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Canyon

● Намисо ♞

ausgesprochen Namiso | inoffizieller HG von sadasha | тавро: 3-13

● Намисо ♞
Canyon, 27 Juli 2018
Any, Bracelet, Muemmi und 2 anderen gefällt das.
    • Gwen
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      Springen E → A
      Es war noch früh am Morgen und zufrieden atmete ich die kühle frische Luft ein. Gerade jetzt im Sommer genoss ich jede Stunde, in welcher die Temperaturen noch erträglich waren. Ich war kein Sommermensch und jegliche Hitze machte mir schnell zu schaffen. Heimlich freute ich mich deshalb auch schon sehr auf den kommenden September, in der Hoffnung, die hohen Temperaturen dann hinter mir lassen zu können.
      Heute hatten Henning und ich den morgendlichen Stalldienst gehabt und die alltäglichen Aufgaben erledigt. So langsam lernte ich nach und nach alle Reiter von Fominow kennen und somit auch Dimitris Konzept. Hatte ich auf meinen bisherigen Gestüten täglich teilweise fünf bis sieben Pferde abarbeiten müssen, welche täglich wechselten, achtete Dimitri auf eine gewisse Routine.
      Jedes Pferd besaß seinen festen Reiter und das Paar wiederum einen festen Trainer. Gewechselt wurde hier nicht und so ließ er die Chance für Fortschritte. Gerade hinsichtlich der Turniere war dieser Struktur wesentlich förderlicher. Noch ritt ich Маэстро nicht sonderlich lange, kannte ihn jetzt aber schon besser als meine damaligen Berittpferde nach einigen Monaten.
      Henning war somit wiederum der feste Reiter von Юрий, dem Vorzeigehengst des Gestüts und somit stand er bald noch mehr unter der Beobachtung von Dimitri als ich als Neue. Sowohl Юрий als auch Henning verfügten über eine gewisse Menge an Selbstbewusstsein und Egoismus, das ließ die beiden vermutlich auch so gut miteinander harmonieren.
      Es war schon beachtlich, wenn man den beiden beim Training zuschaute. Zwar hatte ich schon allerhand an Ausbildung und Erfahrung hinter mir, doch ich hatte von Anfang an gewusst, dass ich hier auf Fominow noch umso mehr sammeln würde und aktuell nicht ohne Grund nicht nur die Neue, sondern auch mehr oder weniger das Küken war, besonders, weil ich mich erst auf Dauer noch beweisen musste.

      Immer wenn wir den morgendlichen Dienst übernahmen, hatten wir danach eine längere Mittagspause. Aktuell nutzte ich diese stets dazu, dass Gestüt zu erkunden, die Pferde und Reiter kennenzulernen und überall Wissen aufzusaugen. Auch heute schlenderte ich wieder über das Gestüt und auf meinem Weg traf ich Ева die soeben Алёна longierte.
      Mit großen, leichtfüßigen Bewegungen lief die Fuchsstute um die erfolgreiche Reiterin herum und schnaubte hier und da zufrieden ab. Als ich kam, trabte Алёна gerade ihre Runden und Ева winkte mich lächelnd an den Zaun ohne dabei den Einfluss auf die Stute zu verlieren.
      „Guten Morgen!“, rief ich ihr freundlich zu und bekam einen Gruß zurück. Eine kleine Weile beobachtete ich die Stute, welche selbstsicher Bahn und Rhythmus beibehielt und in schöner Dehnungshaltung ihr morgendliches Training absolvierte.
      Es war auf eine gewisse Weise beruhigend, aber auch motivierend, denn der Fuchs strotzte nur so vor Energie, auch wenn sie diese gekonnt in ihre Bewegungen lenkte. Doch ich riss mich los und wanderte noch ein wenig weiter. Zugegebenermaßen lockte mich die Neugierde, denn seit kurzem war ein neues Pferd zu uns gezogen.
      Намисо nannte sich der kräftige Braune, welcher ähnlich gebaut war wie Маэстро, nur dass er bereits fünf Jahre alt war und somit schon wesentlich mehr Masse besaß. Soeben trainierte Dimitri ihn auf dem Springplatz und eigentlich wollte ich mich nicht an den Zaun stellen und zuschauen, aber Fira stand dort bereits und beobachtete schweigend das Training.
      Also fasste ich meinen Mut und gesellte mich doch dazu und wurde mit einem Lächeln begrüßt. Aufmerksam beobachteten wir das Paar, wie es in kräftigen und doch ruhigen Galopp die Hindernisse anvisierte und sprang. Seit gut einer Woche war Намисо auf dem Gestüt und Dimitri hatte ihn direkt persönlich ins Training genommen.
      Grob schätzte ich die Sprunghöhe auf einem Meter, dabei zeigte Намисо bereits viel Platz nach oben, aber vermutlich wollte Dimitri den Hengst langsam austesten. Außerdem legte er viel Wert auf die Basisarbeit, ohne diese konnte ein Pferd laut ihm nicht sein gesamtes Potenzial entfalten und ich gab ihm vollkommen recht.
      Man vergeudete mit unpassenden Abständen unnötig Energie, ebenso mit fehlender Balance und Kontrolle. Erst wenn all dies passte, konnte man das meiste aus einem Parcours herausholen. „Ein guter Kauf“, murmelte ich anerkennend und Fira nickte. „Er hat wirklich einen Blick für solche Pferde“, meinte sie zustimmend und ich konnte ihr da nur Recht geben. Hoffentlich hatte er auch so einen guten Blick bei den Reitern.
      Ich vermutete, dass Dimitri schauen wollte, auf welchem Niveau sich Намисо aktuell befand und wie viel man ihm auf Turnieren wirklich schon zumuten konnte. Aktuell befanden sich beide auf einer soliden A-Höhe mit langsamen Tendenzen zur L. Ein Blick auf meine Uhr verriet mir jedoch, dass die Zeit des Zuschauens und Nachdenkens beendet war, denn bald stand mein heutiges Training mit Маэстро an. Und wir hatten aktuell noch viel zu tun, denn es sollte nicht mehr lange dauern, bis wir unser erstes gemeinsames Turnier starten sollten und ich wollte niemanden enttäuschen, also hieß es üben, üben und üben.

      19.08.2018 | 5.073 Zeichen | Gwen
    • Gwen
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      Springen A → L
      Es war noch früh am Morgen und etwas fröstelnd kuschelte ich mich in meine warme Jacke. Ich war auf dem Weg zu den großen Hengstweiden, um Намисо und Юрий zu holen. Zu meinen Aufgaben auf dem Gestüt Fominow gehörte nicht nur das Reiten, sondern auch die alltäglichen Arbeiten, ebenso wie den anderen unter die Arme greifen.
      Schon seit einigen Wochen machte ich Намисо meist für Dimitri fertig, wenn er ihn reiten wollte. Aufgrund der Büroarbeit und dem Unterricht hatte er nicht gar so viel Zeit und, auch wenn es ihm nicht immer passte, übergab er diese Aufgabe mir.
      Юрий brachte ich für Henning mit, der bereits das Futter für die beiden Hengste vorbereitete, denn es reichte, wenn einer die Pferde auf den großen Weiden einsammelte. Diesmal hatte ich jedoch Glück, denn die Gruppe stand soeben vorne am Wasser, so dass ich keinen weiten Weg hatte.
      Ich schnappte mir den großen Braunen und den schlanken Fuchs, begrüßte beide und machte mich auf den Weg zurück zum Stall. Trotz der Tatsache, dass beides Hengste waren, hatten sie durchaus eine gute Erziehung genossen und ließen sich einwandfrei händeln.
      Im Stall überreichte ich Henning sein Pferd und band Намисо am Putzplatz an. In aller Ruhe putzte ich den Hengst, kratzte die Hufen aus, kämmte Mähne und Schweif und fettete zuletzt die Hufen ein. Da es kühler geworden war, ließen auch die Fliegenplagen nach und so war dahingehend zum Glück kein Schutz mehr nötig.
      Heute Morgen stand für Намисо und Юрий Springtraining auf dem Plan. Ich schaute den beiden erfahrenen Reitern gerne dabei zu, wenn es meine Zeit zuließ, denn allein vom zu sehen konnte man viel lernen. Für mich hieß Springtraining aber auch, dass Намисо heute den Springsattel, das Vorderzeug und Gamaschen bekam.
      Es dauerte nicht lange und der Hengst stand vorbereitet am Putzplatz und ich schloss nur noch die Zügel, nachdem ich das Vorderzeug befestigt hatte. Einen Schritt trat ich zurück, um mein Werk zu begutachten und war mehr als zufrieden. In seiner Springausrüstung sah Намисо immer besonders schick aus und konnte sich sehen lassen.
      Auch Henning war mittlerweile so weit und gemeinsam machten wir uns auf den Weg zum Springplatz. Trotz des kühlen Wetters bevorzugte Dimitri das Training draußen und härtete so nicht nur die Pferde ab. Mit einem knappen „Guten Morgen“ wurden wir begrüßt und für Henning gab es direkt Anweisungen, während er noch nachgurtete und sich dann in den Sattel schwang.
      Auch ich hatte Намисо vorbereitet und als sich Dimitri mir zuwandt, reichte ich ihm die Zügel. Trotz er machte nicht einmal Anstalten sie zu nehmen, sondern musterte mich nur knapp. „Wo sind deine Reitsachen?“, fragte er und ich zuckte zusammen. Mit einem „Aber…“, wollte ich ansetzen, wurde aber von ihm unterbrochen.
      „Ева sollte dir doch Bescheid geben“, grummelte er und schaute sich um. „Ева hat heute frei“, meinte ich etwas schüchtern und Dimitri blickte mich verwundert an, ehe er lachte. „о, господи! Soweit ist es schon mit mir“ – Dimitri bat mich, meine Sachen zu holen, während er hielt. Dabei ließ er mir auch keine Zeit, zu fragen, warum ich Намисо reiten solle.
      Ein paar Minuten später saß ich auf dem großen Braunen und hatte doch etwas Respekt. Ich sah Dimitri öfters bei dem Training mit dem Hengst zu und er hatte sehr viel Potenzial, dementsprechend wusste ich nicht so recht, was ich nun auf ihm tun sollte.
      Dimitri gab nur knapp ein paar Anweisungen zum Aufwärmen, ehe er sich Henning und Юрий widmete, die bereits zeitbedingt weiter waren und schon mit Trabstangen und Cavaletti arbeiteten. Ich nutzte also die Zeit, mich mit Намисо bekannt zu machen und schnell war klar, wie fein der Hengst zu reiten war.
      Jede noch so kleine Hilfe kam sofort an und es machte wirklich Spaß, ihn zu reiten. Er war nicht viel größer als Маэстро und doch wirkten seine Gänge von Anfang an raumgreifender. Auch merkte man deutlich, dass er zwei Jahre älter war und somit wesentlich mehr Masse hatte, aber er machte unglaublich viel Spaß.
      Als Dimitri Henning alleine weiterarbeiten ließ, kam er zu mir und unter strengen Augen und Kommentaren sprang ich mit Намисо einige der aufgebauten Hindernisse, ehe wir in den Parcours gingen. Dimitris Kritik war gnadenlos und trotzdem stets positiv ausgedrückt, so dass man immer mit einem guten Gefühl weiterritt und an sich arbeiten wollte.
      Auch waren seine Kommentare knapp und störten nicht die Konzentration und er schrie nicht, wie so manch anderer Reitlehrer, so dass weder Pferd noch Reiter taub wurden. Rundum war er einer der angenehmsten Reitlehrer und Chefs, die ich bisher in meiner Karriere gehabt hatte und ich bereute meine Entscheidung, auf das Gestüt Fominow zu wechseln, keineswegs.
      Намисо sprang den Parcours fehlerfrei und ich musste lieber zu wenig als zu viel machen. Er hatte schon gut Erfahrung, wurde aber auch fast täglich von Dimitri geritten. Nach der Stunde waren wir alle auch mehr als zufrieden. Юрий und Henning hatten zum Abschluss eine sehr schöne Runde gehabt. Der Hengst war bei keinem einzigen Hindernis mäkelig geworden und Henning war zum Reiten gekommen.
      Auch Dimitri war mit dem Paar mehr als zufrieden und entließ sie bereits zum Abreiten, ehe er sich mir zuwandte. „Und?“, fragte er neugierig und ich reagierte etwas vorsichtig mit meiner Antwort, lobte aber Намисо deutlich.
      „Kurzum: Ich möchte, dass du Намисо ab und an in der Woche mitreitest. Aufgrund meiner Position schaffe ich es nicht, den Hengst täglich zu trainieren und ich weiß deine Reitweise sehr zu schätzen. Ihr beide harmoniert schön und unter dir kann er noch einiges lernen“, meinte er knapp und ich wusste erst gar nicht was ich sagen sollte.
      „Nun?“, fragte er und ich zuckte kurz zusammen, war ich doch etwas in Gedanken versunken. „Ja gerne! Ich würde mich sehr freuen, Намисо ist ein super Pferd, vielen Dank!“. Dimitri winkte jedoch nur ab und grinste: „Всегда эта молодежь.“
      Vor dem Platz wartete Henning auf uns und lud mich zu einer Schrittrunde um das Gestüt ein, ehe wir die Pferde im Stall wieder versorgten. „Ich würde sagen, du hast dir schnell seinen Respekt erarbeitet“, meinte Henning grinsend zu mir und ich schüttelte nur den Kopf. „Ich glaube, das dauert noch“ – inzwischen bewegte ich mich dann doch in einer anderen Klasse als zu meinen Ausbildungszeiten und hier musste man sich nun schon mehr beweisen, nur gut reiten reichte nicht.
      „Na ja, meinen Respekt hast du schon einmal“, meinte Henning und schwang sich aus dem Sattel. Ich tat es ihm gleich und führte Намисо in den Stall. Dort sattelte ich den Hengst ab, säuberte ich die Beine und Hufe von dem feuchten Sand und brachte ihn dann in die Box. Dort bekam er eine Abschwitzdecke über, da er doch ordentlich geschwitzt hatte und durfte nun in Ruhe fressen.
      In der Zwischenzeit säuberte ich das Sattelzeug, verstaute alles wieder ordentlich im Spind und kehrte den Putzplatz. Намисо war auch gewohnt schnell fertig mit seinem Futter und auch gut getrocknet. Ich nahm ihm die Decke ab und putzte noch einmal kurz drüber, ehe ich den Hengst wieder hinaus auf die Weide brachte.

      02.09.2018 | 7.043 Zeichen | Gwen
    • Gwen
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      Springen L → M
      Der Herbst hielt erbarmungslos Einzug. Es war noch früh am Morgen und dank der Zeitumstellung noch beinahe dunkel. Ein eisiger Wind wehte über die großen Weiden und machte es mir schwer, die Augen überhaupt richtig zu öffnen, um Намисо zu finden. Den Pferden machte das Wetter bisher wenig aus, auch wenn Dimitri mehrmals täglich nach dem Wohlbefinden seiner Vierbeiner schaute. Doch heute hatten tatsächlich auch die Pferde dem Wind die Hintern zugedreht.
      Mit kalten Fingern zog ich Намисо das Halfter über den Kopf und klinkte den Führstrick ein. Flotten Schrittes und den Schal an Mund und Nase gedrückt, machte ich mich samt Pferd auf den Rückweg. Es dauerte leider nicht lange und ein unangenehmer Nieselregen begann. Umso dankbarer war ich, als ich endlich die Stalltür hinter mir schließen und aufatmen konnte.
      Im Stall herrschte schon reges Treiben, aber keiner der anderen sah so aus, als hätte er großartig Lust, das warme helle Gebäude so schnell wieder zu verlassen. Ich band Намисо am Putzplatz an und begann ihn gründlich zu putzen. Dank des Wetters bedeutete das nun auch mehr Arbeit. Nichtsdestotrotz musste das Pferd sauber sein, vorher wurde nicht geritten. Und obwohl Dimitri sehr streng war und jedes noch dreckige Pferd wieder aus der Halle schickte, teilte ich seine Meinung.
      Etwas unruhig war ich schon, als ich Намисо sattelte und trenste. Nach meinem Ausfall hatte ich nicht viel Zeit gehabt, um mit ihm wieder ins Training zu kommen. Dimitri hatte ihn während meiner Abwesenheit vermehrt selber geritten und weiter trainiert, so dass zumindest das Pferd in Topform war. Das änderte nur leider nichts daran, dass ich den großen Braunen noch nicht besonders lange ritt und dementsprechend etwas gebraucht hatte, um wieder reinzukommen.
      Momentan lief es einwandfrei und ich konnte mich nicht beschweren. Намисо überzeugte wie immer mit seinem Arbeitswillen und seiner Feinfühligkeit. Trotz des langsam absackenden Wetters ging es auch weiterhin auf Turniere und der Hengst zeigte auch dort sein Können und brachte regelmäßig Schleifen mit nach Hause.
      Doch alles Träumen konnte nicht verhindern, dass es jetzt in die Halle ging und Намисо warmgeritten werden musste. Dimitri war gnädig mit uns und hatte das heutige Training nach drinnen verlagert. Hindernisse waren bei peitschendem Regen allerdings auch nur schwer anzuvisieren, dementsprechend war ich für die Halle mehr als dankbar.
      Ich ritt Намисо in Ruhe warm und rief mir in Gedanken nochmal die letzten Stunden auf den Schirm. Was wir gemacht und verbessert hatten. Bei Planken musste ich immer Намисо vermehrt rechts mit meinem verwahrenden Schenkel eingrenzen, denn aufgrund der breiteren Stangen (oder eher Planken) sah Намисо dieses Hindernis immer mit etwas Misstrauen an und neigte dazu, entweder schief zu springen oder gar nach rechts ausbrechen zu wollen.
      Aber gerade im Stilspringen war gewünscht, dass die Hindernisse mittig und ohne zu Zögern, also im Fluss, gesprungen wurden und deshalb war das etwas, woran wir wirklich arbeiten mussten. Inzwischen bekamen wir das ganz gut in den Griff und Намисо reagierte auch fein auf meinen Schenkel. Nach unseren zehn Minuten Schritt wechselte ich in den Trab und nahm auch schon bald Trabstangen und Galoppstangen hinzu.
      Als dann Dimitri eintraf, waren Намисо und ich mittlerweile gut warm und bereit. Heute stand weniger ein Training an als eine Eignungsprüfung. Wie jedes Quartal wurde geschaut, wie sich das Pferd entwickelte und ob die Turniere in der höher gelegenen Klasse denkbar waren. Bei Намисо war ich mir da sicher, nun musste nur noch ich überzeugen, denn ohne guten Reiter, konnte das beste Pferd keine Schleife holen.
      Der Parcours heute war anspruchsvoll und schwer. Dimitri hatte auch die Höhe bereits an die oberste Grenze der Klasse M angepasst und forderte uns auf jeden Fall gut. Nichtsdestotrotz waren sowohl Намисо als auch ich voll konzentriert und bei jedem Sprung freute ich mich innerlich. Es lief, und zwar besser als ich es mir hätte träumen lassen!
      "Die Pause scheint dir gut getan zu haben", meinte Dimitri und es schien, als würde sich ein kleines Lächeln auf sein Gesicht stehlen. Wenige Sekunden später war ich mir da aber nicht mehr so sicher. Er tätschelte zumindest Намисо zufrieden den Hals und machte sich nur knapp ein paar Notizen, ehe er uns zum Abreiten wegschickte. Ich freute mich riesig, auch wenn ich äußerlich eher ruhig und schüchtern blieb.
      So langsam gewöhnte ich mich auf Fominow ein. Es wurde mein Zuhause, ebenso wie die Pferde. Und mittlerweile konnte ich mir keinen anderen Ort mehr vorstellen, wo ich lieber wäre. Selbst bei so einem Wetter wie heute, war ich gerade einer der glücklichsten Menschen. Eva nickte uns auch knapp lobend zu, ehe sie Намисо die Abschwitzdecke überwarf. Ich dankte ihr und lobte dann nochmal kurz Намисо, ehe ich ihm die Zügel hingab und ihn im Schritt entspannt abritt bis er einigermaßen trocken sein würde, damit ich ihn zum Fressen in die Box stellen und versorgen konnte, ehe es dann wieder hinaus auf die Weide ging.

      31.10.2018 | 5.042 Zeichen | Gwen
    • Canyon
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      Untersuchung & Hufpflege
      Gähnend saß ich an meinem Frühstückstisch und trank den letzten Schluck meines Kaffees, ich war zwar noch nicht spät dran aber dennoch wollte ich sofort losfahren. Heute hatte ich nämlich meinen ersten richtigen Auftrag! Glücklich trat ich aus meinem Haus und stolzierte zu meinem kleinen Truck der mir als mobile Hufschmiede zur Seite stand. Nachdem ich nochmals ganz genau nachgesehen hatte, konnte ich mit Überzeugung sagen nichts vergessen zu haben. Ein letzter Blick auf mein Zuhause und schon saß ich in meinem Truck und fuhr los. Mein Ziel war das Zuchtgestüt Fominow, die liebe Gestütsleiterin hatte mich gebeten drei ihrer Zuchtpferde die Hufe zu kontrollieren. Nach einer Weile war meine Fahrt zu ende, das schöne Gestüt streckte sich vor meinem Truck aus, weshalb ich kurz innehielt um alles zu genießen. Dann parkte ich meinen Wagen und lief los um Canyon zu suchen. Die junge Frau war jedoch schnell gefunden und empfing mich freundlich, sie erklärte mir schnell wo ich meinen Truck parken könnte und wo ich alles aufbauen sollte. Während ich alles aufbaute führte Canyon drei wunderschöne Budjonny Pferde auf mich zu. Bevor ich diesen Auftrag erhielt hatte ich ehrlich gesagt noch nie etwas über diese Rasse gehört, doch jetzt wo diese drei vor mir standen bereute ich es, nicht schon viel früher mit diesen Tieren zu tun gehabt zu haben. Meine erste Patientin war ein Fuchs mit dem Namen Алёна. Ich musterte zuerst die schöne Farbe der Stute und die ruhige Art wie sie mich beobachtete, dann fasste ich vorsichtig ihr linkes Bein hinunter und hob es an. Ich begann damit dass ich ihre Hufe auf Hufkrankenheiten und ähnliches untersuchte. Bei Алёна schien dies aber eine reine Zeitverschwendung zu sein, da ihre Hufe nicht die kleinsten Anzeichen aufwiesen. So machte ich mich nachdem ich alle 4 Hufe untersucht hatte gleich an das raspeln und schneiden. Da Алёна Hufe noch nicht besonders lange waren dauerte auch diese Arbeit nicht besonders lange. "Sie war wirklich brav!“, stellte ich fest, nachdem meine Arbeit bei dieser Schönheit beendet war. Canyon lächelte stolz und führte meine nächste Patientin zu mir. Роса.
      Die junge Stute schien wie Алёна zuvor sehr ruhig zu sein, jedoch wirkte sie nicht ganz so begeistert über mein herum hantiere an ihren Hufen zu sein. Auch bei dir jüngeren Stute waren keine Hufkrankheiten zu entdecken, weshalb ich mich schnell an das raspeln und schneiden machte. Ein paar Mal versuchte die Stute mir ihr Bein zu entziehen und schnaubte ungeduldig, doch mit Hilfe ihrer Besitzerin war die Stute schnell beruhigt und lies die letzten paar Minuten meiner Behandlung über sich ergehen. Mein letzter Patient für heute war ein Hengst mit dem Namen Намисо. Wie seine beiden Vorgänger war auch dieser Hengst ein wunderschönes Tier. Der Hengst ließ sich vor meiner Arbeit erst einmal mit Streicheleinheiten verwöhnen und musterte mich danach nichtmehr ganz so misstrauisch. Nach ein paar Minuten konnte ich mich dann an die Arbeit machen, wie auch bei den beiden Stuten zuvor waren keinerlei Anzeichen auf Hufkrankheiten zu finden. Das raspeln und schneiden verlief bei Намисо etwas holprig da auch er manchmal sein Bein wegzog, aber nach einer Weile war auch mein letzter Patient fertig und glänzte in voller Pracht. Ich half Canyon dabei die Pferde zurück in ihre Ställe zu bringen, danach wurde ich von der Gestütsleiterin zu meinem Wagen begleitet wo ich mich freundlich von Canyon verabschiedete und dann in meinen Truck stieg. Für meinen ersten richtigen Auftrag war dies auf jeden Fall ein Erfolg gewesen! Und wer weiß vielleicht bekomme ich ja ein anderes Mal noch einmal die Chance auf dem Zuchtgestüt Fominow eines der Pferde zu behandeln!

      03.11.18 | 3.699 Zeichen | sissicat
    • Gwen
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      Dressur E → A
      Es war eisig kalt und doch freute ich mich heute Morgen besonders auf den Stall. Jeden Monatsanfang erhielten wir von Dimitri einen groben Trainingsplan für unsere Schützlinge. Und obwohl dieser sich bei meinen beiden Pferden immer sehr ähnelte, hatte der von Намисо für November herausgestochen. Oftmals ließ Dimitri dem Springen oder der Distanz den Vorrang und stellte andere Disziplinen und Tätigkeiten in den Hintergrund. Die Budjonnys waren aufgrund ihrer Züchtung und Eigenschaften einfach auch ideale Springpferde und es wäre eine Schande gewesen, dies nicht zu fördern. Die Dressur spielt also immer nur zweitstellig eine Rolle. Natürlich forderte Dimitri von uns, dass die Pferde eine gute Grundausbildung genossen und mindestens einmal die Woche stand auch die Dressur in den Plänen, aber meist auch nicht mehr. Ganz im Gegensatz zu meinem Novemberplan für Намисо.
      Dreimal die Woche Dressur, zweimal Springen, einen flexiblen und einen freien Tag hatte Dimitri uns aufgeschrieben. Ich konnte mich nicht beschweren, denn zwar liebte ich das Springreiten über alles, aber insgeheim schlug mein Herz eben auch für die Dressur. Dennoch war ich neugierig und hatte es nicht vermeiden können, dass ich Dimitri nach dem Grund fragte. "Ich möchte Намисо vor Ende des Jahres gekört sehen. Aber dafür sollte er ein wenig vorbereitet sein", hatte er mir kurz und knapp erklärt und ich hatte verständnisvoll genickt - jedes gekörte Pferd machte das Gestüt bekannter.
      Auch wenn ich persönlich Dimitris Arbeit unglaublich bewunderte. Das Gestüt wuchs stetig und die Erfolge der Pferde konnten sich sehen lassen. Wenn Dimitri mit seinen Planung erfolgreich sein würde, stünden in der Bilanz des Jahres fünf neue Zuchtpferde. Diese Zahl sprach sehr für das Gestüt und unser Konzept, somit machte es auch mich stolz, immerhin war ich ein kleiner Teil des großen Ganzen. Und umso mehr hing ich mich auch in das Training von Намисо.
      Am Anfang hatten wir ganz schön arbeiten müssen, denn Намисо schenkte einem in der Dressur nichts. Während er im Parcours Feuer und Flamme war, man ihn teilweise zügeln musste und er einem jederzeit rettete, bewies er in der Dressur das Gegenteil. Es hatte ein Weilchen gedauert, bis ich die Motivation aus ihm herausgekitzelt hatte und seine Größe und Breite machten das auch nicht besonders leicht. Umso überzeugender zeigte er sich aber inzwischen in unseren Dressureinheiten. Er wirkte in der Bewegung noch muskulöser und kräftiger als so schon und sprühte auch so vor Energie. Hatte er mich zu Beginn so ziemlich alleine arbeiten lassen, hatte man nun ein Pulverfass unter sich - also zumindest für Намисоs Verhältnisse.
      In Ruhe putzte ich heute den Hengst und plante bereits, an was wir noch arbeiten mussten. In der kurzen Zeit hatte Намисо viel gelernt und ihm bereiteten nur wenige Lektionen wirkliche Probleme. Anfangs hatte ich Sorge gehabt, dass ihm die Dressur schwer fallen könnte, aber trotz seiner Statur wirkte er stets leichtfüßig und geschmeidig. Wenn man ihn denn auch erst einmal geweckt hatte, ließ er sich wirklich fein reiten. Und doch waren wir noch ganz am Anfang, auch wenn ich in meinen Träumen bereits Намисо mit Kandare eine M-Kür laufen sah - die perfekte Musik für uns beide wüsste ich schon.
      Dem Hengst merkte man davon wenig an. Zufrieden schnaubend stand er am Putzplatz und genoss seine tägliche Massage. Als wir fertig waren, sattelte und trenste ich ihn fix und dann ging es in die Halle. Regulär wie vor jedem Training ritt ich Намисо in aller Ruhe warm und bereitete ihn auf die Arbeit vor. Als ich dann merkte, dass der Hengst immer geschmeidiger und lockerer wurde, nahm ich den Trab und Galopp dazu und ritt allerhand gebogene Linien. Zirkel, einfache Schlangenlinien, Schlangenlinien durch die Bahn und Volten. Besonders mit diesen Übungen bekam man Намисо wach, aber auch Seitengänge waren sehr hilfreich.
      Aktuell arbeiteten wir auf einem soliden A-Niveau. Das war auch durchaus ausreichend für eine Hengstkörung, aber mehr war immer besser. Außerdem schadete Намисо das Dressurtraining auch nicht für seine Karriere als Springpferd. Im Gegenteil, im Parcours reagierte er noch sensibler auf die Hilfen und das Zurücknehmen und Zulegen wurde immer leichter. So ließen sich die Galoppsprünge besser an die Hindernisse anpassen und Abstände waren trotz seiner großen Galoppade kein Problem mehr.
      Locker flockig ritten wir heute eine einfache A-Dressur durch, um den aktuellen Stand zu begutachten. Dimitri hatte sich auch die paar Minuten Zeit genommen, um uns zuzuschauen. Neben dem Halten aus dem Schritt und Trab (was Намисо allerdings aus dem FF konnte), gehörten auch ein fließendes Rückwärtsrichten, das Schenkelweichen, Kehrtwendungen und weitere Übergänge dazu. Eigentlich konnte man Намисо bereits das A-Niveau zurechnen, denn nur neu würden dort dazu kommen der Außengalopp und einfache Galoppwechsel. Aufgrund des Springens beherrschte Намисо bereits die fliegenden Wechsel einwandfrei und auch der Außengalopp war kein Problem für ihn.
      Umso leichter fiel uns dafür aber auch die A-Dressur und auch Dimitri schien sehr zufrieden und etwas beruhigter. Da ich bei der Körung bereits Маэстро vorstellen würde und Намисо auch nur indirekt mein Schützling war, würde nämlich Dimitri den hübschen Hengst vorstellen. Er war ein guter Reiter, ein sehr guter sogar, aber die Dressur war eben nicht das, wofür sein Herz schlug. Im Gegenteil, er machte gerne einen Bogen darum und dementsprechend hatte ich auch die Ehre bekommen, Намисо in der Dressur trainieren zu dürfen.
      Unser Fazit war aber, dass der Hengst die simple Kür ohne Probleme schaffen würde und ich lobte ihn ausgiebig und beendete damit auch das Training. Immerhin sollte man immer mit einem guten Schluss aufhören und den hatten wir soeben gemacht. Ich ritt den Hengst noch in aller Ruhe ab und danach ging es wieder in den Stall. Намисо wurde abgesattelt und durfte wieder hinaus auf die Weide, während ich gründlich sein Sattelzeug putzen würde. Das gehörte zu den täglichen Arbeiten der Reiter dazu und sorgte zum einen dafür, dass die Ausrüstung immer bestens in Schuss war und nebenher ging es so viel schneller, wenn man es täglich machte, als wenn man später eine dicke Schicht Dreck abkratzen müsste (die nebenher auch nicht unbedingt schön aussah).

      25.11.2018 | 6.295 Zeichen | Gwen
    • Gwen
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      снег, снег, снег
      Bereits früh am Morgen begann mein Arbeitstag und doch freute ich mich jedes Mal. Schon lange waren die Tage so kurz, dass mein Wecker klingelte, wenn es draußen noch dunkel war. Zu meinem Glück wohnte ich nicht weit entfernt vom Zuchtgestüt Fominow und war so schnell da. Bereits seit vorgestern musste ich morgens immer die Scheibe des Autos freikratzen, keine schöne Arbeit, aber heute, als ich das Haus verließ, konnte ich kleine weiße Schneeflocken fallen sehen. Sofort schlug mein Herz höher, denn ich liebte den Schnee. Als ich mich umschaute, sah ich, dass bereits die Landschaft von einer dünnen weißen Schneeschicht bedeckt war. Zwar fror ich auch heute wieder beim Freikratzen, aber ich freute mich über den Schnee und beschwerte mich deshalb nicht.
      Als ich am Gestüt ankam, schneite es immer noch und hier lag mittlerweile bereits mehr Schnee. Ich machte mich auf den Weg in den Stall, um Henning bei den morgendlichen Arbeiten zu helfen. Inzwischen war ich so lange hier, dass ich die Routinen kannte und mit den anderen ein eingespieltes Team war. Während Henning sich um die Fütterung kümmerte, schaute ich einmal in jede Box hinein und kontrollierte kurz die Pferde. Dimitri hielt nicht viel vom Eindecken, doch der ein oder andere benötigte bei der Kälte und dem zusätzlichen Wind dann doch zumindest eine dünne Decke. Also machte ich mich daran, diese Pferde einzudecken. Nachdem dann alle gefüttert waren, teilten Henning und ich uns die Pferde auf und brachten sie auf die jeweiligen Koppeln.
      Er übernahm heute die Stuten und begann mit Анжелика und Алёна. Als die anderen das Hufgeklapper auf der Stallgasse hörten, wurden sie wach. Юрий, welchen ich gerade aufhalfterte, wieherte mir indes lautstark ins Ohr und ich musste unwillkürlich zusammenzucken. "Hey, geht's noch?", fragte ich lachend und führte ihn aus der Box und weiter zu Маэстро. Auch ihn halfterte ich auf und dann durften die beiden schon einmal hinaus auf ihre Weide. Sobald die Halfter ab waren und ich außer Reichweite, sprangen die beiden förmlich im Dreieck. Sie buckelten, galoppierten und jagten sich gegenseitig. Der Schnee schien auch die Lebensgeister der Pferde zu wecken.
      Wieder im Stall angekommen, hängte ich die Halfter zurück an ihre Haken. Henning kam auch soeben zurück und schüttelte den Kopf. "Hatten deine beiden auch so eine Macke?", fragte er und erzählte, wie die beiden sonst so ruhigen Stuten auf der Weide abgegangen waren. Ich musste lachen und während wir uns kurz unterhielten, wurde es im Stall immer unruhiger. Also machten wir uns daran, die nächsten Pferde hinauszuschaffen. Henning verließ mit Роса und Фантастика den Stall und die beiden Fuchsstuten tänzelten bereits jetzt aufgeregt neben ihm her. Doch Henning ließ sich davon nicht anstecken. Seelenruhig und wie ein Fels in der Brandung lief er voran, ein göttliches Bild mit den beiden aufgeregten Hühnern zu beiden Seiten.
      Ich sorgte mich ja bereits ein wenig, doch meine Sorge war unbegründet, denn Намисо und Экстраординарный schienen nicht besonders viel von der Aufregung zu halten. Entspannt schritten die großen Hengste neben mir her und waren vorbildlich wie eh und je. Bei ihnen ging es auf der Weide auch gesitteter zu. Zwar trabten sie mit erhobenen Schweifen davon, aber Экстраординарный wälzte sich zunächst genüsslich und Намисо scharrte direkt im Schnee, um vielleicht doch noch etwas Gras zu entdecken. So schieden sich also die Geister unserer geliebten Vierbeiner, die einen flippten aus und die anderen blieben tiefen entspannt.
      Zuletzt verblieben im Stall nur noch unseren beiden neusten Budjonnys, zwei wahre Prachttiere. Dabei handelte es sich um den hellen Fuchs Барышников und die ebenso recht hell geratene Stute Чайка. Beide Pferde gehörten noch gar nicht so lange zum Gestüt Fominow, hatten sich aber bereits mehr als gut eingelebt und auch schon einige Erfolge bei den Turnieren erzielen können. Барышников war zudem nicht alleine gekommen, sondern hatte seinen Reiter direkt mitgebracht. Die beiden waren ein eingespieltes Team und obwohl ich sie bisher nur wenige Male hatte reiten sehen, konnten sie sich wirklich sehen lassen.
      Nachdem alle Pferde nun auf ihren Weiden standen, befüllten Henning und ich zunächst die Heuraufen der Winterweiden neu, damit die Pferde auch wie gewohnt ihr Futter ad libitum hatten. Danach kontrollierten wir noch fix die Tränken, doch dann guter Dämmung war nichts eingefroren. Also hieß es nun misten. Alle elf Boxen mussten gründlich gemistet und für den Abend vorbereitet werden. Neben dem misten und frisch einstreuen gehörte auch das Befüllen der Heunetze dazu. Zudem reinigten wir täglich die Tränken und Tröge, um Keimen und Bakterien keine Chance zu lassen. Als wir fertig waren und ich nur noch fix die Stallgasse kehrte, kamen bereits die ersten Reiter in den Stall und begrüßten uns fröhlich.

      17.12.2018 | 4.842 Zeichen | Gwen
    • Canyon
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      Der Moment davor
      »Die Stuten platzen bald«, sagte Eva. „Jeden Moment könnten sie einfach bumm machen. Wie ein Luftballon.«
      Ich lächelte und blickte kurz zu Eva, die am Zaun zur Stutenweide stand. Verträumt hatte sie sich auf einen Besen gestützt und beobachtete nun schon mehrere Minuten die Stuten mit ihren kugelrunden Bäuchen, anstatt mir zu helfen, den Weg zu den Weiden zu kehren und von gewachsenem Gras zu befreien. Es nieselte leicht, endlich etwas Regen. Erst gestern Nacht hatte durch die Hitze und den dazu noch sehr starken Wind ein Waldgebiet ganz in unserer Nähe gebracht. Die ganze Nacht waren die Sirenen zu hören gewesen. Es war der Albtraum jedes Hausbesitzers, das es einmal sein Haus, sein Feld oder seine Scheune sein würde, die in den lodernden Flammen untergehen würde. Diese Nacht hatten wir Glück gehabt.
      Drei der fünf Stuten waren in der letzten Phase ihrer Schwangerschaft, jede Minute könnten sie gebären. Die Boxen waren mit Kameras ausgestattet und zusätzlich gab es noch Sitzwachen, die die Nacht über nur auf den kleinen Bildschirm starrten und darauf warteten, dass der Nachwuchs zur Welt kam. Es war schwer zu sagen, ob Анжелика, Роса oder Алёна zu erst gebären würde, die ersten Wetten und Namensvorschläge waren aber schon längst im Gange.
      Фантастика, Нимфадора und Чайка, sie waren erst letzten Herbst auf das Gestüt gezogen, würden voraussichtlich auch im Herbst erst fohlen. Das ermöglichte uns, dass wir uns vollkommen auf das Aufziehen von nur drei, anstatt sechs Fohlen konzentrieren mussten.
      Dimka war zwar den Winter über viel auf dem Gestüt gewesen, hatte Pferde trainiert und kleinere Bauarbeiten gemacht, war aber seit Frühlingsbeginn nun wieder viel unterwegs, um vor allem die Hengste auf Turnieren und anderen Shows vorzustellen und den Namen seines Gestüts in aller Munde zu verbreiten. Ich hatte es zu erst nicht glauben wollen, zu groß war die Sehnsucht gewesen, aber mittlerweile hatte der Name Fominow im Pferdegeschäft durchaus einen Platz weiter vorne eingelegt und immer öfter kamen nun Interessierte, die die Budjonnys kennenlernen und manchmal auch mit den stolzen Hengsten des Gestüts züchten wollten.
      Eva wachte aus ihren Gedankengängen auf und kam mit schnellen Schritten hinter mir her getippelt. »Habe ich wieder geträumt?« Ihre Augen waren unschuldig aufgerissen, sodass ich lachen musste. Ich winkte ab und küsste sie kurz freundschaftlich auf die Stirn. Dann legte ich einen Moment meinen Kopf in den Nacken, spürte den feinen Nieselregen auf der Stirn und auf dem Mund und war mir sicher, dass ich gerade an keinem anderen Ort auf der Welt sein wollte.

      16.06.2019 | 2.599 Zeichen | Canyon
    • Canyon
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      Ungeduld und Nagellack
      „И не могли бы вы отправить заявление Клаусу? Мне срочно нужна эта форма к концу года. Речь идет о отчёте для компании, у которой он купил лекарство для Анжелики.“
      Geduldig hörte ich Dimka dabei zu, wie er mal wieder Geschäftsgespräche führte. Dabei war Mittwoch eigentlich unser Tag. Das bedeutete, ab 16:00 Uhr keine unnötigen Telefonate mehr, kein Abstandhalten der Berufsbeziehung wegen und auch kein „von oben herab“, wie es Dimka gerne tat, wenn er in seiner Rolle als Gestütsleiter auftrat.
      „Спасибо. Увидимся завтра“, beendete Dimka endlich sein Gespräch. Ich hatte mich derweil meinen Fußnägeln zugewandt und obwohl ich Nagellack noch nie besonders schön fand, hatte ich ttsächlich in der hinteren Ecke des Badschranks noch ein helles Grün gefunden. Ohne den Blick zu heben, beschäftigte ich mich also mit der Lackierung meiner Fußnägel.
      „Tut mir Leid“, sagte Dimka, endlich wieder auf Deutsch. „Ich hatte dir versprochen, das sein zu lassen.“
      Ich zuckte mit den Schultern ohne den Blick zu heben. „Schon okay“, sagte ich. Innerlich schmollte mein Kleinkind jedoch so sehr, dass es seine Unterlippe aus den Augenwinkeln wahrnehmen konnte.
      „Wollen wir einen Ausritt machen?“, fragte Dimka.
      „Ich weiß nicht“, sagte ich gedehnt. „Meine Fußnägel müssen erst trocknen und vielleicht mache ich für einen besseren Glanz dann noch eine zweite Ebene drauf.“
      „Hast du das von Instagram?“, fragte er und ich merkte, wie er breit grinste.
      Mist, erwischt. Er kannte mich zu gut. Ich hatte nämlich keinen Plan von diesem Zeug, geschweige denn wie man es anwendete. Dafür hatte ich in der letzten halben Stunde während seines Telefonats definitiv genug Zeit für meinen sinnlosen Instagram-Feed gehabt.
      „Na gut“, sagte ich ergeben und gab meine Fassade auf. Sie hatte sowieso nicht so viel Spaß gemacht. „Lass uns ausreiten.“
      Ich kramte alte Socken aus meinem Schrank und zog sie ungeachtet der noch frischen Farbe auf meinen Fußnägeln, über meine Füße. Dann zog ich Dimka von der Couch hoch und drückte ihm seine Mütze in die Hand.
      Es war erst kurz nach halb fünf, aber draußen sah es aus wie finsterste Nacht. Ausritte waren in letzter Zeit viel zu kurz gekommen. Die Scheu vor der Dunkelheit da draußen war bei uns allen recht groß. Aber Vormittags gab es einfach zu viel zu tun und ab 15 Uhr begann es oft bereits zu dämmern.
      Dafür war der Stall noch erleuchtet. Ganz vorne stand Барышников. Der wilde Hengst aus Russland, welchen ich gerne als Ersatz für meine Анжелика geritten wäre.
      Aber natürlich hatter er einen ebenso guten Reiter, der mit großem Verstand alles daran setzte, aus dem bereits fünfjährigen Hengst noch ein akzeptables Turnierpferd zu machen. Sascha hatte nicht die Hoffnung, noch die Bühnen der Welt mit ihm stürmen zu können, aber die goldene Farbe seines Fells und das natürliche Talent, dass er mit sich brachte, waren Grund genug, um ein wenig hoffen zu können.
      Саша Давыдов war genauso ein Wunderreiter, wie sein Pferd ein Wunderpferd war. Ich schätzte deswegen Dimkas Überzeugungskünste noch mehr, dass er einen der erfolgreichsten Juniorreiter aus Russland dazu veranlasst hatte, auf unser Gestüt nach Deutschland umzusiedeln. Mit ihm war natürlich auch Барышников gekommen, sein Baletttänzer, wie er ihn gerne nannte.
      Sascha und Dimka verstanden sich gut. Aus den beiden waren so etwas wie Freunde geworden, auch wenn das bei Dimka nur schwer zu glauben war. Viele konnten Sascha nicht leiden. Innerhalb kürzester Zeit hatte er sich einen Posten recht weit oben in der Gestütsrangliste ergattern können, ohne viel dafür tun zu müssen. Mittlerweile war er in alle wichtigen Angelegenheiten verstrickt, hatte genauen Zugriff auf das Finanzielle und war zu Dimitri Fominows engstem Berater geworden. «Den roten Fuchs» nannte man ihn mittlerweile.
      Auf jeden Fall gab es keinen Zweifel, welches Pferd Dimka wählen würde. Sein Маэстро nahm er überall mit hin. Das einzig wahre Vorzeigepferd, wie er immer sagte.
      Für mich wahr die Entscheidung um einiges schwieriger. Viele der restlichen Pferde standen mit ihren Turnierreitern gut im Training, wie Фантастика, Экстраординарный, Намисо oder Алёна. Юрий war nun leider schon seit einiger Zeit auf einem Gestüt in Süddeutschland, diente dort als Deckhengst. Nicht nur Henning freute sich auf seine Heimkehr. Schlussendlich blieben für mich also nur noch Нимфадора und Чайка. Beides hübsche Stuten, die zur Zeit nur langsam Anschluss am täglichen Training fanden. Ich mochte beide wirklich sehr.
      Ich entschied mich für Nymphe. Alleine aus dem Grund, weil ich wusste, dass sie kein Problem mir anhänglichen Hengsten hatte und es auch gut schaffte, ihre Rosse zurückzuhalten. Im Gegensatz zu einigen der anderen Kandidatinnen.
      Nymphe wurde von mir von allen Seiten gut mit reflektierenden Streifen ausgestattet und sowohl der leuchtende Halsring, als auch die blinkende Schweifbeleuchtung sollten wohl genug Licht darstellen, um nicht zu übersehen zu werden. Dimka war zwar etwas sparsamer an die Sache herangegangen, «der Meister» würde aber trotzdem gut zu sehen sein. Mir selbst zog ich noch eine Warnweste an und setzte mir die Stirnlampe auf den Helm.
      «Kann losgehen!», sagte ich und grinste Dimka an. Er musterte mich etwas skeptisch, musste dann aber auch grinsen.
      «Ja, kann losgehen», sagte er und schwang sich in den Sattel von Маэстро.

      18.12.2019 | 5.294 Zeichen | Canyon
    • Gwen
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      Herbst

      Es war ein kalter und trüber Morgen. Fröstelnd rieb ich meine Hände aneinander und bereute es, keine Handschuhe angezogen zu haben. Tassilo grinste mich nur an, als er bereits mit Анжелика, Алёна und Poca den Stall verließ. Auch er war dick eingepackt, aber ihm schien das schlechte Wetter immer recht wenig auszumachen. Ich war da schon wesentlich jammernder unterwegs. Also still jammernd, immerhin brachte das weder den Pferden noch mir etwas. Wir hatten die Pferde bereits gefüttert und während Tassilo sie nacheinander auf ihre Weiden brachte, begann ich direkt, die freigewordenen Boxen zu misten und für die kommende Nacht vorzubereiten. Das hieß, altes Stroh raus, frisches Stroh rein und die Heunetze auffüllen.
      Was das betraf, waren wir ein super Team und gegen sieben Uhr waren wir mit allem fertig. So langsam wurde es draußen auch hell, nur, dass es jetzt auch begann zu regnen. "Не снова", murmelte ich und verdrehte die Augen. Der dritte Tag in Folge, an dem es einfach nur regnen würde. Юрий und Маэстро standen bereits am Putzplatz. Tassilo hatte die beiden Hengste direkt drin gelassen, denn gleich ging das erste Springtraining los. Routiniert machte ich Маэстро fertig und führte ihn dann aus dem Stall zum Springplatz. Wir wärmten die Pferde auf und kurz darauf erschien Dimitri. So ruhig und ungesprächig, wie immer bei solchem Wetter, stand er mit Regenmantel in der Mitte des Platzes und legte direkt los.
      Der Boden war gut, so dass wir nichtsdestotrotz hoch sprangen. Aktuell arbeiteten wir daran, auch bei den höheren Höhen die Form und Technik beizubehalten. Beide Hengste machten ihren Job heute wirklich gut, so dass wir schnell vorankamen. Ein knappes Lob von Dimitri zum Abschluss und dann verschwand er wieder. Wir ritten die beiden Budjonnys ab und brachten sie dann in den Stall. Dort hieß es fix absatteln, etwas mit Stroh abreiben, während sie ihr Futter bekamen und dann durften sie hinaus auf die Weide. Und während Tassilo die beiden versorgte, holte ich bereits Намисо und Экстраординарный für die nächste Runde.
      Als Tassilo wieder kam, waren die beiden bereits gesattelt, so dass wir direkt starten konnten. Wieder ab in den Regen und etwas springen. Mit den beiden jedoch ein gemütlicheres Training. Aktuell trainierten wir sowieso ein wenig ab, da in der Wintersaison nicht zu viel passieren würde. Hier und da vielleicht ein Hallenturnier, ansonsten hielten wir die Pferde fit und minderten das Trainingspensum, damit sie genügend andere Reserven für die Temperaturen hatten. Экстраординарный zeigte sich heute von seiner besten Seite und ließ sich das Wetter nicht anmerken. Намисо hingegen war heute sehr sensibel unterwegs. Ich hatte das Gefühl, durch den Regen wirkte jede meiner Schenkelhilfen dreimal so stark oder Намисо war einfach eine Mimose bei schlechtem Wetter.
      Tendenziell machten sie beiden ihren Job dennoch sehr gut, so dass wir zufrieden das Training beenden konnten.
      Abschließend waren unsere drei Stuten an der Reihe. Sie hatten heute ihren freien Tag, was so viel bedeutete wie entspannteres Training. Wir machten Чайка, Нимфадора und Фантастика fertig und warteten dann noch auf Eva, welche sich trotz des Wetters auf einen Ausritt eingelassen hatte. Dankend nahm sie die Zügel von Чайка und schwang sich auf den Rücken der großen Fuchsstute. Ich hingegen ritt Нимфадора und Tassilo nahm Фантастика. Es wurde ein entspannter Ausritt, zu großen Teilen durch den Wald. Wir redeten auch gar nicht viel, sondern genossen einfach die Abwechslung von der Arbeit. Den Stuten ging es ähnlich und sie schritten zufrieden am langen Zügel die Waldwege entlang.
      "Тассило, помоги мне на кухне", meinte Eva, als wir wieder im Stall waren und die Pferde abgesattelt am Putzplatz standen. Ich lächelte leise in mich hinein. Tassilo war kein Fan davon, in der Küche zu helfen. Vorzugsweise machte er lieber alle Stallarbeiten, aber Eva war der Meinung, dass jeder überall mal half. Also gingen die beiden hinein, um sich um das Mittagessen zu kümmern. Ich brachte sie Stuten wieder hinaus und holte mir zum Ende noch Барышников. Der wunderschöne helle Fuchs wurde nur noch einmal für gut zwanzig Minuten locker longiert. Er hatte gestern ein anspruchsvolles Training gehabt, weshalb er gerade in der Regenerationsphase war und wir gerne Muskelkater verhindern wollten.
      Als ich Барышников wieder auf seine Weide gebracht hatte, kam ich auf dem Rückweg bei unseren Kleinsten vorbei. Алевтина, Юноно und Молотов standen zufrieden in ihrem Offenstall im Unterstand und mümmelten Heu. Die drei Kleinen waren einfach goldig und sie entwickelten sich prächtig, ich hätte den ganzen Tag bei ihnen verbringen können. So blieb ich auch diesmal wieder länger stehen, bis ich Evas Stimme über den Hof rufen hörte: "
      еда готова!"

      15.10.2020 | 4.767 Zeichen | Gwen
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  • Album:
    Zuchtgestüt Fominow
    Hochgeladen von:
    Canyon
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    27 Juli 2018
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    Намисо

    ● ○ ● ○

    Hengst | *2013 | 162cm
    Budjonny
    Brauner

    ● ○ ● ○

    Von unbekannt
    Von unbekannt Aus der unbekannt

    Aus der unbekannt

    Von unbekannt Aus der unbekannt

    ● ○ ● ○

    Намисо fällt allein durch seine Größe und Breite sofort jedem ins Auge. Der Hengst zeigt sich bei der Arbeit charakterstark und sensibel. Er ist absolut fein zu reiten, benötigt dennoch einen erfahrenen Reiter. Besonders im Springreiten entfaltet Намисо sein volles Potenzial, aber auch für die Vielseitigkeit ist er bestens geeignet. Im Parcours zeigt sich der Braune stets selbstsicher und konzentriert - im Fall der Fälle steht er auch jederzeit für seinen Reiter ein und verzeiht Fehler. Auch im Gelände ist seine Charakterstärke durchaus von Vorteil, sowohl im Geländespringen als auch in der Distanz. Lediglich in der Dressur glänzt Намисо mit wenig Arbeitswillen und lässt vorzugsweise seinen Reiter ackern. Mit etwas Feingefühl kann man jedoch selbst dort allerhand Talent aus dem Hengst kitzeln.


    ● ○ ● ○

    Besitzer: Canyon
    VKR/Ersteller: adoptedfox
    im Besitz seit: 27. Juli 2018
    Kaufpreis: noch unbekannt

    ● ○ ● ○

    Schleifenaufstieg Trainingsaufstieg Potential

    Springen E A L M S S* S** S***

    Military E A L M S

    Dressur E A L M S S* S**

    Distanz E A L M S

    Galopp E A L M S

    Western E A L

    Fahren E A L M S


    ● ○ ● ○

    Fohlen ABC | Eingeritten | Eingefahren

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    458. Galopprennen | 364. Distanzturnier | 261. Synchronspringen | 521. Dressurturnier

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    262. Synchronspringen | 462. Galopprennen | 9. Synchronfahren | 469. Westernturnier

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    10. Synchronfahren | 266. Synchronspringen

    ● ○ ● ○

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    [HK 500]

    Gencode: EeAa
    Zur Zucht zugelassen: Ja
    Eingetragene Zucht: Zuchtgestüt Fominow (ZGF)

    Nachkommen
    -


    ● ○ ● ○

    Letzter Tierarztbesuch: unbekannt

    Letzter Hufschmiedbesuch: 03-11-2018 durch Sissicat

    ● ○ ● ○

    PNG | Puzzel PNG | offizieller HG