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Mohikanerin

☢ Blossi

Hengst | Isländer | Gekört | (c) Sweetvelvetrose |

☢ Blossi
Mohikanerin, 27 Aug. 2017
    • Mohikanerin
      Alte Pflegeberichte (2015 - 2016)

      Neuzugang in England
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      16. Mai 2015 | (c) Pepe
      981 Zeichen | - Pepe
      Einige Wochen waren vergangen, wir hatten uns gut in England eingelebt. So kam es nun auch, dass wir drei Neuzugänge begrüßen durften.
      Osita, eine 5-jährige Reitponystute; Fajir El Assuad, ein 5-jähriger EVB-Hengst und Blossi, ein 5-jähriger Isländerhengst.
      Alle drei bekamen Innenboxen und bewohnten die ersten Tage zusammen einen geräumigen Paddock, die nächsten Tage wollte ich dann entscheiden, wer in welche Herde am besten passte.
      Osita war ein Geschenk von Ben gewesen. Frühmorgens überraschte er mich mit einem Frühstück und einem Foto, ich selbst hatte die Stute neulich auf einer Schau entdeckt und mich verliebt. Ben hatte sie mir wirklich gekauft! Seit dem ersten Tag an verbrachte ich viel Zeit mit der Stute, manchmal saß ich stundenlang in ihrer Box. Vor wenigen Tagen verließ die den Hof für ein Dressurtraining.
      Fajir El Assuad nahm sich Ben an. Der Hengst war nicht einfach, aber die beiden nähern sich langsam an.
      Und Blossi bekommt noch etwas Eingewöhnungszeit.

      Rechte Hand
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      30. Mai 2015 | (c) BellaS
      12072 Zeichen | - verschiedene
      Ich ließ mich auf die Bank vor unserem Haus fallen und beschloss mich von jetzt an bis Morgen meinen Zentimeter mehr von der Stelle zu rühren. Immer öfter war ich nach der getanen Arbeit des Tages zu Müde und gestresst für Entspannungen wie Lesen oder einem Ausritt, geschweige denn, dass ich genug Zeit dafür habt hätte.
      Seit Linn auf Colles Virides eingezogen war hatte sie zwar einen kleinen Teil meiner Aufgaben übernommen und auch Tabea war nicht untätig, doch 12 Pferde waren einfach zu viel für drei Personen.
      Ich hatte mich bisher nicht mit der unbequemen Frage beschäftigen wollen, doch nun wurde ich von allen Seiten dazu gedrängt mich nach mindestens einem weiteren Helfer für den Hof umzusehen.
      Während ich so meinen Gedanken nachhing, ließ Jonas sich neben mich auf die Bank fallen. Obwohl Jonas nicht viel mit Pferden am Hut hatte, half er doch wo er konnte, gerade in Situationen wie der Jetzigen.
      „Bella, so kannst du doch nicht weitermachen.“, sagte er und strich mir eine Lockige Haarsträhne aus dem Gesicht, „Du machst dich damit selber kaputt. Du überarbeitest dich.“
      „Nein, ich will keinen Neuen einstellen, die machen doch noch viel mehr Arbeit und Linn hilft mir doch.“
      „Mensch, sei doch nicht so stur. Du weißt doch selber was Sache ist, handle gefälligst. Ich weiß, dass du darüber Nachdenkst.“
      Im meinem Kopf befand sich, nach aktuellsten Meldungen nur noch Chaos. Einerseits wollte, und brachte ich Hilfe, andererseits wollte ich die Zügel selber in der Hand behalten und nur Leute haben von denen ich wusste, dass sie mich ebenso schätzten wie ich sie.
      „Du kochen ja irgendwelche Minderwertigkeitskomplexe hoch.“, ärgerte ich mich über mich selbst und blieb grübelnd auf der Bank sitzen.

      Langsam erhob ich mich von der Bank. Meine Freundin machte mir in den letzten Wochen wirklich Sorgen. Bella gehörte leider zu dem Typ Mensch, der allen Neuerungen äußerst skeptisch gegenüber steht. Diese Neigung konnte ihr jetzt zum Verhängnis werden, und ich hatte nicht die Absicht dies zu zu lassen.
      Ich muss zugeben, dass ich keine Ahnung von Pferde, Zuchten und der Führung eines Hofes hatte, doch Ahnung vom Zustand der Überarbeitung, ja des Burnouts hatte ich.
      „Hör auf so schwarz zu malen.“, ermahnte ich mich selbst, „Annabell ist ebenso erwachsen wie du und muss wissen was ihr gut tut.“
      „Aber auch Erwachsene sind zuweilen unvernünftig.“, raunte eine Stimme in meinem Kopf und das schlimmste war, ich wusste, dass sie Recht hatte.

      „Ein Schlachtplan muss her.“, witzelte ich. Jonas saß mir gegenüber am Küchentisch, neben mir Linn. Bella war schlafen gegangen, ich hatte jedoch den Verdacht, dass sie heimlich an der Tür stand um zu lauschen.
      Der Freund meiner Schwester hatte uns soeben seine Sorgen gebeichtet und wir waren völlig seiner Meinung.
      „Stallarbeiter brauchen wir. Soviel ist sicher.“, stimmte auch Linn bei und sprach damit aus was uns allen auf dem Herzen brannte.
      „Aber über Bellas Kopf hinweg?“, wand Jonas ein.
      „Sie hat selber Pech wenn sie nicht merkt wann das Maß voll ist.“, stellte ich klar. „Nur wie kommen wir an brauchbare Leute?“
      „Internetanzeige?“, ließ sich nun wieder Linn vernehmen.
      „Nein, da gucken Hinz und Kunz rein. Strolche sollten wir Bella nicht zumuten.“
      „Anzeige in der hiesigen Zeitung?“
      „Besser, vielleicht können wir bei Ravi fragen?"
      „Das ist eine gute Idee. Ich hab gar keine Ahnung wo ihre ganzen Stallhelfer herkommen.“, nahm auch ich wieder am Gespräch teil. „Ich reite Morgen hin. Oder besser anrufen?“
      „Das ganze ist doch eilig oder? Ruf an!“, meinte Linn.
      Gesagt getan. Alle verschwanden auf ihre Zimmer und ich griff zum Handy um die Nummer unserer Freundin zu wählen.

      Ich wollte gerade noch einen Spazierritt mit Ghost machen als mein Handy einen Anruf erhielt - Tabea - stand dort auf dem Bildschirm
      "Hey, was gibt´s?
      "Wir haben da mal eine generelle Frage - wie seit ihr zu euren Pflegern gekommen?"
      Kurz stockte ich, wieso sollte sie das denn jetzt so dringend interessieren? "Naja...Aidens Familie wohnt in Craighnure und schon der Vater hat hier gearbeitet, als der Hof noch der Oma von Kathi und Cayden gehörte, die drei sind sozusagen zusammen aufgewachsen. Hansi...Naja den hat Kathi wohl von einem Festival auf gegabelt...allerdings war das vor der Zeit als ich hier gewohnt hab. Ansonsten könntet ihr in den hiesigen Zeitungen schauen oder im Internet...Cayden kam damals durch ein Auslandspraktikum nach Österreich zu Amy auf den Hof.

      Ich bedanke mich herzlich für diese Auskunft und verließ mein Zimmer. Ich klopfte an Linns Wohnungstür und fand auch Jonas bei ihr. Die beiden hatten wohl meinen Anruf abwarten wollen und saßen mit besorgten Gesichtern auf Linns Sofa.
      „Also Ravi sagt ihre Stallarbeiter haben da schon in der Nähe gewohnt. Wir sollten in die Zeitung schauen oder selber eine Anzeige aufgeben.“

      Ich hatte meinen Laptop schon auf dem Schoß, kaum das Tabea ausgesprochen hatte.
      „Also eine Anzeige im Internet und eine in der Zeitung? Soweit ich weiß geht das auch über die Webseite... oder erst mal gucken?“
      „Wollen wir das wirklich ohne Bella machen?“, fragte Jonas zweifelnd.
      „Hey, wir tun das nur zu ihrem besten!“, meinte Tabea. „Jetzt nicht kneifen hier.“
      „Streitet nicht! Ich suche schon mal!“
      Ich traktierte die Tasten meines Laptops ungefähr eine Stunde lang ehe ich etwas vielversprechendes fand. Die beiden anderen hatten nicht zu Bett gehen wollen, jetzt saßen sie mit Bier auf dem Sofa und warteten gespannt.
      „Hey, hier ist etwas.“, riss ich die beiden aus ihrem Schweigen. Kaum hatte ich die Worte gesprochen, waren Jonas und Tabea neben mir und lasen die Internetanzeige.
      'Zwei fleißige Stallarbeiter suchen eine neue Arbeitsstelle. Finley McLean und Arran McTavish aus Morvern suchen eine Arbeit mit Wohngelegenheit in der Nähe...'
      „Das klingt perfekt. Aber was war nochmal 'payment'?“, fragte Tabea resigniert. Das englisch fiel ihr manchmal noch etwas schwer, dementsprechend war sie froh, dass wir auf dem Hof zumeist Deutsch sprachen.
      „'Bezahlung'.“, kläre Jonas sie schnell auf und studierte die Anzeige weiter. „Könnte das etwas für uns sein?“

      „Jetzt reicht es aber.“, ich öffnete die Tür und trat ein. „Ihr wollt mir jetzt ehrlich zwei Stallarbeiter aufdrücken?“
      Ich hatte Wut im Bau. Durfte ich denn nicht mehr mit entscheiden? Auf meinem Hof?
      „Ich wusste, dass du lauschst.“, sagte Tabi ruhig. „Und du weißt ganz genau, dass das notwendig ist und keinerlei Problem darstellt. Also beruhige dich gefälligst und lies dir das hier durch.“
      Wutschnaubend trat ich zum Laptop und setzte zu einer wenig netten Rede an, als mein Blick auf das Gesicht meines Freundes fiel. Erst jetzt fiel mir die ehrliche Besorgnis daran auf und die ließ den Zorn verschwinden.
      Wie ein Häuflein Elend sank ich aufs Sofa und fühlte gleich darauf Jonas Arm um meine Schultern.
      „Nein, ich weiß ja das ihr Recht habt.“, gab ich zu. „Ich will nur nicht.... will nur nicht...“
      „Jemanden der dich nicht respektiert.“, beendete Tabea den Satz. „Jetzt komm mal runter. Du BIST eine Respektsperson, und sei es nur wegen deines abnormen Streberschädels gefüllt mit Pferdewissen.“
      Sie hatte den Bann gebrochen und ich begann zu lachen. All die Anspannung und der Stress der letzten Wochen brach aus mir heraus und ich konnte meine Gefühle nicht länger unter Kontrolle halten, ja ich versuchte es auch nicht länger. Ich lachte und dabei liefen mir die Tränen über die Wangen. Kaum hatte ich mich einigermaßen beruhigt, drückte meine kleine Schwester mir mein Handy in die Hand.
      „Und jetzt rufst du da an!“


      Zwei Tage waren vergangen und die beiden sollten am nächsten Tag anfangen. Ich hatte mit Linns Hilfe die freie Wohnung im Haupthaus bezugsfertig gemacht, während meine Freundin und ihre vorlaute Schwester einen Ausritt unternahmen. Ich wusste genau, sie machte sich noch immer Sorgen und hatte eine Heiden Angst vor dem nächsten Tag, doch sie verstand es gut ihre Gefühle zu verstecken.
      Ich wollte ihr mal wieder eine Freude machen und schlug Linn vor den beiden nachzureiten. Erst erntete ich nur einen Ungläubigen Blick, dann hatte ich den Tatendrang der jüngeren Frau geweckt.
      „Du reitest besser Vidja.“, rief sie mir entgegen und kam mir mit zwei Pferden entgegen. Sie machte eine Handbewegung hinüber zu dem gepunkteten Pferd.
      „Äh, war Vidja nicht dein Lieblingspferd?“, fragte ich, mich wage erinnernd.
      „Ja, aber die ist brav. Im Gegensatz zu den andren und bei....“
      „Und bei meinen Reitkünsten wird das wohl besser sein.“

      Ich war froh Bella wieder in einem einigermaßen Beruhigenden Zustand zu wissen. Die langen Haare im Wind flatternd preschte sie auf ihrer Stute Laufey vor mir her. Ich wusste, dass sie das Rennen gewinnen würde. Ich hatte das bereits gewusst, als ich sie herausgefordert hatte doch der beste Sieg war das strahlende Lächeln, welches sie mir nun schenkte.
      Wir wendeten unsere Pferde und ritten in gemächlichem Schritt zurück in Richtung Hof als Vinkona unruhig wurde.
      Meine Stute hatte etwas bemerkt und nun sahen auch wir zwei Reiter am Horizont. Wir tölteten ihnen entgegen und ich erkannte bald zwei Menschen auf Vidja und Blossi.
      Als ich mich gerade zu fragen begann wer zum Henker denn auf Blossi saß, konnte ich auch die Reiter erkennen.
      „Nein, du reitest freiwillig?“, rief eine Schwester ihrem Freund entgegen. Unterdessen bemerkte ich zu Linn, dass es eine kluge Entscheidung gewesen war ihm Vidja zu überlassen.

      Ich hatte meine Sorgen für eine Weile vergessen können, doch als ich Abends neben Jonas im Bett lag, kamen sie mit aller Macht zurück. Ich wurde noch lange von immer absurderen 'Was wenn...' Gedanken geplagt, bis ich endlich zur Ruhe kam.
      Am nächsten Morgen wachte ich sehr früh auf und ging hinunter in die Futterkammer. Ich lud das 'Frühstück' in Form von Heu für meine Vierbeiner auf eine Schubkarre und machte mich auf den Weg zu den Koppeln.
      Ich versuchte extra lange zu brauchen und als ich schließlich wieder am Hauptgebäude anlangte, standen zwei junge Männer dort etwas verloren in der Gegend herum.

      Sowohl ich als auch mein Kumpel Arran waren glücklich über den Anruf und das Stellenangebot gewesen, die uns Gestern erreicht hatten. Es kam von der Besitzerin einer Islandpferde Zucht in der Nähe. Sie war wohl vor kurzem von Deutschland hier her gezogen und benötigte nun Hilfe bei allen anfallenden Arbeiten. Wir hatten nicht lange überlegen müssen. Was konnte schon schiefgehen? So machten wir uns auf den Weg zur angegebenen Adresse, nicht weit von unserem jetzigen Wohnort um uns alles anzusehen.
      Der Hof machte einen freundlichen und gepflegten Eindruck, doch man ließ uns warten. Schließlich kam eine besorgt wirkende Frau auf uns zu.
      „Finley McLean.“, stellte ich mich vor. „Und das ist mein Kumpel Arran McTavish. Er ist leider auf den Mund gefallen.“
      „Annabell Schmiedemann.“, sagte die blonde Frau vor mir und reichte uns beiden die Hand. Als sie mein leicht entsetztes Gesicht sah fügte sie hinzu: „Bella reicht... ja ja. Deutsche Namen.“
      Erleichtert grinsend folgten wir ihr auf einen Rundgang über den ganzen Hof. Die Isländer Stássa, Laufey, Vinkona, Vidja, Slaufa, Faera, Vin, Thowra, Blossi, Sólfari, Uprising und Topar gefielen mir, und meinem Freund schien besonders den, von Bella als Zickig bezeichneten, zuletzt genannten Hengst zu gefallen.
      Ich mochte den Hof. Hier zu arbeiten stellte ich mir als guten Job vor. Auch die anderen Bewohner des Hofes und unsere zukünftige Wohnung bekamen wir zu Gesicht.
      Ich hatte bereits jetzt für mich entschieden, ich würde den Job annehmen und auch Arran schien dazu geneigt zu sein.

      Ich war positiv von den beiden Überrascht worden. Während Arran mir eher wieder schweigsame Typ vorkam, der seine Arbeit ohne viel Federlesens erledigte, schien Finley geneigt die Stimmung hier etwas aufzulockern.
      Alles in allem fand ich in den beiden tüchtige Arbeiter, die ich in den nächsten Wochen wirklich zu schätzen lernte. Das ging so weit das ich eines Abends beim gemeinsamen Grillen sagte:
      „Ich weiß nicht was ich ohne euch machen würde.“
      Daraufhin glitt ein triumphierendes Lächeln über Tabeas Gesicht als wollte sie sagen: 'Hab ich's doch gewusst.'

      Aber das Leben geht weiter
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      21. Juni 2015 | (c) BellaS
      17351 Zeichen | - verschiedene
      Als ich an diesem morgen erwachte, zeigte mein Wecker wie immer 4:00 Uhr. Meine, zugegeben, leicht seltsame, innere Uhr hatte mich auch heute nicht im Stich gelassen. In der Erwartung die erste auf dem nächtlichen Hof zu sein, schälte ich mich aus dem Bett und verließ meine Wohnung.
      Ich wollte als erstes den Offenstall der kleinen Stute Brött aufsuchen, denn sie schien es mir als einzige nicht übel zu nehmen bereits am frühen Morgen arbeiten zu müssen. Kaum hatte ich allerdings die Haupttür nach draußen geöffnet, stutzte ich. Bella saß auf ihrer Bank neben dem Haus und sie saß schrecklich aus. Offensichtlich hatte sie geweint und war schließlich draußen, auf ihrem Lieblingsplatz, eingeschlafen. Ich hatte keinen blassen Schimmer was passiert sein können, aber es musste etwas gewesen sein, das meine Freundin traurig und wütend zugleich hatte werden lassen. Zumindest zeugten davon die benutzten, zerknüllten und zu kleinen Fetzen verarbeiteten Taschentücher, welche teils neben ihr auf der Bank, teils vom Wind über den ganzen Hof verteilt, lagen. Während ich noch überlegte, was ich nun tun sollte, schlug Bella ihre Augen auf und sah sich verwundert um, als erinnerte sie sich nicht an den Umstand, der sie auf ihren derzeitigen Platz befördert hatte. Verwundert schaute sie zu den Taschentüchern, dann zu mir. Wenige Sekundenbruchteile darauf schienen die, mir unbekannten, Ereignisse vom Vortag wieder auf sie einzustürmen und sie sackte auf ihrer Bank in sich zusammen. Vorsichtig nährte ich mich meiner Freundin und ließ mich neben ihr nieder. Was war passiert? Hatte es etwas mit mir zu tun? Ich legte ihr unsicher den Arm um die Schultern, doch es verging noch eine gefühlte Ewigkeit, bis ich mich traute sie zu fragen was denn passiert sei.

      Ich konnte nicht klar denken. Ständig verschwamm alles vor meinen Augen und ich konnte die gestrigen Ereignisse noch immer nicht fassen. „Er ist weg, Linn. Dieser... Dieser...“, doch mir fiel kein passendes Schimpfwort ein, mit dem ich meinen Freund, nein, Exfreund treffend beschreiben konnte. „Er ist weg. Weg. Einfach weg. Hat sein Zeug genommen und ist abgehauen.“, ich brach in ein seltsam irres Gelächter aus, aber ich erfasste mein Verhalten überhaupt nicht. Ich redete einfach. „Und dann hat er mich angeschrien und dann ist er weggefahren und... und..“, ich brach wieder in Tränen aus, obwohl ich es gar nicht wollte. Immerhin verdichtete sich mein Blickfeld langsam wieder und die Fähigkeit logisch zu denken kehrte zurück. Mich zusammenreißend versuchte ich meiner Freundin, die jetzt neben mir saß, mir halt gab und keine Fragen stellte die Ereignisse vom Vorabend zu erklären. „Ich weiß nicht mehr, warum wir uns gestritten haben. Auf jeden Fall lief es darauf hinaus, dass wir jetzt hier waren, in Schottland. Und dann hat er gesagt er will nach Hause, hier sei es scheißen und solche Sachen. Dann haben wir uns angeschrien und dann, dann hat er gesagt er packt sein Zeug und fährt nach Hause. Und das hat er dann gemacht.“, wieder versuchte ich einem Heulkrampf zu entgehen. Linn sagte nichts, ich spürte nur, wie ihr Arm sich etwas fester um meine Schultern legte. Gegen sechs Uhr morgens stieß auch Tabea zu uns und ich fasste mich langsam. Ein Gefühl sagte mir, dass ich etwas Zeit für mich brauchte. Schließlich erhob ich mich wacklig von der Bank und marschierte Kommentarlos in Richtung Offenstall. Laufey stand am Zaun und bemerkte meine Stimmung sofort. Zwar waren auch Vin und Faera dort, doch ich sehnte mich nur nach der Gesellschaft meiner kleinen, frechen, treuen und sensiblen Stute. Ohne zu putzen, zu satteln oder mich sonnst in irgendeiner Form aufzuhalten erfasste ich Laufeys Mähne, öffnete das Gatter, lotste die Stute hinaus ohne den Rest meines Chaos-Trios auf freien Fuß zu setzen und kletterte mit Hilfe des Eisengatters auf ihren Rücken. Sie schien ganz genau zu wissen was ich wollte, denn Laufey galoppierte aus dem Stand an und trug mich in den Wald. Ich lenkte sie nicht, mir war egal wohin es ging.

      Während des ganzen Tages machte ich mir Sorgen um Bella. Sie war mit Laufey einfach abgehauen, ohne Sattel, ohne Zaumzeug, ohne nichts. Ich wusste zwar, sie war eine exzellente Reiterin, doch in diesem Zustand machte sie mir Sorgen. Ich besuchte Arran und Finley und berichtete den Beiden in knappen Sätzen vom Vorfall. Im laufe des vergangenen Monats waren die zwei Stallarbeiter mehr und mehr in unsere Familie hineingewachsen und so sah ich es als meine Pflicht an, die beiden zu informieren. Natürlich hatten sie die Szene auf der Bank längst mitbekommen, wenn man in einem Haus lebt und auf einem Hof arbeitet bleibt nicht viel geheim, doch ich wollte sichergehen, dass alle Bescheid wussten um Bella nicht auf dem falschen Fuß zu erwischen. Immer noch in Gedanken bei Bella machte ich mich auf den Weg zum Fohlenstall um mein Vorhaben von heute Morgen in die Tat umzusetzen und Brött ein wenig zu beschäftigen. Ich holte die kleine, jetzt schon bald große, Stute von ihrer Koppel und ging mit ihr in den Roundpen. Bella hatte mir die Geschichte ihres ersten Pflegepferdes, Crimetime, erzählt und damit die Idee wach gerufen, den großen roten Gymnastikball auf für das Training von Brött einzusetzen. Seit ich diesen Ball vor einigen Tagen ins Training eingebracht hatte, konnte Brött die üblichen Übungen des Fohlen ABC fast nicht mehr abwarten, so sehr liebte auch dieses Fohlen das Spiel mit dem Ball. Lächelnd sah ich zu wie Brött die Kugel durch den Roundpen kickte, verdutzt stehen blieb als sie feststellte, dass der Ball hüpfen konnte, nur um ihn dann um so mehr zu jagen. Ich stand an der Band, schob den Gymnastikball ab und zu von mir weg, wenn Brött mich aufforderte mitzuspielen und hing meinen Gedanken nach.

      Meine Schwester hatte es gestern echt erwischt. Ach ich machte mir Sorgen, verständlicherweise. Ich meine, erst macht der Freund Schluss und haut ab und dann schmeißt sie sich auf das nächst beste Pferd und reitet planlos in den Wald, wer macht sich da keine Sorgen? Schließlich beschloss ich meine Vinkona zu nehmen und, natürlich völlig zufällig und ohne jegliche Hintergedanken, in den Wald zu reiten. Meine Stute benahm sie wunderbar, wie immer, doch leider war ich mit meinen Gedanken überall, sodass ich Bella auf meinem Ausritt nicht fand, wie ich ursprünglich geplant und gehofft hatte. Vielleicht war sie vom Pferd gefallen und lag jetzt irgendwo im Wald? Aber nein, bis Bella vom Pferd fiel musste schon ein Wirbelsturm kommen. Ich saß auf dem Hof ab, band meine Stute an und befreite sie vom Sattelzeug, ehe ich in die Futterküche ging. Irgendein kreativer Anfall und eine Packung bunter Permanent Marker hatte mich vor einiger Zeit dazu getrieben die Futterschalen mit den Namen der Pferde, natürlich in Form von Graffitis, zu bemalen. Nun suche ich die Futterschale mit dem Schriftzug 'Vinkona' und füllte sie mit einen Hand voll Pellets und ein wenig Gerste. Lächeln sah ich zu wie meine Stute ungeduldig den Kopf über ihr Essen senkte.

      Ich war mittlerweile abgesessen und Laufey graste friedlich an einem Bächlein, von dem ich auch noch nicht gewusst hatte, dass es es gab. Ich gab mir alle Mühe und langsam gelang es mir die Gedanken zu ordnen, die sich bisher nur wirr im Kreis gedreht hatten. Seltsamerweise fühlte sich der Platz in meinem Herzen, von dem ich bis gestern geglaubt hatte Jonas würde ihn ausfüllen, gar nicht leer an. Hatte ich die Grundlage für dieses abrupte Ende etwa selbst gelegt? Wie lange ging das denn schon so? Vermisste ich ihn überhaupt? Auf diese Fragen fand ich keine befriedigenden Antworten, doch ich schaffe es mich zu sammeln. Natürlich, seine gewohnte Gegenwart fehlte, aber es war nicht so schlimm wie es hätte sein können. Er hatte mir nicht 'das Herz gebrochen', wobei ich mich fragte, warum nicht. Langsam wandte ich mich wieder meiner Stute zu und kletterte auf ihren bloßen Rücken. Jetzt, wo die schlimmsten Gefühlsausbrüche nicht länger von mir Besitz ergriffen hatten, war es schwieriger Laufey zurück zum Hof zu lenken. Ich würde mich nicht verkriechen, ich würde heute Nachmittag,... Wie spät war es überhaupt? Vielleicht drei, oder vier? Egal, ich würde einfach reiten, denn der Umgang mit Pferden ist etwas das bei allen Verletzungen hilft, gerade bei solchen am Herzen.

      Nächster Tag
      Es fühlte sich komisch an in einem leeren Bett aufzuwachen, doch nicht unbedingt schlecht. Es machte mir schon Sorgen wie schnell ich diesen Schlag ins Gesicht überwunden hatte, doch – nicht drüber nachdenken! Ich stand auf, stieg in meine Klamotten und schnappte mir auf dem Weg nach draußen ein Brötchen vom Vortag, welches ich im gehen verspeiste. Auf meinem Weg zu Weide grüßte ich Arran, der gerade dabei war Linns Offenstall zu säubern. Gapur stand zusammen mit Blossiund Uprising auf dem Hengstpaddock und auch Vidja fehlte. Scheinbar war Linn gerade dabei sie irgendwo zu reiten. Nun ja, mich sollte das ganze nicht stören, denn ich würde mich heute Morgen ein wenig mit Thowra beschäftigen. Die Stute hatte eine Runde Dressur schon länger nötig. Unwillig folgte Thowra mir zum Putzplatz, wo ich ihr grau weißes Fell, das momentan eher grau-grün war, gründlich mit verschiedenen Striegeln bearbeitete. Ich holte ihren Sattel von ihrem Platz und entfernte entnervt etwas Vogelkot von ihrer Trense. Ich würde bald nicht nur die Sättel abdecken müssen, denn die Schwalben, die an den Dachbalken des Stallgebäudes nisteten, wurden immer dreister. Ich holte mir Helm und Handschuhe, doch bevor ich aufsitzen konnte wurden meine Nerven wieder auf die Probe gestellt. Tabea hatte sich scheinbar auf meine Stute gewagt, denn die Bügel waren viel zu kurz eingestellt und dazu nicht anständig hochgezogen sondern völlig wirr verknotet. Jetzt wirklich entnervt löste ich die Riemen, stellte die Bügel ein und nahm mir vor Tabea einmal mehr gründlich zu erklären was sie NICHT machen sollte. In einer flüssigen, geübten Bewegung legte ich die Zügel auf Thowras Hals und schwang mich in den Sattel. Das Dressurviereck war frei, doch auf der Ovalbahn erblickte ich Finley. Mein wunderbarer Stallhelfer, eigentlich Helfer bei allem, lieferte sich seinen täglichen Kampf mit Topar. Der sture Hengst hatte mal wider seine 5 Minuten und meinte wie ein wilder über die Bahn rasen zu müssen. Grinsend sah ich zu wie Finley versuchte den Hengst mit verschiedensten Mitteln zu Raison zu bringen. Leider half nicht viel. Erst als der dunkelhaarige Mann resigniert die Gerte fallen ließ, die er in der Hand gehalten hatte, beruhigte sich Topar. Für ihn war alles was mit Gerten zu tun hatte fies und gemein, doch Finley ließ sich nicht davon abbringen ihn mit Gerte zu reiten. Immer wieder schaute ich zu den beiden hinüber und rief Finley Tipps zu, eigentlich nur um ihn etwas zu Triezen während ich die graue Stute im Dressurviereck warm ritt. Da Thowra in Dressur noch nie wirklich trainiert worden war, aber die meisten Übungen aus anderen Zusammenhängen bereits kannte, würde ich heute Morgen nicht viel Arbeit haben. Wir begannen mit dem Mittelschritt, welchen Thowra für das Viergang Training sowieso beherrschen musste. Sie schritt zugig aus, hob alle Hufe gleichmäßig vom Boden ab und blieb dabei wunderbar weich und gebogen auf der Zirkelline. Es versprach wirklich entspannt zu werden. Beim Versuch rückwärtszurichten meinte sie kurz Zicken zu müssen, doch alles in allem verlief das kleine Dressurtraining wunderbar. So beschloss ich das ganze einfach mal als Stufenerhöhung durchgehen zu lassen.

      Ich hatte mich mal wieder mir diesem sturen Bock von Hengst herumgeärgert, doch ich wollte nicht aufgeben. Arran sagte manchmal – sofern er überhaupt mal etwas sagte, dass ich eh nie aufgeben würde, zumindest nicht bis ich mir an der Wand den Schädel eingeschlagen hätte beim versuch mit dem Kopf durchzugehen. Irgendwie hatte er ja recht. Ich brachte also Topar in seinen Offenstall zurück und überlegte was als nächstes zu tun war. Irgendeine kleine Stimme in meinem Hinterkopf flüsterte etwas von 'nichts zu tun' und 'Pause', aber ich ignorierte sie – auf einem Hof wie diesem gab es immer etwas zu tun das getan werden musste. Ich überlegte. Eine Boxentür im großen Stall war kaputt. Zwar stand dort nie ein Pferd, aber sie zu reparieren konnte nicht schaden. Auf dem vom Offenstall zum Hauptstall traf ich auf meinen Kumpel Arran. Er machte ein komisches Gesicht. Das Gesicht, das er immer machte wenn er jemanden etwas fragen musste und es am liebsten vermeiden wollte. „Hey, was's los?“, fragte ich ihn und schnitt eine komische Grimasse. „Nichts.“ „Nichts sieht anderes aus.“ „Ich will nicht drüber reden, ja.“ „Dann nicht, ich will dir nur helfen.“ „Na gut. Hab ärger mit Mila.“ „Warum?“, ich fragte mich was in aller Welt los war. Erst war bei Bellas Familie Land unter und jetzt zoffte sich Arran mit seiner Freundin. „Sie will, dass wir zusammen ziehen. Aber ich wohn' ja mit dir hier.“ Okay, das war wirklich ein Problem. Arrans Freundin, Mila Weston hatte gerade ihre Ausbildung zur Pferdewirtin fertig und suchte Arbeit in der Gegend, aber Arran konnte hier vom Hof auch nicht so einfach weg. Bis nach Morvern war es ja noch ein ganzes Stück – zu weit um jeden Tag zur Arbeit zu fahren. Auf einmal machte es 'klick'. „Mila sucht immer noch Arbeit?“ „Joa, warum?“ „Mila Weston und Arran McTavish, Gestüt Colles Virides 1, Postleitzahl vergessen, Morvern. Klingelt's? Mila ist Pferdewirtin.“

      Nachdem Thowra ihr Futter aufgefressen hatte, kam sie zurück auf den Stutenpaddock, denn mit Gras reichte es erst mal für Heute. Wieder ein Pferd auf meiner Trainingsliste weniger. Jetzt waren noch Slaufa, Sólfari und Stássa an der Reihe. Ganz schön viel Arbeit für einen Tag. Nun ja, vielleicht würde ich auch Stássa auf Morgen verschieben, mal sehen. Ich holte die kleine, westerngerittene, Stute von der Weide und machte sie fertig. Ein wenig Gangtraining war angesagt. „Hoffentlich ist die Ovalbahn frei.“, dachte ich und saß auf. Die Bahn war frei. Das reiten im Westernsattel fühlte sich noch immer ungewohnt an, wenngleich in Slaufa in letzter Zeit oft geritten war. Die Stute ging auf ihre Krönung zu und so widmete ich ihr viel Zeit. Wir begannen in langsamem Tempo. Ich hatte mir eine gute Stunde für Viergang eingeplant und hoffte meinen Plan halten zu können. Schlangenlinien, Volten, Slaufa reagierte prima auf meine, manchmal etwas unbeholfenen Kommandos. Veija hatte die Stute wirklich fein geritten und ich war froh über jede Stunde Training zu der ich die Stute ihn ihre Hände gegeben hatte. Nachdem sich Slaufas Muskulatur ausreichend aufgewärmt hatte, begannen wir mit ordentlichem Tölt. Nicht zum ersten Mal stellte ich fest, dass Westernsättel für diese Gangart mehr als gut geeignet waren, dafür konnte man im Trab nur schwer bis gar nicht entlasten. Genau hier lag das Problem. Slaufa konnte zwar traben, aber es war schwer ihr verständlich zu machen was man wollte. Mehr schlecht als recht beugte ich mich nach vorne um den Rücken des gescheckten Pferdes zu entlasten und, siehe da, Slaufa trabte. Leider schaffte ich ich es, auch nicht zum ersten Mal, mir das Sattelhorn in die Magengrube zu bohren. Aua! Ach dieser, eher ungemütlichen, Trabrunde blieb als letztes noch der Galopp. Hier war alles ganz einfach, denn Slaufa galoppierte auch als dem Tölt. Nach einer Runde Galopp bemerkte ich, dass sich Zuschauer an der Bahn eingefunden hatten. Es waren Arran und Finley, dir mir Sicherheit etwas von mir wollten. Ich parierte Slaufa durch und lobte sie. Sie hatte ihre Sache gut gemacht, also saß ich auf und ging zu den Beiden. „Irgendwas kaputt, Pferd ausgebrochen, fehlt was?“, fragte ich scherzhaft. „Witzig.“, schnaubte Finley. „Arran hier hat ein Anliegen.“

      Ich fühlte mich in keinster Weise wohl in meiner Haut. Warum musste man immer mit den Leuten reden? „Ähm, also ich. Also ich wollte. Also ich habe eine Freundin.“ Super, damit hatte ich schon mal falsch angefangen, denn Bellas Gesicht verdüsterte sich. Wahrscheinlich dachte sie an Jonas. „Ja?“, fragte sie, „Weiter.“ „Nun ja, Mila und ich haben uns gestritten. Sie will, dass wir zusammen ziehen aber von hier bis nach Morvern ist es zu weit um jeden Tag zur Arbeit zu fahren.“ Warum faselte ich so einen weit schweifenden Blödsinn? Finley schien sich das auch zu fragen, denn jetzt wurde er ungeduldig und schaltete sich ein. „Mila Weston ist Pferdewirtin auf Arbeitssuche und würde gerne mit ihrem Freund zusammen ziehen. Nun, hier gibt es eh zu viel Arbeit und das hier ist ein Gestüt. Zudem...“ „Zudem ist eine Wohnung im Haupthaus frei und jetzt wollt ihr wissen ob ich sie einstellen kann?“ „Äh, ja.“ Das war nun wieder ich. „Das würde mir helfen und vielleicht allen etwas Arbeit ersparen.“

      Eine Woche darauf
      „So kommt es immer wieder, dass der Hof Zuwachs bekommt.“, stellte ich fest als ich Morgens aus dem Fenster sah. Mila war vor zwei Tagen eingezogen. So waren jetzt alle Wohnungen hier im Haupthaus belegt und ich verstand mich recht gut mit der, nur wenig jüngeren, Frau. Mila Weston war aufgeschlossen, freundlich und hatte ein gutes Gespür für Pferde. Gerade sah ich zu wie sie mit Arran vom Hof ritt. Die beiden wollten mit Faera und Blossi einen Distanzritt unternehmen. „Wahrscheinlich wird das ganze eher ein romantisches Ausritt zu zweit.“, stellte ich mit einem bitteren Beigeschmack fest. Jonas hatte sich nicht ein mal mehr gemeldet.

      Hufschmied
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      26. August 2015 | (c) Rinnaja
      1179 Zeichen | - Rinnaja
      Ich hatte einen Anruf von BellaS. Sie fragte ob ich Zeit hätte Heute vorbei zu kommen um mir die Hufe ihres Isländer Hengstes anzusehen. Ich meinte zu ihr, dass das kein Problem sei und machte mich auf den Weg zu ihr. Nach 1 Stunde Fahrt kam ich bei ihr an. Sie hatte den Hengst schon für mich angebunden und es sah so aus als wäre er aus sauber gemacht worden. Ich Begrüßte sie Herzlich und zusammen ging wir zu den Hengst. Sie Stellt ihn mir vor und fragte ob sie uns allein lassen konnte da sie noch zu tun hätte. Ich nickte und suchte meine Sachen aus meiner Tasche zusammen. Zu erst Kontrolierte ich die Hufe und guckte ob alles okay war. Nach dem ersten Blick war es das auch. Danach holte ich meine Raspel raus und fing an zu arbeiten. Viel war nicht zu machen deswegen konnte ich das Ausschneiden weg lassen. Als ich Fertig geraspelt hatte machte ich noch ein feinschlief mit der Pfeile und Fertig war die Arbeit, was mich wunderte. Ich fragte sie wieso sie mich gerufen hatte. Sie meinte es sei für eine Körung und nur zu Kontrolle gewesen. Ich sagte hier zu gleich auch das ich Fertig sei und ich gehen wurde wenn nix mehr sei und verabschiedete mich mit diesen Worten.

      Ein Sommer auf Rømø
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      26. August 2015 | (c) BellaS
      7134 Zeichen | - Bella
      „Das ist doch nicht dein Erst?!“, klang Linns Stimme aus dem Lautsprecher meines Handys. Ich konnte förmlich sehen wie sie sich die Hand vor den Kopf schlug. „Wie lange sind wir jetzt in Schottland? Ein Jahr? Anderthalb? Höchstens!“ Wieder flackerte ein Bild vor meinem geistigen Auge auf. Diesmal tiegerte meine langjährige Freundin mit dem Handy in der Hand auf dem Hof auf und ab. „Nein Bella, ich weiß noch nicht was ich davon halten soll. Ich hoffe du hast noch nicht für uns alle entschieden?“ „Ich habe nicht einen Moment daran gedacht dich nicht zu fragen.“, erwiderte ich ehrlich. „Ich würde eingehen, müsste ich allein wieder anfangen.“ „Gut.“, ihre Stimme klang erleichtert. „Aber glaub nicht, dass ich jetzt hier alles stehen und liegen lasse um freudig mit dir nach Dänemark zu fahren, Annabell Schmiedemann.“ Wenn sie mich bei meinem vollen Namen nannte, wusste ich, dass es ernst wurde. „Gut. Überlege es dir bitte. Ich hole jetzt Hnakki,wir sehen uns, wenn alles glatt geht heute Abend.

      Hnakki war ein stattlicher junger Hengst, den ich bei einer Zuchtauflösung erstanden hatte. Ein Vertreter der bekannten „van ghosts“ Zucht, aus der auch die Stute Thowra stammte. Es hatte eine Weile gedauert, aber nun konnte er endlich zu uns nach Colles Virides ziehen. Die Frage war nur, wie lange er dort wohl bleiben würde, er und all meine anderen Pferde.

      Aus dem Urlaub nach Hause zu kommen hatte immer etwas bedrückendes. Ich vermisste die Insel, das Meer, alles. Der kleine Anhänger schaukelte hinter meinem Auto her und Laufey hatte endlich aufgehört zu randalieren, kaum war Hnakki neben ihr eingeladen worden. In wenigen Stuten würde ich Morvern erreichen und von dort aus war es nur noch ein Katzensprung bis nach Hause.

      Ich parkte den Wagen. Es war spät und so war niemand mehr auf dem Hof um mir mit dem Ausladen meiner vierbeinigen Begleiter zu helfen. Ich ließ die Rampe herunter, entfernte die Stange hinter Laufey und stieg durch die kleine Tür an der Front des Hängers wieder ein, um sie loszubinden. Wie immer sprang sie förmlich rückwärts aus dem Gefährt. Hnakki benahm sich wesentlich manierlicher. Er wartete bis ich alle Sicherheitsmaßnamen entfernt hatte, dann schritt der ohne zu zögern aus dem Transporter.

      Ich klopfte an Linns Wohnungstür. Sie öffnete mir und machte ein verdrießliches Gesicht, begrüßte mich aber trotzdem. „Hast du die Bilder bekommen?“ „Ja.“ „Himmel. Du bist immer noch sauer?“ Ich kannte meine Freundin al einen wirklich lieben Menschen dem es fern lag überhaupt sauer zu sein, geschweige denn länger als ein paar Minuten. „was denkst du dir eigentlich? Überfällst mich mit solchen Plänen am Telefon! Und überhaupt, wenn du ständig umziehen willst, solltest du keine Pferde züchten. Die mögen das nämlich nicht.“ Ein wenig überrumpelt setzte ich mich. „Ich glaube ich muss mal versuchen dir meinen Standpunkt zu erklären.“ „Schieß los. Ich bin wirklich gespannt.“ Sie setzte sich neben mich aufs Sofa und ich begann.

      „Ich bin von meinen Eltern weg gezogen, als ich mich Stássa meine erste Isistute bekam. Ich wollte machen können was ich wollte, frei sein, das erste Mal in meinem Leben. Früher habe ich es sogar in Erwägung gezogen nie von zu Hause wegzuziehen, aber das gehört hier nicht hin...“ Ich musste mich sammeln, ehe ich fortfuhr. „Mit dem Gut Muschelsand hatte ich mein erstes richtiges und vor allem eigenes zu Hause und eine bunte Sammlung Pferde jeder Rasse. Ich war glücklich, aber auch überfordert. Dann kam Catalina und wir taten uns zusammen. Das UHAP Ocean Wave war super, aber es ging nicht lange gut. Cata lernte Sahra kennen und zog nach Schottland. Ich hatte mich an Teamarbeit gewöhnt und schlug alles in den Wind. Ich zog nach Schottland.“ „Jaaa.“ Soweit kannte sie meine Geschichte als Pferdezüchterin nur von Erzählungen. „Jetzt sind wir ein Team. Ein super Team. Ich wünsche mir, dass wir es schaffen eine große, bekannte und gute Isländerzucht auf die Beine zu stellen. Zusammen. Als Team. Ich möchte raus aus der Legacy und ich liebe das Meer. Rømø ist ein Traum und ich glaube das diese Insel ein Ort ist, an den Islandpferde wirklich gehören.“ ich beendete meine Ausführungen. „Das war ja ein historischer Roman.“ Linn versuchte ihr böses Gesicht zu wahren, schaffte es aber nicht. „Nun ja, ich glaube, ich kann dich verstehen. Gib mir Zeit, ja?“

      Ich gab ihr Zeit. Am nächsten Morgen, nachdem Hnakki von allen ausgiebig bewundert wurde, rief ich das Team zusammen. „Ich will, dass ihr wisst was Sache ist. Da keine Entscheidung gefallen ist, müsst ihr euch noch keine Sorgen machen, aber es ist besser wenn man von Anfang an weiß was Sache ist.“ Ich erzählte von meinen Plänen. Mila, Arran und Finley runzelte die Stirn, dann ergriff Finley das Wort. „Ich mag deine Pferde, ich mag den Arbeitsplatz hier. Ich wollte eh immer weg, warum nicht nach Dänemark?“ Er räusperte sich. „Egal ob ihr geht oder hier bleibt, ich kann nur für mich entscheiden aber ich bleib bei euch.“ Ich war gerührt. „Ich erwarte keine so schnelle Entscheidung, noch ist ja nichts klar, versuchte ich die beiden Anderen abzuwürgen, doch Mila hatte schon das Wort ergriffen. „Ich werde ich Schottland bleiben, und das gilt auch für Arran. Sie sah ihren Freund bestimmt an. „Wenn ihr hier bleibt, bleibt alles wie immer.“

      „Okaaay, das war doch recht deutlich, von beiden Parteien.“ Linn und ich ritten durch den Wald, meine Lieblingsroute die ich immer dann wählte wenn ich nachdenken musste. Normalerweise ritt ich dann Laufey, aber ich hatte ihr eine Pause von der Fahrt gegönnt. Die Stute stand auf der Weide. Dafür saß ich jetzt auf Vin, Linn hatte ihren Garpur gewählt. „Ich hätte nicht erwartet, dass sie so schnell sein würden.“ Ich starrte auf die Blätter der Brombeerpflanze, die am Weg wucherte. „Wenn du jetzt fragst: Nein, ich brauche noch Zeit.“ Gab Linn mir zu Verstehen das Thema fallen zu lassen, welches sie erst angeschnitten hatte. „Na gut. Was macht Finleys Projekt?“ Meine Freundin grinste. „Die Kutsche, die er aufgetrieben hat ist nicht besonders vertrauenerweckend, aber Topar macht es Spaß. Die Beiden waren gestern das erste Mal im Gelände unterwegs, wobei ich mir mehr Sorgen um den Wagen gemacht habe, als um Topar.“ Wir lachten. Der einstige Stallarbeiter hatte es sich zur Aufgabe gemacht, Topars Ausbildung im Bereich Fahren einmal auszunutzen. Er machte dabei ungefähr genauso schnell Fortschritte, wie das Bild mit dem bockigen Hengst und der klapprigen Kutsche Erheiterung auslöste. „Und, was ist sonst noch passiert während ich im Urlaub war?“, verlangte ich einen Lagebericht. „Arran kümmert sich vorbildlich um Blacky, ich glaube er mag ihn. Auf jeden Fall ist er das einzige Wesen mit dem er hin und wieder redet.“ Ich grinste, konnte mir aber trotzdem nicht vorstellen, dass Arran sprach wenn es nicht unbedingt notwendig war. „Mila trainiert alle Pferde quer -beet. In letzter Zeit vor allem Faera und Stássa. Tabea hat sich mit Vinkona ernsthafte Ziele gesetzt und Thowra und Blossi habe ich versorgt. Alles zu deiner Zufriedenheit?“ Natürlich war ich zufrieden mit meinem fleißigen Team, und dann begann ich Linn von meinem Urlaub zu erzählen...

      Tierarzt
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      8. September 2015 | (c) Sevannie
      7679 Zeichen | - Sevannie
      Ja schon länger schob ich den Auftrag von Annabell vor mich her, oder eher ich musste ihn verschieben da so viel Stress war auf meinem eigenen Hof. Da es nur um durchchecken und impfen ging, hatte es keine richtige Dringlichkeit und Bella konnte dies auch verstehen, worüber ich echt dankbar war. Ich war nun auf ihrem Hof angekommen und sie erwartete mich schon schmunzelnd. ,,Tut mir wirklich unendlich leid.'',murmelte ich und sie winkte schmunzelnd ab. ,,Schon okay. Jetzt bist du ja da.'',lächelte sie und ich nickte. ,,Also wen zuerst?'' - ,,Zuerst Snót.'',schmunzelte sie und wir liefen in den Stall hinein. Wir kamen an der Box der braunen Stute an und sie empfing mich mit neugierigem Blicke. Bella halfterte sie auf und brachte sie auf die Stallgasse, vor ihrer Box band sie die Stute an. ,,Heute scheint sie einen guten Tag zu haben.'',lächelte sie und ich nickte. Gut gut. Ich ließ mich von der Stute erst einmal abschnuppern, ehe ich dann anfing sie abzutasten. Weder an den Beinen noch am rstlichen Körper der Stute fand ich irgendwelche Auffälligkeiten. Also nahm ich mir mein Stethoskop zu Hand und horchte sie ab. Ihre Atemzüge lagen bei 14 Zügen pro Minuten und der Puls bei 34 Schlägen pro Minute. Somit waren das die Durchschnittswerte und auch Herz udn Lunge waren gesund und in Takt. Sanft lobte ich Snót, ehe ich mein Stethoskop wegpackte und mir mein Thermometer zur Hand nahm. Ich lief zur Kruppe, wo ich mich an die Hinterhand stellte. Bella blieb am Kopf der Stute und redete gut auf sie ein, währen dich begann die Körpertemperatur zu messen. Die Stute quieckte kurz auf, doch verhielt sich dann relativ ruhig. Als das Piepsen des Thermometers ertönte lief ich zum Kopf und blickte auf dieses; 37,7°C. Also auch eine normale Körpertemperatur. Sanft lobte ich Snót erneut und blickte Bella an. ,,Sie ist kerngesund, nicht anders zu erwarten.'',schmunzelte ich und desinfizierte das Thermometer, ehe ich dann die Spritze aufzog mit dem Tetanus-Impfstoff. Bella blieb erneut am Kopf und hielt sie fest, während ich mir die Vene am Hals suchte und die Stelle desinfizierte. Ich schnappte mir noch einen trockenen Tupfer, injizierte dann die Spritze und drückte den Tupfer danach auf die Stelle. Einen kurzen Moment drückte ich den Tupfer noch drauf, ehe ich es auch gut sein ließ und die Stute erneut lobte. ,,So das war der erste Streich. Wen nun?'',hakte ich nach und Bella brachte die Stute wieder in ihre Box, schloss die Tür und wir liefen zusammen mit meienr Tasche zur nächsten Box. ,,Nun kommt Faera dran.'',erklärte sie mir und halfterte auch diese Stute auf und holte sie aus der Box. Genauso wie Snót auch banden wir sie beidseitig an. Diese Lichtfuchsstute zeigte mir sehr früh das sie auch frech ist. Sie zupfte an meine Jacke, doch ich ermahnte sie. Kurze Zeit hörte sie auf, so konnte ich mir in Ruhe ihre Augen anschauen. Als ich mir das Zahnfleisch anschaute schnappte sie spielerisch nach mir. Ich schüttelte den Kopf, den Blick den ich erhaschen konnte reichte mir auch schon. Das Zahnfleisch und die Augen sahen gut aus, also machte ich mich nun daran die Stute von oben bis unten abzutasten. Sie wies einige Blessuren auf die von kleinen Rangelein auf der Weide kommen konnten, oder eben wenn sie sich irgendwo gerieben hatte, weil es gejuckt hat. Dennoch viel mir sonst nichts Außergewöhnliches auf. Kurz lobte ich die Stute, bis jetzt hatte sie noch keine weiteren Faxen gemacht. Ich schnappte mir also mein Stethoskop und hörte auch sie ab. Ihre Werte waren ebenfalls im Normbereich und so ging es dann an's Messen. Das frisch desinfizierte Thermometer nahm ich mir dazu zur Hand und lief zur Kruppe der Stute. Wie bei Snót stellte ich mich neben die Hinterhand, nur legte Faera hier schon die Ohren an. ,,Ist gut.'',flüsterte Bella am Kopf der Stute und streichelte sie. Sonderlich gut ließ sie sich nicht ablenken, wir mussten einen zweiten Versuch starten da die Stute einfach mit der Hinterhand hin und her lief. Doch beim zweiten Versuch klappte es dann auch und ihre Körpertemperatur lag bei 37,9°C, zwar etwas wärmer aber jedes Pferd ist nunmal anders. Kurz lobte ich Faera, bevor ich dann die Spritze vorbereitete und auch die Stelle vorher desinfizierte. Ich injizierte die Spritze und die Stute gab einen kleinen Mucks von sich, ehe ich den trockenen Tupfer auf die Einstichstellte drückte und Bella sie dann wieder weg brachte in ihre Box. ,,So der zweite Streich.'' - ,,Nun geht es zu den Hengsten. Jetzt ist Blossi dran.'',erklärte mir Bella und sie lief vor. Ich schnappte mir meine Sachen und folgte ihr. Sie holte den Isländerhengst aus der Box und befestigte die Stricke am Halfter. ,,Hallo Blossi.'',murmelte ich und ließ mich auch von ihm erst einmal abschnuppern, sah mir dann seine Augen, sein Zahnfleisch und die Zähne grob an. Er schien mir etwas scheu, als hätte er Misstrauen, aber sonst viel mir nichts auf. Er legte unsicher die Ohren an, ehe ich ihn lobte. ,,Ganz ruhig, Großer.'',murmelte ich leise und begann dann ihn abzutasten. Also sein Vertrauen könnte ich sicherlich nicht gewinnen. Er war ja so Scheu und ich wollte ihn dann auch gleich noch Piecksen! Als Tierarzt machte man sich wirklich keine Freunde, aber in den anderen Berufen auch nicht. Trainer müssen sie zur Arbeit bewegen und Hufschmiede wollen war von ihren Hufen. Für Pferde ist das ja alles grausam. Als ich mit dem Abtasten fertig war und der Hengst auch nichts Auffälliges aufzuweisen hatte, begann ich ihn abzuhören. Wie erwartet war sein Puls leicht erhöht und seine Atemfrequenz ebenfalls. Er hatte ja regelrechte Angst. Sanft lobte ich ihn und gab ihm ein Leckerli, kurz stellte er die Ohren auf doch sie klappten sich dann auch gleich wieder weg. ,,Eigentlich will ich dir ja nichts böses, du brauchst keine Angst haben.'',murmelte ich leise und streichelte ihn erneut. Ich sagte Bella wie das mit der Luft und dem Herz aussah, aber das es nur durch die Situation käme und nicht durch irgendeine Krankheit ist. So legte ich das Stethoskop wieder weg und schnappte mir das Thermometer. Das Messen der Körpertemperatur ging bei ihm auch nicht gleich beim ersten Anlauf gut. Er hatte Angst oder Misstrauen, je nachdem wie man es deutete. Aufjedenfall wich er aus. So machten wir mehrere Anläufe bis es dann endlich funktionierte, mit vielen Möhren, aber es funktionierte. Das Thermometer piepste und ich blickte drauf. 38,1°C, also hier auch nich alles okay. Sanft lobte ich Blossi und zog die Spritze auf. Wie bei den Stuten zuvor desinfizierte ich die Stelle erst, injizierte dann die Spritze und drückte den trockenen Tupfer darauf. Erneut gab es eine Möhre und Blossi konnte nun sein Ruhe in seiner Box haben. Bella und ich liefen zum letzten Pferd; Hnakki. Ebenfalls ein Isländer und auch ein Hengst. Mit Hnakki war alles am einfachsten wie es mir schien. Er ließ sich gut händeln, da Bella wusste wie man ihn behandeln musste. Ich tastete ihn ab, nachdem ich mir Augen, Zahnfleisch und Zähne etwas angeschaut hatte. Danach hörte ich ihn ab. Nirgends war was Auffälliges festzustellen, also ging es an das Messen der Körpertemperatur. Auch dies funktionierte gleich beim ersten Mal und das Piepsen signalisierte mir wieder das ich drauf schauen könnte. Sanft lobte ich Hnakki und blickte auf das Thermometer; 38,0°C, also wieder alles gut auch bei diesem Hengst. So zog ich die Spritze auf und injizierte diese ihm dann. Auch hier machte er keinen Mucks, somit ging dieser Hengst am schnellsten wieder zurück in seine Box. ,,So Bella, alle diese Pferde sind gesund und nun gegen Tetanus geimpft. Verschon sie die nächsten Tage noch etwas, wegen dem Impfstoff.'',erklärte ich und verabschiedete mich sogleich auch von ihr.

      Umzug nach Rømø
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      22. September 2015 | (c) BellaS & Seimure
      12265 Zeichen | - Bella, Linn
      Das schrille Klingeln meines Weckers riss mich aus dem Schlaf. Ich haute ein paar mal auf das Mistding drauf, bis es endlich Ruhe gab. Dann schlug ich die Decke zurück und wuchtete mich von der Matratze, die mir für diese Nacht als Bett gedient hatte. Mit noch geschlossenen Augen irrte ich ins Bad, wobei ich gegen einen noch leeren Karton stieß. Nachdem ich geduscht und mich angezogen hatte, schlang ich ein kleines Frühstück hinunter und begann dann damit, meine Bettwäsche in den letzten noch leeren Karton zu quetschen. Gestern hatte ich schon alles andere in den Pappdingern verpackt, die jetzt in der Wohnung herum standen. Heute musste ich die Kartons in einem der drei Transporter verstauen, mit denen wir morgen nach Rømø aufbrechen würden. Ich begann damit, die Kartons auf den Hof zu tragen und sie dort abzustellen. Nachdem ich dort alle aufgestapelt hatte, öffnete ich die Tür des Transporters und begann, die Kartons in den "Kofferraum", der mehr einer zu klein geratenen Lagerhalle glich, zu wuchten. Ein paar Kartons musste ich auch auf dem Boden des Wohnabteils abstellen. Als ich aus dem Transporter kam, tauchte in der Haustür ein Umzugskarton auf, dem ein mürrisch dreinschauender Finley folgte. Ich wünschte ihm einen guten Morgen, woraufhin er mich ansah, als würde ich vor Ironie nur so strotzen. Auch Bella kam mit einem Karton aus dem Haus, sah aber sehr viel besser gelaunt aus. "Kannst du die Sattelkammer ausräumen? Ich denke, es sollte alles in den jeweiligen Transporter, in dem auch das Pferd steht, sonst gibts nur wieder Unordnung." Wir hatten uns darauf geeinigt, dass Bella die Hengste, ich Vidja, Meyja, Garpur, Fjara, Snót und Faera und Finley die übrigen Stuten nach Rømø kutschieren würde. Brött würden wir auch noch irgendwo unterbringen können. Ich lief also los, um zuerst einmal die Sättel zu verladen. Ich dachte mir eine Taktik aus: Ich trug auf jedem Arm zwei Sättel, was mich zwar im Gehen etwas verlangsamte, jedoch immer noch schneller ging, als immer nur einen Sattel zu tragen. Als ich mit meiner ersten Ladung Sättel auf den Hof kam, hatte Bella gerade einen weiteren Karton im Transporter verstaut. Als sie mich sah, lachte sie, zog ihr Handy aus der Tasche und fotografierte mich. "Eine spitzen mäßige Sattelschlepperin!", rief sie, ehe sie mir zuwinkte und im Haus verschwand. Ich hängte die Sättel in den kleinen Sattelkammern, die sich zwischen dem Laderaum und dem Pferdebereich befanden.Nachdem ich alle Sättel aufgehängt hatte, und auch Finley und Tabea Erinnerungsfotos geschossen hatten, hängte ich mir alle Trensen und Halfter über den Arm, um dann im Transporter vor dem Rätsel zu stehen, welche Trense zu welchem Sattel gehörte. Mit Hilfe von Fotos, auf denen die Pferde die Trensen und Sättel trugen, konnte ich sie schließlich zuordnen. Als nächstes kam ich auf die Idee, die Putzboxen in die Futterschüsseln zu stecken und diese dann in der Schubkarre zu transportieren.

      Ich war wach, lange bevor mein Wecker mich aus meinen Träumen reißen konnte. Um genau zu sein hatte ich kaum geschlafen. Wie immer kamen mir Zweifel, aber ich verbot mir, die getroffene Entscheidung zu bereuen. Ich schaltete die Weckfunkion meines Handys ab, damit sie nicht gleich in meiner Hosentasche losgehen würde, und rollte mich von der Matratze, die mir als Bett gedient hatte. In den letzten drei Tagen war alles Schlag auf Schlag gekommen. Wir hatten geräumt, gepackt und weggeworfen, hatten Kisten gestapelt und alles organisiert. Tabea war gestern nach Deutschland zurück gefahren, sie hatte ihr freiwilliges Jahr beendet und wollte sich nun ihrer Berufswahl widmen. Vinkona hatte sie schweren Herzens und mit der Aussicht auf baldigen Besuch bei uns zurück gelassen. Auf einmal standen wir zu dritt über einem Berg von Arbeit. Draußen erblickte ich Linn, die verschlafen zum Stall wanderte. Auch ich betrat den Hof und begann, den Inhalt unserer Futterkammer ins Gepäckabteil meines LKW zu räumen, nachdem ich auf dem Weg nach unten schon einen Karton mitgenommen hatte. An der Tür war ich auf Linn getroffen und hatte ihr, mit aller guten Laune die ich aufbringen konnte, die Aufgabe gegeben die Sattelkammer auszuräumen. Jetzt rollte ich eine Tonne Futtergerste über den Hof und scheiterte an der Stufe, die die Tonne vom Innenraum des LKW trennte. „Ich dir helfe.“, erklang Finleys Stimme hinter mir. Er war mittlerweile dazu übergegangen Deutsch zu sprechen, was leider manchmal in grammatikalischem Chaos endete. „Danke.“ Gemeinsam hoben wir die Tonne an und hievten sie in das Fahrzeug. „Hilfst du mir auch noch bei den Pellets und dem Hafer?“ „Klar.“ Finleys Laune schien sich gebessert zu haben. Gemeinsam räumten wir alle Dinge aus der Futterkammer, die ein einzelner nicht heben konnte, dann ging Finley zurück ins Haus, um den Rest der Kartons zu hohlen. Ich schaute auf mein Handy, denn meine innere Uhr war ein wenig durch den Wind. „11:23 Uhr.“, verkündete diese. „Mir müssen sehen, dass wir los kommen. Die Fährte geht heute Abend, und wir brauchen fünf Stunden mindestens nach Newcastle, außerdem müssen wir uns dann dort um einen Guten Platz für die Pferde kümmern.“ „Es fehlt nur noch das Heu für die Überfahrt.“, stellte Linn in Aussicht. „Das kann in den letzten Platz bei mir.“ Ich hatte den einzigen LKW für acht Pferde übernommen, da wir sonst für Brött keinen ordnungsgemäßen Platz gehabt hätten. „Da ist ja ein Platz frei. Am besten packen wir das zwischen Brött und die Hengste, dann gibt’s keinen Radau.“ Gesagt getan. Eine dreiviertel Stunde später war sämtliches Zeug eingepackt und die Pferde samt und sonders verladen. Nach einem letzten Rundgang über Colles Virides stiegen wir in die LKWs, winkten Arran und Mila, die gekommen waren um uns zu verabschieden und traten dann aufs Gas. Ein Fahrzeug nach dem anderen verließ den Hof und ich konnte nicht verhindern, dass sich ein Gefühl des Verlusts in mir breit machte.

      Wir fuhren über immer größer werdende Straßen bis nach Glasgow, wo wir auf die Autobahn fuhren. Als wir bei Carlisle auf die A689 wechselten waren wir erstaunlich gut in der Zeit und hatten schon über die Hälfte des Weges nach Newcastle, wo wir auf die Fähre fahren würden geschafft. Bei Bramton fuhren wir dann auf die A69. Kurz vor Newcastle fuhren wir über die A1 auf die A167, dann auf die Jesmond Road und die A1058, die A19 und die A187 und schließlich auf die Coble Dene, an dessen Ende sich der Fähranleger befand. Das Einchecken dauerte ziemlich lange, da nicht nur unsere Papiere, sondern auch die der Pferde kontrolliert werden mussten. Schließlich fuhren wir durch die Schranke und fanden uns auf einem riesigen Parkplatz wieder, der aber noch fast leer war. Wir stellte die Transporter nebeneinander auf drei freie Plätze und stiegen aus, um uns ein bisschen die Beine zu vertreten. Wir aßen eine Kleinigkeit und schauten nach den Pferden, die alle nicht so begeistert von der Idee schienen, sechs Stunden lang im Transporter zu stehen, sich aber benahmen. Allmählich füllte sich der Parkplatz mit Lastern und PKWs und wir beschlossen, uns schon einmal in die Autoschlange einzureihen, damit wir morgen früh nicht als Letzte von der Fähre fahren mussten. Wir bekamen drei Stellplätze hintereinander zugewiesen und stiegen aus, um Heu aus Bellas Transporter zu holen und den Pferden ihr Abendessen zu geben. Zum Abendessen gingen wir ins Bordrestaurant, wo wir uns die Bäuche vollschlugen und dann wieder runter aufs Autodeck, wo wir in meinem Transporter kletterten. Finley verabschiedete sich in seinen Transporter. Bella würde in meinem Transporter schlafen, da ihr Wohnteil vollkommen mit Kisten zugestapelt war.

      Ich erwachte mitten in der Nacht und schlich mich leise aus der Kabine um Linn nicht zu wecken. Draußen bemerkte ich was mich geweckt hatte, Laufey trat ungeduldig gegen die vordere Wand ihres Transportabteils. Ich stieg ein und quetschte mich durch den schmalen Gang an der Seite bis zu Laufey. Leise sprach ich auf sie ein, streichelte sie und staunte nicht schlecht als Linn mich wach rüttelte. Hab lag ich halb saß ich ein einer unbequemen Haltung am Boden, ich musste eingeschlafen sein. „Sag mal, bist du wahnsinnig?! Ich habe einen Schreck bekommen als ich sah, dass du weg warst.“ „Ich hätte ja auch auf'm Klo sein können, und Guten Morgen erst mal.“ „Ja, guten Morgen. Wir legen gleich an.“ Stunden später saßen wir endlich in einem kleinen Café am Hafen und frühstückten. „Vier Stunden bis Hannover.“, stellte ich fest. „Und dann noch 5 Stunden bis Dänemark.“, ergänzte Finley. „Bis Rømø.”, meinte Linn. Ich hatte schon als Kind lange Autofahrten immer gehasst. Als ich dann irgendwann groß genug war um auf dem Beifahrersitz zu sitzen, war es besser geworden, aber selbst zu fahren machte mir immer noch keinen Spaß. Verkrampft steuerte ich den großen LKW durch den Verkehr und folgte Finley, der sichtlich Spaß an der Fahrt hatte. Als wir uns schließlich auf der A2 in Richtung Hannover befanden, fühlte es sich seit langem einmal wieder an wie nach Hause kommen. Ich sah das Gestüt Sólin vom weitem. Pferde lebten hier keine mehr, aber Mamas Hühner, gerne als „Puschelhühner“ bezeichnet, bevölkerten den ganzen Hof. Als meine Mutter die Haustür öffnete, musste ich mir Mühe geben nicht in Tränen auszubrechen. Schnell wurden die Pferde ausgeladen. Als Finley mit Stássa am Strick aus dem LKW kam, hob die Stute den Kopf und wieherte. Sie schien ihr altes zu Hause zu erkennen. Die Nacht zu Hause war zu kurz, aber sie hatte den Pferden gut getan. Wir standen um 4:30 Uhr auf, aßen ein paar Brote, luden die Pferde ein und verabschiedeten uns. Wenn meine Rechnung aufging, würden wir gegen 11 Uhr auf Rømø sein.

      Um sechs Uhr brachen wir auf. Auf der A7 war es noch relativ leer, wenn es das überhaupt einmal war. Wir fuhren über Hamburg, Neumünster, Rendsburg, Schleswig, Flensburg und schließlich über die Grenze nach Dänemark. Zur Küste brauchten wir noch eineinhalb Stunden. Die Fahrt über den Rømøvej, die Brücke, die nach Rømø rüber führt, kam mir ewig lang vor. Endlich fuhren wir auf die Insel.

      Der Rømøvej, endlich. Ich kramte in meinen Sachen, die neben mir auf dem Beifahrersitz standen, bis ich eine CD hervorzog. „The Magic 5“, verkündete der Titel, auf dem Cover befand sich ein Islandpferd. Schnell und ohne den Blick von der Straße zu nehmen, schob ich die CD in den Player und drückte auf Start. Es war eine Tradition die ich schon seit meinem ersten Urlaub auf Rømø fortsetzte: Spätestens auf dem Damm diese Islandpferdelieder anzuhören. „Celebrate our livetime, come together and we'll ridin' like the wind.“, sang ich mit und war froh, dass niemand mit mir im Auto saß, dem ich auf die Nerven fallen konnte. Wie immer schien der Damm endlos, aber als er in die, gerade mal 22 km lange, Insel mündete, hatte ich das Gefühl nach Hause zu kommen. Ich übernahm die Führung und steuerte zielsicher über die einzige befestigte Straße und über einen ziemlich langen und holprigen Pfad, bis wir eine, von Unkräutern und sonstigem Grünzeug zugewucherte, Einfahrt passierten und schließlich auf dem Hof anhielten, unserem neuen Zuhause. Beinahe übermütig sprang ich aus dem Führerhaus und schaute kurz darauf in die Gesichter von Linn und Finley. „Links ist unser Wohnhaus, rechts ist der große Stall, geradeaus die Scheune, die als Unterstand für die große Wattweide dient...“, zählte ich mit bestem Fremdenführer Tonfall auf. „Willkommen zu Hause.“
      ~
      Die nächsten Tage waren ein völliges Durcheinander und die Pferde lebten sich schneller ein als wir Menschen. Ich ertappte mich noch einige Male dabei, die Sattelkammer links vom Wohnhaus zu suchen und in meiner neuen Wohnung stapelten sich noch immer die Kisten, aber wieder erwarten hatte ich nichts bereut. Nach einem gemeinsamen Strandritt war sogar Finley überzeugt und als dann die Nachricht kam, dass Thowra und Stássa die Körung bestanden hatten, war ich von der Richtigkeit meines Schrittes Überzeugt. Die neue Isländerzucht trug den Namenglæsileikaeyjarinnar,Eleganz der Insel. Ein Name der nicht nur die Pferde und ihre eigentliche Heimat, sondern auch unserer neues zu Hause perfekt beschrieb. Wir waren angekommen, und ich hatte meinen großen Traum endlich ich greifbarer Nähe. Bald schon würde mein erstes Zuchtfohlen das Licht der Welt erblicken.

      Fliegen lernen
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      30. Oktober 2015 | (c) BellaS & Seimure
      16364 Zeichen | - Bella, Linn
      Der neue Tag schien schon einmal gut anzufangen: der Akku von meinem Wecker hatte in der Nacht seinen Geist aufgegeben, und so kam ich erst um sieben aus dem Bett. Als ich in die Küche kam, wurde ich von Flóki, der erst seit ein paar Tagen bei mir wohnte, begrüßt. Flóki war ein Isländischer Schäferhund, also auch ein „Isländer“, womit er super auf den Hof passte. In den letzten Tagen hatte ich ihn erfolgreich stubenrein bekommen und übte nun mit ihm an den grundlegenden Befehlen wie Sitz und Platz.Der Welpe bekam sein Futter und war dadurch eine kurze Zeit beschäftigt, die ich nutzte, um eine Schüssel Müsli zu essen, ohne das er mir zwischen den Füßen rumwuselte. Dann zog ich mich an und Flóki bekam sein Halsband um den Hals, an dem ich ihn festhalten konnte, wenn er auf die Pferde losging oder anderen Unsinn im Kopf hatte. Als wir auf den Hof kamen, trafen wir auf Finley. Finley hatte Flóki schon fast adoptiert, während man das von Bella, die gerade aus dem Stall kam, nicht sagen konnte. Das lag wohl daran, dass Flóki ihr gerne bei der Arbeit zwischen den Beinen rumlief, während er Finley akzeptierte und auf ihn hörte. Wir gingen in die Sattelkammer und teilten die Arbeit zwischen uns auf. An diesem Wochenende wollten wir mit Peppy, Brött und Vina das Fohlen-ABC machen, da Brött und Peppy schon in ein paar Monaten angeritten werden sollten, und es bei Vina auch nicht mehr lange hin war. Da wir gerade den Fohlenschub hatten, würde auch der kleine Vákur beim Führ- und Putzteil mitmachen. Wir einigten uns darauf, dass Bella Brött übernehmen würde, Finley Vina und ich Peppy. Bella würde danach noch mit Vákur ein bisschen üben.

      Ich war angenervt, musste aber auch mit der 'niiiiiiiiiedlich'-Stimme in meinem Kopf ringen, als Linns Welpe vor ihr aus der Tür hüpfte. Der kleine Flóki war zwar goldig, hatte aber ein ausgesprochenes Talent dafür, immer dann aufzutauchen, wenn man ihn in keinster Weise gebrauchen konnte. Zudem war ich noch nie ein Hundemensch gewesen. Ich war mit Katzen aufgewachsen und somit eher ein Liebhaber der kleinen, leisen und unaufdringlichen Tiger. Allerdings ging es ja nicht wirklich um Katzen oder eben Hunde, die Pferde standen im Mittelpunkt und da waren Linn und ich und absolut einig. Zu dritt betraten wir die Sattelkammer, holten die kleinen Fohlenhalfter und machten uns auf den Weg zum Offenstall der Fohlen. Während Brött eigentlich ein Jährling, eher noch ein Jungpferd war und nur noch aufs Anreiten vorbereitet werden würde, war der kleine Vákur gerade erst vollständig entwöhnt worden. Linns Stutfohlen Peppy, von mir spaßhaft PPA genannt, war nur wenig jünger als Brött, und Vina lag irgendwo dazwischen. Durch Zufall hatten Linn und ich in den letzten Tagen außerdem eine erstaunliche Entdeckung gemacht: unsere vier Fohlen waren jeweils zwei Vollgeschwister. So stammten Brött und Vákur von unserem Blettur und der bekannten Zuchtstute Milka Luflee ab, Vina und Peppy waren Nachkommen von einem Hengst namens Maxi und der Stute Palimé. Ich würde mich zu aller erst Brött widmen und belegte den Roundpen mit Beschlag. Finley und Linn gingen mit Vina und Peppy in die Reithalle.
      Ich führte Brött in den Roundpen. Wir hatten vor kurzem mit den Grundübungen zum Longieren begonnen. Sie akzeptierte nun Longe und Kappzaum und hatte verstanden was ich von ihr wollte, wenn ich sie mit einer langen Longierpeitsche zum Gehen aufforderte. Allerdings hatten wir das langweilige 'im Kreis laufen' bisher nur frei und ohne diese 'komische Ding am Kopf' probiert. Heute würde ich also beides kombinieren und Brött das erste Mal klassisch longieren.

      Finley und ich banden Vina und Peppy auf den Hof an und putzten sie schnell. Dann gingen wir in die Reithalle, da Bella mit Brött im Roundpen war. Vina und Peppy hatten auch schon die Grundlagen des Longierens gelernt, aber heute stand ein Anti-Schreck-Training an. In der Halle ließen wir die Beiden vom Strick, damit sie sich schon einmal umsehen konnten, während wir einen kleinen Pacours aufbauten. Dieser startete damit, dass die Fohlen mit verbundenen Augen über eine Regenplane laufen mussten, danach bewarfen wir sie mit kleinen Schaumstoff-Tennisbällen und einem Gymnastikball. Zum Schluss mussten die Beiden noch mit bunten Regenschirmen und Besen bekannt gemacht werden. Finley und Vina legten vor. Die Augenbinde fand Vina schon nicht so toll, aber als Finley sie dann auf die Plane führte, fand sie das zu gruselig. Nach ein paar Runden Trab und Galopp und einigen wilden Bocksprüngen, konnte sich Vina jedoch beruhigen, und Finley führte sie erst ein paar Mal ohne Augenbinde über die Plane, dann auch mit, was sie nach einigem zögern auch meisterte. Während Finley Vina mit den kleinen Schaumstoffbällen bewarf, und sie einige Fluchtversuche machte, durfte auch Peppy erst ohne, dann mit Augenbinde über die Plane zu laufen. Glücklicherweise war sie ruhiger als Vina, und wir schafften es beim ersten Anlauf. Vina hatte auch schon den Gymnastikball hinter sich gebracht, und so begann ich, Peppy mit den Tennisbällen zu bombardieren. Sie fand es nicht gerade toll, war aber auch hier ruhiger als Vina. Auch den Gymnastikball überstand sie gut. Finley und Vina hatten währenddessen Regenschirme durch die Gegend gewirbelt und sich gegenseitig mit dem Besen geärgert. Während auch Peppy und ich dies machten, gingen Finley und Vina den Pacours noch einmal durch, was sehr viel besser ging, als beim ersten Mal. Finley und ich bauten alles wieder ab, während die Fohlen die Halle untersuchten. Dann führten wir Vina und Peppy wieder auf den Hof, wo auch Bella und Brött schon waren.

      Brött hatte fast aufgefressen, als Linn und Finley ihr Fohlentraining ebenfalls beendeten. Den Utensilien zufolge, die der kräftige Schotte schleppte, hatten die beiden heute Anti-Schreck Training gemacht. Linn versorgte nun auch Peppy und Vina mit Fohlengerechten Portionen Geste. Als ich sah, wie die kleinen Mäulchen in den Futterschüsseln verschwanden, rebellierte auch mein Magen. Ich schaute auf meine Armbanduhr. Es war bereits 14 Uhr und ich hatte seit dem Frühstück um sieben nichts vernünftiges gegessen. Schnell brachte Brött wieder in ihren Offenstall und verschwand im Haus, um mir etwas zu essen zu machen.
      Nach einer halben Stunde und einer ordentlichen Portion Nudeln machte ich mich gut gelaunt und gesättigt auf zum Stall. Das ganze Fohlentraining hatte lange gedauert, länger als erwartet, und meine Motivation noch Bäume auszureißen hielt sich auch in Grenzen, also sah ich mich gezwungen meinen Tagesplan etwas zu ändern. Ich holte Faera von der Weide und putze und sattelte sie. Die fuchsfarbene Stute würde bald zur Körung gehen, und ich wollte die Kür noch einmal üben. Auf dem Weg zum Reitplatz begegnete ich Linn, die gerade mit Garpur von der Ovalbahn kam. Ich blieb kurz stehen. „Ich übe jetzt nochmal die Kür mit Faera. Garpur ist offensichtlich auch geritten worden. Was hast du noch geplant?“ „Nur ein bisschen Tölttraining mit Meyja und vielleicht Bodenarbeit mit Lykkja, wenn ich dann noch 'nen Nerv dafür frei habe.“ „Okay, dann müssen ja noch einige raus. Was macht Finley?“ „Der? Ich glaube er ist gerade mit Topar raus. Außerdem hatte er vorhin eine handfeste Meinungsverschiedenheit mit Blettur auf der Ovalbahn.“ Linn grinste. „Wenn andere draufsitzen ist sowas eine ganz wunderbare Art der Unterhaltung.“ „Ja, ja.“, lach nur. Auch ich hatte vor einigen Tagen mit besagtem Hengst eine nicht ganz freiwillige Show abgezogen. „Hast du Lust auf einen Ausritt? Nachher? Strand? Ohne Sattel?“ Jetzt war es an mir zu grinsen, denn mit 'ohne Sattel' Ausritten zum Strand hatte Linn ihre ganz persönlichen Erfahrungen gemacht. „Nur wenn ich Sólfarikriege!“ „Abgemacht.“

      Nachdem ich Garpur mit Gerste, Pellets und Brot versorgt hatte, brachte ich ihn zurück in den Offenstall und holte Meyja von der Weide. Mit der Stute würde ich heute Tölt trainieren, da es wegen ihres einfachen, aber guten Tölt am sinnvollsten war, sie darin zu fördern. Ich putzte und sattelte sie schnell, setzte meinen Helm auf und zog statt der Stiefel Stiefeletten und Chaps an. Ich saß auf und trieb Meyja in Richtung Ovalbahn. Nach dem Aufwärmen übten wir Tölt im Arbeits- und Mitteltempo auf beiden Händen. Als wir etwa eine halbe Stunde auf der Ovalbahn waren, stießen Bella und Fjara zu uns. Fjara schien über das Training nicht sehr begeistert zu sein, und nachdem ich einige Zeit zugesehen hatte, wie Bella sich mit ihr rumschlug, überließ ich ihnen die Ovalbahn, damit sich Fjara wieder beruhigen konnte. Ich ritt mit Meyja noch eine kleine Runde durchs Gelände, wo wir auf Finley und Topar trafen, mit denen wir uns ein kleines Rennen lieferten. Natürlich gewann der Hengst das Rennen, aber Bella würde sagen: „Dafür ist Meyja süß!“ Auf dem Rückweg schwärmte Finley von Snót, deren Western-Kenntnisse er vorhin in der Halle gründlich ausgenutzt hatte. Auf dem Hof mussten wir erst einmal Bella beruhigen, der Fjara wirklich den allerletzten Nerv genommen hatte. Bella brachte Fjara wieder auf die Weide und wir gaben Meyja und Topar ihr Fressen. Während sie fraßen, versuchte ich Finley zu erklären, was es mit der deutschen Zeichensetzung und Rechtschreibung auf sich hatte, denn er sprach Deutsch schon recht gut, wenn er aber etwas schrieb, musste man stundenlang davor sitzen und versuchen, auch nur ein Wort zu verstehen. Nach einiger Zeit brachten wir die Pferde wieder auf die Weide und holten Lykkja. Da Finley nichts mehr zu tun hatte, erklärte er sich dazu bereit, mir mit der Stute etwas zu helfen. Wir hatten Lykkja erst vor ein paar Tagen von ihrer Vorbesitzerin abgeholt, und so war dies ihr erstes Training mit uns. Wir putzten sie schnell und gingen dann in den Roundpen. Zuerst longierte ich sie auf beiden Händen im Schritt, Trab und Tölt, schließlich auch im Galopp. Dann nahm ich Finleys Platz auf dem Gatter ein, und er brachte ihr einige Tricks bei, die ich noch nie einem Pferd hatte beibringen können. Schließlich waren wir fertig und ließen Lykkja wieder zur Herde auf die Weide.

      Irgendwie war die Zeit zu schnell vergangen und der Tag neigte sich bereits seinem Ende entgegen. Ich hatte mich gerade vergewissert, dass es Thowra und Stássa an nichts fehlte. Die werdenden Mütter bekamen jetzt öfter noch etwas Extrafutter und das Reiten hatten wir auf Grund der fortgeschrittenen Trächtigkeit bereits eingestellt. Außerdem hatte ich einen Termin mit Joyce vereinbart, die die beiden als Tierärztin noch einmal begutachten sollte. Normalerweise brauchten Isländer keine so große Aufmerksamkeit wenn es um Fohlen ging und auch diese Stuten sollten ihre Fohlen traditionell alleine auf der Weide bekommen, allerdings wollte ich mir sicher sein, dass dabei nicht zu Schwierigkeiten kam. Stuten und Fohlen waren zu wertvoll.Wieder einmal zog ich meine Uhr zu Rate und erschrak. Es war eindeutig zu spät für einen längeren Ausritt, gerade ohne Sattel und Sicherheit. „Es ist zu spät.“ Stellte ich auch für Linn, die sich gerade zu mir gesellt hatte, fest. Machen wir das Morgen. Ich gehe jetzt allerdings noch mal schnell mit Hnakki an den Strand, der muss ein bisschen rennen sonst wird der Wahnsinnig. „Er hat sich selbst zuzuschreiben, dass er in der Box stehen muss! Hätte er sich nicht unbedingt kloppen müssen...“, muffelte Linn. „Ja. Das zeigt nur, dass er viel Potenzial zum Zuchthengst hat.“ Ich versuchte Hnakki zu verteidigen, aber Linn schien die Lust am Streiten auf einmal verloren zu haben. „Ich nehme Vinkona und komme noch mit zum Strand. Ein Rennpassfoto macht sich bestimmt gut auf unserer Website.“ Linn verschwand im Haus um ihre Kamera zu holen, ich holte die Pferde.
      Es wurde ein flotter Ausritt und es entstanden traumhafte Fotos mit einem Junghengst im Rennpass, den Sonnenuntergang im Hintergrund. Schließlich hatten wir genug. Die Pferde wurden versorgt und wir beschlossen uns noch in meiner Wohnung zu treffen um einen Film zu gucken. Kaum war dieser allerdings vorbei, verschwand Linn nach unten und ich fiel ins Bett.

      Am Sonntagmorgen hatte ich mit Bella und Finley ein üppiges Frühstück, unter anderem mit isländischem Skyr, selbstgebackenen schwedischen Semlor und – auf Bellas Wunsch hin – Musik von den 'Magic 5'. So sehr ich die Musik verabscheute, so sehr machte es Spaß, mit Finley ein Kakaowetttrinken zu veranstalten. Währenddessen untersuchte Bella einen Semla. „Was – ist – das, Linn?“ Ich erklärte ihr, was es mit dem schwedischen Fastengebäck, das ich schon seit meiner Kindheit buk und aß, auf sich hatte. Der untere Teil des kugelförmigen, süßen Brötchens war mit Marzipan gefüllt, darauf tat man dann noch ordentlich Schlagsahne, dann noch den Deckel und viel Puderzucker drauf.
      Nach dem Frühstück mit viel staubendem Puderzucker holten wir Laufey und Sólfari, mit denen wir einen Strandausritt geplant hatten. Wir ritten an der Ovalbahn entlang und über die Passbahn zum Strand, wo wir angaloppierten. Sólfari jagte mir einen riesigen Schreck ein, als er mit einem riesigen Satz Laufey und Bella nachjagte. Wir ritten ohne Sattel, und der Pferderücken war rutschig, was durch das Meerwasser, das uns überall hinspritzte, nicht verbessert wurde.

      Die Sonne war noch mich lange aufgegangen und es war kühl. Bis eben hatte ich noch gefröstelt doch jetzt wärmte die Bewegung mich von innen heraus. Laufey flog förmlich über den Strand, und ich musste mein Gewicht ein Stück weiter mach hinten verlagern, um sie ohne Sattel unter Kontrolle zu behalten und mich auf ihrem Rücken zu halten. Schließlich gab ich meine Versuche die Geschwindigkeit zu drosseln auf und griff in die Mähne meiner Stute. Eiskaltes Meerwasser und Sand spritzte unter den Hufen der galoppierenden Pferde auf und versah Linn und mich mit einer feuchten Kruste. Um nicht alles von mir abzubekommen, gab Sólfari mächtig Gas und lief schließlich eine Nasenlänge vor Laufey. Er wandte den Kopf zu ihr und wieherte freudig, was Linn einen kleinen Herzanfall zu bescheren schien. Als wir die Pferde wieder durchparierten und uns auf den Rückweg machen wurde mir bewusst, dass ich eine gute Entscheidung darin getroffen hatte, Laufey das erste Mal von Sólfari decken zu lassen. Dass die beiden Pferde sich gern hatten war mehr als offensichtlich und so freute ich mich, so entschieden zu haben. Das Verhalten von Laufey und Sólfari erinnerte mich aber nicht nur an den bekannten Pferdefilm 'Spirit', sondern leider auch an meinen Exfreund und unsere Trennung im Streit. Man hätte meinen können, dass genug Zeit vergangen war, um diese Szene für immer aus meinem Gedächtnis zu verbannen, doch in Situationen wie jetzt geisterte sie mir gerne wieder im Kopf herum. „Bella! Nicht verkniffen gucken und vor allem nicht grübeln!“ Linn wusste manchmal wirklich zu genau, was in mir vorging. „Wo ist das Problem?“ „Ach, nichts.“ Diese obligatorische Phrase nervte zwar, gab meiner besten Freundin allerdings zu verstehen, dass ich nicht reden wollte. „Wenn du nicht redest rate ich!“, drohte sie mir an. „Also?“ „Ich will nicht reden! Ich brauche keinen Seelenklemptner in Form meiner besten Freundin!“ „Aha. Schon wieder Jonas?“ „Hmpf.“ Das war ihr offensichtlich Antwort genug und Linn sagte erst einmal eine Weile gar nichts, was mir recht gelegen kam. „Du musst da endlich mal drüber hinweg kommen. Vergiss dieses Arschloch!“ Damit war die Sache für sie offensichtlich erledigt und wir spornten die Pferde nochmals zum Galoppieren an. Unser Ausritt zog sich in die Länge, doch als wir endlich wieder beim Hof ankamen, erwartete uns Finley mit guten Neuigkeiten. „Zwei Mal Hengstkörung bestanden und zur Zucht freigegeben.“, rief er uns entgegen. Ab jetzt gab es kein Halten mehr. Lange hatte ich geplant was nun endlich möglich wurde. Wir befreiten Laufey und Sólfari von Trense beziehungsweise Knotenhalfter und putzen sie. Anschließend ging es aber nicht zurück auf die Weide, sondern auf ein kleines, eigens für diesen Zweck abgestecktes Koppelstück. Wir ließen die beiden laufen und warteten gespannt in einiger Entfernung. Es dauerte nicht lange bis Sólfari zur Tat schritt und ich hatte meine selbstbewusste Stute noch nie so überrascht, glücklich und entspannt zugleich gesehen. „Auf das bald eine ganze Herade wunderhübscher Fohlen auf unserer Weide herumtollt.“, grinste Linn. Wir gönnten dem Pferdepärchen noch etwas Zeit zusammen und ließen sie stehen. Dann trennten sich unsere Wege und jeder ging seiner Arbeit nach.

      Wiedersehen macht Freude
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      27. Januar 2016 | (c) BellaS
      8164 Zeichen | - Bella
      Als mich die Nachricht erreichte, dass Rachel wieder einmal Pferde verkaufte, war ich nicht besonders interessiert. Rachel hatte so einiges im Stall stehen. Trotzdem schaute ich mir wenig später an um welche Pferde es ging. Ich entdeckte Morgaine, eine Barockpinto Stute die einst mir gehört hatte, dann aber zu Gunsten meiner Isländerzucht ausziehen musste. Die anderen Pferde schaute ich nur flüchtig an, bis ich mit einem mal hängen blieb. Kjarkur stand zum Verkauf, der Vater meines ungeborenen Zuchtfohlens Silfurtoppa. Ein gekört Isländer allererste Güte. Schon rechnete ich im Kopf meine Finanzen durch und schaute was ich würde ausgeben können, da fiel mein Blick auf eine weitere Anzeige. Slaufa, eine hübsche Scheckstute und kein unbekanntes Gesicht. Kurz vor unserem Umzug nach Rømø hatte ich sie, eigentlich zu Zuchtzwecken, an Rachel verkauft. Von diesem Moment an stand fest, wir würden wieder einmal Zuwachs bekommen. Beide Pferde waren zuchtfertig und gekört, hatten gute Voraussetzungen und waren keine Problemfälle, es sprach nichts gegen ihren Einzug. Selbst für meinen Geldbeutel lief das Geschäft verhältnismäßig schonend ab, auch wenn dieser seit den letzten Käufen sowieso nicht mehr besonders voll war. Schon in den nächsten Tagen würden die neuen Pferde ankommen. Ich erledigte die restliche Büroarbeit in fliegendes Eile und suchte nach Linn um ihr von dem schnell getätigten Kauf zu erzählen. Sie hatte nichts dagegen, zeigte sich aber auch nicht übermäßig begeistert. „Wann hörst du wohl auf Pferde zu kaufen?“, fragte sie mich etwas später während eines gemütlichen Ausrittes durch den Wald. Ich saß auf Vin, meinem besten Turnierpferd, das ich dank der Zucht in der letzten Zeit sträflich vernachlässigt hatte. Linn hatte ihre Vidja nicht reiten können, denn der Fohlenbauch gestattete mittlerweile nur noch Bodenarbeit. Da sie aber die Stute Tilviljun, genannt Juni, bald ins Training nehmen würde, hatte sie sie für diesen Ritt ausgewählt. Seit der Schnee verschwunden war, hatte auch das tägliche Leben auf unserem Hof wieder an Normalität gewonnen. Finley betüddelte die Hengste, kümmerte sich um die Boxen, Heu und was sonst noch alles anfiel, Linn und ich ritten den halben Tag und halfen ihm so gut wir kommen. Trotzdem wurde es immer anstrengender. Mehr Pferde bedeuteten mehr Arbeit und wir waren eben nur zu dritt. Schließlich stellten wir gemeinsam eine Anzeige ins Internet, in der wir nach einem vierten Teammitglied suchten. Jemandem der anpacken und Isländer reiten konnte. Zum Glück war mein Dänisch mittlerweile gut genug für solcherlei Aktionen, auch wenn ich zugeben musste, dass ich von uns dreien die war, die die Sprache noch am schlechtesten beherrschte. Finley lernte gern Sprachen und Linn hatte auch noch ein echtes Talent für so was – kein Wunder also, dass ich hinterher hing. Ich ließ meine Gedanken wandern und unser Gespräch verstummte, als wir beide uns in unsere Parallelwelten zurückzogen. Den Weg kannten wir sowieso im Schlaf. Im laufe des Nachmittags hatte ich noch Laufey an der Longe, deren Bewegungsdrang trotz ihrer Trächtigkeit ungebrochen blieb. Abends ging es noch schnell mit Frejkaauf den Platz, denn wir waren noch immer in der Gewöhnungsphase. Erst morgen würde es wirklich interessant werden, denn dann durfte Brött das erste Mal das Gewicht eines Reiters auf dem Rücken tragen.
      Es war doch spät geworden, denn am Abend hatten wir zu dritt einen Filmabend veranstaltet. Als ich erwachte, bekam ich einen Schreck. Es war bereits halb neun. Normalerweise stand ich um sieben Uhr auf um mit der Arbeit des Tages zu beginnen, heute hatte ich gehörig verschlafen. Ein Blick auf meinen Radiowecker zeigte mir auch warum, der Stecker war nicht eingesteckt und somit ging hier nichts mehr, mit ausnehme der Uhr, die mit ''Notfallbatterien'' ausgestattet waren. Warum die nur die Uhr versorgten und nicht auch die Weckfunktion, hatte ich bisher nicht nachvollziehen können. Missmutig steckte ich den Stecker wieder ein, zog mich an und verschwand im Bad. In der Küche schnappte ich mir ein Brötchen von gestern und einen Apfel zum Frühstück, die ich auf dem Weg über den Hof aß. Brött war erst heute Nachmittag an der Reihe, jetzt bekam Hnakki erst mal den Rest meines Apfel und dann einen Sattel auf den Rücken. Wir gingen auf die Passbahn. Rennpass mit Hnakki machte immer gute Laune und eignete sich gut zum Start in den Tag. Jetzt kam noch eine kleine Runde Training mit Vina, denn sie war auch schon bald alt genug für ernsthaftes Longieren und ähnliches. Schließlich war es Zeit für Brött. Sattel und Zaum waren längst Routine, nun würde nur noch das Gewicht eines Reiters dazu kommen. Heute allerdings erst mal in Form eines Sandsacks. Der würde sich nicht wehtun wenn er fiel und ich konnte alleine arbeiten. Allerdings kannte ich meine Stute und so folgte dieser Part erst nach genügend Bodenarbeit um sämtliche überschüssige Energie abgebaut zu haben. Dann wuchtete ich den Sandsack, dem ich im Scherz ein Smileygesicht verpasst hatte, auf ihren Rücken. Einen Moment gab ich ihr Zeit die ungewohnte Situation zu registrieren, dann forderte ich sie auf ein paar Schritte zu gehen. Zögerlich folgte mir Brött. Nach und nach wurde sie sicherer und ich begann sie an der Longe im Kreis zu schicken. Im Schritt kein Problem, doch traben oder galoppieren mit diesem schweren Ding kam nicht in Frage. Ich nötigte sie mittels einer Gerte dazu, woraufhin Brött begann den Sandsack irgendwie loswerden zu wollen. Um den heutigen Tag mit einem positiven Ereignis abzuschließen, beließ ich es dann beim Schritt. Ich konnte mich auch morgen noch mit Trab und Galopp herumschlagen. Zum Abschluss des Tages machte ich einen Strandritt mit Sólfari. Erst hatte ich ohne Sattel reiten wollen, dann reizte mich einer schneller Galopp doch mehr und ich sattelte ihn. Erst ging es im Schritt den Strand hinauf, dann im Galopp zurück nach hause. Immer eine Motivation für die Pferde noch schneller zu werden. Leichtsinnig und glückstrunken wie ich war, ließ ich die Zügel fallen und breitete die Arme aus. Sólfari wusste genau wo es nach Hause ging und er genoss die Kopffreiheit. Mein Hengst ließ ein volltönenes Wiehern ertönen und schüttelte den Kopf. Das typische Bild des wilden Mustangs in der Prärie, nur in unserem Fall des wilden Isländers mit Sattel und Reiter am Strand. Am solchen Tagen ging ich mit ''Ich liebe mein Leben'' im Kopf ins Bett.
      Geweckt wurde ich von einem lauten Hupen. Es war mitten in der Nacht doch ein Transporter stand auf dem Hof. Wahrscheinlich Kjarkur und Slaufa. „Herr im Himmel. Muss das sein?“ Genervt schälte ich mich aus dem Bett, kramte nach irgendwas zum anziehen und und ging nach unten um die Tür zu öffnen. „Frau Wincox konnte ihre Pferde nicht persönlich bringen.“ Ein übermüdeter Fahrer stand auf dem Hof und sprach mich direkt an. „Warten sie, ich bringe nur schnell die Pferde weg. So fahren sie mir nicht wieder los.“ Der Fahrer sah das ein und ich brachte Kjarkur und Slaufa schnell in die, seit gestern vorbereiteten, Boxen. Einige Minuten später hatte ich mich mit den Fahrer bekannt gemacht und ihn in einem des Gästezimmer über den Stallungen einquartiert. Dann ging ich wieder ins Bett um wenigstens noch etwas Schlaf zu bekommen, ehe die Arbeit wieder losging. Als ich wieder erwachte, klemmte ein zettel an meiner Tür. Der Fahrer hatte ihn dagelassen. Er bedankte sich und teilte mir mit, dass er bereits abgefahren sei. Tatsächlich zeugten nur noch die Reifenspuren im Kies von seiner Anwesenheit. Der restliche Tag verlief normal. Gemeinsam mit Linn und Pricess Peppy Ann arbeitete ich mit Vina, dann half mir Finley mit Brött. Heute klappte es auf einmal problemlos, auch im Trab und Galopp. Bald schon würde sich eine echte Person auf ihren Rücken setzen können. Slaufa kam auf die Wattweide, wo Stássa, Laufey, Vinkona und alle Stuten die sie noch kannten freudig begrüßten. Finley ritt Blossi, ich mistete aus, Linn arbeitete mit Vínd. Schließlich kam noch eine lustige Einheit gebisslos reiten mit Snót und ein Ausritt mit Mayalie rundete meinen Tag ab. Alle Pferde täglich zu bewegen war unmöglich, den Versuch hatten wir bereits aufgegeben.
    • Mohikanerin
      Alte Pflegeberichte (2016 - 2017)

      Sternzeichen Islandpferd
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      31. März 2016 | (c) BellaS & Seimure
      18072 Zeichen | - Bella, Linn
      Mit einem fröhlichen "Guten Morgen!" und einem Kuss auf die Wange weckte ich Finley, welcher sich jedoch nur demonstrativ die Decke über den Kopf zog. In Sachen Aufstehen waren wir beide ganz anderer Ansicht, denn während ich es liebte, um fünf in den Tag zu starten, bevorzugte Finley es, lieber spät aufzustehen. Während er noch vor sich hin döste, frühstückte ich und machte mich fertig für den Tag. Heute stand nicht sehr viel auf dem Plan, denn die Pferde hatten am Wochenende schon trainiert, aber natürlich mussten sie trotzdem versorgt und geritten werden und zudem würde sich heute unser neuer Bereiter vorstellen, der, wenn alles gut lief, auch bald auf dem Hof einziehen würde. Das war auch der Grund, weshalb ich meine Wohnung im Erdgeschoss geräumt hatte und nun bei Finley im zweiten Stock wohnte. Während ich noch darauf wartete, dass mein Freund aufstand, spielte ich mit Flóki, der sich genau wie ich sehr schnell an die neue Wohnung gewöhnt hatte und Finley nun als vollständiges Rudelmitglied ansah. Mittlerweile war Flóki ausgewachsen, benahm sich aber nach wie vor wie ein Welpe. Um sieben schaffte es auch Finley aus dem Bett und es dauerte nicht lange, bis er seinen Morgenmuffel-Modus ausschaltete und sein übliches Grinsen auf seinem Gesichtseinen Platz einnahm. Gemeinsam gingen wir nach unten, wo uns Bella begrüßte und die Aufgaben für den Tag verteilte. Bevor Robin kam, mussten wir nur die Hengste füttern, weshalb wir zu dritt in den Stall gingen, wo wir bei Kjarkur, Garpur, Uprising, Sólfari, Hnakki, Blossi, Blettur und Black Lemontree die Heunetze füllten und die Boxen ausmisteten. Sólfari und Black Lemontree brachten wir dann auf den Paddock und sahen noch kurz nach den Stuten, bevor ein Hupen vom Hof uns aufschrecken ließ. Robin schien etwas überpünktlich zu sein, aber das machte ja nichts. Wir stellten uns ihm alle vor und begannen dann damit, ihm den Hof zu zeigen.

      Ich wäre nicht ich gewesen, hätte ich mir nicht vor der Anstellung unseres neuen Bereiters tagelang den Kopf zerbrochen. Ob das eine gute Entscheidung war, fragte ich mich und ob der Mann, den ich ausgesucht hatte auch eine gute Wahl gewesen war. Am Morgen seiner Ankunft kümmerten wir uns zu dritt um die Hengste, wo ich mich allerdings beeilte um den Mutterstuten und ihren winzigen Fohlen zuzusehen, die erst seit wenigen Tagen auf die Weide durften. Sleipnir, der ältere, war quicklebendig und tobte über die Weide. Thowras Sohn war bereits Mio versprochen und würde umziehen sobald er sechs Monate alt und entwöhnt war. Silfurtoppa hingegen erwies sich als ruhiger, aber offensichtlich klug. Das Stutfohlen war Windfarben. Eine echte Schönheit.
      So lehnte ich am Zaun der Weide und beobachtete meine jüngsten Zöglinge, als Robin ankam. Das Auto parkte neben der Auffahrt und mein Magen machte einen dämlichen kleinen Hüpfer. "Was soll das, Bella? Das ist nur der neue Bereiter!" Ich kramte mein Selbstbewusstsein als Chefin zusammen, drehte mich um und ging um Robin zu begrüßen.
      Er machte einen guten Eindruck und zu dritt zeigten wir dem Dänen den Hof und unsere Pferde. Freundlich war er, offen, aber nicht übermäßig redselig, großmäulig oder nervig. Tatsächlich hatte ich mich schon fast entschieden. Ich musste ihn nur noch reiten sehen.
      Da er in Zukunft einige der Hengste übernehmen sollte, wählte ich Blacky für Robin. Er zeigte sich sofort souverän. Sattelte den Hengst und schwang sich in den Sattel. Er ritt selbstverständlich mit Helm, was ich, Asche auf mein Haupt, zu Hause nicht immer tat. Auch auf der Bahn war ritt er entspannt aber bestimmt.
      Jetzt war alles klar. Robin würde in Linns Erdgeschosswohnung einziehen.

      Während Bella noch mit Robin den geschäftlichen Teil besprechen wollte, machten Finley und ich uns wieder an die Arbeit. Ich holte Princess Peppy Ann von der Weide, um mit ihr weiter an der Longe zu trainieren. Bald würde die Stute fünf Jahre und damit alt genug fürs Einreiten sein. Ich freute mich schon darauf, denn sie würde mein erstes eigenes Pferd sein, das ich einritt. Mittlerweile konnte man gut an der Longe mit ihr arbeiten und täglich trainierten wir eine halbe Stunde, seit neuestem auch schon mit Sattelzeug. Peppy war heute nicht so konzentriert wie sonst, aber das lag vielleicht auch an mir, denn ich war heute auch eher im Standby-Modus. Dafür konnte ich heute gut mit Tilviljun arbeiten, mit der ich mich seit gestern ans Tölten wagte. Sie machte sich in dieser Gangart schon sehr gut, allerdings bisher erst an der Longe und an der Hand, was wir auch heute wieder üben wollten.
      Während ich bei Juni auf dem Anbindebalken saß und darauf wartete, dass sie ihr Futter auffraß, kam auch Finley mit Topar, seinem Lieblingshengst, mit dem er gerade im Dressurviereck gewesen war. Er gab mir einen leichten Kuss und setzte sich neben mich, während Juni versuchte, Topar das Futter streitig zu machen. Finley legte einen Arm um meine Schulter. "Wie wäre es mit einem Ausritt nachher? Nur wir beide?", fragte er mich leise. Ich lächelte. Das allein konnte er schon als Ja deuten, er kannte meine Art halt. Wir küssten uns noch einmal, dann brachte er Topar auf den Paddock und ging wieder in den Stall. Mit einem kleinen Lächeln sah ich ihm nach. In dem nun schon fast einem Jahr, in dem wir zusammen waren, hatte ich unsere Beziehung zu schätzen gelernt und Finley war für mich der wichtigste Mensch in meinem Leben geworden. Mit ihm fühlte ich mich komplett.
      Bella kam mit Robin aus dem Büro und rissen mich aus meiner Träumerei. Auch Juni hatte ihr Futter aufgefressen und sabberte nun auf meine hell-lilane Reithose. Scheiße. Bella und Robin kamen nun zu mir rüber und ich versuchte, den grau-grünen Sabber so gut es ging zu verdecken. "Darf ich dir unseren neuen Bereiter vorstellen?", fragte Bella grinsend. Ich lächelte etwas verunsichert. Robin verabschiedete sich von uns - auf Deutsch, was mich, ehrlich gesagt überraschte. Als er weg war, fing Bella sofort an zu plappern: "Er kommt aus Kopenhagen, ist aber in Rødby aufgewachsen. Er hat in Kopenhagen studiert und danach die Ausbildung zum Bereiter gemacht. Außerdem hat er in der Schule Deutschland gelernt. Ist das nicht toll? Er reitet schon seit seiner Kindheit auf Isländern und ist schon auf vielen Turnieren geritten..."
      Ich grinste. Gefühlt erzählte sie mir gerade Robins gesamte Lebensgeschichte, die sie offenbar genauestens kannte. "Bella?", unterbrach ich sie. "Ja?", fragte sie verdutzt. "Du bist hochkant in ihn verknallt", sagte ich lachend. "Das stimmt doch gar nicht!", sagte sie empört, aber ich konnte den unsicheren Unterton in ihrer Stimme hören. "Jonas ist seit mehr als zwei Jahren Geschichte", erinnerte ich sie. Bevor sie sich umdrehte, warf sie mir noch einen unsicheren Blick zu und ging dann in Richtung Weide.

      Linns Worte klangen in meinen Ohren nach. Verdammt. Ich hatte diesem Typen vor gerade Mal zwei Stunden kennen gelernt und direkt warf mir meine beste Freundin die Feststellung an den Kopf, dass ich mich in ihn verliebt hatte. Das schlimmste daran war, es stimmte. Hatte ich das ganze letzte Jahr mit Neid auf Linn und Finley gesehen, waren mir die Beiden mit einem Mal völlig egal. Solange Robin mich beachtete, war ich zufrieden. Zwei Jahre war es her, dass ich mich so gefühlt hatte. Verliebt gefühlt hatte. Seltsam. Manchmal traf einen das aus heiterem Himmel. Robin hatte sich in seine neue Wohnung zurück gezogen. Sein Zeug würde wohl auch bald ankommen und ich hatte mir schon fest vorgenommen ihm beim schleppen und aufbauen zu helfen. Finley und Linn waren mit Meyja und Slaufa auf einem gemeinsamen Ausritt am Strand. Ich konnte mir jetzt aussuchen ob ich mich lieber um Brött und Vina, die Jungpferde, kümmern wollte, einen der Hengste oder eins der Trainingspferde reiten wollte. Ich entschied mich für etwas Ovalbahntraining mit Náttdís und schloss dann eine Dressureinheit mit meinem dicken Plüsch Mayalie an. Während sie am Putzplatz mit der Nase in ihrer Futterschale wühlte, kam auch Robin wieder hinunter. Wir hatten schon besprochen für welche Pferde er zu ständig sein würde, doch eigentlich hatte er heute noch frei um anzukommen. „Wollen wir noch ausreiten?“ Er ging zielstrebig auf mich zu. Es dämmerte bereits und die Sonne würde bald untergehen. Egal, klar wollte ich. Ich bejahte und wir sattelten uns zwei der Hengste. Ich ritt Sólfari, Robin hatte sich Kjarkur ausgesucht. Am liebsten hätte ich jetzt auf Laufey gesessen, doch meine Lieblingsstute war hochträchtig und wurde nicht mehr geritten. Ich freute mich schon auf die Fohlen, die noch auf die Welt kommen würden. Faera zum Beispiel war überfällig. Seit Tagen kam sie Abends in die Geburtsbox, doch noch war nichts passiert. Jetzt ging es erst mal mit Robin an den Strand. Im Sonnenuntergang. Ich hoffte inständig, dass ich Linn nicht begegnen würde, sonst würde ich mich nicht mehr vor ihrem Spott retten können.

      In der Sache mit Bella war ich mir absolut sicher. Allerdings erzählte ich Finley nichts davon, denn ich wusste, dass Bella mich dafür gekillt hätte. Nachdem ich mit Garpur fertig war schaute ich noch kurz nach Vidja. Sie war merklich runder geworden und ich freute mich schon riesig auf ihr erstes Fohlen. Finley war noch mit Snót in der Halle, weshalb ich Færa von der Weide holte. Da die Sonne schon tief stand, musste sie bald in die Box. Sie fand es dort zwar nicht besonders schön und wehrte sich jeden Abend, in den Stall zu gehen, aber wir wollten, dass das Fohlen geschützt auf die Welt kam, da es ihr erstes war. Bis Finley das Training beendete unterhielt ich mich mit Robin, der wirklich gut Deutsch sprach, aber noch sehr zurückhaltend wirkte. Bald zog er sich in seinen Wohnung zurück und ich holte die Halfter von Meyja und Slaufa, um sie von der Weide zu holen. Natürlich musste die Herde ganz am anderen Ende der Weide stehen. Meyja begrüßte mich mit einem freundschaftlichen Schnauben und begann, mich nach Leckerlis zu durchsuchen, während Slaufa sich eher zurück hielt. Ich halfterte die beiden Stuten und schwang mich auf Meyjas Rücken. Wenn die Pferde zu weit draußen standen, ritt ich oft zurück zum Hof, das ging schneller als Laufen. Ich ließ Meyja antölten und Slaufa, die ich als Handpferd nebenher führte, tat es ihr gleich. Innerhalb von fünf Minuten hatten wir den Hof erreicht. Finley war mittlerweile mit Snóts Training fertig und sattelte sie gerade ab. Ich putzte Meyja und Slaufa, während Finley Snót versorgte. "Wollten wir mit Sattel oder ohne ausreiten?", fragte ich ihn. "Ohne, das ist viel lustiger", grinste er. Ich trenste die beiden Stuten noch schnell, dann saßen wir auf und ritten gemeinsam vom Hof.

      Linn und Finley waren mit zwei der Stuten weg, ohne Sattel. Robin und ich hatten uns für zwei Hengste entschieden. Seltsam. Noch seltsamer war allerdings der Mix meiner widerstreitenden Gefühle. Schon beim Satteln und Trensen machte sich unsicheres Schweigen breit, das ich nicht wie sonst brechen konnte. Robin sagte nichts. Ich sagte nichts. Schließlich gurteten wir nach und saßen auf. Jetzt bestand das erste Mal die Notwendigkeit zu reden. „Strand oder Wald?“, fragte ich knapp und traute mich endlich Robin anzusehen. Himmel, er sah so gut aus! Schnell wandte ich den Blick wieder ab, es reichte aber noch um sein Grinsen zu sehen, das mit der Antwort einher ging. „Wir haben Strand, das ist wohl keine Frage.“ Sein Grinsen. „Nein Bella, lass das. Du kennst ihn erst ein paar Stunden.“ „Aber er ist so toll.“ „Du benimmst dich als wärst du ein verliebter Teenie.“ „Egal, bei ihm lohnt sich das!“ „Woher willst du das wissen. Denk an Jonas… Denk an Jonas… Denk an Jonas...“ Die Worte hallten in meinem Kopf. Schlimm genug, dass ich mich nach ein paar Stunden Hals über Kopf verliebt hatte, jetzt stritten auch noch meine Gefühle. „Ausblenden, Bella.“ Ich ignorierte die Achterbahnfahrt und ritt an. „Dann komm.“ Es war einfach schön am Strand. Die Sonne versank im Meer und wir begegneten Linn und Finley nicht. Irgendwann brach Robin das Schweigen und das Antworten wurde immer leichter, bis ich mich einfach wohl fühlte. Den Galopp ließen wir zwar auf Grund der Dämmerung ausfallen, doch auf dem Rückweg ritten wir entspannt nebeneinander und redeten über Gott und die Welt. Nachdem wir die Hengste gefüttert und ich meine restliche Arbeit des Tages erledigt hatten, ließ ich mich in meiner Wohnung aufs Sofa fallen. Ich wollte einen Film sehen. Das meine Wahl heute auf den kitschigsten Liebesfilm fiel, den ich besaß, war auch nicht weiter verwunderlich.
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      Die nächsten zwei Tage verliefen völlig normal. Robin fügte sich in den Hofalltag ein, als hätte er schon immer zum Team gehört. Gemeinsam kontrollierten wir die trächtigen Stuten, die inzwischen alle vier Geburtsboxen belegten. Faera, überfällig mit ihrem Fohlen und Vidja, Laufey und Frejka, die noch etwas Zeit hatten, aber ihr erstes Fohlen erwarteten. Währenddessen scheuchte Linn ihre Stute Lykkja über die Ovalbahn und Finley bespaßte die Junghengst Glanni im Roundpen. Ich würde heute noch mit Brött, Blaer, Vina und Klyja arbeiten. Die jungen Stuten standen alle auf verschiedenen Stuten des Einreitens. Brött kannte schon das Gewicht eines Reiters und lernte nun die Hilfen, die drei anderen gewöhnten sich noch an Sattel und Zaumzeug. Dieses Training nahm immer eine Menge Zeit in Anspruch. Ich schaute außerdem eine Weile bei Robins Training mit Alvari zu, während ich mein Mittagessen verspeißte und gönnte mir gegen Abend eines Ausritt mit Hnakki. Ungefähr so sah meine tägliche Routine aus. Viel Arbeit, viel zu organisieren und doch immer wieder schön.
      Wir konnten sogar ein neues Pferd begrüßen. Eine fünf Jahre junge Stute namens LR Pieaches, die wir kören und vielleicht in der Zucht einsetzten wollten. So verstrichen zwei normale Tage, ehe wieder etwas passieren sollte, das ich so schnell nicht vergessen würde.
      ---
      Mitten in der Nacht erwachte ich unruhig. Mehrere Versuche einzuschlafen liefen ins Leere und so zog ich mir schließlich etwas über und wanderte auf den Hof. Nachdem ich eine Weile Hnakkis Nase gekrault hatte, die aus der Boxentür lugte und sah, dass Sólfari sich bei meiner Ankunft vertrauensvoll zum schlafen hinlegte, kam ich schließlich auf die Idee bei Faera, Laufey, Frejka und Vidja vorbei zu schauen.
      Leise öffnete ich die Stalltür. Sofort fiel mir ein kleines Licht auf, das im Stall brannte. Ich trat vorsichtig und misstrauisch ein. Vidja lugte mir entgegen und verlangte direkt mit einem auffordernden Blick nach Streicheleinheiten, doch die Szene, die sich in Faeras Box abspielte, verlangte meine ganze Aufmerksamkeit. Eine einzelne Taschenlampe spendete spärliches Licht, doch es reichte um die Gestalt zu erkennen, die am Kopf der liegenden Stute kniete. „Robin?“ Mein flüstern war heiser und besorgt. „Was um Himmels Willen…?“ „Psst. Komm her. Hilf mir. Das Fohlen...“ Ich hatte es gewusst, nein, ich hatte es gespürt. Und er auch. Ich öffnete mit fahrigen Fingern die Boxentür und kniete mich neben Robin ins Stroh. Eigentlich hätte Faera alles problemlos meistern müssen, es war bereits ihr zweites Fohlen, doch hier lief irgendetwas gewaltig schief. Ich ahnte böses und sah Robin an. „Liegt irgendwie falsch?“ „Höchstwahrscheinlich.“ „Scheiße.“, und einen Moment später „Wir brauchen einen Tierarzt!“ „Klar, aber der kommt unter Garantie zu spät.“ Ich bewunderte ihn für sein ruhiges und besonnenes Handeln. „Faera muss aufstehen. Manchmal korrigiert sich das Fohlen dann selbst. Wir können nur hoffen und ihr Platz machen.“ Er sprach leise und in ruhigem Ton. Ich wusste nicht, ob er mich oder Faera beruhigen wollte, aber in jedem Fall funktionierte es. Wir zogen uns in eine Ecke zurück und warteten darauf, dass Faeras natürliche Instinkte griffen. Ich konnte sehen wie sich die Muskeln bei den einzelnen Wehen verkrampften. Noch lag sie im Stroh. Die folgenden zehn Minuten waren die längsten meines Lebens. Ein zittern durchlief die Stute und sie begann sich hochzustämmen. Ich glaubte nicht daran, dass das Fohlen sich von selbst in seiner Lage korrigieren würde. Warum hatte ich bloß keinen TA zum Check-Up bestellt, dann wäre so etwas gar nicht erst passiert. Während ich mir noch Selbstvorwürfe machte, war Robin schon aus der Boxenecke aufgestanden. „Wir können ihr nur noch helfen das Fohlen raus zu bekommen und hoffen, dass es nicht erstickt.“ Langsam kehre mein Verstand zurück und auch ich richtete mich auf. Jetzt kam der Teil bei dem ich wenigstens halbwegs wusste was zu tun war. Die nächste Stunde blieb mir nur noch mit Schweißgeruch und Blut in Erinnerung, aber dann war es geschafft. Ein zitterndes, kleines Wesen lag im Stroh. Nicht erstickt, nicht missgestaltet, ein wunderschönes, kleines Stutfohlen mit einer breiten, weißen Blässe. Auch Faera schien wohlauf, denn sie war sofort bei ihren Fohlen und machte einen gesunden Eindruck. Ohne etwas zu sagen verließen wir die Box. „Væna.”, meinte ich schließlich. „Die Liebliche, die Hoffnungsträgerin.“ Damit stand der Name fest. Robin sah mich an. Nicht flüchtig. Er sah mir in die Augen. Ich war Müde, ich konnte dem Blick nicht standhalten ohne mich völlig zu zu blamieren. Verdammt, drei Tage hatten gereicht mir den Rest zu geben. Er stand einfach nur da, sah mir mit einem seltsamen Ausdruck im Gesicht an. Sein Hemd war verschmiert mit dem Blut der fohlenden Stute und ich sah wahrscheinlich nicht besser aus. Zwei Schritte Distanz trennten uns. Er überbrückte sie im Bruchteil einer Sekunde, doch für mich lief alles in Zeitlupe ab. Zwei Schritte, kein Zögern. Und dann küsste er mich. Einfach so. Keine Liebeserklärungen, keine hochroten Gesichter. Einfach nur ein Kuss, der reichte um alles zu sagen.
      Ich wusste nicht wie spät es war. Ich hatte die ganze Zeit einfach nur funktioniert. Wir hatten nicht gesprochen, nur nebeneinander gearbeitet und versucht das bestmögliche aus der Situation zu machen. Jetzt viel die ganze Anspannung von mir ab und ich fing einfach an seiner Schulter an zu heulen. Etwas unbeholfen tröstete er mich. Als wir den Stall schließlich verließen um uns um einen Tierarzt zu kümmern und noch etwas zu schlafen, ging über Rømø Die Sonne auf.

      Fohlenzeit
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      18. Juli 2016 | (c) BellaS & AlfurElfe
      11700 Zeichen | - Bella, Linn
      Bellas Sicht
      Ich stand am Zaun der Wattweide und hing meinen Gedanken nach. Verträumt betrachtete ich die kleine Vaena, die inzwischen fast vier Wochen alt war. Ganze vier Wochen waren vergangen, seit Robin mich geküsst hatte. Wie immer, wenn ich an ihn dachte, überließ mich ein angenehmer Schauder. Es war eindeutig nicht bei diesem einen Kuss geblieben… Schön, meine Fantasien mussten warten, jetzt waren meine Schützlinge dran. Vidja war seit Wochen wirklich überfällig. Das Fohlen, dessen Vater ein junger Hengst eine befreundeten Züchterin namens Ljóski war, meinte offensichtlich sich Zeit lassen zu müssen. Diese Tatsache kostete Linn jeden Tag mehr Nerven. Sie konnte die Geburt kaum mehr erwartet und mit jeder weiteren Woche, die der gedachte Termin überschritten wurde, wurde die Sorge um ihre Stute in ihren Augen deutlicher. Auch Frejka und Laufey bewohnten noch die Geburtsboxen, aber beide waren noch nicht überfällig. Im Gegenteil, gerade Laufey hatte eher noch etwas Zeit, aber bei ihrer unvorsichtigen Art hatte ich lieber zu früh als zu spät angefangen, sie nachts in die Box zu stellen. Wobei ich das bisher noch nicht konsequent durchgehalten hatte. Die letzten, sehr sommerlichen, Tage hatte Laufey noch auf der Wattweide verbracht, da ich zu faul war mir jeden Abend das „ich will aber nicht rein“-Spiel anzutun. Ich sammelte das Halfter auf, das mir aus der Hand gefallen war und holte Stássa. Seit Silfurtoppa abgesetzt worden war, war sie etwas lethargisch und ich wollte meine Stute endlich wieder auf Trab bringen. Seit der Geburt ihres zweiten Fohlen war sie noch nicht wieder geritten worden. Ich hatte einfach zu viel zu tun gehabt und sie quasi vergessen. Thowra hatte ich vor kurzem verkauft und auch Fjara hatte bereits einen neuen Besitzer und würde uns in naher Zukunft verlassen. Stássa war dabei ein wenig ins Hintertreffen geraten. Wahrscheinlich war auch ihre Kondition im Eimer, sodass heute nur ein kurzer Schrittausritt zum Strand drin war. Ohne Sattel, da sie noch immer etwas dicker war, als gewöhnlich. Das rührte zwar eher von der Überweidung, als von der Trächtigkeit her, doch ich wollte dem Sattel nicht schaden. Mit dem Training würde sich auch ihre Figur verbessern.


      Linns Sicht
      "BELLAAA!", rief ich quer über den Hof. Na toll. Immer, wenn man sie brauchte, konnte man sie nicht finden. Das verschlechterte meine Laune noch mehr, obwohl das schon fast garnicht mehr ging. Ich suchte den ganzen Hof ab und fand sie schließlich am Zaun der großen Weide. Verträumt beobachtete sie die spielenden Fohlen. "Hörst du schlecht oder WAS? Viðjas Fohlen kommt!", schnauzte ich sie an. Skeptisch sah sie mich an. "Bist du dir ganz sicher?", fragte sie. Ich nickte. "Du weißt schon, dass die meisten Fohlen nicht nachmittags auf die Welt kommen, oder?", fragte sie mich. "Jaaa, Bella, ich bin auch nicht ganz unerfahren, aber Nachmittag ist doch besser als wenn man nachts deswegen aus dem Bett geworfen wird. Und jetzt komm, sonst verpassen wir es noch!" Gemeinsam trabten wir hinüber zum Stall, den wir leise betraten. Bella schrieb noch schnell Finley und Robin, die gerade mit Snótund Kjarkur am Strand waren, dass die Geburt anfing, dann gesellte sie sich zu mir an die Boxenwand. Pferdegeburten waren zugleich eine schönsten und eine der ekligsten Sachen, die ich je gesehen hatte. Doch da es das Fohlen meiner Lieblingsstute war, war die Geburt doch ein Erlebnis. Viðja hatte sich inzwischen hingelegt und man konnte bereits die beiden kleinen Vorderhufe sehen. Ich hoffte inständig, dass es nicht so kompliziert wie bei Vænas Geburt werden würde. Als schließlich ein kleines Scheckfohlen im Stroh lag, war Bella kaum zu halten, denn ich hatte ihr das Fohlen versprochen. Viðja leckte das kleine ab, bevor es das erste mal versuchte, auf seinen stelzigen Beinen zu stehen. "Es ist ein Hengst!", flüsterte Bella. Ich grinste. "Wie wäre es mit 'Ljósfari', der, der mit dem Licht reist?", schlug ich vor. "Ja, das ist ein toller Name! Ich rufe gleich Occu an und erzähle es ihr!", sagte sie, vielleicht doch etwas zu laut, warf dem kleinen Hengst, der nun schon mit dem Trinken begonnen hatte, noch einen verliebten Blick zu und verschwand dann aus dem Stall.


      Bellas Sicht
      Als ich die alte Scheune verließ, war es erst später Nachmittag. Dass Vidja heute drinnen gestanden hatte, war wohl Vorsehung gewesen. Laufey und Frejka wanderten jedenfalls noch auf der Wattweide umher. Ich war glücklich. Ein gesundes Fohlen auf die Welt kommen zu sehen löste immer wieder ein wunderbares Gefühl in mir aus. Ich schlenderte am Zaun der großen Wattweide entlang und traf schließlich auf Robin. Er war offensichtlich gerade von seinem Ausritt mit Finley zurück gekehrt und kam mir nun mit neugierigem Blick entgegen. „Ein Hengst. Ljósfari haben wir ihn getauft.“, erzählte ich schnell, bevor mein Freund fragen konnte. „Und das beste daran: Meiner!“ Er grinste und küsste mich einfach auf den Mund. Gut, dass uns hier keiner sah. Vor den anderen herumzuknutschen schien mir noch immer unpassend. Zwar waren auch Linn und Finley zusammen, doch ich mochte es trotzdem nicht. „Ach Bella. Entspann dich doch mal.“ Und wie immer hatte Robin recht. Ich wollte gerade meine ganze Aufmerksamkeit auf ihn lenken, als Laufey in mein Blickfeld getrottet kam. Normalerweise hätte mich das nicht davon abgehalten, Robin zu fokussieren, doch irgendetwas mit meiner Stute stimmte nicht. Ich liebte Laufey. Drohten mich meine Gefühle zu überwältigen, half es mir immer mit ihr auszureiten. Sie kannte mich, in alle Situationen und das hatte zur Folge gehabt, dass auch ich sie kannte. „Mit ihr stimmt etwas nicht.“ Robin war nun vollkommen nebensächlich und ich trat an den Zaun der Wattweide. „Hey, Feechen, komm mal her.“ Sie reagierte. Nicht unbedingt ein gutes Zeichen. Ich kletterte über den Zaun und nahm sie einmal komplett in Augenschein, um gleich darauf einen riesigen Schrecken zu bekommen. Ihr Schweif war blutverkrustet. Nach Luft schnappend suchte ich schnell nach der Ursache. Sie blutete nicht mehr. Die Geburt hatte also noch nicht begonnen. Hätte sie ihr Fohlen allerdings schon alleine auf der Weide bekommen, wäre es jetzt bei ihr. „Robin... Oh scheiße.“ Viel mehr fiel mir im Moment nicht ein. „Bitte lass es nicht das sein, was ich denke, dass es ist….“, betete ich still und fieberhaft. Erst jetzt ließ ich den Blick angstvoll über die Wattweide schweifen und er blieb an etwas hängen, das meine Angst in pure Freude verwandelte. Ein goldenes Etwas kam auf Laufey zugesprungen und forderte konsequent etwas zu Essen ein. Das Fohlen musste schon gestern, oder vorgestern auf die Welt gekommen sein, denn es war bereits sehr sicher auf den Beinen. Außerdem hatte die kleine, goldene Stute wohl ziemlich fiel von ihrer Mama abbekommen. Das erkläre, warum sie schon jetzt alleine herum hüpfte und sich von Laufey entfernte. Kaum war die kleine wieder in Sicht, blühte auch meine Fee wieder auf. Stolz stupste sie ihre Tochter an. Glück im Doppelpack!

      Halastjarna, Sternschnuppe, hatte ich Laufeys Fohlen genannt. Das Abzeichen auf der Stirn und die schicke, goldene Färbung hatten den Ausschlag gegeben. Zwar hasste Linn Namen für Pferde, die mehr als drei Silben hatten, doch das war mir mal wieder reichlich egal gewesen. Bei Linns Stuten durfte sie schließlich die Namen auch selbst aussuchen. Auch wenn ich gerne noch länger am Zaun der Weide gelehnt hätte, wartete doch wieder die Arbeit auf mich. Wir hatten zwei Neuzugänge und zwei Pferde vom Körservice, die umsorgt werden wollten. Die Isländerstuten Fenja und Luna hatte ich beide in mäßigem Zustand für wenig Geld in Verkaufsställen entdeckt. Luna wollte ich allerdings nur kören und dann wieder verkaufen, Fenja hingegen hatte ich lieb gewonnen. Sie war es auch, die ich nun bewegen würde. Ich sattelte sie schnell und putze auch Tilviljun über. Beide Stuten waren im Galopp sehr schnell und so konnte ich Juni gut als Handpferd mitnehmen, denn sie kam wenigstens hinterher. Währenddessen plagte sich Linn in der Halle mit der halben Fohlenherde ab. Sie hatte den großen Gymnastikballl am Start und Hlín, Litfari, Silfurtoppa und Glanni tobten munter mit ihr im Sand herum. Ich sagte ihr kurz Bescheid, dass ich ausreiten würde und scheuchte Finley von der Bande, auf der er es sich bequem gemacht hatte. „Könntest du bitte dafür sorgen, dass die Hengste rauskommen? Alvari, Uprising, Blossi und Sólfari müsstest du zusammen stellen können. Außerdem wäre es cool, wenn du noch Topar ein bisschen Bewegung angedeihen lassen könntest. Der zerlegt noch seine Box.“ Ich ließ meine Worte so im Raum stehen und marschierte nach draußen um endlich meinen Ausritt anzutreten. Eigentlich hatten wir viel zu viele Pferde für uns vier Leute. Wir schafften es nie, jeden Tag alle zu bewegen. Keine Chance.


      Robins Sicht
      Ich konnte Bella nur Recht geben. Wir hatten einfach zu viele Pferde für vier Personen. Auch wenn ich einige Pferde durchaus vermissen würde, war es doch gut, dass meine Freundin vor hatte etwas zu verkleinern. Er würde uns sonst irgendwann einfach über den Kopf wachsen – sofern das nicht schon längst passiert war. Im Gegensatz zu Bella hatte ich ja „nur“ vier Pferde zu versorgen, von denen Frejka auch noch trächtig war und deshalb nicht geritten werden musste. Zuwendung brauchte sie natürlich trotzdem, weshalb ich auch im Moment auf dem Weg zu den Geburtsboxen war, um noch einmal nach ihr zu sehen. Kjarkur hatte ich heute schon bewegt, mit Black Lemontree war ich auch auf der Ovalbahn gewesen und mit Faera war ich dabei die Kondition wieder aufzubauen, die sie nach zwei aufeinanderfolgenden Trächtigkeiten verloren hatte. Außerdem hatte ich mit Kylja, Vina und Blaer weiter daran gearbeitet Sattel und Zaumzeug zu akzeptieren, was gerade bei der letzten der drei Stuten eine echte Herausforderung darstellte. Viel mehr schaffte kein Normalsterblicher an einem Tag, wenn man auch hin und wieder eine Pause machen wollte. Bella hatte also eigentlich überhaupt keine Chance ihre 15 Pferde zu bewegen, auch wenn manche noch nicht geritten werden mussten oder mit Trächtigkeit oder jungen Fohlen ausfielen. Ich bewunderte sie schon jetzt für ihre Ausdauer, sich jeden Tag wieder an die Arbeit zu machen und zusätzlich auch noch alles zu erledigen, was man so tun musste, wenn man einen Hof führte. Mittlerweile war es dämmrig. Kein Wunder, auch im Sommer ging die Sonne irgendwann unter und ein Blick auf meine Armbanduhr sagte mir, dass es bereits halb zehn war. Ich öffnete die knarrende Tür und wurde direkt von Laufey und Vidja begrüßt, die mitsamt Nachwuchs drinnen nächtigten. Frejka jedoch war von der Tür aus nicht zu sehen. Ich spähte in ihre Box und stöhnte sogleich halb begeistert, halb entnervt auf. Das konnte doch nicht wahr sein. Schnell schnappte ich mir mein Handy und tippte eine Nachricht an die Hof-Gruppe. „Frejka ist scheinbar auch noch dran.“ Fünf Minuten später standen Linn und Finley neben mir, Bella kam kurz darauf und brachte direkt Kaffee und Brötchen mit. „Könnte eine lange Nacht werde.“, meine sie nur schulterzuckend. Kurz nach Mitternacht brachte auch Faera ihr Fohlen zur Welt. Fáfnirtauften wir den kleinen Hengst, ehe wir allesamt in unsere Betten fielen. Drei Fohlen an einem einzigen Tag, auch wenn sie offiziell jeder an einem anderen Tag geboren worden waren. Halastjarna am 11.07, Ljósfari am 12.07 und Fáfnir am 13.07. Damit war der Fohlenwahnsinn nun hoffentlich beendet. Bald würden wir sogar schon für die kommende Saison decken. Wieder Sommerfohlen, allerdings von anderen Stuten. Die Verpaarungen Náttdis – Hnakki und Slaufa – Alvari standen bereits fest und auch Meyja sollte ein Fohlen bekommen. Doch jetzt dürfte erstmal ein Jahr Ruhe sein.

      Wirbelwind
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      3. August 2016 | (c) BellaS
      9388 Zeichen | - Bella
      Wie eigentlich jeden Morgen nach dem Frühstück wanderte ich mit mindestens einem Halfter in Richtung Wattweide um mindestens ein Pferd zum Training zu holen. Heute sollte als erstes Náttidran glauben und dementsprechend hielt ich das obligatorisch lila-pinke Halfter in der Hand. Dass jedes meiner Pferde eine eigene Farbe für Halfter Schabracke und Dekoteile der Trense hatte, hatte sich irgendwie einfach so ergeben. So trug Sólfari zum Beispiel dunkelblau, Hnakki giftgrün und Laufey orange. Die Jungpferde bekamen mit dem ersten eigenen Sattel und der ersten eigenen Trense ihre Farbe zugewiesen, doch ich war so lange nicht mehr auf dem Festland einkaufen gewesen, dass einigen Pferden noch immer eigene Trensen fehlten. Brött zum Beispiel wurde schon länger geritten und war nur mit unserer grau-weißen Standartschabtracke ausgestattet. Auch Blaer sollte bald ihre eigenen Sachen bekommen und Fenja und Luna fehlte auch noch alles. Es war höchste Zeit für einen Trip nach Deutschland, da ich dort viel lieber Pferdesachen kaufte, als hier in Dänemark. Warum wusste ich auch nicht so genau, aber wenn man nah an der Grenze wohnte, konnte man sich das leisten. So in Gedanken versunken wanderte ich am Weidezaun entlang zum Tor und schrk plötzlich zusammen, als neben mir eine fremde Stimme ertönte. „Entschuldigen sie. Kennen sie sich auf diesem Hof aus?“ Überrascht drehte ich mich zu der unbekannten Frau um und musterte sie. Sie hatte mich auf englisch angesprochen. Urlauberin also. „Muss ich wohl. Ich bin die Eigentümerin.“, erwiderte ich automatisch in der selben Sprache. Wenn man mehrere Jahre in Schottland gelebt hatte, in Deutschland aufgewachsen war und nun in Dänemark wohnte, fiel einem das Wechseln zwischen den Sprachen leicht. „Oh gut.“, freute sie sich. „Ich würde gerne wissen ob es möglich ist, hier Reitunterricht zu nehmen.“ Ich war nun wirklich verwundert. Wir boten keinen Unterricht an und normalerweise nutzen die Touristen so oder so zum reiten den Hof Kommandørgården, da er zur gleichnamigen und einzigen Hotelkette dieser Insel gehörte. Wieso kam diese Frau also zu uns, die wir uns sowohl im Internet als auch am Tor als reinen Zuchtbetrieb ausgewiesen hatten. „Eigentlich sind wir hier nur ein reiner Zucht und Trainingsbetrieb. Wenn sie Unterricht oder Ausritte für...“ Aber weiter kam ich nicht, denn eine begeisterte Kinderstimme unterbrach mich. „Mama, guck mal. Frag mal ob ich die reiten darf. Die ist sooo süß!“ Erst jetzt bemerkte ich das ungefähr 10 Jahre alte Mädchen, das am Zaun stand und Koni an der Nase kraulte. „Unser Kinderpony.“, dachte ich amüsiert und realisierte erst jetzt, dass das Mädchen deutsch gesprochen hatte. „Sie sind aus Deutschland?“, fragte ich, jetzt ebenfalls in meiner Muttersprache sprechend. Erfreut hob die Frau, die offenbar die Mutter der Kleinen war den Kopf. „Ja, sind wir. Sie scheinbar auch. Sie sprechen sehr gutes Deutsch. Akzentfrei.“ „Muttersprachlerin. Hannoveranerraum.“, erklärte ich mich, nicht ganz ohne Stolz in der Stimme. Immerhin war Hannover für das beinahe reinste Hochdeutsch bekannt. Das hatten mir auch zwei andere Sprachen, die ich alltäglich sprach, nicht nehmen können. Ich dachte auch noch auf Deutsch, während Linn im Kopf wahrscheinlich inzwischen bei dänisch war. Die Frau grinste. „Wir kommen aus Kiel. Ach ja. Mein Name ist Marion Hofer und das“, sie deutete auf das Mädchen, „ist Amelie, meine Tochter.“ „Und dann Urlaub an der Nordsee.“ Ich war etwas überrascht. Wenn man sowieso schon am Meer wohnte, musste man doch nicht an einem Meer Urlaub machen, das genauso wenig zum schwimmen geeignet war. „Ähm, also... ja. Warum auch nicht? Und Sie haben mir die Frage zum Thema Reitunterricht noch nicht beantwortet.“ Frau Hofer wich mir aus, das war klar, aber meine Neugierde war hier auch fehl am Platz. Erstmal vorstellen wäre vielleicht angebracht. Und dann die Frage beantworten. Oder anders herum? „Ich heiße Annabell Schmidemann. Und ich wollte meinen Satz gerade beenden. Wir geben eigentlich keinen Reitunterricht. Wenden sie sich an Kommandørgården. „Von dort kommen wir bereits.“ Frau Hofers Stirn legte sich in Falten. „Die Bedingungen der Touristenpferde sind an vielen Stellen unmöglich. Unpassendes Sattelzeug, verletzte Pferde.“ „Oh. Sie kennen sich aus?“ „Natürlich. Ich reite seit ich so alt bin wie meine Tochter jetzt.“ Das Lächeln stahl sich zurück auf ihre Lippen. „Und ich bin Tierärztin.“
      „Wie? Was? Tierätztin?“, erklang plötzlich eine andere, vertraute Stimme hinter mir. Robin. Natürlich. „Wir könnten eine gebrauchen. Topar der Irre hat sich...“ „Langsam Robin. Das sind Urlauber.“, hielt ich ihn zurück, doch Frau Hofer sah in bereits in Bereitschafthaltung an. „Ähm. Frau Hofer. Sie sind im Urlaub und überhaupt...“ Mir war gar nicht wohl dabei, eine Fremde an meine Pferde zu lassen, nur weil sie sich als Tierärztin vorgestellt hatte. „Marion und Unsinn. Natürlich schaue ich mir das Pferd an. Topar.“ „Danke.“ Robin war wieder schneller als mein dämliches Misstrauen und nahm Marion mit. Ich blieb mit Amelie an der Wattweide zurück. „Na dann. Wenn deine Mutter uns schon einen Gefallen tut… Sie heißt Vinkona. Du hast ja eben schon verkündet, dass du sie reiten möchtest.“ Das Gesicht des Mädchens hellte sich auf. „Wie als bist du? Zehn?“ „Elf.“, kam es empört von Amelie und ich musste grinsen. „Und du kannst schon reiten?“ „Na klar!“
      ~
      Ich folgte dem großen, dunkelhaarigen Mann, den Annabell als Robin bezeichnet hatte. Es ging offensichtlich um einen Hengst, denn er hatte ‚der‘ Irre gesagt. Und scheinbar ging es um ein Tier, das häufiger Probleme machte oder hatte. Ich wurde zu einem Anbindeplatz geführt und erkannte das Problem sofort. Der Hengst hatte sich eine lange Wunde am rechten Vorderbein zugezogen. Sofort trat ich heran und besah sie mir genauer. Recht frisch.Maximal zwei Stunden alt, noch offen und relativ tief. Warum hatte ich meine Sachen jetzt verdammt nochmal nicht zur Hand? Als improvisieren. „Haben sie Wasserstoffperoxid 3%?“ Er verneinte. Robin sprach und verstand Deutsch, allerdings die Standartausführung, die man in der Schule oder einem Sprachkurs lernte, verfeinert durch regelmäßige Benutzung. „Teebeutel? Salbei oder Kamille?“ „Ja. Sogar in der Stallapoteke.“ Ah super. Und es wäre super, wenn Sie schon Wasser heiß machen könnten.“ „Kommen Sie mit.“ Während er in eine Richtung davon eilte und ich ihm folgte, begann ich mich umzusehen. Ein ordentlicher Hof, keine Gefahrenquellen für Pferde, gepflegte Pferdenasen die die Aussicht aus ihren großzügigen Boxen genossen. Ein guter Eindruck.
      Die besagte Stallapoteke befand sich, genau wie der Wasserkocher, in der Futterkammer. In dem ausrangierten Medizinschrank entdeckte ich neben dem Tee auch noch einige Salben, nicht brennendes Desinfektionsmittel, Verbandsmaterial und Drachenblutpflaster. Perfekt. Während Robin sich um die Teebeutel, zwei, Kamille, kümmerte, desinfizierte ich die Wunde schon einmal. Es fehlte zum Glück ein Stück Haut. Ein Hautlappen wäre unter diesen, nicht ganz idealen Bedingungen eher zur Brutstätte für unvorteilhafte Bakterien geworden. Schließlich drückte ich die Teebeutel, die gezogen hatten, auf die Wunde und sprühte etwas von der Drachenblutpflaster-Tinktur darauf. Diese hatten den Vorteil die Wunde desinfiziert zu halten und die Wundheilung zu beschleunigen, dabei aber kein Vakuum für lustiges Bakterienwachstum zu erzeugen. „So. das hätten wir. Und es wäre wahrscheinlich ganz sinnvoll rauszukriegen woran er sich verletzt hat.“ Erst jetzt viel mir auf, dass ich Amelie ganz vergessen hatte, doch bevor ich in Panik ausbrechen konnte, sah ich meine Tochter mit der Apfelschimmelstute am Strick auf den Anbinder zumarschieren. Annabell hatte sich offenbar doch zu einer Reitstunde bereit erklärt.
      ~

      Wie geanu es dazu kam, kann ich nicht mehr ganz genau sagen. In jedem Fall tauchten Marion und Amelie in den nächsten zwei Wochen beinahe täglich bei uns auf und wurden zur echten Hilfe, sowie zu guten Freunden. Auch Linn und Finley mochten die zwei auf Anhieb, sodass es bald völlig normal war, sie bei uns auf dem Hof anzutreffen. Schließlich fiel mir jedoch auf, dass die Sommerferien in Deutschland bereits seit einer Woche vorbei waren. Was machten die Zwei also noch hier? Amelie musste auf jeden Fall zur Schule! Mein Misstrauen, das sich in den letzten Wochen verflüchtigt hatte, kehrte mit einem Schlag zurück. Doch bevor ich in misstrauische Grübelei versinken konnte, beschloss ich einfach zu fragen. Ich passte Marion alleine ab, die entsetzt reagierte. Etwas schien sie einzuholen, sodass ich sie oben in meiner Wohnung aufs Sofa platziert und schließlich die ganze Geschichte verlangte, wie sie auch lauten würde.
      Dass ich schließlich eine Geschichte von einer Scheidung, häuslicher Gewallt und einer überstürzten Flucht hören würde, war mir bis zu diesem Moment nicht klar gewesen. Tja, und ungefähr so kam es, dass Amelie in die sechste Klasse einer Schule auf dem Festland angemeldet wurde und sie mit Marion die freie Dachwohnung bezog. So konnte es kommen und dass das Team erweitert wurde, störte bei den Unmengen an anfallender Arbeit auch wirklich keinen. Marion konnte sogar ihre Arbeit als Tierärztin wieder aufnehmen, da wir auf Amelie aufpassten, wenn sie weg war. Sie war ein kleiner Wirbelwind, der uns allen ordentlich Schwung verpasste. Und wir alle liebten sie, Amelie wie ihre Mutter.

      Tyrifjord Ranch - Ankunft in der neuen Heimat
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      20. März 2017 | (c) BellaS & Canyon
      39263 Zeichen | - verschiedene
      Bella
      Die norwegische Landschaft zog an beiden Seiten der breiten Straße an mir vorbei. Ich genoss den Anblick, auch wenn er nicht viel Abwechslung bot. Tannen. Grüne Nadelbäume rechts und links. Darüber das Dämmerlicht des Tages. Es war Winter. In wenigen Tagen war Weihnachten und die Ausläufer der Polarnacht hielten Norwegen in eisernem Griff. Die fehlende Sonne und das künstliche Licht machten mich schläfrig. Eigentlich kein Wunder. Ich war seit 14 Stunden wach, von denen ich fünf hinterm Steuer verbracht hatte. Auf der Fähre hatte ich zwar vier Stunden Zeit gehabt, während denen der LKW auf dem Frachtdeck festgezurrt stand, doch meine Fracht hatte meiner Aufmerksamkeit bedurft. Ich kutschierte meine Pferde, meine Ausrüstung, eigentlich meinen gesamten Hof von Dänemark nach Norwegen. Und warum das Ganze? Sicher war ich mir da auch nicht mehr.
      Begonnen hatte es wahrscheinlich damit, dass Robin und ich uns irgendwie auseinandergelebt hatten. Ich mochte den sympathischen Dänen noch immer, aber ich liebte ihn nicht mehr und das hatte ich ihm so gesagt. Trotzdem hatte er beschlossen mit mir nach Norwegen zu kommen. Meine neue Existenz mit aufzubauen. Wie er zu mir stand hatte er mir nicht gesagt, doch für mich war es eine Trennung in Freundschaft.
      Nun schaukelte unser zweiter LKW hinter meinem her. Ich konnte ihn im Rückspiegel erkennen und auch meinen Freund, pardon, Exfreund, der erstaunlich konzentriert auf die leere Straße blickte. Eigentlich nicht nötig, denn hier war absolut nichts. Eine ausgebaute, breite Straße, Bäume an den Seiten und ich vor ihm. Kein Gegenverkehr, niemand, der in unsere Richtung fuhr. Schlicht und einfach nichts.
      Wieder schweiften meine Gedanken ab. Ich dachte an Linns Umzug nach Island, der sie glücklich gemacht und mich meines Zuhauses beraubt hatte. Ich fühlte mich auf einmal nicht mehr wohl auf meinem Traumhof, erledigte meine Arbeit nur lustlos, wusste nicht mehr warum ich tat was ich tat. Und dann hatte ich begonnen zu verkaufen. Vierzehn Pferde blieben, alle anderen sollten eine neue Heimat bekommen.
      Und dann kam der Tag mit dem fatalen Anruf einer alten Freundin. Charly war Teil des Teams der Tyrifjord Ranch in Norwegen und hatte mich kurzerhand auf ihren Hof eingeladen, nachdem ich ihr mein Herz ausgeschüttet hatte. Eine schlaflose Nacht später hatte ich begonnen Kisten zu packen.
      Dass weder Marion noch Amelie von der Idee begeistert gewesen waren, war kaum verwunderlich, doch dieses Mal stand meine Entscheidung fest.
      So kam es, dass wir nun über norwegische Straßen schaukelten. Das Ziel: unsere neue Heimat.

      Robin
      “I femhundrede meter drej til højre.”, verkündete das Navi. Meine erste Amtshandlung hinterm Steuer dieses Gefährts war es gewesen die Ansagestimme des Navigationscomputers auf meine Muttersprache umzustellen. Bella und ich waren nicht mehr zusammen, wozu sollte ich dann weiter deutsch sprechen?
      Vor mir tat Bella bereits, was mir mein Navi gerade verkündet hatte. Sie bog nach rechts ab. Die Straße war merklich schmaler als die Vorhergehende, aber genauso wenig befahren. Ein Glück, denn entgegenkommende Fahrzeuge hätten kaum eine Chance an unseren LKWs vorbei zu kommen. Ein Blick auf die elektronische Straßenkarte sagte mir, dass wir nun nur noch dem Straßenverlauf folgen müssten. Am Ende der Straße erwartete uns dann unser Ziel. Genau diese Information plärrte Bruchteile von Sekunde später aus den Lautsprechern der Fahrerkabine. Obwohl die obligatorische Frauenstimme dänisch sprach, nervte sie mich. Es gab wenige Dinge, die mir auf langen Fahrten nach Unbekannt mehr auf die Nerven gingen als die elektronisch-monotone Stimme des Navis, aber irgendwie brachte ich es nie über mich das Gerät abzuschalten. Ziemlich dämlich, da ich eigentlich nur Bellas Gefährt folgen musste, welches durch seine schiere Masse schwerlich zu übersehen war.
      Die letzten Minuten der Fahrt zogen sich wie angewärmtes Kaugummi und die Spannung wuchs. Warum ich überhaupt aufgeregt war wusste ich nicht. Ich war zwar auf dem Weg nach Unbekannt, wo mich ein neues Leben erwartete, aber ich vertraute Bella. Ich würde ihr überall hin folgen.

      Malte
      Das Radio des großen Stallgebäudes brachte an diesem Morgen nichts Besseres zustande, als schnöde und obendrein noch total kitschige Schnulzlieder und das ganze auch noch auf norwegisch. Ich liebte diese Sprache, immerhin war es meine Muttersprache, aber Lieder klangen echt grässlich!
      Ich hatte das Radio nicht angestellt, denn auch ohne das ständige Beschallen konnte ich die Arbeit im Stall ohne Probleme erledigen. Petyr war es gewesen, welcher mir die Ohren vollgeheult hatte, dass es so leise war.
      Die Sonne war gerade erst hinter den Wipfeln der Berge hervorgekrochen, dabei war es bereits fast Mittag, und wirklich hell und warm war sie nicht. Wir hatten Glück, dass das riesige Stallgebäude beheizbar war, sodass ich jedenfalls hier drinnen nicht erfrieren würde.
      Wie aus Gewohnheit, und vielleicht auch aus guter Laune, pfiff ich eines der Lieder mit und schippte dabei, Box für Box, die Hinterlassenschaften der Pferde aus dem Heu. Die erträglichere Aufgaben, nämlich das Stroh in den Boxen nachzufüllen, hatte sich Petyr gekrallt, wer denn auch sonst.
      Ein Blick auf die Displayuhr meines Steinzeithandys sagte mir, dass es drei Minuten vor halb zwölf war und natürlich war gerade jetzt der Augenblick der Zufälle, bei dem man einen Anruf bekam. Ich bekam selten Anrufe und wenn schon waren es meist geschäftliche, sodass ich beim ersten Vibrieren wusste, wer es war.
      Ich hatte Bella bei unserem letzten Telefonat gesagt, dass sie sich lieber an mich wenden sollte, wenn sie ankommen würde. Nico war mal wieder unterwegs und Charly mit Bartholomäus beschäftigt und ich wusste, dass sie zur Zeit nicht besonders gut drauf war.
      Ich betätigte die grüne Taste meines Handys. »Malte?«
      »Bella hier. Wir sind in wenigen Minuten da. Wo genau sollen wir hinkommen?« Bellas Stimme klang müde und ausgelaugt und die lauten Geräusche des Transporters ließen mich ihre Worte schwer verstehen.
      »Kommt erstmal auf den Parkplatz vor’s Stallgebäude, dort erwarte ich euch und bespreche dann alles weitere. Du solltest das Gebäude eigentlich auf der rechten Seite recht gut sehen. Holmenelva ist nicht besonders groß,«
      »Alles klar. Sollte ich es nicht finden, melde ich mich nochmal.« Sie legte auf und auch ich ließ mein Handy zurück in die Hosentasche gleiten. Dann verließ ich die Box und stellte Schubkarre und Mistgabel davor ab.
      »Petyr?!« rief ich die Stallgasse entlang und versucht die überlaute und anstrengende Stimme des Moderators zu übertrumpfen.
      »Hä?« Petyrs Kopf kam aus einer der Boxen zum Vorschein und sein Blick ließ andeuten, dass er mich nicht verstanden hatte.
      »Ich gehe Bella und Robin begrüßen!« schrie ich mit kratzger Stimme und hoffte inständigs, dass sie noch bis mindestens Weihnachten aushalten würde.
      Fragend zog Petyr die Augenbrauen hoch und hielt eine Hand hinter sein Ohr. »Ich verstehe dich nicht, du musst lauter sprechen!« rief er mit klarer und kräftiger Stimme, die so das genaue Gegenteil der meinigen war. Genervt winkte ich ab und drehte mich in Richtung Ausgang. Egal, dann musste er die Stallarbeit eben alleine machen. Ich wollte nur weg aus diesem Partystall.
      Die frische Luft tat gut. Sie durchfuhr meine Haare, meine staubigen Kleider und meine Kehle und brachte etwas Energie zurück, welche ich anscheinend in den letzten drei Stunden verloren hatte.
      Gemütlich ließ ich mich an der Einfahrt zum Parkplatz nieder und blickte die holprige Landstraße in Richtung Süden entlang. Ich freute mich darauf Bella kennenzulernen, von welcher ich nicht gerade wenig gehört hatte und mit welcher ich seit einigen Tagen den Kontakt pflegte. Sie schien eine interessante junge Frau zu sein und ich war gespannt, wie sie sich hier einleben würde.
      Mein Blick richtete sich in die Ferne und lehnte mich entspannt an einen Pfosten einer Straßenlaterne. Am grauen Himmel war kein Vogel zu sehen und auch die Sonne war wieder von den dunklen Wolken zurückgetrieben wurden. Erst die hellen Scheinwerfer eines Transporters zogen meinen Blick wieder auf sich und mit einem Anflug von Freude stellte ich fest, dass es Bella war.

      Bella
      Ich steuerte den LKW auf den Parkplatz und hoffte einfach, dass ich hier richtig war. Ein Blick in den Rückspiegel sagte mir, dass Robin es mir gleich tat. Ich drehte den Zündschlüssel und der Motor erstarb. Jetzt blieb nur noch warten. Gerade als ich mich im Sitz zurücklehnen und endlich einen Moment entspannen wollte, kam ein blonder Mann über den Parkplatz auf uns zu. Eindeutig Malte. Ich hatte ihn zwar nie gesehen, aber vor vielleicht zwanzig Minuten angerufen, um ihn vorzuwarnen, dass wir bald ankämen.
      Mit meiner Entspannung würde es also nichts werden. Ich öffnete die Tür und kletterte steifbeinig aus dem Führerhaus. Hinten bei meiner “Fracht” rumorte es. Ich hatte sowohl Fee als auch Vin auf meinem LKW, was der Geduld der gesamten Herde nicht zuträglich war.
      “Hallo. Du musst Malte sein.”, begrüßte ich den jungen Mann. Nun gut, so jung war er nicht. Bestimmt so alt wie ich. Nachdem mir das klar geworden war, kam mir meine Anrede komisch vor. Trotzdem verbot ich mir jetzt herumzustottern, sondern wartete einfach seine Reaktion ab. Er schien sich jedoch nicht daran zu stören, sondern ging geradewegs auf mich zu und umarmte mich, als würden wir uns schon ewig kennen. Nach einer Sekunde Schockstarre erwiderte ich die Umarmung ebenso herzlich.
      Inzwischen war auch Robin aus seinem LKW gekommen und stellte sich Malte vor, während ich gedanklich schon auf glühenden Kohlen saß, da das rumpeln aus meinem LKW merklich zugenommen hatte.
      “Malte, Robin. Sorry, aber die Pferde müssen da raus. Laufey nimmt sonst alles auseinander.”
      Dass die zwei Kerle sich auf Anhieb gut verstanden merkte ich schon, als wir begannen die, teils erschöpften und teils gestressten, Pferde aus den LKWs zu laden. Eine provisorische Koppel sollte ihnen als Nachtquartier dienen. Die Hengste in freie Gästeboxen im Stall, die vorausschauenderweise bereits vorbereitet worden waren. Sogar im Chaos wegen des Umzugs war an alles gedacht worden, nur hatte ich Charly, den klugen Kopf dahinter, heute noch nicht zu Gesicht bekommen.
      Als endlich alle Pferde provisorisch untergebracht waren, lehnte ich mich müde an die Tür meines LKWs. Es war inzwischen später Nachmittag und die Reise hatte mich so sehr geschafft, dass ich mich auf meine unbequeme Liegefläche im LKW freute. Unseren, nein meinen, eigentlichen Wohnort, würde ich erst in den nächsten Tagen beziehen können. Mich jetzt in mein Bett zu verkriechen war mir allerdings nicht vergönnt, denn nun trat Malte, der blonde Norweger wieder auf mich zu.

      Malte
      “So Bella, sag an, was hast du nun vor?” Entspannt lehnte ich mich neben die junge Frau. Ich hatte mir schon gedacht, dass ich mich gut mit ihr verstehen würde, immerhin hatte mir Charly bereits einiges über sie und Robin erzählt, aber dass ich war selbst erstaunt über mich, dass ich innerhalb der letzten Stunden so schnell Vertrauen zu ihr gefasst hatte. Meist fiel es mir ziemlich schwer, mich mit neuen Gesichtern anzufreunden, aber bei Bella mit ihren hübschen Locken und den weichen und warmen Gesichtszügen war es mir erstaunlicherweise ziemlich leicht gefallen.
      “Nicht viel. Ich bin ziemlich müde, die Autofahrt hierher war der reine Wahnsinn.” Antwortete sie mir erschöpft.
      “Dann würde ich mal sagen, dass ich euch nun eure Zimmer zeige”, meinte ich verständnisvoll. “Los komm, dein Gästezimmer wird dir gefallen!”
      Nachdem Bella und ich auch Robin gefunden hatten, holten wir die wichtigsten Taschen aus den Autos und trugen diese den gefrorenen Sandweg am Ufer des Tyrifjords entlang. Links von uns lagen einige Koppeln, welche das Stallgebäude vom ursprünglichen Hof trennten. Der Weg war nicht weit, jedoch kam er mir erstaunlich lang vor, mit den schweren Taschen auf meinen Schultern.
      Auch Robin und Bella schnauften ganz schön, als wir die Stufen des Wohnhauses erreichten, in welchem Bella für die nächste Zeit untergebracht werden sollte. Ich hatte noch gar nicht die Klingel gedrückt, da erklang von der anderen Seite der Tür das laute Bellen Asukas. Früher war er der ruhigste Hund gewesen, welchen ich je kennengelernt hatte. Seitdem jedoch Bart auf der Welt war, hatte sich der kleine schwarze Whippet eigenhändig zu dessen Bodyguard erklärt und verhielt sich natürlich auch dementsprechend. Es dauerte nur ein paar Sekunden und Charly öffnete breit strahlend die blaue Haustür. Auf dem Arm hielt sie den strohblonden Bart, dessen Locken denen von Nico jetzt schon erstaunlich glichen.
      “Bella, Robin! Schön, dass ihr endlich da seid! Kommt herein, kommt herein!” Meinte Charly freundlich und grüßte Bella und Robin überschwänglich.
      “Ich glaube”, sagte ich, “Dass es erstmal besser wäre, wenn ich Robin seinen Schlafplatz zeige. Wir können uns aber gerne nachher zum Abendbrot wiedersehen, wenn sich alle eingelebt haben. Oder?” Fragend schaute ich in die Runde. Als alle durch Nicken ihr Einverständnis gegeben hatten und Charly noch einmal überdeutlich ihre Freude über die Ankunft von Bella und Robin kundgetan hatte, schloss sie die hübsche Tür wieder und ich war mit Robin allein.
      “So, dann zeige ich dir mal meine Wohnung!” Lächelnd blickte ich kurz zu Robin und führte ihn dann über den gepflasterten Hof hinüber zu einem weiteren Wohnhaus. Der Dachboden war noch unausgebaut, aber die beiden kleinen Wohnungen im Erdgeschoss waren vor einiger Zeit hübsch restauriert wurden. Seit einiger Zeit lebte eine junge Frau, sie war Künstlerin und arbeitete in Sylling in einem Kunstatelier, in die Wohnung neben mir gezogen. Das Bad mussten wir uns allerdings teilen, denn es lag genau zwischen unseren Wohnungen. Ich hoffte, dass sich auch Petyr mit Tjarda verstehen würde, ich erwartete jedoch nichts gegenteiliges.
      Meine Wohnung glich meist eher einem Müllcontainer, jedoch hatte ich es gestern geschafft das Gröbste an Staub von allen Möbeln abzukehren und jedenfalls das Sofa und den altmodischen Ohrensessel in der Mitte des kleinen Wohnzimmers etwas aufzuhübschen. Als ich die Tür zu meiner Wohnung öffnete, begrüßte mich mein Wolfshund Gery, mit einem tiefen Bellen, jedoch schien er es nicht für nötig zu halten, sich von seinem gemütlichen Platz am warmen Ofen zu entfernen.
      “Tadaaa!” Rief ich und breitete meine Arme aus, um Robin die Pracht meiner kleinen Wohnung schmackhafter zu machen. “Willkommen im Paradies!”
      Robin grinste mich an und ließ dann seinen Rucksack schwer atmend neben dem Sofa nieder, bevor er sich umblickte. “Und wo schläfst du?” Wollte er wissen.
      “Ich werde mich mit dem Sofa zufrieden geben, du darfst gerne mein Zimmer haben. Immerhin bist du mein Gast!”
      Zuerst versuchte Robin mir auszureden, ihm mein kleines Schlafzimmer zu geben, jedoch dauerte es nicht lange, bis er eingesehen hatte, dass es bei mir sinnlos war.
      Die Zeit bis zum Abendessen verbrachten wir damit, uns aufs Sofa zu fläzen und uns die wichtigsten und natürlich witzigsten Fakten aus unserer Vergangenheit zu erzählen. Als es dann jedoch Zeit fürs Essen wurde, begaben wir uns wieder zurück zum Haupthaus, wo Charly bereits dabei war den Tisch zu decken.

      Robin
      Ein gemeinsames Abendessen also. Dann würde ich immerhin direkt Gelegenheit haben, die gesamte Hofbesatzung kennen zu lernen. Immerhin waren mir noch einige Gesichter aus der Runde, die langsam eintrudelte, unbekannt. Charly mit ihrem kleinen Sohn und Malte kannte ich natürlich. Als mein Blick auf Bella fiel, die Charly ihren Kleinen abgenommen hatte und nun lächelnd im Arm hielt, spürte ich einen Stich im Herzen. Sollte das hier wirklich sein? Hatte ich diese Frau verloren? Wie hatte ich das bloß zulassen können?
      Resigniert setzte ich mich auf den nächsten freien Platz, der weder direkt neben noch gegenüber von Bella lag. Ich würde es endlich schaffen müssen, sie mir aus dem Kopf zu schlagen. Irgendwie. Zum Glück lenkte mich jetzt ein Mann ab, der die Treppe hinunter kam und sich ohne ein Wort oder einen Blick zu mir neben mich setzte. Den blonden Locken nach zu Urteilen, die auf seinem und dem des kleinen Jungen wucherten, Charlys Mann.
      Nach und nach erschienen alle anderen, bis alle Plätze am großen Küchentisch besetzt waren. Nun begann natürlich die große Vorstellungsrunde. Während die Begrüßungen von gefühlt dreißig Leuten auf mich einprasselten, versuchte ich mir wenigstens ein paar der vielen Namen und Gesichter zu merken. Neben mir saß Nico, tatsächlich Charlys Mann und Vater des kleinen Bart. Allerdings machte er auf mich keinen sonderlich sympathischen Eindruck. Malte kannte ich ja bereits. Ein besonders auffälliges Gesicht blieb auch hängen. Die große, schlanke Frau hatte zwei Augenfarben und ein offenes Gesicht. Sie stellte sich als Tjarda vor und ich beschloss sofort, dass ich sie mögen würde. Dann gab es da noch Torun, Teodor, Petyr und Vuyo. Letzter war auffällig, da er am Tisch der einzige mit dunkler Hautfarbe war. Nachdem wieder Stille eingetreten war, ergriff Bella das Wort und bedankte sich. Vorstellen mussten wir uns nicht mehr, da offensichtlich alle hier bescheid wussten. Charly hatte das Team offenbar vorbereitet und so sah ich nicht nur musternde und offene Mienen, sondern auch Dinge wie Mitleid. War es so offensichtlich, dass ich von Bella nicht loskam?

      Nico
      Ein gemeinsames Abendessen, was für eine Freude. Genervt blickte ich auf die Uhr, welche genau gegenüber von mir hing. Es waren erst zehn Minuten vergangen, stellte ich schockiert fest. Charly hatte gerade alle Anwesenden herzlich begrüßt und ich fragte mich, wie sie nach diesem stressigen Tag und bei dem vollen Haus so fröhlich sein konnte. Auch Bart schien seinen Spaß zu haben und grinste jeden am Tisch mit einem frechen Grinsen an.
      Den Mann links neben mir hatte ich noch nie gesehen, schloss jedoch daraus, oh wie schlau war ich nur, dass das Bellas Freund, sorry, Exfreund war. Er sah nicht schlecht aus, war aber auch älter als ich und das gefiel mir gar nicht.
      Ich beugte mich, vielleicht aus Langeweile, vielleicht auch aus Neugierde, zu ihm hinüber. “Du bist also Robin. Warum genau ziehst du aus deinem Heimatland in den Norden, obwohl dich Bella anscheinend abserviert hat? Unser Hund Asuka würde das Selbe tun.”

      Robin
      Was bitte war das denn für ein Typ? Unhöflich wie Nichts und musste natürlich direkt den Finger in meine offensichtlich offene und blutige Wunde.
      “Was soll diese Frage? Mir geht es hier um die Pferde. Ich liebe die Tiere die Bella mir anvertraut hat - die übrigens einfach eine gute Freundin ist.”
      Ich war nicht aufbrausend. Auch nicht schnell genervt, doch dieser Typ machte mich rasend.


      Nico
      “Weißt du, mein Freund, ich weiß, dass es schwer ist loszulassen, aber manchmal muss man sich einfach eingestehen, dass es vorbei ist. Ich will dich nicht loswerden, nein, du bist ein witziger Typ, aber Bella zu liebe kannst du ja nochmal drüber nachdenken.” Ich blicke ihn ernsthaft und mit durchdringendem Blick an. Ich liebte diesen Gesichtsausdruck bei anderen, wenn man ihnen gerade offenkundig einen Korb gegeben hatte. Irgendwo meldete sich mal wieder meine Alarmglocke, dass ich vielleicht doch zu weit gegangen war, aber bereits vor langer Zeit hatte ich erlernt, wie ich diese gut überhören konnte.

      Robin
      Ich musste mich hart zusammenreißen, mir nicht offensichtlich auf die Lippe zu beißen oder sonst eine Reaktion meiner Verärgerung zu zeigen, damit wir nicht zum Kino für den ganzen Tisch wurden. Darauf diese Diskussion mit allen zu führen, hatte ich nun wirklich kein bisschen Lust. Ich wusste, ich lief Bella nach. Rannte ihr erbärmlich hinterher, alles in der Hoffnung sie könnte eines Tages doch noch feststellen, dass wir zusammen gehörten. Ich hatte mich verdammt nochmal so Hals über Kopf und unsterblich in diese Frau verliebt… Ja, ich konnte ihr noch nicht einmal übel nehmen, dass sie mit mir Schluss gemacht hatte. Und ich wusste, das war verrückt. Ich war verrückt. Gleichzeitig wollte ich aber auf keinen Fall eingestehen, dass ich mir dieser Tatsache bewusst war und meinem Herausforderer so Kampflos das Feld räumen.
      “Darüber muss ich nicht nachdenken. Das ist eine Tatsache.”, bemerkte ich also nur trocken. Was auch immer sich da zwischen Nico und mir anbahnte, es war nichts Gutes.

      Nico
      Ich zog meine Augenbrauen nach oben und blickte ihn leicht mitleidig an. Der arme Mann, so voller falscher Vorstellungen vom Leben. Ich seufzte. “Ich sehe, heute Abend werden wir beide wohl nicht mehr auf den gleichen Zweig kommen. Aber, was haben wir nur für ein Glück, sind wir ja für die nächste Zeit Nachbarn, da finden sich bestimmt passende Momente in denen ich dir die wahre Welt zeigen kann.” Meinte ich und nahm dann einen Schluck von dem Glas mit rotem Wein vor mir.
      “Hast du zufällig Lust auf einen Ausritt morgen früh?” Fragte ich Robin leicht überheblich. “Reiten kannst du doch, oder?”

      Robin
      “Nein, das tut mir leid. Ich habe Angst vor Pferden und weiß nicht wie rum ein Sattel drauf gehört.” Ich kratze mich am Kinn. “Könnte sein, dass ausreiten da schwierig wird.” Jetzt war es an mir den Mann neben mir mit einem spöttischen Hundeblick anzusehen. Ich saß auf dem Pferd seit ich laufen konnte und hatte mein Leben lang nichts anderes getan. Wenn ich ihm verbal schon nichts entgegen zu setzen hatte, dann eben in reiterischer Hinsicht.

      Nico
      Ich musterte ihn verwirrt mit zusammengekniffenen Augen und nahm dann noch einen Schluck von meinem Wein. “Ich nehme an, dass das Ironie war.” Ich merkte selbst, wie meine Mauer zu bröckeln anfing, jedoch verdeutlichte es der Blick von Robin um einiges.
      “Möchtest du, dass ich eines unserer Ponys nehme, damit ich dir nicht allzu überlegen bin? Eure Isländer sind ja alle nicht gerade groß und Gerechtigkeit ist mir ziemlich wichtig.” Versuchte ich mich wieder hinaufzukämpfen.

      Robin
      Klein aber oho. Ganz eindeutig hatte Nico noch nie einen Fünfgänger laufen sehen. “Nimm was du willst. Auf die inneren Werte kommt es an, nicht auf die Größe, Hm?”

      Nico
      “Ach immer diese Islandponyreiter, ihr denkt auch alle, dass eure Pferde von einem anderen Planeten sind und dadurch Superkräfte haben. Aber mir soll’s Recht sein, denn unter uns, ich verliere nicht gerne.” Scherzhaft zwinkerte ich Robin zu. Das Gespräch mit ihm hatte mich um einiges aufgemuntert und so griff ich nun doch hungrig nach der Salatschüssel. Aus den Augenwinkel sah ich, wie Malte mich genauestens beobachtete, als ich jedoch meinen Blick erhob, war sein Gesicht zu Bella neben sich gewandt.
      “Möchtest du auch etwas Salat?” Fragte ich Robin und lächelte ihn freundlich an.

      Robin
      “Sehr gerne.” Ich langte kräftig zu und vergaß den anfänglichen Zorn. Der morgige Tag würde auf alle Fälle lustig werden.
      Den Morgen verbrachte ich mit dem sortieren unseres Zaumzeuges, welche trotz sorgfältigem Einräumen zu völligem Chaos mutiert war. Als ich endlich alles provisorisch auseinander sortiert hatte, bequemte sich der junge Vater und Herr des Haupthauses auch in den Stall. Meine Wahl für den heutigen Ausritt war längst auf Fenja gefallen, da die Stute nicht nur treu, sondern auch unglaublich schnell war. Klein aber oho.

      Nico
      Er hatte es so gewollt und mein Gewissen war kein bisschen schlecht, als ich, vielleicht gegebenenfalls eventuell etwas zu spät das Stallgebäude betrat und den Weg zu der Box von Marid einschlug. Ich hatte ihn heute morgen gleich in der Box gelassen und auch wenn ihm das gar nicht gefiel, bedeutete es für mich weniger Arbeit.
      “Guten Morgen Robin!” Rief ich die Stallgasse entlang und winkte meinem neuen Freund kindisch. “Gut geschlafen?”
      Ohne eine Antwort abzuwarten schnappte ich mir das Putzzeug und begann meinen Hengst, welcher mir eingeschnappt sein Hinterteil zugewandt hatte, zu putzen. “He Vad alter Freund, dem da drüben zeigen wir es heute, stimmt’s?” Versuchte ich ihn zu beschwören. Große Gedanken machte ich mir jedoch nicht, dass ich mich blamieren würde.
      Nachdem der Hengst geputzt war, holte ich aus der Sattelkammer Vads Distanzsattel und seine hübsche gelbe Biothanetrense.

      Bella
      Auch ich war bereits früh im Stall und hatte mir in den Kopf gesetzt die Gegend etwas erkunden. Dort traf ich auf Robin, sowie Nico, die schweigend nebeneinander ihre Pferde fertig machten. Sie würden wohl seltsamerweise zusammen ausreiten, auch wenn sie sich nicht unbedingt gut zu verstehen schienen. Robin hatte Fenja gewählt, die neben dem großen Hengst von Nico sehr zierlich wirkte, trotzdem war mir sofort klar, dass die Zwei sich ein Rennen liefern wollten. Aus diesem und kaum einem anderen Grund hatte Robin sich das zweitschnellste Pferd aus meinem Stall ausgesucht. Nur Laufey konnte Fenja toppen und meine Fee gehörte mir.
      Unbemerkt schnappte ich mir das schön sortierte Sattel und Putzzeug genau dieser Stute und gelangte ungesehen nach draußen. Dort band ich mein ungeschlagenes Lieblingspferd am Koppelzaun an und begann sie reitfertig zu machen. Ich würde den Jungs folgen. Mal sehen auf was für Ideen sie kämen.
      Wenige Minuten später verließ das ungleiche Paar den Hof. Sie ritten an mir vorbei ohne mich zu bemerken und so schwang auch ich mich auf den Rücken meiner Stute und folgte den Männern mit genug Abstand, sodass sie mich nicht bemerken würden.

      Malte
      Am frühen Morgen bereute ich es, dass ich gestern Abend mich zu noch einem Glas Wein hatte mitreißen lassen, denn genau dieses spürte ich nun tief in meinen Knochen. Als ich das Haus verlassen hatte, schlief Robin noch tief und fest, weswegen ich mich nun verwundert umdrehte, als ich ihn auf dem Waldweg an den Weiden vorbeireiten sah. Seit heute Morgen war ich schon damit beschäftigt, die Wiesen abzuäppeln und nicht nur meine Hände waren dadurch gefroren.
      Erstaunt stützte ich mich auf den Stil der Mistgabel und versuchte durch das dichte Geäst hindurch zu erkennen, was da vor sich ging. Mit noch größerem Erstaunen stellte ich fest, dass eine Pferdelänge vor Robin niemand anderes als Nico auf seinem Hengst Marid ritt. Ich hätte es wissen müssen, an Nicos Blick von gestern Abend hätte ich seine fiese Idee erraten müssen. Ich seufzte theatralisch. Jetzt war es sowieso zu spät, denn die Pferde verschwanden im dunklen Wald. Nico schlug den Weg zur Galoppstrecke ein und das war nicht irgendeine, nein, war DIE Galoppstrecke und ich wusste, dass jemand unerfahrenes keine Chance gegen Nico dort hatte, nicht einmal Robin.

      Robin
      Ich folgte Nico mit einer Pferdelänge Abstand und bereitete mich bereits innerlich auf ein rasantes Galopprennen vor. Tatsächlich kam eine infrage kommende Strecke gerade in Sicht, doch nur ein kurzer Blick auf den weichen, gewundenen Waldweg sagte mir, dass ich ohne Ortskenntnis keinerlei Chance haben würde. Ich konnte noch so ein guter Reiter sein, wenn ich nicht wusste was kam hatte ich keinerlei Chance.
      Trotzdem entschloss ich mich das Wagnis einzugehen und in Würde zu verlieren. Wenn Nico es nötig hatte zu so einer Strecke zu greifen, hatte er im klassischen Rennen gehörigen Respekt vor mir und meinem Pony. Das war mir fürs erste genug.

      Nico
      “Also mein Freund,” ich parierte mein Pferd durch und präsentierte Robin die Galoppstrecke. “Unsere Galoppstrecke mit garantiert tollem Naturerlebnis. Ab und zu gibt es mal ein paar Wurzeln, da muss dein kleines Pony dann eben springen oder so, weiß ja nicht, ob es da drüber steigen kann.” Ich lächelte verschmitzt und zwinkerte Robin freundschaftlich zu. Noch etwas was ich gut konnte: Glaubwürdig lächeln und das in den verschiedensten Situationen. Ich war mächtig stolz auf mich und mein Talent.
      “Was sagst du, traust du dich?”

      Robin
      “Gar kein Problem.” Ich fasste die Zügel etwas kürzer und grinste Nico herausfordernd an. “Pass du mit deinem Riesen lieber auf. Tief hängende Äste haben schon so manchen Reiter auf böse Art und Weise aus dem Sattel befördert.” Normalerweise wäre ich jetzt mit diesen Worten aus dem Stand angaloppiert, doch bei dieser Strecke barg das zu viel Risiko und die Gesundheit meines Pferdes und meine Eigene waren dann doch wichtiger als mein Stolz.
      Nico, der genau das erwartet hatte, galoppierte nun wirklich reflexartig an. Eine Pferdelänge ließ ich ihm an Vorsprung, dann sporte ich auch Fenja an. Einen Isländer aus dem Stand in den Galopp zu bekommen war keine leichte Übung, aber Fenja war solche Eskapaden von mir gewohnt und bemerkte sofort, dass es sich hier um ein Rennen handelte. Voller Elan zog sie nach vorne, Nico und seinem Araber hinterher. Einen Herzschlag lang schloss ich die Augen und spürte die Bewegung des Tieres und den Wind im Gesicht. Egal ob Wald oder offener Strand. Das Gefühl im Galopp blieb dasselbe. Und ich liebte es einfach.
      Ein dünner Zweig holte mich zurück in die Wirklichkeit. Er schlug mir peitschenartig ins Gesicht und würde garantiert einen Striemen hinterlassen. Verflucht. Hier auf den Weg zu achten war wirklich notwendig. Der Abstand zu Nico hatte sich ersichtlicherweise nicht verändert, denn dieser war inzwischen auch vollauf beschäftigt diversen Baumauswüchsen auszuweichen. War das hier eine Galoppstrecke oder eine Querfeldein-Jagd?!

      Nico
      Auf Marid war immer Verlass. Egal ob es der Start war, oder die großen Wurzeln der uralten Bäume, welche den Waldweg auf beiden Seiten säumten. Ich liebte dieses Pferd und dieses Pferd liebte mich und deswegen stand es für mich gar nicht in Frage, dass wir vielleicht nicht gewinnen würden. Klar, Fenja und Robin schienen sich auch zu mögen, aber das war nicht genug, um gegen uns beide anzukommen.
      Ein Blick über die Schulter und ich blickte in Robins vor Anstrengung zusammengekniffenes Gesicht, welches jedoch vor Ehrgeiz leuchtete. Natürlich war das Rennen auch für mich kein Kuchenbacken, das gab ich gerne zu, aber ich hatte den Vorteil, dass ich genau wusste, hinter welcher Biegung eine Kreuzung oder ein Schlammloch folgte. Das einzige was ich nicht berücksichtigt hatte, war die eiserne Kälte, die mir im langsamen Tempo nicht bewusst geworden war, nun mir aber fast den Atem raubte. Ich vergrub meine nackten Hände tief in Marid Mähne und versuchte auch mein Gesicht vor dem unaushaltbaren Wind zu schützen, in dem ich mich tief über den warmen Pferdehals beugte. Ich war ein Mensch des Südens und diese Kälte hier konnte ich gar nicht ab. Nur noch weniger als die Kälte mochte ich Käsekuchen und das musste etwas bedeuten.
      Marid schnaufte erschöpft. Gnadenlos trieb ich ihn jedoch weiter, bereits das Ziel, das Ende des kleinen Waldstückes, vor Augen. Meine Sicht verschleierte mittlerweile ein dichter Vorhang von Tränen. Dem einen Ast wich ich geschickt aus und auch den zweiten ließ ich links liegen. Erst der dritte, welcher jedoch diesmal am Boden lag, übersah ich ungeschickt und Marid machte erst in allerletzter Sekunde einen Ausweichschritt zur Seite, wodurch ich meinen Steigbügel verlor und seitlich am Pferd hing. “So ein Mist!” Laut fluchend versuchte ich mich wieder zu ordnen, um auf keinen Fall meine Führung so kurz vor dem Ziel zu verlieren.

      Robin
      Ich sah Nicos Gesicht, der verkrampft versuchte seinen Steigbügel zurück zu angeln, während ich mit ihm gleichzog. Sein Araber, der garantiert eine Distanzpferd, das über den Winter aus dem Training war, schnaufte bereits erschöpft. Auch Fenja war nicht mehr frisch, aber lange nicht erschöpft. Noch immer spürte ich den eisernen Ehrgeiz, mit der die Stute mit dem viel größeren Hengst mithielt. Langsam wurde der Wind auf meinem Gesicht eisig, doch das war ich gewohnt. In meiner Heimat Dänemark war es um diese Zeit nicht wärmer und zudem hatte ich die letzten Jahre auf einer Insel mitsamt Seewind gelebt. Seite an Seite galoppierte ich mit Nico dem Ende des Waldpfades entgegen, das wir trotz verbissenen treibens auf der Zielgerade gleichzeitig erreichten. Wie genau das bei dieser Wegbreite möglich gewesen war, konnte ich nun wirklich nicht erklären.

      Nico
      Mein Lächeln war ausnahmsweise von meinen Lippen verschwunden und einem Zähnefletschen gewichen. Mit aller Kraft versuchte ich Marids Tempo nochmal ein kleines Stückchen zu erhöhen und meinen Vorsprung wiederzuerlangen, versagte jedoch kläglich, als wir den Wald hinter uns ließen und stolpernd die große Lichtung betraten. Neben mir galoppierte zur gleichen Zeit auch Robin ins Ziel und enttäuscht musste ich feststellen, dass ich wegen dieses einen kleinen Fehlers verloren hatte. Ich parierte Marid etwas zu grob durch und ließ ihn meine Enttäuschung spüren. Marid reagierte jedoch nicht, sondern streckte nur schlapp seinen Hals nach unten.
      “Glückwunsch.” Knurrte ich in Robins Richtung, meinte es jedoch kein bisschen so. Er konnte sich abschminken, dass ich zugeben würde, dass er gut mitgehalten hatte. Ich hätte locker gewonnen.

      Robin
      “Ich würde eher sagen das war komplett gleichzeitig.” Ein wenig verwirrt über den knurrenden Tonfall zuckte ich die Achseln. Für mich gab es kaum etwas, das bessere Laune bereitete als ein ausgelassenes Galopprennen, mit Ausnahme von…. “Würde ich auch sagen. Gleichzeitig.” ...genau dieser Frau. Bella kam entspannt hinter uns aus dem Waldweg getrabt. Sie war uns offenbar mit etwas Abstand gefolgt und hatte nun aufgeholt, da auch sie und Laufey sich keine Galoppstrecke entgehen ließen. “Und jetzt los. Ein Stück Schritt reiten. Nach so einem Galopp lässt mein kein Pferd stehen. Das ist tödlich für den Kreislauf.” Bella wie sie leibte und lebte. Ich war dieser Frau so hoffnungslos verfallen und hatte kein Problem damit, dass sie nun zu uns gestoßen war. Die Frage war nur, was Nico sagen würde.

      Nico
      “Annabell.” Ich seufzte’ Da konnte dieser Tag ja heute nur noch besser werden. Allerdings sorgte sie dafür, dass ich meine Enttäuschung wieder im Griff hatte. Gegebenfall hatte sie jedoch leider Recht, was die Pferde anging, sodass ich mich dazu gezwungen sah, Marid in den Schritt zu treiben. Entschloss ritt ich über die Lichtung hinweg zur anderen Seite, wo uns ein kleiner Pfad zurück auf die Landstraße und von da aus dann zum Gestüt bringen würde. Bella und Robin folgten mir und da mein ausergewöhnlich gutes Gespür für Menschen mir sagte, dass es zwischen den beiden wieder etwas angespannt war, drehte ich mich im Sattel um und lenkte Bellas Aufmerksamkeit auf mich. “Sag, Annabell, was führt dich hierher? Eifersüchtig, dass ich mit deinem-”, ich stockte kurz und blickte zwischen beiden hin und her, “-Weggefährten einen kleinen Ausritt machen wollte?”

      Bella
      “Eifersüchtig?” Ich glaube ich schaute wie ein Auto, denn Robin neben mir brach in lautes und ziemlich falsches Gelächter aus. “Nico, ich glaube du hast da etwas noch nicht ganz verstanden.” Ich hatte Robin noch nie so zynisch und bitter erlebt. “Sie hat mit mir Schluss gemacht. Nicht anders herum.” Damit wandte er sich ab und ließ Fenja antraben. Er lenkte die Stute in den nächstbesten Weg und war Augenblicke später verschwunden. “Hey.. Was..??” Was zum Teufel war hier eigentlich los? Ich drehte mich wieder zu Nico, der mich nur mitleidig anlächelte. “Du kapierst überhaupt nichts.”

      Nico
      Ich zog meine Augenbrauen so weit wie möglich nach oben und blickte Bella breit grinsend an. “Ach ja?” Ich zwinkerte ihr leicht überheblich zu. Dann wandte auch ich mein Pferd ab und nahm den kürzesten Weg nach Hause, den ich finden konnte. Robin war ja noch ganz in Ordnung, aber was auch immer Charly denken mochte, selbst für meine Verhältnisse war Annabell Schmiedemann einfach nur anstrengend.
      Auch Marid schien keine weitere Lust auf den Ausritt zu haben und brachte mich im flotten Tempo zurück zur Ranch, wo ich meinem Hengst den Sattel vom Rücken zog und ihn dann eilig in die Box brachte. Mein nächster Termin hieß nämlich Couch und den konnte ich leider nicht absagen.

      Malte
      Ungeduldig wippte ich von einem Fuß auf den anderen. Bereits vor viel zu langer Zeit hatte ich Nico und Robin in den Wald reiten sehen und da Nico bereits zurückgekehrt war, schien Robin immer noch da draußen zu sein. Da draußen, das klang so, als würde es hier von Räubern und gefährlichen Bären nur so wimmeln. Eigentlich war das ja auch kein Grund zur Sorge, aber ich traute Nico selbstverständlich nicht und als wäre das noch nicht genug, war auch Bella spurlos verschwunden. Charly meinte, dass sie sie seit dem Frühstück nicht mehr gesehen hatte und auch niemand anderes konnte mir über ihren Verbleib Auskunft geben. Ich zog mein Handy aus der Hosentasche und warf einen Blick auf die Uhr. Mit einer Hand drehte ich den Wasserhahn zu, mit welchem ich gerade einige Wassereimer gefüllt hatte, während ich mit der anderen Hand ungeschickt eine Nachricht an Bella tippte. Hier im nirgendwo war so wenig Empfang, dass ein Anruf nahezu unmöglich war. Einen Eimer nach dem anderen brachte ich nun auf die Weiden, welche nahe am Gestüt lagen. Im Winter mussten wir die Wasserleitung auf den Stall beschränken, damit die Rohre bei den Weiden nicht durch die Kälte platzten.
      Nachdem ich die Nachricht, in welcher ich Bella bat mir zu sagen, wo sie war und ob alles in Ordnung war, abgeschickt hatte, suchte ich im Stall nach einem Pferd, welches trotz des Winters genügend Energie und Kraft hatte, wenn nötig einen kleinen Distanzritt hinzulegen. Ich wollte Bella finden und ich wusste nicht warum, aber irgendwas sagte mir, dass ich zu ihr musste.

      Robin
      Ich wollte allein sein, aber Bella ließ mich nicht. Mir war klar, dass sie mir folgen würde und ich ließ sie. Schweigend und gemeinsam kehrten wir schließlich zur Ranch zurück, auf der noch jede Menge Arbeit auf uns wartete. Die Fohlen wollten bespaßt und Pferde bewegt werden. Zeit oder Motivation uns endlich einmal auszusprechen und die Situation zu klären blieb nicht. Auf dem Rückweg begegnete uns Malte, der offenbar aufgebrochen war um uns zu suchen. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass dieser Mann mich verfolgte. Oder verfolgte er Bella? Ich hatte keine Ahnung, aber langsam schien ich verrückt und paranoid zu werden. Menschen waren schon bescheuert. Insbesondere ich selbst.

      Malte
      Ich war kaum aufgebrochen, da begegnete mir Bella. Im Schlepptau hatte sie Robin und dieser sah nicht gerade danach aus, dass der Tag für ihn besonders gut verlaufen war. Ich schloss mich den Beiden stumm an und begleitete sie zurück auf die Ranch.
      Bella schien tief in unergründlichen Gedanken versunken zu sein, während man Robin schlechte Laune geradezu ansah. Die beiden schienen mal Zeit füreinander zu wollen, sodass ich sie bei der erstbesten Gelegenheit allein ließ und für eine Mittagspause die Gesellschaft von Petyr suchte, welcher wie immer auf der Couch auf dem Dachboden hing und mit der Fernbedienung von einem Kanal zum nächsten zappte.
      “Hast wohl nichts besseres zu tun?” meinte ich und ließ mich neben ihn fallen. Er schüttelte nur gelangweilt den Kopf. Ich seufzte. Das konnte ja spannend werden! Aber nun saß ich einmal und zum Aufstehen war ich doch zu faul.

      Bella
      Ich würde mit Robin reden müssen, soviel war mir schon seit Tagen klar. Wann, wie und worüber jedoch nicht ganz. Offenbar hatte er unsere Trennung in Freundschaft nicht so gut überstanden, wie ich anfangs gedacht hatte.
      Zwar war mir klar, dass Malte uns nur alleine lassen wollte, damit wir endlich mal einiges klären konnten, doch ich wollte einfach nicht. Ich wusste, es würde sich in Zukunft eine Aussprache nicht vermeiden lassen, aber nicht jetzt und nicht so. Ich würde erstmal ankommen und mich einleben und dann waren die offensichtlichen und, von meiner Seite aus nicht benennbaren, Probleme zwischen Robin und mir an der Reihe. Für heute hatte ich mir darüber jedoch genug den Kopf zerbrochen.

      Kurzer Besuch bei Bellas Pferden
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      15. August 2017 | (c) Veija
      1366 Zeichen | - Veija
      Kurzfristig hatte mich eine Bitte erreicht, dass ich doch zu Bella fahren und mich um ein paar Pferde kümmern sollte. Sie war total im Umzugsstress und kam vorne und hinten der Arbeit nicht mehr hinterher. So hatte ich kurzerhand meine Sachen gepackt und mich auf den Weg zu ihr gemacht.
      Bei ihr angekommen checkte ich zunächst einmal die Liste der Pferde, nach denen ich heute schauen sollte. Es waren 7 Pferde, allesamt Isländer und allesamt für mich teilweise unaussprechliche Namen: Meyja, Blossi, Fáfnir frá glæsileika eyjarinnar, Litfari, Tilviljun, Kjarkur und Glanni frá glæsileika eyjarinnar.
      Anfangen wollte ich mit den Fohlen Glanni, Litfari und Fáfnir. Ich halfterte die Tiere nach und nach auf und brachte sie auf die Koppeln. Auch die verbliebenen vier Pferde brachte ich auf ihre Koppeln und fing dann an, die Boxen auszumisten. Das dauerte bei sieben Pferden eine ganze Weile und einen Haufen Mistkarren, bis ich damit endlich fertig war. Dann folgte das kontrollieren der Tränken und das Auffüllen der Heunetze. Nach und nach brachte ich die Pferde dann wieder in ihre Boxen, wobei ich es mir nicht nahm, mit jedem einzelnen Pferd eine Runde über den Hof zu gehen, damit sie wenigstens noch ein kleines bisschen Bewegung heute haben sollten.
      Dann zog ich mich flink um, um im Flieger nicht so nach Pferden zu riechen und machte mich auf den Heimweg.

      Trainingsberichte
      Gangreiten E-A
      2951 Zeichen | © BellaS | Juli 2015
      Ich schaute auf meine Uhr um bekam einem halben Herzinfarkt. Schon halb acht und ich musste noch mit Sólfari raus, Blossi reiten und die Stuten rein hohlen. Irgendwie war der Tag zu schnell vergangen, zumindest zu schnell um alles zu erledigen was ich mir vorgenommen hatte. Ich würde also wahrscheinlich wieder alles auf einmal machen müssen.

      „Mila, bring bitte die Stuten in den Offenstall.“, rief ich meiner Bereiterin zu. Sie schien gerade nichts zu tun zu haben. Also nickte sie mir zu und verschwand in der Sattelkammer, nur um im nächsten Moment mit einem Bündel Halfter wieder aufzutauchen. Dann bemerkte ich meine kleine Schwester. Sie stand am Anbinder und striegelte Blossi.
      „Bea, du bist ein Engel.“, grinste ich. „Wollen wir zusammen auf die Bahn gehen, Blossi schadet eine kleine Runde Training auch nicht unbedingt.“
      Gesagt getan, Minuten Später saßen wir auf unseren Pferden. Während des Warmreitens auf der Ovalbahn, warf ich hin und wieder verstohlene Blicke auf Blossi und Tabea. Meine Schwester war, seit sie ihre Ausbildung angefangen hatte, zu einer erstklassigen Reiterin mutiert und hatte sich mit Freude den hellen Hengst angenommen, der von mir leider nur wenig Aufmerksamkeit abbekam. „Lass und Viergang machen.“, schlug ich vor, „Geht schnell und die beiden sollten da Gangwechsel durchaus mal etwas üben.“ „Geht klar.“ „Dann los, und achte darauf: Blossi trabt nicht so gerne.“ „Musst du gerade sagen, Sólfi noch weniger.“, prophezeite Tabea. „Bei dir vielleicht.“, gab ich grinsend zurück.
      Tatsächlich war mein mausfalbener Hengst heute nicht besonders arbeitswillig. Während Blossi einen schönen Mittelschritt zeigte, hatte Sólfari keine Lust die Hufe zu heben, bis ich absaß und mir eine Gerte holte. Tabea feixte. „Witzig.“, gab ich zurück, saß wieder auf und nötigte das Pferd zu einer vernünftigen Gangart. Da allerdings der Tölt als nächstes auf der Liste stand, dauerte der Spott meiner kleinen Schwester nicht lange an. Sólfari und ich tölteten Runde um Runde, Tabea mühte sich mit Blossi ab, der nach wenigen Schritten Tölt in den Trab fiel. „Was habe ich dir gesagt? Zügel kürzer, Körperspannung, kleine Paraden geben bis er kaut, treiben, antölten.“, rief ich ihr zu und nach weiteren Versuchen gab ich mich mit einer halben Runde auf der Ovalbahn zufrieden. Traben war zum Glück heute für beide kein Problem. Zur Abwechslung trabten beide sogar sofort an, ohne über den Tölt zu gehen. „Super.“. lobte ich und klopfte meinem Hengst den Hals. In einigem Abstand zu mir gewahrte ich wie Tabea das selbe tat. „Galopp?“, rief sie mir zu. Obwohl ich gerade auf mein Reittier achtete, meinte ich das Grinsen schon aus ihrer Stimme heraushören zu können. „Aber kein Rennen!“ Das „kein“ betonte ich besonders. „Neiiiiinnn.“ „Ich doch nicht.“ Natürlich wurde es trotzdem ein kleines Galopprennen auf der Bahn, aber im großen und ganzen war ich zufrieden.

      Distanz E-A
      2905 Zeichen | (c) BellaS | August 2015
      „Ein Distanzritt mit zwei Hengsten? Ob ich dabei bin? Was für eine Frage, Klar.“ Linn grinste breit, während wir die weichen Fellsättel auf Hnakkis und Blossis Rücken legten. „Das wird wohl der letzte weite Ritt in Schottland.“, stellte ich ernüchtert fest und befestigte die Satteltaschen, die etwas zu essen und zu trinken für uns enthielten. Die Pferde würden unterwegs grasen können. „Die beiden sind ja noch Neulinge auf diesem Gebiet, dann lass und heute nicht so extrem weit reiten. Ich würde sagen 15 Kilometer, eine Pause und dann zurück.“ So wurde es ausgemacht und wir saßen auf und ritten vom Hof. Nach einer längeren Schrittphase um die Pferde ordentlich aufzuwärmen, gingen wir in schnellere Gangarten über. Hnakki töltete, Blossi trabte lieber, aber das war kein Problem. Beim Distanzritt galten keine Vorschriften für die Gangart. „Gut das wir keine Steigbügel haben. Leichttraben könnte ich nicht so lange.“, stellte Linn fest. „Bloß keine Steigbügel bei Fellsätteln.“, belehrte ich. „Die Riemen schneiden den Pferden in den Rücken.“ Wir ritten im Trab weiter, bis die beiden Hengste deutliche Ermüdungserscheinungen zeigten, dann gönnten wir ihnen wieder eine ruhige Schrittpause. Nach einer Weile stellte Linn fest: „Wenn wir zum Wasser wollen, haben wir jetzt die 10 Kilometer. Wir wollen doch zum Loch Aline, oder?“ „Ich hatte überhaupt nicht beschlossen wo wir hin wollen, aber irgendwie zieht es mich immer zum Wasser.“, stellte ich fest. „Nun ja, auf Rømø hast du dann ja genugWasser.“ „Ja, und ich freue mich drauf. Ich hoffe, das ist endlich der richtige Ort für mich.“ „Also ich denke die Pferde werden es genießen. Auch für die Exemer ist das Meer gut.“ „Ja. Immerhin tun wir unseren Pferd damit etwas gutes und uns hoffentlich auch.“ Ein Schweigen machte sich zwischen uns breit, während wir uns weiter in richtig See bewegten. Schließlich durchbrach ich die Stille. „Irgendwie ziehen gerade so viele hier weg. Irgendwie ist das schade.“, stellte ich fest. „Aber wir sind ja nicht besser.“ Ehe ich in weitere Grübeleien versinken konnte, galoppierte Linn an. „Es sind nur noch 2 Kilometer. Endspurt.“ Der Sommer neigte sich dem Ende entgegen und es war bereits merklich kühler geworden, trotzdem trieben wir die Hengste ein kleinen Stückchen ins Wasser und galoppierten so die letzten Meter. Schließlich rasteten wir, nahmen die beiden die Trensen ab und ließen sie in ruhe grasen. Noch waren sie zu erschöpft um in Hengstmanier miteinander zu rangeln. „Als würden wir nicht bestimmen wer wann welche Stute kriegt.“, grinste Linn und ließ sich ins Gras fallen. „Irgendwie ist es doch schön hier.“ Nach einer ausgiebigen Pause ritten wir zurück zum Hof und wieder schoben wir eine lange Strecke Trab oder Tölt sowie ein Stück Galopp ein. „Die beiden haben gut durchgehalten.“, stellte ich erfreut fest. „Das war doch mal eine gute Einführung in den Distanzsport auf A Niveau.“

      Dressur E-A
      2712 Zeichen | © BellaS | September 2015
      Einmal mehr musste ich mich aufrappeln und meine Hengste trainieren, da der Monat zu Ende ging. Beim durchsehen der Bücher und Papiere hatte ich festgestellt, dass ich meinen Hengst Blossi, der in Kürze zur Körung gehen sollte, noch nicht einmal in Dressur trainiert hatte. Dabei waren die Küren oft Dressurlastig und zumindest die Grundlagen auf A oder L Niveau mussten sitzen. Schließlich schnappte ich mir kurzerhand ein Halfter und holte Blossi aus seiner Box, in der er schon für die Nacht stand. Zwar war es spät, aber das störte mich herzlich wenig. Wenn Training sein musste, dann trainierte ich auch Abends. Schnell hatte ich den Hengst geputzt, gesattelt und getrenst und Minuten später saß ich im Sattel. Ich war direkt am Anbinder aufgesessen und ritt nun in die gut Beleuchtete Reithalle und begann mit gründlichem aufwärmen von Blossis Muskeln. „Im inneren des Pferdebeins befinden sich viele Bänder und Sehnen. Wenn man zu schnell auf hohes Tempo drängt, dann überdehnen sich diese Bänder und das Pferd geht lahm.“, zitierte ich im Geiste eins meiner Lieblingsbücher, lustiger Weise stammte dieses Zitat nicht aus einem Fachbuch über Pferde, sondern aus einem historischen Roman. Langsam nahm ich die Zügel auf, ließ Blossi aber noch weiter auf dem ersten Hufschlag gehen. Dann begann ich mit den Grundlektionen, die er eigentlich schon kannte: Dem 'ordentlichen' Schritt, begannt als Mittelschritt und mit einem korrekten Zirkel. Der Schritt war kein Problem, aber auf dem Zirkel dauerte es etwas, bis er sich ohne deutlich sichtbare Hilfen mit der Zirkelline bog. Dies trainierte ich erst einmal auf beiden Händen, immer wieder unterbrochen durch andere Bahnfiguren, bis ich in den Trab überging. Anders als erwartet trabte Blossi sofort und ohne Tölt an und leitete auf dem Zirkel keinen Widerstand. „Sehr schön.“, lobte ich und klopfte ihm den Hals, während ich wieder eine Schrittpause einlegte. Um die letzten benötigten Lektionen auch einmal wenigstens angerissen zu haben, hielt ich auf den Punkt X zu und ließ Blossi halten. Rückwärtsrichten mochte er im Normalfall gar nicht, aber heute reichte leichter Zügelkontakt und stetiges Treiben um ihn rückwärts zu bewegen. „Super.“ Ich war vollauf zufrieden, sodass ich schließlich noch einen lockeren Galopp im ersten Hufschlag einlegte und sogar im Galopp auf den Zirkel ging. Blossi schien heute alles mitzumachen, egal auf welche Ideen ich noch kam. Normalerweise hätte ich das ausgenutzt, aber ich war selbst zu müde zum experimentieren. So nahm ich dem Hengst seine Sachen ab und hängte den Futtereimer in seine Box, anstelle ihn draußen fressen zu lassen. Er nahm mir das nicht übel, Futter war Futter und ich fiel totmüde in mein Bett.

      Distanz A-L
      2946 Zeichen | © BellaS | Oktober 2015
      Ich hatte beim besten Willen keine Lust auf drei einzelne Trainingseinheiten mit drei Hengsten, aber Finley war dabei einige Boxentüren auszubessern und wollte nachher Heu holen fahren und Linn war unterwegs um eins von Verenas Fohlen zu trainieren. „Oh, zu Verena und Skrudi muss ich ja auch noch.“, stellte ich fest und seufzte, mal wieder gab es eine Menge zu tun. „Dann machen wir eben einen Distanzritt und halten das so wie mit Amy und ihre Hafis: Hnakki muss mein Gewicht tragen, Sólfari und Blossi gehen ledig aber wir machen die lange Strecke.“ Hatte ich das jetzt laut gesagt? Obwohl keiner weit und breit da war um mir zuzuhören? Egal! Ich schnappte mir mein Handy und ein paar Kopfhörer, steckte es in die Tasche meiner Weste und zog den Reißverschluss zu, dann schnappte ich mir drei Halfter und ging die Hengste holen. Die Drei verstanden sich zum Glück gut und neigten nicht zu heftigen Rangkämpfen, so hatten wir befunden, dass sie zusammen stehen durften. Auf meinen Ruf hin, gesellten sich meine beiden Lieblinge, Sólfi und Hnakki sofort zu mir an den Zaun, ich legte ihen je ein Halfter an und machte sie an der obersten Latte fest, bevor ich Blossi holen ging. Wie immer schien er es lustig zu finden, mit mir fangen zu spielen, aber ich brauchte nur kurze Zeit, bis ich ihn in eine Ecke gedrängt und eingefangen hatte, denn ich kannte seine Späßchen zur Genüge. Ich begann mit dem Putzen, was alleine und bei drei Pferden doch einige Zeit in Anspruch nahm, dann schnappte ich mit Hnakkis Trense und zwei Kontenhalfter mitsamt Strick und machte die Hengste fertig für den bevorstehenden Ausflug. Ich machte mir Musik an, packte die Stricke, kletterte auf Hnakkis Rücken und brach auf. Wie immer fühlte ich mich zuerst unsicher auf dem bloßen Pferderücken, aber das verging mit der Zeit. Schon bald saß ich so selbstverständlich auf dem, leider nicht sehr bequem, trabenden Hengst, wie ich auf einem Stuhl gesessen hätte. Mit Musik auf den Ohren und gewärmt von der letzten Herbstsonne ritt ich den Strand entlang. Ich hatte die Zügel nicht viel aufgenommen und so trabte Hnakki entspannt mit hängendem Kopf. Von Zeit zu Zeit stupste ich ihm etwas an um ihm zu signalisieren nicht einzuschlafen. An meinem Lieblingsabschnitt des Strandes trieb ich Hnakki zum Galopp an und zog die beiden anderen mit. Wir galoppierten ein gutes Stück, mussten dann aber ausweichen um einer Touristengruppe von komandor garden auszuweichen, die offensichtlich einen Strandritt machen. Wehmütig dachte ich an meinen erste Urlaub hier zurück. Ich war 15 gewesen und hatte diese Touri-Touren geliebt. Der Wallach von damals, Brellir, war inzwischen leider verkauft worden, sonst hätte ich ihn sofort dort weg geholt. In Gedanken versunken verfolgen die Kilometer schnell und schon bald waren wir wieder zu Hause angekommen. Linn, die inzwischen wieder da war, half mir noch beim versorgen und füttern, dann halfen wir Finley beim abladen des Heus.
    • Mohikanerin
      Weihnachten auf Atomic Valley


      St.Pauli‘s Amnesia | Voodoozirkus | Ruvik | Willa | Aska | Kisshimbye | Milska | Gnani | Krít | Yuva | Atom Bomb | Blossi | Capital | Topa‘s Comtesse | Þögn | Songbird | Litfari | Nautilus | Mademoiselle | Ryuk | Hnakki van Ghosts | Snúra | Kempa | Skjanni vom Helstorf Moor | Kvest Halsnaes | Overo | Almost Illegal | Hvitasunna van Frelsi | Eimyja | Tvífarí van Frelsi | River‘s Fjörgyn | Wild Reflex | Layers of Fear



      Weihnachten, alle Kinder freuen sich auf diese Zeit. Es gibt Geschenke und der Kapitalismus schlägt mit allen Kapiteln zu. Bei uns in der Familie gibt es schon lange nicht mehr solche Dinge, höchstens eine Aufmerksamkeit. Dieses Jahr bin ich nach langer Zeit wieder zu Hause, da ich nun das Internat abgeschlossen habe und arbeite. Viel hat sich geändert, sowohl positiv als auch negativ. Trotzdem empfand ich das Jahr als sehr angenehm.
      Die komplette Familie packt heute mit an, denn wir haben viel vor. Mittlerweile sind es sehr viele Pferde geworden und wir haben uns vorgenommen alle etwas anders zu Weiden bzw unterzubringen. Über Nacht kommen nur noch die Hengste in die Boxen, aber auch nicht alle. Die Stuten stehen die meiste Zeit auf den Paddocks.
      Wir sitzen gemeinsam um 5:30 Uhr am Tisch und frühstücken, da um 6:10 Uhr der Stalldienst beginnt. Auch wenn wir ziemlich wohlhabend sind, beschäftigen wir nur einige Stallhilfen, zwischendurch hatten wir auch schon Praktikanten und Ferienjobber. Wir besprechen was heute auf dem Plan steht. Auf dem ersten Paddock stehen drei Isländer Stuten Sunna, Eimyja und Fjörgyn. Die Drei sind neu und passen vom Charakter gut zusammen. Die anderen Isi Stuten Kempa, Snúra, Willa, Aska und Krít stehen auf dem zweiten Paddock neben den drei Stuten. So haben sie Kontakt zueinander, aber können sich nicht in die Flicken bekommen. Auf Paddock drei stehen unsere Isländer Hengste, bei denen es bisher noch nie Probleme gab auch wenn eine Stute rossig war. Das sind Blossi, Hnakki, Tví, Lifarí und Voodoo. Der vierte Paddock ist leer. Unsere beiden Shetlandponys stehen normalerweise auf sechs und sieben, doch da sie nur zwei sind mit unterschiedlichen Geschlechtern, kommen sie mit den Isländern zusammen. Dann sind noch Paddock neun und zehn besetzt. Auf der Neuen stehen die anderen Hengste Kvest, unser Norweger für den wir noch ein Mädchen besorgen, Overo, ein Welsh B Mix, mit seinem besten Freund Illegal, ebenfalls ein Mix, und Gnani, der Marwari. Auf dem zehnten Paddock steht Comtesse, die Lewitzer, Yuva, die Marwari, und meine Sportstute Bomb. Ruvik, unserer gestörter Kladruber steht den ganzen Tag auf einer unseren kleineren Weiden, die wir in der Mitte nochmal geteilt haben. Zwischendurch stellen ihn um oder auf der anderen Zaunseite Gnani dazu, weil wir versuchen wollen ihn ganz langsam in die Herde einzugliedern, bisher ohne sichtlichen Erfolg. Dann haben wir noch unseren beiden Fohlenkoppeln, einmal Weide vier, auf der Amnesia, Songbird und Milska stehen, und Weide fünf, auf der Skjanni, Nautilus und dann auch Codsworth stehen. Der Vollblut Hengst kommt die Tage, sowie eine weitere Isländerstute, von der ich so gut wie nichts weiss. Auf der monatlichen Stallbesprechung wurde nur gesagt, dass eine dazu kommt. Wahrscheinlich ist das wieder ein Trick von meinem Vater. Zu dem haben wir noch eine Überraschung für Mama geplant, da unsere Paint Stute nun woanders steht.
      Tyrell hat sich schon lange einen Vollblut gewünscht und gefunden im Internet. Codsworth ist noch ziemlich Jung, doch normalerweise wird er in dem Alter bereits eingeritten, doch wir alle sind uns noch nicht sicher, ob das so gut wäre mit eineinhalb Jahren. Da ich ihn nur von Bildern kenne, kann ich es schlecht beurteilen, doch das wird besprochen, wenn er da ist. Zu dem haben wir noch eine Ältere Stute gefunden, von der nichts weiss. Wild Reflex ist bereits erfolgreich auf rennen gewesen. Er selbst, kann sie nur Minimal trainieren, weil er viel zu groß ist. Aber wir suchen jemanden, der dann sie auf Turnieren reitet.
      „Es soll heute schneien“, erzählt meine Mutter erfreut und wir rollen mit den Augen. Schnee sieht zwar schön aus, aber ist einfach nur lästig. Wir müssen alle Wege streuen und die Paddocks sind so eklig matschig sowie die Reitplätze. Somit geht nur die Halle. Da wir keine Einsteller haben, stellt es auch nur Minimal ein Problem dar, doch trotzdem reite ich lieber draußen.
      Nachdem wir die Boxen der Hengste sauber gemacht hatten, machte ich mich mit dem Fahrrad auf dem Weg zu Vriska, die heute noch mal Reitunterricht bekommt. Es war wohl nicht die beste Idee das Fahrrad zu nehmen. Doch ich kam heil an und sie wartete bereits auf mich. Der Hengst war bereits gesattelt und ich kontrollierte noch mal alles. Dann konnten wir loslegen. Zusammen gingen wir auf den matschigen Reitplatz und stellte mich an den Rand. Der Schnee stürmte und die Sicht war ziemlich eingeschränkt, weshalb wir nur im Schritt heute was machen. Ich zeigte ihr einiges, was man auch bei solchem Wetter machen kann zB. Stellungsübungen oder Aufmerksamkeit. Das Wetter wurde immer schlimmer und wir entschieden uns, einen anderen Tag nochmal zu Üben. Wir stellen den Hengst zurück und fahre wieder nach Hause.
      ___

      Eine Woche ist vergangen und das Land ist mit Schnee bedeckt. Heute habe ich keinen Stalldienst, weshalb ich mich vollkommen um die Pferde kümmern kann.
      Als erstes hole ich mir Aska von der Weide, Ilja Fjörgyn und Tyrell Kvest. Wir gehen ausreiten, da der Schnee sehr fest ist. Im Wald herrscht Ruhe und nur die Geräusche der Pferde sind zu hören.
      Wir kommen zurück und meine Brüder müssen zurück an die Arbeit. Ich hingegen mache weiter mit den Pferden. Krít, Willa, Litfari und Voodoo haben zur Zeit Winterpause, weshalb ich mir Snúra von der Weide hole. Wir gehen in die Reithalle und dort arbeite ich mit ihr an ihrer Konzentration und noch wichtiger an der Aufmerksamkeit. Wichtig ist, dass sie eine bessere Stellung bekommt und besser Mitarbeiter.
      Anschließend mache ich eine Kontrollrunde über den Hof zusammen mit Snúra. Die Fohlen toben zufrieden über die Weide.
      Während ich schon mit dem nächsten Pferd, Thögn, beschäftigt bin, macht Ilja etwas Bodenarbeit mit Comtesse und Tyrell ist Ausreiten mit Atom Bomb. Mein Mutti ist mit ausreiten auf Yuva.
      ___

      Morgen ist Silvester doch wir haben Glück, da unser Hof so gesehen völlig im Wald liegt, aber auch nur, weil mein Großvater damals das umliegende Land gekauft hat nach dem Krieg. Es war alles zerstört und er hat den Hof größer und besser aufgebaut. Doch es gibt immer etwas, dass erneuert werden muss.
      Ruvik, ein Pferd von Ilja, hat sich mittlerweile eingelebt und wir wollen heute das erste mal etwas mit ihm machen. Langsam betritt er die Weide und macht den Strick an sein Halfter. Etwas störrisch will er auf der Weide bleiben, doch nach ein paar Leckerlis folgt er. Wir gehen zu dritt in die Reithalle, in der wir bereits alles aufgestellt haben. Es liegen einige Standen da, Cavalettis und Pylonen. Ilja möchte mit Ruvik freiarbeiten, da er bereits Clickern kennt. Der Hengst kommt aus dem Zirkus und hat negative Erfahrungen gemacht, weshalb Ruvik erst das Vertrauen schaffen muss. Doch Ilja ist sehr geduldig und möchte den Hengst später mal reiten. Ich beobachte nur das Geschehen. Neugierig stupst Ruvik Ilja an und versucht Leckerlis zu bekommen, doch erst die Arbeit, dann das Vergnügen.
      Als sie fertig sind, verlasse ich die beiden und gehe zu unseren Zuchtisländern. Die Hengste stehen auf der Koppel und spielen miteinander im Schnee. Mutti ist auf Fear zusammen mit Vater auf Gnani ausreiten.
      Am Ende des Tages haben wir alle einige Pferde bewegt und alles nach Plan geschafft. Das neue Jahr kann kommen und die neuen Pferde!
    • Mohikanerin
      Viel zu Warm!


      Vinkona frá Sólin | Totbringer | River’s Fjörgyn | Aqua | Þögn | Yuva | Ylfa | Willa | Wild Reflex | Topa’s Comtesse | Snúra | Snuff | Saints Row | Mademoiselle | Layers of Fear | Krít | Kempa | Eimyja | Blávör | Atom Bomb | Aska | Maekja van Ghosts


      Kvest Halsnaes | Hnakki van Ghosts | Blossi | Voodoozirkus | Tesla | Skrýmir | Ryuk | Ruvik | Party in the Clouds | Overo | Litfari | Gnani | Glanni frá glæsileika eyjarinnar | Flic Flac’s Milano | Capital | Blaer frá glæsileika eyjarinnar | Almost Illegal


      Tvífarí van Frelsi | St. Pauli’s Amnesia | Songbird | Skjanni vom Helstorf Moor | Nautilus | Milska | Lu’lu’a | Hvítsunna van Frelsi | Feuergeist di Royal Peerage


      Erstes Semester geschafft, stelle ich erfolgreich fest. Endlich etwas Zeit für die Pferde. Nach dem Horror Winter und Frühling ist plötzlich dermaßen warm, das es auch kaum auszuhalten ist. Doch die Jungs brauchen meine Hilfe. Zuhause angekommen schnappe ich mir direkt das Fahrrad und los geht’s zum Hof.

      “Guten Morgen”, begrüße Familie Earle am Tisch im Wohnhaus.

      “So früh haben wir gar nicht mit dir gerechnet”, antwortet Karola überrascht.

      “Setz’ dich doch erst mal, der Kaffee ist noch warm”, fügt sie hinzu.

      Ich setze mich und alle zusammen besprechen wir den Tagesplan. Heute kommen die ersten Feriengäste mit insgesamt 5 Kindern, die wir heute bespaßen müssen. Aber zu erst gehe ich zu den Jungpferden auf der Weide gucken und anschließend zu den Zuchtstuten.


      Neugierig kommen Tví, Skjanni, Loui und Lu an den Zaun. Ich weiss gar nicht zu wem ich zuerst soll. Doch es gibt eine logische Reihenfolge - der Älteste zuerst. Allen vier Jungs geht es prächtig. Demnächst kommt auch Tví mit nach oben an den Hof und ich arbeite ihn gemeinsam mit Bruce an.


      Nun geht es zu den Stuten, auch sie gucken bereits sehnsüchtig zu mir: Amnesia, Bird, Milska, Sunna und Feuergeist. Ich war besonders aufgeregt Amnesia wieder zu sehen. Die kleine hatte es mir besonders angetan und jedes Wiedersehen sorgte für Freude. Auch Milska hat sich prächtig entwickelt. Sunna kommt demnächst zusammen mit Tví an den Hof. Feuergeist ist noch neu hier und lebt sich gerade in die Truppe ein.


      Die letzte Station waren die Zuchtstuten. Auf der Weide standen Aqua, Vinkona, Tot und Fjörgyn. Die vier Stuten verbrachten den ganzen Tag mit fressen und schlafen. Bald kommen die Fohlen und wir freuen uns schon sehr.


      “Ich hab mir schon überlegt wen für die Kinder nehmen. Es werden Comtesse, Kempa, Aska, Overo und Illegal. Während wir die Pferde fertig machen, fängst du schon mal mit den Paddocks an”, sagt Bruce und geht mit seinen Brüdern die Pferde holen.


      Also schnappe ich mir die Schubkarre und gehe auf die Stutenpaddocks. Gelangweilt stehen sie alle herum, da sie gerade von den Weiden kommen und sehr erschöpft sind. Zu allen gehe ich kurz hin streiche Ihnen über den Kopf oder Hals. Gerne würde ich mehr Zeit für sie mitbringen aber ich muss denen Jungs heute viel Arbeit abnehmen, da seine Eltern auch kaum Zeit haben.


      Dann geht es auch schon weiter bei den Hengsten. Dort ist es etwas komplizierter, weil es viel mehr Paddocks sind und Neugier oft alles übertrifft.

      Nach insgesamt sechs Stunden war ich auf dem Hof fertig und auch mit mir selbst.


      “Warum machen wir das alles eigentlich?”, fragte Tyrell rhetorisch. Wir alle zucken mit den Schultern. Gemeinsam lassen wir noch den Abend ausklingen mit ein paar Getränken und einem kleinen Feier am Häuschen. Mal sehen was der morgige Tag bringt.
    • Mohikanerin
      Frühlingsbeginn

      Willa | Vinkona frá Sólin | Totbringer | River's Fjörgyn | Krít | Kempa | Aqua
      Kvest Halsnaes | Hnakki van Ghosts | Capital | Blossi | Alvari

      Þögn | Snúra | Saints Row | Aska | Ylfa | Trú fra Frelsi | Snotra | Maekja van Ghosts | Eimyja | Blávör
      Wild Reflex | Yuva | Topa’s Comtesse | Tamana | Snuff | Mademoiselle | Layers of Fear | Kisshimbye | Jule | Friede sei mit dir | Atom Bomb

      Voodoozirkus | Litfari | Blaer frá glæsileika eyjarinnar | Skrýmir | Glanni frá glæsileika eyjarinnar
      Tesla | Ryuk | Ruvik | Party in the Clouds | Overo | Gnani | Flic Flac’s Milano | Amjad Amir | Almost Illegal | Absolutely Right

      Tvífarí van Frelsi | Skjanni vom Helstorf Moor | Nautilus | Lu'lu'a | Hawking von Atomic
      St. Pauli’s Amnesia | Songbird | Milska | Feuergeist di Royal Peerage

      Der Frühling beginnt schon langsam und das Ende Februar. An den Bäumen sind die ersten Knospen und Krokusse habe ich auch schon am Weidezaun erblicken können.
      Die erste Kontrolle ist bei den Stuten draussen auf den Weiden: Willa, Vinkona, Tot, Fjörgyn, Krít, Kempa und Aqua. Die sieben Stuten haben schon kleine Frühlingsgefühle und freuen sich über meinen Besuch. Aufgeregt kommen sie angetrabt, teilweise auch im Galopp, und schnauben mich begrüßend an. Als sie merken, dass ich keine Leckerlis habe, rennen sie wieder weiter und scheinen alle sehr gesund. Ich werfe noch einige Möhren auf die Koppel und dann geht es weiter.
      Da die Paddocks gerade renoviert werde und die Hengste aktuell nicht auf die Weide können, stehen sie noch in der Box. Erst nach her ist der übergangs Paddock fertig. Kvest, Hnakki, Capital, Blossi und Alvari stehen im Stall und suchen im Stroh nach Ähren. Ich fülle bei allen das Heu noch mal auf und verlasse den Stall wieder. Nachher werde ich noch Helfen sie auf die Paddocks zu bringen.
      Der nächste Besuch ist auf dem ersten Stuten Paddock. Dort stehen Ylfa, Snotra, Eimyja, Blávör und Aska. Die fünf Stuten sind eher rangniedrig und konnten sich in der anderen Herde nicht durchsetzen. Jetzt zusammen vertragen sie sich prächtig. Ich hole eine Schubkarre Pferdeäppel und fülle das Heu auf. Im Anschluss öffne ich die Weide und die Stuten dürfen für einige Stunden raus. Die Männer haben die anderen Stute von der Weide geholt und gehe zu ihnen auf den Paddock.
      Thögn, Snúra, Saint, Maekja und Trú schlendern langsam zum Tor, als ich mit der Schubkarre komme. Natürlich wissen sie, was jetzt kommt. Auch hier hole ich eine Schubkarre herunter und fülle das Heu nach. Mit einigen Rangeleien werden sie sich der Reihenfolge an den Heuraufen klar und fangen an zu knabbern.
      Dann sind die Männer auch schon bei den Großen Pferden und machen ebenfalls sauber. Wie immer komme ich dazu und helfe. Als wir fertig sind gucken wir uns alle die Tiere noch einmal an. Reflex, Yuva, Comtesse, Tamana, Snuff, Mademoiselle, Fear, Kiss, Jule (die neu in der Truppe ist), Friede sei mit mir und Bomb. Natürlich stehen die beiden Shettys nicht bei den großen, aber trotzdem geniessen sie den Besuch! Allen geht es gut und wir gehen zu den Hengsten.
      Die Isländer Hengste sind alle soweit für die Körung und wir gehen mit den Pferden noch mal die Prüfung durch und stimmen die Kleinigkeiten ab. Voodoo, Litfari sind als erstes dran, danach folgen Blaer, Glanni und Skrýmir. Die drei sind nämlich noch nicht so weit. Besonders Glanni ist noch ziemlich vorsichtig und unsicher unter dem Sattel.
      Auch die Großen bekommen noch etwas Aufmerksamkeit. Ich hole Milano und Ryuk von dem Paddock und longiere sie im Round Pen. Tesla und Gnani sind im Moment erkältet und stehen deshalb in Quarantäne. Ruvik steht wie immer in der Box und möchte mit keinem Menschen etwas zu tun haben, obwohl ich mit ihm schon ein Stückchen weiter gekommen bin und die Box betreten kann, ohne das er mich angreift. Overo, Illegal, Right, Party und Amir stehen auf den Weiden. Die beiden Welsh Ponys spielen, hingegen die anderen den Kopf ins Gras stecken, auch wenn es nicht mehr viel gibt.
      Das gemeinsame Mittagessen haben wir beendet und es geht wieder an die Arbeit. Wir fahren noch zu den Jungpferden. Als erstes zu den Jungs. Tri und Nautilus sind mittlerweile ziemlich alt und könnten schon zum Hof, um ein Reitpferd zu werden. Leidere fehlt uns allen noch die Zeit, Jungpferde einzureiten. Deshalb dürfen sie noch weiter Pferd sein. Skjanni, Lu und Hawking sind noch nicht so weit, aber wachsen wohl auf. Allen Pferden geht es gut und wir fahren weiter zur Stutenweide.
      Schon als sie das Auto hören, kommen Amnesia, Bird, Milska und Feuergeist zum Zaun. Auch hier sind drei Pferde bei, die eigentlich unter den Sattel gehören. Ein weiterer wichtiger Grund ist, dass die Truppe so bleibt, ist Feuergeist. Sie hätte keinen Anschluss mehr und scheint sich auch nur mit den drei zu verstehen. Wir hatten sie bereits in einer Jungstutengruppe bei Freunden, aber dort fühlte sie sich nicht wohl und kam nicht ans Futter. Hoffentlich kommen bald neue Fohlen, damit die aktuelle Generation sich weiter entwickeln kann.
      Der Abend ist angerückt und nach einem derart erfolgreichen Tag fällt es mir nicht schwer schnell einzuschlafen.
    • AliciaFarina
      Zu Besuch auf Atomics Valley
      Hnakki van Ghosts | Capital | Blossi | Saints Row | Alvari | Willa | Vinkona frá Sólin | Totbringer | River's Fjörgyn | Kvest Halsnaes | Krít | Kempa | Aqua | Þögn | Wild Reflex | Voodoozirkus | Snúra | Litfari | Blaer frá glaesileika eyjarinnar | St Pauli's Amnesia | Songbird | Nautilus | Milska | Lu'lu'a | Hawking von Atomic | Feuergeist di Royal Peerage | Aska | Yuva | Ylfa | Tesla | Tamana | Snotra | Ruvik | Overo | Maekja van Ghosts | Kissimbye | Jule | Gnani | Glanni frá glaesileika eyjrarinnar | Friede sei mit dir | Blávör | Almost illegal | Absolutely Right


      Da demnächst ein Hengst der Familie Earle meine Stute Drafna decken sollte, machte ich mich auf den Weg nach Atomics Valley, denn ich wollte mir die in Frage kommenden Hengste in Natur ansehen. Auf dem Hof angekommen wurde ich begrüßt, da aber niemand Zeit hatte mich herum zu führen durfte ich alleine den Hof erkunden. Zuerst beobachtete ich wie einige Pferde, unter anderem auch die Hengste für die ich mich interessiere für die Arbeit vorbereitet wurden. Im Umgang schienen sie absolut problemlos zu sein. Hnakki van Ghosts, Capital, Blossi, Saints Row und Alvari wurden nun geritten. Für die gekörten Hengste ging es auf die Ovalbahn oder auf den Platz für Dressurliche Arbeit. Ich ließ die Mitarbeiter in Ruhe warmreiten und besuchte währenddessen Willa, Vinkona frá Sólin, Totbringer, River's Fjörgyn, Kvest Halsnaes, Krít, Kempa, Aqua, Þögn, Wild Reflex, Voodoozirkus, Snúra, Litfari, Blaer frá glaesileika eyjarinnar, St Pauli's Amnesia, Songbird, Nautilus, Milska, Lu'lu'a, Hawking von Atomic, Feuergeist di Royal Peerage, Aska, Yuva, Ylfa, Tesla, Tamana, Snotra, Ruvik, Overo, Maekja van Ghosts, Kissimbye, Jule, Gnani, Glanni frá glaesileika eyjrarinnar, Friede sei mit dir, Blávör, Almost illegal und Absolutely Right auf ihren Weiden. Sie waren logischerweise nach Geschlechtern getrennt, aber auch nach Aufgabenbereich. Die Stuten und Hengste die auf die Körung vorbereitet wurden standen in ihren großen und lichtdurchfluteten Boxen, die Stuten die bereits gekört waren standen teilweise mit Fohlen bei Fuß oder ziemlich dickem Bauch auf den umliegenden Wiesen. Alle Pferde waren in einem tadellosen Zustand, also machte ich mich wieder auf den Weg zu den Hengsten um mir dort ein weiteres Bild von ihnen zu machen.
      Am Ende des Tages schwankte meine Entscheidung zwischen Hnakki van Ghosts und Capital, die Gestütsleitung half mir bei der Entscheidung und sie fiel auf Hnakki, er würde also der Vater des ersten Fohlens von meiner Drafna werden.

      1992 Zeichen by AliciaFarina
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  • Album:
    Gnadenweide
    Hochgeladen von:
    Mohikanerin
    Datum:
    27 Aug. 2017
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  • [​IMG]
    W8 | B104
    ____________________________________


    [​IMG]

    Blossi (Blossi)
    Hengst

    Rasse: Isländer
    06.01 | 14 Jahre
    Fellfarbe: Fuchsfalbe
    Geno: ee AA Dd nZ
    Stockmaß: 142 cm

    [​IMG]

    0 = wenig ausgeprägt 10 = stark ausgeprägt

    Sozialverhalten: 7
    Temperament: 5
    Lauffreudigkeit: 6
    Aufmerksamkeit: 6
    Nervenstärke: 7

    Eigenschaften:
    liebenswert, frech, verspielt, misstrauisch,


    [​IMG]

    Mellamo
    Unbekannt | Unbekannt
    Unbekannt | Unbekannt - Unbekannt | Unbekannt

    Palimé

    Unbekannt
    | Skessa
    Unbekannt | Unbekannt - Unbekannt | Unbekannt

    ____________________________________

    Diese Daten werden erst nach einer Teilnahme an einer Fohlenschau erfasst.

    Fohlenbeurteilung
    -

    Exterieur | -
    Interieur | -
    Gang | -

    Richterspruch | -
    = -
    ____________________________________

    Diese Daten werden erst nach einer erfolgreichen Teilnahme an einer Zuchtprüfung erfasst.

    Zuchtbeurteilung

    Schritt | 6,60
    Trab | 6,90
    Galopp | 6,50
    Tölt | 7
    Rennpass | -

    Richterspruch:

    Hengst mit Vorwärtsdrang, weiten Bewegungen besonders im Trab. Im Tölt mit eher zu hoher
    Aufrichtung

    = 6,75
    ____________________________________

    Glanni frá glæsileika eyjarinnar | Faera


    [​IMG]
    HK 475


    [​IMG]

    Dressur A | L

    Distanz L | L
    Gangreiten A | M

    Ganveranlagung: 4 Gänge

    ____________________________________

    69. Synchronspringen | 90. Synchronspringen | 323. Springturnier | 38. Gangturnier | 328. Dressurturnier

    [​IMG][​IMG][​IMG][​IMG][​IMG]


    ____________________________________

    0 = sehr unruhig / -sicher 10 = sehr ruhig / sicher

    neue Umgebungen/Situationen: 6
    Fahrzeuge: 6
    Gelände: 7
    Straße: 7
    Wasser: 5
    Platz/Ovalbahn: 6
    Halle: 6

    Hänger: 5
    Hufschmied: 7
    Tierarzt: 6

    ____________________________________

    Bestanden ● Unbekannt


    Ausbildungsdaten
    Fohlen ABC
    | Einreiten | Einfahren ●
    Eintölten
    | Einpassen ●

    [​IMG]

    Unterbringung: Stall 1 - Box 4
    Weidezeit: 7 - 20 Uhr (13h)
    Paddockzeit: -
    Einstreu: Späne
    Futter: Aufbaufutter (20 Uhr)
    sonstiges: -

    ____________________________________

    Tierarzt | Datum Unbekannt
    Influenza Nein
    Tetanus Nein
    Herpes Nein
    Zähne Nein

    keine Beschwerden

    ____________________________________

    Hufschmied | Datum Unbekannt
    Hufeisen Ja
    Beschlag Vorne: 10er (1)
    Beschlag Hinten: 8er (1)

    keine Beschwerden

    ____________________________________

    Zur Zucht zugelassen: Ja
    Decktaxe: 410 Joellen
    Wert: 1275 Joellen
    Züchter: Unbekannt
    Ersteller: Sweetvelvetrose

    ____________________________________

    PSD | Puzzel PNG | Offizieller HG
    Tagebuch