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Veija

♀ Abandon all Hope, 21

baldiges Reitschulpferd

♀ Abandon all Hope, 21
Veija, 26 Okt. 2020
Flair, Wolfszeit, Mohikanerin und 4 anderen gefällt das.
    • Veija
      Ankunft Abandon all Hope
      01.01.2015,Wolfszeit
      Als ich heute Morgen die Zeitung las indeckte ich eine Anzeige.Jemand verkaufte ein Quater Horse.Ich rief gleich an da ich schon immer ein Quater wollte.Die verkäuferin Rain konnte sich nicht mehr drum kümmern.Da sie aber in Deutschland lebte machte ich mit ihr aus das sie mir Bilder und eine Beschreibung der Stute schickte als ich diese sah beschloss ich fest das ich die Srute nahm.Ein paar Tage später kam auch der Pferdetransporte vom Flughafen an.Ich lud die Abandon all Hope,so war der Name der Stute,aus.Ich brachte sie erstmal auf die Weide da mit sie sich austoben könnte.

      Ein Neues Jahr und eine Vorsorgeuntersuchung
      01.01.2014, Wolfszeit
      Als ich am Morgen auf stand ging ich erst zu den Fohlen.Alle 5 schauten neugierig aus ihrer Box.Gestern hatte ich alle Pferd rein geholt damit keines von herabfallenden Raketen teilen getroffen wurde.Ich streichelte Ice Rain kurz bevor ich in die Futterkammer ging.Ice Rain bekam eine Banane,zwei Schippen Hafer und Heu.Nun bekam Sinorabis sein Futter das aus zwei Schippen Hafer,einer halben Banane und Heu bestand.Als nächstes bekam Whats Happen seine zwei Schippen Hafer,die andere hälfte der Banane und ebenfalls Heu.Zero bekam auch zwei Schippen Hafer eine Banane und Heu.Da Steel Heart erst neu war bekam es das Fohlenmüsli was Savtur mir gegeben hatte.Davon bekam er zwei Schippen und eine virtel Schippe Hafer und narürlich Heu er möchte aber lieber Karotten weshalb ich die Banane durch eine Karotte ersetzte.Nun ging ich über die Weide um mich zu vergewissern das keine Raketenteile dort lagen.Bevor ich die Fohlen raus brachte,Checkte ich alle noch mal ab.Die Gänge waren gut,die Zähne waren schön abgenutzt und alles hörte sich prima an.Nun durften sie auf die Koppel.Alle trabten fröhlich durch den Schnee.Ich ging noch über die anderen Weiden,bevor ich zu den Zuchtstuten ging.Nun bekamen
      Amelina, Scalina,Bleaze und Drive by Cloud ihr Futter.Auch sie checkte ich ab und alles war so wie es sein sollte.Ich brachte Amelina,Blaeze und Drive auf die Koppel.Scalina wollte ich longieren.Also putze ich sie ausgiebig und legte ihr das longier Zeug auf.Ich longierte sie eine Stunde bevor auch sie auf die Weide durfte.
      Nun fütterte ich Elvish Beauty, Santa, Siamo solo, Alohmora, Floke und Scottish.Auch hier chekte ich alle ab und fand nicht was nicht stimmte.Elvish ritt ich kurz.Bevor ich alle auf die Weide ließ.Nun ging ich zu den anderen Stuten.Ich fütterte Dear lovley,Faitanah,Amazir,Iliada,Uschi,Amirah und Zander normal und Checkte auch sie ab und fand alles normal.Ich brachte alle außer Uschi auf die Weide.Uschi sollte später noch mit Hope den Schlitten ziehen.Nun fütterte ich Abandon all Hope mit ihrem Futter,Checklte sie ab und brachte auch sie Raus.Jetzt fütterte ich Mustang,Rondo,Golden Silence,All Hope,Be Different und Lord.Alle checkte ich auch ab und alles war OK.Ich bracht alle bis auf All Hope raus.Hope putzte ich ausgibig danach putzte ich auch Uschi.Ich spannte beide vor den Schlitten den sie auch brav durch den Wald zogen.Nach dem ich beide auf ihre Weiden gebracht hatte fütterte ich Lespoiere ,chekte ihn ab und brache ihn auf die Weide.Als letzte fütterte ich noch Cralo,Jack Daniels,Hedrick,Europe´s,Paintless und Littel Food.Auch sie chekte ich ab und leiß ich auf die Weide.

      Frühlingsgefühle
      22.02.2015, Wolfszeit
      Als ich heute erwachte hörte ich die Vögel zwitschern. Ich stand auf und sah aus dem Fenster. Der Schnee war geschmolzen und ich konnte die ersten Knospen erspähen. Ich zog mich an und ging runter um zu Frühstücken. Im Kopf ging ich durch was alles zu tun war:
      1. Die Fohlen versorgen

      2. Die Stuten und Hengste versorgen

      3. Die Zuchtpferde versorgen

      4. Das Zimmer für unsere neue Mitbowohnerin herrichten

      als ich fertig war ging ich hinsus und genoss die Sonne die langsam wieder wärmte. Als erstes wollte ich die Fohlen raus bringen. Also ging ich zum Fohlenstall um sie rauszubringen. Als erstes war Wo der Wolf heult dran. Ich begrüßte den kleinen außgibig und kraulte ihn an seiner lieblingsstelle. Da es draußen noch etwas frisch war holte ich seine schöne hellblaue Decke aus der Sattelkammer. Ich deckte ihn ein bevor ich sein gleichfarbiges Halfter nahm und es ihn anlegte. Ich befestigte den Stick und ging richtung Weide. Auf der Weide angekommen machte ich den Strick ab und er rannte auch gleich los. Ich ging zurück zum Stall. Nun war Steel Heart dran. Auch sie kraulte ich kurz, bevor ich in die Sattelkammer lief und ihre dunkelgrüne Decke holte. Auch sie Deckte ich ein, bevor ich sie Halfterte und zur Weide brachte.Wo sie auch gleich mit Wolf rumsprang. Die beiden hatten Frühlingsgefühle was man deutlich sah. Nun war der kleine braune Trakehner Hengst Zero Gravity dran. Ich holte seine Weinrote Decke aus der Sattelkammer damit auch er nicht frieren musste. Auch er lief auf der Weider erstmal springend und Bockend mit den anderen um die Wette. Jetzt holte ich What happends in the Dark den kleinen geschekten Hengst. Auch er bekam seine orangene Decke, die er auf der Weide gleich einsaute, drauf. Er wälzte sich nähmlich erstmal fröhlich im Schlamm. Als leztes fohlen war nun Ice Rain dran. Auch sie deckte ich mit ihrer türkiesen Decke ein. Sie begann gleich zu grasen. Ich schaute kurz den Fohlen zu bevor ich rüber in den Zuchtstutenstall ging. Als erstes wollte ich mit Maskotka und Scottish Whiskey ausreiten. Also holte ich die dunkle Stute aus ihrer Box um sie zu putzen. Ich band sie fest und holte ihr Putzzeug. Sie genoss es sichtlich. Als ich fertig war holte ich ihren Sattel und stattelte sie. Nun holte ich ihre Gamaschen und legte auch diese an. Nun holte ich Scottish Wishkey und band sie an Maskos Sattel fest. Ich holte ihre Trense, trenste sie auf und stieg auf. Al ich sie antrieb lief sie brav los. Ich steuerte die Strecke zu den Sümpfen an. Auf dem Waldweg treib ich die Stute an und sie begann auch gleich zu traben. Bei den sümpfen angekommen zügelte ich das tempo wieder. Masko und Scottsch stagsten hindurch. Nach einer Weile ritt ich zurück zum Hof. Ich band die Beiden am Putzplatz an sattelte Masko ab und deckte beide ein. Auch sie durfeten auf die Weide wo sie ihre Frühlingsgefühle auslebten. Cassini´s Girl stand schon auf ihrem Padock. Also deckte ich sie ein und brachte sie auch auf die Weide. Floke und Ahlomora deckte ich auch ein. Aber diese beiden brachte ich auf den Paddock damit sie sich nicht so vollfrasen. Siamo solo noi, Sanata, Scalina und Amelina bekamen auch ihre Decken. Auch sie brachte ich auf die Weide. Elvish Beauty longierte ich erst bevor ich auch sie eindeckte und auf die Weide stellte. Nun ging ich zu den anderen Stuten. Biest, Anke, Bella, Dear Lovley Thruth, Fatinah, Fariyah Amazir, Amirah, Zander, Abandon all Hope und Farytail Silvermoon. Stellte ich auf die Weide wo auch sie erstmal alle abspackten. Mit Iliada und Avicii trenirte ich bevor sie auf die Weide durfeten. Nun ging ich zu den Hengsten. Little Foot, Paintless, Hedrick, Jack, Carlo, Mustang, Rondo, Be Different, Lord, Lespoire und carry on brachte ich auch auf die Weide. Uschi und All Hope spannte ich vor die Kutsche um frisches Heu vom Bauern zuholen. Als ich wieder kam brachte ich auch sie auf die Weide.

      später...

      Es begann grade zu dämmer als Rose und ich beschlossen die pferde bis auf die Fohlen draußenzulassen da es eine zwar kühle aber klare Nacht war. Ich brachte grade die lezten Fohlen,Ice Rain und Wolf rein und schaute nochmal ob alle Pferde ihre Decken hatten. Rose und ich sezten uns in den Wintergarten von demaus wir die Pferde im Blick hatten. Um 11 Uhr gingen wir auf unsere Zimmer da wir morgen viel vorbereiten mussten. Ich las noch in meinem Buch aber schlief anscheinend irgenwann ein. Ich erwachte durch einen lauten knall. Ich schrack hoch und stürze zum Fenster. Ein Blitz zuckte über dem Himmel. In meinem Kopf raste es. Als erstes sollte ich Rose wecken und dann schnell die Pferde in den Stall bringen. Ich lief zu Rose ins Zimmer "Rose, wach auf". "Was ist los, Eileen" "Ein Gewitter,... die Pferde" samelte ich. Nun rante ich die Treppe runter schlüpfte in meine Gummiestiefel die Glücklicher weise da waren und schnappte mir im vorbeigehen meine Regenjacke. Ich rannte zu den Weiden und hörte das Rose mir folgte. ich rannte zuerst zu den Stuten und war in diesem moment froh das alle sogut gehorchten. Ich nahm Amelina, Scalina und Bleaze am Halfter. Ich rief nach Elvish Beauty die mir so folgte. Im Stall angekommen stellte ich alle schnell in ihre Boxen. Beim Rauslaufen kam mir Rose mit Bella Victoria und Stwaberry Kiss entgegen. Ich lief wieder zur Weide um Santa, Siamo, Alhomora und Floke zurück zulaufen. Die nervöse Schimmelstute Gallopierte mehr als das sie trabte. Beim reinlaufen merkte ich das die Fohlen verängstigt in den Ecken standen. Rose kam grad mit Heaven, De Luxe, Muffin und Rainbow zurück. Ich lief wieder in den Regen, pfützen begannen sich auf dem Hof zubilden und das Pflaster wurde rutschig. Maskotka, Cassini und Wishkey warteten schon am Tor. Al ich es öffnete trabten sie schon von ganz allein richtung Stall ich folgte den Pferden und schloss die Boxen. Rose holte nun Scotchbriede, Hell und Isara. Ich hingegen ratte schon wieder zur Weide nun aber zur andren Stutenweide. Hier musste ich nur Avicii und Anke zunehmen und schon trabten die restlichen 11 Stuten hinter mir her. Im Stall ssortierte ich nun die kleine Herde in ihre Boxen. Als ich nun wieder rauslief sprudelte der Bach der sonst ruhig über die Weiden gurgelte wie ein Fluss. Der Regen peischte mir ins Gesicht aber ich lief trozdem weiter. Rose hatte inzwischen schon Chrunchy, Seppel und Chacco reingebracht. Little Food, Paintless und Carlo wieherten angstlich, trozdem schaffte ich es die nervösen Hengste sicher in den Stall zu bringen. Hedrich und Jack gallopierten aus dem Tor als ich es öfftete. zumglück konnte Rose die grade aus dem Stall kam , da sie Paras, Legolas und Moon reingebracht hatte, die beiden abzufangen und stellte sie auch gleich in die Box. Als ich sah das Rose sie wegbrachte lief ich glei zur anderen Hengstweide alle Hengste standen unter der alten Eiche auf der Weide. Als erstes nahm ich Mustang und Rondo mit. Die beiden Hengste folgten mir hektisch. Im Stall schüttelten sie sich ersmal kräftig. Da kam grade Rose mit Minero und Potenko ich schloss die Boxen und lief wieder hinaus. Ich nahm Be different und Lord mit. Inzwischen stand das Wasser auf dem Hof ein halben centimerter hoch. Zum glpck hatten wir aller Gebäude auf erhöhungen gebaut. Rose lief mir entgegen um Second zuholen. Sie nahm auch gleich All Hope is Gone mit. Ich stellte Be und Lord in ihre Boxen um gleich wieder rauszulaufen. Als ich grade an der Weide ankam zuckte ein Blitz über den Himmel und die Eiche finf Feuer. Ich rannte zu Lespoiere um ihn zuholen ich führte ihn grade weg als ein Ast mit einem Krachen abfiel. Schnell brachte ich den Wallach in den Stall. Rose htte schon begonnen den Pferden die Nassen Decken abzunehmen sie trocken zurwiben und neu einzudecken. Ich half ihr dabei. Als wir fertig waren kümmerten wir uns um die verängstigten Fohlen. Irgendwann aber schliefn wir ein.
      Ich wachte davon auf das Ice Rain mir ihre Schnaze in Gesicht stupste "Guten morgen kleine" sagte ich zu ihr. Rose war schon wach und begann die Pferde zu füttern. Ich stand auf um die Weide anzuschauen. Ich lief durch das Knöcheltiefe Wasser. An der Weide bot sich ein unschöner anblick, die verkohlten Reste der Eiche lagen überall und der Zaun der die Hengste von den Stuten trente war zerstört.

      Pflegebericht
      06.04.2014, Wolfszeit
      Als ich am Morgen auf stand ging ich erst zu den Fohlen.Alle 5 schauten neugierig aus ihrer Box.Ich streichelte Ice Rain kurz bevor ich in die Futterkammer ging.Ice Rain bekam eine Banane,zwei Schippen Hafer und Heu.Nun bekam Sinorabis sein Futter das aus zwei Schippen Hafer,einer halben Banane und Heu bestand.Als nächstes bekam Whats Happen seine zwei Schippen Hafer,die andere hälfte der Banane und ebenfalls Heu.Zero bekam auch zwei Schippen Hafer eine Banane und Heu.Da Steel Heart erst neu war bekam es das Fohlenmüsli was Savtur mir gegeben hatte.Davon bekam er zwei Schippen und eine virtel Schippe Hafer und narürlich Heu er möchte aber lieber Karotten weshalb ich die Banane durch eine Karotte ersetzte.Nun ging ich über die Weide um mich zu vergewissern das keine Eichenäste dort lagen.Nun durften sie auf die Koppel.Alle trabten fröhlich über die Wiese.Ich ging noch über die anderen Weiden,bevor ich zu den Zuchtstuten ging.Nun bekamen Amelina, Scalina,Bleaze und Drive by Cloud ihr Futter.Ich brachte Amelina,Blaeze und Drive auf die Koppel.Scalina wollte ich longieren.Also putze ich sie ausgiebig und legte ihr das longier Zeug auf.Ich longierte sie eine Stunde bevor auch sie auf die Weide durfte.
      Nun fütterte ich Elvish Beauty, Santa, Siamo solo, Alohmora, Floke und Scottish.Elvish ritt ich kurz.Bevor ich alle auf die Weide ließ.Nun ging ich zu den anderen Stuten.Ich fütterte Dear lovley,Faitanah,Amazir,Iliada,Uschi,Amirah und Zander normal. Ich brachte alle außer Uschi auf die Weide.Uschi sollte später noch mit Hope die Kutsche ziehen.Nun fütterte ich Abandon all Hope mit ihrem Futter und brachte auch sie Raus.Jetzt fütterte ich Mustang,Rondo,Golden Silence,All Hope,Be Different und Lord.Ich bracht alle bis auf All Hope raus.Hope putzte ich ausgibig danach putzte ich auch Uschi.Ich spannte beide vor die Kutsche die sie auch brav durch den Wald zogen.Nach dem ich beide auf ihre Weiden gebracht hatte fütterte ich Lespoiere und brache ihn auf die Weide.Als letzte fütterte ich noch Cralo,Jack Daniels,Hedrick,Europe´s,Paintless und Littel Food.Auch sie leiß ich auf die Weide.

      Sommer
      20.08.2014, Wolfszeit
      Als ich am Morgen aufwachte hörte ich das jemand den Tisch deckte. Komisch Rose und Helena waren doch immer nach mir wach. Ich zog mich an und schlich die Treppe runter in die Küche. "Morgen" sagte Colin. "Morgen" erwiderte ich "Wieso bist du schon so früh Wach?"fragte ich ihn. "Das ist normal für mich." anwortete er mir. Ich sezte mich an den Tisch. Er hatte Brötchen geholt und an alles Gedacht. Er sezte sich auch und wir unterhielten uns ein bisschen. "Kannst du dich um Maskota, Alohmora, Siamo, Santa, Blaze, Amelie, Dear, Fatinah, Amazir, Zander und Faritayle kümmern? Dann mach ich den Rest", sagte ich nach dem Frühstück und ging in den Stall. Girl wieherte mir schon entgegen und ich begrüßte sie mit einem stück Karotte. Ich ging ihn ihre Box und Kuschelt sie erst einmal. Dann nahm ich ihr Halfter und streife es ihr über. Ich hackte den Strick ein und führte sie zum Putzplatz. Ich holte ihren Putzkasten und fing an sie zu Striegeln da sie nicht sonderlich schmutzig war ging es sehr schnell. Girl stand währendessen ruhig und begann sogar in der Morgensonne zu dösen. Ich nahm nun die Wurzelbürste und putzte ihre Beine. Anschließend kratzte ich noch ihre Hufe aus und holte ihren Sattel. Ich sattelte sie und legte ihr noch Gamaschen an. Bevor ich sie Trenste holte ich noch Floke die ich als Handpferd mitnehmen wollte. Ich band sie neben Girl an und sie beschunupperten sich freundlich. Ich holte Girl Trense, trensete sie und führte beide aus dem Stall. Ich sah gerade Colin der Maskota auf dem Plaz Longierte. Ich stieg auf und ritt los. Als ich am Platz vorbei kam grüßte ich Colin. Ich ritt richtung Wald wo sich unsere Galoppstrecke befand. Da es jezt schon warm war beschloss ich zum Bach zureiten. Als wir zur Gallop strecke kamen Gallopierten Floke und Gir gleichzeitig an. Als wir zum Bach kamen Parrierte ich durch und ließ beide am Bach trinken. Danach ritt ich zurück zum Hof. Nach dem Ausritt sprizte ich beide Pferde ab und brachte sie auf die Weide wo sie mit Elvish und Scalina um die wette rannten. Elvisch und Scali hattewen heute ihren Ruhetag weshalb ich sie nur Fütter musste. Nun ging ich zu Iliada und Avicii wollte ich in der Halle freilaufen lassen. Also holte ich beide aus der Box und brachte sie in die Hallle. Kaum hatte ich Avicii freigelassen lifen beide mindestens 4 Runden im Gallopp durch die Halle anschließend wälzte sich Avicii glücklich im Sand. Nach einer Halben Stunde brachte ich beide auf die Weide. Inzwischen standen auch schon Masko, Alohomora, Siamo und Santa auf der Weide. Ich schnappte mir als nächstes Uschi und Amirah und stellte sie in die Führanlage wo schon Bleaze und Amelie waren und Rose grade eines ihrer Pferde rausholte. Während die beiden sich bewegten machte ich mit Biest und Anke Bodenarbeit. Ich brachte beide auf die Weide und holte danach die anderen beiden. Nun kümmerte ich noch um Abadon all Hope die ich Logierte und dann auf die Weide brachte. Nun verteilte ich noch das Futter auf den Weiden und in den Boxen, mistete aus und räumte auf

      Pflegebericht
      02.11.2014, Wolfszeit
      Als ich heute aufstsand sah ich aus dem Fenste und alles war vernebelt draußen. Ich zog mich an und ging runter in die Kuche wo Colin schon saß und Frühstückte. “Morgen” grüßte ich ihn. “Guten Morgen” kam es von ihm zurück. Er hatte Brötchen geholt und an alles Gedacht.Nach dem Frühstück machten wir es wie immer er machte. Maskota, Alohmora, Siamo, Santa, Blaze, Amelie, Floke, Fatinah, Zander,Iliada und Bella. Girl wieherte mir schon entgegen und ich begrüßte sie mit einem stück Karotte. Ich ging ihn ihre Box und Kuschelt sie erst einmal. Dann nahm ich ihr Halfter und streife es ihr über. Ich hackte den Strick ein und führte sie zum Putzplatz. Ich holte ihren Putzkasten und fing an sie zu Striegeln da sie nicht sonderlich schmutzig war ging es sehr schnell. Girl stand währendessen ruhig und begann sogar in der Morgensonne zu dösen. Ich nahm nun die Wurzelbürste und putzte ihre Beine. Anschließend kratzte ich noch ihre Hufe aus und holte ihren Sattel. Ich sattelte sie und legte ihr noch Gamaschen an. Bevor ich sie Trenste holte ich noch Floke die ich als Handpferd mitnehmen wollte. Ich band sie neben Girl an und sie beschunupperten sich freundlich. Ich holte Girl Trense, trensete sie und führte beide aus dem Stall. Ich sah gerade Colin der Maskota auf dem Plaz Longierte. Ich stieg auf und ritt los. Als ich am Platz vorbei kam grüßte ich Colin. Ich ritt richtung Wald wo sich unsere Galoppstrecke befand. Da es jezt schon warm war beschloss ich zum Bach zureiten. Als wir zur Gallop strecke kamen Gallopierten Floke und Gir gleichzeitig an. Als wir zum Bach kamen Parrierte ich durch und ließ beide am Bach trinken. Danach ritt ich zurück zum Hof. Nach dem Ausritt sprizte ich beide Pferde ab und brachte sie auf die Weide wo sie mit Elvish und Scalina um die wette rannten. Elvisch und Scali hattewen heute ihren Ruhetag weshalb ich sie nur Fütter musste. Nun ging ich zu Iliada und Avicii wollte ich in der Halle freilaufen lassen. Also holte ich beide aus der Box und brachte sie in die Hallle. Kaum hatte ich Avicii freigelassen lifen beide mindestens 4 Runden im Gallopp durch die Halle anschließend wälzte sich Avicii glücklich im Sand. Nach einer Halben Stunde brachte ich beide auf die Weide. Inzwischen standen auch schon Masko, Alohomora, Siamo und Santa auf der Weide. Ich schnappte mir als nächstes Uschi und Amirah und stellte sie in die Führanlage wo schon Bleaze und Amelie waren und Rose grade eines ihrer Pferde rausholte. Während die beiden sich bewegten machte ich mit Biest und Anke Bodenarbeit. Ich brachte beide auf die Weide und holte danach die anderen beiden. Nun kümmerte ich noch um Abadon all Hope die ich Logierte und dann auf die Weide brachte. Nun verteilte ich noch das Futter auf den Weiden und in den Boxen, mistete aus und räumte auf

      Can you feel the Love
      23.12.2014, Wolfszeit
      Heute war ein ganz normaler Tag. Ich ging in den Stall und versorgte die Pferde. Jedes mal wenn ich Colin im Stall traf oder sahr wurde mir wohlig warm ums Herz. Als ich bei Hope angekommen war kam Colin. "Wollen wir zusammen Ausreiten?" fragte er. "Klar wieso nicht ich mache Hope eben fertig wir treffen uns vor dem Ställen." antwortete ich und mir wurde ganz warm. Ich führe Hope aus ihrer Box und band sie am Putzplkatz an wo ich Colin mit Carry on traf. Wir putzten unsere Pferde und untehielten uns über Colin vergangenheit. Er erzählte von einer Schimmelstute aus Arabien, seinem ersten Pferd. Er holte eine alte Fotografie raus und zeigte sie mir. Es war eine schöne Stute. Nun waren wir auch fertig und holten die Sättel und Trensen aus der Sattelkammer. Abadon all Hope stand still als ich sie Sattelte, während Carry Colin ein bisschen ärgerte in dem er nicht still stand sondern ständig von einem auf das andere Bein trat. Ich lachte als er schließlich sogar ein Stück hüpfte. "Soll ich dir Helfen?" fragte ich Colin. "Sag mal is der immer so oder will der mich nur ärgern?"fragte er daraufhin. "Eigentlich ist der ein ganz braver" sagte ich und tätschelte Carry. Ich trenste Hope und warte das Colin mit der Trense von Carry wiederkam die er vergessen hatte. Colin trenste Carry schnell und half mir aufs Pferd. Dann schwang er sich selber auf Carry und wir ritten los. Am Hoftor angekommen schlugen wir den weg richtung wiesen ein. Da es heute etwas neblig war trabten wir nur den Feldweg entlang.An einem Ausichtspunkt angekommen ließen wir die Pferde grasen und sezten uns in grass wir redeten weiter über Colins vergangenheit. Da es kalt war rutschte ich näher an ihn ran. Ich spürte seine wärme angenehm auf der Haut. Ich legte meinen Kopf auf seine Schulter und so verharrten wir eine weil bis ich auf die Uhr schaute. " Oh shit schon 12 in einer halben stunde kommen die neuen Pferde an." Schnell stieg ich auf und auch Colin sprang auf und schwigt sich auf Carry. Schnell trabten wir zum Hof zurück dort angekommen sprag ich schon von Hope obwohl sie noch nicht stand. "Du machst die Boxen fertig ich bringe die beiden weg." sagte ich keuchen und außer atem zu Colin. Ich führte Carry vor seine Box zog ihm die Trense runter und er lief von allein hinen. Ich schloss seine Boxentür und machte auch Abadon fertig. Kaum waren ich und Colin ferig fuhr auch schon der LKW vor. Ich öfnete die Klappe und vier par neugierige Augen blickten mich an. "Hey"begrüßte ich den Arabar der mich freundlich entgegen schnaubte. Es war Draky er ist bei mir aufgewachsen und eine freundin wollt eihn als Freizeitpferd, aber jetzt hat sie ihn zurück geschickt außerdem hatte sie noch eine kleine Shttystute mitgeschickt die ich so niedlich fand das ich sie haben musste. "Colin bringst du Viòla zu Girly ich kümmere mich dann um Darky." Ich nahm den Scheken am Halfte und führte ihn auf den Paddock wo nebenan Mustang stat . Beide begrüßten sich freudig so das ich sie unbesorgt nebeneinander stehen lassen konnte. Ich schaute noch nach Viòla die bei Girly im Offenstall stand damit Anke und BIest sie erstmal kennenlernen konnten das Biest ganzschön frech ist. Anschleißend machte ich mich wieder an die Arbeit. Abens schaute ich nochmal nach den neuankömligen Viòla fand ich neben Girly im Stall wieder wo sie fridlich kuschelten.

      Pflegebericht
      10.03.2015, Wolfszeit
      Als ich heute aufstsand sah ich aus dem Fenste und alles war vernebelt draußen. Ich zog mich an und ging runter in die Kuche wo Colin schon saß und Frühstückte. “Morgen” grüßte ich ihn. “Guten Morgen” kam es von ihm zurück. Er hatte Brötchen geholt und an alles Gedacht.Nach dem Frühstück machten wir es wie immer er machte. Maskota, Alohmora, Siamo, Santa, Blaze, Amelie, Floke, Fatinah, Zander,Iliada und Bella. Girl wieherte mir schon entgegen und ich begrüßte sie mit einem stück Karotte. Ich ging ihn ihre Box und Kuschelt sie erst einmal. Dann nahm ich ihr Halfter und streife es ihr über. Ich hackte den Strick ein und führte sie zum Putzplatz. Ich holte ihren Putzkasten und fing an sie zu Striegeln da sie nicht sonderlich schmutzig war ging es sehr schnell. Girl stand währendessen ruhig und begann sogar in der Morgensonne zu dösen. Ich nahm nun die Wurzelbürste und putzte ihre Beine. Anschließend kratzte ich noch ihre Hufe aus und holte ihren Sattel. Ich sattelte sie und legte ihr noch Gamaschen an. Bevor ich sie Trenste holte ich noch Floke die ich als Handpferd mitnehmen wollte. Ich band sie neben Girl an und sie beschunupperten sich freundlich. Ich holte Girl Trense, trensete sie und führte beide aus dem Stall. Ich sah gerade Colin der Maskota auf dem Plaz Longierte. Ich stieg auf und ritt los. Als ich am Platz vorbei kam grüßte ich Colin. Ich ritt richtung Wald wo sich unsere Galoppstrecke befand. Da es jezt schon warm war beschloss ich zum Bach zureiten. Als wir zur Gallop strecke kamen Gallopierten Floke und Gir gleichzeitig an. Als wir zum Bach kamen Parrierte ich durch und ließ beide am Bach trinken. Danach ritt ich zurück zum Hof. Nach dem Ausritt sprizte ich beide Pferde ab und brachte sie auf die Weide wo sie mit Elvish und Scalina um die wette rannten. Elvisch und Scali hattewen heute ihren Ruhetag weshalb ich sie nur Fütter musste. Nun ging ich zu Iliada und Avicii wollte ich in der Halle freilaufen lassen. Also holte ich beide aus der Box und brachte sie in die Hallle. Kaum hatte ich Avicii freigelassen lifen beide mindestens 4 Runden im Gallopp durch die Halle anschließend wälzte sich Avicii glücklich im Sand. Nach einer Halben Stunde brachte ich beide auf die Weide. Inzwischen standen auch schon Masko, Alohomora, Siamo und Santa auf der Weide. Ich schnappte mir als nächstes Uschi und Amirah und stellte sie in die Führanlage wo schon Bleaze und Amelie waren und Rose grade eines ihrer Pferde rausholte. Während die beiden sich bewegten machte ich mit Biest und Anke Bodenarbeit. Ich brachte beide auf die Weide und holte danach die anderen beiden. Nun kümmerte ich noch um Abadon all Hope die ich Logierte und dann auf die Weide brachte. Nun verteilte ich noch das Futter auf den Weiden und in den Boxen, mistete aus und räumte auf

      Tages Bericht
      von Rinnaja vom 10.03.2015
      Als ich mit den Fohlen Fertig war von Wolfzeit machte ich mich nach den Mittag Essen auf zum Stuten Stall. Auch die 21 Stuten Wollten Bewegt und Gefuttert werden. Zuerst brachte ich alle 21 Pferd Raus auf die Weide um damit anzufangen die Boxen aus zu misten. Manche waren sauber andere muss Richtig sauber gemacht werden. Als ich fertig war brachte ich erst mal die Ponys rein die hatten Pause Heute gehabt. Zuerst hole ich Alohomora,Scalina,Anke, und Biest und brachte sie in den Stall. Mir wurde gesagt das ich mich echt vor Biest in acht nehm muss aber sie war zum Glück ganz lieb. Danach ging es wieder auf die Weide die nasten 4 Ponystuten zu holen. Ich fing mit Vlilä an und holte den Ardehel und Mäddi von der Weide in den Stall. Die Pony waren Fertig als machte ich mich an die großen Pferd ran mit Bleaze,Elvish,Lliada und Avicii ging ich in die Halle und Trieb sie ein paar runden durch die Halle so das sie sich aus toben konnten. Danach brachte ich sie in den Stall und warf jeden eine Abschwitz decke drüber zur sichheit. danach Arbeite ich mit Uschi ,Siamo solo noi,Abandon all Hope und Cassini´s Gril an der Longe. Naturlich nicht alle auf ein mal nach und nach. Als das auch getahn war machte ich ne kleine Pause und versorge die Pferd im Stall. Ich wurde Leicht müde aber die Helfte hatte ich ja zum glück hin mir. Also Lief ich spitzieren zu erst mit Maskotka,Fnest Selection,Ice Rain und später mit Nathalie. Als das auch getahn war bracht eich einfach die beiden Letzten stuten British Gold und Keezheekoni in den Stall es war schon 19Uhr und ich echt Müde. Ich futte alle durch und ging ins haus kaum in Bett schlief ich auch gleich ein.

      Sammelpflegebericht für die Stuten
      13.04.2015, Wolfszeit
      5:30 Uhr. Der Wecker klingelte. Verschlafen rieb ich mir die Augen und stand auf. Meine Hausschuhe standen neben dem Bett und ich stolperte in sie. Müde ging ich die Treppe hinunter und machte eine Tasse Kaffee. "Was steht denn heute an?", ließ ich mir durch den Kopf gehen. Nachdem ich gefrühstückt hatte lief ich in den Stall und öffnete die Stalltoren des Stutenstalls. "Guten Morgen.", meine ich zu den Pferden. Ich holte die bereits mit Heu gefüllte Schubkarre und fuhr sie an die Box von Scalina , die zuerst ihr Heu bekam. Anschließend bekamen Elvish Beauty , Avicii , Uschi und Siamo solo noi ihr Heu. Ich füllte die Schubkarr e nach und gab den restlichen Stuten auch ihr Heu.
      Bis die Pferde fertig gegessen hatten, bereitete ich alles für das Ausmisten vor, legte die Halfter für die Koppeln bereit und trank noch eine Tasse Kaffee. Ich halfterte Lamira und Mäddi auf, bra chte sie auf eine der Koppel, vorgesehen für Stuten und klipste den Strick ab. Ardehel , Keezheekoni u nd British Gold folgten. Die näc hsten Stuten sollten auf die Koppe l nebenan. Heute fielen besonders Alohomora und Anke auf, die sich fast immer gegenseitig aufst ichelten um schnell auf die Koppel zu kommen. Abandon verhielt sich überraschend ruhig und schmuste mit mir. Ich gab ihr einen Kuss auf die Stirn und musste ihr sogar einen Klaps auf den Hintern geben, dass sie auf die Koppel ging. Biest und Maskotka sollten in der Box bleiben, da ich sie später etwas bewegen wollte. Cassini´s Girl kam auf den Paddock, da sie heute besonders gut aussehen sollte, denn wir hatten ein Fotoshooting vor uns. Die restlichen Stuten kamen wieder auf eine andere Stutenkoppel, da ich es bevorzugte, nicht alle a uf eine zu stopfen.

      Mittags, 14:40 Uhr:

      Biest und Maskotka hatte ich bereits mit Longierhilfen longiert und auf den Paddock gestellt. Nun hatte ich vor die drei Stuten Finest Selection , Ice Rain und Voilá locker la ufen zu lassen. Eine Freundin sollte mir dabei helfen. Die Stuten benamen sich und ließen am Ende des Laufen lassens den Kop f auf Bookgelenk- Höhe hängen. "Peeeerfekt.", grinste ich zufrieden. Mit Nathalie wollte ich etwas ausreiten gehen. Der gescheckte Hannoveraner hatte es verdient, mal wieder rennen zu dürfen. Ich machte sie mir fertig und schwang mich elegant in den Sattel. Ich streichete ihren Hals bevor ich sie mit einem leichten Impuls anritt. "Braves Mädchen.", meine ich und trabte nach einiger Zeit an. Bei der Gloppstrecke angekommen nahm ich die Zügel auf, gab Galopphilfen und bewegte meinen Körper mit dem ersten Galoppsprung gelungen mit. Ich ging in den leichten Sitz und ritt einige Tempowechsel, bevor ich ihr die Zügel gab und Nathalie kaum zu halten war. Nach der angen Strecke parierte ich sie durch. "Brav Süße.", lobe ich die Stute,

      Abends, 20:00 Uhr:

      Der Ausritt war noch gut verlaufen und ich hatte mittlerweile alle Stuten reingeholt. Ich wolte eigentlich nurnoch das Kraftfutter verteilen und dann ins Haus gehen. Gesagt, getan. Jede Stute bekam ihre, auf sie angepasste Mischung und fraß sie genüsslich auf. Am meisten Leckeres bekam heute Nathalie, die sich beim Ausritt gut geschlagen hatte.
      Der Tag war vorbei und ich dachte im Bett darüber nach, wie perfekt alles war.


      Pflegebericht
      09.06.2015
      Ich wachte früh auf und zog mich um. Es war noch dunkel draußen. Leise um niemanden zu wecken sclich in in die Küche wo ich schnell Frühstückte bevor ich in den Stall ging und damit begann die Fohlen zu füttern. Während sie fraßen ging ich über die beiden Koppel um diese zu kontrolieren. Als ich zurück im Stall waren hatten die Fohlen aufgefressen und ich brachte sie nacheinander auf die Koppel. Ich nähm erst Worrior of Light und Coulore Splash. Die beiden Fohlen tollten gleich ausgelassen über die Koppel.Ich schaute ihnen noch etwas zu bevor ich begann die Stuten und Hengste zu fütter. Auch hier brachte ich anschließend alle nacheinader auf die Koppel. Ich begann bei Promise Of Sundance und Cassini´s Girl daruaf folgten Nathalie und Ice Rainaußerdem noch Lamira und Elvish Beauty.
      Die 6 Stuten begannen sich auzupower und rumzutoben. Als nächstes waren Maskotka, Keezheekoni, Finest Selection, Abadon all Hope,Uschi und Avicii dran. Auch diese Stuten begannen ordendlich zu toben und Spaß zuhaben. Zurück im Stall sah ich das Colin angefangen hatte die Boxen auszumisten. Nun folgtren nur noch die Lezten Biest,Violá,Anke und Ardehel.
      Nun folgten die Hengste Nabuko und Wo der Wolf heuelt waren zuerst darn. Darauf folgten Elf Dancer, Crystal Sky und Lespoire.Als nächstes folgten Slaughterhorse, Whats Happen In The Dark,All Hope Is Gone, Captain Morgan und Acerado. Als leztes waren nun Alvari, Djafur, Citzien Fang, Carryon my Wayward Son, Litte Buddy und Aschenflug. Als alle Pferde auf die Koppel gebracht hatte war es inzwischen Hell. Also ging ich in den Stall um Selections Haflfter zu holen. Als ich gerade zurückkam fuhr ein Auto fohr und ein junger Mann stieg aus. Er war groß, blond und ca. um die 20. ich ging auf ihn zu unb begrüßte ihn. „Hallo, sie sind warscheinlich Jayden Parker. Richtig?“fragte ich ihn. Der Junge Mann lachte und erwiederte:“Ja, genau der bin ich. Sie sind dann wohl Frau Montrose.“ „Sie können mich ruhig Luchy nennen.Sie kommen genau richtig ich wollte gerade Selection fertig machen. Wie wärs damit wenn sie erstmal ihr reitgeschick auf die Probe stellen bevor ich ihne den Hof zeige.“Er nickte und wir gingen zusammen zur Koppel. Ich rief die Stute und kraulte sie kurz.“Das ist Finest Selection, eine Hannoveraner Stute.“Ich halfterte die Stute und wir gingen zu putzplatz wo ich die Stute anband und Jayden zeigte wo die Satelkammer ist. Ich ließ ihn Selection fertig machen und begleitete ihn zu reitplatz wo ich ihm zuschaute. Ich sah grad das Colin mit Carry on ausritt.Als Jayden fertig war begleitete ich ihn zum Putzplatz und half ihm absatteln. Anschließend brachten wir Selection zurück auf die Koppel nun zeigete ich ihm den Hof und teilte ihm seine Pferde zu er würde sich nämlich um Alvari, Darky, Keez, Selection, Biest, Ardehel, Violá, Anke und Avicii kümmern. Als leztes zeigte ich ihm sein Zimmer. Als ich gerade fertig war fuhr erneut einAouto vor das war die zweite Stallhilfe. Eine junge Dame, ihr Name war Anuschka Fournier. Auch sie begrüßte ich und zeigte ihr ebenfalls den Hof bevor ich ihr ihre Pferde zuteilte. Anu würde sich nämlich um Elf Dancer, Djarfur, Aschenflug, Lespoire, Slaughter, Promise, Girly und Ice Rain kümmern.
      Ich beschloss mit Elvish ud Nathalie ausreiten zu gehen. Also machteIch Elvish fertig und nahm Nathlie als Handpferd mit. Da es sehr warm war ritt ich mit den beiden zum See wo beide prusten schwammen. Zurück auf dem Hof sattelete ich beide auf und brachte sie suf sie Koppel. Nun war Little Buddy darn. Da Anu grad Ash fertig machte fragte ich sie ob wir nicht ein Übungsrennen machen wollten. Sie stimte zu und 10 Minuten später ritten wir um die Wette. Da Buddy wergen seiner Lahmheit etwas außer formwar gewann Anu mit Ash. Ich spritze den geschwizten Buddy ab und brachte ihn auf die Koppel. Mit Crystal Sky machte ich etwas Dressur und Captain Longierte ich etwas. Am abend olten wir alles Pferde rein und fütterten sie ein leztes Mal. Müde fiel ich in mein Bett und schlief an Colin geschmiegt ein.

      Pflegebericht
      08.08.2015
      Ich wachte früh auf wie sooft in lezter Zeit. Die Sonne kletterte gerad über die entfernten Bergrücken. Ich schaute auf die Uhr. Es war halb fünf. Ich musste zwar erst in einer Stunde aufstehn doch ich stieg vorsichtig aus dem Bett und bemühte mich Colin nicht zu wecken. Ich zog mich an und ging in den Stall. Ich schaute zuerst nach Illiada und Avicii. Der Braunenen Stute ging es allmählich besser auch wewnn sie noch einiges zunehmen müsste. Ich brahte die beiden Vollbluter auf die Koppel und schaute nach den Fohlen, auch sie durfen auf die Koppel. Ich begann nun mit dem Füttern und als ich die Stuten fertighatte kamen auch Anu,Jayden und Juan. Sie übernahmen das füttern und ich begann Elvish Beauty fertig zumachen. Ich puzte sie gründlich und Sattelte sie dann. Ich ging mit ihr auf den Platz da es in der Halle sehr Warm war. Ich machte etwas Dressur mit ihr. Als ich fertig war kam mir Colin mit Acerado entgegen. Jayden hingegen spannte grad Anke und Violá an. Juan puzte gerade Captain Morgan und Anu trainierte gerade Aschenflug. Ich sattelte Elvish ab um sie abzuspritzen. Danach urfte sie sich auf der Koppel austoben. Ich holte ich mir Blue Heart da er heute etwas Verladeform lernen sollte. Als ich mit ihm fertig war brachte ich ihn zurüück auf die Koppel wo er mit Delyx über die Koppel tobte. Coloure Splash longierte ich etwaas bevor ich auch sie zurück brachte. Ich schaute den Fohlen etwas zu. Anu war nun auch schon mit Elf Dancer, Lespoire und Slaughter fertig und war grad dabei Promise fertg zumachen. Colin brachte gerade Worrior Of Light zurück. Er hattte gerade Citzien Fang, Abadon All Hope und Lamira trainiert. Jayden war gerade mit Keezneekoni,Biest und Ardehel fertig und begann gerade Darky fertig zumachen. Juan Brachte gerade Selection auf die Koppel.. Davor hatte er scon Maskotka, Possybilyti und All hope Is Gone trainiert. Er bagann nun mit dem nachfüttern. Ich machete mich nun daran Litle Buddy fertig zumachen. Auf dem weg zur Gallopbahn kam mir Anu mit Cassini etngegen. Colin arbeitete gerade mit Wo der Wolf heukt auf dem Dressurplatz. Als ich mit Buddy fertig war sprizte ich auch ihn ab und brachte ihn auf die koppel. Da ich und Colinh audreiten wollten mahten wir nun Nathalie und Carry On fertig. Wir ritten zum See wo wir etwas plantschen. Auf dem Rückweg hatten wir außerdem ein außgiebiges Gespräxh üner das Kinder Tehma. Al ich im Stall fertig war ging ich rein und fie müe in mein Bett. Colin legte sich zu mir. Ich kuschelte mich n ihn und amnete seinen warmen Duft ein. Es war eine mischung auf Pferd, Schweiß und einfach Colin. Müde und von seinem Gerüch eingelllut schlief ich ein.

      Pflegebericht
      05.10.2015
      Der Wecker schrilte duch die stille. Müde und mit geschlossenen Augen suchte ich ihn und schaltete ihn aus. Ich weckte Colin der neben mir schlief “Morgen Schlafmütze“. Als antwort bekam ich nur ein brummeln. Ich kletterte aus dem Bett und machte das Licht an. „Mach das Licht aus“ grummelte Colin. Doch ich ingnorierte es einfach und nahm mirmeine Klamoten aus dem Schrank. Ich zog mich an und lief in die küche. Jayden hatte schon Kafee gemacht und frrüstückte gerade. Ich nahm mir eine tasse Kaffee und begann ebenfalls zu Frühstücken. Colin kam runter und bald darauf folgten auch Anu und Juan. Ich frühstückte fertig und ging mit Colin in den Stall. Ich begrüßte Colore Splash die auf ihrer Box schaute und begann zu füttern. Als alle zufrieden mapften. Ging ich zu Splash die inzwischen fertig war und führte sie aif den putzplatz wo ich sie anban. Heute stand bodenabeit an. Also holte ich ihren Putzkasten und begann sie zu putzen. Colin puzte währen dessen Carry On my wayward Son. Als ich ferig war führte ich die junge Stute in die Halle, auf dem weg trafn wir Jayden,Anu und Juan die gerade in den Stall gingen. Ich arbeitete ca. eine halbe Stunde mit Splash bevor ich sie auf die Koppel führte wo auch gerade Jayden mit Keezheekoini und Juan mit Finest Selcetion. Anu war gerade auf dem Platz mit Elf Dancer beschäftigt. Ich lief zum Stall und begann nun All Hope Is Gone zu putzen. Da Anu auch gerade Uschi puzte beschloss ich ihr zuzeign wi man eine Kutsche lenkt. Als wir gerade die Pferde anschirrten kam Colin mit Citzien Fang vorbei. Als alles saß fuhren wir los. Auif dem Ausreit weg trafen wir Jayden der gerade mit Ardehel und Delyx einen Spatziergang machte. Zurück fuhren wir an den Fohlen koppel vobei wo Blue Heart und Worrior of Light schon fröhlich rumtollten. Außerdem ritt Colin gerade Rosi auf dem Platz. Langsam begann sie ein richtig gutes Pferd zuwerden. Zurück schirrten wir Uschi und Hope ab und brachten sie auf die Koppel. Auf meinem Plan standen zunächst Illiada und Avicii. Diebeiden sollten heute in der Halle frei laufen: Also holte ich sie aus dem Stall und ließ sie sich eine Stunde auspowern. Währen Juan mit British Gold arbeitete, machten Colin, Anu und Jayden mit Little Buddy,Aschenflug und Wo der Wolf heult ein trainigsrennen machten. Als ich die Stuten auf die Weide gebracht hatte nahm ich mir Dorn und machte einen Distanzritt. Ich ritt hoch an den Koppel und sah das auch Violá,Cassini´s Girl, Ice Rain und Acerado inzwischen auf der Koppel standen. Als auch Dorns training abgeschlossen ging ich in den Stall um ihn abzusattel. Colin war grad mit Griselda auf dem putzplatz und die Stute zickte mal wieder was das zeug hält. Plötzlich stieg die Stute und erwischte Coin mit dem huf im Gesicht. Eschrocken drückte ich Dorn gerade Anu in die Hand die gerade Miss Leika rausführet, und stürmte zu Colin rüber. Zum Glück gings ihm gut pis auf eine Platzwunde kanp unterm Auge. Ich Stellete Griselda schnell zurück in die Box, bevor ich mit Colin ins Haus ging um ihn ersteinmal zu verarzten. Ich erteilte Anu, Juan und Jayden noch lezte Aufgaben und dann fuhr ich mit Colin ins Krankenhaus. Nach 3 1/2 Stunden war die Wunde genäht und wir zurück auf dem Hof. Die 3 hatten sich inzwischen auch um Abadon All Hope, Lamira, Nabuko, Possybility, Whats Happen in the Dark, Elvish Beauty, Crystal Sky, Maskotka und Promise of Sundance gekümmert. Da es spät war und langsam kalt wurde holten wir alle Pferde rein. Nun bekamen alle ihr abendessen. Ich und Colin bliebn noch kurz im Stall, bevor auch wir reingingen.

      Weihnachten auf der Lake Mountain Ranch
      24.12.2015, Wolfszeit
      Ich wachte davon auf das Colin aus dem Bett steig. Normalerweise schlief er noch wenn ich aufstand. „Morgen Schatz“ sagte ich und stieg auch aus dem Bett. „Frohe Weihnachten, Luchy“ erwiederte er und gab mir einen Kuss. Ich zog mich an und ging in die Küche. Es roch nach Weihnachten. Auf dem Tisch stand ein Telle mit Sepkulatius und eine Kanne Kaffe. Sachscha, Jayden und Anu saßen bereits am Tisch und riefen“Föhliche Weihnachten, Luchy“. Ich liebe die drei dafür das sie immer an alles dachten. Colin und Rinnaja kamen auch runter und alle Frühstückten munter miteinander. Als alle fertig waren gingen Colin und ich zusammen in den Stall wo Fashion Girl uns zu wieherte. Ich kraulte die Stute kurz bevor ich mir Elvish´s und Abodon´s Halfter nahm. Ich holte erst Elvi aus ihrer Box und band sie, auf der Stallgasse an. Anschließend holte ich Abadon aus ihrer Box, band Elvi los und ging mit den beiden zur Koppel. Ich öffnete das Tor und warte kur bis Colin mit Miss Griselda Braun kam die in lezter Zeit immer schwerer zu händeln war. Als er da wr schloss ich das Tor hinter ihm und er ließ Griselda laufen, die auch gleich in den Tarb und dann in den Gallop fiel und durch den Schnee buckelte. Ich ließ nun auch Elvish und Abadon laufen. Colin und ich gingn auf die andere Seite des Zauns und schauten zu wie Abadon jetzt mit Grisi über die Koppel düste und Elvi sich glücklich wälzte.Während Grisi anfing zu grasen, begannen Abadon und Elvi sich zu bekannabern. Colin und ich gingn nun zurück in den Stall um British Gold, Rosedealer und Cassini´s Girl zu holen. Ich begüßt Rosi und kraulte sie kurz bevor ich sie zur Koppel führte. Sie war garnicht enfach zu händeln da sie übermütig war. Auf der Koppel angekommen ließich sie Laufen und sie buckelte fröhlich durch die Gegend. Colin kam gerade mit British und Girli als Rosi sich langsam beruhigte. Wir schauten den Pferden kurz zu und ich kaulte British ein bisschen die an den Zaun kam. Nachdem wir alle Pferde auf die verschneite Koppel gebracht hatten begannen Sascha und Colin auszumisten. Während ich mit Jayden das Heu auf den Koppeln verteilte und die Tränken enteiste. Die meisten Pferde sprangen immer noch fröhlich über die Koppeln. Als ich dann mit Anu noch das Kraftfutter in den Boxen verteilt hatte holte ich Uschi und Hope von der Koppel. Ich begann damit Hope zuputzen was nicht lange dauerte da alles unter der Decke schön sauber war.Bei Uschi dauerte es etwas länger da man auf dem Hellem Fell einige Flecken sah. Als beide Saber waren Schirrte ich sie an und fuhr mit dem Schlitten los. Ich fuhr begleitet von dem Glochengeklingel des Geschirrs die übelich Rute durch den Wald. Kur vor dem Hof begegnete ich Jayden der gerade mit Promise und Colore Spalsh einen Ausritt machte. Promise lief brav wie immer am Schlitten vorbei, doch Splash wollte unbedingt Hope abschnuffeln. Hope bleib ruhig während Jayden die junge Stute an uns vobeiführte. Als ich an der Rennbahn vorbei fuhr sah ich wie Colin und Sascha gerade Little und Ash trainierten. Beide Pferde schienen gut in form zusein und auch der Schnee schien für sie kein Hinderniss zusein. Ich spannte Uschi und Hope aus, deckte sie ein und brachte sie zurück auf die Koppel. Anu holte gerade Finest Selection von der Koppel um die Stute zu trainieren.Ich hingegen holte mir Captain um ihn zu longieren. Colin und Scascha brachten gerade Ash und Littel, die ziemlich verschwitz waren zurück und ließen sie abschwitzen. Ich puzte Captain und ging dann in die Hallle um ihn zu longiern. Als ich fertig war deckte ich ihn wieder ein und brachte ihn zurück auf die Koppel. Aus der ferne sah ich Anu und Jayden die gerade Darly und Wolf trainierten. Colin arbeitete gerade mit Keez und Sascha mit Legolas. Ich holte mir nun Dorn von der Koppel.Ihn ließ ich in der Halle laufen da für das Distanztraining zu viel Schnee lag. Als er sich ausgetobt hatte ließ ich Ice Rain und Maskotka in der Halle laufen und etwas frei Springen. Iliada und Avicii galleopierten gerade auf der Rennbahn, während Lamira ertwas Dressur machen musste. Colin übte mit Leika etwas Springen und ich brachte die Stuten zurück uaf die Koppel. Fashion Girl, Nathalie, Possibilety,Nabuko und Ace hatten heute Ruhetag. Ich holte mir Elf Dancer und machte erwas Dressur mit ihm. Er arbeitete gut mit und bekam dafür eine Karotte.Als ich gerade fertig war kam Colin mit jemandem um die Ecke. Sie stelllte sich als Samantha vor. Es war eine trainerin die Colin angheuert hatte um Crystal zu trainierne. Ich freute mich riesig da der Hengst es nötig hatte da die momentanen Lektionen ihn zu langweilen begannen. Ich zeigte ihr ihr Zimmer und ging in den Stall um die Schabracken zu übeprüfen und aus zu wecheseln damit ich die dreckigen Waschen konnte. Alsich fertig war kam Smantha und ich zeigte ihr Skys sattel zeug. Samantha begann sich mit dem Hengst anzufreunden und ich ging ins Haus um eine Pause einzulegen. Colin versuchte Citzien und Carry bei zubring stehenzubleiben auch wenn er wegging. Jayden und Sascha übetn mit Worrior und Happy das veralden und ich Schnappte mir Violá, Delyx und Ardehel und ging mit ihnen Spazieren. Als alles auf dem Hof getan war feierten wir Ausgiebig Weihnachten. Um Mitternacht fiel ich müde und erschöpft ins Bett, wo ich mich an Colin schmiegte und schnell Einschlief.

      Pflegebericht
      vom 21.02.2016,Wolfszeit
      3 Neuankömmlige
      Ich stand auch und schaute aus dem Fenster über Nacht hatte es kräftig geschneit, nachdem es im lenzten Jahr zwar kalt war ,aber nie geschneit hatte. Ich duschte und zog mich an. Zwischen drin weckte ich noch Colin der noch schlief. Nach dem Frühstück ging ich raus. Es war kalt und man konnte die Atemwölcken sehen. Ich ging zuerst zum „Shettyauslauf“ und schaute nach Ardehel, Violá und Delyx. Delyx tollte fröhlich im Schnee rum während Ardehel gemütlich im Offenstall ihr Heu knabberte. Viola, das Plüschtier unter den Drei, wälzte sich gerade glücklich im Schnee. Ich war froh das die kleinen sowieso ihre Weidedecken trugen sonst wären sie nämlich nass geworden. Als nächstes ging ich in den Zuchtstall der Stuten. Der warme Geruch von Pferden schlug mir entgegen. Nathalie erwartete mich schon und stecke mir ihren Kopf entgegen. Lächelt kraulte ich sie kurz bevor ich ihn der Futterkammer verschwand um das Futter vorzubereiten. Ich verteilte das Kraftfutter in den jeweiligen Eimer. Als in jedem Eimer die entsprechen Portion drin war verteilte ich erst alle Eimer vor den Boxen, bevor ich jedem Pferd sein Futter in den Trog kippte. Im Hengst- und Privatstall kümmerte Colin sich ums füttern. Als alle ihr Kraftfutter mapften verteilte ich noch das Heu. Kaum war ich damit fertig tauchte auch Jayden auf um die Boxen zu misten. Ich ging nun zu Nathalie nahm ihr Halfter vom Halter vor der Box und ging in die Box. Ich halfterte die Stute und kraulte sie noch kurz bevor ich sie zum Putzplatz führe. Dort angekommen band ich den Schecken an und holte ihre Putzbox aus der Sattelkammer. Ich deckte sie aus und begann die Braun-Weiße zu putzen. Die brave Stute stand gelassen da und genoss es. Als ich fertig war holte ich ihr Sattelzeug und eine Abschwitzdecke. Ich machte die Stute komplett fertig und führte sie dann in die Halle. Da es noch früh war war ich komplett alleine. Jayden und Colin waren mit dem misten beschäftigt und Anu ging Morgens am liebsten mit Flocke ausreiten. Ich ritt Nathalie war bevor ich die Abschwitzdecke über die Bande legte. Ich übte einige A Lektionen mit ihr da bald die Tuniersasoin wieder startete. Als ich fertig war legte ich ihr die decke auf und ritt noch etwas Schritt damit sie sich etwas abkühlen konnte. Ich brachte die braun-weiße Stute zurück in den Stall wo ich sie Absattelte und wieder Eindeckte. Da Colin, Anu und Jayden schon alle Pferde auf die Koppel gestellt hatten räumte ich auf und brachte auch Nathalie raus, wo wo Leika schon wartete, da Colin Fashion Girl schon zum tranig geholt hatte. Ich ging nun zum Shettyauslauf zurück um mit Ardehel zu arbeiten. Ich holte ihr Halfter aus der „Shettyhütte“ und holte sie aus dem kleinen Paddock. Da es draußen zu kalt war ging ich mit der kleinen Stute in den Stutenstall auf dem Putzplatz. Ich band sie an und holte ihr Putzzeug. Die kleine neugierige Stute fand alles interessanter als mich , dadurch dauerte das Putzen länger als geplant. Als ich fertig war sattelte ich die Stute was nicht gerade einfach war da sie immer in die Luft schnappte. Als ich sie auch getrenst hatte ging ich in die Halle wo Colin gerade Fashion Girl logierte. Die Stute machte sich schon sehr gut und würde bald schon geritten werden können. Ich machte mit Ardehel einige Western Übungen was heute gut klappte. Als ich fertig war sattelte ich sie ab und räumte alles auf. Gerade als ich sie gerade wegbrachte sah ich dass ein Auto vorfuhr.Das waren bestimmt Lina Valo und Samu Häkkinen,da Juan gegangen war und ein paar mehr Pferde eingezogen waren musste ich neue Stallkräfte einstellen. Die beiden Finnen waren vor kurzem hergezogen und hatte früher selbst eine Ranch die sie aus finanziellen gründen aufgeben mussten. Ich wartete bis sie ausgestiegen waren und begrüßte sie. Ich brachte Ardehel weg und zeigte ihnen erst die Ranch und dann ihre Zimmer. Als ich in den Stall kam sah ich das Anu gerade Ash geholt hatte und fragte sie ob wir ein Trainingsrennen machen sollten. Also holte ich Littel Buddy und stellte ihn neben Aschenflug. Wir putzen die beiden Hengste und sattelten sie. Als wir an den Koppel vorbei zur Rennbahn ritten sah ich wie Blue Heart und Royal Champion durch den Schnee sprangen. Auf der Rennbahn angekommen starteten wir unser Rennen und man sah das beide etwas außer Form waren da die Bahn in den letzten Wochen zugefroren waren. Ash war allerdings etwas besser in Form als Buddy. Ich beschloss noch etwas auszureiten um ihn etwas zu entspannen. Ich beschloss Blue Heart als Handpferd mitzunehmen. Also sattelte ich Buddy im Stall um und holte die kleine Quater Stute. Im Hof stieg ich auf und ritt los. Blue lief brav neben Buddy her. Ich nahm die stecke durch den Wald da diese am Kürzesten war. Als wir wieder kamen brachte ich erst Blue zurück auf die Koppel und dann sattelte ich Buddy ab und brachte auch ihn zurück. Als ich schon mal da war holte ich auch gleich Lady Swan von der Koppel. Im Stall warteten Lina und Samu. „Hi, Luchy wir wollten fragen ob wir helfen können.“. Während ich Lady anband antworte ich:“Klar gerne, ich zeig euch die Pferde für die ihr zuständig sein werdet. Lina du wirst Iliada in Galopp- und Distanzrennen trainieren, Ice Rain in Dressur, Darly Gone Mad in Galopprennen, Whats Happend in the Dark in Dressur, Colore Splash in Dressur, Dorn in Distanzrennen und Sisko in Trabrennen. Samu du wirst für Nathalie, British Gold, Promise Of Sundance, Keezenkoni, Legolas, Captain Morgan und Lady Swan in Dressur trainieren. Genaueres sage ich euch morgen oder gleich bei jedem Pferd. Heute müsst ihr euch nicht mehr um Lady Swan, Captain Morgan, Nathalie, Sisko, Dorn und Darly Gone Mad kümmern. Ich würde vorschlagen wir holen jetzt erstmal British Gold und Ice Rain.“ sagte ich zu den beiden. Ich ging zu den Boxen und zeigte Lina und Samu die Halfter die immer an den Boxen hingen da die Pferde bei uns ohne Halfter auf die Koppel kamen. Es gab zwar auch ein paar Ausnahme Pferde aber das waren wenige. Mit Halftern bewaffnet gingen wir hoch zu den Koppeln. Ich half den beiden British und Rain einzufangen bevor ich mit ihnen zurück zu Swan. Dort angekommen banden sie die Stuten an, bevor ich ihnen zeigte wo das Putz- und Sattelzeug hing. Wir putzen die Stuten und Als alle fertig waren zeigte ich ihnen die Halle damit sie dort trainieren konnten. Mit Swan ging ich etwas ausreiten da sie heute etwas angespannt war. Nach dem ausritt war die Stute deutlich entspannter und ich brachte sie zurück auf die Koppel, Wo sie sich mit Cassini´s Girl austobte. Als ich zurück zum Stall ging kam mir Jayden mit Leika entgegen. Gerade fuhr auch der Anhänger vor der ein neues Shetty brachte. Ich begrüßte Fiona, die den Hengst vorher besessen hatte. Wir luden den Hengst gemeinsam aus und ich zeigte Fiona wo der Hengst stehn würde. Ich ließ ihn erst von draußen gucken und Ardehel und Violá kamen neugierig an den Zaun. Die Ponys beschnupperten sich. Als Alle sich inspiziert hatten ließ ich den Hengst in den Paddock. Es gab ein kurzes Gerangel aber auch das legte sich schnell. Als Fiona sah das alles gut lief verabschiedeten wir uns und sie fuhr vom Hof. Ich blieb noch etwas am Shettypaddock und schaute aus der Ferne Colin zu der gerade mit Nabuko etwas Freispringen machte. Als ich sah das die Shettys ruhig waren, ging ich Uschi von der Koppel zu holen. Ich nahm auch All Hope mit da ich mit beiden ausfahren würde. Also machte ich die beiden am Putzplatz fertig und spannte sie draußen vor den Schlitten. Ich fuhr durch den verschneiten Wald. Die Pferde und ich genossen die Fahrt. Auf halbe Strecke begegnete ich Lina und Anu Die gerade mit Darky und Elf Dancer ausritten. Zurück am Hof kam gerade Samu mit Legolas aus dem Stall. Ich spannte die beiden Kaltblüter ab und brachte sie zurück auf die Koppel. Jayden holte gerade Elvish und Selection Zum Freilaufen von der Koppel. Ich holte mir Geiseldrama von der Koppel und ging mit ihr zum Roundpen, wo gerade Colin raus kam der mit Rosi trainiert hatte. Ich arbeite mit Rosi daran nicht alles zu beißen was ihr in die Nähe kam. Die Stute machte inzwischen Fortschritte da sie nicht mehr alles biss. Als ich fertig war beschloss ich sie noch eine Runde über den Hof zuführen. Colin trainiert gerade mit Sisko auf der Rennbahn und Anu ritt gerade Darly ab. Ich brachte nun Grisi auf die Koppel und holte mir Captain. Mit ihm arbeitete ich etwas an der Doppelloge da ich ihn auf die Kutscharbeit vorbereiten wollte. Als ich fertig war kam gerade Samu mit Keezenkohni um die Ecke. Ich sattelte Captain und brachte ihn zurück zur Koppel. Jayden war gerade mit Makotka auf dem Platz und trainierte sie und Colin holte Lamira von der Koppel. Lina, Smau, Anu und ich holten jetzt Illiada, Wo der Wolf heult, Worrior Of Light und Avicii von der Koppel. Als wir fertig waren gingen wir Auf die Rennbahn. Ich sah das Jayden gerade mit Crystal Sky auf dem Platz einige Lektionen machte. Als wir mit dem Training fertig waren brachten wir alle vier die Pferde zurück. Colin brachte gerade Citzien Fang zurück und die anderen drei holten Promise,Acerado, Colore und Dorn. Ich hingegen machte ein Pause und schaute nach Amigo und den anderen. Colin kam nach einer Weile zu mir und umarmte mich von hinten. „Na, Schatz wollen wir zusammen ausreiten?“ sagte er und gab mir einen Kuss. „ Ja, gerne.“ sagte ich und lächelte.“ Wie gefällt die eigentlich der keine Kerl hier?“ fragte ich ihn und Kraulte Amigo der gerade an den Zaun kam. Colin begann ihn auch zu kraulen und sagte, „Scheint ein netter kleiner Kerl zu sein“. Wir gingen nun Hand in Hand zurück zum Stall und machten Carry On und Abadon fertig. Wir ritten zu unserm Lieblings platz am See, wo wir uns auf den Steg setzen und den Sonnenuntergang genossen. Als wir dann schließlich am Stall zurück waren hatten sie anderen alle Pferde wieder rein geholt. Wir brachten auch die beide ihn ihre Box und gingen rein. Nach dem Abendessen fiel wir beide in Bett.“Der Ausritt heute war toll“ flüsterte Colin mir ins Ohr. „Ja, finde ich auch“ sagte ich, drehte mich um und lächelte ihn an. „Ich liebe dich“ flüsterte ich. „Ich liebe dich auch“ sagte er und gab mir einen Kuss. Wir kuschelten uns aneinander und schliefen ein.


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      Abandon All Hope Reining LK 5 LK 4, 9.06.2016
      Heute war ich auf dem Weg zu Luchy Montrose und ihrer Paint Horse Stute Abandon All Hope, die ich schon des Öfteren gesehen hatte, naja zumindest auf Verkaufsbildern oder auf Turnieren. Geritten hatte ich sie selbt noch nicht, doch das würde sich heute ändern. Schnell war ich bei Luchy angekommen und begrüßte sie kurz, bevor sie mich zu der Stute führte. In aller Ruhe putzte und sattelte ich die Stute, ehe ich das Halfter von ihrem Hals löste und wir zur Halle gingen. Dort gurtete ich nochmal nach, ehe ich mich in den Sattel schwang. Leicht nervös trippelte die Stute auf der Stelle, ich ließ sie jedoch einfach machen, so lange sie auf der Stelle stehen blieb.
      Als Abandon nun einige Zeit einfach still gestanden hatte, schnalzte ich einmal und die Stute ging im Schritt los, zu erst ging ich ganze Bahn, bevor ich durch die Länge der Bahn wechselte und sie antrabte. Ich ritt sie in einen Zirkel und trabte dort einige Runden, ehe ich ein paar Achten ritt, damit sie auf beiden Händen 'warm' wurde. Dann fing das eigentliche Training erst an. Ich galoppierte sie an und blieb zunächst auf einem kleinen Zirkel auf der rechten Hand. Diesen kleinen Zirkel galoppierten wir recht langsam. Am Punkt X lenkte ich sie nach außen und schnalzte, so dass wir die großen Zirkel im schnellen Galopp ritten. Ich hatte schon vermehrt festgestellt, dass Pferde fast keine Probleme hatten, schnelle Galoppwechsel zu machen. Das wurde mir jetzt wieder bestätigt. Am Punkt X gab ich präzise und schnelle Hilfen zum Galoppwechsel, und sofort sprang sie um und wir galoppierten auf der linken Hand große, schnelle Zirkel. Wieder am Punkt X nahm ich sie zurück und wir galoppierten noch ein paar kleine, langsame Zirkel, ehe ich sie wieder wechseln lies. Zwar sprang sie einmal nach, jedoch war das in dieser Klasse noch kein großer Fehler. Würde sie weiter in der Reining ausgebildet werden, müsste daran hart gearbeitet werden. Als wir wieder in der Mitte ankamen, stoppte ich sie. Ich nahm die Zügel nach rechts und streckte das rechte Bein vom Bauch weg. Mit dem Linken tippte ich sie immer wieder mit der Ferse an, bis sie anfing sich auf der Hinterhand zu drehen. Da sie schon in der LK 4 lief, konnte sie bereits spinnen, weshalb ich hier einfach nur an der Genauigkeit und der Schnelligkeit feilen musste. Das Selbe machten wir noch auf der anderen Seite. Zum Schluss übten wir noch ein paar Roll Backs, ehe Luchy uns zusehen kam und ich sie lächelnd zu mir rief, wir den Platz tauschten und ich ihr einige Anweisungen gab, wie sie welche Lektionen zu reiten hatte. Zufrieden ließ ich die beiden weiter trainieren und flog wieder nach Hause. Der nächste Auftrag wartete.

      A new Year Together
      27.05.2016
      Heute stand ich besonders früh auf, da wir heute das erste Mal einen Teil des Reitschul Konzept testen. Heute war die Shettyschule dran. Um 10 Uhr würden die Ausritte starten. Also ging ich runter und fütterte erst alle Shettys und dann die Pferde. Da es erst 7 Uhr war beschloss ich mir Lady Swan zu nehmen und auszureiten. Ich ging in den Stall und kraulte die Weiße Stute, die mir ihren Kopf entgegen Streckte. Ich halfterte die Stute und brachte sie auf den Puztplatz, bevor ich ihre Putzbox holte. Ich putzte Swan und sie döste etwas vor sich hin. Als sie fertig gesattelt war begegnete ich auch Colin der gerade dran war die Pferde auf die Koppel zu führen. Im Hof stieg ich auf und ritt in den Wald. Da es heute Nacht geregnet hatte, roch es angenehm frisch und die Wassertropfen glitzerten an den Bäumen und Blätter. Swan genoss den gemütlichen Ausritt sehr und schnaubte ab und zu zufrieden. „Guten Morgen Jayden“ rief ich den jungen Mann zu als wir uns begegnet.
      Ich ritt gerade in den Wald, damit Selection sich noch etwas entspannte. Als wir ein Stück geritten waren traf ich Luchy, die gerade von ihrem Ausritt zurückkehrte. “Hi Luchy, auch schon auf“ rief ich ihr zu, bevor Ich l Selection ihren Weg selbst wählen ließ und zu meinem Erstaunen, wählte sie den Weg zum See. Dort angekommen ließ ich Stute trinken und auch bis zu den Fesseln hinein treten da es schon warm genug war.
      Um punkt halb 10 stand ich vor dem Shettyauslauf und wartete auf Luchy. Ich war sehr aufgeregt und war gespannt ob das klappen würde mit der „Shettyschule“. Als Luchy endlich kamen holten wir Amigo, Ardehel und Violá aus dem Paddock um sie zu putzen. „Lass Cremella l bei Delyx, sie ist noch nicht weit genug ausgebildet.“ Sagte Luchy. Außerdem sollte heute ein neues Fohlen aus England kommen. Luchy und ich deckten die Ponys aus, putzen sie und statteten sie mit Pad und Longiergurt aus. Die Kinder sollten erst einmal das Pony kennenlernen. Als wir gerade fertig waren kamen schon die Eltern mit ihren Kindern. Während Luchy mit den Eltern über das Konzept redete erklärte ich den Kinder Grundlagen zum Umgang mit dem Pony. Als alle Ponys nun auch mit Trense ausgestattet waren durften die Kinder auf die Ponys. Ein kleines Mädchen namens Ella ging auf die flauschige Violá, der kleine, blonde Ethan ging auf Ardehel und ein kleines braunhaariges Mädchen namens Cloe ging auf Amigo. Ich Erklärte den Eltern wie sie die Ponys führen müssen und dann ging es eine Runde ins Gelände.
      Als ich in den Stall ging kam mir Colin mit Rosedealer entgegen. „Hi Anu, wollen wir mit Avicii und Buddy ein trainigsrenne machen?“ fragte ich die junge Frau die gerade die braune Stute putze.“Ja, klar gerne“erwiederte sie und ich holte Ash aus der Box. Als wir zur Rennbahn rübergingen sah ich Samu mit British Gold auf dem Platz. Wir ritten die beiden Hengste warm bevor wir ein Trainigsrennen machte. Ich gewann mit Buddy mit knappen Vorsprung. Wir brachten die Hengste zurück und auf der Koppel begegnete mir Colin mit Nabuko. Er holte sie gerade von der Koppel. Ich holte mir Whats Happend in The Dark und ritt etwas mit ihr aus.
      Ich hatte gerade Uschi und Hope fertig geputzt. Ich spannte die beiden an und beschloss einen Runde durch den Wald zu fahren. Auf dem Weg begegnete ich Luchy die gerade mit Darky unterwegs war.
      Ich brachte Darky auf die Koppel und holte stattdessen Dorn und machte ich fertig fürs Distanz Training. Ich ging also mit ihm ins Gelände und er arbeite gut mit. Zurück am Hof begegnete Ich Colin der grade mit Lamira und Fashion Girl in die Halle ging. Ich brachte Dorn weg und holte Color Splash um sie zu longirern. Also ging ich mit ihr in die Halle und begann sie zu longieren damit sie die Gangarten besser lerne. Als ich sie zurück auf die Koppel führe begegnete ich Samu der gerade mit Nathalie und Promise Of Sundance in die Longierhalle ging. Ich hingegen holte Miss Griselda Braun und ging mit ihr auf den Platz. Momentan übte ich mit ihr noch vom Boden aus da wir festgestellt hatten das sie ihre Aggressionen durch einen eingeklemmte Nerv bekommen hatte. Das war zwar gelöst aber jetzt musste sie neues Vertauen gewinnen. Nachdem ich fertig war brachte ich die Stute auf die Koppel und holte den kleinen Neuzugang. Caillen ließ sich brav einfangen und ich nahm ihn mit zum Putzplatz wo ich den kleinen gründlich putze. Ich ging anschließend mit ihm in die Halle und longierte ihn ausgiebig. Anschließend brachte ich ihn zurück in den Paddock wo er fröhlich mit Delyx herrumsprang.
      Ich hatte gerade Citzien Fang gesattelt und ging mit ihm etwas auf dem Platz wo ich einen kleine Trail Parcours aufgestellt hatte. Citzien ging brav über jedes Hindernis drüber. Zum Abschluss machte ich etwas Bodenarbeit mit ihm. Auch hier arbeitete er brav mit und somit ließ ich am Ende zurück auf die Koppel. Da Lina heute viel zu tun hatte mit der Shetty Schule beschloss ich mir die kleine Quater Stute Blue Heart zu schnappen. Auch mit ihr ging ich auf den Platz ich wollte nämlich mit ihr üben über eine Plane zu laufen.
      Lina war gerade damit fertig geworden die Shettys aufzuräumen also fragte ich“ Wollen wir zusammen ausreiten gehen?“. „Gerne Jayden, ich hole nur schnell Illiada.“. Ich holte Cassini´s Girl und wir beide putzen die Stuten ausgiebig auf dem Putzplatz. Als wir beide fertig waren stiegen wir im Hof auf und ritten los. Wir ritten Richtung Feld damit die Stuten auch mal ordentlich Galoppieren konnten.
      Ich hatte gerade Wo der Wolf heult und Worrior fertig gemacht als Luchy mit Saturn in den Stall kam. „Uns wie liefs mit ihm?“ frage ich neugierig. “Es lief super Anu, er macht fortschritte“ Sie hatte gerade mit dem Hengst trainiert da er Schwierigkeiten mit der Koordination hatte. Ich schwang mich auf Wolf und nahm Worrior als Handpferd mit. Ich ritt durch den Wald da Wolf dort meistens entspannter war.
      Ich hatte Captain gerade von der Koppel geholt als mir einfiel das der Hengst heute frei hatte. Also brachte ich ihn zurück. Dafür holte ich Keez und Ice Rain. Ich ließ die beiden Stuten in der Großen Halle etwas laufen und beide wälzten sich erst einmal. Als beide sich etwas ausgepowert hatten ließ ich sie zurück auf die Koppel. Als letztes für heute war noch Legolas dran. Ich machte den Hengst fertig und ritt mit ihm ein paar Dressur Übungen.
      Ich kam gerade mit Jayden vom Ausritt zurück als er mich fragte ob ich nicht Sisko mit Crystal in di Halle packen wollte. Also sattelte ich Illa ab und brachte sie auf die Koppel. Anschließend schnappte ich mir Sisko und Crystal und ließ sie laufen. Die Hengste powerten sich erst aus bevor sie sich wälzten und anschließend sich noch etwas kraulten. Das nenn man echte Männer freundschaft.
      Ich hole gerade mein letztes Pferd für heute da Floke und Elf Dancer heute frei hatten. Also Sattete ich Ace und wollte mit ihm in die kleine Halle doch da ließ Lina gerade Sisko und Sky laufen. Also gesellte ich mich zu Jayden und Legolas in die Große Halle.
      Nach dem Ausritt war ich fertig das Leika, Beauty und Masko heut frei hatten. Also begann ich damit die Pferde von der Koppel in den Stall zu holen.
      Da vor ein paar Tagen unser Jahrestag gewesen war, aber Luchy an dem Tag auf Fortbildung war hatten wir beschlossen das heut Nachzuholen als holten wir Abadon und Carry raus und machten sie für den Ausritt fertig. Wir beschlossen zu dem See zu reiten wo alles Begonnen hatte.

      Reitschnuppertag
      24.09.2016, by Wolfszeit
      Ich war schon recht aufgeregt da heute der erste Schnuppertag in der Reitschule stattfinden würde, da die Shettyschule doch recht gut lief. Ich war schon früh im Stall gewesen und hatte die Pferde gefüttert. Heute würde ich außerdem das ganze Team brauchen da ich die Kinder für das erste mal nur geführt reiten lassen wollte. Als alle Pferde fertig gefüttert waren sattelte ich zusammen mit Samu und Lina putze ich Sasancho und Promise of Sundance, während Colin Abadon All Hope fertig machte. Als die Pferde fertig waren kamen auch schon die ersten Eltern mit ihren Kindern. Es waren zwei Familien mit zwei Mädchen. Beide waren ungefähr im selben Alter. Das eine Mädchen war blond und die andere braunhaarig. Ich ging auf die Familien zu und stellte mich vor.“ Hallo, ich bin Luchy Montrose, die Leiterin der Ranch. Ich nehme an sie wollten sich die Reitschule anschauen. ?““Ja, unsere Töchter wollten gerne Reiten lernen. Sie sind schon öfters geritten da wir Pferde haben allerdings hätten sie nun gerne Reitunterricht.“ “Klar kein Problem wir werden heute mal schauen wie gut sie reiten können“ sagte ich und ging mit ihnen rüber zu den Pferden. „ Das sind Sasancho und Promise Of Sundance, die beiden wertet ihr heute Reiten“ sagte ich zu den Mädchen die ihre Helme schon in der Hand hielten. „Wenn ihr möchtet können wir sofort in die Halle gehen und loslegen.“ Die Mädchen nickten und Wir gingen in die Halle Samu und Lina folgte uns mit je einem Pferd. Ich ließ die Mädchen sich aussuchen welches sie reite wollten. So ging das Mädchen das sich als Madison vorgestellt hatte auf die Rappstute und Emily auf den braunen Hengst. Ich ließ sie erst einmal geführt im Schritt und trab ein paar Figuren reiten. Als sie sich sicher fühlten ließ ich sie auch alleine reiten, nur im Galopp nahm ich sie an die Longe. Nach der Reitstunde bedankten sie sich und liefen freudestrahlen zurück zu ihren Eltern. Auch für Colin gab es inzwischen Kundschaft ein ca. 8 Jährigen Jungen. Colin führte ihr da er anscheinend noch nie auf einem Pferd gesessen hat. Ich hatte ihnen etwas Zugeschaut als wieder Kundschaft war es war wieder eine Familie mit 2 Töchtern. Die eine war ca. 17 Jahre alt wären die andere ca. 8 war. Ich begrüßte sie und es stellte sich heraus das sie gerade hergezogen waren. Die ältere Tochter hatte wohl mal ein Reitbeteildigung gehabt, die aber wohl vor 3 Jahren verkauft wurde. Nun hatte sie beschlossen wieder anfangen zu wollen und Reitstunden zu nehmen, die kleine hingegen war totaler Anfänger. Während Samu mit der kleinen Sophie und Promise Of Sundance in die Longierhalle ging, ging ich mit Olivia und Sasancho in die Halle ich ließ mir von zeigen was sie konnte und war sehr erstaun. Als wir fertig waren brachten wir alle Pferde weg und ließen den Tag gemütlich ausklingen. Ich freute mich das die Reitschule in einer doch eher karg besiedelten Gegend so gut ankam.

      Pflegebericht
      20.10.2016, Wolfszeit
      Heute war wieder viel los auf der Ranch. Ich kam gerade mit Cailean und Delyx vom Spaziergang zurück, als Samu mir gerade mit Swan entgegen kam. Swan lahmte. Samu erzählte das Miss Griselda Braun mal wieder gezickt hatte und dabei Swan erwischte. Das bedeutete wieder Einzelhaft für Grisi. Ich stellte die beiden kleinen AMH- Hengste zurück auf den Paddock und holte schnell einen Strick um Grisi von der Koppel zu holen. Damit sie trotzdem Auslauf hatte stellte ich sie auf den Paddock. Danach ging ich in den Stall um mir Swans Bein anzusehen. Ich weiß Samu an das Bein zu kühlen bis der TA kam. Also band er die Stute am Putzplatz an und holte einen Wassereimer, worein er Swans Bein stellte.
      Ich ging inzwischen zu Caruso um mit ihm zu trainieren. Eigentlich wollte ich mit ihm in die Halle allerdings waren dort gerade Anu und Jayden mit Selection und Flocke am Trainieren. In den Roundpen konnte ich auch nicht da dort gerade Colin ein Join Up mit Blue Heart machte. Also ging ich auf den Dressurplatz. Lina war gerade mit Ardehel, Violá, Cremella und Amigo und den Kindern auf einem Ausritt. Also begann ich mit etwas Bodenarbeit mit Caruso. Der New Forest Hengst reagiert schon gut auf Körpersprache sodass wir langsam beginnen konnten ihn auf den Sattel vorzubereiten. Als ich mit Caruso fertig war kam auch schon Anu mit Acerado auf den Platz. Ich stellte Caruso weg und holte Uschi und All Hope Is Gone. Ich putze beide gründlich und legte ihnen dann das Geschirr an. Ich wollte sie wieder an die Kutsche gewöhnen da ich sie im Winter gerne vor dem Schlitten hätte, außerdem sind sie trotz ihrem Größenunterschied ein super Gespann. Auf dem Weg durch den Wald begegnete ich Jayden der gerade mir Cassi und Ice unterwegs war. Zurück im Stall berichte Samu der gerade mit dem Tierarzt gesprochen hatte, berichtete das Swans wunde nur halb so schlimm war. Die Stute hatte nun ca. 1 Woche Boxenruhe und der Kühlverband sollte regelmäßig gewechselt werden.
      Samu holte nun Nathalie auf den Puztplatz und begann die Stute zu putzen, während ich die beiden Kaltblüter fertig machte und eindeckte um sie wieder auf die Koppel zu stellen. Ich brachte gerade Uschi auf die Koppel als Anu mit Aschenflug von der Ovalbahn kam. Als ich zurück im Stall war, um Hope zu holen hörte ich wie Lina, die gerade mit Snow fertig war, vorschlug mit Samu ausreiten zu gehen. Als Hope auf der Koppel war holte ich Elvish Beauty von der Koppel und stellte sie auf den Putzplatz wo schon Nathalie und Lilia standen. Währen ich die Stute putzte hörte ich wie Samu und Lina beschlossen Gold und Herkules als Handpferd mitzunehmen. Als ich beim Satteln war verließen sie gerade den Stall um die beiden von der Koppel zu holen. Ich hingegen sattelte meine Schimmelstute und ging mit ihr in die Halle um mit ihr zu arbeiten. Die Stute arbeitete gut mit und als ich sie trocken ritt kam Jayden mit Crystal auf den Platz. Ich ritt mit Elvish vom Platz und ritt mit ihr noch eine kleine Runde im Gelände, damit sie entspannen konnte. Zurück am Stall sattelte ich sie ab und brachte sie zurück auf die Koppel.
      Als nächstes holte ich Saturn von der Koppel. Mit ihm wollte ich nur Bodenarbeit machen da ihm seine Ataxie an den kälteren Tagen wie heute besonders zu schaffen machte. Ich holte Saturns Knotenhalfter und ging mit ihm in die Halle wo auch gerade Colin mit Nabuko übte. Ich machte mit Saturn nur leichte Arbeit und stellte ihn anschließend unter das Solarium. Ich stellte ihn gleich zurück in die Box da es inzwischen noch Windiger geworden war. Anu hatte Avicii nach dem Training auch in die Box gestellt damit die Stute trocknen konnte. Ich holte also nun noch Little Buddy von der Koppel und ließ ihn in der Halle die inzwischen leer war laufen. Danach stellte ich ihn noch etwas in die Führanlage in der auch schon Wolf, Darky und Dorn standen. Jayden kam gerade mit Masko und Sasancho vom Ausritt zurück. Ich hingegen holte Captain und longierte ich etwas bevor ich auch ihn in die Boxstellte.
      Da es nun langsam dunkel wurde war es Zeit die Pferde von der Koppel zu holen. Samu kam gerade von Sisko und Legolas zurück. Auf dem Weg zur Koppel begegnete ich auch noch Promise und Colore Splash entgegen. Als ich gerade Abandon gehalftert hatte sah ich auch Jayden der Elf Dancer und Sasancho holte. Als ich Abandon wegestellt hatte sah ich auch das Colin Citzien und Carry geholt hatte. Ich begann das Futter zu verteilen währenddessen die anderen die Pferde reinholte als alle Pferde zufrieden mümmelnd im Stall standen. Ging ich rein und aß gemütlich mit allen zu Abend. Nach und nach verzogen sich alle auf ihre Zimmer nur Colin und ich saßen noch zufrieden vor dem Kamin. Gemütlich an einander gekuschelt schliefen wir ein.

      Pflegebericht
      17.02.2017, Wolfszeit
      Ich kam erst in den Stall als Lina und Jayden schon dran waren Mini Cookie, Amigo, Ardehel und Cremella fertig machten. Ich ging zu Lady Swan und putzte die Stute, bevor ich sie sattelte. Heute ging ich nur kurz ins Gelände mit ihr wo ich Anu mit Flocke begegnete. Als Swan auf der Koppel stand sah ich Colin und Nabuko beim Training zu. Ich liebte es ihm zuzusehen. Wie er sich bewegte und wie er sogar mit schwierigen Pferden klar kommt. Als er fertig war kam er zu mir. „Hi Schatz“, begrüßte ich ihn. „Der kleine Läuft ja inzwischen richtig gut“. „Das tut er“ antwortete Colin und küsste mich. Ich hielt ihr etwas länger fest als nötig aber ich liebet seinen Duft. Nabuko stupste uns ungeduldig an. „Ist da jemand eifersüchtig“ lachte ich. Auf dem Weg zu stall sah ich das Lina mit den Ponys inzwischen Weg war und Jayden mit Delyx trainierte. Während ich Nabuko für Colin absattelte brachte er Dorn in die Führanlage wo bereits Sisko drin stand. Samu half Jaxden unter seiner Anleitung trainierte er Cailean. Als ich Nabuko abgesattelt hatte rachte ich ihn auf die Koppel zu Carouso. Anu kam gerade mit Dorn zurück als Jayden und Samu sich nun Snowithe holten. Ich schaute noch kurz überall nach dem rechten bevor ich Colin und ich in Stadt führen um noch einiges zu erledigen.
      Eine glückliche Nachricht
      06.05.2017, Wolfszeit
      Als ich heute morgen aufstand war mir etwas schlecht. Das ging nun schon seit Wochen so. Colin war schon laufen und auch der Rest des Teams schien schon am arbeiten zu sein. Ich zog mich an und ging hinunter. Ich wollte zuerst nach den Shettys sehen. Die vier Damen Cremella, Mini Cookie, Little Snowwithe und Ardehel standen bereits auf der Weide und kam an den Zaun als sie mich sahen. Ich strich Cremy die ganz vorne stand über die Stirn. Dann ging ich weiter zu den Shettyoffenställen wo Lina gerade Cailean für das Schrecktraining fertig machte. Delyx und Amigo futterten fröhlich ihre Heu. Ich ging nun in den Stutenstall wo ich zu Lady Swan ging die schon ungeduldig wartete. Heute war die Stute mal wieder sehr gut drauf und ging etwas stürmisch aus der Box als ich sie zu Putzplatz führte. Ich putze die Stute was sie durch ihr tänzeln nicht grad erleichterte. Als ich dann endlich soweit war und sie gesattelt und getrenst hatte stieg ich auf und rit auf den Platz. Sie regte sich wegen jeder Kleinigkeit auf und arbeite erst nach einer halben Stunde ruhig und konzentriert mit. Als ich und die Stute verschwitz waren machte ich Schluss und führte Swan unter das Solarium wo ich sie trocknete. Als sie trocken war brachte ich sie auf das Paddock wo sie sich wälzte. Samu arbeite Nabuko gerade in der Longierhalle. Als ich sah das Colin mit Caruso arbeite beschloss ich einkaufen zu fahren. In der Stad ging ich ebenfalls bei der Apotheke vorbei. Nach einer Mittagspause ging ich zurück in den Stall und suchte Colin. Ich fand ihn bei Carry auf dem Paddock. Der Hengst lag auf der Seite und Colin war neben ihm eingenickt. Citzien und Abadon die auf den Angenzenden Paddocks Standen dösten vor sich hin. Ich ging erst zu Blue Heart die neben Abadon stand und begrüßte die Stute. Dann schlich ich zu Colin. Carry schaute auf blieb aber liegen. „Na, Schatz“ flüsterte ich ihm ins Ohr. Er blinzelte und begann zu grinsen. „Mmm, wollen wir ausreiten gehen?“ antworte er und begann aufzustehen. „Hoch mit dir mein Junge“ sagte er zu Carry und der Hengst stand auf. „Und wir zwei gehen jetzt die trensen holen“ sagte er zu mir und legte mich über seiene Schulter. Ich quitschte und begann zu lachen. Carry folgte uns neugierig bis zum Zaun. Einige Minuten später gehrten wir mit Trensen und alle auf den eigen Füßen zu den Pferden zurück. Wir trensen Blue und Carry und ritten in Richtung der Lichtung wo wir unser erstes Date hatten. „Colin ich muss dir was sagen“ begann ich. „Ich bin schwanger“. „Wirklich?“ fragte er freudig. „Ja im dritten Monat“. Colin schwärmte die ganze Zeit vom Baby als wäre er schwanger. Und so verlief unser Ausritt gut.

      Pflegebericht
      29.07.2017, Wolfszeit
      Als ich heute in den Stall kam hatte Colin schon alle Pferde gefüttert. Also ging ich direkt zu Keks. Die Stute hatte schon gefressen sodass sie aus der Box schaute. Ich strich der Stute die Stirn bevor ich ihr ein Leckerli zustecke. Heute war Bodenarbeitstag. Also holte ihr ihr Bodenarbeitshalfter aus dem Spind und ging zurück zu Keks. Ich halfterte sie und ging mit ihr zum Springplatz wo ich schon etwas vorbereitet hatte. Dort stand ein Kinderwagen. „Na Keksi, das wird uns in 4 Monaten wird uns das Ding da uns öfter begleiten.“ flüsterte ich der Stute ins Ohr. Mit Gespitzten Ohren ging Keks ein paar Schritte auf den Kinderwagen zu. Ich lobte die Stute und ging auf den Kinderwagen zu. Nun kam Keks direkt an den Kinderwagen ran. Vorsichtig schnüffelte sie daran. Als sie dieses Ding als ungefährlich identifiziert hatte stupste sie es an. Als der Wagen ein Stück rollte schrak sie zurück. Ich beruhigt die Stute und ermutigte sie wieder den Wagen anzustupsen. Langsam begann Keks Spaß daran zu bekommen und sie Schob den Wagen über den Platz . „Genug Keks“sagte ich und lobte die Stute ausgiebig. Ich brachte sie zurück in die Box und holte Miss Griselda Braun.“Morgen Jayden. Wie läuft es mit Leika?“fragte ich Jayden der mit Miss Leika vom Training kam.“Super, Sie ist in Top Form. Die Tuniersasion kann kommen“ bekam ich als Antwort. Mit Grisi machte ich dasselbe wie mit Keks und auch sie machte gut mit. Nachdem ich mit Grisi fertig war holte ich Lifesaver um ihn aufs Paddock zu stellen. Nachdem er gebuckelt ausgiebig gebuckelt hatte wälzte er sich sodass ich statt einem sauberem Pferdchen nun ein paniertes dort stehen hatte. Ich schnappte mir nun also Little Buddy putze den Braunen Hengst und schnappte mir den Halsring und ritt mit ihm eine gemütliche Runde durch den Wald. Am See machten wir eine pause ich legte mich in den Schatten und Buddy graste etwas. Ich musste wegedöst sein denn ich wachte davon auf das mich jemand umarmte. Ich schlug die Augen auf und blickte in die baluen Augen von Colin. „Ich liebe dich, mein Schatz „sagte er zu mir. Ich musste Grinsen „Woher wusstes du das ich hier bin?“. „Das ist dein Lieblingsplatz“. Wir plantschten noch etwas mit den Buddy und What's Happend In The Dark im See bevor wir zusammen zurück ritten. Als ich Buddy weggebracht hatte Sammelte ich mein paniertes Pferdchen vom Paddock ein und spitze ihn ersteinmal ab bevor ich ihn zu den anderen auf die Koppel ließ. Nun war Blue Heart dran ich schnappte mir ihr Knotenhalfter und machte ein kleines Join Up mit der Stute und ließ sie dann auch zurück auf die Koppel. Zufrieden sah ich den Pferden zu wie sie spielten und dann ging ich ins Haus um auf die neuen Mitarbeiter zu warten die sich angekündigt hatten. Als es klingelte öffnete ich die Tür. Vor mir stand ein großer, bolder Junger Mann. Das besondere an ihm war er hatte ein braunes Auge und eins das zu ¾ blau war. „Hallo ich suche Frau Montrose“ sagte er. „Ja, das bin ich und sie können ruhig Luchy sagen wir duzen uns hier. Und sie sind Jonathon Sherwood?“. „Sag doch Jace“. „ Wir warten noch kurz auf dn anderen neuen Mitarbeiter damit ich nicht alles zweimal erklären muss, aber komm rein „. Jace kam rein und ich zeigte ihm das Wohnzimmer. Kurz darauf kam Colin rein. „Das ist mein Verlobter, Colin und das ist Jace einer der neuen Mitarbeiter. „. Colin setzte sich dazu. Ich wollte gerade in die Küche gehen als es wieder klingelte ich ging zur Tür und ein dunkelhaariger junger Mann stand dort. „Sie müssen Alexander Lightwood sein. Ich bin Luchy die Cheffin hier“. Ich holte noch Jace dazu und schon begannan wir mit unserer Führung. Dort hinten in der Scheune wird die Einstreu und das Futter gelagert. Wir gingen rüber zu der großen Halle und den Privatställen und dann zeigen ich auch den Rest des Hofes am Ende gingen wir sind die Sattelkammer des Privatstalls. „Dieser Traingsplan hängt in allen Sattelkammer. Alec du bist für Cassini's Girl, Don Carlo, Elvish Beauty,Finest Selection, Legolas und Maskotka zuständig. Jace du kümmerst dich um All Hope Is Gone, Ardehel, PFS'Caillean, Captain Morgan, Delyx und BS'Little Snowwithe. Du findest deine Pferde in den Shettyoffenställen und im Privatstall und Alec deine Pferde stehen in den Zuchställen. Gearbeitet wurden die alle heute schon also wenn ihr noch etwas mit den Pferden machen wollt nur wenig außerdem müssen die heute noch gefüttert werden ich bereite euch das Fütter für heute vor.“ sagte ich zeigte ihnen noch einiges und brachte sie zum Schluss zu ihren Zimmen. Ich ging zurück zum Stall um das Futter zu machen wo ich auf Lina traf die das Futter für Cremella, Amigo, Lady Swan, Mini Cookie, Promise Of Sundance, Violá, Aschenflug, Avicii, Liliada,Wo der Wolf Heult und Mystic Fantasy Dahlia. Ich bereitet das Futter für meine Alecs und Jace Pferde vor. Das Futter für Darky, Rosendaler, Mas'uda, Citzien Fang, Carry On My Wayward Son, Anbadon All Hope, Acerado, British Gold, Leika, Nathalie und Saturn stand bereits auf den Wagen so das Elias das stpäter verteilen konnte.
    • Veija
      Pflegebericht
      20.12.2017, Wolfszeit
      Ich fütterte erst alle Pferde ich fing an bei Promise of Sundance, Maskotka, Finest Selection, Colour Splash, Elvish Beauty und Mystic Fantasy Dahlia. Als alle Pferde gefressen hatten brachte ich die Pferde auf die Koppel. Zuerst Ice Rain, British Gold, Avicii, Dahlia und Liliada. Zufrieden begannen alle zu grasen. Als nächstes waren Don Carlo, Lifesaver, Herkules, Ace und Crystal Sky an der Reihe. Carlo und Sky wälzten sich erst einmal. Elf Dancer, Legolas, Little Buddy und Aschenflug ließ ich nacheinander in der Halle laufen. Wo der Wolf Heult und What's Happend In The Dark ließ ich auf dem Laufband laufen. Rosendaler, Blue Heart, Abadon All Hope und Lady Swan standen unter der alten Eiche auf der Koppel und beknaberten sich gegenseitig. Carry On My Wayward Son, Citizen Fang, Caruso und Nabuko wurden nur leicht bewegt bevor auch sie auf die Koppel durften.

      Der große Umzug Teil I
      28.03.2018,Wolfszeit
      Heute war ein ganz besonderer Tag. Ich war schon um 5 aufgestanden. Heute stand der Umzug von der Gepächtetn Anlage auf das neue Gestüt um. Nach einer Zeit von 3 Jahren war es endlich soweit. Colin war vor ein paar Wochen hochgefahren um zuschauen wie es nun Aussah. Bis auf einige kleine Bausstellen im Wohnhaus war es fertig. Die meisten Möbel und Dinge hatten wir auch schon dorthin transportiert. Jetzt fehlten nur noch die Pferde. Nachdem ich also Mila gefüttert hatte packte ich sie in den Kinderwagen und ging in den Stall. Wir hatten den Transport unserer fast 50 Pferde auf 2 Tage aufgeteilt. Heute würden 25 Pferde umziehen. Die Pferde waren alle gefüttert und nun ging es daran nach und nach alle vorzubereiten. Jeder auf dem Hof hatte nun viel zu tun da in ca. 1 Stunde das Transportunternehmen da sein würde. Mila schlief in ihrem Wagen, so das ich mir Nabuko und Caruso holen konnte. Ich putze die beiden Hengste noch ein Wenig bevor ich sie in ihre leichten Decken einpackte und ihnen ihre Transportgamaschen anlegte. Inzwischen waren alle Pferde soweit fertig und die Transporter waren auch bereit. Nun ging es ans Verladen. Wir begannen erst mit den ruhigeren Pferden. Als erstes sollte Jace Captain Morgan und All Hope Is Gone Verladen. Hope ging ohne Probleme auf den Hänger und Captain folgte daraufhin auch ruhig. Als nächstes war Lina mit Lady Swan dran. Die weiße Stute war etwas zögerlich folgte Lina dann aber doch auf den Hänger. Nun waren Nabuko und Carouso dran. Mila ließ ich in Obhut ihres Vaters. Als erstes war der kleine Schecke an der Reihe. Er folgte mir ohne großes Theater auf den Hänger. Nabuko hingegen traute sich nicht und scheute mehrmals. Als er das wiehren von Caruso hörte beschloss er allerdings doch auf den Hänger zu gehen. Nun folgten noch Citzien Fang, Sasancho und Carry on my Wayward Son. Alle drei gingen ohne Probleme auf den Hänger. Damit war der erste Hänger abfahrt bereit. Colin fuhr mit.

      In den zweiten Transporter sollten nun als erstes Abadon All Hope und Blue Heart. Abadon stieg ohne Probleme ein wohingegen wir bei Blue ein wenig Überzeugungskraft benötigten bis die junge Stute auch hinauf ging. Mit den beiden Miniatur Hengsten Cailean und Delyx hatten wir mehr Gülck sie folgten Jace sofort auf den Hänger. Auch der Shettyhengst Amigo folgte anstandslos auf den Hänger. Nun folgten die Mini Stuten Ardehel und Little Snowwhite. Snowhite ging freiwillig auf den Hänger. Ardehel hingegen wollte patu nicht einsteigen so das wir die kleine Stute auf den Hänger trugen. Als letztes musste noch Mini Cookie einsteigen. Die keine Stute ging zum Glück brav in den Transporter. Hier fuhr Jace mit. Jetzt musste nur noch der letzte Hänger bestückt werden. Die drei Stuten Cassini's Girl, Promise of Sundance und Maskotka stiegen ohne Probleme ein. Die jungstute Keks war ein wenig nervös doch mit gutem Zureden und ein paar Leckerlis ging auch sie brav auf den Hänger. Violà und Cremella gingen auch ohne Probleme auf den Anhänger. Walking on Sunshine traute sich erst als sie Keks hörte. Nun kam der schwierigste Teil. Mas'uda die zwar Hänger kannte aber keine so großen, musste zusammen mit ihrer Ziehmama Rosendaler auf den Transporter. Rosi lief gut drauf und wir hatten das Glück das Masus drang Rosi zu folgen größer war als ihre Angst. So waren nach knapp anderthalb stunden alle Pferde Verladen. Und auch der lezte Transporter mit Lina und Elias als Begleitpersonen fuhr los. Anu, Alec, Jayden Samu und ich brachten die übrigen Pferde auf die Koppel und begannen alle Restlichen Dinge wie Sättel, Trensen und alles was wir nicht mehr brauchten in Kisten zu packen.

      Pflegebericht
      28.09.2018,Wolfszeit
      Colin|Nachdem ich heute Morgen die Zäune mithilfe von Carry On My Wayward Son kontrolliert hatte, machte ich mich nach dem Mittagessen auf den Weg zum Unterhausauslauf. Ich holte die Halfter von BS‘ Little Snowwithe und Ardehel. Ich holte mir die zwei Stuten vom Padddock. Ich spazierte eine Runde um die Koppel und machte einen kleinen Umweg über den Geländeplatz wo ich sie noch über 1 kleine Brücke gehen ließ. Danach brachte ich die beiden kleinen Ponys auf die Koppel wo sie bereits von ihren Kameraden erwartet wurden. Danach brachte ich Abadon All Hope und Rosendaler auf die Koppel. Die beiden Stuten hatten heute frei. Als letztes war noch Blue Heart dran. Die Stute durfte sich heute in der Halle etwas austoben bevor wir eine kurze kleine Bodenarbeitsstunde machte. Auch die kleine Roanstute durfte dann auf die Weide.

      Der Neujahrsritt
      02.02.2019, Wolfszeit
      Luchy| Heute war ich schon früh wach, der Wecker zeigte 4:30 Uhr. Aleen und Colin schliefen noch. Also zog ich mich aus dem Haus. Draußen war es noch Dunkle. Im trüben Licht der Hausbeleuchtung konnte ich meine Atemwölkchen sehen. Ich stapfte durch den Frischgefallen Schnee vorbei an den Ausläufen der Stuten. Ein teil lag noch schlafend im Stroh ein paar dösten im stehen nur Miss Monty die erst seit Oktober bei uns wohne war schon wach. Die kleine eigenwillige Stute kam an den Zaun und ich hielt ihr ein Leckerli hin. Dies nahm sie bereitwillig an und ließ sich noch etwas kraulen, bevor sie wieder zu den anderen Pferden ging. Ich ging weiter durch den unberührten Schnee bis ich an den Außenboxen ankam. Auch hier schliefen noch alle Pferde ich öffnete die Tür von Little Buddys Box. Der Hengst hob den Kopf und weihte mich leise an. Ich schloss die Box und setzte mich zu dem Hengst. „Guten morgen mein großer“ flüsterte ich dem Hengst zu. Ich kuschelte mich an ihn und er legte seinen Kopf in meinen Schoß. So an meinen warmen Hengst geschmiegt schlief ich Nochmal ein.

      Alec| Ich wurde davon wach das mir ein Kissen ins Gesicht flog. Im Türrahmen stand ein frisch geduschter Jace mit einem Handtuch um die Hüfte. „Raus aus den Federn, heute gibt es noch viel zu tun“ sagte er. Ich schälte mich aus dem Bett woraufhin Jace in sein Zimmer verschwand. Ich hingegen begab mich in Bad um zu duschen und mich zu rasieren. Frisch gewaschen, zog ich mich also an und begab mich in die Küche. Dort saßen auch schon Jace, Elias, Mathew, Quinn, Lina, Jayden, Samu und Anu. Hazel hingegen stand am Kopfende des Tischs. Obwohl das zierliche Mädchen erst seit einem Monat auf der Ranch wohnte hatte sie sich als erste gemeldet um die Silvesterfeier zu organisieren. „Schön das du auch mal kommst Alec“ sagte sie als sie mich erblickte. „Also da ja jetzt alle da sind, werde ich euch den Plan für heute erklären. Also fangen wir an beim wichtigsten bei den Pferden. Ich habe gestern mit Luchy geredet, die Pferde die nicht am Neujahrsritt teilnehmen, haben heute frei. Wir sollen sie füttern wie immer und dann auf die Koppel stellen. Um 17 Uhr sollen sie dann wieder reingeholt werden damit kein Pferd Feuwekskörper abbekommt oder sich erschreckt und verletzt. Um die Pferde kümmern sich bitte Elias, Mathew, Quinn und Samu. Sheena meinte sie hilft euch dabei noch. Dann brauchen wir ein Dekoteam das besteht auch Alec, Jace, Jayden und mir. Alec du fährst bitte mit Jace zum Waldhaus dekorierst, und bereitest alles vor mit dem Punsch.“ Ich holte mir einen Kaffee und setzte mich zu ihm. „zu guter Letzt noch das zweite Pferdeteam. Das besteht aus Lina, Anu und Jamie hilft euch. Ich werde später auch noch helfen und Luchy und Colin wollten auch dazustossen sobald sie so weit sind. Die Pferde müssen geputzt und eingeflochten werden. Die mit kurzer Mähne bekommen Wickelzöpfe die anderen spanischen Zöpfe. Der Schweif wird französisch eingeflochten und bekommen Lichter in Mähne und Schweif. Dazu bitte alle Pferde bandagieren die Bandagen findet ihr in der Sattelkammer vom Tor Stall. Die Liste mit den Pferden die geritten werden hängt dort ebenfalls…“.

      Jamie| Heute waren alle in Aufruhe, weil heute der Neujahrsritt stattfinden sollte. Ich hatte die Gelegenheit früh morgens genutzt und hatte mir Baroness of the Guard geschnappt und war mit ihr Los geritten. Ich genoss den warmen Körper unter mir in der kalten Luft. Ich spürte die Bewegungen des kräftigen Ponys unter mir. Ich ritt auf das Bergplato. Ich schloss die Augen. Man hörte nichts mehr außer den Atem der Schimmelstute und das Knirschen des Schnees unter den Hufen der Stute.

      Luchy| Während alle daran waren den Hof zu schmücken die Pferde zu versorgen und zu putzen hatte ich Aleen Colin überlassen und half Lina dabei die Kutsche zu dekorieren. Nachdem die Kutsche leuchtete wie ein Tannenbaum, holten wir Nabuko um ihn zu putzen seine Mähne zu waschen und dann einzuflechten. Auf dem Weg zum Auslauf sah ich, das der Hof inzwischen glitzerte und leuchtete. Auf meinem Weg zur Koppel begegnete ich Lina, die gerade PFS‘ Caillean, Delyx und Amigo auf die Koppel brachte. Ich machte mich hingegen auf den Weg zu Keks. Die Stute stand noch auf der Koppel. Mas’uda, Sunny Empire, Keks und Walking On Sunshine rannten fröhlich durch den Schnee. Als ich nach Keks rief kamen gleich die ganze Herde angelaufen. Ich kraulte alle ein wenig bevor ich Keks einsammelte und sie zum Stall führte. Nathalie, British Gold und Crystal Sky standen bereits eingeflochten im Stall, legendlich die Lichterketten fehlten noch. Ich begann meine Stute zu putzen. Als ich damit fertig war, ölte ich ihre Hufe und Anu begann sie einzuflechten. Inzwischen waren auch die ersten Reitschüler eingetroffen um die sich Lina bereits kümmerte.

      Emily| Elena und ich waren schon ganz aufgeregt als wir ins Auto gestiegen waren. Heute war es soweit wir durften am Neujahrsritt teilnehmen. Auf dem Hof angekommen sprangen wir förmlich aus dem Auto. Lina, unsere Reitlehrerin wartete bereits vor dem Stall auf uns. „Hallo ihr zwei“ begrüßte sie uns. „HALLO, wen reiten wir ????“ fragte Elena aufgeregt. „Elena du hast Maskotka und Emily du reitest heute Promise Of Sundance. Zusammen mit Lina gingen wir nun in den Stall und jeder von uns holte sein Pferd. Wir begannen zu putzen und Lina half uns dabei. Und flocht Mähne und schweif der Stuten wunderschön ein. Die Schweife waren wunderschön bis zum Ende der Schweifrübe geflochten und darin war eine kleine Lichterkette eingeflochten. Maskotkas Mähne wurde von einem wunderschönen breiten Zopf geziert wo ebenfalls eine Lichterkette eingeflochten war. In Promise Mähne waren Mähnenclips in kleinen Zöpfchen eingearbeitet. Inzwischen hatten wir unsere Pferde gesattelt und getrenst und waren auf den Hof gegangen um die anderen zu Treffen. Wir waren die langsame Gruppe und würden deshalb zuerst losreiten. Auf dem Hof standen 9 Pferde. Darunter Keks. Sie war das Pferd der Chefin, aber jeder möchte sie da sie immer freundlich an den Zaun kam um ein Leckerli abzustauben. Neben Keks stand eins der niedlichsten Pony auf dem Hof. Minnie Maus war zwar noch nicht lange auf dem Hof aber jeder liebte sie. Finest Selection, die Stute die ich auch manchmal ritt stand auch auf dem Hof. Ein Pferd sah besonders hübsch aus. “Elena sachu mal das Fell von dem Pferd da glänz wie Gold“sagte ich zu meiner Freundlin. „Das ist Walking On Sunshine. Das ist auch eines der Pferde der Cheffin.“. Nathlie die Scheckstute mit dem dunkelbraunen Fell wieherte und British Gold stimmte ein. Crystal Sky, der weiße Hengst, sah aus wie ein Geist er leuchtete heller als die anderen Pferde, da sein weißes Fell alles zu reflektieren schien. Nabuko war vor eine Kutsche gespannt die wunderschön leuchtete. Ein großer junger Mann saß ohne Sattel auf Anbadon All Hope und hielt Nabuko fest. Lina half erst uns und dann den andren Reitschüler auf ihre Pferde. Danach setzte sie sich auf den Kuschbock. Neben ihr sahs Aleen die kleine Tochte von deinem Stallbesitzer. Lina fuhr los. Dahinter ritt der Mann auf der schönen goldenen Stute, danach sollten wir reiten. Hinter uns kamen British Gold und Crystal Sky. Selection lief neben Nathalie. Den Abschluss bildeten Keks, Anbadon und Minnie Maus.

      Jace| Wir ritten durch den Wald. Colin, Samu und Jayden bildeten die Spitze der Gruppe. Blue Heart, LMR Ice Rain und Color Splash waren die ruhigsten Pferde. Dahinter kamen die drei Reitschüler auf Black Lady, Elvish Beauty und Miss Leika. Anu und Sheena ritten Lifesaver und Mystic Fantasy Dahlia hinter ihen. Die beiden Apfelschimmel waren definitiv ein hübsches Pärchen. Alec auf Liliada, Jamie auf Ursel und ich auf Aviciii bildeten den Schluss um uns unauffällig absetzen zu können, damit wir schneller als die anderen an der Waldhütte sein konnten.

      Hazel| Ich hatte gerade die erstrahlte Hütte zwischen den Bäumen entdeckt als wir anhielten und Lina uns Anweisung gab abzusteigen und unsere Pferde, die Alle Halfter unter der Trense trugen an den Hochseilen anzubinden. Ich lobte meine Minnie Maus und stieg ab um sie anzubinden ich stellte sie neben Keks die von Luchy gerade angebunden worden war. Ich folgte dem schön erleuchteten Weg bis zu Waldhütte wo wir von Jamie, Jace und Alec schon mit Punsch und Würstchen empfangen wurden.

      Schmerzhafte Vergangenheit
      06.08.2019, Wolfszeit
      Colin | „Das hast du heute super gemacht“, sagte ich zu Vikar. Sagte ich zu dem Tinker und steckte ihm ein Leckerlies zu. Ich band ihn vor dem Torstall an und sattelte ihn ab. Als ich gerade aus dem Stall kam fuhr Matt vor, der meine Schwester vom Flughafen abgeholt hatte. Kaum war sie ausgestiegen stürmte sie mir auch schon Entgegen. Ich schloss sie in meine Arme. „Endlich hab ich dich wieder, Schwesterchen“, flüsterte ich ihr zu. Sheena hatte Tränen in ihren großen braunen Augen. Das war verständlich immerhin hatten wir uns 10 Jahre lang nicht mehr gesehen. Nach dem Tod meiner Eltern war sie zu Freunden der Familie gezogen und ich hatte versucht mich selbst über Wasser zu halten. Wir hatten zwar immer mal wieder Briefkontakt doch als Sheena umzog brach dieser ab. Es kostete ein Jahr suche bis ich sie wiedergefunden hatte. „Ich lass dich nie wieder los“, schniefte meine Schwester. „Ich fürchte das du aber genau das tuen musst, da steht noch jemand der meiner Aufmerksamkeit bedarf.“, als hätte Vikar mich verstanden fing er an rum zu blöden und zu flehmen. Schweren Herzen ließen wir uns dann doch los und gingen zu dem Tinkerhengst. „War deine Reise gut? Ich hätte dich auch selbst abgeholt, doch man ist leider ziemlich beschäftig auf so einem Hof.“ Sheena war mit etwas abstand zu dem gefleckten Pferd stehen geblieben und schaute ihn etwas schüchtern an. „Du kannst ihr ruhig streicheln“ sagte ich schmunzeln. Ganz zaghaft hielt sie ihm die Hand hin und der gutmütige Hengst schnupperte daran und begann sie abzuschlecken. Nun traute sie sich Vikar zu streicheln. Wir redeten noch ein bisschen über ihre Reise und brachten den Hengst auf die Koppel wo er von Injaki wiehernd begrüßt wurde. „So jetzt gehen wir mal schauen wo meine Frau mit meinem Kind ist“. „Wo, wie viel doch in 10 Jahren passiert ich meinen ja du hast mir das geschrieben aber es ist noch so unwirklich“. Ich zeigte meiner Schwester den Hof und recht schnell fanden wir auch Luchy und Aleen hinter der großen Reithalle auf der Wiese. Die kleine ließ mit Begeisterung ihr Pony Farea von Hulshóf grasen und rannte auch mal ein kleines Stück über die Wiese. „Darf ich Vorstellen, das ist meine Schwester Sheena“ sagte ich und deutete auf das zierliche Mädchen neben mir. „und das ist meine Frau Luchy und meine Tochter Aleen“. „Hallo, schön euch kennen zu lernen. Wow man sieht die Ähnlichkeiten zu euch.“ „Sie erinnert mich an dich als du noch klein warst“. Wir blieben noch eine weile bei den beiden bevor ich ihr den restlichen Hof zeigte und wir dabei auch schon einen großen Teil der Angestellten begegneten. Ich zeigte ihr auch ihr Zimmer. „Was hältst du davon, wenn wir bei dem schönen Wetter zu Bach reiten?“ schlug ich meiner Schwester vor. „Mmmm du weißt das ich quasi noch nie auf einem Pferd saß?“ „Auch das geht schon, zieh dich um ich mach uns die Pferde fertig wir treffen uns am Tor Stall.“, rief ich ihr zu und ging zu Koppel um Blue Heart und Abadon All Hope zu holen. Ich putzte Abadon und Blue kurz über bevor ich für Abadon ein alten Voltigiergurt holte damit Sheena etwas zum festhalten hatte. Danach Trense ich Blue und Abadon. „Wie komme ich jetzt da rauf?“, sagte Sheena. „Ganz einfach ich schmeiß dich rauf. Stell dich neben Abadons Schulter, dann hältst du dich am Gurt fest und gibst mir dein linker Fuß. Auf drei ziehst du dich hoch.“ Etwas unelegant ladet meine Schwester auf dem Pferd und auch mich begab mich auf mein Pferd. Wir ritten runter zum Bach: dort angekommen zog ich mein T-shirt aus und ließ Blue in den Bach laufen. Abdon folgte uns mit Sheena. Wir unterhielten uns den ganzen Ausritt über die 10 Jahre in den wir uns nicht gesehen hatten.
      Abens hatte sich das ganze Team nochmal um ein Lagerfeuer versammelt um Sheena zu begrüßen und um den Abend entspannt ausklingen zu lassen. Irgendwann waren wir beide die letzten die noch da saßen. „Colin? , darf ich dich etwas fragen?“. „Du darfst mich alles fragen Schwester“. „Ich habe die Narbe auf deinem Bauch gesehen? Wann ist das passiert? „. Das war Sommer 2011, als ich auf einem Hof in der Nähe von Aberdeen gearbeitet hatte. Es war ein sehr heißer Tag gewesen und ich hatte gerade alle Arbeiten erledigt und wollte noch mal nach den Pferden sehen bevor ich zu Bett ging. Ich öffnete das Tor des Stalls und betrat ihn. Ein panisches wiehern ließ mich in der Bewegung erstarren. Alisha! Wieder gellte ein schrilles Wiehern durch den Stall und auch die andren Pferde begannen nervös zu schnauben und gegen die Boxentüren zu treten. Ein Feuer war ausgebrochen. Oben vom Heulager könnte man einen rötlichen Schein erkennen. Nun nahm ich auch den Rauchgeruch wahr. Was sollte ich nun tun? Das hilflose quieken von Alishas Fohlen mischte sich unter das wiehern. Es schnitt mir in Herz. Ich musste die Pferde hier rausbekommen. Besonders Alisha und ihr Baby die am nächsten am Heulager waren. Ich eilte zur Box von Alisha und griff nach den Halftern. Ich ignorierte die aufsteigende Hitze und den rötlichen Schimmer der Flammen um mich herum. Die weiße Stute war außer sich. Ihr Fohlen drückte sich zitterten an die Wand und wimmerte. Die Vollblutstute bäumte sich vor mir auf. „Alisha ich bin es … scht…“. Alisha war zu sehr in Panik um noch irgendetwas wahrzunehmen und bleckte die Zähne nach mir. Ich wusste ich musste sie retten. Ich öffnete die Boxentür in der Hoffnung die Stute würde mich erkennen, wenn ich sie berührte. Ich versuchte ihr das Halfter anzulegen doch sie riss den Kopf rum und trat nach mir. Ich konnte ihr gerade noch so ausweichen. Egal was es kostete ich wusste ich musste dieses Pferd samt Fohlen retten. Das Fohlen was ich eigenhändig zu Welt gebracht hatte. „Alisha, wir müssen hier raus“ versuchte ich noch einmal die Stute zu beruhigen. Erneut versuchte ich sie zu Halftern. Doch sie stieg. Ihre Hufe wirbelten durch die Luft und sie traf hart meinen Bauch. Ich fiel von der Wucht getroffen um und schlug mit dem Kopf auf der Tränke auf. Winselnd und vor schmerzen gekrümmt stieß ich die Boxentür ganz auf und schaffte es gerade noch aus dem Weg zu springen als die Stute auch schon samt Fohlen an mir vorbei stürmte. Ich blieb ein paar Sekunden benommen liegen bevor mich panisches Gewieher in die Gegenwart holte. Die Angst um die Pferde ließen so viel Adrenalin durch meine Körper fließen, dass ich mich aufrappelte und die restlichen 7 Boxen öffnete und die Pferde in die Freiheit entließ bevor sie dem Feuer zum Opfer fallen würden. Ich schaffte es gerade noch aus dem Stall bevor ein brennender Balken herunterstürzte und den Ausgang versperrte. Ich hatte mich mit letzter Kraft hinter eine Sichere Hausecke begeben als ich schon die ersten Sirenen hörte. Ich betrachtete meinen Körper. Mein Shirt war zerrissen. Unterhalb meines Nabels zeichnete sich deutlich ein Hufabdruck ab. Als ich mich ein wenig Bewegte raubte der schmerz mir fast die Besinnung. Mir wurde übel und vom geschehen um mich herum bekam ich kaum noch etwas mit. Die Stelle pulsierte und begann sich blaurot zu verfärben. Jeder Atemzug wurde zur Qual. Ich bekam noch mit das ein Notarzt eintraf und danach erinnere ich mich erst wieder als ich im Krankenhaus aufwachte. Man teilte mir mit das ich einen Milzriss hatte und man mich gerade noch im letzten Moment operiert hatte. Abends kam auch das Ehepaar dem der Hof gehörte vorbei um sich zu bedanken. Der Stall war leider komplett abgebrannt aber den Pferden war nichts passiert. Doch leider müssten sie ein Großteil der Pferde verkaufen um den Stall neu aufzubauen. Gleichzeitig war ich wieder Arbeitslos. Ich verbrachte noch ungefähr 4 Wochen im Krankenhaus.“ Während ich erzählt hatte war ich in mich gekehrt, da ich alles noch einmal durchlebte. Meine Schwester sagte nicht sondern umarmte mich nur. Für mich war das damals ein schwerer Verlust. Ich hatte in dieser Nacht alles verloren. Das Pferd was ich liebte, meinen Job, meine Heimat, meine Familie. Das war auch der Grund warum ich aus Schottlang weggegangen war.

      Ein Mädchen für alles - Ausschnitt aus dem HMJ Finale
      Februar 2020, by Veija
      Caleb
      "Caleb", "Mr. O'Dell", "O'Connell? Oder so?", "Cowboy", "Der Blonde mit dem Cowboyhut da hinten", "Na.. der da, der so grimmig drein schaut", "Caaaaaaleeeeeb", "Ey!", "Sir?" und vieles mehr. Ich kann gar nicht aufzählen, wie oft ich meinen Namen in den letzten Tagen, ja sogar Wochen gehört hatte. Ich hatte mich freiwillig gemeldet. Ich hatte gesagt, ich würde bei dem Horse Makeover helfen, ein Pferd aufnehmen, trainieren und sogar meine Ranch für das Event zur Verfügung stellen. Dass Menschen so anstrengend sein konnten, wurde mir erst mittendrin klar.

      "Alle wissen was sie zu tun haben? Heute sollen, wenn alles gut geht, alle Eventpferde mit ihren Besitzern und ihren engsten Vertrauten zurückkommen. Jedes Pferd bezieht eine der Paddockboxen am Reitplatz, wahlweise auch im Stall, falls es einigen draußen zu kalt sein sollte, man weiß ja nie, Kanada hat ein anderes Klima.", erklärte ich meinen Mitarbeitern und genoss die Ruhe vor dem Sturm. Seid bitte alle hilfsbereit, bietet eure Hilfe auf jeden Fall dann an, wenn ihr seht, dass jemand sie nötig hat. Seid freundlich, sprecht mit den Teilnehmern. Aber vergesst bitte um Himmels Willen nicht eure Aufgaben hier auf dem Hof. Es ist alles eng getaktet, wenn morgens schon etwas schief läuft, wirkt sich das auf den ganzen restlichen Tag aus. Ein frohes Arbeiten!"
      Und dann ging es los... nach und nach reisten alle an, bezogen ihre Boxen und wuselten auf meiner Ranch herum. Immer wieder zwischendurch hörte ich meinen Namen, oder Anreden, um meine Aufmerksamkeit auf die Fragenden zu ziehen. "Natürlich haben wir koffeeinfreien Kaffe.", sagte ich zu einer jungen Frau und begleitete sie in die Küche des Haupthauses. "Sie können die Packung gerne mit in ihre derzeitige Wohnung holen, dann müssen sie nicht immer hier herüber kommen, und ihn sich hier machen.", erklärte ich ihr freundlich, schob sie aber mehr oder weniger bittend aus meinem Haus heraus. Dass ich ein sturköpfiger Eigenbrödler war, war nichts neues. Dementsprechend hatte ich es wohl am schwersten, mich an den ganzen Trubel hier zu gewöhnen. Nichtsdestotrotz wollte ich mit dem Training meiner Pferde auch ein bisschen weiter kommen, so dass ich mich gegen Nachmittag auf dem kleineren Reitplatz befand und meinen Hengst Vulture warm ritt. Ich konzentrierte mich auf den Hengst und nahm das leise Räuspern am Zaun zu erst nicht wahr. Erst als es lauter wurde und eine junge Frau meinen Namen sagte, hellten sich meine Züge ein wenig auf. "Johanna!", sagte ich mit aufhellenden Zügen und trabte Vulture auf sie zu. "Ich hab gar nicht mitbekommen, dass du angekommen bist. Hast du Conti schon untergebracht? Wie macht sie sich?", fragte ich sie und klopfte Vulture gegens Vorderbein, damit er aufhörte, im Sand zu scharren. "Gut, gut. Sie hat sich sofort auf ihr Heu gestürzt. Aber wo hast du denn deine Witch? Ich hab sie noch gar nicht gesehen hier.", fragte sie mich, was mich kurz zum Auflachen brachte. "Witch steht hinten im letzten Stall in ihrer gewohnten Box. Hab sie schon eine Weile vom Trubel weggestellt, damit nicht alle auf die Idee kommen, sie sich sofort angucken zu gehen. Ich hab in den Ställen nichts zu verstecken, viele Pferde sind eh nicht im Stall. Aber ich mag es nicht so, wenn überall fremde Leute herumlaufen. Deshalb dachte ich, bis zum letzten Stall würden sich die wenigsten vorkämpfen. Dann hab ich auch später meine Ruhe, sie fertig zu machen.", erwiderte ich schulterzuckend. "Macht Sinn.", meinte Johanna und fragte, ob sie mir noch kurz zuschauen dürfte. Ich nickte und trabte meinen Hengst wieder an, ehe ich ihn auf dem Zirkel angaloppierte. Johanna blieb ein paar Runden, ging dann jedoch wieder ihrer Wege.
      Kurze Zeit später stand Cooper am Zaun und wollte einen Schwamm, ein Tuch und einen Eimer haben. Im Stall hätte sie keinen gefunden. "Ich komm mit und zeig es dir.", erklärte ich und ritt zusammen mit ihr zum Stall. "Kannst du ihn kurz halten?", fragte ich sie und ließ sie mit meinem Hengst draußen stehen. Den Stall hätte ich nie betreten sollen, denn sofort kam mir Octavia wild gestikulierend entgegen. Energisch zog sie mich am Arm hinter sich her auf die Toilette. "Bist du bescheuert? Sattelkammer vielleicht? Aber Toilette?!", fragte ich sie, nun auch mit den Armen fuchtelnd. "Die sind überall, nirgends ist man vor ihnen sicher!" "Wie war das mit dem freundlich sein?", fragte ich sie mit hochgezogener Augenbraue und klopfte ihr sachte auf die Schulter. "Du kannst jetzt das Mädchen für alles sein, ich verzieh mich!", quietschte sie, öffnete die Tür der Toilette und ließ mich mit einem verwirrten Blick zurück.
      Als ich aus der Toilette heraustrat, wusste ich genau, was sie gemeint hatte. Vor mir hatte sich ein kleiner Ball aus Menschen gebildet, alle sagten meinen Namen oder sprachen mich mit einer anderen Anrede an. "Einer... nach dem Anderen.", sagte ich, zog einmal scharf die Luft ein und setzte ein kleines, gequältes Lächeln auf. Ich hatte es so gewollt und ich hatte es gerne so gewollt.
      Pflegebericht für: Cruel Twist of Fate, Kholáya, Frosty Lagoon, Bittersweet Temptation, Lady Blue Skip, Only Known in Texas, Picture of a Ghost, Miss Independent, A Shining Chrome, Honey's Aleshanee, Striga, GRH's Unbroken Soul of a Magic, A Walking Honor, GRH's Aquila T Mistery, GRH's Unbroken Soul of a Devil, Snapper Little Lena, Stormborn, Zues, Jacks Inside Gunner, BR Colonels Golden Gun, BR Colonels Lil Joker, Sweet like Chocolate, Colonels Blue Splash, BR Dress to Impress, Special Luna Zip, Captains Blue Crystal, Gun Sophie, PFS' Unclouded Summer Skies, California Rose, Ginger Rose, Smart Lil Vulture, Chocolate Shades, GRH's Funky's Wild Berry, Abadon all Hope, Kisshimbye, Easy Going, Chou, My sweet little Secret, I'm a Playboy, Whitetails Shortcut, Whinney, Citizen Fang, Cielos, Silent Bay, Alan's Psychedelic Breakfast, Chapter 24, Chocolate Dream, General's Coming Home, GRH's Bellas Dun Gotta Gun, Gun and Slide, Gunners Styled Gangster, Hollywoods Silver Dream, Nachtschwärmer, Blue Fire Cat, Dual Shaded Ace, Bella Cielo, Black Sue Dun It, DunIts Smart Investment, Face Down, Ginny my Love, GRH's A Gun Colored Lena, Heretic Anthem, Jade, Kristy Killings, Magnificient Crow, Raised from Hell, Tainted Whiz Gun, Verdine, Wimpys Little Devil, Prias Colourful Soul, Leuchtfeuer di Royal Peerage, Cleavant 'Mad Eyes', Ceara Isleen, Tigres Eye, Priamos Ruffia Kincsem, Drama Baby, Raspberry, Candlejack, Culain, Peacful Redemption, Wildfire xx

      Trail LK 5 - LK 4
      Februar 2020, by Veija
      Caleb
      Nachdem ich die Trainingspferde so gut wie abgehakt hatte und nicht genug vom Trailtraining bekommen konnte, stand das auch für meine eigenen an. Abadon all Hope startete ganz am Anfang und sollte für die LK 4 trainiert werden. Kisshimbye dagegen startete bald in der LK 2 und hatte sich schon wirklich gut gemacht. Die beiden würde ich auch alleine trainieren. Bei den Pferden, die von der LK 4 in die LK 3 gebracht werden sollten, sah es da schon wieder anders aus. Fünf Pferde waren es insgesamt. Picture of a Ghost, Chocolate Shades, Special Luna Zip, California Rose und Ginger Rose. Ich entschied mich jedoch dazu, sie alle in einer Gruppe laufen zu lassen und Cayce, Laurence, Bellamy und Octavia um Mithilfe zu bitten.
      Anfangen wollte ich heute jedoch mit Abadon. Sie hatte sich mittlerweile wirklich gut auf der Ranch eingelebt und ich merkte immer mehr, dass ihre Vorbesitzerin mit der Aussage: sie liebt Kinder, absolut Recht behalten hatte. Abadon war immer ruhig und brav, weshalb ich mir auch Betsy schnappte, die die Stute gleich nach mir reiten durfte, wenn ich Kisshimbye ritt. Auf Kiss war ich wirklich gespannt. Der Stute wurde schnell langweilig und sie forderte Unterhaltung vom Reiter.
      Mit Abadon fing ich bei den einfachen Schritt- und Trabstangen an. Damit hatte sie schon genug zu tun, so dass ich sie recht schnell Betsy übergab und mir Kisshimbye schnappte, mit der ich zusammen alle Stangen enger zusammen legte. Nach ausgiebigem Warmreiten fing ich auch mit ihr an, die Kombinationen zu reiten. Laurence war so lieb gewesen und hatte mir noch ein paar Galoppstangen auf den Boden gelegt, die wir auch gleich für die nächste Gruppe noch brauchen würden.
      Nach einer guten dreiviertel Stunde Training ritt ich die Stute ab und drehte zusammen mit Abadon und Betsy eine kleine Runde im Gelände. Als wir wieder auf der Ranch ankamen, waren die anderen Pferde schon gesattelt, so dass ich nur einmal tauschen musste. Es hatte schon seine Vorteile, viele helfende Hände um sich herum zu haben.
      Heute ritten wir alle LK 3 Pferde noch auf Wassertrense. Das würde auch die nächsten Male so bleiben, denn die Pferde sollten sich zu erst an die engeren Hindernisse gewöhnen, bevor sie sich auch noch auf die anderen Hilfen konzentrieren mussten.
      Wir hatten uns darauf geeinigt, dass jeder in jedem Training das gleiche Pferd ritt und ich am Ende des Trainings mich einmal auf jedes setzte, um sie noch einmal durchzutesten. Einfach, weil ich derjenige war, der die Tiere am häufigsten auf Turnieren vorstellte.
      Picture of a Ghost stellte sich wirklich gut an, ich musste sie nur zwischendurch mal mehr motivieren, damit sie nicht auf der Stelle einschlief.
      Ginger Rose zauberte mir nicht nur einmal ein Lachen aufs Gesicht. Sie war wirklich gemütlich unterwegs und blieb lieber stehen, als einen falschen Schritt zu machen. Beim Viereck, in dem wir uns drehen mussten, verstand sie meine Hilfen zu erst nicht richtig und wollte sich drehend aus dem Viereck herausgehen, bevor sie ziemlich verwirrt stehen blieb. Ein Hinterbein behielt sie in der Luft, weil sie in dem Moment nicht wusste, wo sie es hinstellen sollte. Erst als ich sie einmal komplett aus dem Viereck heraus lenkte und wieder neu hineinstellte, wusste sie, was ich von ihr wollte.
      Luna hatte heute einen schlechten Tag, als ich sie reiten sollte. Sie trampelte gegen die Stangen, legte sich aufs Gebiss oder sprang mal zur Seite weg. Sobald ich sie korrigierte, wurde sie bockig und hatte noch weniger Lust. Da musste sie allerdings heute durch. Statt sie weiter zu ärgern und zu korrigieren brach ich die Übung ab, ritt eine kleine Runde und startete wieder neu. Das schien ihr besser zu liegen und sie wurde nicht so beleidigt.
      Chocolate Shades war wie immer ziemlich energiegeladen. Wenn ich die Hilfen jedoch präzise und genau setzte, wusste er was er tun musste und strengte sich wirklich an.
      California Rose war wie immer kein Problem. Dieses Pferd war durch und durch einfach easy im Handling und im Training.
      Zwischen den Trailpferden hatte ich immer mal wieder ein paar Stunden Zeit gehabt, so dass ich auch GRH's Funky's Wild Berry in der Hunter Hack trainiert hatte. Er sollte von der LK 5 auf die LK 4 gebracht werden und machte sich wirklich gut. Vor nicht allzu langer Zeit wurde er eingeritten und von da an regelmäßig trainiert. Er konnte immer besser am lockeren Zügel laufen und auch die kleinen Sprünge schaffte er locker. Dieses Talent hatte er wirklich von seinem Vater geerbt.

      Little moments
      Februar 2020, by Veija & Ravenna
      Caleb
      Ich saß zusammen mit meinen Mitarbeitern am Frühstückstisch und genoss meinen Kaffee und die Ruhe. Alle Arbeiten für den heutigen Tag waren eingeteilt und so konnte jeder nun stillschweigend sein Essen genießen. Zumindest so lange, bis Betsy die Treppe hinab gestürmt kam und mit ihrer kindlichen Quietschestimme rief: “Schnee! Leute es schneit! Ooooh… es ist ja alles weiß!” “Hat ja auch die ganze Nacht geschneit.”, murrte ich und sah sie über meine Kaffeetasse hinüber an. “Ich schnapp mir sofort Sue und geh mit ihr ausreiten!”, trällerte sie, ehe sie den Raum und schließlich das Haus verließ, was ich am Zuknallen der Haustür bemerkte. “Hat jemand Zeit mit ihr ausreiten zu gehen?”, fragte ich in die Runde. Octavia nickte und stand sofort auf. “Raspberry würde ein Ausritt mal wieder gut tun.”
      Octavia verschwand ebenfalls aus dem Haus. Seit Sue gekrönt war, war ihr Wert um einiges gestiegen. Sie gehörte zwar noch immer Betsy, aber sie durfte nicht mehr alles alleine mit der Stute machen. Leider war Sue nicht tragend, dafür aber einige andere Stuten. 2020 würde das erste Jahr werden, in dem Zuchtfohlen verkauft werden würden. Es stand noch nicht fest, welche Fohlen weggehen würden. Welche allerdings behalten wurden, das stand schon lange fest. Ein Fohlen aus Lena und Gangster würde bleiben, Devils Fohlen würde bleiben und das Fohlen aus der Leihstute Aerith und Hollywood. Ebenso das Fohlen von Tainted Whiz und dem Fremdhengst Dissident Aggressor.. Das Fohlen von Ginny und Barbie war sogar schon reserviert worden von einer alten Bekannten. Zur Zeit war ich sogar ein wenig auf der Suche nach einem Zuchtpartner. Was sich da ergeben würde, das stand noch in den Sternen. Was jedoch sicher war, dass wir diesen Winter über die neuen Jungpferde anreiten würden. Octavia hatte einiges wobei sie meine Hilfe brauchte und auch bei den Westernpferden der Ranch war einiges vom Jungpferdestall in den Hauptstall umgezogen. Auch das Training der anderen Pferde würde im Winter nochmal aufgenommen werden, so dass wir nächstes Jahr mit einer guten Stückzahl in die Turniersaison starten konnten. Die Zuchthengste, die personalbedingt dieses Jahr leider viel zu viel gestanden hatten, würden auch wieder an den Start gehen und die Ranch präsentieren.
      Ich überlegte auch, im März oder April ein Westernturnier hier auf der Ranch zu organisieren, nachdem der ganze Trubel um das Joelle Horse Makeover vorbei war.
      Ich trank meinen letzten Schluck Kaffee und sah nochmals in die Runde. Heute war der 31.12., das Jahr war vorbei. Viel hatte sich seit dem letzten Jahr hier nicht getan.
      Dass sich im nächsten Jahr allerdings einiges ändern würde, das stand schon lange fest. Ich hatte mich endlich entschieden, was ich mit meiner eigenen Ranch anfangen wollte. Westernpferde. Turnier, Zucht, Freizeit.
      Dafür mussten uns natürlich einige Tiere verlassen. Mit Octavia hatte ich ewig lange hin und her überlegt und diskutiert, welcher ihrer Tiere weggehen würden, und… ob überhaupt Pferde von ihr uns verlassen würden. O war dem Ganzen jedoch absolut nicht abgeneigt. Silent Bay, dessen Besitzer bislang immer noch Bellamy gewesen war, wurde auf meinen Namen überschrieben und wechselte recht schnell in den Hauptstall.
      So hatte Octavia nun noch 10 Pferde, die auch fast ihre gesamte Zeit in Anspruch nehmen würden. Neben Pria blieb auch ihre älteste Tochter Colourful Soul, die Halbblutstute von Colour Paint. Ihr letzter Neuzugang, Leuchtfeuer di Royal Peerage blieb auch und zauberte uns immer wieder ein Lächeln ins Gesicht, weil wir den deutschen Namen allesamt nicht richtig aussprechen konnten. Raspberry, wer hätte es anders gedacht, blieb auch. Dakota allerdings würde uns verlassen. Sowie eine ganze Menge Englischer Vollblüter. Auch wenn viele den Besitzer wechseln würden, für einige hatten wir auch schon Interessenten, würde Octavia sieben Stück behalten. Pria, wie schon genannt, Tigres Eye, Drama Baby, Candlejack, Culain, Peacful Redemption und Wildfire. Cleavant ‘Mad Eyes’ und Ceara Isleen blieben nach viel Diskussion ebenfalls. Also besaß Octavia weiterhin 12 Pferde, nicht nur 10.
      “Laurence und Cayce bewegt ihr die Stuten heute ein bisschen? Ich kümmere mich mit Bellamy um die Hengste. Murphy du kannst dir Connor schnappen und schaust mal bei den Fohlen vorbei. Fohlen ABC müsste bei allen sitzen, schau mal was sie noch wissen. Joker, Katie und Goldy könnt ihr beide mit in den Hauptstall bringen, für die fängt jetzt der Ernst des Lebens an. O macht ihre Pferde heute ja alleine.”, sagte ich in die Runde und schaute in nickende Gesichter, gefolgt von zustimmendem Gemurmel. “Na dann ab an die Arbeit- und heute Abend feiern wir Silvester!”
      Quietschende Stühle, sich stapelnde Teller und klirrende Tassen. Ruck zuck war der Tisch abgeräumt, alles an seinem Platz verstaut und jeder auf dem Weg nach draußen.

      Ylvi
      Ich trampelte von einem Fuß zum nächsten. Um mich herum hundert andere Menschen, schreie gingen durch die Luft. Sie kamen von den Menschen die auf ihren Pferden die vereiste Straße herunter ritten, aber auch von denen die sie willkommen hießen In der Reitermenge suchte ich nach den Kindern und Louis. Am Strick führte ich einen aufgeregten Ravn, eine entspannte Fylgia. Valravn ließ sich von der Stimmung um ihn herum ziemlich beeindrucken. Ich selbst verspürte einfach nur Ehrfurcht. Der Schauer der sich über meinen Rücken zog konnte aber durchaus auch von der Kälte stammen. Die Gruppe von Reitern wurde begleitet von großen Autos. Louis hatte den Ritt mitreiten wollen. Auch Tschetan war seit beginn an dabei. Kaya hatte den Ritt auf Fylgia begonnen. War jedoch bald zurückgefallen und sichtlich erschöpft gewesen. So hatte sie zwei Tage ausgesetzt. Doch für den letzten Tag hatte sie Tschetan auf Inyan mitgenommen. Jetzt sah ich die drei in den Massen der Reiter. Andere bunt geschmückte Reiter kamen an mir vorbei. Der Chief Bigfoot Memorial Ride fand hier am Wounded Knee sein Ende, an dem am 29.12.1890 das Massaker stattgefunden hatte. Mit Absicht hatte ich mich aus dem Ritt herausgehalten. Soviel Empathie ich auch aufbrachte für Louis, für all die Generationen an Lakota vor ihnen, ich gehörte nicht zu diesem Volk. Anders als Louis und seine Cousins. Trotzdem erfasste mich das Gefühl der Gemeinschaft, kleine Tränen rannen mir über die Wangen. Ich sah verfrorene Kinder in schlechter Kleidung, auf abgefressenen Ponys. Unter ihnen fielen meine 4 Exemplare natürlich auf. Louis ritt Gwenny auf blankem Rücken. Was wohl ihre Vorbesitzer sagen würden, wenn sie das gekörte Vollblut ihr zwischen den “Indianerpferden” umher rennen sahen? Ich verschob den Gedanken nach hinten. Es ginge sie ohnehin nichts an. Ein schreiender, aber grinsender Tschetan ritt an mir vorbei, Kaya winkte begeistert von ihrem Platz vor ihrem Bruder. Ich winkte zurück. Louis ritt vorn. Er war einer der Standartenträger. Sein Gesicht war bemalt. Völlig schwarz mit weißen Punkten. Zu alten Zeiten hätte er mit diesem Gesicht schrecken bei weißen Siedlern erzeugt. Mich hatte es zunächst auch erschrocken. Dann hatte er mir von seiner Vision erzählt. Das seine Bemalung eine starke Medizin besaß. Im Galopp ritten sie auf das verschneite Feld. Die Träger der Standarten in der Mitte, während der Rest der Reiter um sie herum ritt. Trommelschläge erschollen und die ganze Situation war völlig losgelöst.
      Die anschließende Ansprache, das Gebet ...das ging wie im Traum an mir vorbei, nicht allein da sie in Lakota gesprochen wurde. Wie viel verstanden wohl die beiden Kinder? War ich nicht in der Nähe dann sprach Louis oft mit Tschetan in ihrer Sprache. Da Kaya nach wie vor nicht sprach. Konnte ich nicht viel zu ihren Sprachkenntnissen wissen. Schließlich hoben alle die rechte Faust. Die letzten Worte kamen auch an meine Ohren. “May the 7th generation rise!”

      3 Stunden später saßen alle im Auto. Auf dem Hänger standen wieder 4 Pferde, mit denen wir von der Pine Ridge Reservation aufbrachen. Gwenny und Inyan waren sicherlich froh über diese Ruhe. In den vergangenen zwei Wochen waren sie täglich mehrere Meilen gelaufen. Auch meine Fylgia hatte diverse Kilometer bestritten. Valravn war jediglich von mir bewegt worden, musste aber mit da wir ihn nicht allein zurücklassen wollten. Vor uns lag nun eine 1500 Kilometer lange Reise um noch vor dem Jahreswechsel zurück auf der Bow River Ranch zu sein. Während wir zunächst beim Horse Makeover geholfen hatten, waren wir Mitte November aufgebrochen um Verwandtschaft der Kinder in Pine Ridge zu besuchen. So war dann auch Louis eingeladen worden den 200 Meilen Ritt mitzumachen. Beide Kinder hingen in ihren Sitzen und schliefen. Ich fuhr, während ein sehr müder Louis auf dem Beifahrer hockte. “Herrlich, wenn die Füße zum ersten Mal wieder richtig auftauen.” ich sah ihn skeptisch von der Seite her an. “Herrlich? Ich hab das als äußerst schmerzhaft in Erinnerung.” Louis zuckte die Schultern, streckte die Zunge raus. “Schlaf ruhig ein wenig. Dann wechseln wir wenn du wach bist.”
      Mittlerweile hatten alle 4 Ponys eine unfassbare Routine mit langem stehen auf dem Hänger, ich selbst mit dem Fahren. Dem Ziel sah ich mit gemischten Gefühlen entgegen. Ich freute mich wahnsinnig darauf alle wieder zu sehen. Die Arbeit auf der Ranch fing an mir zu fehlen. O hatte uns zurückgebeten. Sie wollte die Familie beisammen Wissen wenn der Jahreswechsel von statten ging. Wir hatten zunächst gezögert. Uns aber schlussendlich dafür entschieden. Früher oder später mussten wir Caleb wieder unter die Augen treten um eine Einigung zu finden. Durften wir mit unseren Pferden auf der Ranch bleiben? Würde unser Leben dort fortgesetzt oder mussten wir uns insgesamt ein neues Heim suchen? Besonders der Kinder wegen würde uns eine solche Entscheidung Calebs sehr treffen. Ich hoffte nur O hatte unsere Anwesenheit zur Silvesterfeier nicht verheimlicht.

      Caleb
      ‘Hier stand ich nun. Alleine. Gefangen in meinen Gedanken. Unfähig, etwas zu fühlen oder richtig darüber nachzudenken, was passiert war. Ich hatte alles, alles was ich mir im Leben erträumt hatte. Zwar hatte ich Träume anpassen müssen, um jetzt hier zu sein und meinen Weg nicht nur einmal geändert, aber ich war dort angekommen, wo ich sein wollte. Dennoch hatte es nicht gereicht. Es hatte ihr nicht gereicht. Ich hatte ihr meine Welt zu Füßen gelegt, ja sogar meine Welt für sie umgekrempelt, mich für sie verändert, war ein besserer Mensch und sogar Liebhaber geworden. Romantik? War für mich lange Zeit undenkbar gewesen. Liebe? Wir hatten uns beide kennen gelernt, als wir als “emotional unbrauchbar” abgestempelt worden waren. Ich hatte mich ihr zu schnell geöffnet, war mit Anlauf ins kalte Wasser gesprungen und hatte ihr Platz in meinem Herzen geschaffen. Ich war aufs Ganze gegangen, weil ich gedacht hatte, mit ihr wäre es anders. Mit ihr könnte ich es schaffen. Wir könnten es schaffen.
      Schneller als es mir bewusst gewesen war, wurde ich eines besseren belehrt. Nun war es vorbei. Sie hatte sich für jemand anderen entschieden. Jemanden, der ihr das geben konnte, was sie wohl brauchte und in mir nicht gefunden hatte. Wir waren so gleich und doch so verschieden gewesen. Waren wir einfach nur zwei einsame Seelen gewesen, die sich eine Zeit lang gebraucht hatten? Die sich gefunden hatten, füreinander da gewesen waren, sich aufgebaut hatten und dann wieder alleine fliegen mussten?’
      “Hey Caleb, ist da jemand anwesend?”, riss mich Bellamy aus meinen tiefsinnigen Gedanken. “Ja.. mist…”, murmelte ich und griff schnell nach vorne, damit mit die Mistgabel nicht ganz aus den Händen glitt. In letzter Zeit dachte ich immer weniger an Ylvi… und Louis. Aber jedes mal wenn ich daran dachte, hatte ich die gleichen Gedanken. Ich sah den Schlag, den ich Louis verpasst hatte vor mir, sah sie Beide die Ranch verlassen und eine kleine Stimme in mir hatte sich gewünscht, dass sie nie wieder kommen würden.
      Aber ich hatte überreagiert. Jetzt, fast 3 Monate später, war ich mir wirklich sicher, dass ich überreagiert hatte. Aber so war ich leider. Auch nach 26 Jahren, die ich nun auf der Welt war, war ich noch immer genau so, wie ich als Kind gewesen war. Aufbrausend, schnell wütend, nachtragend, impulsiv, emotional. Ich schloss kurz die Augen, atmete einmal tief durch und öffnete dann langsam meine Lider. Bellamy war eine Box weiter gegangen. Er wusste mittlerweile, dass er mich manchmal besser mit meinen Gedanken in Ruhe ließ. “Heute kommen Louis und Ylvi wieder, oder?”, fragte ich ihn plötzlich und sah, wie er kurz zusammenzuckte. “Ja. Heute Abend. Um zusammen ins neue Jahr zu feiern. “Na hoffentlich küssen sie sich um Mitternacht nicht. Sonst muss ich Louis wieder eine reinhauen.”, sagte ich und grinste Bellamy an. Dieser wusste zu erst nicht, ob er lachen sollte, oder nicht. Entschied sich dann jedoch zu einem Lächeln. “Naja, ich hoffe natürlich nicht. Einmal reicht.”, meinte er schulterzuckend und drehte sich dann um, um die Box weiter zu misten.
      Nach etwa einer Stunde waren wir mit dem Hengststall fertig. Meine Gedanken hatte ich wieder beisammen und war sogar ein bisschen besser gelaunt. Zumindest solange, bis ich vor dem Haus den Truck von Louis sah. Ich blieb stehen, schluckte einmal- setzte dann jedoch meinen Weg fort. Ich konnte nicht ewig vor ihnen davonlaufen.

      Ylvi
      Ich war gespannt auf die Feier am Abend. Ich hatte Caleb gesehen. Wie er stehen geblieben war, den Blick gerichtet auf den Wagen, dann in Richtung Wohnhaus. Er hatte mich hinter den Gardinen nicht sehen können. Nur kurz, dann war er weiter in Richtung Haupthaus gegangen. Das wir dort oben eingezogen waren schien mir beinahe wie in einem Traum fort zu sein. Mit Louis war es anders. Schon allein wegen der Kinder. Tschetan und Kaya waren unsere Aufgabe. Gerade Kaya kostete Kraft. Langsam führte ihre Stummheit in der Schule zu Problemen. Wir mussten sehen, das sie nicht unterging. Die Lehrer schickten uns zu Psychologen. Gleichzeitig hatte ich beschlossen mehr auf der Ranch zu tun. Als Trainer einzusteigen, hatte bereits in unserer Auszeit einige Aufträge erledigt. Ich hatte Blut geleckt. Das neue Jahr stand also bereits mit vielen Neuerungen vor der Tür. 2019 war geradezu an mir vorbei gerauscht so viel war geschehen.

      Für: Abadon All Hope, Cruel Twist of Fate, Kholáya, Frosty Lagoon, Bittersweet Temptation, Lady Blue Skip, Only Known in Texas, Honey's Aleshanee, Striga, GRH's Unbroken Magic, A Walking Honor, GRH's Aquila T Mistery, GRH's Unbroken Soul of a Devil, Snapper Little Lena, Stormborn, Zues, Jacks Inside Gunner, BR Colonels Golden Gun, BR Colonels Lil Joker, Sweet like Chocolate, Colonels Blue Splash, BR Dress to Impress, Special Luna Zip, Captains Blue Crystal, Gun Sophie, PFS' Unclouded Summer Skies, California Rose, A Shining Chrome, Ginger Rose, Smart Lil Vulture, Chocolate Shades, GRH's Funky's Wild Berry, Chou, Kisshimbye, Tortured Witch HMJ 6693, Easy Going, My sweet little Secret, Whitetails Shortcut, Whinney, Citizen Fang, Cielos, Silent Bay, Alan's Psychedelic Breakfast, Chapter 24, Chocolate Dream, General's Coming Home, GRH's Bellas Dun Gotta Gun, Gun and Slide, Gunners Styled Gangster, Hollywoods Silver Dream, Nachtschwärmer, Dakota, Prias Colourful Soul, Leuchtfeuer di Royal Peerage, Cleavant 'Mad Eyes', Absolute Bullet Proof, Magic Lanijos, Ceara Isleen, Tigres Eye, Pocahontas, Priamos Ruffia Kincsem, Drama Baby, Raspberry, Tasmania, Candlejack, Culain, Peacful Redemption, Wildfire xx,Bella Cielo, Black Sue Dun It, DunIts Smart Investment, Face Down, Ginny my Love, GRH's A Gun Colored Lena, Heretic Anthem, Jade, Kristy Killings, Magnificient Crow, Raised from Hell, Tainted Whiz Gun, Verdine, Wimpys Little Devil, Picture of a Ghost, Blue Fire Cat, Dual Shaded Ace

      Fohlenzeit & die vergessene Einladung
      April 2020, by Veija
      Caleb
      “Post für dich”, sagte Bellamy und legte mir die neuen Briefe auf den Schreibtisch. Er zog sich einen Stuhl zu mir herüber und setzte sich mir gegenüber.
      Ich verbrachte in letzter Zeit Minuten, wenn nicht Stunden an diesem Tisch. Anfangs hatte ich gedacht, wenn ich jeden Tag ein paar Minuten hier verbringen würde, wäre das vollkommen ausreichend und ich bekäme alles erledigt. Dem war leider nicht so, so dass ich mir zwischen der ganzen Arbeit regelrechte Bürotage einschieben musste. Tage, an denen ich nicht reiten konnte. Zum Glück hatte ich ein tolles Team, welches meine Trainingspferde auffing. Zusätzlich waren ja nun Brian und Aimee eingezogen. Brian würde mich ebenfalls bei den Westernpferden unterstützen, Aimee würde Octavia ein wenig unter die Arme greifen, sobald sie sich näher kennen gelernt hatten. Ich war mir sogar sicher, dass die Beiden heute Mittag zusammen ausreiten gehen wollten. “Bellamy kann ich was für dich tun?”, fragte ich den jungen Mann irgendwann und schaute von meiner Post hoch.
      “Nein. Nein eigentlich nicht. Ich wollte nur eine kurze Pause machen und dachte mir, ich setzte mich zu dir”, meinte er schulterzuckend. “Und treibe dich ein bisschen in den Wahnsinn.”
      Ich lachte. “In den Wahnsinn treiben? Womit denn?”
      “Indem ich dir bei deiner wirklich aufregenden Arbeit zuschaue, die ich zum Glück nicht mehr machen muss.”
      Kurz schloss ich die Augen und schüttelte lachend den Kopf. “Sei froh”, murmelte ich und sah ihn wieder an. “Eigentlich… wenn du schon hier bist und nichts zu tun hast, kannst du dich auch nützlich machen. Ich hab hier eine Liste für den Store in Calgary und hab eigentlich keine Zeit, selbst einkaufen zu fahren. Würdest du das erledigen?”, fragte ich ihn und Bellamy nickte. Ich gab ihm die Liste und das Geld, ehe er auch schon aufstand und mein Büro verließ. Draußen sah ich ihn in meinen Pick Up einsteigen und den Hof verlassen. Dann widmete ich mich wieder meinem Papierstapel. Es dauerte eine Weile, bis ich die ganzen neuen Kaufverträge und Pässe einsortiert hatte, aber damit war meine Arbeit für heute erledigt und ich konnte raus zu den Pferden gehen.
      Ich wollte heute mal wieder ein wenig mit Smart Lil Vulture auf dem Platz trainieren. Er war mittlerweile so gut wie eingeritten. Ein paar Feinheiten fehlten noch, aber im Großen und Ganzen machte er seine Sache wirklich gut. Vulture konnte ziemlich oft ein riesen Dickschädel sein, was das Training manchmal mehr als schwierig gestaltete.
      Auf dem Weg zum Stall begegnete mir Betsy mit Black Sue Dun It, die sie gerade auf die Koppel brachte. “Caleb wann ist es denn endlich soweit und das Fohlen kommt?”, fragte sie mich aufgeregt.
      “Es kann nicht mehr lange dauern”, meinte ich zu ihr und streichelte der schwarzen Stute kurz über die Nase. Sue war von unserem Hengst Alan’s Psychedelic Breakfast tragend. Ich rechnete sehr stark mit einem Rappfohlen, aber für eine Überraschung war ich immer offen. Farbe würde es dieses Jahr auf jeden Fall genug geben.
      Schade war nur, dass Raspberry nicht aufgnommen hatte. Octavia hatte sich dieses Jahr so sehr auch ein Fohlen gewünscht, neben den ganzen Westernpferdfohlen. Ihr Culain war auch nicht mehr klein, sollte dieses Jahr angeritten werden. Auch Leuchtfeuer di Royal Peerage war schon ein Jährling und hatte eine stolze Größe erreicht.
      Unser Nachwuchshengst Dual Shaded Ace war schon fast zweijährig, Blue Fire Cat dagegen eine stolze Jährlingsstute. Im selben Alter war die vor kurzem Angekaufte Stute A Walking Dignity. Sie war aus der selben Zucht wie A Walking Honor und versprach ein guter Allrounder zu werden.
      Betsy und Sue waren mittlerweile auf der Koppel angekommen, auf der die anderen tragenden Stuten auch schon standen. Sie kamen morgens raus und abends wieder rein, damit jede Stute nachts ihre Ruhe hatte. Ich ging auch stark davon aus, dass die Fohlen vor allem nachts kommen würden. Unter der ganzen Herde fehlte mir aber eins. Face Down. “Betsy wo ist Face Down?”, fragte ich das Mädchen und schaute nochmal über die Koppel. Sie setzte gerade zu einer Antwort an, da hörte ich Laurence’ Stimme hinter mir.
      “Caleb komm schnell in den Stall!”, war die kurze und knappe Aussage des Mannes.
      Ich nahm wortwörtlich meine Beine in die Hand und rannte in den Stall, wo schon unser Tierarzt in Face Downs Box stand und ihr eine Infusion setzte.
      “Wieso hast du mich nicht gerufen?”, knurrte ich fast und ging neben der Stute in die Knie. Betsy stand an der Boxentür und wollte auch zu der Stute kommen, ließ sich aber unwirsch von mir abwinken und blieb stehen.
      Laurence hielt den Beutel mit der Infusion nach oben und schaute zu mir rüber. “Ich hatte gerade die andere Stuten raus gebracht und fing an die Boxen zu misten. Face Down hat sich so seltsam verhalten, weshalb ich sie in der Box beobachten wollte. Vor etwa 10 Minuten ist sie einfach zusammen geklappt, ich hab sofort den Tierarzt gerufen und versucht sie zu beruhigen, da blieb im Moment keine Zeit, auch noch nach dir zu rufen”, entschuldigte er sich kleinlaut.
      Ich nickte, sah zum Tierarzt und beobachtete ihn dabei, wie er die Stute abhörte und dann ein mobiles Ultraschallgerät zu sich rüber zog. Dann herrschte totenstille. Niemand wagte es, auch nur zu atmen. “Wir müssen das Fohlen holen”, sagte der Tierarzt knapp. “Es bleibt keine Zeit mehr in die Klinik zu fahren, wir müssen hier einen Notkaiserschnitt machen”, sagte er, stand auf und lief zu seinem Auto.
      In meinem Kopf rauschte es. Hier einen Kaiserschnitt zu machen war alles andere als üblich und die Chance, dass die Mutterstute das überlebte, war sehr gering. Da brauchte ich den Tierarzt auch nicht nach zu fragen, das wusste ich. Als er wieder in den Stall kam sah er mich an. Ich schluckte einmal, schloss kurz die Augen und als ich sie wieder öffnete fragte ich ihn: “Was soll ich tun?”
      Dann ging alles ganz schnell. Ich schickte Betsy aus dem Stall, sie solle auf die anderen Stuten aufpassen und mir sagen kommen, wenn etwas ungewöhnlich wäre, ehe Face Down sediert und schließlich narkotisiert wurde. Die ganze Zeit während der OP hatte ich ein mulmiges Gefühl im Magen. Schließlich sahen wir das ganze Ausmaß der inneren Verletzungen der Stute. Eine Arterie war gerissen und die Stute blutete innerlich. Auch das Fohlen schwebte in Lebensgefahr, denn es wurde nicht mehr richtig versorgt.
      Wir schafften es das kleine Fuchsfohlen auf die Welt zu bringen, Laurence hatte die Infusion an der Box aufgehangen und kümmerte sich um das Tier, während der Tierarzt und ich versuchten, die Stute zu retten. Leider ohne Erfolg. Sie verblutete uns vor unseren Augen und wir konnten nichts mehr dagegen tun.
      Ich atmete schwer, verkniff mir meine Tränen. So etwas gehörte leider auch dazu. Es war traurig und tragisch, gerade bei der ersten Stute der kommenden Fohlensaison, aber es passierte.
      Wir drehten uns um und kümmerten uns um das Fohlen, welches Laurence bereits mit Stroh abgerubbelt hatte. Das kleine Tier atmete schwer, die Strapazen der letzten Minuten steckten ihm oder besser gesagt ihr, tief in den Knochen. Das kleine Stutfohlen war eine Kämpferin. Mit Hilfe des Tierarztes wurde ihre Atmung von Atemzug zu Atemzug immer besser, sie richtete sich jetzt sogar ein wenig auf. “Was machen wir denn nun mit dir, kleines Pferd?”, fragte ich etwas überfordert in die Runde und sah vom Tierarzt zu Laurence und dann in… Cayces Gesicht.
      “Caleb.. du.. wir haben noch ein Fohlen. Von Heretic Anthem. Ging grade ganz schnell, ein schönes Buckskinhengstfohlen. Gesund und munter”, verkündete er die gute Nachricht.
      Ich überlegte. Dann schaute ich zum Fohlen, und wieder zu Cayce. “Wir könnten versuchen, ob Aunti das Fohlen hier mit annimmt, sie ist die, die mir am ehesten jetzt einfallen würde, die ein weiteres Fohlen akzeptieren könnte.”
      Cayce nickte. Auch unser Tierarzt schien damit einverstanden zu sein. Wir mussten nur warten, bis die Fohlen standen. Dann brachten wir Aunti mit ihrem Hengstfohlen in ihre Box, ehe wir ihr die kleine Fuchsstute vorstellten. Zum Glück war Aunti eben so wie sie war, denn sie schien die Stute zu akzeptieren und ließ sie sogar nach ein paar vergeblichen Versuchen an ihrem Euter trinken.
      Erleichtert atmete ich einmal auf. Das Hollywoods Silver Dream und das General’s Coming Home Fohlen waren beide wohlauf und es sah so aus, als dass Aunti sich wirklich um beide Fohlen kümmern würde.
      Mit der Mutterstute des Stutfohlens ging alles ganz schnell. Der Tierarzt machte sie provisorisch zu und wir entschieden uns, die Stute auf der Ranch zu begraben.
      Nachdem sich alle mehr oder weniger von ihr verabschiedet hatten, begruben Cayce, Laurence und ich das Pferd auf einer der hintersten Weiden, unter einem Baum. Betsy hatte in aller Eile ein kleines Kreuz gebastelt, welches ich natürlich mitgenommen hatte und nun auf ihrem Grab aufstellte.
      Niedergeschlagen kamen wir wieder beim Stall an. Betsy hatte an der Box Wache gehalten. “Wie schlagen sich die beiden Neuen?”, fragte ich sie.
      “Gut. Wirklich gut. Sie trinken abwechselnd und Aunti scheint sie Beide zu mögen.”
      “Das ist gut. Aber aus dem Schneide sind wir noch lange nicht. Was ist denn mit der Kamera, funktioniert die mittlerweile?”, fragte ich in die Runde und blieb mit meinem Blick an Cayce hängen.
      Dieser kratzte sich verlegen am Kopf und sah aus wie jemand, den man auf frischer Tat ertappt hatte. “Ja die.. gehen. Sind mehrere”, sagte er und zeigte einmal zur Decke, auf die vier Kameras, die jede Box im Blick hatten. “Ich muss sie nur noch auf deinem PC aktivieren.”
      “Und einstellen, dass wir auf jedem Handy Zugriff auf die Übertragungen haben”, merkte ich an und er nickte.
      “Erledige ich sofort.”
      Etwa eine Stunde später war ich endlich mit Vulture auf dem Platz. Ich hatte nicht wirklich die Nerven, viel mit ihm zu machen, weshalb ich nur ein wenig an unserer Kommunikation in den Gangarten feilte. Vulture war zwar ein Sturkopf durch und durch, aber wenn man ihm eine Aufgabe gab, konzentrierte er sich und arbeitete wirklich gut mit.
      Meine vorletzte Aufgabe vor dem Feierabend bestand darin, Bellamy auf den neuesten Stand zu setzen und ihm zu helfen, die Futtersäcke von meinem Pick Up in die Futterkammer zu tragen. Der Einkauf war bitter nötig gewesen, denn als ich das Kaftfutter für die tragenden Stuten portionierte, brach ich den letzten Sack der alten Ladung an. “Warte noch mit dem Reinbringen, bis ich das Futter verteilt habe, das gibt sonst zu viel Stress im Stall, grade mit den beiden neuen Fohlen”, erklärte ich Bellamy. Der junge Mann nickte, schnappte sich Eimer und half mir.
      Nun brachten wir nach und nach die Pferde rein, angefangen bei Tainted Whiz Gun. Die Stute war von einem Fremdhengst tragend, genauer gesagt von Dissident Aggressor von Eddi. Von diesem Hengst hatte ich schon ein paar Nachkomme hier herumlaufen, die sich alle prächtig entwickelten. Dissident war jedoch nicht das einzige Fremdpferd, wir hatten die Leihstute Aerith von Tassila, von unserem Hollywoods Silver Dream decken lassen und erwarteten ein Grullofohlen. Wenn es eine Stute werden würde, hätten wir vermutlich schon eine tolle Kombination mit dem Junghengst Ace.
      Als nächstes folgten GRH’s A Gun Colored Lena und Wimpys Little Devil. Beide waren von dem vielversprechenden, erst vor kurzem gekörten Hengst Gunners Styled Gangster tragend. Bei dieser Anpaarung erwarteten wir viel Farbe, und Potenzial!
      Gun and Slide wurde auch gleich zweimal Vater. Ihn hatten wir mit Colonels Smokin Gun als auch Raised from Hell angepaart. Wir hofften, dass er bei beiden Stuten seinen unglaublich lieben Charakter weitergeben würde. Alan wurde gleich dreifach Vater. Einmal zusammen mit Sue, worauf Betsy so sehnsüchtig wartete, eimmal mit DunIts Smart Investment und noch mit Bella Cielo. Auf die Bella und Candyfohlen war ich ja ziemlich gespannt, so war Candy ja eine Tochter von Bella. Würde das Candyfohlen nach der Mama schlagen? Oder sogar nach der Oma? Und würde das Bellafohlen Ähnlichkeiten mit Candy haben?
      Nun fehlten noch Baby Doll Melody und Magnificient Crow, dann waren alle Stuten sicher in ihrer Box angekommen. Crow bekam ein Fohlen von General’s Coming Home, eine Halbschwester zu der kleinen Fuchsstute, die heute Mittag zur Welt gekommen war.
      Melody erwartete ein Fohlen von Hollywoods Silver Dream, ein Halbgeschwisterchen zu Auntis Buckskinfohlen.
      Zwei Fohlen waren schon von Anfang an verkauft, und zwar die Fohlen aus der Kombination Ginny my Love und GRH’s Bellas Dun Gotta Gun und Kristy Killings mit Chapter 24. Diese Fohlen würden, wenn alles gut ging, nach dem Absetzen zu Tiara Everdeen aufs Everdeen Acres umziehen.
      Einen Interessenten gab es auch für das Crow und General Fohlen, und zwar von einer Bekannten aus Österreich. Sie wollte jedoch die Geburt abwarten und sich dann nochmal melden. Ganz zum Schluss meiner Runde schaute ich noch bei Heretic Anthem und ihren zwei kleinen Draufgängern vorbei. Ich hatte mir im Vorfeld schon Namen überlegt und im Laufe des Tages mich auf zwei festgelegt. Face Down’s Fohlen, würde den Namen BR Homecoming Queen tragen. Ich hoffte inständig, dass sie es schaffen würde, auch wenn ihre Mutter nicht mehr für sie da war. Aunti und Hollywoods Hengstfohlen bekam den Namen BR Hollywoods Dream Anthem.
      Das war auch meine letzte Aufgabe für heute, die Namen zu beantragen.
      Um diesen stressigen Tag nun endlich ausklingen zu lassen, schnappte ich mir Blue und ging eine Runde mit ihm ins Gelände. Mit Blue an meiner Seite konnte ich endlich die Seele baumeln lassen und meine Gedanken konnten schweifen. Zumindest so lange, bis ich ein Pferd hinter mir wahrnahm. Bellamy war mit Dakota unterwegs. Ich lächelte und verlangsamte Blue ein wenig, so dass die Beiden zu mir aufschließen konnten. “Hast du dir wieder ein Herz für dein Mädchen gefasst?”, fragte ich ihn und er lächelte leicht.
      “Klar, jetzt hab ich ja wieder Zeit für sie. Sie hat lange genug gestanden, wird Zeit, dass sie mal wieder etwas tut”, erwiderte er und strich der Braunen einmal kurz durch die Mähne.
      “Passt der Sattel eigentlich noch, den du damals von Auguri bekommen hast?”, fragte ich ihn und sah zu seinem Pad, das definitiv ein anderes war, nicht das Geschenk von damals.
      “Klar, der passt noch. Hab das Pad aber mal in die Wäsche gepackt, deshalb das andere.”
      Den Rest des Ausrittes verbrachten wir schweigend, ehe wir auf dem Hof wieder getrennte Wege gingen.
      Im Haupthaus angekommen führte mich mein Weg sofort zum Kühlschrank, aus dem ich eine Flasche Bier nahm und mich im Wohnzimmer auf die Couch setzte. Noch vor einem halben Jahr hatte ich hier zusammen mit Ylvi gesessen, gelacht und Bier getrunken. Nun tat sie das zusammen mit ihrem Mann. Mit Louis. Auch wenn ich noch immer sehr wütend war, es half nichts nachtragend zu seiner und einer Zeit hinterher zu trauern, die nie wieder kommen würde.
      Am nächsten Tage würde ich mich einzeln mit ihnen zusammensetzen und über ihre Zukunft hier sprechen.
      Mit diesem Gedanken ging ich ins Bett und wurde vier Stunden später von Cayce geweckt, der diese Nacht ein Auge auf die Stuten haben sollte. “Ich glaube bei Bella geht es los.”
      Verschlafen rieb ich mir meine Augen und sah auf Cayces Handy, auf dem gerade die Liveübertragung lief. “Ist gut, du kannst ins Bett gehen, ich geh in den Stall”, sagte ich zu ihm, zog mich an und ging leise in den Stall. Einige der Stuten waren wach und fraßen genüsslich ihr Heu, Heretic und die beiden Fohlen schliefen. Dann ging ich zu Bella, die ruhig in der Box lag und bei der es nicht den Anschein machte, als gäbe es Komplikationen. Eine halbe Stunde später war das kleine Fohlen auf der Welt. Eine schöne Dunolinostute mit einer Blesse und zwei weißen Beinen hinten. Es dauerte ein wenig, bis das Fohlen aufstand und zum Euter ging. Bella blieb, wie zu erwarten, brav stehen und ließ ihre Tochter trinken.
      Ich ging wieder in Richtung Bett und hatte schon den nächsten Namen im Kopf: BR Sheza Topnotch Babe.
      Nach einem Blick auf die Uhr entschied ich mich jedoch, nicht mehr schlafen zu gehen, sondern dem Vollblütertraining von Octavia beizuwohnen. Wie jeden Morgen kam ein befreundeter Jockey vorbei und trainierte ihre Pferde.
      “Oh Caleb, cool dass du mir helfen willst. Du kannst dir sofort Tasmania satteln und als Track Pony fungieren!”, erklärte sie mir und ich nickte. Wenigstens durfte ich das halbe Westernpferd reiten, und wurde nicht wie letztes Mal auf eines der reinen Vollblüter gepackt. Tasmania war eine Seele von Pferd. Ruhig, hörte einem zu und wurde nur in den seltensten Fällen hitzig und übermütig. Tigres Eye, die Rappstute, sollte zusammen mit der Fuchsstute Drama Baby laufen. Der Jockey ritt Drama und Octavia setzte sich auf Tigres Eye, die ich auch zur Bahn begleitete. Kaum ließ ich den Zügel los, preschte die Stute nach vorne. Tasmania hatte auch das Bedürfnis mitzulaufen, doch ich musste sie sofort runterriegeln, denn wenn sie sich das einmal angewöhnte, dass sie selbst rennen durfte, bekamen wir das nicht mehr raus. Von weitem sah ich wirklich gut, dass die beiden Pferde auf dem selben Niveau waren. Sie liefen Kopf an Kopf und preschten auch gemeinsam durchs Ziel.
      Die nächsten Pferde waren Peacful Redemption, Candlejack und Wildfire xx, die Os Jockey allerdings nacheinander einzeln ritt. Auch blieb ich mit Tasmania eher im Hintergrund, um die Hengste nicht abzulenken. Die letzte Stute für das morgendliche Training war Priamos Ruffia Kincsem. Sie lief mittlerweile auf S* und war damit das am Meisten trainierte Pferd der Ranch. Sie würde vermutlich noch eine Saison laufen, dann würde Octavia sie in die Reitpferdkarriere schicken. Nach drei wirklich guten Nachkommen, wovon eines noch in Octavias Besitz war, war es Zeit für etwas neues.
      Prias Colourful Soul, die älteste Tochter von Pria, befand sich zur Zeit in der Ausbildung. Sie war von Friese eingeritten worden und erhielt wirklich hochklassiges Training von Rhapsody.
      An das Training von ihr war Octavia nicht einfach so gekommen, sie hatte ihr ihren Seattle Slew verkauf und im Gegenzug zwei Trainingseinheiten bekommen.
      Wer auch wieder da war, war Flashlight. Sie hatte eigentlich einen tollen Platz gefunden gehabt, aber manchmal kam es eben leider anders, als man es gerne hätte. Deshalb war sie wieder da und wurde nochmal antrainiert, da sie die letzte Zeit ziemlich gestanden hatte.
      Auch bei Pocahontas wurde das Training langsam aufgenommen. Die Stute war noch immer sehr unsicher und unglaublich fein an den Hilfen, so dass sich O hierzu Hilfe vom DVTS geholt hatte, wodurch sie nochmal eine Reitstunde bekommen sollte.
      Cleavant ‘May Eyes’ stand die meiste Zeit auf der Koppel. So richtig wussten wir nichts mit ihm anzufangen. Aufgrund seiner Stauballergie war es schwierig, ihn in der Halle zu reiten. Octavia hatte vor längerer Zeit eine Anfrage von Luchy Montrose erhalten, dass sie den Wallach gerne erwerben würde. Bis jetzt hatte sie nicht zugesagt, da sie ihn eigentlich behalten wollte. Jetzt stand der Verkauf allerdings wieder zur Diskussion. Neben Dakota, die Bellamy gehörte, hatte Octavia sich auch eines der Polopferde behalten. Absolute Bullet Proof. Sie hatte den seidig schimmernden Hengst ins Herz geschlossen und ihn wieder von der Verkaufsliste gestrichen. Auch Magic Lanijos und Ceara Isleen waren noch immer in ihrem Besitz. Beide würden in nächster Zeit Besuch von auswärtigen Trainern bekommen, die sie ein wenig unter die Lupe nehmen würden.
      Nach dem Vollblütertraining ging es für mich auf die Jungpferdekoppel, dort würde ich zunächst bei den jungen Stuten vorbei schauen. Sie liefen alle zusammen auf der Koppel und standen nur ab und zu im Stall, wenn ich sie zum Training eingetragen hatte. Ein Pferd, welches sich besonders gut entwickelt hatte, war Jacks Inside Gunner, aka Katie. Als Jährling hatte sie einen wirklich grausigen Körperbau gehabt. Jetzt als zweijährige war das wieder etwas mehr verwachsen und sie sah nach einem richtigen Pferd aus. Wer in der Truppe wirklich immer als Ruhepol zu den nervösen Stuten galt war die neue, Sweet like Chocolate. So eine Seele von Pferd war mir selten unter die Nase gekommen. California Rose machte ihr da starke Konkurrenz, aber gegen Layla kam sie einfach nicht an.
      Welche zwei ‘Biester’ sich auf jeden Fall gefunden hatten, waren BR Dress to Impress und Special Luna Zip. Ich war mir nicht so sicher, wie lange ich die beiden noch zusammen laufen lassen konnte, denn ihre Kämpfe ähnelten immer mehr Leithengsten, die um Reviere kämpften.
      Wir waren jedoch mit den neuen Koppeln bald soweit, so dass wir die Pferde nochmal neu mischen konnten. Vermutlich würde sich das Theater damit dann geben.
      Als ich auf die Koppel ging, kamen mir sofort Ginger Rose und Colonels Blue Splash entgegen und wollten ihre Streicheleinheiten abholen. In einiger Entfernung machte ich auch die rote Stute, Captains Blue Crystal aus.
      Izzie und Luna bequemten sich irgendwann dann auch, zu mir zu kommen und zu schauen, was ich denn da machte. Als Gun Sophie schließlich auch zu mir kam, musste Izzie sie natürlich sofort wieder verjagen. “Du bist ein dämliches Biest”, fluchte ich und klatschte einmal laut in die Hände, um die Aufmerksamkeit der Stute auf mich zu lenken. Ich ging einmal um den kleinen Pulk herum, um mir auch Sophie anzuschauen. Sie hatte von gerade eben eine kleine Macke an der Kruppe, wo Izzie sie mit den Zähnen erwischt hatte. Ich hatte dummerweise gerade kein Blauspray dabei, segnete den Biss und das bisschen Blut aber nicht als wirklich schlimm ab.
      Um zu den Junghengsten zu kommen, musste ich einmal quer über die Ranch zu den Paddocks und Boxen. Fast alle Hengste standen im Training, weshalb ich sie nah an der Halle wissen wollte, damit ich mir sie nicht über die ganze Ranch immer zusammensuchen musste. Vulture hatte ich allerdings auf die Koppel entlassen, denn er hatte die letzten Tage jeden Tag seine Einheit bekommen und hatte sich ein wenig Pause verdient.
      tc Mister’s Silvermoon Cody stand auch auf einer der Koppeln, eben so wie Chic’ N Shine, denn die Pferde sollten erstmal ankommen und sich einleben, bevor das Training losgehen sollte. A Shining Chrome wurde auf die Körung vorbereitet und befand sich im Hengststall, was ich vergessen hatte. Deshalb konnte ich ihn hier gerade auch nicht ausfindig machen. Der erste Paddock, zu dem ich kam war von Chocolate Shades. Der Champagnefarbene Hengst hatte noch keine wirkliche Aufgabe hier auf dem Hof gefunden. Bei ihm stand es auch zur Diskussion, ob wir ihn nicht besser verkaufen würden. Er hatte zwar eine gute Abstammung und eine tolle Farbe, aber wir wollten von Champagnefarbenen Pferden Abstand nehmen, denn das war nicht die Farbe, auf die wir in der Zucht unser Augenmerk legen wollten. Es ging weiter mit GRH’s Funky’s Wild Berry, PFS’ Unclouded Summer Skies, BR Colonels Golden Gun und BR Colonels Lil Joker. Es war fast eine Schande, dass ich die Hengste nicht mehr zusammen laufen lassen konnte, da sie von klein auf immer zusammen gewesen waren. Aber irgendwann fing der Ernst des Lebens an und es war vorbei mit dem gemeinsamen Spielen auf der Koppel.
      Ich rationierte für jedes Pferd das Kraftfutter, ehe ich die Eimer in die Paddocks stellte und auch selbst ins Haupthaus ging, um etwas zu frühstücken. Wie jeden Morgen waren alle Mitarbeiter am Tisch und frühstückten gemeinsam. Zum ersten Mal seit dem Drama um Ylvi, Louis und mich saßen die Beiden mit Tschetan und Kaya ebenfalls am Tisch. Ich wünschte allen einen guten Morgen, ließ meinen Blick etwas länger als gewollt auf Louis und Ylvi hängen, ehe ich mir eine Tasse Kaffee holte und mich ebenfalls auf einen der Stühle setzte.
      “Ich habe eben nochmal mit Luchy Montrose telefoniert, Mad Eyes ist jetzt doch verkauft. Sie kommt ihn die Tage abholen.”, eröffnete Octavia das morgendliche Gespräch, was am heutigen Tag alles anstand.
      “Wieso verkaufst du ihn jetzt doch?”
      “Er steht hier nur auf der Koppel, richtig was anfangen kann ich leider nicht mit ihm. Luchy meinte beim Kauf von Aelfric schon, dass die Beiden bei ihr drüben ein tolles Team sein könnten”, erklärte Octavia und blickte in zustimmende Gesichter.
      Die nächsten Minuten verliefen weitgehend schweigend, Betsy und Tschetan unterhielten sich ein wenig, Kaya schwieg wie immer. Ich nahm einen weiteren Schluck von meinem Kaffee, ehe ich mich an Ylvi wandte. “Ich würde nach dem Essen gerne noch mit dir sprechen und danach mit Louis.”
      Die Beiden nickten, sahen sich kurz an und widmeten sich dann wieder ihrem Essen. “Cayce schaffst du es heute ein paar mehr Pferde zu reiten? Ich weiß nicht wann ich im Büro fertig sein werde”, fragte ich ihn.
      “Klar, um wen gehts denn? Ich habe bereits… Frosty Lagoon, Lady Blue Skip, Lovin’ Out Loud und Miss Independent. Mit den beiden letzten werde ich nicht lange brauchen, die trainieren wir ja grade erst wieder an. Und Whitetails Shortcut natürlich.”
      Ich überlegte kurz. “Mir wäre es ganz lieb, wenn du GRH’s Aquila T Mistery, GRH’s Unbroken Magic und GRH’s Unbroken Soul of a Devil noch unterbekämst.”
      “Klar, kein Problem. Nur bewegen oder richtiges Training?”
      “Du kannst ruhig die Manöver alle mal kurz abfragen, aber ansonsten einfaches Training, nichts kompliziertes.”
      “Alles klar Chef”, antwortete er und stand vom Tisch auf, räumte sein Brettchen und seine Tasse in die Spülmaschine und nickte unserer Haushaltshilfe nett zu. Wir waren wirklich froh, dass wir nun eine hier hatten, die sich um das Essen und den Haushalt kümmerte. “Laurence wen hast du heute auf dem Plan?”, fragte ich meinen ältesten Mitarbeiter, der wesentlich länger überlegen musste.
      “Striga hast du mir eingeteilt, Easy Going, Abadon all Hope, Citizen Fang und Picture of a Ghost.”
      “Könntest du Chou und Jade noch dazu holen? Die könnten ein bisschen Bewegung vertragen. Besonders Chou, weil die bald auf die Krönung soll.”
      “Oh Chou ist auch schon soweit?”, mischte sich nun Betsy ein.
      Ich nickte. “Chou, Aquila, Shanee, Whinney und Chrome. Das sind die nächsten, die wir vorstellen werden”, erklärte ich dem Mädchen und sah ihre Augen aufblitzen. “Ooooh darf ich dann mitfahren?”, fragte sie strahlend und ich nickte. “Klar.”
      “Bellamy wen hast du?”, wandte ich mich nun an den schwarzhaarigen.
      “Rausbringen soll ich Kholáya, Bittersweet Temptation, Snapper Little Lena, ähm.. Zues ist ja schon draußen..Cruel Twist of Fate reiten, Kisshimbye reiten, Tortured Witch HMJ 6693 rausbringen, Cielos rausbringen..Silent Bay kommt auch raus und ähm.. glaube das wars.”, antwortete Bellamy.
      Nun musste ich wirklich überlegen, wer noch übrig war. “Brian könntest du Only Known in Texas, Stormborn, My sweet little Secret und auch I’m a Playboy bewegen?”, fragte ich meinen neusten Mitarbeiter.
      “Ja, wird erledigt.”
      “Bellamy dann brauchst du keinen mehr zu machen.”, meinte ich an den schwarzhaarigen gewandt und drehte mich dann zu Murphy um. “Kannst du Till Death, Chapter 24, Chocolate Dream, Nachtschwärmer und Verdine raus bringen?”
      “Ay.”
      “Gut, dann sind alle Pferde aufgeteilt.”, verkündete ich und stand nun selbst auf, was zur Folge hatte, dass sich der gesamte Tisch in Bewegung setzte.
      Mein Weg führte mich ins Büro. Hinter mir her trottete Ylvi, die sich wohl nicht ganz sicher war, was ich von ihr wollte. Mit einer Handbewegung deutete ich auf den Stuhl vor meinem Schreibtisch, auf den sich Ylvi auch sogleich setzte. “Caleb.. bevor du etwas sagst.. ich..”, setzte Ylvi an doch ich hob sofort die Hand. Ich versuchte professionell zu bleiben, auch wenn alles in mir schmerzte. Ylvi hatte mich verraten. Nein, eigentlich hatte mich Louis verraten. Mein Freund, meine Familie... Ob ich ihn jemals wieder als meinen Kola bezeichnen konnte?
      “Ylvi ich hab dich zu mir gerufen, damit wir das Geschäftliche klären. Alles Andere hat jetzt hier in diesem Moment keine Relevanz”, sprach ich und sah, wie Ylvi ein kleines Stück in sich zusammensackte. Die Kälte ihr gegenüber in meiner Stimme war sie nicht gewohnt. Ich auch nicht, denn ich hatte mich eben selbst kurz darüber erschrocken.
      “Was sind eure Pläne? Bleibt ihr hier auf der Ranch oder verlasst ihr uns? Ich bin ganz ehrlich. Ich hätte gerne, dass ihr bleibt. Betsy hat sich so mit Kaya angefreundet und auch Tscheta liebt es hier, so wie ich das mitbekommen habe- und ihr leistet hier gute Arbeit.”
      “Wir haben da.. schon des Öfteren drüber gesprochen, Louis und ich. Wir würden gerne hierbleiben. Ich könnte mich wieder vermehrt um die Bilder der Pferde kümmern, um die Website und die Werbeaktionen für die Ranch. Außerdem könnte ich dir im Büro ein wenig unter die Arme greifen… und… ich würde gerne vermehrt als Trainer einsteigen”, antwortete Ylvi und ich nickte.
      “Okay. Die Arbeit im Büro müssen wir sehen, im Moment hält es sich in Grenzen. Wie Website kannst du ja vom Laptop aus machen, dazu brauchst du das Büro auch nicht”, grübelte ich. Ylvi schien wohl zu verstehen, dass ich sie hier im Büro einfach nicht haben wollte- nett ausgedrückt.
      “Mit dem Trainer find ich allerdings eine gute Idee. Vielleicht kannst du Octavia ja ein bisschen zur Hand gehen? Sie fühlt sich im Moment ein bisschen verloren, du hast da ja auch noch einiges an Erfahrung, was du mitbringst”, meinte ich des Weiteren.
      Ylvi schien zu verstehen, denn ihre Miene hellte sich auf. “Ja klar, gerne mach ich das.”
      “Mit deinem Gehalt müssen wir dann nochmal schauen. Mit deinem Trainerjob… bei den anderen Mitarbeitern von mir ist es so, dass 25% der Ranch zu Gute kommen und die restlichen 75% dem Trainer zustehen. Wäre das für dich ein Problem?”
      Es dauerte eine Weile, bis sie antwortete, denn sie schien nachzurechnen. “Nein. Nein das ist kein Problem. Der Bungalow ist aber doch weiterhin dann kostenlos?”, fragte sie mich und ich nickte. “Das wärs auch für erste”, meinte ich und schaute kurz zur Tür. Ylvi stand auf, erst zögerlich, dann entschlossen. Sie schien noch etwas sagen zu wollen, entschied sich dann jedoch, mein Büro zu verlassen. “Schickst du mir Louis?”, fragte ich sie, als sie gerade bei der Tür angekommen war. “Ja”, war ihre knappe Antwort, ehe sie aus meinem Sichtfeld verschwand.
      Wenig später tauchte Louis auf und setzte sich nach einer Handbewegung meinerseits auf den freien Stuhl vor meinem Bürotisch. Er schwieg, ich schwieg- und so saßen wir eine Weile da. Dann setzte er, genau wie Ylvi zuvor an: “Caleb ich... “ Doch ich hob erneut die Hand. “Ich hab dich zu mir gerufen, um über deine Arbeit hier auf der Ranch zu sprechen. Von Ylvi habe ich erfahren, dass ihr hier bleiben wollt.” Louis nickte. “Ich möchte gerne nochmal als Rancharbeiter mehr tätig werden und auch hier mehr unterstützend zur Hand gehen. Außerdem wollte ich mich anbieten, auch beim Training der Pferde ein ein wenig zu helfen. Zwar nur für die zur Ranch gehörenden Pferde, aber ich denke, dass ich da dennoch ein wenig helfen kann und Arbeit abnehmen kann.. außerdem…”, fügte Louis noch an. “Hätte ich noch jemanden… der hier gerne arbeiten würde. Vor allem mit den Whiteface Rindern hast du ja viel zu tun und da könnte er.. also Logan dich unterstützen.” Logan… bei diesem Namen klingelte etwas in meinem Hinterkopf. “Sunka- Logan?”
      “Genau.. Logan Otaktay. An ihn habe ich Sunka verkauft. Er könnte hier ein weiterer Rancharbeiter sein. Er braucht einen Job.. und die eigentlich noch Mitarbeiter, Caleb.”
      “Okay”, antwortete ich ihm. “Sag ihm er soll in nächster Zeit mal zu mir kommen, ich würde mich gerne mit ihm unterhalten.”
      “Er ist im Moment noch unterwegs, in ein paar Wochen ist er wieder hier, dann kann er mit dir sprechen”, erwiderte Louis. Er setzte erneut an und ich wusste genau, was nun folgen würde. “Caleb es tut mir Leid. Für das, was Ylvi und ich dir angetan haben…”
      “Louis ich kann nicht”, antwortete ich kalt und stand auf. Mein Blick ging aus dem Fenster. Ich schaute auf den Hof, auf dem reges Treiben war. Ein Pferd hier, ein Mitarbeiter da, eine Heuballe hier…”Ich kann einfach noch nicht. Ich kann dir nicht verzeihen, und ich kann es nicht versuchen. Ich möchte euch hier behalten, euch zu verlieren kann ich nicht ertragen. Aber... ich kann euch nicht verzeihen.” Damit wollte ich das Gespräch beenden, doch Louis schien einfach nicht gehen zu wollen. Stattdessen machte er einen Schritt auf mich zu und griff nach meinem Arm. “Kola…” Ich riss mich von ihm los, machte einen Ausfallschritt nach hinten und funkelte ihn an. “Raus.”
      Louis seufzte tief. Ihm war bewusst, dass er ihn verletzt hatte. Ihm war nur nicht bewusst, wie tief die Verletzung ging. Nicht sicher, ob er noch etwas sagen sollte oder nicht, drehte er sich langsam um und ging auf die Tür zu. “Wenn.. wenn du deinen Schmerz überwunden hast, sprich bitte mit mir. Ich möchte es dir erklären.” Mit diesen Worten verließ der Lakota mein Büro und ließ mich hier alleine zurück.
      Es vergingen ein paar Wochen. Ich dachte viel nach, kam jedoch zu keinem Entschluss, wie ich die Situation in Zukunft handhaben würde.. naja.. ich kam schon zu einem Ergebnis. Ich wollte Ylvi nicht aufgeben. Das war noch nicht das Ende unserer Geschichte, so viel war sicher.
      Der Fohlenboom auf der Ranch ließ mich gar nicht aufatmen. Das Fohlen von Aerith und Hollywood, eine kleine Grullostute mit dem Namen BR Atlantis Dream erblickte als nächstes das Licht der Welt. Sie würde noch ein paar Monate bei Tassila stehen, ehe sie den Weg zu uns antreten würde. Auf die Idee mit der Leihstute war Laurence gekommen. Er wollte unbedingt ein Grullofohlen. Dass auch das Fohlen von Tainted Whiz und Dissident Aggressor, BR Dissident Whiz, ein Grullo sein würde, damit hatten wir ehrlich gesagt nicht gerechnet, sondern eher mit einem Braunfalben. Der kleine Hengst war wohlauf und wir freuten uns, dass die anderen Stuten bis jetzt ohne Komplikationen gefohlt hatten.
      Die Gangsterfohlen schienen sich abgesprochen zu haben. Denn obwohl die beiden Stuten nicht alle gedeckt worden waren, erblickten BR Colored in Style und BR Wimpys Bright Gangster fast gleichzeitig das Licht der Welt. Ein Fohlen mehr Splash als das andere, worüber wir uns natürlich sehr freuten! Auch BR General Pleasure, ein schönes Rappfohlen mit einem halb blauen, halb braunen Auge übertraf unsere Erwartungen und voller Freude riefen wir Elsaria an, um ihr von dem tollen Fohlen zu erzählen, welches sie reserviert hatte.
      Unser einziges Appaloosafohlen enttäuschte uns auch keineswegs. Ein schöner Dunskinhengst mit einer weißen Kruppe und ein paar Pünktchen fiel aus Baby Doll und Hollywood.
      Für ebenfalls viel Farbe sorgte einerseits BR Raised to Slide, die bunte Stute von Hell und Blue. Ich war wirklich gespannt, ob sie charakterlich eher nach ihrem ruhigen Papa, oder der aufgekratzten Mutter schlagen würde und BR Double Gunslide, eine Hengst aus Gunner und ebenfalls Blue.
      Das Fohlen von Candy und Alan wiederum überraschte uns auch. Denn BR Alan’s Smart Dream, der wegen seiner Haarpracht sofort den Namen Elvis verpasst bekam, gab keinerlei Abzeichen preis. Der Hengst war einfach nur ein Braunfalbe. Ohne die schönen hochweißen Beine oder die große Blesse des Vaters.
      Bei der kleinen Rappstute BR Black Pamina aus Sue und Alan war das Drama groß, als ich Betsy erklärte, dass die Stute einen Abnehmer gefunden hatte. “Sie wird es gut haben bei Zion. Robin ist zum Beispiel ein ganz Lieber, Octavia hat ein Auge auf ihn geworfen… und ich war doch letztens erst dort auf dem Hof für ein Training mit Shanee. Pamina wird doch nicht einfach weg sein, wir können sie besuchen fahren…”, hatte ich versucht Betsy die Situation zu erklären, doch so ganz schien sie nicht davon begeistert zu sein.
      BR Twenty 4 Killings, das Fohlen von Chapter 24, würde in einem halben Jahr nach Evergreen Acres umziehen. Der Papa CHapter würde die Reise schon in ein paar Wochen antreten.
      Und auch das letzte Fohlen BR Lovely Gun würde zusammen mit Twenty 4 weggehen. Ich freute mich riesig, einem befreundeten Hof solch gute Nachzuchten verkauft zu haben.
      Es konnte jedoch auch gut sein, dass wir bald neuen Zuwachs bekommen würden. Ich hatte großes Interesse an dem Schimmelscheckhengst Heza Bat Man gezeigt. Bei ihm wartete ich nur noch auf das Ergebnis der AKU.
      Ein weiterer Neuzugang war allerdings schon sicher. Small Town Dude hieß der Rappe mit der auffälligen Splashed White Scheckung, der jeden Moment ankommen dürfte. Der Hengst war ein wahrer Glücksgriff gewesen. Die meisten Splash Pferde die wir hatten, zeichneten sich durch ihren enormen Dickschädel aus. Nicht so Dude. Beim Besuchen als auch beim Probereiten hatte er sich als wirklich genügsam herausgestellt. Er zeigte ein ähnliches Wesen wie unser Blue, weshalb wir sofort mit einem unschlagbaren Preis zugeschlagen hätten.
      Bei diesem Sprichwort rollte auch schon der Transporter auf den Hof. Cayce und Bellamy hatten sich bereit erklärt gehabt, den Hengst vom Flughafen abzuholen. “Und, alles gut?”, fragte ich die Beiden, als der Wagen angehalten hatte und sie zu mir nach hinten an den Hänger kamen. “Ja, hat alles wunderbar geklappt, kam ganz locker aus dem Flugzeug und ist hier super easy rauf, ein tolles Pferd”, antwortete Bellamy und half mir, die Verriegelungen zu öffnen. Dude wieherte schon aufgeregt und schaute uns neugierig an, als wir die Rampe endlich auf dem Boden hatten. “Willkommen auf der Bow River Ranch”, sagte ich freudig, band ihn los und ging mit ihm aus dem Hänger raus. Sofort hob er den Kopf und ließ nochmal alle wissen, dass er jetzt da war. Ich lächelte. Das waren die schönen Seiten am Pferdeleben.
      Am Abend scrollte ich am Pc durch ein paar Suchanzeigen und traf auf die einer Bekannten. Ethel Evergreen von Evergreen Acres. Sie suchte einen Trainer, der ihre Tochter Tiara ein bisschen unterstützen würde und ihr in einer Woche ein wenig Unterricht geben konnte.
      Da ich sowieso das Gefühl hatte, dringend hier raus zu müssen, rief ich sie an und verabredete mich schon für den nächsten Tag.
      Kurz nachdem ich aufgelegt hatte, klingelte erneut mein Handy. Ich wunderte mich zwar über den Anruf zu später Stunde und über die fremde Nummer, ging jedoch trotzdem dran. “O’Dell, Bow River Ranch”, meldete ich mich am Telefon und wartete darauf, dass mein Gegenüber Informationen von sich preis gab.
      “Guten Abend Mister O’Dell. Hier spricht der Veranstalter der Juturity. Haben Sie unseren Brief vor drei Wochen nicht erhalten?” Stille. Ich überlegte fieberhaft, welchen Brief er meinen könnte und wovon der Mann am Telefon redete. “Ich äh.. ähm.. ich…”
      “Ich gehe mal nicht davon aus, ich lasse Ihnen auf schnellstem Weg einen neuen zukommen. Mr. O’Dell warum ich mich melde… Sie sind einer der glückliche Teilnehmer der großen Jututity im Dezember.” Mir stockte der Atem. Natürlich! Von diesem Event hatte ich schon gehört. Welcher Reiter und vor allem Reiner freute sich nicht, an solch einem mit so hohem Preisgeld dotierten Event starten zu dürfen! “Ich??”, fragte ich ungläubig ins Handy und kam mir, sobald ich die Worte ausgesprochen hatte, äußerst dumm vor.
      “Ja Sie, Mr. O’Dell. Im Brief, der sich gleich noch auf den Weg zu Ihnen macht, steht alles weitere drin. Sobald Sie ihn gelesen haben, rufen Sie bitte die dort angegebene Nummer an und geben die Pferde durch, mit denen Sie sich qualifizieren möchten. Wir hören voneinander.” Klack. Völlig verdutzt saß ich hier auf dem Stuhl mit dem Handy in der Hand. Ich hatte mich nicht verhört, das war eben wirklich die offizielle Einladung zur Juturity gewesen. Wahnsinn! Wie lange träumte ich schon davon, einmal dort teilnehmen zu dürfen- und nun war es endlich soweit!
      Ich beschloss allerdings noch niemandem etwas davon zu verraten, zumindest noch niemand hier vom Hof. So lange, bis der Brief da sein würde. Juturity… ein wahrgewordener Traum.
    • Veija
      Richtige und falsche Entscheidungen
      August 2020, by Veija
      Caleb
      Ich stand am Zaun des ehemaligen Paddocktrails von Ylvi. HMJ Saintly, Valravn, Sunka und Inyan tummelten sich dort. Ylvis Stuten Lady Gweny und Fylgia hatten einen neuen Platz gefunden, denn sie konnten schlecht mit den Hengsten zusammen stehen bleiben.
      Aus dem Augenwinkel sah ich Betsy, die sich an den Hals ihrer Stute Sue (Black Sue Dun It) lehnte und vermutlich wieder weinte. Meine Hand wanderte zu meiner Brust, in der ich, wie die ganzen letzten Tage auch schon, einen schmerzhaften Stich verspürte. Wieso konnte das Leben nicht fair sein?
      Aber lasst mich von Anfang an erzählen.

      Ende April
      “Gleich haben wir es geschafft, Tschetan”, munterte ich den Jungen neben mir im Flugzeug auf, der irgendwie ganz grün um die Ohren aussah. Er war wirklich nicht zum Fliegen gedacht. Ich war mir nicht sicher, ob ihm schlecht war oder ob sonst etwas nicht stimmte, denn er brachte nur ein zusammengepresstes: “Gut”, raus.
      Die Maschine landete, wir durften uns los schnallen und nach wenigen Minuten wurden die Türen geöffnet. Tschetan sprang auf, machte einen Satz über mich drüber und rannte quasi aus dem Flieger raus. Einige der Passagiere beschwerten sich lautstark, Andere sahen mit einem fragenden Blick zu mir. “Dem hat das Fliegen nicht bekommen.” Zack. Das reichte ihnen wohl als Aussage, denn sie sollten mich nicht nerven. Auch ich hatte die Schnauze voll vom Fliegen und freute mich, endlich wieder kanadischen Boden unter den Füßen zu spüren.
      Vom Fach über unseren Sitzen zog ich das Handgepäck zu mir runter, ging zum Ausstieg und übersprang tatsächlich die letzte Stufe der Treppe, um mit einem lauten ‘wumms’ auf dem Boden zu landen. Ich streckte mich, zog einmal tief die Luft ein und hielt dann Ausschau nach Tschetan.
      “Könnten Sie.. ich würde auch gerne aussteigen”, meldete sich eine Stimme hinter mir zu Wort. Ich lachte in mich hinein, ging wortlos ein paar Schritte zur Seite und sah den Jungen in diesem Moment zur Laderampe verschwinden. Von Cayce oder Bellamy oder irgendeinem Mitarbeiter der Ranch, die mit dem Hänger eigentlich schon hier sein sollten, fehlte jede Spur.

      Bellamy
      Ich hatte Caleb zugesagt, dass ich ihn und Tschetan vom Flughafen abholen wollte. Ich war dabei den Pferdehänger an den roten Pick Up Truck von Caleb anzuhängen, als es krachte und ein Reifen des Anhängers in sich zusammen sank. “Mist verfluchter!”
      Keimend richtete ich mich auf, ließ meinen Blick über den Hof schweifen und rief ein paar Mal laut nach Dell. Der Vater von Betsy war ein Ass im Reparieren von allen möglichen Maschinen. Ich hatte ihn schon oft dabei beobachtet, wie er immer wieder Verbesserungen vornahm und Werkzeug, welches vor allem durch Caleb einer riesigen Unordnung unterlag, von ihm neu sortiert wurde. Er wollte seine Arbeitsutensilien alle am richtigen Platz wissen.
      “Deeeeelll!”, rief ich noch einmal laut und schnappte mir mein Handy, um ihn anzurufen. Der Hof war so riesig, dass wenn er bei den Koppeln war, er mich natürlich nicht hören konnte.
      Zum Glück hob er ab. “Dell du musst zum Haupthaus kommen, wollte gerade den Pferdehänger anhängen, da hat sich ein Reifen verabschiedet. Kannst du den tauschen?... Gut… gut ich hol dich ab, ich komm sofort.”
      Wenig später stand Dell zusammen mit mir am Hänger. Er beäugte den Reifen kritisch. “Das dauert eine Weile. Pünktlich kommst du nicht mehr zum Flughafen, selbst wenn ich mich beeile. Du kannst versuchen den Hänger abzuhängen und den kleinen anhängen, aber wollte Caleb nicht explizit den Großen mit viel Platz?”, fragte mich der junge Mann und ich nickte.
      “Ich telefonier mal rum, ob ich was passendes finde.”

      Ylvi
      Mit einem der Trainingspferde von Octavia am Strick hängend bewegte ich mich über den Haupthof der Ranch. Dell, halb unter dem Hänger liegend, der Truck stand herum. Bellamy mit einem genervten Ausdruck im Gesicht, das Telefon an das Ohr gepresst. Lief er wie ein Uhrmännchen hin und her. “Scheiße!” ertönte als er aufgelegt hatte, bei dem Ausruf fuhr ich etwas zusammen. “Was ist denn hier los?”
      “Wir wollten längst los, der Reifen vom Trailer hat sich verabschiedet.”
      “Keinen Ersatz gefunden?”
      “Keiner mit einem ähnlich großen Trailer. Was machst du?”
      Ich hob mein Handy. “Einen Moment.”

      Ich legte auf grinste breit. “Gut dann wollen wir mal los. Ich hab uns einen Trailer besorgt.” Bellamy sah ein wenig ungläubig drein. “Woher?”
      “Du glaubst gar nicht was man für Themen bei öden Elternversammlungen haben kann. Eine Freundin von Betsy und Kaya wohnt ganz in der Nähe...die haben auch einen kleinen Betrieb. Und einen Trailer den sie uns leihen! Los!”
      Eine gute Viertelstunde später befanden wir uns auf der Straße Richtung Flughafen. Ich tippte eine Nachricht für Caleb ins Handy, dass das Unheil abgewendet worden war und wir uns auf dem Weg befanden. Ich wusste nicht ob er die Nachricht lesen würde, aber bisher waren wir nur knapp eine halbe Stunde zu spät. Wenn der Hengst noch immer sediert sein würde, dann gäbe es wohl keine Probleme ihn auf den Hänger zu befördern. Wobei Tschetan am Telefon berichtet hatte das er eigentlich Recht zugänglich wäre. Mich persönlich freute es dass Caleb sich begann mit dem Jungen so gut zu verstehen.


      Caleb
      Auch ich ging zur Laderampe des Flugzeuges und betrat diese wortlos. Tschetan stand neben dem Hengst und streichelte langsam seinen Hals. „Alles gut, Großer. Du hast es fast geschafft und bist dann für immer zuhause.“
      Während die Beiden dort so vertraut miteinander die kurze Stille genossen, suchte ich mir einen der Flughafenmitarbeiter und schilderte ihnen, dass unser Trailer leider Verspätung hatte und es noch etwas dauerte, bis wir abgeholt werden würden. „Kein Problem Mr. O‘Dell“, antwortete mir der junge Mann. „Dieser Flieger muss erst morgen wieder los, Sie haben also alle Zeit der Welt.. naja zumindest bis ich später Feierabend mache.“
      Ich lachte und bedankte mich bei ihm. Mittlerweile, oder besser gesagt wieder, war ich hier bekannt wie ein bunter Hund. Von Calgary aus flog die Ranch alle Pferde ein und aus. Auch die Trainingspferde landeten hier und kamen von hier mit zur Ranch.
      Mein Handy klingelte. Zum Glück hatte ich es vor unserem Flug aufgeladen und währenddessen ausgemacht, so dass ich noch ein wenig Akku besaß. „Hey Tschetan, Ylvi und Bellamy sind auf dem Weg. Es gab ein Problem mit dem Anhänger, aber Dell ist schon dabei ihn zu reparieren.“
      “Okay ist gut”, antwortete mir der Junge.
      Eine gute halbe Stunde später waren die Beiden am Flughafen. Tschetan fiel Ylvi in die Arme und Bellamy klopfte mir kurz brüderlich auf den Rücken. “Gut, dass du wieder da bist.”
      In aller Windeseile, aber dennoch mit der nötigen Ruhe luden wir HMJ Saintly auf den Anhänger und machten uns auf den Heimweg.
      Während der Fahrt erzählten der Junge und ich viel von Schweden. „Nichts für mich. Absolut nichts für mich“, beendete ich die Erzählung und erhaschte einen fragenden Blick von Ylvi, auf den ich jedoch nicht mehr einging, denn wir waren gerade auf dem großen Hof angekommen.
      „Wir stellen ihn auf einen der kleinen Paddocks, evtl kann ihn jemand später in de Stall stellen aber lassen wir ihn zunächst mal draußen“, gab ich die Anweisung und stieg aus dem Wagen aus. Wir luden Saintly aus, stellten ihn auf den Paddock. Die Sedierung wirkte noch immer ein wenig, denn er hob nur leicht den Kopf, sah sich um und ließ ihn dann wieder sinken. “Ihr könnte ihn euch ja noch anschauen, ich muss ins Bett.”

      Ylvi
      Schweden war nicht seine Welt gewesen, oder der Stall dort? Die Frage brannte mir unter den Nägeln. Allerdings wollte ich ihn auch nicht um seinen wohlverdienten Schlaf bringen. Also ließ ich die Frage vergehen, hob die Hand zum Gruß und wünschte ihm eine gute Nacht.
      Er hatte mir gedankt, das ich den Trailer der Rollinsons besorgt hatte. Sonst hatten wir noch nicht viele Worte gewechselt. Es war noch immer ein wenig seltsam. Tschetan neben mir riss weit den Mund auf. “Ich fürchte ich muss auch ins Bett. Der Flug war grässlich. Ich kann mir nicht vorstellen wie einige Menschen gern in diese Blechdosen steigen.” Ich musste schmunzeln. Blechdosen war ein ganz passender Ausdruck.
      “Hoch über den Wolken zu sein hat dir also nicht gefallen?” Tschetan zuckte die Schultern “Vielleicht sollten wir das Fliegen doch eher den Geschöpfen der Luft überlassen. Ich freu mich sobald meine Schenkel wieder den Körper eines Pferdes unter sich spüren. Ich denke morgen nehme ich mir Valravn für einen schönen Ritt in die Berge!” verkündete der Junge und gähnte noch einmal herzhaft.
      Leise schlich er sich in das Zimmer in dem seine Schwester bereits schlief. Demnächst würde es womöglich Zeit das wir aus dieser Schuhschachtel auszogen. Ein Jugendlicher im Zimmer mit seiner jüngeren Schwester wäre wohl auf Dauer ein wenig seltsam.
      Louis saß noch auf der Couch ein Buch in der Hand. Ich ließ mich neben ihn plumpsen, legte meinen Kopf an seine Schulter und überflog die Zeilen die er las, ohne deren Inhalt wirklich in mir aufzunehmen. “Hab Dell vorhin geholfen den Trailer zu reparieren. Anschließend waren wir draußen mit den Mädels. Dell ist Inyan geritten, ich selbst Gweny und die Kids hatten Fylgia und Sue. Hoffe das war in Ordnung?” Ich lächelte “Die Pferde gehören zur Familie, natürlich darfst du auch entscheiden wer wen reitet, du Trottel.”
      “Wen nennst du einen Trottel?”
      “Na dich!”
      Das Buch landete mit einem klatschen auf dem Boden,als er mir seine Hände um die Schultern legte und begann mir seine Hände sanft an den Hals zu legen. Dann spürte ich Küsse auf meiner Nase. “Dein Trottel.” Ich streckte die Zunge heraus.“Dieser Trottel allerdings. Muss nochmal rüber ins Haupthaus. Mein Laptop ist noch da..und einige der neuen Fohlen müssen noch auf die Website. Dazu bin ich vorhin nicht gekommen. Hab im Flur allerdings den Schlüssel nicht gefunden.” Louis legte den Kopf kurz schief.
      “In der Küche auf der Anrichte liegt er rum.”
      “Wenn ich dich nicht hätte.”
      “Dann wärst du Tod. Dein Kopf ist wahrlich nicht der Beste.” ich grinste ihn doof an, streckte die Zunge heraus. Dabei spielte er auf die Aktion auf dem Berg an, der Tag an dem mein Herzschrittmacher versagt hatte.
      Ich schnappte mir den Schlüssel, lief hinüber zum Haupthaus und in das kleine Büro in dem Caleb seine Arbeit verrichtete und in dem seit neustem auch ein Schreibtisch für mich stand. Ich schrak ein wenig zusammen als ich mich umdrehte und plötzlich Caleb im Türrahmen stand.

      Caleb
      Mit meinem Koffer bepackt startete ich meinen Weg in Richtung Haupthaus. Ich öffnete die Tür, trat ein, schloss sie wieder hinter mir und legte meinen Hut auf die Kommode, die rechts neben der Tür stand. Dies war eine so routinierte Bewegung, dass ich zunächst nicht realisierte, dass der Hut von der Kommode auf den Boden purzelte und vor meinen Füßen zu liegen kam. “Was zur…”, fing ich an und wandte meinen Blick nach rechts. Was sich in mein Blickfeld schob, gefiel mir absolut nicht, Hüte. Übereinander und nebeneinander gestapelt. Die Meinen dazwischen. Das gäbe morgen früh am Frühstückstisch eine Standpauke.
      Nichtsdestotrotz fand mein Reisehut dennoch irgendwie einen Platz, so dass ich meinen Weg in mein Schlafzimmer ohne weitere Zwischenfälle fortsetzen konnte.
      Dort angekommen stellte ich den Koffer in die Ecke, stellte mich an mein großes Panoramafenster und zog einmal tief die Luft ein. Zuhause - und ja, es fühlte sich wie Zuhause an, mit allen Fasern meines Körpers. Endlich. Nach all der Zeit, allen Höhen und Tiefen hatte ich für mich etwas gefunden, das ich so nennen konnte- Zuhause. Etwas unwirklich war es ja schon, dass all das, was ich von hier sehen konnte… und noch so viel mehr, mir gehörte. Die Ställe, die Paddocks, die Weiden… die Pferde, ja sogar die Kühe gehörten mir.
      Eine Sache oder besser gesagt eine Person hatte sich allerdings von mir abgewandt. Ylvi. Ihren Blick im Auto schien ich wohl richtig gedeutet zu haben, denn noch im Ansetzen eines Satzes, hatte sie den Mund wieder geschlossen und kein Wort verließ ihre Lippen. Mist… schon wieder waren meine Gedanken dahin gewandert, wo ich sie nicht haben wollte und von wo ich sie auch nicht so einfach wegbekommen würde.
      Ich seufzte, schlafen konnte ich wohl erstmal vergessen. Also führte mein Weg mich in mein Büro, in dem ich den Rücken einer Frauengestalt wahrnahm. Mein Blick fiel allerdings zunächst auf den zweiten Schreibtisch. Ein… zweiter Schreibtisch?
      Die Frau drehte sich um und ich erkannte Ylvi darin. “Was macht der Schreibtisch in meinem Büro?”, fragte ich sie harsch, ohne auf ihren kurzen Schockzustand einzugehen. Ich war müde, genervt und hungrig- außerdem waren meine Gedanken nicht da, wo ich sie gerne hätte.
      “Na irgendwo musste ich doch arbeiten.”
      “Ist gut, passt schon”, murrte ich, schob mich an ihr vorbei und setzte mich auf meinen Stuhl. Hier fiel mir das Chaos, welches mir schon im Flur begegnet war, wortwörtlich wieder in den Schoß. Beim schwungvollen Hinsetzen knallte ich mit der Lehne an den Tisch, so dass einer der Papierstapel von Bellamy umkippte und sich über mir und dem Boden verteilte. “Verdammter Mist…”, fluchte ich und bückte mich, um die Papierseiten aufzuheben.


      Ylvi
      Wieder diese mürrische Ausdruck um seine Mundwinkel, in seiner Stimme. Offenbar hatte ich den Schreibtisch nicht ihm, sondern vermutlich Bellamy zu verdanken. Ich sah wie er sich setzte, ich sah wie ihm die Papiere zu Boden glitten. Und dann zuckte ich zusammen. Denn es war ein lautes Pochen zu hören, ein Laut des Schmerzes von Caleb und seine Hand die sich an die Stirn packte. Beim Abtauchen nach den Papieren hatte er mit der Stirn die Tischkante erfasst. Einige weitere leise gemurmelte Flüche ertönten als ich mich erhob um ihn zu unterstützen. “Soll ich dir ein Kühlakku holen?” murmelte ich, nur knapp mein Lachen unterdrückend. Sein Blick hob sich, funkelte mich an. Und, ich wusste nicht was es war. Aber plötzlich schmolzen seine Gesichtszüge zusammen und er grinste, seine Schultern zuckten und er lachte. Da ich nicht sicher war wie er es auffassen würde, wenn ich einstimmte lächelte ich nur unsicher. Es dauerte nur einen Moment, dann sammelten wir gemeinsam die Zettel zusammen. “Das erinnert mich an die Zeit, als wir uns gemeinsam durch die Unterlagen gequält haben. Kurz nachdem Bellamy mir die Ranch überschrieben hat. Man war das eine Arbeit.”
      “Wir haben 3 Tage gebraucht.” erinnerte ich mich.
      “Wobei wir natürlich deutlich schneller gewesen wären, so...ohne Unterbrechungen.” Ich spürte wie mir die Ohren heiß wurden, war jetzt froh darum das meine schwarzen Haare diese gut überdeckten. Ja, wir hatten uns damals Zeit gelassen, nicht nur für die Unterlagen, sondern auch füreinander. Da ich daran nicht weiter denken wollte, griff ich wieder nach einem der Blätter zu meiner rechten, legte sie auf den Stapel den Caleb bereits angelegt hatte. “Ich wollte gerade noch die neuen Fohlen auf die Website packen. Und ein paar der angenommenen Anfragen an dich weiterleiten.” wechselte ich flux das Thema. Ich wollte Caleb nicht mit Gedanken an die Vergangenheit beschäftigen. Dabei schwirrten mir diese gerade selbst im Sekundentakt durch den Kopf. Seine Anwesenheit machte diese Tatsache nicht unbedingt einfacher. Vielleicht sollte ich doch woanders mein Büro einrichten.

      Caleb
      Ich seufzte kurz auf, nickte dann allerdings. “Dann kannst du dich dazu ja an deinen neuen Schreibtisch setzen.”
      “Eigentlich wollte ich nur meinen Laptop holen und… ach was, ich setz mich noch ein bisschen hierher.” Ich sah sie kurz an, doch sie wich meinem Blick aus. Was wollte sie eben sagen? Den Laptop schnappen und zurück zu Louis gehen?
      Mit den Zähnen knirschend widmete ich mich wieder den Unterlagen auf dem Tisch. Dabei fielen mir die Vordrucke zur Registrierung der Fohlen in die Hände. “Sag mal Ylvi ist da eigentlich schon irgendwas beantragt?” flatternd hielt ich der jungen Frau eines der Blätter hin.
      “Caleb wenn du so zappelst seh ich gar nix”, schlussfolgerte sie mürrisch, weshalb ich sofort mit dem Gezappel aufhörte und das Stück Papier mit beiden Händen möglichst zitterfrei festhielt.
      “Die Fohlen. Wurde da schon eins eingetragen?”
      “Nicht, dass ich wüsste. Ich schau mal in den E-Mails.”
      “In den E-Mails siehst du das nicht.. warte ich geh mal auf die Homepage”, antwortete ich und tippte in die Tasten, nachdem ich meinen PC hochgefahren hatte. Es dauerte ein paar Minuten, bis alle geladen hatte und ich… nichts vorfand. “Nope.. gar nix. Keine Beantragung, also auch keine Bearbeitung.” Ich seufzte. “Hast du schon passende Bilder für die Papiere gemacht? Vorne, hinten, etwaige Kopfabzeichen und beide Seiten der Fohlen?”
      “Nein.. nur ein paar einfache Bilder für die Website, die meisten sind in Bewegung.”
      “Dann hast du morgen eine Aufgabe…. musst schauen ob dir jemand helfen kann, ich hab zu tun.” Da war er wieder. Der patzige, abweisende Caleb, der noch immer nicht genau wusste, wie er sich ihr gegenüber verhalten sollte. Einerseits wollte er ihr einfach nur die Kleider vom Leib reißen… andererseits sträubte sich jede Zelle seines Körpers dagegen, sie je wieder anzufassen- und wie immer, wenn er nicht weiter wusste, stieß er die Menschen auf unliebsame Weise von sich weg.
      “Von welchen Anfragen hast du eben gesprochen?”

      Ylvi
      Ich nahm seine Art hin, irgendwie hatte ich sie ja verdient. Aber falls er vor hatte mich damit von sich fortzutreiben so funktionierte das nicht. Dazu hatte ich ihn in den Jahren in denen ich nun schon auf der Ranch lebte zu sehr kennengelernt. Stattdessen fachte es etwas in mir an. Diese unbekannte Seite in mir die nur Caleb zum klingen brachte. “Für die Fotos werd ich mir wahrscheinlich Dell schnappen, falls du ihn morgen nicht anderweitig eingeplant hast? Er hat die Stuten samt Fohlen am besten im Kopf und bei den Geburten geholfen, denke da kommen am besten Fotos zustande.”
      “Warte, die Anfragen krieg ich nicht mehr zusammen.”
      Ich angelte um den Tisch herum nach meinem Mac, klappte ihn auf und ging mit diesem wieder hinüber zu Calebs Schreibtisch. “Das ich eine Instagram-Seite für die Ranch angelegt habe, mit täglichen Postings und ab und an Storys hatte ich dir ja bereits erzählt. Dort ist eine Anfrage eingegangen von einer jungen Chinesin, die gern als Working Student zu uns auf die Ranch kommen würde. Warte, ich kopier den Text schnell in eine Email, dann kannst du dir selbst ein Bild machen von ihr.” Ich tat wie geheißen, hängte an die Weiterleitung auch gleich die andere Mail ran. Dabei handelte es sich um eine Anfrage von zwei Reportern bezüglich den Makeovers. Caleb war mittlerweile ein International bekannter Trainer, die angelegte Instagram-Seite hatte da sicherlich auch seine Hände mit im Spiel. Einerseits brachte das der Ranch mehr Kunden ein, allerdings bekam ich über den Account auch Anfragen anderer Art, die Caleb nie zu lesen bekam. Die mir jedoch durchaus manchmal einen Stich versetzen.

      Caleb
      Ich überlegte. “Keine Ahnung ob Dell was zu tun hat, ich blick hier in Bellamys Plänen mal wieder nicht durch”, murmelte ich und kramte in meinem Blätterhaufen hin und her. “Versuchs mal im Computer…”, kam es leise von Ylvi. Ich starrte sie kurz an, wandte dann jedoch meinen Blick wieder auf den Bildschirm. Nach ein paar kurzen Klicks hatte ich die Arbeitspläne auf dem Schirm. “Kannst Dell mitnehmen.” Ylvi nickte zufrieden.
      Mit dem Mac kam sie rüber an meinen Tisch und zeigte mir die Instagramseite, deren Existenz ich verdrängt hatte.
      Ich starrte auf den Bildschirm und sah ein paar Posts, über Training und den ganz normalen Alltag, der hier tagtäglich ablief. Von ihrem Bildschirm sah ich wieder rüber zu meinem, auf dem nun die E-Mail aufploppte. Die Anfrage der Working Studentin und die Anfragen der Reporter. “Wie alt ist die Chinesin denn?”, fragte ich Ylvi, die kurz zu überlegen schien.
      “Ich glaube in einer kurzen Anfrage vorher hat 18 gestanden.”
      “Okay, was minderjähriges will ich hier nicht haben.”
      “Warum das nicht?”
      “Bürokram. Das macht alles komplizierter.” Mit dieser Antwort schien Ylvi sich zufrieden zu geben. “Kannst du ihr schreiben, dass wir sie gerne einmal per Skype kennen lernen würden? Sie soll sich bitte bis… nächste Woche um diese Zeit hier per E-Mail melden. Dann sehen wir weiter.”
      “Ist notiert. Was machen wir mit den Reportern?”
      “Gute Frage… spricht eigentlich nichts dagegen. Fragst du an, wann sie kommen sollen?”, fragte ich sie nun etwas freundlicher. “Und jetzt erzähl mir mal etwas über diese Instagramseite. Haben wir schon viele Follower? Kommen deshalb mehr Aufträge zum Training rein?”

      Ylvi
      Ich klickte auf unser Profilbild, womit sich quasi die Startseite unserer Ranch öffnete. Dann deutete ich auf eine Zahl. “Siehst du das?”
      Caleb kam beugte sich weiter vor, sah auf die Zahl knapp über meinem Zeigefinger. “30,5k” meinte er etwas fragend. “Wofür steht das K?”
      “Tausend.”
      Kurz kam keine Antwort, nur ein Seitenblick.
      “Meinst du etwa...knapp 30.000 Leute interessiert was wir hier treiben?!” fragte der Cowboy überrascht. Ich musste schmunzeln. Diese Welt des Internets war ihm nicht so vertraut. “Tatsächlich ja. Als ich die Seite angelegt habe, wollte ich sie einfach als Projekt nebenher führen. Aber mittlerweile kommen viele der Trainingsanfragen die ich dir weiterleite, über Instagram rein. Oft werden auch Fragen gestellt.” Ich biss mir auf der Lippe herum. “Tatsächlich habe ich schon darüber nachgedacht, den weiteren Trainingsverlauf von Saintly zu dokumentieren. Vielleicht von Zeit zu Zeit Videos zu machen. Wahlweise könnte man Online-Kurse und Fragerunden anbieten. So haben Leute die Chance Dinge zu lernen ohne die lange Reise zu uns auf sich zu nehmen. Die Preise könnten geringer gehalten werden, damit das Wissen zu gutem Pferdetraining auch den weniger gut betuchten zugänglich sind. Das ist alles nur fixe Ideen in meinem Kopf, man muss sehen wie das umsetzbar ist.” meinte ich zum Ende um meine Ideen ein wenig herunterzureden. Caleb stattdessen sah mich von der Seite an. War das Bewunderung in seinem Blick?
      “Ich glaube..Bellamy dieser Idiot hat damals als er dich eingestellt hat keinen schlechten Fang gemacht.”
      “Du hast nicht den Fehler gemacht mich fortzuschicken.”
      “Glaub mir...das wollte ich, wirklich.”
      “Ich weiß...und ich bin jeden Tag dankbar das ich an diesem Ort bleiben durfte.”
      “Ohne euch würde etwas fehlen...die Kinder, du...ja sogar Louis. Tschetan macht einen guten Job. Ich glaube...wenn er fleißig in der Schule lernt, sich weiterhin an der Arbeit mit den Pferden beteiligt. Dann reitet er uns allen in 10 Jahren etwas vor.”
      War das fast so etwas wie väterlicher Stolz der da in seiner Stimme mitschwang? Es war zumindest Zuneigung. Die Reise und die Arbeit mit Saintly hatte den Jungen und den Cowboy aneinander geschweißt. Plötzlich kam mir dabei ein Gedanke. “Caleb, wo du gerade Tschetan erwähnst. Der Bungalow war von Anfang an etwas eng. Hättest du vielleicht ein Zimmer im Haupthaus für Tschetan? Langsam kommt er in ein Alter in dem wir nicht mehr von ihm verlangen können sich das Zimmer mit seiner jüngeren Schwester zu teilen. Es liegt ihm fern sich darüber zu beschweren, aber ich denke sein eigenes Reich, macht es ihm auch leichter die Aufgaben für die Schule zu erledigen.”

      Caleb
      Ich konnte nichts anderes sagen, ich war begeistert von der Instagramseite. Auf Nachfrage, ob die Ranch auch Facebook oder sonst etwas im Internet besaß, verneinte Ylvi. Lediglich die Homepage besaßen wir noch. Gespannt schaute ich ihr dabei zu, wie sie auf der Seite hoch und runter scrollte, und mir die bisherigen Posts zeigte. Auf die Frage, wer denn alles Zugang zur App hatte, deutete Ylvi auf sich. Nur sie, bisher. Mir war das auch ganz lieb, wenn das vorerst so blieb. Für so etwas war sie ja eingestellt worden und es kam nicht so gut, wenn die halbe Ranch durcheinander immer wieder Bilder und Geschichten postete. Auf ihre Aussage zu Saintly nickte ich. Solange sie sich um die Bilder und die Posts kümmerte.
      Kurzerhand wechselte sie das Thema, kam auf Tschetan und die momentane Situation im Bungalow zu sprechen. “Natürlich ist das machbar”, antwortete ich ihr. “Ein bisschen mehr Bewegung im Haus wird mir wohl auch gut tun, sonst vereinsame ich noch.” Ich lachte gekünstelt. Meine Aussage entsprach der Wahrheit. Das Haus war so still, seit ich alleine hier lebte. Octavia und Bellamy teilten sich einen Bungalow und auch die anderen waren nur für kurze Zeit hier im Haus gewesen, dabei gab es genug Zimmer. “Ich habe aber auch schon überlegt, kleinere Häuser auf das Gelände zu bauen.” Ylvi horchte auf, klappte den Laptop zu und setzte sich auf den freien Stuhl vor meinem Schreibtisch.
      “Wie kommst du darauf?”
      “Es ist wie du sagst. Der Bungalow ist für euch alle zum Beispiel zu klein. Für O und Bellamy reicht er dagegen vollkommen aus. Hier im Haupthaus wäre für euch alle zwar Platz aber ich…” Ich sprach nicht weiter. Ylvi konnte sich bestimmt denken, was ich hatte sagen wollen. “Deshalb die Idee mit den kleinen Häusern. Wir müssten nur einen geeigneten Platz finden. Ich wollte noch ein wenig Wald roden und Paddocks bauen. Generell muss hier auf dem Gelände noch einiges passieren.”
      “Was schwebt dir denn sonst noch so vor?”, fragte Ylvi mich und nahm ein leeres Blatt von meinem Tisch. Ebenfalls einen Stift. Sie fing sofort an, Dinge untereinander zu notieren. Ich fragte schon gar nicht mehr, was sie da immer tat oder warum sie das machte.
      “Ich würde die Ferienranch gerne ans Laufen bringen. Dazu müsste drüben aber mal gründlich aufgeräumt werden. Die umgefallenen Bäume rundherum weg, Rasen mähen, die Häuser innen und außen auf Vordermann bringen, das Außengelände gestalten und natürlich eine andere Inneneinrichtung… und was dort gebaut werden muss, ist ein kleiner Offenstall mit einem Stück Weide für die Pferde der Ferienranch. Ich hab da schon ein paar unserer Pferde hier im Blick.”
      “Ach ja? Welche denn?”, fragte Ylvi neugierig.
      “Warte ich hatte doch.. die Liste.. irgendwo.. ah hier! Ah ja, Sue. Die stand mal drauf, hab sie aber durchgestrichen. Es würde Betsy das Herz brechen, wenn sie die Stute nicht immer um sich herum haben könnte.. dann es sind eigentlich viel zu viele.. ich hatte an 5 Pferde gedacht- erstmal. Ich mein wenn keine Gäste da sind müssen wir ja auch jeden Tag rüber, um nach ihnen zu sehen und sie zu bewegen…”, ich machte eine Pause und holte Luft, um nochmal anzusetzen, “Wenn sie nicht verkauft werden finde ich BR Homecoming Queen und BR Hollywoods Dream Anthem geeignet. Falls sie sich unter dem Sattel auch so zeigen, wie sie zur Zeit sind. Von Octavia ist es Flashlight. Sie benötigt die Stute nicht zur Zucht. Also hat sie gesagt ich soll sie Western umschulen- auch eine gute Story für Instagram- und dann für die Ferienranch ausbilden. Des Weiteren, falls nicht gebucht oder schon tragend: Kristy Killings, Jade, Chou, Miss Independent… von den Trainingspferden Honey’s Aleshanee, A Walking Honor, Lady Blue Skip, Ginger Rose und Colonels Blue Splash… und von den Jungpferden noch BR Dissident Whiz, aber nur evlt. das wäre glaub ich der einzige Wallach dann drüben, und A Walking Dignity.” Ich sah zu Ylvi auf. “Wie gesagt, das sind alles nur Vorschläge und es ist auch noch nichts fest.”

      Ylvi
      Ich zog eine Augenbraue nach oben, sah auf meine Mitschriften in Steno und sah Caleb wieder an. “Na aber für Vorschläge, sind deine Überlegungen schon ziemlich ausgereift.” sprach ich halb belustigt.
      “Aber die Überlegungen finde ich prima. Das sind alles gute Ideen. Glaub mir an Besuchern wird es uns wohl auch nicht fehlen. Die Seite bei Instagram existiert erst seitdem du uns verkündet hast das wir bleiben können. Das ist quasi fast wie ein Selbstläufer. Wir haben viele spannende Geschichten die wir wiedergeben können.” Ohne genauer darüber nachzudenken ließ ich mich auf die Stuhllehne nieder, verstaute meine Notizen in der Tasche meines Macs.
      “Pack sie nicht zu weit weg. Wir könnten sie gebrauchen.”
      “Natürlich nicht, ich werd eine digitale Liste erstellen daraus. Bellamy in allen Ehren, aber diese Zettelwirtschaft die er veranstaltet ist ja nicht zum Aushalten.” damit deutete ich unwirsch über die vielen einzelnen Papiere auf dem Tisch. Caleb lachte. “Aber ich hab auch viel lieber mal einen Zettel in der Hand.”
      “Das kann ich voll verstehen, Caleb. Aber es gibt nunmal einige Arbeitsschritte die man optimieren kann. Ist das der Fall bin ich gern bereit dies einzuführen. Erinner dich nur mal an die Zeit als die Weidezaungeräte noch alle per Hand angeschlossen werden mussten.”
      “Touché die Idee mit den WLAN Steckdosen war tatsächlich eine deutliche Verbesserung. Und...auch die Instagram-Seite war eine gute Idee. Dafür muss ich dir danken.” Ich drehte mich halb zu ihm um, wurde mir nun bewusst wie Nahe ich bei ihm saß. Ich sprang auf in der Hoffnung es würde nicht zu hastig aussehen, griff nach dem Mac, schloss den Bildschirm und presste ihn an meine Brust. Schließlich sah ich Caleb wieder an. “Das ist doch quasi mein Job. Dafür brauchst du dich nicht zu bedanken.” Es folgte keine direkte Antwort darauf, ich nahm aber wahr wie sich der mürrische Ausdruck um seine Züge gelegt hatte. Er sah plötzlich entspannter aus.
      Die nächste Stunde sagte keiner ein Wort während jeder seiner Arbeit nachging. Caleb sortierte die Papiere und Zettel die er zu Boden geworfen hatte. Beständig lag das Geräusch eines Lochers in der Luft, das klicken der großen Heftordner, wenn er sie wieder schloss. Begleitet wurden diese Geräusche von meinen Fingern die flux und routiniert über die Tastatur flogen um einen neuen Text, kleinen Text zu den Fohlen zu schreiben, die Bilder korrekt anzuordnen. Trotzdem spürte ich seine Blicke auf mir von Zeit zu Zeit. Als alles erledigt war, ich den Bildschirm runter klappte, huschte mein Blick zur Uhr. Es war gerade 21 Uhr. “So, die Website ist wieder auf dem aktuellsten momentanen Stand. Die Bilder von morgen, werd ich dann anschließend noch ergänzen.”

      Caleb
      Bei den ganzen Papierstapeln auf meinem Schreibtisch musste ich den Boden für die offenen Ordner nutzen. Blätter sortieren, lochen, den richtigen Ordner auf dem Boden suchen und einheften. Natürlich vorher kontrollieren, ob etwaige Rechnungen schon bezahlt, angezahlt oder vergessen waren. Dazu räumte ich fast bei jedem dritten Blatt die Tastatur wieder frei und rief die E-Mails auf. “Warum muss Bellamy immer so ein Chaos veranstalten…”, murmelte ich und war mir sicher, dass ich das Organisatorische viel besser im Griff hatte, als er.
      Ylvi sagte etwas, dass mich den Kopf heben ließ. “Okay, alles klar. Ich hoffe du und Dell habt morgen Erfolg. Passt aber auf mit Candy (DunIts Smart Investment), die ist ein Biest im Moment. Nehmt sonst ein paar Halfter für die Stuten mit und auch O. Die kommt mit Candy am Besten klar. Von Devils (Wimpys Little Devil) Fohlen macht ihr besser auch Fotos aus einiger Entfernung. Ich trau ihr kein bisschen, wenn sie ein Fohlen bei Fuß hat.”
      “Oh.. das wusste ich noch gar nicht”, sagte sie überrascht.
      “Ja… Candy ist da wirklich eigen und hat einen großen Beschützerinstinkt. Devil hält sich eh fast immer abseits auf, kann aber aggressiv werden, wenn ihr jemand zu nahe kommt.”
      “Gut, dass du mir das nochmal gesagt hast”, meinte Ylvi, ehe sie anfügte: “Gute Nacht, Caleb.”
      “Gute Nacht, Ylvi.” Somit verließ sie den Raum und ließ mich alleine zurück. Ein komisches Gefühl, nicht mehr gemeinsam ins Bett zu gehen. Wobei ich mich mittlerweile ja schon daran gewöhnt hatte. Ich blieb noch etwa eine halbe Stunde, dann fielen auch mir die Augenlider immer wieder zu. Ich vertagte das weitere Chaos auf den nächsten Tage, oder den darauffolgenden, und ging hoch in mein Zimmer. Wenige Augenblicke später lag ich im Bett und schlief ein.

      Ylvi
      Louis hatte sich mit seinem Buch ins Schlafzimmer zurückgezogen. Das Kissen lag ihm im Rücken, sein Kopf auf die Brust gesunken und das Taschenbuch zusammengeklappt. Als ich jedoch das Zimmer betrat schnellte sein Kopf erschrocken hoch. “Eingedöst?” sagte ich belustigt, während ich mir meine Klamotten vom Körper entfernte. Louis legte das Buch beiseite, nickte und kuschelte sich in sein Kissen. Als ich mich dazu gesellte legte sich sein Arm um meine Hüfte, zog mich eng an sich. Ich beschloss also ihm die Neuigkeiten von Tschetans Zimmer drüben im Haupthaus eher beim Frühstück anzuvertrauen. Jetzt schien er dazu nicht mehr Aufnahmefähig.

      “So...wir haben Halfter, ich hab meine Kamera, genügend Akkus. Eine Liste der Fohlen. “ ging ich die Liste noch einmal durch. Die Tür des Pick-Ups stand dabei offen. Dell stand auf der anderen Seite und hörte zu. In seinem Rücken konnten wir Betsy und Kaya auf den beiden Pferden Fylgia und Valravn sehen. Tschetan hatte nicht mitkommen wollen. Caleb und er hatten einiges in den anderen Ställen und mit Saintly zu tun, der tägliche Pflege benötigte. Die beiden Mädels würden durch den Wald zu den Wiesen der Stuten und Fohlen geritten kommen, um uns später beim Fotografieren zu helfen und zu beobachten. Wobei mir, nach Calebs Beschreibungen einiger Stuten es lieber wäre, wenn die beiden die Wiese nicht betraten. Allerdings hatte Dell seiner Tochter den Wunsch nicht ausgeschlagen, also hatte ich Kaya auch nicht verweigert ihre Freundin zu begleiten.

      Dell
      Bereits am Abend hatte mich eine Nachricht von Caleb und kurz darauf von Ylvi erreicht, dass ich der Frau am nächsten Morgen bei den Bildern für die Fohlen helfen sollte.
      Ich freute mich riesig über diese Abwechslung, denn neben Stallarbeit, Reparaturen und dem Kümmern um meine Tochter hatte ich hier auf der Ranch bisher keine weiteren Aufgaben.

      Am nächsten Morgen waren wir bereit zur Abfahrt, nachdem Ylvi zum dritten Mal die Liste des Equipments gecheckt hatte. Allerdings vergaß sie jedes Mal etwas. „Ylvi du hast noch immer was vergessen“, meinte ich beiläufig, als ich sie durch die geöffneten Türen des Wagens anschaute.
      Sie blickte mich wie ein aufgescheuchtes Reh an, in ihrem Kopf schien es zu rattern. Eine Antwort fand sie jedoch nicht. Grinsend sah ich zu ihr rüber und hob die kleine Tüte, die ich auf den Fahrersitz gelegt hatte, hin und her schwenkend nach oben. „Leckerlis?“
      Ylvis Gesichtszüge entglitten ein wenig, sie schlug sich mit der flachen Hand an die Stirn.
      „Wie konnte ich das vergessen. Ooooh man!“
      Nun konnte es jedoch losgehen. Wir setzten uns in den Wagen, ich startete den Motor und wir fuhren zur Weide der Stuten und Fohlen. „Caleb sagte, dass Devil mit ihrem Fohlen vermutlich etwas abseits steht. Einige sind auf dieser Seite, ein paar aber auch durch den Wald und den kleinen Fluss auf der anderen Seite, aber das werden wir ja gleich sehen.“
      „Findest du es denn eine gute Idee, dass die Mädchen mit auf die Koppel kommen? Candy kann ja schon… gefährlich werden..“, meinte Ylvi und sah mich besorgt an.
      „Ich denke Betsy wollte vor allem wegen Sue mitkommen, sie ist ja immer noch sehr traurig, dass das Fohlen verkauft ist… von den anderen Pferde können wir Kaya und Betsy ja ein wenig weg halten.“ Damit schien die junge Frau zufrieden.

      Ylvi
      Wir waren bereits gut vorangekommen. Ich trug meine große Kamera an einem Band um meine Schulter, Dell hatte es sich nicht nehmen lassen mir die Tasche aus der Hand zu nehmen. Zusätzlich zu Leckerlis und den Halftern. Ich musste immer wieder schmunzeln. “Ich kann es mir nicht nehmen lassen, aber du siehst aus wie ein Packesel.”
      “Wer weiß, vielleicht hab ich vor das im nächsten Leben zu werden?”
      “Dazu hast du ja noch massig Zeit, aber an deiner Stelle würd ich noch ein wenig an meinem Karma arbeiten.” ich kannte mich nicht wirklich mit den Lehren Buddas aus, nur rudimentär das man dort aufstieg sobald man gute Taten vollbrachte. “Das habe ich vor. Jetzt helfe ich dir mit den Fotos. Und im Laufe der Tage widme ich mich dem alten Truck.”
      “Sag bloß der ist schon wieder im Eimer?”
      “Nicht im Eimer, aber irgendwas tropft.”
      Ich schüttelte den Kopf. Caleb hing wirklich an diesem blöden Truck. Wir hatten ihn schon öfter von einem anderen überzeugen wollen. Allerdings war man dabei eher auf taube Ohren gestoßen. “Dann wünsch ich dir mal viel Erfolg dabei. Ich kann mich noch an das letzte Mal erinnern. Deine Flüche sind über den ganzen Hof gefegt. Betsy hat an dem Tag beschlossen lieber bei uns das Abendessen zu verbringen.”
      “Schauspiel, alles Schauspiel.” erwiderte Dell. Ich hielt mir die Kamera vor die Nase, sah ihn drüber hinweg an. Und sah sein breites Grinsen.
      Ich schüttelte den Kopf, schaltete die Kamera wieder an, sah durch den Sucher um endlich die Fotos von Sues schwarzem Fohlen, BR Black Pamina, zu beenden. Von 15 Fohlen hatten wir bereits 5 geschafft. Die Mädels waren noch nicht hier, sie hatten sicherlich einen Umweg durch den Wald genommen. Allerdings gestaltete sich das gar nicht so einfach, die kleine Stute war ziemlich verschmust und suchte immer wieder meine Nähe. Ich hatte schon auf ein kleineres Objektiv getauscht um sie besser zu erwischen.

      Dell
      Während Ylvi sich Sues (Black Sue Dun It) Fohlen Nima (BR Black Pamina) vergnügte und so langsam sichtlich genervt von der eigentlich niedlichen Aufmerksamkeit war, schaute ich auf unsere Liste und harkte die Namen, der fünf schon fotografierten Fohlen ab. Da waren Auntis (Heretic Anthem) Ziehfohlen Queen (BR Homecoming Queen) und ihr eigenes, McDremy (BR Hollywoods Dream Anthem), die uns beide wirklich in die Karten gespielt hatten. Queen, als auch McDreamy blieben stets in der Nähe der Stute, sprangen aber auch ab und zu ein wenig zur Seite. Genau diese Momente passte Ylvi ab, um ein paar Bewegungsfotos zu schießen. Für die Fotos, die Ylvi für die Papiere machen musste, nahm ich die Fohlen immer kurz ans Halfter. Den meisten passte dies nicht so sonderlich, so zum Beispiel BR Sheza Topnotch Babe. Die kleine Stute von Bella Cielo stellte sich wirklich an wie der Teufel. Normal war sie sehr ruhig und verschmust, gar auch anhänglich. Heute war sie allerdings mit dem falschen Huf aufgestanden, denn sie stieg mir ständig an der Hand.
      “So hat das glaub ich keinen Sinn”, hatte Ylvi gesagt und mir empfohlen, das Halfter doch nochmal auszuziehen. Ich hatte getan wie mir geheißen, das Halfter abgemacht und siehe da, die Stute stand wie eine eins. Ylvi beeilte sich mit den Bildern und nickte mir zu. Als ich gerade die Hand ausstreckte, um die Stute zu streicheln, sprang sie von jetzt auf gleich 180 Grad um die eigene Achse und galoppierte davon. “Toll”, murmelte ich und kratzte mich verlegen am Kopf. “So viel dazu.”
      Die Fotos von BR General Pleasure, der ein Sohn von Magnificient Crow war und in ein paar Monaten nach Österreich ziehen würde, waren innerhalb weniger Minuten im Kasten.
      Auch Daisy (BR Lovely Gun) und Shark (BR Twenty 4 Killings), die nach Evergrenn Acres umsiedeln würde, zeigten sich kooperativ.
      Die Jungpferde, von denen wir keine Fotos brauchten, drängten sich allerdings ständig dazwischen. So waren es Leuchtfeuer di Royal Peerage, die Jungstute von Octavia sowie Blue Fire Cat, Dual Shaded Ace und A Walking Dignity, die ihren größten Spaß mit den mitgebrachten Utensilien hatten. “Yes, alles im Kasten!”, jubelte Ylvi auf einmal, als ich mich gerade nach den restlichen Halftern bückte. Die Jungstute Leuchtfeuer erschrak, machte einen Satz und knallte gegen mich. Natürlich verlor ich sofort das Gleichgewicht und fiel mit einem lauten plumps auf den Boden, was die anderen Pferde, die ihre Rüssel auch alle im Zubehör stecken hatten, natürlich auseinanderstoben ließ- und mit ihnen die ganze aufgescheuchte Herde.
      Ich setzte gerade meinen Cowboyhut wieder auf den Kopf und wollte mich aufrichten, da erschien eine Hand in meinem Blickfeld. “Sorry Dell”, sagte Ylvi schüchtern lächelnd und half mir wieder auf die Beine.
      “Dass die schon so viel Kraft haben”, kommentierte ich meinen kleinen Unfall und klopfte mir den Dreck von der Hose. “Ich glaube wir müssen jetzt ein wenig warten, bis die sich alle wieder beruhigt haben- es sind ja jetzt wirklich alle Pferde davongerannt.” Ich zog ein beleidigtes Gesicht, raffte alle Materialien auf dem Boden zusammen und schmiss sie auf die Ladefläche des Trucks. Gleich darauf landete mein Hintern auf der Klappe, ehe ich auf den Platz neben mich klopfte. Ylvi schien zunächst ein wenig unsicher, schwang sich dann jedoch neben mich. “Ich vermute, die sind alle im Wald oder sogar rüber auf die andere Seite”, schlussfolgerte ich, als ich mit bloßem Auge kein Pferd mehr entdecken konnte. “Wer noch hier sein könnte, wären Devil (Wimpys Little Devil) und Bailey (BR Wimpys Bright Gangster), die ist ja meistens alleine irgendwo hier vorne am Waldrand”, erklärte ich Ylvi und schaute nach links, von wo aus ich die beiden Mädchen kommen sah. “Schau mal”, dabei streckte ich meinen Arm in die Richtung, in der man die Köpfe von Kaya und Betsy sah, “dann können wir auch noch grade warten, bis sie hier sind.”

      Ylvi
      Die beiden Kids brauchten bis sie ihre Pferde an die Pfähle gebunden hatten und zu uns hinüber gelaufen kamen. Ich schmunzelte dabei. Wer hätte gedacht das mein bockender Valravn eines Tages von einem schmalen Mädchen geritten wird? Selten stieg oder bockte er noch. In Fact...unter mir schon, aber die anderen schienen wunderbar mit ihm klar zu kommen. Während wir warteten kontrollierte ich nochmal den Akku, den Stand der Speicherkarte. Und pustete ein wenig des Staubes vom Objektiv. Da stupste Dell mich an. Am Waldrand erschien ein Pferd auf das er deutete “ Schau, dort kommt Candy (DunIts Smart Investment).” ich hob die Augenbrauen, sah zwischen den beiden Kindern und der Stute einher, doch ihre Aufmerksamkeit galt dem kleinen Wesen das hinter ihr auf der Anhöhe nun zu sehen war. Ihr Fohlen, der Hengst Elvis (BR Alans Smart Dream) lief gemächlich auf sie zu. Nur um dann nach der Milchquelle zu suchen. Mit schnellen Handgriffen wechselte ich das Objektiv, sah durch den Sucher. Und hatte ein idyllisches Bild wie der Hengst bei Candy trank. “Die Pferde sind ja alle weg!” sprach Betsy aufgeregt. “Nur hinter den Hügel gelaufen und im Wald verstreut.” Betsy zog einen Flunsch “Hätten wir dann direkt auf den Ponys bleiben können?”
      “Fylgia vielleicht. Aber als Wallach Ravn in der Herde zu haben, besser nicht.” antwortete ihr Vater. Kaya schmunzelte nur über die wenige Begeisterung von Betsy.
      “Dann machen wir uns mal auf den Weg den Hügel hinauf.” sagte ich fröhlich, nahm Kaya bei der Hand und stiefelte gezielt los. “Habt ihr beiden den Weg gut gefunden?”
      “Klar, Caleb ist den Weg zu den Koppeln letzte Woche schon mal mit uns geritten. Ich bin so oft es geht hier um am Zaun nach Sue zu schauen. Caleb hat mir untersagt die Weide ohne Aufsicht zu betreten.”
      “Und dein Vater untersagt dir das auch!” sprach Dell mit Nachdruck “Candy ist nicht gerade nett zu Leuten die ihr und dem Fohlen zu nah kommen. Ich halte das zwar für keine guten Eigenschaften um damit zu züchten...aber die Entscheidungen liegen ja nicht bei mir.”

      Dell
      Während Ylvi Kaya an die Hand nahm, stellte sich meine Tochter Betsy sogleich neben mich und stieß mich mit ihrem Arm an, bis ich ihre Hand in meine schloss. Sie lächelte zu mir hoch, ich sah sie ebenso freundlich an. Sie hatte sich wirklich gemacht und den Tod ihrer Mutter mittlerweile gut weggesteckt- es war auch schon lange her. Ob sie sich überhaupt noch daran erinnerte?
      “Aber Izzie mangelt es ja auch an nichts”, riss mich Ylvi wieder aus den Gedanken.
      “Hm?”
      “Na BR Dress to Impress, Candys erstes Fohlen. Damit ist Caleb ja wirklich begeistert. Papa war ja aber auch Blue (Gun and Slide), dieses Mal ist es Alan (Alan’s Psychedelic Breakfast), auch ein eher ruhiger Kandidat.”
      “Da hast du schon Recht”, antwortete ich ihr und nahm Kaya zu mir an die Hand. Ylvi brauchte nun wieder beide Arme für die Kamera. Elvis präsentierte sich wirklich gut vor der Kamera. Candy legte nur zusehends die Ohren immer flacher an den Kopf. “Kaya und Betsy ihr geht ein paar Meter hinter mich, das gefällt mir gar nicht, was Candy da macht… Ylvi pass du auch auf!”
      Aber da war es schon zu spät. Kaya und Betsy waren quietschend einen Satz nach hinten gesprungen, ich machte einen großen nach vorne und schmiss Candy eines der Halfter entgegen, welche ich um die Schulter gehängt hatte. “Lass das du Zicke!”, fuhr ich sie an und baute mich so gut ich konnte vor ihr auf. Ylvi war vor Schreck wie versteinert und hatte sich keinen Zentimeter bewegt, krampfhaft umklammerte sie ihre Kamera und starrte die Stute an.
      “Hau ab!”, wiederholte ich und machte, wild wedelnd mit dem zweiten Halfter von meiner Schulter, der Stute zu verstehen, dass sie Land gewinnen sollte. Schließlich drehte sie sich um, umsprang ihr Fohlen ein paar Runden und galoppierte dann wieder in Richtung des Waldes.
      “Alles ok bei euch?”, fragte ich an die Mädchen gewandt, die sich in den Armen lagen. Da hatten sich zwei aber wirklich ziemlich erschrocken.
      “Ja, jetzt ist alles ok, Dad”, antwortete mir meine Tochter und ließ langsam von ihrer Freundin ab. Kaya nickte mir schüchtern zu. Erst dann drehte ich mich wieder zu Ylvi um. “Bei dir auch alles gut?”
      “Damit hätte ich nicht gerechnet”, sagte sie außer Atem und ließ die Kamera sinken. “Vermutlich hab ich das sogar noch mit aufgenommen.” Sie schaute auf den Bildschirm der Kamera und klickte eine Weile auf den Tasten hin und her. “Ja, das ist mit drauf. Das zeig ich Caleb später!”
      “Genau das ist der Grund, weshalb Caleb, und auch ich, euch verboten haben, alleine hierher zu kommen. Es ist ja nicht nur Candy, vor Devil müsst ihr euch auch in Acht nehmen.”
      “Aber was ist denn mit Sue? Wenn Candy so gemein zu uns ist, dann ist sie bestimmt auch gemein zu meiner Sue.” Betsy ließ den Kopf hängen, schien traurig zu sein.
      “Nein, Sue ist schlau, sie geht Candy einfach aus dem Weg- und wenn das nichts hilft dann kann sie sich wehren.” Ich ging zu Betsy und hob ihr Kinn mit meinem Zeigefinger nach oben. “Sie tut Sue nichts, keine Sorge.” Sie lächelte wieder, legte mir die Arme um die Hüfte und umarmte mich. “Danke, dass du uns beschützt hast, Dad.”

      Candy war schon einige Minuten weg, da kamen Soul (BR Heart N’ Soul), das einzige Appaloosafohlen diesen Jahres, Seth (BR Double Gunslide) und Atlantis (BR Atlantis Dream) auf uns zu. “Die drei sind in Ordnung”, sagte ich zu den Mädels und ließ sie langsam auf die Fohlen zugehen. Seth hielt zunächst ein wenig Abstand, so dass Ylvi den Hengst in aller Ruhe fotografieren konnte. Schließlich kam er auch auf die Mädchen zu. Soul schien allerdings keine große Lust zu haben, die Mädchen teilen zu müssen, weshalb er ein paar Schritte wegtrabte. “Ylvi deine Chance!” Ich lachte und wuschelte auch einmal der kleinen dunklen Stute Atlantis durch den Schopf.
      “Jetzt fehlen noch drei Fohlen, Ylvi”, sagte ich zu ihr, als sie die letzten Fotos der drei vorwitzigen Fohlen geschossen hatte. “Ich vermute, die sind auf der anderen Seite, oder irgendwo da beim Bach.” Um dorthin zu gelangen, mussten wir durch den Wald gehen. Da wollte ich die Kinder allerdings nicht mitnehmen, denn Candy würde auch dort sein.
      “Betsy und Kaya geht bitte zurück zum Truck, wir fotografieren nur noch die drei letzten Fohlen und dann kommen wir auch.”
      “Ist okay, Dad. Ich glaube wir reiten auch zurück. Oder noch eine kleine Runde, und dann zurück. Oder Kaya?” Diese nickte.
      “Reitet aber nicht zu weit weg!”, fügte Ylvi noch an, ehe wir uns umdrehten und in Richtung Wald gingen. Immer wieder warfen Ylvi und ich einen Blick über die Schulter, ob die Mädchen auch wirklich den Weg zurück zu den Pferden einschlugen.
      Die restlichen Fotos bekamen wir nicht ganz ohne Zwischenfall in den Kasten. Nachdem Dissident Whiz’, das Fohlen von Tainted Whiz Gun, abgelichtet war, wollte Ylvi die Stute verscheuchen, um besser an Raised und Rosy (BR Raised to Slide) dran zu kommen. Raised from Hell, die neben Ylvi stand, schreckte hoch und rannte sie einfach über den Haufen. Fluchend war ich zu ihr gerannt und hatte ihr wieder auf die Beine geholfen. “Was ein Chaos hier.”
      Schließlich war es uns doch gelungen. Auch die Bilder von BR Colored in Style, die Tochter von Smartie (GRH’s A Gun Colored Lena) waren dann noch schnell geschafft. Fix und fertig gingen wir zurück zum Truck, mit dem wir dann wieder zur Ranch zurückfuhren.
      “Das war mal eine willkommene Abwechslung”, sagte ich zu Ylvi, als ich ausstieg und die Halfter vom Rücksitz in die Hand nahm.
      “Aber anstrengend”, kommentierte Ylvi lachen, wandte sich kurz um und schien sichtlich beruhigt, als sie Kaya, Betsy und nun auch Tschetan aus dem Stall kommen sah.
      “Ich mach mich dann auch mal wieder an meine normale Arbeit, bis dann Ylvi.”

      Caleb
      Ylvi und Dell waren schon eine ganze Weile vom Hof verschwunden. Mittlerweile war es kurz nach Mittag. Die Pferde auf meine Liste waren versorgt. Die Hengste alle auf den Paddocks, die Boxen gemistet und ich hatte auch schon Kraftfutter für den Abend in die Tröge verteilt.
      Zwar hatte ich noch einiges an Papierkram vor mir, das konnte ich jedoch getrost auf heute Abend verschieben, so dass ich nun noch Zeit für mein HMJ Pferd HMJ Saintly hatte.
      Ich ging auf den Paddock des Hengstes, halfterte ihn auf und ging zum Putzplatz des Stalls, in dem er stand. Dort putzte ich einmal schnell über, ehe ich mich dazu entschied, ein wenig mit ihm spazieren zu gehen. So konnte er den Hof besser kennen lernen und ich hatte genügend Zeit, ein Auge auf alles zu werfen. Unterwegs traf ich Cayce, Laurence und Brian, die auf dem großen Reitplatz waren und Shorty (Whitetails Shortcut), Playboy (I’m a Playboy) und Silent Bay trainierten. Natürlich hielt ich dort an und musste meinen Senf zum Training dazu geben.
      Schließlich kam Cayce zum Zaun und schaute mich ernst an. “Hast du nichts besseres zu tun?”
      “Nein, grade eigentlich nicht”, grinste ich, während er kopfschüttelnd seinen Shorty abwandte und sich wieder seiner Aufgabe widmete. Cayce und Shorty waren ein tolles Team. Es wurde wirklich Zeit, dass ich meinen Vulture (Smart Lil Vulture) weiter trainierte, so dass wir nochmal gemeinsam ropen konnten. Bei meinem Glück und Vultures weniger Erfahrung würde ich nicht nur einmal im Sand landen, während Cayce mich schallend auslachen würde.
      Saintly und ich gingen weiter, kamen am kleinen Reitplatz vorbei, auf dem Octavia mit Soul (Prias Colourful Soul) ihre Runden drehte. Aimee stand am Zaun und beobachtete sie. Ich hielt mich nicht lange auf, denn mit Aimee hatte ich nicht wirklich etwas zu sprechen- Octavia war ja beschäftigt. Seit die junge Frau mit ihrem Vater auf die Ranch gekommen war, hatte ich noch nicht oft das Vergnügen eines Gespräches gehabt. Generell war sie eher wie ein Geist. Sie war mal hier, mal da- aber fiel nicht wirklich auf.
      An den Jungferdekoppeln stoppte ich und beobachtete zunächst die Hengste. Vulture spielte mit Cody (tc Mister’s Silvermoon Cody). Der Hengst hatte es bis jetzt in seinem Leben nicht wirklich einfach gehabt. Er stand noch nicht im Training, genoss seine Jugend in vollen Zügen. Auch Joker (BR Colonels Lil Joker) und Goldy (BR Colonels Golden Gun) waren nicht weit weg und zankten wieder miteinander herum. Sky (PFS’ Unclouded Summer Skies), Berry (GRH’s Funky’s Wild Berry) und Chico (Chic N’ Shine) standen gemeinsam am Heu und schienen die Ruhe zu genießen, dass sie endlich mal Platz am Ballen hatten.
      Mit Saintly am Strick, der sich sehr für die anderen Pferde zu interessieren schien, ging ich weiter zur Stutenkoppel. Luna (Special Luna Zip), Katie (Jacks Inside Gunner), Gun Sophie, Gin (Ginger Rose), Connie (Colonels Blue Splash), Crissy (Captains Blue Crystal) und Izzie (BR Dress to Impress) galoppierten auf uns zu, als sie mich mit dem fremden Hengst auf sie zukommen sahen. Auch HMJ Saintly, der bisher sehr ruhig an der Hand war, hob den Kopf und wieherte ihnen zu. Mittlerweile klang sein Wiehern auch wieder wie das eines Hengstes, nicht so kläglich und jämmerlich. Er tänzelte ein wenig an der Hand und wollte den Stuten unbedingt imponieren. “Na sowas aber auch”, kommentierte ich sein Verhalten und zuppelte ein paar Mal am Strick. Mein Blick schweifte einmal durch die Herde, morgen würde es ihnen auch wieder an den Kragen gehen, für dann war das Training fest eingeplant.
      Als Saintly begann an der Hand unerträglich zu werden, spazierte ich zurück zum Paddock, in den ich ihn wieder stellte und den Riegel des Tors mit dem Schloss versah: sicher war sicher. Dann ging ich wieder zurück ins Büro und widmete mich dem Schreibkram, den ich heute morgen liegen gelassen hatte.

      Ylvi
      Ich ließ meine Kamera auf den Tisch fallen, der erstaunlicherweise noch immer im Büro stand, und ließ mich selbst auf den Stuhl sinken. “Puhh.” stieß ich dabei hervor. Caleb sah von seinem Schreiben auf, zu mir herüber. “Ihr habt reichlich lang gebraucht.”
      “Sind ja auch nicht grad kleine Wiesen.” meinte ich energisch. “Außerdem hat mich Hell (Raised from Hell) umgerannt, als sie dabei war Tainy (Tainted Whiz Gun) zu verscheuchen. Als wär der Angriff von Candy nicht genug gewesen.” sprach ich läppisch daher. “Angriff?” fuhr Caleb besorgt fort. Mit einer Geste meiner Hand winkte ich ab. “Dell hatte alles im Griff. Ich war allerdings so erschrocken, dass ich erstarrt bin. War haarscharf. Hell hat anschließend den Rest erledigt. Immerhin ist der Ausrüstung nichts passiert.” Ich sah zum ersten Mal seitdem wir die Ranch am Vormittag verlassen hatten auf die Uhr. Das Zifferblatt zeigte 15 Uhr - wir hatten tatsächlich lang gebraucht.
      Mir schmerzte der Rücken, außerdem die Füße vom vielen Laufen. Aber immerhin hatten wir die letzten Bilder von Rosy (BR Raised to Slide) geschafft. BR Dissident Whiz hatte uns ebenfalls besonders schöne Vorlagen für Fotos gegeben als er mit BR Colored in Style gespielt hatte. An dem Glas Wasser nippend, öffnete ich den PC.
      “Die Bilder laufen nicht weg, wenn du willst kannst du dich auch anderen Aufgaben widmen.”
      “Stör ich dich?”
      “Nicht direkt, aber wenn ein Pferd dich umgerannt hat. Dann möchtest du vielleicht lieber ein heißes Bad nehmen, statt am PC zu arbeiten.”
      “Da magst du vielleicht Recht haben.”
      “Das...klingt nach einem Aber?”
      “Der Bungalow verfügt leider nur über eine Dusche.”
      “Ich denke du kennst dich noch aus?”
      Ich zog eine Augenbraue nach oben. Bot er mir etwa an hier im Haupthaus das Bad zu benutzen? Ich zögerte nicht lang. Nicht das er es sich anders überlegen würde.
      “Weißt du noch wo die Gäste Handtücher sind?”
      “Wenn du nicht umsortiert hast, klar.”
      Und damit verschwand ich die Treppe hinauf. Aus dem Schrank im Flur fischte ich mir eines der Handtücher, nahm ein zweites, kleineres für die Haare. Huschte dann ins Bad. Stand einen Moment an der Tür, die Hand halb ergriffen nach dem Schlüssel. Erinnerte mich an ein anderes Mal, eine andere Zeit in der ich die Tür nicht abgeschlossen hatte. Ich wusste nicht was mich dazu bewog, doch ich ließ die Tür geöffnet. Sah zu wie sich die Wanne langsam begann zu füllen, streifte die Kleidung vom Körper und glitt in das wohlig warme Wasser hinein. “Caleb, das war eine hervorragende Idee.” murmelte ich und schloss entspannt die Augen.

      Caleb
      Ich sah Ylvi hinterher, als sie das Büro verließ. Wenige Sekunden später sank mein Blick wieder auf den Papierstapel, durch den ich mich noch immer kämpfte. Verfluchter Bellamy. Eigentlich hätte ich ihn von Anfang an dazu rufen sollen, denn er hatte schließlich dieses Chaos verbreitet. Vielleicht war es aber auch gut, dass ich hier alleine saß, denn so konnte ich mich wieder ausbreiten- nicht nur auf dem Schreibtisch, sondern auch auf dem Boden.
      Dabei fiel mir der Arbeitsvertrag von Louis Bekanntem, Logan Otaktay ins Auge. Wirklich Zeit hatte ich noch immer nicht gefunden, das Gespräch mit ihm zu suchen und ihm Aufgaben zu verteilen. Apropos Aufgaben… irgendwo mussten sich die Trainings- und Stallpläne befinden… wenn ich doch nur… “Mist.” Da waren sie gewesen und flatterten nun durcheinander zu Boden. “Aaaaaah Bellamy!”
      “Hm?” Da stand der junge Mann in der Tür. “Ich war grade in der Küche und hab mir was zu trinken genommen… was hab ich jetzt wieder angestellt?”
      “Du hast hier pures Chaos verbreitet! Ich bin schon nicht der beste Freund des PC’s, aber meine Zettelwirtschaft hat wenigstens Ordnung! Ich weiß nicht, was du hier wieder fabriziert hast, dabei war ich doch nur zwei Wochen weg!”
      Bellamy schien zu überlegen, knibbelte am Etikett der Plastikflasche herum. “Ich äh.. habe versucht... “
      “Chaos zu veranstalten.”
      “Nein. Also ich blicke da durch. Wenn du willst, kann ich dir helfen.”
      “Nein, danke. Ich hab eh schon alles umsortiert… aber geh mal in die Ställe und bring mir die dort hängenden Pläne, ich vergleich sie mal hier mit und änder sie gegebenenfalls nochmal um, dass alles aktuell ist.”
      “Okay, wird gemacht, Chef.” Damit verschwand der dunkelhaarige Mann.
      Es dauerte nicht lange, da knarzte meine Tür. Ich streckte den Arm aus und wollte die Blätter in Empfang nehmen. Die Hand, die sich mir entgegen streckte war braungebrannter, als ich gedacht hatte, weshalb ich aufsah. “Oh, hallo Tschetan. Hat Bellamy dich damit geschickt?” Der Junge nickte. “Bellamy sagte Ylvi müsste hier irgendwo sein, ich wollte sie etwas fragen.”
      “Ja, sie ist im Bad. Ich geh sie holen, warte hier.” Damit stand ich auf und ging, nicht über die jetzige Situation nachdenkend, zum Bad, in dem sich Ylvi seit geraumer Zeit befand. Kurz vor der Tür, mit der Hand an der Klinke, bremste ich meinen Schritt, schloss kurz die Augen und seufzte leise. Statt einfach hineinzugehen, so wie ich es früher getan hatte, klopfte ich zögerlich an der Tür. “Ylvi ich… Tschetan ist hier, er sucht nach dir.” Auf der anderen Seite der Tür hörte ich, wie das Wasser in Bewegung geriet. Eine Antwort ihrerseits wartete ich gar nicht erst ab, denn ich drehte mich augenblicklich auf dem Absatz herum und ging zurück ins Büro. “Sie kommt wohl gleich.”

      Ylvi
      Das Klopfen drang durch das Wasser nur dumpf an meine Ohren, ich musste genau hinhören um Calebs Worte zu verstehen. Mittlerweile war das Wasser eher kalt, als warm. Meine Haut war geschrumpelt und einige Teile davon überzogen von einer leichten Gänsehaut. Ich zog mich also aus dem Wasser - so schnell es eben ging. Eine Stelle an meiner Hüfte hatte mittlerweile eine unangenehme Lila Färbung eingenommen. Und meinen Rücken konnte ich nicht ganz drehen.
      Daher dauerte es länger als sonst bis ich meine Gliedmaßen in die Kleidung gezwängt hatte, ein Handtuch um meine schwarzen Locken geschlungen und die Treppe hinunter gefunden hatte. Ich steckte den Kopf durch die Tür, Tschetan hockte auf meinem Schreibtisch, Caleb halb verzweifelt über den Papierbergen. Vielleicht sollte ich mich von ihm einweisen lassen. Meine Sortierung wäre sicherlich zuverlässiger als die von Bellamy. Schoß es mir durch den Kopf. “Kaya und Louis haben das Abendessen vorbereitet, ich soll dich rüber holen.” grinste Tschetan breit.
      “Louis hat gekocht?” fragte Caleb belustigt.
      “Zumindest haben wir jetzt einige Gerichte die er zuverlässig zubereiten kann , OHNE uns alle zu vergiften.” feixte Tschetan.
      “Wie er sagt..und zumindest ist Kaya dabei.”
      “Ist das nicht noch mehr Chaospotential?”
      “Das werden wir sehen, fürchte ich.”
      Ich griff nach meiner Kameratasche, die mir der Junge aus der Hand nahm. Die Drehung war nur halb so elegant wie ich sie gern gehabt hätte. “Du humpelst?” fragte Tschetan überrascht. Ich nickte nur. “Ist ein bisschen blau.” murmelte ich. Ich ging einfach mal davon aus, dass Caleb ihm berichtet hatte was passiert war. Skeptisch sah er mich an, dann öffnete er mir die Tür um mich hindurch zu lassen. Als sich meine Hüfte wieder an Bewegung gewöhnt hatte, machte sie keine weiteren Anstalten.

      Trotzdem entging dem findigen Auge meines Mannes nicht das ich nicht flüssig lief. Das musste eindeutig am Beruf liegen! “Frag nicht…”
      “Was ist passiert?”
      Ich seufzte “Dumme Sache, hab mich von nem Pferd umrennen lassen.”
      “Candy?”
      “Nein, Raised from Hell. Aber alles gut.”
      Louis kam um den Tisch herum, zog sich die Handschuhe von den Händen, die eben noch die Lasagne-Form auf den Tisch gestellt hatten. “Du läufst aber nicht als sei alles gut.” Zielsicher und besorgt schaffte er es nach mir zu greifen, bevor ich mich ihm entziehen konnte. Er schob das Shirt an genau der richtigen Stelle nach oben. “Kühlsalbe, am besten noch vor dem Essen.” orderte er an. Kaya hopste von ihrem Stuhl, signalisierte mir mich zu setzen. Kurze Zeit später gab Kaya mir die Salbe in die Hand, die sie mir Gewissenhaft auf die Stelle schmierte. “Mensch, die Lasagne ist ja gar nicht angekohlt!”
      “Kaya hat vor dem Ofen gesessen um zu schauen, wann sie gold-gelb ist.”
      “Du hättest auch einfach die Zeit im Auge behalten können.”
      “Gehört nicht zu meinen Stärken.”
      “Timing? Andere Zungen würden etwas anderes Behaupten.”
      Louis kam näher, beugte sich vor. Und küsste mir auf die Stirn. “Würden sie?”

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      Mitte Mai
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      Caleb
      Seit dem Vorfall mit den Mutterstuten waren ein paar Wochen vergangen. In der Zwischenzeit war allerdings auch etwas passiert, mit dem ich so nie gerechnet hätte. Kaya hatte gesprochen. Nicht zu mir, nicht zu Louis oder sonst einem Erwachsenen, nein. Sie hatte bei HMJ Saintly gestanden und mit ihm gesprochen.
      Ylvi und ich waren dabei gewesen sie und den Hengst zu beobachten. Heimlich und ganz leise, so dass sie uns nicht bemerke. und dann sprach sie mit ihm. Sagte, dass dieser Ort sie geheilt hatte und dass auch Saintly geheilt werden würde.
      Wie durch ein Wunder war dem wirklich so. Saintly machte sich immer besser, baute auf, wurde aufgeweckter und vor allem pfiffiger. Es war gar nicht so leicht, ihn in der Stallgasse angebunden zu behalten, weil er ständig an den Seilen herum spielte. Das ging mittlerweile so weit, dass ich ihn mit Ketten am Halfter sicherte, falls er die Knoten an den Führstricken aufbekam. Das Lösen der Ketten war für ihn unmöglich.
      Auch seine Boxentür war doppelt gesichert. Am Tor des Paddocks befand sich ja schon lange ein Schloss.
      Auf dem Hof begegnete mir Cayce, welcher Easy Going im Schlepptau hatte. “Ich geh ne Runde mit ihr auf den großen Platz, dann noch ein wenig raus. Kommst du mit?”, fragte er mich, doch ich schüttelte den Kopf.
      “Ich nehm mir Vulture, hab mit ihm noch was vor.”
      Cayce nickte, setzte dann seinen Weg fort.
      Der Meine führte mich zum Paddock des Braunen. Er kam sofort an den Zaun und holte sich eine Streicheleinheit ab, ehe ich ihn aufhalfterte und in den Stall ging. Dort putzte ich ihn kurz über, sattelte ihn, hängte das Rope ans Horn und ging zum kleinen Platz. Ich wollte vermeiden, dass Cayce mich sah. Die Frage nach dem gemeinsamen Ropen sollte eine Überraschung werden, weshalb es mir ziemlich gut passte, dass er gleich den Hof verließ.
      Auf dem Platz angekommen gurtete ich nach und schwang mich in den Sattel. Nach einer Aufwärmphase, die länger als gedacht dauerte, stieg ich wieder ab, löste das Lasso vom Sattel und fing an, es neben dem Hengst zu schwingen. Ein wenig kannte er das Prozedere ja schon, so dass er nur mit den Ohren spielte.
      Jetzt kam es drauf an. Ich setzte mich wieder in den Sattel, nahm die Zügel in die Hand, in der ich auch die loops hatte und fing an, das Lasso neben und über dem Hengst hin und her zu bewegen. Nachdem ich dies ein paar Mal gemacht hatte, nahm ich es über den Kopf und fing an, es zu schwingen. So weit, so gut. Ohne über die Konsequenzen nachzudenken, ließ ich es am Kopf des Hengstes vorbei nach vorne auf den Boden sausen, als hätte ich nach etwas gezielt, was ich hätte fangen wollen.
      Vulture machte einen erschrockenen Satz zur Seite und preschte nach vorne. Meine Bewegungen waren so routiniert gewesen, so oft schon hatte ich Lassos vom Pferd aus geschwungen, dass ich total vergessen hatte, dass ich dies bei Vulture noch nie gemacht hatte. Dementsprechend rechnete ich natürlich nicht mit der Reaktion des Pferdes und flog, ohne lange darüber nachdenken zu können, vom Pferd in den Sand. Vulture hüpfte noch zwei, drei Schritte nach vorne, eher er verdutzt stehen blieb, sich umdrehte und mich schief ansah. Ganz nach dem Motto: du warst doch gerade noch nicht da unten?!
      Beim Aufstehen klopfte ich mir die Hose vom Staub ab, ehe ich das schallende Lachen in meinem Rücken hörte. “Ich fass es nicht, den Supercowboy schlechthin hat es vom Pferd gehauen!” Da stand Octavia am Zaun, zusammen mit Betsy und Dell. Während sie mich auslachte, blickte Dell zerknirscht drein. Betsy war schon auf halbem Weg zu mir und machte wenige Meter vor mir langsam, denn sie wusste, dass sie mit dem Laufen Vulture erschrecken würde.
      “Ist dir was passiert, Caleb?”, fragte sie besorgt und blieb kurz vor mir stehen.
      “Nein, alles gut. Sowas kann auch den Besten passieren.”
      “Das hab ich gehört! Den Besten, haha!”, rief Octavia vom Zaun aus, was mich dazu brachte, ihr die Zunge raus zu strecken.
      Betsy kicherte. “Hihi, Cowboy, das macht man aber nicht!”


      Ylvi
      “Na Cowboy, wie ist es auf dem Boden der Tatsachen gewesen?” fragte ich feixend als Caleb das Büro betrat. Der blieb ein wenig verwirrt im Rahmen stehen “Boden der…” dann rollte er die Augen, stöhnte “Betsy!” entfuhr es ihm.
      “Keine Sorge, sie hat es mir nicht erzählt. Naja, nicht direkt zumindest. Vorhin im Auto, auf dem Weg zum Tanzkurs.” Die Schule hatte diesen Kurs empfohlen, um Kaya auch mit anderen Kindern außerhalb der Schule in Kontakt zu bringen. Seit ein paar Wochen besuchte sie diesen alle zwei Wochen nun mit Betsy gemeinsam. Ich hatte beide Kids dorthin gebracht. Nebenbei hatte ich Betsy beiseite genommen, sie schwören lassen Kaya nicht zu drängen und ihr anschließend erzählt das ich sie hatte sprechen hören. Das junge Mädchen war ganz aufgeregt gewesen bei der Vorstellung ihre Freundin auch eines Tages sprechen zu hören. Aber sie hatte mir Versprochen Kaya davon noch nichts zu erzählen. Sie sollte selbst entscheiden können wie und wann sie mit einem Menschen sprechen wollte. “Bist du noch immer bei den Bildern?” fragte mich Caleb. Ich nickte, drehte ihm den Bildschirm zu und zeigte ihm ein Bild von A Shining Chrome. Wir hatten uns in den letzten beiden Tagen vorgenommen, die Verkaufspferde noch einmal zu sortieren und zu fotografieren. “Immerhin sind die Seiten der Zuchtpferde nun vollständig. Jeweils mit Bild, Gencode und einer kurzen Beschreibung des Charakters. So können sich Fremde eine gute Übersicht der Pferde geben. Die Fohlen sind nun ebenfalls ergänzt. In dem Zuge habe ich die ganzen Papiere fertig gemacht. Die hab ich die nach Alphabet sortiert auf den Tisch gelegt. Schau nochmal drüber. Ist alles in Ordnung, dann werd ich die morgen mit in die Stadt nehmen. Louis, Dell und ich haben einen Termin in der Schule.”
      “Schule? Sag bloß die Prügelei zieht noch Kreise?” fragte Caleb erstaunt, richtete sich aus der gebückten Haltung auf und schritt hinüber zu seinem Platz. Daher sah er meine abwertende Geste nicht. “Nein, das ist vom Tisch. Wir haben eine Besprechung mit der Schulleitung. Ob vielleicht Home Schooling eine Option wäre. Dann könnte man sich die Fahrt nach Calgary sparen. Die Kids würden einen Lehrer hier zur Ranch bekommen. Kinder von außerhalb könnten ebenfalls hierher kommen. Otis McCann von der Nachbarranch und seine ältere Schwester zum Beispiel. Deren Eltern haben nicht immer Zeit sie zur Schule zu bringen. Sie fehlen oft. Der Weg hierher wäre nicht so weit.”
      “Das ist schon ein Punkt. Aber meinst du Kaya damit einen Gefallen zu tun?” Ich lehnte mich im Stuhl weiter zurück, kaute auf meiner Unterlippe herum. “Das waren tatsächlich ebenfalls meine Überlegungen. Das bringt mich auf die Idee vielleicht eher dafür zu Sorgen das ein Schulbus eingerichtet wird! Gerade Tschetan möchte ich ungern von Gleichaltrigen trennen. Sie sollten auch etwas anderes zu sehen bekommen als die Ranch.”

      Caleb
      Ich blieb vor meinem Schreibtisch stehen, warf einen Blick auf die Papiere der Pferde, ehe ich einen Bogen machte und auf dem Stuhl Platz nahm. Ganz oben auf dem Stapel lag das Papier von Daisy. Ein tolles Pferd, schon lange versprochen für Ethel Evergreen, Tiaras Mutter. Auf jeden Fall eines, was ich behalten würde, wenn sie doch noch abspringen würden.
      Erst dann sah ich wieder auf, mein Blick traf den von Ylvi: “Ich hab mich in Schweden glaub ich ein bisschen bei Tschetan verplappert gehabt… erwähnt, was ihr vorhabt mit dem Homeschooling. Er war alles andere als begeistert. Deshalb glaube ich, dass ein Bus wohl die bessere Alternative ist.”
      “Du hast schon mit Tschetan gesprochen?”, kam es vom Nachbartisch.
      “Versehentlich. Es ist mir rausgerutscht… sprecht deshalb vorher nochmal mit ihm, bevor ihr morgen zur Schule fahrt.” Ylvi nickte, senkte den Kopf und kümmerte sich um ihre Bilder.
      Ich ging derweil die Papiere durch. Die Fotos waren wirklich gut geworden. Fotografieren konnte Ylvi, das musste ich ihr lassen.
      Eine gute halbe Stunde später hatte ich alle Papiere auf ihre Richtigkeit überprüft. “Passt alles.” Den korrigierten Stapel nahm ich in die Hand und brachte ihn zu Ylvis Schreibtisch rüber, um ihn da auf einen freien Platz zu legen. Gedankenverloren strich ich mir einmal durch die Haare, ehe ich auf die Uhr sah. “Mist.”
      “Hm?”
      “Ich hab Murphy schon wieder vergessen.”
      “Hab gehört der nimmt jetzt Reitstunden bei dir, wie schlägt er sich denn?”
      “Immer besser, hätte ich nicht gedacht.” Damit verschwand ich aus dem Büro und joggte- ja joggte, hinüber zum Stall. Dort stand Murphy schon mit einem fertig gesattelten Blue.
      “Wird ja auch Zeit”, warf er mir zerknirscht an den Kopf, löste den Führstrick aus der Trense und ging mir hinterher zum kleinen Reitplatz. “Aufsteigen und warmreiten”, wies ich ihn an und schaute Cayce dabei zu, wie er I’m a Playboy um sein inneres Bein traben ließ. “Wie macht der sich eigentlich?”, fragte ich ihn. Den Mixhengst, naja eigentlich war er kein Mix sondern eine anerkannte Rasse, hatte ich gar nicht auf dem Schirm, geschweige denn schon einmal drauf gesessen.
      “Wird immer besser. Das Losrennen beim Aufsteigen hab ich so weit im Griff, dass er das zumindest bei mir nicht mehr macht. Ansonsten wird er immer lockerer. Der hört gut zu, strengt sich toll an.”
      “Das ist gut.” Playboy hatte ich aus Mitleid aufgenommen. Es gab einen großen Verkauf einer Bekannten, die auch den “Quartermix” zum Verkauf inseriert hatte. So richtig Interesse zeigte jedoch niemand an dem schicken Tier, weshalb ich ihn schließlich aufgenommen hatte. Was machte ein weiteres Pferd schon? Vielleicht würden er und die “Quartermix”stute Striga einmal tolle Fohlen produzieren. Apropos Striga… “Wann hat eigentlich einer zuletzt auf Striga gesessen?”, fragte ich Cayce, als er wieder an mir vorbei kam.
      “Weiß nicht, glaub vor einer Woche.”
      “Vor einer Woche?!” Ich schlug die Hände über dem Kopf zusammen. Wenn die Reitstunde mit Murphy erledigt war, konnte ich nicht mehr aus dem Büro rauskommen, bis die neuen Trainingspläne geschrieben waren.

      Ylvi
      Es klopfte leise an der Bürotür, Louis schmaler Kopf schob sich durch die Tür. “Genug für heute, komm. Die Pferde sind gesattelt, lass uns einen Ausritt machen!” Die Gelegenheit ließ ich mir nicht entgehen. Ich klappte den Bildschirm zu und ließ mich von Louis an der Hand zur Haustür bringen. Draußen standen Kaya und Tschetan mit jeweils zwei Pferden am Strick. Fylgia trug einen Westernsattel, Valravn nur eine einfache Decke. Auch Sunka trug einen Westernsattel und für mich hatten sie Inyan fertig gemacht. “Nicht Gweny?” fragte ich verwirrt in Louis Richtung. “Es tut so gut Sunka wieder in der Nähe zu haben. Ich fühle mich auf ihm ebenso wohl wie Inyan.” Das konnte ich verstehen. Ich fühlte mich auf meiner Fylgia auch am wohlsten, diese schien ich jetzt allerdings so gut wie an Kaya “verloren” zu haben.
      Im Quartett verließen wir also den Hof. Im Wald mussten wir zunächst im Trott hintereinander her reiten. Erst als sich der Weg verbreiterte ließ ich Inyan neben Ravn laufen. “Caleb hat sich also verquatscht?” meinte ich neutral zu Tschetan. Dieser gab keine Regung, ließ mich einfach weiter erzählen. “Das mit dem Home Schooling, das wäre also nicht dein Fall?” Tschetan knirschte etwas mit den Zähnen. “Ich weiß es ist umständlich für euch uns zur Schule zu bringen. Die Idee ist ja wirklich cool. Aber ich würde meine Freunde aus der Schule wirklich vermissen. “
      “Wir hatten die Idee uns vielleicht eher darum zu bemühen eine Buslinie für die Kinder von Außerhalb zu organisieren. Was hälst du davon?” Er antwortete nicht in Worten, aber nickte und strahlte mir eifrig zu. Dann deutete er mit den Lippen auf seine Schwester “Ich weiß zu schätzen das du sie beschützen willst. Aber du behebst das Problem nicht indem du sie vor der Welt in Schutz nimmst.”beendete er den Satz leise. Als er das sagte klang er älter, sehr viel älter als seine 13 Sommer. Ich sah ihn an, nickte bedächtig. Er hatte Recht. Das hatte auch Louis schon einmal gesagt. Es waren indirekt auch Calebs Worte gewesen. Dell hatte sich diesbezüglich nicht geäußert, aber wenn ich ehrlich war, Dell sprach so etwas selten an. Dazu war er einfach zu charmant. Ich hoffte für ihn wirklich das er eines Tages vielleicht eine neue Liebe entdecken würde. Er hatte so viel zu geben...und manchmal erdrückte er seine Tochter damit. Manchmal konnte ich aber auch seine Blicke voller Schmerz sehen. Ich hatte nur ein Foto gesehen, doch hatte es genügt um zu erkennen wie ähnlich Betsy ihrer Mutter sah. Das Haar, ihre Gesichtszüge. Mit jedem Jahr würde diese Ähnlichkeit mehr werden, da war ich mir fast sicher. “Wo hängst du eigentlich wieder mit deinen Gedanken?”
      “Mhm?”
      “Ja ganz genau.” feixte Louis.
      “In den Wolken, das solltest du doch wissen.” lächelte ich ungeniert. Er zwinkerte mir zu, trieb Sunka dicht an Inyan heran, sodass sich unsere Knie berührten. Ließ mich dabei nicht aus den Augen. “Ich hab gefragt ob wir einen kleinen Galopp vagen sollen.” Ich gab keine Antwort stattdessen machte ich Gebrauch von Inyans hervorragender Ausbildung. Ich ließ den Wallach aus dem Schritt gelassen angaloppieren. Ein kleiner Seiten und Rückblick zeigte mir das auch bereits beide Kids im Galopp waren, Louis bildete mit Sunka das Schlusslicht. Um das Ex-Rennpferd nicht auf der Stelle rennen zu lassen, beschleunigte ich Inyan, Fylgia reihte sich neben uns ein. Ich sah das Strahlen auf Kayas Gesicht. Locker hielt sie die Zügel des Knotenhalfters in einer Hand, die andere lag auf ihrem Schenkel. Festbetoniert. Genauso saß sie im Sattel. Genau wie ihr Bruder. Ich hingegen hatte noch einiges zu tun. Am frühen Abend hatte ich, zum ersten Mal seit langem, eine Reitstunde bei Caleb. Ich konnte nur hoffen er würde mir keines der schweren Pferde unter den Hintern setzen. Eigentlich hatte ich mit einem meiner Pferde teilnehmen. Caleb hatte mir da allerdings den Wind aus den Segeln genommen. Auf den Wallach Cielos konnte ich wohl nicht hoffen.

      Caleb
      Schon seit einer Stunde saß ich wieder am Schreibtisch. Die Reitstunde mit Murhpy war wirklich gut gewesen, er wurde immer besser, strengte sich richtig an. Galoppiert war er heute allerdings noch nicht, auch wenn ich ihm das versprochen hatte. Morgen Nachmittag allerdings würde es dann soweit sein, sollte nicht schon wieder etwas dazwischen kommen.
      Mit den Paddockplänen war ich jetzt fertig, so dass nun eigentlich noch die Trainings- und Boxenpläne an der Reihe waren, aber dazu hatte ich absolut keine Lust, denn dass es mich heute morgen bei dieser einfachen Übung aus dem Sattel gehauen hatte und so viele das gesehen hatten, nagte an meinem Ego.
      Entschlossen klatschte ich mir auf die Oberschenkel, stand auf, nahm meinen Hut von der Fensterbank und ging nach draußen. Im Rausgehen schnappte ich mir meine Jacke vom Kleiderhaken hinter der Tür und marschierte in den Stall. In der Bewegung blieb ich plötzlich stehen. Cielos stand ja gar nicht hier im Stall, der war ja am Reitplatz. Wer hatte eben nochmal die Pläne überarbeitet? Ich mit Sicherheit nicht.
      Aus dem Stand machte ich also kehrt, stiefelte zum Reitplatz und fand den Wallach auf Anhieb im zweiten Paddock. Ich halfterte ihn auf, ging zum Stall, putzte und sattelte ihn, hängte ein Lasso an den Sattel und ging auf den Platz. Dort gurtete ich nach, ehe ich mich in den Sattel setzte.
      Nach ausgiebigem Aufwärmen testete ich ein paar Reiningmanöver an, wir waren ja nicht nur zum Spaß hier auf dem Platz. Nachdem er sich dort allerdings auch sehr gut anstellte, hielt ich ihn an und fing an, das Lasso vom Horn los zu machen und neben ihm zu schwingen. Gipsy blieb ruhig stehen, er kannte das ja schon. Eine Weile schwang ich das Lasso rechts und links neben ihm, ehe ich es über seinen Kopf hinweg nach vorne warf. Er spielte mit den Ohren, blieb allerdings ruhig stehen. Dann fing ich an, aus der Bewegung heraus zu werfen. Erst im Schritt, dann im Trab und schließlich auch im Galopp. Wir hatten gerade die Tonne aus dem Galopp gefangen und einen Sliding Stop hingelegt, da bemerkte ich Ylvi am Zaun. Wie lange sie wohl schon da stand?
      “Hast du meine Reitstunde vergessen?”, fragte sie mich sofort und ich schüttelte den Kopf, klopfte Gipsys Hals und löste das Lasso von der Tonne. “Ich darf Gipsy reiten?”, fragte mich Ylvi ungläubig.
      “Ich äh.. nein.. Geh dir Gangster (Gunners Styled Gangster) holen, ist hinten auf dem zweiten Paddock, neben HMJ Saintly.” Wieder sah sie mich ungläubig an.
      “Gangster? Bist du dir sicher?”
      “Wird Zeit, dass du mal was anspruchsvolles unter den Hintern bekommst”, antwortete ich ihr knapp und wickelte das Rope auf. “Wenn du fertig geputzt und gesattelt hast komm hier auf den Platz. Wenn du beim Satteln, besonders bei den Boots Probleme haben solltest, Laurence ist drüben im Stall beim Putzplatz.” Damit galoppierte ich wieder an und suchte mir eine andere Tonne auf dem Platz aus.

      Ylvi
      "Gangster, komm schon, das is doch jetzt nicht dein Ernst?" ich klopfte dem Pferd mittlerweile zum dritten Mal am Hinterbein herum. Keine Reaktion. Außer das er sich mit seinem vollen Gewicht auf dieses stellte. So ein Sturkopf! Also griff ich beherzt zwischen seine Sehnen, erschrocken schnellte das Bein mit einem Mal doch nach oben. So konnte ich den letzten Hinterhuf des Hengstes doch noch auskratzen.
      Schon das aus dem Paddock führen hatte sich als Abenteuerlich herausgestellt. Das machte mir wenig Hoffnung auf den Ausgang der Stunde. Etwas anspruchsvolles hatte Caeb gesagt. Hatte er damit aber STUR gemeint?
      Zumindest verlief das Satteln ohne weitere Probleme, nichtmal die Boots bereiteten mir Schwierigkeiten. Allerdings würden die Bügel wohl welche machen. Ich bekam sie nicht auf meine Länge. Ich begann also mit viel Gefummel die Fender abzufriemeln. "Ich glaube nicht, dass Caleb glücklich sein wird, wenn du ihm Equipment klaust." kommentierte Dells Stimme plötzlich hinter mir. Ich drehte mich um, zog einen Schmollmund. "Ich soll den doch Reiten. Aber ich krieg die Bügel nicht auf meine Länge! Wenn du mir kürzere besorgen würdest? Die von Inyans Sattel am besten."
      Dell ließ sich zum Glück nicht zweimal bitten, half mir das ganze Konstrukt wieder zusammen zu bauen. Schließlich war ich auf und davon.

      Ich hatte regelrechte schwitzige Hände, was nicht am Wetter direkt liegen konnte da ein stetiger Wind durch die Bäume säuselte. Es war der erste Unterricht seit Monaten. Natürlich hatte ich von Louis Lektionen auf Inyan und auch Ravn absolviert. Caleb hingegen war noch eine ganz andere Hausnummer. Als ich den Platz betrat, schien er das Training mit Gipsy beendet zu haben. Denn er saß nicht länger auf dem Wallach, sondern dieser war am Rande des Platzes angebunden. "Du bist reichlich spät."
      "Ich war Gezwungen die Fender zu Tauschen."
      "Ah ja, ich vergaß Stummelbeine."
      "Danke mach dich noch drüber lustig."
      "Na los, rauf mit dir."
      Ich stellte den Hengst neben mir auf. Warf die Zügel geordnet über das Horn, stellte den linken Fuß in meinen kurzen Bügel und schob mich in den Sattel. Gangster blieb seiner Ausbildung entsprechend völlig entspannt dabei stehen. "Good boy." lobte ich ihn mit meiner Stimme. Caleb begutachtete mich einen Moment skeptisch. Trat dann heran und klopfte auf mein Knie. "Raus aus den Bügeln." Ich legte den Fuß also ein ganzes Stück nach vorn, während Caleb geschäftig den Fender um zwei Löcher länger machte. Ich sah sein Gesicht nicht während er sprach, aber ich konnte das Lächeln hören. "Wir machen aus dir irgendwann auch noch ein Country Girl, Englisch Lady." Er ergriff meinen Fuß an der Wade, schob ihn in den Bügel zurück und half mir auch mit der anderen Seite. Ich fühlte mich gleich näher am Pferd, meine Füße waren lockerer. Ironischerweise, hätt ich wohl bei dieser Länge die anderen Fender behalten können.

      Caleb
      “Beim Westernreiten sind die Bügel immer viel länger, dachte das wüsstest du mittlerweile”, kommentierte ich das, was ich gerade tat und konnte Ylvi dabei beobachten, wie sie ihre Lippe vorschob. Das tat sie öfter, wenn ihr etwas nicht passte, sie aber dazu nichts weiter sagen wollte.
      Während ich Gangster (Gunners Styled Gangster) und Ylvi auf die ganze Bahn wegschickte, kam Dell an den Zaun und fragte mich ein paar Dinge wegen der Boxen. “Ist okay, die können heute Nacht draußen bleiben. Misten kannst du die Boxen also auch morgen noch.”
      “Oh das ist gut. Dann mach ich mich jetzt nämlich fertig. Ich hab Betsy versprochen mit ihr ins Kino zu fahren.”
      “Und jetzt wolltest du mich als buh- Mann hinstellen, wenn du noch hättest misten müssen? Ha, ich kann doch auch nichts dafür, dass du damit so langsam bist!” Ich sah ihn grinsend an, doch Dell schob die Lippe vor. Hatte er sich das etwa von Ylvi abgeschaut?
      “Nein, Caleb, ich äh…”
      “Ist schon gut. Habt einen schönen Abend ihr zwei.” Damit wandte ich mich wieder Ylvi zu, die irgendwie ihre Schwierigkeiten mit Gangster zu haben schien. “Ylvi was machst du da?”, fragte ich sie gerade heraus und sah ihre Versuche, ihn zum losgehen zu animieren.
      “Zuerst machst du die Beine dran. Feste. Nicht hochziehen, streck die Beine und mach die dran. Hand hoch, nicht annehmen, nur wenn er vorwärts geht. Dann nimmst du an und geh rückwärts, so weit wie er vor gegangen ist. Wenn der den Rücken nicht anspannt und den Kopf runter nimmt hau mal zu. Ylvi zuhauen!” Ich knirschte mit den Zähnen, ging auf die Beiden zu und nahm ohne Vorwarnung Ylvis Bein und haute es einmal mit Kraft gegen Gangsters Bauch. Dieser legte kurz die Ohren an, senkte aber nach einem abermaligen sehr festen Klopfen von Ylvi den Kopf. “Lockerlassen und losgehen. Wenn die Rübe hoch kommt, Beine ran und dann annehmen. Erst locker lassen wenn er nachgibt, kommt da nix, haust du zu… geh mal einfach ein paar Runden im Schritt und Reite ein paar Bahnfiguren, Trab kommt später.” Gangster war ein schlaues Kerlchen, er merkte sofort dass nicht ich es war, der da auf seinem Rücken saß und dass sein heutiger Reiter keine Sporen anhatte- Ylvi war heute zum ersten Mal auf dem Hengst und schien ein wenig unsicher. Zudem konnte der Schecke unglaublich stur sein. Mit dem Annehmen und Nachgeben hatte Ylvi für die nächsten Minuten genug zu tun.


      Ylvi
      Vorwärts, rückwärts. Ich war völlig verwirrt was Caleb jetzt eigentlich von mir wollte. Als er dann etwas energischer mit mir und dem Hengst sprach zuckte ich zusammen. Huh war ihm am Morgen eine Laus über die Leber gelaufen?
      Unsicher ließ ich den Hengst wieder antreten. Nutze die Pylonen um kleinere Volten zu reiten. Mit jedem Schritt machte ich mich vertrauter. Der Hengst schritt deutlich anders vorwärts. Er reagierte auf feinste Bewegungen meines Beckens. Jedes Mal wenn ich meine Oberschenkel anspannte, drehte Gangster mir ein Ohr zu. Deutlich auf Anweisungen wartend. Also probierte ich mich aus. Ließ ihn anhalten, ein zwei Schritte rückwärts und anschließend wieder vorwärts. Neben den Bahnfiguren fragte ich Gangster nach leichten lateralen Bewegungen um ihn über die Seitengänge zu gymnastizieren.

      Caleb
      Ich ließ Ylvi weitestgehend in Ruhe, solange sie keine Fehler machte. Sie war in ihrem Element, eins mit dem Pferd und schien die Außenwelt auszublenden. Gangster war ein anderes Kaliber. Nicht unbedingt feiner, aber sensibler und reagierte manchmal übertrieben auf die kleinsten Hilfen.
      Die Stunde verlief allerdings gut. Am Ende waren jedoch Ylvi als auch der Hengst klatschnass geschwitzt und schienen ziemlich fertig zu sein. Gipsy, den ich am Zaun angebunden hatte, freute sich darüber, dass ich mich wieder ihm zuwendete und ihn wieder mit zum Stall nahm. Dort sattelten wir beide Pferde ab, Gangster bekam eine Dusche und konnte noch ein wenig in der Sonne trocknen.
      “Ich glaube, den Muskelkater spür ich morgen noch”, sagte Ylvi scherzhaft. Ich nickte kurz, erwiderte ihr Lächeln, kümmerte mich dann jedoch um das Verstauen der Futtersäcke, die jemand hier in den Füßen hatte liegen lassen. War das nicht auch Dells Aufgabe gewesen? Ich zuckte innerlich mit den Schultern. Er hatte sich einen schönen Abend mit seiner Tochter verdient. Betsy kam oft zu kurz, bei dem was hier immer alles los war. Da wollte ich ihm deshalb am nächsten Tag keinen Rüffel versetzen.
      “Wenn Gangster trocken ist bring ihn auf seinen Paddock zurück”, wies ich Ylvi als nächstes an und verschwand mit Gipsy um die Ecke, um auch ihn zurück auf die Koppel zu bringen.
      In meinem Kopf ging ich die Liste durch, die ich heute noch zu erledigen hatte. Es war gar nicht mehr so schrecklich viel. Heu zu den Rindern fahren und auf der Ferienranch vorbeischauen. Vielleicht konnte ich mir da Bellamy oder sogar Octavia mitnehmen, letztere war begeistert von der kleinen Ranch, auch wenn sie bisher noch nicht oft da gewesen war.

      Am nächsten Tag wollte ich mich nochmal um die Verkaufspferde kümmern und diese noch einmal durchreiten. Nur weil sie zum Verkauf standen hieß das nicht, dass sie sich einfach nur die Bäuche vollschlagen sollten. Anfangen tat ich mit Chapter 24, General’s Coming Home und Chocolate Shades. Geplant war für den Vormittag kein weiteres Pferd, aber das Training dauerte nicht lange, so dass ich noch zwei weitere Pferde, Citizen Fang und Whinney unterbekam.
      Ich aß in aller Ruhe Mittag und war unglaublich froh, dass wir nun eine Haushaltshilfe besaßen, die sich darum kümmerte, so dass ich nach einer kurzen Mittagsruhe nicht erst noch aufräumen und spülen musste, sondern mich gleich wieder aufs Pferd setzen konnte. Neben Picture of a Ghost und Verdine brachte ich Kisshimbye und Sweet like Chocolate in die Führanlage, ehe ich mir Cruel Twist of Fate schnappte und den jungen Wallach noch reiten konnte.
      Gegen Nachmittag war noch Abadon all Hope an der Reihe. Die anderen Verkaufspferde hatte ich mir in den letzten Tagen schon vorgeknüpft.

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      (leider ein doofer Storycut aus… Gründen, man oh man, dann gehts halt anders weiter :3)

      Mitte August

      An einem späteren, extrem heißen Sommerabend, gegen 20 Uhr saß ich im Büro und starrte auf eine Verkaufsseite. Neben Heza Bat Man, auf den ich schon lange ein Auge geworfen hatte, standen nun auf einmal auch alle Pferde von Johanna Röder zum Verkauf. HMJ8345’s Continental, How ‘Bout Moonies, Blanton’s Gentleman, Four Bar Chocolate Becks und auch Chapman, aber sobald ich auf die Anzeige klickte, wurde er mir schon als verkauft angezeigt. Ich seufzte, griff sofort zum Hörer und telefonierte gut zwei Stunden mit Johanna.
      Nach unserem Telefonat stand alles fest: Conti blieb schon einmal direkt bei uns und in den nächsten Tagen würden die drei Hengste hier eintrudeln… außerdem, so informierte mich gerade meine neue E-Mail vom Pferdehandel van Heeringen, hatte ich auch den Zuschlag für das schicke Paint Horse, Heza Bat Man bekommen.
      Auf meinem Stuhl hüpfte ich einmal kurz auf und ab. Yes! Damit konnte ich meine Startpferde für die Juturity um ein wirklich gutes, neue Pferd erweitern. Wie er sich wohl im Training machen würde?

      Schon früh am nächsten Morgen war ich dabei, auf dem Hengstpaddock ein wenig für Ordnung zu sorgen. GRH’s Unbroken Soul of a Devil sowie Small Town Dude erfreuten sich des doch noch kühlen Wetters und ließen ein paar Luftsprünge ab, als ich sie mit der Schubkarre aus dem Weg schubste. Auch Zues stand in der Sonne und rupfte ein paar schmale Grashalme aus dem Boden. Als er mich sah hob er den Kopf und stoppte kurz in der Kaubewegung
      Bei den Stuten sah es da schon anders aus. Cup Cake stand zusammen mit California Rose und Frosty Lagoon im Unterstand, während GRH’s Unbroken Magic sich ausgiebig wälzte. “Du bist ein Schwein. Gar keine feine Dame wie zum Beispiel Stormborn”, schmollte ich und knipste schnell ein Foto des Oreopferdes, ehe mein Blick zu Kholáya, My sweet little Secret, Only Known in Texas, Snapper Little Lena und Tortured Witch HMJ 6693 glitt. Witch würde ich eventuell mit Conti zusammenstellen, so müssten sich die beiden Stuten vielleicht sogar noch kennen.

      Wenig später schaute ich bei Ginny my Love, GRH’s Aquila T Mistery und Lovin’ Out Loud vorbei. Ginny hatte ich samt Fohlen in der vergangenen Nacht reingeholt, da die Stute nicht so fit schien. Da sie heute Morgen allerdings wieder super aussah, verlud ich sie kurzerhand zusammen mit Aquila und Lol in den Hänger, um sie wieder zurück zur Stutenkoppel zu bringen. Ab Morgen würden wir damit beginnen, die Fohlen abzusetzen. Dazu würde ich alle Pferde wieder an den Hof holen und sie auf die Paddocks verteilen. Da sie so viel Gesellschaft hatten und sich auf der Koppel auch schon ziemlich weit von den Müttern entfernten, rechnete ich nicht mit einem großen Drama.
      Wieder am Hof angekommen sah ich Cayce mit Till Death auf dem Platz. Laurence saß auf Chocolate Dream und Bellamy stand am Rand, hielt GRH’s Bellas Dun Gotta Gun in der einen, Hollywoods Silver Dream in der anderen Hand fest. “Reitet einer von euch heute noch Nachtschwärmer mit?”, fragte ich in die Runde und hatte sofort die Aufmerksamkeit aller auf dem Platz auf mich gezogen. Cayce nickte.
      “Klar, kann ich machen. Sonst noch wen außer der Reihe?”
      “Nein, nur ihn. Ich helf Octavia gleich noch ein bisschen bei ihren Pferden. Die anderen sind für heute versorgt oder haben frei. Außerdem sollen gegen Abend die neuen Pferde kommen.”
      Cayce nickte und trieb Till wieder an. Der Hengst machte sich gut, geritten wurde er von jedem gerne und ich war wirklich froh, dass ich doch endlich die Chance bekommen hatte, ihn zu mir zu nehmen.
      Im Stalltrakt von Octavia angekommen staunte ich nicht schlecht, als dort eine kleine schwarz gescheckte Stute stand.
      “Das ist Breia LDS, kurz Nini. Ein Stutfohlen von Skrudur und Bree. Ist vor ein paar Tagen angekommen. Ich wollte dich fragen, ob ich sie zu den anderen Fohlen stellen kann, wenn du die morgen hier rüber zur Ranch holst.”
      Ich musste ja schon sagen… eigentlich bekam ich alles mit, was hier auf meinem Hof passierte. Wieso hatte ich das nicht mitbekommen?
      “Caleb du musst schon was sagen, schau mich nicht so geschockt an!”, meinte Octavia und sah nun etwas verunsichert zu mir herüber.
      “Ja.. ja klar. Ich hab nur gar nicht mitbekommen, dass du ein Pferd gekauft hast. Vor allem nicht so einen.. Mix.”
      “So ein Mix ist sie gar nicht. Der ist anerkannt als Zelter. Google das mal.”
      Ich schmunzelte. “Ja mach ich die Tage.. wobei brauchst du Hilfe?”
      Octavia drehte sich auf der Stelle herum und marschierte zum Ausgang des Stalles, kreuzte den Hof und ging auf ihre Paddocks zu. “Ich hätte gerne die Rennpferde wieder an der Rennbahn. Ich habe einen Jockey gefunden und bräuchte deine Hilfe beim Verladen.”
      Im Kopf ging ich die Pferde einmal durch, ehe ich nickte. “Wer so0ll denn alles mit?”
      “Drama Baby, Tigres Eye, Peacful Redemption und Wildfire xx. Culain kommt auch mit rüber, der wird jetzt angeritten und Tasmania hätte ich gerne als Track Pony dabei.”
      “Und was ist mit Pria?”
      “Priamos Ruffia Kincsem soll keine Rennen mehr laufen. Ich würde aus ihr eventuell nächstes Jahr noch ein Fohlen ziehen und ansonsten darf sie ihren Vorruhestand genießen, indem sie ein Geländepferdchen für mich wird. Mal schauen, was man aus ihr noch so rausholen kann.”
      Ich nickte, konnte sie bei ihrer Entscheidung voll verstehen. “Was hast du denn mit den anderen Pferden so vor?”, fragte ich dann und blickte zu ihr rüber, während wir schon die ersten Pferde mit zum Stall holten und zum Transport fertig machten.
      “Mit Magic Lanijos bin ich mir noch immer nicht so ganz sicher, auch nicht mit Ceara Isleen… Dakota ist ja Bellamy, der sollte sie nur mal öfter reiten. Mit Pocahontas habe ich ja erst kürzlich einen Springkurs gemacht. Die entwickelt sich super, braucht aber genügend Zeit zum Verarbeiten. Raspberry… klar. Dazu brauch ich nichts weiter zu sagen- und Absolute Bullet Proof muss ich auch mal wieder weiter trainieren… wo bleibt nur immer die verdammte Zeit?”
      Ich lachte, Octavia stimmte mit ein. Tja, wo blieb nur immer die verdammte Zeit?

      Wieder im Büro angekommen zückte ich mein Handy und wollte mir die neusten Pferdeanzeigen anschauen, rief dabei sogar eine Person für genauere Infos an.
      Lange konnte ich mich allerdings nicht am Telefon aufhalten, denn die Pferde von Johanna kamen gerade an.
      Ich seufzte, legte in aller Eile auf und sprang auf die Beine, um nach draußen zu gehen und die drei Pferde in Empfang zu nehmen; Conti war durch ihr Training ja sowieso schon bei uns. Ich freute mich, dass sie bleiben durfte und für ihr Leben nun ein Zuhause gefunden hatte, welches für immer das Ihre sein würde.
      Während Nic (How ‘Bout Moonies) irgendwie etwas zerpflückt aussah, stellten sich Four Bar Chocolate Becks und Blanton’s Gentleman, der schnell den Spitznamen Plankton bekam, als wirklich super gut gepflegte Pferde heraus. Was mit Nic passiert war würde ich in nächster Zeit noch in Erfahrung bringen.

      Am nächsten Morgen war es dann so weit. Die Fohlen würden abgesetzt werden. Dazu war ich mit fast allen meinen Mitarbeitern und den Trailern zur Weide gefahren, hatte alle Tiere aufgeladen und nun waren wir an der Ranch angekommen, ließen die Pferde aus den Trucks auf den Reitplatz, um sie dort zu sortieren. Die drei Jungpferde Dignity, Ace und Kat hatten wir ebenfalls mitgebracht, denn sie würden mit dazu kommen.
      Nachdem sich die Pferde nun etwas beruhigt hatten trennten wir die Stuten von den Fohlen und brachten die erwachsenen Tiere auf eine der hinteren Paddocks, die Fohlen und Jungpferde schließlich auf einen großen Paddock nahe des Hauses.
      Die erste Nacht war für alle ein wenig unruhig. Die Fohlen waren nicht gerade begeistert, dass sie nicht mehr so viel Platz und vor allem ihre Mamas nicht mehr um sich hatten, doch sie würden es schon überleben.
      Ein paar Tage später sah die Sache schon wieder anders aus. Die Fohlen hatten sich eingelebt und lernten alle nach und nach das Fohlen ABC. Erst wenn sie dieses wirklich aus dem FF beherrschten, würden sie wieder auf eine der großen Koppeln kommen, bis zum nächsten Jahr, wenn sie wieder genau hier mit den den Fohlen des nächsten Jahres landen würden.
      Aus dem Augenwinkel sah ich Laurence und Birk zusammen auf dem Platz. Er nahm seine Aufgabe wirklich genau und es freute ich, dass die beiden immer mehr zusammenwuchsen. Auch, wenn er nichts davon wusste, dass der Hengst bei uns bleiben würde.

      Etwa drei Wochen später war es so weit und einige Fohlen sollten den Weg in ein neues Zuhause finden. Dies war leichter gesagt als getan, denn es taten sich Probleme auf. Pamina, die eigentlich an Zion gehen sollte, konnte aufgrund der Reitsportaufgabe nicht mehr umziehen. Und auch General Pleasure hatte kein Glück, denn neben ihm, der jetzt bleiben musste, war ich auch gezwungen Bittersweet Temptation erneut aufzunehmen. Der mittlerweile Wallach sah fast aus wie unser neue Hengst Small Town Dude, was ihn jedoch nicht davor bewahrte, wieder zu uns zurückkommen zu müssen.
      Wer allerdings ein tolles neue Zuhause bekommen würde, zum Glück eine Person, die zu ihrem Wort stehen konnte und die keine plötzlichen Schicksalsschläge hatte erleiden müssen, war Tiara Evergreen. Zu ihr würden nicht nur Shark und Daisy umziehen, sondern auch Chapter, Picture of a Ghost und Kisshimbye. Letztere war schon einmal im Besitz ihrer Mutter gewesen, die keine schlechte Arbeit mit ihr geleistet hatte.
      Ob alle Entscheidungen, die ich in den letzten Tagen getroffen hatte die richtigen waren? Das würde sich zeigen.
    • Veija
      Tiaras Besuch auf Bow River
      November 2020, by Sosox3 & Veija
      Tiara | Der Flug war holprig gewesen und Caleb hatte mir heute Nacht um 4 noch mein Zimmer gezeigt, wo ich die nächste Zeit schlafen würde. Verschlafen rieb ich mir die Augen und stand so langsam auf. Zuhause wäre ich schon längst bei den Pferden gewesen und hätte mit den ersten schon in die Halle gemusst. Ich sah auf meine Uhr und richtete mich dann auf. Es blieb mir nicht aus mich zu strecken und steckte mir die Haare zu einem Dutt hoch. Ein Seufzen verließ meine Lippen und ich schritt aus der Tür raus. Der Weg zum Frühstücksraum gestaltete sich als ziemlich einfach und ich fand den Raum ziemlich schnell. Als ich jedoch die ganzen Jungs darin sah, stockte mir kurz der Atem. “Guten Morgen, Jungs”, versuchte ich mich locker zu machen und sah suchend nach Caleb.

      Cayce | Am frühen Morgen nach dem Aufstehen hatte ich bereits ein paar Pferden das Kraftfutter gegeben, sie auf die Koppeln und Paddocks gebracht und die Boxen gemistet. Ich wollte Caleb ein wenig Arbeit ersparen, da er heute Nacht erst um vier Uhr zurückgekommen war. So konnte er ruhigen Gewissens ausschlafen, was er jedoch vermutlich ohnehin getan hätte.
      Nach der Arbeit ging ich ins Haupthaus, in dem es schon wunderbar nach Waffeln roch. Die Haushaltshilfe machte eigentlich nie Waffeln, es sei denn wir hatten Besuch. Hatte ich etwas verpasst? Als ich ins Esszimmer ging, saßen dort die üblichen verdächtigen und stopften sich schon die Bäuche voll. Caleb fehlte natürlich. Auch der vermeintliche Gast, der jedoch wenig später den Raum betrat und uns grüßte. Mit gefüllten Backen sah ich auf und erwiderte ihren Gruß. Auch die anderen Jungs murmelten etwas, ehe wir uns alle kurz ansahen. Bevor die peinliche Stille jedoch unerträglich wurde, stand Octavia mit Bellamy in der Tür. “Tiara!”, sagten Beide fast gleichzeitig und umarmten sie kurz. “Schön, dass du es nochmal zu uns geschafft hast. Komm, setz dich… Travis mach Platz”, sagte Octavia und schlug Travis gegen den Arm, der murrend seinen Teller schnappte und Platz machte.

      Tiara | “Hey”, sagte ich zu O und Bellamy und wandte mich direkt zu den beiden. Ich schlängelte mich an den Jungs vorbei und nahm Octavia erst einmal in den Arm. Ich hatte sie lange nicht mehr gesehen und sah dann zu dem blonden jungen Mann, der mir soeben Platz gemacht hatte. “Dankeschön, Trav….or?”, sagte ich vorsichtig. Ich hatte vorhin nicht richtig zugehört und mich nur auf den Ruf meines Namens konzentriert. “Erzähl mal, wie läuft’s mit den Mustangs? Quisqui sieht man ja ab und an auf einem Turnier. Wie macht sich Tweekay?”, O sprudelte nur so und ich konnte nachvollziehen, warum das der Fall war. Tweekay war mal in dem Besitz der beiden gewesen und ich hatte schon ein paar Fortschritte mit ihm gemacht, aber ans reiten war nicht zu denken. “Es läuft eher schleppend… Meine Eltern sind nicht mehr so begeistert und wollen mich nicht mehr so gerne auf dem Hof haben, aber Tweekay geht’s gut. Ihn kann man jetzt mittlerweile führen, ohne, dass er versucht einen dabei umzubringen.” Harte Arbeit und langer Weg aber meine Geduld hatte sich ausgezahlt.

      Cayce | Tiara also… von ihr hatte ich doch schon einmal gehört. “Travis”, korrigierte Trav Tiara, die ihn so eben noch Trevor genannt hatte- eigentlich auch ein ganz cooler Name. Während sie so mit Octavia redete aß ich weiter meine Waffeln und bedankte mich, als ich Nachschub bekam. Auch Tiara wurde ein Teller gereicht, so dass nun nur noch Caleb, Brian, Aimee, Dell und Betsy fehlten. Aber die würden vermutlich alle später frühstückten.
      Beim Mustangthema horchte ich auf, hörte aufmerksam zu. Kurz überlegte ich, ob ich Tweekay kannte, war mir da aber nicht so sicher.
      “Wieso wollen deine Eltern dich nicht mehr auf dem Hof haben?”, fragte O unseren Gast und alle Anwesenden am Tisch warteten gespannt auf ihre Antwort.

      Tiara | “Ist eine gar nicht so spektakuläre Geschichte. Wir haben ja einen Praktikanten da, ganz netter Junge, sehr bemüht und 3 Jahre älter als ich. Anfangs konnte ich ihn nicht gebrauchen, jetzt jedoch kümmert er sich gerade um meine Pferde. Ich hab mich in der letzten Zeit mehr auf mein Training und das Training meiner Pferde konzentriert und meine Eltern finden es nicht so gut, dass ich kein Geld ins Haus bringe und wollen jetzt entweder, dass ich mehr Aufträge annehme oder aber Boxenmiete für meine Pferde zahlen soll. Ich schau mich also jetzt nach was eigenem um. Und hole Alex dann als Unterstützung mit”, erklärte ich meine Situation. Ein wenig kindisch war das ganze schon … wie fast jede unserer Familiendiskussionen. Die Waffeln schmeckten echt lecker und ich hatte ziemlich schnell den Teller leer. Ich sah noch einmal zu meiner rechten und sah einen ziemlich genervten Travis neben mir, der nur noch die Augen rollte. “Das hab ich gesehen”, sagte ich zu ihm und sah ihn gespielt sauer an. O hatte ich ziemlich lieb gewonnen und wusste, dass sie Whiskey vor noch gar nicht allzulanger Zeit zu Brooke gegeben hatte. “Achja O, Whiskey ist jetzt gekört macht sich Prima, der kleine Psycho.”

      Cayce | Ich überlegte. War nicht vor kurzem eine Ranch hier in der Nähe zu verkaufen gewesen? “Hier in der Nähe ist eine kleine Ranch zu verkaufen.. ich weiß ja nicht, welche Ansprüche du hast, aber Caleb oder ich könnten mit dir bestimmt einmal rüberfahren und sie anschauen… falls Kanada für dich in Frage käme”, meinte ich schulterzuckend und stopfte mir den Rest meiner Waffel in den Mund. Nun war mein Teller auch leer. Tiara nickte, ehe sie sich an Travis wandte. Was sie mit ihm hatte, da wurde ich nicht schlau draus.
      “Oh Whiskey?! Das ist toll, das freut mich! Du musst dir unbedingt später meine Pferde anschauen… ich hab sogar einen Zeltermix, den hab ich mir irgendwie andrehen lassen. Was ich mit Nini soll, bin ich mir noch nicht sicher.. aber hübsch ist sie- und eine Tochter von Bree und Skrudur!” Tiara grinste, schien die beiden Eltern wohl zu kennen.
      Ich stand derweil auf, brachte meinen Teller in die Spülmaschine und nahm meinen Hut von der Anrichte. “Lass es mich wissen, wenn du dir die Ranch anschauen möchtest”, sagte ich zu, nickte ihr einmal zu und verließ dann den Raum.

      Tiara | Ich sah neugierig auf, als Cayce von der Ranch sprach. "Das… Das wäre super!" Vor meinem Inneren Auge hatte ich mir schon alles ausgemalt und ich grinste nun vor mich her. "Was ist denn ein Zelter?", fragte ich Octavia und sah sie fragend an. Ich kannte Traber und Isländer, aber ich wusste nicht, was ein Zelter ist. Ich verfolgte noch kurz unser Gespräch ehe ich mich zur Spülmaschine aufmachte und meinen Teller samt Besteck rein räumte. Das Anwesen war riesig und ich würde später nochmal die Zeit haben mir alles gut anzuschauen. Ich stolperte fast über meine eigenen Füße und das wäre jetzt echt das letzte was ich gebrauchen konnte. Wo steckte Caleb eigentlich, er könnte mir ruhig mal alles zeigen, wenn er mich schon mit zu sich auf den Hof nahm. Ich hoffte, mich hatte keiner gesehen, wie ich fast den Boden küsste und rappelte mich wieder auf.

      Caleb | “Ein Zelter…”, mischte ich mich ins Gespräch ein, welches ich eine Weile vom Flur aus belauscht hatte. “... ist ein Mix aus zwei Gangpferderassen. Den Sinn versteh ich zwar nicht, aber für manche macht das wohl Sinn.” Dabei streckte ich Octavia die Zunge heraus und bekam nicht mit, weshalb Os Blick an mir vorbeiflog, sie zunächst panisch schaute, dann aber in schallendes Gelächter ausbrach. Tiara warf ihr einen gemeinen Blick zu, ehe sich beide wieder normale ansahen. Weiber… “Willst du zu erst mit O ihre Pferde anschauen oder soll ich dir erst den Rest der Ranch, bis auf Os Pferde, zeigen?”

      Tiara | "Aaachso", sagte ich verwirrt zu Caleb. "Aber heey, da bist du ja! Zeig mir ruhig erst die Ranch und dann zeigt O mir ihre Pferde und dann sagst du mir wo ich mit anpacken kann", grinste ich ihn an. Warum waren Männer eigentlich immer so ernst? Fing ja heute schon gut an. Erst Travis und jetzt Caleb. Die scheinen alle keinen Spaß am Morgen zu haben. Ich philosophierte noch ein wenig ehe ich mich verabschiedete und mich hastig zu meinem Zimmer begab. Ich zog mich um, das was ich auch immer bei uns am Stall anhatte. Das konnte auch dreckig werden, obwohl es gut kombiniert war.

      Caleb | “Okay dann machen wir das so”, antwortete ich auf ihre Aussage und nahm mir aus dem Schrank einen extra großen Thermobecher, in den ich mir Kaffee füllte. Tiara verschwand, würde sich wohl umziehen gehen.
      Ich derweil setzte mich noch kurz an den Tisch, besprach mit Cayce und Laurence ein paar Dinge des heutigen Tages, stopfte mir eine Waffel in den Mund und sah Tiara mit hochgezogenen Augenbrauen an. Ihre Outfits waren immer… top kombiniert. Sollte ich sie damit Ställe ausmisten lassen, damit die anderen was zu lachen hatten? Vielleicht in den nächsten Tagen.. heute wollte ich noch nett sein.
      Wir gingen also auf den Hof und steuerten sofort meinen roten Pick Up an. “Ich dachte, du wolltest mir den Hof zeigen?”, fragte mich Tiara unsicher, öffnete jedoch die Beifahrertür und setzte sich in den Truck.
      “Exakt, aber meinst du ich lauf alles ab?” Dann fuhr ich los. Zeigte ihr die beiden Reitplätze, die beiden Round Pens, die Halle, die Ställe, die Paddocks. Alles, was sie eh schon gesehen hatte, als sie mit Valhalla auf dem Reiningkurs gewesen war. Neu war allerdings, dass die Fohlen nun abgesetzt und in einer großen Gruppe hier am Hof standen. Dorthin fuhr ich als letztes- die Rinder und großen Weiden würde ich ihr ein andermal zeigen.
      “Hier stehen auch deine beiden Fohlen… oder waren die für deine Mutter?”

      Tiara | "Du hast so ein großes Anwesen… Ich bin neidisch!", sagte ich mit großen Augen und sah ihn an, als er mit mir die Ställe abfuhr. Er sah nur kurz rüber und konzentrierte sich dann weiter auf die Rundfahrt. Ich hatte das vorletzte Treffen nicht vergessen und war von seinem Können noch immer begeistert." Die Fohlen sind meiner Mutter… wobei ich mir es gerade anders überlege und ihr nur eins mitbringe." "Wie? Nur eins mitbringen?" Ich sah seinen Blick aus dem Augenwinkel und grinste nur. "Wir hatten einen Deal!" "Ich hab nie gesagt, dass ich das andere nicht nehme. Nur, dass ich es nicht ihr bringen werde."

      Caleb | “Und wen willst du für dich behalten? Stute oder Hengst, Daisy oder Shark?”, fragte ich sie doch bekam nicht sofort eine Antwort. Viel mehr war sie gerade damit beschäftigt, zu erst Daisy über die Nase zu streichen, dann Shark. Ich weiß gar nicht mehr wie die Rufnamen entstanden sind. Irgendwie war das bei Daisy einfach so passiert. BR Lovely Gun… Daisy… das passte einfach.
      Und Shark? Tja, Shark hatte in seiner Scheckung eine Flosse, die der eines Haies unglaublich ähnlich sah. Charakterlich strahlte er durch seinen Kampfgeist. Daisy glänzte durch ihren will to please und dem Menschen alles Recht zu machen. Wer war da wohl eher geeignet für Tiara?

      Tiara | "Shark. Er hat den Kampfgeist. Ich will meiner Mutter nicht so einen Brocken geben, wenn er mal groß ist. Der hat eine gute Zukunft vor sich." Caleb nickte. "Gute Entscheidung." "Und was steht jetzt an?" Ich war etwas Ungeduldig. Lag vielleicht auch daran, dass ich auf jemanden ein Auge geworfen hatte. Warum hatte ich auch so einen Faible für Typen die einen auf Hard to Get taten. Ich sah Shark noch einen Moment an und kraulte ihm dann den Rücken. Der kleine war schon gut gewachsen und ging mir nun bis über die Hüfte mit seinem Stockmaß. "Was macht Travis eigentlich hier bei dir auf dem Hof?"

      Caleb | “Ich würde Daisy sofort behalten. Aber verkauft ist verkauft”, sagte ich verlegen und fuhr mir einmal mit der linken Hand an den Hut.
      “Travis?”, fragte ich sie etwas ungläubig. “Der ist immer da, wo Octavia ist. Ich weiß nicht ob er ein Auge auf sie geworfen hat.. Murphy ist da ja auch noch im Rennen.” Ich lachte, sah wie sich ihre Miene kurz verzog. “Wir gehen gleich zu O und Trav, aber hast du die anderen Fohlen gesehen? Mir sind leider Käufer abgesprungen, ich hab noch einiges zum Verkauf… da hinten der Dunskin Appaloosa, BR Heart N’ Soul, von Hollywoods Silver Dream aus der Baby Doll Melody, tolles Kerlchen… oder Nima, die kleine Rappstute. Von Alan aus der Sue. Sollte eigentlich zu Juna oder Luna nach Österreich, daraus wurde dann aber nichts mehr… und General Pleasure, von General’s Coming Home aus der Crow sollte zu Zion, sie hat den Verkauf aber auch annuliert...und die blonde, die Bella so ähnlich sieht ist tatsächlich ihre Tochter. Papa ist Alan. Der helle mit den dunklen Beinen ist McDreamy, von Hollywoods Silver Dream und Heretic Anthem… vielleicht behalt ich den auch, wird mal ein guter Reiner durch den Papa… und Queen. Ziehfohlen von Heretic Anthem nachdem Face Down ja gestorben war… na, Interesse an einem für deine neue Ranch? Ich hab auch noch einige Pferde ab 3 Jahren aufwärts, die im Training sind.” Wieder lachte ich. Verkaufen? Das konnte ich… dabei fiel mir ein, dass die beiden Fohlen und auch die anderen Pferde für Tiaras Mutter noch gar nicht bezahlt waren.

      Tiara | "Ich hab leider mehr Interesse an den Mustangs, aber ich schau mal, was ich tun kann.”, murmelte ich. Ich sah über die Weide der Absetzer und schaute mir jedes vorgestellte Fohlen an. Sie waren alle toll, aus guten Linien, aber ich hatte momentan schon genug um die Ohren. “Caleb… ich habe gehört, dass hier in der Nähe eine Ranch verkauft wird. Weißt du ob da was dran ist?” Die Neugier hatte mich gepackt und ich sah den großen Blonden gespannt an. Es war schon wieder ziemlich frisch in dieser Septemberwoche und ich hätte mich deutlich wärmer anziehen sollen, jetzt fröstelte es mich und ich hatte die meiste Zeit Gänsehaut an den Oberarmen und zitterte ab und zu hörbar. Morgen wäre ich höchstwahrscheinlich krank und liege im Bett.

      Caleb | “Ja genau, hab das ganz kurz am Rande vor ein paar Tagen mitbekommen. Lass uns kurz zu O und Trav gehen, du ziehst dir was wärmeres an und dann fahren wir rüber. Der Besitzer, ein älterer Mann, ist eigentlich immer da. Er verkauft das Anwesen weil seine Kinder in die Stadt gezogen sind und seine Frau schon vor einer ganzen Weile gestorben ist. Da sieht es zwar aus wie Kraut und Rüben, weil da schon seit Jahren kein Vieh mehr gehalten wird, aber wenn du dir die Arbeit antun willst und dort aufräumst und alles auf Vordermann bringst, hast du eine tolle, kleine Ranch.”
      Ich wartete ihre Antwort kurz ab, ehe wir uns auf den Weg zum Stalltrakt machten, in dem die Pferde von Octavia standen. Travis, Murphy und auch O waren fleißig dabei, die Boxen zu misten. Die Pferde befanden sich schon fast alle draußen. “Caleb du kommst mir gerade Recht, können du und Tiara die restlichen Pferde rausbringen? Wildfire xx, Peacful Redemption, Tigres Eye und Birk?”
      Ich nickte. “Klar.”

      Tiara | “Viel Arbeit bedeutet niedrigerer Preis”, grinste ich. Mir war bewusst, wie viel Arbeit das werden konnte. So war es bei unserem jetzigen Stall ja auch gewesen. Dad hatte so viel Arbeit reingesteckt und Mom machte gerade alles kaputt. Brav wie ein Hund folgte ich Caleb in den Stalltrakt und sah mir im Vorbeigehen die Pferde an, die noch in den Boxen standen, bis wir bei den dreien angekommen waren. Ich sah zu Caleb, der sich die Halfter schnappte und mir gleich zwei davon entgegen streckte. “Und welche nehm ich jetzt?”, fragte ich ihn verwirrt. Das größere Halfter konnte nur dem Kaltblut gehören, aber das andere konnte ich nicht zuordnen. “Das ist von Peacful Redemption.” Ich versuchte die Stimme zu zuordnen und sah dem Blonden gleich ins Gesicht. “Danke.” Mein Gemurmel konnte man kaum verstehen und ich nahm mir erst Birk und dann Clyde.

      Caleb | Tiara konnte Clyde und Birk zusammen nach draußen führen, während ich mir als erstes Wildfire schnappte. Zusammen brachten wir die drei Hengste nach draußen, ehe wir nochmals in den Stall gingen und ich mir die schöne Rappstute Tigres Eye ans Halfter nahm. Sie kam raus zu den Stuten. Wieder im Stall angekommen unterhielten wir uns noch kurz mit O und Trav, ehe wir noch zu meinem kleinen Sorgenkind gingen. “Vom HMJ hast du was mitbekommen, oder?” Tiara nickte. “Das hier ist einer, HMJ Saintly. Hat sich schon gut gemacht- und dass das HMJ verlängert wurde kommt mir ungemein zu Gute. So habe ich noch mehr Zeit ihn auszubilden.”
      “Ein tolles Pferd, passt farblich zu deinen anderen.” Ich nickte. Farblich passte er wie die Faust aufs Auge.
      “Magst du dir noch was wärmeres anziehen, ehe wir rüber zur Ranch
      fahren?”

      Tiara | “Ja, bitte. Ist doch kühler hier, als ich dachte.” Caleb blieb heute ziemlich wortkarg. Ich bekam nur ein kurzes Nicken und schon stiegen wir ins Auto um rüber zum Haus zu fahren, wo ich mir schnell einen weißen, flauschigen Pullover schnappte, der mich dann garantiert warm halten sollte. Ich beeilte mich die Treppe runter, stolperte wieder fast und sah beim Aufrappeln in Cayce Augen. “So im Stress?” Sein Grinsen wurde breiter und ich richtete mich auf. “Ich will Caleb nicht warten lassen.” Mehr als ein Lachen vernahm ich nicht und ging zurück zum Auto. “Bist du soweit?” Ich nickte Hastig und schnallte mich an. Ein Ding, das ich aus Deutschland im Kopf hatte und immer wieder das Problem in anderen Ländern belächelt zu werden.

      Caleb | Ich startete den Truck und wie verließen über die lange Einfahrt meine Ranch. So ganz nebenan war das zum Verkauf stehende Anwesen nicht. Nach einer guten halben Stunde kamen wir dort an, fuhren durch das Eingangstor und auf den Hof vor dem Haupthaus. Schon von hier sahen wir, dass die Zäune repariert werden müssten, bevor jemals nochmal ein Pferd drauf dürfte. Das Gras stand hoch, die Bäume und Hecken wucherten ziemlich alles zu. Tiaras Blick wirkte zerknirscht, doch ich beschwichtigte sie sofort. “Wenn die Stallungen und das Haus intakt sind, ist das hier doch kein Problem. Ein paar Tage Arbeit und.. die Hecken sind weg, das Gras gemäht. Zäune kann man aufbauen.”
      Wirklich zufrieden schien sie damit nicht. Ich schätzte sie auch so ein, dass sie alles perfekt haben wollte. Das ging allerdings nicht, ohne Arbeit reinzustecken. Dafür war die Ranch günstig.
      Ich stieg aus und ging zur Haustür. Tiara folgte mir und lief fast in mich hinein, da ich wieder einen Schritt nach hinten gemacht hatte, um nicht mit der Nase an der Tür zu kleben. Sie allerdings hatte den Blick nach hinten gerichtet und dies gar nicht bemerkt. Ich räusperte mich kurz, sah dann aber jedoch zur geöffneten Haustür hoch, an der nun der alte, er war wirklich alt, Besitzer der Ranch stand. “Hallo ich bin Caleb, wir haben telefoniert. Das hier ist Tiara, sie interessiert sich für die Ranch.”
      “Caleb, schön sie kennen zu lernen- und sie natürlich auch, Tiara. Es freut mich, dass die Ranch eventuell in den Besitz eines bereits ansässigen geht.”
      Ich lächelte kurz. “Tiara kommt zwar nicht von hier, aber wie du bereits weißt, wohne ich drüben auf Bow River. Tiara hat mich schon ein paar Mal besucht und sich in unser schönes Land verliebt- deshalb will sie jetzt hier bleiben.”
      “Das ist schön. Ich hole mir noch gerade eine Jacke, dann können wir den Rundgang starten.”

      Tiara | Es schien wirklich viel Arbeit zu sein, die auf mich wartete. Noch war ich alleine, wenn ich die Ranch übernehmen sollte. Mit Alex hatte ich noch nicht gesprochen, ich wusste also auch noch nicht ob er mitkommen würde. Arbeiter hatte ich auch noch keine und auch sonst würde ich erstmal vor dem nichts stehen. Aber hey. Ich hätte dann nette Nachbarn. Als der ältere Herr sich seine Jacke übergezogen hatte, führte er uns ziemlich langsam, so wie es seine alten Knochen es noch schafften, zu den ersten Stallungen.
      Die Boxen waren in einem guten Zustand, das Holz war gepflegt, nicht marode. Die Wände müssten gestrichen werden, die Sattelkammer war in einem einwandfreien Zustand nur das Dach machte mir etwas sorgen. “Caleb, können wir gleich kurz reden?”, fragte ich ihn mit einem besorgten Blick. Caleb nickte, doch wir sahen uns noch die anderen Gebäude an, die in einer noch weniger Guten Verfassung waren. Die Aufteilung an sich gefiel mir jedoch ganz gut.
      “Ich weiß ja, dass hier viel arbeit reingesteckt werden muss, aber ich hab gehört, Dächer sind teuer. Also sie zu erneuern oder zu reparieren… In die Reithalle muss neuer Boden und der ganze Kleinkram hier muss auch noch gemacht werden”, ich hatte meine Bedenken geäußert und wartete nun auf seine Antwort. Wir standen ein wenig abseits und ich war froh, dass er mit dabei war, denn ich konnte zu schlecht so große Entscheidungen alleine treffen.

      Caleb | Während des Rundgangs erzählte der Mann immer wieder von der Zeit, als seine Frau noch lebte und die Ranch voller Pferde gewesen war. Allein durch seine Erzählungen entstand ein Bild vor meinem inneren Auge, wie schön es einmal hier gewesen sein muss.
      Nach der Führung nahm mich Tiara beiseite, erklärte mir ihre Bedenken. Ich überlegte kurz. “Ich kann von Bow River vielleicht etwas Geld übrig machen, zumindest um das Dach schon einmal zu reparieren und den Sand in der Hall auszutauschen… dann könntest du Kundenpferde trainieren, das bringt Geld ein- und dann Stück für Stück umbauen und ausbauen und wenn alles läuft, kannst du mir das Geld zurückzahlen- oder hilfst eben bei mir mit, wenn ich Hilfe brauche… es ist viel Arbeit, ja. Es ist viel Geld, ja. Wenn du das hier willst helfe ich dir gerne, aber sei dir von vornherein sicher, dass du dann auch hier bleibst und nicht im Endeffekt alles umsonst war.”

      Tiara | Ich sah ihn mit großen Augen an. Das war ein großes Entgegenkommen seinerseits. “Caleb… das ist verdammt viel Geld...Ich muss eine Nacht drüber schlafen und mit Alex reden, ob er mitkommen würde. Ansonsten muss ich gucken wo ich Arbeiter her bekomme, aber auch die muss ich dann bezahlen. Ich denk drüber nach, denn der Hof ist schön und hat alles was ich brauche…” Ich wollte einerseits nichts überstürzen, aber auch nicht direkt dicht machen. Ich musste dem ganzen hier eine Chance geben. Mit meiner Mutter wurde ich wohl nicht mehr warm und zu Dad hatte ich gerade gar keinen Kontakt mehr, weil meine Mutter es nicht wollte. Zwei Sturköpfe, die nicht einsahen, dass beide was falsch gemacht hatten.
      Wir gingen wieder zu den alten Mann und ich sagte ihm, dass ich mich morgen früh gleich melden würde. Er nickte, wir verabschiedeten uns und wir setzten uns wieder in den Truck. “Caleb? Darf ich dich was fragen?” “Ja? Was denn?” “Warum bist du so großzügig zu mir? Die zwei Wochen ‘Praktikum’, das Vorzeigen der Ranch….”

      Caleb | Ich nickte, als sie ihre weiteren Bedenken äußerte. Wenig später saßen wir wieder im Truck, ich startete den Motor und wir verließen die Ranch. Erst dann antwortete ich auf ihre Frage: “Na ich will Valhalla in der Nähe haben. Was ein tolles, aber schwieriges Pferd.”
      “Haha, witzig.” Wir lachten beide kurz.
      “Aber warum nicht? Das Geld ist ja auch nicht geschenkt, das bezahlst du mir schön zurück… aber ich habe so eine große, gut laufende Ranch. Warum dann nicht kleinere Höfe unterstützen?”
      “Ja okay du hast Recht.” Damit verlief die Rückfahrt zur Bow River weitesgehend schweigend. Wieder dort angekommen kam mir schon Cayce entgegen und ich ahnte nichts Gutes. “HMJ Saintly ist schon wieder auf der anderen Koppel. Er hat das Zwischenpanel aufgemacht, wollte ihn gerade wieder einfangen gehen.”
      “Lass nur ist gut, mach ich selbst”, antwortete ich ihm, streckte die Hand aus und er gab mir Halfter und Strick. “Der gute Saintly, immer für eine Überraschung gut.”
      Mit Tiara im Schlepptau gingen wir zur Koppel, betraten das Stück, auf dem der Hengst zusammen mit Alan und Blue stand. Auf der Seite, auf die er eigentlich gehörte standen Shorty und Gipsy, die brav grasten und dem offenen Tor keine Beachtung schenkten.
      Der braune Scheckhengst ließ sich anstandslos einfangen. Tiara beschäftigte Blue und Alan während ich ihn zurückbrachte und das Tor wieder schloss. Cayce war schon mit einer Kette herbeigeeilt, wie wir einmal um Tor und Pfosten befestigten. “Jetzt kommt er nicht mehr hier raus.”
      “Aber wie ruhige die anderen zwei Hengste geblieben sind”, sagte Tiara erstaunt, die nun auch wieder zu uns aufgeschlossen hatte und nun Shortys Hals streichelte.
      “Wären es Gangster oder Hollywood gewesen, zu denen er ausgebrochen wäre, hätten wir jetzt alle Pferde in die Klinik fahren können. Nicht alle Hengste sind so umgänglich wie diese beiden.”

      Tiara | “Ich kenn das, Tweekay kann ich auch nicht mit dem Tigerschecken auf die Weide lassen. Die bringen sich um, auch wenn Quisquilloso normalerweise sehr ruhig und kommt mit anderen Hengsten klar, nur nicht mit Tweety. Was ich aber eigentlich sagen wollte: Was ist wenn Saintly mit Alan und Blue besser klar kommt als mit Shorty und Gipsy. Also vielleicht ist es nur Augenscheinlich so, dass Shorty, Gipsy und er besser passen als er mit Alan und Blue. Immerhin standen die beiden immer noch grasend auf der anderen Weide und haben sich nicht mal darum geschert, dass ein Herdenmitglied weg ist”, wandt ich ein und sah die beiden Jungs an. Ich hörte ein Seufzen von Caleb und Cayce hatte nur aufmerksam zugehört. Ich spürte eine Vibration in meiner rechten Jackentasche und sah auf mein Handy. Alex rief an. Er wollte jetzt sicher nicht wissen wie es mir geht. “Ich muss kurz rangehen”, sagte ich und ging ein paar Schritte zur Seite. “Hey Alex, was gibts?” - “Wir haben den Tierarzt hier, Chaa ist beim Toben auf der Weide gestürzt und hat nun einen Ast im Brustkorb, er muss geröngt und in die Klinik gebracht werden. Ich wollte dir nur sagen, dass ich mich um ihn kümmern werde, wenn das okey ist?” Seine Stimme brach am Ende a. Er war aufgeregt, genauso aufgeregt wie ich eigentlich auch sein sollte. Schließlich war er mein Nachwuchspferd und ich hatte ihn ziemlich lieb gewonnen. “Bring ihn in die Klinik und mach alles, was sie verlangen. Ich lass dir Geld zu kommen und halte mich auf dem Laufenden…. Alex, danke, dass du da bist.” Dann legte ich auf und ging ziemlich ruhig wieder zu den beiden hin und konnte einfach nichts sagen. Der Schock war noch zu frisch, zu tief.

      Caleb | “Da magst du Recht haben. Ich habe Saintly bisher einfach zu Shorty und Gipsy gestellt, weil es gepasst hat. Es findet eh bald nochmal eine Umstellung der Pferde statt, also nach dem Winter wird neu aufgeteilt.”
      Während Tiara telefonieren ging unterhielt ich mich mit Cayce über das abendliche Training, dem ich auch noch beiwohnen müsste. Drei Pferde standen heute noch auf meinem Trainingsplan. Wir verließen die Koppel und warteten auf Tiara, die ziemlich… verändert wirkte. “Tiara alles ok?”, fragte Cayce sie, doch sie reagierte nicht. Worum ging es wohl bei dem Telefonat?
      “Tiara?”, fragte ich sie nun und langsam schien sie wieder zurück in die Gegenwart zu finden.
      “Chaa, mein Nachwuchspferd muss in die Klinik, sieht übel aus.”
      Cayce als auch ich zogen scharf die Luft ein. “Ich kann dir einen Flug nach Hause buchen”, meinte ich zu ihr und legte ihr meine Hand auf die Schulter.

      Tiara | “Nein.. Alex kümmert sich drum, er fährt ihn in die Klinik und die sollen ihn flicken. Das haben sie damals bei meinem ersten Pferd auch geschafft. Und der hatte einen deutlich schwereren Unfall gehabt. Alex schafft das.” Ich merkte wie ich hektisch wurde und wie ein Wasserfall die Worte aus meinem Mund fielen. Ich sah kurz auf Calebs Hand, die er mir auf die Schulter gelegt hatte und spürte wie in meinen Augen sich die Tränen sammelten. Ich wollte jetzt nicht heulen. “Was steht heute noch an?”, versuchte ich verschluchzt das Thema zu wechseln.

      Caleb | “Okay dann wir das Pferd in guten Händen sein, mach dir nicht zu viele Sorgen”, versuchte ich sie zu beruhigen. Ich konnte mir vorstellen, wie schlimm das sein musste, so weit weg von seinen Pferden zu sein und dann solch eine Nachricht zu bekommen. Tatenlos in einem anderen Land zu sein, ohne etwas ausrichten zu können.
      Ich räusperte mich, nahm meine Hand wieder von ihrer Schulter und sah zu Cayce. Dieser schüttelte kurz den Kopf. Auf ein Pferd lassen würde ich sie heute bestimmt nicht mehr. “Cayce fährt gleich zu den Rindern raus und verteilt ein wenig Kraftfutter an die Mutterkühe, da kannst du gerne mit… ich trainiere noch drei Pferde aber… sei mir nicht böse, aber reiten lassen will ich dich jetzt eher nicht.”

      Tiara | “Ne, das ist auch besser…”, stimmte ich ihm zu und sah ihn an. Er hatte Recht. So würde ich auch niemanden aufs Pferd lassen. Ich hängte mich an Cayce an und schwieg die meiste Zeit im Auto während ich aus dem Fenster in die Landschaft schaute. “Cayce? Wofür habt ihr die vielen Rinder? Ich mein, ihr seid doch eher in der Reining unterwegs oder nicht?”, sammelte ich mich und sah wieder nach vorne auf die Straße. Andererseits konnte ich mir die Gründe auch zusammendenken. Irgendwie musste ich mich ja auf andere Gedanken bringen.

      Cayce | Ich fing schallend an zu lachen. “Warum wir die ganzen Rinder haben? Caleb wollte die haben- der Verkauf und die Schlachtung bringt Geld. Mehr ist es nicht… außer, dass die eine Unmenge an zusätzlicher Arbeit verlangen.”
      Auf der Weide waren wir schnell fertig. Alle Tiere sahen gut aus, jedes Tier kam nach vorne zum Fressen. Tiara streichelte sogar einer der Mutterkühe über den weichen Kopf. Die Tiere schoben immer mehr Winterfell und waren nun mehr als flauschig. “Warte noch einen Monat dann ist das Fell doppelt so lang.”
      “Doppelt so lang?” Tiara schien geschockt.
      “Klar, hier wirds im Winter kalt. Die müssen ordentlich Fell schieben, werden ja nicht eingedeckt wie die Pferde.”
      Wir standen noch eine Weile am Zaun und beobachteten die Kühe, ehe wir die leeren Eimer wieder auf die Ladefläche des Trucks legten, einstiegen und den Rückweg antraten.
      “Das Essen müsste gleich auch fertig sein, bin gespannt was die Liebe Dolly uns wieder gekocht hat.”

      Tiara | Rinder waren schon süß. Essen, das war es, dass meine Laune jetzt anheben konnte. “Sind dann auch wieder alle von heute morgen dabei?”, fragte ich mit großer Neugierde. Vielleicht auch mit einer kleinen Hoffnung auf den Hübschen, mürrischen Blonden wiederzusehen. “Ich geh doch stark davon aus.” Cayce lächelte und ich grinste nur. “Dolly macht aber echt gute Waffeln”, sagte ich ehe wir auch schon am Haus ankamen, das Auto abstellten und uns auf dem Weg rein noch unterhielten.
      In dem Raum von heute morgen angekommen, waren schon fast alle da, zumindest so wie ich es in Erinnerung hatte. Nur einer fehlte mal wieder, wie am Morgen auch schon. “Cayce, hältst du uns noch einen Platz frei, ich geh mal den Chef rufen”, noch ehe er was sagen konnte, hatte ich auf dem Absatz kehrt gemacht und war auf dem Weg in die Reithalle. Zu Fuß war vielleicht eine Blöde Idee aber ich kam gut voran.
      In der Reithalle angekommen erblickte ich Caleb beim Abreiten von Cody und ich sah ihm kurze Zeit gebannt zu. “CALEB!”, rief ich durch die Halle, denn er hatte mich noch nicht sehen können. “ESSEN IST FERTIG! DIE WARTEN SCHON!” Hätte ich es nicht besser gewusst, hätte ich versucht, ihn nicht zu erschrecken.

      Caleb | Neben Izzie und Vulture, die beide ihren Job wirklich gut gemacht hatten, war ich schon seit einer halben Stunde mit Cody auf dem Platz. Ich war wirklich froh, dass der junge Hengst endlich seinen Weg in meine Zucht gefunden hatte. Ihm standen einige Türen offen und nach dem Winter wollte ich ihn und auch ein paar der anderen Jungpferde auf kleineren Turnieren starten.
      Ich war gerade dabei, den Hengst abzureiten, als mich eine Stimme unsanft zusammenschrecken ließ. Cody, der noch lange keine Nerven aus Stahl hatte, hüpfte durch mein Zusammenzucken mit einem Satz nach vorne. “Whoaaaa”, bremste ich ihn ab, nahm ihn rechts extrem auf und rollte ihn ein, damit er keine Chance mehr hatte, nach vorne weiter davon zu laufen. “Bist du des Wahnsinns, ihr kennt alle die Jungpferde und wisst dass ihr da nicht so rumbrüllen….”, fing ich an zu fluchen, ehe ich Tiara am Zaun stehen sah. Zerknirscht ritt ich auf sie zu. Sah, dass ihr meine Predigt ein wenig dick getan hatte. “Sorry, hab dich nicht direkt an der Stimme erkannt… sei froh dass du nicht hier arbeitest, denn dann hättest du die Standpauke- und glaub mir, da wär noch was danach gekommen, wirklich verdient.”

      Tiara | “Die hätte ich wohl auch verdient, hehe”, sagte ich kleinlaut und widerholte nochmal mein Anliegen. “Das Essen ist fertig…” “Ja, ich bring den gleich weg”, murrte er wieder. Okey… blond und mürrisch waren wohl mein Typ…. wenn ich mir das recht überlegte, stimmte das sogar. Alle meine Exfreunde waren blond und doch ziemlich abweisend gewesen, zum Anfang immerhin. “Okey, ich nerv dich dann noch weiter”, flüsterte ich beinahe und schaute ihm noch ein bisschen zu.
      Der Roan war ein verdammt hübsches Pferd und hatte eine tolle Abstammung. “Wo hast du Cody eigentlich her?”, fragte ich ihn neugierig. Caleb hatte immer ein gutes Händchen für gute Pferde, er müsste mal mit mir auf eine der Auktionen gehen. Vielleicht hatte ich da mal Glück.

      Caleb | Ich ritt den Hengst noch ein paar Runden im Schritt trocken, ehe ich gemeinsam mit Tiara zum Stall ging. Dort beantwortete ich auch ihre Frage. “Leider Gottes aus einer Tierschutzaktion. Der Hengst ist nicht zum ersten Mal beschlagnahmt worden- nur dieses Mal hab ich ihn da raus bekommen. Hatte ihn vorher schon ein paar Mal kaufen wollen, auch für viel Geld, meine Angebote wurden aber immer ausgeschlagen. Auch als er zum ersten Mal beim Tierschutz stand, hab ich ihn nicht rausbekommen… beim zweiten Mal wurde ich sofort angerufen und hab ihn- für mehr Geld als nötig, dort herausgekauft. Im wahrsten Sinne des Wortes war der Hengst schweineteuer. Aber seine Mutter ist ein unglaublich gutes Pferd, hab davon glaube ich noch zwei Enkel und ein oder zwei Urenkel hier im Stall stehen… von den guten Linien kann man nie genug haben.”
      “Da hast du Recht”, lachte Tiara. “Meinst du, du könntest mal mit auf eine Auktion kommen? Vielleicht sogar von den BLM Mustangs? Da geht es aber weniger um Abstammung sondern mehr um das Exterieur. Du scheinst aber auch dafür ein gutes Händchen zu haben.”
      “Klar, kann ich machen. Auch wenn ich mich mit Mustangs nicht so gut auskenne, aber äußerlich sind sie den meisten Quarter recht ähnlich.”
      Mit diesen Worten packte er Cody in eine der Abschwitzdecken mit seinem drauf gestickten Namen, stellte ihn in eine der Boxen und gab ihm seine Portion Kraftfutter. Die anderen Boxen waren bereits mit Pferden gefüllt, die alle zufrieden ihr Heu mümmelten.
      Gemeinsam gingen die Beiden nach drinnen, setzten sich auf die freien Plätze und langten beim Essen kräftig zu. Dolly hatte Burger gemacht. Zwar nur aus der Pfanne und nicht vom Grill, aber lecker waren sie allemal.
      Auch Travis langte kräftig zu, warf Tiara aber immer wieder einen Seitenblick zu.

      Tiara | Es hatte mich fröhlich gestimmt, dass er mich einmal begleiten würde auf eine der Auktionen. Immerhin hielt ich viel von seiner Meinung, schließlich war er auch mein Trainer. Nachdem er den Junghengst weggepackt hatte, setzten wir uns an den Tisch und als ich in diesen selbstgemachten, frischen Burger biss, war es ein Orchester der Geschmacksnerven, das mich packte. “Der Burger schmeckt so gut”, ich konnte es mir nicht verkneifen mit vollem Mund meine Begeisterung kund zu tun. Caleb hielt sich nur die Hand vor das Gesicht und O fing an zu lachen. “Dafür, dass du so aussiehst wie du aussiehst, bist du trotzdem ein Bauer!”, schmunzelte Caleb und ich boxte ihm gespielt auf den Oberarm. “Du Arsch.” Nun musste ich auch kurz lachen und ich schmierte mir mit der Serviette gespielt vornehm das Fett, dass mir am Mundwinkel runter lief ab. Hin und wieder vernahm ich den Blick von Travis, so sehr ich auch wollte, konnte ich ihm gerade keine Aufmerksamkeit schenken. Das würde sowieso nach hinten losgehen. Wenigstens war ich gerade glücklich und lachte trotz der schlechten Nachricht. “My Lord, man reiche mir eine Serviette”, befahl ich Cayce spielerisch und mit einem Lachen gleich im Anschluss.

      Caleb | Cayce stand auf, nahm eine der Servietten, ging um den Tisch herum und kniete vor Tiara nieder. “Habt ihr heute alle Lack gesoffen?”, fragte ich kopfschüttelnd in die Runde, beteiligte mich aber am großen Gelächter und war froh, dass Tiara für eine Sekunde nicht an ihr krankes Pferd denken musste. Sie würde Alex bestimmt später noch einmal anrufen und ich drückte alle Daumen, dass es dem Pferd gut ging.
      Nach dem deftigen Burger verwöhnte uns Dolly noch mit einem selbstgemachten Eis. “Glaub mir, das gibts wirklich nur zu besonderen Anlässen oder bei gern gesehenen Gästen”, lachte ich und gab Tiara noch eine Kugel Eis. Sie war meines Erachtens eh zu dünn… und der Genuss von Eis stimmte grundsätzlich glücklich- aaalssooo.
      “Ich mach gleich noch die Abendrunde, Travis ist heute mit dran. Willst du uns begleiten oder hier drinnen vorm warmen Kamin bleiben?”

      Tiara | Das Eis schmeckte vorzüglich und ich gönnte mir noch einen Nachschlag. “Eigentlich wäre es mir zu kalt und ich würde liebend gerne am Kamin sitzen, aber ich denke ich komm mit. Ich bin ja zum arbeiten hier”, grinste ich und sah zu Travis.
      Ich hoffte, dass es für ihn okey war, das war auch der Grund, weshalb ich ihn ansah. Der Blonde zuckte nur mit den Schultern. “Alles klar, dann kommst du mit”, beschloss Caleb dann und ich brachte mein Geschirr zu Dolly. “Danke, es hat echt gut geschmeckt”, bedankte ich mich herzlich und gab Caleb kurz zu verstehen, dass ich mir schnell eine Jacke holen würde, ich würde dann an den Truck kommen.

      Caleb | Travis und ich gingen bereits zum Truck und unterhielten uns darüber, was die nächsten Tage anstand. O würde morgen mit ihm in aller herrgottsfrühe zur Rennbahn fahren, um ihre Pferde laufen zu sehen. Sie setzte sich schon eine ganze Weile nicht mehr selbst drauf, dafür hatte sie drüben Angestellte. Die jungen, unerfahrenen Jockey und Jockettes kosteten kaum etwas, konnten die Pferde aber locker trainieren. Bald würden sie sowieso in die Winterpause gehen.
      Tiara kam in dicker Jacke zu uns. “Trav geht zu den Fohlen und Jungpferden auf die Paddocks, ich geh einmal durch die Ställe, wo willst du mit?”
      Ob sie sich am Anfang bewusst gewesen war, dass sie nur mit einem mitgehen konnte?

      Tiara | Da ich bei den Fohlen auch mein eigenes hatte, wollte ich natürlich zu Sharky. “Ich denke, ich geh mit Trav, dann seh ich Shark wieder”, grinste ich und hielt mich an Travis. “Okey, dann mal los.” “Wie kamst du eigentlich zu dem Praktikum?” Ich hätte nie gedacht, dass er so das schweigen brechen würde, aber gut. Die Sache zwischen Caleb und mir, die verschwieg ich. Das war unser Deal, das durfte keiner wissen. “Er war bei uns zum Training mit Valhalla und da sie so ein typisches Weibsbild ist und sie es liebt mir das Leben schwer zu machen, sollte ich hier noch ein bisschen mehr Erfahrung sammeln.” Ich machte eine kurze Pause. “Und bald bin ich wohl öfter hier in der Nähe, wenn alles klappt.” “Wegen der Ranch?” Ich stockte kurz. “Woher weißt du das?” War er in der Nähe gewesen als wir darüber geredet hatten?

      Travis | “Ach stimmt, von Valhalla hab ich ihn… fluchen gehört. Aber die scheint sich ja dann gut gemacht zu haben wenn du jetzt hier zum Training bist und nicht mehr zum Korrekturreiten oder sowas.”
      Wir gingen beide weiter, ehe ich kurz auflachen musste. “Na von Caleb, von wem denn sonst?” Tiara fühlte sich ertappt. Natürlich von Caleb. “Und was hälst du davon?”, fragte sie mich geradeheraus doch bekam nur ein Schulterzucken. “Ein bisschen weibliche Gesellschaft tut Caleb gut- und auch Octavia, ihr scheint euch ja zu verstehen. Hier gibt es nicht so viele Frauen, O muss sich ständig gegen uns Kerle behaupten.”
      Tiara lachte. Sie waren nun an den Paddocks angekommen und betraten das große Offenstallzelt, in dem einige der Fohlen schon schliefen. “Eins… zwei… [...] sieben, acht [...] alle da.”
      Dasselbe machten wir auch noch beim anderen Paddock, ehe wir zu Caleb aufschlossen, der gerade den Zuchtstall fertig kontrolliert hatte. “Ab auf die Couch und den Abends ausklingen lassen!”

      Tiara | Ich musterte ihn. Ein bisschen weibliche Gesellschaft tut Caleb gut … Es hallte weiter in meinem Kopf. Was meinte Travis damit? “Ist Ylvi nicht mehr da?”, fragte ich ihn verwirrt durch seine Aussage. “Doch doch.” Ich summte nur ein hmm und sah dann in die Dämmerung und entdeckte Shark auf Anhieb. “Also ich könnte noch was starten”, lächelte ich die beiden an.
      Ich war noch nicht müde, ich hatte heute nicht viel gemacht umso mehr wollte ich jetzt noch unternehmen. “Sicher Tiara? Du wolltest doch noch Alex anrufen”, wandt Caleb ein. “Stimmt… “, sagte ich und sah auf mein Handy. In Deutschland wären es jetzt 4:13. “Ja, ne ich glaub, das muss ich morgen früh machen. Alex hört sein Handy eh nicht, wenn er schläft.” “Ja gut, ist ein bisschen früh, dann mach das morgen früh”, sagte Caleb dann. “Ist auch besser, wobei er mir schreibt, wenn Chaa es überstanden hat, aber bisher kam nichts”, ich zuckte mit den Schultern.

      Travis | Ich überlegte kurz. “Zwischen aufs Sofa werfen und fern schauen und noch was starten ist aber ein riesengroßer Unterschied.”
      “Ja ich mein halt noch was machen, wie sich nur ins Bett zu legen und zu schlafen.”
      “Okay okay, Caleb alle bei dir?”
      “Jo, alle bei mir.”
      Damit gingen wir in Richtung des Haupthauses. “Ich zieh mich noch grad um dann komm ich rüber zu euch”, sagte ich zu den beiden und verschwand zu meinem Bungalow, in dem ich mich schnell umzog und dann im Wohnzimmer wieder zu den beiden aufschloss.
      Caleb hatte sich auch ein anderes Hemd angezogen, Tiara sah ebenfalls anders aus, aufreizender, was ich nach einem Seitenblick in ihre Richtung mitbekam. Bevor sie meinen Blick bemerkte, schaute ich zur Seite und warf mich auf die Couch, auf die sich dann auch Tiara setzte. Caleb saß zu unserer Rechten auf dem Sessel und nippte an seinem Bier.

      Tiara | Ich hatte mir obenrum nur ein kurzes schwarzes Top und die passende beige Sweatjacke angezogen, dazu trug ich noch eine beige Jogginghose, die etwas weiter ausfiel, da ich sie in der Herrenabteilung gefunden hatte. ‘Angel’ stand auf dem kleinen Aufnäher, wo ursprünglich mal das Nike-Zeichen beheimatet war. Ich musste schmunzeln, wenn man mich fragen würde ob ich wirklich so ein Engel sei. Caleb wusste bereits, dass ich auch anders sein konnte und nachdem ich seit kurzen auch gepierct war, war es immer mal wieder ein kleines Rätsel, welche Unterwäsche ich am besten trug, um sie in meiner Situation als Trainer in den kleineren Klassen nicht durch mein Hemd durchscheinen zu lassen.
      “Danke Caleb, dass du auch mir ein Bier angeboten hast”, sagte ich gespielt enttäuscht und rieb mir eine imaginäre Träne vom Auge. “Ich dachte eher du willst irgendein Tussigetränk”, grinste er mich verschmitzt an und gab mir eine Flasche rüber. “Dass ich nicht ganz so sehr Tussi bin, das solltest DU ja wohl wissen”, sagte ich und zog eine Augenbraue hoch ehe ich meine Flasche öffnete und auch einen Schluck nahm. “Was ist mir dir Travis? Trinkst du nichts?”

      Travis | “Was soll das denn heißen? Dass gerade Caleb weiß, dass du nicht so eine Tussi bist?”, lachte ich, stand auf und ging einmal um den Tisch herum, um mir auch ein Bier zu schnappen. Caleb hatte sie ans andere Ende, also vor seine eigene Nase gestellt. Gut für ihn, aber alle anderen mussten aufstehen, um eins zu bekommen. Tiara hatte er zwar eins rüber gereicht, mir aber nicht.
      Auf meine Frage bekam ich weder von Tiara, noch von Caleb eine Antwort, weshalb ich mich mit dem Schweigen zufrieden gab und mich stattdessen mit einer anderen Frage an unseren Gast richtete: “Wie lange willst du eigentlich bleiben? Und hast du die Ranch drüben gekauft?”

      Tiara | Das war knapp gewesen. “Eigentlich zwei Wochen, aber ich denke ich nehm die Ranch, auch wenn es viel Arbeit ist.” “Das ist viel Arbeit, das kann ich dir sagen.” “Ach Caleb, ich schaff das schon, wenn Alex da ist, kann er mir erstmal helfen die Paddocks frei zu schneiden. Dann können wir die Pferde schon mal rüber holen und uns um die Boxen kümmern. Das Haus kann ich ja als letztes machen.”
      “Aber erstmal muss ich den Vertrag unterschreiben. Bin also noch was hier”, erzählte ich Travis und machte es mir dann bequemer in dem ich mich an die Rückenlehne der Couch anlehnte. Das Bier kam zwar nicht an das deutsche ran, aber immerhin konnte man es trinken.

      Travis | “Was soll das denn heißen? Willst du dich etwa hier einnisten, bis die Ranch drüben fertig ist?”, lachte ich und nahm einen Schluck Bier aus der Flasche, ehe ich sie wieder auf den Tisch abstellte und meinen linken Arm auf die Rückenlehne der Couch legte. Mein Arm berührte ganz leicht die Haare von Tiara.
      “Ich mein… den Platz habt ihr hier ja auf jeden Fall.. und Caleb hat gesagt ich kann hier helfen. Außerdem steht Shark ja noch hier. Bis der abgesetzt ist, kann ich noch bisschen mit ihm trainieren.”
      “Apropos…”, fing Caleb an. “Wenn du die nächsten Tage oder je nachdem Wochen Langeweile hast, darfst du dir gerne die Fohlen schnappen und das Fohlen ABC mit denen üben.”

      Tiara | “Hmm, bring mich doch dazu”, grinste ich ihn an und fuhr dann fort. “Aber ja, das kann ich gerne machen, das macht mir teilweise mehr Spaß als das Bereiten von Pferden.” “Umso besser, Dual Shaded Ace ist zwar schon was älter, aber der kann auch noch nichts.” “Wiee der kann noch nichts , Caleb, das ist enttäuschend. Du hast wertvolle Zeit verstreichen lassen”, stöhnte ich und hielt mir schauspielernd die Hand vors Gesicht. “Ich muss mich halt auch um die Großen kümmern, ich hab hier genug zu tun. Mach dich nützlich.” “Du wirst sehen, die Fohlen werden mich lieben”, zog ich die Augenbraue hoch und nahm noch ein Schluck von meinem Flaschenbier. “Reitest du eigentlich auch, Trav?”, fragte ich vorsichtig. Bisher hatte ich ihn noch nicht auf dem Pferd gesehen.

      Travis | Ich lauschte dem Gespräch zwischen Tiara und Caleb interessiert, trank zwischendurch immer mal wieder genüsslich einen kleinen Schluck aus meiner Flasche.
      Verlegen zuckte ich mit den Schultern, als Tiara mich fragte, ob ich reiten könne. “Deine Frage muss ich leider klar verneinen. Ich hab zwar schon mal draufgesessen aber reiten kann man das beim besten Willen nicht nennen.. ich kann Pferde führen und putzen, füttern und Boxen misten und das wars dann auch schon. Aber… Murhpy hat angefangen zu reiten, bekommt ab und an Unterricht von Caleb. Vielleicht sollte ich das auch mal in Angriff nehmen?”
      “Ich hab schon für Murphy kaum Zeit.. aber vielleicht schnappen du und Tiara euch morgen einfach eins der ruhigen Pferde und sie zeigt dir ein bisschen was?”

      Tiara | Du kannst mehr im Umgang als so mancher Reitschüler im Stall meiner Freundin”, grinste ich und nickte dann eifrig, als Caleb mich fragte. “Klar gerne! Das kriegen wir hin. Du musst mir nur sagen, welche die ruhigen Pferde sind”, sagte ich und stellte die Leere Flasche weg um mich dann etwas schwungvoller wieder auf meinen Platz fallen zu lassen. Mir war Travis Arm gar nicht aufgefallen, bis ich ihn grade etwas unsanft an meinem Kopf spürte. “Sorry Trav”, mit großen Augen sah ich ihn an. Mir tat es echt leid, manchmal war ich zu tollpatschig. “Soll ich den weg holen?”, fragte er etwas verunsichert, als ich mir den Kopf rieb. “Nein, ist schon okey.”

      Travis | “Der liebste von allen ist unser Hengst Blue. Der arme Kerl wird immer als Schulpferd missbraucht. Betsy lernt auch auf ihm, ebenso wie Murphy. Ansonst nehm Alan oder A Walking Honor”, antwortete Caleb und Tiara nickte. Der blonde Cowboy stand schließlich auf, streckte sich einmal und verabschiedete sich dann ins Bett.
      Nun saßen Tiara und ich alleine im Wohnzimmer. Toll, danke Caleb. “Und was machen wir zwei Hübschen jetzt noch?”

      Tiara | “Erzähl mal was über dich. Du weißt mehr über mich als ich über dich. Ich mein, du weißt, dass ich aus Deutschland komme und die Nachbarranch kaufen will.”
      “Hält dich denn nichts mehr in Deutschland? So gar nichts? Freunde oder Familie?” “Klar werde ich meine Freunde vermissen, aber ich bin sowieso die meiste Zeit bei den Pferden und hier hab ich meinen Trainer in direkter Nähe. Mit meinen Eltern hab ichs mir verkracht und der einzige der noch zu mir steht ist Alex.”
      “Und Alex ist wer? Du redest so viel von ihm?”, er war neugierig, nur völlig auf dem falschen Pfad, was Alex betraf. “Alex ist nur unser Praktikant, der ist auch bald zuende mit dem Praktikum, aber er ist gut. Er macht gute Fotos und kann inzwischen die Pferde versorgen, ohne dass ich Angst haben muss, dass sie zu wenig oder zu viel bekommen. Und jetzt erzähl mal was von dir.” Ich drehte mich mit angewinkelten Beinen zu ihm und hörte aufmerksam zu.

      Travis | Ich hörte ihr zu, stellte ein paar Fragen. Als sie fertig mit erzählen war, sollte ich ihr etwas über mich erzählen, was die Stimmung schlagartig kippen ließ. “Hmm”, murmelte ich und schwieg dann wieder, ehe ich ein paar Mal ansetzte, dann jedoch wieder verstummte. “Ich arbeite schon eine ganze Weile hier auf der Ranch. Familie hab ich nicht mehr, meine Freunde haben sich damals abgewandt, als ich einen anderen Weg eingeschlagen habe… was soll dir ein einfacher Stallbursche schon groß von seinem Leben erzählen?”, ich kratzte mich am Kopf und zuckte dann lächelnd die Schultern. “Ich mach hier meinen Job, verdiene Geld und bin unter netten Leuten.”
      Tiara nickte, schien sich aber noch nicht mit dieser Antwort zufrieden zu geben. “Wieso haben sich deine Freunde von dir abgewandt?”
      Mein Blick änderte sich, ich schaute sie nicht mehr ganz so freundlich an. “Das ist eine Sache, die ich nicht einfach ausplaudere.” Damit war das Thema für mich gegessen, mehr Antwort würde sie nicht bekommen. Ich nahm meinen Arm derweil von der Rückenlehne, stand auf und sammelte die leeren Flaschen ein, ehe ich sie in die leere Kiste brachte. “Ich glaub ich hau mich aufs Ohr, muss ja rüber zu meinem Bungalow laufen… gute Nacht.” Damit verabschiedete ich mich und ließ eine wohl leicht verdutzte Tiara zurück.

      Tiara | Okey… das nenn ich mal Abgang. “Gute Nacht”, flüsterte ich kaum hörbar und sah ihm verwundert nach. Damit hatte ich jetzt nicht gerechnet, er hätte zumindest mal warten können, so musste ich nun alleine im Schein des Mondes durch die Dunkelheit zu meinem Zimmer laufen. Ich legte mich auch ziemlich schnell aufs Ohr und versuchte nicht so viel über die vorige Situation nach zu denken.
      Am Morgen wurde ich unsanft aus meinem Schlaf gerissen und sah auf die Uhr. 5:24 Uhr. Ich konnte Alex anrufen. Beep...Beep… “Alex?” “Hey Titi, Chaa geht es den Umständen entsprechend gut. Es wurde nichts wichtiges getroffen, ganz so, als sei der Holzblock an den Organen vorbei geschlängelt."" Alex, danke… Danke für alles. Du bist einfach der Beste. " dann hieß es für mich auch schon ab zum Frühstück.

      Caleb | “Oh guten Morgen Tiara!”, sagte ich freundlich und zeigte auf einen der leeren Stühle. Bisher waren wir alleine am Frühstückstisch. “Hast du gut geschlafen?”
      “Geschlafen ja, allerdings nicht viel.. ich musste auch erstmal mein Zimmer wiederfinden.” Ich horchte auf, sah sie fragend an. “Hm?”
      “Na Travis hat mich einfach sitzen lassen.”
      “Wieso das denn?”
      “Hab ihn einfach nur gefragt, ob er mir was über sich erzählt, er weiß durch dich so viel von mir. Dann ist er komisch geworden und gegangen.”
      “Hmmm”, es stand mir nicht zu, ihr etwas über Travs Vergangenheit zu erzählen. “Gestern war für ihn ein langer Tag, nimm es ihm nicht übel. Wenn er dir etwas erzählen will, warte bis er von sich aus anfängt, dräng ihn nicht.”
      “Caleb was soll das denn nun schon wieder heißen?”
      Ich seufzte. “Du weißt dass Bellamy und Octavia aus dem Gefängnis kommen, oder? Sie sind nicht die Einzigen von dort. Mehr steht mir nicht zu, dir zu erzählen.” Jetzt hatte ich Tiara wohl vollends verwirrt.

      Tiara | Gefängnis…? Was? "Öhm, ne das wusste ich jetzt nicht", sagte ich verwirrt und sah mit großen Augen auf den Tisch. Das würde aber erklären, wieso er so komisch wurde bei dem gestrigen Gespräch. "Aber Caleb, das ist jetzt an sich doch nichts schlimmes. Ich mein, ich hab ihn jetzt kennen gelernt und nicht vorher. Er scheint mir jetzt ein Vernünftiger Mann zu sein?"
      "Das ist er auch, Tiara. Wir reden wann anders darüber", schnitt er das Gespräch ab und deutete auf die Tür, wo gerade O und Travis reinkamen. Ich sah kurz zu Travis, nickte ihm freundlich grüßend zu und sah dann wieder zu Caleb.

      Travis | Auch ich nickte Tiara zu, grüßte Caleb und setzte mich an den Tisch. Das Frühstück verlief wie immer. Wir sprachen viel über die Arbeit, ehe Caleb mich daran erinnerte, dass ich an meine Reitstunde gleich mit Tiara denken solle. “Ich vergess das schon nicht, Boss”, murmelte ich und schaute dann zu Tiara. “Wenn du fertig bist können wir von mir aus los. Blue steht im Hengststall in seiner Box.”

      Tiara | Stumm nickte ich ihm zu und aß die letzten Bissen meines Frühstücks. “Wir können”, gab ich Travis bescheid und stand auf um mein Geschirr weg zu bringen. Travis folgte mir um dann an mir vorbei zwischen den Trucks zu verschwinden. Als ich ihn ein paar Meter fand, konnte ich die Anspannung von seiner Seite aus spüren. “Hey, es tut mir leid. Mir tut es leid, dass ich gestern nach deiner Vergangenheit gefragt hab. Ich hätte nicht nachhaken dürfen und es tut mir leid. Können wir jetzt ganz normal weiter machen? Es liegt mir nämlich sonst im Magen...”

      Travis | Ich schwieg sie eine Weile an, ehe ich antworte: “Ach was alles gut, es war für mich ein langer Tag und ja..” Damit war das Thema für mich gegessen.
      Im Stall angekommen putzten und sattelten wir Blue weitgehend schweigend, ehe wir gemeinsam in die Halle gingen. Ich gurtete nach, stellte die Steigbügel auf meine Länge ein und sah dann zu Tiara. “Also satteln kannst du ja, das muss ich dir schon mal lassen.”
      “Klar, das mach ich ja auch oft. Aber reiten kann ich nicht… geh ich zu erst drauf oder du?”
      “Ich würde den ein paar Runden reiten, dann tauschen wir”, antwortete sie mir, machte die Bügel ein paar Löcher kürzer und stieg auf. Blue, artig wie er es gelernt hatte, wartete so lange auf der Stelle, bis sie die Zügel aufgenommen und das Kommando zum Losgehen gab.

      Tiara | Blue war nicht nur ein ‘ruhiges’ Pferd,nein, er war ein Lehrmeister. Ein richtig guter dabei. Ich nahm die Zügel einen Hauch auf und gab ihm eine Hilfe zum losgehen. Ich legte viel Wert auf ordentliches Warm reiten und deshalb ritt ich mit ihm einige Bahnfiguren im Schritt, ehe ich ihn auf dem Zirkel vermehrt traben ließ. Danach ritt ich noch eine ganze Bahn im Galopp ehe ich zu Travis ritt und einen Meter weiter Abstieg. Blue kaute derweil auf dem Gebiss rum und wartete geduldig darauf, dass Travis aufstieg. “So ich hab ihn jetzt ein bisschen warm gemacht, was kannst du denn schon? Oder fangen wir am besten im Schritt an?” Fragte ich ihn nochmal, nachdem er aufgestiegen war.

      Travis | Die Reitstunde war ein voller Erfolg gewesen. Tiara war eine gute Lehrerin. Die Stunde hatte wirklich Spaß gemacht und ich war mich sicher, dass ich einiges daraus mitnehmen würde.
      Am Abend saßen wir gemeinsam am Esstisch und unterhielten uns über belanglose Dinge, ehe Caleb Tiara nun die Fragen aller Fragen stellte. “Kaufst du die Ranch nebenan nun?”
      Tiara schien eine kurze Zeit zu überlegen, dann legte sich ein Lächeln auf ihr Gesicht. “Und wie ich die kaufe. Aber ich brauch da wirklich eure Hilfe…”
      “Kein Problem, die bekommst du!” Auf dieses freudige Ereignis stießen wir erst einmal gemeinsam an- und auch darauf, dass es ihrem Pferd Chaa wieder besser zu gehen schien.
      Fohlenweide: BR Dissident Whiz, BR Colored in Style, BR Alans Smart Dream, BR Raised to Slide, A Walking Dignity, BR Wimpys Bright Gangster, BR Atlantis Dream, BR Double Gunslide, Blue Fire Cat, Dual Shaded Ace
      Jungpferde: tc Mister’s Silvermoon Cody, Smart Lil Vulture, PFS‘ Unclouded Summer Skies, GRH’s Funky’s Wild Berry, Chic‘ N Shine, BR Colonels Lil Joker, BR Colonels Golden Gun, Special Luna Zip, Jacks Inside Gunner, Gun Sophie, Ginger Rose, Colonels Blue Splash, Captains Blue Crystal, BR Dress to Impress
      Trainingsstall: Abandon all Hope, Bittersweet Temptation, Cielos, Whitetails Shortcut, Zues, A Walking Honor, California Rose, Cupcake Cult, Easy Going, Frosty Lagoon, GRH’s Unbroken Magic, HMJ8345’s Continental, Honey’s Aleshanee, Kholáya, Lady Blue Skip, My sweet little Secret, Only Known in Texas, Snapper Little Lena, Stormborn, Striga, Tortured Witch HMJ 6693, Blanton’s Gentleman, Four Bar Chocolate Becks, GRH’s Unbroken Soul of a Devil, Heza Bat Man, How ‚Bout Moonies, I’m a Playboy, Silent Bay, Small Town Dude
      Zuchthengste: Alan’s Psychedelic Breakfast, Chocolate Dream, GRH’s Bellas Dun Gotta Gun, Gun and Slide, Gunners Styled Gangster, Hollywoods Silver Dream, Nachtschwärmer, Till Death
      Zuchtstuten: Bella Cielo, Black Sue Dun It, Chou, DunIts Smart Investment, Ginny my Love, GRH’s A Gun Colored Lena, GRH’s Aquila T Mistery, Jade, Kristy Killings, Lovin‘ Out Loud, Magnificient Crow, Miss Independent, Tainted Whiz Gun, Wimpys Little Devil
      Sommerweide: Breia LDS, Ceara Isleen, Dakota, Drama Baby, Flashlight, Leuchtfeuer di Royal Peerage, Pocahontas, Priamos Ruffia Kincsem, Prias Colourful Soul, Raspberry, Tasmania, Tigres Eye, Absolute Bullet Proof, Birk, Culain, Peacful Redemption, Wildfire xx
      Verkaufspferde: Magic Lanijos, Chapter 24, Heretci Anthem, General’s Coming Home, Chocolate Shades, Raised from Hell, Citizen Fang, A Shining Chrome, Picture of a Ghost, Verdine, Whinney, Cruel Twist of Fate, Kisshimbye, Sweet like Chocolate, BR Homecoming Queen, BR Hollywoods Dream Anthem, BR Sheza Topnotch Babe, BR General Pleasure, BR Black Pamina, BR Heart N‘ Soul, BR Lovely Gun, BR Twenty 4 Killings
    • Veija
      Being mortal - wir sind sterblich.
      Februar 2021, by Ravenna & Veija
      Caleb
      Während ich in das Wartezimmers des Krankenhauses stolperte und so beinahe alle Aufmerksamkeit auch mich lenkte, scannte mein Blick den Raum nach dem Antlitz eines einzigen Menschen. Eines kleinen Menschens; Betsy.
      Das Mädchen stand am Fenster, wandte mir den Rücken zu. Eine Hand auf dem Fensterbrett, die Andere in der von Ylvi, die sich direkt neben ihr befand. Auch sie schaute zum Fenster hinaus, wirkte in sich zusammengesunken.
      Neben mir eine Regung, dann eine Hand auf meiner Schulter. „Fangen Sie wieder an zu atmen, nicht dass Sie uns hier noch zusammenklappen“, war die einfache Aussage einer älteren Dame, derer ich nun meinen Blick zuwandte und reflexartig einmal tief Luft holte. Ich hatte gar nicht bemerkt, dass ich sie angehalten hatte, spürte jetzt allerdings ein leichtes Brennen meiner Lunge. Meine rechte Hand zur Brust hebend ging ich einen Schritt auf die beiden Frauen zu. Auf halber Strecke wandte Ylvi mir den Kopf zu. Mit ihren blau unterlaufenen, tränenverquollenden Augen schüttelte sie kaum sichtbar den Kopf.
      Ich seufzte tief, schloss einmal kurz die Augen und als ich sie wieder öffnete, starrte ich direkt in Betsys kleines, ebenso tränenüberströmtes Gesicht. Sie sagte kein Wort aber ich spürte all den Schmerz, die Trauer und auch die unbändige Wut in ihrem Blick. Ich wollte etwas sagen doch mein Mund wollte einfach keine Worte formen. Stattdessen ging ich in die Hocke, breitete die Arme aus und hoffte, dass das Mädchen der stillen Aufforderung nachkommen würde. Augenblicklich löste Betsy sich von Ylvi, begab sich in meine geöffneten Arme und schmiegte sich schluchzend so fest an mich, dass mir der Cowboyhut vom Kopf fiel. In jeder anderen Situation hätte ich ihn sofort vom Boden aufgehoben, doch in diesem Moment war der Hut auf dem Boden das kleinste meiner Probleme, denn während mein Hemd langsam Betsys Tränen durchsickern ließ, rollten zunächst vereinzelt auch Tränen bei mir, ehe ich mich der eigenen Trauer hingab und ebenso bitterlich anfing zu weinen.

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      Eine Woche zuvor
      Caleb
      Wenn ich sagen würde, ich wäre schon eine ganze Weile auf den Beinen, wäre das mit Sicherheit gelogen; aber ich war… schon eine ganze Weile auf den Beinen.
      Ich stand am Fenster meines Schlafzimmers und ließ den Blick über den Hof schweifen. Schon einige Zeit dachte ich über eine kleine Feier im Haupthaus nach. Keine Feier im eigentlichen Sinne, einfach einen Abend, an dem wir gemütlich zusammensitzen und das bisherige Leben Revue passieren ließen; natürlich bei gutem Essen und für die Erwachsenen mit Alkohol.
      Klar, wir saßen zum gemeinsamen Frühstück auch das ein oder andere Mal zusammen, aber dort besprachen wir immer nur den Tagesablauf und fokussierten uns aufs Geschäft, auch wenn nicht immer alle Mitarbeiter am Frühstück teilnahmen. In letzter Zeit hatten sich Dell und Betsy immer öfter ausgeklinkt, was aber daran lag, dass Dell weniger Arbeit auf dem Hof und somit mehr Zeit am Morgen für seine Tochter hatte.
      Da so gut wie kein Pferd momentan in der Box stand fiel das Misten am Morgen fast gänzlich weg- dies würde sich zum Winter hin leider jedoch wieder ändern.
      Mein morgendlicher Gang führte mich nach der Dusche nur kurz in die Küche. Dort schnappte ich mir meinen Thermobecher Kaffee, dieser war größer als jede Tasse, die im Schrank stand, und ging ins Büro. Es wartete heute wieder einiges an Papierkram auf mich und wenn ich den morgigen Tag freimachen wollte, musste ich das heute erledigen.

      Ylvi
      Ich genoss die sanfte kühle die von meiner Hand in meine Stirn überging. Während gleichzeitig mir heiß und kalt wurde. Ganz zu schweigen von dem fiesen Ziehen im unteren Rücken.
      Daher zuckte ich völlig zusammen als sich die Tür zum Büro schwungvoll öffnete. Orientierungslos sah ich Caleb den Raum betreten, seinen großen Becher Kaffee in der Hand. “Oooh Kaffee!” seufzte ich hoffnungsvoll. Denn die Motivation aufzustehen. Die war ziemlich gering. “Es steht noch welcher in der Kaffeemaschine, sogar warm!” berichtet er mir. Während mein Hirn Sauer auf seine offensichtliche gute Laune war. Ich hingegen schwankte irgendwo zwischen Heulen und Aggression. Was der Knoten in meiner Gebärmutter, aber nur zum Anlass nahm um sich ein kleines Stück mehr zusammenzuziehen. Nur knapp unterdrückte ich mein Stöhnen. Ich brauchte dringend eine Schmerztablette um diesen Tag zu überleben. Nicht das ich meine Periode ohnehin schon verfluchte. Manchmal extrem Schmerzhaft, manchmal kam sie ewig nicht. Man mochte vielleicht den Unfall als Kind und die damit einhergehende Verletzung meines Unterleibes dafür verantwortlich machen. Aber auch andere Frauen litten unter Mens-Schmerzen.
      “Puh, ich würd so gern zuschlagen. Aber den Schluck gönn ich wem anders. Schmerztabletten und Kaffee sollen sich nicht so gut machen.”

      Caleb
      Schmerztablette? Ich horchte auf. “Schmerztablette?”, fragte ich sie dann. “Was hast du?” Am heutigen Morgen war ich wohl ausnahmsweise wirklich in Plauderlaune, weshalb ich sie auch einfach gerade heraus gefragt hatte.
      “Frauenprobleme”, bekam ich als knappe Antwort. Dann würde ich sie wohl lieber mal nicht zu viel nerven, dachte ich und stand auf, um den Raum kurz und schweigsam zu verlassen. Als ich wiederkam, hatte ich eine Flasche Wasser in der Hand und reichte sie Ylvi. “Wäre zwar nicht nötig gewesen, aber danke.” Beim Zurückgehen zum Schreibtisch sah ich ihre Flaschensammlung neben dem Schreibtisch. Sie hatte sich dort einen kleinen Vorrat hingestellt, um nicht immer zum anderen Haus laufen zu müssen. Idiot- dachte ich und setzte mich wieder schweigend auf meinen Platz.
      “Was macht… die Instagram-Seite? Haben wir mehr Follower bekommen, seit du auch das Training mit HMJ Saintly postest?”

      Ylvi
      Ich gab es natürlich nicht direkt zu, aber mir den Weg hinüber ins Haus sparen zu können war goldwert. Ich steckte mir die Pille zwischen die Lippen, nippte und schluckte. Und trank noch zwei weitere Schlucke um sie nicht in der Speiseröhre zu spüren. Dann erst konnte ich mich der Frage von Caleb widmen. Ich winkte ab. “Ach frag bloß nicht. Die Follower kommen, es gehen nur wenige. Schaut man sich die Statistiken an sind es viele weibliche Follower, dabei ich das Alter von 16-45 wirklich alles vertreten. Allerdings kommen so viele Anfragen an Nachrichten. Ich könnt quasi hier übernachten und nur diese beantworten. Ich musste auch die Mail von unserer Website nehmen. Wir wurden mit Spam und sinnfreien E-Mails BOMBARDIERT. Aktuell versuch ich der Lage da ein wenig Herr zu werden.” antwortete ich wahrheitsgemäß. Es machte mir Spaß. Wir hatten einige tolle Beiträge über die letzten Wochen schreiben können. Diese Fragenflut war dann aber doch ein wenig anstrengend. “Außerdem wird immer wieder gefragt ob wir nicht mal einen Live-Stream veranstalten könnten.” Das hatte Caleb bisher abgelehnt. Ich selbst hatte einige bereits gemacht, die Leute so virtuell über die Ranch geführt. Aber Caleb hatte sich bisher noch ein wenig gesträubt sich vor die das Smartphone zu hocken. Ich konnte es ihm nicht verübeln. Es war schon seltsam nicht in real mit anderen Menschen zu sprechen.

      Caleb
      Ich musste kurz lachen. “Viele weibliche Follower? Vor allem… was wollen die sechzehnjährigen? Ich hoffe du postet keine Bilder wo ich und die anderen Jungs oberkörperfrei herumlaufen.” Ylvi stimmte kurz in mein Lachen ein, gab mir aber keine Antwort, die das Gegenteil bezeugte, pah!
      “Was meinst du mit Spam und sinnfreien Anfragen?”, ich überlegte… mir fiel aber tatsächlich nicht wirklich etwas ein, was Fremde uns an sinnlosen Anfragen schicken sollten. Ylvi würde da jedoch gleich Licht ins Dunkle bringen.
      “Vielleicht kann ich mich ja doch irgendwann mit dem Gedanken anfreunden, mal so einen Livestream zu machen. Ich meine wenn das von so vielen gewünscht wird?” An meinem Bildschirm öffnete ich still und heimlich Instagram, wollte mir mal anschauen, was Ylvi dort so postete. Doch ohne Benutzerkonto kam ich nicht rein. Ich schmollte kurz, überlegte und fragte sie dann doch, ob sie mir nicht an ihrem Handy die letzten Beiträge zeigen könnte.

      Ylvi
      Mit seinem Bürostuhl rückte er ein wenig zur Seite als ich mich erhob um ihm alles zu zeigen. Ich scrollte mit ihm einige Zeit durch den Feed. Zeigte ihm die Vorstellung einiger Mitarbeiter mit einem kleinen Bild in den Highlights. Neugieriger als ich es für möglich hielt wollte er sogar ein paar der Nachrichten lesen. “Meinetwegen kannst du auch ein paar Beantworten.” sagte ich leise lachend.
      Ich überließ ihm also mein Handy, denn die halb hockende, halb stehende Position neben dem Tisch war irgendwie ziemlich unbequem. Also kehrte ich zurück an den Schreibtisch. Langsam spürte ich auch wie die Tablette wirkte, das Zittern in meinem Körper fand endlich ein Ende. Meine Konzentration konnte so wieder auf die Probleme vor mir gerichtet werden. Ich hatte schließlich noch andere Arbeit vor mir!
      Tschetan und Kaya würden demnächst aus der Schule kommen. Wir hatten im Gespräch mit der Schule und den Kids direkt das Home Schooling schließlich aufgegeben. Stattdessen hatten wir uns eingesetzt das ein Schulbus die Kids abholte und auch wieder zurück brachte. Caleb hatte uns zur Förderung sogar Geld der Ranch zur Verfügung gestellt. Das hatte ich ihm gar nicht zugetraut. Aber er hatte nur abfällig lächelnd gesagt er könne schließlich nicht verantworten das seine besten Mitarbeiter ständig im Auto hockten um die Kinder wegzubringen. Damit hatte er mich völlig übergangen und Louis und Dell zugezwinkert. Manchmal war er eben ein rechter Schelm. Ich lugte über den Bildschirmrand zu Caleb. Ausnahmsweise sah man sein Gesicht, da er drinnen keinen Hut trug.
      Sein Gesicht war aschfahl, die Augen auf mein Handy gerichtet. Seine Ohren schienen zu leuchten. “Na? Da wird sogar ein Cowboy rot bei solchen Sachen.” scherzte ich.
      Caleb
      So viele, unfassbar tolle Kommentare unter den Fotos! Ich war begeistert, scrollte mich von oben bis unten durch und beantwortete einige der Fragen. Auf die Frage, wann es denn endlich mal einen Livestream mit dem Kopf der Ranch geben würde, antwortete ich ein paar Mal: Bald. Liebe Grüße, Caleb
      Noch während ich mich weiter durch laß, ploppten unten immer mehr Herzen auf. Ich klickte also darauf und wurde immer wieder zu meinem Kommentar zum Livestream zurückgeleitet. “Ylvi ich komm hier immer wieder zurück…”, sagte ich ein wenig verzweifelt zu ihr, stand auf und ging zu ihr rüber. Sie zeigte mir kurz, was das Problem war. Also setzte ich mich wieder auf meinen Stuhl und beantwortete munter Fragen. Das könnte ich den ganzen Tag lang machen!
      Bald fiel mir oben rechts ein Pfeil auf, auf dem eine rote Zahl stand- und keine Kleine. Ich drückte drauf und kam wohl zu den Privaten Nachrichten. “Darf ich die durchlesen?”
      “Klar”, kam es vom anderen Schreibtisch.
      Also las ich ein paar der Nachrichten, antwortete kurz- natürlich gab ich mich immer als… ich zu erkennen, denn bisher hatten die Personen ja immer nur mit Ylvi geschrieben. Ich dachte schon das wären viele, aber als ich auf ‘Nachrichtenanfragen’ klickte, wurde ich quasi von Texten erschlagen. Ich klickte ein paar an, verzog ein paar Mal schüttelnd den Kopf- bis ich zu einer Nachricht einer offensichtlich minderjährigen, jungen Dame kam, die uns ein paar… Nacktfotos geschickt hatte. ‘Sweet Dreams’ stand mit einem Kusssmiley darunter.
      Ich starrte den kleinen Bildschirm an, sagte nichts. Blickte dann zu Ylvi hoch, drehte den Bildschirm, damit sie wusste, was ich meinte. “Bekommen wir viele solcher Nachrichten?!”
      “Ja. Was meinst du denn, was ich mit sinnlosen Nachrichten gemeint habe…”
      “Ich mein.. wie alt ist sie? 14? Oh mein Gott…” Ich stand auf und drückte Ylvi ihr Handy wieder in die Hand.
      “Sind es nur Bilder von Mädchen oder auch von Jungs?”

      Ylvi
      Die Zeiten in denen ich rot geworden wäre waren längst vorbei. Ich zuckte also mit den Schultern. “Natürlich auch Jungs...Männer. Einige sind an mich gerichtet andere auch durchaus an die Männer der Ranch. Ich blockiere die Profile meistens, reagiere nicht auf die Nachrichten. Hätte niemals gedacht ,dass ein Profil das über das Leben hier auf der Ranch aus ist - solcherlei Nachrichten erhält”
      “Sollten wir in dem Stream erwähnen ...naja dass solche Sachen nicht gewünscht sind?” ich winkte ab. “Das wird die ganze Sache womöglich nur anstacheln. Aber ich habe da die Idee vielleicht einfach nochmal Aufmerksam darauf zu machen - was wir im Internet veröffentlichen verbleibt dort oft für Jahre. Das viel schlechtes mit Bildern im allgemeinen angestellt werden kann. Aber die passenden Worte dazu sind mir noch nicht gekommen.”
      “Die Idee ist gut….mit dem Schreiben kann ich dir allerdings wenig helfen fürchte ich. Nicht mein Fachgebiet.” damit deutete er auf den Bildschirm seines PC’s an dem er sicherlich einige E-Mails zu verfassen hatte. Zumindest hatten wir in den vergangenen Wochen die Zettelwirtschaft von Bellamy beseitigen können. Ordnung in einige der Prozesse gebracht und endlich einen ausgereiften Businessplan.
      Caleb hatte sich sogar damit anfreunden können, einige der Arbeitspläne und Aufgaben auf meinem alten Tablet zu organisieren. Ein geteilter Kalender. Eine Art Planner-App in der Aufgaben zugewiesen werden konnten. Bestanden zu einzelnen Prozessen Fragen konnte noch immer zum Telefon gegriffen werden. Caleb gab es nicht zu. Aber ich spürte zusehends wie ihm meine Hilfe mit der Digitalisierung gefiel. Vor allem hatten wir unseren einstigen Flow wieder gefunden. Als würde der Funke der Freundschaft wieder beginnen zu erstarken. Diese Entwicklung machte mich zusehends glücklicher. Die Liebe die ich in meinem Herzen noch immer für ihn empfand machte mir ein zusammensein mit ihm aber auch schwer. Wie konnte es sein? Das mein Herz sich gleichermaßen an zwei unterschiedliche und doch so gleiche Männer gehangen hatte. "Was meinst du? Heute Abend nach dem Essen drüben im Kaminzimmer der LiveStream?"

      Caleb
      Ich war ein wenig überfahren von Ylvis Aussage. Stimmte dem aber sofort zu, dass wir darauf aufmerksam machen mussten, dass Fotos und auch Beiträge über Jahre hinweg im Internet verweilten.
      “Heute Abend schon der Stream?”, ich zuckte die Schultern. “Warum nicht, dann hab ich's hinter mir.”
      “Caleb so schlimm wird es schon nicht sein. Zieh dir was nettes an und sei einfach du selbst, dann klappt das.”
      “Also soll ich, wie immer, mürrisch und schlecht gelaunt sein.”
      Ylvi klatschte sich mit der Hand an die Stirn. Sah mich mit zusammengezogenen Augenbrauen an. Doch als ich grinste, stieg sie in mein Grinsen ein und wandte sich wieder ihren Aufgaben zu. Das Handy gab ich ihr zurück, ehe auch ich meine Aufmerksamkeit wieder auf den Bildschirm lenkte. Bis zum Stream hatte ich noch ein paar Stunden Zeit, so dass ich noch eine halbe Stunde hier im Büro verbringen, dann aber nach draußen zu den Pferden gehen wollte.
      Die halbe Stunde neigte sich gerade dem Ende zu, da betrat Dell das Büro, nickte Ylvi kurz zu und setzte sich auf den Stuhl, der mir gegenüber. Auffordernd sah ich ihn an, doch er sagte zunächst kein Wort. Ich wusste schon, was er wollte. Zumindest konnte ich es ahnen- Zeit mit seiner Tochter.
      “Ich äh.. wollte fragen, ob du mir heute Abend frei geben kannst?”, rückte er dann doch mit der Sprache heraus.
      Wirkte ich wirklich so angsteinflößend auf meine Mitmenschen?
      “Ich würde gerne mit ihr zusammen in die Stadt gehen, Betsy will unbedingt einmal in dieses All you can eat Sushi Restaurant und danach würden wir noch ins Kino gehen.. ich brauch nur jemanden, der meine Fütterung und die Boxen übernimmt.”
      “Wie viele Boxen hast du?”
      “20 sind es im Moment misten und füttern. Es sind aber nicht alle Pferde im Stall, ein paar bleiben draußen.”
      Ich überlegte kurz. “Ylvi was meinst du wie lange brauchen wir, bis wir den Stream am Laufen haben?”
      Ylvi runzelte schon wieder die Stirn. Scheinbar hatte ich ihr wieder eine meiner technisch dämlichen Fragen gestellt.
      “Wir gehen da hin wo wir gutes Internet haben und ich drücke auf diesen Knopf, das wars.”
      “Können wir dann nicht im Stall anfangen? Dann kann ich neben dem Misten was sinnvolles tun und wenn ich keine Antwort parat hab, schwenkst du einfach auf dich um. Dann sehen die Menschen auch sofort was von der Ranch und der Arbeit.”

      Ylvi
      In Anbetracht vom kommenden Herbst. Der nasskälte die draußen auf mich wartete. War ich nicht ganz überzeugt. Sinn machte die ganze Sache aber schon. "Klar, ich denke das macht einen guten Eindruck. Außerdem sehen die Leute dann auch das du nicht einen auf Boss und Rich Kid machst, sondern auch in die tägliche Arbeit involviert bist."
      "Der Arbeitsbulle quasi" dabei warf er sich in die Brust. Dell sah ein wenig wirr von mir zu Caleb und wieder zurück. Der wusste natürlich nicht ganz worum es ging. "Hab ich jetzt also frei?" fragte er daher fast ein wenig unterwürfig. "Na klar." nahm ich Caleb die Antwort vorweg, streckte ihm seitlich die Zunge heraus als er seine Position veränderte. Theatralisch warf er die Hände in die Luft. "Gut, da man mich nicht zu brauchen scheint. Caleb verlässt das Büro!" damit erhob er sich tatsächlich. Dell hingegen blieb noch sitzen. "Betsy hat außerdem gefragt ob nicht Kaya auch dabei sein dürfte. Ich denke Louis wird später noch bei dir vorbeischauen um das ganze abzusprechen. Nur das du schon Bescheid weißt." "Danke , Dell."
      Damit verließ auch er das Büro.
      Da ich mich nicht wirklich auf meine Arbeit konzentrieren konnte, schaltete ich das MacBook aus. Schloss die Tür hinter mir. Nur um mich draußen auf die Suche nach meinem Mann zu begeben. Was auf einer Ranch der Größenordnung gar keine leichte Aufgabe war. Mir begegnete tatsächlich eher zweimal Murphy. O' war es schließlich die meinte ihn das letzte Mal in Richtung des Reining Platzes laufen gesehen zu haben. Dort begegnete er mir dann tatsächlich. Er arbeitete gerade mit einem jungen Rappquarter, den Nachbarn hier zum Training abgeliefert hatten. Da er noch in seine Arbeit vertieft schien. Wartete ich. Aber wie immer, bewies er seinen sechsten Sinn für Dinge, nur kurze Zeit später wandte sich sein lächelndes Gesicht auf mich. Mit dem Pferd am Strick kam er zu mir herüber, strich mir über den Scheitel. "Du siehst müde aus." ich winkte ab, er wusste welche Zeit des Monats war. Und auch wenn nicht mehr so streng, wie seine Vorfahren. So hielt er sich von mir als menstruierende Frau fern. Es war noch immer seltsam würde es wohl auf ewig bleiben. Zum Anfang hatte ich dieses Verhalten nicht verstanden. Er schlief dann auf der Couch. Ich hatte erst Lilly danach Fragen müssen. Das war - wie so vieles eines der Dinge die ihn so traditionell machten. "Caleb hat mir vorhin schon eine Schmerztablette besorgt" eine seiner Augenbrauen hob sich leicht. "Hat er das?" "Eifersüchtig?" sprach ich halb im Scherz. Den undurchdringlichen Blick vermochte ich nicht zu durchschauen. "Dell hat die Kids und mich eingeladen zum Sushi essen...und ins Kino. Ich habe dran gedacht ihn zu begleiten." Natürlich hatte er daran gedacht. Ich lächelte milde "Das wird bestimmt klasse. Auch wenn ich neidisch auf das Sushi werden könnte." "Sollen wir was mitbringen?"
      "Gute Idee."
      "Ich weiß." Über den Zaun hinweg, gab er mir einen leichten Kuss auf die Stirn, ehe seine Arbeit ihn wieder einspannte.

      Caleb
      Mein Weg führte mich sofort in den Stall, in dem ich mich umsah und mich mal wieder in einem riesigen Chaos befand. Wie lange hatte ich diesen Stall hier nicht mehr betreten? Drei Tage? Vier Tage?
      Es sah aus wie Kraut und Rüben… also fing ich zunächst einmal an, alle Utensilien wie Mistgabeln, Beulengabeln und Besen wieder an ihren Platz zu hängen. Ich leerte die Schubkarre auf dem Misthaufen und stellte sie schon einmal in die erste von zwanzig Boxen. Bevor ich jedoch mit dem Misten anfangen wollte, portionierte ich das Kraftfutter in die dafür vorgesehenen, mit Namen beschrifteten Eimer. Die Internetmenschen mussten nicht sehen, was die Pferde zu fressen bekamen.
      Dann fing ich mit dem Misten an, bis mir auffiel, dass ich vorher vielleicht noch etwas essen gehen könnte- wer wusste schon, wie lange der Stream dauern würde? Nach einem Blick auf die Uhr war ich mir auch sicher, dass das Essen bereits auf dem Tisch stand.
      In der Küche traf ich auf Bellamy und O die sich angeregt über das nächste Galopprennen unterhielten. “Willst du Pria nicht aus dem Sport holen?”, fragte ich O während ich mich setzte.
      “Doch. Aber ich hab ja noch andere Pferde. Clyde und Wildfire könnten mehr laufen, ebenso Tigres und Drama… aber nicht mehr dieses Jahr. Ich trainier die auf für eine letzte Saison und dann nehm ich sie alle aus dem Galopprennsport raus.”
      “Ach was?”
      “Ja, ich will mit denen allen in Richtung Vielseitigkeit, das macht mir mehr Spaß. Außerdem.. außer Pria ist keines der Pferde wirklich gut darin. Warum also nicht etwas anderes probieren?”
      Ich zuckte mit den Schultern, setzte mich auf meinen Platz am Kopf des Tisches und schaufelte mir etwas vom Eintopf auf den Teller. Dazu gab es Brötchen, die ich kleinriss und ebenfalls auf den Teller legte. Mit dem Löffel tunkte ich sie in den Eintopf, so dass sie sich richtig schön vollsaugten.
      Das Essen verlief ruhig, es gesellten sich noch ein paar Mitarbeiter dazu. Ich war mir nicht sicher, ob Ylvi auch dazustoßen würde. Normalerweise aß sie mit Louis und den Kindern zusammen drüben. Aber da die drei gleich wegfahren würden, würde sie uns vielleicht noch Gesellschaft leisten.

      Ylvi
      Ich sprang vor der Terrasse auf und ab um den Matsch ein wenig von den Füßen zu bekommen. Auf den Abend hatte leichter Nieselregen eingesetzt. Ich entledigte mich im Flur schließlich meiner feuchten Jacke. Sowie dem Filzhut der mir meine Frisur platt gedrückt hatte. Bevor ich an einen LiveStream denken konnte, verlangte mein Magen nun vehemmend nach Essen. Gerade da die Düfte aus der Küche ein erneutes Knurren auslösten. Mein Frühstück war nicht sonderlich üppig ausgefallen.
      Mit dem Betreten der Küche hoben sich vereinzelte Blicke, die sich anschließend dem Eintopf widmeten. Zielstrebig ging ich auf meinen Platz direkt neben Caleb zu. Seltsam war es schon. Ich wohnte bereits fast ein Jahr gemeinsam mit Louis. Essen taten wir meistens mit den Kindern. Aber der Platz blieb dennoch oft frei. War es aus reiner Gewohnheit. Oder teilten mir die Mitarbeiter unbewusst mit an wessen Seite ich hätte besser bleiben sollen? Natürlich waren diese Gedanken idiotisch. Das ganze konnte ich einfach der Gefühlsduselei meiner Periode zu schreiben. Was in meinem Kopf nur wieder los war. Dankend nahm ich von Bellamy einen Teller Eintopf entgegen. Begierig nahm ich mir auch eines der Brötchen. Die Haushälterin war Dolores, kurz von allen Dolly genannt, einzustellen war auch eine der Neuerungen gewesen. Sie kümmerte sich liebevoll um die Ordnung in den Häusern der Mitarbeiter, der Ferienhäuser und dem Haupthaus. Versorgte alle mit genug Essen. Machte Erledigungen in der Stadt. Sie hatte über den Sommer sogar begonnen einen kleinen Gemüsegarten neben dem Haus anzulegen. Die 53 jährige wohnte ebenfalls in einem der kleinen Bungalows. Sie konnte vor allem hervorragend Kochen. Was die Anzahl der Mitarbeiter die nicht mehr nur allein für sich kochten doch deutlich erhöht hatte. Noch fanden alle knapp in der Küche Platz. Genüsslich nahm ich zwei Bissen vom Eintopf. Anschließend sah ich zu Caleb. “Bereit für den Stream?” sprach ich mit gedämpfter Stimme. Murphy und O’ unterhielten sich zwei Plätze weiter. Angeregtes Stimmengewirr erfüllte die Küche.

      Caleb & Ylvi
      Caleb stopfte sich gerade das letzte Stückchen des Brötchens in den Mund, trank den letzten Schluck aus seinem Glas und sah dann zu Ylvi auf. “So langsam werde ich irgendwie doch nervös”, gestand er ihr wahrheitsgetreu und kratzte sich kurz am Kopf. “Kannst du den Stream gleich anfangen und irgendwann erst auf mich umschwenken?”
      Zunächst antwortete die junge Frau nichts, stand lediglich auf und ging in den Flur, in den ihr Caleb folgte. Sie zogen sich an, Caleb setzte seinen Hut auf den Kopf und gemeinsam gingen sie in Richtung des Stalles, in dem Caleb bisher noch nicht wirklich viel erledigt hatte.
      “Ich kann von mir aus anfangen”, antwortete Ylvi ihm dann, während sie ihr Handy zückte und Caleb sich daran gab, die Box auszumisten. Um die Hände frei zu haben friemelte die junge Frau aus ihrer Jackentasche ein kleines Stativ. Welches ihr ermöglichte ihr Handy anzubringen an die Stäbe der Box. Anschließend öffnete sie Instagram, wechselte vom privaten Account auf den der Ranch. Der Stream musste sich ein wenig herumgesprochen haben. Am Nachmittag hatte sie in der Story eine kleine Ankündigung gemacht. Es dauerte nur wenige Sekunden da kamen bereits die ersten Besucher. Es flogen die Herzchen und von überall aus der Welt kamen Grüße. “Willkommen zum ersten Livestream der Bow River Ranch mit dem Boss des ganzen Ladens. Hier im Hintergrund: Caleb O’Dell! Sag hallo Caleb!” Ylvi trat ein wenig zur Seite. Gab jetzt dem Auditorium freie Sicht auf Caleb, der in seiner üblichen Manier, eine Hand zum Gruß an den Cowboyhut nahm. Klischee dachte Ylvi sich bei seinem Move. Sie schüttelte nur den Kopf. “Da wir den Stream ziemlich spontan gemacht haben - dachte ich mir gestalten wir das ganze als FAQ. Daher stellt ruhig die Fragen die euch auf der Seele liegen.”
      Tatsächlich kamen viele Fragen wie es ihnen ging, die sowohl Caleb als auch Ylvi wahrheitsgemäß beantworteten. Einige der Fachfragen stellte Ylvi laut. Während Caleb zur Kamera sprach, nahm sie ihm die Forke aus der Hand und hievte Stroh in die Schubkarre. Zweimal während der Beantwortung von Fragen wechselten die beiden jeweils die Box. Während sie gerade dabei waren in die Dritte zu wechseln. Stolperte Ylvi über einen der Eimer auf dem Boden. Noch während ihr ein Aufruf der Überraschung über die Lippen kam, schaffte Caleb es gerade so nach ihr zu greifen. Mit einer Hand an ihrer Hüfte. “Hu, das war knapp.” suchte auf dem Betonboden nach dem Handy mit den Augen. Und hörte während des Bückens die Frage von Caleb “Alles klar?” “Nur der Schreck.” Ylvi hob das Handy auf. Dank Hülle war nichts passiert. “Und das meine Lieben, sollte Grund sein kein Zeug unnötig in der Gegend rumstehen zu lassen.” Ylvi wechselte die Kamera, deutete auf den Übeltäter.” Ihnen hatten nun knapp 200 Leute zugeschaut. Und plötzlich schienen die Herzen sich zu überschlagen. Caleb sah gar nicht auf das Handy, er arbeitete weiter. Da er merkte das keine weiteren Fragen kamen und Ylvi ihn nur bei der Arbeit filmte. Hielt er inne, sah Ylvi an. “Keine Fragen mehr?” Ylvi räusperte sich. Verzog etwas das Gesicht, dann schien sie zu entscheiden es sei ohnehin egal. “Seid ihr ein Paar?” Stille. Caleb räusperte sich auch. “Gute Freunde. Ylvi ist mit meinem Freund Louis Killsbears verheiratet.” Das war der Moment in dem der Livestream ablief. Die Zeit war auf 90 Minuten begrenzt. Caleb fuhr fort. Die Antwort von ihm hatten ihre Zuschauer nicht mehr mitbekommen. “Die Antwort ging nicht mehr durch. Vielleicht sollte ich die Info...naja ergänzen zur Mitarbeitervorstellung.”
      “Das wäre wohl… sinnvoll”, antwortete Caleb und machte sich wieder an die Arbeit. Er war mittlerweile an der letzten Box angekommen, streute sie mit Stroh und fuhr die volle Schubkarre auf den Misthaufen. Zähneknirschend betrat er erneut den Stall, warf Ylvi einen Blick zu, die wild auf ihrem Handy herumtippte. “Änderst du das jetzt gleich schon?”
      “Nein, aber da der Livestream zu Ende war beantworte ich die letzte Frage einmal in der Story.” Von den ganzen ‘#calvi’ Kommentaren, die eindeutig Ylvi und Caleb als Paar galten, erzählte sie dem Blonden nichts.
      “Verteilst du noch das Kraftfutter hier in den Boxen? Die Eimer sind alle fertig und beschriftet sind sie ja auch. Dann fang ich schon einmal an, die Pferde rein zu holen.”
      Ylvi nickte, machte sich sofort an die Arbeit und schnappte sich einen Eimer nach dem Anderen, die sie in die Futtertröge schüttete. Nach und nach brachte Caleb die Pferde in den Stall, die sich sichtlich über eine frisch gemachte Box freuten. Der leichte Nieselregen war einem stärkeren Regen gewichen und nach einem Wink von Caleb fing Ylvi an, die Decken derer Pferde zu tauschen, die mittlerweile triefend nass geworden waren. Zum Glück konnten die Decken in einer extra Kammer mit Waschmaschine auch zum Trocknen aufgehängt werden. Die meisten Decken waren mit Namen bestickt, so dass es ihr leicht fiel, schnell voran zu kommen.
      “Nächste Woche soll es wieder um die 20 Grad werden, nachts aber nur drei. Dann haben wir wieder einiges zu tun… abends eindecken, morgens ausdecken.” Caleb seufzte. Ylvi war drauf und dran ihn zu fragen, was er hatte, da der Seufzer offensichtlich nicht den Decken gegolten hatte, was sie an seinem Seitenblick zu ihr vermutete. Typisches Calebverhalten, unschöne Situationen einfach todschweigen.
      “Ich danke dir für die Hilfe, den Rest bekomme ich alleine hin”, winkte er ab und verließ den Stall. So schnell ließ sich Ylvi allerdings nicht abschütteln, denn das Haus war ohne Louis und die Kinder ziemlich leer. Selbst ein ruhiges Bad konnte sie nicht nehmen, denn dort war keine Badewanne vorhanden. Dafür hätte sie Caleb wieder fragen müssen, um das Bad im Haupthaus nutzen zu können.
      “Was musst du denn noch machen?”, fragte sie ihn stattdessen und blieb eine ganze Weile auf seiner Höhe, bis sie sich ein bisschen zurückfallen ließ.
      Erst dann drehte Caleb sich um, sah sie aus zusammengepressten Augen an. Der Wind peitschte ununterbrochen von unten und jagte ihm die Regentropfen in die Augen. “Ich will noch rüber zu HMJ Saintly, werde ihn auch reinholen. Er muss nicht bei dem Wetter draußen stehen, der ist eh noch angeschlagen… und dann wollte ich noch bei den Stut- und Hengstfohlen vorbeischauen.”
      “Gut, dann komm ich mit. Vielleicht bin ich dir dennoch eine Hilfe.” Hatte er sie abwimmeln wollen so sagte er nichts. Es gab auch kein Nicken. Draußen schlugen sie ihre Kragen an der Jacke höher, die Hüte tiefer in das Gesicht gezogen. Zwei dunkle Gestalten in der beginnenden Dämmerung, ein jeder mit den eigenen Gedanken beschäftigt.

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      Louis, Kaya, Tschetan, Dell & Betsy
      Dell hatte das Büro von Caleb und das Haus zügig verlassen, um auf die Suche nach Betsy und Louis zu gehen. Den Lakota fand er schließlich am Reiningplatz mit einer schwarzen Stute. “Caleb hat das ok gegeben, wir können fahren. Ylvi weiß auch schon Bescheid.”
      “Okay dann treffen wir uns in… einer dreiviertelstunde in meinem Bungalow?”, fragte ihn Louis. Dell nickte und verschwand, immer noch auf der Suche nach Betsy.
      Er fand sie schließlich auf der Koppel. Nicht bei Sue, dafür bei Sues Fohlen Pamina. Kaya und Tschetan standen ebenfalls dort und streichelten die Stutfohlen. Es war toll, dass die Pferde von Anfang an Kinder gewohnt waren. “Hört mal Betsy und ich wollten in die Stadt fahren, Sushi essen gehen und dann ins Kino. Ich hab schon mit Louis gesprochen, wenn ihr auch Lust habt würden wir alle zusammen fahren”- wildes Nicken von allen drei Kindern. Kaya und Betsy klatschten sich einmal kurz ab. “Ihr müsstet euch alle nur… nochmal umziehen und vermutlich auch noch schnell duschen.” Wieder nickten sie alle. “Wir treffen uns gleich bei euch im Haus, Tschetan und Kaya.”
      “Bis gleich”, trällerte Betsy, gab Pamina einen Kuss auf die Nase und verließ langsam die Koppel. Sie wusste genau, dass sie bei den Pferden nicht laufen durfte und dachte fast immer daran. Im Haus steckte Dell zuerst Betsy unter die Dusche, eher er selbst schnell drunter sprang. In Windeseile waren sie beide angezogen.
      Im Bungalow der Killsbears, erwartete Vater und Tochter ein eigensinniges Bild. Hintereinander standen Kaya, Tschetan und Louis da. Eingehend damit beschäftigt sich die Haare zu kämmen. Wie selbstverständlich sah er wie sich seine Tochter Betsy einen der Stühle schnappte, ihn hinter Louis stellte und gleichermaßen begann die Reihe fortzusetzen. Dell sah auf seine Hände hinab und ließ sich seufzend auf einen der Küchenstühle nieder. "Ich fühl mich wie ein schlechter Vater. Das einzige das meine Hände zustande kriegen ist ein fusseliger Pferdeschwanz." Damit deutete er auf das Gebilde an Betsys Hinterkopf. Die 11 jährige kicherte. "Dafür können deine Hände andere geschickte Sachen!" ein kurzes zustimmendes Brummen kam Dell über die Lippen. Louis nahm die Worte auf. "Wir haben eben alle unsere Talente. Schau ich in das Innere eines Wagens kann ich höchstens sagen, wenn der Motor fehlt."
      "Vielleicht hast du deine Kindheit ein wenig zu lang damit verbracht dir die Haare zu flechten." Louis ließ keine Regung im Gesicht erkennen, aber Dell kannte den Lakota gut genug um seine zuckenden Mundwinkel zu sehen. Als alle bis auf Betsy fertig gekämmt und geflochten waren. Begann Louis damit Betsy die Haare aus dem Pferdeschwanz zu ziehen, kämmte sie vorsichtig durch, nur um sie dann mit drei Strängen zu verflechten. “Noch ein Sommer nur draußen, die Haare kohlschwarz. Und sie geht als eine von Deinen durch. “schmunzelte Dell. Sah auf seine Tochter und spürte ein Gefühl in sich aufsteigen. Mit jedem Sommer konnte er mehr von ihrer Mutter in seiner Tochter erkennen.
      Louis Mundwinkel zogen sich leicht nach oben. Tschetan und Betsy fingen an zu lachen. “Betsy Killsbears, das wärs noch”, meinte der Junge und verschwand in eines der Zimmer, um sich umzuziehen.
      Kaya schaute Louis zu, stand dann aber schließlich auf und kam wenig später mit einer Jacke zurück.
      “Sind alle fertig?” - zustimmendes Nicken, Tschetan war mittlerweile auch wieder aufgetaucht. “Ich hab gedacht wir nehmen mein Auto. Es ist zwar nicht so komfortabel wie das von Caleb zum Beispiel aber man kommt von A nach B und die Kinder passen alle auf die Rückbank.
      Während die Kinder schon zum Auto vor liefen, schlenderten Louis und Dell gemütlich hinter ihnen her. “Es fällt mir von Tag zu Tag schwerer, in ihr Gesicht zu schauen”, gestand Dell ihm. “Sie sieht ihrer Mutter immer ähnlicher, es ist so unglaublich schwer… ich werde jeden Tag mehr mit ihr und dem Tod konfrontiert.”
      Louis senkte kurz den Kopf, ließ sich weiter zurückfallen, was Dell ihm gleich tat. “Der Tod gehört im Leben dazu, Dell. Genauso wie das Leben. Deine Frau hat dir deine wunderbare Tochter geschenkt, die euch Beide auf ewig vereinen wird. Sieh die Gedanken als Geschenk an, nicht als Last. Auch wenn es schwer fällt.”
      Am Auto angekommen hatten sich die Kinder bereits hineingesetzt. Dell griff zum Türgriff, hielt dann allerdings inne. “Danke”, hauchte er fast tonlos in die Dunkelheit. Dennoch vernahm er ein kurzes Nicken von Louis.
      Die Fahrt nach Calgary verlief ruhig. Eine angenehme Spannung lag in der Luft. Noch fühlte sich das Mädchen nicht wohl genug. Kaya hatte begonnen zumindest mit den Pferden zu flüstern. Tschetan und auch Ylvi hatten es bereits gehört. Betsy war vor 3 Wochen zu ihm gekommen. Ihre Augen voller Tränen, aber ihr Mund hatte gelächelt. Kaya hatte ihren Namen gesagt. Ylvi und der Lakota hatten am Abend darüber gesprochen. Fast ein wenig...enttäuscht das Kaya beschlossen hatte ihre ersten Worte an Betsy zu richten. Wie Louis es allerdings sah? Betsy gehörte mit in den Kreis der Familie. Kaya und sie verbrachten jede Minute beieinander, sie waren sich so Nahe das sie Schwestern sein könnten. Selbst er, der nicht ihr Blut teilte fühlte Stolz in sich, wenn sie gemeinsam mit Kaya auf einem Ausritt waren. Ob es wohl daran lag ,dass er in einer großen Familie aufgewachsen war? "Welchen Film habt ihr euch eigentlich ausgesucht?" fragte der Lakota schließlich in die Runde.
      “Was eine Frage, den Pferdefilm über das kleine Indianermädchen und ihr Pferd!”, rief Betsy aufgeregt von der Rückbank. Kaya nickte zustimmend, Tschetan schlug sich mit der Hand an den Kopf. Der Junge wurde langsam zu alt für die beiden Mädchen, interessierte sich zusehends für andere Dinge. Er half mehr auf der Ranch mit, packte an wo er nur konnte und schien enttäuscht, wenn seine Hilfe abgewimmelt wurde. Octavia, die mit den beiden Mädchen so froh war, konnte kaum etwas mit dem Jungen anfangen. Mittlerweile fragte er sie schon gar nicht mehr, ob sie Hilfe bräuchte.
      Bellamy war da ganz anders. Er freute sich stets über eine helfende Hand und mutete dem Jungen manchmal sogar fast zu viel zu. Es fehlte wirklich ein weiterer Junge in Tschetans Alter auf dem Hof.
      Mittlerweile waren die fünf in der Stadt angekommen. Dell parkte das Auto und gemeinsam gingen sie zum Restaurant, in dem sie an ihren reservierten Tisch gebracht wurden. Zu ihrer rechten befand sich eine Art Laufband, auf dem Teller im Schneckentempo an ihnen vorüberzogen. “Und davon kann man sich jetzt einfach nehmen, was man möchte?”, fragte Betsy neugierig. Dell und Louis nickten synchron.
      “Zeigt einfach auf was ihr wollt oder sagt uns Bescheid und wir geben es zu euch rüber”, antwortete Louis, der mit gegenüber von Dell, ebenfalls am Laufband saß. Neben ihm saß Tschetan. Neben Dell saß Betsy und am Kopfende Kaya- so saß sie zwischen ihrem Bruder und ihrer Freundin.
      Das gemeinsame Essen war im Nu vorbei und sie befanden sich wieder alle im Auto, um zum Kino zu fahren. Tschetan beteiligte sich während des Essens kaum an den Gesprächen. Louis sah ein wenig besorgt zu dem jungen Lakota hinüber. Ob er es bereute für den Abend zugestimmt zu haben? Erst später, als der Film bereits lief fiel es ihm auf. Der Todestag seiner Mutter nährte sich zum zweiten Mal. Kaya war vielleicht zu jung um sich daran zu erinnern. Der Ältere Tschetan jedoch schon. Louis nahm sich vor mit dem Jungen in der nächsten Zeit einen Ausflug allein zu unternehmen. Er mochte es vielleicht noch nicht gern sehen, aber langsam verließ Tschetan das Kindesalter.

      Caleb&Ylvi
      "Wie bitte?"
      "Ob du noch rüberkommst, ein Bier trinken? Oder...in anbetracht deiner klappernden Zähne. Wohl eher...Kamin und einen Tee?" die junge Frau sah Caleb an. Da hatte er die vergangenen 2 Stunden geschwiegen. Jetzt da er es brach. Konnte sie kaum glauben, was sie da hörte. Allerdings wollte sie ungern das Angebot ausschlagen. "Wenn du so fragst, gern. Das Haus drüben würde ohnehin so leer sein." Caleb führte den Weg, während Ylvi ihm die Treppe hinauf ins Haupthaus folgte. Auf der kleinen hölzernen Terasse, entledigten sich beide von ihren Regenmänteln. Die junge Frau schlotterte, die plötzliche Kälte setzte ihr zu. Daher frohlockte sie bei den Gedanken gleich vor dem warmen Kamin zu sitzen. Bereits vor 2 Tagen hatte sie das getan, gemeinsam mit O' in Gespräche vertieft. Zum heizen der unteren Etage hatte Dolly den Kamin daher bisher jeden Abend entzündet.
      Calebs Abende sahen immer gleich aus. Er am ins leere Haus, ging zum Kühlschrank und nahm sich ein Bier, mit dem er sich auf die Couch, die Terrasse oder oben vor sein großes Fenster setzte. So stand er nun routinemäßig vor dem Kühlschrank. Öffnete ihn, hielt dann jedoch inne. Er wollte gar kein Bier, sondern Wasser aufsetzen für den Tee.
      Ylvi war derweil im Wohnzimmer verschwunden. Der lange Regenmantel und die dicken Stiefel hatten sie davor bewahrt, klatsch nass zu sein. Der Mantel war durch nass, aber ihre Kleidung darunter war trocken. Dennoch stellte sie sich eine Weile vor den Kamin, ehe sie sich mit einer Decke auf dem Sofa einrollte.
      Wenige Sekunden später stieß Caleb wieder zu ihr, stellte ihren Tee vor sie auf den Tisch, setzte sich aufs Sofa und setzte seine Tasse vor ihn ab.
      Eine ganze Weile schlürften beide schweigend ihren Tee, ehe Caleb das Wort ergriff. “Ylvi, wie geht es dir?”
      Eine Frage und deren Antwort, die ihn lange Zeit nicht interessiert hatte. Doch die Trennung war nun schon eine ganze Weile her, es war einige Zeit verstrichen und er war… über sie hinweg. Nicht ganz, das würde er nie sein. Aber soweit, dass er sie mit vollem Ernst fragen konnte, wie es ihr ging.
      Er merkte, dass er sie mit dieser Frage überrumpelt hatte, so ganz aus dem Nichts, dennoch wartete er geduldig auf eine Antwort. Verdutzt starrte die junge Frau ihn an. Nicht sicher welche Antwort ihn wirklich interessierte. Wie weit sollte sie zurück greifen in der Beantwortung seiner Frage? Schlussendlich blieb sie ihm diese Antwort schuldig.
      O' und Bellamy betraten schnatternd den Raum. In den Händen hatten sie zwei Flaschen, deren Inhalt eigentlich nur der selbstgebrannte von Lawrence sein konnte. Die Etiketten die Flaschen waren nur halbherzig abgerissen worden. Bellamy hatte vier Gläser in der Hand. "Da du mal wieder Kinder-frei hast. Zeit für ein bisschen Spaß!" sprach O' a Ylvi gerichtet aus. Während sich O' ungeniert mit auf die kleine Couch fallen ließ, sodass Caleb und Ylvi ein wenig enger rücken mußten damit genug Platz war. "Spaß?" fragte Caleb in die Runde. Vielsagend auf die Flaschen und Gläser schauend. Der Cowboy ahnte worauf das ganze hinaus gehen konnte.
      Bellamy griff in die Tasche seines Sweaters und warf ein Kartenspiel auf den Tisch. "Eine Runde Romé hatten wir lang nicht mehr." Ylvi plusterte ihre Wangen auf. "Die Regeln müsstet ihr mir aber nochmal auffrischen. Alles krieg ich nicht zusammen."
      Mit jeder neuen Runde leerte sich auch eine der Flaschen. Die Runde wurde lockerer. Bis Bellamy der zum vierten Mal in Folge verloren hatte, Romé für beendet erklärte. Seine Motivation war im Keller angekommen. "Womit heitern wir dich wieder auf?" fragte Ylvi belustigt, die eben die letzten drei Runden für sich entschieden hatte. "Wir müssen auf jedenfall die Flaschen leer kriegen." betonte O'. Was widerum ein fragendes Gesicht von Caleb hervorrief. Bellamy sprang ein "Die sind wohl schon älter, die müssen weg. Meinte Lawrence." "Ah prima und da dachtet ihr das wär ne prima Idee die uns anzudrehen?" O' zuckte lächelnd mit den Schultern. "Never have I ever!" "Bitte?" kam es wie aus einem Munde von Caleb und Ylvi. O' klärte sie schließlich auf "Das tun wir um die Flasche leer zu kriegen. Die Regeln vom Spiel sind allen bekannt?"
      “Ich hab noch nie… nicht im Gefängnis gesessen”, fing O an und verwirrte die gesamte Mannschaft.
      “Hä? Muss ich jetzt trinken, wenn ich schon mal im Gefängnis gesessen hab, oder wenn ich noch nicht im Gefängnis gesessen habe?”
      “Letzteres.”
      Ylvi war die Einzige, die einen Schluck aus ihrem Becher trank. "Okay, das ist eine Geschichte die mich brennend interessiert." diesen Teil aus dem Leben der beiden jüngeren war Ylvi bisher unbekannt. "Und wer stellt jetzt die nächste Frage? Uhrzeigersinn, oder diejenigen die getrunken haben?"
      "Da du die einzige warst. Bist du dran."
      "Ich hab noch nie ...eine Bank ausgeraubt." um der Frage die dieser vorausging vielleicht auff den Zahn zu fühlen.
      Niemand trank.
      “Wer ist denn dran wenn niemand was getrunken hat?”, fragte Ylvi erneut. Bell und O sahen sich an, entschieden sich dann einfach dazu, dass die Person links von der, die zuvor die Frage gestellt hatte, dran war- also Caleb.
      “Ich hab noch nie… etwas gestohlen.”
      Bellamy und Octavia hoben schweigend ihre Becher zum Mund und tranken beide einen grooooßen Schluck. Caleb grinste kurz und sah die beiden amüsiert an. Natürlich wusste er über sie Bescheid. Nun galt sein Blick Ylvi. Musste sie trinken oder nicht? Ylvi hob den Becher, sah über ihn hinweg in die Runde. "Das ist wahrscheinlich Auslegungssache."
      "Ah ja?"
      "Naja, etwas materielles habe ich noch nicht gestohlen. Aber einigen das Herz."
      O' sah in die Runde. "Na dann, schluck,schluck würd ich meinen." Dabei sah niemand wie Caleb die Augen nieder schlug.
      "Ich hab noch nie...einen prekären Text an die falsche Person geschickt." kam es von Bellamy.
      “Was heißt denn bitte prekär?”, fragte O und fuhr sich einmal durch die langen Haare.
      "Naja, du weißt schon. Schmutzig Textchen...ein paar Bildchen?"
      "Wow, das ist die wievielte Frage? Und dann schon so ein Niveaulimbo?" spach Caleb, prostete allerdings in die Runde und trank- ebenso wie alle anderen.
      “Was passiert denn nun, wenn alle trinken müssen? Und vor allem.. Bellamy du Doofkopf, es geht darum dass die anderen trinken und nicht du selbst!”, protestierte O und schlug ihrem Bruder gegen den Arm.
      “Na wenn alle trinken müssen- macht eure Becher leer. Es gibt Nachschub für alle”, formte Bell kurzerhand die Regeln neu und forderte alle in der Runde auf, ihre Reste auszutrinken und sich etwas neues von ihm schütten zu lassen.
      Nun war Octavia wieder an der Reihe mit der fünften Frage… “Ich hab noch nie… mit mehr als 10 Leuten in meinem Leben geschlafen.”
      “Was ein Nivau…”, deutete ihr Bruder an, zuckte dann jedoch die Schultern. “Na dann lasst es uns spannend machen..”
      Caleb trank. Sonst niemand.
      "Mhm...um das ganze wieder auf Kurs zu bringen. Ich hab noch nie..ein Tattoo gestochen bekommen." setzte Ylvi fort, musste allerdings nun doch selbst einen Schluck nehmen. Von Caleb wusste sie schließlich bereits das er keines besaß. War allerdings überrascht die Geschwister trinken zu sehen. "Na? Überbleibsel aus Knacki-Zeiten?" fragte sie belustigt."
      “Woher du das nur erraten konntest…”, Bellamy lachte, stand auf und zog… blank. Also naja, er zog sein Shirt hoch und zeigte am unteren Rippenbogen ein Messer. Ylvi sah Octavia auffordern an, die ebenfalls aufstand und ihr Shirt nach oben zog. Calebs Blick senkte sich fast beschämend zu Boden, als sie ihren Sport-BH ein Stück nach oben schob. Unter ihrer rechten Brust hatte sie ebenfalls ein Messer.
      “Na auf die Geschichte bin ich aber echt gespannt… auf die und auf die andere, von dem Klauen”, meinte Ylvi schulterzuckend.
      “Nun bist du dran”, forderte O sie jetzt auf, ihr Tattoo zu zeigen, weshalb sie hatte trinken müssen. Fast unauffällig, aber nicht für alle Personen im Raum unsichtbar drehte Caleb seinen Kopf noch weiter weg, während Bellamy es sich nicht entgehen ließ, Ylvis Tattoo zwischen ihren Brüsten zu begutachten, auf der es nicht nur das Tattoo sondern auch einige Narben zu sehen gab. “Starr nicht so.” Dabei hielt O ihrem Bruder die Hände vor die Augen, bis Ylvi wieder komplett angezogen war. Auch Calebs Blick hob sich wieder. “Es wundert mich ja, dass du keins hast. Hast du wirklich nicht besoffen irgendwo in einer ramschigen Ecke eins von einem Bucklebunny verpasst bekommen?”
      “O werd nicht frech”, zischte der Blonde nur und überspielte Os Frage mit einer neuen, für das Spiel angemessenen: “Ich hab noch nie… Strippoker gespielt.”
      "O!" kam es überraschend von Bellamy, der zusehen musste wie seine Schwester kleinlaut, aber frech blinzelnd einen Schluck trank. "Da tun sich ganz andere abgründe auf." murmelte Caleb, leise zu Ylvi. Als wolle Bellamy genau an diesen Anknüpfen "Ich hab noch nie...beim Sex an eine andere Person gedacht." Bell und O' setzen dieses Mal aus. Dafür waren es Caleb und Ylvi die gemeinsam einen Schluck tranken. Nicht ohne sich dabei zu Fragen, wem diese Gedanken wohl galten. Caleb konnte, dem mittlerweile erreichten Pegel zu Schulden, nicht an sich halten. Lehnte sich leicht zu Seite und flüsterte "Musstest du an mich denken während dieser Typ aus Deutschland bei dir war?" Doch er erhielt keine Antwort. Und er vermochte nicht zu sagen. Ob die Röte in ihrem Gesicht vom Kamin, dem Alkohol oder der Scham kam. Bell und O' merkten von diesem Moment der beiden nichts, denn sie hatten eifrig die Becher aller Spieler wieder gefüllt. "Dann bin wohl ich dran!" zwitscherte O' zufrieden. “Ich hab noch nie...eine Schlägerei gehabt.”
      Die beiden Jungs setzten sofort zum Trinken an und nahmen einen größeren Schluck, als sie eigentlich hätten nehmen müssen. O beugte sich über den Tisch und zog die Becher runter. “Hey, hey ihr beiden. Ihr müsst doch nicht einen Schluck pro Schlägerei trinken”, lachte sie. Auch Ylvi stimmte in ihr Lachen ein.
      “Dann würden die Becher nicht reichen”, murmelte Caleb, langte zur Flasche und schüttete sich nach. Auch den Becher von Bellamy füllte er wieder auf. Würden sie weiterhin so große Schlücke trinken, dann wäre die Flasche nach einer weiteren Runde leer. "Ich habs geahnt, ich bin wieder dran." seufzte Ylvi
      "Ich hab noch nie... vor der Polizei fliehen müssen."
      "Du lässt nicht locker,oder?"
      Ylvi schüttelte daraufhin den Kopf, deutete in Bellamys Richtung an wie sie ihren Becher hob. Blieb in der Runde allerdings die einzige, die nicht trinken musste. "Das sind sie...die braven, prüden Deutschen." zog Bell sie auf. "Wir brauchen nur andere Fragen um sie zum Trinken zu kriegen." kam es von Caleb, der triumphierend lächelte. "Ich hab noch nie ….jemanden nackt gesehen obwohl ich es nicht sollte." damit spielte er auf seinen Aufmarsch in die Küche an, als sie damals mit Max gerade gefrühstückt hatte.
      “Für deine Gemeinheit von Frage müsstest du eigentlich deinen ganzen Becher leer trinken”, brachte Ylvi zwischen zusammengepressten Zähnen heraus, ehe sie einen Schluck trank. Doch auch Octavia nahm einen Schluck aus ihrem Becher. Kurz darauf sahen Caleb und Ylvi sie auffordernd an, während sich Bellamy verlegen am Kopf kratzte. Octavia warf ihm einen Seitenblick zu: “Einen Anblick, den ich leider nie in meinem Leben vergessen werde.” Caleb prustete los, steckte die Anderen mit seinem Lachen an und kam- des Alkohols geschuldet, nicht mehr dahinter. “Caleb trink noch einen Schluck, dann gehts dir gleich besser”, schmunzelte O und sah zu Bell, der wieder mit einer Frage an der Reihe war. Vielleicht hatte der Blonde sich bis dahin wieder eingekriegt.
      “Ich hab noch nie... Eifersucht verspürt, als mein Ex-Partner eine Neue oder einen Neuen hatte.”
      “Wow…” Mit einem Mal verstummte Caleb und trank einen Schluck aus seinem Becher, während die anderen nur mit den Schultern zuckten.
      Nun war Octavia wieder an der Reihe. “So Leute… Butter bei die Fische. Ich hab noch nie...darüber nachgedacht, was einen nach dem Tod erwartet… auch wenn ich jetzt selbst trinken muss.” Sie zuckte kurz mit den Schultern und trank einen Schluck. "Wenn man dabei ist zu sterben...dann denkt man nicht daran. Eigentlich." Ylvi sah nach unten auf ihren Becher im Schoß "denkt man gar nicht." O' schlug sich mit der Hand vor den Mund. Sie hatte vergessen was im vorletzten Jahr passiert war. Sie schüttelte den Kopf und trank schließlich. "Aber überlebt man es, dann dreht sich dein ganzes Sein beinahe um diese Frage." seufzte sie. So hieß es in dieser Runde trinken für alle. Was aber auch bedeutete - die Becher wurden erneut gefüllt, die zweite Flasche angebrochen. Die Stimmung wurde lockerer, gelassener. Ylvi fand sich näher an Caleb sitzend wieder, Schulter an Schulter. Während sein Arm locker hinter ihr und O' auf der Rückenlehne lag. Es brauchte ein wenig Koordination um zu ermittelt,wer denn nun eigentlich als nächstes dran sei. Es war Ylvi. "Da wir offenbar die Anstandsfragen ja sowieso hinter uns gelassen haben. Ich hab noch nie...eine Einladung für einen Dreier bekommen."
      “Wieso bin ich schon wieder der Einzige, der trinken muss”, grummelte Caleb vor sich hin, nahm die Hand hinter Ylvi nach vorne und trank einen Schluck, ehe er den Becher wieder abstellte und seine Hand wieder zurück an den Platz auf der Rückenlehne der Couch legte.
      “Bist du nicht…”, murmelte Octavia, trank einen Schluck und grinste Bellamy frech ins Gesicht.
      “Ooooh O, das hättest du besser nicht gemacht”, mischte sich Caleb ein. “Ich hab noch nie… einen Dreier gehabt”, lautete die nächste Frage und brachte niemand anderes zum Trinken, als Octavia.
      “Lalalala”, trällerte Bellamy, schloss die Augen und hielt sich die Ohren zu. Die anderen drei brachen in heiteres Gelächter aus.
      “Iiiiich hab noch nie… jemanden gedatet, der eigenartig war.” So lautete Octavias Frage, die sie zweimal wiederholen musste, da Bellamy noch immer so tat, als würde er weder sehen noch hören können; niemand trank. “Okay dann will ich nochmal.”
      “Du darfst aber nur einmal”, meldete sich ihr Bruder zu Wort.
      “Ich will aber nochmal.”
      “Dann lass sie doch, Bell”, sprach Caleb und wartete gespannt auf die nächste Frage. Sie nahm ihren Becher an die Lippen, tippte den Rand im Takt ihrer Gedanken daran. "Ich hab noch nie….Sex in einem Auto, Zug oder Bus gehabt."
      Bellamy sah seine Schwester an. "Himmel, wer würde denn…" verstummte aber als Ylvi hastig einen Schluck trank, um sich dann zu erklären "Um alle zu beruhigen...es war KEIN öffentliches Verkehrsmittel. Aber meine Jungfräulichkeit, die hab ich in einem Bulli verloren." Woraufhin Ylvi den anderen ersteinmal erklären musste was, denn genau ein Bulli wäre. Denn mit Van konnten die anderen drei deutlich mehr anfangen. "Wo wir dann dabei wären…..ich hab noch nie mit mit einem Arbeitskollegen geschlafen." feuerte Bellamy die nächste Frage in den Raum. Die war fies, denn alle wussten schließlich das Caleb und Ylvi eine gemeinsame Vergangenheit teilten. Allerdings flog ihm die Kinnlade hinunter als auch Octavia an ihrem Becher nippte. Bellamy grummelte "Hoffentlich hat das nichts mit der Dreierfrage zu tun gehabt. Den bring ich um." O' sah ihn keck an. "Wieso...den?"
      “Also ich wars nicht! Himmel, O ist wie eine kleine Schwester für mich!”, haute Caleb raus und bekam einen Schlag gegen den Hinterkopf. Er war sich nicht sicher, ob er von rechts, also von Ylvi, oder von links von Octavia gekommen war.
      “Das will eine Frau hören. ‘Du bist wie eine kleine Schwester für mich’, pah!” - der Schlag war eindeutig von links gekommen.
      “Aber um nochmal auf die wichtigere Frage zurück zu kommen.. warum eigentlich Bell?”
      “Weil ich mir nicht vorstellen will wie du einen Dreier mit… keine Ahnung, Caleb und Cayce hast.”
      “Whoaaa, whoaa, halt mich da bitte raus Bell!”
      “Und wenn es keiner von der Ranch hier war sondern… im Gefängnis? Oder sogar mit Frauen?”
      “Heilige.. O da warst du minderjährig und hör auf mir so ein Kopfkino zu bereiten!”
      “Bell beruhig dich. Der Dreier und das mit den Arbeitskollegen sind unterschiedliche Dinge, die ich hier nicht weiter erläutern werde.” O zuckte mit den Schultern. “Außerdem müsste es in Calebs Fall heißen: Ich hab noch nie mit meinem Chef geschlafen.” Das machte die ganze Sache nicht besser. Ylvi, die mit den Gedanken gerade nicht so richtig bei der Sache gewesen war, hob den Becher zum Mund und trank, was eine wahre Welle des Gelächters auslöste. In diesem Moment zeigte Bellamy ein Flusspferd Gähnen. "Puh, ich denke ich hab für heute genug Sache über meine kleine Schwester erfahren. Ich werd mich mal aufs Ohr hauen. Morgen heißt es wieder arbeiten." O' sah auf die Uhr an ihrem Handgelenk "Streng genommen..ist seit einer Minute morgen. Aber ich geh mit dir Konform. Ich werd mitkommen." "Du kannst schön in dein eigenes Bett. Nachher stellt man uns noch als Inzest-Ranch dar." O' schlug sich die Hand an die Stirn.
      "Du hattest eindeutig zu viel."
      "Natürlich!"
      Ylvi deutete in Richtung der Becher. "Lass das Stehen, ich räum das später weg." Das Geschwisterpaar verabschiedete sich, verließ noch immer schwatzend den Raum. Ylvi ließ sich nach hinten sinken, seufzte. "Ich merke erst jetzt das ich solche Abende vermisst habe." sie schaute zum Tisch, zog eine Schippe mit den Lippen. "Nur doof das der Tee, den du mir gemacht hast, jetzt kalt ist."
      "Ich könnte versuchen dir einen neuen zu machen."
      "Lass das lieber. Mir ist ohnehin nicht mehr Kalt."
      Sie sah ihn dabei von der Seite an, spürte nun in ihrem Hinterkopf seinen Arm auf der Lehne. Sich plötzlich mehr bewusst seiner Nähe. "Es ist schwierig." murmelte sie. "Ich...ich führe ein Leben das ich mir so nicht hätte vorstellen können. Tschetan und Kaya sind mir ans Herz gewachsen. Ich liebe meinen Mann, aber…" dabei senkte sie den Kopf. "aber...ich kann nicht leugnen was meine Träume mir zeigen."
      "Ich bereue es. Jeden verdammten Tag. Ich hätte kämpfen sollen. Damals." Caleb suchte ihren Blick. "Ich denke….wir haben beide unsere Fehler gehabt. ...Ich hab noch nie...das Gefühl gehabt egoistisch gehandelt zu haben." flüsterte sie, um aus dem Becher aus ihrem Schoß zu trinken.
      “Ich hab noch nie… eine Entscheidung so lange hinausgezögert, bis mir sie jemand anderes abgenommen hat.” Damit musste Caleb nun selbst trinken. Der Abend nahm Züge an, die er in nüchternem Kopf und mit klaren Gedanken niemals angenommen hätte. Aus dem Bauch heraus (oder folgte er da doch seinem Herzen?) stellte er Ylvi folgende Frage: “Was zeigen dir deine Träume?” Er schien nicht vergessen zu haben das man sich auf ihre Träume verlassen konnte. "Manchmal tief in der Nacht, wenn Louis schläft. Dann wünsche ich mich an deine Seite zurück." antwortete sie wahrheitsgemäß "Ich kann nicht leugnen was mein Herz mir mitteilt. Ich verstehe es selbst noch so wenig." Ylvi balancierte den Becher zwischen ihren Oberschenkeln, während sie sich die Hände vor die Augen hielt. Caleb nahm der jungen Frau den Becher ab, stellte ihn gemeinsam mit dem seinen auf den Tisch. Nur um ihr die Hände vom Gesicht fortzuziehen. "Ich hab es ja verstanden. Es hat eine Weile gedauert...aber ich hab es verstanden. Louis...er war deine Chance zu bleiben. Ihr hattet eine gemeinsame Geschichte. Vielleicht war es deine Art dich bei ihm zu bedanken...er hat dir dein Leben gerettet." Caleb wischte die Tränen fort die ihr über die Wange zu laufen drohten. "Wir haben damals beide seltsam gehandelt. Aber…" Ylvi schüttelte den Kopf. "Nicht zwing mich nicht….zwing mich nicht dazu mich zu entscheiden." flüsterte sie ihm zu. Kaum hörbar. "Wer spricht von entscheiden?" Und dann...waren da plötzlich seine Lippen auf den ihren. Ein Gefühl von Heimat. Ein aufeinandertreffen von bekannten Seelen. Ihre Körper zogen sich zueinander hin, Calebs Hand suchte sich einen Weg unter ihr Shirt. Dann unterbrach sie den Kuss, ihre Hand umklammerte sein Handgelenk. Stirn an Stirn saßen sie da. Plötzlich lachte Caleb. "Verdammt. Ich kann Louis nicht mal mehr böse sein, das er dich geküsst hat. Ich muss mich ja selbst zusammenreißen dich nicht die Treppe hinauf in mein Bett zu tragen." ...keine Veränderung ihrer Position. Erst langsam befreite Caleb seinen Arm. Umarmte Ylvi, ließ sich nach hinten auf die Couch sinken. Ihr Kopf auf seiner Brust, ihr Oberkörper umschlungen von seinen Armen. "Verdammt." murmelte er nochmal.

      Louis, Kaya, Tschetan, Dell & Betsy
      “Woooooow”, schwärmte Betsy noch immer von dem Pferdefilm, den sie alle zusammen soeben gesehen hatten. Dell war noch zur Toilette, weshalb sie drinnen im warmen Kino auf ihn warteten. Tschetan grummelte ein paar mehr oder minder zustimmende Worte, ihm war der Film zu kitschig und zu mädchenhaft gewesen. Kaya allerdings teilte Betsys Meinung, weil sie bei jeder ihrer Aussagen kräftig nickte. Louis kratzte sich am Kopf, ließ den Mädchen jedoch ihre Freude, auch wenn der Film voller Fehler gewesen war.
      “Morgen früh mal ich Sue so an, wie das Mädchen ihren Akecheta (bedeutet wohl Krieger :D) angemalt hat. Mit den roten Ringen ums Auge und die Streifen am Bein.”
      “Du weißt schon…”, begann Tschetan doch Louis legte ihm kurz eine Hand auf die Schulter, schüttelte den Kopf und gab ihm so zu verstehen, dass er Betsy nur machen lassen sollte.
      “Ich erklär es ihr morgen früh”, sagte er leise, nur für Tschetans Ohren bestimmt.
      Dell schloss wieder zur Truppe auf. Sie gingen alle gemeinsam zum Auto, stiegen ein und er startete den Motor, um die Heimfahrt anzutreten. “Das sollten wir öfter machen.” Dell brach die Stille. Allerdings antworteten ihm nur Louis und Tschetan, Kaya und Betsy waren beinahe sofort eingeschlafen, sobald er losgefahren war.
      “Da haben wohl zwei etwas nachzuholen.” Vergangene Nacht hatte Besy bei Kaya übernachtet. Gott allein weiß, wann die beiden endlich die Augen zugemacht und geschlafen hatten.
      Auf der Ranch angekommen schaltete Dell den Motor aus und drehte sich zeitgleich mit Louis nach hinten. Die Mädels schliefen noch immer. “Tragt ihr sie jetzt etwa ins Bett oder kann ich sie wecken?”, fragte Tschetan und machte schon Anstalten, an seiner Schwester zu schütteln.
      Dell und Louis schauten sich an, hatten denselben Gedanken im Kopf und sagten zeitgleich: “Wir tragen.”
      Leise wurde also ausgestiegen, die Mädchen aus den Gurten befreit und sich bis zum Morgigen Tag verabschiedet. Dell mit seiner Tochter Betsy auf dem Arm gingen in ihren Bungalow, Tschetan und Louis, der Kaya auf dem Arm hatte, gingen in den Ihren.
      Lautlos öffnete Dell die Haustür, schloss sie hinter sich wieder und steuerte auf Betsys Zimmer zu, wo er mit der freien Hand die Bettdecke zurückschlug und das Mädchen in ihr Bett legte. Er öffnete gerade den Reißverschluss ihrer Schuhe, da hob sie den Arm und rieb sich einmal durch die Augen. “Hmm?”, fragte sie verschlafen und richtete sich halb auf. “Sind wir schon wieder zuhause?”
      “Ja, meine Kleine, seit ein paar Minuten.”
      “Dad kann ich bei dir übernachten heute, bitte?” Diese Frage hatte sie ihm schon lange nicht mehr gestellt. Einerseits war er froh, dass sie es endlich schaffte, alleine in ihrem Bett zu bleiben und dass die Albträume aufgehört hatten. Andererseits kam ihm selbst sein Bett in letzter Zeit viel zu kalt und leer vor.
      “Natürlich. Ziehst du dich um und kommst dann rüber?” Betsy nickte zustimmend.
      Dell verließ das Zimmer seiner Tochter, machte einen Abstecher im Bad und zog sich dann ebenfalls in seinem Zimmer um. Er schlug gerade seine Bettdecke rüber, da stand seine Tochter mit ihrem Kuscheltierpferd, natürlich war es schwarz, so wie ihre Stute Sue, in der Tür. “Komm, kuschel dich schon mal ein, ich mach das Licht aus.”
      Kurze Zeit später fand sich Dell ebenfalls im Bett wieder. Seine Tochter in den Armen, an seinem Bauch das Kuscheltierpferd.
      “Weißt du… du bist der beste Dad auf der ganzen Welt. Ich hab dich unglaublich lieb.” Mit diesen Worten kuschelte sich das Mädchen noch enger an ihren Vater heran.
      “Womit hab ich das denn verdient?”, flüsterte er ihr ins Ohr und wartete geduldig auf ihre Antwort, doch Betsys Atemzüge wurden länger, gleichmäßiger und sie blieb ihm die Antwort schuldig.

      Ylvi & Caleb
      Stille lag über dem Raum. Nur das einsame Licht des Feuers, sowie eine kleine Lampe in der Nähe der Tür erleuchteten den Raum. Das Knacken aus dem Kamin blieb das einzige Geräusch. Caleb strich versonnen über die Finger die Ylvi auf seiner Brust liegen hatte. Tiefe, gleichmäßige Atemzüge zeigten dem Cowboy das sie bereits schlief. Waren ihre Träume auch in diesem Moment gefüllt von ihm? In seinen umnachteten Gedanken tauchte die Frage aus dem Spiel auf. Sah wie Ylvi trank. Ich hab noch nie...beim Sex an eine andere Person gedacht. flackerte Bells Frage durch seinen Verstand. Er schaute hinab auf Ylvis Gesichtszüge. Als er sich einer Bewegung im Türrahmen gewahr wurde. Louis trat gerade in das Licht der kleinen Lampe. Die beiden geflochtenen Zöpfe lagen unter seinen verschränkten Armen. Wie so oft gab es keine Regung auf dem Gesicht des Lakota. Beide Männer starrten sich ob der Dunkelheit gegenseitig ins Gesicht. Caleb nahm fast mechanisch seine Hand von Ylvi, wollte hinter sich greifen um aufzustehen. Da machte Louis eine Geste. Sie bedeutete Ende. Dann drehte sich der Lakota um. Hatte Caleb da ein Lächeln auf seinem Gesicht gesehen?

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      Louis
      Das ich darauf gewartet hatte wäre übertrieben gewesen. Viel mehr überraschte mich meine Reaktion. Im Schatten des Flures hatte ich sie beobachtet. Zwei Körper eng verschlungen. Hatte gesehen wie Caleb sie ansah.
      Wieso war da keine Eifersucht in mir? Fühlte ich mich zu sicher? Wegen eines blattes Papier? Meines Namens den Ylvi trug? Ich wusste nur zu gut wie sehr sie sich ihren Gefühlen hingab. Selbst am Tag der Hochzeit hatte ich gewusst, das in ihrem Herzen immer die Liebe für Caleb bleiben würde. Meine Schritte gingen hinaus in die Dunkelheit des Hauses. Caleb war wie ein Bruder für mich. Wir hatten einander in den letzten Jahren mehrere Male unser Leben bewahrt. Mein Herz war bei dem Anblick der mir wichtigsten Menschen in meinem Leben nicht zerbrochen. Hatte ich stattdessen...Stolz verspürt?
      Ich hatte Caleb zu verstehen gegeben zu bleiben wo er war. War gegangen...noch jetzt zuckten meine Mundwinkel mit einem Lächeln. Liebte ich Ylvi weniger? Ich blieb stehen, schaute hinauf in den bewölkten Himmel. Horchte tief in mich hinein. Bis mein Bauchgefühl mir eine Antwort zu geben vermochte. Mir fehlte in diesem Bezug einfach jegliches Gefühl von Eifersucht. Eher ein bestimmendes Gefühl völliger Verwirrung. Mit diesem im Kopf kehrte ich zurück in das Bett.

      Caleb
      ‘Fuck, fuck, fuck, fuck’, dachte ich unentwegt, warf meinen Kopf zurück gegen die Rückenlehne des Sofas und seufzte tief. Wie lange hatte Louis schon da gestanden? Was hatte er gesehen- und vor allem: warum war er einfach gegangen, nicht jedoch ohne mir vorher ein Zeichen zu geben, ich solle liegen bleiben? Und lag wirklich ein Lächeln auf seinem Gesicht, als er sich umdrehte?
      Der Lakota würde mir keine reinhauen, so wie ich es bei ihm getan hatte. Er würde auch nur im äußersten Fall zurückschlagen, sollte es erneut zu einem Kampf kommen.
      Alles nur wegen dieser einen Frau, bei der ich zu Beginn des Abends gedacht hatte, ich wäre über sie hinweg. War ich nicht. Augenscheinlich- und dann war ich auch noch so dumm gewesen sie einfach zu küssen! Setzte ihr Flausen in den Kopf, sie müsse sich nicht zwischen mir und Louis entscheiden. Verdammt sie hatte sich entschieden. Vor einem Jahr schon. Seit einem Jahr war sie die Frau an der Seite von Louis. Wie lange hatten wir uns gegenseitig gebraucht und aufgebaut? Auch ein Jahr? Weniger? Länger? Ich wusste es schon gar nicht mehr.
      Was würde mein dummes, egoistisches Verhalten für die Zukunft bedeuten? Hatte ich mein Recht verspielt, egoistisch zu handeln?
      Sollte ich Ylvi sagen, dass Louis uns gesehen hatte? Wobei… sie lagen nur zusammen auf der Couch- angezogen. Keine Spur von Romantik oder einem Kuss… Würde Ylvi ihm erzählen, was vorgefallen war? Würde sie ihm erzählen, was ich ihr vorgeschlagen hatte? Dass sie sich nicht entscheiden müsse? Ich wusste, dass Lakota ihre Frauen mit ihrem Kola, ihrem Freund, teilten. Wollte ich das? Stand das im Raum? Was würde das für die Ranch heißen? Dass wir hier lebten, wie die Wilden?
      Ylvi fing an sich zu bewegen, löste sich aus meinem Griff. Sie richtete sich auf und sah zu mir hoch, rieb sich einmal mit der Hand durch die Augen. “Caleb was ist los? Warum spannst du dich so an?”
      Meine Gedanken rasten. Noch immer unsicher, was ich ihr erzählen sollte, oder ob ich ihr überhaupt etwas erzählen sollte. Hatte ich dieses Mal die Eier in der Hose, ihr die Wahrheit zu sagen? Oder trug sich der Kampf wieder einmal nur in meinem Kopf zu? Der Caleb aus dem letzten Jahr hätte ihr vermutlich nichts gesagt, geschwiegen und das Gespräch zunächst mit Louis gesucht- oder eben auch nichts gesagt. Der heutige Caleb war erwachsener, reifer geworden und wollte vor seinen Problemen nicht mehr davonlaufen. Ich wollte sie anpacken, mich ihnen stellen. Ganz so wie meinen Dämonen, die mich nachts so häufig um den Schlaf brachten. Um diesen entgegen zu wirken schien dies ein guter, erster Schritt zu sein.
      Doch war es erwachsen und vernünftig, zu erst mit ihr und nicht mit Louis zu reden? Fiel ich ihm mit meinem Verhalten nicht in den Rücken?
      Ich entschied mich dazu, Ylvi die halbe Wahrheit zu erzählen- ‘verdammter Idiot’, hallte es in meinem Kopf wider.
      “Louis stand eben im Türrahmen, hat uns gesehen. Als ich aufstehen wollte, hat er mir das Signal zum sitzenbleiben gegeben und ist... gegangen.”

      Ylvi
      Ich schnappte plötzlich nach Luft, mir bis dahin nicht bewusst das ich die Luft angehalten hatte. Ich fühlte mich schlagartig weder neblig vom Schlaf, noch vom Alkohol.
      Wie sollte ich Caleb erklären das Louis und ich in dieser Sache keine Geheimnisse voreinander hatten? Mir war jedoch nicht gänzlich klar wieso Louis die Situation nicht aufgelöst hatte. Natürlich….er war nicht Caleb. Seine Gedanken setzte mein Mann nicht direkt in Aktionen um. “Caleb...Louis und ich. Wir sprechen darüber. Das war ein Versprechen nach unserer Hochzeit. Wir würden uns alles erzählen.” ich sah auf die Hände in meinem Schoß nicht ganz sicher was ich sagen wollte. Ich wollte ehrlich mit Caleb sein, aber die Worte auszusprechen war so schwer. Ich setzte an. Verstummte. Setzte wieder an. “Dass ich Gefühle für dich habe. Ich kann nicht ahnen bis wohin sein Verständnis geht. Aber...ich weiß nicht. Dass er ging.” ich sah und deutete zum Türrahmen, sah dann wieder direkt in Calebs Augen. “Ich weiß nicht ob das Louis Art war…”ich lachte kurz auf “uns eine Erlaubnis zu geben...für was auch immer.” und dann spürte ich das Kribbeln in meiner Nase und schluckte um nicht weinen zu müssen..”Oder seine Art mir Bewusst zu machen das ich mich entscheiden sollte. Wir uns entscheiden sollten.”

      Caleb
      Ich wusste ehrlich nicht was ich ihr antworten sollte, saß stattdessen einfach nur stumm da. Die Zahnrädchen in meinem Kopf rasten unaufhörlich, formten Worte und ließen sie wieder verschwinden.
      “Es kann auf jeden Fall nicht auf ewig so weitergehen. Ich habe wirklich gedacht ich sei über dich hinweg, bin es aber augenscheinlich nicht. Dich beziehungsweise euch vom Hof zu schmeißen ist allerdings auch das allerletzte, was ich möchte. Außerdem würde ich Betsy damit das Herz brechen, das könnte ich nie im Leben wieder gut machen”, ich seufzte tief, vergrub meinen Kopf in meinem Händen, schloss die Augen und verharrte einen Moment so.
      “Ylvi was machen wir hier eigentlich überhaupt? Was soll der Mist?” Langsam fing ich an mich wieder in Rage zu reden, sprach zuerst Dinge aus, bevor ich darüber nachdachte. “Wie soll das hier weitergehen? Dass wir uns alle paar Wochen betrinken, uns küssen oder andere Dinge machen und du dann zurück zu Louis gehst und neben ihm im Bett einschläfst?” Ich stand auf, fing an um den Wohnzimmertisch und die Couch herum zu tigern. “Ich kann mich nicht konzentrieren, bin ständig abgelenkt. Abgelenkt davon, nicht über uns nachzudenken. Dich nicht zu packen und zu küssen, dich nicht mit in mein Bett zu nehmen. Ich denk sogar darüber nach dich einfach zu umarmen, wenn du neben mir stehst, meinen Kopf an den Deinen zu legen und einfach deine Nähe zu spüren, dich bei mir zu haben. Wie soll ich das aus mir rausbekommen? Was soll ich machen? Wenn du eine Lösung weißt, sag es mir. Ich kann das auf jeden Fall nicht mehr, es macht mich wahnsinnig.” Beim letzten Wort blieb ich stehen. Zwischen Couch und Tisch war ich wieder genau vor Ylvi angekommen, schaute sie von oben herab an und atmete einmal schwer.

      Ylvi
      Ich konnte nicht anders als das Tränen meine Wangen hinab liefen. “Ich...Ich wünschte bloß ich könnte zwei Personen sein. Eine...die liebende Frau, eine gute Mutter für Kaya und Tschetan. Zufrieden, mit dem was ich habe, wie ich es bin. Die zweite? ...jemand anderes, jemand neues. Vielleicht nur für einen Tag..damit ich an deiner Seite sein kann, dich küssen, dein Bett teilen....ohne mich illoyal gegenüber Louis zu fühlen.”
      “Und du glaubst….du wärst damit zufrieden? Oder...ich?” Caleb nahm eine Strähne meines Haares und steckte es mir hinter die Ohren. “Ich habe es erst nicht begriffen. Bis heute nicht. Aber ich sehe eure Blicke, denselben mit dem du mich anschaust.” “Caleb..” seufzte ich “Hab Geduld mit mir. Wie ich Geduld mit dir hatte...bis ich, wir, eine Lösung haben..” ich wische fahrig meine Tränen fort. “Danke...für den Abend. Aber...ich, ich sollte gehen.”
      Ich verzichtete auf den nassen Regenmantel, sogar meinen Hut. Ich zog nur die Stiefel an und joggte hinüber zum Bungalow.Ich schloss leise die Tür. Fand meinen Weg auf Socken hinein in das Schlafzimmer das ich mit Louis teilte. Gedämpftes Licht kam von einer Lampe, über der ein gelbes Tuch hing. Daneben rauchte ein Bündel Salbei in einer Schale. Ich wusste um die Bedeutung. Louis schrak auf als ich den Raum betrat. Wir sahen einander nicht an. In Klamotten legte ich mich neben ihm ins Bett. “Darf ich fragen?” setzte er an. “Nein Louis.” ich seufzte und schniefte gleichzeitig. “Frag mich nichts” Stattdessen rückte er ein Stück näher, nahm mich in den Arm. Mein Kopf nun auf seiner Brust, während ich einfach nur weinte. Ich hatte nicht die Kraft jetzt darüber nachzudenken was für eine Entscheidung ich treffen wollte...treffen sollte. Mein Herz liebte zwei Männer...und es zerriss mir selbiges. Es spürte Liebe und Mitleid für beide Männer die ich auf die eine oder andere Weise betrogen hatte.

      Caleb
      ‘Ich wünschte bloß ich könnte zwei Personen sein’, dieser Satz hallte Minuten, nachdem Ylvi den Raum und sogar das Haus verlassen hatte, noch immer in meinem Kopf nach. ‘Hab Geduld mit mir. Wie ich Geduld mit dir hatte, bis ich, wir eine Lösung haben.’ Eine Lösung haben? Ich hatte alles ruiniert. Hätte ich sie bloß nicht geküsst, ihr nicht nahegelegt, was in mir vorgeht. Hätte ich Schweigen sollen? Nein, mit Sicherheit nicht. Ich hatte etwas sagen müssen, meinen Gedanken freien Lauf gewähren müssen… und von jetzt an: musste ich mit den Konsequenzen leben. Der Jetzige Zustand hätte mich auf Dauer von innen heraus zerfressen. Ich wollte es mir nicht eingestehen, aber ich fühlte mich einsam wie schon lange nicht mehr. Auf dem Hof war vom Frühstück morgens bis zum Abendessen abends immer etwas los. Ich hatte Menschen um mich herum, manchmal mehr als mir lieb war. Von jungs bis alt, mit allen kam ich aus und war froh um jeden Einzelnen, den ich hier hatte. Aber spät abends, wenn ich alleine auf der Couch saß und die Mitarbeiter ihre Wege in die Bungalows angetreten hatten, dann fühlte ich mich einsam. Ging ich abends alleine in ein leeres Bett, fühlte ich mich einsam. Stand ich morgens alleine auf, fühlte ich mich einsam. Ging ich morgens runter zum Frühstück an den gedeckten Tisch, der voll mit meinen Mitarbeitern saß, war das Gefühl der Einsamkeit verflogen.
      Saß ich mit Ylvi zusammen im Büro, verspürte ich eine große innere Anspannung, bei der ich ständig versuchte, sie nicht nach außen hin durchkommen zu lassen.
      Bisher hatte es funktioniert, bis zum heutigen Abend. Ob es dem Alkohol oder Louis Reaktion geschuldet war, wusste ich nicht. Tatsache war, dass ich meine Gedanken ausgesprochen hatte und ich sie nicht wieder zurücknehmen konnte.
      Ylvi hatte mich vor ihrem Verlassen eben darum gebeten, ihr Zeit zu geben. Zeit, eine Lösung zu finden- und genau das würde ich jetzt tun. Es gab diese Momente im Leben, da musste man sich zusammenreißen, nun war einer dieser Momente gekommen.
    • Veija
      Being mortal - wir sind sterblich.
      Februar 2021, by Ravenna & Veija
      Caleb
      Am nächsten Morgen tauchte ich erst spät beim Frühstück auf, lediglich Dell und Betsy saßen noch am Tisch, alle anderen waren schon auf der Ranch unterwegs und fingen mit ihren Arbeiten an.
      “Wars gestern schön im Kino gewesen?”, fragte ich an Betsy gewandt und trank einen langen Zug aus meiner Kaffeetasse.
      “Oh ja und wie! Darf ich mir Sue nehmen und sie wie ein Indianerpferd anmalen? Das hat das Mädchen im Film auch gemacht mit ihrem Pferd, bitte, bitte, bitte!”
      Ich grinste kurz, sah zu Dell der nur mit den Schultern zuckte. “Ja darfst du. Nimm sie aber mit auf einen der kleinen Paddocks, dann kann sie ein bisschen fressen, sieht die anderen Pferde und wenn sie keine Lust mehr hat kann sie weggehen, aber nicht weglaufen. Pass nur auf, dass du sie auf einen der Stutenpaddocks stellst, nicht auf die andere Seite zu den Hengsten… sind Tschetan und Kaya auch dabei?”
      “Kaya ist immer dabei, Tschetan weiß ich nicht.. aber ich glaube, Louis wollte mir da noch was erklären.”
      ‘Zusammenreißen...zusammen… reißen…’ “Wenn Louis dabei ist, umso besser. Geh gleich mal rüber und frag ihn ob er Sue sogar mit dir von der großen Koppel holen kann.” Ich hoffte, dass er Betsys Einladung folgen würde. So wusste ich wenigstens, welchen Bereich der Ranch ich heute meiden würde. Das Büro und die Stutenpaddocks.
      “Dell kannst du gleich nach dem Pferdehänger schauen? Seit Cayce und Bell mich und Tschetan mit Saintly vom Flughafen abholen sollten, steht der hier herum und ist kaputt. Ich kann auch deinen Stalldienst übernehmen, gar kein Problem.”
      “Also wenn das so ist… natürlich.”
      Betsy stopfte sich das letzte Stück ihres Brotes in den Mund, stand auf, umarmte ihren Vater mit den Worten “Hab dich lieb” und ging dann nach draußen. “Hab dich auch lieb…”, murmelte er, aber seine Tochter war schon lange verschwunden.
      “Ich hab mir beim besten Willen niemals vorstellen können, einmal so viele Kinder um mich herum zu haben. Ich bin von einer festen Beziehung und Vater sein meilenweit entfernt, ich mein… bei mir hier im Haus kommen und gehen sie, ich hab die Kids nie 24 Stunden am Tag um mich herum… aber, wie ist das Leben eigentlich überhaupt, wenn das Kind… von einem selbst ist? Man Vater ist?
      “Wie es ist Vater zu sein?”, wiederholte er meine Frage in einfachen Worten. Ich nickte, dann antwortete er: “Es ist anstrengend… es bereitet dir unendlichen Kummer. Wenn Betsy krank ist oder es ihr nicht gut geht, leide ich mit ihr, manchmal sogar mehr als sie. Ich weiß nicht wie es wäre, wenn ihre Mutter noch da wäre… aber Caleb, es ist das Schönste im Leben.”
      Ich nickte wieder, lächelte ihn an. Dann stand ich auf, füllte Kaffee in meine Thermoskanne, bedankte mich bei Dolly für das Frühstück und begab mich dick eingepackt nach draußen. Dort steuerte ich sofort auf den Trainingsstall zu, fernab von den Stutenkoppeln oder dem Bungalow von Ylvi und Louis.

      Louis fand die beiden Mädchen auf einem der Paddocks. Sue fraß genüsslich an der Schubkarre voll Heu. Kaya und Betsy waren in Gummistiefeln begeistert dabei Farbe, nicht nur auf Sue, sondern auch sich zu streichen. Wehmütig lehnte er sich an den Zaun, seufzte leise. Wann nochmal hatte er sich ausgesucht ein Vater zu sein? Das war einer der Momente in denen er es nicht mochte.
      "Louis! Schaut Sue nicht toll aus! Wie gestern in dem Film." seufzte Bety verträumt. Louis sah zu Kaya, aus ihren Zöpfen hatten sich die Strähnen gelöst, flatterten wild im Wind. Und er versuchte sich daran zu erinnern, als ihre Mutter noch gelebt hatte. Kaya war damals noch in Windeln umher gelaufen, in einer für sie angefertigten Regalia hatte sie an der Seite ihrer Mutter begonnen zu tanzen. Viel zu lange hatte Louis seine eigene Regalia nicht getragen. "Kommt mal hier rüber Mädels." winkte er die beiden Mädchen heran, setzte sich auf den Rand der Badewanne, die hier als Tränke diente. Auch die Kids setzten sich neben ihn. Dann deutete er auf Sue, die weiter ungeniert ihr Heu fraß. "Könnt ihr euch daran erinnern? An die Geschichte von Wakan Tanka? Was habe ich dabei zu seinem Namen erzählt?" Betsy und Kaya sahen ihn an, Kaya machte ein Zeichen. Und wie es für die beiden mittlerweile üblich war sprach Betsy die Worte für sie. "Du hast gesagt Wakan..das heiße Heilig. Sein Name bedeutet Großer Geist. Hat das etwas damit zu tun was du mir gestern erzählen wolltest?" fragte Betsy neugierig. Louis lächelte ihr zu antwortete jedoch nicht. "Als die ersten Siedler mit ihren Pferden dieses Land betraten wussten die Leute unseres Volkes nicht was sie da vor sich sahen. Es transportierte große Lasten, konnte weite Strecke laufen ohne zu ermüden. Sie dachten sie hätten es mit etwas heiligem zu tun. Man kannte kein Wort für diese Geschöpfe also nannte man sie Sunka Wakan. Sie nannten also das was sie vor sich sahen heiliger Hund." beide Kinder folgten dem Blick des Mannes der mit den Lippen eine kurze Geste in Richtung der Stute machte. Er ließ Betsy eine ganze Weile Zeit. Dies war nicht die erste Lehrstunde über das Leben der Lakota oder viel mehr. Nicht die erste über alle Indigenen Völker. "Heißt das...ich darf Sue nicht mehr anmalen? Es sieht doch so schön aus!" seufzte Betsy
      Louis sah das blonde Mädchen von der Seite an, bevor er ihr zu lächelte. Er schüttelte beruhigend den Kopf. "Du bist ein Kind. Aber du bist dabei erwachsen zu werden. Und wie bisher. Möchte ich das du verstehst. Für Tschetan, Kaya, mich und viele andere Indigene ist es da draußen gar nicht so einfach. Nicht wie hier auf der Ranch. Am Ende des Tages, wenn das Wasser dir die Farbe von der Haut gewaschen hat. Dann bist du wieder einfach nur Betsy." Betsy sah zu Boden, fast ein wenig enttäuscht. "Eure Kultur ist keine Verkleidung ich weiß. Bist du mir böse?" damit sah Betsy ihn wieder an. "Ich wäre dir nur böse, wenn du nicht lernen würdest. Komm ich erkläre euch ein paar der Zeichen, die man mir beibrachte. Die WarPaint eines jeden Kriegers war unterschiedlich und auch nicht jedes Pferd wurde mit den gleichen Zeichen bemalt. Das kam ganz darauf an ob das Pony ein Büffelläufer oder ein Kriegspony war."
      Für die nächsten zwei Stunden lernten beide Kinder durch die kleinen Geschichten die Louis ihnen erzählte. In der Kultur seines Volkes wurden die Kinder nicht bestraft. Es gab unzählige Lehrreiche Geschichten die dazu dienen sollten die Kinder zu erziehen. Louis selbst war nicht auf die selbe Weise erzogen worden. Doch mit den Geschichten der Ältesten kannte er sich aus.

      Ylvi
      Ich war müde und verheult aufgewacht. Schlaf hing in den Augenwinkeln, meine Klamotten die ich gestern nicht mehr ausgezogen hatten hingen an mir. Fast ein wenig feucht. Ich konnte mich nur vage an meine Träume erinnern, aber ich musste geschwitzt haben. Ich schlich mich leise aus dem Zimmer unter die Dusche. Draußen war es noch dunkel. Die Anzeige der Uhr in der Küche zeigte mir das es kurz vor 6 war.
      Wie ein Geist stand ich in der dunklen Küche. Mein Bademantel hielt mich nur vage Warm..noch rann mir ein Tropfen Wasser über das Knie. Auf leisen Füßen schlich ich mich in unser Schlafzimmer zurück, fand im Zwielicht den Schrank und zog einige neue Sachen für mich hervor. In der Dunkelheit konnte ich Louis nicht sehen. Aber die Scham drückte mich nieder, also verließ ich den Bungalow. Noch würde niemand auf sein, aber es sprach nichts dagegen bereits die Decken der Pferde abzunehmen, die Boxen zu misten. Ich brauchte jetzt Beschäftigung!
      Vielleicht würde ich mir zum Mittag eines meiner Trainingspferde entführen um einen Ausritt zu machen.

      Caleb
      Eine ganze Weile schon war ich dabei, Dells Boxen zu misten, die Pferde umzudecken, nach draußen zu bringen und schon das Futter für den Abend vorzubereiten. Bei den Pferden, die nur Mineralfutter und Kraftfutter bekamen, wartete ihr Futter am Abend bereits im Trog. Das waren auch die Pferde, die momentan nicht wirklich im Training standen.
      Alle anderen, besonders die, die ich so gut wie jeden Tag ritt, weichte ich Rübenschnitzel auf. Die konnte ich erst beim reinholen der Tiere in den Trog schütten, da sie sonst das restliche Kraftfutter zu einem labbrigen Brei aufweichen würden.
      Die Stutenkoppeln umgehend schaute ich noch bei HMJ Saintly vorbei, der momentan ein Luxusleben führte. Herumstehen und Fressen, was könnte es besseres geben.
      Da ich doch nicht drum herum kam, einige E-Mails zu beantworten, schlich ich mich ins Büro, welches zum Glück leer war, schnappte mir das Tablet und ging damit hoch in mein Schlafzimmer, wo ich mich vors Fenster setzte und mit dem Blick auf den Hof E-Mails beantwortete. Ich konnte Bellamy mit einigen der Pferde bei der Führanlage sehen, Louis und Betsy bei Sue sowie Dell beim Pferdeanhänger. Ich hoffte, dass er ihn wieder zum Laufen bringen würde.
      Doch kaum hatte ich ein, zwei Mails beantwortet, musste ich mich doch runter ins Büro setzen, da das Akku den Geist aufgegeben hatte.

      Dell
      Nach dem Frühstück war ich zunächst wieder in den Bungalow gegangen, um mir andere Kleidung anzuziehen. Die Jeans, mit der ich die Ställe mistete, war zum Reparieren des Anhängers nicht wirklich geeignet, denn sie hatte zu wenige Taschen.
      Ich schlüpfte in meine Arbeitshose- die mit den extra vielen Taschen, und machte mich zum Anhänger auf den Weg. Da wo er jetzt stand kam ich nicht gut dran, weshalb ich Calebs Truck dranhängte, um ihn mir auf den Hof zu ziehen. Caleb hatte was erwähnt, dass er sein Auto später brauchen würde, weshalb ich es wieder abhing und ein paar Meter nach vorne fuhr.
      Nachdem ich nun auch meine Arbeitsutensilien alle beisammen hatte, schaute ich mir einmal an, wo denn das Problem war. Schon beim Fahren war mir aufgefallen, dass der Hänger ziemlich schief war. Zunächst schaute ich mir also den Reifen an. Doch wenn dieser platt gewesen wäre, wären Bellamy und Cayce schon auf die Idee gekommen, ihn zu ersetzen. Also musste ich weiter drunter gehen und fand eine Stelle an der Achse, die sich verzogen hatte. Genaueres sah ich nicht, dafür musste ich mir den Hänger wohl aufbocken, um weiter drunter zu kommen- eine Aufgabe, die ich schon hundert mal erledigt hatte.
      Ich war mir sicher, ich könne den Schaden ohne großen Aufwand beheben, weshalb ich auch den Reifen drauf ließ. Ohne noch lange weiter darüber nachzudenken, bockte ich mir den Hänger auf, legte mich auf den Rücken und robbte mich zu der Stelle vor, die ich genauer unter die Lupe nehmen wollte.

      Bellamy
      Heute war einer dieser Tage, an denen ich mit dem falschen Bein aufgestanden war und mich das Gefühl nicht losließ, dass der Tag schrecklich werden würde. Dabei hatte ich heute gar nicht viele Aufgaben zu erledigen oder irgendwelche Sachen zu machen, auf die ich keine Lust hatte. Mir lag einfach ein Gefühl im Magen, dass heute kein guter Tag war.
      Ein Scheppern riss mich aus meinen Gedanken wieder in die Gegenwart zurück. Die Führanlage hatte den Geist aufgegeben. “Toll. Wirklich toll. Dann kann es heute ja nur noch besser werden…”, murmelte ich, ehe ich die beiden Führstricke von Magic und Tex schnappte, die Anlage mit der Hand weiterdrehte, um die beiden Pferde ans Halfter zu bekommen und mich auf den Weg zum Stall machte.
      Wieder hörte ich ein Krachen, dieses Mal jedoch etwas weiter weg. “Was hat denn nun schon wieder den Geist aufge… Oh mein Gott!” Die Stricke der Pferde glitten mir beim Anblick dessen, was ich vor mir sah, einfach aus der Hand. Ich rannte los, ganz gleich was die Tiere machen würden, die könnten wir später wieder einfangen.
      “Scheiße… hörst du mich? Oh Gott… HILFE!”, in einem wahrlichen Schockzustand brüllte ich so laut ich konnte, doch auf der weitläufigen Ranch würde mich vermutlich niemand so einfach hören können.
      Ich schien jedoch Glück zu haben, Ylvi lief auf mich zu. “Ylvi ruf einen Krankenwagen! Schnell!” Sie stoppte in der Bewegung, kramte ihr Handy aus der Tasche und lief wieder auf mich zu. Neben mir ließ sie sich auf die Knie fallen. “Was ist passiert? Hörst du mich… Dell?!”
      Keine Reaktion. Die Wagenheber, mit der Dell den Hänger aufgebockt hatte, war gebrochen. So war der Hänger mit voller Wucht nach unten gekracht und hatte Dell unter sich begraben. Dieser reagierte nicht mehr, ich wusste nicht einmal ob er atmete!
      “Bellamy atmet er? Die vom Rettungsdienst sind unterwegs…”
      “Ich weiß es nicht, wie soll ich denn dran kommen? Sollen wir den Hänger hochheben??”
      “Nein, bloß nicht. Wir müssen warten, die Feuerwehr kommt auch hierher, wenn wir den Hänger heben und er bekommt nicht sofort Hilfe… stirbt er.” Ylvi versuchte die Tränen zurückzuhalten und dem Mann am anderen Ende des Hörers Antworten zu geben.
      “Bellamy versuch herauszufinden, ob er atmet…”, gab sie mir die nächste Anweisung.
      Ich schluckte, kroch vorsichtig ein wenig unter den Hänger und blickte direkt in eine große Blutlache, die sich von Dells Kopf auf den Boden ergoss.
      Regungslos, wie erstarrt blieb ich liegen und starrte seinen Kopf an. Überall… war Blut… er hatte die Augen geschlossen… wirkte tot… “BELLAMY!”, schrie Ylvi mich nun an. “ATMET ER NOCH?”
      Zaghaft befreite ich mich aus meiner Erstarrung, hob eine Hand nach vorne und hielt sie unter seine Nase. Ich spürte einen ganz schwachen Luftstoß, legte zwei Finger an seinen Hals und kontrollierte seinen Puls, welcher ebenfalls schwach, aber noch da war.
      “Ganz schwach, Atmung und Herzschlag”, gab ich Ylvi Bericht und krabbelte wieder unter dem Anhänger heraus. “Ylvi er hat eine große Wunde am Kopf, liegt in einer ziemlichen Blutlache.” Ich versuchte mich zu besinnen. Wie oft schon hatten damalige “Bekannte” mir von Situationen erzählt, in denen sie beim Raub handgreiflich geworden waren oder sogar absichtlich Menschen verletzt hatten, um sie zu beklauen. O und mir war das nie passiert, noch nie hatten wir einen Mensch absichtlich oder unabsichtlich verletzt. Einmal war ich dabei gewesen, als mein Partner auf einen Menschen geschossen hatte. Mir sollte der Anblick von Blut nichts ausmachen, aber es war etwas ganz anderes auf einen fremden zu schießen oder seinen Freund hier, in seinem eigenen Blut liegend, vorzufinden.

      Ylvi
      Man konnte die Anspannung im Saal förmlich in Stücke schneiden. Auch ich konnte auf meinem Stuhl nicht vernünftig sitzen, mit tat der Hintern weh. Außerdem hatte ich taube Knie. Allerdings wollte ich mich auch nicht bewegen. Louis war vor 3 Stunden mit Betsy ins Krankenhaus gefahren. Bellamy war inzwischen wieder gefahren. Calebs Truck hatte wieder gesponnen, daher musste er warten bis Bell zurück war um selbst ins Krankenhaus zu kommen.
      Wir warteten bereits 5 Stunden im Wartezimmer des Krankenhauses. Ich hatte jetzt erst eine klare Vorstellung davon wie es Louis und Caleb ergangen sein musste, als ich die Patientin gewesen war. Louis hatte eine Hand um die meine geschlungen. Ich hatte Betsys Kopf auf meinem Oberschenkel. Das Kind hatte geweint. Selbst jetzt in ihrem unruhigen Schlummer der Erschöpfung zuckten ihre Schultern. Mechanisch strich ich ihr über die Stirn, durch das blonde Haar. Plötzlich wurden unsere Namen aufgerufen. Da ich mich nicht rühren wollte, erhob sich Louis an meiner statt. Eine der Ärztinnen erklärte ihm genau was nun mit Dell passierte. Ich brannte darauf auch zu hören was los war. Doch ich wollte die gerade schlafende Betsy nicht wecken. Keine Regung sah ich im Gesicht meines Mannes. Erst als die Frau sich herum drehte und ging strich sich Louis Seufzend die losen Haare aus dem Gesicht. Seine Backen plusterten sich auf,die Luft entwich seinen Lippen auf dem Weg zurück zu mir. Ich hielt Betsys Ohr zu, während mir Louis leise in mein Ohr flüsterte. "Sie haben ihn wieder zusammen geflickt. Aber seine Reaktionen auf sämtliche Tests, sieht nicht gut aus. Noch ist es zu früh um zu sagen er sei Hirntod, die Prognose allerdings ist schlecht." Ich starrte hinunter auf den Kind. Alsbald würde sie womöglich mehr mit ihrer Freundin teilen als sie ahnte. Wie nur sollte ich ihr erklären, dass nach ihrer Mutter nun auch der Vater ihre Welt verlassen würde? Ich schluchzte auf, das war einfach zu viel. Da erscholl eine zarte Stimme von meinen Knien her. "Er wird nicht wieder gesund,oder?" Betsy richtete sich auf. Sah uns beide an. Plötzlich wirkte sie viel älter als sie es in Wahrheit war. Ich konnte nur mit dem Kopf schütteln. Ich zog Betsy an meine Brust. Mir fehlten ohnehin die Worte, welche Bedeutung hätten sie jetzt auch noch?

      Caleb
      Wenige Minuten später, nachdem ich mich ins Büro gesetzt hatte klingelte mein Telefon. Die Rinder waren unten am Fluss durch den Zaun gegangen und unterwegs in Richtung der Hauptstraße. Ich seufzte, manchmal, wenn man am wenigsten Zeit hatte, kam einem sowas noch dazwischen.
      Ich legte das Handy auf den Schreibtisch, zog mir die Stiefel, die ich der Bequemlichkeit halber eben ausgezogen hatte, wieder an und ging dick eingepackt und Schal und Jacke nach draußen. Sogar unter dem Hut hatte ich eine Mütze auf dem Kopf. Es war kalt geworden, hier in Kanada.
      Im Stall traf ich den Mann, den ich gesucht hatte: Cayce. “Hey Cayce schnapp dir Shorty und triff mich am hinteren Ausgang der Ranch, Richtung Fluss. Wir müssen die Rinder nochmal einfangen die sind da durch den Zaun, Mr. Lance hat mich gerade angerufen.”
      “Okay ich beeil mich.”
      Während Cayce zu den Nordkoppeln lief steuerte ich die Südkoppeln an, denn dort stand Gipsy, der zwar schon eine Weile nicht mehr an den Rindern gearbeitet hatte aber zur Zeit besser im Training stand als Gangster oder Devil.
      Fünfzehn Minuten später traf ich auf Cayce und Shorty, die ebenfalls Packtaschen mit Werkzeug und Zaunstücken zum Reparieren besorgt hatten.
      Wir brauchten etwa eine dreiviertel Stunde bis zu den Rindern, trieben sie über eine halbe Stunde zusammen, reparierten den Zaun und ritten wieder eine dreiviertel Stunde zur Ranch zurück, wo mich der Schlag traf: auf dem Hof standen Feuerwehrleute und die Cops, die sich den Hänger anschauten, an dem Dell heute morgen gearbeitet hatte. Ich trieb Gipsy im flotten Galopp auf die Männer zu, hielt ihn an und sprang von seinem Rücken. “Was ist hier passiert?”

      “Caleb beruhig dich, wenn du aufs Lenkrad einschlägst, startet der Motor immer noch nicht”, versuchte Cayce mich zu besänftigen. Der verdammte, alte Truck sprang mal wieder nicht an, weshalb ich keine Möglichkeit hatte, jetzt nach Calgary ins Krankenhaus zu kommen.
      Dell hatte einen schlimmen Unfall gehabt. Der Hänger war auf ihn draufgefallen, schon vor Stunden. Weder Cayce noch ich hatten unsere Handys auf der Einfangaktion dabei gehabt, weshalb uns niemand hatte erreichen können. Mittlerweile wusste ich, dass Ylvi, Louis und Betsy im Krankenhaus waren und warteten. Bellamy befand sich gerade auf dem Rückweg zur Ranch, damit ich mit dem anderen Truck nach Calgary fahren konnte.
      Arme Betsy.. ich konnte mir gar nicht ausmalen, wie es ihr gerade erging.
      Als ich Bellamy die Einfahrt hochfahren sah lief ich ihm schon entgegen. “Ich halte hier die Stellung!”, rief Cayce mir nach, ich winkte ihm kurz und riss dann die Beifahrertür des Trucks auf.
      “Ich… hatte sowieso vor wieder zurück zu fahren…”, murmelte Bellamy, wandte und fuhr wieder zurück dorthin, von wo er gerade gekommen war- nämlich zum Krankenhaus, in das Dell eingeliefert worden war.

      Während ich in das Wartezimmers des Krankenhauses stolperte und so beinahe alle Aufmerksamkeit auch mich lenkte, scannte mein Blick den Raum nach dem Antlitz eines einzigen Menschen. Eines kleinen Menschens; Betsy.
      Das Mädchen stand am Fenster, wandte mir den Rücken zu. Eine Hand auf dem Fensterbrett, die Andere in der von Ylvi, die sich direkt neben ihr befand. Auch sie schaute zum Fenster hinaus, wirkte in sich zusammengesunken.
      Neben mir eine Regung, dann eine Hand auf meiner Schulter. „Fangen Sie wieder an zu atmen, nicht dass Sie uns hier noch zusammenklappen“, war die einfache Aussage einer älteren Dame, derer ich nun meinen Blick zuwandte und reflexartig einmal tief Luft holte. Ich hatte gar nicht bemerkt, dass ich sie angehalten hatte, spürte jetzt allerdings ein leichtes Brennen meiner Lunge. Meine rechte Hand zur Brust hebend ging ich einen Schritt auf die beiden Frauen zu. Auf halber Strecke wandte Ylvi mir den Kopf zu. Mit ihren blau unterlaufenen, tränenverquollenden Augen schüttelte sie kaum sichtbar den Kopf.
      Ich seufzte tief, schloss einmal kurz die Augen und als ich sie wieder öffnete, starrte ich direkt in Betsys kleines, ebenso tränenüberströmtes Gesicht. Sie sagte kein Wort aber ich spürte all den Schmerz, die Trauer und auch die unbändige Wut in ihrem Blick. Ich wollte etwas sagen doch mein Mund wollte einfach keine Worte formen. Stattdessen ging ich in die Hocke, breitete die Arme aus und hoffte, dass das Mädchen der stillen Aufforderung nachkommen würde. Augenblicklich löste Betsy sich von Ylvi, begab sich in meine geöffneten Arme und schmiegte sich schluchzend so fest an mich, dass mir der Cowboyhut vom Kopf fiel. In jeder anderen Situation hätte ich ihn sofort vom Boden aufgehoben, doch in diesem Moment war der Hut auf dem Boden das kleinste meiner Probleme, denn während mein Hemd langsam Betsys Tränen durchsickern ließ, rollten zunächst vereinzelt auch Tränen bei mir, ehe ich mich der eigenen Trauer hingab und ebenso bitterlich anfing zu weinen.

      “Caleb?”, riss mich Louis Stimme aus den Gedanken. “Die Ärzte wollen mit dir reden… mit dir und Ylvi.”
      Ich sah auf, stand vom Boden auf und reichte Betsy die Hand, um auch ihr vom Boden auf zu helfen. “Mit mir und Ylvi?”
      “Ja, ihr seid als Notfallkontakte angegeben worden und… mehr weiß ich nicht, Ylvi wartet bereits vor der Tür.”
      Ich nickte, drückte noch einmal feste Betsys Hand, ehe Louis das Mädchen in den Arm nahm. Wieso hatte Dell Ylvi und mich gemeinsam als Notfallkontakte angegeben?
      Draußen angekommen folgte ich dem Arzt sowie Ylvi in einen separaten Raum, dessen Tür geschlossen wurde, ehe der Mann im weißen Kittel ein Klemmbrett herausnahm und sich vor uns stellte.
      “Ich möchte sie nicht anlügen, es sieht wirklich schlecht aus. Wir haben alle getan was wir konnten, aber die Verletzungen waren zu schwerwiegend. Um ihn für Hirntod zu erklären, ist es offiziell noch zu früh. Wir würden gerne 48 Stunden abwarten und in gewissen Abständen unsere Test wiederholen. Wenn wir bis dahin noch immer keine Reaktion erkennen können, müssen wir über weitere Schritte wie das Abschalten der Maschinen sprechen… Dell hat sie beide gemeinsam als seine Notfallkontakte angegeben. Was seine Tochter”, er suchte auf seinem Zettel nach dem Namen des Kindes, “Betsy angeht.. Wir können eine liebevolle Sozialhilfe anrufen, die sie in Obhut nimmt, bis der Papierkram geklärt ist und…”
      “Kommt gar nicht in Frage”, antwortete ich und schüttelte den Kopf. “Betsy bleibt in unserer Obhut und kommt zur Ranch mit zurück. Sie kennt uns, sie kennt die Ranch. Das ist ihr Zuhause. Da wird es doch eine Möglichkeit geben?” Wie schaffte ich es, in dieser Situation so ruhig zu bleiben? Ich war selbst von mir überrascht. Im Kopf ging ich bereits durch, was ich Betsy erzählen müsste, was mich unglaublich traurig stimmte. Die nächsten Tage, Wochen und Monate würden die Hölle für sie werden. Nicht, dass es schon schlimm genug war, seine Mutter in so jungen Jahren zu verlieren. Nein. Nun verlor sie auch noch ihren Vater. Offiziell konnten sie ihn noch nicht für tot erklären, aber er war kurz davor. Aufwachen würde er nicht mehr, es gab nur noch einen Weg für ihn.
      “Ich… ich bin mir sicher, dass dies in Ordnung geht. Ich spreche noch einmal mit unserer Sozialabteilung und gebe Ihnen in kürze Bescheid. Wenn sie möchten, können sie zu Herrn William Dell ins Zimmer. Überlegen Sie jedoch gut, ob Sie das Mädchen mitnehmen möchten oder ob der derzeitige Anblick ihres Vaters nicht zu viel für sie ist… Intensivstation Zimmer 23.”
      Damit verabschiedete sich der Arzt und ließ eine völlig baffe Ylvi und mich zurück. Eine ganze Weile sagte niemand von uns etwas, dann entschieden wir uns, zunächst alleine zum Zimmer zu gehen, um zu schauen, ob wir Betsy den Anblick ihres Vaters zumuten konnten.
      Bei Dell angekommen schlug Ylvi sofort die Hand vor den Mund. In seinem Hals steckte ein Beatmungsschlauch, um seinen Kopf hatte er einen großen Verband. Sein Gesicht hatte weniger abbekommen als erwartet, weshalb wir uns entschieden, Betsy zu ihm ins Zimmer zu holen, da er noch immer wie ihr Vater aussah und nicht wie ich zunächst vermutet hatte, völlig entstellt war.
      Betsy betrat wenige Minuten später zusammen mit Louis das Zimmer. Sie schluchzte, auch wenn so langsam keine Tränen mehr aus ihren Augen hinauskommen wollten.
      “Kann ich… mich zu ihm legen?”, fragte sie Ylvi leise, welche nickte und ihr aufs Bett half. Keiner von uns vermochte ein Wort zu sagen. Was auch? Betsy wusste vermutlich genau, was hier los war und dass wir ihren Vater nicht mehr mit nach Hause nehmen würden.
      Das Mädchen war durch die vielen Stunden total ausgelaugt, weshalb sie sich kurze Zeit später, im Krankenhausbett ihres Vaters, in den Schlaf geweint hatte. Mit einem kurzen Nicken befahl ich Ylvi und Louis in den Flur.
      “Was machen wir jetzt?”, fragte ich in die Runde und knetete nervös meine Hände. Mit aller Kraft hielt ich die Tränen zurück, dafür war nun nicht der richtige Zeitpunkt.
      “Wir warten noch eine Weile hier und fahren dann zurück zur Ranch? Wir dürfen bestimmt nicht die ganze Nacht hier bleiben”, meinte Louis.
      “Könnt ihr Betsy mit zu euch beziehungsweise Kaya nehmen? Wie erklärt ihr den beiden, was passiert ist?”
      “Ich weiß es noch nicht”, gestand Louis mir wahrheitsgetreu. “Aber wir nehmen sie heute Nacht mit zu uns. Morgen sehen wir weiter.”
      Ich nickte zur Antwort ehe wir wieder ins Krankenzimmer gingen und darauf warteten, dass die Besuchszeit vorbei war und wir nach Hause gehen mussten.

      ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

      22:00 Uhr - Stunde 2 von 48
      "Ich hab Betsy zu Kaya ins Bett gelegt, sie ist völlig fertig. Beide schlafen jetzt." antwortete Ylvi flüsternd auf die beiden fragenden Blicke der Männer am Küchentisch des Bungalows. Calebs Hut lag auf dem Tisch, er strich sich gerade mit beiden Händen von seinen Augen durch seine Haare. "Ich wünschte ich könnte auch so schlafen. Mir brennen die Augen, aber ich glaube kaum das ich in den nächsten Stunden schlaf bekomme." Die junge Frau ließ sich ebenso erschöpft auf den Stuhl nieder, nur um dann wieder aufzustehen in Richtung Schrank. "Es ist so schrecklich nichts tun zu können."
      Klirrend stellte sie eine Flasche Whisky sowie drei Gläser auf den Tisch. "Ich denke der kann uns allen nicht schaden." damit goß sie jedem etwas ein. Das würden die längsten 48h ihres Lebens werden.

      6:00 Uhr - Stunde 8
      Louis hatte sich mittlerweile auch ins Bett verzogen. Caleb und Ylvi saßen an dem kleinen Tisch. Die Zeit zog sich in dürren Fäden. Schweigen zwischen ihnen. Ylvis Hand fuhr nervös immer wieder den Rand des leeren Glases entlang. Die Flasche stand fast unberührt in der Mitte des Tisches. Jeder hing seinen Gedanken nach. "Wieso er wohl uns beide eingetragen hat?"
      "Mhm?" Ylvi hob den Kopf und verzog die Augenbrauen, die junge Frau hatte die Frage nicht verstanden. "Dell, uns beide hat er als Kontakte eingetragen. Wieso?"
      "Findest du nicht das ist offensichtlich?" Caleb zuckte mit den Schultern. "Er hat keine andere Familie, falls ja so hat sie nicht viel Interesse an Betsy oder Dell gezeigt. Du bist das näheste was einer Bezugsperson für Betsy gleicht. Und ich...ich denke die Eintragung stammt noch aus der Zeit, als wir ein Paar waren. Drinnen gelassen hat er es sicherlich auch...um zu gewährleisten, daß Betsy einen Ansprechpartner hat. Darum hat er mich mal gebeten." Nun sah Caleb die junge Frau etwas verwirrt an. "Im Sommer….da hat er mich gebeten mich um Betsy zu kümmern..bei Fragen um Frauensachen. Die Pubertät steht in den Startlöchern..und dann nur mit einem *verschrobenen Vater* aufzuwachsen sei ungünstig." Als sie Dells Worte wiedergegeben hatte, nutze sie seinen texanischen Akzent um klar zu machen das es sich um seine Worte handelte. Caleb erwiderte darauf nur ein bedächtiges Kopfnicken, dann riss er den Mund weit auf. Sein Gähnen steckte auch Ylvi an. "Ich denke wir sollten auch schlafen gehen." kommentierte Caleb mit einem Japsen. "Wach vor den Handys zu sitzen bringt die Zeit auch nicht schneller dazu zu vergehen."
      "Willst du auf der Couch schlafen?" fragte Ylvi und deutete auf das kleine Wohnzimmer .
      "Ich wäre gern in der Nähe von Betsy, ja." So leise wie möglich bereiteten sie also für Caleb die Couch zum Schlafen vor. Gerade als sich Ylvi verabschieden wollte, kam eine verschlafene Betsy aus dem Zimmer von Kaya und Tschetan getappert. Mit einem müden Blick sah sie in Richtung Caleb auf der Couch. "Darf ich bei dir schlafen?" kam es ihr über die Lippen. Der Blonde lächelte, tappte neben sich. "Komm her." Betsy sprang beinahe zu ihm unter die Decke, kuschelte sich an ihn. Ylvi beugte sich über das Mädchen strich eine Strähne aus ihrem Haar, küsste sie auf die Stirn. "Gute Nacht." flüsterte Ylvi. "Ich mach das Licht aus." sagte sie dann in gedämpfter Stimme. "Ylvi? Bleibst du auch?" halb aufgerichtet, fragend sah Betsy Ylvi an. Der Blick der Frau ging von dem Mädchen zu dem Mann hinter ihr. Er sah sich um, als wolle er schauen ob genug Platz da war. Gerade als Ylvi ansetzen wollte das die Couch zu klein war. Rückte Caleb ein wenig weg. "Wir rücken einfach alle zusammen."
      Also fand sich die junge Frau wenige Augenblicke später auf der Couch wieder. In ihren Arm gekuschelt, schlief das Mädchen beinahe schon wieder. Ihr kleines Gesicht war in Richtung Caleb gedreht. Sein Arm lag über dem Kind und ruhte auf Ylvis Hüfte. Die ganze Situation war völlig absurd. Ylvi wusste sie würde keinen Moment schlafen können. Doch noch während sie diesen Gedanken fasste, entführten sie die regelmäßigen Atemzüge ihrer Bettgenossen in einen traumlosen Schlaf.

      10:00 Uhr - Stunde 12
      Gefühlt war der Blonde mit Betsy und Ylvi im Arm eingeschlafen, da riss ihn die ihm ins Gesicht scheinende Sonne schon wieder aus dem Schlaf. Nach einem Blick auf die Uhr an seinem Handgelenk wusste er, dass es höchste Zeit war einen kurzen Abstecher im Stall zu machen. Aber konnte er gehen? Betsy hatte sich zu ihm und Ylvi gekuschelt. Was würde sie denken, wenn sie aufwachte und er wäre weg? Wobei Betsy den Tagesablauf auf der Ranch ganz genau kannte… außerdem wäre Ylvi ja noch da.
      Also setzte er sich langsam und zögerlich auf, langte nach dem Tisch und kletterte vorsichtig über die beiden schlafenden Frauen hinüber. Als er sich gerade über Ylvi befand, öffnete diese die Augen und ihre Blicke trafen sich. Mit der einen freien Hand legte Caleb seine Finger über die Lippen, zum Zeichen, dass Ylvi nichts sagen solle. Er machte eine Essensgeste, zeigte dann nach draußen und sah Ylvi nicken- sie schien verstanden zu haben.
      Im Stall traf er auf einige der Mitarbeiter, denen er stets nur mit Kopfschütteln berichten konnte, dass es keine Neuigkeiten bezüglich Dells gab. Schneller als sonst deckten sie die noch im Stall verbliebenen Pferde um, brachten sie nach draußen und Caleb delegierte das Boxenmisten an seine Mitarbeiter ab, damit er wieder zurück zu Betsy gehen konnte.
      Mittlerweile war es schon 12:00 Uhr mittags, Ylvi und die drei Kinder saßen am Esstisch. Louis stand in der Küche und schien eine Kleinigkeit zu kochen. Das flaue Gefühl im Magen, sich jetzt dazu zu setzen schob Caleb ganz schnell beiseite. Er würde auch in zwei Tagen noch genug Möglichkeit haben, sich in der Gegenwart von Louis und Ylvi unwohl zu fühlen.

      12:00 Uhr - Stunde 14
      “Louis kannst du mir einen Kaffee mitmachen?”, fragte er den Lakota, welcher kurz nickte und sich der Kaffeemaschine widmete. Wenig später stand eine wohl duftende Tasse auf dem Tisch, in die Caleb ein wenig Milch kippte und langsam daran nippte. Niemand sagte etwas, alle saßen schweigend am Tisch. Betsy starrte ins Leere, Kaya drehte die Gabel in ihrer Hand hin und her. Selbst Tschetan, der immer am quasseln war, schien im Moment keine Worte zu finden.
      “Fahren wir später nochmal zu Dad?”, durchsprach Betsy die unangenehme Stille und schaute zunächst zu Caleb, dann zu Ylvi, welche letztendlich das Wort ergriff: “Ja, natürlich. Gleich nach dem Essen.”
      “Ich hab keinen Hunger…”, erwiderte das Mädchen und richtete den Blick gen Boden.
      Caleb seufzte kurz, rückte auf der Bank ein wenig näher an das Mädchen heran und nahm sie in den Arm. Sie lehnte sich sofort gegen ihn, schlang ihre kleinen Arme um seinen Körper und fing wieder an zu weinen. “Ich kann mir vorstellen, dass du keinen Hunger hast, Betsy. Mir geht es genauso. Aber wir müssen alle etwas essen, auch wenn es nur eine Kleinigkeit ist. Du möchtest doch nicht umkippen.”
      “Aber damit ist meinem Dad auch nicht geholfen, wir können nichts machen, damit es ihm besser geht”, schluchzte das Mädchen. “Der große Geist wacht über ihn.” flüsterte Tschetan zu ihr, während er einen Arm um sie legte.
      Louis hielt mit seiner Hand inne, die gerade zum Mund fuhr um sich den Kaffee einzuverleiben. Er hielt sie in der Luft. "Vielleicht könnten wir eine kleine Healing Ceremony machen. Tschetan erinnerst du dich? Wie damals für deinen Onkel."
      "Ich könnte die Trommel für dich schlagen, während du singst." sprach der Junge andächtig.

      14:00 Uhr - Stunde 16
      Die Fahrt zum Krankenhaus war für alle erdrückend gewesen. Die Hälfte der Leute musste im Warteraum sitzen bleiben. Tschetan hatte versprochen ein paar der Heilpflanzen im Wald zu suchen. Sowie eine gute, ruhige Stelle für die Zeremonie und ein Feuer zu suchen. Louis und Kaya durften die Intensivabteilung nicht betreten. Caleb und Ylvi saßen, Hand in Hand, auf den Stühlen im Zimmer. Dell angeschlossen an viele piepsende Geräte, das Pumpen und Zischen der Beatmungsmaschine. Und dazwischen auf der Bettkante das Mädchen. Ylvi spürte wie es ihr kalt den Rücken herunter lief. Der Ausdruck ihrer Augen. Nicht leer. Nicht länger verweint. Sondern geklärt. In diesem Moment schienen die Augen einer Erwachsenen aus dem Gesicht eines Kindes auf die Situation zu schauen. Und was sie sahen war der Tod. Die Ärzte hatten bereits davon berichtet, das sein Nieren kurz davor waren seinem Körper den Dienst zu versagen. Die Hoffnung des Erwachens das wir noch vor einigen Stunden gehabt hatten schwand immer wieder.

      22:00 Uhr - Stunde 24
      Am späten Nachmittag, gegen 17 Uhr waren sie alle wieder zurück zur Ranch gefahren. Dies war Betsys Idee gewesen. Sie hatte gesagt, dass dort genug Arbeit auf alle von ihnen warten würde, als dass sie es sich erlauben könnten, den ganzen Tag im Krankenhaus zu sitzen. Betsy, Kaya und Tschetan hatten den Rest des Tages im Bungalow von Louis und Ylvi verbracht. Letztere leistete den Kindern Gesellschaft. Louis als auch Caleb kamen den Arbeiten auf dem Hof nach.
      Gegen 20 Uhr klingelte das Telefon. Das Krankenhaus. Sie sollten, wenn sie Dell noch lebend sehen wollten, sofort kommen.
      Gegen halb 10 waren sie alle in Calgary angekommen. Louis, Ylvi, Betsy und Caleb. Cayce und Bellamy passten auf Kaya und Tschetan auf.
      Hier saßen sie nun, Louis auf einem Stuhl in der Ecke des Intensivzimmers, Ylvi und Caleb auf je einer Seite des Bettes. Betsy im Arm ihres Vaters. Sie hatte sich an ihn gekuschelt, weinte bitterlich, auch wenn die Tränen erneut versiegt waren.

      Gegen 22 Uhr verstarb Dell im Beisein derer, die für ihn in den letzten Jahren zur Familie geworden waren.

      ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

      3 Uhr - Stunde 5
      Als das Licht angeschaltet wurde, gab der Blonde ein brummendes Grunzen von sich. Im Reflex zog er sich die Decke vor seine Augen. Sein Schlaf, oder eher das Ruhen im Bett wurde je unterbrochen. Im Schlafanzug, mit großen Augenringen stand Ylvi vor seinem Bett. Allerdings vermochte er dies nicht zu sehen - wir erinnern uns?
      Stattdessen gab ihr hastiges Gequatsche ihre Identität preis. Er spürte wie etwas auf seine Decke geworfen wurde. Anschließend bewegte sich die Matratze. "Caleb? Hast du gehört?!" Sie zog ihm die Decke weg, sein genuscheltes Nein, entfuhr ihr ein Seufzen. Dann wedelte sie mit einem Haufen Papier vor ihrer Nase. "Caleb, hör zu. Du musst dich entscheiden. Entweder du übernimmst Verantwortung, oder die Behörden könnten entscheiden, dass sie woanders besser aufgehoben wäre."
      Caleb griff nach dem Haufen Blätter, blinzelte die Müdigkeit fort.
      'Adoptionsantrag' -waren was die Druckbuchstaben auf dem ersten Zettel verkündeten.
      Fohlenweide: Like a Prayer, BR Dissident Whiz, BR Colored in Style, BR Alans Smart Dream, BR Raised to Slide, A Walking Dignity, BR Wimpys Bright Gangster, BR Atlantis Dream, BR Double Gunslide, Blue Fire Cat, Dual Shaded Ace

      Jungpferde: tc Mister’s Silvermoon Cody, Smart Lil Vulture, PFS‘ Unclouded Summer Skies, GRH’s Funky’s Wild Berry, Four Bar Chocolate Becks, Chic‘ N Shine, Chapman, BR Colonels Lil Joker, BR Colonels Golden Gun, Jacks Inside Gunner, Gun Sophie, Ginger Rose, Colonels Blue Splash, Captains Blue Crystal, BR Dress to Impress

      Trainingsstall: Bittersweet Temptation, Cielos, Whitetails Shortcut, Zues, Abandon all Hope, California Rose, Cupcake Cult, Easy Going, Frosty Lagoon, HMJ8345’s Continental, Honey’s Aleshanee, Kholáya, Lady Blue Skip, My sweet little Secret, Snapper Little Lena, Stormborn, Special Luna Zip, Stormborn, Striga, Tortured Witch HMJ 6693, Blanton’s Gentleman, Heza Bat Man, HGT’s Unitato, How ‘Bout Moonies, I’m a Playboy, Silent Bay, Small Town Dude

      Zuchthengste: Alan’s Psychedelic Breakfast, Chocolate Dream, GRH’s Bellas Dun Gotta Gun, Gun and Slide, Gunners Styled Gangster, Hollywoods Silver Dream, Nachtschwärmer, Till Death, GRH’s Unbroken Soul of a Devil

      Zuchtstuten: A Walking Honor, Bella Cielo, Black Sue Dun It, Chou, DunIts Smart Investment, Ginny my Love, GRH’s A Gun Colored Lena, GRH’s Aquila T Mistery, GRH’s Unbroken Magic, Jade, Kristy Killings, Lovin‘ Out Loud, Magnificient Crow, Miss Independent, Only Known in Texas, Tainted Whiz Gun, Wimpys Little Devil

      Sommerweide: Aufgepasst, hier kommt Arcada!, Breia LDS, Ceara Isleen, Dakota, Drama Baby, Flashlight, Leuchtfeuer di Royal Peerage, Pocahontas, Priamos Ruffia Kincsem, Prias Colourful Soul, Raspberry, Tasmania, Tigres Eye, Absolute Bullet Proof, Birk, Culain, Myrkvidr, Peacful Redemption, Wildfire xx

      Verkaufspferde: Magic Lanijos, Chapter 24, General’s Coming Home, A Shining Chrome, Picture of a Ghost, Verdine, Whinney, Cruel Twist of Fate, Kisshimbye, Sweet like Chocolate, BR Homecoming Queen, BR Hollywoods Dream Anthem, BR Sheza Topnotch Babe, BR General Pleasure, BR Black Pamina, BR Heart N‘ Soul, BR Lovely Gun, BR Twenty 4 Killings
    • Veija
      Juturity, Matjurity, Djerby Teil I
      August 2021, by Veija
      Caleb
      “Sir, ich weiß um die Umstände, in denen Sie und die Ranch sich gerade befinden, deshalb ist es mir fast ein wenig peinlich zu fragen… aber…”
      Ich lauschte dem Klang der Stimme eines jungen Mannes am anderen Ende des Telefons mehr oder weniger aufmerksam. Auf meinem Drehstuhl im Büro sitzend und die Füße auf dem Tisch liegend ließ ich den kleinen Gewehranhänger, den mir Ylvi vor einigen Jahren für Vulture geschenkt hatte, durch die Finger gleiten. Er hing schon eine ganze Weile nicht mehr am Halfter, genau genommen seit dem der Hengst den Verschluss kaputt gemacht hatte. Nur durch Zufall war mir das silberne Stück Metall auf der Koppel aufgefallen. Da ich es bisher nicht repariert hatte, lag es auf meinem Schreibtisch und war gerade das gefundene Fressen, meinem Gesprächspartner nur mehr oder minder zuhören zu müssen.
      “... deshalb würde ich Sie gerne erneut für die Juturity, die Matjurity oder sogar noch das Djerby im Dezember dieses Jahres nominieren. Leider konnten Sie, wie Sie ja selbst am Besten wissen, im vergangenen Jahr nicht teilnehmen- Sie hatten sich für das HMJ und den Hengst HMJ Saintly entschieden, wenn ich mich recht erinnere… in diesem Jahr findet ja kein HMJ statt, deshalb dachte ich nur…”
      “Moment”, unterbrach ich den jungen Mann, nahm die Füße vom Tisch, legte den Anhänger auf eben diesen und richtete mich in meinem Stuhl auf. “Sie möchten mich für alle drei nominieren?!” Ungläubig starrte ich auf den Computer, auf dessen Bildschirm gerade eine neue E-Mail aufploppte. Mit einem Klick öffnete ich diese und fand eine ganze Reihe an Teilnahmebedingungen vor.
      “Anhand ihres Schweigens vermute ich, dass Sie die E-Mail gerade bekommen und geöffnet haben. Ich weiß, es gibt einige Zulassungsvoraussetzungen und es kommt ein Haufen Arbeit auf Sie zu, Sir, aber ich bin mir sicher, Sie wären eine sehr große Bereicherung für die Turniere. Schließlich sprechen wir, auch wenn es noch niemand von uns laut ausgesprochen hat, über eine Qualifikation zu den Joelleweltreiterspielen, bei denen Sie für das Team Reining starten könnten.”
      Noch immer schwieg ich. Es dauerte eine kurze Zeit, bis ich wirklich realisierte, was er da gerade gesagt hatte. “Ich.. ich.. ja! Ja, auf jeden Fall nehme ich dieses Jahr daran teil!”
      Damit war die Katze aus dem Sack. Übers Telefon klärten wir noch einige Formalitäten, ehe ich völlig geflasht auflegte. Wow, damit war die Sache also beschlossen. Nun musste ich nur eine pferdige Vorauswahl treffen und die Tiere trainieren. Je drei Pferde durfte ich pro Turnier mit an den Start nehmen. Für die Juturity würde mir die Auswahl viel schwerer fallen, denn ich hatte momentan so viele gute Jungpferde hier auf der Ranch! Angefangen bei den dreijährigen wie Katie, Izzie, Sophie oder Champ, Goldy, Joker… über die vier- und fünfjährigen Pferde wie Stormborn, Cody, Vulture & Gangster bis zu den sechsjährigen wie Smartie oder Dude- und das war nur eine grobe Auswahl der Tiere.
      Für die Matjurity würde es mir leichter fallen. Honor, Rose, Ginny, Barbie, Batman und Plankton. Diese sechs kamen mir als erstes in den Sinn.
      Und fürs Djerby? Tja, da fielen mir sofort 6 Pferde ein. Devil, Jade, Shorty (falls er mithalten können würde, da er ja eher ein Ranchpferd war als ein Turniercrack), Unitato, Blue und Hollywood.
      Cayce, Laurence, Bellamy und Brian würde ich vorerst einweihen, denn diese Masse an Pferden konnte ich unmöglich alleine stemmen. So waren wir schon einmal zu fünft. Naja, viereinhalb.. vier. Laurence konnte ich nur zum Abreiten draufsetzen und Bellamy konnte die Manöver nicht reiten. Aber aufwärmen und abreiten war für ihn kein Problem.
      Wenig später fand ich mich in der Halle wieder. Meine Wenigkeit saß auf Devil, Bellamy auf Jade, Brian auf Silver, Laurence auf Blue, Cayce auf Shorty und Octavia auf Unitato. Noch wusste niemand worum es ging oder warum ich sogar Octavia auf eines der Pferde gesetzt hatte. Meine Ausrede war gewesen, die Pferde einfach ein wenig für die kommende Turniersaison vergleichen zu können.
      Während die anderen aufwärmten startete ich die Manöver schon mit Devil. Die Stute leistete gute Dienste als Ranchpferd, machte sich aber im Training, trotz der Fohlenpause, noch immer gut. Zur Zeit trug keines der Pferde Slidingeisen, weshalb ich auf das Testen der Stops verzichten musste. Spins, Speed Control, Roll Backs, Back Up oder Flying Lead Changes stand jedoch nichts im Weg.
      Mein Blick glitt immer wiede rüber zu Blue und Silver, aber auch Unitato lenkte meine Aufmerksamkeit auf sich. Der schöne Graue, den ich erst vor kurzem dazugekauft hatte, war bisher nie dazu gekommen, im Rampenlicht zu stehen- heute war sein Moment zu glänzen- und vielleicht, ganz vielleicht, würde er im Kampf ums Djerby eine Runde weiterkommen.
      Ein weiteres großes Problem würden die unterschiedlichen Leistungsklassen sein, in denen sich die Pferde befanden. Unitato, Shorty und Silver befanden sich ganz am Anfang, nämlich in der LK 5. Jade in der LK 4, Blue und Wimpy bereits seit langer Zeit in der LK 1. Bis zum Dezember war es zwar noch eine gewisse Zeit, aber ich musste mich schon vorher auf Turnieren beweisen und die Pferde qualifizieren. Ziel war es, die Tiere möglichst schnell auf die LK 1 zu bekommen, ohne sie im Training zu überfordern. Dazu war es aber unbedingt notwendig, dass sie in nächster Zeit einen Hufschmied sehen würden, damit sie alle mit Slidingeisen beschlagen werden konnten. Aber genug der abschweifenden Worte, weiter im Text. Devil machte sich wie immer gut. Sie schien zwar ein bisschen steif und eingerostet, das war aber kein Problem.
      Jade sah unter Bellamy nicht so gut aus. “Lass die mehr unter dir laufen… Beine ran, nimm sie vorne auf und treib sie rein… guuuut”, korrigierte ich den jungen Mann, der in den nächsten Tagen wieder dringend eine Reitstunde bei mir brauchen würde- ich hatte ihn viel zu viel vernachlässigt, hielt ihn für einen Selbstläufer. Dem war aber nicht so. Unterricht hatte er bitternötig. Nun lief Jade versammelter. “Halt sie mal an, wir tauschen”, meinte ich fix, stellte Devil neben der anderen Stute ab und schwang mich auf deren Rücken. Ich testete ein wenig herum, stellte sie mal innen, mal außen, machte sie weich in meiner Hand. Potenzial war auf jeden Fall da, dem war ich mir sicher.
      Ich stieg ab und drückte Bellamy auch diese Stute in die Hand und schickte ihn zum Absatteln und eindecken. Blue brauchte ich nicht zu vergleichen. Ich wusste was er konnte und war dankbar für diesen ausgeglichenen Hengst. Laurence konnte ich ebenfalls guten gewissens entlassen. Ich selbst stieg nun auf Unitato auf. Noch mit mir hier unten waren Cayce auf Shorty und Brian auf Silver. Silvers bestes Manöver war das Zirkeln. Er sprang wahnsinnig sauber um und die schnellen Galoppzirkel waren wirklich, wirklich schnell. Dafür die langsamen aber umso holpriger, weil er nicht langsamer werden wollte. Einst sagte mal ein weiser Horseman zu mir: Die langsamen Pferde schnell zu bekommen ist keine Kunst. Die schnellen langsam zu bekommen dagegen schon.
      Unitato war ein kleiner Streber. Er schien schnell zu lernen, war wissbegierig aber auch sensibel. Man durfte ihn nicht zu hart anpacken, da wurde er sofort unsicher und nervös- dann funktionierte gar nichts mehr.
      Shorty war… Shorty eben. Ein genügsamer Kerl der oft nach dem Motto: Kommst du heut nicht, kommst du morgen- lebte. Durch seine vorherige Arbeit am Rind und seine Ropingerfahrung war er wendig und wirklich flink. Ob er das Zeug zum Reiningcrack haben würde, das stand noch in den Sternen.
      Grundsätzlich war ich zufrieden mit einem ersten Vergleich der Pferde fürs Djerby. Die einen hatten wahre Stärken, die ich weiter ausbauen und so die Schwächen überdecken konnte, die anderen brauchten gar nicht mehr viel Training; zumindest für die ersten Qualifikationsturniere.
      Nachdem alle Pferde abgeritten, abgesattelt und eingedeckt in die Boxen gestellt wurden, waren nun die Pferde für die Matjurity an der Reihe. Drei Stuten und drei Hengste. Honor, Rose, Ginny, Barbie, Batman, Plankton.
      Laurence setze ich auf Honor, Bellamy auf Ginny, Octavia auf Rose. Cayce auf Barbie, Brian auf Plankton und ich selbst machte mir Batman zurecht. Drei Pferde liefen in der LK 5, eins in der LK 4 und zwei in der LK 3. Arbeit würden wir hier auch reichlich haben.
      Auf den heutigen Test mit Batman freute ich mich am meisten, denn ich hatte noch keine fünf Mal auf dem schicken Hengst gesessen- dabei stand er jetzt schon über ein halbes Jahr hier am Hof und war auch schon bereit für seine Krönung! Zusammen mit Cayce hatte er bei einigen Turnieren ein paar Platzierungen erhalten. Er hatte also die Möglichkeit gehabt, bereits Turnierluft zu schnuppern, was mir für die nächste Zeit auf jeden Fall von Vorteil sein würde.
      [folgt…]
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    • Veija
      The Last Ride
      November 2021, by Ravenna & Veija
      Zeitliche Einordnung: März 2021

      Caleb
      Die letzten Tage, ja sogar die letzte Nacht, kamen mir vor wie im Traum. Ich wachte am frühen Morgen mit einem Stapel Blätter auf meiner Bettdecke auf. Ein Teil des Papiers breitete sich auf dem Boden aus. Auf der obersten Seite stand in Großbuchstaben: ‘Adoptionsantrag’. Ich hatte mich also doch nicht getäuscht. Ein Traum, in dem Ylvi vorgekommen wäre, hätte mit Sicherheit nicht eine solche Richtung eingeschlagen.
      Müde rieb ich mir einmal durch die Augen, ehe ich alle Blätter aufsammelte und auf meinen Nachttisch neben dem Bett legte. Ich würde mir den Antrag am Nachmittag anschauen, jetzt musste ich erst einmal in den Stall und… es war, als träfe mich der Schlag. Mit einem Mal kochten alle Emotionen hoch, die ich am gestrigen Tag, für Betsy, so gut zu verdrängen versucht hatte. Ich ließ mich wieder aufs Bett sinken, legte meinen Kopf in meine Hände- und fing an zu weinen. Auch Dells Tod am gestrigen Abend war kein Traum gewesen, nein. Es war die bittere, grausame Realität. Er war fort, einfach so. Plötzlich. Einfach aus dem Leben gerissen.
      Eine ganze Weile saß ich auf meinem Bett und gab mich meinen Gefühlen hin. Sobald ich aufstand, würde ich stark sein müssen. Stark für meine Mitarbeiter und stark für Betsy. Das allerletzte was sie gerade brauchte, waren weinende Erwachsene um sie herum. Es war so schon schwer genug für sie.
      Am vorigen Abend war sie mit Kaya und Tschetan ins Bett gegangen. Louis, Ylvi und ich hatten es für das Beste gehalten, die Kinder nicht zu trennen. Ylvi war mit zu ihnen in den Bungalow gegangen, während Louis und ich dem Rest der Ranch den Tod Dells mitgeteilt hatten. Octavia traf es besonders hart. Sie hatte sich in Bellamys Arme geworfen und bitterlich geweint. Laucene, der jegliches Schluchzen unterdrückte, schien ebenso mitgenommen.
      Nun war es an der Zeit aufzustehen, ich konnte nicht mehr länger hier sitzen bleiben… Also zog ich mich an und ging die Treppe nach unten. Im Haus war niemand, selbst Laurence, der immer als erstes am Tisch saß und seinen Kaffee trank, fehlte. Das Einzige was auf einen frühen Vogel hindeutete, war der warme Kaffee in der Kaffeekanne. Aus dem Schrank nahm ich mir einen der Thermobecher, ehe ich mir den letzten Rest des braunen Getränks hinein schüttete und vorsichtig daran nippte. Kurz verzog ich das Gesicht. Laurence’ Gebräu. Um es auch nur annähernd genießen zu können, kippte ich mir eine Menge Milch hinein. Schließlich ging ich in den Stall. Auch dort traf ich niemanden an. Die Boxen waren nicht gemacht und gefüttert hatte auch noch niemand. Dennoch fiel mir auf, dass einige Pferde fehlten. In der Halle stieß ich dann auf Bellamy, Cayce und Laurence.
      Ich setzte mich auf die Tribüne, legte meine Füße auf den Vordersitz und schaute den drei Reitern einfach eine Weile zu. Es dauerte allerdings nicht lange, da wurde ich bemerkt und das Training stoppte kurz.
      “Wir… ähm…”, fing Cayce an, stockte dann jedoch.
      “Wir konnten irgendwie alle nicht schlafen… zu erst war nur ich hier, dann kamen die anderen dazu”, beendete Laurence den angefangenen Satz von Cayce.
      Ich lehnte mich auf dem Sitz etwas vor, um nicht so laut reden zu müssen. “Ist schon in Ordnung.” Damit stand ich auf und verließ die Halle wieder. Ich wollte ungern in ein Gespräch verwickelt werden, weshalb mich meine Schritte wie von selbst in den Trainingsstall führten, in dem ich schon einmal die morgendliche Fütterung übernahm und die Pferde danach nach draußen brachte.

      Ylvi
      Lange hatte ich wach gelegen neben Louis. War immer wieder aufgestanden um mich zu vergewissern ob die beiden Kinder schliefen. Tschetan hatte sein Bett für Betsy zwar geräumt. Schlussendlich fand jedoch Betsy ihren Weg in das Bett von Kaya. Beide Mädchen hielten sich im Arm. Ihren Schmerz konnte ich nicht verstehen. Aber Kaya war Betsy womöglich in dieser Zeit die beste Stütze. Da der Schlaf nicht einsetzte war ich drauf und dran Tschetan von der Couch zu jagen.
      Als ich nach ihm sah, merkte ich das die kleine Lampe noch brannte. Als er meine Fußtritte vernahm, ging hastig das Licht aus. "Ich hab das Licht noch bemerkt." flüsterte ich in die Dunkelheit hinein. Hörte das leise Rascheln und schließlich das klick des Schalters. "Schlafen sie?" fragte Tschetan, deutete dabei vage mit den Lippen in Richtung des Zimmers der Mädchen. Ich lächelte, nickte ihm zu. "Was hält dich wach?" fragte ich den Jungen. "Die Couch, die ist einfach unbequem…" dann sah er hinab auf seinen Schoß. "Naja...und eigentlich." er machte eine unbedeutende Handbewegung in den Raum. "Bevor das ganze Chaos der letzten Tage passiert ist….also ein Mädchen aus der Schule, die wollte in Calgary mit mir in die Mall. Jetzt weiß ich nicht ob das angebracht ist." Ich schmunzelte ein wenig in mich hinein. Ein Mädchen interessierte sich für Tschetan? Nicht, dass mich das ganze überraschte. Natürlich waren mir die Blicke der Mädchen, sogar junger Frauen schon aufgefallen. Tschetan wurde bald 15 Jahre alt. Er sah seinem Cousin Louis bereits jetzt sehr ähnlich. Seine Gesichtszüge wirkten nicht länger wie die eines Kindes. Sein Gang hatte die Schlaksigkeit verloren. Er sah älter aus als er war. Natürlich hatten die Mädchen seines Alters Interesse an ihm. Und obwohl der Schmerz von Dells Tod allgegenwärtig war. So machte mir dieser Moment bewusst wie andere Bereiche des Lebens einfach weiter gingen. Das Rad des Lebens würde sich weiter drehen. "Ich denke ein Treffen in der Mall ist genau das Richtige, um ein wenig Zerstreuung zu finden. Aber lass mich mit Louis darüber sprechen, wann wir das einplanen können,ja?" Tschetan nickte besonnen. "Schlaf jetzt...morgen wird genug zu tun sein."

      Caleb
      Nachdem alle Pferde auf der Weide oder den Paddocks waren, hatte ich angefangen die Boxen zu misten. Ich wusste gar nicht mehr, wie lange ich bereits im Stall gestanden und geschaufelt hatte.
      “Caleb, kommst du auch was essen? Es ist schon Mittag.”, fragte mich irgendwann eine Stimme hinter mir. Ich wandte mich dieser zu und rieb mir einmal die Augen.
      “Ich äh.. ja, Ylvi”, murmelte ich in mich hinein, stellte die Bollengabel gegen die Schubkarre und folgte der Frau schweigend nach drinnen. Erst dann schaute ich auf die Uhr und erschrak kurz. Das Mittagessen war schon eine Weile vorbei, die Zeit war mir einfach davongelaufen.
      Klar, dass schon alle fertig mit essen waren, so spät wie es war. Nur wo waren sie alle abgeblieben?
      Ylvi setzte sich ebenfalls an den Tisch, lud sich eine kleine Portion des Auflaufs auf den Teller und aß schweigend. Nachdem ich mir ein Glas Wasser befüllt und auf meinen Platz gestellt hatte, nahm auch ich mir etwas zu essen. Das Schweigen dauerte nicht lange.
      “Caleb… wir müssen das mit der Adoption regeln- und wir müssen uns Gedanken zu… seiner Beerdigung machen.”
      Zunächst sah ich nicht von meinem Teller hoch. Als ich es dann doch tat, drohten sich meine Augen erneut mit Tränen zu füllen, die ich mit aller Mühe hinunterschluckte. “Ich bin mir sicher, dass er ein Plätzchen nahe der Ferienranch ausgesucht hätte, wenn er dazu selbst die Chance gehabt hätte. Oben an einer Stelle, wo man in der Ferne die Ranch sehen kann. Wir lassen.. wir lassen ihn einäschern, reiten alle zusammen zur Ferienranch, er in der Tragtasche eines der Pferde.. als seinen letzten Ritt.”
      Ylvi hörte mir gebannt zu, schien mich zu verstehen. Schließlich nickte sie traurig: “Das hört sich wunderschön an.” Wir schwiegen einen Moment. “Aber Caleb, was ist mit den Adoptionspapieren?”
      “Hat das nicht noch ein wenig Zeit?”
      Ylvi verneinte. “Wir müssen uns schnell darum kümmern, bevor uns diese Entscheidung abgenommen wird.”
      Ich seufzte, legte das Besteck auf meinen Teller ab und leerte mein Glas Wasser in einem Zug. “Ich geh die Papiere holen.”

      Ylvi
      “Vielleicht sollte ich besser meine Seele verkaufen!” damit flog der Stift beinahe quer über den Tisch. Caleb lehnte sich nach hinten, verschränkte die Arme vor der Brust. Seine gesamte Stirn lag in Falten. Wir waren bereits eine gute Stunde damit zugange die Papiere der Adoption gemeinsam auszufüllen.
      Es war Chaos. Nicht nur weil Caleb in den letzten Jahren seine Unterlagen nicht vernünftig geführt hatte...nein Dell hatte das quasi auch nie getan. Ich stupste ihn mit der Schulter an. “Ich weiß...mir geht es doch ähnlich. Wir müssen ganz schön blank ziehen vor den Behörden. Aber ist das ganze erstmal durch. Sind wir einen Schritt weiter. Für Betsy ist das die beste Entscheidung. Und zumindest stehen wir bereits in der Verfügung von Dell. So können nicht irgendwelche weiten Verwandten plötzlich einfach Anspruch auf Betsy erheben.”
      “Du hast ja nicht Unrecht….Aber es hat eben schon seine Gründe wieso du mittlerweile für den blöden Papierkram der Ranch verantwortlich bist. Ich versteh die Hälfte von den Sätzen und Vorschriften gar nicht. Das könnte doch immerhin in einer leicht verständlichen Sprache verfasst sein.”
      “Das wäre zu einfach”
      “Na klasse, stattdessen muss ich mich hier herum plagen.”
      “Bier?” kam plötzlich eine fremde Stimme von der Seite. Tschetan stand im Türrahmen, zwei Biere in der Hand. Sein Haar trug er offen. Es schien gerade frisch gewaschen. “Tschetan, du bist mein Retter.” verkündete Caleb schelmisch. Ein zaghaftes Lächeln auf seinen Lippen. Es tat gut das zu sehen. Auch wenn es nur wenige Lidschläge anhielt. Ich angelte über den Tisch nach dem weg geworfenen Stift. “Komm schon. Die Konzentration wieder hier rauf. Es sind nicht mehr viele Seiten.”
      “Das sagst du so einfach.” gerade wollte er die Flasche von Tschetan an die Lippen setzen. Da griff ich danach. Verdutzt sah er mich an. Bestimmt tippte ich auf die Papiere und schob sie ihm zu. “Sieh das Bier als Belohnung.”
      “Hmpf”

      Caleb
      Wir waren bei der letzten Seite des Adoptionsantrages angekommen. Etwas verwundert war ich schon, dass folgende Frage so weit am Schluss, kurz vor den Unterschriften der möglichen Adoptanten seinen Platz fand: Familienstand: [ ] ledig, [ ] verlobt, [ ] verheiratet.
      „Ähm Ylvi..“, murmelte ich und kratzte mir mit den Stift, den ich mittlerweile wieder in der Hand hielt, am Kopf. „Kreuzen wir jetzt ledig und verheiratet an? Oder nur verheiratet? Oder nur ledig?“
      Sie stutzte. „Ich glaube, dass wir sowohl ledig, als auch verheiratet ankreuzen sollten. Das entspricht ja der Wahrheit.“
      Ich setzte also einen Haken bei ledig, als auch bei verheiratet. „Dann sollten wir aber wohl eine kurze Erklärung daneben schreiben, oder? Den Fragen, die dazu auftauchen werden, zuvorkommen?“ Ylvi nickte, ich reichte ihr den Stift und sie schrieb unsere Situation auf. Dass wir zum Zeitpunkt, an dem Dell uns als potenzielle Adoptiveltern auserkoren hatte, ein Paar gewesen sind, dass wir nun getrennt wären, Ylvi verheiratet sei aber dennoch hier auf der Ranch leben würde und sie wie auch ihr Mann meine Angestellten wären. Kompliziert konnten wir.
      Nun fehlten nur noch die Unterschriften. Ylvi sah mich an, ich sah sie an. Tschetan schaute abwechselnd zwischen uns beiden hin und her. Außer unseren Herzschlägen und unserem Atem herrschte völlige Stille. Ylvi setzte den Stift an und unterschrieb zuerst, dann folgte meine Unterschrift. Nun gab es kein Zurück mehr, der erste Schritt zur Adoption Betsys war getan.
      „Ich werde gleich nach Calgary fahren, mich um einige Dinge für die Beerdigung kümmern. Wenn ich es noch früh genug schaffe, kann ich die Unterlagen direkt auf dem Amt abgeben. Fährst du mit?“, fragte ich Ylvi und streckte meinen Arm aus, um an das Bier zu kommen, welches sie mir vorenthalten hatte.

      Ylvi
      Skeptisch hob ich die Augenbraue. “Also entweder, wartest du bis wir wieder zurück sind mit dem hier.” damit tippte ich mit dem Fingernagel gegen das Glas.” oder du lässt besser mich fahren.”
      Caleb zuckte nur mit den Schultern. “Soll mir Recht sein. Fahr du nur.” Damit erhaschte er das Bier aus meiner Hand. Ich schüttelte seufzend den Kopf. Brachte etwas Ordnung hinein in die Unterlagen. Steckte sie zurück in den Hefter. Das schließen des Druckknopfes schien beinahe etwas endgültiges zu haben. “Großer Schritt. Nicht wahr?” kam es im ernstem Ton von Caleb. “Ich….ich weiß wirklich nicht ob ich das kann.”
      “Vater sein?”
      “Ich möchte Dell gar nicht ersetzen.”
      “Caleb, das kann niemand. Aber du kannst für sie da sein. Ihre Vertrauensperson. Ihr Fels in der Brandung. Du bist mit der Entscheidung nicht allein...wir alle werden helfen. Gemeinsam packen wir das.” ich legte meine Hand an seine, strich mit dem Daumen über seinen Handrücken. Spürte wie seine Hand erst zuckte, als wolle er sie weg ziehen. Dann trafen sich unsere Blicke. Und ich war mir nicht ganz im klaren darüber was ich in seinen Augen sah. Es war so vieles unausgesprochenes zwischen uns. Dann nahm er seine andere Hand, fort vom Bier, legte sie auf meine Hand. “Gemeinsam.” ….dann lächelte er “das haben wir eine verdammt lange Zeit nicht gesagt.” Ich spürte wie sich mir die Nackenhaare aufstellten. Begann dieser griesgrämige Cowboy mir etwa tatsächlich zu verzeihen? “Dann lass uns mal losfahren. Ehe es zu spät wird.”

      Caleb
      In Calgary angekommen stolperten wir kurz vor knapp beim zuständigen Amt für Adoptionsverfahren hinein. An der Rezeption wurden wir darauf hingewiesen, dass wir zwar ganz schön spät dran seien, die zuständige Sachbearbeiterin allerdings gleich von einem Besuch im Außendienst zurückkommen würde und sie uns noch kurz reinschieben könnte.
      So setzen wir uns ins Wartezimmer und vertrieben uns die Zeit damit, uns über die Plakate zu Adoptions- und Pflegefamilien zu unterhalten. Schließlich wurden wir aufgerufen und betraten das freundlich eingerichtete Zimmer der uns zugeteilten Sachbearbeiterin, welche nach uns das Zimmer betrat, uns die Hände schüttelte und sich dann hinter ihren Schreibtisch setzte. Sie wirkte auf mich ziemlich jung, ungefähr unser Alter, eventuell ein paar Jahre jünger, hatte rötliche Haare und helle Augen. Ich war mir nicht sicher ob grün, blau oder sogar eine Mischung aus beidem. „Ich bin Hailey Miller und ihre Sachbearbeiterin im Falle der eventuellen Adoption von Betsy Dell. Die Unterlagen haben Sie ausgefüllt dabei, nehme ich an?“ Ylvi nickte hastig und legte sie ihr auf den Tisch. Die Frau uns gegenüber überflog die Papiere grob, nickte schließlich und klappte die Mappe. „Unterschriften sind drauf, die werden gerne vergessen. Auf den ersten schnellen Blick haben Sie alles ausgefüllt. Ich werde Ihre Angelegenheit bei Zeiten prüfen und mich dann bei Ihnen melden. Sie hören also von mir.“ Damit stand die Frau auf, reichte zuerst Ylvi, dann mir die Hand und scheuchte uns mehr oder weniger aus ihrem Büro hinaus.
      Draußen sah Ylvi mich verdutzt an. „Dass das heute so schnell geht, damit hätte ich nicht gerechnet.“
      „Sie hat auch keine Frage zum Familienstand gestellt, was mich wirklich gewundert hat“, antwortete ich, warf Ylvi wieder die Schlüssel des Trucks zu und setzte mich auf den Beifahrersitz. „Jetzt zu den unangenehmen Angelegenheiten“, seufzte ich und beschrieb Ylvi den kürzesten Weg zum Bestatter.
      Die Wahl der richtigen Blumen, der Urne und allem was dazu gehörte war quälend und der Papierkram dazu wollte kein Ende nehmen. Schlussendlich war alles geregelt. In drei Tagen würden wir die Urne abholen dürfen, ebenso wie die Blumen, mit denen wir die Pferde als auch die Stelle, an der wir Dell beerdigen würden, schmücken wollten. Ylvi und die anderen wussten noch nichts davon, aber ein wenig Asche wollte ich oben auf dem Berg verstreuen, ein Teil von Dell verdiente es, frei wie der Wind zu sein.
      Als wir wieder beim Auto ankamen, ließen wir beide uns vollkommen fertig auf die Sitze fallen. Ylvi kämpfte wieder mit den Tränen, verstaute die Unterlagen auf der Rückbank und kreuze meinen Blick für einen Moment. „Ich weiß…“, flüsterte ich und nahm ihre Hand, drückte sie leicht und schwieg. Eine ganze Weile saßen wir so da, ehe sie die Hand wegzog, den Motor startete und wir uns auf die eineinhalbstündige Heimfahrt zur Ranch machten.

      Ylvi
      Die Fahrt...zog sich dahin. Endlos leierten die Lieder hintereinander weg. Keiner von uns fand die richtigen Worte. Keiner füllte die Stille. Stattdessen hingen wir nur den Gedanken hinterher. Es begann bereits zu dämmern als mein Truck die Auffahrt zur Ranch hinauf fuhr. “Der erste Schritt ist tatsächlich getan.” murmelte Caleb als ich den Motor ausgeschaltet hatte. “Pack ich das?”
      Meine Gedanken schweiften zurück. Zu dem Moment da Caleb mit einer angelegten Waffe vor mir stand. Über die Prügeleien die er geführt hatte. All die Momente in den letzten 3...fast 4 Jahren die ich mit ihm erlebt hatte. An all die Geschichten die ich gehört hatte von seiner Zeit auf der Gips Reminder Ranch und davor. “Caleb...ich glaube. Von dem unbeherrschten jungen Cowboy ist nicht mehr viel übrig. Seitdem ich dich kenne hast du uns hier ein neues zu Hause gegeben. Bist Betsys guter Freund geworden. Und für Tschetan sogar ein richtiges Vorbild. Du packst das.”
      “Ohne dich hätte ich den Schritt nicht gewagt.” Ich lächelte ihn schwach von der Seite an. Ich wusste, dass es die Wahrheit war. Ohne mich hätte er vielleicht so einiges nicht gewagt. “Lass uns vorerst...nur an die Beerdigung von Dell denken. Einen Schritt nach dem anderen. Danach kommt alles weitere.”
      “Kommst du noch mit? Schauen ob die Pferde genug Wasser haben.”
      Mein Blick huschte hinüber zum kleinen Bungalow. Dort brannten die Lichter, an der Stelle wo sich unsere Küche befand. Louis bereite sicherlich gerade das Essen vor. Caleb hatte es bemerkt. Er seufzte und wollte beginnen aus dem Wagen zu steigen. “Was?” fragte ich in seine Richtung. “Daran werde ich mich wohl nie gewöhnen….du als Mutter.” ich konnte nicht anders als zu schmunzeln. “Das sagt der richtige...schließlich dürfen wir dich demnächst Papa Caleb nennen.”

      Caleb
      Unsere Wege trennten sich und ich verbrachte den restlichen Tag bei und mit den Pferden. Die tägliche Arbeit machte auch heute keinen Halt vor mir, so dass ich erst wieder daran denken konnte, ins Haus zu gehen, als es bereits dunkel war. Von meinem Arbeitszimmer aus konnte ich die Bungalows sehen. Mit zusammengekniffenen Augen trat ich näher ans Fenster heran. In Dells… Betsys Hütte brannte Licht.
      Schnellen Schrittes ging ich wieder nach unten, schnappte mir an der Tür Jacke und Stiefel und ging nach draußen. Wenig später kam ich am Bungalow an, klopfte an der Tür. Sie war offen, so dass ich hineinging. “Hallo, ist hier jemand?”, fragte ich in die Stille hinein. Nichts war zu hören. Das komplette Haus schien beleuchtet, denn als ich ins Wohnzimmer ging und von dort aus die anderen Zimmer durchkämmte, kam mir jedes Mal ein Lichtschwall entgegen. Im großen Schlafzimmer schließlich fand ich die Person, die dafür verantwortlich war. Vorsichtig schob ich die Tür auf und blickte in Betsys tränenüberströmtes Gesicht. Sie hielt einen von Dells Pullis im Arm und hatte sich damit auf seinem Bett zusammengekauert. Ich senkte kurz den Blick. “Darf ich.. reinkommen?”, fragte ich das Mädchen, welche zaghaft nickte und auf dem Bett ein wenig zur Seite rutschte, so dass ich mich neben sie setzen konnte.
      Ich horchte in mich hinein, wollte nichts falsches sagen. Gab es hier in dieser Situation überhaupt ‘das Richtige’?
      “Möchtest du heute Nacht hier schlafen?”, fragte ich sie dann leise und streckte meine Hand aus, um sie auf ihren Rücken zu legen und sie sanft zu drücken. Betsy nickte, entzog sich aber meinem Versuch ihr irgendwie Trost zu spenden, indem sie den Rücken wegdrückte. “Möchtest du, dass ich hierbleibe?” Keine Reaktion. Dann jedoch nickte sie zaghaft. Ich zog meine Jacke und die Stiefel aus, schlug die Decke zur Seite und legte mich neben sie ins Bett. Nichts war zu hören, außer meinem gleichmäßigen Atem und Betsys leisem Schluchzen. Das Einzige, was ich in diesem Moment für sie tun konnte, war für sie da zu sein, zu versuchen, ihr Halt zu geben; wenn auch nur, dass ich hier im Bett neben ihr lag, damit sie nicht alleine war.
      Das Schluchzen endet. Betsy zog den Pulli enger an sich heran, ehe sie zaghaft etwas näher an mich herangerückt kam. Dann noch ein Stück… und noch ein Stück, bis ich sie schließlich in die Arme schließen konnte. Es dauerte keine fünf Minuten, da erkannte ich an ihrem regelmäßigen Atem, dass sie eingeschlafen war.
      Ich schrieb Ylvi schnell eine Nachricht, dass ich hier mit Betsy im Bungalow sei. Die Lichter ließ ich brennen, denn ich wollte nicht mehr aufstehen und riskieren, dass ich sie weckte- sie hatte den Schlaf so dringend nötig. Und ich ebenso, denn auch mich riss die Erschöpfung wenig später ins Land der Träume.

      Ylvi
      Es vergingen 3 Tage, in denen die ganze Ranch versuchte wieder einen normalen Ablauf des Tages hinzubekommen. Ich befand mich gerade auf dem Heimweg. Die Kids hatten alle einvernehmlich beschlossen wieder zur Schule zu gehen. Sie wollten nicht zu viel vom Stoff verpassen. Außerdem vermittelte ihnen die Schule ein gewisses Maß an Normalität.
      Tatsächlich...war es fast leicht in der Weite der Ranch zu vergessen. Schob man den Gedanken an Tod aus dem Gedächtnis. So konnte man einfach denken, Dell sei irgendwo beschäftigt.
      Nur am Abend, wenn sich alle im Haupthaus versammelten. Ein Platz in der Mitte des Tisches frei blieb. Erst dann kam der Gedanke daran zurück. Wie ein blöder Moment eine Person aus ihrer Mitte gerissen hatte. Aus Gewohnheit, wurde der Platz von jedem der Küchendienst hatte mit gedeckt. Als würde Dell einfach nur zu spät kommen.
      Ich blieb noch einen Moment im Truck sitzen. Auch ich hatte beschlossen heute meine Arbeit im Büro wieder aufzunehmen. Schließlich galt es Rechnungen zu erstellen. Arbeitspläne zu erstellen. In den letzten Tagen hatte ich eher die körperliche Arbeit bevorzugt, aber der Alltag musste nunmal auch weitergehen. Seufzend öffnete ich meine Tür, zog den Kragen meines Pullis höher gegen den kühlen Wind der heute über das Land fegte.
      Im Büro startete ich den Rechner gerade, als das Telefon auf Calebs Arbeitsplatz klingelte. Ich schlängelte mich vorbei am Tisch und dem Beistelltisch, um ranzugehen, bevor die Rufumleitung aktiv wurde.
      “Ja?” - blöde Angewohnheit
      “Mister o’Dell?”
      “Nein, Ylvi ...Ylvi KillsBears”
      “Gut, sie stehen als Kontakt auch in meinen Notizen. Hier ist Miranda McNamara. Ich rufe vom Krematorium aus Calgary an. Die Überreste von Mister Dell können abgeholt werden. Ich würde gern einen Termin zur Übergabe mit ihnen ausmachen”
      Ich musste schlucken. Das war unerwartet schnell gegangen. “Mhm”, ich räusperte mich.
      “Ich könnte die Überreste sogar noch heute abholen. Ich werde am Nachmittag meine Kinder aus Calgary holen.”
      “Wir haben bis 18 Uhr geöffnet. Schaffen Sie das?”
      “Selbstverständlich. Dann würde ich etwa zu 17.30 bei Ihnen vor Ort sein?”
      “Wunderbar. Bis später Miss KillsBears”
      Das Geräusch als ich den Hörer beiseite legte hörte ich kaum, durch das Piepen in meinem Ohr. Der letzte Ritt hinauf zur Ranch stand damit kurz bevor. Wie in Trance schrieb ich Caleb eine Nachricht.
      Das Krematorium rief an. Heute 17.30 Abholung der Urne. Willst du mit?

      Caleb
      Gemeinsam mit Bellamy hatte ich den Tag im Sattel verbracht. Der Alltag pendelte sich schnell wieder ein, zu schnell, wenn man mich fragte. “Wir müssen uns vor dem nächsten Frühjahr und vor den neuen Fohlen Gedanken machen, welche Pferde wir verkaufen sollen”, meinte ich irgendwann und sah zu Bellamy rüber, der seine Stute Dakota ritt. Sie war definitiv nicht meine erste Wahl gewesen, um bei den Rindern vorbei zu schauen, doch er hatte darauf bestanden. Die Stute kam viel zu kurz im Moment und hatte sich einen schönen Ausritt redlich verdient. Ich selbst saß auf Devil, wie konnte es auch anders sein. Die anfangs unberechenbare Stute war zu meinem besten Ranchpferd geworden. Im nächsten Jahr sollte sie ihr vermutlich letztes Fohlen bekommen, erneut von Blue. Somit hatte sie ein Fohlen von Gangster, eins von Unbroken Soul of a Devil, und zwei von Blue. In Bailey, das Stutfohlen von Gangster, steckte ich große Hoffnungen, ein ebenso tolles Ranch- und Cuttingpferd zu werden, wie Vater und vor allem Mutter.
      Wir hatten zur Zeit sowieso einige Verkaufspferde, aber noch fast keines wirklich im Netz angepriesen. Das kam auch Bellamy wieder in den Sinn.
      “Vielleicht sollten wir mal neue Verkaufsfotos schießen? Die Verkaufspferde nochmal kurz ins Training nehmen und ordentliche Fotos machen- dann lassen sie sich gleich leichter verkaufen”, meinte er schulterzuckend. “Ylvi kann dir ja die Fotos machen, das ist kein Problem. Trainingstechnisch haben wir alle im Moment Kapazitäten frei, also sollten wir das auch auf die Reihe bekommen.”
      Ich nickte. Recht hatte er.
      Als wir uns gerade auf dem Rückweg zur Ranch befanden und ich wieder Netz hatte, piepste mein Telefon. Eine Nachricht von Ylvi. Mist, wir waren noch ganz schön weit weg von zuhause. Dennoch antwortete ich ihr ein knappes ‘ja’ und sah dann zu Bellamy. “Lust auf ein kleines Wettrennen nach Hause?” Bellamy nickte. Wir gaben den Pferden Küsschen und galoppierten aus dem Schritt an. Devil ließ sich das nicht zweimal sagen und hängte Bellamy schon nach den ersten Metern ab. Dakota schien das aber vollkommen egal zu sein, denn sie galoppierte einfach in ihrem Tempo hinter uns her. Bellamy lachte nur und ließ sie laufen, ohne sie wirklich anzutreiben. Nach einem weiteren kurzen Blick nach hinten, ob alles in Ordnung sei, schaute ich wieder nach vorne und trieb Devil an. Wie hatte ich das vermisst. Im gestreckten Galopp, ein klares Ziel vor Augen, die Sorgen und Ängste für einen Moment vergessen.
      Dieses Gefühl war jedoch viel zu schnell vorbei, denn als ich nicht mehr weit von der Ranch entfernt war, nahm ich meine Stute zurück und forderte von ihr einen schönen, gesetzten Galopp. Das Leben war eben nicht nur Spaß und Freude.
      Am Hof angekommen wusste ich nicht, wer gerade stärker pumpte. Devil, oder ich. Das fiel auch Cayce sofort auf, der kopfschüttelnd auf mich zukam. “Da haste es aber wieder gut gemeint, nicht wahr?”, tadelte er mich, nahm mir die Stute aber direkt ab, als ich mich aus dem Sattel auf den Boden schwang. “Kannst du die waschen und ins Solarium stellen? Ich muss mit Ylvi nach Calgary… die ähm.. die Urne abholen.” Da war er wieder, der Kloß in meinem Hals. Auch Cayces Miene trübte sich. Er nickte nur, klopfte der Stute den Hals und verschwand in Richtung des Stalles.
      Ylvi fand ich vor dem Haupthaus vor. “Beeil dich”, rief sie mir zu und tippte auf ihren Arm, an dem sich die Uhr befand. “Von wo kommst du überhaupt?”
      “Rinder…”, antwortete ich knapp und schnappte mir ihren Arm, um auf die Uhr zu schauen. Ein paar Minuten hatten wir noch, bevor wir losfahren mussten. “Ich muss schnell noch duschen”, murmelte ich. Das gekeifte ‘Wir müssen los!’ nahm ich gar nicht mehr wirklich wahr. 10 Minuten später saßen wir im Truck und ich erzählte Ylvi von der Idee mit den Verkaufsfotos.

      Ylvi
      Da war er wieder, der feste Klumpen der sich irgendwo in meinem Bauch gebildet hatte. Nicht nur das ich genervt davon war,dass wir viel zu spät los kamen. Es ging wieder normal weiter…..und der Klumpen in meinem Magen. Dieser zog sich munter enger zusammen. Verkaufsfotos machen...war fast genauso schlimm wie heute morgen das Büro zu betreten. “Dann gehen wir das denke ich nach der Beerdigung an”, murmelte ich leise. “Hat heute morgen allen geklappt bei den Rindern?” “Aye” ...Caleb schwieg, schien aber noch etwas anfügen zu wollen. “Leider ist deutlich zu merken...naja uns fehlt halt ein Arbeiter. “ da seufzte er “Ich fürchte neben den Verkaufsfotos muss ich dich wohl auch bitten eine Stellenanzeige zu schreiben. Die Stelle ist schließlich frei.”
      “So früh?” wieso zitterte meine Stimme dabei so?
      Dann spürte ich eine Hand auf meinem Oberschenkel, Calebs Hand. Ich konnte nicht anders, griff danach und suchte den Halt. Eine Träne verirrte sich nun doch aus meinem Augenwinkel. Das war einfach nicht fair. Nicht für Betsy, nicht für uns, nicht für die Ranch. Ich war wütend. Auf das ganze Universum. Vielleicht sogar auf Dell der ohne richtige Vorrichtung diesen doofen Trailer hatte reparieren wollen.
      Erst als ich den Motor abstellte an der Schule um die Kinder abzuholen. Verschwand Calebs Hand von meinem Oberschenkel. Die Stelle blieb einen Moment warm, dann schien sie kälter als zuvor. Als würde sie vermisst werden. Mit den Händen wischte ich etwas grimmig die Tränen weg. In Gedanken beugte ich mich hinüber zu dem Platz der nun von Caleb besetzt wurde. War es auf die Macht der Gewohnheit. Möglicherweise auch die allgemeine Verwirrung und Trauer die aktuell herrschte. Ich küsste raue Lippen. Was flüchtig hatte werden sollen. Was...aus reiner Gewohnheit geschehen war. Eine übliche Verabschiedung von Louis. Wurde plötzlich erwidert. War das ein Seufzen der Verwirrung oder der Erleichterung die ich von Caleb wahrnahm? Ich spürte seine Hand in meinem Nacken. Wieso geriet ich immer wieder in diese Situationen? Ich konnte nicht aufhören. Gewohnheit, mein Körper der sich erinnerte...und der simple Fakt das mein Verstand diesen blöden Cowboy noch immer liebte. Ähnlich wie Caleb lehnte ich mich ihm entgegen. Hing am Kragen seiner Weste, bis mir die Luft ausging.
      Flüchtig, gemurmelt mit einem “Bis gleich.” stieg ich aus dem Auto. Bis mein Verstand realisiert hatte was ich soeben getan hatte. Ich drehte mich nochmal um. Mechanisch, das Gesicht verzogen in Verwirrung, der Mund geöffnet. Dann beschloss ich nichts zu sagen. Verschloss die Tür und stiefelte vom Auto fort. Wie konnte ich jetzt nur wieder einsteigen?
      Noch viel schlimmer, wie sollte ich das aufklären. Mit verkniffenen Augen schüttelte ich den Kopf, rieb mir über die Stirn. Als ich frontal mit jemandem zusammenstieß. Mein Hirn schien noch immer umnachtet. Louis? War mein erster, erschrockener Gedanke. Bis ich...schlaksige Arme wahrnahm, geflochtene Zöpfe. “Tschetan!” entfuhr es mir ..ertappt? erschrocken? Wie viel mochte er gesehen haben? Er war alt genug um zu verstehen...und mitzubekommen was gewesen war. “Alles in Ordnung?” hörte ich da eine gewisse Skepsis in der Stimme des jungen Mannes? Raste mein Herz da etwa? “mhm, alles super.” log ich. Mit dem herben Geschmack von Caleb auf den Lippen.

      Caleb
      Verdattert blieb ich im Auto sitzen, meine Gedanken kreisten. Aus Reflex hatte ich den Kuss erwidert, ohne darüber nachzudenken, was es bedeutete. Nun hatte ich Zeit zum Denken. Seufzend klatschte ich mir die Hand vor den Kopf. ‘Du Vollidiot.’ Diese Worten hallten immer wieder in meinem Kopf nach. Doch Ylvi hatte den Kuss ebenfalls erwidert! Sie hätte ihn abbrechen können, was sie aber nicht getan hat. Und ich? Wieso hätte ich mich zurückziehen sollen, wo sie doch damit angefangen hatte! Weiter kam ich mit meinen Gedanken nicht. Ylvi kam mit den Kindern zurück.
      Die Schultaschen wurden verstaut und die drei Kinder setzten sich auf die Rückbank. Tschetan erzählte munter von der Schule, Kaya und Betsy hörten ihm neugierig zu, Ylvi und ich schwiegen. Am Laden der Bestatterin hielt Ylvi an, wartete im Wagen mit den Kindern. Ich ging nach drinnen, klopfte meine Stiefel kurz auf der Fußmatte ab und sah zu Ms. McNamara, die für unseren Fall zuständig war. “Hallo, Caleb O’Dell”, stellte ich mich erneut vor und reichte ihr kurz die Hand. “Ich wollte die Blumen und die… Urne von William Dell abholen.”
      Ms. McNamara nickte, kramte in ihren Unterlagen und führte mich zu ein paar Kisten. Weiße Blumen hatten wir bestellt, viele verschiedene, aber alles in weiß. Das würde morgen wunderschön aussehen, wenn wir die Pferde damit schmückten und zur Dude Ranch reiten würden.
      Als mein Blick jedoch auf die Urne fiel, hielt ich einmal kurz inne, stockte in der Bewegung. Einen Moment später sah ich zu McNamara. “Sie ist wirklich.. schön geworden.”
      “Wir haben sie extra nach ihren Wünschen gestaltet, die Gravuren waren nicht einfach, aber ich denke, wir haben es doch sehr gut hinbekommen.”
      Die Kisten mit den Blumen waren schnell eingeladen, auch die Urne und den kleinen Grabstein wurde in einer Kiste verstaut, ehe diese ebenfalls eingeladen wurde. Ich bezahlte die junge Frau und verabschiedete mich. “Falls doch etwas fehlen sollte oder sie morgen spontan den Wunsch nach etwas anderem haben, lassen Sie es mich wissen.” Damit verabschiedeten wir uns und machten uns auf den Rückweg zur Ranch.
      “Die Blumen sind wunderschön”, flüsterte ich zu Ylvi rüber. Betsy war eingeschlafen, wer konnte es ihr verübeln. Nachts schlief sie kaum durch, schreckte immer wieder hoch. Die einzige Nacht, in der sie bisher durchgeschlafen hatte, war die gewesen, in der sie und ich in Dells Bett geschlafen hatten. “Die Gravuren auch… in der Urne.” Ylvi blickte zu mir hoch. “Jaja ich weiß, davon wusste niemand etwas. Ihr werdet es morgen sehen.” - als sei es eine Überraschung, auf die sich jeder freuen könnte, Vollidiot, tadelte ich mich innerlich selbst und schaute wieder geradeaus auf die Straße. Niemand sagte auch nur einen Satz zum vorherigen Kuss, nichts.
      Auf der Ranch angekommen räumte ich die Blumen und die Kiste mit Urne und Grabstein in die Garage, wo sie bis morgen stehen bleiben würden. Die Blumen standen alle im Wasser, so dass ihnen dort nichts passieren und sie nicht verwelken würden. Dann ging ich nach drinnen und setzte mich an den Tisch, um mit den anderen gemeinsam Abend zu essen. Neben Kaya und Tschetan saß Betsy, die viel zu müde war um viel zu essen. Schließlich stand Ylvi auf und erklärte sich bereit, das Mädchen ins Bett zu bringen. Momentan schlief sie zusammen mit Kaya drüben im Bungalow von Ylvi und Louis.
      Es hatten fast alle den Tisch verlassen. Lediglich Cayce und Bellamy saßen noch dort. Für meinen Plan kam mir das gerade gelegen. “Was habt ihr zwei heute Abend noch vor?”, fragte ich in die Runde und schaute abwechselnd zwischen den beiden hin und her.
      “Äh.. nichts mehr”, antwortete mir Cayce und schaute neugierig zu mir rüber. Auch Bellamy war noch nicht verplant.
      “Ich brauch eure Hilfe, drüben im Schuppen beim Holz. Also deine erstmal, Cayce. Bellamy du kannst dir meinen Truck schnappen, wir brauchen Schaufeln, Beton, Schrauben, Nägel und sowas.. wir fahren gleich noch rüber zur Ferienranch. Sie bekommt heute Abend endlich einen Namen.”

      Ylvi
      Das Abendessen war ruhig verlaufen. Louis hatte es benommen Betsy und Kaya in ihr Bett zu verfrachten. Mit Tschetan hatten wir noch begonnen einen Film zu schauen. Allerdings reichte meine Konzentration kaum um dem Film zu folgen. Louis hatte seine Hand über die Lehne der Couch um mich gelegt. Seine Finger streichelten mir unablässig über die Schulter. Sie schienen bleischwer. Mich beschäftigte der Kuss. Ich wollte ihn nicht ungeschehen machen. Noch viel schlimmer der Kuss hatte mich an andere Zeiten erinnert.
      Ich konnte das alles gar nicht fassen. Eigentlich sollten meine Gedanken bei Dell sein. Schließlich hatten wir vorhin seine Asche aus dem Krematorium geholt. Hier saß ich allerdings. Konnte nicht fassen was geschehen war. Und war trotzdem drauf und dran hinüber ins Haupthaus zu gehen. War ich eigentlich jetzt vollkommen bescheuert geworden? Ich regte mich in meiner Position, die innere Unruhe ließ mich schwer still sitzen. "Ich muss mal auf Toilette", murmelte ich einem verwirrt zu mir schauenden Louis zu. Gab ihm einen flüchtigen Kuss auf die Wange und erhob mich. Im Bad warf ich mir ein paar Tropfen Wasser ins Gesicht. Betrachtete mein Gesicht im Spiegel. Hatte ich da etwa Augenringe? Ich seufzte schwer, sah hinaus aus dem Fenster. Von hier aus konnte ich einen Teil der Ranch sehen. Verwundert ging mein Blick zur kleinen Lichtquelle an der Seite des Berges. Jetzt war es natürlich duster, aber ich wusste natürlich, dass dort der Berg war. Licht? Oben an der Ferienranch. Verwunderlich. Was tat Caleb um diese Zeit dort oben noch? Vielleicht hatte er noch vor dort oben einiges zu schmücken. Da er mich nicht eingeweiht hatte, beschloss ich sollte es mir egal sein und verließ das Bad wieder. Nur um in ein dunkles Wohnzimmer zurückzukehren. "Tschetan ist ins Bett verschwunden." flüsterte es aus der Dunkelheit. Die Augen stellten sich noch auf sie ein, also nahm ich nur einen kleinen Umriss wahr der auf der Couch saß. "Wer kann es verübeln. Morgen wird…" ich seufzte und spürte schon wieder die Tränen in mir aufsteigen. Louis rückte näher zu mir auf der Couch heran, seine langen Arme schlossen mich in eine warme Umarmung. Seine Finger Strichen mir über den Rücken. Ich wollte jetzt nicht denken. Louis Lippen spürte ich auf meinem Hals, wanderten mein Kinn hinauf. Sein Atem spürte ich in meinen Ohren. Die Gänsehaut lief mir über den Körper. Schließlich fanden sich unsere Lippen. Wie nur konnte sich auch dieser Kuss so natürlich anfühlen? Dies war mein Mann...und dieser Kuss, die Art wie er meinen Körper zu berühren kann. Ich liebte es. Ich liebte ihn. Und trotzdem wusste mein Körper um einen anderen Mann, der eine andere Art des Feuers in mir entfachen könnte. Louis nahm mich auf den Arm, ohne dabei den Kuss zu unterbrechen. Trug mich durch die Dunkelheit zu unserem Schlafzimmer. Schloss fast ein wenig unsanft die Tür. In dieser Nacht spendeten wir uns einander Trost.

      Caleb
      Am nächsten Morgen war ich früh auf den Beinen; also wirklich früh. Ich quälte mich in die Küche und ging schnurstracks zur Kaffeemaschine, von der mir ein wohliger Geruch in die Nase stieg. Ich blickte zuerst auf die Uhr: wir hatten gerade einmal halb 5. Um halb 1 war ich endlich im Bett gewesen, die Arbeiten für die Ferienranch hatten länger gedauert, als ich gedacht hatte.
      Ich schaute mich in der Küche um. Laurence saß in der Ecke auf seinem Platz und grummelte mir ein “Morgen” entgegen. Laurence, Laurence. Immer der erste, der auf den Beinen war, egal wie früh am Morgen man die Küche betrat. Ehe ich mich auf meinen Platz setzte, schenkte ich mir eine Tasse des wohlig duftenden, aber viel zu starken Gebräus ein. Knapp die Hälfte Milch ruinierte die schöne, dunkle Farbe. “Seit wann sitzt du schon hier?”, fragte ich den älteren Mann neben mir, nachdem ich einmal an der Tasse genippt hatte.
      “Etwa eine Stunde. Ich konnte mal wieder nicht schlafen. Außerdem habt ihr gestern Abend ganz schön Krach auf der Ranch gemacht”, tadelte er mich.
      Ich seufzte, legte meinen Hut neben mich auf die Bank und starrte auf meine Finger. “Das war es wert.”
      Zwei Stunden später hatte ich mit Laurence und auch Cayces Hilfe alle Pferde versorgt. Bellamy und Octavia waren auch dazu gestoßen und hatten sich um die Verkaufspferde und die des Nebenstalls gekümmert, so dass wir schon anfangen konnten, die Pferde zu satteln und für den letzten Ritt (The Last Ride) Dells zu schmücken.
      Als alle Pferde hergerichtet waren, zog ich mir den schwarzen Anzug, den ebenfalls schwarzen Hut und die weiße Krawatte an.
      Nach und nach trudelten die Mitarbeiter der Ranch ein. Ich teilte ihnen die Pferde zu und sie setzten sich in den Sattel. Lediglich Betsy und ich standen noch am Boden. Das Mädchen drehte sich zu mir um und sah mich aus geröteten Augen an: “Ich möchte, dass er von Sue getragen wird… von meiner Sue. Ich möchte Blue reiten.”
      Ich nickte, verstaute die Urne in der Satteltasche von Sue und ging Blue holen, den ich für Betsy sattelte und schmückte. Dann saßen wir alle im Sattel. In der linken Hand hielt ich die Zügel von Devil, auf deren Rücken ich saß, in der rechten den Strick des Halfters von Sue, die ich als Handpferd mitnahm.
      Gemeinsam ritten wir vom Hof und machten uns auf den Weg von ungefähr zwei Stunden (da wir viel Schritt gehen würden) zur Ferienranch.
      Betsy auf Blue, Laurence auf Honor, Cayce auf seinem Shorty, Bellamy auf Dakota, Octavia auf Raspberry, Louis auf Whinney, Ylvi auf Kristy, Tschetan auf Alan, Kaya auf Hope, ich auf Devil und… Dell mit Sue.

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      Nach dem Verlassen des Hofes hielten sie sich eine ganze Weile auf dem Feldweg in Richtung Berge auf. Niemand sprach ein Wort, alle schienen in ihren eigenen Gedanken versunken. Plötzlich hielt Octavia, die an der Spitze ritt, an. “Oh, schaut mal!”, sagte sie leise, drehte sich dabei zum Rest der Truppe um und zeigte nach rechts vorne. Dort stand eine Herde Bisons die friedlich graste.
      “Ich habe hier soweit südlich bei uns noch nie Bisons gesehen”, murmelte Caleb. “Lasst sie uns bitte großzügig umreiten, aufschrecken und in Panik versetzen möchte ich sie wirklich nicht.”
      Also verließen sie den Feldweg und wandten nach links auf die großen Wiesen ab. Hier war kaum noch etwas eingezäunt, der Blick reichte soweit das Auge schauen konnte. Um etwas Abstand zwischen die Bisonherde und die Pferde zu bekommen, legten sie eine kurze Trabphase ein. Als die fremden Tiere nur noch kleine Punkte am Horizont waren, wurde wieder zum Schritt durchpariert.
      Nun waren sie am Fluss angekommen, der durchquert werden musste. “Caleb, hey Caleb, schau mal!”, sprach Betsy aufgeregt und zeigte zu den wenigen intakten Bäumen, die es an dieser schmalen Flussstelle noch gab. An den Stämmen machten sich einige Biber zu schaffen. Caleb lächelte. Auch diese Tiere hatte er hier bisher kaum zu Gesicht bekommen. Stetigen Schrittes wateten die Pferde durch die schmale Stelle des Flusses. Die Biber hielten inne in ihrem Tun, beobachteten die seltsamen Tiere, die ihre Ruhe störten, aus ihren schwarzen Knopfaugen. Hinter der Biegung des Flusses die alle durchquert hatten, öffnete sich eine weite Wiese mit vereinzelt stehenden Bäumen, die ihre Schatten warfen. Deutlich waren die tiefen Spuren der Bisons zu sehen. Louis deutete auf sie um Kaya auf sie aufmerksam zu machen. Caleb wendete sein Pferd nicht auf die weite Ebene des Tales, sondern zur Baumgrenze die hinauf in die Berge führte. Ab hier begann die anspruchsvollste Strecke für die Pferde, die sonst eher die flache Ebene gewohnt waren. Auf manchen der Pfade mussten alle hintereinander reiten. “Caleb? Wo führst du uns lang? Das ist nicht der übliche Weg zur Ranch hoch!” rief Ylvi von ihrer Position zwischen Betsy und Kaya. Caleb drehte sich halb im Sattel, lugte unter seinem Hut hervor. “Wir reiten von hinten heran. Da wir keine Rookies sind, sollten wir den Weg packen.” Ylvi schien sich mit dieser Antwort zufrieden zu geben und rückte ihr Kleid am Knie ein wenig zurecht. Im Sattel in einem Kleid war wirklich keine gute Idee gewesen. Als sie nach 2 Umwegen, da der Weg vor ihnen durch einen umgestürzten Baum versperrt gewesen war, schließlich die Gebäude der Ferienranch erreichten, da herrschte leichte Verwirrung was nun eigentlich zu tun war. Jeder stieg aus dem Sattel. Hielten ihre Pferde an den Zügeln. Spiegelten im Grunde Calebs Verhalten wider. Dieser sammelte sich. Sortierte die Zügel seinen Reittieres und die Leine an dessen Ende Sue hing. Drehte sich in Richtung eines kleinen Zaunes. Dort öffnete sich nicht nur der dichte Wald um sie herum. Ein Felsvorsprung ragte einer Nase gleich aus dem Berg. Stand man an seinem Ende, so blickte man in das Tal des Bow River. Von hier aus konnten sie alle die Ranch durch die Bäume sehen. Die Wiesen auf den gegenüberliegenden Weiden erahnen. Ein Schluchzen unterbrach die Stille. Dabei stammte es nicht nur von einer Person. Doch Ylvi fand die Worte die allen auf der Zunge lagen.”Von hier aus wird er über das Tal wachen...und alle beobachten können. Das ist ein perfekter Ort.” Sie griff nach Calebs Hand, entwand ihnen die Zügel von Devil. Um ihm den möglichen Freiraum zu geben mit Blue näher an den Zaun zu gehen. Dort war bereits eine kleine Mulde ausgehoben worden. Tannenzweige lagen darum. Ein kleiner Haufen,in ihm eine Schaufel um die Erde später wieder zu verschließen. Alle wandten plötzlich ihre Blicke in Richtung des Himmels, als das Rufen von Gänsen über ihnen zu vernehmen war. Noch kündigte die Temperatur nicht davon, doch der Sommer schien früh in diesem Jahr zu kommen, wenn sich die Gänse auf den Weg in den Norden machten. Ob sie wohl Dells Seele mit auf Reisen nahmen?
      Zusammen mit Sue trat Caleb an das Grab heran. Den Zaun am Abgrund hatte er am vergangenen Abend noch mit Cayce und Bellamy gebaut, er würde ihn gleich noch brauchen. Der Cowboy öffnete die Packtasche des Sattel, entnahm die Urne und stellte sie neben das Grab auf den Boden, dann führte er Sue zurück zu Ylvi, die die Stute festhielt.
      Schließlich ergriff er das Wort: “Knapp dreieinhalb Jahre war Dell bei uns gewesen. Hatte nach dem Tod seiner geliebten Frau und Mutter seiner Tochter bei uns ein neues Zuhause gefunden. Vom Fremden zum Stallburschen, zur Hand für alles und schließlich zum Freund. Sogar zum guten Freund, einer meiner Besten. Er stand mir immer mit Rat und Tat zur Seite, half mir auf die Beine, wenn es mir mal nicht so gut ging oder ich wieder… zu aufbrausend wurde, so dass ich jemanden hätte in der Luft zerreißen können. Er hat mir gezeigt, was es überhaupt bedeutet, ein Vater zu sein. Ich kann mich noch genau an unser Gespräch am Frühstückstisch erinnern vor ein paar Tagen.. da habe ich ihn gefragt, wie es ist, Vater zu sein. Wisst ihr was seine Kernaussage war? ‘...aber Caleb, es ist das Schönste im Leben…’”, Caleb seufzte. “Aber auch ich habe ihm geholfen. Wenn er mal nicht weiter wusste, mit der Welt überfordert war, da war ich für ihn da gewesen- wie Freunde das so machen. Ich habe gestern mit Betsy gesprochen. Sie hat mir gesagt, ich darf einen Teil seiner Asche über das Tal verstreuen. Dell verdient es, über die Ferienranch zu wachen, er verdient es, weiterhin in unserer Mitte zu sein, er verdient es, immer einen Blick auf Bow River zu haben ; aber er verdient es auch, frei zu sein. Frei wie der Wind.” Mit diesen letzten Worten ging Caleb auf die Urne zu, stellte sich zum Zaun und… zückte sein Handy, klickte etwas darauf herum und startete das Lied, welches er extra für diesen Moment ausgesucht hatte. Aus den Boxen hinter ihnen lauschten alle den leisen Klängen der Musik, ehe eine Frau zu singen anfing.

      “Pack my bags cause I'm headed farther south
      Turn around, see the chaos of this house
      The road ahead is dark and lonely
      It's so cold and it's so stormy
      And it looks like I'm the only one around
      I'm going where the world ends and the sky begins
      Leaning over the edge but pushed back by the wind
      Reaching out for heaven but I pull my arm back in
      I'm standing where the world ends and goodbye begins
      I think I'm lost but I have no place to go
      Should I start walking back, try to find someone I know
      But the road behind is dark and lonely
      It's so cold and it's so stormy
      And it looks like I'm all on my own
      I'm standing where the world ends and the sky begins
      Leaning over the edge but pushed back by the wind
      Reaching out for heaven but I pull my arm back in
      I'm standing where the world ends and goodbye begins
      I'm going where the world ends and the sky begins
      Leaning over the edge but pushed back by the wind
      Reaching out for heaven but I pull my arm back in
      I'm standing where the world ends and new life begins” - ‘Where the World Ends von Layne Elizabeth’

      Während des Liedes öffnete Caleb die Urne, nahm Betsy kurz in den Arm, die sich zu ihm gesellt hatte und stellte sich auf die unterste Latte des Zaunes. Betsy tat es ihm gleich, sie hatten das so abgemacht und er hatte es ihr versprochen. Als das Lied verstummt war, herrschte für einen kurzen Moment Ruhe. Schließlich ergriff Caleb erneut das Wort und sprach: “I'm standing where the world ends and goodbye begins.” Er streckte seinen Arm über den Abgrund, neigte die Urne gen Boden und schüttelte sie leicht auf und ab, so dass die Asche nach unten rutschte. Die ausgeschüttete Asche wurde von einer Windböe erwischt und schien im Wind zu tanzen. Zunächst stieg sie etwas nach oben, ehe sie sich schnurstracks auf den Weg zum Boden machte. Kurz bevor sie aus unserem Sichtfeld verschwunden war, wurde sie von einem Adler durchstoben, der sich seinen Weg nach oben suchte, kurz vor uns abwendete und in die Weite des Tales hinaus flog. Nun war es auch um Caleb geschehen, der, um Betsy ein Fels in der Brandung sein zu wollen, versucht hatte, nicht zu weinen. Eine Träne nach der anderen kullerte seine Wange hinunter, als er vom Zaun stieg, Betsy hinab half und die Urne ins Grab legte. Ein Mitarbeiter nach dem Anderen warf eine weiße Blume ins Grab. Zum Schluss auch Betsy und Caleb, ehe der Mann sich die Schaufel nahm und das Loch zu schaufelte. Betsy drückte sich an ihn. Caleb nahm sie fest in den Arm.
      So standen sie eine ganze Weile einfach nur da, starrten die aufgetürmte Erde an und weinten. Nicht nur Betsy und Caleb. Alle Mitarbeiter, nein Freunde Dells, weinten um ihn, zückten Taschentücher und fielen einander in die Arme.
      Caleb sah auf. Es war eine Mädchenstimme zu hören, leise und unbekannt. Zunächst sah der Mann runter zu Betsy, die vor sich hin schluchzte… Als er den Blick schweifen ließ blieb er an Kaya hängen. Sie sprach! Die stumme Kaya! Caleb traute seinen Ohren kaum.
      Auch die anderen schauten sie an, hörten ihr zu. Die schmale Gestalt hatte sich halb umgedreht. Als würde sie nicht zu den anderen sondern ihrem Pferd sprechen. Die Hände um die Zügel waren fest um sie geschlungen, weiß traten ihre Knöchel hervor. Die Worte die sie sprach verstand niemand. Nicht, weil Kaya zu leise sprach. Nein..es waren Worte gesprochen in Lakota. Viele der Gäste drehten sich daher zu Louis und Tschetan um, doch diese waren zu baff um den anderen eine Übersetzung zu geben. Zum ersten Mal seit dem Tod ihrer Mutter sprach das Mädchen. Ylvi und Louis stürzten vor. Tschetan hatte seine kleine Schwester bereits in die Arme genommen. Wirbelte sie herum und flüsterte. “Es ist gut deine Stimme zu hören, kleine Schwester!”
      Die anderen Verteilten sich. Begannen die Pferde zusammen zu treiben. Oder irgendwo sicher anzubinden. Jeder einzelne konnte an das kleine Grab heran gehen. Seine ganz persönlichen Worte an Dell richten. Betsy lief, mit Calebs Hand in der einen auf die kleine Familie zu die Kaya umarmten. Kayas Augen strahlten. Und obwohl der Schatten von Dells Tod über ihnen allen hing. So sah man das Lächeln in den Gesichtern der kleinen Gruppe. Auch Betsy schenkte ihrer Freundin ein Lächeln. Kaya zog sie in eine Umarmung, wieder ihre zarte, raue Stimme die Betsy ins Ohr flüsterte “Ich bin jetzt für dich da, čhuwé(große Schwester).” Betsy hatte Kaya den Schmerz erleichtert als sie ihre Mutter so plötzlich verloren hatte. Die stetige Stille zwischen ihnen hatte Betsy nie für einen Grund genommen Kaya nicht zu akzeptieren. Und hier, auf dem Plateau der Ferienranch, am Grab des Vaters ihrer Freundin gab sie das Versprechen wie eine Schwester für Betsy zu sein. Und plötzlich fand sich die ganze Familie in einer Umarmung wieder. Ylvi schlang die Arme um das Mädchenpaar, Betsy die noch immer Calebs Hand hielt, zog diesen näher zu sich. Und auch Louis und Tschetan gaben sich einen Ruck um diesen Moment zu genießen. Als würden sie Kayas Versprechen damit besiegeln wollen. Von der kleinen Versammlung unbeobachtet sah man den alten Mann die Gruppe fixieren. Laurence's sowieso faltiges Gesicht, zeigte ein schmales Lächeln.
      Sie verbrachten beinahe den ganzen Tag auf der Ferienranch. Als die Sonne sich ganz langsam gen Erde neigte und so den Sonnenuntergang ankündigte, machten sie sich wieder auf den Weg zurück zur Ranch. Weit kamen sie allerdings nicht, denn Caleb wählte dieses Mal den Haupteingang zur Ferienranch, ritt durch ein Schild, hielt davor an und ließ die ganze Gruppe umdrehen. “Die Ranch hat einen Namen!”, quietschte Octavia und stellte sich in die Bügel ihres Pferdes, um den Namen besser lesen zu können. “Dells Rookie Ranch.”
      “Das ist es also, was ihr gestern Abend so spät noch hier gemacht habt”, schlussfolgerte Ylvi und sah mit einem Lächeln zu Caleb.
      Betsy kamen erneut die Tränen. Sie saß nun auf Sue, Blue hielt Caleb in der rechten Hand und nahm ihn als Handpferd mit nach Hause. “Ich danke dir, Caleb”, waren Betsys Worte an ihn. “So bleibt er unvergessen.”
      Caleb seufzte. Dieses Mädchen hat in ihrem Leben schon so viel mitmachen müssen, so viel Leid und Tod erfahren, dass es gut und gerne für zwei Leben reichen würde.
      “Ich dachte… weil er die Ferienranch so geliebt hat und viel hier gearbeitet hat.. und… und nun hier begraben ist… ein besseres Andenken hätten wir ihm nicht machen können.”
      Alle stimmten ihm nickend zu. Auch Louis lächelte, ihm schien der Name ebenfalls zu gefallen.
      Etwa zwei Stunden später, so langsam wurde es wirklich dunkel, erreichte die Mannschaft die Ranch. Die Pferde wurden versorgt, die Abendrunde abgeschlossen und die Menschen verteilten sich auf der Ranch. Louis nahm die Kinder mit in den Bungalow, es war höchste Zeit, dass sie ins Bett gingen.
      Ylvi machte noch einen kurzen Zwischenstopp im Büro, überflog die heute liegengebliebenen E-Mails und entschloss, sie am nächsten Tag zu beantworten, denn es war nichts wichtiges dabei. Sie machte gerade den Computer aus und wollte den Raum verlassen, als Caleb ins Zimmer gestürmt kam. Er hielt einen aufgerissenen Brief in der Hand.
      “Verdammt Ylvi, wir haben ein Problem”, knurrte er und drückte ihr den Brief in die Hand. Ylvi las die fett geschrieben Wörter laut vor: "Vorladung zum Adoptionsantrag Betsy Dell”

      Fohlenweide: Chocolate Dazzle, BR Devils Angel Eyes, Like a Prayer, BR Dissident Whiz, BR Colored in Style, BR Alans Smart Dream, BR Raised to Slide, BR Heart N‘ Soul, BR Wimpys Bright Gangster, BR Atlantis Dream, BR Double Gunslide, BR Sheza Topnotch Babe, BR Hollywoods Dream Anthem
      Jungpferde: tc Mister’s Silvermoon Cody, Smart Lil Vulture, PFS‘ Unclouded Summer Skies, GRH’s Funky’s Wild Berry, Four Bar Chocolate Becks, Dual Shaded Ace, Chic‘ N Shine, Chapman, BR Colonels Lil Joker, BR Colonels Golden Gun, Jacks Inside Gunner, Gun Sophie, Ginger Rose, Captains Blue Crystal, BR Dress to Impress, Blue Fire Cat
      Trainingsstall: Up Town Girl, Small Town Dude, Bittersweet Temptation, Whitetails Shortcut, Zues, Abandon all Hope, HMJ Courtesy, HMJ8345’s Continental, Striga, Tortured Witch HMJ6693, Blanton’s Gentleman, HGT’s Unitato, HMJ Saintly, How ‘Bout Moonies
      Zuchthengste: Chocolate Dream, GRH’s Bellas Dun Gotta Gun, GRH's Unbroken Soul of a Devil, Gun and Slide, Gunners Styled Gangster, Heza Bat Man, Hollywoods Silver Dream, Nachtschwärmer, Till Death, Whinney
      Zuchtstuten: Black Sue Dun It, California Rose, DunIts Smart Investment, Easy Going, Frosty Lagoon, Ginny my Love, GRH’s A Gun Colored Lena, GRH’s Aquila T Mistery, GRH’s Unbroken Magic, Magnificient Crow, Only Known in Texas, Stormborn, Tainted Whiz Gun
      Sommerweide: Wunderkerze LDS, Breia LDS, Ceara Isleen, Dakota, Drama Baby, Leuchtfeuer di Royal Peerage, Pocahontas, Prias Colourful Soul, Raspberry, Tigres Eye, Absolute Bullet Proof, Birk, Culain, Myrkvidr, Peacful Redemption, WHC‘ Happy Sunshine, Wildfire xx
      Ferienranch: A Walking Honor, Chou, Jade, Krosty Killings, Honey’s Aleshanee, Colonels Blue Splash
      Ferienranch: A Walking Honor, Chou, Jade, Kristy Killings, Honey's Aleshanee, Colonels Blue Splash
      Verkaufspferde: Alan's Psychedelic Breakfeast, General’s Coming Home, Cup Cake, A Walking Dignity, BR Black Pamina, A Shining Chrome, Priamos Ruffia Kincsem, BR General Pleasure, Picture of a Ghost, Wimpys Little Devil, Lovin‘ Out Loud, Kholáya, Tasmania, Cruel Twist of Fate, Lady Blue Skip, Miss Independent, Kisshimbye, My sweet little Secret, Sweet like Chocolate, Snapper Little Lena, Special Luna Zip, I’m a Playboy
    • Veija
      Dells Rookie Ranch
      Februar 2022, by Ravenna & Veija
      Zeitliche Einordnung: April 2021
      Ylvi
      "Ich habe vorhin mit der Adoptionsbehörde telefoniert. Wir haben einen Termin für den Montag in knapp einer Woche bekommen. Um 18 Uhr. Dann sollten die gröbsten Arbeiten auf der Ranch erledigt sein."
      2 Tage hatten wir wie gelähmt damit verbracht auf de Brief zu antworten. Hatten uns die Verantwortlichkeit hin und her geschoben. Heute in der Bürozeit fand ich endlich den Schneid den Hörer in die Hand zu nehmen. Am Telefon hatten sie mir leider keine Auskunft über den Grund der Vorladung geben wollen. Einerseits zitterte ich. Hatte das Ganze mit der ungewöhnlichen Situation zwischen Caleb und mir zu tun? Oder war es ganz anders...hatte sich tatsächlich noch Verwandtschaft finden lassen die Betsy zu sich nehmen wollte? Wie sollten wir das den beiden Mädchen nur beibringen. Caleb sah von seinen Unterlagen auf. "Das erscheint mir gerade wie eine Ewigkeit. Wie sollen wir die Zeit nur überbrücken?" Da es mir ganz ähnlich ging, zuckte ich nur mit den Schultern. Schließlich deutete ich aber auf das was Caleb da so eifrig in den Händen hielt. "Wir könnten quasi damit starten, die Verkaufspferde zu fotografieren. Das Wetter da draußen ist quasi perfekt. Leicht Bewölkt, die Blätter färben sich bunt. Die Pässe der Pferde scheinst du ja bereits sortiert zu haben? Meine Kamera wäre ebenfalls startklar."
      Caleb
      Gesagt, getan. In Windeseile fanden wir uns auf dem Reitplatz wieder. Die beiden Pferde, die für heute Morgen angedacht waren, waren Alan und Homy. Von Homy (General’s Coming Home) behielten wir das letztjährige Stutfohlen BR Homecoming Queen, weshalb ich mich dazu entschlossen hatte, den Hengst nun zu verkaufen. Mit Queen, deren Mutter Face Down ja bei der Geburt verstorben war, hatten wir so einen Glückgriff gemacht, dass wir die Vaterlinie nun in einem anderen Stall zur Verfügung stellen wollten.
      Ähnlich war es mit Alan’s Psychedelic Breakfast. Von ihm blieb sein letztjähriges Hengstfohlen BR Alans Smart Dream sowie zwei seiner Stutfohlen, BR Sheza Topnotch Babe und BR Black Pamina. Sein Verkauf würde mir etwas schwerer fallen, doch ich war mir sicher, dass er ein gutes Zuhause finden würde. Seine Nachkommen würden sein Erbe hier auf Bow River weiter vertreten.
      Wir konnten leider nicht alle Pferde behalten. Der letzte und auch diese Fohlenjahrgang war so unglaublich stark, so dass wir uns von ein paar alten Pferden trennen müssen.
      Wir starteten mit ein paar Portraits und Ganzkörper Bildern der Pferde, zunächst ohne Ausrüstung, dann mit.
      Schließlich folgten Reitfotos und Videos. Die beiden Pferde merkten genau, dass ich mit den Gedanken nicht bei der Sache war. Vor allem Homy nutzte dies schamlos aus. Ich wank Ylvi ab. Sie sollte aufhören Fotos zu machen, ich müsste den Hengst zunächst nochmal schön weich bekommen, bevor sie weiter draufhalten konnte.
      Schließlich klappte es dann doch.
      Später schauten wir uns am PC gemeinsam die Fotos an, suchten die passenden heraus und Ylvi fing mit der Bearbeitung an, während ich einen kurzen Text zu den Tieren verfasste und auch den Preis festlegte. Ganz billig waren sie nicht, aber sie waren beide erfolgreich im Sport, waren gekört und hatten gute Nachzuchten, was man außer Acht lassen durfte. Alan setzte ich mit 1300 Joellen und Homy mit 1100 Joellen an.
      Dann drehte ich mich zu Ylvi um. Sie nickte mir zu, sandte mir die Fotos rüber auf meinen PC und ich konnte sie der Verkaufsanzeige hinzufügen.
      “Uff”, seufzte ich, nachdem ich auf ‘absenden’ gedrückt hatte. “Verkaufen ist immer schwer, besonders bei Pferden, die man schon länger hat.”
      Ylvi nickte, lächelte kurz und wendete sich dann wieder ihrem Bildschirm zu. Schließlich sagte sie: “Wir bräuchten auch nochmal neue Fotos der Fohlen und Jährlinge, schau mal, wann wir sie das letzte Mal abgelichtet haben.” Ich stand auf und ging rüber zu ihrem Bildschirm, auf dem ich McDreamy erblickte, wie er auf wackeligen Beinen stand und mit seinem viel zu langen Hals versuchte, etwas Gras zu fressen.
      “Der sieht jetzt ganz anders aus, wie ein richtiges Pferd schon!”, lachte ich und Ylvi nickte erneut.
      “Deshalb müssten wir neue Bilder machen… direkt?”
      “Okay.”
      Ylvi
      “Lass uns fix zwei der Pferde trensen und dort hinauf reiten. Ich denke ein bisschen Beine und Seele baumeln lassen tut uns beiden sicherlich gut." Den Vorschlag musste Caleb tatsächlich kein bisschen überdenken. "Dann lass und gleich 2 aus dem Trainingsstall nehmen, die haben immer etwas Bewegung nötig."
      "Wen auch immer du mir zuweisen möchtest."
      Caleb rieb sich über das Kinn. Auf dem ich jetzt erst so richtig bemerkte das er sich in den letzten Monaten hatte einen Bart stehen lassen. Oder in den letzten Wochen? Warum fiel mir das erst jetzt auf. Als Caleb merkte das ich ihn anstarrte, schlug ich verschämt meinen Blick nieder. "Ich denke Plankton und Nic sind keine verkehrte Wahl. Nic hatte ich dabei für dich im Sinn."
      Im Stall bemühten wir uns tatsächlich nicht mal damit den Ponys ihre Trensen zu verpassen. Mit einfachen Knotenhalftern half mir Caleb auf den Rücken von Nic. Schwang sich in einem eleganten Sprung auf Plankton, während wir Richtung Osten die Ranch verließen um an den Hängen vor der Ferienranch, mein Hirn hatte sich an den neuen Namen noch immer nicht gewöhnt, nach der Herde den Jungpferde ausschau zu halten. Im Grunde war das allerdings beinahe nicht nötig - die gesamte Herde schien dermaßen neugierig auf Artgenossen. Sie stromarten bereits aus den Teilen des Waldes die Hänge hinunter in die Ebene, in Richtung des Zaunes. Ungewollt hielt ich Nic an. Sah den Pferden dabei zu, wie sie sich ihren Weg uns entgegen suchten. Ein schweres Gefühl schien sich plötzlich von meinen Schultern zu lösen. Ein Seufzen kam über meine Lippen. Schließlich, bevor ich es noch ganz begriffen hatte, schluchzte ich auf. Tränen liefen mir die Wangen hinunter. Ich wusste nicht mal wieso. Aktuell schien ich mit allem überfordert. Der Kuss mit Caleb hing mir im Gedächtnis. Die Tatsache, dass Tschetan uns gesehen haben musste. Ich noch keinen Mut gefunden hatte Louis davon zu erzählen. Dells Tod. Die Tatsache, dass Kaya nun tatsächlich begonnen hatte zu sprechen. Die Angst, dass Betsy all das hier vor uns, vielleicht nicht mehr lang haben würde. Diese Angst war fast genauso groß wie jene gewesen diese Ranch für immer zu verlassen. Plötzlich zog mich jemand von meinem Pony. Calebs Arme schlangen sich wortlos um meinen Körper, während ich von Schluchzern überwältigt wurde.
      Caleb
      So standen wir eine ganze Weile im feuchten Gras. Unsere beiden Pferde hatten die Köpfe gesenkt und fraßen seelenruhig vor sich hin. Ich vernahm ein leises Schnauben, dann herrschte wieder Stille- bis auf das Schluchzen Ylvis.
      An Dells Beerdigung hatte es mich überkommen, ich hatte mich der Trauer hingegeben, geweint. Nun allerdings, jetzt hier bei Ylvi, versuchte ich stark zu bleiben. Ihr ein Fels in der Brandung zu sein.
      “Das ist einfach nicht fair”, murmelte Ylvi und drückte sich enger an mich.
      “Was im Leben ist schon fair”, antwortete ich zwischen zusammengebissenen Zähnen und fuhr ihr mit einer Hand über die Haare. War es fair, dass die Frau, die ich geliebt hatte tot war? War es fair, dass die Frau, der ich mich geöffnet hatte, mit einem anderen verheiratet war? War es fair, dass sie jetzt hier in meinen Armen lag und weinte, anstatt sich ihrem Ehemann zu öffnen? Nichts davon war fair. Weder das Leben, noch der Tod. Wir konnten uns nur damit abfinden und nach vorne schauen. Ein Schritt nach dem Anderen. Auf einen Tag folgt ein Anderer.
      “Wir werden das schon hinbekommen, Ylvi. Es wird alles wieder gut.” Da war es wieder. Das Verlangen, was mich in der letzten Zeit immer wieder überkommen hatte. Wieder entfacht durch den Kuss Ylvis vor ein paar Tagen im Auto. “Es wird alles wieder gut...,”, murmelte ich erneut, hob ihren Kopf mit meinem Zeigefinger an und legte meine Lippen auf die Ihren. Ich küsste sie und es fühlte sich an wie damals. Vertraut, nach Zuhause. Obwohl mich ein schlechtes Gewissen überkam, ließ ich nicht ab von ihr, legte ihr meine Hand in den Nacken und zog sie so ein wenig enger an mich heran. Nach einem kurzen Zögern erwiderte sie den Kuss, wurde fordernder.
      Schließlich lösten wir uns voneinander, sahen uns an. Niemand sagte ein Wort, ehe wir uns in einem erneuten Kuss wiederfanden.
      Tschetan
      Mir perlte der Schweiß von der Stirn. Ich stand inmitten einer Box, meine Gummistiefel in der nassen Plörre, die der Hengst hinterlassen hatte. Ehrlich gesagt war mir gar nicht bewusst in wessen Box ich gerade stand.
      Aber das dämliche Vieh hatte seinen Arsch so lang an der Tränke geschubbert, bis selbige abgebrochen war. Und die gesamte Wasserleitung hatte munter fröhlich die Box,sowie den Gang gewässert. Heute morgen hatte mich also eine Masse aus Scheiße, Wasser und Stroh in der Stallgasse erwartet. Das noch vor Schulbeginn!
      In Windeseile hatte ich zumindest mal das Wasser abgestellt. Nun stand ich also in der Sauerei. Die Ablenkung kam mir allerdings gerade Recht. Zu viel das mir durch den Kopf ging. Simples Schaufeln brachte mich fort davon.
      “Tschetan!”
      “WAH!” schrie ich, zuckte sogar richtig zusammen. Sah mich um nach dem Ursprung der Stimme.
      “Bist du verrückt? Hast du mal auf die Uhr geschaut? Du musst zur Schule. Mach hin! Ich hab nicht wieder Lust auf euch zu warten” zeterte Octavia mich an. Noch im Schreck klammerte ich mich an die Mistgabel. “Hee!” sie winkte mit ihrer Hand vor meinem Gesicht umher “Schau nicht wie ein Schellfisch.” Ich stellte die Gabel vor der Box ab. Tauschte meine Gummistiefel. Während O mir dabei zu sah. So richtig wusste ich ihren Blick nicht zu deuten. “Hattest du schon Frühstück?” fragte O in ihrem üblichen Ton. “Bisher nicht.” kam mir die knappe Antwort über die Lippen. “Dann schlag ich vor, du bewegst dich unter die Dusche. Du stinkst.” flüsterte sie in einer zuckersüßen Stimme. Fast augenblicklich fingen meine Ohren zu glühen an. Hervorragender Morgen.
      Aimee
      Ich hatte gerade das letzte Pausenbrot geschmiert da kam Tschetan in die Küche gestolpert. Seine langen Haare zu nassen Zöpfen geflochten sprang er quasi über den Tisch auf die Rückbank, schmierte sich in einer Schnelligkeit, die mich nur staunen ließ, ein Brot und stopfte es sich gefühlt komplett in die Backen. “Mal wieder zu spät dran”, lachte ich und reichte auch ihm eine der Tüten, in die ich das Essen gepackt hatte.
      “Na einer von uns muss doch hier auf dem Hof was helfen, Caleb rastet aus wenn wir hier nicht mit anpacken”, schmatzte er mir entgegen.
      “Mach den Mund beim Kauen zu- oder besser, mach den Mund leer, bevor du etwas sagst.”
      “Jaja…”
      Octavia platzte in die Küche, schaute uns Schulkinder einen nach dem Anderen mit einem Todesblick an und sagte: “Ab ins Auto!”
      Tschetan, Kaya, Betsy und ich flüchteten geradewegs aus dem Haus und nachdem ich das ‘Ich sitz vorn’- Spiel gegen Tschetan verloren hatte, nahm ich hinter O Platz. “Ääääätsch”, hörte ich vom Beifahrersitz, gefolgt von einem “Aua, sag mal spinnst du?!”. Ich hatte Tschetan gegen die Schulter geboxt.
      Eineinhalb Stunden später waren wir in Calgary angekommen. “Ich komm euch später abholen”, sagte O, ermahnte uns, die Türen des Wagens fest zu zu machen und fuhr dann zu ihrem Termin- was auch immer sie hier in Calgary zu erledigen hatte.
      “Sehen wir uns in der Pause?”, fragte ich in die Runde und ging nach einem allgemeinen Nicken meiner Wege.
      Tschetan
      In dem Versuch mich etwas bequemer hinzusetzen, erhob ich mich leicht auf dem Stuhl. Meine langen Beine passten kaum unter den Tisch. Ich musste, wenn ich sie lang streckte aufpassen sie nicht zwischen die Beine meines Vordermannes zu schieben. Anschließend starrte ich aus dem Fenster. Dieser Tage fiel es schwer mich zu konzentrieren. In meinen Noten spiegelte sich das ein wenig wieder. Aber auf der Ranch konnte ich vieles davon aufholen. Der Schulstoff fiel mir nie schwer. Manchmal war ich sogar fast ein wenig unterfordert damit. Mein Starren aus dem Fenster blieb jedoch nicht unbemerkt. Plötzlich versperrte mir eine Gestalt den Ausblick. Mein Blick wanderte vom Rüschen und Blumen verzierten Rock, hinauf zum rosa Strick Pulli. Um schließlich in die blauen Augen von Mrs. Schuyler zu schauen.
      Irgendwo, ganz tief unter ihrem sehr verwirrenden Kleidungsstil war sie sicherlich hübsch. In den meisten Fällen wirkte sie allerdings nur lächerlich und das nicht nur wegen ihrer Größe von nur 1,50 m. Sie schien auch nicht sonderlich viel von den First Nations zu halten. Das hatte ich bereits einige Male deutlich zu spüren bekommen. Ihre Hände hatte sie in die Hüften gestützt. “Ich gehe stark davon aus, dass du meinem Unterricht nicht gefolgt bist?” sprach sie mahnend. Da mein Hirn einen Moment brauchte um ihre Worte zu verarbeiten, schaute ich sie wenige Augenblicke verklärt an. Das ganze schien sie irgendwie zu irritieren. Sie leckte sich nervös über die Lippen. Dann legte ich den Kopf schief, grinste leicht und sprach in meiner süßesten Stimme “Nein, tut mir Leid Mrs. Schuyler.” Tat ich ihr etwa plötzlich Leid? Das Lehrerkollegium wusste sicherlich um den Todesfall auf der Ranch. In der letzten Zeit verhielten sich so einige Frauen in meiner Umgebung äußerst seltsam. “Ich sammle mich einen Moment und arbeite wieder mit. Versprochen.” Mrs. Schuyler schien darauf keine weiteren Einwände zu haben, tapperte auf kurzen Beinen wieder vor zum Smartboard...um ihren Unterricht in Sozialkunde fortzusetzen. Vielleicht fiel mir jetzt wieder ein, wieso ich dem Unterricht nicht hatte folgen wollen.
      Nicht das ich die weibliche Anatomie langweilig fand, aber sie erinnerte mich zu sehr an das was mein Kopf seit einigen Tagen auseinander nahm. Zu sehr an Ylvi...und an Caleb. Und ihren Kuss. Oder vielmehr Küsse. Ich hatte gedacht der im Auto sei eine einmalige Sache gewesen. Doch vorgestern hatte ich sie auf einem Ritt mit Dakota erneut gesehen. Ich konnte mit diesem Wissen nicht umgehen. Noch hatte ich niemandem davon erzählt. Allein mit mir ausgetragen. Einerseits...meinte ich zu verstehen was sie zueinander zog. Andererseits kannte ich mich damit nicht aus. Weder mit Frauen, noch mit Beziehungen. Mich verwirrte sogar die Anziehung die ich gegenüber Octavia empfand. Seither stürzte ich mich in die Arbeit auf der Ranch. Sie war geradlinig. Folgte ihren eigenen Regeln, während alles andere meinen Verstand zu sehr durcheinander brachte. Mein Verständnis von Liebe war...gelinde gesagt wohl als durchwachsen anzusehen. Mit dem Umzug zur Ranch hatte ich zumindest ein Verständnis für Familie entwickelt. Nur erschütterte Ylvi dieses gerade in meinen Grundfesten.
      Aimee
      „Aimee wie lange bist du jetzt hier in der Klasse?“, fragte mich meine Sitznachbarin, was mich erst zum Grübeln und dann zum Lachen brachte.
      „Ich glaube... drei, vier Monate? Letzten Dezember sind mein Vater Brian und ich auf die Bow River Ranch umgezogen. Caleb hatte neues Personal gesucht, mein Vater unterstützt ihn beim Training der Pferde”, antwortete ich während ich mit meinem Stift immer wieder die grauen Linien nachfuhr, die die Mähne meines gemalten Pferdes darstellen sollte. Ich hatte schon immer gezeichnet, mal mehr, mal weniger. In letzter Zeit und mit dem neuen Leben auf der Ranch war das etwas hinten runtergefallen, doch hier im Unterricht, in der Selbstlernzeit, fand ich wieder Motivation dazu.
      “Psst, der Lehrer kommt”, flüsterte mir jemand von rechts zu. Sofort blätterte ich in meinem Block eine Seite weiter. Gerade rechtzeitig. Fast.
      “Aimee ich weiß, dass du noch relativ neu hier bist und auch, dass privat bei euch allen viel los ist aber ich bitte dich, konzentriere dich und mach die Aufgaben. Malen kannst du im Kunstunterricht.” Mit diesen Worten nahm er mir mein gemaltes Bild weg. Ich wollte protestieren, stand schon halb auf. Doch Louis, der links von mir saß, zog mich an der Schulter wieder auf meinen Platz zurück, schüttelte den Kopf. “Leg dich nicht mit dem an”, flüsterte er mir zu und zuckte kurz mit den Schultern.
      In der Pause erzählte ich Tschetan davon. Natürlich hatte ich mein Bild nicht zurückbekommen, sondern es war im Müll gelandet. Mein Gegenüber reagierte aufbrausend, doch auch ihm gab Louis zu verstehen, dass wir uns nicht mit diesem Lehrer anlegen sollten. Es wurde geredet. Dass die Kinder von der Bow River Ranch Sonderbehandlungen bekamen, dass sie zeitens viele Fehltage aufwiesen. Jetzt einen Aufstand wegen eines Blatt Papiers zu schieben, wäre nicht förderlich.
      In der zweiten Pause stellte ich mich zu Kaya und Betsy. Die beiden waren in der selben Klasse. Tschetan ein paar darüber, ich eine über ihm. Die beiden Mädchen waren nicht wirklich für ein Gespräch zu gewinnen, weshalb ich mich umschaute. Tschetan sah ich gerade nicht, aber die anderen Jungs und Mädchen, die in Gruppen umher standen, schauten immer mal wieder zu uns rüber und tuschelten. Bildete ich mir das nur ein, weil Louis heute davon gesprochen hatte? Oder wurde wirklich so viel über uns geredet?
      Ich entschied, der Sache auf den Grund zu gehen und Tschetan zu suchen. Während ich umherging, schnappte ich immer wieder Gesprächsfetzen auf. Es wurde über die Schule gesprochen, das Wetter, die Lehrer. Kein einziges Mal bekam ich etwas über uns mit. Einige Grüppchen verstummten allerdings auch, als ich an ihnen vorbeikam.
      Wo trieb sich Tschetan eigentlich schon wieder herum? Nahe des Footballfeldes fand ich ihn schließlich. Dort stand er mit ein paar anderen indianischen Kindern und unterhielt sich mit ihnen auf einer Sprache, die ich nicht verstand. Ich blieb mit einigem Abstand stehen, winkte ihn zu mir herüber und lächelte den Anderen im Kreis freundlich zu. Diese drehten sich jedoch einfach weg. Verwirrt wandte ich mich meinem Freund zu. “Hab ich denen was getan?”, platzte es aus mir heraus. Das war doch eigentlich überhaupt nicht das, weshalb ich ihn mir hergerufen hatte.
      “Nein.” Mehr Antwort bekam ich nicht. Okay… dann musste ich mich wohl damit zufrieden geben.
      Ich räusperte mich. “Ich ähm… ist dir etwas aufgefallen, dass die Anderen über uns reden?”, fragte ich ihn dann. “Es war mir gar nicht bewusst… aber eben als Louis das erzählt hat, und mein Mathelehrer eben im Unterricht. Und wie er mit mir gesprochen hat: ‘Aimee ich weiß, dass du noch relativ neu hier bist und auch, dass privat bei euch allen viel los ist aber ich bitte dich, konzentriere dich und mach die Aufgaben.’”, äffte ich meinen Mathelehrer nach. “Hast du davon was bemerkt?”
      Tschetan
      Gossip also. Ich seufzte schwer. "Aimee, Aimee...du gibst einfach zu viel darauf was andere über dich denken könnten." Dabei legte ich einen Arm um ihre Schulter. "Ich achte nicht darauf. Aber was dein Lehrer da gesagt hat, klingt schon ein wenig seltsam. Dabei muss man zugeben.Wir Ranch-Kids werden schon manchmal anders behandelt." Dabei dachte ich nicht nur allein an die Bow River. In der Fahrgemeinschaft, sowie der damaligen Versammlung um Heim-Unterricht. Da waren es mehr Eltern gewesen, die einen Bus-Shuttle gewünscht hatten. Im letzten Semester der Schule hatte der auch noch funktioniert, doch über den Schneereichen Winter war das wieder abgebrochen. So hatten wir uns alle in Fahrgemeinschaften organisieren müssen. So wechselten aktuell alle mit einem Auto auf der Ranch, sowie der umliegenden Ranches ab. Aimee legte den Kopf schief "mhm, du magst vielleicht Recht haben.Ich find es einfach nur auffällig." sprach sie konsterniert. "Nur Mrs. Schuyler ist in letzter Zeit so seltsam. Du kennst sie? Die junge Lehrerin mit Hang zu Rüschen und rosa Strick-Sachen?"
      "Die Sozialkunde-Lehrerin?" "mhm, genau die."
      "Tut mir Leid...ich kenn die zwar flüchtig. Aber im Unterricht habe ich sie nicht. Inwieweit ist sie denn seltsam? Ich liebe ja ihr lockiges Haar." schwärmte Aimee. "Haar hin oder her. Meine Freunde hatten, aufgrund ihrer Herkunft aus dem Reservat schon so einige Probleme mit ihr. Auch an mir ist das nicht ganz vorbei. Letztens musste ich mal wieder Nachsitzen bei ihr. Ich bin vielleicht ein wenig unaufmerksam im Unterricht." ich kratzte mir am Kopf dabei. Sollte ich Aimee von Ylvi und Caleb erzählen? Sie war noch nicht lang da. Aber in den wenigen Monaten eine wirklich gute Freundin geworden.
      Aimee
      “Hm, ist denn alles ok?”, fragte ich den jungen Mann und schälte mich aus seinem mich umfassenden Arm, um ihm wieder gegenüber zu stehen und ihn ansehen zu können. Dieser winkte nur ab und schaute in Richtung der Schulglocken, die uns mit ihrem Klingeln zu verstehen geben, dass wir uns für die letzten zwei Stunden wieder zurück ins Schulgebäude begeben sollten. “Bis später”, verabschiedete ich mich von Tschetan, für den mir einfach kein geeigneter Spitzname einfallen wollte, um wieder in mein Klassenzimmer zurück zu gehen. Beim Hineingehen langte ich flink in den Papiermüll und zog mein Bild wieder heraus.
      An meinem Platz angekommen glättete ich es sorgfältig mit meinem Ärmel, ehe ich es in meinen Block steckte- sicher verwahrt vor weiteren Lehrern, die es mir wegnehmen könnten.
      Die letzten beiden Stunden vergingen wie im Flug. Draußen traf ich Kaya und Betsy wieder, mit denen ich schon einmal zum Auto ging. O holte uns wieder ab. Da Tschetan nicht da war, krallte ich mir den Beifahrerplatz und streckte ihm die Zunge raus, als er sich auch endlich bequemte, zu uns rüber zu kommen. Kaya und Betsy unterhielten sich auf der Rückfahrt munter. Tschetan und ich schienen beide eigenen Gedanken nachzuhängen, denn niemand von uns sagte ein Wort.
      Auf der Ranch angekommen ging es zum gemeinsamen Mittagessen, danach an die Hausaufgaben. Ich blieb am Küchentisch im Haupthaus sitzen, eine der wenigen Gelegenheiten, den Trubel hier hautnah mitzubekommen. Caleb stiefelte ein und aus und beachtete mich nicht weiter. Ylvi ging ein und aus, immer darauf bedacht, an der Küche vorbei zu huschen und immer genau gegenteilig zu Caleb. Ging er raus, kam sie rein. Ging er rein, kam sie kurz danach raus. Die Beiden waren mir ein Rätsel.
      “Na Aimee, brauchst du noch lange?”, fragte mich Laurence, der auf einmal in der Tür zum Flur stand.
      Ich sah auf, schlug mein Heft zu und sah ihn strahlend an. “Gerade fertig geworden!”
      “Gut, kannst du mir mal bei der neuen Tränke helfen? Ich bekomm die Schrauben nicht gut rein. Wird wohl doch Zeit, dass ich mir eine Brille hole”, grummelte der alte Mann und ich folgte ihm schweigend.
      Tschetan hatte so etwas heute Morgen erzählt, dass einer der Hengste in einer Box die Wassertränke zerstört hatte. Wir brauchten nicht lange, da konnte ich wieder meiner Wege gehen. Ich steuerte auf den Bungalow meines Vaters und mir zu, in dem ich in mein Zimmer ging und mich umzog. Als ich den Bungalow wieder verlassen wollte, stand Tschetan vor der Tür. “Ich äh.. hast du Lust auf einen Ausritt? Caleb sagte wir dürften Chou und Jade mitnehmen.”
      Tschetan
      Nach den Hausaufgaben, sowie dem Beritt zweier Trainingspferde von Caleb, hatte ich mich mit der Bitte auf einen Ausritt aus seinem Dunstkreis retten können. Wie ich mit ihm umgehen wollte, oder besser sollte mit dem Wissen das ich hatte wusste ich nicht. Normalerweise fiel es mir nicht schwer mit ihm solche Sachen zu besprechen. Manchmal hatte ich ihm mehr anvertrauen können als meinem Onkel. Mit dem Bruch in meinem Vertrauen hatte ich nun wirklich ein Problem erreicht das ich nicht wirklich zu klären wusste.
      Aimee erschien mir daher wie die naheliegendste Wahl. Zu einem Ausritt musste sie selten überredet werden. In der Stallgasse quatschten wir über belanglose Dinge. Ließen uns Zeit damit die Pferde fertig zu machen, schließlich blieb es immer länger hell. Die Sonne schien sogar manchmal schon so sehr vom Himmel, dass sie einem die Haut wärmte. Ich hielt Chou vorn am Zügel fest, während Aimee sich in den Sattel schwang. Ehe ich es mir auf dem Rücken von Jade bequem machte. Ihr entging mein Zeichen mit den Lippen den Weg zu weisen. Also wiederholte ich die Geste mit der Hand. "Manchmal vergesse ich, dass du nicht wie ich aufgewachsen bist." Aimee drehte sich halb zu mir um, Verwirrung in ihrem Blick. "Wir geben oft mit vorgeschobener Lippe eine Richtung an, oder deuten auf andere Personen. So " damit wiederholte ich die kleine Geste. "Das ist mir so geläufig. Selbst Ylvi kannte das. Aber in der Schule oder mit dir. Vielen entgeht das einfach."
      "Warum macht ihr das auch?"
      "Mit dem Finger oder der Hand auf andere zu weisen ist schrecklich unhöflich." Aimee grinste breit "Bei uns auch, aber ich glaube niemand kam auf die Idee einfach die Geste zu verändern."
      "Du kannst eben noch eine ganze Menge von mir lernen." ich drückte meinen Rücken durch, schob die Brust heraus und schaute 'weise' wie möglich drein. "Musst du kacken?" fragte Aimee spöttisch, trabte Chou an und verschwand einen Moment aus meinem Blickwinkel. Ohne nachzudenken gab ich Jade die Zügel vor. Schrie "Yihaaw" und preschte im Galopp an ihr vorbei. Chou hatte keine Schwierigkeiten damit mir und Jade zu folgen. Nachdem der Pfad in den Wald allerdings verwurzelter wurde parierte ich das Pony durch. "Mach das nicht nochmal!" schimpfte Aimee mit mir. Doch das Grinsen konnte ich mir nicht verkneifen. Natürlich wusste ich, dass Aimee ein bisschen aus der Übung war mit dem Reiten. Sie war zwar auf einem Pferderücken aufgewachsen, hatte die letzten 6 Jahre aber in der Stadt gelebt und keine Pferde gesehen. Ich war mir sicher, hätte sie mich erreicht, dann hätte sie mir wütend auf die Schulter geschlagen. Das war eine ihrer seltsamen Angewohnheiten. Trotzdem entschuldigte ich mich nicht, es war schließlich nichts passiert. "Sieh dir lieber diesen Ausblick an!" stichelte ich, deutete in Richtung des Bow River der sich unter uns erstreckte. Der Galopp hatte den leichten Anstieg in den Wald genommen. “Erinnert ein wenig an den auf der Ferienranch.” sprach Aimee zögerlich. Ihr war es unangenehm über Dell’s Tod zu sprechen. Sie hatte den Mann schließlich kaum gekannt. “Tatsächlich, das ist mir so direkt noch nie aufgefallen. Allerdings ist es der falsche Hang.” Ich gab Jade das Zeichen weiter voran zu laufen.
      “Tschetan...sag mal, normalerweise bist du ein wenig gesprächiger mit mir. Bedrückt dich irgendwas? Ich hatte auf dem Schulhof schon das Gefühl du möchtest etwas loswerden.” Ich zuckte mit den Schultern. “Schon ja, aber irgendwie finde ich die richtigen Worte nicht.”
      “Sprech sie einfach aus.Richtige Worte lassen sich schwer finden.”
      “Ich hab...vor ein paar Tagen gesehen wie sich Caleb und Ylvi im Auto vor der Schule geküsst haben. ...und dann am Sonntag, also gestern. Hab ich auf meinem Trainingsritt mit Dakota gesehen wie sie auf der Ebene standen. Erst hat er sie nur umarmt. Und plötzlich haben sie sich innig geküsst. Sie waren ein Paar, weißt du. Bevor Louis sie geheiratet hat. Ich weiß das war..naja mehr aus Zweckmäßigkeit. Sie hätte sonst die Ranch verlassen müssen. Aber ich sehe auch wie sie zu uns ist...mit Louis umgeht. Ich verstehe nicht viel von Liebe...aber die Art wie sie Louis anschaut. Das bilde ich mir doch nicht ein? “ bei meiner Unsicherheit blieb Jade plötzlich stehen, sodass Chou beinahe in sein Vorderpferd hinein lief.
      Aimee
      “Oh shit”, bekam ich gerade noch über die Lippen, da hing ich am Hals meines Pferdes. Die Zügel hatte ich aus Reflex fallen gelassen, um mich selbst am Tier festzuhalten. Zum Glück hatte Chou nur aus dem Schritt einen Satz zur Seite gemacht, so dass es mich nicht komplett vom Rücken gefegt hatte.
      “Mein Gott, Aimee”, bekam ich von Tschetan zu hören, der lachend die Augen verdrehte und mich wieder aufs Pferd schob. Auch langte er nach meinen Zügeln, um sie mir wieder in die Hand zu drücken.
      Ich schaute ihn schmollend an. “Jaja, du darfst jetzt gerne wieder aufhören zu lachen.” Wir ritten weiter. Ich war ihm noch immer eine Antwort schuldig.Es war wirklich schwer für mich, Caleb, Louis und Ylvi einzuschätzen. Genau das antwortete ich Tschetan schließlich auch. “Ich habe immer mal wieder ein paar Bruchstücke mitbekommen, von den Dreien. Dass Ylvi zuerst mit Caleb zusammen gewesen ist, dann mit Louis. Anscheinend gibt es öfter Streit, was die betrifft?” Tschetan nickte. “Hmpf…”, murmelte ich und lenkte Chou durch die tiefhängenden Äste, bis wir ganz oben auf dem Hügel angekommen waren, von dem aus man das gesamte Tal überblicken konnte. Ich atmete einmal tief ein. Oh wie hatte ich das vermisst, diese Landluft und die großen Weiten von… nichts. Okay nichts war es nicht wirklich, aber keine Straßen und Autos oder Hochhäuser oder… “Aimee, hallo, komm wieder hierher zurück”, lachte Tschetan und legte seine Hand kurz auf mein Bein.
      “Ist ja gut”, grummelte ich, drehte Chou so, dass seine Hand von meinem Bein rutschte und sah zur Bow River Ranch rüber. “Ich verstehe Caleb und Ylvi aber auch nicht… meine Eltern haben sich getrennt und kämen nie auf die Idee, nochmal etwas miteinander anzufangen und…”
      “Ich glaube Caleb und Ylvi haben sich nie richtig getrennt.”
      “Hm?”
      “Na… Louis hat sie geheiratet, damit sie bleiben konnte. Auf der Ranch. Ich glaube, sie haben nie richtig Schluss gemacht.”
      “Oh”, war meine knappe, verwunderte Antwort. “Aber das ist doch trotzdem kein Grund.. ich mein.. ach was weiß ich denn schon.” Ich zuckte die Schultern. Tschetan sah mich ebenso ratlos an. “Komm, lass uns zurückreiten.”
      Wir wählten dieses Mal einen leichteren Weg, so dass wir viel auf der Geraden traben und galoppieren konnten.
      Auf dem Hof angekommen kam uns Laurence entgegen, der nicht sehr erfreut aussah. Ich wechselte einen kurzen, hilfesuchenden Blick mit Tschetan, ehe das Donnerwetter losging. “Wenn ihr nochmal so vom Hof prescht wie die Bekloppten… dann wars für ein paar Wochen das letzte Mal, dass hier einer von euch ein Pferd reitet!”
      “ ‘tschuldigung, Laurence”, murmelten Tschetan und ich synchron. “Kommt nicht wieder vor.” Laurence nickte und tigerte um uns herum. “Die werden jetzt hoffentlich gewaschen und ins Solarium gestellt. Was habt ihr mit denen gemacht?”
      Tschetan ergriff das Wort, erklärte sich und versicherte ihm, dass wir die Pferde waschen und anschließend unter das wärmende Solarium stellen würden. Noch war es zu kalt, um sie an der Luft trocknen zu lassen.
      Tschetan
      Ich pulte an dem getrockneten Schweiß in Jades Fell herum. Wir standen gemeinsam unter dem Licht des Solariums. Chou war etwas ungeduldig, sodass Aimee das Pferd immer wieder korrigierte. “Aimee. Ignoriere das Scharren einfach. Du weißt doch...Aufmerksamkeit ist Aufmerksamkeit, auch wenn das Pferd scharrt.” Der Blick den ich über Chous Rücken zugeschickt bekam, hätte mich wohl getötet, wenn Blicke solcherlei Dinge vermochten. Ich konnte nicht anders als ihn mit einem breiten Grinsen zu erwidern. Aimee seufzte “Du bist fast so schlimm wie Caleb.” dabei rollte sie die Augen. Ich zuckte die Schultern “Das hat gar nichts mit Caleb zu tun. So hab ich es gelernt. Lakota strafen ihre Kinder nicht. Sie müssen ihre Erfahrungen selbst machen. Stattdessen wurden uns lehrreiche Geschichten erzählt. Kein Elternteil bei Verstand würde gegen seine Kinder die Hand erheben.” Zumindest war es in alten Zeiten so gewesen...Louis hatte uns so erzogen. Auch meine Großmutter. Mein Vater jedoch, wenn er zu viel Alkohol getrunken hatte. Ich schaute hinab zu meiner Hand die noch immer mit der verschwitzten Stelle spielte. Das war ein Thema an das ich nicht gern dachte. Genauso wie den Tod meiner Mutter. Aimee sprach mich nicht an, es herrschte eine ganze Weile einfach nur Schweigen. Dafür war ich ihr Dankbar. Sie wusste manchmal ganz genau, wenn es sich nicht lohnte weiter nach zu bohren.
      “Ich denke wir können die zwei wieder auf die Paddocks bringen.” murmelte Aimee irgendwann zu mir. “Ich will nur noch schnell die Schweißkruste aus dem Fell bürsten.”
      “Das ist keine schlechte Idee.” erwiderte Aimee. Seite an Seite bürsteten wir beiden Pferden die Rückenpartie. Trotzdem sie beinahe trocken waren, beobachteten wir beide Pferde noch dabei wie sie sich ausgiebig im Dreck wälzten. “Tschetan?” ich drehte mich suchend nach der Stimme um, die meinen Namen gerufen hatte, es war Ylvi gewesen. “Hast du deine Schwester in der letzten Stunde zufällig gesehen?”
      “Tut mir Leid, ich war auf einem Ausritt.”
      “Diese zwei Kids machen mich wahnsinnig. Also, wenn du Kaya oder Betsy irgendwo siehst - schick sie zum Bungalow. Es wird Zeit für das Abendessen. Bist du heute dabei? Oder isst du drüben mit den anderen?” Ich schenkte Aimee einen Seitenblick. Ihre Lippen formten das Wort ‘Drüben’.
      Dabei fiel mir etwas ein. “Hast du drüben im Haupthaus mal nach den beiden gesucht? Schließlich wird Betsy über kurz oder lang dort ihr Zimmer beziehen. Ich denke vor dem Kamin in der Bibliothek werden sie es sich bequem gemacht haben.” Nicht das sie sich sonderlich für die Bücher dort interessiert hätten. Vielmehr den riesigen Bildschirm den Laurence dort vor einigen Wochen aufgehängt hatte.
      Laurence
      Gähnend schaute ich nach oben, als eine Gestalt in die Bibliothek gepoltert kam. Es war Ylvi, die sich das zerzauste Haar aus dem Gesicht strich. “Hier habt ihr euch verkrochen!” Damit meinte sie vermutlich eher Kaya und Betsy als mich. “Was schaut ihr euch da eigentlich an?”, setzte sie nach, schnappte sich die Fernbedienung und knipste die Kiste aus. “Es gibt Essen, kommt. Du auch Laurence.”
      Im Esszimmer angekommen fiel mir sofort auf, dass Ylvi den Weg zur Haustür eingeschlagen und rausgegangen war. Aß sie nicht mit uns? Ich überflog den gedeckten Tisch mit einem kurzen Blick. Zwei Teller zu wenig. Ylvi und Louis.
      Kurzerhand nahm ich Platz und schaute zur Tür, als Tschetan und Aimee den Raum betraten. Ich sah sie fragend an und bekam schließlich von Tschetan Antwort: “Jade und Chou sind wieder auf ihren Paddocks.” Kurz nickte ich, ehe ich zu Caleb sah, der sich mit Betsy unterhielt. Seit neustem haben wir die Sitzordnung am Tisch etwas geändert, so dass die Kleine neben Caleb saß. Dieser Platz war ehemals Ylvi zugeteilt gewesen.
      Dolly hatte sich wieder die größte Mühe gegeben. Lasagne gab es am heutigen Abend und alle schlugen sich die Bäuche voll. Was Louis und Ylvi drüben wohl aßen?
      Ich war froh, dass wir morgens und abends gemeinsam hier am Tisch sitzen und essen konnten. Die Haushaltshilfe Dolores, liebevoll von uns allen Dolly genannt, war eine unglaubliche Bereicherung- und das schon über einen geraumen Zeitraum hinweg! “Dolly, setz dich doch und iss auch etwas mit uns”, bot ich ihr an und rückte auf der Bank ein Stück zur Seite. Sie nickte lächelnd und setzte sich mit einem Teller und Besteck neben mich.
      Die Mitarbeiter unterhielten sich munter, es herrschte eine lockere Stimmung. Schließlich war es Zeit, den Tisch abzuräumen. Wir hatten uns angewöhnt, dass jeder seinen Teller nach dem Essen in die Spülmaschine stellte. Dolly nahm uns zwar viel Arbeit ab, aber das bekam jeder auch gut selbst auf die Reihe und entlastete sie so ein wenig. “Bis morgen früh, Dolly”, verabschiedete ich mich und machte mich auf den Weg in den Stall. Heute war ich mit der Abendrunde dran.
      Tschetan
      “Wo hast du Kaya gelassen?” kam eine Stimme aus der Dunkelheit. Ich zuckte doch tatsächlich zusammen als Aimees Stimme plötzlich auftauchte. “Übernachtungsparty drüben bei Betsy. Bedeutet...endlich mal wieder in meinem Bett schlafen!” Aimee zog verwirrt das Gesicht kraus.
      “Betsy hat in den letzten Wochen so oft bei uns geschlafen. Da war die Couch mein Bett”
      “Stimmt, die Bungalows sind alle gleich geschnitten. Du hast kein eigenes Zimmer.”
      “Richtig. Es war mal in der Sprache das ich rüber in das Haupthaus ziehe...aber irgendwie kam das Thema nie wieder auf.”
      “Und du findest das okay dir mit deiner 12 jährigen Schwester und ihrer Freundin das Zimmer zu teilen?”
      “Das ist schon...naja in Ordnung. Im Reservat haben wir oft zu 5 in einem Raum geschlafen. Ich kenn es tatsächlich gar nicht anders.”
      “Ouh...tut mir Leid, ich vergess das immer wieder.”
      “Schon gut.” winkte ich ab. “Gut...dann mal gute Nacht.” ich winkte ihr zu, öffnete die Tür und verschwand im inneren. “Wo ist Kaya?” ich musste ein wenig Grinsen. Innerhalb weniger Minuten dieselbe Frage gestellt zu bekommen. “Sie schläft drüben bei Betsy.”
      Ylvi seufzte “Vielleicht sollten wir mit ihr sprechen...es ist ja schön das sie so erwachsen wird. Aber sollte sie uns nicht um Erlaubnis fragen?” fragend sah sie sich zu Louis um. Der machte eine Geste die sie nicht verstand. “Sie hat ihrem Bruder bescheid gegeben. Sie ist nicht weit fort.”
      “Ja also dann.”
      “Ich wünsche euch beiden eine gute Nacht.” damit ging ich zur Couch. Umarmte Louis...und gab Ylvi einen Kuss auf die Wange. Nur weil ich gesehen hatte was zwischen ihr und Caleb vorgefallen war, wollte ich vorerst nicht anders mit ihr umgehen. Noch wusste ich nicht was ich mit meiner Information anstellen würde. Aber es hatte gut getan Aimee heute davon zu erzählen.
      Caleb
      Sonntagabend. Die Woche war wie im Flug vergangen. 11 Tage war Dell nun schon begraben. Oben auf dem Hügel auf dem nun die neue Ferienranch trohnte. Dells Rookie Ranch. Den Sommer über würden wir an den Gebäuden arbeiten, so dass sie zum Winter hin einzugsbereit war. Ich saß in meinem großen Sessel im unteren Wohnzimmer vor dem imposanten Kamin und schauten den Flammen zu, die sich immer wieder ihren Weg nach oben suchten, züngelten wie eine Schlange, um im nächsten Moment wieder in sich zusammen zu fallen. Ich nahm einen Schluck des Bieres, welches sich in meiner rechten Hand befand. In meiner Linken drehte ich Vultures Anhänger, das kleine Gewehr, immer wieder hin und her. Ich war mir sicher gewesen, ich hätte es wieder am Halfter meines Hengstes befestigt. Wie also konnte ich es dann in der Tasche meines Hemdes finden?
      Meine Gedanken schweiften, ich war aufgeregt, unruhig. Morgen Abend war der Termin auf dem Jugendamt wegen Betsy. Am Telefon wurde uns nicht verraten, um was es ging. Wieder nippte ich an der Flasche, steckte den Anhänger zurück in meine Tasche und beobachtete weiter die Flammen. Schließlich schloss ich meine Augen und lehnte meinen Kopf seufzend zurück gegen die Kopfstütze des Sessels. *klong* “Prost, Caleb”, trällerte Octavia, die gerade mit ihrer Flasche an meiner angestoßen hatte, ehe sie sich aufs Sofa setzte. Ihr folgten Cayce, Murphy und Bellamy, die sich ebenfalls im Raum verteilten und munter miteinander anstießen. Ich grummelte etwas unverständliches, drehte den Sessel und wohnte ihrer Unterhaltung bei. Octavia unterhielt sich über Bellamy hinweg mit Murphy, dass sie mit den Fortschritten von Soul absolut begeistert wäre. Bellamy derweil warf immer wieder ein, dass sich seine Dakota gemacht hätte, seit wieder Zeit da war, um sie regelmäßig zu arbeiten.
      “He Cayce, was macht Shorty?”, fragte ich den braunhaarigen Mann der mir am nächsten saß. Shorty war beim letzten Zusammentreiben der Kühe in den Stacheldraht gekommen, als er einer ziemlich übel gelaunten Mutterkuh ausweichen musste.
      “Halb so wild”, murmelte er und nahm einen Schluck aus der Flasche. “Es heilt gut. Ich denke, ihn nehm ihn morgen wieder mit.”
      “Wenn du ihm dennoch etwas mehr Ruhe gönnen möchtest, nimm ruhig weiterhin Gangster oder Devil. Es sei denn… du suchst die Herausforderung. Dann schnapp dir Crystal. Eigentlich bräuchte sie mehr Routine…”
      “Routine?”, lachte Cayce. “Um Routine zu entwickeln, müsste die erstmal eine ordentliche Grundausbildung am Rind haben und… verdammt.”
      Alle lachten, auch die, die unserem Gespräch bisher nicht wirklich gefolgt waren. “Du hast deine Aufgabe für die nächsten Wochen gerade selbst festgelegt.”
      “Noch irgendwelche Jobs, die du mir aufdrücken willst?”, murrte er und rollte dabei theatralisch mit den Augen.
      “Nein, nein. Erstmal nicht.”
      Mir war gar nicht aufgefallen, dass Ylvi den Raum betreten und sich auf den zweiten Sessel, mir gegenüber gesetzt hatte. Ich nickte ihr zu, hob mein Bier und wir beide tranken einen Schluck.
      Nach und nach leerte sich der Raum, bis es nur noch wir beide waren, die sich darin befanden. Einzig und allein das Knacken des Feuers bewahrte uns davor, uns in peinlicher Stille gegenüber zu sitzen.
      Ylvi
      Ich hatte versucht ihm aus dem Weg zu gehen. Aber zwischen den Schlucken von Wein und Bier hatte ich den Moment verpasst das Zimmer frühzeitig zu verlassen. Das Knacken des Feuers...und mein gelegentliches blättern war zu hören.
      Ab einem Punkt zwischen den Gesprächen hatte ich mich dem Buchregal zugewandt. “Das hast du lang nicht getan.” durchbrach Calebs Stimme plötzlich die Stille.
      “Mhm?” fragte ich verwundert.
      “Ich hab dich eine ganze Weile nicht mehr lesen sehen.”
      “Reine Ablenkung.”
      “Solltest du die Ablenkung nicht drüben bei deinem Mann suchen?” Wieso betonte er das Wort Mann nur so sehr? Ich klammerte mich an das Buch auf meinem Schoß. “Caleb, bitte..”
      “Was? Ich dachte ich hätte dich vergessen...und dann fängst du mit diesem...ja was...Spiel? An.”
      Ich musste schwer schlucken, sah ihn an wie ein verschrecktes Reh. Irgendwie hatte er ja Recht. Aber da draußen auf der Ebene, da hatte er mich schließlich geküsst! “Also wieso bist du hier?”
      “Ich...ich wollte dir Gesellschaft leisten..Morgen ist ein wichtiger Tag. Wir haben beide Angst. Vielleicht mag es dir nicht einleuchten. Aber Betsy ist auch in meinem Haushalt ein und aus gegangen. Ich bin für sie genau so eine Ansprechpartnerin wie du es bist. Ich fände es schrecklich sie zu verlieren. Ich dachte…”
      “Ich glaube nicht das du denkst..” sprach Caleb bitter. Ich klappte mein Buch zu. Fein, wenn er meine Gesellschaft nicht wollte. “Nein, vielleicht denke ich dieser Tage nicht ganz rational. Aber wir haben auch eine ganze Menge durchgemacht. “ ich erhob mich aus dem Sessel. Musste jedoch einen Moment inne halten. Meine Beine im Schneidersitz hatten begonnen zu kribbeln, jetzt waren sie eingeschlafen. Von meinem Standpunkt aus sah ich Caleb an, der sich noch einen Schluck von seinem Bier nahm. Den Flaschen auf dem Tisch zu schließen auch nicht unbedingt seine erste. Und bei meinen Worten hatte er nur aufgelacht. Er schien auf Streit aus...oder sprach der Alkohol aus ihm? Dann deutete er mit der Flasche auf mich. “Ich versteh dich einfach nicht. Gerade schien es als würden wir zu einem normalen Miteinander zurückkehren können. Und dann...küsst du mich.” Ich wollte diese Konversation nicht, also humpelte ich, trotz eingeschlafenem Fuß aus dem Raum. Ich hatte gerade seinen Sessel erreicht. “Du solltest dich wirklich entscheiden was du willst.” nicht nur Caleb hatte zu viel getrunken.
      Ich hatte noch gar nicht vernünftig darüber nachgedacht, da war ich bereits herumgewirbelt und das Schallen meiner Ohrfeige klang durch den Raum. Calebs Körper, an jahrelange Prügeleien gewohnt, schoss aus dem Sessel auf.Die Bierflasche fiel dabei dumpf auf den Teppichboden. “Nur zu..” drohte ich, auf meiner Wange lief eine Träne der Wut hinab. Mein Blut kochte.Ich sah ihm in die funkelnden Augen. “Du hast deine Chance vertan.” damit stieß ich meinen Finger in seine Brust. “DU hast damals nichts getan. Dabei hab ich gedacht...ich hab gedacht ich würde dir irgendetwas bedeuten. Eine Woche lang...hab ich mir die Augen ausgeheult. Du bist mir aus dem Weg gegangen. Ich dachte du hättest mich abgeschrieben…” flüsterte ich unter dem Einfluss des Alkohols, weinte dabei stumme Tränen und schlug ihm auf die Brust. “Louis war derjenige der mich davor bewahrt hat diesen Ort zu verlassen. Erst war es nur Anziehung, aber auch er brauchte die Hochzeit um die Kinder zu behalten. Die Zuneigung kam erst mit der Zeit. Es ist unfair mich dafür zu verurteilen. Du hattest deine Chance.” schluchzte ich.
      “Du hast dich entschieden...ich hatte...Angst. Angst dich zu fragen. Bist du vielleicht mal auf die Idee gekommen mich danach zu fragen? Nein...stattdessen hast du dich meinem besten Freund an den Hals geworfen, Ylvi. Du hast mich zerstört. Mein Vertrauen missbraucht. Keine Lügen...kannst du dich an das Versprechen noch erinnern?” knurrte Caleb mir zu. “Ich habe dich nie belogen, Caleb. Ich habe dir die Wahrheit gesagt.”
      “Dann verrat mir mal...wieso dein Mann da drüben in seinem Bungalow sitzt...und du hier bist,mhm? Belügst du dich selbst so sehr? Wohin gehört dein Herz Ylvi.”
      “Du bist nicht fair...Zwing mich nicht zwischen euch wählen zu müssen.” schluchzte ich. Wollte mich umdrehen um zu gehen. Das ganze Gespräch hatte sich in eine völlig falsche Richtung entwickelt.
      Um meiner Verwirrung und Frustration noch mehr Futter zu geben, fand ich mich plötzlich in einem stürmischen Kuss wieder. Lippen auf den meinen. Meinem Hals. Zähne die an meinem Ohrläppchen knabberten. Ich seufzte hinein in die Zärtlichkeiten. Obwohl mein Verstand befahl mich sofort von ihm loszureißen. Was sollte das hier eigentlich werden. “Sag mir das ich aufhören soll.” forderte Caleb. “Caleb” stotterte ich, meine Knie zitterten. Seine Arme zogen mich enger an ihn. Er wusste wie sehr ich unter seinen Armen zu zerfließen konnte. Schon von seiner ersten Berührung vor all der Zeit. “Muss ich dich wirklich zwingen mich zu wählen.” hauchte er atemlos in mein Ohr. Natürlich war die Antwort nicht so einfach. Das musste selbst Caleb wissen. Ich krallte meine Finger in seinen Rücken, als er mich an der Hüfte packte und mich auf seinen Arm hob. “Caleb, wir…..nicht..”
      “Du wolltest mir doch Ablenkung schenken, lass mich jetzt nicht allein.” Mein Verstand...ein kleiner Teil davon schrie an ihm zu widerstehen. Aber der Teil, der ihn vermisst hatte, dieser Teil öffnete meine Beine für ihn und hieß ihn willkommen. Die Scham...sie kam erst später. Warum nur hatte sich mein Herz, mein Verstand und mein Körper zwei Männern verschrieben?
      Caleb
      Wir saßen im Wartezimmer des Jugendamtes. Ylvi hatte sich, ‘damit es besser aussah’ widerwillig auf den Stuhl neben mich gesetzt, obwohl wir beide innerlich nach Abstand zu schreien schienen. Der gestrige Abend hatte mich zum platzen gebracht. Meine Gefühle, Wut, die ich so lange angestaut hatte, war einfach explodiert. Ich war zwar aus dem Sessel aufgesprungen und hatte einen Satz auf Ylvi zugemacht, aber die Hand gegen sie erhoben hätte ich niemals, nie.
      War es eigentlich nur Wut, die da in mir brodelte? Nein. Es war Enttäuschung, Unsicherheit, Verletzbarkeit, Verrat, Wut und.. Trauer. Ja, traurig über die Umstände, in denen sich die Ranch gerade befand. Traurig darüber, dass wir jetzt hier saßen und jemand anderes über das Schicksal von Betsy entscheiden würde obwohl in Dells Testament glasklar stand, dass Ylvi und ich für sie sorgen sollten.
      Wir wurden aufgerufen und konnten ins Zimmer unserer Bearbeiterin Hailey Miller gehen, bei der wir ja schon einmal gewesen waren.
      Schweigend setzten wir uns hin und warteten auf die Frau. Niemand von uns sagte ein Wort oder sah den anderen an. Die Fahrt hier nach Calgary war mir schon wie eine Ewigkeit vorgekommen.
      “Guten Morgen Mr. O’Dell und Misses Kills-Bears. Ich möchte direkt zum Punkt kommen, bevor ich lange um den heißen Brei herumrede. Ich habe die Auflagen geprüft und wurde stutzig, als ich mich mit dem Familienstand von Ihnen Beiden beschäftigt habe. Sie, Mr. O’Dell sind ledig und Sie, Misses Kills-Bears sind mit einem… lassen Sie mich nachschauen, Louis Kills-Bears verheiratet, welcher zwei Kinder: Kaya und Tschetan adoptiert hat von seinem… verstorbenen Schwester”, die Frau schwieg und blätterte in ihren Unterlagen hin und her. Wie tief mochte sie wohl gegraben haben?
      “Ich kann Ihnen gemeinsam das Sorgerecht für Betsy Dell nicht übergeben, auch wenn Mr. William Dell diesen Wunsch in seinem Testament hinterlassen hat.”
      Stille. Schweigen. Fassungslosigkeit.
      “Nein?”, kam es irgendwann leise von Ylvi, die ihre Hände auf ihrem Schoß nervös hin und her bewegte.
      “Nein, leider nicht.”
      Ich schluckte schwer. Was bedeutete das für Betsy? Musste sie jetzt doch in ein Heim? Gab es Verwandte? Hatte sich jemand gemeldet? Würde man sie uns wegnehmen?
      “Ich kann, unter diesen Umständen, nur einem von Ihnen das Sorgerecht übertragen. Meiner Erfahrung nach wäre das Kind besser bei Ihnen aufgehoben, Misses Kills-Bears. Sie sind verheiratet und ziehen bereits zwei Kinder groß, während Sie Mr. O’Dell ledig sind und keine bisherigen Kinder vorweisen können. Auch habe ich die Befürchtung, dass sie mit der Aufgabe ein Kind großzuziehen neben ihren anderen Arbeiten als Ranchbesitzer überfordert sein könnten.”
      Uff. Der hatte gesessen. Ich ballte eine meiner Hände zu einer Faust, während ich mit der anderen meinen Hut vom Kopf nahm und mir durch die wieder viel zu langen Haare strich. Da war sie erneut. Die Wut, gegen die ich in letzter Zeit wieder viel zu oft hatte ankämpfen müssen. Ylvi schaute besorgt zu mir rüber, ich sah, wie sie aus dem Augenwinkel auf meine Faust starrte, zögerlich ihre Hand darauflegte und sie erst wieder wegnahm, als ich meine Finger entspannte und die flache Hand auf meinem Bein platzierte. Dennoch blieb die Wut.
      Bevor ich etwas dummes sagen konnte, ergriff Ylvi das Wort. “Ist das jetzt ihr finales Urteil? Ich meine.. Caleb hat sich in den letzten Tagen und auch schon vor Dells Tod um das Mädchen gekümmert, sie vertraut ihm, kommt mit Problemen zu ihm und sucht bei ihm Trost. Sie und Kaya verstehen sich wunderbar, sind viel zusammen aber ein kleiner Umzug ins Haupthaus, zu Caleb, hat schon stattgefunden. Außerdem ist…”, sie stockte, “... meine Familie auch auf der Ranch und somit nie weit weg. Wir… wir stehen Caleb mit Rat und Tat zur Seite.”
      ‘Danke’, formte ich lautlos in Ylvis Richtung mit meinen Lippen. Sie nickte kurz, sah dann wieder nach vorne zu Miss Miller. Ylvi wusste genau, wie viel mir an Betsy lag und dass ich es nicht ertragen könnte, sollte sie nicht bei mir bleiben dürfen.
      Auch ich setzte an um mich zu rechtfertigen, wurde jedoch schnell von der Frau unterbrochen: “Es tut mir sehr Leid, aber ich habe meine Entscheidung für ein vorläufiges Sorgerecht bereits getroffen. Ich kann Louis & Ylvi Kills-Bears das Sorgerecht für Betsy Dell übertragen, dazu muss Mr. Kills-Bears natürlich noch hierher kommen und dem zustimmen.”
      “Moment, vorläufiges Sorgerecht?”, warf Ylvi ein und ließ auch mich wieder aufhorchen.
      “Ja, genau. Ein vorläufiges Sorgerecht. Wenn Sie das wünschen, Mr. O’Dell, würde ich sie einer Prüfung unterziehen, um zu schauen, ob ich Sie für fähig erachte, in nahe Zukunft das alleinige Sorgerecht für das Kind zu übernehmen. Dazu würde ich Ihnen ein paar Unterlagen mitgeben, die Sie bitte ausgefüllt zurückschicken. Außerdem würde ich Sie ein paar Mal unangekündigt besuchen kommen, um die Umstände vor Ort zu prüfen.”
      “Ja.” Schneller als ich hätte über ihre Worte nachdenken können, hatte das Wort ‘ja’ meinen Mund schon verlassen. Ja, ja, ja. Was gab es da noch zu diskutieren?
      Miss Miller überreichte mir die Unterlagen und wandte sich nun wieder an Ylvi. “Ich möchte gerne noch mit Ihnen alleine sprechen… Mr. O’Dell ich danke Ihnen für Ihr kommen und erwarte die Unterlagen zeitnah zurück.”
      Mit diesen Worten stand ich auf, blickte zu Ylvi herab die mich aus leicht verquollenen Augen ansah und verließ den Raum, nur um mich dort auf einen der Stühle fallen zu lassen und die Papiere in den Händen hin und her zu drehen. Zehn Minuten vergingen, zwanzig Minuten vergingen. Mittlerweile war ich aufgestanden und tigerte im Flur auf und ab. Letztendlich ging ich nach draußen, um weiter zu warten. Ich hielt es im Gebäude nicht mehr aus. Immer wieder warf ich einen Blick auf die Unterlagen. So viele Fragen! So viel was das Amt über mein Leben wissen wollte. ‘Verhältnis zu den eigenen Eltern’, ‘Wie sieht ein typischer Tagesablauf aus?’, ‘Trinken Sie Alkohol’? und und und. Ich wirbelte herum und trat mit aller Kraft gegen den Mülleimer, der hinter mir gestanden hatte. Er flog über den Gehweg und entledigte sich all seiner Inhalte. “Verdammte Scheiße!”, fluchte ich und fing dennoch an, alles wieder aufzuheben, in den Mülleimer zu stecken und das blöde Teil wieder dorthin zu stellen, wo es hingehörte.
      Nach einer halben Stunde öffnete sich die Tür und Ylvi trat heraus, ging schnurstracks ohne ein Wort zu sagen an mir vorbei, stützte sie sich an einen der Bäume und atmete ein paar Mal tief durch. Alle meine Gefühle wischen Besorgnis, als ich mich neben sie stellte und eine meiner Hände auf ihren Rücken legte. “Ylvi, ist alles in Ordnung?”
      “Ja.. ja.. es ist nur…”, sie richtete sich wieder auf. “Caleb, verdammt. Reiß dich doch mal zusammen! Durch das Fenster vom Zimmer, in dem wir eben saßen, kann man genau hier herunter schauen. Meinst du dass du den Mülleimer über den Gehweg getreten hast bringt dich Betsy auch nur einen Schritt weiter?”
      “Was weißt du schon!”, knurrte ich sie an, wollte mich umdrehen und zum Wagen gehen. Ylvi griff nach meinem, setzte zu einem neuen Satz an doch ich entzog mich ihr und ging zum Wagen.
      Auf der ganzen Rückfahrt sprach ich mit ihr kein Wort, auch wenn sie ein paar Mal versuchte ein Gespräch zu starten.
      Auf der Ranch angekommen packte sie mich wieder am Arm. “Caleb, hör mir doch kurz zu…”
      “Nein, lass mich in Ruhe!” - Kindskopf. Ich stieg aus, schnappte meine Papiere und wollte ins Haus gehen. Ylvi war aus dem Wagen gesprungen und hatte sich vor die Motorhaube gestellt, um mich noch zu sehen. “Ja, Caleb, lauf ruhig wieder davon, das kannst du ja besonders gut!”
      Die Tür des Haupthauses knallte ich besonders feste zu, lehnte mich mit dem Rücken dagegen, schloss die Augen und atmete ein paar Mal tief ein und aus. Verdammte Scheiße…
      Ylvi
      Erst schritt ich hinterher, blieb dann nach 3 Längen stehen, verschränkte meine Arme vor der Brust um zu sehen ob er nochmal raus käme. Scheinbar war das allerdings nicht der Fall. Also seufzte ich. Verschloss die Türen des Autos, nachdem ich meine Tasche raus gefischt hatte. “Lief das ganze nicht gut?” kam die skeptische Frage von meinem Ziehsohn. “Eigentlich...naja schon. Anders als Caleb das wollte, aber zumindest kann Betsy vorerst auf der Ranch bleiben.”
      “Anders? Darf ich? Also willst du es erzählen?”
      “Vorerst wird sie mir und Louis anvertraut. Wir bekommen vorübergehende Pflegschaft für Betsy.”
      “Das hat ihm nicht gefallen.”
      “Hat es nicht nein….vielleicht aber noch weniger die Tatsache. Naja, das Amt will prüfen wie geeignet Caleb als Vaterfigur ist...alleinstehend, mit seiner Vergangenheit, der Rancharbeit. Wir mussten komplett blank ziehen. Und Caleb wird sich einigen Untersuchungen und Besuchen unterziehen müssen. Das kann ein langer Prozess werden. Am Ende könnte es sogar sein, dass er nie die Pflegschaft für Betsy bekommt. Ich kann seinen Zorn verstehen.”
      Tschetan ließ sich keine Regung anmerken. Schaute nur zu der Tür, die hinter Caleb ins Schloss gefallen war. Nur seine Augenbrauen zuckten ein wenig. “Ich fürchte wir können ihm in der Sache wenig helfen.” Ich sah den jungen Mann an, manchmal zeigte sich in Tschetan die beginnende Weisheit des Alters. Ich spürte ein unbestimmtes Gefühl in der Brust. War es Stolz? Ich legte eine Hand auf seine Schulter. “Ich fürchte nicht wirklich. Aber..” ich lächelte ein wenig. “Vielleicht ein wenig Ablenkung verschaffen. Frag ihn doch ganz ungeniert nach einem Ausritt. Mit den Mädchen zusammen. Ich denke das wird ihn auf andere Gedanken bringen. Sprech am besten nicht an..was du eben mitbekommen hast.”
      Tschetan
      Ich war zwar nicht unbedingt begeistert davon die Mädchen auf den Ritt mitzunehmen. (Manchmal wünschte ich mir dann doch meine stumme Schwester wieder). Aber ich Verstand sehr wohl ihren Gedanken dahinter.
      Ich überbrückte also die Distanz zur Haustür. Drückte die Klinke hinunter und stieß gegen einen Widerstand auf der anderen Seite. “Verdammt nochmal verschwinde, Ylvi” brüllte es auf der anderen Seite von Caleb. Ich schmunzelte, ließ den Spalt ein Stück offen. “Das letzte Mal als ich schiffen musste, hatte ich was zwischen den Beinen.” sprach ich ganz tonlos sachlich. Calebs Gesicht erschien im Spalt der Tür. “Oh Tschetan, mit dir hab ich nicht gerechnet.”
      “DAS hab ich soeben bemerkt. Eigentlich...naja ich wollt die Mädels auf einen Ausritt entführen. Cayce meinte ich solle dich fragen welche Pferde. Da hab ich direkt gedacht du könntest mit. Die Zäune bei den Rindern auf der oberen Weide checken. Das hatten wir letztens erst im Gespräch, erinnerst du dich?” Gut das ich dieses Gespräch noch im Sinn hatte. Hoffte allerdings keiner der anderen Jungs hatte die Aufgabe schon aufgedrückt bekommen. Sonst fiel mir in diesem Moment nichts besseres ein.
      Caleb
      Ich seufzte, rappelte mich auf und ging einen Schritt zur Seite, damit die Tür ganz geöffnet werden konnte. “Wir könnten die Pferde mitnehmen die ich für die Ferienranch trainieren will. Honor (A Walking Honor), Chou, Jade, Kristy (Kristy Killings) und Shanee (Honey’s Aleshanee). Such dir welche aus, nur Kristy kommt auf jeden Fall mit- unter dir oder unter mir. Ich komm gleich.” Mit diesen Worten schloss ich die Tür und bekam die Antwort, die Tschetan mir entgegenbrachte, gar nicht mehr mit. Mein Weg führte mich hinauf in mein Zimmer, von dessen großem Fenster aus ich Tschetan beobachten konnte, wie er auf die Stallungen zuging. Ich beobachtete ihn dabei, wie er Steine des Schotterweges bei jedem seiner Schritte durch die Gegend kickte.
      Ich wandte mich vom Fenster ab und zog mich kurz um. Andere Jeans, ein anderes Hemd und eine ärmellose Weste- so warm war es noch nicht.
      In der Küche füllte ich mir kurz ein Glas Wasser und trank dieses in einem Zug. Ein paar Minuten stand ich ans Waschbecken gestützt, ließ meine Gedanken schweifen. Etwas in mir, und wenn es nur ein kleiner Funke war, wünschte sich das Rodeoleben zurück. Immer auf Tour, immer unterwegs, immer unter Leuten. Keine Pflichten, keine Aufgaben, keine Verantwortung. Nichtmal Liebe. Liebe zum Sport, ja. Liebe zu den Tieren, ja. Doch eine Liebe zu einem anderen Menschen? Nein. Spaß, der stand im Vordergrund, aber durch das ständige Umherreisen war es nie mehr geworden. Und nun? Heute? Besaß ich eine Ranch. Bezahlte Mitarbeiter, beherbergte meine.. eine.. Liebe mit ihrem Mann, war eigentlich auf einem guten Weg gewesen, ein Kind zu adoptieren! Herr im Himmel, ein Kind für Caleb O’Dell!
      Das Glas stellte ich in die Spülmaschine, schnappte mir im Rausgehen meinen Hut und zog mir die Stiefel an, ehe ich draußen auf vier gesattelte Pferde traf. Drei davon waren schon besetzt von Tschetan, Betsy und Kaya. Verdutzt schaute ich in Tschetans Gesicht. Wie lange hatte ich in der Küche gestanden und vor mich hin geträumt?
      ~ etwa eine Woche später ~
      Tschetan
      “Du hättest ihn einfach in Ruhe lassen sollen.”
      “Tschetan…nun schau mich nicht so an. Bryces Vater sitzt im Schulrat. Du hast viel riskiert.”
      Ich funkelte Aimee an, die vor mir auf dem Boden hockte, um mir ins Gesicht zu schauen. Bitterkeit klang in meiner Stimme mit. “In Ruhe lassen? Findest du? So wie er dich in Ruhe ließ?” Hatte Aimee gerade die Augen gerollt? “So ist Bryce nun eben manchmal. Du kennst ihn nicht.” Das Auflachen konnte ich mir nicht verkneifen.
      “Ich habe doch gesehen wie du versucht hast ihn abzuwehren. Für mich sah das nicht nach Spaß aus…”, ich verstummte einen Moment “und falls es so ist bist du nicht diejenige für die ich dich gehalten habe. Jemanden wie Bryce einen Freund zu nennen.” Aimee richtete sich auf. Die Hände in die Hüften gestemmt.
      “Was soll das jetzt bitte bedeuten?”
      “Dass du eine seltsame Auswahl an Freunden hast.”
      “Und was ist mit dir? Deine Freunde kriegen ja kaum ein englisches Wort von den Lippen. Und die Blicke, wie sie mich mustern.”
      Mein Blick zuckte zu ihr herunter. “Das kannst du doch wohl nicht Ernst meinen. Du vergleichst mich und die anderen mit Bryce? Weißt du wie er mich nannte? Rothaut! Ha! Natürlich hast du, du hast ja immerhin eng an ihm da gestanden. Und sollte es dir vielleicht entgangen sein. Dich hat er dabei auch beleidigt.”
      “Und? Was weiß ich was deine indianischen Freunde da so sprechen?”
      “Wasicu withko(verrückte Weiße)” entfuhr es mir unwillkürlich in meiner Sprache, dabei fuhr ich mir mit der Faust im Kreis über die Stirn. Ich wollte diese Unterhaltung nicht weiter führen. Rein aus Gewohnheit machte ich das Zeichen für Ende. Verschränkte die Arme und starrte konsterniert vor mir her. Aimee indes funkelte mich wütend an. Nicht in der Lage, ihre Gefühle unter Kontrolle zu halten. “Genau das mein ich! Viel Spaß beim Warten. Such dir ein anderes Taxi zurück zur Ranch! ICH fahre!” Ich sah ihr hinterher, wie sie sich keck das rotbräunliche Haar über die Schulter warf. Nichts verstand sie. Vielleicht hatten die anderen Recht. Freundschaften mit Weißen brachten nur Probleme. Aimee hatte es in ihrem Leben so furchtbar einfach gehabt. Sie konnte nicht verstehen wie es für mich und die anderen war. Gehasst allein für das was wir waren. Welche Leiden vergangene Generationen durchgemacht hatten. Wie wenig wir noch immer in der Gesellschaft verankert waren. Bryce hatte das heute eindeutig bewiesen. Sein Vater war Großgrundbesitzer. Seine Firma baute geradewegs eine Pipeline durch das heilige Land der Tsuu T’ina Nation. Dem Stamm aus dem viele meiner Freunde entstammten. Weder Bryce noch Aimee hatten eine Ahnung, welche Gefühle das auslöste.
      Nicht allein wie er Aimee begrapscht hatte. Für mich hatte es nicht gewirkt als sei das ganze Spaß gewesen. Ich hatte ihn gebeten sie in Ruhe zu lassen. Bryce jedoch hatte gefragt ob ich Probleme damit hätte, wenn er sich meiner Sqaw widmen würde. Ich hatte zwischen den Zähnen hervorgezischt, dass Aimee nicht meine Freundin sei. Und kurz blitzte in mir der Gedanke auf, dass es diese Aussage vielleicht gewesen war - das was Aimee vielleicht wirklich so wütend machte. Denn wieso sollte es Aimee stören, dass ich Bryce ins Gesicht geschlagen hatte? Natürlich erst, nachdem er mich eine Rothaut genannt hatte..und die Dreistigkeit besessen hatte einen meiner Zöpfe zu packen.
      Da war mir eine Sicherung geplatzt. Ich hatte schließlich nichts provoziert. Noch mehr nagte die Sache an mir, das ICH jetzt hier vor dem Zimmer des Direktors hocken musste…nicht etwa Bryce.
      Caleb
      “Ja.. nein.. ja ich verstehe…das macht Sinn.. okay..”, ‘tuuuuut, tuuuuuut’, “Moment, ich muss auflegen hier kommt ein anderer Anruf rein. Ja, ja ich melde mich. Nein, sie brauchen nicht..” ‘Klack’. Aufgelegt. Der neue Futterlieferant war wirklich ein Idiot. Beschwerte sich, bis hier raus auf die Ranch zu fahren. Wir sollen das Futter in der Stadt abholen.
      Ungläubig schüttelte ich den Kopf und nahm den neuen Anruf an. “Principal Webber am Apparat, spreche ich mit Louis Kills Bears? Nein? Ach, Mister O’Dell Sie stehen hier auch in den Unterlagen, dann spreche ich mit Ihnen. Ich möchte, dass Sie Tschetan Kills Bears von der Schule abholen, er hat einen Mitschüler geschlagen. Alles Weitere besprechen wir gleich in meinem Büro.” ‘Klack’. Was waren die Personen am anderen Ende der Leitung bloß alle so unhöflich heute? War es zu viel verlangt, das Gespräch mit einem ‘auf Wiedersehen’ oder mit einem ‘bye’ zu beenden?
      Seufzend erhob ich mich aus meinem Stuhl. Ach Tschetan… wo war er jetzt schon wieder hineingeraten?
      Wenige Minuten später, ohne Ylvi oder Louis gefunden zu haben, um Bescheid zu geben was mit Tschetan los war, saß ich im Truck und telefonierte erneut mit dem Futterlieferanten herum. Wenn ich schon wegen Tschetan extra nach Calgary fahren musste, dann konnte ich auch gleich das Futter in einem mitnehmen. Aus diesem Grund hatte ich einen der großen Pferdehänger am Wagen hängen. Schnell konnte ich damit nicht unterwegs sein- aber nach etwas mehr als einer Stunde parkte ich mit meinem Gefährt 5 Parkplätze des Schulgeländes zu, setzte mir beim Aussteigen aus dem Wagen meinen Cowboyhut auf den Kopf und kämpfte mir meinen Weg durch neugierige Schüler hinauf zum Büro des Direktors.
      Nachdem ich mich bei der Sekretärin angemeldet hatte, ließ sie mich weiter durchgehen in das kleine Vorzimmer, in dem der Junge saß. Mit einem ‘Warum um Himmels Willen muss ich jetzt hier her kommen?’ starrte ich Tschetan an. “Caleb… Aimee und ich…”, weiter kam er nicht denn die Tür zu Principal Webbers Büro öffnete sich und er bat uns beide hinein. Ich konnte ihn nicht leiden, schon von Anfang an nicht. Ihm gegenüber hegte ich stets Misstrauen, sogar die Vermutung, er konnte die Kids von der Ranch nicht ausstehen- egal um welches es sich handelte.
      Tschetan und ich setzten uns vor den riesigen Schreibtisch ihm gegenüber und warteten, dass er etwas sagte. Ohne um den heißen Brei herum zu reden erzählte er mir eine Geschichte, die ich so nicht zu glauben vermochte. “Tschetan hat einen unserer Schüler, Bryce, brutal ins Gesicht geschlagen, nachdem dieser mit Aimee Carter… eng zusammen gestanden hatte. Ich habe bereits mit Bryce gesprochen, er ist sich keiner Schuld bewusst und…” Ich lachte so herzlich auf, dass Tschetan zusammen zuckte.
      “Bitte? Er ist sich keiner Schuld bewusst? Das glauben Sie und ich nicht, dass Tschetan hier jemandem ohne Grund ins Gesicht schlägt. Jetzt erzählen Sie mir noch einmal die wahre Geschichte, warum ich hier sitzen muss.”, knurrte ich.Tschetan war selten ruhig, daran erkannte ich, dass die Geschichte sich auf keinen Fall so zugetragen hatte, wie mir der Principal weismachen wollte.
      “Nun gut. Tschetan, erzähl uns doch deine Sicht des Vorfalls.”
      Tschetan erzählte. Zunächst zögerlich, doch im Verlauf wurde mir immer mehr bewusst, welch verlogene Kinder hier auf dieser Schule herumliefen.
      “Also an dieser Schule ist Mobbing und Lügen absolut okay, sich dagegen zu wehren allerdings nicht? Was hätte Tschetan machen sollen? Danke und Amen sagen?”, ich fing - wie immer- an mich in Rage zu reden.
      “Mister O’Dell bitte unterlassen Sie diesen sarkastischen Ton. Uns ist es wichtig, ein harmonisches Miteinander zu fordern und zu fördern. Wir sitzen nun gemeinsam hier um darüber zu sprechen, welches Disziplinarverfahren auf Tschetan zukommt und…”
      Ich nahm meinen Hut vom Kopf, fuhr mir einmal durch die Haare und warf einen kurzen Blick zum Jungen, der rechts neben mir auf seinem Stuhl immer kleiner wurde. Ihm war das Ganze hier sichtlich unangenehm und ich merkte ihm an, dass er nicht sagen konnte, was er wollte. “Mister O’Dell, haben Sie mir zugehört?”
      “Nein”, antwortete ich wahrheitsgetreu, setzte meinen Hut wieder auf den Kopf, stand auf und legte Tschetan eine Hand auf die Schulter mit einem Blick der ihm ‘Steh auf’ signalisierte. “Der gute Tschetan hier wird dann wohl auf der Ranch eine Woche die Boxen misten müssen. Mit schmerzender Hand von seinem Schlag wird das gewiss kein Spaß, das genügt als Disziplinarmaßnahme”, das letzte Wort sprach ich absichtlich ziemlich lächerlich aus, “des Weiteren fordere ICH, als besorgter… Sorgeberechtigter… dass dieses mobbende Arschloch sich seine zukünftigen Worte ganz genau überlegt- und wenn ich auch nur im entferntesten mitbekomme, dass er sich unserer Aimee erneut nähert, komm ich wieder und reiß ihm den Arsch auf. Schönen Tag noch, Mister Principal.”
      Mit diesen Worten und einer heruntergeklappten Kinnlade des Principals verließen Tschetan und ich das Büro, das Schulgebäude und schließlich im Pick Up sitzend das ganze Schulgelände.
      Wir fuhren zum Lieferanten, luden gemeinsam die Futtersäcke in den Hänger und machten uns auf den Heimweg zur Ranch.
      Schließlich fand Tschetan seine Worte wieder und sprach mit mir: “Caleb… ich weiß nicht, ob du alles jetzt besser oder schlimmer gemacht hast, aber den Blick von Webber… dafür hat es sich allemal gelohnt.”
      Ich lachte. “Glaub nicht, dass das mit den Boxen ein Witz war.”
      “Ich… ich weiß. Aber Bryce hatte es verdient, er….so behandelt man niemanden.”
      “Warum bist du eigentlich so ausgeflippt? Doch nicht wegen der Worte, die er zu dir gesagt hat? Was war wirklich der Grund?”
      “Er hat meine Zöpfe angefasst”, antwortete er mir zwischen zusammengebissenen Zähnen. Ich wusste um die Bedeutung der Zöpfe und konnte Tschetans Wut und seinen Ausraster nun besser verstehen. “Bitte sag Louis und Ylvi nichts hiervon- und sag Aimee nichts vom Gespräch. Ich möchte selbst noch einmal mit ihr reden.”
      “Dann hüten wir beide wohl nun ein Geheimnis des Anderen”, murmelte ich und sah kurz zu ihm rüber. Fragezeichen spiegelten sich in seinem Blick wieder.
      “Was meinst du?”
      Wieder traf mein Blick den Seinen. “Ich habe gesehen, dass du uns beobachtet hast. Ylvi und mich, als wir uns geküsst haben.”
      Tschetan schwieg.
      “Warum hast du mich nicht darauf angesprochen?”
      “Ich verstehe es nicht, deshalb. Ylvi und Louis sind verheiratet… wieso küsst sie dich dann?”
      “Ein ‘es ist kompliziert’ reicht dir bestimmt nicht als Antwort, oder?”, fragte ich ihn und lächelte zu ihm rüber. Tschetan schien es jedoch gar nicht zum Lachen zu sein. “Tschetan ich kann es dir auch nicht richtig erklären. Ylvi und ich sind durch so viele Höhen und Tiefen und… du weißt, dass Louis sie geheiratet hat, damit sie bleiben konnte.” Ich stockte und überlegte mir die nächsten Worte genau. Schließlich konnte ich schlecht zu ihm sagen: ‘Bestimmt liebt er sie gar nicht richtig. Oder gar nicht mehr richtig.’ Das ging mich nichts an, diese Worte standen mir nicht zu. Stattdessen sagte ich: “Wir haben nie richtig Schluss gemacht, nie wirklich über das gesprochen, was Tatsache war und ist. Ja, ich habe noch Gefühle für sie und ja ich weiß, dass das falsch ist… aber gegen seine Gefühle anzukommen, so zu tun als gäbe es sie nicht, sie nicht durchzulassen und ihnen keine Macht zu geben.. puh. Auch das habe ich lange versucht… und wir beide haben ja gesehen, wohin es letztendlich geführt hat.”
      Tschetan schwieg wieder, er schien nachzudenken. Schließlich sagte er: “Du weißt, dass es falsch ist?”
      Ich nickte. “Ich weiß, dass es falsch ist.”
      “Dann ist dein Geheimnis bei mir sicher.”
      Tschetan
      War Liebe falsch? Konnte man seine Liebe zwischen mehreren Personen aufteilen? Tatsächlich hatte ich bereits solche Dinge bei Google gesehen. Dokumentationen am Abend geschaut. Das Begreifen dessen was ich sah, tat mir allerdings schwer.
      “Und was erzählen wir jetzt wieso Amy mich hat sitzen lassen?” Caleb sah mich mit hochgezogener Augenbraue an. “Streit im Paradies?”
      Ich verschränkte die Arme vor der Brust. “Was heißt Streit? Sie hat sich tierisch darüber aufgeregt was ich getan habe! Ich versteh die Frauen nicht.”
      Da ertönte plötzlich ein schallendes Lachen von dem Cowboy neben mir, was mir die Situation nicht unbedingt behaglicher machte. Caleb versuchte 2x zu einer Antwort anzusetzen, musste aber immer wieder prusten. Ich rollte die Augen. “Glaub mir, Tschetan. Manchmal verstehen die sich selbst nicht.”
      “Na der Wahnsinn.”
      “Ich hab dich einfach abgeholt damit du mir bei den Säcken Futter hilfst. Nur falls einer fragt, Aye?”
      “Aye” gab ich Caleb seine typische Piraten-Antwort. Die mich manchmal ebenso verwirrte wie die Frauen.
      Zurück auf der Ranch verzog ich mich auf die Außenpaddocks. Ich brauchte jetzt körperliche Arbeit um nicht nachdenken zu müssen. In den Ohren laute Musik von “a tribe called red”. Ich hatte unter der Anleitung von Louis im Winter begonnen ein wenig PowWow zu tanzen. Vielleicht würde ich mich ähnlich wie er in diesem Jahr zu meiner ersten seit Jahren anmelden. Irgendwo in meinen alten Sachen musste sich meine alte Regalia befinden. Vieles würde mir mit Sicherheit nicht mehr passen, aber vielleicht konnte Ylvi mir dabei helfen einiges zu überarbeiten. Sie hatte ein Recht gutes handwerkliches Geschick dafür. Ich schreckte zusammen als mir plötzlich jemand mit der Hand auf die Schulter schlug. “Meine Güte. Wie laut hörst du Musik?” vernahm ich O’s Stimme.
      “Eh…sehr laut?”
      “Ich wollt mit den Jungs später rüber zur heißen Quelle. Kommst du mit?”
      “Jungs?” ich stand vollkommen auf dem Schlauch
      “Ach, denen der Nachbar…Ranch? Na du weißt schon dem Haufen Bereiter vom etepetete Stall nebenan.” Mein noch immer wirres Gesicht veranlasste O die Augen zu rollen und noch etwas anzuführen “Rennen in viel zu engen Hosen rum. Klingelt's?” Jetzt ging mir ein Licht auf. Im nächsten Tal hatte ein Dressurstall aufgemacht. Viele der Bereiter waren in O’s Alter. Auch dort lebten einige Familien, deren Kinder die Schule in Calgary besuchten. Ich konnte zwar wenig mit deren Reitstil anfangen, allerdings waren die Typen alle schwer in Ordnung.
      “Lass mich das mit Ylvi und Louis klären, dann bin ich dabei.”
      “Wunderbar!”
      Octavia
      Eine dreiviertel Stunde später saßen Aimee, Tschetan und ich auf den Pferden, um den Jugendlichen aus dem Dressurstall entgegen zu reiten. Die Quelle befand sich etwa in der Mitte. Betsy und Kaya hatten mitkommen wollen, doch Ylvi schien sie auf wundersame Weise davon abgehalten zu haben. Ich glaube sie wollten zusammen Cupcakes backen. “Können wir?”, fragte ich in die Runde und kontrollierte noch einmal, ob die Packtasche an Shanee (Honey’s Aleshanee) richtig verschnallt war. Tschetan hatte sich, auf Geheiß von Caleb, für Layla (Sweet like Chocolate) entschieden. Aimee für Honor (A Walking Honor). “Von Layla hab ich tatsächlich noch nicht viel gesehen. Die ist auch noch nicht wirklich gefördert worden, oder?”, fragte ich Tschetan, der, was das Training der Westernpferde und Calebs Arbeiten, immer besser im Blick hatte als ich.
      “Nee, die läuft bisher nebenbei. Caleb hat sich jetzt entschieden, dass sie auch für die Guest Ranch trainiert werden soll.”
      “Apropos Guest Ranch…”, überlegte ich “wann gehts denn da weiter?”
      Tschetan zuckte nur mit den Schultern. “Ich glaub Caleb hat gerade andere Probleme.”
      Mit diesen Worten trabten wir die Pferde vom Ranchgelände und galoppierten sie auf dem Feldweg an.
      Eine halbe Stunde später trafen wir auf die Jugendlichen des anderen Stalles. Sie schlossen sich uns an und gemeinsam ritten wir ein Stück zurück, ehe es hoch zum Fluss und der heißen Quelle ging.
      Dort angekommen tauschten wir die Trensen der Pferde gegen Halfter, ehe wir sie an den Bäumen anbanden, damit sie grasen konnten.
      Aimee und ich waren die einzigen Mädchen, vom anderen Stall kannte ich nur die beiden älteren Jungs, Eric und Trevor. Nachdem Aimee mich zur Seite gezogen hatte und mir kleinlaut von den jüngeren Kerlen erzählte, wusste ich auch ihre Namen. Bryce und Nicholas. Bryce war derjenige, den Tschetan heute morgen geschlagen hatte. Deshalb war dieser auf dem Ritt so kleinlaut gewesen. Nicholas dagegen hatte Frage um Frage zu den Westernpferden gestellt.
      Nachdem wir uns umgezogen und in die Quelle gesetzt hatten, schaute ich zu Tschetan, der immer noch drein schaute wie sieben Tage Regenwetter. Ich nickte ihm unbemerkt zu. Zunächst erwiderte er nichts, doch dann nickte er mir zurück. ‘Dann ist alles ok’, schlussfolgerte ich.
      Langsam ließ ich mich nach unten ins warme Wasser sinken. Tschetan hatte die Quelle vor einiger Zeit bei einem Ausritt gefunden. Seither kamen wir regelmäßig hier hin. Hätte er gewusst, dass Bryce unter den Jugendlichen des anderen Stalls wäre, hätte er sie mich nicht hier her einladen dürfen. Ich hatte das leider auch nicht vorher gewusst, denn dann wären wir ohne sie hier hoch geritten.
      Eric und Trevor hatte ich durch Zufall in der Stadt kennengelernt und wir hatten uns ein paar Mal getroffen.
      “He Tavia, guck mal was ich mitgebracht hab”, riss mich Trevor aus den Gedanken und warf mir eine kleine Flasche in die Hände, die ich aus dem Wasser nach oben riss und Aimee vollspritzte. Von der Seite hörte ich nur ein “pffpfpfpfttt” und nahm ein Armfuchteln wahr. “Oh jetzt wird es interessant”, murmelte ich und betrachtete die Flasche Bier in meiner Hand. Trevor gab auch Eric eine der Flaschen, während er den vier ‘Kindern’ Root Beer gab. “Nett”, quittierte Bryce diese tolle Geste, schien sich damit aber dennoch zufrieden zu geben.
      Tschetan
      Als sich hinter den älteren Jungs noch zwei weitere Pferde aus der Dämmerung schälten, hatte ich eigentlich direkt wieder Lust mein Pferd zu wenden. Da hockte doch tatsächlich Bryce auf einem der Tiere. Nicht nur, dass wir gerade unterwegs waren zu einer geheimen Location - denn mit den Erwachsenen hatte ich das Wissen noch nicht wirklich geteilt, er war auch noch einer derjenigen, die ich ganz besonders gerade nicht um mich haben wollte. Über seinen Kumpel Nicholas vermochte ich wenig zu sagen - schließlich kam er neben Bryce selten zu Wort. Ich unterdrückte also ein Seufzen, biss die Zähne aufeinander. Und schwor mir den Typen einfach zu ignorieren.
      Umso überraschter war ich gewesen, als Nicholas Stimme die meiste Zeit zu hören war. Er unterhielt sich abwechselnd mit Aimee und O' und stellte einige fundierte Fragen zu den Westernpferden. Obwohl er auf einem der Pferde des Dressurstalles, in einem englischen Sattel hockte, schien er dort nicht wirklich zu Hause. Im Gegensatz zu den Anderen trug er zum Beispiel auch keine der üblichen engen Hosen, sondern eine normale Jeans. Ich lenkte Layla vorsichtig näher an die Gespräche. Lauschte den Fragen und den Antworten der Mädchen, beteiligte mich aber ansonsten herrlich wenig mit den anderen.
      Trevor und Eric hatten uns jüngeren Root Beer mitgebracht - immerhin eine nette Geste. Allerdings musste ich trotzdem schmunzeln. "Seit wann halten wir uns denn an die Gesetze des Landes?" fragte ich hinüber zu O'.
      Auf der Ranch nahm man es für gewöhnlich nicht ganz so genau mit dem Alkoholverbot unter 21. Ganz besonders Ylvi hielt das Gesetz für "Mumpitz" wie sie immer sagte. Ich hatte allein Probleme das Deutsche Wort überhaupt zu artikulieren. Ich für mich entnahm dem Alkohol nicht viel. Der meiste schmeckte furchtbar, das wenige gute Bier - ließ sich Ylvi aus ihrer Heimat Deutschland schicken. Außerdem hatte ich in meiner Kindheit oft genug gesehen was der Alkohol mit den Menschen anstellte, welche Hemmungen er niederbrach. Daran war nichts ehrenhaftes. Meine Ahnen hatten es nicht umsonst Feuerwasser genannt. O' winkte meinen Satz ab. "Ja gut, aber vielleicht sollten wir damit nicht vor allen prahlen." lachte sie fröhlich.
      Aimee
      Ich nippte an meinem Root Beer und sah immer mal wieder auf. Sobald ich nach links schaute, sah ich Bryce direkt an. Er war wirklich hübsch. Ein Junge, der mir gefiel. Sobald ich nach rechts schaute, sah ich Tschetan direkt an. Ein Junge, der irgendwie wie ein Bruder für mich geworden war. Manchmal schien ich mir aber nicht ganz sicher, ob es das wirklich für uns war. ‘Wie Geschwister’. Ich hatte bisher nie ernst mit ihm darüber gesprochen. Vielleicht wurde es mal Zeit?
      Andererseits.. war da Bryce. Er sah mich für das an, was ich war. Eine Freundin. Nicht eine Schwester. Allerdings schien er Tschetan heute morgen so beleidigt zu haben, dass Letzterer ihm eine reingehauen hatte. Ich war nicht mehr sauer auf Tschetan, eher auf Bryce und mich. Aber nicht heute Mittag. Jetzt genoss ich das warme Wasser, die Gesellschaft und das… Leben.
      Erneut nahm ich einen Schluck aus der Flasche. Plötzlich spürte ich einen Handrücken an meinem linken Bein, welcher langsam hoch und runter fuhr. Etwas panisch sah ich zunächst runter ins Wasser, dann hoch in Bryce Gesicht. Rechts von mir spürte ich eine Regung im Wasser. Tschetan griff, in meine Richtung, hinter sich. Dabei berührte eines seiner Beine das Meine. Ein Schauer lief mir über den Rücken. Fand ich es jetzt toll, dass Bryce mein Bein streichelte? Oder fand ich es toll, dass Tschetan mich berührt hatte? Seine Berührung war nur flüchtig und unbeabsichtigt gewesen, die von Bryce mit voller Absicht.
      Tschetan beugte sich weiter nach hinten. So sehr, dass ich ihm Platz machte und ein Stück nach vorne rutschte. “Klappt das da?”, fragte ich ihn verwirrt und drehte mich um, um zu schauen, was er denn da eigentlich tat. Er hob einen flachen Stein auf, drehte ihn in den Händen und warf ihn dann in den Fluss. Er hüpfte zweimal übers Wasser und sank aufs Flussbett hinab. Schließlich setzte er sich wieder richtig hin.
      Bryce behielt seine Hand bei sich. Hatte Tschetan das gerade extra gemacht?
      Tschetan
      “Ah…wunderbar bei diesem Wetter.” seufzte Trevor, ließ sich bis zum Kinn weiter in den Pool gleiten. Der Boden bestand aus feinem Sand. Große Findlinge trennten die heiße Quelle vom Rest des Nebenarms des Bow River. “Ich hab gar nicht gewusst, dass es in Kanada auch heiße Quellen gibt, die nicht erschlossen sind. Das letzte Mal hab ich auf Island in einer gesessen.”
      Das Gespräch nahm eine Wende die mir ganz entgegen kam. Zwar hatte Bryce seine Hände von Aimee genommen. Wie ich weiter damit verfahren wollte, das wusste ich nicht. Ich wusste nicht was ich eigentlich wollte. Sollte ich versuchen ihr näher zu kommen? Ich sah wie Selbstsicher O’ sich zwischen den älteren Jungs verhielt. Eric hatte einen Arm um ihre Schulter, was in mir ebenfalls ein seltsames Gefühl aufkommen ließ. Trevors Worte kamen kaum an meine Ohren, bis O’ das Wort an mich richtete. “Keine Ahnung….Tschetan hat den Ort gefunden. Wie kommt das?” ich starrte auf das Wasser, dann zu O’ “Mhm?”
      “Trevor fragte gerade. Wie es kommt, dass der Pool nicht längst mit Touristen überschwemmt ist.” Ich schluckte. Sah wie alle mich erwartungsvoll ansahen. Und einen Moment länger als nötig blieb mein Blick an Bryce hängen. Was er wohl dachte?
      “Das liegt vor allem daran…dass dieser Teil des Landes, und des Flusses….auf Native American Land liegt. Ich war hier mit Freunden aus der Schule wandern, als ich die Quelle entdeckt hab.”
      “Das ist das Land der Siksika. Nicht wahr?” fragte Eric nun. Milde überrascht hob ich die Augenbraue. Es kam selten vor das sich jemand mit den First Nations auseinander setzte. “Du hast Recht, ja.”
      “Lebst du auch dort? Im Reservat? Versteh mich nicht falsch. Ich hab viel von der Welt gesehen, bevor ich mich als Bereiter hier beworben habe. Ich hab einen Faible für First Nations.”
      “Na großartig. Wollen wir jetzt nach Federn suchen und schreiend um die Quelle rennen?” beschwerte sich Bryce lautstark. Ich machte den Rücken gerade, ballte die Faust unter dem Wasser. Bereit ihm noch eine zu verpassen. Er taxierte mich. O’ richtete sich auf, schlug mir die flache Hand auf die Brust um meine Vorwärtsbewegung zu stoppen. “Entweder, du benimmst dich, oder du gehst.” grollte sie in Richtung Bryce. “Fein. Ich gehe.!” Damit erhob er sich aus dem heißen Wasser. Wischte sich das Wasser vom Körper. Als er gerade nach der Trense seines Pferdes griff, drehte er sich um. “Nicholas!” brüllte er. Sein Freund zuckte zusammen im Wasser, sah in die Runde, erhob sich. Und zur Überraschung von allen: “Aalso, ich denke ich werd noch eine Weile hier bleiben”, sagte er mit bebender Stimme. Er wusste, dass Bryce diese Entscheidung nicht mögen würde. Dann sah sich Bryce zu Aimee um “Aimee?”. Reflexartig legte ich Aimee unter Wasser die Hand auf das Knie. Hielt sie fest. Ich wusste nicht wieso, aber ich wollte auf gar keinen Fall das sie mit Bryce ging. Es blieb ruhig bis wir Bryce zwischen den hohen Felsen nicht mehr sahen. Nur das Rauschen des Flusses neben uns. “Hui…ich das tut mir Leid. Vielleicht hätte ich das Thema nicht aufbringen sollen. Ich wusste ja wie sein Vater…” ich winkte ab.
      “Ich will ja nicht sagen ich hätte mich dran gewöhnt, aber…ich kenn das. Man ist öfters Anfeindungen ausgesetzt. Zu deiner Frage….nein. Ich lebe nicht in der Reservation. Nicht mehr zumindest. Allerdings, bin ich kein Siksika. Ich bin Lakota.” sagte ich mit einem gewissen Stolz in der Stimme.
      “Du bist weit fort, vom Land deiner Ahnen.” stellte Eric fest und ich war dankbar für das Mitgefühl das in seiner Stimme mitschwang. Ich spürte plötzlich eine Hand auf der meinen, die ich noch nicht von Aimees Knie genommen hatte. Sie zog mich zurück in eine sitzende Position neben ihr. Nicholas machte uns Platz. “Dann können wir froh sein das es First Nations Land ist. Wir werden immer unsere Ruhe hier haben.” brach Trevor die Stille. O’ schmunzelte. “Da magst du Recht haben. Also…keine fetten Partys hier. Die können wir uns für andere Gelegenheiten offen lassen.”
      “Tschetan, ich dachte einen Augenblick du willst ihm nochmal eine verpassen.” witzelte O’ um die Stimmung zu lockern.
      “Ich hätte gut und gern Lust dazu gehabt.”
      “Besser nicht, du hättest ihn aus den Latschen gehauen. Bryce hat Oberarme wie ein Baby.” stellte Trevor belustigt fest. “Meistens versteckt er sich hinter seinen bulligen Freunden.” damit schenkte er Nicholas einen vielsagenden Blick. Der Junge rückte, etwas ungemütlich, weiter an die Felsen in seinem Rücken. “Ich bin auch nicht Stolz drauf. Früher…da war er anders.” Nicholas sah sich nach seiner Flasche Root Beer um, musste dabei hinter mich greifen.
      Nicholas
      “Wisst ihr zuhause da haben meine Eltern auch ein paar Westernpferde. Ich bin nämlich gar kein Englischreiter”, gab ich preis und sah dabei zu den Pferden, die genüsslich grasten. Zumindest ein paar davon.
      Die Tiere der Bow River Ranch hatten ihre Köpfe gesenkt und sich damit abgefunden, angebunden zu sein und nur in einem kleinen Radius das saftige Grün abpflücken zu können. Die Pferde, die wir mitgebracht hatten allerdings, schienen sich damit nicht zufrieden geben zu wollen. Starlight, die Stute die ich ritt, hängte sich immer wieder in den Strick, rempelte eins der Bow River Pferde dabei ständig an. Dieses schien jetzt genug von dem Zirkus zu haben, hob schlagartig den Kopf und biss die Stute in die Schulter. Starlight machte einen empörten Satz nach vorne und quietschte, weshalb alle anderen Pferde auch die Köpfe hoben und nervös schnaubten. Das Pferd neben Starlight legte noch immer die Ohren an und taxierte das Tier. Gerade als ich die Situation auflösen wollte, stand Tschetan aus dem Wasser auf und ging zu den Pferden rüber. “He, Layla, lass die mal in Ruhe”, sagte er ruhig zu der Dunkelfuchsstute und legte ihr eine Hand auf die Kruppe. “Ist das deine?”, fragte ich Tschetan, welcher mir erst antwortete, als er wieder im Wasser war.
      “Nein, auf Bow River hab ich kein eigenes Pferd. Die gehören fast alle Caleb, wir dürfen die meisten davon aber reiten. O’ hier hat ein paar eigene Pferde, aber alles… keine Westernpferde”, lachte er.
      “He ich hatte mal Westernpferde! Und Dakota wird von Bellamy mittlerweile ja auch Western geritten.”
      “Was hast du eigentlich mit den ganzen Vollblütern vor, O’?”. fragte Aimee schließlich.
      “Verkaufen.”
      Nun horchten alle auf. “Echt?”, mischte sich Trevor verwundert in die Unterhaltung ein.
      “Ja, ich merke, dass ich immer mehr im Westernsattel zuhause bin. Kein Wunder, auf einer Westernranch voller Westernpferde und Cowboys.” Alle lachten, die Stimmung hatte sich so gelockert, seit dem Bryce abgedampft war.
      “Ich wollte die Pferde Pineforest anbieten oder Phoenix Valley. Dann weiß ich wenigstens, dass sie weiterhin ordentlich trainiert werden und sich später gut in der Zucht machen.”
      “Erzählt mal, wie es so auf der Ranch ist?”, fragte ich dann in die Runde. Aimee erzählte, Tschetan erzählte und O erzählte. Ich konnte mir alles bildlich vorstellen.
      “Ihr könnt doch mit rüber kommen, dann zeigen wir euch die Ranch. Caleb oder Cayce können euch und die Pferde später bestimmt zurückfahren, das ist kein Problem.”
      Trevor schaute auf sein Handy, was er in seiner Hosentasche neben der Quelle verstaut hatte. “Ich hab gleich Training. Wenn ich das absage, bekomm ich die Hölle heiß gemacht”, meinte er und sah zu seinem Kumpel Eric rüber. “Sieht wohl so aus, als müssten wir uns verabschieden”, erklärten die beiden älteren Jungs und sahen zu mir. “Aber du kannst ja mitreiten, Bryce spielt heute auch den restlichen Tag die beleidigte Leberwurst.”
      Ich nickte. Warum nicht?
      Tschetan
      “Schade das Louis die Indian Relays aufgegeben hat. Einige deiner Vollbüter wären sicherlich dafür geeignet.” O’ zog eine Augenbraue nach oben. “Aber grundsätzlich könntest du das doch auch tun,oder nicht?”
      Ich zuckte mit den Schultern. “Schon, aber ganz ungefährlich ist es nicht. Ich weiß nicht wie Ylvi und Louis darüber denken. Da helf ich lieber bei dem Training der Westernpferde.”
      “Du hilfst da mit?” fragte Nicholas erstaunt neben mir. Noch bevor ich eine Antwort geben konnte, fiel Aimee mir ins Wort. “Wenn er so weiter macht, dann ist er bald der beste Trainer am Stall. Caleb vertraut ihm seine besten Pferde an.” Ich senkte betreten den Kopf. “Jetzt übertreib mal nicht.” murmelte ich. “Naja, ganz Unrecht hat sie nicht. Du sitzt manchmal auf Pferden, von denen würde ich nur träumen kann“, erwiderte O’ trocken. Ich wusste, dass es stimmte. Doch ich war nicht der Typ dafür, vor anderen anzugeben. Ich rutschte ungemütlich im Sattel herum, bei dem bewundernden Blick, den mir Nicholas von der Seite zuwarf. “Vielleicht sollte ich den Stall wechseln.”
      “Wir geben keinen Reitunterricht”, gab ich wahrheitsgemäß von mir.
      “Aber Hilfe bei der Rancharbeit braucht ihr doch sicherlich? Im Westernsattel fühl ich mich einfach wohler.”
      “Vielleicht lässt sich was finden. Darüber müsste man mal mit Caleb sprechen”, warf Aimee ein. Darauf erwiderte ich nichts. Ich hatte einfach im Hinterkopf, dass Nicholas zu oft bei Bryce rumhing. Der Gedanke, diesen Idioten vielleicht auch auf der Ranch zu wissen, missfiel mir. Deshalb versuchte ich erst gar keine Bande der Freundschaft zu Nicholas entstehen zu lassen. Ich misstraute ihm.
      Caleb
      Gleich als ich auf der Ranch angekommen war, machte ich mich daran, das Futter abzuladen. Zum Glück kamen mir Brian und Bellamy zur Hilfe, so dass alles ziemlich schnell an seinem Platz verstaut war.
      Da es noch relativ früh war, entschloss ich mich dazu, noch rüber zur Ferienranch zu reiten.
      Dazu machte ich mir meinen Vulture fertig. Er war noch nicht so viel im Gelände gewesen, und vor allem nicht alleine. Das würde also abenteuerlich werden.
      Ich wollte schon ein wenig Werkzeug mit hoch nehmen, so dass ich die Satteltaschen am Sattel des Hengstes befestigte und packte. Einerseits mit nützlichen Utensilien, andererseits mit Papier und Stift, um mir aufzuschreiben, woran wir in der nächsten Zeit arbeiten wollten.
      Als ich aus dem Stall raus ging traf ich auf Bellamy. “Ich reite hoch zur Ferienranch und schau, ob ich heute schon was machen kann. Dann weiß einer wo ich bin.”
      “Okay alles klar. Soll ich dann das Futter für heute Abend fertig machen? Du wirst ja eine Weile brauchen.”
      “Ja, das wäre top. Könntest du dich heute Mittag auch noch um das Training von Cody und Ginger kümmern? Lass die einfach im Round Pen ein bisschen laufen. Falls du dann noch Lust und Zeit hast… Nic bräuchte auch mal wieder Bewegung.”
      “Nic?”, fragte Bellamy verwirrt und schien nachzudenken. “Ach du meinst Moonie! Mensch, nenn den doch einfach mal um. Nic kann sich keiner merken!”
      Wir beide lachten, dann gurtete ich Vultures Sattel nach und schwang mich rauf. Absolut gesittet verließen wir das Ranchgelände. Als ich ihn dann jedoch antrabte, durfte ich erst einmal ein paar Buckler aussitzen.
      “Gehts jetzt wieder? Funktioniert dein Hirn jetzt wieder so, wie es funktionieren soll?”, fragte ich den Braunen kopfschüttelnd, verlangte nun aber über ein langes Stück einen gleichmäßigen, ordentlichen Trab. Erst als er mir schön genug lief, parierte ich ihn zum Schritt durch. So konnte er etwas verschnaufen, bevor ich ihn gleich angaloppieren würde.
      Ich hatte die Strecke an der Rinderkoppel vorbei gewählt, so dass wir diese einmal überqueren konnten. Eine Abkürzung sozusagen. Es stellte sich jedoch als gar nicht so einfach raus, das Tor von diesem Pferd aus zu öffnen. Ständig sprang er zur Seite, tänzelte vor sich hin oder ließ mich gar nicht nah genug heran.
      Da ich heute keine Zeit zum Rumdiskutieren hatte, stieg ich kurzerhand ab, öffnete das Tor vom Boden aus und schloss es wieder, nachdem wir beide die Wiese betreten hatten. Ich stieg wieder auf und manövrierte Vulture auf die Rinderherde zu. Je näher wir ihr kamen desto mehr prustete der Hengst und machte den Hals rund. “Man glaubt dir wirklich nicht, dass du Cutting gezogen bist, mein Freund.”
      Völlig unbeachtet dessen, dass er wieder zu tänzeln anfing, lenkte ich ihn souverän durch die Herde durch. Die Zügel der Kandare hatte ich nun leider fast auf Anschlag, weil Vulture den sterbenden Schwan spielen musste.
      Als wir auf der anderen Seite fast wieder aus der Herde raus waren, trabte ich ihn locker an, was sich hinterher als Fehler herausstellte. Eines der Rinder machte neben uns einen Bocksprung und überholte uns von hinten. Vulture, so explosiv wie er manchmal sein konnte, machte erst einen Satz nach vorne, ehe er die Beine in die Hand nahm und im Galopp davonstob. Dieses Pferd war noch sowas von grün, fluchte ich innerlich und sortierte die Zügel, ehe ich den einen langsam immer mehr annahm. Den ‘one rein stop’ kannte er vom Anreiten. Alle Pferde der Ranch kannten ihn. Man nahm einen Zügel langsam immer mehr auf, bis die Nase des Pferdes eines der Reiterbeine berührte. Die Pferde wurden automatisch langsamer und blieben irgendwann ganz stehen, da man sie so komplett aus dem Gleichgewicht brachte. Auch Vulture hielt irgendwann an. Das Rind hatte es aufgegeben uns zu verfolgen. Nach ein paar weiteren Metern waren wir am Tor angekommen. Ich stieg dieses Mal direkt ab, um ein erneutes Theater zu vermeiden.
      Eine gute halbe Stunde später waren wir fast an der Ferienranch angekommen, wir mussten nur noch durch den Wald nach oben reiten.
      Als ich die Ferienranch durch die Bäume erblickte, hielt ich Vulture an und starrte einfach nur das Schild “Dells Rookie Ranch” an. Dell… die letzten Tage hatte ich die Gedanken an ihn zur Seite geschoben. Der Alltag hatte uns wieder. Damit aber auch weitere Sorgen und Probleme.
      “Na komm”, sagte ich zu Vulture, schnalzte kurz und wir ritten unter dem Namensschild hindurch, direkt auf den Zaun zur Klippe zu. Dort, wo ein Teil der Asche von Dell begraben war. Ich stieg vom Pferd, kniete mich hin und nahm den Hut vom Kopf. In Gedanken sprach ich ein paar Worte.
      Dann setzte ich mir meinen Hut wieder auf den Kopf und fing an, mit Vulture im Schlepptau die Ranch abzulaufen. Nebenbei machte ich mir immer wieder Notizen, was alles gemacht werden musste. Hier oben befanden sich drei Hütten in einem mehr oder weniger guten Zustand. Außerdem zwei Koppeln und ein in der Mitte geteilter Offenstall, der an beide Wiesen angrenzte. Perfekt, um die Pferde hier oben nach Stuten und Wallachen zu trennen.
      Allzu viel konnte ich hier heute alleine nicht erreichen, doch hier zog ich mal eine lose Schraube fest, dort hammerte ich etwas, hier schnitt ich etwas ab oder zupfte Unkraut raus, wo definitiv keins wachsen sollte.
      Leider verlor ich die Zeit völlig aus den Augen. Ich schaute nämlich erst wieder auf die Uhr, als es anfing, kalt zu werden. “Mist…Komm Vulture, wir müssen zurück.” Übernachten konnte man hier oben nämlich nicht- noch nicht.
      Vulture, der sich dem Gras gewidmet hatte, schien wenig davon begeistert, nun wieder aufbrechen zu müssen. Widerwillig ließ er mich die Trense wieder über das Knotenhalfter ziehen. “Wenn du so weitermachst gibts für dich ein paar Tage hardcore Anstandstraining”, murrte ich, schloss den Kinnriemen und schwang mich nach dem nachgurten in den Sattel.
      Beim Verlassen der Ranch schaute ich noch einmal zum Schild zurück. Dells Rookie Ranch. Ich hoffte, wenn ich einmal starb, würde auch jemand als Andenken an mich eine Ranch nach mir benennen. O’Dells Pro Ranch wäre ein schöner Name.
      Es schüttelte mich. Eigentlich wollte ich noch lange nicht sterben… aber man konnte ja nie wissen.
      Der Ritt zurück zur Ranch dauerte dieses Mal wesentlich kürzer an. Wir galoppierten dieses Mal aber auch mehr- gesittet, versteht sich.
      An der Bow River Ranch angekommen traf ich auf die Kids, die heute Mittag unterwegs gewesen waren. Sie hatten einen fremden Jungen dabei.
      “Hey ihr”, sagte ich freundlich und streichelte den verschwitzten Hals meines Hengstes.
      “Was hast du denn mit dem gemacht?”, fragte Tschetan mich und zeigte mit vorgeschobener Lippe, wie er es so oft machte, auf mein Pferd.
      “Wir waren oben bei der Ferienranch. Ich hab mir Notizen gemacht was alles zu tun ist, damit wir da bald anfangen können.”
      Tschetan nickte vielsagend, dann ergriff Aimee das Wort: “Hör mal, das hier ist Nicholas von dem neuen Dressurstall drüben im Tal, er ist aber eigentlich Westernreiter, nur hängt er drüben viel rum wegen seinem Freund Bryce. Falls du Arbeit hast würde er hier gerne ab und an mal aushelfen.”
      Bryce. Als Aimee diesen Namen nannte, flog mein Blick unauffällig zu Tschetan, der unbemerkt seinen Kopf hin und her bewegte.
      Ich zog eine Augenbraue hoch, schaute dann jedoch wieder zu Aimee. Nicholas wirkte auf den ersten Blick nett, aber… “Im Moment brauchen wir tatsächlich keine Hilfe… aber wenn wir drüben bei der Ferienranch anfangen sieht die Sache wieder ganz anders aus. Aimee kann sich ja bei dir melden, falls sich was ändert?”, schlug ich freundlich vor.
      “Vielen Dank, Mr. O’Dell”, antwortete mir der Junge, was mich kurz zum Schmunzeln brachte. Sah ich etwa so alt aus?
      “Caleb.”
      “Okay, danke Caleb.”
      “Geht schon mal vor, ich komm gleich”, schickte Tschetan die drei in Richtung Stallung.
      “Also… DER Bryce?” Tschetan nickte mit zusammengebissenen Zähnen.
      “Ich misstraue Nicholas, er hängt zu viel mit Bryce rum.”
      Ich nickte verständnisvoll. “Auf den ersten Blick scheint er mir nicht wie dieser Bryce vorzukommen. Lern ihn doch kennen, wenn du dein ok gibst stell ich ihn ein.”
      Tschetan nickte erneut und wandte Layla zum Gehen.
      “Ach übrigens, Tschetan”, setzte ich an und strich Vulture wieder kurz über den Hals. “Falls du Lust hast hier ein wenig mehr Verantwortung zu übernehmen… such dir doch ein oder zwei der Jungpferde für die Ferienranch aus und mach aus ihnen zuverlässige Arbeitstiere.“
      Der Junge sah mich mit großen Augen an. “Echt?”
      “Echt.”
      Pferde: BR Devils Angel Eyes, BR Sheza Topnotch Babe, BR South Texas Gangster, Blue Fire Cat, BR Atlantis Dream, BR Colored in Style, BR Dress to Impress, BR Homecoming Queen, BR Raised to Slide, BR Wimpys Bright Gangster, Captains Blue Crystal, Gun Sophie, Jacks Inside Gunner, BR Alans Smart Dream, BR Colonels Golden Gun, BR Colonels Lil Joker, BR Double Gunslide, BR Heart N’ Soul, BR Hollywoods Dream Anthem, Chapman, Chocolate Dazzle, Up Town Girl, Bittersweet Temptation, Whitetails Shortcut, Zues, Abandon all Hope, Ginger Rose, HMJ Courtesy, HMJ8345 Continental, Lady Blue Skip, Striga, Tortured Witch HMJ 6693, Blanton’s Gentleman, Chic’ N Shine, Four Bar Chocolate Becks, GRH’s Funky’s Wild Berry, HGT’s Unitato, HMJ Saintly, How ‘Bout Moonies, PFS’ Unclouded Summer Skies, Smart Lil Vulture, tc Mister’s Silvermoon Cody, Small Town Dude, Dual Shaded Ace, GRH’s Bellas Dun Gotta Gun, GRH’s Unbroken Soul of a Devil, Gun and Slide, Gunners Styled Gangster, Heza Bat Man, Hollywoods Silver Dream, Till Death, Black Sue Dun It, California Rose, DunIts Smart Investment, Easy Going, Frosty Lagoon, Ginny my Love, GRH’s A Gun Colored Lena, GRH’s Aquila T Mistery, GRH’s Unbroken Magic, Magnificient Crow, Only Known in Texas, Lovin’ Out Loud, Stormborn, Tainted Whiz Gun, Breia LDS, Ceara Isleen, Dakota, Drama Baby, Leuchtfeuer di Royal Peerage, Moonshine LDS, Pocahontas, Prias Colourful Soul, Raspberry, Tigres Eye, Wunderkerze LDS, Absolute Bullet Proof, Birk, Culain, Myrkvidr, Peacful Redemption, WHC’ Happy Sunshine, Wildfire xx, A Walking Honor, Chou, Jade, Lika a Prayer, Kristy Killings, Honey’s Aleshanee, Colonels Blue Splash, BR Dissident Whiz, Sweet like Chocolate, Alan’s Psychedelic Breakfast, General’s Coming Home, Cup Cake, A Walking Dignity, A Shining Chrome, Priamos Ruffia Kincsem, BR General Pleasure, Wimpys Little Devil, Kholáya, Whinney, Miss Independent, Kisshimbye, My sweet little Secret, Snapper Little Lena, Special Luna Zip, I’m a Playboy
    • Veija
      Noise in the silence
      Zeitliche Einordnung: Mai 2021
      April 2022, by Ravenna & Veija

      Tschetan
      Ich streckte meinen Körper Seesternartig aus, drehte mich dann auf die Seite, um mein Handy zu erreichen. Dabei zuckte ich zusammen - ich zog mir selbst an den Haaren. Der Wecker zeigte gerade 5 Uhr an. Mir missfiel das einerseits. Andererseits richtete ich mich auf, nachdem ich den Wecker aus und meine Haare befreit hatte. Mit den Händen strich ich mir über das Gesicht, klatschte die Hände gegen meine Wangen, um die Müdigkeit aus mir heraus zu bekommen. Anschließend rollte ich über das Bett, um den Raum zu erhellen.
      Der Anblick war noch immer seltsam. An das große Bett dagegen hatte ich mich schnell gewöhnt. Nicht mehr meine Schwester im selben Raum atmen zu hören, hatte mich einige Zeit gekostet. Vor knapp 2 Wochen hatte ich endlich das versprochene Zimmer im Haupthaus beziehen können, mit einer tollen Aussicht auf den Wald und einen Teil der Berge. Von hier aus konnte ich bei guter Sicht den Eingang zur Ferienranch sehen. Allerdings befand ich mich nicht auf der Sonnenseite des Hauses. Diese würde genau in der anderen Richtung aufgehen. Ich konnte gerade so erahnen, dass die Dämmerung einzusetzen begann. Vom Boden klaubte ich meine Shorts vom Vortag und warf sie in den Wäschekorb, drehte die Socken wieder auf richtig herum und zog sie mir an. Dabei schaute ich mich etwas um. Wo war die Hose gestern gelandet?
      Wenig später schlich ich mich mit meinen Boots in der Hand die Treppe hinunter. In der Küche kippte ich mir schnell ein Glas Wasser in den Rachen - das musste als Frühstück genügen. Anschließend - mit dem Hut auf dem Kopf - befand ich mich bereits auf dem Weg in den Stall. Seit einigen Wochen hatte mir Caleb die Pflege und das Training von zwei der Pferde anvertraut. Nicht nur das, ich hatte sie mir aus allen Jungpferden aussuchen können. Ich hatte mich dabei für eine zweijährige Stute namens Like a Prayer entschieden, die ich überhaupt einmal an den Menschen gewöhnen musste - nachdem sie ihre meiste Zeit auf den weitläufigen Weiden am Nordhang verbracht hatte. Colonels Blue Splash war meine nächste Wahl: eine solide vierjährige Fuchsstute, die es mir mit ihrer Neugierde zum Menschen angetan hatte. Vor allem aber mit ihrer Ruhe. Laurence hatte letztens einen der Bäume fällen müssen. Während also die Kettensäge angeworfen wurde und nach und nach die Äste flogen. An diesem Tag war sie mir im Gedächtnis geblieben. Also hatte ich nicht lange gezögert, sie zu wählen. Als Pferd für die Ferienranch war sie damit hervorragend geeignet. Beide Stuten teilten sich ein Paddock, damit ich nicht nur ihr Training, sondern auch ihre generelle Pflege übernahm. Und an Tagen wie heute trieb es mich auch sehr früh aus dem Bett.

      Am Eingang des Paddocks stand die Badewanne voll mit Wasser. Ich schüttete mir ein wenig des kalten Nass ins Gesicht, um auch den letzten Anflug von Müdigkeit aus dem Gesicht zu bekommen. Anschließend widmete ich mich den Haufen der beiden Stuten, die es aus dem Weg zu schaufeln gab. Immerhin war ich so die elendigen Boxen los. Das nasse Stroh oder die Späne aus den Ecken zu holen empfand ich als deutlich ätzender. Aus dem Container füllte ich die Wanne weiter mit Wasser und lugte hinein, um zu sehen, wie viel Wasser noch darin war. Ich beschloss, diesen am Wochenende zu füllen. Ein kritischer Blick auf meine Uhr verriet mir, dass ich noch genügend Zeit hatte, um mit Blue Splash zu arbeiten. Zügigen Schrittes holte ich mir also den Strick samt Halfter aus der Sattelkammer. Vorerst beschränkte sich meine Arbeit auf den Round Pen. Blue Splash hatte bereits gelernt sich im Round Pen zu bewegen, sich überall anfassen zu lassen und vor allem war aufgefrischt worden, die Hufe zu geben. Aktuell lernte sie auf leichten Druck zu weichen und meiner Körpersprache dabei zu folgen. Dabei beschäftigte ich sie gern mit den Pylonen: Slalom oder die liegende Acht. Heute hatte ich eine ganz neue Übung mit ihr vor.
      Da sie mittlerweile gut gelernt hatte seitwärts an mich heran zu treten wollte ich mit ihr an der Aufstiegshilfe stehen. In ihrer künftigen Aufgabe als Ferienranchpferd, musste sie auch von ungeübteren oder nicht so gelenkigen Reitern bestiegen werden. Dafür war es besonders wichtig, dass sie ruhig an der Aufstiegshilfe stand. Also nahm ich nach dem putzen die solide Box mit in den Round Pen. Nach einer kurzen Aufwärmphase holte ich die Box zu mir rein, ließ sie die junge Stute begutachten, nahm sie dann wieder auf und trug sie an eine andere Stelle. Dort stellte ich mich auf die Box. Neugierig kam Blue Splash näher. Ich gab einen kleinen Pfiff von mir für sie als Bestätigung, strich ihr mit der Hand zwischen die noch plüschigen Ohren. Dann gab das Handzeichen für die junge Stute seitlich zu mir zu kommen. Kurz ratterte es in ihrem Kopf, dann tat sie einen fragenden Schritt auf mich zu. Also ließ ich wieder meinen kleinen Pfiff hören.
      "Das hast du dir von Louis abgeschaut, oder?", vernahm ich Cayce Stimme hinter mir.
      "Was meinst du?"
      "Das Gepfeife. Louis hör ich auch in einer Tour mit seinen Pferden pfeifen." Ich musste schmunzeln.
      "Wir haben beide vom selben Großvater das Reiten gelernt. Ich denke, daher kommt das. Um ehrlich zu sein habe ich nie gefragt, wieso er das macht. Ich habs einfach kopiert." Dabei kratzte ich mir lachend am Hinterkopf.
      "Viel Erfolg beim Training", wünschte mir Cayce und fasste sich dabei an den Hut.

      Aimee
      “Hm?”, horchte ich auf, als mein Vater zum wiederholten Mal meinen Namen rief.
      “Aimee, mach doch mal den Eierkocher aus. Mensch Kind, was ist denn in letzter Zeit los mit dir?”, damit drehte er sich um und verließ die Küche des kleinen Bungalows. Ich stand seufzend auf, ging zum Eierkocher und zog den Stecker aus der Steckdose. Augenblicklich hörte das nervtötende Piepsen, das mir bis eben völlig entgangen war, auf zu nerven und verstummte. Irgendwie hatte ich vergangene Nacht nicht gut geschlafen und war heute komplett gerädert. Dagegen konnte auch der Kaffee, den ich ab und zu morgens trank, nichts ausrichten. Der einzige Trost, der sich mir heute bot, war der Wochentag. Freitag. Der Nachmittagsunterricht beschränkte sich auf zwei Unterrichtsstunden nach dem Mittagessen. Das Wochenende näherte sich mit großen Schritten.
      Ich schüttete das Wasser der Eier im Waschbecken ab. Der warme Dampf erwärmte mein Gesicht und vertrieb tatsächlich einen Teil meiner Müdigkeit.
      Aus dem Schrank kramte ich zwei Eierbecher hervor, die ich mit Eiern befüllt auf den Tisch stellte.
      Wenig später kam Brian wieder in die Küche und setzte sich an den Tisch. “Soll ich später aus Calgary noch das Kraftfutter für die Pferde mitbringen? Ein paar Säcke bekomm ich ja in den Kofferraum.”
      “Ja, das wäre gut. Frag Caleb gleich noch, dass er dir einen Scheck mitgibt. Dann kannst du direkt bezahlen.”
      “Wenn gleich noch Zeit ist”, murmelte ich und sah auf die Uhr. Ich musste mich so langsam ranhalten.
      “Sonst lass dir halt eine Rechnung ausstellen und nimm die mit… apropos, du nimmst doch gleich die Kids und Tschetan mit rüber, oder?”, ich nickte “der kann dir dann ja tragen helfen. Oder du fragst jemanden, der da arbeitet.”
      “Ja, Dad. Ich werd schon klar kommen. Bin ja nicht zum ersten Mal da.”

      Eine viertel Stunde später stand ich vor der Tür des Haupthauses und hob die Hand, um zu klopfen. Total dämlich, sonst lief ich dort doch auch ein und aus, was war denn heute los? Vorsichtig drückte ich die Klinke nach unten trat in den dunklen Flur. Hm, war er noch nicht wach? Und sonst war auch noch niemand hier? Oder waren schon alle auf der Ranch unterwegs?
      Ich räusperte mich. “Ca… Caleb?”, rief ich in den dunklen Flur hinein und vernahm ein Poltern aus dem 1. Stock. War Tschetan etwa auch noch nicht fertig für die Schule? Kaya und Betsy waren mir bisher auch noch nicht begegnet.
      “Ich komm gleich”, rief Caleb dann jedoch von oben zu mir runter. Ich nickte. Im Nachhinein dachte ich mir, dass er das Nicken ja gar nicht hatte sehen können. Schließlich trat ich ganz ins Haus hinein, zog die Tür hinter mir zu und ging in die warme Küche. Dort legte ich meine Hände um die warme Kaffeekanne auf dem Tisch. Morgens war es noch echt kalt draußen.
      Wenige Minuten später trat Caleb in die Küche. Er war noch dabei, sich sein Hemd zuzuknöpfen. Es blieb mir erspart, mich peinlich wegzudrehen, weil Caleb unter dem Hemd ein Shirt anhatte. Stattdessen nahm ich meine Hände von der Kanne weg und rieb sie ein paar Mal gegeneinander.
      “Wie kann ich dir helfen, Aimee?”, fragte er mich freundlich, nahm eine Tasse aus dem Schrank und schenkte sich etwas des warmen Getränks ein. Ich beobachtete ihn dabei, bis mir bewusst wurde, dass er mir eine Frage gestellt hatte.
      “Ich.. äh..”, stammelte ich drauf los und stoppte mit der reibenden Bewegung meiner Hände. “Ich fahr gleich mit dem Auto zur Schule. Hab meinen Dad gefragt ob ich dann schon mal einen Teil des Kraftfutters mitbringen soll. Dazu müsstest du mir aber einen Scheck mitgeben, damit ich das schon mal bezahlen kann, was ich mitnehme.”
      “Mmm hm”, antwortete er nur und verschwand aus der Küche. Verdutzt schaute ich ihm nach, bis ich ein “Kommst du?”, aus dem Flur hörte. Unsicher stapfte ich ihm nach.
      “Wo bist du denn hin?”, fragte ich ins Dunkle hinein, ehe mich der grelle Lichtstrahl der Deckenlampe kurz blendete.
      “Erstmal das Licht anmachen”, verkündete er schulterzuckend, aber mit einem Grinsen auf den Lippen.
      Wir kamen in seinem Büro an. Dort standen zwei Tische. Auf dem Rechten herrschte ein sichtliches Chaos um den PC- Bildschirm herum. Der Linke dagegen schien sichtlich aufgeräumter. Es gab verschiedene Stapel mit Unterlagen, alle schön säuberlich und akkurat aufeinander gelegt. Ich grinste kurz. Der Schreibtisch gehörte wohl Ylvi. Ich sah mich weiter im Raum um, während Caleb in diversen Schubladen herum kramte. Gegenüber seines Schreibtisches hing ein neues großes Foto. Es zeigt ein paar der Hengste vor schwarzem Hintergrund. Blue und Gangster waren dabei, natürlich. Aber auch Nachtschwärmer, der seit kurzem verkauft war.
      “Hier”, meinte Caleb plötzlich und reichte mir ein Blatt aus dem Scheckheft mitsamt dem Kuli, mit dem er unterschrieben hatte. “Trag einfach später den Betrag ein, für den du Säcke mitbringst. Bezahl nichts weiter im Voraus.” Ich nickte, bedankte mich und verließ das Haupthaus. Kaya und Betsy standen bereits am Wagen, von Tschetan fehlte weiterhin jede Spur.
      Hinter mir fiel die Tür erneut ins Schloss, was mich zum umdrehen bewegte. Auch nicht Tschetan. “Caleb ist Tschetan noch drinnen?” Er schüttelte den Kopf. “Habt ihr ihn gesehen?”, fragte ich die Mädchen, klickte gleichzeitig auf den Autoschlüssel, damit das Auto sich auf schloss. Beide verneinten ebenfalls. Wo steckt er denn wieder?
      “Ich muss noch grade meinen Schulranzen holen gehen, bin gleich wieder da”, erklärte ich mich und joggte zurück zum Bungalow, holte meine Tasche, verabschiedete mich von meinem Vater und ging zügigen Schrittes zurück zum Wagen. Die Tasche verstaute ich im Kofferraum. Dann beschloss ich Tschetan anzurufen. Er hatte sein Handy zwar fast nie dabei, aber falls doch, ging er immer ran. Gerade hatte er es wohl wieder irgendwo liegen gelassen, denn es kam sofort die Mailbox. Ich schaute auf die Uhr. 5 Minuten Zeit hatten wir noch, dann mussten wir aber wirklich los.

      Tschetan
      Auf die Minute genau riss ich die Beifahrertür auf, ließ mich ätzend auf dem Sitz nieder und zog Beine und Tür als letztes hinzu. Aimee sah mich ungläubig von der Seite an. “Was?” fragte ich. Gestikulierte nach vorn. “Willst du nicht los?” Keine Regung. Die Mädchen auf der Rückbank kicherten.
      “Ist das’n Scherz?”
      “Kannst du in ganzen Sätzen sprechen?”, so ganz sah ich immernoch nicht was ihr Problem war. Ich widmete dem Tacho einen Blick, auf dem die Uhrzeit stand. Genau genommen war ich nicht zu spät.
      “Der Hut, dein Aufzug. Alter, du miefst nach Pferd. Deine Haare sind nicht gekämmt und wenn ich genau hinseh, find ich sicherlich noch Heu”, kommentierte Aimee.
      “So renn ich doch ständig rum?”
      “Aber doch nicht in der Schule!”, ich zuckte mit den Schultern.
      “Heute dann wohl schon. Umziehen und Duschen würde bedeuten, wir kommen zu spät”, ich deutete dabei mit den Lippen auf die Uhr im Armaturenbrett. Aimee grunzte, schüttelte den Kopf und startete ohne weiteren Kommentar den Motor. Ich warf den Mädchen auf der Rückbank einen Blick zu. Kaya grinste und schlug die Hand vor den Mund, um das Kichern zu unterdrücken. Ich machte eine kreisende Bewegung mit der Faust vor meinem Gesicht. Das Zeichen für ‘verrückt’. Dann zwinkerte ich.
      “Schnall dich an!”, ranzte Aimee mich an. Während der Wagen die lange Auffahrt der Ranch hinaus fuhr.
      Um nicht weiter in ihren Unmut zu gelangen schnallte ich mich an, zog mir den Hut vom Kopf und steckte ihn fest zwischen Scheibe und Armaturenbrett vor mir. Im Spiegel des Wagens sah ich mir mein Gesicht an. “Im Handschuhfach sind Feuchttücher”, stellte Aimee sachlich fest. Also wischte ich mir den groben Dreck aus dem Gesicht. Anschließend löste ich die beiden geflochtenen Zöpfe und zog mir die Zopfgummis über den Arm, um mit gefächerten Händen meine Haare ein wenig zu kämmen.
      “Willst du meine Bürste?” fragte Betsy hinter mir und rechts von mir tauchte eine zierliche Hand mit Bürste auf. Dankbar griff ich danach und kämmte mir meine langen Haare. Mittlerweile kamen keine Kommentare mehr von Aimee, dass ich mich in Bezug auf die Haare schlimmer hatte wie ein Mädchen. Sie hatte ziemlich schlucken müssen, als sie von den Residential Schools erfahren hatte. Noch meiner Großmutter hatte man als Mädchen in eine solche geschickt. Ich trug meine Haare also lang, für all jene Ahnen, denen es nicht erlaubt worden war.
      Nach dem Kämmen entfernte ich die Haare aus der Bürste, warf sie aus dem Fenster und gab Betsy ihre Bürste zurück. “Dankeschön”, bedankte ich mich ehrlich bei ihr. “Besser?”, fragte ich in Aimees Richtung, erhielt allerdings keine Antwort von ihr. Ich knuffte sie leicht in die Seite, sie zuckte zusammen, quiekte und sah mich halb lachend, halb ungläubig von der Seite an. Aber ihr Lächeln zeigte mir, dass sie nicht mehr wirklich wütend auf mich war. Ich lehnte mich im Sitz zurück, streckte die Beine so, gut es eben ging, aus und genoss den Ausblick aus dem Fenster. Noch ein paar Monate dann hatte auch ich endlich den 16. Geburtstag hinter mir und durfte fahren.

      An der Schule trennten sich unsere Wege ab dem Auto. Ich nahm Kaya in den Arm, küsste sie auf die Stirn. “Tschetan, du bist peinlich!”, schimpfte sie dabei mit mir. Ich zog eine Augenbraue nach oben, sah Betsy an.
      “Wann hat meine kleine Schwester beschlossen ihr Bruder sei peinlich?”, Kaya kicherte leise. “Als mein Bruder beschlossen hat, sich noch schlimmer als Louis zu benehmen!”, damit verschwanden beide Mädchen mit kichern. Ich spürte noch immer ein leichtes Zittern in mir, jedes mal, wenn Kaya sprach.
      “Wohin starrst du?” hörte ich eine mir mittlerweile bekannte Stimme in meinem Rücken. Nicholas trat an meine Seite, die Hand an der Stirn, als würde er seine Augen gegen die Sonne abschirmen. “Gibt´s da heiße Mädchen zu sehen,mhm?”
      “Ich hoffe doch nicht, dass du ein Auge auf meine Schwester geworfen hast, sonst müsste ich dich töten”, knurrte ich spielerisch. Nicholas verweilte in seiner Pose.
      “Niemand tötet hier irgendwen. Bewegt euch Jungs. Ab zum Unterricht!”, scheuchte uns Aimee los. Ich spürte ihre Hand in meinem Rücken, wie sie Nicholas und mich vorwärts schob. Wann war das eigentlich passiert?
      Seit dem Tag an den heißen Quellen…und der Zeit, in der Nicholas auf der Ranch half. Irgendwie hatte er sich in den kleinen Kreis unserer Freunde geschlichen. Wie lang war das jetzt her? 1 oder sogar fast 2 Monate? Nur Aimee fand ich von Zeit zu Zeit noch bei Bryce….und noch immer mochte ich nicht, dass sie mit ihm zusammen abhing. Selbst Nicholas hatte mir einmal zugestimmt…dass sein ehemaliger Kumpel nicht der beste Umgang war. “Was hast du als erstes?”, fragte ich Aimee.
      “Geschichte, bei Mrs. McIntosh …genau wie du auch!”
      “Dann trenn ich mich noch draußen von euch, Doppelstunde Sport,” seufzte Nicholas.
      “Dann sehen wir uns in der Mittagspause.” trällerte Aimee. “Komm jetzt!”

      Ylvi
      Seitdem Aimee die gesamte Bande mit zur Schule nehmen konnte, hatte sich mein Leben ziemlich erleichtert. Plötzlich hatte ich einen fast ungewohnten Raum an Zeit am Morgen. Abgesehen davon hatten Louis und ich den Bungalow auch immer öfter für uns allein. Tschetan hatte drüben im Haupthaus eines der Zimmer bezogen. Betsys Zimmer wurde auch bereits fertig gestellt. Solang bewohnte sie hier bei uns mit Kaya das Zimmer. Immer häufiger nahmen wir unser Frühstück auch drüben im Haupthaus ein. Wir hatten Dells Tod noch nicht alle vergessen, würden es vermutlich nie. Aber ein jeder hatte seinen eigenen Frieden damit geschlossen. Die Situation mit Caleb hatte sich beruhigt. Wir hatten nicht weiter über die Küsse gesprochen. Oder im generellen viel über uns. Trotzdem verbrachten wir viel Zeit. Die beiden Mädchen, Louis, Caleb und ich. In Calgary sorgten wir gern mal für verwirrende Blicke von fremden Menschen. Louis hatte ich in einem ruhigen Moment von den Küssen mit Caleb berichtet.
      Zu meiner Überraschung war daraufhin kein Streit entstanden. Keine Vorwürfe.Genau in solchen Momenten wurde mir klar, wieso ich Louis an meiner Seite hatte. So anders als Caleb. Dabei fielen mir immer wieder seine Worte ein von einst. Dort oben auf dem Hügel an dem Tag als Louis mir das Leben gerettet hatte. Wolf und Rabe.
      Sie führten eine Symbiose. Doch eine jede Spezies band sich auf Lebenszeit an einen einzigen Partner. Lange Zeit hatte ich die Worte für Irrsinn gehalten. Doch immer häufiger kam mir der Gedanke das es vielleicht gar nicht mal so verkehrt war. Die Anziehung, die Gefühle die ich für Caleb empfand, konnte ich nicht ignorieren. Offenbar erging es ihm da ähnlich. Wir hatten ein Miteinander gefunden. Arbeiteten normal gemeinsam. Doch eine gewisse Distanz herrschte. Ich konnte allerdings nicht sagen ob es an unserer erneuten Annäherung lag, oder seinem generellen Unmut darüber, dass Louis und ich die vorläufige Vormundschaft für Betsy übernommen hatten. Zumindest war ich froh, dass er es gut verbergen konnte, wenn wir unterwegs waren mit den Mädchen.
      Plötzlich wurde die Welt um mich herum duster. “Wolltest du nicht abwaschen, statt in die Luft starren?“, hörte ich Louis amüsierte Stimme in meinem Ohr. Er nahm die Hand von meinem Gesicht, stattdessen spürte ich sie an meiner Schulter. “Erwischt”, murmelte ich. Starrte hinunter auf meine Hände, die im Wischwasser hingen. “Ein wenig Tagträumen sei dir erlaubt.”
      “Zu gütig.”
      “In der Zeit wie du hier rumstehst, hatte ich Zeit das Bad zu reinigen und dich dabei zu beobachten, wie du in der Gegend rumstarrst.”
      “Ah ein Stalker also?”
      “Ich hab eher daran gedacht, wie schrecklich langweilig wir geworden sind.”
      “Langweilig?”
      “Überleg doch mal. Wir haben heute einen kinderfreien Tag. Vor drei Jahren hätte ich dafür gesorgt, dass wir den ganzen Tag nicht aus dem Bett kommen”, schnurrte er neben mir. Ich schenkte ihm einen Blick mit erhobener Augenbraue. Soso. “Stattdessen sind wir spießig und putzen das Haus.”
      “Vor drei Jahren hätten wir allerdings auch nicht jederzeit mit einer Überprüfung durch das Jugendamt rechnen müssen”, stellte ich nüchtern fest. “Aber wir könnten nach dem Abwasch einen Ausritt machen.”
      “Jetzt, fängt es an interessant zu werden“, sprach Louis anzüglich. Ich schüttelte meine nasse Hand in seine Richtung.
      “Draußen, mit den Pferden!”, lachend wich er mir aus. Küsste mich auf die Wange.
      “Dann widme ich mich mal meinem Stalltrakt und wir sehen uns später?”
      “Geh schon!” scheuchte ich ihn davon, musste lächeln und kehrte nicht zu meinen trübsinnigen Gedanken zurück.

      Aimee
      Ich hasste Geschichtsunterricht. Also eigentlich liebte ich Geschichte- und Tschetan saß eh jedes Mal gerade, wenn irgendwas über die Native American gesprochen wurde. Aber bei Mrs. McIntosh, bei der ich mich wirklich fragte, wer diese Frau freiwillig geheiratet hatte, verging mir der komplette Spaß daran.
      “Aimee, wie hieß der 1. Präsident der Vereinigten Staaten?”, fragte sie mich. Natürlich, sie wusste immer genau, wann ich ihr nicht zuhörte. Dumm nur, dass ich die Antwort wusste.
      “George Washington”, antwortete ich mit gestreckter Brust. Pah, die Antwort war goldrichtig.
      “Und wie hieß der zweite?”, fragte sie mich weiter.
      Diesmal musste ich überlegen. Jefferson oder Adams? Nein, Jefferson kam später, dann muss es wohl Adams sein.
      “Adams…ähm, John Adams.”
      Mrs. McIntosh nickte. “Der Dritte?”
      “Thomas Jefferson”, kam meine Antwort wie aus der Pistole geschossen.
      “Von wann bis wann?” Uff. Tschetan sah mich zerknirscht von der Seite an und zuckte kaum merklich die Schultern. Er konnte mir also auch nicht helfen. Also musste ich drauflos raten.
      “1800 bis 1810?”, fragte ich unsicher.
      “Fast”, antwortete die Lehrerin. “1801 bis 1809. Für die Klausur nächste Woche möchte ich alle 46 Präsidenten wissen. Wer die Daten dazu schreibt, bekommt Extrapunkte. Feierabend für heute.” Mit diesen Worten klingelte die Pausenglocke. Mir fiel die Kinnlade runter. Alle Präsidenten plus Jahreszahlen? Wann würde ich diesen Blödsinn in meinem Leben nochmal brauchen? Richti, niemals.
      “Manchmal hab ich das Gefühl, die ist verrückt”, sagte Tschetan und setzte sich schräg auf meinen Tisch. Ich war nur durch Zufall hier in seiner Klasse gelandet. Eigentlich war nur in der Parallelklasse ein Platz frei gewesen. Doch hier in dieser musste ein Schüler mit seiner Familie umziehen, so dass ich nun doch hier war. Darüber war ich nun unglaublich froh, denn Tschetan und ich konnten uns bei den Hausaufgaben unterstützen- oder eher voneinander abschreiben. In manchen Fächern war er unglaublich gut, in anderen ich.
      Es klingelte wieder, die kurze Pause war vorbei und es ging mit Englisch weiter. Eins meiner Lieblingsfächer.
      Fünf Schulstunden später war endlich Mittagspause. Tschetans und mein Weg trennten sich im Flur getrennt, als Bryce auf uns zukam. Mit einem “Würgs” verschwand Tschetan im Gang rechts von uns.
      “Hey Aimee, wie gehts dir?”, umschwärmte Bryce mich, stellte sich neben mich und zog mich an der Hüfte näher an ihn heran.
      “Gut, gut”, war meine knappe Antwort. Irgendwie war mir heute nicht so wirklich nach ihm zumute.
      Er zog mich noch enger zu sich rüber. “Kommst du mit raus zu den Jungs?”
      “Klar”, antwortete ich reflexartig, obwohl ein ‘nein’ in meinen Gedanken kreiste. Zusammen mit ihm ging ich also raus zu den Jungs. Ein paar der Cheerleaderinnen standen auch dabei. War ja klar, dass die Sportlerjungs die Cheerleadermädels anzogen. Wie ich allerdings darein passte, das wusste ich bis heute nicht. Ich fand Cheerleading toll, konnte mir aber selbst nicht vorstellen, von einer Menschenpyramide runterzuspringen und wie eine Katze auf den Füßen zu landen. Da saß ich lieber im Sattel, obwohl ich wirklich kein Profi darin war.
      Die Mädels erzählten von ihrem letzten Training und wie unglaublich anstrengend das gewesen war und wie unglaublich erschöpft sie gerade waren, und dass man Football doch gar nicht mit Cheerleading vergleichen konnte. ‘Würgs’ dachte ich und meine Gedanken kreisten augenblicklich um Tschetan. Wo war er hin verschwunden?
      Ich ließ meinen Blick schweifen. Heute bei dem tollen Sonnenschein hatte es fast alle Schüler in der Mittagspause nach draußen verschlagen. Kaya und Betsy saßen mit ein paar anderen Mädchen auf einer großen Decke und aßen ihr Mittagessen. Tschetan stand.. natürlich. Drüben bei den Bänken bei den anderen Natives. Wo hätte er auch sonst sein sollen? Allerdings hatte sich Nicholas zu ihm gesellt, das war neu. Er und Bryce schienen nicht mehr so gut miteinander auszukommen. Tschetan hob den Blick und schaute zu mir rüber. Ich lächelte ihn an, er lächelte kurz zurück.
      Bryce war meinem Blick gefolgt und räusperte sich, womit er meine Aufmerksamkeit auf sich lenkte. “Ihr habt euch vor fünf Minuten noch gesehen, vermisst du die Rothaut etwa schon?” Plötzlich verstummten alle in unserem Kreis. Jeder wusste, dass Bryce es auf die Jungs (und natürlich Mädchen) drüben abgesehen hatte. Ich gab ihm die Chance, seine Aussage noch einmal zu überdenken.
      “Bitte?”, fragte ich ihn spöttisch und verschränkte die Arme vor der Brust.
      “Ich hab dich gefragt, ob du die Rothaut da hinten etwa schon vermisst. Ihr könnt den Blick gar nicht voneinander lassen.”
      “Kannst du mal aufhören ihn so zu nennen?”, erhob ich meine Stimme. Die anderen tauschten fragende Blicke. “Er heißt Tschetan. So wie ich Aimee heiße und du Bryce. Wieso musst du immer gleich rassistisch werden?”
      “Die Rothäute haben hier auf unserer Schule nichts verloren, die haben ihre eigenen Reservate oder was auch immer, wo sie hingehen können. Was machen die überhaupt hier?” Zustimmendes Gemurmel aus dem Kreis.
      “Weißt du was Bryce? Fick dich. Dich und deine rassistische Meinung. Ich hab echt gedacht, der Schlag ins Gesicht hätte dir einen Denkzettel verpasst. Aber anscheinend bist du wirklich ein Arschloch… Ich geh dann mal zu den Rothäuten, wie du sie so charmant nennst. Ciao!” Damit wollte ich abdampfen, doch Bryce hielt mich am Arm fest. Ich wurde etwas lauter. “Lass mich los!”
      “Erst haut der indianische Spast mir eine rein, dann klaut er meinen besten Freund und jetzt stiehlt er auch noch mein Mädchen?” Bryce machte einen Schritt auf mich zu, niemand in der Runde schien auch nur zu atmen, alles schien sich in Zeitlupe abzuspielen.
      Plötzlich spürte ich Hände, die mich von hinten erfassten und von Bryce wegzuziehen versuchten. Ebenso machte sich jemand an Bryce’ Hand zu schaffen, um sie von meinem Arm zu bekommen. Benommen schüttelte ich den Kopf, ich sah wieder klarer. Zwischen meinen “Rettern” Tschetan und Nicholas sowie Bryce hatte sich ein heftiges Wortgefecht aus rassistischen Beschimpfungen und sonstigen Schimpfwörtern entwickelt.
      Endlich hatte Nicholas meinen Arm befreit. Gemeinsam mit Tschetan stolperte ich einen Schritt nach hinten, doch er fing mich geschickt auf. Nicholas diskutierte noch immer mit Bryce.
      “Wie kann sich ein Mensch so verändern? Mensch Bryce, wir waren beste Freunde!”
      “Wie kann mein bester Freund mir einfach so den Rücken kehren und einem anderen Kerl so in den Arsch kriechen!”
      “Was ist aus dir geworden?!”, keifte Nicholas und drehte sich zum Gehen.
      “Ja, nimm das Gesocks von der Ranch gleich mit, ihr seid doch alle nicht ganz normal!”
      Ich wollte ansetzen, um noch etwas hinzuzufügen, doch war augenblicklich damit beschäftigt, Tschetans Faust festzuhalten und ihn wegzuschieben. “Nicht nochmal”, flüsterte ich ihm zu, berührte dann seine Schultern und drehte ihn zum Gehen um.
      Aus dem Augenwinkel folgte ich Bryce’ Blick zu Kaya und Betsy rüber. Auch Tschetan war seinem Blick gefolgt. “Halt dich bloß von ihnen fern!”, knurrte er.
      ‘Er wird doch nicht?’, dachte ich.
      Als wir uns ein paar Meter entfernt hatten, seufzte Nicholas. “Er war nicht immer so.” Ich sah ihm dabei zu, wie er zurück schaute und etwas murmelte wie: ‘Warum war ich eigentlich mit ihm befreundet?’

      Wenige Stunden später saßen wir im Auto. Nicholas hatte sich dazu gesellt, er saß hinten in der Mitte zwischen Kaya und Betsy und schien mit den Beiden den Spaß seines Lebens zu haben. Immer wieder sah ich Tschetan einen kurzen Blick in den Seitenspiegel zu werden, in dem er Kaya lachen sah. Niemand von uns ‘Großen’ schien Worte über die Sache mit Bryce verlieren zu wollen. Schließlich erhob Tschetan doch die Stimme: “Kaya, Betsy. Habt ihr gesehen, was in der Mittagspause vorgefallen ist?”
      Die zwei nickten.
      “Ich möchte, dass ihr euch von diesem Jungen, Bryce, fernhaltet. Wenn er auf euch zukommt oder euch belästigt, bleibt nicht stehen, geht weg und sucht euch jemanden, der euch helfen kann. Zur Not einen Lehrer.”
      “Tschetan, ich glaube nicht, dass er so etwas tut”, mischte sich Nicholas kleinlaut ein. “Ich meine ja, er ist ein Arsch und ja, er ist rassistisch. Aber er wird sich doch von den Kindern fernhalten…”
      “Teenies”, warf ich ein.
      “Was?”
      “Kaya und Betsy werden dieses Jahr schon 12. Kinder ist da gut gesagt”, ich lachte, um die Situation doch ein wenig aufzulockern. “Apropos Nicholas. Gut, dass du dabei bist. Wir müssen noch zum Laden und Kraftfutter für die Pferde abholen. Dann kannst du tragen helfen.”
      “Na großartig”, antwortete er mir lachen.

      Beim Laden angekommen klärte ich die Bezahlung anhand des Schecks, während Tschetan und Nicholas die Säcke einluden. Akribisch studierte ich die Rechnung, ehe ich den geforderten Betrag in den Scheck eintrug und ihn schließlich, nach einer weiteren Kontrolle, überreichte. Es handelte sich um ein paar hundert Dollar- und dabei nahmen wir gerade mal einen Teil des Futters mit. Ein Pferd war schon teuer, aber eine ganze Ranch? Die ganzen Kosten zu stemmen erschien in meinen Augen unmöglich!
      Wieder auf der Ranch angekommen trafen wir sofort auf Caleb. “Bringt ihr die Säcke bitte in die Futterkammer des Hauptstalls?” Wir nickten alle fleißig, dann ging er wieder seiner Wege.
      Kaya und Betsy verschwanden in Richtung des Bungalows, während ich das Auto vor den Hauptstall stellte, damit wir noch so weit tragen mussten. Zum Glück kamen uns Cayce und Bellamy entgegen und halfen uns beim Ausladen.
      “Nicholas ich hab gesehen, deine Eltern verkaufen einen ihrer dreijährigen Hengste? Oder stellen ihn zur Verfügung?”, fragte Cayce.
      Nicholas nickte. “Ja, Rocket… ich meine Rocking Waves. Ein tolles Tier.”
      “Caleb hat ein Auge auf ihn geworfen, er wollte jetzt am Wochenende auf Turnier fahren und ihn sich vielleicht auch anschauen, er fährt ja quasi an eurer Haustür vorbei dazu.”
      “Caleb fährt weg? Jetzt?”, fragte Tschetan ungläubig und runzelte die Stirn. “Aber die Frau vom Jugendamt kann doch zu jeder Zeit kommen?”
      Cayce zuckte die Schultern. “Er wird wohl wissen, was er tut.”
      “Ich wusste gar nicht, dass ihr auch Pferde habt?”, mischte sich Bellamy interessiert ein.
      “Wir besitzen eine kleine Deckstation, manchmal wird da auch ein wenig hin und her getauscht. Rocket ist so ein Tausch, aber meine Eltern haben einfach keine Zeit für eigene Pferde, geschweige denn, sie auf Turnieren vorzustellen. Wir haben noch drei Wallache, unsere Freizeitpferde. Aber Rocket fällt aus dem Raster… vielleicht nimmt Caleb ihn ja auch zur Verfügung und stellt ihn auf Turnieren vor? Wenn er gut ist, kann er in ein paar Jahren zurück zu uns kommen zum Decken.”

      ~ Ein paar Tage später ~

      Ankunftsbericht von Thiz Bye Bye Bay
      Trainingsbericht für Gunners Styled Gangster (Reining LK 3 - LK 2), Heza Bat Man (Reining LK 5 - LK 4) und GRH’s Bellas Dun Gotta Gun (Reining LK 3 - LK 2)

      Caleb
      Selbstsicher verließ Gangster die Laderampe des Pferdeanhängers. Erst als all seine Hufen knirschend im Schotter zu Stehen kamen, reckte er den Hals in die Luft und wiehrte einmal laut. Aus dem Inneren des Hängers antwortete ihm Batman lautstark. Auch Barbie machte sich bemerkbar. Ein paar Pferde wieherten ebenfalls. Manche ganz nah und lauter, andere weiter weg und leiser. Ich befand mich mit den Pferden auf dem Gelände des ersten Turniers für dieses Jahr. Mit an Bord hatte ich nur meine drei Pferde Gangster, Batman und Barbie. Für das Training mehrerer Pferde hatte mir die Zeit gefehlt. Für Batman würde es auch das erste Turnier unter mir sein. Ich war wirklich gespannt, wie der Hengst sich in fremder Umgebung machte. Barbie und Gangster hatte ich schon ein paar Mal mit auf Tour gehabt, weshalb sie auf den ersten Blick ruhiger zu sein schienen. Batman würde ich in der LK 5 vorstellen und meine beiden anderen Pferde in der LK 3, um alle drei für höhere Turniere in diesem Jahr zu qualifizieren. Blue war bewusst zu Hause geblieben. Mit ihm zusammen hatte ich bereits so viele Erfolge mein Eigen nennen können, und er machte sich bei der Rancharbeit und im Reitunterricht so gut, da brauchte ich ihn mir nicht mehr auf den Turnieren zu verheizen. Und Gangster? Tja, Gangster würde hoffentlich noch ein paar Turnierjahre vor sich haben. Nach und nach rückten nun aber auch die Jungpferde auf, so dass ich mir um den Turniernachwuchs keine Sorgen machen musste. Eine Ranch präsentierte sich am Besten durch seine Nachzucht, die … erfolgreich auf Turnieren abschnitt. ‘Und dann hast du nur eins deiner Nachwuchspferde dabei’, lachte ich innerlich und drückte einem der Helfer auf dem Turnier meinen Hengst in die Hand. Es war ein kleines Turnier, jeder kannte hier jeden. Deshalb hatte ich auf eine Begleitung verzichtet. Freundliche Helfer gab es hier zur Genüge.
      Nachdem alle drei Hengste in ihren Paddockboxen verstaut waren und Gangster sich beruhigt hatte, schlenderte ich zum Abreiteplatz, um mir die Konkurrenz anzuschauen. Eines der Pferde fiel mir sofort ins Auge. Ein hübscher Braunschecke mit schwarzer Mähne und weißem Schweif. Ein wirklich unglaublich hübsches Tier! Eine ganze Weile schaute ich dem Training dieses Pferdes zu. Mir fiel sofort auf, dass er schnell überfordert schien, rollte sich vorne ein und entzog sich den Zügelhilfen. Ich blickte auf die Uhr. Batman hatte heute Abend noch seinen ersten Start, wenn ich ihn in Ruhe an die Umgebung gewöhnen und warmreiten wollte, musste ich ihn gleich fertig machen.
      “Entschuldigen Sie”, sprach ich den Reiter des Schecken an, “starten sie auch später in der LK 5?” Er nickte. “Perfekt, Sie haben da ein wirklich hübsches Tier!”, lobte ich das Pferd.
      “Hübsch ist er wirklich, leider nicht unglaublich talentiert. Das hier ist jetzt sein… ich glaube sechstes Turnier. Wenn er sich heute auch nicht gut macht, werden wir ihn verkaufen.” Ich schmunzelte.
      “Wie ist er denn gezogen, wo kommt er her?”
      “Wir haben ihn seit er ein Jährling ist. Er kommt von einer Farbzucht in Montana. Vater ist Town ain’t big enough und die Mutter Worth the wait”, erklärte mir der Mann und klopfte den Hals des verschwitzten Hengstes.
      “Ich bin immer auf der Suche nach neuen Pferden”, lachte ich und stellte mich vor.
      “Bow River Ranch? Davon hab ich schon gehört”, er schien in seinem Gedächtnis zu kramen, “Reiner und Cutter kommen von da, nicht wahr? Startest du auch später?”
      “Ja genau”, antwortete ich und erzählte ihm kurz etwas zu den drei Pferden, die ich mitgebracht hatte.
      “Ist davon eins zu verkaufen?”
      Ich verneinte.
      “Schade, aber vielleicht sagt dir Benny hier ja zu.”
      Etwa eine Stunde später saß ich auf einem von oben bis unten rausgeputzten Batman. Ich strich ein letztes Mal über meinen schwarzen Hut, ehe ich ihn auf den Kopf setzte und mit dem Abreiten begann. Ich gab dem Hengst genug Zeit, sich die Umgebung zunächst anzuschauen. Ich wollte vermeiden, dass er mir wegen eines flatternden Vorhangs oder einem Knacken im Lautsprecher wegsprang, dessen Existenz er vorher nicht zur Kenntnis genommen hatte. Der schicke Scheckhengst, dessen Name Benny, also eigentlich Thiz Bye Bye Bay war, hatte sich eine Pause verdient und wartete am Rand, während sein Reiter gewechselt wurde. Der Mann, der ihn eben geritten hatte, schien nicht der zu sein, unter dem der Hengst gleich laufen würde. Ich schmunzelte. Unüblich war das nicht. Ich war gespannt, wie der Hengst sich unter seinem richtigen Reiter machte.
      Nachdem Batman abgeritten war, ließ ich ihn noch ein paar Runden am langen Zügel drehen. Als Benny aufgerufen wurde, verließ ich mit ihm den Abreiteplatz und stellte mich am Rand auf, um dem Ritt beizuwohnen. Batman schaute sich interessiert um, ließ sich gar nicht verrückt machen von dem ganzen Trubel und ließ wenige Sekunden später den Kopf und die Unterlippe hängen.
      Benny zeigte schon beim Einreiten Schwierigkeiten. Meines Erachtens nach war er viel zu lange und zu hart abgeritten worden. Er betrat schon klatschnass den Platz. Da hatte es auch nichts gebracht, ihm eben eine kurze Pause zu gönnen. Das ruhige Stehen an X schaffte der Hengst schon nicht, das reindrehen in die Spins war eine Katastrophe. Bei der zweiten Richtung machte er sogar einen Hopser nach vorne, da er mit Galopphilfen gerechnet zu haben schien. Mit einem Ruck an der Kandare wurde er zurück nach hinten gezogen, ehe der Spin in die andere Richtung folgte. Die Spins waren nicht schlecht, aber der Hengst stand so unter Spannung, dass er sein Potenzial gar nicht zeigen konnte. Der Rest der Pattern war eine ebenso große Katastrophe, wie ihr Anfang. Zerknirscht streichelte ich Batmans Hals. Würde das ein Mitleidskauf werden oder hatte Benny vielleicht doch das Zeug, gar nicht so schlecht zu sein, wenn man ihm Zeit ließ?
      Nach dem Ritt verschwand der Reiter des Hengstes mit hochrotem Kopf und einem 0 Score, einer der Roll Backs war in die falsche Richtung gewesen, auf dem Abreiteplatz. Noch bevor er den Hengst für seinen Misserfolg, der zu 100% auf den Reiter zurückzuführen war, strafen konnte, griff ich ein. “Ich kauf den.”
      “Wie bitte?”, der Mann mit dem roten Kopf schien verwirrt.
      “Entschuldigen Sie, ich hatte eben beim Abreiten des Hengstes mit dem … Dude gesprochen, der ihn abgeritten hat. Er meinte, wenn Benny heute auch nicht läuft, geht er weg. Ich hätte ihn gerne.”
      “Was zahlen Sie denn?”
      “Das, was er wert ist.”
      Nach einigem Feilschen einigten wir uns auf einen eher niedrigen Preis. Der Hengst wurde in die freie Paddockbox neben meinen Hengsten gebracht. Ich würde später nach ihm sehen, jetzt musste ich erst einmal mit Batman starten und ein besseres Beispiel für den Reitsport abgeben, als der Dude mit Benny.
      Batman war gelassen, hörte mit wunderbar zu und stand an X auch wirklich still. Die Spins waren langsam aber genau. Es kam mir heute nicht auf Schnelligkeit sondern auf Sauberkeit an. Die Zirkel waren okay für meine Ansprüche, ich musste ihm noch viel helfen, die Spur zu halten – aber das war in Ordnung. Die Galoppwechsel waren nur einfache mit einer kurzen Trabphase dazwischen, Punktabzug würde es dafür nicht geben, aber auch keine Pluspunkte. Die Sliding Stops und Roll Backs waren ebenfalls langsam aber sauber. Wir verließen den beleuchteten Platz mit einem 69er Score. Einen Punkt Abzug gab es, weil es mir beim zweiten Roll Back im Außengalopp angesprungen war. Kann passieren, war kein großes Ding.
      Als ich am noch Besitzer von Benny vorbeikam hielt ich kurz an und sagte: “Ich veranlasse gleich die Überweisung des Geldes für den Hengst.” Er übergab mir die Papiere und einen hingekritzelten Kaufvertrag. Dann dampfte er mit noch immer hochrotem Schädel davon.
      Nach einem kurzen Abreiten von Batman, der nun auch sichtlich geschwitzt hatte, fand ich mich wieder im Stalltrakt ein, in dem meine Tiere untergebracht waren. Ich versorgte Batman, band ihn mit Abschwitzdecke in der Box an und näherte mich der Box meines neuen Scheckhengstes. “Hey, Benny”, sagte ich leise und öffnete die Tür. Die Ohren des Hengstes flogen sofort nach vorne und er kam neugierig auf mich zu. “Du bist ein Braver, nicht wahr?”, ich streichelte über seinen warmen Kopf. Augenblicklich fiel mir auf, dass er komplett verschwitzt ohne Decke hier stand. Ich ging also kurz zu meinem Trailer und nahm eine der Ersatzdecken, die ihm von der Größe her mit Sicherheit passen musste. Zum Glück hatte ich immer mehr Decken dabei, als ich brauchte. Er schien dankbar über die Wärme zu sein, denn seine Hinterhand hatte zu zittern begonnen. “Armer Kerl …”, murmelte ich und entschied dann, ihn über Nacht auch mit einer gefütterten Decke einzudecken.
      Auf dem Weg zurück zum Trailer autorisierte ich die Überweisung des Kaufvertrages für den Hengst. Nun hatte ich offiziell ein neues Pferd. Ich schmunzelte. Die Farbzucht in Montana, aus der er stammte, würde ich mir in naher Zukunft aber auch noch anschauen fahren. Denn wie hieß es so schön? Pferde konnte man nie genug haben.
      Ich verbrachte noch zwei Stunden im Stall. Batman war umgedeckt für die Nacht und alle hatten noch eine ausgiebige Portion Heu bekommen. Benny war noch immer nicht trocken und fing wieder an zu zittern. Ich fluchte leise vor mich hin, ging wieder zum Trailer und holte eine andere Abschwitzdecke, die ich auf seinen Rücken legte, nachdem ich ihm die Nasse ausgezogen hatte. Über die Abschwitzdecke legte ihn nun die gefütterte Regendecke und schloss die Paddocktür, damit es von außen nicht so in seine Box zog. Ich kontrollierte nochmal, ob alle Boxen richtig verschlossen waren. Dann ging ich zu meinem Trailer, um endlich ins Bett fallen zu können.
      Am nächsten Morgen kam ich nicht so gut aus den Federn. Cayce hatte mich darüber unterrichtet, dass zuhause ein Sturm gewütete hatte. Die Rinder waren weg – Bisons hatten den Zaun zertrampelt und auf der Ranch war wohl auch nicht mehr alles im grünen Bereich. Wir telefonierten eine Weile. Ich war schon am Zusammenpacken und wollte mich auf den Rückweg machen. Cayce versicherte mir jedoch, dass sie alles im Griff hatten. Ich versprach ihm, gleich nach meinem letzten Start einzupacken und nach Hause zu kommen.
      Zum Glück waren meine beiden verbleibenden Starts mit Gangster und Barbie am Morgen, so dass ich mich am frühen Mittag mit meinen drei, nein vier Pferden auf den Rückweg machen konnte.
      Nach einem schnellen Kaffee ging ich sofort in den Stall. Gangster, Batman und Barbie fraßen genüsslich ihr Heu. Benny lag noch mit geschlossenen Augen in der Box. Er hatte schließlich auch einen anstrengenden Tag gehabt. Als ich jedoch seine Boxentür öffnete, öffnete er die Augen und stand auf. Kurz schüttelte er sich, ehe er mir wieder seinen Kopf entgegen streckte. Ich lächelte. So ein nettes Pferd!
      Zu meinem Glück zitterte er nicht mehr. Unter der Decke war er angenehm warm, weshalb ich auch entschied, ihm die doppelte Decke anzulassen.
      Dann machte ich Gangster fertig, denn mit ihm würde ich zuerst starten. Um Zeit einzusparen sattelte ich Barbie ebenfalls und band ihn an seinem Halfter in der Box vor seinem Heunetz an. So hatte er etwas zu tun und ich müsste ihn nicht gleich noch in aller Eile putzen und satteln.
      Zusammen mit Gangster ging ich zum Abreiteplatz. Bennys Besitzer traf ich auch wieder an. Er schaute nicht schlecht, dass ich auch so einen schönen Scheckhengst vorzuweisen hatte. “Das ist einer von meinen Reinern die auch Cow Sense haben”, meinte ich und fuhr durch Gangsters rabenschwarze Mähne. “Hab schon drei Nachkommen von ihm Zuhause, top Tiere.” Ich zog ihm absichtlich die Nase lang, denn, und ich hatte mir das schon gedacht, kam prompt die Nachfrage nach dem Verkauf der Tiere. Ich schüttelte den Kopf, versicherte ihm aber, dass ich mich bei ihm melden würde, falls er doch in Frage kommen würde – natürlich würde ich mich nicht bei ihm melden, dachte ich, als ich mich umgedreht hatte.
      Der Ritt mit Gangster war leider eine halbe Katastrophe. Er regte sich so über Kleinigkeiten auf, so dass er am Ende beim Roll Back nicht einmal mehr von meinem Bein wegging. Ich bog ihn um mein inneres Bein herum, wechselte die Seite und bog ihn auch um mein anderes Bein. Erst als er schön davon wegging, positionierte ich ihn erneut, gab die Hilfen zum Roll Back und parierte ihn nach ein paar Metern wieder durch. 0 Score, ich dankte ab und verließ trotzdem unter mäßigem Applaus den Platz.
      Auf dem Abreiteplatz ging ich die einzelnen Bestandteile der Pattern mit ihm nochmal durch. Dieses Mal sprang er beim Roll Back direkt vom Bein weg. Ich parierte zum Schritt durch und ließ ihn noch eine Weile am langen Zügel gehen. Meine Gedanken kreisten um die Heimat, ich war nicht bei der Sache.
      Wenig später spiegelte sich das auch beim Ritt von Barbie wider. Aufgrund seines antrainierten Know Hows überspielte er meinen Fehler mit dem Zurückwechseln in den richtigen Galopp – ich hatte ihn im Außengalopp fälschlicherweise anspringen lassen. Das kostete uns definitiv die Platzierung, denn der Rest der Pattern war nicht schlecht.
      Nach meinen beiden Starts packte ich alles zusammen und lud es in den Trailer. Mit Batman hatte ich Platz 13 gemacht, mit Gangster gar keinen und mit Barbie Platz 19. Für das erste Turnier dieses Jahr war ich … ganz zufrieden. Ich wusste, woran ich arbeiten musste und würde auch mit den Gedanken hoffentlich mehr bei der Sache sein. Mit einem neuen Pferd im Schlepptau machte ich mich auf den Heimweg.



      Tschetan
      “Wartet!” Ich stemmte die Füße in die Bügel, drehte mich der Stimme zu. Louis lief auf mich zu. “Nehmt das hier mit”, damit hielt er ein Gewehr im Holster nach oben. Wortlos befestigte er es an meinem Sattel. Ich war erstaunt…dass er mir eine Waffe anvertraute. “Cayce und Laurence mussten auf der Suche gestern 2 der Rinder erlösen”, sprach Louis ernst, “passt aufeinander auf und keine Risiken in den Bergen, ja?” Nicholas sah zu mir, dann nickten wir ihm zu.
      Vor zwei Tagen war ein heftiger Sturm über die Ranch gefegt. Wir hatten gut mit den Reparaturen zu tun. Von den Pferden war keiner zu Schaden gekommen. Eine kleine Herde Bisons hatte sich ins Tal verirrt und war an den nördlichen Hängen durch die Gatter der Rinder gebrochen. Zäune hielt diese Giganten nicht auf. Dadurch war eine Panik in der Herde entstanden. Wenige der Tiere waren vom Plateau an der Ferienranch in den Tod gestürzt, andere hatten wir einfangen können. Allerdings fehlten einigen der Kühe noch immer ihre Kälber. Daher waren O’, Nicholas, Aimee und auch ich herangeholt worden, um die Kälber zu suchen. Waren sie zu stark verletzt, würden wir sie erlösen müssen. Aimee war im Team mit Octavia und Cayce bereits losgeritten. Wir hatten das Areal aufgeteilt. Sicherlich hatte auch Cayce ein Gewehr dabei, denn weder Aimee noch O’ traute ich zu, abzudrücken.
      “Wo willst du starten?”, fragte Nicholas.
      “Wir reiten hinauf zu den Weiden. Es hat noch nicht wieder gestürmt oder geregnet. Oben auf dem Hang folgen wir am besten den Spuren. Die der Bisons werden sich deutlich von denen der Kühe unterscheiden. Von da aus…könnte ich vielleicht die Spuren der Kälber ausfindig machen.”
      Nicholas zog sich den Hut tiefer ins Gesicht. “Wie die Cowboys alter Zeiten! Mit Gewehr und Fährtenlesen.” Ich ging nicht weiter darauf ein. Ich war nicht wirklich erpicht darauf, Gebrauch vom Gewehr zu machen. Allein bei dem Gedanken daran zog sich in mir etwas zusammen. Ich hatte bereits geschossen. Louis und Caleb hatten mir im letzten Sommer den Umgang damit gezeigt. Natürlich hatte ich auch bereits getötet. Was allerdings nicht bedeuten musste, dass es mir gefallen hatte. Außerdem war ich auch nicht sonderlich erpicht darauf, der Bisongruppe zu begegnen. Die Jungen wurden geboren, die Kühe konnten ziemlich ungemütlich werden in dieser Zeit. Das würde die erste Bewährungsprobe für Sungila werden. Sie war noch nicht allzu lang unter dem Sattel. Ihre Hauptaufgabe würde eines Tages aber werden, Touristen sicher durch das Gelände zu tragen. Daher hatte ich mich für sie entschieden. Louis hatte meine Wahl nicht weiter kommentiert. Jedoch hatte er angemerkt, dass Nicholas besser Easy reiten sollte. Ein rancherfahrenes Pferd, um Sungila die nötige Sicherheit zu geben. Am Rind war die Stute unerschütterlich, schließlich liefen die Rinder teilweise mit bei den Pferden auf der Weide - um die Pferde von Beginn an, an ihre Aufgabe zu gewöhnen. Ein Bison jedoch war eine komplett andere Hausnummer.

      Von Sungilas Rücken aus starrte ich auf den Boden. Zumindest konnte ich keine neuen Spuren ausmachen. Weder von den Bisons, noch von den Rindern. Die Spuren der Bisons hatten keine kleinen Abdrücke. Um mir das ganze besser anzusehen, stieg ich vom Pferd und gab Nicholas die Zügel meiner Stute in die Hand. Ich trennte die Spuren voneinander. Zwei größere Herdenteile waren kleiner, als die Spuren der Bisons. Sie führten in unterschiedliche Richtungen. Nur eine jedoch führte weiter in das Gebirge hinein, fort von der Ferienranch. Ich konnte drei Tiere erkennen, deren Spuren tief im Boden zu sehen waren. Sie konnte ich als die Mutterkühe erkennen. Neben zwei davon befanden sich kleinere, schlurfende Spuren. Die Kälber mussten müde gewesen sein, dass sie kaum die Füße gehoben hatten. Wohlwollend nahm ich außerdem zur Kenntnis - die Spuren der Bisons führten in die andere Richtung. Von meiner hockenden Stellung erhob ich mich wieder. Nicholas Blick ruhte auf mir. Die Art und Weise, wie er mich ansah, vermochte ich nicht ganz zu deuten. Verwirrung? Dann huschten seine Augen hastig auf den Pfad. “Wir müssen in die Richtung, wenn ich dich richtig gedeutet hab?”, fragte er ernst. Mich richtig gedeutet? Ich nickte, deutete mit den Lippen in die entsprechende Richtung.
      “Die Spuren mit den Kälbern führen den Berg weiter hinauf. Die der Bisons gehen weiter hinunter ins Tal.”
      “Beeindruckend. Ich mein…ja ich kann die Spuren sehen. Das ist nicht schwer. Aber das du überhaupt diese Stelle gefunden hast. Natürlich hört und sieht man in den Filmen von Fährtensuchern. Aber so in Persona. Hab ich das noch nie erlebt. Ich bin beeindruckt! Könnte ich nicht durch die Bäume unten das Tal mit der Ranch erahnen wäre ich hier vollkommen aufgeschmissen”, er reichte mir Sungilas Zügel und ich stellte einen Fuß in den Steigbügel.
      “Tja, selbst die US Army musste auf indianische Scouts zurückgreifen,” sprach ich stolz und zwinkerte. Dann stemmte ich Kraft in meinen Fuß und zog mich nach oben. Gerade als ich mein Bein über den Rücken der Stute legen wollte, schoss sie plötzlich rückwärts. Ich prallte mit dem Gesicht heftig auf ihren Hals, krallte mich an Mähne und Hals fest, als Sungila neben rückwärts auch zu einer behenden 180° Wendung ansetzte. Dabei verlor ich endgültig mein Gleichgewicht, flog aus dem Sattel und vom Pferd. Allerdings blieb mein Fuß im Bügel hängen, sodass Sungila mich bei ihren drei Galoppsprüngen neben sich her schliff. Durch das dichte Unterholz gebremst blieb sie allerdings fix wieder stehen. Das alles war so schnell passiert, dass ich perplex in die Richtung starrte in der wir uns soeben noch befunden hatten. Nicholas schien vom Pferd gesprungen zu sein und hastete mir entgegen. Ich richtete den Oberkörper auf um den Fuß aus dem Bügel zu befreien. “Elch!”, sprach Nicholas. Verwirrt sah ich ihn an.
      “Elch?!”
      “Ja, der kam plötzlich aus dem Unterholz. Hat uns gesehen und rannte wieder weg. Davor muss sie sich erschrocken haben. Alles gut bei dir?”
      Erst jetzt merkte ich den unangenehm stechenden Schmerz in einigen Teilen meines Körpers. Beim aufstehen verstand ich auch wieso - Sungila hatte mich und sich in einen riesigen Busch Brombeeren befördert. Mit dem Gesicht war ich einmal durch die Äste gezogen worden. “Dein ganzes Gesicht ist völlig zerkratzt”, stellte Nicholas zerknirscht fest. Ich widerstand dem Versuch mir mit der Hand durch das Gesicht zu fahren. “Erklärt zumindest, wieso das so brennt.” Ich manövrierte die Stute rückwärts aus dem Gestrüpp und kontrollierte ihre Beine. Aber die Stute war unversehrt. Ich sah mich einmal um und machte anstalten, den Sattel wieder zu besteigen. “Wart ‘nen Moment. Du hast da Brombeer in deinem Haar.” Nicholas kam auf mich zu, während ich noch an meinen Zöpfen hinab sah und das unangenehme ziehen im Nacken wahrnahm. Der Versuch, den Strunk einfach aus den Haaren zu ziehen, war jedoch nicht von Erfolg gekrönt. Nicholas versetzte mir einen Schlag auf die Hand. “Du machst das nur schlimmer.” Dann machte er jedoch keine Anstalten. “Darf ich?”
      “Was?”
      “Hab ich keinen Schlag zu erwarten?”, ich musste schmunzeln. “Du erinnerst dich daran?”
      “Zu meiner Verteidigung… ich musste Aimee danach fragen. Für mich waren es nur Haare.”
      “Jetzt hol mir schon den Strauch da raus, es piekst. Ich denke nicht du willst mir etwas böses”, dabei zwinkerte ich ihm grinsend zu.” Nicholas drückte behutsam gegen meinen Kopf, damit er besser an meinen Nacken heran kam, friemelte eine Weile an den Haaren herum, um schließlich den Strunk Brombeeren daraus zu befreien.
      “Das wär..ouh”, ich sah ihn ratlos an. “Du hast ein paar Dornen im Gesicht.”
      “Dann mal ans Werk”, ich hatte da so eine vage Ahnung, wo sie drin steckten. In Ermangelung eines Spiegels war ich auf Nicholas Hilfe angewiesen. Mit den Fingerkuppen holte er vorsichtig die Dornen aus meinem Gesicht. Aus halb gesenkten Augenlidern beobachtete ich ihn. Spürte plötzlich allzu deutlich die Berührung seiner Haut auf der Meinen…und seinen Atem in meinem Gesicht. Als sich unsere Blicke trafen verharrten wir in dieser Position, starrten nur dem anderen in die Augen. Nach einigen Sekunden riss Nicholas sich los, kommentierte meine Befreiung mit “Alles weg” und richtete sich auf.
      Ich wischte mir die nassen Hände an der Jeans ab. “Dann lass uns mal diese Rinder finden.”

      Aimee
      “Was rennt der denn so”, sprach O mehr zu sich selbst als zu mir, dennoch kommentierte ich ihre Aussage mit einem: “Das ist eine gute Frage.” Ich parierte Gin, die Cayce mir wohlwollend zugeteilt hatte, zum Schritt durch. O tat das Gleiche mit Honor. Cayce trabte noch immer mit Devil vorne weg und schien keine Anstalten zu machen, sein Tempo zu drosseln. Plötzlich blieb er so abrupt stehen und drehte sein Pferd in unsere Richtung um, dass Gin laut prustend einen Satz zur Seite machte. “Tschetan hat mir grade getextet, sie haben ein paar Spuren, die hoch zur Ferienranch führen. Wir sollen uns unten im Tal unter dieser umsehen.” Klar, dazu waren wir ja gerade auch nur eine Stunde in die falsche Richtung geritten.
      “Willst du nicht Bellamy anrufen? Bis wir dort sind, eine Stunde zurück zur Ranch und eine Stunde in Richtung Ferienranch, ist es schon stockduster. Bell kann ja mit Laurence los, Blue ist ja noch zuhause”, warf O schulterzuckend ein. Cayce runzelte die Stirn und schien wirklich konzentriert nachzudenken. Er wurde immer mehr in die Dunstwolke seiner klatschnassen Devil gehüllt, die sichtlich froh um diese Pause zu sein schien.
      “Wieso muss Caleb ausgerechnet jetzt Weltenbummler spielen”, brummelte er vor sich her.
      “Er weiß doch Bescheid und kommt heute Abend vom Turnier zurück, mit ihm wäre die Situation hier genau die Gleiche, außer, dass wir noch jemanden mehr zum Suchen hätten”, kommentierte O. Ich hielt mich bedeckt, wollte mich nicht in die Diskussion der Erwachsenen einmischen. Ich kannte weder das Areal noch die Tiere wirklich gut.
      Cayce schnalzte und trieb Devil im Schritt an. Als er zwischen uns durchritt erkannte ich sein Handy am Ohr. Ein paar Sekunden später unterhielt er sich schon mit Bellamy, der sich mit Laurence sogleich auf den Weg machen wollte. “Nehmt Blue und Alan. Ich wollte dir schon Gangster unter den Hintern setzen, aber dann kommt ihr mit einem Pferd oder einem Reiter weniger nach Hause.” Cayce lachte. O und ich sahen uns an, sie rollte zunächst die Augen, ehe sie mich doch angrinste. Auch ich lächelte, warf aber dann einen besorgten Blick nach hinten.
      “Ähm Leute, wo kommt denn jetzt der Nebel her?”
      “Was?!”, fragte Cayce irritiert und drehte sich ebenfalls nach hinten um. “Das auch noch, was ein Mist. Damit wird die Suche noch schwieriger.”
      Wir trabten die Pferd an. Ich war mir nicht ganz sicher, ob Cayce einfach nur schneller zurück zur Ranch, oder unter keinen Umständen in den Nebel geraten wollte. Beides, schlussfolgerte ich, denn bereits nach wenigen Metern galoppierte er Devil an. Gin und Honor folgten schnaufend. Zum Glück befanden wir uns im Tal, so dass sich die Ebene flach vor uns erstreckte und wir nicht ständig bergauf oder bergab reiten mussten.

      “Das gibt ganz schön Kondition”, japste ich aus dem letzten Loch pfeifend während der nächsten Schrittpause.
      Cayce drehte sich zu mir um: “Bei dir oder beim Pferd?” Er und O sahen sich kurz an, ehe beide laut losprusteten.
      “Haha”, kommentierte ich seinen überaus lustigen Witz, stemmte dann jedoch eine Hand in die Hüfte und atmete einmal laut ein und aus.
      Als ich an der Ranch angekommen endlich vom Pferd hüpfen konnte, fühlten sich meine Beine wie Wackelpudding an. O schien es da ähnlich zu gehen.
      “Wisst ihr was ich gleich brauche? Eine lange und sehr heiße Dusche. Badewanne wäre noch besser. Meint ihr Caleb köpft mich, wenn ich sein Riesenteil oben benutze?”
      “Caleb hat oben eine riesen Badewanne?”, richtete ich mich neugierig an O.
      “Klar, warst du noch nie oben in seinem Zimmer?”
      Cayce zog die Stirn in Falten, verkniff sich ein Grinsen und fragte mit aller Ernsthaftigkeit, die ihm durch sein breites Grinsen noch übrig blieb allen Ernstes: “Ja Aimee, warst du noch nie in Calebs Zimmer?”
      Perplex starrte ich die Beiden an. Was sollte das denn jetzt werden? Noch bevor ich zu einer Antwort ansetzen konnte, boxte O ihm gegen den Arm. “Hey, du hast damit angefangen!”, beschwerte er sich, griff dann jedoch die Zügel von Devil nach, die sich mit angelegten Ohren rückwärts und weg vom Tumult bewegte. “Lasst uns jetzt erst die Pferde versorgen.”

      Eine halbe Stunde später hatten wir allen Pferden den Schweiß aus dem Fell gewaschen und sie unters wärmende Solarium gestellt. Zum Glück hatte Caleb bereits vor dem Winter aufgerüstet. Zu dem einzelnen Solarium waren zwei weitere dazu gekommen. Dies kam uns jetzt zugute, denn sonst hätten wir die Pferde nicht waschen können.
      “Murphy kannst du einen Blick auf die drei haben?”, fragte Cayce, der nun selbst zu merken schien, wie verschwitzt er war. Er rieb sich den Oberarm und schien zu frösteln. Tagsüber war es zwar mittlerweile angenehm warm aber abends wurde es rasch kälter.
      “Klar, ich bin eh noch am Misten, wenn die trocken sind stell ich sie euch in die Box. Geht euch aufwärmen.” Dankend nickten wir und verließen den Stall.
      Ich wollte in Richtung des Bungalows gehen, in dem mein Vater und ich wohnten, doch O zog mich in Richtung des Haupthauses. “O, was machst…”
      “Psssst”, sie legte einen Finger auf ihre Lippen und sagte in Cayces Richtung gewandt: “bis später beim Essen, Cayce.”

      O zog mich ins Haupthaus hinein und die Treppe nach oben. Zögerlich folgte ich ihr. Sie schien sich hier gut auszukennen, steuerte sofort ein Schlafzimmer mit Blick über die ganze Ranch an. Ich war zu sehr damit beschäftigt, mir die tollen Möbel anzuschauen, als dass ich merkte, wie O sich hinter mich gestellt hatte. Erst als es vor mir dunkel wurde begriff ich, dass sie mir die Augen zuhielt. Ich spürte einen Druck an meinen Beinen, der mich dazu zwang, einen Schritt nach vorne zu machen. Dann noch einen- und noch einen. “Na geh schon”, sprach O aufgeregt und ehe ich mich versah glotzte ich Calebs riesige Badewanne an.
      “Das ist also Calebs riesen Teil”, kommentierte ich das, was ich da vor mir sah.
      “Das ist Calebs riesen Teil”, wiederholte Octavia lachend, ging zum Wasserhahn hinüber, stellte ihn auf ‘heiß’ und öffnete ihn.
      “O ich glaub nicht, dass wir hier drin sein dürfen.. und seine… seine Sachen benutzen.”
      Octavia zuckte mit den Schultern. “Er braucht sie gerade nicht – und außerdem reißt er uns schon nicht den Kopf ab.. hier”, sie schmiss mir eins der großen Handtücher rüber, “zieh dich aus, ich such uns was zum Anziehen gleich.” Mit diesen Worten verschwand sie wieder im Schlafzimmer, welches, dem war ich mir jetzt zu 100 Prozent bewusst, Calebs sein musste.
      Ich schälte mich aus meinen verschwitzten Sachen. Nach und nach kamen sie auf dem Boden zu liegen, während ich mir das Handtuch um den nackten Körper wickelte. Es würde nicht mehr lange dauern, bis die Wanne vollgelaufen war. Neben dieser standen ein paar Duschschäume. Ich nahm mir die Packung mit der Aufschrift ‘Himmlischer Rosenblütenduft’ und goss davon einen Schuss ins Wasser. Sofort fing es an zu schäumen.
      O kam mit einem Stapel Kleidung aus Calebs Zimmer zurück, teilte sie auf zwei Haufen auf und legte sie auf den Boden unweit der Wanne. “Jetzt klauen wir auch noch seine Klamotten?”
      “Er bekommt sie ja zurück.”
      Während O sich auszog schaute ich mir das Bad an. Es war aufgeräumt und sauber. Klar, Dolly putzte hier ja auch fleißig. Ob er selbst auch mal einen Handschlag tat? Ich bezweifelte es. Dafür war er viel zu sehr beschäftigt und ich konnte mir ihn wirklich nicht mit einem Putzlappen in der Hand vorstellen. Mit einem Feuchttuch, um einem Pferd die Nüstern abzureiben, damit sie für ein Fotoshooting auch schön glänzten, schon eher.
      “Komm”, riss O mich aus meinen Gedanken. Sie ließ das Handtuch auf den Boden fallen und glitt ins Wasser. Sie schien weniger Probleme damit zu haben, nackt zu sein, als ich. Wer konnte seinen Körper als Teenager schon leiden? O schien meine Gedanken lesen zu können, denn sie drehte sich überaus auffällig zur Seite Weg, sagte aber kein Wort. Das Handtuch glitt von meinen Schultern gen Boden. Ich kletterte ins warme Schaumbad und ließ mich langsam hineingleiten. “Du bist echt noch nie hier oben gewesen?”, fragte mich Octavia ungläubig, legte den Kopf auf dem Badewannenrand nach hinten ab und schloss die Augen.
      “Nein, was hätte ich denn hier zu suchen gehabt?”, fragte ich sie irritiert.
      “Wohl wahr. Ich vergesse nur allzu gerne, dass du nicht die selben Erinnerungen mit Caleb teilst, wie ich. Es kommt mir vor, als seid ihr schon von Anfang an dabei, seit damals.”
      “Hm?”
      “Ach, nicht so wichtig. Genieß das warme Wasser.”
      “Das tut wirklich unglaublich gut”, seufzte ich und schloss ebenfalls die Augen. Was ein Tag…

      Wie viel Zeit wir im warmen Wasser verbrachten wurde mir erst bewusst, als ich Stimmen aus dem Flur vernahm. ‘Sie sehen heute wieder bezaubernd aus, Miss Dolores’, jemand kicherte. ‘Ach Laurence, ich sagte Ihnen doch schon ein paar Mal, sie sollen mich Dolly nennen.’
      “O, psssst, O!”
      “Hm?”
      “Da kommt jemand!” Kaum hatte ich meine Warnung beendet, öffnete sich die Tür des Badezimmers. Zuerst trat Dolly herein, gefolgt von… Laurence?
      “Ach du liebes bisschen!”, erschreckte sich Dolly und zuckte kurz zusammen. Laurence drehte sich peinlich berührt im Türrahmen um, als hätte er gar nichts gesehen. “Was macht ihr hier?”, richtete sich Dolly an uns, die sich von ihrem ersten Schreck erholt zu haben schien.
      “Caleb hat eine große Wanne und wir waren den ganzen Tag unterwegs, um die Rinder zu suchen”, erklärte sich O und kramte mit einer Hand nach dem Badetuch, welches sie schließlich erwischte und schwungvoll nach oben zog. Bemüht, es nicht ins Wasser zu tunken. “Das Wasser wird allerdings kalt, sieht wohl so aus, als müssten wir eh jetzt raus.” Sie stand auf, wickelte das Handtuch geschickt um ihren nackten Körper und verließ die Wanne, indem sie sich auf den flauschigen Teppich davor stellte. “Wenn ich bitten darf?”, fragte sie an Dolly gewandt und zeigte zur Tür, aus dessen Rahmen Laurence verschwunden war. “Wir sind direkt weg”, kicherte sie.
      Dolly stellte ihren Putzeimer mit dem dampfend heißen Wasser auf den Boden, verließ das Badezimmer und zog die Tür hinter sich bei. Von draußen hörte ich sie und Laurence leise miteinander reden. Mir war schon öfter aufgefallen, dass die Beiden Zeit miteinander verbrachten. “Ich würde es Laurence gönnen”, zwinkerte O mir zu.
      “Iiiih O, da ploppen Bilder in meinem Kopf auf, die ich nicht sehen möchte”, ich lachte und stieg ebenfalls aus der Wanne, wickelte mich ins Handtuch ein und rubbelte mich irgendwie trocken, damit ich mich anziehen konnte. “Du hast selbst die Boxershorts von Caleb geklaut?”, kommentierte ich ein wenig verzweifelt die Ausbeute der Braunhaarigen. Sie zuckte nur mit den Schultern und wiederholte ihre Aussage von eben: “Er bekommt die Sachen ja wieder.”
      Fertig angezogen verließen wir das Bad. Beim Vorbeigehen an Laurence und Dolly schien Octavia sich die Aussage: “Schönen Abend noch euch Beiden”, nicht verkneifen zu können. Manchmal war sie kindischer als ich.
      Wir wollten gerade das Haupthaus verlassen, öffneten die Tür und liefen – wer hätte es gedacht, in Caleb hinein. Dieser musterte uns von oben bis unten. “Kann es sein, dass ihr meine Sachen tragt?”, fragte er uns grinsend und verschränkte die Arme vor der Brust.
      Ich fing an etwas unverständliches zu stammeln, was einer Entschuldigung gleich kam. O dagegen blieb cool, drückte ihm ihr Handtuch in die Hand, drehte sich nach hinten um, nahm mir meines weg und tat das Gleiche.
      “Kannst du ja gleich mit in die Wäsche nehmen, dann kannst du dir auch sicher sein, dass sie wieder in deinem Schrank landen, bis gleich beim Essen.”
      Ich merkte, wie mir die Röte ins Gesicht stieg und ich meine Augen niederschlug. O stolzierte an Caleb vorbei nach draußen, blieb nach wenigen Schritten jedoch stehen, als sie merkte, dass ich ihr nicht folgte. “Kommst du oder was?”
      “Ich… ähm…”
      “Die Sachen hätte ich gerne wieder, ja?”, entgegnete Caleb mit einem belustigten Unterton in der Stimme, machte mir Platz, damit ich nach draußen gehen konnte und schloss dann kopfschüttelnd die Tür hinter sich.
      “Wo kam der denn jetzt her?!”, fragte ich O, die mir vor Lachen gar nicht antworten konnte. Sie bekam sich gar nicht mehr ein – und als sie anfing wie ein Schwein zu grunzen, konnte ich nicht mehr anders und prustete ebenfalls drauflos. “Also langweilig wird’s hier nie.”

      Caleb
      Hinter mir fiel die Haustür mit einem dumpfen ‘klack’ ins Schloss. Grinsend zog ich mir den Hut vom Kopf und legte ihn auf seinen Platz auf der Kommode. Meine Stiefel stellte ich daneben auf den Boden und meine Jacke hängte ich an einen der freien Haken. Ich legte den Kopf schief. Es waren zu viele Haken unbesetzt. Betsys Jacke fehlte. War sie noch draußen unterwegs?
      “Betsy?”, rief ich einmal laut doch erhielt keine Antwort. “Hm.”
      Mein Weg führte mich von der Küche, in der ich mir ein Glas Wasser holte, ins Esszimmer, wo ich einen gedeckten Tisch vorfand. Nach einem Blick auf die Uhr wurde mir klar warum. Ich hatte es pünktlich zum Essen nach Hause geschafft, was ein Zufall!
      Nach und nach trudelten die Mitarbeiter der Ranch ein und verteilten sich auf die freien Plätze. Laurence und Dolly traten gemeinsam ein und Laurence rückte ihren Stuhl zurecht. Seit die gute Dolly hier arbeitete, bestand ich darauf, dass sie mit uns gemeinsam aß- wann immer sie das wollte. Morgens erwischte ich sie fast immer beim Naschen, so dass sie später beim Frühstück so gut wie nie Hunger hatte. Abends aber gesellte sie sich beinahe immer zu uns.
      “Cayce, schon was Neues von Tschetan und Nicholas gehört?”
      Cayce nickte. “Eben über den Pager kam, dass die Beiden die Rinder und Kühe gefunden haben, ein Kalb ist dabei. Sie müssen allerdings draußen übernachten … sie hätten es nicht mehr vor Anbruch der Dunkelheit zurück geschafft.”
      Ich nickte. Das war zwar nicht die Antwort, die ich hören wollte, aber immerhin hatten sie die Tiere gefunden und würden sie hoffentlich am nächsten Morgen unbeschadet zurückbringen. “Und die anderen Tiere? Ich hab die Herde eben überflogen – wo ist der Rest?”
      Betretenes Schweigen.
      Schließlich räusperte Laurence sich. “Zwei Tiere waren so schwer verletzt, dass wir sie erschießen mussten”, dabei zeigte er auf sich und Cayce.
      “Verdammte Bisons!”, warf Bellamy ein und wurde jäh von Laurence unterbrochen.
      “Verdammter Sturm, Bellamy. Die Bisons gerieten auch nur in Panik, gib ihnen nicht die Schuld.”
      Das Gespräch über die Rinderherde zog sich noch ein paar Minuten. In meinem Kopf rechnete ich unentwegt hin und her, wie viele und vor allem welche Tiere noch da waren.
      “Hab ihr zwei Rinder oder zwei Kühe erlöst?”, fragte ich in Cayces Richtung gewandt.
      “Zwei Kühe, von den Kälbern keine Spur.”
      “Also zwei Kühe und zwei Kälber weniger, macht 13 erwachsene Tiere und 4 Kälber”, ich überlegte weiter, “Tschetan und Nicholas haben ein Kalb und die Mutterkuh sowie… wie viele der Rinder?”
      “Ich glaube 2 weitere”, warf Bellamy ein.
      “Dann müssten draußen 10 erwachsene Tiere und 3 Kälber stehen?”
      Alle schienen zu überlegen. Es waren zwei aufregende Tage gewesen, rechnen gehörte heute Abend wohl zu niemandes Stärke.
      “Ach, ich geh jetzt zählen.” Cayce stand auf und verließ den Raum, bevor irgendjemand auf die Idee kam, Widerworte einzulegen.
      Wieder sah ich mich am Tisch um. Betsy fehlte noch immer. Octavia, Aimee, Louis, Kaya und Ylvi fehlten aber ebenfalls noch, weshalb ich mir noch keine allzu großen Sorgen machte.
      Die Haustür wurde geöffnet und wenig später stand Cayce im Türrahmen. “10 Erwachsene und 3 Jungtiere.” Er stemmte den Arm in die Hüfte und schnaufte.
      “Sind Sie etwa gerannt, Mr. Cayce?”, fragte Dolly belustigt, hielt sich die Hand vor den Mund und kicherte.
      “Na aber sicher!”, er lachte und setzte sich wieder auf seinen Stuhl.
      “Essen Louis und Ylvi heute nicht mit?”, fragte ich in die Runde und bekam als Antwort Gemurmel.
      “Und Kaya und Betsy?”
      Wieder keine Antwort.
      Sollte ich zu Louis und Ylvi rüber gehen und schauen, ob alles in Ordnung war? Bevor ich allerdings, vielleicht umsonst, einmal quer über den Hof lief, zückte ich mein Handy und schrieb Ylvi eine kurze Nachricht. Kaum hatte ich es wieder in meine Hosentasche gesteckt, vibrierte es. Die Antwort auf dem Bildschirm machte mich stutzig. Kaya war bei ihnen, aber Betsy fehlte.
      “Hat jemand von euch Betsy heute gesehen? Sie ist nicht bei Louis und Ylvi.”
      Ich blickte in zunächst ratlose Gesichter. Hier und da wurde sie heute gesehen, aber seit ein paar Stunden wusste niemand mehr, wo sie sein sollte.
      “Es tut mir Leid euch alle jetzt hier vom Esstisch vor dem Essen aufzujagen, aber …”
      “Ich such in den Ställen”, meldete sich Cayce sofort zu Wort.
      “Ich schau bei den Koppeln … Laurence, guckst du bei den Paddocks?”, dirigierte Bellamy und stand auf.
      “Ich geh zu Louis und Ylvi und von dort zum hinteren Teil der Ranch.” Damit stand auch ich auf und verließ den Raum.

      Hinter mir fiel die Tür des Bungalows von Ylvi und Louis ins Schloss. Auch sie waren in heller Aufregung und halfen bei der Suche nach Betsy. Kaya hatte mir einen guten Tipp gegeben. Ich solle mal im alten Bungalow von Betsy und Dell schauen. Ihre Freundin hat heute immer wieder von ihrem Vater gesprochen und wie sehr sie ihn vermisse.
      Ich hatte nur noch wenige Schritte, bis ich vor der Tür des Bungalows stand, in dem einst Dell gewohnt hatte. Je länger ich darüber nachdachte, desto mehr wurde mir bewusst, wie unfair das Leben war. Als ich an die Tür klopfte, bildete sich ein Kloß in meinem Hals. War sie überhaupt hier? Was würde ich gleich zu ihr sagen? Was wollte sie hören – oder viel besser, was musste sie hören?
      Es blieb still hinter der Tür, dennoch trat ich ein. Der zunächst dunkle Raum wurde von Licht durchflutet, als ich den Schalter betätigte. Kurz musste ich die Augen zusammenkneifen. Allerdings gewöhnten sich meine Augen schnell an die Helligkeit.
      “Betsy?”, fragte ich einmal in den Raum hinein, erhielt jedoch wie im Haupthaus zuvor keine Antwort.
      Mein Weg führte mich sofort in Betsys altes Zimmer, in dem ich sie jedoch nicht antraf. Langsam stieg ein wenig Panik in mir hoch. Wo war sie bloß?!
      Mit dem Öffnen der Tür von Dells altem Schlafzimmer fiel jedoch alle Last von meinen Schultern. Dort im Bett lag das Mädchen zusammengekauert unter der Decke.
      “Betsy?”, fragte ich erneut, erwartete allerdings keine Antwort.
      Zu meiner Verwunderung jedoch drehte sie sich im Bett um und schaute mich aus verquollenen Augen an. “Hm?”, war ihre Reaktion auf meine Frage. Dann drehte sie sich zurück, wandte sich wieder von mir ab und zog die Decke bis an ihr Kinn.
      Langsam ging ich auf das Bett zu, vernahm jeden meiner Schritte zehnmal so laut. Mein Herz schlug mir bis zum Hals. Nervös rieb ich meine Hände aneinander, als ich das Mädchen fragte: “Darf ich mich zu dir setzen?”
      Statt einer Antwort rückte sie nach links und machte mir am Rand des Bettes Platz. Eine meiner Hände legte ich auf ihre Schultern, mit der anderen tippte ich flink ein ‘hab sie’ in unsere Hofgruppe, damit sich niemand weiter Sorgen machen musste.
      Eine ganze Weile saß ich schweigend neben ihr, während sie leise vor sich hin schluchzte. Sie so weinen zu hören zerbrach mir jedes Mal das Herz, besonders deshalb, weil ich ihr den Schmerz nicht nehmen konnte.
      “Wir haben dich beim Abendessen vermisst und uns Sorgen gemacht”, fing ich an leise mit ihr zu reden, “zum Glück hatte Kaya einen Verdacht, wo ich dich finden kann … Ich … Möchtest du … Möchtest du darüber reden?”
      “Nein”, kam nach einer ganzen Weile die knappe Antwort des Mädchens.
      “Soll ich einfach hier bei dir sitzen?”
      “Ja …”

      Ich schwieg wieder, strich ihr sanft über die Schulter und schaute mich im Zimmer um. Wir waren noch nicht dazu gekommen, den Bungalow auszuräumen. Es fühlte sich noch nicht richtig an. Alles hieran war falsch. Wieso musste so ein liebes und nettes Mädchen zuerst die Mutter verlieren und dann auch noch den Vater?
      An der Wand, genau gegenüber des Bettes, hing ein Bild von einem jungen Dell zusammen mit einer sehr jungen Frau, die ein Kind auf dem Arm hielt. Ich vermutete, dass es sich dabei um Betsy und ihre Mutter handelt. Die Beiden sahen so glücklich aus und strahlten in die Kamera. Da war er wieder, der Kloß in meinem Hals, der sich eben zu lösen begonnen hatte.
      Ein paar Mal noch versuchte ich Betsy zu überreden, mit mir über ihr Verhalten und ihre Traurigkeit zu sprechen. Jedes Mal blockte sie mich ab. Also versuchte ich es mit Ablenkung.
      “Ich hab heute mit Steffen telefoniert. Nima geht es unglaublich gut bei ihm, er freut sich so sehr, sie gekauft zu haben. Außerdem möchte er Kholáya auch haben, dann hat Nima eine Freundin von hier.”
      Endlich drehte sie sich in meine Richtung um, setzte sich auf und wischte sich die Tränen vom Gesicht. “Nima geht es gut?”
      “Ja, Nima geht es sehr gut, Steffen hat sie unglaublich lieb.”
      Betsy lächelte kurz, senkte dann jedoch ihren Blick. Zögerlich streckte sie die Hand aus und legte sie auf die Meine. Ich rührte mich nicht. Meine Angst war zu groß, eine falsche Bewegung zu machen und sie zu verschrecken. Als Adoptivvater, was ich für sie noch immer werden wollte, müsste ich mich an solche Dinge langsam herantasten. Ich hatte nicht die größte Erfahrung mit Kindern und jüngere Geschwister besaß ich ebenfalls nicht.
      Dennoch hob ich langsam meine andere Hand und legte sie sachte auf die Ihre. Sie zuckte nicht zurück, sah jedoch wieder zu mir auf.
      “Caleb, ich vermisse ihn so sehr.”
      Langsam nickte ich. Mein anfängliches ‘Ich weiß’ verwarf ich und antwortete stattdessen: “Ich auch.”
      “Heute haben alle geholfen – bei der Rindersuche, weißt du? Sogar Dolly hat geholfen, sie hat Lunchpakete für unterwegs gepackt. Kaya und ich waren beim Satteln der Pferde dabei und haben hier auf dem Hof mit angepackt. Louis wollte nicht, dass wir mitkommen und bat uns stattdessen, die Pferde zu füttern – schließlich hatten die auch Hunger … aber alle waren da … selbst du hast versucht so schnell es geht nach Hause zu kommen”, sie fing wieder an zu schluchzen, “nur Dad nicht. Mein Dad war nicht da, er konnte nicht helfen.”
      Sie zog ihre Hand aus den Meinen und setzte sich auf ihre Knie, um auf einer Höhe mit mir zu sein und mich zu umarmen. Etwas überfordert legte ich meine Arme um ihren kleinen Körper und hielt sie fest … Ich hielt sie eine ganze Weile einfach nur fest.
      Als das Schluchzen wieder verebbt war, erzählte sie weiter, was sie bedrückte: “Alle Leben irgendwie ihr Leben weiter, als hätte er nicht existiert. Niemand redet über ihn, wenn ich dazu komme und über ihn gesprochen wurde verstummt ihr, als wäre ich noch zu klein, um mit der Wahrheit umzugehen. Ich werde dieses Jahr 12 Jahre alt, ich bin kein kleines Kind mehr. Ich weiß, was der Tod bedeutet und ich hasse ihn, ich hasse den Tod und ich hasse die Welt, dass sie mir meinen Dad genommen hat!” Wieder stiegen Tränen in ihren Augen hoch.
      Ich wusste zunächst nicht, was ich ihr antworten sollte. Ein paar Mal setzte ich an, verstummte dann jedoch wieder, bis mir die richtigen Worte einfielen: “Betsy das Leben geht weiter, so schwer es uns auch fallen mag. Wir sprechen noch viel über Dell und denken an ihn. Doch wir haben… Angst in deiner Gegenwart über ihn zu sprechen. Wir möchten dich nicht verletzen. Wir können nicht in dich hineinschauen wie es dir geht und wie du damit klar kommst. Deshalb verstummen wir.”
      “Aber ich möchte, dass ihr über ihn sprecht”, kam es von dem Mädchen neben mir. “Ich möchte, dass ihr euch an ihn erinnert und ihn nicht… vergesst.”
      “Wie könnten wir, die Ferienranch trägt seinen Namen”, ich lächelte mild. “Hör mal … bezüglich der Ferienranch wollte ich noch mit dir sprechen. Irgendwie ist nie der richtige Zeitpunkt dazu, warum dann nicht jetzt?”, ich sah sie auffordernd an, “So langsam wird es Zeit, dass wir den Bungalow hier räumen. Ich mein, hier ist alles noch so … hier ist alles noch so. Ich habe überlegt, dass wir einen Teil zur Ferienranch bringen und einen Teil ins Haupthaus in dein neues Zimmer. Ich möchte, dass du entscheidest was wir wohin bringen sollen.”
      Betsy erwiderte nichts, setzte sich nur auf und sah sich im Zimmer um. So viele Erinnerungen hafteten an den Möbeln, den Bildern, der Kleidung. “Die Entscheidung musst du nicht jetzt treffen.” Betsy nickte. Ihr Blick blieb an dem Bild hängen. Das Bild von ihren Eltern und ihr. “Für das allerdings habe ich einen besonderen Platz ausgesucht. Darf ich ihn dir zeigen?” Sie nickte. Ich nahm vorsichtig das Bild in die Hand, reichte ihr Schuhe und Jacke und nachdem wir beide angezogen waren, verließen wir den Bungalow in Richtung des Haupthauses.

      Drinnen führte unser Weg sofort zum großen Wohnzimmer und dessen Kamin, auf dem einige Bilder standen. Unter anderem auch ein Bild von Verena und Svejn … wie schnell die Zeit vergeht.
      “Hier möchte ich es gerne dazu stellen. Es sollte einen Ehrenplatz bekommen, wo es jeder sehen kann.” Ich reichte Betsy das Bild und hob sie hoch, um es auf den Kaminsims zu stellen. Zwischen das Bild von mir zusammen mit Vulture und dem Bild von Louis, Ylvi, Kaya und Tschetan. “Zu meiner neuen Familie …”, murmelte Betsy. Ich hatte sie nicht ganz verstanden, vermutete nur, was sie gesagt haben könnte. Nachfragen wollte ich jedoch nicht, es schien nicht für meine Ohren bestimmt gewesen zu sein.
      “Wollen wir jetzt zu den Anderen gehen und noch was essen? Vielleicht haben sie uns sogar noch etwas übrig gelassen”, lachte ich und kratzte mich kurz am Hinterkopf.
      Wir gingen zurück ins Esszimmer, in dem sich wieder alle befanden. Sie hatten tatsächlich auf uns gewartet – auch Louis, Ylvi und Kaya befanden sich nun im Haupthaus. Betsy wurde von den dreien in die Arme geschlossen, ehe wir uns setzten.
      Ein paar Minuten später hatte jeder sich den Teller vollgeladen und war, nach einem wirklich anstrengenden Tag, zufrieden am Kauen.
      “Ich möchte, dass ihr über ihn sprecht.” Betsy erhob die Stimme, “Ich bitte euch. Redet über meinen Dad, erzählt euch lustige und nicht so lustige Geschichten … und vor allem, hört nicht auf, wenn ich dazu komme, denn sonst habe ich das Gefühl, dass ihr ihn vergessen wollt.” Es folgte eine unheimliche Stille. Die Menschen am Tisch hielten in ihren Kaubewegungen inne und rührten sich nicht mehr.
      Laurence war derjenige, der als Erster etwas sagte: “Also einmal … ja genau, da hat mich dein Vater ganz schön zur Weißglut getrieben, ich hätte ihn am liebsten mit dem Besen verprügelt”, er lachte. Alle anderen stimmten in sein Lachen ein. Die Geschichte kannte ich auch noch nicht – und während Laurence erzählte, nahm ich Betsys Hand. Als unsere Blicke sich trafen nickte ich ihr zu. Betsy lächelte kurz zurück, wandte sich dann aber wieder Laurence und seiner Geschichte zu, wie Dell einen ganzen Tag lang nicht das tun wollte, was Laurence ihn angestellt hatte.

      Tschetan
      “Wieso bleibst du stehen?”, kam Nicholas Stimme von hinten. Ich ließ ihn bis zu mir aufschließen, als er das getan hatte, brauchte ich ihm keine weitere Erklärung geben. “Du hast sie tatsächlich gefunden!”
      Unten in einer kleinen Senke standen drei erwachsene Kühe. Ich sah mich von dem idyllischen Anblick ein wenig um. Das Tal war weit fort. Die Spurensuche hatte uns tief in das Gebirge geführt. Die Bäume an dieser Stelle wurden immer karger. Wir hatten oft absteigen müssen, um einige der Wege mit den Pferden bewältigen zu können. Die halbwegs gerade Senke vor uns war bewachsen mit hohen Gras. Unzählige unterschiedlich große Findlinge lagen herum. Vor einigen Jahrhunderten musste ein Gletscher an genau dieser Stelle existiert haben und diese riesigen Felsen zurückgelassen. Andererseits konnten sie auch von einer Gerölllawine stammen, die hier hindurch gegangen war. Da es sich jedoch nicht um Neue zu handeln schien, galt dem weniger meine Sorge. Viel mehr schaute ich gen Himmel. “Ich hoffe du hast keine Angst vor Ungeziefer”, murmelte ich in Nicholas Richtung. Der schaute mich von der Seite erst ein wenig verwirrt an, folgte dann allerdings meinem Blick gen Himmel.
      “Wir schaffen es nicht mehr zurück,oder?”
      “Nicht rechtzeitig. Außerdem brauchen die Pferde eine Pause. Noch haben wir genügend Zeit. Satteln wir sie ab und suchen nach einem Rastplatz für uns.”
      “Sollten wir die Pferde nicht anbinden?”
      “Nein, die Senke hier ist gut. Sie haben das Gras – und der kleine Bachlauf sorgt für Wasser. So wie die Erde hier aussieht, haben auch die Kühe schon eine Weile hier verbracht. Sie werden sich nicht weit voneinander entfernen. So hoch oben ist die Gefahr zu groß, dass Bären unterwegs sind. Die Pferde sind angebunden eine zu leichte Beute. Wir müssen einfach darauf vertrauen, dass sie nicht weg laufen.”
      Ich kaute mir auf der Unterlippe herum. Meine Überlegung war es, eines der Kühe zu hobbeln. Doch wollte ich alle wieder wohlbehalten ins Tal bringen. Sollten Wölfe oder sogar ein Bär auf unsere Truppe stoßen, so war das gehobbelte Tier in Gefahr. Weit würden die Tiere nicht laufen – nicht beim Angebot des Futters. Außerdem kannten sie einander und waren an die Nähe des Menschen gewöhnt. Wir mussten also ihren Instinkten vertrauen. Also zog ich Sungila die Trense vom Kopf, löste den Knoten, mit dem der Riemen am Sattel befestigt war. Schmunzelte. Jetzt war ich froh um die Wahl der Satteldecken, denn genau um solche handelte es sich. Auseinander gefaltet konnten sie uns als Decken in der Nacht dienen. Ein Trick, den ich noch aus dem Reservat kannte. Wie oft hatten wir die Nächte draußen verbracht, irgendwo in der Prärie. Ich suchte in der Satteltasche nach meinem Smartphone. Kein Empfang. “Nicholas? Hast du Netz?”, ich winkte mit meinem Handy, damit er wusste, was ich meinte. Kurz suchte auch Nicholas, schüttelte dann den Kopf. “Gut, ich hab an den Pager gedacht. Ich schick denen im Tal fix eine Nachricht. Dass wir alle gefunden haben, aber die Nacht hier oben verbringen.”
      “Gib mir deine Wasserflasche, ich füll die Mal unten am Bach auf. Ich hab tierisch Durst.” Die Idee war tatsächlich keine verkehrte. Ich löste also meine Aluflasche aus ihrer Lederhalterung am Sattel, um sie ihm zu reichen. Schließlich machte ich mich auf zu den Kühen, schaute genau auf die erwachsenen Tiere, ob ich Verletzungen fand. Und sobald die Mutter mich ließ, ging ich auch zaghaft auf das Kalb zu, das im hohen Gras lag. Es schien erschöpft. Aber ansonsten wohlauf. Ein Teil der Anspannung fiel von mir ab. Der erste Teil war geschafft. Ich spürte das Brennen meiner Muskeln, das Ziehen in meinem Gesicht von den Kratzern. Aber ich war glücklich. Erst jetzt konnte ich die wunderschöne Natur um mich herum wirklich sehen. Mit geübtem Blick scannte ich meine nähere Umgebung. Gar nicht allzu weit entfernt sah ich einen riesigen Findling. Auf seinem Weg ins Tal war er dabei auf einen anderen Felsen gefallen. Daneben stand ein halb kahler Kiefernbaum. Darunter platzierte ich beide Sättel, legte die Decken darauf. Einen Platz für die Nacht hatten wir schonmal. Überrascht war ich, als Nicholas nicht nur mit den Flaschen wieder kam, sondern auch einen kleinen Arm voll Äste mit sich trug. Es schien also nicht sein erstes mal draußen in der Natur zu sein. “Sehr schön, du denkst mit!”
      “Aber glaub bloß nicht, dass ich das Feuer entfacht krieg.” Er reichte mir meine Flasche zurück. Ich genehmigte mir direkt ein paar Schlucke des kalten Getränks. Der kleine Bach musste von Gletscherwasser getränkt sein.
      “Schau in meinen Satteltaschen nach, da müsste eine kleine Metalldose sein. Da hab ich alles drin was wir für ein Feuer brauchen.” Nicholas drehte sich zu den Sätteln um und kramte die Dose hervor. Mit dem größten Stück Holz räumte ich eine kleine Stelle frei und schaffte so eine kleine Grube. Anschließend nahm ich mich der Dose an. Ich holte den Feuerstahl heraus. Ein wenig faseriges Zunder Gras und gut getrocknete Birkenrinde. Mit meinem Messer trennte ich kleine Stücke vom gesammelten Holz ab, um viele kleine Stücke zu haben. Anschließend erzeugte ich einige Funken, um die Birkenrinde zu entzünden. Mit ein wenig Fingerspitzengefühl entfachte ich rasch ein kleines Feuerchen, das wir fleißig mit den kleineren Ästen fütterten, um ein großes Feuer zu erhalten. Nicholas hatte in der Zwischenzeit die Stelle unter dem Felsvorhang von grobem Geröll und Stöckern befreit. Heruntergefallene Kiefernzweige hatte er im Abstand um das Feuer auf dem Boden verteilt. Das Moos auf den Steinen eignete sich nicht, noch war es zu nass, um es zu nutzen.
      “Gut, dass wir die Satteldecken genommen haben,” murmelte er, “wird sicher ‘ne kalte Nacht. Ich geh gleich nochmal auf die Suche nach ein wenig Feuerholz, damit wir gut nachlegen können.” Dann griff er sich plötzlich an den Bauch, lächelte. “Ich bereue außerdem, heute morgen das Frühstück ausgelassen zu haben.” Auch ich spürte das leichte Gefühl von Hunger in meinem Magen. Zwar hatte ich ausgiebig gefrühstückt aber, der Tag war anstrengend gewesen.
      “Ich denke das Feuer ist sicher. Ich werd mal was essbares besorgen. Nicht, dass mir der arme, weiße Junge noch verhungert”, scherzte ich. Am Bach hatte ich vorhin schon nah des Wassers die verräterischen weißen Blüten der Brunnenkresse entdeckt. Ich pflückte einige gute Hände voll, wusch sie ausgiebig im kalten Wasser aus. Da wir kein Gefäß hatten, um darin zu kochen, ließ ich die Pilze stehen – auch, wenn sie eine ausgiebige Nahrungsquelle ergeben hätten. Ich blieb unschlüssig am Bachlauf stehen. Er war zu klein, um wirklich Fischen eine Heimat zu geben, außerdem konnte ich kein Leben in ihm ausmachen. Also fiel auch das Angeln aus. Abgesehen von der Tatsache, dass wir wohl auch kein Angelset fertigen konnten. Daher konzentrierte ich mich eher auf essbare Pflanzen, ging hastig eine Liste dieser in meinem Kopf durch … und vor allem die auch zu dieser Jahreszeit wuchsen. Für Blaubeeren war es leider noch zu früh. So pflückte ich Löwenzahn, auf den sich auch die Ponys zu stürzen schienen. Außerdem machte ich am Waldrand eine überraschende Entdeckung. Hier in diesen Höhen hatte sich wilder Lauch angesiedelt. Ich holte ein paar der Stangen aus dem Boden. Sein Geschmack erinnerte stark an den einer Zwiebel, aber immerhin würde er uns ein wenig sättigen. Langsam setzte die Dunkelheit ein. Also beeilte ich mich, das gesamte Zeug am Bach zu waschen.

      Zurück im Lager sah ich Nicholas mit einem großen Haufen totem Holz neben dem Feuer sitzen. Die Sättel waren weiter unter den Vorhang verstaut. Beide Decken auf den Lagern aus Kiefernzweigen ausgebreitet. Die Steinwand reflektierte Licht und Wärme, als ich eintrat. “Oh, ich sehe, heute wird das Mahl wohl ein grüner Salat?”
      “Lass uns das alles ein wenig klein rupfen und schneiden. Alles zusammen wird das sicherlich kein Festmahl, aber es wird sättigen.”
      “Und ich hätte gedacht du gehst mit der Schießbüchse auf die Jagd!”
      “Donnerbüchse.”
      “Mhm?”
      “Donnerbüchse wurde das Gewehr oft genannt. Nicht Schießbüchse.” Nicholas lächelte, rufte seine Brunnenkresse in den Schoss. Ich schnippelte den wilden Lauch, steckte mir eine der Scheiben zwischen die Lippen. Ihr Geschmack erinnerte tatsächlich stark an eine Zwiebel, jedoch deutlich milder. Ich hatte mir das Ganze schlimmer vorgestellt. “Ich hab tatsächlich daran gedacht eine Hasenfalle zu bauen. Doch ich würde in der frühe eher aufbrechen wollen um die Tiere ins Tal zu kriegen, statt Zeit zu verplempern, einen Hasenbraten fertig zu machen.”
      “Da pflichte ich dir bei. Das ist deutlich vernünftiger. Ich muss allerdings gestehen … einen mehrere Tage andauernden Ritt mit dir in der Wildnis unterwegs zu sein … ich hab darauf richtig Lust.” Nicholas sprach mit glasiger Begeisterung in den Augen. Ich sah nicht richtig auf in meinem Tun. Doch sah ich, wie meine Finger einen Moment in ihrer Tätigkeit stoppten, bevor sie fortfahren konnten.
      “Hier, iss”, damit reichte ich ihm eine Hand voll wildem Lauch und er reichte mir die zerrupfte Brunnenkresse sowie den Löwenzahn. Ohne auf seine Worte einzugehen aßen wir stumm das Mahl. Jeder hing irgendwie seinen Gedanken nach. Wir hatten einen spektakulären Blick auf den Sonnenuntergang. Die Gipfel vor uns wurden nach und nach in weniger Licht getaucht, bis der Himmel aufbrach und dunkelrosa Sonnenstrahlen auf den Berghang geworfen wurden. Leichte Kälte zog ein. Also nahm ich mir die Decke, um sie mir um die Schultern zu legen. Beim Anblick des Himmels konnte ich Nicholas Wunsch schon verstehen, allerdings machte ich mir zu sehr Sorgen um die kleine Herde draußen. Ab und an konnte man die Pferde leise schnaufen hören. Die Geräusche des nächtlichen Waldes wurden immer surrealer und von den Berghängen hallte das Echo eines Wolfsgeheuls wieder.
      “Zugegeben das Geräusch jagt mir doch ein Schauer über den Nacken“, flüsterte Nicholas in die Dunkelheit. Ich schlug die Decke ein Stück zur Seite, um den Blick auf die Tasche mit dem Gewehr freizugeben.
      “Sie werden uns nicht angreifen. Falls doch, haben wir noch immer die hier.”
      “Dann halte ich mich lieber an dich. Ich hab nie gelernt, damit umzugehen.” Bewusst oder unbewusst rückte Nicholas näher zu mir heran. Mein Wunsch noch einmal nach den Tieren zu sehen wuchs. Da ich sie jedoch hören konnte, ließ ich davon ab.
      “Lass uns schlafen, der Tag war anstrengend genug.”

      Leicht schlotternd erwachte ich. Da mein Handy ausgeschaltet war, hatte ich keinerlei Vorstellung davon wie spät es war. Ich richtete mich halb auf, nahm einen der verbliebenen Totholz Zweige und warf sie auf das langsam sterbende Feuer. Nicholas bewegte sich. Im Licht des Feuers sah ich, wie sich seine Augen öffneten. “Erinner mich dran, wenn wir wirklich mal unterwegs sind einen Schlafsack einzupacken. Meine Gänsehaut nimmt die Ausmaße einer Rauhfasertapete an!” Ich strich mir mit den Händen durch das müde Gesicht, entfernte die kitzligen Haare so gleich mit. Ich legte also noch einen der Scheite auf das Feuer. Dann richtete ich mich auf, schnappte meine Decke.
      “Rutsch ein Stück rüber”, gähnte ich lautlos. Nicholas ließ sich nicht weiter bitten. Er rückte gerade so nahe wie er es wagte, an das Feuer heran. Dann hob er seine Decke an. Etwas ungelenk legte ich mich neben ihn. Anschließend warf ich die Decke über die Seine. Tatsächlich spürte ich fast augenblicklich, wie sich unsere Körperwärme unter den Wolldecken verbreitete. “Ich hätte gern mein Büffelfell dabei”, seufzte ich schläfrig. Nicholas rückte mit dem Rücken näher an den meinen heran. “Oh warte,” flüsterte ich, “meine Haare!” Nicholas hob leicht den Oberkörper, damit ich einen meiner Zöpfe unter seiner Schulter hervorziehen konnte.
      “Gute Nacht”, seufzte Nicholas. Langsam kroch wohlige Wärme in meine Gliedmaßen und allmählich fand ich halbwegs erholsamen Schlaf.

      Schlaftrunken blinzelte ich, brauchte einen Moment das blonde Gesicht so dicht vor dem meinen überhaupt wahrzunehmen. Ich hatte jahrelang so dicht neben Kaya geschlafen, nicht ihre Stirn an der meinen zu spüren erschreckte mich. Ich hatte den Atem von Nicholas in meinem Gesicht. Ich spürte die Gänsehaut in meinem Körper. Vorsichtig rückte ich von ihm fort, machte flüchtig einen Blick in Richtung des Feuers. Nur noch eine leichte Glut glimmte vor sich her. Um die zurückkehrende Kälte zu entfernen, richtete ich mich auf, strich über die vom Tau ganz klamme Decke. Bevor wir los konnten, musste sie ein wenig trockener werden. Ich widerstand dem Gefühl Nicholas bereits zu wecken. Wie es mir erschien, erwachte der Morgen gerade erst. Uns bliebe noch der gesamte Tag, um ins Tal zurück zu reiten. Ich warf die Decke in die ersten Strahlen der Sonne auf einen der Findlinge. Unten am Fluss füllte ich die beiden Flaschen wieder mit klarem Wasser auf. Ich spürte das Brennen in den Fingern vom eiskalten Wasser, spritze mir das kühle Nass jedoch auch ins Gesicht, um meine Gemüter ein wenig zu beruhigen. Ich wusste, dass es zum erwachsen werden gehörte, doch konnte ich getrost darauf verzichten. In meinem Kopf blieb nur der Schatten einer Erinnerung was genau ich geträumt hatte, aber offensichtlich hatte es ausgereicht, die Freude in einige Teile meines Körpers zu befördern. Ich zupfte, nachdem ich mich nach Nicholas umgesehen hatte, sachte an meiner Hose herum um das einengende Gefühl los zu werden. Dann sah ich mich um. Sungila hob ihren Kopf aus dem Gras. Ich schmunzelte und machte mich durch das nasse Gras auf den Weg zu ihr. Es freute mich, alle Tiere wohlbehalten an der selben Stelle zu finden. In der Nacht schienen sie, wie ich es vermutet hatte, eng zusammengehalten haben. Hierin sah ich den großen Vorteil, dass die jungen Pferde oft zwischen den Kühen standen - sie sahen sie durchaus als Teil ihrer Spezies und Herde an.
      “Wollen wir direkt los?”, meinen Körper durchfuhr der Schreck, ebbte nur langsam ab. Ich war zu konzentriert auf meine schweifenden Gedanken gewesen. Nicholas in der Stille des Morgens hatte ich nicht erwartet.
      “Ich denke wir genehmigen uns noch ein Grünzeug-Frühstück, lassen die Decken in der Morgensonne trocknen und buddeln das Loch vom Feuer wieder zu.”
      “Dann übernehm ich das Buddeln … such du das Grünzeug. Die Decke hängt schon neben dem Stein von deiner.”

      Nur langsam kamen wir aus dem Hochgebirge in die unteren Regionen. Mittlerweile hatte ich mit dem Lasso dem Kalb die Beine zusammengebunden und den jungen Bullen auf Sungilas Rücken gelegt. Zwischenzeitlich hatte ich bereut, die junge Stute genommen zu haben. Allerdings meisterte sie jede der Aufgaben, die ich ihr geben musste, mit einer Souveränität. Sie erfüllte mich mit Stolz. Wir hatten einen Umweg um die kleine Geröllhalde machen müssen, denn wir hatten nicht riskieren wollen, dass die Kühe dort abstürzten. Hatten sich ungefähr so die ersten Siedler dieses Landes gefühlt, als sie mit ihren Trecks die Gebirge überwanden? “Nicholas! Schau!”, rief ich zu ihm nach hinten. Er bildete das Schlusslicht unserer kleinen Herde. Zwischen dem dichten Wald konnten wir nun das Blockhaus der Ferienranch erkennen.
      “Du hast es geschafft!”, rief Nicholas von hinten und schenkte mir ein breites Grinsen, “Ich hoffe Dolly hat den Kühlschrank gefüllt. Mir hängt der Magen in den Kniekehlen!”, rief er spitzbübisch.
      “Hat dir mein Festmahl nicht gefallen?”
      “Seh ich aus wie ein elender Veganer?”
      “Dann lass ich dich das nächste Mal auf die Jagd gehen, ja?”
      “Es wird also ein nächstes Mal geben?”, fragte Nicholas, als er neben mir auf dem Hauptweg angekommen war. Ich machte eine unbestimmte Handbewegung.
      “Lass uns erstmal dieses Abenteuer beenden”, dann zwinkerte ich und stieg hinter dem Kalb wieder in den Sattel. Bevor Easy unruhig wurde da ich bereits losgeritten war, fand auch Nicholas seinen Weg in den Sattel. Wir trieben nun auf dem breiten Weg die Kühe einfach vor uns her. Der Abstieg hierher war für die Kühe genauso anstrengend gewesen wie für uns, daher ließen wir uns Zeit. “Warte mal, ich setz das Kalb jetzt mal wieder runter”, seufzte ich – darauf hätte ich ja auch kommen können bevor ich aufgestiegen war! Also stieg ich wieder umständlich vom Pferd, löste die Schlinge um die Vorder und Hinterbeine und gab das Kalb zurück in die Obhut der Mutterkuh. Blökend bockte es in Richtung seiner Mutter.
      Pferde: BR General Pleasure, BR Wimpys Blue Gun, BR South Texas Gangster, BR Rebel Hearted, BR Heavens Wild Side, BR Devils Angel Eyes, Blue Fire Cat, BR Atlantis Dream, BR Colored in Style, BR Dress to Impress, BR Homecoming Queen, BR Raised to Slide, BR Sheza Topnotch Babe, BR Wimpys Bright Gangster, Captains Blue Crystal, Gun Sophie, Jacks Inside Gunner, BR Alans Smart Dream, BR Colonels Golden Gun, BR Colonels Lil Joker, BR Double Gunslide, BR Heart N' Soul, BR Hollywoods Dream Anthem, Chocolate Dazzle, Up Town Girl, Bittersweet Temptation, Whitetails Shortcut, Zues, Abandon all Hope, HMJ Courtesy, HMJ8345's Continental, Lady Blue Skip, Striga, Tortured Witch HMJ 6693, Blanton's Gentleman, Chic N' Shine, Four Bar Chocolate Becks, GRH's Funky's Wild Berry, HMJ Saintly, How 'Bout Moonies, PFS' Unclouded Summer Skies, Smart Lil Vulture, tc Mister's Silvermoon Cody, Thiz Bye Bye Bay, Small Town Dude, Dual Shaded Ace, GRH's Bellas Dun Gotta Gun, GRH's Unbroken Soul of a Devil, Gun and Slide, Gunners Styled Gangster, Heza Bat Man, Till Death, HGT's Unitato, Chapman, Black Sue Dun It, California Rose, DunIts Smart Investment, Easy Going, Frosty Lagoon, Ginny my Love, Ginger Rose, GRH's A Gun Colored Lena, GRH's Aquila T Mistery, GRH's Unbroken Magic, Magnificient Crow, Only Known in Texas, Lovin' Out Loud, Stormborn, Tainted Whiz Gun, Breia LDS, Ceara Isleen, Dakota, Leuchtfeuer di Royal Peerage, Moonshine LDS, Pocahontas, Raspberry, Wunderkerze LDS, Absolute Bullet Proof, Birk, Myrkvidr, WHC' Happy Sunshine, A Walking Honor, Chou, Jade, Like a Prayer, Kristy Killings, Honey's Aleshanee, Colonels Blue Splash, Kisshimbye, BR Dissident Whiz, Sweet like Chocolate, Drama Baby, Prias Colourful Soul, Priamos Ruffia Kincsem, Tigres Eye, Wimpys Little Devil, Miss Independent, Culain, Snapper Little Lena, Special Luna Zip, Peacful Redemption und Wildfire xx
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    26 Okt. 2020
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    Name: Abandon all Hope
    Früher: Abadon All Hope
    Rufname: Hope
    Alter: 06.11.2010, 12 Jahre
    Geschlecht: Stute
    Größe: 1,59m
    Rasse: American Paint Horse
    Fellfarbe: Buckskin Tobiano Sabino


    Stammbaum
    von: unbekannt
    aus der: unbekannt (Black Splash Stute)

    Charakter & Geschichte:
    Abandon ist ein Verlasspferd. Die Stute spürt wie man darauf ist und passt sich dem Reiter an. sie ist Trittsicher und brav. Sie ist perfekt für den Umgang mit Kindern geeignet.

    Zuchtinfos
    Gekört/Gekrönt: nein

    Besitzer: Veija (Caleb O'Dell) seit 17.01.2020
    Vorbesitzer: Wolfszeit
    Gezüchtet bei/Zucht:

    VKR: Canyon

    Kaufpreis: 250 Joellen, ummalen 300 Joellen
    Zu Verkaufen: nein


    Qualifikationen:

    eingeritten
    nicht eingefahren

    Dressur E
    Springen E
    Military E
    Distanz E
    Galopprennen E

    Western
    Reining LK 4
    Trail LK 4


    Erfolge:
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    1. Platz 642. Westernturnier
    1. Platz 645. Westernturnier

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    2. Platz 635. Westernturnier

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    3. Platz 253. Westernturnier
    3. Platz 639. Westernturnier

    [​IMG]
    1. Platz 393. Synchronspringen
    1. Platz 674. Springturnier

    [​IMG]
    3. Platz 685. Springturnier
    3. Platz 402. Synchronspringen


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    1. Platz 580. Rennen

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    1. Platz 553. Fahrturnier

    [​IMG]
    3. Platz 548. Fahrturnier
    3. Platz 555. Fahrturnier
    3. Platz 561. Fahrturnier

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    1. Platz 659. Dressurturnier
    1. Platz 660. Dressurturnier


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    1. Platz 538. Distanzturnier

    [​IMG]
    3. Platz 540. Distanzturnier

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    3. Platz 532. Militaryturnier

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    2. Platz 1. EHP Vielseitigkeits Derby Military

    Gesundheit:
    Gesundheitszustand:
    Letzter Besuch:

    Hufschmied:
    Letzter Besuch:
    Beschlag: