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Canyon

● Song of Peace

A Christmas Horse ○ Englisches Vollblut ○ Splashed Silver Dapple Bay ○ Stute ○ 6 Jahre ○ 167cm ○ gekrönt

● Song of Peace
Canyon, 19 Aug. 2019
Rose1, Wolfszeit und Veija gefällt das.
    • Canyon
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      Wenn der Phönix singt
      „Flieg, Flugzeug flieg, flieg hinauf in die Wolken und fliiieg!“
      „Kommt das nur mir komisch vor, oder warum spielt mein Sohn in einem Flugzeug mit einem Flugzeug?“, sagte ich zu mir selbst, während ich Bart beobachtete, wie er sein kleines Flugzeug immer wieder in die Höhe hob und mit Spucktropfen die Motorengeräusche nachmachte.
      „Ihr Sohn?“ Ich drehte meinen Kopf zur Seite und blickte in die freundlichen Augen einer jungen Frau. Sie war groß und schlank, hatte eine gebräunte Hautfarbe und naturbraunes Haar.
      Ich nickte. „Bart“, sagte ich und deutete auf meinen Sohn.
      „Was ist mit mir?“ Bart blickte fragend auf, während sein Flugzeug unsanft auf seinem Schoß abstürzte. „Ich habe nichts getan!“, verteidigte er sich, ohne zu wissen, worum es ging. Die Frau lachte wohlwollend auf und um ihre Augen bildeten sich Lachfalten.
      „Nico“, sagte ich und reichte ihr in der Enge der Sitze die Hand.
      „Vicky, Vicky Riley“, sagte sie und griff nach meiner Hand.
      „Wie das Hustenbonbon?“
      „Nein, nicht ganz, das heißt mit Nachname nicht Riley“, sagte sie und lachte schon wieder. „Sie sind ja ein Scherzkeks!“
      Ich nahm das als Lob und schenkte ihr auch ein Lächeln. „Erzählen Sie, wie sind Sie in diesen Flieger gekommen, der so hoch über dem weiten Ozean in die Unendlichkeit flieht?“
      „Ich bin auf dem Weg nach Hause, ich war beruflich unterwegs“, sagte sie. „Und Sie?“
      „Ich weiß noch nicht“, antwortete ich wahrheitsgetreu und blicke zu Bart. „Vielleicht fliege ich gerade in meine neue Heimat.“
      „Sie wollen nach Kalifornien ziehen?“, fragte sie mich erstaunt. „Sie kommen wohl nicht aus den Staaten?“
      Ich schüttelte den Kopf. „Nein, zur Zeit wohne ich noch in Norwegen, ursprünglich komme ich jedoch aus Frankreich.“
      Sie lachte wieder. „So viel haben Sie schon hinter sich, in ihrem Alter?“
      „So jung bin ich nicht“, verteidigte ich mich. „Das macht nur die Antiagecreme, Sie wissen schon, früh genug an die Zukunft denken.“
      Sie lachte wieder und wir blickten uns einen Moment intensiv in die Augen, bevor Bart an meiner Jacke zog und meine Aufmerksamkeit wieder zu ihm lenkte. „Papa“, meckerte er. „Wann sind wir endlich da?“
      „Bald“, sagte ich und wandte meinen Blick abwesend aus dem Fenster. „Die neue Heimat ist nicht mehr weit.“
      Ich beobachtete Bart beim Spielen und als ich mich wieder der jungen Frau neben mir zuwenden wollte, sah ich, dass sie mit Kopfhörern in den Ohren die Augen geschlossen hatte.

      Viele Stunden später war ich froh endlich das Flugzeug verlassen zu können. Bart hatte sich vollkommen mit den Resten des Essens eingeschmiert und zwischen seinen Beinen klebte der Rest der geschmolzenen Schokolade, die er sich aufheben wollte. Trotz der paar Stunden Schlaf war er unausgeglichen und auch mein Feingefühl reichte nach der Anstrengung nicht aus, um seine Laune über Wasser zu halten.
      Doch Bart musste sich daran gewöhnen. Charly würde sich nicht damit zufrieden geben, wenn sie unseren Sohn nicht regelmäßig sehen würde. Sie würde nicht kommen wollen, das hatte sie zu oft gesagt, und Charly hielt sich an ihre Versprechen.
      Nach dem Check Out und dem Warten auf unser Gepäck, standen Bart und ich endlich am Hauptausgang des riesigen Flughafens. Bart hatte sich trotzig auf seinen Kinderkoffer gesetzt, während ich hektisch versuchte, die Telefonnummer für die nächste Taxistation zu finden.
      Wie hatte ich sie vermisst, diese Wärme und die Sonne weit über mir, die mir an diesem Tag besonders nah erschien. Es war Zeit geworden, endlich die Kälte Norwegens nach einer so langen Zeit zu verlassen. Doch musste ich zugeben, dass es auch hier nicht warm war. Es war früher Morgen, der Himmel war leicht bewölkt, doch zumindest war keine dunkle Regenwolke zu sehen. 4 Grad waren nicht viel und ich fror mit meinen dünnen Turnschuhen und dem einfachen Pullover. Ich würde wohl einkaufen fahren müssen, denn auch Bart hatte seine winterliche Kleidung in Norwegen gelassen.
      Im richtigen Moment nörgelte Bart neben mir und ich blickte von meinem Handy auf. „Mir ist kalt“, sagte er trotzig und verschränkte die Arme vor der mit Erdnussbutter beschmierten Brust.
      „Ich bin doch schon auf der Suche nach einem Taxi“, murmelte ich genervt.
      „Soll ich Sie und Ihren Sohn vielleicht ein Stück mitnehmen?“ Die junge Frau aus dem Flugzeug stand wieder neben mir. Auch sie hatte ihren zierlichen Koffer gefunden und sich zum Schutz gegen die Kälte einen dicken Mantel um die Schultern gelegt.
      „Vielen Dank“, sagte ich. „Aber diese Umstände müssen Sie sich nicht machen. Ich bestelle uns einfach ein Taxi.“
      „Blödsinn“, lachte sie. „Los, sagen Sie, wo müssen Sie hin?“
      Ich gebe mich geschlagen. „Modoc National Forest, kurz vor der Grenze zu Oregon“, sagte ich. „Bestimmt die komplett andere Richtung.“

      ... später, genau um ...., wie das Navi preisgab, winkte ich Vicky hinterher. Sie hatte uns auf dem Parkplatz, meinem Parkplatz, abgesetzt. Bart war während der Fahrt eingeschlafen und von mir nun unsanft aus dem Schlaf gerissen worden, als ich ihn aus dem Auto ziehen musste. „Sind wir da?“, hatte er verschlafen gefragt, während ich Vicky noch ein paar Euro als Dankeschön in die Hand drückte. Das war das mindeste gewesen, dass ich für sie tun konnte.
      Auf der Fahrt hatte ich mir einen ersten Eindruck von Kalifornien machen können, doch hätte ich nie gedacht, dass einer der berühmtesten und beliebtesten Staaten der USA so trostlos erscheinen konnte. Trockener Boden, viele vereinzelte Bäume und elend lange, benummerte Highways, die kein Ende zu nehmen schienen. Der Norden Kaliforniens war etwas anderes, als der dicht besiedelte Süden.
      Ich blickte auf den Zettel in meinen Händen. „Falls du Hilfe brauchst, ruf meinen Bruder an“, hatte Vicky mir zum Abschied geraten. „Du würdest mit ihm bestimmt zurecht kommen.“ Mir kam der Gedanke, dass sie mir die Nummer nur gegeben hatte, damit ich sie erreichen konnte. Wofür sonst, sollte ich ihren Bruder brauchen? Ich würde das schon schaffen.
      „Daaad“, nörgelte Bart neben mir. „Können wir jetzt endlich ins Haus?“
      Auf den ersten Blick erkannte ich das Gestüt nicht wieder - ich sah ein großes Gebäude mit rotem Dach, ein paar Bäume und einen übersehbaren Zaun, der mir erst zum Schluss ins Auge fiel.
      „Komm Bart“, sagte ich, hob unser beider Gepäck auf und marschierte selbstsicher auf das Gebäude zu. Das Gelände war weitläufiger als erwartet. Die Bilder im Internet hatten vor allem die einzelnen Gebäude gezeigt und nun sah ich, dass die Reithalle ein gutes Stück entfernt von meinem Wohnhaus und auch vom Hauptstall lag. Den Hauptstall konnte ich erst erkennen, als ich einen kleine Bauminsel umrundet hatte und nun auch die andere Hälfte des Gestüts sah.
      Ich blieb einen Moment stehen, um das Gestüt auf mich wirken zu lassen. Ich sah den hellen Boden und die kahlen Bäume, das rote Dach des Stalls und die geschwungenen und weißen Bögen des Mauerwerks, die mich an meine Heimat erinnerten. Und dann sah ich die verwelkten Blumen rund um den von Moos bedeckten Reitplatz, ein paar durchnässte Heuballen daneben und die kaputten Ziegel des Wohnhauses, durch deren Lücken Wasser tropfen musste.
      „Daaad“, sagte Bart wieder. „Ich bin müde, ich will in mein Bett.“
      „Gleich“, murmelte ich und ließ meinen Blick noch einmal über die romantische Baustelle schweifen. Als Bart ungeduldig an meiner Jacke zerrte, drehte ich mich schlussendlich doch zu ihm um und folgte ihm in Richtung Wohnhaus.

      Nachdem ich für Bart im Wohnzimmer das Sofa hergerichtet hatte, er sich zusammenrollte und erschöpft die Augen schloss, zog ich Jacke und Schuhe wieder an und verließ das Wohnhaus. Auch davon hatte ich nur wenig gesehen, doch hatten mich auch hier die weißen Wände der Fassade getäuscht. Ich wusste, dass hier vorher zwei Brüder gewohnt hatten und so verwunderte es mich nicht, dass die kurz besichtigte Küche und das kleine Bad, sowie das Zimmer für Bart nicht im besten Zustand waren. Aber es reichte, es musste reichen. Genauso wie der kahle Boden für die Pferde, ohne dem fehlenden Gras. Doch hatte ich Glück, der Großteil der Pferde war die Trockenheit aus Frankreich gewöhnt und der Rest hatte sich nun in Norwegen daran anpassen müssen. Auch dort bestand das Weideland vorrangig aus Stein und von der Kälte erfrorenem Boden.
      Bis zum Abend erkundete ich auch den Rest des Geländes. Zwischendurch sah ich nach Bart, der jedoch bis zum frühen Abend schlief. Zwölf Stunden Flugzeug und viele zu überwindenden Zeitzonen waren nicht einfach. Auch ich spürte die Müdigkeit in meinen Beinen, doch die Angst vor dem leeren Bett mit der kalten Bettdecke hielt mich auf.

      Nach vier Tagen wählte ich die Nummer auf dem zerknitternden Zettel in meiner Hosentasche. Ich hatte es versucht, doch die Gartenarbeit machte mich mehr fertig, als dass sie mir den Kopf freimachte. Die Farbe für den Zaun, neue Ziegel für das Dach und neuer Sand für den Reitplatz waren bestellt, doch würde ich die Arbeit nicht alleine schaffen.
      Hinzu kam noch Bart. Am Tag folgte er mir auf Schritt und Tritt und auch wenn die nervige und ständige Anwesenheit sich nach ein paar Tagen in Freude gewandelt hatte, es tat gut, jemanden zum Unterhalten zu haben, konnte ich ihm nicht die Aufmerksamkeit schenken, die er verdiente.
      Mein Telefon klingelte lange, es schien keinen Anrufbeantworter zu haben, bis sich eine verschlafene Stimme meldete. „Riley?“
      „Nicolaus du Martin“, sagte ich steif und fragte mich, ob das wirklich eine gute Idee war. „Ihre Schwester hat mir Ihre Nummer gegeben.“
      „Der gesprächige und charmante Franzose mit den goldenen Locken, die ihm bei Schlafen in den Mund fallen — meine Schwester meinte bereits, dass Sie anrufen werden.“
      Ich blieb einen Moment still und doch begann ich zu verstehen, warum Vicky gemeint hatte, ich würde mit ihm zurecht kommen. „Wollen Sie einen Arbeitsplatz oder wollen sie sich diese Chance auch wieder entgehen lassen?“
      „Ich will jetzt nicht sagen, dass es mir Leid tut, aber das Jobangebot würde ich trotzdem gerne annehmen. Wie viel bekomme ich?“, fragte Riley.
      „So viel, wie Ihre Arbeit wert ist“, sagte ich. „Wann kommen Sie vorbei?“
      „Gerade feile ich mir noch meine Fußnägel und heute Abend habe ich ein heißes Date, mit der ich danach hoffentlich im Bett landen werde. Die verzögerte Aufstehreaktion durch die nächtlichen Aktivitäten mit einberechnet, wäre ich morgen gegen Mittag fit genug, um in meinen Wagen zu steigen und zu Ihrer Bruchbude zu fahren.“
      „Machen Sie das“, sagte ich nur. „Ich werde Sie erwarten.“
      „Ach so“, sagte er noch vor dem Auflegen. „Ich habe kein Interesse daran, als Babysitter zu arbeiten.“

      Ich hatte nie vor etwas Angst. Das Schlimmste war die Furcht, die in mir hochkroch, wenn ich an den plötzlichen Tod in der Mitte des Lebens dachte. Vor allem vor meinem eigenen, der kommen konnte, bevor ich leben würde. Ich hatte zu viel verloren und mit jedem Verlust war auch ein Stück von mir abgebrochen. Der Schmerz verging und mit ihm auch wieder ein Teil des Ichs, der ich einmal war.
      Der leere Stall rief in in mir ein ähnliches Gefühl hervor. Nicht so stark und nicht so vernichtend, jedoch zumindest annähernd so ergreifend. Es war, als hätte ich alles verloren. Jedes Zuhause, jede Heimat und jeden Freund.
      Doch war der Stall schön. Geschwungene, weiße Bögen, mit leichtem Gold verzierte Boxen und ein Fenster in jeder. Ich hatte das flackernde Licht bereits repariert, das alte Stroh aus den Boxen geholt und die Spinnenweben entfernt. Für einen Moment kam mir der Gedanke, dass der Stall geputzt noch trostloser erschien. Verlassen und vergessen, genau wie ich.
      Mein Telefon klingelte und für einen Moment war ich erstaunt, dass ich anscheinend doch nicht der einzige Mensch auf Erden war. Ich war zu langsam. Als ich das klingelnde Smartphone aus meiner Innentasche gekramt hatte, war es bereits wieder verstummt. Zwei Anrufe in Abwesenheit, den erste hatte ich bereits verpasst. Hinzukam noch, dass die beiden Anrufe von den zwei Frauen auf der Welt waren, denen ich gerade jetzt nicht ins Auge sehen, oder besser gesagt, ins Ohr sprechen wollte; meiner Exfreundin und meiner Mutter. Ich steckte das Handy wieder ein und verdrängte den Gedanken, dass ich mich schon längst bei beiden hätte melden müssen.
      Noch am gleichen Tag bekam ich die Nachricht, dass er unterwegs war. Endlich. Er würde kommen. Meine am Boden liegende Welt würde auferstehen, erst wankend und dann immer kräftiger - ich wäre nicht mehr allein, ich würde es nie wieder sein wollen.
      Marid war mein Freund, der einzige, der je zu mir gehalten hatte. Sie sagten, sie würden Pferde verstehen, aber nur ich verstand Marid.
      Als Marid ankam, stellte ich ihn in die Box gleich am Haus. Des Nachts hörte ich seine Schritte und das laute Schnauben. Auch rief er mir zu und gab erst in den frühen Morgenstunden Ruhe. Ich hatte ihm Unrecht getan, ihn alleine nach Amerika verschiffen zu lassen. Ihm ging es nun wie mir, nur waren wir ab sofort nicht mehr allein. „Nie wieder“, versprach ich ihm jedes Mal aufs Neue.
      Genau zur gleichen Zeit wie Marid ankam, lernte ich auch Eli Riley kennen. Er war in meinem Alter, sportlicher als ich, aber mindestens genauso gut aussehend. Seine dunklen Locken glichen den meinen, nur waren sie um einiges kürzer und braun. Er war nett und hilfsbereit und vor allem hatte er ein schönes Lächeln. Sein größtes Problem war jedoch der ständige Zwang, seine Gedanken laut auszusprechen und somit jeder Zeit die Wahrheit zu sagen. Ich nahm mir gleich beim ersten Treffen vor, ihm nicht meine Geheimnisse anzuvertrauen, sie würden nicht lange sicher sein.
      Er beschwerte sich nicht über die ihm aufgetragenen Aufgaben, doch als er am zweiten Tag den Stall weihnachtlich mit Lichterketten und Sternen schmückte, merkte ich, dass es ihm nicht schwer fiel, seine eigenen Ideen ohne meine Zustimmung in die Tat umzusetzen. Auch kam er gut mit Marid aus und da war er wohl einer der ersten.
      Am dritten Tag nahm Riley mich und Bart mit in die Stadt. Ich hatte noch kein Auto, der Grund dafür war wohl das fehlende Geld und ein Stück vielleicht auch meine hohen Ansprüche.
      Canby war genauso verlassen, wie die restliche Gegend. Viele kleine und verstaubte Häuser, umgeben von den leeren Ebenen, über die der kalte Wind pfiff. Die Stadt war nicht weit, doch außer einer Tankstelle und einem Supermarkt gab es nicht viel und das trübte meine Aussicht auf etwas Zivilisation. Die ältere Generation saß zumeist zu zweit auf den weißen Plastestühlen vor ihren Flachbauten in hellem gelb und sobald wir an ihnen vorbeifuhren, blickten sie kritisch dem Transporter von Riley hinterher. Früher mochte er wohl rot gewesen sein, nun war er ausgeblichen und mit rostenden Stellen bedeckt.
      Ein Junge, ein paar Jahre älter als Bart, hielt mit seinem klapprigen Rad am Straßenrand an und blickte uns auch noch hinterher, als wir bereits am Horizont verschwanden. Ansonsten sahen wir niemanden.
      Bart saß auf der Rückbank und drückte sein Gesicht an der verstaubten Scheibe platt. Er war die letzten Tage ungewöhnlich stumm gewesen. Charly hatte einmal zu mir gemeint, dass Bart mehr von mir hatte, als von ihr. Dass er sogar mein Ebenbild war und wenn ich schwieg, schwieg auch er.
      Riley hingegen war locker wie immer. Er hatte das Radio aufgedreht und summte über die Nachrichten hinweg eine Melodie. Wir hatten uns stillschweigend darauf geeinigt, dass die Vergangenheit kein Redethema sein sollte. Er fragte nicht und ich fragte nicht.
      Der Vorteil an Rileys Wagen, war die große Ladefläche hintendrauf. Wir kauften gemeinsam für die nächsten Wochen ein, einigten uns auf das Essen und das, obwohl Riley deutlich sagte, was er gerne aß. Auch ich hatte meine Vorstellungen, sodass wir unsere Ausbeute schlussendlich auf nur wenige verschiedene Gerichte festlegten.
      „Sieben verschiedene Gerichte müssten reichen — nur einmal die Woche das gleiche“, sagte Riley gutgelaunt, während er einen weiterem Sack Kartoffeln in den Einkaufswagen legte. „Das sichert zumindest unser Überleben.“
      Auf der Rückfahrt hielten wir am Kindergarten in Canby an. Ich hatte Angst davor, auch Bart von mir wegzuschicken. Er war, von den Pferden abgesehen, das Einzige, das ich aus Norwegen mit in meine neue Heimat nehmen wollte. Der Kindergarten jedoch war ein einfaches Gebäude mit Papierblumen an den Fenstern und einem vergilbten Namen über der Tür. Die Fassade war verstaubt und das Dach reparaturbedürftig und ich nahm mir vor, Bart so lange wie möglich bei mir zu behalten.
      „Gründen Sie doch einfach ihren eigenen Kindergarten“, sagte Riley herausfordernd.
      „Wenn Sie der Kindergärtner werden, Riley“, sagte ich wenig erfreut. Daraufhin lachte er nur, wir stiegen wieder ein und fuhren zurück nach Phoenix Valley.

      Phoenix Valley war ein prachtvoller Name für solch einen entlegenen und einsamen Ort. Und doch wurde mir bewusst, dass er passte, als wir an dem Findling mit dem eingemeißeltem Namen an der Einfahrt vorbeifuhren. Bart war mittlerweile eingeschlafen und auch die Nachmittagssonne hing gewohnt träge am Rand des Himmels.
      „Ich versorge noch schnell Marid, ich komme gleich nach“, sagte ich und verließ das Auto. Riley parkte seinen Laster vor dem Wohnhaus und fing an, die ersten Taschen auszuräumen.
      Marid stand den Tag über auf einer der Weiden. Selbst im Vergleich zu Norwegen war es auch hier nicht besonders einfach für die Pferde, auf dem kargen Weideland ihre Bedürfnisse zu stillen. Der Heubedarf würde im Winter sehr hoch ausfallen und im Kopf zählte ich bereits das Geld, dass noch übrig bleiben würde, wenn dieser vorbei war.
      Marid wartete bereits am Zaun auf mich. Er hatte gelassen den Kopf gesenkt und spitzte die Ohren als ich näher trat. Ich bückte mich unter dem einfachen Zaun hindurch und legte ihm, das Halfter um. Er knabberte sacht an meiner Jacke und meine Hand streichelte ihm beruhigend den Hals. Ich musste nichts sagen, Marid wusste, dass es mir ähnlich ging wie ihm.
      Nachdem ich Marid in die Box am Haus gebracht hatte, ging ich ins geheizte Wohnhaus. Die Wärme schlug mir entgegen und so erdrückend wie sie im ersten Moment war, genauso genoss ich das Gefühl eines Zuhauses.
      Riley hatte bereits die Einkaufstaschen in die Küche gestellt und Bart fand ich in seinem Bett friedlich schlafend. Riley selbst stand im Wohnzimmer vor dem altertümlichen Kamin, den ich die letzten Tage häufiger entfacht hatte. Er tippte auf seinem Handy und blickte auch nicht auf, als ich den Raum betrat.
      „Willst du nicht langsam gehen?“, fragte ich und ging weiter in die Küche.
      „Ich wollte erst noch auf das ‚Danke‘ warten“, rief er mir hinterher. „Aber ich schätze, dass ich da lange bleiben könnte, oder?“
      „Hau einfach ab“, murmelte ich erschöpft und stellte die Kaffeemaschine an, bevor ich mich auf dem Küchenstuhl niederließ.
      Als ich wenig später wieder das Wohnzimmer betrat, war Riley tatsächlich verschwunden und für einen Moment wünschte ich mir, dass er nicht gegangen wäre.

      Zwei Tage später kamen auch die anderen Pferde auf dem Gestüt an. Sie waren allesamt vollkommen erschöpft und ausgelaugt und auch wenn ich eines der teuersten Transportunternehmen angeheuert hatte, steckte bei einigen die pure Anstrengung noch tief in ihren Körpern. Marid war nie ein Herdentier und doch wieherte er den Neuankömmlingen etliche Begrüßungen zu und galoppierte am Zaun auf und ab. Doch nicht nur bei Marid, auch auf dem restlichen Gelände war endlich Bewegung eingekehrt. Ich hatte sie vermisst, fast so sehr, dass ich bei der Ankunft zu weinen begann. Die Anspannung der letzten Tage würde sich nun endgültig legen. Ich hatte mich dafür entschieden, dass nur die Stuten in den Hauptstall ziehen und die Hengste den etwas kleineren Nebenstall bewohnen würden. Wenn der Winter mit all seiner Macht einzog und auch die großzügigen Paddockboxen von Wind und Schnee durchweht wurden, dann würde auch für die Hengste noch genügend Platz im Hauptstall sein. Durch die Trennung erhoffte ich mir jedoch eine möglichst ausgeglichene Atmosphäre.
      Ich hatte Mytos verkauft. Kurz vor unserem Umzug war er ausgezogen, auf ein anderes Gestüt, wo er seinen Fähigkeiten entsprechend versorgt und trainiert werden würde. Ich hatte Marid nichts angemerkt und auch wenn es sein Sohn gewesen war, so schien er ihn nicht zu vermissen. Ich vergöttere ihn dafür, ich hätte Bart nicht weggeben können. Dafür war Rubina geblieben. Sie würde einen Platz ganz vorne im Stall bekommen. Sie liebte die frische Luft und der Trubel am Stalltor störte sie nicht im geringsten. Ja, ich hatte darüber nachgedacht, Marid seiner Manneskraft zu berauben, um ihn und Rubina für immer zusammenhalten zu können, aber ich hatte den Gedanken erstmal verschoben. Es gab wichtigeres.
      Neben Rubina zogen die restlichen Stuten ein. Lady Gweny, Grenzfee, Teufelstanz, Sawanna, Oak‘s Lake Mountain, Raja und auch Fanny Mae, die wir lange versucht hatten zu verkaufen. Nun würde ich ihr doch noch eine Chance geben.
      Auch die Jungpferde würden den Winter über in den Hauptstall ziehen. Sobald der Frühling in Kalifornien einzog, würde ein neuer Offenstall ihr Zuhause sein. Picturesque Diova, Weltfriede und auch LMR Royal Champion, ein mittlerweile fast ausgewachsener Hengst, der im nächsten Sommer eingeritten werden konnte. Den Winter durfte er das Fohlenleben noch genießen.
      Der Nebenstall hatte viel weniger Bewohner. Zusammen mit Marid hatten wir gerade mal sechs Hengste; ZM‘s Zanaro, Osgiliath, Valentines Alysheba, Aspantau und Ghostly Phenomenon. Eine sehr ausgeglichene Herde, wenn auch wohl verantwortlich für Sieg oder Niederlage.
      Mein Geld würde mich bis zum Frühling über Wasser halten, danach waren es die Pferde, die über Shows und Turniere die Einnahmen hochhalten mussten. Würden sie verlieren, dann würde ich es auch. Ich wollte mir diese Niederlage nicht eingestehen müssen, ich wollte nicht als Niemand im Abspann eines Films untergehen. Ich wollte mehr.

      Nach ein paar Tagen wurde ich krank. Riley meinte, dass das psychisch bedingt sei, ich schob es auf das unveränderte Wetter und die eintönige Arbeit im Stall. Ich wollte das Riley nicht sagen, aber ich war es nicht gewöhnt. Riley hatte die letzten Tage häufiger gesagt, dass ich Hilfe brauchte. „Ich habe doch mich und dich“, hatte ich geantwortet. „Reicht das nicht?“
      „Sie werden schon sehen.“ Ja, genau das sah ich jetzt. Ich war krank und ich wusste selbst gut genug, dass der Verantwortliche nicht nur das Wetter war.
      Am Nachmittag kam Riley in mein Zimmer. Er klopfte zwar, öffnete jedoch nach wenigen Sekunden die Tür, sodass ich mich gezwungen fühlte, ihn wieder die Treppen hinabzuschicken. Vollkommen erschöpft, mit tropfender Nase und einer kalten Tasse Tee in der Hand schlürfte ich wenig später zu ihm und Bart herab, der schon den ganzen Tag fernsehen schaute. Charly würde mich eigenhändig in die Hölle schleppen, wüsste sie das.
      „Ich habe hier einen Artikel über ein Turnier gefunden. Sie wollen ja immer nur die Besten hier im Stall — dort werden Sie bestimmt den Besten finden“, begann Riley, sobald ich die letzte Treppenstufe erklommen hatte.
      „Riley, sehen Sie nicht, dass ich krank bin?“
      „Ja, warum?“, fragte er scheinheilig und blickte von der Zeitung auf.
      „Dann sprechen Sie nicht in Rätseln, Sie Idiot“, sagte ich und nahm ihm die Zeitung aus der Hand. „Ich brauche kein neues Pferd.“
      „Nein, nein — Sir“, fügte er noch hinzu. „Kein Pferd, davon gibt es hier wirklich genug. Ein weiterer Helfer. Ich sage Ihnen, ich habe Ahnung von Leuten, die von dem Turnierquatsch die Nase voll haben und bestimmt nicht ablehnen würden.“
      „Sie wollen fremde Leute anquatschen, ob sie für mich arbeiten würden?“, fragte ich zweifelnd. „Sind Sie nun vollkommen übergeschnappt? Woher soll ich denn wissen, ob die wirklich so gut sind?“
      „Sie unterschätzen mich“, sagte er und nahm mir die Zeitung wieder aus der Hand. „Warten Sie nur ab, wenn wir am Wochenende dorthin fahren, werde ich Ihnen die besten Reiter Kaliforniens vorführen und mindestens einer von denen wird für Sie arbeiten wollen. Nur an Ihrer verwelkten Charme müssen Sie noch arbeiten, Kalifornien scheint Ihnen noch nicht so gut zu tun.“
      Riley faltete die Zeitung, wuschelte Bart durch die Haare und verließ die Tür. „He, warten Sie! Riley!“, brüllte ich ihm mit kratziger Stimme hinterher, er antwortete jedoch nicht und ließ mich kopfschüttelnd zurück.
      „Was meint Eli mit verwelkter Scham, Dad?“, fragte Bart und schaute mich mit großen Augen an.

      Ich fuhr am nächsten Wochenende wirklich mit Bart und Riley zu dem Turnier. Das einzige gute daran war, dass auch Vicky uns begleitete. Sie hatte wie immer gute Laune, auch wenn sie es diesmal nicht schaffte, mir meine zu retten. Ich war immer noch krank. Weniger als vor wenigen Tagen, aber in dem Maße, dass ich eigentlich zu Hause im Bett bleiben würde. Riley hatte jedoch kein Mitleid.
      Das Turnier fand in Richtung Küste statt. Es war windig, doch zumindest brach die Sonne hin und wieder die dunkle Wolkendecke auf. „Haben wir zumindest überdeckte Plätze?“, fragte ich während der Fahrt. Riley lachte jedoch nur und meinte, dass wir das nicht brauchen werden, unsere Beute lauert davor. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte, gab mich schlussendlich jedoch mit meinem Schicksal zufrieden und versuchte nur noch, den Tag hinter mich zu bringen.
      Rileys Plan war auf den ersten Blick unverständlich und sinnlos. Nachdem wir auf dem viel zu überfüllten Parkplatz angekommen waren und uns in der Masse einen freien Platz gesucht hatten, standen wir zu viert am Eingang des Bereiches für die Reiter und ihre Pferde. Meine Hände waren kalt und selbst wenn ich sie tief in der Jackentasche vergrub, wurde es nicht besser. Bart versuchte eine Laterne hinaufzuklettern und Vicky telefonierte einen Meter weiter. Ich warf Riley einen wütenden Blick zu, er ignorierte mich jedoch seit einer gewissen Zeit und beobachtete angestrengt das Treiben auf dem Platz dahinter.
      „Riley“, sagte ich warnend, erntete jedoch nur eine unwirsche Geste von Riley. „Eli Riley!“, sagte ich nochmals und versuchte bedrohlich zu klingen, was jedoch aufgrund der klappernden Zähne nicht gelang.
      „Ich arbeite“, sagte Riley, ohne mich anzuschauen.
      „Das sehe ich nicht.“
      „Das habe ich nicht erwartet“, murmelte er. Ich wollte gerade etwas erwidern, als er sagte: „Die da, die ist es. Die ist nicht nur unheimlich scharf sondern auch talentiert.“ ich wollte ihn davon abhalten, er streckte jedoch seinen Arm über die Absperrung hinweg, pfiff einmal laut und schrie dann: „He du junges Mädchen mit den schokobraunen Haaren und dem ausgeprägten Gesäß! Ich will mit dir sprechen!“
      „Der ist nicht gefährlich!“, rief Vicky hinterher, die nun aufgehört hatte zu telefonieren. Ich schlug nur mit der Hand gegen die Stirn und hielt mich im Hintergrund. Wie konnte ich nur an diese Menschen geraten.

      Wenig später war Weihnachten. Wir hatten die Kerzen angezündet und saßen nach der Stallarbeit zum gemeinsamen Abendessen beisammen. Die Tagen waren stressig, aber Eli hatte recht behalten und Mary Ann war schnell unersetzbar geworden. Sie war selbstsicher und talentiert und wohnte die Woche über auf dem Hof, während sie die Wochenenden an der Küste bei ihrer Familie verbrachte. Sie war gekommen, einfach so, weil Riley sie gefragt hatte. Erst nicht, doch zwei Tage später hatte ein Taxi sie auf dem Hof abgesetzt und sie war nicht wieder gegangen.
      Im Hintergrund lief amerikanische Weihnachtsmusik aus dem Radio, das einzige, woran ich mich niemals gewöhnen würde. Der Weihnachtsbaum bestand aus einem Stück Holz mit Nägeln und daran hängenden verblassten Christbaumkugeln, doch hatte Bart das sonderbare Stück nicht weniger enthusiastisch geschmückt als die riesige Tanne vom letzten Jahr. Die Kerzen auf dem Tisch hüllten den Raum in einen heterotopischen Ort und es war das erste Mal, dass ich Weihnachten wirklich fühlte. Ich spürte die Sehnsucht, die das vergangene und das kommende Jahr versprach und all die Emotionen, die die Zeit gebracht hatte. Vielleicht lag es ein bisschen daran, dass vor wenigen Tagen ein Paket gekommen war. Der Absender stammte aus Deutschland, doch die Handschrift der aufgeklebten Notiz kam nicht von Charly, sondern von Malte. Wie gefordert hatte ich das Paket erst heute morgen geöffnet. Die Sonne war gerade aufgegangen, Bart ließ ich noch schlafen und zu einer Zigarette am Küchenfenster hatte ich das unscheinbare Paket erst länger betrachtet, bevor ich es zu mir holte. Ich wollte es nicht öffnen. Ich wollte alles hinter mir lassen und egal was es war, es bereitete mir Angst. Schließlich griff ich nach dem Messer in meiner Hosentasche und stach in die Pappe. Ich besiegte meine Angst, indem ich mehrere tiefe Schnitte in die braune Hülle stach, bis die Verpackung vollkommen zerstört vor mir lag. Nun blieb mir keine andere Chance mehr, der Inhalt lang unverpackt da, die Hülle war zerstört und meine Angst gebrochen. Jetzt war sowieso alles egal.
      Es war ein Fotoalbum, mit schwarzem Umschlag und schmucklosen Seiten. Dafür jedoch gefüllt mit bunten Bildern deren Flut und Lebendigkeit mich wahrlich überrollte. Ich schloss das Buch einige Sekunde und erst als ich wieder Luft den Raum betrat, öffnete ich es ein weiteres Mal. Diesmal jedoch vorsichtiger. Malte hatte viele Bilder gemacht. Vor allem von den Pferden, von der Natur und den Menschen, meinen Freunden. Ich sah Charly, Bart wuchs von Bild zu Bild, neue Pferde, neue Freunde, neuer Schritt.
      Die zweite Hälfte des Albums war leer. Ein Zettel klebte in einem der Fächer: „Für das Kommende, wenn die Vergangenheit später deine Stütze sein muss.“
      Eli betrat das Zimmer so eilig, dass ich das Album aus Reflex zuklappte und unter dem Sofa verstaute. „Sie kommt“, hatte er gesagt und ich war ihm nach draußen gefolgt.
      „Weinst du etwa?“ Eli holte mich ruckartig zurück in die Gegenwart.
      „Ich habe Vergangenheit ins Auge bekommen“, brummte ich und wandte mich wieder dem Teller zu. Die Musik drang mit einem Schlag wieder in mein Bewusstsein ein und es fiel mir schwer, entspannt zu bleiben. Als Eli den Blick von mir abwandte, wischte ich mir mit einer schnellen Bewegung über die Augen. Ich hatte nie geweint.

      „Du hast früher nicht geraucht, stimmt‘s?“ Eli hatte sich neben mich gestellt, doch mein Blick war auf die Einöde vor mir gerichtet gewesen, während ich tief den umnebelnden Rauch eingezogen hatte.
      „Möglich“, sagte ich, ohne Eli zu beachten, der sich neben mich auf den Stein mit dem Namen des Gestüts setzte.
      „Das ist ein falscher Weg“, sagte er tonlos und ich merkte, dass er gar nicht versuchen wollte, mich vom Gegenteil zu überzeugen.
      „Egal, Charly ist nicht mehr da.“
      „Liebe ist schon etwas kompliziertes“, sagte er und seufzte.
      Mein Kopf zuckte in seine Richtung. „Ich liebe sie nicht mehr“, sagte ich.
      Eli schüttelte jedoch den Kopf und grinste mich breit an. „Doch das tust du und je mehr du versuchst es dir auszureden, desto schlimmer wird es.“
      Mein Kopf wurde heiß. Die Zigarette landete vor mir auf dem steinigen Boden, wo sie auch liegen blieb. „Wolltest du irgendwas? Wenn nicht, dann lass mich einfach in Ruhe und mach deine Arbeit. Für etwas anderes bezahle ich dich nicht.“ Ich stand und ging mit großen Schritten zurück zum Gestüt.
      „Du liebst sie! Heute — morgen, egal wann, dein Leben lang. Ich weiß wovon ich spreche.“
      Ich blieb ruckartig stehen. „Lügner!“, brüllte ich zurück. „Du weißt gar nichts, GAR NICHTS!“ Meine Finger vibrierten und meine Gedanken setzten aus. Nur die angesammelte Wut sprach aus mir. Nicht die Wut über die Welt, sondern über mich. Ich wusste, dass ich niemanden hassen konnte, so sehr wie ich es versuchte, ich hasste nicht sie, sondern mich. Mich, einen niemand. Ich hasste niemand.
      Ein Lied erklang. Es tönte aus dem Stall, durchdrang das alte Bauwerk; den Stein und das Holz. Das Gestüt war gefangen im Klang der Melodie, die sich verzaubernd über es breitete und alles je gesehene mit ihrer zarten Kraft umhüllend, beschützend um sich schloss. Der Hof versank in diesem Lied und es wurde Frieden. Nur für einen Moment, aber dieser genügte, damit auch ich Frieden schließen konnte. Es war das Lied der friedlichen Weihnacht. Das unbekannte bekam seinen Namen, erhielt doch einen Platz in meiner neuen Welt und ich taufte sie „Song of Peace“, in der Hoffnung, dass sie es mir auf ewig spielen würde. In Gedanken klebte ich das erste Foto auf die erste leere Seite und es war das Bild des Weihnachtspferdes, das Frieden mit sich brachte.
      Als Barts singende Stimme die Melodie übertönte, wurde ich jäh aus meinem Gedanken gerissen und für einen Moment war ich fassungslos, wie sehr mich dieses Lied ergriffen hatte. Das Gefühl war verschwunden, der Gedanke des Friedens mit mir selbst verblasst und die Macht des Schicksals prasselte wieder auf mich ein. Doch eines sollte bleiben. Ich drehte mich zu Eli um, der noch immer einige Schritte hinter mir stand. „Das neue Pferd wird „Song of Peace“ heißen!“, rief ich bestimmend. Dann drehte ich mich um und lief in Richtung Haupthaus, weg von der Musik, weg von Erinnerung und Streit.

      Eli hatte das Pferd ausfindig gemacht gehabt. Als Teil einer Weihnachtsverlosung eines Jahrmarktes zwei Städte weiter, war es an einen unqualifizierten Mann mittleren Alter mit sichtbaren Alkoholproblemen gekommen. Sie war ungestüm und ihre nächsten Schritte nicht vorherzusehen. Eli hatte nachgeforscht und herausgefunden, dass die Stute keine Hengste an sich heranließ, jedoch nur zu diesem Zweck gekauft wurde. Es war ein ewiger Teufelskreis und diese Stute war versank immer mehr in der Rolle eines Problempferdes.
      Ich hatte es erst nicht haben wollen, der neue Besitzer verlangte einen unanständigen Preis, aber nachdem ich mit dem Tierschutz drohte, bekam ich das Pferd für läppische 500$. Es hatte keinen Namen, keine Abstammung, keinen Ausweis und keine Tierarztkontrolle. Wenige Stunden später war es bei uns und noch am selben Tag hatte ich einen Tierarzt gefunden, der sie untersuchte, impfte und uns sagte, dass alles in Ordnung sei. »Mit etwas Glück und Geduld kann sie vielleicht später auch zur Zuchtstute werden, aber ich will nichts versprechen«, sagte der in die Jahre gekommene Mann, während er sich ächzend vom Boden erhob. »Ein hübsches Pferd haben sie da.«
      Ich war an diesem Tag nicht fair zu Eli gewesen. Ich rang ihm das Versprechen ab, alle Kosten, die nicht geplant waren, für das Pferd bezahlen zu müssen und ließ ihn am Abend noch lange den Stall aufräumen. Ein Stück weit bereute ich die Entscheidung zu diesem Zeitpunkt und Eli war wieder das Opfer, das meine Launen aushalten musste.
      Als ich jedoch am Abend eigenständig noch einmal nach dem gemeinsamen Essen in den Stall ging und in die Augen des "Christmas Horse", wie sie Bart zu nennen pflegte, blickte, wusste ich, dass sie hier glücklich werden würde und einen Moment dachte ich auch das gleiche von mir.

      Die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr war eine sehr entspannte Zeit. Ich hatte mich damit abgefunden. Es würde zu Ende gehen, egal was ich tun würde und damit meinte ich nicht nur das Jahr. Doch danach, danach würde ein neues beginnen. So wie jedes Mal und ich würde wieder versuchen aufzublicken und nicht im Augenblick zu verweilen.
      »Lust auf einen letzten Ausritt dieses Jahr?«
      Ich blickte von dem Kalender mit der gesamten Planung für das nächste Jahr auf. Ich stand im Hauptstall und hatte mir bis eben Notizen gemacht, welche Dinge verändert werden mussten und wann das geschehen konnte. Mary Ann stand nun vor mir. Sie war um einiges kleiner als ich und mit ihrer offenen Art sofort zu allen zugänglich. Sie ließ sich von nichts einschüchtern, weder von mir, noch von der vielen Arbeit, die im neuen Jahr auf sie warten würden.
      Ich zuckte mit den Schultern. »Ich habe zu tun«, sagte ich.
      »Das können Sie auch auch noch danach tun«, sagte sie und griff meinen Arm. »Nun los! Das schöne Wetter wird nicht auf uns warten und Eli wartet schon.«
      Ich ließ mich widerstandslos mitziehen. Ich war müde und erschöpft und das seit vielen Tagen und Wochen. Immer nur müde. Ich konnte nicht mehr, die Last der richtigen und falschen Entscheidung lag festgebunden auf mir und ich bereute das vergangene und hatte Angst vor dem Kommenden. Ich fühlte mich in die Enge gedrängt; von mir, der Zeit und den Fehlern, die immer wieder vor meinem Auge auftauchten.
      »Was ist mit Bart?«, fragte ich Mary Ann. Sie hatte mich mittlerweile losgelassen und ich lief ihr nun freiwillig hinterher.
      »Der putzt gerade mit Eli Gweny.«
      »Und die soll er wohl alleine reiten, oder was?«, fragte ich und zog die Augenbrauen hoch.
      »Nein, Sie dummerchen!«, lachte Mary Ann und boxte mir gegen die Schulter. »Ich reite sie natürlich mit ihm zusammen!« Sie grinste mich breit an und drückte mir dann ein Halfter in die Hand. »So und nun los, holen Sie sich ein Pferd. In einer viertel Stunde soll es losgehen.«
      Sie winkte mir zu, verschnellerte ihre Schritte und verschwand zwischen den kahlen Bäumen, hinter denen der Nebenstall lag. Ich blieb einen Moment unentschlossen stehen und blickte auf das Halfter in meinen Händen.
      Eine viertel Stunde später stand ich mit der geputzten und getrensten Grenzfee vor dem Nebenstall. Mary Ann hob gerade Bart in den Sattel von Gweny, während Eli - Grenzfee wich erschrocken einen Schritt zurück, als ich sie mit zwei großen Schritten bis zu Eli zog und ihm die Trense aus der Hand schlug. »Spinnst du?«, schrie ich ihn an. »Nimm gefälligst ein anderes Pferd.«
      »He, Nico!«, sagte Eli abwehrend, schob mich ein Stück von sich weg und hob die Trense wieder auf. »Diese Stute ist zwar neu, aber nicht blöd.« Vollkommen entspannt versuchte er den Staub von dem Leder zu wischen, eine Spur blieb jedoch zurück.
      »Bring das Pferd zurück und hole dir eins, was deinem Niveau entspricht, Eli«, knurrte ich.
      Die Bemerkung traf ihn und ich merkte, wie er ein Stück von seiner hohen Position herabkletterte.
      »Ich kann das genau so gut!«, verteidigte er sich und trenste die Stute demonstrativ auf.
      Ich wollte gerade erneut anfangen Eli zurechtzuweisen, als Mary Ann dazwischen kam. »Nun ist aber gut Nico. Eli schafft das, er hat die letzen Tage fleißig mit Song gearbeitet und mir zugeschaut. Vertrauen Sie ihm.«, sagte sie und drückte mir mit einem letzten Blick einen Helm in die Hand.
      »Den brauche ich nicht!«, rief ich. »Ich kann reiten.«
      »Das weiß ich, trotzdem setzten Sie ihn auf!«, rief Mary Ann zurück und kletterte hinter Bart auf den Sattel.
      Ich knurrte und blickte dann wieder Eli an. »Das ist die einzige Chance, die ich dir gebe«, sagte ich und stieg dann selbst in den Sattel.
      Eli war in meinen Augen kein geschickter Reiter. Er übte viel und versuchte sein Bestes, aber Mary Ann war einfach ein Naturtalent und das musste er endlich einsehen. Sie war jung und einfühlend, mit dem richtigen Maß an Schärfe, dass bei den schwierigen Pferden auf dem Hof von Nutzen war. Sie konnte es einfach, lernte ohne es zu wollen und erzielte die besten Erfolge auf dem Rücken der Pferde.
      Der Ausritt blieb trotzdem gemütlich. Eli hatte die hübsche Wunderstute Song of Peace mit der ständigen Hilfe von Mary Ann gut im Griff. Immer wieder sah ich, wie Mary Ann versuchte, Eli Tipps zu geben und immer wieder verstohlene Blicke zu mir warf. Ich ließ mich etwas zurücktreiben und Grenzfee unter mir genoss den langsamen Spaziergang sichtlich. Entspannt hatte sie den Kopf gesenkt und roch links und rechts immer wieder an Baum und Strauch. Bart lachte laut auf und auch Eli und Mary Ann stimmten mit ein. Grenzfee zuckte nur kurz mit den Ohren, doch Song machte einen Ausweichschritt zur Seite und blieb mit überkreuzten Beinen am Wegesrand stehen. Das Lachen hörte schlagartig auf, Eli warf einen Blick zu mir und brachte die Stute dann jedoch wieder zurück auf den Pfad. Von da an ließ auch er sich etwas zurückfallen und konzentrierte sich mehr aufs Pferd, als auf die Geschichten, die Mary Ann Bart zu erzählen wusste.
      Wenig später hatte sich die Konstellation geändert. Ich hatte mit Grenzfee zu Mary Ann, Bart und Gweny aufgeholt, während Eli und Song hinter uns ritten. »Ich werde wohl nach ein paar guten Reitbeteiligungen Ausschau halten müssen. Die Pferde brauchen mehr Bewegung«, sagte ich zu Mary Ann.
      Sie nickte zustimmen. »Wenn ich über das Wochenende nach Hause fahre, kann ich mich dort mal umhören. Ich kenne noch ein paar Freunde von früher, vielleicht haben die Interesse.«
      »Ich möchte nur die besten«, sagte ich. »Ich vertraue dir.«
      »Natürlich«, sagte Mary Ann. Bart begann zu kichern und wir schauten beide auf ihn herab. »Was ist denn daran so witzig?«, fragte Mary Ann lachend.
      »Du klingst wie der Auftraggeber Dad und Mary wie ein Auftragskiller!«, wieder lachte er und Mary Ann musste ihn festhalten, damit er nicht vom Pferd fiel.

      Als es Abend wurde, Mary Ann war bereits nach Hause gefahren, auch Eli würde das Wochenende bei seiner Schwester verbringen und Bart lag im Bett, ließ ich mich erschöpft in den Sessel fallen. Ich schloss meine Augen und dachte an das vergangene Jahr.
      Als ich die Augen jedoch wieder öffnete, fiel mein Blick auf den leuchtende n Knopf des Festnetztelefon, das in dieser Einöde nötig war, da hier ansonsten kaum Möglichkeiten von Empfang bestanden. Ich streckte meinen Arm aus, drückte eine Taste und ließ mich wieder in den Sessel gleiten. »Sie haben eine neue Nachricht«, sagte das Gerät, dann piepte es einmal laut und eine mir bekannte Stimme sagte: »Hey Nico. Ich konnte dich vorhin leider nicht erreichen, aber rufe mich doch einfach mal zurück. Viele Grüße und schonmal ein schönes neues Jahr, falls wir uns nicht nochmal hören.«

      29-12-2017 | Canyon
    • Canyon
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      Stumme Heimkehr
      Marid | Chosposi | Anaba | Morrigans Hidalgo | My Canyon | Flotten von Mutanten | Cloud | Aquena | Zonta | Ghostly Phenomenon | Imagine Dragons | Pítu | PV Gräfin | Song of Peace | Óslogi | Félagi

      »Alles okay?« Nico hielt neben mir und blickte mich fragend an.
      »Ja, hatte nur einen schlechten Tag.« Aus dem Augenwinkel sah ich, wie er in die Tasche griff und eine Zigarette herauszog.
      »Du siehst aus, als hättest du viele davon«, sagte er locker.
      »Ja.« Unser Gespräch legte eine Pause ein.
      »Vielleicht solltest du mal früher schlafen gehen?« Nico steckte sich die Zigarette an, nahm einen Zug und atmete eine Rauchwolke in den dunklen Nachthimmel.
      »Viel zu oft ist der einzige Ausweg Schlaf«, sagte ich und blickte in die Rauchschwaden, die von einem Windstoß mitgenommen wurden.
      Nico zuckte nur mit den Schultern. »Wer weiß, vielleicht ist es ja dann der Beste.«
      »Bart kommt«, sagte ich, kaum hatte ich das dumpfe Hämmern der Musikanlage gehört. Auch Nico hielt kurz inne, doch als er das gleiche hörte, nahm er einen Zug und wirkte wieder desinteressiert.
      Eine Minute später raste der rote Jeep von Bart an uns vorbei. Staub wirbelte auf und schlug mir ins Gesicht. Nico hustete, ich wusste nicht, ob vom Staub oder vom Rauch. Im Innern des Wagens erkannte ich Bartholomäus, mit seinem rotblondem Haar, der orangenen Lederjacke und einem jungen Mädchen auf dem Beifahrersitz Sie lachte laut und warf ihre dunklen Haare zurück.
      »Kennst du sie?«, fragte ich. Aber Nico schüttelte nur den Kopf, ohne wirklich hinzusehen.
      »Ich habe aufgehört mir Namen und Aussehen merken zu wollen.« Wieder seufzte er. »Ich würde mich ja gerne wundern, wo er das her hat, aber ich glaube, ich war früher nicht anders.«
      »Aber er macht‘s richtig. Schau uns an, Nico. Mich, Ikarus, Eyvind, dich. Wir sind doch alle in die Jahre gekommene Männer, die in der Liebe versagt haben.« Nico schwieg. Ich warf einen Seitenblick auf ihn. Er hatte den Kopf leicht erhoben, sein Blick ging in den Nachthimmel und die Zigarette verglühte in seiner Hand.

      Sie hatte helles Haar und Augen mit einer unbestimmten Farbe, so wie die ihrer Mutter und mir fiel noch jemand ein, bei dem ich die Augen gesehen hatte. Bevor dieser Gedanke allerdings reifen konnte, verwarf ich ihn, darauf bedacht, ihn zum richtigen Zeitpunkt wieder hervorzuholen. Ihre Haare waren ganz anders, als die von Charly. Es war leicht gelockt, nicht länger als schulterlang und ganz fein. Die Farbe erinnerte mich an Pfirsiche, so wie die von Bart.
      Einmal im Jahr war Bart nach Europa geflogen. Manchmal zu Weihnachten, manchmal einfach in den Ferien. Der Kontakt zu Charly war über all die Jahre immer mehr geschrumpft, nur mit seiner Schwester hatte er weiterhin intensiven Kontakt gehabt und da sie sich verweigerte über Handy mit ihm zu kommunizieren, hatte Bart angefangen, Briefe zuschreiben. Ich schätzte das sehr an ihm, denn es gab nicht vieles, was der junge Mann mit Bedacht tat. Oft waren seine Handlungen unüberlegt und seine jugendliche Leichtigkeit führte seine Hand. Ich gönnte ihm diese, aber er musste irgendwann erwachsen werden.
      Ich freute mich Penelope endlich kennenzulernen, die Frau neben ihr war mir jedoch unbekannt. Nicht, dass ich Charly nicht erkennen würde, dieses Gesicht würde ich immer wiedererkennen, aber ich sah, dass sie nicht mehr die war, die ich damals meine Freundin genannt hatte. Sie hatte ihr Businesskostüm an. Eine helle Bluse und einen kurzen Rock, die mittellangen Haare locker zurückgesteckt, der Mund rot und zugekniffen.
      Nico hinter mir hielt sich zurück, nur Bart hatte den nötigen Anstand auf die beiden zuzugehen, seiner Mutter eine Tasche abzunehmen und seiner Schwester einen Kuss auf die Wange zu geben. Die restliche Zeremonie lief sehr stumm ab. Ich grüßte Charly und auch Penelope höflich, jedoch mit gebührendem Abstand. Penelope blickte mir nur für einen Moment in die Augen, blieb ansonsten jedoch stumm.
      Als auch Nico beide begrüßt hatte, wandte er sich an Bart. »Sei doch bitte so lieb und zeige beiden wo sie schlafen können.« Bart nickte nur. Ausnahmsweise schien er Verständnis für seinen Vater aufbringen zu können. Stumm beobachteten wir vier, wie sich Nico umständlich auf dem trockenen Boden umdrehte und mit etwas Anstrengung die Räder seines Rollstuhls in Bewegung setzte.

      Der Tisch war definitiv zu klein für uns. Letzten Sommer hatte Eyvind ihn zwar frisch gestrichen, seit dem hatte er aber als Ablage zur täglichen Benutzung im Stall gestanden und von dem Weiß war nicht mher viel zu sehen. Es waren fast alle da und wenn ich „fast“ sage, dann war es mindestens die Hälfte. Eli hatte uns Brötchen besorgt und dann seine Aufgabe für den heutigen ag als erldigt angesehen. Ich bezweifelte es, dass ich ihn heute noch einmal wieder sehen würde. Auch Chill hatte sich vom Essen abgemeldet und Buck hatte eine wichtige Trainingseinheit mit Zonta und einer neuen Schülerin und hatte schon vor uns gegessen. Die Stimmung war dementsprechend angespannt, als ich und Eyvind mit Charly, Penelope, Nico und Bart am Frühstückstisch saß, auf dem frische Brötchen, sowie der magere Inhalt des Kühlschranks gestapelt war.
      »Ich dachte, ich treffe Ikarus auch hier an? Bartholomäus erzählte mir vor Kurzem, dass er auch wieder zurück ist«, fragte Charly in die stille Runde.
      »Das ist zwei Monate her, Mum«, sagte Bart und schmierte unordentlich Nutella auf seine zwei Brötchen.
      »Und das bedeutet was?«, fragte sie nochmal nach.
      »Ike ist zur Zeit wieder mit Pítu unterwegs, in den Rocky Mountains diesmal, wie ich hörte«, klärte Nico Charly auf, ohne sie anzusehen. »Ich erwarte ihn nicht vor Ende Juni zurück.«
      »Wie schade«, sagte Charly und ich fragte mich, ob sie es wirklich so meinte. Nach einer weiteren Gesprächspause, in der wir unser Frühstück genossen, durchbrach wieder Charly das Schweigen. »Ich möchte heute an den Strand fahren, wer fährt mit?«
      Niemand reagierte, auch Bart nicht, den Charly besonders anstarrte. Erst als das Schweigen zu unerträglich wurde, blickte Bart auf. »Tut mir Leid Mum, aber ich wollte heute mit Marid etwas arbeiten und für die Schule muss ich auch noch etwas arbeiten.«
      »Na gut«, seufzte Charly. »Dann fahre ich eben alleine. Ich erwarte allerdings, dass du dich um deine Schwester kümmerst.« Bart verdrehte nur die Augen und nahm sich zwei weitere Brötchen, die er abermals mit Nutella beschmierte und dann in einer unglaublichen Geschwindigkeit in sich hineinstopfte.

      19-07-2018 | Canyon
    • Canyon
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      Pflegebericht
      | Imagine Dragons, Marid, Chosposi, Anaba, Morrigans Hidalgo, My Canyon, Flotten von Mutanten |
      | Cloud, Aquena, Zonta, Ghostly Phenomenon, PV Gräfin, Song of Peace, Pitú, Óslogi, Félagi, GH's Acapulco Gold |

      Wer hätte gedacht, dass der Tag doch noch so schön werden würde? dachte ich und schloss die Tür hinter mir. Bei der Fütterung heute morgen war der Himmel zugezogen und beim ausmisten hatte es sogar leicht geregnet. Jetzt war es warm, fast schon zu warm für die Jahreszeit und die Vögel zogen fröhlich zwitschernd ihre Runden über den Dächern. Ich brachte Aquena und Zonta auf eine der großen Weiden und beobachtete die beiden Stuten für einen Moment, bevor ich zurück in den Stall ging und Imagine Dragons holte. Anaba und Flotten von Mutanten brachte ich ebenfalls zu der kleinen Gruppe und es dauerte nicht lang, bis alle friedlich beisammen standen und Grashalme zupften. Die beiden Vollblutstuten PV Gräfin und Song of Peace brachte ich ebenfalls auf eine Weide. Ihre Halfter legte ich nahe des Weidetores in der Wiese ab und kontrollierte, dass die Litzen mit Strom versorgt wurden. “Na du siehst ja aus!” lachte ich, als ich Cloud sah. Der schöne Mustanghengst hatte allem Anschein nach in seinen Hinterlassenschaften genächtigt und ich hielt es für besser ihn zu putzen, bevor ich ihn auf die Koppel brachte, die ans Stallgebäude anschloss. Mit langen Zügen striegelte ich sein Fell und gab mir bei den dunklen, braunen Stellen besondere Mühe. Als der Hengst wieder halbwegs als Cremello durchging, bürstete ich die losen Haare und Hautschuppen ab und führte ihn auf die Koppel. Auch Chosposi, Morrigans Hidalgo und Pitú durften die warmen Sonnenstrahlen auf ihrem Fell genießen. Félagi und Óslogi, zwei Isländer, warteten schon auf mich und klopften mit den Hufen gegen die Boxentüren. Ich ermahnte die beiden und hatte alle Hände voll damit zu tun, dass keines der beiden Pferde mich auf dem Weg zur Weide überholte. Geschafft! dachte ich und trank einen Schluck aus meiner Wasserflasche, die ich in die Sattelkammer gestellt hatte um sie kühl zu halten und ging in die Nebenstallungen wo Ghostly Phenomenon, Marid und GH’s Acapulco Gold ihre Boxen hatten. Nun wartete nur noch ein Pferd darauf, nach draußen zu kommen und dass war My Canyon. Die schöne Stute stand nah an der Boxentür und sog neugierig meinen Geruch ein, als ich die Tür öffnete und hinein ging um ihr das Halfter anzuziehen. Ich strich mit meinem Handrücken über ihre sanfte Nase und schickte sie ein paar Schritte zurück, damit ich sie nach draußen führen konnte. Ich brachte die Stute auf die Weide, auf der sich auch die anderen Mustangstuten befanden und schloss das Weidetor. Der Strom war angeschlossen und auch die Tränken funktionierten. Solange die Pferde auf der Weide waren, würde ich die freie Zeit nutzen um das Sattelzeug zu reinigen. Das hatte es dringend nötig!

      26-02-2019 | adoptedfox
    • Canyon
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      Aus Asche erblühen
      | Grenzfee | Echo's Maiden | Far Cry | Amistad | Westatlanta | Light up Hell | CHH' Lethal Combination | Song of Peace | PV Gräfin | Alphabet Soup | Ivy's Rhapsody | Marid | Mytos | Arias | Chosposi | Anaba | Morrigans Hidalgo | My Canyon | Flotten von Mutanten | Cloud | Aquena | Zonta | Havanna Girl | Ghostly Phenomenon | Pítu | Óslogi | Félagi | Imagine Dragons |

      „Es ist bezeichnend, dass wir vor fast genau einem Jahr genau hier saßen und das Gespräch heute vermutlich genau das gleiche sein könnte, wie damals“, sagte ich und ließ mich neben Nico auf den Stein sinken.
      „Das stimmt nicht, wir haben viel erreicht im letzten Jahr.“ Nico zieht an seiner Zigarette. „Ein paar gewonnene Turniere, gelungene Pferdeverkäufe und mein Sohn hat seit fast zwei Monaten durchgängig die gleiche Freundin. Das wäre letztes Jahr um diese Zeit noch nicht denkbar gewesen.“
      „Ein Nicolaus du Martin wird seinen Sarkasmus und die darin eingebaute angebliche Hoffnung wohl nie verlieren.“
      „Das kommt alles von der Natur. Immerhin bezeichne ich dich nach zehn Jahre pure Feindschaft als meinen besten Freund. Das ist wahre Ironie. Mit dir habe ich das Gefühl, dass wir als einzige alle zehn Staffeln „The Walking Dead“ überleben würden.“
      Ich lächle dankbar. Vielleicht sieht Nico es im Licht seiner glühenden Zigarette, vielleicht ahnt er es und vielleicht sind seine Gedanken ganz wo anders. „Danke, mein Freund, das bedeutet mir viel.“ Wir schweigen einen Moment und lassen unseren Blick über die hügelige Ebene, die vom Halbmond nur spärlich beleuchtet wird, gleiten. „Was wäre, wenn wir dieses traurige Kapitel der letzten zwei Jahre hinter uns lassen uns neu anfangen? Seit einem Jahr haben wir kein neues Pferd mehr gekauft, unsere Zuchthengste sind alt und die Stuten haben seit Jahren kein Fohlen mehr getragen.“
      „Wir alle brauchen irgendwann Frieden. Ich habe meinen mit dieser Situation geschlossen. Wir halten und mit den Turniergewinnen über Wasser und verdienen und ansonsten noch ein paar Kröten mit Training hinzu. Warum immer mehr arbeiten, wenn das zum Leben reicht“, sagt Nico gedehnt.
      „Du bist faul geworden. Faul und dick. Du ruhst dich auf den Erschaffungen deiner Jugend aus!“
      „Und? Was ist daran falsch? Ich habe hart gearbeitet und jetzt ruhe ich. So will ich es.“
      Ich seufze. „Du bist ein Blödmann, das warst du schon immer.“
      „Und Dir stehen deine kurzen Haare nicht.“
      „Selber.“
      „Altwerden ist anstrengend.“
      „Ja.“
      „Apropos. Schiebst du mich zurück? Mit der Kippe in einer Hand fahre ich immer schräg.“

      „Ich habe mir was überlegt.“
      „Was?“
      „Ich habe mir was überlegt!“
      „Ja, was?“
      Ich beiße die Zähne aufeinander und grunze. Nico ignoriert mich. Er starrt seit einer Ewigkeit auf den Bildschirm seines IPads und schaut sich Dokumentationen über Friseursalons für Labrapudel an. „Wir kaufen ein paar neue Pferde.“
      „Ne“, sagt Nico.
      „Wieso nicht?“
      „Keine Lust und kein Geld.“
      „Investieren nennt man das. Geld ausgeben, um später mehr Geld einzunehmen.“
      „Ne.“
      „Doch.“
      „Okay.“
      „Hör auf damit!“
      „Mit was?“
      „Mich absichtlich zu nerven.“
      „Geht aber immer so erstaunlich gut.“
      Ich seufze und mache mir einen Tee. Die kleine Wohnküche war für die Besatzung des Hofes, die laut Barts Beobachtungen nur aus alten und verzweifelten Männern bestand, sich ausgerechnet, deutlich zu klein. Aber solange wir international keine Anerkennung erlangen werden, wird es zum Glück noch keine Tratsch-Artikel über die Schwulen-WG im Outback geben. Im Endeffekt hatten wir sowieso keine andere Möglichkeit, als unsere Sexualität an die Umgebung anzupassen und hübsche Norwegerinnen gab es hier draußen definitiv nicht. Die hatten es alle richtig gemacht und waren in Norwegen geblieben. So wie Jora.
      „Nicht an Jora denken“, sagt Nico und schaltet endlich den Bildschirm aus.
      „Woher weißt du...?“
      „Du denkst immer an Jora, wenn du so einfrierst und dein Blick in die Ferne geht. Mensch Malte, ich bin auch ein Mann.“
      Ich sage nichts und nehme einen Schluck heißen Tee. Jora mochte Tee mindestens genauso wie ich.
      „Ich dachte, wir wollten los?“, fragt Nico und chauffiert seinen Rollstuhl umständlich zwischen Sofa und Sessel hindurch.
      „Wo los?“ Bart betritt in diesem Moment den Raum. Dreckige Jogginghose und Muskelshirt, fettige Haare und nur eine Socke.
      Nico hebt die Hände zum Himmel. „Warum bestraft mich Gott nur mit meinen eigenen Fehlern jeden Tag aufs Neue!“
      „Schick“, sage ich nur und proste Bart mit meinem Tee zu. Nico hatte das Gesicht in den Händen vergraben deswegen antworte ich. „Wir kaufen jetzt neue Pferde.“
      „Also ich weiß ja nicht, warum ihr ich so über mich beklagt, aber ihr müsst euch mal zuhören und zuschauen, kindlicher geht’s ja echt nicht mehr. Wir kaufen neue Pferde“, äfft er uns nach. „Als würdet ihr in den Spielzeugladen gehen und Fillypferdchen kaufen.“
      „Was sind Fillypferdchen?“, frage ich und Nico wirft mir einen bösen Blick zu.
      Bart seufzt. „Es scheint, als müsste ich, als Erwachsene und reife Person“, Nico schnaubt, „die in der modernen Welt angekommen ist, euch begleiten.“ Er nimmt sich eine Cappi vom Hacken und öffnet die Tür. „Kommt ihr, Jungs?“

      Bart hat darauf bestanden, mit seinem roten Jeep zu fahren. Obwohl er sich farblich schon lange nicht mehr von dem von Nico unterscheidet und der ist basicgrey. Leider hatte sich Barts Musikgeschmack, im Unterschied zur Länge seiner Beziehungen, nicht verändert.
      Während der Fahrt. Von Kalifornien aus ging es im Endeffekt nur in eine Richtung, wenn man nicht nach Kanada oder Mexiko wollte, hatte ich einige interessante Pferde ausgesucht. Es war erschreckend, wie viele Gestüte in letzter Zeit bankrott gegangen waren. Entweder ein Zeichen, dass es auch uns nach dieser wenig durchdachten Aktion so gehen würde, oder dafür, dass wir nun die Chance hatten, aus der Asche der anderen neu zu erblühen.
      Unser Wochenende bestand also daraus, durch die Staaten zu fahren und Pferde zu kaufen. Meistens waren es Gestüte, mehr oder weniger bekannt, die ein paar ihrer Perlen verkauften. Glück hatten wir allerdings bei einem Ausverkauf. Dort ergatterten wir einen jungen Hengst und in ebenso auffallender Lackierung eine Stute dazu. CHH’ Lethal Combination war eine Augenweide und neben Light up Hell wahrscheinlich der Grund, warum Nico, Bart und ich ab Seattle in den Flieger stiegen und sogar nach England flogen, um „einzukaufen“. In England stieß eine ältere Zuchtstute zu uns. Ich hatte vielleicht etwas Mitleid mit der verwirrt schauenden Palominostute Far Cry, Nico hingegen war ganz hin und weg von ihrem bissigen Charakter.
      Am Ende unserer Reise hatten wir acht neue Pferde und drei, die durch einen Ausverkauf wieder zu uns zurückgehen sollten. Mythos und Arias hatten ihre Jungpferdezeit gemeinsam anderswo verbracht und Bart, der ein wahrer Araberfreak war, hatte sich nicht nehmen lassen, die beiden Rubinafohlen zurück nach Kalifornien zu holen.
      Die größte Beute hatten wir wohl auf dem Gestüt von Landsberg gemacht. Fünf Vollblüter mit der besten Abstammung. Unter ihnen Grenzfee, bei der allerdings schon immer klar gewesen war, dass sie wahrscheinlich eines Tages zurück nach Hause kehren würde. Amistad, Echo‘s Maiden, Ivy’s Rhapsody und Westatlanta.
      „Westatlanta“, sagt Nico. „Was für ein bescheuerter Name.“
      „Wir finden schon einen guten Spitznamen für sie“, sage ich und unterschreibe auch für die gepunktete Stute den Kaufvertrag.
      „Klar. Wessi oder Atti dann wohl. Klingt ja viel besser“, antwortet Nico hämisch.
      „Ich finde Westatlanta cool“, sagt Bart. „Das klingt so nach—.“
      „Nach dem Westen von Atlanta?“ Nico schüttelt fassungslos den Kopf, als Bart daraufhin begeistert mit dem Kopf nickt.
      „Genau!“, sagt er begeistert.

      Die letzte Stute sammeln wir kurz vor unserer Heimat an. Sie stammt aus keiner großen Zucht, hat laut Vorbesitzer aber die perfekten Anlagen, auch in der Distanz. Alphabet Soup ist vielleicht ein Fehler, aber wir sind nicht losgezogen, um keine Fehler zu machen.
      Sie ist hübsch und hat eine angenehme Größe, ein ruhiges Temperament und schöne Augen. Der Verkäufer will sie trotzdem loswerden und leiht uns sogar einen Hänger aus, damit wir sie gleich mitnehmen können. Ich sehe mich die nächsten Jahre schon auf dem unbequemen Rücken der Vollblüter sitzen. Warum war aus meinem Wunsch einer Curly-Zucht nur nichts geworden?
      Vollblüter sind schon immer Nicos Traum gewesen. Vielleicht auch Charlys, aber von Charly sprach man hier sowieso nicht mehr. Sie existiert nur noch in unserer Erinnerung.
      Sollte mein schöner Hintern an den Rippen der Pferde zerbrechen, hatte ich immerhin noch Óslogi und Félagi, die meine empfindlichen Körperteile mit ihrem dicken Fell wieder weich klopfen würden.

      Zwei Wochen später sind alle Pferde angekommen. Ich hatte die Stallgemeinschaft in den letzten Tagen zusammengerufen und den Stall wieder auf Vordermann gebracht. Der Einzug einiger neuer Pferde und die Belegung länger leerstehender Boxen war selbst für Bart ein guter Grund mitzuhelfen. Es tat gut, alle mal wieder versammelt zu sehen. Seit Monaten waren wir nur noch lauter orientierungsloser Männer, die durch die Welt ohne Ziel streiften.
      Mary Ann hatte uns damals verlassen und uns mit genau diesen Worten beschimpft. Sie war das einzige Mädchen gewesen, das es länger bei uns Männern ausgehalten hatte. Bis auf Barts Babysitterin. Sie war geblieben bis Bart fast 16 Jahre alt war, obwohl Nico sie seit Barts sechstem Geburtstag nicht mehr bezahlt hatte. Dafür hatte sie zusammen mit ihm eine Hanfplantage einige Hundertmeter weiter im Wald angelegt und hatte sich damit etwas Geld verdient.
      Am Sonntagabend sitzen wir nun also gemeinsam auf den klapprigen Holzstühlen, vor uns einen Grill und im Wind über uns traurig flatternde Luftschlangen als Symbol der Freude. Bis auf Ike, er ist mal wieder seit Wochen mit Pítu unterwegs, sind alle da. Selbst Eli hat sich dazuverdienen erklärt, wieder etwas mitzuhelfen. Bart kuschelt auf dem alten Stallsofa mit seiner Freundin, die beiden haben einen großen Ausritt mit Marid und Ghostly Phenomenon hinter sich. Sie kann zwar nicht reiten, aber Phenomenon kommt mit allen Schwierigkeiten des Lebens zurecht.
      Eyvind sitzt etwas abseits. Er ist der einzige, der aktiv mit dem Training der Pferde beschäftigt ist. Nebenbei kümmert er sich noch um die übriggebliebene Mustangs und gibt Reitunterricht auf ihnen. Nur wegen den Wildpferden gab es viele, die hierherkommen und für eine Stunde retten jeden Menge Geld auf den Tisch legten. Eyvind hatte uns damals mit dieser Idee vor dem ersten Bankrott gerettet, hoffentlich würde es jetzt mein Vorhaben tun.
      Ich weiß noch nicht, in welche Richtung sich alles entwicklen würde. Oder ob es überhaupt dieses Mal im Leben weitergehen würde, alles ist ungewiss, aber die Zeit wird auch diese Frage klären.

      19-08-2019 | Canyon
    • Canyon
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      Military E → A
      Nico war zur Zeit oft in Kanada. Das war einerseits gut, denn so war zumindest auf Phoenix Valley eine angenehme Herbstruhe. Dagegen sprach, dass Nico einfach nicht da war und das ganz schön auf die Stimmung schlug.
      Nico war nicht da. Und der Grund dafür war sein neues „Projekt“, wie er es nannte. Ein internationales „Horse-Makeover“, bei dem er den Veranstalter mimte und die Bow River Ranch den Veranstaltungsort zur Verfügung stellte. Ein großer Aufriss mit eigenem Filmteam und großer Erregung der Öffentlichkeit, dessen Aufregung zum Glück einige tausend Kilometer entfernt stattfand.
      Auf Phoenix Valley fand der alltägliche Trott statt. Jeder ging seinen Aufgaben nach und am Abend war ein gemeinsames Training geplant. Vielseitigkeit, auf der neu angelegten Crossstrecke, ein paar hundert Meter entfernt vom Gestüt. Ich hatte die Pferde bereits mit Eyvind von der Koppel geholt und vor dem Stall zum Putzen angebunden, als Eli, Bart und Ike zu uns dazustießen. Fünf Pferde, fünf Reiter, so passte es.
      „Boar, dieses Braun sieht verdammt geil auf Soup aus“, sagt Bart, als Eli gerade Alphabet Soup den neuen Sattel auf den Rücken legt, der am Ende des letzten Monats von dem übrigen Geld gekauft worden war. Der Sattler hatte es endlich geschafft, den braun-marmorierten Sattel an die helle Stute anzupassen und ich sah Eli an, wie er sich auf das Training damit freute.
      Ich würde unsere Gräfin reiten. Sie hatte viel von ihrer Mutter Grenzfee geerbt, welche mittlerweile ihr Leben als Zuchtstute genießen durfte, und das Training mit ihr lohnte sich unheimlich. Sie war selbstsicher und in den Bewegungen gleichzeitig kraftvoll und präzise, mit einer guten vielseitigen Begabung in der Distanz und im Military und das würde ich heute aus ihr herauskitzeln. Wenn alles gut laufen würde, könnten wir demnächst bei einem Turnier auf A-Höhe starten.
      Als alle ihre Pferde gesattelt hatten, ritten wir, Bart auf Song of Peace allen voran, zur Aufwärmung den Waldweg entlang zur Crossstrecke. Hinter ihm folgten Ike und der neue Last in Love, Eyvind mit Westatlanta, dann Eli und Alpha und zum Schluss ich mit Gräfin.
      Unsere Militarystrecke glich definitiv keinem Olympiastadion. Sie war matschig und von Blättern bedeckt, die Wassergräben grün und die Baumstämme unter einer dichten Schicht aus Moss versteckt. Aber sie gehörte uns und deswegen liebten wir sie alle. Vor allem Gräfin. Sie tänzelte unter mir wie eine junge Ballerina, die Nüstern waren geweitet und die Ohren nach vorne gerichtet. Sie wusste, was kommen würde. Zu oft hatten wir in den letzten Wochen hier unsere Zeit verbracht.
      Gestern hatte ich mit Eyvind die Strecke etwas geräumt. Äste beiseite geschafft und alles auf A-Niveau ausgerichtet. Ob Gräfin das bereits wusste?
      Immer wieder warf ich auch einen Blick zu Ike. Lovely, wie er liebevoll genannt wurde, war ein neues Projekt. Ein weiteres von Nico. Welches hieß: „Weniger Problempferde — mehr Langeweile“. Aber ich mochte den entspannten Kerl. Klein und zierlich und doch mit viel Kraft in den Beinen.
      Als wir an der Strecke angekommen waren, verteilten wir uns etwas auf der Bahn, erwärmten die Pferde ein letztes Mal und nahmen erste Übungssprünge, die an der Seite aufgestellt waren. Nichts großes, aber besser als nichts, wie Nico immer zu sagen pflegte. Wie auf ein stilles Kommando versammelten wir uns schließlich und legten eine Reihenfolge fest. Immer so, dass einer am Start und am Ziel warten würde, um die Zeit zu nehmen. Das würde Bart als erster übernehmen, während ich mich mit Gräfin als erster Reiter meldete. Sie schnaubte, stampfte auf und warf den Kopf in die Höhe.
      „Aber das müsste ihr vor eurem ersten Turnier nochmal üben!“, hörte ich Barts Stimme noch, bevor ich mit Gräfin die Linie übertrat und ins Fliegen geriet. Und wie Gräfin flog. Sie flog wie das Flugzeug damals, als ich Jora zurückgelassen hatte, um Nico in Kalifornien zu helfen. Immer höher, der Sonne näher, sodass es fast brannte.
      Gräfin nahm die Sprünge ohne Anstrengung. Ob es ihr Talent, oder nur die ungebändigte Energie war, konnte ich nicht sagen. Einige Hindernisse ritt ich zu grob an, eins wiederholte ich an geeigneter Stelle, nur damit Gräfin beim zweiten Versuch nochmal höher sprang, den Körper gestreckt und gerade wie ein Streichholz.
      „Ho“, sagte ich, als wir ins Ziel galoppierten. Gräfin leckte am Gebiss und trotz der Kälte schwitzte sie.
      „Respekt“, sagte Bart, der als einziger noch am Start wartete. „Das war schnell!“ Er grinste und reichte mir die Stoppuhr, bevor er sich und Song of Peace selbst für den Start vorbereitete.
      Kurz nachdem Bart gestartet war, kam Eli mit Alphabet Soup ins Ziel. Ich notierte unsere Zeiten und obwohl Gräfin bereits gut vorgelegt hatten, waren auch alle weiteren nur einen Ticken langsamer. Eyvind und Westatlanta folgten, dann Eli und Last in Love, und als letztes, einige Minuten später, galoppierte Peace ins Ziel.
      Bevor die Pferde auskühlten, alle hatten bereits Decken drüber liegen, ritten wir zurück zum Stall, duschten die Pferde kurz ab und deckten sie dann dick ein. Alle hatten das Training gut überstanden und konnten nun offiziell auf A laufen.

      29-11-2019 | 5127 Zeichen | Canyon
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      Springen E → A
      »Oh Gott, hat Nico jetzt wirklich sein Bordell aufgemacht?«, fragte Bart, als er sich neben mich an die weiße Säule des Stalls lehnte.
      »Wie kommst du denn darauf?«, fragte ich zurück.
      »Na immerhin sehe ich da vorne drei außergewöhnlich sexy gekleidete junge Damen, die ihren Hintern bei jedem Sprung sehr elegant in die Höhe strecken.«
      Ich schaue Bart an. »Das war nicht politisch korrekt, Bartholomäus.« Bart verging sein Grinsen, als er mir länger ins Gesicht schaute.
      »Jaja, schon gut«, murmelte er. »Muss ich die drei dort kennen?«
      »Das sind drei weitere Praktikantinnen. Sie trainieren Gräfin, Cinnada und Peace im Springen.«
      »Mein Vater lässt die einfach so auf die Stuten drauf?«, fragte Bart verächtlich. »Mittlerweile darf echt jeder Hobbyreiter ein bisschen auf unseren Sternepferden hüpfen.«
      Ich sagte nichts. Bart wusste zu genau, dass das ganz und gar nicht der Wahrheit entsprach.Wir alle wussten, dass Nico es sehr genau nahm, wen er hier auf dem Hof überhaupt die Hand schüttelte.
      Nico saß am Rand des Reitplatzes, eine Decke um die Beine gewickelt. Es war klar, 12 Grad. Die Sonne stand hoch am Himmel und beleuchtete die weißen Wände des Hauptstalls und den hellen Sand.
      »Cjara«, sagte Nico. »Bitte reite noch einmal den Oxer an und jetzt denke bitte rechtzeitig an die Hilfen, Peace springt dir sonst immer zu früh ab.«
      »Springen«, sagte Bart. »Kann das Song of Peace überhaupt?«
      »Sie lernt es gerade«, antowortete ich. »Und wie man sieht, macht sie es auch gar nicht so schlecht.« Peace sprang in hohem Bogen über den Oxer. Es war immer noch etwas zu zeitig, aber die langen Beine und der schlanke Körper streckten sich weit nach vorne im Sprung, sodass die Höhe ohne Probleme genommen wurde.
      Auch die anderen beiden Reiterinnen, Elsi und Helia hießen sie, machten für den Anfang gute Arbeit. Ich war bei den Einstellungsgesprächen dabei gewesen, hatte den Probetag geregelt und am Ende mitentschieden, welche von den Bewerbern es für die nächste Zeit aufs Gestüt geschafft hatten. Elsi war die älteste. Sie hatte bereits eine Jockeykarriere und eine Springausbildung hinter sich, also ein guter Mix, um unseren Vollblütern gerecht zu werden. PV Gräfin passte dementsprechend auch gut zu ihr. Genauso wie Cinnada Mistik zu Helia. Helia hatte eher eine klassische Ausbildung hinter sich, aber noch nicht allzuviel Erfahrung in der selbständigen Arbeit. Cinnada war zwar jung, aber durch ihren Warmblutanteil um eines ruhiger und gelassener, als manch anderer Wirbelwind.
      Bart und ich schauten Nico noch eine Weile dabei zu, wie er mit den drei Reiterinnen und den drei Stuten vom Rand aus agierte. Als ich mich irgendwann zu Bart umdrehte, um einen Kommentar über einen Sprung von Helia abzugeben, war dieser allerdings verschwunden. Ich hatte sein Weggehen gar nicht bemerkt gehabt.
      »Jeder noch einen Sprung seiner Wahl, dann bitte Zügel lang und austraben lassen. Das war es dann für heute.« Nico wandte sich vom Reitplatz ab und kam den Weg zu mir gerollt. »Du hast zugeschaut?«
      Ich nickte.
      »Zufrieden mit unserer Auswahl?«, hakte Nico nach.
      »Sie sind noch alle jung, etwas zu formbar in manchen Momenten, aber das wird sich noch geben«, sagte ich. »Sie gehen gut mit den Pferden um, das ist für den Anfang die Hauptsache.«
      »Na dann sind wir uns ja einig«, sagte Nico und rollte den Gang entlang in Richtung Stalltür.
      Ich schaute dem Treiben auf dem Platz noch etwas zu, bis alle Reiterinnen von ihren Pferden abgestiegen waren und den Platz verließen.

      31-01-2020 | 3461 Zeichen | Canyon
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      Prophylaxe
      Es war kalt. Richtig kalt in Kanada. Es war aber dennoch ein sonniger Morgen. Mit einem Hoodie und Schal bedenkt, begab ich mich nach oben ins Büro. Dort wurde es nie wirklich warm, trotz Fußbodenheizung. Ich schaltete den Computer an und rieb mir müde durchs Gesicht. Ich zog den Kragen des Pullovers hoch bis über die Nase und schaut mir dann meine To- Do Liste an. „Mist“ ich habe Nicolaus vergessen“. In dem Moment als ich es laut ausgesprochen hatte, hörte ich selbst wie komisch sich das anhörte und lachte. Was bestimmt von außen noch drei Mal bescheuerter aussah. Ich schaute von Oben in die Küche und sah Mugde der verzweifelt an der Tür wartete. „Sag doch was“ lachte ich und begleitete ihn mit raus. Ich bereitete alles für den Besuch auf Phoenix Valley vor und vereinbarte dann mit meinem Kunden einen Termin. Zufälligerweise war er auch der Veranstalter des „Horse Makeovers“. Nun hatte ich schon fast alle Beteiligten des Makeovers einen medizinischen Besuch abgestattet.
      Am Tag der Anreise schneite es und zog meine Anreise somit in die Länge. Ich versuchte seit dem neuen Jahr mich nicht mehr so aufzuregen und ging demensprechend bewusst kühl mit der Situation um. Ich informierte meinen Auftraggeber über meine Ankunft und ruhte mich dann bis zum Termin etwas aus. Das Hotelessen war wieder hervorragend. Auch die Wellness und Sportbereich lies ich mir nicht entgehen.
      Mit dem Leihwagen fuhr ich dann am vereinbarten Termin nach Phoenix Valley. Ich mochte die Ortschaft. Es sah Senneville verdammt ähnlich. Auch hier gabs einen National Forest. „Mahn, sieht auch wie zuhause“ sagte ich leise und schaute die Bäume an. Bei der Ankunft wurde ich direkt von Nicolaus du Martin persönlich in Empfang genommen. Wir verstanden uns auf anhieb sehr gut und das einzige Thema war natürlich Galopprennen und englische Vollblüter. Es war schön sich mit jemanden zu unterhalten der ebenfalls eine solch große Passion für die verrücken übrig hatte, so wie ich. Er fuhr mit seinem Rollstuhl voran. „Auf geht’s. Hier lang bitte“ sagte er nett und rollte mir fast davon. Bewaffnet mit meinem Rucksack und einer Tasche lief ich dem Mann hinterher. „Hier ist unser Hauptstall für die Stuten“. Er präsentierte mit einige Tiere und erklärte mir ein wenig über ich Konzept. „Heute sind Song of Peace und PV Gräfin dran“ sagte er und bewegte sich ganz ohne Probleme im Raum. Ich fand das tatsächlich recht erstaunlich. Zunächst schaute ich mit die sechs Jahre alte „Song of Peace“, die nur Peace genannt wird, an. Mit gegenüber verhielt sie sich von Anhieb freundlich und trat mir augenscheinlich unvoreingenommen entgegen. Gräfin blickte direkt zu uns rüber und schaute sich alles an. „Sie will nur nah bei ihr sein. Die Zwei kann man kaum trennen“ lachte Nicolaus. Ich nickte, lächelte und begutachtete die Stute dann von außen. Wie von ihrem Besitzer schon erwähnt hatte sie vereinzelt einige Narben. Alle schienen gut verheilt und machten auch keine Probleme. Ich schaute mir ihre Hufen und die Gelenke der Beine noch mal genauer an und dokumentierte „Unauffällig“. Die äußerte ich auch dem Auftraggeber. Ich tastete dann den Rest des Körpers ab. Am Kopf angelangt schaute ich spezifischer nach den Augen, deren Reflex und den Nüstern. Sowie auch Ohren und nach dem Mundraum. Immer mal wieder musste ich neu nach der Stute greifen da sie nervös den Kopf oder auch den kompletten Körper zurücknahm. Ich gab ich die Zeit und versuchte es dann ruhig einfach erneut. Nicolaus hatte derzeit die andere Stute „PV Gräfin“ schon mit dem Halfter in der Box festgemacht. Ich dokumentierte mein Vorgehen und die nicht Vorhandenen Befunde. Zuletzt kontrollierte ich ihre Vitalzeichen. „Puls, Atmung, Temperatur und Herzfrequenz sind alle in bester Ordnung. Alles was schnell, aber gehört sich für einen Vollblüter auch so“ lachte ich und hoffe das Nicolaus mit lachte. Das tat er. Erleichtert bereitete ich dann zunächst alle Immunisierungen vor und überlegte wie ich vorgehe. „Ich Untersuche die andere zuerst bevor ich sie immunisiere. Mache ich es bei Peace jetzt wird Gräfin nur zu nervös und wir bekommen schon Probleme bei der Untersuchung“ sagte ich und ging auch so vor. Auch der der dunkelbraunen Stute war alles in bester Ordnung. Die Immunisierungen standen schon bereit. Gräfin suchte oft die Nähe zu der anderen Stute und genauso andersherum. Sie hatten sich immer im Blick. „Ich glaube es ist egal wo ich anfange. Ich löse so oder so Hysterie aus“. Ich lachte und hörte du Martin ebenfalls schmunzeln. Ich ging zu PV Gräfin zuerst. Sie hatte mich nicht ganz so an sich rangelassen wie Peace und musste somit noch netter sein. Ihr Besitzer beruhigte sie per Stimme. Ich zählte innerlich bis drei und stach dann, so brutal es auch klingt, zu. Natürlich dennoch behutsam. Aber schnell. Anders war es mit rassetypischen Vollblütern eben nicht möglich. Leider schrie die Stute leicht auf, was dann nicht nur Hysterie in ihrer Nachbarbox auslöste, sondern im ganzen Stall. Ich seufzte. „Man, wenn ihr wüsstet das ich euch allen nur das Beste wünsche“. Nicolaus kümmerte sich über den Aufruhr im Stall mit einigen Mitarbeitern und setzte mir einen Mitarbeiter an Peace, damit ich auch bei ihr die Immunisierungen schnell durchführen kann. „Dann auf. Desto länger wir warten, desto schlimmer machen wir’s“. Auch hier arbeitete ich präzise und schnell. Und auch hier wurde auch von einer Sekunde auf die anderen unbeliebt. Äpfel gingen jedoch anscheinend immer. Beide Stuten kauten auf der Belohnung rum während ich aufräumte und mich gleichzeitig mit du Marin unterhielt. Ich verabschiedete mich kurz darauf von den Stuten und ihrem Besitzer.

      12-02-2020 | 4720 Zeichen | Cooper
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      Urlaub auf Phoenix Valley
      Ich hatte Urlaub bei Bekannten vereinbart. Ich wollte drei Wochen dort bleiben. Jedoch ist Urlaub nicht gleich Urlaub. Nicolaus du Martin bat mich nebenbei einige seiner Lieblinge zu machen. Ich willigte ein. Ich konnte ja trotzdem die Sonne auf meine Haut strahlen lassen und drei Wochen hatten wir ja genug Zeit dafür. Zehn Pferde wären es, zwei Pro Tag und ich wäre in fünf Tagen fertig. Ich hatte alles gepackt, Joicy war so nett und brachte mich zum Flughafen.
      "Ich hoffe es steht noch alles, wenn ich wieder komme!" lachte ich. Dann sah ich noch ein letztes mal meine heiß geliebten Berge an, diese würde ich nun für die Sonne eintauschen, zumindest für drei Wochen. Joicy versicherte mir, dass alles schon glatt laufen würde und so stieg ich beruhigt in den Flieger nach Kalifornien. Mein Flug dauerte 8h. In dieser Zeit döste ich ein wenig. Malte der Trainer holte mich dann am Flughafen ab. Wir begrüßten uns herzlich und ich beschloss morgen mit Chromed Highwind und Lap de Loupe anzufangen. Für heute wollte ich nur schlafen. Wir kamen auf dem Hof an und Malte zeigte mir die eigene Hufschmiede für Hufschmiede die außer Landes extra einflogen, um die Pferde zu versorgen, so mussten wir nicht immer den tragbaren Ofen mitzerren, meinte er. Malte fand, dass sein Gestüt bereits sehr groß war, sodass sich eine Schmiede rentieren würde. Ich freute mich riesig, denn es war eine wahnsinnige Erleichterung in der Planung. Ich genoss den Abend noch draußen auf der Verande meines Gästehauses mit einem Gläschen Wein. Hir und da hörte ich ein Wiehern der Pferde und dachte an meine Heimat. Gegen 23 Uhr ging ich schlafen. Das Bett war angenehm weich und groß. Ich fühlte mich wie eine Königin.
      "Guten Morgen! Ich dachte du möchtest mit uns Frühstücken!", wurde ich aus meinem Schlaf gerissen. Malte stand im Raum und grinste mich an.
      "Gib mir fünf Minuten!" sagte ich noch etwas verschlafen und Malte war auch schon wieder verschwunden. Ich stand auf und sprang zuerst unter die Dusche, dann zog ich mich an und ging ins Haupthaus rein. Dort waren alle schon am Tisch und aßen ihr Frühstück. Ich machte mir einen Kaffee und ein belegtes Brötchen. In Ruhe aß ich mein Frühstück. Nico und ich plauderten noch ein wenig. Als ich dann fertig war, ging ich zur neuen Schmiede, heizte den Ofen ein und holte den ersten Kandidaten. Es war ein Schimmelhengst namens Chromed Highwind. Ich band den Hengst a, Ständer an und begann die alten Eisen runter zu nehmen. Dann knipste ich das überschüssige Horn ab und schon war es passiert, er rutschte mir mit dem Huf aus und hampelte rum. "Du kannst wohl nicht warten was?!", sagte ich zu ihm und ermahnte ihn freundlich. Mit gerade seinen 6 Jahren durfte ich nicht all zu viel erwarten und Hengste sind meisten etwas nervöser. Ich nahm den Huf erneut auf und besserte den kleinen Unfall aus. Als er artig war, lobte ich ihn ausgiebig. Nun ging ich ans Hinterbein auch da holte ich die alten Eisen runter, bearbeitete seinen Huf, auch da versuchte der Hengst seinen Huf wieder wegzuziehen. Doch diesmal war ich gefasst und er hatte keine Chance. Als ich hinten fertig war, schmiss ich schnell seine Eisen in den Ofen und machte auf der linken Seite weiter. Alles ist gut, High!", redete ich mit dem Hengst. Dieser tänzelte ungeduldig hin und her und auf und ab. Ich hatte echt eine Mühe ihn fertig zu bekommen. Als die Eisen heiß genug waren, legte ich sie nach einander auf und klopfte sie dann in die richtige Größe. ehe ich sie im kalten Wasser wieder abkühlte. Dann nagelte ich die Eisen nacheinander auf das Horn, bearbeitete die Nägel und fettete die Hufen ein. Chromed Highwind war nun fertig. Ich brachte ihn zurück in die Box und holte mir seinen Nachbarn Lap de Loupe. Der Amber Cream Hengst zeigte mir seine Störrigkeit auf seine freundlichen Art hin. Er wollte einfach noch nicht aus der Box raus.
      "Junge, ich weiß, es ist noch früh und du glaubst, du musst arbeiten, das ist so nicht, du hast ein Wellnessprogramm gewonnen!" scherzte ich rum. Immer wieder ermunterte ich den Hengsten doch noch aus der Box zu kommen. Ich gab nicht auf und Lap wohl auch nicht, zumindest sehr schwer. Nach einiger Zeit Überredungskünste folgte mir der hübsche dann doch.
      "Wow, das ging ja schnell!", wunderte sich Malte.
      "Was wie schnell?!" fragte ich leicht irritiert.
      "Lap kommt bei Fremden normalerweise nicht so schnell raus!", lachte er.
      "Ach, wir sind doch schon Freunde oder nicht Lap?!" fragte ich grinsend den Hengst, der neben mir stand und gerade seinen Kopf an mir rieb. Normalerweise duldete ich solch ein Verhalten nicht, aber ich wollte seine Mitarbeit nicht zunichte machen. Ich band ihn an der Schmiede an und begann ihm seine Eisen runterzuholen. dann knipste ich das Horn weg und legte die Eisen ins Feuer. Nach dem Hengst werde ich wohl in die Stadt fahren und etwas Shoppen gehen, das tat ich gerne, aber viel zu selten. Vielleicht finde ich ja ein gutes Reitsportgeschäft. Lap benahm sich vorbildlich, ich hatte ihn schnell komplett fertig und brachte ihn wieder in seine Box. Nun räumte ich alles auf, schaltete den Ofen aus, und wartete bis dieser kalt war. Dann ging ich ins Haus duschte mich und machte mich fertig für die Stadt. Kalifornien war ein wunderschönes Land, aber ich vermisste schon ein wenig meine Berge Zuhause. Sollte ich mal anrufen und nach dem Rechten fragen? Immerhin war ich erst seit einem Tag fort. Ich beschloss dies nicht zu tun. Ich fand in der Stadt ein Reitsportgeschäft und stöberte dort herum. Ich fand einige schöne Sachen und ging dann in ein Café. Ich kehrte abends zurück und schlief auch schon fest ein.
      Am nächsten Morgen wurde ich von Hufgetrampel und wildem Rufen geweckt. Ich zog mich rasch an und ging neugierig nach draußen. Dort waren einige Pferde aus ihren Boxen ausgebrochen, ob das ein Jugendstreich der Teenager der Umgebung war, stand noch nicht fest. Kurzerhand half ich die Pferde wieder einzusammeln. Dann, als die Pferde wieder in ihren Boxen waren, ging ich frühstücken. Danach holte ich Sir Golden Mile aus seiner Box. Der 4-jährige Smoky Black Hengst folgte mir brav in die Schmiede. Da ich in der Hektik den Ofen vergessen hatte anzumachen, holte ich das nach. In der Zwischenzeit streichelte ich den kleinen ein wenig, dann holte ich seine alten Eisen herunter, legte seine neuen Eisen in den Ofen. Dann raspelte ich den Hufe wieder in die richtigen Länge. Dann befestigte ich die Eisen an den Hufen und lobte den jungen Hengst. Dann machte ich eine kleine Pause und holte einen Kaffee nachdem ich Mile wieder in seine Box gebracht hatte. Ich trank genüsslich meinen Kaffee und holte den letzten Hengst im Bunde. Golden Sugar, der Schabrackentiger Hengst, war etwas zu eifrig bei der Sache. Ich musste auf dem Weg zur Schmiede ihn mehrmals zurechtweisen, dass er neben mir zu laufen hatte und nicht vor mir. Der Hübsche meinte das sicherlich nicht böswillig, er war nur voreilig. Als ob er auf einen Zug müsste. Ich band ihn an und begann die alten Eisen abzunehmen. Dann legte ich die neuen Eisen ins Feuer und knipste das zu viele Horn ab und raspelte die Hufränder wieder schön rund. dann nagelte ich die neuen Eisen auf die Hufe rauf und brachte Sugar wieder in seine Box. Abermals räumte ich alles auf und chillte dann den Rest des Tages.
      Morgen würde ich mit Malte ausreiten und darum würde ich erst am nächsten Tag weiter machen. Deshalb wollte ich ausgeruht sein, um die Natur entdecken zu können. Wir hatten uns auf 14 Uhr verabredet, also wollte ich am Vormittag so richtig ausschlafen und Wellness machen. Ich wachte gegen 7 Uhr auf und konnte noch im Bett liegen bleiben, dafür hatte ich sehr wenig die Chance, darum genoss ich das Privileg sehr. Ich döste vor mich hin, irgendwann brunchte ich ausgiebig und lange und rief dann Joicy an um zu erfahren ob alles in Ordnung war. Joicy bestätigte es mir. Inzwischen war es halb zwei, somit ging ich mal Richtung Stallungen. Ich sollte heute Golden Sugar bekommen. Malte nahm Lap de Loupe. Wir machten unsere Pferde fertig und sattelten sie auf. Ich werde nun zum ersten mal auf einem Englischen Vollblut sitzen. Nun schwangen wir uns auf den Rücken der Pferde und ritten vom Hof. Ich folge Malte unauffällig. Wir schnatterten wie alte Tratschweiber! Ich erzählte ihm viel über meine Österreichischen Warmblüter, über meine Alpen und wie die Mutterstuten mit Fohlen im Sommer über frei in den Alpen leben dürfen. Ich erzählte ihr auch viel über Beastly Domina, die Stute die ich aus einer Rettungsaktion bekommen habe, wie sie zu meinem Seelenpferd wurde und wie sehr ich diese Stute liebte. Nach einer Weile trabten wir an. Mich zog es ruckartig nach hinten, Sugar war schnell. Ich mochte mir gar nicht ausmalen wie es sein wird, wenn wir erstmal galoppierten. Schnell gewöhnte ich mich an Sugar‘s Tempo. Nun galoppierten wir eine Strecke entlang. Die Umgebung war echt wunderschön, ich konnte richtig Kraft tanken. Nach zwei Stunden Ausritt kamen wir zurück. Wir ritten lang genug im gemütlichen Schritt das unsere Pferde schon wieder fast trocken waren, als wir sie absattelten. Dann brachten wir sie in ihre Boxen und ich ging noch in eine Bar.
      Am nächsten Morgen war ich schon in der Schmiede und warf den Ofen an. Ich beschloss PV Gräfin zu holen. Die dunkelbraune Stute grummelte mir entgegen. "Hallo Hübsche!" begrüßte ich sie. Ich nahm ihr Halfter und führte sie über den Hof. Bei der Schmiede angekommen band ich sie an, schaute welche Größe von Eisen sie benötigte, schmiess diese in den Ofen und begann die alten abgenutzten herunterzuholen. Danach knipste ich das alte Horn ab und feilte die Ränder wieder rund. Gräfin benahm sich artig und so konnte ich schnell meine Arbeit fortsetzen. Als die Hufen bearbeitet waren, nagelte ich die neuen passenden Eisen auf die Hufe und fettete die Hufen ein. Dann brachte ich Gräfin wieder in ihre Box und holte mir Song of Peace. Die hübsche Stute gefiel mir schon von Anfang an, als ich sie entdeckt hatte, leider war sie zu groß und zu schwer als sie in eine Tasche zu packen, um sie zu klauen. Ich halfterte die Stute auf und führte sie aus der Box. Als die Stute merkte, dass es Richtung Schmiede ging, schien sie sich richtig zu freuen, das irritierte mich ein wenig, den entweder zeigten andere Angstreaktionen oder gar keine Reaktion, aber Freude? Das war mir neu! Aber recht war es mir allemal. Ich band die Stute an und legte ihre Eisen ins Feuer. Brav stand sie da und sah mich mit ihren wunderschönen Augen an. Als ich mich nach vorn beugte und ihr Vorderhuf bearbeitete, merkte ich wie sie an meiner Jacke und am Pulli zupfte und mich halb auszog. "Kannst du mich bitte angezogen lassen? Möchte nicht nackt da stehen und außerdem ist es kalt!" grummelte ich lachend zur Stute, die wohl nach Leckereien suchte, dieses kleine verfressenes Ding. Mehrmals schob ich ihr den Kopf von meinem Rücken weg, aber sie war jedes mal da. Sie gab einfach nicht auf. Endlich kam ich dazu, die Eisen aufzunageln. Peace war brav, sie zeigte mir ihre Liebe und ihre Zuneigung, auch wenn sie kein Leckerchen von mir bekam. Ich verteilte grundsätzlich nur am Schluss ein Lekerli aber nicht während der Arbeit. Endlich war ich fertig. Ich gab ihr ein Apfelstück und brachte sie wieder zurück in ihre Box. Ich machte den Platz sauber und ging in den Wellnessbereich meines Gästehauses, sprich Badezimmer.
      Für heute war Cinnada Mistik und I‘ve got a blue soul geplant. Zuerst wollte ich ausgiebig auf der Terrasse frühstücken. Nach dem Frühstück holte ich mir Cinnada Mistik aus ihrer Box. An der Schmiede angekommen holte ich die alten Eisen herunter und kürzte die Hufe. Nachdem diese korrigiert und gekürzt waren, nagelte ich die neuen Eisen auf ihre Hufe. Mistik benahm sich artig bis auf ein zwei rumtänzelei. Dann brachte ich die Stute wieder in ihre Box und holte Blue Soul raus. Die Schönheit war die letzte für heute, dann hatte ich noch zwei vor mir, die ich aber erst gegen Ende meines Urlaubes machen wollte. Ich band Blue an und begann mit meiner Arbeit, als Malte zu mir kam. Wieviele hast du noch vor dir?!" fragte er mich.
      "Für heute nur noch sie, dann hab ich noch zwei, die ich in der letzten Woche meines Urlaubes machen werde!" sagte ich und war gerade dabei die Hufe zu kürzen. "Oh du bist ja schnell, wollen wir heute Abend was essen gehen und das Nachtleben Kaliforniens unsicher machen?!" grinste er.
      "Ja klar und wie ich das will!" Wir verabredeten uns für 19 Uhr in einem nobleren Restaurant. Ich machte Blue Soul fertig und brachte sie in die Box. Dann räumte ich die Schmiede auf und richtete mich für den Abend ein. Ich freute mich sehr darauf.
      Einige Tage waren nun vergangen und ich hatte den Urlaub sichtlich genossen, heute wollte ich die restliche zwei Pferde machen. Zuerst holte ich BR Prias Raveday aus ihrer Box. Die Red Roan Stute war sehr artig. Ich holte die Eisen herunter, kürzte die Hufe und nagelte die neuen Eisen rauf. Raveday war neugierig und knibbelte an meiner Jacke rum. Dann verräumte ich die Stute in ihrer Box und holte Delightful Cinnamon. Bei Cina wollte Malte dabei sein, denn die Stute hatte einige schlechte Erfahrungen gemacht und da wollte sie mir als Unterstützung dienen. Die Scheckstute sah mich misstrauisch an. Ich redete sanft mit der Stute. Gekonnt hatte ich die Hufen gekürzt und die Eisen drauf genagelt so gut es ging. die Stute zappelte recht und versuchte sich mehrmals sich loszureisen.
      "Pass auf!" rief Malte immer wieder und sah besorgt aus. Ich musste mehrmals zur Seite springen. Nach zwei Stunden war auch sie endlich fertig. Ich gönnte die Stute mehrere Pausen. Nun war auch sie fertig und ich konnte in Ruhe meine Sachen zusammenpacken und Richtung Heimat fliegen, mein Urlaub war schon vorbei, sehr erlebnisreich und arbeitsreich!

      21-02-2020 | 13.733 Zeichen | Elsaria
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      Olivia und die Woodland Ranch
      Das Wetter war richtig mies und das Gestüt hatte keinen guten Ruf. Ich hatte mich geärgert, dass Nico uns für die Stutenkrönung auf der Woodland Ranch angemeldet hatte. Olivia war eine schreckliche Frau und ihr Sohn Jonathan nicht weniger. Vier Stuten würden wir vorstellen und es nieselte, während der kalte Wind über die Moorlandschaft pfiff. Also kein guter Start für die Reiter und die Pferde.
      Unsere erste Stute war Westatlanta. Eyvind würde sie vorstellen. Sie hatte vor einiger Zeit komplett neues Zubehör vom Gestüt von der Nordwacht gesponsert bekommen und das helle Zubehör passte perfekt zu ihrem sonst so unruhigen Fell. Auch Eyvind hatte sich passend gekleidet. Dunkelblaue Hose und hellbraunes Hemd, die Haare wie immer kurz und schneeweiß. Eyvind hatte viel mit Atlanta trainiert, als hätte tatsächlich auch er endlich mal einen Narren an einem Pferd gefressen.
      Ich beobachtete den Anfang ihrer Kür vom Eingang her, da ich selber alsbald mit meiner Stute an der Reihe war. Eyvind trabte in die Halle und grüßte die Richter bei X. Dann ließ er Westaltanta abermals im Trab antreten und ging auf die rechte Hand. Hier zeigte er einige Bahnfiguren, unter anderem eine einfache Schlangenlinie und ein aus der Ecke kehrt, sodass er nun auf der anderen Hand trabte und auf den Zirkel ging. Als er in den Schritt durchparierte, sie erst rückwärts richtete und dann durch den Zirkel im Schritt wechselte, wendete ich mich ab. Ich musste Alpha für ihren Auftritt aufwärmen. Ich hatte Eyvind Kür allerdings schon gesehen und wusste genau, dass er nun aus dem Schritt angaloppieren und wieder ganze Bahn reiten würde, um Westatlantas starken Galopp zu präsentieren. Dann würde ein Wechsel durch die ganze Bahn folgen und der Galopp auf der anderen Hand. Zum Schluss würde er die Richter wieder verabschieden. All dies bekam ich jedoch schon nicht mehr mit. Die Halle lag nun hinter mir und ich machte mich auf den Weg zu den Paddocks, wo unsere Pferde untergebracht waren.

      Alphabet Soup stand mit angelegten Ohren und feuchtem Fell in ihrem Paddock hinter der Halle. Es gab keinen Schutz vor dem anhaltenden Regen und Wind peitschte die feuchte Luft in alle Richtungen. Gegen Regen hatte Alpha eigentlich nichts, schlimmer war definitiv Schnee und Eis, aber trotzdem war ihre Laune nicht besonders gut. Immer wieder schnappte sie in Richtung ihres Nachbarpferdes, um ihren Missmut Ausdruck verleihen zu können.
      Alpha war in letzter Zeit viel von Eli trainiert worden. Sie war sehr umgänglich und pflegeleicht, wenn man ihr das Training durch gutes Aufwärmen erleichterte. Eli war keiner unserer besseren Reiter und trotzdem hatte er gut mit Alpha trainiert und sie auf ihre Krönung vorbereitet. Die Krönung würde ich allerdings selbst übernehmen.
      Alpha war wirklich nicht schwer zu reiten und auch wenn das Wetter ihr auf die Stimmung drückte, war sie auf dem Aufwärmplatz sehr motiviert dabei. Ich wusste, dass Alpha erst recht in der trockenen Halle ihr bestes geben würde.
      Wir wurden aufgerufen und kurz darauf ertönte Jonathans Stimme aus dem Lautsprecher. Hin und wieder hatte ich schon mit ihm geredet, aber immer nichts großes und wirklich anregend war es nie gewesen. „Nun folgt Alphabet Soup vom Gestüt Phoenix Valley, vorgestellt von Malte Tordenværson.“
      Na immerhin sprach er meinen Namen richtig aus, zumindest hatte er sich das merken können. Ich betrat im Schritt die Halle, zeigte erstmal in der ruhigen Gangart Alphas Können, richtete sie rückwärts, ging Schlangenlinien und machte aus der Ecke kehrt. Dann trabte ich an und zeigte ihren schönen Trab, der fast in Richtung Mitteltrab ging, ihr natürliches Dressurtalent, welches wir allerdings nie ausführlich vertieft hatten. Ich wechselte die Hand und galoppierte eine Runde später an, allerdings sehr gemächlich, ungewohnt für ein Vollblut, welches für den Renngalopp geschaffen worden war. Ich wollte zeigen, dass Alpha auch anders konnte. Erst auf ihrer starken rechten Hand ließ ich sie in den schnelleren Galopp fallen, sodass sie sich streckte und ich in den leichten Sitz ging.
      Dann parierte ich durch und verabschiedete die Richter. Ich verließ die Halle, nahm ein paar Glückwünsche von rechts und links an und ritt zurück zu den Paddocks.

      An den Paddocks wartete bereits Cjara auf mich. Unruhig wippte sie von einem Fuß auf den anderen. Song of Peace war bereits fertig und zuppelte genüsslich an einem Heusack. Sie ließ sich von nichts aus der Ruhe bringen, Cjara hingegen merkte man ihre Nervosität an. Ich versuchte sie zu beruhigen, ging mit ihr den Plan durch und hoffte in Gedanken, dass sie sich anstrengen würde, ihre Aufregung nicht zu zeigen. Nicht nur die Richter würde es bemerken, auch Peace und sie konnte Unsicherheit und unkorrekte Hilfen gar nicht leiden.
      Nachdem sie sich auf dem Platz aufgewärmt hatten, begleitete ich die beiden zur Halle. Diesmal würde ich die ganze Kür mitanschauen und von der Seite aus die Daumen drücken. Ich wusste, dass Olivia auf hübsche Mädchen stand und gerne ein paar extra Punkte verteilte. Nicht, dass ich es Cjara auch ohne ihr vorteilhaftes Aussehen nicht zugetraut hatte, aber so war ich mir sicher, dass sie mit ihrem schönen Grinsen Olivia Woods schon längst auf ihrer Seite hatte. Die anderen beiden Richter hatten gegen Olivia auf ihrem Gestüt sowieso nicht so viel auszurichten.
      Ich lächelte Cjara freundlich zu und sie begann ihre Kür. Sie hielt sich immer genau an das Geübte und lieferte so immer tadellos ab. Schwer wurde es nur für sie, wenn es unerwartete Zwischenfälle gab, dann nicht die Nerven zu verlieren oder gar abzubrechen. Aber diesmal passierte zum Glück nichts. Song of Peace und Cjara waren ein tolles Team geworden, dessen Bindung in nächster Zeit nur noch stärker werden konnte.
      Sie zeigte den Schritt, Trab und Galopp auf beiden Händen und baute zwischendrin immer wieder kleinere Lektionen und Bahnfiguren ein, die ihre Kür spannend machten. Auch wenn diese komplett auswendig gelernt war, merkte man es ihr nicht an. Peace und sie waren so locker, als hätten sie ihre Kür improvisiert.
      Am Ende verabschiedeten sie sich wieder von den Richtern und verließen gemeinsam die Halle.
      „Sag ich doch“, sagte ich zu den beiden. „Das war überhaupt kein Problem.“
      Cjara strahlte über ihr gerötetes Gesicht hinaus und freute sich über mein Kompliment.

      Elsi saß bereits auf PV Gräfin, als ich zurück zu den Pferden ging. Sie hatte weiße Turnierkleidung an und die Mähne von Gräfin zu Turnierzöpfen geflochten. Sie war zwar eher eine Springreiterin, ließ es sich jedoch nicht nehmen, in schicker Kleidung aufzutreten.
      Elsi war die älteste unserer derzeitigen Praktikantinnen. Sie hatte schon auf mehreren Gestüten gearbeitet, unter anderem im Springen oder als Jockey, und war daher sehr gefestigt in ihrer Meinung, was das Training mit ihr manchmal etwas kompliziert machte. Dafür war sie die einzige, die auch sehr gut selbstständig arbeiten konnte und immer auch viele eigenen Ideen zum Training mit einbrachte.
      „Soll ich schon los?“, fragte sie mich, als ich auf sie zuging. Elsi war recht klein und nicht die zarteste, Lächeln fiel ihr beim reiten manchmal schwer, oft wirkte sie leicht verbissen, ich wusste aber, dass es nur ihre Konzentration war, die sie so zum Ausdruck brachte. Ich hoffte, dass Olivia sie trotzdem mögen würde.
      Ich begleitete die beiden zur Halle, aufgewärmt waren sie schon. Auf dem Weg ging ich an dem Stand mit der leckeren Kartoffelsuppe vorbei und nahm mir eine Portion mit, die ich während Elsis Auftritt vertilgte.
      PV Gräfin war nicht für Turniersituationen gedacht, diesen kleine Auftritt ohne viel Trubel davor und danach konnte sie aber problemlos überstehen. Sie war wie immer sehr elegant unterwegs und Elsi schaffte es immer wieder, das in den Vordergrund zu rücken. Gräfin konnte, wenn sie wollte und da vor allem Elsi wollte, war die Kür für die beiden überhaupt kein Problem.
      Mit Verwunderung stellte ich fest, dass Elsi im Galopp begann und sich dann über den Trab abwärts in der Gangartenreihenfolge bewegte. Immer darauf bedacht, Gräfin auf beiden Händen und von allen Seiten zu präsentieren und auch ihre Gelenkigkeit und Präzision zu verdeutlichen. Sie baute mehrere Tempoverringerungen ein und bewieß damit, dass Gräfin sehr gut auf jegliche Hilfen von ihr reagierte. Sie wechselte durch die Halle, nutzte den Zirkel, ging Schlangenlinien und ritt Volten, bis sie erschöpft mit Gräfin bei X stand und sich von den Richtern verabschiedete.
      Ich freute mich für sie und beglückwünschte als erste. Dann gab ich allen einen wärmenden Teller Woodland-Kartoffelsuppe aus, die wirklich gut schmeckte, und verfrachtete alle Pferde für den Heimweg wieder in den Anhängern.

      26-02-2020 | 8.663 Zeichen | Canyon
    • Canyon
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      happens to the heart
      Amistad | Firewalker | Light up Hell | Last in Love | Chromed Highwind | Lap de Loupe | Sir Golden Mile | Golden Sugar
      Grenzfee | Echo's Maiden | Far Cry | CHH' Lethal Combination | Westatlanta | Alphabet Soup | Song of Peace | PV Gräfin | Cinnada Mistik | I've got a blue soul | BR Prias Raveday | Delightful Cinnamon
      Winter with Koen | Ivy's Rhapsody | BR Ruffian's Smart Jane | PFS' Circle of Thyme | Lady Phoenitia | PV Farwest | PV Rebellion of Cinqué | PV Traumfee | PV Toxic Compound
      Félagi | Schwalbenfeder | Óslogi | Pítu | Marid | Arias | Mytos | Ghostly Phenomenon | Imagine Dragons
      ]Chosposi | Anaba | Morrigans Hidalgo | Cloud | My Canyon | Flotten von Mutanten | Aquena | Zonta | Havanna Girl | Kwatoko | Dawn

      »Malte!«
      Erschrocken blickte ich auf. »Ja?«
      »Mensch, bist du taub?« Bartholomäus schüttelte fassungslos den Kopf. »Dein Handy klingelt!«
      Ich blickte auf das leuchtende und vibrierende Nokia-Handy auf dem Tisch neben mir. Ich brauchte einen Moment, um mit den Gedanken von Logis Sehnenverletzung zu dem Anruf zu kommen. Ich nahm ab. Es hatte seinen Grund, warum ich keinen Anrufbeantworter eingerichtet hatte.
      »Tordenværson?«, brummte ich in den Apparat.
      »Immer noch wie damals«, sagte eine unsichere, stockende Stimme. Ich kannte diese Stimme. Sie brachte mich dazu in windeseile aus dem Sessel aufzustehen, das Wohnzimmer zu verlassen und mit einer Jacke ausgerüstet in die kalte Nachtluft hinaus zu hetzen.
      »Malte?«, fragte sie.
      »Charly«, sagte ich und meine Stimme kratzte fürchterlich wie ein Eisenschwamm auf dem Herd.
      »Gut, du bist noch dran«, sagte Charly. »Schön, dass ich dich erreichen kann.«
      Ich räusperte mich und nahm auf einer Bank vor dem Stallgebäude Platz. »Womit kann ich dir helfen, Charly?«
      »Ich wollte mich mal bei dir melden«, sagte sie leise. »Es ist nämlich so, dass ich nächste Woche beruflich in Los Angeles bin und dich fragen wollte, ob wir gemeinsam essen gehen wollen. Ich lade dich natürlich ein!«
      »Warum fragst du das mich und nicht deinen Sohn, der bestimmt gerne Zeit mit seiner Mutter verbringen möchte?«, fragte ich, etwas barscher als ursprünglich beabsichtigt.
      Am anderen Ende war es still. Ich hörte nur ein leises Rauschen, vielleicht war es Charlys Atmen. »Du weißt«, sagte sie einige Sekunden später, »dass ich mit Bart noch nie eine gute Mutter-Kind-Beziehung hatte. Er ist jetzt erwachsen. Wenn er Interesse an mir hat, dann kann er sich gerne jeder Zeit bei mir melden.«
      Diesmal schwieg ich. Ich wollte mich nicht in die Familienprobleme einmischen, aber es fiel mir schwer, nicht jetzt und für immer diesem unausgesprochenem Drama ein Ende zu bereiten. Charly nahm als erste das Gespräch wieder auf: »Also, kommst du mich nun besuchen?«
      »Natürlich«, sagte ich. »Wann kommst du an?«

      »Wo ist Malte?« Nico blickte fragend in die Runde. Eyvind, Eli, Ike und Bart standen im Hauptstall im Kreis um ihn herum. Jeden Freitag war Besprechung. Nicht, dass an anderen Tage keine Kommunikation herrschte, aber die fünf Minuten am Freitag um acht fanden ohne Kaffee und Smartphone statt. Verspätungen wurden mit extra Morgenschicht bestraft.
      »Na seine Schwester ist in Los Angeles«, sagte Eli.
      »Quatsch«, widersprach Bart. »Seine Schwester hat er seit Jahren nicht mehr gesehen. Er meinte zu mir, dass er einen Auftrag hätte.«
      »Nur, weil er seine Schwester länger nicht mehr gesehen hat, ist das doch kein Grund, dass sie sich nicht ausgerechnet dieses Wochenende treffen?« Eli ließ nicht locker.
      »Vielleicht meinte er ja seine Cousine?«, sagte Eyvind. »Hatte er hier nicht mal eine Cousine?«
      »Die Frage ist eigentlich, warum ich nichts davon weiß?«, fragte Nico. Alle zuckten ratlos die Schultern und Nico musste seufzen. »Alles klar, dann machen wir eben einen Plan ohne Malte.«
      Alle nickten. Erschienen Nico aber trotzdem leicht verwirrt, ohne Malte, der immer alle Ruder in der Hand hatte. Auch diejenigen, die Nico gerne fallen ließ. Malte rettete immer alles.
      »Ich brauche Rückmeldung zu den neuen Praktikanten und Praktikantinnen«, sagte Nico, das „innen“ betont. »Meinungen darüber?«
      »Cjara ist ziemlich hübsch«, sagte Bart mit einer andeutungsvollen Stimme. Zustimmendes Gemurmel machte sich bemerkbar. Nico seufzte laut.
      »Irgendwelche Probleme? Unzufriedenheiten? Irgendwas?«, er gab noch nicht auf. »Eyvind, du warst doch mit auf der Woodland Ranch, sind Cjara und Elsi gut geritten?«
      Eyvind nickte. »Nichts auszusetzen. Cjara schön und nervös wie immer, Elsi etwas zu verbissen, aber ansonsten tadellos.«
      »Na gut«, sagte Nico. »Wenn das so ist, dass möchte ich, dass die Mutterstuten und die Fohlen heute besondere Aufmerksamkeit bekommen. Gemeinsamer Koppelgang und erstes Halfteranlegen und Putzen ist angesagt. Ansonsten kommt heute Nachmittag noch der Tierarzt wegen Miles Hautproblemen vorbei und bringt uns neue Medikamente. Und Bart, lass ja die Finger von Cjara.«
      Nico wendete sich von der Gruppe ab und rollte zurück in Richtung Haupthaus. Wo war nur Malte? Warum hatte er nicht vorher mit ihm gesprochen?

      Ich fühlte mich überaus unwohl mit meiner dreckigen Jeans und dem Karohemd von gestern unter all den Buisnessmenschen, die aussahen, als wäre es für sie üblich, jeden Tag mit dem Flieger auf Arbeit und wieder zurück zu fliegen. Die weißen Fliesen unter meinen Füßen glänzten in der untergehenden Sonne, die durch die meterhohe Glasfassade der Eingangshalle vom International Airport von Los Angeles fielen. Meine Hände in den Hosentaschen verkrampften sich gestresst.
      Ich hätte Charly nicht erkannt, wenn sie nicht wenige Meter vor mir ihre Handtasche in der Luft geschwenkt und „Hallo Malte!“ gerufen hätte. Sie war nicht von den Menschen in grauen oder schwarzen Anzügen zu unterscheiden, die, ihren Hartschalen-Koffer vor sich her schiebend und auf das Handy blickend, die Halle in einen riesigen, menschlichen Ameisenhaufen verwandelten.
      Ich hasste Flughäfen.
      Charly war alt geworden. Sie hatte keine Falten gekriegt oder Seniorenmode gekauft, sie war einfach so alt geworden. Für einen Moment verschwamm sie vor meinen Augen und ich sah sie, so wie ich sie damals kennengelernt hatte; Kurze schwarze Haare, zerschlissene Jeans, dunkler Eyeliner und ein freches Grinsen. Sie war immer jung gewesen, diese Zeiten waren anscheinend vorbei.
      »Das ist so lieb, dass du mich abholst!«, sagte sie freudestrahlend und fiel mir um den Hals. Auch sie hatte einen silbernen Hartschalen-Koffer dabei, denn sie los lies, woraufhin er noch einige Schritte weiterrollte. Zwei Tage Los Angeles und es sah aus wie zwei Wochen Antarktis.
      Ich erwiderte ihre Umarmung und legte meinen Kopf auf ihre Schulter. Sie roch gut, viel zu gut.
      »Ich habe ein Zimmer im H-Hotel, also nicht weit von hier! Ich würde schnell meine Sachen ablegen und dich dann zum Abendessen ausführen.«
      Ohne meine Antwort abzuwarten, tippelte sie zielstrebig in den hohen Absätzen in Richtung Ausgang. Den Koffer ließ sie für mich zurück.
      Das H Hotel lag tatsächlich nur wenige Minuten zu Fuß vom Flughafen entfernt. Es hatte eine eindrucksvolle Glasfassade, Palmen vor dem Eingang und eine Suite, die größer als unsere Reithalle war. Ich fühlte mich fehl am Platz und Charly neben mir machte es nicht besser. Mit ihrer Handtasche wackelte sie voraus, während ich wie ihr Diener mit dem Koffer beeilte hinterherzukommen. Natürlich nahm sie den Fahrstuhl in den zweiten Stock, anstatt die imposante Treppe zu bevorzugen. Charlotte von Eylenstein hatte sich angepasst. Angepasst an ihre neue Arbeit, ihr neues Aussehen, ihren neuen Mann.
      Ich hatte es mir bereits gedacht, aber die Suite besaß nur ein großes Doppelbett mit aufgepolsterten Monsterkissen und Deckenbergen dazu.
      »Ich würde auf der Couch schlafen«, sagte ich und legte meinen kleinen Rucksack neben die gewaltige Couch, von der aus man einen eindrucksvollen Blick auf den LAX hatte.
      »Blödsinn.« Charly lachte auffallend hell. »Das Bett ist groß genug für uns beide. Ich mache mich schnell etwas frisch, dann habe ich für uns bereits einen Tisch reserviert.«
      Ich ließ mich aufs Bett fallen während aus dem Bad das Rauschen von Wasser zu hören war. Wer war diese Frau nur geworden? Ich hatte sie mal geliebt. Ich weiß noch, wie gerne ich Charly gemocht hatte und wie sehr ich Nico gehasst hatte. Vielleicht war das ein Grund gewesen, warum ich Nico nach all den Jahren verzeihen konnte. Tjarda und Jora, sie waren all die Zeit nur Ablenkungen gewesen. Das Wasser stoppte und ein Föhn ging an. Seit zwanzig Jahren kannte ich sie. Seit zwanzig Jahren trauerte ich ihr hinterher. Für mich hatte das bedeutet, zwei bedeutungslose Liebschaften, wobei die erste von beiden nicht mal über ein „Hey, kann sein, dass ich dich mag“ hinausgegangen war. Die zweite war schon anders gewesen, besser. Jora war in einem Augenblick in meinem Leben gekommen, in dem ich sie gebraucht hatte. Missbraucht hatte. Gedacht hatte ich dabei all die Zeit an jemanden anderen.
      Der Föhn verstummte und es wurde ruhig im Badezimmer. Ich war alt geworden. Von meinen blonden Haaren war nicht mehr viel übrig. Vielleicht hatte die Sonne in Kalifornien sie weiß gefärbt, vielleicht die Einsamkeit. Ich war noch immer der Selbe wie damals. Ich hatte meine zwei Pferde und meine Arbeit, wie eh und je. Keine Veränderung und keine Weiterentwicklung. Petyr hatte sich weiterentwickelt. Ich hatte gehört, er hatte jetzt eine Familie in Oslo. Das mit Saga war wohl doch mehr geworden, als jeder gedacht hatte. Und Charly hatte sich weiterentwickelt. Zwar in eine Richtung, die mir nicht sonderlich gefiel, aber vielleicht lag das an mir. An mir, weil ich dachte, dass sie mich nun vollends abgehängt hatte.

      Den Vormittag verbrachte Nico bei Eyvind. Er war der Alleskönner und der Allesversteher des Gestüts und der beste Zuhöhrer oder Schweigefreund, den man haben konnte. Eyvind hatte sich den Mustangs verschrieben und eine kleine Reitschule aufgebaut. Nur wenige Schüler, dafür intensiver Unterricht, der weit über eine normale Reitschule hinausging. Vor allem viel Vertrauensarbeit und Horsemanship, vom Boden aus und im Roundpen. Die Mustangs waren unerschrocken und doch immer vorsichtig, aber vor allem intelligent und erstaunlich menschenfreundlich.
      Sie durften ihr Leben im Offenstall auf den großen Weiden hinter dem Hauptstall verbringen. Einige bekam selbst Eyvind nur selten zu Gesicht und das war auch okay so, dafür waren sie hier.
      Nico fand es erstaunlich, was Eyvind für einen Umgang mit den Kindern und Jugendlichen hatte. Er war Ihnen allen wie ein Vater, obwohl er doch selber keiner war.
      Einmal die Woche kamen die Kinder aus dem Kinderheim, die Eyvind besonders ins Herz geschlossen hatte und es oft über das normale Pensum hinaus ging. Das Geld, welches dabei reinkam, war sehr gering. Aber ein Mustang sollte sowieso nicht für den Kapitalismus missbraucht werden.
      Nach Nicos Besuch bei den Offenstallweiden, suchte er sich zwei der Praktikannten, die sich um die restlichen Pferde kümmern sollten, die gerade nicht im Training standen. Auf Marid ließ er zwar niemanden anderen als Bart, aber eine Massage und etwas Rotlicht durften sie ihm schon verpassen.
      Am Nachmittag fand sich Nico wieder in seinem Arbeitszimmer für eine kurze Pause ein. Er fuhr den Laptop hoch und öffnete die Website von Phoenix Valley, die in neuem Glanz erstrahlte.
      In letzter Zeit waren einige Pferde dazugekommen, aber was noch wichtiger war, die ersten Fohlen waren geboren. Vier wunderbare Vollblüter von wunderbaren Eltern. Es waren die ersten Pferde, die auf diesem Gestüt ihren Weg ins Lebens gefunden hatten und mit Stolz aktualisierte Nico die Website von Phoenix Valley. Die Geburt von PV Farwest, PV Rebellion of Cinqué, PV Traumfee und PV Toxic Compound musste verbreitet werden. Phoenix Valley war von nun an kein vergessenes Gestüt ohne Erfolge mehr, 2020 würde DAS Jahr werden.
      Nachdem die Website mit Bildern und kurzen Texten zu den Neuankömmlingen ausgestattet war, zog Nico sich eine Jacke über und rollte nocheinmal in den Stall. Hier standen seine Schätze, sein einziger Stolz. Die Mutterstuten hatten alle etwas größere Boxen bekommen, um den aktiven Baby-Vollblütern genügend Platz bieten zu können.
      Ganz vorne stand Far Cry, die erfahrenste und älteste der Zuchtstuten. Viele Fohlen würde sie dem gestüt nicht mehr schenken können, aber ihr diesjähriges war ein voller Erfolg geworden. Das Fohlen aus Firewalker hatte den Namen Farwest bekommen und war ein wundervoller Buckskin geworden. Malte meinte, er hat er etwas von einem Dunskin, aber laut Farbgenetik war das nicht möglich. Also war Farwest ein besonderer Buckskin und genauso verhielt er sich auch.
      Die einzige Stute war Traumfee. Ihre Mama Grenzfee war ganz stolz auf den kleinen Wirbelwind, mit dem ständig schlagenden Schweif. Die Wahl, einen Hengst von einem anderen Gestüt auszuleihen, war eine gute Idee gewesen. Fiebertraum hatte nicht nur seine wundervolle Farbe vererbt, sondern auch den munteren und aufmerksamen Charakter.
      Rebellion of Cinqué war eher noch ein kleines Rätsel. Der Hengst sah wundervoll aus, keine Frage, aber er war durchaus etwas zurückhaltender und schwerer einzuschätzen von seinem Charakter her. Echo‘s Maiden behütete den blauäugigen Prachtkerl trotzdem mit aller Liebe. Den weißen Schweif hatte der Kleine definitiv von seinem Vater Amistad geerbt, eine gute Tat, keine Frage.
      Der letzte im Bunde war Toxic Compound. Leider hatte sowohl CHH‘ Lethal Combination, als auch Light up Hell keine allzu guten Werte erhalten, es war also unklar, inwiefern der kleine Hengst groß rauskommen würde. Wahrscheinlich war wohl eine Kariere als Zuchthengst, seine Farbe war wirklich wunderschön geworden.
      Vor einigen Wochen war auch Winter with Koen auf unser Gestüt gekommen. Er war Jährling und sollte als Spielgefährte für Ivy‘s Rhapsody dienen. Sie war jedoch um einiges älter und der junge Koen für sein Alter noch extrem verspielt. Er genoss sichtlich das unbekümmerte Leben und hatte durchaus schon einige Herzen erobert. Deswegen war BR Ruffian‘s Smart Jane eingezogen. Eine Prchtkombination, Homozygot Roan und dann noch Silver. Sie war eine Halbschwester von BR Prias Raveday, die bereits mitten im Training stand, aber das sollte unsere Zucht nicht weiter einschränken.
      Das größte Wunderkind aber war wohl der Junghengst PFS‘ Circle of Thyme. Ein Pineforest Nachkommen, nur für unsere Zucht gezogen und der erste Sabino. Also ein perfekter Kerl mit den besten Voraussetzungen von beiden Eltern.
      Möglicherweise würde es bald auch neue Fohlen geben. Alphabet Soup und Westatlanta liefen in letzter Zeit vielversprechende Turniere und wenn Last in Love und der neue Golden Sugar weiterhin Erfolge nach Hause bringen würden, waren neue Liebeskombinationen definitiv nicht ausgeschlossen. Aber das würde die Zeit bringen. Die beiden Praktikantinnen hatten außerdem noch die zwei unzertrennlichen Stuten PV Gräfin und Song of Peace auf einer Krönung vorgestellt und wenn da alles soweit ohne Probleme gelaufen war, dann würden auch diese bald gekrönt sein.
      Die nächsten Stunden heftete Nico Abrechnungen ab und brachte den ganzen Papierkram auf Vorderman. Früher hätte er sich nie dazu niedergelassen, leider war es ihm aber nicht mehr vergönnt, draußen mit den anderen zu trainieren.
      Seit dem Nico einige „Praktikanten“ für unbekannte Zeit auf das Gestüt gelassen hatte, war wieder Leben eingekehrt und die Arbeiter etwas entlastet. Sir Golden Mile, Lap de Loupe, Chromed Highwind, Cinnada Mistik, I‘ve got a blue soul, Prias Raveday und Delightful Cinnamon standen dadurch wunderbar im Training und sollten in den nächsten Wochen hoffentlich noch ein paar Turniersiege abholen.
      Auch der Trainingscenter von Malte lief auf Hochtouren. Er hatte endlich wieder Zeit für Aufträge und nicht nur das, er hatte sich sogar dafür bereit erklärt, Nicos Sohn Bartholomäus auszubilden und immer mitzunehmen, sodass auch er nach seinem mittelmäßigen Schulabschluss wieder etwas zu tun hatte.
      Nico seufzte abermals. Er schaute auf sein Handy. Keine Nachricht von Malte. Auf seine Frage hin, wo er denn war und wann er wiederkommen wollte, hatte er nicht geantwortet. Mittlerweile ging die Sonne unter und tauchte das Gestüt in sagenhaft rotes Licht. Erst am nächsten Morgen würde Phoenix Valley neugeboren werden.

      Das Abendessen im Hotel Restaurant war okay gewesen. Für mich hatte es einen Veggie Wrap gegeben, für Charly einen gebratenen Lachs mit Parmesan. Sie hatte sich ihre gute Laune nicht von meinen tiefen Gedanken verbieten lassen. Aber vor allem trank sie viel Alkohol. Immer nur in damenhaften kleinen Portionen. Ihr torkelnder Gang am Ende war jedoch trotzdem für alle unübersehbar gewesen.
      Die Fahrstuhltüren schlossen sich hinter uns. Ich hielt Charly um der Hüfte fest, beschäftigte mich intensiv mit dem Werbeplakat an der Fahrstuhltür. Auch Charly war eigenartig stumm und als ich die Werbung für das Casino nun schon zum dritten Mal Wort für Wort durchgelesen hatte, wagte ich einen Blick zu ihr. Ihre Augen fingen ihn sofort ein, als hätten sie nur darauf gewartet. Ihr Blick war plötzlich wieder klar und als sie sich aus meinen Armen befreite, stand sie erstaunlich selbstsicher. Mein Blick löste sich von ihren Augen, wanderte hinab auf ihre zartrosa Lippen und blieb dort hängen.
      »Küss mich«, flüsterte sie.
      Ich wollte es und doch wollte ich es nicht tun. Aber sie flüsterte, fast stumm, noch einmal die Worte. Meine Hand fand den Weg zu ihrem Nacken, verlor sich dort in dem weichen Meer aus dunklen Haaren und drückte dann ihren Körper bestimmend an meinen. Kaum waren ihre Lippen nah genug, legte ich die meinen auf ihre, roch erst ihr zartes Parfüm, dann den Lippenstift und dann den Geschmack von Champagner auf ihrer Zunge. Ich arbeitete mich tiefer in sie hinein, umschlang sie mit allem was ich zu bieten hatte, und da fand ich ihn. Erst ihren Geruch. Den zarten Geruch nach Meer, vereint mit etwas menschlichem, gut riechendem Schweiß. Dann fand ich ihren Geschmack. So verführend, so feucht, so beherrschend. Ich wollte sie, mein ganzer Körper verlangte mit jeder Zelle nach dieser Frau, die ich fest umklammerte, ihr die letzte Luft aus dem Körper zog. Ich wollte alles von ihr haben. Ich stöhnte.
      Mit letzter Kraft löste Charly sich von mir. Ihre Lippen waren verschmiert und die Haare standen wild ab. Ich hatte nicht gemerkt, dass ich ihr das schwarze Kleid begonnen hatte auszuziehen. Als die Türen sich öffneten, zog sie es schnell zurück über ihre Hüften. Wir drängelten uns mit gesenktem Blick an dem älteren Ehepaar vorbei, welches vor dem Fahrstuhl wartete. Ich konnte nicht aufhören Charly anzustarren. Ich vibrierte, fühlte mich lebendiger als je zuvor und das, obwohl ich vorhin erst gedacht hatte, sie nicht mehr zu lieben, nicht mehr nach ihr zu verlangen.
      Oh doch, das tat ich.

      »Dieses Pferd ist der Hammer«, sagte Bart immer wieder, während er die Stute aus dem Hänger führte. »Dass du an ein so schönes Pferd kommst, wirklich krass.«
      Joline hatte hellblaue Transportgamaschen an und eine passende Abschwitzdecke. Immerhin hatte Nico auch nicht schlecht bezahlt für das Wunderpferd aus Kanada, die geschenkte Ausrüstung war dafür ja das mindeste.
      »Die wird erstmal eine Untersuchung bekommen. Kann ja nicht sein, dass es nur Langweile ist, dass sie sich den Schweif aufkratzt, als würde da eine Horde Flöhe wohnen«, sagte Nico.
      Bart nahm den Strick ab, den ihm der Transporterfahrer reichte.
      »Ich brauche noch eine Unterschrift«, nuschelte er und hielt erst Bart, dann Nico den Zettel hin.
      »Ich sitze zwar im Rollstuhl, kann aber durchaus noch einen Stift führen«, sagte Nico, während er schwungvoll seinen Namen auf das Papier setzte. Dann lächelte er freundlich.
      Der Mann hatte nicht verstanden, worauf Nico anspielte. Murmelte nur und fuhr dann mit dem Transporter vom Hof.
      Bart gähnte. »Es ist mir zu früh«, sagte er. »Aber was tut man nicht alles für eine schöne Frau.«
      In dem Moment kam Cjara um die Ecke. Sie lächelte, wie immer. Ihre langen Engelslocken wippten au ihren Schultern und die Augen strahlten.
      Nico sah Bart an, der erst Joline anschhmachtete und dann den gleichen Blick auf Cjara war.
      »Guten Morgen«, flötete Cjara und Nico musste bei ihrem Anblick nun doch auch lächeln. Sie war ein wahrer Sonnenschein.
      Bart hackte sich bei ihr unter und sagte charmant: »Wenn ich die Dame in den Stall begleiten darf...« Links Joline und rechts Cjara marschierte er stolz in Richtung Hauptstall.
      Nico seufzte. Der Junge war volljährig und benahm sich trotzdem ganz anders. Genauso wie er und Nico hatte er 35 Jahre alt werden müssen, um diese Charaktereigenschaften entgültig ablegen zu können.
      Nico blieb an Ort und Stelle sitzen, schaute die Ausfahrt hinauf und als er einen alten Wagen auf ihn zukommen sah, wollte er aufspringen, bis er merkte, dass seine Beine dies nicht mehr mitmachten.
      Malte war da und auch wenn Nico die letzten Tage keinen Kontakt zu Malte hatte aufbauen können, wusste er nun, wo sein Freund gewesen war.

      »Du hast mit ihr geschlafen.«
      »Ja«, sagte ich und schloss die Autotür. »Ja, das habe ich.«
      »Würdest du es wieder tun?«
      Ich blickte fragend auf Nico herab. Es war als hatte er auf mich gewartet gehabt. Er hatte genau hier neben dem Parkplatz für mein Auto gestanden, obwohl ich niemandem gesagt hatte, wann ich wiederkommen und vor allem nicht, wo ich hinfahren würde.
      »Du meinst, ob ich wieder mit deiner Ex-Frau ins Bett gehen würde? Immer doch, ich liebe es, dir mit allem was ich tue in deine nutzlosen Eier zu treten.« Ich warf mir meinen Rucksack über die Schulter und ging die Treppe zur Veranda hoch. Nico folgte mir über die Schienen an der Seite. Er war schneller als ich.
      »Du bist zwar ein Zwerg, aber immerhin hast du deine männlichen Attribute noch im Griff«, sagte Nico. Er versperrte mir die Tür und grinste mich an.
      »Was willst du«, sagte ich matt. Es war keine wirkliche Frage, wahrscheinlich wusste Nico nicht mal selbst, was er wollte. Das einzige was ich wusste, war, dass ich mit der Ex-Frau meines besten Freundes, in die ich seit zwanzig Jahren verliebt war, eine romantische Nacht in einem exklusiven Hotel in Los Angeles gehabt hatte. Was ich aber tatsächlich wollte, wusste ich nicht.
      »Und? War es gut?« Nico ließ nicht locker. Sein Lächeln lag eingefroren und grauenerregend auf seinem Gesicht.
      »Charly ist hervorragend im Bett. Das war der beste Sex meines Lebens«, sagte ich trocken. Dann drängelte ich mich an Nico vorbei.
      »Ach schön! Erzähl doch bitte mehr davon!« Nicos Stimme tropfte vor Sarkasmus. Ich drehte mich noch einmal um, blickte Nico in die Augen. »Erzähl mir, wie toll die Frau meines Lebens im Bett ist, erzähl mir, was sie dir ins Ohr geflüstert hat, oder wie Laut ihr Stöhnen war!« Er wurde immer lauter, schrie fast. Das Grinsen war verschwunden. Er war rot angelaufen, ich sah eine Träne in seinem rechten Auge schimmern. »Ich hasse mein Leben«, flüsterte er schließlich.
      »Nico«, sagte ich und hockte mich vor ihm hin. »Es tut mir Leid, was passiert ist. Die Trennung von Charly, dein Unfall, der Rollstuhl. Alles das sind Schicksalsschläge. Vielen Menschen passieren Dinge, die sie nicht wollen, die Träume zerstören. Aber die Nacht mit Charly tut mir nicht leid. Ich liebe sie, schon all die Jahre liebe ich Charly. Die Nacht war wunderschön, aber es wird nicht noch einmal eine Nacht wie diese geben. Ich teile Charlys Leben nicht. Sie hat sich für einen anderen Weg entschieden. Ich glaube, dass sie die falsche Entscheidung getroffen hat und ich hoffe, dass sie eines Tages merkt, dass sie vielleicht sich für einen anderen Weg hätte entscheiden sollen. Ich weiß jetzt, dass ich nicht Charlys Weg folgen möchte und ich wünsche mir für dich, dass du das auch nicht tun wirst.« Ich legte ihm eine Hand aufs Bein und schaute ihn bittend an.
      »Was bin ich noch«, flüsterte Nico. »Ein Reiter ohne Beine, ein Ehemann ohne Frau und ein Vater, dessen Sohn kein Sohn sein will. Sag es mir, was bin ich noch.«
      »Du bist mein Freund, ein erwachsener, erfolgreicher Mann. Du bist ein Reiter, der Angst davor hat, aufs Pferd zu steigen, ein Mann, der nicht einsehen will, dass es noch viele Frauen gibt, die ihm Wärme und Liebe schenken können, und ein Vater, der viel zu oft seine eigenen Probleme denen seines Sohnes vorzieht. Ja, du musst an manchem arbeiten«, sagte ich und lächelte Nico aufmunternd an. »Aber trotzdem bist du viel mehr, als du denkst. Du bist am Leben und du solltest dieses Geschenk mit Demut nutzen und sorgsam damit umgehen.«
      »Du hast leicht reden. Du bist der einzige in 5 Kilometer Umkreis, der heute Morgen beim Aufstehen eine Frau in den Armen gehabt hat«, sagte Nico und folgte mir in die Küche.
      »Ich bin bereits heute Nacht gegangen«, sagte ich, während ich die Reste des Essens aus meinem Rucksack im Kühlschrank verstaute.
      »Und warum bist du jetzt erst wieder da?«
      »Los Angeles bei Nacht ist schön.« Ich schloss den Kühlschrank und nahm, ohne noch einmal einen Blick zurück auf Nico zu werfen, die Treppe hinauf in mein Zimmer.

      27-02-2020 | 24.061 Zeichen | Canyon
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    Phoenix Valley — Hauptstall Stuten
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    19 Aug. 2019
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    Song of Peace

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    Stute | *2014 | wird 167cm
    Englisches Vollblut
    Splashed Silver Dapple Bay

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    Von unbekannt

    Von unbekannt Aus der unbekannt

    Aus der unbekannt

    Von unbekannt Aus der unbekannt

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    Song ist eigentlich eine sehr umgängliche Stute, aber mit einem richtigen Dickschädel, den sie mit allen Mitteln versucht durch zu setzen. Gepaart mit ihrer energiegeladenen Seite ist sie fast schon eine Zeitbombe und Bocken bleibt nicht aus. Besonders bei Anfängern auf ihrem Rücken, die sich nur mühsam darauf halten können. Außerdem ist sie ein kleines Rennschwein und macht ihrer Rasse alle Ehre. Ihre Ausdauer und ihren Ehrgeiz zeigte sie schon als Jährling auf der Weide, auf der sie sich auch einige Verletzungen zu zog.
    Zum Hufschmied hat sie eine besondere Bindung, aus unerklärlichen Gründen liebt sie ihn und erspielt sich so immer das ein oder andere Leckerli und bleibt brav stehen, wenn an ihren Hufen gearbeitet wird. Allerdings ist sie mit anderen Tieren, besonders Katzen und Hunde unverträglich und wird richtig biestig, wenn sich eines dieser Tiere ihr nähert. Zu Menschen aber ist sie am Boden herzallerliebst und folgt ihnen neugierig auf Schritt und Tritt, ganz egal ob auf dem Platz oder auf der Weide. Ihre größte Angst hat sie vor Plastiktüten und Flatterband. Alles was ähnlich raschelt scheint ihr ziemlich unheimlich. In der Herde ist sie eher rangniedrig und steht abseits der Herde und ist froh, wenn sie von Menschen umgeben ist.


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    Besitzer: Canyon
    VKR/Ersteller: sadasha
    im Besitz seit: 24-Dezember-2017
    Kaufpreis: x

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    ● Schleifenaufstieg Trainingsaufstieg Potential


    Galopp E A L M S S* S** (84/100)

    Military E A L M (49/100)

    Springen E A L M (44/100)


    Fahren E A L (41/100)

    Western E A (21/100)

    Distanz E A (20/100)

    Dressur E (9/100)

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    Fohlen ABC | Eingeritten | Eingefahren x

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    Zuchtverband "Native Breed" - Aufnahme ins Vorbuch

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    375. Fahrturnier | 485. Galopprennen | 488. Galopprennen | 489. Galopprennen

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    491. Galopprennen | 495. Galopprennen | 410. Militaryturnier | 501. Galopprennen

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    518. Westernturnier | 521.Westernturnier | 446. Fahrturnier

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    [SK 467]


    Gencode: Ee Aa nZ nSpl
    Zur Zucht zugelassen: Ja
    Eingetragene Zucht: Phoenix Valley (PV)

    Nachkommen
    PV Song 'bout Alegría - *2020 (vom Amistad)


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    Letzter Tierarztbesuch: 12-02-2020 durch Cooper

    Letzter Hufschmiedbesuch: 20-02-2020 durch Elsaria

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    PNG | Puzzle PNG | offizieller HG

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