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Veija

♀ ☆ Crimetime, DRP

♀ ☆ Crimetime, DRP
Veija, 6 Juni 2018
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    • Veija
      Ankunftsbericht von Crimetime, August 2013, by Waldvoegelchen


      Nach längerer Suche als geplant, hab ich endlich doch eine Spielkameradin für Brött gefunden. Eigentlich hatte Lespoire geplant, das Fohlen bei sich aufzunehmen, aber letztendlich kam sie dann doch zu mir. Nachdem sie mit dem Hänger hergebracht wurde, bedankte ich mich und übernahm Crimetime. Als sie sofort an meinem Oberteil knabberte, schob ich sanft ihre Schnauze weg. Zuletzt übernahm ich noch ihre Papiere und verabschiedete mich.
      Crimetime war sehr zutraulich und schmuste sofort mit mir, ich kraulte sie einen Moment zwischen den Ohren und führte sie dann zu Brötts Weide. Einen Teil hatte ich schon abgetrennt. Ich würde sie zur Gewöhnung erst ein paar Tage nebeneinander auf verschiedenen Weiden stehen lassen, es ist ja nicht garantiert, dass die beiden sich auch verstehen. Brött guckte neugierig, kam aber zunächst nicht her. Ich öffnete das Gatter und führte Crimetime auf die Wiese. Sie fiel sofort über das Gras her und es war ein Kampf sie ordnungsgemäß vom Strick zu lösen, denn sie wollte par tout den Kopf nicht heben. Den Strick hing ich über das Gatter, ich würde die Süße zunächst etwas alleine lassen.
      Dann wand ich mich Brött zu, ich führte sie zum Putzplatz, band sie an und holte das Putzzeug. Das Stütchen wanderte fröhlich auf und ab, das stillstehen musste sie noch üben. Sie war nicht dreckig, also nahm ich den Massagestriegel und bearbeitete damit ihren Körper. Dabei stand sie auch wirklich still, ließ ihren Kopf hängen und fühlte sich rundum wohl. Nach noch einer Knuddeleinheit kratzte ich noch ihre Hufen aus. Das war ein wahrer Kampf, vor allem bei den vorderen Hufen. Ich war froh, dass sie noch nicht die Kraft hatte, mir ihre Hufe aus der Hand zu reißen. Bei den Hinterbeinen lobte ich viel, da sie dort keine Anstalten machte. Ich stellte das Putzzeug wieder weg und nahm aus der Sattelkammer 2 Apfelstückchen mit. Als Brött wieder auf der Weide war, gab ich ihr das eine Stück, das andere bekam Crimetime. Für sie musste ich mir wohl nochmal einen Spitznamen ausdenken.

      Pflegebericht, August 2013, by NevertheLess


      "Crimetime!", rief ich über die Weide und das hübsch gemusterte Fohlen spitzte sofort aufmerksam die Ohren. Waldvögelchen, eine Freundin von mir, hatte mich darum gebeten, mich ein wenig um das junge Fohlen zu kümmern und natürlich hatte ich das Angebot angenommen. "Komm, Kleine, wird Zeit, dass du mal wieder geputzt wirst.", sagte ich und betrat die Wiese der beiden Fohlen. Brött, ein Isländerfohlen, war nämlich ebenfalls in Waldvögelchens Besitz und vorher lebten die beiden getrennt, jetzt aber, nachdem sie sich aneinander gewöhnt hatten, durften sie zusammen auf der Weide spielen. Ich halfterte Crimetime auf, knipste den Strick an das Halfter und führte sie zum Putzplatz, wo ich sie mit einem sicheren Knoten anband. Ihre Putzbox hatte ich schon früher aus der Sattelkammer geholt und nachdem ihr Fell wieder glänzte, ließ ich sie auf dem Reitplatz toben. Sie war ziemlich schnell ausgepowert und so brachte ich sie in den Stall, wo sie ihr Mittagessen bekam. Nach einer Stunde, als sie fertig mit dem Essen war, ließ ich sie dann wieder zu Brött auf die Weide. Am Abend führte ich sie dann noch im Wald ein wenig herum, bis sie müde war, und ließ sie dann auf der Weide dösen.

      Spaziergang, November 2013, b Waldvoegelchen


      Mit schnellen Schritten lief ich über den gefrorenen Boden. Es war schon dunkel und ich hatte es eilig aus der Kälte in die Sattelkammer zu gelangen. Zunächst zog ich mir meine warme Stalljacke an, bis ich nach den Putzsachen griff. Mit dem Kasten in der Hand spazierte ich nun deutlich entspannter zu der kleinen Fohlenweide. Crimetime und Brött verstanden sich inzwischen gut. Heute würde ich den improvisierten Trennungszaun abnehmen.
      Zuerst holte ich Brött. Sie empfing mich ziemlich dreckig mit ein paar buckeligen Sprüngen, ließ sich aber leicht einfangen. Am Zaun band ich sie an und begann mit der Putz-Prozedur. Zum Glück war sie noch nicht allzu groß, weshalb das Entfernen des Schmutzes nicht allzu lange dauerte. Auf die Hufe hatte ich absolut keine Lust. Inzwischen hatte Brött mehr Kraft und war schwerer und da sie nicht stillstehen konnte, hasste sie das Hufegeben. Trotzdem ist das Hufekratzen ein Muss und ich machte mich an die Arbeit. Der festgetretene Schmutz fiel bei jedem Huf in einem oder zwei großen Brocken aus dem Huf, weshalb die Prozedur nicht allzu lange dauerte.
      Danach holte ich Crimetime und band sie neben Brött an. Sie war deutlich sauberer und mit einem glänzenden Auge betrachtete ich ihr Fell. Sie hatte einfach eine unglaubliche Fellzeichnung. Die Kleine lies sich problemlos putzen und ich nahm beide Fohlen am Strick. Von Arbeit mit Fohlen hilt ich nichts, doch gegen einen kurzen Spaziergang war nichts einzuwenden.
      Ich hielt beide Fohlen am langen Strick, sodass sie die Umgebung gut erkunden konnten. Ich ging ein wenig Querfeldein, entfernte mich jedoch nur so weit vom Licht wie ich noch etwas sehen konnte. Ich ging 2 mal im Kreis die genau gleiche Strecke und entschied dann, dass das reichte. Die beiden würden ab jetzt sowieso sehr viel miteinander herumtoben, also musste ich sie eigentlich gar nicht zusätzlich bewegen.
      Ich brachte die beiden wieder auf die Weide und entfernte den Trennungszaun. Die beiden tobten schon am anderen Ende der Weide, als ich ging und ihre Sachen wieder an ihren Platz stellte.

      Ankunft in Kanada, April 2014, by Waldvoegelchen


      Nach langen, von anfänglichen Zweifeln geplagten Überlegungen und einem langen Praktikum auf dem Gestüt Silbersee entschied ich mich nun vollends für einen Umzug nach Kanada. Ich stand schon lange in E-Mail Kontakt mit den beiden Besitzerinnen der Lake Mountain Ranch und ich verstand mich mit beiden auch sehr gut. Aus anfänglichen formalen Dingen wurde schnell so etwas wie eine Brieffreundschaft und die Herzlichkeit der beiden half mir ungemein bei der Entscheidung. In dem Moment wohnte ich noch bei meinen Eltern und hatte mein Abitur und eine Ausbildung zur Pferdewirtin genossen.
      Ich war zwar unglaublich familienbezogen, aber irgendwann musste man sich auch lösen und meine Eltern waren froh, dann einen so schönen Urlaubsort kostenlos zur Verfügung zu haben.
      Es standen nun schon zig Umzugskartons im Haus, viele, vor allem die Pferdesachen, standen auch im Schuppen. Das war eine gute Gelegenheit, mein Messi-Dasein zu beenden. Ich war furchtbar unordentlich und hatte so viele Sachen in irgendwelchen Schubladen gestapelt, die ich nun alle wegwarf. Ich würde den Unterschied gar nicht bemerken, da ich diese Schubladen immer nur öffnete, um neue Dinge aufzubewahren, die ich nie im Leben brauchen würde.
      Ich hätte nie gedacht, dass der Tag der Abreise wirklich so schnell da sein würde, aber es war fast soweit. Ich entschied mich, die Pferde mit dem Flugzeug transportieren zu lassen, da die Schiffreise einfach zu lang dauern würde. Lieber für ein paar Stunden Stress als gleich für mehrere Wochen.
      Ein Tag vor dem Abflug überraschten mich meine Freunde zu Hause: Eine Abschiedsparty! Ich war so gerührt, dass ich meine Tränen nicht zurückhalten konnte. Alle umarmten mich herzlich und ich bekam ein so süßes Abschiedsbild, wie man sich das gar nicht vorstellen konnte! Ganz vorn standen meine Eltern, hinter ihnen alle meine Freunde. Alle hatten pferdige Utensilien in der Hand, zum Beispiel eine Karotte, eine Trense oder eine Gerte. Außerdem bekam ich ein T-Shirt, auf dem alle unterschrieben hatten. Der Abend war so schön, dass ich beinahe einen Rückzieher gemacht hätte, aber am nächsten Tag begab ich mich doch zum Flughafen, wo mir meine Eltern nochmal die liebsten Glückwünsche mitgaben.
      Der Flug verlief problemlos und ich wurde von Eileen direkt von dort abgeholt, da ich kein Auto oder ähnliches hatte. Den Weg zum Gestüt verbrachten wir in einer regen Unterhaltung darüber, wie wir uns denn gegenseitig vorgestellt hatten und dass sich die Stimme am Telefon ganz anders angehört hatte und und und. Es war schon 23 Uhr, als wir auf dem Hof ankamen, trotzdem war Rose wach und umarmte mich erst mal herzlich. Die beiden halfen mir mit meinem Gepäck, was ja eigentlich nicht viel war. Komisch, ich hatte mich von so vielem getrennt und ich fühlte mich gerade eher, als wäre ich in den Urlaub gefahren. Eileen fragte mich, ob ich Hunger hatte, was ich verneinte. An dem Abend saßen wir noch bei einem Gläschen Wein zusammen und schnackten, bis die beiden mich in mein Zimmer entließen, in dem ich erst einmal müde ins Bett viel. Trotzdem tat ich kein Auge zu. Dies war nun mein neues zu Hause… Ich fühlte mich zunächst fremd und einsam, trotz der Herzlichkeit der beiden. Irgendwann zwischen 4 und 5 Uhr verfiel ich dann doch in einen tiefen Schlaf.
      Als ich am nächsten Morgen meine Augen langsam öffnete, fiel mein Blick erst auf den Wecker, worauf ich schlagartig wach war. 10 Uhr?! Ich hatte seit Ewigkeiten nicht so lange geschlafen. Ich begab mich schnell ins Badezimmer und machte mich fertig, worauf ich dann Rose aufsuchte. Sie lachte, ich hätte mich doch nicht so beeilen brauchen, wäre doch klar, dass ich einen kleinen Jetlag hätte. Erleichtert atmete ich durch.
      Rose zeigte mir an diesem Tag den gesamten Hof mit allen seinen Facetten, lies mich derweil auch ein paar Arbeiten verrichten, damit ich auch auf Touren kam. Ungewohnt war für mich, dass ich meine eigenen Pferde nicht versorgen konnte, die waren schließlich noch in Quarantäne. Da ich aber die tierärztlichen Untersuchungen alle schon zu Hause verrichten ließ, würden sie auch bald herkommen können.
      Nach dem absolut unglaublich leckeren Mittagessen, das Eileen zubereitet hatte, setzten wir uns zu dritt zusammen und arbeiteten schon mal einen groben Arbeitsplan für mich aus. In den ersten Tagen würden mich die beiden begleiten, damit ich die Pferde kennen lernte und mich nicht verlief. Nach einigen Wochen war eine gewisse Routine eingekehrt. Ich kannte die Pferde, die Gebäude und Wege. Obwohl ich mich sehr wohl fühlte, mein zu Hause war es immer noch nicht. Das Heimweh plagte mich jeden Abend, deshalb war ich immer froh über Beschäftigung. Ich arbeitete mehr als verlangt war, um mich abzulenken du Eileen und Rose machten sich schon Sorgen. Ich beteuerte immer, dass es mir gut ging, dass ich mich gut eingelebt hatte doch die beiden glaubten mir nie ganz.
      Besser wurde es dann, als ich meine vier Pferde aus der Quarantäne abholen konnte. Bei der Station angekommen füllte ich schnellstmöglich alle Papiere aus und überraschenderweise sollte ich auch noch die Daten für ein fünftes Pferd eintragen. Ich erklärte, dass das nicht stimmen könne, das wäre nicht mein Pferd. Der Sekretär holte dann einen Brief für mich heraus, ich laß ihn:

      Liebe Helena,
      ich hätte gerade gerne dein Gesicht gesehen: Ein fünftes Pferd? Ja, stimmt! Weißt du, ich dachte du brauchst noch ein größeres Geschenk, das dir den Start dort drüben erleichtert. Und da ich dich ja gut kenne und dich beobachtet habe, als du diesen Hengst schon als Fohlen so angeschmachtet hast, dachte ich mir: Den bekommt sie!
      Du bist jetzt stolzer Besitzer des Junghengstes Donnerschall!

      Ich traute meinen Augen kaum, das konnte nicht sein! Wahrhaftig träumte ich schon seit der Geburt dieses Hengstes von ihm, und jetzt sollte er meiner sein?

      Ich hoffe du kümmerst dich gut um ihn. Sollte ich mal Zeit haben, besuche ich dich und werfe ein Auge auf ihn! Und schick mir bitte ganz viele Fotos!
      In Liebe, deine Jenny

      Diese Frau! Ich hasste und liebte sie zugleich! Wie konnte sie mir denn so ein unverschämt tolles Geschenk machen? Auf dem Gestüt würde ich sie sofort anrufen. Ich lachte und betrat langsam den Bereich, in dem meine Pferde standen. Die großen einzeln und die Fohlen in einer Box. Alle schauten sie in meine Richtung. Die Tränen standen in meinen Augen und ich konnte sie nicht länger zurückhalten. Nacheinander umarmte, kraulte und schmuste ich Brött, Crime, Heimi und Jack. Dann betrachtete ich Donnerschall. So ein prachtvoller Junghengst. Er spielte mit seinen Ohren, bis ich schnalzte und so seine Aufmerksamkeit auf mich lenkte. Behutsam kraulte ich ihn zwischen den Ohren und er genoss es sichtlich.
      Zwei Hängerladungen später standen meine Lieblinge dann in ihren Boxen auf der Lake Mountain Ranch. Ich hoffte, dass sie sich schnell einleben würden. Sofort fühlte auch ich mich heimischer, schließlich gehörten meine Pferde zu meinem zu Hause und dies war doch ein Stück Heimat für mich.
      Drei Tage später waren die schönen schon viel entspannter, den Stress merkte man ihnen kaum mehr an und vor allem die Fohlen sind wunderbar in der kleinen Herde angekommen. Mein Arbeitsplan würde sich jetzt nach und nach ändern, wo ich mit meinen Pferden weiterarbeiten konnte. Brött war wieder viel tippeliger in der Zeit geworden, in der ich nicht darauf achten konnte. So eine Quarantänestation fütterte die Tiere nun mal nur und überprüfte die Gesundheit. Nun denn, da musste ich halt wieder ganz von vorn anfangen. Jedes Mal beim Hufekratzen tat Brött wieder so, als könne sie kein Gleichgewicht halten und beim Putzen lief sie schon beinahe vor mir weg, natürlich nur aus Jux, aber durchgehen lassen konnte ich es ihr nicht. Zum einen band ich sie wieder enger an und zum anderen bekam sie sogar kleine Karottenstückchen, wenn sie bei einem Huf wenigstens 5 Sekunden stehen blieb.
      Mit Crimetime war alles einfach, sie arbeitete gut mit, wenn ich mit Bodenarbeit anfing und ging auf alles neugierig zu, das sie noch nicht kannte. Sie stellte sich bei allem vorbildlich an und ich wusste im Moment nichts mit ihr anzufangen, schließlich machte sie alles korrekt und war zusätzlich unglaublich gelassen.
      Heimerdinger und Jack bekamen beide die gleiche Trainingskur. In den Wochen der Quarantäne hatten sie ordentlich abgebaut, nachdem sie eigentlich so gut auf die Turniersaison vorbereitet waren und sogar schon 2 erste Plätze belegten. Jetzt sahen sie jünger aus als sie waren, so ganz ohne Muskeln und ich longierte die beiden hauptsächlich. Springen konnte ich sowieso knicken, aber geritten wurden die beiden auch 2-3 Mal in der Woche.
      Donnerschall war noch nicht eingeritten aber wir liefen gemeinsam schnurstracks darauf zu. Ich machte mit ihm viele Vertrauensübungen und auch er wurde viel longiert. Seine Gänge waren schon jetzt ein Traum, auch wenn er nicht sehr trittsicher war, wie man an kleinen Stolperern erkennen konnte.
      Alles in allem lief es zwar nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte, aber schöner. Die Zukunft hier war alles, was ich mir wünschte.

      Pflegebericht, September 2014, by Waldvoegelchen


      Auf den Boden schauend machte ich mich auf den Weg zur Fohlenweide. Ich beobachtete, wie sich Ringe in den Pfützen bildeten, wenn es vom Baum heruntertropfte. Mir war kalt, Kanada war kalt. Das Termometer zeigte 7°C, was für ein Herbst. Aber es störte mich nicht, die warme, stehende Luft wich frischen Winden, die neue Aromen ins Land brachten. Am Zaun angekommen, schaute ich auf und schnappte mir einen Strick. Mit meinen Stiefeln stapfte ich durch den Schlamm vor dem Tor, der sich über die letzten Tage gebildet hatte. Die Fohlen sahen mich kommen, ließen sich aber nicht beirren und tobten weiter.
      Crime war grad am Grasen und nicht gerade begeistert davon, dass ich sie mitnehmen wollte. Langsam ließ sie sich hinter mir herziehen. Ich hatte es nicht eilig, trotzdem trieb ich sie zum schnelleren Gang an. Am Putzplatz stand die Kleine artig da und ließ mich ihr langsam ausfallendes Sommerfell herausbürsten. Den groben Schlamm konnte ich zwar entfernen, aber sauber sah sie trotzdem nicht aus. "Kleines Ferkel." lächelte ich.
      Ich wechselte ihr momentanes Halfter mit einem Knotenhalfter aus und ging mit ihre auf den Roundpen, auf dem ich sie zunächste ein paar Runden im Schritt führte. Dann machte ich mit ihr noch einige Aufmerksamkeitsübungen, wie abrupt stehen bleiben, damit sie lernt, auf mich zu achten. Nach einer halben Stunde entließ ich sie wieder zu ihrer kleinen Herde.

      Pflegebericht, Dezember 2014, by BellaS


      it einem Halfter in der Hand stand ich am Tor der Weide und beobachtete das kleine, graue Fohlen das über die Wiese tobte. es war ein klarer Tag, auf den ich mich gefreut hatte.
      Waldvögelchen hatte mir angeboten, dass ich mich um ihr Fohlen Crimetime kümmern könnte und ich hatte nicht lange gezögert dieses Angebot anzunehmen.
      Nun stand ich am Tor und rief den Namen der kleinen, grauen Stute. Crimetime spitze die Ohren und kam neugierig zum Zaun getrabt. Als sie jedoch das Halfter in meiner Hand bemerkte, machte sie sich schläunigst aus dem Staub.
      "Das kann ja heiter werden", dachte ich. Ich hatte keine wirklich große Lust auf einer Vorfolgungsjagd in der hebstlichen Kälte.
      Nach etwa zehen langen Minuten, gelang es mir schließlich das Halfter über den kleinen Kopf zu streifen und ich führte das Fohlen zum Putzplatz.
      Die folgende halbe Stunde verbrachte ich damit Crims Fell in einen schlammfreien Zustand zu bringen. Trotz der anfänglichen Hetztjagd benahm Crime sich anstandslos.
      Schließlich ging ich mit ihr in den Roundpen, denn Waldvögelchen hatte mir aufgetragen ein paar Gehorsams- und Aufmerksamkeitsübungen mit dem Fohlen durchzuführen
      Gesagt, getan. Zum Schluss holte ich einen großen, roten Gymnastikball und rollte ihn vorsichtig auf die kleine Stute zu.
      Erst jagte das unbekannte "Ding" ihr einen Schrecken ein und ich begann schon an meiner Idee zu zweifeln. Doch schließlich siegte die Neugier und wir begannen ein ausgelassenes Spiel mit dem Ball.
      Eine weitere Sekunde des Schreckens ereignete sich, als Crime feststellte das der Bal in der Lage war zu hüpfen. Sie schoss rückwärts und bremste nur wenige Centimeter vor der holzverkleideten Wand.
      Ich erschrak mich gewalltig und wollte unser Spiel schon beenden, doch das Fohlen war so begeistet von diesem neunen Spielzeug, dass wir nich einige Zeit weiter tobten.
      Mit einem Grinsen im Gesicht legte ich Crime schließlich wieder das Halfter an und brachte sie zurück zu ihrem Spielkameraden. erst alsich den Ball wegräumte, fragte ich mich was Waldvögelchen wohl von meiner Idee gehalten hätte und ich wunderte mich das Crimetime, trotz ihren Instikten als Fluchttier, so begeistert von den großen Gummiball gewesen war.

      Pflegebericht, Januar 2015, by BellaS


      Die Zeit die vergangen war, seitdem ich Crimetime das letzte mal besucht hatte erschien mir wie eine kleine Ewigkeit. Doch heute kam ich wieder zu Waldvögelchen um Crimes Pflege zu übernehmen.
      Die kleine Stute schien sich an mich und den Gummiball zu erinnern, denn als ich mit einem Halfter in der Hand die Koppel betrat kam sie mir freudig entgegen gehüpft.
      Sie hüpfte wirklich, als freute sich sich auf die folgende Stunde.
      Sich hatte keine Mühe ihr das Halfter anzulegen und ich glaube sie wäre mir auch ohne Halfter nachgelaufen.
      Während ich sie putzte, trippelte sie wieder und wieder einige Schritte in verschiedene Richtungen und warf den Kopf ungeduldig hoch. Dieses verhalten dehne die Zeit die ich benötigte Crimetime zu säubern auf eine geschlagene halbe Stunde aus.
      Als ich endlich fertig war, ging ich mit Crimetime zum Roundpen.
      Die Aufmerksamkeitsübungen, die ich eigentlich geplant hatte konnte ich vergessen, da sich die kleine Stute für nichts weiter interessierte als für den roten Gymnastikball den sie als geliebtes Spielzeug ansah. Auch den Ball aus dem Roudpen zu verbannen half nichts. Das brachte Crime nur dazu dauerhaft die Tür anzustarren durch die das Spielzeug verschwunden war, nichts mit Aufmerksamkeit.
      „Was habe ich da bloß angerichtet?“ fragte ich mich seufzend. Ich würde wohl oder übel Waldvögelchen informieren müssen. Notgedrungen ließ ich das Fohlen vom Halfter und ließ es spielen. Sie sah so niedlich aus, wie sie dem Ball hinterhersprang, dass ich mich genötigt fühlte mitzuspielen.
      Keuchend und verschwitzt beendete ich das wilde Spiel schließlich und beschloss mit weiterem Anti-Angst Training fortzufahren.
      „Sich kann es später brauchen.“ dachte ich „Und wenn es weiterhin so gut klappt habe ich nichts zu befürchten.“
      Ich trieb auf dem Hof eine Plastikplane auf die Crime erst argwöhnisch musterte, dann aber dauerhaft darauf herum trampelte als sie bemerkte das das „Ding“ unter ihren Füßen lustig knisterte. Mit dem Regenschirm brauchten wir länger da er nicht berechenbar auf und zuschnappen konnte was Crimetime gar nicht behagte. Schließlich überwand sie ihre Angst, befand aber das der Schirm kein gutes Spielzeug darstellte.
      Zufrieden brachte ich die kleine Stute schließlich zurück zu ihren Artgenossen auf die Weide und verließ den Hof. In der Hand meine Kamera mit der ich ein Erinnerungsfoto an die Tollerei mit dem Ball geschossen hatte.

      Pflegebericht, Februar 2015, by BellaS


      Heute ging es wieder zu Crimetime, meinem ersten Pflegepferd und somit besonderem Schatz. Obwohl es schon wieder 4 Wochen her war, schien die kleine graue Stute sich an mich zu erinnern und kam mir tatsächlich sogar entgegen gelaufen, als ich das Gatter der Weide öffnete.
      Ich legte ihr das Halfter an und machte mich auf den Weg zum Putzplatz. Waldvögelchens Hof lag unter einer dicken Schneedecke, und so beschloss ich mit Crimetime einen Sparziergang zu machen.
      Ich putzte das Fohlen gründlich und spürte schon die Ungeduld der Stute, die wahrscheinlich wieder ein ausgelassenes Spiel mit dem Roten Gymnastikball erwartete. Allerdings würde ich ihr diesen Gefallen heute nicht tun. Ich legte ihr ihre Winterdecke um und ergriff den Strick, dann ging es auch schon über den Hof und in Richtung Wald, welcher in der Nähe des Hofes lag.
      Wir waren noch nicht sehr weit gegangen, aber ich fror und Crimetime schien dringend Energie ablassen zu müssen, also begann ich zu laufen und das Fohlen folge mir übermütig.
      Wir rannten bis ich kaum mehr Luft bekam und stehen bleiben musste. Crimetime sah mich vorwurfsvoll an als wollte sie sagen: „Warum bleiben wir stehen, das begann doch gerade erst Spaß zu machen.“
      Ich lächelte und wollte ohne Vorwarnung wieder loslaufen, als ich auf einer Eisfläche ausrutschte, in den Schnee fiel und einen kleinen Abgang herunter rutschte. Den Strick hatte ich zum Glück losgelassen.
      Als ich, über und über mit Schnee bedeckt wieder am Weg ankam, stand die kleine Stute noch immer an ihrem Platz und guckte ziemlich verwundert, was für ein Schneemensch nun den Strick nahm.
      Da ich völlig durchnässt war und am ganzen Körper zitterte, brach ich den Spaziergang ab und kehrte mit Crimetime zum Hof zurück. Auch dort erntete ich verwunderte Blicke und wurde nicht nur einmal gefragt was passiert sei, bis ich Crimetime endlich zurück auf die Weide gebracht hatte und mir i meinem Auto trockene Kleidung angezogen hatte.
      Erst dann fand ich Zeit, mich gebührend von Crimetime zu verabschieden.

      Umzug zu Mr. Flynn, April 2015, by Waldvoegelchen


      Mein Vorhaben, einen Reitschulbetrieb mit Ferienanlage zu gründen, startete mit dem Verkauf eines Bauernhofs. Mr. Flynn war zu alt geworden, und hatte keine Verwandten, die seinen Hof bewirtschaften wollten. Es war ein netter alter Mann, doch um die inzwischen nur noch 10 ha konnte er sich nicht mehr kümmern. Seine Tiere hatte er verkauft, einen Teil seines Landes auch. Zurück blieb ein alter Kuhstall und das Wohnhaus. Er bat darum, weiterhin zur Miete bei mir wohnen zu dürfen. Er wollte wissen, wie es mit seinem Lebenswerk nun weiterging und natürlich hatte ich kein Problem damit. Der Hof war nur 2 Stunden von Jasper entfernt, ich hatte also keine Probleme mit dem Transport meiner Pferde.
      Bevor der Umzug anstand, musste ich jedoch erst einiges tun. Der Kaufvertrag wurde direkt nach der Besichtigung geschlossen, aber auf den Wiesen gab es keinen Unterstand und der Kuhstall war mir zu heikel, weil Istas dann mit Heimi zusammenstehen müsste, was beiden garantiert nicht gut bekam. Also überprüfte ich die schon für die Kühe eingezäunten Weiden nach Schäden an Zäunen, was ein ziemlicher Aufwand war, da die Flächen nicht gerade wenig Raum einnahmen. Ich musste nicht viel machen, nur einige Latten waren morsch und schnell ausgetauscht, Nägel standen keine raus und auch sonst sah ich keine Verletzungsrisiken. Da war Mr. Flynn wohl noch fleißig gewesen, dieser Teil war zumindest instand. Auch gefährliche Pflanzen waren auf dem gesamten Stück nicht zu entdecken.
      Immer wenn ich dort war, wartete Mr. Flynn mit einem heißen Kaffee und einem Stück Kuchen auf mich, sodass ich mich richtig auf den bevorstehenden Umzug freute. Das Zusammenleben mit dem Mann würde wirklich angenehm werden, aber vorher musste ich noch weitere Dinge erledigen.
      Zunächst musste ich mich leider von einigen meiner Pferde trennen. Der erstklassige Hengst Donnerschall, Elysion, mein Liebling Jack, die stolze Shyva mit ihrem Ammenfohlen Jinx und auch Maelis – alles Trakehner mit denen ich viel gearbeitet, geschwitzt und gelacht habe – wurden verkauft. Auf meinem neuen Hof hatte ich noch keine Anlagen, um die Pferde zu fördern und ich wollte, dass ihnen auch weiterhin eine rosige Zukunft bevorstand. Ich wusste, dass ich noch viel von ihnen hören würde und dass auch der Kontakt zu den neuen Besitzern immer bestehen bleiben würde, weshalb mir der Verkauf nur halb so schwer fiel wie erwartet. Natürlich würde ich sie alle vermissen, ohne Zweifel, aber als Schulpferde waren sie alle nicht geeignet und bis ich die Anlagen hatte, die ich für das Training brauchte, und das Geld, um Helfer einzustellen, würde zu viel Zeit verstreichen. Schließlich sind es alles leistungsbereite Tiere, die nicht nur rumstehen wollen.
      Im Frühjahr war es dann so weit, ich packte meine Sachen und der Pferdetransporter stand bereit. Ich hatte trotz der verhältnismäßig kurzen Transportstrecke bedenken. Istas war schwierig, er lies sich immernoch nicht gerne anfassen, geschweige denn verladen und er verstand sich auch nicht sonderlich gut mit den anderen Pferden. Ich war schon am Überlegen, zwei mal zu fahren aber war mir nicht sicher, ob das von der Zeit her klappte.
      Ich entschied mich dazu, Istas als erstes zu verladen. Ihm Transportgamaschen anzulegen war schon das erste Problem. Er lies sich nicht beruhigen, obwohl wir das schon mehrmals geübt hatten. Nachdem wir ihm etwas Kamille gegeben hatten, wurde es einfacher, aber leicht noch immer nicht. Zumindest trat er nun nicht mehr aus. Das Verladen selbst wurde dann doch verhältnismäßig einfach. Zwar gab sich Istas stur und wollte par tout nicht in den Hänger eintreten, aber zumindest versuchte er sich nicht vom Strick loszureißen. Mit Lockmitteln in Form von Futter trat er dann in die Hängerbox und war entspannter, als ich es erwartet hätte. Er beobachtete uns zwar aufmerksam, aber er trat nicht gegen die Türen oder tat ähnliches. Ich fragte mich, ob er einfach einen guten Tag hatte, oder ob das langwierige Training wohl doch schon kleine Erfolge zeigte.
      Die anderen Pferde ließen sich problemlos verladen. Heimi kannte das in und auswendig, Feli war einfach furchtbar neugierig und für neues immer offen und mit Crime hatten wir das auch schon ein paar mal getestet.
      Ein Freund von mir, Luke, war so nett und fuhr den Transporter zum Hof, damit ich auf die Pferde achten konnte. Ich hielt Abstand von Istas, aber ich merkte, wie meine Anwesenheit ihm doch etwas Sicherheit gab. Er hatte wohl doch gelernt, dass von mir nichts Böses ausging und spürte, wie entspannt ich war. Crime war die ganze Fahrt über fröhlich am fressen, Heimi döste vor sich hin, Feli wollte toben und war enttäuscht, dass hier nicht genügend Platz war und Istas starrte gespannt auf die Hängertür, er bewegte sich während der Fahrt kein Stück.
      Einen Tag vor der Abfahrt hatte ich schon kleine Weideabschnitte abgetrennt. Heimi bekam eines allein, sowie Istas. Die Stuten würden gemeinsam auf die Koppel kommen. Das Ausladen war aber auch schon wieder ein neues Istas-Abenteuer. Kaum öffnete ich die Boxentür, rannte er mich beinahe um, raus aus dem Hänger. Kurz danach blieb er aber prompt stehen und betrachtete die Gegend. Seine Anspannung lies nach und er ließ sich wieder einfangen. Er hat sich selten so brav führen lassen. Er überholte nicht, riss nicht am Strick. Dieser Ort schien ihm zu gefallen.
      Die Pferde standen nun also auf ihren Abschnitten. Crime und Feli spielten, Heimi schaute neugierig zu den jungen Stuten. Mr. Flynn erwartete mich und Luke mal wieder mit Kaffee und Kuchen. Käsekuchen um genau zu sein, sogar noch warm. Bevor wir uns an den Tisch setzten, wollte mir der alte Mann aber unbedingt etwas zeigen. Wir gingen in den alten Kuhstall und was stand dort? Ein brauner, verwahrloster Ponyhengst. Mr. Flynn erzählte mir, er hatte ihn auf einem Privatgrundstück ohne Futter und Wasser gefunden. Nach Absprache mit Polizei und Tierschutzverein bot er an, das Tier bei sich unterzubringen. Er bat mich, ihm zu helfen, das Pony aufzupäppeln und ich lehnte natürlich nicht ab. Vorerst schien er versorgt zu sein. Er war ungewöhnlich zutraulich und verschmust, doch sein Fell fühlte sich verklebt an. Ich schaute, ob er Putzzeug kannte und er ließ sich die Putzmassage sichtlich gefallen. Danach sah er schon viel besser aus und mir fiel seine unglaubliche Traummähne auf. Lockig, voll und lang. Mr. Flynn sagte, er würde Bittersweet Memory heißen und ich dachte direkt, dass das passt.
      Ich wollte den Hengst am liebsten nicht alleine lassen, aber er war stabil und wir wendeten uns dem Kuchen zu. Ich erzählte, was ich alles auf dem Land vorhatte und Luke bot mir direkt an, mir bei allem zu helfen. Ich lachte und bedankte mich, diese Kanadier waren einfach immer so höflich.
      An diesem Tag blieben wir lange wach und stießen mit Wein auf die rosige Zukunft an. Ich war mir sicher: Hier war mein zu Hause.

      Stallaltag, Oktober 2015, by Waldvoegelchen


      Es war Herbst geworden in Kanada. Ich merkte das an der bitteren Kälte, die mir jedes Jahr auf's neue durch Mark und Bein zog. Hatte man sich im Laufe der kalten Jahreszeit daran gewöhnt, ging alles leicht von der Hand, doch die ersten kalten Tage waren immer hart. Handschuhe an oder aus? Hat man sie an, hat man wegen dem Stoff weniger Gefühl in den Fingern für feinere Arbeiten, hat man sie aus, hat man wegen der Kälte erst recht kein Gefühl in den Fingern, geschweige denn, dass man sie bewegen könne. Ich lief also schon mit Handschuhen umher und gerade am Abend wurde es immer kritisch, wenn die Kälte schon richtig im Körper haftete und man nicht, wie morgens, vom gemütlichen Bett aufgewärmt war.
      Zum Glück war noch morgens und ich erledigte meine Arbeiten gewissenhaft. War ja schließlich mein Hof und für das nächste Jahr musste er in Schuss sein, wenn die ersten Feriengäste kommen sollten. Trotzdem wartete zu allererst der Alltag auf mich. Heu auffüllen, Weiden überprüfen und vor allem abäppeln. Die Boxen mit Futter für die Pferde befüllen, die Kraftfutter bekamen. Als ich damit fertig war, kam Luke mich besuchen. Er umarte mich herzlich mit einem Arm und holte dann mit seinem anderen Arm eine Brötchentüte hervor. "Na, zusammen frühstücken?" Ich lachte und sagte natürlich nicht nein. Ich setzte Kaffee auf und klopfte vorsichtig an Mr. Flynns Tür, um zu schauen, ob er schon wach war. Natürlich war er das, der alte Herr konnte nicht mehr so gut schlafen und ich lud ihn mit zum Frühstück ein. Er kam direkt mit runter und freute sich über Lukes Besuch. Der Kaffee war, wie immer, zu stark, aber keiner der beiden sagte was, um mich nicht zu verletzen. Mich würde es ehrlich gesagt nicht stören, wenn sie mal ihren Mund aufmachen würden, denn eine Hausfrau war ich gewiss nicht, aber so war es schon immer. Zu einem Frühstück bei Helena gehörte eben ein zu starker Kaffee.
      Luke arbeitete mal hier, mal da als Kellner oder Barkeeper, aber mir half er auch gerne aus, auch wenn er dafür kein Geld bekam. Er war auch eigentlich kein Reiter, aber als Vergütung bekam er von mir ab und zu mal Reitstunden, wenn er denn Lust hatte und inzwischen wusste er zumindest, wie man Pferde lenkt und wie man in allen Gangarten sitzenbleibt. Im Umgang mit den Pferden war er allerdings ein Naturtalent. Er selbst hatte mir Istas inzwischen viel mehr erarbeitet als ich. Wahrscheinlich, weil er nicht verlangte, sondern einfach alles belohnte, was richtig aussah, und das klappte bei dem wilden Hengst. Auch heute fragte Luke, ob er mit Istas in den vor 4 Monaten gezimmerten Roundpen gehen durfte und ich sagte natürlich nicht nein. Während ich den Tisch abdeckte, holte er mir schon Memo von der Weide und band ihn am Putzplatz an. Istas nahm er direkt mit auf den Roundpen. Zunächst ließ er ihn einfach laufen, wie der Hengst es wollte. Er schnupperte am Gras, das am Rand wuchs, wirkte sichtlich uninteressiert, schlug ein paar Bocksprünge, trabte einige Runden und hatte seinen Spaß. Irgendwann kam er freiwillig zu Luke und ließ sich die Nüstern streicheln. Das war auch das Zeichen für meinen Freund, auf den Roundpen zu dürfen. Er schnappte sich eine Bürste und kletterte einfach über den Zaun. Ich konnte mich zwar inzwischen ebenfalls mit Istas auf gemeinsamem Boden aufhalten, doch Luke war ihm wesentlich lieber, das war einfach sein Mensch. Ich hoffte nur, dass man ihn irgendwann reiten könnte.
      Ich stand inzwischen mit einem fertig gebürsteten Pony am Putzplatz, sattelte den Braunen und nahm ihm sein Halfter ab, auf dem eingraviert auf einem Metallstück in schnörkeligen Buchstaben "Bittersweet Memory" stand. Ein Geschenk von Mr. Flynn an den lieben Hengst, der bald bereit war, von dem graubärtigen Mann geritten zu werden. Ich hatte ihn nach seiner Ankunft erst schonend angefüttert, nach 2 Monaten fing er sogar langsam an, anzusetzen und ich nahm das Training auf, um Muskeln aufzubauen. Er war definitiv vorher schon geritten worden, jedoch in keiner definierbaren Reitweise. Die Hilfen kamen für ihn erst sichtlich schwammig an, inzwischen hatte der Kleine es aber richtig drauf. Souverän trabte er auch heute mit mir über Stangen, lief auf jeder Hand dreimal jeweils eine lange Seite im Galopp und suchte sogar zeiweise eine Anlehnung. Er hatte noch nicht genug Muskeln, um sich dauerhaft selbst tragen zu können aber demnächst könnten Mr. Flynn und Memo richtig durchstarten. Der Mann konnte reiten - und wie! Er traute sich nur nicht mehr richtig. Ich hatte ihn zwischenzeitlich auf Heimi reiten lassen und das war echt sauber, was er da machte. Er hatte vielleicht nicht mehr die Kondition, 30 Minuten konzentriert Dressur zu reiten mit aussitzen im Trab und allem drum und dran, aber er hatte einen atemberaubenden nd eine wunderbar feinfühlige Hand, genau das, was Memo brauchte. Und schwer war der Mann auch nicht.
      Als ich mit Memo fertig war sah ich, dass Istas wieder auf seiner Weide stand und Luke mir zugeschaut hatte. Ich bat ihn, den Braunen fertig zu machen und in seine Box zu stelle, bis er aufgegessen hatte, dann konnte er wieder raus. Außerdem durfte er noch die Fohlen bespaßen. Während er zu Feli und Crime auf die Weide ging, holte ich Heimi von seiner und Memos Weide und machte ihn fertig. Ich trainierte mit ihm erste M-Lektionen der Dressur mit seinen jungen 7 Jahren. Dieses Pferd war aber auch unglaublich aufnahmefähig und lernte unfassbar schnell. Er war ein echter Gelände-Crack, da er immer abrufbar war, zur Not aber auch den nötigen Biss hatte, seinen Reiter zu retten, wenn der einen Fehler machte. Die Dressur gehörte aber zu jeder Vielseitigkeitsprüfung und auch darin hatte er eine super Veranlagung, aber im Viereck fing er gelegentlich an, sich selbst zu beschäftigen oder durch Unaufmerksamkeit blöde Fehler zu machen. Man konnte es ihm aber nicht unbedingt übelnehmen, da er seine Herrausforderung brauchte und wenn ihm diese nicht gegeben wurde - tja, dann war er geistig wo anders.
      Während ich fliegende Galoppwechsel übte, wurde Luke von den Fohlenmädels überrannt. Auch die liebten den Kerl. Er kraulte herzhaft Felis Kruppe und Crimes Widerrist und tobte mit den beiden. Lief er los, preschten sie hinterher, blieb er stehen, legten sie einen showreifen Sliding-Stop hin. Was sie vielleicht machmal noch ein bisschen mehr liebten als ihn, waren die Karotten, die er immer mitbrachte. Bei Luke war auch ein Leckerlie nie weit.
      So begann der Nachmittag, die Fohlen ruhten sich aus, Heimi futterte genüsslich seinen Hafer und wir machten uns selbst Pizza. Mr. Flynn verzichtete, der hatte schon die Hühnersuppe vom Vortag gegessen. Mit viel Gelächter und roten Clowns-Tomatenmark-Nasen schoben Luke und ich die Pizza in den Ofen. Heute Nacht musste er wieder arbeiten, weshalb er am Nachmittag auch wieder gehen musste, aber ein gemeinsames Mittagessen war noch drin. Ich würde nachher im Kuhstall weiterzimmern, der durch Umbauten immer mehr nach Pferdestall aussah. Alles ging natürlich nicht allein, einiges musste eine Baufirma machen, da die Gitterstäbe im Mauerwerk eingefasst waren aber Holzarbeiten machten mir Spaß, die ersten von mir gebauten Boxen standen auch schon komplett, bei den anderen stand nur der Rahmen, den ich nicht allein hätte anertigen können. Die Verkleidung hatte ich mir aber zur Aufgabe gemacht und wenn weitere Pferde einziehen wollen, müssen die auch langsam fertig werden.

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      März 2016, by Canyon

      Aushilfe bei den Jungpferden


      Normalerweise fuhr ich ja nur auf die Gips Reminder Ranch, wenn ich mal wieder ein paar der vielen Pferde trainieren wollte, heute war meine Hilfe aber in einem ganz anderen Gebiet gebraucht. Verena hatte sich bei mir gemeldet, weil es mal wieder auf der großen Ranch jede Menge Arbeit gab und die Mitarbeiter bereits mit all dieser überfordert waren. Natürlich freute ich mich darauf, die Ranch und ihre Pferde mal von ganz anderer Seite kennenlernen zu dürfen.
      Zum Glück war ich zur Zeit ganz in der Nähe unterwegs gewesen, weswegen der Weg nicht allzu lang war, wie normalerweise. Außerdem passierte ich dadurch bereits früh am Morgen die Hofeinfahrt, wo mich Verena sofort freundlich begrüßte, denn mittlerweile kannten wir uns schon recht gut.
      Da Verena jedoch gleich wieder an die Arbeit musste, rief sie nach Octavia, welche ich bereits bei meinem letzten Mal auf der Ranch hatte kennenlernen dürfen. Das junge Mädchen erinnerte mich immer wieder an die Schwester meines Freundes Shadow, denn sie ähnelten sich nicht nur im Aussehen, sondern in ihrem ganzen Verhalten.
      Auch Octavia schien nicht sonderlich daran interessiert, mit mir ein Gespräch anzufangen, führte mich jedoch gleich zu meiner ersten Arbeitsstelle und erklärte mir, was wir jetzt tun würden.
      Als erstes auf meiner Liste standen alle Jungpferde der Ranch, was nicht gerade wenig waren. Sie lebten in einem Offenstall, wo sie ganztägig Auslauf hatten.
      Wir begannen bei den Stuten; Eine bunt gemischte Herde verschiedenster Farben. Die erste Stute, welche vor mir stand, hatte eine besondere Scheckung und so wie mir Octavia erklärte, hieß sie Crimetime und war Bereits eine etwas ältere Ponystute. Crime folgte uns auch hinein in den Offenstall, wo wir die Tränken kontrollierten und dann die Heunetze wieder frisch auffüllten.
      Mittlerweile hatten sich mehrere um uns gescharrt und Octavia kam kaum noch hinter her, mir alle Namen zu nennen, welche ich mir sowieso nicht merken würde.
      »Die Fuchsstute da hinten heißt Blossom Magic und daneben, das ist Colonel's Charity, die beiden sind noch recht scheu.«
      Außerdem zeigte sie mir noch die neuste Stute auf dem Gestüt It's me, Amira!, sowie noch die hübsche Natsu's Little Harley und VK Aquila T Mistery. Nachdem sich alle an mich als neue Person gewöhnt hatten, ließen sie sich auch ohne Probleme streicheln, was ich auch sehr ausführlich tat. So viele junge Stuten hatte ich schon lange nicht mehr um mich gehabt! Zusammen mit Octavia untersuchte ich dann alle Jungpferde noch nach Verletzungen, zum Glück hatte keiner welche, und weiter ging es zu den Junghengsten, welche auf der anderen Seite des Stalls standen.
      Auf den ersten Blick zählte ich sechs und Octavia bestätigte diese Vermutung, als sie mir all ihre Namen nannte.
      Der älteste und auch größte von den Hengsten war ein braunes Vollblut namens Wildfire xx, welches flott auf uns zu kam, als Octavia seinen Namen rief. Auch das hübsche Paint Horse VK Gunna Whiz folgte seinem Weidefreund und mit ihm kamen auch die anderen langsam angetrabt. Besonders niedlich war der kleine Bellamy' O, welcher neben den anderen wie ein Spielzeugpferd aussah. Er hielt sich etwas im Hintergrund, kam schließlich auch zu uns, als sich alle anderen um uns versammelt hatten. Bei den Hengsten fingen wir mit dem Streicheln und nach Verletzungen absuchen an, was genauso viel Spaß wie bei den Stuten machte.
      Lil Nucu Omira schien etwas in Spiellaune, beruhigte sich jedoch etwas, als er merkte, dass jetzt erstmal Streicheln angesagt war.
      Vorallem VK Funky's Wild Berry, ein weiteres hübsches Paint Horse, genoss meine intensives Streicheln und lief mir auch hinter her, als ich mit Octavia in den Offenstall ging, um dort nach dem Rechten zu schauen.
      Auch hier füllten wir das Heu nach und kontrollierten die Tränken, doch zum Glück war auch hier alles in Ordnung, sodass Octavia und ich die Arbeit den den Jungpferden beendeten und zum nächsten übergingen.
    • Veija
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      "Verena- ich kaufe sie" | 5130 Zeichen | © BellaS

      Von Verena O‘Conner hatte mir Bella bereits einiges erzählt. Unter anderen, dass sie die eigentliche Besitzerin unseres Skrudis war und Vaena eines Tages übernehmen würde. Da Bella in ihrem Beruf als Trainerin oft in Kanada auf ihrer Ranch war, musste sie mich wohl weiter empfohlen haben, denn jetzt hatte ich einen Tierarztauftrag von Verena bekommen. Zwei Stuten sollten komplett durchgecheckt werden. Eine Routineuntersuchung eben.
      Ich wurde bereits erwartet und direkt zu meiner ersten Patientin für den heutigen Tag geführt. Hof Spot war eine freundlich wirkende Stute. Ein Deutsches Reitpony und Freizeitpferd mit viel Geduld. Dementsprechend entspannt zeigte sie sich auch, als ich begann sie am ganzen Körper abzutasten. Das diente dazu versteckte Knoten oder Schwellungen aufzuspüren und auch starke Verspannungen, die gerne mal die Ursache eines Übels bildeten, konnte ich so entdecken. Hier war jedoch alles im grünen Bereich. Nun war Verena dran, denn ich wollte die Stute auch in Bewegung begutachten. Hot Spot lief folgsam und geschmeidig neben ihr her und war mit ihrer Aufmerksamkeit bei ihrer Besitzerin. So sollte es sein.
      Als nächstes wollte ich einen Blick in ihr Maul riskieren. Auch dabei musste Verena mir assistieren, damit die Stute nicht einfach auf die Idee kam selbiges einfach zu schließen. Auch ihre Zähne waren in bester Ordnung.
      Nun kramte ich das erste Mal in meiner Tasche und fischte Fieberthermometer und Stethoskop heraus. Gemessen wurde bei Pferden am After, am Hintern, wenn man es weniger fein ausdrücken wollte.
      „Körpertemperatur und Atmung sind normal.“, murmelte ich vor mich hin und griff wieder in meine Tasche, aus der ich einen Katheter und einen Tupfer mit Desinfektionsmittel zu Tage förderte. „Verena könntest du bitte aufpassen? Bisher war sie ja unglaublich lieb, aber ich möchte trotzdem keine Bekanntschaft mit ihren Zähnen machen.“ Ich grinste. Die Stelle am Hals, die Drosselvene, war nicht schwer zu finden. Ich desinfizierte sie und versenkte die Nadel vorsichtig im Hals der Stute. Hot Spot zuckte kurz, entspannte sich dann aber wieder, als der kurze Schmerz abebbte. „Und jetzt noch zweimal pieksen.“, bemitleidete ich das Pony kurz, ehe ich die Blutprobe beschriftete und in meiner Tasche verpackte. Als nächstes kam der Chip, der mit einer dicken Nadel im Fettgewebe am Pferdehals platziert wurde. „Warum werden eigentlich s wenig Pferde schon im Fohlenalter gechippt? In Deutschland ist das üblich.“, fragte ich mich selbst. Mir war das schon bei vielen anderen Patienten aufgefallen, dass der Microchip offenbar noch nicht gang und gebe war. Ich trug Verena auf den Aufkleber von der Verpackung des Chips in Hot Spots Equidenpass einzutragen und injizierte noch den Impfcocktail, ehe ich Verena zum Thema impfen und den benötigten ruhetagen aufklärte und die Stute dann zurück in ihre Box brachte. Nebenan stand auch ein Deutsches Reitpony. Eine junge Stute in einer Farbe, die ich noch nie gesehen hatte. Ich schaute sie einen Moment an, dann wandte sie den Kopf zu mir und ihr Blick traf meinen. „Amelie.“ Hatte ich das eben laut gesagt? Der freche Blick und das unerschrockene Wesen erinnerten mich unglaublich an meine Tochter. „Nee. Crimetime.“ Kam es grinsend von Verena. „Ich weiß schon, dass sie nicht Amelie heißt. Aber sie erinnert mich so an meine Tochter. Amelie.“ „Sie ist zu verkaufen.“ Wieder grinste Verena.


      Während ich die zweite Stute abtastete, waren meine Gedanken bei der grauen Stuten mit dem besonderen Muster. Ihr Fell hatte Streifen, etwas dunkler als die Grundfarbe, fast als wäre irgendwo ein Zebra in ihren Vorfahren zu finden. So bemerkte ich auch erst beim vortraben, dass die Stute nicht astrein ging. „Mit dem rechten Vorderbein ist etwas nicht in Ordnung. Sie tritt nicht richtig auf.“, stellte ich fest und tastete noch einmal drüber. „Wenn dir das wichtig ist, können wir noch ein Ultraschall machen, aber mich würde sagen das ist nur verstaucht. Zwei Tage Ruhe und das hat sich erledigt. Madame hat wahrscheinlich etwas überschwänglich herumgetobt.“

      In aller Ruhe kontrollierte ich die Zähne und Vitalfunktionen der Stute. Sie war alles in allem etwas rabiater als Hot Spot und war nicht mit allem was ich da trieb ganz zufrieden, sodass Verena für alles, was mit einer Nadel zu tun hatte, ordentlich festhalten musste. Schließlich war jedoch auch Davina gechipt, geimpft und komplett kontrolliert. Dank der Impfung sollte sie so oder so zwei Tage nur leicht bewegt werden und bis dahin dürfte die Verstauchung abgeklungen sein. Schätzungsweise war die Stute schon ein paar Tage damit gegangen, denn die Verletzung hatte keinen frischen Eindruck gemacht. Ich erledigte noch den Papierkram und machte mich dann auf den Heimweg.

      Von Kanada noch Dänemark war es eine ganz ordentliche Reise, sodass mir viel Zeit zum nachdenken blieb – und zum schreiben von WhatsApp Nachrichren mit Bella. Sie kannte Crimetime. Gut sogar. Die Stute war als Fohlen ihre Pflegebeteiligung gewesen und sie fand es sehr schade sie aus den Augen verloren zu haben. Und so war das erste, was ich zu Hause tat, des Erledigen eines Anrufs.
      „Verena. Ich kaufe sie.“
    • Veija
      18. Januar 2017
      Zirensik - Kompliment, Knien, Liegen & Küssen geben
      © FrauHolle

      Mein nächstes Trainingspferd führte mich ins wunderschöne Norwegen in die Nähe des Tyrifjords. Die Besitzerin von Crimetime hatte mich gebeten, ihrem Pony das Küsschen geben, sowie das Liegen beizubringen.
      Den ersten Tag verbrachte ich damit, die junge Stute besser kennen zu lernen. Damit sie sich vor mir ablegen würde, brauchte sie sehr viel Vertrauen zu mir. Ich verbrachte fast zwei Stunden mit ihr. Zuerst putze ich sie, dann ging ich eine Runde mit ihr spazieren. Ich ließ sie grasen und kraulte ihr nebenbei sanft den Hals. Am Ende ging ich mit ihr auf den Platz und fing an, etwas Bodenarbeit mit ihr zu machen. Sie entpuppte sich als ein sehr fleißiges und ruhiges Pony, weshalb ich mich sehr auf die Arbeit mit ihr freute.
      Am nächsten Tag fing ich mit dem richtigen Training an. Wir hatten uns besser kennen gelernt und Crimetime war sehr auf mich fokussiert. Das Küsschen geben war das kleinere Problem. Ich nahm ein Leckerli in die Hand und kitzelte ihr an der Nase, während ich ihr mein Gesicht hinhielt. Vorsichtig hob Crimetime leicht ihre Nüstern. Ich lobte sie für jeden kleinen Fortschritt und nach ungefähr zehn Minuten zeigte sie stolz ihre Zähne. Während ich ein Leckerli in der Hand hielt, tippte ich auf meine Nase. Crimetime streckte mir ihre Nase ins Gesicht und ich lobte sie zufrieden. Um noch etwas anderes zu machen, fing ich mit den Vorübungen zum Liegen an. Vorsichtig tippte ich mit meiner Gerte ihr Bein an. Crimetime kannte es noch nicht, ihr Bein auf Kommando zu heben aber auch dies hatte sie sehr schnell verstanden. Am Ende gab ich ihr noch ein paar Leckerlies zwischen ihren Vorderbeinen, denn das würde ich für den morgigen Tag gut gebrauchen. Ich beschloss, das Training für heute zu beenden und brachte sie zurück zu ihrer Herde.

      Den nächsten Tag startete ich mit der Festigung des Küsschen Gebens. Crimetime war höchst motiviert bei der Sache und war stolz auf ihre neue Übung. Auch das Beinheben vom Vortag klappte erstaunlich gut, sodass ich mich an den nächsten Schritt machen konnte. Während ich sie mit einem Leckerli mit ihrer Nase zwischen ihre Beine führte, tippte ich ihr linkes Bein mit der Gerte an. Crimetime verstand nicht so ganz, was ich von ihr wollte und es dauerte einen Moment, bis sie beide Übungen verknüpfen konnte. Schließlich hatte sie es verstanden und ich war wirklich begeistert, wie schnell die Stute lernte. Da sie noch sehr jung war und sie sich nach und nach immer schlechter konzentrieren konnte, beendete ich die Trainingseinheit.

      Mit neuer Kraft und Energie starteten wir das Training am nächsten Tag. Ich war schon sehr früh auf der Ranch. Es war eisig kalt und die Sonne ging gerade auf. Crimetime und ich waren inzwischen ein gutes Team geworden und wir konnten direkt mit dem Training starten. Das Kompliment klappte wunderbar und mein Ziel für heute war, dass sie sich hinknien würde. Voller Motivation ging ich an meine Aufgabe heran. Es dauerte ungefähr 20 Minuten, bis die Stute das Knien verstanden hatte. Sie blieb zwar noch nicht lange genug im Knien, sondern sprang ziemlich schnell wieder auf, aber für heute war ich zufrieden mit ihr.

      Der vorletzte Tag war ein stürmischer und regnerischer Tag und das Training musste heute in der Halle stattfinden. Fleißig übten wir das Knien, bis sie schließlich so lange liegen blieb, bis ich das Kommando zum Aufstehen gab. Für den nächsten Schritt übte ich zuerst mit ihr, dass sie ihr Hinterbein hob, wenn ich sie dort mit der Gerte antippte. Schnell hatte sie das Prinzip verstanden. Während Crimetime mit den Vorderbeinen auf dem Boden kniete, tippte ich ihre Hinterbeine an. Sie verlor das Gleichgewicht, kippte zur Seite und sprang auf. Ich beruhigte sie und versuchte es in aller Ruhe noch einmal. Wir brauchten viele Versuche, bis sie schließlich all ihren Mut zusammen nahm und sich vor mir ablegte. Ich war überglücklich, lobte und streichelte sie und gab ihr etwas zu Essen. Nach diesem Erfolg beendete ich das Training.

      Am letzten Tag sollte der Abschluss unseres Trainings stattfinden. Ich ging jeden einzelnen Schritt mit Crimetime durch. Kompliment klappte gut. Auch das Knien hatte sie inzwischen drauf. Aber auch heute brauchten wir einige Versuche, bis sie sich hinlegte. Um ihr eine kleine Pause zu gönnen, festigte ich noch einmal das Küsschen geben, was inzwischen hervorragend funktionierte, und ging daraufhin 15 Minuten mit ihr spazieren. Nach dem Spaziergang ließ ich sie noch zwei mal vor mir ablegen und beschloss dann, Feierabend zu machen.
      Crimetime war ein sehr lernfähiges Pferd, welchem ich innerhalb von fünf Tagen vier neue Lektionen beigebracht hatte. Auch wenn sie immer etwas Zeit brauchte, bis sie sich hinlegte, war ich sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Bevor ich mich auf den Weg nach Hause machte, plauderte ich noch ein wenig mit der Besitzerin von Crimetime. "Dran bleiben! Irgendwann wird das Ablegen für sie ein Kinderspiel sein", motivierte ich die Besitzerin.
      Mit einem guten Gewissen fuhr ich ein letztes Mal vom Hof und freute mich auf mein nächstes Trainingspferd.
      18.01.2017 (c)FrauHolle
    • Veija
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      20. März 2017
      Tyrifjord Ranch - Ankunft in der neuen Heimat | 39 263 Zeichen
      © Canyon & BellaS

      Bella
      Die norwegische Landschaft zog an beiden Seiten der breiten Straße an mir vorbei. Ich genoss den Anblick, auch wenn er nicht viel Abwechslung bot. Tannen. Grüne Nadelbäume rechts und links. Darüber das Dämmerlicht des Tages. Es war Winter. In wenigen Tagen war Weihnachten und die Ausläufer der Polarnacht hielten Norwegen in eisernem Griff. Die fehlende Sonne und das künstliche Licht machten mich schläfrig. Eigentlich kein Wunder. Ich war seit 14 Stunden wach, von denen ich fünf hinterm Steuer verbracht hatte. Auf der Fähre hatte ich zwar vier Stunden Zeit gehabt, während denen der LKW auf dem Frachtdeck festgezurrt stand, doch meine Fracht hatte meiner Aufmerksamkeit bedurft. Ich kutschierte meine Pferde, meine Ausrüstung, eigentlich meinen gesamten Hof von Dänemark nach Norwegen. Und warum das Ganze? Sicher war ich mir da auch nicht mehr.
      Begonnen hatte es wahrscheinlich damit, dass Robin und ich uns irgendwie auseinandergelebt hatten. Ich mochte den sympathischen Dänen noch immer, aber ich liebte ihn nicht mehr und das hatte ich ihm so gesagt. Trotzdem hatte er beschlossen mit mir nach Norwegen zu kommen. Meine neue Existenz mit aufzubauen. Wie er zu mir stand hatte er mir nicht gesagt, doch für mich war es eine Trennung in Freundschaft.
      Nun schaukelte unser zweiter LKW hinter meinem her. Ich konnte ihn im Rückspiegel erkennen und auch meinen Freund, pardon, Exfreund, der erstaunlich konzentriert auf die leere Straße blickte. Eigentlich nicht nötig, denn hier war absolut nichts. Eine ausgebaute, breite Straße, Bäume an den Seiten und ich vor ihm. Kein Gegenverkehr, niemand, der in unsere Richtung fuhr. Schlicht und einfach nichts.
      Wieder schweiften meine Gedanken ab. Ich dachte an Linns Umzug nach Island, der sie glücklich gemacht und mich meines Zuhauses beraubt hatte. Ich fühlte mich auf einmal nicht mehr wohl auf meinem Traumhof, erledigte meine Arbeit nur lustlos, wusste nicht mehr warum ich tat was ich tat. Und dann hatte ich begonnen zu verkaufen. Vierzehn Pferde blieben, alle anderen sollten eine neue Heimat bekommen.
      Und dann kam der Tag mit dem fatalen Anruf einer alten Freundin. Charly war Teil des Teams der Tyrifjord Ranch in Norwegen und hatte mich kurzerhand auf ihren Hof eingeladen, nachdem ich ihr mein Herz ausgeschüttet hatte. Eine schlaflose Nacht später hatte ich begonnen Kisten zu packen.
      Dass weder Marion noch Amelie von der Idee begeistert gewesen waren, war kaum verwunderlich, doch dieses Mal stand meine Entscheidung fest.
      So kam es, dass wir nun über norwegische Straßen schaukelten. Das Ziel: unsere neue Heimat.

      Robin
      “I femhundrede meter drej til højre.”, verkündete das Navi. Meine erste Amtshandlung hinterm Steuer dieses Gefährts war es gewesen die Ansagestimme des Navigationscomputers auf meine Muttersprache umzustellen. Bella und ich waren nicht mehr zusammen, wozu sollte ich dann weiter deutsch sprechen?
      Vor mir tat Bella bereits, was mir mein Navi gerade verkündet hatte. Sie bog nach rechts ab. Die Straße war merklich schmaler als die Vorhergehende, aber genauso wenig befahren. Ein Glück, denn entgegenkommende Fahrzeuge hätten kaum eine Chance an unseren LKWs vorbei zu kommen. Ein Blick auf die elektronische Straßenkarte sagte mir, dass wir nun nur noch dem Straßenverlauf folgen müssten. Am Ende der Straße erwartete uns dann unser Ziel. Genau diese Information plärrte Bruchteile von Sekunde später aus den Lautsprechern der Fahrerkabine. Obwohl die obligatorische Frauenstimme dänisch sprach, nervte sie mich. Es gab wenige Dinge, die mir auf langen Fahrten nach Unbekannt mehr auf die Nerven gingen als die elektronisch-monotone Stimme des Navis, aber irgendwie brachte ich es nie über mich das Gerät abzuschalten. Ziemlich dämlich, da ich eigentlich nur Bellas Gefährt folgen musste, welches durch seine schiere Masse schwerlich zu übersehen war.
      Die letzten Minuten der Fahrt zogen sich wie angewärmtes Kaugummi und die Spannung wuchs. Warum ich überhaupt aufgeregt war wusste ich nicht. Ich war zwar auf dem Weg nach Unbekannt, wo mich ein neues Leben erwartete, aber ich vertraute Bella. Ich würde ihr überall hin folgen.

      Malte
      Das Radio des großen Stallgebäudes brachte an diesem Morgen nichts Besseres zustande, als schnöde und obendrein noch total kitschige Schnulzlieder und das ganze auch noch auf norwegisch. Ich liebte diese Sprache, immerhin war es meine Muttersprache, aber Lieder klangen echt grässlich!
      Ich hatte das Radio nicht angestellt, denn auch ohne das ständige Beschallen konnte ich die Arbeit im Stall ohne Probleme erledigen. Petyr war es gewesen, welcher mir die Ohren vollgeheult hatte, dass es so leise war.
      Die Sonne war gerade erst hinter den Wipfeln der Berge hervorgekrochen, dabei war es bereits fast Mittag, und wirklich hell und warm war sie nicht. Wir hatten Glück, dass das riesige Stallgebäude beheizbar war, sodass ich jedenfalls hier drinnen nicht erfrieren würde.
      Wie aus Gewohnheit, und vielleicht auch aus guter Laune, pfiff ich eines der Lieder mit und schippte dabei, Box für Box, die Hinterlassenschaften der Pferde aus dem Heu. Die erträglichere Aufgaben, nämlich das Stroh in den Boxen nachzufüllen, hatte sich Petyr gekrallt, wer denn auch sonst.
      Ein Blick auf die Displayuhr meines Steinzeithandys sagte mir, dass es drei Minuten vor halb zwölf war und natürlich war gerade jetzt der Augenblick der Zufälle, bei dem man einen Anruf bekam. Ich bekam selten Anrufe und wenn schon waren es meist geschäftliche, sodass ich beim ersten Vibrieren wusste, wer es war.
      Ich hatte Bella bei unserem letzten Telefonat gesagt, dass sie sich lieber an mich wenden sollte, wenn sie ankommen würde. Nico war mal wieder unterwegs und Charly mit Bartholomäus beschäftigt und ich wusste, dass sie zur Zeit nicht besonders gut drauf war.
      Ich betätigte die grüne Taste meines Handys. »Malte?«
      »Bella hier. Wir sind in wenigen Minuten da. Wo genau sollen wir hinkommen?« Bellas Stimme klang müde und ausgelaugt und die lauten Geräusche des Transporters ließen mich ihre Worte schwer verstehen.
      »Kommt erstmal auf den Parkplatz vor’s Stallgebäude, dort erwarte ich euch und bespreche dann alles weitere. Du solltest das Gebäude eigentlich auf der rechten Seite recht gut sehen. Holmenelva ist nicht besonders groß,«
      »Alles klar. Sollte ich es nicht finden, melde ich mich nochmal.« Sie legte auf und auch ich ließ mein Handy zurück in die Hosentasche gleiten. Dann verließ ich die Box und stellte Schubkarre und Mistgabel davor ab.
      »Petyr?!« rief ich die Stallgasse entlang und versucht die überlaute und anstrengende Stimme des Moderators zu übertrumpfen.
      »Hä?« Petyrs Kopf kam aus einer der Boxen zum Vorschein und sein Blick ließ andeuten, dass er mich nicht verstanden hatte.
      »Ich gehe Bella und Robin begrüßen!« schrie ich mit kratzger Stimme und hoffte inständigs, dass sie noch bis mindestens Weihnachten aushalten würde.
      Fragend zog Petyr die Augenbrauen hoch und hielt eine Hand hinter sein Ohr. »Ich verstehe dich nicht, du musst lauter sprechen!« rief er mit klarer und kräftiger Stimme, die so das genaue Gegenteil der meinigen war. Genervt winkte ich ab und drehte mich in Richtung Ausgang. Egal, dann musste er die Stallarbeit eben alleine machen. Ich wollte nur weg aus diesem Partystall.
      Die frische Luft tat gut. Sie durchfuhr meine Haare, meine staubigen Kleider und meine Kehle und brachte etwas Energie zurück, welche ich anscheinend in den letzten drei Stunden verloren hatte.
      Gemütlich ließ ich mich an der Einfahrt zum Parkplatz nieder und blickte die holprige Landstraße in Richtung Süden entlang. Ich freute mich darauf Bella kennenzulernen, von welcher ich nicht gerade wenig gehört hatte und mit welcher ich seit einigen Tagen den Kontakt pflegte. Sie schien eine interessante junge Frau zu sein und ich war gespannt, wie sie sich hier einleben würde.
      Mein Blick richtete sich in die Ferne und lehnte mich entspannt an einen Pfosten einer Straßenlaterne. Am grauen Himmel war kein Vogel zu sehen und auch die Sonne war wieder von den dunklen Wolken zurückgetrieben wurden. Erst die hellen Scheinwerfer eines Transporters zogen meinen Blick wieder auf sich und mit einem Anflug von Freude stellte ich fest, dass es Bella war.

      Bella
      Ich steuerte den LKW auf den Parkplatz und hoffte einfach, dass ich hier richtig war. Ein Blick in den Rückspiegel sagte mir, dass Robin es mir gleich tat. Ich drehte den Zündschlüssel und der Motor erstarb. Jetzt blieb nur noch warten. Gerade als ich mich im Sitz zurücklehnen und endlich einen Moment entspannen wollte, kam ein blonder Mann über den Parkplatz auf uns zu. Eindeutig Malte. Ich hatte ihn zwar nie gesehen, aber vor vielleicht zwanzig Minuten angerufen, um ihn vorzuwarnen, dass wir bald ankämen.
      Mit meiner Entspannung würde es also nichts werden. Ich öffnete die Tür und kletterte steifbeinig aus dem Führerhaus. Hinten bei meiner “Fracht” rumorte es. Ich hatte sowohl Fee als auch Vin auf meinem LKW, was der Geduld der gesamten Herde nicht zuträglich war.
      “Hallo. Du musst Malte sein.”, begrüßte ich den jungen Mann. Nun gut, so jung war er nicht. Bestimmt so alt wie ich. Nachdem mir das klar geworden war, kam mir meine Anrede komisch vor. Trotzdem verbot ich mir jetzt herumzustottern, sondern wartete einfach seine Reaktion ab. Er schien sich jedoch nicht daran zu stören, sondern ging geradewegs auf mich zu und umarmte mich, als würden wir uns schon ewig kennen. Nach einer Sekunde Schockstarre erwiderte ich die Umarmung ebenso herzlich.
      Inzwischen war auch Robin aus seinem LKW gekommen und stellte sich Malte vor, während ich gedanklich schon auf glühenden Kohlen saß, da das rumpeln aus meinem LKW merklich zugenommen hatte.
      “Malte, Robin. Sorry, aber die Pferde müssen da raus. Laufey nimmt sonst alles auseinander.”
      Dass die zwei Kerle sich auf Anhieb gut verstanden merkte ich schon, als wir begannen die, teils erschöpften und teils gestressten, Pferde aus den LKWs zu laden. Eine provisorische Koppel sollte ihnen als Nachtquartier dienen. Die Hengste in freie Gästeboxen im Stall, die vorausschauenderweise bereits vorbereitet worden waren. Sogar im Chaos wegen des Umzugs war an alles gedacht worden, nur hatte ich Charly, den klugen Kopf dahinter, heute noch nicht zu Gesicht bekommen.
      Als endlich alle Pferde provisorisch untergebracht waren, lehnte ich mich müde an die Tür meines LKWs. Es war inzwischen später Nachmittag und die Reise hatte mich so sehr geschafft, dass ich mich auf meine unbequeme Liegefläche im LKW freute. Unseren, nein meinen, eigentlichen Wohnort, würde ich erst in den nächsten Tagen beziehen können. Mich jetzt in mein Bett zu verkriechen war mir allerdings nicht vergönnt, denn nun trat Malte, der blonde Norweger wieder auf mich zu.

      Malte
      “So Bella, sag an, was hast du nun vor?” Entspannt lehnte ich mich neben die junge Frau. Ich hatte mir schon gedacht, dass ich mich gut mit ihr verstehen würde, immerhin hatte mir Charly bereits einiges über sie und Robin erzählt, aber dass ich war selbst erstaunt über mich, dass ich innerhalb der letzten Stunden so schnell Vertrauen zu ihr gefasst hatte. Meist fiel es mir ziemlich schwer, mich mit neuen Gesichtern anzufreunden, aber bei Bella mit ihren hübschen Locken und den weichen und warmen Gesichtszügen war es mir erstaunlicherweise ziemlich leicht gefallen.
      “Nicht viel. Ich bin ziemlich müde, die Autofahrt hierher war der reine Wahnsinn.” Antwortete sie mir erschöpft.
      “Dann würde ich mal sagen, dass ich euch nun eure Zimmer zeige”, meinte ich verständnisvoll. “Los komm, dein Gästezimmer wird dir gefallen!”
      Nachdem Bella und ich auch Robin gefunden hatten, holten wir die wichtigsten Taschen aus den Autos und trugen diese den gefrorenen Sandweg am Ufer des Tyrifjords entlang. Links von uns lagen einige Koppeln, welche das Stallgebäude vom ursprünglichen Hof trennten. Der Weg war nicht weit, jedoch kam er mir erstaunlich lang vor, mit den schweren Taschen auf meinen Schultern.
      Auch Robin und Bella schnauften ganz schön, als wir die Stufen des Wohnhauses erreichten, in welchem Bella für die nächste Zeit untergebracht werden sollte. Ich hatte noch gar nicht die Klingel gedrückt, da erklang von der anderen Seite der Tür das laute Bellen Asukas. Früher war er der ruhigste Hund gewesen, welchen ich je kennengelernt hatte. Seitdem jedoch Bart auf der Welt war, hatte sich der kleine schwarze Whippet eigenhändig zu dessen Bodyguard erklärt und verhielt sich natürlich auch dementsprechend. Es dauerte nur ein paar Sekunden und Charly öffnete breit strahlend die blaue Haustür. Auf dem Arm hielt sie den strohblonden Bart, dessen Locken denen von Nico jetzt schon erstaunlich glichen.
      “Bella, Robin! Schön, dass ihr endlich da seid! Kommt herein, kommt herein!” Meinte Charly freundlich und grüßte Bella und Robin überschwänglich.
      “Ich glaube”, sagte ich, “Dass es erstmal besser wäre, wenn ich Robin seinen Schlafplatz zeige. Wir können uns aber gerne nachher zum Abendbrot wiedersehen, wenn sich alle eingelebt haben. Oder?” Fragend schaute ich in die Runde. Als alle durch Nicken ihr Einverständnis gegeben hatten und Charly noch einmal überdeutlich ihre Freude über die Ankunft von Bella und Robin kundgetan hatte, schloss sie die hübsche Tür wieder und ich war mit Robin allein.
      “So, dann zeige ich dir mal meine Wohnung!” Lächelnd blickte ich kurz zu Robin und führte ihn dann über den gepflasterten Hof hinüber zu einem weiteren Wohnhaus. Der Dachboden war noch unausgebaut, aber die beiden kleinen Wohnungen im Erdgeschoss waren vor einiger Zeit hübsch restauriert wurden. Seit einiger Zeit lebte eine junge Frau, sie war Künstlerin und arbeitete in Sylling in einem Kunstatelier, in die Wohnung neben mir gezogen. Das Bad mussten wir uns allerdings teilen, denn es lag genau zwischen unseren Wohnungen. Ich hoffte, dass sich auch Petyr mit Tjarda verstehen würde, ich erwartete jedoch nichts gegenteiliges.
      Meine Wohnung glich meist eher einem Müllcontainer, jedoch hatte ich es gestern geschafft das Gröbste an Staub von allen Möbeln abzukehren und jedenfalls das Sofa und den altmodischen Ohrensessel in der Mitte des kleinen Wohnzimmers etwas aufzuhübschen. Als ich die Tür zu meiner Wohnung öffnete, begrüßte mich mein Wolfshund Gery, mit einem tiefen Bellen, jedoch schien er es nicht für nötig zu halten, sich von seinem gemütlichen Platz am warmen Ofen zu entfernen.
      “Tadaaa!” Rief ich und breitete meine Arme aus, um Robin die Pracht meiner kleinen Wohnung schmackhafter zu machen. “Willkommen im Paradies!”
      Robin grinste mich an und ließ dann seinen Rucksack schwer atmend neben dem Sofa nieder, bevor er sich umblickte. “Und wo schläfst du?” Wollte er wissen.
      “Ich werde mich mit dem Sofa zufrieden geben, du darfst gerne mein Zimmer haben. Immerhin bist du mein Gast!”
      Zuerst versuchte Robin mir auszureden, ihm mein kleines Schlafzimmer zu geben, jedoch dauerte es nicht lange, bis er eingesehen hatte, dass es bei mir sinnlos war.
      Die Zeit bis zum Abendessen verbrachten wir damit, uns aufs Sofa zu fläzen und uns die wichtigsten und natürlich witzigsten Fakten aus unserer Vergangenheit zu erzählen. Als es dann jedoch Zeit fürs Essen wurde, begaben wir uns wieder zurück zum Haupthaus, wo Charly bereits dabei war den Tisch zu decken.

      Robin
      Ein gemeinsames Abendessen also. Dann würde ich immerhin direkt Gelegenheit haben, die gesamte Hofbesatzung kennen zu lernen. Immerhin waren mir noch einige Gesichter aus der Runde, die langsam eintrudelte, unbekannt. Charly mit ihrem kleinen Sohn und Malte kannte ich natürlich. Als mein Blick auf Bella fiel, die Charly ihren Kleinen abgenommen hatte und nun lächelnd im Arm hielt, spürte ich einen Stich im Herzen. Sollte das hier wirklich sein? Hatte ich diese Frau verloren? Wie hatte ich das bloß zulassen können?
      Resigniert setzte ich mich auf den nächsten freien Platz, der weder direkt neben noch gegenüber von Bella lag. Ich würde es endlich schaffen müssen, sie mir aus dem Kopf zu schlagen. Irgendwie. Zum Glück lenkte mich jetzt ein Mann ab, der die Treppe hinunter kam und sich ohne ein Wort oder einen Blick zu mir neben mich setzte. Den blonden Locken nach zu Urteilen, die auf seinem und dem des kleinen Jungen wucherten, Charlys Mann.
      Nach und nach erschienen alle anderen, bis alle Plätze am großen Küchentisch besetzt waren. Nun begann natürlich die große Vorstellungsrunde. Während die Begrüßungen von gefühlt dreißig Leuten auf mich einprasselten, versuchte ich mir wenigstens ein paar der vielen Namen und Gesichter zu merken. Neben mir saß Nico, tatsächlich Charlys Mann und Vater des kleinen Bart. Allerdings machte er auf mich keinen sonderlich sympathischen Eindruck. Malte kannte ich ja bereits. Ein besonders auffälliges Gesicht blieb auch hängen. Die große, schlanke Frau hatte zwei Augenfarben und ein offenes Gesicht. Sie stellte sich als Tjarda vor und ich beschloss sofort, dass ich sie mögen würde. Dann gab es da noch Torun, Teodor, Petyr und Vuyo. Letzter war auffällig, da er am Tisch der einzige mit dunkler Hautfarbe war. Nachdem wieder Stille eingetreten war, ergriff Bella das Wort und bedankte sich. Vorstellen mussten wir uns nicht mehr, da offensichtlich alle hier bescheid wussten. Charly hatte das Team offenbar vorbereitet und so sah ich nicht nur musternde und offene Mienen, sondern auch Dinge wie Mitleid. War es so offensichtlich, dass ich von Bella nicht loskam?

      Nico
      Ein gemeinsames Abendessen, was für eine Freude. Genervt blickte ich auf die Uhr, welche genau gegenüber von mir hing. Es waren erst zehn Minuten vergangen, stellte ich schockiert fest. Charly hatte gerade alle Anwesenden herzlich begrüßt und ich fragte mich, wie sie nach diesem stressigen Tag und bei dem vollen Haus so fröhlich sein konnte. Auch Bart schien seinen Spaß zu haben und grinste jeden am Tisch mit einem frechen Grinsen an.
      Den Mann links neben mir hatte ich noch nie gesehen, schloss jedoch daraus, oh wie schlau war ich nur, dass das Bellas Freund, sorry, Exfreund war. Er sah nicht schlecht aus, war aber auch älter als ich und das gefiel mir gar nicht.
      Ich beugte mich, vielleicht aus Langeweile, vielleicht auch aus Neugierde, zu ihm hinüber. “Du bist also Robin. Warum genau ziehst du aus deinem Heimatland in den Norden, obwohl dich Bella anscheinend abserviert hat? Unser Hund Asuka würde das Selbe tun.”

      Robin
      Was bitte war das denn für ein Typ? Unhöflich wie Nichts und musste natürlich direkt den Finger in meine offensichtlich offene und blutige Wunde.
      “Was soll diese Frage? Mir geht es hier um die Pferde. Ich liebe die Tiere die Bella mir anvertraut hat - die übrigens einfach eine gute Freundin ist.”
      Ich war nicht aufbrausend. Auch nicht schnell genervt, doch dieser Typ machte mich rasend.


      Nico
      “Weißt du, mein Freund, ich weiß, dass es schwer ist loszulassen, aber manchmal muss man sich einfach eingestehen, dass es vorbei ist. Ich will dich nicht loswerden, nein, du bist ein witziger Typ, aber Bella zu liebe kannst du ja nochmal drüber nachdenken.” Ich blicke ihn ernsthaft und mit durchdringendem Blick an. Ich liebte diesen Gesichtsausdruck bei anderen, wenn man ihnen gerade offenkundig einen Korb gegeben hatte. Irgendwo meldete sich mal wieder meine Alarmglocke, dass ich vielleicht doch zu weit gegangen war, aber bereits vor langer Zeit hatte ich erlernt, wie ich diese gut überhören konnte.

      Robin
      Ich musste mich hart zusammenreißen, mir nicht offensichtlich auf die Lippe zu beißen oder sonst eine Reaktion meiner Verärgerung zu zeigen, damit wir nicht zum Kino für den ganzen Tisch wurden. Darauf diese Diskussion mit allen zu führen, hatte ich nun wirklich kein bisschen Lust. Ich wusste, ich lief Bella nach. Rannte ihr erbärmlich hinterher, alles in der Hoffnung sie könnte eines Tages doch noch feststellen, dass wir zusammen gehörten. Ich hatte mich verdammt nochmal so Hals über Kopf und unsterblich in diese Frau verliebt… Ja, ich konnte ihr noch nicht einmal übel nehmen, dass sie mit mir Schluss gemacht hatte. Und ich wusste, das war verrückt. Ich war verrückt. Gleichzeitig wollte ich aber auf keinen Fall eingestehen, dass ich mir dieser Tatsache bewusst war und meinem Herausforderer so Kampflos das Feld räumen.
      “Darüber muss ich nicht nachdenken. Das ist eine Tatsache.”, bemerkte ich also nur trocken. Was auch immer sich da zwischen Nico und mir anbahnte, es war nichts Gutes.

      Nico
      Ich zog meine Augenbrauen nach oben und blickte ihn leicht mitleidig an. Der arme Mann, so voller falscher Vorstellungen vom Leben. Ich seufzte. “Ich sehe, heute Abend werden wir beide wohl nicht mehr auf den gleichen Zweig kommen. Aber, was haben wir nur für ein Glück, sind wir ja für die nächste Zeit Nachbarn, da finden sich bestimmt passende Momente in denen ich dir die wahre Welt zeigen kann.” Meinte ich und nahm dann einen Schluck von dem Glas mit rotem Wein vor mir.
      “Hast du zufällig Lust auf einen Ausritt morgen früh?” Fragte ich Robin leicht überheblich. “Reiten kannst du doch, oder?”

      Robin
      “Nein, das tut mir leid. Ich habe Angst vor Pferden und weiß nicht wie rum ein Sattel drauf gehört.” Ich kratze mich am Kinn. “Könnte sein, dass ausreiten da schwierig wird.” Jetzt war es an mir den Mann neben mir mit einem spöttischen Hundeblick anzusehen. Ich saß auf dem Pferd seit ich laufen konnte und hatte mein Leben lang nichts anderes getan. Wenn ich ihm verbal schon nichts entgegen zu setzen hatte, dann eben in reiterischer Hinsicht.

      Nico
      Ich musterte ihn verwirrt mit zusammengekniffenen Augen und nahm dann noch einen Schluck von meinem Wein. “Ich nehme an, dass das Ironie war.” Ich merkte selbst, wie meine Mauer zu bröckeln anfing, jedoch verdeutlichte es der Blick von Robin um einiges.
      “Möchtest du, dass ich eines unserer Ponys nehme, damit ich dir nicht allzu überlegen bin? Eure Isländer sind ja alle nicht gerade groß und Gerechtigkeit ist mir ziemlich wichtig.” Versuchte ich mich wieder hinaufzukämpfen.

      Robin
      Klein aber oho. Ganz eindeutig hatte Nico noch nie einen Fünfgänger laufen sehen. “Nimm was du willst. Auf die inneren Werte kommt es an, nicht auf die Größe, Hm?”

      Nico
      “Ach immer diese Islandponyreiter, ihr denkt auch alle, dass eure Pferde von einem anderen Planeten sind und dadurch Superkräfte haben. Aber mir soll’s Recht sein, denn unter uns, ich verliere nicht gerne.” Scherzhaft zwinkerte ich Robin zu. Das Gespräch mit ihm hatte mich um einiges aufgemuntert und so griff ich nun doch hungrig nach der Salatschüssel. Aus den Augenwinkel sah ich, wie Malte mich genauestens beobachtete, als ich jedoch meinen Blick erhob, war sein Gesicht zu Bella neben sich gewandt.
      “Möchtest du auch etwas Salat?” Fragte ich Robin und lächelte ihn freundlich an.

      Robin
      “Sehr gerne.” Ich langte kräftig zu und vergaß den anfänglichen Zorn. Der morgige Tag würde auf alle Fälle lustig werden.
      Den Morgen verbrachte ich mit dem sortieren unseres Zaumzeuges, welche trotz sorgfältigem Einräumen zu völligem Chaos mutiert war. Als ich endlich alles provisorisch auseinander sortiert hatte, bequemte sich der junge Vater und Herr des Haupthauses auch in den Stall. Meine Wahl für den heutigen Ausritt war längst auf Fenja gefallen, da die Stute nicht nur treu, sondern auch unglaublich schnell war. Klein aber oho.

      Nico
      Er hatte es so gewollt und mein Gewissen war kein bisschen schlecht, als ich, vielleicht gegebenenfalls eventuell etwas zu spät das Stallgebäude betrat und den Weg zu der Box von Marid einschlug. Ich hatte ihn heute morgen gleich in der Box gelassen und auch wenn ihm das gar nicht gefiel, bedeutete es für mich weniger Arbeit.
      “Guten Morgen Robin!” Rief ich die Stallgasse entlang und winkte meinem neuen Freund kindisch. “Gut geschlafen?”
      Ohne eine Antwort abzuwarten schnappte ich mir das Putzzeug und begann meinen Hengst, welcher mir eingeschnappt sein Hinterteil zugewandt hatte, zu putzen. “He Vad alter Freund, dem da drüben zeigen wir es heute, stimmt’s?” Versuchte ich ihn zu beschwören. Große Gedanken machte ich mir jedoch nicht, dass ich mich blamieren würde.
      Nachdem der Hengst geputzt war, holte ich aus der Sattelkammer Vads Distanzsattel und seine hübsche gelbe Biothanetrense.

      Bella
      Auch ich war bereits früh im Stall und hatte mir in den Kopf gesetzt die Gegend etwas erkunden. Dort traf ich auf Robin, sowie Nico, die schweigend nebeneinander ihre Pferde fertig machten. Sie würden wohl seltsamerweise zusammen ausreiten, auch wenn sie sich nicht unbedingt gut zu verstehen schienen. Robin hatte Fenja gewählt, die neben dem großen Hengst von Nico sehr zierlich wirkte, trotzdem war mir sofort klar, dass die Zwei sich ein Rennen liefern wollten. Aus diesem und kaum einem anderen Grund hatte Robin sich das zweitschnellste Pferd aus meinem Stall ausgesucht. Nur Laufey konnte Fenja toppen und meine Fee gehörte mir.
      Unbemerkt schnappte ich mir das schön sortierte Sattel und Putzzeug genau dieser Stute und gelangte ungesehen nach draußen. Dort band ich mein ungeschlagenes Lieblingspferd am Koppelzaun an und begann sie reitfertig zu machen. Ich würde den Jungs folgen. Mal sehen auf was für Ideen sie kämen.
      Wenige Minuten später verließ das ungleiche Paar den Hof. Sie ritten an mir vorbei ohne mich zu bemerken und so schwang auch ich mich auf den Rücken meiner Stute und folgte den Männern mit genug Abstand, sodass sie mich nicht bemerken würden.

      Malte
      Am frühen Morgen bereute ich es, dass ich gestern Abend mich zu noch einem Glas Wein hatte mitreißen lassen, denn genau dieses spürte ich nun tief in meinen Knochen. Als ich das Haus verlassen hatte, schlief Robin noch tief und fest, weswegen ich mich nun verwundert umdrehte, als ich ihn auf dem Waldweg an den Weiden vorbeireiten sah. Seit heute Morgen war ich schon damit beschäftigt, die Wiesen abzuäppeln und nicht nur meine Hände waren dadurch gefroren.
      Erstaunt stützte ich mich auf den Stil der Mistgabel und versuchte durch das dichte Geäst hindurch zu erkennen, was da vor sich ging. Mit noch größerem Erstaunen stellte ich fest, dass eine Pferdelänge vor Robin niemand anderes als Nico auf seinem Hengst Marid ritt. Ich hätte es wissen müssen, an Nicos Blick von gestern Abend hätte ich seine fiese Idee erraten müssen. Ich seufzte theatralisch. Jetzt war es sowieso zu spät, denn die Pferde verschwanden im dunklen Wald. Nico schlug den Weg zur Galoppstrecke ein und das war nicht irgendeine, nein, war DIE Galoppstrecke und ich wusste, dass jemand unerfahrenes keine Chance gegen Nico dort hatte, nicht einmal Robin.

      Robin
      Ich folgte Nico mit einer Pferdelänge Abstand und bereitete mich bereits innerlich auf ein rasantes Galopprennen vor. Tatsächlich kam eine infrage kommende Strecke gerade in Sicht, doch nur ein kurzer Blick auf den weichen, gewundenen Waldweg sagte mir, dass ich ohne Ortskenntnis keinerlei Chance haben würde. Ich konnte noch so ein guter Reiter sein, wenn ich nicht wusste was kam hatte ich keinerlei Chance.
      Trotzdem entschloss ich mich das Wagnis einzugehen und in Würde zu verlieren. Wenn Nico es nötig hatte zu so einer Strecke zu greifen, hatte er im klassischen Rennen gehörigen Respekt vor mir und meinem Pony. Das war mir fürs erste genug.

      Nico
      “Also mein Freund,” ich parierte mein Pferd durch und präsentierte Robin die Galoppstrecke. “Unsere Galoppstrecke mit garantiert tollem Naturerlebnis. Ab und zu gibt es mal ein paar Wurzeln, da muss dein kleines Pony dann eben springen oder so, weiß ja nicht, ob es da drüber steigen kann.” Ich lächelte verschmitzt und zwinkerte Robin freundschaftlich zu. Noch etwas was ich gut konnte: Glaubwürdig lächeln und das in den verschiedensten Situationen. Ich war mächtig stolz auf mich und mein Talent.
      “Was sagst du, traust du dich?”

      Robin
      “Gar kein Problem.” Ich fasste die Zügel etwas kürzer und grinste Nico herausfordernd an. “Pass du mit deinem Riesen lieber auf. Tief hängende Äste haben schon so manchen Reiter auf böse Art und Weise aus dem Sattel befördert.” Normalerweise wäre ich jetzt mit diesen Worten aus dem Stand angaloppiert, doch bei dieser Strecke barg das zu viel Risiko und die Gesundheit meines Pferdes und meine Eigene waren dann doch wichtiger als mein Stolz.
      Nico, der genau das erwartet hatte, galoppierte nun wirklich reflexartig an. Eine Pferdelänge ließ ich ihm an Vorsprung, dann sporte ich auch Fenja an. Einen Isländer aus dem Stand in den Galopp zu bekommen war keine leichte Übung, aber Fenja war solche Eskapaden von mir gewohnt und bemerkte sofort, dass es sich hier um ein Rennen handelte. Voller Elan zog sie nach vorne, Nico und seinem Araber hinterher. Einen Herzschlag lang schloss ich die Augen und spürte die Bewegung des Tieres und den Wind im Gesicht. Egal ob Wald oder offener Strand. Das Gefühl im Galopp blieb dasselbe. Und ich liebte es einfach.
      Ein dünner Zweig holte mich zurück in die Wirklichkeit. Er schlug mir peitschenartig ins Gesicht und würde garantiert einen Striemen hinterlassen. Verflucht. Hier auf den Weg zu achten war wirklich notwendig. Der Abstand zu Nico hatte sich ersichtlicherweise nicht verändert, denn dieser war inzwischen auch vollauf beschäftigt diversen Baumauswüchsen auszuweichen. War das hier eine Galoppstrecke oder eine Querfeldein-Jagd?!

      Nico
      Auf Marid war immer Verlass. Egal ob es der Start war, oder die großen Wurzeln der uralten Bäume, welche den Waldweg auf beiden Seiten säumten. Ich liebte dieses Pferd und dieses Pferd liebte mich und deswegen stand es für mich gar nicht in Frage, dass wir vielleicht nicht gewinnen würden. Klar, Fenja und Robin schienen sich auch zu mögen, aber das war nicht genug, um gegen uns beide anzukommen.
      Ein Blick über die Schulter und ich blickte in Robins vor Anstrengung zusammengekniffenes Gesicht, welches jedoch vor Ehrgeiz leuchtete. Natürlich war das Rennen auch für mich kein Kuchenbacken, das gab ich gerne zu, aber ich hatte den Vorteil, dass ich genau wusste, hinter welcher Biegung eine Kreuzung oder ein Schlammloch folgte. Das einzige was ich nicht berücksichtigt hatte, war die eiserne Kälte, die mir im langsamen Tempo nicht bewusst geworden war, nun mir aber fast den Atem raubte. Ich vergrub meine nackten Hände tief in Marid Mähne und versuchte auch mein Gesicht vor dem unaushaltbaren Wind zu schützen, in dem ich mich tief über den warmen Pferdehals beugte. Ich war ein Mensch des Südens und diese Kälte hier konnte ich gar nicht ab. Nur noch weniger als die Kälte mochte ich Käsekuchen und das musste etwas bedeuten.
      Marid schnaufte erschöpft. Gnadenlos trieb ich ihn jedoch weiter, bereits das Ziel, das Ende des kleinen Waldstückes, vor Augen. Meine Sicht verschleierte mittlerweile ein dichter Vorhang von Tränen. Dem einen Ast wich ich geschickt aus und auch den zweiten ließ ich links liegen. Erst der dritte, welcher jedoch diesmal am Boden lag, übersah ich ungeschickt und Marid machte erst in allerletzter Sekunde einen Ausweichschritt zur Seite, wodurch ich meinen Steigbügel verlor und seitlich am Pferd hing. “So ein Mist!” Laut fluchend versuchte ich mich wieder zu ordnen, um auf keinen Fall meine Führung so kurz vor dem Ziel zu verlieren.

      Robin
      Ich sah Nicos Gesicht, der verkrampft versuchte seinen Steigbügel zurück zu angeln, während ich mit ihm gleichzog. Sein Araber, der garantiert eine Distanzpferd, das über den Winter aus dem Training war, schnaufte bereits erschöpft. Auch Fenja war nicht mehr frisch, aber lange nicht erschöpft. Noch immer spürte ich den eisernen Ehrgeiz, mit der die Stute mit dem viel größeren Hengst mithielt. Langsam wurde der Wind auf meinem Gesicht eisig, doch das war ich gewohnt. In meiner Heimat Dänemark war es um diese Zeit nicht wärmer und zudem hatte ich die letzten Jahre auf einer Insel mitsamt Seewind gelebt. Seite an Seite galoppierte ich mit Nico dem Ende des Waldpfades entgegen, das wir trotz verbissenen treibens auf der Zielgerade gleichzeitig erreichten. Wie genau das bei dieser Wegbreite möglich gewesen war, konnte ich nun wirklich nicht erklären.

      Nico
      Mein Lächeln war ausnahmsweise von meinen Lippen verschwunden und einem Zähnefletschen gewichen. Mit aller Kraft versuchte ich Marids Tempo nochmal ein kleines Stückchen zu erhöhen und meinen Vorsprung wiederzuerlangen, versagte jedoch kläglich, als wir den Wald hinter uns ließen und stolpernd die große Lichtung betraten. Neben mir galoppierte zur gleichen Zeit auch Robin ins Ziel und enttäuscht musste ich feststellen, dass ich wegen dieses einen kleinen Fehlers verloren hatte. Ich parierte Marid etwas zu grob durch und ließ ihn meine Enttäuschung spüren. Marid reagierte jedoch nicht, sondern streckte nur schlapp seinen Hals nach unten.
      “Glückwunsch.” Knurrte ich in Robins Richtung, meinte es jedoch kein bisschen so. Er konnte sich abschminken, dass ich zugeben würde, dass er gut mitgehalten hatte. Ich hätte locker gewonnen.

      Robin
      “Ich würde eher sagen das war komplett gleichzeitig.” Ein wenig verwirrt über den knurrenden Tonfall zuckte ich die Achseln. Für mich gab es kaum etwas, das bessere Laune bereitete als ein ausgelassenes Galopprennen, mit Ausnahme von…. “Würde ich auch sagen. Gleichzeitig.” ...genau dieser Frau. Bella kam entspannt hinter uns aus dem Waldweg getrabt. Sie war uns offenbar mit etwas Abstand gefolgt und hatte nun aufgeholt, da auch sie und Laufey sich keine Galoppstrecke entgehen ließen. “Und jetzt los. Ein Stück Schritt reiten. Nach so einem Galopp lässt mein kein Pferd stehen. Das ist tödlich für den Kreislauf.” Bella wie sie leibte und lebte. Ich war dieser Frau so hoffnungslos verfallen und hatte kein Problem damit, dass sie nun zu uns gestoßen war. Die Frage war nur, was Nico sagen würde.

      Nico
      “Annabell.” Ich seufzte’ Da konnte dieser Tag ja heute nur noch besser werden. Allerdings sorgte sie dafür, dass ich meine Enttäuschung wieder im Griff hatte. Gegebenfall hatte sie jedoch leider Recht, was die Pferde anging, sodass ich mich dazu gezwungen sah, Marid in den Schritt zu treiben. Entschloss ritt ich über die Lichtung hinweg zur anderen Seite, wo uns ein kleiner Pfad zurück auf die Landstraße und von da aus dann zum Gestüt bringen würde. Bella und Robin folgten mir und da mein ausergewöhnlich gutes Gespür für Menschen mir sagte, dass es zwischen den beiden wieder etwas angespannt war, drehte ich mich im Sattel um und lenkte Bellas Aufmerksamkeit auf mich. “Sag, Annabell, was führt dich hierher? Eifersüchtig, dass ich mit deinem-”, ich stockte kurz und blickte zwischen beiden hin und her, “-Weggefährten einen kleinen Ausritt machen wollte?”

      Bella
      “Eifersüchtig?” Ich glaube ich schaute wie ein Auto, denn Robin neben mir brach in lautes und ziemlich falsches Gelächter aus. “Nico, ich glaube du hast da etwas noch nicht ganz verstanden.” Ich hatte Robin noch nie so zynisch und bitter erlebt. “Sie hat mit mir Schluss gemacht. Nicht anders herum.” Damit wandte er sich ab und ließ Fenja antraben. Er lenkte die Stute in den nächstbesten Weg und war Augenblicke später verschwunden. “Hey.. Was..??” Was zum Teufel war hier eigentlich los? Ich drehte mich wieder zu Nico, der mich nur mitleidig anlächelte. “Du kapierst überhaupt nichts.”

      Nico
      Ich zog meine Augenbrauen so weit wie möglich nach oben und blickte Bella breit grinsend an. “Ach ja?” Ich zwinkerte ihr leicht überheblich zu. Dann wandte auch ich mein Pferd ab und nahm den kürzesten Weg nach Hause, den ich finden konnte. Robin war ja noch ganz in Ordnung, aber was auch immer Charly denken mochte, selbst für meine Verhältnisse war Annabell Schmiedemann einfach nur anstrengend.
      Auch Marid schien keine weitere Lust auf den Ausritt zu haben und brachte mich im flotten Tempo zurück zur Ranch, wo ich meinem Hengst den Sattel vom Rücken zog und ihn dann eilig in die Box brachte. Mein nächster Termin hieß nämlich Couch und den konnte ich leider nicht absagen.

      Malte
      Ungeduldig wippte ich von einem Fuß auf den anderen. Bereits vor viel zu langer Zeit hatte ich Nico und Robin in den Wald reiten sehen und da Nico bereits zurückgekehrt war, schien Robin immer noch da draußen zu sein. Da draußen, das klang so, als würde es hier von Räubern und gefährlichen Bären nur so wimmeln. Eigentlich war das ja auch kein Grund zur Sorge, aber ich traute Nico selbstverständlich nicht und als wäre das noch nicht genug, war auch Bella spurlos verschwunden. Charly meinte, dass sie sie seit dem Frühstück nicht mehr gesehen hatte und auch niemand anderes konnte mir über ihren Verbleib Auskunft geben. Ich zog mein Handy aus der Hosentasche und warf einen Blick auf die Uhr. Mit einer Hand drehte ich den Wasserhahn zu, mit welchem ich gerade einige Wassereimer gefüllt hatte, während ich mit der anderen Hand ungeschickt eine Nachricht an Bella tippte. Hier im nirgendwo war so wenig Empfang, dass ein Anruf nahezu unmöglich war. Einen Eimer nach dem anderen brachte ich nun auf die Weiden, welche nahe am Gestüt lagen. Im Winter mussten wir die Wasserleitung auf den Stall beschränken, damit die Rohre bei den Weiden nicht durch die Kälte platzten.
      Nachdem ich die Nachricht, in welcher ich Bella bat mir zu sagen, wo sie war und ob alles in Ordnung war, abgeschickt hatte, suchte ich im Stall nach einem Pferd, welches trotz des Winters genügend Energie und Kraft hatte, wenn nötig einen kleinen Distanzritt hinzulegen. Ich wollte Bella finden und ich wusste nicht warum, aber irgendwas sagte mir, dass ich zu ihr musste.

      Robin
      Ich wollte allein sein, aber Bella ließ mich nicht. Mir war klar, dass sie mir folgen würde und ich ließ sie. Schweigend und gemeinsam kehrten wir schließlich zur Ranch zurück, auf der noch jede Menge Arbeit auf uns wartete. Die Fohlen wollten bespaßt und Pferde bewegt werden. Zeit oder Motivation uns endlich einmal auszusprechen und die Situation zu klären blieb nicht. Auf dem Rückweg begegnete uns Malte, der offenbar aufgebrochen war um uns zu suchen. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass dieser Mann mich verfolgte. Oder verfolgte er Bella? Ich hatte keine Ahnung, aber langsam schien ich verrückt und paranoid zu werden. Menschen waren schon bescheuert. Insbesondere ich selbst.

      Malte
      Ich war kaum aufgebrochen, da begegnete mir Bella. Im Schlepptau hatte sie Robin und dieser sah nicht gerade danach aus, dass der Tag für ihn besonders gut verlaufen war. Ich schloss mich den Beiden stumm an und begleitete sie zurück auf die Ranch.
      Bella schien tief in unergründlichen Gedanken versunken zu sein, während man Robin schlechte Laune geradezu ansah. Die beiden schienen mal Zeit füreinander zu wollen, sodass ich sie bei der erstbesten Gelegenheit allein ließ und für eine Mittagspause die Gesellschaft von Petyr suchte, welcher wie immer auf der Couch auf dem Dachboden hing und mit der Fernbedienung von einem Kanal zum nächsten zappte.
      “Hast wohl nichts besseres zu tun?” meinte ich und ließ mich neben ihn fallen. Er schüttelte nur gelangweilt den Kopf. Ich seufzte. Das konnte ja spannend werden! Aber nun saß ich einmal und zum Aufstehen war ich doch zu faul.

      Bella
      Ich würde mit Robin reden müssen, soviel war mir schon seit Tagen klar. Wann, wie und worüber jedoch nicht ganz. Offenbar hatte er unsere Trennung in Freundschaft nicht so gut überstanden, wie ich anfangs gedacht hatte.
      Zwar war mir klar, dass Malte uns nur alleine lassen wollte, damit wir endlich mal einiges klären konnten, doch ich wollte einfach nicht. Ich wusste, es würde sich in Zukunft eine Aussprache nicht vermeiden lassen, aber nicht jetzt und nicht so. Ich würde erstmal ankommen und mich einleben und dann waren die offensichtlichen und, von meiner Seite aus nicht benennbaren, Probleme zwischen Robin und mir an der Reihe. Für heute hatte ich mir darüber jedoch genug den Kopf zerbrochen.
    • Veija
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      13. August 2017
      Resumée
      7360 Zeichen © BellaS

      Liebe Bella der Vergangenheit, liebe Bella der Zukunft.

      Ich liege gerade hier auf meinem Bett und kann kaum fassen wie die Zeit vergeht. Bei Mama und Papa habe ich tatsächlich mein altes Tagebuch gefunden und die letzten Tage damit verbracht in den Erinnerungen an meine Teenagerzeit zu schwelgen. Leider ist das Buch schon lange vollgeschrieben und mit der letzten Seite brechen die Einträge ab, doch ich habe nun den Entschluss gefasst ein neues Buch zu kaufen und mit meinem Leben zu füllen. Ich habe keinen blassen Schimmer was die Zukunft bringt, aber meine turbulente Vergangenheit hat schon einiges zu bieten. Im Folgenden werde ich da anknüpfen, wo der letzte Eintrag endet. Ich werde hier meine ganze spektakulär-unspektakuläre Geschichte aufschreiben, bis zu dem Tag an dem ich im hier und jetzt ankomme. Aber die Vergangenheit endet nicht und damit die Erinnerung nicht endet, werde ich auch nicht aufhören zu schreiben. Hier also mein Memo an mich selbst: Meine Geschichte.


      Ich erinnere mich noch gut an den Tag meines letzten Tagebucheintrags. Es war ein Tag, der mein ganzes Leben veränderte und mit dem ich mein Tagebuch abschloss. Mein Traum seit Kindertagen hatte sich erfüllt: Ich hatte mein erstes eigenes Pferd bekommen. Ich hatte schon immer Isländer geliebt und doch war es eine Tinkerstute, die ich mein erstes eigenes Pferd nennen durfte. Winter Cloud, eine Stute aus unbekannter Abstammung von unbekannten Besitzern. Irgendwo aufgegriffen, die einen Platz brauchte. Meine Eltern hatten sich damals gerade einen ewigen Traum erfüllt und zu unserem Stadthaus einiges an Grundstück dazugekauft. Mama hatte sich schon immer einen großen Garten gewünscht und Hühner hatte sie auch gewollt. So kam es, dass ich tatsächlich genug Platz hatte um ein Pferd zu halten. Zuhause. Eine völlig verrückte Idee. Ich war Studentin. Es war mein Plan gewesen IT zu studieren. Mein erstes eigenes Pferd hätte ich dann gekauft, wenn mein Verdienst entsprechend gewesen wäre und gehalten hätte ich es sicher auch nicht auf dem Hof meiner Eltern. Und doch, es kam wie immer alles anders als man denkt. Aus einem Pferd wurden schließlich vier. Innerhalb der restlichen Studienzeit hatten sich tatsächlich weitere Pferde in mein Leben geschlichen, von denen mich heute noch eins begleitet. Topar, mein kleiner Irrer ist noch immer ein Teil meines Hofes und er ist noch nichtmal wirklich alt. Als nur vierjähriger Hengst kam er zu mir und das ist nun 12 Jahre her. Zwölf Jahre, die völlig anders verliefen als ich jemals zu träumen gewagt hätte.

      Ich machte den Bachelor und beschloss dann, dass ich halbtags arbeiten und nebenbei die Ausbildung zur Trainerin und Reitlehrerin machen würde. Allerdings war ich den Pferden inzwischen so verfallen, dass der Hof meiner Eltern nicht mehr ausreichte. Ich zog an die Nordsee und gründete dort meinen ersten eigenen Hof. Das alte Gut Muschelsand, das schließlich zur Reitschule wurde, war aber nur für zwei Jahre mein Zuhause. Ich kaufte Pferde und verkaufte Pferde. Meine süße Vin, außerdem Koni und meine geliebte Fee stammen aus dieser Zeit. Ich entwickelte ambitionierte Pläne dazu, eine Isländerzucht zu gründen und kaufte Sólfari als Zuchthengst. Dieser ist inzwischen wirklich Vater einiger Fohlen. Ich hatte meine Liebe zu Isländern wieder entfacht, genau wie meine Liebe zu meinem damaligen Freund. Jonas war lange Zeit mein Freund. Er folgte mir sogar als mich mein Freiheitsdrang mitsamt meiner Pferde nach Schottland zog, wo wir uns schließlich trennten. Heute denke ich nicht mehr besonders gerne an ihn zurück.

      Woran ich mich aber gerne erinnere, ist die erste Zusammenarbeit mit meiner guten Freundin Linn. Mehrere Jahre züchteten und trainierten wir Seite an Seite unsere Isländer, bis es sie schließlich ins Land der Märchen zog. In die Heimat unserer Pferde, nach Island.

      Von Schottland aus, zog es Linn und mich nach Dänemark. Mein größter Erfolg als Züchterin und Trainerin stammt aus dieser Zeit. Isländer frá glæsileika eyjarinnar stehen mittlerweile in der halben Welt. Isländer aus meiner Zucht. Mein Name steht für erfolgreiches Training mit pferdegerechten Methoden, ich habe Freunde, Trainer und Züchter in der ganzen Welt und ich bin stolz darauf, was aus mir geworden ist.

      Auf Rømø lernte ich auch einen Menschen kennen, der eine zentrale Rolle in meinem Leben einnehmen sollte: Robin. Er kam als Bereiter auf meinen Hof und ich verliebte mich kompromisslos in den dunkelhaarigen Dänen. Mit einer zwischenzeitlichen Trennung sind wir bis heute beinahe acht Jahre zusammen.

      Als es Linn dann nach Island zog, stellte ich fest, dass ich keine Chance hatte den riesigen Hof auf der dänischen Insel alleine zu halten. Der Verkauf des liebgewonnenen Ortes machte mich unglaublich traurig, aber ich gab nicht auf. Es kostete mich viel Kraft, doch ich ließ meine Pferde einige Monate bei einer guten Freundin in Norwegen stehen und verkaufte von dort aus die meisten von ihren, bis ich schließlich einen Entschluss gefasst hatte. Ich hatte in meiner alten Heimat ein Grundstück gekauft. Auf dem riesigen Stück Land in der Region Hannover entstand nach und nach ein moderner Offenstall, voll und ganz von Robin und mir geplant.

      Ich habe mir insgeheim geschworen, dass dieser Hof mein letzter sein würde. Mein bisher nur 33 jähriges Leben hat genug Umzüge gesehen. Außerdem gibt es inzwischen Faktoren, die die Weltreisen für mich unmöglich machen. Nicht geplant, aber wunderbar kam am 08. September vor fünf Jahren meine erste Tochter zur Welt. Mit 28 Jahren, seit “nur” drei Jahren in einer Beziehung und im Stress mit dem Aufbau eines Stalls und der Versorgung einer ganzen Herde Pferde wurde ich schließlich auch noch Mutter.

      Heute kann ich sagen, meine Kinder sind das beste was mir je passiert ist. Zwei Jahre später, am 27. Mai kam dann meine zweite Tochter zur Welt. Die Schwangerschaft mit ihr war schrecklich, da mein Wildfang es mir nicht leicht gemacht hat… Dann auch noch meine Abneigung gegen Ärzte… Nein, wirklich keine schöne Erinnerung.

      Nike und Helena sind jetzt drei und fünf Jahre alt und ich stehe mitten im Leben, aber da es spät wird, möchte ich noch ein bisschen zu meinen Pferden schreiben und werde das hier dann morgen fortsetzen.

      Dreiundzwanzig Pferde gehören noch zu meiner Herde, aber es sind nicht nur Isländer. Ich habe mit Mayalie und ihrer Tochter Merida zum Beispiel zwei Shirehorses. Außerdem besitze ich seit kurzen auch zwei junge Hengste der selben Rasse, benannt nach Rittern der Tafelrunde. Sir Lancelot und Sir Gawain. Beide sollen Zuchthengste werden und einer Rasse bei der Verbreitung helfen, die hier sehr unbekannt ist. Meiner Trainerin Tiffany gehört eine Stute names Just like the Wind, mit der sie Military reitet. Außerdem gibt es noch Amelie, eine junge Physiotherapeutin für Pferde, die ihr Pony der Rasse Arravain mitgebracht hat. Cielo geht eine Gangart die sich sitzt wie der Tölt und fasziniert mich im allgemeinen sehr, da sein Charakter vorbildlich ist. Layalie, eine Morganhose Stute gehört einer anderen Trainerin meines Hofes, Yasuara und mit Löwenherz darf ich endlich wieder einen Tinker mein Eigenen nennen. Auch seine Geschichte ist sehr besonders und wir in den nächsten Tagen hier auftauchen. Ich schließe für heute mit der Nachricht, das inzwischen vier Fohlen den Nachsatz “vom Helstorfer Moor” tragen.

      Schlaf gut, Zukunftsbella. Bis morgen.
    • Veija
      03. Januar 2018
      Und so ging es weiter...
      12036 Zeichen © BellaS


      Meine Geschichte ist lang, und genauso langweilig wie lang. Zumindest in meinen Augen. Das Problem dabei ist nur, dass ich sie selbst erlebt habe. Kein Wunder also, dass sie mir langweilig erscheint.
      Ich habe meine Freizeit der letzten Tage genutzt und ein bisschen in meinen Sachen gekramt, auch in denen, die Erinnerungen bergen. Darunter fand ich mein Tagebuch, in das ich seit Jahren nicht mehr eingetragen hatte. Ich war um die dreißig, als ich den letzten Eintrag verfasste. Über zehn lange Jahre ist das nun her und so beschloss ich, dass es an der Zeit war, wieder einen Eintrag zu verfassen. Hier ist sie also, die kleine Fortsetzung meiner Geschichte
      Dass ich eigentlich Informatik studiert hatte, war kaum bekannt. Genausowenig wie die Tatsache, dass ich meine “Trainerkarriere” als Hobbyreiterin begonnen hatte. Keine Kindheit auf einem Gestüt, keine Eltern, die Pferde besessen hatten, nichts. Und dann kam mein erstes Pferd. Und das Zweite, und das Dritte.
      Eine ganze Geschichte voller Umzüge, Liebe, Dramen und Meilensteine, von denen ich mir niemals hätte träumen lassen. Beinahe filmreif, würde ich sagen.
      Und dann kam endlich alles so, wie ich sein sollte. Zumindest glaube ich das heute. Ich wurde schwanger, bekam Kinder und begann sie groß zu ziehen. Und schließlich einen Großteil meiner Pferde zu verkaufen, den Hof zum Offenstallbetrieb auszubauen und meinen eigentlichen. Beruf wieder aufzunehmen. Inzwischen ist das Leben im Helstorfer Moor eingezogen.

      ***

      “Sie kommen!!” Ich lächelte und freute mich innerlich über die Freude und Aufregung meiner jüngsten Tochter. Zwar waren vor einigen Wochen bereits einmal neue Einsteller angekommen, aber die Aufregung über ein weiteres neues Pferd waren gleichwohl stark wie eh und je. Mit der Mustangstute, die in wenigen Minuten ankommen würde, waren dann alle Offenstallplätze für Externe belegt.
      Der Anhänger hielt auf dem Hof und ein etwa dreißigjähriger, resolut und sympathisch wirkender Amerikaner stieg aus dem Auto. Sin Bishop hieß er. Ich hatte ihn bereits kennen gelernt, als er sich unseren Hof anschaute. Mein Mann Robin hatte sich auf Anhieb gut mit ihm verstanden und ich war mir recht sicher, dass er sich über etwas männlichen Beistand mit weniger als vier Beinen freute. Immerhin musste Robin jeden Tag mit einem Haus voll Frauen und allen weiblichen Einstellerinnen klar kommen. Da kam Sin gerade recht. Eigentlich hatte ich mir für die Herde eher einen weiteren Wallach gewünscht, da die Rangfolge momentan rein stutendominiert war und die Kerle ein wenig untergebuttert wurden, doch damit das nicht auch bei den Menschen der Fall war, kam Sin gerade recht. Havana Girl war ihm auf Umwege in die Hände gefallen. Er hatte angefangen sie zu trainieren und schließlich hatte ihr alter Besitzer ihm die Stute überlassen. Der Grund war etwas kurios, aber solange das Pferd einen eingetragenen Besitzer hatte, umgänglich, gesund und auf vernünftige Art und Weise trainiert war, sah ich keine Probleme.
      Probleme entstanden momentan viel mehr in der Herde. Seit einigen Tagen floss Blut im großen Offenstall. Unsere letzte neuer Einstellerin, Ylvi Seidel, hatte ein Gespann aus Wallach und Stute mitgebracht. Während der Wallach Valravn zunächst vorsichtig gewesen war, aber keiner Fliege etwas zur Leide tat, war die Stute dazu ein soziales Biest. Fylgia war dominant und hatte noch nicht ganz begriffen, dass es durchaus noch dominantere Stuten gab. Bisher hatten sich meine Stuten Laufey und Vin den Kampf und die erste Position geliefert. Jetzt war Vion tatsächlich zurück getreten und hatte Fee das Feld überlassen. Das war mir lieb, denn Vin war wertvoll, doch Laufey frá Sólin als isländischer Import ebenso. Ihr Fohlen Ljóma von Atomic, welches aus einem meiner ehemaligen Spitzenhengste gezogen worden war, zeigte bereits jetzt fantastische Anlagen. Davon das Fee mein Lieblings- und Herzenspferd war, wollte ich zudem gar nicht erst anfangen. Da die Stuten aber ihre Rangfolge regeln mussten, gab ich mich damit zufrieden jeden Tag schuterzuckend kleine Platzwunden zu versorgen und mich darüber zu freuen, dass bisher noch kein Tierarzt von nöten gewesen war.
      Valravn hatten außerdem langsam begonnen sich etwas von Flygia zu lösen. Er neigte zwar immernoch zum kleben, doch war Trickling Snow sein neustes Opfer. Die zwei Lewitzer teilte die Neigung zu Unfug. Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis sie gemeinsam begannen Dinge zu zerlegen, Tore zu öffnen und ähnliches anzustellen. Im Prinzip alles, was die Fantasie eines Pferdes zuließ.
      Ich drehte mich um um unseren neuen Einsteller zu begrüßen und sah von der anderen Seite Robin auf uns zu kommen. Er führte Vákur frá glaesileika eyjarinnar am Zügel. Einen jungen Hengst, der noch aus den Resten unserer gemeinsamen dänischen Zucht stammte und für den noch Körungsambitionen vorhanden waren. Immerhin besaß der Hof noch drei Padockboxen für Hengste, die auch alle drei belegt waren. Die Junghengste Vákur und Glanni frá glaesileika eyjarinnar und natürlich mein heimlicher Liebling Sólfari. Ich hatte es nicht übers Herz gebracht den umgänglichen und so gar nicht hengstigen Hengst zu verkaufen. Zwar hatte ich meine Zucht eigentlich auflösen wollen, doch bewegten trotzdem ein paar Fohlen “vom Hestorfer Moor” die Szene. Mit Vordís vom Hestorfer Moor, Vinkonas erstem Fohlen und einziger Nachkomme des Traumhengstes Óslogi, hatte ich vor kurzem erst eine Fohlenschau aufgemischt. Das Stütchen hatte bereits Talent und Temperament en masse.
      Die Männer begrüßten sich mit Handschlag und grinsten sich an, dann ging es ans Ausladen. Havana Girl hatte ruhig im Hönger gestanden und sah es auch nicht wirklich ein ihr Heunetz für einen unbekannten Offenstall herzugeben. Erst als Sin das Netz durch die fordere Hängertür entwendete, ließ sich die Stute aus dem Hänger bugsieren. Da es bereits herbstlich war, musste die dünne Stalldecke, die sich während des Transportes getragen hatte noch gegen ein etwas dickeres Exemplar getauscht werden, dann ging es in den eigens für sie abgetrennten Bereich des Offenstalls. Mit gespitzen Ohren stand die Stute am Zaun und beschnupperte die langsam ankommenden Mitglieder der Herde. Allen voran Laufey suchte Kontakt zum Neuankömmling, schließlich musste sie das fremde Pferd überprüfen um ihre Herde im Zweifelsfall zu warnen und zu schützen. Die angelegten Ohren stellten sich jedoch schon nach wenigen Sekunden auf und nun durfte auch der Rest der Pferde an die neue Stute heran. Zumindest so lange, bis es Havana zu viel wurde und sie sich in eine weiter entfernte Ecke verzog. Der Einzug schien ohne Stress zu verlaufen. Immer ein gutes Zeichen.
      Gemeinsam mit Robin lud Sid nun auch seinen Sattelschrank aus und begann sich häuslich einzurichten, zumindest was Pferdedinge anging. Bei seinem ersten Besuch hatte ich den Amerikaner bereits über unsere Stallordnung aufgeklärt. Zu meiner großen Freude hatte er alles in erinnerung behalten und räumte seine Dinge genau so weg, wie ich es angedacht hatte. Wenn ein Einzug so unkompliziert verlief, konnte das nichts Schlechtes bedeuten.

      ***

      “Hey, aufstehen.”, sanft streichelte ich Helena über die Wange, die noch im Traum versunken war. Egal wie meine Töchter morgens murrten, wenn ich sie um sechs Uhr morgens aus dem Bett holte, ich freute mich, dass ich sie noch wecken durfte. Ich hatte erwartet, dass die sechzehnjährige Helena irgendwann in die “Eltern sind scheiße”-Phase verfallen würde, doch ich hatte mich getäuscht. Die Pubertät war bisher zwar nicht spurlos, doch recht milde an ihr vorüber gegangen. Ganz anders Nieke. Obwohl erst dreizehn Jahre alt, hatte der schwarzhaarige Wirbelsturm immer einen ganz eigenen Kopf. Streit oder schlecht gelaunte Eltern waren ihr relativ egal, sofern es nicht allzu erst wurde. Trotzdem verzichtete auch sie noch jeden Morgen auf die Nutzung eines Weckers, sondern vertraute voll und ganz auf Mamas morgendlichen Weckservice. Auf den beschränkte es sich jedoch, da ich mich beim besten Will nie in die Küche stellen würde, um meinen Kindern ihr Pausenbrot hinterher zu tragen und mir anzuhören was sie alles nicht mochten. Kinder, die nicht zur Selbstständigkeit erzogen wurden, waren mir schon immer ein Graus gewesen. Außerdem waren die Pferde an der Reihe, ehe ich selbst zur Arbeit musste.
      Um sechs Uhr klingelte mein Wecker, um neun Uhr hatte ich an meinem Schreibtisch zu sitzen und mir anzuhören was wieder alles “kaputt” war. Drei Tage die Woche zu Hause, zwei in der Firma.
      Während ich einer Arbeit außerhalb des Hofes nachging, war der Hof die Arbeit meines Mannes. Instandhaltung des Hofes, Training und Pflege der Pferde die keinen Einstellern gehörten füllten seinen Tag.
      Ich klaubte einen Arm voll Heu von der überladenen Schubkarre und stopfte es in das vor mir ausgebreitete Heunetze. Sieben über den gesamten Paddockbereich verteilte Futterstellen bedeuteten sieben Futterstellen die es galt jeden Morgen aufzufüllen. Vor der Arbeit versteht sich. Das Auffüllen am Abend übernahm mein Mann, der sich grundsätzlich den Luxus gönnte bis acht Uhr zu schlafen. Allerdings beneidete ich Robin nicht um die Arbeit, die jeden Tag auf unserem Hof anfiel. Kleinigkeiten, wie ein kaputter Strahler auf dem Reitplatz, eine lose Tür an Excelsiors altem Sattelschrank, ein undichtes Dach an einem Unterstand oder eine gebrochene Zaunlatte gehörten nicht zu meiner Lieblingsarbeit, auch wenn ich Handwerklich durchaus versiert war. Allerdings schaffen es die Mitarbeiter meiner Firma ebenfalls regelmäßig mich mich Kleinkram in den Wahnsinn zu treiben. Ich meine: Wie ich aller Welt wollte ein Rechner laufen, wenn der Stecker nicht eingesteckt war? Dass studierte Architekten oft nicht in der Lage waren nach den einfachsten Fehlerursachen an Computern zu suchen, raubte mir hin und wieder den letzten Nerv. Da war mir die Betreuung der Betriebssoftware lieber. Die zickte war auch, aber nie so wie ein Kollege, der den Fehler ausschließlich am Gerät suchte und nicht an ihm selbst.
      Mein Ausgleich waren die Pferde in deren Mitte ich inzwischen mehr als die Hälfte meines Lebens verbracht hatte. Ausritte auf Blaer frá glaesileika eyjarinnar, Mayalie oder Vinkona, gemeinsam mit meinen Töchtern, meinem Mann oder Einstellern entpuppten sich als das, was ich mir immer gewünscht hatte. Weg vom dere großen Zucht und dem Verdienen meines Lebensunterhalts mit den Pferden, hin zum Partner Freizeitpferd war ein großer Schritt gewesen. Und einer, den ich noch nie bereut hatte.
      Ich saß am offenen Fenster und erledigte meine Arbeit von zu Hause aus, als Theresas Wagen auf dem Hof parkte. Sie schien heute frei zu haben, denn es war noch Vormittags. Lächelnd winkte ich ihr zu, während sie mit Silfurtoppas Halfter in der Hand den Paddock betrat. Silfurtoppa frá glaesileika eyjarinnar stammte ebenfalls aus meiner alten Zucht, doch als es zwischen ihr und Theresa gefunkt hatte, hatte ich die Stute mit Freude verkauft. Obwohl ich immer wieder gehört hatte, dass es nicht gut sei ein eigenes Pferd zu verkaufen, wenn es auf dem Hof blieb, war ich bisher immer zufrieden gewesen. Ob ich nun ein gutes Händchen hatte oder unverschämtes Glück, beides sollte mir recht sein.
      Mein Nachmittag bestand darin Reitunterricht zu geben. Josephine Silber, Tochter von Katrin Silber, der Besitzerin von Soul Dance, bekam jeden Montag Reitunterricht von mir. Dass ich einmal Trainerin gewesen war, kam mir hin und wieder doch noch zur Gute. Nicht selten schlossen sich dann Nieke auf Crime Time oder unser Skywalker, Luke, an, der Cielo von Amelie entwedet hatte. Meiner Meinung nach war es nur noch eine Frage der Zeit, bis es zwischen den beiden funkte. Der blonde und heitere Casanova tat der ernsten und rationalen Amelie nur gut. Zumindest sah ich das so. Und wenn ich dann Abends in den letzten Strahlen der Herbstsonne neben meinem Mann auf der Bank vor der Eingangstür sitzen und Yasuara zuschauen konnte, wie sie mit ihrer Stute Layali Freiheitsdressur übte, kam ich mir zwar vor als währe ich bereits achtzig Jahre alt, doch ich war glücklich und das war die Hauptsache.
    • Veija
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      von Landsberg Trainings-Center | Crimetime | Anreiten + Hindernissgewöhnung | 7707 Zeichen

      Käthe | Mit müden Augen blickte ich in den Spiegel. Es war noch früh am Morgen und das hinter mir eine kurze Nacht lag, sah man mir deutlich an. Gegen Mitternacht gab es ein schweres Gewitter über Nottingham und sowohl das ohrenbetäubend laute Donnern, als auch die Sorge um meine Pferde im Stall hielten mich wach. Ich war sogar durch den Regen in den Stall gerannt um die Offenstallboxen zu verschließen, die normalerweise immer offen standen. Sicher ist sicher!
      Während in der Küche die Kaffeemaschine durchlief bereitete ich mich im Badezimmer für den anstehenden Tag vor und zog mich an. Heute hatte ich bereits um 09:00 Uhr einen Termin, zu dem ich natürlich pünktlich erscheinen wollte. Sobald Erin am Hof eintraf besprach ich mit ihr den heutigen Tagesablauf und ging dann zu meinem Wagen um mich auf den Weg zu machen. Die Fahrzeit hielt sich heute in Grenzen, als mein Navigationssystem mich anwies rechts abzubiegen und mir mitteilte, dass sich dort mein Ziel befinden würde. Vor mir erschien ein überschaubarer Hof der, meinen Informationen nach, von zwei Personen geführt wurde. Ich war gerade aus dem Wagen gestiegen, nachdem ich ihn auf einem Schotterplatz abgestellt hatte den ich für einen Parkplatz hielt, als auch schon eine junge Frau freundlich lächelnd auf mich zu kam. “Hallo, mein Name ist Elisabeth Martin. Aber nenn mich einfach Liz. Du kommst vom Trainings-Center, oder?” begrüßte sie mich und reichte mir die Hand. “Ja, ich bin Käthe von Landsberg. Danke das ich heute hier sein darf.” sagte ich und schüttelte ihre Hand zur Begrüßung. Während Liz mir den Hof zeigte, erzählte sie mir wie sie zu ihm gekommen war und welche Ziele sie mit den Pferden verfolgen möchte. Interessiert hörte ich ihr zu und bot ihr an, bei Problem und Fragen gern anzurufen. Vor einem Jahr war ich an der gleichen Stelle wie sie und wusste, wie hart es sein konnte sich einen Namen zu machen und von seiner Arbeit mit den Pferden zu überzeugen. Im Stall blieb sie vor einer Box stehen mit einem hübschen deutschen Reitpony namens Crimetime. “Wow, ich hab noch nicht oft ein Brindle gesehen. Sehr sehr schönes Tier!” gab ich zu und begrüßte die freundliche Stute. “Ich habe die Aufgabe Crimetime heute einzureiten. Erzähl mir was ihr schon mit ihr gemacht habt damit ich weiß auf welchem Stand sie ist.” fragte ich Liz und lehnte mich gegen die Boxentür. “Seit zirka anderthalb Jahren wird sie mehrmals die Woche longiert. Hand- und Tempowechsel funktionieren auf Abruf, bei der Bodenarbeit ist sie konzentriert und fleißig und das Sattelgewicht kennt sie auch bereits. Bei den letzten Spaziergängen haben wir sie mit einem der Reitkinder geführt, was ganz gut von ihr angenommen wurde. Die kleine wiegt etwa 35 Kilo, daher wissen wir leider nicht wie sie auf einen erwachsenen Menschen reagiert.” erzählte sie und ich nickte. Liz erklärte mir, dass sie gleich noch einen wichtigen Termin habe und weg müsse. Ich versicherte ihr das ich alleine zurecht käme und folgte ihr in den Hof, um mir die Reithalle anzusehen. Sie war zwar nicht sehr groß, dafür aber sehr hell. Ich suchte mir ein paar Hindernisständer und Stangen und baute 2 Sprünge auf die ich dafür nutzen wollte, Crimetime an Hindernisse zu gewöhnen. Benutzen würden wie diese selbstverständlich nicht. Zufrieden machte ich mich auf den Weg zurück in den Stall und ging in die Sattelkammer um mir eine Putzbox zu nehmen, die ich nach draußen an den Putzplatz stellte. “Sowas brauch ich auch.” sagte ich zu mir selbst und holte Crimetime aus ihrer Box um sie nach draußen zu bringen. Während die Sonne auf uns herab schien putzte ich die Stute gründlich und kratzte ihre Hufe aus. Mit einem Kamm kämmte ich ihre sportlich gehaltene Mähne und den Schweif, bevor ich sie für einen Moment allein ließ und in die Sattelkammer ging um den Sattel, die Trense und eine Longe mit Longierbrille zu holen. Zurück beim Pferd legte ich ihr den Sattel auf den Rücken und zog die Schabracke glatt bevor ich nach dem Sattelgurt unter dem Bauch griff und ihn vorsichtig fest zog. Ich lobte Crimetime und öffnete das Halfter um es ihr auf den Hals zu ziehen, damit ich ihr die Trense anlegen konnte. Brav nahm sie das Gebiss an und wirkte relativ entspannt. Bevor wir in die Halle gingen holte ich meinen Helm und eine Sicherheitsweste aus meiner Tasche und zog sie mir an. “Dann wollen wir mal, oder?” fragte ich die Stute und kraulte ihre Stirn, nachdem ich die Longierbrille in die Gebissringe eingehängt hatte. Ich führte die Stute über den Hof in die Reithalle und schloss das Tor. Ich blieb auf dem oberen Zirkel und kontrollierte nochmal das die Steigbügel fest hochgezogen waren, bevor ich Crimetime auf den Zirkel schickte und im Schritt ein paar Runden um mich herum laufen ließ. Ich schnalzte mit der Zunge und Crimetime folgte und trabte an. “Prima machst du das!” lobte ich die Stute und hielt sie ein paar Runden im Trab bevor ich sie in den Stand parierte und zu mir holte. Lobend klopfte ich ihren Hals und führte sie an das Eingangstor der Halle, wo ich die Longierbrille abnahm und die Longe über das Tor legte. Ich zog die Steigbügel nach unten und stellte mich zuerst leicht in jeden Steigbügel, bevor ich endgültig in den Sattel stieg und ruhig sitzen blieb. Während ich mich im Sattel nach vorn und hinten beugte beobachtete ich Crimetime und ihre Körpersprache sehr genau. Das scheint sie ja zu kennen dachte ich und nahm die Zügel etwas auf um sie im Schritt anzureiten. Ich hielt sie im Schritt auf der Bahn und ritt sie zwischen den Hindernissen hindurch um zu sehen wie sie reagierte. Erstaunt über die Ruhe die sie ausstrahlte gab ich ihr die Trabhilfen und klopfte lobend ihren Hals als sie auf die Hilfen reagierte und in den Trab fiel. Wir wechselten durch die Länge der Bahn die Hand und da traf ich den Wunden Punkt von Crimetime. Als wir an einem der beiden Hindernisse vorbei trabten schreckte die Stute und machte einen gehörigen Satz zur Seite. Beruhigend redete ich auf die Stute ein und versuchte sie wieder zu versammeln, was mir nach ein paar Minuten auch gelang. Ich trabte sie weiter und parierte sie wenige Schritte vor den Hindernissen durch um im Schritt an ihnen vorbei zu reiten. Dieses Mal klappte es schon besser und auch die restliche halbe Stunde machte die Stute ihre Sache gut und ließ sich, dafür dass sie das erste Mal unter dem Reiter ging, gut reiten. Sie reagierte fein auf die Hilfen und auch wenn sie ab und an ihre Grenzen versuchte auszutesten, ließ sie sich schnell wieder einfangen. Da sie kein Interesse zeigte zu galoppieren, parierte sie in den Schritt um sie ein paar Runden trocken zu reiten. Beim einreiten junger Pferde war es sehr wichtig den Galopp nicht herauszufordern. Wenn sie ihn jedoch von selbst anboten konnte man sie durchaus gewähren lassen. Bevor ich die Stute auf die Weide brachte stieg ich bereits in der Reithalle ab und führte sie zurück zum Putzplatz wo ich ihr den Sattel und die Trense abnahm. Crimetime schien froh zu sein endlich ihre Ruhe zu haben und zog im wilden Galopp über die Wiese davon. Da ich meinen “Arbeitsplatz” nie unaufgeräumt verließ, brachte ich den Sattel, die Trense und die Longe zurück in die Sattelkammer und baute die Hindernisse in der Reithalle ab. Als ich wieder im Wagen saß schrieb ich eine kurze Mail an Liz, bevor ich mich auf den Heimweg machte.
      “Hallo Elisabeth,
      Crimetime hat ihre Sache gut gemacht und wenn ihr dran bleibt, wird sie ein gutes Reitpony sowohl für Erwachsene, als auch für Kinder. Um ihr Springvermögen und ihre Balance für das Springreiten zu fördern, empfehle ich euch Freispringeinheiten in der Reithalle oder auf dem Platz.
      Sollte es noch etwas geben, bin ich wie gewohnt für euch erreichbar.
      Liebe Grüße,
      Käthe.”
    • Veija
      Alles beim Alten
      Juni 2018, by Veija
      Octavia
      "Hey Trav, wie weit bist du mit den Vollblütern?", fragte ich meinen bislang einzigen Angestellten und mittlerweile guten Freund Travis, der sich mit der Hand einmal die nasse Stirn abwischte und sich hinsetzte. "Die Jungpferde hab ich jetzt alle, stehen auf der Koppel. Also I've got a blue soul, It's me, Amira!, Prias Colourful Soul, Culain, Sir Golden Mile und Sweet Revenge. Des Weiteren stehen Priamos Ruffia Kincsem und Zuckerschock schon auf der Weide", erklärte er mir und schien stolz, sich endlich alle Namen merken zu können. "Und wie lief das Training heute morgen?", fragte ich ihn dann und er überlegte. "Ich war so frei und hatte mir Tasmania mit auf die Bahn geholt...", murmelte er nun etwas leiser, doch ich nickte nur. "Kein Problem, dafür haben wir sie ja.", meinte ich und forderte ihn dann auf, weiter zu erzählen. Candlejack und Daryl Gone Mad hatten heute ein gutes Traininsgrennen. Daryls Jockey hat ihn heute relativ eng an der Bande gehalten, seinen Kopf leicht seitlich, damit er nicht nach Jack schnappen konnte. Jacks Jockey hat ihn dementsprechend ein wenig außen gehalten, als es nötig gewesen wäre, doch sie haben ja noch eine Weile, bis sie sich wieder beweisen müssen. Vielleicht wäre es gut, Jack und Daryl ein paar Wochen einzeln laufen zu lassen, damit sich beide Jockeys nur auf ihre Pferde konzentrieren müssen und nicht noch aufpassen, dass Daryl niemanden beißt.", erklärte er mir und stand wieder auf, ehe er die Mistgabel wieder aufhob und weiter die Boxen ausmistete. Ich schnappte mir auch eine Gabel und ging in die nächste Box, um ihm ein wenig zu helfen. Dann erzählte er weiter. "Ich glaube als nächstes waren dann Drama Baby, PFS' Blossom Magic, Wolfs Bane und Tigres Eye dran. Wir hatten jedoch Drama und Blossi zusammen laufen lassen und Bane und Tigres Eye. Sozusagen die sehr guten Pferde mit den weniger Guten, denn Bane muss noch aufholen und Tigres Eye muss lernen, wie man rennt.", sagte er und kratzte sich dann am Kopf. "Oh.. ich hab ganz vergessen, Jack und Daryl waren gar nicht die Ersten heute morgen. Ganz am Anfang waren Wildfire xx, PFS' Snap in Style und Peacful Redemption an der Reihe. Ein sehr spannendes Rennen, denn sie sind alle drei wahnsinnig gut. Vielleicht haben wir doch bald einen Triple Crown Champion hier im Stall stehen.", schwärmte er und überlegte dann wieder, als ich ihn nur fragend ansah. "Stiffler, Seattle Slew und Firewalker haben sich auch gut gemacht.", antwortete er mir dann. "Das waren glaube ich alle.", sagte er und schaute mich an. Ich musste nun auch überlegen. "Ja, hast Recht. Waren alle.", merkte ich an und war auch schon mit der Box fertig, die ich angefangen hatte. "Ich geh dann mal noch rüber zum Nordstall. Wenn du fertig bist kannst du dazu kommen, dann machen wir einen Ausritt.", sagte ich ihm und er nickte, lächelte mir aber freudig hinterher. So langsam wurde er ein richtiger Pferdenarr... so langsam. Und er freute sich um jede Sekunde, die er im Sattel verbringen durfte.
      Im Nordstall angekommen schaute ich auf meinen ausgehangenen Plan, welches Pferd heute was machen sollte und was es zu fressen bekam. Noch waren alle Pferde im Stall, doch ich wollte sie jetzt nach und nach raus bringen. So holte ich als erstes meine beiden Wallache, Magic Lanijos und Zoltaire und brachte sie auf die Koppel. Es folgten die Jungpferde, Dante's Wild Lady, Abe's Aelfric und Mystical Champion. Alle Tiere freuten sich riesig, endlich auf der Koppel rennen zu dürfen und preschten im Eiltempo von mir weg. Blazing Flame, LMR Fashion Girl, Samarra, Vin, Bree, Crimetime, die seit kurzem wieder hier war, Minnie Maus, Natsu's Little Harley, Ocarina of Time, Empire of Grace, Free Willy und Whiskey kamen auch auf die Koppel. Lediglich Flashlight und Raspberry ließ ich in der Box und holte sie jetzt für unseren Ausritt raus. Ich putzte und sattelte sie und als ich damit fertig war, kam Travis die Stallgasse entgegen geschlendert. "Das hat aber gedauert, schau dich mal um, bis auf Boxen misten und füttern bin ich hier komplett fertig.", sagte ich lachend und drückte ihm Flashlight in die Hand. Zusammen gingen wir vom Hof, gurteten nach und stiegen dann auf. Eine ganze Weile waren wir im Gelände unterwegs und wir trauten uns heute sogar an den Galopp. Travis war sehr stolz auf sich und ich klopfte ihm beim Vorbeireiten auch auf die Schulter. "Das war ein guter erster Versuch, nicht auf der Bahn und nicht auf dem Reitplatz. Aber Berry und Light sind wahre Schätze.", sagte ich und stieg vor dem Stall ab. Travis tat es mir gleich und so sattelten wir die Pferde im kühlen Inneren des Stalls ab, ehe auch die letzten beiden Pferde dieses Stalles auf die Koppel konnten. Dann machten Travis und ich uns daran, die restlichen Boxen zu misten, ehe wir uns den verbliebenen Tag frei nahmen und tatsächlich zusammen ins Schwimmbad fuhren.
    • Veija
      Halloween Platzhalter
    • Veija
      Kurzer Pflegebericht für Priamos Ruffia Kincsem, BR Prias Raveday, Drama Baby, I've got a blue soul, Tigres Eye, Prias Colourful Soul, Tasmania, Candlejack, Culain, Daryl Gone Mad, Peacful Redemption, PFS' Snap in Style, Wildfire xx, Magic Lanijos, Raspberry, Empire of Grace, Mystical Champion und Whiskey, BR Princess Peppy Gaia, Moon's Gealach, Cleavant 'Mad Eyes', GRH's Princess Peppy Ann, Ceara Isleen, Baby Doll Melody, A Shining Chrome, Pocahontas, Náttdís van Ghosts, Citizen Fang, Skrúður, Thjalfe van de Jötunheimr, Fenicio, Lajos, Myrkvidr, Whinney, Atlanta, Heretic Anthem, Ghost's Phenomena, Zoltaire, Blazing Flame, Zuckerschock, LMR Fashion Girl, Samarra, It's me, Amira!, Vin, PFS' Blossom Magic, Bree, Crimetime, Dante's Wild Lady, Wolfs Bane, Natsu's Little Harley, CHH' Mr. Buckminster, Ocarina of Time, Abe's Aelfric, Free Willy, Firewalker, Seattle Slew, Sir Golden Mile, Stiffler, Sweet Revenge

      Viel zu tun gab es auf einer Ranch immer. Und so konnte es passieren, dass man so viel zu tun hatte, dass man der Arbeit gar nicht mehr hinterher kam. So eine Zeit war in letzter Zeit gewesen. Nichts klappte so, wie es klappen sollte und nichts blieb so, wie es bleiben sollte.
      Den Pferden ging es gut, keine Frage. Sie genossen ihre Pause auf der Koppel und fraßen sich die Bäuche rund. Jetzt, da das Jahr fast zu Ende war, und das neue schon in den Startlöchern stand, wurde man träger, schwerfällig. Man machte Pläne für das kommende Jahr, ließ das laufende jedoch ganz außer Acht, irgendwie.
      Auf ein neues und hoffentlich erfolgreiches Jahr.
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  • Album:
    BRR Gnadenweide
    Hochgeladen von:
    Veija
    Datum:
    6 Juni 2018
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  • zu verkaufen: 600 Joellen

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    Crimetime
    Crimy, Mörderpony

    Unbekannt x Unbekannt
    Unbekannt x Unbekannt | Unbekannt x Unbekannt


    08. Juni
    1,44 m
    Brindle Schimmel
    Gencode

    [neugierig] [freundlich] [fleißig]
    Crimetime ist ein neugieriges junges Pferd und sticht mit ihrer seltenen Fellfarbe sehr heraus. Sie wurde hauptsächlich für Turniere gezüchtet, kann später jedoch auch für die Zucht eingesetzt werden. Sie hat perfektes Exterieur, ist freundlich und fleißig und hat eine vielversprechende Zukunft. Sie kann problemlos von Kindern und Anfängern geritten werden.

    Stahleisen | noch nicht geimpft
    Führen | Fohlen ABC | Sattel & Zaumzeug


    Schritt | fleißig, ordentlich
    Trab | ausdauernd, fleißig
    Galopp | gesprungen, sehr wendig, Springergalopp

    Springen E (S***)
    Dressur E (M)
    Distanz E (M)


    -

    BellaS
    Veija
    RoBabeRo + VKR


    PNG | Puzzle


    Kaufpreis: 0 Joellen, großmalen 450 Joellen