Canyon

● Westatlanta

Englisches Vollblut ○ Rapp-Tigerschecke ○ Stute ○ 3 Jahre ○ 158cm ○ gekrönt

● Westatlanta
Canyon, 16 Aug. 2019
Wolfszeit gefällt das.
    • Canyon
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      Gestüt von Landsberg

      Pflegebericht
      Käthe | “Du gehörst ins Bett, my Dear.” ermahnte mich Erin, als ich den Stall betrat und meine Thermoskanne auf der Futterkiste abstellte. Ich seufzte. “...aber mir fällt die Decke auf den Kopf.” sagte ich mit erstickter Stimme und folgte ihr in die Sattelkammer. “Wie läuft es mit Funny Sugar?” fragte ich sie und nahm mir einen Führstrick. “Sehr gut! Die letzten Tage habe ich mit ihr vermehrt Bodenarbeit gemacht und unsere Verbindung wird immer besser!” erzählte sie euphorisch und ich freute mich darauf, die Entwicklung der beiden miterleben zu dürfen. Erin hatte die junge Stute im Oktober letzten Jahres gekauft um sie selbst ausbilden zu können und ich versprach ihr zu helfen, sollte sie meine Unterstützung benötigen. Sie öffnete den Spind von Hibana und nahm den Sattel, ein paar Gamaschen und die Putzkiste heraus. “Was möchtest du heute machen?” fragte sie mich auf dem Weg zu ihrer Box und ich überlegte einen Moment. “Ich denke ich striegel die Pferde nur ab, bringe sie auf die Weiden und vielleicht gehe ich eine gemütliche Runde ins Gelände.” antwortete ich und Erin nickte zustimmend. Wir unterhielten uns noch einen Moment, bevor ich mich auf den Weg machte und mich um die Pferde kümmerte. Nachdem sich die Fohlen Granada, Ivy’s Rhapsody und Missing Misty auf der Weide neben dem unteren Stallgebäude befanden und um die Wette galoppierten, ging ich zur Box von Lorelei. Lorelei war seit einer Woche auf dem Hof und stach, als Kaltblut, deutlich zwischen den Vollblütern hervor. “Na meine Große, wie geht es dir heute?” fragte ich sie und ging in die Box um ihr grobe Verschmutzungen und Streu, die sich im Fell verfangen hat, abzubürsten. Tiefenentspannt, stand sie mit ihrem dichten Winterfell vor mir und genoss die massierenden Bewegungen der Bürste.
      Da sie noch in der Eingewöhnung war, brachte ich sie auf die Koppel neben dem Haus, die wir abgetrennt hatten damit auch Westatlanta ihren Freigang genießen konnte. Ases Maskwamozi, Echo’s Maiden und Smooth Gravity brachte ich zusammen auf eine der großen Weiden und Bearing Spot's, Bear Brooks Denahi, Grenzfee und Sympathy of the Devil auf eine anschließende Weide, damit die Stuten untereinander trotz der Litze Kontakt halten konnten. For an Angel brachte ich zu den Fohlen auf die Weide. Als auch Amistad, Compliment und Valentine’s Cantastor auf den Weiden waren, kontrollierte ich noch einmal dass alle Tore fest verschlossen waren und ging in den Stall um Smarty Jones für den Ausritt fertig zu machen. Der Hengst war das Verlasspferd schlechthin und ich vertraute ihm in jeder Situation. Da ich angeschlagen war hielt ich es für besser, ihn für einen Ausritt zu wählen. Ich holte den Hengst aus der Box und band ihn in der Stallgasse an um ihn gründlich zu putzen. Nachdem ich seine Hufe ausgekratzt hatte ging ich in die Sattelkammer und holte ein paar Gamaschen, seinen Sattel und die Trense. Mit einer Grippe war es ein Kraftakt, den schweren Westernsattel auf den Rücken des Hengstes zu bekommen, doch ich nahm alle Kraft zusammen und legte ihn mit Schwung auf. Der Hengst schnaubte und wandte mir seinen Kopf zu als wolle er fragen, ob alles okay sei. Ich streichelte über seine Stirn und lachte. “Womit hab ich dich nur verdient, hm?” fragte ich ihn und er rieb sein zartes Maul an meinem Oberschenkel. Ich holte eine Abschwitzdecke aus seinem Schrank und legte sie ihn über die Kruppe. Wir hatten zwar keine Minusgrade, doch der Wind fühlte sich eisig kalt an. Ich trenste den Hengst und führte ihn auf den Hof zur kleinen Bank um aufzusteigen. “Nimm das mit, zur Sicherheit.” sagte Erin und drückte mir mein Smartphone in die Hand. Dankbar steckte ich es in meine Jackentasche und trieb den Hengst vorwärts. Als wir an den Weiden vorbeigeritten waren, schlugen wir den Weg entlang der Felder ein. Im Schritt ritten wir auf einem kleinen Pfad zwischen Waldrand und frisch gepflügtem Feld bis es zu nieseln begann und wir in den Wald abbogen. “Wir sollten viel öfter ausreiten, meinst du nicht auch?” fragte ich Smarty Jones und streichelte den Hals unter seiner nachgewachsenen Mähne. Als würde er mir zustimmen, stieß er ein kurzes Schnauben aus und richtete ein Ohr nach hinten. Auch wenn es mich fröstelte, genoss ich die Auszeit im Wald auf dem Rücken meines Lieblings. Die vergangenen Wochen waren nervenaufreibend gewesen. Beginnend mit der Heunot durch den heißen Sommer, über die Vorbereitungen für den Winter, bis hin zum Jahreswechsel hatten wir alle Hände voll zu tun und sogar Hunter, der ebenfalls nicht zu wenig Arbeit hatte, half wo es nur möglich war. Mit dem ersten Tag im neuen Jahr fiel alle Last von unseren Schultern und wir hofften auf ein besseres Jahr. Nach knapp 3 Stunden erreichten wir wieder den Hof. Ich sattelte den Hengst ab und brachte ihn mit einer Abschwitzdecke auf die Koppel zu Valentine’s Cantastor, mit dem er sich sehr gut verstand. Sichtlich am Ende räumte ich den Stall noch auf, bevor ich mich ins Haus zurück zog und mir ein Erkältungsbad einließ.

      07-01-2019 | adoptedfox
    • Canyon
      ▲▽▲
      Gestüt von Landsberg

      Pflegebericht
      Käthe | Ein paar Monate waren vergangen, seit Hunter sich dazu entschlossen hatte den Hofbetrieb für geraume Zeit einzustellen und die Pferde an befreundete Sport- und Zuchtanlagen verkaufte. Wir verbrachten nur noch wenig Zeit miteinander und doch genoss ich jede Minute seiner Anwesenheit. Um Erin zu entlasten, die einmal wöchentlich Seminare an der Universität in Nottingham besuchte um ihre Trainerlizenz zu erhalten, stellte ich zwei zusätzliche Pferdepfleger ein die uns unterstützten. Die Reitstunden hatte ich aus dem Programm genommen, dafür bot ich aber immer wieder Kurse zu verschiedenen Themen an die mehr als gut besucht waren. Auch bei meinen privaten Pferden lief es bestens. Die Fohlen werden mehr und mehr an das Fohlen ABC herangeführt und beinahe wöchentlich waren wir mit unseren Pferden auf Turnieren vertreten. Mal mehr, mal weniger erfolgreich. Jetzt im Sommer zogen wir es vor, die Pferde in den frühen Morgenstunden zu bewegen damit sie die heißen Temperaturen auf den Weiden verbringen konnten. Abends, nachdem die Pfleger sich in den Feierabend verabschiedeten, sattelten Erin und ich die Pferde und ritten aus um den alltäglichen Wahnsinn hinter uns zu lassen. “Wollen wir heute Abend zum See reiten?” fragte Erin und setzte den Huf ihrer Stute Hibana ab. “Ich kann leider nicht. Hunter kommt heute vorbei und ich möchte ihn mit einem Abendessen überraschen.” antwortete ich ehrlich und streichelte der Stute den Hals.
      “Da freut er sich bestimmt! Mensch… ich finde es schade das er alles auf Eis gelegt hat.” Ich stimmte ihr zu. Auch wenn ich hinter ihm stand, machte ich mir Sorgen wie es weitergehen würde. Ich blieb noch ein paar Stunden im Stall und half Erin dabei die Pferde für die Koppel fertig zu machen, bevor ich mir eine Einkaufsliste schrieb und in die Stadt fuhr um alles für das Essen zu besorgen. Die kommenden Wochen waren bereits gut durchgeplant. Am meisten freute ich mich auf einen Dressurlehrgang, den ich für mich und Bear Brooks Denahi gebucht hatte.

      15-06-2019 | adoptedfox
    • Canyon
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      Aus Asche erblühen
      | Grenzfee | Echo's Maiden | Far Cry | Amistad | Westatlanta | Light up Hell | CHH' Lethal Combination | Song of Peace | PV Gräfin | Alphabet Soup | Ivy's Rhapsody | Marid | Mytos | Arias | Chosposi | Anaba | Morrigans Hidalgo | My Canyon | Flotten von Mutanten | Cloud | Aquena | Zonta | Havanna Girl | Ghostly Phenomenon | Pítu | Óslogi | Félagi | Imagine Dragons |

      „Es ist bezeichnend, dass wir vor fast genau einem Jahr genau hier saßen und das Gespräch heute vermutlich genau das gleiche sein könnte, wie damals“, sagte ich und ließ mich neben Nico auf den Stein sinken.
      „Das stimmt nicht, wir haben viel erreicht im letzten Jahr.“ Nico zieht an seiner Zigarette. „Ein paar gewonnene Turniere, gelungene Pferdeverkäufe und mein Sohn hat seit fast zwei Monaten durchgängig die gleiche Freundin. Das wäre letztes Jahr um diese Zeit noch nicht denkbar gewesen.“
      „Ein Nicolaus du Martin wird seinen Sarkasmus und die darin eingebaute angebliche Hoffnung wohl nie verlieren.“
      „Das kommt alles von der Natur. Immerhin bezeichne ich dich nach zehn Jahre pure Feindschaft als meinen besten Freund. Das ist wahre Ironie. Mit dir habe ich das Gefühl, dass wir als einzige alle zehn Staffeln „The Walking Dead“ überleben würden.“
      Ich lächle dankbar. Vielleicht sieht Nico es im Licht seiner glühenden Zigarette, vielleicht ahnt er es und vielleicht sind seine Gedanken ganz wo anders. „Danke, mein Freund, das bedeutet mir viel.“ Wir schweigen einen Moment und lassen unseren Blick über die hügelige Ebene, die vom Halbmond nur spärlich beleuchtet wird, gleiten. „Was wäre, wenn wir dieses traurige Kapitel der letzten zwei Jahre hinter uns lassen uns neu anfangen? Seit einem Jahr haben wir kein neues Pferd mehr gekauft, unsere Zuchthengste sind alt und die Stuten haben seit Jahren kein Fohlen mehr getragen.“
      „Wir alle brauchen irgendwann Frieden. Ich habe meinen mit dieser Situation geschlossen. Wir halten und mit den Turniergewinnen über Wasser und verdienen und ansonsten noch ein paar Kröten mit Training hinzu. Warum immer mehr arbeiten, wenn das zum Leben reicht“, sagt Nico gedehnt.
      „Du bist faul geworden. Faul und dick. Du ruhst dich auf den Erschaffungen deiner Jugend aus!“
      „Und? Was ist daran falsch? Ich habe hart gearbeitet und jetzt ruhe ich. So will ich es.“
      Ich seufze. „Du bist ein Blödmann, das warst du schon immer.“
      „Und Dir stehen deine kurzen Haare nicht.“
      „Selber.“
      „Altwerden ist anstrengend.“
      „Ja.“
      „Apropos. Schiebst du mich zurück? Mit der Kippe in einer Hand fahre ich immer schräg.“

      „Ich habe mir was überlegt.“
      „Was?“
      „Ich habe mir was überlegt!“
      „Ja, was?“
      Ich beiße die Zähne aufeinander und grunze. Nico ignoriert mich. Er starrt seit einer Ewigkeit auf den Bildschirm seines IPads und schaut sich Dokumentationen über Friseursalons für Labrapudel an. „Wir kaufen ein paar neue Pferde.“
      „Ne“, sagt Nico.
      „Wieso nicht?“
      „Keine Lust und kein Geld.“
      „Investieren nennt man das. Geld ausgeben, um später mehr Geld einzunehmen.“
      „Ne.“
      „Doch.“
      „Okay.“
      „Hör auf damit!“
      „Mit was?“
      „Mich absichtlich zu nerven.“
      „Geht aber immer so erstaunlich gut.“
      Ich seufze und mache mir einen Tee. Die kleine Wohnküche war für die Besatzung des Hofes, die laut Barts Beobachtungen nur aus alten und verzweifelten Männern bestand, sich ausgerechnet, deutlich zu klein. Aber solange wir international keine Anerkennung erlangen werden, wird es zum Glück noch keine Tratsch-Artikel über die Schwulen-WG im Outback geben. Im Endeffekt hatten wir sowieso keine andere Möglichkeit, als unsere Sexualität an die Umgebung anzupassen und hübsche Norwegerinnen gab es hier draußen definitiv nicht. Die hatten es alle richtig gemacht und waren in Norwegen geblieben. So wie Jora.
      „Nicht an Jora denken“, sagt Nico und schaltet endlich den Bildschirm aus.
      „Woher weißt du...?“
      „Du denkst immer an Jora, wenn du so einfrierst und dein Blick in die Ferne geht. Mensch Malte, ich bin auch ein Mann.“
      Ich sage nichts und nehme einen Schluck heißen Tee. Jora mochte Tee mindestens genauso wie ich.
      „Ich dachte, wir wollten los?“, fragt Nico und chauffiert seinen Rollstuhl umständlich zwischen Sofa und Sessel hindurch.
      „Wo los?“ Bart betritt in diesem Moment den Raum. Dreckige Jogginghose und Muskelshirt, fettige Haare und nur eine Socke.
      Nico hebt die Hände zum Himmel. „Warum bestraft mich Gott nur mit meinen eigenen Fehlern jeden Tag aufs Neue!“
      „Schick“, sage ich nur und proste Bart mit meinem Tee zu. Nico hatte das Gesicht in den Händen vergraben deswegen antworte ich. „Wir kaufen jetzt neue Pferde.“
      „Also ich weiß ja nicht, warum ihr ich so über mich beklagt, aber ihr müsst euch mal zuhören und zuschauen, kindlicher geht’s ja echt nicht mehr. Wir kaufen neue Pferde“, äfft er uns nach. „Als würdet ihr in den Spielzeugladen gehen und Fillypferdchen kaufen.“
      „Was sind Fillypferdchen?“, frage ich und Nico wirft mir einen bösen Blick zu.
      Bart seufzt. „Es scheint, als müsste ich, als Erwachsene und reife Person“, Nico schnaubt, „die in der modernen Welt angekommen ist, euch begleiten.“ Er nimmt sich eine Cappi vom Hacken und öffnet die Tür. „Kommt ihr, Jungs?“

      Bart hat darauf bestanden, mit seinem roten Jeep zu fahren. Obwohl er sich farblich schon lange nicht mehr von dem von Nico unterscheidet und der ist basicgrey. Leider hatte sich Barts Musikgeschmack, im Unterschied zur Länge seiner Beziehungen, nicht verändert.
      Während der Fahrt. Von Kalifornien aus ging es im Endeffekt nur in eine Richtung, wenn man nicht nach Kanada oder Mexiko wollte, hatte ich einige interessante Pferde ausgesucht. Es war erschreckend, wie viele Gestüte in letzter Zeit bankrott gegangen waren. Entweder ein Zeichen, dass es auch uns nach dieser wenig durchdachten Aktion so gehen würde, oder dafür, dass wir nun die Chance hatten, aus der Asche der anderen neu zu erblühen.
      Unser Wochenende bestand also daraus, durch die Staaten zu fahren und Pferde zu kaufen. Meistens waren es Gestüte, mehr oder weniger bekannt, die ein paar ihrer Perlen verkauften. Glück hatten wir allerdings bei einem Ausverkauf. Dort ergatterten wir einen jungen Hengst und in ebenso auffallender Lackierung eine Stute dazu. CHH’ Lethal Combination war eine Augenweide und neben Light up Hell wahrscheinlich der Grund, warum Nico, Bart und ich ab Seattle in den Flieger stiegen und sogar nach England flogen, um „einzukaufen“. In England stieß eine ältere Zuchtstute zu uns. Ich hatte vielleicht etwas Mitleid mit der verwirrt schauenden Palominostute Far Cry, Nico hingegen war ganz hin und weg von ihrem bissigen Charakter.
      Am Ende unserer Reise hatten wir acht neue Pferde und drei, die durch einen Ausverkauf wieder zu uns zurückgehen sollten. Mythos und Arias hatten ihre Jungpferdezeit gemeinsam anderswo verbracht und Bart, der ein wahrer Araberfreak war, hatte sich nicht nehmen lassen, die beiden Rubinafohlen zurück nach Kalifornien zu holen.
      Die größte Beute hatten wir wohl auf dem Gestüt von Landsberg gemacht. Fünf Vollblüter mit der besten Abstammung. Unter ihnen Grenzfee, bei der allerdings schon immer klar gewesen war, dass sie wahrscheinlich eines Tages zurück nach Hause kehren würde. Amistad, Echo‘s Maiden, Ivy’s Rhapsody und Westatlanta.
      „Westatlanta“, sagt Nico. „Was für ein bescheuerter Name.“
      „Wir finden schon einen guten Spitznamen für sie“, sage ich und unterschreibe auch für die gepunktete Stute den Kaufvertrag.
      „Klar. Wessi oder Atti dann wohl. Klingt ja viel besser“, antwortet Nico hämisch.
      „Ich finde Westatlanta cool“, sagt Bart. „Das klingt so nach—.“
      „Nach dem Westen von Atlanta?“ Nico schüttelt fassungslos den Kopf, als Bart daraufhin begeistert mit dem Kopf nickt.
      „Genau!“, sagt er begeistert.

      Die letzte Stute sammeln wir kurz vor unserer Heimat an. Sie stammt aus keiner großen Zucht, hat laut Vorbesitzer aber die perfekten Anlagen, auch in der Distanz. Alphabet Soup ist vielleicht ein Fehler, aber wir sind nicht losgezogen, um keine Fehler zu machen.
      Sie ist hübsch und hat eine angenehme Größe, ein ruhiges Temperament und schöne Augen. Der Verkäufer will sie trotzdem loswerden und leiht uns sogar einen Hänger aus, damit wir sie gleich mitnehmen können. Ich sehe mich die nächsten Jahre schon auf dem unbequemen Rücken der Vollblüter sitzen. Warum war aus meinem Wunsch einer Curly-Zucht nur nichts geworden?
      Vollblüter sind schon immer Nicos Traum gewesen. Vielleicht auch Charlys, aber von Charly sprach man hier sowieso nicht mehr. Sie existiert nur noch in unserer Erinnerung.
      Sollte mein schöner Hintern an den Rippen der Pferde zerbrechen, hatte ich immerhin noch Óslogi und Félagi, die meine empfindlichen Körperteile mit ihrem dicken Fell wieder weich klopfen würden.

      Zwei Wochen später sind alle Pferde angekommen. Ich hatte die Stallgemeinschaft in den letzten Tagen zusammengerufen und den Stall wieder auf Vordermann gebracht. Der Einzug einiger neuer Pferde und die Belegung länger leerstehender Boxen war selbst für Bart ein guter Grund mitzuhelfen. Es tat gut, alle mal wieder versammelt zu sehen. Seit Monaten waren wir nur noch lauter orientierungsloser Männer, die durch die Welt ohne Ziel streiften.
      Mary Ann hatte uns damals verlassen und uns mit genau diesen Worten beschimpft. Sie war das einzige Mädchen gewesen, das es länger bei uns Männern ausgehalten hatte. Bis auf Barts Babysitterin. Sie war geblieben bis Bart fast 16 Jahre alt war, obwohl Nico sie seit Barts sechstem Geburtstag nicht mehr bezahlt hatte. Dafür hatte sie zusammen mit ihm eine Hanfplantage einige Hundertmeter weiter im Wald angelegt und hatte sich damit etwas Geld verdient.
      Am Sonntagabend sitzen wir nun also gemeinsam auf den klapprigen Holzstühlen, vor uns einen Grill und im Wind über uns traurig flatternde Luftschlangen als Symbol der Freude. Bis auf Ike, er ist mal wieder seit Wochen mit Pítu unterwegs, sind alle da. Selbst Eli hat sich dazuverdienen erklärt, wieder etwas mitzuhelfen. Bart kuschelt auf dem alten Stallsofa mit seiner Freundin, die beiden haben einen großen Ausritt mit Marid und Ghostly Phenomenon hinter sich. Sie kann zwar nicht reiten, aber Phenomenon kommt mit allen Schwierigkeiten des Lebens zurecht.
      Eyvind sitzt etwas abseits. Er ist der einzige, der aktiv mit dem Training der Pferde beschäftigt ist. Nebenbei kümmert er sich noch um die übriggebliebene Mustangs und gibt Reitunterricht auf ihnen. Nur wegen den Wildpferden gab es viele, die hierherkommen und für eine Stunde retten jeden Menge Geld auf den Tisch legten. Eyvind hatte uns damals mit dieser Idee vor dem ersten Bankrott gerettet, hoffentlich würde es jetzt mein Vorhaben tun.
      Ich weiß noch nicht, in welche Richtung sich alles entwicklen würde. Oder ob es überhaupt dieses Mal im Leben weitergehen würde, alles ist ungewiss, aber die Zeit wird auch diese Frage klären.

      19-08-2019 | Canyon
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      Military E → A
      Nico war zur Zeit oft in Kanada. Das war einerseits gut, denn so war zumindest auf Phoenix Valley eine angenehme Herbstruhe. Dagegen sprach, dass Nico einfach nicht da war und das ganz schön auf die Stimmung schlug.
      Nico war nicht da. Und der Grund dafür war sein neues „Projekt“, wie er es nannte. Ein internationales „Horse-Makeover“, bei dem er den Veranstalter mimte und die Bow River Ranch den Veranstaltungsort zur Verfügung stellte. Ein großer Aufriss mit eigenem Filmteam und großer Erregung der Öffentlichkeit, dessen Aufregung zum Glück einige tausend Kilometer entfernt stattfand.
      Auf Phoenix Valley fand der alltägliche Trott statt. Jeder ging seinen Aufgaben nach und am Abend war ein gemeinsames Training geplant. Vielseitigkeit, auf der neu angelegten Crossstrecke, ein paar hundert Meter entfernt vom Gestüt. Ich hatte die Pferde bereits mit Eyvind von der Koppel geholt und vor dem Stall zum Putzen angebunden, als Eli, Bart und Ike zu uns dazustießen. Fünf Pferde, fünf Reiter, so passte es.
      „Boar, dieses Braun sieht verdammt geil auf Soup aus“, sagt Bart, als Eli gerade Alphabet Soup den neuen Sattel auf den Rücken legt, der am Ende des letzten Monats von dem übrigen Geld gekauft worden war. Der Sattler hatte es endlich geschafft, den braun-marmorierten Sattel an die helle Stute anzupassen und ich sah Eli an, wie er sich auf das Training damit freute.
      Ich würde unsere Gräfin reiten. Sie hatte viel von ihrer Mutter Grenzfee geerbt, welche mittlerweile ihr Leben als Zuchtstute genießen durfte, und das Training mit ihr lohnte sich unheimlich. Sie war selbstsicher und in den Bewegungen gleichzeitig kraftvoll und präzise, mit einer guten vielseitigen Begabung in der Distanz und im Military und das würde ich heute aus ihr herauskitzeln. Wenn alles gut laufen würde, könnten wir demnächst bei einem Turnier auf A-Höhe starten.
      Als alle ihre Pferde gesattelt hatten, ritten wir, Bart auf Song of Peace allen voran, zur Aufwärmung den Waldweg entlang zur Crossstrecke. Hinter ihm folgten Ike und der neue Last in Love, Eyvind mit Westatlanta, dann Eli und Alpha und zum Schluss ich mit Gräfin.
      Unsere Militarystrecke glich definitiv keinem Olympiastadion. Sie war matschig und von Blättern bedeckt, die Wassergräben grün und die Baumstämme unter einer dichten Schicht aus Moss versteckt. Aber sie gehörte uns und deswegen liebten wir sie alle. Vor allem Gräfin. Sie tänzelte unter mir wie eine junge Ballerina, die Nüstern waren geweitet und die Ohren nach vorne gerichtet. Sie wusste, was kommen würde. Zu oft hatten wir in den letzten Wochen hier unsere Zeit verbracht.
      Gestern hatte ich mit Eyvind die Strecke etwas geräumt. Äste beiseite geschafft und alles auf A-Niveau ausgerichtet. Ob Gräfin das bereits wusste?
      Immer wieder warf ich auch einen Blick zu Ike. Lovely, wie er liebevoll genannt wurde, war ein neues Projekt. Ein weiteres von Nico. Welches hieß: „Weniger Problempferde — mehr Langeweile“. Aber ich mochte den entspannten Kerl. Klein und zierlich und doch mit viel Kraft in den Beinen.
      Als wir an der Strecke angekommen waren, verteilten wir uns etwas auf der Bahn, erwärmten die Pferde ein letztes Mal und nahmen erste Übungssprünge, die an der Seite aufgestellt waren. Nichts großes, aber besser als nichts, wie Nico immer zu sagen pflegte. Wie auf ein stilles Kommando versammelten wir uns schließlich und legten eine Reihenfolge fest. Immer so, dass einer am Start und am Ziel warten würde, um die Zeit zu nehmen. Das würde Bart als erster übernehmen, während ich mich mit Gräfin als erster Reiter meldete. Sie schnaubte, stampfte auf und warf den Kopf in die Höhe.
      „Aber das müsste ihr vor eurem ersten Turnier nochmal üben!“, hörte ich Barts Stimme noch, bevor ich mit Gräfin die Linie übertrat und ins Fliegen geriet. Und wie Gräfin flog. Sie flog wie das Flugzeug damals, als ich Jora zurückgelassen hatte, um Nico in Kalifornien zu helfen. Immer höher, der Sonne näher, sodass es fast brannte.
      Gräfin nahm die Sprünge ohne Anstrengung. Ob es ihr Talent, oder nur die ungebändigte Energie war, konnte ich nicht sagen. Einige Hindernisse ritt ich zu grob an, eins wiederholte ich an geeigneter Stelle, nur damit Gräfin beim zweiten Versuch nochmal höher sprang, den Körper gestreckt und gerade wie ein Streichholz.
      „Ho“, sagte ich, als wir ins Ziel galoppierten. Gräfin leckte am Gebiss und trotz der Kälte schwitzte sie.
      „Respekt“, sagte Bart, der als einziger noch am Start wartete. „Das war schnell!“ Er grinste und reichte mir die Stoppuhr, bevor er sich und Song of Peace selbst für den Start vorbereitete.
      Kurz nachdem Bart gestartet war, kam Eli mit Alphabet Soup ins Ziel. Ich notierte unsere Zeiten und obwohl Gräfin bereits gut vorgelegt hatten, waren auch alle weiteren nur einen Ticken langsamer. Eyvind und Westatlanta folgten, dann Eli und Last in Love, und als letztes, einige Minuten später, galoppierte Peace ins Ziel.
      Bevor die Pferde auskühlten, alle hatten bereits Decken drüber liegen, ritten wir zurück zum Stall, duschten die Pferde kurz ab und deckten sie dann dick ein. Alle hatten das Training gut überstanden und konnten nun offiziell auf A laufen.

      29-11-2019 | 5127 Zeichen | Canyon
    • Canyon
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      Hufschmiedbesuch
      Stefanie konnte den Auftrag leider heute nicht machen, da ihr was auf der Ranch dazwischen kam also machte ich, James Mickaleson mich heute auf den Weg. Es war ein Flug nach Kalifornien geplant, genauer gesagt zum Hof Phoenix Valley, dort würde ich mich heute mit dem besten Freund des Besitzers Malte Tordenværson. Mein Flug dauert ca. drei Stunden, doch ich würde erst am nächsten Tag nach Hause fahren. Ich war schon am Flughafen angekommen und ließ mein Wagen verladen, dann stieg ich ein und wir flogen nach 20 Minuten los. Während der Flugzeit, blickte ich aus dem Fenster und ließ mir nochmal den Auftrag durch den Kopf gehen, haben sollte ich alles...
      Nach einem ruhigen Flug kam ich am Flughafen in Kalifornien an und wartete nach dem Ausstieg auf meinen Wagen. Nach 15 Minuten konnte ich diesen entgegennehmen und fuhr vom Flughafen, am Navi stellte ich mir die restliche Strecke nach Phoenix Valley ein. Nach knapp 45 Minuten kam ich auch schon auf dem Hof an und erblickte viele bunte Pferde auf der Weide. Ich fuhr am Parkplatz vorbei und Richtung Hauptstallungen, wo ich heute zwei Stuten behandeln werde. Über Telefon hatte ich schon ein paar Informationen erhalten, dass beides Englische Vollblüter waren und momentan eine schlechtere Marke trugen als die, die sie jetzt bekommen werden. Vor den Hauptstallungen angekommen, stellte ich den Motor meines Wagens ab und stieg aus. Ich musste nicht lange warten, da kam ach schon Malte mit den beiden Vollblütern um die Ecke. ,,Guten Tag! Ich bin James der Hufschmied für heute, Stefanie konnte leider heute nicht kommen, da ihr was dazwischen kam! Ich hoffe mit mir sind Sie auch zufrieden!", grinste ich und zückte den Cowboyhut. ,,Alles gut, kein Problem, hauptsache heute kommen die alten Eisen ab und neue mit besserer Qualität rauf!", antwortete er mir freundlich und ich entgegnete: ,,Natürlich! Dafür bin ich ja heute hier!". Er erkundigte sich noch nach meinen Flug und dann band er auch schon beide Stuten an. Zuerst nahm ich mir die bunte Westatlanta vor, sie hatte laut Malte kurz vor meinen Ankommen eines ihrer Eisen verloren, weswegen bei ihr dringenderer Handlungsbedarf war. Es war ihr linkes Vorderbein, mit welchen ich auch gleich anfing. Ich entfernte die restlichen noch steckenden Nägel aus dem Horn und säuberte dann ihr Huf, ehe ich das Innenhorn ausschnitt. Während ich gerade bei der Arbeit war, begann mich die bunte Stute beknabbern, sie fand wohl meinen Hosenträger äußerst faszinierend... Malte musste sie zwischendurch kurz zurechtweisen und entschuldigte sich, was für mich kein Problem war, lieber so als beißen, man hat ja einiges als Hufschmied schon durch. Ich bockte ihr Huf dann auf de Hufbock auf und schnitt überstehendes Horn am Außenhorn weg, besserte es mit der Hufraspel alles aus und konnte zu meinen Van, um im Gasofen das erste Eisen zu erwärmen. Hier legte ich die anderen drei dazu und nahm das erste nach kurzer Zeit raus, hielt es mit der Zange an den Huf und besserte die unpassenden Stellen am Amboss aus. Als es richtig angepasst war, kühlte ich es im Eimer ab und ging zurück zu der Tigerscheckendame. Dort begann ich das neue Aluminumeisen mit speziellen Nägeln zu befestigen und stellte das Huf ab, bog die Nägel um, knipste sie zurecht, haute mithilfe meines speziellen Werkzeugs Kerben rein und bettete die Nägel mithilfe der Krokodils-Zange ein, zu guter letzt hobelte ich den Rand glatt. Nun ging ich zum zweiten Vorderhuf, hier musste das alte Eisen ab, also nietete ich die Nägel auf, nahm mir meine Hufzange zur Hand und zog das alte Eisen von Huf ab. Dann klemmte ich mir ihr Beim zwischen meine und schnitt nach dem säubern und kontrollieren das Innenhorn zurecht. Entfernte überstehendes Horn beim Innenstrahl und korrigierte diesen zurecht, nun bockte ich ihr Huf auf den Hufbock auf und ging mit der Hufraspel um den Rand des Hufes, begradigte ihre ungeraden Stellen und gab dem Huf seine Form zurück. Westatlanta konnte das Huf erstmal wieder abstellen, ehe ich mir mit meiner Zange das heiße Eisen aus dem Gasofen holte und ihr Huf wieder hochhob um es einbrennen zu lassen. Hier musste nur eine Kleinigkeit verbessert werden, als klopfte ich am Amboss das Eisen zurecht und kühlte es im Wassereimer ab. Dann kehrte ich zurück zu der Vollblutstute und befestigte das Aluminiumeisen an ihrem Huf, bog die Nägel um und knipste sie zurecht. Nun kamen wieder die Kerben rein und ich begradigte das Außenhorn über den Nägeln. Vorne stand die Stute schon auf neuen Eisen, somit ging ich nach hinten, nietete die Nägel auf, glitt an der Hinterhand hinab und begann das Eisen vom Huf zu hebeln. Dann schnitt ich das abgestorbene Horn Innen und am Strahl weg, hobelte das Außenhorn auf dem Hufbock zurecht und bearbeitete das nächste Aluminumeisen am Amboss. Nun kehrte ich zurück zu der Stute, welche versuchte wieder an meine Hosenträger ran zu kommen und machte meine Arbeit weiter. Hier kühlte ich das Eisen vorher ab und befestigte es am Huf. Die Nägel wurden wieder umgebogen, abgeknipst und nach dem Kerben rein machen glatt gehobelt. Das letzte Eisen war dran, hier musste ich einen Moment warten, da sich die Stute an diesem Bein kratzen wollte. Sie schüttelte sich nach den abstellen und hob das Huf schon an. ,,Da will jemand aber schnell sein letztes Eisen!", lachte ich und blickte zu Malte welcher sich anschloss. Natürlich ließ ich die Stute nicht lange warten und nietete ihre Nägel auf, hob das Hinterbein an und hebelte das alte Eisen es von ihren Huf. Das neue Eisen hatte ich kurz vorher schon angepasst also musste ich nur das Horn schneiden und konnte es befestigen. Dies machte ich wieder mit den speziellen Nägeln aus meiner Seitentasche und bog sie gleichzeitig um. Dann durfte ihr Huf zurück auf den Boden und ich knipste sie kurz. Ihr Huf wurde wieder aufgebockt und ich machte die Kerbe rein und bettete sie wieder mit der Krokodilszange ein. ,,Fertig!", sagte ich als die Nägel geglättet waren und bat Malte um eine Runde mit der Stute. Er nickte und tat dies, sie lief super also konnte sie entlassen werden. Während Malte die Stute zurück in den Stall brachte, widmete ich mich der nächsten Stute mit dem Namen Alphabet Soup. Die Kleine, ja für mich war sie das mit ihren 1,66 m und ich mit meinen 1,85 m hatte eine schöne Cremello Farbe, es gab auch welche die nicht sehr schön waren. Ich machte mich der Dame kurz bekannt welche sich eher zurückhaltend zeigte, ehe ich das Vorderbein hob und das Eisen nach dem aufnieten mit der Zange abnahm. Dann schnitt ich mit dem Hufmesser das abgestorbene Horn weg und bockte ihr Huf danach auf wo ich das Außenhorn bearbeitete und dann mit dem Eisen befestigen weiter machte. Mit den speziellem Hufnägeln wurde es wieder befestigt und ich bock die überstehenden Nägel um, ehe ich sie wegknipste und einkerbte. Dann glättete ich mit der Hobel die Stellen und konnte mit dem zweiten Vorderbein weiter machen. Malte war inzwischen wieder da und streichelte der Cremellostute über das Fell. Soup machte keinerlei Spinnereien aber blieb skeptisch bei der Sache. Ich hatte mittlerweile schon das alte Eisen ab und war gerade dabei das neue am Amboss anzupassen. Als es angepasst war schnitt ich erstmal das abgestorbene Horn innen weg und bockte ihr Huf auf, wo ich mit der Hufhobel nach dem Schneiden die Seiten glättete. Nun nahm ich mir das bearbeitete Eisen aus dem Gasofen und brachte es an Soups Huf an, wo es erstmal zischte und ich es dann im Eimer abgekühlte, da die Form passte. Soup wollte gerade das Bein wegziehen, doch ich hielt es fest und Malte beruhigte sie nach dem Zurechtweisen. Zum Glück hatte er sie genug vorbereitet, damit die Dame auf meine tägliche Arbeit wenig zickte auch wenn sie das Zischen dennoch beunruhigte. Ich machte einfach meine Arbeit weiter und befestigte mit den Hufnägeln das abgekühlte Eisen am Huf. Die herausstehenden Nägel bog ich um und knipste sie anschließend weg, ehe ich mit meinen speziellen Werkzeug eine Kerbe in diese schlug und dann mit der Krokodilszange den Nagel einbettete. Die Hobel erledigte den Rest und die Stute stand auf neuen Eisen vorne. Nun waren die Hinterbeine an der Reihe, also nietete ich links die alten Nägel auf und glitt dann am linken Bein herunter. Sie hob es nach ein paar Sekunden überlegen an und ich hebelte das Eisen vom Huf. Dann säuberte ich ihr Huf und schnitt das abgestorbene Horn weg, besserte den Innenstrahl aus und bockte ihr Huf auf dem Hufbock auf. Dort bearbeitete ich mit dem Hufmesser das überstehende Horn und hobelte dann den Rand glatt. Dann nahm ich mir das heiße Eisen aus dem Gasofen und legte es an das Huf, es zischte und der Abdruck war in Ordnung also konnte ich das Eisen abkühlen und begann es mit den Hufnägeln zu befestigen. Dann bog ich die Nägel um, knipste sie ab und machte eine Kerbe rein ehe ich sie mit der Hobel glättete. Dann konnte ich auch schon das letzte Huf machen, hier nietete ich wieder die alten Nägel auf und hebelte das Eisen ab. Dann schnitt ich mit dem Hufmesser ihr Innenhorn aus und bockte das Hinterbein auf, da hobelte ich den Rand rund und bereitete dann das nächste Aluminiumeisen vor. Dieses bearbeitete ich nach dem Anpassen am Huf nochmal auf dem Amboss und kühlte es dann ab. Es zischte nochmal ein letzes Mal laut und ich konnte mit dem Anbringen am Huf weiter machen. Schnell war der Vorgang hinter mir und ich bat Malte um eine Runde mit Alphabet Soup. Die Stute lief sauber auf ihren neuen Eisen und ich konnte auch sie entlassen.
      Nach einem kurzen Gespräch mit Malte verabschiedete ich mich von ihm und machte mich auf den Weg zu meinen Hotel bis morgen früh.

      18-12-19 | 9.603 Zeichen | Snoopy
    • Eddi
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      Tierarztbesuch
      Heute ging es für mich seit langem mal wieder in den Außendienst. Phoenix Valley nannte sich das Gestüt und es lag wirklich mehr als idyllisch. Begrüßt wurde ich von Malte Tordenværson und da das Wetter uns heute nicht unbedingt dankbar empfing, verkürzten wir den Smalltalk und machten uns direkt auf den Weg in den Stall. Zwei Stuten und ein Hengst sollten heute einfach routinemäßig untersucht werden, denn eventuell stand für diese demnächst schon ihre Leistungsprüfung an.
      Wir begannen mit Westatlanta, einer tollen Tigerscheckenstute. Sie war drei Jahre, ein Vollblut und durchaus neugierig. Zunächst ließ ich sie mir von Malte im Schritt und Trab vorführen und führte auch die Beugeprobe durch. Da dort alles einwandfrei war, hörte ich Herz und Lunge ab. Danach schaute ich mir Ohren, Augen und Zähne an, ehe ich die Stute zufrieden abnickte. Ein Blick in den Impfpass genügte und wir frischten noch fix Influenza und Herpes auf. Der Rest war aktuell. So bekam Westatlanta nur noch ihre Wurmkur und durfte dann auch schon wieder gehen.
      Die nächste war Alphabet Soup. Erneut eine Vollblutstute, aber diesmal als schicker Cremello und bereits etwas älter. Aufmerksam musterte sie mich und war durchaus nicht so zugewandt wie ihre Vorgängerin. Ich begrüßte sie vorsichtig und so ließ sie mich zumindest ohne zurückzuzucken an sich heran. Wieder ließ ich sie mir zunächst vorführen, dann hörte ich sie ab und kontrollierte auch bei ihr Augen und Zähne. Alles war in bester Ordnung und die Impfungen waren auch noch alle aktuell. Also gab es für die Cremellostute nur eine Wurmkur und zack, durfte sie gehen.
      Abschließend kam Malte mit Last in Love zurück. Vollblut Nummer drei in brauner Scheckung, aber diesmal ein Hengst und das sah man ihm auch an. Malte führte ihn vor und dann machte ich mich ans Werk. Last in Love ließ alles brav über sich ergehen. Ohne Probleme konnte ich ihn abhören und anschauen. Auch bei den Impfungen zuckte er nicht einmal mit der Wimper und die Wurmkur nahm er auch problemlos an. Ich lobte ihn kurz und dann durfte auch er schon wieder gehen. Malte gab ich die Impfpässe zurück und verabschiedete mich dann, um noch vor dem nächsten Sturm wieder heil zu Hause anzukommen.

      16-02-20 | 2.208 Zeichen | Eddi
    • Canyon
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      Olivia und die Woodland Ranch
      Das Wetter war richtig mies und das Gestüt hatte keinen guten Ruf. Ich hatte mich geärgert, dass Nico uns für die Stutenkrönung auf der Woodland Ranch angemeldet hatte. Olivia war eine schreckliche Frau und ihr Sohn Jonathan nicht weniger. Vier Stuten würden wir vorstellen und es nieselte, während der kalte Wind über die Moorlandschaft pfiff. Also kein guter Start für die Reiter und die Pferde.
      Unsere erste Stute war Westatlanta. Eyvind würde sie vorstellen. Sie hatte vor einiger Zeit komplett neues Zubehör vom Gestüt von der Nordwacht gesponsert bekommen und das helle Zubehör passte perfekt zu ihrem sonst so unruhigen Fell. Auch Eyvind hatte sich passend gekleidet. Dunkelblaue Hose und hellbraunes Hemd, die Haare wie immer kurz und schneeweiß. Eyvind hatte viel mit Atlanta trainiert, als hätte tatsächlich auch er endlich mal einen Narren an einem Pferd gefressen.
      Ich beobachtete den Anfang ihrer Kür vom Eingang her, da ich selber alsbald mit meiner Stute an der Reihe war. Eyvind trabte in die Halle und grüßte die Richter bei X. Dann ließ er Westaltanta abermals im Trab antreten und ging auf die rechte Hand. Hier zeigte er einige Bahnfiguren, unter anderem eine einfache Schlangenlinie und ein aus der Ecke kehrt, sodass er nun auf der anderen Hand trabte und auf den Zirkel ging. Als er in den Schritt durchparierte, sie erst rückwärts richtete und dann durch den Zirkel im Schritt wechselte, wendete ich mich ab. Ich musste Alpha für ihren Auftritt aufwärmen. Ich hatte Eyvind Kür allerdings schon gesehen und wusste genau, dass er nun aus dem Schritt angaloppieren und wieder ganze Bahn reiten würde, um Westatlantas starken Galopp zu präsentieren. Dann würde ein Wechsel durch die ganze Bahn folgen und der Galopp auf der anderen Hand. Zum Schluss würde er die Richter wieder verabschieden. All dies bekam ich jedoch schon nicht mehr mit. Die Halle lag nun hinter mir und ich machte mich auf den Weg zu den Paddocks, wo unsere Pferde untergebracht waren.

      Alphabet Soup stand mit angelegten Ohren und feuchtem Fell in ihrem Paddock hinter der Halle. Es gab keinen Schutz vor dem anhaltenden Regen und Wind peitschte die feuchte Luft in alle Richtungen. Gegen Regen hatte Alpha eigentlich nichts, schlimmer war definitiv Schnee und Eis, aber trotzdem war ihre Laune nicht besonders gut. Immer wieder schnappte sie in Richtung ihres Nachbarpferdes, um ihren Missmut Ausdruck verleihen zu können.
      Alpha war in letzter Zeit viel von Eli trainiert worden. Sie war sehr umgänglich und pflegeleicht, wenn man ihr das Training durch gutes Aufwärmen erleichterte. Eli war keiner unserer besseren Reiter und trotzdem hatte er gut mit Alpha trainiert und sie auf ihre Krönung vorbereitet. Die Krönung würde ich allerdings selbst übernehmen.
      Alpha war wirklich nicht schwer zu reiten und auch wenn das Wetter ihr auf die Stimmung drückte, war sie auf dem Aufwärmplatz sehr motiviert dabei. Ich wusste, dass Alpha erst recht in der trockenen Halle ihr bestes geben würde.
      Wir wurden aufgerufen und kurz darauf ertönte Jonathans Stimme aus dem Lautsprecher. Hin und wieder hatte ich schon mit ihm geredet, aber immer nichts großes und wirklich anregend war es nie gewesen. „Nun folgt Alphabet Soup vom Gestüt Phoenix Valley, vorgestellt von Malte Tordenværson.“
      Na immerhin sprach er meinen Namen richtig aus, zumindest hatte er sich das merken können. Ich betrat im Schritt die Halle, zeigte erstmal in der ruhigen Gangart Alphas Können, richtete sie rückwärts, ging Schlangenlinien und machte aus der Ecke kehrt. Dann trabte ich an und zeigte ihren schönen Trab, der fast in Richtung Mitteltrab ging, ihr natürliches Dressurtalent, welches wir allerdings nie ausführlich vertieft hatten. Ich wechselte die Hand und galoppierte eine Runde später an, allerdings sehr gemächlich, ungewohnt für ein Vollblut, welches für den Renngalopp geschaffen worden war. Ich wollte zeigen, dass Alpha auch anders konnte. Erst auf ihrer starken rechten Hand ließ ich sie in den schnelleren Galopp fallen, sodass sie sich streckte und ich in den leichten Sitz ging.
      Dann parierte ich durch und verabschiedete die Richter. Ich verließ die Halle, nahm ein paar Glückwünsche von rechts und links an und ritt zurück zu den Paddocks.

      An den Paddocks wartete bereits Cjara auf mich. Unruhig wippte sie von einem Fuß auf den anderen. Song of Peace war bereits fertig und zuppelte genüsslich an einem Heusack. Sie ließ sich von nichts aus der Ruhe bringen, Cjara hingegen merkte man ihre Nervosität an. Ich versuchte sie zu beruhigen, ging mit ihr den Plan durch und hoffte in Gedanken, dass sie sich anstrengen würde, ihre Aufregung nicht zu zeigen. Nicht nur die Richter würde es bemerken, auch Peace und sie konnte Unsicherheit und unkorrekte Hilfen gar nicht leiden.
      Nachdem sie sich auf dem Platz aufgewärmt hatten, begleitete ich die beiden zur Halle. Diesmal würde ich die ganze Kür mitanschauen und von der Seite aus die Daumen drücken. Ich wusste, dass Olivia auf hübsche Mädchen stand und gerne ein paar extra Punkte verteilte. Nicht, dass ich es Cjara auch ohne ihr vorteilhaftes Aussehen nicht zugetraut hatte, aber so war ich mir sicher, dass sie mit ihrem schönen Grinsen Olivia Woods schon längst auf ihrer Seite hatte. Die anderen beiden Richter hatten gegen Olivia auf ihrem Gestüt sowieso nicht so viel auszurichten.
      Ich lächelte Cjara freundlich zu und sie begann ihre Kür. Sie hielt sich immer genau an das Geübte und lieferte so immer tadellos ab. Schwer wurde es nur für sie, wenn es unerwartete Zwischenfälle gab, dann nicht die Nerven zu verlieren oder gar abzubrechen. Aber diesmal passierte zum Glück nichts. Song of Peace und Cjara waren ein tolles Team geworden, dessen Bindung in nächster Zeit nur noch stärker werden konnte.
      Sie zeigte den Schritt, Trab und Galopp auf beiden Händen und baute zwischendrin immer wieder kleinere Lektionen und Bahnfiguren ein, die ihre Kür spannend machten. Auch wenn diese komplett auswendig gelernt war, merkte man es ihr nicht an. Peace und sie waren so locker, als hätten sie ihre Kür improvisiert.
      Am Ende verabschiedeten sie sich wieder von den Richtern und verließen gemeinsam die Halle.
      „Sag ich doch“, sagte ich zu den beiden. „Das war überhaupt kein Problem.“
      Cjara strahlte über ihr gerötetes Gesicht hinaus und freute sich über mein Kompliment.

      Elsi saß bereits auf PV Gräfin, als ich zurück zu den Pferden ging. Sie hatte weiße Turnierkleidung an und die Mähne von Gräfin zu Turnierzöpfen geflochten. Sie war zwar eher eine Springreiterin, ließ es sich jedoch nicht nehmen, in schicker Kleidung aufzutreten.
      Elsi war die älteste unserer derzeitigen Praktikantinnen. Sie hatte schon auf mehreren Gestüten gearbeitet, unter anderem im Springen oder als Jockey, und war daher sehr gefestigt in ihrer Meinung, was das Training mit ihr manchmal etwas kompliziert machte. Dafür war sie die einzige, die auch sehr gut selbstständig arbeiten konnte und immer auch viele eigenen Ideen zum Training mit einbrachte.
      „Soll ich schon los?“, fragte sie mich, als ich auf sie zuging. Elsi war recht klein und nicht die zarteste, Lächeln fiel ihr beim reiten manchmal schwer, oft wirkte sie leicht verbissen, ich wusste aber, dass es nur ihre Konzentration war, die sie so zum Ausdruck brachte. Ich hoffte, dass Olivia sie trotzdem mögen würde.
      Ich begleitete die beiden zur Halle, aufgewärmt waren sie schon. Auf dem Weg ging ich an dem Stand mit der leckeren Kartoffelsuppe vorbei und nahm mir eine Portion mit, die ich während Elsis Auftritt vertilgte.
      PV Gräfin war nicht für Turniersituationen gedacht, diesen kleine Auftritt ohne viel Trubel davor und danach konnte sie aber problemlos überstehen. Sie war wie immer sehr elegant unterwegs und Elsi schaffte es immer wieder, das in den Vordergrund zu rücken. Gräfin konnte, wenn sie wollte und da vor allem Elsi wollte, war die Kür für die beiden überhaupt kein Problem.
      Mit Verwunderung stellte ich fest, dass Elsi im Galopp begann und sich dann über den Trab abwärts in der Gangartenreihenfolge bewegte. Immer darauf bedacht, Gräfin auf beiden Händen und von allen Seiten zu präsentieren und auch ihre Gelenkigkeit und Präzision zu verdeutlichen. Sie baute mehrere Tempoverringerungen ein und bewieß damit, dass Gräfin sehr gut auf jegliche Hilfen von ihr reagierte. Sie wechselte durch die Halle, nutzte den Zirkel, ging Schlangenlinien und ritt Volten, bis sie erschöpft mit Gräfin bei X stand und sich von den Richtern verabschiedete.
      Ich freute mich für sie und beglückwünschte als erste. Dann gab ich allen einen wärmenden Teller Woodland-Kartoffelsuppe aus, die wirklich gut schmeckte, und verfrachtete alle Pferde für den Heimweg wieder in den Anhängern.

      26-02-2020 | 8.663 Zeichen | Canyon
    • Canyon
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      happens to the heart
      Amistad | Firewalker | Light up Hell | Last in Love | Chromed Highwind | Lap de Loupe | Sir Golden Mile | Golden Sugar
      Grenzfee | Echo's Maiden | Far Cry | CHH' Lethal Combination | Westatlanta | Alphabet Soup | Song of Peace | PV Gräfin | Cinnada Mistik | I've got a blue soul | BR Prias Raveday | Delightful Cinnamon
      Winter with Koen | Ivy's Rhapsody | BR Ruffian's Smart Jane | PFS' Circle of Thyme | Lady Phoenitia | PV Farwest | PV Rebellion of Cinqué | PV Traumfee | PV Toxic Compound
      Félagi | Schwalbenfeder | Óslogi | Pítu | Marid | Arias | Mytos | Ghostly Phenomenon | Imagine Dragons
      ]Chosposi | Anaba | Morrigans Hidalgo | Cloud | My Canyon | Flotten von Mutanten | Aquena | Zonta | Havanna Girl | Kwatoko | Dawn

      »Malte!«
      Erschrocken blickte ich auf. »Ja?«
      »Mensch, bist du taub?« Bartholomäus schüttelte fassungslos den Kopf. »Dein Handy klingelt!«
      Ich blickte auf das leuchtende und vibrierende Nokia-Handy auf dem Tisch neben mir. Ich brauchte einen Moment, um mit den Gedanken von Logis Sehnenverletzung zu dem Anruf zu kommen. Ich nahm ab. Es hatte seinen Grund, warum ich keinen Anrufbeantworter eingerichtet hatte.
      »Tordenværson?«, brummte ich in den Apparat.
      »Immer noch wie damals«, sagte eine unsichere, stockende Stimme. Ich kannte diese Stimme. Sie brachte mich dazu in windeseile aus dem Sessel aufzustehen, das Wohnzimmer zu verlassen und mit einer Jacke ausgerüstet in die kalte Nachtluft hinaus zu hetzen.
      »Malte?«, fragte sie.
      »Charly«, sagte ich und meine Stimme kratzte fürchterlich wie ein Eisenschwamm auf dem Herd.
      »Gut, du bist noch dran«, sagte Charly. »Schön, dass ich dich erreichen kann.«
      Ich räusperte mich und nahm auf einer Bank vor dem Stallgebäude Platz. »Womit kann ich dir helfen, Charly?«
      »Ich wollte mich mal bei dir melden«, sagte sie leise. »Es ist nämlich so, dass ich nächste Woche beruflich in Los Angeles bin und dich fragen wollte, ob wir gemeinsam essen gehen wollen. Ich lade dich natürlich ein!«
      »Warum fragst du das mich und nicht deinen Sohn, der bestimmt gerne Zeit mit seiner Mutter verbringen möchte?«, fragte ich, etwas barscher als ursprünglich beabsichtigt.
      Am anderen Ende war es still. Ich hörte nur ein leises Rauschen, vielleicht war es Charlys Atmen. »Du weißt«, sagte sie einige Sekunden später, »dass ich mit Bart noch nie eine gute Mutter-Kind-Beziehung hatte. Er ist jetzt erwachsen. Wenn er Interesse an mir hat, dann kann er sich gerne jeder Zeit bei mir melden.«
      Diesmal schwieg ich. Ich wollte mich nicht in die Familienprobleme einmischen, aber es fiel mir schwer, nicht jetzt und für immer diesem unausgesprochenem Drama ein Ende zu bereiten. Charly nahm als erste das Gespräch wieder auf: »Also, kommst du mich nun besuchen?«
      »Natürlich«, sagte ich. »Wann kommst du an?«

      »Wo ist Malte?« Nico blickte fragend in die Runde. Eyvind, Eli, Ike und Bart standen im Hauptstall im Kreis um ihn herum. Jeden Freitag war Besprechung. Nicht, dass an anderen Tage keine Kommunikation herrschte, aber die fünf Minuten am Freitag um acht fanden ohne Kaffee und Smartphone statt. Verspätungen wurden mit extra Morgenschicht bestraft.
      »Na seine Schwester ist in Los Angeles«, sagte Eli.
      »Quatsch«, widersprach Bart. »Seine Schwester hat er seit Jahren nicht mehr gesehen. Er meinte zu mir, dass er einen Auftrag hätte.«
      »Nur, weil er seine Schwester länger nicht mehr gesehen hat, ist das doch kein Grund, dass sie sich nicht ausgerechnet dieses Wochenende treffen?« Eli ließ nicht locker.
      »Vielleicht meinte er ja seine Cousine?«, sagte Eyvind. »Hatte er hier nicht mal eine Cousine?«
      »Die Frage ist eigentlich, warum ich nichts davon weiß?«, fragte Nico. Alle zuckten ratlos die Schultern und Nico musste seufzen. »Alles klar, dann machen wir eben einen Plan ohne Malte.«
      Alle nickten. Erschienen Nico aber trotzdem leicht verwirrt, ohne Malte, der immer alle Ruder in der Hand hatte. Auch diejenigen, die Nico gerne fallen ließ. Malte rettete immer alles.
      »Ich brauche Rückmeldung zu den neuen Praktikanten und Praktikantinnen«, sagte Nico, das „innen“ betont. »Meinungen darüber?«
      »Cjara ist ziemlich hübsch«, sagte Bart mit einer andeutungsvollen Stimme. Zustimmendes Gemurmel machte sich bemerkbar. Nico seufzte laut.
      »Irgendwelche Probleme? Unzufriedenheiten? Irgendwas?«, er gab noch nicht auf. »Eyvind, du warst doch mit auf der Woodland Ranch, sind Cjara und Elsi gut geritten?«
      Eyvind nickte. »Nichts auszusetzen. Cjara schön und nervös wie immer, Elsi etwas zu verbissen, aber ansonsten tadellos.«
      »Na gut«, sagte Nico. »Wenn das so ist, dass möchte ich, dass die Mutterstuten und die Fohlen heute besondere Aufmerksamkeit bekommen. Gemeinsamer Koppelgang und erstes Halfteranlegen und Putzen ist angesagt. Ansonsten kommt heute Nachmittag noch der Tierarzt wegen Miles Hautproblemen vorbei und bringt uns neue Medikamente. Und Bart, lass ja die Finger von Cjara.«
      Nico wendete sich von der Gruppe ab und rollte zurück in Richtung Haupthaus. Wo war nur Malte? Warum hatte er nicht vorher mit ihm gesprochen?

      Ich fühlte mich überaus unwohl mit meiner dreckigen Jeans und dem Karohemd von gestern unter all den Buisnessmenschen, die aussahen, als wäre es für sie üblich, jeden Tag mit dem Flieger auf Arbeit und wieder zurück zu fliegen. Die weißen Fliesen unter meinen Füßen glänzten in der untergehenden Sonne, die durch die meterhohe Glasfassade der Eingangshalle vom International Airport von Los Angeles fielen. Meine Hände in den Hosentaschen verkrampften sich gestresst.
      Ich hätte Charly nicht erkannt, wenn sie nicht wenige Meter vor mir ihre Handtasche in der Luft geschwenkt und „Hallo Malte!“ gerufen hätte. Sie war nicht von den Menschen in grauen oder schwarzen Anzügen zu unterscheiden, die, ihren Hartschalen-Koffer vor sich her schiebend und auf das Handy blickend, die Halle in einen riesigen, menschlichen Ameisenhaufen verwandelten.
      Ich hasste Flughäfen.
      Charly war alt geworden. Sie hatte keine Falten gekriegt oder Seniorenmode gekauft, sie war einfach so alt geworden. Für einen Moment verschwamm sie vor meinen Augen und ich sah sie, so wie ich sie damals kennengelernt hatte; Kurze schwarze Haare, zerschlissene Jeans, dunkler Eyeliner und ein freches Grinsen. Sie war immer jung gewesen, diese Zeiten waren anscheinend vorbei.
      »Das ist so lieb, dass du mich abholst!«, sagte sie freudestrahlend und fiel mir um den Hals. Auch sie hatte einen silbernen Hartschalen-Koffer dabei, denn sie los lies, woraufhin er noch einige Schritte weiterrollte. Zwei Tage Los Angeles und es sah aus wie zwei Wochen Antarktis.
      Ich erwiderte ihre Umarmung und legte meinen Kopf auf ihre Schulter. Sie roch gut, viel zu gut.
      »Ich habe ein Zimmer im H-Hotel, also nicht weit von hier! Ich würde schnell meine Sachen ablegen und dich dann zum Abendessen ausführen.«
      Ohne meine Antwort abzuwarten, tippelte sie zielstrebig in den hohen Absätzen in Richtung Ausgang. Den Koffer ließ sie für mich zurück.
      Das H Hotel lag tatsächlich nur wenige Minuten zu Fuß vom Flughafen entfernt. Es hatte eine eindrucksvolle Glasfassade, Palmen vor dem Eingang und eine Suite, die größer als unsere Reithalle war. Ich fühlte mich fehl am Platz und Charly neben mir machte es nicht besser. Mit ihrer Handtasche wackelte sie voraus, während ich wie ihr Diener mit dem Koffer beeilte hinterherzukommen. Natürlich nahm sie den Fahrstuhl in den zweiten Stock, anstatt die imposante Treppe zu bevorzugen. Charlotte von Eylenstein hatte sich angepasst. Angepasst an ihre neue Arbeit, ihr neues Aussehen, ihren neuen Mann.
      Ich hatte es mir bereits gedacht, aber die Suite besaß nur ein großes Doppelbett mit aufgepolsterten Monsterkissen und Deckenbergen dazu.
      »Ich würde auf der Couch schlafen«, sagte ich und legte meinen kleinen Rucksack neben die gewaltige Couch, von der aus man einen eindrucksvollen Blick auf den LAX hatte.
      »Blödsinn.« Charly lachte auffallend hell. »Das Bett ist groß genug für uns beide. Ich mache mich schnell etwas frisch, dann habe ich für uns bereits einen Tisch reserviert.«
      Ich ließ mich aufs Bett fallen während aus dem Bad das Rauschen von Wasser zu hören war. Wer war diese Frau nur geworden? Ich hatte sie mal geliebt. Ich weiß noch, wie gerne ich Charly gemocht hatte und wie sehr ich Nico gehasst hatte. Vielleicht war das ein Grund gewesen, warum ich Nico nach all den Jahren verzeihen konnte. Tjarda und Jora, sie waren all die Zeit nur Ablenkungen gewesen. Das Wasser stoppte und ein Föhn ging an. Seit zwanzig Jahren kannte ich sie. Seit zwanzig Jahren trauerte ich ihr hinterher. Für mich hatte das bedeutet, zwei bedeutungslose Liebschaften, wobei die erste von beiden nicht mal über ein „Hey, kann sein, dass ich dich mag“ hinausgegangen war. Die zweite war schon anders gewesen, besser. Jora war in einem Augenblick in meinem Leben gekommen, in dem ich sie gebraucht hatte. Missbraucht hatte. Gedacht hatte ich dabei all die Zeit an jemanden anderen.
      Der Föhn verstummte und es wurde ruhig im Badezimmer. Ich war alt geworden. Von meinen blonden Haaren war nicht mehr viel übrig. Vielleicht hatte die Sonne in Kalifornien sie weiß gefärbt, vielleicht die Einsamkeit. Ich war noch immer der Selbe wie damals. Ich hatte meine zwei Pferde und meine Arbeit, wie eh und je. Keine Veränderung und keine Weiterentwicklung. Petyr hatte sich weiterentwickelt. Ich hatte gehört, er hatte jetzt eine Familie in Oslo. Das mit Saga war wohl doch mehr geworden, als jeder gedacht hatte. Und Charly hatte sich weiterentwickelt. Zwar in eine Richtung, die mir nicht sonderlich gefiel, aber vielleicht lag das an mir. An mir, weil ich dachte, dass sie mich nun vollends abgehängt hatte.

      Den Vormittag verbrachte Nico bei Eyvind. Er war der Alleskönner und der Allesversteher des Gestüts und der beste Zuhöhrer oder Schweigefreund, den man haben konnte. Eyvind hatte sich den Mustangs verschrieben und eine kleine Reitschule aufgebaut. Nur wenige Schüler, dafür intensiver Unterricht, der weit über eine normale Reitschule hinausging. Vor allem viel Vertrauensarbeit und Horsemanship, vom Boden aus und im Roundpen. Die Mustangs waren unerschrocken und doch immer vorsichtig, aber vor allem intelligent und erstaunlich menschenfreundlich.
      Sie durften ihr Leben im Offenstall auf den großen Weiden hinter dem Hauptstall verbringen. Einige bekam selbst Eyvind nur selten zu Gesicht und das war auch okay so, dafür waren sie hier.
      Nico fand es erstaunlich, was Eyvind für einen Umgang mit den Kindern und Jugendlichen hatte. Er war Ihnen allen wie ein Vater, obwohl er doch selber keiner war.
      Einmal die Woche kamen die Kinder aus dem Kinderheim, die Eyvind besonders ins Herz geschlossen hatte und es oft über das normale Pensum hinaus ging. Das Geld, welches dabei reinkam, war sehr gering. Aber ein Mustang sollte sowieso nicht für den Kapitalismus missbraucht werden.
      Nach Nicos Besuch bei den Offenstallweiden, suchte er sich zwei der Praktikannten, die sich um die restlichen Pferde kümmern sollten, die gerade nicht im Training standen. Auf Marid ließ er zwar niemanden anderen als Bart, aber eine Massage und etwas Rotlicht durften sie ihm schon verpassen.
      Am Nachmittag fand sich Nico wieder in seinem Arbeitszimmer für eine kurze Pause ein. Er fuhr den Laptop hoch und öffnete die Website von Phoenix Valley, die in neuem Glanz erstrahlte.
      In letzter Zeit waren einige Pferde dazugekommen, aber was noch wichtiger war, die ersten Fohlen waren geboren. Vier wunderbare Vollblüter von wunderbaren Eltern. Es waren die ersten Pferde, die auf diesem Gestüt ihren Weg ins Lebens gefunden hatten und mit Stolz aktualisierte Nico die Website von Phoenix Valley. Die Geburt von PV Farwest, PV Rebellion of Cinqué, PV Traumfee und PV Toxic Compound musste verbreitet werden. Phoenix Valley war von nun an kein vergessenes Gestüt ohne Erfolge mehr, 2020 würde DAS Jahr werden.
      Nachdem die Website mit Bildern und kurzen Texten zu den Neuankömmlingen ausgestattet war, zog Nico sich eine Jacke über und rollte nocheinmal in den Stall. Hier standen seine Schätze, sein einziger Stolz. Die Mutterstuten hatten alle etwas größere Boxen bekommen, um den aktiven Baby-Vollblütern genügend Platz bieten zu können.
      Ganz vorne stand Far Cry, die erfahrenste und älteste der Zuchtstuten. Viele Fohlen würde sie dem gestüt nicht mehr schenken können, aber ihr diesjähriges war ein voller Erfolg geworden. Das Fohlen aus Firewalker hatte den Namen Farwest bekommen und war ein wundervoller Buckskin geworden. Malte meinte, er hat er etwas von einem Dunskin, aber laut Farbgenetik war das nicht möglich. Also war Farwest ein besonderer Buckskin und genauso verhielt er sich auch.
      Die einzige Stute war Traumfee. Ihre Mama Grenzfee war ganz stolz auf den kleinen Wirbelwind, mit dem ständig schlagenden Schweif. Die Wahl, einen Hengst von einem anderen Gestüt auszuleihen, war eine gute Idee gewesen. Fiebertraum hatte nicht nur seine wundervolle Farbe vererbt, sondern auch den munteren und aufmerksamen Charakter.
      Rebellion of Cinqué war eher noch ein kleines Rätsel. Der Hengst sah wundervoll aus, keine Frage, aber er war durchaus etwas zurückhaltender und schwerer einzuschätzen von seinem Charakter her. Echo‘s Maiden behütete den blauäugigen Prachtkerl trotzdem mit aller Liebe. Den weißen Schweif hatte der Kleine definitiv von seinem Vater Amistad geerbt, eine gute Tat, keine Frage.
      Der letzte im Bunde war Toxic Compound. Leider hatte sowohl CHH‘ Lethal Combination, als auch Light up Hell keine allzu guten Werte erhalten, es war also unklar, inwiefern der kleine Hengst groß rauskommen würde. Wahrscheinlich war wohl eine Kariere als Zuchthengst, seine Farbe war wirklich wunderschön geworden.
      Vor einigen Wochen war auch Winter with Koen auf unser Gestüt gekommen. Er war Jährling und sollte als Spielgefährte für Ivy‘s Rhapsody dienen. Sie war jedoch um einiges älter und der junge Koen für sein Alter noch extrem verspielt. Er genoss sichtlich das unbekümmerte Leben und hatte durchaus schon einige Herzen erobert. Deswegen war BR Ruffian‘s Smart Jane eingezogen. Eine Prchtkombination, Homozygot Roan und dann noch Silver. Sie war eine Halbschwester von BR Prias Raveday, die bereits mitten im Training stand, aber das sollte unsere Zucht nicht weiter einschränken.
      Das größte Wunderkind aber war wohl der Junghengst PFS‘ Circle of Thyme. Ein Pineforest Nachkommen, nur für unsere Zucht gezogen und der erste Sabino. Also ein perfekter Kerl mit den besten Voraussetzungen von beiden Eltern.
      Möglicherweise würde es bald auch neue Fohlen geben. Alphabet Soup und Westatlanta liefen in letzter Zeit vielversprechende Turniere und wenn Last in Love und der neue Golden Sugar weiterhin Erfolge nach Hause bringen würden, waren neue Liebeskombinationen definitiv nicht ausgeschlossen. Aber das würde die Zeit bringen. Die beiden Praktikantinnen hatten außerdem noch die zwei unzertrennlichen Stuten PV Gräfin und Song of Peace auf einer Krönung vorgestellt und wenn da alles soweit ohne Probleme gelaufen war, dann würden auch diese bald gekrönt sein.
      Die nächsten Stunden heftete Nico Abrechnungen ab und brachte den ganzen Papierkram auf Vorderman. Früher hätte er sich nie dazu niedergelassen, leider war es ihm aber nicht mehr vergönnt, draußen mit den anderen zu trainieren.
      Seit dem Nico einige „Praktikanten“ für unbekannte Zeit auf das Gestüt gelassen hatte, war wieder Leben eingekehrt und die Arbeiter etwas entlastet. Sir Golden Mile, Lap de Loupe, Chromed Highwind, Cinnada Mistik, I‘ve got a blue soul, Prias Raveday und Delightful Cinnamon standen dadurch wunderbar im Training und sollten in den nächsten Wochen hoffentlich noch ein paar Turniersiege abholen.
      Auch der Trainingscenter von Malte lief auf Hochtouren. Er hatte endlich wieder Zeit für Aufträge und nicht nur das, er hatte sich sogar dafür bereit erklärt, Nicos Sohn Bartholomäus auszubilden und immer mitzunehmen, sodass auch er nach seinem mittelmäßigen Schulabschluss wieder etwas zu tun hatte.
      Nico seufzte abermals. Er schaute auf sein Handy. Keine Nachricht von Malte. Auf seine Frage hin, wo er denn war und wann er wiederkommen wollte, hatte er nicht geantwortet. Mittlerweile ging die Sonne unter und tauchte das Gestüt in sagenhaft rotes Licht. Erst am nächsten Morgen würde Phoenix Valley neugeboren werden.

      Das Abendessen im Hotel Restaurant war okay gewesen. Für mich hatte es einen Veggie Wrap gegeben, für Charly einen gebratenen Lachs mit Parmesan. Sie hatte sich ihre gute Laune nicht von meinen tiefen Gedanken verbieten lassen. Aber vor allem trank sie viel Alkohol. Immer nur in damenhaften kleinen Portionen. Ihr torkelnder Gang am Ende war jedoch trotzdem für alle unübersehbar gewesen.
      Die Fahrstuhltüren schlossen sich hinter uns. Ich hielt Charly um der Hüfte fest, beschäftigte mich intensiv mit dem Werbeplakat an der Fahrstuhltür. Auch Charly war eigenartig stumm und als ich die Werbung für das Casino nun schon zum dritten Mal Wort für Wort durchgelesen hatte, wagte ich einen Blick zu ihr. Ihre Augen fingen ihn sofort ein, als hätten sie nur darauf gewartet. Ihr Blick war plötzlich wieder klar und als sie sich aus meinen Armen befreite, stand sie erstaunlich selbstsicher. Mein Blick löste sich von ihren Augen, wanderte hinab auf ihre zartrosa Lippen und blieb dort hängen.
      »Küss mich«, flüsterte sie.
      Ich wollte es und doch wollte ich es nicht tun. Aber sie flüsterte, fast stumm, noch einmal die Worte. Meine Hand fand den Weg zu ihrem Nacken, verlor sich dort in dem weichen Meer aus dunklen Haaren und drückte dann ihren Körper bestimmend an meinen. Kaum waren ihre Lippen nah genug, legte ich die meinen auf ihre, roch erst ihr zartes Parfüm, dann den Lippenstift und dann den Geschmack von Champagner auf ihrer Zunge. Ich arbeitete mich tiefer in sie hinein, umschlang sie mit allem was ich zu bieten hatte, und da fand ich ihn. Erst ihren Geruch. Den zarten Geruch nach Meer, vereint mit etwas menschlichem, gut riechendem Schweiß. Dann fand ich ihren Geschmack. So verführend, so feucht, so beherrschend. Ich wollte sie, mein ganzer Körper verlangte mit jeder Zelle nach dieser Frau, die ich fest umklammerte, ihr die letzte Luft aus dem Körper zog. Ich wollte alles von ihr haben. Ich stöhnte.
      Mit letzter Kraft löste Charly sich von mir. Ihre Lippen waren verschmiert und die Haare standen wild ab. Ich hatte nicht gemerkt, dass ich ihr das schwarze Kleid begonnen hatte auszuziehen. Als die Türen sich öffneten, zog sie es schnell zurück über ihre Hüften. Wir drängelten uns mit gesenktem Blick an dem älteren Ehepaar vorbei, welches vor dem Fahrstuhl wartete. Ich konnte nicht aufhören Charly anzustarren. Ich vibrierte, fühlte mich lebendiger als je zuvor und das, obwohl ich vorhin erst gedacht hatte, sie nicht mehr zu lieben, nicht mehr nach ihr zu verlangen.
      Oh doch, das tat ich.

      »Dieses Pferd ist der Hammer«, sagte Bart immer wieder, während er die Stute aus dem Hänger führte. »Dass du an ein so schönes Pferd kommst, wirklich krass.«
      Joline hatte hellblaue Transportgamaschen an und eine passende Abschwitzdecke. Immerhin hatte Nico auch nicht schlecht bezahlt für das Wunderpferd aus Kanada, die geschenkte Ausrüstung war dafür ja das mindeste.
      »Die wird erstmal eine Untersuchung bekommen. Kann ja nicht sein, dass es nur Langweile ist, dass sie sich den Schweif aufkratzt, als würde da eine Horde Flöhe wohnen«, sagte Nico.
      Bart nahm den Strick ab, den ihm der Transporterfahrer reichte.
      »Ich brauche noch eine Unterschrift«, nuschelte er und hielt erst Bart, dann Nico den Zettel hin.
      »Ich sitze zwar im Rollstuhl, kann aber durchaus noch einen Stift führen«, sagte Nico, während er schwungvoll seinen Namen auf das Papier setzte. Dann lächelte er freundlich.
      Der Mann hatte nicht verstanden, worauf Nico anspielte. Murmelte nur und fuhr dann mit dem Transporter vom Hof.
      Bart gähnte. »Es ist mir zu früh«, sagte er. »Aber was tut man nicht alles für eine schöne Frau.«
      In dem Moment kam Cjara um die Ecke. Sie lächelte, wie immer. Ihre langen Engelslocken wippten au ihren Schultern und die Augen strahlten.
      Nico sah Bart an, der erst Joline anschhmachtete und dann den gleichen Blick auf Cjara war.
      »Guten Morgen«, flötete Cjara und Nico musste bei ihrem Anblick nun doch auch lächeln. Sie war ein wahrer Sonnenschein.
      Bart hackte sich bei ihr unter und sagte charmant: »Wenn ich die Dame in den Stall begleiten darf...« Links Joline und rechts Cjara marschierte er stolz in Richtung Hauptstall.
      Nico seufzte. Der Junge war volljährig und benahm sich trotzdem ganz anders. Genauso wie er und Nico hatte er 35 Jahre alt werden müssen, um diese Charaktereigenschaften entgültig ablegen zu können.
      Nico blieb an Ort und Stelle sitzen, schaute die Ausfahrt hinauf und als er einen alten Wagen auf ihn zukommen sah, wollte er aufspringen, bis er merkte, dass seine Beine dies nicht mehr mitmachten.
      Malte war da und auch wenn Nico die letzten Tage keinen Kontakt zu Malte hatte aufbauen können, wusste er nun, wo sein Freund gewesen war.

      »Du hast mit ihr geschlafen.«
      »Ja«, sagte ich und schloss die Autotür. »Ja, das habe ich.«
      »Würdest du es wieder tun?«
      Ich blickte fragend auf Nico herab. Es war als hatte er auf mich gewartet gehabt. Er hatte genau hier neben dem Parkplatz für mein Auto gestanden, obwohl ich niemandem gesagt hatte, wann ich wiederkommen und vor allem nicht, wo ich hinfahren würde.
      »Du meinst, ob ich wieder mit deiner Ex-Frau ins Bett gehen würde? Immer doch, ich liebe es, dir mit allem was ich tue in deine nutzlosen Eier zu treten.« Ich warf mir meinen Rucksack über die Schulter und ging die Treppe zur Veranda hoch. Nico folgte mir über die Schienen an der Seite. Er war schneller als ich.
      »Du bist zwar ein Zwerg, aber immerhin hast du deine männlichen Attribute noch im Griff«, sagte Nico. Er versperrte mir die Tür und grinste mich an.
      »Was willst du«, sagte ich matt. Es war keine wirkliche Frage, wahrscheinlich wusste Nico nicht mal selbst, was er wollte. Das einzige was ich wusste, war, dass ich mit der Ex-Frau meines besten Freundes, in die ich seit zwanzig Jahren verliebt war, eine romantische Nacht in einem exklusiven Hotel in Los Angeles gehabt hatte. Was ich aber tatsächlich wollte, wusste ich nicht.
      »Und? War es gut?« Nico ließ nicht locker. Sein Lächeln lag eingefroren und grauenerregend auf seinem Gesicht.
      »Charly ist hervorragend im Bett. Das war der beste Sex meines Lebens«, sagte ich trocken. Dann drängelte ich mich an Nico vorbei.
      »Ach schön! Erzähl doch bitte mehr davon!« Nicos Stimme tropfte vor Sarkasmus. Ich drehte mich noch einmal um, blickte Nico in die Augen. »Erzähl mir, wie toll die Frau meines Lebens im Bett ist, erzähl mir, was sie dir ins Ohr geflüstert hat, oder wie Laut ihr Stöhnen war!« Er wurde immer lauter, schrie fast. Das Grinsen war verschwunden. Er war rot angelaufen, ich sah eine Träne in seinem rechten Auge schimmern. »Ich hasse mein Leben«, flüsterte er schließlich.
      »Nico«, sagte ich und hockte mich vor ihm hin. »Es tut mir Leid, was passiert ist. Die Trennung von Charly, dein Unfall, der Rollstuhl. Alles das sind Schicksalsschläge. Vielen Menschen passieren Dinge, die sie nicht wollen, die Träume zerstören. Aber die Nacht mit Charly tut mir nicht leid. Ich liebe sie, schon all die Jahre liebe ich Charly. Die Nacht war wunderschön, aber es wird nicht noch einmal eine Nacht wie diese geben. Ich teile Charlys Leben nicht. Sie hat sich für einen anderen Weg entschieden. Ich glaube, dass sie die falsche Entscheidung getroffen hat und ich hoffe, dass sie eines Tages merkt, dass sie vielleicht sich für einen anderen Weg hätte entscheiden sollen. Ich weiß jetzt, dass ich nicht Charlys Weg folgen möchte und ich wünsche mir für dich, dass du das auch nicht tun wirst.« Ich legte ihm eine Hand aufs Bein und schaute ihn bittend an.
      »Was bin ich noch«, flüsterte Nico. »Ein Reiter ohne Beine, ein Ehemann ohne Frau und ein Vater, dessen Sohn kein Sohn sein will. Sag es mir, was bin ich noch.«
      »Du bist mein Freund, ein erwachsener, erfolgreicher Mann. Du bist ein Reiter, der Angst davor hat, aufs Pferd zu steigen, ein Mann, der nicht einsehen will, dass es noch viele Frauen gibt, die ihm Wärme und Liebe schenken können, und ein Vater, der viel zu oft seine eigenen Probleme denen seines Sohnes vorzieht. Ja, du musst an manchem arbeiten«, sagte ich und lächelte Nico aufmunternd an. »Aber trotzdem bist du viel mehr, als du denkst. Du bist am Leben und du solltest dieses Geschenk mit Demut nutzen und sorgsam damit umgehen.«
      »Du hast leicht reden. Du bist der einzige in 5 Kilometer Umkreis, der heute Morgen beim Aufstehen eine Frau in den Armen gehabt hat«, sagte Nico und folgte mir in die Küche.
      »Ich bin bereits heute Nacht gegangen«, sagte ich, während ich die Reste des Essens aus meinem Rucksack im Kühlschrank verstaute.
      »Und warum bist du jetzt erst wieder da?«
      »Los Angeles bei Nacht ist schön.« Ich schloss den Kühlschrank und nahm, ohne noch einmal einen Blick zurück auf Nico zu werfen, die Treppe hinauf in mein Zimmer.

      27-02-2020 | 24.061 Zeichen | Canyon
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  • Album:
    Phoenix Valley — Hauptstall Stuten
    Hochgeladen von:
    Canyon
    Datum:
    16 Aug. 2019
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    Westatlanta
    x

    ● ○ ● ○

    Stute | 19-12-2016 | 158cm
    Englisches Vollblut
    Rapp-Tigerschecke

    ● ○ ● ○

    Von unbekannt

    Von unbekannt Aus der unbekannt

    Aus der unbekannt

    Von unbekannt Aus der unbekannt

    ● ○ ● ○

    ausgeglichen| trittsicher | neugierig | verspielt

    ● ○ ● ○

    Besitzer: Canyon
    VKR/Ersteller: Canyon
    im Besitz seit: 16-August-2019
    Kaufpreis: x Joellen

    ● ○ ● ○

    ● Schleifenaufstieg Trainingsaufstieg Potential


    Fahren E A L M S S* S** S*** (96/100)


    Galopp E A L M (59/100)

    Western E A L M (49/100)

    Military E A L
    (38/100)

    Springen E A L (31/100)

    Distanz E A (9/100)

    Dressur E (3/100)


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    Fohlen ABC | Eingeritten | Eingefahren x

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    490. Galopprennen | 507. Westernturnier | 433. Fahrturnier | 508. Westernturnier

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    434. Fahrturnier | 435. Fahrturnier | 493. Galopprennen | 438. Fahrturnier

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    419. Distanzturnier | 34. Synchronfahren | 301. Synchronspringen

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    [SK 467]

    Gencode: EE aa nLP nPATN1
    Zur Zucht zugelassen: Ja
    Eingetragene Zucht: Phoenix Valley (PV)

    Nachkommen
    PV Phantom from Alaska - *2020 (vom Ghostly Phenomenon)


    ● ○ ● ○

    Letzter Tierarztbesuch: 16-02-2020 durch Eddi

    Letzter Hufschmiedbesuch: 18-12-19 durch Snoopy

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