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Veija

♀ ☆ Ocarina of Time, DRP

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♀ ☆ Ocarina of Time, DRP
Veija, 10 Mai 2018
    • Veija
      Prophylaxe #1, Grunimmunisierung, Chippen
      [​IMG]
      Januar 2015, by Cooper
      Ein erneuter Tag in meiner Klinik- Voller Vorfreude ging ich zügig zu der Auftragsliste, die mich nochmals nach Verena O'Conor führte. "Na hoffentlich treff ich diesmal auch Verena und nicht jemanden anderes" sagte ich zu mir selbst und machte den Van Startklar. Ich fuhr los und die selbe Zeit die ich letztes mal brauchte, brauchte ich auch dieses mal, nicht länger und auch nicht kürzer. 'Gips Riminder Ranch'- Las ich auf einem Schild als ich den Van vor den Toren parkte. "Ne!, fahr rein!" sagte eine Junge Dame, es war Verena. Sie lachte und machte die Tore auf, somit konnte ich den Van nah an die Stelle plazieren wo wir ihn auch brauchten. "Hallo" sagte ich freundlich und umarmte Verena zu begrüßung, da wir uns persönlich gut kannten. "Was ist denn nun schonwieder?" sagte ich und stupste sie mit meinem Ellebogen an, sodass sie das nicht missverstand. Verena hatte meinen Humor und lachte. "Ocarnia brauch einen kleinen Checkup, Impfungen und natürlich noch einen Chip" sagte sie auf den Weg zur Rappscheckenstute. Ihr Stallbursche Celeb war da und hielt auschau nach der Stute im Stall. Höfflich begrüßte er mich. "Achja, wenn wir schonmal dabei sind, Caleb kann nur Englisch und wusste nicht wie er dir das dass letze mal sagen sollte" sagte sie und wir beide fingen laut an zu lassen. "Das is nicht dein ernst, Ohhhh man, ich hab mich schon gewundert. Ja hör mal sowas musst du mir sagen Mensch, ich kann flüssig Englisch sprechen, mein Dad ist Engländer und ich leb in Kanada, also wirklich" sagte ich halb am lachen und versuchte mich wieder ein zu kriegen. "You should have told me the last time that you only speak englisch" sagte ich zu ihm und verstand erst jetzt die Situation, auch er fing an zu lachen. "Na, dann wollen wir mal wieder" sagte ich und begrüßte die Deutsche Reitponystute mit einem halben Apfel der ihr gut schmeckte. Ich testete wie in der Routine erstmal ihre Reflexe im Auge, die in Ordnung waren. Ich schaute nach ihren Nüstern, schaute mit ihre Ohren sowie ihren Mundraum iklusive Zähne an. "Alles super" sagte ich mit zufriedener Stimmt und tastete mich langsam von oben bis unten ab. Auch hier tastete ich nach den Organen im Bauchraum die man durch Berührung untersuchen konnte. Alle war gut und signalisierte dies Verena mit einem Daumen hoch. Ich kontrollierte die Hufen und als ich mich zu den Hufen runter beugte sag ich es. Einen Splitter. Ich drehte meinen Kopf zu Seite und schaute mit den Holzsplitter an der ihr am 'Schienbein' ins Fleisch rammte. "Na, ich glaub das ist sehr unangenehm" sagte ich und zeigte Verena den nicht als so großen Splitter. "Oh meine Arme, woher hast du den denn nur? Was machst du für Sachen?" frug Verena und küsste ihr Stute. Caleb hörte mit und erzählte Verena warum es seien könnte, sie hatte sich am Vormittag nicht von der Weide holen lasse und bockte herum, sie kam warscheinlich an den kaputten Zaun, den er grade reparierte. "Ohje, das ist aber nicht so schlimm, das bekommen wir schnell hin" sagte ich und holte eine Pinzette sowie meine Lupenbrille. Ich fudelte und fidelte, zum glück war Ocarnia ruhig, dennoch etwas nervös und mochte verständlicherweise das rumfuchteln in der Wunde nicht. "Da haben wir den Übeltäter" sagte ich als ich letztendlich den Splitter hinaus zog. Ich desinfizierte die Wunde und schmierte eine heilende Salbe darauf, zunächst sagte ich nichts darüber und machte dem entspechend weiter. Ich kontrollierte Puls, Atmung und Temperatur, die alle im Normbereich lagen. "So, jetz darfst du aussuchen, erst Impfen und dann Chippen oder anders herum" fragte ich. Verena antwortete mit Chippen und so holte ich das Chipgerät mit einem programierten Chip heraus. Ihr gefiel dieses ganze fest halten und pieksen garnicht. "Psshh, du bist tapfer" sagte ich un redete gleichzeitig mit Verena auf die Stute in um sie zu beruhigen und schwups, schnell und einfach war der Chip an der Seite des Halses plaziert und auch gut erfasst worden. "Super" sagte ich und gaben der Stute eine kurze Pause. In der Zeit akutuallisierte ich schonmal den Impfpass und regelte alles andere für den Equinepass mit der Identifikationsnummer. Abby´s wurde gegebenfalls jetz mit angefordert, da sie jetz endlich in Kanada angekommen sind um somit ich mit dem Landeskürzel alles beantragen konnte. Ich zog alle Impfungen auf und ging hinüber zu Ocarnia. Langsam un behutsam Impften wir Tetanus, Herpes, Tollwut und Influenza. Sie stellte sich ganz gut an und am ende konnte sie sich sogar komplett beruhigen lassen. "Ich glaube, dann sind wir soweit fertig. Ich schicke der alles per Mail und wir bleiben in Kontakt. Achja, die Wunde vom Splitter, nehm das und schmier ihr es einmal morgends und einmal abends auf die Wunde, etwa so lange bis sich eine Kruste gebildet hat" sagte ich Verena und gab ihr die Antiseptische Salbe. "Keine Sorge, ist kostenlos" zwinkterte ich und verabschiedete mich herzlich von den dreien.

      "Darling"
      April 2015, by Veija
      Schon früh am Morgen waren meine Mitarbeiter und ich auf den Beinen. Schließlich stand heute eine Art "Frühlingsputz" an, in dem wir alle Pferde bewegen wollten und ihnen ein wenig Aufmerksamkeit zukommen lassen.
      Wir begannen im Stutentrakt, wo Caleb, Aaron, Alexis, Aliena und ich nacheinander Bella, Princess, Devil Rosy, Amarula, Shadow, Summer und Like Honey and Milk in die Führanlage brachten, ehe wir uns um die Boxen kümmerten. Nach einer halben Stunde waren diese wieder sauber, so dass wir in jede Box einen Sack "Streupellets" schütteten, ehe wir die Heunetze auffüllten, das Wasser kontrollierten und jedem Pferd seine Ration Kraftfutter dosierten. Dann kamen die 8 Pferde wieder rein. An eine Pause war jedoch nicht zu denken, da wir nun Angelic Desolation, Bailey, Goddess, Croatoan, Sheza, Crow, Grace & Pluie in die Führanlage brachten, ehe wir auch deren Boxen ausmisteten. Raised from Hell und Annie blieben im Stall. Annie sollte sich noch ein wenig einleben, bevor es an die Arbeit ging. Raised from Hell bekamen wir nur mit Mühe ausgemistet, da sie noch nicht wirklich händelbar war. Seufzend schüttelte ich den Kopf. Sie war wohl ein Pferd, dass man brechen musste, um mit ihr arbeiten zu können. Caleb und ich würden uns in der nächsten Zeit wohl mit ihr beschäftigen müssen... Nun kamen die 8 wieder rein und stürzten sich auf ihr Kraftfutter.
      Weiter ging es zu den Hengsten. Gen, Spooky, Funky, Ali, Winny, Blue, Flint und Pathy kamen ebenfalls in die Führanlage. Siku stellten wir in den Round Pen, Sol kam kurz auf die Koppel. Zues stand noch immer in Penals eingezwängt auf einem Stück der Koppel, weshalb wir ihn nicht ausmisten mussten. Erneut waren wir nach einer guten halben Stunde fertig, so dass alle Pferde wieder in ihre Boxen zurück konnten- ganz zum Leidwesen von Sol, dem das bisschen Gras, was zur Zeit auf der Wiese war, sichtlich schmeckte.
      Weiter ging es zu den Vollblütern, wo wir in den letzten Tagen zwei Neuzugänge bekommen hatten.
      Erneut brachten wir die Pferde in die Führanlage. So waren Hell, Nova, Jagger, Faster, Abby, Zucker, Manni und April innerhalb 5 Minuten in Bewegung. Faster stellten wir in den Round Pen, da wir ihn nicht gerne mit den Stuten zusammenliesen. Nach etwa einer halben Stunde waren wir soweit fertig, dass die Pferde wieder reinkonnten.
      Es war fast geschafft, denn es fehlten nur noch 2 Stallteile. Nun waren wir also bei den Sportpferden angelangt: Gipsy kam auf die Koppel, Skrudi, Vin, Haengur und Glaeta kamen zusammen mit Ops, Oca, Snuff und Heart in die Führanlage. Emilio, Antrax, Maracuja, Callus und Kunis stellte ich auf verschiedene Koppeln. Für die Pferde viel zu schnell waren wir fertig mit der Arbeit, denn sie wollten liebend gerne noch weiter grasen. Doch alles fanden wieder ihren Platz in ihren Boxen.
      Nun gingen wir zu den Jungpferden in den großen Offenstall. Lächelnd begrüßten wir Lil, Holly, Action, King, Enjoy, Striga, Gulrót, Peppy, Dawn, Wildfire, Harley, Charly, Secret, Wusel, Náttdís, Aquila, Nucu und Nani. Wir verbannten alle Fohlen aus dem überdachten Bereich des Stalls, so dass wir in Ruhe ausmisten konnten. Aliena und Alexis gingen zudem noch über die Koppel und äfpelten diese ab. Als wie fertig waren, konnten die Fohlen und Jungpferde wieder unter den überdachten Teil. Es fing nun ziemlich stark an zu regnen, weshalb alle unter Dach wollten. Natürlich spielte Wildfire wieder mit dem Stroh und schmiss alles durch den Stall. Lachend schauten wir den Tieren zu, ehe wir überlegten, ihnen beim nächsten Misten auch Pellets zu geben. Doch uns war es lieber, die Fohlen schliefen im warmen Stroh.
      Wieder im Hauptstall angekommen, zog mich Caleb zur Seite. "So... something changed", sagte er unerwartet zu mir und ich merkte, wie mein Herz in meiner Brust hämmerte. "Something changed?", fragte ich ihn. "Yes, darling", sagte er in seinem charmanten Ton. In letzter Zeit hatte er mich immer öfter darling genannt, ohne dass er mir wirklich aufgefallen war- naja, jetzt fiel es mir auf. "I'm sorry..", sagte er noch leise, ehe er seine Lippen auf die Meinen presste. Völlig verwirrt reagierte ich einfach gar nicht und stand stocksteif vor ihm, ehe ich den Kuss leicht e
      rwiderte. Viel zu plötzlich löste er sich von mir und verschwand einfach in der regnerischen Nacht. "Wow..", sagte ich leise und strich mir über die Lippen, bevor ich ein unterdrücktes Lachen hörte. Aaron hatte uns gesehen. "Na was der Kerl vorhat...", sagte er unschuldig und zuckte mit den Schultern. Natürlich wusste er über Calebs Vorhaben bescheid, doch er wollte mir nichts verraten. Verwirrt ging dann also zurück ins Haus, wo ich mich nach dem Duschen sofort ins Bett legte.

      Thunderstorm? Are you kidding?!
      Juni 2015, by Veija
      Benommen schaute ich auf die Uhr. Schon 12? Draußen krachte es einmal laut, was mich zusammenfahren lies. Der Wetterbericht hatte doch Recht behalten. Es schüttete wie aus Eimern und immer wieder zuckten Blitze vom Himmel, gefolgt von einem höllischen Lärm. Ich stand auf und blickte nach draußen. Ich konnte meinen Augen kaum trauen! Da standen meine Pferde, im Gewitter!
      Sofort war ich hellwach und zog mich mehr schlecht als Recht an, ehe ich nach unten stürmte und meine Mitarbeiter zusammenrief: "WER von euch hat die Pferde raus gestellt?!", fragte ich die vier doch keiner wollte mir antworten. "Leute, Regenjacken an und ab! Guckt dass die alle zurück in den Stall kommen!", fauchte ich sie an und zog mir ebenfalls meine Regenjacke an, ehe ich zu den Zuchtstallungen stürmte. Bella, Amarula, Grace und Nova bekam ich alle zusammen in den Stall, ehe mir Brother, Spooky und Funky schnappte und sie in den Stall brachte. Eigentlich musste ich die Pferde nur von ihren Paddocks in den Stall scheuchen, doch das war leichter gesagt, als getan. Schließlich sahen alle Boxen aus wie Sau, weil sich noch niemand erbarmt hatte, diese zu misten. Kurz seufzte ich. Also musste ich nachher ran.
      Nun ging es weiter zu den Vollblütern. Hell, Jagger, Faster, Augen auf, Zucker und Wild Reflex waren von der Koppel schon wieder in ihrem Stall. Lamperd, Nyanda, Sacramento, Scoubidou, Seattle Slew, Pria und Horror brachten Caleb und ich noch zusammen in ihre Stallungen. Auch die beiden Stalltrakte der Vollblüter waren noch nicht gemacht. Seufzend verdrehte ich die Augen und machte mich nun mit Caleb und Aaron im Schlepptau auf zum Trainingsstall. Zum Glück hatten Aliena und Alexis schon fast die Hälfte der Pferde im Stall! So befanden sich Genuine, Gipsy, Lil Princess, Skrudi, Wimpy, Cherokee, What Lies Ahead, Gun and Slide, Moon, Summertime, Dawn of Hope, Emilio. Like Honey and Milk, Flintstone, Sympathy for the Devil, Goddess, Sheza, Sweety und Siku schon im Stall. So holten wir zu fünft noch Náttdís, Eldrian, Solitary, Pluie, Cauldron, Annie, Silver, Blue Gun, Possible Pasts, Smoking Chex, King Gun, Sue und Ravi in den Stall. Auch ihre Boxen mussten alle noch gemacht werden, doch zunächst gingen wir zu den Jungpferden am Offenstall.
      Crescent Wolf, Crow, Holly, Harley, Ocarina, Raised from Hell, Lena, Striga, Aquila und Peppy Ann kamen in den Offenstall für die Stuten, dessen Stalltür ich schließen konnte, damit die Pferde für den Tag drin blieben. Zues musste leider in seinem provisorischen Paddock bleiben, so Leid es mir tat. Wildfire, Omira, Kunis und Gunna Whiz kamen in ihren Offenstall, wo ich ebenfalls die Tür schloss. Seufzend trug ich nun jedem auf, welche Pferde er zu misten und zu füttern hatte.
      Also ging ich in den Zuchtstall und kümmerte mich um die dortigen Pferde. Im Moment erwartete keines der Tiere Nachwuchs, was auch nicht so schlecht war, denn ich war ja gerade erst dabei, eine Zucht aufzubauen. Da konnten die Tiere ruhig noch ihr Leben genießen, fernab vom täglichen Training. Eigentlich hatten es die Zuchtpferde und die Jungpferde bei mir am Besten. Sie konnten den ganzen Tag fressen und ihr Leben genießen.
      Kurz lachte ich, ehe ich kopfschüttelnd den Stall verlies. Ich war schon fertig und bereitete nun das Mittagessen vor, was wir um geschlagene 17 Uhr essen würden. Tja, die Pferde gingen eben vor.

      Destiny
      Juli 2015, by Veija
      Langsam reckte ich mich in meinem Bett, ehe ich mich dann doch begannte und aufstand. Nach einer kurzen Dusche, die mal wieder sinnlos war, da ich in einer Stunde wieder nach Pferd riechen würde, zog ich mir eine Jeans und ein kurzes, kariertes Hemd an. Natürlich durfte mein Hut nicht fehlen, wobei ich heute einen schwarzen anzog. Meine Haare band ich davor noch zu einem tiefen Zopf, ehe ich in meine Boots schlüpfte und nach unten an den Frühstückstisch ging, den Aaron freundlicherweise schon gedeckt hatte. "Danke", sagte ich zu ihm, ehe ich mich an den ansonsten leeren Tisch setzte. "Wo ist der Rest?", fragte ich ihn dann, worauf er nur mit einem schulterzucken antwortete. Auch gut, dachte ich mir und schmierte mir mein Brot, ehe ich die neuste Post checkte, die seit neustens Nachts mit der Zeitung kam. Es war mir ganz recht, da ich Post sowie Zeitung dann schon am Frühstückstisch lesen konnte, allerdings tat mir der Postbote leid, da es nachts doch ein wenig ungemütlich hier draußen wurde- besonders im Winter.
      In letzter Zeit bekam ich vermehrt Bewerbungen zu Praktikas oder Ausbildungen, ja auch Jobanfragen! "Eigentlich könnten wir hier noch Unterstützung gebrauchen, oder Aaron? Besonders wenn wir bald auf das neue Gestüt ziehen.", sagte ich mehr zu mir selbst als zu ihm, ehe ich ein Räuspern in der Tür vernahm. Da stand ein fremder junger Mann in Jeans und Karohemd, der bestohlen zu Boden sah. "Ja, bitte?", fragte ich ihn, ehe ich einen Blick hinter ihn warf. Dort stand Caleb und schaute mich mit hochgezogenen Augenbrauen an. "Mein Auto ist hier in der Nähe liegen geblieben, ich habe eine kleinen Isländerhengst dabei und wir wussten nicht wohin, leider habe ich hier mit meinem Handy keinen Empfang", erklärte er mir kleinlaut, ehe ich einen Blick mit Caleb tauschte und ihm zunickte. Das hieß, dass der Fremde wohl keine bösen Absichten vorhatte und ich mit Aaron zusammen wohl mit ihm klarkommen würde. "Wo ist dein Pferd denn?", fragte ich ihn dann, ehe ich ein fremdes Wiehren hörte und nach draußen sah, wo ich einen kleinen Red Dun farbenen Isländerhengst sah, der wie verrückt um Alexis herumtänzelte.
      "Gut, lass uns mal nach deinem Pferd schauen", sagte ich und stand auf. Er wollte zwar protestieren, ich stahl mich jedoch einfach an ihm vorbei und ging zu dem Hengst der sich panisch umsah. "Whoaaaa", sagte ich leise und beruhigend zu dem Tier und nahm ihn Alexis aus der Hand, ehe wir auf den Stall zugingen. "Ich stelle ihn gerade in eine Box, abseits meiner Pferde, dann kann er sich ein wenig beruhigen, ehe wir den Wagen holen und zu deinem Auto fahren, okay?", fragte ich ihn und wartete die Antwort nicht ab, vernahm jedoch aus dem Augenwinkel ein kurzes Nicken.
      "Wie heißt er denn?", fragte ich ihn beiläufig und nickte dann. "Dynur, ein schöner Name", erwiderte ich dann, ehe Caleb schon mit dem Pick Up auf dem Hof stand, in den der Fremde und ich einstiegen. "Wie heißt du eigentlich?", kam es mir dann in den Sinn, ehe ich einen Blick über die Schulter zu dem Mann warf, der auf der Rückbank des Pick Ups Platz genommen hatte. "Riley", sagte der junge Mann leise. "Riley Fortin." "Ein schöner Name.."murmelte ich noch, ehe auch ich mich vorstellte. "Ich bin Verena O'Connor und der Herr hier neben mit ist Caleb O'Dell."
      Nun waren wir auch an seinem Auto angekommen, welches sich Caleb sofort anschaute. In dieser Zeit unterhielt ich mich weiterhin mit Riley, da Caleb ihm unmissverständlich erklärt hatte, dass er niemanden brauchte, der ihm über die Schulter schaute. "Nimm's ihm nicht krumm, er ist eben so", erklärte ich ihm schulterzuckend, worauf hin er mich nur fragend ansah. "Wo wolltest du eigentlich hin?", fragte ich ihn dann. "Ach.. ich fahre ein wenig durch die Gegend, immer auf der Suche nach einem Job", antwortete er mir und Caleb blickte kurz mit einer hochgezogenern Augenbraue zu mir, ehe er sich die Hände an seiner Hose abklopfte und zu uns kam."Der hier fährt nirgendwo mehr hin, der Motor ist hin", erklärte er Riley, der die Hände über dem Kopf zusammenschlug. "Und jetzt?", murmelte er eher zu sich selbst als zu uns, dennoch beantwortete ich seine Frage für ihn: "Da du ja ein Pferd hast, wirst du ja wohl reiten können. Wie wärs wenn du ein paar Tage bei uns bleibst und im Stall bei den Pferden hilfst, dafür brauchst du nichts zu bezahlen?", fragte ich ihn und er nickte dankend. "Gut, lass uns zurückfahren, wir rufen einen Abschleppdienst."
      Eine gute Stunde später waren wir samt seinem Auto und Hänger auf der Ranch. Riley ging natürlich sofort zu seinem Hensgt, der sich grummelnd an ihn schmiegte.
      Ich räusperte mich kurz. "Nichts da, an die Arbeit junger Mann!", sagte ich lachend und ging mit ihm zum Offenstall, wo die Jungpferde standen. Wir hatten vorher noch Kraftfutter gemischt, welches wir in die Futterraufen im Stall schütteten. Außerdem standen verteilt auf den Koppeln Eimer, damit auch die rangniedrigeren Pferde Energie bekamen. Viele verteufelten ja das Kraftfutter bei Jungpferden, da es nur in den Kopf gehen solle, doch ich war ein totaler Befürworter. Man sah es den Tieren an, dass sie allmählich immer kräftiger wurden.
      Zunächst ließ sich kein Pferd blicken, ehe ich laut nach ihnen rief.Zu erst kamen Crescent Wolf, Magnificient Crow und Natsu's Little Harley. DIcht dahinter Miss Holly Golightly und Snapper Little Lena, wobei diese nie bei der Gruppe waren sondern immer den Eimer nahmen, der am weitesten vom Stall weg war.
      Ocarina of Time kam auch noch zum Stall, während Raised from Hell nie zum Fressen kam. Das würde noch lustig werden mit der Stute, dachte ich mir seufzend und betrachtete Striga und Princess Peppy Ann, die sich immer mehr angefreundet hatten in letzter Zeit. Auch Aquila T Mistery und Bella'S Dun Gotta Gun standen immer zusammen und hielten sich auch ein wenig vom Stall weg, da sie zusammen mit Gunna Whiz die jüngsten Vertreter waren.
      Bei den Stuten fertig ging es zu den Hengsten. Wildfire kam sofort auf uns zugerannt und wollte seine Streicheleinheiten abholen, die Riley ihm auch gab. Kunis kam auch sofort zu uns, während Lil Nucu Omira sich ein wenig Zeit ließ, dann aber auch zu uns kam. Zues bekam kein Kraftfutter, der hatte genug Energie und zeigte sie uns jedes Mal aufs Neue, wenn wir zu ihm gingen. "Was ist denn mit dem passiert?", wollte Riley wissen. "Ich habe ihn vom Schlachter aus schlechter Haltung geholt, wurde leider viel zu früh von der Mutter getrennt und war immer Rangniedrigster. Aufgrund seiner Farbe, da ich ja auch auf Farbe züchte, konnte ich den Hengst nicht stehen lassen. Mal schauen, was aus ihm wird", erklärte ich ihm, ehe wir zu den Vollblütern gingen.
      Die Pferde waren auch aufgeteilt nach Stuten und Hengsten und standen bei dem schönen Wetter alle auf der Koppel. Die übliche Bande, also Drag me to Hell, I've got the moves like Jagger, Faster, Augen auf ich komme, Zuckerschock und Wild Reflex, kamen sofort angelaufen, als sie uns mit den Eimern sahen. Rasch waren sie im Stall am Trog, um die ersten zu sein, die etwas zu fressen bekommen. Nyanda, Praimos Ruffia Kincsem, My lovely Horror Kid und Deadly Ambition ließen sich deutlich mehr Zeit, ehe sie doch langsam in den Stall kamen. Gott sei Dank vertrugen sie sich alle super gut, weshalb es be ihnen nie Kämpfe oder ähnliches gab.
      Bei den Hengsten waren Firewalker und Lamperd recht schnell bei uns, ehe nach und nach Sacramento, Scoubidou und Seattle Slew kamen, die sich wohl nich nicht so wohl bei mir fühlten- leider. Nun schauten wir in der Zuchtstallung vorbei, wo alle Pferde auf ihren Paddocks standen. Lächelnd bekamen Bella Dun Del Cielo. Spooks Gotta Gun, Supernova, Funky Powerbabe, Amarula van Helsing, Goodbye Graceful, Hollywood's Silver Dream, Soul Sisters Brother of Time und Stormbringer, meiner neusten Ergänzung der bunten Truppe, ihr Futter. Im Trainingsstall trafen wir kein Pferd an, da diese alle auf der Koppel standen und sich den Bauch vollschlugen.
      Je nach Training bekamen dann Genuine Lil Cut, Cielos Double Dun It, Lil Princess Gun, Skrúður
      Wimpys Little Devil, Cherokee Rose, What Lies Ahead, Gun and Slide, Dancing Moonrise Shadow, Lovely Summertime, Crusing's Dawn of Hope, Emilio, Like Honey and Milk, Flintstone, Sympathy for the Devil, Comeback of a fallen Goddess, Sheza bat Cat, My sweet little Secret, Siku, Náttdís, Eldiran Antrax, Solitary, Marly's Pluie, Cauldron of Renascence, Annie get your Gun, My Blue Gun, Your possible Pasts, Hot Smoking Chex, Hollywood's King Gun, Black Sue Dun It, Ravi, Blazing Flame, Snuff, HGT's Enjoy Nature, Ahyoka und schließlich die zwei neusten Woodstock Lady und Call of Pripyat ihr Futter. "Fertig", sagte ich und sah auf die Uhr. Ich war um 6 aufgestanden, um 18 Uhr waren wir jetzt fertig mit den Pferden. "Ach Dynur fehlt noch, oder?", fragte ich ihn und ging wieder in die Futterkammer, wo wir das Futter für den jungen Hengst vorbereiteten, dem Riley es dann auch gleich brachte.
      Nun gingen wir rein und setzten uns an den Küchentisch, wo meine anderen Mitarbeiter schon etwas gekocht hatten. Zusammen aßen wir zu Abend, ehe wir ins Büro gingen und ein wenig Papierkram regelten. "Ab sofort bist du auf Zeit hier eingestellt, Riley. So wie du heute mit den Pferden umgegangen bist, kannst du auch gerne länger bleiben, da wir hier dringend neue Unterstützung gebrauchen könnten!", erklärte ich ihm doch er nickte dankend ab. "Ich bleibe erstmal diesen Monat, dann können wir ja weiter sehen", erklärte er lächelnd, drückte mir die Hand und verließ mein Büro.
      Nach einem Blick auf den Kalender stockte mir fast der Atem. Morgen würden Catalina und Clarence kommen!
      Schnell schlich ich mich also ins Bett, um morgen ausgeruht früh aufzustehen.

      Besuch bei den Kleinen
      Oktober 2015, by Veija
      Als ich mein Tagebuch zuschlug musste ich schon lachen. "Die Kleinen", hatte ich eben noch hineingeschrieben, dabei waren sie ja gar nicht mehr so klein. Ich legte das Buch weg und schaute aus dem Fenster, von dem ich die Kleinen natürlich nicht sehen konnte. Kurz seufzte ich, zog mich an und ging dann nach unten, um zum Offenstall zu gehen. Vorher schaute ich jedoch bei Zues vorbei. Endlich hatte ich verstanden, dass ich nicht alleine mit ihm klar kam, weshalb ich mir Hilfe gesucht hatte. Die ehemalige Besitzerin von Stormi hatte sich angeboten, mir ein wenig unter die Arme zu greifen. In den nächsten Tagen würde entweder sie, oder ihr Mitarbeiter Hansi vorbeikommen, um sich das Tier mal anzuschauen.
      Dann ging es zum Offenstall, wo ich mir zunächst die Hengste anschaute. Wildfire xx kam brav auf mich zugetrottet und holte seine Streicheleinheiten ab. "Braver Junge, was?", sagte ich und kraulte seinen Schopf, ehe ich ihn zur Seite schob und ein paar Mal laut pfiff. Wildfire legte zwar kurz die Ohren an, drehte sich aber dann irgendwann weg und fing an zu fressen. Dann kamen auch schon Lil Nucu Omira und Gunna Whiz angetrabt, die sich wohl ziemlich angefreundet hatten. Doch auch Bella's Dun Gotta Gun, Call of Pripyat, Dynur fra Frelsi, Bellamy' O, Days Gone By, Kunis und Funky's Wild Berry waren nicht weit und nach und nach, kamen alle angetrottet. Ich kontrollierte alle Pferde auf äußere Verletzungen, äpfelte den kleinen Paddock und den Offenstall ab, füllte das Heunetz nach und ging dann zu den Stuten rüber.
      Sofort angetrottet kamen Snapper Little Lena und Miss Holly Golightly. Die beiden waren sehr, sehr groß geworden in letzter Zeit und kamen auch bald in den Trainingsstall. Nur Lenas Blindheit machte mir zu schaffen, doch damit würden wir auch klar kommen. Nun piff ich, wie bei den Hengsten zuvor, ein paar Mal, ehe schon die ersten Pferde zu mir kamen. Striga und Natsu's Little Harley waren ganz vorne dabei, Raised from Hell und Ocarina of Time hoben erst gar nicht die Köpfe. Plötzlich stupste mich jemand von hinten an, ehe ich Aquila T Mistery's Schopf streichelte und mich weiter umsah. Magnificient Crow und Crescent Moon standen auch weiter hinten auf der Koppel, kamen jedoch ebenfalls angetrabt, als ich noch einmal pfiff. Ich kontrollierte alle Pferde auf äußere Verletzungen, äpfelte Paddock und Stall ab, ehe ich die Heunetze befüllte. Dann ging ich auch schon wieder ins Haus, um mich dem Papierkram zu widmen.

      the prisoners
      Oktober 2015, by Veija
      Es war Anfang Oktober, 5 Uhr morgens. Das Wetter war bescheiden- eher schlecht als recht, denn es regnete. Ab und zu donnerte es auch, aber es war ja auch Gewitter gemeldet- schon wieder. Heute würden wir die Sonne wohl nicht zu Gesicht bekommen, doch das brauchten wir auch nicht, denn wir würden heute mit der gesamten Mannschaft ins Gefängnis fahren. Warum? Tja, das wussten die anderen auch noch nicht. Zu erst mussten wir jedoch die Pferde füttern, weshalb wir alle ja auch schon um 5 Uhr aufstehen mussten. Alexis übernahm den Verkaufsstall, Caleb kümmerte sich um die Zuchtstallung, Aliena übernahm die Vollblüter und Aaron später die Jungpferde. Zu guter Letzt übernahm ich die Trainingspferde.
      Als wir damit fertig waren, sprangen wir alle schnell unter dich Dusche, packten etwas zu essen ein und machten uns mit dem 7-Sitzer und dem Pick Up auf den Weg zum Gefängnis, wo wir eine Aktion unterstützen wollten, die jugendlichen Kriminellen half, wieder festen Boden unter den Füßen zu bekommen. Es dauerte gute 2 Stunden, ehe wir am Gefängnis ankamen, die Autos am Parkplatz parkten und erstmal alle Sachen im Auto ließen, die wir wahrscheinlich nicht durch die Sicherheitskontrolle bekommen hätten. So blieben alle Handys im Auto und auch Caleb ließ, wenn auch wiederwillig, sein Messer im Wagen. So gingen wir also "unbewaffnet" zum Eingang und wurden sofort in eine große Mensa geführt, wo die Gefangenen schon auf uns und andere Rancharbeiter warteten. Ich hatte eine Präsentation vorbereitet, so wie die anderen auch, die wir den Gefangenen zeigen würden, damit sie eine Ahnung davon hatten, was sie auf den Höfen erwartete. Beim Rundumblick fielen mir sofort 4 Personen ins Auge, drei Jungs und ein Mädchen, die zusammen an einem Tisch saßen, wovon zwei Jungs den dritten argwöhnisch ansahen. Dieser grinste sie jedoch nur süffisant an und das Mädchen legte ihm eine Hand auf den Arm, sagte ihm etwas und schon wandte er den Blick wieder nach vorne, während die anderen beiden Jungs ihn noch seltsam anschauten. "Schaut euch die vier da hinten mal an", sagte ich zu meinen Mitarbeitern und sie nickten. Caleb setzte ebenfalls sein süffisantes Grinsen auf und schaute damit das Mädchen der vier an. Von dem Jungen rechts von ihr, der ihr sehr ähnlich sah, bekam er einen ziemlich eindeutigen Blick ab, so dass Caleb den Blick abwendete. Nun erhob der Chef des Gefängnisses das Wort.
      "Da nun alle eingeladenen Personen angekommen sind, herzlich willkommen Ihnen allen. Sie wissen hoffentlich alle warum Sie hier sind", begann er seine Rede und uns wurde etwas zu trinken gebracht. "Von einem Gefängnis in Colorado wissen wir, dass die Arbeit mit Pferden Jugendliche stark verändern kann. Sie alle", sagte er und zeigte zu erst auf die Gefangenen, dann auf uns: "haben ein besseres Leben bei diesen Leuten verdient. Sie werden die Chance haben, auf einer Ranch zu leben und zu arbeiten, wieder zur Schule zu gehen und sich ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen. Die Arbeit auf der Ranch wird so lange dauern, wie sie Ihre Gefängnisstrafe hier eigentlich absitzen müssten. Wenn sie dann Fuß gefasst haben, können sie selbst entscheiden, ob sie weiterhin auf der Ranch bleiben wollen, oder ob Sie einen anderen Weg einschlagen möchten. Ich wiederhole es nur gerne noch einmal, es ist eine riesen Chance für Sie, etwas aus ihrem Leben zu machen. Ruinieren Sie sich das nicht. Over and out.", sagte der stämmige Mann zum Schluss noch und gab das Wort an die erste Ranch. Insgesammt standen 7 Ranches zur Auswahl, wovon wir die letzte waren, die sich vorstellte. Ich schmiss meinen Stick in den Laptop, startete die Präsentation und wandte mich den Jugendlichen zu.
      "Hallo und herzlich willkommen auch noch einmal von mir und meinen Mitarbeitern. Ich bin Verena O'Connor, das ist meine Cousine Alexis O'Connor, das Aaron Felhorn, Caleb O'Dell, Aliena O'Dell und unser neusterZugang Riley Fortin. Wir kommen von der Gips Reminder Ranch in Kanada und möchten Sie heute aufmerksam auf unseren Hof machen.", sagte ich und atmete einmal tief durch. Es waren doch viele Augen die mich anstarrten und wissbegierig zwischen der Leinwand und meinen Mitarbeitern hin und her sahen. Nun ergriff Caleb das Wort, der nicht so nervös war und mir einfach nur unter die Arme greifen wollte, obwohl er keine Ahnung von der Präsentation hatte. "An erster Stelle steht das Wohl der Pferde auf unserer Ranch. Ich sag es Ihnen sofort klipp und klar wie es ist. Sehen wir einen von euch, der die Pferde misshandelt, seinen es unverdiente Schläge, Tritte oder Sonstiges, sei es mutwillig falsch gemischtes Futter...", sagte er und merkte, wie das Mädchen, welches sich als Octavia herausstellte große Augen machte. "Ja Octavia, man kann ein Pferd umbringen, wenn man sein Futter falsch mischt. Das ist so. Also wo war ich.. ach ja.. wenn ihr den Pferden Leid antut, geht es für euch zurück ins Gefängnis. Es kommt jedoch auf die Schwere des Vergehens an, wir werden da jedoch nicht zimperlich sein. Wenn ihr jedoch meint, euch gegenseitig an die Gurgel zu gehen, dann schön. Wir schicken euch nicht zurück, aber ihr müsst mir Konsequenzen rechnen..", erklärte er und ich räusperte mich, damit ich wieder die schönen Seiten des Ranchlebens erläutern konnte. "Zur Zeit besitzen wir um die 60-70 Pferde. Es kommen und gehen immer andere Pferde, so dass ihr nie mit den Selben arbeiten werdet. Wenn ihr also mit uns auf den Hof kommt, sollte euch bewusst sein, dass wir euch zunächst einen Monat beobachten, wie ihr füttert, mistet, Pferde auf die Koppel bringt, im Haushalt helft und und und.. Bemerken wir besonderes Interesse an den Pferden, bringen wir euch das Reiten bei und ihr dürft uns auf Turniere und Ausritte begleiten.", erklärte ich und setzte dann zu meiner ersten Frage an. "Wer von euch ist denn schon einmal geritten?", fragte ich die jungen Menschen und sah zu meiner Erleichterung, dass Octavia aufzeigte. Ich schenkte ihr ein kurzer Lächeln und sah dann in die Runde. Es sah relativ karg aus. "Wer von euch möchte denn reiten lernen?", zaghafte Hände hier und da, Octavias Hand ganz weit nach oben gestreckt. Die anderen 3 an ihrem Tisch hoben ebenfalls kurz die Hände. "Gut", sagte ich. "Sehr gut. Wisst ihr warum ihr auf der Gips Reminder Ranch besonders gut aufgehoben seit? Wir haben viele Pferde der Westernsparte, Quarter und Paint Horses. Wir haben jedoch auch zwei Missouri Foxtrotter, die es nicht so oft gibts. Zudem haben wir eine ganze handvoll Englische Vollblüter, wir haben Dressur, Spring, Distanz und Military Pferde. Eininge sind auch im Fahrsport tätig. Isländer und Ponies gibt es auch!", erklärte ich ihnen freundlich und sah, wie Octavia sich zu dem Mann an ihrer rechten wandte und ihm freudenstrahlend etwas erzählte. Er strich ihr sanft über den Arm und bewegte sie dazu, wieder nach vorne zu schauen. "Ihr werdet also eine riesige Auswahl an Pferden haben, mit denen ihr täglich arbeiten könnt. An Wochenenden gilt es auch früh aufstehen, auch wenn ihr abends mal raus feiern wart.. ja, das dürft ihr bei uns auch. Jedoch kommt immer einer oder ein paar von uns mit. Wir sind schließlich auch noch jung und möchten das Leben genießen.", sagte ich und lachte kurz, als Caleb mir einen vorwurfsvollen Seitenblick zuwarf. "Ich denke das war alles, wenn ihr noch fragen habt kommt gerne hier zu uns rüber. Danke für eure Aufmerksamkeit!", beendete ich meine Rede und setzte mich unter Applaus wieder an unseren Tisch. Wir redeten eine ganze Weile mit den jungen Leuten, erklärten ihnen noch mehr über den Hof und verließen dann mit den anderen Arbeitern den Raum. Wir bekamen Mappen vorgelegt und sollten uns die Jugendlichen näher anschauen. Es dauerte eine ganze Weile, ehe wir alle Mappen durch hatten und uns wirklich für die 4 entschieden, die ich mir am Anfang schon ausgesucht hatte. Zu meiner Freude hatte jeder der 35 Jugendlichen einen Platz auf einer Ranch gefunden... Voraussetzung war, dass sie dort hin wollten. Auf einer Liste die uns vorgelegt wurde, standen die Namen derer drauf, die auf unsere Ranch wollten. Es waren 7 Leute, von denen wir vier sicher mitnehmen würden, die anderen 3 waren unsicher, weshalb wir zunächst die sicheren Kandidaten verkündeten. "Bellamy Blake, Octavia Blake, Finn Collins und Jonathan Murphy, wenn ihr möchtet, könnt ihr mit zu uns", sagte ich ihnen und die vier nickten. Sie durften aufstehen und ihre Sachen zusammenpacken. Nun standen noch 3 Leute auf unserer Liste.
      Emily, Grace und Ethan. Ich schaute meine Mitarbeiter kurz an. Wir hatten im Auto keine Plätze mehr frei, da im Pick Up nur 3 Sitze waren. Sie schüttelten bedrückt den Kopf. "Leider können wir im Moment nur 4 neue Arbeiter aufnehmen, doch ich weiß welche Ranches euch gerne hätten, da werdet ihr es auch sehr gut haben!", erklärte ich Emily, Grace und Ethan. Ich schüttelte ihnen die Hand und wir 6 machten uns dann zu unseren vier auf. Sie stellten sich uns nochmal einzeln vor und Jonathan wollte einfach nur John oder Murphy genannt werden.
      "Finn und Murphy zu mir, Bellamy und Octavia zu Caleb", sagte ich freundlich und hielt Finn und Murphy die Tür auf, so dass sie in den 7-Sitzer steigen konnten. Bellamy und Octavia gingen zusammen mit Caleb in den Pick Up. Die restlichen Mitarbeiter kamen mit zu mir, so dass es auch gleich losgehen konnte. Die Fahrt dauerte nicht allzulange, so dass wir recht schnell am Hof ankamen und Octavia ohne zu warten aus dem Auto raussprang, um sich umzusehen. Ich wollte ihr noch nachrufen, da nickte mir ihr Bruder, wie ich erfahren hatte, zu und sprang ihr hinterher, um sie am Arm fest zu halten. "O, warte doch", sagte er leise und schaute etwas eingeschüchtert zu mir rüber. Finn und Murphy waren auch schon ausgestiegen und schauten sich mit großen Augen um. "Willkommen in eurem neuen Zuhause!", sagte ich freundlich und blickte in 4 endlos zufriedene Gesichter. "Ich habe euch 2 Zimmer fertig gemacht, eins mit 3 Betten, eins mit 2. Wenn es für dich, Octavia jedoch oke ist, können du und dein Bruder zusammen in einem Zimmer schlafen, anstatt du alleine und die drei Jungs zusammen?", fragte ich sie und sah, wie sie fragend zu ihrem Bruder sah. "Okay, dann das Einzelzimmer. Die Zimmer liegen ja nebeneinander", sagte ich und zeigte auf ihr Gepäck. "Holt euer Zeug, ich zeig euch die Zimmer. Und ihr anderen, ab an die Arbeit!", frügte ich mit Nachdruck an, weil ich sah, wie Caleb mich wieder angaffte. "Caleb, now", sagte ich lachend und gab ihm einen Klaps gegen den Arm. Entschied mich dann jedoch, Caleb mitzunehmen. Ich traute John und Bellamy noch nicht so wirklich über den Weg, vor allem da sie sich die ganze Zeit herablassend anschauten. "Das klappt ja mit euch 3 auf einem Zimmer, oder?", fragte ich skeptisch und schaute zwsichen den 3 Jungs hin und her. "Ja..", sagte Bellamy dann und setzte ein Lächeln auf, ehe er seiner Schwester einen Arm um die Schultern legte und sie zu sich heran zog. Er flüsterte ihr etwas ins Ohr, ehe sie zu strahlen anfing und sich umschaute. "Ich glaube, ich habe genau das richtige Pferd für dich, Octavia", sagte ich und zauberte ihr ein noch größeres Lächeln ins Gesicht. Unterwegs kam uns Amy Lee entgegen, die auch erst seit kurzem hier war. "Amy hat zur Zeit ein Einzelzimmer, aber falls du dich mit ihr verstehst, Ocativa, könnte ihr gerne zusammen in eins", erklärte ich lächelnd, nachdem ich Amy vorgestellt hatte. Dann waren wir an den Zimmern angekommen und ich ließ die 4 in Ruhe auspacken. In der Zwischenzeit ging ich runter in die Küche und bereitete einen kleinen Snack vor, da die vier bestimmt Hunger hatten. Zwischendruch kam Amy in die Küche, um zu fragen, was sie arbeiten solle. In der letzten Zeit ging leider alles etwas drunter und drüber, weshalb die Arbeitspläne natürlich auch hinterher hingen. "Geh die anderen fragen welche Pferde noch übrig sind, die kannst du dann arbeiten", sagte ich lachend. "Spätestens in zwei Tagen sind die neuen Pläne fertig, dann hast du fest zugeteilte Pferde", erklärte ich ihr und fing Octavia ab, die schon fertig mit auspacken war. Sie setzte sich an den Tisch und aß meine Snacks mit Freude, während sie etwas über ihr bisheriges Leben erzählte. Auch Bellamy, Finn und Murphy kamen nach einer Weile in die Küche, um sich zu uns zu gesellen.
      Dann gingen wir zum Offenstall, wo die Jungpferde der Gips Reminder Ranch standen. Nach und nach stellte ich ihnen die Pferde vor. Snapper Little Lena, Miss Holly Golightly, Striga, Natu's Little Harley, Raised from Hell, Ocarina of Time, VK Aquila T Mistery, Magnificient Crow, Crescent Wolf, Blossom Magic, Invest in Enterprise, VK Funky's Wild Berry, Day Gone By, das namenlose Fohlen, welches wir Bellamy 'O tauften, Dynur fra Frelsi, Call of Pripyat, VK Bella's Dun Gotta Gun, Kunis, VK Gunna Whiz, Lil Nucu Omira, Wildfire xx und Zues. Octavia war sofort von den Fohlen begeistert, während Murphy sich besonders für Zues interessierte. Na das konnte ja was werden, dachte ich mir lachend und ging dann mit den vier in den Stall. Zu erst waren die Zuchpferde dran: Amarula van Helsing, Bella Dun Del Cielo, Cherokee Rose, Funky Powerbabe, Goodbye Graceful, Hollywood's Silver Dream, Souls Sisters Brother of Time, Sacramento xx, Spooks Gotta Gun, Stormbringer, Supernova, Wimpys Little Devil und Yoomee. Anscheinend war kein Pferd dabei, was den vier gefiel. Aber das lag wahrscheinlich auch daran, dass sie sowieso nicht mit ihnen arbeiten durften. Dann ging es weiter zu den Vollblütern: Drag me to Hell, I've got the moves like Jagger, Faster, Augen auf! Ich komme, Zuckerschock, Wild Reflex, Nyanda, Scoubidou, Seattle Slew, Priamos Ruffia Kincsem, My lovely Horror Kid, Deadly Ambition, HGT's Massacre Boy, Chocolate Dream und Versatilely Gold. Hier war Octavia nun Feuer und Flamme. Sie wusste gar nicht, welches Pferd sie als nächstes Steicheln sollte. Kurz lachte ich. "Leider dauert es noch eine ganze Weile, bis du eines von diesen reiten darfst, Octavia.", entmutigte ich sie und sah ihr an, wie enttäuscht sie war. "Naja, vllt darfst du dich bald mal auf Chocolate Dream setzen", sagte ich lächelnd und zeigte ihr den Hengst, der ihr brummelnd die Nase entgegenstreckte. "Der ist wunderschön", sagte sie leise und streichelte über seine Nase. "Ja, das ist er."
      Flink klapperten wir nun die Pferde im Trainingsstall ab: Siku, Firewalker, Solitary, Skrúður, Eldrian Antrax, Cauldron of Renascence, Ravi, Blazing Flame, Snuff, Ahyoka, Horror Halloween, Nojrsodsch, Maracuja Limes, Bijou, Náttdís van Ghosts, Genuine Lil Cut, What Lies Ahead, Gun and Slide, Lovely Summertime, Sympathy for the Devil, Comeback of a fallen Goddess, My sweet little Secret, Marly's Pluie, Crusing's Dawn of Hope, Annie get your gun, My Blue Gun, Your possible Pasts, Hot Smoking Chex, Sheza bat cat, HGT's Enjoy Nature, Woodstock Lady, Ciel.os Double Dun It und Lucy never say goodbye.
      Spätestens jetzt war mindestens ein Pferd dabei, wofür sich die vier begeistern konnten. Außer natürlich Octavia, denn sie war für jedes Pferd zu begeistern. "Ich hoffe, euch hat der kleine Rundgang gefallen und ihr habt ein Pferd gefunden, das ihr später mal arbeiten möchtet.", erklärte ich ihnen fröhlich. "Doch bis da hin, ab an die Arbeit", fügte ich nun lachend bei und drückte jedem eine Mistgabel in die Hand, mit denen ich sie in die Boxen schickte, wo die Pferde schon auf der Koppel standen.

      Jear, neues Pferd!
      November 2015, by Canyon
      Mio » Nur ein paar Tage nachdem unsere neue Box fertig gestellt wurde, zog auf Saint Gorge das sechste Pferd ein. Ich war von Anfang an in sie verliebt gewesen und nun, da der Platz bei uns da war, hatte ich mich dafür entschieden, die Rappscheck Stute zu kaufen. Sie hatte mich nicht nur vom Aussehen überzeugt, sondern auch vom Charakter und ich war überglücklich, dass sie tatsächlich nun zu uns gehörte. Ocarina kam aus Kanada zu uns geflogen und so hoffte ich, dass sie den weiten Weg übers Meer heil überstanden hatte. Shadow, Nico, Charly und ich trafen uns deswegen kurz nach halb acht bei uns auf dem Hof uns stiegen dann alle in die neue Karre von Nico, welcher auch einen Anhänger für uns besorgt hatte. Für einen eigenen reichte das Geld leider noch nicht. Der Flughafen, an welchem die Stute ankommen sollte, lag in Montpellier und so mussten wir schon einige Zeit fahren, bis die riesige Anlage in Sicht kam. Dort meldeten wir uns an, ich gab meine Papiere her und eine Stunde später durfte ich meine neue Stute das erste Mal sehen. Sie war noch etwas schläfrig und schien noch nicht ganz so auf Damm, so konnten wir sie ohne größere Probleme in unseren Anhänger verladen. Ich unterschrieb noch schnell ein paar Papiere und schon saßen wir wieder im Auto in Richtung Saint Gorge. Nach einigen Minuten wurde es im Anhänger unruhiger. Ocarina musste aufgewacht sein. Deswegen hielten wir auf der halben Strecke an, um Ocarina eine kleine Ruhepause zu gönnen.
      „Hallo Ocarina!“, flüsterte ich, als Nico vorsichtig die kleine Tür öffnete. Neugierig streckte die Stute ihren Kopf in unsere Richtung, sodass ich sie an den Nüstern streicheln konnte. Als jedoch ein Auto neben uns in die Parklücke des Parkplatzes fuhr, erschrak sie und riss ihren Kopf zurück. Die restliche Fahrt verlief ohne größere Probleme. Kurz nach Mittag waren wir wieder auf dem kleinen Hof und luden die schöne Stute aus. Sie war noch nicht eingeritten, gerade mal drei Jahre alt und sollte nicht ganz so einfach zu händeln sein, wie unsere anderen fünf Pferde. Ocarina bekam die neue Box, gleich neben Changa. Wir drückten alle die Daumen, dass sie sich vertragen würden und wir Ocarina ohne größere Probleme zu Changa, Jeanie und Exel gesellen konnten. Während der Fahrt war sie nun komplett munter geworden und stolperte wild aus dem Anhänger heraus. Mit meiner Stimme versuchte ich die schöne Stute etwas zu beruhigen, doch sie war so aufgeregt, dass ich damit nicht weit kam. Ihre Ohren wirbelten von der einen Richtung zur anderen und ihr war erhoben und blickte über alle hinweg. Sie tänzelte unruhig auf der Stelle und ich beeilte mich, dass sie in ihre Box kam. Dort würde sie sich hoffentlich etwas beruhigen. Shadow öffnete vorsichtig das Tor zum Stall und ich führte Ocarina hinein. Als ich Ocarina vorsichtig das Halfter abnahm und die Boxentür schloss, stieß sie ein lautes Wiehern aus und schnaubte aufgeregt. Die Möhren, das Kraftfutter und das Heu beachtete sie gar nicht, sondern drehte eine kleine Runde in der Box. Ich blieb noch, mit etwas Abstand zur Box, bei ihr stehen und beobachtete die Schöne.
      „Ocarina Of Time.“ murmelte ich. Ich war wirklich glücklich, sie gekauft zu haben. Irgendwann würde sie fressen, darüber machte ich mir jetzt noch keine Gedanken.
      Ich schloss vorsichtig das große Stalltor und gesellte mich zu den drei anderen, welche es sich auf unseren Gartenstühlen bequem gemacht hatten. Ein paar Minuten saßen wir schweigend da und lauschten den Geräuschen der Natur. Irgendwann brach ich die Stille mit einer Frage.
      „Hat jemand Lust auf einen Ausritt?“ Verdutzt blickten mich drei Gesichter an.
      „Doch nicht etwa jetzt, oder?“, fragte Shadow erstaunt.
      Ich zuckte die Schultern. „Doch, klar, warum nicht?“
      Charly erhob sich langsam aus ihrem Chefsessel und sagt: „Ich habe Bock. Coco gehört mir!“
      Dann ging sie in Richtung Hengstkoppel. Nun stand auch ich auf. „Jeanie ist meine!“, sagte ich bestimmend und ging in die andere Richtung zur zweiten Koppel. Die beiden Jungs blieben noch einen Moment sitzen, bevor auch sie sich seufzend aus ihren Stühlen erhoben und mir folgten. Wir banden die fünf Pferde diesmal nicht an der Stallwand fest, sondern nutzten die Latten unserer Terrasse dafür. Ich putzte eifrig meine Jeanie, während Charly Coco und Happy entstaubte, denn unser kleines Shetty sollte als Handpferd mitgenommen werden, Shadow putzte den, wie immer sauberen, Exel und für Nico blieb dann nur noch Changa übrig.
      Nach etwa einer halben Stunde waren alle Abflugbereit und wir saßen auf. Über die Richtung wurden wir uns schnell einig. Alle waren davon überzeugt, dass der Weg nach Saint-Pierre und, wenn wir es schaffen sollten, ein kleiner Abstecher zum Strand, die Beste Entscheidung war. Da Coco und Happy beide lieber vorneweg gingen, ritten Charly und Nico ein Stückchen vor uns. Ich hielt mit meiner Jeanie und Shadow mit Exel etwas Abstand. Der Weg führte uns die Serpentinen herab in Richtung Saint-Pierre. Da Charly und Nico in ein Gespräch vertieft waren, fing auch ich ein Gespräch mit Shadow an. Ich kannte ihn erst seit kurzem und trotzdem waren wir schon richtig gute Freunde geworden. Besonders erstaunt hatte mich, dass er reiten konnte. Zwar war er jetzt nicht der geborene Turnierreiter, aber er kannte sich mit Pferden aus und schaffte es, in allen drei Grundgangarten im Sattel zu bleiben. Wir unterhielten uns zu erst über Ocarina, wanderten dann zu Excelsior, den Shadow hatte den kleinen Wallach, genauso wie ich, sofort in sein Herz eingeschlossen und hatte, seitdem er auf unserem Hof ein und auskehrte, immer wieder etwas mit meinem Wallach unternommen.
      „Du hast doch eine Schwester, oder?“, fragte ich ihn zwischendurch.
      Er nickte mit dem Kopf. „Ja, Candida.“
      „Reitet sie auch?“ Er kniff ein Auge zusammen und überlegte. Dann sagte er nachdenklich: „Reiten kann sie nicht wirklich. Meinem Vater hat schon immer das Geld dafür gefehlt. Sie wollte es schon immer erlernen, aber hier in der Nähe gibt es nicht viele Reiterhöfe und der in Fleury ist jetzt nicht so Hammer.“
      Ein kleines Grinsen breitete sich auf meinem Gesicht aus und als mich Shadow anschaute, verstand er sofort was ich meinte. „Wie wäre es damit, wenn ich deiner Schwester Unterricht gebe und sie dafür mit die Stallarbeit macht? Sobald sie die Grundkenntnisse erlernt hat, kann sie sich ja auch selbstständig mit unseren Pferden beschäftigen.“
      Shadow lachte. „Du kennst meine Schwester nicht, die kann wirklich anstrengend sein. Aber ich kann sie natürlich mal fragen.“
      Kurz vor Saint-Pierre nahmen wir einen kleineren Weg, welcher uns um das kleine Städtchen herumführte, behielten die Richtung zum Meer aber ein. Auf einem kleinen Feldweg trabten wir an, bis wir vor uns eine größere Straße erkennen konnten. Auf der anderen Seite konnte ich den Zeltplatz von Saint-Pierre erkennen. Im Schritt ritten um diesen herum und standen dann vor einer großen großen Ebene, mit trockenen Pflanzen und viel Sand. In kleiner Entfernung konnten wir die Dünen erkennen, dahinter lag das Meer. Wir ritten im Trab einen trockenen Sandweg entlang. Links lag Saint-Pierre und rechts die Dünen und das Meer. Es war wunderschön, besser hätte es nicht sein können. Jeanie machte immer wieder kleine Freudensprünge und trat fast Exel, welchem die schöne Landschaft nicht zu interessieren schien. Gleichmäßig trabte er über den weichen Boden und ließ seinen Kopf leicht gesenkt. Besonders stolz war ich auf Happy, denn der kleine Kerl hielt tapfer durch und galoppierte neben dem trabenden Coco her. Charly hatte ihn an einem langen Strick, so dass er noch genügend Freiraum hatte. Nico saß auf Changa auch recht entspannt. Die beiden schienen gut miteinander auszukommen.
      Irgendwann verließen wir den Sandweg wieder und bogen in Richtung Saint-Pierre ab. In gemütlichen Schritt arbeiteten wir uns die Serpentinen wieder hinauf um wenige Kilometer später wieder unseren kleinen Hof vor uns zu sehen. Wir spritzten unsere Pferde alle gründlich ab und schickten die fünf dann wieder hinaus auf ihre Koppeln. Die letzten Minuten bevor die Sonne unterging, sollten sie nochmal zusammen verbringen dürfen. Ocarina hatte tatsächlich angefangen zu fressen. Das Kraftfutter und die Möhren waren spurlos verschwunden, während der Heusack noch vollgefüllt da hing. Ocarina knabberte nervös am Holz der Box und ich wusste, dass ich sie nicht lange drinnen lassen konnte. Sie musste so schnell wie möglich nach draußen, um sich hier drinnen nicht zu Tode zu langweilen. Den Abend verbrachten wir zu viert gemütlich vor dem Fernseher und aßen Poppcorn. Asuka hatte sich zwischen Charly und Nico auf der Couch breit gemacht und ich vermisste die zickige Capucine, welche mit ihren Jungen immer noch im Stall wohnte. Nico und Shadow verbrachten die Nacht bei uns und ich musste zugeben, dass es ein gutes Gefühl war, nicht mehr ganz so alleine hier draußen zu leben. Die Nacht schlief ich gut und mit einem kleinen Lächeln auf dem Gesicht ein. Wer weiß, was sich in nächster Zeit noch so entwickeln würde!

      Oh Zeus!
      November 2015, by Canyon
      Mio » Stumm saß ich auf der Couch. Eine einzelne Träne zog eine lange Spur an meiner Wange und tropfte dann auf mein Handy in meiner Hand. Nein, nein das konnte doch jetzt nicht wirklich sein! Alles war so perfekt gewesen, ich hatte ein neues zu Hause gehabt, hatte meinen Traum von eigenen Pferden erfüllt und nun sollte ich das alles aufgeben? Als Charly zur Wohnzimmertür herein kam und mich heulend auf dem Sofa sitzen sah, blieb sie kurz erstaunt stehen, machte große Augen, kam dann aber ohne etwas zu sagen zu mir. Freundschaftlich nahm sie mich ganz fest in den Arm und streichelte meinen Rücken. Jetzt musste ich schluchzen und ich konnte gar nicht mehr aufhören. Ich versank in einer Art tiefer Trauer. Sank weich und weicher, bis der Strom der Endlosigkeit abrupt abbrach und ich am Boden der Tatsachen landete. Der Hof würde nicht mehr lange mein zu Hause sein. Unser zu Hause sein. Meins, das von Charly, von Asuka, von Capucine und ihren Jungen und natürlich das von unseren Pferden. Von Excelsior, Jeanie, Changa, Happy, Coco und seit neuestem Charelle. So schnell würde es nun vorbei sein. Ein Schüttelanfall gefolgt von einer großen Ladung Tränen erfolgte. Meine Hände krallten sich in Charlys Jacke und mein Gesicht drückte ich fest an meine eigenen Arme.
      „Hey, Füchschen ...“, drang Charlys verzweifelte Stimme an mein Ohr. „Was los?“
      Ich antwortete ihr nicht. Ich konnte ihr nicht antworten. Vielleicht konnte ich ihr nie wieder antworten. Meine Stimme, wer weiß, ob sie je wieder funktionieren würde. Irgendwann, vielleicht waren es nur einige Sekunden, oder doch Minuten, vielleicht waren es auch Stunden, fand ich die Kraft um ihr zu antworten. „Wir müssen hier wegziehen!“, schrie ich fast, denn die Kontrolle über die Stimme hatte ich noch nicht wieder. „Saint Gorge wird nicht länger unser zu Hause sein!“ Und ein Schluchzer ließ mich abbrechen.
      Erstaunt drehte Charly den Kopf zu mir. „Wieso? Was ist passiert? Sag schon!“
      Langsam richtete ich mich auf, wischte das Salz mit einem Ärmel aus meinem Gesicht und zog die Nase hoch. Als ich zu erzählen begann, unterbrach mich immer wieder einer meiner Schluchzer. „Meine – Meine Tante … Sie hat angerufen. Hat sich getrennt, von ihrem neuen Mann. Will wieder hierher ziehen - auf ihren Hof.“ Nach jedem gesprochenen Wort verfestigte sich meine Stimme und ich fand den Faden, an dem ich ich entlang hangelte. „Sie kommt mit Kind und Kegel, Pferd und Hund. Es tut ihr Leid, aber wir müssen ausziehen. Ist natürlich ihr Recht, ist ja ihr Haus und wir durften hier wohnen. Hätte gleich damit rechnen müssen. Ehe hält nie lange! Das einzige was hält ist die Freundschaft zum Pferd. Jawohl.“ Trotzig zog ich den Mund nach oben, straffte meine Schultern und verdrängte jegliche Trauer aus meinem Blick. Die konnten mich alle mal!
      Charly reagierte gar nicht erst auf meinen Stimmungswechsel, sondern nahm mich einfach noch fester in den Arm. Ich wollte mich gerade aus ihrer Umklammerung befreien, denn ich war ja nicht traurig, dass wir wegziehen mussten, als - „Hey Leute! Ich habe interessante Neuigkeiten!“ Urplötzlich wurde die Tür zur Stube aufgestoßen und Shadow wehte herein. „Das Gestüt in-“, er verstummte. „Was ist denn hier los?“
      Charly warf ihm einen vernichtenden Blick zu, als er sich auf die andere Seite von mir fallen ließ und mich in den Arm nahm. Sein Anblick hatte mich wieder in die Wirklichkeit zurückgeführt, denn auch er war mittlerweile ein Teil unserer Familie und auch ihn müssten wir zurücklassen! Ich ließ mich in seine weiche Umarmung fallen, genoss die Stärke und die Wärme, die er ausstrahlte und ich merkte, wie ich ruhiger wurde. Meine Gedanken ordneten sich und ein kleiner Kraftstrom fand den Weg wieder zurück zu meinem Körper. Charly erhob sich. „Ich mach uns 'nen Tee“, murmelte sie und verschwand in Richtung Küche.
      „Was ist passiert Kleine?“, fragte mich mein großer Freund, doch ich schüttelte nur stumm den Kopf und verkroch mich wieder in der Jacke von Shadow.
      Als mir Charly 10 Minuten später eine Tasse dampfenden Tee hinhielt, richtete ich mich wieder auf und murmelte ein kleines Danke. Stumm nahm sie es zur Kenntnis und ließ sich in den Sessel mir gegenüber fallen. Sie saß jedoch noch keine zwei Minuten, als es an der Haustür klingelte und Charly, wie vom Floh gebissen, aufsprang und zur Tür rannte. Einige Sekunden später kam sie mit Nico wieder rein, welcher sich verwundert umschaute, denn unsere Runde strahlte nicht gerade positive Energie aus. Er lies sich auf einen Stuhl fallen und fiel genauso wie wir in Schweigen. Irgendwann fand ich die Kraft und erzählte es allen nochmal. Erzählte, dass ich wegziehen, für die Pferde ein neues zu Hause suchen musste und nicht wieder kommen würde. Ich erzählte es mit fester Stimme, verdrängte die Trauer und die Angst und versuchte mir einzureden, dass alles gut werden würde. Nachdem ich geendet hatte, schauten mich meine drei Freunde genauso traurig an, wie ich sie wohl anschaute. Sie sagten nichts, jeder hing seinen eigenen Gedanken nach, bis Shadow als erster das Wort ergriff. „Wir schaffen das schon. Ich helfe dir. Ich lasse dich nicht einfach so von dannen ziehen. Ich komme mit!“, sagte er bestimmend.
      Verwundert blickte ich auf. „Du würdest wirklich mitkommen? Aber dein Studium -“, fing ich an, doch Shadow winkte ab. „Manchmal gibt es wichtigeres als Studium.“ Ich war sprachlos. Er würde es wirklich tun! Er würde wirklich seine Heimat für mich verlassen!
      „Die Frage ist doch“, sagte Charly „Wohin wir wollen und wo wir das Geld hernehmen. Niemand von uns hat genügend, selbst wenn wir alle zusammen legen würden!“
      Ich merkte, wie Nico merklich rot wurde und beschämt den Kopf senkte und ich blickte ihn fragend an. Er ließ sich jedoch noch etwas Zeit mit seiner Erklärung und antwortete erst nach einer längeren Pause. „Ich glaube, ich habe euch noch nie von meinem Vater erzählt. Er ist ein Geschäftsmann, hat einige eigene Firmen und eine Menge Geld. Ich habe es zwar bis jetzt strikt vermieden, aber wenn ich ihn anschwatzen würde, würde er sicherlich etwas Geld für mich locker machen.“
      Charly, Shadow und ich starrten ihn perplex an. Mein Kiefer hing wahrscheinlich etwas weit unten.
      Nico zuckte mit den Schulter. „Irgendeinen Vorteil muss es ja haben, wenn der Vater stinkend reich ist, oder?“
      „Warum hast du mir das nie erzählt?“, fragte Charly leicht eingeschnappt.
      „Warum sollte ich? War ja bis jetzt noch nicht wichtig.“, entgegnete er ruhig. Darauf hatte Charly nichts mehr zu sagen.
      Auch Shadow trug jetzt noch etwas zum Gespräch bei. „Ich wollte es euch schon vorhin erzählen, jetzt hat das Ganze aber nochmal komplett eine andere Bedeutung bekommen.“
      Ungeduldig wie ich war, wollte ich es natürlich jetzt wissen. „Sag schon, was hast du für interessante Neuigkeiten?“
      „Na ja, das Gestüt in Fleury d'Aude wird für ein Apfel und ein Ei versteigert, da die Besitzer Pleite gegangen sind. Wir verlieren also unsere Arbeit. Die meisten Pferde sind schon verkauft.“

      Tja, was nun kam, wird wohl klar sein. Natürlich war der Schmerz immer noch riesengroß, dass ich mein neu gewonnenes zu Hause schon wieder verlieren würde, aber ein Hoffnungskeim, dass alles sogar noch besser werden könnte, war in mir gewachsen. Nicos Vater versprach einen Anteil zu bezahlen, welchen wir ihm aber auch in Raten zurück zahlen mussten, aber das würden wir schon irgendwie schaffen. Es hieß einfach: Arbeiten, arbeiten, arbeiten. Von nun an verbrachten wir unsere knappen Freiräume damit, zu planen. Zu planen, zu planen und zu planen. Ich konnte es kaum fassen. Ich und meine drei Freunde wollten zu viert ein eigenes Gestüt führen! Wir besorgten uns den Hofplan, rechneten aus, recherchierten und verwarfen wieder. Es war eine Menge Arbeit, aber ich fand Freude daran. Das Geld, was uns Nicos Vater zur Verfügung stellen wollte, reichte für den Kauf und kleine Umbauarbeiten. Den Rest mussten wir uns selbst verdienen. Irgendwann stand ein Grundgerüst und eines abends, öffneten wir dann eine gute Flasche Wein, füllten unsere Gläser und stießen an. Es war fertig. Wir hatten es geschafft. Das Gestüt von Fleury d'Aude, nur wenige Kilometer von uns entfernt, würde bald unser neues Projekt werden! Wie schnell war meine Trauer um Saint Gorge verflogen, wie schnell hatte ich neuen Mut gefasst und hatte beschlossen, mal wieder neu anzufangen. Es war soweit, das Leben wirklich zu genießen! Am Tag der Versteigerung wachte ich schon früh auf. Eine Zeit lag ich noch im Bett, bevor ich mich anzog und mich in die kühle Morgenluft in Richtung Stall begab. Flink versorgte ich alle Pferde, welche sicherlich schon längst ahnten, dass etwas im Gange war und verschwand dann wieder im Bad. Nur wenige Minuten später tauchte auch Charly auf und zusammen bereiteten wir uns auf die Auktion vor. Die Auktion fand in einem kleinen Raum im Ratshaus von Fleury d'Aude statt. Charly, Nico, Shadow und ich waren die einzigen und auch als der Richter die Tür öffnete, war immer noch niemand aufgetaucht. Innerhalb weniger Minuten waren die Papiere unterschrieben, die Schlüssel ausgehändigt und die Hände geschüttelt. Das Gestüt von Fleury d'Aude gehörte nun vollkommen uns! Auf der Heimfahrt einigten wir uns schnell darauf, den Namen Saint Gorge beizubehalten. Das Gestüt von Fleury würde ab nun nicht mehr Gestüt von Fleury sondern Saint Gorge heißen. Saint Gorge, genauso wie unser altes zu Hause.

      Eine Woche darauf, waren die Taschen gepackt und Saint Gorge verschwand wieder in einer undurchdringlichen Unordentlichkeit, wie es vor den tagelangen Aufräum- und Putzarbeiten gewesen war. Der Schrank, welcher immer noch in dem kleinen Zimmer unaufgebaut gestanden hatte, wurde wieder zusammen gepackt und würde nun das zuhause wechseln. Vielleicht klappte es ja diesmal, mit dem Aufbauen. An einem Samstagmorgen rollte der Umzugswagen auf unseren Hof. Nico hatte, wie immer, billig irgendwo einen Fahrer angeheuert, welcher uns für wenig Geld den Umzug fuhr. Die ersten beiden Ladungen waren nur Kram von mir und Charly. Klamotten, Bücher, Haushaltsgegenstände. Die letzten beiden Ladungen waren für die Pferde. Sattelzeug, Zubehör, Decken, Heunetze und auch das Heu und Stroh, was noch uns gehörte. Erst bei der letzten Fuhr, stieg ich zu dem Fahrer in den LKW und fuhr nach Fleury. In den letzten Tagen war ich natürlich immer wieder hier gewesen, hatte das Gutshaus mit Charly geputzt und hatte gelernt, mich hier wohl zufühlen. Es war natürlich etwas ganz anderes, als unser gemütlicher kleiner Hof. Es war eben, ein großes Gestüt. Sättel, Trensen und alles was sonst noch so dazu gehörte, fand Platz in den beiden Sattelkammern. Heu und Stroh lagerten wir erstmal vor der Reithalle, denn einen Unterstand dafür gab es noch nicht. Da es hier aber verhältnismäßig sehr trocken war, würde es dort auch erstmal sicher stehen. Nachdem die Sachen von mir und Charly verstaut waren, machte sich der LKW Fahrer auf den Weg zu Shadows und Nicos zuhause. Beide würden mit in das Gutshaus einziehen und es war ein tolles Gefühl, mit so guten Freunden sich ein neues Heim zu teilen.
      Die Sachen von den beiden Jungs waren definitiv weniger als die von Charly und mir und so hatten wir nach zwei nicht vollen Ladungen auch ihre Sachen umgelagert. Als letztes zogen die Pferde ein. Nico hatte seinen Vater davon überzeugt, ihm einen Pferdeanhänger zu kaufen und nun konnten wir einen nagelneuen und hoch modernen Anhänger unser Eigen nennen. Zu erst holte ich meinen Exel aus seiner Box, in welcher er schon den ganzen Tag gestanden hatte, legte ihm Transportgamaschen um und eine leichte Abschwitzdecke auf. Der Weg war ja nicht lang, aber sicher war sicher. Mein Wallach lief ohne Probleme in den Hänger, fast so, als hätte er Freude daran und vielleicht freute er sich auch auf einen weiteren Umzug. Zu Excelsior stellte ich seine beste Freundin Jeanie. Auch sie bekam Gamaschen und eine Decke, machte jedoch weit mehr Theater, als es darum ging, in den Hänger zu gehen. Als dann endlich doch beide Pferde den Weg hinein gefunden hatten, klappte ich die Rampe hoch und stieg zu Nico in seinen Landrover. Ich würde es nicht verpassen wollen, wenn Exel und Jeanie das erste Mal ihr neues zu Hause sehen würden! Zehn Minuten später waren wir auch schon in Fleury und das Gespann fuhr die Einfahrt zwischen den Weiden hindurch auf den kleinen Vorplatz. Zusammen mit Nico holte ich erst Jeanie und dann Exel aus dem Hänger, nahm ihnen das Zeug ab und führte sie dann zum Hauptstall. Der Hauptstall bestand aus 15 großräumigen Boxen mit je einem Auslauf und das war eine erhebliche Verbesserung, zu unserem alten zu Hause.
      Auch die restlichen 5 Pferde waren innerhalb weniger Stunden umgezogen. Happy, wie auch Ocarina, brauchten etwas länger, um den Weg in den Hänger zu finden aber Schlussendlich schafften wir es, alle unversehrt umzusiedeln. Coco und Happy bezogen den kleineren Hengststall, während Exel, Jeanie, Changa, Oca und Charelle in den Hauptstall einquartiert wurden. Fast schien es so, als wüssten sie genau, dass dies jetzt ihre neue Heimat werden würde und so machten sie es sich schon bequem. Besonders die kleinen Paddocks waren das Highlight. Ocarina, welche noch nicht wirklich Anschluss an die kleine Herde gefunden hatte, stellten wir eine Box entfernt von Changa hin. So konnten sie sich riechen und vielleicht kennenlernen. Ich war mehr als glücklich, mehr als müde und mehr als zufrieden. Es war für mich, wie auch für alle anderen, ein schwerer Schritt gewesen, die alte Heimat aufzugeben und wo anders neu anzufangen. Aber wir hatten es gewagt und erfolgreich geschafft und die Trauer, welche in den ersten Tagen noch um uns herum gewebt war, war schnell verflogen gewesen. Ich hatte es akzeptiert, dass es nun anders gelaufen war als geplant und konnte mich glücklich schätzen, dass ich so gute Freunde hatte. Am Abend traf ich mich mit Charly, Nico und Shadow wieder auf unserem alten Hof. Das letzte was noch übrig geblieben war, waren die Katzen, also Capucine mit ihren Jungen, Asuka, die Autos und natürlich wir. Alles andere, was uns gehörte, war verschwunden und ruhte nun in Fleury. Den Abend verbrachten wir versammelt um ein kleines Lagerfeuer. Der Reitplatz, der Stall, der Schuppen und die Koppeln waren in der Dunkelheit verschwunden und es war nicht mehr sichtbar, dass sich vieles in den letzten zwei Monaten verändert hatte. Der Stall war aufgeräumt wurden, Müll entfernt, Boxen repariert und eine neue gebaut wurden, der Reitplatz war neu gestrichen und frisch Sand aufgefüllt wurden und das Wohnhaus wurde teilweise renoviert. Ich konnte es kaum fassen, dass nun alles von vorne beginnen sollte, aber es war nun mal so. Gemütlich saßen wir vier beisammen, sprachen über den Tag, fantasierten wie es weiter gehen sollte und lachten viel. Lachten, und freuten uns, dass wir uns alle kennengelernt hatten. Die Freundschaft zwischen uns allen war noch jung und frisch und natürlich würden auch schwierigere Tage auf uns zu kommen, aber darüber dachten wir heute noch nicht nach und fast fühlte ich mich so, als wäre gerade jetzt der Tag, an dem ich mit Charly und Exel nach Südfrankreich gezogen war. Es wurde immer später und später und immer noch saßen wir da, genossen es ein letztes Mal und schafften es erst knapp nach Mitternacht, die Katzen in den Kofferraum von Nico zu packen und uns auf den Weg zu machen. Das war der letzte Schritt gewesen, vor dem neuen Leben! Ich durfte mit der Schwalbe von Shadow mitfahren und es gab dem Ganzen nochmal einen kleinen Klick, als der Wind mir ins Gesicht pustete und ich im Stockfinstern durch die Nacht fuhr.

      Die Nacht schlief ich sehr unruhig. Ich hatte mir ein Zimmer im Obergeschoss ausgesucht und so schien der Mond hell durch die kleinen viereckigen Fenster zu mir herein. Bis jetzt stand hier nur ein Bett, ein kleiner Schrank, meine Gitarre und noch viele Kisten mit Büchern und Klamotten. Gestrichen war der weiße Raum noch nicht, das würden wir in den nächsten Tagen wohl nachholen müssen. Als sich die Nacht dann doch dem Ende neigte und pünktlich halb sieben mein Wecker klingelte, wollte ich am liebsten noch gar nicht aufstehen. Blöderweise hatte ich mich mit Charly, Nico und Shadow zum Frühstück verabredet und so musste ich wohl oder übel aufstehen. Als ich die Tür meines kleinen Zimmers öffnete, kam Shadow gerade aus dem Bad. Sein Zimmer lag, genauso wie das kleine Bad, in meiner Etage. Noch vollkommen müde nuschelte ich nur kurz ein kleines „Morgen!“ und verschwand dann im Bad. Wie immer brauchte ich mehr als lange und als ich viele Minuten zu spät die Küche betrat, war ich die letzte. Die gute Charly hatte wie immer den Frühstückstisch bereits gedeckt und saß nun mit Nico vor ihrem Laptop und zockte irgendwelche sinnlosen Spiele. Na das konnte ja spannend werden, wenn Nico auch so ein Fan von Fantasiewelten war. Ich ließ mich lustlos auf einen der Stühle fallen und stopfte mein Müsli in mich hinein.

      Nach dem Frühstück begaben wir uns hinaus. Auch hier im Süden Europas war es doch sichtlich erkaltet und so hatte ich mir meine warme Winterjacke übergezogen. Charly machte sich auf den Weg zum Hengststall, um Coco und Happy zu versorgen, während Shadow, Nico und ich in den Hauptstall gingen. Die Pferde würden erstmal noch drinnen bleiben und so mussten wir nicht mehr tun, als allen neues Heu zu geben und Futter zu mischen. Nach nicht mal einer viertel Stunde, stieß Charly zu uns und wir entschieden uns dafür, die Koppeln zu kontrollieren. Aus einer Hosentasche holte Shadow einen Plan der Koppel und wir versammelten uns um ihn. Zu erkennen waren acht unterschiedlich große Koppeln, von denen zwei einen Offenstall besaßen.
      „Wie sollen wir uns nur merken, welche Weide was ist!“, sagte ich leicht überfordert. „Wir müssten die vielleicht nummerieren oder so ...“, kam mir die Idee.
      „Mhm.“, sagte Shadow. „Die Idee ist gar nicht so schlecht, jedoch ist nummerieren echt öde. Klar, es ist einfach. Aber dann müssen wir ja immer sagen: Hengste stehen auf Weiden 4. Und das ist nicht gerade Einfallsreich.
      „Wir könnten ihnen ja Namen geben“, lachteCharly.
      „Namen finde ich gar nichts so schlecht“, stimme Nico ihr zu.
      „Das war eigentlich nur ein Scherz!“, feixte Charly.
      „Ich wäre ja für griechische Götter.“, gab ich meine Meinung kund. „So, Zeus und so, die ganze Bande halt.“
      Die Idee setzten wir tatsächlich um! Ich glaubte es kaum, aber knapp 10 Minuten später war auf dem Plan von Shadow mit Kuli Namen gekritzelt wurde und die unterschiedlichen Koppelabteile hießen jetztZeus, Poseidon, Hera Hephaistos, Athene, Aphrodite, Hermes und Artemis und selbst Charly fand das witzig.

      Den restlichen Tag verbrachten wir damit, die Koppel zu kontrollieren, die Offenställe auszumisten und gründlich zu reinigen und den Hof zu fegen. Noch am Abend stellten wir die erste Anzeige ins Internet, dass es Pensionsplätze und Reitunterricht bei uns gab. Unsere Hoffnung war ja, das Urlauber, welche vielleicht auf dem nahen Zeltplatz zelten wollten, ihr Pferd hier unterstellten, um am Strand ein paar tolle Ausritte zu genießen. Wir würden sehen, ob unser Plan aufging. Am nächsten Tag, standen wir wieder zusammen auf. Heute wollten wir die Pferde das erste Mal auf ihre Koppeln bringen. Den Plan, wer wohin kam, hatten wir zum Glück schon am letzten Abend ausgetüfftelt. Charly machte sich wieder auf zu den Hengsten, welche heute erstmal nur nach Zeus kommen sollten, eine kleine Weide gleich neben dem Hengststall. Ich machte mich auf den Weg zu Oca, denn sie machte mir etwas mehr Sorgen. Bis jetzt hatten wir sie immer in Riechweite zu der Herde gehabt, aber sobald sie zu Nahe kamen, legte Ocarina die Ohren an und schnappte nach allen möglichen Dingen. Ich wusste bis jetzt noch nicht, wie ich das kleine Problemchen lösen sollte, aber die Lösung würde mir vielleicht noch kommen. Recht entspannt stand sie in ihrer Box und spitzte aufmerksam die Ohren, als ich vor die Box trat. Sie hatte sich mittlerweile an mich gewöhnt und schreckte nicht mehr zurück, wenn ich sie berührte. Ich schnappte mir eine kleine Bürste, öffnete sachte die Boxentür und schob mich dann zu der jungen Stute hinein. Etwas angespannt beobachtete sie mich und als ich anfing sie zu bürsten, folgten mir ihre Ohren stetig. Langsam strich ich ihr über das gescheckte Fell, suchte die Stellen, welche sie besonders mochte und ließ die Stellen aus, die sie nicht leiden konnte. Als ich bei den Hinterbeinen angekommen war, ging ich langsam mit der Bürste an ihnen hinab und nahm dann vorsichtig ihren Huf.
      „Gib Huf!“, rief ich ihr leise zu und versuchte ihn dann anzuheben. Ocarina legte die Ohren an und schüttelte meine Hand ab. Das war wohl noch nichts. Ich bürstete sie wieder, kraulte sie und versuchte mein Glück dann nochmal. Diesmal ließ sie den Huf länger oben und nach einigen Sekunden setzte ich ihn selbst wieder ab. Ich lobte sie und drückte ihr dann noch einen Kuss auf die Stirn. Wir entwickelten uns! Ich schnappte mir Ocas Halfter, legte es ihr um und führte sie dann die Stallgasse entlang. Ocarina würde auf Hermes kommen. Eine kleine zentral gelegene Koppel mit Unterstand, wo sie sich vielleicht nicht allzu einsam fühlen würde. Ich wusste selbst, das schleunigst eine Lösung her musste! Als ich die Koppel verließ, brachten Nico und Shadow gerade Exel und Jeanie, und Changa und Charelle (welcher Shadow liebevoll den Spitznamen Nelly gegeben hatte) auf Aphrodite, einer mittelgroßen Koppel. Zufrieden betrachtete ich alle Pferde. Der Umzug war vollbracht und wer weiß, was jetzt noch kommen würde!
    • Veija
      Anonyme
      Januar 2016, by Canyon
      06:36 - Noch vollkommen verpennt und müde, betrat ich die gemeinsame Küche, in welcher schon Charly, Nico und Shadow saßen. Die Nacht hatte ich überhaupt nicht gut geschlafen und war bei jedem ungewohnten Geräusch aufgeschreckt. Ich murmelte ein leises „Morgen!“ in die stumme Runde und ließ mich dann auf meinen Stuhl fallen. Ja, mein Stuhl und niemand anderes durfte darauf ohne meiner Erlaubnis Platz nehmen. Charly trällerte ein „Guten Morgen!“ zurück und noch missgestimmter (Wie man nur so früh schon so munter sein konnte!) schaufelte ich mein Müsli in mich hinein. Während des Essens besprachen wir unseren Tagesplan. Da wir heute alle nicht arbeiten mussten, war dieser ganz schön voll.
      „Also“, fing Nico an „Ich finde, wir sollten endlich mal wieder einen gemeinsamen Ausritt machen. Wir hatten in letzter Zeit so viel zu tun, dass der Spaß an der ganzen Sache völlig im Hintergrund war, oder?“
      „Super Idee!“ stimme ihm Charly zu. „Allerdings würde ich das hinten dran hängen, denn es gibt noch ein paar wichtigere Dinge, oder was meinst du Mio?“ fragte mich Charly. Erschrocken hob ich den Blick von meiner Müslischale in die Runde.
      „Was? Ja, gute Idee. Ich würde heute nur gerne auch mit Ocarina ein bisschen in den Roundpen. Sie hat schon länger nicht mehr wirklich gearbeitet und es wird langsam Zeit, sie daran zu gewöhnen. Aber ansonsten hätte ich Zeit.“
      Shadow meldete sich wie in der Schule und als ich ihn auffordernd ansah, gab auch er seine Meinung kund. „Ich hätte da noch ein kleines Anliegen. Und zwar kommt mein Schwesterherz mich heute besuchen. Sie würde ja auch gerne reiten lernen. Könntest du ihr vielleicht eine Reitstunde geben Mio? Das wäre für sie echt der Oberhammer!“
      „Puh...“, Ich überlegte scharf. „Das hatte ich jetzt eigentlich nicht mit eingeplant, aber wenn sie dann im Stall mithilft, sollte das eigentlich funktionieren. Wann kommt sie denn?“
      „Da bin ich überfragt, aber wäre schön, wenn das klappt! Womit fangen wir heute denn an?“, fragte Shadow in die Runde und blickte dabei vorallem mich an.
      „Ich würde gerne einen ersten Versuch wagen und Ocarina und Mutantchen zusammen auf eine Koppel stellen. Dazu bräuchte ich euch alle drei, zur Sicherheit.“
      Alle drei stimmten mir zu und zusammen räumten wir den Tisch ab, zogen unsere Jacken an und gingen hinaus.

      07:04 - Nun doch schon etwas munterer, betrat ich den Hauptstall. Momentan waren die meisten Boxen noch leer und hier standen zur Zeit nur meine Stuten Vaconda, Winterzauber, Mon Amie, Jeanie, Changa, Charelle, Grenzfee, Hryða, wahrscheinlich bis heute noch Flotten von Mutanten und Ocarina und zu Letzt der einzige Wallach Excelsior. Meine Schritte führten mich an den ersten Boxen vorbei und ich warf nur kurz einen Blick hinein, um mich zu versichern, dass es allen meinen Schützlingen gut ging und hielt dann vor der Box von Flotten von Mutanten an. Die Mustangstute stand seit ihrer Ankunft alleine in ihrer Box und seit etwa einer Woche weidete sie, getrennt durch einen Doppelzaun zur Sicherheit, neben Ocarina of Time. Beide waren zwei wildere Stute, mit welchen ich noch viel Arbeit vor mir hatte. Trotzdem liebte ich sie über alles, denn jede war etwas besonderes. Flotte lief aufgeregt in ihrer Box hin und her, ging durch den Vorhang auf das kleine Paddock, was jede der 15 Boxen hatte, und kam dann wieder herein geweht. Ich stellte mich entspannt etwas seitlich vor die Boxentür und blickte der Stute nicht in die Augen. Sie blieb plötzlich ruhig stehen, schnaubte einmal merklich und kam dann mit gesenktem Kopf zur Boxentür. Als sie mich anstupste hob ich meine Hand und kraulte sie. Das klappte nun zum Glück schon fast perfekt und auch beim Führen hatte sie sich merklich verbessert. Da Flotte nun schon seit einer Woche ohne Probleme auf der Koppel neben Ocarina stand, wollten wir heute einen ersten Versuch wagen, die beiden Stuten zusammenzuführen. Ich schob vorsichtig den Riegel der Tür zur Seite, schlüpfte flink in das Innere der Box und lehnte dann die Boxentür nur an. Flotte schnaubte wieder, blieb jedoch stehen und so schaffte ich es ihr, innerhalb von zehn Minuten das leichte Halfter umzulegen. Flotte versuchte sich zwar meiner Hand zu entreißen, ich blieb jedoch standhaft und schaffte es, sie nach draußen zu führen. Vor dem Tor standen schon meine drei Freunde, welche zur Sicherheit draußen gewartet hatten, damit ich mich in Ruhe mit Flotte beschäftigen konnte. Ich übergab den Führstrick weiter an Shadow, welcher einen festen Griff hatte und lief wieder hinein zu der Box von Ocarina. Als ich mit der geschleckten Stute die Stallgasse entlang lief, rief ich Charly zu, dass sie schon mit Flotte vorgehen sollten und ich ihnen mit etwas Abstand folgen würde. In dieser Reihenfolge, Shadow mit Flotte, im Gepäck Nico und Shadow und dann ich hinten dran mit Ocarina, machten wir uns auf den Weg zur größten Koppel die wir hatten, also Athene. Da Ocarina mittlerweile die händelbarere der Beiden war, nahm ich mit ihr den großen Weg um die Koppel herum, um von der anderen Seite auf die Weide zu gelangen. Shadow folgte und öffnete mir dann das Gatter und schloss es hinter uns wieder. Ich sah, wie Nico von der anderen Seite der Koppel winkte und Charly Flotte vom Strick und vom Halfter befreite. Auch ich streifte Oca ihr Halfter ab und entließ sie auf die weitläufige Koppel. Ich hatte lange überlegt, ob ich beide mit Halfter oder ohne das erste Mal aufeinander treffen lassen wollte. Zum Schluss hatte ich mich dagegen entschieden, denn so war die Verletzungsgefahr etwas geringer. Flotte buckelte überdreht auf der anderen Seite der Weide und galoppierte dann wild den kleinen Hügel hinauf in unsere Richtung. Ocarina trabte den Hügel am Zaun entlang herab, hielt auf der Hälfte der Strecke an und hob den Kopf in Richtung Flotte. Auch Flotte schien die andere Stute entdeckt zu haben und wieherte einmal laut. Dann galoppierte sie mit voller Kraft auf die kleinere Ocarina zu, welche sich aber gar nicht beeindrucken ließ, sondern kurz auf die Hinterbeine stieg, als Flotte näher kam. Schlitternd kam die Mustangstute kurz vor Ocarina zum stehen und streckte dann ihren Kopf vorsichtig in ihre Richtung. Von weiten konnte ich erkennen, wie Ocarina es ihr kurz nachmachte, dann aber ruckartig den Kopf zurück zog, nach vorne austrat und wieherte. Flotte drehte auf der Hinterhand und galoppierte dann buckelnd davon. Ocarina galoppierte ihr nach und zusammen rasten sie über die Weide.
      „Sieht das gut aus, oder eher schlecht?“, fragte mich Shadow, welcher mit verschränkten Armen und skeptischem Blick neben mir stand.
      „Ich weiß noch nicht, das wird die Zeit zeigen.“

      08:16 - Nico erklärte sich bereit, bei den Pferden zu bleiben und darauf zu achten, dass sie nicht anfingen sich zu beißen. Shadow wollte ihn später ablösen, doch da wir noch viel zu tun hatten, machten wir anderen uns wieder an die Arbeit. Immerhin standen noch einige mehr Pferde in ihren Boxen, welche dringend nach draußen wollten. Charly ging wie immer zum Hengststall, um die drei Hengste auf ihre gemeinsame Koppel zu bringen. Wir hatten Glück gehabt, dass Happy und Coco so lieb waren und Vad, alias Marid, in ihrer Reihe aufgenommen hatten. Mit Vad hatte ich mich leider noch nicht anfreunden können. Meiner Meinung nach, lag das allerdings nicht an mir, sondern an ihm. Schon vom ersten Augenblick hatte er mich nicht an ihn heran gelassen, obwohl er bei allen anderen nicht so ein Theater veranstaltete. Mittlerweile kam ich damit zurecht, dass er irgendetwas gegen mich hatte, doch es war schon ein Schlag gewesen. Shadow und ich gingen in den Hauptstall, wo die restlichen Pferde standen. Also alle Stuten, sowie mein Wallach Excelsior, welchen ich über alles vergötterte. Shadow und ich teilten gerade auf, wer welche Pferde nach draußen bringen würde, als sein Handy in der Hosentasche einen Gong von sich gab. Ja, es war wirklich ein Gong, so ein chinesischer oder so. Er war davon total Fan, mir ging es auf die Nerven. Er zog es aus seiner Stallhose und blickte auf das leuchtende Display.
      „Meine Schwester schreibt, dass sie gegen halb zehn an der Bushaltestelle ist. Ich würde sie dann abholen, ja?“
      „Klar, mach ruhig. Ich freue mich, endlich deine Schwester kennenzulernen. Wird ja wohl Zeit.“
      „Jap, da hast du Recht.“, stimmte er mir zu. „Erwarte aber nicht zu viel! Sie kann manchmal – ja, du wirst es ja nachher sehen.“
      Ich schmunzelte. „Du machst es aber spannend. Dann lass uns mal die Pferde rausbringen, damit du es pünktlich schaffst.“
      Das taten wir dann auch. Ich schnappte mir zu erst meine beiden Lieblinge Valentines Jeanie und Excelsior, Shadow nahm Changa und die neue Stute Hryða, welche alle auf Hephaistos kamen, wo sie genügend Platz hatten. Dort entließen wir sie in die Freiheit, bevor wir wieder zurück in den Stall gingen um noch vier Stuten nach draußen zu bringen. Shadow legte Mon Amie und Charelle ihre Halfter an und ich nahm mir Vaconda und Winterzauber vor. Die vier würden auf Aphrodite kommen. Die junge Grenzfee, welche erst seit Weihnachten bei uns wohnte, blieb erstmal noch im Stall, bis der Hufschmied und der Tierarzt gekommen waren, denn sie wurde in ihrer Vergangenheit stark vernachlässigt. Wie abgesprochen sah ich von weiten, wie Charly erst Vad und dann Coco und Happy auf Poseidon brachte. Damit waren alle Pferde auf den Koppeln.

      09:03 - Da Shadow als nächstes damit dran war auf der Koppel von Flotte und Oca Wache zu schieben und ich nichts zu tun hatte, entschied ich mich dafür, ihm noch etwas Gesellschaft zu leisten, bis er seine Schwester abholen musste. Wie fast immer schweigend, gingen wir über den sandigen Hof in Richtung Athene. Wir sprachen meist nicht viel miteinander, wer weiß warum, trotzdem verstanden wir uns immer ausgezeichnet. Am Anfang hatte ich gedacht, dass aus uns beiden vielleicht mal mehr werden konnte, doch mittlerweile war es mir schon fast lieber, dass wir einfach nur beste Freunde waren. Ich sah Nico schon von weiten. Er saß auf einem Stein, außerhalb der Koppel und blätterte in einem großen Schmöker. Als wir näher kamen und er unsere Schritte hörte, stand er erleichtert auf.
      „Oh man, da seid ihr ja endlich. Das ist so eine Zeitverschwendung hier. Schaut euch die beiden doch an! Die ganze letzte Stunde haben sie nebeneinander gegrast und sind nur ab und zu mal zusammen über die Koppel gerannt. Die tun ja so, als kennen sie sich schon länger als die Welt existiert!“
      Mein Blick wanderte in Richtung Koppel und der beiden Pferde, welche unter einer kleinen Ansammlung von Kiefern auf dem sandigen Boden standen und genüsslich den Rest Gras fraßen.
      Ich musste lachen. „Mein Gott, was haben wir für ein Glück. Die scheinen sich ja wirklich gut zu verstehen!“
      „Du sagst es“, sagte Nico grimmig. „Und damit vertreibe ich mir meine Zeit. Sinnlos.“ Er schüttelte verärgert den Kopf und Shadow klopfte ihm freundschaftlich auf die Schultern.
      „Komm schon Kumpel, jedenfalls hattest du viel Zeit für dich. Was ließt du da eigentlich für ein Buch? Das habe ich ja noch nicht bei dir gesehen.“ Nico versuchte schnell das dicke Buch unter seiner Jacke zu verstecken, was er aber nicht ganz schaffte.
      „Ach nicht so wichtig!“ Mit diesen Worten stand er auf und lief schnell in Richtung Gutshaus, wo er dann durch die Eingangstür verschwand.
      Shadow und ich schauten uns an und mussten losprusten. Das waren solche Momente, wo wir uns einfach ohne Worte verstanden. Ich blickte auf die Uhr an meinem Handgelenk.
      „Oh, du solltest dich beeilen, es ist schon zehn vor halb und du brauchst mit deiner Schwalbe schon zehn Minuten bis zur Bushaltestelle.
      Ich würde hier warten und das Ganze nochmal mit eigenen Augen beobachten. Sobald du wieder da bist, komme ich aber runter.“
      Er nickte und wir verabschiedeten uns von einander, in dem wir uns drückten. Ich ließ mich auf dem Stein nieder, auf welchem bis gerade eben noch Nico verweilt hatte und beobachtete zwei meiner liebsten Stuten: Ocarina of Time und Flotten von Mutanten. Das Einreiten von Flotte lag noch in weiter Ferne, doch Oca hatte sich in letzter Zeit so gut gemacht, dass wir in einem Jahr vielleicht anfangen konnten. Sobald man sie sicher führen und putzen konnte, hatte ich vor, mit longieren anzufangen. Das würde aber auch frühestens im Frühling passieren. Ich wollte ihr die Zeit geben, die sie brauchte. Die nächsten zwanzig Minuten genoss ich einfach nur den Anblick der genüsslich fressenden Stuten, welche sich schon stark in mein Herz eingebrannt hatten.

      09:44 - Als ich von weitem das laute Rattern von Shadows Schwalbe hörte, riss ich mich von meinen beiden Stuten los und ging den kleinen Hügel hinab zum Parkplatz.
      Shadow stoppte nur wenige Momente später neben mir und schaltete seinen Motor aus. Hinter ihm saß ein junges Mädchen, dessen Gesicht ich wegen des Helmes allerdings noch nicht erkennen konnte. Shadows Schwester. Diese sprang behänd von der alten Schwalbe, zog sich den Helm schwungvoll vom Kopf und schüttelte sich ihre langen Haare aus dem Gesicht. Oh mein Gott! Sie hatte die gleiche Mähne wie ihr Bruder, nur war sie um einiges länger. Rabenschwarz waren sie, unten gerade abgeschnitten und oben ein gerades Pony. Eigentlich gefiel mir dieses nicht so sehr, aber ihr stand es. Vor allem hatte sie eine Figur wie ich sie mir immer gewünscht hatte und ich war vom ersten Augenblick Eifersüchtig. Mittelgroß, schlank, dünn und zart mit hellen grünen Augen. Sie war einfach nur wunderschön!
      „Darf ich vorstellen? Das ist meine Schwester Candida. Candida, das ist Mio. Von ihr habe ich dir erzählt.“, stellte Shadow uns vor.
      Ich wurde von klaren Augen angeschaut, welche recht zweifelnd an mir hinunter und wieder hinauf fuhren und ich fühlte mich gleich noch schlechter, obwohl das Mädel mir gegenüber mindestens zwei Jahre jünger war als ich. Ich überwand meine Gefühle und streckte ihr die Hand entgegen.
      „Hey Candida. Schön dich endlich kennenzulernen!“, fing ich an.
      „Candy.“, sagte sie nur. Ihre Stimme war übrigens genauso zart und rauchig wie sie selbst. Noch ein Grund, sie nicht zu mögen. Es klang einfach zu schön. Verwirrt blickte ich sie an. Sie sagte jedoch nichts weiter und mein Blick wanderte fragend zu Shadow.
      „Sie möchte nicht Candida genannt werden. Einmal kann man den Fehler machen, aber sobald man sie wieder Candida nennt, ist es komplett vorbei.“
      Ich wusste nicht ganz ob er das wirkliche ernst meinte, aber sein Gesicht verzog sich kein Bisschen.
      „Ok, dann Candy. Auch wenn das etwas-“, ich überlegte was ich sagen sollte. „Nicht französisch klingt.“
      „Mio klingt auch nicht gerade weiblich und trotzdem heißt du so.“, gab sie mir es genauso zurück. Ich zuckte die Schulter und wusste nicht ganz was ich sagen sollte. Shadow schaute mich nur mitleidig an und ich denke, ich hatte verstanden, was er mir vorhin sagen wollte.
      „Ok Candy, dann komm mit. Du willst doch reiten lernen, oder?“
      „Ich will nicht nur reiten lernen, sondern das ganze Verhalten von Pferden verstehen. Nur falls du fragen willst: Deswegen habe ich noch nie Reitunterricht genommen, weil es überall nur darum geht, nicht so schnell vom Pferd zu fallen. Keiner schafft es einem zu lehren wie Pferde ticken, was Pferde brauchen und was wir Menschen tun müssen, damit es ihnen gut geht. Denkst du, du kannst mir das zeigen? Wenn nicht, dann kann ich nämlich wieder gehen.“ Wow, ich würde sagen, ich war geflasht und gleichzeitig auch beeindruckt. Das Mädel wusste, was sie wollte und für meine erste Reitschülerin hatte ich mir da einen ganz schönen Brocken ran geholt.
      „Ok Candy“, wiederholte ich. „Dann komm mit. Ich zeige dir, womit wir anfangen.“
      „Ich mache uns einen Kaffee.“, sagte Shadow noch, bevor er im Gutshaus verschwand. Ich winkte Candy zu und schlug dann den Weg zum Hauptstall ein. Sie wollte wissen, was es bedeutet mit Pferden zu arbeiten? Dann konnten wir ja gleich anfangen. Ich stemmte meine Arme in die Hüften und zeigte in den Stall, wo nun 15 leere Boxen standen.
      „So, hier fangen wir an. Du hast Glück, dass zur Zeit nur sieben Boxen belegt sind und du nicht alle ausmisten musst. Dann ab an die Arbeit. Hier kommt der erste Schritt, beim reiten lernen. Denn da gehört, wie du schon selbst sagtest, viel mehr dazu.“
      Mehr als erstaunt sah ich dabei zu, wie sich Candy eine Mistgabel schnappte und die Schubkarre nahm die an der Stallwand stand und ohne zu Murren die Boxentür von Excelsior öffnete und anfing, die Äpfel meines Wallachs aus dem Stroh zu suchen und dann im weiten Bogen in die Karre zu befördern. Etwas baff stand ich noch einen Moment da, bevor auch ich mir die zweite Gabel schnappte und in der nächsten Box, der von Jeanie, anfing auszumisten. Ich war mehr als erstaunt, dass wir innerhalb einer Stunde alle Boxen sauber hatten und die Heusäcke gefüllt waren. Candy hatte die ganze Zeit durchgearbeitet und nur ab und zu mal etwas nachgefragt.
      „Was machen wir jetzt?“, fragte sie mich, als gerade Shadow hereinkam. Drei kalte Tassen Kaffee in der Hand.
      „Na nu? Bist du in der Zeit verschollen?“, fragte ich ihn erstaunt.
      Er winkte ab und hätte dabei fast den ganzen Kaffee verschüttet.
      „Ne, Nico hat mich abgehalten.“
      „Jaja!“, ich lachte und nahm ihm eine Tasse ab.
      „Ihr scheint euch ja gut zu verstehen.“, sprach Candy das Offensichtliche aus.
      „Jaaa.“, sagte ich. „Wir sind auch ziemlich gute Freunde, sonst würden wir nicht zusammen in einem Haus wohnen und uns einen Hof teilen. Oder?“ Candy schüttelte den Kopf, sagte aber nichts weiter.Erst nach etwa einer Minute, als wir alle unseren kalten Kaffee geschlürft hatten, sprach sie weiter.
      „Also, was tun wir jetzt? Du willst mir doch nicht erzählen, dass das das Einzige gewesen war, was ich heute getan habe? Dann hätte ich mir das Busgeld sparen können.“
      Schon wieder dieser abfällige Tonfall. Den würde ich nicht lange durchhalten, ohne durchzudrehen. Da gab es nur zwei Möglichkeiten. Entweder sie vom Hof schicken, was ich Shadow nie antun würde, oder ihr zu zeigen, dass sie mit ihren Annahmen so falsch lag, dass sie das nächstes Mal einfach sein ließ.
      „Nein, noch längst nicht.“, sagte ich und stellte meinen Kaffee vor einer Box ab. Er war sowieso kalt, also konnte ich ihn auch nachher trinken, das ergab keinen Unterschied.
      „Komm mit, ich zeige dir, was wir als nächstes machen!“
      Ich schnappte mir den Halsring von Excelsior, welcher vor seiner Box hing und schlug den Weg zu Hephaistos ein. Candy folgte mir und ich konnte spüren, dass sie sich fragte, was jetzt kommen würde. Bei der Koppel angekommen, drückte ich ihr den Halsring in die Hand und zeigte auf den weit entfernten Excelsior, welcher genüsslich neben seiner Jeanie stand und graste.
      „Siehst du den grauen Wallach dort?“ fragte ich Candy und zeigte auf ihn.
      Candy nickte nur mit dem Kopf. „Deine Aufgabe ist es, ihm den Halsring über den Hals zu streifen und ihn dann, ohne in auch nur zu berühren, hier hinunter zu mir zu führen. Exel folgt nicht jedem, aber wenn du ihm das Vertrauen geben kannst, dann wird er dir folgen.
      "Wenn du hier unten bist und ich das Tor für dich aufmache, führst du ihn, immer noch ohne anzufassen, zur Reithalle. Dann schauen wir weiter.“
      Ohne etwas zu sagen, schlüpfte das Mädchen unter de Zaun hindurch und lief mit gleichmäßigen Schritten zum anderen Ende der Koppel. Mit zusammen gekniffenen Augen, ich hatte schon immer nicht so gut sehen können und war schon immer zu faul gewesen, mir eine Brille anzuschaffen, beobachtete ich sie dabei. Candy begrüßte zu erst alle Pferde und beschäftigte sich dann mit Excelsior, welcher nicht gerade Lust dazu zu haben schien, schon wieder von der Koppel gehen zu müssen. Das Mädchen streifte ihm trotzdem den Halsring über und ich weiß nicht wie sie es machte, aber als sie sich umdrehte und den Weg zurück ging, folgte der eigensinnige Wallach ihr. Mit gesenktem Kopf, den Halsring über dem Hals, lief er hinter ihr her und ließ sich auch nicht davon stören, dass ich das Gatter aufmachte, um die beiden nach draußen zu lassen. Candy lief weiter, Exel auch. Plötzlich drehte er jedoch ab und wollte in Richtung Stall laufen. Candy blieb so ruckartig stehen, dass sich selbst Excelsior erschreckte und verwirrt zu ihr hin blickte. Candy stampfte nochmal bestimmerisch mit den Füßen auf und zeigte dann mit dem Finger auf den Boden vor ihr.
      „Hier her, aber zackig!“, ging sie den Wallach an, bevor sie sich wieder umdrehte und weiter ging, als wäre nichts passiert. Exel schien noch einen Moment verwirrt, bevor er ihr wieder folgte. Erstaunt folgte ich ihr. Auch wenn sie keine Ahnung hatte, sie hatte in diesem Moment genau das Richtige getan. Ohne weitere Probleme führte Candy Excelsior zur Reithalle, an der sie das Tor öffnete und die großzügige Halle betrat. Ich beeilte mich hinterher zu kommen.
      „Das war“, ich nickte leicht mit dem Kopf und wusste in dem Moment nicht, was ich sagen sollte „eine gute Leistung.“
      Candy zog die Augenbrauen hoch und schaute mich erwartend an. Dieses schlaue und selbstbewusste Mädel wusste ganz genau, dass die Aufgabe mehr als gut von ihr gelöst wurden war. „Ich möchte nun, dass du nun hier in der Halle versuchst, weiter mit ihm zu üben. Versuch das gleiche mit ihm zu machen, wie auf den Sattel. Bring ihn dazu, dass zu tun, was du willst und beachte bitte, dass auch er Freude daran haben sollte, sonst ist das alles Kontraproduktiv. Ich musste zugeben, Candy machte alles fantastisch. Selbst das Longieren ohne Longe, im Trab, wie auch im Galopp, meisterte sie hervorragend und nachdem ich das Training mit beiden beendet hatte, schwitzte Excelsior stark und auch Candy stand die Anstrengung ins Gesicht geschrieben. Ha, dachte ich innerlich und konnte mich gleich darauf für diesen fiesen Gedanken feigen, sie ist auch nur ein Mensch und nicht unsterblich.
      „Ok. Das war gut. Möchtest du ihn zur Koppel reiten?“, fragte ich Candy. Diesmal machte sie wirklich große und erstaunte Augen. Ein kleines bisschen Kind steckte also doch noch in ihr.
      „Wirklich? Ja sehr gerne!“
      „Ok, aber dann musst du ohne meine Hilfe auf seinen Rücken kommen. Exel ist zwar ein Deutsches Reitpony, hat die Normalgröße für ein Pony aber längst überschritten.“
      Candy nickte, streichelte den Wallach noch einmal hinter den Ohren, nahm zwei – drei Schritte Anlauf und – schaffte es nicht auf seinen Rücken.
      „Versuche es gleich nochmal, das ist kein Problem.“ ermunterte ich sie. Beim zweiten Mal kletterte sie ohne Probleme auf den schmalen Rücken des dunklen Pferdes und schien stolz auf sich zu sein.
      „Na geht doch!“, reite ihn zur Koppel, nehme ihm den Halsring ab und verschließe wieder alles ordentlich. Ich gehe schonmal zum Gutshaus und setz uns einen Kaffee auf.“

      13:28 - Als ich die Tür zur Küche öffnete, kam mir allerdings der gewohnte Duft des Kaffees entgegen und ich befürchtete schon, was sich kurz darauf bewahrheitete, nämlich, dass ich nicht die erste war. Charly, Nico und Shadow saßen gemütlich an dem kleinen Tisch, tranken aus einer dampfenden Tasse und unterhielten sich.
      „Habt ihr nichts zu tun?“, fragte ich erstaunt in die Runde, denn der Tag war bis jetzt zugeplant gewesen.
      „Wir sind eben schneller gewesen als du und da unsere Chefin, welche uns schon die ganzen letzten Tage von einer Aufgabe zu anderen gescheucht hat, gerade nicht da war, haben wir die Situation genutzt und eine kleine Ruhepause eingelegt.“ Nico schaute mich mit einem breiten Grinsen an.
      „Du Arsch“, murmelte ich und ließ mich dann auf meinem Stammplatz nieder.
      „Wo ist denn Candy?“ Shadow schaute sich fragend um.
      „Die kommt gleich. Sie bringt nur noch Exel weg.“
      Keine Sekunde später wurde die Tür geöffnet und Candy, selbstsicher wie immer, stolzierte herein und ließ sich auf den letzten freien Platz fallen.
      „Hey!“ begrüßte sie Charly. „Du musst demnach wohl Candy sein, oder? Ich habe schon viel von dir gehört, schön dich kennenzulernen.“
      „Danke, ich kenne euch auch schon gut vom Hören. Du musst demnach dann wohl Nico sein, der Typ der total in Charly verschossen ist?“
      Erschrocken schaute Nico, welcher sich sonst eigentlich nicht so schnell aus der Ruhe bringen ließ, zu Shadow, dem die Röte ins Gesicht gestiegen war. Charly hatte die Augenbrauen hoch gezogen und schaute gedankenversunken zu Candy, welche die Situation genoss. Ich hatte ein leichtes Lächeln auf den Lippen, aber alle drei meiner Freunde taten mir Leid. Shadow, weil Nico nun wusste, dass er über so etwas mit seiner Schwester gesprochen hatte, Charly, weil sie genauso in Nico verknallt war, wie er in sie und Nico, weil es für ihn einfach nur peinlich war.
      „Was haltet ihr davon, wenn wir einen Ausritt machen? Wie es scheint, haben wir gerade Zeit und das haben wir schon lange nicht mehr getan.“

      14:01 - Etwas später trafen wir uns vor dem Hauptstall. Jeder hatte das Pferd seiner Wahl von der Koppel geholt und es auf einen Ausritt vorbereitet. Auch Candy durfte mitkommen, ich war mir sicher, dass sie es schaffen würde. Nico und Charly würde unsere beiden Hengste Marid und Acapulco Gold reiten. Marid, welcher von uns nur noch Vad genannt wurde, hatte schon immer eine große Abneigung gegen mich verspürt und so war es auch diesmal, als er mich neben Winterzauber entdeckte, welche ich mir ausgesucht hatte. Er legte die Ohren an und sein Blick sagte deutlich, dass ich ihm ja nicht zu Nahe kommen sollte. Candy hatte ich Vaconda gegeben. Die gutmütige Stute würde niemals jemanden aus dem Sattel werfen, selbst jemanden unerfahrenen wie Candy nicht, welche aufgeregt die dunkle Mähne der Stute sortierte. Shadow hatte sich seine geliebte Charelle von der Koppel geholt und damit würde Mon Amie alleine zurück bleiben, aber ich hoffte, dass sie das nicht stören würde.
      „Ok, dann lasst uns aufsteigen! Ich wäre ja für eine Strecke ins Innenland, da der Wind zur Zeit echt stark am Strand pfeift.“
      Die anderen stimmten mir zu, also schwang ich mich in den älteren Dressursattel von Wizza und nahm die Zügel auf. Wizza war schon immer schwierig im Gelände zu reiten und ich hoffte, dass es besser wurde, je öfters ich das tat. Meist nahm ich ihre Freundin Mon Amie mit, heute war dies jedoch zu viel. Auch Candy kletterte, erstaunlich leichtfüßig in den Sattel. Als auch Charly und Nico in ihren Westernsätteln saßen, gab ich ihnen das Zeichen, dass sie vorreiten sollten. Wir würden mit den Stuten etwas Abstand zu den beiden Hengsten halten. Wir schlugen den Weg in Richtung Berge ein, welchen ich meistens zum Training nutzte. Einige Pferdelängen hinter Charly und Nico ritt ich nebeneinander mit Candy, hinter uns kam dann Shadow auf seiner Nelly.
      „Versuche mal, die Zügel etwas mehr aufzunehmen. Vaconda läuft zwar auch mit hängenden Zügeln gut, aber im Gelände ist man da lieber vorsichtiger.“
      Candy befolgte meine Anweisung zu gleich und für den Anfang machte sie es gut. Trotzdem gab ich ihr immer mal wieder Tipps und bereits nach kurzer Zeit saß sie schon viel sicherer im Sattel.
      „Wenn du noch versuchst dich etwas tiefer in den Sattel zu setzen und wirklich entspannt zu sein, dann sieht es gut aus.“
      Gegenüber Candy versucht ich so entspannt wie möglich auszusehen, allerdings lief Wizza gar nicht entspannt. Immer wieder schmiss sie den Kopf nach oben und riss mir gleich danach fast die Zügel aus den Händen indem sie in nach unten senkte. Obwohl Winterzauber eigentlich sonst ein außergewöhnlich ruhiges Verhalten hatte, war davon jetzt gar nichts mehr zu sehen. Sie tänzelte eher, als das sie Schritt ging und wollte bei jeder ihr gebotenen Möglichkeit zu den beiden Hengsten aufschließen. Nach einiger Zeit taten mir meine Hände bereits von dem stetigen Druck an den Zügeln weh und ich fragte die anderen, ob wir traben wollten. Es ging gerade einen kleinen Berg hinauf und da war die Gelegenheit ganz günstig. Winterzauber hatte nur auf eine Tempoerhöhung gewartet und raste nun vor den anderen weg. Ich hoffte, dass Shadow ein Auge auf Candy haben würde, denn gerade hatte ich mit mir und Winterzauber genug zu tun.
      „Charly!“ rief ich nach einigen Minuten. „Könntet ihr mal kurz anhalten und mich vorbei lassen? Wizza muss sich dringend mal auspowern.“
      Ich gab auch Candy und Shadow das Zeichen, dass sie die Zügel aufnehem sollten und sah aus dem Augenwinkel, wie Shadow zu den Zügeln von Vaconda griff, damit sie nicht hinter Winterzauber her rennen würde. Charly und Nico zügelten ihre Hengste und wichen zur Seite aus. Wizza wusste, dass sie nun freie Bahn hatte und diesmal hinderte ich sie nicht daran, loszugaloppieren. Ich ließ die Zügel lockerer, aber trotzdem so, dass ich noch genügend Verbindung zum Pferdemaul hatte und ließ die Stute nach vorne rasen. Ich hoffte, dass uns niemand entgegen kommen würde, denn die Stute konnte ich nicht so schnell bremsen. Winterzauber galoppierte auch und wie sie galoppierte. Schnell verlor ich meine Freunde hinter mir aus den Augen. Wizza war nicht unbequem, aber durch den holprigen Boden wurde ich an manchen Stellen so durchgeschüttelt, dass ich mich irgendwann in den leichten Sitz begab. Zum Glück schaffte ich es noch knapp, den Weg nach Hause einzuschlagen, sonst wären wir ins Unendliche weiter galoppiert. Winterzauber galoppierte weiter, obwohl ich merkte, wie sie mit der Zeit langsamer und ruhiger wurde und ich es schließlich schaffte, sie in einen flotten Trab durchzuparieren.

      15:44 - Natürlich kam ich viel früher wieder auf unserem Gelände an als die anderen. Ich hatte Wizza bereits abgesattelt, trocken geputzt und ihr eine dicke Decke übergeworfen, als ich Hufgeklapper hörte. Ich warf die Boxentür vielleicht etwas zu stark ins Schloss, denn Grenzfee in der Box neben an wieherte erschrocken auf.
      „Sorry Süße!“, flüsterte ich ihr zu und ging dann nach draußen, wo Shadow und Candy gerade von den beiden Stuten abstiegen.
      „Wo sind denn Nico und Charly?“, fragte ich verwundert in Richtung Shadow, welcher mit aber nicht gleich antwortete und deswegen Candy das Wort ergriff.
      „Die wollten nochmal eine kleine Runde drehen.“, sagte sie vielsagend und mit einem Grinsen auf ihren roten Lippen.
      Ich jedoch beachtete diesen nicht weiter sondern half ihr dann, Vaconda abzusatteln. Auch ihr und Nelly legten wir eine Decke auf, wer weiß, diese Nacht sollten es Minusgrade werden. Dann entließen wir die drei Stuten zurück auf ihre Koppel, wo sie schon freudig von Mon Amie begrüßt wurden.
      „Ich würde gerne, da wir gerade etwas Zeit haben, Ocarina versuchen zu longieren. Dazu brauche ich eure Hilfe aber nicht.“ sagte ich zu Shadow gewandt.
      „Klar, kein Problem. Ich schaue mal, was ich noch tun kann. Wir sehen uns später!“
      Shadow und Candy gingen in Richtung Stall zurück, während ich den Weg zur Koppel einschlug, wo seit heute Ocarina und Flotte zusammen standen.
      Ich nahm gleich das Halfter von Vaconda, welches bis zum Stall schon seine Dienste tun würde.Ich fand die beiden Stuten in dem kleinen Offenstall, welcher unter einer Gruppe von kleinen Pinien stand. Die Situation von heute Morgen hatte sich nicht verändert und beide waren gesund und munter wie je her.
      Flotte wich ängstlich zurück, als ich näher kam. Ocarina blieb jedoch stehen und schaute mich fragend an.
      „Alles gut“, sprach ich leise auf sie ein. „Hier, siehst du, ein Halfter, das kennst du ja schon.“
      Ocarina ließ sich zögerlich das Halfter über den Kopf ziehen und folgte mir, nach mehreren Versuchen, zum Ausgang und die Weide hinab. Flotte schien so verängstigt von dem plötzlichen Versuch, dass sie uns nicht folgte, sondern weiterhin in dem schützenden Offenstall blieb. Da Ocarina viel im Offenstall gelebt hatte, war ihr einiges wieder fremd, als ich sie am Gutshaus und dann am Parkplatz vorbeiführte. Zögerlich und mit gespitzten Ohren folgte sie mir zum Hauptstall, wo ich sie an der Mauer anband und schnell in den Stall schlüpfte um Putzzeug und für später eine Longe und ein Knotenhalfter zu holen. Als ich wieder nach draußen trat, war Ocarina gerade dabei, den Führstrick zu bekämpfen und von einer Seite zur andern zu laufen.
      „Ruhig mein Mädel,“ versucht ich die Stute zu besänftigen „Du kannst dich gleich austoben. Ich beeilte mich, die schreckhafte Jungstute so sauber wie möglich zu bekommen. Ich hatte das noch nicht allzu oft mit ihr geübt, aber wenn wir es nun vor jedem Arbeiten tun würden, würde sie sich sicherlich schnell daran gewöhnen. Nach dem Putzen wechselte ich das normale Halfter gegen ein Knotenhalfter und eine lange Longe und führte meine gescheckte Stute zu unserem überdachten Roundpen. Da es draußen schon dämmerte, schaltete ich das Licht an, welches etwas länger brauchte und dann flackernd der Reihe nach anging. Bei dem grellen Licht zuckte Ocarina zurück, doch ich blieb ruhig und führte sie dann in das kleine Gebäude. Ich fing die Stunde ruhig an, ließ die junge Stute erstmal im Schritt auf der rechten Hand laufen und baute nach einiger Zeit kleine Handwechsel mit ein. Ocarina schien sich mit der Situation abgefunden zu haben und ohne Probleme ging sie wenig später auch in einen langsamen Trab über, welchen sie konstant durchhielt. Dann fing ich etwas mit Stimmkommandos an, welche sie auch schnell begriff. Am Ende ließ ich sie ohne Longe nochmal galoppieren, was sie auch sichtlich auf dem weichen Sand genoss. Für heute würde das reichen, immerhin wurde noch nicht viel mit ihr gemacht und das hübsch gescheckte Fell war jetzt schon durchnässt.

      17:13 - Kurz nachdem ich Ocarina wieder zu ihrer Freundin Flotte gebracht hatte, ging ich zurück zum Hauptstall, um das Halfter sowie das Knotenhalfter und das Putzzeug zu verstauen. Ich wollte nochmal einen Blick in den Hengststall werfen, vielleicht waren Nico und Charly schon wieder da. Ich verließ also den Hauptstall und lief in Richtung Hengststall, welcher etwas abseits stand. Kurz bevor ich ihn erreichte, hörte ich Hufgeklapper und vom Strang kamen mir Nico und Charly entgegen. Sie führten ihre Pferde und sie – Ich schaute ein zweites Mal hin – Sie hielten sich an den Händen. Innerlich jubilierte ich, äußerlich lächelte ich nur leicht. Als Charly mich erblickte, ließ sie schnell die Hand von Nico los und Nico, dem sonst eigentlich gar nichts peinlich war, errötete so stark, dass ich es aus der Ferne erkennen konnte.
      „Na ihr beiden? Da habt ihr aber einen Ausflug gemacht. Kommt, ich helfe euch die Pferde abzusatteln.“
      Die beiden, die eigentlich immer am meisten erzählten, schienen verstummt und sagten kein Wort. Auch als ich ihnen vom Longieren mit Ocarina erzählten nickten sie nur und ich verstand irgendwann, dass sie am liebsten alleine sein wollten. Also ging ich schon vor ihnen zurück zum Haupthaus, wo ich, vor dem Fernseher sitzend, Candy und Shadow fand.
      „Was schaut ihr da?“ fragte ich und ließ mich neben Shadow nieder.
      „Herr der Ringe, den dritten Teil.“ antwortete Shadow und strahlte mich dabei wie ein kleines Kind an. Ich lachte und schaute mit.

      18:33 - Da Charly und Nico, Candy hatte es geschafft, keinen blöden Kommentar abzugeben, nach der Rückkehr von ihrem „Ausritt“ zusammen nach Saint-Pierre-La-Mer in eine Bar gefahren waren, mussten wir zu dritt alle Pferde von den Koppeln holen. Die Hengste hatten wir zum Glück gleich drin gelassen, deswegen fehlten nun nur noch die Stuten und mein Wallach Excelsior. Zu dritt brauchten wir etwas länger als gewohnt, aber trotzdem fanden irgendwann alle den Weg zu ihrer Box. Candy stellte sich genauso geschickt beim Pferdeversorgen wie beim Reiten an und ich musste nichts bemängeln, als sie allen Pferden ihre verdiente Mahlzeit gab.
      „Was tun wir jetzt?“ fragte sie mich etwas später, als ich gerade den letzten Heusack in die Box von Excelsior hängte.
      „Jetzt? Jetzt gehe ich nach Hause und setze mich vor meinen Fernseher, der Tag war anstrengend und voll genug.“ sagte vorwurfsvoll. „Du kannst gerne noch die Weiden abäppeln, aber ich gönne mir jetzt einen warmen Tee.“
      Ich schloss die Boxentür und drückte ihr dann den Schlüssel zum Stall in die Hand.
      „Zuschließen nicht vergessen!“ warnte ich sie noch, dann verließ ich das Stallgebäude und ging zum Gutshaus.
      Candida hatte echt Feuern unterm Hintern. Sie musste nur aufpassen, dass sie es nicht zu weit trieb. Heute war es bei mir fast so weit gewesen und so etwas ging einfach nicht. Ich hatte mich heute viel mit ihr beschäftigt und meine Kraft damit verbraucht, ihren Wünschen gerecht zu werden. Irgendwann war auch mal Schluss! Ärgerlich stapfte ich die Treppen hinauf und ließ mich in meinem Zimmer am Fenster nieder. Draußen war es dunkel, dunkler, als es in Deutschland je sein würde. Irgendwo vermisste ich Deutschland, aber ich lebte nun hier in Südfrankreich. Das war mein zu Hause. Ich hörte es gar nicht, als die Tür sich leise öffnete und Shadow herein kam. Erst als er hinter mich trat und mich langsam umdrehte, zuckte ich erschrocken zusammen. Einen kurzen Moment dachte ich, er würde mir eine Standpauke halten, weil ich seine Schwester geschimpft hatte. Aber er nahm nur mein Gesicht in seine Hände und blickte mich an. Jedes Härchen stellte sich von seiner Berührung auf und ich war gebannt von seinem Blick. Ich hatte es immer verdrängt, war immer zu scheu gewesen, den ersten Schritt zu machen, aber ich hatte es schon immer gewusst, vom ersten Augenblick an, genau das was er jetzt sagte.
      „Ich liebe dich!“ flüsterte er und ich sagte ihm das gleiche. Der Kuss setzte mich so unter seinen Bann, dass ich mich im Nachhinein kaum noch an ihn erinnern konnte. Besser gesagt, wusste ich gar nichts mehr, ich war mir sogar nicht mehr sicher, ob es überhaupt passiert war, aber es war passiert. Wir waren die Treppen wieder hinab gegangen, hatten Candy vor dem Fernseher gefunden und hatten den Abend vor einem sinnlosen Film verbracht.

      22:10 - Am späten Abend flüchtete ich mich in mein Bett. Ich schaffte es nicht, Shadow gute Nacht zu sagen und Candy erst recht nicht. Wer weiß, vielleicht hoffte ich, er würde zu mir kommen. Aber er kam nicht. Er war wahrscheinlich verunsichert, denn ich war ohne ein weiteres Wort gegangen. Es war verständlich und in der Situation war ich auch nicht böse auf ihn, nur auf mich, weil ich gefühlt wieder viel falsch gemacht hatte. Auch die Nacht schlief ich schlecht. Immer wieder gingen mir die Ereignisse des Tages durch den Kopf. Die Wendung zum Schluss war so überraschend gewesen, dass sie in meinen Gedanken ein regelrechter Bruch war.rst als es draußen bereits dämmerte, fand ich Ruhe und war selbst überrascht darüber, dass ich bis Mittag durchschlief. Niemand weckte mich, niemand kam in mein Zimmer, niemand durchbrach meine Gedanken und erst als ich von selbst munter wurde, stand ich auf. Meine Schritte lenkten mich als erstes zum Fenster, wo ich meinen Blick über das Gestüt gleiten ließ. Ich war mir sicher, sicherer als ich es je gewesen war.
      „Ich liebe dich, Shadow!“ flüsterte ich.

      So viel an einem Tag!
      Januar 2016, by Canyon
      Mio » Freundlich öffnete ich den beiden die Tür zur „Eingangshalle“, es war ja eher unser unaufgeräumter Eingangsbereich. Aber Eingangshalle klang einfach besser.
      »Ich freue mich auf Morgen!« sagte ich zu ihnen, als wir uns die Hände schüttelten. »Ihr fangt doch morgen schon an, oder?«
      Anouk, eine kleine stämmige Frau, nickte breit lächelnd. »Oh ja klar! Wir können es gar nicht abwarten.« sagte sie und blickte dabei zu ihrem Bruder, welcher nickend zustimmte. »Natürlich, wir wollen die Zeit ja sobald wie möglich nutzen. Danke nochmal, dass sie uns sofort eingestellt haben.« bedankte sich Aimé, der Zwillingsbruder von Anouk, bei mir. Ein letzter Händedruck und die beiden Geschwister, welche von nun an unsere neuen Mitarbeiter, besser gesagt, unsere ersten Mitarbeiter, sein würden, stiegen in ihren alten hellblauen Renault Twingo und fuhren dann im gemächlichem Tempo die Ausfahrt entlang. Ich beobachtete sie noch bis sie die Ausfahrt passiert hatten und wollte mich gerade umdrehen, als von hinten ein »Buh!« mich erschrecken sollte. Ohne zu zucken drehte ich mich um und stand Shadow gegenüber, welcher ganz verärgert schaute, weil ich mich nicht erschreckt hatte.
      »Du Kasper!« sagte ich. Und boxte ihn in die Seite. Er schaute mich jedoch nur kurz an und beugte sie dann zu mir hinunter, um mir einen Kuss zu geben, welchen ich genüsslich erwiderte. Es war noch nicht lange her, dass wir den nächsten Schritt unserer Freundschaft gewagt haben und so war es für uns beide noch neu. Komisch war nur, dass es auch Charly und Nico erwischt hatte und nun alles viel komplizierter war als vorher.
      »Und«, fragte er mich »Waren das unsere neuen Angestellten?«
      »Jap. Und sie passen perfekt. Morgen früh um sieben stehen sie bei uns auf der Matte und begrüßen die drei neuen Pferde.«
      »Wow! Super! Die sahen ja auch ganz nett aus, mal schauen was daraus wird.« sagte er leicht lächelnd und folgte mir dann wieder ins Haupthaus.

      Zum Glück verschlief ich am nächsten Morgen nicht und konnte Anouk und Aimé pünktlich um sieben vor dem Haupthaus begrüßen. Beide hatten sich, im Gegenteil zu gestern, in Arbeitskleidung gehüllt. Sie trugen bequeme Reithosen und feste Arbeitsschuhe, mit welchen man auch ohne Probleme reiten konnte.
      Shadow, Nico und Charly wollten die beiden „Neuen“ auch unbedingt kennenlernen und so schlossen sie sich uns an, als wir in den Hauptstall zu den Pferden gingen. Wie drei neugierige Hühner reihten die drei sich hinter mir und den beiden Zwillingen ein und machten lange Hälse, um ja alles sehen zu können.
      Grimmig blickend verschränkte ich die Arme und blickte zu den dreien.
      »Ab mit euch zum Offenstall und zum Hengststall! Der Hauptstall gehört heute mir.« bestimmte ich und Charly, Shadow und Nico verließen den Stall mit hängenden Köpfen.
      »So«, sagte ich zufrieden »Schön, dass ihr da seid. Ich habe euch ja gestern schonmal kurz die Ställe gezeigt, das würde ich heute nochmal vertiefen.« Anouk und Aimé nickten aufgeregt und wie kleine Kinder versuchten sie alles aufzunehmen. Ich fühlte mich in der Position des Lehrenden, obwohl wir gleich alt waren und das verunsicherte mich etwas. »Also, zu erst stelle ich euch alle Pferde aus dem Hauptstall vor. Die drei aus dem Offenstall und die fünf Hengste zeige ich euch dann im Laufe des Tages, aber ich denke, ihr werdet sowieso erstmal hier arbeiten. Außerdem kommen heute Nachmittag drei neue Pferde an, da können wir eure Hilfe auch gut gebrauchen« sagte ich gekonnt freundlich. Ich ging zur ersten Box, in welcher schon seit jeher mein Wallach Excelsior stand. »Darf ich vorstellen? Das ist mein erstes Pferd: Wallach Excelsior und ich warne euch! Wenn ihr ihm ein Haar krümmt, seid ihr dran!« sagte ich spaßig. Die beiden schienen nicht ganz zu wissen, ob ich das ernst gemeint hatte und schauten mich etwas verunsichert an. »Äh, ja, das war natürlich ein Scherz.« sagte ich und machte dann weiter mit den nächsten Boxen. Anouk schien vorallem einen Narren an Valentines Jeanie gefunden zu haben, welche wie immer gleich die Nähe suchte. Aimé schien sich besonders für meine Isländerstute Hryða zu interessieren, und ich legte mir schon im Kopf die beiden kleinen Stuten für die erste Reitstunde bereit. Als wir die Reihe durch hatten, teilte ich ein, wer wen nehmen würde. Da vier Pferde auf Aphrodite und vier auf Artemis kommen sollten, bekamen Anouk und Aimé bei beiden Durchgängen ein Pferd und ich nahm die anderen beiden. Der erste Durchlauf bestand aus Exel, Jeanie, Hryða und Changa, welche zur Zeit Artemis besetzten. Anouk drückte ich gleich die Fellponystute Jeanie in die Hände, während Aimé Hryða bekam. Ich würde nun die beiden Streithähne Exel und Changa nehmen, was nicht gerade angenehm war. Sie standen zwar schon seit Monaten auf einer Koppel, taten jedoch immer so, als würden sie sich nicht verstehen. Das war einfach nur kindisch und nicht ernst zunehmen, fast könnte man glauben, die beiden sind ineinander verknallt, was natürlich total absurd wäre. Aimé und Anouk zeigten von Anfang an viel Gefühl für die Tiere und als Jeanie ihr restliches Müsli in Anouks Haare spukte, konnte diese nur lachen. Es schien, als seien auch die Tiere zufrieden mit der Wahl, welche ich gestern getroffen hatte. Nachdem die vier auf ihrer Koppel standen, brachten wir noch die anderen vier Stuten auf die benachbarte Weide. Winterzauber, welche in letzter Zeit viel Training erlebt hatte, Mon Amie, die Trainingspartnerin von Wizza, Vaconda und Charelle. Alle vier kamen von der gleichen Vorbesitzerin und da war es nur sinnvoll gewesen, die bestehende Gruppe gleich so zu lassen. Aimé bekam Nelly, während Anouk Vaconda nahm und ich die beiden anderen Stuten Wizza und Amie. Auch diese vier standen schnell auf ihrer weitläufigen Koppel, wo sie sich nach belieben bewegen konnten. Als ich wieder zurück im Stall war, wartete dort bereits Shadow auf mich. Er saß auf einem Heuballen in der Ecke und streichelte die Katzenjunge von Capucine, welche ihn als Klettergerüst benutzten.
      »Sind alle Hengste schon auf der Weide?« fragte ich ihn erstaunt.
      »Nein, nicht ganz. Charly und Nico sind mit Marid und Acapulco Gold in der Halle und danach wollen sie noch Happy longieren. Deswegen suche ich jemanden, der mir beim Ausmisten des Hengststalls hilft und gleich zwei Boxen für die beiden neuen vorbereitet.« Ich blickte zu Aimé, welcher unseren Worten aufmerksam gefolgt war. »Würdest du mit zu Shadow gehen? Dann bleibe ich mit Anouk im Hauptstall und kümmere mich um Grenzfee.«
      Aimé war einverstanden und so machten sich die beiden Jungs auf den Weg zum Hengststall, während ich mit Anouk die Stallgasse entlang zu einer der hinteren Boxen lief, wo meine Hufrehkranke Stute Grenzfee stand. Da Grenzfee von unserer Tierärztin Boxenhaltung auf weichem Untergrund verordnet worden war, hatten wir eine Wand herausgenommen, sodass die kranke Stute nun den doppelten Platz hatte. Ihr schien das immer noch zu wenig, aber da musste sie nun durch. Unruhig spielte sie mit ihren Ohren, als ich die Boxentür öffnete und ihren Putzkasten in die Box stellte. Ich winkte Anouk, welche bis eben noch in der Stallgasse gewartet hatte, zu mir und drückte ihr das Halfter von Fee in die Hand.
      »Legst du es ihr bitte an? Ich muss jetzt Ihre Hufpolster wechseln und das klappt am besten, wenn sie mit Fressen beschäftigt ist und jemand sie festhält.«
      Anouk nickte stumm und kam zu mir in die Box. Geschickt legte sie der großen Stute das helle Halfter an und kraulte sie dann an ihren Lieblingsstellen. So schnell, aber auch so ruhig wie ich konnte, suchte ich alle Medikamente zusammen, die meine Fee mit ins Futter bekam. Ihr schienen diese zu schmecken, denn aufgeregt beobachtete sie mich dabei und machte Anstalten sich vom Strick loszureisen und auf das Futter zu stürmen. Gekonnt vermischte ich alles in einem Eimer mit dem morgendlichen Müsli und hängte es der Stute dann an die Boxentür. Grenzfee war schon immer sehr ängstlich gewesen, was ihre Füße betraf, und das war nun mit den Hufrehen noch schlimmer geworden, was es nicht gerade erleichterte, ihr jeden Tag neue Verbände um die angeschwollenen Füße zu legen.
      Während Anouk die genüsslich fressende Stute, ihr Hunger war zum Glück nicht gesunken und auch die Medikamente nahm sie gerne an, festhielt, hob ich vorsichtig den ersten Huf hoch, sodass ich den Verband abwickeln und einen Neuen anlegen konnte. Anouk sicherte mir dadurch etwas die Lage, dass sie einen Strick in der Hand hielt. Fee war zwar eigentlich eine recht liebe Stute, hatte jedoch viel Kraft und Energie, die sie oft ungünstig einsetzte. Auch dem zweiten Huf hatte ich nach wenigen Versuchen mit viel Geduld den Verband gewechselt, sodass Anouk Grenzfee wieder das Halfter abnehmen konnte. Zu zweit verließen wir die Box. Die Vollbutstute hatte nun alle Ruhe der Welt, ihre Mahlzeit zu sich zu nehmen.

      Als gegen Mittag alle Boxen ausgemistet waren, versammelten wir uns in der Wohnstube des Gutshauses zu einer warmen Tasse Tee und einigen, von Weihnachten übrig gebliebenen, Plätzchen. In wenigen Minuten würde ein Transporter mit drei neuen Pferden aufkreuzen und dafür wollten wir alle Fit sein. Zwei davon würden Hengste sein. Zwei Hengste, welche ich vielleicht später als Zuchthengste vor Augen hatte. Außerdem würde eine Warmblutjungstute auf die große Koppel zu Ocarina of Time und Flotten von Mutanten ziehen, welche großes Potenzial als späteres Turnier- und Zuchtpferd zu haben schien.
      Ich war aufgeregt, immerhin würden es gleich drei Neue sein, um die ich mich kümmern musste. Mit einer kleinen Verspätung von einer viertel Stunde, hörte ich einen großen Wagen die Einfahrt in Richtung unseres Parkplatzes rollen. Hastig sprang ich auf, zog mir meine Jacke über und stürzte nach draußen. Anouk, Aimé und Shadow folgten mir, während Charly und Nico alles langsamer angingen ließen. Ein grauer Pferdetransporter, welcher Platz für drei Pferde bot, parkte gerade auf unserem kleinen Parkplatz. Als der Motor des großen Gefährtes ausging und die Fahrertür aufgestoßen wurde, hatten wir einen kleinen Halbkreis, bestehend aus sechs Personen gebildet. Der Fahrer war noch jung, nicht viel älter als Nico und er schien recht erstaunt darüber, dass wir eine so große Willkommensparty veranstalteten. Er begrüßte uns alle und ging dann an die lange Seite des Wagens, wo er eine große Heckklappe herunter ließ. Er war so lieb und führte die Pferde zu uns nach draußen. Das erste Pferd war die Jungstute, Seattle's Scarlett. Hübsch gescheckt, jetzt schon recht groß, mit einem aufmerksamen Blick. Ich wusste noch nicht ganz, was genau ich mit ihr tun wollte, aber das würde sich ja noch entwickeln. Trakehner waren sehr beliebt, vorallem im Pferdesport.
      Shadow trat vor und nahm dem Fahrer die aufgeregte Stute ab. »Bringst du sie schon in den Stall? Etwas Ruhe würde ihr sicherlich nicht schaden.« sagte ich zu meinem Freund, welcher sich sogleich auf den Weg in Richtung Hauptstall machte, wo Scarlett erst einmal untergebracht werden sollte. Mittlerweile hatte der Fahrer bereits das zweite Pferd aus dem Hänger geführt. Ein Isländer. Rabenschwarz und mit einer Mähne, die ihm sicherlich bei jedem Schönheitswettbewerb Punkte einbringen würde. Das schönste an ihm, war seine große Blässe, welche sich bis zu den Ohren erstreckte. Diesmal griff Aimé zu und Shadow, welcher gerade aus dem Hauptstall zurückkehrte, folgte ihm zum Hengststall. Auf das letzte Pferd freute ich mich besonders. Seine Ankunft war gut geplant und durchdacht wurden, denn es würde ein Mustanghengst sein. Ich wurde nicht enttäuscht, als der Fahrer ein drittes Mal aus dem Hänger kam und diesmal ein geschecktes Pferd hinter sich her zog, welcher den Kopf in den Himmel streckte und sein neues Heim bewunderte. Morrigans Hidalgo hieß er und war ein hübscher Braunschecke. Ich hoffte, dass er vielleicht der erste Hengst in einer eventuellen Mustangzucht sein würde, denn das Potenzial hatte er.
      Nico wollte gerade Anstalten machen, dem Fahrer den Hengst abzunehmen, doch ich war schneller bei ihm und griff nach dem Strick. Hidalgo schien alle Versprechen zu erfüllen. Man merkte ihm die Sturheit eines Mustangs an und genau das brauchte ich. Ein Pferd mit den Genen der Vorfahren. Ich dankte dem Fahrer und drückte ihm etwas Geld in die Hand, dass unsere neuen Pferde die weite Reise so gut überstanden hatten. Das restliche Geld würde heute Abend noch auf seinem Konto landen. Aufgeregt trippelte der Hengst neben mir her, als ich ihn hinter dem Hauptstall entlang zum Hengststall führte. Die letzte Box würde nun belegt sein, auch wenn die Pferde wohl zu wärmeren Zeiten ganztägig auf ihren Koppeln stehen werden. Shadow und Aimé schlossen gerade die Tür zu dem neuen Isländer, Leiðtogi hieß er, als ich mit Hidalgo den Stall betrat. Hilfsbereit öffnete mir Aimé die Tür der letzten Box, in welche ich meinen Hengst führte.
      In der Box neben ihm stürzte sich bereits Togi, wie wir ihn wohl nennen würden, auf sein Willkommensmenü, welches auch Hidalgo bekommen hatte.
      »Guten Appetit euch!« sagte ich noch zu den beiden, bevor ich mit den anderen den Stall wieder verließ. Immerhin wollte ich ja auch nochmal nach Scarlett schauen, ob sie den Umzug genau zu entspannt hingenommen hatte.

      Seaside
      Februar 2016, by Canyon
      Mio » Seitdem ich Trainerin war, hatte ich einige meiner Pferde wirklich vernachlässigt! Dazu zählten besonders diese, welche noch nicht im Training waren, also Ocarina of Time und ihre Seelenverwandte Flotten von Mutanten. Da es hier im Süden selbst im Winter nicht allzu kalt wurde, lebten die Beiden ganztägig auf einer unserer größeren Weiden, wo sie einen Offenstall zum unterstellen hatten. Beide Stuten hatte ich von Anfang an in mein Herz geschlossen und es tat sehr weh, als mir bewusst wurde, dass sie dringend meine Aufmerksamkeit gebrauchen könnten. Mit zwei Knotenhalftern und zwei Stricken ausgerüstet, machte ich mich nach der täglichen Stallarbeit auf den Weg zu Athene. Es war an unserem ersten Tag auf diesem Gestüt gewesen, da hatten wir aus Spaß den Weiden Namen gegeben, um sie besser unterscheiden zu können. Mittlerweile war das mit das Wichtigste, um nicht aneinander vorbei zu reden. Weiden hatten wir viele, aber nur eine Athene.
      Ocarina und Flotte hatten mit ihren jungen Jahren schon viel erlebt, viel schlechtes und es war nun meine Aufgabe, ihnen zu zeigen, dass die Welt auch viele gute Seiten hatte. Leider war dies auch für mich nicht oft einfach, da ich mit meinen eigenen Hindernissen zu kämpfen hatte. Trotzdem war ich froh darüber, dass beide sich so entwickelt hatten. Vor einem halben Jahr wäre es noch nicht mal möglich gewesen, mit ihnen über den Hof zu spazieren und mittlerweile funktionierte dies und darüber hinaus noch viele andere Dinge viel besser.
      Für heute stand auf meinem Plan nur ein kleiner Spaziergang zum Strand, denn beide Stuten liebten das kühle Wasser. Ich fand die beiden an ihrem Lieblingsplatz; Unter einer uralten Kiefer, welche ihnen Schutz vor Wind, Regen und Sonne bot.
      Etwas abseits von ihnen blieb ich stehen und drehte mich seitlich zu ihnen hin. Sie hatten mein Kommen natürlich bemerkt und beobachteten mich mit gespitzten Ohren. Meinen Blick hielt ich gesenkt, blickte flach über meine Schulter hinweg auf die Fesseln von Flotte, welche mir etwas näher stand. Aus den Augenwinkeln beobachtete ich jedoch jede Reaktion und jede Bewegung. Ich knickte leicht mit den Knien ein und senkte meinen Kopf etwas. Von Anfang an hatte ich die beiden Stuten nie dazu gezwungen, zu mir zu kommen, sondern sie mit meiner Körperhaltung dazu aufgefordert, näher zu treten.
      Wie auf ein stilles Kommando, setzten sich Beide gleichzeitig in Bewegung und kamen im langsamen Schritt auf mich zu. Vor kurzer Zeit wäre dies noch nicht möglich gewesen, doch mittlerweile hatten sie verstanden, was ich von ihnen wollte und befolgten meine Anweisungen freiwillig.
      Ich hob meinen Blick erst, als ich die Barthaare von Flotte an meinem Gesicht spürte. Sie hatte den ersten Schritt gemacht und sich damit bereit erklärt, dass ich sie anfassen durfte. Ich hob meine Hand und kraulte die hübsche Stute hinter den Ohren. Ihr schien es zu gefallen, jedoch ging sie nicht soweit, sich richtig zu entspannen, dafür war ihr ihre Lage noch zu unsicher. Bei Flotte hoffte ich, dass ich im Sommer mit dem Einreiten anfangen konnte, doch bis dahin, würden noch viele kleine Hürden auf uns warten. Auch Ocarina wollte es sich nicht nehmen lassen und etwas gestreichelt werden. Vorsichtig stieß sie ihre Freundin von mir weg und suchte bei mir die gleiche Belohnung. Ich musste kurz auflachen, was beide Stuten innehalten und zurückschrecken ließ, doch als mein Gelächter erstarb, entspannten sie sich bald wieder.
      »Hier ihr Beiden, habe euch sogar eine Möhre mitgebracht.« munterte ich sie auf, wieder näher zu kommen. Noch eine Gemeinsamkeit, welche die beiden einfach zusammen passen ließ. Sie liebten Möhren über alles!
      Schnell war das rote Ding in ihren Mäulern verschwunden und ich nutzte die entspannte Stimmung, um beiden die dünnen Knotenhalfter über den Kopf zu ziehen. Ich hatte sie von Anfang an nur an ein Knoti gewöhnt, welches sie auch schnell akzeptiert hatten.
      Am Halfter waren beide Stuten noch etwas nervöser. Flotte trippelte häufiger und Oca riss ihr hübsches Köpfchen immer wieder gen Himmel, sodass ihre Mähne nur so wirbelte. Ich hatte allerdings die Erfahrung gemacht, dass es viel besser klappte, wenn sie nebeneinander laufen durften. So machte ich es auf heute. Ocarina, welche bereits mehr Erfahrung im Führen hatte, lief neben mir und neben Ocarina lief Flotte. Extra für solche Situationen hatte ich mir einen extra-long-Führstrick zugelegt, damit auch meine Mustangstute genügend Platz hatte.
      In so langsamen Tempo wie nur möglich, führte ich die Beiden von Athene hinunter und schlug dann einen großen Bogen um den Hauptstall ein, denn die vielen Gerüche von dort verwirrten sie schnell.
      Mit jedem Schritt ließ sich auch Flotte besser führen und je näher wir dem Wasser kamen, desto freundlicher wurde der Gang von Oca.
      Oca konnte ein richtiger Tornado sein, welcher alles verwüstete, was ihm in den Weg, aber auch ein kleines Kind, welches sich über die kleinsten Dinge freute. Ich hatte beide Pferde mit dem Wissen gekauft, dass sie nur schwer oder auch gar nicht zu reiten waren. Meine Hoffnung war jedoch wieder extrem gestiegen und mittlerweile war ich fest davon überzeugt, dass ich auch auf ihren Rücken irgendwann ein
      en Sattel legen konnte.
      Der Boden unter unseren Füßen wurde immer weicher, je näher wir dem Meer kamen. Nur wenige Meter vor uns lagen die Dünen, welche das Hinterland von dem Strand trennten. Ein kleiner Trampelpfad hatte sich gebildet, welcher uns direkt auf das Ziel zuführte.
      Als wir auch die Dünen hinter uns gelassen hatten, konnte ich meine beiden Lieblinge kaum noch halten. Nur mit viel Ruhe und Geduld ließen sie sich wieder beruhigen. Ich führte die beiden zum Wasser, in welches sie sich beide glücklich stürzten. In manche Pferde hatte ich so viel Vertrauen, dass ich sie auch ohne Strick ins Wasser ließ, diesen beiden musste man jedoch erst noch zeigen, wo die Grenzen lagen.
      Zum Glück war das Wetter heute einfach perfekt. So warm war es schon lange nicht mehr gewesen und nur ein paar Wolken verdeckten den sonst strahlend blauen Himmel. Wie erwartet war auch diesen Winter kein Schnee gefallen und ich bezweifelte es stark, dass die Temperaturen nochmal so stark absinken würden.
      Ich spazierte mit den beiden am Ufer entlang, trabte sogar eine kurze Strecke mit ihnen, bevor ich sie wieder in Richtung Innenland zog, was den Beiden gar nicht gefiel. Trotzdem freuten sie sich, als sie kurze Zeit ihre Weide sahen und Flotte konnte es nicht sein lassen, ein lautes Wiehern auszustoßen.
      Als ich ihnen die Halfter vom Kopf abnahm, galoppierten sie freudig den kleinen Hügel hinauf, wo auf sie bereits eine frische Ladung Heu wartete. Irgendjemand von meinen fleißigen Helfern hatte wohl an die Zwei gedacht, was mich natürlich froh stimmte. Immerhin waren sie bei uns nicht ganz in Vergessenheit geraten.
      Einige Minuten beobachtete ich sie noch, wie sie wie zwei wilde Fohlen über die Koppel jagten, bevor ich mich umdrehte und den Weg zum Hauptstall einschlug. Immerhin warteten noch viele andere Pferde darauf, meine Aufmerksamkeit zu bekommen.
      Eines war mir heute jedoch nochmal bewusst geworden; Pferde gehörten zu meinem Leben.
    • Veija
      Neuigkeiten
      März 2016, by Canyon
      Mio » »Wo bleibt Charly den heute?«, fragte ich etwas angespannt. Shadow und ich saßen am Frühstückstisch und warteten auf unsere zwei anderen Mitbewohner, namens Charly und Shadow, welche so langsam mal aufkreuzen sollten.
      »Genauso gut kannst du fragen wo Nico bleibt«, sagte Shadow und schob sich einen großen Löffel Müsli in den Mund. Seine Essmanieren waren noch nie die Besten gewesen.
      »Haben die etwa schon wieder verschlafen?« Nervös tippte ich mit meinen Fingern auf den Tisch. »Die wissen doch ganz genau, dass wir heute richtig viel zu tun haben.«
      »Ach Mio«, nuschelte Shadow mit vollem Mund. »Das machen die sicherlich nicht absichtlich. Wie oft musste ich dich jetzt schon wecken?«
      Bevor ich etwas erwidern konnte, hörte ich Schritte auf der Treppe und einige Momente später kam ein sichtlich missgestimmter Nico in die Küche geschlürft. Erstaunt folgte ich ihm mit meinen Blicken. Was war denn mit dem los? Ich hätte nie gedacht, dass auch ein Nico mal deprimiert sein könnte. Nico ließ sich auf seinen Stammplatz fallen, zog seine Schüssel zu sich heran und ließ einen Schwall Müsli hinein klatschen, sodass ein Großteil entweder auf dem Tisch oder auf dem Boden landete. Auch mit der Milch ging er nicht fürsorglicher um und das ganze krönte er noch, in dem er es schaffte, Shadow mit seinen Essmanieren zu übertrumpfen. Ich schaute ihn die ganze Zeit mit großen Augen an. Was anderes konnte ich in dem Moment gar nicht tun.
      »Was?«, fragte Nico mich aggressiv, als er meinen Blick spürte.
      »Alles gut mit Charly?« fragte ich nur perplex. Shadow hielt sich gekonnt im Hintergrund. Nico senkte den Kopf wieder, schob sich einen weiteren Löffel in den Mund und sagte zwischen einem weiteren Löffel: »Ja, alles okay.«
      Ich blinzelte. Das klang aber nicht so, als wäre wirklich alles in Ordnung. »Habt ihr euch gestritten?« fragte ich deshalb nochmal nach.
      »Hörst du schlecht? Es ist alles OKAY!« giftete mich Nico an, schob seinen letzten Löffel in den Mund und stand dann so schnell wie möglich auf. Kaum konnte ich etwas erwidern, da war er schon in Richtung Bad verschwunden. Ok. Mit offenem Mund starrte ich ihm nach. »Hast du das gesehen?» fragte ich verblüfft Shadow, welcher endlich seinen Kopf hob.
      »Jap, der scheint nicht wirklich gut drauf zu sein. Vielleicht schaust du mal nach Charly, nimm aber vorsichtshalber eine Schutzweste mit. Wenn Nico schon so wütend drauf ist, will ich nicht wissen, wie es Charly geht.«
      Ich musste lachen und boxte ihm in die Seite. Shadow verzog gekonnt schmerzhaft das Gesicht und hielt sich die Stelle (vielleicht etwas zu weit oben), wo ich ihn getroffen hatte. Ich befolgte seinen Rat und entschied mich dafür, nach meiner Freundin zu sehen, entschied mich aber dagegen, eine Schutzweste mitzunehmen.
      Ich fand Charly in ihrem Bett liegend, mit schmerzhaft verzogenen Gesichtsmasen. »He du«, begrüßte ich sie leise und schob mich durch die Tür in ihr Zimmer. »Was ist denn mit dir los?« fragte ich besorgt und kam zu ihrem Bett. Charly schüttelte nur den Kopf und nuschelte etwas in sich hinein.
      »Was ist denn los?« fragte ich sie abermals, als ich keine ordentliche Antwort bekam. »Nico hat dort unten gerade eine Show abgezogen, die mich dazu veranlasst hat, mal nach dir zu schauen.«
      Ich konnte die Worte »Dieses Arschloch« aus Charlys verkrampften Mund hören, bevor sie sagte: »Alles gut, mir geht es nur nicht so gut.«
      »Nicht so gut? Du siehst nicht so aus, als würde es dir nur nicht so gut gehen. Sag an, was hast du und wie kann ich dir behilflich sein?«
      »Ach Mio, ich habe nur etwas Magenkrämpfe und Übelkeitsanfälle, wahrscheinlich irgendeine Erkältung. Mir geht es gut, ich werde heute wohl nur im Bett bleiben. Du solltest vielleicht langsam in den Stall.« Kam es mir nur so vor, oder versuchte sie mich tatsächlich abzuwürgen und wegzuschicken? Ich wollte jedoch ihr Gemüt nicht noch weiter reizen und drückte ihr einen Kuss auf die Stirn, bevor ich das Zimmer verließ. Als ich wieder in der Küche war, schien Shadow bereits im Stall zu sein. Ein Blick auf die Uhr sagte mir, dass es dringend Zeit wurde und die Pferde sicherlich schon Radau machten, weil sie verspätet auf die Weiden kommen würden. Schnell warf ich mir eine Jacke über und kontrollierte die Temperatur auf dem Thermometer. Perfekt, wenn es weiterhin den Tag über trocken blieb, konnte ich meine Grenzfee vielleicht auf eine Weide stellen. Ich öffnete die Haustür und machte mich dann auf den Weg zum Hauptstall. Shadow war tatsächlich schon hier und machte bereits die ersten Pferde fertig, in dem er ihnen ein Halfter anlegte und den Strick über den Hals warf.
      »Ah Mio, da bist du ja. Alles gut bei Charly?« begrüßte er mich. Ich schüttelte den Kopf und erzählte ihm von meinem Besuch. Shadow schien nicht sonderlich besorgt und versuchte mich mit ein paar Argumenten davon zu überzeugen, dass es meiner besten Freundin nichts so schlecht ging, dass sie gleich sterben würde. Er überzeugte mich.
      »Nico ist im Hengststall und kümmert sich dort um die Bande. Hättest du Lust, zu Ocarina, Flotte und Scarlett zu gehen? Ich würde hier im Hauptstall anfangen und außerdem sollten Anouk und Aimé auch jeden Moment auftauchen. Ach so und dann kannst du gleich weiter zu den Kleinen gehen? Wenn Bärchen nicht alles aufgefressen hat, sollten die auch noch genügend Heu haben.« erklärte mir Shadow. Ich blickte ihn schmunzelnd an. Niedlich war es schon, dass er mir auf meinem eigenen Hof erklärte, was ich tun sollte. Ich drückte ihm einen Kuss auf den Mund und beeilte mich dann, zu meinen Pferden zu kommen. Ich schnappte mir aus einer Ecke eine Schubkarre, füllte diese mit Heu und machte mich dann auf den Weg zum Offenstall. Im Offenstall standen zur Zeit drei Stuten von mir. Zwei davon waren wild und unhandlich, eine davon war verschmust und anhänglich. Ich war selber extrem überrascht gewesen, dass die beiden großen Stuten die junge Stuten ohne Probleme in ihrer Mitte aufgenommen hatten. Vorallem Ocarina of Time fühlte tat manchmal so, als wäre sie die Mutter der kleinen Scarlett, was natürlich ungeheuer niedlich war. Auch heute war Scarlett wieder die erste, die mir auf die Nerven ging. Die Schubkarre über die hügelige Koppel zu schieben war schon schwer genug und wenn dann auch noch eine junge Stute ständig geknuddelt werden wollte, war es keine Freude. Als die Schubkarre endlich am Offenstall stand, nahm ich mir die Zeit, um die gescheckte Warmblutstute ausreichend zu kraulen. Oca und Flotte beobachteten das ganze aus einigen Metern Entfernung, entschieden sich aber doch schnell dafür, doch zum Heu zu kommen, obwohl ich noch da war. Vor einiger Zeit hätte das noch nicht funktioniert, dessen war ich mir sicher. Beide Stuten waren halb wild zu mir gekommen und es hatte mich einige Stunden Arbeit gekostet, die beiden auf diesen Stand zu bringen. Als Scarlett merkte, dass ihre beiden Freundinnen ihr alles wegfraßen, ließ sie schnell von mir ab und begab sich zur Fressstelle. Ich beobachtete die drei noch einen Moment, bevor ich mich wieder samt Schubkarre auf den Rückweg machte. Zum Glück war der Stall unserer drei Kleinsten näher am Geschehen, sodass ich zu ihnen nicht allzu lange brauchte. Zur Zeit standen hier drei Ponys, welche das Leben als kleine Racker so richtig genossen. Slaughterhorse, Lambardo und Happy lebten zu dritt in unserem zweiten Offenstall. Slaughter war der größte, während Lambardo und unser Bärchen Happy um einiges kleiner waren. Trotzdem hatte ganz klar Lambardo die Herrschaft, welche er ruhig, aber gezielt anführte.
      »Na ihr drei?« begrüßte ich sie und bückte mich zu Happy, welcher mit gerade mal einem Meter recht klein war. Ich hatte vor kurzem angefangen, Happy mit viel Geduld einzufahren und nun, da auch Lambardo dazu gekommen war, konnte ich das mit Beiden zusammen machen. Happy hatte sich gleich viel mehr angestrengt, nachdem der ältere Lambardo dazugekommen war. Bei den drei Pferden ließ ich nur neues Wasser in die Wanne ein und kontrollierte den Heuvorrat, allerdings hatte Shadow recht gehabt und für den Tag war noch genügend da. Zurück im Hauptstall musste ich zu erst den Radiosender wechseln. So ein Gejaule, das war ja kaum zu ertragen. Shadows Kopf kaum aus einer der Boxen hervor und blickte mich gespielt wütend an. »He, lass meine Musik an!«
      »Kannst'e knicken, mit so einer Musik kann ich nicht arbeiten.« sagte ich lächelnd, nahm mir eine Mistgabel und verschwand in der nächsten Box. Zu viert, Anouk und Aimé waren mittlerweile da, waren wir schnell fertig und als wir zur Mittagspause zurück ins Haus gingen, fanden wir Charly auf der Couch im Wohnzimmer sitzen. Sie hatte ihren Laptop auf den Beinen und begrüßte uns mit einem freundlichen Lächeln. »Tut mir echt Leid, dass ich euch nicht helfen konnte! Ich musste mich erstmal so richtig auskotzen, jetzt geht es mir aber besser.«
      »Das wollte ich gar nicht wissen«, meinte Shadow und ließ sich neben Charly aufs Sofa fallen.
      »Mio komm du auch mal her, ich habe etwas für euch.« meinte Charly und winkte uns zu sich heran. »Schaut mal, habe gerade eine Mail von meiner Cousine bekommen, die habe ich echt schon seit Jahren nicht mehr gesehen. Sie lädt mich und auch euch nach Norwegen ein. Sie hat sogar ein paar Bilder mitgeschickt. Schaut mal!«
      Ich quetschte mich noch auf Charlys andere Seite um auch einen Blick auf ihren Laptop erwischen zu können. »Wollen wir damit nicht noch auf Nico warten?« fragte ich zu Charly. »Der hat sicherlich auch Interesse daran zu sehen, wo unser nächster Urlaub hingeht.«
      Charly schüttelte den Kopf. »Die kann ich ihm auch noch später zeigen. Wer weiß, vielleicht möchte er ja gar nicht mit.«
      »Nico und nicht mit wollen? Charly-? Ist wirklich alles in Ordnung bei euch?« fragte ich etwas ängstlich. Es war überhaupt nicht gut, wenn wir uns zerstreiten würden.
      »Jaja, alles gut. Wir hatten nur einen kleinen Meinungsunterschied, aber das wird schon wieder.« Eine kleine Träne rollte aus ihren Augen. Ich merkte, wie sie mit aller Kraft versuchte weitere zurück zu halten, jedoch schaffte sie es nicht und mit einem Mal lag sie mir heulend in den Armen. Hilflos schaute ich zu Shadow, welcher jedoch auch nur mit den Schultern zuckte und mir einen mitleidigen Blick zuwarf. Ich wollte Charly gerade mit irgendwelchen Worten trösten, da kam Nico zur Tür herein. Er blieb stocksteif stehen und schaute zu Charly, welche ihn noch nicht bemerkt zu haben schien.
      »Charly, was ist denn jetzt los? Warum heulst du schon wieder?« fragte er sie genervt. »Das war nicht so gemeint, du weißt, dass ich immer zu dir stehe.«
      Charly schreckte auf und schaute Nico mit verweinten Augen an. »Spinnst du? Du stößt mich von dir und sagst dann, dass du an meiner Seite bist? Du bist ein Lügner und ein Idiot noch mit dazu!«, schrie sie ihn an und brach dann wieder in meinen Armen zusammen. Shadow hatte eine Augenbraue hochgezogen und schaute seinen Freund Nico fragen an. Dieser machte nur ein finsteres Gesicht, sagte aber nichts weiter.
      »Könnte mir mal jemand erklären, was hier los ist?«, fragte ich in die Runde. Nicos Blick wanderte zu mir, bevor er fragte: »Hat sie dir das noch nicht erzählt?«
      Charlys Kopf schnellte wieder hoch. »Bist du bescheuert? Denkst du wirklich, dass ich das ohne dich jemanden erzähle? Wenn du das glaubst, dann kennst du mich wirklich schlecht«, fauchte sie.
      Nico schien wirklich etwas betroffen. »Charly, es tut mir wirklich Leid! Ich war einfach überrumpelt und hatte nicht damit gerechnet. Bitte, lass mir etwas Zeit, nur ein wenig.«
      »Weißt du Nico, jeder normale Mann wäre vor Freude in die Luft gesprungen und du bittest um Zeit? Dann geh! Nimm dir die Zeit, aber wundere dich nicht, wenn ich dann keine Zeit mehr für dich habe.«
      Jetzt standen mir die Tränen in den Augen. Hilflos blickte ich in die Runde. Ein leises, fragendes »Hallo?« kam aus meinem Mund. Geschlagene zwei Minuten herrschte Stille. Charly heulte, ich heulte, Shadow und Nico saßen und standen nur da. Niemand rührte sich. Shadow war der erste der das Schweigen brach. »So wie es scheint, ist hier niemand dazu in der Lage zu reden, also bringt es auch nichts, bei dem schönem Wetter hier drinnen zu sitzen. Ich gehe reiten. Ihr findet mich in der Halle.« So stand Shadow auf, drängelte sich an Nico vorbei und einige Sekunden später fiel die Tür ins Schloss. Ich tätschele Charly den Kopf und folgte Shadow dann eilig. Ich musste auch aus dieser verrückten Bude raus! Mir egal, wenn die beiden da drinnen sich gleich anschreien würden, ich brauchte frische Luft! So wie ich es mir gedacht hatte, fand ich Shadow im Hauptstall, wo er behänd seine Stute Charelle putzte. Sie war sein erstes Pferd gewesen und so waren die Beiden zu einem festen Team zusammen gewachsen. Als Shadow mich kommen sah, hörte er auf zu putzen und nahm mich in den Arm. Ich fühlte mich geborgen und das mochte jetzt etwas komisch klingen, aber mir ging es gleich viel besser.
      »Hast du auch das Gefühl, dass es bei diesem Streit nicht nur um ein geklautes Bonbon ging?« fragte ich ihn, ohne mich aus seiner Umarmung zu lösen. Ich merkte wie er nickte. Auch er war etwas geschockt und verwirrt von dem plötzlichen Streit der Beiden, denn so lange hatten wir mehr oder weniger friedlich beisammen gelebt. Natürlich hatte auch er die Vorstellung im Kopf, um was es ging und ich konnte mir vorstellen, dass wir das gleiche dachten. Trotzdem war es noch nicht so weit, dass wir uns trauten, es laut auszusprechen. Auch ich entschied mich dafür eine Runde zu reiten und Shadow in der Halle Gesellschaft zu leisten. Ich hatte mir in letzter Zeit viel zu selten Zeit genommen, einfach mal gemütlich auf einem Pferd zu sitzen. Heute hatte ich sowieso keinen Nerv für Training. Alle Pferde standen noch auf ihren Weiden, weswegen ich mich auf den Weg zu jener machte, wo unsere kleineren Pferde standen. Dort lehnte ich mich an einen Pfosten und blickte zu den gemütlich grasenden Pferden. Meine Entscheidung viel mir nicht schwer, im Gegenteil, ich hatte es wohl schon vorher gewusst, nur nicht laut gedacht, auf welchen meiner Schützlinge ich mich heute setzen würde. Mein liebster von allem, der mit dem alles begonnen hatte. Excelsior. Fast schien es, als hätte er gespürt, dass ich ihn brauchte und so riss er sich von seinen Weidefreundinnen los und kam langsam zu mir getrottet. Ich musste zugeben, ich hatte ihn echt vernachlässigt in letzter Zeit, Aimé hatte ihn immer bewegt, doch als ich ihm sein Halfter umlegte und mich mit einem Schwung auf seinen Rücken zog, bereute ich das Ganze. Er blieb ruhig stehen, ging erst los, als ich ihn ansprach und obwohl der Weg zum Stall keine Weltumrundung war, genoss ich jeden seiner Schritte. Ich war mir sicher, dass viele Sprichwörter nicht der Wahrheit entsprachen, aber das Glück der Erde lag wirklich auf dem Rücken der Pferde. Hier vergaß man so schnell alle Sorgen, dass man, sobald man den Pferderücken betrat, ein anderer Mensch wurde.
      Ich ritt gemütlich zum Hauptstall, wo Shadow gerade seine Nelly aus dem Gebäude führte. Ich schenkte ihm ein kleines Lächeln und er schien zu verstehen, dass ich gleich nachkommen würde. Vor dem Stall glitt ich von Exels Rücken und band ihn an seiner Box an, welche gleich die erste im Stall war. Leise vor mich hin summend, putzte ich ihm sein dunkleres Fell, sprach ab und zu mal mit ihm und genoss es, endlich wieder einfach mal Zeit für ihn zu haben. Nach dem Putzen nahm ich den Halsring von dem Haken vor seiner Tür, streifte ihn Exel über den Kopf und zog mich wieder auf seinen Rücken. Im gemütlichen Schritt lenkte ich ihn zur Reithalle. Bereits von Weitem konnte ich Shadow erkennen, er saß auf seiner Nelly und galoppierte Runde für Runde in einem gemütlichen Galopp, natürlich passend zum Soundtrack welche im Hintergrund aus den Lautsprechern ertönte. Ich schaute ihm einige Momente zu, bevor ich gekonnt das Tor aufstieß und zu ihm in die Halle kam. Jetzt würde ich erstmal eine Runde reiten, dann sah die Welt schon viel heiler aus, dachte ich bei mir, bevor ich meinen Exel auf die ganze Bahn lenkte und ihn zum Trab antrieb. Als ich zusammen mit Shadow unsere Wohnung wieder betrat, duftete es herrlich nach Waffeln. Ich liebte Waffeln und ich wusste, dass es Shadow, Charly und Nico genauso ging. Wenn wir wollten, könnten wir uns sicherlich nur von Waffeln ernähren, vorallem wenn auf dieser eine dicke Schicht Schokolade ihr Unwesen trieb. Charly und Nico fand ich nebeneinander stehend in der Küche. Die Stimmung schien immer noch gekränkt und etwas frostig zu sein, jedoch hatten sie sich wohl ausgesprochen und konnten sich wieder in die Augen sehen. Ich fühlte mich etwas unwohl, als ich die Küche betrat, denn ich wusste nicht, was jetzt kommen mochte. Shadow folgte mir und spendete mir mit seiner Anwesenheit etwas Trost. Vielleicht hätte ich jetzt so etwas sagen sollen wie: »Oh hier riecht es aber lecker!« oder »Lecker Waffeln! Jetzt habe ich aber Hunger« oder andere sinnlose Sätze. Ich jedoch sagte – nichts. Shadow und ich standen in der Tür und beobachteten die Beiden dabei, wie sie still vor sich hinarbeiteten. Nico und Charly kannten sich verdammt gut, was man bei ihre Handgriffen auch genau sah. Charly schmeckte den Teig ab, schüttelte sacht den Kopf und sofort hielt ihr Nico den Salzstreuer hin. Shadow zeigte stumm zu unserem Küchentisch und als ich nickte, gingen wir beide zu diesem, wo wir uns fallen ließen. Charly und Nico mussten uns mittlerweile bemerkt haben, jedoch schien ihnen irgendwas so peinlich zu sein, dass sie es nicht schafften, sich zu uns umzudrehen. Eine gefühlte Ewigkeit später wendeten beide ihre Aufmerksamkeit zu uns, als sie einen Teller dampfender Waffeln und ein Schokoladenglas auf den Tisch stellten. Nico holte noch vier Messer aus einer Schublade und fertig war unser leckeres Gericht. Nachdem wir Waffel für Waffel alles aufgegessen hatten, lehnte ich mich entspannt und mit vollem Bauch im Stuhl zurück. Nach dieser Stärkung konnte mich, egal was jetzt kommen würde, nichts mehr aus der Ruhe bringen. Eine Zeit lang blickten wir uns stumm an, Charly spielte nervös mit ihrer Unterlippe und Nico saß tatenlos mit verschränkten Armen da. Irgendwann, ich war schon fast dabei, meinen Kopf auf Shadows Schultern zu legen und einfach einzuschlafen, begann Charly zu sprechen. »Es tut uns Leid, dass wir heute so viel Stress gemacht haben. Es war alles etwas kompliziert. Ich hoffe, ihr seid uns nicht böse, aber ich bin schwanger.«
      Natürlich hatte ich mir so etwas gedacht, auch wenn ich es nicht hatte fassen können. Nie hatte ich mir darüber Gedanken gemacht, dass es irgendwann so weit sein könnte, aber nun war es soweit und hoffentlich, hoffentlich würde alles gut enden. Ich stand von meinem Stuhl auf, ging um den Tisch herum zu meiner Freundin und nahm sie fest in den Arm. Ich merkte, wie sie anfing zu schluchzen, doch diesmal war es keine Wut oder Trauer die sie dazu brachte, sondern Dankbarkeit. Als ich mich von Charly löste, stand auch schon Shadow hinter mir und nahm sie fest in den Arm. Außerdem hörte ich Shadow ihr einen Glückwunsch zusprechen und viel Glück wünschen. Auch wenn ich es mit Nico nicht lange alleine aushielt, trotzdem war er mein Freund. Er war manchmal ein riesen Arsch, aber er gehörte zu uns. Auch ihn drückte ich, was ihn anscheinend etwas erschrak, wann hatten wir uns je gedrückt, aber er erwiderte die Umarmung.
      »Nico, du bist der perfekte Freund für Charly, zeige ihr, dass du den Platz an ihrer Seite auch wirklich verdienst. Lass dir etwas einfallen, wie du das Ganze wieder gerade biegen kannst!« flüsterte ich ihm zu, so dass es Charly nicht hören konnte. Der Lockenkopf nickte und ich sah eine Träne in seinen Augen glitzern. Es war die erste Träne, die ich bei ihm sah und ich wusste, dass er alles bereute.Natürlich entschieden wir uns dafür, dies zu feiern und zwar, in dem wir uns alle auf unsere Sofaecke lümmelten und unseren diesjährigen Urlaub planten. Wie Charly uns heute morgen bereits gesagte hatte, Nico fühlte sich etwas überrumpelt, denn er hatte noch nichts davon gewusst, hatte ihre Cousine uns alle nach Norwegen eingeladen. Sie besaß mit ihrem Mann und ihrem kleinen Sohn eine kleine Hütte in der Nähe der Stadt Sylling und wollte uns alle einmal kennenlernen. Die Bilder waren so bezaubernd, dass wir natürlich gleich eine Mail zurück schrieben. Es würde unser erster gemeinsamer Urlaub sein und ich hoffte, dass wir vier uns nicht so schnell verlieren würden. Am Abend ging ich mit einem unglaublichen Gefühl ins Bett. Meine beste langjährige Freundin Charly bekam ein Kind. Hätte man mich vor einem Jahr gefragt, wer von meinen Freundinnen zu erst ein Kind bekam, Charly hätte ganz am Ende der Liste gestanden. Ich wusste jedoch, dass es Charly und auch Nico gut tun würden, wenn sie endlich mal etwas Verantwortung lernen würden und außerdem war die Wahrscheinlichkeit groß, dass Nico das Rauchen endlich mal aufgeben würde. Natürlich freute ich mich auch riesig auf den Urlaub in Norwegen und wer hätte es erwartet, dass genau dieser bald mein Leben verändern könnte.

      Denkarium
      Mai 2016, by Canyon
      Mio » Geschafft von der Arbeit des Tages, ließ ich mich in meinem Zimmer auf mein Bett fallen. Trotz zwei Wochen 'Urlaub', waren diese Tage noch stressiger gewesen, als sie eh schon immer waren. Meine Hand bewegt sich zu dem kleinen Schränkchen neben dem Bett. Ich zog eine Schublade auf und holte aus dem verstaubten Fach ein kleines, in Leder eingebundenes Notizbuch heraus. Es war nichts besonderes, ich hatte es vielleicht irgendwann einmal geschenkt bekommen und nun existierte es als ein 'Denkarium', wie ich es gerne nannte, in meinem Schrank. In diesem notierte ich alles, was in letzter Zeit passiert und nun war es mal wieder soweit, die neuesten Geschehnisse zusammen zu fassen. Der Kuli klickt und kaum lag das Buch aufgeschlagen auf meinen Schenkeln, begann ich auch schon damit, mit dem kratzigen Stift über das Papier zu streichen.

      Eintrag vom 21. Mai 2016 – Eine kleine Zusammenfassung
      Kurz nachdem uns unsere Trakehnerstute Winterzauber verlassen hat und zu Bracelet nach Slowenien gezogen war, zog schon wieder ein neues Pferd bei uns ein. Diesmal war jedoch nicht ich die Schuldige, sondern mein Freund Shadow. Schon lange ist er ein großer Tekkenfan und die Rappstute April Rain war da einfach perfekt für ihn und seine Charelle. Es dauerte nicht lange nach Aprils Einzug auf dem Gestüt und die beiden Stuten waren beste Freundinnen. Ich gönne es meinem Freund, dass es so leicht gewesen war, denn ich weiß, wie schwer es ist, wenn es nicht so gewesen wäre. Was für ein verschachtelter Satz! Kurz darauf fiel bei Charly, Nico Shadow und mir die Entscheidung, uns von sechs weiteren Pferden zu trennen, welche wir bestimmt nicht leicht fertig entschieden. Mit jedem Pferd hatten wir eine tiefe Beziehung aufgebaut, hatten allerdings bereits nach kurzer Zeit schon für jedes Pferd einen neuen guten Platz gefunden. Auch Vaconda und Vintage Gold würden Winterzauber nach Slowenien folgen, während Hryða nun doch auf das Isländergestüt nach Dänemark zu meinen beiden Kolegginen Linn und Bella ziehen würde. Auch Changa, GH's Acapulco Gold und EBS Mon Amie hatten ein passendes zu Hause gefunden. Natürlich fiel uns der Abschied von so vielen Pferden schwer, allerdings wird es langsam Zeit, dass wir und auf unser Ziel konzentrieren und spezialisieren. Eine Überraschung war es auch, als ein weitentfernter Bekannter, Sveijn Àlfarsso, seinen Junghengst Braum van Ghosts verkaufen wollte. Ich kannte Braum nur von Erzählungen und Bildern, denn unter uns Pferdebesitzern wurde natürlich viel erzählt und getratscht und so fiel mir die Entscheidung nicht schwer zu sagen, dass ich den Kleinen liebend gerne zu mir nehmen würde. Es dauerte nicht lange und der Mix zog bei mir ein. Mit dem Einzug von Braum veränderte sich auch die Weideaufteilung: Excelsior und Braum würden erstmal zusammen auf eine Weide kommen und vielleicht würde unser kleiner Slaughterhorse noch hinzu stoßen, falls sich das Trio verstehen sollte. Slaughter steht zur Zeit noch zusammen mit den beiden Shettys Lambardo und Happy auf einer Weide, welche jedoch eine viel geringere Größe haben als er. Meine Valentines Jeanie steht zur Zeit leider mit California's Small Caramel Candy allein auf einer kleinen Wiese, was jedoch nicht weiter schlimm war, da wir doch tatsächlich unseren ersten Nachwuchs von Jeanie erwarten! Meine erste Stute würde unser eigenes erste Zuchtfohlen zur Welt bringen, was mich als Züchterin und Besitzerin natürlich sehr stolz machte. Außerdem konnten wir noch damit prahlen, dass die langwierige und schwierige Zusammenführung von Anaba und dem Trio Flotten von Mutanten, Ocarina of Time und Seattle's Scarlett endlich erfolgreich war! Desweiteren ist Anaba endlich bereit für ihre Krönung, dank Charly, und wird demnächst auch von Charly auf einer vorgestellt werden. Der unerwarteste Neuling von allen war mit Sicherheit eine junge Vollblutstute, welche das gleiche Schicksal wie unsere Grenzfee hinter sich hatte. Als Rennpferd geboren, als Rennpferd viel zu früh ausgebildet und als Rennpferd untergegangen, wurde sie wegen zu vielen Krankheiten HOCHTRÄCHTIG an den Schlachter verkauft. Jedoch hatte sie das Glück, dass sie vom gleichen Tierschützer gefunden wurde, welcher auch Grenzfee an uns weiter gegeben hatte. Ein Anruf und wenig später kam die Stute, mit dem bereits geborenen und zum Glück gesunden Hengstfohlen zu uns auf den Hof. Teufelstanz und ihr Fohlen Aspantau sind nun bereits gut angekommen und man merkt, dass es den beiden Tag für Tag besser geht. Auch Grenzfee schien nun endlich das Glück gefunden zu haben, denn sie durfte nun endlich wieder aufs Gras und freundete sich natürlich auf den ersten Blick mit Teufelstanz und ihrem Fohlen an, sodass die drei zur Zeit in einer unserer Offenstallungen leben. Sobald Aspantau alt genug ist, wird das junge Fohlen zu unserer Junghengstbande kommen, in der Hoffnung, dass die sich auch alle vertragen werden, denn ich konnte mir vorstellen, dass sich das eingeschworene Trio aus Sleipnir, Varys und Imagine There's No Heaven dreimal überlegen werden, ob sie ein Vollblut dabei haben wollen. Aber wir werden sehen, was die Zeit so bringen wird. Es ist immer wieder ein Geschenk des Himmels, wenn ein so junges Fohlen wie Aspantau das Licht der Welt erblickt und so unbesorgt und nichts ahnend im hier und jetzt lebt. Unser 'Problem' ist zur Zeit noch Nicos Marid, welcher allein auf einer Wiese steht. Hoffentlich wird Nico dafür bald eine Lösung finden, denn mit Chosposi, Leiðtogi und Morrigans Hidalgo versteht sich der wilde und unausgeglichene Hengst kein bisschen. Für Charly, Nico, Shadow und mich geht es in wenigen Tagen auf nach Norwegen! Endlich mal wieder raus hier und KEINE Pferde um sich, dass kann bestimmt auch mal schön sein, auch wenn ich weiß, dass ich diesen Satz bereits am zweiten Tag bereuen werde. Anouk und Aimé würden sich dann hier um die Bande kümmern und ich bin mir sicher, dass sie das auch schaffen werden. Es geht mir gut, es geht uns allen gut und dafür sollten wir dankbar sein.

      Ich schlug mein Buch zu. Was so ein Eintrag alles bewirken konnte. Während man schreibt, vergisst man alles andere um sich herum und lebt nur in dem Gekritzel auf einem Blatt Papier. Schreiben entspannte mich immer, auch wenn ich, so wie heute extrem gestresst gewesen war. Ich klappte mein Denkarium zu und verstaute es wieder in der Schublade, welche, als ich sie zuschob, eine Staubwolke hinterließ. Ich sollte mal wieder putzen, dachte ich bei mir, heute aber nicht mehr, das mache ich wann anders. Ich schlug die Bettdecke zurück schlüpfte in mein Bett und kaum lag ich, da kam meine treue Freundin Capucine zu mir gesprungen. So ein tolles Tier, dachte ich noch mit einem Lächeln auf den Lippen, bevor ich mit einer schnurrenden Katze an meiner Brust einschlief.

      Es gibt keinen Weg, der nicht irgendwann nach Hause führt
      Juli 2016, by Canyon
      Mio » Nevada, USA - 19:37
      Der Tag neigte sich bereits dem Ende zu, als ich von der Red Rock Road auf den Scenic Loop Drive abbog. Trotz des frischen Westwindes von Kalifornien, arbeitete der ältere und von einer dicken Staubschicht bedeckte Jeep unter mir, als würde er jeden Augenblick den Geist aufgeben. An dieses Geräusch hatte ich mich mittlerweile gewöhnt, es war normal, vor allem bei dieser Hitze. Selbst in der Nacht sanken die Temperaturen nie unter 70 Fahrenheit, wie man hier auf diesem Kontinent so schön zu sagen pflegte.
      Links von mir tauchte nun der Pine Creek auf, welcher mich ein kleines Stückchen begleitete, bevor sich unsere Wege trennten. Mittlerweile kannte ich mich hier aus, lange hatte es nicht gedauert. Mit dem Auto oder zu Pferd, ich hatte mich an meine neue Heimat gewöhnt.
      Als sich der Scenic Loop in einem Bogen Richtung Norden wand, bog ich auf die kleinere Rock Gap Road ab. Ich merkte den Einkauf im Kofferraum, als die steinige Straße leicht bergauf ging und ich konnte mich mit all dem Eingekauften schon am verlassenen Straßenrand stehen sehen. Zum Glück würde ich nicht allzu schnell verhungern und erfrieren konnte man hier ja zu dieser Jahreszeit ebenfalls nicht. Da wir maximal einmal pro Woche in die berühmte Großstadt Las Vegas fuhren, um für die nächsten Tage Vorräte einzukaufen, war der Jeep entsprechend voll.
      Kurze Zeit später ging es dann für mich auf die La Madre Spring Road und von da aus waren es nur noch einige Meter bis zu meinem Ziel.
      Addison Moore hatte wenig freie Zeit, davon hatte ich mich in den letzten Monaten selbst überzeugen können, weshalb ich etwas überrascht war, als ich ihn und seinen treuen Gefährten Cerberus auf der Terrasse des Ranchhauses sitzen sah. Ich sah ihn nur kurz, bevor ich den Jeep etwas weiter unter den Bäumen parkte, doch sein Blick ging in die Ferne und verschwand dann in den rötlichen Felsen des Canyons.
      So gekonnt wie ich es mir vor kurzer Zeit noch nicht hatte vorstellen können, parkte ich korrekt ein, bevor ich das stickige Auto verließ.
      Mit schweren Taschen bepackt ging es für mich zum Haus, wo mich nun ein aufgeregt mit dem Schwanz wedelnder Hund begrüßte. Ich nahm mir kurz die Zeit, trotz voller Arme, um den Rüden zu begrüßen. Ich wusste wie übel er es mir nehmen würde, wenn ich es nicht tat. An meinem ersten Tag auf der Ranch hatten mich die eisblauen Augen des interessant gescheckten Louisiana Catahoula Leopard Dog eingeschüchtert, doch mittlerweile hatte ich lernen dürfen, dass Ceb der tollste Hund der Welt war, wenn man Asuka außer Acht ließ und das tat ich in letzter Zeit.
      Addison hatte sich mittlerweile aufgerichtet und mir eine der Taschen von der Schulter genommen und diese nun ins Haus trug. Ich folgte ihm und mir folgte Ceb, welcher den Geruch nach frischem Essen bestimmt schon mehrere Meilen vorher gerochen hatte. Ich hatte mich daran gewöhnt, dass Addi meistens eher stumm blieb, denn ich wusste, wenn es etwas Wichtiges gab, dann konnte auch Addison sprechen. So lange er nicht sprach, war alles gut.
      Aus der Küche wehte mir ein warmer und angenehm riechender Duft entgegen: Nudeln mit Tomatensoße, genauso wie es vor vielen hundert Jahren bei meiner Oma geduftet hatte.
      Als ich mich nach dem Abstellen der Taschen wieder erhob, wurde ich schlagartig und stürmisch von einer jungen Frau umarmt, welche ihre kraftvollen und doch zierlichen Arme um mich schlang.
      „Mio! Eine Woche habe ich dich nicht gesehen und trotzdem so vermisst wie diese Landluft hier. Wie gut du immer noch aussiehst! Der Wahnsinn!“ rief sie mit heller Stimme in mein Ohr, sodass ich dachte gleich taub zu werden.
      „Hey Heather“, sagte ich um ein vielfaches ruhiger. „Ich wusste gar nicht, dass du heute kommen wolltest?“
      Schauspielerisch entrüstet ließ sie von mir los, verschränkte ihre Arme und spitzte die Lippen, dann wandte sie sich von mir ab, nahm ihre Tasche vom Stuhl und wollte mit den Worten: „Dann kochst du eben das Abendbrot!“, den Raum verlassen. Mit einem schnellen Griff am Arm zog ich sie zu mir zurück und schob sie zum Herd. „War doch nicht so gemeint, das weißt du ganz genau!“ sagte ich lachend. „Es ist schön, wenn du da bist und außerdem weißt du, dass ich nicht so ein Kochtalent bin wie du.“ versuchte ich ihr zu schmeicheln. Heather liebte es, wenn man ihr Komplimente machte. Sei es ihr Aussehen, eine neue Bluse oder ihre Kochkünste, sie war ganz vernarrt darauf, Lob zu bekommen.
      Addison hatte sich derweilen gekonnt aus unserer Unterhaltung herausgehalten, machte sich aber nun damit bemerkbar, dass er lautstark die Teller aus dem Schrank holte. „Ich will eure Begrüßungsrituale ja nicht unterbrechen, aber meiner Meinung nach riecht es hier etwas angebrannt.“
      Heather entfuhr ein spitzer und vor allem hoher Schrei und sie drehte sich erschrocken zum Herd um, wo die Tomatensoße gefährlich dampfte.
      „Wo sind eigentlich Chill und Buck?“, fragte ich Addison, da mir gerade erst aufgefallen war, dass die beiden Zwillinge beim Geruch von Essen noch nicht in die Küche gestürzt waren.
      „Bei Jon, sie wollen irgendein „Projekt“ für die Schule machen und da muss man natürlich auch übernachten“ kam Heather ihrem Neffen Addison zuvor. Sie hatte ihren hübschen Mund zu einem ironischen Lächeln verzogen, sah dabei allerdings immer noch so schön aus wie zuvor. Mich wunderte es schon lange, dass die hübsche Frau mit den langen blonden Locken und den grünen Augen noch immer keinen Partner gefunden hatte, obwohl sie in der Blüte des Lebens stand und dazu noch in der Großstadt Las Vegas wohnte. Aber wer weiß, vielleicht wartete sie noch auf den Richtigen.
      „Wann kommen die Beiden denn wieder?“ stellte ich die Frage in den Raum. Diesmal zuckte Heather nur mit den Schultern, während Addison ein „Morgen“ brummte.
      „Ach Ad“, hatte Heather wieder etwas beizutragen „Man denkt du bist schon in Rente und hast einen Bart bis auf den Boden, dabei bist du gerade erst Anfang dreißig. Versuche jedenfalls, deinen Mund etwas weiter aufzumachen, glaube mir, das geht!“ maßregelte Heather Addison, bevor sie sich wieder dem Essen zuwandte. Ich ließ mich gegenüber von Addison, welcher sich am Tisch niedergelassen hatte, auf einen Stuhl gleiten und sah gerade noch, wie der sonst so emotionslose Addison seiner Tante ein belustigtes Lächeln schenkte, was sie natürlich nicht sehen konnte.
      Ich weiß, Charly hörte es nicht gerne, aber Nevada war meine neue Heimat.

      Charly » Buskerud, Norwegen – 12:37
      Ich hätte nie gedacht, dass Kinder in den Schlaf wiegen so lange dauern würde, mittlerweile hatte ich Erfahrung darin, was es bedeutete, die Mittagspause damit zu verbringen. Bartholomäus war von Anfang an ein recht umgängliches Kind gewesen, ich hatte jedoch keine Ahnung, von wem er das haben könnte. Ich war es definitiv nicht gewesen und das was ich von Nico gehört hatte, er auch nicht. Dafür sah der Kleine genauso aus wie sein Vater. Bereits nach zwei Wochen waren ihm die ersten goldenen Löckchen auf dem Kopf gesprossen.
      Erschöpft, obwohl erst die Hälfte des Tages geschafft war, ließ ich mich auf die Couch in unserem Wohnzimmer fallen, welches, selbst einige Monate nach dem Umzug, noch bis oben hin mit Kartons vollgestopft war. Mein Laptop stand noch offen von vorhin da, ich hatte es im Laufe des Tages einfach nicht geschafft ihn zuzuklappen und mittlerweile war der Bildschirm, wie auch die Tastatur, voller Brei. Lecker. Ich konnte noch ganz genau erkennen, welches Glas ich Bartholomäus heute aufgemacht hatte. Das war bestimmt Möhre, Kartoffel und etwas Selleriegeruch, wie mir meine Nase mitteilte.
      Mit einem Ärmel, welcher den Bildschirm erst recht noch dreckiger machte, da dieser auch nicht mehr der Sauberste war, versuchte ich die groben Reste des Mittags vom Laptop zu wischen, bevor ich ihn zu mir auf den Schoß zog.
      Es war bei mir zur Angewohnheit geworden, dass ich jede freie Minute mich vergewisserte, dass ich keine Nachricht bekommen hatte. Der erste Klick ging auf Skype, eine der besten Methoden untereinander zu kommunizieren, wenn einem die Grenzen der Länder voneinander trennten. Mio schien dies aber noch nicht verstanden zu haben, seit Wochen war bei ihr kein grünes Häkchen mehr gewesen. Auch in meinem E-Mail Postfach fand ich wie immer keine ungelesene Mail von ihr. Ich gab es nicht gerne zu, aber ich vermisste sie. Ich vermisste sie so, wie ich Shadow vermisste und vor allem fehlten mir die alten Zeiten.
      Ich wollte meinen Laptop gerade zuklappen, als die Tür aufgestoßen wurde und mein Freund Nicolaus lautstark die Wohnung betrat. Mein Mund war schon halb geöffnet, um ihn ein weiteres Mal zu ermahnen, dass er gefälligst leise sein sollte, wenn sein Sohn schlief, aber er war schneller bei mir. Mir wurde ein Kuss auf die Stirn gedrückt, dann legte seine Hand auf die Meinige, welche noch auf dem Bildschirm ruhte und drückte mit mir zusammen die Klappe nach unten.
      „Charly, du weißt, dass Mio sich erst Sonntagabend melden wird und bis dahin sind es noch zwei volle Tage. Ihr geht es gut.“ Sagte er sanft, was er normalerweise nicht allzu oft tat. Ich zog meine Hand unter seiner weg und drehte mein Gesicht zum Fenster. „Du magst sie doch kaum und wirklich kennen tust du sie auch nicht. Vielleicht ist es einfach deine Schuld, dass sie sich so selten meldet?“ Kurz nachdem ich es gesagt hatte, wusste ich, dass diese Worte Nico hart getroffen hatten. Noch bevor ich die erste Träne in seinen Augen schimmern sah, war ich aufgestanden und hatte ihn umarmt. „Es tut mir leid, es tut mir leid“, versuchte ich das Gesagte wieder gutzumachen, allerdings hatte ich es trotzdem gesagt.
      Nico umarmte mich, allerdings war diese etwas steif. Ich hatte ihn verletzt und obwohl ich wusste, dass er sich selbst große Vorwürfe machte, hatte ich die Schuld auf ihn geschoben.
      Nach einiger Zeit in der Umarmung löste sich Nico von mir und zog mich zu sich aufs Sofa.
      „Charly, ich vermisse mein Füchschen genauso wie du es vermisst und auch wenn du es mir nicht glaubst, Shadow und Mio waren seit langem die beiden einzigen Freunde, die ich je besaß. Shadow werde ich nie wieder sehen und Mio ist auf der anderen Seite der Welt mit der Hälfte unserer Pferde. Fast hätte ich hier alles hingeworfen, weil mir der Gedanke, dass ich versagt habe, einfach nicht aus dem Kopf ging. Doch jetzt habe ich ein neues zu Hause gefunden, habe einen Sohn und ich habe dich. Das ist das Wichtigste.“ Er schloss seine Rede und blickte mir tief in die Augen. Ich hielt seinem Blick stand und wusste, dass er Recht hatte.
      „Du hast Recht. Mio holen wir schon irgendwann wieder zu uns.“
      Ein weiterer Kuss, dann zog mich Nico wieder auf die Beine. „Wann hast du eigentlich deinen letzten Ausritt gemacht?“
      Gute Frage, dachte ich, das war definitiv schon länger her. „Du weißt, dass ich schlecht einen Ausritt machen kann, während Bart schläft, oder?“
      „Teo ist mir noch was schuldig und außerdem muss er sowieso mal ne Pause machen, der steht seit heute Morgen um sieben im Stall.“

      Teodor war die Gutmütigkeit in Person und auch wenn er manchmal grober wirkte als er war, konnte man sich eine Tyrifjord Ranch nicht ohne ihn vorstellen. Obwohl er schon etwas älter war und eigentlich schon längst in Rente hätte gehen müssen, schuftete er Tag für Tag im Stall und das nicht zu knapp. Nico und ich wären ohne ihn schon längst verzweifelt.
      Teo hatte ein Händchen für Kinder und vor allem für Pferde, weswegen es auch nicht allzu lange dauerte, bis mein Nico den alten Herren von einer kleinen Mittagspause in unserer Wohnung überredet hatte.
      Die Tyrifjord Ranch besaß eine ganz andere Aura als Saint Gorge, ließ einem viel mehr Raum und bot natürlich auch den Pferden viel mehr Platz. Nachdem sich auf Saint Gorge so vieles verändert hatte, waren wir froh gewesen, die Möglichkeit eines neuen Gestüts zu bekommen und das war es gewesen. Ein alter kleiner Hof, mit einer neuen Reithalle, einem kleinen Reitplatz, einem Roundpen und natürlich einem Stall, der mehreren dutzend Pferden Platz zum Leben bot.
      Mit dem Kauf der Ranch hatten wir uns allerdings auch dazu verpflichtet, dem alten Bewahrer Teodor Sjöson und seiner blinden Tochter Torun weiterhin ein zu Hause zu bieten, was für uns natürlich kein Problem war. Während wir zu dritt im Haupthaus wohnten, begnügten sich Teo und Torun wie zuvor mit dem alten Bootshaus, welches zu einem kleinen Wohnhaus umgebaut worden war.
      Nachdem ich Teo kurz in seine Aufgaben eingeweiht hatte, welche er brummend hingenommen hatte, machten wir uns auf den Weg zu unserem Hauptstall, welcher am anderen Ende der Ranch stand. Für Nico stand schnell fest, welches der Pferde er auf einen Ausritt mitnehmen würde, ich musste länger überlegen. Ich war lange Zeit zu Recht sauer auf Mio gewesen, weil sie meine allerliebste Stute mit zu ihrer ach-so-tollen-Ranch genommen hatte und ich nun seitdem kein bestimmtes Reitpferd mehr hatte. Normalerweise wäre ich ja nun Grenzfee geritten, welche ich aber, laut Nico, erst wieder reiten durfte, wenn der kleine Bart nicht mehr die ganze Zeit an meiner Brust hing. Zu gefährlich, zu groß, zu wild, hieß es dann immer. Viele Pferde blieben dann ja nicht mehr, sodass ich mich für das einfachste und unkomplizierteste Pferd entschied, welches es auf unserer Ranch gab: Den Norwegerwallach Milosch.
      Nico war davon überzeugt gewesen, dass auf die Ranch ein ordentlicher Norweger gehörte und wir dringend ein Pferd für unseren Sohn brauchten, sodass Milosch der erste Neuankömmling auf unserer Ranch gewesen war. Norwegen - Norweger, wie primitiv. Nicht unbedingt sehr groß, mit dichtem Fell und typischer Stehmähne, ein Kinderpony, welches jedes Herz erweichen ließ. Ich war froh darüber ihn zu haben, denn selbst mit meinem dicken Bauch, welchen ich die letzten Monate mit mir herumgeschleppt hatte, hatte er mich noch ohne Mühe tragen können.
      Nachdem ich Milosch angebunden hatte und Nico seinen Marid, fiel ihm schlagartig ein, dass er einen Toilettengang gebrauchen könnte und verschwand schnell in Richtung Wohnhaus. Ich seufzte theatralisch. Ich verstand einfach nicht, warum ausgerechnet Nico es nicht schaffte, kurz ins Gebüsch zu gehen.

      Ich hatte das warme Fell der Pferde, den Staub aus diesem und den Geruch des Strohs vermisst, schon lange hatte ich mir nicht mehr die Zeit genommen, einfach ein Pferd zu putzen und zu striegeln, es waren einfach zu viele andere Dinge wichtiger gewesen.
      Als ich an das kleine Stutfohlen dachte, welches Jeanie vor kurzem zur Welt gebracht hatte, schwenkten meine Gedanken wieder unabsichtlich zu Mio. Excelsior und Jeanie waren immer ihre Lieblingspferde gewesen, auch sie hatte sie einfach zurückgelassen. Wie konnte sie nur so einen Stimmungswechsel gehabt haben?
      Ich schüttelte mir diesen Gedanken wie eine lästige Fliege aus dem Kopf und konzentrierte mich weiter auf meine Arbeit, denn immerhin wollte ich Teos Nerven nicht allzu lange beanspruchen.
      „Dieser blöde sprechende Papagei! Ich weiß, warum ich mich dafür entschieden habe, mein Leben mit Pferden anstatt mit Vögeln zu verbringen!“ Lautstark kam Nico zurück in den Stall gestapft, um eine Hand eine weiße Binde, durch welche das Blut auf den Stallboden tropfte. „Wie oft habe ich Petyr schon gesagt, dass dieser olle Vogel nicht frei herum fliegen soll, der ist lebensgefährlich! Und vor allem hat er nichts auf der Toilette zu suchen.“ beschwerte er sich, während er auf seinen brav wartenden Marid zulief. Marid, auch Vad genannt, schien der Einzige, welcher wirklich Mitleid mit Nico zu haben schien. Asuka, welcher hinter Nico hinterher getapst kam, Milosch und auch ich, schienen es toll zu finden, dass Nico endlich mal Parole geboten wurde. Normalerweise war Nico immer der Wortführende und der sprechende Papagei Napoleon hatte seine Freude daran gefunden, Nico über all aufzulauern.
      Mitfühlend stupste der sonst so grobe Vad seinen Freund, wie ein Hund sein Herrchen, an und es fehlte nur noch, dass er diesem mit seiner Pferdezunge übers Gesicht leckte. Mich schauderte es bei diesem Gedanken.
      "Der Vogel ist toll und ich habe nichts dagegen, dass er sich frei bewegen darf. Es gibt so selten Papageien, welche nicht in einem Käfig eingesperrt sind." meinte ich hämisch grinsend zu Nico, welcher nur etwas Unmissverständliches brummte und sich dann Vad zuwandte.
      Nachdem die Pferde gesattelt waren (und Nico mich mit Schutzweste, Reithelm und Handschuhen ausgestattet hatte (er fand es kein bisschen übertrieben)) saßen wir vor dem Stall auf und begannen unseren kleinen Ausritt. Irgendwo war es bestimmt süß, dass Nico nicht vor mir reiten wollte, um mich nicht aus dem Blick zu verlieren und ständig darauf achtete, dass es mir gut ging. Allerdings musste ich mich anstrengen, keinen Streit vom Zaun zu brechen. Bevor Nico Vater geworden war, hatte er jeden Scheiß mitgemacht, sich einen Dreck um unsere Sicherheit geschert und mich sogar dazu überredet Dinge zu tun, welche ich nie getan hätte. Ich vermisste die alten Zeiten.
      "Hast du heute Petyr eigentlich schon gesehen?" fragte ich Nico, um mich auf andere Gedanken zu bringen, als die Vergangenheit und den nun überfürsorglichen Nico.
      "Klaro, in aller Frühe im Stall. Er ist allerdings vorhin mit diesem Superhelden Richtung Süden geritten. Der wollte auch einen Ausritt machen, bei diesem Wetter."
      "Der Friese heißt Batman", korrigierte ich.
      "Batman, Superman, Spiderman, das ist doch alles das Gleiche." meinte Nico achselzuckend. Ich verkniff mir einen Kommentar, denn für mich war es nicht dasselbe. Früher hatte ich alle Comics und Filme auswendig gekannt, in welchen ein Superheld drin vorkam.
      Unser Weg führte uns am Ufer des Tyrifjords entlang, ein Stück über sandigen Boden, bevor dieser einem Trampelpfad wich. Der Weg war bereits von vielen Hufen ausgetreten und eben geworden, sodass es ein angenehmes Reiten war. Leider hatte der Fjord auch seine Nachteile. Vor allem im Sommer gab es hier Mücken im Übermaß und viele der empfindlicheren Pferde mussten deswegen auf den Weiden Decken tragen, um nicht völlig zerstochen in die Box zurückzukommen. Mittlerweile hatten wir uns angewöhnt, die Pferde nachts auf die Weiden zu bringen, wenn es nicht mehr so schwül war und der auch des Öfteren der Regen vom Himmel kam.
      Stumm bogen Nico und ich wenig später in den Wald auf der anderen Seite der Landstraße ab, wo ich meinen Freund auch davon überzeugen konnte, etwas zu traben. Milosch war hart im Nehmen und zuckte nur dann zusammen, wenn einje der nervigen Insekten ihn in blöde Stellen stach. Vad allerdings hatte mehr zu kämpfen. Der Shagya-Araber war manchmal richtig verweichlicht, auch wenn er immer wie ein übercooler Macho tat.
      Der Wind der mir entgegen kam verjagte die Mücken von meinen Beinen und ließ mich den Ritt jedenfalls etwas genießen. Als Milosch mir auch noch den Galopp anbot, kam ich ihm die Hilfen und er sprang in den Galopp um. Ich konnte hinter mir Nicos Rufe hören, auf welche ich allerdings nicht achtete, sondern den Wallach einfach weiter vorwärts trieb. Ich hatte dieses Gefühl der Freiheit vermisst. Viel zu sehr hatte ich mich in den letzten Tagen und Wochen auf den kleinen Bartholomäus konzentriert, aber ich wusste jetzt, dass ich mich seinetwegen nicht davon abhalten sollte, mich weiterhin mit Pferden zu beschäftigen.
      Erst kurz vor unseren ersten Weiden parierte ich wieder in den Schritt durch. Nico hatte sich während des Galopps an meine Fersen geheftet und ich sah, wie er erleichtert aufatmete.
      "Das hättest du nicht tun sollen, wer weiß, was alles passiert wäre!" meinte er vorwurfsvoll. Anscheinend hatte mir der Ritt Selbstbewusstsein und meine sonst so schnippische Zunge zurückgegeben, denn ich wehrte mich gegen Nicos Worte.
      "Halte dich gefälligst von nun an daraus! Ich sitze zehn Jahre länger im Sattel als du und noch nie, NIE ist etwas Schlimmeres passiert. Ich verstehe dich, wenn du dir Sorgen machst, aber das ist zu viel! Komme auf den Boden der Tatsachen zurück, sonst denke ich darüber nach, ob ich doch noch zu Mio nach Nevada ziehe, wenn du mir hier das Leben zur Hölle machst." Ich hatte es getan, ich hatte ihm meine Meinung gesagt. All das, was ich in den Hintergrund gedrückt hatte, zum Wohle unserer Beziehung, und was jetzt erst durch den Galopp wieder ans Licht gerückt ist. Ich war stolz auf mich und sah es al mein Recht an. Auch wenn es irgendwo weh tat, denn bis jetzt hatten wir erst einmal einen Streit aushalten müssen, vor knapp neun Monaten, als ich ihm erzählt hatte, dass ich schwanger war.
      Ich wendete Milosch ab und trieb ihn im Galopp zurück zum Stall. Ich preschte an den Weiden vorbei, dann auf der Landstraße entlang, auf welchen laut die Hufeisen von Milosch prallten und dann die Einfahrt zum Stall hinauf. Erst vor dem Stallgebäude bremste ich Milosch ab, welcher wie immer alles getan hatte, was ich von ihm wollte. Das war mal Liebe.
      Ich band Milosch an seiner Box fest und zog dann den neuen Westernsattel von seinem Rücken, welchen wir uns extra für ihn angeschafft hatten. Nach dem Überputzen entließ ich ihn in seine Box, pfiff Asuka zu mir, welcher brav wie immer im Heu gewartet hatte und machte mich zu Fuß auf den Weg zum Wohnhaus. Ich nahm extra den Weg am Ufer des Tyrifjords entlang, um Nico nicht begegnen zu müssen, welchen ich auf der anderen Seite der Weiden erkennen konnte.
      Klar hatte er irgendwo recht, dass ich beim Reiten jetzt nicht mehr nur mein Leben aufs Spiel setzte, sondern auch das unseres Sohnes, aber er musste mich deswegen nicht wie ein rohes Ei behandeln und das musste er lernen.
      Als ich unseren Hof betrat, sah ich Teodor auf der Bank vor dem kleinen Teich sitzen. Bart lag im Kinderwagen und schien immer noch seelenruhig zu schlafen.
      "Schläft er immer noch?" fragte ich flüstern, als ich mich neben Teo auf die Holzbank fallen ließ.
      "Immer noch ist gut, der war vorhin eine halbe Stunde wach und hat mir die Ohren vollgeheult, was bin ich froh, dass ihn die frische Luft wieder zum Schlafen gebracht hat."
      "Oh man, danke Teo, ich bin dir was schuldig! Ich kann ihn jetzt wieder übernehmen." sagte ich schuldbewusst.
      "Du siehst erholt aus, mein Kind", sagte Teo nur. "Hat dir der Ausritt gefallen?"
      "Ja sehr, er hat endlich alle überflüssigen Gedanken aus meinem Kopf befreit, ich fühle mich viel besser." sagte ich wahrheitsgetreu
      "Dann geh´ wieder spielen, ich packe das hier schon. Glaube mir, ich habe alleine ein Kind aufgezogen, welches dazu auch noch blind war, ich werde mit ihm schon zurechtkommen." brummte Teo.
      Ich blickte ihn erstaunt an. Meinte er das wirklich ernst? "Wirklich?" Die Skepsis in meiner Stimme konnte ich wohl etwas schlecht verbergen, denn Teo schien der Tonfall nicht ganz so gefallen zu haben.
      "Ja ja und jetzt hau ab, bevor ich es mir noch anders überlege!" meinte er trocken.
      Ein freier Nachmittag, das hatte ich schon lange nicht mehr gehabt. Ich drückte Teo, welcher sich in meiner Umarmung steif zurückhielt, und wollte gerade wieder in Richtung Stall verschwinden, als Teo mir noch zurief: "Dafür machst du mal einen längeren Ausritt mit Torun!"
      Ich hob meine Hand zur Stirn und machte diese "Ey ey Sir" Geste, oder wie auch immer man die nannte. Dann beeilte ich mich, dass ich zurück zum Stall kam.

      Mio » Nevada, USA – 04:55
      Die Arbeit auf einer Ranch war jeden Tag aufs Neue schweißtreibend und anstrengend, aber es war die beste Arbeit, die ich je getan hatte. Ich hatte schon so einiges gemacht, vom Pizzaliferanten, über Kellnerin bis zur Trainerin, aber noch nie, noch nie habe ich so das Gefühl gehabt, etwas richtig zu machen. Hier war das anders, hier war ich ich, genoss endlich mal das Leben und setzte mich für das ein, was ich schon immer gewollt hatte. Es hatte sich viel geändert, auch, dass ich jetzt des Öfteren mit einer Flasche Wein bis tief in die Nacht auf der Terrasse saß, mir lustige Geschichten von Heather anhörte und es schaffte, ganz tief in dem Ranchleben zu versinken. Trotzdem begann hier der Arbeitstag viel früher und dauerte meist auch bis zum Dunkelwerden. So klingelte auch heute mein Wecker in aller Frühe. Draußen war es noch dunkel, allerdings würde in einer halben Stunde die Sonne aufgehen, genau dann, wenn auf der Ranch die Arbeit begann. Ich hatte im Haupthaus, einem altertümlichen Ranchgebäude, ein kleines Zimmer für mich. Es lag in der hintersten Ecke des Dachbodens und jeder der Dielen kündigte durch lautes Quietschen Besuch an. Aus Südfrankreich hatte nicht viel den Weg hier her gefunden und so war das Zimmer spärlich eingerichtet, was mir allerdings recht so war. In den letzten sechs Monaten hatte ich gelernt auf alles zu verzichten, was ich nicht unbedingt brauchte. Einmal in der Woche war Waschtag, da wurde die Arbeitskleidung der letzten Woche gründlich gereinigt, bevor sie dann wieder eine Woche getragen wurde. So zog ich auch heute meine Jeans, ein Top und darüber, zum Schutz vor der Sonne, ein weites helles Hemd an. Vor allem ich mit meiner hellen europäischen Haut war gerne der erste Angriffspunkt böser Sonnenstrahlen. Es war Samstag und trotzdem saß Addison bereits am Tisch, als ich die Küche betrat, und schlürfte seinen morgendlichen Kaffee. Ich ließ mich ihm gegenüber auf den Stuhl sinken, zog eine Tasse zu mir heran und goss mir die schwarze Brühe in die Tasse, bis nichts mehr reinpasste. Auch das hatte sich verändert. Kaffee war früher nur ein ekliges Getränk gewesen, welches nur mit reichlich Milch und Zucker schmeckte. Jetzt war es das einzige, was mich an manchen heißen Tagen wach hielt und so war es zu meinem stetigen Begleiter geworden.
      "Was steht heute so an?" begann ich mit Addison ein Gespräch, als unserer beider Tassen fast leer waren. Er brauchte länger um zu antworten, schien noch zu überlegen und seine Gedanken zu versammeln, bevor er sagte: "Wichtig ist heute, dass das Wasser auf den Weiden erneuert wird. Die Wannen müssen sowieso mal wieder geschrubbt werden. Ansonsten reite ich heute gegen Mittag gen Norden zu der kleinen Herde, die wir vor wenigen Tagen entdeckt haben. Da kannst du mich begleiten, wenn du möchtest."
      Ich nickte. "Sehr gerne", meinte ich ihm Aufstehen, nahm die beiden Tassen sowie den Krug vom dunklen Holztisch und stellte beides an die Spüle. Das würde ich nachher abwaschen. Unser erster Weg führte uns, so wie jeden Morgen, zu einem kleinen Stallgebäude. Hier wohnten zur Zeit drei Fohlen, welche wir vor kurzem erst aufgenommen hatten. Die Fohlen waren bei Einfangaktionen, sogenannten Round-Ups, zu Tode gekommen und die drei Fohlen, welche dieses recht spät geboren waren, wären verhungert. Zum Glück hatten jedenfalls diese drei den Weg zu uns gefunden und auch wenn ihre Aufzucht die ersten Wochen viel Arbeit bedeutet hatte, so hatten sie sich schnell an Menschenhand gewöhnt und waren ein kleiner verrückter Sternenhaufen geworden. Bis sie an die Herde gewöhnt werden konnten, würden alle drei hier im Offenstall und später auf einer der kleineren Weiden leben. Der Stall hatte etwas Altertümliches, mit seinen verstaubten Holzboxen, den Strohballen in einer Ecke und jeder Menge Sättel und Zubehör, was man auf einer Ranch eben so brauchte. Der eine Teil bestand aus einer großen Box, mit genügend Platz für mehrere Pferde und einer Tür, welcher den Pferden die Möglichkeit bot, das sandige Paddock jeder Zeit zu nutzen. Der jüngste von den Drein war Time In A Bottle. Ein eher zurückhaltender und nachdenklicher Hengst, welcher sich mit der Gefangenschaft nicht ganz so anfreunden konnte. Der Stall war wie ein Gefängnis für ihn und selten ließ er sich drinnen blicken. Trotzdem hatte er schnell Vertrauen zu uns gefasst, was bedeutete, dass er weniger vor den Menschen Angst hatte, als vor der Enge der Box. Er war der kräftigste der Drei und verschlang bereits jetzt das meiste Futter. Im Gegenteil zu ihm, war Dawn eine überaus zutrauliche und anhängliche Stute, welche uns am Anfang jedoch die meisten Probleme gemacht hatte. Wenn sie nicht auf den Hänger wollte, dann wollte sie nicht und wenn sie mehr Milch wollte, dann versuchte sie das auch mit allen Mitteln durchzusetzen. Kämpferisch und engstirnig, antwortete deswegen unsere Devise. Der Letzte im Bunde war unser Sorgenkind gewesen. Durch irgendetwas, hatte Kwatoko bereits in den ersten Lebenstagen das Augenlicht auf der linken Seite verloren und war deswegen äußerst vorsichtig und ängstlich. Schnelle Bewegungen vertrug er gar nicht und bei ihm war es schon immer wichtig gewesen, sein Vertrauen nicht zu brechen, denn dann konnte man es nur schwer wiederbekommen. Addi und ich nahmen uns etwas mehr Zeit bei den Fohlen, putzten sie im trüben Licht des Stalls und holten dann unsere Milcheimer, welche, praktischerweise, einen Saugnippel besaßen und so die Zitzen einer Stute imitierten. Als die Arbeit im Stall beendet war, schickte mich Addison zu dem Geländewagen, mit welchem wir eine große Wasserbox zu den Weiden bringen wollten. Vier Wochen hatte es gedauert und ich hatte meinen Führerschein in der Tasche. Kein sinnloses Wiederholen und viel billiger als es in Europa war, hatte ich ihn mir von meinem letzten Taschengeld geleistet und mittlerweile fuhr ich, als hätte ich jahrelang nichts anderes getan. Täglich war der Jeep gefragt und vor allem die steilen und trockenen Buckelpisten waren die beste Übung für einen Einsteiger. Den Wassertank hatten wir bereits am Vortag mit Wasser aufgefüllt, sodass wir den Anhänger nun nur noch an den Jeep anhängen mussten, worin wir beide bereits genügen Übung besaßen. Vor allem bei den heißen Temperaturen sauften unsere Pferde die 1000l innerhalb von zwei Tagen. Als der Anhänger befestigt war, zog sich Addison, gefolgt von Ceberus dem stillen Begleiter, auf den Beifahrersitz und schlug die Tür des Geländewagens zu. Kaum saß er, gab ich bereits Gas. Ich konnte mir das immer bildlich vorstellen, wie der Jeep die trockene Steinwüste entlang preschte und hinter sich eine große Staubwolke hinterließ. Wie im Film, dachte ich dann manchmal. Wir hatten zwei große Weiden, unsere Stuten und unsere Hengste. Da unkontrollierte Zucht unter den adoptierten Mustangs laut BLM (Bureau of Landmanagement) nicht erlaubt war, musste unsere Hengstherde nun auf einer anderen Weide stehen, als ihre Stuten. Beide Weiden waren in etwa gleich groß, was bei den vielen Hektar allerdings schwer zu sagen war. Die Weiden waren sogar so groß, dass sich in der Gruppe sogar einzelne Herden abgesplittet hatten, auch wenn das richtige Herdenfeeling dank des BMI noch fehlte. Als Erstes führte uns unser Weg zu der Stutenweide. Die Wasserstelle befand sich hier in der Mitte der Koppel an einem etwas geschützten Platz, wo auch bei extremer Hitze das Wasser nicht zu schnell vertrocknete. In zwei großen Wannen schimmerte ein letzter staubiger Rest Wasser, Zeit, dass neues kam. Dank meines guten Auges, konnte ich zwischen einigen Sträuchern ein paar Stuten erkennen, welche schon sehnsüchtig auf neues Wasser warteten.
      "Das ist Quicksilvers Herde", meinte Addison, als er meinem Blick folgte. "Da hinten sind Valhalla und Atius Tirawa." Er deutete auf zwei auffällig gefärbte Stuten im Vordergrund. Kaum hatte er es gesagt, trat auch schon eine dritte Stute aus den Büschen hervor. Quicksilver war eine hübsch geschecktes Pferd mit zweifarbigen Augen und einem lebensfrohen und intelligentem Charakter, welche bereits, kurz nachdem sie auf der Ranch angekommen war, eine der beiden Herden an sich gerissen hatte und diese mit viel Anmut führte. Die Stuten hielten vorsichtig Abstand, während Addi und ich mithilfe einer Bürste die Algen und den Staub aus den Wannen kratzten, bevor wir beide mit neuem Wasser auffüllten. Als Silver und ihre Freundinnen das neue klare Wasser sahen, überwanden sie ihre Vorsicht und standen kurze Zeit später um das Wasser gedrängt. Addi und ich hatten uns etwas zurückgezogen, um die Pferde nicht unruhig zu machen. Auch dieses Mal wartete ich vergebens auf ein Zeichen von zwei Stuten, welche die weite Reise von Europa mit mir zusammen bestanden hatten. Anaba hatte vor wenigen Tagen ein Fohlen von Chosposi zur Welt gebracht und sich seitdem nur kurz zum Trinken blicken lassen. Laut Addison war es normal, dass die Stute die erste Zeit etwas abseits lebte, aber trotzdem machte ich mir Gedanken um eins meiner liebsten Pferde. Auch Flotten von Mutanten hatte die Eingewöhnung in die Gruppe gut überstanden, gehörte aber einer der Pferde an, die sich nur selten blicken ließen und eher die Nacht zum Trinken nutzten. Es war erstaunlich, was Flotte wiedereinmal für eine Veränderung durchgemacht hatte. Erst hier in Nevada war ihr richtiges Ich ans Licht gekommen und auch wenn sie immer noch nicht Reitbar war, hatte sie mittlerweile einen großen Schritt nach vorne gemacht. Als die drei Stuten wieder ihren Weg zurück in die Büsche einschlugen, stiegen auch Addison und ich ins Auto, denn auch die Hengste würden bereits auf frisches Wasser warten. Auch diese Wasserstelle hatten wir so eingerichtet, dass sie sich im Innern der Weiden an einem schattigen Platz befand, wo die Pferde in Ruhe trinken konnten, ohne Angst vor Menschen oder Autos haben zu müssen. Hier herrschte eine ganz andere Stimmung, denn auch wenn die Hengste zusammen auf einer Weide lebten, so machte doch jeder von ihnen eher sein eigenes Ding. Einen Anführer gab es trotzdem: Cloud besaß einen muskulösen, jedoch trotzdem zarten Körper, welcher ihm die Gabe verlieh, schnell und vor allem wendig zu sein. Auch wenn er nicht der Größte war, so hatte er doch das Sagen und die Hengste richteten sich auch nach ihm. Um die Senke hatten sich mehrere Pferde verteilt, geschützt von hohem Gras oder trockenen Büschen, beobachteten sie jeden unserer Schritte und als auch ihre Wasserstelle wieder mit frischem Wasser aufgefüllt war, sah ich ihnen an, dass sie alle großen Hunger hatten. Unruhig spielten sie mit den Ohren, scharrten auf dem trockenen Boden und ließen somit kleinere Staubwolken entstehen, welche von dem Westwind jedoch recht schnell weggetragen wurden. Addison und ich hatten uns bis zu dem Jeep zurückgezogen und warteten nun darauf, dass der Hengst auftauchte, welcher jedes Mal zuerst trank. Lange mussten wir nicht warten, denn einige Minuten später stieg ein schneeweißes Pferd die Senke herab und ließ seinen eleganten Kopf mit der langen Mähne zu den Tränken sinken. Nach und nach kamen nun auch die anderen Pferde hinzu, je nachdem, wie hoch ihr Rang war. Der nächsten war ein vollkommen brauner Hengst namens Silent Bay, welcher durch sein Alter und seiner Ruhe sich mit der Zeit einen Rang knapp unter Cloud erarbeitet hatte. Hinter einem gescheckten Hengst namens Frekur kam dann einer meiner Hengste, Morrigans Hidalgo und ich konnte es nicht verhindern, dass mein Herz einen kleinen Hüpfer machte. Nachdem er getrunken hatte, löste er sich auch aus der Herde und kam auf mich zu getrottet.
      "Hallo Hidalgo", flüsterte ich, als er seinen weißen Kopf gegen mich stieß und um eine Streicheleinheit bettelte. Vor allem bei ihm sah ich den Unterschied, den die Wildnis machte. Auch wenn seine Mähne ein einziger Knoten war, so hatte sein Körper jede Menge Muskulatur aufgebaut und seine Trägheit war vollkommen verschwunden. Hidalgo blieb einige Zeit bei mir stehen. In der Zwischenzeit beobachtete ich die anderen Hengste, welche nach und nach die Wasserstelle wieder verließen und ein paar Nachzügler kamen, um zu trinken. Darunter war eine kleine Junghengstbande, in welcher ich drei weitere Pferde von mir erkennen konnte. Nicht nur Varys und Imagine There´s No Heaven, auch der neuere Triumph, hatte sich perfekt in die Herde eingegliedert und so waren alle drei zu stattlichen Junghengsten geworden, welche ihr Leben in allen Zügen genossen. Als es für uns Zeit wurde aufzubrechen, kraulte ich Hidalgo ein letztes Mal hinter den Ohren, bevor ich wieder hinter das Steuer des Jeeps stieg und vorsichtig das Auto samt Anhänger wendete und zurück zur Ranch fuhr. Mittlerweile war die Sonne vollständig aufgegangen und erwärmte die Erde jede Sekunde mehr. Heute Mittag würde die Sonne die Erde so erhitzt haben, dass man barfuß nicht mehr laufen konnte. Zurück auf der Ranch sah ich als erstes Heather, welche gerade die Tür des Haupthauses hinter sich zuzog und die Verandatreppe herunter hechtete.
      "Guten Morgen Heather!" rief ich aus dem offenen Autofenster, bevor ich es auf dem Parkplatz neben dem Haus abstellte und Addison und ich aus dem Auto stiegen.
      "Ach Gott sei Dank, ich treffe euch noch", war Heather erleichtert. "Ich wollte gerade nach Las Vegas und Chill und Buck abholen, außerdem muss ich gleich darauf zur Arbeit. Ich komme wohl erst nächste Woche wieder und wollte euch noch verabschieden." erzählte sie in solch flottem Tempo, dass selbst ich Probleme hatte hinterher zu kommen. Dann umarmte sie mich kräftig, bevor sie das gleiche auch bei Addison tat. "Wir werden uns nachher wohl nicht sehen, ich schmeiße die Jungs nur raus und fahre gleich wieder. Ich werde sowieso zu spät kommen!"
      Sie rannte zu ihrem kleinen Roten, winkte uns nochmal hektisch zu, bevor sie in einem Affenzahn von der Ranch düste, den man ihr gar nicht zugetraut hätte. Ich grinste ihr hinterher und merkte gar nicht, dass mich Addi von der Seite beobachtete.
      "Du magst sie wirklich, oder?", fragte er und ich nickte nur erstaunt. Solche Gespräche mit Addi waren selten, Gespräche über Gefühle und Vergangenheit. Mir war das meist nur recht, auch ich wollte das Geschehene hinter mir lassen, aber trotzdem vermisste ich es manchmal, mit jemanden darüber reden zu können.
      Addi sprach weiter. "Sie ist wirklich eine Gute. Ich hätte das nie alles ohne sie geschafft und auch wenn sie in Vegas wohnt, so war sie bis jetzt doch immer da, wenn ich sie gebraucht habe." Plötzlich brach Addi ab, fast so, als schien er sich bewusst geworden zu sein, dass das nicht sein Stil war, über so etwas zu sprechen, und wendete sich zum Haupthaus um. "Kommst du? Ein kleines Frühstück wartet auf uns. Ich habe Hunger."

      Charly » Norwegen, Buskerud - 14:49
      Als ich zurück im Stall ankam, hatte er sich in der kurzen Zeit meiner Abwesenheit wesentlich gefüllt. Ich traf nicht nur Nico, welchem ich allerdings keines Blickes würdigte, sondern auch noch die junge Torun, sowie unsere beiden weiteren Hofbewohner Malte und Petyr. Malte und Petyr leiteten zusammen einen Ausbildungsbetrieb und waren so recht viel auf Achse. Wenn sie allerdings auf dem Hof anzutreffen waren, packten sie immer mit an. Auf ihre Hilfe war immer verlass. Petyr sattelte gerade einen großen Friesen ab. Batman gehörte dem jungen Mann und die beiden waren genauso ein Herz und eine Seele wie Marid und Nico. Torun saß in der Mitte der Stallgasse auf einem Heuballen und ließ die Beine schlenkern. Sie schien mit Malte zu erzählen, welcher in eine Schubkarre Stroh auflud. Nicos blonden Schopf konnte ich in der Box von Marid ausfindig machen, um welche ich einen großen Bogen machte. Meiner Meinung nach musste er spüren, dass er übertrieben hatte. Ich grüßte dafür umso ausführlicher die beiden jungen Herren und dann Torun, neben welche ich mich auch niederließ.
      "Ich hoffe, ich störe euer Gespräch nicht?" fragte ich Malte, welcher aber nur abwinkte und meinte: "Ich habe sowieso zu tun, alles gut."
      Als er seine Schubkarre davon geschoben hatte, fragte ich das junge Mädchen neben mir: "Du Tori, was hältst du von einem Ausritt?" Wie ein kleines Mädchen hörte ich mich vermutlich an, allerdings hatte mich der Erkundungswillen wieder gepackt und ich wollte unbedingt noch einen weiteren Ausritt machen. Pferde hatten wir ja genügend, welche etwas Bewegung brauchten. Ohne mich anzuschauen, ich war dies mittlerweile gewöhnt, antwortete mir Torun erfreut. "Wirklich? Wir können zusammen ausreiten?" Ich merkte, wie das Mädchen aufgeregt mit den Beinen zu wippen begann. Ich lachte. "Klaro, und das am besten jetzt sofort! Teo hat bereits zugestimmt, es steht uns also nichts mehr im Wege. Machst du Abs fertig? Dann treffen wir uns in zwanzig Minuten vor dem Stall."
      "Oh ja!" rief Torun wie ein kleines Kind freudig und sprang gekonnt von dem Ballen. Trotz ihrer Blindheit, welche sie durch eine Impfung in jungen Jahren langsam erlangt hatte, bewegte sie sich im Stall genauso sicher wie ein Sehender. Jahrelang hatte sie von ihrem Vater Reitunterricht auf dem großen Wallach Abs bekommen und nicht nur das Mädchen, auch das große Pferd hatten sich auf die Situation eingestellt und bei kaum etwas brauchte Torun nun noch Hilfe. Sie bewies es, in dem sie gezielt eine der hinteren Box anstrebte und dort den Riegel zur Seite schob. Sofort kam eine dunkle Schnauze hervor geschossen, welcher ihr ins Gesicht schnaubte. Ich freute mich für das Mädchen, welches trotz ihrer Behinderung ihr Leben genießen durfte. Ganz unbewusst hatte auch ich mich vor ein Problem gestellt: Welches Pferd sollte ich reiten? Ich sprang vom Ballen herunter und ging dann zu einer der Boxenseiten. Mit einer Hand strich ich an den Boxenwänden entlang, schaute in jede rein und überlegte mir ganz genau, ob ich nicht dieses Pferd reiten wollte. Viele der Pferde gehörten gar nicht uns, sondern Petyr oder Malte, sodass gar nicht mehr ganz so viele übrig blieben. Bei Jeanies Box blieb ich länger stehen, allerdings nur, um die kleine Jelda zu bestaunen, welche auf dem Boxenboden lag und sich genüsslich entspannte. Rechts und links von Jeanie und Jelda standen die beiden kleinen Ponys Excelsior und Braum van Ghosts. Excelsior sah sich als Ersatzvater und der junge Braum schien seit seiner Ankunft vor wenigen Monaten in die Stute verliebt zu sein. Leider sollte er erstmal ein Hengst bleiben, sodass wir ihm nicht die Ehre hatten erweißen können, mit der Stute zusammen auf einer Weide zu stehen. In den nächsten Boxen standen die großen Barockpferde Petyrs. Flame, Ezio, Esmeralda, Fenicio, Wild Cherry, El Montino und die kleine Sacarina. Alles wunderschöne Pferde, aber ganz bestimmt nicht das Temperament, welches mir zusagte. Da gefielen mir die beiden Friesenhengste Xinu und Batman schon viel besser, welche gleich daneben standen. Nach diesen Pferden kamen ein paar Boxen mit Jungtieren. Tysbe, Scion d'Or, Aspantau und Sleipnir. Bei dem etwas langsameren Leiðtogi sagte mein Gefühl auch nein und die beiden Vollblutstuten Grenzfee und Teufelstanz waren auch nichts für einen gemütlichen Ausritt mit Torun. Na super. Entweder war ich zu wählerisch oder wir hatten zur Zeit wirklich kaum Pferde zum Reiten. Ocarina of Time konnte ich zur Zeit auch vergessen und der Rest der Pferde waren kleine Shetlandponys, welche vor allem zum Fahren ausgebildet worden waren. Erst in den letzten beiden wurde ich fündig. Ich hatte mich lange davor gesträubt, eine der beiden Stuten zu reiten, denn nie hatte sich wer anders auf die zarten Tekkiner gesetzt, als Shadow. Er hatte seine Liebe für die orientalischen Distanzpferde entdeckt und so hatten wir es nicht übers Herz gebracht, die beiden Stuten zu verkaufen. Im Gang entdeckte ich eine vereinsamte Putzbox, welche ich mir gleich als mein Eigentum annahm und aus dieser das benötigte Putzzeug für Charelle herausholte. Nelly, wie sie immer Fürsorglich von Shadow genannt worden war, betrachtete mich etwas skeptisch, wahrscheinlich hätte sie nicht erwartet, dass ausgerechnet ich sie reiten wollte. Trotzdem blieb sie ruhig. Sie hatte sehr an Shadow gehangen und vor allem die ersten Wochen waren so für sie überhaupt nicht einfach gewesen. Ich war gerade dabei den linken Vorderhuf von Nelly vom Dreck und Mist zu säubern, als jemand zaghaft gegen die Boxentür klopfte. Ich ließ Nellys Huf fallen, richtete mich etwas ungelenkig auf und wischte mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Zum Friseur musste ich dringend auch mal wieder.
      "Hey du, möchtest du noch einen Ausritt machen?" Nicolaus stand an der Boxentür angelehnt und beobachtete mich etwas bedrückt, so als würde er es wirklich bereuen.
      Ich nickte. "Ja, etwas dagegen?" Ich machte mich bereits bereit für einen Gegenangriff, doch Nico schüttelte nur stumm den Kopf und griff dann zu meiner Hand. Erst hatte ich das Bedrängnis mich befreien zu müssen, Nico hielt diese jedoch standhaft fest und so gab ich schnell nach.
      "Nein überhaupt nicht. Du hattest Recht, ich habe übertrieben. Das wird nicht wieder vorkommen. Ich lasse dir von nun an deine Freiheit, versprochen!" sagte er und ich sah, wie eine kleine Träne in seinen Augen schimmerte. In diesem Moment überwältigte mich das Gefühl, ihn ganz fest umarmen zu müssen und das tat ich auch. Er schien erstaunt, dass ich ihm so schnell vergab, aber ich brauchte ihn, ich brauchte ihn vor allem jetzt und auch wenn ich vor kurzem noch si getan hätte, als wäre ich taff genug, so hatte ich immer irgendwo gewusst, dass ich ohne ihn nicht konnte.
      Nico erwiderte meine innige Umarmung und schien genauso erleichtert wie ich, dass wir das geklärt hatten. Wahrscheinlich hätten wir hier in der Boxentür auch noch einen weiteren Tag so gestanden, wenn uns nicht ein lautes: "Du hast ja noch gar nicht gesattelt Charly!" abrupt auseinander hätte fahren lassen. Torun stand neben uns, hatte sich wahrscheinlich so langsam angeschlichen, dass weder ich noch Nico diese mitbekommen hatten.
      "Woher weißt du das?" fragte Nico sie etwas erstaunt. Schon immer hatte er sich vieles nicht erklären können, was Torun alles schaffte. Immer wieder hatte er mich am Anfang gefragt, wie sie es schaffte, sich jeden Tag aufs Neue perfekt kombiniert anzuziehen und nicht mit gestreiften Hosen und einem gestreiften Hemd im Stall aufzukreuzen. Torun zuckte mit den Schultern. "Das merke ich", meinte sie nur. "Kommst du etwa auch mit?" ging ihre Frage an Nico. Dieser blickte mich kurz fragend mit großen Augen an und da konnte ich nicht anders, als zu nicken.
      "Ja, komme ich."

      Ein paar Minuten später standen wir zu dritt vor dem Stallgebäude. Nico hatte nicht lange mit sich fackeln lassen uns sich für die andere Stute von Shadow entschieden, April Rain. Torun ritt wie immer ihren Abs, einen großen Mix, welcher fast das größte Pferd im Stall war. Dafür war Abs das perfekte Pferd für Torun. Ruhig, gelassen und voller Verständnis für seine blinde Freundin. Perfekt mit einem bequemen Wanderreitsattel gesattelt stand er da. Torun hielt seine Zügel in der Hand und wartete darauf, dass man ihr in den Sattel half. Der aufmerksame Malte ließ deswegen seine Schubkarre stehen und ging zu Torun, welche seine Hilfe gerne in Anspruch nahm. Malte Tordenværson, ein junger Schwede, welcher bereits in jungen Jahren mit seinem Freund Petyr Holmqvist einen Ausbildungsbetrieb eröffnet hatte und seitdem um die ganze Welt reiste, um Pferde zu trainieren. Malte hatte das Aussehen eines Winkingers, blonde Haare, an den Seiten leicht gestutzt und den Rest mit einem Lederband zusammengebunden. Sein blonder Bart, war das ein Zehntagebart?, war stets gut gestutzt und saß immer perfekt. Wenn er nicht gerade Pferde trainierte, war er mit seinem schwarzen Wolfshund Geri unterwegs, oder kümmerte sich um seine Zackelschafe. Ja, Zackelschafe. Eine gefährdete Rasse, welche vor allem für ihre langen Hörner bekannt waren. Die kleine Herde stand einige Kilometer weiter auf einer Weide und dort durften sie ihr Leben genießen. Auch Nico und ich zogen uns, nachdem Torun sicher saß, in unsere Distanzsättel. Ich dankte Malte mit einem kurzen Nicken, bevor wir uns zu dritt vom Hof bewegten. Auch wenn man es nicht glaubte, auf dem Pferd bewegte sich Torun noch sicherer, von ihrer Blindheit war hier kaum noch etwas zu spüren.

      Mio » Nevada, USA - 10:49
      Nach einem gemütlichen und ausführlichen Frühstück, zogen Addison und ich unsere Stiefel wieder an und liefen zu zwei Weiden, welche etwas versteckt hinter dem Haus lagen. Auf jeder dieser Weiden standen nur zwei Pferde, zwei Hengste und zwei Stuten. Einen der Hengste kannte gut, besser gesagt sehr gut. Mein Chosposi. Cho teilte sich die Weide mit einem hübschen Hengst namens Apokalypse. Die Weiden lagen gleich nebeneinander, waren nicht so groß wie die der anderen Pferde, boten jedoch trotzdem genügend Platz, um sich frei bewegen zu können.
      Auf der anderen Weide standen die beiden Stuten. Beide waren Rappschecken, vom Charakter her aber extrem unterschiedlich. My Canyon war das private Pferd von Addison. Bereits vor vielen Jahren hatte er die verängstigte und verletzte Stute bei sich aufgenommen und mit viel Mühe zu dem Reitpferd gebracht, welches sie jetzt war. Candy, wurde sie zärtlich genannt. Die andere Stute fiel vor allem durch ihr überaus blaues Auge auf, aber auch durch ihren aufdringlichen und anhänglichen Charakter. Battle Cry und Apokalypse waren die beiden Pferde von Addisons Söhnen. Mit ihnen zusammen hatte er die Mustangs gezähmt und man glaubte es kaum, aber Buck und sein Apo und Chill und seine Cry waren so feste Freunde, wie man es wohl nicht ganz so schnell finden würde.
      Alle vier Pferde erwarteten uns bereits, als wir die Halfter von den Pfosten nahmen. Ich öffnete das Gatter zur Hengstweide, Addi das Gatter zu den Stuten. Apo bekam von mir eine ausführliche Begrüßung, bevor ich mich meinem Chosposi zuwandte. Ich hatte ihn mir als Reitpferd ausgesucht, weil ich wusste, dass ich ihm vertrauen konnte. Zärtlich strich ich ihm das Halfter über die Ohren und führte ihn dann von der Weide. Auch Addi hatte seine Candy aufgehalftert und zu zweit führten wir die beiden dann zurück zur Ranch.
      Nachdem beide Pferde gesattelt waren, stiegen wir auf und Addi führte mich von der Ranch hinunter in die verzweigte Landschaft des Red Rock Canyons.
      Erst vor einigen Tagen hatten wir bei einem unserer Rundfahrten eine neue kleine Herde wilder Mustangs entdeckt, welche wohl noch nicht allzu lange bei uns in der Gegend weilte. Addison wollte nun die Pferde zählen, sowie Aufzeichnungen machen, wer sich alles in der kleinen Herde befand.
      Cho und Candy waren mittlerweile ein eingespieltes Team und auch Addi und ich hatten gelernt, zusammenzuarbeiten.
      Als wir das schroffe Gebirge des Canyons verließen und auf dem trockenen Boden der Wüste weiter ritten, war ich froh, mir vorhin nicht nur jede Menge Sonnencreme ins Gesicht geschmiert zu haben, sondern auch den überaus praktischen Cowboyhut auf dem Kopf zu haben.
      Nachdem wir einiger Zeit einem kleinen Trampelpfad gefolgt waren, parierte Addi in den Stand durch und gab auch mir das Zeichen zum Anhalten.
      "Siehst du da vorne?" flüsterte er und reichte mir ein kleines Fernglas. Gut gedeckt von trockenen Büschen, standen drei braune Pferde einige hundert Meter vor uns. Ich nahm das Fernglas entgegen und versuchte die Pferde zu erkennen.
      "Das sind nur drei Junghengste", meinte ich, als ich Addison das Fernglas zurückgab. "Die scheinen zu keiner Herde zu gehören."
      Auch Addison warf einen Blick durch das Fernrohr, bevor er nickte und es wieder zurück in seine Tasche steckte. "Hast recht, das ist nur die kleine Junghengstherde." Einen kleinen Bogen schlagend umritten wir die drei Mustangs, um diese nicht zu stören. Wir hielten uns weiterhin nach Norden und achteten angestrengt Ausschau, nach einer Herde.
      "Vielleicht sind sie bereits weitergezogen", meinte ich Addi, als wir einen der westlichen Ausläufer des Canyons erreichten.
      "Gut möglich, aber es wäre seltsam, wenn sie ihren Weg so schnell fortgesetzt hätten. Wir reiten etwas weiter in den Canyon, vielleicht haben sie dort nach Schutz gesucht."
      Die Mittagssonne prallte auf uns und unsere Pferde und so war es recht angenehm, als die großen Wände und Steinfelsen des Red Rock Canyons uns etwas Schatten spendeten. Die Pferde waren die langen Touren durch den Canyon bereits gewöhnt und trotzdem hatten sie mit der Hitze arg zu kämpfen. Addison schien die Hoffnung schon fast aufgegeben zu haben, dass wir die Herde noch finden würden, als ich einige Bewegungen hinter einigen Steinen vor uns entdeckte. Das Tal, durch welches wir ritten, führte einen kleinen und fast ausgetrockneten Bach mit sich und so war es nicht verwunderlich, dass die Herde sich hier verstecken könnte. Diesmal gab ich Addi das Zeichen zum Stehenbleiben und deutete langsam auf einige Mustangs, welche im Schatten eine Mittagspause eingelegt hatten.
      "Das müssen sie sein." flüsterte Addi, bevor er sich aus dem Sattel von Candy gleiten ließ. Die Stute blieb ruhig stehen und Addi machte sie wie immer nicht die Mühe, seine Stute anzubinden. Schon immer hatte ich das Vertrauen bewundert, welches der Mann in seine Pferde hatte. Auch ich kletterte vorsichtig aus dem Steigbügel, überlegte kurz, was ich mit Cho tun sollte und schenkte ihm dann mein Vertrauen, dass auch er sich nicht aus dem Staub machen würde, bevor ich Addi langsam folgte. Addi bewegte sich still und langsam voran und trotzdem blieb er aufrecht. Die Pferde mussten merken, dass wir uns nicht anschlichen, also nichts Böses wollten. Der Wind wehte auf die Herde zu, ein kleiner Nachteil für uns, sodass die Mustangs uns schon recht früh bemerkten. Das erste Pferd, welches den Kopf hob, war ein hübscher, aber von vielen Narben gekennzeichneter Falbhengst, wahrscheinlich das Alphatier. Es blähte die Nüstern auf und ließ uns nicht aus seinem Blickfeld, machte jedoch keine Anzeichen abzuhauen. Er schien uns zu akzeptieren, solange wir nicht näher an seine Herde kamen. Außer dem Hengst konnte ich noch fünf Stuten erkennen, von welchen drei einen keinen Nachwuchs bei sich trugen. Auch Addison hatte sich mittlerweile auf dem steinigen Boden niedergelassen und machte sich erste Aufzeichnungen über die Herde. Aussehen, Alter und besondere Merkmale, gegliedert nach Rangordnung. Ich versuchte stetig von ihm zu lernen, denn Addison besaß ein besonderes Auge dafür, wie die Herde aufgebaut war und konnte mir genau sagen, wer von den Pferden neben dem Alphatier den höchsten Rang hatte und wer den niedrigsten. Einige Minuten saßen wir schweigend da und beobachteten die Pferde, bevor sich ganz unerwartet ein Jungtier von der Herde löste und auf uns zu getippelt kam. Es war erst wenige Wochen alt, war aber hübsch gescheckt mit blauen Augen, in welchen das Verlangen nach Abenteuer glitzerte. Einige Meter vor uns blieb es stehen, streckten den Kopf nach vorne und schnüffelte an der Hand, die ich ihm hinhielt. Das Fohlen schüttelte den Kopf, sprang ihn die Luft, drehte sich um und flitzte in einem Affenzahn zurück zur Herde, sodass ich laut auflachen musste. Addi warf mir einen warnenden Blick von der Seite zu, lächelte aber trotzdem leicht, als er sich wieder umdrehte.
      "Komm lass uns zurück, ich habe alles Wichtige." meinte Addison, bevor er aufstand und mir die Hand hinhielt. Etwas verblüfft nahm ich seine Hand an und ließ mich von ihm auf die Beine helfen.

      Als wir am späten Nachmittag zurück auf die Ranch geritten kamen, wurden wir von zwei überaus quicklebendigen Jungs begrüßt, welche nichts anderes zu tun hatten, als auf dem Hof Fußball zu spielen. Chill und Buck waren zwei Zwillinge wie aus dem Bilderbuch. Abenteuerlustig, verspielt und beide bauten des Öfteren Mist. Trotzdem waren sie so gut erzogen, wie kaum ein anderer. Sie liebten das Leben auf der Ranch und packten, trotz ihrer knappen zehn Jahre, schon mit an, wenn etwas zu tun war. Dazu konnten sie noch reiten wie ein Weltmeister und ich war mir sicher, dass sie in die Fußstapfen ihres Vaters treten würden, sobald sie alt genug waren. Da sie weit außerhalb wohnten, mussten sie nur dreimal in der Woche zur Schule, um dort in den wichtigsten Fächern wie Englisch und Mathe unterrichtet zu werden. Alles andere mussten sie zuhause in Eigenarbeit lernen. Zum Glück hatte Heather und auch Addison viel Ahnung von den wichtigsten Dingen, sodass beide in der Schule kaum Probleme hatten. Ohne das Addison etwas sagen musste, hörten die beiden auf zu spielen, als wir auf den Hof kamen und machten uns Platz, damit wir die Pferde absatteln konnten.
      "Hey Dad!" rief Chill und beide kamen auf uns zu gerannt. "Habt ihr die Herde gefunden?" Addison nickte nur und wuschelte seinen beiden Jungs durch die Haare. "Ja haben wir, das können wir euch nachher erzählen. Habt ihr Lust die beiden Pferde zurück zur Weide zu bringen? Ich mache euch in der Zwischenzeit einen Kakao, ja?"
      Ganz so begeistert schienen die Beiden nicht zu sein, allerdings nahm mir Buck trotzdem meinen Chosposi ab und Chill schnappte sich My Canyon von Addison und brachten die beiden Richtung Weide. Währenddessen folgte ich Addison ins Haupthaus, wo wir in einem Topf Milch für einen Kakao erhitzten. Auch ich hatte unendlich Durst und konnte es kaum erwarten, meine trockene Kehle mit etwas leckerem wie Kakao zu füllen.
      "Mio?" richtete Addi eine Frage an mich. Ich gab ihm mit einem kleinen "Mhm?" zu verstehen, dass ich ihm zuhörte. "Am Montag ist ein Vereinstreffen, da will ich Heather auch mitnehmen. Kannst du zufällig Chill und Buck zur Schule bringen?"
      Ich seufzte knapp und nickte dann aber. "Ja klar, kein Problem."
      "He", Addi stupste mich an. "Lüge nicht, es ist ein Problem für dich, aber mir fällt gerade keine andere Lösung ein. Du weißt, dass ich Heather als Journalistin brauche."
      Ich nickte. "Jaaa, ich weiß." Natürlich verstand ich ihn, aber vor allem zu dieser Jahreszeit waren die Vereinstreffen immer die spannendsten. Seit einigen Tagen hatten die vom BLM organisierten Round-Ups wieder begonnen, was bedeutete, dass wilde Mustangs mit Hilfe von Hubschraubern zusammengetrieben wurden, um dann in sogenannten Holdingfacilities auf eine Adoption zu hoffen, denn sonst endete ihr Weg wohl oder übel in einer der Schlachtereien in Kanada, Europa oder China, denn dort war es noch erlaubt, Pferden den Kopf abzuhacken. Mittlerweile hatten sich viele Vereine gegründet, welche gegen diese Misshandlung kämpften und natürlich war Addi seit Jahren bei einer solchen im Vorstand. Heather begleitete ihn deswegen des Öfteren, denn die Journalistin arbeitete für eine freie Zeitung, welche immer Interesse daran zeigte, über die Mustangs zu informieren. Natürlich verstand ich, warum ausgerechnet ich nicht mitkonnte.
      Addi strich mir eine Strähne aus dem Gesicht und lächelte mich mitfühlend an. "Beim nächsten Mal Mio, da darfst du wieder mit, versprochen!"

      Charly » Buskerud, Norwegen - 16:29
      Der Ausritt mit Nico und Torun war, im Gegenteil zu heute Morgen, etwas ganz besonderes gewesen. Wir hatten eine andere Strecke gewählt, hatten viel erzählt und gelacht und ich hatte es tatsächlich geschafft, Nico vollends zu vergeben. Nelly schien endlich mal wieder losgelöst und entspannt laufen zu können und auch ihre beste Freundin April, schien den Ritt zu genießen. Abs und Torun waren, wenn der Weg breit genug gewesen war, zwischen uns geritten, um nicht vom Weg abzukommen. Gesund und munter waren wir so nun zurück auf dem Gelände angekommen und wurden auch schon von einem etwas gestressten Teodor und einem breit grinsenden Bartholomäus erwartet, welcher, sobald ich vom Pferd abgestiegen war, seine Hände nach mir ausstreckte. Ich machte mit Teo einen passenden Tausch, nahm ihm den kleinen Bart ab und gab die Zügel von Nelly an ihn weiter. Normalerweise wäre ich jetzt mit Bart zurück zum Haus gegangen, doch ich entschied mich dafür, das Tragetuch aus dem Kinderwagen zu kramen und mir den kleinen Bart recht geschickt auf den Rücken zu binden. So konnte der kleine alles beobachten und ich hatte die Hände für andere Aufgaben frei. Mittlerweile war es später Nachmittag und unsere Pferde traten mit den Hufen gegen die Boxentüren, denn das Verlangen nach den großen Weiden war in ihnen erweckt worden. Malte und Petyr waren auch noch im Stall, sodass wir uns kurz darauf zu einer kleinen Besprechung trafen, bei welcher wir klärten, wer welche Pferde auf die Weiden bringen würde. Zusammen mit Nico sollte es meine Aufgabe sein, unsere kleineren Pferde und die Fohlen rauszubringen, während Petyr sich der Stutenweide vornehmen würde und Malte und Teodor den Hengsten. Nico und ich trafen die Entscheidung, erst Jeanie und die kleine Jelda, zusammen mit California's Small Caramel Candy und der etwas zickigen Ocarina of Time auf die kleine Stutenweide direkt vor dem Stall zu bringen. Jelda wusste ganz genau wo es hinging und versuchte deswegen mit Umwegen die Umgebung zu erkunden, bevor sie ihrer Mutter dann hinterher galoppiert kam. Als die vier auf der Weide standen, nahmen wir uns die anderen vier Ponys vor. Excelsior, Braum, Braddock 'The Parrot' und Slaughterhorse. Auch diese kamen auf eine nicht allzu weit entfernte Weide, von wo aus Exel und Braum die gemeinsame Freundin Jeanie gut im Blick hatten. Als wir gerade zurück im Stall waren, hatte Malte zwei Pferde von Petyr an der Hand. Es waren zwei Hengste, Jupiter und White Face, welche Petyr beide nur als Freizeitpferde besaß. Ich nickte Malte nur kurz zu, bevor dieser mit den beiden Pferden um die Ecke verschwunden war.
      "Und nun?" fragte ich Nico, welcher auch schon zu überlegen schien.
      "Jetzt wären die ganzen Jungpferde an der Reihe, aber das sind so viele, dass wir das wohl nicht alleine schaffen werden. Vielleicht warten wir noch auf die Anderen und füttern in der Zeit unsere Minis." meinte Nico und deutete auf das andere Ende des Stalls, wo wir zwei größere Boxen für die ganz Kleinen unter uns hergerichtet hatten. Irgendwie hatten sich bei uns so einige Shetlandponys angesammelt, aber auch ein kleiner Falabellahengst von Torun war dabei. Lange Zeit hatten der kleine Hengst namens Treebeard und Abs alleine auf einer Weide gestanden. Dieses Bild von dem großen Wallach und dem kleinen gepunkteten Hengst ging mir einfach nicht aus dem Kopf und immer wenn ich daran dachte, musste ich grinsen. Die Minis waren auch hier natürlich in Stuten und Hengste geteilt. Während auf der einen Seite Batida de Coco, Belle und My Hope Nymeria, stand auf der anderen Seite die kleine Hengstbande, bestehend aus dem kleinen Marshmallow, Vipke van de Zandhoven, Treebeard, Lambardo und Happy teilten sich den Platz auf der anderen Seite. Die Kleinen hatten ganztägig Auslauf und lebten sozusagen in einem Offenstall. Während ich Wasser und Heu bei den Damen kontrollierte, tat Nico das Gleiche bei der männlichen Fraktion. Solche kleinen Pferde waren schon überaus niedlich. Genau richtig kamen wir von den Minis zurück, denn auch die anderen hatten sich mittlerweile eingefunden, sodass wir nun fünf Leute waren, die die Jungpferde auf die gemeinsame Weide bringen konnten. Ich schnappte mir zwei Vollblutfohlen, die hübsche Scion und den abenteuerlustigen Aspantau. Leider würde irgendwann die Zeit kommen, wo wir beide trennen mussten. Aspantau sollte ein Hengst bleiben und auch so Leid es mir tat, durfte Scion ab einem gewissen Punkt nicht mehr mit ihrem Freund zusammenleben. Nico schnappte sich die beiden kleineren Sleipnir und Imagine Dragons, während Malte sich Seattle's Scarlett vornahm und Petyr sich seine Tysbe und Sacarina schnappte. Für Teo blieb deswegen nichts übrig, was er aber nicht allzu tragisch fand. Fast hatte ich den kleinen Bart auf meinem Rücken vergessen, welcher das Geschehen mit großen Augen beobachtet hatte und sich nun durch lautes Geräusche machen wieder bemerkbar machte. Ihm schien der Trubel und die Arbeit nichts auszumachen, stellte ich erleichtert fest. Die Jungpferde kamen auf eine der Weiden, welche umringt von Bäumen etwas geschützter auf der anderen Straßenseite lag. Dort entließen wir diese, bevor wir zurück zum Stall schlenderten. Stallarbeit war dann morgen früh angesagt, bevor die Pferde über die Mittagszeit wieder zurück in den Stall kamen.
      "Hast du Lust auf einen Spaziergang?" fragte mich Nico. Er nahm meine Hand und zog mich, ohne auf meine Antwort zu warten, am Stallgebäude vorbei zum Ufer des Tyrifjords. Asuka schloss sich uns an, anscheinend hatte er das Wort "Spaziergang" vernommen und das war eines seiner Lieblingswörter.
      Bart war mittlerweile auf meinem Rücken eingenickt und sein gleichmäßiger Atem pustete mir in den Nacken. Ich ließ meinen Blick über den Tyrifjord hinaus schweifen. Schwach konnte man die andere Uferseite erkennen und fast fühlte es sich so an, als ständen wir am Meer. Eine einsame Möwe kreiste über uns, zu hoch, um sie genau erkennen zu können und ein kleines Fischerboot ratterte wellenschlagend auf dem oberen Ende des Tyrifjords. Asuka patschte schwanzwedelnd durchs Wasser und Nico, Bart und ich schlenderten über den sandigen Boden. So gut es mir in Südfrankreich gefallen hatte, hier hatte ich mein Zuhause gefunden und ich hoffte, dass es Mio in Nevada genauso gehen würde.
    • Veija
      Ankunft zweier Fellkugeln
      August 2016, by Canyon
      Malte » Buskerud, Norwegen - 06:56
      "Du siehst aus wie Frankenstein höchstpersönlich!" Verschlafen und mit geschwollenen Augen wurde ich am frühen Morgen von Petyr begrüßt, welcher natürlich putzmunter und fröhlich bereits mit der Stallarbeit begonnen hatte. Träge nahm ich mir eine Mistgabel zur Hand und schlurfte dann weiter zu meinem Freund.
      "Ich hoffe, ich bin noch nicht grün im Gesicht." murmelte ich und stieß die Boxentür neben der von Petyr auf. "Solange mir noch keine Schraube aus dem Kopf schaut und mich die Pferde noch erkennen, ist alles gut."
      Petyr lehnte sich lachend auf seinen Stil der Mistgabel und blickte durch die Gitterstäbe der Box zu mir herüber. "Wenn du schon nicht geschlafen hast, dann musst du mir jedenfalls erzählen, WARUM du nicht geschlafen hast." meinte er und grinste. Wahrscheinlich vermutete er eine geheime Liebesaffäre oder was weiß ich. Leider musste ich ihn jedoch enttäuschen.
      "Geschlafen habe ich, aber anscheinend nicht genug." Abwartend blickte Petyr mich an und ich seufzte. Eigentlich hatte ich noch keine Kraft und Lust jetzt so viel zu erzählen, aber ich kannte meinen Freund, so schnell würde er nicht locker lassen.
      "Julie ist gestern wieder zufrieden in Amsterdam gelandet. Nach einem Jahr ohne feste WLAN-Verbindung haben wir natürlich die Chance ergriffen und geskypet und das, wie du ja bereits mitbekommen hast, bis tief in die Nacht hinein." Ich gähnte.
      "Uuund? Was hat sie erzählt?" harkte Petyr nach.
      "Jaja, kein Stress!" sagte ich leicht genervt, während ich die Arbeit in der Box aufnahm. Dabei musste ich meine Stimme allerdings erhöhen, damit mich Petyr weiterhin verstand. "Sie meinte, sie wäre dunkler als die verbrannten Plätzchen, die ihr Tante Annika zur Begrüßung gebacken hatte und auch wenn das Bild sehr unscharf war, kann ich das nur bezeugen. Leider passt dieser Hautton so gar nicht zu ihren roten Haaren."
      Ich legte die Mistgabel in die Schubkarre und wechselte die Box. Petyr tat es mir gleich und sobald wir wieder in einer Box standen und Mist schaufelten, erzählte ich weiter.
      "Ansonsten schwärmte sie vor allem von Indien, da war sie den letzten Monat, und von der Reise mit dieser Eisenbahn da, die durch ganz Sibirien rollt. Der Name ist mir entfallen, aber auch nicht so wichtig." Ich legte eine kurze Pause ein, in welcher ich kurz verschnaufte und meine Gedanken sammelte. "Sie war überglücklich und hat beständig über beide Ohren gestrahlt. Aber wie wäre es, mein Lieber Petyr, wenn du sie das einfach selbst fragst, wenn sie mich in ein paar Tagen besuchen kommt?"
      Petyrs Kopf erschien vor den Boxengittern. Sein Blick sprach Bände, wie man es so schön sagte. "Sie kommt? Sie hat dich doch schon seit Jahren nicht mehr besucht!" Ich zuckte die Schultern. " Übertreibe nicht, etwas öfter hast du sie schon gesehen, sonst wärst du nicht so vernarrt in sie. Sie will ja sowieso weiter zu unserem Vater nach Östersund, da ist der kleine Umweg hier her ja kein Problem. So und nun lass uns diese Schubkarre zum Mist bringen, so langsam ist sie übervoll!"
      Petyr nickte, schien jedoch ganz woanders in Gedanken zu sein. "Du, Malte, ist sie wirklich noch so eine Schönheit, wie sie es früher schon immer gewesen war, ich meine so mit langen gelockten Haare und strahlenden grünen Augen – ?" verträumt blickte er in den Himmel und ich seufzte theatralisch. "Ich möchte mit dir jetzt NICHT über meine Schwester sprechen, da gibt es jetzt wichtigere Themen. Du weißt was heute für ein Tag ist?" Mit einem kräftigen Stoß stieß ich die Schubkarre den Misthaufen hinauf und entleerte sie, bevor ich sie Petyr wieder in die Hand drückte, er konnte sie schön zurückfahren! Geistesabwesend nahm er sie einfach an.
      "Äh vielleicht dein Geburtstag? Aber der war doch im Winter oder?"
      Ich schüttelte den Kopf. Was für ein toller Freund, der noch nicht mal meinen Geburtstag wusste. "Neeeein, es ist nicht mein Geburtstag!"
      "Tut mir leid, dann weiß ich es nicht Malte." meinte Petyr und zuckte entschuldigend mit den Schultern. Schon wieder seufzte. Heute war wohl so ein Seufztag und das, obwohl ich eigentlich über beide Ohren strahlen sollte. "An was erinnern dich die Worte Kalifornien, pelzig, warm und Isländer?" Petyr schien einen Moment überlegen zu müssen, bevor es ihm eeendlich einfiel. "Deine beiden Pferde kommen heute an?" Ganz entgeistert blickte er mich an "Warum hast du das denn nicht schon früher gesagt!"
      "Da war ich noch zu müde und dann wolltest du ja, dass ich dir alles von Julie erzähle und deswegen bin ich erst jetzt dazu gekommen."
      Freudig wie ein kleines Kind hüpfte Petyr zurück zum Stall und rief mir über die Schulter entgegen: "Na worauf wartest du denn noch? Wir haben noch viel zu tun!"

      Tatsächlich hatten wir viel zu tun. Boxen fertig machen, alle Pferde von den Weiden holen, jeden mit seiner eigenen speziellen Futtermischung füttern und dann ein paar der Pferde noch ihre Medikamente geben. Petyr untersuchte die kleinsten Fohlen Mios Jelda und Aspantau nach Verletzungen, während ich Teufelstanz ihre Medikamente gegen die vielen Beschwerden gab. Sie hatte sich gut geschlagen, die Vollblutstute, aber Nico wollte ihr noch mehr Ruhe gönnen, bevor wir versuchen wollten, sie wieder zu reiten. Nach einer gescheiterten Renn- und Zuchtlaufbahn war sie mit einigen Verletzungen und Krankheiten und einem kleinen ungewollten Fohlen zu uns gekommen und ich war schon stolz darauf, was wir zusammen geschafft hatten.
      "MALTE!" laut schallte Petyrs Stimme durch den Stall. "Komm mal her und hilf mir! Diese verfluchte Jeanie will einfach nicht ihre Schnauze von mir lassen."
      Vorsichtig schloss ich die Box von Teufel, streichelte ihr noch einmal kurz übers Maul und folgte dann Petyrs Hilferuf. Dieser hatte meine Hilfe auch dringend nötig; Er lag fast in der Box, um die zierlichen Hufe der kleinen Jeanie untersuchen zu können und Jeanie hatte nichts anderes zu tun, als immer wieder zu versuchen seine Haare aufzufressen, diese waren ja auch genau auf der richtigen Höhe für so etwas.
      "Himmelherrgottnochmal!" schimpfte Petyr, während er versuchte Jeanie mit einer Hand fernzuhalten und mit der anderen einen Huf von Jelda zu heben. Zum Glück war die kleine Stute noch entspannter als ihre Mutter!
      "Ach Petyr", ich seufzte (schon wieder!), "Lass mal den Chef hier ran." Vom Hacken nahm ich Jeanies Halfter, band sie damit an den Gitterstäben fest und kniete mich neben Petyr ins Stroh. "So und jetzt erzähle mir, was daran so schwer war." Petyr boxte mir nur kurz in den Oberarm und schob mich dann aus der Box. "Mach, dass du wegkommst du Blödi!" schimpfte er und als Gegenschlag streckte ich ihm die Zunge raus. Ja so war er, unser Petyr.

      Obwohl ich es nicht vermutet hätte, war Petyr am Nachmittag aufgeregter als ich und das, obwohl die beiden jungen Isländer seit langem meine ersten Pferde waren, die ich mir kaufte. Petyr war es auch, der alle fünf Minuten aus dem Stall blickte und nach einem Transporter schaute, welcher die beiden zu uns bringen sollte. Es war ein angenehmer Mittwochnachmittag. Die Sonne schaute immer wieder hinter den Wolken hervor und kein Lüftchen wehte, sodass man die 17 Grad doch ganz gut vertragen konnte. Ein perfekter Tag, welcher zwar nicht ganz so gut begonnen hatte, aber das taten die guten Tage doch sonst auch. Die schlechten begannen gut und endeten schlecht, die guten fingen schlecht an und wurden erst später richtig gut. So war es jedenfalls immer bei mir. Ich hatte mich gerade zu einer kleinen Pause auf die Bank vor dem Stall niedergelassen und ein gutes Buch, ein Krimi (Tote, Fingerabdrücke, Blut und so ein spannendes Zeug) in die Hand genommen, als Petyr ganz aufgeregt neben mir auftauchte und meinte: "Da da, so schau doch, sie kommen!"
      "Petyr, du klingst wie eine Prinzessin, die ihren langersehnten Prinzen endlich wiedersehen kann. Ehrlich, du hättest auch Schauspieler werden können." meinte ich und stand mühsam auf. Meine armen Knochen!
      "Und du hast zwei Pferde gekauft und bis lustloser als je zuvor! Das ist auch nicht besser." verteidigte sich Petyr und verschränkte die Arme vor der Brust.
      "Glaube mir, ich freue mich auch, sehr sogar, ich weiß nur noch nicht, ob es wirklich der richtige Weg war. Ich bin immer noch viel unterwegs, auch wenn Evangeline und du mir mittlerweile viel Arbeit abnehmt-" Ich brach ab und blickte dem Transporter entgegen, der die buckelige Straße entlang holperte. Da hinten drinnen, da waren sie. Zwei junge Isländer, der eine erst knapp ein Jahr, der andere perfekte 6 Jahre. Ich wusste immer noch nicht, ob es richtig gewesen war, aber jetzt war es zu spät, sie waren angekommen und ich hoffte, dass die Tyrifjord Ranch für immer ihr zu Hause sein würde. Der Pferdetransporter war Silber und bot Platz für mehrere Pferde, in dem Moment sollten sich darin allerdings nur zwei befinden, zwei, die mein Leben nochmal in eine ganz andere Richtung lenken würden. Das wusste ich jetzt schon. Sie hatten eine weite Reise hinter sich; Erst von Kalifornien mit dem Flugzeug nach Vikersund zum Flughafen und dann von dort mit dem Transporter bis hier her. Sie taten mir verdammt Leid. Der Fahrer schaltete den Motor auf dem Parkplatz vor dem Stall aus, stieß dann seine Tür auf und kletterte heraus. Zu meinem Erstaunen war es kein älterer Mann, welcher sein Leben lang bereits Pferde von einem Ort zum anderen kutschierte, sondern eine junge Frau, vielleicht Ende dreißig, welche ihre langen braunen Haare zu einem Zopf geflochten hatte und nun elegant aus dem Transporter sprang. Sie lächelte uns beide freundlich an und winkte uns dann wie ein kleines Mädchen zu, bevor sie über den Parkplatz rief: "Ist einer von euch beiden Malte?"
      Ich schüttelte meine kurze Ungläubigkeit von mir ab und hob dann die Hand. "Ja ich, warten sie, ich komme."
      Petyr neben mir grinste und blickte mich von der Seite an. "Das ist aber eine Hübsche, pass auf, dass dir deine Augen nicht aus dem Kopf fallen, lieber Malte." Ich sagte nichts, hoffte allerdings das ich nicht allzu rot im Gesicht wurde. Als ich bei der jungen Frau angekommen war, hatte sie bereits die automatische Rampe an der Seite des Transporters heruntergelassen und war zu den beiden Pferden in den Anhänger geklettert. Ich folgte ihr und warf einen allerersten Blick auf meine Pferde. Meine Pferde, wie sich das anhörte, es löste ein ganz neues Gefühl in meinem Magen aus, welches ich schon lange nicht mehr gespürt hatte. Beide waren erschöpft und verschwitzt, waren jedoch genau das, was ich mir schon immer gewünscht hatte: Einfach nur perfekt.
      Ich starrte die beiden noch vollkommen überfordert an, als mir die Frau neben mir die Hand reichte. "Hey, ich bin Halla!"
      Ich wandte meinen Blick von den Pferden ab und ergriff ihre Hand. "Malte."
      Sie lachte und dabei leuchteten ihre Augen noch mehr und an ihren Mundwinkeln erschienen kleine Grübchen. "Ich weiß doch." Ich musste auch lachen. Oh man war ich manchmal peinlich, da machte ich ja sogar Petyr den ersten Platz der Peinlichkeitsrangliste streitig.
      Als ich darauf nichts sagte, meinte Halla etwas eingeschüchtert: "Vielleicht sollten wir die Pferde hier heraus holen, sie waren jetzt lang genug hier drinnen." Ich nickte zustimmend und ging zu dem größeren der Beiden hin.
      Óslogis Fellfarbe war etwas ganz besonderes und ich musste ehrlich zugeben, dass ich so ein Pferd schon lange nicht mehr gesehen hatte. Und ich, ich der einfache Pferdetrainer Malte, ich besaß jetzt diesen schmucken Hengst. Ich band Óslogi los und führte ihn die Rampe hinunter. Hinter mir kam Halla mit dem kleinen Félagi. Beide Pferde standen wohl noch zur Hälfte unter den Narkosemitteln für den Flug, denn beide Isländer stolperten über jeden größeren Stein und schafften es nicht, ihre Hufe höher als Handhoch zu heben. Ich lächelte durchweg, als ich Óslogi in den Stall führte. Die Boxen der Beiden lagen ganz am Anfang und waren natürlich nebeneinander. Ich zeigte Halla, welche sich staunend in dem großzügigen Stall umschaute, Félagis Box, während ich Óslogi in seine brachte. Petyr stand natürlich nur daneben und schaute uns zu, wie wir die Pferde von Transportgamaschen und Decken befreiten. Heu, frisches Wasser und Kraftfutter zur Erholung hatten wir beide natürlich schon vorbereitet, sodass es den Beiden erstmal an nichts mangelte. Halla und ich ließen die Pferde auch so schnell wie möglich in Ruhe und gaben ihnen genügend Zeit anzukommen. "Lust auf einen Kaffee?" fragte ich Halla und ignorierte dabei Petyrs breites Grinsen. Heute konnte ich ihn mal wieder überhaupt nicht ausstehen.
      "Klaro, Kaffee ist immer gut!" meinte sie lächelnd und schon wieder lächelte ich zurück.
      "Machst du uns einen?" Ich schaute Petyr bittend an, welcher laut seufzte und dann in Richtung "Reiterstube" verschwand, welche bei uns lediglich aus einem Abstellraum mit Kaffeemaschine bestand.
      Halla holte aus dem Transporter die Papiere und setzte sich dann neben mich auf die Bank vor dem Stall. Sie schien jedoch Zeit zu haben, denn sie ließ die Mappe noch geschlossen und genoss mit geschlossenen Augen die warmen Sonnenstrahlen. Ich tat es ihr gleich, wurde aber kurz darauf von ihr angesprochen. "Sag mal, ist das eigentlich dein Stall?"
      Ich lachte und schüttelte dann den Kopf. "Nein nein, der gehört einem jungen Paar, die sind gerade nur in Sylling Verwandte besuchen, ich wohne hier nur und bin Pferdetrainer und Angestellter. Einen eigenen Stall, und vor allem nicht so einen großen, könnte ich mir niemals leisten." sagte ich und zuckte mit den Schultern. "Dafür braucht man so einiges an Geld."
      Halla neben mir seufzte und nickte dann. "Jaaa," sagte sie gedehnt, "Diese Erfahrung durfte ich auch schon machen."
      In dem Moment kam Petyr mit drei dampfenden Tassen zurück. Unterm Arm hatte er eine Milchpackung und Zucker stecken. Wie ein Butler reichte er uns beide jeweils eine Tasse und fragte dann stumm nach Zucker und Milch. Halla hob dankend die Hand und auch ich verneinte. Petyr wusste ganz genau, dass ich meinen Kaffee immer schwarz trank. Er selbst quetschte sich noch neben Halla auf die Bank und schüttelte sich gefühlt die halbe Milch- und Zuckerpackung in die Tasse. Dann nahm er mit gespitzten Lippen einen Zug des heißen Gebräus. "Sag mal, Halla richtig? Wie kommt eine junge Frau wie du eigentlich auf die Idee, Fahrerin für ein Transportunternehmen zu werden?"
      Halla schien mit der Frage gerechnet zu haben und ich war mir sicher, dass sie diese nicht zum ersten Mal in ihrem Leben hörte. Deswegen antwortete sie auch dementsprechend resigniert. "Mein Vater leitet unsere Firma. Wir hatten vor einigen Jahren einige Geldprobleme und deswegen bin ich aushilfsweise bei ihm eingestiegen, weggekommen bin ich dort nie und jaaa, auch ich bereue es manchmal - Das musst du mich jetzt nicht noch fragen."
      Ich blickte Petyr böse an. Das hätte er auch etwas besser fragen können, da konnte er sehen, was er angerichtet hatte.
      Ich versuchte das Thema zu wechseln. "Hast du denn eigentliche auch eigene Pferde?"
      Wieder musste Halla eine Antwort geben, die ihr nicht gefiel. "Nein, besser gesagt saß ich noch nie auf einem größeren Pferd als einem Reitpony vom Rummel. Und auch wenn ich Tag für Tag Pferde von einem Ort zum anderen bringe, reiten kann ich nicht." Traurig blickte sie in die Weite und ich sah, wie eine Träne in ihren Augen glitzerte. So hatte ich mich täuschen können. Noch vor wenigen Minuten hatte ich geglaubt, noch nie einen glücklicheren Menschen getroffen zu haben und jetzt saß eine traurige junge Frau mit Tränen in den Augen neben mir. So war die Welt, die Wahrheit blieb einem meistens verborgen.
      Kurz gefasst: Der Tag endete damit, dass ich mit Halla die Nummern ausgetauscht hatte und sie zu uns zum Kaffee eingeladen hatte, mit anschließendem Reiten, verstand sich natürlich von selbst.
      Erst als am späten Nachmittag Petyrs Handy klingelte und Nico am Telefon fragte, ob die Pferde bereits versorgt waren, lösten wir unsere Kaffeerunde auf und jeder ging wieder seines Weges. Auch hatten sich Félagi und Óslogi in der Zeit prächtig erholt und beide blickten nun munter über die Gitterstäbe der Box hinweg. Beide würden die Nacht noch zur Sicherheit in der Box verbringen, morgen Abend würden sie jedoch mit hinaus auf die Weiden dürfen und mit eigenen Augen die prächtigen Weideflächen von Norwegen sehen können. Ich hoffte ja, dass Óslogi sich mit dem junge Leiðtogi anfreunden würde, die beiden Isländer würden sich bestimmt gut verstehen. Auch auf Félagi wartete ein Spielgefährte: Der junge Sleipnir, auch er stammte aus der gleichen Zucht wie Félagi, war nur wenige Monate älter und ich war mir sicher, dass die beiden sich gut verstehen würden. Ich war verliebt und überglücklich und konnte es noch nicht so ganz fassen, dass alles so reibungslos geklappt hatte. Ich hatte lange an mir gezweifelt, auch jetzt natürlich noch, ob es richtig gewesen war. Aber das konnte man vorher nie wissen, das würde die Zeit bringen.

      Kommt zu Tisch und hört die News!
      September 2016, by Canyon
      Charly » „Malte?“ Meine Stimme klang etwas kratzig, als ich nach unserem Mitarbeiter rief, welchen ich gerade zufällig vor seiner Haustür entdeckt hatte. Die Nacht war für mich mehr als kurz gewesen, denn erst in den frühen Morgenstunden hatte Bart Ruhe gefunden und da Nico zur Zeit unterwegs war, hatte ich das diese Nacht alleine schaffen müssen.
      Malte blickte auf, als er meine Stimme vernahm und überquerte dann den Hof, um zu mir zu kommen. Fragend blickte er mich mit seinen kastanienbraunen Augen an und auch wenn ich versuchte mir den Gedanken zu verkneifen, fragte ich mich abermals, warum er, laut seinem Freund Petyr, seit Jahren keine feste Freundin mehr hatte. Diesen Augen konnte sogar ich nicht widerstehen, dabei war ich seit geraumer Zeit glücklich mit Nico zusammen und auch wenn wir beide keine, oder jedenfalls nicht so früh, Kinder haben wollten, hatte unser Bartholomäus unser Leben nochmal ganz schön auf den Kopf gestellt.
      Ich riss mich von seinen Augen los und sammelte meine Gedanken. „Es gibt ein paar wichtige Dinge zu besprechen“, erklärte ich ihm. „Ich würde dich deswegen bitten, und Petyr auch noch zu Bescheid geben, heute Mittag um eins zu kommen. Es wird euch bestimmt interessieren, vor allem dich.“ Ich wartete seine Antwort nicht mehr ab und schloss sachte mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen vor ihm die Tür. Ich kannte ihn mittlerweile recht gut und wusste, dass er kommen würde.
      Teodor und Torun hatte ich gestern bereits Bescheid gegeben und so fehlte jetzt nur noch Nico, welcher jedoch auch bald und hoffentlich pünktlich zurückkommen würde.

      Den restlichen Vormittag blieb mir wohl nichts anderes übrig, als mich mit Bart zu beschäftigen. Auf dem Plan stand also aufräumen und putzen, mit meinem Sohn spielen, dann einen kleinen Spaziergang am Ufer des Tyrifjords und dann Mittagessen kochen. Ich war mehr als erleichtert, als Bart wenig später in seiner Hängematte einschlief und doch tatsächlich nicht mal wach wurde, als ich ihn in den Kinderwagen hiefte und mit ihm das Haus verließ. Die Mittagszeit war meiner Meinung nach die beste Zeit. Jetzt schlief Bart und auch all die anderen Hofbenutzer waren meist in ihren Wohnungen.
      Mit Bart schlug ich den Weg zum Stall ein. Da bei uns die Pferde über Nacht auf den Weiden waren und den Tag in den Boxen dösten, war der Stall mehr als gefüllt. Auch wenn wir bis jetzt noch einige leere Boxen hatten, so war es jetzt schon reichlich Arbeit, all die Pferde zu versorgen.
      Bart ließ ich am Eingang des Stalls stehen. Sollte er aufwachen, würde er sich schon bemerkbar machen.
      Mir fiel auf, dass der junge Óslogi nicht in seiner Box stand und daraus schloss ich, dass Malte, nicht wie erwartet, in seiner Wohnung sein würde, sondern mit seinem Hengst irgendwohin unterwegs war. Das Wetter war dazu ja wirklich perfekt, denn auch wenn die Sonne heute schien, so war es nicht zu warm und ein kleiner Westwind trieb ein kühles Lüftchen vom Atlantik zu uns.
      Meine Schritte lenkten mich weiter zur Box von Braum, allerdings war auch dieser nicht in seiner Box zu finden, weswegen ich, mit meinem überaus klugen Kopf daraus schloss, dass auch Braum mit Óslogi unterwegs war. Entweder als Handpferd, oder auch Petyr hatte sich Malte angeschlossen Das würde ich leider nicht so schnell erfahren, weswegen ich nach einem Plan B suchte.
      Schließlich entschied ich mich dafür, statt Braum mich mit der Jungstute Scion zu beschäftigen. Sie war ein wahres Prachtexemplar und ich war froh, sie vor einiger Zeit aus einer so berühmten Zucht gekauft zu haben. Es zerbrach mir jetzt schon das Herz, dass ich sie bald von ihrem besten Vollblutfreund Aspantau trennen musste. Die beiden waren dickste Freunde, nur leider hatte ich nicht vor, Aspantau zu kastrieren und bevor wir ungewollt Nachwuchs bekamen, mussten wir sie trennen.
      Ich legte der jungen Stute ihr hübsches Halfter um und führte sie dann aus der Box nach draußen ans Tageslicht. Bart schlief natürlich immer noch, nur hatte sich zu ihm noch jemand dazugesellt. Capucine. So sehr ich die alte verfilzte Katze mochte, genauso wenig erfreut war ich, dass sie sich zu Bart in den Kinderwagen gelegt hatte.
      Cap war eine Straßenkatze gewesen, welche wir aus Südfrankreich mit nach Norwegen genommen hatte. Kein Hund, nicht mal die beiden Wolfshunde Gery und Edda konnten ihr Angst einjagen. Sie wusste genau was sie wollte und ließ sich davon dann auch nicht abbringen.
      Ich seufzte tief, klemmte mir dann trotzdem den Führstrick von Scion unter den Arm und hob die dicke Katze aus dem wagen. Hübsch war sie ja, so caramellfarben mit dunkleren Flecken, aber wenn sie einem ihre Krallen zeigte, gab es nichts mehr zu lachen.
      Diesmal fauchte sie jedoch nur kurz, bevor sie mir vom Arm sprang und mit erhobenem Schwanz majestätisch im Stall verschwand.
      Auch Scion fand den Kinderwagen einfach nur interessant und streckte ihre helle Schnauze tief ins Innere.
      Ich musste lächeln, schob jedoch ihren Kopf zurück, bevor ich sie am Kinderwagen anband und mit beiden den Hof verließ.
      Scion liebte Spaziergänge. Jeder Stein, jeder Busch und jede Rose am Wegesrand musste unbedingt von ihr beschnüffelt werden und dafür nahm sie sich auch genügend Zeit.
      Auch ich genoss es, einfach nur dahin zuschlendern, Scion zu beobachten und meinen Gedanken nachzuhängen. Allerdings konnte das natürlich nicht immer so weiter gehen. Kaum war Bart aus seinem tiefen Mittagsschlaf aufgewacht, wurde auch Scion unruhiger. Bart bewegte sich immer wieder, wollte auch etwas sehen und gab lautstark Geräusche von sich, sodass ich unseren gemeinsamen Spaziergang bald abbrach und zurück zum Stall ging.
      Viel Zeit hätte ich sowieso nicht mehr gehabt. Es war kurz vor eins und ich wollte die anderen nicht warten lassen. Auch Braum und Óslogi waren mittlerweile wieder in ihren Boxen, sodass also auch Malte wieder da sein sollte.
      Ich brachte Scion in ihre Box und ging dann den kleinen Uferweg am Tyrifjord zurück zu unserem kleinen Hof.
      Bereits aus der Ferne erkannte ich Nicos schwarzes Auto und auch wenn ich es nur ungerne zugab, so freute ich mich doch, ihn nach nur drei Tagen endlich wiederzusehen. Mal wieder war er mit Asuka und seinem auf einem Lehrgang gewesen und so sehr wie ich ihm das gönnte, genauso öde und anstrengend waren die Tage ohne ihn. Wäre Mio nur noch da, dann wäre das kein Thema gewesen, aber jetzt-.
      Erstaunt stellte ich fest, dass ich wohl die Letzt war, die ankam. Die anderen hatten bereits ein paar Stühle zusammengesucht und bei uns im Garten einen kleinen gemütlichen Kaffeetisch gedeckt.
      Es war mir peinlich, dass ich sie alle einlud und dann noch nicht mal pünktlich war. Allerdings schien das niemanden zu stören. Von allen wurde ich freundlich begrüßt und natürlich auch Bart, welcher gleich nach unserer Ankunft aus dem Wagen gehoben und von allen beknuddelt wurde.
      Laut bellend stürzte sich mein kleiner Schützling Asuka auf mich und es freute mich zu sehen, wie sehr der kleine Whippet mich vermisst hatte. Bevor ich ihn allerdings begrüßte, nahm mich Nico in den Arm und drückte mir sanft einen Kuss auf die Lippen. Auch wenn er manchmal, nein, sehr oft ein großes Ar***loch war, hatte ich ihn mehr als lieb.
      Ich ließ mich neben Teo am Tisch nieder und neben mich setzte sich Nico. Wir waren nun also alle vollzählig. Torun, Petyr und Malte saßen auf der anderen Seite des runden Tischs.
      Während Malte sich entspannt zurück gelehnt hatte und alles mit ausdruckslosem Gesicht beobachtete, hatte Petyr wie immer ein freches Grinsen auf dem Gesicht und schaute mich erwartungsvoll an. Die blinde Torun schien etwas nervös und kaute unablässig auf ihrer Lippe herum, während ihr Vater Teodor sich mit dem kleinen Bart beschäftigte, welcher dem alten Mann im Bart herum spielte. Bei dem Gedanken musste ich mir ein Grinsen verkneifen, denn mein Bart spielte im Bart, eine witzige Vorstellung.
      Jetzt, wo es soweit war, fand ich nicht die Worte, welche ich mir den ganzen Vormittag bereitgelegt hatte und das ärgerte mich extrem. Ich war früher immer sehr wortgewandt gewesen, seitdem das allerdings mit Shadow und Mio gewesen war und all die Verantwortung nun auf meinen Schultern lag, war dieses Talent erheblich geschrumpft.
      »Okay, danke erst mal, dass ihr alle gekommen seid.« fing ich ahnungslos an, ohne zu wissen, was ich als nächstes sagen sollte. »Nico und ich haben in letzter Zeit uns oft darüber Gedanken gemacht, was wir verbessern können und uns fiel auf, dass wir zwar mit unseren Pferden viele erfolgreiche Turniere gehen, aber trotzdem kein Ziel vor Augen haben. Deswegen haben wir uns dazu entschieden, nun auch ganz aktiv in die Zucht einzusteigen.« Ich beobachtete die Reaktionen am Tisch genau. Petyr schien sich zu freuen, denn seine Grübchen wurden noch tiefer und seine Augen noch strahlender als sonst. Malte zog nur eine Augenbraue in die Höhe und Torun hörte auf, auf ihrer Lippe zu kauen. Teo zeigte mit keinem Finger, dass er uns verstanden hatte, sondern beschäftigte sich immer noch mit Bart.
      »Wir haben viel überlegt, viel geplant und trotzdem wurde uns die Entscheidung von jemandem erleichtert. Nico und ich waren letztes Wochenende auf einem Gestüt, wo einige Pferde zum Verkauf standen. Besser gesagt, einige Achal Tekkiner und zwei davon stammen auch noch aus der berühmten Reuthlinie. Die Besitzerin überlegte nicht lange und verschenkte« dieses Wort betonte ich extra stark, »verschenkte drei Stuten und einen Hengst an uns.«
      Hier blickte ich kurz zu Nico, welcher mir zunickte und sich so bereiterklärte, weiterzuerzählen. »Ihr wisst alle, dass Nelly und April unserem alten Freund viel bedeuteten und nun werden wir genau das tun, wovon er immer geträumt hatte. Eine kleine Zucht mit diesen überaus majestätischen und eleganten Geschöpfen. Zwei der Stuten sind bereits erfolgreich geritten wurden, die eine ist fast vier und wird nun so langsam eingeritten. Ich weiß, wenn ich euch jetzt erzähle, dass der Hengst das Spiegelbild von meinem Marid ist, werdet ihr uns für verrückt halten, aber ich bin mir sicher, dass es nicht lange dauern wird, bis auch er vernünftig wird. Ich kenne mich ja so langsam mit solche Pferden aus.« Ein breites angeberisches Grinsen tauchte auf seinen Lippen auf. Gerade hatte ich noch gedacht, dass er es jedenfalls einmal schaffen würde, nicht der große Angeber zu sein, sondern ein ganz normaler Junge. Da hatte ich wohl umsonst gehofft.
      »Schön und gut«, hängte sich nun Malte ins Gespräch, »Aber mit den neuen Pferden haben wir fünf Stuten und einen Hengst, das Verhältnis ist etwas unausgeglichen.«
      »Sechs Stuten, um genau zu ein.« antwortete ich ihm. »Ich habe bereits seit längerem eine weitere Stute im Blickfang und der Verkäufer hat sich gestern nun endlich zurückgemeldet und dem Kauf zugesagt.«
      Zweifelnd blickte Malte mich an. Ich hatte zwar gewusst, dass er etwas kritisch an die ganze Sache heran gehen würde, aber so schwer musste er es mir nun wirklich nicht machen. »Keine Angst Malte. Cascar, die Vorbesitzerin der Tekken, hat drei weitere Hengste bei sich stehen. Diese will sie behalten, möchte mir diese allerdings zur Verfügung stellen, sodass wir erst mal genügend Hengste haben und trotzdem keine weitere Arbeit. Zufrieden?«
      Er nickte leicht mit dem Kopf und ich atmete erleichtert aus. Ich wollte gerade weitererzählen, als ich sah, wie Torun leicht ihren Mund öffnete und so wartete ich ab, bis das zierliche Mädchen auch gesprochen hatte.
      Mit sanfter und verträumter Stimme, welche ich schon immer so toll fand, fragte sie: »Wann kommen diese neuen Pferde denn an?«
      »Aller Wahrscheinlichkeit bereits morgen, wenn nichts dazwischen kommt und sie alle Kontrollen gut überstehen. Cascar wollte sie so schnell wie möglich zu uns bringen, denn ihr fehlt gerade einfach die Zeit, sich um die Tiere zu kümmern.« Antwortete ich ihr.
      »Da werden wir aber einige Decken für den Winter brauchen, wenn wir uns im hohen Norden Vollblüter aus dem tiefen Süden anschaffen«, meinte Petyr und grinste frech in die Runde.
      »Darüber haben wir uns auch schon Gedanken gemacht,« ging Nico auf Petyrs Kommentar ein und auch auf seinen Lippen breitete sich ein Grinsen aus. »Wir werden einen Waschdienst brauchen und dieser hat dann eine Woche die Aufgabe, die Decken zu waschen und aufzuhängen und da haben wir gleich an dich gedacht, lieber Petyr, weil wir wussten, dass du dich darüber freuen wirst.«
      Bevor Petyr zurückschießen konnte, ging ich diplomatisch dazwischen und erzählte weiter. Immerhin wollte ich heute noch so einiges schaffen.
      »Klar wird es mit ihnen anstrengender als mit felligen Pony, aber nichtsdestotrotz werden wir auch dies gemeinsam schaffen.
      Wie ihr wisst, haben wir in letzter Zeit einige Pferde verkauft und so sehr es mich schmerzt, werden auch Leiðtogi und Ocarina uns bald wieder verlassen. Linn hat sich dazu entschlossen, Togi in ihre Zucht aufzunehmen, jetzt wo er kurz vor seiner Kür steht. Oca wird zurück zu Verena auf die Gips Reminder Ranch gehen und sich dort hoffentlich wohler fühlen als hier in Norwegen. Im Gegenzug haben wir ja vor einigen Tagen Bijou und Modjo bekommen. Ich finde, dass in beiden ein großes Talent schlummert und vielleicht werden wir sie ja irgendwann kören lassen können.
      Außerdem wollen wir unsere EV-Zucht wiederbeleben und da wir nun mit Lady Gweny auch hier Stuten im Übermaß haben, habe ich einen perfekten Hengst gefunden, welcher auch in einigen Tagen bei uns eintreffen wird. Bitte habt Verständnis mit ihm und stempelt ihn nicht gleich als böse ab, ja?« Bittend schaute ich in die Runde und außer Nico machten alle ein verwirrtes Gesicht. »Glaubt mir, das werdet ihr schon früh genug erfahren!«
      Genau als ich meinen Satz beendet hatte, kam Bart auf Teos Schoß ein freudiger Schrei aus dem Mund und die ganze Aufmerksamkeit am Tisch richtete sich auf ihn. Darauf schien er nur gewartet zu haben, denn als ihn alle anblickten, grinste er breit und fing an zu lachen.
      In die dadurch entstandene Pause fragte Malte: »Wie wird denn der Hengst heißen?«
      »Cotsworlds Eik«, sagte Nico stolz. Auch er hatte den Hengst von Anfang an toll gefunden und sich genauso gefreut wie ich, dass das mit dem Kauf so gut geklappt hatte.
      »Das klingt irgendwie nach Kotze.« lachte Petyr und konnte kaum noch aufhören. Ich verdrehte nur die Augen. Dieser Kerl! Jedenfalls hatte noch einer etwas Humor.
      Bevor ich weitererzählen konnte, ergriff abermals Nico das Wort. »Und um unseren Plan einer Vollblutzucht noch komplett zu machen, habe ich eine perfekte Stute für meinen Marid gefunden. Und ob ihr es glaubt oder nicht, sie ist bereits gekrönt und dazu noch überaus hübsch.« Stolz blickte Nico in die Runde und ich freute mich, dass er endlich ein weiteres Pferd gefunden hatte, welches ihm etwas bedeutete. Niemand in der Runde schien etwas dagegen zu haben und diesmal war die Atmosphäre um einiges positiver. Eine Stute für Marid, dass war perfekt und das schienen auch alle zu finden.
      »Charly was hast du eigentlich für deinen Geburtstag geplant?« Teo hatte sich einen Moment von Bart losgerissen und blickte mich nun fragend an.
      »Woher weißt du von meinem Geburtstag?« Erstaunt blickte ich Teo an. Mein Geburtstag war nichts besonderes und ich hatte nicht geplant mit allen eine große Feier zu veranstalten.
      »Na steht doch ganz groß am Stallkalender«, brummte Teo und ich sah wie er die Augen verdrehte.
      Ungläubig drehte ich mich zu Nico um und blicke ihn dann wütend an. Dieser zuckte allerdings nur mit den Schultern und schien sich keiner Schuld bewusst zu sein. Na super!
      »Geplant ist nichts, ist sowieso mitten in der Woche, da hat sowieso niemand Zeit.« Bevor das Thema weiter vertieft werden konnte, erzählte ich einfach weiter. »Das nächste wird eich bestimmt sehr interessieren! Da wir nun einige Pferde auf dem Gestüt haben, brauchen wir dringend Hilfe! Ich habe mich also im Internet nach jemandem umgeschaut, der einen Job braucht und tatsächlich! Ich habe den perfekten Mann gefunden. Er kommt ursprünglich aus Namibia und hat bereits sein ganzes Leben mit Pferden zu tun. Er ist vom Beruf her eigentlich Reitlehrer und hat nicht nur von Westernpferden, sondern auch von Vollblütern und Galopprennen jede Menge Ahnung. Er wird erst mal bei uns im Gästezimmer wohnen und sobald dann der Schuppen fertig ausgebaut ist, wird er dort einen Teil bewohnen. Ihr anderen werdet also nicht wirklich davon beeinflusst, außer, dass es endlich zwei weitere helfende Hände im Stall gibt!«
      Alle nickten zustimmend und vor allem Malte, welcher in letzter Zeit sehr viel unterwegs gewesen war und deswegen reichlich gestresst erschien, schien erleichtert.
      »Der letzte Punkt ist, dass wir eine weitere Bewohnerin bekommen und das wird vor allem dich, Malte, interessieren.« Diesmal wandte ich mich genau an ihn. »Ich hoffe es ist für dich in Ordnung, dass ich die noch leere Wohnung neben dir an ein junges Mädchen vermietet habe. Sie hat in Sylling eine Arbeitsstelle gefunden und ich habe sie letztens beim Einkaufen ganz zufällig kennengelernt. Sie wird dir gefallen, glaube mir. So ein besonderes Mädchen hast du wahrscheinlich noch nie gesehen.«
      Malte hatte die Augenbrauen hoch gezogen, seine Mundwinkel hatten sich allerdings nicht bewegt. »Das bedeutet, dass ich meine Küche und mein Klo nun teilen muss?«
      Ich nickte leicht mit dem Kopf. »Ich weiß, ich hätte dich vorher fragen müssen, aber so ein Mädchen, das brauchte ich unbedingt bei uns. So fröhlich, so hübsch und so intelligent, glaube mir, dass wird uns allen gut tun!«
      »Wie heißt sie? Wie alt ist sie? Hat sie einen Freund?« mit leuchtenden Augen hatte sich Petyr vorgebeugt und blickte mich nun fasziniert an. Ich musste bei seinem Anblick lachen und freute mich über die Entscheidung, sie nicht zu Petyr auf den Dachboden einquartiert zu haben.
      »Tjarda Winter, 22 Jahre und das andere musst du sie selbst fragen. Sie will sich uns in den nächsten Tagen vorstellen, da könnt ihr sie kennenlernen.«
      Petyr zog eine Schmolllippe und ließ sich mit verschränkten Armen zurück in den Stuhl sinken.
      »Ich hoffe, ihr seid alle jedenfalls einigermaßen mit den Neuigkeiten zufrieden. Ich freue mich darauf, mit euch allen unsere Ziele zu erreichen! Wir schaffen das und ich bin mir sicher, dass das eine tolle Zeit werden wird!« Ich versuchte alle aufzumuntern, während mein Blick auf Bart fiel und sich mein Herz bestimmt um einige Grad erwärmte. Ich liebte diesen Ort, die Menschen und die Tiere und ich hatte es geschafft, die Trauer um Shadows Ableben und Mios Verschwinden zu überwinden. Jetzt hatte ich alles in der Hand und ich freute mich riesig auf all die Dinge, die ich hier noch erleben würde.

      Auftakt in ein neues Leben
      Oktober 2016, by Veija
      Verena » In den letzten Wochen war viel auf der Ranch passiert. Ein ganzer Haufen Pferde hatte uns verlassen, ein paar waren dazu gekommen. Einige Mitarbeiter und ich hatten an einem Dressurturnier teilgenommen, an dem Aaron und Augen auf! Ich komme, sogar den ersten Platz gemacht hatten!
      Worauf wir besonders stolz waren war, dass Bellamy und Zuckerschock es geschafft hatten, den 3. Platz zu ergattern! Sehr zum Leidwesen von Octavia, die Bellamy regelrecht angeschrien hatte, weil sie eine Platzierung ergattern wollte. Nun waren wieder alle Zuhause und es hätte ja Ruhe einkehren können, wenn da nicht noch immer die Idee wäre, um zu ziehen. Svejn und ich wollten uns heute einen potenziellen Hof anschauen, denn die Ambitionen der Gips Reminder Ranch hatten sich ein wenig geändert, und auch dieser Hof gab nicht mehr das her, was er einmal versprochen hatte.
      "Svejn jetzt komm schon!", sagte ich etwas genervt und drehte den Autoschlüssel in meiner Hand hin und her. "Ich komm ja schon...", sagte er genervt und humpelt voran. Er durfte mittlerweile wieder laufen und auch reiten, aber das Laufen schien ihm noch ziemliche Probleme zu machen, weshalb er seinen Alltag lieber reitend verbrachte- zum Leidwesen seines Physiotherapeuten, denn dieser hatte ihm verboten, zu viel zu reiten. Aber er kannte Svejn mittlerweile ja sehr gut, er konnte nicht ohne reiten.
      Endlich waren wir im Auto und ich konnte los fahren. Die Fahrt verlief eigentlich relativ stillschweigend, denn Svejn musste sich auf sein Handy konzentrieren, um mir den Weg zu sagen- ich musste mich auf die Straße konzentrieren, denn diese Ranch lag wirklich weit ab vom Schuss, aber dennoch in der Nähe der Ferienranch und unserer alten Ranch.
      Dort angekommen schauten wir uns schon skeptisch um, denn die gesamte Ranch wirkte verlassen, überall waren die Zäune kaputt, Hecken und hohes Gras wucherten überall. "Hm, nicht das, was ich mir erhofft hatte.", sagte ich niedergeschlagen zu Svejn, der wohl meine Meinung teilte. "Komm, wir gehen erst mal zum Haus und lassen uns alles zeigen.", meinte er schulterzuckend und zusammen gingen wir zum Haupthaus, wo auch schon auf uns gewartet wurde. "Guten Morgen Mr. & Miss O'Connor.", sagte die junge Dame, die weder Svejn noch ich korrigierten. Svejns Name war einfach zu kompliziert. "Vorweg muss ich ihnen leider sagen, dass die Ranch in keinem guten Zustand ist, denn mein Vater ist vor etwa einem Jahr von uns gegangen und seit dem steht die Ranch leer.", erklärte sie und und fing an, uns eine kurze Runde durch das Haus zu führen. "Warum hatte ihr Vater eigentlich ein so großes Haus?", fragte ich die Dame dann bei der Tatsache, dass hier mein Team dreimal reinpassen würde. "Sie werden gleich bei der Führung sehen, dass sie hier eine riesige Ranch betreten haben. Deshalb ist auch das Haus sehr groß.", sagte sie und führte uns aus dem Haus heraus in die obere Ecke der Ranch. Dort waren zwei Offenställe mit 3 großen Koppeln. "Hier könntest du deine Pferde hin stellen.", sagte ich freudig mit einem Blick auf den Offenstall, bei dem eine große Koppel war. "Und hier könnten die Jungpferde stehen.", schwärmte ich, ehe wir weiter gingen. Es gab ein kleines Gemüsefeld, einen See und nun kamen wir an der Rennbahn an. "Wow.", sagte ich begeistert. Es war um mich geschehen, diese Ranch würde unser neues Zuhause werden. Svejn hatte meinen Blick gesehen und zwanghaft gelächelt, wir würden so viel Arbeit in die Ranch stecken müssen, bevor wir hier einziehen konnten, doch er wusste, dass wir das schaffen konnten.
      Die junge Frau zeigte uns noch den Rest der Ranch, zum Beispiel die drei großen Ställe mit Paddocks und Koppeln, die Offenställe, die Reithalle aber auch die beiden Reitplätze. Neben der Ranch gab es noch einiges an Weideland und einen großen Wald, den wir mit kaufen konnten. "Wir werden uns morgen melden.", verabschiedeten wir uns dann, ehe wir uns auf den Weg nach Hause machten. Diese Fahrt verlief wesentlich lauter. Ich quatschte Svejn die Ohren voll mit der Ranch und dass ich sie unbedingt haben wollte, auch wenn sie einfach viel zu groß für uns war. "Aber wir könnten Einsteller nehmen.", meinte ich dann und er nickte.
      Am Abend erzählte ich meinen Mitarbeitern von der Ranch und schon am nächsten Morgen befand ich mich wieder dort- diesmal in Begleitung von Caleb, damit er sich ein Bild vom Hof machen konnte. Ich legte noch immer viel Wert auf seine Meinung, weshalb ich sein OK haben wollte, bevor ich den Kaufvertrag unterschreiben wollte. Er segnete die Ranch ab und ich unterschrieb den Kaufvertrag, nachdem ich den Preis noch ein wenig gedrückt hatte. Nun kamen die verkauften Pferde der Ranch zugute, denn ohne diesen Verkauf hätten wir die neue Ranch nicht kaufen können und solange wir noch hier lebten, konnten wir die alte Ranch nicht verkaufen.
      So kam es, dass wir eine ganze Weile erst die Pferde auf der alten Ranch versorgten und dann auf die neue Ranch fuhren, um die Zäune zu reparieren, die Stallungen neu zu verputzen, und und und.

      Nun war der Tag des Umzugs endlich gekommen, auf den ich schon so lange gewartet hatte. Leider würde es nur ewig dauern, alle Pferde rüber zu bekommen, denn wir hatten noch immer 63 Pferde. Vermutlich würden bald noch ein paar Pferde den Besitzer wechseln, aber diese 63 Tiere würden allesamt mit auf die neue Ranch kommen. Ein grober Plan, wo welche Pferde hinkamen, war schon gemacht- und da man hier in Kanada oder generell in Amerika nicht so zimperlich war, was Pferde verladen anging, hatten wir uns ein paar einfache Trailer geliehen, in die die Pferde einfach hinein sprangen. Um jedoch trotzdem Verletzungen zu vermeiden, würden alle Pferde Transportgamaschen tragen, denn ganz leichtsinnig musste man ja nicht sein.
      Anfangen wollten wir mit den Jungpferden, da diese am längsten brauchen würden, bis wir sie im Hänger hatten. VK A Gun Colored Lena, Like Twist and Gun, VK Drag's Solo Queen, PFS' Blossom Magic sowie Wimpys Little Devil und ihr Fohlen GRH's Unbroken Soul of a Devil waren die ersten Pferde, die wir verluden und zur neuen Gips Reminder Ranch fuhren. Es dauerte eine ganze Weile, bis wir die Tiere im Trailer hatten, doch sobald alle drin waren, waren wir ruck zuck auf der neuen Ranch und konnten die Tiere auf die Koppel entlassen. Wimpys Little Devil war wirklich ein Ruhepol, was ich nicht gedacht hatte. Ich ließ sie mit ihrem Fohlen noch ein paar Tage bei den Stutfohlen laufen, ehe Devil abgesetzt wurde und die Stute ihre Box im Trainingsstall bezog, denn wir wollten sie wieder aufbauen und im Sport laufen lassen.
      Die nächsten Pferde waren die Hengstfohlen VK Bellas Dun Gotta Gun, Bellamy' O, VK Funky's Wild Berry und PFS' VK' Snap in Style. Zusätzlich fuhren noch Cielos Double Dun It und Chocolate Dream mit. Choco und Gipsy fanden ihren Platz in ihren Stallungen, die anderen Pferde kamen auf die Koppel.
      Nun schauten wir erneut ein wenig nach den Plätzen, wo die Pferde hinkommen sollten, so dass wir in windesweile Arsil, Bahar, Daryl gone Mad, Golden Ebano, Sacramento XX, Scoubidou, Silberstern, Seattle Slew, Turf Runnder, Wildfire, Firewalker, Stiffler, Drag me to Hell, Drama Baby, My lovely Horror Kid, Nyanda, Priamos Ruffia Kincem, Shiryō, Supernova, Teasie, Wolfs Bane, Zuckerschock, Abraham van Helsing, Alan's Psychedelic Breakfast , Cauldron of Renascence , Eldrian Antrax, Funky Powerbabe, Gun and Slide, Hollywood King Gun, Hollywood's Silver Dream, Spooks Gotta Gun, Stormbringer, Amarula van Helsing, Augen auf! Ich komme, Bella Dun Del Cielo, Kristy Killings , Marly's Pluie , Snuff, Blazing Flame, Comeback of a fallen Goddess, Dakota, DunIts Smart Investment, My sweet little Secret, Ocarina of Time, Raspberry, Scarlet Sun, Snapper Little Lena, Striga, VK Aquila T Mistery, Samug, Thjalve van de Jötunheimr und Moon's Pumpkin auf der neuen Ranch hatten. Lediglich bei Zues und Raised from Hell hatten wir unsere Probleme, so dass wir sie beide sedieren mussten, um sie verladen zu können. Sie fanden auch beide einen Platz auf den Koppeln, wo sie 24/7 stehen würden, bis wir mit ihrem Training weiter gekommen waren, dass wir sie anfassen konnten. Zues würde auch bald kastriert werden. Zwar war das schade um seine Abstammung, aber wir konnten das Risiko nicht mehr eingehen und hofften, dass er es als Wallach zumindest ein wenig einfacher haben würde als jetzt als Hengst.
      Erschöpft fiel ich am Abend auf die Couch. "Ich glaube morgen gibts nen freien Tag.", lachte ich und schaute in die Runde, denn noch waren alle Mitarbeiter in der Stube bei mir. "Also.. Pferde misten, füttern und auf die Koppel bringen morgens. Es wir keins trainiert, geritten oder sonst was. Macht, was ihr wollt.", lachte ich und schaute in eine Runde zufrieden nickender Gesichter.

      Pflege am frühen Morgen
      Oktober 2016, by Canyon
      Pia » Der Nebel schlich lautlos durch das Tal unterhalb des im Vergleich doch noch recht kleinen Berges und für einen kurzen Moment fühlte es sich für mich so an, als würde ich auf Wolken leben. In aller Frühe verließ ich das kleine Wohnhaus und stakste hinüber zu dem kleinen Stallgebäude auf der anderen Seite des gemütlichen Hofes. Aus zwanzig großzügigen Boxen, aus hellem Holz und trotz ihres Alters noch gut gepflegt, bestand der kleine Stall, in welchem unsere Pferde standen und gemütlich an ihrem Heu kauten. In den letzten Tagen waren einige neue Pferde dazugekommen. Ein Gestüt hatte ihre Zucht geschlossen, sodass wir nun auch noch einige spanische Pferde zu Gast hatten. Die Pferde wären sonst an Händler verkauft worden und später wer weiß wo gelandet.
      Ich schlang meinen Schal noch etwas enger um meinen Hals und schob dann das große Tor auf, welches mich noch von meinen großen Freunden trennte. Ein verirrtes Huhn wurde von dem lauten Knarren aufgescheucht und suchte panisch das Weite. An dem linken geknickten Flügel erkannte ich es sofort. Unsere kleine Emma war schon immer etwas scheu gewesen und dazu auch noch schnell, eine schlechte Kombination, aber das hatte ihr bestimmt schon das ein oder andere Mal das Leben gerettet.
      Die achtzehn Pferde im Stall verströmten einen süßlichen Geruch, welcher mich an eine große Blumenwiese im Sommer erinnerte. Sommer, schade, dass dieser nun endgültig vorbei war und die Tage nun von Regen, Wind und Kälte bestimmt waren. In meinem Alter war der Winter immer schwer zu überstehen.
      Mit langsamen Schritten holte ich eine Schubkarre aus einer Ecke, befüllte diese dann mit frischem Heu und fing an, die Pferde zu füttern. Einige hielten Vroni und mich für verrückt und glaubten uns nicht, dass wir mit Mitte siebzig noch so viele Tiere halten konnten. Aber genau das, diese Tiere, waren es, was mich am Leben hielt und mich davon überzeugte, jeden Morgen aufs Neue aus meinem warmen Bett aufzustehen.
      Klar, die wilden Ausritte in die Natur von Österreich funktionierten nicht mehr, aber dafür gaben wir beide, zwei verrückte alte Damen jüngeren die Chance reiten zu lernen und es war ein tolles Gefühl, so viele Kinder und Jugendliche glücklich machen zu können.
      Meine Fütterungsaktion begann bei unserer hübschen Mirabelle. Sie stand gleich in der ersten Box am Stalleingang und hütete diese wie ihren eigenen Augapfel. Sie hatte schon einiges in ihrem Leben erlebt und hatte nun endlich einen Platz bei uns gefunden, an welchem sie bleiben konnte. Neben ihr stand gleich ihre beste Freundin Smoke Cream. Erst vor kurzem hatten wir gedacht, endlich einen passenden Platz für sie gefunden zu haben, doch bereits nach einiger Zeit hatten wir sie wieder zu uns nehmen müssen. Wahrscheinlich würde sie nun für immer bleiben, denn mein Herz hing doch ganz schön an ihr. Leider hatte ich das bis jetzt noch nicht bemerkt gehabt.
      Danach kamen Fire and Flame, sowie eine unserer neuesten Pferde Ocarina of Time. Auch sie hatte bereits schon einiges erlebt und war dazu nicht leicht händelbar, geschweige denn reitbar. Vor wenigen Tagen war dann die Gips Reminder Ranch explodiert und wir hatten keine Sekunde gezögert und uns dafür bereit erklärt, Pferde aufzunehmen. Ich war gespannt, was wir mit der ängstlichen Stute alles erreichen würden, denn immerhin waren an ihr schon so einige vor uns gescheitert.
      Ich schaffte es, der Stute frisches Heu in die Box zu legen, bevor sie die Ohren anlegte und Anstalten machte, nach mir zu schnappen. Etwas Zeit wollten wir ihr noch zum eingewöhnen lassen, erst dann würde unser Training mit ihr beginnen.
      Bei der hübschen Autumn Blossom und ihrer jungen Gefährtin Jule, klappte das Füttern reibungslos. Beide mochten mich sehr und auch wenn ich es ihnen gönnen würde, wenn sie ein anderes zu Hause finden würden, so würde ich sie doch schmerzlich vermissen.
      Bei River‘s Bateau war es nicht anders. Der kleine Engel gehörte hier her und der Hof ohne sie wäre nicht mehr der Hof.
      Für Vignir hatten wir bereits einen Platz gefunden, was mich für den jungen Hengst sehr freute. Er würde zurück nach Island gehen, wo er eigentlich auch herstammte. Es hatte zwar lange gedauert, bis der Antrag angenommen wurden war, aber zumindest würde er es dort unter seines Gleichen gut haben.
      Unsere beiden Vollblüter Ruby Light And Dark und Hurricane waren als nächstes an der Reihe. Für Ruby gab es bereits eine Interessentin, welche es jedoch aus Zeitmangel noch nicht geschafft hatte, die hübsche Scheckstute zu sich zu holen. Eine weite Reise wartete auf die Stute und ich freute mich, dass sie bei ihrer neuen Besitzerin hoffentlich gut gepflegt werden würde.
      Der Wallach Tiago lebte auch schon längere Zeit bei uns und obwohl er ein wahres Prachtexemplar war, gab es bisher niemanden, der ihn kaufen wollte.
      Ich ließ mir bei ihm etwas mehr Zeit, kraulte ihn ausführlich und steckte ihm dann noch eine kleine Möhre zu, welche ich in den tiefen meiner dicken Jacke fand.
      Auch die anderen Pferde versorgte ich noch, bevor, genau zur rechten Zeit, eine unserer Helfer kam. Livia war eine junge Frau Anfang zwanzig, welche gerade Biologie studierte und sich dieses Studium mit der täglichen Arbeit auf dem Hof verdiente. Sie war eine der wenigen, die immer für uns alte Damen da war, auch mal Reitunterricht gab und all die Pferde für uns bewegte. Außerdem half sie uns die Pferde auf die Weiden zu bringen, denn vor allem bei dem matschigen Herbstwetter war das kein Zuckerlecken.
      Zu zweit und kurz darauf zu dritt, als auch Vroni zu uns dazu stieß, begannen wir also damit, die Pferde hinaus auf die weiten Wiesen der Ranch zu bringen. Die Neuankömmlinge hatten noch ihre Weiden für sich, sodass wir die junge Thysbe, Esmeralda und Flame auf eine Weide stellten und etwas abseits die Hengste Fenicio, Wild Cherry und Ezio.
      Vroni hatte es gar nicht gefallen, dass die Lusitanostute auch den Namen Flame besaß, sodass wir auf unserem kleinen Hof jetzt zwei Pferde mit diesem Namen besaßen. Auch für mich war es noch verwirrend, allerdings konnten wir dagegen ja nichts unternehmen, wie Livia so schön festgestellt hatte.
      Auch die anderen Pferde kamen kurz darauf auf ihre gemeinsamen Weiden, sodass der Stall nun leer und leblos erschien. Zum Glück gab es noch einige andere Tiere, welche dem alten Hof Leben einhauchten.
      Wohl oder übel war nun die Stallarbeit an der Reihe und mit einem kleinen Seufzer schnappte ich mir eine Mistgabel und begann in der ersten Box.

      Überforderung bei Petyr
      März 2017, by Canyon
      Malte » Völlige Überforderung. Genau dies zeigte Petyrs Blick, als er mich am sah. Es war früher Morgen, wie immer brachte der Nahe Fjord den Nebel mit sich, welcher sich auf die Felder und Wiesen rund um die Ranch ausbreitete. Petyr hatte am Stalltor gelehnt und ziemlich elegant an einem Grashalm gekaut, welchen er immer dann im Mund hatte, wenn er früher eine Zigarette angesteckt hatte. Als ich nah genug vor ihm stand, damit er mich betrachten konnte, hatte er sich überrascht vom Tor abgestoßen und blickte mich nun mit großen Augen an. „Was – ist – das?“ Wollte er wissen und deutete auf meine Haare.
      „Ein geflochtener Zopf, besser gesagt ein „Bun Bread“, wie ich herausfinden konnte. Und ja, ich habe dafür ziemlich lang gebraucht und sehe es nicht ein, dass du mein Kunstwerk nun mit deinem vernichtenden Blick in Frage stellst!“ Gab ich meinem Freund deutlich zu verstehen.
      „Aber das ist ein Zopf! Ich meine, einen Dutt trägst du ja schon immer und den Lederband müsste eigentlich auch längst verfault sein, aber meinst du nicht, dass es etwas gewagt ist, dein komplettes Aussehen so abrupt zu ändern? Ich meine, ein geflochtener ZOPF?“ Petyr hörte gar nicht mehr auf zu reden und mittlerweile wusste ich selbst nicht mehr, ob er das ernst meinte, oder nur gerade wieder in witziger Stimmung war. Klar, ich hatte seit zehn Jahren die gleiche Frisur, aber sich nun darüber aufzuregen, dass ich ausnahmsweise einen Strähne eingeflochten hatte, ne, das war übertrieben.
      „Krieg‘ dich wieder ein, das ist kein Weltuntergang!“

      Während des gesamten Weges zum Gebäude der Schulpferde in südlicher Richtung, merkte ich Petyrs Blick auf mir, oder besser gesagt auf meinem Kopf. Zum Glück schien es weder meinen Gery, noch Edda zu stören, was ich natürlich auch nicht erwartet hätte.
      „Hat dir Tjarda wohl gesagt, dass sie auf Männer mit Zöpfen steht, oder woher kommt dein plötzlicher Sinneswandel?“ Petyr konnte anscheinend nicht locker lassen. Ich seufzte.
      „Nein Petyr, niemand hat mir etwas in der Art gesagt und vor allem nicht Tjarda! Ich habe ein Bild gesehen und gedacht, dass meine Haare gut dazu geeignet sind und es einfach mal ausprobiert und um die ganze Arbeit nicht sofort wieder zu ruinieren, habe ich es drin gelassen. Ok?“
      Petyr schüttelte nur ungläubig den Kopf, schien dann jedoch erstmal den Mund zu halten. Da Vuyo, dieser Faulsack, mal wieder seinen freien Tag hatte, waren Petyr und ich für den Stalldienst bei den Ponys (und einem Großpferd) eingeteilt. Es war zum Glück nicht viel Arbeit, denn mittlerweile beherbergte der Stall nur noch fünf Pferde. Are und Bo hatten vor kurzem unerwartet aber mit schwerem Herzen Elliot und Nabiri an ein Gestüt verkauft, wo sie es hoffentlich gut haben würden. Die nun noch kleinere Herde verbrachte so zusammen den Tag auf der Weide und die Nacht im Stall und schien ihr gemütliches Ponyleben gut zu genießen.
      „Du fütterst Excelsior und Valentines Jeanie, ich kümmere mich um die anderen drei.“ Wies ich Petyr seine Aufgaben zu und wollte mich bereits umdrehen, als von Petyr wieder ein Kommentar zu meinen Haaren kam.
      „Pass auf, dass die drei dich erkennen, du weißt, dass Braum Veränderungen gar nicht mag.“
      „Haha, wie witzig“, lachte ich trocken und seufzte dann genervt. Braum, Milosch und Abs waren schnell versorgt. Wasser kam aus neu angelegten Wasserspendern und frisches Heu war ohne Probleme nachgelegt. Nachdem alle Pferde ihr Müsli gefressen hatten, schnappten wir uns die Halfter und führten die fünf nach draußen auf die gemeinsame Koppel.
      „Ich hatte übrigens Glück“, meinte ich zu Petyr, „Die Pferde haben sich, im Gegenteil zu dir, deutlich zurückgehalten, was ihre Meinung zu MEINER Haarfrisur anging.“
      „Ach, was du nicht sagst.“ Petyr lachte hämisch. „Noch nicht mal Milosch wollte mit dir Reden? Krass Alter!“ Ich boxte Petyr in die Seite und schlug dann den Weg zurück zum Hauptstall ein. Die zwei leuchtenden Augen hinter den lichten Holzbrettern des Stalls, welche mich und Petyr bis wir außer Sichtweite waren, beobachteten, bemerkte ich nicht.

      Den restlichen Tag verbrachte ich wie immer damit, alle Pferde zufrieden zu stellen und zu versuchen, alle wichtigen Dinge auf meiner To-Do-Liste abzuarbeiten. Petyr genoss wie immer sein unbeschwertes Leben und nur Charly, welche ich mittags im Stall antraf, merkte man die viele Arbeit an.
      „Ich brauche dringend mehr Angestellte! Ich schaffe das einfach nicht mehr...“ Sagte sie, bereits zum wiederholten Male zu mir und strich sich eine von ihren mittlerweile wieder schokoladenbraunen Haaren aus dem Gesicht. Sie war ziemlich hübsch und selbst ich musste mich anstrengen, ihr nicht allzu lange hinterher zu blicken. Jedenfalls schien Tuva mein kleines Haarexperiment zu gefallen, als sie am Nachmittag ihren Hengst Abraham van Helsing zu einem Ausritt vorbereitete und ich ihr dabei über den Weg lief. Teodor hielt sich wie immer gekonnt zurück und natürlich merkte es die blinde Torun gar nicht, dass sich bei meinem Aussehen ausnahmsweise etwas verändert hatte. Nur Petyr, welcher sich damit einfach nicht abfinden konnte, kam, nachdem er längere Zeit unauffindbar gewesen war, mit einem Stapel alter Bilder von mir zurück und zeigte mir, wie lange ich bereits schon so aussah, wie ich jetzt aussah und, dass er mich nicht verstehen konnte, wie ich sowas nur tun konnte. Heute war ein Tag, da wurde mir abermals bewusst, dass Petyr ein ganz schön komischer Kauz war. Ich selbst war erstaunt, dass ich das jetzt erst merkte, immerhin kannte ich ihn schon – wie viele Jahre? Auch ich fand kurz vor der Dämmerung Zeit, mich mit einigen meiner Pferde zu beschäftigen. Da Charly und Striga die Halle komplett mit ihren Bodenarbeitszeug belegten und ein mir unbekannter Mann, angeblich irgendein Freund von Nico, mit der schwierigen Ocarina of Time einen Schreckparcours auf dem Platz aufgebaut hatte, blieb mir nichts anderes als das Gelände übrig. Bo, welcher die Tränen nach dem Verkauf ihres Pferdes ganztägig in den Augen standen, freute sich jedenfalls ein bisschen, als sie von mir das Angebot bekam, auf Black Lemontree, dem alten Heeren, mit auf den Ausritt zu kommen, sodass ich mich selber auf Óslogi setzen und den mittlerweile genauso großen Félagi führen konnte. Der gute alte Are erklärte sich bereit, uns zu Fuß zu begleiten und nebenbei gleich Dynur mitzunehmen. Auch Dynur würde wohl bald ins Training müssen, vielleicht war da der nahende Frühling gar kein so schlechter Startpunkt. Nach einer dreiviertel Stunde taten Are seine Füße so weh, dass wir auf dem schnellsten Weg zur Ranch zurückgingen und wir zusammen die Pferde absattelten. Ich versprach der kleinen Bo, dass sie ab nun gerne öfter auf Blacky reiten durfte und das zauberte ihr jedenfalls ein kleines Lächeln ins Gesicht. Als am späten Abend die Halle endlich leer wurde, halfterte ich meinen neuen großen Freund und Begleiter Angus auf und ging, über den Schultern einen Halsring hängend, in die Halle. Es war ein unbeschreibliches Gefühl, auf einem großen felligen Kaltblut zu sitzen, mit nichts weiter als einem Halsring in der Hand. Bei Angus hatte ich schnell bemerkt, dass er der perfekte Partner dafür war und da Ĺogis harter Gang leider nicht so perfekt dafür war, war ich umso glücklicher, nun endlich Angus dafür zu haben. Am Ende des Tages wartete nur noch ein warmes Bad auf mich und als ich gerade die Lampe neben meinem Bett ausschalten wollte, suchte mein Handy, oder besser gesagt Petyr, nach Aufmerksamkeit.
      „Petyr.“ Fast hätte ich bereits damit rechnen müssen, dass sich mein Freund nochmal bemerkbar machen würde. Meine Haare schienen ihm wirklich zuzusetzen.
      „Ja hey Malte, mein Freund. Sag mal, hast du den Zopf nun eigentlich raus gemacht? Oder lässt du ihn drinne? Drückt das nicht ein bisschen?“
      Ich musste lachen und ich lachte ziemlich selten so laut. Diesmal blickten mich Gerys verwirrte Augen vom Fußende des Bettes doch ziemlich perplex an. „Ja, der Zopf ist draußen, aber weißt du was? Ich habe mir gedacht, dass ich mir morgen früh einfach zwei Zöpfe flechte!“ Ich grinste in die Dunkelheit und stellte mir Petyr aufgerissene Augen bildlich vor. „Was hältst du davon, mein Freund?“
    • Veija
      Ein Brief an Dich
      Mai 2017, by Canyon
      Charly » Liebste Mio
      Da du mittlerweile weder per Telefon, noch per Skype oder gar per E-Mail erreichbar bist, muss es nun also über den langen Weg gehen, nämlich per Post. Die Vorstellung ist witzig, dass dieser Brief einen weiteren Weg zurücklegen wird, als ich es je getan habe und das für wenige Euro.
      Seit mittlerweile mehreren Monaten herrscht Funkstille. Was ist nur passiert? Was ist mit der alten Zeit geschehen? All die Jahre, in denen du mir nie von der Seite gewichen bist, verweht vom Winde. Ich konnte dich gut verstehen, aber mittlerweile ist eine lange Zeit seit dem vergangen. Ich will meine beste Freundin nicht verlieren!
      Allerdings will ich dir nicht schreiben, um dich mit Vorwürfen zu bewerfen. Ich brauche dich, dich meine Freundin und ich hoffe, dass du mir die Ehre erweist und diesen Brief nicht ignorierst. Es ist mein letzter Versuch, das Alte zu erhalten und trotzdem neu zu beginnen.
      Bei uns auf der Tyrifjord Ranch hat sich in den letzten Monaten so einiges getan. Wir sind gewachsen und gewachsen, haben unsere Können bewiesen und erste Fohlen gezogen. Die Ranch würde dir gefallen, glaube mir. Ich weiß, dass du in Nevada glücklich bist, aber auch Norwegen ist etwas ganz besonderes.
      Bart kann mittlerweile von einer Box zu nächsten laufen und vor allem die Katzen haben es ihm angetan. Endlich kann er zu ihnen ins Heu krabbeln und sich auf die Kleinen stürzen. Capucine hat sich mittlerweile damit abgefunden, dass auch Asuka einen Platz im Schlafzimmer hat, auch wenn alles auf dem Bett ihr gehört und sie dieses Gebiet agribisch verteidigt.
      Seit Weihnachten habe ich endlich einen Ersatz für meine geliebte Anaba gefunden. Es war ein Geschenk des ganzen Hofes und ich kann mich an kein Weihnachten erinnern, welches so überraschend für mich war. Striga ist noch jung und ziemlich unerfahren, jedoch habe ich endlich wieder ein Pferd gefunden, welches es mit meiner heiß geliebten Anaba aufnehmen kann.
      Auch Nico hat endlich etwas gefunden, was ihn antreibt. Mittlerweile beherbergen wir auf unseren Hof sechs Warmblüter für den Vielseitigkeitssport. Nicos Auswahl: Nur Pferd mit Macke ist Pferd. Vielleicht kennst du Bijou noch. Kurz vor Weihnachten zog seine Freundin Shari ein und kurz darauf auch schon Colour Splash. Beide Stuten sind nicht nur hübsch, sondern auch ziemlich zickig, zeigten jedoch von Anfang an Talent. Die Krönung wollen wir auch nicht mehr lange hinauszögern, nur fehlte uns bis jetzt die Zeit für die Reise. Shari ist mittlerweile trächtig und du glaubst es nicht, aber Nico sprüht nur so vor Vorfreude!
      Seit einigen Tagen kamen dann auch die letzten drei Sportpferde hinzu. Unsere gemeinsame Freundin Bracelet überließ Nico ihren Hengst Deo Volente und wir nutzten die Chance, sie gleich in Schweden zu besuchen. Nicos größtes Heiligtum: Ghostly Phenomenon. Du weißt gar nicht, wie er aus dem Häuschen war, als das Pferd seiner Träume dann endlich in unserem Stall stand. Meine Freude hielt sich etwas in Grenzen, so hübsch er auch ist, es wird eine Menge Arbeit kosten, ihn auszubilden. Über Sweet Prejudice kann ich dir leider noch nicht so viel erzählen, interessant ist das einzige, was mir zu ihr einfällt.
      Ach Mio, wie sehr vermisse ich deine Stimme und wie sehr hoffe ich, dass es dir gut geht! Irgendwann komme ich dich besuchen meine Kleine, irgendwann. Vielleicht nehme ich Malte mit, auch er wollte schon immer einmal Wildpferde sehen. Ich glaube, mit Malte würdest du dich gut verstehen, er ist ein guter Freund.
      Habe ich dir schon erzählt, dass Bella und ihr, mittlerweile Ex-Freund, Robin nach Norwegen gekommen sind? Es gab einige Komplikationen in Dänemark und ich glaube, mittlerweile ist auch Bella mit ihrer Entscheidung zufrieden. Sie hat ziemlich oft nach dir gefragt, sagen konnte ich ihr leider nicht sehr viel.
      Leider gibt es auch schlechte Neuigkeiten. Grenzfees Hufehe haben sich wieder bemerkbar gemacht, sodass sie nun wieder in der Box leben muss. Ich habe so gehofft, dass sie es für immer überstanden hat... Damit sie nicht alleine ist, steht nun auch Teufelstanz wieder im Stall. Ich hoffe jedoch auch, dass wir diesmal früh genug eingegriffen haben und der Tierarzt bis zum Beginn des Frühlings wieder grünes Licht für die Weide gibt.
      Außerdem ist vor wenigen Tagen Nicos Vater gestorben. Ein Autounfall, ich will nicht tiefer ins Detail gehen, es weckt zu viele Erinnerungen. Unerwartet hat Nico den Großteil des Vermögens geerbt und auch wenn noch nicht genau geklärt ist, wie viel es sein wird, kann dies ein weiterer Schritt für uns sein! Du weißt, von Nicos Vater habe ich nie viel gehalten und auch Nicos Verbindung war nie allzu tief, aber er trauert doch ganz schön. Gestern früh habe ich ihn nach Drammen zum Flughafen gebracht, mittlerweile sollte er gut gelandet sein. Er will sich bis zum Abend bei mir melden.
      Ich weiß nicht, was in Zukunft auf uns zukommen wird, aber ich bin mir sicher, dass es ziemlich spannend wird!
      Es tat gut dir zu schreiben, auch wenn ich nicht weiß, wann und wo er dich erreicht. Vielleicht sinkt das Schiff oder das Flugzeug stürzt ab, ich weiß es nicht. Aber eines weiß ich genau: Ich will dich nicht verlieren.
      Von ganzem Herzen,
      Deine Charly

      Mio » Liebe Charly,
      Ich empfing deinen Brief gestern Abend mit großer Verwunderung. Hast du jemals vorher einen Brief geschrieben?
      Du hattest Glück, dass ich ihn noch erhalten habe, denn mittlerweile sollte ich auf dem Weg nach Utah sein. Sei mir also nicht böse, wenn meine Antwort aus Zeitgründen ziemlich knapp ausfällt.
      Ich freue mich sehr von dir, deiner Familie und den Pferden zu hören und sobald ich die Zeit finde, werde auch ich dir berichten, weshalb ich in den letzten Monaten eine so unzuverlässige Freundin gewesen war. Ich hatte wichtige Gründe und ich bin mir sicher, dass du sie verstehen wirst.
      Fühle dich gedrückt,
      Mio

      Charly » Liebste Mio
      Es erwärmte mir dein Herz, das kleine Stück Papier von dir in den Händen halten zu dürfen. Dir geht es also gut, das ermöglicht mir meine erhoffte Erleichterung. Und ja, vor wenigen Jahren schrieb ich einen Brief an meine Großmutter, obwohl ich leider zugeben muss, dass dieser nie ankam.
      Viel verändert hat sich bei uns noch nichts. Noch nicht. Gestern kam Nico ziemlich erschöpft aus London wieder. Ich merkte jedoch sofort, dass ihn etwas anderes beschäftigte, was nicht mit seinem Vater zu tun hatte. Am Abend unterbreitete er mir dann seine Idee: Ein neues Gestüt. Diese Vorstellung passte gerade so überhaupt nicht in mein Leben. Ich bin hier doch glücklich? Unsere kleine verträumte Ranch mitten am See. Aber Nico schwärmte so sehr von einem internationalen Sportgestüt, einer kleinen Zucht und einer eigenen Reitschule, dass ich ihm nicht lange widersprechen konnte. Er meinte, dass wir jetzt das Geld und die Kraft hätten, dies zu tun und wer weiß, wann dies nochmal der Fall sein sollte.
      Ach Mio, so viel Veränderung, schon wieder! Bereits heute morgen ist er in seinen Wagen gestiegen und gen Norden gefahren. Zurückgekommen ist er noch nicht. Ich spüre die Entdeckungslust und die Vorfreude in mir. Es wäre wieder ein Umzug für die Pferde, aber diesmal ein endgültiger, das steht für mich fest!
      Aber was rede ich da. Erst einmal muss ein Ort gefunden werden und das Gestüt muss gebaut werden. Das wird dauern, ziemlich lange dauern.
      Ansonsten hat sich nicht viel geändert. Malte hat sich in den letzten Tagen intensiv mit Prejudice beschäftigt und versucht, die eigenwillige Stute besser kennenzulernen. Ein bisschen mag ich sie mittlerweile ja auch, sie hat etwas besonnenes an sich, vor allem dann, wenn sie auf der Weide ist. Sie scheint das Leben abseits des Stalls zu lieben und plötzlich eine ganz andere zu sein.
      Rubina steht kurz vor der Geburt des Fohlens. Nico leidet darunter, dass er sie und seinen Marid in den nächsten Tagen unbedingt trennen muss, er hat es schon viel zu lang hinausgezögert.
      Weißt du, ich glaube Excelsior und Jeanie vermissen dich immer noch. Ich habe eine gute Reitbeteiligung für beide gefunden und Vuyo tut sein bestes, die beiden zu beschäftigen. Er gibt jetzt hin und wieder Reitunterricht und scheint voll in seinem Element gelandet zu sein. Den Pferden scheint es zu gefallen und auch von den Schülern bekommen wir nur positive Rückmeldungen. In der Hinsicht wäre es gar nicht so schlecht, auch die Reitschule zu erweitern. Allerdings bräuchten wir dazu noch einige weitere Pferde. Nur Abs, Milosch, Jeanie und Exel sind einfach zu wenig. Zum Glück haben wir die Befugnis, auch noch Elliot ab und zu einzusetzen und der junge Braum macht immer größere Schritte in Richtung Schulpferd. Trotz seines unerfahrenen Alters fliegen dem Süßen die Mädchenherzen nur so zu! Er suhlt sich richtig in der Aufmerksamkeit. Aber ich muss wirklich zugeben, dass er ein hübscher Kerl geworden ist.
      Du glaubst es nicht, aber letztens hat Nico tatsächlich nach dem Verkauf eines Pferdes geweint. Das Pferd hieß Eik und auch ich habe den großen Kerl geliebt. Allerdings mussten wir einsehen, dass wir uns etwas überschätzt hatten, was ihn betraf. Er war echt ein guter Kerl, jedoch brauchte viel Aufmerksamkeit und die konnten wir ihm leider nicht geben. Immerhin haben wir mit Worgait, Marid und Co bereits so einige Pferde, welche es nicht scheuen, ihre Meinung offen kundzutun. Aber natürlich gibt es auch andere Kunden. Unsere drei Vollbluthengste Golden Ebano, Valentines Alysheba und Osgiliath haben sich gesucht und gefunden. Die drei bleiben mittlerweile auch über Nacht, wenn die Temperaturen nicht in den Minusbereich sinken, auf der Weide und verstehen sich trotz ihrer Hengstmanieren prächtig. Ach Mio, wie sehr wünschte ich dich zu mir. Bei einem Glas Wein auf der Veranda könnten wir uns unsere Geschichten austauschen, lachen und das Leben genießen. Es fällt mir schwer, ohne eine Freundin wie dich, das Leben vollkommen zu lieben. Klar, mit Tuva verstehe ich mich sehr gut und es hat nicht lang gedauert, bis wir bemerkten, dass wir den selben Alkoholgeschmack teilen, aber sie ist nur eine Freundin.
      Ich will deine Zeit nicht allzu sehr verbrauchen, aber es freut mich, dass wir nun einen Weg gefunden haben, unsere Freundschaft aufrechtzuerhalten.
      Die wärmsten Grüße,
      Deine Charly

      Mio » Liebe Charly,
      Wieder habe ich dich warten lassen. Allerdings sind wir erst vor wenigen Tagen aus Utah zurückgekehrt und wie du dir vorstellen kannst, ist der Weg nach Vegas zum nächsten Briefkasten nicht der kürzeste. Da ich heute morgen jedoch für uns einkaufen war, habe ich gleich die Chance genutzt und den Brief auf die Reise geschickt.
      Irgendwo in deinen Worten versteckt sehe ich noch die alte Ranch, welche wir beide zusammen entstehen lassen. Saint Gorge, wenige Boxen, nur ein alter Reitplatz, dafür das Meer gleich vor den Füßen. Warum ist es euch beiden so wichtig geworden, alles immer größer werden zu lassen? Gibt es nicht bessere Möglichkeiten so viel Geld einzusetzen?
      Es freut mich allerdings zu hören, dass auch meine liebste Bella den Weg zu euch gefunden hat. Richte ihr die liebsten Grüße aus! Vielleicht werde ich mich in den nächsten Tagen mal bei ihr melden. Hast du auch etwas von Linn gehört? Wie geht es ihr auf Island?
      Addison versucht mich ständig dazu zu überreden, dass wir euch mal besuchen kommen. Er möchte dich und natürlich auch die Pferde selbst einmal kennenlernen. Ich bin noch nicht soweit Charly, noch nicht. Lass mir die Zeit, lass mich abschalten, lass mich wer anders sein. Nevada und die Mustangs geben mir all das, was ich so lange gesucht habe. So lang. Ich will es noch nicht hergeben oder teilen, erst wenn ich all das schöne hier in mir aufgesogen habe. Verstehe mich bitte.
      Der kleine Kuckunniwi entwickelt sich prächtig. Endlich hat Anaba ihn freigegeben. Ich merke die Veränderung die er gerade durchlebt, merke, wie er sich und seine Freiheit findet und wie sehr Anaba ihn liebt. Fast schmerzt es mich, dass sie mich nicht an ihn heranlässt, aber wir wollten es ja so. Er sollte so aufwachsen, wie es die Pferde auf den weiten Weiden Amerikas tun sollten.
      Für Hidalgo, Morrigans Hidalgo, und Chosposi tut es mir Leid, dass sie aufgrund ihres Hengststatus nicht mit zu den anderen Pferden dürfen. Dafür haben sie sich beide und die Verbindung zu ihnen hat sich in letzter Zeit um einiges verstärkt.
      Du glaubst es nicht, aber Varys und Imagine There's No Heaven sind mittlerweile, du wirst es nicht glauben, ausgewachsen. Zusammen mit Triumph genießen sie die Jugend, auch wenn Addi vor hat, im Sommer anzufangen sie jedenfalls etwas auszubilden.
      Ach ja, Addi, er ist ein guter Freund für mich geworden. Wir sind uns näher, als ich mich jemals bei einem Menschen gefühlt habe, näher als Shadow mir je gewesen war und doch sind wir kein Paar. Wir sind Gefährten, welche zusammen das tun, was sie für richtig erhalten. Wir wollen die Wildpferde erhalten und die Menschheit davon abhalten, diese wunderbaren Tiere wie Müll zusammenzutreiben, wieder auseinanderzureisen und dann auf dem ganzen Erdball zu verteilen.
      Wenn wir einmal bei diesem Thema sind, so werde ich dir gleich erzählen, was ich in Utah zu suchen hatte. Eine Freundin von Addi rief an. Sie meinte, dass sie ein komisches Paar entdeckt hatte. Ein weißer Hengst und eine junge braune Stute, verletzt. Amy, seine Freundin, erzählte, dass die beiden neu in der Gegend sind und es so schien, als wären sie extra so nah an die Auffangstation gekommen, um Hilfe zu suchen. Anfänglich wusste ich nicht, was Addi so in Aufregung versetzte. Ich sollte ihm vertrauen und da ich das sowieso tat, vertraute ich ihm. Erst im Nachhinein, nachdem Hengst und Stute mithilfe von Addi eingefangen wurden, erzählte er mir die ganze Geschichte. Vielleicht werde ich dir die Geschichte auch irgendwann erzählen können, heute würde der Brief jedoch zu lang werden. Es war ein Abenteuer pur und auch jetzt, nachdem beide Pferde wohlbehalten auf einer Weide bei uns stehen, fühle ich immer noch das Adrenalin der Freiheit in meinen Adern pochen. Für dich wird es unverständlich sein, für mich war es das Beste, was mir je passiert ist. Der Hengst heißt Cloud, während seine hübsche Freundin den Namen Zonta trägt. Ihre Beine schienen von einem Zaun verletzt wurden zu sein, in welchem sie sich verfangen hatte. Obwohl sie viel Blut verloren haben muss, steht sie immer noch sicher auf allen Vieren und lässt sich nichts anmerken. Anbei schicke ich dir ein Bild von den Beiden, damit du die Schönheit verstehen kannst, welche sie ausstrahlen.
      Ich habe dir auch noch nicht erzählt, dass seit einiger Zeit ein Paint Horse bei uns wohnt. Vielleicht hast du schonmal von ihr gehört. Sie stand lange bei Rachel und später bei Verena, welche ja auch... du weißt es ja, ich muss es nicht erwähnen. Raised from Hell steht deswegen zusammen mit Addis My Canyon und Battle Cry auf einer Weide und auch wenn Canyon oft genervt von Raised ist, hat sie sich hier doch ganz gut eingelebt. Ich bin gespannt, wie sie allerdings im Sommer mit den Temperaturen zurecht kommen wird.
      Ansonsten gibt es auch hier nicht allzu viel neues. Chill und Buck sind von der Schule genervt und Heather ist immer noch eine bemerkenswerte Frau. Sie hat es uns ermöglicht nach Utah fahren zu können und hat Tag für Tag alleine die Pferde versorgt. Zum Glück sind unsere drei Jüngsten, Dawn, Time In A Bottle und Kwatoko, mittlerweile soweit, auch einige Tage alleine überleben zu können. Das hätte ich mir nie erträumt. Sie waren unsere Sorgenkinder und mittlerweile benehmen sie sich genauso wie Kuckunniwi.
      Nun bist auch du auf dem neuesten Stand, was die Triple R Ranch angeht. Ich erwarte bereits jetzt deinen nächsten Brief und auch wenn ich es nur ungern zugebe, so hat es doch seinen Reiz, per Brief eine Konversation zu führen.
      Mit aller Liebe,
      Mio

      Charly » Liebste Mio
      Was für eine Geschichte und vielleicht ist es dir ja schon bald möglich, mir die Vollversion davon anzuhören! Clouds und Zontas Bild hat mich tief berührt. Diese Anmut und Wildheit, sie steckt den beiden in allem Knochen. Aber was habt ihr nun mit ihnen vor? Cloud ist ein Wildpferd, Zonta ebenso. Wollt ihr gegen euer Ziel arbeiten und die beiden eingesperrt lassen?
      Da du mir Bilder geschickt hast, muss auch ich dich mit welchen von unseren Pferden erfreuen. Rubina hat vor zwei Tagen erfolgreich ihren zweiten Sohn zur Welt gebracht. Ich hätte Nico filmen müssen, als er ihn das erste Mal gesehen hat! Er war begeistert und begeistert, aber das war ich auch, denn der kleine ähnelt nicht nur stark seiner hübschen Mutter, sondern hat auch interessante Markierungen an Kopf und Flanke, welche auch Marid im Gesicht trägt. Der kleine Mytos ist ein wahrer Prachtkerl geworden und ein guter Start in die Fohlensaison dieses Jahr!
      Auch hat sich wegen des neuen Gestüts einiges ergeben. Sicher war, dass wir am Tyrifjord bleiben wollen. Wir lieben ihn und es wäre sinnlos, diese Heimat bereits aufzugeben. Drei Tage dauerte es nur, bis Nico mit einer faszinierenden Idee zurück kam. Im nördlichen Teil vom Tyrifjord liegt eine recht große Insel namens Sorøya. 1.7qkm groß und nahezu unbewohnt. Nur ein paar wenige Bauernhäuser stehen dort, der Rest ist Wald, Wiese und Feld. Nico schaffte es, genau diese Insel für uns zu gewinnen! Es tut mir fast Leid um dieses Paradies, aber noch mehr freue ich mich darauf, eine eigene kleine Welt nur für uns und unsere Pferde.
      Die Verhandlungsgespräche laufen bereits und ich bin, wie du dir sicherlich vorstellen kannst, ziemlich gespannt, was das betrifft.
      Das Training mit den Pferden läuft nun langsam wieder an. Einen Großteil übernimmt natürlich Malte, da Petyr nun öfter wieder in der Welt unterwegs ist. Ihn zieht es hinaus, während Malte das ruhige und stetige Leben auf dem Gestüt genießt. Ich bin ganz erstaunt, dass Nico mittlerweile ordentlich zupackt und auch wenn sein Fokus nur auf seinen eigenen Pferden liegt, so ist seine Aufenthaltszeit im Stall in den letzten Wochen um einiges gestiegen.
      Am Wochenende war uns meine Schwester besuchen. Sie wohnt, wie du ja weißt, in Oslo und hat leider mit Pferden nichts am Hut. Dafür konnte ich ihren neuen Freund, sowie ihren Adoptivsohn endlich kennenlernen. Etwas enttäuscht bin ich schon, dass Alexandra so lange gebraucht hat, mich hier zu besuchen, der Weg ist ja nicht unendlich weit! Trotzdem ist sie meine Schwester und man liebt seine Schwester. Dimitri schien ganz fasziniert von dem Gestüt, während Alex natürlich nicht begeistert war. Ich kann das gar nicht verstehen, dass es Menschen geben kann, die diese fantastischen Geschöpfe nicht mögen. Wie kann man in einem Pferd nichts weiter sehen als ein Pferd?
      Ansonsten nimmt hier alles seinen gewohnten Lauf. Die Sonne geht auf, und sie geht wieder unter. Genauso wie es immer war.
      Ich vermisse dich!
      Deine Charly

      Mio » Liebe Charly
      Der kleine Mytos berührt mir mein Herz, denn in ihm sehe ich seinen Vater. Auch wenn ich mich nie mit Marid verstanden habe, so ist es doch ein Stück Erinnerung und ein Teil meiner Vergangenheit.
      Wieder habe ich länger gebraucht, um dir zu antworten. Aber bei uns wird die Arbeit wieder mehr, denn die Winterpause ist vorbei und schon bald beginnt wieder die Zeit des Einfangens und da müssen wir bereit sein.
      Cloud und Zonta werden so lange bei uns bleiben, bis Zontas Wunden verheilt sind. Addi hat sich die größte Mühe gegeben und auch wenn es nicht immer einfach war ein Wildpferd zu versorgen, schien auch Zonta mit der Zeit zu bemerken, dass wir nur helfen wollen.
      Addi ist seit Clouds Ankunft anders. Oft liegt er draußen auf der Weide und beobachtet den Hengst. Er scheint tief in Gedanken versunken zu sein und in Erinnerungen zu schwelgen. Er erzählte mir, dass er Cloud bereits kannte. Es verwunderte ihn, wie der Hengst nach Utah kam, da er Cloud hier in Nevada kennengelernt hatte. Er meinte, dass Cloud es gewesen war, welcher ihm nach dem Tod seiner Frau wieder Kraft gegeben hatte. Er selbst konnte es nicht erklären, aber er erzählte mir von dem Bild eines leuchtenden weißen Pferdes, so anmutig und edel, so ehrlich und voller Hoffnung, dass ich nicht daran zweifelte, dass es so gewesen war. Cloud bedeutet für Addi alles und vielleicht ist es ein Zeichen, dass genau dieser Hengst jetzt wieder aufgetaucht ist.
      Natürlich forschten wir weiter, denn Addi hatte Fragen. Wie kam Cloud nach Utah? Wo war seine Herde? Es dauerte nicht lange und wir fanden beim BLM unsere Antwort. Mittlerweile haben wir dort einige Kontakte, mit welchen wir wegen der Mustangs in Verbindung stehen und mit der Hilfe einer Freundin, fanden wir heraus, dass Cloud und eine braune Stute, vermutlich Zonta, die Flucht geschafft hatten, kurz nachdem sie transportiert worden waren.
      Vielleicht hat Addi gar nicht so unrecht. Vielleicht ist dieser Hengst wirklich ein Zeichen der Hoffnung und wahrscheinlich ist es Absicht, dass er bei uns gelandet ist. Cloud scheint sich nicht unwohl zu fühlen, obwohl er von den Zäunen umgeben ist. Trotzdem ist er noch ein freies Pferd und sobald der Zeitpunkt gekommen ist, werden wir uns von ihm verabschieden müssen.
      Allerdings muss ich dir dringend noch etwas erzählen! Heather hat, du glaubst es kaum, ihren Neffen aufgenommen. Das ist nicht irgendein Neffe, nein, dass ist ein entlassener Häftling mit einigen Vorstrafen und hinzu kommt, dass er genauso alt ist wie ich. Problem des Ganzen: Er sieht ziemlich gut aus und ist natürlich ein riesiges Arsch. Heather meint, dass die Ranch die beste Möglichkeit sei, Jacob wieder auf die Bahn zu bringen, auch wenn ich mich frage, ob das bei ihm überhaupt noch möglich ist. Er ist ein Angeber und ein ziemlich fauler Idiot. Chill und Buck freuten sich natürlich über „ihren großen Bruder“ und dank Jacob ist die Aufmüpfigkeit der beiden nochmals gestiegen.
      Addi freute sich gar nicht über den plötzlichen Einzug. Verständlich. Er kennt Jac nicht und hat Angst um seine Pferde. Jedoch konnte er Heather den Gefallen nicht abschlagen, immerhin ist auch Jac sein Neffe und auch wenn Addi lange keinen Kontakt mehr zu seiner zweiten Schwester hatte, sind sie trotzdem miteinander verwandt.
      Ich selbst weiß noch nicht genau, wie ich zu Jac stehe. Bis jetzt hat er mich meist ignoriert und etwas enttäuscht bin ich schon, dass solch nette Menschen wie Addi und Heather solche unhöflichen Verwandte haben.
      Jedenfalls versucht Addi nun, Jac mit in die tägliche Arbeit einzugliedern. Etwas Erfahrung mit Pferden hat er bereits, da auch seine Mutter Pferdebesitzerin gewesen ist. Anscheinend liegt das in der Familie. Bis jetzt hat er sich nur meistens um die Arbeit gedrückt, ob er selbst auch Pferde mag, weiß ich also noch nicht so genau.
      Ich bin gespannt, wie sich das Ganze entwickelt. Immerhin ist Jac der erste Fremde seit meiner Ankunft auf der Ranch und das birgt für uns alle ein Gefahrenrisiko. Jacob Moore, ich bin ziemlich gespannt, ob das gut ausgehen wird.
      Mit den besten Grüßen,
      Mio

      Charly » Liebste Mio!
      Oho! Ein junger, gut aussehender Mann, welcher total unhöflich ist? Na wenn das kein Anfang einer Liebesgeschichte sein kann! Auch ich habe daran nie geglaubt, bis es mir selbst widerfahren ist. Und schau, wo ich jetzt gelandet bin. An meiner Seite ein Mann, der genauso ein Idiot ist wie die Jungs, die mich früher in der Schule immer bloßgestellt haben und mit so einem habe ich auch noch ein Kind. Pass‘ also ja auf dich auf! Aber ich meine das wirklich ernst. Solche Männer sind meist so von sich überzeugt, dass sie nicht auf eventuelle Opfer achten. Die Geschichte mit Cloud, puh, da musste ich mir die Tränen von der Wange wischen. Das Ganze hat sich fast wie ein Film vor meinen Augen abgespielt. Ich stelle mir das wahrhaftig vor, wie ein weißer und reiner Hengst, einem zerstörten jungen Mann wieder ein Ziel zum Leben gibt. Fast könnte ich darüber ein Buch schreiben, oder, warum schreibst du kein Buch darüber? Grüße Addi von mir, ich mag ihn, er scheint ein anständiger Kerl zu sein und er scheint dafür verantwortlich, dass du wieder so lächeln und nach vorne schauen kannst!
      Vuyo hat sich nun auch endlich wieder ein Pferd gekauft und erstaunter hätte ich nicht sein können, als er da mit einer zierlichen Edelhaffi Stute stand, welche auch noch den Namen Curly Lure trägt und als ob das noch nicht genug wäre, ist sie auch noch ziemlich eigensinnig und zickig. Aber er hat vor, sie mit in die Reitschule zu nehmen und sie dort vielleicht zu einem anständigen Reitpferd ausbilden.
      Mittlerweile haben auch die Planungen für das neue Gestüt begonnen. Die Insel ist bereits vermessen und wir machen uns zur Zeit auf die Suche nach Pferdebesitzern, welche mit auf die Insel ziehen wollen und uns so unterstützen. Nico hat einen Freund in der Türkei, welcher mit einer Freundin zusammen ein kleines Arabergestüt leitet. Sie scheint ziemlich still und einzelgängerisch zu sein, jedoch will sie wegen der Unruhen in ein sicheres Land und wird wahrscheinlich zu uns nach Norwegen ziehen. Ihre Forderungen waren jedoch, dass sie ein eigenes und beheiztes Stallgebäude für ihre Araber bekommt, in welchem sie auch wohnen kann. Das wird sie jetzt wohl auch bekommen. Nico meint, dass sie dem Gestüt gut tun wird und ich bin gespannt, wie er das meint.
      Auch kommt Fiona mit ihren Pferden aus den USA zurück zu uns. Petyr freut sich natürlich höllisch auf sie und auch ich bin froh, wieder ein bekanntes Gesicht zu sehen. Wir werden so viel Hilfe wie möglich gebrauchen, wenn es soweit ist.
      Nicos angehende Zucht nimmt zur Zeit krasse Ausmaße an. Anstatt es bei ein paar wenigen Pferden zu belassen, ist die Anzahl seiner Stuten mittlerweile auf sechs gewachsen, wobei jedoch eine weitere bereits gekauft ist. Zum Glück sind es bis jetzt nur drei Hengste und ein Jungpferd, welche tatsächlich auch alle mal recht anständig sind.
      Ich freue mich auf deinen nächsten Brief!
      Deine Charly

      Mio » Liebe Charly,
      Bei uns wird es wieder wärmer und im Sonnenuntergang kann man wunderbare Bilder der Pferde schießen. Ich habe leider nicht viel Zeit, deswegen wird dies ein sehr kurzer Brief. Ich hoffe trotzdem, dass du dich über die Bilder freust!
      Anbei natürlich noch kleine Erklärungen zu den hübschen Pferden, welche du siehst.
      » Varys und Imagine There‘s No Heaven kennst du natürlich noch. Hier endlich mal ein aktuelles Bild von ihnen. Der gefleckte Popo gehört natürlich zu Triumph.
      » Unsere Jüngsten: Time In A Bottle, Dawn und Kwatoko. Seit einigen Tagen dürfen sie mit auf die große Weide, es ist erstaunlich, wie schnell sie sich an ihre Herde gewöhnt haben.
      » Es ist das erste Bild von Anaba und Kuckunniwi, dass ich dieses Jahr schießen konnte. Immer noch hält Anaba Abstand zur Herde und selbst Addi ist so langsam verwundert. Dafür geht es dem kleinen Kucku blendend und so langsam sieht man auch den Vater in ihm.
      » Raised from hell zusammen mit Aquena. Na? Kennst du Raised noch? Sie ist ein tolles Pferd und selbst ich sehe kaum, dass sie eigentlich kein Wildpferd ist. Zusammen mit Flotten von Mutanten erobert sie die Wildnis, wie ich es anfangs nicht für möglich gehalten hatte.
      » Hier eine kleine Hengstherde im Sonnenuntergang. Silent Bay sieht man nur sehr schlecht hinter dem Strauch, dafür steht Imoad, oder eigentlich In the Middle of a Dream gut sichtbar im Vordergrund, wie immer. Daneben siehst du Frekur und etwas weiterhinten Quisquilloso, obwohl du den wahrscheinlich schon von meinen letzten Bildern kennst, er ist ziemlich fotogen.
      » Auf dem letzten Bild sind, von links nach rechts, die drei restlichen Stuten zu sehen. Valhalla, Quicksilver und Atius Tirawa.
      Ich hoffe, du freust dich über die Bilder!
      Mio

      Charly » Liebste aller Mios!
      Die Bilder sind der Hammer! Ich vermisse deine fotografischen Künste auf unserer Ranch, auch wenn Tjarda auch ziemlich gute Bilder schießt, malt sie trotzdem besser.
      Da auch meine Zeit wegen Umzug ziemlich knapp ist, habe ich es dir gleichgetan und in den Umschlag einfach einige Bilder gesteckt, in der Hoffnung, dass sie dir gefallen.
      » Na, erkennst du, wer hier auf der Weide abgebildet ist? Charelle und April Rain müsstest du erkennen, bei den anderen habe ich Nachsehen mit dir. Die Namen sind auch nicht leicht zu merken. Himmawallajugaga, Devrienterreuth, Sysahlreuth, Zuckerschock und Raja, sie bilden unsere Vollblutherde und zeigen auch mit aller Macht, wie viel Energie sie besitzen.
      » Malte. Anfangs wehrte er sich gegen ein Foto, aber als er hörte, dass es für dich ist, konnte ich ihn endlich umstimmen. Das wunderhübsche Tier auf dem er sitzt heißt Angus, ein Suffolk Punch und der neue Liebling aller. Am Strick sind natürlich seine Schätze Félagi und Óslogi. Jeden Sonntag macht er einen Ausritt mit ihnen. Du würdest ihn wirklich mögen.
      » Und schon wieder Malte. Diesmal jedoch heimlich geschossen, wie man an der schlechten Qualität unschwer erkennen kann. Zu seiner rechten siehst du Black Lemontree, während das junge Mädchen, eine Reitschülerin, seinen Junghengst Dynur hält.
      » Hier nochmal unsere Jungpferde Aspantau, Abe‘s Aelfric und Mios Jelda, sowie ein hübsches Portrait von I‘ve got a blue soul.
      » Und zum Schluss nochmal ein unbekanntes und ein bekanntes Gesicht für dich. Einmal Abraham van Helsing, sowie natürlich deine Ocarina of Time, welche bei den Bildern nicht fehlen durfte. Auch sie entwickelt sich so langsam prächtig!
      Ich hoffe, dass wir beide endlich mal wieder mehr Zeit für einander finden!
      Deine Charly!

      Mio » Charly, ich komme! Ich komme zu dir! Ich habe es getan, ein Flugticket ist gekauft, erwarte mich...

      Pflegebericht

      Februar 2018, by Canyon
      Heute organisierte ich, dass alle Pferde beschäftigt waren. Addison machte sowieso immer nur was er wollte, also überließ ich ihm Cloud, Zonta, Quisquilloso und My Canyon, während Heather mit den Zwillingen und Morrigans Hidalgo, Aquena und Anaba, sowie als Handpferd den beiden Jüngsten, Imagine There‘s No Heaven und Varys, einen Ausritt machte. Für mich blieben dann nur noch Raised from Hell, Flotten von Mutanten und Chosposi. Chosposi bewegte ich eine zeitlang in der Halle und holte danach Raised und Flotte einzeln zu mir in den Roundpen, um weiter an unserem Vertrauen zu arbeiten.
      Eyvind beauftrage ich damit, die beiden Pensionspferde Tibor und La Paz auf eine etwas entfernte Weide zu bringen, wo auch Belmonts Brock und Modjo standen. Die beiden waren jedoch sehr wetterfest und ihnen reichte der Offenstall. Petyr und Jora hatten sich um die beiden gekümmert und auch wenn Petyr die tägliche Arbeit im Stall vernachlässigte, liebte er seinen Modjo zumindest über alle Maßen.
      Für Braum van Ghosts hatten wir leider immer noch keine ordentliche Reitbeteiligung gefunden, aber Saga hatte Freude an den Ponys entwickelt und bewegte auch Valenines Jeanie und ihre Tochter Mios Jelda mehrmals wöchentlich, sowie auch heute. Zusammen mit Tjarda, die sich gut mit GH‘s Acapulco Gold angefreundet hatte, machte sie einen Ausritt.
      Für Vuyo blieben dann vor allem noch seine beiden Stuten Nayela und Bella Donna O Sole Mio und auch um Ocarina of Time, die mit den beiden auf einer Weide stand, kümmerte er sich.
      Am Abend traf ich noch Jora, die gerade Betty von der Weide holte, und Ike, der Pitu neben sich führte. Die beiden wollten noch einen kleinen Spaziergang machen und so nutze ich die Chance und ging mit der immer noch verletzten A Touch of Peace spazieren.
      So langsam pegelte sich der Alltag ein, ich merkte jedoch, wie uns allen Charly, Nico und Malte fehlten und ich wünschte mir ein weiteres Mal, dass noch alles so sein könnte, wie früher.
    • Veija
      Alles beim Alten
      Juni 2018, by Veija
      Octavia
      "Hey Trav, wie weit bist du mit den Vollblütern?", fragte ich meinen bislang einzigen Angestellten und mittlerweile guten Freund Travis, der sich mit der Hand einmal die nasse Stirn abwischte und sich hinsetzte. "Die Jungpferde hab ich jetzt alle, stehen auf der Koppel. Also I've got a blue soul, It's me, Amira!, Prias Colourful Soul, Culain, Sir Golden Mile und Sweet Revenge. Des Weiteren stehen Priamos Ruffia Kincsem und Zuckerschock schon auf der Weide", erklärte er mir und schien stolz, sich endlich alle Namen merken zu können. "Und wie lief das Training heute morgen?", fragte ich ihn dann und er überlegte. "Ich war so frei und hatte mir Tasmania mit auf die Bahn geholt...", murmelte er nun etwas leiser, doch ich nickte nur. "Kein Problem, dafür haben wir sie ja.", meinte ich und forderte ihn dann auf, weiter zu erzählen. Candlejack und Daryl Gone Mad hatten heute ein gutes Traininsgrennen. Daryls Jockey hat ihn heute relativ eng an der Bande gehalten, seinen Kopf leicht seitlich, damit er nicht nach Jack schnappen konnte. Jacks Jockey hat ihn dementsprechend ein wenig außen gehalten, als es nötig gewesen wäre, doch sie haben ja noch eine Weile, bis sie sich wieder beweisen müssen. Vielleicht wäre es gut, Jack und Daryl ein paar Wochen einzeln laufen zu lassen, damit sich beide Jockeys nur auf ihre Pferde konzentrieren müssen und nicht noch aufpassen, dass Daryl niemanden beißt.", erklärte er mir und stand wieder auf, ehe er die Mistgabel wieder aufhob und weiter die Boxen ausmistete. Ich schnappte mir auch eine Gabel und ging in die nächste Box, um ihm ein wenig zu helfen. Dann erzählte er weiter. "Ich glaube als nächstes waren dann Drama Baby, PFS' Blossom Magic, Wolfs Bane und Tigres Eye dran. Wir hatten jedoch Drama und Blossi zusammen laufen lassen und Bane und Tigres Eye. Sozusagen die sehr guten Pferde mit den weniger Guten, denn Bane muss noch aufholen und Tigres Eye muss lernen, wie man rennt.", sagte er und kratzte sich dann am Kopf. "Oh.. ich hab ganz vergessen, Jack und Daryl waren gar nicht die Ersten heute morgen. Ganz am Anfang waren Wildfire xx, PFS' Snap in Style und Peacful Redemption an der Reihe. Ein sehr spannendes Rennen, denn sie sind alle drei wahnsinnig gut. Vielleicht haben wir doch bald einen Triple Crown Champion hier im Stall stehen.", schwärmte er und überlegte dann wieder, als ich ihn nur fragend ansah. "Stiffler, Seattle Slew und Firewalker haben sich auch gut gemacht.", antwortete er mir dann. "Das waren glaube ich alle.", sagte er und schaute mich an. Ich musste nun auch überlegen. "Ja, hast Recht. Waren alle.", merkte ich an und war auch schon mit der Box fertig, die ich angefangen hatte. "Ich geh dann mal noch rüber zum Nordstall. Wenn du fertig bist kannst du dazu kommen, dann machen wir einen Ausritt.", sagte ich ihm und er nickte, lächelte mir aber freudig hinterher. So langsam wurde er ein richtiger Pferdenarr... so langsam. Und er freute sich um jede Sekunde, die er im Sattel verbringen durfte.
      Im Nordstall angekommen schaute ich auf meinen ausgehangenen Plan, welches Pferd heute was machen sollte und was es zu fressen bekam. Noch waren alle Pferde im Stall, doch ich wollte sie jetzt nach und nach raus bringen. So holte ich als erstes meine beiden Wallache, Magic Lanijos und Zoltaire und brachte sie auf die Koppel. Es folgten die Jungpferde, Dante's Wild Lady, Abe's Aelfric und Mystical Champion. Alle Tiere freuten sich riesig, endlich auf der Koppel rennen zu dürfen und preschten im Eiltempo von mir weg. Blazing Flame, LMR Fashion Girl, Samarra, Vin, Bree, Crimetime, die seit kurzem wieder hier war, Minnie Maus, Natsu's Little Harley, Ocarina of Time, Empire of Grace, Free Willy und Whiskey kamen auch auf die Koppel. Lediglich Flashlight und Raspberry ließ ich in der Box und holte sie jetzt für unseren Ausritt raus. Ich putzte und sattelte sie und als ich damit fertig war, kam Travis die Stallgasse entgegen geschlendert. "Das hat aber gedauert, schau dich mal um, bis auf Boxen misten und füttern bin ich hier komplett fertig.", sagte ich lachend und drückte ihm Flashlight in die Hand. Zusammen gingen wir vom Hof, gurteten nach und stiegen dann auf. Eine ganze Weile waren wir im Gelände unterwegs und wir trauten uns heute sogar an den Galopp. Travis war sehr stolz auf sich und ich klopfte ihm beim Vorbeireiten auch auf die Schulter. "Das war ein guter erster Versuch, nicht auf der Bahn und nicht auf dem Reitplatz. Aber Berry und Light sind wahre Schätze.", sagte ich und stieg vor dem Stall ab. Travis tat es mir gleich und so sattelten wir die Pferde im kühlen Inneren des Stalls ab, ehe auch die letzten beiden Pferde dieses Stalles auf die Koppel konnten. Dann machten Travis und ich uns daran, die restlichen Boxen zu misten, ehe wir uns den verbliebenen Tag frei nahmen und tatsächlich zusammen ins Schwimmbad fuhren.
    • Veija
      Halloween Platzhalter
    • Veija
      Kurzer Pflegebericht für Priamos Ruffia Kincsem, BR Prias Raveday, Drama Baby, I've got a blue soul, Tigres Eye, Prias Colourful Soul, Tasmania, Candlejack, Culain, Daryl Gone Mad, Peacful Redemption, PFS' Snap in Style, Wildfire xx, Magic Lanijos, Raspberry, Empire of Grace, Mystical Champion und Whiskey, BR Princess Peppy Gaia, Moon's Gealach, Cleavant 'Mad Eyes', GRH's Princess Peppy Ann, Ceara Isleen, Baby Doll Melody, A Shining Chrome, Pocahontas, Náttdís van Ghosts, Citizen Fang, Skrúður, Thjalfe van de Jötunheimr, Fenicio, Lajos, Myrkvidr, Whinney, Atlanta, Heretic Anthem, Ghost's Phenomena, Zoltaire, Blazing Flame, Zuckerschock, LMR Fashion Girl, Samarra, It's me, Amira!, Vin, PFS' Blossom Magic, Bree, Crimetime, Dante's Wild Lady, Wolfs Bane, Natsu's Little Harley, CHH' Mr. Buckminster, Ocarina of Time, Abe's Aelfric, Free Willy, Firewalker, Seattle Slew, Sir Golden Mile, Stiffler, Sweet Revenge

      Viel zu tun gab es auf einer Ranch immer. Und so konnte es passieren, dass man so viel zu tun hatte, dass man der Arbeit gar nicht mehr hinterher kam. So eine Zeit war in letzter Zeit gewesen. Nichts klappte so, wie es klappen sollte und nichts blieb so, wie es bleiben sollte.
      Den Pferden ging es gut, keine Frage. Sie genossen ihre Pause auf der Koppel und fraßen sich die Bäuche rund. Jetzt, da das Jahr fast zu Ende war, und das neue schon in den Startlöchern stand, wurde man träger, schwerfällig. Man machte Pläne für das kommende Jahr, ließ das laufende jedoch ganz außer Acht, irgendwie.
      Auf ein neues und hoffentlich erfolgreiches Jahr.
    • Veija
      Dein Geschenk zu Weihnachten Teil I
      Dezember 2018, by Ravenna & Veija
      Caleb
      Seit dem Unfall von Ylvi war einige Zeit vergangen. Genauer gesagt drei Wochen. Am letzten Wochenende war Betsys Turnier mit Black Sue Dun It gewesen und… sie hatte das Ding gerockt. Die anderen Mädchen hatten mit heruntergefallenen Kinnladen am Zaun gestanden, während ich das Mädchen überschwänglich aus dem Sattel gehoben, uns einmal um die eigene Achse gedreht und dann wieder aufs Pferd gesetzt hatte. Beim Pole Bending hatte sie den ersten Platz mit Sue gemacht und die anderen wirklich hinter sich zurückgelassen. “Damit hab ich nicht gerechnet.”, hatte sie gelacht und fast angefangen zu weinen. Ich hatte sie gedrückt und ihr versichert, dass sie den ersten Platz verdient hatte und die anderen sich bestimmt nicht mehr über sie lustig machen würden. Dem war jedoch nicht so, leider. Am Mittwoch war die Kleine todtraurig aus der Schule gekommen. Sie wurde geärgert, weil es nicht ihr eigenes Pferd gewesen war. Pferde leihen konnte schließlich jeder. Meine Überlegung war es nun, ihr Sue zu schenken. Naja, zumindest zur Hälfte. Aber das musste ja niemand wissen- niemand außer Bellamy, denn dem gehörte das Pferd ja- und genau in dessen Büro saß ich gerade. Bellamy war mal wieder hinter einem Stapel Papier verschwunden und konnte mich eigentlich gar nicht wirklich sehen. “Du… solltest jemanden einstellen, um den Papierkram zu machen. Unser Heu wird auch knapp, von der Einstreu brauch ich gar nicht erst anzufangen…”, sagte ich und erkannte dann ein paar schwarze Locken, die hinter dem Papierberg herausschauen. “Wenn ich hier mal Ordnung reinbekommen würde, dann wüsste ich das. Und dann wüsste ich auch, wie viel Geld wir diesen Monat noch übrig haben, um solche Dinge zu kaufen.”, murrte er und ich verschränkte meine Hände hinter meinem Nacken. “Naja, dann such dir einfach mal Hilfe. Hier auf der Ranch rennen genug Menschen rum- und ansonsten frag doch einfach O. Sie bekommt das drüben ganz alleine mit Travis auf die Reihe.”, lachte ich und verstummte sofort wieder, als mein Gegenüber mir einen Blick zuwarf, der keine Fragen offen ließ. “Apsopos O… sie möchte wieder zu uns kommen. Sie verkauft zur Zeit einige Pferde und auch die Ranch.” “Aber was ist denn aus ihren Rennpferden geworden?” “Hat sie noch, zumindest eine Handvoll davon. Die würden mit ihr zurückkommen.” “Und die Sportpferde?” “Na, von irgendwas muss sie sich doch trennen, wenn sie verkleinern will.”, lachte Bellamy nur. “Ja dann kann sie ja den Papierkram erledigen.”, scherzte ich und Bellamy nickte. “Aber nicht für allzu lange.”, sagte er und ich schaute ihn fragend an. “Nicht?” “Nein.” Damit war das Thema beendet.
      “Bell… was ich eigentlich wollte.. Betsy war so gut am Wochenende auf Sue, da wollte ich dich einfach fragen, ob wir sie ihr nicht schenken können. Nicht ganz, nur 50%. Aber dann kann sie diesen dämlichen Gören sagen, dass das Pferd ihr gehört.”, schlug ich ihm vor und er nickte. “Wenn du das für richtig hälst, ist es okay. Kannst sie ihr ja zu Weihnachten schenken, ist ja bald. Aber ich wette, sie hätte lieber Blue genommen.” “Oh nein, den geb ich nicht her. Und ja, zu Weihnachten ist eine gute Idee!”, sagte ich lachend und stand auf. “Ach, ehe du gehst.. schau nochmal nach Ylvi, sie hat nach dir gefragt.” Ich nickte, drehte mich um und verschwand aus dem Zimmer. Ylvi… Sie lebte jetzt hier im Haupthaus, nicht mehr drüben bei mir. Irgendwie hatte das unsere… Beziehung auf Eis gelegt. Ich besuchte sie nicht oft, blieb selten länger als eine halbe Stunde und redete nicht viel. Ich erzählte ihr, wie mein Tag gewesen war, was ich gearbeitet hatte und was ich am nächsten Tag arbeiten würde. Mein Weg führte mich auch direkt nach draußen auf den Hof, wo ich mich auf Smart Lil Vulture setzte, den ich vor der Tür angebunden hatte, und in Richtung der hinteren Koppeln ritt. Ich blickte noch einmal zum Haus zurück und wurde das Gefühl nicht los, dass mich jemand beobachtet hatte.

      Ylvi
      Wie ein Idiot stand ich am Fenster, spähte durch die Gardinen und sah Caleb auf Vulture verschwinden. Der Hengst hatte sich wirklich gemacht. Wie oft hatte ich Caleb bei der Arbeit mit dem Hengst beobachtet in diesem Sommer. Es ging auf den Winter zu, wenn auch hier noch immer fast angenehme 11 Grad herrschten.
      Nach der OP waren meine Eltern in den nächsten Flieger gestiegen um mich hier zu besuchen. Mein Vater hatte belustigt festgestellt das meine Schwäche für Rappschecken kaum zu übersehen war. Meine Mutter hatte das ganze weit weniger gut aufgenommen. Nach einer Woche waren sie verschwunden, ich wurde allein gelassen. Mal abgesehen davon, dass Bellamy neben der Büroarbeit wirklich oft herein kam um unter Kontrolle zu haben das ich mich nicht weit aus dem Bett oder dem Zimmer bewegte. Zweimal am Tag hieß es den Verband zu wechseln, bei der Aufgabe unterstützte mich eine mobile Krankenpflege. In den ersten zwei Wochen hatte ich auch nicht viel getan als geschlafen oder gegessen.
      Abwechslung boten die Besuche von Louis. Neben der Tätigkeit in seiner eigenen Bar, kam er oft vorbei um mir Gesellschaft zu leisten. Manchmal begleitete ihn auch seine Schwester Lilly, die mir mit ihrem losen Mundwerk dazu verhalf meine dunklen Gedanken für einige Stunden zu verbannen. Sie kutschierte mich auch gern in einem Rollstuhl über die Ranch, denn noch war ich selbst zu schwach auf den Beinen. Außerdem bewegten sie meine Pferde, dafür war ich ihnen am meisten Dankbar. Mit Inyan hatte Louis natürlich keine Probleme, mit Ravn verhielt es sich da etwas anders. Am dritten Tag nachdem Caleb mich zur Ranch zurück genommen hatte, war er nach einer missglückten Trainingseinheit von dem Wallach zu mir hinauf gekommen. In der Zeit bewegte Lilly gerade Lady Gweny im Gelände. Ich musste lächeln als er mir berichtete das der Wallach sich bei ihm keinen Zentimeter vom Aufstiegsblock fort bewegt hatte. Daher hatte er beschlossen den eigenwilligen Valravn nicht zu bewegen. Mit Fylgia hatte er sich ein wenig vor der Kutsche vergnügt, da er selbst zu groß war um die zierliche Stute zu reiten. Auf einem dieser Ausflüge hatte er mich gestern mitgenommen, in eine dicke Decke gehüllt hatte er mich aus dem Haus getragen und hatte beschlossen wir machen eine kurze Tour um die Koppeln der Ranch. Als wir im gemächlichen Schritt wieder die Ranch betraten kam uns ein reitender Caleb entgegen. Die Worte die er an Louis richtete verstand ich nicht - es war Lakota - aber den Unterton von unmut vernahm ich deutlicher darin. Mir war ein bisschen unbequem zumute auf meinem Sitz...noch hatte ich keine sonderliche Erlaubnis für große Ausflüge draußen. Obwohl Caleb nicht oft zu mir kam - dieser Teil schien ihm nicht entgangen. Dann gab er dem Pferd unter sich einen Wink los zu laufen, als er auf meiner Höhe war, zog er sich leicht am Hut, nickte und ein feines Lächeln zuckte über seine Züge. Dieser Tage wurde ich nicht schlau aus ihm, aber war ich das je?
      Noch verblüffter war ich als ich sah welches Pferd er da ritt. Es war Ravn! “Hast du ihn darum gebeten?” flüsterte ich zu Louis, der nur den Kopf schüttelte. Ich lächelte in mich hinein...also war Caleb womöglich von allein auf die Idee gekommen. Zwischen all seinen Aufgaben nahm er sich tatsächlich die Zeit meinen Wallach zu reiten.
      Langsam kehrte ich aus meinen Gedanken ins hier zurück, löste mich vom Fenster, griff nach meinen Sachen um hinunter in das Bad zu gehen. Nach dem Wechsel des Verbandes wollte ich eine schnelle Dusche nehmen. Danach lief es wohl darauf hinaus das ich versuchte gemeinsam mit Bellamy Herr seines Chaos zu werden. Kleine Aufgaben konnte ich zumindest wieder erledigen.

      Caleb
      Mein Tag war mal wieder so voll gepackt mit Aufgaben gewesen, dass ich es erneut nicht geschafft hatte, bei Ylvi vorbei zu schauen. Nun war es schon fast neun Uhr und das Feierabendbier rief nach mir.
      Nach meinem seltsamen Gespräch mit Bellamy heute Mittag war ich mit Vulture zu den Koppeln geritten, wo ich einen neuen Zaun ziehen sollte. Das Equipment hatte ich mir am Morgen mit dem Traktor schon her gefahren, angefangen zu arbeiten hatte ich allerdings noch nicht. Ich band den Hengst an einem Zaunpfahl an und ließ ihn grasen, während ich anfing, den Zaun zu ziehen. Zwischendurch machte ich immer mal wieder eine kurze Pause, um etwas zu essen oder einen Schluck zu trinken. Gegen vier Uhr musste ich dann zurück zur Ranch- Reitstunde mit Betsy und Sue. Sie hatte zwar Blue reiten wollen, aber Gun and Slide war kein Pole Bending Pferd und sie wollte ja in dieser Disziplin besser werden.
      So hatte ich ihr beim Satteln geholfen und die Stute abgeritten. Sue war im Moment so voller Energie, dass ich sie lieber selbst abritt, bevor ich Betsy auf ihren Rücken ließ. Warum Sue im Moment so ein Energiebündel war, konnte ich nicht sagen. Auf jeden Fall meinte sie heute buckeln zu müssen, was ihr allerdings nichts als Ärger mit mir einbrachte. Betsy hatte sich zerknirscht an den Zaun gestellt, weil ich die Stute heute anders anpacken musste als sonst und keinen Ton zu mir gesagt, als sie an der Reihe war. Sue hatte stark schnaufend und verschwitzt da gestanden, doch das hatte sie sich selbst zuzuschreiben. Ein Glück für sie, dass ich sie nicht turniermäßig vorstellte, denn sonst wäre das richtige Training ähnlich verlaufen.
      Bei Betsy konnte sie jetzt jedoch wirklich entspannen. Schritt und viel Trab, dann erst Galopp. So übten die Beiden ganz in Ruhe und ich musste ihnen nicht viele Verbesserungen oder Kommandos entgegen rufen. Kurz vor fünf war die Sonne schon untergegangen, jetzt hatten wir halb sechs. Zum Glück besaßen wir große Strahler, die den ganzen Platz erleuchteten. Es war jedoch kälter als die letzten Tage, zumindest der Wind fühlte sich kälter an. “Wir lassen Sue heute im Stall, leg ihr auch eine Abschwitzdecke drauf, nicht dass sie krank wird.”, hatte ich zu Betsy gesagt und hatte mich dann an meine eigentliche Arbeit begeben. Boxen misten. Natürlich hatte niemand es für nötig gehalten meinen Part zu übernehmen, während ich auf der Koppel Zaunpfähle eingeschlagen hatte. Von halb sechs bis halb neun hatte ich also im Stall gestanden und Mist geschaufelt. Dann war ich nach drinnen gegangen, unter die Dusche gesprungen und auf die Couch gefallen.
      Kurz seufzte ich. Ein wenig vermisste ich Ylvi hier schon. Ob ich sie doch besuchen gehen sollte? Ich kramte mein Handy raus und schrieb ihr eine kurze Nachricht, ob sie noch wach sei und ob ich noch kurz rüberkommen konnte. Insgeheim hoffte ich fast auf ein nein, aber irgendetwas zog mich doch zu ihr. Wie konnte das, was wir hatten, durch ihren Umzug ins Haupthaus so… kaputt gegangen sein? Ich schüttelte den Kopf und wollte so die Gedanken vertreiben. Ein arbeitsreicher Tag lag hinter mir und ich hatte keine Lust, darüber nachzudenken. Jetzt zählte die Ruhe und das Bier und…. mein vibrierendes Handy.

      Ylvi
      Nachdem ich Bellamy geholfen hatte ein wenig seines Chaos zu beheben - er hatte tatsächlich beinahe vergessen den Mitarbeitern ihren Lohn zu zahlen, hatte ich mich in das untere Zimmer zurück gezogen. Dort stapelten sich Bücher an der Wand, genau mein Gebiet. Nun saß ich bereits eine gute Stunde auf der kleinen Couch las, als ich bemerkte wie mein Handy blinkte. Ich entsperrte den Bildschirm, Calebs Name leuchtete bei WhatsApp in der Beschreibung. Ich sah nur die Hälfte der Nachricht. Mein Herz wummerte...ich legte es beiseite, versuchte zu ignorieren das er mir geschrieben hatte. Las ein, zwei Sätze nahm gar nichts auf von dem was die Worte mir erzählten.
      Dann ergriff ich doch hektisch mein Telefon, öffnete den Chat und las seine Frage. “When your not sleeping, shall I come?” stand dort. Mein Daumen rief die Tastatur zum Vorschein. Ich tippte ein einfaches “Sure” ...löschte dann den text, schloss das Handy wieder. Ich starrte an die Wand, während ich spürte wie mir heiß und kalt zugleich wurde. Es war fast zwei Wochen her seitdem ich ihn in Natura und vor allem allein gesehen hatte. Ich sah hinab auf mein Handy im Schoß, welches mir nun den Blick auf die Seiten des Buches versperrte. Erneut öffnete ich den Chat. Sah auf die Buchstaben der Tastatur die wieder aufgeploppt war. Ein leichtes Lächeln huschte über mein Gesicht, dann tippte ich den kleinen Text und verschickte ihn mit klopfendem Herzen. Dann ließ ich mein Handy wieder in der Tasche verschwinden, nicht ohne die Vibration wieder einzustellen. Mit dem Buch in der Hand verschwand ich schließlich in das Zimmer im hinteren Teil des Hauses. Von hier hatte ich einen guten Blick auf das Gästehaus. Ich schaltete das Licht nicht ein, entzündete nur die vier großen Kerzen und meine kleine Nachttischlampe. Mehr Licht benötigte ich jetzt nicht. Auf das Buch würde ich mich ohnehin nicht konzentrieren können. Aufgeregt wie ein Kind zu Weihnachten konnte ich gar nicht richtig still halten.

      Caleb
      Ich hatte ein paar Schluck aus der Bierflasche getrunken und mein Handy auf die Couch gelegt. Eine ganze Zeit lang passierte nichts. Als es dann vibrierte und die Antwort von Ylvi erschien musste ich herzlich lachen. “Don’t forget the beer.”, stand dort geschrieben. Vergiss das Bier nicht.. typisch Ylvi. Ich stand auf, schnappte mir meine Flasche und stellte unwillkürlich fest, dass ich dort noch eine stehen hatte. Wir hatten oft hier zusammen gesessen und ein Feierabendbier getrunken, dass ich es mir wohl angeeignet hatte, immer zwei mit ins Wohnzimmer zu bringen. Da Ylvi schon eine ganze Weile weg war, war dies mir schon lange nicht mehr passiert. Heute schien ich jedoch mit den Gedanken eh nicht bei der Sache zu sein. Wann hatte ich Ylvi das letzte Mal alleine getroffen? Vor einer Woche? Vor zwei Wochen? Ich wusste es nicht mehr.
      Kurz föhnte ich mir durch meine blonden Locken, ließ den Hut bewusst auf der Kommode liegen, zog nur meine Stiefel und meine Jacke an und ging langsam rüber zum Haupthaus. Es war mittlerweile halb zehn, ein paar der Arbeiter waren schon in den Betten und auch der Großteil des Haupthauses war dunkel. In Ylvis Zimmer brannten ein paar Kerzen, kein Licht. Fragend schaute ich zu ihrem Fenster rüber, grinste dann jedoch nur kopfschüttelnd und setzte meinen Weg fort.
      Im Haus angekommen zog ich die Stiefel aus, hängte meine Jacke auf und ging mit den zwei Bierflaschen in der Hand zu ihrem Zimmer. Ich klopfte und ging dann rein. “Hey.”, sagte ich leise und schloss die Tür hinter mir. Ylvi stand von ihrem Bett auf, kam auf mich zu, erwiderte meinen Gruß und streckte sofort die Hand nach dem Bier aus. “Jaja. Darfst du sowas überhaupt schon wieder trinken?”, fragte ich sie und reichte ihr die noch geschlossene Flasche, ehe ich an meiner Offenen nippte.

      Ylvi
      Wie alt war ich? 23! Und wieso hatte ich verdammt nochmal schwitzige Hände? Ich fühlte mich etwa um 10 Jahre jünger. Zum Kotzen. Ich hätte gern Caleb auf dem Absatz umgedreht aus der Tür hinaus befördert und versucht nie wieder an ihn zu denken. Stattdessen ging ich auf ihn zu, griff nach dem Bier das er mir entgegen reichte. Auf seine Frage zuckte ich mit den Schultern “Zumindest nehm ich keine Medikamente mehr die sich damit nicht vertragen.” ich hatte auch kein offizielles Verbot nach Alkohol bekommen. Zumindest nicht das ich wüsste. Da es in diesem Zimmer keine Couch gab die ich zum sitzen hätte anbieten können nahmen wir auf dem Bett nebeneinander Platz. Caleb sah fertig aus, hob jedoch sein Bier und leise klirrten unsere Flaschen gegeneinander. “Ich hatte bisher gar keine Gelegenheit dir zu danken das du Ravn bewegst. Ich hab dich schon zweimal dabei gesehen. Das du zwischen deinen ganzen anderen Aufgaben noch dazu kommst ist wirklich nett. Wird Zeit das Bellamy endlich ein paar andere Helfer einstellt. Waren die Bewerbungsgespräche dahingehend eigentlich erfolgreich? Das hab ich gar nicht so mitbekommen in der letzten Zeit.”
      Ich war mir der Nähe zwischen uns bewusst, jedoch berührten meine Füße kaum den Boden, die Haltung nach vorn gebeugt war nicht ganz gut. Also musste ich von ihm abrücken, mir eines der Kissen in den Rücken legen und mich anschließend dagegen lehnen. Vielleicht hatte ich es mit meiner Aktivität heute ein wenig übertrieben.

      Caleb
      Auf ihre Aussage mit den Medikamenten zuckte ich nur die Schultern. “Okay, nicht dass ich dich hier noch vergifte.”, lachte ich und wir tranken eine Weile schweigend unser Bier. Wir setzten uns auf ihr Bett. Unser Wohnzimmer mit der Couch drüben im Gästehaus vermisste ich jetzt schon. “Oh ja, Ravn.”, sagte ich als hätte sie mich von irgendwo zurück ins hier und jetzt geholt. “Ja, Arbeit hab ich genug, du willst gar nicht wissen was ich heute alles gemacht habe.”, grummelte ich und antwortete ihr zunächst auf ihre Frage. “Ja, einen hab ich eingestellt. Naja, Bellamy. Aber ich wollte ihn. Cayce, hat auch ein Pferd dabei. Whitetails Shortcut. Shorty. Tolles Pferd, bin den mal auf einem Rodeo geritten, aber das ist eine lange Geschichte.”, sagte ich nur und nippte wieder an der Flasche. Ylvi setzte sich um und auch ich stand vom Bett auf, ehe ich mich auf den Stuhl daneben setzte. “Das Bett ist echt wahnsinnig unbequem.”, sagte ich zu ihr und erhaschte noch einen kurzen Moment ihres verwirrten Gesichtsausdruckes, ehe sie mich wieder normal ansah. “Und ja… Cayce greift mir hier jetzt schon wahnsinnig unter die Arme. Er ist auch Trainer, hilft mir bei den Reiningpferden. Ich würde die gerne nächstes Jahr aktiver vorstellen. Wir haben so gute Nachzuchten und auch ältere Hasen hier, die gehören in die Arena, nicht auf die Koppel.”, erklärte ich ihr und sie nickte verständnisvoll. “Aber heute war nicht mein Tag.”, seufzte ich schließlich und fuhr mir einmal durch die Locken. Sie waren lang geworden, fielen nicht mehr sonderlich hübsch nach unten. Ylvi sah mich auffordernd an, weshalb ich zu erzählen anfing. “Angefangen hat der Tag damit, dass ich mir Zaun und Draht zu einer der Koppeln gefahren habe, um dort zu arbeiten. Ich hatte was vergessen, kam zurück und bin dann zu Bellamy gegangen, weil er kurz Zeit hatte. Hab ihn gefragt ob wir nicht Betsy die Stute Sue schenken können zu Weihnachten. Naja, zumindest 50%. Weil sie immer so von den anderen geärgert wird und dann kann sie sagen, das Pferd gehört ihr. Vielleicht lassen die anderen sie ja dann in Ruhe?” Ylvi nickte. “Dann hab ich mir Vulture geschnappt, bin zur Koppel zurück und.. achja, O kommt zurück hier her. Aber vielleicht hat Bellamy dir schon davon erzählt? Auf jeden Fall… zur Koppel zurück und hab da gearbeitet. Ganz fertig bin ich nicht, muss da morgen nochmal hin. Hatte dann Reitstunde mit Betsy und Sue und bei Gott… dieses Pferd. Keine Ahnung was sie hatte, aber ich musste sie heute so hart anpacken, das kenn ich gar nicht von ihr. Betsy stand dann auch in der Ecke und hat kein Wort mehr zu mir gesagt. Glaube das gibt Probleme, wenn die Stute ihr.. halb ihr.. gehört. Aber naja.. dann habe ich Boxen gemistet. Hat ja keiner für nötig gehalten das zu tun, während ich Zaun machen war. Dann war ich duschen, saß auf der Couch und bin nun hier- morgen wird vermutlich nicht besser, denke das Heu kommt dann und wer lädt es ab? Ich…”, grummelte ich und nahm noch einen Schluck Bier. So viel hatte ich in den letzten Wochen nicht mit Ylvi geredet, weshalb sie jetzt leicht erschlagen in ihrem Bett saß. Zumindest hatte ich das Gefühl, dass es so war.

      Ylvi
      Ich schwieg einen Moment, ordnete die Fülle an Informationen, überlegte auf was ich darauf als erstes Antworten sollte. Ich hatte dabei einen dümmlichen Gesichtsausdruck, ganz sicher. Caleb grinste erst, lachte dann ein wenig. Ich erwiderte. “Wo ist nur der verschwiegene Cowboy hin?”, legte dann die Hand auf den Mund. Wie im Chat die Affen Smileys. “Daran bist du Schuld.” das klang beinahe verwegen wie Caleb es sagte. “Ich freue mich aber das du zumindest etwas Unterstützung durch Cayce hast. Die Idee für Betsy ist großartig! Kinder können so abartig zueinander sein, vor allem Mädchen in dem Alter. Dabei hat sie die Pubertät noch vor sich. Ich denke ein Pferd kann ihr dabei helfen sich zu entwickeln. Außerdem bist du als Trainer dann ja nicht aus der Welt...oder eben Cayce. Ich hab dich heute morgen bei Bellamy gesehen. Ist doch sicherlich ätzend ständig ihn fragen zu müssen? Bei all den guten Ideen und Plänen die dir so vorschweben.” Caleb war Vorarbeiter der Ranch, hatte viele der wichtigen Aufgaben der Ranch übernommen. Machte die Dienstpläne, das Futtermanagement. Im Grunde fehlte nicht viel zu dem Punkt das er alles auf der Ranch bestimmte. Trotzdem war der Name der Ranch Blakes Crow Meadow und die finale Entscheidung wurde stets von Bellamy getroffen. Dieser hatte mir jedoch, nicht gerade durch die Blume, zu verstehen gegeben das ihm die Aufgabe über den Kopf wuchs. Auch die Rückkehr von O würde nicht viel ändern, denn sie hatte nicht vor in die Ranch ihres Bruders einzusteigen. Ganz freiwillig kam sie wohl auch nicht zurück, wenn ich es nicht falsch verstanden hatte. Bellamy wusste das er sich etwas überlegen musste, wenn die Ranch in geordneten Bahnen weiter laufen sollte. Ich hatte die Rechnungen gesehen, das Chaos...und fragte mich in welchen Zügen Caleb über das Problem überhaupt Bescheid wusste.

      Caleb
      Meine Bierflasche neigte sich dem Ende zu und auch die Uhr schritt Stück für Stück voran. Lange würde ich wohl nicht mehr hier bleiben, genoss die Gesellschaft von Ylvi nun doch in vollen Zügen. Sie hatte mir gefehlt. Und sie fehlte mir verdammt nochmal drüben im Haus auch. Aber ihr das zu sagen? Das war nicht ich. “Oh ja und frag mich erst mal. Cayce ist ein wahnsinnig guter Reiter. Vielleicht können wir zusammen nochmal anfangen zu Ropen!”, erklärte ich ihr stolz und sah auch bei ihr ein Lächeln aufflackern. Sie wusste, wie sehr ich das Lassoschwingen liebte, hatte es aber eine ganze Weile nicht mehr tun können. Nur vom Bullenreiten hielt ich mich fern. Auf einen Bronc würde ich bei Gelegenheit bestimmt nochmal steigen. “Und mit Betsy glaube ich auch.”, sagte ich ihr dann. “Und eigentlich kann ihr hier jeder auf der Ranch helfen. Hier rennen genug Trainer und Leute mit Ahnung rum.”, lachte ich. Dann seufzte ich abfällig. “Es ist ätzend. Einerseits bin ich die Nummer eins auf dem Hof, was die Arbeit angeht, andererseits muss ich für jede Erlaubnis zu Bellamy rennen und ihn anflehen, etwas neues kaufen zu dürfen. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie anstrengend das ist.”, erklärte ich ihr und drehte die Bierflasche in meiner Hand hin und her, ehe ich den letzten Schluck daraus trank. “Ich bin froh, dass er es geschafft hat, das Heu zu bestellen. Kommt ja nun zum Glück morgen, viel ist nicht mehr da. Viele Pferde fressen eben viel.”, sagte ich und stand auf, streckte mich kurz. “Ich würde gleich auch wieder gehen. Es war ein langer Tag.”, meinte ich beiläufig, setzte mich jedoch wieder hin und stellte die Flasche auf den Boden. So ganz war ich noch nicht vom Gehen überzeugt.

      Ylvi
      Ich verschwieg ihm besser das ich das Heu bestellt hatte...nach der enormen Hitze des Sommers war es gar nicht einfach gewesen einen guten Händler aufzutreiben. In einer besseren Gegend hätte man das Heu selbst machen können. Dazu gab es in New Mexico allerdings keinerlei Chance. “Ich bin Bellamy die letzte Zeit ein wenig zur Hand gegangen, dem wird langsam klar das er sich mit der Ranch vielleicht übernommen hat. Ich denke er ist heilfroh, dass du ihm den Arsch rettest, wirklich. Das würde er so vielleicht nicht sagen...aber als Außenstehende kann ich das denke ich ganz gut beurteilen.” ich lächelte ihn an...das war ein insgeheimes Lob an ihn. Bekam er nicht oft. Das Konzept der Ranch war gut...nur Lage, Planung und Ausführung haperten. Ich hatte nicht viel Ahnung von Marketing, aber so steuerte Blakes Crow Meadow deutlich in die Pleite. Bellamy hatte angedeutet einige Pferde verkaufen zu müssen. Ein Blick auf den Bildschirm des Handys zeigte, das Mitternacht unaufhörlich näher rückte. Ich hatte nicht einmal die Hälfte meines Bieres getrunken, durch das Halten in meiner Hand war es nun auch schon warm. Das zur Seite beugen um es auf dem Schrank neben dem Bett abzustellen gestaltete sich als schwieriger. Bei der zu schnellen Drehung des Oberkörpers zuckte ich zusammen, konnte den Handgriff zur Narbe nicht vermeiden und atmete zischend ein. “Manchmal vergess ich das.” Caleb hatte reagiert, war aufgesprungen, nahm das Bier aus der Hand und stellte es zur leeren Flasche auf den Boden. Er sagte nichts, sein Blick hatte jedoch etwas tadelndes...es war der verkniffene. Genau der selbe den ich so oft bekommen hatte, wenn im Unterricht nicht alles lief wie es sollte. Er saß nicht wieder auf dem Stuhl sondern hatte sich auf die Bettkante gesetzt. Ich wollte nicht das er ging...das Wort “Bleib” blieb mir jedoch in der Kehle hängen, es kam mir einfach nicht über die Lippen. Ich wollte ihm nicht zeigen wie sehr ich ihn vermisst hatte. Dabei war es nur ein verdammtes Wort! Er schien meinen Konflikt zu spüren, anders konnte ich es mir nicht erklären. Sein Blick hatte meinen fixiert. “Ja bitte?” Ich spürte das Herz schneller schlagen in meiner Brust. Wie sollte ich sagen was ich wollte. Ich hatte die letzten Wochen beschissen geschlafen...die andere Seite meines Bettes schien so verdammt leer. Ich konnte selbst nicht fassen in welch kurzer Zeit ich mich daran gewöhnt hatte jemanden neben mir zu haben. Bei Max hatte ich es gehasst...nicht schlafen können eben, weil er neben mir lag. Jetzt allerdings, konnte ich teilweise nicht schlafen eben, weil niemand...jemand nicht neben mir lag. Und ich hasste diese Abhängigkeit. Wann zum Teufel war das passiert? Das war nicht in meinem Plan gewesen. “Was ist?” drängte Caleb nach, jetzt leichte Sorge in der Stimme. Hatte er Angst die unbedachte Bewegung schmerzte noch immer? Ich schüttelte den Kopf, lächelte...dann kam es mir über die Lippen. “Bleib.” nur gehaucht, scheu wie bei einem Reh. Das klang nichtmal nach mir. Wo war die Selbstbewusste Ylvi hin verschwunden?

      Caleb
      Ein Wort. So leise gehaucht, dass ich es fast nicht verstanden hatte. ‘Bleib’. Ich lächelte. “Geht das wirklich? Mit deiner Op und so…”, murmelte ich und Ylvi nickte, sie schien nun wieder etwas mehr Mut gefasst zu haben. Wieder zerriss es mich innerlich, dass unsere… Beziehung in den letzten Wochen so kaputt gegangen war. Ich hatte einfach Angst Ylvi zu verletzen. Sie war nicht mehr so zerbrechlich wie vor ein paar Wochen. Aber ihre OP hatte mir mal wieder vor Augen geführt, weshalb ich nicht der Beziehungstyp war. Ich hatte keine Lust mir ständig Sorgen um jemand anderen zu machen, auf jemand anderen aufzupassen, für jemanden da zu sein… aber Ylvi… sie brachte mich zu all dem… machte mich zu so jemandem, ohne dass ich mich verändern musste. Bis jetzt hatte sie mir noch keinen Vorwurf gemacht, dass ich die letzten Wochen so selten hier war. Vermutlich konnte sie sich denken warum. Arbeit über Arbeit- und dann meine inneren Konflikte. “Caleb?” Ylvi sah mich an. “Ja.. ja. Dann bleib ich hier.” erwiderte ich. “Lass mich nur eben meine Stiefel von vorne holen. Und bitte sag mir, dass Bellamy hier nicht in aller Herrgottsfrühe mit Frühstück hineingeplatzt kommt.”, murmelte ich und wir lachten beide. “Die Zeit wo ich Frühstück am Bett bekommen habe ist vorbei. Normalerweise helfe ich ihm und den anderen in der Küche damit.”, sagte sie noch.
      Ich stand auf, holte leise meine Stiefel ins Zimmer und versuchte Amba dabei nicht zu wecken. Den Hund hatte Bellamy vor langer Zeit mal hier angeschleppt, aber wirklich etwas arbeiten tat er nicht mit ihr. Traurig musste ich an Surtout denken… und als ich wieder im Zimmer war, sah ich zu Ylvi. “Hab ich dir mal von Surtout erzählt?” Sie schüttelte den Kopf. “Eben, als ich Amba im Flur gesehen habe, ist mir der Hund wieder eingefallen. Verena hatte mal einen Rottweilerrüden, Surtout. Sie ist mit ihm und Gipsy mal einen Horse & Dog Trail gegangen. Seltsamer Hund, hat sie aus Frankreich gehabt und war nach einem Werwolf aus einem Buch benannt.” Ylvi lachte. “Ich hoffe er hat euch nicht gefressen?” “Nein, nein… war ein lieber Kerl, eigentlich. Aber total fixiert auf sie. Ist eigentlich ganz gut, dass er mit ihr gestorben ist. Der würde ohne sie eingehen.”, erklärte ich ihr und fing an, mich auszuziehen. Meine Boxershorts hielt ich an, schlüpfte dann unter die Decke. Allein das reichte, um die alte Vertrautheit zwischen uns wieder herzustellen. Ich legte meinen Arm unter ihren Kopf und sie kuschelte sich an mich an. Wir schwiegen, genossen den Moment und waren im Nu eingeschlafen.
      Plötzlich schreckte ich aus dem Schlaf hoch. Jemand hatte die Tür aufgerissen, war ins Zimmer gekommen und an der Stimme der Person erkannte ich, wer es war. Betsy. “Ylvi du wolltest uns doch beim Früh….oh.. Caleb!”, sagte sie erschrocken und ich zog mir die Decke über den Kopf. Vielleicht funktionierte bei ihr ja noch das Schema, wenn ich sie nicht sah, sah sie mich auch nicht… Funktionierte leider nicht. “Ich.. äh… ich... “, stammelte sie und verließ prompt das Zimmer. Erst dann kam ich wieder unter der Decke raus und sah zu Ylvi, die auch am Lachen war. “Das biegst du wieder gerade!”

      Ylvi
      “Das wird sie so schnell nicht vergessen.” stellte ich nüchtern fest. Konnte mir das Lachen aber nicht verkneifen. “Gut das sie uns nicht dabei gesehen hat.” Caleb beugte sich vor, stahl sich einen Kuss von meinen Lippen. Löste sich dann kurz,sah mich an und setzte einen weiteren Kuss auf meine Stirn. Ohne viele weitere Worte zog er sich an. “Ob das jetzt alle Wissen, oder ob ich unbeobachtet aus dem Haus komme?” fragte er verschmitzt. Ich zuckte mit den Schultern. “Ich glaube nicht das Betsy es jedem erzählt. Sie ist ein Kind...wie viel versteht sie schon von dem was sie gesehen hat.” Ich zog mir mein Shirt über den Kopf, vorsichtig, wegen des Verbandes. “Ooh ich denke sie versteht schon eine ganze Menge, glaub mir.” Ich streckte ihm die Zunge raus. “Na los, verschwinde, da draußen wartet eine Ranch auf deine Anwesenheit. Glaub mir...ich kann es fast gar nicht erwarten euch wieder zu unterstützen, langsam fällt mir die Decke auf den Kopf.” ich schaute auf den Flur hinaus, sah niemanden und winkte Caleb zu “freie Luft.” er huschte halb aus der Tür, blieb dann stehen, zwinkerte mir zu und verschwand dann erst. Es war gewesen als sei nicht zwei Wochen Funkstille gewesen. Wir hatten dort angeknüpft wo wir begonnen hatten...ein seltsames Gefühl, aber irgendwie auch beruhigend.
      Ich konnte mir den ganzen Morgen das blöde Grinsen nicht vom Gesicht wischen. Als ich in die Küche kam fand ich Betsy darin nicht vor. Also bereitete ich allein das Frühstück vor...langsam kam ich mir vor wie die Hausangestellte hier. Wann hatte ich das angefangen? Ich wollte wieder raus auf die Ranch. Sinnvolleres tun als eine Belegschaft von knapp 20 Mann mit Essen zu versorgen. “Du siehst beschissen aus.” kommentierte ich Bellamy der mit Augenringen bis nach Bagdad in die Küche gestiefelt kam. Davon war er nicht ganz begeistert, warf mir eine unflätige Geste zu und goss sich den Kaffee in eine Tasse und schaufelte Zucker hinein. Nach dem dritten Löffel sprach ich ihn an. “Du bist wieder nicht ganz bei der Sache.” Bellamy seufzte. “Ich hab gestern einfach mal drei der gekörten Hengste zum Verkauf gestellt...es haben sich tatsächlich 4 Interessenten gemeldet. Ich tu es nicht gern, aber ...du weißt das Geld hätten wir nötig.” in dem Moment knallte die Tür zur Küche. “Das hast du nicht getan!” ein brodelnder Caleb stand dort in der Tür. Er hatte zur Abwechslung zum Frühstück mit den anderen erscheinen wollen. Ich hörte Bellamy neben mir die Luft einziehen. Wo war das Loch im Boden? Ich konnte es gerade ziemlich gut gebrauchen.

      Caleb
      Ich hatte es geschafft mich unbemerkt aus dem Haupthaus in den Stall zu verkrümeln. Frühstücken wollte ich heute ausnahmsweise mit den anderen zusammen, alleine wurde das auf Dauer doch ziemlich einsam, vor allem da der Rest gemeinsam im Haupthaus frühstückte.
      Bis es allerdings so weit war, hatte ich noch ein bisschen Arbeit vor mir. Vulture brachte ich aus der Box auf seinen Paddock in die Nähe von einem der Trainingshengste. Dort bekam er auch sein Kraftfutter. Ich mistete schnell seine Box und vier Weitere von den anderen Hengsten, damit ich dies heute Abend nicht mehr machen musste. Nach einem Blick auf die Uhr hatte ich noch etwa eine halbe Stunde Zeit, bis es Essen gab. Ich rationierte also auch das Kraftfutter für die anderen Pferde und musste ganz schön aufpassen, das Futter nicht zu vermischen, bei so vielen Eimern. Auf jedem der Eimer stand jedoch der Name des Pferdes drauf, weshalb ich sie nach Paddock und Koppelteil sortiert auf die Laderampe meines Pick Up stellte, und dabei Cayce über die Füße lief. „Morgen.“, sagten wir beide und er blickte mich unter seinem schwarzen Cowboyhut skeptisch an. „Hast was liegen gelassen, Cowboy.“, lachte er und warf mir meinen Hut entgegen. Reflexartig riss ich die Hände in die Luft und schaffte es sogar, den Hut zu fangen, ohne ihn dabei mit meinen Fingern zu zerquetschen. „Mach doch sowas nicht, hast du mal auf die Uhr geschaut?“, fragte ich ihn lachend und setzte mir meinen Hut auf den Kopf. „Und, was gibts zu tun?“, fragte mich der junge Mann und ich überlegte. „Grade nichts mehr. Kraftfutter hab ich fertig. Würde sagen Frühstück ist angesagt.“, sagte ich zu ihm und er nickte. „Ich muss noch was im Haus holen, ich komme gleich.“, antwortete er und verschwand.
      Ich ging also zum Haupthaus, zog meine Stiefel, den Hut und die Jacke am Eingang aus und hörte Stimmen aus der Küche. Was ich dort hörte, wollte ich zunächst gar nicht glauben. Mit einem Satz stand ich bei Bellamy, hatte die Tür zugeknallt. „Bist du des Wahnsinns? Welche Hengste?!“, fuhr ich ihn an und sah, wie alle Anwesenden einen Kopf kleiner wurden oder langsam den Raum verließen. “Alan’s Psychedelic Breakfast, Gun and Slide und Genuine Lil Cut.” Ich sah ihn an. “Oh glaub mir wenn du Blue verkaufst bist du ein toter Mann!”, knurrte ich und sah wie Ylvi ihren Kopf noch weiter einzog. “Wir… wir haben Geldprobleme Caleb… ich muss ein paar Pferde verkaufen…” “Und dann verkaufst du die besten Hengste die wir haben? Bist du bescheuert?”, warf ich ihm entgegen und machte einen Schritt auf ihn zu. Ich war Bellamy körperlich noch immer ein wenig überlegen gewesen, doch wie ich ihn kannte, baute er sich gerade auch vor mir, sackte dann jedoch augenblicklich in sich zusammen. “Ich kann das nicht mehr, mir wächst das alles über den Kopf.. die Pferde, die Arbeiter… die Ranch…”, murmelte er kleinlaut und setzte sich an den Frühstückstisch. “Das Heu war wahnsinnig teuer, ich weiß nicht, wie ich das bezahlen soll…”, keuchte er und ließ sein Gesicht in seine Hände sinken. “Mir gehen die Ideen aus…”
      Ich atmete tief durch, öffnete meine Fäuste. Schlagen hatte ich ihn nicht wollen, aber aus Reflex war dies passiert. Dieser dämliche Idiot! “Also…”, murmelte ich nun mit sanfterer Stimme. “Du stehst jetzt auf, nimmst die Pferde aus dem Netz, wir frühstücken… und dann überlegen wir uns, wie wir die Ranch retten können.”

      Ylvi
      Das Frühstück über schien Bellamy verschwiegener. Caleb und Cayce unterhielten sich gut. Caleb nutzte die Runde auch gleich als eine Art Teambesprechung. Ich merkte wie er wichtige Aufgaben an Cayce gab, Murphy sollte seine Boxen übernehmen. Einen der anderen Ex-Häftlinge teilte er zum Zaunbau ein, dort wo er gestern begonnen hatte. Ich merkte dabei schnell wie er sich den Vormittag frei schaufelte um mit Bellamy zu sprechen.
      Als ich ihn gesehen hatte, da war mir kurz eiskalt geworden. Ich hatte schon gesehen zwischen ihn zu springen, wenn er Bellamy anging. Wobei ich herzlich wenig hätte ausrichten können. Seine geballten Fäuste waren mir nicht entgangen, auch nicht die Wut die in seinen ersten Worten geflackert hatte. Ich hätte nur darauf hoffen können das er mich nicht verletzten würde, falls ich dazwischen ging.
      Dass sie jedoch - endlich - gemeinsam eine Lösung suchen wollten gefiel mir. Das hätte Bellamy schon viel eher tun sollen. Aber wer konnte es ihm verübeln...ich erinnerte mich an seine Worte vom Vortag. “Ganz ehrlich...ich hab nichtmal die High School beendet, war im Jugendknast und anschließend bin ich auf der Gips Reminder Ranch gelandet. Ich hab in meinem Leben noch nie etwas richtig auf die Reihe bekommen und dann komm ich auf die bekloppte Idee eine ganze fucking Ranch zu leiten. Als O noch hier war ging das ja noch, aber dann? Ganz ehrlich...wär Caleb nicht gekommen, dann wäre das ganze schon viel eher vor die Hunde gegangen.” Ich hatte ihm gesagt er sollte Caleb einweihen. Die Angst dieser würde ihn auseinander nehmen hatte dann wohl die Oberhand behalten. Das war Stolz an falscher Stelle, das hatte ich ihm allerdings nicht gesagt...das war ihm hoffentlich bewusst. Ich wusste Caleb würde alles für die Pferde tun, einige abzugeben wäre sicherlich nicht die schlechteste Idee...aber dabei sollte sorgsam ausgewählt werden welche. Unnötige Esser zum Beispiel...und das waren die Hengste die er eingestellt hatte nicht.
      Nach dem Frühstück verschwanden alle um den ihnen zugewiesenen Aufgaben zu widmen. Ich war im Begriff die Küche zu verlassen hinter Caleb und Bellamy, drehte nach links ab um Richtung meines Zimmers zu gehen. Da erklang Calebs Stimme “Ylvi, ich denke bei der Ranch Rettungsaktion kannst du uns behilflich sein.”

      Caleb
      Bellamy war vor dem Frühstück verschwunden und hatte hoffentlich die Hengste aus dem Netz genommen. Ich war noch immer verdammt wütend auf ihn, weshalb ich mich beim Essen auch nur mit Cayce unterhalten hatte. Die Einen standen früher, die Anderen standen später auf. Auch Betsy hatte kaum ein Wort gesagt, fast die ganze Zeit betrübt auf den Boden geschaut. Etwas Leid tat die mir ja schon. Zu erst hatte sie mich und Ylvi im Bett gesehen, jetzt einen heftigen Streit zwischen Bellamy und mir. Ich müsste heute auf jeden Fall noch mit ihr sprechen und ihr einige Dinge erklären. Sie war schließlich noch ein Kind. Sie verstand nicht alles, was hier vor sich ging.
      In Bellamys Büro marschierten jetzt Ylvi, er und ich. Dort sah ich den mittlerweile kleineren Papierberg, zu dem Ylvi wohl einiges beigetragen hatte. Ich zog Ylvi einen Stuhl zum Schreibtisch dazu und setzte mich neben sie, auf der anderen Seite Bellamy. Ich seufzte kurz. “Wie schlimm ist es denn nun, Bellamy?” Ich sah die Anspannung aus seinem Körper weichen. Er schien froh zu sein, endlich mit der Sprache rausrücken zu können. “Es ist noch nicht das Ende der Ranch. Aber es ist kurz vor Ende.”, fing er an. “Und das heißt?” “Um die Ranch vor dem Bankrott zu retten müssen wir Pferde verkaufen. Einige Pferde. Oder die ganze Ranch.”, ich schluckte. Naja, eigentlich sah man es in meinem Kopf rattern. “Hmm ein Umzug wäre nicht das Schlechteste.”, sagte ich und Bellamys als auch Ylvis Kopf flogen in meine Richtung. “Verkaufen?”, fragte Bellamy ungläubig und ich nickte. “New Mexico ist schön und gut, aber was hat man von einer Ranch wenn man hier nicht einmal Rinder halten oder Heu selbst machen kann? Futter kostet Geld. In Alberta kamen wir immer mit unserem eigenen Futter rund… und.. ich habe mich selbst schon ein wenig umgesehen gehabt… ich bin so weit, dass ich etwas eigenes aufbauen möchte.” Damit schien Bellamy erstmal baff.

      Ylvi
      Das mit der eigenen Ranch...tja...wir hatten es einige Male als Thema gehabt. Aus Spaß, vielleicht. Doch ich hatte darin das glitzern in den Augen von Caleb gesehen. Der Wunsch existierte eine ganze Weile, Jahre vielleicht. Im Grunde jedoch hatte ich geahnt - diese Ranch...die Pferde hier, würde er nicht zurück lassen. Wieso war er sonst nach dem Unfall zurück gekehrt...wohl eher weniger aus Nächstenliebe zu Bellamy oder den Ex-Häftlingen. Es waren die Pferde, jedes einzelne lag ihm am Herzen.
      Ich setzte mich weiter nach vorn, Bellamy sagte keinen Ton. “Bellamy, ganz ehrlich...das halte ich für keine schlechte Idee. Caleb übernimmt ohnehin als Vorarbeiter alle relevanten Aufgaben. Überschreib ihm auf dem Papier die Ranch. Du bist aus der Sache raus...kannst dich anderen Sachen auf der Ranch selbst widmen. Dingen von denen du tatsächlich eine Ahnung hast. Marketing technisch...Logistisch gesehen, ist auch ein Umzug sinnvoll. Das Land hier ist karg, sowieso schon warm. Und Klimaerwärmung wird ein Thema sein in den kommenden Jahren. Man kann hier bleiben, versuchen mit teurem Heu über die Runden zu kommen. Oder man beschließt in eine andere Region sich zu orientieren. Wir haben die Gerätschaften, die Mitarbeiter um das alles zu bewerkstelligen.” Caleb nickte während ich mit meinen Händen gestikulierte. Die Vorstellung mit der ganzen Ranch umzuziehen legte sich zwar wie ein schwarzes Tuch auf meinen Magen, aber im Grunde war es eine wichtige Entscheidung. Es gäbe einige Sachen die man außerdem planen könnte für eine Ranch an einem anderen Ort. Die Aufnahme weiterer Häftlinge, denn die Gelder die wir vom Staat davon bekamen waren wirklich nicht unerheblich, außerdem hatten wir so eine gute Handvoll an Arbeitern. Die Aufsicht wäre schwierig, aber Lösungen ließen sich sicherlich finden. “Ich bleibe außerdem...selbst wenn ihr mir erstmal kein Gehalt auszahlt. Ich kam hier auf die Ranch um ein bisschen Abenteuer in mein Leben zu kriegen. Wie könnte ich euch jetzt einfach mit Problemen allein lassen?” das hatte noch andere Gründe. Wie könnte ich Caleb zurück lassen? Betsy allein mochte Wissen das wir etwas miteinander teilten...Aber insgeheim schlug mein Herz auch für diese Ranch.

      Bellamy
      Ich schwieg. Caleb schwieg. Ylvi schwieg. Unsere Köpfe ratterten, unsere Gedanken drehten sich. Also meine zumindest. Ich ließ meinen Kopf in die Hände sinken. “So hatte ich mir das nicht vorgestellt, glaubt mir… ich dachte ich müsste weiterführen, was Verena angefangen hatte. Alle Pferde verkaufen? Das hätte ich nicht übers Herz gebracht…”, erklärte ich und sah zum ersten Mal Mitgefühl in Calebs Blick. “Ylvi hat… nicht ganz unrecht.”, setzte er an und ich hob meinen Kopf wieder. “Wenn du mir die Ranch überschreibst, wir umziehen… ich hab noch eine Menge Geld, von der Abfindung damals.. hab alles gespart für etwas Eigenes.. dann kann ich das alles hier wieder hochziehen.”, erklärte er mir und ich nickte, schwieg wieder und dachte nach. “Und.. Ylvi scheint uns auch erhalten zu bleiben. Sie könnte eine Website oder sonst irgendwas für uns gestalten, ihr fällt da schon was ein.”, sagte er weiter und stieß die junge Frau einmal sanft mit dem Arm an. Ylvi nickte. “Wir müssen nur… also einige Pferde werde ich auf jeden Fall verkaufen.”, meinte Caleb dann. “Aber nicht die Besten.”, fügte ich an und er nickte. “Das wäre dumm.”, antwortete er mir gefasst, gar nicht mehr wütend oder beleidigend.
      “Ich glaube ich muss eine Weile darüber nachdenken…”, sagte ich dann und stand auf, sah zum Fenster raus und schaute den Mitarbeitern zu, wie sie die Pferde auf die Koppeln brachten. Als ich mich umdrehte, stand Caleb hinter mir. “Nein. Musst du nicht. Du hättest schon viel früher nachdenken sollen.”, meinte er, noch immer gefasst. “Es scheint, als hätte ich keine andere Möglichkeit mehr?”, fragte ich in die Runde und Caleb als auch Ylvi schüttelten den Kopf. “Du wirst ja nicht rausgeworfen.”, lachte Caleb und klopfte mir auf die Schulter. “Du bekommst nur… weniger Aufgaben.”, meinte er und ich nickte. “Also gut…. Caleb O’Dell. Die gehört ab sofort die Blakes Crow Meadow Ranch. Sieh es als vorzeitiges Weihnachtsgeschenk.”, sagte ich und schüttelte seine Hand. “Ein Weihnachtsgeschenk mit vielen Schulden.”, sagte er, fing dann aber auch an zu lachen und schaute zu Ylvi rüber, die auch ein leichtes Lächeln auf dem Gesicht hatte. “Meine erste Amtshandlung wird sein, dass wir drei uns zum Abendessen in der Bar von Louis in Albuquerque treffen, sieben Uhr, und dort über das weitere Schicksal gemeinsam entscheiden.”, sprach Caleb und ging zur Tür. “Und jetzt… an die Arbeit. Die macht sich nicht von alleine.”, meinte er und verschwand aus der Tür.
      “Puuuh…”, sagte ich und ließ mich auf den Stuhl hinter dem Papierberg fallen. “War das das richtige?”, fragte ich Ylvi und senkte meinen Kopf wieder auf meine Hände.

      Ylvi
      Ich zuckte mit den Schultern. “Das ganze hätte schlimmer laufen können.” dann klopfte ich auf den Tisch, sah wie Bellamy den Kopf hob. “Außerdem..um deine Worte zu zitieren. Vielleicht ist es das was Caleb gesucht hat? Du hast es ihm gewünscht. Erinnerst du dich?” Bellamy , immernoch besorgt drein blickend, lächelte allerdings. Die Narbe in seinem Gesicht verzog sich deutlich dabei. “Touché” Ich zuckte die Schultern dazu, lächelte. Ja vielleicht war das ein Weg um Caleb von der inneren Unruhe abzulenken die ihn von Zeit zu Zeit befiel.
      “Gut..ich würde sagen...du machst schonmal eine kleine Liste fertig für Pferde die zum Verkauf stehen. Ich werde derweil mein Zimmer im Gästehaus wieder beziehen. Ich brauche keine ganztags Betreuung mehr, ich vermisse mein eigenes Bett. Anschließend komme ich wieder rüber um dir beim abheften der Dokumente zur Hand zu gehen. Dann können wir Caleb heute Abend eine Übersicht der Finanzen geben...sowie der Sachen die noch fehlen. Deal?” Bellamy sah sich auf seinem Schreibtisch um, der sich schon deutlich geleert hatte. “Vielleicht sollte Caleb sich überlegen dich als Chef mit ins Boot zu holen, du scheinst zum Sklaventreiber geboren.” Es war ein Witz, das merkte ich sofort, ich streckte die Zunge heraus. Anschließend machte ich mich auf den Weg meine wenigen Habseligkeiten im Gästeraum zusammen zu packen. Ich ließ das Haupthaus gern zurück. Ich hatte die Ruhe des Gästehauses vermisst, meine kleine Oase der Ruhe. Ich gabelte Laurence im Flur auf. “Laurence? Kannst du mir eben bei der Tasche helfen? Für mich geht es vorerst wieder zurück ins Gästehaus.” “Klar, gib her.” “Sag mal, ich hab ein wenig heute morgen mitbekommen...wie schlimm ist es?” wir gingen langsam hinüber zum Gästehaus. “Es wird ein paar Veränderungen geben...das bleibt nicht aus. Aber mach dir vorerst keine Sorgen. Bellamy und Caleb schaukeln sich schon zusammen.” Laurence zog die buschigen Brauen zusammen. “Das wird ja auch mal Zeit!” brummte er schließlich. Ich lächelte in mich hinein...wahr wohl nicht schlecht. Laurence trug mir die Tasche bis hinauf in mein Zimmer, stellte sie vor dem Bett ab. ich bedankte mich bei ihm. Bevor Laurence das Zimmer verließ verweilte er kurz im Türrahmen. “Junge Dame...ich würde fast behaupten es war Gottes Segen das er sie zu uns geschickt hat. Wer weiß, vielleicht hat Verena das aus dem Himmel für uns eingefädelt. Jemand wie du hat uns auf der Ranch gefehlt...die gute Seele.” damit verschwand er aus der Tür. Ich blieb ein wenig erstaunt zurück. Laurence war ein guter Kerl, ich wusste das er schon auf der Gips Reminder Ranch gearbeitet hatte. Seine Bezeichnung der guten Seele schien mir allerdings etwas bizarr. Ich half nur Freunden aus...viel mehr noch...alle Chaoten waren im Laufe der letzten Monate einfach zum Teil meiner Familie geworden. Unfassbar das ich noch nichtmal ein Jahr hier war!

      Caleb
      Draußen atmete ich einmal tief durch. Hui, die Ranch gehörte nun mir. Noch nicht offiziell, aber bald würde sie komplett mir gehören, mit allen Pferden, allen Mitarbeitern und allem drum und dran. Ich wünschte mir schon seit Jahren eine eigene Ranch, aber jetzt so plötzlich eine zu besitzen? Unbeschreiblich. Ich atmete noch einmal tief durch und ging in den Stall, um Murphy beim Boxen misten zu helfen. Er schwieg, gut für ihn. Ein paar fragende Blicke flogen zwar zu mir rüber, aber er fragte mich nichts. Als ich damit fertig war, sattelte ich mit Vulture und ritt zu Connor, der den Zaun reparierte. Ich ging ihm kurz zur Hand, so dass wir schnell zurück zur Ranch reiten konnten. “An das Kraftfutter habt ihr ja heute Morgen auch gedacht, oder?”, fragte ich ihn und er schüttelte den Kopf. “Frag Cayce, keine Ahnung.”, ich rollte mit den Augen. Also ritt ich quer über die Ranch, um Cayce zu suchen, den ich schließlich auf dem großen Reitplatz fand. “Hey Cayce, das Kraftfutter habt ihr heute Morgen ja verteilt, oder?”, fragte ich ihn und er nickte. “Klar, ist erledigt. Habs auch schon für heute Abend gemischt.” “Gut, ich bin heute Abend mit Bellamy und Ylvi weg, einige Dinge regeln.”, sagte ich und er nickte.
      Jetzt musste ich nur noch Laurence finden. Ihm wollte ich die Ranch heute Abend überlassen, wenn ich nicht da war. Vulture sattelte ich ab und brachte auf einen der Paddocks. Dort machte er sich sofort wieder über das Heu… Mist, das Heu! Ich fluchte, lief zum Haus und stürmte in Bellamys Büro, wo auch Ylvi saß und ihm zu helfen schien. “Das Heu? Kam es? Wo ist es? Ich hab keinen Anhänger gesehen.” Nervös schaute ich auf meine Uhr. “Alles erledigt Caleb. Cayce und die anderen haben es schon abgeladen.”, erklärte er mir und ich nickte. “Okay… dann ist es ja gut. Ich bin dann mal Füttern, und dann können wir auch schon fast wieder los.”, erklärte ich und verschwand wieder. Im Stall fing ich an, das Heu in die Boxen zu verteilen. Als ich damit fertig war, lief mir auch Laurence vor die Füße. “Hey, du müsstest heute Abend auf die Ranch aufpassen. Bellamy, Ylvi und ich sind in Albuquerque und müssen einige Dinge regeln.”, erklärte ich ihm und er nickte, stellte aber keine weiteren Fragen. “Ich hoffe ihr bekommt das hin.”, meinte er und verschwand dann wieder. Im Stall war ich nun fertig, weshalb ich schnell duschen ging, mich fertig machte, meinen Notizblock schnappte und zum Auto ging, wo ich auf Bellamy und Ylvi wartete. Bellamy ließ nicht lange auf sich warten und auch Ylvi erschien nach einer Weile.

      Ylvi
      Ich hatte mein Tablet mit in die Tasche gestopft...einige Notizen würden sicherlich nicht schaden. Ich freute mich auf die Bar, ich war lang nicht mehr drin gewesen. Andererseits würden wir dort auch eine ruhige Ecke vorfinden, sicherlich gab uns Louis eines der kleineren Hinterzimmer. Diese nutzte er oft für geschlossene Veranstaltungen.
      Caleb stand an seinem Pick-Up. Vorn hatten tatsächlich drei Leute Platz, also warf ich die Tasche auf den Rücksitz, rutsche bis an den Fahrersitz und Bellamy setzte sich direkt daneben.
      Im Sandwich eingeklemmt zwischen Caleb und Bellamy fuhren wir also nun knapp eine Stunde in Richtung Albuquerque. Louis Bar befand sich im Speckgürtel der Stadt, eigentlich hatte ich bisher angenommen dieser Teil war nicht einmal Part von Albuquerque. Wobei das jetzt wahrscheinlich auch keine Rolle spielte. Calebs Blick ging nach vorn auf die Straße. Die Situation war irgendwie seltsam. Das Radio war kaputt. Also begann ich einfach zu erzählen womit Bellamy und ich uns heute beschäftigt hatten. Kontoauszüge sortiert, alle nötigen Zahlungen getätigt. “Ich hab die Daten alle mal digitalisiert auf meinem Tablet. Dann haben wir nebenbei eine gute Basis mit der du arbeiten kannst.” klar Daten konnten verloren gehen. Ich wusste auch das Caleb nicht unbedingt Technik Affinitäten teilte...aber ein Haufen Blätter zu sortieren, im schlimmsten Falle zu verlieren. Sonderlich nützlich erschien mir das ganze nicht. “Wir haben außerdem einen Anwalt ausfindig gemacht, der zwischen Weihnachten und Neujahr zur Ranch kommt um die Papiere offiziell zu übertragen.”

      Caleb
      Die Fahrt über war ich relativ still, hörte Ylvi zu und nickte hin und wieder. „Ich habe mir auch schon Gedanken dazu gemacht, welche Pferde wir verkaufen sollten. Ylvi du hast doch die Liste aller Pferde auf deinem Tablet? Auch die von O?“, sie nickte. „Gut.“, erwiderte ich und parkte mein Auto vor der Bar. Wir gingen hinein, wurden von einem freundlichen Louis begrüßt und sofort in eines der hinteren Zimmer geführt. Wir redeten eine Weile, besprachen sinnloses, waren vertieft in belangloses, als die Tür aufflog und niemand anderes den Raum betrat, als Octavia. “Da bist du ja endlich.”, grummelte ich, stand auf, und umarmte sie kurz. Auch Ylvi und Bellamy taten es mir gleich. Bellamy schien verwundert. “Ich wusste nicht, dass du auch kommst.”, sagte er zu ihr und zog ihr einen Stuhl vom Tisch, damit sie sich setzen konnte. “War auch eher eine spontane Idee von mir. Wenn sie jetzt zu uns zurückkommt, sollte sie sich auch einbringen. Schließlich will O ja auch Pferde verkaufen.”, erklärte ich und Octavia nickte. “Genau, aber lasst uns erst was essen.”, trällerte sie und ich lachte kurz. Irgendwie hatte ich diesen gut gelaunten Vogel vermisst.
      Wir bestellten Essen, was uns Louis auch schnell brachte. Erneut drehte sich das Gespräch um belanglose Dinge, ehe ich das Wort erhob. “Ich habe mir schon lange Gedanken darüber gemacht, was ich mit einer eigenen Ranch machen würde.. wo sie sein sollte, was sie verfolgen sollte, womit ich mein Geld verdienen würde…”, alle starrten mich an. “Dass Pferde weg müssen ist mir ganz klar, wir haben eh zu viele, die nur fressen und sonst nichts tun… in meinen Augen muss sich eine Ranch durch die Pferde quasi von selbst tragen.”, erklärte ich ihnen und hatte nun wirklich die gesamte Aufmerksamkeit von allen in diesem Raum erlangt. “Ich dachte daran, wieder zurück nach Kanada zu gehen. Ich habe mir im Internet schon Gelände angeschaut, zwei stehen zur Auswahl. Beide wieder in der Nähe von Calgary und Okotoks.” Ich sah ein wenig Panik in Bellamys Gesicht. “Zurück nach Kanada?”, fragte er unsicher und ich nickte. “Ich kenne keinen besseren Fleck auf diesem Planeten, um Pferde und Rinder zu züchten. Ja, Rinder gehören auch zu dem neuen Plan.” Bellamy nickte. “Es ist.. deine Ranch.”, murmelte er kleinlaut doch ich schüttelte den Kopf. “Ich sage nur, wie ich es mir vorstelle… außerdem… wir haben viele gute Westernpferde, die nicht mehr, oder noch nicht im Sport laufen. Touristen sind immer eine gute Geldquelle. Sie könnten die Landschaft erkunden, natürlich mit einem von uns dabei, könnten bei der Rinderarbeit und bei den Pferden helfen. Die Menschen geben eine Menge Geld für sowas aus.” Einstimmiges Nicken. “Deshalb bin ich zu dem Entschluss gekommen, alle Quarter-, Paint- und Appaloosahorses zu behalten.” “Klingt… vernünftig.”, sagte Ylvi und schaute auf ihr Tablet. “Ich habe hier eine Liste mit den Pferden, ich lese sie euch einfach mal vor. Gekörte Hengste wären demnach Alan’s Psychedelic Breakfast, Genuine Lil Cut, Gun and Slide und Hollywoods Silver Dream.” Caleb nickte. “Ungekörte Hengste wären A Shining Chrome, Chapter 24, Citizen Fang, Chocolate Shades, General’s Coming Home, GRH’s Bellas Dun Gotta Gun, GRH’s Funky’s Wild Berry, GRH’s Unbroken Soul of a Devil, Gunners Styled Gangster, Smart Lil Vulture, Whinney und Zues.” Wieder ein Nicken von Caleb. “Außerdem Nachtschwärmer und Chocolate Dream.”, fügte er an. “Ich nehme an die Fohlen bleiben auch alle?”, fragte Ylvi mich und tippte etwas in ihr Tablet ein. Ich nickte, und sie las die Namen vor: “PFS’ Unclouded Summer Skies, BR Dress to Impress, BR Colonels Lil Joker, Jacks Inside Gunner, Colonels Blue Splash und BR Colonels Golden Gun.” “Genau. Jetzt noch die Stuten und Cielos.”, meinte Caleb und Ylvi nickte. “Cielos bleibt, dann die gekrönten Stuten Baby Doll Melody, Bella Cielo, Colonels Smokin Gun, DunIts Smart Investment, Ginny my Love, GRH’s A Gun Colored Lena, Jade, Kristy Killings, Raised from Hell und Wimpys Little Devil. Nicht gekrönte Stuten sind A Walking Honor, Black Sue Dun It, California Rose, Chou, Easy Going, Face Down, Ginger Rose, GRH’s Aquila T Mistery, GRH’s Unbroken Magic, Heretic Anthem, Honey’s Aleshanee, Lady Blue Skip, Magnificient Crow, My sweet little Secret, Only Known in Texas, Picture of a Ghost, Snapper Little Lena, Stormborn und die Mixstute Striga.” Ylvi tippte fleißig Häkchen hinter die Namen der Pferde. “Dazu kommen noch Whitetails Shortcut, der Wallach von Cayce und Bittersweet Temptation, ein schwarze-weißer Paint Horse Hengst, den ich dazu gekauft habe.”, erklärte ich allen und sie nickten fleißig. “Væna fra glæsileika eyjarinar würde ich auch gerne behalten. Sie, Choco, Nachtschwärmer und Striga sind die einzigen Außenseiter, würde ich sagen, die ich fest behalten will.”, erklärte ich und sah dann zu Octavia rüber. “Genau, Ylvi tipp mal mit.”, sagte sie und nahm eine Liste aus ihrer Tasche. “Ich habe mir auch viele Gedanken gemacht, wen ich behalten möchte und wen ich verkaufen würde… bleiben sollen Tigres Eye, Priamos Ruffie Kincsem, BR Prias Raveday, Drama Baby, Raspberry, I’ve got a blue soul, Prias Colourful Soul, Tasmania, Candlejack, Culain, Empire of Grace, Daryl Gone Mad, Peacful Redemption, PFS’ Snap in Style und Wildfire xx. Bei einem guten Platz wären Empire of Grace noch zu verkaufen.”, erklärte Octavia und Ylvi tippte sich die Finger wund. Ein bisschen Leid tat sie mir ja schon, aber sie war es durch ihren Job ja gewöhnt, viel an solchen Geräten zu hängen. “Jetzt kommen wir dann wohl zu den potenziellen Verkaufspferden.”, sagte Ylvi und ich nickte. “Lies einfach einen Namen vor und wir sagen pro Argumente, warum das Pferd bleiben soll, oder Kontra Argumente, warum wir es verkaufen sollen.”, erklärte ich und sah zu Ylvi. “Meine Pferde zählen wohl auch dazu, wir gehören ja auch zur Ranch und ziehen mit um. Inyan, Lady Gweny, Fylgia und Valravn bleiben auch.”, sagte sie. Wir nickten einstimmig. Wir konnten ja schlecht verlangen, dass sie ihre Pferde verkaufte. Sie hatte doch nur vier davon und alle bedeuteten ihr eine Menge. Dann gingen wir die Liste Pferd für Pferd durch.

      Behalten:
      Seattle Slew -> wird als Touristenpferd behalten, wird kastriert
      Sir Golden Mile -> Octavia möchte ihn als Rennpferd übernehmen
      Stiffler -> soll noch gekört werden und ein paar Fohlen bekommen, dann wird er kastriert werden und als Wallach für die Touristen bleiben
      Moon’s Gealach -> wird von Ylvi gekauft
      Cleavant ‘Mad Eyes’ -> bleibt als Tourisrenpferd
      Abe’s Aelfric -> wird kasteriert und bleibt dann als Touristenpferd
      Ceara Isleen -> Umschulung zum Ranchpferd, später dann als Touristenpferd gedacht
      Blazing Flame -> Octavia möchte die Stute haben
      Skrúður -> Umschulung zum Ranchpferd, evtl. ein paar Fohlen ziehen und dann kastrieren, später evtl. als Touristenpferd

      Verkaufen:
      BR Princess Peppy Gaia
      GRH’s Princess Peppy Ann
      Pocahontas
      Náttdís van Ghosts
      Thjalfe van de Jötunheimr
      Fenicio
      Lajos
      Myrkvidr
      Atlanta
      Ghost’s Phenomena
      Magic Lanijos
      Zoltaire
      Zuckerschock
      LMR Fashion Girl
      Samarra
      It’s me, Amira!
      Vin
      PFS’ Blossom Magic
      Bree
      Crimetime
      Wolfs Bane
      Natu’s Little Harley
      CHH’ Mr. Buckminster
      Ocarina of Time
      Empire of Grace
      Free Willy
      Firewalker
      Mystical Champion
      Whiskey
      Sweet Revenge

      “Das war nun doch schwerer, als ich dachte.”, sagte ich und schaute mir die Liste auf dem Tablet nochmal an. “Doch.. doch. So bin ich zufrieden.”, meinte ich und sah in die Runde. Zustimmendes Nicken. “Ich würde gerne Morgen schon nach Kanada fliegen und mir die beiden Grundstücke anschauen. Möchte jemand mit?”, fragte ich Bellamy, Octavia und Ylvi und wartete.


      Ylvi
      In meinen Gedanken hüpfe ich gerade wie Hermine auf meinem Stuhl auf und ab, Arm gereckt, Finger schnippend um zu signalisieren, das ich mit von der Partie war. Tatsächlich speicherte ich meine Datei ab, ließ das Tablet wieder in der Tasche verschwinden und sah erst dann in die Runde. Weder O. noch Bellamy schienen sich wirklich dafür zu interessieren. Ich musste nicht erst zu Caleb schauen um zu Wissen das sein Blick auf mir lag. Als ich auf sah, hatte er mich fixiert. Sein Kopf legte sich nur leicht schief, sein Gesicht mit einem Mal ein fragendes Buch. Meine Augenlider schlossen und öffneten sich bewusst, ein Lächeln um meine Lippen. Unsere stumme Kommunikation machte ihm bewusst das ich mit dabei war. “Dann würde ich sagen, nehmt ihr meinen Pick-Up zurück zur Ranch.” sprach Caleb zu den anderen beiden. Ich fischte mein Tablet wieder heraus. “Ich such dann mal nach einem Flug für dich.” ich wusste nicht wieso ich nicht uns sagte...Ich wollte nicht Preis geben das ich mit Caleb flog. Ich war nicht bereit dafür den anderen zu stecken das vielleicht mehr als das Geschäft mich mit zog. “Ylvi kommst du dann bei mir mit?” fragte Bellamy. Ich winkte ab. “Mhm..nein, also. Ich werd wohl die Nacht noch hier bei Caleb und Louis verbringen. Denke ich werd dann meinen Verbandswechsel direkt morgen im Krankenhaus machen.” “Ja gut. Dann nehm ich Bellamy in meinem Auto mit, dann lassen wir den Pick-Up hier, dann hast du einen fahrbaren Untersatz, wenn du wieder zurück willst.” bot sich O an. “Guter Vorschlag, machen wir das so.”
      Wir verabschiedeten uns von O und Bellamy, blieben allerdings vor der Bar stehen bis die Lichter verschwunden waren. “Ich werd dann mal Lilly eine SOS Nachricht schicken.” Caleb sah mich etwas verwirrt an. “Naja ich hab keine Wechselkleidung, schon gar nichts was Kanada tauglich wäre. Außerdem, den Verband muss ich tatsächlich wechseln.” “Stimmt, daran hab ich jetzt gar nicht gedacht. Gut das Louis fast meinen Kleidungsstil hat. Noch ein Bier?” “Hell yes.” damit drehten wir uns um, betraten wieder die Bar. Caleb half mir auf einen der Barhocker hinter denen Louis stand und uns beide gesichtslos ansah. Ob sich Caleb sein - keine Miene verziehen - irgendwie von ihm abgeschaut hatte? “Ihr habt fast vier Stunden meine Hinterzimmer blockiert. Das klang ja nach einer richtigen Krisensitzung.” typisch native redete er um den heißen Brei, zeigte neugierde...fragte aber nicht bohrend nach. Obwohl ich mir sicher war das es ihm auf der Zunge brannte. “Das muss dir Caleb erzählen.” ich musste derweil ein Gähnen hinter meiner Hand verstecken...und widmete mich der Suche nach einem Flug für den nächsten Tag.

      Caleb
      Das war… anstrengend gewesen. Ich nahm das Bier von Louis entgegen und legte meinen Kopf einmal in meine Hände. Auch an mir nagte mittlerweile eine ziemliche Müdigkeit. Als ich den Kopf wieder hob, sah mich Louis noch immer fragend an. “Oh Louis, wo soll ich anfangen... “, murmelte ich und sah seine nach oben gezogenen Augenbrauen. “Also gut…”, setzte ich an und erzählte ihm alles, was seit heute Morgen passiert war.
      Als ich zu Ende erzählt hatte, war meine Bierflasche auch am Ende angekommen und Louis hatte mir lautlos eine Neue hingestellt. “Das klingt…”, fing er an, bediente einen Kunden, davon gab es schließlich genug hier, und setzte dann wieder an: “Das klingt.. nach viel Arbeit und vielen Veränderungen.” “Ja.. so ist es.”, sagte ich und schaute zu Ylvi, die noch immer nach Hotels und Flügen schaute. Ob sie wohl schon etwas gebucht hatte? “Nach Calgary, am Besten. Die beiden Höfe sind einmal circa 30 Minuten und einmal 45 Minuten von da weg.”, erklärte ich und sie nickte. “Und dann zieht ihr alle von hier weg?”, fragte Louis nach einer Pause. “Ich… denke ja, dass sie alle mitkommen… es wird mir so fehlen, dich nicht mehr so nahe bei mir zu haben.”, sagte ich zu ihm und wurde doch etwas sentimental. “Hey, noch bist du nicht weg, Junge.”, sagte er und haute mir über die Theke einmal gegen die Schulter. “Noch bist du hier und trinkst mein Bier… was du übrigens mal bezahlen könntest…”, merkte er an und ich lachte. “Ich will gar nicht wissen, wie viel Geld ich schon hier gelassen habe.” Auch Ylvi lachte nun. Wir schauten uns an und schienen das Gleiche zu denken. “Oder wie viel Geld wir schon für Bier ausgegeben haben, was wir dann im Gästehaus auf der Ranch getrunken haben.”, sagte sie und Louis und ich stimmten in ihr Lachen ein. “Ach bevor ich es vergesse, kannst du mir ein paar Hemden und Hosen leihen?”, fragte ich Louis und er schüttelte nur grinsend den Kopf. “Klar, ihr schlaft dann bestimmt hier?”, fragte er und wir nickten. “Waschté, ich bring dir morgen früh etwas vorbei. Aber bezahl wenigstens das Zimmer…”, brummelte er und ich rollte mit den Augen, nahm meinen Geldbeutel aus der Hosentasche und bezahlte es im jetzt sofort. Ylvi machte Gestiken auch etwas davon zu bezahlen, doch ich winkte ab. “Das in Calgary wird teurer, ich denke wir schaffen nur eine der beiden Ranches am Tag. Es gibt viel zu sehen und anzuschauen. Da kannst du dich finanziell beteiligen.” “Okay.”, meinte sie und steckte ihren Kopf wieder über den Bildschirm.

      Ylvi
      Etwa nach 20 Minuten hatte ich alles unter Dach und Fach. Louis war gerade verschwunden um die Vordertür abzuriegeln. Die Bar hatte jetzt offiziell geschlossen. “Ich hab uns in Calgary ein Hostel gebucht, einfach...aber auch preiswert. Da wir eh den ganzen Tag unterwegs sind, wird das seinen Zweck erfüllen. Morgen früh gegen 8 kommt Lilly mit ein paar Sachen für mich vorbei. Um 12 geht der Flug...am besten geht es schon etwa 10 Uhr zum Flughafen. Dann haben wir genug Zeit um das Gepäck abzugeben. Ich hab uns bereits online eingechekt, dann sparen wir uns das vor Ort. “ dann nahm ich zwei große Schluck meines Bieres und hielt Caleb den Rest hin. Ich trank auch immer wieder mit, aber sonderlich viel dann auch wieder nicht. Irgendwie hatte es sich da eingeschlichen das Caleb den Rest davon trank.
      Louis brachte uns in das schlichte Zimmer im Dachgeschoss. “Ich würd fix noch die Couch fer…” Caleb fiel ihm ins Wort. “Lass mal...geht schon so.” Louis gab keinen Kommentar, doch ein breites Lachen auf seinen Lippen schien sich der Lakota nicht verkneifen zu können. Dann verschwand er aus der Tür...ich ließ mich auf das Bett sinken, direkt auf den Rücken. “Was für ein Tag.”

      Caleb
      Louis verschwand und Ylvi legte sich auf das Bett. Ich wollte es ihr gleichtun, blieb jedoch stehen und zog meine Sachen aus. Erst dann legte ich mich auf das Bett und unter die Decke. “Ja, der Tag hat mich auch ziemlich fertig gemacht.”, sagte ich zu Ylvi, die aufstand und sich ebenfalls auszog, um dann zu mir unter die Decke zu kommen. Es dauerte wirklich nicht lange, da waren wir eingeschlafen.
      Am nächsten Morgen wachte ich auf, weil Ylvi einen Wecker gestellt hatte. Ich brummte, drehte mich um und legte mir das Kissen über den Kopf. So fertig war ich schon lange nicht mehr gewesen. Auch Ylvi schien nicht wirklich begeistert davon, aufzustehen. Nachts war ich immer wieder aufgewacht und hatte eine Weile nicht mehr einschlafen können, so viele Gedanken waren in meinem Kopf hin und her gekreist. Langsam richtete ich mich jedoch auf, zog zumindest meine Hose an und öffnete die Tür, denn ich dachte, ich hätte etwas gehört gehabt. “Oh schau mal, unsere Sachen.”, sagte ich zu Ylvi und hob die beiden Reisetaschen auf. Diese schmiss ich aufs Bett, öffnete sie und schob dann die Tasche mit der Frauenkleidung zu Ylvi rüber, die sich mittlerweile auch aufgerichtet hatte. Aus meiner Tasche nahm ich ein Hemd, zog es an und stopfte mein altes Hemd vom Boden in eine Ecke der Tasche. “Louis scheint das hier abgegeben zu haben. Lilly wollte mir ja noch helfen.”, schlussfolgerte Ylvi und ich nickte. Dann klopfte es wirklich an der Tür. Ich öffnete, bat Lilly herein und verschwand für die Zeit nach unten, während die Beiden den Verband wechselten. Eine ganze Weile unterhielt ich mich mit Louis, ehe Ylvi und die Kleine mit den Taschen die Treppe herunter kamen. “Hab alles eingepackt.”, sagte Ylvi zu mir und ich nickte. Wir verabschiedeten uns von Louis und Lilly, packten alles in den Pick - Up und fuhren zum Flughafen- relativ schweigend. Auch das Warten verlief ohne große Worte, ich nickte auch einmal ein und wurde durch ein sanftes Rütteln an meiner Schulter geweckt. Müde schaute ich in Ylvis Gesicht. “Komm, lass uns ins Flugzeug.” Wir stiegen ein, bezogen unsere Plätze und… schliefen für die nächsten sieben einhalb Stunden ein. Leider hatten wir die schöne Aussicht auf Colorado, Wyoming und Montana verpasst. Aber vielleicht würden wir es ja auf dem Rückflug schaffen, wach zu bleiben und uns die Landschaft anzuschauen.
    • Veija
      Dein Geschenk zu Weihnachten Teil II
      Dezember 2018, by Ravenna & Veija
      Ylvi
      Die unsanfte Landung ließ mich hoch schrecken, ich brauchte auch einen kurzen Moment ehe ich mich orientiert hatte. Ich drückte in der enge des Flugzeuges meinen Rücken durch, dehnte meinen Nacken. Die Position halb schief auf Calebs Schulter schlafend hatte dem nicht ganz wohl getan. Die Flugbegleiter baten uns noch einige Minuten zu warten, wir hatten den Flug knapp 20 Minuten zu früh erreicht. Das Bodenpersonal schien sich aber bereits zu sammeln.
      Caleb schien auch wach geworden zu sein, ähnlich wie ich rieb und dehnte er sich den Nacken. Da wir nur Handgepäck hatten konnten wir nach verlassen des Gates direkt in Richtung Ausgang verschwinden. Dort suchten wir uns ein Taxi. Durch die Zeit hier mit der Gips Reminder Ranch, hatte Caleb eine alte Bekanntschaft ausfindig gemacht. Sie würde uns für die nächsten drei Tage die wir hier blieben ihren Wagen leihen.
      Die Frau die uns entgegen kam, trug Stiefel...aber nicht nur Stiefel. Sie gingen ihr bis über das Knie. Es verlängerte ihre Gestalt, sie hatten auch einen knapp 10 cm hohen Absatz. Ein kurzer, also wirklich kurzer Rock. Die Jacke mit weitem Plüsch besetzt...Ich zuckte zusammen als ich ihr Gesicht sah. Hui..mit Schminke hatte sie nicht gespart. Caleb hüstelte, als sie mit einem “Juuuhu Caleb.” auf uns zu gestöckelt kam. Ich war mir ziemlich sicher...die sah nicht nur aus wie ein Rodeohäschen, sie war sicherlich eine. Sie zog Caleb zu ihrer Brust, küsste ihn auf die Wange, auf denen der Abdruck ihres Lippenstiftes zurück blieb. “Ylvi..das ist Monique.” Ich hatte fast erwartet, sie würde mich mit einem Bitch-please Blick mustern. Stattdessen kam sie vor mich, überragte mich dabei locker um beinahe zwei Köpfe. Mich zog sie allerdings auch in eine Umarmung, küsste mich auch auf die Wange. Schien also nicht ihre spezielle Caleb Begrüßung zu sein. Oder sie wollte nicht das ich mich schlecht fühlte.
      Sie gab Caleb einen Schlüssel in die Hand, ein rosa Einhorn hing daran. Anschließend führte sie uns zu ihrem Wagen. Es handelte sich um eine schwarze Dodge. Ich blieb kurz einen Moment verdutzt stehen. Den Wagen hatte ich der drallen Monique nicht zugestanden. Das bewies allerdings wieder - Urteile nicht vorschnell. Vielleicht kleidete sie sich auch einfach nur gern..wie sie eben gekleidet war? Caleb und sie unterhielten sich noch ein wenig, er gab mir schonmal den Schlüssel. Mit den Taschen stiefelte ich also in Richtung der Kofferklappe, öffnete und erstarrte. Ich spürte förmlich wie sich meine Netzhaut weg ätzte als ich das Innenleben erblickte. Rosa..pink...und zwar alles vor mir. Das bisschen das ich vom Armaturenbrett sah, die Ledersitze...der ganze verdammte Kofferraum. Ich warf das Zeug rein. Monique wünschte Caleb alles gute. “Dann bis in drei Tagen.” erwiderte er. Ich gab ihm die Schlüssel wartete bis sie fort war. “Monique also, ja?” meinte ich spöttisch, sah ihr hinterher. “Ich hab nie behauptet das ich Geschmack hatte als ich jünger war.” ich lachte ein wenig. “Warte bis du die Inneneinrichtung zu Gesicht bekommst.” klopfte auf seine Schulter, lachte und ging um den Wagen herum zur Beifahrertür. Als ich sie öffnete stand da ein vom Donner gerührter Caleb, ungläubig auf das Innere blickend. Von hier aus hatte ich mehr Blick auf die Einrichtung...der Schalthebel...sogar die verdammten Pedale...rosa oder Pink. “Na? Doch lieber einen Wagen mieten?” Caleb schüttelte langsam den Kopf, schluckte. “Na immerhin ist er von außen schwarz.” scherzte er, nicht ganz ernst.
      Damit stiegen wir also in den Wagen, mein Tablet in der Hand, half ich ihm dabei aus der Stadt heraus zu finden. “Gut das du den Kasten bei hast, die genaue Richtung krieg ich sicherlich nicht mehr zusammen.” dann schwiegen wir wieder eine Weile. Ich konnte nicht umhin, mein Handy zu zücken und ein Foto von Caleb hinter dem rosa Lenkrad zu machen. “Wehe das landet im Chat für die Ranch.” ich grinste ihn an…”Huups.”

      Caleb
      Ich starrte wütend zu Ylvi rüber. Bing...bing...bing… Machte es bei unseren beiden Handys. Ylvi starrte auf Ihres und kam aus dem Lachen nicht mehr heraus. Ich kramte meins aus der Tasche und schaute auf das Display. ‘Hübsch Caleb, steht dir.’, stand da von Bellamy. ‘Oh Caleb, ich wusste ja dass du strange bist.. aber das hätte ich nicht erwartet.’, stand da von Octavia. ‘Caleb was geht denn bei dir?!’, hatte Cayce geschrieben. ‘OMG CALEB!’, schrieb Betsy. Wir hatten auf dem Hof zwei WhatsApp Gruppen, einmal mit, und einmal ohne Betsy. In der ohne das Mädchen wurden manchmal ganz andere Dinge geschrieben. “Na danke dafür.”, sagte ich zu Ylvi, starrte sie noch einmal wütend an und startete dann den Motor. “Ich dachte wirklich Monique wäre über diese Phase hinweg…”, grummelte ich in mich hinein und fuhr auf den Highway.
      Morgen würden wir uns die Ranch anschauen, heute würde es zeitlich zu knapp werden. Eine Ranch kaufte man nicht in einer Stunde. “Hast du Lust noch was essen zu gehen?”, fragte ich Ylvi, als ich in die Straße des Hotels einbog. Sie nickte. “Vorher noch etwas frisch machen?”, sie nickte wieder. “Na gut.”, murmelte ich. Meine Wut war verflogen, etwas witzig war das Auto ja schon- und das Bild würde uns immer an diesen Trip hier erinnern.
      Ich parkte das Auto im Parkhaus und wir stiegen aus, gingen zur Rezeption, checkten ein und gingen auf unser Zimmer. “Mach du dich zu erst fertig.”, sagte ich zu ihr und Ylvi verschwand im Bad. Wir hatten beide keine sonderlich schicke Kleidung dabei, weshalb wir uns auch nicht großartig umzogen. Als Ylvi fertig war ging auch ich ins Bad und machte mich ein wenig frisch. “Na dann lass uns essen gehen, sagte ich zu ihr und ließ tatsächlich meinen Cowboyhut auf dem Bett liegen. “Nimmst du den nicht mit?”, fragte Ylvi mich und ich schüttelte den Kopf. “Ich muss ja nicht schon wieder direkt auffallen.”, sagte ich zu ihr. Bei dieser Aussage dachte ich an mein Auftreten im Krankenhaus und die klirrenden Sporen. Mit der verwaschenen blauen Jeans und den Westernstiefeln würde ich hier bei genauerer Betrachtung zwar auch auffallen, aber nicht so sehr wie noch mit dem Hut. Wir stiegen ins Auto, fuhren zu einem Restaurant ganz in der Nähe, ein bisschen kannte ich mich ja hier noch aus, und parkte dort auf dem Parkplatz. Wir gingen rein und bekamen tatsächlich noch einen Platz. Dort bot ich Ylvi einen Stuhl an und setzte mich ebenfalls an den Tisch.

      Ylvi
      Ich rieb meine Hände aneinander, setzte mich schließlich auf sie - es waren -6 Grad...und mein Körper hatte sich noch nicht an die Kälte gewöhnt. Das war tatsächlich eine Tatsache die mir Caleb wirklich mal erklären musste. Wieso zum Teufel Kanada? Das einzige was ich von diesem Staat wusste waren: ne Menge Schnee, irgendwas mit Ahorn und natürlich eine unfassbare Artenvielfalt an Tieren. Darunter Wölfe, Elche, Rentiere und natürlich auch Bären. Ich konnte Schnee nicht ausstehen. Klar so Winterritte hatten schon was...aber Schneechaos, Schnee schippen. Ich hatte mich zwischendurch schonmal gefragt was mich da geritten hatte. War ich nicht zur Blakes Crow Meadow gekommen, eben weil sie in New Mexico war? Tja, da hatte sich innerhalb weniger Stunden mein Leben ganz schön auf den Kopf gestellt. Und mein blöder Witz war es auch noch gewesen, der Bellamy auf die fixe Idee gebracht hatte Caleb die Ranch zu überschreiben. Ich hatte sogar gemeint ein Umzug sei sicherlich nicht schlecht. Und jetzt waren wir hier...in Calgary. Die nächsten Tage schauten wir uns zwei der potentiellen Ranches an. Wahnsinn.
      “Jetzt wo wir unsere Ruhe haben. Erzähl mir doch mal wieso es eigentlich nach Kanada geht. Soweit ich weiß bist du nicht hier geboren? Was sind deine genauen Pläne für eine Ranch?”

      Caleb
      Wir saßen beide am Tisch, hatten uns ein wenig umgesehen und auch schon Essen bestellt. Die Kellner hier waren wirklich fix und hatten uns schnell bedient, so dass wir nicht lange hatten warten müssen. Als Ylvi mir eine Frage stellte seufzte ich kurz und ließ meine Gabel sinken. Ja, warum eigentlich? Dass ich mich einfach nicht von diesem Land und von der Erinnerung an Verena trennen konnte würde ich ihr wohl kaum verraten.
      “Nein, geboren bin ich hier nicht aber ich bin durch das Rodeo viel gereist, habe viel gesehen und war auch sehr oft in Kanada, mal auf kleinen, mal auf großen Rodeos… dann habe ich Verena kennen gelernt… und habe mich noch mehr in dieses Land verliebt.”, gestand ich ihr und aß weiter, ich ließ mir Zeit mit dem Antworten, wollte meine Aussagen mit Bedacht auswählen. “In der Zeit auf der Gips Reminder Ranch habe ich viel erlebt, bin viele Pferde geritten und viele Turniere gegangen, hier und auch in ein paar Staaten in den USA. Montana und Wyoming zum Beispiel habe ich oft mit Pferden besucht, aber die Landschaft hier in Alberta? Die grünen, weitläufigen Wiesen, kaum Zäune und wenn, dann kilometerweit entfernt…”, ich sah Ylvis Blick und wusste genau, was sie dachte. Genau das gab es auch in Staaten der USA. Weitläufige, grüne Wiesen und auch alles Andere… “Ich weiß nicht.. kennst du das nicht, dass man sich in etwas verliebt und gerne dort hin zurückkehren möchte? Natürlich nicht genau zurück.. aber in das Land schon?”, fragte ich sie und sie nickte. “Und was sind deine genauen Pläne für eine Ranch?”, fragte sie mich dann und wieder musste ich überlegen. “Sie soll weitläufige Koppeln haben, wir brauchen aber auch für jedes Pferd eine Box. Es müssen nicht immer alle Pferde im Stall stehen, aber hier kann der Winter teilweise ziemlich hart werden und dann bräuchten wir für jedes einen warmen Platz. Außerdem möchte ich gerne Rinder halten.. Whiteface.. wer hätte es gedacht.”, erklärte ich und sie lachte. “Ja, wer hätte gedacht, dass du dir Kühe mit einem weißen Kopf kaufst.”, zog sie mich auf. “Außerdem brauchen wir große, gute Reitplätze und am besten eine oder zwei Hallen, um die Pferde ordentlich trainieren zu können… und Bungalows… oder kleine Mitarbeiterhäuser… aber das kann man ja alles noch bauen.”, erklärte ich ihr und sah sie an. “Also so richtig… weiß ich noch nicht was ich möchte. Also ich weiß es schon, aber ich kann mich nicht entscheiden, was ich wichtiger finde.”

      Ylvi
      Caleb wählte seine Worte mit Bedacht. Es schien als kaue er auf ihnen herum, ehe sie seine Lippen verließen. Nicht als fiele es ihm schwer sie auszusprechen. Vielmehr beschlich mich das Gefühl als wolle er mich schonen. War es das? Ich legte leicht den Kopf schief, beobachtete seine Haltung die offen war. Doch seine Hand spielte mit dem Ende der Gabel. Wunderlich was mir nach all der Zeit mit ihm auffiel. Es gab keine Illusionen.. natürlich, die Antwort die er mir gab war richtig, aber da war noch etwas anderes. Um mich abzulenken konzentrierte ich seiner zweiten Antwort zu lauschen, nahm die Worte wahr... allerdings entschlüpften sie mir durch das andere Ohr nach draußen. Ich hörte nur Koppeln, Boxen...Halle... Training.
      In Gedanken jedoch war ich noch bei der ersten Frage. Wieder war ihr Name gefallen, Verena. Natürlich war er das..hier hatte alles begonnen für ihn. Wie Louis es mir damals auf dem Berg gesagt hatte..Verena hatte alles für ihn geändert. Damit hing sein Herz, ein Teil seines Bewusstseins nicht nur an ihr,sondern auch an dem Land das für ihn einiges verändert hatte. Es fiel mir schwer mein wehmütiges Seufzen zu unterdrücken. Ich würde vielleicht ewig in ihrem Schatten stehen. Dann erinnerte ich mich an Laurence Worte..die gute Seele der Ranch. Vielleicht hat Verena dich für uns hierher geführt.
      Ob er wohl Recht hatte? Mir gefiel der Gedanke das sie aus der Anderswelt in diese blickte und den Nornen vielleicht etwas Zugeflüstern hatte. Laurence hatte von Gott gesprochen, für mich spielte er weniger eine Rolle als die Götter des Nordens..aber vielleicht war er einfach nur eine andere Bezeichnung für meinen Allvater? In Bellamzs Büro hatten Bilder von ihr gehangen. Für mich würde Verena auf ewig ein Geist bleiben von dem wenige sprachen. Ich beugte mich ein wenig vor, sah Caleb an, fasste nach seiner Hand. “Tut mir Leid..deine zweite Antwort wirst du mir nochmal geben müssen. Kannst du mir von ihr erzählen? Jeder erwähnt sie, für mich ist sie nur ein Geist. Ich könnte Bellamz oder O. fragen...aber,ich weiß nicht. Ich würde es gern von dir wissen. Ich hätte gern ein Bild von ihr, mehr als nur Bruchstücke.” das konnte nach hinten los gehen, furchtbar schief gehen. Aber ich wollte offene Karten zwischen uns... er verhielt sich stets Loyal,das war einer seiner besten Eigenschaften. Daher fügte ich noch hinzu “Ich hoffe du weißt, dass du offen mit mir sprechen kannst. Du musst mich nicht schonen.” Ich lächelte aufrichtig in seine Richtung. Wir waren kein Paar, er hätte das Recht sich der Antwort zu entziehen. Ich wollte nicht zu forsch sein, es war kein Befehl...eine offene Bitte vielmehr.

      Caleb
      So langsam waren wir fertig mit Essen, als mir Ylvi eine Frage stellte, die ich nicht so ohne weiteres beantworten konnte. “Lass uns nicht hier über sie sprechen.”, erklärte ich ihr und schien sie für den Moment befriedigt zu haben, denn sie hakte nicht weiter nach. Wir sprachen über dieses und jenes, blieben jedoch bei Gesprächen über Pferde und Ranches. Wir teilten uns noch die Eiskugeln zum Nachtisch, denn eine ganze Portion hätten wir beide nicht mehr geschafft, bezahlte jeder von uns die Hälfte der Rechnung und wir gingen zurück zum Auto, womit wir wieder ins Hotel fuhren und auf unser Zimmer gingen. Man sah uns beiden an, dass wir wirklich geschafft vom Flug waren. “Und du willst ihre Geschichte wirklich jetzt noch hören?”, fragte ich Ylvi und sie nickte überschwänglich. “Ja.”, war ihre Antwort und ich nickte, schwieg jedoch eine ganze Weile, während sie mich gebannt ansah und darauf wartete, dass ich etwas sagte.
      “Verena war… eine Visionärin.”, fing ich an und überlegte dann weiter. “Ich glaube sie hatte ihr Leben schon bis zum Tod durchgeplant und den Pferden gewidmet. Sie hat stets in allem das Gute gesehen und nicht nur zweite, sondern auch dritte und vierte und fünfte Chancen gegeben, auch was mich angeht. Nicht umsonst hat sie mir eine Ohrfeige verpasst, mich gefeuert und vom Hof geschmissen, als ich ihr sagte, Zues wäre unbrauchbar und ich hätte ihr doch gesagt, dass sie es bei ihm zu nichts bringen würde…Sie hat mir mehr als einmal einen Fehltritt verziehen und mir wieder ihr Herz geöffnet.”, erklärte ich ihr weiter und sah in ihren Augen etwas aufblitzen. “Hasst du Zues deshalb?”, fragte sie mich doch ich schüttelte den Kopf. “Ich hasse ihn nicht.. ich gebe ihm nur irgendwie die Schuld an allem, auch wenn er absolut nichts dafür kann.” Ylvi nickte. “Die vielen Chancen hat sie also den Pferden und den Menschen gegeben. Zues, Raised from Hell, Wimpys Little Devil… alles so hoffnungslose Fälle. Aber schau dir Hell und Devil heute mal an… was sie bei ihnen erreicht hat… nur zu Zues konnte sie nie durchdringen.. und jetzt kann sie es nicht mehr. Aber abbringen ließ sie sich von nichts, dieser Sturkopf der immer seinen Willen durchsetzen musste. Nichts und niemand in der Welt hätte sie dazu gebracht, eines der Pferde aufzugeben. Sie hatte eine gute Seele und liebte die Pferde über alles.”, wieder nickte Ylvi. Was sollte sie auch groß dazu sagen? “Mir gegenüber war sie immer ein wenig… impulsiv. Irgendwie wie ich…Ich brachte sie auch oft genug auf die Palme, mit meinen Andeutungen…. Achso, apropos Chancen.. schau dir Bellamy und Murphy und Octavia an. Alles ihr Werk. Hätte sie ihnen keine zweite Chance gegeben, was wäre wohl aus ihnen geworden? Ich möchte das auf jeden Fall auch weiterführen. Solchen Menschen eine zweite Chance geben, ihnen etwas bieten und zu etwas verhelfen.”, sagte ich und schwieg dann wieder eine ganze Weile. “Mit ihr konnte man nicht gut streiten. Sie war schnell den Tränen nahe und Enttäuschungen sah man ihr sofort im Gesicht an. Sie war jemand, der von den anderen gemocht und gut behandelt werden wollte… vermutlich konnte ich aus diesem Grund ihr Herz nie erreichen und hatte sie an Svejn verloren. Svejn ist eine andere lange Geschichte…”, seufzte ich. “Sie legte jedoch viel Wert auf meine Meinung und wurde sehr schnell unsicher, wenn ich ihr vor den Kopf stieß und ihr erklärte, wie dämlich und dumm ihre Idee war…”, wieder schwieg ich. “Sie verlangte den Pferden aber auch Leistung ab. Schau dir Bella oder Gipsy an, oder auch Choco. Oh Gott Choco!”, ich lachte. “Durch ihre Affinität zu diesem Pferd ist mir der Haflinger erst auf den Hof gekommen! Sie glaubte zwar nie daran, dass andere Rassen gut in dieser Sportart sein würden, aber irgendwie hatte sie einen Narren an diesem Hengst gefressen… und Choco ist gar nicht so schlecht im Westernsport.”, sagte ich und Ylvi lachte auch kurz auf. “Ansonsten.. ich zeige dir mal ein paar Fotos, wenn wir wieder in New Mexico sind. Dann kannst du dir sie besser vorstellen.”, sagte ich noch und überlegte. “Ich glaube, mehr fällt mir gerade nicht ein.”, meinte ich und drehte mich zu Ylvi um. Ich hatte in dem Stuhl im Zimmer Platz genommen, während sie sich auf dem Bett ausgebreitet hatte. “Hast du noch Fragen?”

      Ylvi
      Ich hatte mich auf das Bett fallen lassen, aufmerksam seinen Worten gelauscht. Der Geist füllte sich mit einer Art von Person. Mit jedem Satz den er mir gab,konnte ich mir ein besseres Bild von ihr machen.
      Er endete, schwieg kurz. In diesem kurzen Moment richtete ich mich auf. Ob ich noch Fragen hatte? Viele...aber diese musste ich nicht jetzt beantwortet bekommen. Also schüttelte ich den Kopf. “Danke.” flüsterte ich, für ihn gerade so hörbar. Ich hätte noch anfügen können, das ich wusste das es ihm schwer gefallen war. Das ich ahnte, dass ihn meine Frage erstaunt hätte. Aber in mir kam das Gefühl auch, dass dies zu viel wäre. Es bedurfte keiner Erklärungen. Über den Raum hinweg sahen wir uns einfach an, ohne zu blinzeln, dann huschte nur ein Zucken über seine Lippen, er blinzelte. Ich hatte ohne Worte verstanden, Caleb wie es schien auch. Als er sich erhob um in das Bad zu gehen, ließ ich mich wieder zurück sinken. Mir steckte der Flug in den Knochen, ein wenig tat mir doch irgendwie meine heilende Wunde weh - es begann langsam die Zeit in der sie zu jucken anfing.
      Ich unternahm wirklich den Versuch wach zu bleiben, aber meine Lider waren einfach zu schwer. Also glitt ich in das Land meiner Träume. Sie waren wirr...vollkommen wirr. Aber eine Art von Lichtgestalt die der Verena auf den Fotos wirklich unglaublich ähnlich sah, führte mich zu einem Pferd. Ohne weiter darüber nachzudenken ging ich auf dieses zu, schwang mich auf seinen Rücken und ritt über eine Landschaft die mir gänzlich unbekannt war. Erst zurück auf der Ranch sollte mir klar werden, das ich in meinen Träumen auf Zues geritten war. Sie würden mich nicht in Frieden lassen. An diesem Tag, in diesem Traum, entstand eine erste Idee in meinem Kopf.

      Caleb
      Als ich aus dem Bad zurückkam war Ylvi schon eingeschlafen. Ich seufzte kurz, deckte sie zu und legte mich dann ebenfalls unter die Decke. Wieder hier zu sein, in Calgary, nahe dem Ort an dem alles angefangen hatte und an dem alles hätte enden können… Meine Gedanken hielten mich fast die ganze Nacht wach. Ylvi wachte einmal nachts auf, zog sich flink um und schlief dann sofort wieder ein.
      Ich musste doch die Augen eine Weile zu gemacht haben, denn als ich von Ylvi geweckt wurde, fühlte ich mich wie vom Truck überrollt. Ich hab einen gequälten Laut von mir, richtete mich auf, stellte meine Füße auf den Boden und ließ meinen Kopf auf meine Hände sinken, die ich auf meine Beine gestützt hatte. „Alles in Ordnung?“, fragte Ylvi mich vorsichtig. „Ja.“, meinte ich leise und fuhr mir einmal durch die Haare. „Mach du dich im Bad fertig, ich muss noch ein paar Telefonate führen.“, erklärte ich ihr und sah sie ins Bad huschen. Tatsächlich rief ich die beiden Ranchbesitzer an und klärte, welche wir heute und welche wir morgen besuchen gehen würden. Meinen Favoriten würden wir uns morgen anschauen gehen, die andere Ranch heute. Ylvi besuchte nicht sonderlich lange im Bad, so dass ich auch noch duschen gehen und mich umziehen konnte. „Frühstück?“, fragte ich sie als ich wieder herauskam. Sie nickte. „Frühstück und Kaffee…“, erwiderte ich ihr und gähnte lange.
      Als wir in Richtung Essraum gingen erzählte ich ihr, welche Ranch wir heute besuchen gehen würde und welche morgen. Dass bei der morgigen Ranch noch 30 Whiteface Kälber, Rinder und Kühe inbegriffen waren, verschwieg ich ihr mal lieber.

      Ylvi
      Da Caleb ein wenig fertig aussah, orderte ich ihn auf den Beifahrersitz und klemmte mich selbst hinter den Sitz des Fahrzeuges. Ich hatte Glück, der Sitz ließ sich nicht nur nach vorn sondern auch nach oben verstellen. Ich konnte kaum über das Lenkrad hinaus blicken. “Schaffst du das?” dabei klopfte er sich seine Hand auf die linke Brust. Ich nickte, startete den Motor.
      Starr nach Navigationsgerät fuhr ich aus Calgary heraus, nach Westen. Es waren knapp 43 Kilometer, eine Fahrt von einer guten halben Stunde. Irgendwo hinter einer Art Feriensiedlung mit dem Namen Redwood Meadows Bogen wir auf eine kleiner Straße, die es eigentlich nicht verdiente diesen Namen zu tragen. Tannen rechts, Tannen links. Plötzlich fuhren wir unter einem Eingangsschild hindurch. Vor uns befand sich tatsächlich Wald und eine Ranch.
      Begrüßt wurden wir von einen Herren der etwa in seinen 50ern sein musste. Als ich ihn auf uns zukommen sah, musste ich innerlich Lächeln. Er sah Louis ziemlich ähnlich. Er hatte schwarz, silberne Haare in zwei langen Zöpfen geflochten, trug eine große Brille. Unmissverständlich ein Native. “Mr. O’Dell?” Caleb nickte, lächelte. “Sie haben mit meinem Sohn telefoniert. Mein Name ist Jonathan Clearwater.” Wir reichten uns jeweils die Hände. Dann begann er zu erzählen, erst ein wenig über das Tal hier. “In den 40ern gab es einen großen Waldbrand, die freien Flächen die zurück blieben hat mein Stamm für sich genutzt. Sie müssen auf dem Weg hierher an dem Golfplatz vorbei gekommen sein?” “Ah, dann war es gar keine Stadt.” “Doch, schon..nur noch wenige wohnen hier. Meine Familie hat jahrelang hier auf der Farm gelebt.” Trotz des Feuers blieb ziemlich viel an Nadelwald übrig. Das Haupthaus war praktisch vor lauter Bäumen gar nicht auffindbar. Insgesamt schien es nur 3 andere Häuser zu geben, die eher Bungalows glichen. Viel Platz für Mitarbeiter...oder Gäste blieb da nicht. Das Stallgebäude hatte genau 10 Boxen, daran angeschlossen gab es zwar eine riesige Lagerhalle, die zu zwei Hallen abgetrennt werden konnten. Einen Platz jedoch suchten wir ein wenig vergeblich. Und zwischen den Wegen, immer wieder kleine lichte Orte um die man eine Wiese gezogen hatte. Hübsch war es ja...für eine Zucht und Ranchbetrieb war das ganze allerdings etwas zu waldig. Das sah man auch Caleb an. Mr. Clearwater ließ uns nach seiner Rundtour auch alles in Ruhe allein anschauen. “Stallgebäude müssten wir erneuern...irgendwo außerhalb Wiesen anpachten. Wald roden um einen Platz zu bauen, überhaupt auch einen Round Pen. Für Rinder wäre das hier auch nicht so geeignet.” zählte Caleb auf. Ich drehte mich im Kreis. “Für die Pläne die im Raum stehen ist der Ort hier nicht sonderlich geeignet.” pflichtete ich ihm bei. Nachdem wir den halben Tag hier verbracht hatten, hieß es schließlich sich von Mr. Clearwater zu verabschieden. In unserem Rosa-Traum von einem Auto gab ich nun also die andere Adresse ein. “Ich muss ganz ehrlich sein. Angenommen ich hätte tatsächlich eine eigene Ranch aufgebaut, dann wäre der Ort hier klasse. Die Landschaft, der Platz. Ich mag das Haupthaus sehr gern - ist immerhin möbliert. Ich hätte für den Anfang ohnehin wenig Pferde. In Anbetracht der Tatsache allerdings das es eben die Blakes Crow Meadow Ranch ist - wird es das hier nicht sein.” sprach Caleb währenddessen. “Gut, aber die Einrichtung war nun wirklich ziemlich old school. Ich hab ja nichts gegen alte Einrichtung, aber vieles davon hätte man wohl nicht mehr nutzen können.” “Da magst du Recht haben.”

      Caleb
      Anstatt zur anderen Adresse zu fahren fuhren wir wieder ins Hotel. Wir waren beide immer noch ziemlich geschafft, oder zumindest ich war ziemlich geschafft, so dass wir uns im Hotel etwas zu essen aufs Zimmer brachten, dort gemeinsam aßen und uns dann ins Bett legten. Wir schauten noch eine Weile eine Sendung über irgendwas mit Indianern, ehe wir den Fernseher aus machten und uns schlafen legten.
      Am nächsten Morgen waren wir beide fitter und dementsprechend auch motivierter. Wir ließen es uns gut gehen bei dem ausgiebigen Frühstück, welches uns geboten wurde, ehe ich mir hinters pinke Steuer setzte. “Es ist und bleibt stockhässlich.”, sagte ich zu Ylvi, warf ihr einen Blick zu und stieg in ihr Lachen ein. Die zweite Ranch lag etwa eine halbe Stunde südöstlich von Calgary, an einer wunderschönen Flussgabelung. Auch sah man von hier ein paar kleinere Berge und auch die großen Rocky Mountains. “Der Ausblick gefällt mir.”, sagte ich zu Ylvi und sie schien meine Meinung zu teilen.
      Wir fuhren an einem Ranchschild mit der Aufschrift “Bow River Ranch” vorbei. Dann folgte ein langer Weg, der rechts und links aus großen Koppeln bestand. “Schau mal, wie schön.”, sagte Ylvi und auch ich war begeistert von den weitläufigen Wiesen und den angrenzenden Waldstücken. Wie weit das wohl zur Ranch gehörte?
      Auf dem Gelände hielten wir vor dem Hauptgebäude. Es war in einem älteren Stil erbaut, aber keinesfalls hässlich oder urig, sondern einladend und freundlich. Es öffnete sich die Haustür und der Besitzer der Anlage kam heraus. “Hallo, ich bin Jackson Duncan.”, stellte er sich vor und schüttelte zuerst Ylvis, dann meine Hand. “Ich führe sie ein bisschen herum.”
      Schon als ich meinen Fuß in den ersten Stalltrakt setzte, war es um mich geschehen. Ich sah Ylvi an und auch sie schien die Ranch zu mögen. Verschiedene Stalltrakte, Offenställe, zwei Reitplätze, eine wirklich sehr große Halle, viel Platz, um selbst noch etwas zu bauen und zwei Round Pens. Einen etwas kleineren und einen Größeren. Ansonsten bot die Ranch viel, viel Platz. Viel Platz zum Bauen, viel Platz zum Umstrukturieren, weitläufige Wiesen und den Fluss, der teilweise überquert werden musste, um auf die anderen Wiesen zu kommen, die dazu gehörten.
      "Das beste sehen Sie gleich, doch dazu müssen wir eine Weile reiten.", sagte er und führte uns zurück zu den Autos, wo jetzt jemand mit drei Pferden stand.

      Ylvi
      Noch bevor ich hätte nach den Zügeln greifen können, nahm sie Caleb entgegen. “Mr. Duncan, auf dem Ritt werden wir leider nur zu zweit sein.” dieser ließ das unkommentiert. Ließ den Mitarbeiter aber den Braunen fort nehmen. Wehmütig sah ich zu wie sich Caleb in den Sattel schwang, seinen Rappen neben mir zum stehen brachte und mir vollkommen unnütz durch die Haare strubbelte. “Bald darfst du auch wieder.” neckte er mich. Ließ den Rappen antraben und folgte einen Pfad hinauf Mr. Duncan. Ich verschränkte die Hände vor meiner Brust. Unfair.
      Ich hatte nichtmal eine Vorstellung wie lange sie weg sein würden! Ich vertrieb mir erst die Zeit damit im Auto zu sitzen. Anschließend streunerte ich noch einmal allein über den Hof. Viele Leute gab es hier nicht, auch der Stalltrakt war bis auf drei vier Boxen nicht mehr belegt. Bow River Ranch. Ich ließ mir den Namen über die Lippen rollen. Erinnerte mich das wir vorhin an einem Fluss vorbei gekommen waren. Auf einer der Koppeln war sogar ein Bach. Ich nahm an daher rührte der Name. Nach gut einer Dreiviertelstunde klingelte mein Handy. Caleb war gerade dabei mir diverse Fotos zu schicken. Darauf sah ich Blockhütten, drei an der Zahl...Weiden..und auch dort der Bach - dieses Mal sehr viel breiter, als er hier im Tal war. Das ganze lag in einem Talkessel, auf dem Bild hätte ich nicht sagen können wie breit es war. Doch auf den Bildern konnte ich die Berghänge sehen, sie waren schroff und mit Schnee bedeckt.
      Etwa eine Stunde später kamen Caleb und der Typ der uns die Ranch gezeigt hatte wieder zurück. Ich zog mir meine Kopfhörer aus den Ohren. Die Verabschiedung lief eigentlich ziemlich schnell. Ich fuhr zurück nach Calgary. Caleb packte oben im Zimmer unsere ganzen Sachen zusammen. In der Zwischenzeit kümmerte ich mich um den Check-out vom Hotel. Zusätzlich hatte er mir sein Handy in die Hand gedrückt. Ich suchte also in seinen Kontakten nach Moniques Nummer, rief sie an. Es dauerte auch nicht lang, dann ging sie auch schon an das Telefon. “Caleb, ihr seid also zurück?” “Nein,nein. Ylvi hier. Also ja wir sind zurück. Wir würden in etwa 10 Minuten bei dir sein und dir deinen Wagen wieder bringen.” “Ylvi, also. Gut dann halte ich mich bereit.”
      Dieses Mal fuhr .Ccaleb, auf meinem Schoß und zwischen den Beinen befand sich unser Gepäck. Unterwegs sprachen wir zunächst nicht, jeder hing den Gedanken an die Ranch nach. Caleb und Monique tauschten die Position hinter dem Steuer, er verzog sich auf die Rückbank. “Wie hat euch mein Baby gefallen?” Keine Antwort..nur ein Hüsteln von mir, da ich mir ein Lachen verkniff. Dann ein sehr sarkastisches “Ganz hervorragend!” von Caleb. “Nicht wahr?” Monique schien den Sarkasmus nicht verstanden zu haben. Daher setzte Caleb noch nach “Ich hätte gedacht die Phase sei endlich mal an dir vorüber gegangen.” keine Antwort, aber ich sah wie sich Monique auf die Lippen bis. Ihr Gesicht sah aus als sei sie gerade auf dem Klo beschäftigt. Ich sah lächelnd aus dem Fenster.
      Der Check-In am Flughafen dauerte ewig, wir kamen gerade Rechtzeitig an das Gate als auch schon unser Flug aufgerufen wurde. “7 Stunden Flug zurück..ich hab absolut keine Lust.” grummelte Caleb. Wir hatten in der vergangenen Nacht auch einiges an Schlaf nachgeholt, daher vergnügten wir uns mit zwei Filmen auf meinem Tablet. Darunter “the Rider” der uns beide nun nicht wirklich überzeugen konnte - er war einfach unfassbar langatmig. “Man merkt richtig das es Laiendarsteller sind.” flüsterte ich. um den Gast neben mir am Fenster nicht zu stören. Anschließend philosophierten wir über die Möglichkeiten mit der Ranch. Kein Zweifel...noch einmal Immobilien anschauen würden wir wohl nicht müssen.
      Lilly war diejenige die uns vom Flughafen zur Bar mitnahm. Hier war früher morgen, was mich vollkommen aus dem Konzept brachte. Mal ganz davon abgesehen das es unfassbar warm war im Gegensatz zu Kanada. Caleb und Louis unterhielten sich über die Ranch. Lilly und ich packten schon mal das Gepäck wieder in den Pick-Up von Caleb. “So, zurück zum Rest?” fragte mich Caleb, ich zuckte bisschen zusammen - hatte nicht erwartet das er plötzlich neben mir auftaucht. “Ja...genug auf Reisen gewesen.”

      Caleb
      Von der Bar zur Ranch zurück unterhielten wir uns wieder über die Möglichkeiten, die diese Anlage bot und noch im Auto rief ich Mr. Duncan an, und sagte ihm zu. Umzugsmonat wäre der Januar. Mitte Januar vermutlich, mal sehen, wann wir hier in New Mexico alles gepackt bekommen würden.
      “Ylvi ich hab dir noch gar nicht gesagt, was noch zur Ranch gehört.”, sagte ich, als wir wieder auf dem Blakes Crow Meadow angekommen waren und unsere Sachen von der Ladefläche des Pick Ups nahmen. “Eine Herde von Whitefacerindern. 30 Stück.” Doch anstatt mich geschockt oder fragend anzusehen, fing sie lauthals an zu lachen. “Was, echt? Oh Caleb.”, sagte sie und schlug mir auf den Arm, ehe sie kopfschüttelnd wegging. “Hey was denn?”, rief ich ihr nach doch sie antwortete mir nicht mehr.
      Am Abend erzählten Bellamy und ich der gesamten Ranch, was Sache war und stellten ihnen frei, mit umzuziehen oder zum Frühjahr zu kündigen. Erstaunlicherweise war jeder bereit, das neue Kapitel aufzuschlagen und die Reise mit uns anzutreten.
      “Es gibt noch etwas, dass ich euch sagen möchte. Eine Ranch finanziert sich eben nicht von alleine…”, fing ich an und schaute in gespannte Gesichter. “Ylvi hab ich es schon gesagt, aber zu der Ranch gehört eine Herde von 30 Whitefacerindern, die ich mitgekauft habe. Sieht wohl so aus, als seien wir jetzt bald wirklich im Viehgeschäft.”, alle nickten, keiner widersprach mir. “Außerdem gehört zu dem Gelände etwa eine halbe Stunde Ritt eine alte Ferienranch. Undenkbar wäre es nicht, unser Konto durch Touristen ein wenig aufzustocken.. achja, hier für jeden eine Kopie der Verkaufspferde. So können wir uns jetzt schon nach geeigneten Käufern umhören.”, erklärte ich und gab jedem einen Zettel. Schweigen. Jeder war in seinen Gedanken versunken, auch Betsy sagte kein Wort. Vereinzeltes Nicken, aber auch zerknirschte Blicke bei der Liste der Pferde. “Es steht einem jeden von euch frei, eines der Pferde zu erwerben. Doch unter meinen Namen bleiben sie nicht.”, sagte ich und kam vielleicht ein wenig harscher rüber, als ich es beabsichtigt hatte. “Also Sue und Blue behältst du, oder?”, fragte mich Betsy dann vorsichtig und ich nickte. “Sue und Blue bleiben. Nur die Pferde, die da auf der Liste stehen, werden verkauft.”, sagte ich zu ihr und sie nickte. Damit löste ich unsere kleine Versammlung auf und ging rüber in den Stall, wo ich nach Vulture schaute. In ein paar Tagen war Weihnachten. Vorher musste ich noch einige Geschenke kaufen und noch einiges erledigen.


      Wenige Tage später war Heiligabend. Weihnachten wurde von den Blakes Geschwistern und auch von Caleb noch immer ein wenig nach deutscher Tradition gefeiert, etwas, dass Verena damals nach Amerika und auf ihre Ranch mitgebracht hatte. Am 23. hatten alle Mitarbeiter zusammen einen Weihnachtsbaum ausgesucht und gemeinsam geschmückt. Betsy hatte es nicht lassen können, kleine Pferde an den Baum zu hängen, gefolgt von kleinen Cowboyhüten. “Die sind extra für dich.”, hatte sie zu Caleb gesagt, welcher sie nur lachend in den Arm genommen hatte. Betsy tat allen auf der Ranch gut.
      An Heiligabend selbst feierte die ganze Ranch zusammen. Sie waren mittlerweile wirklich wie eine Familie füreinander. Selbst Cayce gehörte schon dazu, obwohl er noch gar nicht so lange dort war. Es wurde gemeinsam gekocht, gegessen und sich dann gemütlich ins Wohnzimmer zum Weihnachtsbaum gesetzt, unter dem eine ganze Menge Geschenke lagen. “Großartige Geschenke gibt es dieses Jahr nicht.”, sagte Bellamy, als er sich mit einem Glas Sekt vor den Baum gestellt hatte. “Anfangen möchte ich jedoch mit Caleb, der das ein Geschenk von uns allen bekommt, welches größer nicht sein könnte. Wir alle zusammen schenken dir die Pferde und das Equipment dieser Ranch.”, verkündete dieser und hob sein Glas. Caleb starrte ihn derweil nur mit offenem Mund an. “Ihr schenkt mir das alles?”, fragte er ungläubig und Bellamy sowie die anderen nickten. “Fast alles. Das Gelände nicht, das werden O und ich verkaufen. Aber alles andere. Und nun Prost. Auf Caleb, unseren neuen Chef!”, sagte er, stieß mit seinem Glas an und alle Mitarbeiter tranken darauf. “Die anderen sollen natürlich nicht leer ausgehen. Hier auf dem Boden stehen kleine Geschenke mit euren Namen drauf.”, sagte er und hob ein Geschenk auf, welches er Betsy gab. Diese machte als erste auf und hielt ein Schokopferd in der Hand. “Wie süß!”, kommentierte sie ihr Geschenk und umarmte Bellamy kurz. Auch alle anderen, ausgeschlossen Caleb, hatten ein Schokopferd geschenkt bekommen. Bei allen außer Betsy war noch ein Umschlag mit Geld in der Box gewesen.
      “Dell noch eine Kleinigkeit für dich.”, sagte Bellamy dann und übergab dem Vater von Betsy ein kleines Geschenk. Er machte es auf und hielt ein Foto seiner Tochter in der Hand. Sie saß auf Sue, gehalten von Caleb, und hielt ihren Pokal stolz in die Höhe. “Habe ich gemacht, toll geworden, oder?”, sagte Ylvi und er nickte. Man sah ihm an, dass er stolz auf seine Tochter war. Dann stand Caleb auf und schnappte sich eines der letzten Geschenke unterm Baum. “Bellamy das hier ist von uns allen für dich. Damit du dein wirres Köpfchen mal sortieren kannst.”, lachte er und gab ihm das Päckchen. Dieser machte es auf und hielt einen Notizblock mit einem Taschenrechner in der Hand. “Ja, das habe ich wohl dringend gebraucht.”, lachte er. “Danke euch allen.”, sprach er in die Runde und traf auf lächelnde Gesichter und vereinzeltes Nicken. “Jetzt zu dir Betsy.”, sagte Caleb und holt das kleinste der Geschenke unter dem Baum hervor. “Wir alle haben lange überlegt, was du dir wohl zu Weihnachten wünschen könntest.”, sprach er und überreichte ihr das kleine Geschenk. Betsy traute sich zunächst gar nicht, es wirklich auf zu machen. Doch dann riss sie die Verpackung in tausend Teile und öffnete die kleine Kiste. Darin lag ein Zettel, nichts weiter. Sie nahm ihn aus der Box, faltete ihn auf und las das Geschrieben laut vor. ‘Hiermit erhältst du 50 Prozent.’ “Ich erhalte 50 Prozent von was?”, fragte sie verwirrt und schaute uns nacheinander an. “Komm.”, sagte Caleb, stand auf und ging zur Haustür. Langsam öffnete er sie und als Betsy sah, wer dort draußen auf sie wartete, sprang sie freudestrahlend aus der Haustür nach draußen. Dort stand nämlich unsere geliebte Black Sue Dun It mit einer roten Schleife um den Hals, gehalten von Betsys Vater Dell. Diesem fiel sie zuerst um den Hals, dann der Stute. “Ihr schenkt mir die Stute? Wahnsinn!”, rief sie und war den Tränen nahe. “Danke, danke, danke!”, jubelte sie und umarmte uns alle der Reihe nach.

      Caleb
      Den Abend ließen wir gemeinsam gemütlich ausklingen, es gab noch einige Geschenke die verteilt und ausgepackt wurden. Cayce hatte tatsächlich ein Foto von mir und seinem Pferd, als ich für ihn angetreten war, gemacht und schenkte es mir. Auch für Ylvi hatte ich mir etwas überlegt, was ich ihr jedoch erst im Bett überreichte. “Ich dachte schon ich bekomme gar nichts von dir.”, scherzte sie und ich lachte. “Naja, warte mal ab, mach es zuerst auf.” Ylvi riss das Papier herunter und hielt… einen Kalender in der Hand. “Damit du deine Arzttermine alle zusammen an einer Stelle hast und sie so hoffentlich nicht mehr vergisst.”, erklärte ich ihr und wurde sofort geschlagen. “Doofkopf… aber danke.”, sagte sie und gab mir einen Kuss. “Hier, das ist von mir, für dich. Wollte es dir nicht vor allen geben.”, erklärte sie und überreichte auch mir ein Geschenk. „Vorsichtig, scharfe Munition.“, lachte sie und ich hörte augenblicklich auf, die kleine Kiste zu schütteln. Vorsichtig öffnete ich das Geschenk und… hielt eine kleines Gewehr in den Händen. „Ein Schlüsselanhänger?“, ich lachte. „Ein kleines Gewehr. Das häng ich Vulture ans Halfter!“, scherzte ich und drehte es in meinen Fingern hin und her.
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  • Album:
    BRR Gnadenweide
    Hochgeladen von:
    Veija
    Datum:
    10 Mai 2018
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    EXIF Data

    File Size:
    153,8 KB
    Mime Type:
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    Width:
    960px
    Height:
    640px
     

    Note: EXIF data is stored on valid file types when a photo is uploaded. The photo may have been manipulated since upload (rotated, flipped, cropped etc).

  • Exterieur
    Name: Ocarina of Time
    Rufname: Oca
    Alter: 2012, 5 Jahre
    Geschlecht: Stute
    Größe: 1,45m
    Rasse: Deutsches Reitpony
    Fellfarbe: Black Tobiano


    Stammbaum
    von: unbekannt
    aus der: unbekannt

    Charakter:
    Ocarina of Time ist nach einem Zelda-Spiel benannt, in dem Link in der Gegenwart und Zukunft hin und her reisen muss, um seine Zelda aus den Klauen des Ganondorf zu retten. Oca vereint, wie das Triforce, Kraft, Mut und Weisheit in sich. Jedoch scheint sie noch eine andere Angewonheit zu haben: Es scheint fast so, als könnte sie in der Zeit hin und her springen. Mal ist sie eine junge Stute, die wissbegierig vor sich hinstapst und alles in sich aufnimmt, was man ihr beibringen will. Mal ist sie wie ein unwissendes kleines Fohlen, was ständig nur Blödsinn im Kopf hat und sich nicht bändigen lässt. Oca braucht ständig jemanden an ihrer Seite, damit sie sich wohlfühlt. Hat sie dieses gefunden, ist es egal, ob es Pferd, Mensch oder vielleicht eine Ziege ist, denn sie weicht ihm oder ihr nie wieder von der Seite und bricht in Panik aus, wenn sie längere Zeit nicht mit ihm/ihr zusammen ist. Eingeritten ist Oca zum Zeitpunkt des Kaufes noch nicht. Generell wurde noch nicht so viel mit ihr gearbeitet, weshalb nun ganz von vorne angefangen werden muss. Mittlerweile beherrscht sie das Fohlen ABC.

    Zuchtinfos

    Gekört/Gekrönt: nein

    Besitzer: Veija
    Vorbesitzer: Charlotte Eylenstein (Canyon)
    Gezüchtet bei/Zucht: -

    VKR: Nuray (verfallen)

    Kaufpreis: 0 Joellen
    Zu Verkaufen: ja, 450 Joellen


    Qualifikationen:

    nicht eingeritten
    nicht eingefahren


    Dressur E
    Springen E
    Military E
    Distanz E
    Galopprennen E

    Western

    Erfolge:

    Gesundheit:
    Gesundheitszustand:
    Letzter Besuch:

    Hufschmied:
    Letzter Besuch:
    Beschlag: