Ravenna

● Lady Gweny

Englisches Vollblut ○ Black Tobiano ○ Stute ○ 7 Jahre ○ 170cm ○ gekrönt

● Lady Gweny
Ravenna, 19 Mai 2019
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      Schicksal? | Ravenna | 35201 Zeichen
      Ylvi

      Die letzten Tage waren vergangen wie in einem unheimlichen Traum. Wir hatten versucht von Kanada aus die Klärung des Visums in Gang zu bringen. Leider war das nicht von Erfolg gekrönt. Mit meiner Beschäftigung auf der Ranch genügte es nicht um das Visum zu verlängern. Auch die nötigen Untersuchungen nach meiner OP waren nicht ausschlaggebend gewesen.

      Ich hatte bereits alles nötige mit meinen Eltern geklärt. Vorerst würde ich bei ihnen unterkommen bis ich wieder nach Kanada reisen durfte. Wie oft ich des Nachts wachgelegen hatte konnte ich gar nicht mehr zählen. Unzählige Tränen waren geflossen. Zu groß die Angst in meinem Inneren das ich vielleicht gar keine dauerhafte Genehmigung bekommen würde. Caleb hatte sich als stark an meiner Seite versucht...seine wirklichen Gedanken jedoch blieb mir momentan verborgen. Seine Arme um meine Hüfte des Nachts gaben mir jedoch den nötigen halt. Noch zwei Wochen reichte meine Genehmigung...dann musste ich Kanada auf ungewisse Zeit verlassen. Das machte mich völlig fertig.

      Einem Geist gleich lief ich seit Tagen über die Ranch. Ravn hatte mich vorgestern aus dem Sattel befördert - ich war nicht bei ihm gewesen. Dafür hatte ich mit einem blauen Fleck am Bauch den Preis gezahlt. Deutlich war der Abdruck des Horns zu erkennen. Deshalb waren Westernsättel eigentlich mal nicht meine Lieblinge gewesen.

      Was würde geschehen, wenn ich tatsächlich keine Genehmigung bekam? Nicht nur würde das meine...ja Beziehung zu Caleb auf eine harte Probe stellen oder das Ende bedeuten. Was würde aus den Pferden? Mittlerweile hatte ich 5 von ihnen. Inyan wäre versorgt...ich wusste das sowohl Tschetan als auch Louis den Wallach bewegen würden. Ich hatte doch erst vor einiger Zeit begonnen mit Gealach zu arbeiten. Lady Gweny...Ravn und Fylgia. Letztere würde ich natürlich nachholen. Doch sie erneut über Kontinente mit dem Flugzeug zu transportieren. Das würde ich ihnen ungern antun wollen. Das beste wäre sie auf der Ranch zu belassen. Es gab Leute die sich ihrer annehmen würden. Aber ich? Ohne Pferd? Schwer vorstellbar. Ich wollte nicht weg….hier war meine Heimat!


      Ich schluchzte erneut schwer auf. Spürte die sanften Nüstern eines Pferdes in meinem Gesicht. Inyans Punkte fielen mir sofort auf als ich die Augen wieder öffnete. Ich stand hier inmitten meiner Herde, gelehnt an den kräftigen Hals meines Valravn und weinte mir- mal wieder - die Augen aus dem Kopf. Verzweiflung war wohl das richtige Wort für meinen derzeitigen Zustand. Schritte in meinem Rücken. Kleine Füße, zögerliche die folgten. Meine Augen hielt ich geschlossen. Versuchte das laute schluchzen zu unterdrücken schaffte es ja doch nicht. Ich spürte eine raue Hand auf meiner Schulter. Eine ungleich zartere Bewegung an meiner Hüfte. Ich wusste das Kaya sich an mich lehnte. Ihre zarten Arme lagen um meine Hüfte. Ob das Mädchen verstand welch Kummer mich plagte oder ob sie einfach meine Tränen trocknen wollte wusste ich nicht. Es gab keine Worte. Nur ihre Umarmung. Die Hand auf meiner Schulter die sanften Druck ausübte. Ich holte keuchend Luft, die ich offenbar angehalten hatte. Blinzelte durch den Schleier der Tränen, drehte den Kopf und sah Louis. Wie kam es nur das ausgerechnet immer er da war? Sollte nicht Caleb an seiner Stelle sein? Zu meiner allgemeinen Verzweiflung hatte sich innerhalb der letzten Woche auch noch vollkommene Verwirrung gesellt. Letzteren sah ich nur nachts, wenn ich vor lauter Tränen erschöpft im Bett einschlief, nicht mehr in der Lage die Augen offen zu halten. Ich spürte förmlich wie sich Caleb mir entzog. Hatte was wir teilten noch eine Chance? Oder stand der Kuss mit Louis unausgesprochen zwischen uns?

      Wir standen alle stillschweigend im Unterstand zwischen den Pferden die sich hierher zurückzogen, wenn die Sonne zu sehr vom Himmel brannte. Nicht wie in Mexico...aber warm genug. Mir gelang es zwar immerhin meine Atmung und die Tränen in den griff zu bekommen, während wie so da standen. Meine Gedanken glichen aber eher einen Sturm. Ich entzog mich schließlich der Hand auf meiner Schulter, duckte mich um Kaya in den Arm zu schließen und hauchte ein “Danke” in ihr Ohr. Das Mädchen löste sich von mir, lächelte und huschte dann aus dem Gebäude. “Ich vermute mal du hattest keinen Erfolg mit dem neuen Antrag?” seufzte Louis. Ich schüttelte hoffnungslos den Kopf. “Ich habe am Morgen mit meiner Familie telefoniert damit ich vorerst bei ihnen unter komme. Bisher habe ich noch keinen Flug buchen können. Ich will nicht fort.”

      Im Reflex fand sich meine Hand in der von Louis wieder, ich starrte darauf, flackerte zu ihm hoch und er nahm seine Hand fort als habe er sich verbrannt. Wir hatten den Kuss nie wieder erwähnt. Aber er stand bei jeder Berührung der letzten Tage noch immer zwischen uns wie ein Damoklesschwert. “Sag wenn ich irgendetwas tun kann, ja?” ich hatte keine Kraft für eine Antwort nickte nur...und wand mich dann zwischen den Ponys davon aus dem Unterstand.


      Caleb

      >>Meine Aufenthaltsgenehmigung ist abgelaufen..ich muss Kanada verlassen bis die Visumsfrage geklärt ist.<<, immer wieder hallten diese Wort in meinem Kopf nach. Für uns alle war das ein Schock gewesen, insbesondere Ylvi und mich. Sie konnte die Ranch nicht einfach verlassen. Was würde aus den Pferden werden… was würde aus uns werden? Innerlich fluchte ich. Immer… und immer wieder. Hätte ich mich damals nicht auf sie eingelassen, würde mir ihr Abschied auch nicht so schwer fallen… Hätte ich mich nicht auf sie einlassen sollen? Doch. Natürlich. Unsere gemeinsame Zeit war zwar von Höhen und Tiefen geprägt gewesen… und was irgendwie als “Zeitvertreib” angefangen hatte, war ernster geworden. Eine Möglichkeit, wie sie auf jeden Fall hierbleiben konnte, konnte ich ihr bieten. Mit einem Ring. Aber wollte ich das? Caleb O’Dell verheiratet? Mit einer Deutschen? Nicht mit jemandem vom Rodeo, was sich wohl alle Welt denken würde. Ich verwarf den Gedanken wieder. Dazu war ich nicht bereit… aber wenn sie so bleiben durfte?

      Ich atmete einmal schwer durch und konzentrierte mich wieder auf meine Reitschüler. Ab und zu, wenn gerade wieder ein bisschen Luft auf der Ranch war, hatte ich angefangen, ein wenig Reitunterricht zu geben. Gerade waren Gipsy und Shorty auf dem Platz. Cayce hatte mir seinen Wallach für George geliehen. Der junge Mann hatte wirklich Talent! Auf Gipsy saß ein junges Mädchen, etwa so alt wie George. Lizzy. “Beine ran Liz.”, rief ich ihr rüber und schaute dann wieder zu George, der Shorty auf dem Zirkel galoppierte. Lizzy trabte den hellen Wallach gerade ganze Bahnen. “Das sieht schon gut aus!”, rief ich beiden rüber und winkte sie dann zu mir. “Wir gehen heute noch ein bisschen an die Manöver. Lizzy du wartest hier bei mir, Gipsy und George sind zuerst.”, erklärte ich und sie positionierte ihr Pferd an der Bande. “Du startest bei X, galoppierst zwei langsame und dann einen schnellen Zirkel. An X stellst du ihn gerade und lässt ihn wechseln. Dann einen schnellen und zwei langsame Zirkel. An X Stoppen. Dann geb ich weitere Anweisungen.”, sagte ich und schickte ihn los. Mir war gar nicht aufgefallen, dass sich Betsy, Tschetan und Kaya hinter mich an den Zaun geschlichen hatten, und zusahen, bis Betsy mir auf die Schulter tippte. “Hey Cowboy.”, sagte sie lachend und ich knuffte sie in die Seite. Die beiden anderen Kinder sahen mich argwöhnig an. Einen richtigen Draht fand ich nicht zu ihnen, es war aber vermutlich auch noch zu früh, zu urteilen. “Kannst du mir gleich auch noch Unterricht auf Blue geben?”, fragte mich die kleine und ich nickte. “Wenn du ihn dir jetzt fertig machen gehst und sofort her kommst, ja. Ich muss gleich zu den Rindern hoch. Könnt ihr mir Devil auch fertig machen?”, fragte ich die Kinder. Mir war aufgefallen, dass alle drei nach einer Aufgabe auf der Ranch suchten. Ja, sie waren Kinder. Ja, sie spielten viel… aber bevor sie anfingen allen möglichen Unsinn zu machen, gab ich ihnen lieber Aufgaben. “Tschetan und Kaya wenn ihr mitkommen wollt könnt ihr Sue und Face Down satteln.” Wider Erwarten nickten beide und verschwanden dann mit Betsy. Sollte ich Louis noch fragen, ob ich die beiden mitholen durfte? Ich schrieb ihm eine kurze WhatsApp und bekam nur ein OK zur Antwort. Ich glaube er war froh, wenn die beiden Beschäftigung bekamen. “Jetzt nochmal zu euch.”, sagte ich zu den beiden Reitern auf dem Platz. “George nochmal.” Ich schaute ihm zu und nickte. “Abreiten und wegbringen.”, erklärte ich ihm. “Lizzy willst du auch mal versuchen? Lass Shorty ruhig von sich aus umspringen, der ist in der Ausbildung schon weiter als du. Er macht vieles alleine. Lass die Zügel locker, leg dein äußeres Bein ran und er macht das.”, erklärte ich ihr und sah ihr bei ihren Zirkeln zu. “Prima. Reicht.”, sagte ich und schaute ihnen beim Abreiten zu. Nun kamen die Kinder mit den vier Pferden zurück. Blue brummelte die Stuten an und machte seinen Hals ganz schön rund. “Betsy ruck mal kräftig am Zügel, der hat sich zu benehmen, hier wird jetzt nicht gedeckt!”, rief ich ihr zu und sie machte, was ich von ihr verlangt hatte. Sofort hörte Blue auf und konzentrierte sich wieder auf das Mädchen. Ich nahm Devil entgegen und nach dem nachgurten schwangen wir vier uns in den Sattel. Der Ritt zu den Rindern war sehr schweigsam. Ab und zu erzählte Betsy etwas, ansonsten konzentrierten wir uns auf den Weg. Neben viel Schritt trabten wir auch eine kurze Strecke und galoppierten auch ein Stück. “Bei den Rindern bleibt ihr auf alle Fälle im Schritt.”, erklärte ich den Kindern. Ich ritt zwar das einzige Pferd mit Cow Sense, man konnte aber nie wissen. “Ich möchte auch nur kontrollieren, ob alles ok ist, mehr nicht.”, erklärte ich ihnen und öffnete den Zaun, damit sie alle durchreiten konnten. Nachdem ich selbst durchgeritten war, schloss ich ihn wieder und trabte auf sie zu. Die Rinder waren auch schon zu sehen. Gemütlich kamen wir immer näher. “Bleibt hier stehen.”, sagte ich und ritt alleine zwischen den Rindern durch. Ein Kalb machte mir ein bisschen Sorgen, so dass ich mir mein Lasso nahm und es einfing. “Whoaaa…”, sagte ich zu Devil, sprang ab legte das Kalb auf die Seite. Er hatte sich in ein wenig Stacheldraht verfangen. “Mist..”, fluchte ich. Das hieß eigentlich, dass der Zaun irgendwo defekt war. Ich entfernte den Stacheldraht und nahm aus der Satteltasche ein wenig Blauspray, was ich dem Kalb auf die Wunde sprühte. Dann ließ ich es wieder laufen, rollte mein Lasso auf und ritt zu den Kindern zurück. Ich zückte mein Handy und rief Cayce an. “Ja, Caleb hier. Komm mal mit dem Truck zu den Rindern, hier hatte sich ein Kalb im Zaun verfangen, ich bin mit den Kindern hier, wir reiten einmal rundherum und schauen ob etwas kaputt ist.” “Cayce kommt mit dem Truck her, wir teilen uns auf. Betsy kommst du mit mir links rum? Tschetan und Kaya könnt ihr rechts rum am Zaun vorbei reiten?”, fragte ich sie und sie nickten. “Betsy hast du die Walkie Talkies dabei?” Sie nickte und gab Tschetan ohne zu zögern eins davon. ”Wir treffen uns auf der anderen Seite. Wenn was ist…”, erklärte ich und zeigte auf das Walkie Talkie in Betsys Hand. Sie nickten und ritten zurück zum Zaun. Wir folgten ihnen und unsere Wege trennten sich.

      Tatsächlich fanden Betsy und ich nahe der Hütten ein Stück Zaun, der kaputt war. “Sagst du den beiden Bescheid? Sie sollen trotzdem weiter reiten und nachschauen.”, sagte ich zu Betsy und sie nickte. Auch Cayce sagte ich Bescheid, dass er schon mal hier hoch kam und den Zaun reparierte.

      Tschetan und Kaya fanden unten am Wald noch eine Stelle, die Betsy und ich uns anschauten. Auf dem Weg dorthin war uns Cayce mit dem Truck begegnet, so dass ich mir von ihm ein wenig Werkzeug mitgenommen hatte und den Zaun reparieren konnte. “Danke für eure Hilfe.”, sagte ich zu den dreien und steuerte Devil in Richtung Heimweg. Ich öffnete den Kids wieder den Zaun, schloss ihn und wir ritten zurück zur Ranch. Dort stand schon die Heulieferung auf dem Hof, die ich ganz vergessen hatte. Bellamy kam schon ziemlich genervt auf mich zugelaufen. “Wo sind denn die Papiere schon wieder?!”, fragte er und hielt Devil an. “Ich mach die fertig, kümmer du dich ums Heu.”

      Ich stieg ab, grüßte den Lieferanten kurz und lief dann ins Haus. Nach einer Weile hatte ich die verflixten Zettel und die Rechnung gefunden. Ich drückte ihm alles in die Hand und lief einmal quer über den Hof zum Traktor, um die Heuballen abladen zu können.

      Als ich eine Stunde später damit fertig war, aß ich in der gemeinsamen Küche schnell etwas und fiel ins Bett. Ylvi schlief bereits im Bett. Am nächsten Morgen war ich auch schon vor ihr wach und in der Stadt. Es gab dort noch einiges, was ich wegen der Umbauten regeln musste.


      Ylvi

      Calebs Seite des Bettes war kalt, leer. Wie so oft in letzter Zeit. Hatte ich anfangs noch einen Knoten im Hals verspürt, war es nun nur einem Seufzen gewichen. In den vergangenen Tagen, den Wochen seit den Brief hatte ich zu oft gemixte Signale von ihm erhalten. Oder hatte es bereits zuvor begonnen?

      Ein halbes Jahr war vergangen seitdem wir Weihnachten gemeinsam gefeiert hatten. 6 Monate in denen so viel passiert war.

      Ich warf die Decke von mir fort. Vor dem Haus fehlte der rote PickUp..er schien also auch gar nicht auf der Ranch zu sein. Ich zuckte die Schultern, zog mich fix an. Anschließend genehmigte ich mir ein fixes Frühstück in der Küche. Laurence kam herein, sah mich und lächelte. “Caleb schon wieder auf Wanderschaft?” “Aye” antwortete ich dem alten Mann knapp. Ich wollte jetzt eigentlich keine Konversation führen. “Habt ihr bereits miteinander geredet?” bohrte dieser allerdings weiter nach. Meine Hand die eine Tasse Kaffee Richtung Lippen bewegt hatte hielt inne. Verwirrt sah ich Laurence an. “Er könnte dich mit Leichtigkeit hier halten. Ich hab dem Trottel schon zweimal gesagt er soll dir einen Ring an den Finger stecken.” grummelte Laurence in seinen stoppeligen Bart. Ich schluckte. Das war nie zum Thema gekommen. Ich hatte sogar keinen Gedanken daran verschwendet. Niemals hatte ich mich verheiratet gesehen. Nichtmal mit Caleb hatte ich diese Gedanken gehabt. Natürlich...wir hatten einander viel gelehrt. Von emotional unbrauchbar hatten wir uns zumindest zu etwas wie einer Beziehung hinreißen lassen. Wie viel Bestand diese hatte zeigte sich nun sehr gut - keine. Waren wir am Ende einander nur Lehrmeister gewesen?

      Aber natürlich...mit einer Heirat würde ich bleiben können...ohne Probleme sogar. Ich würde nie wieder ein Visum beantragen müssen. “Pack ihn bei den Eiern und sprich es an. Du würdest fehlen hier auf der Ranch.” damit verließ Laurence die Küche. Aber ich wusste...ich würde Caleb darum niemals bitten. Ein Gefühl welches ich nicht zu beschreiben vermochte machte mir bewusst - eine Heirat mit Caleb würde niemals funktionieren.


      Ich verzog mich in den Offenstall meiner Pferde. In der morgendlichen Sonne machte ich deren Paddock sauber, schob die schwere Schubkarre vor mir her zum Misthaufen quer über den Hof der Ranch. Dort angekommen, keuchte ich bereits wie ein Maikäfer. Noch war ich nicht gänzlich an diese Arbeit gewohnt. Cayce begegnete mir mit einigen der Rinder. Mir fiel auch kurz der wieder aufgetauchte rote PickUp auf. Um Caleb möglichst nicht zu begegnen setzte ich mich ab. Ich schnappte mir eine der Trensen, war unschlüssig welches der Pferde ich nehmen wollte. Schlussendlich fiel die Wahl auf Valravn. Nur am Rande nahm ich wahr das Inyan nicht da war. Mit wenigen Handgriffen legte ich ihm die Trense an, schwang mich auf den Rücken und verschwand in Richtung der Hütte in den Hügeln. Dort oben gab es um die Koppeln der Jungpferde einige schöne Pfade. Wir tauchten gerade ein in das Dickicht des Waldes als ich Hufgetrappel hinter mir vernahm. Neugierig drehte ich mich um. Dort näherte sich Inyan. Auf seinem Rücken saß Louis. Sie waren noch weit entfernt. Konnte ich so tun als habe ich sie nicht gesehen? Ich hieß Ravn angaloppieren. Allerdings versagte mir der Hengst den Dienst. Zu hart waren meine Beine in seinen Bauch gepresst. Stattdessen bäumte er sich vorn auf. Darauf nicht vorbereitet rutschte ich mit meinen Shorts hilflos einfach seinen Rücken hinab. Sicher landete ich auf meinen Beinen. Dieser Fail entlockte mir ein leichtes Lächeln. “Hast du andere Pläne,ja?” flüsterte ich meinem Wallach zu. “Ich habe dein Pferd verzaubert.” kam es stattdessen von Louis der meine Worte gehört haben musste. “Ist das so?” wandte ich mich an ihn, zog die Augenbrauen hoch.Ich sah wie sich Louis gleichfalls von seinem Pony schwang, neben mir stehen blieb und grinsend lächelte. “Möchtest du lieber spazieren?” ich zuckte die Schultern. Louis klopfte meine Schulter, schob die Unterlippe vor und ging voran. Offenbar nahm er mir jetzt die Entscheidung ab.
      Wir liefen lange den Weg hinauf. Schweigend. Kaum Worte zwischen uns. “Caleb ist ein Narr….ich würde nicht zögern.” sprach Louis dann endlich die Worte mit denen er all die Schritte bis hier her gehadert hatte. Ich musste nicht fragen. Ich ahnte, nein wusste sogar, das er die kurze Konversation mit Laurence gehört haben musste. Da waren andere Schritte im Flur gewesen als Laurence aus dem Haus gegangen war. Ich hatte mich also nicht verhört. Louis war stehen geblieben, ich spürte plötzlich seine Hand an meinem Handgelenk. Nicht fest, beinahe bittend. Meine Nackenhaare stellten sich auf, ich sah auf seine Hand...dann huschte mein Blick zu ihm auf...ich spürte wie er die Hand von meinem Handgelenk nehmen wollte. “Wenn die Dinge anders wären.” hörte ich Worte...verstand dann das sie aus meinem Mund kamen, das mein Verstand sie produziert hatten. Ich wusste das es keine Lüge war. Schon eine ganze Weile waren da Gefühle für Louis gewesen...entfacht nicht erst durch seinen Kuss. Dieser Idiot hatte mir beinahe ebenso schnell mein Herz gestohlen wie Caleb. Das sich letzterer nun von mir entfernte...glich beinahe der Verdammnis. “Ich muss schon die ganze Zeit über diesen Impuls unterdrücken.” kam es gedrungen von Louis. Wieder mein Blick in seine Augen. Ich sah das funkeln in ihnen….wieder bedurfte es keiner Worte. Trotzdem glich Louis einem wartenden Schakal. “Dann tu es nicht.” Verräter! schrie es kurz in mir. Dann verlor ich mich in dem Kuss mit Louis. Weniger zaghaft als jener erste vor ein paar Wochen. Zudem mit dem Unterschied das ich mich von ihm einnehmen ließ. Kein Abstand mehr zwischen uns, seine Hand auf meiner Hüfte, in meinem Haar. Meine eigenen Hände um ihn geschlungen. Ich spürte mich wanken, von ihm gehalten stand ich jedoch sicher. Louis brach den Kuss, ich erschrak drehte mich plötzlich fort...die Hände gekrallt in Ravns Mähne. Was war das nur mit ihm? Ich musste schwer einatmen..mein Bauch spielte genauso verrückt wie meine Gedanken. Louis kam zu mir, sein Kopf legte sich auf meine Schulter. “Du kannst mich nicht belügen...auch ich bin in deinem Herzen...das weiß ich nun.” flüsterte er in einer tiefen Stimme. Dann war er fort. Ich nahm seine Schritte wahr. Dann die von Inyan. Als ich mich zu ihm drehte saß er bereits wieder auf dem Wallach. Sein Gesicht hatte beinahe etwas triumphierendes..”Du weißt wo du mich für deine Entscheidung findest.” er trieb dem Wallach die Füße in den Bauch, dieser preschte aus dem Stand im Galopp den Waldweg wieder hinab. Ravn wollte hinterher, kurz hatte ich zu tun, den manchmal widerspenstigen Wallach zu zähmen. Ich sah in die Richtung von Louis und Inyan die immer kleiner wurden. Oh ja...ich wusste wo ich ihn fand...und auch wenn er die Frage nicht ausgesprochen hatte. Ich kannte sie...wusste welches Angebot er mir soeben unterbreitet hatte.



      Caleb

      Ich saß hinterm Steuer meines Pick Ups und starrte ins Leere. Es regte mich auf, dass ich nichts tun konnte, nein es kotzte mich wirklich an, nichts tun zu können… oder tun zu wollen. Jeden Tag ging ich spät ins Bett, jeden Tag stand ich früh auf und es war wirklich so, dass ich Ylvi aus dem Weg zu gehen versuchte. Ich hatte heute morgen ein Treffen in Calgary vorgeschoben, um nicht mit ihr aufwachen zu müssen. Ich hatte ein Treffen gehabt, so war es nicht… nur war dieses schon seit ein paar Stunden vorbei. Als sich mein Blick wieder gefangen hatte und ich seufzend meine Augen schloss, klopfte es an der Scheibe. “Sir, sie stehen schon eine ganze Weile im Parkverbot, bitte fahren sie den Wagen weg.”, sagte mir einer der Polizisten, die neben meinem Auto standen. Der andere im Polizeiwagen schaute düster zu mir herüber. Ich nickte nur stumm, startete den Motor und fuhr zum Geschäft, um noch ein paar Leckerlis für die Pferde und ein wenig neues Putzzeug zu kaufen. “Hey Caleb.”, begrüßte mich die junge Frau an der Kasse. “Wie läuft es so auf der Ranch?”, fragte sie mich nett. “Viel Arbeit. Ist immer viel Arbeit.”, erklärte ich ihr und bezahlte meine Einkäufe, ehe ich alles auf die Ladefläche des Pick Ups warf und wieder zur Ranch fuhr. Als ich ausladen wollte, gesellte sich Laurence zu mir. Ich schaute zu ihm rüber und er hatte wieder dieses: ich erzähle dir jetzt eine Lebensweisheit und du kannst nichts dagegen tun, nur zuhören. "We accept the love we think we deserve: from Stephen Chbosky.”, sagte er ohne mich auch nur im Ansatz auf so ein Zitat vorzubereiten. “Und du mein Freund, bist gerade auf einem ganz falschen Weg. Warum behälst du sie nicht hier? Du weißt, dass du es kannst und du weißt auch, dass du jemanden wie sie verdient hast. Lass die Liebe zu und frag sie endlich, ob sie dich heiraten will!”, fügte er an und packte mich an der Schulter. Laurence packte für sein Alter wirklich, wirklich feste zu. “Nimm sie nachher mit auf einen Ausritt. Du brauchst keinen Ring, frag sie einfach. Frag sie bevor es zu spät ist.” “Bevor sie weg ist…”, korrigierte ich ihn doch er schüttelte nur den Kopf. “Bevor es zu spät ist, Caleb. Du warst in letzter Zeit nicht viel hier. Es gibt.. sie hat.. sie bekommt hier andere Chancen.”, stammelte er und schaute in mein fragendes Gesicht. Selbst nachdem er meine Schulter losgelassen hatte und gegangen war, stand ich noch immer stocksteif neben meinem Truck und dachte über seine Worte nach. Es gibt für sie hier andere Möglichkeiten, zu bleiben? Was meinte er damit? “Hey Caleb!”, rief mir Octavia zu, die gerade mit Raspberry an mir vorbei ritt. Da kam mir eine Idee. “Hey O warte, ich hol mir ein Pferd und komm mit dir mit!”, rief ich ihr zu und hatte im Handumdrehen Vulture gesattelt und zu ihr aufgeschlossen. “Dass du Zeit hast, mit mir auszureiten.”, lachte O und strich ihrer Stute kurz über den Hals. “Das hast du wohl Laurence zu verdanken.”, murmelte ich. “Wieso das?” “Er hat mir eben wieder eine seiner Weisheiten unter die Nase gebunden und gesagt, wenn ich will, dass Ylvi bleiben kann, soll ich um ihre Hand anhalten, bevor es dafür zu spät ist und sie eine andere Chance bekommt, hier zu bleiben. Weißt du, was er damit meinte?”, fragte ich sie ganz offen und ehrlich und hielt Vulture an, um ihre folgenden Worte besser verstehen zu könne. “Weißt du… Ylvi und Louis… sie sind sich glaube ich näher gekommen.”, erklärte sie mir. Ich schloss für eine Sekunde seufzend meine Augen, ehe ich sie wieder öffnete und meinen Hengst wieder antrieb. “Was weißt du darüber?”, fragte ich sie schließlich. “N..nichts weiter. Wirklich nicht.”, antwortete sie mir und lenkte ihre Stute auf den linken Pfad rüber. Wir ritten eine Weile schweigend nebeneinander her, ehe ich sie fragte: “Sollte ich denn? Soll ich sie fragen, ob sie mich heiraten möchte?” O lachte kurz auf. “Caleb das kann ich dir doch nicht beantworten.“


      Ylvi

      Wir sahen uns an. Was tat ich eigentlich hier? Wie auf Drogen hatte mich der Weg am Abend nicht zum Haupthaus gebracht. Stattdessen stand ich auf der Türschwelle von Louis. Meine Hände im Rücken verschränkt. Ich zog mir die Haut neben meinen Nägeln ab. Der leichten Feuchtigkeit zu urteilen die ich spürte musste ich bereits Bluten. Der Schmerz drang jedoch nicht zu mir durch. “Willst du rein kommen?” Nein “Ja” hauchte ich.

      Mir war als würde ich mein Herz in der Brust nicht länger schlagen hören. Mit betreten seines Flures fiel plötzlich all die Anspannung ab. In meinen Gedanken war kein Caleb mehr. Nur der Wille an diesem Ort zu bleiben blieb zurück. Louis fasste meine Schultern schob mich vom Flur leise in Richtung seines Schlafzimmers. “Die Kinder sind schon im Bett.” flüsterte er mir zu. Da das Gästehaus nicht über ein Wohnzimmer verfügte und die Küche in Richtung Haupthaus ging, schien das Schlafzimmer die beste Wahl um ungestört zu sprechen. Mir wurde bei dem Gedanken allerdings flau in der Magengegend. Dann schloss sich die Tür hinter uns. Zum ersten Mal seit der Türschwelle sah ich Louis wieder direkt in die Augen. Die Haltung seines Körpers, seine Augen..sie sprachen von gespielter Gefasstheit. Diese Beherrschung die ich auch bei Lilly gesehen hatte. Die typisch war für einige Natives. Trotzdem sah ich den lauernden Schakal in seinen Augen wieder. Louis stellte keine Frage. Wir sahen einander nur an. Er wartete geduldig bis ich endlich den Mut fand die Worte über meine Lippen zu bringen. Sekunden wurden zu Minuten. Dann begann er plötzlich zu Lachen, einfach so. Ich legte den Kopf schief. Die Anspannung löste sich und plötzlich lachte auch ich scheu. Louis überbrückte die Distanz zwischen uns...zog mich an seine Brust und wir lachten weiter. “Wann müssen wir uns um einen Termin in Calgary kümmern?” flüsterte er schließlich als ich noch scheu hüsteln musste. Hatte ich gedacht Caleb und ich agierten gut miteinander...so bedurfte es mit Louis keiner Worte. Er würde mich zur Frau nehmen. Ich hatte diese Entscheidung bereits getroffen und er wusste es auch ohne das ich es ausgesprochen hatte. Das ganze wirkte beinahe surreal. Wir würden das liebende Ehepaar spielen müssen, wenn die Auslandsbehörde die Ehe prüfte. Doch würde ich die liebende Ehefrau spielen müssen? Das ganze könnte viel zu einfach werden. Die Art mit der er mich ansah, berührte und beschütze machten es mir so unfassbar einfach. “So früh wie möglich.” hauchte ich - schließlich müsste ich in weniger als einer Woche verschwinden. Louis schob mich ein wenig fort von sich, hoch mein Kinn. “Das ist das verrückteste was ich jemals getan habe.” sprach er, wieder halb lachend. Ich konnte nicht umhin das Lachen zu erwidern. “Gewöhn dich schonmal dran. Das Leben mit mir kann aufregend werden.” “Aber nicht das du mir aus den Latschen kippst wie das letzte Mal.” “Dafür hab ich ja jetzt einen neuen Schrittmacher und regelmäßige Kontrollen.” ich dachte an jenen Tag auf dem Berg. Ich wäre dort oben gestorben. Louis hatte mich am Leben gehalten. Hatte mein Leben gerettet. Vielleicht hatte das Universum damals bereits einen Wink gegeben wem ich mit meinem Leben trauen konnte. Erinnerte mich auch an seine seltsamen Worte. “Was ist mit der Symbiose?” Louis schaute leicht verwirrt. “Damals..auf dem Berg. Bevor ich ausgenockt bin. Du meintest das Caleb ein Wolf sei, während du in mir einen Raben siehst. Du sprachst davon, dass diese beiden Geschöpfe in einer Symbiose lebten. Ist das jetzt hinfällig?” “Ah..jetzt erinnere ich mich. Dabei darfst du aber nicht vergessen. Raben binden sich fürs Leben. Es kommt der Tag an dem eine Symbiose nicht länger ausreicht.” Plötzlich kam mir etwas in den Sinn. “Du wolltest es schon damals,oder? Du...dich beschützt auch ein Rabe als Totem. Nicht wahr?” Wir standen noch immer in dieser Umarmung beieinander, er zog mich wieder an seine Brust. “Thečhíȟila.” Louis hauchte mir einen Kuss auf die Stirn. Seine Hände krallten sich in meinen Rücken, die Hüfte. Ich hörte das leichte Knurren von seinen Lippen. Kein ton der mich überraschte. Mochte ein Rabe ihn schützen, so blieb er für mich selbst doch der Schakal. Ich fand mich selbst dabei wie ich die Geste wiederholte, meine Fingernägel krallten sich in seinen Rücken, die Schulterblätter. Spürte seine Zähne an meinem Hals. Caleb so ähnlich und doch so anders. Ich bot ihm den Hals dar, legte das Gewicht auf meinen Hacken, gehalten von seinen Armen. Mein Körper war ein elender Verräter. Er war es schon bei Caleb gewesen. Bei Louis tat er keine Ausnahme. Nur mit dem Unterschied das sich hier auch mein Verstand nicht dagegen zu wehren versuchte. Ich biss die Zähne fest aufeinander als Louis Hand seinen Weg unter mein Shirt fand. Die letzten Wochen der Ungewissheit, des Alleinseins. Endlich nicht mehr allein sein. Er spielte und neckte mich. So leicht fand ich mich ein in dieses Spiel. Sanft wurde ich auf einer Decke aus Fell gebettet. Als er zu mir kam fand er mich offen vor sich. Ein Kuss auf meine Lippen, dann spürte ich ihn in mir. Diese Vertrautheit war überwältigend. Wir agierten wie Zahnräder die nahtlos ineinander griffen.

      Louis hielt mich danach im Arm, während sich unser Atem nur langsam beruhigte. Ich spürte sein Gewicht auf mir, meine Hand kratzte über seinen Rücken. Fühlten die Muskeln, die Wirbelsäule und den kleinen Film aus Schweiß über unseren Körpern. Worte lagen mir auf den Lippen die sie dennoch nicht verließen. Ineinander verschlungen schliefen wir ein. Im Halbschlaf merkte ich noch wie Louis die Felldecke über uns breitete. Das erste Mal in Monaten schlief ich völlig unbehelligt.


      Caleb

      Seit Wochen war ich immer dem selben Muster gefolgt. Spät ins Bett, früh wieder raus. Ich hatte das Gespräch mit Ylvi vermeiden wollen, denn sie hatte bis jetzt immer tief und fest geschlafen. Heute war dem nicht so, denn sie war nicht da, und ich konnte mir denken, wo sie sich aufhielt. Es war die unruhigste Nacht seit Langem und als am Morgen der Wecker klingelte, fühlte ich mich wie vom Zug überrollt.

      Das Frühstück mit den Arbeitern verlief größtenteils schweigend. Octavia warf mir ein paar mitfühlende Blicke zu, doch sagen tat niemand etwas zu mir. Meinen Kaffee füllte ich in einen Thermobecher, ehe ich meinen Hut von der Ablage auf meinen Kopf setzte und das Haus verließ. Noch immer waren weder Louis, noch Ylvi oder die Kinder zu sehen. Ich hatte einen anderen Weg einschlagen wollen, doch meine Füße führten mich zielsicher zum Offenstall von Ylvis Pferden. Als ich sie auch hier nicht sah, atmete ich hörbar erleichtert auf. War es wirklich Erleichterung, die sich von meinem Herz löste? Oder Gewissheit? Wo sollte sie sonst sein? Ich beschloss meine Gedanken in die hinterste Ecke meines Kopfes zu verbannen und mich auf die anstehende Arbeit zu konzentrieren. Auf einer Ranch war schließlich immer etwas zu tun und sei es nur das Herumfahren mit dem Truck, um den Anderen aus dem Weg zu gehen. Dazu sollte es allerdings nicht kommen. Ich war zurück ins Haus gegangen, um meine Schlüssel zu holen. Als ich wieder rauskam und zu meinem Auto gehen wollte, sah ich Louis und Ylvi auf dem Hof, die in Richtung des Haupthauses gingen. Ylvis Blick fiel von Louis auf meinen roten Pick Up, zurück zu Louis und schließlich zu mir. Als sich unsere Blicke trafen, blieb ich stocksteif stehen und… Ruckartig war Louis Hand von Ylvis Hüfte verschwunden. Besänftigend hob er seinen Arm und machte einen Schritt auf mich zu, ehe er erneut stehen blieb und auf meine geballten Fäuste starrte. Meinen Schlüssel hatte ich schon lange auf den Boden fallen lassen. “Es ist nicht das… wonach es aussieht.”, meinte er in einem ruhigen Ton. “Das ist es nie.”


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      Allein durch diesen Satz kochte die ganze angestaute Wut in dem blonden Mann hoch, die sich die letzten Wochen, ja sogar die letzten Monate angesammelt hatte. Caleb machte noch zwei, drei Schritte auf die Beiden zu, ehe er erneut stehen blieb und abwechselnd zwischen ihnen hin und her schaute. “Caleb… ich… wir…”, fing Ylvi an und machte einen kleinen Schritt auf Caleb zu. Louis, der die Augen nicht mehr von den Fäusten seines Gegenübers lassen konnte, stellte sich schützend vor sie. “Hast du Angst dass ich eine Frau schlage? Hältst du mich für so jemanden? Louis komm schon!”, schnaubte Caleb. Die Gedanken des Mannes bewegten sich in einer Abfolge von Bildern, Sätzen und Taten die ihm fast den Verstand zu nehmen drohten. Zwischen seiner unbezwingbaren Wut schwankte er in den Gefühlen für die Frau die dort neben seinem langjährigen Freund stand. Seine zur Faust geballten Finger, gruben sich in die Haut seiner Handfläche. Eine Art der Erinnerung wo er sich befand. Ylvi biss sich auf ihre Lippen, ihr Blick glich dem eines geschreckten Rehs. Der Indianer streckte die Schultern, sein Gesicht gab keine Regung seiner inneren Gefühle Preis. Caleb kannte ihn, kannte diese Regungslosigkeit. Louis beobachtete ihn ganz genau, würde blitzschnell reagieren können. Caleb war sich bewusst. Schlug er zu. Dann würde Louis nicht unbeteiligt bleiben. “Ich sah dich nie eine Frau schlagen. Dafür hast du zu viel Respekt.” Louis gab ein Seufzen von sich. “Ich frage mich nur wie viel Respekt in dir für mich noch übrig geblieben ist. Ich sprach falsch. Es ist genau wonach es aussah. Caleb...ich habe ihr gegeben, was du nicht gewillt warst zu tun. Wochenlang hattest du eine Wahl. Verurteilst du mich dafür ihr die Chance zu geben zu bleiben wohin es ihr Herz zieht? Und damit meine ich nicht mich Kola….sondern vielmehr diesen Ort.”

      Caleb lauschte den Worten seines Gegenübers, horchte in sich hinein und versuchte mit allen Mitteln seinen Körper und die Wut nicht die Oberhand gewinnen zu lassen. Ruhig zu bleiben, zuerst nachzudenken, bevor er handelte. Diese Beherrschung zu erlangen hatte ihn Jahre gekostet und er war sich in diesem Moment ganz und gar nicht sicher, ob nicht doch alles umsonst gewesen war. Nicht nur die Arbeit, seine unbändige, plötzlich ausbrechende Wut in den Griff zu bekommen, sondern auch sein Zulassen der Gefühle. Sich jemandem öffnen, ihn Platz in seinem Leben finden zu lassen nach dem Tod der Frau, die er so sehr geliebt hatte. Von emotional unbrauchbar bis hin zu jemanden, der wieder lieben konnte, ja Liebe zuließ. Doch nun stand er hier. Wurde von eben dieser Person betrogen...mit seinem besten Freund. Der Mensch, der ihm vor Jahren das Leben gerettet hatte und ihn schon lange begleitete. Genau dieser Mensch hatte die Nacht mit seiner Freundin verbracht. “Damit meinst du nicht dich,mein Freund?”, keifte der Cowboy den Indianer an. “Statt vorher mit mir zu reden hüpfst du einfach mit ihr ins Bett?”, setzte Caleb nach und machte noch einen Schritt auf Louis zu. Ylvi verschwand für kurze Zeit aus seinen Gedanken, mit ihr würde er später reden. “Caleb komm runter… wir können darüber reden.”, versuchte Louis die Situation zu retten, doch der Mann ging darauf nicht ein. Er war jetzt nah genug an ihm dran, um auszuholen und zuzuschlagen. Seine Hand zuckte, seine Faust wurde geballter, er atmete schwer… doch schlug noch nicht zu. “Ich warte.”, knurrte er. Louis sah dem alten Freund in die Augen, sah die Wut darin. Er wusste egal für welche Worte er sich entscheiden würde. Es wäre nicht genug. “Es tut mir Leid.” sprach er aus tiefster Seele.


      Der Indianer bemerkte die schnelle Bewegung, seine Ohren hörten den entsetzten Aufschrei von Ylvi. Im selben Augenblick reagierte jede Zelle seines Körpers mit Schmerz. Ein kräftiger Kinnhaken hatte ihn getroffen. Caleb hielt sich die Knöchel der rechten Hand, doch seine Augen funkelten zwischen den anderen beiden hin und her. Ein kalter Blick streifte sie beide. “Mir auch.”
    • Ravenna
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      Auszeit
      | Ravenna | 22117 Zeichen
      Ich spielte nervös mit dem Ring an meinem Finger. Die Freundschaft von Caleb und Louis hatte sich sichtlich abgekühlt. Louis Gesicht hatte lange Zeit Spuren von Calebs Schlag gezeigt. Wir waren 2 Tage später ganz unspektakulär zum Standesamt gegangen. Keine Feier, kein Aufriss. Ich hatte kurzzeitig überlegt meinen Namen zu behalten. Doch völlig in Gedanken hatte ich vergessen das zu erwähnen. So stand in meinem Pass nun der Name “Ylvi Kills-Bears”

      Fast ein wenig irrsinnig. Bedeutete doch mein Vorname Wölfin. Danach hatten wir uns für eine Auszeit entschieden. Louis wollte Abstand zwischen sich und Caleb bringen. Wir mussten uns irgendwie miteinander auseinander setzen. Ich lebte plötzlich mit ihm zusammen. Ich war eine Ehefrau. ICH! Noch dazu hatte ich außerdem auch die Verantwortung für zwei Kinder. Eines davon sprach kein Wort. Tschetan hatte sich schnell damit abgefunden das ich jetzt eben dazu gehörte. Louis und ich hatten uns in die Arbeit gestürzt. Wir beide hatten uns entschieden beim Training der Pferde zu helfen. So war die Wahl auf einen Auftrag der Townsend Acres gefallen. Drei Ponys galt es dort im Geländespringen vorwärts zu bringen. Louis konnte damit zwar doch eher weniger anfangen. Allerdings konnte er die Gelegenheit auch nutzen um sich die Zeit im National Park dort zu vertreiben. Vielleicht konnten wir Kaya in dieser Zeit doch irgendwelche Worte entlocken.

      Außerhalb des Gestüts hatten wir daher eine kleine Ferienwohnung mieten können, der Wagen brachte mich jeden Morgen zu den Stallungen. Elisa Cranfield hatte uns dabei über Freunde einen guten Preis machen können. Die junge Frau befand sich etwa in meinem Alter erschien mir freundlich und offenherzig. Auch wenn Louis zu Anfangs ein wenig Neugirig beäugt worden war - kam ja nicht alle Tage vor einen Native American vor sich zu haben. Sein verschlossenes Gesicht konnte auch durchaus etwas respekt einflößend sein. Elisa befand sich etwa in meinem Alter, hatte mir auch Joline Carpani vorgestellt meine Ansprechpartnerin wenn es um Sachen mit den Pferden ging. Elisa selbst war auch stets am rotieren auf dem Gestüt. Auch hier gab es viel zu tun, wie es auch auf der Ranch der Fall war. Ich vermisste die Bow River Ranch. Ich vermisste meine Pferde. Auch wenn mir das Training hier Spaß machte mit den Pferden. Insgesamt waren es zwei Hengste und eine Stute. Alle hatten eine Sonderlackierung, wobei es mir besonders der Hengst Burnin' Unbridled Dreams angetan hatte. Von allen nur Dajun genannt war er ein Reitponyhengst in der Farbe Buckskin Roan. Sein Kopf schien dabei noch völlig braun, während Äonen von weißen Stichelhaaren seinen Körper zierten. Von den dreien war er auch das unkomplizierteste der Ponys. Während ich mich mit dem Hengst bereits ab Tag zwei auch im Sattel hatte beschäftigen können, so waren Pina und Allelujah dann andere Sorten gewesen. Dajun hatte schöne Gänge, hatte eine gute Grundausbildung genossen und stand wirklich fein an den Hilfen. Wir hatten die ersten Tage auf dem Platz verbracht. Ich hatte mich mit Burnin' Unbridled Dreams erst ein wenig vertraut machen wollen. Erst dann hatte ich den Schritt gewagt auf den Geländeplatz zu gehen. Kleinere Sprünge hatten wir bereits auf dem Platz ausprobiert. Mit dem nötigen Go ausgestatet schien der kleine auf dem eingezäunten Gelände allerdings keine große Begeisterung für das Springen zu zeigen. Beim ersten Ritt im Gelände scheute er allerings nicht über kleinere Äste auf dem Weg auch zu überspringen. So hatte ich mich in der zweiten Woche mit ihm am Halfter der Strecke mit Sprüngen angenommen. Ihm die einzelnen Sprünge gezeigt. Auch wenn einige dabei gewesen waren die noch nicht in A Höhe lagen. Ich war neugierig auf seine Reaktionen darauf. Mutig hatte er sich den Baumstämmen, dicken Balken und Heuballen gestellt. Ohne Probleme hatte ich mit ihm gemeinsam drüber springen können. Tschetan hatte mich dabei begleitet. Wir waren nicht ganz allein hierher gekommen. Wir hatten Inyan und Gweny mit auf die Reise genommen. Zum einen hatte ich die Gelegenheit nutzen wollen mit Gweny die Hindernisse hier zu springen. Zum anderen hatte natürlich Louis einen Narren an der Scheckstute gefressen. Vom ersten Tag an hatte er sie haben wollen. Faktisch war ihm das gelungen. Der Mustang-Mix hingegen trug die beiden Kinder sicher durch das hier fremde Gelände. Wenn er auch Dajun ein wenig aufheizte. Aber der Junge hatte die Lippen geschürzt, deutete damit auf den Hengst. “Gutes Pferd. Mutig. Ein richtiger Springer!” ich nickte nur bedächtig. Konzentriert auf meine Arbeit. “Vielleicht solltest du ihn dir klauen?” “Honch! Neein.” stöhnte der Junge erschrocken, tätschelte den Wallach unter sich. “Inyan wäre doch dann enttäuscht. Dann würde ich lieber den Hengst der aussieht wie der Sand der Wüste.” sprach er geschwollen. Es brauchte nicht lang um zu wissen welchen er meinte. Allelujah war der zweite Hengst den ich trainierte. Ein Palomino. Ebenfalls ein Reitpony. Von der Größe wie Burnin' Unbridled Dreams allerdings deutlich breiter in der Brust. Der Hengst besaß im Gegensatz zu ersterem auch bereits Erfahrungen im Geländespringen. Allerdings hatte er so seine Vorbehalte was Fremde anging. Allerings schien sich das ganze nur auf Erwachsene zu beschränken. Selbst Elisa hatte neugierig beobachtet wie der Hengst den ich im Round Pen zurückgelassen hatte nach einer ersten Kontaktaufnahme vollkommen unbeschwert mit dem zwölfjährigen Jungen gespielt hatte. Wild hatten sich die beiden gegenseitig gejagt. “Sonst hat Allelujah wirklich Respekt, ja regelrecht Angst vor Männern. Fast ein wenig seltsam ihn so zu sehen.” “Tschetan hat wirklich ein Händchen für Pferde. Du müsstest mal sehen wie mühelos er meinen Ravn reitet. Der duldet nicht jeden auf seinem Rücken. Aber für dieses Kind reitet er regelrecht durch das Feuer.”

      Seither konnte ich beobachten wie der Junge jeden Morgen dabei half den Hengst zu füttern oder auf die Weide zu bringen. Louis hatte bereits seinen Dank an Elisa ausgesprochen für ihre Gastfreundschaft. Mit dem Jungen gemeinsam hatte auch ich mich mehr mit dem Hengst auseinander setzen können. Erst ein wenig in der Bodenarbeit. Dann hatte ich mich zwischen dem Training von ihm, Pina und Dajun auch außerhalb mit ihm beschäftigt - Abend von der Weide zurück in die Paddockbox bringen. Erst in der zweiten Woche hatte ich mich auf seinen Rücken geschwungen. Zunächst wie bei dem anderen Hengst auf dem Platz. Anschließend in Begleitung von Joline auch auf die Geländestrecke.Sie saß auf einem Pony dessen Name mir entfallen war und begleitete mich einfach zur Unterstützung. Allelujah wusste ganz genau was zu tun war. Vor jedem Sprung schossen seine Ohren nach oben, seine Galoppsprünge kräftiger. Ich konnte mit jedem Sprung spüren wie er sich zusammenzog um dann vor dem ersten Hinderniss sich kräftig vom Boden zu lösen. Schon bei den kleinen Hindernissen die eher zur Sektion E und A gehörten sprang er einen Satz drüber hinweg der eigentlich zu viel war. Vermögen hatte dieser goldene Blitz allemal! In der L ging es darum einen Pacours auch mindestens 8 Sprüngen zu schaffen. Die Höhe betrug dabei etwa 1,15 meter. Einen Wassergraben gab es zu überwinden. Außerdem eine Kombination aus Treppe. Erst ging es hinauf, dann einen Sprung und anschließend schon wieder von diesem Podest herunter. Allelujah parkte zweimal, tänzelte er er sich den Sprung hinunter vagte. Für den ersten Tag an den neuen Hindernissen war ich dann aber doch zufrieden und schickte ihn wieder auf die Weide. Nach dem Mittagessen schnappte ich mir Burnin' Unbridled Dreams um mit ihm die ersten Sprünge unter dem Reiter dort zu absolvieren. Tschetan passte auf seine Kaya auf. Louis begleitete mich mit Gweny. Dieser ahm vor uns die Sprünge souverän mit der Vollblutstute und ich ließ Darjun mit ordentlcihem Abstand auch die Hindernisse überwinden. Wie zwei Tage zuvor zu Fuß zeigte er keine Angst. Allerdings zeigte sich hier seine gesteigerte Motivation - das Springen der Naturhindernisse schien ihm deutlich mehr zu gefallen als die Stangen im Viereck zu überwinden. Ich musste dabei lächeln. Auch mir gefiel die Arbeit draußen mit den Pferden eher als im begrenztem Viereck. So griff jeder Tag in den nächsten im Training der beiden Hengste. Da uns niemand hetzte ließ ich mir mit deren Fortschritten Zeit. Nahm sie nicht jeden Tag heraus um mit ihnen zu springen. Ich nutze auch die freie Zeit um mit den Kindern und Louis Unternehmungen zu machen. Das ich Gweny mit hier her genommen hatte zeigte sich auch als Vorteil in der Arbeit mit Allelujah. Als ich den ersten Tag des Springens mit ihm die Treppe so versemmelt hatte versuchte ich mich an den diversen Sprüngen auch mit meiner Stute. Schnell stellte ich fest, dass mir das Hindernis selbst auf ihr ein wenig Respekt einflößte. Unter Louis Augen sprang ich also auf meiner erfahrenen Gweny genau die etwas furchteinflößenden Sprünge. Damit gewann ich an Sicherheit. Was Allelujah und mir im weiteren Training half.


      Ende August hielt schließlich der Herbst Einzug in Kanada. Es begann plötzlich zu regnen. Das Wetter behinderte mich beinahe eine Woche lang im Training mit den beiden Hengsten. “Hast du mir zugehört?” fragte Louis leicht lächelnd. Ich war so sehr versunken gewesen in die Gedanken der letzten Zeit das ich seine Frage nur zur Hälfte mitbekommen hatte. Seine große Hand legte sich auf meine Finger, die noch immer den Ring am Finger hin und her schoben. “Hast du?” ich schüttelte entschuldigend den Kopf. “Erzähl es mir noch einmal.”

      “Lillith hat vorhin angerufen. Sie wollte eigentlich dich sprechen. Aber da du noch mit Pina in der Halle gewesen bist hab ich sie angewiesen später anzurufen.” Ich horchte auf. “Ist sie noch immer nicht zurück in der Uni?” Louis verneinte meine Frage “Sie hat sich von Caleb wohl ein wenig zu sehr auf der Ranch einspannen lassen. Sie kann ihm einfach keinen Wunsch abschlagen.” Diese Information war mir tatsächlich neu. “Ah ja?” darin schwang echte Neugier mit hinein. “Sie ist ja auch mit ihm aufgewachsen...als sie jünger war hat sie ganz schön für ihn geschwärmt. Ich denke davon hängt noch immer etwas mit.” Ich konnte mir die junge Frau nur schwer in einer Schwärmerei vorstellen. “Wie es ihm wohl geht?” es war das erste Mal seit unserer “Flucht” von der Ranch das wir seinen Namen wieder erwähnten. “Er wird sich noch mehr in die Arbeit stürzen, grimmig zu jedem und alles sein und seine wahren Gefühle so gut es geht vergessen wollen. Wir kennen ihn beide.” kurzes Schweigen “Ich bereue manchmal was ich ihm damit angetan habe. Aber irgendwie muss er damit klar kommen. Vielleicht wird es die Freundschaft auf ewig zerstören. Aber… ich weiß einfach, dass ich das richtige getan habe.” damit kam er mir näher, hob mein Kinn und küsste mich sanft auf die Nase. Das tat er öfters. Ich hatte es zunächst als seltsam empfunden, doch mittlerweile mochte ich diese Bekundung der Zuneigung. “Wie war das Training mit Pina?” überging er das bedrückende Thema rund um Caleb. “Ziemlich gut. Zwar wurde zu jung zu viel mit ihr gemacht, aber sie hat trotzdem so einen ausgeglichenen Grundcharakter und einen will-to-please.” ich musste lächeln “Ganz ehrlich...davon könnte Fylgia sich mal ne Scheibe abschneiden. Pina hab ich allerdings erstmal nur vom Boden aus gearbeitet. Durch den Regen und ihre Zeit im Offenstall war sie ohnehin klitschnass. Für die nächste Zeit habe ich mit Elisa abgesprochen das wir sie eindecken - nur falls der Regen weiter Einzug hält.” Louis verzog ein wenig die Augenbrauen. Der Lakota hielt nicht sonderlich viel davon Pferde in eine Decke zu packen. Das war auch der Grund wieso meine Vollblutdame bisher keine trug. Das würde ihr erster Herbst im kalten Kanada werden. Grundsätzlich kannte sie zwar auch kalte Temperaturen aber der plötzliche Wechsel von Texas nach Kanada hatte ihr doch einiges an Fellwechsel beschert. Sie schob bereits jetzt ordentlich Fell. Pina hingegen erstrahlte beinahe noch im Glanz des Sommers.


      Am nächsten Tag hatten die Wettergötter endlich erbarmen, nach einer Woche des Regens startete die zweite Augustwoche mit strahlendem Sonnenschein. Als ich die Stallgasse mit Pina an der Hand verließ, hielt ich mein Gesicht erstmal in die Sonnenstrahlen. Herrlich! Obwohl ihre Strahlkraft um 8 Uhr morgens noch nicht allzu heftig war, so hoffte ich doch das es etwas besser werden würde. An der Aufstiegshilfe im Hof hielt ich die Ponystute an, schwang das Bein über ihren Rücken und ließ mich in den Sattel gleiten. Neugierig schnupperte sie an meinen Wanderschuhen, die sicherlich nach den anderen Pferden riechen mussten. Kurz sortierte ich mich, dann ging es im flotten Schritt zum Springplatz. In der letzten Woche hatten wir uns die Sprünge bereits bei einem Spaziergang beschaut. Da Pina keine Unsicherheiten gezeigt hatte, am Sprung deutlich Spaß hatte. Da übersprang ich dieses Mal den Fakt ihr das Springen erst vom Boden zu zeigen. Zwischen dem Parcours wärmte ich uns beide ordentlich auf, nutze dazu auch die Trabstangen die überall umher lagen. Erst danach ritt ich den ersten Sprung mit Pina an. Sie spitze aufmerksam die Ohren, zog ein wenig an Tempo an und setzte mit mir über den Sprung hinweg. Sie zeigte auch bei den nächsten beiden Hindernissen keinerlei Scheu vor deren aussehen. Meine Fylgia parkte doch durchaus mal vor dem ein oder anderen Geländesprung. Pina schien diese Eigenschaft wirklich überhaupt nicht zu teilen. Auch bei den Sprüngen der Klasse E befand sich eine Treppe. Dort musste hinauf gesprungen werden, ein kleiner Busch überwunden und anschließend ging es sanft wieder bergab. Ich vertat mich zweimal ein wenig in den Abständen, dann kamen wir etwas zu kurz am Sprung an. Dabei rettete mich dann wirklich diese willige Ponydame und entschied ein wenig selbst die Distanz. Dafür das Pina noch keine Erfahrung hier draußen auf der Geländestrecke hatte machte sie ihre Sache besonders gut. Davon berichtete ich schließlich auch Joline als diese mit einem Pony in der Stallgasse beschäftigt war. “Ja Pina ist hier wirklich aufgeblüht. Vielleicht hat sie das ihre Vergangenheit ein wenig vergessen lassen.” “Kann gut sein, davon hab ich schon ein paar Mal was gehört. Gerade bei Stuten. Aber mal eine andere Frage. Ich wollte schauen wie weit Alleluja und Dajun sind mit ihrem Training. Magst du am Nachmittag mit raus kommen? Dann tauschen wir gern mal die beiden untereinander. Dann seh ich auch mal von außen wie die beiden sich anstellen.” Joline nickte eifrig “Oh ja gern!” “Gut, dann bereits ich gemeinsam mit Tschetan später Allelujah vor.” “ Der Junge hat wirklich einen Narren an dem Hengst gefressen,oder?” ich musste dabei breit Grinsen. “Ziemlich ja.”


      Tschetan ließ es sich am Nachmittag nicht nehmen uns zum Geländeparcours zu begleiten. Innerhalb weniger Minuten hatte er dem Wallach Inyan das Halfter übergestreift und ritt neben uns ohne Sattel einher. Auch Elisa hatte vom gemeinsamen Training gehört und wollte sich ein Bild meiner Arbeit machen. Ich war jetzt schließlich beinahe 1,5 Monate hier auf Townsend Acres zu werke. Ich war dabei sichtlich nervös. Es war mein erster Auftrag den ich erledigte außerhalb der Ranch. Natürlich wollte ich den guten Ruf von Caleb nicht durch den Sand ziehen. Dementsprechend brachte meine Nervosität auch Allelujah etwas aus dem Konzept. Also ließ ich zunächst Joline und Dajun den Vortritt. Während ich nur halb deren Sprüngen folgte, atmete ich bewusst ein und aus. Meditation hat mich in der letzten Zeit gut beruhigen können. Dann erst konnte ich aufmerksamer Burnin' Unbridled Dreams beobachten wie er mit Joline die Sprünge meisterte.
      Ich begann damit Allelujah ebenfalls ein wenig warm zu reiten. Ich nahm aus dem Augenwinkel wahr das auch Tschetan mit Inyan einige der Hindernisse überwand. Konzentrierte mich dann aber doch eher auf den Hengst unter mir. Allelujah brannte wirklich darauf zu springen, also ließ ich ihn die ersten Hindernisse überwinden. Ritt einige Volten um das Tempo ein wenig herauszunehmen. Dann ging ich die Treppe an, die uns einige Zeit probleme bereitete. Etwas stockig brachten wir das Hindernis hinter uns. Sowie noch ein paar andere. Dann hielt ich bei Joline an, die bereits schon nicht mehr auf Burnin' Unbridled Dreams saß. “Ich bin gespannt. Die Treppe da hinten scheint ihm entweder noch nicht geheuer oder es liegt einfach an mir. Ich denke ich gebe ihm dort nicht die nötige Sicherheit.” Damit tauschten wir die Pferde. Wie vermutet - gemeinsam mit Joline überwand der Palominohengst die Treppe ohne ein sichtbares Zögern. Ich grinste breit. Es lag also an mir.


      Während Elisa und ich uns darüber unterhielten über die Fortschritte der beiden Hengste hielt sich Tschetan respektvoll im Hintergrund. “Ich denke wirklich für die beiden ist das Training beendet. Sie nehmen die Sprünge sicher und ohne Probleme. Für Starts auf den gängigsten Turnieren sind sie somit gut gewappnet. Mit Pina arbeite ich noch eine weitere Woche dann ist auch sie auf dem Stand der beiden anderen.” Elise hörte Aufmerksam zu “Ich denke auch die Arbeit mit den beiden ist durch. Ich würde nur gern noch jemandem für seine Hilfe Danken.” sie winkte Tschetan heran, der offensichtlich Neugierig auf Inyan heran getrabt kam. “Du hast in der letzten Zeit viel geholfen, wenn es um Allelujah ging. Da der Hengst dich ja zu mögen scheint. Möchtest du ihn einmal reiten?” Tschetan gab keine Reaktion. Sah von dem Palominohengst nur langsam zu mir, die Frage konnte ich beinahe hinter seinen Augen sehen. Ich gab ein kleines Nicken von mir. Dann erhellte sich sein Gesicht. Er rutschte von Inyan herunter, murmelte ein paar Worte auf Lakota. Das Pony blieb wie angewurzelt an seinem Platz stehen, während sich Tschetan ohne weitere Mühe behende in den Sattel des Hengstes schwang - ohne dabei auch nur die Steigbügel zu nutzen. Elisa und Joline zogen beide die Augenbrauen nach oben. “Wie ein richtiger Cowboy!” wollte Joline ihn damit Loben. Ich biss mir dabei bereits auf die Lippen, Das waren die falschen Worte. Tschetan kniff die Augen zusammen, schien Joline zu taxieren. “I am Lakota. “ sprach er stolz “not a Cowboy.” wobei letzteres Wort ausgespuckt wurde. Dann gab er die Zügel vor, spornte Allelujah an. Der Hengst sprang in feiner Manier aus dem Stand in den Galopp. Außerdem ließ es sich der Junge nicht nehmen einen Kriegsschrei von den Lippen zu lassen. Ich schüttelte dabei nur lachend den Kopf. “Seht es ihm nach. Er ist sehr stolz auf seine Herkunft und reagiert da manchmal ein wenig seltsam. “ Joline winkte ab. Elisa grinste “Voll ins Fettnäpfchen gefasst.” “mhm” brummte Joline. Dann sahen wir wie Tschetan ein paar der Sprünge mit dem Hengst sprang. “Aber eins muss man sagen, reiten kann er!”


      Am Abend amüsierte sich Louis sichtbar über die Geschichte von Tschetan. Allerdings trieben ihm fast Tränen in die Augen als ein kleines Glucksen den Tisch bereicherte. Kaya erschrocken über den Ton schlug sich die Hände vor den Mund. Sie hatte einen Laut von sich gegeben! Sie sah von einem zum anderen. nahm die Hände fort und lachte breit in die Runde. Ihr großer Bruder nahm sie fest in den Arm und auch Louis sprang auf um sie zu umarmen. Ich sah der Szene zu, dann wackelte die Hand von Kaya aufgeregt. “Genau.. komm her. Du gehörst dazu.” flüsterte Louis.


      Die nächsten Tage über lag meine Aufmerksamkeit dann wieder nur auf Pina. Die Stute war easy going. Und so ließ ich Joline früher als geplant austesten was die Stute unter meiner Anleitung gelernt hatte. “Sie ist wirklich eine tolle Stute. Sie folgt den feinsten Hilfen. Manchmal habe ich das Gefühl man müsste nur Denken was man von ihr möchte und sie führt das aus. Ich glaube sie möchte es einfach jedem Recht machen und ein Stück wieder geben. Elisa hat mir ein wenig von ihrer Vergangenheit erzählt. Das sie sich trotzdem so entwickelt hat ist klasse.” lobte ich die Stute auf dem Weg zur Strecke. Ich hatte mich dieses Mal auf Gweny gesetzt um auch meine Vollblutstute auf der Strecke nochmal zu springen. Ich hatte bereits die Rückreise von 1000 Kilometern zurück zur Bow River Ranch im Kopf. Ich freute mich riesig auf Fylgia und Valravn. Nur der Begegnung mit Caleb sah ich zwiegespalten entgegen. Vorerst schob ich den Gedanken jedoch an den Rand meiner Aufmerksamkeit. In stummer Übereinkunft hatten Joline und ich begonnen die Ponys warm zu reiten, die ersten Trabstangen anzupeilen und schließlich die ersten Sprünge. “Pina ist einfach traumhaft zu reiten.” seufzte Joline “Dem kann ich nur zustimmen. Wäre sie nicht hier in der Zucht, dann wäre sie sicherlich ein tolles Nachwuchspony für Jugendliche die im Sport weiterkommen wollen.” meinte ich dabei ernst. “Denkst du dabei an den Jungen?” ich schüttelte erheitert den Kopf. “Er springt zwar ganz gern mal. Aber für den Sport in Englischer Reitweise...nein. Falls er nach Louis schlägt dann wird er sich wohl eher auf diversen Rodeos umhertreiben sobald er Älter wird.” “Also doch ein Cowboy?” feixte sie. Ich zwinkerte ihr zu “Sag ihm das nur nicht.”


      Am Abend verließ ich das Büro von Elisa, wir hatten alle formalitäten geklärt. Ein Teil der Unterstellkosten meiner beiden Pferde hatten wir mit dem Preis für meine Arbeit verrechnet. Das Geld würde direkt an die Ranch überwiesen werden. Schließlich war ich dort Angestellt. Ich lächelte über das ganze Gesicht, denn ich hatte für meine Arbeit gute Kritik und Lob erhalten. Für meinen ersten Job als Trainer in dieser Art war ich zufrieden damit. Das alles hatte ich auch der Ranch zu verdanken. In dem Jahr das ich dort verbracht hatte, durfte ich mein Wissen um das Training mit Pferden nochmal deutlich verbessern. Als ich noch einmal in Richtung des Paddocks lief um mich von Pina, Burnin' Unbridled Dreams und auch Allelujah zu verabschieden traf mich dann allerdings ein kleiner Schock. Die beiden Roans hatte ich bereits erledigt, mir fehlte nur der Palominohengst. Dieser stand angebunden am Anbinder vor seiner Paddockbox. Jemand war dabei ihn zu putzen. Die Statur...die Klamotten...und vor allem der Cowboyhut mit dem blonden Haarschopf darunter ließen keine Fragen aufkommen. “Caleb?!” entfuhr es meinen überraschten Lippen.
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  • Album:
    Bow River Ranch Aktivstall
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    Ravenna
    Datum:
    19 Mai 2019
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  • Lady Gweny

    Exterieur
    Stute
    *2010 | 8 Jahre
    Rasse Englischer Vollblüter
    Stockmaß 170 cm
    Fellfarbe Rappschecke (Tobiano)
    Krankheiten //
    _____________________________________

    Interieur

    Vorgeschichte

    Beschreibung
    schüchtern | unterwürfig | zurückhaltend
    Lady ist ein sehr außergewöhnliches Vollblut. Von dem Vollblut in ihr merkt man kaum etwas und auch die Energie fehlt ihr stets. Anderen Pferden gegenüber verhält sie sich meist unterordnend, oder gar ängstlich und lässt immer anderen den Vortritt, egal um was es geht. Füttern muss man sie immer alleine, da sie sonst nur wenig oder auch gar nichts isst.
    Menschen gegenüber, vor allem die die sie kennt, ist sie recht aufgeschlossen und vor allem leicht im Umgang. Sie hat weiche Gänge und passt stets auf den Reiter auf. Wenn man weiß, wie man sie motivieren kann, arbeitet sie auch fleißig mit, verliert jedoch schnell wieder an Energie und Feuer.
    Sie liebt neue Dinge, bei denen sie sich ausprobieren kann und vielleicht eher Geschick als Schnelligkeit gefordert ist. Wenn ein Reiter auf ihr Sitzt, tut sie so, als wäre sie die Starke. Sobald dieser jedoch ihren Rücken verlässt, rutscht sie automatisch zurück in ihre unterlegene Haltung.
    Bei ihr ist nun das Ziel, die Kraft und das Feuer in ihr zu wecken, ihr Lebensfreude zu geben und ihr zu zeigen, dass das Leben gemeinsam mit anderen Pferden gleich viel mehr Spaß macht.


    0 = sehr unruhig / -sicher 10 = sehr ruhig / sicher

    neue Umgebungen/Situationen 7
    Fahrzeuge 6
    Gelände 8
    Straße 6
    Wasser 9
    Hänger 8
    Hufschmied 8
    Tierarzt 7
    _____________________________________

    Qualifizierung
    Trainingsplan
    Eingeritten ✓ | Eingefahren

    Zirkuslektionen
    Kompliment | Ja und Nein ✓ | Knien | Bergziege | Liegen | Sitzen
    Tanzen | Seitenschritte | Rückwärtsrichten ✓ | Jambette |
    Spanischer Schritt | Steigen | Spanischer Trab |

    Dressur L
    Springen M
    Galopprennen A
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    Erfolge

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    418. Springturnier | 428. Springturnier | 413. Galopprennen | 466. Dressurturnier

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    417. Galopprennen | 418. Galopprennen | 226. Synchronspringen | 469. Springturnier

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    428. Westernturnier | 227. Synchronspringen | 501. Springturnier

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    1.Platz | Springturnier Gestüt von Landwein

    ● ○ ● ○

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    [SK 456]

    Gencode: x

    Zur Zucht zugelassen: Ja
    Eingetragene Zucht: //

    Nachkommen
    Arec di Royal Peerage
    _____________________________________

    Besitzerdaten
    Besitzer Ravenna (Ylvi Seidel)
    VKR/Ersteller Canyon
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    PNG | Puzzle PNG | offizieller Hintergrund