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Mohikanerin

◍ Blaer frá glæsileika eyjarinnar | 8 Punkte

Hengst | Isländer | Ungekört | (c) Jackie

◍ Blaer frá glæsileika eyjarinnar | 8 Punkte
Mohikanerin, 6 Apr. 2018
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    • Mohikanerin
      Viel zu Warm!


      Vinkona frá Sólin | Totbringer | River’s Fjörgyn | Aqua | Þögn | Yuva | Ylfa | Willa | Wild Reflex | Topa’s Comtesse | Snúra | Snuff | Saints Row | Mademoiselle | Layers of Fear | Krít | Kempa | Eimyja | Blávör | Atom Bomb | Aska | Maekja van Ghosts


      Kvest Halsnaes | Hnakki van Ghosts | Blossi | Voodoozirkus | Tesla | Skrýmir | Ryuk | Ruvik | Party in the Clouds | Overo | Litfari | Gnani | Glanni frá glæsileika eyjarinnar | Flic Flac’s Milano | Capital | Blaer frá glæsileika eyjarinnar | Almost Illegal


      Tvífarí van Frelsi | St. Pauli’s Amnesia | Songbird | Skjanni vom Helstorf Moor | Nautilus | Milska | Lu’lu’a | Hvítsunna van Frelsi | Feuergeist di Royal Peerage


      Erstes Semester geschafft, stelle ich erfolgreich fest. Endlich etwas Zeit für die Pferde. Nach dem Horror Winter und Frühling ist plötzlich dermaßen warm, das es auch kaum auszuhalten ist. Doch die Jungs brauchen meine Hilfe. Zuhause angekommen schnappe ich mir direkt das Fahrrad und los geht’s zum Hof.

      “Guten Morgen”, begrüße Familie Earle am Tisch im Wohnhaus.

      “So früh haben wir gar nicht mit dir gerechnet”, antwortet Karola überrascht.

      “Setz’ dich doch erst mal, der Kaffee ist noch warm”, fügt sie hinzu.

      Ich setze mich und alle zusammen besprechen wir den Tagesplan. Heute kommen die ersten Feriengäste mit insgesamt 5 Kindern, die wir heute bespaßen müssen. Aber zu erst gehe ich zu den Jungpferden auf der Weide gucken und anschließend zu den Zuchtstuten.


      Neugierig kommen Tví, Skjanni, Loui und Lu an den Zaun. Ich weiss gar nicht zu wem ich zuerst soll. Doch es gibt eine logische Reihenfolge - der Älteste zuerst. Allen vier Jungs geht es prächtig. Demnächst kommt auch Tví mit nach oben an den Hof und ich arbeite ihn gemeinsam mit Bruce an.


      Nun geht es zu den Stuten, auch sie gucken bereits sehnsüchtig zu mir: Amnesia, Bird, Milska, Sunna und Feuergeist. Ich war besonders aufgeregt Amnesia wieder zu sehen. Die kleine hatte es mir besonders angetan und jedes Wiedersehen sorgte für Freude. Auch Milska hat sich prächtig entwickelt. Sunna kommt demnächst zusammen mit Tví an den Hof. Feuergeist ist noch neu hier und lebt sich gerade in die Truppe ein.


      Die letzte Station waren die Zuchtstuten. Auf der Weide standen Aqua, Vinkona, Tot und Fjörgyn. Die vier Stuten verbrachten den ganzen Tag mit fressen und schlafen. Bald kommen die Fohlen und wir freuen uns schon sehr.


      “Ich hab mir schon überlegt wen für die Kinder nehmen. Es werden Comtesse, Kempa, Aska, Overo und Illegal. Während wir die Pferde fertig machen, fängst du schon mal mit den Paddocks an”, sagt Bruce und geht mit seinen Brüdern die Pferde holen.


      Also schnappe ich mir die Schubkarre und gehe auf die Stutenpaddocks. Gelangweilt stehen sie alle herum, da sie gerade von den Weiden kommen und sehr erschöpft sind. Zu allen gehe ich kurz hin streiche Ihnen über den Kopf oder Hals. Gerne würde ich mehr Zeit für sie mitbringen aber ich muss denen Jungs heute viel Arbeit abnehmen, da seine Eltern auch kaum Zeit haben.


      Dann geht es auch schon weiter bei den Hengsten. Dort ist es etwas komplizierter, weil es viel mehr Paddocks sind und Neugier oft alles übertrifft.

      Nach insgesamt sechs Stunden war ich auf dem Hof fertig und auch mit mir selbst.


      “Warum machen wir das alles eigentlich?”, fragte Tyrell rhetorisch. Wir alle zucken mit den Schultern. Gemeinsam lassen wir noch den Abend ausklingen mit ein paar Getränken und einem kleinen Feier am Häuschen. Mal sehen was der morgige Tag bringt.
    • Mohikanerin
      Alte Berichte (1)

      31. März 2016
      Sternzeichen Islandpferd | 18.072 Zeichen | © Seimure & BellaS

      Mit einem fröhlichen "Guten Morgen!" und einem Kuss auf die Wange weckte ich Finley, welcher sich jedoch nur demonstrativ die Decke über den Kopf zog. In Sachen Aufstehen waren wir beide ganz anderer Ansicht, denn während ich es liebte, um fünf in den Tag zu starten, bevorzugte Finley es, lieber spät aufzustehen. Während er noch vor sich hin döste, frühstückte ich und machte mich fertig für den Tag. Heute stand nicht sehr viel auf dem Plan, denn die Pferde hatten am Wochenende schon trainiert, aber natürlich mussten sie trotzdem versorgt und geritten werden und zudem würde sich heute unser neuer Bereiter vorstellen, der, wenn alles gut lief, auch bald auf dem Hof einziehen würde. Das war auch der Grund, weshalb ich meine Wohnung im Erdgeschoss geräumt hatte und nun bei Finley im zweiten Stock wohnte. Während ich noch darauf wartete, dass mein Freund aufstand, spielte ich mit Flóki, der sich genau wie ich sehr schnell an die neue Wohnung gewöhnt hatte und Finley nun als vollständiges Rudelmitglied ansah. Mittlerweile war Flóki ausgewachsen, benahm sich aber nach wie vor wie ein Welpe. Um sieben schaffte es auch Finley aus dem Bett und es dauerte nicht lange, bis er seinen Morgenmuffel-Modus ausschaltete und sein übliches Grinsen auf seinem Gesichtseinen Platz einnahm. Gemeinsam gingen wir nach unten, wo uns Bella begrüßte und die Aufgaben für den Tag verteilte. Bevor Robin kam, mussten wir nur die Hengste füttern, weshalb wir zu dritt in den Stall gingen, wo wir bei Kjarkur, Garpur, Uprising, Sólfari, Hnakki, Blossi, Blettur und Black Lemontree die Heunetze füllten und die Boxen ausmisteten. Sólfari und Black Lemontree brachten wir dann auf den Paddock und sahen noch kurz nach den Stuten, bevor ein Hupen vom Hof uns aufschrecken ließ. Robin schien etwas überpünktlich zu sein, aber das machte ja nichts. Wir stellten uns ihm alle vor und begannen dann damit, ihm den Hof zu zeigen.

      Ich wäre nicht ich gewesen, hätte ich mir nicht vor der Anstellung unseres neuen Bereiters tagelang den Kopf zerbrochen. Ob das eine gute Entscheidung war, fragte ich mich und ob der Mann, den ich ausgesucht hatte auch eine gute Wahl gewesen war. Am Morgen seiner Ankunft kümmerten wir uns zu dritt um die Hengste, wo ich mich allerdings beeilte um den Mutterstuten und ihren winzigen Fohlen zuzusehen, die erst seit wenigen Tagen auf die Weide durften. Sleipnir, der ältere, war quicklebendig und tobte über die Weide. Thowras Sohn war bereits Mio versprochen und würde umziehen sobald er sechs Monate alt und entwöhnt war. Silfurtoppa hingegen erwies sich als ruhiger, aber offensichtlich klug. Das Stutfohlen war Windfarben. Eine echte Schönheit.
      So lehnte ich am Zaun der Weide und beobachtete meine jüngsten Zöglinge, als Robin ankam. Das Auto parkte neben der Auffahrt und mein Magen machte einen dämlichen kleinen Hüpfer. "Was soll das, Bella? Das ist nur der neue Bereiter!" Ich kramte mein Selbstbewusstsein als Chefin zusammen, drehte mich um und ging um Robin zu begrüßen.
      Er machte einen guten Eindruck und zu dritt zeigten wir dem Dänen den Hof und unsere Pferde. Freundlich war er, offen, aber nicht übermäßig redselig, großmäulig oder nervig. Tatsächlich hatte ich mich schon fast entschieden. Ich musste ihn nur noch reiten sehen.
      Da er in Zukunft einige der Hengste übernehmen sollte, wählte ich Blacky für Robin. Er zeigte sich sofort souverän. Sattelte den Hengst und schwang sich in den Sattel. Er ritt selbstverständlich mit Helm, was ich, Asche auf mein Haupt, zu Hause nicht immer tat. Auch auf der Bahn war ritt er entspannt aber bestimmt.
      Jetzt war alles klar. Robin würde in Linns Erdgeschosswohnung einziehen.

      Während Bella noch mit Robin den geschäftlichen Teil besprechen wollte, machten Finley und ich uns wieder an die Arbeit. Ich holte Princess Peppy Ann von der Weide, um mit ihr weiter an der Longe zu trainieren. Bald würde die Stute fünf Jahre und damit alt genug fürs Einreiten sein. Ich freute mich schon darauf, denn sie würde mein erstes eigenes Pferd sein, das ich einritt. Mittlerweile konnte man gut an der Longe mit ihr arbeiten und täglich trainierten wir eine halbe Stunde, seit neuestem auch schon mit Sattelzeug. Peppy war heute nicht so konzentriert wie sonst, aber das lag vielleicht auch an mir, denn ich war heute auch eher im Standby-Modus. Dafür konnte ich heute gut mit Tilviljun arbeiten, mit der ich mich seit gestern ans Tölten wagte. Sie machte sich in dieser Gangart schon sehr gut, allerdings bisher erst an der Longe und an der Hand, was wir auch heute wieder üben wollten.
      Während ich bei Juni auf dem Anbindebalken saß und darauf wartete, dass sie ihr Futter auffraß, kam auch Finley mit Topar, seinem Lieblingshengst, mit dem er gerade im Dressurviereck gewesen war. Er gab mir einen leichten Kuss und setzte sich neben mich, während Juni versuchte, Topar das Futter streitig zu machen. Finley legte einen Arm um meine Schulter. "Wie wäre es mit einem Ausritt nachher? Nur wir beide?", fragte er mich leise. Ich lächelte. Das allein konnte er schon als Ja deuten, er kannte meine Art halt. Wir küssten uns noch einmal, dann brachte er Topar auf den Paddock und ging wieder in den Stall. Mit einem kleinen Lächeln sah ich ihm nach. In dem nun schon fast einem Jahr, in dem wir zusammen waren, hatte ich unsere Beziehung zu schätzen gelernt und Finley war für mich der wichtigste Mensch in meinem Leben geworden. Mit ihm fühlte ich mich komplett.
      Bella kam mit Robin aus dem Büro und rissen mich aus meiner Träumerei. Auch Juni hatte ihr Futter aufgefressen und sabberte nun auf meine hell-lilane Reithose. Scheiße. Bella und Robin kamen nun zu mir rüber und ich versuchte, den grau-grünen Sabber so gut es ging zu verdecken. "Darf ich dir unseren neuen Bereiter vorstellen?", fragte Bella grinsend. Ich lächelte etwas verunsichert. Robin verabschiedete sich von uns - auf Deutsch, was mich, ehrlich gesagt überraschte. Als er weg war, fing Bella sofort an zu plappern: "Er kommt aus Kopenhagen, ist aber in Rødby aufgewachsen. Er hat in Kopenhagen studiert und danach die Ausbildung zum Bereiter gemacht. Außerdem hat er in der Schule Deutschland gelernt. Ist das nicht toll? Er reitet schon seit seiner Kindheit auf Isländern und ist schon auf vielen Turnieren geritten..."
      Ich grinste. Gefühlt erzählte sie mir gerade Robins gesamte Lebensgeschichte, die sie offenbar genauestens kannte. "Bella?", unterbrach ich sie. "Ja?", fragte sie verdutzt. "Du bist hochkant in ihn verknallt", sagte ich lachend. "Das stimmt doch gar nicht!", sagte sie empört, aber ich konnte den unsicheren Unterton in ihrer Stimme hören. "Jonas ist seit mehr als zwei Jahren Geschichte", erinnerte ich sie. Bevor sie sich umdrehte, warf sie mir noch einen unsicheren Blick zu und ging dann in Richtung Weide.

      Linns Worte klangen in meinen Ohren nach. Verdammt. Ich hatte diesem Typen vor gerade Mal zwei Stunden kennen gelernt und direkt warf mir meine beste Freundin die Feststellung an den Kopf, dass ich mich in ihn verliebt hatte. Das schlimmste daran war, es stimmte. Hatte ich das ganze letzte Jahr mit Neid auf Linn und Finley gesehen, waren mir die Beiden mit einem Mal völlig egal. Solange Robin mich beachtete, war ich zufrieden. Zwei Jahre war es her, dass ich mich so gefühlt hatte. Verliebt gefühlt hatte. Seltsam. Manchmal traf einen das aus heiterem Himmel. Robin hatte sich in seine neue Wohnung zurück gezogen. Sein Zeug würde wohl auch bald ankommen und ich hatte mir schon fest vorgenommen ihm beim schleppen und aufbauen zu helfen. Finley und Linn waren mit Meyja und Slaufa auf einem gemeinsamen Ausritt am Strand. Ich konnte mir jetzt aussuchen ob ich mich lieber um Brött und Vina, die Jungpferde, kümmern wollte, einen der Hengste oder eins der Trainingspferde reiten wollte. Ich entschied mich für etwas Ovalbahntraining mit Náttdís und schloss dann eine Dressureinheit mit meinem dicken Plüsch Mayalie an. Während sie am Putzplatz mit der Nase in ihrer Futterschale wühlte, kam auch Robin wieder hinunter. Wir hatten schon besprochen für welche Pferde er zu ständig sein würde, doch eigentlich hatte er heute noch frei um anzukommen. „Wollen wir noch ausreiten?“ Er ging zielstrebig auf mich zu. Es dämmerte bereits und die Sonne würde bald untergehen. Egal, klar wollte ich. Ich bejahte und wir sattelten uns zwei der Hengste. Ich ritt Sólfari, Robin hatte sich Kjarkur ausgesucht. Am liebsten hätte ich jetzt auf Laufey gesessen, doch meine Lieblingsstute war hochträchtig und wurde nicht mehr geritten. Ich freute mich schon auf die Fohlen, die noch auf die Welt kommen würden. Faera zum Beispiel war überfällig. Seit Tagen kam sie Abends in die Geburtsbox, doch noch war nichts passiert. Jetzt ging es erst mal mit Robin an den Strand. Im Sonnenuntergang. Ich hoffte inständig, dass ich Linn nicht begegnen würde, sonst würde ich mich nicht mehr vor ihrem Spott retten können.

      In der Sache mit Bella war ich mir absolut sicher. Allerdings erzählte ich Finley nichts davon, denn ich wusste, dass Bella mich dafür gekillt hätte. Nachdem ich mit Garpur fertig war schaute ich noch kurz nach Vidja. Sie war merklich runder geworden und ich freute mich schon riesig auf ihr erstes Fohlen. Finley war noch mit Snót in der Halle, weshalb ich Færa von der Weide holte. Da die Sonne schon tief stand, musste sie bald in die Box. Sie fand es dort zwar nicht besonders schön und wehrte sich jeden Abend, in den Stall zu gehen, aber wir wollten, dass das Fohlen geschützt auf die Welt kam, da es ihr erstes war. Bis Finley das Training beendete unterhielt ich mich mit Robin, der wirklich gut Deutsch sprach, aber noch sehr zurückhaltend wirkte. Bald zog er sich in seinen Wohnung zurück und ich holte die Halfter von Meyja und Slaufa, um sie von der Weide zu holen. Natürlich musste die Herde ganz am anderen Ende der Weide stehen. Meyja begrüßte mich mit einem freundschaftlichen Schnauben und begann, mich nach Leckerlis zu durchsuchen, während Slaufa sich eher zurück hielt. Ich halfterte die beiden Stuten und schwang mich auf Meyjas Rücken. Wenn die Pferde zu weit draußen standen, ritt ich oft zurück zum Hof, das ging schneller als Laufen. Ich ließ Meyja antölten und Slaufa, die ich als Handpferd nebenher führte, tat es ihr gleich. Innerhalb von fünf Minuten hatten wir den Hof erreicht. Finley war mittlerweile mit Snóts Training fertig und sattelte sie gerade ab. Ich putzte Meyja und Slaufa, während Finley Snót versorgte. "Wollten wir mit Sattel oder ohne ausreiten?", fragte ich ihn. "Ohne, das ist viel lustiger", grinste er. Ich trenste die beiden Stuten noch schnell, dann saßen wir auf und ritten gemeinsam vom Hof.

      Linn und Finley waren mit zwei der Stuten weg, ohne Sattel. Robin und ich hatten uns für zwei Hengste entschieden. Seltsam. Noch seltsamer war allerdings der Mix meiner widerstreitenden Gefühle. Schon beim Satteln und Trensen machte sich unsicheres Schweigen breit, das ich nicht wie sonst brechen konnte. Robin sagte nichts. Ich sagte nichts. Schließlich gurteten wir nach und saßen auf. Jetzt bestand das erste Mal die Notwendigkeit zu reden. „Strand oder Wald?“, fragte ich knapp und traute mich endlich Robin anzusehen. Himmel, er sah so gut aus! Schnell wandte ich den Blick wieder ab, es reichte aber noch um sein Grinsen zu sehen, das mit der Antwort einher ging. „Wir haben Strand, das ist wohl keine Frage.“ Sein Grinsen. „Nein Bella, lass das. Du kennst ihn erst ein paar Stunden.“ „Aber er ist so toll.“ „Du benimmst dich als wärst du ein verliebter Teenie.“ „Egal, bei ihm lohnt sich das!“ „Woher willst du das wissen. Denk an Jonas… Denk an Jonas… Denk an Jonas...“ Die Worte hallten in meinem Kopf. Schlimm genug, dass ich mich nach ein paar Stunden Hals über Kopf verliebt hatte, jetzt stritten auch noch meine Gefühle. „Ausblenden, Bella.“ Ich ignorierte die Achterbahnfahrt und ritt an. „Dann komm.“ Es war einfach schön am Strand. Die Sonne versank im Meer und wir begegneten Linn und Finley nicht. Irgendwann brach Robin das Schweigen und das Antworten wurde immer leichter, bis ich mich einfach wohl fühlte. Den Galopp ließen wir zwar auf Grund der Dämmerung ausfallen, doch auf dem Rückweg ritten wir entspannt nebeneinander und redeten über Gott und die Welt. Nachdem wir die Hengste gefüttert und ich meine restliche Arbeit des Tages erledigt hatten, ließ ich mich in meiner Wohnung aufs Sofa fallen. Ich wollte einen Film sehen. Das meine Wahl heute auf den kitschigsten Liebesfilm fiel, den ich besaß, war auch nicht weiter verwunderlich.
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      Die nächsten zwei Tage verliefen völlig normal. Robin fügte sich in den Hofalltag ein, als hätte er schon immer zum Team gehört. Gemeinsam kontrollierten wir die trächtigen Stuten, die inzwischen alle vier Geburtsboxen belegten. Faera, überfällig mit ihrem Fohlen und Vidja, Laufey undFrejka, die noch etwas Zeit hatten, aber ihr erstes Fohlen erwarteten. Währenddessen scheuchte Linn ihre Stute Lykkja über die Ovalbahn und Finley bespaßte die Junghengst Glanni im Roundpen. Ich würde heute noch mit Brött, Blaer, Vina und Klyja arbeiten. Die jungen Stuten standen alle auf verschiedenen Stuten des Einreitens. Brött kannte schon das Gewicht eines Reiters und lernte nun die Hilfen, die drei anderen gewöhnten sich noch an Sattel und Zaumzeug. Dieses Training nahm immer eine Menge Zeit in Anspruch. Ich schaute außerdem eine Weile bei Robins Training mit Alvari zu, während ich mein Mittagessen verspeißte und gönnte mir gegen Abend eines Ausritt mit Hnakki. Ungefähr so sah meine tägliche Routine aus. Viel Arbeit, viel zu organisieren und doch immer wieder schön.
      Wir konnten sogar ein neues Pferd begrüßen. Eine fünf Jahre junge Stute namens LR Pieaches, die wir kören und vielleicht in der Zucht einsetzten wollten. So verstrichen zwei normale Tage, ehe wieder etwas passieren sollte, das ich so schnell nicht vergessen würde.
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      Mitten in der Nacht erwachte ich unruhig. Mehrere Versuche einzuschlafen liefen ins Leere und so zog ich mir schließlich etwas über und wanderte auf den Hof. Nachdem ich eine Weile Hnakkis Nase gekrault hatte, die aus der Boxentür lugte und sah, dass Sólfari sich bei meiner Ankunft vertrauensvoll zum schlafen hinlegte, kam ich schließlich auf die Idee bei Faera, Laufey, Frejka und Vidja vorbei zu schauen.
      Leise öffnete ich die Stalltür. Sofort fiel mir ein kleines Licht auf, das im Stall brannte. Ich trat vorsichtig und misstrauisch ein. Vidja lugte mir entgegen und verlangte direkt mit einem auffordernden Blick nach Streicheleinheiten, doch die Szene, die sich in Faeras Box abspielte, verlangte meine ganze Aufmerksamkeit. Eine einzelne Taschenlampe spendete spärliches Licht, doch es reichte um die Gestalt zu erkennen, die am Kopf der liegenden Stute kniete. „Robin?“ Mein flüstern war heiser und besorgt. „Was um Himmels Willen…?“ „Psst. Komm her. Hilf mir. Das Fohlen...“ Ich hatte es gewusst, nein, ich hatte es gespürt. Und er auch. Ich öffnete mit fahrigen Fingern die Boxentür und kniete mich neben Robin ins Stroh. Eigentlich hätte Faera alles problemlos meistern müssen, es war bereits ihr zweites Fohlen, doch hier lief irgendetwas gewaltig schief. Ich ahnte böses und sah Robin an. „Liegt irgendwie falsch?“ „Höchstwahrscheinlich.“ „Scheiße.“, und einen Moment später „Wir brauchen einen Tierarzt!“ „Klar, aber der kommt unter Garantie zu spät.“ Ich bewunderte ihn für sein ruhiges und besonnenes Handeln. „Faera muss aufstehen. Manchmal korrigiert sich das Fohlen dann selbst. Wir können nur hoffen und ihr Platz machen.“ Er sprach leise und in ruhigem Ton. Ich wusste nicht, ob er mich oder Faera beruhigen wollte, aber in jedem Fall funktionierte es. Wir zogen uns in eine Ecke zurück und warteten darauf, dass Faeras natürliche Instinkte griffen. Ich konnte sehen wie sich die Muskeln bei den einzelnen Wehen verkrampften. Noch lag sie im Stroh. Die folgenden zehn Minuten waren die längsten meines Lebens. Ein zittern durchlief die Stute und sie begann sich hochzustämmen. Ich glaubte nicht daran, dass das Fohlen sich von selbst in seiner Lage korrigieren würde. Warum hatte ich bloß keinen TA zum Check-Up bestellt, dann wäre so etwas gar nicht erst passiert. Während ich mir noch Selbstvorwürfe machte, war Robin schon aus der Boxenecke aufgestanden. „Wir können ihr nur noch helfen das Fohlen raus zu bekommen und hoffen, dass es nicht erstickt.“ Langsam kehre mein Verstand zurück und auch ich richtete mich auf. Jetzt kam der Teil bei dem ich wenigstens halbwegs wusste was zu tun war. Die nächste Stunde blieb mir nur noch mit Schweißgeruch und Blut in Erinnerung, aber dann war es geschafft. Ein zitterndes, kleines Wesen lag im Stroh. Nicht erstickt, nicht missgestaltet, ein wunderschönes, kleines Stutfohlen mit einer breiten, weißen Blässe. Auch Faera schien wohlauf, denn sie war sofort bei ihren Fohlen und machte einen gesunden Eindruck. Ohne etwas zu sagen verließen wir die Box. „Væna.”, meinte ich schließlich. „Die Liebliche, die Hoffnungsträgerin.“ Damit stand der Name fest. Robin sah mich an. Nicht flüchtig. Er sah mir in die Augen. Ich war Müde, ich konnte dem Blick nicht standhalten ohne mich völlig zu zu blamieren. Verdammt, drei Tage hatten gereicht mir den Rest zu geben. Er stand einfach nur da, sah mir mit einem seltsamen Ausdruck im Gesicht an. Sein Hemd war verschmiert mit dem Blut der fohlenden Stute und ich sah wahrscheinlich nicht besser aus. Zwei Schritte Distanz trennten uns. Er überbrückte sie im Bruchteil einer Sekunde, doch für mich lief alles in Zeitlupe ab. Zwei Schritte, kein Zögern. Und dann küsste er mich. Einfach so. Keine Liebeserklärungen, keine hochroten Gesichter. Einfach nur ein Kuss, der reichte um alles zu sagen.
      Ich wusste nicht wie spät es war. Ich hatte die ganze Zeit einfach nur funktioniert. Wir hatten nicht gesprochen, nur nebeneinander gearbeitet und versucht das bestmögliche aus der Situation zu machen. Jetzt viel die ganze Anspannung von mir ab und ich fing einfach an seiner Schulter an zu heulen. Etwas unbeholfen tröstete er mich. Als wir den Stall schließlich verließen um uns um einen Tierarzt zu kümmern und noch etwas zu schlafen, ging über Rømø Die Sonne auf.

      19. Mai 2016
      Einreiten von Brött, Satteltraining | 4615 Zeichen | © BellaS

      „Uff.“ Robin stöhnte. „Ich hasse das.“ Quer über dem Rücken eines Pferdes zu hängen, war auch wirklich kein schöner Job. Ich kante und hasste ihn. Daher stand ich auch am anderen Ende der Longe und dirigierte Brött, die zum Glück ganz gelassen blieb. Sandsäcke hatten wir schon durch, Langzügel auch. Jetzt war Lektion drei, Mensch hängend, dran. Wie immer hatten wir vorher gearbeitet, daher blieb sie nun ruhig stehen und machte keine diversen Kapriolen oder Bocksprünge. Brött war intelligent und arbeitete immer dann brav mit, wenn sie permanent gefordert wurde. Ruhephasen waren nicht ihre Sache. So suggerierte ich Robin schnell, dass er sich aufsetzen sollte. Reiten an der Longe auf einem jungen Pferd. Immer ein schönes Training für das Gleichgewicht ohne Sattel. Wenn sich das Pferd benehmen konnte, war das der Teil um den ich meinem Freund beneidete. Schritt klappte, Trab klappte, sogar galoppieren mit Reiter erledigte Brött, als sei das nichts besonderes oder neues für sie. Dann reichte es für heute. Morgen kam dann die nächste Lektion, Mensch im Sattel, dann Mensch mit Sattel und Zügeln, dann Mensch oben drauf ohne Longe. Ab diesem Punkt würde ich selbst wahrscheinlich wieder reiten, da ich es hasste, wenn ich zusehen musste, wie andere das erste Mal auf einem verwirrten Jungpferd saßen und sich beim kritischen Punkt durchsetzen mussten. Dieses erste Lösen der Longe war der kritische Punkt. Immer. Hatte das Pferd des Sandsack verkraftet und das Lösen der Longe problemlos überstanden, das das gröbste des Einreitens geschafft und man hatte im Normalfall ein Pferd, dass nicht von unfähigen Menschen traumatisiert war. Einreiten war nicht schwierig und doch eine Kunst. Man brauchte Gefühl fürs Pferd. Das war das, was wirklich zählte.
      Nach einigen Tagen war es schließlich soweit. Ein inneres Kribbeln kündigte den kritischen Punkt an. Robin öffnete langsam den Karabiner der Longe und trat sehr langsam zurück. Brött stand wie versteinert und ich wartete, bis Robin den Roundpen verlassen hatte. Erst jetzt gab ich der Stute behutsam eine treibende Hilfe. Verwirrung, Rebellion. Das waren die Phasen, die genau so eintraten. Zum Glück blieb es bei einem Bocksprung, bis sie sich an alles erinnerte, was wir geübt hatten.
      In den nächsten Wochen folgte dann alles, was sonst noch zum Einreiten gehörte. Das erlernen der Hilfen, ein wenig Respekt. Allerdings ließ ich mir hierfür Zeit. Ein Luxus den man nicht hatte, wenn man fremde Pferde einritt. Grundsätzlich war es schön in der bekannten Umgebung arbeiten zu können und das Training des Jungpferdes voll und ganz in den normalen Alltag einzubinden. Das gab mir innere Ruhe und Brött alle Sicherheit, die sie brauchte. Nebenbei war ich auch mit drei anderen, jungen Stuten an verschiedenen Punkten im Prozess des Einreitens angelangt. Kylja trug die Trense inzwischen mehrere Stunden am Stück bei der Arbeit und lerne gerade den Sattel kennen. Die etwas jüngeren Stuten, Vina und Blear, wurden gerade vom Halfter auf die Trense und das Gebiss umgestellt. Wo momentan im Training der Körungsanwerter Leerlauf herrschte, würde in naher Zukunft wieder Stress an der Tagesordnung sein. Ich arbeitete gerade mit Kylja am Langzügel, als Robin an die Bande des Reitplatzes trat. Kylja trug schon den abgewetzten Sattel, den ich zur Gewöhnung nutze, und lerne gerade Zügelhilfen. Bald würde sie dort angekommen sein, wo ich vor vier Wochen noch mit Brött stand. „Bella. Lust auf einen Ausritt?“ „Klar. Ich mache das hier eben noch fertig.“ Demonstrativ hielt ich sie Zügel in die Höhe. „Wie wäre es, wenn ich Brött nehmen würde. Sie muss langsam mal unter den Reiter raus. Wenn du Vin reitest, hat die Kleine Sicherheit und die Zicke hat ihre Bewegung.“ Robin grinste. „Vin klingt nett. Ich mache die Beiden eben reitfertig. Stress dich nicht.“
      Eine halbe Stunde später war ich tatsächlich im Begriff aufzusitzen. Stillstehen klappte inzwischen, sodass ich vorbildlich aufsitzen konnte. Vin meinte natürlich mal wieder hampeln zu müssen, aber nach einer kleinen Ansage von Robin stand auch die ältere Stute still. Hach, mein Freund war schon ein cooler Reiter und immer wenn er autoritär wurde….. Kaum glitten meine Gedanken in die Welt der Fantasie, wollte Brött die Chance nutzen und sich selbstständig machen. Ich würde mein Hirn wohl in der Gegenwart halten müssen, damit alles klappte. Wir ritten zum Strand und gewannen mit jedem Meter mehr Selbstbewusstsein, sodass wir, trotz Hunden und Strandbuggy-Fahrer einen kleinen Galopp einlegen konnten. Erster Ausritt gemeistert und ein geländesicheres, eingerittenes Pferd mehr im Trainingsstall.

      2016
      Jungpferdetreffen | 16.088 Zeichen | © Gwen

      Es war früh am Morgen, als ich schon auf Townsend Acres rumwuselte. Mein letzter Kurs war nun doch schon zeitbedingt ein Weilchen her und dementsprechend war ich noch aufgeregter als sonst, wenn das denn überhaupt noch ging. Dabei fand heute „nur“ das Jungpferdetreffen statt, also eine eigentlich recht entspannte Veranstaltung und trotzdem war ich gestresst.
      Die Boxen für die Pferde und die Zimmer für die Gäste waren bereits hergerichtet. Damit ich auf jedes Pärchen eingehen konnte, kamen dieses Mal lediglich vier Pferdemenschen zu uns. Außerdem nahm auch Elisa am Treffen teil. Das war für mich eine gute Reflektion meiner Veranstaltung, wenn ich direkt das Feedback von meiner Mitstreiterin erhielt.
      Da ich noch etwas Zeit hatte, ehe dann alle eintrudeln würden, wollte ich schon einmal unseren Seminarraum für die spätere Besprechung herrichten. Jeden Pferdebesitzer erwartete eine liebevoll hergerichtete Mappe, zugeschnitten auf sein Pferd und dazu auch eine kleine Süßigkeit und natürlich ein Glas und eine Flasche Wasser. Somit war man komplett versorgt. Für die Besprechung hatte ich auch eine Powerpointpräsentation hergerichtet, so hatten wir alle alles auf einen Blick.
      Es war bereits früher Nachmittag und allmählich kamen auch unsere Gäste. Zuerst traf Occulta ein, welche den langen Weg von England zu uns gereist war. Ich begrüßte sie herzlich und lotste sie auf den Parkplatz des Gestüts. Dort half ich ihr beim Ausladen des jungen Pferdes. Der Parkplatz lag direkt hinter dem Stall, so dass die Pferde schnell dort waren, wo sie hingehörten.
      Occulta hatte natürlich ein englisches Vollblut mitgebracht. Miss Moneypenny hieß die Hübsche und war auch charakterlich sehr angenehm im Umgang. Natürlich war sie sehr aufgeregt, als sie aus dem Hänger stieg und schaute sich erst einmal um. Da es auch noch sehr ruhig war, ging ich gemeinsam mit Occulta zum Reitplatz, wo sich Penny erst einmal die Beine vertreten durfte und Dampf ablassen konnte.
      Danach zeigte ich ihr noch die Box für die Stute. Die Box war groß und geräumig und verfügte über einen Paddock. Alles wurde von Penny genauestens unter die Lupe genommen, ehe auch schon das Heunetz an der Reihe war. Da das Pferd nun versorgt war, zeigte ich Occulta noch ihr Zimmer. Da es dieses Mal nur vier Gäste waren, hatte jeder ein Einzelzimmer erhalten, welche wir liebevoll hergerichtet hatten.
      Occulta ließ ich nun erst einmal alleine, denn ich sah bereits den nächsten Hänger auf das Gestüt fahren. „17 Uhr ist Besprechung unten im Saal!“, rief ich ihr noch zu und verschwand dann wieder nach draußen, um Cooper in Empfang zu nehmen. Sie wirkte etwas aufgeregter, allerdings hatte sie, im Gegensatz zu Occulta, auch noch nie an einem unserer Kurse teilgenommen.
      Auch ihr zeigte erst einmal den Parkplatz und half ihr dann beim Ausladen von Aywy, ebenfalls eine Vollblutstute. Sie wirkte sehr zurückhaltend und versteckte sich vorzugsweise hinter Cooper. Dementsprechend ließ ich das Austoben auf dem Platz ausfallen und zeigte direkt die frisch hergemachte Box. Die schien Aywy auch schon mehr anzusprechen und sie schien sich in den vier Wänden wohlzufühlen.
      Auch Cooper zeigte ich den Weg zu Gästehaus und ihr Zimmer für dieses Wochenende. Danach ging es für mich wieder hinunter, denn mit einem Schwung trafen nun noch Eddi und Annabell ein. Zu meinem Glück kam aber auch gerade Elisa des Weges und nahm mir direkt Eddi ab. Mit ihr hatte sie bestimmt sowieso wieder genügend zu besprechen, da konnte sie ihr dann auch direkt die Box für Acariya zeigen und das Gästezimmer.
      Dementsprechend konnte ich mich in aller Ruhe um Bella und ihre Isländerstute Blaer kümmern. Blaer war erst drei, aber meines Wissens eine der ältesten in dieser Jungpferderunde. Bella hatte auch schon feste Pläne für ihre Stute und wollte das Jungpferdetreffen gerne genau dafür nutzen. Auch ihr zeigte ich die Box und dann ihr Gästezimmer.
      Inzwischen war auch nicht mehr sonderlich viel Zeit bis zur Besprechung, weshalb ich mich darauf schon einmal vorbereitete. Denn pünktlich 17 Uhr saßen alle an dem für sie vorgesehenen Platz und stöberten neugierig in den Mappen herum. Mit einem leichten Räuspern machte ich auf mich aufmerksam und besprach mit meiner Gruppe den Ablauf des kommenden Wochenendes.
      Mit den Fragen am Ende und noch ein wenig Small-Talk machten wir so auch gut die Stunde bis zum Abendessen voll. Somit ging es dann auch direkt für alle in den Essenssaal. Heute gab es Kartoffelgratin und als Nachtisch zu den sommerlichen Temperaturen Obstsalat. Für alle, die Lust hatten, stand zum Abend dann auch noch ein kleiner Spaziergang mit den Pferden über das Gestüt an.
      Tatsächlich trafen gegen halb acht auch alle am Stall ein und machten ihre Jungpferde fertig. So konnten sich alle noch einmal die Beine vertreten und Kontakte knüpfen. Um die Pferde nicht zu sehr zu überfordern, gingen wir nur eine größere Runde um das Gestüt, so dass wir immer in der Nähe blieben und jederzeit umkehren konnten.
      Dann wurde es auch bei uns ruhiger. Alle zogen sich zurück und bereiteten sich für den morgigen Tag 3vor. Dieser würde vor allem dem eigentlichen Jungpferdetreffen dienen. Heute hatten erst einmal alle ankommen und sich ausruhen dürfen und so würden wir uns morgen bei alter Frische wiedersehen.
      Der zweite Tag begann ganz entspannt mit einem üppigen Frühstück – sowohl für die Zwei- als auch die Vierbeiner. Am Vormittag sollte dann die erste Trainingseinheit stattfinden. Diese hatte ich etwas entspannter angesetzt, denn ich wollte die Paare erst einmal kennenlernen, ehe ich großartig mit der Arbeit begann.
      Die Jungpferde hatten die Nacht in ihren Boxen bestens überstanden und wirkten allesamt sehr entspannt. Man sah ihnen an, dass sie von erfahrenen Pferdemenschen stammten, die schon ab dem Fohlenalter auf eine gute Ausbildung achteten. Während wir uns nach und nach im Stall versammelten und die Pferde putzten, unterhielt ich mich mit jedem einmal.
      Grundsätzlich wollte ich gerne wissen, wie die Reise hierher verlaufen war. Fast alle kamen von weit her, lediglich Cooper hatte es selbst nach Kanada verschlagen. Somit hatte sie den kürzesten Weg gehabt. Aber anscheinend hatte es bei niemanden Probleme gegeben. Die Jungpferde kannten das Hängerfahren und auch die Überreise per Schiff oder Flugzeug hatte keins gestört.
      Ich hatte also eine bereits erfahrene und entspannte Gruppe. Somit plante ich für unsere erste Trainingseinheit, welche von zehn Uhr bis circa halb zwölf andauern sollte, doch schon etwas mehr ein. Während alle noch putzten, verschwand ich bereits in die Halle und baute klare Stationen auf, so dass wir untereinander gut kommunizieren konnten und sich keiner in die Quere kam.
      Ich baute den Kurs wie einen Zirkel auf, so dass an jeder Station immer ein Paar war und an der jeweiligen Übung arbeiten konnte und von mir Tipps erhielt. Dann wurde so oft gewechselt, bis jeder überall einmal gewesen war. Bei fünf Teilnehmern gab es also auch fünf Stationen.
      Als alle in der Halle angekommen waren, erklärte ich ihnen genau dieses Prinzip und dann gingen wir kurz nacheinander die Stationen durch. „Station eins ist recht simpel. Ihr sollt euer Jungpferd durch die Stangengasse führen und an den Markierungen anhalten. Dabei soll euer Pferd wirklich stillstehen ohne zu Zappeln. Außerdem müsst ihr die Gasse auch rückwärts passieren“, erklärte ich knapp die beiden dort liegenden Stangen.
      Station zwei war ähnlich, hier ging es jedoch um Seitengänge, beziehungsweise das seitliche Weichen. Zum einen sollten die Jungpferde seitlich über eine Stange laufen, so dass die Stange immer unter dem Bauch des Pferdes war und dann sollten sie hier auch schon allein auf das Kommando „Herum“, sich in die Richtung drehen, welche sich der Mensch vorstellte.
      Station drei war eher eine Denkaufgabe. Hierbei sollte das Mitdenken der Pferde gefördert werden. An der Bande hingen zwei weiße Blätter, eines komplett leer und auf dem anderen ein dickes schwarzes Kreuz. 3 Meter vor der Bande ein weißer Strich. Es war ein Intelligenztest für Pferde, welchen die Teilnehmer auch ruhig zu Hause wiederholen konnten. An der weißen Linie am Boden ging es los und das Pferd sollte auf die beiden Blätter zugeführt werden. Wenn es sich dafür entschied, das Blatt mit dem Kreuz zu berühren, gab es eine Belohnung in die unter den Blättern stehende Futterschüssel.
      Natürlich wurden die Blätter nach jedem dritten Durchgang ausgetauscht, so dass das Jungpferd wirklich mitdenken musste. Einige Teilnehmer sahen bei der Aufgabe auch sehr zweifelnd zu mir und schienen sich nicht sicher zu sein, ob das wirklich so klappen konnte, wie ich mir das vorstellte. Aber zu meinem Glück hatte ich alles schon im Voraus selbst ausprobiert.
      Station vier behandelte die alltäglichen Dinge wie Decke überlegen oder das Einsprühen mit Mähnenspray und Fliegenspray. Oder auch Bandagen und Gamaschen anlegen. Dafür hatten wir genügend aussortierte Sachen gesammelt, die nun auch guten Gewissens von den Jungpferden durch den Dreck gezogen werden durften.
      Und die letzte Station war eine Konzentrationsaufgabe für Pferd und Mensch. Das Pferd sollte eine kleine Volte um den Menschen drehen, ohne, dass sich dieser mitdrehte. Einfache Aufgabe, schwere Umsetzung. Und nachdem wir nun mit den Erklärungen durch waren, ging es los. Jeder positionierte sich an einer Aufgabe und es ging los.
      An jeder Station waren immer circa zehn Minuten eingeplant. In der Zeit konnte ich den Zirkel auch einmal rundrum gehen und gegebenenfalls helfen. An Station eins fand ich Eddi, aber obwohl Acariya ein wenig brauchte, bis sie manchmal verstand, was ihre Besitzerin wünschte, klappte es spätestens beim dritten Anlauf, so dass meine Hilfe nicht von Nöten war.
      Auch an Station zwei mit Occulta und Penny sah es gut aus. Ich gab Occu lediglich den Tipp, noch ein Stück mehr vor ihre Stute zu treten, um ihr gar nicht die Möglichkeit des Vorwärts zu geben. So fiel es Penny auch viel leichter, direkt seitlich zu gehen. Und an Station drei war gerade Elisa. Die hatte diese Aufgabe von Anfang an mit einem Stirnrunzeln betrachtet, war aber inzwischen begeistert, dass Aponi tatsächlich das weiße Blatt vom Kreuz unterschied.
      Blaer, welche an Station vier zu finden war, ließ sich entspannt von Bella eindecken und auch einsprühen, lediglich die Gamaschen an den Beinen fand sie höchst komisch und doof. An der letzten Station war Cooper mit ihrer Stute Aywy. Ihr half ich am meisten, da dies auch die schwierigste Station war. Aywy lief immer so lange, bis sie aus Coopers Sichtfeld verschwand. Mit ein bisschen Konzentrationsübung für Cooper klappte das dann aber auch. „Die Stute muss merken, dass du ganz genau weißt, wo sie sich gerade befindet“, erklärte ich lachend und läutete dann den Wechsel ein.
      Generell hatte kaum einer großartig Probleme. Am Anfang waren die Jungpferde immer etwas argwöhnisch, aber das ließ zumeist dann schnell nach. Diese erste Trainingseinheit sollte meine Teilnehmer aber auch gar nicht vor große Probleme stellen, sondern einfach ein wenig Spiel und Spaß in die Gruppe bringen und das schien mir auch sehr gut zu gelingen.
      Pünktlich halb zwölf waren dann auch alle mit Stationen und Fragen durch und für die Jungpferde ging es auf die vorgesehenen Weiden, während die Zweibeiner sich nun auf das Mittagessen freuen durften. Die zweite Trainingseinheit würde dann 14 Uhr stattfinden und war dann wesentlich umfangreicher als die erste.
      Wie ich es schon von meiner Gruppe gewohnt war, war sie pünktlich wie eh und je mit bestens vorbereiteten Pferden. Da wir auch nur Stuten hatten, blieb das Macho-Gehabe komplett aus und bisher waren sich die restlichen Pferde auch noch nicht sehr nahegekommen. Aber das würde sich demnächst ändern.
      Doch zuerst erwartete meine Teilnehmer ein wirklich bunter Schreckparcours. Alle hatten irgendwann schon einmal Schrecktraining mit ihren Pferden gemacht und nun war die Halle einfach nur bunt mit Luftballons, Flatterbändern, Tonnen und Pylonen. „Also. Elisa macht mit Aponi den Anfang, dann gliedert ihr euch einfach ein und wir gehen einmal als Gruppe komplett durch und danach jeder einzeln.“
      Als Gruppe war es für die Jungpferde auch nur halb so gruselig. Aponi kannte sowas schon zur Genüge und auch wenn sie hier und da mal zögerte, ging sie als gutes Vorbild voran. Auch Acariya und Penny machten gut mit, ebenso wie Aywy und Blaer. Da sie alle immer ein Pferd vor sich hatten, was sich traute, trauten sie sich auch automatisch und schnell hatten wir alle den Parcours einmal geschafft.
      Nun war jeder einzeln dran. Das hieß, der Mensch musste dem Pferd so viel Vertrauen geben, wie es Pferde untereinander machen. Bei Aywy haperte es hier und da, denn sie war ja generell eher zurückhaltend und vorsichtig. Aber dennoch bekam Cooper sie durch jedes Hindernis. Bei Bella und Blaer war manchmal viel Überzeugungskunst seitens Bella gefragt, denn Blaer war manchmal nicht von dem Sinn überzeugt, durch einen Flattervorhang zu marschieren.
      Am Ende hatten es alle geschafft und jeder war sichtlich stolz. Dinge, die nicht gleich geklappt hatten, wurden noch einmal wiederholt und dann wurde es aber auch Zeit, dass die Jungpferde ihre Pause erhielten. Es war aber auch schon 16 Uhr und so hatten alle nur eine Stunde Pause, ehe ich sie wieder zusammenpfeifen würde.
      Als letzte Aktion an diesem Tag stand nämlich noch eine Art Quadrille an. Damit diese aufging, hatte meine kleine Nuriya die Ehre, aushelfen zu dürfen. Momentan stand sie sowieso in der Jungstutengruppe bei Elisa und war so direkt griffbereit. Zu sechst hatte ich ein kleines Programm einstudiert, bei welchem die alltäglichen Dinge wie Führen, Halten, Weichen und vieles mehr zum Einsatz kamen.
      Die Besonderheit für unsere Jungpferde war nun, dass sie zum einen als Teil einer großen Gruppe liefen und zum anderen auch immer ein anderes fremdes Pferd an ihrer Seite hatten. Dazu hatte ich Blaer und Penny zusammengepackt, Aywy und Nuriya und als letztes Acariya und Aponi. Führen würden Cooper und ich, da auch ich die Aufgaben kannte. Diese sagte ich immer frühzeitig an und dann wurden sie spontan ausgeführt.
      Es wurden Volten gelaufen, angehalten und möglichst synchron rückwärtsgerichtet und ich ließ viele Bahnfiguren einfließen, welche die Reiter natürlich in- und auswendig kannten, für die Jungpferde aber noch neu waren. Zu meiner Freude gab es auch nirgendwo großartige Zickereien. Alle kamen miteinander aus und so hatten wir viel Spaß an diesem Tag.
      Zum krönenden Abschluss durften die Jungpferde zusammen noch über den Reitplatz toben und miteinander spielen, natürlich alles unter unserer Aufsicht, ehe es für sie in den Stall ging, wo auch schon das Abendbrot wartete. Auch einige Teilnehmer klagten über knurrende Mägen und so konnte ich mit meiner Überraschung herausrücken: Der Abschlussfeier mit Lagerfeuer!
      Matthew hatte bereits fleißig für uns gegrillt und ein schönes Büffet hergerichtet, welches auch mit strahlenden Augen in Empfang genommen wurde. Highlight war das große Feuer, an welchem man auch Marshmellows und Knüppelbrot machen konnte. Und so ging der Kurstag allmählich zu Ende.
      Zum Glück waren alle sehr erwachsen gewesen und zumindest recht früh nach null Uhr im Bett verschwunden. Dennoch sahen die meisten sehr müde aus, als sie am Frühstückstisch saßen. Ich hatte die Chance genutzt und nach dem Essen gleich noch die Abschlussbesprechung angesetzt. Diese bestand einfach aus einem Feedback von beiden Seiten.
      Alle schienen sichtlich zufrieden und ich gab ihnen auch die ausgefüllten Mappen zurück. Darin fanden sie eine Zusammenfassung der Übungen, welche wir gestern gemacht hatten und auch einige weiterführende Aufgaben, damit sie auch für später noch genügend Beschäftigung hatten.
      Und dann wurde es auch für alle Zeit, sich allmählich auf den Heimweg zu machen. Gegen zwölf Uhr verließen uns die letzten und die Ruhe kehrte auf Townsend Acres wieder ein. Gemeinsam mit Elisa frischte ich die Gästezimmer und -boxen auf, ehe ich mich meinem Bericht zu diesem Kurs befasste. Es war ein schönes Wochenende gewesen, mit tollen Menschen und tollen Pferden!

      18. Juli 2016
      Fohlenzeit | 11700 Zeichen | © AlfurElfe & BellaS

      Bellas Sicht
      Ich stand am Zaun der Wattweide und hing meinen Gedanken nach. Verträumt betrachtete ich die kleine Vaena, die inzwischen fast vier Wochen alt war. Ganze vier Wochen waren vergangen, seit Robin mich geküsst hatte. Wie immer, wenn ich an ihn dachte, überließ mich ein angenehmer Schauder. Es war eindeutig nicht bei diesem einen Kuss geblieben… Schön, meine Fantasien mussten warten, jetzt waren meine Schützlinge dran. Vidja war seit Wochen wirklich überfällig. Das Fohlen, dessen Vater ein junger Hengst eine befreundeten Züchterin namens Ljóski war, meinte offensichtlich sich Zeit lassen zu müssen. Diese Tatsache kostete Linn jeden Tag mehr Nerven. Sie konnte die Geburt kaum mehr erwartet und mit jeder weiteren Woche, die der gedachte Termin überschritten wurde, wurde die Sorge um ihre Stute in ihren Augen deutlicher. Auch Frejka und Laufey bewohnten noch die Geburtsboxen, aber beide waren noch nicht überfällig. Im Gegenteil, gerade Laufey hatte eher noch etwas Zeit, aber bei ihrer unvorsichtigen Art hatte ich lieber zu früh als zu spät angefangen, sie nachts in die Box zu stellen. Wobei ich das bisher noch nicht konsequent durchgehalten hatte. Die letzten, sehr sommerlichen, Tage hatte Laufey noch auf der Wattweide verbracht, da ich zu faul war mir jeden Abend das „ich will aber nicht rein“-Spiel anzutun. Ich sammelte das Halfter auf, das mir aus der Hand gefallen war und holte Stássa. Seit Silfurtoppa abgesetzt worden war, war sie etwas lethargisch und ich wollte meine Stute endlich wieder auf Trab bringen. Seit der Geburt ihres zweiten Fohlen war sie noch nicht wieder geritten worden. Ich hatte einfach zu viel zu tun gehabt und sie quasi vergessen. Thowra hatte ich vor kurzem verkauft und auch Fjara hatte bereits einen neuen Besitzer und würde uns in naher Zukunft verlassen. Stássa war dabei ein wenig ins Hintertreffen geraten. Wahrscheinlich war auch ihre Kondition im Eimer, sodass heute nur ein kurzer Schrittausritt zum Strand drin war. Ohne Sattel, da sie noch immer etwas dicker war, als gewöhnlich. Das rührte zwar eher von der Überweidung, als von der Trächtigkeit her, doch ich wollte dem Sattel nicht schaden. Mit dem Training würde sich auch ihre Figur verbessern.


      Linns Sicht
      "BELLAAA!", rief ich quer über den Hof. Na toll. Immer, wenn man sie brauchte, konnte man sie nicht finden. Das verschlechterte meine Laune noch mehr, obwohl das schon fast garnicht mehr ging. Ich suchte den ganzen Hof ab und fand sie schließlich am Zaun der großen Weide. Verträumt beobachtete sie die spielenden Fohlen. "Hörst du schlecht oder WAS? Viðjas Fohlen kommt!", schnauzte ich sie an. Skeptisch sah sie mich an. "Bist du dir ganz sicher?", fragte sie. Ich nickte. "Du weißt schon, dass die meisten Fohlen nicht nachmittags auf die Welt kommen, oder?", fragte sie mich. "Jaaa, Bella, ich bin auch nicht ganz unerfahren, aber Nachmittag ist doch besser als wenn man nachts deswegen aus dem Bett geworfen wird. Und jetzt komm, sonst verpassen wir es noch!" Gemeinsam trabten wir hinüber zum Stall, den wir leise betraten. Bella schrieb noch schnell Finley und Robin, die gerade mit Snót und Kjarkur am Strand waren, dass die Geburt anfing, dann gesellte sie sich zu mir an die Boxenwand. Pferdegeburten waren zugleich eine schönsten und eine der ekligsten Sachen, die ich je gesehen hatte. Doch da es das Fohlen meiner Lieblingsstute war, war die Geburt doch ein Erlebnis. Viðja hatte sich inzwischen hingelegt und man konnte bereits die beiden kleinen Vorderhufe sehen. Ich hoffte inständig, dass es nicht so kompliziert wie bei Vænas Geburt werden würde. Als schließlich ein kleines Scheckfohlen im Stroh lag, war Bella kaum zu halten, denn ich hatte ihr das Fohlen versprochen. Viðja leckte das kleine ab, bevor es das erste mal versuchte, auf seinen stelzigen Beinen zu stehen. "Es ist ein Hengst!", flüsterte Bella. Ich grinste. "Wie wäre es mit 'Ljósfari', der, der mit dem Licht reist?", schlug ich vor. "Ja, das ist ein toller Name! Ich rufe gleich Occu an und erzähle es ihr!", sagte sie, vielleicht doch etwas zu laut, warf dem kleinen Hengst, der nun schon mit dem Trinken begonnen hatte, noch einen verliebten Blick zu und verschwand dann aus dem Stall.


      Bellas Sicht
      Als ich die alte Scheune verließ, war es erst später Nachmittag. Dass Vidja heute drinnen gestanden hatte, war wohl Vorsehung gewesen. Laufey und Frejka wanderten jedenfalls noch auf der Wattweide umher. Ich war glücklich. Ein gesundes Fohlen auf die Welt kommen zu sehen löste immer wieder ein wunderbares Gefühl in mir aus. Ich schlenderte am Zaun der großen Wattweide entlang und traf schließlich auf Robin. Er war offensichtlich gerade von seinem Ausritt mit Finley zurück gekehrt und kam mir nun mit neugierigem Blick entgegen. „Ein Hengst. Ljósfari haben wir ihn getauft.“, erzählte ich schnell, bevor mein Freund fragen konnte. „Und das beste daran: Meiner!“ Er grinste und küsste mich einfach auf den Mund. Gut, dass uns hier keiner sah. Vor den anderen herumzuknutschen schien mir noch immer unpassend. Zwar waren auch Linn und Finley zusammen, doch ich mochte es trotzdem nicht. „Ach Bella. Entspann dich doch mal.“ Und wie immer hatte Robin recht. Ich wollte gerade meine ganze Aufmerksamkeit auf ihn lenken, als Laufey in mein Blickfeld getrottet kam. Normalerweise hätte mich das nicht davon abgehalten, Robin zu fokussieren, doch irgendetwas mit meiner Stute stimmte nicht. Ich liebte Laufey. Drohten mich meine Gefühle zu überwältigen, half es mir immer mit ihr auszureiten. Sie kannte mich, in alle Situationen und das hatte zur Folge gehabt, dass auch ich sie kannte. „Mit ihr stimmt etwas nicht.“ Robin war nun vollkommen nebensächlich und ich trat an den Zaun der Wattweide. „Hey, Feechen, komm mal her.“ Sie reagierte. Nicht unbedingt ein gutes Zeichen. Ich kletterte über den Zaun und nahm sie einmal komplett in Augenschein, um gleich darauf einen riesigen Schrecken zu bekommen. Ihr Schweif war blutverkrustet. Nach Luft schnappend suchte ich schnell nach der Ursache. Sie blutete nicht mehr. Die Geburt hatte also noch nicht begonnen. Hätte sie ihr Fohlen allerdings schon alleine auf der Weide bekommen, wäre es jetzt bei ihr. „Robin... Oh scheiße.“ Viel mehr fiel mir im Moment nicht ein. „Bitte lass es nicht das sein, was ich denke, dass es ist….“, betete ich still und fieberhaft. Erst jetzt ließ ich den Blick angstvoll über die Wattweide schweifen und er blieb an etwas hängen, das meine Angst in pure Freude verwandelte. Ein goldenes Etwas kam auf Laufey zugesprungen und forderte konsequent etwas zu Essen ein. Das Fohlen musste schon gestern, oder vorgestern auf die Welt gekommen sein, denn es war bereits sehr sicher auf den Beinen. Außerdem hatte die kleine, goldene Stute wohl ziemlich fiel von ihrer Mama abbekommen. Das erkläre, warum sie schon jetzt alleine herum hüpfte und sich von Laufey entfernte. Kaum war die kleine wieder in Sicht, blühte auch meine Fee wieder auf. Stolz stupste sie ihre Tochter an. Glück im Doppelpack!

      Halastjarna, Sternschnuppe, hatte ich Laufeys Fohlen genannt. Das Abzeichen auf der Stirn und die schicke, goldene Färbung hatten den Ausschlag gegeben. Zwar hasste Linn Namen für Pferde, die mehr als drei Silben hatten, doch das war mir mal wieder reichlich egal gewesen. Bei Linns Stuten durfte sie schließlich die Namen auch selbst aussuchen. Auch wenn ich gerne noch länger am Zaun der Weide gelehnt hätte, wartete doch wieder die Arbeit auf mich. Wir hatten zwei Neuzugänge und zwei Pferde vom Körservice, die umsorgt werden wollten. Die Isländerstuten Fenja und Luna hatte ich beide in mäßigem Zustand für wenig Geld in Verkaufsställen entdeckt. Luna wollte ich allerdings nur kören und dann wieder verkaufen, Fenja hingegen hatte ich lieb gewonnen. Sie war es auch, die ich nun bewegen würde. Ich sattelte sie schnell und putze auch Tilviljun über. Beide Stuten waren im Galopp sehr schnell und so konnte ich Juni gut als Handpferd mitnehmen, denn sie kam wenigstens hinterher. Währenddessen plagte sich Linn in der Halle mit der halben Fohlenherde ab. Sie hatte den großen Gymnastikballl am Start und Hlín, Litfari, Silfurtoppa und Glanni tobten munter mit ihr im Sand herum. Ich sagte ihr kurz Bescheid, dass ich ausreiten würde und scheuchte Finley von der Bande, auf der er es sich bequem gemacht hatte. „Könntest du bitte dafür sorgen, dass die Hengste rauskommen? Alvari, Uprising, Blossi und Sólfari müsstest du zusammen stellen können. Außerdem wäre es cool, wenn du noch Topar ein bisschen Bewegung angedeihen lassen könntest. Der zerlegt noch seine Box.“ Ich ließ meine Worte so im Raum stehen und marschierte nach draußen um endlich meinen Ausritt anzutreten. Eigentlich hatten wir viel zu viele Pferde für uns vier Leute. Wir schafften es nie, jeden Tag alle zu bewegen. Keine Chance.


      Robins Sicht
      Ich konnte Bella nur Recht geben. Wir hatten einfach zu viele Pferde für vier Personen. Auch wenn ich einige Pferde durchaus vermissen würde, war es doch gut, dass meine Freundin vor hatte etwas zu verkleinern. Er würde uns sonst irgendwann einfach über den Kopf wachsen – sofern das nicht schon längst passiert war. Im Gegensatz zu Bella hatte ich ja „nur“ vier Pferde zu versorgen, von denen Frejka auch noch trächtig war und deshalb nicht geritten werden musste. Zuwendung brauchte sie natürlich trotzdem, weshalb ich auch im Moment auf dem Weg zu den Geburtsboxen war, um noch einmal nach ihr zu sehen. Kjarkur hatte ich heute schon bewegt, mit Black Lemontree war ich auch auf der Ovalbahn gewesen und mit Faera war ich dabei die Kondition wieder aufzubauen, die sie nach zwei aufeinanderfolgenden Trächtigkeiten verloren hatte. Außerdem hatte ich mit Kylja, Vina und Blaer weiter daran gearbeitet Sattel und Zaumzeug zu akzeptieren, was gerade bei der letzten der drei Stuten eine echte Herausforderung darstellte. Viel mehr schaffte kein Normalsterblicher an einem Tag, wenn man auch hin und wieder eine Pause machen wollte. Bella hatte also eigentlich überhaupt keine Chance ihre 15 Pferde zu bewegen, auch wenn manche noch nicht geritten werden mussten oder mit Trächtigkeit oder jungen Fohlen ausfielen. Ich bewunderte sie schon jetzt für ihre Ausdauer, sich jeden Tag wieder an die Arbeit zu machen und zusätzlich auch noch alles zu erledigen, was man so tun musste, wenn man einen Hof führte. Mittlerweile war es dämmrig. Kein Wunder, auch im Sommer ging die Sonne irgendwann unter und ein Blick auf meine Armbanduhr sagte mir, dass es bereits halb zehn war. Ich öffnete die knarrende Tür und wurde direkt von Laufey und Vidja begrüßt, die mitsamt Nachwuchs drinnen nächtigten. Frejka jedoch war von der Tür aus nicht zu sehen. Ich spähte in ihre Box und stöhnte sogleich halb begeistert, halb entnervt auf. Das konnte doch nicht wahr sein. Schnell schnappte ich mir mein Handy und tippte eine Nachricht an die Hof-Gruppe. „Frejka ist scheinbar auch noch dran.“ Fünf Minuten später standen Linn und Finley neben mir, Bella kam kurz darauf und brachte direkt Kaffee und Brötchen mit. „Könnte eine lange Nacht werde.“, meine sie nur schulterzuckend. Kurz nach Mitternacht brachte auch Faera ihr Fohlen zur Welt. Fáfnir tauften wir den kleinen Hengst, ehe wir allesamt in unsere Betten fielen. Drei Fohlen an einem einzigen Tag, auch wenn sie offiziell jeder an einem anderen Tag geboren worden waren. Halastjarna am 11.07, Ljósfari am 12.07 und Fáfnir am 13.07. Damit war der Fohlenwahnsinn nun hoffentlich beendet. Bald würden wir sogar schon für die kommende Saison decken. Wieder Sommerfohlen, allerdings von anderen Stuten. Die Verpaarungen Náttdis – Hnakki und Slaufa – Alvari standen bereits fest und auch Meyja sollte ein Fohlen bekommen. Doch jetzt dürfte erstmal ein Jahr Ruhe sein.

      3. August 2016
      Ein Wirbelwind | 9388 Zeichen | © BellaS

      Wie eigentlich jeden Morgen nach dem Frühstück wanderte ich mit mindestens einem Halfter in Richtung Wattweide um mindestens ein Pferd zum Training zu holen. Heute sollte als erstes Nátti dran glauben und dementsprechend hielt ich das obligatorisch lila-pinke Halfter in der Hand. Dass jedes meiner Pferde eine eigene Farbe für Halfter Schabracke und Dekoteile der Trense hatte, hatte sich irgendwie einfach so ergeben. So trug Sólfari zum Beispiel dunkelblau, Hnakki giftgrün und Laufey orange. Die Jungpferde bekamen mit dem ersten eigenen Sattel und der ersten eigenen Trense ihre Farbe zugewiesen, doch ich war so lange nicht mehr auf dem Festland einkaufen gewesen, dass einigen Pferden noch immer eigene Trensen fehlten. Brött zum Beispiel wurde schon länger geritten und war nur mit unserer grau-weißen Standartschabtracke ausgestattet. Auch Blaer sollte bald ihre eigenen Sachen bekommen und Fenja und Luna fehlte auch noch alles. Es war höchste Zeit für einen Trip nach Deutschland, da ich dort viel lieber Pferdesachen kaufte, als hier in Dänemark. Warum wusste ich auch nicht so genau, aber wenn man nah an der Grenze wohnte, konnte man sich das leisten. So in Gedanken versunken wanderte ich am Weidezaun entlang zum Tor und schrk plötzlich zusammen, als neben mir eine fremde Stimme ertönte. „Entschuldigen sie. Kennen sie sich auf diesem Hof aus?“ Überrascht drehte ich mich zu der unbekannten Frau um und musterte sie. Sie hatte mich auf englisch angesprochen. Urlauberin also. „Muss ich wohl. Ich bin die Eigentümerin.“, erwiderte ich automatisch in der selben Sprache. Wenn man mehrere Jahre in Schottland gelebt hatte, in Deutschland aufgewachsen war und nun in Dänemark wohnte, fiel einem das Wechseln zwischen den Sprachen leicht. „Oh gut.“, freute sie sich. „Ich würde gerne wissen ob es möglich ist, hier Reitunterricht zu nehmen.“ Ich war nun wirklich verwundert. Wir boten keinen Unterricht an und normalerweise nutzen die Touristen so oder so zum reiten den Hof Kommandørgården, da er zur gleichnamigen und einzigen Hotelkette dieser Insel gehörte. Wieso kam diese Frau also zu uns, die wir uns sowohl im Internet als auch am Tor als reinen Zuchtbetrieb ausgewiesen hatten. „Eigentlich sind wir hier nur ein reiner Zucht und Trainingsbetrieb. Wenn sie Unterricht oder Ausritte für...“ Aber weiter kam ich nicht, denn eine begeisterte Kinderstimme unterbrach mich. „Mama, guck mal. Frag mal ob ich die reiten darf. Die ist sooo süß!“ Erst jetzt bemerkte ich das ungefähr 10 Jahre alte Mädchen, das am Zaun stand und Koni an der Nase kraulte. „Unser Kinderpony.“, dachte ich amüsiert und realisierte erst jetzt, dass das Mädchen deutsch gesprochen hatte. „Sie sind aus Deutschland?“, fragte ich, jetzt ebenfalls in meiner Muttersprache sprechend. Erfreut hob die Frau, die offenbar die Mutter der Kleinen war den Kopf. „Ja, sind wir. Sie scheinbar auch. Sie sprechen sehr gutes Deutsch. Akzentfrei.“ „Muttersprachlerin. Hannoveranerraum.“, erklärte ich mich, nicht ganz ohne Stolz in der Stimme. Immerhin war Hannover für das beinahe reinste Hochdeutsch bekannt. Das hatten mir auch zwei andere Sprachen, die ich alltäglich sprach, nicht nehmen können. Ich dachte auch noch auf Deutsch, während Linn im Kopf wahrscheinlich inzwischen bei dänisch war. Die Frau grinste. „Wir kommen aus Kiel. Ach ja. Mein Name ist Marion Hofer und das“, sie deutete auf das Mädchen, „ist Amelie, meine Tochter.“ „Und dann Urlaub an der Nordsee.“ Ich war etwas überrascht. Wenn man sowieso schon am Meer wohnte, musste man doch nicht an einem Meer Urlaub machen, das genauso wenig zum schwimmen geeignet war. „Ähm, also... ja. Warum auch nicht? Und Sie haben mir die Frage zum Thema Reitunterricht noch nicht beantwortet.“ Frau Hofer wich mir aus, das war klar, aber meine Neugierde war hier auch fehl am Platz. Erstmal vorstellen wäre vielleicht angebracht. Und dann die Frage beantworten. Oder anders herum? „Ich heiße Annabell Schmidemann. Und ich wollte meinen Satz gerade beenden. Wir geben eigentlich keinen Reitunterricht. Wenden sie sich an Kommandørgården. „Von dort kommen wir bereits.“ Frau Hofers Stirn legte sich in Falten. „Die Bedingungen der Touristenpferde sind an vielen Stellen unmöglich. Unpassendes Sattelzeug, verletzte Pferde.“ „Oh. Sie kennen sich aus?“ „Natürlich. Ich reite seit ich so alt bin wie meine Tochter jetzt.“ Das Lächeln stahl sich zurück auf ihre Lippen. „Und ich bin Tierärztin.“
      „Wie? Was? Tierätztin?“, erklang plötzlich eine andere, vertraute Stimme hinter mir. Robin. Natürlich. „Wir könnten eine gebrauchen. Topar der Irre hat sich...“ „Langsam Robin. Das sind Urlauber.“, hielt ich ihn zurück, doch Frau Hofer sah in bereits in Bereitschafthaltung an. „Ähm. Frau Hofer. Sie sind im Urlaub und überhaupt...“ Mir war gar nicht wohl dabei, eine Fremde an meine Pferde zu lassen, nur weil sie sich als Tierärztin vorgestellt hatte. „Marion und Unsinn. Natürlich schaue ich mir das Pferd an. Topar.“ „Danke.“ Robin war wieder schneller als mein dämliches Misstrauen und nahm Marion mit. Ich blieb mit Amelie an der Wattweide zurück. „Na dann. Wenn deine Mutter uns schon einen Gefallen tut… Sie heißt Vinkona. Du hast ja eben schon verkündet, dass du sie reiten möchtest.“ Das Gesicht des Mädchens hellte sich auf. „Wie als bist du? Zehn?“ „Elf.“, kam es empört von Amelie und ich musste grinsen. „Und du kannst schon reiten?“ „Na klar!“
      ~
      Ich folgte dem großen, dunkelhaarigen Mann, den Annabell als Robin bezeichnet hatte. Es ging offensichtlich um einen Hengst, denn er hatte ‚der‘ Irre gesagt. Und scheinbar ging es um ein Tier, das häufiger Probleme machte oder hatte. Ich wurde zu einem Anbindeplatz geführt und erkannte das Problem sofort. Der Hengst hatte sich eine lange Wunde am rechten Vorderbein zugezogen. Sofort trat ich heran und besah sie mir genauer. Recht frisch.Maximal zwei Stunden alt, noch offen und relativ tief. Warum hatte ich meine Sachen jetzt verdammt nochmal nicht zur Hand? Als improvisieren. „Haben sie Wasserstoffperoxid 3%?“ Er verneinte. Robin sprach und verstand Deutsch, allerdings die Standartausführung, die man in der Schule oder einem Sprachkurs lernte, verfeinert durch regelmäßige Benutzung. „Teebeutel? Salbei oder Kamille?“ „Ja. Sogar in der Stallapoteke.“ Ah super. Und es wäre super, wenn Sie schon Wasser heiß machen könnten.“ „Kommen Sie mit.“ Während er in eine Richtung davon eilte und ich ihm folgte, begann ich mich umzusehen. Ein ordentlicher Hof, keine Gefahrenquellen für Pferde, gepflegte Pferdenasen die die Aussicht aus ihren großzügigen Boxen genossen. Ein guter Eindruck.
      Die besagte Stallapoteke befand sich, genau wie der Wasserkocher, in der Futterkammer. In dem ausrangierten Medizinschrank entdeckte ich neben dem Tee auch noch einige Salben, nicht brennendes Desinfektionsmittel, Verbandsmaterial und Drachenblutpflaster. Perfekt. Während Robin sich um die Teebeutel, zwei, Kamille, kümmerte, desinfizierte ich die Wunde schon einmal. Es fehlte zum Glück ein Stück Haut. Ein Hautlappen wäre unter diesen, nicht ganz idealen Bedingungen eher zur Brutstätte für unvorteilhafte Bakterien geworden. Schließlich drückte ich die Teebeutel, die gezogen hatten, auf die Wunde und sprühte etwas von der Drachenblutpflaster-Tinktur darauf. Diese hatten den Vorteil die Wunde desinfiziert zu halten und die Wundheilung zu beschleunigen, dabei aber kein Vakuum für lustiges Bakterienwachstum zu erzeugen. „So. das hätten wir. Und es wäre wahrscheinlich ganz sinnvoll rauszukriegen woran er sich verletzt hat.“ Erst jetzt viel mir auf, dass ich Amelie ganz vergessen hatte, doch bevor ich in Panik ausbrechen konnte, sah ich meine Tochter mit der Apfelschimmelstute am Strick auf den Anbinder zumarschieren. Annabell hatte sich offenbar doch zu einer Reitstunde bereit erklärt.
      ~

      Wie geanu es dazu kam, kann ich nicht mehr ganz genau sagen. In jedem Fall tauchten Marion und Amelie in den nächsten zwei Wochen beinahe täglich bei uns auf und wurden zur echten Hilfe, sowie zu guten Freunden. Auch Linn und Finley mochten die zwei auf Anhieb, sodass es bald völlig normal war, sie bei uns auf dem Hof anzutreffen. Schließlich fiel mir jedoch auf, dass die Sommerferien in Deutschland bereits seit einer Woche vorbei waren. Was machten die Zwei also noch hier? Amelie musste auf jeden Fall zur Schule! Mein Misstrauen, das sich in den letzten Wochen verflüchtigt hatte, kehrte mit einem Schlag zurück. Doch bevor ich in misstrauische Grübelei versinken konnte, beschloss ich einfach zu fragen. Ich passte Marion alleine ab, die entsetzt reagierte. Etwas schien sie einzuholen, sodass ich sie oben in meiner Wohnung aufs Sofa platziert und schließlich die ganze Geschichte verlangte, wie sie auch lauten würde.
      Dass ich schließlich eine Geschichte von einer Scheidung, häuslicher Gewallt und einer überstürzten Flucht hören würde, war mir bis zu diesem Moment nicht klar gewesen. Tja, und ungefähr so kam es, dass Amelie in die sechste Klasse einer Schule auf dem Festland angemeldet wurde und sie mit Marion die freie Dachwohnung bezog. So konnte es kommen und dass das Team erweitert wurde, störte bei den Unmengen an anfallender Arbeit auch wirklich keinen. Marion konnte sogar ihre Arbeit als Tierärztin wieder aufnehmen, da wir auf Amelie aufpassten, wenn sie weg war. Sie war ein kleiner Wirbelwind, der uns allen ordentlich Schwung verpasste. Und wir alle liebten sie, Amelie wie ihre Mutter.

      5. September 2016
      Hufkontrolle | 3994 Zeichen | © Sosox3

      Nach zwei Tagen in Norwegen machte ich mich weiter zu meinem nächsten Kunden, naja eher Kundin. Ich wurde herzlich von ihr empfangen und wir sprachen ein wenig über unsere Arbeit. Auch über Rachels letzten Besuch in Dänemark. Scheinbar hatte sie sehr viel preisgegeben und konnte sich dennoch nicht richtig entscheiden, was sie denn jetzt züchten wollte. Doch unser Gespräch lenkte sich immer mehr in Richtung Arbeit. Ich seufzte. „Wer ist denn der erste?“, fragte ich neugierig, da es hieß, ich würde heute nicht nur Isländer bearbeiten. „Romulus, ein Paso Fino. Ich bringe dich gerade zu ihm“, sagte Anabell zu mir und begleitete mich zu ihrem Putzplatz. Dort breitete ich schon mal meine Utensilien aus, während die junge Frau ihren Braunen zu mir führte. „Was braucht der Hübsche denn?“ „Nur eine Kontrolle und die Hufe sollten gekürzt werden. Ich bin in der Zeit gerade die Fohlen am bespaßen.“ Ich nickte und kratzte ihm zuerst die Hufe aus um sie dann einer ordentlichen Kontrolle zu unterziehen. Er wies ziemlich harte Hufe vor und hatte eine leichte Fehlstellung hinten links, die ich im Laufe der Bearbeitung noch bearbeiten würde. Hier und da tänzelte er mal und erwies sich als etwas temperamentvoller als ich zu Anfang dachte. Es dauerte also ein wenig länger bis ich ihm die Hufe ordentlich gekürzt hatte. Kurz darauf rief ich seine Besitzerin an, welche mir sagte, dass ich gleich das nächste Pferd empfangen würde. Einer ihrer Stallburschen würde Romulus nehmen und mir dann Fenja bringen. Sie würde genau dasselbe bekommen.
      Fenja war noch beschlagen, also musste ich ihr erst die Eisen abnehmen und ihre Hufe dann säubern. Beim ersten Blick fielen mir dann auch schon ihre viel zu langen Hufe auf, die auch noch in einem optimalen Zustand waren. Bei der Kontrolle fiel mir dann vorne links eine Fehlstellung auf, die ich gleich bearbeitete beim Kürzen. Auch sie war eher eine von der unruhigen Sorte, genau wie Romulus. Doch hielt mich das nicht von meiner Arbeit auf. Nach dem Feilen brachte mir der gleiche Stallbursche eine Isländerstute namens Brött.
      Genau wie die zwei vorherigen war sie etwas übermütig und was alles noch schwieriger machte, war ihre Unwissenheit gegenüber mir, dem Schmied. Es machte alles zwar ein wenig schwieriger und komplexer, denn sie hatte ziemlich lange Hufe, die dringend gemacht werden mussten. Die Kontrolle verlief sehr gut und sie konnte keine Fehlstellungen aufweisen, so machte ich mich dann ans kürzen. Dem Horrortrip wäre ich lieber entkommen, aber da musste sowohl ich als auch die Junge Stute durch.
      Das nächste Pferd war eine Paint Horse Stute, immerhin ein Engel im Umgang und auch beim Kürzen der Hufe war sie ruhig und pflegeleicht. Im Gegensatz zu Brött und ihrer Unwissenden Ader, wobei sie dafür ja nichts konnte. Ich war ihr erster Hufpfleger. Ice Coffee hatte gute Hufe und auch nicht allzu lange, sodass nicht viel wegmusste. Während ich meine Arbeit machte, döste sie und gab mir ihre Hufe fast schon von alleine.
      Luna und Blaer waren die nächste. Rachel hatte Luna schon einige Male auf Turnieren vorgestellt und Blaer sollte eigentlich mal zu uns auf den Hof, aber wir hatten damals andere Probleme mit unseren Pferden. Luna hatte hinten rechts eine etwas größere Fehlstellung, da würde ich wohl öfter mal dran, aber es war machbar. Beim Kürzen war sie artig, ich hatte auch nichts Anderes erwartet, bei Blaer verlief das ganze fast genauso wie bei Brött. Sturheit war fast schon der Schlüsselbegriff der Situation und so dauerte es ein Weilchen bis ich fertig mit dem Kürzen ihrer Hufe war.
      Die letzte war dann Vin, der ich erst die Hufeisen samt Stollen abnahm und dann die Hufe kontrollierte und kürzte. Bis die Eisen erhitzt waren schmusten wir ein wenig und dann legte ich ihr die Eisen an. Da es Sommer war, dieses Mal ohne Stollen, wie sie es im Winter trug. Ich war für heute mehr als geschafft und war heilfroh, dass ich jetzt erst einmal einen Tag Pause hatte bis der nächste Flug nach Island auf mich wartete.


      11. März 2017
      Fohlen und Jungpferdetraining | 3332 Zeichen | © BellaS

      “Die werden in Rekordzeit größer.”, grinste ich und wuschelte Litfari durch den kurzen Schopf. Inzwischen konnte man schon richtig erkennen was für ein hübscher Hengst der große Kleine eines Tages werden würde. Wir hatten Fáfnir und ihn inzwischen schon von den Stutfohlen trennen müssen, da sie bereits ihre Fähigkeit entdeckten sich fortzupflanzen und damit nur Terror verbreiteten. Zum Glück waren sie zueinander wie auch zu den ausgewachsenen Hengsten freundlich, zumindest solange keine Stute vor ihre Nasen kam. So mussten wir auch die heutigen Übungen mit den zwei Rabauken und die mit Hlín und Vaena, unseren Stutfohlen, ordentlich trennen.
      Genauso schnell wie sie wuchsen, lernten sie auch. Neben Halftern kannten sie inzwischen auch Kappzaum, Longiergut und Ausbinder, auch wenn ich selten mit solchen longierte, und lernten die Arbeit im Roundpen. Der nächste Schritt war dann bereits schonendes Gewöhnen an Trense und Sattel, sowie erste Arbeit am Langzügel. Mit fünf Jahren waren Isländer in ihrer Entwicklung soweit, dass sie langsam am Reitergewicht gewöhnt werden konnten. Mit sechs waren sie meist ausgewachsen und wurden angetöltet, was das Einreiten abschloss. Wenn überhaupt vorhanden, dann begann mit etwa zehn Jahren die Arbeit am Rennpass. Das geschah erst spät, da Pass im Renntempo eine stark beanspruchende Gangart war und das Pferd dafür sicher ausgebildet und vollständig ausgewachsen sein musste. Andernfalls wurde das Tier geschädigt, was kein verantwortungsvoller Trainer riskierte. In der Westernszene sah es da anders aus, aber das war auch ein anderes Thema. Mit meiner Stute Blaer war ich inzwischen beim eintölten angekommen und sie ging inzwischen Gangturniere der einfachsten Anforderungen als Turnierdebut. Der Junghengst Vákur lernte gerade das Gewicht eines Reiters kennen und würde auch bald auf Dressurturnieren der einfachsten Klasse starten. Silfurtoppa, die hübsche gepunktete Stute, war ebenso weit. Ich gewöhnte meine Pferde gerne an den Turnierrummel, indem ich sie in den einfachsten Klassen starten ließ. Vielleicht waren die Chancen nichtig, doch die Erfahrung, die die Jungpferde damit gewannen war unbezahlbar. Vákur, Silfurtoppa und Blaer gehörten zur ersten Generation meiner Zuchtfohlen und es war immer wieder schön für mich diese Generation zu sehen, wie sie erwachsenen Pferden heranwuchs und eines Tages ihre Eltern in meiner Zucht ablösen würde. Auch Glanni gehörte in die erste Generation meiner Zuchtfohlen, doch er war als Hengst ein bisschen schwierig zu händeln und ich überlegte noch immer, ob ich ihn erziehen sollte, oder eine Kastration doch der bessere Weg war. Auch er lernte am Langzügel und das Gewicht eines Reiters kennen. Das jüngste Fohlen in meinem Stall war das Riesenbaby Merida, die erst ein gutes Jahr alt war und damit gerade erst das Fohlen-ABC, also die Grunderziehung eines Pferdes, genoss.
      Die Decksaison begann nun auch wieder und dann war die nächste Generation Fohlen an der Reihe. Wie schnell doch alles ging. Ich konnte wirklich immer wieder darüber staunen, während ich mit Litfari an der Longe im Roundpen stand und in die Morgensonne blinzelte, die den Himmel in zauberhaftes Rot tauchte. Ich hatte meinen Traum zum Beruf gemacht und neben allem Stress, gab es ab und zu Momenten, in denen mir diese Tatsache überdeutlich bewusst wurde.
    • Mohikanerin
      Alte Berichte (2)
      20. März 2017
      Tyrifjord Ranch - Ankunft in der neuen Heimat | 39 263 Zeichen | © Canyon & BellaS

      Bella
      Die norwegische Landschaft zog an beiden Seiten der breiten Straße an mir vorbei. Ich genoss den Anblick, auch wenn er nicht viel Abwechslung bot. Tannen. Grüne Nadelbäume rechts und links. Darüber das Dämmerlicht des Tages. Es war Winter. In wenigen Tagen war Weihnachten und die Ausläufer der Polarnacht hielten Norwegen in eisernem Griff. Die fehlende Sonne und das künstliche Licht machten mich schläfrig. Eigentlich kein Wunder. Ich war seit 14 Stunden wach, von denen ich fünf hinterm Steuer verbracht hatte. Auf der Fähre hatte ich zwar vier Stunden Zeit gehabt, während denen der LKW auf dem Frachtdeck festgezurrt stand, doch meine Fracht hatte meiner Aufmerksamkeit bedurft. Ich kutschierte meine Pferde, meine Ausrüstung, eigentlich meinen gesamten Hof von Dänemark nach Norwegen. Und warum das Ganze? Sicher war ich mir da auch nicht mehr.
      Begonnen hatte es wahrscheinlich damit, dass Robin und ich uns irgendwie auseinandergelebt hatten. Ich mochte den sympathischen Dänen noch immer, aber ich liebte ihn nicht mehr und das hatte ich ihm so gesagt. Trotzdem hatte er beschlossen mit mir nach Norwegen zu kommen. Meine neue Existenz mit aufzubauen. Wie er zu mir stand hatte er mir nicht gesagt, doch für mich war es eine Trennung in Freundschaft.
      Nun schaukelte unser zweiter LKW hinter meinem her. Ich konnte ihn im Rückspiegel erkennen und auch meinen Freund, pardon, Exfreund, der erstaunlich konzentriert auf die leere Straße blickte. Eigentlich nicht nötig, denn hier war absolut nichts. Eine ausgebaute, breite Straße, Bäume an den Seiten und ich vor ihm. Kein Gegenverkehr, niemand, der in unsere Richtung fuhr. Schlicht und einfach nichts.
      Wieder schweiften meine Gedanken ab. Ich dachte an Linns Umzug nach Island, der sie glücklich gemacht und mich meines Zuhauses beraubt hatte. Ich fühlte mich auf einmal nicht mehr wohl auf meinem Traumhof, erledigte meine Arbeit nur lustlos, wusste nicht mehr warum ich tat was ich tat. Und dann hatte ich begonnen zu verkaufen. Vierzehn Pferde blieben, alle anderen sollten eine neue Heimat bekommen.
      Und dann kam der Tag mit dem fatalen Anruf einer alten Freundin. Charly war Teil des Teams der Tyrifjord Ranch in Norwegen und hatte mich kurzerhand auf ihren Hof eingeladen, nachdem ich ihr mein Herz ausgeschüttet hatte. Eine schlaflose Nacht später hatte ich begonnen Kisten zu packen.
      Dass weder Marion noch Amelie von der Idee begeistert gewesen waren, war kaum verwunderlich, doch dieses Mal stand meine Entscheidung fest.
      So kam es, dass wir nun über norwegische Straßen schaukelten. Das Ziel: unsere neue Heimat.

      Robin
      “I femhundrede meter drej til højre.”, verkündete das Navi. Meine erste Amtshandlung hinterm Steuer dieses Gefährts war es gewesen die Ansagestimme des Navigationscomputers auf meine Muttersprache umzustellen. Bella und ich waren nicht mehr zusammen, wozu sollte ich dann weiter deutsch sprechen?
      Vor mir tat Bella bereits, was mir mein Navi gerade verkündet hatte. Sie bog nach rechts ab. Die Straße war merklich schmaler als die Vorhergehende, aber genauso wenig befahren. Ein Glück, denn entgegenkommende Fahrzeuge hätten kaum eine Chance an unseren LKWs vorbei zu kommen. Ein Blick auf die elektronische Straßenkarte sagte mir, dass wir nun nur noch dem Straßenverlauf folgen müssten. Am Ende der Straße erwartete uns dann unser Ziel. Genau diese Information plärrte Bruchteile von Sekunde später aus den Lautsprechern der Fahrerkabine. Obwohl die obligatorische Frauenstimme dänisch sprach, nervte sie mich. Es gab wenige Dinge, die mir auf langen Fahrten nach Unbekannt mehr auf die Nerven gingen als die elektronisch-monotone Stimme des Navis, aber irgendwie brachte ich es nie über mich das Gerät abzuschalten. Ziemlich dämlich, da ich eigentlich nur Bellas Gefährt folgen musste, welches durch seine schiere Masse schwerlich zu übersehen war.
      Die letzten Minuten der Fahrt zogen sich wie angewärmtes Kaugummi und die Spannung wuchs. Warum ich überhaupt aufgeregt war wusste ich nicht. Ich war zwar auf dem Weg nach Unbekannt, wo mich ein neues Leben erwartete, aber ich vertraute Bella. Ich würde ihr überall hin folgen.

      Malte
      Das Radio des großen Stallgebäudes brachte an diesem Morgen nichts Besseres zustande, als schnöde und obendrein noch total kitschige Schnulzlieder und das ganze auch noch auf norwegisch. Ich liebte diese Sprache, immerhin war es meine Muttersprache, aber Lieder klangen echt grässlich!
      Ich hatte das Radio nicht angestellt, denn auch ohne das ständige Beschallen konnte ich die Arbeit im Stall ohne Probleme erledigen. Petyr war es gewesen, welcher mir die Ohren vollgeheult hatte, dass es so leise war.
      Die Sonne war gerade erst hinter den Wipfeln der Berge hervorgekrochen, dabei war es bereits fast Mittag, und wirklich hell und warm war sie nicht. Wir hatten Glück, dass das riesige Stallgebäude beheizbar war, sodass ich jedenfalls hier drinnen nicht erfrieren würde.
      Wie aus Gewohnheit, und vielleicht auch aus guter Laune, pfiff ich eines der Lieder mit und schippte dabei, Box für Box, die Hinterlassenschaften der Pferde aus dem Heu. Die erträglichere Aufgaben, nämlich das Stroh in den Boxen nachzufüllen, hatte sich Petyr gekrallt, wer denn auch sonst.
      Ein Blick auf die Displayuhr meines Steinzeithandys sagte mir, dass es drei Minuten vor halb zwölf war und natürlich war gerade jetzt der Augenblick der Zufälle, bei dem man einen Anruf bekam. Ich bekam selten Anrufe und wenn schon waren es meist geschäftliche, sodass ich beim ersten Vibrieren wusste, wer es war.
      Ich hatte Bella bei unserem letzten Telefonat gesagt, dass sie sich lieber an mich wenden sollte, wenn sie ankommen würde. Nico war mal wieder unterwegs und Charly mit Bartholomäus beschäftigt und ich wusste, dass sie zur Zeit nicht besonders gut drauf war.
      Ich betätigte die grüne Taste meines Handys. »Malte?«
      »Bella hier. Wir sind in wenigen Minuten da. Wo genau sollen wir hinkommen?« Bellas Stimme klang müde und ausgelaugt und die lauten Geräusche des Transporters ließen mich ihre Worte schwer verstehen.
      »Kommt erstmal auf den Parkplatz vor’s Stallgebäude, dort erwarte ich euch und bespreche dann alles weitere. Du solltest das Gebäude eigentlich auf der rechten Seite recht gut sehen. Holmenelva ist nicht besonders groß,«
      »Alles klar. Sollte ich es nicht finden, melde ich mich nochmal.« Sie legte auf und auch ich ließ mein Handy zurück in die Hosentasche gleiten. Dann verließ ich die Box und stellte Schubkarre und Mistgabel davor ab.
      »Petyr?!« rief ich die Stallgasse entlang und versucht die überlaute und anstrengende Stimme des Moderators zu übertrumpfen.
      »Hä?« Petyrs Kopf kam aus einer der Boxen zum Vorschein und sein Blick ließ andeuten, dass er mich nicht verstanden hatte.
      »Ich gehe Bella und Robin begrüßen!« schrie ich mit kratzger Stimme und hoffte inständigs, dass sie noch bis mindestens Weihnachten aushalten würde.
      Fragend zog Petyr die Augenbrauen hoch und hielt eine Hand hinter sein Ohr. »Ich verstehe dich nicht, du musst lauter sprechen!« rief er mit klarer und kräftiger Stimme, die so das genaue Gegenteil der meinigen war. Genervt winkte ich ab und drehte mich in Richtung Ausgang. Egal, dann musste er die Stallarbeit eben alleine machen. Ich wollte nur weg aus diesem Partystall.
      Die frische Luft tat gut. Sie durchfuhr meine Haare, meine staubigen Kleider und meine Kehle und brachte etwas Energie zurück, welche ich anscheinend in den letzten drei Stunden verloren hatte.
      Gemütlich ließ ich mich an der Einfahrt zum Parkplatz nieder und blickte die holprige Landstraße in Richtung Süden entlang. Ich freute mich darauf Bella kennenzulernen, von welcher ich nicht gerade wenig gehört hatte und mit welcher ich seit einigen Tagen den Kontakt pflegte. Sie schien eine interessante junge Frau zu sein und ich war gespannt, wie sie sich hier einleben würde.
      Mein Blick richtete sich in die Ferne und lehnte mich entspannt an einen Pfosten einer Straßenlaterne. Am grauen Himmel war kein Vogel zu sehen und auch die Sonne war wieder von den dunklen Wolken zurückgetrieben wurden. Erst die hellen Scheinwerfer eines Transporters zogen meinen Blick wieder auf sich und mit einem Anflug von Freude stellte ich fest, dass es Bella war.

      Bella
      Ich steuerte den LKW auf den Parkplatz und hoffte einfach, dass ich hier richtig war. Ein Blick in den Rückspiegel sagte mir, dass Robin es mir gleich tat. Ich drehte den Zündschlüssel und der Motor erstarb. Jetzt blieb nur noch warten. Gerade als ich mich im Sitz zurücklehnen und endlich einen Moment entspannen wollte, kam ein blonder Mann über den Parkplatz auf uns zu. Eindeutig Malte. Ich hatte ihn zwar nie gesehen, aber vor vielleicht zwanzig Minuten angerufen, um ihn vorzuwarnen, dass wir bald ankämen.
      Mit meiner Entspannung würde es also nichts werden. Ich öffnete die Tür und kletterte steifbeinig aus dem Führerhaus. Hinten bei meiner “Fracht” rumorte es. Ich hatte sowohl Fee als auch Vin auf meinem LKW, was der Geduld der gesamten Herde nicht zuträglich war.
      “Hallo. Du musst Malte sein.”, begrüßte ich den jungen Mann. Nun gut, so jung war er nicht. Bestimmt so alt wie ich. Nachdem mir das klar geworden war, kam mir meine Anrede komisch vor. Trotzdem verbot ich mir jetzt herumzustottern, sondern wartete einfach seine Reaktion ab. Er schien sich jedoch nicht daran zu stören, sondern ging geradewegs auf mich zu und umarmte mich, als würden wir uns schon ewig kennen. Nach einer Sekunde Schockstarre erwiderte ich die Umarmung ebenso herzlich.
      Inzwischen war auch Robin aus seinem LKW gekommen und stellte sich Malte vor, während ich gedanklich schon auf glühenden Kohlen saß, da das rumpeln aus meinem LKW merklich zugenommen hatte.
      “Malte, Robin. Sorry, aber die Pferde müssen da raus. Laufey nimmt sonst alles auseinander.”
      Dass die zwei Kerle sich auf Anhieb gut verstanden merkte ich schon, als wir begannen die, teils erschöpften und teils gestressten, Pferde aus den LKWs zu laden. Eine provisorische Koppel sollte ihnen als Nachtquartier dienen. Die Hengste in freie Gästeboxen im Stall, die vorausschauenderweise bereits vorbereitet worden waren. Sogar im Chaos wegen des Umzugs war an alles gedacht worden, nur hatte ich Charly, den klugen Kopf dahinter, heute noch nicht zu Gesicht bekommen.
      Als endlich alle Pferde provisorisch untergebracht waren, lehnte ich mich müde an die Tür meines LKWs. Es war inzwischen später Nachmittag und die Reise hatte mich so sehr geschafft, dass ich mich auf meine unbequeme Liegefläche im LKW freute. Unseren, nein meinen, eigentlichen Wohnort, würde ich erst in den nächsten Tagen beziehen können. Mich jetzt in mein Bett zu verkriechen war mir allerdings nicht vergönnt, denn nun trat Malte, der blonde Norweger wieder auf mich zu.

      Malte
      “So Bella, sag an, was hast du nun vor?” Entspannt lehnte ich mich neben die junge Frau. Ich hatte mir schon gedacht, dass ich mich gut mit ihr verstehen würde, immerhin hatte mir Charly bereits einiges über sie und Robin erzählt, aber dass ich war selbst erstaunt über mich, dass ich innerhalb der letzten Stunden so schnell Vertrauen zu ihr gefasst hatte. Meist fiel es mir ziemlich schwer, mich mit neuen Gesichtern anzufreunden, aber bei Bella mit ihren hübschen Locken und den weichen und warmen Gesichtszügen war es mir erstaunlicherweise ziemlich leicht gefallen.
      “Nicht viel. Ich bin ziemlich müde, die Autofahrt hierher war der reine Wahnsinn.” Antwortete sie mir erschöpft.
      “Dann würde ich mal sagen, dass ich euch nun eure Zimmer zeige”, meinte ich verständnisvoll. “Los komm, dein Gästezimmer wird dir gefallen!”
      Nachdem Bella und ich auch Robin gefunden hatten, holten wir die wichtigsten Taschen aus den Autos und trugen diese den gefrorenen Sandweg am Ufer des Tyrifjords entlang. Links von uns lagen einige Koppeln, welche das Stallgebäude vom ursprünglichen Hof trennten. Der Weg war nicht weit, jedoch kam er mir erstaunlich lang vor, mit den schweren Taschen auf meinen Schultern.
      Auch Robin und Bella schnauften ganz schön, als wir die Stufen des Wohnhauses erreichten, in welchem Bella für die nächste Zeit untergebracht werden sollte. Ich hatte noch gar nicht die Klingel gedrückt, da erklang von der anderen Seite der Tür das laute Bellen Asukas. Früher war er der ruhigste Hund gewesen, welchen ich je kennengelernt hatte. Seitdem jedoch Bart auf der Welt war, hatte sich der kleine schwarze Whippet eigenhändig zu dessen Bodyguard erklärt und verhielt sich natürlich auch dementsprechend. Es dauerte nur ein paar Sekunden und Charly öffnete breit strahlend die blaue Haustür. Auf dem Arm hielt sie den strohblonden Bart, dessen Locken denen von Nico jetzt schon erstaunlich glichen.
      “Bella, Robin! Schön, dass ihr endlich da seid! Kommt herein, kommt herein!” Meinte Charly freundlich und grüßte Bella und Robin überschwänglich.
      “Ich glaube”, sagte ich, “Dass es erstmal besser wäre, wenn ich Robin seinen Schlafplatz zeige. Wir können uns aber gerne nachher zum Abendbrot wiedersehen, wenn sich alle eingelebt haben. Oder?” Fragend schaute ich in die Runde. Als alle durch Nicken ihr Einverständnis gegeben hatten und Charly noch einmal überdeutlich ihre Freude über die Ankunft von Bella und Robin kundgetan hatte, schloss sie die hübsche Tür wieder und ich war mit Robin allein.
      “So, dann zeige ich dir mal meine Wohnung!” Lächelnd blickte ich kurz zu Robin und führte ihn dann über den gepflasterten Hof hinüber zu einem weiteren Wohnhaus. Der Dachboden war noch unausgebaut, aber die beiden kleinen Wohnungen im Erdgeschoss waren vor einiger Zeit hübsch restauriert wurden. Seit einiger Zeit lebte eine junge Frau, sie war Künstlerin und arbeitete in Sylling in einem Kunstatelier, in die Wohnung neben mir gezogen. Das Bad mussten wir uns allerdings teilen, denn es lag genau zwischen unseren Wohnungen. Ich hoffte, dass sich auch Petyr mit Tjarda verstehen würde, ich erwartete jedoch nichts gegenteiliges.
      Meine Wohnung glich meist eher einem Müllcontainer, jedoch hatte ich es gestern geschafft das Gröbste an Staub von allen Möbeln abzukehren und jedenfalls das Sofa und den altmodischen Ohrensessel in der Mitte des kleinen Wohnzimmers etwas aufzuhübschen. Als ich die Tür zu meiner Wohnung öffnete, begrüßte mich mein Wolfshund Gery, mit einem tiefen Bellen, jedoch schien er es nicht für nötig zu halten, sich von seinem gemütlichen Platz am warmen Ofen zu entfernen.
      “Tadaaa!” Rief ich und breitete meine Arme aus, um Robin die Pracht meiner kleinen Wohnung schmackhafter zu machen. “Willkommen im Paradies!”
      Robin grinste mich an und ließ dann seinen Rucksack schwer atmend neben dem Sofa nieder, bevor er sich umblickte. “Und wo schläfst du?” Wollte er wissen.
      “Ich werde mich mit dem Sofa zufrieden geben, du darfst gerne mein Zimmer haben. Immerhin bist du mein Gast!”
      Zuerst versuchte Robin mir auszureden, ihm mein kleines Schlafzimmer zu geben, jedoch dauerte es nicht lange, bis er eingesehen hatte, dass es bei mir sinnlos war.
      Die Zeit bis zum Abendessen verbrachten wir damit, uns aufs Sofa zu fläzen und uns die wichtigsten und natürlich witzigsten Fakten aus unserer Vergangenheit zu erzählen. Als es dann jedoch Zeit fürs Essen wurde, begaben wir uns wieder zurück zum Haupthaus, wo Charly bereits dabei war den Tisch zu decken.

      Robin
      Ein gemeinsames Abendessen also. Dann würde ich immerhin direkt Gelegenheit haben, die gesamte Hofbesatzung kennen zu lernen. Immerhin waren mir noch einige Gesichter aus der Runde, die langsam eintrudelte, unbekannt. Charly mit ihrem kleinen Sohn und Malte kannte ich natürlich. Als mein Blick auf Bella fiel, die Charly ihren Kleinen abgenommen hatte und nun lächelnd im Arm hielt, spürte ich einen Stich im Herzen. Sollte das hier wirklich sein? Hatte ich diese Frau verloren? Wie hatte ich das bloß zulassen können?
      Resigniert setzte ich mich auf den nächsten freien Platz, der weder direkt neben noch gegenüber von Bella lag. Ich würde es endlich schaffen müssen, sie mir aus dem Kopf zu schlagen. Irgendwie. Zum Glück lenkte mich jetzt ein Mann ab, der die Treppe hinunter kam und sich ohne ein Wort oder einen Blick zu mir neben mich setzte. Den blonden Locken nach zu Urteilen, die auf seinem und dem des kleinen Jungen wucherten, Charlys Mann.
      Nach und nach erschienen alle anderen, bis alle Plätze am großen Küchentisch besetzt waren. Nun begann natürlich die große Vorstellungsrunde. Während die Begrüßungen von gefühlt dreißig Leuten auf mich einprasselten, versuchte ich mir wenigstens ein paar der vielen Namen und Gesichter zu merken. Neben mir saß Nico, tatsächlich Charlys Mann und Vater des kleinen Bart. Allerdings machte er auf mich keinen sonderlich sympathischen Eindruck. Malte kannte ich ja bereits. Ein besonders auffälliges Gesicht blieb auch hängen. Die große, schlanke Frau hatte zwei Augenfarben und ein offenes Gesicht. Sie stellte sich als Tjarda vor und ich beschloss sofort, dass ich sie mögen würde. Dann gab es da noch Torun, Teodor, Petyr und Vuyo. Letzter war auffällig, da er am Tisch der einzige mit dunkler Hautfarbe war. Nachdem wieder Stille eingetreten war, ergriff Bella das Wort und bedankte sich. Vorstellen mussten wir uns nicht mehr, da offensichtlich alle hier bescheid wussten. Charly hatte das Team offenbar vorbereitet und so sah ich nicht nur musternde und offene Mienen, sondern auch Dinge wie Mitleid. War es so offensichtlich, dass ich von Bella nicht loskam?

      Nico
      Ein gemeinsames Abendessen, was für eine Freude. Genervt blickte ich auf die Uhr, welche genau gegenüber von mir hing. Es waren erst zehn Minuten vergangen, stellte ich schockiert fest. Charly hatte gerade alle Anwesenden herzlich begrüßt und ich fragte mich, wie sie nach diesem stressigen Tag und bei dem vollen Haus so fröhlich sein konnte. Auch Bart schien seinen Spaß zu haben und grinste jeden am Tisch mit einem frechen Grinsen an.
      Den Mann links neben mir hatte ich noch nie gesehen, schloss jedoch daraus, oh wie schlau war ich nur, dass das Bellas Freund, sorry, Exfreund war. Er sah nicht schlecht aus, war aber auch älter als ich und das gefiel mir gar nicht.
      Ich beugte mich, vielleicht aus Langeweile, vielleicht auch aus Neugierde, zu ihm hinüber. “Du bist also Robin. Warum genau ziehst du aus deinem Heimatland in den Norden, obwohl dich Bella anscheinend abserviert hat? Unser Hund Asuka würde das Selbe tun.”

      Robin
      Was bitte war das denn für ein Typ? Unhöflich wie Nichts und musste natürlich direkt den Finger in meine offensichtlich offene und blutige Wunde.
      “Was soll diese Frage? Mir geht es hier um die Pferde. Ich liebe die Tiere die Bella mir anvertraut hat - die übrigens einfach eine gute Freundin ist.”
      Ich war nicht aufbrausend. Auch nicht schnell genervt, doch dieser Typ machte mich rasend.


      Nico
      “Weißt du, mein Freund, ich weiß, dass es schwer ist loszulassen, aber manchmal muss man sich einfach eingestehen, dass es vorbei ist. Ich will dich nicht loswerden, nein, du bist ein witziger Typ, aber Bella zu liebe kannst du ja nochmal drüber nachdenken.” Ich blicke ihn ernsthaft und mit durchdringendem Blick an. Ich liebte diesen Gesichtsausdruck bei anderen, wenn man ihnen gerade offenkundig einen Korb gegeben hatte. Irgendwo meldete sich mal wieder meine Alarmglocke, dass ich vielleicht doch zu weit gegangen war, aber bereits vor langer Zeit hatte ich erlernt, wie ich diese gut überhören konnte.

      Robin
      Ich musste mich hart zusammenreißen, mir nicht offensichtlich auf die Lippe zu beißen oder sonst eine Reaktion meiner Verärgerung zu zeigen, damit wir nicht zum Kino für den ganzen Tisch wurden. Darauf diese Diskussion mit allen zu führen, hatte ich nun wirklich kein bisschen Lust. Ich wusste, ich lief Bella nach. Rannte ihr erbärmlich hinterher, alles in der Hoffnung sie könnte eines Tages doch noch feststellen, dass wir zusammen gehörten. Ich hatte mich verdammt nochmal so Hals über Kopf und unsterblich in diese Frau verliebt… Ja, ich konnte ihr noch nicht einmal übel nehmen, dass sie mit mir Schluss gemacht hatte. Und ich wusste, das war verrückt. Ich war verrückt. Gleichzeitig wollte ich aber auf keinen Fall eingestehen, dass ich mir dieser Tatsache bewusst war und meinem Herausforderer so Kampflos das Feld räumen.
      “Darüber muss ich nicht nachdenken. Das ist eine Tatsache.”, bemerkte ich also nur trocken. Was auch immer sich da zwischen Nico und mir anbahnte, es war nichts Gutes.

      Nico
      Ich zog meine Augenbrauen nach oben und blickte ihn leicht mitleidig an. Der arme Mann, so voller falscher Vorstellungen vom Leben. Ich seufzte. “Ich sehe, heute Abend werden wir beide wohl nicht mehr auf den gleichen Zweig kommen. Aber, was haben wir nur für ein Glück, sind wir ja für die nächste Zeit Nachbarn, da finden sich bestimmt passende Momente in denen ich dir die wahre Welt zeigen kann.” Meinte ich und nahm dann einen Schluck von dem Glas mit rotem Wein vor mir.
      “Hast du zufällig Lust auf einen Ausritt morgen früh?” Fragte ich Robin leicht überheblich. “Reiten kannst du doch, oder?”

      Robin
      “Nein, das tut mir leid. Ich habe Angst vor Pferden und weiß nicht wie rum ein Sattel drauf gehört.” Ich kratze mich am Kinn. “Könnte sein, dass ausreiten da schwierig wird.” Jetzt war es an mir den Mann neben mir mit einem spöttischen Hundeblick anzusehen. Ich saß auf dem Pferd seit ich laufen konnte und hatte mein Leben lang nichts anderes getan. Wenn ich ihm verbal schon nichts entgegen zu setzen hatte, dann eben in reiterischer Hinsicht.

      Nico
      Ich musterte ihn verwirrt mit zusammengekniffenen Augen und nahm dann noch einen Schluck von meinem Wein. “Ich nehme an, dass das Ironie war.” Ich merkte selbst, wie meine Mauer zu bröckeln anfing, jedoch verdeutlichte es der Blick von Robin um einiges.
      “Möchtest du, dass ich eines unserer Ponys nehme, damit ich dir nicht allzu überlegen bin? Eure Isländer sind ja alle nicht gerade groß und Gerechtigkeit ist mir ziemlich wichtig.” Versuchte ich mich wieder hinaufzukämpfen.

      Robin
      Klein aber oho. Ganz eindeutig hatte Nico noch nie einen Fünfgänger laufen sehen. “Nimm was du willst. Auf die inneren Werte kommt es an, nicht auf die Größe, Hm?”

      Nico
      “Ach immer diese Islandponyreiter, ihr denkt auch alle, dass eure Pferde von einem anderen Planeten sind und dadurch Superkräfte haben. Aber mir soll’s Recht sein, denn unter uns, ich verliere nicht gerne.” Scherzhaft zwinkerte ich Robin zu. Das Gespräch mit ihm hatte mich um einiges aufgemuntert und so griff ich nun doch hungrig nach der Salatschüssel. Aus den Augenwinkel sah ich, wie Malte mich genauestens beobachtete, als ich jedoch meinen Blick erhob, war sein Gesicht zu Bella neben sich gewandt.
      “Möchtest du auch etwas Salat?” Fragte ich Robin und lächelte ihn freundlich an.

      Robin
      “Sehr gerne.” Ich langte kräftig zu und vergaß den anfänglichen Zorn. Der morgige Tag würde auf alle Fälle lustig werden.
      Den Morgen verbrachte ich mit dem sortieren unseres Zaumzeuges, welche trotz sorgfältigem Einräumen zu völligem Chaos mutiert war. Als ich endlich alles provisorisch auseinander sortiert hatte, bequemte sich der junge Vater und Herr des Haupthauses auch in den Stall. Meine Wahl für den heutigen Ausritt war längst auf Fenja gefallen, da die Stute nicht nur treu, sondern auch unglaublich schnell war. Klein aber oho.

      Nico
      Er hatte es so gewollt und mein Gewissen war kein bisschen schlecht, als ich, vielleicht gegebenenfalls eventuell etwas zu spät das Stallgebäude betrat und den Weg zu der Box von Marid einschlug. Ich hatte ihn heute morgen gleich in der Box gelassen und auch wenn ihm das gar nicht gefiel, bedeutete es für mich weniger Arbeit.
      “Guten Morgen Robin!” Rief ich die Stallgasse entlang und winkte meinem neuen Freund kindisch. “Gut geschlafen?”
      Ohne eine Antwort abzuwarten schnappte ich mir das Putzzeug und begann meinen Hengst, welcher mir eingeschnappt sein Hinterteil zugewandt hatte, zu putzen. “He Vad alter Freund, dem da drüben zeigen wir es heute, stimmt’s?” Versuchte ich ihn zu beschwören. Große Gedanken machte ich mir jedoch nicht, dass ich mich blamieren würde.
      Nachdem der Hengst geputzt war, holte ich aus der Sattelkammer Vads Distanzsattel und seine hübsche gelbe Biothanetrense.

      Bella
      Auch ich war bereits früh im Stall und hatte mir in den Kopf gesetzt die Gegend etwas erkunden. Dort traf ich auf Robin, sowie Nico, die schweigend nebeneinander ihre Pferde fertig machten. Sie würden wohl seltsamerweise zusammen ausreiten, auch wenn sie sich nicht unbedingt gut zu verstehen schienen. Robin hatte Fenja gewählt, die neben dem großen Hengst von Nico sehr zierlich wirkte, trotzdem war mir sofort klar, dass die Zwei sich ein Rennen liefern wollten. Aus diesem und kaum einem anderen Grund hatte Robin sich das zweitschnellste Pferd aus meinem Stall ausgesucht. Nur Laufey konnte Fenja toppen und meine Fee gehörte mir.
      Unbemerkt schnappte ich mir das schön sortierte Sattel und Putzzeug genau dieser Stute und gelangte ungesehen nach draußen. Dort band ich mein ungeschlagenes Lieblingspferd am Koppelzaun an und begann sie reitfertig zu machen. Ich würde den Jungs folgen. Mal sehen auf was für Ideen sie kämen.
      Wenige Minuten später verließ das ungleiche Paar den Hof. Sie ritten an mir vorbei ohne mich zu bemerken und so schwang auch ich mich auf den Rücken meiner Stute und folgte den Männern mit genug Abstand, sodass sie mich nicht bemerken würden.

      Malte
      Am frühen Morgen bereute ich es, dass ich gestern Abend mich zu noch einem Glas Wein hatte mitreißen lassen, denn genau dieses spürte ich nun tief in meinen Knochen. Als ich das Haus verlassen hatte, schlief Robin noch tief und fest, weswegen ich mich nun verwundert umdrehte, als ich ihn auf dem Waldweg an den Weiden vorbeireiten sah. Seit heute Morgen war ich schon damit beschäftigt, die Wiesen abzuäppeln und nicht nur meine Hände waren dadurch gefroren.
      Erstaunt stützte ich mich auf den Stil der Mistgabel und versuchte durch das dichte Geäst hindurch zu erkennen, was da vor sich ging. Mit noch größerem Erstaunen stellte ich fest, dass eine Pferdelänge vor Robin niemand anderes als Nico auf seinem Hengst Marid ritt. Ich hätte es wissen müssen, an Nicos Blick von gestern Abend hätte ich seine fiese Idee erraten müssen. Ich seufzte theatralisch. Jetzt war es sowieso zu spät, denn die Pferde verschwanden im dunklen Wald. Nico schlug den Weg zur Galoppstrecke ein und das war nicht irgendeine, nein, war DIE Galoppstrecke und ich wusste, dass jemand unerfahrenes keine Chance gegen Nico dort hatte, nicht einmal Robin.

      Robin
      Ich folgte Nico mit einer Pferdelänge Abstand und bereitete mich bereits innerlich auf ein rasantes Galopprennen vor. Tatsächlich kam eine infrage kommende Strecke gerade in Sicht, doch nur ein kurzer Blick auf den weichen, gewundenen Waldweg sagte mir, dass ich ohne Ortskenntnis keinerlei Chance haben würde. Ich konnte noch so ein guter Reiter sein, wenn ich nicht wusste was kam hatte ich keinerlei Chance.
      Trotzdem entschloss ich mich das Wagnis einzugehen und in Würde zu verlieren. Wenn Nico es nötig hatte zu so einer Strecke zu greifen, hatte er im klassischen Rennen gehörigen Respekt vor mir und meinem Pony. Das war mir fürs erste genug.

      Nico
      “Also mein Freund,” ich parierte mein Pferd durch und präsentierte Robin die Galoppstrecke. “Unsere Galoppstrecke mit garantiert tollem Naturerlebnis. Ab und zu gibt es mal ein paar Wurzeln, da muss dein kleines Pony dann eben springen oder so, weiß ja nicht, ob es da drüber steigen kann.” Ich lächelte verschmitzt und zwinkerte Robin freundschaftlich zu. Noch etwas was ich gut konnte: Glaubwürdig lächeln und das in den verschiedensten Situationen. Ich war mächtig stolz auf mich und mein Talent.
      “Was sagst du, traust du dich?”

      Robin
      “Gar kein Problem.” Ich fasste die Zügel etwas kürzer und grinste Nico herausfordernd an. “Pass du mit deinem Riesen lieber auf. Tief hängende Äste haben schon so manchen Reiter auf böse Art und Weise aus dem Sattel befördert.” Normalerweise wäre ich jetzt mit diesen Worten aus dem Stand angaloppiert, doch bei dieser Strecke barg das zu viel Risiko und die Gesundheit meines Pferdes und meine Eigene waren dann doch wichtiger als mein Stolz.
      Nico, der genau das erwartet hatte, galoppierte nun wirklich reflexartig an. Eine Pferdelänge ließ ich ihm an Vorsprung, dann sporte ich auch Fenja an. Einen Isländer aus dem Stand in den Galopp zu bekommen war keine leichte Übung, aber Fenja war solche Eskapaden von mir gewohnt und bemerkte sofort, dass es sich hier um ein Rennen handelte. Voller Elan zog sie nach vorne, Nico und seinem Araber hinterher. Einen Herzschlag lang schloss ich die Augen und spürte die Bewegung des Tieres und den Wind im Gesicht. Egal ob Wald oder offener Strand. Das Gefühl im Galopp blieb dasselbe. Und ich liebte es einfach.
      Ein dünner Zweig holte mich zurück in die Wirklichkeit. Er schlug mir peitschenartig ins Gesicht und würde garantiert einen Striemen hinterlassen. Verflucht. Hier auf den Weg zu achten war wirklich notwendig. Der Abstand zu Nico hatte sich ersichtlicherweise nicht verändert, denn dieser war inzwischen auch vollauf beschäftigt diversen Baumauswüchsen auszuweichen. War das hier eine Galoppstrecke oder eine Querfeldein-Jagd?!

      Nico
      Auf Marid war immer Verlass. Egal ob es der Start war, oder die großen Wurzeln der uralten Bäume, welche den Waldweg auf beiden Seiten säumten. Ich liebte dieses Pferd und dieses Pferd liebte mich und deswegen stand es für mich gar nicht in Frage, dass wir vielleicht nicht gewinnen würden. Klar, Fenja und Robin schienen sich auch zu mögen, aber das war nicht genug, um gegen uns beide anzukommen.
      Ein Blick über die Schulter und ich blickte in Robins vor Anstrengung zusammengekniffenes Gesicht, welches jedoch vor Ehrgeiz leuchtete. Natürlich war das Rennen auch für mich kein Kuchenbacken, das gab ich gerne zu, aber ich hatte den Vorteil, dass ich genau wusste, hinter welcher Biegung eine Kreuzung oder ein Schlammloch folgte. Das einzige was ich nicht berücksichtigt hatte, war die eiserne Kälte, die mir im langsamen Tempo nicht bewusst geworden war, nun mir aber fast den Atem raubte. Ich vergrub meine nackten Hände tief in Marid Mähne und versuchte auch mein Gesicht vor dem unaushaltbaren Wind zu schützen, in dem ich mich tief über den warmen Pferdehals beugte. Ich war ein Mensch des Südens und diese Kälte hier konnte ich gar nicht ab. Nur noch weniger als die Kälte mochte ich Käsekuchen und das musste etwas bedeuten.
      Marid schnaufte erschöpft. Gnadenlos trieb ich ihn jedoch weiter, bereits das Ziel, das Ende des kleinen Waldstückes, vor Augen. Meine Sicht verschleierte mittlerweile ein dichter Vorhang von Tränen. Dem einen Ast wich ich geschickt aus und auch den zweiten ließ ich links liegen. Erst der dritte, welcher jedoch diesmal am Boden lag, übersah ich ungeschickt und Marid machte erst in allerletzter Sekunde einen Ausweichschritt zur Seite, wodurch ich meinen Steigbügel verlor und seitlich am Pferd hing. “So ein Mist!” Laut fluchend versuchte ich mich wieder zu ordnen, um auf keinen Fall meine Führung so kurz vor dem Ziel zu verlieren.

      Robin
      Ich sah Nicos Gesicht, der verkrampft versuchte seinen Steigbügel zurück zu angeln, während ich mit ihm gleichzog. Sein Araber, der garantiert eine Distanzpferd, das über den Winter aus dem Training war, schnaufte bereits erschöpft. Auch Fenja war nicht mehr frisch, aber lange nicht erschöpft. Noch immer spürte ich den eisernen Ehrgeiz, mit der die Stute mit dem viel größeren Hengst mithielt. Langsam wurde der Wind auf meinem Gesicht eisig, doch das war ich gewohnt. In meiner Heimat Dänemark war es um diese Zeit nicht wärmer und zudem hatte ich die letzten Jahre auf einer Insel mitsamt Seewind gelebt. Seite an Seite galoppierte ich mit Nico dem Ende des Waldpfades entgegen, das wir trotz verbissenen treibens auf der Zielgerade gleichzeitig erreichten. Wie genau das bei dieser Wegbreite möglich gewesen war, konnte ich nun wirklich nicht erklären.

      Nico
      Mein Lächeln war ausnahmsweise von meinen Lippen verschwunden und einem Zähnefletschen gewichen. Mit aller Kraft versuchte ich Marids Tempo nochmal ein kleines Stückchen zu erhöhen und meinen Vorsprung wiederzuerlangen, versagte jedoch kläglich, als wir den Wald hinter uns ließen und stolpernd die große Lichtung betraten. Neben mir galoppierte zur gleichen Zeit auch Robin ins Ziel und enttäuscht musste ich feststellen, dass ich wegen dieses einen kleinen Fehlers verloren hatte. Ich parierte Marid etwas zu grob durch und ließ ihn meine Enttäuschung spüren. Marid reagierte jedoch nicht, sondern streckte nur schlapp seinen Hals nach unten.
      “Glückwunsch.” Knurrte ich in Robins Richtung, meinte es jedoch kein bisschen so. Er konnte sich abschminken, dass ich zugeben würde, dass er gut mitgehalten hatte. Ich hätte locker gewonnen.

      Robin
      “Ich würde eher sagen das war komplett gleichzeitig.” Ein wenig verwirrt über den knurrenden Tonfall zuckte ich die Achseln. Für mich gab es kaum etwas, das bessere Laune bereitete als ein ausgelassenes Galopprennen, mit Ausnahme von…. “Würde ich auch sagen. Gleichzeitig.” ...genau dieser Frau. Bella kam entspannt hinter uns aus dem Waldweg getrabt. Sie war uns offenbar mit etwas Abstand gefolgt und hatte nun aufgeholt, da auch sie und Laufey sich keine Galoppstrecke entgehen ließen. “Und jetzt los. Ein Stück Schritt reiten. Nach so einem Galopp lässt mein kein Pferd stehen. Das ist tödlich für den Kreislauf.” Bella wie sie leibte und lebte. Ich war dieser Frau so hoffnungslos verfallen und hatte kein Problem damit, dass sie nun zu uns gestoßen war. Die Frage war nur, was Nico sagen würde.

      Nico
      “Annabell.” Ich seufzte’ Da konnte dieser Tag ja heute nur noch besser werden. Allerdings sorgte sie dafür, dass ich meine Enttäuschung wieder im Griff hatte. Gegebenfall hatte sie jedoch leider Recht, was die Pferde anging, sodass ich mich dazu gezwungen sah, Marid in den Schritt zu treiben. Entschloss ritt ich über die Lichtung hinweg zur anderen Seite, wo uns ein kleiner Pfad zurück auf die Landstraße und von da aus dann zum Gestüt bringen würde. Bella und Robin folgten mir und da mein ausergewöhnlich gutes Gespür für Menschen mir sagte, dass es zwischen den beiden wieder etwas angespannt war, drehte ich mich im Sattel um und lenkte Bellas Aufmerksamkeit auf mich. “Sag, Annabell, was führt dich hierher? Eifersüchtig, dass ich mit deinem-”, ich stockte kurz und blickte zwischen beiden hin und her, “-Weggefährten einen kleinen Ausritt machen wollte?”

      Bella
      “Eifersüchtig?” Ich glaube ich schaute wie ein Auto, denn Robin neben mir brach in lautes und ziemlich falsches Gelächter aus. “Nico, ich glaube du hast da etwas noch nicht ganz verstanden.” Ich hatte Robin noch nie so zynisch und bitter erlebt. “Sie hat mit mir Schluss gemacht. Nicht anders herum.” Damit wandte er sich ab und ließ Fenja antraben. Er lenkte die Stute in den nächstbesten Weg und war Augenblicke später verschwunden. “Hey.. Was..??” Was zum Teufel war hier eigentlich los? Ich drehte mich wieder zu Nico, der mich nur mitleidig anlächelte. “Du kapierst überhaupt nichts.”

      Nico
      Ich zog meine Augenbrauen so weit wie möglich nach oben und blickte Bella breit grinsend an. “Ach ja?” Ich zwinkerte ihr leicht überheblich zu. Dann wandte auch ich mein Pferd ab und nahm den kürzesten Weg nach Hause, den ich finden konnte. Robin war ja noch ganz in Ordnung, aber was auch immer Charly denken mochte, selbst für meine Verhältnisse war Annabell Schmiedemann einfach nur anstrengend.
      Auch Marid schien keine weitere Lust auf den Ausritt zu haben und brachte mich im flotten Tempo zurück zur Ranch, wo ich meinem Hengst den Sattel vom Rücken zog und ihn dann eilig in die Box brachte. Mein nächster Termin hieß nämlich Couch und den konnte ich leider nicht absagen.

      Malte
      Ungeduldig wippte ich von einem Fuß auf den anderen. Bereits vor viel zu langer Zeit hatte ich Nico und Robin in den Wald reiten sehen und da Nico bereits zurückgekehrt war, schien Robin immer noch da draußen zu sein. Da draußen, das klang so, als würde es hier von Räubern und gefährlichen Bären nur so wimmeln. Eigentlich war das ja auch kein Grund zur Sorge, aber ich traute Nico selbstverständlich nicht und als wäre das noch nicht genug, war auch Bella spurlos verschwunden. Charly meinte, dass sie sie seit dem Frühstück nicht mehr gesehen hatte und auch niemand anderes konnte mir über ihren Verbleib Auskunft geben. Ich zog mein Handy aus der Hosentasche und warf einen Blick auf die Uhr. Mit einer Hand drehte ich den Wasserhahn zu, mit welchem ich gerade einige Wassereimer gefüllt hatte, während ich mit der anderen Hand ungeschickt eine Nachricht an Bella tippte. Hier im nirgendwo war so wenig Empfang, dass ein Anruf nahezu unmöglich war. Einen Eimer nach dem anderen brachte ich nun auf die Weiden, welche nahe am Gestüt lagen. Im Winter mussten wir die Wasserleitung auf den Stall beschränken, damit die Rohre bei den Weiden nicht durch die Kälte platzten.
      Nachdem ich die Nachricht, in welcher ich Bella bat mir zu sagen, wo sie war und ob alles in Ordnung war, abgeschickt hatte, suchte ich im Stall nach einem Pferd, welches trotz des Winters genügend Energie und Kraft hatte, wenn nötig einen kleinen Distanzritt hinzulegen. Ich wollte Bella finden und ich wusste nicht warum, aber irgendwas sagte mir, dass ich zu ihr musste.

      Robin
      Ich wollte allein sein, aber Bella ließ mich nicht. Mir war klar, dass sie mir folgen würde und ich ließ sie. Schweigend und gemeinsam kehrten wir schließlich zur Ranch zurück, auf der noch jede Menge Arbeit auf uns wartete. Die Fohlen wollten bespaßt und Pferde bewegt werden. Zeit oder Motivation uns endlich einmal auszusprechen und die Situation zu klären blieb nicht. Auf dem Rückweg begegnete uns Malte, der offenbar aufgebrochen war um uns zu suchen. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass dieser Mann mich verfolgte. Oder verfolgte er Bella? Ich hatte keine Ahnung, aber langsam schien ich verrückt und paranoid zu werden. Menschen waren schon bescheuert. Insbesondere ich selbst.

      Malte
      Ich war kaum aufgebrochen, da begegnete mir Bella. Im Schlepptau hatte sie Robin und dieser sah nicht gerade danach aus, dass der Tag für ihn besonders gut verlaufen war. Ich schloss mich den Beiden stumm an und begleitete sie zurück auf die Ranch.
      Bella schien tief in unergründlichen Gedanken versunken zu sein, während man Robin schlechte Laune geradezu ansah. Die beiden schienen mal Zeit füreinander zu wollen, sodass ich sie bei der erstbesten Gelegenheit allein ließ und für eine Mittagspause die Gesellschaft von Petyr suchte, welcher wie immer auf der Couch auf dem Dachboden hing und mit der Fernbedienung von einem Kanal zum nächsten zappte.
      “Hast wohl nichts besseres zu tun?” meinte ich und ließ mich neben ihn fallen. Er schüttelte nur gelangweilt den Kopf. Ich seufzte. Das konnte ja spannend werden! Aber nun saß ich einmal und zum Aufstehen war ich doch zu faul.

      Bella
      Ich würde mit Robin reden müssen, soviel war mir schon seit Tagen klar. Wann, wie und worüber jedoch nicht ganz. Offenbar hatte er unsere Trennung in Freundschaft nicht so gut überstanden, wie ich anfangs gedacht hatte.
      Zwar war mir klar, dass Malte uns nur alleine lassen wollte, damit wir endlich mal einiges klären konnten, doch ich wollte einfach nicht. Ich wusste, es würde sich in Zukunft eine Aussprache nicht vermeiden lassen, aber nicht jetzt und nicht so. Ich würde erstmal ankommen und mich einleben und dann waren die offensichtlichen und, von meiner Seite aus nicht benennbaren, Probleme zwischen Robin und mir an der Reihe. Für heute hatte ich mir darüber jedoch genug den Kopf zerbrochen.

      10. April 2017
      Viele viele bunte Fohlen | 3474 Zeichen | © BellaS

      Es war schon eigenartig, wie die Zeit verging. Eben noch hatte ich neben Faera im Stroh gekniet, die frisch geborene Vaena im Arm. Inzwischen war Vaena eine echte Lady und ihre Mutter stand bei Linn in Island. Eine Stute mit erwachsemem Körperbau und es würde gar nicht mehr allzu lange dauern, bis sie ersten Kontakt mit Sattel und Zaumzeug machen würde. Die erste Fohlengeneration war unter dem Sattel und ging Turniere. Vákur hatte sogar schon den Tölt unter dem Reiter erlernt und Glanni lernte den Menschen auf seinem Rücken gerade erst kennen. Die etwas ältere Blaer hatte sogar schon ihre ersten Schleifen gesammelt und steuerte mit stetigem Kurs auf die Stutkörung zu. Auch Silfurtoppa, das einzige Fohlen der zweiten Generation das noch bei mir stand, ging aufs Einreiten zu. Ich hatte schon mit der Gewöhnung an Sattel und Trense begonnen und auch der Langzügel war nichts mehr neues für Toppa, die sich zu einer stattlichen jungen Dame entwickelt hatte. Kopfschüttelnd fuhr ich mit dem Mähnenkamm über Stássas lange Zotteln. Ich würde versuchen sie auszukämmen so gut es ging, ansonsten würde die lange Isimähne die Schere zu spüren bekommen. Ich hatte Stássa in letzter Zeit vernächlässigt. Ich hatte viele Pferde vernachlässigt, denn es war einfach zu viel für mich alleine. Trotz der tatkräftigen Hilfe von Robin und Malte war zum Beispiel auch Topar schon viel zu lange nicht mehr unter dem Sattel gewesen. Ich brauchte mehr Leute, da auch meine Pferde immer mehr wurden, doch ich hatte mit neuen Menschen gerne so meine Probleme. Trotz allem hatte ich wieder damit begonnen die Stuten für die nächste Fohlengeneration zu decken. Verantungsvoll oder nicht, das war mein Lebensunterhalt: Die Zucht von Islandpferden. War die letzte Generation knapp drei Jahre alt, wurde gedeckt.
      Begonnen hatten wir dieses Jahr mit einer echten Traumkombination. Malte hatte mir nämlich den einzigen Decksprungs seines herrlichen Hengstes Óslogi geschenkt, der in Kürze zum Wallach werden würde. Als Mutter für das Fohlen hatte ich mir Vinkona ausgesucht und sie hatte schnell aufgenommen. Außer dieser Paarung waren noch zwei weitere angedacht. Ich wollte mir ein Traumfohlen aus Hnakki und Náttdís ziehen und Skrudur sollte seine unglaubliche Töltbegabung über Meyja an ein Fohlen weitergeben. Alle drei Decksprünge waren, wie es meinen Prinzip entsprach, als Natursprünge durchgeführt worden und problemlos verlaufen. Da Meyja nicht beim ersten Decken aufgenommen hatte, hatte es hier mehrere Versuche gegeben und Skrudi war nicht unglücklich darüber. Der Hengst, der extrem lange völlig isoliert gestanden hatte, genoss seine neu entdeckte Männlichkeit in vollen Zügen und brummelte seit neuestem allem und jedem hinterher. Meyja hatte die ganze Prozedur völlig stoisch ausgehalten und auch Vinkona war völlig entspannt geblieben. Nur Náadís hatte anfangs Anstalten gemacht, Hnakki abzuwehren. Schließlich war aber doch alles gut gegangen. Beim Decken konnten böse Unfälle passieren. Es war sogar schon vorgekommen, dass eine Stute einem Hengst eine tiefe offene Wunde in den Bau getreten hatte, die zum Tot des Zuchttieres führten. Trotzdem ließ ich offen decken. Hengst und Stute auf einen Paddock. Fertig. Seilfesseln um die Beide der Stute oder ähnliches führte in meiner Erfahrung eher zu Unfällen, als das es selbige verhinderte. Ich freute mich schon jetzt unglaublich auf die nächsten Fohlen, doch bis diese auf die Welt kommen würden, würde noch einiges passieren.

      13. August 2017
      Resumée | 7360 Zeichen | © BellaS

      Liebe Bella der Vergangenheit, liebe Bella der Zukunft.
      Ich liege gerade hier auf meinem Bett und kann kaum fassen wie die Zeit vergeht. Bei Mama und Papa habe ich tatsächlich mein altes Tagebuch gefunden und die letzten Tage damit verbracht in den Erinnerungen an meine Teenagerzeit zu schwelgen. Leider ist das Buch schon lange vollgeschrieben und mit der letzten Seite brechen die Einträge ab, doch ich habe nun den Entschluss gefasst ein neues Buch zu kaufen und mit meinem Leben zu füllen. Ich habe keinen blassen Schimmer was die Zukunft bringt, aber meine turbulente Vergangenheit hat schon einiges zu bieten. Im Folgenden werde ich da anknüpfen, wo der letzte Eintrag endet. Ich werde hier meine ganze spektakulär-unspektakuläre Geschichte aufschreiben, bis zu dem Tag an dem ich im hier und jetzt ankomme. Aber die Vergangenheit endet nicht und damit die Erinnerung nicht endet, werde ich auch nicht aufhören zu schreiben. Hier also mein Memo an mich selbst: Meine Geschichte.
      Ich erinnere mich noch gut an den Tag meines letzten Tagebucheintrags. Es war ein Tag, der mein ganzes Leben veränderte und mit dem ich mein Tagebuch abschloss. Mein Traum seit Kindertagen hatte sich erfüllt: Ich hatte mein erstes eigenes Pferd bekommen. Ich hatte schon immer Isländer geliebt und doch war es eine Tinkerstute, die ich mein erstes eigenes Pferd nennen durfte. Winter Cloud, eine Stute aus unbekannter Abstammung von unbekannten Besitzern. Irgendwo aufgegriffen, die einen Platz brauchte. Meine Eltern hatten sich damals gerade einen ewigen Traum erfüllt und zu unserem Stadthaus einiges an Grundstück dazugekauft. Mama hatte sich schon immer einen großen Garten gewünscht und Hühner hatte sie auch gewollt. So kam es, dass ich tatsächlich genug Platz hatte um ein Pferd zu halten. Zuhause. Eine völlig verrückte Idee. Ich war Studentin. Es war mein Plan gewesen IT zu studieren. Mein erstes eigenes Pferd hätte ich dann gekauft, wenn mein Verdienst entsprechend gewesen wäre und gehalten hätte ich es sicher auch nicht auf dem Hof meiner Eltern. Und doch, es kam wie immer alles anders als man denkt. Aus einem Pferd wurden schließlich vier. Innerhalb der restlichen Studienzeit hatten sich tatsächlich weitere Pferde in mein Leben geschlichen, von denen mich heute noch eins begleitet. Topar, mein kleiner Irrer ist noch immer ein Teil meines Hofes und er ist noch nichtmal wirklich alt. Als nur vierjähriger Hengst kam er zu mir und das ist nun 12 Jahre her. Zwölf Jahre, die völlig anders verliefen als ich jemals zu träumen gewagt hätte.
      Ich machte den Bachelor und beschloss dann, dass ich halbtags arbeiten und nebenbei die Ausbildung zur Trainerin und Reitlehrerin machen würde. Allerdings war ich den Pferden inzwischen so verfallen, dass der Hof meiner Eltern nicht mehr ausreichte. Ich zog an die Nordsee und gründete dort meinen ersten eigenen Hof. Das alte Gut Muschelsand, das schließlich zur Reitschule wurde, war aber nur für zwei Jahre mein Zuhause. Ich kaufte Pferde und verkaufte Pferde. Meine süße Vin, außerdem Koni und meine geliebte Fee stammen aus dieser Zeit. Ich entwickelte ambitionierte Pläne dazu, eine Isländerzucht zu gründen und kaufte Sólfari als Zuchthengst. Dieser ist inzwischen wirklich Vater einiger Fohlen. Ich hatte meine Liebe zu Isländern wieder entfacht, genau wie meine Liebe zu meinem damaligen Freund. Jonas war lange Zeit mein Freund. Er folgte mir sogar als mich mein Freiheitsdrang mitsamt meiner Pferde nach Schottland zog, wo wir uns schließlich trennten. Heute denke ich nicht mehr besonders gerne an ihn zurück.
      Woran ich mich aber gerne erinnere, ist die erste Zusammenarbeit mit meiner guten Freundin Linn. Mehrere Jahre züchteten und trainierten wir Seite an Seite unsere Isländer, bis es sie schließlich ins Land der Märchen zog. In die Heimat unserer Pferde, nach Island.
      Von Schottland aus, zog es Linn und mich nach Dänemark. Mein größter Erfolg als Züchterin und Trainerin stammt aus dieser Zeit. Isländer frá glæsileika eyjarinnar stehen mittlerweile in der halben Welt. Isländer aus meiner Zucht. Mein Name steht für erfolgreiches Training mit pferdegerechten Methoden, ich habe Freunde, Trainer und Züchter in der ganzen Welt und ich bin stolz darauf, was aus mir geworden ist.
      Auf Rømø lernte ich auch einen Menschen kennen, der eine zentrale Rolle in meinem Leben einnehmen sollte: Robin. Er kam als Bereiter auf meinen Hof und ich verliebte mich kompromisslos in den dunkelhaarigen Dänen. Mit einer zwischenzeitlichen Trennung sind wir bis heute beinahe acht Jahre zusammen.
      Als es Linn dann nach Island zog, stellte ich fest, dass ich keine Chance hatte den riesigen Hof auf der dänischen Insel alleine zu halten. Der Verkauf des liebgewonnenen Ortes machte mich unglaublich traurig, aber ich gab nicht auf. Es kostete mich viel Kraft, doch ich ließ meine Pferde einige Monate bei einer guten Freundin in Norwegen stehen und verkaufte von dort aus die meisten von ihren, bis ich schließlich einen Entschluss gefasst hatte. Ich hatte in meiner alten Heimat ein Grundstück gekauft. Auf dem riesigen Stück Land in der Region Hannover entstand nach und nach ein moderner Offenstall, voll und ganz von Robin und mir geplant.
      Ich habe mir insgeheim geschworen, dass dieser Hof mein letzter sein würde. Mein bisher nur 33 jähriges Leben hat genug Umzüge gesehen. Außerdem gibt es inzwischen Faktoren, die die Weltreisen für mich unmöglich machen. Nicht geplant, aber wunderbar kam am 08. September vor fünf Jahren meine erste Tochter zur Welt. Mit 28 Jahren, seit “nur” drei Jahren in einer Beziehung und im Stress mit dem Aufbau eines Stalls und der Versorgung einer ganzen Herde Pferde wurde ich schließlich auch noch Mutter.
      Heute kann ich sagen, meine Kinder sind das beste was mir je passiert ist. Zwei Jahre später, am 27. Mai kam dann meine zweite Tochter zur Welt. Die Schwangerschaft mit ihr war schrecklich, da mein Wildfang es mir nicht leicht gemacht hat… Dann auch noch meine Abneigung gegen Ärzte… Nein, wirklich keine schöne Erinnerung.
      Nike und Helena sind jetzt drei und fünf Jahre alt und ich stehe mitten im Leben, aber da es spät wird, möchte ich noch ein bisschen zu meinen Pferden schreiben und werde das hier dann morgen fortsetzen.
      Dreiundzwanzig Pferde gehören noch zu meiner Herde, aber es sind nicht nur Isländer. Ich habe mit Mayalie und ihrer Tochter Merida zum Beispiel zwei Shirehorses. Außerdem besitze ich seit kurzen auch zwei junge Hengste der selben Rasse, benannt nach Rittern der Tafelrunde. Sir Lancelot und Sir Gawain. Beide sollen Zuchthengste werden und einer Rasse bei der Verbreitung helfen, die hier sehr unbekannt ist. Meiner Trainerin Tiffany gehört eine Stute names Just like the Wind, mit der sie Military reitet. Außerdem gibt es noch Amelie, eine junge Physiotherapeutin für Pferde, die ihr Pony der Rasse Arravain mitgebracht hat. Cielo geht eine Gangart die sich sitzt wie der Tölt und fasziniert mich im allgemeinen sehr, da sein Charakter vorbildlich ist. Layalie, eine Morganhose Stute gehört einer anderen Trainerin meines Hofes, Yasuara und mit Löwenherz darf ich endlich wieder einen Tinker mein Eigenen nennen. Auch seine Geschichte ist sehr besonders und wir in den nächsten Tagen hier auftauchen. Ich schließe für heute mit der Nachricht, das inzwischen vier Fohlen den Nachsatz “vom Helstorfer Moor” tragen.
      Schlaf gut, Zukunftsbella. Bis morgen.

      03. Januar 2018
      Und so ging es weiter... | 12036 Zeichen | © BellaS

      Meine Geschichte ist lang, und genauso langweilig wie lang. Zumindest in meinen Augen. Das Problem dabei ist nur, dass ich sie selbst erlebt habe. Kein Wunder also, dass sie mir langweilig erscheint.
      Ich habe meine Freizeit der letzten Tage genutzt und ein bisschen in meinen Sachen gekramt, auch in denen, die Erinnerungen bergen. Darunter fand ich mein Tagebuch, in das ich seit Jahren nicht mehr eingetragen hatte. Ich war um die dreißig, als ich den letzten Eintrag verfasste. Über zehn lange Jahre ist das nun her und so beschloss ich, dass es an der Zeit war, wieder einen Eintrag zu verfassen. Hier ist sie also, die kleine Fortsetzung meiner Geschichte
      Dass ich eigentlich Informatik studiert hatte, war kaum bekannt. Genausowenig wie die Tatsache, dass ich meine “Trainerkarriere” als Hobbyreiterin begonnen hatte. Keine Kindheit auf einem Gestüt, keine Eltern, die Pferde besessen hatten, nichts. Und dann kam mein erstes Pferd. Und das Zweite, und das Dritte.
      Eine ganze Geschichte voller Umzüge, Liebe, Dramen und Meilensteine, von denen ich mir niemals hätte träumen lassen. Beinahe filmreif, würde ich sagen.
      Und dann kam endlich alles so, wie ich sein sollte. Zumindest glaube ich das heute. Ich wurde schwanger, bekam Kinder und begann sie groß zu ziehen. Und schließlich einen Großteil meiner Pferde zu verkaufen, den Hof zum Offenstallbetrieb auszubauen und meinen eigentlichen. Beruf wieder aufzunehmen. Inzwischen ist das Leben im Helstorfer Moor eingezogen.

      ***

      “Sie kommen!!” Ich lächelte und freute mich innerlich über die Freude und Aufregung meiner jüngsten Tochter. Zwar waren vor einigen Wochen bereits einmal neue Einsteller angekommen, aber die Aufregung über ein weiteres neues Pferd waren gleichwohl stark wie eh und je. Mit der Mustangstute, die in wenigen Minuten ankommen würde, waren dann alle Offenstallplätze für Externe belegt.
      Der Anhänger hielt auf dem Hof und ein etwa dreißigjähriger, resolut und sympathisch wirkender Amerikaner stieg aus dem Auto. Sin Bishop hieß er. Ich hatte ihn bereits kennen gelernt, als er sich unseren Hof anschaute. Mein Mann Robin hatte sich auf Anhieb gut mit ihm verstanden und ich war mir recht sicher, dass er sich über etwas männlichen Beistand mit weniger als vier Beinen freute. Immerhin musste Robin jeden Tag mit einem Haus voll Frauen und allen weiblichen Einstellerinnen klar kommen. Da kam Sin gerade recht. Eigentlich hatte ich mir für die Herde eher einen weiteren Wallach gewünscht, da die Rangfolge momentan rein stutendominiert war und die Kerle ein wenig untergebuttert wurden, doch damit das nicht auch bei den Menschen der Fall war, kam Sin gerade recht. Havana Girl war ihm auf Umwege in die Hände gefallen. Er hatte angefangen sie zu trainieren und schließlich hatte ihr alter Besitzer ihm die Stute überlassen. Der Grund war etwas kurios, aber solange das Pferd einen eingetragenen Besitzer hatte, umgänglich, gesund und auf vernünftige Art und Weise trainiert war, sah ich keine Probleme.
      Probleme entstanden momentan viel mehr in der Herde. Seit einigen Tagen floss Blut im großen Offenstall. Unsere letzte neuer Einstellerin, Ylvi Seidel, hatte ein Gespann aus Wallach und Stute mitgebracht. Während der Wallach Valravn zunächst vorsichtig gewesen war, aber keiner Fliege etwas zur Leide tat, war die Stute dazu ein soziales Biest. Fylgia war dominant und hatte noch nicht ganz begriffen, dass es durchaus noch dominantere Stuten gab. Bisher hatten sich meine Stuten Laufey und Vin den Kampf und die erste Position geliefert. Jetzt war Vion tatsächlich zurück getreten und hatte Fee das Feld überlassen. Das war mir lieb, denn Vin war wertvoll, doch Laufey frá Sólin als isländischer Import ebenso. Ihr Fohlen Ljóma von Atomic, welches aus einem meiner ehemaligen Spitzenhengste gezogen worden war, zeigte bereits jetzt fantastische Anlagen. Davon das Fee mein Lieblings- und Herzenspferd war, wollte ich zudem gar nicht erst anfangen. Da die Stuten aber ihre Rangfolge regeln mussten, gab ich mich damit zufrieden jeden Tag schuterzuckend kleine Platzwunden zu versorgen und mich darüber zu freuen, dass bisher noch kein Tierarzt von nöten gewesen war.
      Valravn hatten außerdem langsam begonnen sich etwas von Flygia zu lösen. Er neigte zwar immernoch zum kleben, doch war Trickling Snow sein neustes Opfer. Die zwei Lewitzer teilte die Neigung zu Unfug. Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis sie gemeinsam begannen Dinge zu zerlegen, Tore zu öffnen und ähnliches anzustellen. Im Prinzip alles, was die Fantasie eines Pferdes zuließ.
      Ich drehte mich um um unseren neuen Einsteller zu begrüßen und sah von der anderen Seite Robin auf uns zu kommen. Er führte Vákur frá glaesileika eyjarinnar am Zügel. Einen jungen Hengst, der noch aus den Resten unserer gemeinsamen dänischen Zucht stammte und für den noch Körungsambitionen vorhanden waren. Immerhin besaß der Hof noch drei Padockboxen für Hengste, die auch alle drei belegt waren. Die Junghengste Vákur und Glanni frá glaesileika eyjarinnar und natürlich mein heimlicher Liebling Sólfari. Ich hatte es nicht übers Herz gebracht den umgänglichen und so gar nicht hengstigen Hengst zu verkaufen. Zwar hatte ich meine Zucht eigentlich auflösen wollen, doch bewegten trotzdem ein paar Fohlen “vom Hestorfer Moor” die Szene. Mit Vordís vom Hestorfer Moor, Vinkonas erstem Fohlen und einziger Nachkomme des Traumhengstes Óslogi, hatte ich vor kurzem erst eine Fohlenschau aufgemischt. Das Stütchen hatte bereits Talent und Temperament en masse.
      Die Männer begrüßten sich mit Handschlag und grinsten sich an, dann ging es ans Ausladen. Havana Girl hatte ruhig im Hönger gestanden und sah es auch nicht wirklich ein ihr Heunetz für einen unbekannten Offenstall herzugeben. Erst als Sin das Netz durch die fordere Hängertür entwendete, ließ sich die Stute aus dem Hänger bugsieren. Da es bereits herbstlich war, musste die dünne Stalldecke, die sich während des Transportes getragen hatte noch gegen ein etwas dickeres Exemplar getauscht werden, dann ging es in den eigens für sie abgetrennten Bereich des Offenstalls. Mit gespitzen Ohren stand die Stute am Zaun und beschnupperte die langsam ankommenden Mitglieder der Herde. Allen voran Laufey suchte Kontakt zum Neuankömmling, schließlich musste sie das fremde Pferd überprüfen um ihre Herde im Zweifelsfall zu warnen und zu schützen. Die angelegten Ohren stellten sich jedoch schon nach wenigen Sekunden auf und nun durfte auch der Rest der Pferde an die neue Stute heran. Zumindest so lange, bis es Havana zu viel wurde und sie sich in eine weiter entfernte Ecke verzog. Der Einzug schien ohne Stress zu verlaufen. Immer ein gutes Zeichen.
      Gemeinsam mit Robin lud Sid nun auch seinen Sattelschrank aus und begann sich häuslich einzurichten, zumindest was Pferdedinge anging. Bei seinem ersten Besuch hatte ich den Amerikaner bereits über unsere Stallordnung aufgeklärt. Zu meiner großen Freude hatte er alles in erinnerung behalten und räumte seine Dinge genau so weg, wie ich es angedacht hatte. Wenn ein Einzug so unkompliziert verlief, konnte das nichts Schlechtes bedeuten.

      ***

      “Hey, aufstehen.”, sanft streichelte ich Helena über die Wange, die noch im Traum versunken war. Egal wie meine Töchter morgens murrten, wenn ich sie um sechs Uhr morgens aus dem Bett holte, ich freute mich, dass ich sie noch wecken durfte. Ich hatte erwartet, dass die sechzehnjährige Helena irgendwann in die “Eltern sind scheiße”-Phase verfallen würde, doch ich hatte mich getäuscht. Die Pubertät war bisher zwar nicht spurlos, doch recht milde an ihr vorüber gegangen. Ganz anders Nieke. Obwohl erst dreizehn Jahre alt, hatte der schwarzhaarige Wirbelsturm immer einen ganz eigenen Kopf. Streit oder schlecht gelaunte Eltern waren ihr relativ egal, sofern es nicht allzu erst wurde. Trotzdem verzichtete auch sie noch jeden Morgen auf die Nutzung eines Weckers, sondern vertraute voll und ganz auf Mamas morgendlichen Weckservice. Auf den beschränkte es sich jedoch, da ich mich beim besten Will nie in die Küche stellen würde, um meinen Kindern ihr Pausenbrot hinterher zu tragen und mir anzuhören was sie alles nicht mochten. Kinder, die nicht zur Selbstständigkeit erzogen wurden, waren mir schon immer ein Graus gewesen. Außerdem waren die Pferde an der Reihe, ehe ich selbst zur Arbeit musste.
      Um sechs Uhr klingelte mein Wecker, um neun Uhr hatte ich an meinem Schreibtisch zu sitzen und mir anzuhören was wieder alles “kaputt” war. Drei Tage die Woche zu Hause, zwei in der Firma.
      Während ich einer Arbeit außerhalb des Hofes nachging, war der Hof die Arbeit meines Mannes. Instandhaltung des Hofes, Training und Pflege der Pferde die keinen Einstellern gehörten füllten seinen Tag.
      Ich klaubte einen Arm voll Heu von der überladenen Schubkarre und stopfte es in das vor mir ausgebreitete Heunetze. Sieben über den gesamten Paddockbereich verteilte Futterstellen bedeuteten sieben Futterstellen die es galt jeden Morgen aufzufüllen. Vor der Arbeit versteht sich. Das Auffüllen am Abend übernahm mein Mann, der sich grundsätzlich den Luxus gönnte bis acht Uhr zu schlafen. Allerdings beneidete ich Robin nicht um die Arbeit, die jeden Tag auf unserem Hof anfiel. Kleinigkeiten, wie ein kaputter Strahler auf dem Reitplatz, eine lose Tür an Excelsiors altem Sattelschrank, ein undichtes Dach an einem Unterstand oder eine gebrochene Zaunlatte gehörten nicht zu meiner Lieblingsarbeit, auch wenn ich Handwerklich durchaus versiert war. Allerdings schaffen es die Mitarbeiter meiner Firma ebenfalls regelmäßig mich mich Kleinkram in den Wahnsinn zu treiben. Ich meine: Wie ich aller Welt wollte ein Rechner laufen, wenn der Stecker nicht eingesteckt war? Dass studierte Architekten oft nicht in der Lage waren nach den einfachsten Fehlerursachen an Computern zu suchen, raubte mir hin und wieder den letzten Nerv. Da war mir die Betreuung der Betriebssoftware lieber. Die zickte war auch, aber nie so wie ein Kollege, der den Fehler ausschließlich am Gerät suchte und nicht an ihm selbst.
      Mein Ausgleich waren die Pferde in deren Mitte ich inzwischen mehr als die Hälfte meines Lebens verbracht hatte. Ausritte auf Blaer frá glaesileika eyjarinnar, Mayalie oder Vinkona, gemeinsam mit meinen Töchtern, meinem Mann oder Einstellern entpuppten sich als das, was ich mir immer gewünscht hatte. Weg vom dere großen Zucht und dem Verdienen meines Lebensunterhalts mit den Pferden, hin zum Partner Freizeitpferd war ein großer Schritt gewesen. Und einer, den ich noch nie bereut hatte.
      Ich saß am offenen Fenster und erledigte meine Arbeit von zu Hause aus, als Theresas Wagen auf dem Hof parkte. Sie schien heute frei zu haben, denn es war noch Vormittags. Lächelnd winkte ich ihr zu, während sie mit Silfurtoppas Halfter in der Hand den Paddock betrat. Silfurtoppa frá glaesileika eyjarinnar stammte ebenfalls aus meiner alten Zucht, doch als es zwischen ihr und Theresa gefunkt hatte, hatte ich die Stute mit Freude verkauft. Obwohl ich immer wieder gehört hatte, dass es nicht gut sei ein eigenes Pferd zu verkaufen, wenn es auf dem Hof blieb, war ich bisher immer zufrieden gewesen. Ob ich nun ein gutes Händchen hatte oder unverschämtes Glück, beides sollte mir recht sein.
      Mein Nachmittag bestand darin Reitunterricht zu geben. Josephine Silber, Tochter von Katrin Silber, der Besitzerin von Soul Dance, bekam jeden Montag Reitunterricht von mir. Dass ich einmal Trainerin gewesen war, kam mir hin und wieder doch noch zur Gute. Nicht selten schlossen sich dann Nieke auf Crime Time oder unser Skywalker, Luke, an, der Cielo von Amelie entwedet hatte. Meiner Meinung nach war es nur noch eine Frage der Zeit, bis es zwischen den beiden funkte. Der blonde und heitere Casanova tat der ernsten und rationalen Amelie nur gut. Zumindest sah ich das so. Und wenn ich dann Abends in den letzten Strahlen der Herbstsonne neben meinem Mann auf der Bank vor der Eingangstür sitzen und Yasuara zuschauen konnte, wie sie mit ihrer Stute Layali Freiheitsdressur übte, kam ich mir zwar vor als währe ich bereits achtzig Jahre alt, doch ich war glücklich und das war die Hauptsache.

      Trainingsberichte

      Dressur E - A
      Mai 2017 | © FrauHolle

      „Du musst Denise sein, richtig?“, Bella streckte mir ihre Hand entgegen, „Schön dass du da bist. Komm mit, ich zeige dir alles“. Gemeinsam schlenderten wir Richtung Weide, wo Bella mir mein Trainingspferd für heute zeigte. „Darf ich vorstellen? Das ist Blær frá glaesileika eyjarinnar“, die kleine Isländerstute schnüffelte neugierig an meiner Jackentasche. „Blær frá…, was?“, fragte ich, denn den Namen der Stute konnte ich mir jetzt schon nicht mehr merken. „Blær reicht völlig aus“, grinste Bella mich an. Ich halfterte Blær auf und Bella öffnete uns beiden das Tor. Am Putzplatz angekommen holte ich den Putzkasten und fing an, Blærs Fell zu bürsten, während Bella mir noch einige Tipps für das Training gab. Bis jetzt hatte ich noch kaum mit Gangpferden gearbeitet, weshalb ich sehr gespannt auf das Training war. Eine knappe halbe Stunde später hatte ich Blær gesattelt und getrenst und wir waren auf dem Weg zum Reitplatz. Artig ließ sie sich von mir neben der Aufstiegshilfe einparken. Ich stellte meinen linken Fuß in den Bügel und schwang mich in den Sattel. Nachdem ich meine Zügel sortiert hatte, trieb ich Blær vorwärts und ließ sie am langen Zügel ganze Bahn laufen. Ohne meine Zügel wirklich aufzunehmen, ritt ich ein paar Bahnfiguren, um mich an ihren flotten Trab zu gewöhnen. Nach knappen zehn Minuten nahm ich die Zügel auf und versuchte sie mit vielen Wendungen locker zu kriegen. Blær wurde immer weicher im Maul und ich erarbeitete mir Schritt für Schritt eine Anlehnung. Bevor ich sie antraben ließ, kontrollierte ich noch einmal den Sattelgurt. Im Trab fing ich gleich an, möglichst viele Bahnfiguren zu reiten und ich fühlte mich bei jedem Schritt sicherer. Ich ging auf den Zirkel bei A, verkleinerte diesen und wechselte schließlich zum Zirkel bei C. Kurz vorm Zirkelpunkt ritt ich einen Übergang zum Schritt und gönnte Blær eine kleine Pause. Nachdem auch ich wieder neue Energie gesammelt hatte, machten wir uns an die Schritt-Trab Übergänge und das Rückwärtsrichten. Etwas unwillig setzte Blær ihre Hinterbeine ein kleines Stück zurück, riss ihren Kopf hoch und versuchte, sich aus der Lage zu befreien. Ich gab ihr etwas mehr Zügel und setzte einen neuen Versuch zum Rückwärtsrichten an. Wieder sperrte sie ihr Maul auf und wiedersetzte sich meinem Vorhaben. Ungeduldig ging sie ein Stück seitwärst und ich versuchte, sie in aller Ruhe wieder auf Kurs zu bringen. Blær hingegen machte komplett dicht und ich beschloss, es später noch einmal zu versuchen. Ich ließ sie wieder antraben und übte das Zügel aus der Hand kauen lassen. Nach einigen Runden auf dem Zirkel parierte ich sie wieder durch und probierte es erneut mit dem Rückwärtsrichten. Zwar war Blær immer noch nicht von meiner Idee überzeugt, doch sie lief angenervt einige Schritte rückwärts. Zufrieden kraulte ich ihr den Hals und gab ihr zur Belohnung eine kleine Verschnaufpause, bevor ich mich an die Galopparbeit machte. Zur geschlossenen Zirkelseite gab ich die Galopphilfe und Blær fiel in einen hektischen Galopp. Ich nahm die Zügel etwas auf und versuchte, sie zurückzuhalten. In einer kleinen Volte schaffte ich es, Blær etwas ruhiger zu bekommen, doch schon an der langen Seite nahm sie wieder Tempo auf. Ich bog auf einen Zirkel ab und ritt einen Übergang zum Trab. Bei C galoppierte ich wieder an, ritt eine halbe Zirkelrunde im Galopp und parierte sie wieder durch zum Trab. So drehten wir ein paar Runden auf dem Zirkel, jeweils eine halbe Runde im Trab und eine halbe Runde im Schritt. Die vielen Übergänge brachten Blær dazu, das Tempo etwas zu zügeln und ich traute mich, eine Runde ganze Bahn zu reiten. In der Ecke vor der langen Seite gab ich noch einmal eine halbe Parade und tatsächlich kamen wir einigermaßen ruhig in der nächsten Ecke an. Ich parierte sie durch zum Trab und ließ mir die Zügel aus der Hand kauen. Zwischendurch übten wir noch einmal das Rückwärtsrichten, sowie das Schenkelweichen im Schritt. Schließlich starteten wir in eine zweite Runde Galopp. Das einzige was nun noch für eine A-Dressur fehlte, war der einfache Galoppwechsel. Mit viel Ruhe stellte ich Blær auf der linken Hand auf die Zirkellinie ein und galoppierte sie an. Kurz vor X stellte ich sie um, gab die Galopphilfe und wechselte aus dem Zirkel auf die rechte Hand. Etwas unkoordiniert sprang Blær um und ich verlor die Anlehnung. Doch ich hatte mich schnell wieder sortiert und wir versuchten es gleich in der nächsten Runde noch einmal. Diesmal klappte es schon deutlich besser, obwohl wir noch einen dritten Versuch brauchten, bis ich zufrieden mit dem Ergebnis war. Ich ritt einen Übergang zum Trab und ging ins Leichttraben. Nachdem ich noch ein paar Handwechsel und Schlangenlinien durch die Bahn geritten war, ließ ich die Zügel lang und ging zum Trockenreiten über. Blær war ziemlich am Schwitzen, doch senkte entspannt ihren Kopf nach unten. Ich hielt neben dem Zaun an und schnappte mir die Abschwitzdecke, die ich mir vor dem Training bereitgelegt hatte, und breitete sie hinterm Sattel aus. Nach einer guten viertel Stunde Trockenreiten nahm ich die Füße aus den Steigbügeln und stieg vom Pferd. Vor Blærs Brust schnallte ich die Abschwitzdecke zusammen und ging daraufhin samt Pferd vom Platz. Am Putzplatz sattelte und trenste ich die Stute ab, während Blær genüsslich ihr Abendbrot verschlang, welches Bella mir netterweise bereitgestellt hatte. Nachdem die Schüssel bis auf den letzten Krümel leergeputzt war, brachte ich Blær zurück auf die Weide und machte mich schließlich auf die Suche nach Bella. „Hat alles gut geklappt. Ich glaube Blær ist bereit für eine A-Dressur“, versicherte ich ihr. „Super, vielen Dank. Ich hoffe wir sehen uns bald mal wieder. Bis dann“, Bella verabschiedete sich von mir und ich machte mich mit einem guten Gewissen auf den Weg nach Hause.

      Dressur A - L
      November 2017 | © Zion

      Mein Weg führte mich heute auf den Hof Helstorfer Moor. Eine nicht ganz so einfache dunkelbraune Isländer Stute sollte mehr in der Dressur gefördert werden. Da Dressur zu meinen liebsten “Reitarten” gehört, nahm ich diesen Auftrag spontan und in etwas Zeitnot an. Ich wurde äußerst freundlich begrüßt und die Stute stand bereits fertig gemacht am Anbinder. Nach einer kurzen Einweisung zu Blaer, einer doch sehr anspruchsvollen Stute, begaben wir uns auf den Reitplatz und ich stellte schnell fest, dass die Stute wusste was sie wollte und ich mich durchsetzen musste, um sie bei Laune zu halten. Sie ging sehr schön am Zügel und ließ sich gut versammeln. Rückwärtsrichten, taktklar in allen Gangarten laufen und Volten reiten bereiteten ihr keinerlei Probleme. “Gutes Mädchen!”,lobte ich die Stute die etwas ausgepowert im Schritt vorwärts-abwärts ging. Bella schaute mit ihren beiden Töchtern gespannt zu und schien sich sichtlich über ihre Stute zu freuen. “Das weitere Training könnt ihr dann übernehmen.”, erklärte ich den Zuschauern und lachte.
    • Mohikanerin
      Gang E-A

      Blaer frá glæsileika eyjarinnar | Blávör | Glanni frá glæsileika eyjarinnar | Trú fra Frelsi | Skrýmir | Snotra | Eimyja | Maekja van Ghosts


      “Seid ihr soweit”, fragt Bruce, der Blaer am Zügel hält. Wir nickten und folgen ihm. Heute machen wir ein Gruppentraining auf der Ovalbahn. Max mit Blávör, Tyrell mit Glanni und ich mit Trú. Zuerst gurten wir nach und wärmen jeder allein die Pferde auf. Die Herausforderung ist, dass niemand den Anderen beim Reiten stört. Das ist der eigentliche Grund heute, zu dem möchte auch Tyrell sich etwas mehr mit dem Isländern befassen, da es immer mehr werden und wir gar nicht schaffen, alle regelmäßig zu beschäftigen.
      “Wie bereits gesprochen, einige von euch sitzen auf Isländern, die noch nicht richtig an den Tölt geführt wurden. Deshalb teilen wir uns in zwei Teams und machen einen kleinen Wettbewerb draus. Die Pferde sollten so schnell wie möglich Taktklar tölten, aber gleichzeitig nicht überfordert sein oder zu etwas gezwungen werden. Und vergesst nicht, jeder von uns hat zwei Pferde. Nun, viel Erfolg!”, erklärt Bruce noch einmal und wir finden uns zusammen. Ich arbeite mit Max und Bruce mit Tyrell. Wie auch sonst. Allerdings haben wir das Glück, dass Trú und Blávör und auch Snotra schon Tölt kennen, somit müssen wir nicht soviel vorarbeiten. Aber auch Bruce und Tyrell haben Glück mit Blaer und Glanni.
      Das heutige Training ist für beide Teams sehr erfolgreich. Der erste Ritt war kein Problem, doch mit Trú hatte ich schon ziemlich viel zu tun, da sie sich noch etwas schwer macht den Takt zuhalten und deshalb schneller wird. Maekja hingegen hat schon gute Ansätze gezeigt, obwohl sie die Einzige im Team ist, die nicht tölten kann bisher. Tyrell hat schon gute Ansätze mit Glanni gehabt aber mehr Probleme mit Eimyja gehabt, die erst seit einem halben Jahr unter dem Sattel ist. Bruce zeigte sich mit Skrý gar nicht so schlecht. Der große Hengst ist ziemlich motiviert und zeigte sich sehr schön unter dem Sattel.
      Die nächsten Tage arbeiten Max und ich mit Snotra, Blávör, Maekja und Trú vom Boden aus, um das Vertrauen noch etwas zu festigen und gehen am Abend mit den beiden schwierigeren Pferden (Snotra und Maekja) eine kleine Runde in den Wald.
      Bruce und Tyrell hingegen üben mehr auf der Ovalbahn und setzen viel auf das regelmäßige kurze Intensive Training mit Blaer, Glanni, Eimy und Skrý. Doch besonders Blaer scheint schon nach den paar Tagen überfordert zu sein. Also wir werden sehen wer besser durch kommt.
      Heute sind schon 10 Tage vorbei, seitdem wir angefangen haben mit den Pferden, deshalb haben wir entschieden die Pferde zu tauschen.Max arbeitet mit Maekja auf der Bahn und ich bin mit Snotra dort. Gegenseitig geben wir uns Tipps und versuchen unsere Techniken zu erweitern. Die beiden Pferde sind sehr unterschiedlich was sich auch im Training zeigt. Maekja reagiert besser und schneller, wenn man intensiv dran bleibt. Snotra hingegen braucht viele Ruhephasen und eine Art Abstand um mehr Potential zu zeigen. Auch wenn Trú sich anfang unter mir schwierig gezeigt hat, kommt Max mit ihr deutlich besser klar. Für mich sind die ständigen Diskussionen ein Problem und meine Konzentration schwindet. Da Blávör eine ganz tolle gehorsame Stute ist, muss ich nicht viel machen. Schon auf die kleinen Hilfen reagiert sie. Heute können die beiden “Neu” Tölter schon mehr als eine Runde den Tölt taktklar halten. Morgen haben alle Vier eine Pause, da wir auch für die Uni noch lernen müssen.
      Blaer hat heute Pause, da er nicht von der Weide wollte, als er Bruce sah. Deshalb gibt er Tyrell unterricht auf Eimy, die auch schon wunderbar töltet. Die junge Stute ist sehr motiviert und möchte dem Reiter gefallen. Zu dem scheint Tyrell auch die richtige Hand für sie zu haben.
      Die Tage verlaufen sogut wie immer gleich, nach der Schule arbeiten Max und ich mit den Pferden und immer mehr Talent zeigt sich in beiden. Bruce und Tyrell hingegen zeigen sich immer mehr Probleme. Blaer weigert sich die Ovalbahn zu betreten, Glanni ist lahm, Skrýmir beisst um sich nur Eimyja arbeit noch freundlich mit. Also versuchen sie mit denen Drei zu arbeiten, damit es besser wird, allerdings würde ihnen eine Pause gut tun.

      Prüfung. Aufgeregt stehen wir zu viert auf der Ovalbahn. Torsten kontrolliert heute wie weit die Pferde sind und ob sie in die nächste Leistungsklasse können. Es ist einfache Viergangprüfung auf der schlechten Hand. Bruce und Blaer sind heute besser drauf. Der junge Hengst zeigt eine keine starke Vorderhandbewegung, doch sein Takt ist umso besser. Tyrell mit Glanni sind mit auch viel Takt ausgestattet, aber auch eine sehr gute Vorderhand. Blávör ist motiviert und fröhlich wie immer. Von beiden ist was da, Bewegung und Takt. Die Stute läuft wie eine Nähmaschiene. Und dann noch ich mit Trú, die etwas holprig Unterwegs ist, aber das beste gibt.
      In der zweiten Runde sind Skrýmir, Snotra, Maekja und Eimyja dabei. Auch die Vier sind gut vorbereitet, auch wenn wir die Beiden von mir und Max besser drauf sind.

      “Super gemacht”, lobt Torsten uns.
      “Aber ich muss sagen, da ich auch den Verlauf beobachtet habe, dass Max und Vriska bessere Arbeit geleistet haben. Die vier Pferde sind motivierter und wirken somit viel befreiter als die anderen. Also Jungs, schneidet euch eine Scheibe von den beiden ab.”, fügt er hinzu und geht.
    • Mohikanerin
      Frühlingsbeginn

      Willa | Vinkona frá Sólin | Totbringer | River's Fjörgyn | Krít | Kempa | Aqua
      Kvest Halsnaes | Hnakki van Ghosts | Capital | Blossi | Alvari

      Þögn | Snúra | Saints Row | Aska | Ylfa | Trú fra Frelsi | Snotra | Maekja van Ghosts | Eimyja | Blávör
      Wild Reflex | Yuva | Topa’s Comtesse | Tamana | Snuff | Mademoiselle | Layers of Fear | Kisshimbye | Jule | Friede sei mit dir | Atom Bomb

      Voodoozirkus | Litfari | Blaer frá glæsileika eyjarinnar | Skrýmir | Glanni frá glæsileika eyjarinnar
      Tesla | Ryuk | Ruvik | Party in the Clouds | Overo | Gnani | Flic Flac’s Milano | Amjad Amir | Almost Illegal | Absolutely Right

      Tvífarí van Frelsi | Skjanni vom Helstorf Moor | Nautilus | Lu'lu'a | Hawking von Atomic
      St. Pauli’s Amnesia | Songbird | Milska | Feuergeist di Royal Peerage

      Der Frühling beginnt schon langsam und das Ende Februar. An den Bäumen sind die ersten Knospen und Krokusse habe ich auch schon am Weidezaun erblicken können.
      Die erste Kontrolle ist bei den Stuten draussen auf den Weiden: Willa, Vinkona, Tot, Fjörgyn, Krít, Kempa und Aqua. Die sieben Stuten haben schon kleine Frühlingsgefühle und freuen sich über meinen Besuch. Aufgeregt kommen sie angetrabt, teilweise auch im Galopp, und schnauben mich begrüßend an. Als sie merken, dass ich keine Leckerlis habe, rennen sie wieder weiter und scheinen alle sehr gesund. Ich werfe noch einige Möhren auf die Koppel und dann geht es weiter.
      Da die Paddocks gerade renoviert werde und die Hengste aktuell nicht auf die Weide können, stehen sie noch in der Box. Erst nach her ist der übergangs Paddock fertig. Kvest, Hnakki, Capital, Blossi und Alvari stehen im Stall und suchen im Stroh nach Ähren. Ich fülle bei allen das Heu noch mal auf und verlasse den Stall wieder. Nachher werde ich noch Helfen sie auf die Paddocks zu bringen.
      Der nächste Besuch ist auf dem ersten Stuten Paddock. Dort stehen Ylfa, Snotra, Eimyja, Blávör und Aska. Die fünf Stuten sind eher rangniedrig und konnten sich in der anderen Herde nicht durchsetzen. Jetzt zusammen vertragen sie sich prächtig. Ich hole eine Schubkarre Pferdeäppel und fülle das Heu auf. Im Anschluss öffne ich die Weide und die Stuten dürfen für einige Stunden raus. Die Männer haben die anderen Stute von der Weide geholt und gehe zu ihnen auf den Paddock.
      Thögn, Snúra, Saint, Maekja und Trú schlendern langsam zum Tor, als ich mit der Schubkarre komme. Natürlich wissen sie, was jetzt kommt. Auch hier hole ich eine Schubkarre herunter und fülle das Heu nach. Mit einigen Rangeleien werden sie sich der Reihenfolge an den Heuraufen klar und fangen an zu knabbern.
      Dann sind die Männer auch schon bei den Großen Pferden und machen ebenfalls sauber. Wie immer komme ich dazu und helfe. Als wir fertig sind gucken wir uns alle die Tiere noch einmal an. Reflex, Yuva, Comtesse, Tamana, Snuff, Mademoiselle, Fear, Kiss, Jule (die neu in der Truppe ist), Friede sei mit mir und Bomb. Natürlich stehen die beiden Shettys nicht bei den großen, aber trotzdem geniessen sie den Besuch! Allen geht es gut und wir gehen zu den Hengsten.
      Die Isländer Hengste sind alle soweit für die Körung und wir gehen mit den Pferden noch mal die Prüfung durch und stimmen die Kleinigkeiten ab. Voodoo, Litfari sind als erstes dran, danach folgen Blaer, Glanni und Skrýmir. Die drei sind nämlich noch nicht so weit. Besonders Glanni ist noch ziemlich vorsichtig und unsicher unter dem Sattel.
      Auch die Großen bekommen noch etwas Aufmerksamkeit. Ich hole Milano und Ryuk von dem Paddock und longiere sie im Round Pen. Tesla und Gnani sind im Moment erkältet und stehen deshalb in Quarantäne. Ruvik steht wie immer in der Box und möchte mit keinem Menschen etwas zu tun haben, obwohl ich mit ihm schon ein Stückchen weiter gekommen bin und die Box betreten kann, ohne das er mich angreift. Overo, Illegal, Right, Party und Amir stehen auf den Weiden. Die beiden Welsh Ponys spielen, hingegen die anderen den Kopf ins Gras stecken, auch wenn es nicht mehr viel gibt.
      Das gemeinsame Mittagessen haben wir beendet und es geht wieder an die Arbeit. Wir fahren noch zu den Jungpferden. Als erstes zu den Jungs. Tri und Nautilus sind mittlerweile ziemlich alt und könnten schon zum Hof, um ein Reitpferd zu werden. Leidere fehlt uns allen noch die Zeit, Jungpferde einzureiten. Deshalb dürfen sie noch weiter Pferd sein. Skjanni, Lu und Hawking sind noch nicht so weit, aber wachsen wohl auf. Allen Pferden geht es gut und wir fahren weiter zur Stutenweide.
      Schon als sie das Auto hören, kommen Amnesia, Bird, Milska und Feuergeist zum Zaun. Auch hier sind drei Pferde bei, die eigentlich unter den Sattel gehören. Ein weiterer wichtiger Grund ist, dass die Truppe so bleibt, ist Feuergeist. Sie hätte keinen Anschluss mehr und scheint sich auch nur mit den drei zu verstehen. Wir hatten sie bereits in einer Jungstutengruppe bei Freunden, aber dort fühlte sie sich nicht wohl und kam nicht ans Futter. Hoffentlich kommen bald neue Fohlen, damit die aktuelle Generation sich weiter entwickeln kann.
      Der Abend ist angerückt und nach einem derart erfolgreichen Tag fällt es mir nicht schwer schnell einzuschlafen.
    • AliciaFarina
      Zu Besuch auf Atomics Valley
      Hnakki van Ghosts | Capital | Blossi | Saints Row | Alvari | Willa | Vinkona frá Sólin | Totbringer | River's Fjörgyn | Kvest Halsnaes | Krít | Kempa | Aqua | Þögn | Wild Reflex | Voodoozirkus | Snúra | Litfari | Blaer frá glaesileika eyjarinnar | St Pauli's Amnesia | Songbird | Nautilus | Milska | Lu'lu'a | Hawking von Atomic | Feuergeist di Royal Peerage | Aska | Yuva | Ylfa | Tesla | Tamana | Snotra | Ruvik | Overo | Maekja van Ghosts | Kissimbye | Jule | Gnani | Glanni frá glaesileika eyjrarinnar | Friede sei mit dir | Blávör | Almost illegal | Absolutely Right


      Da demnächst ein Hengst der Familie Earle meine Stute Drafna decken sollte, machte ich mich auf den Weg nach Atomics Valley, denn ich wollte mir die in Frage kommenden Hengste in Natur ansehen. Auf dem Hof angekommen wurde ich begrüßt, da aber niemand Zeit hatte mich herum zu führen durfte ich alleine den Hof erkunden. Zuerst beobachtete ich wie einige Pferde, unter anderem auch die Hengste für die ich mich interessiere für die Arbeit vorbereitet wurden. Im Umgang schienen sie absolut problemlos zu sein. Hnakki van Ghosts, Capital, Blossi, Saints Row und Alvari wurden nun geritten. Für die gekörten Hengste ging es auf die Ovalbahn oder auf den Platz für Dressurliche Arbeit. Ich ließ die Mitarbeiter in Ruhe warmreiten und besuchte währenddessen Willa, Vinkona frá Sólin, Totbringer, River's Fjörgyn, Kvest Halsnaes, Krít, Kempa, Aqua, Þögn, Wild Reflex, Voodoozirkus, Snúra, Litfari, Blaer frá glaesileika eyjarinnar, St Pauli's Amnesia, Songbird, Nautilus, Milska, Lu'lu'a, Hawking von Atomic, Feuergeist di Royal Peerage, Aska, Yuva, Ylfa, Tesla, Tamana, Snotra, Ruvik, Overo, Maekja van Ghosts, Kissimbye, Jule, Gnani, Glanni frá glaesileika eyjrarinnar, Friede sei mit dir, Blávör, Almost illegal und Absolutely Right auf ihren Weiden. Sie waren logischerweise nach Geschlechtern getrennt, aber auch nach Aufgabenbereich. Die Stuten und Hengste die auf die Körung vorbereitet wurden standen in ihren großen und lichtdurchfluteten Boxen, die Stuten die bereits gekört waren standen teilweise mit Fohlen bei Fuß oder ziemlich dickem Bauch auf den umliegenden Wiesen. Alle Pferde waren in einem tadellosen Zustand, also machte ich mich wieder auf den Weg zu den Hengsten um mir dort ein weiteres Bild von ihnen zu machen.
      Am Ende des Tages schwankte meine Entscheidung zwischen Hnakki van Ghosts und Capital, die Gestütsleitung half mir bei der Entscheidung und sie fiel auf Hnakki, er würde also der Vater des ersten Fohlens von meiner Drafna werden.

      1992 Zeichen by AliciaFarina
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  • Album:
    Gnadenweide
    Hochgeladen von:
    Mohikanerin
    Datum:
    6 Apr. 2018
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    Blær frá glaesileika eyjarinnar
    Blaer, M'lady

    Black Lemontree x Vin
    Unbekannt x Unbekannt | Unbekannt x Unbekannt


    07. März
    1,38 m
    Schwarzbrauner
    EeAtat

    lernwillig | eigensinnig | ehrgeizig
    Die dunkelbraune Stute zeigt sich lernwillig und konzentriert. Sie ist ehrgeizig und sehr ranghoch. Blær sieht den Menschen zwar als Lehrer, ist aber keineswegs unterwürfig und macht ihre Gesinnung gerne deutlich. Ist sie von etwas nicht überzeugt, weigert sie sich es zu tun. Sie hat das Potenzial zum exzellenten Sport- und Zuchtpferd, ist aber schwierig im Umgang.
    Blær ist ein Ergebnis aus der gewagten Paarung zweier Elite, aber auch Charakterpferde. Ihren Vater Black Lemontree zeichnet besonders seine Verlässlichkeit im Gelände aus, außerdem brachte er den gefragten Zuchthengst Blettur hervor. Vin, ihre Mutter, ist ein schwer händelbares, aber erfolgreiches, Sportpferd. Ihre fünfgängige Veranlagung ist sehr ausgeprägt und sie besitzt wundervolle Gangarten die ihr schon manche Auszeichnung eingebracht haben.
    Vererbt bekommen hat die junge Stute ihren Trab mit der ungewöhnlich langen Flugphase. Blær hat viel Naturtölt, zeigt aber bisher keinen Pass. Eine viergängige Veranlagung ist abzusehen. Blær besticht mit einem sehr schönen Trab und einem weichen Tölt, eine Kombination wie man sie unter Islandpferden selten findet. Sie wird in Zukunft sowohl Tölt und Viergangprüfungen als auch die Dressur auf hohem Level gehen können.


    unbeschlagen | noch nicht geimpft
    Führen | Fohlen ABC | eingeritten | angetöltet


    Schritt | flott, ordentlich
    Trab | sehr lange Flugphase, flott
    Galopp | flach gesprungen, schnell
    Tölt | weicher, gut zu sitzen
    Pass | Viergänger

    Gangreiten A | M
    Dressur L | L
    Distanz E | L

    192. Gangturnier

    [​IMG]

    BellaS
    BellaS
    Jackie + ohne VKR


    PNG | Puzzle