froh ihn am Hof zu wissen. Ein paar Minuten später kamen die beiden mit den Hengsten im Schlepptau zurück in den Stall. Ich gab in jeden Eimer einen Apfel und eine Karotte und ging dann zu meinem Sorgenkind. “Na mein Großer?” begrüßte ich den Hengst und ging zu ihm in die Box. Seit einer Woche bekam er nun das Ergänzungsmittel und langsam schien es bergauf zu gehen. Er wirkte wacher und hier und da konnte ich die ersten Büschel seines dichten Winterfells herauslösen. “Ich hab mir schon Sorgen gemacht, Mensch.” sagte ich und klopfte seinen Hals. Als wollte er mich besänftigen schnaubte er und rieb seinen Kopf an meiner Schulter. Ich verließ die Box für einen Moment und holte sein Halfter, damit ich ihn auf dem Putzplatz etwas striegeln konnte. Martin lachte, als er vorbei lief. “Soll ich eine Box fertig machen? Das wird doch ein zweites Pferd.” er zeigte auf den fellbedeckten Boden und griff nach dem Besen um einen Haufen zu bilden. “Die Kur scheint zu helfen.” gab ich zurück und setzte den Zackenstriegel erneut an. Eine halbe Stunde war ich damit beschäftigt den Hengst wieder auf Hochglanz zu bringen und ich war mehr als zufrieden mit dem Ergebnis der Putzsession. Ich brachte Smarty Jones zurück in seine Box und holte das Mash aus der Sattelkammer um es ihm zu geben. “Lass es dir schmecken.” sagte ich und und zog die Boxentür zu. “Ich hätte das doch gemacht…” Martin hatte den Putzplatz bereits aufgeräumt und lächelte mich verschmitzt an. Ich bedankte mich bei ihm und ging dann ins Haus um mich der Büroarbeit zu widmen. Für morgen hatte ich keine Termine und ich freute mich schon darauf, endlich wieder Zeit mit meinen Pferden verbringen zu können.

      [​IMG]
      Trail LK 4 - LK 3 Teil I
      Juni 2020, by Veija
      Caleb
      Der Juni war viel zu schnell zu Ende. Ich könnte schwören, dass er gerade erst angefangen hatte, da war er schon so gut wie vorbei. Das Training der Pferde hatte nicht gestoppt, im Gegenteil. Viel mehr hatte es richtig Fahrt aufgenommen!
      Auch Trainingspferde waren in diesem Monat bei uns auf der Ranch willkommen gewesen. Schon Anfang des Monats kam Kuckunniwi zu uns, ein junger Mustanghengst der noch allerhand Flausen im Kopf hatte- typisch Junghengst eben. Bevor ich mit dem Training des Pferdes überhaupt anfangen konnte, durfte er sich ein paar Tage einleben. Aus den paar Tagen wurde allerdings eine Woche, da er nicht wirklich zur Ruhe kam und auf seinem Paddock immer wieder auf und ab lief. Kurzerhand entschied ich mich dann dazu, ihn auf ein Stück der Koppel zu lassen, in die Nähe der anderen Pferde. Auf seinem Paddock stand er zwar direkt neben den anderen Pferden, was bei der Koppel auch so war, doch wie durch Zauberei fühlte er sich auf dem Gras sofort wohl, kam runter und entspannte sich endlich. Ein Glück, denn so konnte ich mit gutem Gewissen das Training beginnen!
      Eingeritten wurde er vom WHT Ausbildungsbetrieb, weshalb ich zunächst einmal schauen musste, wie er sich unter dem Westernsattel so machte. Sofort merkte ich, dass “Wölfchen”, wie er von allen genannt wurde, den typischen will to please hatte und sich stets bemühte, die Anforderungen, die ich an ihn stellte, mit Bravour zu meistern.
      In seiner zweiten Woche auf der Ranch, der Ersten unter dem Sattel, kümmerte ich mich jeden Tag ein paar Minuten um die Basics. Geradeaus im Schritt, Trab und Galopp. Ein paar einfache Hufschlagfiguren wie Zirkel, die warern in der Westernausbildung sehr wichtig und das Rückwärtsrichten, damit hatten wir schon alle Hände voll zu tun, denn schließlich war er quasi gerade erst eingeritten.
      Sehr schnell stellte ich allerdings fest, dass der junge Hengst seine Beine ziemlich gut im Griff hatte. Beim Rückwärtsrichten, dem Back Up, setzte er jeden Huf kontrolliert nach hinten. Auch beim Antreten hatte ich die Kontrolle über die einzelnen Hufe schnell erlangt.
      Nancy Wizzard, die bis Ende Juni noch die Besitzerin des Hengstes war, ehe er in den Besitz von May Stevens und June Miller überging, war sich bei der Anmeldung des Hengstes nicht sicher gewesen, in welche Sparte der Westernkunst ihr Hengst passen könnte. Übers Telefon klärte ich sie eines Abends auf, dass ich mir den Hengst im Trail gut vorstellen konnte. So gut wie alle Mustangs fanden in dieser Klasse ihren Platz, da sie wahnsinnig trittsicher waren.
      Nachdem per Telefon alles geklärt und abgesegnet war, fing ich in der dritten Woche mit ersten Trailhindernissen an. Beginnen wollte ich mit einfachen Schrittstangen, vier an der Zahl, sowie Trabstangen, einmal zwei, sowie zwei mit folgendem Slalom, bei dem nur an der mittleren Pylone eine Stange lag. Ich brach die einzelnen Übungen extra herunter. Hätte ich die Pattern sofort von Anfang bis Ende versucht, wäre es nicht nur unfair für den Hengst gewesen, sondern auch frustrierend für mich. Wir mussten uns herantasten, langsam anfangen und uns immer mehr steigern.
      Nachdem ich Kuckunniwi ordentlich warmgeritten hatte, parierte ich ihn wieder zum Schritt durch und lenkte ihn kerzengerade vor die vier Schrittstangen. Zunächst ließ ich den Zügel etwas locker, ließ ihn selbst den Abstand einschätzen und über die Stangen gehen. Wölfchen schaffte es sogar fehlerfrei über die Stangen zu gehen, so dass wir uns auch sogleich um die Trabstangen kümmerten. Auch diese schienen für den Hengst nicht von großer Beachtung zu sein, so dass ich mich doch noch ums Rückwärtsrichten aus dem Rechteck kümmerte. Wir ritten in ein offenes, aus drei Stangen gelegtes Rechteck hinein, ehe ich ihn vor der Stange stehen ließ und kurz abwartete. Dann richtete ich ihn rückwärts und versuchte mich an der 90 Grad Drehung, die nach diesem Hindernis folgen sollte. Natürlich klappte sie nicht, denn wir hatten ja noch keinerlei Vorarbeit dazu geleistet. Dies war allerdings absolut nicht schlimm, da es mir eben vorrangig um das Rückwärtsrichten ging, welches der Hengst gut gemacht hatte.

      Später war ich im Stall, um den Hengst abzusatteln, da fuhr einer unserer Trailer auf den Hof. Neugierig streckte ich den Kopf zum Stalltor heraus. Cayce und Bellamy stiegen aus und luden ein mir bekanntes Gesicht aus. HMJ8345’s Continental. “Wo habt ihr die denn aufgetrieben?!”, fragte ich lachend und ging langsam auf die Fuchsstute zu.
      “Liest du deine E-Mails nun auch schon nicht mehr?”, fragte mich Cayce augenrollend, doch ich sah ihn weiterhin nur fragend an. “Continental ist diesen Monat für ein Trailtraining da.”
      Nun sah ich ihn noch verblüffter an. “Aber wir haben schon den 18. dieses Monats, ich kann die doch nicht in zwei Wochen trainieren.”
      “Dann ruf Johanna an und sag ihr Bescheid, dass du sie länger da behälst.”
      Ich schmunzelte. Das würde ich wohl machen.
      Gleich am selben Abend telefonierte ich mit ihr, dass ich es diesen Monat auf keinen Fall schaffen würde, ihr die Stute fertig zu trainieren. Sie war sofort damit einverstanden, die Stute im Juli noch bei uns zu lassen, so dass ich sechs Wochen Zeit hatte, sie auf die LK 3 zu bringen.
      Da ich sie schon mal am Telefon hatte, fragte ich sie auch gleich, wie das vergangene Training ausgesehen hatte, um die Stute auf die LK 4 zu bringen. Ein wenig geknickt war ich ja schon, da ich die Stute eingeritten hatte und gehofft hatte, sie auf ihrem kompletten Weg begleiten zu können. Anmerken ließ ich mir allerdings am Telefon nichts, denn ich war sehr froh, dass ich die Stute nun bei mir hatte und da weitermachen konnte, wo jemand anderes vorher aufgehört hatte.

      In den nächsten beiden Wochen knüpfte ich mir Continental dreimal die Woche und Kuckunniwi fünfmal die Woche vor. Das Wölfchen machte sich gut, die Turns wurden immer besser und auch die anderen Hindernisse stellten sich als nicht wirklich schwer heraus.
      Continental wieder an mich zu gewöhnen, war schwieriger, als ich gedacht hatte. Ich war der festen Überzeugung gewesen, dass sie mich noch erkennen würde und erneut so gut mit mir kooperieren würde, wie beim Einreiten. Dem war allerdings nicht der Fall. Vielleicht brauchte sie, ähnlich wie das Wölfchen, auch einfach mehr Zeit, sich einzugewöhnen?
      Deshalb war es auch gar nicht so schlimm, dass sie ein paar Wochen länger bleiben würde. Denn bei ihr, als auch beim Wölfchen, war noch viel zu tun.
      Für diesen Monat hatte der Mustanghengst es allerdings geschafft und konnte in der LK4 laufen. Nächsten Monat könnte ich beide Pferde zusammen für die LK 3 trainieren, wenn auch nicht jeden Tag parallel.

      [​IMG]
      Kuckunniwi Trail LK 4 - LK 3, HMJ8345's Continental Trail LK 4 - LK 3 Teil II
      Juli 2020, by Veija
      Caleb
      Wieder waren ein paar Tage vergangen, in denen ich fleißig mit den beiden Pferden, Kuckunniwi und HMJ8345’s Continental, trainiert hatte. Beide Pferde entwickelten sich gut. Continental blühte wieder auf, schien mich wieder zu erkennen und arbeitete fleißig mit.
      Beim Wölfchen hatte sich ein Problem bezüglich des Gebisses herausgestellt. Nachdem er nun Ende Juni in den Besitz von May Stevens und June Miller übergegangen war und ich die Telefonnummer nicht sofort parat hatte, dauerte es eine Weile, bis ich die Beiden erreichen konnte. Ich erklärte ihnen, dass ich schon verschiedene Gebisse ausprobiert hatte und auch schon einmal das Bosal; bisher ohne Erfolg. Für die LK 3 würde ich, es nutzte ja nichts, sowieso aufs Bit with Shanks umsteigen müssen. Aber um ganz sicher zu gehen, vereinbarte ich mit den Besitzern des Hengstes einen Termin beim Tierarzt meiner Ranch, der sich die Zähne einmal anschauen sollte- außerdem würden wir einen Osteopathen drüber schauen lassen, denn man konnte ja nie wissen.
      Dementsprechend ließ ich das Wölfchen ein paar Tage stehen und kümmerte mich vermehrt um die rote Fuchsstute Continental.
      Für die LK 3 beider Pferde musste keine neue Pattern her, lediglich der Galopp wurde dazugeholt und der Wechsel von der normalen Wassertrense aufs Bit fand statt. Die gleiche Pattern erleichterte mir die Arbeit ungemein, da in der Vorherigen schon einiges enthalten war. Eine Brücke, ein Slalom, ein Tor und viele weitere Elemente, die die Pferde auf ihren weiteren Wegen immer wieder brauchen könnten und würden.
      An diesem Morgen ritt ich Continental ordentlich warm, blieb immer neben und um den Hindernissen und ritt die Schritt sowie Trab und Galoppstangen immer mal wieder an. Mal von vorne, mal von hinten, mal schräg von der Seite. So hatte Conti immer was zu tun und ruhte sich nicht darauf aus, dass sie zu wissen schien, was folgen würde.
      Auch in den nächsten Tagen trainierte ich sie so weiter, so dass ich wenig später zusammen mit dem Wölfchen die Übungen gemeinsam angehen konnte.
      Kuckunniwi war durchgecheckt worden, von den Tasthaaren bis zur Schwanzspitze. An den Zähnen lag es nicht, das konnten wir schnell ausschließen. Dadurch aber, dass er immer so viel gekaut hatte und sich dadurch im Kiefer super festgemacht hatte, war sein komplettes Kiefergelenk komplett fest.
      Nach einer langen Einheit des wieder einrenkens und der Bitte, ihn erneut ein paar Tage stehen zu lassen, damit die Arbeit nicht umsonst gewesen war, machte ich in der Zeit doch mit Continental weiter.
      Vier Tage später, Conti hatte heute ihren freien Tag, konnte ich mich endlich wieder auf Kuckunniwi setzen; es wurde auch Zeit.
      Getrenst war er heute dennoch mit einem Stangengebiss, damit er sich an die feste Stange gewöhnte, da das Bit, also die Kandare ja auch fest sein würde. Ich merkte sofort, dass er lockerer und losgelassener lief und kaum noch kaute. Was einfache Dinge manchmal Wunder bewirkten!
      Wölfchen machte sich gut, war wieder ein wirklicher Streber und versuchte, die Aufgaben so gut es ging umzusetzen. Zumindest so lange, bis seine Faulheit wieder durchkam. Da ich allerdings den längeren Atem hatte, ritt ich einfach darüber hinweg und trieb ihn mehr nach vorne.
      Als wir am Tor standen und versuchten dieses zu öffnen und durchzugehen, schnappte er sich mit dem Maul einen der Fransen und wollte diese nicht mehr loslassen. Ich musste tatsächlich absteigen und sie ihm eigenhändig aus dem Maul fischen. “Das kann doch jetzt nicht wahr sein…”, hatte ich seine Aktion kommentiert und alle Fransen abgemacht, damit er nicht noch einmal auf diese Idee kommen würde.

      Zwei weitere Wochen vergingen und der Monat neigte sich so langsam dem Ende zu. Beide Pferde machten sich wahnsinnig gut und hatten den Wechsel auf die Kandare gut verarbeitet. Kuckunniwi lief sogar noch viel besser als vorher, da ich weniger Maulkontakt hatte und noch mehr mit anlegen des Zügels, meinen Beinen und meinem Gewicht lenkte. Auch Conti hatte die Extrazeit hier auf der Ranch gut getan und ich konnte sie guten Gewissens in ein paar Tagen nach Hause lassen- mit ihr war ich die gesamte Pattern auch schon am vergangenen Tag durchgegangen, so dass für heute nur Kuckunniwi dran war.
      Mit ihm startete ich an der Brücke. Nahm die Zügel leicht auf und ließ ihn langsam und gleichmäßig darüber hinweg gehen, ehe wir über die beiden Schrittstangen gingen und ich ihn nach links weg antrabte, damit wir zum Slalom am ersten Hütchen links vorbei konnten.
      Bei der nächsten Pylonen, an der wir rechts vorbei ritten, folgte auch die einzelne Trabstange, die wir dieses Mal ein wenig zu schräg anritten. Wölfchen hatte meinem Bein nicht genug nachgegeben, so dass ich ihn sofort anhielt und ihn so lange nach rechts rüberschob, bis er mir genug nachgab.
      Dann startete ich wieder am Trabslalom. Siehe da, er konnte ja sogar dem Bein weichen!
      Sogleich hinter der letzten Pylone stellte ich ihn zum Rechtsgalopp und galoppierte ihn über die beiden Galoppstangen, ehe ich ihn an der nächsten Kurve wieder zum Trab durchparierte, wir durchs Viereck trabten, um die Pylone herum, wieder durchs Viereck und in die offene Gasse hinein. Dort hielten wir an.
      Kurz ließ ich ihn verschnaufen, ehe ich die Hilfen zum Rückwärtsrichten gab und, als wir aus der Gasse raus waren, eine 90 Grad Drehung machten, um über die vier Schrittstangen auf das Tor zu zu gehen. An der 90 Grad Drehung haperte es schon wieder, oder sollte ich besser sagen: immer noch? Kuckunniwi wollte meinem Bein erneut nicht weichen. Ich verschob dieses Problem jedoch auf eines der nächsten Trainings, wo ich mich intensiv damit beschäftigen würde.
      Die folgenden vier Schrittstangen waren kein Problem. Das hatte ich auch eigentlich vom Tor erwartet, da ich ja die störenden Fransen entfernt hatte. Doch wieder kam uns das Problem in die Quere, dass er meinem Bein nicht weichen wollte. Typisch Hengst. Also haute ich mit dem Bein einmal zu, damit er merkte, dass ich mein Bein nicht einfach nur aus Spaß anlegte. Wölfchen machte einen Satz zur Seite, so dass ich das Tor loslassen und ihn einfach so durchgehen ließ. Ich schloss es wieder und ritt den Hengst erneut heran. Dieses Mal wich er ohne Probleme, so dass ich ihn, nachdem das Tor wieder geschlossen war, ausgiebig lobte. Noch am Abend erstattete ich den Besitzern Bericht.

      Ein paar Tage später rief mich Johanna Röder an, dass sie Continental verkaufen müsse. Dazu auch noch ihre vier Quarter Horse Hengste. Ohne lange zu überlegen bewarb ich mich auf Conti, sowie drei der Hengste und bekam wenige Tage später den Zuschlag.
      “Nun bleibst du wohl bei uns. Dann habe ich hier drei HMJ- Pferde”, sprach ich zu der roten Fuchsstute und strich ihr den Schopf aus den Augen.
    • Veija
      Richtige und falsche Entscheidungen
      August 2020, by Veija
      Caleb
      Ich stand am Zaun des ehemaligen Paddocktrails von Ylvi. HMJ Saintly, Valravn, Sunka und Inyan tummelten sich dort. Ylvis Stuten Lady Gweny und Fylgia hatten einen neuen Platz gefunden, denn sie konnten schlecht mit den Hengsten zusammen stehen bleiben.
      Aus dem Augenwinkel sah ich Betsy, die sich an den Hals ihrer Stute Sue (Black Sue Dun It) lehnte und vermutlich wieder weinte. Meine Hand wanderte zu meiner Brust, in der ich, wie die ganzen letzten Tage auch schon, einen schmerzhaften Stich verspürte. Wieso konnte das Leben nicht fair sein?
      Aber lasst mich von Anfang an erzählen.

      Ende April
      “Gleich haben wir es geschafft, Tschetan”, munterte ich den Jungen neben mir im Flugzeug auf, der irgendwie ganz grün um die Ohren aussah. Er war wirklich nicht zum Fliegen gedacht. Ich war mir nicht sicher, ob ihm schlecht war oder ob sonst etwas nicht stimmte, denn er brachte nur ein zusammengepresstes: “Gut”, raus.
      Die Maschine landete, wir durften uns los schnallen und nach wenigen Minuten wurden die Türen geöffnet. Tschetan sprang auf, machte einen Satz über mich drüber und rannte quasi aus dem Flieger raus. Einige der Passagiere beschwerten sich lautstark, Andere sahen mit einem fragenden Blick zu mir. “Dem hat das Fliegen nicht bekommen.” Zack. Das reichte ihnen wohl als Aussage, denn sie sollten mich nicht nerven. Auch ich hatte die Schnauze voll vom Fliegen und freute mich, endlich wieder kanadischen Boden unter den Füßen zu spüren.
      Vom Fach über unseren Sitzen zog ich das Handgepäck zu mir runter, ging zum Ausstieg und übersprang tatsächlich die letzte Stufe der Treppe, um mit einem lauten ‘wumms’ auf dem Boden zu landen. Ich streckte mich, zog einmal tief die Luft ein und hielt dann Ausschau nach Tschetan.
      “Könnten Sie.. ich würde auch gerne aussteigen”, meldete sich eine Stimme hinter mir zu Wort. Ich lachte in mich hinein, ging wortlos ein paar Schritte zur Seite und sah den Jungen in diesem Moment zur Laderampe verschwinden. Von Cayce oder Bellamy oder irgendeinem Mitarbeiter der Ranch, die mit dem Hänger eigentlich schon hier sein sollten, fehlte jede Spur.

      Bellamy
      Ich hatte Caleb zugesagt, dass ich ihn und Tschetan vom Flughafen abholen wollte. Ich war dabei den Pferdehänger an den roten Pick Up Truck von Caleb anzuhängen, als es krachte und ein Reifen des Anhängers in sich zusammen sank. “Mist verfluchter!”
      Keimend richtete ich mich auf, ließ meinen Blick über den Hof schweifen und rief ein paar Mal laut nach Dell. Der Vater von Betsy war ein Ass im Reparieren von allen möglichen Maschinen. Ich hatte ihn schon oft dabei beobachtet, wie er immer wieder Verbesserungen vornahm und Werkzeug, welches vor allem durch Caleb einer riesigen Unordnung unterlag, von ihm neu sortiert wurde. Er wollte seine Arbeitsutensilien alle am richtigen Platz wissen.
      “Deeeeelll!”, rief ich noch einmal laut und schnappte mir mein Handy, um ihn anzurufen. Der Hof war so riesig, dass wenn er bei den Koppeln war, er mich natürlich nicht hören konnte.
      Zum Glück hob er ab. “Dell du musst zum Haupthaus kommen, wollte gerade den Pferdehänger anhängen, da hat sich ein Reifen verabschiedet. Kannst du den tauschen?... Gut… gut ich hol dich ab, ich komm sofort.”
      Wenig später stand Dell zusammen mit mir am Hänger. Er beäugte den Reifen kritisch. “Das dauert eine Weile. Pünktlich kommst du nicht mehr zum Flughafen, selbst wenn ich mich beeile. Du kannst versuchen den Hänger abzuhängen und den kleinen anhängen, aber wollte Caleb nicht explizit den Großen mit viel Platz?”, fragte mich der junge Mann und ich nickte.
      “Ich telefonier mal rum, ob ich was passendes finde.”

      Ylvi
      Mit einem der Trainingspferde von Octavia am Strick hängend bewegte ich mich über den Haupthof der Ranch. Dell, halb unter dem Hänger liegend, der Truck stand herum. Bellamy mit einem genervten Ausdruck im Gesicht, das Telefon an das Ohr gepresst. Lief er wie ein Uhrmännchen hin und her. “Scheiße!” ertönte als er aufgelegt hatte, bei dem Ausruf fuhr ich etwas zusammen. “Was ist denn hier los?”
      “Wir wollten längst los, der Reifen vom Trailer hat sich verabschiedet.”
      “Keinen Ersatz gefunden?”
      “Keiner mit einem ähnlich großen Trailer. Was machst du?”
      Ich hob mein Handy. “Einen Moment.”

      Ich legte auf grinste breit. “Gut dann wollen wir mal los. Ich hab uns einen Trailer besorgt.” Bellamy sah ein wenig ungläubig drein. “Woher?”
      “Du glaubst gar nicht was man für Themen bei öden Elternversammlungen haben kann. Eine Freundin von Betsy und Kaya wohnt ganz in der Nähe...die haben auch einen kleinen Betrieb. Und einen Trailer den sie uns leihen! Los!”
      Eine gute Viertelstunde später befanden wir uns auf der Straße Richtung Flughafen. Ich tippte eine Nachricht für Caleb ins Handy, dass das Unheil abgewendet worden war und wir uns auf dem Weg befanden. Ich wusste nicht ob er die Nachricht lesen würde, aber bisher waren wir nur knapp eine halbe Stunde zu spät. Wenn der Hengst noch immer sediert sein würde, dann gäbe es wohl keine Probleme ihn auf den Hänger zu befördern. Wobei Tschetan am Telefon berichtet hatte das er eigentlich Recht zugänglich wäre. Mich persönlich freute es dass Caleb sich begann mit dem Jungen so gut zu verstehen.


      Caleb
      Auch ich ging zur Laderampe des Flugzeuges und betrat diese wortlos. Tschetan stand neben dem Hengst und streichelte langsam seinen Hals. „Alles gut, Großer. Du hast es fast geschafft und bist dann für immer zuhause.“
      Während die Beiden dort so vertraut miteinander die kurze Stille genossen, suchte ich mir einen der Flughafenmitarbeiter und schilderte ihnen, dass unser Trailer leider Verspätung hatte und es noch etwas dauerte, bis wir abgeholt werden würden. „Kein Problem Mr. O‘Dell“, antwortete mir der junge Mann. „Dieser Flieger muss erst morgen wieder los, Sie haben also alle Zeit der Welt.. naja zumindest bis ich später Feierabend mache.“
      Ich lachte und bedankte mich bei ihm. Mittlerweile, oder besser gesagt wieder, war ich hier bekannt wie ein bunter Hund. Von Calgary aus flog die Ranch alle Pferde ein und aus. Auch die Trainingspferde landeten hier und kamen von hier mit zur Ranch.
      Mein Handy klingelte. Zum Glück hatte ich es vor unserem Flug aufgeladen und währenddessen ausgemacht, so dass ich noch ein wenig Akku besaß. „Hey Tschetan, Ylvi und Bellamy sind auf dem Weg. Es gab ein Problem mit dem Anhänger, aber Dell ist schon dabei ihn zu reparieren.“
      “Okay ist gut”, antwortete mir der Junge.
      Eine gute halbe Stunde später waren die Beiden am Flughafen. Tschetan fiel Ylvi in die Arme und Bellamy klopfte mir kurz brüderlich auf den Rücken. “Gut, dass du wieder da bist.”
      In aller Windeseile, aber dennoch mit der nötigen Ruhe luden wir HMJ Saintly auf den Anhänger und machten uns auf den Heimweg.
      Während der Fahrt erzählten der Junge und ich viel von Schweden. „Nichts für mich. Absolut nichts für mich“, beendete ich die Erzählung und erhaschte einen fragenden Blick von Ylvi, auf den ich jedoch nicht mehr einging, denn wir waren gerade auf dem großen Hof angekommen.
      „Wir stellen ihn auf einen der kleinen Paddocks, evtl kann ihn jemand später in de Stall stellen aber lassen wir ihn zunächst mal draußen“, gab ich die Anweisung und stieg aus dem Wagen aus. Wir luden Saintly aus, stellten ihn auf den Paddock. Die Sedierung wirkte noch immer ein wenig, denn er hob nur leicht den Kopf, sah sich um und ließ ihn dann wieder sinken. “Ihr könnte ihn euch ja noch anschauen, ich muss ins Bett.”

      Ylvi
      Schweden war nicht seine Welt gewesen, oder der Stall dort? Die Frage brannte mir unter den Nägeln. Allerdings wollte ich ihn auch nicht um seinen wohlverdienten Schlaf bringen. Also ließ ich die Frage vergehen, hob die Hand zum Gruß und wünschte ihm eine gute Nacht.
      Er hatte mir gedankt, das ich den Trailer der Rollinsons besorgt hatte. Sonst hatten wir noch nicht viele Worte gewechselt. Es war noch immer ein wenig seltsam. Tschetan neben mir riss weit den Mund auf. “Ich fürchte ich muss auch ins Bett. Der Flug war grässlich. Ich kann mir nicht vorstellen wie einige Menschen gern in diese Blechdosen steigen.” Ich musste schmunzeln. Blechdosen war ein ganz passender Ausdruck.
      “Hoch über den Wolken zu sein hat dir also nicht gefallen?” Tschetan zuckte die Schultern “Vielleicht sollten wir das Fliegen doch eher den Geschöpfen der Luft überlassen. Ich freu mich sobald meine Schenkel wieder den Körper eines Pferdes unter sich spüren. Ich denke morgen nehme ich mir Valravn für einen schönen Ritt in die Berge!” verkündete der Junge und gähnte noch einmal herzhaft.
      Leise schlich er sich in das Zimmer in dem seine Schwester bereits schlief. Demnächst würde es womöglich Zeit das wir aus dieser Schuhschachtel auszogen. Ein Jugendlicher im Zimmer mit seiner jüngeren Schwester wäre wohl auf Dauer ein wenig seltsam.
      Louis saß noch auf der Couch ein Buch in der Hand. Ich ließ mich neben ihn plumpsen, legte meinen Kopf an seine Schulter und überflog die Zeilen die er las, ohne deren Inhalt wirklich in mir aufzunehmen. “Hab Dell vorhin geholfen den Trailer zu reparieren. Anschließend waren wir draußen mit den Mädels. Dell ist Inyan geritten, ich selbst Gweny und die Kids hatten Fylgia und Sue. Hoffe das war in Ordnung?” Ich lächelte “Die Pferde gehören zur Familie, natürlich darfst du auch entscheiden wer wen reitet, du Trottel.”
      “Wen nennst du einen Trottel?”
      “Na dich!”
      Das Buch landete mit einem klatschen auf dem Boden,als er mir seine Hände um die Schultern legte und begann mir seine Hände sanft an den Hals zu legen. Dann spürte ich Küsse auf meiner Nase. “Dein Trottel.” Ich streckte die Zunge heraus.“Dieser Trottel allerdings. Muss nochmal rüber ins Haupthaus. Mein Laptop ist noch da..und einige der neuen Fohlen müssen noch auf die Website. Dazu bin ich vorhin nicht gekommen. Hab im Flur allerdings den Schlüssel nicht gefunden.” Louis legte den Kopf kurz schief.
      “In der Küche auf der Anrichte liegt er rum.”
      “Wenn ich dich nicht hätte.”
      “Dann wärst du Tod. Dein Kopf ist wahrlich nicht der Beste.” ich grinste ihn doof an, streckte die Zunge heraus. Dabei spielte er auf die Aktion auf dem Berg an, der Tag an dem mein Herzschrittmacher versagt hatte.
      Ich schnappte mir den Schlüssel, lief hinüber zum Haupthaus und in das kleine Büro in dem Caleb seine Arbeit verrichtete und in dem seit neustem auch ein Schreibtisch für mich stand. Ich schrak ein wenig zusammen als ich mich umdrehte und plötzlich Caleb im Türrahmen stand.

      Caleb
      Mit meinem Koffer bepackt startete ich meinen Weg in Richtung Haupthaus. Ich öffnete die Tür, trat ein, schloss sie wieder hinter mir und legte meinen Hut auf die Kommode, die rechts neben der Tür stand. Dies war eine so routinierte Bewegung, dass ich zunächst nicht realisierte, dass der Hut von der Kommode auf den Boden purzelte und vor meinen Füßen zu liegen kam. “Was zur…”, fing ich an und wandte meinen Blick nach rechts. Was sich in mein Blickfeld schob, gefiel mir absolut nicht, Hüte. Übereinander und nebeneinander gestapelt. Die Meinen dazwischen. Das gäbe morgen früh am Frühstückstisch eine Standpauke.
      Nichtsdestotrotz fand mein Reisehut dennoch irgendwie einen Platz, so dass ich meinen Weg in mein Schlafzimmer ohne weitere Zwischenfälle fortsetzen konnte.
      Dort angekommen stellte ich den Koffer in die Ecke, stellte mich an mein großes Panoramafenster und zog einmal tief die Luft ein. Zuhause - und ja, es fühlte sich wie Zuhause an, mit allen Fasern meines Körpers. Endlich. Nach all der Zeit, allen Höhen und Tiefen hatte ich für mich etwas gefunden, das ich so nennen konnte- Zuhause. Etwas unwirklich war es ja schon, dass all das, was ich von hier sehen konnte… und noch so viel mehr, mir gehörte. Die Ställe, die Paddocks, die Weiden… die Pferde, ja sogar die Kühe gehörten mir.
      Eine Sache oder besser gesagt eine Person hatte sich allerdings von mir abgewandt. Ylvi. Ihren Blick im Auto schien ich wohl richtig gedeutet zu haben, denn noch im Ansetzen eines Satzes, hatte sie den Mund wieder geschlossen und kein Wort verließ ihre Lippen. Mist… schon wieder waren meine Gedanken dahin gewandert, wo ich sie nicht haben wollte und von wo ich sie auch nicht so einfach wegbekommen würde.
      Ich seufzte, schlafen konnte ich wohl erstmal vergessen. Also führte mein Weg mich in mein Büro, in dem ich den Rücken einer Frauengestalt wahrnahm. Mein Blick fiel allerdings zunächst auf den zweiten Schreibtisch. Ein… zweiter Schreibtisch?
      Die Frau drehte sich um und ich erkannte Ylvi darin. “Was macht der Schreibtisch in meinem Büro?”, fragte ich sie harsch, ohne auf ihren kurzen Schockzustand einzugehen. Ich war müde, genervt und hungrig- außerdem waren meine Gedanken nicht da, wo ich sie gerne hätte.
      “Na irgendwo musste ich doch arbeiten.”
      “Ist gut, passt schon”, murrte ich, schob mich an ihr vorbei und setzte mich auf meinen Stuhl. Hier fiel mir das Chaos, welches mir schon im Flur begegnet war, wortwörtlich wieder in den Schoß. Beim schwungvollen Hinsetzen knallte ich mit der Lehne an den Tisch, so dass einer der Papierstapel von Bellamy umkippte und sich über mir und dem Boden verteilte. “Verdammter Mist…”, fluchte ich und bückte mich, um die Papierseiten aufzuheben.


      Ylvi
      Wieder diese mürrische Ausdruck um seine Mundwinkel, in seiner Stimme. Offenbar hatte ich den Schreibtisch nicht ihm, sondern vermutlich Bellamy zu verdanken. Ich sah wie er sich setzte, ich sah wie ihm die Papiere zu Boden glitten. Und dann zuckte ich zusammen. Denn es war ein lautes Pochen zu hören, ein Laut des Schmerzes von Caleb und seine Hand die sich an die Stirn packte. Beim Abtauchen nach den Papieren hatte er mit der Stirn die Tischkante erfasst. Einige weitere leise gemurmelte Flüche ertönten als ich mich erhob um ihn zu unterstützen. “Soll ich dir ein Kühlakku holen?” murmelte ich, nur knapp mein Lachen unterdrückend. Sein Blick hob sich, funkelte mich an. Und, ich wusste nicht was es war. Aber plötzlich schmolzen seine Gesichtszüge zusammen und er grinste, seine Schultern zuckten und er lachte. Da ich nicht sicher war wie er es auffassen würde, wenn ich einstimmte lächelte ich nur unsicher. Es dauerte nur einen Moment, dann sammelten wir gemeinsam die Zettel zusammen. “Das erinnert mich an die Zeit, als wir uns gemeinsam durch die Unterlagen gequält haben. Kurz nachdem Bellamy mir die Ranch überschrieben hat. Man war das eine Arbeit.”
      “Wir haben 3 Tage gebraucht.” erinnerte ich mich.
      “Wobei wir natürlich deutlich schneller gewesen wären, so...ohne Unterbrechungen.” Ich spürte wie mir die Ohren heiß wurden, war jetzt froh darum das meine schwarzen Haare diese gut überdeckten. Ja, wir hatten uns damals Zeit gelassen, nicht nur für die Unterlagen, sondern auch füreinander. Da ich daran nicht weiter denken wollte, griff ich wieder nach einem der Blätter zu meiner rechten, legte sie auf den Stapel den Caleb bereits angelegt hatte. “Ich wollte gerade noch die neuen Fohlen auf die Website packen. Und ein paar der angenommenen Anfragen an dich weiterleiten.” wechselte ich flux das Thema. Ich wollte Caleb nicht mit Gedanken an die Vergangenheit beschäftigen. Dabei schwirrten mir diese gerade selbst im Sekundentakt durch den Kopf. Seine Anwesenheit machte diese Tatsache nicht unbedingt einfacher. Vielleicht sollte ich doch woanders mein Büro einrichten.

      Caleb
      Ich seufzte kurz auf, nickte dann allerdings. “Dann kannst du dich dazu ja an deinen neuen Schreibtisch setzen.”
      “Eigentlich wollte ich nur meinen Laptop holen und… ach was, ich setz mich noch ein bisschen hierher.” Ich sah sie kurz an, doch sie wich meinem Blick aus. Was wollte sie eben sagen? Den Laptop schnappen und zurück zu Louis gehen?
      Mit den Zähnen knirschend widmete ich mich wieder den Unterlagen auf dem Tisch. Dabei fielen mir die Vordrucke zur Registrierung der Fohlen in die Hände. “Sag mal Ylvi ist da eigentlich schon irgendwas beantragt?” flatternd hielt ich der jungen Frau eines der Blätter hin.
      “Caleb wenn du so zappelst seh ich gar nix”, schlussfolgerte sie mürrisch, weshalb ich sofort mit dem Gezappel aufhörte und das Stück Papier mit beiden Händen möglichst zitterfrei festhielt.
      “Die Fohlen. Wurde da schon eins eingetragen?”
      “Nicht, dass ich wüsste. Ich schau mal in den E-Mails.”
      “In den E-Mails siehst du das nicht.. warte ich geh mal auf die Homepage”, antwortete ich und tippte in die Tasten, nachdem ich meinen PC hochgefahren hatte. Es dauerte ein paar Minuten, bis alle geladen hatte und ich… nichts vorfand. “Nope.. gar nix. Keine Beantragung, also auch keine Bearbeitung.” Ich seufzte. “Hast du schon passende Bilder für die Papiere gemacht? Vorne, hinten, etwaige Kopfabzeichen und beide Seiten der Fohlen?”
      “Nein.. nur ein paar einfache Bilder für die Website, die meisten sind in Bewegung.”
      “Dann hast du morgen eine Aufgabe…. musst schauen ob dir jemand helfen kann, ich hab zu tun.” Da war er wieder. Der patzige, abweisende Caleb, der noch immer nicht genau wusste, wie er sich ihr gegenüber verhalten sollte. Einerseits wollte er ihr einfach nur die Kleider vom Leib reißen… andererseits sträubte sich jede Zelle seines Körpers dagegen, sie je wieder anzufassen- und wie immer, wenn er nicht weiter wusste, stieß er die Menschen auf unliebsame Weise von sich weg.
      “Von welchen Anfragen hast du eben gesprochen?”

      Ylvi
      Ich nahm seine Art hin, irgendwie hatte ich sie ja verdient. Aber falls er vor hatte mich damit von sich fortzutreiben so funktionierte das nicht. Dazu hatte ich ihn in den Jahren in denen ich nun schon auf der Ranch lebte zu sehr kennengelernt. Stattdessen fachte es etwas in mir an. Diese unbekannte Seite in mir die nur Caleb zum klingen brachte. “Für die Fotos werd ich mir wahrscheinlich Dell schnappen, falls du ihn morgen nicht anderweitig eingeplant hast? Er hat die Stuten samt Fohlen am besten im Kopf und bei den Geburten geholfen, denke da kommen am besten Fotos zustande.”
      “Warte, die Anfragen krieg ich nicht mehr zusammen.”
      Ich angelte um den Tisch herum nach meinem Mac, klappte ihn auf und ging mit diesem wieder hinüber zu Calebs Schreibtisch. “Das ich eine Instagram-Seite für die Ranch angelegt habe, mit täglichen Postings und ab und an Storys hatte ich dir ja bereits erzählt. Dort ist eine Anfrage eingegangen von einer jungen Chinesin, die gern als Working Student zu uns auf die Ranch kommen würde. Warte, ich kopier den Text schnell in eine Email, dann kannst du dir selbst ein Bild machen von ihr.” Ich tat wie geheißen, hängte an die Weiterleitung auch gleich die andere Mail ran. Dabei handelte es sich um eine Anfrage von zwei Reportern bezüglich den Makeovers. Caleb war mittlerweile ein International bekannter Trainer, die angelegte Instagram-Seite hatte da sicherlich auch seine Hände mit im Spiel. Einerseits brachte das der Ranch mehr Kunden ein, allerdings bekam ich über den Account auch Anfragen anderer Art, die Caleb nie zu lesen bekam. Die mir jedoch durchaus manchmal einen Stich versetzen.

      Caleb
      Ich überlegte. “Keine Ahnung ob Dell was zu tun hat, ich blick hier in Bellamys Plänen mal wieder nicht durch”, murmelte ich und kramte in meinem Blätterhaufen hin und her. “Versuchs mal im Computer…”, kam es leise von Ylvi. Ich starrte sie kurz an, wandte dann jedoch meinen Blick wieder auf den Bildschirm. Nach ein paar kurzen Klicks hatte ich die Arbeitspläne auf dem Schirm. “Kannst Dell mitnehmen.” Ylvi nickte zufrieden.
      Mit dem Mac kam sie rüber an meinen Tisch und zeigte mir die Instagramseite, deren Existenz ich verdrängt hatte.
      Ich starrte auf den Bildschirm und sah ein paar Posts, über Training und den ganz normalen Alltag, der hier tagtäglich ablief. Von ihrem Bildschirm sah ich wieder rüber zu meinem, auf dem nun die E-Mail aufploppte. Die Anfrage der Working Studentin und die Anfragen der Reporter. “Wie alt ist die Chinesin denn?”, fragte ich Ylvi, die kurz zu überlegen schien.
      “Ich glaube in einer kurzen Anfrage vorher hat 18 gestanden.”
      “Okay, was minderjähriges will ich hier nicht haben.”
      “Warum das nicht?”
      “Bürokram. Das macht alles komplizierter.” Mit dieser Antwort schien Ylvi sich zufrieden zu geben. “Kannst du ihr schreiben, dass wir sie gerne einmal per Skype kennen lernen würden? Sie soll sich bitte bis… nächste Woche um diese Zeit hier per E-Mail melden. Dann sehen wir weiter.”
      “Ist notiert. Was machen wir mit den Reportern?”
      “Gute Frage… spricht eigentlich nichts dagegen. Fragst du an, wann sie kommen sollen?”, fragte ich sie nun etwas freundlicher. “Und jetzt erzähl mir mal etwas über diese Instagramseite. Haben wir schon viele Follower? Kommen deshalb mehr Aufträge zum Training rein?”

      Ylvi
      Ich klickte auf unser Profilbild, womit sich quasi die Startseite unserer Ranch öffnete. Dann deutete ich auf eine Zahl. “Siehst du das?”
      Caleb kam beugte sich weiter vor, sah auf die Zahl knapp über meinem Zeigefinger. “30,5k” meinte er etwas fragend. “Wofür steht das K?”
      “Tausend.”
      Kurz kam keine Antwort, nur ein Seitenblick.
      “Meinst du etwa...knapp 30.000 Leute interessiert was wir hier treiben?!” fragte der Cowboy überrascht. Ich musste schmunzeln. Diese Welt des Internets war ihm nicht so vertraut. “Tatsächlich ja. Als ich die Seite angelegt habe, wollte ich sie einfach als Projekt nebenher führen. Aber mittlerweile kommen viele der Trainingsanfragen die ich dir weiterleite, über Instagram rein. Oft werden auch Fragen gestellt.” Ich biss mir auf der Lippe herum. “Tatsächlich habe ich schon darüber nachgedacht, den weiteren Trainingsverlauf von Saintly zu dokumentieren. Vielleicht von Zeit zu Zeit Videos zu machen. Wahlweise könnte man Online-Kurse und Fragerunden anbieten. So haben Leute die Chance Dinge zu lernen ohne die lange Reise zu uns auf sich zu nehmen. Die Preise könnten geringer gehalten werden, damit das Wissen zu gutem Pferdetraining auch den weniger gut betuchten zugänglich sind. Das ist alles nur fixe Ideen in meinem Kopf, man muss sehen wie das umsetzbar ist.” meinte ich zum Ende um meine Ideen ein wenig herunterzureden. Caleb stattdessen sah mich von der Seite an. War das Bewunderung in seinem Blick?
      “Ich glaube..Bellamy dieser Idiot hat damals als er dich eingestellt hat keinen schlechten Fang gemacht.”
      “Du hast nicht den Fehler gemacht mich fortzuschicken.”
      “Glaub mir...das wollte ich, wirklich.”
      “Ich weiß...und ich bin jeden Tag dankbar das ich an diesem Ort bleiben durfte.”
      “Ohne euch würde etwas fehlen...die Kinder, du...ja sogar Louis. Tschetan macht einen guten Job. Ich glaube...wenn er fleißig in der Schule lernt, sich weiterhin an der Arbeit mit den Pferden beteiligt. Dann reitet er uns allen in 10 Jahren etwas vor.”
      War das fast so etwas wie väterlicher Stolz der da in seiner Stimme mitschwang? Es war zumindest Zuneigung. Die Reise und die Arbeit mit Saintly hatte den Jungen und den Cowboy aneinander geschweißt. Plötzlich kam mir dabei ein Gedanke. “Caleb, wo du gerade Tschetan erwähnst. Der Bungalow war von Anfang an etwas eng. Hättest du vielleicht ein Zimmer im Haupthaus für Tschetan? Langsam kommt er in ein Alter in dem wir nicht mehr von ihm verlangen können sich das Zimmer mit seiner jüngeren Schwester zu teilen. Es liegt ihm fern sich darüber zu beschweren, aber ich denke sein eigenes Reich, macht es ihm auch leichter die Aufgaben für die Schule zu erledigen.”

      Caleb
      Ich konnte nichts anderes sagen, ich war begeistert von der Instagramseite. Auf Nachfrage, ob die Ranch auch Facebook oder sonst etwas im Internet besaß, verneinte Ylvi. Lediglich die Homepage besaßen wir noch. Gespannt schaute ich ihr dabei zu, wie sie auf der Seite hoch und runter scrollte, und mir die bisherigen Posts zeigte. Auf die Frage, wer denn alles Zugang zur App hatte, deutete Ylvi auf sich. Nur sie, bisher. Mir war das auch ganz lieb, wenn das vorerst so blieb. Für so etwas war sie ja eingestellt worden und es kam nicht so gut, wenn die halbe Ranch durcheinander immer wieder Bilder und Geschichten postete. Auf ihre Aussage zu Saintly nickte ich. Solange sie sich um die Bilder und die Posts kümmerte.
      Kurzerhand wechselte sie das Thema, kam auf Tschetan und die momentane Situation im Bungalow zu sprechen. “Natürlich ist das machbar”, antwortete ich ihr. “Ein bisschen mehr Bewegung im Haus wird mir wohl auch gut tun, sonst vereinsame ich noch.” Ich lachte gekünstelt. Meine Aussage entsprach der Wahrheit. Das Haus war so still, seit ich alleine hier lebte. Octavia und Bellamy teilten sich einen Bungalow und auch die anderen waren nur für kurze Zeit hier im Haus gewesen, dabei gab es genug Zimmer. “Ich habe aber auch schon überlegt, kleinere Häuser auf das Gelände zu bauen.” Ylvi horchte auf, klappte den Laptop zu und setzte sich auf den freien Stuhl vor meinem Schreibtisch.
      “Wie kommst du darauf?”
      “Es ist wie du sagst. Der Bungalow ist für euch alle zum Beispiel zu klein. Für O und Bellamy reicht er dagegen vollkommen aus. Hier im Haupthaus wäre für euch alle zwar Platz aber ich…” Ich sprach nicht weiter. Ylvi konnte sich bestimmt denken, was ich hatte sagen wollen. “Deshalb die Idee mit den kleinen Häusern. Wir müssten nur einen geeigneten Platz finden. Ich wollte noch ein wenig Wald roden und Paddocks bauen. Generell muss hier auf dem Gelände noch einiges passieren.”
      “Was schwebt dir denn sonst noch so vor?”, fragte Ylvi mich und nahm ein leeres Blatt von meinem Tisch. Ebenfalls einen Stift. Sie fing sofort an, Dinge untereinander zu notieren. Ich fragte schon gar nicht mehr, was sie da immer tat oder warum sie das machte.
      “Ich würde die Ferienranch gerne ans Laufen bringen. Dazu müsste drüben aber mal gründlich aufgeräumt werden. Die umgefallenen Bäume rundherum weg, Rasen mähen, die Häuser innen und außen auf Vordermann bringen, das Außengelände gestalten und natürlich eine andere Inneneinrichtung… und was dort gebaut werden muss, ist ein kleiner Offenstall mit einem Stück Weide für die Pferde der Ferienranch. Ich hab da schon ein paar unserer Pferde hier im Blick.”
      “Ach ja? Welche denn?”, fragte Ylvi neugierig.
      “Warte ich hatte doch.. die Liste.. irgendwo.. ah hier! Ah ja, Sue. Die stand mal drauf, hab sie aber durchgestrichen. Es würde Betsy das Herz brechen, wenn sie die Stute nicht immer um sich herum haben könnte.. dann es sind eigentlich viel zu viele.. ich hatte an 5 Pferde gedacht- erstmal. Ich mein wenn keine Gäste da sind müssen wir ja auch jeden Tag rüber, um nach ihnen zu sehen und sie zu bewegen…”, ich machte eine Pause und holte Luft, um nochmal anzusetzen, “Wenn sie nicht verkauft werden finde ich BR Homecoming Queen und BR Hollywoods Dream Anthem geeignet. Falls sie sich unter dem Sattel auch so zeigen, wie sie zur Zeit sind. Von Octavia ist es Flashlight. Sie benötigt die Stute nicht zur Zucht. Also hat sie gesagt ich soll sie Western umschulen- auch eine gute Story für Instagram- und dann für die Ferienranch ausbilden. Des Weiteren, falls nicht gebucht oder schon tragend: Kristy Killings, Jade, Chou, Miss Independent… von den Trainingspferden Honey’s Aleshanee, A Walking Honor, Lady Blue Skip, Ginger Rose und Colonels Blue Splash… und von den Jungpferden noch BR Dissident Whiz, aber nur evlt. das wäre glaub ich der einzige Wallach dann drüben, und A Walking Dignity.” Ich sah zu Ylvi auf. “Wie gesagt, das sind alles nur Vorschläge und es ist auch noch nichts fest.”

      Ylvi
      Ich zog eine Augenbraue nach oben, sah auf meine Mitschriften in Steno und sah Caleb wieder an. “Na aber für Vorschläge, sind deine Überlegungen schon ziemlich ausgereift.” sprach ich halb belustigt.
      “Aber die Überlegungen finde ich prima. Das sind alles gute Ideen. Glaub mir an Besuchern wird es uns wohl auch nicht fehlen. Die Seite bei Instagram existiert erst seitdem du uns verkündet hast das wir bleiben können. Das ist quasi fast wie ein Selbstläufer. Wir haben viele spannende Geschichten die wir wiedergeben können.” Ohne genauer darüber nachzudenken ließ ich mich auf die Stuhllehne nieder, verstaute meine Notizen in der Tasche meines Macs.
      “Pack sie nicht zu weit weg. Wir könnten sie gebrauchen.”
      “Natürlich nicht, ich werd eine digitale Liste erstellen daraus. Bellamy in allen Ehren, aber diese Zettelwirtschaft die er veranstaltet ist ja nicht zum Aushalten.” damit deutete ich unwirsch über die vielen einzelnen Papiere auf dem Tisch. Caleb lachte. “Aber ich hab auch viel lieber mal einen Zettel in der Hand.”
      “Das kann ich voll verstehen, Caleb. Aber es gibt nunmal einige Arbeitsschritte die man optimieren kann. Ist das der Fall bin ich gern bereit dies einzuführen. Erinner dich nur mal an die Zeit als die Weidezaungeräte noch alle per Hand angeschlossen werden mussten.”
      “Touché die Idee mit den WLAN Steckdosen war tatsächlich eine deutliche Verbesserung. Und...auch die Instagram-Seite war eine gute Idee. Dafür muss ich dir danken.” Ich drehte mich halb zu ihm um, wurde mir nun bewusst wie Nahe ich bei ihm saß. Ich sprang auf in der Hoffnung es würde nicht zu hastig aussehen, griff nach dem Mac, schloss den Bildschirm und presste ihn an meine Brust. Schließlich sah ich Caleb wieder an. “Das ist doch quasi mein Job. Dafür brauchst du dich nicht zu bedanken.” Es folgte keine direkte Antwort darauf, ich nahm aber wahr wie sich der mürrische Ausdruck um seine Züge gelegt hatte. Er sah plötzlich entspannter aus.
      Die nächste Stunde sagte keiner ein Wort während jeder seiner Arbeit nachging. Caleb sortierte die Papiere und Zettel die er zu Boden geworfen hatte. Beständig lag das Geräusch eines Lochers in der Luft, das klicken der großen Heftordner, wenn er sie wieder schloss. Begleitet wurden diese Geräusche von meinen Fingern die flux und routiniert über die Tastatur flogen um einen neuen Text, kleinen Text zu den Fohlen zu schreiben, die Bilder korrekt anzuordnen. Trotzdem spürte ich seine Blicke auf mir von Zeit zu Zeit. Als alles erledigt war, ich den Bildschirm runter klappte, huschte mein Blick zur Uhr. Es war gerade 21 Uhr. “So, die Website ist wieder auf dem aktuellsten momentanen Stand. Die Bilder von morgen, werd ich dann anschließend noch ergänzen.”

      Caleb
      Bei den ganzen Papierstapeln auf meinem Schreibtisch musste ich den Boden für die offenen Ordner nutzen. Blätter sortieren, lochen, den richtigen Ordner auf dem Boden suchen und einheften. Natürlich vorher kontrollieren, ob etwaige Rechnungen schon bezahlt, angezahlt oder vergessen waren. Dazu räumte ich fast bei jedem dritten Blatt die Tastatur wieder frei und rief die E-Mails auf. “Warum muss Bellamy immer so ein Chaos veranstalten…”, murmelte ich und war mir sicher, dass ich das Organisatorische viel besser im Griff hatte, als er.
      Ylvi sagte etwas, dass mich den Kopf heben ließ. “Okay, alles klar. Ich hoffe du und Dell habt morgen Erfolg. Passt aber auf mit Candy (DunIts Smart Investment), die ist ein Biest im Moment. Nehmt sonst ein paar Halfter für die Stuten mit und auch O. Die kommt mit Candy am Besten klar. Von Devils (Wimpys Little Devil) Fohlen macht ihr besser auch Fotos aus einiger Entfernung. Ich trau ihr kein bisschen, wenn sie ein Fohlen bei Fuß hat.”
      “Oh.. das wusste ich noch gar nicht”, sagte sie überrascht.
      “Ja… Candy ist da wirklich eigen und hat einen großen Beschützerinstinkt. Devil hält sich eh fast immer abseits auf, kann aber aggressiv werden, wenn ihr jemand zu nahe kommt.”
      “Gut, dass du mir das nochmal gesagt hast”, meinte Ylvi, ehe sie anfügte: “Gute Nacht, Caleb.”
      “Gute Nacht, Ylvi.” Somit verließ sie den Raum und ließ mich alleine zurück. Ein komisches Gefühl, nicht mehr gemeinsam ins Bett zu gehen. Wobei ich mich mittlerweile ja schon daran gewöhnt hatte. Ich blieb noch etwa eine halbe Stunde, dann fielen auch mir die Augenlider immer wieder zu. Ich vertagte das weitere Chaos auf den nächsten Tage, oder den darauffolgenden, und ging hoch in mein Zimmer. Wenige Augenblicke später lag ich im Bett und schlief ein.

      Ylvi
      Louis hatte sich mit seinem Buch ins Schlafzimmer zurückgezogen. Das Kissen lag ihm im Rücken, sein Kopf auf die Brust gesunken und das Taschenbuch zusammengeklappt. Als ich jedoch das Zimmer betrat schnellte sein Kopf erschrocken hoch. “Eingedöst?” sagte ich belustigt, während ich mir meine Klamotten vom Körper entfernte. Louis legte das Buch beiseite, nickte und kuschelte sich in sein Kissen. Als ich mich dazu gesellte legte sich sein Arm um meine Hüfte, zog mich eng an sich. Ich beschloss also ihm die Neuigkeiten von Tschetans Zimmer drüben im Haupthaus eher beim Frühstück anzuvertrauen. Jetzt schien er dazu nicht mehr Aufnahmefähig.

      “So...wir haben Halfter, ich hab meine Kamera, genügend Akkus. Eine Liste der Fohlen. “ ging ich die Liste noch einmal durch. Die Tür des Pick-Ups stand dabei offen. Dell stand auf der anderen Seite und hörte zu. In seinem Rücken konnten wir Betsy und Kaya auf den beiden Pferden Fylgia und Valravn sehen. Tschetan hatte nicht mitkommen wollen. Caleb und er hatten einiges in den anderen Ställen und mit Saintly zu tun, der tägliche Pflege benötigte. Die beiden Mädels würden durch den Wald zu den Wiesen der Stuten und Fohlen geritten kommen, um uns später beim Fotografieren zu helfen und zu beobachten. Wobei mir, nach Calebs Beschreibungen einiger Stuten es lieber wäre, wenn die beiden die Wiese nicht betraten. Allerdings hatte Dell seiner Tochter den Wunsch nicht ausgeschlagen, also hatte ich Kaya auch nicht verweigert ihre Freundin zu begleiten.

      Dell
      Bereits am Abend hatte mich eine Nachricht von Caleb und kurz darauf von Ylvi erreicht, dass ich der Frau am nächsten Morgen bei den Bildern für die Fohlen helfen sollte.
      Ich freute mich riesig über diese Abwechslung, denn neben Stallarbeit, Reparaturen und dem Kümmern um meine Tochter hatte ich hier auf der Ranch bisher keine weiteren Aufgaben.

      Am nächsten Morgen waren wir bereit zur Abfahrt, nachdem Ylvi zum dritten Mal die Liste des Equipments gecheckt hatte. Allerdings vergaß sie jedes Mal etwas. „Ylvi du hast noch immer was vergessen“, meinte ich beiläufig, als ich sie durch die geöffneten Türen des Wagens anschaute.
      Sie blickte mich wie ein aufgescheuchtes Reh an, in ihrem Kopf schien es zu rattern. Eine Antwort fand sie jedoch nicht. Grinsend sah ich zu ihr rüber und hob die kleine Tüte, die ich auf den Fahrersitz gelegt hatte, hin und her schwenkend nach oben. „Leckerlis?“
      Ylvis Gesichtszüge entglitten ein wenig, sie schlug sich mit der flachen Hand an die Stirn.
      „Wie konnte ich das vergessen. Ooooh man!“
      Nun konnte es jedoch losgehen. Wir setzten uns in den Wagen, ich startete den Motor und wir fuhren zur Weide der Stuten und Fohlen. „Caleb sagte, dass Devil mit ihrem Fohlen vermutlich etwas abseits steht. Einige sind auf dieser Seite, ein paar aber auch durch den Wald und den kleinen Fluss auf der anderen Seite, aber das werden wir ja gleich sehen.“
      „Findest du es denn eine gute Idee, dass die Mädchen mit auf die Koppel kommen? Candy kann ja schon… gefährlich werden..“, meinte Ylvi und sah mich besorgt an.
      „Ich denke Betsy wollte vor allem wegen Sue mitkommen, sie ist ja immer noch sehr traurig, dass das Fohlen verkauft ist… von den anderen Pferde können wir Kaya und Betsy ja ein wenig weg halten.“ Damit schien die junge Frau zufrieden.

      Ylvi
      Wir waren bereits gut vorangekommen. Ich trug meine große Kamera an einem Band um meine Schulter, Dell hatte es sich nicht nehmen lassen mir die Tasche aus der Hand zu nehmen. Zusätzlich zu Leckerlis und den Halftern. Ich musste immer wieder schmunzeln. “Ich kann es mir nicht nehmen lassen, aber du siehst aus wie ein Packesel.”
      “Wer weiß, vielleicht hab ich vor das im nächsten Leben zu werden?”
      “Dazu hast du ja noch massig Zeit, aber an deiner Stelle würd ich noch ein wenig an meinem Karma arbeiten.” ich kannte mich nicht wirklich mit den Lehren Buddas aus, nur rudimentär das man dort aufstieg sobald man gute Taten vollbrachte. “Das habe ich vor. Jetzt helfe ich dir mit den Fotos. Und im Laufe der Tage widme ich mich dem alten Truck.”
      “Sag bloß der ist schon wieder im Eimer?”
      “Nicht im Eimer, aber irgendwas tropft.”
      Ich schüttelte den Kopf. Caleb hing wirklich an diesem blöden Truck. Wir hatten ihn schon öfter von einem anderen überzeugen wollen. Allerdings war man dabei eher auf taube Ohren gestoßen. “Dann wünsch ich dir mal viel Erfolg dabei. Ich kann mich noch an das letzte Mal erinnern. Deine Flüche sind über den ganzen Hof gefegt. Betsy hat an dem Tag beschlossen lieber bei uns das Abendessen zu verbringen.”
      “Schauspiel, alles Schauspiel.” erwiderte Dell. Ich hielt mir die Kamera vor die Nase, sah ihn drüber hinweg an. Und sah sein breites Grinsen.
      Ich schüttelte den Kopf, schaltete die Kamera wieder an, sah durch den Sucher um endlich die Fotos von Sues schwarzem Fohlen, BR Black Pamina, zu beenden. Von 15 Fohlen hatten wir bereits 5 geschafft. Die Mädels waren noch nicht hier, sie hatten sicherlich einen Umweg durch den Wald genommen. Allerdings gestaltete sich das gar nicht so einfach, die kleine Stute war ziemlich verschmust und suchte immer wieder meine Nähe. Ich hatte schon auf ein kleineres Objektiv getauscht um sie besser zu erwischen.

      Dell
      Während Ylvi sich Sues (Black Sue Dun It) Fohlen Nima (BR Black Pamina) vergnügte und so langsam sichtlich genervt von der eigentlich niedlichen Aufmerksamkeit war, schaute ich auf unsere Liste und harkte die Namen, der fünf schon fotografierten Fohlen ab. Da waren Auntis (Heretic Anthem) Ziehfohlen Queen (BR Homecoming Queen) und ihr eigenes, McDremy (BR Hollywoods Dream Anthem), die uns beide wirklich in die Karten gespielt hatten. Queen, als auch McDreamy blieben stets in der Nähe der Stute, sprangen aber auch ab und zu ein wenig zur Seite. Genau diese Momente passte Ylvi ab, um ein paar Bewegungsfotos zu schießen. Für die Fotos, die Ylvi für die Papiere machen musste, nahm ich die Fohlen immer kurz ans Halfter. Den meisten passte dies nicht so sonderlich, so zum Beispiel BR Sheza Topnotch Babe. Die kleine Stute von Bella Cielo stellte sich wirklich an wie der Teufel. Normal war sie sehr ruhig und verschmust, gar auch anhänglich. Heute war sie allerdings mit dem falschen Huf aufgestanden, denn sie stieg mir ständig an der Hand.
      “So hat das glaub ich keinen Sinn”, hatte Ylvi gesagt und mir empfohlen, das Halfter doch nochmal auszuziehen. Ich hatte getan wie mir geheißen, das Halfter abgemacht und siehe da, die Stute stand wie eine eins. Ylvi beeilte sich mit den Bildern und nickte mir zu. Als ich gerade die Hand ausstreckte, um die Stute zu streicheln, sprang sie von jetzt auf gleich 180 Grad um die eigene Achse und galoppierte davon. “Toll”, murmelte ich und kratzte mich verlegen am Kopf. “So viel dazu.”
      Die Fotos von BR General Pleasure, der ein Sohn von Magnificient Crow war und in ein paar Monaten nach Österreich ziehen würde, waren innerhalb weniger Minuten im Kasten.
      Auch Daisy (BR Lovely Gun) und Shark (BR Twenty 4 Killings), die nach Evergrenn Acres umsiedeln würde, zeigten sich kooperativ.
      Die Jungpferde, von denen wir keine Fotos brauchten, drängten sich allerdings ständig dazwischen. So waren es Leuchtfeuer di Royal Peerage, die Jungstute von Octavia sowie Blue Fire Cat, Dual Shaded Ace und A Walking Dignity, die ihren größten Spaß mit den mitgebrachten Utensilien hatten. “Yes, alles im Kasten!”, jubelte Ylvi auf einmal, als ich mich gerade nach den restlichen Halftern bückte. Die Jungstute Leuchtfeuer erschrak, machte einen Satz und knallte gegen mich. Natürlich verlor ich sofort das Gleichgewicht und fiel mit einem lauten plumps auf den Boden, was die anderen Pferde, die ihre Rüssel auch alle im Zubehör stecken hatten, natürlich auseinanderstoben ließ- und mit ihnen die ganze aufgescheuchte Herde.
      Ich setzte gerade meinen Cowboyhut wieder auf den Kopf und wollte mich aufrichten, da erschien eine Hand in meinem Blickfeld. “Sorry Dell”, sagte Ylvi schüchtern lächelnd und half mir wieder auf die Beine.
      “Dass die schon so viel Kraft haben”, kommentierte ich meinen kleinen Unfall und klopfte mir den Dreck von der Hose. “Ich glaube wir müssen jetzt ein wenig warten, bis die sich alle wieder beruhigt haben- es sind ja jetzt wirklich alle Pferde davongerannt.” Ich zog ein beleidigtes Gesicht, raffte alle Materialien auf dem Boden zusammen und schmiss sie auf die Ladefläche des Trucks. Gleich darauf landete mein Hintern auf der Klappe, ehe ich auf den Platz neben mich klopfte. Ylvi schien zunächst ein wenig unsicher, schwang sich dann jedoch neben mich. “Ich vermute, die sind alle im Wald oder sogar rüber auf die andere Seite”, schlussfolgerte ich, als ich mit bloßem Auge kein Pferd mehr entdecken konnte. “Wer noch hier sein könnte, wären Devil (Wimpys Little Devil) und Bailey (BR Wimpys Bright Gangster), die ist ja meistens alleine irgendwo hier vorne am Waldrand”, erklärte ich Ylvi und schaute nach links, von wo aus ich die beiden Mädchen kommen sah. “Schau mal”, dabei streckte ich meinen Arm in die Richtung, in der man die Köpfe von Kaya und Betsy sah, “dann können wir auch noch grade warten, bis sie hier sind.”

      Ylvi
      Die beiden Kids brauchten bis sie ihre Pferde an die Pfähle gebunden hatten und zu uns hinüber gelaufen kamen. Ich schmunzelte dabei. Wer hätte gedacht das mein bockender Valravn eines Tages von einem schmalen Mädchen geritten wird? Selten stieg oder bockte er noch. In Fact...unter mir schon, aber die anderen schienen wunderbar mit ihm klar zu kommen. Während wir warteten kontrollierte ich nochmal den Akku, den Stand der Speicherkarte. Und pustete ein wenig des Staubes vom Objektiv. Da stupste Dell mich an. Am Waldrand erschien ein Pferd auf das er deutete “ Schau, dort kommt Candy (DunIts Smart Investment).” ich hob die Augenbrauen, sah zwischen den beiden Kindern und der Stute einher, doch ihre Aufmerksamkeit galt dem kleinen Wesen das hinter ihr auf der Anhöhe nun zu sehen war. Ihr Fohlen, der Hengst Elvis (BR Alans Smart Dream) lief gemächlich auf sie zu. Nur um dann nach der Milchquelle zu suchen. Mit schnellen Handgriffen wechselte ich das Objektiv, sah durch den Sucher. Und hatte ein idyllisches Bild wie der Hengst bei Candy trank. “Die Pferde sind ja alle weg!” sprach Betsy aufgeregt. “Nur hinter den Hügel gelaufen und im Wald verstreut.” Betsy zog einen Flunsch “Hätten wir dann direkt auf den Ponys bleiben können?”
      “Fylgia vielleicht. Aber als Wallach Ravn in der Herde zu haben, besser nicht.” antwortete ihr Vater. Kaya schmunzelte nur über die wenige Begeisterung von Betsy.
      “Dann machen wir uns mal auf den Weg den Hügel hinauf.” sagte ich fröhlich, nahm Kaya bei der Hand und stiefelte gezielt los. “Habt ihr beiden den Weg gut gefunden?”
      “Klar, Caleb ist den Weg zu den Koppeln letzte Woche schon mal mit uns geritten. Ich bin so oft es geht hier um am Zaun nach Sue zu schauen. Caleb hat mir untersagt die Weide ohne Aufsicht zu betreten.”
      “Und dein Vater untersagt dir das auch!” sprach Dell mit Nachdruck “Candy ist nicht gerade nett zu Leuten die ihr und dem Fohlen zu nah kommen. Ich halte das zwar für keine guten Eigenschaften um damit zu züchten...aber die Entscheidungen liegen ja nicht bei mir.”

      Dell
      Während Ylvi Kaya an die Hand nahm, stellte sich meine Tochter Betsy sogleich neben mich und stieß mich mit ihrem Arm an, bis ich ihre Hand in meine schloss. Sie lächelte zu mir hoch, ich sah sie ebenso freundlich an. Sie hatte sich wirklich gemacht und den Tod ihrer Mutter mittlerweile gut weggesteckt- es war auch schon lange her. Ob sie sich überhaupt noch daran erinnerte?
      “Aber Izzie mangelt es ja auch an nichts”, riss mich Ylvi wieder aus den Gedanken.
      “Hm?”
      “Na BR Dress to Impress, Candys erstes Fohlen. Damit ist Caleb ja wirklich begeistert. Papa war ja aber auch Blue (Gun and Slide), dieses Mal ist es Alan (Alan’s Psychedelic Breakfast), auch ein eher ruhiger Kandidat.”
      “Da hast du schon Recht”, antwortete ich ihr und nahm Kaya zu mir an die Hand. Ylvi brauchte nun wieder beide Arme für die Kamera. Elvis präsentierte sich wirklich gut vor der Kamera. Candy legte nur zusehends die Ohren immer flacher an den Kopf. “Kaya und Betsy ihr geht ein paar Meter hinter mich, das gefällt mir gar nicht, was Candy da macht… Ylvi pass du auch auf!”
      Aber da war es schon zu spät. Kaya und Betsy waren quietschend einen Satz nach hinten gesprungen, ich machte einen großen nach vorne und schmiss Candy eines der Halfter entgegen, welche ich um die Schulter gehängt hatte. “Lass das du Zicke!”, fuhr ich sie an und baute mich so gut ich konnte vor ihr auf. Ylvi war vor Schreck wie versteinert und hatte sich keinen Zentimeter bewegt, krampfhaft umklammerte sie ihre Kamera und starrte die Stute an.
      “Hau ab!”, wiederholte ich und machte, wild wedelnd mit dem zweiten Halfter von meiner Schulter, der Stute zu verstehen, dass sie Land gewinnen sollte. Schließlich drehte sie sich um, umsprang ihr Fohlen ein paar Runden und galoppierte dann wieder in Richtung des Waldes.
      “Alles ok bei euch?”, fragte ich an die Mädchen gewandt, die sich in den Armen lagen. Da hatten sich zwei aber wirklich ziemlich erschrocken.
      “Ja, jetzt ist alles ok, Dad”, antwortete mir meine Tochter und ließ langsam von ihrer Freundin ab. Kaya nickte mir schüchtern zu. Erst dann drehte ich mich wieder zu Ylvi um. “Bei dir auch alles gut?”
      “Damit hätte ich nicht gerechnet”, sagte sie außer Atem und ließ die Kamera sinken. “Vermutlich hab ich das sogar noch mit aufgenommen.” Sie schaute auf den Bildschirm der Kamera und klickte eine Weile auf den Tasten hin und her. “Ja, das ist mit drauf. Das zeig ich Caleb später!”
      “Genau das ist der Grund, weshalb Caleb, und auch ich, euch verboten haben, alleine hierher zu kommen. Es ist ja nicht nur Candy, vor Devil müsst ihr euch auch in Acht nehmen.”
      “Aber was ist denn mit Sue? Wenn Candy so gemein zu uns ist, dann ist sie bestimmt auch gemein zu meiner Sue.” Betsy ließ den Kopf hängen, schien traurig zu sein.
      “Nein, Sue ist schlau, sie geht Candy einfach aus dem Weg- und wenn das nichts hilft dann kann sie sich wehren.” Ich ging zu Betsy und hob ihr Kinn mit meinem Zeigefinger nach oben. “Sie tut Sue nichts, keine Sorge.” Sie lächelte wieder, legte mir die Arme um die Hüfte und umarmte mich. “Danke, dass du uns beschützt hast, Dad.”

      Candy war schon einige Minuten weg, da kamen Soul (BR Heart N’ Soul), das einzige Appaloosafohlen diesen Jahres, Seth (BR Double Gunslide) und Atlantis (BR Atlantis Dream) auf uns zu. “Die drei sind in Ordnung”, sagte ich zu den Mädels und ließ sie langsam auf die Fohlen zugehen. Seth hielt zunächst ein wenig Abstand, so dass Ylvi den Hengst in aller Ruhe fotografieren konnte. Schließlich kam er auch auf die Mädchen zu. Soul schien allerdings keine große Lust zu haben, die Mädchen teilen zu müssen, weshalb er ein paar Schritte wegtrabte. “Ylvi deine Chance!” Ich lachte und wuschelte auch einmal der kleinen dunklen Stute Atlantis durch den Schopf.
      “Jetzt fehlen noch drei Fohlen, Ylvi”, sagte ich zu ihr, als sie die letzten Fotos der drei vorwitzigen Fohlen geschossen hatte. “Ich vermute, die sind auf der anderen Seite, oder irgendwo da beim Bach.” Um dorthin zu gelangen, mussten wir durch den Wald gehen. Da wollte ich die Kinder allerdings nicht mitnehmen, denn Candy würde auch dort sein.
      “Betsy und Kaya geht bitte zurück zum Truck, wir fotografieren nur noch die drei letzten Fohlen und dann kommen wir auch.”
      “Ist okay, Dad. Ich glaube wir reiten auch zurück. Oder noch eine kleine Runde, und dann zurück. Oder Kaya?” Diese nickte.
      “Reitet aber nicht zu weit weg!”, fügte Ylvi noch an, ehe wir uns umdrehten und in Richtung Wald gingen. Immer wieder warfen Ylvi und ich einen Blick über die Schulter, ob die Mädchen auch wirklich den Weg zurück zu den Pferden einschlugen.
      Die restlichen Fotos bekamen wir nicht ganz ohne Zwischenfall in den Kasten. Nachdem Dissident Whiz’, das Fohlen von Tainted Whiz Gun, abgelichtet war, wollte Ylvi die Stute verscheuchen, um besser an Raised und Rosy (BR Raised to Slide) dran zu kommen. Raised from Hell, die neben Ylvi stand, schreckte hoch und rannte sie einfach über den Haufen. Fluchend war ich zu ihr gerannt und hatte ihr wieder auf die Beine geholfen. “Was ein Chaos hier.”
      Schließlich war es uns doch gelungen. Auch die Bilder von BR Colored in Style, die Tochter von Smartie (GRH’s A Gun Colored Lena) waren dann noch schnell geschafft. Fix und fertig gingen wir zurück zum Truck, mit dem wir dann wieder zur Ranch zurückfuhren.
      “Das war mal eine willkommene Abwechslung”, sagte ich zu Ylvi, als ich ausstieg und die Halfter vom Rücksitz in die Hand nahm.
      “Aber anstrengend”, kommentierte Ylvi lachen, wandte sich kurz um und schien sichtlich beruhigt, als sie Kaya, Betsy und nun auch Tschetan aus dem Stall kommen sah.
      “Ich mach mich dann auch mal wieder an meine normale Arbeit, bis dann Ylvi.”

      Caleb
      Ylvi und Dell waren schon eine ganze Weile vom Hof verschwunden. Mittlerweile war es kurz nach Mittag. Die Pferde auf meine Liste waren versorgt. Die Hengste alle auf den Paddocks, die Boxen gemistet und ich hatte auch schon Kraftfutter für den Abend in die Tröge verteilt.
      Zwar hatte ich noch einiges an Papierkram vor mir, das konnte ich jedoch getrost auf heute Abend verschieben, so dass ich nun noch Zeit für mein HMJ Pferd HMJ Saintly hatte.
      Ich ging auf den Paddock des Hengstes, halfterte ihn auf und ging zum Putzplatz des Stalls, in dem er stand. Dort putzte ich einmal schnell über, ehe ich mich dazu entschied, ein wenig mit ihm spazieren zu gehen. So konnte er den Hof besser kennen lernen und ich hatte genügend Zeit, ein Auge auf alles zu werfen. Unterwegs traf ich Cayce, Laurence und Brian, die auf dem großen Reitplatz waren und Shorty (Whitetails Shortcut), Playboy (I’m a Playboy) und Silent Bay trainierten. Natürlich hielt ich dort an und musste meinen Senf zum Training dazu geben.
      Schließlich kam Cayce zum Zaun und schaute mich ernst an. “Hast du nichts besseres zu tun?”
      “Nein, grade eigentlich nicht”, grinste ich, während er kopfschüttelnd seinen Shorty abwandte und sich wieder seiner Aufgabe widmete. Cayce und Shorty waren ein tolles Team. Es wurde wirklich Zeit, dass ich meinen Vulture (Smart Lil Vulture) weiter trainierte, so dass wir nochmal gemeinsam ropen konnten. Bei meinem Glück und Vultures weniger Erfahrung würde ich nicht nur einmal im Sand landen, während Cayce mich schallend auslachen würde.
      Saintly und ich gingen weiter, kamen am kleinen Reitplatz vorbei, auf dem Octavia mit Soul (Prias Colourful Soul) ihre Runden drehte. Aimee stand am Zaun und beobachtete sie. Ich hielt mich nicht lange auf, denn mit Aimee hatte ich nicht wirklich etwas zu sprechen- Octavia war ja beschäftigt. Seit die junge Frau mit ihrem Vater auf die Ranch gekommen war, hatte ich noch nicht oft das Vergnügen eines Gespräches gehabt. Generell war sie eher wie ein Geist. Sie war mal hier, mal da- aber fiel nicht wirklich auf.
      An den Jungferdekoppeln stoppte ich und beobachtete zunächst die Hengste. Vulture spielte mit Cody (tc Mister’s Silvermoon Cody). Der Hengst hatte es bis jetzt in seinem Leben nicht wirklich einfach gehabt. Er stand noch nicht im Training, genoss seine Jugend in vollen Zügen. Auch Joker (BR Colonels Lil Joker) und Goldy (BR Colonels Golden Gun) waren nicht weit weg und zankten wieder miteinander herum. Sky (PFS’ Unclouded Summer Skies), Berry (GRH’s Funky’s Wild Berry) und Chico (Chic N’ Shine) standen gemeinsam am Heu und schienen die Ruhe zu genießen, dass sie endlich mal Platz am Ballen hatten.
      Mit Saintly am Strick, der sich sehr für die anderen Pferde zu interessieren schien, ging ich weiter zur Stutenkoppel. Luna (Special Luna Zip), Katie (Jacks Inside Gunner), Gun Sophie, Gin (Ginger Rose), Connie (Colonels Blue Splash), Crissy (Captains Blue Crystal) und Izzie (BR Dress to Impress) galoppierten auf uns zu, als sie mich mit dem fremden Hengst auf sie zukommen sahen. Auch HMJ Saintly, der bisher sehr ruhig an der Hand war, hob den Kopf und wieherte ihnen zu. Mittlerweile klang sein Wiehern auch wieder wie das eines Hengstes, nicht so kläglich und jämmerlich. Er tänzelte ein wenig an der Hand und wollte den Stuten unbedingt imponieren. “Na sowas aber auch”, kommentierte ich sein Verhalten und zuppelte ein paar Mal am Strick. Mein Blick schweifte einmal durch die Herde, morgen würde es ihnen auch wieder an den Kragen gehen, für dann war das Training fest eingeplant.
      Als Saintly begann an der Hand unerträglich zu werden, spazierte ich zurück zum Paddock, in den ich ihn wieder stellte und den Riegel des Tors mit dem Schloss versah: sicher war sicher. Dann ging ich wieder zurück ins Büro und widmete mich dem Schreibkram, den ich heute morgen liegen gelassen hatte.

      Ylvi
      Ich ließ meine Kamera auf den Tisch fallen, der erstaunlicherweise noch immer im Büro stand, und ließ mich selbst auf den Stuhl sinken. “Puhh.” stieß ich dabei hervor. Caleb sah von seinem Schreiben auf, zu mir herüber. “Ihr habt reichlich lang gebraucht.”
      “Sind ja auch nicht grad kleine Wiesen.” meinte ich energisch. “Außerdem hat mich Hell (Raised from Hell) umgerannt, als sie dabei war Tainy (Tainted Whiz Gun) zu verscheuchen. Als wär der Angriff von Candy nicht genug gewesen.” sprach ich läppisch daher. “Angriff?” fuhr Caleb besorgt fort. Mit einer Geste meiner Hand winkte ich ab. “Dell hatte alles im Griff. Ich war allerdings so erschrocken, dass ich erstarrt bin. War haarscharf. Hell hat anschließend den Rest erledigt. Immerhin ist der Ausrüstung nichts passiert.” Ich sah zum ersten Mal seitdem wir die Ranch am Vormittag verlassen hatten auf die Uhr. Das Zifferblatt zeigte 15 Uhr - wir hatten tatsächlich lang gebraucht.
      Mir schmerzte der Rücken, außerdem die Füße vom vielen Laufen. Aber immerhin hatten wir die letzten Bilder von Rosy (BR Raised to Slide) geschafft. BR Dissident Whiz hatte uns ebenfalls besonders schöne Vorlagen für Fotos gegeben als er mit BR Colored in Style gespielt hatte. An dem Glas Wasser nippend, öffnete ich den PC.
      “Die Bilder laufen nicht weg, wenn du willst kannst du dich auch anderen Aufgaben widmen.”
      “Stör ich dich?”
      “Nicht direkt, aber wenn ein Pferd dich umgerannt hat. Dann möchtest du vielleicht lieber ein heißes Bad nehmen, statt am PC zu arbeiten.”
      “Da magst du vielleicht Recht haben.”
      “Das...klingt nach einem Aber?”
      “Der Bungalow verfügt leider nur über eine Dusche.”
      “Ich denke du kennst dich noch aus?”
      Ich zog eine Augenbraue nach oben. Bot er mir etwa an hier im Haupthaus das Bad zu benutzen? Ich zögerte nicht lang. Nicht das er es sich anders überlegen würde.
      “Weißt du noch wo die Gäste Handtücher sind?”
      “Wenn du nicht umsortiert hast, klar.”
      Und damit verschwand ich die Treppe hinauf. Aus dem Schrank im Flur fischte ich mir eines der Handtücher, nahm ein zweites, kleineres für die Haare. Huschte dann ins Bad. Stand einen Moment an der Tür, die Hand halb ergriffen nach dem Schlüssel. Erinnerte mich an ein anderes Mal, eine andere Zeit in der ich die Tür nicht abgeschlossen hatte. Ich wusste nicht was mich dazu bewog, doch ich ließ die Tür geöffnet. Sah zu wie sich die Wanne langsam begann zu füllen, streifte die Kleidung vom Körper und glitt in das wohlig warme Wasser hinein. “Caleb, das war eine hervorragende Idee.” murmelte ich und schloss entspannt die Augen.

      Caleb
      Ich sah Ylvi hinterher, als sie das Büro verließ. Wenige Sekunden später sank mein Blick wieder auf den Papierstapel, durch den ich mich noch immer kämpfte. Verfluchter Bellamy. Eigentlich hätte ich ihn von Anfang an dazu rufen sollen, denn er hatte schließlich dieses Chaos verbreitet. Vielleicht war es aber auch gut, dass ich hier alleine saß, denn so konnte ich mich wieder ausbreiten- nicht nur auf dem Schreibtisch, sondern auch auf dem Boden.
      Dabei fiel mir der Arbeitsvertrag von Louis Bekanntem, Logan Otaktay ins Auge. Wirklich Zeit hatte ich noch immer nicht gefunden, das Gespräch mit ihm zu suchen und ihm Aufgaben zu verteilen. Apropos Aufgaben… irgendwo mussten sich die Trainings- und Stallpläne befinden… wenn ich doch nur… “Mist.” Da waren sie gewesen und flatterten nun durcheinander zu Boden. “Aaaaaah Bellamy!”
      “Hm?” Da stand der junge Mann in der Tür. “Ich war grade in der Küche und hab mir was zu trinken genommen… was hab ich jetzt wieder angestellt?”
      “Du hast hier pures Chaos verbreitet! Ich bin schon nicht der beste Freund des PC’s, aber meine Zettelwirtschaft hat wenigstens Ordnung! Ich weiß nicht, was du hier wieder fabriziert hast, dabei war ich doch nur zwei Wochen weg!”
      Bellamy schien zu überlegen, knibbelte am Etikett der Plastikflasche herum. “Ich äh.. habe versucht... “
      “Chaos zu veranstalten.”
      “Nein. Also ich blicke da durch. Wenn du willst, kann ich dir helfen.”
      “Nein, danke. Ich hab eh schon alles umsortiert… aber geh mal in die Ställe und bring mir die dort hängenden Pläne, ich vergleich sie mal hier mit und änder sie gegebenenfalls nochmal um, dass alles aktuell ist.”
      “Okay, wird gemacht, Chef.” Damit verschwand der dunkelhaarige Mann.
      Es dauerte nicht lange, da knarzte meine Tür. Ich streckte den Arm aus und wollte die Blätter in Empfang nehmen. Die Hand, die sich mir entgegen streckte war braungebrannter, als ich gedacht hatte, weshalb ich aufsah. “Oh, hallo Tschetan. Hat Bellamy dich damit geschickt?” Der Junge nickte. “Bellamy sagte Ylvi müsste hier irgendwo sein, ich wollte sie etwas fragen.”
      “Ja, sie ist im Bad. Ich geh sie holen, warte hier.” Damit stand ich auf und ging, nicht über die jetzige Situation nachdenkend, zum Bad, in dem sich Ylvi seit geraumer Zeit befand. Kurz vor der Tür, mit der Hand an der Klinke, bremste ich meinen Schritt, schloss kurz die Augen und seufzte leise. Statt einfach hineinzugehen, so wie ich es früher getan hatte, klopfte ich zögerlich an der Tür. “Ylvi ich… Tschetan ist hier, er sucht nach dir.” Auf der anderen Seite der Tür hörte ich, wie das Wasser in Bewegung geriet. Eine Antwort ihrerseits wartete ich gar nicht erst ab, denn ich drehte mich augenblicklich auf dem Absatz herum und ging zurück ins Büro. “Sie kommt wohl gleich.”

      Ylvi
      Das Klopfen drang durch das Wasser nur dumpf an meine Ohren, ich musste genau hinhören um Calebs Worte zu verstehen. Mittlerweile war das Wasser eher kalt, als warm. Meine Haut war geschrumpelt und einige Teile davon überzogen von einer leichten Gänsehaut. Ich zog mich also aus dem Wasser - so schnell es eben ging. Eine Stelle an meiner Hüfte hatte mittlerweile eine unangenehme Lila Färbung eingenommen. Und meinen Rücken konnte ich nicht ganz drehen.
      Daher dauerte es länger als sonst bis ich meine Gliedmaßen in die Kleidung gezwängt hatte, ein Handtuch um meine schwarzen Locken geschlungen und die Treppe hinunter gefunden hatte. Ich steckte den Kopf durch die Tür, Tschetan hockte auf meinem Schreibtisch, Caleb halb verzweifelt über den Papierbergen. Vielleicht sollte ich mich von ihm einweisen lassen. Meine Sortierung wäre sicherlich zuverlässiger als die von Bellamy. Schoß es mir durch den Kopf. “Kaya und Louis haben das Abendessen vorbereitet, ich soll dich rüber holen.” grinste Tschetan breit.
      “Louis hat gekocht?” fragte Caleb belustigt.
      “Zumindest haben wir jetzt einige Gerichte die er zuverlässig zubereiten kann , OHNE uns alle zu vergiften.” feixte Tschetan.
      “Wie er sagt..und zumindest ist Kaya dabei.”
      “Ist das nicht noch mehr Chaospotential?”
      “Das werden wir sehen, fürchte ich.”
      Ich griff nach meiner Kameratasche, die mir der Junge aus der Hand nahm. Die Drehung war nur halb so elegant wie ich sie gern gehabt hätte. “Du humpelst?” fragte Tschetan überrascht. Ich nickte nur. “Ist ein bisschen blau.” murmelte ich. Ich ging einfach mal davon aus, dass Caleb ihm berichtet hatte was passiert war. Skeptisch sah er mich an, dann öffnete er mir die Tür um mich hindurch zu lassen. Als sich meine Hüfte wieder an Bewegung gewöhnt hatte, machte sie keine weiteren Anstalten.

      Trotzdem entging dem findigen Auge meines Mannes nicht das ich nicht flüssig lief. Das musste eindeutig am Beruf liegen! “Frag nicht…”
      “Was ist passiert?”
      Ich seufzte “Dumme Sache, hab mich von nem Pferd umrennen lassen.”
      “Candy?”
      “Nein, Raised from Hell. Aber alles gut.”
      Louis kam um den Tisch herum, zog sich die Handschuhe von den Händen, die eben noch die Lasagne-Form auf den Tisch gestellt hatten. “Du läufst aber nicht als sei alles gut.” Zielsicher und besorgt schaffte er es nach mir zu greifen, bevor ich mich ihm entziehen konnte. Er schob das Shirt an genau der richtigen Stelle nach oben. “Kühlsalbe, am besten noch vor dem Essen.” orderte er an. Kaya hopste von ihrem Stuhl, signalisierte mir mich zu setzen. Kurze Zeit später gab Kaya mir die Salbe in die Hand, die sie mir Gewissenhaft auf die Stelle schmierte. “Mensch, die Lasagne ist ja gar nicht angekohlt!”
      “Kaya hat vor dem Ofen gesessen um zu schauen, wann sie gold-gelb ist.”
      “Du hättest auch einfach die Zeit im Auge behalten können.”
      “Gehört nicht zu meinen Stärken.”
      “Timing? Andere Zungen würden etwas anderes Behaupten.”
      Louis kam näher, beugte sich vor. Und küsste mir auf die Stirn. “Würden sie?”

      ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
      Mitte Mai
      ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

      Caleb
      Seit dem Vorfall mit den Mutterstuten waren ein paar Wochen vergangen. In der Zwischenzeit war allerdings auch etwas passiert, mit dem ich so nie gerechnet hätte. Kaya hatte gesprochen. Nicht zu mir, nicht zu Louis oder sonst einem Erwachsenen, nein. Sie hatte bei HMJ Saintly gestanden und mit ihm gesprochen.
      Ylvi und ich waren dabei gewesen sie und den Hengst zu beobachten. Heimlich und ganz leise, so dass sie uns nicht bemerke. und dann sprach sie mit ihm. Sagte, dass dieser Ort sie geheilt hatte und dass auch Saintly geheilt werden würde.
      Wie durch ein Wunder war dem wirklich so. Saintly machte sich immer besser, baute auf, wurde aufgeweckter und vor allem pfiffiger. Es war gar nicht so leicht, ihn in der Stallgasse angebunden zu behalten, weil er ständig an den Seilen herum spielte. Das ging mittlerweile so weit, dass ich ihn mit Ketten am Halfter sicherte, falls er die Knoten an den Führstricken aufbekam. Das Lösen der Ketten war für ihn unmöglich.
      Auch seine Boxentür war doppelt gesichert. Am Tor des Paddocks befand sich ja schon lange ein Schloss.
      Auf dem Hof begegnete mir Cayce, welcher Easy Going im Schlepptau hatte. “Ich geh ne Runde mit ihr auf den großen Platz, dann noch ein wenig raus. Kommst du mit?”, fragte er mich, doch ich schüttelte den Kopf.
      “Ich nehm mir Vulture, hab mit ihm noch was vor.”
      Cayce nickte, setzte dann seinen Weg fort.
      Der Meine führte mich zum Paddock des Braunen. Er kam sofort an den Zaun und holte sich eine Streicheleinheit ab, ehe ich ihn aufhalfterte und in den Stall ging. Dort putzte ich ihn kurz über, sattelte ihn, hängte das Rope ans Horn und ging zum kleinen Platz. Ich wollte vermeiden, dass Cayce mich sah. Die Frage nach dem gemeinsamen Ropen sollte eine Überraschung werden, weshalb es mir ziemlich gut passte, dass er gleich den Hof verließ.
      Auf dem Platz angekommen gurtete ich nach und schwang mich in den Sattel. Nach einer Aufwärmphase, die länger als gedacht dauerte, stieg ich wieder ab, löste das Lasso vom Sattel und fing an, es neben dem Hengst zu schwingen. Ein wenig kannte er das Prozedere ja schon, so dass er nur mit den Ohren spielte.
      Jetzt kam es drauf an. Ich setzte mich wieder in den Sattel, nahm die Zügel in die Hand, in der ich auch die loops hatte und fing an, das Lasso neben und über dem Hengst hin und her zu bewegen. Nachdem ich dies ein paar Mal gemacht hatte, nahm ich es über den Kopf und fing an, es zu schwingen. So weit, so gut. Ohne über die Konsequenzen nachzudenken, ließ ich es am Kopf des Hengstes vorbei nach vorne auf den Boden sausen, als hätte ich nach etwas gezielt, was ich hätte fangen wollen.
      Vulture machte einen erschrockenen Satz zur Seite und preschte nach vorne. Meine Bewegungen waren so routiniert gewesen, so oft schon hatte ich Lassos vom Pferd aus geschwungen, dass ich total vergessen hatte, dass ich dies bei Vulture noch nie gemacht hatte. Dementsprechend rechnete ich natürlich nicht mit der Reaktion des Pferdes und flog, ohne lange darüber nachdenken zu können, vom Pferd in den Sand. Vulture hüpfte noch zwei, drei Schritte nach vorne, eher er verdutzt stehen blieb, sich umdrehte und mich schief ansah. Ganz nach dem Motto: du warst doch gerade noch nicht da unten?!
      Beim Aufstehen klopfte ich mir die Hose vom Staub ab, ehe ich das schallende Lachen in meinem Rücken hörte. “Ich fass es nicht, den Supercowboy schlechthin hat es vom Pferd gehauen!” Da stand Octavia am Zaun, zusammen mit Betsy und Dell. Während sie mich auslachte, blickte Dell zerknirscht drein. Betsy war schon auf halbem Weg zu mir und machte wenige Meter vor mir langsam, denn sie wusste, dass sie mit dem Laufen Vulture erschrecken würde.
      “Ist dir was passiert, Caleb?”, fragte sie besorgt und blieb kurz vor mir stehen.
      “Nein, alles gut. Sowas kann auch den Besten passieren.”
      “Das hab ich gehört! Den Besten, haha!”, rief Octavia vom Zaun aus, was mich dazu brachte, ihr die Zunge raus zu strecken.
      Betsy kicherte. “Hihi, Cowboy, das macht man aber nicht!”


      Ylvi
      “Na Cowboy, wie ist es auf dem Boden der Tatsachen gewesen?” fragte ich feixend als Caleb das Büro betrat. Der blieb ein wenig verwirrt im Rahmen stehen “Boden der…” dann rollte er die Augen, stöhnte “Betsy!” entfuhr es ihm.
      “Keine Sorge, sie hat es mir nicht erzählt. Naja, nicht direkt zumindest. Vorhin im Auto, auf dem Weg zum Tanzkurs.” Die Schule hatte diesen Kurs empfohlen, um Kaya auch mit anderen Kindern außerhalb der Schule in Kontakt zu bringen. Seit ein paar Wochen besuchte sie diesen alle zwei Wochen nun mit Betsy gemeinsam. Ich hatte beide Kids dorthin gebracht. Nebenbei hatte ich Betsy beiseite genommen, sie schwören lassen Kaya nicht zu drängen und ihr anschließend erzählt das ich sie hatte sprechen hören. Das junge Mädchen war ganz aufgeregt gewesen bei der Vorstellung ihre Freundin auch eines Tages sprechen zu hören. Aber sie hatte mir Versprochen Kaya davon noch nichts zu erzählen. Sie sollte selbst entscheiden können wie und wann sie mit einem Menschen sprechen wollte. “Bist du noch immer bei den Bildern?” fragte mich Caleb. Ich nickte, drehte ihm den Bildschirm zu und zeigte ihm ein Bild von A Shining Chrome. Wir hatten uns in den letzten beiden Tagen vorgenommen, die Verkaufspferde noch einmal zu sortieren und zu fotografieren. “Immerhin sind die Seiten der Zuchtpferde nun vollständig. Jeweils mit Bild, Gencode und einer kurzen Beschreibung des Charakters. So können sich Fremde eine gute Übersicht der Pferde geben. Die Fohlen sind nun ebenfalls ergänzt. In dem Zuge habe ich die ganzen Papiere fertig gemacht. Die hab ich die nach Alphabet sortiert auf den Tisch gelegt. Schau nochmal drüber. Ist alles in Ordnung, dann werd ich die morgen mit in die Stadt nehmen. Louis, Dell und ich haben einen Termin in der Schule.”
      “Schule? Sag bloß die Prügelei zieht noch Kreise?” fragte Caleb erstaunt, richtete sich aus der gebückten Haltung auf und schritt hinüber zu seinem Platz. Daher sah er meine abwertende Geste nicht. “Nein, das ist vom Tisch. Wir haben eine Besprechung mit der Schulleitung. Ob vielleicht Home Schooling eine Option wäre. Dann könnte man sich die Fahrt nach Calgary sparen. Die Kids würden einen Lehrer hier zur Ranch bekommen. Kinder von außerhalb könnten ebenfalls hierher kommen. Otis McCann von der Nachbarranch und seine ältere Schwester zum Beispiel. Deren Eltern haben nicht immer Zeit sie zur Schule zu bringen. Sie fehlen oft. Der Weg hierher wäre nicht so weit.”
      “Das ist schon ein Punkt. Aber meinst du Kaya damit einen Gefallen zu tun?” Ich lehnte mich im Stuhl weiter zurück, kaute auf meiner Unterlippe herum. “Das waren tatsächlich ebenfalls meine Überlegungen. Das bringt mich auf die Idee vielleicht eher dafür zu Sorgen das ein Schulbus eingerichtet wird! Gerade Tschetan möchte ich ungern von Gleichaltrigen trennen. Sie sollten auch etwas anderes zu sehen bekommen als die Ranch.”

      Caleb
      Ich blieb vor meinem Schreibtisch stehen, warf einen Blick auf die Papiere der Pferde, ehe ich einen Bogen machte und auf dem Stuhl Platz nahm. Ganz oben auf dem Stapel lag das Papier von Daisy. Ein tolles Pferd, schon lange versprochen für Ethel Evergreen, Tiaras Mutter. Auf jeden Fall eines, was ich behalten würde, wenn sie doch noch abspringen würden.
      Erst dann sah ich wieder auf, mein Blick traf den von Ylvi: “Ich hab mich in Schweden glaub ich ein bisschen bei Tschetan verplappert gehabt… erwähnt, was ihr vorhabt mit dem Homeschooling. Er war alles andere als begeistert. Deshalb glaube ich, dass ein Bus wohl die bessere Alternative ist.”
      “Du hast schon mit Tschetan gesprochen?”, kam es vom Nachbartisch.
      “Versehentlich. Es ist mir rausgerutscht… sprecht deshalb vorher nochmal mit ihm, bevor ihr morgen zur Schule fahrt.” Ylvi nickte, senkte den Kopf und kümmerte sich um ihre Bilder.
      Ich ging derweil die Papiere durch. Die Fotos waren wirklich gut geworden. Fotografieren konnte Ylvi, das musste ich ihr lassen.
      Eine gute halbe Stunde später hatte ich alle Papiere auf ihre Richtigkeit überprüft. “Passt alles.” Den korrigierten Stapel nahm ich in die Hand und brachte ihn zu Ylvis Schreibtisch rüber, um ihn da auf einen freien Platz zu legen. Gedankenverloren strich ich mir einmal durch die Haare, ehe ich auf die Uhr sah. “Mist.”
      “Hm?”
      “Ich hab Murphy schon wieder vergessen.”
      “Hab gehört der nimmt jetzt Reitstunden bei dir, wie schlägt er sich denn?”
      “Immer besser, hätte ich nicht gedacht.” Damit verschwand ich aus dem Büro und joggte- ja joggte, hinüber zum Stall. Dort stand Murphy schon mit einem fertig gesattelten Blue.
      “Wird ja auch Zeit”, warf er mir zerknirscht an den Kopf, löste den Führstrick aus der Trense und ging mir hinterher zum kleinen Reitplatz. “Aufsteigen und warmreiten”, wies ich ihn an und schaute Cayce dabei zu, wie er I’m a Playboy um sein inneres Bein traben ließ. “Wie macht der sich eigentlich?”, fragte ich ihn. Den Mixhengst, naja eigentlich war er kein Mix sondern eine anerkannte Rasse, hatte ich gar nicht auf dem Schirm, geschweige denn schon einmal drauf gesessen.
      “Wird immer besser. Das Losrennen beim Aufsteigen hab ich so weit im Griff, dass er das zumindest bei mir nicht mehr macht. Ansonsten wird er immer lockerer. Der hört gut zu, strengt sich toll an.”
      “Das ist gut.” Playboy hatte ich aus Mitleid aufgenommen. Es gab einen großen Verkauf einer Bekannten, die auch den “Quartermix” zum Verkauf inseriert hatte. So richtig Interesse zeigte jedoch niemand an dem schicken Tier, weshalb ich ihn schließlich aufgenommen hatte. Was machte ein weiteres Pferd schon? Vielleicht würden er und die “Quartermix”stute Striga einmal tolle Fohlen produzieren. Apropos Striga… “Wann hat eigentlich einer zuletzt auf Striga gesessen?”, fragte ich Cayce, als er wieder an mir vorbei kam.
      “Weiß nicht, glaub vor einer Woche.”
      “Vor einer Woche?!” Ich schlug die Hände über dem Kopf zusammen. Wenn die Reitstunde mit Murphy erledigt war, konnte ich nicht mehr aus dem Büro rauskommen, bis die neuen Trainingspläne geschrieben waren.

      Ylvi
      Es klopfte leise an der Bürotür, Louis schmaler Kopf schob sich durch die Tür. “Genug für heute, komm. Die Pferde sind gesattelt, lass uns einen Ausritt machen!” Die Gelegenheit ließ ich mir nicht entgehen. Ich klappte den Bildschirm zu und ließ mich von Louis an der Hand zur Haustür bringen. Draußen standen Kaya und Tschetan mit jeweils zwei Pferden am Strick. Fylgia trug einen Westernsattel, Valravn nur eine einfache Decke. Auch Sunka trug einen Westernsattel und für mich hatten sie Inyan fertig gemacht. “Nicht Gweny?” fragte ich verwirrt in Louis Richtung. “Es tut so gut Sunka wieder in der Nähe zu haben. Ich fühle mich auf ihm ebenso wohl wie Inyan.” Das konnte ich verstehen. Ich fühlte mich auf meiner Fylgia auch am wohlsten, diese schien ich jetzt allerdings so gut wie an Kaya “verloren” zu haben.
      Im Quartett verließen wir also den Hof. Im Wald mussten wir zunächst im Trott hintereinander her reiten. Erst als sich der Weg verbreiterte ließ ich Inyan neben Ravn laufen. “Caleb hat sich also verquatscht?” meinte ich neutral zu Tschetan. Dieser gab keine Regung, ließ mich einfach weiter erzählen. “Das mit dem Home Schooling, das wäre also nicht dein Fall?” Tschetan knirschte etwas mit den Zähnen. “Ich weiß es ist umständlich für euch uns zur Schule zu bringen. Die Idee ist ja wirklich cool. Aber ich würde meine Freunde aus der Schule wirklich vermissen. “
      “Wir hatten die Idee uns vielleicht eher darum zu bemühen eine Buslinie für die Kinder von Außerhalb zu organisieren. Was hälst du davon?” Er antwortete nicht in Worten, aber nickte und strahlte mir eifrig zu. Dann deutete er mit den Lippen auf seine Schwester “Ich weiß zu schätzen das du sie beschützen willst. Aber du behebst das Problem nicht indem du sie vor der Welt in Schutz nimmst.”beendete er den Satz leise. Als er das sagte klang er älter, sehr viel älter als seine 13 Sommer. Ich sah ihn an, nickte bedächtig. Er hatte Recht. Das hatte auch Louis schon einmal gesagt. Es waren indirekt auch Calebs Worte gewesen. Dell hatte sich diesbezüglich nicht geäußert, aber wenn ich ehrlich war, Dell sprach so etwas selten an. Dazu war er einfach zu charmant. Ich hoffte für ihn wirklich das er eines Tages vielleicht eine neue Liebe entdecken würde. Er hatte so viel zu geben...und manchmal erdrückte er seine Tochter damit. Manchmal konnte ich aber auch seine Blicke voller Schmerz sehen. Ich hatte nur ein Foto gesehen, doch hatte es genügt um zu erkennen wie ähnlich Betsy ihrer Mutter sah. Das Haar, ihre Gesichtszüge. Mit jedem Jahr würde diese Ähnlichkeit mehr werden, da war ich mir fast sicher. “Wo hängst du eigentlich wieder mit deinen Gedanken?”
      “Mhm?”
      “Ja ganz genau.” feixte Louis.
      “In den Wolken, das solltest du doch wissen.” lächelte ich ungeniert. Er zwinkerte mir zu, trieb Sunka dicht an Inyan heran, sodass sich unsere Knie berührten. Ließ mich dabei nicht aus den Augen. “Ich hab gefragt ob wir einen kleinen Galopp vagen sollen.” Ich gab keine Antwort stattdessen machte ich Gebrauch von Inyans hervorragender Ausbildung. Ich ließ den Wallach aus dem Schritt gelassen angaloppieren. Ein kleiner Seiten und Rückblick zeigte mir das auch bereits beide Kids im Galopp waren, Louis bildete mit Sunka das Schlusslicht. Um das Ex-Rennpferd nicht auf der Stelle rennen zu lassen, beschleunigte ich Inyan, Fylgia reihte sich neben uns ein. Ich sah das Strahlen auf Kayas Gesicht. Locker hielt sie die Zügel des Knotenhalfters in einer Hand, die andere lag auf ihrem Schenkel. Festbetoniert. Genauso saß sie im Sattel. Genau wie ihr Bruder. Ich hingegen hatte noch einiges zu tun. Am frühen Abend hatte ich, zum ersten Mal seit langem, eine Reitstunde bei Caleb. Ich konnte nur hoffen er würde mir keines der schweren Pferde unter den Hintern setzen. Eigentlich hatte ich mit einem meiner Pferde teilnehmen. Caleb hatte mir da allerdings den Wind aus den Segeln genommen. Auf den Wallach Cielos konnte ich wohl nicht hoffen.

      Caleb
      Schon seit einer Stunde saß ich wieder am Schreibtisch. Die Reitstunde mit Murhpy war wirklich gut gewesen, er wurde immer besser, strengte sich richtig an. Galoppiert war er heute allerdings noch nicht, auch wenn ich ihm das versprochen hatte. Morgen Nachmittag allerdings würde es dann soweit sein, sollte nicht schon wieder etwas dazwischen kommen.
      Mit den Paddockplänen war ich jetzt fertig, so dass nun eigentlich noch die Trainings- und Boxenpläne an der Reihe waren, aber dazu hatte ich absolut keine Lust, denn dass es mich heute morgen bei dieser einfachen Übung aus dem Sattel gehauen hatte und so viele das gesehen hatten, nagte an meinem Ego.
      Entschlossen klatschte ich mir auf die Oberschenkel, stand auf, nahm meinen Hut von der Fensterbank und ging nach draußen. Im Rausgehen schnappte ich mir meine Jacke vom Kleiderhaken hinter der Tür und marschierte in den Stall. In der Bewegung blieb ich plötzlich stehen. Cielos stand ja gar nicht hier im Stall, der war ja am Reitplatz. Wer hatte eben nochmal die Pläne überarbeitet? Ich mit Sicherheit nicht.
      Aus dem Stand machte ich also kehrt, stiefelte zum Reitplatz und fand den Wallach auf Anhieb im zweiten Paddock. Ich halfterte ihn auf, ging zum Stall, putzte und sattelte ihn, hängte ein Lasso an den Sattel und ging auf den Platz. Dort gurtete ich nach, ehe ich mich in den Sattel setzte.
      Nach ausgiebigem Aufwärmen testete ich ein paar Reiningmanöver an, wir waren ja nicht nur zum Spaß hier auf dem Platz. Nachdem er sich dort allerdings auch sehr gut anstellte, hielt ich ihn an und fing an, das Lasso vom Horn los zu machen und neben ihm zu schwingen. Gipsy blieb ruhig stehen, er kannte das ja schon. Eine Weile schwang ich das Lasso rechts und links neben ihm, ehe ich es über seinen Kopf hinweg nach vorne warf. Er spielte mit den Ohren, blieb allerdings ruhig stehen. Dann fing ich an, aus der Bewegung heraus zu werfen. Erst im Schritt, dann im Trab und schließlich auch im Galopp. Wir hatten gerade die Tonne aus dem Galopp gefangen und einen Sliding Stop hingelegt, da bemerkte ich Ylvi am Zaun. Wie lange sie wohl schon da stand?
      “Hast du meine Reitstunde vergessen?”, fragte sie mich sofort und ich schüttelte den Kopf, klopfte Gipsys Hals und löste das Lasso von der Tonne. “Ich darf Gipsy reiten?”, fragte mich Ylvi ungläubig.
      “Ich äh.. nein.. Geh dir Gangster (Gunners Styled Gangster) holen, ist hinten auf dem zweiten Paddock, neben HMJ Saintly.” Wieder sah sie mich ungläubig an.
      “Gangster? Bist du dir sicher?”
      “Wird Zeit, dass du mal was anspruchsvolles unter den Hintern bekommst”, antwortete ich ihr knapp und wickelte das Rope auf. “Wenn du fertig geputzt und gesattelt hast komm hier auf den Platz. Wenn du beim Satteln, besonders bei den Boots Probleme haben solltest, Laurence ist drüben im Stall beim Putzplatz.” Damit galoppierte ich wieder an und suchte mir eine andere Tonne auf dem Platz aus.

      Ylvi
      "Gangster, komm schon, das is doch jetzt nicht dein Ernst?" ich klopfte dem Pferd mittlerweile zum dritten Mal am Hinterbein herum. Keine Reaktion. Außer das er sich mit seinem vollen Gewicht auf dieses stellte. So ein Sturkopf! Also griff ich beherzt zwischen seine Sehnen, erschrocken schnellte das Bein mit einem Mal doch nach oben. So konnte ich den letzten Hinterhuf des Hengstes doch noch auskratzen.
      Schon das aus dem Paddock führen hatte sich als Abenteuerlich herausgestellt. Das machte mir wenig Hoffnung auf den Ausgang der Stunde. Etwas anspruchsvolles hatte Caeb gesagt. Hatte er damit aber STUR gemeint?
      Zumindest verlief das Satteln ohne weitere Probleme, nichtmal die Boots bereiteten mir Schwierigkeiten. Allerdings würden die Bügel wohl welche machen. Ich bekam sie nicht auf meine Länge. Ich begann also mit viel Gefummel die Fender abzufriemeln. "Ich glaube nicht, dass Caleb glücklich sein wird, wenn du ihm Equipment klaust." kommentierte Dells Stimme plötzlich hinter mir. Ich drehte mich um, zog einen Schmollmund. "Ich soll den doch Reiten. Aber ich krieg die Bügel nicht auf meine Länge! Wenn du mir kürzere besorgen würdest? Die von Inyans Sattel am besten."
      Dell ließ sich zum Glück nicht zweimal bitten, half mir das ganze Konstrukt wieder zusammen zu bauen. Schließlich war ich auf und davon.

      Ich hatte regelrechte schwitzige Hände, was nicht am Wetter direkt liegen konnte da ein stetiger Wind durch die Bäume säuselte. Es war der erste Unterricht seit Monaten. Natürlich hatte ich von Louis Lektionen auf Inyan und auch Ravn absolviert. Caleb hingegen war noch eine ganz andere Hausnummer. Als ich den Platz betrat, schien er das Training mit Gipsy beendet zu haben. Denn er saß nicht länger auf dem Wallach, sondern dieser war am Rande des Platzes angebunden. "Du bist reichlich spät."
      "Ich war Gezwungen die Fender zu Tauschen."
      "Ah ja, ich vergaß Stummelbeine."
      "Danke mach dich noch drüber lustig."
      "Na los, rauf mit dir."
      Ich stellte den Hengst neben mir auf. Warf die Zügel geordnet über das Horn, stellte den linken Fuß in meinen kurzen Bügel und schob mich in den Sattel. Gangster blieb seiner Ausbildung entsprechend völlig entspannt dabei stehen. "Good boy." lobte ich ihn mit meiner Stimme. Caleb begutachtete mich einen Moment skeptisch. Trat dann heran und klopfte auf mein Knie. "Raus aus den Bügeln." Ich legte den Fuß also ein ganzes Stück nach vorn, während Caleb geschäftig den Fender um zwei Löcher länger machte. Ich sah sein Gesicht nicht während er sprach, aber ich konnte das Lächeln hören. "Wir machen aus dir irgendwann auch noch ein Country Girl, Englisch Lady." Er ergriff meinen Fuß an der Wade, schob ihn in den Bügel zurück und half mir auch mit der anderen Seite. Ich fühlte mich gleich näher am Pferd, meine Füße waren lockerer. Ironischerweise, hätt ich wohl bei dieser Länge die anderen Fender behalten können.

      Caleb
      “Beim Westernreiten sind die Bügel immer viel länger, dachte das wüsstest du mittlerweile”, kommentierte ich das, was ich gerade tat und konnte Ylvi dabei beobachten, wie sie ihre Lippe vorschob. Das tat sie öfter, wenn ihr etwas nicht passte, sie aber dazu nichts weiter sagen wollte.
      Während ich Gangster (Gunners Styled Gangster) und Ylvi auf die ganze Bahn wegschickte, kam Dell an den Zaun und fragte mich ein paar Dinge wegen der Boxen. “Ist okay, die können heute Nacht draußen bleiben. Misten kannst du die Boxen also auch morgen noch.”
      “Oh das ist gut. Dann mach ich mich jetzt nämlich fertig. Ich hab Betsy versprochen mit ihr ins Kino zu fahren.”
      “Und jetzt wolltest du mich als buh- Mann hinstellen, wenn du noch hättest misten müssen? Ha, ich kann doch auch nichts dafür, dass du damit so langsam bist!” Ich sah ihn grinsend an, doch Dell schob die Lippe vor. Hatte er sich das etwa von Ylvi abgeschaut?
      “Nein, Caleb, ich äh…”
      “Ist schon gut. Habt einen schönen Abend ihr zwei.” Damit wandte ich mich wieder Ylvi zu, die irgendwie ihre Schwierigkeiten mit Gangster zu haben schien. “Ylvi was machst du da?”, fragte ich sie gerade heraus und sah ihre Versuche, ihn zum losgehen zu animieren.
      “Zuerst machst du die Beine dran. Feste. Nicht hochziehen, streck die Beine und mach die dran. Hand hoch, nicht annehmen, nur wenn er vorwärts geht. Dann nimmst du an und geh rückwärts, so weit wie er vor gegangen ist. Wenn der den Rücken nicht anspannt und den Kopf runter nimmt hau mal zu. Ylvi zuhauen!” Ich knirschte mit den Zähnen, ging auf die Beiden zu und nahm ohne Vorwarnung Ylvis Bein und haute es einmal mit Kraft gegen Gangsters Bauch. Dieser legte kurz die Ohren an, senkte aber nach einem abermaligen sehr festen Klopfen von Ylvi den Kopf. “Lockerlassen und losgehen. Wenn die Rübe hoch kommt, Beine ran und dann annehmen. Erst locker lassen wenn er nachgibt, kommt da nix, haust du zu… geh mal einfach ein paar Runden im Schritt und Reite ein paar Bahnfiguren, Trab kommt später.” Gangster war ein schlaues Kerlchen, er merkte sofort dass nicht ich es war, der da auf seinem Rücken saß und dass sein heutiger Reiter keine Sporen anhatte- Ylvi war heute zum ersten Mal auf dem Hengst und schien ein wenig unsicher. Zudem konnte der Schecke unglaublich stur sein. Mit dem Annehmen und Nachgeben hatte Ylvi für die nächsten Minuten genug zu tun.


      Ylvi
      Vorwärts, rückwärts. Ich war völlig verwirrt was Caleb jetzt eigentlich von mir wollte. Als er dann etwas energischer mit mir und dem Hengst sprach zuckte ich zusammen. Huh war ihm am Morgen eine Laus über die Leber gelaufen?
      Unsicher ließ ich den Hengst wieder antreten. Nutze die Pylonen um kleinere Volten zu reiten. Mit jedem Schritt machte ich mich vertrauter. Der Hengst schritt deutlich anders vorwärts. Er reagierte auf feinste Bewegungen meines Beckens. Jedes Mal wenn ich meine Oberschenkel anspannte, drehte Gangster mir ein Ohr zu. Deutlich auf Anweisungen wartend. Also probierte ich mich aus. Ließ ihn anhalten, ein zwei Schritte rückwärts und anschließend wieder vorwärts. Neben den Bahnfiguren fragte ich Gangster nach leichten lateralen Bewegungen um ihn über die Seitengänge zu gymnastizieren.

      Caleb
      Ich ließ Ylvi weitestgehend in Ruhe, solange sie keine Fehler machte. Sie war in ihrem Element, eins mit dem Pferd und schien die Außenwelt auszublenden. Gangster war ein anderes Kaliber. Nicht unbedingt feiner, aber sensibler und reagierte manchmal übertrieben auf die kleinsten Hilfen.
      Die Stunde verlief allerdings gut. Am Ende waren jedoch Ylvi als auch der Hengst klatschnass geschwitzt und schienen ziemlich fertig zu sein. Gipsy, den ich am Zaun angebunden hatte, freute sich darüber, dass ich mich wieder ihm zuwendete und ihn wieder mit zum Stall nahm. Dort sattelten wir beide Pferde ab, Gangster bekam eine Dusche und konnte noch ein wenig in der Sonne trocknen.
      “Ich glaube, den Muskelkater spür ich morgen noch”, sagte Ylvi scherzhaft. Ich nickte kurz, erwiderte ihr Lächeln, kümmerte mich dann jedoch um das Verstauen der Futtersäcke, die jemand hier in den Füßen hatte liegen lassen. War das nicht auch Dells Aufgabe gewesen? Ich zuckte innerlich mit den Schultern. Er hatte sich einen schönen Abend mit seiner Tochter verdient. Betsy kam oft zu kurz, bei dem was hier immer alles los war. Da wollte ich ihm deshalb am nächsten Tag keinen Rüffel versetzen.
      “Wenn Gangster trocken ist bring ihn auf seinen Paddock zurück”, wies ich Ylvi als nächstes an und verschwand mit Gipsy um die Ecke, um auch ihn zurück auf die Koppel zu bringen.
      In meinem Kopf ging ich die Liste durch, die ich heute noch zu erledigen hatte. Es war gar nicht mehr so schrecklich viel. Heu zu den Rindern fahren und auf der Ferienranch vorbeischauen. Vielleicht konnte ich mir da Bellamy oder sogar Octavia mitnehmen, letztere war begeistert von der kleinen Ranch, auch wenn sie bisher noch nicht oft da gewesen war.

      Am nächsten Tag wollte ich mich nochmal um die Verkaufspferde kümmern und diese noch einmal durchreiten. Nur weil sie zum Verkauf standen hieß das nicht, dass sie sich einfach nur die Bäuche vollschlagen sollten. Anfangen tat ich mit Chapter 24, General’s Coming Home und Chocolate Shades. Geplant war für den Vormittag kein weiteres Pferd, aber das Training dauerte nicht lange, so dass ich noch zwei weitere Pferde, Citizen Fang und Whinney unterbekam.
      Ich aß in aller Ruhe Mittag und war unglaublich froh, dass wir nun eine Haushaltshilfe besaßen, die sich darum kümmerte, so dass ich nach einer kurzen Mittagsruhe nicht erst noch aufräumen und spülen musste, sondern mich gleich wieder aufs Pferd setzen konnte. Neben Picture of a Ghost und Verdine brachte ich Kisshimbye und Sweet like Chocolate in die Führanlage, ehe ich mir Cruel Twist of Fate schnappte und den jungen Wallach noch reiten konnte.
      Gegen Nachmittag war noch Abadon all Hope an der Reihe. Die anderen Verkaufspferde hatte ich mir in den letzten Tagen schon vorgeknüpft.

      --------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
      (leider ein doofer Storycut aus… Gründen, man oh man, dann gehts halt anders weiter :3)

      Mitte August

      An einem späteren, extrem heißen Sommerabend, gegen 20 Uhr saß ich im Büro und starrte auf eine Verkaufsseite. Neben Heza Bat Man, auf den ich schon lange ein Auge geworfen hatte, standen nun auf einmal auch alle Pferde von Johanna Röder zum Verkauf. HMJ8345’s Continental, How ‘Bout Moonies, Blanton’s Gentleman, Four Bar Chocolate Becks und auch Chapman, aber sobald ich auf die Anzeige klickte, wurde er mir schon als verkauft angezeigt. Ich seufzte, griff sofort zum Hörer und telefonierte gut zwei Stunden mit Johanna.
      Nach unserem Telefonat stand alles fest: Conti blieb schon einmal direkt bei uns und in den nächsten Tagen würden die drei Hengste hier eintrudeln… außerdem, so informierte mich gerade meine neue E-Mail vom Pferdehandel van Heeringen, hatte ich auch den Zuschlag für das schicke Paint Horse, Heza Bat Man bekommen.
      Auf meinem Stuhl hüpfte ich einmal kurz auf und ab. Yes! Damit konnte ich meine Startpferde für die Juturity um ein wirklich gutes, neue Pferd erweitern. Wie er sich wohl im Training machen würde?

      Schon früh am nächsten Morgen war ich dabei, auf dem Hengstpaddock ein wenig für Ordnung zu sorgen. GRH’s Unbroken Soul of a Devil sowie Small Town Dude erfreuten sich des doch noch kühlen Wetters und ließen ein paar Luftsprünge ab, als ich sie mit der Schubkarre aus dem Weg schubste. Auch Zues stand in der Sonne und rupfte ein paar schmale Grashalme aus dem Boden. Als er mich sah hob er den Kopf und stoppte kurz in der Kaubewegung
      Bei den Stuten sah es da schon anders aus. Cup Cake stand zusammen mit California Rose und Frosty Lagoon im Unterstand, während GRH’s Unbroken Magic sich ausgiebig wälzte. “Du bist ein Schwein. Gar keine feine Dame wie zum Beispiel Stormborn”, schmollte ich und knipste schnell ein Foto des Oreopferdes, ehe mein Blick zu Kholáya, My sweet little Secret, Only Known in Texas, Snapper Little Lena und Tortured Witch HMJ 6693 glitt. Witch würde ich eventuell mit Conti zusammenstellen, so müssten sich die beiden Stuten vielleicht sogar noch kennen.

      Wenig später schaute ich bei Ginny my Love, GRH’s Aquila T Mistery und Lovin’ Out Loud vorbei. Ginny hatte ich samt Fohlen in der vergangenen Nacht reingeholt, da die Stute nicht so fit schien. Da sie heute Morgen allerdings wieder super aussah, verlud ich sie kurzerhand zusammen mit Aquila und Lol in den Hänger, um sie wieder zurück zur Stutenkoppel zu bringen. Ab Morgen würden wir damit beginnen, die Fohlen abzusetzen. Dazu würde ich alle Pferde wieder an den Hof holen und sie auf die Paddocks verteilen. Da sie so viel Gesellschaft hatten und sich auf der Koppel auch schon ziemlich weit von den Müttern entfernten, rechnete ich nicht mit einem großen Drama.
      Wieder am Hof angekommen sah ich Cayce mit Till Death auf dem Platz. Laurence saß auf Chocolate Dream und Bellamy stand am Rand, hielt GRH’s Bellas Dun Gotta Gun in der einen, Hollywoods Silver Dream in der anderen Hand fest. “Reitet einer von euch heute noch Nachtschwärmer mit?”, fragte ich in die Runde und hatte sofort die Aufmerksamkeit aller auf dem Platz auf mich gezogen. Cayce nickte.
      “Klar, kann ich machen. Sonst noch wen außer der Reihe?”
      “Nein, nur ihn. Ich helf Octavia gleich noch ein bisschen bei ihren Pferden. Die anderen sind für heute versorgt oder haben frei. Außerdem sollen gegen Abend die neuen Pferde kommen.”
      Cayce nickte und trieb Till wieder an. Der Hengst machte sich gut, geritten wurde er von jedem gerne und ich war wirklich froh, dass ich doch endlich die Chance bekommen hatte, ihn zu mir zu nehmen.
      Im Stalltrakt von Octavia angekommen staunte ich nicht schlecht, als dort eine kleine schwarz gescheckte Stute stand.
      “Das ist Breia LDS, kurz Nini. Ein Stutfohlen von Skrudur und Bree. Ist vor ein paar Tagen angekommen. Ich wollte dich fragen, ob ich sie zu den anderen Fohlen stellen kann, wenn du die morgen hier rüber zur Ranch holst.”
      Ich musste ja schon sagen… eigentlich bekam ich alles mit, was hier auf meinem Hof passierte. Wieso hatte ich das nicht mitbekommen?
      “Caleb du musst schon was sagen, schau mich nicht so geschockt an!”, meinte Octavia und sah nun etwas verunsichert zu mir herüber.
      “Ja.. ja klar. Ich hab nur gar nicht mitbekommen, dass du ein Pferd gekauft hast. Vor allem nicht so einen.. Mix.”
      “So ein Mix ist sie gar nicht. Der ist anerkannt als Zelter. Google das mal.”
      Ich schmunzelte. “Ja mach ich die Tage.. wobei brauchst du Hilfe?”
      Octavia drehte sich auf der Stelle herum und marschierte zum Ausgang des Stalles, kreuzte den Hof und ging auf ihre Paddocks zu. “Ich hätte gerne die Rennpferde wieder an der Rennbahn. Ich habe einen Jockey gefunden und bräuchte deine Hilfe beim Verladen.”
      Im Kopf ging ich die Pferde einmal durch, ehe ich nickte. “Wer so0ll denn alles mit?”
      “Drama Baby, Tigres Eye, Peacful Redemption und Wildfire xx. Culain kommt auch mit rüber, der wird jetzt angeritten und Tasmania hätte ich gerne als Track Pony dabei.”
      “Und was ist mit Pria?”
      “Priamos Ruffia Kincsem soll keine Rennen mehr laufen. Ich würde aus ihr eventuell nächstes Jahr noch ein Fohlen ziehen und ansonsten darf sie ihren Vorruhestand genießen, indem sie ein Geländepferdchen für mich wird. Mal schauen, was man aus ihr noch so rausholen kann.”
      Ich nickte, konnte sie bei ihrer Entscheidung voll verstehen. “Was hast du denn mit den anderen Pferden so vor?”, fragte ich dann und blickte zu ihr rüber, während wir schon die ersten Pferde mit zum Stall holten und zum Transport fertig machten.
      “Mit Magic Lanijos bin ich mir noch immer nicht so ganz sicher, auch nicht mit Ceara Isleen… Dakota ist ja Bellamy, der sollte sie nur mal öfter reiten. Mit Pocahontas habe ich ja erst kürzlich einen Springkurs gemacht. Die entwickelt sich super, braucht aber genügend Zeit zum Verarbeiten. Raspberry… klar. Dazu brauch ich nichts weiter zu sagen- und Absolute Bullet Proof muss ich auch mal wieder weiter trainieren… wo bleibt nur immer die verdammte Zeit?”
      Ich lachte, Octavia stimmte mit ein. Tja, wo blieb nur immer die verdammte Zeit?

      Wieder im Büro angekommen zückte ich mein Handy und wollte mir die neusten Pferdeanzeigen anschauen, rief dabei sogar eine Person für genauere Infos an.
      Lange konnte ich mich allerdings nicht am Telefon aufhalten, denn die Pferde von Johanna kamen gerade an.
      Ich seufzte, legte in aller Eile auf und sprang auf die Beine, um nach draußen zu gehen und die drei Pferde in Empfang zu nehmen; Conti war durch ihr Training ja sowieso schon bei uns. Ich freute mich, dass sie bleiben durfte und für ihr Leben nun ein Zuhause gefunden hatte, welches für immer das Ihre sein würde.
      Während Nic (How ‘Bout Moonies) irgendwie etwas zerpflückt aussah, stellten sich Four Bar Chocolate Becks und Blanton’s Gentleman, der schnell den Spitznamen Plankton bekam, als wirklich super gut gepflegte Pferde heraus. Was mit Nic passiert war würde ich in nächster Zeit noch in Erfahrung bringen.

      Am nächsten Morgen war es dann so weit. Die Fohlen würden abgesetzt werden. Dazu war ich mit fast allen meinen Mitarbeitern und den Trailern zur Weide gefahren, hatte alle Tiere aufgeladen und nun waren wir an der Ranch angekommen, ließen die Pferde aus den Trucks auf den Reitplatz, um sie dort zu sortieren. Die drei Jungpferde Dignity, Ace und Kat hatten wir ebenfalls mitgebracht, denn sie würden mit dazu kommen.
      Nachdem sich die Pferde nun etwas beruhigt hatten trennten wir die Stuten von den Fohlen und brachten die erwachsenen Tiere auf eine der hinteren Paddocks, die Fohlen und Jungpferde schließlich auf einen großen Paddock nahe des Hauses.
      Die erste Nacht war für alle ein wenig unruhig. Die Fohlen waren nicht gerade begeistert, dass sie nicht mehr so viel Platz und vor allem ihre Mamas nicht mehr um sich hatten, doch sie würden es schon überleben.
      Ein paar Tage später sah die Sache schon wieder anders aus. Die Fohlen hatten sich eingelebt und lernten alle nach und nach das Fohlen ABC. Erst wenn sie dieses wirklich aus dem FF beherrschten, würden sie wieder auf eine der großen Koppeln kommen, bis zum nächsten Jahr, wenn sie wieder genau hier mit den den Fohlen des nächsten Jahres landen würden.
      Aus dem Augenwinkel sah ich Laurence und Birk zusammen auf dem Platz. Er nahm seine Aufgabe wirklich genau und es freute ich, dass die beiden immer mehr zusammenwuchsen. Auch, wenn er nichts davon wusste, dass der Hengst bei uns bleiben würde.

      Etwa drei Wochen später war es so weit und einige Fohlen sollten den Weg in ein neues Zuhause finden. Dies war leichter gesagt als getan, denn es taten sich Probleme auf. Pamina, die eigentlich an Zion gehen sollte, konnte aufgrund der Reitsportaufgabe nicht mehr umziehen. Und auch General Pleasure hatte kein Glück, denn neben ihm, der jetzt bleiben musste, war ich auch gezwungen Bittersweet Temptation erneut aufzunehmen. Der mittlerweile Wallach sah fast aus wie unser neue Hengst Small Town Dude, was ihn jedoch nicht davor bewahrte, wieder zu uns zurückkommen zu müssen.
      Wer allerdings ein tolles neue Zuhause bekommen würde, zum Glück eine Person, die zu ihrem Wort stehen konnte und die keine plötzlichen Schicksalsschläge hatte erleiden müssen, war Tiara Evergreen. Zu ihr würden nicht nur Shark und Daisy umziehen, sondern auch Chapter, Picture of a Ghost und Kisshimbye. Letztere war schon einmal im Besitz ihrer Mutter gewesen, die keine schlechte Arbeit mit ihr geleistet hatte.
      Ob alle Entscheidungen, die ich in den letzten Tagen getroffen hatte die richtigen waren? Das würde sich zeigen.
    • Veija
      Tiaras Besuch auf Bow River
      November 2020, by Sosox3 & Veija
      Tiara | Der Flug war holprig gewesen und Caleb hatte mir heute Nacht um 4 noch mein Zimmer gezeigt, wo ich die nächste Zeit schlafen würde. Verschlafen rieb ich mir die Augen und stand so langsam auf. Zuhause wäre ich schon längst bei den Pferden gewesen und hätte mit den ersten schon in die Halle gemusst. Ich sah auf meine Uhr und richtete mich dann auf. Es blieb mir nicht aus mich zu strecken und steckte mir die Haare zu einem Dutt hoch. Ein Seufzen verließ meine Lippen und ich schritt aus der Tür raus. Der Weg zum Frühstücksraum gestaltete sich als ziemlich einfach und ich fand den Raum ziemlich schnell. Als ich jedoch die ganzen Jungs darin sah, stockte mir kurz der Atem. “Guten Morgen, Jungs”, versuchte ich mich locker zu machen und sah suchend nach Caleb.

      Cayce | Am frühen Morgen nach dem Aufstehen hatte ich bereits ein paar Pferden das Kraftfutter gegeben, sie auf die Koppeln und Paddocks gebracht und die Boxen gemistet. Ich wollte Caleb ein wenig Arbeit ersparen, da er heute Nacht erst um vier Uhr zurückgekommen war. So konnte er ruhigen Gewissens ausschlafen, was er jedoch vermutlich ohnehin getan hätte.
      Nach der Arbeit ging ich ins Haupthaus, in dem es schon wunderbar nach Waffeln roch. Die Haushaltshilfe machte eigentlich nie Waffeln, es sei denn wir hatten Besuch. Hatte ich etwas verpasst? Als ich ins Esszimmer ging, saßen dort die üblichen verdächtigen und stopften sich schon die Bäuche voll. Caleb fehlte natürlich. Auch der vermeintliche Gast, der jedoch wenig später den Raum betrat und uns grüßte. Mit gefüllten Backen sah ich auf und erwiderte ihren Gruß. Auch die anderen Jungs murmelten etwas, ehe wir uns alle kurz ansahen. Bevor die peinliche Stille jedoch unerträglich wurde, stand Octavia mit Bellamy in der Tür. “Tiara!”, sagten Beide fast gleichzeitig und umarmten sie kurz. “Schön, dass du es nochmal zu uns geschafft hast. Komm, setz dich… Travis mach Platz”, sagte Octavia und schlug Travis gegen den Arm, der murrend seinen Teller schnappte und Platz machte.

      Tiara | “Hey”, sagte ich zu O und Bellamy und wandte mich direkt zu den beiden. Ich schlängelte mich an den Jungs vorbei und nahm Octavia erst einmal in den Arm. Ich hatte sie lange nicht mehr gesehen und sah dann zu dem blonden jungen Mann, der mir soeben Platz gemacht hatte. “Dankeschön, Trav….or?”, sagte ich vorsichtig. Ich hatte vorhin nicht richtig zugehört und mich nur auf den Ruf meines Namens konzentriert. “Erzähl mal, wie läuft’s mit den Mustangs? Quisqui sieht man ja ab und an auf einem Turnier. Wie macht sich Tweekay?”, O sprudelte nur so und ich konnte nachvollziehen, warum das der Fall war. Tweekay war mal in dem Besitz der beiden gewesen und ich hatte schon ein paar Fortschritte mit ihm gemacht, aber ans reiten war nicht zu denken. “Es läuft eher schleppend… Meine Eltern sind nicht mehr so begeistert und wollen mich nicht mehr so gerne auf dem Hof haben, aber Tweekay geht’s gut. Ihn kann man jetzt mittlerweile führen, ohne, dass er versucht einen dabei umzubringen.” Harte Arbeit und langer Weg aber meine Geduld hatte sich ausgezahlt.

      Cayce | Tiara also… von ihr hatte ich doch schon einmal gehört. “Travis”, korrigierte Trav Tiara, die ihn so eben noch Trevor genannt hatte- eigentlich auch ein ganz cooler Name. Während sie so mit Octavia redete aß ich weiter meine Waffeln und bedankte mich, als ich Nachschub bekam. Auch Tiara wurde ein Teller gereicht, so dass nun nur noch Caleb, Brian, Aimee, Dell und Betsy fehlten. Aber die würden vermutlich alle später frühstückten.
      Beim Mustangthema horchte ich auf, hörte aufmerksam zu. Kurz überlegte ich, ob ich Tweekay kannte, war mir da aber nicht so sicher.
      “Wieso wollen deine Eltern dich nicht mehr auf dem Hof haben?”, fragte O unseren Gast und alle Anwesenden am Tisch warteten gespannt auf ihre Antwort.

      Tiara | “Ist eine gar nicht so spektakuläre Geschichte. Wir haben ja einen Praktikanten da, ganz netter Junge, sehr bemüht und 3 Jahre älter als ich. Anfangs konnte ich ihn nicht gebrauchen, jetzt jedoch kümmert er sich gerade um meine Pferde. Ich hab mich in der letzten Zeit mehr auf mein Training und das Training meiner Pferde konzentriert und meine Eltern finden es nicht so gut, dass ich kein Geld ins Haus bringe und wollen jetzt entweder, dass ich mehr Aufträge annehme oder aber Boxenmiete für meine Pferde zahlen soll. Ich schau mich also jetzt nach was eigenem um. Und hole Alex dann als Unterstützung mit”, erklärte ich meine Situation. Ein wenig kindisch war das ganze schon … wie fast jede unserer Familiendiskussionen. Die Waffeln schmeckten echt lecker und ich hatte ziemlich schnell den Teller leer. Ich sah noch einmal zu meiner rechten und sah einen ziemlich genervten Travis neben mir, der nur noch die Augen rollte. “Das hab ich gesehen”, sagte ich zu ihm und sah ihn gespielt sauer an. O hatte ich ziemlich lieb gewonnen und wusste, dass sie Whiskey vor noch gar nicht allzulanger Zeit zu Brooke gegeben hatte. “Achja O, Whiskey ist jetzt gekört macht sich Prima, der kleine Psycho.”

      Cayce | Ich überlegte. War nicht vor kurzem eine Ranch hier in der Nähe zu verkaufen gewesen? “Hier in der Nähe ist eine kleine Ranch zu verkaufen.. ich weiß ja nicht, welche Ansprüche du hast, aber Caleb oder ich könnten mit dir bestimmt einmal rüberfahren und sie anschauen… falls Kanada für dich in Frage käme”, meinte ich schulterzuckend und stopfte mir den Rest meiner Waffel in den Mund. Nun war mein Teller auch leer. Tiara nickte, ehe sie sich an Travis wandte. Was sie mit ihm hatte, da wurde ich nicht schlau draus.
      “Oh Whiskey?! Das ist toll, das freut mich! Du musst dir unbedingt später meine Pferde anschauen… ich hab sogar einen Zeltermix, den hab ich mir irgendwie andrehen lassen. Was ich mit Nini soll, bin ich mir noch nicht sicher.. aber hübsch ist sie- und eine Tochter von Bree und Skrudur!” Tiara grinste, schien die beiden Eltern wohl zu kennen.
      Ich stand derweil auf, brachte meinen Teller in die Spülmaschine und nahm meinen Hut von der Anrichte. “Lass es mich wissen, wenn du dir die Ranch anschauen möchtest”, sagte ich zu, nickte ihr einmal zu und verließ dann den Raum.

      Tiara | Ich sah neugierig auf, als Cayce von der Ranch sprach. "Das… Das wäre super!" Vor meinem Inneren Auge hatte ich mir schon alles ausgemalt und ich grinste nun vor mich her. "Was ist denn ein Zelter?", fragte ich Octavia und sah sie fragend an. Ich kannte Traber und Isländer, aber ich wusste nicht, was ein Zelter ist. Ich verfolgte noch kurz unser Gespräch ehe ich mich zur Spülmaschine aufmachte und meinen Teller samt Besteck rein räumte. Das Anwesen war riesig und ich würde später nochmal die Zeit haben mir alles gut anzuschauen. Ich stolperte fast über meine eigenen Füße und das wäre jetzt echt das letzte was ich gebrauchen konnte. Wo steckte Caleb eigentlich, er könnte mir ruhig mal alles zeigen, wenn er mich schon mit zu sich auf den Hof nahm. Ich hoffte, mich hatte keiner gesehen, wie ich fast den Boden küsste und rappelte mich wieder auf.

      Caleb | “Ein Zelter…”, mischte ich mich ins Gespräch ein, welches ich eine Weile vom Flur aus belauscht hatte. “... ist ein Mix aus zwei Gangpferderassen. Den Sinn versteh ich zwar nicht, aber für manche macht das wohl Sinn.” Dabei streckte ich Octavia die Zunge heraus und bekam nicht mit, weshalb Os Blick an mir vorbeiflog, sie zunächst panisch schaute, dann aber in schallendes Gelächter ausbrach. Tiara warf ihr einen gemeinen Blick zu, ehe sich beide wieder normale ansahen. Weiber… “Willst du zu erst mit O ihre Pferde anschauen oder soll ich dir erst den Rest der Ranch, bis auf Os Pferde, zeigen?”

      Tiara | "Aaachso", sagte ich verwirrt zu Caleb. "Aber heey, da bist du ja! Zeig mir ruhig erst die Ranch und dann zeigt O mir ihre Pferde und dann sagst du mir wo ich mit anpacken kann", grinste ich ihn an. Warum waren Männer eigentlich immer so ernst? Fing ja heute schon gut an. Erst Travis und jetzt Caleb. Die scheinen alle keinen Spaß am Morgen zu haben. Ich philosophierte noch ein wenig ehe ich mich verabschiedete und mich hastig zu meinem Zimmer begab. Ich zog mich um, das was ich auch immer bei uns am Stall anhatte. Das konnte auch dreckig werden, obwohl es gut kombiniert war.

      Caleb | “Okay dann machen wir das so”, antwortete ich auf ihre Aussage und nahm mir aus dem Schrank einen extra großen Thermobecher, in den ich mir Kaffee füllte. Tiara verschwand, würde sich wohl umziehen gehen.
      Ich derweil setzte mich noch kurz an den Tisch, besprach mit Cayce und Laurence ein paar Dinge des heutigen Tages, stopfte mir eine Waffel in den Mund und sah Tiara mit hochgezogenen Augenbrauen an. Ihre Outfits waren immer… top kombiniert. Sollte ich sie damit Ställe ausmisten lassen, damit die anderen was zu lachen hatten? Vielleicht in den nächsten Tagen.. heute wollte ich noch nett sein.
      Wir gingen also auf den Hof und steuerten sofort meinen roten Pick Up an. “Ich dachte, du wolltest mir den Hof zeigen?”, fragte mich Tiara unsicher, öffnete jedoch die Beifahrertür und setzte sich in den Truck.
      “Exakt, aber meinst du ich lauf alles ab?” Dann fuhr ich los. Zeigte ihr die beiden Reitplätze, die beiden Round Pens, die Halle, die Ställe, die Paddocks. Alles, was sie eh schon gesehen hatte, als sie mit Valhalla auf dem Reiningkurs gewesen war. Neu war allerdings, dass die Fohlen nun abgesetzt und in einer großen Gruppe hier am Hof standen. Dorthin fuhr ich als letztes- die Rinder und großen Weiden würde ich ihr ein andermal zeigen.
      “Hier stehen auch deine beiden Fohlen… oder waren die für deine Mutter?”

      Tiara | "Du hast so ein großes Anwesen… Ich bin neidisch!", sagte ich mit großen Augen und sah ihn an, als er mit mir die Ställe abfuhr. Er sah nur kurz rüber und konzentrierte sich dann weiter auf die Rundfahrt. Ich hatte das vorletzte Treffen nicht vergessen und war von seinem Können noch immer begeistert." Die Fohlen sind meiner Mutter… wobei ich mir es gerade anders überlege und ihr nur eins mitbringe." "Wie? Nur eins mitbringen?" Ich sah seinen Blick aus dem Augenwinkel und grinste nur. "Wir hatten einen Deal!" "Ich hab nie gesagt, dass ich das andere nicht nehme. Nur, dass ich es nicht ihr bringen werde."

      Caleb | “Und wen willst du für dich behalten? Stute oder Hengst, Daisy oder Shark?”, fragte ich sie doch bekam nicht sofort eine Antwort. Viel mehr war sie gerade damit beschäftigt, zu erst Daisy über die Nase zu streichen, dann Shark. Ich weiß gar nicht mehr wie die Rufnamen entstanden sind. Irgendwie war das bei Daisy einfach so passiert. BR Lovely Gun… Daisy… das passte einfach.
      Und Shark? Tja, Shark hatte in seiner Scheckung eine Flosse, die der eines Haies unglaublich ähnlich sah. Charakterlich strahlte er durch seinen Kampfgeist. Daisy glänzte durch ihren will to please und dem Menschen alles Recht zu machen. Wer war da wohl eher geeignet für Tiara?

      Tiara | "Shark. Er hat den Kampfgeist. Ich will meiner Mutter nicht so einen Brocken geben, wenn er mal groß ist. Der hat eine gute Zukunft vor sich." Caleb nickte. "Gute Entscheidung." "Und was steht jetzt an?" Ich war etwas Ungeduldig. Lag vielleicht auch daran, dass ich auf jemanden ein Auge geworfen hatte. Warum hatte ich auch so einen Faible für Typen die einen auf Hard to Get taten. Ich sah Shark noch einen Moment an und kraulte ihm dann den Rücken. Der kleine war schon gut gewachsen und ging mir nun bis über die Hüfte mit seinem Stockmaß. "Was macht Travis eigentlich hier bei dir auf dem Hof?"

      Caleb | “Ich würde Daisy sofort behalten. Aber verkauft ist verkauft”, sagte ich verlegen und fuhr mir einmal mit der linken Hand an den Hut.
      “Travis?”, fragte ich sie etwas ungläubig. “Der ist immer da, wo Octavia ist. Ich weiß nicht ob er ein Auge auf sie geworfen hat.. Murphy ist da ja auch noch im Rennen.” Ich lachte, sah wie sich ihre Miene kurz verzog. “Wir gehen gleich zu O und Trav, aber hast du die anderen Fohlen gesehen? Mir sind leider Käufer abgesprungen, ich hab noch einiges zum Verkauf… da hinten der Dunskin Appaloosa, BR Heart N’ Soul, von Hollywoods Silver Dream aus der Baby Doll Melody, tolles Kerlchen… oder Nima, die kleine Rappstute. Von Alan aus der Sue. Sollte eigentlich zu Juna oder Luna nach Österreich, daraus wurde dann aber nichts mehr… und General Pleasure, von General’s Coming Home aus der Crow sollte zu Zion, sie hat den Verkauf aber auch annuliert...und die blonde, die Bella so ähnlich sieht ist tatsächlich ihre Tochter. Papa ist Alan. Der helle mit den dunklen Beinen ist McDreamy, von Hollywoods Silver Dream und Heretic Anthem… vielleicht behalt ich den auch, wird mal ein guter Reiner durch den Papa… und Queen. Ziehfohlen von Heretic Anthem nachdem Face Down ja gestorben war… na, Interesse an einem für deine neue Ranch? Ich hab auch noch einige Pferde ab 3 Jahren aufwärts, die im Training sind.” Wieder lachte ich. Verkaufen? Das konnte ich… dabei fiel mir ein, dass die beiden Fohlen und auch die anderen Pferde für Tiaras Mutter noch gar nicht bezahlt waren.

      Tiara | "Ich hab leider mehr Interesse an den Mustangs, aber ich schau mal, was ich tun kann.”, murmelte ich. Ich sah über die Weide der Absetzer und schaute mir jedes vorgestellte Fohlen an. Sie waren alle toll, aus guten Linien, aber ich hatte momentan schon genug um die Ohren. “Caleb… ich habe gehört, dass hier in der Nähe eine Ranch verkauft wird. Weißt du ob da was dran ist?” Die Neugier hatte mich gepackt und ich sah den großen Blonden gespannt an. Es war schon wieder ziemlich frisch in dieser Septemberwoche und ich hätte mich deutlich wärmer anziehen sollen, jetzt fröstelte es mich und ich hatte die meiste Zeit Gänsehaut an den Oberarmen und zitterte ab und zu hörbar. Morgen wäre ich höchstwahrscheinlich krank und liege im Bett.

      Caleb | “Ja genau, hab das ganz kurz am Rande vor ein paar Tagen mitbekommen. Lass uns kurz zu O und Trav gehen, du ziehst dir was wärmeres an und dann fahren wir rüber. Der Besitzer, ein älterer Mann, ist eigentlich immer da. Er verkauft das Anwesen weil seine Kinder in die Stadt gezogen sind und seine Frau schon vor einer ganzen Weile gestorben ist. Da sieht es zwar aus wie Kraut und Rüben, weil da schon seit Jahren kein Vieh mehr gehalten wird, aber wenn du dir die Arbeit antun willst und dort aufräumst und alles auf Vordermann bringst, hast du eine tolle, kleine Ranch.”
      Ich wartete ihre Antwort kurz ab, ehe wir uns auf den Weg zum Stalltrakt machten, in dem die Pferde von Octavia standen. Travis, Murphy und auch O waren fleißig dabei, die Boxen zu misten. Die Pferde befanden sich schon fast alle draußen. “Caleb du kommst mir gerade Recht, können du und Tiara die restlichen Pferde rausbringen? Wildfire xx, Peacful Redemption, Tigres Eye und Birk?”
      Ich nickte. “Klar.”

      Tiara | “Viel Arbeit bedeutet niedrigerer Preis”, grinste ich. Mir war bewusst, wie viel Arbeit das werden konnte. So war es bei unserem jetzigen Stall ja auch gewesen. Dad hatte so viel Arbeit reingesteckt und Mom machte gerade alles kaputt. Brav wie ein Hund folgte ich Caleb in den Stalltrakt und sah mir im Vorbeigehen die Pferde an, die noch in den Boxen standen, bis wir bei den dreien angekommen waren. Ich sah zu Caleb, der sich die Halfter schnappte und mir gleich zwei davon entgegen streckte. “Und welche nehm ich jetzt?”, fragte ich ihn verwirrt. Das größere Halfter konnte nur dem Kaltblut gehören, aber das andere konnte ich nicht zuordnen. “Das ist von Peacful Redemption.” Ich versuchte die Stimme zu zuordnen und sah dem Blonden gleich ins Gesicht. “Danke.” Mein Gemurmel konnte man kaum verstehen und ich nahm mir erst Birk und dann Clyde.

      Caleb | Tiara konnte Clyde und Birk zusammen nach draußen führen, während ich mir als erstes Wildfire schnappte. Zusammen brachten wir die drei Hengste nach draußen, ehe wir nochmals in den Stall gingen und ich mir die schöne Rappstute Tigres Eye ans Halfter nahm. Sie kam raus zu den Stuten. Wieder im Stall angekommen unterhielten wir uns noch kurz mit O und Trav, ehe wir noch zu meinem kleinen Sorgenkind gingen. “Vom HMJ hast du was mitbekommen, oder?” Tiara nickte. “Das hier ist einer, HMJ Saintly. Hat sich schon gut gemacht- und dass das HMJ verlängert wurde kommt mir ungemein zu Gute. So habe ich noch mehr Zeit ihn auszubilden.”
      “Ein tolles Pferd, passt farblich zu deinen anderen.” Ich nickte. Farblich passte er wie die Faust aufs Auge.
      “Magst du dir noch was wärmeres anziehen, ehe wir rüber zur Ranch
      fahren?”

      Tiara | “Ja, bitte. Ist doch kühler hier, als ich dachte.” Caleb blieb heute ziemlich wortkarg. Ich bekam nur ein kurzes Nicken und schon stiegen wir ins Auto um rüber zum Haus zu fahren, wo ich mir schnell einen weißen, flauschigen Pullover schnappte, der mich dann garantiert warm halten sollte. Ich beeilte mich die Treppe runter, stolperte wieder fast und sah beim Aufrappeln in Cayce Augen. “So im Stress?” Sein Grinsen wurde breiter und ich richtete mich auf. “Ich will Caleb nicht warten lassen.” Mehr als ein Lachen vernahm ich nicht und ging zurück zum Auto. “Bist du soweit?” Ich nickte Hastig und schnallte mich an. Ein Ding, das ich aus Deutschland im Kopf hatte und immer wieder das Problem in anderen Ländern belächelt zu werden.

      Caleb | Ich startete den Truck und wie verließen über die lange Einfahrt meine Ranch. So ganz nebenan war das zum Verkauf stehende Anwesen nicht. Nach einer guten halben Stunde kamen wir dort an, fuhren durch das Eingangstor und auf den Hof vor dem Haupthaus. Schon von hier sahen wir, dass die Zäune repariert werden müssten, bevor jemals nochmal ein Pferd drauf dürfte. Das Gras stand hoch, die Bäume und Hecken wucherten ziemlich alles zu. Tiaras Blick wirkte zerknirscht, doch ich beschwichtigte sie sofort. “Wenn die Stallungen und das Haus intakt sind, ist das hier doch kein Problem. Ein paar Tage Arbeit und.. die Hecken sind weg, das Gras gemäht. Zäune kann man aufbauen.”
      Wirklich zufrieden schien sie damit nicht. Ich schätzte sie auch so ein, dass sie alles perfekt haben wollte. Das ging allerdings nicht, ohne Arbeit reinzustecken. Dafür war die Ranch günstig.
      Ich stieg aus und ging zur Haustür. Tiara folgte mir und lief fast in mich hinein, da ich wieder einen Schritt nach hinten gemacht hatte, um nicht mit der Nase an der Tür zu kleben. Sie allerdings hatte den Blick nach hinten gerichtet und dies gar nicht bemerkt. Ich räusperte mich kurz, sah dann aber jedoch zur geöffneten Haustür hoch, an der nun der alte, er war wirklich alt, Besitzer der Ranch stand. “Hallo ich bin Caleb, wir haben telefoniert. Das hier ist Tiara, sie interessiert sich für die Ranch.”
      “Caleb, schön sie kennen zu lernen- und sie natürlich auch, Tiara. Es freut mich, dass die Ranch eventuell in den Besitz eines bereits ansässigen geht.”
      Ich lächelte kurz. “Tiara kommt zwar nicht von hier, aber wie du bereits weißt, wohne ich drüben auf Bow River. Tiara hat mich schon ein paar Mal besucht und sich in unser schönes Land verliebt- deshalb will sie jetzt hier bleiben.”
      “Das ist schön. Ich hole mir noch gerade eine Jacke, dann können wir den Rundgang starten.”

      Tiara | Es schien wirklich viel Arbeit zu sein, die auf mich wartete. Noch war ich alleine, wenn ich die Ranch übernehmen sollte. Mit Alex hatte ich noch nicht gesprochen, ich wusste also auch noch nicht ob er mitkommen würde. Arbeiter hatte ich auch noch keine und auch sonst würde ich erstmal vor dem nichts stehen. Aber hey. Ich hätte dann nette Nachbarn. Als der ältere Herr sich seine Jacke übergezogen hatte, führte er uns ziemlich langsam, so wie es seine alten Knochen es noch schafften, zu den ersten Stallungen.
      Die Boxen waren in einem guten Zustand, das Holz war gepflegt, nicht marode. Die Wände müssten gestrichen werden, die Sattelkammer war in einem einwandfreien Zustand nur das Dach machte mir etwas sorgen. “Caleb, können wir gleich kurz reden?”, fragte ich ihn mit einem besorgten Blick. Caleb nickte, doch wir sahen uns noch die anderen Gebäude an, die in einer noch weniger Guten Verfassung waren. Die Aufteilung an sich gefiel mir jedoch ganz gut.
      “Ich weiß ja, dass hier viel arbeit reingesteckt werden muss, aber ich hab gehört, Dächer sind teuer. Also sie zu erneuern oder zu reparieren… In die Reithalle muss neuer Boden und der ganze Kleinkram hier muss auch noch gemacht werden”, ich hatte meine Bedenken geäußert und wartete nun auf seine Antwort. Wir standen ein wenig abseits und ich war froh, dass er mit dabei war, denn ich konnte zu schlecht so große Entscheidungen alleine treffen.

      Caleb | Während des Rundgangs erzählte der Mann immer wieder von der Zeit, als seine Frau noch lebte und die Ranch voller Pferde gewesen war. Allein durch seine Erzählungen entstand ein Bild vor meinem inneren Auge, wie schön es einmal hier gewesen sein muss.
      Nach der Führung nahm mich Tiara beiseite, erklärte mir ihre Bedenken. Ich überlegte kurz. “Ich kann von Bow River vielleicht etwas Geld übrig machen, zumindest um das Dach schon einmal zu reparieren und den Sand in der Hall auszutauschen… dann könntest du Kundenpferde trainieren, das bringt Geld ein- und dann Stück für Stück umbauen und ausbauen und wenn alles läuft, kannst du mir das Geld zurückzahlen- oder hilfst eben bei mir mit, wenn ich Hilfe brauche… es ist viel Arbeit, ja. Es ist viel Geld, ja. Wenn du das hier willst helfe ich dir gerne, aber sei dir von vornherein sicher, dass du dann auch hier bleibst und nicht im Endeffekt alles umsonst war.”

      Tiara | Ich sah ihn mit großen Augen an. Das war ein großes Entgegenkommen seinerseits. “Caleb… das ist verdammt viel Geld...Ich muss eine Nacht drüber schlafen und mit Alex reden, ob er mitkommen würde. Ansonsten muss ich gucken wo ich Arbeiter her bekomme, aber auch die muss ich dann bezahlen. Ich denk drüber nach, denn der Hof ist schön und hat alles was ich brauche…” Ich wollte einerseits nichts überstürzen, aber auch nicht direkt dicht machen. Ich musste dem ganzen hier eine Chance geben. Mit meiner Mutter wurde ich wohl nicht mehr warm und zu Dad hatte ich gerade gar keinen Kontakt mehr, weil meine Mutter es nicht wollte. Zwei Sturköpfe, die nicht einsahen, dass beide was falsch gemacht hatten.
      Wir gingen wieder zu den alten Mann und ich sagte ihm, dass ich mich morgen früh gleich melden würde. Er nickte, wir verabschiedeten uns und wir setzten uns wieder in den Truck. “Caleb? Darf ich dich was fragen?” “Ja? Was denn?” “Warum bist du so großzügig zu mir? Die zwei Wochen ‘Praktikum’, das Vorzeigen der Ranch….”

      Caleb | Ich nickte, als sie ihre weiteren Bedenken äußerte. Wenig später saßen wir wieder im Truck, ich startete den Motor und wir verließen die Ranch. Erst dann antwortete ich auf ihre Frage: “Na ich will Valhalla in der Nähe haben. Was ein tolles, aber schwieriges Pferd.”
      “Haha, witzig.” Wir lachten beide kurz.
      “Aber warum nicht? Das Geld ist ja auch nicht geschenkt, das bezahlst du mir schön zurück… aber ich habe so eine große, gut laufende Ranch. Warum dann nicht kleinere Höfe unterstützen?”
      “Ja okay du hast Recht.” Damit verlief die Rückfahrt zur Bow River weitesgehend schweigend. Wieder dort angekommen kam mir schon Cayce entgegen und ich ahnte nichts Gutes. “HMJ Saintly ist schon wieder auf der anderen Koppel. Er hat das Zwischenpanel aufgemacht, wollte ihn gerade wieder einfangen gehen.”
      “Lass nur ist gut, mach ich selbst”, antwortete ich ihm, streckte die Hand aus und er gab mir Halfter und Strick. “Der gute Saintly, immer für eine Überraschung gut.”
      Mit Tiara im Schlepptau gingen wir zur Koppel, betraten das Stück, auf dem der Hengst zusammen mit Alan und Blue stand. Auf der Seite, auf die er eigentlich gehörte standen Shorty und Gipsy, die brav grasten und dem offenen Tor keine Beachtung schenkten.
      Der braune Scheckhengst ließ sich anstandslos einfangen. Tiara beschäftigte Blue und Alan während ich ihn zurückbrachte und das Tor wieder schloss. Cayce war schon mit einer Kette herbeigeeilt, wie wir einmal um Tor und Pfosten befestigten. “Jetzt kommt er nicht mehr hier raus.”
      “Aber wie ruhige die anderen zwei Hengste geblieben sind”, sagte Tiara erstaunt, die nun auch wieder zu uns aufgeschlossen hatte und nun Shortys Hals streichelte.
      “Wären es Gangster oder Hollywood gewesen, zu denen er ausgebrochen wäre, hätten wir jetzt alle Pferde in die Klinik fahren können. Nicht alle Hengste sind so umgänglich wie diese beiden.”

      Tiara | “Ich kenn das, Tweekay kann ich auch nicht mit dem Tigerschecken auf die Weide lassen. Die bringen sich um, auch wenn Quisquilloso normalerweise sehr ruhig und kommt mit anderen Hengsten klar, nur nicht mit Tweety. Was ich aber eigentlich sagen wollte: Was ist wenn Saintly mit Alan und Blue besser klar kommt als mit Shorty und Gipsy. Also vielleicht ist es nur Augenscheinlich so, dass Shorty, Gipsy und er besser passen als er mit Alan und Blue. Immerhin standen die beiden immer noch grasend auf der anderen Weide und haben sich nicht mal darum geschert, dass ein Herdenmitglied weg ist”, wandt ich ein und sah die beiden Jungs an. Ich hörte ein Seufzen von Caleb und Cayce hatte nur aufmerksam zugehört. Ich spürte eine Vibration in meiner rechten Jackentasche und sah auf mein Handy. Alex rief an. Er wollte jetzt sicher nicht wissen wie es mir geht. “Ich muss kurz rangehen”, sagte ich und ging ein paar Schritte zur Seite. “Hey Alex, was gibts?” - “Wir haben den Tierarzt hier, Chaa ist beim Toben auf der Weide gestürzt und hat nun einen Ast im Brustkorb, er muss geröngt und in die Klinik gebracht werden. Ich wollte dir nur sagen, dass ich mich um ihn kümmern werde, wenn das okey ist?” Seine Stimme brach am Ende a. Er war aufgeregt, genauso aufgeregt wie ich eigentlich auch sein sollte. Schließlich war er mein Nachwuchspferd und ich hatte ihn ziemlich lieb gewonnen. “Bring ihn in die Klinik und mach alles, was sie verlangen. Ich lass dir Geld zu kommen und halte mich auf dem Laufenden…. Alex, danke, dass du da bist.” Dann legte ich auf und ging ziemlich ruhig wieder zu den beiden hin und konnte einfach nichts sagen. Der Schock war noch zu frisch, zu tief.

      Caleb | “Da magst du Recht haben. Ich habe Saintly bisher einfach zu Shorty und Gipsy gestellt, weil es gepasst hat. Es findet eh bald nochmal eine Umstellung der Pferde statt, also nach dem Winter wird neu aufgeteilt.”
      Während Tiara telefonieren ging unterhielt ich mich mit Cayce über das abendliche Training, dem ich auch noch beiwohnen müsste. Drei Pferde standen heute noch auf meinem Trainingsplan. Wir verließen die Koppel und warteten auf Tiara, die ziemlich… verändert wirkte. “Tiara alles ok?”, fragte Cayce sie, doch sie reagierte nicht. Worum ging es wohl bei dem Telefonat?
      “Tiara?”, fragte ich sie nun und langsam schien sie wieder zurück in die Gegenwart zu finden.
      “Chaa, mein Nachwuchspferd muss in die Klinik, sieht übel aus.”
      Cayce als auch ich zogen scharf die Luft ein. “Ich kann dir einen Flug nach Hause buchen”, meinte ich zu ihr und legte ihr meine Hand auf die Schulter.

      Tiara | “Nein.. Alex kümmert sich drum, er fährt ihn in die Klinik und die sollen ihn flicken. Das haben sie damals bei meinem ersten Pferd auch geschafft. Und der hatte einen deutlich schwereren Unfall gehabt. Alex schafft das.” Ich merkte wie ich hektisch wurde und wie ein Wasserfall die Worte aus meinem Mund fielen. Ich sah kurz auf Calebs Hand, die er mir auf die Schulter gelegt hatte und spürte wie in meinen Augen sich die Tränen sammelten. Ich wollte jetzt nicht heulen. “Was steht heute noch an?”, versuchte ich verschluchzt das Thema zu wechseln.

      Caleb | “Okay dann wir das Pferd in guten Händen sein, mach dir nicht zu viele Sorgen”, versuchte ich sie zu beruhigen. Ich konnte mir vorstellen, wie schlimm das sein musste, so weit weg von seinen Pferden zu sein und dann solch eine Nachricht zu bekommen. Tatenlos in einem anderen Land zu sein, ohne etwas ausrichten zu können.
      Ich räusperte mich, nahm meine Hand wieder von ihrer Schulter und sah zu Cayce. Dieser schüttelte kurz den Kopf. Auf ein Pferd lassen würde ich sie heute bestimmt nicht mehr. “Cayce fährt gleich zu den Rindern raus und verteilt ein wenig Kraftfutter an die Mutterkühe, da kannst du gerne mit… ich trainiere noch drei Pferde aber… sei mir nicht böse, aber reiten lassen will ich dich jetzt eher nicht.”

      Tiara | “Ne, das ist auch besser…”, stimmte ich ihm zu und sah ihn an. Er hatte Recht. So würde ich auch niemanden aufs Pferd lassen. Ich hängte mich an Cayce an und schwieg die meiste Zeit im Auto während ich aus dem Fenster in die Landschaft schaute. “Cayce? Wofür habt ihr die vielen Rinder? Ich mein, ihr seid doch eher in der Reining unterwegs oder nicht?”, sammelte ich mich und sah wieder nach vorne auf die Straße. Andererseits konnte ich mir die Gründe auch zusammendenken. Irgendwie musste ich mich ja auf andere Gedanken bringen.

      Cayce | Ich fing schallend an zu lachen. “Warum wir die ganzen Rinder haben? Caleb wollte die haben- der Verkauf und die Schlachtung bringt Geld. Mehr ist es nicht… außer, dass die eine Unmenge an zusätzlicher Arbeit verlangen.”
      Auf der Weide waren wir schnell fertig. Alle Tiere sahen gut aus, jedes Tier kam nach vorne zum Fressen. Tiara streichelte sogar einer der Mutterkühe über den weichen Kopf. Die Tiere schoben immer mehr Winterfell und waren nun mehr als flauschig. “Warte noch einen Monat dann ist das Fell doppelt so lang.”
      “Doppelt so lang?” Tiara schien geschockt.
      “Klar, hier wirds im Winter kalt. Die müssen ordentlich Fell schieben, werden ja nicht eingedeckt wie die Pferde.”
      Wir standen noch eine Weile am Zaun und beobachteten die Kühe, ehe wir die leeren Eimer wieder auf die Ladefläche des Trucks legten, einstiegen und den Rückweg antraten.
      “Das Essen müsste gleich auch fertig sein, bin gespannt was die Liebe Dolly uns wieder gekocht hat.”

      Tiara | Rinder waren schon süß. Essen, das war es, dass meine Laune jetzt anheben konnte. “Sind dann auch wieder alle von heute morgen dabei?”, fragte ich mit großer Neugierde. Vielleicht auch mit einer kleinen Hoffnung auf den Hübschen, mürrischen Blonden wiederzusehen. “Ich geh doch stark davon aus.” Cayce lächelte und ich grinste nur. “Dolly macht aber echt gute Waffeln”, sagte ich ehe wir auch schon am Haus ankamen, das Auto abstellten und uns auf dem Weg rein noch unterhielten.
      In dem Raum von heute morgen angekommen, waren schon fast alle da, zumindest so wie ich es in Erinnerung hatte. Nur einer fehlte mal wieder, wie am Morgen auch schon. “Cayce, hältst du uns noch einen Platz frei, ich geh mal den Chef rufen”, noch ehe er was sagen konnte, hatte ich auf dem Absatz kehrt gemacht und war auf dem Weg in die Reithalle. Zu Fuß war vielleicht eine Blöde Idee aber ich kam gut voran.
      In der Reithalle angekommen erblickte ich Caleb beim Abreiten von Cody und ich sah ihm kurze Zeit gebannt zu. “CALEB!”, rief ich durch die Halle, denn er hatte mich noch nicht sehen können. “ESSEN IST FERTIG! DIE WARTEN SCHON!” Hätte ich es nicht besser gewusst, hätte ich versucht, ihn nicht zu erschrecken.

      Caleb | Neben Izzie und Vulture, die beide ihren Job wirklich gut gemacht hatten, war ich schon seit einer halben Stunde mit Cody auf dem Platz. Ich war wirklich froh, dass der junge Hengst endlich seinen Weg in meine Zucht gefunden hatte. Ihm standen einige Türen offen und nach dem Winter wollte ich ihn und auch ein paar der anderen Jungpferde auf kleineren Turnieren starten.
      Ich war gerade dabei, den Hengst abzureiten, als mich eine Stimme unsanft zusammenschrecken ließ. Cody, der noch lange keine Nerven aus Stahl hatte, hüpfte durch mein Zusammenzucken mit einem Satz nach vorne. “Whoaaaa”, bremste ich ihn ab, nahm ihn rechts extrem auf und rollte ihn ein, damit er keine Chance mehr hatte, nach vorne weiter davon zu laufen. “Bist du des Wahnsinns, ihr kennt alle die Jungpferde und wisst dass ihr da nicht so rumbrüllen….”, fing ich an zu fluchen, ehe ich Tiara am Zaun stehen sah. Zerknirscht ritt ich auf sie zu. Sah, dass ihr meine Predigt ein wenig dick getan hatte. “Sorry, hab dich nicht direkt an der Stimme erkannt… sei froh dass du nicht hier arbeitest, denn dann hättest du die Standpauke- und glaub mir, da wär noch was danach gekommen, wirklich verdient.”

      Tiara | “Die hätte ich wohl auch verdient, hehe”, sagte ich kleinlaut und widerholte nochmal mein Anliegen. “Das Essen ist fertig…” “Ja, ich bring den gleich weg”, murrte er wieder. Okey… blond und mürrisch waren wohl mein Typ…. wenn ich mir das recht überlegte, stimmte das sogar. Alle meine Exfreunde waren blond und doch ziemlich abweisend gewesen, zum Anfang immerhin. “Okey, ich nerv dich dann noch weiter”, flüsterte ich beinahe und schaute ihm noch ein bisschen zu.
      Der Roan war ein verdammt hübsches Pferd und hatte eine tolle Abstammung. “Wo hast du Cody eigentlich her?”, fragte ich ihn neugierig. Caleb hatte immer ein gutes Händchen für gute Pferde, er müsste mal mit mir auf eine der Auktionen gehen. Vielleicht hatte ich da mal Glück.

      Caleb | Ich ritt den Hengst noch ein paar Runden im Schritt trocken, ehe ich gemeinsam mit Tiara zum Stall ging. Dort beantwortete ich auch ihre Frage. “Leider Gottes aus einer Tierschutzaktion. Der Hengst ist nicht zum ersten Mal beschlagnahmt worden- nur dieses Mal hab ich ihn da raus bekommen. Hatte ihn vorher schon ein paar Mal kaufen wollen, auch für viel Geld, meine Angebote wurden aber immer ausgeschlagen. Auch als er zum ersten Mal beim Tierschutz stand, hab ich ihn nicht rausbekommen… beim zweiten Mal wurde ich sofort angerufen und hab ihn- für mehr Geld als nötig, dort herausgekauft. Im wahrsten Sinne des Wortes war der Hengst schweineteuer. Aber seine Mutter ist ein unglaublich gutes Pferd, hab davon glaube ich noch zwei Enkel und ein oder zwei Urenkel hier im Stall stehen… von den guten Linien kann man nie genug haben.”
      “Da hast du Recht”, lachte Tiara. “Meinst du, du könntest mal mit auf eine Auktion kommen? Vielleicht sogar von den BLM Mustangs? Da geht es aber weniger um Abstammung sondern mehr um das Exterieur. Du scheinst aber auch dafür ein gutes Händchen zu haben.”
      “Klar, kann ich machen. Auch wenn ich mich mit Mustangs nicht so gut auskenne, aber äußerlich sind sie den meisten Quarter recht ähnlich.”
      Mit diesen Worten packte er Cody in eine der Abschwitzdecken mit seinem drauf gestickten Namen, stellte ihn in eine der Boxen und gab ihm seine Portion Kraftfutter. Die anderen Boxen waren bereits mit Pferden gefüllt, die alle zufrieden ihr Heu mümmelten.
      Gemeinsam gingen die Beiden nach drinnen, setzten sich auf die freien Plätze und langten beim Essen kräftig zu. Dolly hatte Burger gemacht. Zwar nur aus der Pfanne und nicht vom Grill, aber lecker waren sie allemal.
      Auch Travis langte kräftig zu, warf Tiara aber immer wieder einen Seitenblick zu.

      Tiara | Es hatte mich fröhlich gestimmt, dass er mich einmal begleiten würde auf eine der Auktionen. Immerhin hielt ich viel von seiner Meinung, schließlich war er auch mein Trainer. Nachdem er den Junghengst weggepackt hatte, setzten wir uns an den Tisch und als ich in diesen selbstgemachten, frischen Burger biss, war es ein Orchester der Geschmacksnerven, das mich packte. “Der Burger schmeckt so gut”, ich konnte es mir nicht verkneifen mit vollem Mund meine Begeisterung kund zu tun. Caleb hielt sich nur die Hand vor das Gesicht und O fing an zu lachen. “Dafür, dass du so aussiehst wie du aussiehst, bist du trotzdem ein Bauer!”, schmunzelte Caleb und ich boxte ihm gespielt auf den Oberarm. “Du Arsch.” Nun musste ich auch kurz lachen und ich schmierte mir mit der Serviette gespielt vornehm das Fett, dass mir am Mundwinkel runter lief ab. Hin und wieder vernahm ich den Blick von Travis, so sehr ich auch wollte, konnte ich ihm gerade keine Aufmerksamkeit schenken. Das würde sowieso nach hinten losgehen. Wenigstens war ich gerade glücklich und lachte trotz der schlechten Nachricht. “My Lord, man reiche mir eine Serviette”, befahl ich Cayce spielerisch und mit einem Lachen gleich im Anschluss.

      Caleb | Cayce stand auf, nahm eine der Servietten, ging um den Tisch herum und kniete vor Tiara nieder. “Habt ihr heute alle Lack gesoffen?”, fragte ich kopfschüttelnd in die Runde, beteiligte mich aber am großen Gelächter und war froh, dass Tiara für eine Sekunde nicht an ihr krankes Pferd denken musste. Sie würde Alex bestimmt später noch einmal anrufen und ich drückte alle Daumen, dass es dem Pferd gut ging.
      Nach dem deftigen Burger verwöhnte uns Dolly noch mit einem selbstgemachten Eis. “Glaub mir, das gibts wirklich nur zu besonderen Anlässen oder bei gern gesehenen Gästen”, lachte ich und gab Tiara noch eine Kugel Eis. Sie war meines Erachtens eh zu dünn… und der Genuss von Eis stimmte grundsätzlich glücklich- aaalssooo.
      “Ich mach gleich noch die Abendrunde, Travis ist heute mit dran. Willst du uns begleiten oder hier drinnen vorm warmen Kamin bleiben?”

      Tiara | Das Eis schmeckte vorzüglich und ich gönnte mir noch einen Nachschlag. “Eigentlich wäre es mir zu kalt und ich würde liebend gerne am Kamin sitzen, aber ich denke ich komm mit. Ich bin ja zum arbeiten hier”, grinste ich und sah zu Travis.
      Ich hoffte, dass es für ihn okey war, das war auch der Grund, weshalb ich ihn ansah. Der Blonde zuckte nur mit den Schultern. “Alles klar, dann kommst du mit”, beschloss Caleb dann und ich brachte mein Geschirr zu Dolly. “Danke, es hat echt gut geschmeckt”, bedankte ich mich herzlich und gab Caleb kurz zu verstehen, dass ich mir schnell eine Jacke holen würde, ich würde dann an den Truck kommen.

      Caleb | Travis und ich gingen bereits zum Truck und unterhielten uns darüber, was die nächsten Tage anstand. O würde morgen mit ihm in aller herrgottsfrühe zur Rennbahn fahren, um ihre Pferde laufen zu sehen. Sie setzte sich schon eine ganze Weile nicht mehr selbst drauf, dafür hatte sie drüben Angestellte. Die jungen, unerfahrenen Jockey und Jockettes kosteten kaum etwas, konnten die Pferde aber locker trainieren. Bald würden sie sowieso in die Winterpause gehen.
      Tiara kam in dicker Jacke zu uns. “Trav geht zu den Fohlen und Jungpferden auf die Paddocks, ich geh einmal durch die Ställe, wo willst du mit?”
      Ob sie sich am Anfang bewusst gewesen war, dass sie nur mit einem mitgehen konnte?

      Tiara | Da ich bei den Fohlen auch mein eigenes hatte, wollte ich natürlich zu Sharky. “Ich denke, ich geh mit Trav, dann seh ich Shark wieder”, grinste ich und hielt mich an Travis. “Okey, dann mal los.” “Wie kamst du eigentlich zu dem Praktikum?” Ich hätte nie gedacht, dass er so das schweigen brechen würde, aber gut. Die Sache zwischen Caleb und mir, die verschwieg ich. Das war unser Deal, das durfte keiner wissen. “Er war bei uns zum Training mit Valhalla und da sie so ein typisches Weibsbild ist und sie es liebt mir das Leben schwer zu machen, sollte ich hier noch ein bisschen mehr Erfahrung sammeln.” Ich machte eine kurze Pause. “Und bald bin ich wohl öfter hier in der Nähe, wenn alles klappt.” “Wegen der Ranch?” Ich stockte kurz. “Woher weißt du das?” War er in der Nähe gewesen als wir darüber geredet hatten?

      Travis | “Ach stimmt, von Valhalla hab ich ihn… fluchen gehört. Aber die scheint sich ja dann gut gemacht zu haben wenn du jetzt hier zum Training bist und nicht mehr zum Korrekturreiten oder sowas.”
      Wir gingen beide weiter, ehe ich kurz auflachen musste. “Na von Caleb, von wem denn sonst?” Tiara fühlte sich ertappt. Natürlich von Caleb. “Und was hälst du davon?”, fragte sie mich geradeheraus doch bekam nur ein Schulterzucken. “Ein bisschen weibliche Gesellschaft tut Caleb gut- und auch Octavia, ihr scheint euch ja zu verstehen. Hier gibt es nicht so viele Frauen, O muss sich ständig gegen uns Kerle behaupten.”
      Tiara lachte. Sie waren nun an den Paddocks angekommen und betraten das große Offenstallzelt, in dem einige der Fohlen schon schliefen. “Eins… zwei… [...] sieben, acht [...] alle da.”
      Dasselbe machten wir auch noch beim anderen Paddock, ehe wir zu Caleb aufschlossen, der gerade den Zuchtstall fertig kontrolliert hatte. “Ab auf die Couch und den Abends ausklingen lassen!”

      Tiara | Ich musterte ihn. Ein bisschen weibliche Gesellschaft tut Caleb gut … Es hallte weiter in meinem Kopf. Was meinte Travis damit? “Ist Ylvi nicht mehr da?”, fragte ich ihn verwirrt durch seine Aussage. “Doch doch.” Ich summte nur ein hmm und sah dann in die Dämmerung und entdeckte Shark auf Anhieb. “Also ich könnte noch was starten”, lächelte ich die beiden an.
      Ich war noch nicht müde, ich hatte heute nicht viel gemacht umso mehr wollte ich jetzt noch unternehmen. “Sicher Tiara? Du wolltest doch noch Alex anrufen”, wandt Caleb ein. “Stimmt… “, sagte ich und sah auf mein Handy. In Deutschland wären es jetzt 4:13. “Ja, ne ich glaub, das muss ich morgen früh machen. Alex hört sein Handy eh nicht, wenn er schläft.” “Ja gut, ist ein bisschen früh, dann mach das morgen früh”, sagte Caleb dann. “Ist auch besser, wobei er mir schreibt, wenn Chaa es überstanden hat, aber bisher kam nichts”, ich zuckte mit den Schultern.

      Travis | Ich überlegte kurz. “Zwischen aufs Sofa werfen und fern schauen und noch was starten ist aber ein riesengroßer Unterschied.”
      “Ja ich mein halt noch was machen, wie sich nur ins Bett zu legen und zu schlafen.”
      “Okay okay, Caleb alle bei dir?”
      “Jo, alle bei mir.”
      Damit gingen wir in Richtung des Haupthauses. “Ich zieh mich noch grad um dann komm ich rüber zu euch”, sagte ich zu den beiden und verschwand zu meinem Bungalow, in dem ich mich schnell umzog und dann im Wohnzimmer wieder zu den beiden aufschloss.
      Caleb hatte sich auch ein anderes Hemd angezogen, Tiara sah ebenfalls anders aus, aufreizender, was ich nach einem Seitenblick in ihre Richtung mitbekam. Bevor sie meinen Blick bemerkte, schaute ich zur Seite und warf mich auf die Couch, auf die sich dann auch Tiara setzte. Caleb saß zu unserer Rechten auf dem Sessel und nippte an seinem Bier.

      Tiara | Ich hatte mir obenrum nur ein kurzes schwarzes Top und die passende beige Sweatjacke angezogen, dazu trug ich noch eine beige Jogginghose, die etwas weiter ausfiel, da ich sie in der Herrenabteilung gefunden hatte. ‘Angel’ stand auf dem kleinen Aufnäher, wo ursprünglich mal das Nike-Zeichen beheimatet war. Ich musste schmunzeln, wenn man mich fragen würde ob ich wirklich so ein Engel sei. Caleb wusste bereits, dass ich auch anders sein konnte und nachdem ich seit kurzen auch gepierct war, war es immer mal wieder ein kleines Rätsel, welche Unterwäsche ich am besten trug, um sie in meiner Situation als Trainer in den kleineren Klassen nicht durch mein Hemd durchscheinen zu lassen.
      “Danke Caleb, dass du auch mir ein Bier angeboten hast”, sagte ich gespielt enttäuscht und rieb mir eine imaginäre Träne vom Auge. “Ich dachte eher du willst irgendein Tussigetränk”, grinste er mich verschmitzt an und gab mir eine Flasche rüber. “Dass ich nicht ganz so sehr Tussi bin, das solltest DU ja wohl wissen”, sagte ich und zog eine Augenbraue hoch ehe ich meine Flasche öffnete und auch einen Schluck nahm. “Was ist mir dir Travis? Trinkst du nichts?”

      Travis | “Was soll das denn heißen? Dass gerade Caleb weiß, dass du nicht so eine Tussi bist?”, lachte ich, stand auf und ging einmal um den Tisch herum, um mir auch ein Bier zu schnappen. Caleb hatte sie ans andere Ende, also vor seine eigene Nase gestellt. Gut für ihn, aber alle anderen mussten aufstehen, um eins zu bekommen. Tiara hatte er zwar eins rüber gereicht, mir aber nicht.
      Auf meine Frage bekam ich weder von Tiara, noch von Caleb eine Antwort, weshalb ich mich mit dem Schweigen zufrieden gab und mich stattdessen mit einer anderen Frage an unseren Gast richtete: “Wie lange willst du eigentlich bleiben? Und hast du die Ranch drüben gekauft?”

      Tiara | Das war knapp gewesen. “Eigentlich zwei Wochen, aber ich denke ich nehm die Ranch, auch wenn es viel Arbeit ist.” “Das ist viel Arbeit, das kann ich dir sagen.” “Ach Caleb, ich schaff das schon, wenn Alex da ist, kann er mir erstmal helfen die Paddocks frei zu schneiden. Dann können wir die Pferde schon mal rüber holen und uns um die Boxen kümmern. Das Haus kann ich ja als letztes machen.”
      “Aber erstmal muss ich den Vertrag unterschreiben. Bin also noch was hier”, erzählte ich Travis und machte es mir dann bequemer in dem ich mich an die Rückenlehne der Couch anlehnte. Das Bier kam zwar nicht an das deutsche ran, aber immerhin konnte man es trinken.

      Travis | “Was soll das denn heißen? Willst du dich etwa hier einnisten, bis die Ranch drüben fertig ist?”, lachte ich und nahm einen Schluck Bier aus der Flasche, ehe ich sie wieder auf den Tisch abstellte und meinen linken Arm auf die Rückenlehne der Couch legte. Mein Arm berührte ganz leicht die Haare von Tiara.
      “Ich mein… den Platz habt ihr hier ja auf jeden Fall.. und Caleb hat gesagt ich kann hier helfen. Außerdem steht Shark ja noch hier. Bis der abgesetzt ist, kann ich noch bisschen mit ihm trainieren.”
      “Apropos…”, fing Caleb an. “Wenn du die nächsten Tage oder je nachdem Wochen Langeweile hast, darfst du dir gerne die Fohlen schnappen und das Fohlen ABC mit denen üben.”

      Tiara | “Hmm, bring mich doch dazu”, grinste ich ihn an und fuhr dann fort. “Aber ja, das kann ich gerne machen, das macht mir teilweise mehr Spaß als das Bereiten von Pferden.” “Umso besser, Dual Shaded Ace ist zwar schon was älter, aber der kann auch noch nichts.” “Wiee der kann noch nichts , Caleb, das ist enttäuschend. Du hast wertvolle Zeit verstreichen lassen”, stöhnte ich und hielt mir schauspielernd die Hand vors Gesicht. “Ich muss mich halt auch um die Großen kümmern, ich hab hier genug zu tun. Mach dich nützlich.” “Du wirst sehen, die Fohlen werden mich lieben”, zog ich die Augenbraue hoch und nahm noch ein Schluck von meinem Flaschenbier. “Reitest du eigentlich auch, Trav?”, fragte ich vorsichtig. Bisher hatte ich ihn noch nicht auf dem Pferd gesehen.

      Travis | Ich lauschte dem Gespräch zwischen Tiara und Caleb interessiert, trank zwischendurch immer mal wieder genüsslich einen kleinen Schluck aus meiner Flasche.
      Verlegen zuckte ich mit den Schultern, als Tiara mich fragte, ob ich reiten könne. “Deine Frage muss ich leider klar verneinen. Ich hab zwar schon mal draufgesessen aber reiten kann man das beim besten Willen nicht nennen.. ich kann Pferde führen und putzen, füttern und Boxen misten und das wars dann auch schon. Aber… Murhpy hat angefangen zu reiten, bekommt ab und an Unterricht von Caleb. Vielleicht sollte ich das auch mal in Angriff nehmen?”
      “Ich hab schon für Murphy kaum Zeit.. aber vielleicht schnappen du und Tiara euch morgen einfach eins der ruhigen Pferde und sie zeigt dir ein bisschen was?”

      Tiara | Du kannst mehr im Umgang als so mancher Reitschüler im Stall meiner Freundin”, grinste ich und nickte dann eifrig, als Caleb mich fragte. “Klar gerne! Das kriegen wir hin. Du musst mir nur sagen, welche die ruhigen Pferde sind”, sagte ich und stellte die Leere Flasche weg um mich dann etwas schwungvoller wieder auf meinen Platz fallen zu lassen. Mir war Travis Arm gar nicht aufgefallen, bis ich ihn grade etwas unsanft an meinem Kopf spürte. “Sorry Trav”, mit großen Augen sah ich ihn an. Mir tat es echt leid, manchmal war ich zu tollpatschig. “Soll ich den weg holen?”, fragte er etwas verunsichert, als ich mir den Kopf rieb. “Nein, ist schon okey.”

      Travis | “Der liebste von allen ist unser Hengst Blue. Der arme Kerl wird immer als Schulpferd missbraucht. Betsy lernt auch auf ihm, ebenso wie Murphy. Ansonst nehm Alan oder A Walking Honor”, antwortete Caleb und Tiara nickte. Der blonde Cowboy stand schließlich auf, streckte sich einmal und verabschiedete sich dann ins Bett.
      Nun saßen Tiara und ich alleine im Wohnzimmer. Toll, danke Caleb. “Und was machen wir zwei Hübschen jetzt noch?”

      Tiara | “Erzähl mal was über dich. Du weißt mehr über mich als ich über dich. Ich mein, du weißt, dass ich aus Deutschland komme und die Nachbarranch kaufen will.”
      “Hält dich denn nichts mehr in Deutschland? So gar nichts? Freunde oder Familie?” “Klar werde ich meine Freunde vermissen, aber ich bin sowieso die meiste Zeit bei den Pferden und hier hab ich meinen Trainer in direkter Nähe. Mit meinen Eltern hab ichs mir verkracht und der einzige der noch zu mir steht ist Alex.”
      “Und Alex ist wer? Du redest so viel von ihm?”, er war neugierig, nur völlig auf dem falschen Pfad, was Alex betraf. “Alex ist nur unser Praktikant, der ist auch bald zuende mit dem Praktikum, aber er ist gut. Er macht gute Fotos und kann inzwischen die Pferde versorgen, ohne dass ich Angst haben muss, dass sie zu wenig oder zu viel bekommen. Und jetzt erzähl mal was von dir.” Ich drehte mich mit angewinkelten Beinen zu ihm und hörte aufmerksam zu.

      Travis | Ich hörte ihr zu, stellte ein paar Fragen. Als sie fertig mit erzählen war, sollte ich ihr etwas über mich erzählen, was die Stimmung schlagartig kippen ließ. “Hmm”, murmelte ich und schwieg dann wieder, ehe ich ein paar Mal ansetzte, dann jedoch wieder verstummte. “Ich arbeite schon eine ganze Weile hier auf der Ranch. Familie hab ich nicht mehr, meine Freunde haben sich damals abgewandt, als ich einen anderen Weg eingeschlagen habe… was soll dir ein einfacher Stallbursche schon groß von seinem Leben erzählen?”, ich kratzte mich am Kopf und zuckte dann lächelnd die Schultern. “Ich mach hier meinen Job, verdiene Geld und bin unter netten Leuten.”
      Tiara nickte, schien sich aber noch nicht mit dieser Antwort zufrieden zu geben. “Wieso haben sich deine Freunde von dir abgewandt?”
      Mein Blick änderte sich, ich schaute sie nicht mehr ganz so freundlich an. “Das ist eine Sache, die ich nicht einfach ausplaudere.” Damit war das Thema für mich gegessen, mehr Antwort würde sie nicht bekommen. Ich nahm meinen Arm derweil von der Rückenlehne, stand auf und sammelte die leeren Flaschen ein, ehe ich sie in die leere Kiste brachte. “Ich glaub ich hau mich aufs Ohr, muss ja rüber zu meinem Bungalow laufen… gute Nacht.” Damit verabschiedete ich mich und ließ eine wohl leicht verdutzte Tiara zurück.

      Tiara | Okey… das nenn ich mal Abgang. “Gute Nacht”, flüsterte ich kaum hörbar und sah ihm verwundert nach. Damit hatte ich jetzt nicht gerechnet, er hätte zumindest mal warten können, so musste ich nun alleine im Schein des Mondes durch die Dunkelheit zu meinem Zimmer laufen. Ich legte mich auch ziemlich schnell aufs Ohr und versuchte nicht so viel über die vorige Situation nach zu denken.
      Am Morgen wurde ich unsanft aus meinem Schlaf gerissen und sah auf die Uhr. 5:24 Uhr. Ich konnte Alex anrufen. Beep...Beep… “Alex?” “Hey Titi, Chaa geht es den Umständen entsprechend gut. Es wurde nichts wichtiges getroffen, ganz so, als sei der Holzblock an den Organen vorbei geschlängelt."" Alex, danke… Danke für alles. Du bist einfach der Beste. " dann hieß es für mich auch schon ab zum Frühstück.

      Caleb | “Oh guten Morgen Tiara!”, sagte ich freundlich und zeigte auf einen der leeren Stühle. Bisher waren wir alleine am Frühstückstisch. “Hast du gut geschlafen?”
      “Geschlafen ja, allerdings nicht viel.. ich musste auch erstmal mein Zimmer wiederfinden.” Ich horchte auf, sah sie fragend an. “Hm?”
      “Na Travis hat mich einfach sitzen lassen.”
      “Wieso das denn?”
      “Hab ihn einfach nur gefragt, ob er mir was über sich erzählt, er weiß durch dich so viel von mir. Dann ist er komisch geworden und gegangen.”
      “Hmmm”, es stand mir nicht zu, ihr etwas über Travs Vergangenheit zu erzählen. “Gestern war für ihn ein langer Tag, nimm es ihm nicht übel. Wenn er dir etwas erzählen will, warte bis er von sich aus anfängt, dräng ihn nicht.”
      “Caleb was soll das denn nun schon wieder heißen?”
      Ich seufzte. “Du weißt dass Bellamy und Octavia aus dem Gefängnis kommen, oder? Sie sind nicht die Einzigen von dort. Mehr steht mir nicht zu, dir zu erzählen.” Jetzt hatte ich Tiara wohl vollends verwirrt.

      Tiara | Gefängnis…? Was? "Öhm, ne das wusste ich jetzt nicht", sagte ich verwirrt und sah mit großen Augen auf den Tisch. Das würde aber erklären, wieso er so komisch wurde bei dem gestrigen Gespräch. "Aber Caleb, das ist jetzt an sich doch nichts schlimmes. Ich mein, ich hab ihn jetzt kennen gelernt und nicht vorher. Er scheint mir jetzt ein Vernünftiger Mann zu sein?"
      "Das ist er auch, Tiara. Wir reden wann anders darüber", schnitt er das Gespräch ab und deutete auf die Tür, wo gerade O und Travis reinkamen. Ich sah kurz zu Travis, nickte ihm freundlich grüßend zu und sah dann wieder zu Caleb.

      Travis | Auch ich nickte Tiara zu, grüßte Caleb und setzte mich an den Tisch. Das Frühstück verlief wie immer. Wir sprachen viel über die Arbeit, ehe Caleb mich daran erinnerte, dass ich an meine Reitstunde gleich mit Tiara denken solle. “Ich vergess das schon nicht, Boss”, murmelte ich und schaute dann zu Tiara. “Wenn du fertig bist können wir von mir aus los. Blue steht im Hengststall in seiner Box.”

      Tiara | Stumm nickte ich ihm zu und aß die letzten Bissen meines Frühstücks. “Wir können”, gab ich Travis bescheid und stand auf um mein Geschirr weg zu bringen. Travis folgte mir um dann an mir vorbei zwischen den Trucks zu verschwinden. Als ich ihn ein paar Meter fand, konnte ich die Anspannung von seiner Seite aus spüren. “Hey, es tut mir leid. Mir tut es leid, dass ich gestern nach deiner Vergangenheit gefragt hab. Ich hätte nicht nachhaken dürfen und es tut mir leid. Können wir jetzt ganz normal weiter machen? Es liegt mir nämlich sonst im Magen...”

      Travis | Ich schwieg sie eine Weile an, ehe ich antworte: “Ach was alles gut, es war für mich ein langer Tag und ja..” Damit war das Thema für mich gegessen.
      Im Stall angekommen putzten und sattelten wir Blue weitgehend schweigend, ehe wir gemeinsam in die Halle gingen. Ich gurtete nach, stellte die Steigbügel auf meine Länge ein und sah dann zu Tiara. “Also satteln kannst du ja, das muss ich dir schon mal lassen.”
      “Klar, das mach ich ja auch oft. Aber reiten kann ich nicht… geh ich zu erst drauf oder du?”
      “Ich würde den ein paar Runden reiten, dann tauschen wir”, antwortete sie mir, machte die Bügel ein paar Löcher kürzer und stieg auf. Blue, artig wie er es gelernt hatte, wartete so lange auf der Stelle, bis sie die Zügel aufgenommen und das Kommando zum Losgehen gab.

      Tiara | Blue war nicht nur ein ‘ruhiges’ Pferd,nein, er war ein Lehrmeister. Ein richtig guter dabei. Ich nahm die Zügel einen Hauch auf und gab ihm eine Hilfe zum losgehen. Ich legte viel Wert auf ordentliches Warm reiten und deshalb ritt ich mit ihm einige Bahnfiguren im Schritt, ehe ich ihn auf dem Zirkel vermehrt traben ließ. Danach ritt ich noch eine ganze Bahn im Galopp ehe ich zu Travis ritt und einen Meter weiter Abstieg. Blue kaute derweil auf dem Gebiss rum und wartete geduldig darauf, dass Travis aufstieg. “So ich hab ihn jetzt ein bisschen warm gemacht, was kannst du denn schon? Oder fangen wir am besten im Schritt an?” Fragte ich ihn nochmal, nachdem er aufgestiegen war.

      Travis | Die Reitstunde war ein voller Erfolg gewesen. Tiara war eine gute Lehrerin. Die Stunde hatte wirklich Spaß gemacht und ich war mich sicher, dass ich einiges daraus mitnehmen würde.
      Am Abend saßen wir gemeinsam am Esstisch und unterhielten uns über belanglose Dinge, ehe Caleb Tiara nun die Fragen aller Fragen stellte. “Kaufst du die Ranch nebenan nun?”
      Tiara schien eine kurze Zeit zu überlegen, dann legte sich ein Lächeln auf ihr Gesicht. “Und wie ich die kaufe. Aber ich brauch da wirklich eure Hilfe…”
      “Kein Problem, die bekommst du!” Auf dieses freudige Ereignis stießen wir erst einmal gemeinsam an- und auch darauf, dass es ihrem Pferd Chaa wieder besser zu gehen schien.
      Fohlenweide: BR Dissident Whiz, BR Colored in Style, BR Alans Smart Dream, BR Raised to Slide, A Walking Dignity, BR Wimpys Bright Gangster, BR Atlantis Dream, BR Double Gunslide, Blue Fire Cat, Dual Shaded Ace
      Jungpferde: tc Mister’s Silvermoon Cody, Smart Lil Vulture, PFS‘ Unclouded Summer Skies, GRH’s Funky’s Wild Berry, Chic‘ N Shine, BR Colonels Lil Joker, BR Colonels Golden Gun, Special Luna Zip, Jacks Inside Gunner, Gun Sophie, Ginger Rose, Colonels Blue Splash, Captains Blue Crystal, BR Dress to Impress
      Trainingsstall: Abandon all Hope, Bittersweet Temptation, Cielos, Whitetails Shortcut, Zues, A Walking Honor, California Rose, Cupcake Cult, Easy Going, Frosty Lagoon, GRH’s Unbroken Magic, HMJ8345’s Continental, Honey’s Aleshanee, Kholáya, Lady Blue Skip, My sweet little Secret, Only Known in Texas, Snapper Little Lena, Stormborn, Striga, Tortured Witch HMJ 6693, Blanton’s Gentleman, Four Bar Chocolate Becks, GRH’s Unbroken Soul of a Devil, Heza Bat Man, How ‚Bout Moonies, I’m a Playboy, Silent Bay, Small Town Dude
      Zuchthengste: Alan’s Psychedelic Breakfast, Chocolate Dream, GRH’s Bellas Dun Gotta Gun, Gun and Slide, Gunners Styled Gangster, Hollywoods Silver Dream, Nachtschwärmer, Till Death
      Zuchtstuten: Bella Cielo, Black Sue Dun It, Chou, DunIts Smart Investment, Ginny my Love, GRH’s A Gun Colored Lena, GRH’s Aquila T Mistery, Jade, Kristy Killings, Lovin‘ Out Loud, Magnificient Crow, Miss Independent, Tainted Whiz Gun, Wimpys Little Devil
      Sommerweide: Breia LDS, Ceara Isleen, Dakota, Drama Baby, Flashlight, Leuchtfeuer di Royal Peerage, Pocahontas, Priamos Ruffia Kincsem, Prias Colourful Soul, Raspberry, Tasmania, Tigres Eye, Absolute Bullet Proof, Birk, Culain, Peacful Redemption, Wildfire xx
      Verkaufspferde: Magic Lanijos, Chapter 24, Heretci Anthem, General’s Coming Home, Chocolate Shades, Raised from Hell, Citizen Fang, A Shining Chrome, Picture of a Ghost, Verdine, Whinney, Cruel Twist of Fate, Kisshimbye, Sweet like Chocolate, BR Homecoming Queen, BR Hollywoods Dream Anthem, BR Sheza Topnotch Babe, BR General Pleasure, BR Black Pamina, BR Heart N‘ Soul, BR Lovely Gun, BR Twenty 4 Killings
    Keine Kommentare zum Anzeigen.
  • Album:
    BRR Trainingsstall
    Hochgeladen von:
    Veija
    Datum:
    14 Aug. 2020
    Klicks:
    124
    Kommentare:
    4

    EXIF Data

    File Size:
    111,9 KB
    Mime Type:
    image/jpeg
    Width:
    960px
    Height:
    640px
     

    Note: EXIF data is stored on valid file types when a photo is uploaded. The photo may have been manipulated since upload (rotated, flipped, cropped etc).

  • [​IMG]
    by Canyon

    Exterieur
    Name: HMJ8345's Continental
    Rufname: Conti
    Alter: 23. September 2008, fast 12 Jahre
    Geschlecht: Stute
    Größe: 1,42m
    Rasse: Quarter Pony
    Fellfarbe: Sorrel


    Stammbaum
    von: unbekannt

    aus der: unbekannt

    Charakter & Beschreibung:
    sensibel | intelligent | ausdauernd | fasst nur schwer Vertrauen

    HMJ8345 Continental ist eine sensible Stute die viel Zeit und Geduld benötigt um Vertrauen in den Menschen zu fassen. Ist das Eis einmal gebrochen lernt man sie als ein ganz neues Pferd kennen. Gutmütig, intelligent und ausdauernd. “Conti”, wie sie liebevoll genannt wird, besteht auf ein abwechslungsreiches Training und viel Bewegung. Die Tage verbringt sie in einem kleinen Herdenverband auf der Koppel, in der Nacht bezieht sie ihre Box.
    Die Stute liebt Bananen und alles, was nach Banane schmeckt.
    Über die Vergangenheit der Stute ist nichts bekannt.

    Zuchtinfos
    Gekört/Gekrönt: nein

    Nachkommen:

    Besitzer: Veija (Caleb O'Dell)
    Vorbesitzer: adoptedfox (Johanna Röder)
    Gezüchtet bei/Zucht:

    VKR: Canyon

    Kaufpreis: 0 Joellen
    Zu Verkaufen: nein


    Qualifikationen:

    eingeritten
    nicht eingefahren

    Dressur E
    Springen E
    Military E
    Distanz A
    Galopprennen E

    Western
    Trail LK 3



    Erfolge:
    [​IMG][​IMG][​IMG][​IMG][​IMG]
    2. Platz 513. Westernturnier, 2. Platz 516. Westernturnier, 1. Platz 525. Westernturnier, 2. Platz 427. Distanzturnier, Teilnahme Horse Makeover 2019

    Gesundheit:
    Gesundheitszustand: gesund
    Letzter Besuch:

    Hufschmied:
    Hufzustand: gut
    Letzter Besuch:
    Beschlag: