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Veija

☆ (V) Cruel Twist of Fate, APH

☆ (V) Cruel Twist of Fate, APH
Veija, 1 Nov. 2019
    • Veija
      Silver Creek Ranch
      2015

      Februar
      „Whoah! Ich bin so aufgeregt!“, quietschte ich fröhlich ins Telefon, am anderen Ende war Jual. „Heute kommt Panta Rhei nach Hause!“, berichtete ich ihr fröhlich und dachte schon voller Vorfreude an den zweijährigen Schecken, der heute ankommen würde. Panta Rhei war ein reinrassiges Lewitzerfohlen, das erste Fohlen von Naimibia, welche ich von Piccolo hatte decken lassen. Alles war wundervoll von Statten gegangen, aber da ich in dem Jahr seiner Entwöhnung keine Gleichaltrigen hier gehabt hatte, hatte ich Panta Rhei als Jährling auf ein Aufzuchtgestüt geschickt, wo er lange Zeit unter Gleichaltrigen hatte leben können. Nun kam er zurück zu uns und würde sich sicherlich auch schon auf sein Zuhause freuen. Die Box war schon bestens vorbereitet, als der Trailer endlich auf den Hof fuhr. Sofort lud ich Panta aus und bedankte mich bei dem Fahrer. Der Braunschecke war sichtlich aufgeregt und tänzelte neben mir her, beruhigte sich aber schnell, als er meine Stimme wiedererkannte. Ich ließ ihn erst einmal auf die Weide, wo er sich austoben durfte. Währenddessen klingelte mein Handy, am anderen Ende war Floh. „Hey! Ich habe ihr einen Nachkommen von Call me a Twist im Stall stehen mit dem ich aber nicht viel anfangen kann, Interesse?“, erläuterte sie mir kurz und ich konnte nicht nein sagen. Ich ahnte, dass es sich um Cruel handelte und ich sollte auch Recht behalten. Cruel Twist of Fate war ein wahrer Erfolg als Nachzucht und hatte nur das Beste seiner Eltern geerbt, außerdem war er einfach traumhaft hübsch. Floh hatte mir sogar angeboten, ihn heute noch vorbeizubringen und das schlug ich doch nicht aus. Seine Mutter war die wirklich erfolgreiche Miss Independent, die Turniersiege über Turniersiege besaß, ihre Schleifenwand zu sehen war einfach unglaublich! Und vielleicht würde ihr Sohn ja auch einmal so werden wie sie. Einen Independent Nachkommen besaß ich bereits, und zwar Chou, welche momentan aber noch Pause hatte und in der Ausbildung war, ich wollte der jungen Stute Zeit lassen, ehe es an den Ernst des Lebens ging. Während ich so über meine Pferde philosophierte traf Floh ein. Alles ging schnell von Statten und dann stand Cruel auch schon in seiner neuen Box. Als Gesellschaft stellte ich ihn Panta in die Nebenbox und die beiden Hengsten schienen sich auf Anhieb zu versehen. „Perfekt, jetzt habe ich sogar einen Gleichaltrigen für meinen Schecken“, meinte ich lachend zu Floh und verabschiedete mich von ihr.

      März
      Gähnend streckte ich mich, ehe ich mich noch einmal in das warme Bett einkuschelte. Inzwischen war ich dankbar, dass ich Kats Rat angenommen und die neuen Möbel gekauft hatte. Es war so schön, mal wieder in einem ordentlichen Bett zu schlafen! Und meine Rückenschmerzen verschwanden auch allmählich!
      Müde blinzelnd schaute ich aus dem Fenster und war sofort hellwach! Alle vier Quadrate des Fensters strahlten in einem tiefen morgendlichen Blau und das konnte nur eins heißen: heute war perfektes Wetter! Lächelnd verließ ich das Bett und huschte ins Bad, um mich kurz zu waschen und dann in meine Stallsachen zu schlüpfen.
      Unten in der Küche war Kat schon unterwegs und freundete sich bereits mit der neuen Küchenzeile an: es gab Pancakes. Zufrieden nahm ich mir drei und futterte sie in Windeseile weg. Kat bekam ein Lob für ihre Kochkünste, aber den Rest mit dem Bett verschwieg ich, immerhin sollte sie ja keine Höhenflüge bekommen. Kurz schaute ich mich um und runzelte die Stirn: „Wo ist Ethan?“, fragte ich knapp und schaute Kat an, die nur die Schulter zuckte. Seufzend stand ich auf und meinte nur noch: „Er ist heute für die Hengste und Stuten verantwortlich“, ehe ich das Haus verließ und mir nicht mehr Kats Luftsprünge ansehen musste.
      Denn Kat wusste, was diese Aussage bedeutete, dass hieß, das die Jungpferde unter unserer Obhut standen und ich glaube es wurde auch langsam Zeit, jetzt zum Frühlingsbeginn, wieder ein wenig mehr mit ihnen zu arbeiten. Den Winter über hatte ich sie aus reinen Zeitmangel größtenteils in Ruhe gelassen und maximal die Grundkenntnisse des Fohlen ABCs durchgenommen, so dass sie sich aufhalftern, führen und putzen ließen. Nun sollten sie aber auch die Halle kennenlernen und der ein oder andere auch den Hänger.
      Meine ersten Kandidaten für heute waren Hollybrook’s Fairy Bluebird und Joyce. Die beiden dreijährigen (fast vier) Stuten gehörten nicht mehr wirklich zu den Fohlen, aber sie waren beide noch für ihr Alter sehr jung im Kopf und ich wollte sie keinesfalls überfordern, denn beide waren etwas ganz besonderes. Ich begann heute mit meinem blauen Vögelchen. Die kleine Stute stammte aus der damals bekannten Hollybrook Zucht und machte sich ausgezeichnet, ich liebte sie abgöttisch und würde nie vergessen, wie glücklich ich an dem Tag gewesen war, als ich sie ihrem ersten Besitzer endlich abkaufen konnte.
      Inzwischen hatte sie ein ordentliches Stockmaß, doch ihr fehlte es noch eindeutig an der Breite, ich war mir aber sicher, dass die schon bald kommen würde. Fairy war mit am weitesten von allen Fohlen und immer sehr motiviert bei der Sache. Auch heute kam sie auf mein Rufen sofort brav angetrottet, ließ sich aufhalftern und anschließend ohne Probleme putzen.
      Danach gingen wir gemeinsam in den Round-Pen, wo ich sie heute longieren wollte, denn langsam sollte es an den aktiven Muskelaufbau gehen. Doch erst einmal sollte Fairy lernen, wie sie sich selbst tragen konnte, denn das würde die Grundlage für alle späteren Ausbildungsschritte sein. Wir arbeiteten nur zwanzig Minuten, machten in der Zeit aber enorme Fortschritte, weshalb ich das Training dann auch zufrieden beendete.
      In der Zeit hatte Kat mir schon Joyce geputzt und stand mit ihr bereits vor dem Round Pen. Darum gebeten hatte ich sie nicht, aber ich glaube Kat konnte Gedanken lesen… Etwas verdutzt, aber dankend nahm ich ihr Joyce ab und gab ihr Fairy. Mit Joyce machte ich das gleiche Spiel, auch wenn die kräftige Dreijährige schon wesentlich geschulter war als ihre Vorgängerin. Joyce lernte atemberaubend schnell und so war sie nach der halben Stunde zwar verschwitzt, hatte aber definitiv die richtigen Muskeln benutzt.
      Ich führte die Scheckstute in aller Ruhe trocken, ehe sie wieder auf die Weide durfte. Dort holte ich mir Raunchy’s Limited und Kat durfte die kleine Tiny Girl betüddeln. Während wir die beiden Stut“fohlen“ putzten, erklärte ich Kat bereits, worauf sie bei unserem Spaziergang achten sollte, damit auch Tiny Girl ordentlichen Unterricht bekam. Spielerisch übten wir während des Spaziergangs die korrekte Führposition und die Stimmsignale und die beiden Stuten machten echt toll mit. Bisher lief der Tag wirklich super und das bei herrlichem Wetter!
      Quintesse of Xaras war in der Ausbildung schon verdammt weit. Inzwischen ließ sie sich mit Sattel und Zaum longieren und lief selbst da in einer wunderbaren Selbsthaltung, mehr hatten wir die letzten zwei Jahre auch nicht trainiert. Bisher hatte sie aber immer nur den leichten Trainingssattel auf dem Rücken gehabt, da mir die meisten Westernsättel für den Anfang einfach viel zu schwer waren! Auch kannte sie zwar das Gebiss und hatte es ohne negative Erfahrungen kennenlernen dürfen, aber ich wollte die Stute bevorzugt gebisslos reiten. Dementsprechend würde sie heute die neuen Ausrüstungsgegenstände kennenlernen dürfen. Als erstes sattelte ich sie mit einem richtigen Westernsattel, nur locker und auch nur für einige Runden, denn ich wollte sie keinesfalls überfordern. Dann nahm ich ihr das schwere Teil wieder ab und machte sie mit dem Sidepull vertraut. Quintesse reagierte schon jetzt darauf wesentlich feinfühliger, als auf das Gebiss und ich wusste, dass es eine gute Entscheidung war, sie gebisslos zuzureiten.
      Doch für heute sollte es das erst einmal gewesen sein und die Stute durfte zurück auf die Weide, um die neuen Erfahrungen zu verdauen. Nun waren meine beiden ältesten Warmbluthengstfohlen an der Reihe. Die beiden hatten in letzter Zeit viel Freizeit gehabt, aber so allmählich sollten sie dann doch erwachsen werden. Prazzy durfte heute zum ersten Mal den leichten Trainingssattel auf seinem Rücken spüren. Vorsichtig machte ich ihn damit bekannt: er durfte ihn beschnuppern, ablecken und sogar einmal reinbeißen. Als er sah, dass das Teil ungefährlich war, berührte ich ihn am ganzen Körper damit und ließ ihn dann vorsichtig auf seinen Rücken gleiten. Alles lief problemlos ab, aber als der Gurt fest war, musste Prazzy doch erst einmal den einen oder anderen Bocksprung hinlegen, ehe er den Sattel wirklich vollkommen akzeptierte. Bei Painted Blur lief alles noch problemloser ab, der Rappe war einfach ein wahrer Sonnenschein!
      Nun kam mein kleines „Sorgenkind“ an die Reihe: Destinys Horror. Also inzwischen hatte sich die Stute echt gemacht und seitdem sie 24 Stunden am Tag draußen stand, hatte ihre Schreckhaftigkeit wirklich stark abgenommen, aber neuen Dingen gegenüber war sie stets immer noch misstrauisch und unruhig. Seit einigen Wochen versuchte ich bereits, sie mit dem Sattel vertraut zu machen, doch wir kamen nur mäßig voran. Heute wollte ich es gemeinsam mit Kat versuchen. Die Einheit endete damit, dass Destiny den Sattel zumindest endlich einigermaßen akzeptierte und er auf ihren Rücken liegen bleiben durfte und das war für mich schon ein voller Erfolg!
      Als nächstes war Altyn an der Reihe, der Nachkomme meiner Tekken, welche inzwischen in den Ruhestand eingekehrt waren. Anfangs hatte er seinen Eltern alle Ehre gemacht, aber dann war er in die Flegelzeit gekommen und hatte uns so sehr genervt, dass ich kurz davor gewesen war, ihn die verkaufen. Aber das sah ich nicht ein, denn aufgeben gehörte nicht zu meinem Wortschatz. Tagtäglich hatte ich mit dem jungen Hengst trainiert und ihn nicht in Ruhe gelassen und inzwischen war der Vierjährige so weit, dass er fleißig mitarbeitete und wir im aktiven Muskelaufbau an der Longe standen. Heute gingen wir dafür in die Halle, wo wir auf größerer Fläche arbeiteten und ich ihn mehr fördern konnte. Alles klappte wunderbar und so entließ ich ihn zufrieden wieder auf die Weide.
      „Oar schau mal!“, quietschte Kat aufgeregt, als sie Schneeglöckchen auf der Weide entdeckte, oh ja, es wurde langsam Frühling und ich freute mich tierisch auf diese Zeit! Lächelnd sammelten wir Shawanée und Mon petit écrou ein. Die beiden hatten noch einiges an Zeit, ehe es für sie Ernst werden würde. Stattdessen übten wir heute mit den beiden die Grundlagen des Fohlen ABCs und nach genügend Input, durften sie auch wieder auf die Weide.
      Jetzt waren Fantasio und Ironic an der Reihe. Fantasio hatte sich inzwischen von dem letzten Jahr erholt, als gar nichts mit ihm gemacht worden war. Sein Fell war inzwischen wieder viel glänzender und kräftiger geworden und der Junghengst sah allgemein viel besser aus. Ironic hatte kürzlich eine Fohlenschau hinter sich und das Ganze ganz gut gemeistert, aber wir wussten auch, woran wir arbeiten mussten. Deshalb ging es mit den beiden heute in die Halle, wo wir das Führen mithilfe einer kleinen „Kür“ übten, es ging uns tatsächlich besser von der Hand als gedacht und zufrieden beendeten Kat und ich das Training mit den Hengsten.
      Nun waren zwei aufgeweckte Stuten an der Reihe, wobei ich dabei Kat lieber die kleine Mellow Billow übergab. Sie war zwar aufgeweckt, aber keineswegs so temperamentvoll wie Ruffians Daughter. Denn die Jährlingstute hatte wirklich Feuer unter dem Hintern. Mit den beiden Stuten übten wir immer noch die Grundlagen, damit der spätere Umgang wie von selbstverständlich von Statten gehen würde. Bis wir aber dort angelangt waren, würde es noch ein Weilchen dauern… Stillstehen mochten die beiden gar nicht und ordentlich neben einem herlaufen auch nicht, es war manchmal echt ein Kampf, aber man sah die Fortschritte und so gab ich nicht auf, sondern machte immer weiter.
      Mit Occani und Nessaja hatten wir wesentlich leichteres Spiel, beide Stutfohlen waren von Grund auf einfach Sonnenscheine und benahmen sich dementsprechend auch so. Auch Never look back und Dead Memories benahmen sich wunderbar, auch wenn es uns bei Memos vollem Namen immer schauderte. „Wer nennt ein Fohlen so?“, fragte Kat verständnislos und schmuste mit dem Rotfalben, mir war es auch unklar, aber was wollte man dagegen tun, er war nunmal so eingetragen… Als letztes betüddelten wir noch Cruel Twist of Fate. Der kleine Painthengst war erst seit einem knappen Monat bei uns und sollte uns beim Spielen erst einmal kennenlernen, Kat hatte ihn natürlich sofort ins Herz geschlossen!
      Nachdem alle Fohlen gepflegt waren, machten wir uns an die Arbeit, die Unterstände auszumisten und frisch einzustreuen und die beliebten Toilettenecken auf der Weide abzuäppeln. Danach füllten wir die Heunetze und – raufen neu auf und dann war der Tag auch schon beinahe wieder rum. Ich schaute noch bei den Stuten und Hengsten nach dem Rechten, aber Ethan hatte seine Arbeit vorbildlich erledigt, so dass auch die Großen versorgt waren. Müde kehrten wir also ins Haus zurück, wo wir alle erst einmal duschten, ehe Kat uns zu einem Filmabend mit Popcorn überredete und wir doch tatsächlich Spirit und Bärenbrüder schauten!

      Juni
      Gähnend watschelte ich Richtung Bad, so müde wie heute war ich schon lange nicht mehr, aber wenn der Tag versprach heiß zu werden, lohnte es sich eben doch, etwas eher aufzustehen, gerade wenn man einen Neuankömmling erwartete.
      Kat sprang wie immer quietschvergnügt in der Küche herum und reichte mir direkt eine Tasse Kaffee. „Danke“, murmelte ich und setzte mich an den Tisch, um mein Getränk zu schlürfen. „Wer kommt heute?“, fragte Kat neugierig und ich erzählte ihr von Long Island Icetea. Ein Reitponyfohlen, was bereits schon einmal in meinem Besitz gewesen war und es nun bald wieder sein sollte.
      „Nessaja wird sich freuen, ihre alte Freundin wiederzutreffen“, meinte ich grinsend. Dann ging es nach dem Frühstück auch direkt nach draußen – die Pferde wollten gefüttert werden. Danach säuberte ich die Offenställe der Jungpferde, ehe ich mir Nessaja holte, sie putzte und ein wenig beschäftigte, bis Icetea kommen würde.
      Als es dann so weit war, brachte ich die beiden Jungstuten gemeinsam auf eine der kleineren Weiden, damit sie sich „kennenlernen“ konnten. Tatsächlich erkannten sie sich recht schnell und tobten gemeinsam über die Weide. Ich ließ sie den Vormittag noch extra und kümmerte mich um die älteren Jungpferde, denn dort ging langsam die Ausbildung los.
      Hollybrook’s Fairy Bluebird und Joyce wurden inzwischen regelmäßig longiert und sollten demnächst an Sattel und Trense gewöhnt werden. „Bald zieht ihr beiden um“, meinte ich lachend, nachdem ich beide Stuten aufgehalftert und von der Weide geführt hatte. Ich putzte sie gründlich und gab Joyce dann an Ethan ab, der mit ihr ein wenig Bodenarbeit auf dem Platz machte, während ich Fee longierte.
      Die Foreststute machte sich wunderbar und würde das perfekte Gegenstück zu Zarin sein, ich freute mich schon darauf, sollte ich die beiden irgendwann doch mal endlich gekört bekommen. Auch von Joyce hörte ich nur Gute. Der interessante Mix aus Criollo und Tinker machte sich sehr gut, eine Kreuzung die man eindeutig ausbauen könnte.
      Nach den beiden kümmerte ich mich um die kleine Tiny Girl. Inzwischen war sie für ihre Rasse schon groß, aber trotzdem der Zwerg auf der Weide, selbst Occani übertrumpfte mein AMH inzwischen. Aber an Arbeitsmotivation war die kleine Scheckung wiederum nicht zu schlagen und so machte sie auch heute bei der Bodenarbeit wieder gut mit. Mein Ziel war ja, sie bald anzufahren, damit wir in Zukunft in diese Richtung gehen würden.
      Raunchy’s Limited trat ich heute an Kat ab. Die liebte die kleine Reitponystute, welche auch immer mehr nach ihrem Vater kam, mir ging es nicht anders. Quintesse of Xaras arbeitete ich selber noch einmal, aber dann mussten auch erstmal die restlichen Offenställe gemacht werden. In der Zeit kümmerte sich Ethan um Prazzy’s Goldbell und Painted Blur. Kat putzte noch Destiny Horror, ehe sie das Mittagessen machte.
      Danach ging es auch direkt weiter. Ich gewöhnte Altyn allmählich an den Sattel, denn der Achal Tekkiner war auch allmählich für mehr als nur Bodenarbeit bereit. Shawnée hatte heute frei und wurde nur ein bisschen von Kat betüddelt, genauso wie Fantasio.
      Mon petit écrou hingegen wurde von Ethan beschäftigt und die beiden hatten auch sichtlich Spaß. Mit Outlaw Torn unternahm ich einen Spaziergang, ehe wir gemeinsam mit Ironic und Ruffian’s Daughter ein wenig Anti-Schrecktraining machten. Outlaw war total entspannt, Ironic erschrak sich ab und an, lernte aber schnell, aber bei Ruffian hatten wir echt noch allerhand zu tun.
      Mellow Billow ließ ich heute auf der Weide, sie hatte ich erst gestern longiert, da musste sie nicht schon wieder dran glauben. Nessaja hatte heute sowieso frei und wurde stattdessen gemeinsam mit Icetea wieder in die kleine Herde gebracht. Das Anfangstheater war groß und daran interessierte sich kaum noch jemand für den Neuankömmling. Alles lief nach Plan.
      Never look back und Dead Memories waren noch recht neu bei uns und so hatten sie immer noch etwas Schonfrist. Nicht anders verfuhr ich bei Paddington, der sowieso noch recht jung war und einfach das Fohlen-ABC lernen sollte.
      Als Abschluss gingen Kat und ich noch mit Caruso und Cruel Twist of Fate ein Ründchen spazieren und ließen die beiden auch im Wasser plantschen. Dann wurde es auch schon Zeit für die zweite Fütterung und das ein oder andere Pferd wollte auch noch geritten werden, ach hätte der Tag nur mehr Stunden.

      Juli
      Momentan standen auf der Ranch allerhand Umplanungen an, viele zu Gunsten der Pferde, aber manche auch nicht. So entschied ich mich, einen Teil meiner Vierbeiner abzugeben, ich brauchte wieder ein bisschen mehr Übersicht, so würde ich das Ganze einfach nicht mehr schaffen. Dementsprechend hatte ich direkt meine geliebte Freundin Elisa angerufen und gefragt, ob sie nicht zufällig Interesse an zwei wundervollen Reitponyfohlen hatte. Da sagte sie natürlich nicht nein und schon wusste ich zwei Jungpferde in guten Händen. Einige weitere sollten auch gehen, aber bis dahin musste der Alltag trotzdem weiterlaufen. Dementsprechend begann auch mein heutiger Tag wieder kurz nach um fünf.
      Gähnend stand ich auf, machte mich im Bad fertig, um mir dann unten in der Küche flott eine Tasse Cappuccino einzuwerfen, ehe es auch schon raus zu den Pferden ging. Alle mussten gefüttert werden, die Tränken mussten kontrolliert werden und die Unterstände gemistet. Erst wenn das alles geschafft war, konnte ich mich den Vierbeinern selbst widmen. Heute wollte ich mich da vor allem mit unseren Jungpferden beschäftigen. Für einige wurde es auch allmählich Zeit, dass sie aus den Kinderschuhen wuchsen und in die Fußstapfen ihrer Eltern traten, doch diesen Monat wollte ich ihnen noch Zeit lassen.
      Joyce war zum Beispiel bereits letztes Jahr eingeritten worden, hatte jetzt aber noch einmal eine lange Pause haben dürfen und war in dieser auch noch einmal ordentlich gewachsen. Heute wollte ich sie zumindest mit Sattel longieren, damit sie sich wieder daran gewöhnte. Für Hollybrook’s Fairy Bluebird würde es heute das allererste Mal sein, dass sie einen Sattel und eine gebisslose Zäumung trug. Dafür machte sie das aber wirklich traumhaft und wir konnten das Training mit einen super positiven Ergebnis beenden.
      Tiny Girl und Raunchy’s Limited waren eigentlich auch allmählich an der Reihe, also zumindest Limited. Tiny wollte ich eventuell bald einfahren lassen, sobald sie ihren letzten Wachstumsschub ein Weilchen hinter sich hatte. Sie würde sich sicherlich gut vor der Kutsche machen! Limited longierte ich heute ordentlich, denn die Reitponystute sollte allmählich Muskeln aufbauen, damit wir bald mit dem Einreiten beginnen konnten.
      Bei Quintesse of Xaras wagte ich heute den Schritt: Das erste Mal auf ihren Rücken. Ethan unterstützte mich dabei und führte Quinnie. Das lief besser als gedacht! Aber die Criollostute war eigentlich sowieso dafür bekannt, dass sie alles brav mitmachte. Was für ein Erfolg! Bei meinem Pajero-Nachkommen war ich da leider noch nicht so weit. Prazzy’s Goldbell war nicht so motiviert wie die anderen Jungpferde und deshalb hingen wir auch noch etwas hinterher. Momentan erarbeiteten wir uns das Longieren mit dem Sattel und das Kennenlernen des Gebisses.
      Da war er aber zumindest gleichauf mit seinem besten Kumpel Painted Blur, der sehr motiviert mitmachte, aber auch ein Weilchen brauchte. Die beiden Warmbluthengste würden sich schon noch machen und dann würden alle staunen! Destiny Horror hatte sich inzwischen auch gemacht. Aus dem ängstlichen Fohlen war inzwischen eine doch recht selbstbewusste Stute geworden, die motiviert mitmachte und bereits schon einmal einen Reiter auf ihrem Rücken gehabt hatte.
      Altyn war der letzte in der Gruppe der Großen. Er sah inzwischen immer mehr wie sein Papa aus und ich freute mich riesig darüber, denn während Alazar bereits seinen Ruhestand genoss, sollte Altyn allmählich in seine Fußstapfen treten und bisher machte er seinem Papa auch alle Ehre. Seine Halbschwester Nüsschen (Mon petit ecrou) hatte da noch wesentlich mehr Zeit und genoss ihre Fohlenzeit in der ich sie nur ab und an mit dem Fohlen-ABC nervte.
      Dafür ging ich Shawnée wesentlich mehr auf den Geist. Mein hübsches Welshfohlen war sehr selbstbewusst und testete nur zu gerne, dementsprechend hatte ich mit ihr alle Hände voll zu tun. Angenehme Abwechslung brachte dann immer Outlaw Torn, der Hübsche, welcher stets geduldig war und gerne mitarbeitete. Er würde dieses Jahr auch drei werden und so langsam wurde aus dem Fohlen ein junger Hengst.
      Fantasio, Ironic und Ruffian’s Daughter würden uns demnächst verlassen. Es fiel mir zwar schwer, aber für die ersten beiden hatte ich schon wundervolle Zuhause gefunden. Ironic würde zu seiner Züchterin zurückkehren und dort als stolzer Nachkomme seines Vaters leben. Fantasio würde wahrscheinlich auf eine Ranch in Kanada ziehen, da war ich bisher auch sehr gespannt. Für Ruffian suchte ich hingegen noch, aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.
      Bei Mellow Billow hatte ich ein Weilchen überlegt, ob ich sie wirklich behalten wollte, aber auch heute, als ich die junge Stute von der Weide holte, wusste ich, dass ich mich von ihr nicht trennen könnte. Mellow war lieb, hübsch und immer motiviert, so etwas gab man einfach nicht gerne ab. Genauso wie Occani, die vergötterte ich auch und vielleicht wäre sie ja das passende Gegenstück für Heartbreaker.
      Sollte ich wiederum Never look back irgendwann abgeben wollen, hatte ich schon eine Interessentin die gefühlt auf heißen Kohlen saß: Elisa. Sie vergötterte die Buckskin-Stute schon jetzt und würde ich ihr auch nur annähernd die Chance geben, sie wäre sofort dabei. Aber bisher hatte ich mich selber in die Stute verguckt und wollte sie gerne als Gegenstück für Feuervogel. Stattdessen plante ich aber, Dead Memories wieder abzugeben. Der Rotfalbe hatte sich in der Zeit auf der Ranch echt gemacht, aber irgendwann trennten sich unsere Wege eben wieder.
      Wen ich niemals abgeben würde, war Paddington. Auch heute war der kleine Hengst wieder zauberhaft und es machte immer tierischen Spaß mit ihm spazieren zu gehen, zu spielen oder einfach nur Quatsch zu machen – herrlich! Sein bester Kumpel war übrigens Cruel Twist of Fate, hätte ja nicht gedacht, dass die beiden sich mal so gut verstehen würden, aber siehe da! Und der dritte im Bunde? Richtig: PFS‘ Caruso. Das NF machte sich wirklich gut und wir übten momentan fleißig das Fohlen-ABC. So war auch der heutige Tag wieder vollgepackt bis zum Geht nicht mehr und ich war echt froh, als ich es endlich geschafft hatte und mich in mein Bett fallen lassen konnte.

      August
      Grübelnd saß ich gemeinsam mit Kat und Ethan am Frühstückstisch. Ich wusste gar nicht so recht wie ich beginnen sollte, aber vielleicht fing ich einfach an, das wäre wohl das einfachste. „Leute? Ich muss euch was sagen“, meinte ich und zog die Stirn ein wenig kraus. Ethan und Kat sahen mich neugierig an, sie schienen mit nichts Besonderem zu rechnen, maximal mit einem neuen Pferd, aber sonst. „Es ist nicht das was ihr denkt“, sagte ich genervt und haute es dann einfach raus: „Ich ziehe weg. Die Ranch steht schon zum Verkauf.“
      Tja, da waren meine beiden Mitbewohner erst einmal baff, aber es ging nicht anders. Ich hatte die Pause in Wyoming wirklich genossen, aber es war langsam Schluss damit. Ich sehnte mich wieder nach einem richtigen Gestüt und nach Mitarbeitern und genau das wollte ich umsetzen. Kat und Ethan schwiegen, sie schienen nicht so recht zu wissen, was sie sagen sollten. Auch sie hatten diese Pause genutzt, um aus ihrem alten Stress heraus zu kommen, aber beide waren eher Stadtmenschen und nicht für das Land geschaffen und das hatten sie auch schon oft zugegeben.
      Wir frühstückten relativ schweigend zu Ende und dann machte ich mich auch schon auf den Weg nach draußen, die Pferde mussten immerhin versorgt werden. „Ich übernehme die Hengste!“, erklärte sich Ethan bereit und stand mit auf. Schweigend warf ich vier Heubündel auf die Schubkarre und machte mich auf den Weg in Richtung Stutenweide. Die Heunetze wurden alle frisch aufgefüllt und der Rest kam in die Raufen. Dann mistete ich die Unterstände und machte mich auf den Weg zu den Fohlen.
      Im Stall traf ich wieder auf Ethan, der nun auch fertig war. Gemeinsam brachten wir die neueren Pferde auf die kleineren Weiden und misteten deren Boxen aus. Neu waren Fandango und Scheherazade, welche immer noch getrennt von den anderen standen, das war mir doch lieber. Doch schon bald sollten dann auch sie umgesiedelt werden, aber ein wenig Zeit hatten wir ja noch. Da nun die grundlegende Arbeit fertig war, konnte ich mit dem Training beginnen. Dabei standen an vorderster Spitze unsere momentanen Körungskandidaten und davon hatten wir mehr als genug.
      Dementsprechend holte ich Classic Gold und CH’s Sun is Shining von der Weide. Zweitere packte ich erst einmal auf den Paddock und erstere wurde geputzt und zum Longieren fertig gemacht. Den Probedurchlauf für die Krönung hatten Classic Gold und ich schon hinter uns, nun wurde es langsam ernst und ich hoffte, dass das bald mal von Statten gehen würde. Hier in Wyoming hatten sie es nicht so mit regelmäßigen Krönungen, die waren manchmal Monate lang offen.
      Classic Gold longierte ich heute nur locker vorwärts-abwärts. Sie sollte fit bleiben, aber gestern waren wir auf einem Turnier gewesen, deshalb machten wir heute nur muskelkater-vorbeugendes Training. Sunny musste stattdessen mehr dran glauben. Die Araberstute sattelte ich mir und ging mit ihr für ein Stündchen auf den Reitplatz, um die kommenden Aufgaben durchzureiten und unsere Fehler noch auszubessern.
      Danach waren Ice Coffee und Cual Maniaca an der Reihe. Ich schnappte mir Kat für einen kleinen Ausritt und setzte die Anfängerin auf die brave Westernstute. Manni wäre nichts für sie gewesen, sie war viel zu zickig dafür. Der Ausritt verlief aber ganz entspannt, auch wenn Kat nur grummelnde Töne von sich gab. Wieder auf der Ranch traf ich auf Laurel, welche die Reitbeteiligung von Lila Wolken und Hákur war, dementsprechend waren die beiden Isländer heute versorgt.
      „Wenn du fertig bist, können wir auch noch einen Ausritt mit Milka Luflee und Hyreygur machen!“, bot ich ihr an und Laurel schien sich nach einem anstrengenden Schultag sichtlich auf diese Abwechslung zu freuen. In der Zwischenzeit bewegte ich Allelujah und Feuervogel, meine beiden hübschen Palominos. Mit beiden Junghengsten hatte ich genug zu tun und war danach eigentlich auch echt k.o., aber der Tag war noch nicht einmal zur Hälfte rum! Auf mich wartete nun noch ein Dressurtraining mit Dr. Insektor und ein Geländeritt mit Hollybrook’s Zarin. Ethan wollte uns auf Schneeleopard begleiten und das Training beobachten, außerdem wollte ich ungern alleine im Gelände springen, wenn doch einmal etwas passierte, hatte ich keine Hilfe vor Ort.
      Ethan versorgte danach beide Hengste, damit ich in der Zeit erst Animby und dann Absinth longieren konnte. So viele Pferde alleine zu bewegen machte definitiv keinen Spaß. Umso dankbarer war ich dann, als die ersten Pferdemädchen eintrafen. Ich hatte zwei feste Gruppen je fünf Mädchen erstellt, welche zweimal die Woche kamen und Reitunterricht bekamen. Sie hatten auch jeder ein eigenes Pflegepferd und so standen einige Minuten später fünf Stuten am Putzplatz und wurden vorbildlich versorgt.
      Dabei handelte es sich um Apache’s Tomahawk, Caribic Sue, Freeway, Walking in the Air und das Kürbisvieh. Die Mädchen liebten ihre Pferde und gingen immer sehr umsichtig mit ihnen um. Dementsprechend verlief auch die heutige Stunde wieder sehr entspannt und lehrreich. Am Ende standen alle Pferde wieder zufrieden auf den Weiden und die erste Gruppe zog ab. Aber die zweite stand schon in den Startlöchern.
      Da diese aber jünger war, holte ich die Pferde selbst von der Weide. Aus dem Grund fing ich mir Naimibia, Herbsttraum, Occani, Deep Silent Complete und Come Whatever May ein und nahm sie mit zum Putzplatz. Dort wurden sie direkt umzingelt und liebevoll versorgt. Für die zweite Gruppe stand heute ein Spazierritt an und deshalb nahm ich die kleine Little Chocolate Chip als Handpferd für mich mit, während ich mir Chou fertig gemacht hatte.
      Nach dem Ausritt ging es wie immer noch einmal zu den Shetlandponys und diese wurden dann mit Streicheleinheiten und Leckerlis umsorgt. Werina und Mondscheinsonate liebten das besonders, aber auch Window holte sich gerne das ein oder andere Leckerli ab. Hoppla stand mit bei dem kleinen Shetty und bekam dementsprechend auch Streicheleinheiten.
      Danach war auch die zweite Gruppe weg und nun war es bereits später Nachmittag. Ich gönnte mir eine Pause, bei welcher ich bei Khiara El Assuad und Quintesse of Xaras vorbeischaute. Die beiden standen grasend am Koppelzaun und ließen sich gerne ein wenig kraulen. Dann ging es für mich auch schon in den Endspurt. Sika, Cover the Sun, Morning Sun und Raunchy’s Limited wollten noch bewegt werden, außerdem musste ich auch noch bei Joyce vorbeischauen. Danach war ich für heute fertig, die Pferde bekamen noch ihr Abendheu und dann ging es unter die Dusche und zum Abendbrot.
      Am nächsten Tag saßen wir erneut schweigend am Frühstückstisch, bis Kat damit rausplatzte, dass sie eh wieder zurück nach New York kehren wollte und Ethan sich auch dafür entschieden hatte. „Das ist gut. Ich habe nämlich auch schon Interessenten für die Ranch“, meinte ich lächelnd und schaute in zwei entsetzte Gesichter, damit hatten sie anscheinend nicht gerechnet. Tja, so war das Leben.
      Der Tag begann wie jeder andere mit Füttern und Abmisten und dann ging es los mit dem Training. Heute widmete ich das vor allem den Hengsten und Fohlen. Zu allererst waren Leitz und Vertigo an der Reihe. Beide ließ ich freispringen. Danach ging es direkt im fliegenden Wechsel weiter, denn Sikari musste noch longiert werden und mit Rosewell arbeitete ich weiter am Fohlen ABC, das saß nämlich noch nicht so richtig. Piccolo’s Blaze, Niyo und Caillou hatten momentan frei, deshalb hatte ich genug Zeit, mich um unsere Nachzuchten zu kümmern. Korah schmuste ich nur, aber mit Panta Rhei und Amadahy ging es schon in Richtung Bodenarbeit.
      Danach war Talya an der Reihe, die junge Stute machte sich momentan wunderbar, allerdings war sie noch längst nicht an der Reihe. Erst einmal würde Amazed Marlin an einer Krönung teilnehmen und hoffentlich so in die Fußstapfen von They call her Fiorina und Donatella treten. Ebenso war Elliot erst kürzlich gekört wurden und nun der neuste Zuchthengst im Stall. Calimero II musste stattdessen erst einmal lernen, dass man während des Putzens still stand, da hatte er viel mit Frozen Bubble und Nabiri gemein, denn alle drei Fohlen waren die Unruhe in Person.
      Deshalb brauchte ich dann erst einmal eine Fohlenpause und holte mir Pajero und Heartbreaker für einen Ausritt. Heartbreaker ging als Handpferd mit und wir genossen den Ausritt wirklich, er war mal wieder richtig schön entspannt. „Ausritt mit den Westernpferden?“, fragte ich Kat und Ethan und natürlich sagten diese nicht nein. Also machten wir uns gemeinsam mit Dissident Aggressor, Call me a Twist und Morrigan auf den Weg. Die Weidezäune kontrollierten wir nebenbei auch direkt und schlichteten einen heftigen Streit zwischen Golden Ebano und Pawaneeh. Die beiden Vollbluthengste konnten sich noch nie wirklich leiden und zankten sich selbst über den Zaun hinweg an.
      Wieder da stattete ich kurz Aristo und Thorondor einen Besuch ab. Die beiden hatten heute frei, genauso wie Bandit und die drei schienen damit sichtlich glücklich zu sein. Im Gegensatz zu Hugo Boss, der nämlich mit mir in die Springstunde musste, genauso wie Carachillo und Varulv. Denn drei der gestrigen Reitmädels waren schon etwas fortgeschrittener und sprangen für ihr Leben gerne.
      Nach dieser Stunde wurden die Hengste abgesattelt und abgewaschen. Der Tag neigte sich bereits dem Ende zu, dabei musste ich noch Albertino longieren, mit Altyn ins Gelände und mit meinem geliebten He’s called Trüffel wollte ich noch ein wenig Bodenarbeit machen. Denn der junge Hengst stand seit neusten mit bei den großen und wurde allmählich zum Reitpony ausgebildet. Also theoretisch war er schon eingeritten, aber manchmal war er noch etwas schreckhaft und die Kommandos saßen noch nicht, aber genau das wollte ich heute ein wenig erarbeiten, damit dann das Training unter dem Sattel einfacher von der Hand gehen würde. So wie ich Trüffel kannte, würde er sowieso einwandfrei mitmachen und wir würden auch heute wieder große Fortschritte erzielen. Ich erahnte bereits, dass ich das kaum schaffen würde, aber ich gab mir Mühe und siehe da! Am Ende des Tages waren alle Pferde versorgt.
      Der nächste Morgen war von Stress geprägt, denn Kat hatte ein plötzliches Vorstellungsgespräch in New York erhalten und musste deshalb schon eher los. Ich war eigentlich gerade dabei, nach potenziellen Höfen zu schauen, als Ethan ins Haus gestürmt kam und mir wild gestikulierend erklärte, dass der Zaun der Jungpferde ein Leck zu haben schien und die Hälfte davon im Nirgendwo war. Toll.
      Also schnell anziehen und los auf die Suche. Vorher machte ich aber eine Bestandsaufnahme von den Verbliebenen und sperrte das doch beachtlich große Loch im Zaun ab. Da waren noch circa 8 Fohlen. Ich konnte Sibiria entdecken, Caruso, Paddington, Outlaw Torn, Dead Memories, Hollybrook’s Tiny Girl, Destiny Horror und Hollybrook’s Fairy Bluebird. Also fehlten eindeutig noch genug.
      Als erstes entdeckte ich mitten im Wald Prazzys Goldbell. Der wollte sich natürlich gar nicht einfangen lassen und kam nur zu mir, weil Shawnée wiehernd und im Eiltempo auf mich zugetrabt kam. Ethan hatte auch Glück und erwischte Dead Memories und Never look back. „Puh. Wäre der was passiert, wäre ich dran gewesen!“, meinte ich lachend und musste an Elisa denken.
      Es fehlten noch Mellow Billow und Mon petit écrou. Die beiden Stuten waren aber gar nicht so weit gekommen wie gedacht und ich hatte auch beim Einfangen Glück. Auf dem Heimweg mit beiden lief uns noch Cruel Twist of Fate über den Weg. Und wieder an der Weide entdeckte ich Ethan mit Unitato und Abendprinz. Nun fehlten ja nur noch…ach ne!
      Da hatte ich noch einmal Glück gehabt, denn Herbstmond lief noch bei ihrer Mama mit und Acariya hatte ich auch mit zu den Welshponys gepackt. Um Sacre Fleur brauchte ich mir momentan keine Gedanken machen, die verweilte noch bei ihrer Mama bei kira, wobei sie auch langsam abgesetzt werden müsste…
      Ein letztes Mal zählte ich durch um zu kontrollieren, ob wirklich jeder da war, dann konnte ich mich zufrieden der Tagesordnung widmen.

      Dezember
      Pünktlich sieben Uhr morgens trällerte mein Wecker „Shake up the happiness, wake up the happiness…“ und versetzte mich zurück in das Gefühl der letzten Tage. Vor kurzem waren wir umgezogen und hatten es Anfang Dezember dann endlich geschafft, dass alle Pferde auf das neue Gestüt zogen und nun stand mir ein Neubeginn vor. Nochmal von vorne, aber es fühlte sich richtig und gut an.
      Seit Tagen verbrachten nun ich und die Pfleger vor allem auch Zeit damit, alles weihnachtlich zu schmücken, denn am 23. Dezember würden wir unsere Weihnachtsfeier haben und bis da waren es nun nur noch knapp vierundzwanzig Stunden, in denen allerhand geschafft werden musste. Die Pferde hatten zwischenzeitlich ein wenig Pause gehabt, denn ich hatte mich erst einmal ordnen müssen.
      Da das Gestüt aber über genügend Weiden verfügte, verbrachten sie ihre freie Zeit eben dort. Da der Winter momentan auch gar kein Winter war, konnten sie auch ungestört über die fast schon zu grünen Wiesen toben und ich musste ein wenig aufpassen, dass sie mir nichts zerstörten, aber so lange es trocken blieb, war alles gut. Tatsächlich war es dieses Jahr wirklich kein Winter. Stattdessen hatten wir täglich um die 15 Grad und Sonnenschein, es war eher wie Frühling.
      Dementsprechend fiel es alle Beteiligten schwer, sich wirklich in ein Winterfeeling zu versetzen, aber es blieb uns ja nichts anderes übrig, wenn in zwei Tagen Weihnachten sein würde. An sich hatte ich an dem Tag meinem ganzen Personal frei geben wollen, aber sie wollten zumindest bis Mittag noch ihren Dienst verrichten und mich bei der großen Anzahl an Pferden unterstützen. Dafür dankte ich ihnen sehr und am morgigen Abend würde jeder noch eine kleine Überraschung von mir erhalten.
      Doch nun musste ich mich erst einmal aus dem Bett schälen und mich allmählich fertig machen, denn die Pferde warteten schon auf ihr Frühstück und dann wollten sie auch schon hinaus auf die Weide. Bisher hatte ich nicht viel Personal, weshalb ich selbst noch kräftig mit anpackte. Jeder hatte eine bestimmte Aufgabe verteilt bekommen, weshalb sie Pferde schon gefüttert waren, als ich angezogen und gefrühstückt in den Stall trat. Stattdessen ging es nun auf die Weide. Immer mit zwei Pferden verließ ich den Stall und brachte sie auf ihre bestimmte Weide. Um dem Personal einen Leitfaden zu geben, hing zum einen im Stall ein großer Plan und zum anderen stand sowohl an den Boxen als auch an den Weiden, wer wo hingehörte. So konnte ich mir sicher sein, dass alle Pferde dorthin kamen, wo hin sie sollten.
      Die Fohlen waren heute wieder besonders aufgeregt, für sie konnte es nie schnell genug nach draußen gehen. Besonders Hidden Flyer und Exciting Force waren immer sehr stürmisch. Die beiden Vollblutfohlen waren noch nicht sonderlich lange in meinem Besitz, weshalb ich sie bisher nur schwer einschätzen konnte, aber ich gab mir Mühe und so langsam kam ich dahinter. Zumindest rissen sie sich inzwischen nicht mehr samt Halfter und Strick los, sondern warteten, bis ich diese entfernt hatten.
      Heute sollte ein normaler Alltag anstehen, trotz der Tatsache, dass der 22. Dezember war, hatten wir noch genügend Anmeldungen für unsere heutigen Reitstunden. Eine würde ich halten, die andere würde auf das Konto einer mobilen Reitlehrerin gehen. Doch vorher wollte ich das sonnige Wetter für einen Ausritt nutzen. Leider fand sich spontan kein Mitreiter, weshalb ich entschied, mich selbst auf Deep Silent Complete zu schwingen und Come Whatever May als Handpferd zu nehmen.
      Die beiden Warmblutstuten kannten sich schon lange und kamen sehr gut miteinander aus, es würde also ein ruhiger und entspannter Ausritt werden, so etwas hatte mir gefehlt! Danach konnte ich dann guten Gewissens in den Tag starten. Tatsächlich waren wir auch nur eineinhalb Stunden unterwegs und nachdem beide Stuten gut versorgt wieder auf der Weide standen, erwarteten mich schon die Reitstunden.
      Die erste Reitstunde hatte etwas eher begonnen, da die Reitlehrerin heute Nachmittag noch woanders hin musste. In ihr liefen nur Herbsttraum und Hugo Boss. Beide unter sehr erfahrenen und talentierten Nachwuchsreitern, welche eine wirklich gute Figur auf den Ponys machten und den Unterricht der Reitlehrerin befürwortete ich auch sehr. Meine Reitstunde würde für fünf Reiter sein, es war ausnahmsweise Abteilungsreiten, was ich ungern machte, aber es konnte auch Spaß machen.
      Ich muss ehrlich sein, die Lewitzer setzte ich an liebsten in den Reitstunden ein. Immerhin züchtete ich sie als talentierte Sportponys für Kinder und Jugendliche. Dementsprechend besaßen sie auch einen ruhigen und rücksichtsvollen Charakter, waren aber denn wirklich talentiert. Das war auch der Grund, weshalb ich für meine Reitstunde Donatella, Elliot, They call her Fiorina, Talya und Carachillo ausgesucht hatte. Schnell waren die Pferde verteilt und die Reiter damit beschäftigt, sie vorzubereiten, denn das musste man bei uns noch alleine machen. Sie hatten dafür gut eine halbe Stunde, je nachdem ob sie eher oder später kamen. Pünktlich um zwölf startete dann meine Reitstunde. Ich ließ sie die Pferde erst einmal aufwärmen und gab den ein oder anderen schon ein paar Tipps. Wir wechselten immer zwischen Abteilungsreiten und freiem Reiten, bei zweiteren nahm ich sie mir auch gerne mal einzeln auf dem Zirkel vor. Es lief wirklich gut, auch wenn ich das Gefühl hatte, danach schon heiser zu sein, aber was tat man nicht für die Jugend!
      Auch das Versorgen der Pferde beobachtete ich aufmerksam und war erst zufrieden, als es sowohl den Pferden als auch der Ausrüstung wirklich gut ging. Einer meiner Reiter schien gerade im Stress zu sein, denn ich fing ihm auf den Hof ab, wo er im fliegenden Wechsel von einem Pferd aufs andere sprang. Gerade kam er mit Scheherazade vom Distanztraining zurück und war nun schon auf halben Weg, um mit Cual Maniaca die nächste Runde anzutreten. Deshalb nahm ich ihm ein wenig Arbeit ab und führte meine braune Araberstute trocken, ehe ich sie noch abbürstete und dann auf die Weide brachte. Scheherazade barg sehr viel Potenzial, doch bisher hatte es sich noch nicht wirklich entfaltet. Leider.
      Da der morgige Tag gefüllt sein würde mit dem Programm unseres Weihnachtsfestes, hatte ich spontan eine Longenstunde doch noch auf heute geschoben. Das Pferd dafür war Kürbis, sie war ideal für die kleine Sechsjährige, welche uns hoffentlich öfters besuchen würde. Gemeinsam machten wir das Pferd fertig. Das Mädchen war sehr wissbegierig und scheute sich auch nicht, direkt nachzufragen. Heute machten wir an der Longe nur leichte Übungen, um ihre Balance und Konzentration zu stärken. Abschließend durfte sie noch ein paar Runden traben, ehe ich sie noch eine Runde um den Hof führte und dann war auch schon Schluss. Ohne Protest ging das zwar auch nicht, aber kommende Woche würde sie ja schon wieder da sein.
      Das Reitschulgeschäft konnte ganz lukrativ sein und ohne würde ich kurz über lang nicht auskommen, wiederum war mir aber das Wohl meiner Pferde wichtig und so basierte mein Prinzip darauf, dass auf jede Reitstunde mindestens zwei Korrekturstunden kamen und ein Pferd nie wirklich öfters als ein bis zweimal in der Woche lief. So dringend nötig hatten wir das Geld dann auch wieder nicht.
      Für den heutigen Nachmittag stand aber noch allerhand an. Ich wollte zumindest auch ein wenig mit helfen und es gab das ein oder andere Pferd, was wirklich nur ich ritt. Das war aus Prinzip Pajero. Den Schecken hatte ich schon, seitdem er ein Fohlen war, weshalb wir eine enge Bindung zueinander hatten. Für heute hatte ich mal wieder ein wenig Geländetraining eingeplant, das liebte er ja abgöttisch und besonders talentiert war er auch.
      Nach Pajero wartete schon mein zweiter Liebling: Thorondor. Jahrelang war ich seine Reitbeteiligung gewesen, dann war er in meinen Besitz gewandert und nun stand der wunderschöne Rappe bei mir im Stall und ging meinem Personal auf den Keks, denn er hatte einen sehr speziellen Charakter. Doch die Freiarbeit machte mit ihm tierisch Spaß und jeder bewunderte den Ausdruck und die Motivation des Pferdes, während wir über den Reitplatz tobten, es war wie immer sehr erleichternd.
      Für den heutigen Tag stand noch ein Springtraining mit Classic Gold an und eine Kutschfahrt mit Little Chocolate Chip. Danach telefonierte ich noch mit Occulta, welche momentan Naimibia als Leihstute für ein Fohlen besaß, schon bald würde meine hübsche Stute zurückkehren, da Occulta gerade dabei war, das Fohlen abzusetzen. Es war ein Traum von Reitpony geworden und wurde schon jetzt (zurecht) bewundert.
      Am kommenden Tag stand die Weihnachtsfeier an. Da diese pünktlich 13 Uhr beginnen sollte hieß es, den restlichen Kram schon vorher fertig zu machen und das war allerhand. Zum einen ritt ich vorher noch Allelujah, denn der hatte sich inzwischen seinen Ruf bei meinen Reitern gemacht und wurde tunlichst gemieden, weshalb ich die einzige war, die ihn vor allem gerne ritt. Danach longierte ich noch meinen Zwerg Hoppla, damit der kleine Kerl über den Winter weg nicht zu kräftig wurde und als letztes ließ ich noch einmal allen Stress von mir abfallen, während ich mit Albertino eine gemütliche Runde ins Gelände ging.
      Und dann ging schon unser Programm los! Beginnen tat das Ganze mit einem Führzügelwettbewerb. Endlich hatten wir eine Beschäftigung für unsere Zwerge gefunden. Werina und Mondscheinsonate liefen auch öfters als Gespann vor der Kutsche, aber Window blieb da immer ein wenig alleine im Nichtstun. Führzügelwettbewerbe und das Training mit den Zwergen machte ihm hingegen riesigen Spaß und unsere kleine Flauschkugel nahm tatsächlich ein wenig ab!
      Occani und Heartbreaker brauchten ein wenig mehr Beschäftigung. Zwar waren beide super kinderlieb und sehr geduldig, aber man sah ihnen doch an, dass es ihnen wesentlich mehr Spaß machte, gefordert zu werden. Sei es nun in der Dressur, im Springen oder im Gelände. Die beiden Welshs waren einfach für alles zu haben.
      Aus diesem Grunde hatten wir angeboten, die ein oder anderen kleinen Reiterinnen darauf vorzubereiten und alle waren wie verrückt gewesen. Es gab natürlich Schleifchen zu gewinnen und für jeden einen Nikolausstiefel mit Leckereien, so dass niemand leer ausging. Das Publikum hatte auch sichtlich Spaß! Danach sollten die Großen zeigen, was sie konnten, denn nun kam eine Hengstquadrille!
      „Bei der Auswahl der Pferde für die Hengstquadrille hatte ich lange mit mir gehapert, denn diese Pferde repräsentierten das Gestüt und sollten auch potenzielle Züchter anlocken. Also hatte ich versucht, so viel wie möglich mit einzubringen: Pawaneeh als Vertreter unserer Vollblüter, Cover the Sun lief als Sportpferd mit, Aristo zeigte die barocke Seite des Gestüts und zu guter hatte ich mich noch für Dissident Aggressor entschieden.
      Ich hatte alles dabei haben wollen und es war mir gelungen! Ich selbst saß auf Dissident Aggressor und jedes Pferd zeigte eine besondere Lektion, so dass Dissi und ich einen Spin zeigten, Aristo die Piaffe, Cover the Sun eine Pirouette und Pawaneeh überzeugte mit seinen Seitengängen. Der Applaus sprach auf jeden Fall für sich!
      Da ich wusste, wie beliebt es bei kleinen Kindern war, boten wir eine Art Ponyreiten an. Es waren immer größere Spaziergänge in das umliegende Gelände, circa eine Viertelstunde, bei welcher die Kinder geführt wurden. Dafür hatte ich Milka Luflee, Hyreygur, Varulv und Cheveyo ausgewählt, allesamt waren Hingucker aber totenbrav und das war das Wichtigste.
      Die Weihnachtsfeier war toll und alle hatten viel Spaß. Gegen 18 Uhr verließen allmählich alle das Gestüt und mit meinen engsten Leuten machte ich noch einen nächtlichen Ausritt bei Vollmond. Gut, nächtlich war übertrieben, aber 19 Uhr war es eben schon stockduster. Wir waren zu viert unterwegs und ritten unsere ruhigen Westernstuten: Kisshimbye, Like Honey and Milk, Ice Coffee und Apache’s Tomahawk. Schöner konnte man es nicht haben. Der Abend endete mit einer Weihnachtsfeier mit einem reichen Büffet und einer Dankesrede samt Geschenken für alle. Dann rückte auch der 24. Schon näher und ich würde allerhand zu tun haben.
      Wirklich viel Zeit hatte ich nicht, ich wollte alles schaffen, aber auch pünktlich 18 Uhr zu Hause sein, das hieß, dass spätestens halb fünf alles geschafft sein musste. Aus diesem Grund stand ich heute wesentlich eher auf, um nach der Fütterung direkt Khiara El Assuad, Golden Ebano und CH’S Sun is Shining in die Führmaschine zu packen.
      Während die drei beschäftigt waren, longierte ich meinen Junghengst Altyn, welcher sich momentan mehr als gut machte und mit dem ich wirklich zufrieden war. Dann widmete ich meine Aufmerksamkeit meinem Neuzugang Cola, welcher immer noch ein wenig in sich gekehrt war, was ich versuchte, mit Bodenarbeit aufzulockern. Wir machten Fortschritte, allerdings eben nur kleine. Da ich heute noch meinen Pferden etwas Gutes tun wollte, ritt ich noch Feuervogel und Morning Sun. Ich wusste, dass die beiden Reitponys sonst vor Langeweile vergingen.
      Da ich noch ein wenig Hilfe von meinem Personal am Morgen hatte, waren auch Lila Wolken, Possy Pleasure Mainstream und Sika bereits bewegt. Für Autumn Leave in the Sky und Dr. Insektor hatte sich auch noch jemand gefunden und so hatte ich doch schon fast meine Liste geschafft. Es war bereits früher Nachmittag, als ich noch zu einem Ausritt mit Flintstone und Schneeleopard aufbrach.
      Danach machte ich alles für den Abend bereit, denn die Pferde bekamen jeweils eine Extraportion Möhren, weil Weihnachten war. Dann ging ich zu meiner Kontrollrunde in den Fohlenstall. Amadahy, Frozen Bubble, Korah, Nabiri, Panta Rhei und Roswell vertraten stolz meine Lewitzerzucht. Es waren allesamt herrliche Nachkommen, auf welche ich mehr als stolz sein konnte.
      Auch über meine Welshponys konnte ich mich nicht beklagen. Acariya wurde von Tag zu Tag schöner, Sacre Fleur langsam immer selbstbewusster und zu Herbstmond brauchte ich nichts sagen, die wurde eh von alles und jedem geliebt und das zurecht! Shawnée und Siberia waren ja damals mehr Zufall gewesen, dennoch wollte ich die beiden Welsh Ds nicht mehr missen und auch heute bekamen sie wieder ihre Portion Knuddeln.
      Vor den Boxen von CH’s Destiny Horror und Hollybrook’s Fairy Bluebird blieb ich etwas länger stehen. Beide waren nun langsam bereit für den nächsten Schritt in ihr Dasein als Reitpferd, nur ich zögerte noch ein wenig, ich wollte ihnen so viel Zeit wie möglich geben. Das Gleiche galt für Tiny Girl, doch mein AMH unterschätzte ich zu gerne und wenn ich das tat, zeigte sie es mir auch deutlich.
      Der Tag neigte sich dem Ende und halb fünf standen alle Pferde in frisch gemachten Boxen, mit ihrer Ladung Heu für die Nacht. So konnte ich guten Gewissens duschen und mich umziehen, um dann pünktlich auf den Familienfest zu erscheinen.
      Von meiner Familie konnte kaum einer nachvollziehen, dass ich meine Feiertage mit den Pferden verbrachte, statt mit der Familie, obwohl ich zu jeder Feier trotzdem pünktlich kam, dennoch standen die Vierbeiner an erster Stelle. Diesen Morgen arbeitete ich ein wenig mit den Junghengst Abendprinz und Cruel Twist of Fate. Danach war HGT’s Unitato an der Reihe und dann noch Outlaw Torn. Die Jungpferde brauchten allerhand Beschäftigung, doch ich kam momentan kaum hinterher.
      Deshalb hatte Prazzy’s Goldbell allerhand Flausen im Kopf, genauso wie Paddington und gemeinsam machten sie nur Unsinn! War ich da immer froh über Caruso, der sich nichts anmerken ließ und ein Engel war. Am Ende meines Fohlenrundgangs betüddelte ich noch ein wenig Mon petit écrou, ehe ich mich an die richtige Arbeit machte.
      Vertigo, Caillou und Piccolos Blaze mussten geritten werden. Calimero II sollte noch longiert werden und dann wollte ich zumindest noch mit Joyce oder Sika eine Runde ins Gelände, für die Jungstuten war diese Erfahrung mehr als wichtig. Die restlichen würde ich auf die kommenden Feiertage schieben müssen, denn heute Nachmittag stand bereits die nächste Familienbevölkerung statt.
      Während dieser plante ich aber nur die kommenden Tage. Am morgigen Tag sah ich mich früh mit Amazed Marlin ausreiten, ehe ich gemeinsam mit Hákur neue Lektionen in Angriff nahm. Dann würde ich HGT’s End of Day longieren und an seinen Rückenmuskeln arbeiten, ehe ich etwas bodenarbeitstechnisches mit Fandango machen wollte.
      Am 27. Dezember ging es dann gemeinsam mit drei Freundinnen ins Gelände. Ich selbst ritt Quintesse, während ich den Rest auf Caribic Sue, Freeway und Walking in the Air verfrachtet hatte und dann stand tatsächlich schon fast 2016 vor der Tür! Ich würde Zarin und Golden Ebano ihre homöopathischen Tropfen am 31. Geben müssen, damit sie nicht vollkommen explodierten, wenn dann überall das Feuerwerk losging.
      Zum Glück bestand mein Stall größtenteils aus Pferden, denen das egal war .Call me a Twist und Bandit war das schnuppe, die würde auch neben einem Feuerwerk herlaufen. Morrigan war da nicht viel anders, nur He’s called Trüffel konnte ich da nicht so gut einschätzen, aber das würde sich noch zeigen, nun musste ich erst einmal diese Familienfeier hinter mich bringen!
    • Veija
      Gestüt Sapala
      April 2016

      Kurz nach Neujahr hatte unser Umzug stattgefunden, so dass wir nun seit fast vier Monaten in Holland lebten. Wie ich es bereits gewohnt war, zog sich alles unglaublich. Es hatte gut zwei Monate gedauert, bis alle Pferde umgezogen waren und ein festes Team hatte ich auch noch nicht, da war ich noch fleißig auf der Suche, aber trotzdem kehrte allmählich eine Routine ein. Und ich liebte unser Gestüt. Den Namen hatte ich so übernommen und so lebten wir nun auf Gestüt Sapala.
      Es lag zwischen Wäldern und Wiesen, ziemlich im Abseits und stellte eine herrliche Anlage da. Das wichtigste war zu Hauf vorhanden: Weiden. Zudem besaßen wir zwei Reitplätze und zwei Hallen plus weitere Trainingsmöglichkeiten wie eine Führanlage und zwei Longierzirkel. Und natürlich gigantische Stallungen, was für uns nun mehr als nötig war. Ganz nebenbei war ich ja in mein Wohnhaus verliebt, hier konnte man sich wohlfühlen!
      Den Pferden gefiel es auch, das spürte man deutlich und das Gelände war auch einfach mehr als idyllisch, denn außer unseren Heuwiesen gab es rundum kaum etwas anderes als Felder, Wiesen und Wälder. Ich war endlich in meinem Traumzuhause angekommen und wenn man sich etwas mehr Zeit nahm, war man mit einem halbstündigen Ritt auch direkt am Meer. Wir befanden uns im Friesland, genauer gesagt in Aurich und ziemlich nah an der Küste.
      Die frische Meeresluft tat allen gut und momentan arbeitete ich auch eine lange Liste an Bewerbungen ab, denn wir waren begehrter als gedacht. Nun war schon April 2016 und wie immer erfasste mich die Frühjahrsputz-Laune. Es gab schließlich immer etwas zu tun und es gab auch noch genug Kisten, die noch ungeöffnet irgendwo standen. Besonders in den Sattelkammern hatte ich bisher nur das Nötigste untergebracht, meine Pferde hatten zu viel Kram!
      Die waren momentan übrigens alle in ihrer Schonfrist. Der Umzug war auch für die kräftezehrend gewesen, aber glücklich waren wir alle. Außer ich in dem Moment, denn gerade klingelte mein Wecker – 5 Uhr in der Früh. Bisher sah es an Mitarbeitern noch mager aus, dementsprechend musste ich selber kräftig mit anpacken was Fütterung, Rausbringen und Misten betraf. Dazu kamen der Papierkram und die Vorstellungsgespräche und so bekam ich kaum noch die Gelegenheit zum Reiten.
      Angezogen, frisch gemacht und gefrühstückt tauchte ich im Stall auf und grüßte knapp die anderen Pfleger, die bereits angetanzt waren. Es war kurz nach sechs und draußen tatsächlich schon hell. Oh ich freute mich so auf den Sommer! Dann würden die Pferde auch 24 Stunden auf den Weiden stehen und wir hätten ein bisschen Arbeit weniger. Aber wirklich nur ein bisschen, denn im Sommer wollte ich alle wieder in Höchstform sehen – mich eingeschlossen.
      Füttern und Rausbringen fraß Zeit. Nachdem dann auch gemistet war, war es schon fast 10 Uhr und ich würde mich für das nächste Vorstellungsgespräch fertig machen müssen. Leider überzeugte mich der Herr um die 30 Jahre weder im Gespräch noch auf dem Pferd. Als Dressurtrainer hatte er sich beworben, weshalb ich ihm für den Proberitt Aristo ausgesucht hatte, einer unserer Dressurässer. Doch sein „Was, ein Barockpferd?“ hatte mich eigentlich direkt abgeschreckt und so hatte ich zwar ein freundliches „Ich melde mich noch einmal bei Ihnen“ herausgebracht, war aber erleichtert, als er weg war.
      Stattdessen ging der Stress direkt weiter, denn heute sollten einige neue Pferde kommen. Ich war dafür bekannt, regelmäßig aufzustocken und da meine liebe Freundin Julie aus privaten Gründen ihren Hof auflöste, kamen einige Pferde aus Schottland zu uns. Zum einen Van Deyk, ein toller Trakehnerhengst mit großem Potenzial, auf dessen Dasein ich mich schon jetzt freute. Des weiteren Ayumi, ein tolles Fohlen aus der Zucht von Siobhan, was mit einer tollen Abstammung daher kam. Dann noch Key, eine Vollblutstute, welche ich noch aus meiner Nasty Past Zeit kannte. Und als letztes was ganz witziges: Ridcully, ein American Miniature Horse. Er sollte das Gegenstück zu meiner Hollybrook’s Tiny Girl werden und dementsprechend war er sofort eingezogen.
      Heute tanzten die drei an, doch während ich noch gut eine Stunde Zeit hatte, schaute ich bei den ehemaligen Neuzugängen an. Die beiden Vollblutfohen Hidden Flyer und Exciting Force waren mir sehr schnell ans Herz gewachsen und entwickelten sich prächtig, ich hatte mich in beide wirklich verguckt. Da wir ja ein riesiges Gestüt hatten, kamen auch Anfang des Jahres zwei Reitponys zurück. Elisa hatte leider verkleinert und so kehrten Never look back und Raunchy’s Limited zurück. Hatte ich sie noch als zerzauste Jungpferde nach Townsend Acres gegeben, kamen sie nun als schicke Turnierponys zurück. Elisa verstand eindeutig etwas von ihrer Rasse und ihrem Geschäft.
      Dementsprechend hatte sie sich auch über Absinth’s erfolgreiche Körung gefreut und war sich sicher, dass Allelujah und Morning Sun genauso schnell ihre Punkte sammeln würden. Ich hatte da ja noch allerhand zu tun, denn sie waren nicht die einzigen Pferde, die in eine Körung geschickt werden sollten. Priorität hatte auch immer noch Feuervogel, den hätte mir Elisa sicherlich auch trotz Verkleinerung aus den Händen gerissen.
      Selbst bei unserem zerstruppelten Neuzugang Cola hatte sie bei ihrem Besuch (natürlich hatte sie ihre beiden Schätze eigens vorbei bringen müssen) neugierig begutachtet. Sie sah das Potenzial, was hinter dem vernachlässigten Pferd steckte. Wir beide kannten Cola schon sehr lange vom Sehen und Hören. Ich musste auch sagen, dass er sich wirklich ganz gut machte, genauso wie seine Leidensgenossin Autumn Leave in the Sky. Beide stammten aus schlechter Haltung und wurden bei uns nun wieder aufgebaut.
      Bei ihrem Besuch hatte Elisa natürlich meine Reitponys auf den Kopf gestellt. Paddington hatte sie unbedingt einen Besuch abstatten müssen und gestaunt, wie schnell der kleine Kerl wuchs. Mit Hugo Boss und Carachillo hatten wir einen entspannten Ausritt gemacht und ausgiebig geplappert, so wie es sich für zwei Frauen gehörte, ehe sie auch noch ihren Senf zu Naimibia und Sika gegeben hatte.
      Naimibia war schon gekört und bereits von ein paar Fohlen stolze Mutter, bei Sika sah ich das ja noch nicht so, doch Elisa ermunterte mich und sah die Rappscheckstute auch schon gekört. Während ich so schön in Gedanken schwelgte, kam der Transporter an und die neuen Pferde mussten versorgt und ausgeladen werden.
      Während Van Deyk erst einmal seine Box mit Paddock bezog, wollte ich Ridcully und das Stutfohlen direkt vergesellschaften. Auf einer kleineren Weide traf Ridcully auf Heartbreaker. Mein Welshhengst war der Chef unserer Zwergengruppe und wenn er Ridcully akzeptierte, würde das auch der Rest tun. Der Rest, das waren Window und Hoppla auch beide problemlos und so stand Ridcully eine halbe Stunde später bei unseren Zwergenhengsten und genoss das herrliche Wetter.
      Ayumi sollte heute nur auf CH’s Destiny Horror und Mon petit écrou treffen. Beides eher ruhigere und ältere Jungpferde und dementsprechend perfekt geeignet und siehe da, es klappte wirklich gut und auch das Fohlen war untergebracht. Um auch Van Deyk noch etwas Abwechslung zu bieten, ging ich mit dem Schecken eine kleine Runde über das Gestüt und kennte ihn etwas lernen.
      So wirklich zum Frühjahrsputz kam ich heute ja nicht, denn es standen noch zwei Schnupperstunden an. Ich hatte entschieden, im kleinen Rahmen gutes Reiten anzubieten und nutzte die Chance einer Ponyschule, um meine Zwerge unter einen Deckel zu bekommen. Da die Ponyhengste heute aber schon genug Aktion hatten, waren die Mädels an der Reihe.
      Tatsächlich hatte sich sogar jemand für Little Chocolate Chip gefunden. Ein kleines dreijähriges Mädchen schwärmte von Ponys und ihre Mutti schien selbst pferdevernarrt zu sein und so kamen sie heute mal zu Besuch. Auch Mondscheinsonate, Occani und Werina waren heute an der Reihe. Alle Kinder waren unter 10 Jahre und bekamen beim Putzen und Satteln die Unterstützung von mir und ihren Eltern (zumeist die Mütter).
      Als alle fertig waren, gingen wir auf den Reitplatz, wo wir erst ein kleines bisschen Theorie paukten und es dann endlich in den Sattel ging und wir die ersten kleinen Runden drehten und auch allerhand Übungen machten. Die Ponyschule war eine schöne Idee, aber ich brauchte auf jeden Fall Helfer. Zum Glück waren es heute nur Schnupperstunden, aber Kinder und Eltern waren mehr als begeistert und so war auch ich glücklich.
      Zweiteres war eine Reitstunde für Fortgeschrittene und unter 18-Jährige. Altersbeschränkungen waren mir an sich egal, aber für das Klima in der Stunde war so etwas doch immer sehr angenehm und die Erwachsenen waren auch immer lieber unter sich. Als Schulpferde hatten sich bereits damals unsere Lewitzer bewährt und auch heute wählte ich fünf von ihnen. Cheveyo, Donatella, They call her Fiorina, Piccolo’s Blaze und Elliot. Die Mädels waren begeistert von ihren Schecken und auch davon, dass man bei uns die Pferde selbst holte und fertig machte.
      Natürlich kontrollierte ich alles und gab Tipps, aber sie machten das wirklich gut. Auch im Viereck konnten sich die fünf Reiterinnen sehen lassen. Natürlich hatten sie ihre Fehler und Probleme, aber genau deshalb kamen sie ja zu uns. Anscheinend kamen diese Schnupperstunden mehr als gut an und während die Mädels quatschend abritten, baute ich meine Geschäftsidee aus, indem ich auch Reitstunden für reine Jungsgruppen und Senioren anbieten wollte. Alles Gruppen, die man so anlocken konnte.
      Mein Prinzip war lediglich, dass für das Pferd pro Reitstunde mind. zwei Korrekturstunden kamen, so dass einerseits sehr gute Schulpferde vorhanden waren, aber eben auch diese nicht überstrapaziert worden. Also würde sich das Pensum auch mehr als Gering halten. Nachdem alle Pferde versorgt waren, ging ich Lewitzerliste kurz durch:
      Vertigo wollte ich im Turniersport, so fiel er als Reitpferd für Schüler weg und bei Talya war ich mir auch nicht sicher, ob es das Richtige war. Genauso wie bei Elliot. Er hatte seine Sache heute gut gemacht, aber ich glaube, Caillou konnte ich mir da besser vorstellen. Und Amazed Marlin ließ ich bisher auch lieber außen vor, sie sollte sich auf ihre Krönung konzentrieren.
      Zum Glück hatten die Fohlen nicht solche Probleme. Sowohl Amadahy, Frozen Bubble, Nabiri und Rosewell als auch die beiden Hengstfohlen Panta Rhei und Calimero II tobten mit dem Rest zufrieden über die Weiden. Aber irgendwann würde auch für sie der Ernst des Pferdelebens kommen. Obwohl, sie hatte noch Zeit.
      Den Nachmittag verbrauchte ich im Büro und plante für die Fohlen. Das machte ich gerne und es war auch nötig, denn so erinnerte ich mich wieder daran, dass ich einige „Fohlen“ hatte, die schon längst nicht mehr so klein waren wie ich dachte, sondern schon mehr als bereit. Hollybrook’s Fairy Bluebird war eine tolle Ponystute geworden, nun bald sechs Jahre, hatte bisher aber noch keinen Reiter gesehen.
      Das Gleiche galt für Prazzy’s Goldbell, dabei wollte ich meinen geliebten Pajero-Sohn gerne langsam unter dem Sattel sehen, er würde seinem Vater alle Ehre machen! Apropos, einen Ausritt mit Pajero würde ich mir heute Abend noch gönnen müssen, zum Glück blieb es immer länger hell. Ach, ich war doch ganz froh, den Winter hinter mir zu haben, auch wenn der Sommer sicherlich wieder heiß werden würde.
      Bei Outlaw Torn war ich mir bezüglich der Ausbildung sehr unschlüssig. Er war bald vier und schon sehr weit, eben weil das bei Paint Horses so gehandhabt wurde, aber genau deshalb wollte ich ihm Zeit lassen und es war ja nicht so, als wäre das Reiten für ihn essentiell wichtig. Das sahen HGT’s Unitato und Cruel Twist of Fate nicht anders und so ließ ich meinen Westernpferden gerne mehr Zeit.
      Und dann gab es da noch meine Welshnachkommen. Alle behalten, nachdem die ältere Generation verkauft worden war. Herbstmond und Acariya waren bisher immer noch meine Favoriten, aber auch Sacre Fleur liebte ich, ebenso wie Shawnée und Sibiria, auch wenn ich nicht recht wusste, was ich mit zwei Welsh D Stuten anfangen sollte, aber irgendwas würde sich schon finden.
      Dann gab es da nur noch Abendprinz und Caruso. Zwei Fohlen sondergleichen, die ich beide sehr liebte. Geplant war in weiter Zukunft ein Fohlen aus Fairy von Zarin, welches als Gegenstück für Caruso dienen sollte, aber im Gegensatz zu Zarin war Fairy noch nicht gekört.
      Und dann hatte ich mich in die Araber verguckt, neben Abendprinz gab es bisher zwei Stuten: Scheherazade und CH’s Sun is Shining. Zwei wunderbare Tiere und eine sogar schön gekrönt. Aus der Zucht meiner besten Freundin Sammy würde mich auch noch ein wahrer Wüstenstürmer erwarten, aber bisher war er noch nicht so weit, ich freute mich aber schon auf ihn.
      Den heutigen Abend verbrachte ich zu meiner Freude dann doch noch auf den Pferd und erkundete mit Pajero die neuen Wege rund um das Gestüt und freute mich natürlich riesig, denn es war so toll! Irgendwann mussten wir einen großen Ritt ans Meer machen, aus unserer Frankreich-Zeit wusste ich, wie sehr Pajero das liebte.

      Am nächsten Morgen ging es wieder früh raus und wieder war viel los, wie eigentlich jeden Tag auf dem Gestüt. Zur Abwechslung beschäftigte ich am Morgen aber erst einmal Thorondor mit viel Bodenarbeit, damit mein Berber nicht verrückt wurde, denn nur Weide war für ihn einfach gar nichts und so war er einer der wenigen, die mich mindestens fünfmal die Woche zu Gesicht bekamen.
      Ach und die Führanlage hatte ich sehr schnell ins Herz geschlossen. Spätestens als sie Pawaneeh und Golden Ebano die nötige Bewegung verschaffte. Bei Classic Gold und Khiara El Assuad war die aber noch wichtiger. Die Vollblüter wären mir sonst explodiert. Wer witzigerweise auch richtig Gefallen daran fand, war Freeway, unsere Tinkerstute. Eigentlich ein Pferd, was ich nie in die Führanlage gepackt hätte, aber sie liebte es.
      Heute war mal wieder Bewegungstag, gestern hatte ich ja Pause gehabt. Am Morgen longierte ich Deep Silent Complete und Herbsttraum, ehe ich mit Come Whatever May auf den Springplatz ging. Flott weiter ging es mit einem Ausritt: Apaches Tomahawk als Reitpferd und Caribic Sue als Handpferd. Was die Bewegung betraf, kamen mir die Schnupperstunden recht. Heute war wieder eine und so waren Kürbis, Lila Wolken, Milka Luflee, Walking in the Air und Quintesse beschäftigt und ich auch.
      Danach hätte ich zu gerne eine Pause gehabt, raffte mich aber noch auf Like Honey and Milk zu longieren. Ihre Vorbesitzerin war immer sehr hinterher, dass es der Stute gut ging und so kam sie auch jetzt definitiv nicht zu kurz. Eine Pause stand an und die genoss ich auch wirklich, denn heute Abend hatte ich etwas Besonderes für meine treuen Pfleger geplant. Bisher dachten sie, sie würden zu einer Besprechung antanzen müssen, dementsprechend ahnten sie nichts.
      Doch als es dann so weit war, eröffnete ich ihnen einen Ausritt an den Strand und alle waren begeistert. Wir waren zu elft, also eine ziemlich große Mannschaft, die gute und ruhige Pferde benötigte. Guten Gewissens hatte ich mir direkt Schneeleopard rausgepickt und dann die beiden Westernstuten Ice Coffee und Kisshimbye. Flintstone und Joyce kamen auch zum Einsatz. Die Hälfte war abgedeckt. Für mich hatte ich Fandango rausgesucht, mein kleiner Sonderling im Stall und so fehlten nur noch fünf Pferde und wir waren vollständig. Call me a Twist und Dissident Aggressor waren sowas von mit dabei und dann nahm ich noch Bandit und Albertino mit. Als letztes hatte Varulv die Ehre und so ging es gefühlt auf einen Riesen-Ausritt, den alle Beteiligten sehr genossen, denn am Strand erwartete uns auch noch ein Lagerfeuer.

      Obwohl ich weder trank noch irgendwas desgleichen tat, fühlte ich mich am nächsten Morgen verkatert. Ein langer Ritt plus ein langer Abend waren nichts für jemanden, dessen Wecker fünf Uhr morgens klingelte und so kam ich auch fast zu spät zum Proberitt meiner eventuellen neuen Reitlehrerin. Diese hatte ich auf Altyn gesetzt, was etwas fies war, aber mir dann auch direkt zeigte, dass sie die richtige war, denn mein junger Hengst lief unter ihr wirklich traumhaft, nachdem sie zusammengefunden hatten.
      Halb dösend bespaßte ich nach diesem Erfolg Cover the Sun im Longierzirkel mit etwas Stangenarbeit. Die nutzte ich kurz darauf auch noch einmal mit Possy Pleasure Mainstream, um Rücken- und Bauchmuskeln zu aktivieren. Eigentlich war meine Liste heute mehr als lang, aber aus privaten Gründen bekamen Hákur und HGT’s End of Day frei, so dass ich nur mit Dr. Insektor ins Dressurtraining musste und danach eine Pause im Gelände mit Cual Maniaca einlegte.
      „Ich bewundere dich für dein Durchhaltevermögen!“, hörte ich dann am Telefon, als ich mit meiner Mutti bezüglich meines Geburtstags Ende April sprach, denn ich lud sie nach Holland ein. Und bisher waren sie nicht abgeneigt. Währenddessen ließ ich He’s called Trüffel und Hýreygur freispringen, aber trotz maximaler 50cm war zweiterer einfach nicht begabt.
      Mein Abend endete wieder mal auf dem Pferderücken, nämlich auf Morrigans, welcher mich entspannt gen Gestüt trug, nachdem wir einmal über die schöne Waldwiese gejagt waren und nun genüsslich entspannt in unseren Feierabend spazierten.
    • Veija
      Zeit bei Floooh
      September 2016

      Nachdem viel zu verspätet auch bei uns der Sommer angekommen war und sich bereits jetzt von der sonnigsten Seite zeigte, begann der Tag heute ebenso früh. Als ich die Stallung hinein ging, war meine Stallhilfe bereits dabei die Stuten auf die Wiese zu bringen. Unser Neuankömmling Chatana hatte sich bereits gut eingelebt und hatte in Chou eine Freundin gefunden. Unsere Stutenherde stand gemeinsam auf einer weiten Wiese direkt hinter dem Hauptstall. Als alle Stuten draußen standen, brachten wir gemeinsam die Hengste und die Minis auf die Weiden und begannen schließlich die Boxen zu misten. Nach und nach trudelten einige Reitbeteiligungen und Pfleger ein, welche sich auch einige Boxen vornahmen. Es herrschte also schon am frühen Morgen Hochbetrieb auf dem Gestüt.
      Da ich heute den ganzen Tag Zeit hatte ging ich am Mittag zu allererst zu den Verkaufspferden des Gestüts. Es hatten sich einige Interessenten angekündigt, daher sollten die Hübschen ein wenig hübsch gemacht werden. Nabiri, die kleine Lewitzer Stute war erst seit kurzem wieder hier, dennoch suchte sie wieder ein perfektes Zuhause auf Lebenszeit. Auch der freche Minihengst Cesar wurde ordentlich herausgeputzt und ging anschließend mit Floriano und Woezel ein wenig in die Führanlage, welche von einer Hilfe beaufsichtigt wurde. Ein weiteres Verkaufspferd war Elliot, ebenfalls ein Lewitzer. Er war bereits gekört und bereits für die Zucht eingesetzt. Elliot hatte bisher keine Anfragen und durfte somit seinen freien Tag genauso genießen wie D'Artagnan und Märchenerzählerin.
      Die ganzen Fohlen des Gestüts standen auf einem seperaten Weidestück bei den Stuten und tobten wild miteinander rum. Das Gestüt hatte zur Zeit 8 Fohlen. Royal's Daydream, ein Fohlen einer ehemaligen sehr erfolgreichen Stute, Elmo, ebenfalls ein eigenes gezogenes Fohlen von DéjàVu, Bacardi Mojito, Applaus, Cruel Twist of Fate, Foggy Dew, Nabiri und Little Lioness. Die Fohlen hatten alle ein festes Ritual. Am Morgen bekamen alle ihr Müsli, anschließend wurden sie wie alle anderen Pferde auch auf die Weide gebracht und Mittags in die Halle. Je nachdem wer sich mit ihnen beschäftigte absolvierte mit ihnen ein spielerisches Schrecktraining mit Flatterbändern, Reifen, Schirme etc. Wir hatten mit dieser Methode bisher sehr gute Erfahrungen gemacht. Unsere Pferde waren schrecklos und absolut Geländetauglich.
      Es war inzwischen früher Nachmittag als ich an das Arbeiten der Pferde kam. Zuerst schnappte ich mir gemeinsam mit einer Freundin die beiden Stuten Blondie und Ronja und putzten diese gründlich, bevor wir sie auftrensten und eine gemütliche Runde ins Gelände gingen. Blondie war mit ihren 27 Jahren noch topfit aber aufgrund einer alten Sehnenverletzung bereits in Rente. Ronja dagegen war vom Gemüt einfach eine sehr ruhige sodass die dem langsamen Tempo der Haflingerstute gerne folgte. Um Blondie nicht zu über anstrengen liefen wir nur die kleinere Runde, die allerdings auch schon 30min dauerte. Am Hof wieder angekommen, spritzten wir den Stuten noch die Beine mit kaltem Wasser ab und reichten beiden eine Möhre, ehe sie zurück auf die Weide durften und sich dort erst einmal ausgiebig wälzten.
      Der nächste Kandidat war Gregor. Seine Reitbeteiligung hatte abgesagt also übernahm ich heute die Reitstunde mit ihm. Auch Windrose nahm an dieser teil. Die Reitstunde begann mit einer Aufwärmphase im Schritt und vielen Schlangenlinien, anschließend bestehend aus Schritt-Trab Wechsel. Um den Pferden dieses typische Abteilungsreiten ja nicht anzugewöhnen überließ uns der Reitlehrer relativ viel Freiheit war Bahnfiguren anging. Er bestimmte lediglich das Tempo und korrigierte ab und zu Fehler, sowie wenn wir zu häufig auf der ganzen Bahn ritten. Auch als später das Mädchen, welches sich um die Stute DéjàVu kümmerte in die Halle eintritt, funktinierte alles bestens. Gregor machte sich immer besser und lernte schnell. Auch Windrose schien Spaß an der Arbeit zu haben. Die Halle hatte an der nördlichen kurzen Seite ein langes Fenster von dem man hinausschauen konnte - vorrausgesetzt man sitzt nicht auf einem Pony wie Déjà es war. Draußen war Santino auf dem Springplatz und war fleißig am trainieren. Es war wieder Turniersaison für ihn. Seine Trainerin teilte aber regelmäßig mit wie wunderbar er mitmachte und nur am Wassergraben noch etwas üben musste. Dieser war dann doch noch manchmal etwas gruselig, sodass die Sprünge nicht perfekt saßen. Das war auch seine größte Schwierigkeit im Military. Was jedoch seltsam war, da er im Gelände sehr gerne schwimmen ging.
      Zu guter Letzt erwartete mich heute noch eine kleine Überraschung. Vor langer Zeit hatte ihc mich schweren Herzens von meinen Andalusierhengsten trennen müssen, doch als ich sah wie ein dunkelroter Pickup mit Hänger auf den Hof rollte und ein sehr bekanntes Wiehern ertönte, konnte ich mir meine Tränen nicht zuruck halten. Suger war einer der verkauften Andalusier.. Eine Freundin hatte wohl mitbekommen, dass er wieder ein neues Zuhause suchte und hatte die Initiative ergriffen und ihn zuruck geholt. Schnell bereitete ich eine Box vor und knnuddelte den Hengst einmal kräftig durch, ehe er auf einen großen Paddock kam um sich nochmal die Beine vertreten zu können. Damit ich hatte ich heute absolut nicht mehr gerechnet.
      Es war inzwischen Abend als die Pferde wieder draußen standen und ihren Feierabend genossen. Nur Kiona, Yoshi und Lady Lou wurden heute noch nicht bewegt, obwohl es eigentlich so sein sollte.. Ich war allerdings von der Arbeit heute und dem sehr warmen Wetter fix und fertig, weshalb ich mich entschied die 3 am nächsten Tag erst zu reiten. Schnell bereitete ich noch das Abendessen der Vierbeiner vor und schüttete es schon einmal in die Eimer, damit sie sofort essen konnten, wenn sie in wenigen Stunden zurück in die Box kamen. Dann machte auch ich mich daran mein eigenes Abendessen, welches ich mir wohl ebenso verdient hatte, zu machen.
    • Veija
      Radioactive- the prisoners 2.0

      Mai 2017, by Veija
      "Oh mein Gott, Bellamy.. schau mal!", rief Octavia durchs Haus nach oben und ich hörte, wie sie ungeduldig von einem aufs andere Bein trippelte. "Die haben den jährlichen Tag der offenen Tür- Tag im Gefängnis aus dem wir kommen. Sollen wir nicht auch Jugendlichen eine Chance auf das geben, was Verena uns gegeben hat?", rief sie mir entgegen und ich grummelte etwas in meinen nicht vorhandenen Bart hinein, ehe ich die Treppe herunter lief. "Und wie hast du dir das vorgestellt? Hallo alle zusammen, unsere Anleiter sind frühzeitig gestorben, aber wir haben die letzten drei Wochen unserer Frist auch so geschafft und sind nun hier, um Jugendliche aus dem Knast zu holen... glaube kaum, dass das klappt." "Ach Bell lass es uns doch bitte probieren. Komm schon. Lass uns welchen eine Chance geben!", trällerte sie und ich rollte mit den Augen. "Schön, zeig mal die Anzeige."
      "Was machen Finn und Murphy eigentlich?", fragte ich O nach einer Weile des Schweigens. Betreten zuckte sie die Schultern. "Ich habe nichts mehr von ihnen gehört, seit sie weg gegangen sind. Auch nicht von Emily, Ethan und Grace.", sagte sie schulterzuckend. "Hm, schade...", meinte ich beiläufig und starrte weiter ausdruckslos auf den Computer. "Gut... lass ihnen eine E-Mail schreiben. Mal schauen was sie antworten. Schreibst du ihnen? Dann geh ich schon nach den Pferden schauen. Aber schreib nichts von unserer Frist, dass wir eine Zeit ohne Aufsicht waren. Ich habe keine Lust nachträglich wieder sitzen zu müssen. Oder dass uns unsere Arbeit hier als Trainer aberkannt wird, wegen so etwas dummem...", erklärte ich O und sie nickte. "Fein. Bring du die Pferde raus, ich kümmere mich hierum.", gab sie mir mit zu verstehen und schob mich vom Laptop weg. "Jetzt mach schon, hau ab.", sagte sie augenrollend und öffnete das E-Mail Fenster, was wohl mein Stichwort war, zu gehen.
      Draußen angekommen wollte ich nach den Pferden schauen. Da sie schon alle auf den Koppeln standen, blieb der Gang zum Stall aus. Zu erst steuerte ich die Koppel der Jungstuten an, auf der ich GRH's Unbroken Magic, A Gun Colored Lena, Dante's Wild Lady, It's me, Amira!, PFS' Blossom Magic, Prias Colourful Soul und Wolfs Bane erblickte. Alle schienen munter zu sein und erfreuten sich ihres Lebens, weshalb ich weiter zu den Junghengsten ging. A Shining Chrome, Cruel Twist of Fate, GRH's Unbroken Soul of a Devil, VK Funky's Wild Berry, Magic Lanijos, PFS' Snap in Style und Zoltaire tobten zusammen und rangelten, wie es Junghengste nun mal taten. Eine Weile blieb ich stehen und schaute ihnen dabei zu, bevor ich weiter zur Stutenkoppel ging, auf der mit Abstand die meisten unserer Pferde standen. Schon von weitem sah ich Baby Doll Melody, Dakota und DunIts Smart Investment, die zusammen grasten. Als ich näher heran kam, erkannte ich auch die restlichen Pferde. Magnificiant Crow, Snapper Little Lena, Drama Baby, Flashlight, Lady Gweny, Priamos Ruffia Kincsem, Raspberry und Zuckerschock. Auch diese Pferde beobachtete ich eine Weile, ehe mir die neuste Stute im Bunde auffiel. Minnie Maus. Das neuste Pferd von Octavia. Wir hatten sie von Gwendolyn von der Nahanni River Ranch. Octavia hatte mir schon seit Wochen in den Ohren gelegen, dass sie ein gut ausgebildetes Buschpony haben wollte, damit sie selbst in ihrem Training weiterkommen konnte. Schlussendlich hatte ich nachgegeben und wir hatten das Pony teuer gekauft. Ich hatte Octavia jedoch angedroht, wenn sie mit ihr keine Gewinne erzielen würde, würde ich sie wieder an Gwen zurück geben. Das war natürlich nur ein Scherz gewesen. Die kleine Maus wuchs mir von Tag zu Tag mehr ans Herz- keine Ahnung wie sie das machte. Wenn es doch nur bei den anderen Pferden auch so einfach wäre, deren Herz zu gewinnen... Doch ich war guter Dinge, dass sie das auch bald schaffen würde, denn Raspberry und auch Flashlight zeigten immer mehr Interesse an der kleinen Rappstute, so dass sie wohl bald zur Herde gehören würde.
      Zum Schluss meines Rundgangs fehlten noch die Hengste, die auf mehrere Koppeln, fernab der Stuten aufgeteilt waren, damit sie sich nicht die Köpfe einschlugen. Gott sei Dank waren sie alle recht friedlich- sah man von Zues ab. Wir wussten noch immer nicht, was wir mit ihm machen wollten, weshalb er noch immer auf seinem Koppelstück sein Leben für sich alleine dahin fristete und das tat, was Pferde nun mal taten. Fressen, fressen und nochmal fressen. Ich schüttelte kurz seufzend den Kopf und ging weiter zu den Koppeln, wo ich schließlich alle Hengste fand. Alan's Psychedelic Breakfast hatte in dem Rappen Chapter 24 einen wirklichen Freund gefunden. Die beiden kannten sich schon von früher und hielten wie Pech und Schwefel zusammen. Ganz zum Leidwesen von Gun and Slide, der, bevor Chapter wieder zu uns gekommen war, der beste Kumpel von Alan war. Seitdem hatte er sich etwas abgeschottet und hielt sich vor allem mit Wildfire xx und VK Bella's Dun Gotta Gun, mit denen er jedoch ziemlich ruppig umging, machten sie auch nur einen Schritt in die Richtung der beiden anderen Hengste. Golden Ebano stand noch immer etwas abseits, würde jedoch, soweit ich das sehen konnte, bald der Herde etwas näher kommen.
      Im Großen und Ganzen war ich jedoch mehr als zufrieden mit unseren Pferden, so dass ich wieder zu Octavia nach drinnen ging und mich über ihre Schulter beugte. "Und, was sagen sie?", fragte ich neugierig, ehe mir auffiel, dass O sich umgezogen hatte. "Zieh dich um, wir fahren rüber.", sagte sie und drehte sich freudig herum. "Sie freuen sich riesig uns zu sehen. Ich schieße noch ein paar Bilder der Pferde, dann können wir los.", sagte sie und ich nickte.
      In Windeseile hatte ich mich umgezogen und traf O beim Rover. "Komm schon, ich warte schon ewig hier!", tadelte sie mich doch ich rollte nur mit den Augen. "Ewig.. vielleicht zwei Minuten.", meinte ich genervt und stieg ein. Mit einem mulmigen Gefühl im Magen startete ich den Motor und wir fuhren in Richtung Gefängnis.
      Es dauerte eine gute Stunde, ehe wir dort angekommen waren und uns einen Parkplatz gesucht hatten. Wir stiegen aus und atmeten einmal schwer durch. "Willst du da wirklich nochmal rein?", fragte ich O, die betreten von einem auf das andere Bein trat, ehe sie zögerlich antwortete: "Ja, helfen wir ein paar Jugendlichen.", sagte sie entschlossen, warf ihre Haare nach hinten und stolzierte vor mir her, ehe wir am Eingang ankamen und einmal durchsucht wurden. Dann gingen wir zur Rezeption, bekamen unserer Besucherausweise und standen dann unserer alten Aufseherin gegenüber. Ich schluckte. "Mr. und Mrs. Blake, Sie wollte ich eigentlich hier nie wieder sehen.", sagte sie streng und schaute abwechselnd zwischen mir und O hin und her. "Wir.. wir sind hier wegen dem Tag der.. der offenen Tür. Wir wollen.. Jugendlichen ermöglichen, wieder auf den rechten Weg zu kommen... mit den Pferden.. auf unserer Ranch, so wie die O'Connors es damals bei uns gemacht.. haben...", stammelte ich und sofort hellte sich die Miene von Mrs. P. auf. "Erzählen sie mir, wie geht es .. wie heißt sie, Verena? Wie geht es ihr und der Ranch?", fragte sie neugierig ehe O und ich einen mitleidigen Blick wechselten. "Sie ist tot. Ebenso wie eine Menge Mitarbeiter der alten Ranch und ein ganzer Haufen Pferde...", sagte ich traurig und konnte Mrs. P. im Gesicht absehen, wie Leid es ihr tat. "Warum das?", fragte sie nach einiger Zeit der Stille. "Eine Explosion.", murmelte O betreten und wir lächelten zaghaft. "Das ist ja schrecklich.. und Sie beiden, was ist nun mit Ihnen?", fragte sie dann, ehe wir ihr unsere Geschichte erzählten. Angefangen bei totaler Verzweiflung, über den Aufenthalt in Schweden und die Hilfsbereitschaft all unserer Freunde. Zum Schluss vom Blakes Crow Meadow, wo wir das Erbe der Gips Reminder Ranch fortführen wollen. Dazu gehörte nun mal auch, dass wir Jugendlichen die selbe Chance bieten wollen, wie Verena uns geboten hatte. "Ich bin begeistert.. was diese junge Frau alles für Sie beide getan hat... unbeschreiblich.", erklärte sie und ich fügte in Gedanken hinzu 'und doch musste sie viel zu früh sterben'.
      "Kommen Sie, ich führe Sie ein wenig herum. In den 1,5 Jahren ihrer Abwesenheit hat sich einiges geändert.", erklärte sie und wir gingen eine Weile im Gefängnis herum, ehe wir bei allen Anderen ankamen. Erstaunte und verwunderte Blicke trafen uns, als sie uns und vor allem die Besucherausweise sahen. Wir setzten uns in eine der hinteren Reihen und hörten dem Gefängnischef dabei zu, als er seine Rede von der Wichtigkeit dieses Projektes hielt und immer wieder verstohlen zu uns schaute, ehe er uns doch tatsächlich auf die Bühne rief. Widerwillig standen O und ich auf, gingen auf die Bühne und erzählten auch den Gefangenen und Besuchern dieses Tag der offenen Tür, warum wir hier waren und vor allem, wie wir es so weit geschafft hatten. Auch erzählten wir wie viel uns an diesem Projekt lag, und dass wir gerne weiteren Jugendlichen die Chance geben wollen, das zu erreichen, was wir erreicht haben.
      Plötzlich stand einer der Gefangenen auf, blickte zu uns hoch und sagte: "Vergebt ihr auch dritte Chancen?"Ich hatte gar nicht so schnell reagiert, wie O von der Bühne sprang und, ein wenig zu schnell für die Aufseher, auf den jungen Mann zurannte. "Murphy!", quietschte sie und fiel ihm um den Hals. Da er Handschellen anhatte und sich nicht wirklich abfangen konnte, fielen er und O beinahe auf den Boden, doch ein beherzter Griff der Polizisten hielt die Beiden auf den Beinen, denn diese waren nun auch dort angekommen. Widerwillig ließ Octavia von Murphy ab und wischte sich eine Träne aus dem Augenwinkel. "Was machst du hier, wo ist Finn?", hörte ich sie drauf los quasseln, nachdem auch ich von der Bühne und näher zu den Beiden hingegangen war. "Das können Sie gerne später klären.", meinte Mrs. P. und bedeutete Murphy mit einem strengen Blick, sich wieder hinzusetzen. Kurz schluckte ich, ehe ich wieder meinen Platz in den hinteren Reihen einnahm. Octavia wies ich an, sich neben mich zu setzen. Einen letzten Blick warf ich zu Murphy hinüber, ehe ich leise seufzte und meine Hände zur Faust faltete. Was auch immer er angestellt hatte, ihn würden wir auf jeden Fall mit auf unsere Ranch holen, egal was sein würde.
      Jetzt blieb nur noch die Frage, wen wir noch mitnehmen würden. Platz hatten wir für drei neue Mitarbeiter.
      Neben Murphy waren mir noch zwei weitere Gefangene aufgefallen. Einen jungen Mann, den ich etwas jünger als mich schätzte namens Travis Elmore und einen ebenfalls jungen Mann, der Ähnlichkeiten mit Caleb hatte und sogar den selben Nachnamen trug.
      Eine ganze Weile dauerte es, bis sich alle Ranches vorgestellt hatten und wir gemeinsam im Speisesaal essen wollten. Bewusst setzten wir uns zu unserem alten bekannten Murphy an den Tisch. Vorwurfsvoll schaute ich ihn an. "Was hast du angestellt, dass du wieder hier gelandet bist?", fragte ich ihn und verschränkte meine Arme vor der Brust, ehe ich mich doch dazu entschied, etwas zu essen. Murphy schien nicht wirklich mit der Sprache heraus zu rücken, weshalb wir ihn einfach essen ließen. "Wir können auch darüber sprechen wenn wir auf der Ranch sind...", meinte ich beiläufig und widmete mich wieder meinem Teller, was einen verwunderten Seitenblick von Murphy zur Folge hatte.
      Es dauerte noch eine Weile des Papierkrams, ehe wir Murphy, Travis und Connor mitnehmen konnten. Gemeinsam gingen wir zum Auto und setzten uns rein, bevor wir zur Ranch zurückfuhren.
      Die Fahrt verlief stillschweigend, weites gehend erkannte ich aber ein helles Strahlen in den Augen der drei, die sich sichtlich darüber freuten, endlich aus dem Bunker hinaus auf eine Ranch gehen zu können. "John kennen wir bereits, wir haben lange Zeit zusammen im Gefängnis gelebt.", lockerte ich irgendwann die Stimmung. "Euch beide, Travis und Connor, müssen wir erst einmal kennen lernen. Doch ich hoffe, ihr habt genauso viel Spaß an den Pferden wie wir, denn darum geht es ja. die Arbeit mit den Pferden."
      "Wir werden Sie nicht enttäuschen.", sagte Travis mit einem strahlendem Lächeln im Gesicht. "Bellamy..", antwortete ich Travis und zeigte zu Octavia, die neben mir auf dem Beifahrersitz saß. "Und das ist Octavia, meine Schwester. Also Finger weg von ihr.", scherzte ich und erntete dafür einen harten Schlag von meiner Schwester gegen den Oberarm. "Autschi.", lachte ich und sah im Rückspiegel, wie sich John, Travis und Connor verschmitzt ansahen und herzlich drauf los lachten. Verdammt, Connor hatte das selbe süffisante Grinsen wie Caleb. Ob sie verwandt waren?


      Von kalt zu warm - Umzug nach New Mexiko
      September 2017, by Veija
      Samstag
      Octavia
      "Bellamy ich hasse die Kälte hier in Kanada.", sagte ich am Frühstückstisch zu meinem Bruder und hatte sofort die Aufmerksamkeit aller Mitarbeiter. "O, hier sind es 19 Grad, welche Kälte meinst du?", fragte Bellamy mich und verschränkte die Arme vor der Brust. "Ich meine die kommende Kälte. Kaum eines der Pferde hat eine Decke, hier fällt so viel Schnee dass man nichteinmal die Haustür aufbekommt, die Pferde schieben so viel Winterfell, was du zum Reiten kaum sauber bekommst und wie willst du hier im Winter ausreiten? Richtig, gar nicht. Du versinkst im Schnee.", erklärte ich und verschränkte ebenfalls die Arme vor der Brust. "Wenn ich einwerfen darf...", fing Murphy an: "Die Landschaft ist hier das ganze Jahr über wunderschön. Die Seen sind traumhaft und die Berge erst...", sagte er und schaute zwischen Bellamy und mir hin und her. "John hat recht. Ist es das nicht wert?", fragte Bellamy. "Nein Bell. Ich.. ich habe mir schon verschiedene Höfe im Rest von Amerika angesehen, in New Mexiko zum Beispiel wäre es dauerhaft warm.", schwärmte ich und zückte mein Handy, um allen die Ranch zu zeigen. "Die hat echt Potenzial.", meinte Travis. "Jede Koppel scheint dort ein kleines Stück Wald zu haben und es fließt ein Bach durch quasi jede Koppel, in dem sich die Pferde auch abkühlen können.", schlussfolgerte er, ehe er erschrocken die Luft einzog und Murphy und Connor anschaute. "Wir dürfen das Land doch gar nicht verlassen, oder?", fragte er traurig und schaute zu mir auf. "Ich weiß nicht...", musste ich zugeben. "Aber das bringen wir in Erfahrung, sollte es zur Diskussion stehen und..." "Von mir aus.", sagte Bellamy plump. "Was?", fragten die restlichen vier, inklusive meiner Wenigkeit gleichzeitig. "Von mir aus können wir umziehen.", meinte er lächelnd. "Ich rufe da mal an und O du fragst im Gefängnis nach, ob unsere drei Schützlinge uns begleiten dürfen.", sagte er, bevor er anfangen musste zu lachen. "Jetzt schaut doch nicht so verdutzt. Ich besitze von Kanada nur schlechte Erfahrungen und traurige Erinnerungen. Ich bin sofort dabei, sollte es klappen und wir umziehen können.", sagte er und stand auf, um den Tisch abzuräumen. "Okay.", sagte ich noch immer total neben der Spur. "Dann kümmern wir uns mal drum- nachdem die Pferde versorgt sind.", lachte ich und schaute auf meine Liste der Pferde, wer wen machen sollte. "Murphy du gehst mit Bellamy und schaust nach folgenden Pferden: Alan's Psychedelic Breakfast, Baby Doll Melody, Chapter 24, DunIts Smart Investment..." "Gott O, gib mir einfach die Liste.", fluchte Murphy und riss sie mir aus der Hand, ehe er ein Foto davon machte und sie mir danach wiedergab. "Gut, das sind 14 Pferde nach denen Bellamy und ich schauen sollen, wir gehen dann schon mal.", sagte er knapp und er und Bellamy verließen den Raum. "Was ist denn mit dem los?", fragte Travis und ich zuckte mit den Schultern. "Hat bestimmt seine Tage...", murmelte Connor und verkniff sich sein dummes Grinsen, als ich ihn böse ansah. Noch immer hatte ich mich nicht getraut zu fragen, ob er mit Caleb verwandt war oder nicht. Das würde mir mein Leben doch um einiges erleichtern, aber ich trauerte noch zu sehr um ihn und alle anderen, die auf der Ranch verstorben waren, auch wenn es jetzt schon fast ein Jahr her war.
      Ein Jahr.. wie die Zeit verging. Seit einem Jahr mussten Bell und ich uns alleine durchkämpfen. Wir schafften das auch gut, das stand außer Frage. Doch vermisste ich Verena und Caleb und auch all die anderen jeden Tag. Ob das irgendwann aufhörte? Sie zu vermissen und den Schmerz zu spüren? Ein Anfang wäre ein Umzug. Weg aus Kanada, weg von den schrecklichen Erinnerungen, welche immer und immer wieder vor meinem geistigen Auge aufblitzten, wenn ich am Unfallort vorbeifuhr oder ein Brief im Briefkasten war, der mit der Versicherung und dem Vorgang der Explosion zu tun hatte. Noch immer beschäftigte sich die Polizei mit dem Fall und ließ uns einfach nicht in Ruhe. Bellamy nahm mir zwar die meiste Arbeit ab, die mit der alten Ranch zu tun hatte, doch ich bekam natürlich viel mit, da wir meist zusammen zu Terminen mussten. "O?", riss mich irgendwann eine Stimme aus den Gedanken. "Was sollen wir machen? Du siehst nämlich nicht so gut aus...", sagte Travis, der mich aus den Gedanken gerissen hatte. "Oh, nein nein. Mir geht es gut. Ich war nur in Gedanken versunken. Kein Grund zur Sorge.", beruhigte ich ihn. "Wir drei machen die Küche fertig und gehen dann nach den Jungpferden schauen, was sie so anstellen. Vielleicht gehen wir eine Runde mit drei der Pferde spazieren, mal sehen.", sagte ich und stand auf, um den Tisch abzuräumen. Connor und Travis halfen mir ohne murren und motzen...

      Bellamy
      "Was war das denn, Murphy?", fragte ich den jungen Mann neben mir, als wir zusammen zu den Westernpferden gingen. "Bin heute morgen wohl mit dem falschen Fuß aufgestanden.", antwortete er knapp und ich lachte kurz auf, ehe mich sein fragender Blick traf. "Dann freu dich, wir müssen alle Boxen misten." "Oh man...", kam nur noch zurück, ehe wir den Stall betraten und er sich einmal kurz streckte, bevor wir gemeinsam zum Laufstall der Stuten gingen. Wir halfterten uns Baby Doll Melody, DunIts Smart Investment, Ginny my Love, die wir seit kurzem unser eigen nennen durften und die sich gut eingelebt hatte, Jade, Magnificient Crow, Snapper Little Lena, Stormborn und VK A Gun Colored Lena nach und nach auf und brachten sie auf die Koppel, ehe wir uns zu den Hengsten begaben. Alan's Psychedelic Breakfast, Chapter 24, Genuine Lil Cut, Gun and Slide, VK Bellas Dun Gotta Gun und Whinney kamen nach und nach auf ihre verschiedenen Koppeln und erfreuten sich des Lebens, dass sie endlich toben und fressen durften. Blue wälzte sich sofort und war nun nicht mehr braun-weiß sondern Ton in Ton braun. "Murphy fang du bei den Stuten an, ich mach zu erst die Hengste und geb denen dann auch gleich Heu und Kraftfutter.", wies ich meinen Mitarbeiter an und schaute ihm noch nach, wie er aus dem Stall verschwand, um sich eine Schubkarre zu holen. Ich tat es ihm gleich und fing mit Alan's Box an, arbeitete mich nach und nach bis zu Whinneys Box vor. Es dauerte eine Weile, bis alle Boxen gemistet waren und ich anfangen konnte, das Heu und Kraftfutter zu verteilen. Jeder der Hengste bekam nur eine sehr kleine Portion davon, da sie nicht wirklich aktiv im Training waren und sonst nicht wussten, wo sie mit ihrer ganzen Energie hin sollten.
      Als ich damit fertig war ging ich zu Murphy und half ihm, den Laufstall der Stuten zu misten. Ruck zuck waren wir fertig, füllten Heu in die Netze und gingen zum Stallabteil, in dem die Englischen Vollblüter untergebracht waren. Auch hier brachten wir zu erst die Hengste nach draußen. Schnell waren Firewalker, Golden Ebano, Peacful Redemption, Seattle Slew, Stiffler, Wildfire xx und ZM's Zanaro auf ihren Koppelabteilen. Leider stand jeder der Hengste für sich alleine. "Auf der neuen Ranch will ich das ändern.", sagte ich total aus dem Kontext gerissen und sah die Ratlosigkeit in Murphys Gesicht. "Was.. willst du ändern?", fragte er mich. "Dass die Hengste alle alleine stehen. Ich will auf der neuen Ranch Kleingruppen zusammenstellen. So dass sie sozialisiert bleiben und nicht total durchdrehen vor Einsamkeit. Desweiteren überlege ich, ein paar der Hengste kastrieren zu lassen. Wer brauch schon so viele Hengste, wenn er nicht aktiv züchten möchte? Vor allem, da wir uns auf die Paint und Quarter Horses konzentrieren wollen.", erklärte ich ihm und er nickte. "Die Stuten auch alle raus?", fragte er mich, als wir wieder im Stall angekommen waren. Ich nickte. "Die können auch alle zusammen auf das Abteil neben die Westernstuten.", erklärte ich ihm. "Ich fange schon mal an zu misten. Du schaffst das!", pflichtete ich ihm bei und fing mit der Schubkarre in die Box von Firewalker, um mit dem Misten anzufangen. Immer wieder sah ich Murphy mit Pferden an mir vorbei gehen. So waren Drama Baby, Priamos Ruffia Kincsem und Zuckerschock innerhalb ein paar Minuten auf der Koppel. Dann half er mir mit dem misten und füttern sowie dem Verteilen des Kraftfutters, so dass wir es noch vor dem Mittagessen schafften, unseren Teil der Abmachung zu erfüllen- fast. Ein paar Pferde fehlten noch, doch die würden es auch bis nach dem Mittagessen im Stall aushalten können. So gingen Murphy und ich nach drinnen und fingen an, das Mittagessen vorzubereiten, da O mit den anderen beiden Jungs noch unterwegs war.

      Octavia
      Nachdem wir die Küche aufgeräumt hatten, gingen wir zusammen zu meinen englisch gerittenen Pferden in den Stall. "Travis du schnappst dir Hot Spot und Minnie Maus. Connor du nimmst dir Samarra und ich schnappe mir Flashlight und Raspberry. Dann unauffällig folgen.", gab ich die Anweisung und ging vor ihnen weg in Richtung Koppeln. Die Vollblüterstuten standen noch nicht draußen, die Westernpferdstuten jedoch schon, also hatten Bellamy und Murphy sich meine Liste doch zu Herzen genommen und arbeiteten nach meinen Anweisungen, was mich zum Grinsen brachte. Zusammen stellten wir die Stuten auf ihr Koppelabteil und gingen wieder in den Stall. "Um es einfach zu machen mistet jeder das Pferd, welches er eben auf die Koppel gebracht hat. Zusätzlich machst du, Connor, noch Flashlight. Dann kann ich mit dem Heu und Kraftfutter geben schneller anfangen und wir können flotter weiter machen.", sagte ich und fing, als wir wieder im Stall angekommen waren, sofort mit Raspberrys Box an. Die Stute war mir wahnsinnig ans Herz gewachsen und eines meiner Lieblingspferde hier auf der Ranch. Sie mochte ich wirklich nicht missen, dachte ich mir und fuhr mit der Schubkarre auf den Misthaufen, ehe ich neues Stroh holte und die Box neu einstreute. Dann fing ich an, allen ihr Heu in die Netze zu stopfen und ihnen ihre Ration Kraftfutter in die Tröge zu geben. Als wir fertig waren, sah ich auf die Uhr. Wir hatten nicht so lange gebraucht, wie ich gedacht hatte. "Kommt wir gehen noch zu den Offenställen der Jungpferde und schnappen uns drei, mit denen wir eine Runde drehen. Wir haben ja noch genug Zeit.", sagte ich zu Travis und Connor, die beiden nickten und folgten mir dann.
      Zu erst schauten wir nach den Hengsten, welche irgendwie noch alle verträumt im Offenstall lagen. A Shinig Chrome, Abe's Aelfric, Cruel Twist of Fate, Culain, GRH's Unbroken Soul of a Devil, Magic Lanijos, PFS' Snap in Style, PFS' Unclouded Summer Skies, der seit kurzem auch bei uns war, Sir Golden Mile, VK Funky's Wild Berry und Zoltaire schlummerten friedlich vor sich hin. Lediglich Zues und Sparkled Wings, der Mustang den wir seit kurzem adoptiert hatten, standen zusammen ziemlich weit abseits. "Oh je, da müssen wir nochmal schauen. Zues und der zusammen... die machen sich gegenseitig scheu.", sagte ich kopfschüttelnd. "Misten können wir nicht, wenn die alle noch schlafen.", lachte ich und wir gingen rüber zu den Stuten, die schon alle auf den Beinen waren. Ashinta, Dante's Wild Lady, Dress to Impress, Ginger Rose, GRH's Unbroken Magic, I've got a blue soul, It's me, Amira!, Sweet Revenge, PFS' Blossom Magic, Prias Colourful Soul und Wolfs Bane tobten über die Koppel, fraßen oder standen an der Heuballe. "Gut, die können wir misten.", sagte ich und ging auf die Suche nach Mistgabeln und einer Schubkarre. Beim Hengststall wurde ich fündig und so misteten wir zu dritt in aller Schnelle den Stall aus, streuten neu ein und verteilten eine Menge Streicheleinheiten. Danach gingen wir schnell noch mit Blossom Magic, Prias Soul und Wolfs Bane eine Runde spazieren, ehe wir uns doch noch an den Hengstfohlenstall wagen konnten und schließlich zum Mittagessen ins Haus gehen konnten. "Oh, ihr seid aber schon fleißig.", sagte ich lächelnd und betrat die Küche, in der es unbeschreiblich gut roch. "Was gibts denn?", fragte Connor neugierig. "Oh, Pizza!", stellte er dann fest und setzte sich an den Tisch. "O, hast du schon im Gefängnis angerufen?", fragte mein Bruder mich irgendwann. "Ne, noch nicht. Du in New Mexiko?" "Ne, noch nicht. Mach ich aber heute Mittag.", sagte er und ich nickte. "Gut, dann schnapp ich mir gleich unsere drei Jungs und versorge die restlichen Pferde, ja?", fragte ich ihn. "Gut. Ich erledige dann gleich beides. Ranch und Information. Dann könnt ihr noch was mit den Pferden machen.", sagte er und ich nickte. "Gut. Und jetzt lass uns essen, ich hab so einen Hunger!", lachte ich und setzte mich ebenfalls an den Tisch.
      "Welche Pferde fehlen denn noch?", fragte Bellamy mich, während wir uns alle auf die Pizza stürzten. "Ceara Isleen, A King of Magic, Abraham van Helsing, Dakota, Náttdís van Ghosts, Skrúður, Thjalfe van de Jötunheimr und Væna frá glæsileika eyjarinar. Ach und Kunis, aber der ist ja unser Sorgenkind. Haben wir schon all seine Decken gewaschen?", fragte ich dann in die Runde. "Ja, hab ich gleich nachdem der Tierarzt da war.", meldete sich Travis zu Wort und ich nickte. "Gut. Die Box müssen wir ja komplett misten.", erklärte ich dann.
      Nach etwa einer Stunde waren wir fertig mit Essen und die drei Jungs gingen mit mir zu den restlichen Pferden. "Ceara Isleen muss raus, King of Magic, Abraham, Dakota, Alfi und die drei Isländer.", sagte ich zu meinen Mitarbeitern. "Husch, husch.", lachte ich und kümmerte mich selbst um Kunis, welchen ich aus der Box nahm und am Putzplatz ganz abseits anband. Ich mistete die Box gründlich, streute sie dann neu ein, gab ihm Heu und brachte ihn dann wieder in die Box. Anschließend gingen Murphy, Travis, Connor und ich nach drinnen, um zu schauen, wie weit Bellamy war.

      Bellamy
      Kaum waren die vier verschwunden, hatte ich mir das Telefon geschnappt und ein wenig herum telefoniert. Im Gefängnis ging alles soweit klar, solange wir mit einem in New Mexiko kooperierten und uns von diesen Leuten Besuche gefallen ließen. Auch bei der Ranch schien zunächst alles klar zu sein, so dass wir am nächsten Tag eingeladen waren, die Ranch anschauen zu dürfen.
      Ich war gerade fertig mit telefonieren, als O und die anderen rein kamen. "Und?", fragte O sofort neugierig. "Murphy, Travis und Connor dürfen uns nicht begleiten.", sagte ich niedergeschlagen und sah den Schock, der sich auf ihre Gesichter legte. "Aber...", fing Connor an und stockte, als er mein Grinsen sah. "Nein, ihr dürft mitkommen. Allerdings ändern sich die Auflagen ein wenig und wir müssen mit einem Gefängnis in New Mexiko kooperieren. Dann geht alles klar.", sagte ich und erntete wütende Blicke, doch das war es mir wert gewesen. "Die Ranch können wir im Übrigen morgen besuchen fahren. O und ich werden fliegen, euch gehört also für einen Tag die Ranch.", erklärte ich und schon wischen die wütenden Blicke stolzen Blicken. "Oh, cool.", sagte Connor und strahlte. "Hoffentlich klappt dann alles und wir haben es bald warm.", zitierte er mehr oder weniger O von heute morgen und lachte. "Den Rest des Tages habt ihr frei, O und ich kümmern uns um den Rest. Damit ihr morgen alles alleine schafft.", sagte ich und schickte sie dann aus der Küche, um mit meiner Schwester noch einiges zu bereden.
      Gegen Abend holten wir alle Pferde wieder in den Stall, bevor wir ins Bett gingen.

      Sonntag
      Octavia
      Aufgeregt wie noch nie zuvor saß ich neben meinem schlafenden Bruder im Flugzeug. Heute morgen war alles drunter und drüber gegangen. Ich hatte unsere drei Mitarbeiter nicht gerne alleine gelassen, obwohl sie mir ständig versicherten, keinen Unfug anzustellen. Dann hatte ich noch beinahe meinen Rucksack vergessen, in dem alles wichtige für eine Übernachtung in New Mexiko war und und und. Jetzt endlich saßen wir im Flieger und es dauerte nur noch ein paar Minuten, bis wir landen würden.
      Nach der Landung kümmerte Bellamy sich um ein Taxi, welches uns zum Hof in der Nähe von Albuquerque bringen würde, denn da stand die neue Ranch. Schnell waren wir da und sahen uns schon ein wenig um, bevor der Makler kam. Er stellte sich vor und führte uns nochmal herum. Den alten Besitzern war der Hof zu groß und zu teuer in der Unterhaltung gewesen, weshalb sie sich eine kleinere Anlage gekauft hatten, die jedoch hier ganz in der Nähe war und eine Geländestrecke beinhaltete, die wir sehr gerne auch bei Bedarf mitbenutzen durften. "Oh, das trifft sich ja gut.", sagte ich freudig und wir gingen alle Ställe und Reitplätze durch. Eine Halle gab es hier auch, die jedoch für Dressurreiten gedacht war. Groß genug für eine Westernhalle war sie jedoch, so dass wir nur den Sand austauschen mussten. Im Großen und Ganzen gefiel uns die Ranch bis auf ein paar Kleinigkeiten.
      So einigten wir uns auf einen Preis, unterzeichneten die Verträge und konnten die Anlage unser eigen nennen.
      Am nächsten Tag waren wir wieder auf unserer Ranch in Kanada, erzählten allen die freudige Nachricht und fingen an, unsere Sachen zu packen.


      Ein paar Tage später
      Octavia
      Alle Sachen waren gepackt und die Möbel, die mitkamen, das Pferdezubehör und alles weitere war schon auf dem Weg zum neuen Hof. Den Pferden wollten wir keine 22 Stunden Autofahrt antun, weshalb sie wohl oder übel doch fliegen mussten. 62 Pferde mussten also eingedeckt, verladen und zum Flughafen gebracht werden. Anschließend sediert, verladen und geflogen. Travis und Connor waren zusammen mit unseren Sachen mit den beiden Trucks mitgefahren, um Bellamy, Murphy und meine Wenigkeit später in Empfang zu nehmen. Natürlich mit den 62 Pferden, was auch sonst.
      Es dauerte schier ewig, alle Pferde in den Hänger zu bekommen- und noch länger, alle zu sedieren und in den Flieger zu kriegen. Nach einer gefühlten Ewigkeit waren wir dann endlich in der Luft- einer aufgeregter als der Andere.
      Kurz nach dem Landen bekam ich die Nachricht, dass Travis und Connor seit ein paar Stunden an der Ranch angekommen waren und schon fleißig dabei waren, alles einzuräumen und an Ort und Stelle zu tragen. Ich lächelte kurz und gab Bellamy die Nachricht weiter, ehe wir um das Flugzeug herum gingen, und dabei halfen, alle Pferde wieder auszuladen. Natürlich waren wir eine ziemliche Attraktion auf dem Flugplatz. Wann sah man schon so viele Pferde aus einem Flugzeug steigen?
      Nach gut zwei Stunden war alles geklärt und die Pferde in den Hängern, um sie in ihr neues Zuhause zu bringen, welches wir dann auch am Abend erreichten.
      Alle Pferde kamen in die für sie vorgesehenen Boxen und durften sich erst einmal ausruhen. Viele der Tiere legten sich erschöpft hin und schliefen sofort ein.
      Auch wir fünf Zweibeiner fielen quasi sofort ins Bett und schliefen beruhigt ein, dass alles fast genau nach Plan verlaufen war und wir jetzt die nächsten Tage ein wenig verschnaufen konnten.
    • Veija
      Evergreen Acres
      April 2018
      Eine Reise nach New Mexico
      Tiara| Das Flugzeug war gut gefüllt und ich wartete nur darauf endlich zu landen um von den Blakes Geschwistern empfangen zu werden. Die Dunkelhaarige Octavia war eine sehr nette Frau. Ein paar Jahre jünger als ich, aber sehr symphatisch. Sie schien sich besonders auf Vielseitigkeitspferde spezialisiert zu haben und hatte den ein oder anderen tollen Fang, den Brooke bestimmt toll gefunden hätte, doch Bellamy zeigte mir dann die Stute für die ich jetzt eigentlich hier war. Eine Appaloosa Stute mit vollem, gewellten Langhaar. Wunderschön anzusehen und mit einem sehr feinen Kopf. „Baby Doll Melody, kurz Dolly.“ Neugierig stupste die dunkle Stute ihn an und schnaubte. „Wenn du möchtest, dann kannst du sie gleich fertigmachen und in die Halle kommen, die ich dir vorhin gezeigt hab. O zeigt dir dann wo ihr Zeug hängt, dann mach ich in der Zwischenzeit Stormborn fertig.“ „Alles klar.“ Begeistert schien Octavia nicht unbedingt zu sein, ihrem Bruder die Arbeit abzunehmen. „Eigentlich wollte ich mich heute auch noch um meine Pferde kümmern, aber hey“, zuckte sie mit den Schultern und zeigte mir wo ich alles fand. Vom Halfter bis hin zum Sattel, der schön geschmückt war mit seinen silberglänzenden Beschlägen. Sie blieb echt artig beim Putzen und auch als ein junger Mann mit einem Fuchshengst an uns vorbeiging. Er sah mich kurz stutzig an, beließ es aber dabei. Ich legte den Sattel auf ihren Rücken, schnallte ihn fest und legte ihr dann die Trense an. Vorsichtig legte ich ihren Schopf über den Stirnriemen und setzte mich dann in den Sattel. „Auf geht’s“, murmelte ich und ritt im Schritt zur Halle. Ich war wohl etwas zu früh, also ritt ich Baby Doll schon mal warm und übte einige Ansätze der Pattern 7 die ich heute nachreiten wollte. Als ich gerade damit anfing sie richtig zu arbeiten kam Bellamy hinzu. „Sieht doch schon mal gut aus! Du scheinst eine feine Hand zu haben für dein Alter!“ Ich galoppierte sie in einem schnellen Lope an um bei A ein Rollback zu vollführen. Das selbe machte ich bei C auch wieder und ritt bis ich etwa über den Mittelmarker hinausschoss und einen Sliding Stop durchführte. Baby Doll machte gut mit und schien alles einfach zu machen. Ich richtete sie ein paar Meter bis zur Mitte zurück und verharrte einen Moment. Jetzt kam für mich die Stunde der Wahrheit. Meine eigene Mustangstute hatte Probleme mit Spins, doch hier die Appaloosa Stute schien sich gut zu machen und es schien als würden ihr die 4 Spins nichts ausmachen. Nach links schien sie es noch besser zu machen. Mit dem Gesicht zur Bande galoppierten wir im Rechtsgalopp und ritt drei vollständige Zirkel nach rechts und verkleinerte den dritten Zirkel und verlangsamte ihren Galopp. In der Mitte der Bahn gab ich ihr die Hilfen zum Linksgalopp und vollführte einen Galoppwechsel, der anständig aussah. Dieselben Lektionen nur auf der linken Hand waren nun gefragt und auch das tat sie ehrgeizig, bis wir wieder in der Mitte der Bahn einen Galoppwechsel machten und dann den oberen Zirkel nicht schlossen, sondern schnell an der langen Seite bis zur Mittelmarkierung stehen blieben mit einem Sliding Stop. „Gut gemacht!“, lobte uns Bellamy und kam mit Stormborn auf uns zu. „Und nachdem du uns den Platz genommen hast, nehm ich ihn mir jetzt und du kannst sie trocken reiten“, grinste er schelmisch und ritt neben mir seine Stute warm. Die nächsten paar Tage übten wir weiter an einem noch aufwendigeren Pattern, die für die LK 2. Ausgesucht hatte ich mir dafür die Reining Pattern 11, die ich doch schon als aufwendig einstufte. Wir trabten in die Mitte der Bahn und schon stand sie auch wieder geschlossen. Beginnend mit 4 Spins nach rechts ging es mit 4 Spins nach rechts weiter. Wir verharrten kurz um dann im Galopp nach rechts den ersten Zirkel klein und langsam zu reiten, die zwei darauffolgenden ritten wir dann schnell und groß. Bei X führten wir einen Galoppwechsel durch und zeigten dasselbe Spektakel auf der linken Hand. Melody meisterte die Pattern mit Bravour. Den Run Down auf der Mittellinie lief super, die Sliding Stops sahen auch fabelhaft aus und so wie sie sein sollten. Nur beim Rollback hatte ich etwas Probleme mit ihr. Aber daran übten wir, bis wir fertig waren und alles saß. Nach Zwei Wochen intensivem Training hatten wir es drauf und versuchten uns auf unserem ersten LK2 Turnier. Was soll man sagen…Blake war stolz auf uns, denn wir hatten den 2. Platz belegt.

      Ethel| Auch, wenn die Tochter alt genug war auszuziehen, fehlte sie einem doch, gerade dann, wenn sie auf längeren Arbeitsaufenthalten weit weg von Zuhause war. Tiara fand, dass sie sich jetzt doch mehr auf das Arbeiten mit Jungpferden konzentrieren wollte und hatte sich bei einer Bestandsverkleinerung einer Mustangzucht mehrere Pferde angesehen und diese auch gekauft. Aus unserem kleinen Hobbyhof wurde dann doch mehr. Aber sie war nicht die einzige die gesündigt hatte, Tommy und ich hatten uns ebenfalls spontan umgesehen und fanden für uns noch ein paar Pferde. Tommy hatte sich eine temperamentvolle Quarter Horse Stute mit dem Namen Höllenflüstern gekauft. Ich hatte mich in der Umgebung nach einem Leihpferd umgesehen und wurde auf dem Isländerhof um die Ecke fündig. Kisshimbye hieß die hübsche Stute mit viel Talent und Potenzial und zeigte sich von Anfang an Arbeitsfreudig. Mittlerweile war sie schon ein paar Tage bei uns und hatte sich super eingelebt. Nur Cruel Twist of Fate hatte die Anreise noch nicht gewagt und war auf dem Selben Hof wie Tiara, sodass sie ihn wohl mitnehmen würde, wenn sie zurückkam. Ihr neues Fohlen Morrigans Chaa machte sich in der Jungpferdeherde mit Kwatoko gut.
      „Gehen wir heute ausreiten?“, fragte ich Tommy. Er lugte über der Zeitung hervor und sah mich leicht genervt an. „Ja, aber kann ich grad einfach in Ruhe meinen Kaffee trinken?“ Ich nickte, räumte mein Geschirr in die Spülmaschine um dann schon einmal in die Reitsachen zu springen. „Ich geh grade Kwatoko, Chaa und Quicksilver auf die Paddocks bringen und übe danach noch mit Icy ein bisschen was vom Boden aus.“ Ich plante wieder mehr als ich sollte, aber ich musste später noch zur Nageltante und danach noch mit meiner Freundin Rowena shoppen. „Ich miste und füttere eh erst noch.“ Kurz und knapp wie immer. Gesprächig war er noch nie gewesen, selbst dann nicht, wenn es ihm echt schlecht geht. Die beiden Jungpferde waren heute ein bisschen wild und drängelten wo es nur ging. „Kwatoko, lass es sein!“, rief ich aufgebracht und gab ihm einen Klaps auf die Brust. Misstrauisch und ein wenig verängstigt ging er rückwärts. „Stell dich nicht so an“ murmelte ich und löste den Strick vom Halfter. „Tiara hat Kwatoko ganz schön verzogen…“, murmelte ich still vor mir her. Schnell wurde ich aber aus meinen Gedanken gerissen und sah meine kleine, fast weiße Stute auf mich zu kommen. „Du Gute Maus“, sagte ich und rieb ihr über das weiße Abzeichen inmitten ihres feinen Kopfes. Aus ihren hellblauen Augen schaute sie mich freundlich an. „Na komm“, ich legte ihr das hellgrüne Halfter an und führte sie zum Putzplatz. Innerhalb von 2 Minuten lag überall ihr Winterfell verteilt auf dem Asphalt. Man hätte ein Fohlen daraus knüpfen können. Ich grinste, denn das Putzen gestaltete sich als super Leistung. So langsam stand sie auch mal mehr als fünf Minuten still, ohne, dass sie mir hinter herging. Heute machten wir ein bisschen Schrecktraining. Das volle Programm; Vom Regenschirm über das Flatterband bis hin zur Wippe war alles dabei. Anfangs etwas scheu meisterte sie doch all die Aufgaben. Zunächst zögerlich doch nach und nach immer sicherer bis sie mir ohne zu zucken durch das Flatterband folgte. „Super!“, lobte ich sie zum Abschluss unserer Einheit und führte sie noch ein bisschen auf dem Platz rum. Sie hörte super auf meine Körpersprache und blieb soweit brav bis sie zur Weide kam und dort mit Quick ein wenig die Sonne genießen konnte. Sie buckelte fröhlich davon als ich das Halfter von ihr löste. „Lauf los, du kleine Bekloppte.“
      Tommy stand jetzt schon da und putzte über die rotbraune Stute, die gelassen die Putzeinheit zu genießen schien. „Und wie macht sich Höllenflüstern?“, neugierig machte ich ein paar Schritte auf die beiden zu. Sie hatte noch arg viel Plüsch, sodass ich darüber nachdachte, sie zu scheren. „Sie stand eben neben ihrem Paddock und sah mich frech an. Also scheinbar ganz gut.“ Thomas striegelte in kreisrunden Bewegungen über ihr Fell um die losen Härchen zu sammeln und ihr Winterfell raus zu bürsten. „Hast du überlegt sie vielleicht zu scheren? Die hat ja noch so massig Fell, die wird nach dem Training gar nicht mehr trocken.“ „Njoaa, mal sehen. Diesen Monat trainier ich ja eh nicht mit ihr. Sie soll erst mal ankommen.“ „Allees klar. Ich mach Kisshimbye mal für den Ausritt fertig“, sagte ich und stapfte zu der Stute, die ihre Decke nicht mehr trug, seitdem die Temperaturen gestiegen waren. Wir hatten die beiden schnell fertig gemacht und ritten eine kleine Schrittrunde in Richtung unseres kleinen Waldgebietes. Das Waldgebiet war noch jung, maximal 40 Jahre alt waren die hohen Fichten, Ahornbäume und Buchen. Er war mittelgroß, trocken und dichtbesiedelt. Ein Zuhause für vielerlei Pflanzen und heimische Tierarten. Der Boden war teilweise von dichten Unterholz bedeckt, hier und da wächst ein kleiner Obstbaum, der vielen Tieren eine Nahrungsquelle bietet. Durch den Wald fließt eine saubere, klare Quelle, ungefähr 50cm breit schlängelt er sich durch das Dickicht. Der Wald zeichnet sich durch seine natürliche Schönheit aus. Tommy macht auf Höllenflüstern eine tolle Figur. Seine Ruhe und Gelassenheit übertrug sich wohl auf die Stute, die schon nass geschwitzt durch den Wald tropfte. „Das mit dem Scheren ist wohl keine Schlechte Idee oder?“, fragte er mich unsicher als er auf seine Stute sah. „Können wir gerne morgen früh machen“, sagte ich, kurz bevor wir unseren Hof wieder betraten und die Pferde für den Rest des Tages frei hatten.


      Pferde Crashkurs
      Dezember 2018
      Tag 1 - Roanoak Stables
      Zwei Tage Crashkurs Praktikum. Einen Tag auf dem Roanoak Stable, den anderen auf Evergreen Acres. Aber wer war ich? Ein Teenager, der nichts mit Pferden am Hut hatte und nur eine Woche Praktika zusammenkratzen musste um das Schuljahr zu bestehen. Mein eigentlicher Praktikumsbetrieb hatte nur drei Tage Zeit für mich, ich brauchte aber insgesamt fünf. In meiner Not fragte ich überall an und die Arbeit auf einem Pferdehof konnte ja so schlimm nicht sein, oder? Neugierig sah ich mich auf dem Roanoak um, in der Hoffnung auf den Besitzer zu treffen. Als ich ihn schließlich traf führte er mich erstmal herum und erklärte mir die Aufgaben für heute. Es war früh und ich hatte mich um vier Uhr morgens aus dem Bett gequält nur um um halb 7 hier zu sein. "Zuerst müssen die Boxen gemistet werden. Das machst du zusammen mit den Mitarbeitern da drüben am Misthaufen.", man wank uns zu, "Die sind sehr freundlich und erklären dir dann was du zu beachten hast. Danach äppeln wir die Paddocks ab." Ich nickte und folgte jetzt zu den Weiden. "Die Pferden haben wir schon rausgebracht. Heute Nachmittag wirst du sie reinholen und zum Teil auch putzen. Aber das erklären wir dir dann noch." Kontakt mit Pferden... Mir schauderte es. Aber so viele Reitermädchen hatten damit kein Problem, wieso sollte mir jetzt was passieren? Der Misthaufen stank beinahe genauso schlimm wie ein Kuhstall, aber meiner Erfahrung nach würde das in ein paar Minuten abflauen. Man gewöhnt sich ja zum Glück schnell an neue Gerüche. "Hey, komm her, schnapp dir eine Mistgabel und eine Schubkarre und folge mir." Gesagt, getan. Im Stall fiel mir als erstes auf, dass offenbar nicht alle Pferde auf den Weiden standen. An das stetige Schnauben der riesigen Tiere musste ich mich auch noch gewöhnen. Grand Litte hatte mich fast zu Tode erschreckt, als er mit einem Huf gegen die Boxentür schlug, gerade als ich vorbeilief. "Warst du schon mal auf einem Pferdehof?", fragte man mich und musterte mich kritisch. Ich schüttelte den Kopf und beobachtete den Mann dabei, wie er Gabel für Gabel durchnässtes Stroh und Pferdeäpfel auf den Karren lud. Er kommentierte meine Unsicherheit nicht, sondern fuhr gleich mit der Arbeit fort. "Das ist die Box von Abs. Schau zu und lerne. Die meisten Pferde nutzen nicht die komplette Box als Toilette, sodass wir einen kleinen Teil gutes Stroh ruhig behalten können. Nimm aber lieber zu viel raus, als zu wenig. Falls du unsicher bist, frag einfach nach. Ansonsten geh da drüben zur Box von Gunfight, zwei Boxen neben dem Hengst, an dem wir beim Reingehen vorbei kamen. Ein Hengst war das also eben. Waren Hengste nicht besonders ungestüm und aufbrausend und so gar nicht das, womit man einen Anfänger konfrontieren sollte. "Keine Sorge, da ist eine komplette Box zwischen euch, der wird dich also nicht fresse, selbst wenn er wollte.", neckte mich der Mann, der meine Angst erkannt hatte. Ich konzentrierte mich auf das stinkende Stroh vor mir und schippte eine Gabel nach der anderen auf die Schubkarre. Ich arbeitete mich langsam vor und überlegte ständig ob das nun noch gutes Stroh war oder schon schlecht. Als ich fertig war fragte ich noch einmal nach um sicher zu gehen, dass es richtig war. "Nächstes mal, lad die Karre nicht so voll. Du wirst gleich merken wieso. Lauf lieber zwei, drei mal. Sonst siehts ganz ok aus. Nimm ruhig mehr von dem Stroh weg ich seh da noch ein bisschen feuchtes Stroh." Ich nickte stumm und brachte den Karren zum Misthaufen. Beim Laufen fiel mir gefühlt die Hälfte wieder runter, was wohl der Grund dafür war, wieso man lieber einmal mehr läuft. Dann am Ende muss man sonst die Stallgasse gleich mit misten. Da ich jedoch ein Perfektionist war nahm ich auch das restliche schlechte Stroh aus der Box, das ich übersehen hatte und ging dann zur nächsten Box. Der Mann hatte in der Zwischenzeit schon zwei Boxen fertig gemacht und das obwohl er öfter zum Misthaufen lief, als ich. "Cornet und La Paz sind fertig. Mach mit Diet Mountain Dewweiter." Er zeigte auf meine nächste Box und ich ging frohen Muter rüber, da hier kein Pferd in der Nähe stand, vor dem ich Angst hätte. Zwei, fast drei Stunden dauerte es bis alle Boxen gemistet und anschließend neu eingestreut waren. Trotzdem es kalt war, kam ich bei dieser Arbeit ordentlich ins Schwitzen. Es war nicht nur das hin und her laufen, zwischen Boxen und Misthaufen. Auch das ständige Bücken und Heben war anstregend und ich spürte zum ersten Mal in meinem Leben bewusst meinen Rücken, da er ordentlich schmerzte. Man lobte mich für mein Durchhaltevermögen und warf mir dann gleich an den Kopf, dass das ja noch nicht alles war. "Jetzt sind die Paddocks dran. Ich überlasse dir, die ohne Pferde." Dankend folgte ich. "Stroh und besudeltes Heu zusammenrechen und dann wie beim Boxmisten samt Pferdeäpfel auf die Schubkarre und dann auf den Misthaufen.", erklärte man mir. Auf dem Paddock, den der Mann nun abäppelte stand ein großes Pferd namens Attentivenly. Da der Paddock gleich an den grenzte, den ich gerade sauber machte stand das Pferd neugierig am Zeug und streckte sich zu mir hin. Ich war neu und unbekannt. Das war wohl eine Art Attraktion für manche Pferde hier. Wohl war mir nicht dabei, aber mit der Zeit gewöhnte ich mich an dieses Verhalten. Ich hatte gerade den Paddock von Optibase fertig, da wurde ich schon weitergeschickt zum nächsten. "RS' Aerials", las ich laut vor. Wer nannte sein Pferd so? Was sollte denn RS sein? Verwirrt öffnete ich das Gatter und begann grübelnd mit dem abäppeln. "Was ist los?", fragte man mich freundlich. "Nichts, ich... frag mich nur... Was bedeuten diese Abkürzungen vor manchen Pferdenamen?" Der Mann lachte. "Gute Frage! Das sind meistens Abkürzungen der Zuchten, von denen die Pferde stammen. Schau auf den Schildern in den Details nach und vergleich mal mit den Kürzeln, dann wirst du sicher schlau draus." Ich legte die Arbeit kurz nieder um das zu überprüfen. Tatsächlich ergab das nun Sinn mit den Kürzeln. "Und spricht man dann die Zuchtnamen mit aus oder einfach die Kürzel?" Der Mann zog die Schultern hoch. "Das ist unterschiedlich.", meinte er knapp und ohne aufzusehen. Ich arbeitete weiter und bald waren wir auch mit den Paddocks fertig. Nach einer kurzen Mittagspause, in der ich endlich mal den Rücken durchstreckte, gingen wir zu den Weiden. "Die ersten Pferde kommen jetzt schon rein, damit andere raus können.", erklärte man mir. "Wir holen jetzt Hollywood Undead II, Hendersin, Warrior Gun und Schwalbenfeder. Dann können Anouk, Monteverdi, Primound A Rose vom Nevada raus. Du nimmst bitte immer nur ein Pferd. Lauf links vom Pferd und lass dich nicht überholen." Gemeinsam betraten wir die Weiden und holten die entsprechenden Pferde. Da ich keine Ahnung hatte welches Pferd ich abholen musste, wartete ich, bis der Mann mir eines übergab. Ich hatte Glück, das Pferd lief brav neben mir und schien sich nicht von mir verunsichern zu lassen. Folgsam lief es neben mir her, bis ich es in seine Box entließ und so schnell ich konnte die Tür zuschob und tief durchatmete, ehe ich wieder zur Weide ging. Es war beängstigend neben einem so großen, starken und schweren Tier zu laufen, selbst wenn es brav war. Definitiv etwas, an das ich mich nicht gewöhnen werde. Auch beim zweiten Pferd kroch mir die Angst in die Beine, sodass ich fürchtete, dass mir die Knie einknickten. Ich war froh, als wir die vier Pferde in den Boxen hatten. "Ist schon gut, ich bring die alleine raus. Geh und trink was.", sagte der Mann, der meinen panischen Gesichtsausdruck absolut richtig gedeutet hatte. Als ich mich im Badspiegel ansah wurde mir bewusst wieso. Ich war kreideblass und das war eigentlich so meine Art. Eigentlich hatte ich eine gesunde, karamellfarbene Haut und ein paar dunklere Pigmentflecken im Gesicht, doch selbst die waren erblasst und wirkten nunmehr hellbraun. Ich wusch mir Hände und Gesicht und ging dann zur Gemeinschaftsküche um mir etwas zu Trinken zu nehmen. "Komm nochmal mit." Der Mann hatte mich beim Trinken überrascht und ich hätte mich beinahe verschluckt. Er grinste schelmisch und geleitete mich zu einer großen Halle. "Das sind Paper Planes, Étoile,Hvitasunna van Frelsi und Atla von Atomic. Die werden hier gerade bewegt und beschäftigt. "Das sind alles Ponys, vielleicht machen die dir etwas weniger Angst." Ich beobachtete das kleinste der Ponys, das frei mit den größeren mitlief. "Bleibt das so?" Der Mann folgte meinem Blick und lachte. "Nein, das ist ein Fohlen und wächst noch etwas. Aber es wird nicht so groß wie die anderen Pferde, die du heute gesehen hast." Ich senkte den Blick. "Schade, in der Größe wären mir Pferde deutlich lieber." Abermals lachte der Mann. "Du hast jetzt erstmal Pause. Um Vier holen wir dann die übrigen Pferde rein, genug Zeit um sich drauf einzustellen, hm?" Er lächelte mich an und ging dann wieder an seine Arbeit. "Es sei denn du hast Lust mir beim Putzen des Stalls zu helfen. Allerdings müssen wir dafür auch in ein paar der belegten Boxen treten.", er zwinkerte mir zu und drehte dann wieder ab. Das war eine rhetorische Frage. Er rechnete nicht damit, dass ich ein paar Minuten später bei ihm stand und mich mutig dieser Herausforderung stellte. Er war sichtlich erstaunt und freute sich über meine Hilfsbereitschaft, trotz der Angst, die ich vor Pferden hatte. Hätte ich davon vorher gewusst, hätte ich mich nie bei Pferdeställen gemeldet um ein Praktikum zu machen. Er gab mir einen langen Staubwedel und ließ mich die Decke der Stallgasse von Spinnweben beseitigen, er machte das gleiche in den Pferdeboxen. Anschließend putzten wir die Fenster. Er von innen, ich von außen, sodass ich nicht in die Boxen rein musste. Am Ende des Tages war ich sehr zufrieden und dank meiner Hilfe beim Putzen hatte der Mann sogar auch früher Feierabend. Die Zeit, die ich beim Boxmisten vertrödelt hatte, hatten wir jetzt wieder eingeholt. "Danke, für deine Hilfe." Er verabschiedete sich höflich und setzte sich dann in seinen Wagen um heim zu fahren. Der Stallbesitzer schrieb mir noch ein Arbeitszeugnis aus und lobte mich in den höchsten Tönen. "Ich muss gestehen, ich hab mir dafür eine Vorlage rausgesucht. Ich hoffe, dass es tatsächlich ein gutes Zeugnis ist. Sonst meldest du dich bitte nochmal bei mir.", stirnrunzelnd übergab er mir den frisch unterschriebenen Zettel. Ich überflog den Text kurz und bedankte mich dann. Mittlerweile war es dunkel und ich war froh, als zu Hause etwas warmes zu Essen auf dem Tisch stand und eine heiße Dusche auf mich wartete.

      Tag 2 - Evergreen Acres
      Der nächste Tag startete mit Schneeregen. Richtig ätzend. Mein Rücken fühlte sich an als würde er bald durchbrechen und wenn der Hof auf dem ich heute arbeiten musste nur annähernd so groß war wie die Roanoak Stables, wäre das mein Todesurteil. Ganz sicher. Widerwillig würgte ich mein Frühstück runter, nahm einen Schluck Orangensaft und machte mich dann auf den Weg zum Evergreen Acres. Es war wie eine andere Welt. Gleich zwei Leute kamen auf mich zu und begrüßten mich. Hier gab es wohl sogenannte Westernpferde. Eine andere Reitweise, die Sättel waren wuchtiger und allgemein sahen die Outfits lockerer und prachtvoller aus als auf dem Hof gestern. "Da wird gerade Cruel Twist of Fate geritten.", erklärte man mir und ich warf einen Blick auf das helle Pferd auf dem Reitplatz. "Wir bringen jetzt zusammen die Fohlen auf die Weide." Ich folgte zu den Stallungen, wo die Fohlen schon darauf brannten aus der Box zu kommen. Ich sollte zur ersten Weide laufen und das Gatter öffnen. Die anderen kümmerten sich um die Fohlen selbst. Ich sollte unbedingt beim Gatter stehen bleiben, damit es nicht von selbst zufiel. Die anderen stellten sich vor sämtliche Fluchtwege und dann kamen auch schon die Fohlen. Später sagte man mir, dass das PFS' Icy Rebel Soul,Morrigan's Chaa und Kwatoko waren, die an mir vorbeirasten und auf der Weide herumtollten. Ich hatte das Bedürfnis schreiend wegzurennen, als die drei vom Stall auf mich zurasten, doch sie bogen gleich auf die Weide ab, sodass ich meinem Instinkt widerstehen konnte. Dennoch raste mein Herz. "Hast du schon mal ein Pferd geputzt?", fragte man mich und ich schüttelte den Kopf. Just fiel mir ein, dass ich doch gestern auch ein Pferd putzen hätte sollen. Sicher hatte man mir das nicht auflegen wollen, nachdem bekannt wurde, dass mir Pferde Angst bereiteten. "Dann zeig ich dir das jetzt an Höllenflüstern." Das braune Pferd hatte die Ohren in den Nacken gelegt, sobald sie auf der Stallgasse stand und irgendwas sagte mir, dass das keine Freundlichkeit bedeutete. "Keine Sorge, sie ist etwas frech, lässt sich aber gut versorgen. Du bekommst gleich ein braveres Pferd. Versprochen." Mehr als ein Nicken schaffte ich nicht. Wie angewurzelt stand ich da und starrte in das Gesicht des Pferdes. Man erklärte mir den Vorgang des Pferdestriegelns. "Großartig dreckig sind die eh nicht.", hieß es. Dann zeigte man mir außerdem das Verlesen des Schweifs. "Treten die nicht aus, wenn man dahinter steht?", fragte ich und sah wieder zum Kopf des Pferdes. Es schaute noch immer nicht gerade freundlich drein. Die Frau überlegte kurz. "Stell dich etwas seitlich, wenn du dem Pferd nicht vertraust. Es kann sein, dass es dir wie Höllenflüstern hier, den Schweif aus der Hand zieht. Einfach immer locker halten und dann neu aufnehmen. Aber Kisshimbye macht das nur ganz selten." Tatsächlich war der Schecke, den ich zu putzen hatte deutlich angenehmer im Umgang und ich fühlte mich mit jeder Minute, die ich striegelte etwas besser. Vor dem Verlesen des Schweifs hatte ich aber immer noch Angst und machte das nur sehr zögerlich. Zweimal zog mir die Stute den Schweif aus den Händen, doch dann ich fertig und der Schweif fiel locker und vollkommen entwirrt. Es war toll sofort das Ergebnis seiner Arbeit zu sehen und bis auf die emotionalen Probleme, war diese Arbeit deutlich leichter als das Ausmisten der Boxen. "Oh da kommen Quisquilloso und Quicksilver nach Hause. Die beiden waren mit ihren Reitern ausreiten." Neugierig beobachtete ich, wie die zwei bunten Pferde quer über den Hof geritten wurden. "Was ist das für eine komische Farbe?", fragte ich und deutete auf das Pferd dessen Punkte mich stark an die eines Dalmatiners erinnerten. "Quisquilloso ist ein Tigerschecke. Die Punkte die charakteristisch für diese Fellfarbe." Mittlerweile war Cruel Twist of Fate nicht mehr auf dem Reitplatz. Stattdessen galoppierte Special Luna Zip durch den Sand. Das sagte man mir, nachdem ich fragte ob das Pferd mal krank war oder in einen Topf weiße Farbe gestapft war. Irgendwie waren hier viele Pferde auf dem Hof, die ungewöhnlich gefärbt waren. Zumindest für mich, der da keine Ahnung hatte welche Möglichkeiten es gab. Über meine Unwissenheit wurde heute nicht nur dieses eine Mal gelacht. Ich konnte es den Leuten nicht verübeln. Ich lernte dass einjährige Jungpferde "Jährlinge" genannt wurden. Zwei davon gab es hier und sie hießen Imagine there's no Heaven und Varys. Außerdem lernte ich dass lange Namen offenbar beliebt waren in der Pferdewelt. Mich erinnerte das an die Zuchtnamen von Hunden.Alles in Allem war dieser zweite Stallarbeitstag wesentlich einfach, als der gestrige. Das lag wohl daran, dass man mir kaum aufgaben überließ. Die meiste Zeit sah ich Leuten beim Reiten oder Longieren zu. Longieren fand ich lustig und ich stellte mir vor Hunde auf diese Weide zu bewegen. Dass es das wirklich auch mit Hunden gab, wusste ich bis dato noch nicht. Aber mir gefiel der Gedanke nur über eine lange Leine mit dem riesigen Tier verbunden zu sein, das auf akustische Signale genau das tat, was man wollte. Ich hinterfragte ständig wie man Pferden etwas bestimmtes beibrachte und man erklärte mir gleich verschiedene Trainingsmöglichkeiten. "Viele Wege führen nach Rom." Das war wohl wahr. Am Spätnachmittag bekam ich mein Arbeitszeugnis und machte mich gleich darauf auf den Heimweg. Ich freute mich schon meinen Praktikumsbericht über die zwei verschiedenen Pferdehöfe zu schreiben und mein neu erlangtes Wissen dort unterzubringen. Vermutlich war das jedoch meine erste und letzte Erfahrung mit dieser Materie, denn die Arbeit mit Holz, ohne Tiere, gefiel mir besser. Weniger Nerven aufreibend, mehr Futter für die Seele. Zumindest in meinem Fall.
    • Veija
      Aufgelesen
      September 2019, by Wolfszeit
      Ich hatte gerade einen Anruf vom Tierschutz erhalten das sie in der Nähe ein verwahrlostes Pferd gefunden hatten und es nun zu mir bringen wollte. Ich hatte zugestimmt und bereitete Schnell eine Box im Stall vor. Kaum war ich auch fertig kam der Tierschutz um die Ecke gefahren. Ich begrüßte die Dame den Ausstieg. Ich öffnete die Hängerklappe und ein braun weißes Hinterteil kam zum Vorschein. Was ich von dem Pferd sehen konnte war nicht so schlimm wie ich erwartet hatte, aber dennoch war es kein guter Zustand. Das Fell war stumpf und struppig und die Knochen standen zwar noch nicht hervor, aber waren doch deutlich zu sehen. Gemeinsam mit der Dame von Tierschutz lud ich das Pferd aus. Die Dame erzählte mir das sie es freigekauft hatten und somit auch einen Pass hätten. Es hieß Cruel Twist of Fate und war ein American Painthorse Horse. Der Tierschutz würde ihn mir gerne zu weiterer Vermittlung übergeben. Als ich den Hengst am Putzplatz anband, bemerkte ich das er zu lange Hufe hatte. Neben dem Tierarzt würde ich also auch den Hufschmied herbestellen. Bis diese eintreffen würden, durfte der arme Kerl erst einmal in seine neue geräumige Box. Da er bestimmt lange Zeit schlecht ernährt worden war hatte er nur Späne als Einstreu bekommen und bekam auch erstmal nur eine kleine Portion heu im Netz bis den Tierarzt ihn angesehen hatte. Der Hengst stürzte sich auf das Heu. Die Dame vom Tierschutz verabschiedete sich und sagte das sie in ein paar Tagen noch einmal wiederkommen wollte um zu Besprechen wie es mit ihm weitergehen sollte.
    • Veija
      Wandel
      November 2019, by Veija
      Caleb
      HMJ 6693, Tortured Witch machte sich gut. Wirklich. Es ging zwar nur mit kleinen Schritten vorwärts, aber es ging voran. Aus den vier Schritten Abstand waren mittlerweile einer geworden. Oder ein halber. Jedenfalls so, dass ich sie nicht berühren konnte. Also ich könnte schon, wenn ich meinen Arm ausstrecken würde. Aber ich wollte sie nicht überfordern, da sie mir ganz klar zeigte, dass sie mir zwar ein bisschen vertraute, aber eben noch nicht ganz. Heute stand ich wieder auf der Koppel, hatte Möhren mitgebracht und fütterte sie damit. Sie fraß mir heute zum ersten Mal aus der Hand, nicht vom Boden aus. Sollte ich es heute wagen? Ja.
      Dann tat ich es einfach. Ich streckte meinen Arm aus und berührte sie. Zu erst vorsichtig an der Nüster, dann langsam am Kinn und an ihrem Hals. Witch beäugte mich argwöhnig, schien meiner Hand hinterher zu schauen, blieb aber stehen. "Goood giiirl.", sagte ich lobend zu ihr und kraulte ihren Widerrist, was ihr ziemlich zu gefallen schien.
      So machten wir weiter, Tag für Tag. Ich brachte ihr Möhren und durfte sie jedes Mal ein bisschen mehr anfassen und meine Finger durch ihr Fell gleiten lassen. Auch ein Halfter ließ sie sich mittlerweile anziehen. Sie folgte mir auch, zwar nicht sonderlich willig und nur zögerlich, aber sie folgte mir. Ich hatte mich auch schon daran gewagt, sie ein wenig zu putzen, damit sie wieder wie ein Pferd aussah. Die Arbeit mit ihr machte Spaß, sie war kein typisches Jungpferd, sondern ein Pferd, was nichts kannte und schlechte Erfahrungen gemacht hatte. Deshalb musste ich bei ihr auch anders vorgehen, als bei meinen anderen Pferden.
      Führen konnte ich sie nun nach ein paar Tagen richtig. Sie folgte mir willig und blieb kaum noch stehen. Schreckhaft war sie an der Hand auch nicht mehr wirklich, eher interessiert an allem drum und dran. Bis jetzt hatte ich sie noch nicht von der Koppel herunter geführt, sondern nur dort hoch und runter. Zum Üben hatte ich dort auch Stangen hingelegt und sonstige Gegenstände, die sie frei kennen lernen konnte. Eine Plane, die ich mit Erde im Boden befestigt hatte, lag auch dort. Ich hatte Witch schon des Öfteren dort gesehen, wie sie um sie herum getänzelt war. Doch drauf getraut hatte sie sich noch nicht. Das war aber auch nicht schlimm. Mit Cielos verstand sie sich immer besser. Bald würde ich sie auch zusammen lassen, dann konnte er ihr auch zeigen, was es hieß, ein Pferd zu sein. Vielleicht würde er ihr auch die Plane näher bringen, es war alles möglich.
      "Komm Witch.", sagte ich und führte sie wieder um die Plane herum, ließ sie stehen und kraulte ihren Hals. Hufe geben fand sie noch ziemlich doof, machte aber dennoch willig mit. Hinten schien sie immer noch kein Gleichgewicht finden zu können, weshalb ich bald einen Tierarzt drauf schauen lassen wollte. Vielleicht lag es wirklich an ihrem Rücken. Ich lobte sie dennoch für ihren Versuch und machte ihr das Halfter nun ab. Bald kam eine Maßanfertigung eines Bekannten, der für alle Eventpferde ein eigenes Halfter entwerfen wollte. Darauf freute ich mich schon besonders!
      Ich verließ die Koppel, streichelte Gipsy noch kurz über die Nase und ging dann ins Büro, an meinen Laptop. Ich musste noch ein paar E-Mails zu Pferden beantworten. Dass Witch nicht das einzige neue Pferd bleiben würde, war klar gewesen. Von Chattahoochee Hills war Kholáya zu uns gestoßen. Eine 7- Jährige Paint Horse Stute. Eine wirklich hübsche Rappscheckstute. Frosty Lagoon, eine 4 - Jährige braune Quarter Horse Stute und eine 8 Monate alte Fuchsstute, Blue Fire Cat, hatten wir zusammen von einem Reiningzüchter aus den USA erstanden. Elsa, wie Frosty Lagoon genannt wird, ist schon einige Turniere gelaufen und hat für ihre 4 Jahre einiges auf dem Kasten. Von Cat müssen wir uns, wie bei jedem Fohlen, wohl überraschen lassen. Im Umgang ist sie allerdings jetzt schon ein Schatz.
      Ebenfalls aus den USa, aber von einem Cuttingzüchter, haben wir Captains Blue Crystal erstanden. Eine 3 - Jährige Fuchsstute, die gerade eingeritten worden ist und ihre ersten Schritte unter dem Sattel läuft. Da die Bow River Ranch nun auch einen ganzen Haufen Rinder besitzt, fand ich es für sehr sinnvoll, noch ein weiteres Cuttingpferd, neben Gunners Styled Gangster und Wimpys Little Devil, auf die Ranch zu holen.
      Ein alter Bekannter ist Cruel Twist of Fate. Wir hatten ihn abgegeben, da wir ein paar Hengste verkaufen wollten. Leider war er im Tierschutz gelandet, dann wieder aufh Chattahoochee Hills. Ohne zu zögern hatten wir ihn wieder bei uns aufgenommen. Ein Hengst mehr oder weniger, auf jeden Fall hatte er hier nun ein richtiges Zuhause und würde nicht wieder vom Hof gehen. Ich spielte jedoch mit dem Gedanken, ihn kastrieren zu lassen. Mit seiner Abstammung haben wir schon ein paar Pferde hier auf dem Hof, die Charakterlich und auch Potenzialmäßig vielleicht eher zur Zucht geeignet sind, als er. Doch das stand alles noch nicht fest. Ich würde bald das Training mit ihm aufnehmen. Dann würde sich rausstellen, ob seine Zukunft in Richtung Zucht, oder in Richtung Ranchpferd gehen würde.
      Ebenfalls neu und wirklich ein sehr sehr guter Kauf war die 2 - Jährige Paint Horse Stute Gun Sophie. Sie stammt aus einer Zuchtauflösung und wird mit Gangster irgendwann einmal wunderschöne, hoffentlich genauso talentierte Fohlen bringen.
      So war auf der Bow River Ranch immer etwas los. Mit großen Schritten ging es auch nun auf Weihnachten zu. Dann war der Hof schon ein Jahr in meinem Besitz. Auf das nächste Jahr freute ich mich schon besonders, denn es waren viele der Stuten tragend und erwarteten ein Fohlen.
    • Veija
      platzhalter
    • Veija
      Ein Mädchen für alles - Ausschnitt aus dem HMJ Finale
      Februar 2020, by Veija
      Caleb
      "Caleb", "Mr. O'Dell", "O'Connell? Oder so?", "Cowboy", "Der Blonde mit dem Cowboyhut da hinten", "Na.. der da, der so grimmig drein schaut", "Caaaaaaleeeeeb", "Ey!", "Sir?" und vieles mehr. Ich kann gar nicht aufzählen, wie oft ich meinen Namen in den letzten Tagen, ja sogar Wochen gehört hatte. Ich hatte mich freiwillig gemeldet. Ich hatte gesagt, ich würde bei dem Horse Makeover helfen, ein Pferd aufnehmen, trainieren und sogar meine Ranch für das Event zur Verfügung stellen. Dass Menschen so anstrengend sein konnten, wurde mir erst mittendrin klar.

      "Alle wissen was sie zu tun haben? Heute sollen, wenn alles gut geht, alle Eventpferde mit ihren Besitzern und ihren engsten Vertrauten zurückkommen. Jedes Pferd bezieht eine der Paddockboxen am Reitplatz, wahlweise auch im Stall, falls es einigen draußen zu kalt sein sollte, man weiß ja nie, Kanada hat ein anderes Klima.", erklärte ich meinen Mitarbeitern und genoss die Ruhe vor dem Sturm. Seid bitte alle hilfsbereit, bietet eure Hilfe auf jeden Fall dann an, wenn ihr seht, dass jemand sie nötig hat. Seid freundlich, sprecht mit den Teilnehmern. Aber vergesst bitte um Himmels Willen nicht eure Aufgaben hier auf dem Hof. Es ist alles eng getaktet, wenn morgens schon etwas schief läuft, wirkt sich das auf den ganzen restlichen Tag aus. Ein frohes Arbeiten!"
      Und dann ging es los... nach und nach reisten alle an, bezogen ihre Boxen und wuselten auf meiner Ranch herum. Immer wieder zwischendurch hörte ich meinen Namen, oder Anreden, um meine Aufmerksamkeit auf die Fragenden zu ziehen. "Natürlich haben wir koffeeinfreien Kaffe.", sagte ich zu einer jungen Frau und begleitete sie in die Küche des Haupthauses. "Sie können die Packung gerne mit in ihre derzeitige Wohnung holen, dann müssen sie nicht immer hier herüber kommen, und ihn sich hier machen.", erklärte ich ihr freundlich, schob sie aber mehr oder weniger bittend aus meinem Haus heraus. Dass ich ein sturköpfiger Eigenbrödler war, war nichts neues. Dementsprechend hatte ich es wohl am schwersten, mich an den ganzen Trubel hier zu gewöhnen. Nichtsdestotrotz wollte ich mit dem Training meiner Pferde auch ein bisschen weiter kommen, so dass ich mich gegen Nachmittag auf dem kleineren Reitplatz befand und meinen Hengst Vulture warm ritt. Ich konzentrierte mich auf den Hengst und nahm das leise Räuspern am Zaun zu erst nicht wahr. Erst als es lauter wurde und eine junge Frau meinen Namen sagte, hellten sich meine Züge ein wenig auf. "Johanna!", sagte ich mit aufhellenden Zügen und trabte Vulture auf sie zu. "Ich hab gar nicht mitbekommen, dass du angekommen bist. Hast du Conti schon untergebracht? Wie macht sie sich?", fragte ich sie und klopfte Vulture gegens Vorderbein, damit er aufhörte, im Sand zu scharren. "Gut, gut. Sie hat sich sofort auf ihr Heu gestürzt. Aber wo hast du denn deine Witch? Ich hab sie noch gar nicht gesehen hier.", fragte sie mich, was mich kurz zum Auflachen brachte. "Witch steht hinten im letzten Stall in ihrer gewohnten Box. Hab sie schon eine Weile vom Trubel weggestellt, damit nicht alle auf die Idee kommen, sie sich sofort angucken zu gehen. Ich hab in den Ställen nichts zu verstecken, viele Pferde sind eh nicht im Stall. Aber ich mag es nicht so, wenn überall fremde Leute herumlaufen. Deshalb dachte ich, bis zum letzten Stall würden sich die wenigsten vorkämpfen. Dann hab ich auch später meine Ruhe, sie fertig zu machen.", erwiderte ich schulterzuckend. "Macht Sinn.", meinte Johanna und fragte, ob sie mir noch kurz zuschauen dürfte. Ich nickte und trabte meinen Hengst wieder an, ehe ich ihn auf dem Zirkel angaloppierte. Johanna blieb ein paar Runden, ging dann jedoch wieder ihrer Wege.
      Kurze Zeit später stand Cooper am Zaun und wollte einen Schwamm, ein Tuch und einen Eimer haben. Im Stall hätte sie keinen gefunden. "Ich komm mit und zeig es dir.", erklärte ich und ritt zusammen mit ihr zum Stall. "Kannst du ihn kurz halten?", fragte ich sie und ließ sie mit meinem Hengst draußen stehen. Den Stall hätte ich nie betreten sollen, denn sofort kam mir Octavia wild gestikulierend entgegen. Energisch zog sie mich am Arm hinter sich her auf die Toilette. "Bist du bescheuert? Sattelkammer vielleicht? Aber Toilette?!", fragte ich sie, nun auch mit den Armen fuchtelnd. "Die sind überall, nirgends ist man vor ihnen sicher!" "Wie war das mit dem freundlich sein?", fragte ich sie mit hochgezogener Augenbraue und klopfte ihr sachte auf die Schulter. "Du kannst jetzt das Mädchen für alles sein, ich verzieh mich!", quietschte sie, öffnete die Tür der Toilette und ließ mich mit einem verwirrten Blick zurück.
      Als ich aus der Toilette heraustrat, wusste ich genau, was sie gemeint hatte. Vor mir hatte sich ein kleiner Ball aus Menschen gebildet, alle sagten meinen Namen oder sprachen mich mit einer anderen Anrede an. "Einer... nach dem Anderen.", sagte ich, zog einmal scharf die Luft ein und setzte ein kleines, gequältes Lächeln auf. Ich hatte es so gewollt und ich hatte es gerne so gewollt.
      Pflegebericht für: Cruel Twist of Fate, Kholáya, Frosty Lagoon, Bittersweet Temptation, Lady Blue Skip, Only Known in Texas, Picture of a Ghost, Miss Independent, A Shining Chrome, Honey's Aleshanee, Striga, GRH's Unbroken Soul of a Magic, A Walking Honor, GRH's Aquila T Mistery, GRH's Unbroken Soul of a Devil, Snapper Little Lena, Stormborn, Zues, Jacks Inside Gunner, BR Colonels Golden Gun, BR Colonels Lil Joker, Sweet like Chocolate, Colonels Blue Splash, BR Dress to Impress, Special Luna Zip, Captains Blue Crystal, Gun Sophie, PFS' Unclouded Summer Skies, California Rose, Ginger Rose, Smart Lil Vulture, Chocolate Shades, GRH's Funky's Wild Berry, Abadon all Hope, Kisshimbye, Easy Going, Chou, My sweet little Secret, I'm a Playboy, Whitetails Shortcut, Whinney, Citizen Fang, Cielos, Silent Bay, Alan's Psychedelic Breakfast, Chapter 24, Chocolate Dream, General's Coming Home, GRH's Bellas Dun Gotta Gun, Gun and Slide, Gunners Styled Gangster, Hollywoods Silver Dream, Nachtschwärmer, Blue Fire Cat, Dual Shaded Ace, Bella Cielo, Black Sue Dun It, DunIts Smart Investment, Face Down, Ginny my Love, GRH's A Gun Colored Lena, Heretic Anthem, Jade, Kristy Killings, Magnificient Crow, Raised from Hell, Tainted Whiz Gun, Verdine, Wimpys Little Devil, Prias Colourful Soul, Leuchtfeuer di Royal Peerage, Cleavant 'Mad Eyes', Ceara Isleen, Tigres Eye, Priamos Ruffia Kincsem, Drama Baby, Raspberry, Candlejack, Culain, Peacful Redemption, Wildfire xx
    • Veija
      Tierarztbericht
      Kastrieren von Cruel Twist of Fate, Zues & Citizen Fang

      Februar 2020, by Rose1
      Mit zwei großen Schlucken leerte ich meinen Kaffee und steuerte die Einfahrt der Ranch an.
      Heute hatte ich viel zu tun. Ich musste drei Hengste kastrieren, davon war einer ein Kopphengst und musste in der Klinik operiert werden.
      Als ich aus meinem Auto stieg sah ich mich erstmal um. Die Ranch befand sich in Kanada und die Lage war unglaublich toll. Schließlich widmete ich mich meinem Auftragsgeber, der bereits auf mich wartete. Mit schnellen Schritten lief ich zu Caleb O‘Dell, dem Besitzer der drei Hengste.
      „Guten Tag Herr O'Dell“, meinte ich zur Begrüßung und schüttelte ihm die Hand.
      „Guten Tag. Ich hoffe sie hatten eine angenehme Anreise. Wollen wir direkt anfangen?“
      Ich nickte. „Ich würde mit Citizen Fang beginnen, da Cruel Twist of Fate ja ein Klopphengst und Zues sehr schwierig ist. Da Fang schon ausgewachsen ist, muss ich bei ihm die bedeckte Methode anwenden, um Komplikationen wie zum Beispiel einen Darmvorfall zu verhindern“, erklärte ich.
      „Das bedeutet, dass ich nur den Hodensack und nicht die Bauchhöhle öffne. Dafür muss ich den Hengst hinlegen und eine Vollnarkose ist erforderlich.“
      „Okay, ich habe die Hengste schon in ihre Boxen gestellt“, sagte Caleb und führte mich in den Stalltrakt. Der hübsch gepunktete Hengst, mit dem ich beginnen würde, sah mich neugierig an.
      „Alles gut Süßer“, murmelte ich und begann mit dem Kontrollieren der Vitalfunktionen und der Hoden. Wenig später spritzte ich auch schon das Narkosemittel.
      Das Paint Horse sackte kurz darauf in sich zusammen. Glücklicherweise blieb es ruhig und trat nicht um sich wie einige andere Hengste, die ich schon kastriert hatte.
      Als ich sicher war, dass das Mittel angeschlagen hatte zog ich mir sterile Handschuhe über und desinfizierte mein Werkzeug.
      Dann begann ich sein Fell an den betroffenen Stellen abzuscheren und desinfizierte alles großflächig.
      Jetzt musste alles schnell gehen, denn die Narkose wirkte nur kurz.
      Mit wenigen sauberen Schnitten öffnete ich den Hodensack und nahm den Hoden heraus.
      Dann klemmte ich die zugehörigen Blutgefäße ab und schnitt sie wenig später auch ab.
      Die entfernten Hoden ließ ich in den bereitgestellten Eimer fallen.
      Zum Schluss vernähte ich alles gut, wobei ich jedoch ein Loch ließ um Wundsekreten das Abfließen zu erleichtern und sprühte anschließend Silberspray auf die Wunde.
      „Fertig!“, verkündete ich und drehte mich zu Caleb um.
      Er hatte die ganze Zeit hinter mir gestanden und schien das Blut gut verkraftet zu haben, auch wenn sein Gesicht etwas blasser als zu Beginn zu sein schien.
      „Er ist älter als zehn, was bedeutet, dass er den Testosteronabfall vielleicht nicht so gut verkraften wird. Wenn Sie denken, dass sein Lebenswille abnimmt und er schlapp wirkt sagen Sie mir schnell Bescheid. Dann braucht er dringend künstliche Hormone. Zum Glück passiert das äußerst selten“, meinte ich noch und stand wieder auf.
      Danach beobachteten wir noch ob das Aufwachen gut verlief und sprachen dem Patienten gut zu.
      Als er wieder ruhig fraß wand ich mich zu Caleb. „Jetzt würde ich mit Zues weiter machen.“
      Er nickte und brachte mich zu einer etwas abgelegenen Weide, auf der ein grauer Hengst stand.
      Leise zog ich mein Blasrohr hervor.
      Der Hengst war mit Fressen beschäftigt und schien noch nichts von seinem Schicksal zu ahnen.
      Mit einer geübten Bewegung setzte ich das Blasrohr an die Lippen und schoss den Pfeil ab.
      Ich grinste als ich sah, dass er in der Haut des Quater Horses feststeckte.
      Der Hengst merkte es offensichtlich auch, denn er stob erschrocken davon und machte einige Bocksprünge. Vermutlich versuchte er den lästigen Fremdkörper loszuwerden.
      „Das dauert jetzt ein wenig“, murmelte ich ohne meinen Blick von dem Grauen zu lösen.
      Einige Minuten später wurden die Bewegungen des Tieres langsamer und er senkte den Kopf.
      Schließlich knickte er ein und fiel auf die Seite.
      Als ich mir sicher war, dass er nicht mehr um sich treten oder beißen konnte lief ich zu ihm auf die Weide. Zuerst nahm ich ein wenig Blut aus der Drosselvene an seinem Hals und füllte es in ein Plastikröhrchen um mich dann der Kastration zu widmen.
      Hier ging ich genauso vor wie bei Citizen Fang.
      Als auch Zues kein Hengst mehr war, verließ ich die Weide und beobachtete ihn aus der Ferne beim Aufstehen. Zwar regte sich der hübsche Graue sehr auf und versuchte sofort wieder auf die Beine zu kommen, doch er schien die Narkose gut vertragen zu haben.
      „Gut, Sie müssen beide Hengste die ersten drei Wochen von Stuten fern halten, da sie noch zeugungsfähig sind. Sorgen Sie dafür das Ihre Tiere sich in den nächsten Tagen ausreichend bewegen, dass das Wundsekret und das Blut abfließen können“, meinte ich zum Schluss zu Caleb.
      Dieser nickte und fügte noch hinzu. „Jetzt müssen wir noch Fate verladen.“
      Der Paint Horse Hengst machte beim Verladen zum Glück überhaupt keine Probleme, so dass ich es pünktlich zu Klinik schaffte. Einige Mitarbeiter hatten den OP-Saal bereits vorbereitet und so begann ich direkt damit dem Hengst seine Sedierung zu verabreichen. Ich operierte heute so, dass der Hengst bei der OP stand, was das Narkoserisiko minimierte.
      „Schlaf gut mein Kleiner“, murmelte ich zum Abschied und strich ihm über die Nüstern.
      Als Fate endgültig ins Reich der Träume entschwunden war, begann ich damit einige Bereiche an der Flanke zu rasieren und Desinfektionsmittel aufzusprühen.
      Bei Fate waren beide Hoden in der Bauchhöhle verblieben, was meist zu Unfruchtbarkeit und leider manchmal auch zu Hodenkrebs führen kann, da es im Körperinneren für die Hoden zu warm ist.
      Ich hatte eine minimalinvasive Operationsvariante für ihn gewählt um möglichst wenig Gewebe zu beschädigen. Deshalb mussten die Schnitte nur sehr klein sein.
      Als die Bauchhöhle geöffnet war, begann ich sofort damit nach den Hoden zu suchen.
      Das gestaltete sich oft schwieriger als es klang, da die Hoden missgebildet und verkleinert sein könnten. Endlich hatte ich einen der Hoden gefunden und begann mit der Entfernung.
      Wenig später konnte ich ihn auch schon aus der Bauchhöhle nehmen und fing an nach dem Nächsten zu suchen. Zum Glück fand ich auch diesen schnell.
      Einige meiner Kollegen mussten die Operationen von Klopphengste schon abrechen, weil sie einen der Hoden nicht fanden.
      Schließlich nähte ich die Wunde zu und sprühte noch ein keimtötendes Wundspray darauf.
      Fate durfte jetzt wieder aufwachen.
      Dafür gab ich ihm spezielle Medikamente, die ein langsames, ruhiges Aufwachen ermöglichten, und zog dem Wallach ein Schutzgamaschen und ein spezielles Halfter an.
      An diesem und seinem Schweif wurden nun Taue befestigt, die von Helfern festgehalten wurden und Fate wurde in eine Aufwachbox gebracht.
      So reduzierte ich die Gefahr von Verletzungen oder Komplikationen beim Aufwachen.
      Trotzdem blieb bei mir immer ein wenig Nervosität bis das Pferd wieder auf allen vier Hufen stand.
      Zum Glück ging bei Fate alles glatt und ich rief direkt Herr O’Dell an und erzählte ihm, dass die OP und das Aufwachen sehr gut verlaufen waren.
      Nun musste der junge Schecke noch einige Tage dableiben um sich zu erholen.
      Nach dieser Zeit hätte ich auch dann auch die Ergebnisse von Zues Bluttest.

      Als ich eine Woche später Fate wieder nach Hause fuhr, wusste ich auch wie es um Zues stand.
      Caleb begrüßte mich freundlich und begann direkt damit sein Pferd auszuladen.
      „Fate war wirklich brav und die Operation ist glücklicherweise sehr gut verlaufen. Das Labor hat mir inzwischen auch Zues Werte zugeschickt und ich muss sagen, einige Werte waren nicht mehr im Normbereich.
      Der Kerl hat einen ordentlichen Selen- und Zinkmangel, was zu Hufproblemen, struppigem Fell und einem schwachen Immunsystem führen kann. Das ist leider oft so wenn Pferde ausschließlich auf der Weide stehen und kein Mineralfutter bekommen. Ich gebe Ihnen ein Präparat mit, dass Sie ihm unters Futter mischen müssen“, erklärte ich und kramte eine Medikamentenpackung aus meiner Tasche. „Hier bitteschön. Die Dosierung steht dabei.“
      „Dankeschön und auf Wiedersehen“, meinte Caleb und schüttelte mir die Hand.
      „Ich wünsche den drei Jungs gute Besserung. Bei Komplikationen können sie mich einfach kontaktieren. Auf Wiedersehen.“
      Ich ließ meinen Blick noch einmal über die Ranch schweifen und stieg wieder in mein Auto.
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  • Album:
    BRR Verkaufsstallung
    Hochgeladen von:
    Veija
    Datum:
    1 Nov. 2019
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    EXIF Data

    File Size:
    151,5 KB
    Mime Type:
    image/jpeg
    Width:
    960px
    Height:
    640px
     

    Note: EXIF data is stored on valid file types when a photo is uploaded. The photo may have been manipulated since upload (rotated, flipped, cropped etc).

  • Exterieur
    Name: Cruel Twist of Fate
    Rufname: Twist
    Alter: 8 Jahre
    Geschlecht: Wallach (seit 20.02.2020)
    Größe: 1,56m
    Rasse: American Paint Horse
    Fellfarbe: Palomino Tobiano (eeAanCrToto)


    Stammbaum
    von: Call me a Twist
    aus der: Miss Independet
    von: Eye of the Storm
    aus der: Rose colored Gun

    Charakter & Geschichte:
    Er ein frecher Hengst mit bester Abstammung. Er lernt er sehr schnell, arbeitet fleißig mit und zeigt sich oft von seiner besten Seite. Zu seinen Mitpferden ist er sehr unerzogen und frech, da lässt er sich eher nichts sagen. Es scheint so, als würde er auf den Rang des Herdenführers hinarbeiten. Tate ist auch lieber alleine auf dem Paddock als mit einem weiteren Pferd, er liebt seine Zeit für sich alleine. Das Fohlen ABC beherrscht er und auch den Hänger kennt er und fürchtet ihn nicht. Tate ist ein achtsames Pferd und schätzt seinen Reiter, sollte er stolpern oder gar hinfallen, versucht er seinen Reiter dennoch vor Verletzungen zu schützen und nicht zu überrollen oder über ihn zu fallen. Doch egal wie sehr er seinen Reiter zu schätzen weiß, ist Gras doch viel interessanter und davon könnte er eine ganze Mene verdrücken, vor allem bei Spaziergängen und Ausritten. Er ist zwar nicht schreckhaft, aber ein ziemlicher Mitläufer. Sollte ein Pferd aus der Reihe tanzen oder sich erschrecken, ist er der Erste der mitzieht, so sollte auch möglichst ein erfahrener Reiter auf ihm sitzen und ihn händeln. Ebenso ist er auf dem Platz weniger guckig, wenn es windig ist als in der Halle, wenn der Wind gegen die Hallenwände oder das Dach peitscht.

    Zuchtinfos
    Gekört/Gekrönt: nein

    Besitzer: Veija (Caleb O'Dell)
    Vorbesitzer: Cooper
    Gezüchtet bei/Zucht:

    VKR: Cooper

    Kaufpreis: 200 Joellen
    Zu Verkaufen: ja, gegen Gebot


    Qualifikationen:

    eingeritten
    nicht eingefahren

    Dressur E
    Springen E
    Military E
    Distanz E
    Galopprennen E

    Western


    Erfolge:


    Gesundheit:
    Gesundheitszustand:
    Letzter Besuch:

    Hufschmied:
    Letzter Besuch:
    Beschlag: