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Occulta

○ Tayr al-Diyari, Anglo-Araber ♂

Hengst | chestnut rabicano

○ Tayr al-Diyari, Anglo-Araber ♂
Occulta, 27 Dez. 2019
Cooper, adoptedfox, Bracelet und 4 anderen gefällt das.
    • Occulta
      Ein weiteres neues Jahr
      Baccardi, Donut, Sika, Calico, Ice Coffee, PFS’ Bacardi Limited, PFS‘ Navy Sniper, scs Bluebell, Painting Shadows, PFS‘ Stromer’s Painting Gold, Primo Victoria, PFS‘ Merino, Simba Twist, tc Miss Moneypenny, PFS’ Cryptic Spots, Arctic Blue, PFS‘ Arctic Silver Lining, PFS‘ Reverie, Tayr al Diyari, Phantom, Matinée

      Mit dem neuen Jahr kamen auch einige Veränderungen nach Pineforest stable. Besonders bei den Reitponys, denn dort 'verliessen' uns gleich drei davon. Nunja, sie verliessen uns nicht wirklich, denn sie waren weiterhin hier eingestallt, aber sie hatten jetzt neue Besitzer. Donut gehörte definitiv dem Mädchen, das sich beim Probereiten in ihn verliebt hatte, Baccardi ging in den Besitz von Linda Ashton über und Sika hatte ebenfalls eine junge Dame gefunden, die sie in der Dressur fördern wollte. Ich fand kaum Zeit um darüber traurig zu sein, denn es waren bereits zwei Nachfolger eingezogen. Einerseits Bacardi Limited, unschwer zu erraten ein Sohn von Baccardi, aus einer Raunchy-Tochter, den ich ja bereits vor einer Weile ins Auge gefasst hatte. Ich hatte ihn auf einer Auktion ersteigert, zwar zu einem stolzen Preis, aber das war er mir auch wert gewesen. Die Raunchy-Linie war begehrt und doch selten, und mit Baccardis Blut vereint eine spannende Kombination. Andererseits war auch ein weiterer neuer Ponyhengst im Nordstall: Navy Sniper, ein Sohn von Bluebell, jedoch aus einer Leihstute. Er war, wie Bacardi Limited, erst knapp dreijährig und ziemlich grün hinter den Ohren. Da er jedoch sogar noch ein paar Monate jünger war als Bacardi, wollte ich ihn noch einen Moment in Ruhe lassen und erst Anfang Sommer anreiten. Sein Vater war der Falbhengst Delicious, ein aufkommender Zuchthengst der ebenfalls eher seltene, begehrte Abstammung hatte. Sniper hatte ich im Hintergrund gezüchtet, mit dem ursprünglichen Gedanken, ihn irgendwann zu verkaufen; doch das Fohlen hatte mir mit seiner besoderen Farbe und den Abzeichen unerwartet gut gefallen, sodass ich ihn auf einer externen Aufzuchtweide vorerst hatte grosswerden lassen, um zu sehen, ob sich sein Körperbau ebenfalls so toll entwickeln würde. Mittlerweile war ich froh, ihn nicht als Fohlen schon verkauft zu haben, denn er hatte sich wirklich gemacht.
      Nicht nur neue Reitponys waren eingezogen, sondern auch ein Sohn von Arco war neu auf Pineforest. Arctic Silver Lining, den ich als Fohlen verkauft hatte, kam als vierjähriger Junghengst zu uns zurück. Er hatte viel erlebt seither. Von einer Institution für Service Animals gekauft, hatte er seine Fohlenjahre auf einer Weide mit anderen zukünftigen Dienst-Ponys verbracht. Er war speziell ausgesucht worden – Mitarbeiter der Institution hatten ihn vor dem Kauf mehrfach auf Pineforest besucht und Intelligenztests mit ihm durchgeführt, um sicherzugehen, dass er für den Job geeignet war. Mit zwei Jahren hatte seine Ausbildung begonnen, und ihm waren 23 Stimmkommandos beigebracht worden, die er zuverlässig ausführen konnte. Laut der definitiven Besitzerin, einer blinden älteren Dame, kannte er aber sogar noch mehr Kommandos und verstand manchmal auch Aufgaben, für die er gar nicht ausgebildet war. Die Dame hatte ihn von der Institution nach Ende des etwa einjährigen Trainings übernommen, doch im vergangenen Jahr hatte sich ihr Gesundheitszustand so sehr verschlechtert, dass sie kaum mehr mobil war. Daher gab es auch für Linus, wie er liebevoll von ihr genannt wurde, kaum mehr etwas zu tun. Die Frau wünschte sich für den jungen Hengst ein Zuhause mit grossen Weiden, viel Zuwendung und Abwechslung. Normalerweise wäre er einer anderen handicapierten Person zugeteilt worden, denn so eine Ausbildung für Guide Horses war eine ganz schön teure Angelegenheit. Aber sie hatte sich mit uns in Kontakt gesetzt und gebeten, dass Arctic Fox zurück in sein altes Zuhause kehren möge. Ihrer eigenen Aussage zufolge hatte er ihr immer auf eine Art Leid getan, weil er nicht mit anderen Pferden draussen Spielen hatte können, sondern stattdessen mit ihr in der Stadt unterwegs gewesen war. Ich hatte zwar nicht das Gefühl, dass er so todunglücklich gewesen wäre, aber natürlich war ich auch nicht abgeneigt, den hübschen Hengst zurückzukaufen. Warum er übrigens noch Hengst war, wusste niemand so genau. Offenbar hatte man es aufgrund seines Charakters nie als nötig empfunden ihn zu kastrieren, obwohl das eigentlich Standart war für alle Guide Horses. Jedenfalls würde er in etwa zwei Wochen wiedereinziehen.
      Ausserdem erst in ein paar Wochen einziehen würde auch eine neue Criollostute, ein Fohlen von Cazador und Chaira, genau gesagt. Die hübsche Falbscheckstute sollte frischen Wind in meine Criollo Zucht bringen, doch erstmal musste sie fleissig Schleifen sammeln.
      Ein Stutfohlen von Páranyi tobte neu mit über die Fohlenweide. Die kleine hiess Reverie und war beinahe zweijährig. Ich mochte sie jetzt schon ganz besonders, denn sie hatte wunderschöne Abzeichen und schwungvolle Gänge.
      Etwas mehr aufsehenerregend war die Neuanschaffung von Rosie Wilkinson. Sie hatte sich mit anderen Araber-Züchtern zusammengetan und sich am Import einer Handvoll Rennarabern aus Katar beteiligt. Ein spannendes Projekt, um die Zucht von Rennarabern in England auf ein ganz neues Niveau zu heben. Sie selbst hatte nun einen hellen Fuchshengst mit Stichelhaaren im Stall stehen, der auf den Namen Tayr al Diyari hörte. Ich kam sofort ins Schwärmen, wenn ich an den edlen Kopf in Kombination mit dem fürs Rennen ausgelegten Körperbau dachte. Ich beneidete Rosie, aber mein Trost war, dass ich den Hengst aufgrund unserer Partnerschaft mit der Wilkinson Farm später jederzeit auch zur Zucht verwenden konnte.
      Ice Coffee hatte ich zu Echo auf die grosse Gnadenweide gebracht, nachdem sie sich im Offenstall vermutlich bei einer Rangelei eine unglückliche Sehnenverletzung zugezogen hatte. Ich hatte anscheinend einfach kein Glück mit den Painthorses, jedenfalls nicht mit den Braunschecken. Und zu guter Letzt hatte ich Calico zu Weihnachten an seine alte Besitzerin Rita verkauft, als Dank für ihre tolle Mitarbeit und weil ich das Gefühl hatte, dass sie nun bereit für den stattlichen Criollo war. Mein Angebot war eine Überraschung gewesen, und sie hatte sich unheimlich darüber gefreut; besonders, weil sie ihn mit einem Mitarbeiterrabatt weiterhin auf Pineforest einstellen konnte, damit sie sich nicht um das Finanzielle sorgen musste.
      Ich sass gerade an meinem Pult und füllte ein paar Nennformulare für die ersten Turniere im neuen Jahr aus. Letztens hatte ich Grund zum Schmunzeln gehabt: bei einem Galopprennen zum Jahresabschluss waren gleich alle Podestplätze von Pineforest-Nachzuchten belegt gewesen. Aber überhaupt lief es im Moment richtig gut mit unserem Nachwuchs. Bei Merino ganz besonders: er war bei seinen ersten richtigen Rennen gleich dreimal zuvorderst durchs Ziel gekommen. Ich konnte kaum in Worte fassen, wie stolz ich auf ihn und die anderen jungen Athleten war. Wenn es so weiter ging, konnte er sich dieses Jahr vielleicht für einige hochdotierte Rennen Qualifizieren.
      Als ich mit den Nennungen fertig war, schloss ich für einen Moment die Augen, dann öffnete ich die Seite der Mustang-Rettungsstation. Ich hatte ja beschlossen, die Grullo Stute, Phantoms kleine Freundin, zu retten, falls sie nach einer Woche immernoch ausgeschrieben wäre. Inzwischen waren sogar schon ein paar weitere Tage dazwischengekommen, und ich fragte mich, ob es nicht längst zu spät war. Doch als ich runterscrollte, fand ich die Bilder noch immer an derselben Stelle vor - nur diesmal mit einem rot geschriebenen "urgent" darüber. Ich fasste den Entschluss, griff das Telefon und wählte die angegebene Nummer. Die Frau am anderen Ende war reichlich erstaunt, einen britischen Akzent zu hören, schien jedoch nicht minder erfreut, als ich mein Interesse bekannt gab. Natürlich gab es wieder eine Menge Papierkram und die Stute würde das Okay des zuständigen Tierarztes benötigen, doch beim letzten Mal hatte es ja auch geklappt, also war ich zuversichtlich. Als ich das Telefon ablegte, lehnte ich mich in meinem Stuhl zurück und verschränkte die Arme hinter dem Kopf. Jetzt muss ich nur noch hoffen, dass „Matinée“ sich immernoch mit Phantom versteht.

      Ich rief Zira, die auf ihrer Decke lag, und zog meine Jacke an, dann traten wir beide raus an die kühle Winterluft. Ein eisiger Wind wehte mir ins Gesicht, sodass es trotz meines Schals binnen Sekunden taub war. Ich warf einen Blick an den Himmel. Für heute war eine Sturmwarnung herausgegeben worden, doch eigentlich hatten die Wetterfrösche von Regen gesprochen. Dafür kam es mir eindeutig zu kalt vor. Ich hastete zum Hauptstall, ins schützende innere. Noch fiel kein Schnee, aber es sah so aus, als würde das Wetter draussen bald umschlagen. Ich rief Ajith zu mir und gab ihm ein paar Anweisungen, damit er mit den anderen Pflegern den Hof sturmsicher machte. Ich wollte nicht ruskieren, dass wir am Morgen irgendwelche Gegenstände auf dem Feld einsammeln mussten. Als er verschwunden war, streichelte ich rasch Zira, die mich schon die ganze Zeit erwartungsvoll angesehen hatte, dann holte ich Goldy aus ihrer Box. Wenig später, als ich sie gerade durchbürstete, kamen auch Quinn und Parker rein, um Primo und Penny vorzubereiten. Alle hatten wir dasselbe Ziel: noch schnell in die Halle, bevor es draussen umschlug. Daher putzten wir auch eher schnell-schnell; nach dem reiten konnte ich ja in der Box nochmal gründlicher drüber. Wir führten die Pferde fertig gesattelt rüber zur Halle und stiegen zum Einwärmen auf. Merino, Simba und Cryptic drehten bereits ihre Runden durch den Hallensand. Es war Absicht, dass wir alle Vollblüter dieser Renngruppe hier hatten, denn wir trainierten sie meistens zusammen, damit alle etwa auf dem gleichen Ausbildungsstand waren. Ein paar Cavaletti lagen auf dem inneren Hufschlag bereit; Elliot hatte sie für uns dagelassen. Also schickten wir die sechs Jungspunde über die bunten Stangen, sodass sie die Bauchmuskeln anziehen und den Raumgriff erweitern mussten. Goldy war schön ruhig und lief in gleichmässigem Takt weiter, während die meisten der anderen fünf etwas hastiger wurden. Die Jockeys gaben sich die beste Mühe, ihre Pferde ruhig zu halten, damit das Training seinen vollen Nutzen entfalten konnte. Primo lief am Anfang mit eingezogenem Schweif - offenbar war sie etwas verspannt vom gestrigen Ausritt, bei dem die Gruppe weiter als sonst gewandert war, um an einem Hügel zu trainieren. Mit der Zeit wurde sie aber lockerer und hob ihn wieder wie sonst leicht an. Draussen wurde es immer ungemütlicher: die Tannen bogen sich in Stellungen, die ich nicht für möglich gehalten hätte und es fielen erste Flocken, die sich in kürzester Zeit zu einem dichten, hagelartigen Niederschlag vervielfachten. Schneeverwehungen glitten über die Felder und das Dachgebälk der Halle begann zu knarren. Auch wurde es immer dunkler draussen. Goldy scheute in den Ecken, weil der Wind unheimliche Geräusche machte. Ich hielt den äusseren Zügelkontakt streng aufrecht und spielte innen ab, um ihre Aufmerksamkeit zurückzuholen. "Occu, a tree just fell...", meldete Charly, fasziniert von dem Anblick. Ich verzog grimmig die Lippe und beobachtete durch die Dämmerung, wie gleich noch eine zweite Tanne knickte, als wäre sie ein Streichholz. "Okay guys, let’s go back to the barn - I don't think the horses can focus like this anyway." Zustimmendes Gemurmel war zu hören und wir stiegen gerade ab, als plötzlich das Licht ausging. Ich hörte Charly und Parker jubeln, und auch ich konnte mir ein Lachen nicht verkneifen. Es war noch genug hell, um etwas zu sehen, aber es war trotzdem seltsam, durch die dunkle Halle zu laufen. Draussen wurden wir fast davongeweht, beziehungsweise unsere Abschwitzdecken, die wir zum Glück vorne geschlossen hatten. Wir motivierten die Pferde zu einem flotten Trab und führten sie so rasch wie möglich in den schützenden Stall. Wir waren alle ganz schön durcheinander, als wir an unserem Ziel ankamen. Ich strich mir erstmal ein paar Stränchen hinter die Ohren, die sich aus dem Haargummi gelöst hatten, dann sah ich mich um, ob wir komplett waren und brachte Goldy anschliessend in ihre Box. Sie war relativ ruhig geblieben, so wie ich auch - anders als Penny, die sich aufgeregt zum geschlossenen Fenster drehte, sobald sie frei war. Sie liess ein tiefes Ausschnaufen hören und blinzelte, dann siegte der Hunger über die Aufregung und sie wandte sich dem Heuhaufen in der Ecke zu. Ich sattelte Goldy ab und trocknete mit einem Frotteetuch den von geschmolzenen Schneeflocken angefeuchteten Kopf. Danach liess ich sie in Frieden und half den Pflegern. Ich hörte den Wind draussen, aber im Inneren des Hauptstalls merkte man kaum etwas davon. Hier war wie immer alles schön hell und ruhig. Als wir die Pferde komplett versorgt, gefüttert und gemistet hatten, sammelten wir uns, öffneten das nächstbeste Tor einen Spalt weit und warfen wir einen Blick hindurch. "Nasty", bemerkte Parker richtigerweise. Es sah noch übler aus als zuvor; der mittlerweile Schneeregen wurde im Licht der Lampen in sichtbaren Wellen vom kalten Wind zu Boden gedrückt. "Who wants to be first?", fragte ich herausfordernd. Die Begeisterung hielt sich in Grenzen. Ich wollte schon die Kapuze über den Kopf ziehen, als ich Rufe hörte. Lewis und Jonas kamen durch den Sturm auf uns zu gerannt. Wir öffneten das Tor gerade genug, dass sie hineinschlüpfen konnten, und bevor ich wieder schliessen konnte, huschte auch noch Sheela hindurch. Die Labrador Hündin schüttelte sich den Schnee vom Fell und sah dann freudig zu mir auf. "What the hell are you doing? We were about to go back to the house, so why'd you come here?" Die beiden hielten grinsend einen grossen Plastiksack in die Höhe. "We brought some snacks, tea and games. Who want's to stay?" Ich schüttelte belustigt den Kopf. Normalerweise machten wir Spielabende im Pflegerheim, wo es Sofas und eine Heizung hatte. "You are just... Incredible." Restlos alle Anwesenden fanden die Idee attraktiver, als raus in den Regen zugehen. Also stiegen wir auf den Heuboden und machten es uns gemütlich. Sheela kam die Leiter nicht alleine hoch, aber nachdem sie winselnd und mit Puppy-Eyes zu uns hochgeschaut hatte, musste Jonas sie hoch hieven. Zum Glück war sie aus einer Jagdlinie und daher nicht so schwer wie andere verfressene Labradoren die ich kannte. "Ist Lily im Trockenen?", fragte ich, sobald er sich wieder neben mich gesetzt hatte. "Ja, sie ist im Haus - sie wollte noch ihre Serie fertig schauen und danach ins Bett." Ich nickte beruhigt.

      Die Zeit verging wie im Flug. Als ich beim zweiten Kartenspiel schon zu Beginn rausflog, kletterte ich die Leiter runter und streichelte Painting Shadows, bis die nächste Runde anfing. Wir vergnügten uns bis knapp vor elf Uhr, dann war es endgültig Zeit ins Bett zu gehen. Der Sturm hatte etwas nachgelassen, sodass wir uns wenigstens nicht mehr vor herumfliegenden Gegenständen in Acht nehmen mussten. Ich wünschte allen eine gute Nacht und mit Jonas und Sheela im Haus.
      29 Jan. 2018
    • Occulta
      Wir üben Geschick
      Silverangel, River’s Lychee, PFS‘ Shadows of the Past, Yoomee, tc Miss Moneypenny, Simba Twist, PFS’ Merino, PFS’ Cryptic Spots, Primo Victoria, PFS’ Stromer’s Painting Gold, PFS’ Ljúfa, Tigrotto, PFS’ Kicks-a-Lot, Tayr al Diyari, Numair, Anubis, Lindwedel, Glenns Caress, Beck’s Experience, Chocolate Chip, Papillon d’Obscurité, Parányi

      "Der schöne Schnee...", jammerte Lily traurig, als sie an diesem Morgen aus dem Haus kam. Jonas und ich waren wie immer schon viel früher draussen gewesen - Ausschlafen war für uns auch am Wochenende keine Option. Der Schnee, der vergangene Woche noch flächendeckend gelegen hatte, war weitgehend verschwunden; bloss ein paar vereinzelte weisse Stellen im Schatten erinnerten noch daran. Die Sonne wärmte meinen Rücken, als ich mit Lychee in Richtung Baumalee losritt, gefolgt von Quinn und Parker mit Silver und Shira. Ich rief Lily über die Schulter zur Erinnerung, dass wir um elf Uhr weg wollten und sie pünktlich zürück sein musste; dann wandte ich meinen Blick nach vorne und genoss unseren Ausritt. Der Boden trocknete immer mehr und das vom Gewicht der letzten Wochen müde Gras richtete sich auf, um Energie zu tanken. Man bekam richtige Frühlingsgefühle, obwohl es gut möglich war, dass es nochmal kalt werden würde. Auch die Pferde spürten den Temperaturwechsel und das Erwachen der Natur. Sie waren hibbelig und geladen, wollten am liebsten die ganze Strecke im Galopp bewältigen. Ein Grund dafür war vielleicht auch, dass sie aufgund der Schneeschmelze nicht auf die Weiden gedurft hatten, da diese sonst in Windeseile Schlammlöcher verwandelt worden wären. Ich hatte entsprechend Verständnis für mein Reittier, das beim Angaloppieren übermütig buckelte. Solange sie mich nicht ernsthaft runterbocken wollte, ignorierte ich es einfach und sass die grösseren Sprünge gekonnt aus. Wir hatten unseren Spass und pauderten ausgiebig, sodass wir am Ende tatsächlich fast selbst zu spät zurückkamen. Schliesslich musste ich noch eine ganze Menge vorbereiten, bevor wir losfahren konnten. Ich versorgte Lychee, stellte die Transporter bereit, half Ajith Gamaschen, Sättel und Knotenhalfter einzupacken. Die Reise ging zu einem Extreme Trail, etwas mehr als eine Stunde entfernt. Ich hatte schon lange vorgehabt, dort einmal hinzufahren, denn der Park war letzten Frühling neu eröffnet worden und beinhaltete viele spannende Hindernisse - ein perfektes, Mut förderndes Training für die jungen Vollblüter. Wir wollten daher gleich die ganze Gruppe der vierjährigen mitnehmen - und natürlich Goldy, die da gewissermassen auch dazuzählte. Primo und sie stiegen brav ein, Penny brauchte etwas länger, und die Jungs zögerten auch einige Augenblicke, ehe alle drin waren. Jungpferde eben. Wir fuhren mit zehn Minuten Verspätung los, das war aber kein Problem.
      Wir wurden kurz eingewiesen und bekamen ein paar Tipps zu den Hindernissen, dann durften wir selbstständig den Trail erkunden. Ich ritt auf Simba. Unser erstes Hindernis war eine einfache Reihe von dünnen Baumstämmen, die unterschiedlich schräg dalagen. Simba sah sich die Stangen an und stakste dann zügig hindurch. Ich lobte ihn und durchritt das Hindernis gleich nochmal, diesmal langsamer. Ähnlich lief es mit den anderen Aufgaben. Er zögerte zwar manchmal etwas und versuchte dann hastig weiterzukommen, aber spätestens beim zweiten oder dritten Versuch machte er es ordentlich. Ich beobachtete, wie Quinn und Merino sich an der Wippe versuchten, einer der schwersten Aufgaben. Merino ging zwar vertrauensvoll mit allen vier Beinen auf das massive, breite Holzbrett, erschrak sich aber, als es sich bewegte und sprang blitzschnell runter. Ich lachte und ritt zu Quinn rüber - sie grinste auch. "Nice try, next try..." "Maybe lead him over it first?", schlug ich vor. Sie nickte und stieg ab, um Merino die Rampe vom Boden aus zu zeigen. Diesmal zögerte der junge Hengst schon vor dem Brett, weil er wusste, dass es beweglich war. Quinn stand selbst darauf und demonstrierte ihm, wie es von Seite zu Seite kippte. Als er auch durch sanftes aber bestimmtes Einladen nicht draufstehen wollte, bewegte sie seine Hinterhand und liess ihn ein wenig arbeiten, bis er einen Fuss auf das unheimliche Ding setzte. Sie lobte ihn und nahm den Druck sofort weg, ehe sie ihn nach einer kurzen Pause zu weiteren Schritten ermutigte. Er begriff, dass es keinen anderen weg für ihn gab, also stellte er sich mit allen vier Füssen darauf und untersuchte das Brett mit der Nase. Er scharrte, um den Boden zu prüfen und zuckte zusammen, als dieser sich abermals bewegte. Er wollte schon wieder seitwärts runter, aber Quinn begrenzte ihn geschickt, sodass er sich mit der Situation auseinandersetzen musste. Er zuckte noch ein paarmal und schnaufte laut, dann konnte Quinn ihn schon deutlich besser drüberführen. Nun stieg sie wieder auf und versuchte es auch im Sattel. Diesmal ging er rasch mit allen vier Hufen auf das Brett, zögerte kurz, als es sich zu bewegen begann, machte dann noch einen Schritt, sodass es ganz kippte und hopste dann zügig runter. Quinn lobte ihn zufrieden. Nun war auch Simba an der Reihe, der das ganze ja hatte beobachten können. Er setzte zögerlich einen Huf auf die Wippe, dann den zweiten, und schliesslich auch die Hinterbeine. Ich hielt ihn an Ort und Stelle, um ihn zu loben, dann liess ich ihn rückwärts wieder vom Brett runtergehen, um ihm zu zeigen, dass er nichts zu befürchten hatte. Danach stellte ich ihn wieder auf die Wippe, kurz vor der Mitte. Von dort aus, liess ich ihn einen weiteren Schritt machen, sobald er ruhig und aufmerksam war, sodass das Brett sich langsam bewegte. Simba wurde unsicher und stand breitbeinig da, blieb aber bei mir. Ich schickte ihn noch einen weiteren Schritt voran, damit die Wippe vollständig kippte. Er wartete brav, bis ich beschloss, runterzugehen. Das war mir wichtig, damit er nicht einfach darüber hastete. Ich wollte jeden Schritt kontrollieren, sodass uns nichts passieren konnte. Ich lobte ihn ausgiebig und grinste an Quinn gewandt. Wir ritten gemeinsam zu einer Steintreppe, die die Pferde hochklettern mussten. Ganz in der Nähe war Cryptic mal wieder doppelt so schnell unterwegs, als es nötig gewesen wäre: er trabte kurzerhand die Steintreppen hoch, anstelle im Schritt wie alle anderen gesitteten Vierbeiner hochzuklettern. Natürlich wurde er von seinem Jockey gleich nochmal an den Anfang geritten und musste erneut auf die Stufen steigen, diesmal in der tieferen Gangart.
      Nach einer untensiven Dreiviertelstunde war die Konzentration der jungen Vierbeiner aufgebraucht und es war Zeit, zurück nach Hause zu fahren. Der Trail war die Reise definitiv wert gewesen, und wir wollten schon bald mit anderen Pferden wiederkommen.

      Zuhause angekommen, versorgten wir alles und alle. Ich wollte nun Yoomee bewegen, aber auf Dressur oder Springen hatte ich gerade keine Lust. Also schwang ich mich wiedermal ohne Sattel auf ihren Rücken und nutzte das herrliche Wetter für einen Ausritt. Zira begleitete mich - wie sie es auf Ausritten oft und gerne tat. Sie trottete voraus und schnupperte gelegentlich an einem Gebüsch, dann wiederum wartete sie wieder auf uns. Ich durfte sie nur freilaufen lassen, weil sie so gut erzogen war; bei dem ganzen Wild im Park hätte ich sonst längst Ärger gehabt. Yoomee war gut gelaunt und fit, aber auch sehr brav und anständig. Wir konnten auch ohne Mätzchen galoppieren. Nur einmal scheute sie im Wald ein wenig vor einem vorbeifahrenden Dirt-Bike, das uns von hinten überholte. Zira bellte dabei zweimal, weil sie merkte, dass der Fremde uns zu nahe gekommen war und mich dadurch aus der Ruhe gebracht hatte. Der Fahrer kümmerte sich nicht darum und fuhr einfach gleichschnell weiter, aber ich hatte mein Gleichgewicht rasch wieser gefunden und setzte den Ritt unbekümmert fort, wodurch sich auch die Malinois Hündin, mit ihrem ausgeprägten Beschützerinstinkt, wieder beruhigte. Es gab viele rücksichtsvolle Fahrer in der Gegend, die uns und die Pferde nach unzähligen Begegnungen kannten und respektierten. Aber natürlich gab es auch solche, die am liebsten Reitverbote für den grössten Teil des Parks erwirken und uns mit rüpelhaftem Verhalten vertreiben wollten. Im Park war das Dirt-Bike Fahren sehr beliebt, und besonders im Sommer gab es viele Touristen, die die Strecken durch den Pinienwald zu schätzen wussten. Aber das war noch nicht lange so; erst seit den letzten paar Jahren waren auffällig mehr Bikes unterwegs. Der Pinien Park war sozusagen vom Geheimtipp zum beliebten Ausflugsziel geworden. Das brachte natürlich auch eben erlebte Konflikte mit sich. Wenn ich mit jungen Pferden unterwegs war, horchte ich daher immer nach herannahenden Bikes und sorgte im Voraus für genügend Abstand, ohne auf die Vernunft der Leute zu hoffen. Andererseits verstand ich auch die Fahrer teilweise, denn es gab tatsächlich Reiter in der Gegend, die die Wege förmlich blockierten und ebensowenig Rücksicht nahmen. Jedenfalls blieb Yoomee auch den restlichen Ritt über entspannt und wir genossen die frühlingshaften Temperaturen. Ich musste mir sogar die Jacke ausziehen, weil ich in der Sonne so warm bekam.

      Es war nun halb fünf Uhr. Ich musste nur noch Ljùfa beschäftigen, aber die wollte ich an der Doppellonge arbeiten lassen, um ihren Rücken zu stärken. Etwas anderes schwebte mir für den Moment vor: ich suchte schon seit fast einer Woche die Gelegenheit, um zu Rosie rüber zu schleichen und deren neuen Araberhengst zu besuchen. Jacky hatte sich zu mir und Zira gesellt. Die beiden sassen nun entspannt neben mir, nachdem ich sie vorhin durchgeknuddelt hatte. Ich beschloss, aus meinem Vorhaben einen Spaziergang zu machen und nahm die Hunde gleich mit. Sheela war wiedermal nirgends - vermutlich begleitete sie wie so oft Jonas. Sie war schon immer eher sein Hund gewesen, oder eher gesagt ein Familienhund, denn sie verstand sich einfach mit allen gut. Aber Jonas konnte man wohl ihren Lieblingsmenschen nennen. Er alberte eben einfach mehr mit ihr herum, was ihn automatisch spannender machte. Zira war aber immernoch mir am treusten, obwohl sie ja auch jung und energievoll war. Sie hatte einfach einen ganz anderen Charakter und wich Leuten ausser mir aus, sogar wenn diese tagtäglich mit ihr zu tun hatten. Entweder klebte sie an meinen Fersen, oder streunerte irgendwo abseits vom Trubel alleine herum. Jacky war immer dort, wo es gerade Action gab (am liebsten kam sie mit auf Turniere und sonstige Ausflüge), oder jagte Mäuse. Darin bot sie übigens mancher Katze Konkurrenz. Abends lag sie dann jeweils ausgepowert auf meinem Schoss oder neben mir auf dem Sofa.
      Jedenfalls freute ich mich innterlich schon darauf, endlich Zeit für den Besuch auf der Wilkinson Farm gefunden zu haben und meine Neugierde zu sättigen. Lewis fing mich jedoch ab, bevor ich überhaupt die richtige Richtung einschlagen konnte. "What now? Well, maybe I'll get to visit her in the next life...", murmelte ich. "Occu, are you going to visit Rosie?" Ich nickte. "Can I come with you? I wanted to take a walk with the young Miniature Horses, and that would be quite the perfect route..." "Yes, you may. I'd like to have some company." Erleichtert, dass mein Plan doch nicht ein weiteres Mal aufgeschoben wurde, folgte ich ihm zu den Weiden. Er streichelte die Ministuten, als sie neugierig auf uns zukamen. Wir holten zwei Halfter, denn ich hatte beschlossen auch gleich ein Pony mitzunehmen, wenn ich schon mal hier war. Ich suchte mir Tigrotto aus, während Lewis Kiwi aufhalfterte. Dann spazierten wir los, mitsamt Ponys und Hunden. Es sah total niedlich aus, wie Tigrottos Mähne mit ihren Schritten mitwackelte. Sie hatte leichte Wellen, die das Haar umso wuscheliger wirken liessen. Hin und wieder, wenn ich gerade mit Lewis plauderte, anstatt aufzupassen, versuchte sie zum Gras am Wegrand zu ziehen. Bei Rosie bekamen wir einen aufwärmenden Tee; die Minis banden wir rasch bei einem Weidepfosten an. Danach durfte ich mir Tayr al Diyari ansehen. Der Fuchs mit den Rabicano-Stichelhaaren hatte wirklich einen bildschönen Kopf und grosse, schwarze Augen. Ich streichelte seine Nüstern und liess ihn an meiner Hand schnuppern. Rosie strich ihm liebevoll den Schopf gerade. "But of course I miss Bintu... And I’m not the only one, Anubis and Numair miss him as well. It was hard to sell him, but it's best for him." Bintu war von einer Züchterin gekauft worden, die so begeistert von ihm gewesen war. Ich fand es auch schade, aber er hatte weiterhin ein tolles Zuhause. Lindwedel schaute schon die ganze Zeit neugierig zu uns rüber. Also kraulte ich ihn auch noch eine Runde unter seiner dicken Mähne und auf der Stirn. "How is he doin'?", fragte Lewis, auf den Grauen deutend. "He is such a little sweetie. He would be a perfect pony for kids or beginners."
      Wir blieben nicht lange. Noch bevor es richtig dunkel wurde, machten wir uns auf den Heimweg. Tigrotto und Kiwi durften wieder in den Offenstall, nachdem sie lautstark von Caresse und Becks begrüsst worden waren; die meisten Minis waren bereits drinnen und kauten gemütlich an der abendlichen Heuration herum. Lewis trieb Papillon und Chip, die beiden letzten Wildfänge, auch noch rein und schloss dann das Tor. Im Sommer durften sie auch nachts raus, aber im Winter liessen wir sie im schützenden Stall. Ich kümmerte mich wie geplant um Ljúfa, danach half ich noch ein wenig den Pflegern beim Aufräumen, sah in der Dressurstunde zu, wie Jonas mit Parányi zurecht kam, ging kurz bei Thairu und Dante vorbei, um die beiden etwas zu putzen und legte mich schliesslich erschöpft aber glücklich ins Bett.
      26 Feb. 2018
    • Occulta
      Donnerwetter
      Empire State of Mind, Mikke, Khiara El Assuad, Indiana, Painting Shadows, Chiccory ox, Sunday Morning, Vai Alida, Sympathy of the Devil, Coulee, Rosenprinz, Iskierka, Gleam of Light, Caspian of the Moonlightvalley, Spotted Timeout, Shades of Gray, A Winter’s Day, Campina, Cassiopeia, Sumerian, Framed in History, One Cool Cat, PFS’ Stromer’s Painting Gold, Cabinet of Caligari, PFS’ Captured in Time, Kaythara El Assuad, tc Miss Moneypenny, PFS’ Merino, Simba Twist, PFS’ Cryptic Spots, Primo Victoria, PFS’ Sarabi, PFS’ A Winter’s Tale, PFS’ Stop Making Sense, Subsyndromal Symptomatic Depression, PFS’ Counterfire, Daedra, Drømmer om Død, PFS’ Bacardi Limited, PFS’ Navy Sniper, Ronja Räubertochter, Silverangel, Satine, Parányi, River’s Lychee, Nera, PFS’ Ljúfa, PFS’ Dancin’ to Jazz, Anubis, Numair, Tayr al-Diyari, Areion

      Es war wiedermal Morgen, sechs Uhr, ein gewöhnlicher Arbeitstag stand bevor. Ich streckte mir die Müdigkeit aus den Gliedmassen, begab mich in die Küche und stellte das Frühstück bereit. Jonas lag noch unter der Decke, und um ihn auf die Beine zu bekommen, musste ich ihn auskitzeln gehen. Selbst dann dauerte es noch einige Minuten, bis er genug Energie fand. Lily schlief munter weiter, sie musste ja wie immer erst um acht Uhr in die Schule. Moya schlich mir hungrig unter dem Küchentisch um die Beine. Ich bereitete deshalb rasch das Futter der rauchig schwarzen Langhaarkatze vor und stellte ihr den Napf hin. Sie nahm es dankbar an. Ich fütterte auch die drei Hunde, die schon mit glänzenden Augen eifersüchtig warteten. Danach ass ich selbst zuende und zog mir meine Reitsachen an. Draussen hörte ich die Pfleger, die gerade plaudernd zum Hauptstall liefen. Ich cremte mich noch rasch gegen die UV-Strahlung ein, dann verliess ich das Haus zusammen mit Jonas, Zira, Sheela, Jacky und Moya, die hinterherhuschte, bevor ich die Tür schloss. Zira blieb bei mir, Sheela folgte Jonas zum Nordstall und Jacky streunerte davon, um Mäuse zu jagen. So war es bei uns fast jeden Morgen – eine Abfolge von Ritualen. Im Hauptstall traf ich auf die Jockeys und Oliver. Sie besprachen gerade den heutigen Trainingsablauf. Ich hörte mit, obwohl ich schon wusste, was der Trainer vorhatte, weil er es immer zuerst am Vortag mit mir absprach. Ich ritt heute im Training auch wieder mit, und zwar in fast allen Gruppen. Als erste war die erfahrene Gruppe mit Chiccory, Sympathy, Coulee, Iskierka, Light, Caspian und Sunday dran. Ich öffnete Lights Box, streichelte den Rappen zur Begrüssung liebevoll und streifte ihm sein Lederhalfter, mit dem goldenen Namensplättchen auf der Seite, über die Ohren. Er folgte mir eifrig aus der Box und scharrte beim Putzen immer mal wieder ungeduldig. „Ja ja, ich weiss, dass es dir nicht schnell genug gehen kann. Aber benimm dich bitte etwas besser“, tadelte ich. Er sah mich nur mit einer Art unschuldigem Hundeblick an. Ich wischte die letzten Staubkörner von seinem Hinterteil, dann kratzte ich die Hufe aus und bandagierte seine Beine. Anschliessend konnte ich bereits satteln. Caspian hatte wieder nichts als Blödsinn im Kopf und zerzauste mir im Vorbeigehen mit seiner Schnauze die Haare. Ich band sie mir zugleich lachend und fluchend neu zusammen, während ich zur Sattelkammer lief. Gesattelt hatte ich schnell, obwohl es jedesmal eine Kunst war, die Pads und Satteldecken faltenfrei und in der richtigen Reihenfolge auf den Rücken zu packen. Aber nach all der Zeit konnte ich die individuelle Zusammenstellung für jedes einzelne Pferd im Schlaf. Ich zäumte Light und führte ihn raus, wo mir Ajith beim Aufsteigen half. Dann liefen wir auch gleich los in Richtung Rennbahn – hier lief einfach alles wie in einem Uhrwerk. Die Pferde gingen brav im Gänsemarsch und benahmen sich auch beim Aufwärmen im Trab und langsamen Galopp. Dann durften sie endlich aufdrehen. Wir machten ein anspruchsvolles Intervalltraining, denn bald war wieder ein wichtiges Rennen für Kierka, Chiccory, Light und Sunday. Coulee verbesserte ihre Zeit auch heute um ein paar Millisekunden. Sogar Iskierka benahm sich ausnahmsweise ganz gut und zickte kein einziges Mal rum. Sunday war nicht ganz auf der Höhe: er war etwas langsamer als am Vortag. Aber das machte nichts, denn die Zeiten hingen von so vielen Faktoren ab – war zum Beispiel gut möglich, dass ihm das etwas feuchtere Gras nicht passte. Ich war auch mit Sympathys Leistung zufrieden, konnte und wollte mich aber nicht so recht auf sie konzentrieren, denn die Stute hatte ich vor kurzem an eine gute Kollegin mit Spitznamen Fuchsel verkauft, zusammen mit ihrem Vater Cantastor. Der kommende Abschied machte mir zwar zu schaffen, aber ich wusste, dass es die beiden gut haben würden, denn Cantastor hatte ich damals von Fuchsel übernommen. Nun hatte sie einen neuen Hof und viel Platz, deshalb begrüsste sie es sehr, als ich sie wegen der beiden angesprochen hatte. Ich brauchte nunmal einfach wieder etwas mehr Luft im Hauptstall, besonders wenn ich in Zukunft noch ein paar Fohlen ausbilden wollte.
      Nach dem Training brachten wir die Pferde in den Freilauftrainer zum auskühlen. Wir beeilten uns mit dem Vorbereiten der nächsten Gruppe genauso, denn es wurde immer wärmer, je länger die Sonne am Himmel stand. Campina, Gray, Winter, Cassiopeia, Spot und Painting Shadows waren diesmal dran. Ich ritt Gray, und die lief grossartig. Sie setzte sich in einem Kopf-an-Kopf Rennen mit Paint klar durch. Aber am beeindruckendsten fand ich diesmal Campina, die ihre Beine so weit auszog, dass es beinahe unnatürlich aussah. Dadurch konnte sie mit jedem Galoppsprung mehr Boden als die anderen gewinnen. Da zeigte sich wiedermal ihr hervorragendes Blut. Ich war schon gespannt, was aus ihrer genetischen Tochter Call it Karma werden würde – von der Kombination aus Cataract und Black Bloom erhoffte ich mir grosses Potential. Winter war nicht herausragend, aber er lief in gewohnter Zuverlässigkeit die 1500 Meter und war gar nicht so sehr verschwitzt danach, wie Spot, der auch eine gute Ausdauer zu haben schien. Cassiopeia war diesen Frühling zu einem richtigen Kraftpaket mutiert. Ihre Schulter war beängstigend stark, aber sie musste im gegensatz zu Spot an ihrer Ausdauer noch arbeiten. Sie war mit Abstand am verschwitztesten von den sechs Pferden.
      Auch für die dritte Gruppe mit Sumerian, Framed in History, One Cool Cat, Cabinet of Caligari, Captured in Time und Kaythara El Assuad reichte es noch, doch danach wurde es bereits zu warm. Wir verschoben daher die letzten zwei Gruppen auf den späten Abend. Ich konnte mich also nach dem Training mit Frame voll und ganz den anderen Pferden auf Pineforest widmen. Zum einen machte ich eine halbe Stunde Reining auf dem Sandplatz mit Dod, wobei ich weiter an unseren Stops und Rollbacks arbeitete. Der Hengst war einfach ein purer Genuss zum Reiten, so feinfühlig und reaktionsfreudig. Wir feilten wirklich nur noch an kleinen Details, denn er war top ausgebildet und lief auf den schwersten Turnieren mit. Als nächstes kümmerte ich mich um Satine und machte einen eineinhalbstündigen Ausritt durch die Pinienwälder mit ihr. Der Schatten der Bäume war dabei eine wohltat, angesichts der immer stärker werdenden Sonnenstrahlen. Es ging gegen Mittag zu und ich wollte vor dem Essen noch rasch Jazz an der Doppellonge arbeiten. Die Stute sprach gut auf diese Art von Training an und war motiviert bei der Sache, völlig anders als noch am Anfang. Sie trabte ohne zu Zögern über die Stangen am Boden und folgte brav den Stimmkommandos für die Übergänge. Oft war sie schon im Galopp, bevor ich das Wort zuende Sprechen konnte.

      Nach dem Mittag ging es für mich weiter mit Bacardi Limited. Der Baccardi Sohn glänzte in der Nachmittagssonne so richtig kitschig. Sein dunkles Fuchsfell schillerte in vielen Orangetönen, und das obwohl ich ihn diesmal nicht ganz so gründlich geputzt hatte. Jonas und Darren begleiteten mich zusammen mit Sniper und Silver auf einen weiteren Ausritt. Wir ritten in Richtung Wilkinson Farm und nutzten den breiten Grasstreifen des Feldwegs nach der Brücke für einen flotten Trab. Bacardi hatte federnd weiche Gänge, sogar noch mehr als sein Vater, weshalb ich wohl den ganzen Ausritt ohne Probleme im Trab hätte machen können. Aber spätestens im Wald kurz nach Rosie’s Gestüt bremsten wir ab, weil uns wiedermal Dirt-Bike-Fahrer entgegenkamen. Zum Glück waren sie anständig und fuhren im Schritttempo an uns vorbei, so dass es keinen Ärger gab. Wenig später begegneten wir auch noch Rosie und Lucas, die mit Numair und Anubis unterwegs waren. Wir plauderten kurz und ich erfuhr, dass Diyari vor noch nicht all zu langer Zeit eine Haltershow gewonnen hatte. Ich gratulierte Rosie herzlich. Der Fuchshengst war wirklich ein Hingucker, und ich hoffte, dass ihre Zuchtpläne mit ihm aufgehen würden.
      Wieder zuhause versorgten wir die Ponys und ich machte bei Ronja weiter. Mit der Achal Tekkiner Stute arbeitete ich ein paar Dressurlektionen durch; nichts besonderes, nur Gymnastizierung. Sie lief am Ende schön vorwärts-abwärts und liess den Rücken schwingen, worüber ich sehr froh war. Vor einer Weile war sie nämlich wieder auf einem Distanzritt mit Lisa gewesen und hatte danach wohl etwas Muskelkater gehabt. Jedenfalls war sie ein paar Tage steif gegangen, aber jetzt schien alles wieder gut zu sein. Lily kam irgendwann nach vier Uhr aus der Schule zurück und begab sich wie immer sogleich zu ihrem Areion. Ich sah nicht, was die beiden heute trieben, weil ich mit Ljúfa auf der Ovalbahn war, aber sie hatte etwas von „Roundpen – Longieren“ gemurmelt. Ljúfa hatte durch unser ausgiebiges Training schon viel mehr Muskeln bekommen und nun kein Problem mehr, Reitergewicht zu tragen; sofern es sich nicht gleich um einen 80-Kilo-Mann handelte. Im Moment ritten eh nur Lisa und ich auf ihr, und wir waren beide halbe Protionen, wie Lewis immer so schön bemerkte. Ljúfa ging heute aber trotz ihrer neu gewonnenen Muskelkraft nicht so fleissig voran. Ich verstand die Stute; mit ihrem pechschwarzen Fell unter der brütenden Nachmittagssonne zu arbeiten, konnte nicht gerade sonderlich motivierend sein. Auch ich hatte keine Lust, noch mehr zu schwitzen. Also verkürzte ich die Töltarbeit und duschte sie nach dem reiten gründlich ab. Ich konnte förmlich zusehen, wie sie wieder trocknete, als ich sie zurück auf die Stutenweide brachte. Auf dem Rückweg zum Hauptstall, wo ich als nächstes Caprice bewegen wollte, bemerkte ich eine dunkelhaarige Frau mittleren Alters. „Ahh, Angelina Moore! …I suppose.“ “Yes, and you must be Occulta Smith?” “Occu is fine. Welcome on Pineforest Stable! I’m embarrassed to say I almost forgot that you planned to come today.” “Oh, don’t be. We were already welcomed by your daughter and husband.” “…Haha, he’s not my husband and Lily not my daughter, either. But close enough. We have kind of a patchwork family.” “Oh, sounds exciting. I have two kids, a daughter and a son. And a typical husband – always working or out with his buddies, so there’s lots of time left for horse riding.” “So, let’s see your black pearl!” “’Course. She’s waiting in the trailer.” Wir schlenderten plaudernd zum Parkplatz. Angy war eine neue Pensionärin. Ihre rappfarbene Murgesenstute namens Nera drehte neugierig den Kopf, als sie unsere Stimmen hörte. Wir öffneten die Klappe des Anhängers und Angy lud sie aus. Ein echtes Prachtexemplar, das mich etwas an die Ritterpferde aus diversen Filmen erinnerte. Sie hatte eine lange, gewellte Mähne und einen prächtigen Schweif. Ausserdem schien sie ziemlich umgänglich zu sein. Angy war meines Wissens zufolge Dressurreiterin und das auch recht erfolgreich. Ich war gespannt, mehr über dieses Pferd-Reiter-Paar zu erfahren. Ich zeigte den beiden ihre Box im Nebenstall und führte sie auf dem Hof herum. Angy hatte sich bisher auf die Fotos auf unserer Website verlassen, war aber nicht minder begeistert von der nun greifbaren Infrastruktur. Ich verliess sie nach einer Weile, um mich endlich um Caprice zu kümmern. Die neue Pensionärin hatte ja noch Lily, die irgendwann dazugekommen war und nun eifrig eine Frage nach der anderen stellte. Zira, die die ganze Zeit treu an meiner Seite blieb und die neue nur misstrauisch beäugt hatte, schien erleichtert darüber, dass wir jetzt wieder unsere eigenen Wege gingen. Sie sass stolz neben Caprice’s Boxentür und hielt Wache, als ich die Fuchsstute putzte. Auch später, als ich auf dem Sandplatz ein paar Trainingshindernisse übersprang, wartete sie neben dem Eingang im Gras liegend und behielt alles in ihrem Blick. Caprice war schön locker vom gestrigen Doppellongentraining. Sie schien allgemein sehr zufrieden und kraftvoll vorwärtszugehen; keine Spur von Anspannung. Die Hindernisse waren ein Kinderspiel für sie, im Vergleich zu jenen in den Military Events. Aber es ging ja nicht darum, die Stute zu überfordern, sondern sie mit interessanten, abwechslungsreichen Kombinationen bei Laune zu halten. Ausserdem konnte es nie schaden, ein wenig an Takt und Timing zu arbeiten. Gegen Ende bekamen wir noch Zuschauer: Lisa und David waren zurück von ihrem Ausritt mit Parányi und Lychee. Sie stellten sich am Eingang des Vierecks zu Zira und beobachteten mich eine Weile, bis es mir peinlich wurde und ich mit dem Austraben begann. „So so. Habt ihr nichts Besseres zu tun?“, tadelte ich freundschaftlich. Lisa entgegnete fröhlich: „Wir dürfen wohl mal Pause machen, oder etwa nicht, Boss?“

      Wenig später gingen wir nochmal mit Empire, Indiana, Rosenprinz, Khiara und Vai Alida raus – Charly und Thomas kamen ebenfalls mit. Danach war es Zeit für die Fortsetzung des Vollbluttrainings. Ein kühler Wind war aufgekommen, ideal für die abendliche Arbeit. Angy war noch hier und folgte ineressiert Oliver und Ajith zur Bahn. Die Jockeys und ich waren unterdessen bereits am Warmreiten. Ich sass in Miss Moneypennys Sattel und trabte so ruhig es ging hinter Simba her. Heute war irgendwie der Wurm drin; die junge Stute war unkonzentriert und viel zu geladen. „Was ist denn los, Penny. Du warst den ganzen Morgen auf der Weide, und gestern haben wir auch schon Intervalltraining gemacht. Trotzdem noch so viel überschüssige Energie?“, murmelte ich, während ich sie beruhigend zu kraulen versuchte. Aber es wurde auch während der Galopparbeit nicht besser. Immer wieder liess sie sich von Kleinigkeiten ablenken und machte Seitensprünge, oder versuchte, ihren Hals steif zu machen. Beim austraben sagte ich deshalb ernüchtert zu Oliver „We’ve seen better days, aye?“ Er nickte zuerst nur mit strengem Blick, meinte dann aber, dass Penny vielleicht in letzter Zeit etwas viel gearbeitet habe und eine kleine Pause brauche. Nicht alle Pferde waren gleich, und manche brauchten einfach einen etwas anderen Trainingsplan als andere. Das respektierte Oliver, und genau deshalb schätzte ich ihn so als Trainer. Primo, Merino, Cryptic und Goldy waren wie sonst auch gelaufen – im Moment keine herausragende Verbesserung, aber immerhin eine stabile Leistung. Die jüngste Gruppe hingegen wollte es wissen: gleich zwei neue persönliche Bestzeiten stellten sie auf (Counterfire und Sarabi), und alle inklusive Angsthase Dolly gingen heute problemlos in die Startmaschine. Mambo und Thalia waren von der Anstrengung viel nasser als die anderen, also duschten wir die beiden gleich nochmal komplett ab und bei den anderen, um die Haut zu schonen, nur die Sattellage und den Rest mit dem Schwamm. Angy war inzwischen nachhause gefahren. Ich ging bei der abendlichen Kontrollrunde, bevor ich ins Haus ging, sicher, dass sich Nera rundum wohlfühlte. Die Rappstute mümmelte zufrieden an ihrem Strohbett herum, also machte ich mir keine Sorgen. „Gute Nacht“, murmelte ich symbolisch an alle Pferde gewannt, dann gesellte ich mich noch ein wenig zu den Pflegern, die mit den beiden Papageien Africa und Blue spielten.
      30 Juni 2018
    • Occulta
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      Caspian of the Moonlightvalley, A Winter’s Day, Primo Victoria, PFS’ Navy Sniper, Yoomee, PFS’ Shadows of the Past, Nera, Chanda, PFS’ Dancin’ to Jazz, Tayr al-Diyari, PFS’ Arctic Silver Lining, PFS’ Arctic Rainstorm, PFS’ British Oreo Rascal, PFS’ Glenn’s Dare to Shine, PFS’ Bacardi Limited, PFS’ Dressy Miss Allegra, PFS’ Merino, Simba Twist, PFS’ Cryptic Spots, White Dream, Fake my Destiny, Tic Tac, PFS’ Kicks-a-Lot, Vychahr, Parányi, Satine, Areion, Diarado, Co Pilot de la Bryére, Circus Dancer

      Wir hatten trotz der Hitze heute wieder viel vor; Dressurtraining, to be exact. Es war bereits Nachmittag, somit erwischten wir leider gerade die heisseste Tageszeit. Das liess sich kaum vermeiden, denn den ganzen Morgen hindurch hatten wir auch schon gearbeitet, und die Pferde bis spät in die Nacht wach zu halten war auch keine gute Option. Deshalb brachten Lisa und ich im Voraus ein paar Wasserflaschen zum Reitplatz und stellten einen Sonnenschirm auf, damit wenigstens die Trainerin nicht unter der prallen Sonne gebraten wurde. Es kam heute extra eine externe Dressurtrainerin auf Platz, die uns und die Pferde etwas fördern sollte. Lisa ritt also heute selber auch mal in der Stunde mit, anstatt sie zu leiten. Der Name der Trainerin lautete Fiona Ramsey; eine S-Dressurreiterin die auch schon international gestartet war. Ich war gespannt auf ihr Coaching und putzte zuerst gut gelaunt Yoomee. Lisa bereitete Shira vor, Linda hatte White Dream neben mir und Yoomee angebunden und Lily ritt natürlich wieder Fake. Jonas machte nicht mit, sondern sah nur zu und reichte uns später die Wasserflaschen, wenn wir eine Pause brauchten. Anne und Robin sattelten im Nordstall Sniper und Baccardi. Darren und David waren unterdessen bei den Stuten im Offenstall und kümmerten sich um Chanda und Jazz. Auch Angelina Moore war mit ihrer Stute Nera dabei, und sogar Rosie war mit Tayr zu uns rübergeritten. Sie wartete mit dem schicken Rennaraber vor dem Nebenstall und plauderte mit mir, während ich meine Connemarastute striegelte. Fiona kam etwas früher als gedacht und sah uns schonmal beim Satteln zu. Danach trudelte ein Pferd-Reiterpaar nach dem anderen auf dem Sandplatz ein und Fiona unterrichtete uns schon beim Aufwärmen. Wir mussten eine grosse acht quer über den Platz reiten, und dabei stets die richtgie Stellung und den Abstand zum Vordermann wahren. Ausserdem machten wir viele Schlangenlinien und Seitenwechsel. Fiona war also sehr fokussiert auf Biegung und Abwechslung. Nach einer Weile durften wir die Pferde nochmal richtig strecken lassen, ehe wir mit der eigentlichen Arbeit anfingen. Yoomee schnaubte zufrieden ab und trabte locker vorwärts. Diese erste Trainingsstunde war wie eine Art Einstieg in die Dressurarbeit, denn die Pferde waren allesamt noch nicht sehr weit in der Dressur ausgebildet. Deshalb forderten wir auch nur einfache Lektionen, wie korrekte Übergänge oder leicht verstärkten Trab. Auch einfache Galoppwechsel liess uns Fiona machen, wobei sie wiederum genau darauf achtete, dass wir die Pferde richtig umstellten. Sie schien wirklich ein Auge für Feinheiten zu haben und gab wertvolle Tipps in denn richtigen Momenten. Ich war ihr zum Beispiel dankbar, als sie mich darauf hinwies, dass ich mit der äusseren Hand zu sehr mitging in den Kurven, oder dass ich mich wiedermal leicht nach vorne neigte, als ich angaloppieren wollte. Auch für Lily und Fake hatte sie ein paar Tricks auf Lager, damit die Hackneyponystute ihr volles Bewegungspotential ausschöpfen konnte. Ich sah, wie Jonas den beiden mit einem stolzen Ausdruck zusah. Die erste Runde dauerte eine Dreiviertelstunde, dann liessen wir die Pferde austraben und bereiteten die nächste Gruppe vor. Währenddessen waren Quinn, Parker, Thomas, Rita, Charly und April mit Caspian, Merino, Primo, Winter, Simba und Cryptic an der Reihe. Dem was ich beim Putzen von Parányi sah nach zu urteilen, lief es auch bei ihnen gut, obwohl die Vollblüter doch etwas mehr Power zeigten und mit der konstanten Anlehnung noch etwas Mühe hatten. Um Fiona eine Pause zu gönnen, nahmen wir uns reichlich Zeit zum Putzen und tratschten mehr mit Rosie, die noch einen Moment länger blieb. Tayr scharrte schon ungeduldig, als sie sich schliesslich auf den Heimweg machte. Ich sattelte Parányi und brachte sie auf den Platz, gefolgt von Satine, Vychahr, Co Pilot, Circus Dancer und Diarado. Jetzt kamen wir richtig ins Schwitzen. Diese sechs Vierbeiner liefen bereits höhere Dressur und kannten die meisten Lektionen, sodass wir aus dem Vollen schöpfen konnten, was Fionas Erfahrung als Grand Prix Reiterin anging. Sie gab uns wertvolle Tipps um die Piaffe zu verbessern und zeigte uns, wie wir den verstärkten Trab noch eindrucksvoller aussehen lassen konnten. Parányi machte fleissig mit und gab sich Mühe. Sie konnte zwar noch keine Piaffe, aber dafür glänzte sie bei den Galoppwechseln. Und Vychahr beeindruckte Fiona mit seinem schwungvollen Bergaufgalopp an der langen Seite. Nur das rechtzeitige Bremsen vor der Ecke bereitete ihm und Lisa noch etwas Schwierigkeiten.

      Nachdem auch diese Stunde geschafft war, kippte ich erstmal eine halbe Wasserflasche runter und setzte mich beim Nebenstall an die Wand gelehnt in den Schatten, sobald die Rappstute versorgt war. „Alles klar, Occu?“, fragte Jonas mitfühlend, als er mich sah. Ich nickte müde aber grinsend. Es hatte trotz der Hitze Spass gemacht und ich hatte das Gefühl, durchaus ein paar nützliche Inputs bekommen zu haben. Bevor Fiona wieder abreiste, wollte ich ihr aber noch ein wenig von unserem Training mit den Miniature Horses zeigen. Die wurden zwar nicht geritten, aber am langen Zügel konnten auch sie ziemlich anständige Dressurlektionen erlernen. Mit Tiki und Kiwi demonstrierten wir schon etwas komplexere Übungen, während Oreo, Lining, Acira und Darling vor den Augen der Trainerin an den Grundlagen feilten. Auch Allegra, mit der wir erst vor kurzem überhaupt angefangen hatten, zeigte immerhin schonmal schöne Übergänge. Fiona war begeistert von den Minis und nahm sogar selber mal die Zügel von Oreo in die Finger. „He’d be so handsome under saddle, if he only was a warmblood“, stellte sie belustigt fest, als Oreo mit meiner Hilfe einen ansatzweise funktionierenden Spanischen Schritt vorführte. Zuletzt gab es noch ein kleines Highlight für Lily. Sie hatte eigentlich nur noch schnell Areion auf dem Platz bewegen wollen, jetzt wo der ganze Trubel vorbei war. Aber Fiona nahm sich die Zeit, ihr mit dem Tinker ebenfalls noch eine halbe Stunde Einzelunterricht zu geben. Lily kam sogar dazu, ihre ersten Galoppwechsel zu reiten, was aber natürlich nur klappte, weil Lisa das in letzter Zeit so intensiv mit Areion geübt hatte. Lily hatte ein breites Grinsen auf dem Gesicht, als sie ihren Tinker nach dem Unterricht strecken liess. Ich war Fiona dafür extrem dankbar. Nun liessen wir sie aber endlich ziehen und verabschiedeten uns. Es war ein anstrengender, aber toller Nachmittag gewesen.
      31 Aug. 2018
    • Occulta
      Der grösste Backofen der Welt
      Vai Alida, PFS’ Colours of Life, Lindwedel, Burggraf, Circus Dancer, Estragon Sky, Drømmer om Død, tc Herkir, Ljóski, PFS’ Bacardi Limited, PFS’ Navy Sniper, Nosferatu, Halluzination, Cambria, Ronja Räubertochter, Fake my Destiny, scs Sugar and Sweets, scs Bluebell, Nimué, Moon Kiddy, Chanda, Farasha, Numair, Islah, Tayr al-Diyari, Brendtwood

      Ich betrachtete den rissigen Boden unter mir. Das kurze Gras darauf war an manchen Stellen braun, und jedes Fleckchen Erde, das ich sehen konnte staubtrocken. Schon allein vom Betrachten dieses Trauerspiels lief mir der Schweiss runter. Wir waren seit Tagen am Wässern und versuchten, den englischen Rasen wieder einigermassen grün werden zu lassen . Und noch war kein Regen in Aussicht, ausser vielleicht ein kurzes Gewitter. Es war so heiss, dass wir den Pferden zum Teil Hitzefrei gaben und wenn dann erst abends oder früh morgens ritten. Das Vollbluttraining fand noch etwas früher als sonst statt, dafür konnten die Pferde den ganzen Tag durch verschlafen. Es hatte vor ein paar Wochen geregnet, und zwar gar nicht mal wenig. Aber danach war der Sommer nochmals zurückgekehrt, um uns ein letztes Mal daran zu erinnern, warum wir uns auf den Herbst freuten. Im Moment war Nachmittag, und ich chillte in meiner Hängematte hinter dem Haus. Wir machten wirklich nur das nötigste Tagsüber, wie Misten und Füttern. Aufgeräumt und gewischt wurde auch erst abends. Ich beobachete die Blätter über mir, auf denen Ameisen emsig umherkrabbelten. Es kam mir bewundernswert vor, wie fleissig sie trotz der Temperaturen waren. Ein Bellen liess mich über den Stoffrand blicken. Jonas war zurück vom Einkaufen und wurde von einer übermütigen schwarzen Labradorhündin begrüsst. Auch Zira stand von ihrem Platz im kühlen Gras neben der Hängematte auf und spitzte die Ohren. "Sheela! Come here girl", rief ich. Sie liess von Jonas ab und kam hechelnd zu mir gerannt. "See? It's far too hot to freak out like that." Sie legte sich zu Zira in den Schatten. Jonas brachte die Einkäufe uns Haus, dann kam er mit zwei Wasserglacen raus und streckte mir eine hin. Ich nahm sie dankbar. "Wann wollen wir die Pfleger zurück in den Stall holen?" "5 Uhr? Ein paar sind mit Lewis ins Schwimmbad gefahren." "Dann hätten wir noch etwas Zeit übrig... Ich hatte da so eine Idee", überlegte er laut. "Erzähl?" "Hab in der Zeitung gesehen, dass heute ne Sportpferdeauktion nahe London ist. Lust da vorbeizusehen?" "Wofür denn? Ich brauch kein weiteres Pferd im Moment..." "Wir müssen ja nix kaufen. Ich dachte, man könnte sich so vielleicht ein Bild davon machen, welche der aktuell im Trend stehenden Hengste etwas taugen. Da sieht man deren Nachwuchs mal live und das wäre vielleicht nützlich." "Stimmt. Ist die Halle klimatisiert?" Er lachte. "Also ob." Ich stöhnte symbolisch und legte mich noch mal in die Hängematte zurück, dann stand ich auf. "Okay. Gehen wir, sonst wird es zu spät." Jonas hatte die Autoschlüssel noch in der Hosentasche, also mussten wir nichteinmal ins Haus gehen. Lily war mit Suri unterwegs im Pinienwald - die beiden hatten sich aus Ästen und Steinen ein Lager gebaut und die halben Ferien darin verbracht. Einmal hatten sie sogar darin übernachtet. Manchmal ritten sie mit Nossi und Fake rüber, aber das erlaubte ich nur, wenn sie nicht länger als zwei Stunden blieben - den Ponys zuliebe. Jonas und ich fuhren also über die Autobahn Richtung London und erreichten den Vorort mit der Auktionshalle. Der Parkplatz war voll, also mussten wir den Wagen an einem Strassenrand abstellen und ein Stück zu Fuss gehen. Es hatte reichlich Leute, zu meinem Bedauern. Ich mochte keine Menschenmengen, erst recht nicht, wenn es heiss war. Jonas wusste das und steuerte von Anfang an auf eine Stelle am Rand der Tribüne zu, an der nicht so viele Leute sassen. Von dort aus sah man zwar nicht ganz so viel, aber dafür hatte ich meinen Frieden. Die Auktion war bereits in vollem Gange, als wir uns setzten. Jonas hatte unterwegs ein Infoheft geschnappt und studierte es nun. "Der da ist ein Saphir Royal Sohn. Von denen sieht man in letzter Zeit viele, nicht wahr?" "Jup. Aber der ist rein dressurgezogen. Ich interessiere mich mehr für Springpferde." "Was ist dann mit dem da? Raloubet du Bouqet aus einer Erdbeercornet Obolenski-Mutter?" "Das wäre schon eher mein Fall. Aber der Kopf gefällt mir nicht, und der hat Bockhufe hinten." In diesem Stil nahmen wir die nächsten zwanzig Jungpferde, die vorgestellt wurden kritisch unter die Lupe. Die meisten hatten eine Sache gemeinsam: sie wurden schon mit ihren zarten drei Jahren rund geritten und mussten Trabverstärkungen und imposante Knieaktion zeigen. Deshalb mochte ich solche Auktionen nicht sonderlich. Denn die Jungpferde hatten noch gar nicht genug Muskeln, um in solcher Versammlung und Aufrichtung zu laufen. Die Hinterhand wurde so schon früh abgehängt und schaufelte hinten raus, die weichen, raumgreifenden Gänge (besonders der Schritt) wurden förmlich kaputtgeritten. Die unschuldigen Grünschnäbel taten mir leid, denn viele hatten eigentlich alles in die Wiege gelegt bekommen, um federleicht durch die Bahn zu schweben - sobald sie die Kraft dazu hatten, auch mit dem Reiter. Aber hier an der Versteigerung mussten sie natürlich 'hübsch laufen', damit sie einen möglichst hohen Preis erzielten.

      Ich fand viele der Jungpferde süss und gut, aber ihnen fehlte das gewisse Etwas, um mir wirklich aufzufallen. Bis eine Stute hineingeführt wurde, auf die ich insgeheim gewartet hatte. Im Infoheft hatte die Abstammung mein Interesse geweckt. Nun, mir war bekannt gewesen, dass der Grossvater, Cadoc, oft Schecken hervorbrachte. Aber diese Stute hatte eine solch harmonische, angenehm anzusehende Verteilung von weissen Flecken im hinteren Körperbereich, dass ich einfach sofort begeistert war. "Aber das ist Tobiano, oder Tovero - nicht Sabino, oder?", fragte ich Jonas verwundert, wissend, dass Cadoc ein Sabinoschecke war. Jonas zuckte mit den Schultern. "Du bist hier die Farbexpertin. Aber ja, ich hätte auch gesagt, dass es mehr nach Plattenschecke aussieht." "Ach stimmt ja! Der Papa ist Pajero, der ist ein Tobiano. Also hat sie's von ihm." "Gefällt sie dir?", fragte er verschwörerisch. "Darfst dreimal raten." "Gibt aber nur 2 mögliche Antworten. Ausser du zählst 'ich weiss nicht' dazu." "Tüpflischisser." Ich beobachtete das Gangbild der Stute. Cambria hiess sie, und ein reiner Holsteiner war sie, obwohl gescheckt. Je länger ich sie betrachtete, desto besser sah sie aus. Zwar lief auch sie bereits leicht hinter der Senkrechten und strampelte sich ihren Weg durch die Halle, aber sie wirkte konzentriert und arbeitswillig, trotz der vielen Leute auf den Tribünen. "Wie gross ist unser Budget?", fragte Jonas verheissungsvoll. "Eigentlich hatte ich nichts eingeplant..." Er sah mich tadelnd an. "Du hast doch nicht ernsthaft geglaubt, dass dir hier kein einziger Blickfang begegnen könnte? Aussserdem hab ich dein Gespräch mit Elliot schon mitgehört. Von wegen du wollest dich irgendwann nach einem weiteren Springpferd umsehen, um Robin zu fördern." Es stimmte. Ich hatte Elliot darauf angesprochen, was er davon halte, Charlys Schwester, die offensichtliches Talent zeigte, entsprechend zu fördern. Mit ihr selbst hatte ich darüber allerdings noch nicht gesprochen. Als hätte er meine Gedanken gelesen, schlug er vor: "Wenn die beiden nicht zusammenpassen, kannst du sie ja selber reiten und Robin Satine überlassen. Oder du verkaufst sie eben wieder..." "Na gut", gab ich nach. " 12'000, höher gehe ich für das gerade erst ausgebildete Jungpferd nicht." Jonas grinste verschmitzt, "Wusst ich's doch" stand ihm wie mit Edding quer über's Gesicht geschrieben. Ich überliess ihm den Sieg für heute und wartete erstmal ab, wie viel die Leute für Cambria boten. Meiner Erwartung entsprechend war sie nicht nur mir aufgefallen, und ihr Preis stieg rasch auf 11'000. Als es einen Moment ruhiger wurde, hob ich das Infoheft deutlich hoch. Sofort wurde ich wieder überboten. Ich sah Jonas schulterzuckend an, "Kann man nix machen." "Du gibst so schnell auf?" Entschlossen nahm er mir das Heft ab und streckte es abermals hoch. Als ihr Preis schliesslich auf 13'000 anstieg, bat ich ihn aufzuhören. "Ich möchte wirklich nicht mehr ausgeben. Für den Preis kann ich längst auch selbst ein Fohlen züchten und ausbilden. Dann hätte das eben kein neues Blut, ist doch egal." Etwas enttäuscht war ich trotzdem. Wir sahen noch eine Weile zu, dann tippte ich auf meine Armbanduhr und wir verliessen die Tribüne, denn es war schon halb fünf. Wir nahmen den Umweg durch die Stallungen, um zum Parkplatz zu gelangen. So konnten wir uns die Pferde nochmal flüchtig aus der Nähe ansehen. "Hey, rate mal wer da vorne steht." Ich wandte meinen Blick durch die Stallgasse und sah ein weisses Hinterteil. "Schade, jetzt sehe ich sie auch noch von Nahem und ich wette, sie wird mir so noch viel besser gefallen... Hoffentlich hat sie einen Makel, irgendeine Warze oder einen Bockhuf, den man vorhin nicht so gut sah", murmelte ich zu Jonas. Wir liefen stumm vorbei und schnappten ein paar Worte des Gesprächs der Anwesenden auf, die mich aufhorchen liessen. "A pity. She's really my type. But it's absolutely shameful to try and sell her like this." Die Neugier packte mich. "Excuse me Sir, what's the matter?" Der bärtige Typ drehte sich zu mir um und hob erstaunt die Augenbrauen. "Occulta?" Ich brauchte einen Moment länger, ehe ich realisierte, dass es sich um Fabrizio Martell handelte, einen bekannten Züchter aus Oxford, den ich noch vom Studium her kannte. Mit Bart sah er ganz anders aus, als ich es in Erinnerung gehabt hatte. "Long time no see, everything's fine at your place?", fragte ich nach einem kräftigen Händedruck. "Yes yes, I can't complain. The foals are growing and the fools still going, what else can we wish for?" Ich lachte bei seinem Wortspiel ernsthaft und vergass fast, dass Jonas noch hinter mir stand. "Ah yeah, this is Jonas, he's my... Boyfriend, I guess? I'm sorry, it feels more like we've been married for years, even though we aren't." "Ahh, nice to meet you. When I heard about Jack's death, I honestly didn't expect Occu to ever be in a relationship again. She was such a reserved, cold girl at university, ya know." "Hey!" Diesmal lachte Jonas laut, während ich empörte Blicke mit beiden austauschte. "Alright, alright now. So what's the matter with this beauty here?" "She's been drugged with painkillers to hide a sore foot. Look at this hoof. It already looks painful. My vet Bob confirmed it for me." Bob nickte mir bestätigend zu. Ich warf einen Blick zu dem Mann, der offenbar Besitzer der Stute war. Er stand etwas abseits und diskutierte mit einem der Auktions- Organisatoren. Vermutlich versuchte er sich irgendwie herauszureden. "So what now?" "I obviously won't buy her like this. And surely not for that price. I guess he will take her back home and try to sell her on the internet." Ich hakte bei Bob nach: "Do you think that hoof is treatable? It's not something genetic or chronic, right?" Er erklärte, dass es nach einem Abzess aussehe, der eine Weile brauchen würde um herauszuwachsen, aber um sicher zu sein, müsse man weitere Abklärungen treffen. Ich kniff nachdenklich die Lippen zusammen. Cambria stand ruhig da und zuckte mit dem Widerrist, um ein paar Fliegen zu verscheuchen. Ihre dunklen Augen blickten eher sorgenvoll und müde, nicht, wie es sich für ein Jungpferd gehörte, aufmerksam und neugierig. Ahh, jetzt ist es geschehen. Ich habe Mitleid mit ihr... Es hatte keinen Sinn, dagegen anzukämpfen, ich wusste genau, wie das hier ausgehen würde. Ich sah sie mir wenigstens nocheinmal ganz genau an, bevor ich zu ihrem Besitzer lief und die entscheidenden Fragen stellte. Ihre Kruppe hätte deutlich bemuskelter sein sollen für ihren angeblichen Ausbildungsstand und der Rücken zeigte Anfänge von leichten Kuhlen, dort wo die Sattelkissen normalerweise lagen. Aber ihre Schulter und der Hals sahen okay aus, und das wichtigste: ihre Beine waren trocken und hatten weder Klümpchen noch schwammige Bereiche. Nichts also, was ich mit anständiger Hinterhandaktivierung und einem passenden Masssattel nicht beheben konnte. "Excuse me Mr?" Er drehte sich zu mir herum. Ich stellte mich rasch vor und verkündete mein Interesse an der Stute, wobei ich jedoch möglichst gleichgültig zu klingen versuchte. Ich wollte den Preis ihrem Momentanen Zustand entsprechend runterhandeln, da durfte ich nicht den Eindruck erwecken, dass ich sie auch für mehr nehmen würde - was tatsächlich auch so stimmte. Nicht, dass ich sparen musste, aber ich war nicht gewillt, dem Typen auch nur einen Penny unnötigerweise zu überlassen. Zu meinem Glück ging mein Plan auf und ich bekam Cambria unter ihrem eigentlichen Wert. Die Veranstalter waren zwar nicht begeistert, dass ich die Stute kaufte, obwohl der Typ gegen die Vorschriften verstossen hatte, aber sie gaben ihr okay. Mein Gefühl sagte mir, dass wir den Huf mit etwas Pflege wieder hinbekommen würden. Wenn ich Recht hatte, bekam Robin ein klasse Sportpferd zu einem Schnäppchenpreis. Wenn nicht - nun, darüber dachte ich lieber nicht nach. Aber so hatte ich wenigstens nicht ganz so viel Geld in den Sand gesetzt im Falle eines Falles. Wir einigten uns darauf, dass ich Cambria in ein paar Tagen abholen kommen würde. Fabrizio sah nachdenklich aus, als ich zurück zu den Männern stiess. "Did I make a mistake? If Occu buys her, then there must be something about her", meinte er scherzhaft. "Nah, I just like her colour, that's all", spielte ich meine Entscheidung herunter. Das war nicht die volle Wahrheit, denn ich sah ausserdem Potential in der seltenen Blutlinienkombination. Aber das brauchte er vorerst nicht zu wissen, jedenfalls nicht, bis sich abzeichnete, ob ich richtig lag oder nicht. "Alright, we've got to be on our way now. It was nice to see you again; I hope we'll meet more often at competitions from now on. My Daughter has only just started her career as a show jumper." "Good to hear, Rachels Daughter Lily is also quite ready to go to shows more frequently. So there's a good chance we'll meet at some lower class competitions next year." Wir verabschiedeten uns mit einem herausfordernden Händedruck und gingen getrennte Wege zum Parkplatz. Ich spürte Jonas' schelmischen Seitenblick während dem Laufen. "Ist ja gut, bist du jetzt zufrieden? Wir haben sie." "Ich muss nicht zufrieden sein. Du musst zufrieden sein." Ich antwortete lächelnd "das bin ich" und gab ihm einen Kuss.


      Natürlich waren wir später zurück auf dem Hof als ursprünglich geplant. Ich war in letzter Zeit ohnehin schlecht darin, pünktlich irgendwo zu sein. Selbst an Turniere fuhren wir regelmässig 'last minute'. Das hatte aber nichts daran geändert, dass meine beiden jungen Reitpony-Hengste auf ihren allerersten Turnieren gleich beide in mehreren Disziplinen auf den ersten drei Plätzen klassiert gewesen waren. Bacardi Limited zum Beispiel, machte seiner Abstammung alle Ehre und gewann sowohl in seinem ersten Synchronspringen, als auch im kurz darauffolgenden Dressurturnier und räumte zwei Wochen später, um das Resultat zu bekräftigen, auch gleich noch den zweiten Platz im Militaryturnier ab. Trotz der anhaltenden Hitze, beziehungsweise des hartnäckigen Regens während letzterem. Und Sniper hatte überraschenderweise in einem Fahrturnier den Sieg geholt, obwohl wir ihn nur mit der Doppellonge und später zum Spass mit einem Sulky eingefahren hatten, weil ich es für gutes Aufbautraining hielt. Jedenfalls hatte er so als Nebeneffekt wohl auch gleich seine Ausdauer mittrainiert, denn sogar bei einem Einsteiger-Distanzturnier schaffte er es aufs Treppchen. In der Dressur und im Springen war er schlichtweg noch nicht so weit wie Bacardi, der schon ein paar Monate mehr unter dem Sattel lief. Er musste zuerst noch lernen, ruhiger und taktvoller zu gehen; mehr Balance entwickeln. Dann würde ohne Zweifel auch er erste Erfolge im Springen verzeichnen können, so war ich mir sicher.

      Ich machte mich auf den Weg zu Circus Dancers Box. Der beinahe ganz weisse Knabstrupper sah gerade mit tiefgründigem Blick zu seinem Boxenfenster hinaus, als ich die Tür aufschob. Er hatte mich wohl nicht kommen sehen, denn er drehte sich beim Geräusch der Tür um und sah mich mit grossen, schwarzen Augen an. Dann brummelte er freudig und kam näher. Ich streichelte seinen Nasenrücken und gab ihm ein Karottenstück zur Begrüssung. Als nächstes streifte ich ihm das Halfter über und band ihn im Stallgang an. Allein vom in-der-Box-stehen hatte er eine schweiss-feuchte Brust. "Du armer. Keine Angst, wir machen nichts verrücktes heute, mir geht's ja genau gleich wie dir." Ich bürstete ihn nur rasch mit der normalen Bürste durch, denn dreckig war er sowieso nicht - höchstens staubig. Auch seine Hufe waren so gut wie sauber, dafür nahm ich mir die übrige Zeit um seine Mähne mal wieder gründlich zu entwirren und zu flechten. Die weissen Haare waren noch leicht gewellt vom letzten Mal, aber wiedermal reichlich verknotet. Ich sattelte den Knabstrupper und ging mit ihm auf einen Ausritt im Schatten der Pinien - das einzige halbwegs angenehme, was man im Moment tun konnte.

      Anschliessend war es bereits sieben Uhr und endlich kräuselte ein erlösendes Lüftchen meine unter dem hochgebundenen Dutt vorstehenden Nackenhaare. Ich holte Artemis raus, um mit ihm ein Intervalltraining zu machen, bevor die Vollblüter ihr Abendtraining starteten. Er war trotz der warm-feuchten Luft am Ende gar nicht so verschwitzt, wie ich gedacht hätte. Das zeigte mir, dass er mittlerweile eine ziemlich gute Kondition haben musste. Der Schimmel lief brav neben mir her, während ich ihn zum Abspritzplatz führte. Ich hatte seit seinem Einzug auf Pineforest Stable schon einiges mit ihm erlebt - unsere Amerika-Reise war gewiss ein Highlight gewesen, das ich nie vergessen würde. Der Schimmel hatte dabei gelernt, mir zu vertrauen und war seither zu einen treuen Verlasspferd geworden. Er hatte zwar wie jeder andere auch mal etwas schlechtere Tage, aber die waren selten, und es konnte schliesslich nicht immer alles perfekt laufen. Ich wusch ihn mit einem grossen Schwamm und einem Eimer Wasser ab - mehr war gar nicht nötig. Dann brachte ich ihn zurück in den Nordstall. Auch mein zweiter Achal Tekkiner Hengst, Burggraf, war unterdessen bewegt worden. Lisa hatte sich um ihn gekümmert. Ich liess den Blick durch die Boxen schweifen, bis er auf die beiden Isländern fiel. Als hätte er meine Gedanken laut gehört, betrat Jonas den Nordstall und deutete fragend auf Herkir. Ich nickte grinsend, also holten wir die beiden raus und begannen mit dem Putzen. "Unsere Telepathie wird immer besser", meinte Jonas während dem Bürsten auf meine Bemerkung hin, dass ich gerade ans Ausreiten gedacht hatte, bevor er reingekommen war. "Telepathie? Du meinst wohl meine unausgesprochenen Befehle." "Hmm, okay. Das musst du mir dann aber auch noch beibringen, jetzt wo ich offiziell dein Stellvertreter bin." Ich nickte belustigt. Letzte Woche hatte ich wiedermal einen der weniger vollgepackten Tage genutzt, um eine Mitarbeiterversammlung einzuberufen und die Pläne für Ende 2018 bekanntzugeben. Dabei hatte ich auch gleich ein paar Umstrukturierungen vorgenommen. Jonas war zum stellvertretenden Gestütsleiter ernannt worden, Elliot war jetzt vollzeitmässig Reitlehrer und Ansprechpartner für die Vermietung unserer Infrastruktur. Er kümmerte sich um sämtliche Reitstunden für Auswärtige und Clubs, die unsere Halle oder die Galoppbahn nutzen wollten. Lisa verwaltete die Trainingsaufträge für Berittpferde und organisierte zudem kleinere Events wie Gymkhanas und Geländeritte auf Pineforest. Dies nahm mir etwas Arbeit ab und erlaubte es mir, mich noch mehr auf die Pferde selbst zu konzentrieren. Bezüglich Pferde hatte sich auch noch etwas getan: ich hatte Vai Alida symbolisch an Oliver verkauft. Sie blieb natürlich hier auf Pineforest und diente in Zukunft auch unserer Zucht, aber der Cheftrainer hatte solch einen Gefallen an der braunen Stute gefunden, dass er mich darum gebeten hatte. Er war in den letzten paar Jahren nicht mehr so viel selbst in den Sattel gestiegen. Nach eigener Aussage gab ihm Alidas Kauf die Motivation, wieder mehr dergleichen zu tun, erst recht, wenn sie irgendwann von ihrer Rennkarriere pensioniert wurde. Ich hatte nicht lange überlegen müssen - das passte einfach und brachte für beide Seiten nur Vorteile. PFS‘ Bring me to Life, der eigentlich bereits verkauft war und nur noch bis zur Abholung auf Pineforest stehen sollte, gehörte nun offiziell den beiden Fox-Brüdern. Die ursprüngliche Käuferin hatte mich mehrfach wegen des Geldes für den ihn vertröstet und auch nie mehr Anstalten gemacht, ihn abzuholen. Also hatte ich den Vertrag aufgelöst. David und Darren hatten mich daraufhin angesprochen und ihr Interesse an dem Hengst geäussert, als ihr erstes eigenes Pferd. Sie teilten sich ihn und kümmerten sich liebevoll um Life, später wollten sie sogar mit ihm im Militarybereich starten. Auch einen neuen Namen hatte der Hengst mit meinem Einverständnis bekommen: Colours of Life, was ich sehr passend fand. Und dann waren da noch meine beiden Haflinger, die ich an Lisa verkauft hatte. Sie war offensichtlicher Hafi-Fan, und zwar seit sie ein kleines Mädchen war. Die Blonden Mähnen und herzförmigen Popos hatten es ihr einfach angetan. Auch wenn Nim und Woody etwas schlankere Typen waren, so war Lisa doch von Anfang an begeistert von den beiden gewesen und da ich selbst keine Haflingerzucht anfangen wollte, geschweigedenn viel mit den beiden Anfangen konnte, wollte sie sie als vielseitige Sport und Freizeitpferde ausbilden und sogar hin und wieder für Sommer-Reitcamps einsetzen.

      Wir hatten einen Traumhaften Ausritt in der Dämmerung. Man hörte nebst dem dumpfen Geräusch der Hufe auf den Feldwegen kaum etwas, höchstens ab und zu ein leise entferntes Brummen von Autos, je nachdem wie nahe wir dem Dorf kamen und wie die kühle Brise wehte. Irgendwann begann auch noch ein Käuzchen die Stille mit seinen Rufen zu durchbrechen, und eine Weile lang lauschten wir nur, ohne zu reden. Herkir und Loki schienen dasselbe zu tun. Ihre Ohren waren aufmerksam nach vorne gerichtet und ihre Köpfe nickten leicht mit ihren Schritten mit. Sie machten einen zufriedenen, ruhigen Eindruck, auch wenn sie sich teilweise wieder ein übermütiges Schrittrennen lieferten, bis Jonas und ich sie daran erinnerten, dass wir auch noch da waren. Wir kamen im Dunkeln nach Hause, aber im Nordstall brannte Licht und als wir reinkamen, war Darren gerade dabei, Dods Hufe auszukratzen. Er hatte den Criollo an der Doppellonge unter Lisas Aufsicht durch einen Trail Parcours gelenkt, zusammen mit zwei weiteren Pflegern, mit Moon und Chanda. Wir sattelten die beiden Isländer ab und gaben ihnen Karotten aus einer Kiste beim Eingang, zur Belohnung. "Hast du Fake heute eigentlich schon bewegt?", fragte ich Jonas beiläufig. "Nö, Lily hat das für mich gemacht." "Faulpelz." "Du bewegst deine Pferde ja auch nicht alle selber." "Ich hab aber auch..." Ich brauchte gar nicht fertig zu reden, denn er grinste nur schelmisch und legte einen Arm über meine Schultern. Wir schlenderten zusammen zum Nebenstall, denn ich musste als allerletztes noch Halluzination bespassen, bevor der Tag 'zuende' war. Im Nebenstall waren Blue's und Sweets' Boxen leer, also vermutete ich, dass beide entweder in der Halle oder auf einem Abendausritt waren. Jonas liess mich in Ruhe machen und ging schonmal ins Haus, um mit Lily zusammen das Abendessen vorzubereiten und Hausaufgaben zu machen. Ich war sehr dankbar dafür, dass er so verlässlich war und sich um meine Nichte kümmerte. Die beiden kamen so gut zusammen aus, dass niemand auf die Idee kommen würde, dass das Mädchen gar nicht seine Tochter war. Ich fragte mich insgeheim trotzdem immer wieder, wie sehr Lily ihre richtigen Eltern vermisste. Sie machte eigentlich immer einen glücklichen, unbesorgten Eindruck, aber ich wusste auch, dass sie eine sehr gute kleine Schauspielerin sein konnte, und oft nicht verriet, was sie wirklich beschäftigte. So gedankenversunken bürstete ich Hallus Fuchsfell im Schein der Lampen unter dem Dach des Nebenstalls. Während der Dressurarbeit danach lief sie wiedermal etwas eigenwillig und sah in jeder Ecke Monster. Es war anstrengend, sie so zu beschäftigen, dass sie keine Zeit für Mätzchen fand. Wir galoppierten viel, um Energie abzulassen und als das auch nicht weiterhalf, stieg ich rasch ab und legte ein paar Stangen aus. Über diese ritten wir anschliessend im Trab und Galopp aus verschiedenen Winkeln und Kurven, sodass sie auf ihre Füsse achten und einen besseren Takt finden musste. Sie versuchte zwar trotzdem, zwischendurch einfach über die Stangen drüber zu rennen, aber im Grossen und Ganzen ging mein Plan auf und wir hatten eine halbwegs anständige halbe Stunde. Ich liess sie ausgiebig austraben, um sie weiter zu beruhigen, damit wir mit einem lockeren vorwärts-abwärts Trab aufhören konnten. Die Stute war manchmal einfach launisch und hatte ihre eigenen Vorstellungen von Arbeit. Aber an Turnieren war sie meistens kooperativ, sodass ich darüber hinwegsehen konnte.

      Ich tätschelte Hallu nochmal auf die Kruppe, dann liess ich sie in Ruhe in ihrem Stroh herumstöbern und ging ins Haus zum Abendessen. Lily und Jonas sassen bereits am Tisch und diskutierten eifrig über Arabische Pferde. "Ich glaube die sind schneller als unsere englischen. So wie Diyari heute abgegangen ist!..." Ich unterbrach Lily interessiert. "Wie ist er denn 'abgegangen'?" Sie erzählte es mir natürlich eifrig. "Ich war heute ja mit Suri unterwegs, wir haben Fake und Nossi genommen. Bei der Verzweigung mit dem Galoppweg, der mit dem breiten Grasstreifen am Waldrand-" "Jup, ich weiss welchen du meinst." "...Ist uns Rosie begegnet. Sie war eben mit Diyari unterwegs und wir haben eine kurze Strecke gemeinsam gemacht - nunja, bis eines dieser Dirtbikes kam." Mir dämmerte bereits, was passiert sein musste. "Diyari hat sich erschrocken und ist durchgebrannt. Rosie hatte keine Chance den zu halten, wir haben nur noch den Fahnenschweif gesehen." "Hat sie sich verletzt?", fragte ich wie aus der Pistole geschossen. "Nö, sie ist sogar oben geblieben. Wir sind ihnen langsam hinterhergeritten und haben sie ein paar Felder weiter eingeholt. Rosie konnte ihn bremsen, indem sie ihn auf eine Kurve gelenkt hat, so Schneckenhaus-mässig." Ein komisches, grunzendes Geräusch kam von Jonas. Wir wandten uns ihm fragend zu. "Ach nichts, nur... Schneckenhaus - um dein Pferd zur Schnecke zu machen?" Ich sah ihn mit meinem "ernsthaft?"-Blick an und Lily stöhnte entnervt, aber doch leicht belustigt. "...Jedenfalls hat sie dem Dirtbike-Fahrer alle Schande gewünscht, denn der hat es lustig gefunden, extra mit dem Gas zu spielen. Deshalb ist Diyari ja überhaupt erst geflüchtet. Wir sind dann noch mit ihr bis zur Wilkinson Farm geritten, weil sie uns auf eine Tasse Tee und Cookies eingeladen hat. Suri durfte sogar ein bisschen Bodenarbeit mit Lindwedel versuchen. Und ich hab deine alte Zicke Islah besänftigt, als Farasha sie zurechtgewiesen hat." "Du bist aber nicht etwa dazwischengegangen, oder??" "Nein, natürlich nicht. Ich bin ja nicht doof." "Das hoffe ich sehr." "Numair kommt übrigens ans selbe Distanzturnier wie Ronja nächste Woche!" "Ich weiss, ich hab ihn auf der Startliste gesehen" "Warum hast du die Araber jetzt ganz an Rosie verkauft? Die waren doch so hübsch...", motzte sie. "Sie sind ja nicht weg, bleiben auf der Wilkinson Farm. Es ist nur etwas praktischer für Rosie auf diese Weise, wegen Papierkram und so. Ich kann sie immernoch ab und zu reiten gehen, wenn ich Lust habe. Und ganz alle hab ich ja nicht verkauft; ich hab noch first Chant, und die geb ich nicht mehr her", meinte ich lächelnd. "Zum Glück!" In der Kraft dieser Aussage zeigte sich einmal mehr, dass meine Nichte Schimmel-Fan war, oder eher von hellen Pferden im Allgemeinen. Jonas schenkte uns einen "ich-bin-jetzt-müde-und-geh-ins-Bett"-Blick und stand auf. "Du gibst schon auf?", fragte ich triezend. Er winkte nur symbolisch mit der Hand und gähnte dazu. Das löste bei Lily und mir eine Kettenreaktion aus, sodass wir am Ende alle gähnend im Badezimmer standen und uns die Zähne putzten. Es war eben schön, das Leben auf dem 'Ponyhof', aber auch anstrengend.
      15 Sep. 2018
    • Occulta
      [​IMG] E-A
      Tayr al-Diyari

      Viel seltener als geplant hatte ich bisher mit Tayr, meinem Arabischen Vollbluthengst aus Katar, trainiert. Es hatte schlichtweg die Zeit gefehlt. Entsprechend war er etwas 'out of shape'. Zeit also, das Training wieder aufzunehmen und seine Kondition aufzubauen. Dazu wollte ich einerseits lange ausritte mit ihm machen, die viel Trab und Galopp beinhalteten; andererseits öfter nach Pineforest rüberreiten, um dort auf der Grasbahn zu trainieren. Heute stand Letzteres auf dem Plan. Ich putzte und sattelte den Fuchs mit den hohen Beinabzeichen. Zum Glück war der Trainingssattel nicht so unbequem wie der Rennsattel. So war die Strecke zur Bahn fast wie ein normaler Ausritt. Tayr war fit und lief zügig vorwärts. Er neigte dazu, seinen Kopf zu hoch zu nehmen und den Rücken wegzudrücken. An der Dressur mussten wir also definitiv auch noch mehr arbeiten. Sonst war er mittlerweile durch das viele Ausreiten ziemlich rittig geworden und nicht mehr so zappelig wie am Anfang. Auch die Holzbrücke, vor der er sich zuerst gefürchtet hatte, überschritt er heute zuversichtlich. Vielleicht wusste er auch langsam, dass dahinter eine Gelegenheit zum Auspowern auf ihn wartete. Wir bogen schon beim näher gelegenen Eingang auf die Bahn und galoppierten über den kurz gemähten Rasen eine halbe Runde, um uns einzuwärmen. Dann liess ich ihn nochmal strecken, ehe ich die Zügel aufnahm und einen freien Start verlangte. Wir waren alleine auf der Bahn; Occultas Vollblüter bekamen ihr Training meist zu allererst am Morgen. Mittlerweile war es fast Mittag, aber aufgrund der kühlen Jahreszeit war das sowieso nebensächlich. Ich liess Tayr über 800 Meter konstant vorwärtslaufen und legte dann auf den letzten 200 Metern nochmal zu. Das brachte ihn ordentlich zum Schwitzen und liess seinen Puls etwas mehr als erwartet steigen. Er war wohl noch mehr ausser Kondition als ich es gedacht hatte. Jedenfalls lobte ich ihn trotzdem ausgiebig und ritt am langen Zügel zurück zu meiner eigenen Farm. Als wir in die Einfahrt bogen, zeigte der orange Fuchs immerhin schon wieder seinen üblichen, energischen Vorwärtsdrang. Ich duschte ihn ab und brachte ihn danach auf die Weide, wo er sich prompt hinlegte und wälzte.
      30 Okt. 2018
    • Occulta
      Some Sell, others Buy
      Iskierka, Gleam of Light, A Winter's Day, Spotted Timeout, Painting Shadows, Shades of Gray, One Cool Cat, Cabinet of Caligari, Captured in Time, Kaythara El Assuad, Coulee, Campina, Caspian of the Moonlightvalley, tc Miss Moneypenny, PFS’ Merino, Simba Twist, PFS’ Cryptic Spots, Primo Victoria, PFS’ Stromer’s Painting Gold, PFS’ Stop Making Sense, PFS’ Sarabi, PFS’ A Winter’s Tale, Daedra, Subsyndromal Symptomatic Depression, PFS’ Counterfire, Anubis, Numair, Islah, Lindwedel, Après la Pluie, Mansur, Tayr al-Diyari, Farasha, Ljóski, PFS’ Ljúfa, Feline, Lovely Summertime, PFS’ Dancin’ to Jazz, Dancing Moonrise Shadows, Chanda, Raving Hope Slayer, Stars of Magic, Louvré, Thomas

      Wie jeden Morgen war es bitterkalt, und auch heute benahm sich Jacky etwas zögerlich, als ich sie beim Rausgehen vorgehen lassen wollte. Sie sah, sich rückversichernd, zu mir hoch als wollte sie sagen: «Bist du absolut sicher, dass das sein muss?» Ich seufzte und strubbelte rasch mit beiden Händen ermutigend ihr Fell durch, dann liefen wir zwei und natürlich auch Zira zusammen zum Hauptstall. Sheela würde dann wohl mit Jonas folgen – sie bevorzugte vorerst noch die Wärme ihres Körbchens. Beim Gehen bemerkte ich, dass ein paar wenige Schneeflocken vom dunklen Himmel segelten. Der Wetterbericht hatte eigentlich bis nächste Woche keinen Schnee gemeldet, also würde es wohl gleich wieder aufhören und England grün belassen. Ganz gab ich die Hoffnung aber nicht auf. Zira schnupperte pflichtbewusst an den Ecken ihres Territoriums und prüfte, ob irgendwelche unbekannten Kreaturen den Hof nachts überquert hatten. Jacky hingegen trottete einfach hinter mir her bis zum Tor und bog dann in Richtung Weiden ab. Ich betrat den Hauptstall und machte das Licht an – offenbar war ich wiedermal die erste. Die Pfleger, angeführt von Ajith, folgten aber kurz darauf, sodass wir den heutigen Trainingsablauf für die Vollblüter besprechen konnten. Oliver lag mit einer hartnäckigen Grippe im Bett, also musste ich alles selbst in die Hand nehmen. Er hatte mir sogar einen Spickzettel geschrieben, damit ich genau seinem Plan folgte. Ich las ihn mir rasch durch, dann stopfte ich ihn schmunzelnd zurück in meine Jackentasche und beschloss: «Wir machen heute Ausritte. Etwas Abwechslung tut gut.» Die Jockeys jubelten erfreut und zerstreuten sich dann zu den Boxen. Bei dem kalten Wetter war Ausreiten allen lieber als die unbarmherzige, sämtliche Jacken durchdringende Zugluft beim Renntraining zu spüren. Ausserdem fand ich es auch besser für die Pferde, wenn sie ihre Lungen nicht übermässig mit der kalten Luft strapazieren mussten. Die Pferde bekamen zuerst eine kleine Ration Heu, damit sie nicht mit ganz leerem Magen starten mussten. Ich holte inzwischen die Ausrüstung aus der Sattelkammer und begrüsste dann liebevoll Spotted Timeout. Der gesprenkelte Hengst fiel gerade gierig über seine Heuration her, also liess ich ihn am Anfang zum Putzen in der Box. Sein Rücken war unter der Decke schön sauber geblieben, aber sein Hals war dafür umso gründlicher verkrustet. Ajith hatte gestern etwas viel zu tun gehabt und es so wohl nicht mehr geschafft, alle besonderen Dreckspatzen vorzuputzen, wie er es sonst häufig tat, um uns am frühen Morgen die Arbeit zu ersparen. Heute hatten wir es aber sowieso nicht eilig, also war es kein Problem. Spot interessierte es wenig, dass ich seine Backe ebenfalls noch entkrusten musste. Er wollte nur ungestört sein Frühstück geniessen und machte deshalb keine Anstalten, für mich den Kopf zu heben. Ich kniete mich ins Stroh und massierte seinen Kopf mit dem Gummistriegel, während er rhythmische Kaubewegungen ausführte. Seine Mähne und der Schweif waren staubig und verklebt. Ich brach die Dreckrastas auf und zerzupfte liebevoll die weissen Strähnchen, die darunter zum Teil hervorkamen. Dann kratzte ich noch die Hufe aus, wobei ich auch aussenherum den Kronrand «ausgraben» musste. Schliesslich war er zwar immer noch staubig, aber sauber genug für die Ausrüstung. Ich zog ihm seinen Springsattel an – der war bedeutend bequemer als der Trainingssattel fürs Rennen. Die Glücklichen, deren Pferde schon sauber gewesen waren, standen natürlich inzwischen bereits draussen und warteten, fröhlich plaudernd. Offenbar waren die Leute auch früh morgens motiviert, was mich freute. Andererseits waren sie das ja auch gewohnt. Spot und ich gesellten uns dazu und alle stiegen auf. Wir ritten an den Weiden vorbei zur Galoppwiese, wobei die Miniature Horses, die von Lewis gerade rausgelassen wurden, übermütig dem Zaun entlang über das gefrorene Gras flitzten. Spot tänzelte etwas, als hätte er sich von dem Getue anstecken lassen. Ich hielt ihn schmunzelnd im Schritt und liess dann die Zügel wieder lang, sobald er sich beruhigt hatte. Auch die anderen Pferde wachten dank der Minis etwas auf; die Jockeys waren darauf vorbereitet, weil sie ihre Reittiere mittlerweile zur Genüge kannten. Quinn wusste zum Beispiel genau, dass sie Iskierka gar nicht erst zu kurz aufnehmen durfte, weil diese das nur als weiteres Signal zum Durchstarten verstand. Sie blieb aber auch einigermassen ruhig – ausser, dass sie Gray neben ihr anzickte, weil diese sie zu überholen drohte. Das konnte sie auch sonst im Training nicht leiden. Wir verliessen den Hof durch die offenen Rails der Galoppbahn (Lisa öffnete sie für uns und lief dann zurück zu den Offenställen) und folgten dem Waldrand. Die Natur wachte langsam immer mehr auf. Inzwischen war es auch schon hell geworden, was nun jeweils wieder deutlich früher passierte. Es war neblig und die Sonne wirkte am Horizont leicht rötlich gefärbt. Man sah nicht besonders weit voraus, also blieben wir besonders wachsam, als wir antrabten, damit wir rechtzeitig bremsen konnten, falls wir auf andere Reiter oder sonstige Vorkommnisse trafen. Wobei die Gefahr dazu so früh morgens eher gering war. Die Pferde brachten deutlich zum Ausdruck, dass sie mehr als bereit für ein anständiges Training gewesen wären. Wir mussten die ganze Gruppe gut beisammenhalten und sie schnauften alle übermütig, besonders, wenn sie Gras unter die Füsse bekamen. Winter lief direkt neben Spot und mir, geritten von Charly. Sein Atem formte weitere Nebelstückchen, die sich aber gleich wieder auflösten. Wir drehten eine grosse Runde, waren aber trotzdem etwas früher zurück als geplant. Das war den Pferden zu verdanken, die so fleissig vorwärts gezogen hatten. Wir beschlossen, mit der nächsten Gruppe eine etwas andere Route zu nehmen. Ich versorgte Spot, der kaum geschwitzt hatte, und holte die Ausrüstung des nächsten Vierbeiners hervor. April und Parker stellten Gleam of Light und Painting Shadows noch einen Moment zum Trocknen unter die Solarien. Die nächste Gruppe war etwas schneller bereit, weil wir jetzt quasi eingewärmt waren. Diesmal nahmen wir Cool Cat, Caligari, Ciela, Kaythara, Coulee, Campina und Caspian mit. Die Gruppen waren neu organisiert worden nach dem Unfall mit Frame und Sumerian. Es waren ja auch sonst in letzter Zeit ein paar Pferde aus dem Rennsport verabschiedet worden, so zum Beispiel auch Sunday. Ich hatte ihn schweren Herzens in Rente geschickt und Hunter Crowley zur Verfügung gestellt. Seine Rennleistung hatte etwas abgenommen und ich fand, dass es an der Zeit war ihn umzuschulen, damit er anderweitig eine neue Karriere beginnen konnte. Natürlich war mir die Entscheidung, ihn nicht mehr Rennen zu lassen, nach dem Unfall deutlich leichter gefallen. Mittlerweile war es mir gelungen, die Bilder grösstenteils zu verdrängen und einigermassen normal weiter zu machen. Aber ich ertappte mich selbst immer wieder dabei, wie ich das Renntraining mied – so auch heute. Es würde wohl noch etwas länger dauern, bis ich die Krise gänzlich überwunden hatte. Diesmal kümmerte ich mich um Coulee. Wenn ich zurückblickte, bekam ich bei ihr auch irgendwie Gewissensbisse; Ich hatte sie trotz der Strapazen, die sie erlitten hatte, stur wieder aufgebaut und zurück auf die Bahn geschickt. Wäre es nicht fairer gewesen, sie zu einem normalen Reitpferd umzuschulen? Ist sie wirklich glücklich im Rennalltag? Ich suchte förmlich nach Anzeichen, die mir Grund gaben, sie davon zu befreien. Aber wenn ich sie beobachtete, während ich sie putzte und auch später beim Aufsteigen, machte sie eigentlich einen zufriedenen Eindruck. Ihre Augen leuchteten, ihre Nasenfalten waren entspannt und den Schweif trug sie locker angehoben. Im Vergleich zu der Zeit kurz nach ihrem Rückkauf war sie wieder ein völlig anderes Pferd. Auch ihre Muskeln hatten sich erholt und neu definiert. Nur die Kopfscheue war ihr geblieben: sie mochte es einfach nach wie vor nicht, wenn man in einer unvorbereiteten Geste ihr Gesicht oder die Ohren berühren wollte. Das fand ich schade, denn als Zweijährige war sie richtig verschmust gewesen und hatte jeweils neugierig mit der Schnauze die Welt erkundet. Es führte einem wieder vor Augen, wie sehr der Umgang mit einem Lebewesen dieses verändern konnte – zum Guten und zum Schlechten.

      Wir ritten diesmal bei der Wilkinson Farm durch, wobei mir ein geschecktes Pferd auffiel, dass ich noch nie gesehen hatte. “Don’t wait for me, I’m just going to chat for a second”, informierte ich die Gruppe, und bog neugierig ab um Rosie zu suchen. Coulee war etwas rückhaltig, denn sie hatte eigentlich kein Interesse daran, sich von den anderen weg zu bewegen. Ich trieb sie konsequent vorwärts, bis wir den Anbindeplatz erreichten. «Rosie?» Gerade als ich dachte, ich müsse absteigen und sie suchen gehen, kam sie mit Farasha aus der Halle. «Occulta! I didn’t expect you to come by so early.” “Oliver is still bedridden, so we changed the plan a bit and headed out.” “I see. Coulee seems to be in good shape.” “Yeah, she’s doing fine. That chestnut piebald on your pasture seems to be quite handsome as well.” “Ahh, so you already saw him. He is a Son of Antarktik, his name is Mansur. He will be a new breeding stallion.” “That’s great to hear. From what I saw he looks stunning.” “Yes, I’m very proud to have him. He’s also quite the character – a bit goofy, sometimes.” “I’m looking forward to meeting him up close. How is his mother doing?” “…I sold her.” “Oh.” “There was a young woman who seemed to be very fond of her. I still have her bloodlines through Mansur, so it was fine to let her go. I couldn’t quite connect with her anyway. She’s in a super nice place now, and getting lots of love and attention, too.” “Okay, I understand. I’m sure she will be fine. How about the others?” “Tayr is in training for his first race, coming up in spring. He had a little break to get used to our climate, but now he’s doing great and I’m very positive that he will shake our British Arabian racing society. Anubis is also waiting for spring, to compete in the upcoming endurance season. Numair and Islah will be retiring from breeding and we will have to talk about what to do with them, since I need some space for the youngsters who will be arriving in the beginning of summer...” “Yeah… You had already mentioned something. I would like to take them to Malvern Hills, where my other retired horses are.” “I’m fine with that. They will have a beautiful life there. I’m also going to sell Lindwedel, so if you know someone who is looking for a nice riding pony…” “I’ll keep my ears open.” “Thank you.” “But you’re going to keep Peach, right?” “Yes! Of course. She is such a sweet darling, I could never give her away again.” Ich lachte und war froh, das zu hören. “I think I need to catch up to the others now – or they will come home without me. Thanks for the update – see ya!” “Come by again soon, we can go on a hack with Mansur and Tayr.” “Sure!”, rief ich, bereits im Gehen. Ich trabte mit Coulee durch den Wald und nahm eine Abkürzung im Galopp über einen Holzrückerweg. Coulee hatte es ebenfalls eilig, wieder zur Gruppe zurück zu kommen. Wir holten sie auf einem Feldweg ein – sie warteten auch kurz, als sie uns kommen sahen. «Welcome back», begrüsste mich Quinn. Wir trabten noch ein Stück, dann bogen wir in Richtung Pineforest ab. Mit Penny, Merino, Simba, Cryptic, Primo und Goldy gingen wir eher in Richtung Dorf, um die Gruppe in Sachen Strassenverkehr zu schulen. Die Quartierstrassen waren dazu sehr gut geeignet, denn es gab nur wenige Begegnungen mit Autos, dafür viele Fahrradfahrer und Stoppschilder zum Üben.

      Es war nun fast zehn Uhr und wir hatten mit Mambo, Sarabi, Thalia, Daedra, Dolly und Counterfire noch die letzte Gruppe vor uns. Wir machten die Runde zu den grossen Hecken, dem Fluss entlang. Die Sonne hatte es geschafft, durch den Nebel zu drücken und unsere Jacken mit ihren Strahlen zu wärmen. Trotzdem war die Luft eisig und ich war wiedermal froh um Handschuhe und Schal. Am gegen Mittag zogen bereits wieder Wolken auf, und um halb Eins begann es sogar wieder zu schneien. Ich hatte nach den Ausritten ein wenig mit der flauschigen Summertime auf dem Platz gearbeitet und anschliessend den noch viel wolligeren Ljóski rasch auf die Ovalbahn mitgenommen. Die beiden hatten zumindest keine Mühe mit der Kälte. Ljúfa war im Moment nicht nur wollig, sondern auch kugelig. Sie erwartete diesen Frühling ihr erstes Fohlen, von einem Hengst namens Blossi. Bisher hatte man davon nicht sehr viel gesehen, aber in den letzten Wochen hatte sie ordentlich zugelegt. Wir ritten sie bereits jetzt nicht mehr, um sie zu schonen, auch wenn es noch ein Weilchen dauern würde. Ich hoffte, dass das Fohlen das Dun Gen von seinem Vater erbte, und nicht nur ein gewöhnlicher Brauner werden würde – aber das konnte ich mir nun mal nicht aussuchen. Ausserdem hoffte ich auf ein Stutfohlen, denn ich hatte beschlossen, es in dem Fall zu behalten. Einen weiteren Hengst konnte ich nicht wirklich gebrauchen, es sei denn, er hätte einen aussergewöhnlich schicken Körperbau. Schlussendlich musste ich mich wie immer überraschen lassen und abwarten.

      Jonas, Lily und ich assen wie immer gemeinsam zu Mittag und machten dann noch eine kurze Pause, ehe wir uns um halb Zwei Uhr wieder raus in die Kälte wagten. Lily hatte am Nachmittag keine Schule, also half sie im Stall mit. Wir holten die Hengste aus dem Nordstall von der Weide und brachten stattdessen die Stuten des Haupt- und Nebenstalls raus. Am späteren Nachmittag beziehungsweise Abend waren dann noch die Vollbluthengste an der Reihe. Lisa hatte Jazz und Shadow bereits bewegt, also pickte ich mir Chanda von der Stutenweide. Mit ihr übte ich im Moment hartnäckig an den Basics, damit sie endlich lernte, ihre vier Füsse geschickter zu koordinieren und besser auf meinen Schenkeldruck hin zu weichen. Sie hatte nämlich etwas Mühe mit dem Kreuzen. Ich arbeitete an diesem Problem auch oft vom Boden aus mit ihr, und es zeigte auch tatsächlich langsam Wirkung. Immerhin wich sie jetzt überhaupt irgendwie, wenn ich Druck machte. Am Anfang war sie dabei ziemlich sturköpfig gewesen. Aber vermutlich hatte sie auch gar nicht verstanden, was ich von ihr wollte und musste zuerst lernen, meine Hilfen zu verstehen. Als ich für heute mit ihr zufrieden war, brachte ich sie zurück und holte stattdessen Feline. Sie fühlte sich so herrlich einfach und fein zu reiten an, im direkten Vergleich mit der unerfahrenen Chanda. Bei ihr brauchte ich kaum das Gewicht zu verlagern, und schon bewegte sie sich in die gewünschte Richtung. Aber auch sie war einmal jung und ‘grün’ gewesen; auch sie hatte zuerst ihr Gleichgewicht und einen sicheren Takt finden müssen. Nun übten wir Galopppirouetten und ganz gesetztes Galoppieren, denn nun war bei ihr das oberste Thema die Versammlung. Gerade als ich erneut bei A angaloppieren wollte, klingelte mein Smartphone. Ich parierte Feline überrascht in den Schritt und liess die Zügel lang, um den Anruf entgegen zu nehmen. Ich mochte es eigentlich nicht, während dem Reiten zu telefonieren, aber als ich Hunter Crowleys Nummer auf dem Display sah, nahm ich ab. «Hallo!.. Gut, danke – selber?.. Du würdest WAS? Aber er ist doch einer deiner top Zuchthengste, und so ein schicker noch dazu! Bist du wirklich sicher? Ich meine, nicht dass ich so ein Angebot jemals ablehnen würde, aber… Also wenn du das wirklich willst, dann komme ich nachher schnell vorbei – sofern du gerade Zeit hast. Ja, klar. Also dann, bis nachher, und danke schonmal!» Perplex legte ich auf und stopfte das Smartphone in meine Reithosentasche zurück. Hunter hatte mir gerade seinen Vollblut Hengst Raving Hope Slayer angeboten. Ich konnte mein Glück kaum fassen; der Hengst hatte bei mir schon immer Eifersuchtsattacken ausgelöst, wenn ich ihm auf Hunters Gestüt oder auf Turnieren begegnet war. Ich konnte beim besten Willen nicht verstehen, wie Hunter ihn verkaufen konnte, wo er doch so wunderschön und talentiert war. Aber das brauchte ich eigentlich gar nicht weiter zu hinterfragen, für mich zählte nur, dass ich soeben eine äusserst wertvolle Ergänzung zu meinem Gestüt angeboten bekommen hatte. Die Nachricht gab mir einen gewaltigen Energieschub, den sogar Feline zu spüren schien. Sie gab sich nämlich bei den folgenden Pirouetten besonders Mühe, wie ich fand. Ich liess sie nach getaner Arbeit am langen Zügel austraben und -schreiten. Beim Absteigen lobte ich sie überschwänglich.

      Eine halbe Stunde später war Feline versorgt und kaute zufrieden mit den anderen Stuten an einer Portion Heu herum. Ich war unterdessen auf dem Weg zum Auto, um Hunter wie versprochen einen Besuch abzustatten und dem aussergewöhnlichen Angebot nachzugehen. Ich wunderte mich unterwegs, ob ich ihn am Telefon vielleicht doch falsch verstanden hatte, und er mir den Hengst nur irgendwie ausleihen wollte. Gespannt stieg ich auf dem Parkplatz aus und suchte Hunter im Stallgebäude. Als wir uns begrüsst hatten, fragte ich zweifelnd: «Habe ich dich richtig verstanden? Du willst ihn doch sicher nicht verkaufen, oder?» Hunter meinte nur locker, dass ich schon richtig verstanden hätte. Er wolle etwas umstrukturieren, und da sei er auf die Idee gekommen, mich wegen ‘Raver’, wie er ihn gerne nannte, anzusprechen – zumal ich ihm ja auch gerade erst Sunday Morning anvertraut hatte. Ich fühlte mich geehrt und fragte mich trotz allem, wie ich das verdient hatte. Hunter zeigte mir Raver in seiner Box und ich musterte ihn bewundernd. «Er ist wirklich ein Bild von einem Vollblut. So schön bemuskelt und exterieurmässig auf den ersten Blick makellos. Ich weiss gar nicht, was ich noch gross sagen soll, ausser danke! Ich schätze, beim Preis werde ich dafür wohl leer schlucken können..?» Er schüttelte den Kopf und machte mir einen freundschaftlichen Preisvorschlag, bei dem ich schon fast ein schlechtes Gewissen bekam. «Du spinnst doch… Der ist mindestens doppelt so viel wert!» Hunter winkte ab und meinte, der Platz sei ihm wichtiger als der Preis. Nebenbei erwähnte er auch gleich, dass er noch andere Pferde habe, die einen neuen Platz suchten. Ich hatte zwar vorläufig nicht geplant, weitere Pferde anzuschaffen, aber ich liess mich dennoch aus Neugier herumführen. Ich wusste ja bereits, dass Hunter einige schicke Pferde besass, aber da war einer, der jedem wohl sofort aufgefallen wäre. «Woaa, ist das ein Shire?», rief ich beeindruckt aus, als wir vor der Box eines grossen Schecken hielten. Er musste mindestens 1.80 Stockmass haben, schätzte ich. Später erfuhr ich, dass ich damit voll ins Schwarze getroffen hatte. «Das ist Thomas. Du hättest nicht zufällig noch eine Box frei für ihn?» Ich runzelte die Stirn. «Naja, er ist ja schon richtig toll, versteh mich nicht falsch – ich bin hier gerade schockverliebt. Das Problem ist nur, dass ich tatsächlich nicht mehr besonders viel Kapazität habe…» «Dann wird er wohl gelegt werden und in Frührente gehen müssen. An jemand fremden möchte ich ihn lieber nicht verkaufen.» Gequält murmelte ich «aber das wäre einfach nur schade, so ein hübscher…» Hunter sah mich fragend an, weil ich zu leise war. Ich kräuselte die Lippen und überlegte angestrengt, dann beschloss ich: «Irgendwie schaffe ich Platz für den Grossen. Ich weiss zwar noch nicht genau wie, aber ich finde sicher eine Lösung. Improvisation ist meine Königsdisziplin.» Ich wusste, dass ich mir damit ein wortwörtlich ordentliches Stück Zusatzarbeit einbrockte, aber die freundlichen, dunklen Augen und der imposante Bau des Vierbeiners gefielen mir zu gut. «Fohlen habe ich auch noch», meinte Hunter, beinahe scherzhaft. Wir spazierten zur Fohlenweide des Gestüts und ich warf einen Blick auf die Gruppe. Der langbeinige Nachwuchs graste unweit vom Zaun, sodass man sie wunderbar betrachten konnte. Ich erkannte schnell, dass es gefährlich war, genauer hinzusehen. Die Jungpferde waren wirklich bestechend schön. Eines entsprach genau meinem berüchtigten Beuteschema: ein fast ganz weisser Hengst. «Der hat leopard Gene?», fragte ich verwundert. «Ja, das ist Louvré, ein Warmblüter. Bei den Vollblütern haben wir übrigens auch ein paar mit leopard – zum Beispiel den da.» Er deutete auf einen gesprenkelten Fuchs mit heller Mähne. «Der sieht ja lustig aus. Aber ich glaube, Oliver, Pineforests Renntrainer, täte mir den Hals umdrehen wenn ich noch so ein buntes Pferd anschleppen würde.» «Die da ist etwas dezenter gesprenkelt.» Ich brauchte Hunters Handbewegung gar nicht zu folgen; die Stute fiel mir gleich von selbst auf. Sie war ein Rappe mit einer kontrastreich leuchtenden Schabrackenscheckung auf der Kruppe. Aber nicht ihre Farbe überzeugte mich, sondern die Art, wie sie sich über das kurzgefressene Gras bewegte. Ihr Schritt war raumgreifend und die Hinterhand schwang tief unter den Schwerpunkt, ohne dass ihr Gang wackelig aussah. «Welche Abstammung?», wollte ich neugierig wissen. «Von Magic Attack, aus einer unserer Zuchtstuten – Scarlet, hast du sicher auch schon gesehen.» «Hah! War ja klar, bei der Farbe. Ganz der Papa.» «Gefällt sie dir? Sie heisst Stars of Magic.» «Pah, gefallen tun sie mir alle! Aber die ist schon besonders, ja. Ich hab noch kein Blut aus diesen Linien in meiner Zucht. Und Louvré wäre sicherlich auch interessant, sowohl für Sport als auch für die Farbzucht.» «Du brauchst nur zu sagen, dass du sie haben willst.» «Du wärst ein verdammt guter Verkäufer, für Immobilien oder besser noch; Haushaltsgeräte – weisst du das?» Wir lachten, dann machten wir Geschäfte. Vier neue Pferde, murmelte ich kopfschüttelnd, als ich zurück zum Auto lief. Aber gleichzeitig freute ich mich wie ein kleines Kind, das bunte Quartett auf Pineforest willkommen zu heissen.
      3 März 2019
    • Occulta
      [​IMG] Western E-A
      Training für die Faulen

      PFS’ Colours of Life, tc Miss Moneypenny, Primo Victoria, PFS’ Sarabi, PFS’ A Winter’s Tale, PFS’ Stop Making Sense, Subsyndromal Symptomatic Depression, PFS’ Counterfire, Daedra, Areion, PFS’ Bacardi Limited, PFS’ Navy Sniper, Cambria, Fake my Destiny, PFS’ Shadows of the Past, PFS’ Ravissante, Chanda, PFS’ Dancin’ to Jazz, Tayr al-Diyari, PFS’ Arctic Silver Lining, PFS’ Arctic Rainstorm, PFS’ British Oreo Rascal, PFS’ Glenn’s Dare to Shine, Tic Tac, PFS’ Kicks-a-Lot

      «Occu, es ist zu warm zum Arbeiten», jammerte Jonas, in seinem neu gekauften Schaukel-Stuhl auf der Terasse ausgebreitet. Er hatte das Teil am Wochenende in einer Brockenstube gefunden und sich sofort darin verliebt. Das alte, dunkle Holz war zwar an manchen Stellen etwas rau von der vermutlich Jahrzehnte langen Benutzung, aber mit etwas Schleifpapier und neuem Lack wollte er ihm demnächst zu neuem Glanz verhelfen. Allerdings sah es im Moment eher nicht danach aus, als könnte er die nötige Energie dazu aufbringen. Bacardi lief bereits ungeduldig um mich herum, weil ich nicht weiterging. «Komm, auf», scheuchte ich ihn in befehlerischem Ton von seinem Sonnenplätzchen. Er grummelte vor sich hin und schlenderte zum Hauptstall. Lisa war auf dem Sandplatz bereits aufgestiegen und wärmte Sniper im Schritt am langen Zügel auf. Ich tat es ihr gleich. Heute war wieder Trainieren angesagt, und zwar mit einem ganzen Heer von Jungpferden. Lisa und ich ritten plaudernd nebeneinander und genossen die morgendlichen Sonnenstrahlen, die auf unsere Rücken brannten. Lily stiess mit Fake auch noch dazu, und ihr folgten auch kurz darauf die anderen aus dem Nebenstall; Shira, Ravissante, Cambria. Wir ritten alle sechs Vierbeiner, um die bereits aufgestellten Hindernisse zirkelnd, warm. Nach etwas mehr als fünf Minuten trabten wir an und vollführten unter Lisas Anweisungen ein paar gymnastizierende Dressurlektionen, ehe wir mit den Cavalettis begannen. Bacardi war am Anfang etwas übereifrig und hüpfte jeweils über das halbhohe Cavaletti, anstatt darüber zu traben. Ich hielt ihn zusammen und versuchte es erneut, bis es beim dritten Versuch klappte. Er war eben noch jung und verstand ungerne, dass man die Aufgaben konzentriert und auch mal langsam angehen musste. Lily und Fake hatten ganz ähnliche Probleme, aber bei ihnen lag es vor allem daran, dass Lily noch nicht genug einwirken konnte, um die temperamentvolle Hackney-Pony Stute mit dem Sitz zu bremsen. Sie gab sich immerhin grosse Mühe und schaffte es nach einer Weile auch so halb. «Das wird schon, Lily. Sobald du längere Beine hast, kannst du sie auch besser kontrollieren», ermutigte Lisa meine Nichte. Das Mädchen nickte nur konzentriert und bremste Fake wieder in den Schritt. Lisa schickte uns als nächstes über ein paar Kreuzchen in einer Linie, die ebenfalls noch dem Auflockern und der Taktfindung dienten. Erst danach legten wir mit Steilsprüngen, Oxern, In-Outs und Kombinationen los. Für die jungen Pferde waren besonders letztere anspruchsvoll, da viele dazu neigten, etwas kopflos zu werden und zwischen den Hindernissen beschleunigen zu wollen. Auch Bacardi versuchte es, aber durch meine langjährige Erfahrung konnte ich ihn zurückhalten und in angemessenem Tempo auf den zweiten Sprung zureiten. Er schnaufte zwar leicht frustriert, galoppierte aber schön am Zügel. Ich lobte ihn streichelnd, um ihm zu zeigen, dass es so richtig war. Fake und Lily flitzten zum Teil in halsbrecherischem Tempo durch, aber Lisa war schon dabei, das zu korrigieren und ihr Tipps zu geben. Robin und Cambria hatten auch noch die eine oder andere Unstimmigkeit zu überwinden, aber es sah gar nicht so schlecht aus. Ravissante lief unter Quinn richtig schön. Ich war begeistert beim Zusehen, als die beiden den einen Oxer übersprangen und die Anglo-Araberstute eine wunderbare Flugphase zeigte. Sie erinnerte mich in ihrer Manier sehr an Sunday – ausser, dass sie ab und zu ihren Schweif aufgeregt anhob, wenn sie auf ein Hindernis zukam. Quinn schien sich sehr gut mit der Stute zu verstehen und grinste begeistert, als sie den kleinen Abschlussparcours beim ersten Versuch fehlerfrei überwunden hatten. Sie liess Ravi den Kopf strecken und klopfte ihr zufrieden auf den Hals. Auch Bacardi und ich schafften es ohne Abwurf. Die Höhe war ja auch noch nicht gerade eindrucksvoll. Aber trotzdem war ich stolz, als am Ende die meisten sauber durch den Parcours kamen. Sogar Fake kam überall gut drüber, wenn auch ein Tickchen zu schnell. Shira und Snipy hatten je einen Abwurf; Shira in der Kombination und Sniper beim letzten Steilsprung, weil Lisa sich mit der Distanz verschätzte. Dass ausgerechnet unsere Reitlehrerin einen Fehler machte, fanden wir ganz amüsant – konnte ja passieren. Wir liessen die sieben Pferde austraben und versorgten sie dann zügig, um gleich anschliessend mit der nächsten Truppe weiterzumachen. Diesmal war der Vollblut-Nachwuchs an der Reihe. Miss Moneypenny, Daedra, Primo, Sarabi, Mambo, Cryptic, Thalia, Counterfire und David mit Life. Weil diese Gruppe etwas grösser war als die letzte, hatten wir auch entsprechend mehr Abreitplatz-Atmosphäre, aber das kam in diesem Fall gerade gelegen: Mit diesen acht wollten wir nämlich einen Ablauf wie auf einem Turnier simulieren. Jonas hatte es tatsächlich fertig gebracht, in der Halle zwei Aufwärm-Hindernisse aufzubauen und verstellte sie nun nach unseren Wünschen. Danach ritten wir jeweils nach draussen auf den Sandplatz und sprangen direkt den Parcours, jeder zweimal. Ich hatte Thalia als Partnerin. Die Winter-Tochter war extrem rittig und liess sich heute durch nichts ablenken, sodass wir beide Durchgänge einwandfrei abschlossen. Mir gefiel ihr Arbeitswille, der sich übrigens auch auf der Rennbahn auszahlte. Sie war zwar nicht die Schnellste, dafür sehr ausdauernd und fokussiert auf die Ziellinie – manchmal hatte ich das Gefühl, dass sie selbst bei einem Bombeneinschlag auf der Tribüne nicht zucken würde. Bei Counterfire, die gleich nach mir auf den Platz ging, war das gerade anders herum. Die feurige Fuchsstute konnte ausserordentlich gut beschleunigen und hatte mächtig Schub in der Hinterhand, liess sich allerdings leicht aus dem Konzept bringen und brauchte eine konsequente Hand. Als Katze Shiva in ein Gebüsch neben dem Viereck kletterte, um Spatzen aufzuscheuchen, verpasste sie dementsprechend das nächste Hindernis und räumte es mit den Vorderbeinen ab. Charly war auf den unsanften Sprung nicht vorbereitet gewesen und kam hinter die Bewegung. Als Counterfire nach dem missglückten Manöver auch noch um die Kurve raste, besiegten ihn die Fliehkräfte. Er plumpste in den Sand und die Stute raste eine Runde um den Platz, wobei sie gerade noch von Oliver davon abgehalten wurde, diesen zu verlassen. Der Trainer motzte «be careful with my racing champions, please» und bewachte den Eingang, bis wir Fire eingefangen hatten. Charly war anscheinend unversehrt, bis auf ein paar blaue Flecken. Er stieg wieder auf und ritt das Hindernis nochmal an, nachdem Lisa, die diesmal nicht selbst im Sattel sass, es wieder aufgestellt hatte. Counterfire, die noch etwas aufgeheizt von vorher war, wollte schon wieder mit überhöhter Geschwindigkeit auf die Stangen losrennen, aber Charly machte nochmal eine Volte, bis er sie unter Kontrolle hatte, und lenkte sie dann deutlich ruhiger geradeaus, diesmal ohne Probleme. Die übrigen Vollblüter waren heute erstaunlich gemütlich unterwegs; Quinn musste Primo regelrecht vorwärtstreiben und auch Mambo hatte beim Oxer etwas zu wenig Schwung, sodass die oberste Stange fiel. Höchstwahrscheinlich liegt es am Temperatur- und Fellwechsel, überlegte ich. Ich bürstete und massierte Thalia rasch nach dem Absatteln, aber es reichte leider trotzdem nicht mehr um die letzte Runde von Daedra zu sehen. Ich erfuhr aber von Lisa, dass sie einmal parkiert hatte – schade. Das war bei ihr in letzter Zeit etwas zu häufig vorgekommen, weshalb ich überlegte, sie in nächster Zeit mehr mit Quinn laufen zulassen, oder selbst ein wenig Korrektur zu reiten. Nicht, dass ich meine oder Quinns Reitkünste höherstellte als die der anderen, aber wir beide hatten einfach etwas mehr Erfahrung als zum Beispiel April, die sie heute geritten hatte. Ich wollte auf jeden Fall verhindern, dass die Stute irgendwelche unvorteilhaften ‘Habits’ entwickelte. Nachdem nun alle den Parcours gemacht hatten, wollte Lily unbedingt nocheinmal mit Areion einen Versuch starten. Sie wärmte ihn bereits in der Halle auf, als ich dazustiess. Der immernoch-Hengst zeigte auch diesen Frühling wieder teils etwas aufmüpfiges Verhalten, sodass Lily die letzten Wochen meine Hilfe mehr als einmal gebraucht hatte. Heute schien er aber eher gemütlich unterwegs zu sein und liess sich wenig später auch gut von meiner Nichte über die extra tiefer gestellten Hindernisse lenken. Lisa ermutigte sie, noch etwas mehr Schwung von dem Tinker zu fordern, weil er ein paarmal zu dicht ans Hindernis kam, aber sonst sahen die beiden gar keinen so schlechten Eindruck.

      Insgesamt zufrieden mit den Vollblütern, wandte ich mich nun dem Training der beiden Nachwuchswesternpferde Chanda und Jazz zu. Ich putzte die grau-weisse Criollo Dame, während Jonas sich Jazz antat. Antun deshalb, weil sie heute zusätzlich zu ihren Appaloosa-Sprenkeln auch noch Schlammkrusten trug. Mit dem noch feuchten Boden vom letzten Regenfall erstaunte es mich überhaupt, dass nicht mehr Pferde Schlammig waren. Klar, die Vollblüter waren von Ajith bereits vorgeputzt worden, aber die übrigen hatten anscheinend ausnahmsweises Mitleid mit unserer vom Winterfell Ausstriegeln müden Armmuskulatur gehabt. Jonas stöhnte erschöpft, als er auf die zweite Seite seines Reittiers kam, die genauso schlimm aussah wie die Erste. Er legte einen Moment lang seine verschränkten Arme auf den Runden Po von Jazz und genoss die Sonne, bevor ich ihn anstupste, damit er weitermachte. „Denk dran, die Stunde fängt in fünfundzwanzig Minuten an.“ Ich war so nett und half ihm mit dem Hufeauskratzen, während er noch immer den eher dünnen Schweif von Jazz zu retten versuchte. Nach einem gefühlten Liter Glanzspray und einer insgesamt halben Stunde intensivem Putzen, war die Stute wieder ansehnlich. Wir ritten in Richtung Fluss los, denn wir waren mit Rosie zu einem Training auf der Wilkinson Farm verabredet. Sie hatte einen auswärtigen Westerncoach organisiert. Weil wir so viel Zeit mit Putzen verbracht hatten, mussten wir den grössten Teil des Weges traben, um nicht zu spät zu kommen. Die Pferde waren so zumindest schon warm und wir konnten eigentlich sofort loslegen. Der Trainer gab uns eine Dreiviertelstunde lang Patterns vor und feilte mit uns an den einzelnen Lektionen. Für die jungen Pferde war das Training intensiv und sie schwitzten in der Frühlingssonne ordentlich. Rosie, die mit dem Wüstentemperatur-geprüften Tayr mitmachte, hatte dieses Problem nicht. Dafür hatte sie alle Mühe, ihn angesichts unserer beiden charmanten Damen konzentriert zu halten. Es ist eben Frühling, stellte ich schmunzelnd fest. Bevor wir uns auf den Heimweg machten, fiel Jonas noch ein neues Araberpferdchen auf Rosies Weide ins Auge. «Schau mal, da ist noch ein Appaloosa-Tier. Ich dachte zuerst, es sei Numair, aber der ist etwas dunkler.» «Tatsache. Rosie? Is that the filly you mentioned last time?” Die rothaarige Ex-Pflegerin von Pineforest bestätigte. “She’s gorgeous! Definitely coming after Numair.» «I hope she’s also inherited his character, instead of her mother’s. But anyway, she has such a cute head and I love the pink freckles on her face.” Sie schwärmte noch ein wenig weiter, sodass ich beinahe neidisch wurde – das Tierchen sah schon von weitem speziell aus. Letzten Endes wandten wir uns dann doch noch zum Gehen und duschten zurück auf Pineforest die beiden armen, verschwitzten Stuten ab. Chanda machte einen friedlichen Eindruck, als ich sie zurück auf die Stutenweide entliess. Sie sah aus, als könne sie sich nun nach getaner Arbeit so richtig entspannen und das Nährstoffreiche Frühlingsgras besonders geniessen. Jazz blieb noch einen Moment erwartungsvoll beim Zaun kleben, als warte sie noch auf eine letzte Karotte. Jonas und ich hatten leider beide nichts mehr im Sack, also musste sie sich mit den vorherigen Belohnungen zufriedengeben. Wir schlenderten zurück zur Halle und ich bog von dort aus zu den Miniweiden ab, um schonmal die Sulkys für den Nachmittag bereitzustellen, während er gähnend Richtung Haus wanderte. „Du musst noch die Winterreifen wechseln“, rief ich ihm schelmisch hinterher. Er drehte sich als Antwort um und gab mir einen Militärischen Gruss zurück – um anzudeuten „wird ausgeführt, Chef“.

      Die Minis waren den ganzen Winter hindurch einigermassen fit gehalten worden, aber nun im Frühling ging die Show-Saison wieder los, und mit den schneefreien Strassen konnten wir auch wieder mehr Zeit ins Fahrtraining investieren. Deshalb drehte ich den halben Nachmittag lang fleissig Runden auf der Ovalbahn. Zuerst mit Kiwi. Die beinahe ganz weiss gescheckte Stute verlor ihr ungeschorenes Winterfell in Fetzen. Das meiste hing noch an ihrem Bauch und unter dem Kopf. Ich striegelte einen Kisseninhalt weissen Fells ins spriessende Gras, danach sah sie etwas weniger zottelig aus. In den nächsten paar Tagen würde sie das Fell wohl vollständig wechseln. Lewis kam etwas verspätet aus dem Mittag und entschuldigte sich mit der Erklärung, dass er mit Quinn, Charly und Parker in der Stadt essen war, wobei sie ziemlich lange hatten anstehen müssen. Das war für mich kein Problem, ich wusste ja, dass meine Pfleger seriös arbeiteten. Lewis schnappte sich Tiki («You could have taken Kiwi, if you had come on time”, neckte ich ihn, wissend, dass Kiwi sein Liebling war). Er ent-fellte sie in Rekordzeit und war mit dem Geschirr anlegen am Ende noch fast eher fertig als ich. Wir schlauften die letzten Riemen durch und führten die Ponys dann von der Weide zu den bereitstehenden Sulkys. Als beide sicher eingespannt waren, fuhren wir zur Ovalbahn. Ich übte mit Kiwi besonders das Zulegen und Aufnehmen, wobei ich einen schicken Show-Trot herauszuprovozieren beabsichtigte. Es klappte auch einigermassen; die Miniature Stute hob ihre Beine höher als sonst. Ich lobte sie jeweils überschwänglich, um ihr die Bewegungen möglichst schmackhaft zu machen. Lewis übte mit Tiki ebenfalls im Trab, allerdings konzentrierte er sich bei ihr mehr auf die Aufrichtung und die korrekte Anlehnung an die Fahrzügel. Gegen Ende des Trainings liess ich die Zügel länger, sodass Kiwi nach unten strecken konnte. Sie wurde dabei zunächst etwas schneller, aber ich bremste sie mit der Stimme und nach einigen Augenblicken waren wir gemütlicher unterwegs. Sie war eben doch noch jung und musste lernen, entspannt und in gleichbleibendem Takt zu laufen. Das wurde an den Shows übrigens auch bewertet. Ich fuhr mit Kiwi zurück und holte als Nächstes Xinu, Lewis machte mit Lining weiter. Die beiden Hengstchen waren etwas einfacher zu einem Bluff-Trab anzustacheln. Sie hoben fast schon von selbst die Vorderbeine, wir mussten nur darauf achten, dass die Hinterhand auch richtig untertrat. Nach Xinu und Lining waren Oreo und Acira dran. Oreo spürte den Frühling und brummelte seiner Halbschwester zu, als wir hintereinander zur Bahn fuhren. Lewis hielt ihn kurz und blieb in einem vernünftigen Abstand. Wir trainierten wiederum fleissig unsere Runden, und zum Spass galoppierten wir auch ein wenig. Aciras seidiger Schweif flatterte in der Kühlen Brise, die sich mit dem Fahrtwind vereinte. Ihre kleinen Hufe schlugen rhythmisch auf dem feinen Kies auf. Zuletzt drehten wir auch noch ein paar Runden mit Darling und Allegra – letztere war noch nicht lange eingefahren und hatte noch etwas Mühe mit der Kommando-Umsetzung. Sie war meist ein wenig zu eifrig und wollte nicht warten, geschweige denn dabei geschlossen stillstehen. Aber auch das würde mit der Zeit immer besser klappen, davon war ich überzeugt. Nach dem Training gab es für alle Minis ein paar Karotten, die wir zur Beschäftigung an den Bäumen auf der Weide aufhängten. Lily half dabei und fand es super, Lining beim ‘Einfangen’ der orangefarbenen Wurzeln zuzusehen.
      31 März 2019
    • Occulta
      [​IMG] E-A
      Chanda, PFS‘ Dancin‘ to Jazz, Areion, Tayr al-Diyari

      “Do it again, that was much too fast. The distance should be six leaps, not five.” Elliots Stimme wurde von einer frischen Brise über den Sandplatz getragen. Er stand in der Mitte zwischen den Hindernissen des kleinen Parcours, den wir gerade übten. Seine Worte waren an Rosie gerichtet, die mit ihrem Araber Tayr nach Pineforest ins Training gekommen war. „Yes, that’s better. Keep him in this pace. Steady through the curve. Now go straight, keep your shoulders back. See! Very good.” Rosie lobte den temperamentvollen Fuchs mit Halsklopfen und liess die Zügel durch ihre Hände gleiten. Sie atmete selber schwer – ich wusste zu gut, wie anstrengend es sein konnte, ein anspruchsvolleres Pferd zu reiten. Als nächstes waren Chanda und ich dran. Die Criollo Stute war zwar genau gleich wie Jazz eigentlich kein geborenes Springpferd, doch es sprach nichts dagegen, ihre Bein-Geschicklichkeit etwas zu fördern. Wir sprangen nicht hoch, es waren bloss um die 70 Zentimeter. Auch Lily und Areion machten mit, denn für meine springbegeisterte Nichte war jede Gelegenheit zu üben willkommen. Ich galoppierte Chanda an und ritt eine kleine Volte, ehe ich auf den ersten Steilsprung zusteuerte. Die Criollostute blieb stabil im selben Takt und überwand das Hindernis geschickt, wenn auch vielleicht etwas weniger elegant als der Araber vor ihr. Sie machte einen schön runden Hals und schäumte ganz leicht. Ihre Ohren klappte sie konzentriert nach hinten, sobald ich eine Hilfe gab; dann wiederum nach vorne, wenn wir das nächste Hindernis in Angriff nahmen. Mir gefiel die Arbeitseinstellung der Stute sehr gut. Je länger sie unter dem Sattel war, desto fleissiger wurde sie. Sie reagierte auch sehr fein auf meine Stimme und auf die Sitzhilfen, sodass ich sie schon jetzt fast mit zwei Fingern reiten konnte. Ein richtig praktisches Arbeitspferd, wie man es von Criollos erwartete. Das Springen schien ihr ganz gut zu gefallen, denn es bot Abwechslung zu unserem normalen Training und sie wirkte sehr motiviert. Zwischendurch machte sie zwar einen Patzer, weil sie sich verschätzte, aber sie sprang aus jeder Situation ab und gab sich grosse Mühe. Auch Jazz machte gut mit, ging aber etwas vorsichtiger und zögerlicher an die Sprünge heran. Areion war zwischendurch ein Trampel. Auch er sprang zwar fast immer ab; es schien ihn aber nicht sonderlich zu kümmern, wenn dabei eine Stange fiel. Chanda zeigte jeweils wenigstens ihren Missmut mit einem frustrierten Bocksprung oder einem kurzzeitigen Sprint, wenn ihre Hinterbeine die Stange berührten. Areion hingegen galoppierte einfach stur im gleichen Takt weiter. Lily musste ihn deshalb gut beisammen behalten und sauber anreiten, um fehlerfrei zu bleiben. Das war also gar nicht unbedingt schlecht. Elliot stellte den beiden am Ende sogar noch einen etwas höheren Parcours, den Areion beim zweiten Anlauf dann ohne Abwurf überwand. Zufrieden liessen wir die vier austraben und ritten danach Seite an Seite trocken. Die Brise war dabei wunderbar erfrischend.
      31 Mai 2019
    • Occulta
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      Tayr al-Diyari, PFS‘ Ravissante, Cambria

      Die heutige Dressurstunde bei Lisa drehte sich rund um das Thema Losgelassenheit. Wir waren nur zu dritt, nämlich Rosie mit Tayr, Robin mit Cambria und ich mit Ravissante. Alle drei Pferde waren Grünlinge und kannten erst Grundlagendressur. Wenn wir sie aber Turnierreif bekommen wollten, mussten sie entsprechend gefördert werden. Das hatten wir nun in den kommenden Monaten vor, sodass wir im nächsten Frühling startklar sein würden. Ravissante lief am langen Zügel auf dem inneren Hufschlag. Rosie und Tayr waren noch unterwegs, also warteten wir auf die beiden. Dafür war Tayr, als sie endlich kamen, bereits von dem Weg hierher eingewärmt und wir konnten sofort beginnen. Lisa liess uns antraben und erstmal am halblangen Zügel Volten und Schlangenlinien reiten. Cambria schnaubte zwischendurch laut, was Lisa sehr gefiel – „she’s relaxing already“, stellte die Reitlehrerin fest. Meine Ravissante hingegen war schon wieder am rasen. Ich musste dauernd wieder abwenden, um den anderen beiden nicht zu nahe aufzurücken. Rosie ging es mit Tayr ähnlich, aber der Araber war schon etwas weiter ausgebildet und dadurch etwas rittiger. „Slow her down, Occu. She’s running on her forehand.“ “Weiss ich doch”, murmelte ich mit zusammengebissenen Zähnen. Es war immer leichter gesagt als getan. Ich machte mich schwer und richtete mich auf, gab aussen halbe Paraden und hoffte so, das Gehör der Stute für meine Anweisungen zu öffnen. Sie wurde ein wenig langsamer, aber es blieb auch über den Rest des Trainings ein kleiner Kampf zwischen uns. Zu sehr aufnehmen durfte ich sie nicht, denn das machte die Anglo-Araber Stute nur noch heisser. „Losgelassenheit“ – daran fehlte es uns definitiv noch. Doch Lisa war einfallsreich und kannte viele Tricks, um zum Ziel zu gelangen. Sie liess uns Übergänge machen bis zum Gehtnichtmehr und forderte die Aufmerksamkeit der Vier- und Zweibeiner, indem sie uns auf eine Schlangenlinie schickte, wobei wir bei jedem neuen Bogen abwechslungsweise in den Schritt gehen, oder eine kleine Volte traben mussten. Auch im Galopp wurden wir mit korrekten Übergängen gefordert: Lisa wollte sauberes, schwungvolles Einspringen und einen flüssigen Trabübergang nach einer halben Runde im Galopp sehen. Für die jungen Pferde war das Schwerstarbeit. Ravissante zum Beispiel hatte noch grosse Mühe, so kurz aufeinanderfolgend wieder einzuspringen. Aber sie konzentrierte sich nun auf ihre Aufgabe und machte sogar so nebenbei den Hals schön rund, ohne dass ich etwas dafür tun musste. Es war Lisa und mir in dieser Phase der Ausbildung noch nicht so wichtig, wie die Pferde ihren Hals trugen – viel mehr achteten wir auf den Schub aus der Hinterhand und einen beständigen, feinen Kontakt vom Pferdemaul zur Hand. Cambria schnaubte abermals, als Robin sie am Ende der Einheit strecken liess. Sie lief locker und schon ziemlich balanciert für ihren Ausbildungsstand. Tayr wollte den Kopf nicht so recht in die Tiefe strecken, aber Rosie arbeitete geduldig daran und lud ihn immer wieder dazu ein, indem sie ihn wieder aufnahm und abermals die Zügel durch ihre Finger gleiten liess. Ravissante streckte zwar immer wieder für kurze sequenzen den Kopf ganz runter, lief aber immernoch zu schnell, als dass es korrekt gewesen wäre. Ich bremste sie so gut es ging mit meiner Stimme und machte Volten, um etwas von ihrem Schwung zu verpuffen. Schliesslich gingen wir in den Schritt über und ritten die drei trocken. Sogar ich selber war ins Schwitzen gekommen – kein Wunder eigentlich, bei bewölkten 25 Grad.
      30 Juni 2019
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  • Album:
    Wilkinson Farm
    Hochgeladen von:
    Occulta
    Datum:
    27 Dez. 2019
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  • Offizieller HG

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    Vom: unbekannt

    Aus der: unbekannt


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    Rufname: Tayr, Birdy
    Geburtstag: 08.03.
    Alter: 7 Jahre
    Stockmaß: 1.54 m
    Rasse: Anglo-Araber (25% EVB, 75% AVB)
    Geschlecht: Hengst
    Fellfarbe: Chestnut rabicano mit Birdcatcher-Spots
    (ee,A+A,Rbrb,Ff,X)
    Abzeichen: 4x weiss gestiefelt
    Gesundheit: sehr gut


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    Temperamentvoll, verschmust, frech, verspielt, neugierig


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    Tayr bedeutet Vogel auf Arabisch. Diesen Namen hat sich der junge Hengst auf der Rennbahn verdient, denn dort fliegt er gerne mal den anderen davon. Obwohl er durch seinen grossen Araber Anteil eher klein für ein Rennpferd ist und dadurch gegen die Elite der Englischen Vollblüter nicht ankommt, fegt er mit typischem Fahnenschweif und stolz aufgerichtetem Kopf über die Piste und erstaunt immer wieder Experten, die ihn unterschätzen.
    Tayr ist tatsächlich in Katar aufgewachsen und eingeritten worden. Er wurde mit fünf Jahren nach England importiert, als Teil einer Gruppe von Pferden, die von englischen Renn-Araber-Züchtern ausgesucht worden waren, um den Genpool mit arabischer Qualität aufzubessern.
    Da seine lange Mähne zum Rennen manchmal unpraktisch ist, er damit aber allen besser gefällt, wird sie ihm meistens eingeflochten, wodurch sie im offenen Zustand oft gelockt ist.


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    Besitzer: Occulta (Rosie Wilkinson)
    Ersteller: Occulta
    VKR: Occulta
    Verkäuflich: Nein


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    Gekört: nein
    Nachkommen: -
    Decktaxe: -


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    Galopprennen Klasse: L
    Western Klasse: A
    Spring Klasse: A
    Military Klasse: L
    Dressur Klasse: S
    Distanz Klasse: L

    Eignung: Galopprennen, Distanz
    Eingeritten: ja


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    [SW 486]
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    3. Platz 583. Dressurturnier
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    Tayr's Spind​