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Canyon

● Алёна ♞

ausgesprochen Aljona | inoffizieller HG von sadasha | тавро: 90-09

● Алёна ♞
Canyon, 18 Juni 2018
Veija, Mohikanerin, Calypso und 3 anderen gefällt das.
    • Canyon
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      Горячие мысли
      Es war seine Wärme, die mich in jener Nacht immer wieder zurück in seine Arme trieb. Seine Hände suchten die meinen, schlangen sich um meinen Körper und hielten mich mit aller Wärme fest. Als ich einmal aufwachte, war mir die Decke von den Schultern gerutscht. Dimka erwachte von meinen schwachen Bemühungen, die wärmende Decke über die kalten Stellen meines Körpers zu ziehen. Er jedoch zog mich mit geschickten Griffen wieder ein Stück näher an seinen Körper und breitete dann die Decke über mir aus. Sein warmer Arm unter meinem Kopf, die sich sacht hebende und senkende Brust neben mir und der gleichmäßige Atem, wiegten mich zurück in einen traumlosen Schlaf.
      Als ich am Morgen aufwachte, war ich mir nicht sicher, ob Dimka auch geschlafen hatte. Sein Griff um meine Taille war genau so stark und bestimmend wie zuvor und auch sein Atem ging gewohnt gleichmäßig. Als ich den Kopf ein Stück drehte, blickte ich in seine tiefliegenden blauen Augen und er sah mich an, als hätte er die ganze Nacht nichts anderes getan.

      Er konnte die Finger nicht von mir lassen und ich liebte das. Ich liebte ihn und wenn er da war, dann liebte ich auch die Welt. Dabei war er mir damals nicht aufgefallen. Er war einer von vielen neuen Gesichtern und wir besuchten nur ein paar Kurse zusammen. Er war nicht sonderlich fleißig, aber das brauchte er auch nicht zu sein. Er hatte Talent und das anscheinend in allem. Damals bewunderte ich ihn und als ich nicht aufpasste, wuchs diese Bewunderung, wuchs der Drang nach seinem zarten Duft und das Gefühl, nicht mehr allein sein zu wollen. Und dann liebte ich das Gefühl verliebt zu sein, die Scheu vor der Nähe und der unbestimmten Zukunft und all die Gedankenspiel. Sie waren blühender als jedes Frühlingsbeet und sie waren damals hoffnungslos für mich. Ich fühlte mich schwach und machtlos ihm gegenüber, seiner Besonnenheit und Ruhe und doch wählte er mich, so wie ich ihn gewählt hätte.
      Nun war Dimka mein Prinz, mein Leben und meine Welt und ich war in ihn und sein Leben eingetaucht, als hätte es nie etwas davor gegeben. Wenn er nicht da war, dann war ich kraftlos, der triste Alltag überrollte mich und hinterließ nichts als die dreckigen Spuren der Reifen auf mir.
      »Моя маленькая принцесса«, sagte er immer, strich mir durchs Haar und dann den Rücken hinab, bis seine Hand liegen blieb und er mich ein Stückchen näher an sich heranzog.
      Mit Dimka kamen auch die Freiheit zu mir zurück. Sie kam in Form der Pferde, des geregelten Alltags und des Geruches der Natur. Zu erst half ich nur hin und wieder aus. Meine Hände zitterten und rutschten ungeschickt am Pferdekörper herab, denn ich merkte, dass da schon wieder etwas war, was ich nicht konnte. Nicht so gut wie Dimka. Aber er half mir, legte seine Hand auf meine und gemeinsam erkundeten wir den muskulösen Körper der starken Warmblüter. Er lehrte mich Fühlen, wie sie fühlten und nur das zu denken, was nötig war, um das Pferd zu verstehen.
      Dimka hieß eigentlich Dimitri. Dimitri Fominow. Seine Familie kam ursprünglich aus Russland, zusammen mit Pferd und dem Wunsch, nach einem neuen Leben. Sein Vater gründete das Zuchtgestüt Fominow, ein Gestüt, welches sich Jahr für Jahr nach oben kämpfte. »Димитри Фоминов«, hatte sein Vater immer zu ihm gesagt. »Единственное, что имеет значение, это любовь к самому себе. Und mit Liebe und einem geringen Teil an Verstand, wirst du jedes Ziel erreichen«, fügte er oft noch hinzu. Und als Dimka nach Hause zurückkehrte, um zurück zu den Menschen zu gehen, die er liebte, verstarb sein Vater. »Herzinfarkt«, sagte der Arzt. »Он умер из-за слишком большой любви в сердце«, sagte Dimka.

      »Моя принцесса«, sagte er auch an diesem Tag, als ich die Augen öffnete. Die Sonnenstrahlen fielen durch die hohen Fenster und bedeckten die seidenen Bettlacken mit einem Glanz wie klares Wasser. Meine Händen suchten seinen warmen Körper, glitten hinauf bis an seinen Hals und dann weiter, bis sie seine Lippen berührten. Mein Kopf folgte meinen Fingern und sachte, als wären sie dazu geschaffen, verschmolzen meine Lippen mit seinen. »Guten Morgen, mein Prinz«, sagte ich leise, nachdem ich mich von ihm lösen konnte
      »Was wird der Tag wohl heute bringen?«, fragte er mich.
      »Я не знаю«, sagte ich. »Ich lass mich überraschen.« Er lachte leise und seine Mundwinkel zogen sich nach oben. Mit den Fingern fuhr ich seine Grübchen entlang, ließ sie über seine Ohren gleiten und dann weiter den Hals herab.
      »Dann lass es uns herausfinden«, sagte er und befreite sich vorsichtig aus meiner Umklammerung. »Kommst du mit duschen?«

      Die kalte Morgendusche wusch den Schlaf von mir und auch wenn es mir wie jeden Morgen schwer fiel die schwere Stallkleidung anzuziehen, anstatt mich einfach wieder im Bett zu verkriechen, blieb Dimka heute stur. »Ich habe viel zu erledigen. Ich kann mir heute keine Verspätungen leisten.«
      Im Alltag hielt Dimka mich auf einer gewissen Entfernung. Oft konzentrierte er sich auf die wichtigen Dinge, immerhin regelte er ein ganzes Gestüt und das, obwohl er nebenbei noch Unterricht gab und die Pferde eigenhändig trainierte. Auch wenn ich in manchen Momenten unter dem Entzug seiner Nähe litt, wusste ich, dass es richtig war. Es fiel uns beiden schwer, loszulassen, wenn wir uns einmal berührten.
      Am Tag trug Dimka sein langes Haar in einem praktischen Zopf. Vor ein paar Jahren hatte er angefangen, seine ungezähmten Locken wachsen zu lassen und innerhalb kürzester Zeit hingen ihm die Haare weit über die Schultern den Rücken hinab. Ich liebte den Kontrast zwischen seinen leuchtenden Augen und dem sanften und dunklen Haar.
      Unsere größte Hilfe auf dem Gestüt war Jewa. Auch sie war vor vielen Jahren aus Russland gekommen, war eine durchaus talentierte Reiterin und hatte sich unter Dimkas strengen Blicken zu einer nahezu perfekten Reiterin entwickelt. Sie meinte immer, dass niemand perfekt sein konnte, der Mensch hatte immer etwas zu lernen, aber ich konnte für ihr Feingefühl und ihre Eleganz nur Bewunderung empfinden. Ich traf sie an jenem Morgen nicht weit von den Weiden entfernt. Mit einer dicken Bürste in der Hand schrubbte sie die Algenreste aus den hohen Behältern, um sie später neu aufzufüllen.
      »Guten Morgen Eva!«, rief ich ihr zu, als ich näher kam und drückte ihr einen Kuss auf die Wange. »Kannst du mir einen Gefallen tun und die Behälter der Hengstweide auch gleich mit saubermachen?«
      »Конечно! Das war auch so geplant«, sagte sie mit ihrem bittersüßen Akzent und lächelte mich an. »Aber dann kommen natürlich alle und meinen, sie müssen mir erst sagen, wie sich die Flasche dreht. Dabei weiß ich das selber gut genug!«
      »Wie der Hase läuft, meinst du«, sagte ich verwundert.
      »Nein, wie sich die Flasche dreht, sagen wir in Russland«, meinte sie festüberzeugt und stellte den Behälter ab. »Na los моя птица, die Arbeit wartet!«, sagte sie und scheuchte mich mit einer Handbewegung weg. Ich musste grinsen, wendete mich ab und lief weiter in Richtung der Weiden.
      Meine Aufgabe war es, jeden Morgen die Pferde auf den Weiden zu kontrollieren und den Zaun abzugehen. Viele der Tiere, hatten sie nicht gerade Fohlen oder Verletzungen, standen ganzjährig auf den großzügigen Weiden. »Viel Bewegung fördert die Ausdauer und sie härten gegen Wind und Regen ab. Was glaubst du denn, wie sonst als in den Steppen Sibiriens solch robuste Tiere hätten entstehen können?«, hatte mich Dimka mal gefragt.
      Ich ließ meine Hand am Körper des Pferdes hinabgleiten. Sacht lag meine Hand auf dem weichen Fell der Fuchsstute, unter dem Hals spürrte ich ihre Muskeln und die Kraft, die in ihr steckte. Алёна war eine unserer erfahrensten Zucht- und Turnierstuten, muskulös gebaut und von einer inneren Ruhe umgeben. Ihr leuchtendes Fell stach auf jedem Turnier hervor, auch wenn sich Dimka stets darauf aufregte, dass keine der Satteldecken gut zu ihr passte. Meine Hand fuhr weiter die Sattellage ab, über das Brandzeichen am Winderrist und dann hinab bis unter den Bauch. Ich schreckte nicht zusammen, als ich über die Narbe ab Bauch strich, es war nun lang genug her, dass sie endlich verheilt war. Алёна hatte sich damals den Bauch aufgerissen, als sie versucht hatte, über den Zaun der Weide zu springen. Noch viel zu genau hatte ich die Bilder des Blutes und des aufgeregten Pferdes vor mir, als Dimka und ich zur Hilfe geeilt waren. Ab da an hatte sie Dimka gehört und er hatte ihren Kauf nie bereut.
      Ich entließ Алёна und suchte mir die nächste Stute. Es war nicht schwer, die Herde döste im Schatten der großen Eichenbäume vor sich hin. Анжелика hatte mich schon länger aus ihren dunklen Augen beobachtet und so ging ich vorsichtig auf sie zu. Анжелика liebte den Menschen nicht, sie achtete ihn. Sie hatte Respekt vor ihm, solange auch er Respekt vor ihr hatte und ich schätzte diese Eigenschaft an ihr. Vorsichtig berührten meine Finger ihre Nüster und fuhren dann an der schmalen Blessen auf ihrem Kopf entlang, bis zu den Ohren hinauf. Sie schaubte ruhig und wendete dann den Kopf von mir ab. Анжелика war eine der wenigen Rappstuten. Sie hatte samtenes Fell und glänzendes Langhaar, dass ihr wie das eines Fohlens vom Hals abstand. Vielleicht war mir Анжелика ans Herz gewachsen, weil sie das erste Pferd gewesen war, an welches Dimka mich herangeführt hatte. Auch sie war damals noch jünger geworden und an dem, wie sie gewachsen war, sah ich auch meine eigenen Fortschritte.

      Zurück auf dem Gestütsgelände machte ich mich automatisch auf die Suche nach Dimka. Auch wenn die Arbeit uns das oft verbot, so war meine eine Hälfte des Körper doch ständig auf der Suche nach ihm. Oft reichte es mir, wenn ich ihn sehen konnte. So wie jetzt. Ich entdeckte ihn in der Reithalle, in der er einen seiner jungen Reitschüler unterrichtete. Dimka hatte die Strenge seines Vater geerbt und auch wenn er früher immer felsenfest geschworen hatte, nie in die Fußstapfen seines Vaters treten zu werden, stand er nun doch in der Mitte der Halle, die Hände in den Hosentaschen und beobachtete konzentriert jeden Schritt des Schülers. Ich hatte den Reiter schon häufiger gesehen, er war einer dieser jungen Intelligenten, die meinten, dass man als Turnierreiter die Welt der Pferde regierte. Seinen Namen hatte ich nach dem ersten Gespräch aus dem Kopf verbannt.
      Das Pferd hingegen kannte ich zu genau. Юрий war der Vorzeigehengst des Gestüts, erfolgreich auf den Turnieren und in der Zucht und das, obwohl er mittlerweile stolze 10 Jahre alt war. Er war elegant und selbstbewusst und mit einer gewissen Menge an Egoismus, die jedoch in der heutigen Zeit von Nöten war, um an die Spitze zu kommen. Trotzdem arbeitete er nicht unter jedem gut. Von falschen Hilfen war er schnell genervt und wenn ihm zu viel gesagt wurde, verspannte er schnell. Doch der Turnierreiter machte es gut und Dimka hielt sich meistens zurück. Seine Anweisungen waren oft nur Tipps, wie etwas noch verbessert werden könnte.
      Ich wollte gerade wieder gehen, Dimka hatte die ganze Zeit mit dem Rücken zu mir gestanden, als er sich doch umdrehte und mich am Tor stehen sah. Er gab dem Reiter einen kurzen Wink und rief: »Ich komme gleich wieder!«, um dann zu mir ans Tor zu kommen und mir einen kurzen Kuss auf die Stirn zu geben. »Ich habe heute eine Einladung zu einem kleinen Züchter bekommen, er möchte mir ein paar seiner Pferde vorstellen«, sagte er und blickte mir in die Augen. Nach der Stunde steige ich wohl ins Auto und fahre dort hin. Ich werde allerdings erst morgen wiederkommen. Du schaffst das ohne mich?« Ich wollte nein schreien, ich wehrte mich gegen die Vorstellung, zu weit weg sein zu müssen, aber ich nickte brav.
      »Wird schon, irgendwie«, sagte ich wenig überzeugend und Dimka lächelte.
      »Du schaffst das«, sagte er und streichelte meine Wange.
      »Warum kann ich denn nicht mit?«, sagte ich weinerlich und wusste, dass ich wieder wie ein kleines Kind klang.
      »Ich brauche dich hier und außerdem ist es einfach ungünstig. Vielleicht beim nächsten Mal?« Ich blickte ihn mit großen, bettelnden Augen an. Aber es half nichts. »Ich muss wieder in die Stunde. Ich verabschiede mich nachher noch von dir!« Er beugte sich vor und gab mir einen kurzen Kuss. Mein Körper zog sich zusammen, ich lehnte mich nach vorne, wollte ihn festhalten, aber er lehnte sich schon wieder zurück, drehte sich um und ließ mich in der Luft baumelnd zurück.

      Und wie ich die Stunden ohne Dimka hasste. Sie zogen sich hin wie die anhaltende Wärme des Sommers. Unaushaltbar, wütend, schmerzverzerrt.

      und die zeit verstreicht von stund‘ zu stund‘
      vögel kreise am himmel zieh‘n
      vor dem auge, nach dem mund
      die hand, und worte die entliehen

      gehen hinaus
      keiner fängt sie ein
      sie sind für dich
      für dich allein

      19.06.2018 | 12.578 Zeichen | Canyon
    • Canyon
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      Springen E → A

      Während der Trainingssaison war Sonntagabend reserviert für die Runde mit den Senior Trainern. Gegen halb acht, schon fertig geduscht und mit vollem Magen, machte sich Cat gemeinsam mit Bernie in Richtung Haupthaus auf. Eigentlich nur, weil sie anwesend sein musste; das Training mit Quarterback war momentan ihre Hauptaufgabe, und auch wenn der Hengst nicht wirklich leicht war, wuchs er ihr langsam aber sicher ans Herz.
      Aber trotzdem rief Maggie gegen Ende der Sitzung ihren Namen auf. Cat hatte eigentlich schon abgeschlossen und war mit den Gedanken woanders. Aber wie das so ist, wenn man plötzlich seinen Namen hörte, schoss ihr Kopf Richtung Senior Trainer und ein wenig elegantes „Hä?“ kam aus ihrem Mund.
      Maggie, die zwischen Frank und Logan saß, hob einen ihrer wichtigen, wichtigen Wichtig-Zettel in die Höhe. „Budjonny-Stute, Springen.“
      Cats Mund blieb weiter offen stehen. „Ich dachte—“

      Aber Maggie war schon beim nächsten Pferd und dem nächsten Jock. Cat blieb also nichts anderes übrig, als auf eine Erklärung zu warten. Immer noch reichlich verwirrt und mit einem mindestens genauso verwirrten, „leicht dümmlichen“ (Danke, Bernie) Gesichtsausdruck, ging sie nach der Runde schließlich zu den Senior Trainern nach vorne.
      Maggie drückte ihr gleich den Zettel mit der Beschreibung und den Details zum Pferd in die Hand. „Sollte ich mich nicht erstmal auf Quarterback konzentrieren?“ fragte Cat schließlich und versuchte, dabei nicht trotzig zu klingen.
      Erst jetzt, von nahem, viel Cat auf, wie fertig Maggie aussah; Strähnen fielen aus ihrem sonst immer pristinen Pferdeschwanz, sie hatte Augenringe und die ersten Fältchen, die sonst immer charmant aussahen, schienen plötzlich viel tiefer. Cat fühlte sich sofort schlecht – anstatt sich ihrem Schicksal anzunehmen, war sie bestimmt nur das nächste Problem für die Senior Trainerin an diesem Tag.
      Trotzdem schaffte Maggie ein kleines Lächeln. „Quarterback schrauben wir die nächsten Wochen gezwungenermaßen ein bisschen runter.“ Dann deutete sie auf den Zettel, den Cat noch immer nicht angeguckt hatte. „Den Auftrag brauchen wir. Wirklich. Wenn sie dann da ist, dann besprechen wir nochmal unter vier Augen, wie das läuft, okay?“

      Die Budjonny-Stute kam wenige Tage später auf Sandringham Manor an. Neun Jahre, wiederholte Cat in Gedanken, während sie über den Hof lief, um die Stute zu begrüßen. Neun Jahre. Fuchs. Aljona. Hatte erst einen Unfall auf einem Turnier und soll jetzt langsam wieder daran gewöhnt werden.
      Ein wenig neugierig lugte Cat in den B-Stall hinein. Aljona war schnell gefunden; sie war der einzige Fuchs im Stall; ihr rotes Fell schien schier zu glühen, während sie ruhig auf etwas Heu herumkaute. Cat beobachtete sie erst ein bisschen aus der Ferne – als das Tor aufgeschoben wurde, hatte die Stute kurz zu ihr aufgesehen, dann hatte sie sich wieder dem Futter gewidmet. Allgemein machte sie einen recht entspannten Eindruck, als wäre das das normalste der Welt, in einem fremden Stall in einem fremden Land zu stehen.
      Vielleicht war das sogar irgendwann ihr gesamtes Leben gewesen, dachte Cat. Dann kann ich wenigstens zügig mit dem Training anfangen.
      Auch, als Cat an die Boxentür trat, interessierte Aljona sich nicht großartig für sie. Vor allem nicht für die Finger, die Cat ihr zum Beschnuppern hinhielt.
      „Aljona,“ wisperte sie immer wieder. „Алёна. Aljonka. Hey.“
      Eher aus Höflichkeit als wirklichem Interesse schnupperte die Stute dann doch an ihrer Hand. Wenigstens ein Erfolg für den Tag. Cat sah Aljona noch eine Weile zu, dann wartete auch schon wieder das Training mit Quarterback.
      Beim ersten Ritt auf der Stute – noch ohne das wirkliche Training anzufangen – fühlte sich Cat, als würde sie das Reiten nochmal lernen. Sie wusste um Aljonas Verletzung am Bauch, hatte die Narbe gesehen und Aljonas Besitzer hatte auch ausdrücklich davor gewarnt, da die Stute an der Stelle nach wie vor extrem empfindlich war. Auf der linken Hand war es soweit in Ordnung; Aljona lief vorwärts, kaute zufrieden auf dem Gebiss und schien sich an nichts zu stören. Cats inneres Bein war fest am Sattelgurt und traf die Stelle daher nicht. Anders sah es auf der anderen Hand aus, wenn der äußere Schenkel ein kleines Stück hinter dem Sattelgurt lag. Cat war bedacht darauf, ordentlich zu treiben – mit der Wade, nicht mit der Hacke und außerdem so sanft wie möglich – und trotzdem schlug die Stute mit dem Schweif, machte einen Satz nach innen.
      Am Schluss des Trainings stieg Cat mit hochrotem Gesicht ab, das etwa die Farbe von Aljonas Fell angenommen hatte. Sie hatte beim Putzen schon bemerkt, dass es der Stute überhaupt nicht gefiel, wenn sie dort berührt wurde, aber es war fast nicht zu umgehen.
      In den nächsten Tagen arbeitete Cat also an Aljona und an sich selbst. Schnell merkte sie, dass Aljona durchaus entspannter lief, wenn Cat den linken Schenkel so gut wie gar nicht vom Sattelgurt bewegte. Während sie nebenbei noch alle paar Tage auf Quarterback saß, fiel ihr die Umstellung anfangs schwer – aber mit jeder Session fiel es ihr ein bisschen leichter. Aljona dagegen musste damit klarkommen, sich allein vom linken Zügel verwahren zu lassen. Das funktionierte weniger gut, bis Cat dann doch den linken Schenkel dazu nahm – nur eben am Sattelgurt.
      „Ich komm langsam selbst total durcheinander,“ jammerte sie Bernie eines Abends die Ohren voll. „Und Quarterback versteht die Welt langsam nicht mehr.“ Erst heute, beim Dressurtraining, hatte sich das gezeigt; am Morgen hatte Cat mit Aljona erste Stangenarbeit gemacht, nachmittags dann Training mit Quarterback. Während Maggie schier verrückt wurde, weil Cats äußerer Schenkel immer wieder nach vorne rutschte, dackelte Quarterback irgendwie durch den Zirkel. „Und noch ein Ei,“ rief Maggie nach jedem missglückten Versuch, und Cat hätte vor Frustration am liebsten geschrien.
      Bernie tätschelte ihr nur den Kopf. „Das wird schon,“ murmelte sie abwesend; ihre Aufmerksamkeit galt dem Fernseher mit den Explosionen oder dem Smartphone in ihrer Hand. Cat machte sich gar nichts daraus und jammerte ihre Freundin einfach weiter voll.
      Das schien irgendeine Blockade zu lösen – am nächsten Tag hatten Aljona und Cat das beste Training bis jetzt. Langsam fing die Stangenarbeit an, und auch, wenn die Stute lange brauchte, bis sie wusste, wie sie über die bunten Stangen laufen sollte, irgendwann war Cat und sogar Frank zufrieden. Seit es mehr in Richtung Springtraining ging, überwachte er die Stunden sporadisch und gab ab und zu einen Kommentar vom Rand des Reitplatzes ab. Dieses Mal, nachdem Aljona mit stolz gebogenem Hals und leichten Tritten über verschiedene Trabstangenkombinationen schritt und auch über die ersten kleinen Gymnastiksprünge setzte, parierte Cat sie mit geröteten Wangen vor Frank durch. Der zuckte mit den Schultern und brummelte „nicht schlecht“ – und für Frank-Verhältnisse war das ein absolut euphorisches Kompliment.
      Die Gymnastiksprünge nahmen zu, sowohl in Anzahl als auch Höhe. Das Trainingstempo würde Cat eher als gemütlich beschreiben; Aljona kannte zwar das Ganze schon, ließ sich aber trotzdem Zeit, alles zu lernen. Zu Beginn hatte Cat das ein bisschen an ihre Grenzen gebracht; vor dem ersten kleinen Parcours, nachdem die Stute schon eine ganze Zeit auf Sandringham Manor verbrachte, war sie das schon gewöhnt. Zwei Schritte nach vorn, einer zurück – so kam man auch irgendwann ans Ziel. Dementsprechend ging der erste Versuch, den kleinen Parcours auf E-Level zu springen, ordentlich in die Binsen. Nach einigen Wiederholungen schien Aljona ihren Groove zu finden – oder wiederzufinden. Die Galoppade ruhig und versammelt, der Absprung kräftig und die Landung leichtfüßig, schon wieder aufs nächste Hindernis fokussiert. Doch gerade, als die Stute anscheinend warm war und danach eiferte, noch weiter zu machen, beschloss Cat, für heute Schluss zu machen. Sie sollte sich ja nicht gleich übernehmen, und wer weiß, wann sie das letzte Mal so im Training stand. Passenderweise war der nächste Tag auch verregnet, sodass Aljona einen Tag Pause bekam.
      Nachdem das Springen auf E-Niveau gut klappte, wurde jetzt an der Höhe gearbeitet. Langsam natürlich; Zentimeter für Zentimeter wurden einzelne Hindernisse höher, und sobald Cat und Frank gefiel, wie Aljona das meisterte, auch schon die nächsten. Der Sprung von E auf A war nicht wirklich groß, weswegen der nächste große Punkt auf Aljonas Trainingsplan das Stiltraining war. Zumindest in dem Ausmaß, in dem man den Stil antrainieren konnte, beziehungsweise in der das Pferd überhaupt zum Stil beitragen konnte. Durchlässig war Aljona, war sie schon gewesen, seit sie auf dem Gestüt angekommen war – damit war der Grundstein auf jeden Fall schon einmal gelegt. Auch die Einschätzung der Distanz fiel Aljona nicht schwer; hier zeigte sich dann doch ihr Leben vor dem Unfall. An der ruhigen Galoppade hatte Cat von Anfang an arbeiten können. Es lief alles super.
      Und doch traf es sie dann ein wenig unvorbereitet, als Maggie an einem Sonntagabend das Training von Aljona für abgeschlossen erklärte. „In zwei Tagen wird die Budjonny-Stute zurück nach Deutschland fliegen,“ schloss die Trainerin ab und legte Aljonas Zettel auf den Tisch vor sich ab.
      Cat wurde hellhörig – ein Gestüt in Deutschland? Dann könnte sie das ja ganz einfach mal besuchen, oder wenn möglich sogar ihren Bruder als Pfleger dort einschleusen. Aljona war ihr ziemlich ans Herz gewachsen; mittlerweile begrüßte die Stute sie sogar schon mit einem leisen Brummeln. Und wegen der Stute hatte Cat ihr Interesse an Russisch wieder gefunden – Aljonka und Привет, моя красавица rollten mittlerweile wieder locker und flüssig von ihrer Zunge, die die Sprache ihrer Familie sonst immer abgelehnt hatte. Also ließ sie sich von Maggie den Namen des Gestüts geben, zu dem Aljona zurückkehren würde, und schickte den Link zur Website sofort an Lesja.

      31.07.2018 | 9.840 Zeichen | Rhapsody
    • Canyon
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      Chippen
      Nachdem ich bei Hunter in England war, ging es nach Deutschland. Der Flug war zum Glück nur circa eine Stunde, die ich dennoch voller Todesangst überstanden hatte.
      Diesmal hatte ich ein Hotel und hatte mit ein Fahrzeug gemietet um zum Gestüt von Dimitri Fominow zu kommen. Aufgeregt setzte ich mich in das rote Auto und fuhr lost.
      Das Navigationsystem führte mich sicher durch das unbekannte Gebiet. Bei einer Pause telefonierte ich mit Simon, der mir voller freude verkündete das er ein Westernpferd
      gekauft hatte und mehrere neue Aufträge eingegangen waren. Ein wenig überwältigt von den Neuigkeiten grübelte ich während der Fahrt weiter und versuchte einige
      organisatorischen Kram zu bewältigen.

      Nicht lange nachdem ich einen groben Plan entwickelt hatte war ich angekommen. "Zuchtgestüt Fominow" laß ich leise. "Wie originell". Perplex von meiner Gemeinheit packte
      ich die Geräte und die Nadeln für die Mikrochips, die Mikrochips selbst, sowie auch das Lesegerät ein. Mehr war diesmal nicht nötig. Die Pfedekennzeichnung dauerte an
      sich auch nicht lange und ich freute mich darauf die freie Zeit dann ein bisschen zu genießen. Sehr förmlich stellte ich mich dem Herrn Fominow vor. Er war direkt sehr persönlich
      und sehr freundlich, was mir die Nervosität nahm. "Ich bin eine sehr junge Tierärztin, nicht viele Leute nehmen mich dann für voll" sagte ich, nachdem der Besitzer der Budjonny
      Pony's bemerkte das ich nervös war. Er gab mir sein Verständnis zurück und erklärte das Alter keine Rolle spiele. "Das lernen ist eine Sache, das Können und die Leidenschaft, eine
      andere" sagte er. Dieses Zitat blieb mit im Gedächtnis und heiterte mich auch noch einige Wochen später auf. Ich wurde darauf hingewiesen das Алёна ehemalig eine Wunde an der
      Bauchdecke hatte. Bevor ich also mit dem Chippen loslegte, begrüßte ich die Fuchsstute und schaute mit die Stelle an. "Die Wunde ist sehr gut verheilt. Nicht mehr lange, dann
      wächst ihr Fell dort auch wieder normal nach. Es kann aber auch sein das der Haarwuchs dort ausfällt. Ist aber physisch nicht schlimm". Dimitri, wie er mir anbot, hörte aufmerksam
      zu und hielt dann die Stute fest, während ich den Chip nähe des Mähnenkammsplatzierte. Auch bei Poca war diese Prozedur schnell erledigt. Ich lobte beide Stuten mit einem Apfel
      und ging mit dem Lesegerät über dem Chip um sicher zu gehen, das dieser auch erkannt werden konnte. "Das war's schon. Der Pass ist beantragt und wird in einigen Tagen bis zu
      einer Woche per Post zugesendet" lächelte ich. Ich räumte die ganzen Packungen weg und erledigte den Anruf bei der zuständigen Stelle der Pässe. Ich bedankte mich bei Dimitri
      für den Kaffee am Ende und das aufmunternde Gespräch. Gegen Mittag hatte ich dann Zeit um im Hotel den Wellness Bereich zu testen.

      18.06.2018 | 2.598 Zeichen | Cooper
    • Eddi
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      Pferdepraxis Sapala
      An diesem Morgen machte ich mich auf den Weg zum Zuchtgestüt Fominow. Hier lag der Fokus auf der Rasse der Budjonnys und zu denen gehörten auch meine beiden heutigen Patienten Алёна und Маэстро. Auf dem Gestüt angekommen, wurde ich herzlich von dem Chef Dimitri Fominow in Empfang genommen. Gemeinsam machten wir uns direkt auf den Weg in den Stall, wo bereits eine fuchsfarbene Stute angebunden am Putzplatz auf uns wartete.
      Dimitri stellte mir Алёна kurz vor.
      Die Stute war neun Jahre alt und eine erfahrene Turnierstute, aktuell auch noch im Sport unterwegs. Das sah man ihr auch an und ich bat Dimitri, mir die Stute einmal kurz im Schritt und dann im Trab die Stallgasse entlang zu führen. Dabei zeigte die Stute taktklare Gänge und wies keinerlei Blockaden auf. Dimitri band sie mir wieder am Putzplatz an und ich begutachtete kurz die etwas größere Narbe am Bauch, über welche mich Dimitri unterrichtet hatte.
      Doch dort war alles in bester Ordnung. Die Wunde war damals gut verheilt und außer der Narbe war nichts mehr zu sehen. "Wenn sich die Narbe mal sehr spröde anfühlt, könnt ihr sie mit einer Fettsalbe einschmieren, dass pflegt gut und macht die Stelle wieder geschmeidiger", meinte ich als kleinen Rat zu Dimitri und machte mich dann daran, die Stute zu untersuchen.
      Erst ein kurzer Blick in Ohren, Augen und Maul und danach hörte ich auch schon Herz und Lunge ab. Abschließend tastete ich noch nach den Lymphknoten und untersuchte auch die Beine, ehe ich abschließend die Körpertemperatur kontrollierte und dann zufrieden nickte. "Alles in Ordnung", meinte ich knapp und ließ mir von Dimitri den Impfpass geben.
      Алёна wurde heute gegen Influenza, Herpes, Tetanus und Tollwut geimpft. Damit war alles wieder aktuell und die Stute konnte weiterhin bei Turnieren starten. Abschließend gab es direkt noch die Wurmkur hinterher, ehe ich die Fuchsstute kurz lobte und sie dann zurück auf die Weide entließ. Während Dimitri sie also wegbrachte, erneuerte ich den Impfpass und als ich aufschaute, war bereits der nächste Patient da: Маэстро.
      Geführt wurde er von einer jungen Frau und ich stoppte die beiden spontan und nachdem ich sicher war, dass es sich um das nächste Pferd handelte, bat ich sie direkt, ihn mir einmal im Schritt und einmal im Trab vorzuführen, ehe sie ihn anband. Wie ich erfuhr handelte es sich bei der jungen Frau um Taisija Romanow, die Reiterin des Hengstes.
      Die Gänge des Hengstes waren ebenso klar und schwungvoll wie von der vorherigen Stute und alles sah sauber aus. Also banden wir ihn an und ich machte mit der Untersuchung weiter. Ein kurzer Blick in Ohren, Augen und Maul und ich konnte Dimitri, welcher inzwischen wieder bei uns angekommen war, versichern, dass es auch Маэстро bestens ging. Weiter ging es mit dem Abhören von Herz und Lunge, danach dem Abtasten der Lymphknoten und Beine und abschließend noch die Körpertemperatur.
      Wie erwartet war auch der Hengst in bester Form und ich lobte die beiden für den guten Zustand des Pferdes. Rundum waren die Tiere hier versorgt und das sah man ihnen auch an. Sie waren wohl geformt, wirkten in sich harmonisch und auch die Hufe zeigten sich in einem guten Zustand. So konnte ich auch Маэстро guten Gewissens impfen. Auch er wurde gegen Influenza, Herpes, Tetanus und Tollwut geimpft und bekam heute seine Wurmkur.
      Danach war er ebenso fertig und durfte wieder hinaus. Ich erneuerte noch den Impfpass, verabschiedete mich von Dimitri und Taisija und machte mich dann auch schon direkt auf den Weg zum nächsten Termin, denn heute war mal wieder einer der etwas gefüllteren Tage, so dass ich mich gut ranhalten musste, um pünktlich bei dem nächsten Kunden anzukommen.

      26.08.2018 | 3.660 Zeichen | Eddi
    • Canyon
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      Springen A → L
      Gähnend streckte ich mich und wollte am liebsten gar nicht aus dem warmen Bett steigen, doch mir blieb nichts anderes übrig und so gab ich mir einen Ruck. Nach dem Training gestern war ich in das Reiterstübchen neben der Reithalle gegangen, hatte mir einen heißen Kakao gemacht und die anderen Reiter beobachtet. In Deutschland war es mindestens 10 Grad kälter als in England. Hier war der Herbst schon eingetroffen. Ich machte mich für den Tag fertig und ging dann nach unten in die Küche zu Dimitri um mir eine Tasse Kaffee zu machen. “Алёна ist sehr feinfühlig. Als wir sie gekauft haben hatte sie einen schweren Unfall und ist seither sehr empfindlich im Bauchbereich. Bitte achte darauf, ja?” sagte Dimitri und ich beschwichtigte ihn, achtsam zu sein. Wir unterhielten uns noch einen Moment, bevor ich meine Tasse ab wusch und in den Stall ging. Als ich ihre Box gefunden hatte öffnete ich die Tür und begrüßte die Stute, bevor ich ihr das Halfter anzog und sie nach draußen in die Stallgasse führte. Ich ließ die Stute einen Moment allein um die Putzbox, ihren Sattel, die Trense und ein Set Gamaschen und Hufglocken zu holen, die ich später benötigen würde. Mit dem Striegel in der einen- und einer Bürste in der anderen Hand, begann ich das kurze Fell der Stute gründlich zu putzen. Nachdem ich die Hufe ausgekratzt und die Mähne und den Schweif gekämmt hatte, zog ich Алёна, die Aljona ausgesprochen wurde, die Hufglocken an. Auch während ich ihr die Gamaschen und Streichkappen anzog, blieb sie brav stehen. “Du bist eine ganz liebe, oder?” fragte ich sie und kraulte ihr die Stirn, was ihr zu gefallen schien da sich ihr Kopf immer weiter senkte und sie die Augen schloss. Ich nahm ihren Sattel vom Sattelhalter herunter, legte ihn auf den Rücken der Stute auf und korrigierte seinen Sitz, bevor ich die Satteldecke glatt zog und den Gurt schloss. Nachdem ich Алёна auch aufgetrenst hatte, setzte ich meinen Helm auf und führte die Stute über den Hof zum Springplatz, auf dem ich gestern schon mit Экстраординарный gewesen war. Bereits gestern Abend hatte ich den Platz für das heutige Training vorbereitet, hatte die Stangen höher gelegt und ein paar der Hindernisse umplatziert um einen abwechslungsreichen Parcours zu bieten. Die Stute hatte etwas mehr Erfahrung und sollte sicherer auf dem L-Niveau werden. Ich stellte die Stute auf und zog die Steigbügel nach unten. Nachdem ich sie auf meine Länge eingestellt hatte setzte ich einen Fuß in den Steigbügel und stieß mich ab. Sanft ließ ich mich in den Sattel “fallen” und sortierte sowohl meine Füße in den Steigbügeln, als auch die Zügel in meinen Händen, bevor wir uns im Schritt und Trab aufwärmten. Алёна reagierte tatsächlich auf kleinste Hilfen, daher achtete ich besonders darauf mein Bein ruhig am Pferd zu halten, um sie nicht zu verunsichern, oder gar ihr weh zu tun. Als die Stute sich mehr und mehr entspannte gab ich ihr die Galopphilfen und ritt sie ein paar Runden über die Galoppstangen und durch die Hindernisse, bevor ich das erste taxierte: Ein Rick mit 1.10m Höhe. Die Stute blieb entspannt, sprang im richtigen Moment ab und landete leichtfüßig auf der anderen Seite. “Klasse!” lobte ich sie laut und ritt sie an eine Kombination aus einem Oxer und einem einfachen Gatter. Алёна bemühte sich und zeigte eine gute Bascule über dem Sprung. Ich gab ihr etwas mehr Zügel vor und galoppierte sie im leichten Sitz auf dem Zirkel, bevor wir in die In-Out Hindernisse wechselten. Алёна zeigte große Ambitionen und das Training bereitete mir immer mehr Freude. Ein mal, als ich etwas unvorsichtig mit meinem äußeren Schenkel war, verweigerte sie den Absprung und machte einen Satz beiseite, dass es mich beinahe aus dem Sattel befördert hätte. Ich ließ die Stute dann eine Runde im Schritt laufen und streichelte sie unter der Mähne, um sie um Entschuldigung zu bitten. Zurück im Parcours nahmen wir den Tripplebarren, dessen höchste Stange auf 1.20m lag, in Angriff, sowie eine Kombination bestehend aus 3 Sprüngen. Immer wieder ritten wir auch über die Galoppstangen und die Cavalettis um die Konzentration und Laune zu behalten. Nach einer weiteren halben Stunde parierte ich die Stute durch und ritt sie ein paar Runden auf dem Platz trocken. “Что ты имеешь ввиду?” rief Dimitri mir zu, der gerade mit einem Pferd an der Hand vorbei lief, dass ich nicht kannte. Da ich nicht verstanden hatte was er sagte, zog ich die Schultern hoch und er lachte. “Was denkst du? Kann man sie anmelden für Turniere?” - “Logisch! Sie ist ein Traum!” rief ich ihm wieder zu und lächelte. Das war sie wirklich. “Du hast einen guten Tag erwischt. Oft ist sie sehr träge.” lachte Dimitri und lief weiter. Ich hielt Алёна an und stieg ab um sie zurück in die Stallgasse zu führen. Nachdem ich sie abgesattelt hatte legte ich ihr eine Abschwitzdecke auf und brachte sie auf einen leeren Paddock, damit sie sich etwas entspannen konnte. Ich räumte die Stallgasse auf und suchte dann Dimitri, um das Training und meine Abreise zu besprechen. Schon beim letzten Besuch bat man um meine Anwesenheit beim Essen und genau so wie beim letzten Mal, schmeckte es köstlich. “Wie heißt das?” fragte ich in die Runde und zeigte auf die Schale vor mir. Dimitri lachte und sagte: “Borschtsch. Wie kannst du das nicht kennen?”. Ich würde die russische Gastfreundlichkeit vermissen.

      29.09.2018 | 5334 Zeichen | adoptedfox
    • Canyon
      Blakes Crow Meadow Training
      Hunter Hack LK 5 → LK 4
      Wo man als Trainer nicht alles hinkam. Heute stand ich vor dem Tor eines Reiterhofes in Deutschland, Mecklenburg-Vorpommern, genauer gesagt ein Hof an einem schönen See. So zumindest hatte mir der Gestütsbesitzer Dimitri Fominow seine Anlage beschrieben. Und er hatte nicht untertrieben. Schon vom Tor aus konnte man einige Ecken des Sees sehen und die Schönheit dieser Anlage bewundern. Trainieren sollte ich hier eine Budjonnystute namens Алёна. Zum Glück hatte mir Dimitri vorher geschrieben, dass man ihren Namen Aljona aussprach, denn sonst hätte ich sie vermutlich Aneha genannt, denn so sah ihr Name für mich aus. "Guten Tag.", sagte plötzlich jemand hinter mir. Ich drehte mich um und schaute einen hochgewachsenen jungen Mann an, der mit seinem Auto hinter mir stand. Seltsam, das hatte ich gar nicht gehört gehabt. "Oh hallo.", packte ich mein bestes Deutsch aus. Durch Verena hatte ich doch einiges gelernt, auch wenn ich immer mehr davon vergaß. Kein Wunder, ich hatte ja auch nur mit ihr deutsch gesprochen.
      "Ich bin Dimitri Fominow. Sie müssen Caleb O'Dell sein?", fragte er mich und reichte mir die Hand. "Ja. Caleb.", antwortete ich und überlegte fieberhaft, welche Worte ich nun benutzen musste. Dimitiri kam mir jedoch zuvor und bat mir an, mich mit dem Wagen noch ein Stück mitzunehmen, dann müsse ich nicht einmal quer über das Gelände laufen. Ich lehnte natürlich nicht ab und stieg ein. Vor einem kleinen Haus hielt er an und wir stiegen aus. "In diesem Haus kannst du übernachten.", erklärte er mir und ich ging mit dem Gepäck hinter ihm her bis zu meinem Zimmer. "Pack in Ruhe aus, ich warte und bringe dich dann zu dem Pferd.", ich nickte zwar, hatte jedoch nicht alles genau verstanden. Er schien das wohl an meinem Blick zu erkennen und wiederholte seine Aussage nochmal in englisch. Nun nickte ich sicherer, grinste ihn kurz an und bedankte mich.
      Im Zimmer packte ich ein paar Sachen aus, zog mir eine dickere Jacke an und ging dann nach draußen, wo er schon auf mich wartete. Es liefen noch ein paar andere Menschen auf dem Gestüt rum, die alle komplett anders als ich gekleidet waren. Mit meinem Coybowhut, den blauen Jeans und den Boots kam ich mir wirklich fehl am Platz vor, doch Dimitri musste sich dessen bewusst gewesen sein, als er mich engagiert hatte. Schließlich sollte ich seine Stute auch in einer Westerndiziplin ausbilden. Ein bisschen Westerntouch hatte ich da schon von Amerika nach Deutschland mitzubringen - glaubte ich zumindest.
      Wir gingen sofort rüber zum Stall, in dem die Stute stand und er erklärte mir ein wenig etwas zu ihr. Besonders ihre Ausdauer und ihre Geduld hob er hervor, doch auch von ihrem Unfall erzählte er. Sie stand jetzt wieder voll im Training und sollte auf die Krönung vorbereitet werden. Da Dimitri viel von einer vielseitigen Ausbildung hielt, sollte ich sie auch im Hunter Hack trainieren und nicht im Springen. Bei dieser Klasse kam es viel auf Ausstrahlung und Haltung an- und Ausstrahlung hatte die Stute allemal. Dimitri zeigte mir noch, wo ich ihr Putzzeug und ihr Sattelzeug finden konnte und zeigte mir auch noch kurz die Reithalle, in der ich mich vorwiegend aufhalten würde, da es draußen mittlerweile richtig kalt wurde. Hier waren es ca. 15 Grad kälter als bei uns in New Mexico. Dimitri legte mir ans Herz, entweder morgens oder abends zu trainieren, da die Hall nachmittags fast immer belegt war. Ich nickte, dankte ihm für die Info und er verabschiedete sich dann von mir. Ich merkte zwar die Müdigkeit in all meinem Knochen, doch eine kleine Runde wollte ich noch mit Aljona machen, ehe ich ins Bett gehen wollte. Ich putzte die Stute einmal schnell über, sattelte sie dann und ging in die Halle. Dort lief noch ein anderes Pferd, welches jetzt jedoch fertig war und zusammen mit seinem Reiter die Halle verließ.
      Ich gurtete nach, stieg dann auf und ließ die Stute zunächst einmal stehen. Ich wollte von Anfang an, dass sie mir zuhörte und nicht einfach das tat, was sie gewohnt war zu tun. Ich nahm sie dann kurz an, trieb sie nach vorne und gab ihr wieder Zügel nach, als sie sich in Bewegung gesetzt hatte. Viel wollte ich heute wirklich nicht machen. Ich ritt sie eine Weile im Schritt, ehe ich sie antrabte und ein wenig darauf vorbereitete, dass ich sowohl meine Beine anlegen, als sie auch vorne zurücknehmen konnte, damit sie langsamer wurde, aber die Gangart beibehielt. Oft wurden die Pferde komplett anders trainiert und es dauerte eine Weile, bis sie verstanden, dass Beine anlegen nicht schneller werden bedeutete. Wir brauchten eine ganze Weile im Trab, bis sie diese Prozedur halbwegs verstanden hatte. Ich galoppierte sie noch kurz und hörte dann auch auf, denn das reichte für sie und vor allem auch für mich, denn ich war vom langen Flug wirklich geschafft. Es war tatsächlich eine Überlegung wert, Trainingspferde mindestens zwei Monate bei uns aufzunehmen, vielleicht sogar auch drei. Dann konnten sie zu uns fliegen, sich in Ruhe einleben und zwei oder drei Stufenerhöhungen erhalten. Wir hatten dann auf der Ranch auch fast jeden Tag Zeit, so dass sie aktiv in die Arbeit eingeplant wurden und wir nicht schnell eine Woche wegfliegen, arbeiten und so schnell es ging wieder zurück kommen mussten. Das würde ich mit Bellamy auf jeden Fall einmal absprechen und vielleicht ab dem nächsten Jahr einführen. Mit etwas Glück würden wir es vielleicht sogar noch dieses Jahr schaffen.
      Mit meinen Gedanken jedoch wieder bei Aljona hatte ich sie fertig abgeritten und brachte sie in den Stall, wo sie mir sofort ein Mitarbeiter aus der Hand nahm und versorgte. Ich nickte dankend und ging dann ins Haus, wo mir Dimitri noch etwas zu essen anbot, was ich wohlwollend annahm. Ich aß etwas und ging dann in mein Zimmer, wo ich mich fertig fürs Bett machte und schließlich schlafen ging. In den nächsten zwei Tagen trainierte ich sie morgens immer nur im Schritt, damit sie sich an meine Bein und Zügelhilfen gewöhnen konnte, ehe ich sie abends in allen drei Gangarten ritt. Man merkte, dass sie sich schnell daran gewöhnte, so dass ich mir am dritten Tag meines Besuches zwei Hindernisse aufgebaut hatte. Aljona war im Springen schon auf der Stufe L, weshalb für sie die kleinen Hindernisse mit ihren 80cm kein Problem darstellen sollten. Ich wärmte sie also gründlich auf und galoppierte sie dann an. Sie hatte sich schon wirklich gut an mich und meine Hilfen gewöhnt, so dass es kein Problem war, sie ruhig auf das erste Hindernis zugaloppieren zu lassen. Es war wichtig, dass sie davor nicht all zu viel anzog, was sie aber von sich aus nicht machte, da ich sie ein wenig zurück hielt. Sie sprang wunderschön sauber ab, kam super auf und ich konnte sie gleich danach nach rechts abwenden, einen fliegenden Galoppwechsel machen und dann das andere Hindernis springen. Sie hatte von sich aus einen wunderschönen, eleganten Stil, an dem es für die nächste Klasse nichts zu verbessern gab.
      In den nächsten Tagen übten wir vor allem, und immer noch, meine Hilfengebung. Das Springen ließen wir ein wenig außer Acht, da sie das wirklich gut konnte. Auch Rückwärtsrichten stand noch auf dem Programm, was sie jedoch auch noch aus ihrer früheren Turnierpferdzeit zu kennen schien. An meinem letzten Tag hier hatte ich die zwei Hindernisse so aufgebaut, wie sie bei einer Hunter Hack Prüfung stehen würden. Ich ritt also nach dem Aufwärmen kurz raus und dann wieder in die Halle, wendete sofort nach rechts ab und galoppierte die Stute an. Schnell steuerten wir auf den ersten Sprung zu und nahmen ihn schön sauber. Danach gab ich die Hilfen zu einem fliegenden Galoppwechsel, wir übersprangen das zweite Hindernis und ritten dann wieder auf den ersten Hufschlag, wo ich sie an einem Hütchen aus dem Galopp anhielt. Als sie stand, nahm ich die Zügel auf und richtete sie rückwärts. Ich lobte sie, ritt sie ab und brachte sie wieder in den Stall. Für die nächste Klasse war sie auf jeden Fall gerüstet. In einer höheren Klasse müsste noch an ihren Galoppsprüngen, jedoch auch am Stil beim Springen gearbeitet werden. Denn ihr passierte es doch des Öfteren, dass ihre Vorderbeine beim Springen nicht parallel waren, was große Punktabzüge auf einem Turnier gab. Ich verabschiedete mich bei Dimitri und wünschte ihm noch viel Erfolg mit seiner Stute, ehe ich mich wieder auf den Heimweg machte. Ich freute mich schon darauf, wieder im Westernsattel sitzen zu können. Wobei mir dieser Ausflug im Huntersattel definitiv Spaß gemacht hatte.

      31.10.2018 | 8.427 Zeichen | Veija
    • Canyon
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      Untersuchung & Hufpflege
      Gähnend saß ich an meinem Frühstückstisch und trank den letzten Schluck meines Kaffees, ich war zwar noch nicht spät dran aber dennoch wollte ich sofort losfahren. Heute hatte ich nämlich meinen ersten richtigen Auftrag! Glücklich trat ich aus meinem Haus und stolzierte zu meinem kleinen Truck der mir als mobile Hufschmiede zur Seite stand. Nachdem ich nochmals ganz genau nachgesehen hatte, konnte ich mit Überzeugung sagen nichts vergessen zu haben. Ein letzter Blick auf mein Zuhause und schon saß ich in meinem Truck und fuhr los. Mein Ziel war das Zuchtgestüt Fominow, die liebe Gestütsleiterin hatte mich gebeten drei ihrer Zuchtpferde die Hufe zu kontrollieren. Nach einer Weile war meine Fahrt zu ende, das schöne Gestüt streckte sich vor meinem Truck aus, weshalb ich kurz innehielt um alles zu genießen. Dann parkte ich meinen Wagen und lief los um Canyon zu suchen. Die junge Frau war jedoch schnell gefunden und empfing mich freundlich, sie erklärte mir schnell wo ich meinen Truck parken könnte und wo ich alles aufbauen sollte. Während ich alles aufbaute führte Canyon drei wunderschöne Budjonny Pferde auf mich zu. Bevor ich diesen Auftrag erhielt hatte ich ehrlich gesagt noch nie etwas über diese Rasse gehört, doch jetzt wo diese drei vor mir standen bereute ich es, nicht schon viel früher mit diesen Tieren zu tun gehabt zu haben. Meine erste Patientin war ein Fuchs mit dem Namen Алёна. Ich musterte zuerst die schöne Farbe der Stute und die ruhige Art wie sie mich beobachtete, dann fasste ich vorsichtig ihr linkes Bein hinunter und hob es an. Ich begann damit dass ich ihre Hufe auf Hufkrankenheiten und ähnliches untersuchte. Bei Алёна schien dies aber eine reine Zeitverschwendung zu sein, da ihre Hufe nicht die kleinsten Anzeichen aufwiesen. So machte ich mich nachdem ich alle 4 Hufe untersucht hatte gleich an das raspeln und schneiden. Da Алёна Hufe noch nicht besonders lange waren dauerte auch diese Arbeit nicht besonders lange. "Sie war wirklich brav!“, stellte ich fest, nachdem meine Arbeit bei dieser Schönheit beendet war. Canyon lächelte stolz und führte meine nächste Patientin zu mir. Роса.
      Die junge Stute schien wie Алёна zuvor sehr ruhig zu sein, jedoch wirkte sie nicht ganz so begeistert über mein herum hantiere an ihren Hufen zu sein. Auch bei dir jüngeren Stute waren keine Hufkrankheiten zu entdecken, weshalb ich mich schnell an das raspeln und schneiden machte. Ein paar Mal versuchte die Stute mir ihr Bein zu entziehen und schnaubte ungeduldig, doch mit Hilfe ihrer Besitzerin war die Stute schnell beruhigt und lies die letzten paar Minuten meiner Behandlung über sich ergehen. Mein letzter Patient für heute war ein Hengst mit dem Namen Намисо. Wie seine beiden Vorgänger war auch dieser Hengst ein wunderschönes Tier. Der Hengst ließ sich vor meiner Arbeit erst einmal mit Streicheleinheiten verwöhnen und musterte mich danach nichtmehr ganz so misstrauisch. Nach ein paar Minuten konnte ich mich dann an die Arbeit machen, wie auch bei den beiden Stuten zuvor waren keinerlei Anzeichen auf Hufkrankheiten zu finden. Das raspeln und schneiden verlief bei Намисо etwas holprig da auch er manchmal sein Bein wegzog, aber nach einer Weile war auch mein letzter Patient fertig und glänzte in voller Pracht. Ich half Canyon dabei die Pferde zurück in ihre Ställe zu bringen, danach wurde ich von der Gestütsleiterin zu meinem Wagen begleitet wo ich mich freundlich von Canyon verabschiedete und dann in meinen Truck stieg. Für meinen ersten richtigen Auftrag war dies auf jeden Fall ein Erfolg gewesen! Und wer weiß vielleicht bekomme ich ja ein anderes Mal noch einmal die Chance auf dem Zuchtgestüt Fominow eines der Pferde zu behandeln!

      03.11.18 | 3.699 Zeichen | Sissicat
    • Gwen
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      снег, снег, снег
      Bereits früh am Morgen begann mein Arbeitstag und doch freute ich mich jedes Mal. Schon lange waren die Tage so kurz, dass mein Wecker klingelte, wenn es draußen noch dunkel war. Zu meinem Glück wohnte ich nicht weit entfernt vom Zuchtgestüt Fominow und war so schnell da. Bereits seit vorgestern musste ich morgens immer die Scheibe des Autos freikratzen, keine schöne Arbeit, aber heute, als ich das Haus verließ, konnte ich kleine weiße Schneeflocken fallen sehen. Sofort schlug mein Herz höher, denn ich liebte den Schnee. Als ich mich umschaute, sah ich, dass bereits die Landschaft von einer dünnen weißen Schneeschicht bedeckt war. Zwar fror ich auch heute wieder beim Freikratzen, aber ich freute mich über den Schnee und beschwerte mich deshalb nicht.
      Als ich am Gestüt ankam, schneite es immer noch und hier lag mittlerweile bereits mehr Schnee. Ich machte mich auf den Weg in den Stall, um Henning bei den morgendlichen Arbeiten zu helfen. Inzwischen war ich so lange hier, dass ich die Routinen kannte und mit den anderen ein eingespieltes Team war. Während Henning sich um die Fütterung kümmerte, schaute ich einmal in jede Box hinein und kontrollierte kurz die Pferde. Dimitri hielt nicht viel vom Eindecken, doch der ein oder andere benötigte bei der Kälte und dem zusätzlichen Wind dann doch zumindest eine dünne Decke. Also machte ich mich daran, diese Pferde einzudecken. Nachdem dann alle gefüttert waren, teilten Henning und ich uns die Pferde auf und brachten sie auf die jeweiligen Koppeln.
      Er übernahm heute die Stuten und begann mit Анжелика und Алёна. Als die anderen das Hufgeklapper auf der Stallgasse hörten, wurden sie wach. Юрий, welchen ich gerade aufhalfterte, wieherte mir indes lautstark ins Ohr und ich musste unwillkürlich zusammenzucken. "Hey, geht's noch?", fragte ich lachend und führte ihn aus der Box und weiter zu Маэстро. Auch ihn halfterte ich auf und dann durften die beiden schon einmal hinaus auf ihre Weide. Sobald die Halfter ab waren und ich außer Reichweite, sprangen die beiden förmlich im Dreieck. Sie buckelten, galoppierten und jagten sich gegenseitig. Der Schnee schien auch die Lebensgeister der Pferde zu wecken.
      Wieder im Stall angekommen, hängte ich die Halfter zurück an ihre Haken. Henning kam auch soeben zurück und schüttelte den Kopf. "Hatten deine beiden auch so eine Macke?", fragte er und erzählte, wie die beiden sonst so ruhigen Stuten auf der Weide abgegangen waren. Ich musste lachen und während wir uns kurz unterhielten, wurde es im Stall immer unruhiger. Also machten wir uns daran, die nächsten Pferde hinauszuschaffen. Henning verließ mit Роса und Фантастика den Stall und die beiden Fuchsstuten tänzelten bereits jetzt aufgeregt neben ihm her. Doch Henning ließ sich davon nicht anstecken. Seelenruhig und wie ein Fels in der Brandung lief er voran, ein göttliches Bild mit den beiden aufgeregten Hühnern zu beiden Seiten.
      Ich sorgte mich ja bereits ein wenig, doch meine Sorge war unbegründet, denn Намисо und Экстраординарный schienen nicht besonders viel von der Aufregung zu halten. Entspannt schritten die großen Hengste neben mir her und waren vorbildlich wie eh und je. Bei ihnen ging es auf der Weide auch gesitteter zu. Zwar trabten sie mit erhobenen Schweifen davon, aber Экстраординарный wälzte sich zunächst genüsslich und Намисо scharrte direkt im Schnee, um vielleicht doch noch etwas Gras zu entdecken. So schieden sich also die Geister unserer geliebten Vierbeiner, die einen flippten aus und die anderen blieben tiefen entspannt.
      Zuletzt verblieben im Stall nur noch unseren beiden neusten Budjonnys, zwei wahre Prachttiere. Dabei handelte es sich um den hellen Fuchs Барышников und die ebenso recht hell geratene Stute Чайка. Beide Pferde gehörten noch gar nicht so lange zum Gestüt Fominow, hatten sich aber bereits mehr als gut eingelebt und auch schon einige Erfolge bei den Turnieren erzielen können. Барышников war zudem nicht alleine gekommen, sondern hatte seinen Reiter direkt mitgebracht. Die beiden waren ein eingespieltes Team und obwohl ich sie bisher nur wenige Male hatte reiten sehen, konnten sie sich wirklich sehen lassen.
      Nachdem alle Pferde nun auf ihren Weiden standen, befüllten Henning und ich zunächst die Heuraufen der Winterweiden neu, damit die Pferde auch wie gewohnt ihr Futter ad libitum hatten. Danach kontrollierten wir noch fix die Tränken, doch dann guter Dämmung war nichts eingefroren. Also hieß es nun misten. Alle elf Boxen mussten gründlich gemistet und für den Abend vorbereitet werden. Neben dem misten und frisch einstreuen gehörte auch das Befüllen der Heunetze dazu. Zudem reinigten wir täglich die Tränken und Tröge, um Keimen und Bakterien keine Chance zu lassen. Als wir fertig waren und ich nur noch fix die Stallgasse kehrte, kamen bereits die ersten Reiter in den Stall und begrüßten uns fröhlich.

      17.12.2018 | 4.842 Zeichen | Gwen
    • Canyon
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      Der Moment davor
      »Die Stuten platzen bald«, sagte Eva. „Jeden Moment könnten sie einfach bumm machen. Wie ein Luftballon.«
      Ich lächelte und blickte kurz zu Eva, die am Zaun zur Stutenweide stand. Verträumt hatte sie sich auf einen Besen gestützt und beobachtete nun schon mehrere Minuten die Stuten mit ihren kugelrunden Bäuchen, anstatt mir zu helfen, den Weg zu den Weiden zu kehren und von gewachsenem Gras zu befreien. Es nieselte leicht, endlich etwas Regen. Erst gestern Nacht hatte durch die Hitze und den dazu noch sehr starken Wind ein Waldgebiet ganz in unserer Nähe gebracht. Die ganze Nacht waren die Sirenen zu hören gewesen. Es war der Albtraum jedes Hausbesitzers, das es einmal sein Haus, sein Feld oder seine Scheune sein würde, die in den lodernden Flammen untergehen würde. Diese Nacht hatten wir Glück gehabt.
      Drei der fünf Stuten waren in der letzten Phase ihrer Schwangerschaft, jede Minute könnten sie gebären. Die Boxen waren mit Kameras ausgestattet und zusätzlich gab es noch Sitzwachen, die die Nacht über nur auf den kleinen Bildschirm starrten und darauf warteten, dass der Nachwuchs zur Welt kam. Es war schwer zu sagen, ob Анжелика, Роса oder Алёна zu erst gebären würde, die ersten Wetten und Namensvorschläge waren aber schon längst im Gange.
      Фантастика, Нимфадора und Чайка, sie waren erst letzten Herbst auf das Gestüt gezogen, würden voraussichtlich auch im Herbst erst fohlen. Das ermöglichte uns, dass wir uns vollkommen auf das Aufziehen von nur drei, anstatt sechs Fohlen konzentrieren mussten.
      Dimka war zwar den Winter über viel auf dem Gestüt gewesen, hatte Pferde trainiert und kleinere Bauarbeiten gemacht, war aber seit Frühlingsbeginn nun wieder viel unterwegs, um vor allem die Hengste auf Turnieren und anderen Shows vorzustellen und den Namen seines Gestüts in aller Munde zu verbreiten. Ich hatte es zu erst nicht glauben wollen, zu groß war die Sehnsucht gewesen, aber mittlerweile hatte der Name Fominow im Pferdegeschäft durchaus einen Platz weiter vorne eingelegt und immer öfter kamen nun Interessierte, die die Budjonnys kennenlernen und manchmal auch mit den stolzen Hengsten des Gestüts züchten wollten.
      Eva wachte aus ihren Gedankengängen auf und kam mit schnellen Schritten hinter mir her getippelt. »Habe ich wieder geträumt?« Ihre Augen waren unschuldig aufgerissen, sodass ich lachen musste. Ich winkte ab und küsste sie kurz freundschaftlich auf die Stirn. Dann legte ich einen Moment meinen Kopf in den Nacken, spürte den feinen Nieselregen auf der Stirn und auf dem Mund und war mir sicher, dass ich gerade an keinem anderen Ort auf der Welt sein wollte.

      16.06.2019 | 2.599 Zeichen | Canyon
    • Canyon
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      Ungeduld und Nagellack
      „И не могли бы вы отправить заявление Клаусу? Мне срочно нужна эта форма к концу года. Речь идет о отчёте для компании, у которой он купил лекарство для Анжелики.“
      Geduldig hörte ich Dimka dabei zu, wie er mal wieder Geschäftsgespräche führte. Dabei war Mittwoch eigentlich unser Tag. Das bedeutete, ab 16:00 Uhr keine unnötigen Telefonate mehr, kein Abstandhalten der Berufsbeziehung wegen und auch kein „von oben herab“, wie es Dimka gerne tat, wenn er in seiner Rolle als Gestütsleiter auftrat.
      „Спасибо. Увидимся завтра“, beendete Dimka endlich sein Gespräch. Ich hatte mich derweil meinen Fußnägeln zugewandt und obwohl ich Nagellack noch nie besonders schön fand, hatte ich ttsächlich in der hinteren Ecke des Badschranks noch ein helles Grün gefunden. Ohne den Blick zu heben, beschäftigte ich mich also mit der Lackierung meiner Fußnägel.
      „Tut mir Leid“, sagte Dimka, endlich wieder auf Deutsch. „Ich hatte dir versprochen, das sein zu lassen.“
      Ich zuckte mit den Schultern ohne den Blick zu heben. „Schon okay“, sagte ich. Innerlich schmollte mein Kleinkind jedoch so sehr, dass es seine Unterlippe aus den Augenwinkeln wahrnehmen konnte.
      „Wollen wir einen Ausritt machen?“, fragte Dimka.
      „Ich weiß nicht“, sagte ich gedehnt. „Meine Fußnägel müssen erst trocknen und vielleicht mache ich für einen besseren Glanz dann noch eine zweite Ebene drauf.“
      „Hast du das von Instagram?“, fragte er und ich merkte, wie er breit grinste.
      Mist, erwischt. Er kannte mich zu gut. Ich hatte nämlich keinen Plan von diesem Zeug, geschweige denn wie man es anwendete. Dafür hatte ich in der letzten halben Stunde während seines Telefonats definitiv genug Zeit für meinen sinnlosen Instagram-Feed gehabt.
      „Na gut“, sagte ich ergeben und gab meine Fassade auf. Sie hatte sowieso nicht so viel Spaß gemacht. „Lass uns ausreiten.“
      Ich kramte alte Socken aus meinem Schrank und zog sie ungeachtet der noch frischen Farbe auf meinen Fußnägeln, über meine Füße. Dann zog ich Dimka von der Couch hoch und drückte ihm seine Mütze in die Hand.
      Es war erst kurz nach halb fünf, aber draußen sah es aus wie finsterste Nacht. Ausritte waren in letzter Zeit viel zu kurz gekommen. Die Scheu vor der Dunkelheit da draußen war bei uns allen recht groß. Aber Vormittags gab es einfach zu viel zu tun und ab 15 Uhr begann es oft bereits zu dämmern.
      Dafür war der Stall noch erleuchtet. Ganz vorne stand Барышников. Der wilde Hengst aus Russland, welchen ich gerne als Ersatz für meine Анжелика geritten wäre.
      Aber natürlich hatter er einen ebenso guten Reiter, der mit großem Verstand alles daran setzte, aus dem bereits fünfjährigen Hengst noch ein akzeptables Turnierpferd zu machen. Sascha hatte nicht die Hoffnung, noch die Bühnen der Welt mit ihm stürmen zu können, aber die goldene Farbe seines Fells und das natürliche Talent, dass er mit sich brachte, waren Grund genug, um ein wenig hoffen zu können.
      Саша Давыдов war genauso ein Wunderreiter, wie sein Pferd ein Wunderpferd war. Ich schätzte deswegen Dimkas Überzeugungskünste noch mehr, dass er einen der erfolgreichsten Juniorreiter aus Russland dazu veranlasst hatte, auf unser Gestüt nach Deutschland umzusiedeln. Mit ihm war natürlich auch Барышников gekommen, sein Baletttänzer, wie er ihn gerne nannte.
      Sascha und Dimka verstanden sich gut. Aus den beiden waren so etwas wie Freunde geworden, auch wenn das bei Dimka nur schwer zu glauben war. Viele konnten Sascha nicht leiden. Innerhalb kürzester Zeit hatte er sich einen Posten recht weit oben in der Gestütsrangliste ergattern können, ohne viel dafür tun zu müssen. Mittlerweile war er in alle wichtigen Angelegenheiten verstrickt, hatte genauen Zugriff auf das Finanzielle und war zu Dimitri Fominows engstem Berater geworden. «Den roten Fuchs» nannte man ihn mittlerweile.
      Auf jeden Fall gab es keinen Zweifel, welches Pferd Dimka wählen würde. Sein Маэстро nahm er überall mit hin. Das einzig wahre Vorzeigepferd, wie er immer sagte.
      Für mich wahr die Entscheidung um einiges schwieriger. Viele der restlichen Pferde standen mit ihren Turnierreitern gut im Training, wie Фантастика, Экстраординарный, Намисо oder Алёна. Юрий war nun leider schon seit einiger Zeit auf einem Gestüt in Süddeutschland, diente dort als Deckhengst. Nicht nur Henning freute sich auf seine Heimkehr. Schlussendlich blieben für mich also nur noch Нимфадора und Чайка. Beides hübsche Stuten, die zur Zeit nur langsam Anschluss am täglichen Training fanden. Ich mochte beide wirklich sehr.
      Ich entschied mich für Nymphe. Alleine aus dem Grund, weil ich wusste, dass sie kein Problem mir anhänglichen Hengsten hatte und es auch gut schaffte, ihre Rosse zurückzuhalten. Im Gegensatz zu einigen der anderen Kandidatinnen.
      Nymphe wurde von mir von allen Seiten gut mit reflektierenden Streifen ausgestattet und sowohl der leuchtende Halsring, als auch die blinkende Schweifbeleuchtung sollten wohl genug Licht darstellen, um nicht zu übersehen zu werden. Dimka war zwar etwas sparsamer an die Sache herangegangen, «der Meister» würde aber trotzdem gut zu sehen sein. Mir selbst zog ich noch eine Warnweste an und setzte mir die Stirnlampe auf den Helm.
      «Kann losgehen!», sagte ich und grinste Dimka an. Er musterte mich etwas skeptisch, musste dann aber auch grinsen.
      «Ja, kann losgehen», sagte er und schwang sich in den Sattel von Маэстро.

      18.12.2019 | 5.294 Zeichen | Canyon
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    Zuchtgestüt Fominow
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    Canyon
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    18 Juni 2018
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  • [​IMG]
    Алёна

    ● ○ ● ○

    Stute | *2009 | 159cm
    Budjonny
    Fuchs

    ● ○ ● ○

    Von unbekannt
    Von unbekannt Aus der unbekannt

    Aus der unbekannt

    Von unbekannt Aus der unbekannt

    ● ○ ● ○

    Die neunjährige Алёна ist eine erfahrensten Turnierstuten auf dem Gestüt, muskulös gebaut und von einer inneren Ruhe umgeben. Ihr leuchtendes Fell sticht auf jedem Turnier hervor, auch wenn sich Dimka stets darauf aufregt, dass keine der Satteldecken gut zu ihr passt. Vor längerer Zeit hatte sie einen schweren Unfall bei einem Turnier, bei dem sie sich am Bauch verletzte. Der Besitzer konnte weder die Kosten decken, noch sich ausreichend um die verletzte Stute kümmern, sodass Dimka sie aufkaufte und nach ihrer Genesung nun nochmal von vorne mit dem Training anfangen möchte.
    Алёна's Erfahrung merkt man auf jeden Fall im Umgang mit schwierigen Situationen, aber auch bei jüngeren Reitern. Sie hat stets Geduld und viel Ausdauer, auch auf ihre eigene Entwicklung bezogen.


    ● ○ ● ○

    Besitzer: Canyon
    VKR/Ersteller: Flair
    im Besitz seit: 18. Juni 2018
    Kaufpreis: 800 Joellen

    ● ○ ● ○

    Schleifenaufstieg Trainingsaufstieg Potential

    Springen E A L M S S* S**

    Military E A L M S

    Dressur E A L M S S* S**

    Distanz E A L M S

    Galopprennen E A L M S

    ● ○ ● ○

    Fohlen ABC | Eingeritten | Eingefahren

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    369. Militaryturnier | 255. Synchronspringen | 400. Fahrturnier | 359. Distanzturnier

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    260. Synchronspringen | 364. Distanzturnier | 261. Synchronspringen | 521. Dressurturnier

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    262. Synchronspringen | 366. Distanzturnier | 413. Fahrturnier

    ● ○ ● ○

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    [SK 461]

    Gencode: ee Aa
    Zur Zucht zugelassen: Ja
    Eingetragene Zucht: Zuchtgestüt Fominow

    Nachkommen
    -


    ● ○ ● ○

    Letzter Tierarztbesuch: 26-08-2018 durch Eddi

    Letzter Hufschmiedbesuch: 04-11-2018 durch Sissicat

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    PNG | Puzzel PNG | offizieller HG