Occulta

○ Sika, DRP ♀

○ Sika, DRP ♀
Occulta, 27 Jan. 2017
    • Occulta
      Alte Berichte:
      Ankunft

      Eigentlich erwartete ich vom heutigen Tag nicht sonderlich viel. Ehrlich gesagt hoffte ich, dass ich mich mit einem Drink und Sonnenliege in den Garten pflanzen könnte und dort dann den Rest des Tages bliebe, nachdem die Pferde versorgt waren. Aber leider war das nicht der Fall.
      Stattdessen erreichte mich bereits beim Abmisten ein Anruf von Jual. Etwas perplex nahm ich ab. „Hey! Was gibt’s denn?“, fragte ich neugierig und war dann doch von deren Neuigkeiten ein wenig geschockt. „Im Ernst? Also wirklich jetzt?“, fragte ich immer noch etwas ungläubig und geduldig erklärte mir Jual nochmals alles. „Na klar übernehme ich wenn schon denn schon alle!“, meinte ich lächelnd und unterdrückte meine Traurigkeit.
      Es war keine schöne Sache, seine Freundin und Zuchtpartnerin zu verlieren, aber ich wusste, dass Überreden es nicht wirklich bringen würde. Also bereitete ich mich lieber auf einen Ansturm von Schecken vor. An sich besaß Jual nicht zu viele Pferde, aber direkt einmal zehn Pferde zu übernehmen. Dabei musste ich wohl oder übel auf die Hilfe von Ethan und Kat zurückgreifen, aber das klappte ja sowieso ganz gut.
      Da es herrliches Wetter war und die Pferde sich von Jual aus schon kannten, ließ ich mir nur ihre Weidekonstellationen geben und zäunte dann die nötigen Weiden ab, damit die Vierbeiner sich bei uns direkt frei draußen bewegen konnten, ehe sie dann kommende Woche in die großen Herden eingegliedert wurden und dann kamen sie auch schon! Jual hatte den Transport übernommen, während ich alle Vorbesitzer beziehungsweise Züchter abgeklappert und das Vorkaufsrecht geklärt hatte.
      „So, ich würde sagen wir fangen mit den Hengsten an“, meinte ich lächelnd und erklärte meinen drei Helfern auf welche Weide die Hengste sollten. Damit es nicht gar so viel Stress gab, ließen wir sie auch direkt zusammen. Jual lud Caillou und seinen Sohn Calimero II aus und führte die beiden bereits in Richtung Weide. Ethan übergab ich Elliot, der Hübsche würde keine Probleme machen. Kat überreichte ich Niyo, welcher wie immer die Ruhe selbst war. Ich übernahm hingegen Monster Delusion, welcher aufgeregt neben mir hertänzelte und die sonst recht ruhige Hengstgruppe direkt aufmischte.
      Danach waren die Stuten an der Reihe. Ihre Weide lag direkt in die entgegengesetzte Richtung, denn laut Jual waren zwei der Stuten momentan sogar rossig, was den Transport nicht leichter gemacht hatte. Jual schnappte sich die junge Frozen Bubble und Sika. Die beiden liefen brav neben ihrer Besitzerin her. Donatella und They call her Fiorina teilte ich zwischen Ethan und Kat auf, denn die beiden Scheckstuten waren echte Engel. Für mich blieb nur noch Amazed Marlin übrig und dann waren auch die Stuten allesamt auf ihrer Weide.
      „Perfekt! Das ging ja schnell!“, meinte Jual lächelnd und umarmte mich zum Abschied. „Wir hören uns“, meinte sie lächelnd und verschwand dann, wahrscheinlich für eine längere Zeit. Ich fand es wirklich schade, aber ändern konnte ich es ja leider leider nicht. Also machte ich das Beste draus, versprach ihr, sie könne ihre Pferde jederzeit zurückerhalten und plante nun schon einmal Turniere und Trainingseinheiten für die neuen.


      Ausritte durch Wyoming

      Wer hätte gedacht, dass die Idee der Ausritte so gut fruchten würde? Momentan waren wir natürlich noch in der Aufbauphase und die Menschen sprachen eher uns an als andersrum, aber meiner Meinung nach schien das doch eine ganz gute Idee zu sein. Kat würde sich sicherlich gerne um alle notwendigen Dinge kümmern.
      Auch dieser Morgen begann mit einem Ritt. Da Ethan allerdings in der Stadt unterwegs war (und um dort hin beziehungsweise zurück zu kommen, brauchte es ein Weilchen), musste Kat den Ritt mit mir zusammen begleiten. Dementsprechend setzte ich sie auf meine ruhigste Stute: Apaches Tomahawk.
      Ich selber machte mir Freeway fertig. Die Tinkerstute war ich schon eine ganze Weile nicht mehr selbst geritten, also wurde es mal wieder Zeit. Heute hatten wir auch nur vier Mitreiter. Es war eine Familie mit zwei älteren Kindern. Die Mutter setzte ich auf Caribic Sue, der Vater bekam Ice Coffee und für die Kids hatte ich Deep Silent Complete und Come Whatever May ausgesucht.
      Der Ausritt verlief ohne Probleme und eigentlich sogar richtig schön, wir machten ein kleineres Picknick und genossen die frühen Morgenstunden. Für besonderen Spaß sorgte Little Chocolate Chip. Mein kleines Falabella hatte ich mitgenommen und die Fuchsstute lief auch brav und frei neben uns her und schien den Ausritt auch zu genießen.
      Nachdem alle wieder heile zu Hause waren, ging es ans Versorgen und dann ans Füttern und Abmisten. Wie immer brauchten wir dafür eine ganze Weile und waren auch dankbar, als Ethan endlich mal wieder eintraf. Dann waren wir auch etwas schneller fertig.
      So konnte ich Khiara El Assuad mal wieder ordentlich longieren. Ihr letztes Fohlen war noch gar nicht so lange her und ehrlich? Das sah man ihr an. Die Vollblutstute war immer noch etwas kugelig, aber langsam wurde es besser.
      Da Kat sich mit einbringen wollte, übertrug ich ihr Chou und Fariyah Amazir. Die beiden Stuten sollten nur geputzt werden und das würde auch schon reichen. Auf der Weide stattete ich kurz Naimibia einen Besuch ab. Sie hatte heute frei, genauso wie Acacia, aber dennoch wollte ich bei den beiden nach dem Rechten sehen, ehe ich Walking In The Air zu mir holte und mit der Warmblutstute einen kleinen Ausritt machte.
      Der hatte vor allem den Zweck, die Zäune zu kontrollieren und dafür gingen gut und gerne zwei Stunden drauf, denn unser Land war nicht sonderlich klein. Danach waren sowohl Wita als auch ich verschwitzt und gönnten uns erst einmal eine Abkühlung im Fluss, ehe es nach Hause ging.
      Ein kurzer Blick auf die Liste verriet mir, dass zum Glück nur noch vier Stuten anstanden. Sika und Milka Luflee putzte ich beide gründlich. Sika longierte ich und Milka Luflee ritt ich heute sogar noch, ein wenig Abwechslung tat der Isländerstute gut.
      Die letzten waren Werina und Mondscheinsonate. Spontan setzte ich meine Idee mit der kleinen Kutsche um, zu zweit sollten die beiden das eigentlich locker schaffen, also putzen und anschirren. Klappte auch alles wunderbar und tatsächlich konnten wir eine kleine Runde über den Hof drehen! Für mehr war es aber auch zu warm und allmählich neigte sich der Tag auch dem Ende und außerdem hatte Kat heute gekocht, also würde es endlich mal wieder etwas Ordentliches geben!


      Training im Sommer

      Es war mal wieder schön, ausschlafen zu können und nicht wegen der Hitze schon so früh am Morgen draußen rumturnen zu müssen. Momentan zogen die Sommergewitter nur so über Wyoming und dementsprechend runtergekühlt war es nun auch, man konnte eigentlich schon wieder lange Sachen anziehen, beziehungsweise sollte es sogar, denn wenn man so stur blieb wie ich, sah man auch so aus wie ich diesen Morgen: blass und total verschnupft.
      Seufzend entschwand ich ins Bad um mich dort zumindest einigermaßen ansehnlich zu machen. Draußen war der Himmel grau, aber es regnete wenigstens nicht, also würde ich zumindest nicht noch einmal vollkommen nass werden. Unten in der Küche war auch bereits Kat unterwegs und bot mir direkt ein Glas Wasser und ein Aspirin an. „Danke“, murmelte ich knapp, schluckte die Tablette und frühstückte dann. Zumindest das, was ich herunterbekam.
      Trotz Erkältung musste die Pferde bewegt werden und besonders die Zuchtanwärter. Eine unerwartete Pause im Training von meinen Vierbeinern konnte ich mir schlichtweg nicht leisten. Also schlüpfte ich nach der Fütterung in meine Reitsachen und es ging direkt los. Wie dankbar ich war, den Stall nicht als reinen Stall gelassen zu haben, sondern aus ihm zumindest eine kleinere Halle zu machen. Bei dem regnerischen Wetter würde ich heute öfter dorthin ausweichen müssen.
      Erst einmal wollte ich die Körungskandidaten abarbeiten, denn diese hatten momentan schlichtweg Vorrang. Deshalb holte ich mir Classic Gold aus der Box, band sie direkt davor an und nahm ihr die Stalldecke ab. Classic Gold war das typische Vollblut, nicht nur einen typischen Namen hatte sie, nein, sie sah auch ziemlich genau so aus, wie sich jeder ein Vollblut vorstellte. Nur, dass sie nicht mehr sonderlich oft auf der Rennbahn zugegen war. Eine sehr gute Karriere hatte sie da dennoch hingelegt, aber wir widmeten uns inzwischen bevorzugt der Distanz und als erfrischende Abwechslung dazu auch dem Geländereiten.
      Für ein Vollblut war Classic Gold sehr ruhig und entspannt und auch heute ließ sie sich wunderbar von mir longieren. Wir waren inzwischen auf M-Niveau was die Distanz betraf, dementsprechende Ausdauer besaß die Stute auch. Ebenso strotzte sie nur so vor Muskeln und war eigentlich so gut wie bereit für die Krönung. Wir hatten sogar schon eine rausgesucht und gemeldet, nur hinfahren mussten wir noch.
      Nach der lockeren Trainingseinheit deckte ich Classic ein und führte sie noch zum Abtrocknen eine Runde über den Hof. Classic war bei dem Wetter genauso empfindlich wie ich und deshalb ging ich lieber auf Nummer sicher. Außerdem bekam sie wieder ihre Stalldecke drauf und dann ging es zurück in die Box. Eigentlich Ironie, wenn man sein Pferd Ende Juli eindecken musste, aber was solls. Ich war ja das beste Beispiel dafür, was passierte, wenn man es ignorierte.
      Nach Classic Gold war die zweite Krönungskandidatin an der Reihe. CH’s Sun is Shining hatte sich inzwischen gut bei uns eingelebt und war auch momentan im Training. Dass sah man der jungen Araberstute an und wie immer war sie ein wenig aufgeregt, als ich sie von der Weide in den Stall holte und sie fertig machte. Da sie demnächst noch zum Trainer kommen würde, wollte ich sie nur locker vorwärts-abwärts reiten und es dann für heute dabei belassen.
      Sunny lief sehr fleißig vorwärts und es war immer ein pures Vergnügen die Stute zu reiten, ehrlich. So war auch dieser Ritt wieder sehr angenehm und ich konnte das Training zufrieden beenden. Nachdem Sunny versorgt war, holte ich Hollybrook’s Zarin. Ich liebte den Hengst ja abgöttisch, aber zwischenzeitlich waren wir echt einfach nicht vorwärts gekommen. Es hatte kein vor und kein zurück gegeben, schrecklich.
      Seit kurzem trainierte ich nun wieder mit ihm und ritt ihn auch regelmäßig auf Turnieren. Der Witz war, der Hengst liebte das Fahren. Davon war ich nun gar kein Fan, aber Zarin zu liebe hatte ich mein Wissen erneut aufgefrischt und motiviert zeigte sich der Hengst nun auch vor der Kutsche. Ich hoffte ja inständig, dass ich mit diesem Argument Elisa überzeugen könnte, den Hengst auch zu trainieren, sie mochte das Fahren doch genauso sehr wie er.
      Heute longierten wir aber nur, denn sowohl fürs Reiten als auch fürs Fahren waren starke Rückenmuskeln wichtig und da fehlte es Zarin gerne mal noch. Also mussten wir das aufarbeiten. Zarin machte fleißig mit und während er so seine Runden um mich drehte, musste ich daran denken, wie er als kleines Fohlen noch mit der Mama über die Weide getrippelt war. Zu süß!
      Nach Zarin schwang ich mich in den Sattel von Leitz. Zuvor hatte ich draußen auf dem Platz eine gute halbe Stunde damit verbracht, einen Springparcours aufzubauen. Keine spaßige Sache. Leitz war wie immer motiviert, beinahe zu motiviert und ich hatte ab und an zu tun, den großen Holsteiner wirklich unter Kontrolle zu haben. Aber ihm machte es Spaß und so arbeiten wir eben auch an unseren Problemchen. Damit ich den Parcours nicht nur für ein Pferd aufgebaut hatte, schwang ich mich fast direkt von einem Palomino auf den nächsten. Kat hatte angeboten, Leitz zu versorgen und so hatte ich mir direkt Allelujah geschnappt.
      Der aufmüpfige Kerl konnte ruhig mal wieder arbeiten. Da hatte ich mir von Elisa auch einen Chaoten andrehen lassen. Allelujah hatte sich inzwischen echt gebessert, aber manches Mal war er einfach noch anstrengend und genauso schrecklich wie am Anfang seiner Tage. Da seine größte Leidenschaft das Springen war, arbeitete er heute auch wunderbar mit und ich konnte mich wirklich nicht beklagen. Motiviert nahm er die Hindernisse, blieb dabei aber dennoch bei mir und reagierte sensibel auf meine Hilfen. Als Belohnungen gingen wir dann noch eine kleine Runde im Schritt ins Gelände, ehe er zurück auf die Weide durfte.
      Eigentlich war ich mit meiner Erkältung jetzt schon an meinen Grenzen, aber ich hatte nicht einmal die Hälfte der Pferde geschafft. Nachdem mich Laurel, die Reitbeteiligung von Lila Wolken, beinahe ewig angebettelt hatte, hatte sie es nun tatsächlich geschafft, dass wir mit den beiden Isländern zu einem Kurs fürs Gangreiten fahren würden. Laurel auf Lila Wolken und ich auf Hákur. Ganz so überzeugt war ich von der Idee ja noch nicht wirklich, aber als Besitzerin von inzwischen vier Isländern blieb mir nicht sonderlich viel übrig.
      Deshalb hatten Laurel und ich uns für heute auch zum Training verabredet. Motiviert sattelte das junge Mädchen die Scheckstute, während ich mir meinen hübschen Falben fertig machte. Gemeinsam wärmten wir die beiden dann auf und schon ging es los. Lila Wolken und Laurel waren ein klasse Team und was die da teilweise auf der Bahn zeigten, war beeindruckend! Da konnten Hákur und ich noch nicht wirklich mithalten, aber gut, irgendwie würden wir das auch noch hinbekommen, da war ich mir sicher. Zum Glück war Hákur heute auch nicht allzu motiviert, so dass ich heimlich einiges auf ihn schob.
      Nachdem die Isländer geschafft waren, fragte Laurel, ob sie mir noch helfen könnte. Ich grinste sie fröhlich an. „Wenn du genügend Lust und Zeit hast, hier gibt es noch genug zu tun“, meinte ich lachend und sie nickte begeistert. Sicherlich würde ich eine RB nicht auf alle meine Pferde lassen, aber Laurel war talentiert und vor allem verantwortungsbewusst. Bei ihr waren Pferde wirklich gut aufgehoben, aber den Ruf hatte sie sich natürlich auch erst einmal erarbeiten müssen. Nun sammelte sie dafür aber auch das Lob und den Lohn.
      „Du kannst gerne Morning Sun reiten und danach noch Animby longieren“, meinte ich und schon war Laurel verschwunden, auch nicht schlecht, wenn man eine Aushilfe hatte, zwei Pferde weniger. Ich machte mir stattdessen Ice Coffee fertig. Seit neustem plante ich, auch die Paint Stute langsam in Richtung Körung zu bekommen, sie wäre das ideale Gegenstück zu Twist und das wollte ich mir auf keinen Fall entgehen lassen. Außerdem baute Jani sich im Moment wieder eine aktive Westernzucht auf und als Leihpferde gab ich meine Vierbeiner dort nur zu gerne hin.
      Nach der Westernstute ritt ich auch noch Dr. Insektor. Mit ihm war es das gleiche Spiel wie mit Zarin, momentan kamen wir einfach nicht voran. Aber ich hoffte einfach, dass der Hengst nur Zeit brauchte und dann würde das klappen. Stattdessen machte ich dann noch ein wenig Bodenarbeit mit Schneeleopard und ging eine Runde mit Absinth spazieren. Beide Hengste waren motiviert mit dabei und dementsprechend klappte auch alles gut. Als nächstes beschäftigte ich mich mit Feuervogel. Wir ritten heute nur ein wenig ohne Sattel in der Halle, denn so wirklich Lust hatte ich nicht mehr und Feuervogel hatte sich sowieso ein Päuschen verdient. Grinsend musste ich immer an Elisa denken, wenn ich ihn ritt.
      Danach lud ich Laurel noch zu einem Ausritt ein. Für den setzte ich sie auf Sika und ich machte mir Cual Maniaca fertig. Wir erfrischten eine lange Trockenphase zwischen den Regengüssen und konnten den Ausritt sogar richtig genießen. Zu guter Letzt versorgten wir die beiden Pferde und ich musste nur noch zwei Chaoten bewegen, dann hätte auch ich es endlich geschafft.
      Scheherazade longierte ich heute nur und Cover the Sun ritt ich dressurmäßig, der junge Hengst sollte auch langsam ins Training. Ich war mir aber sicher, dass er das mit Bravour schaffen würde. Zufrieden versorgte ich auch noch ihn und dann gönnte ich mir eine heiße Dusche, um mich danach in eine Decke auf dem Sofa einzumümmeln.


      Alles hat ein Ende

      Grübelnd saß ich gemeinsam mit Kat und Ethan am Frühstückstisch. Ich wusste gar nicht so recht wie ich beginnen sollte, aber vielleicht fing ich einfach an, das wäre wohl das einfachste. „Leute? Ich muss euch was sagen“, meinte ich und zog die Stirn ein wenig kraus. Ethan und Kat sahen mich neugierig an, sie schienen mit nichts Besonderem zu rechnen, maximal mit einem neuen Pferd, aber sonst. „Es ist nicht das was ihr denkt“, sagte ich genervt und haute es dann einfach raus: „Ich ziehe weg. Die Ranch steht schon zum Verkauf.“
      Tja, da waren meine beiden Mitbewohner erst einmal baff, aber es ging nicht anders. Ich hatte die Pause in Wyoming wirklich genossen, aber es war langsam Schluss damit. Ich sehnte mich wieder nach einem richtigen Gestüt und nach Mitarbeitern und genau das wollte ich umsetzen. Kat und Ethan schwiegen, sie schienen nicht so recht zu wissen, was sie sagen sollten. Auch sie hatten diese Pause genutzt, um aus ihrem alten Stress heraus zu kommen, aber beide waren eher Stadtmenschen und nicht für das Land geschaffen und das hatten sie auch schon oft zugegeben.
      Wir frühstückten relativ schweigend zu Ende und dann machte ich mich auch schon auf den Weg nach draußen, die Pferde mussten immerhin versorgt werden. „Ich übernehme die Hengste!“, erklärte sich Ethan bereit und stand mit auf. Schweigend warf ich vier Heubündel auf die Schubkarre und machte mich auf den Weg in Richtung Stutenweide. Die Heunetze wurden alle frisch aufgefüllt und der Rest kam in die Raufen. Dann mistete ich die Unterstände und machte mich auf den Weg zu den Fohlen.
      Im Stall traf ich wieder auf Ethan, der nun auch fertig war. Gemeinsam brachten wir die neueren Pferde auf die kleineren Weiden und misteten deren Boxen aus. Neu waren Fandango und Scheherazade, welche immer noch getrennt von den anderen standen, das war mir doch lieber. Doch schon bald sollten dann auch sie umgesiedelt werden, aber ein wenig Zeit hatten wir ja noch. Da nun die grundlegende Arbeit fertig war, konnte ich mit dem Training beginnen. Dabei standen an vorderster Spitze unsere momentanen Körungskandidaten und davon hatten wir mehr als genug.
      Dementsprechend holte ich Classic Gold und CH’s Sun is Shining von der Weide. Zweitere packte ich erst einmal auf den Paddock und erstere wurde geputzt und zum Longieren fertig gemacht. Den Probedurchlauf für die Krönung hatten Classic Gold und ich schon hinter uns, nun wurde es langsam ernst und ich hoffte, dass das bald mal von Statten gehen würde. Hier in Wyoming hatten sie es nicht so mit regelmäßigen Krönungen, die waren manchmal Monate lang offen.
      Classic Gold longierte ich heute nur locker vorwärts-abwärts. Sie sollte fit bleiben, aber gestern waren wir auf einem Turnier gewesen, deshalb machten wir heute nur muskelkater-vorbeugendes Training. Sunny musste stattdessen mehr dran glauben. Die Araberstute sattelte ich mir und ging mit ihr für ein Stündchen auf den Reitplatz, um die kommenden Aufgaben durchzureiten und unsere Fehler noch auszubessern.
      Danach waren Ice Coffee und Cual Maniaca an der Reihe. Ich schnappte mir Kat für einen kleinen Ausritt und setzte die Anfängerin auf die brave Westernstute. Manni wäre nichts für sie gewesen, sie war viel zu zickig dafür. Der Ausritt verlief aber ganz entspannt, auch wenn Kat nur grummelnde Töne von sich gab. Wieder auf der Ranch traf ich auf Laurel, welche die Reitbeteiligung von Lila Wolken und Hákur war, dementsprechend waren die beiden Isländer heute versorgt.
      „Wenn du fertig bist, können wir auch noch einen Ausritt mit Milka Luflee und Hyreygur machen!“, bot ich ihr an und Laurel schien sich nach einem anstrengenden Schultag sichtlich auf diese Abwechslung zu freuen. In der Zwischenzeit bewegte ich Allelujah und Feuervogel, meine beiden hübschen Palominos. Mit beiden Junghengsten hatte ich genug zu tun und war danach eigentlich auch echt k.o., aber der Tag war noch nicht einmal zur Hälfte rum! Auf mich wartete nun noch ein Dressurtraining mit Dr. Insektor und ein Geländeritt mit Hollybrook’s Zarin. Ethan wollte uns auf Schneeleopard begleiten und das Training beobachten, außerdem wollte ich ungern alleine im Gelände springen, wenn doch einmal etwas passierte, hatte ich keine Hilfe vor Ort.
      Ethan versorgte danach beide Hengste, damit ich in der Zeit erst Animby und dann Absinth longieren konnte. So viele Pferde alleine zu bewegen machte definitiv keinen Spaß. Umso dankbarer war ich dann, als die ersten Pferdemädchen eintrafen. Ich hatte zwei feste Gruppen je fünf Mädchen erstellt, welche zweimal die Woche kamen und Reitunterricht bekamen. Sie hatten auch jeder ein eigenes Pflegepferd und so standen einige Minuten später fünf Stuten am Putzplatz und wurden vorbildlich versorgt.
      Dabei handelte es sich um Apache’s Tomahawk, Caribic Sue, Freeway, Walking in the Air und das Kürbisvieh. Die Mädchen liebten ihre Pferde und gingen immer sehr umsichtig mit ihnen um. Dementsprechend verlief auch die heutige Stunde wieder sehr entspannt und lehrreich. Am Ende standen alle Pferde wieder zufrieden auf den Weiden und die erste Gruppe zog ab. Aber die zweite stand schon in den Startlöchern.
      Da diese aber jünger war, holte ich die Pferde selbst von der Weide. Aus dem Grund fing ich mir Naimibia, Herbsttraum, Occani, Deep Silent Complete und Come Whatever May ein und nahm sie mit zum Putzplatz. Dort wurden sie direkt umzingelt und liebevoll versorgt. Für die zweite Gruppe stand heute ein Spazierritt an und deshalb nahm ich die kleine Little Chocolate Chip als Handpferd für mich mit, während ich mir Chou fertig gemacht hatte.
      Nach dem Ausritt ging es wie immer noch einmal zu den Shetlandponys und diese wurden dann mit Streicheleinheiten und Leckerlis umsorgt. Werina und Mondscheinsonate liebten das besonders, aber auch Window holte sich gerne das ein oder andere Leckerli ab. Hoppla stand mit bei dem kleinen Shetty und bekam dementsprechend auch Streicheleinheiten.
      Danach war auch die zweite Gruppe weg und nun war es bereits später Nachmittag. Ich gönnte mir eine Pause, bei welcher ich bei Khiara El Assuad und Quintesse of Xaras vorbeischaute. Die beiden standen grasend am Koppelzaun und ließen sich gerne ein wenig kraulen. Dann ging es für mich auch schon in den Endspurt. Sika, Cover the Sun, Morning Sun und Raunchy’s Limited wollten noch bewegt werden, außerdem musste ich auch noch bei Joyce vorbeischauen. Danach war ich für heute fertig, die Pferde bekamen noch ihr Abendheu und dann ging es unter die Dusche und zum Abendbrot.
      Am nächsten Tag saßen wir erneut schweigend am Frühstückstisch, bis Kat damit rausplatzte, dass sie eh wieder zurück nach New York kehren wollte und Ethan sich auch dafür entschieden hatte. „Das ist gut. Ich habe nämlich auch schon Interessenten für die Ranch“, meinte ich lächelnd und schaute in zwei entsetzte Gesichter, damit hatten sie anscheinend nicht gerechnet. Tja, so war das Leben.
      Der Tag begann wie jeder andere mit Füttern und Abmisten und dann ging es los mit dem Training. Heute widmete ich das vor allem den Hengsten und Fohlen. Zu allererst waren Leitz und Vertigo an der Reihe. Beide ließ ich freispringen. Danach ging es direkt im fliegenden Wechsel weiter, denn Sikari musste noch longiert werden und mit Rosewell arbeitete ich weiter am Fohlen ABC, das saß nämlich noch nicht so richtig. Piccolo’s Blaze, Niyo und Caillou hatten momentan frei, deshalb hatte ich genug Zeit, mich um unsere Nachzuchten zu kümmern. Korah schmuste ich nur, aber mit Panta Rhei und Amadahy ging es schon in Richtung Bodenarbeit.
      Danach war Talya an der Reihe, die junge Stute machte sich momentan wunderbar, allerdings war sie noch längst nicht an der Reihe. Erst einmal würde Amazed Marlin an einer Krönung teilnehmen und hoffentlich so in die Fußstapfen von They call her Fiorina und Donatella treten. Ebenso war Elliot erst kürzlich gekört wurden und nun der neuste Zuchthengst im Stall. Calimero II musste stattdessen erst einmal lernen, dass man während des Putzens still stand, da hatte er viel mit Frozen Bubble und Nabiri gemein, denn alle drei Fohlen waren die Unruhe in Person.
      Deshalb brauchte ich dann erst einmal eine Fohlenpause und holte mir Pajero und Heartbreaker für einen Ausritt. Heartbreaker ging als Handpferd mit und wir genossen den Ausritt wirklich, er war mal wieder richtig schön entspannt. „Ausritt mit den Westernpferden?“, fragte ich Kat und Ethan und natürlich sagten diese nicht nein. Also machten wir uns gemeinsam mit Dissident Aggressor, Call me a Twist und Morrigan auf den Weg. Die Weidezäune kontrollierten wir nebenbei auch direkt und schlichteten einen heftigen Streit zwischen Golden Ebano und Pawaneeh. Die beiden Vollbluthengste konnten sich noch nie wirklich leiden und zankten sich selbst über den Zaun hinweg an.
      Wieder da stattete ich kurz Aristo und Thorondor einen Besuch ab. Die beiden hatten heute frei, genauso wie Bandit und die drei schienen damit sichtlich glücklich zu sein. Im Gegensatz zu Hugo Boss, der nämlich mit mir in die Springstunde musste, genauso wie Carachillo und Varulv. Denn drei der gestrigen Reitmädels waren schon etwas fortgeschrittener und sprangen für ihr Leben gerne.
      Nach dieser Stunde wurden die Hengste abgesattelt und abgewaschen. Der Tag neigte sich bereits dem Ende zu, dabei musste ich noch Albertino longieren, mit Altyn ins Gelände und mit meinem geliebten He’s called Trüffel wollte ich noch ein wenig Bodenarbeit machen. Denn der junge Hengst stand seit neusten mit bei den großen und wurde allmählich zum Reitpony ausgebildet. Also theoretisch war er schon eingeritten, aber manchmal war er noch etwas schreckhaft und die Kommandos saßen noch nicht, aber genau das wollte ich heute ein wenig erarbeiten, damit dann das Training unter dem Sattel einfacher von der Hand gehen würde. So wie ich Trüffel kannte, würde er sowieso einwandfrei mitmachen und wir würden auch heute wieder große Fortschritte erzielen. Ich erahnte bereits, dass ich das kaum schaffen würde, aber ich gab mir Mühe und siehe da! Am Ende des Tages waren alle Pferde versorgt.
      Der nächste Morgen war von Stress geprägt, denn Kat hatte ein plötzliches Vorstellungsgespräch in New York erhalten und musste deshalb schon eher los. Ich war eigentlich gerade dabei, nach potenziellen Höfen zu schauen, als Ethan ins Haus gestürmt kam und mir wild gestikulierend erklärte, dass der Zaun der Jungpferde ein Leck zu haben schien und die Hälfte davon im Nirgendwo war. Toll.
      Also schnell anziehen und los auf die Suche. Vorher machte ich aber eine Bestandsaufnahme von den Verbliebenen und sperrte das doch beachtlich große Loch im Zaun ab. Da waren noch circa 8 Fohlen. Ich konnte Sibiria entdecken, Caruso, Paddington, Outlaw Torn, Dead Memories, Hollybrook’s Tiny Girl, Destiny Horror und Hollybrook’s Fairy Bluebird. Also fehlten eindeutig noch genug.
      Als erstes entdeckte ich mitten im Wald Prazzys Goldbell. Der wollte sich natürlich gar nicht einfangen lassen und kam nur zu mir, weil Shawnée wiehernd und im Eiltempo auf mich zugetrabt kam. Ethan hatte auch Glück und erwischte Dead Memories und Never look back. „Puh. Wäre der was passiert, wäre ich dran gewesen!“, meinte ich lachend und musste an Elisa denken.
      Es fehlten noch Mellow Billow und Mon petit écrou. Die beiden Stuten waren aber gar nicht so weit gekommen wie gedacht und ich hatte auch beim Einfangen Glück. Auf dem Heimweg mit beiden lief uns noch Cruel Twist of Fate über den Weg. Und wieder an der Weide entdeckte ich Ethan mit Unitato und Abendprinz. Nun fehlten ja nur noch…ach ne!
      Da hatte ich noch einmal Glück gehabt, denn Herbstmond lief noch bei ihrer Mama mit und Acariya hatte ich auch mit zu den Welshponys gepackt. Um Sacre Fleur brauchte ich mir momentan keine Gedanken machen, die verweilte noch bei ihrer Mama bei kira, wobei sie auch langsam abgesetzt werden müsste…
      Ein letztes Mal zählte ich durch um zu kontrollieren, ob wirklich jeder da war, dann konnte ich mich zufrieden der Tagesordnung widmen.


      Weihnachten

      Pünktlich sieben Uhr morgens trällerte mein Wecker „Shake up the happiness, wake up the happiness…“ und versetzte mich zurück in das Gefühl der letzten Tage. Vor kurzem waren wir umgezogen und hatten es Anfang Dezember dann endlich geschafft, dass alle Pferde auf das neue Gestüt zogen und nun stand mir ein Neubeginn vor. Nochmal von vorne, aber es fühlte sich richtig und gut an.
      Seit Tagen verbrachten nun ich und die Pfleger vor allem auch Zeit damit, alles weihnachtlich zu schmücken, denn am 23. Dezember würden wir unsere Weihnachtsfeier haben und bis da waren es nun nur noch knapp vierundzwanzig Stunden, in denen allerhand geschafft werden musste. Die Pferde hatten zwischenzeitlich ein wenig Pause gehabt, denn ich hatte mich erst einmal ordnen müssen.
      Da das Gestüt aber über genügend Weiden verfügte, verbrachten sie ihre freie Zeit eben dort. Da der Winter momentan auch gar kein Winter war, konnten sie auch ungestört über die fast schon zu grünen Wiesen toben und ich musste ein wenig aufpassen, dass sie mir nichts zerstörten, aber so lange es trocken blieb, war alles gut. Tatsächlich war es dieses Jahr wirklich kein Winter. Stattdessen hatten wir täglich um die 15 Grad und Sonnenschein, es war eher wie Frühling.
      Dementsprechend fiel es alle Beteiligten schwer, sich wirklich in ein Winterfeeling zu versetzen, aber es blieb uns ja nichts anderes übrig, wenn in zwei Tagen Weihnachten sein würde. An sich hatte ich an dem Tag meinem ganzen Personal frei geben wollen, aber sie wollten zumindest bis Mittag noch ihren Dienst verrichten und mich bei der großen Anzahl an Pferden unterstützen. Dafür dankte ich ihnen sehr und am morgigen Abend würde jeder noch eine kleine Überraschung von mir erhalten.
      Doch nun musste ich mich erst einmal aus dem Bett schälen und mich allmählich fertig machen, denn die Pferde warteten schon auf ihr Frühstück und dann wollten sie auch schon hinaus auf die Weide. Bisher hatte ich nicht viel Personal, weshalb ich selbst noch kräftig mit anpackte. Jeder hatte eine bestimmte Aufgabe verteilt bekommen, weshalb sie Pferde schon gefüttert waren, als ich angezogen und gefrühstückt in den Stall trat. Stattdessen ging es nun auf die Weide. Immer mit zwei Pferden verließ ich den Stall und brachte sie auf ihre bestimmte Weide. Um dem Personal einen Leitfaden zu geben, hing zum einen im Stall ein großer Plan und zum anderen stand sowohl an den Boxen als auch an den Weiden, wer wo hingehörte. So konnte ich mir sicher sein, dass alle Pferde dorthin kamen, wo hin sie sollten.
      Die Fohlen waren heute wieder besonders aufgeregt, für sie konnte es nie schnell genug nach draußen gehen. Besonders Hidden Flyer und Exciting Force waren immer sehr stürmisch. Die beiden Vollblutfohlen waren noch nicht sonderlich lange in meinem Besitz, weshalb ich sie bisher nur schwer einschätzen konnte, aber ich gab mir Mühe und so langsam kam ich dahinter. Zumindest rissen sie sich inzwischen nicht mehr samt Halfter und Strick los, sondern warteten, bis ich diese entfernt hatten.
      Heute sollte ein normaler Alltag anstehen, trotz der Tatsache, dass der 22. Dezember war, hatten wir noch genügend Anmeldungen für unsere heutigen Reitstunden. Eine würde ich halten, die andere würde auf das Konto einer mobilen Reitlehrerin gehen. Doch vorher wollte ich das sonnige Wetter für einen Ausritt nutzen. Leider fand sich spontan kein Mitreiter, weshalb ich entschied, mich selbst auf Deep Silent Complete zu schwingen und Come Whatever May als Handpferd zu nehmen.
      Die beiden Warmblutstuten kannten sich schon lange und kamen sehr gut miteinander aus, es würde also ein ruhiger und entspannter Ausritt werden, so etwas hatte mir gefehlt! Danach konnte ich dann guten Gewissens in den Tag starten. Tatsächlich waren wir auch nur eineinhalb Stunden unterwegs und nachdem beide Stuten gut versorgt wieder auf der Weide standen, erwarteten mich schon die Reitstunden.
      Die erste Reitstunde hatte etwas eher begonnen, da die Reitlehrerin heute Nachmittag noch woanders hin musste. In ihr liefen nur Herbsttraum und Hugo Boss. Beide unter sehr erfahrenen und talentierten Nachwuchsreitern, welche eine wirklich gute Figur auf den Ponys machten und den Unterricht der Reitlehrerin befürwortete ich auch sehr. Meine Reitstunde würde für fünf Reiter sein, es war ausnahmsweise Abteilungsreiten, was ich ungern machte, aber es konnte auch Spaß machen.

      Ich muss ehrlich sein, die Lewitzer setzte ich an liebsten in den Reitstunden ein. Immerhin züchtete ich sie als talentierte Sportponys für Kinder und Jugendliche. Dementsprechend besaßen sie auch einen ruhigen und rücksichtsvollen Charakter, waren aber denn wirklich talentiert. Das war auch der Grund, weshalb ich für meine Reitstunde Donatella, Elliot, They call her Fiorina, Talya und Carachillo ausgesucht hatte. Schnell waren die Pferde verteilt und die Reiter damit beschäftigt, sie vorzubereiten, denn das musste man bei uns noch alleine machen. Sie hatten dafür gut eine halbe Stunde, je nachdem ob sie eher oder später kamen. Pünktlich um zwölf startete dann meine Reitstunde. Ich ließ sie die Pferde erst einmal aufwärmen und gab den ein oder anderen schon ein paar Tipps. Wir wechselten immer zwischen Abteilungsreiten und freiem Reiten, bei zweiteren nahm ich sie mir auch gerne mal einzeln auf dem Zirkel vor. Es lief wirklich gut, auch wenn ich das Gefühl hatte, danach schon heiser zu sein, aber was tat man nicht für die Jugend!
      Auch das Versorgen der Pferde beobachtete ich aufmerksam und war erst zufrieden, als es sowohl den Pferden als auch der Ausrüstung wirklich gut ging. Einer meiner Reiter schien gerade im Stress zu sein, denn ich fing ihm auf den Hof ab, wo er im fliegenden Wechsel von einem Pferd aufs andere sprang. Gerade kam er mit Scheherazade vom Distanztraining zurück und war nun schon auf halben Weg, um mit Cual Maniaca die nächste Runde anzutreten. Deshalb nahm ich ihm ein wenig Arbeit ab und führte meine braune Araberstute trocken, ehe ich sie noch abbürstete und dann auf die Weide brachte. Scheherazade barg sehr viel Potenzial, doch bisher hatte es sich noch nicht wirklich entfaltet. Leider.
      Da der morgige Tag gefüllt sein würde mit dem Programm unseres Weihnachtsfestes, hatte ich spontan eine Longenstunde doch noch auf heute geschoben. Das Pferd dafür war Kürbis, sie war ideal für die kleine Sechsjährige, welche uns hoffentlich öfters besuchen würde. Gemeinsam machten wir das Pferd fertig. Das Mädchen war sehr wissbegierig und scheute sich auch nicht, direkt nachzufragen. Heute machten wir an der Longe nur leichte Übungen, um ihre Balance und Konzentration zu stärken. Abschließend durfte sie noch ein paar Runden traben, ehe ich sie noch eine Runde um den Hof führte und dann war auch schon Schluss. Ohne Protest ging das zwar auch nicht, aber kommende Woche würde sie ja schon wieder da sein.
      Das Reitschulgeschäft konnte ganz lukrativ sein und ohne würde ich kurz über lang nicht auskommen, wiederum war mir aber das Wohl meiner Pferde wichtig und so basierte mein Prinzip darauf, dass auf jede Reitstunde mindestens zwei Korrekturstunden kamen und ein Pferd nie wirklich öfters als ein bis zweimal in der Woche lief. So dringend nötig hatten wir das Geld dann auch wieder nicht.
      Für den heutigen Nachmittag stand aber noch allerhand an. Ich wollte zumindest auch ein wenig mit helfen und es gab das ein oder andere Pferd, was wirklich nur ich ritt. Das war aus Prinzip Pajero. Den Schecken hatte ich schon, seitdem er ein Fohlen war, weshalb wir eine enge Bindung zueinander hatten. Für heute hatte ich mal wieder ein wenig Geländetraining eingeplant, das liebte er ja abgöttisch und besonders talentiert war er auch.
      Nach Pajero wartete schon mein zweiter Liebling: Thorondor. Jahrelang war ich seine Reitbeteiligung gewesen, dann war er in meinen Besitz gewandert und nun stand der wunderschöne Rappe bei mir im Stall und ging meinem Personal auf den Keks, denn er hatte einen sehr speziellen Charakter. Doch die Freiarbeit machte mit ihm tierisch Spaß und jeder bewunderte den Ausdruck und die Motivation des Pferdes, während wir über den Reitplatz tobten, es war wie immer sehr erleichternd.
      Für den heutigen Tag stand noch ein Springtraining mit Classic Gold an und eine Kutschfahrt mit Little Chocolate Chip. Danach telefonierte ich noch mit Occulta, welche momentan Naimibia als Leihstute für ein Fohlen besaß, schon bald würde meine hübsche Stute zurückkehren, da Occulta gerade dabei war, das Fohlen abzusetzen. Es war ein Traum von Reitpony geworden und wurde schon jetzt (zurecht) bewundert.

      Am kommenden Tag stand die Weihnachtsfeier an. Da diese pünktlich 13 Uhr beginnen sollte hieß es, den restlichen Kram schon vorher fertig zu machen und das war allerhand. Zum einen ritt ich vorher noch Allelujah, denn der hatte sich inzwischen seinen Ruf bei meinen Reitern gemacht und wurde tunlichst gemieden, weshalb ich die einzige war, die ihn vor allem gerne ritt. Danach longierte ich noch meinen Zwerg Hoppla, damit der kleine Kerl über den Winter weg nicht zu kräftig wurde und als letztes ließ ich noch einmal allen Stress von mir abfallen, während ich mit Albertino eine gemütliche Runde ins Gelände ging.
      Und dann ging schon unser Programm los! Beginnen tat das Ganze mit einem Führzügelwettbewerb. Endlich hatten wir eine Beschäftigung für unsere Zwerge gefunden. Werina und Mondscheinsonate liefen auch öfters als Gespann vor der Kutsche, aber Window blieb da immer ein wenig alleine im Nichtstun. Führzügelwettbewerbe und das Training mit den Zwergen machte ihm hingegen riesigen Spaß und unsere kleine Flauschkugel nahm tatsächlich ein wenig ab!
      Occani und Heartbreaker brauchten ein wenig mehr Beschäftigung. Zwar waren beide super kinderlieb und sehr geduldig, aber man sah ihnen doch an, dass es ihnen wesentlich mehr Spaß machte, gefordert zu werden. Sei es nun in der Dressur, im Springen oder im Gelände. Die beiden Welshs waren einfach für alles zu haben.
      Aus diesem Grunde hatten wir angeboten, die ein oder anderen kleinen Reiterinnen darauf vorzubereiten und alle waren wie verrückt gewesen. Es gab natürlich Schleifchen zu gewinnen und für jeden einen Nikolausstiefel mit Leckereien, so dass niemand leer ausging. Das Publikum hatte auch sichtlich Spaß! Danach sollten die Großen zeigen, was sie konnten, denn nun kam eine Hengstquadrille!
      „Bei der Auswahl der Pferde für die Hengstquadrille hatte ich lange mit mir gehapert, denn diese Pferde repräsentierten das Gestüt und sollten auch potenzielle Züchter anlocken. Also hatte ich versucht, so viel wie möglich mit einzubringen: Pawaneeh als Vertreter unserer Vollblüter, Cover the Sun lief als Sportpferd mit, Aristo zeigte die barocke Seite des Gestüts und zu guter hatte ich mich noch für Dissident Aggressor entschieden.
      Ich hatte alles dabei haben wollen und es war mir gelungen! Ich selbst saß auf Dissident Aggressor und jedes Pferd zeigte eine besondere Lektion, so dass Dissi und ich einen Spin zeigten, Aristo die Piaffe, Cover the Sun eine Pirouette und Pawaneeh überzeugte mit seinen Seitengängen. Der Applaus sprach auf jeden Fall für sich!
      Da ich wusste, wie beliebt es bei kleinen Kindern war, boten wir eine Art Ponyreiten an. Es waren immer größere Spaziergänge in das umliegende Gelände, circa eine Viertelstunde, bei welcher die Kinder geführt wurden. Dafür hatte ich Milka Luflee, Hyreygur, Varulv und Cheveyo ausgewählt, allesamt waren Hingucker aber totenbrav und das war das Wichtigste.
      Die Weihnachtsfeier war toll und alle hatten viel Spaß. Gegen 18 Uhr verließen allmählich alle das Gestüt und mit meinen engsten Leuten machte ich noch einen nächtlichen Ausritt bei Vollmond. Gut, nächtlich war übertrieben, aber 19 Uhr war es eben schon stockduster. Wir waren zu viert unterwegs und ritten unsere ruhigen Westernstuten: Kisshimbye, Like Honey and Milk, Ice Coffee und Apache’s Tomahawk. Schöner konnte man es nicht haben. Der Abend endete mit einer Weihnachtsfeier mit einem reichen Büffet und einer Dankesrede samt Geschenken für alle. Dann rückte auch der 24. Schon näher und ich würde allerhand zu tun haben.

      Wirklich viel Zeit hatte ich nicht, ich wollte alles schaffen, aber auch pünktlich 18 Uhr zu Hause sein, das hieß, dass spätestens halb fünf alles geschafft sein musste. Aus diesem Grund stand ich heute wesentlich eher auf, um nach der Fütterung direkt Khiara El Assuad, Golden Ebano und CH’S Sun is Shining in die Führmaschine zu packen.
      Während die drei beschäftigt waren, longierte ich meinen Junghengst Altyn, welcher sich momentan mehr als gut machte und mit dem ich wirklich zufrieden war. Dann widmete ich meine Aufmerksamkeit meinem Neuzugang Cola, welcher immer noch ein wenig in sich gekehrt war, was ich versuchte, mit Bodenarbeit aufzulockern. Wir machten Fortschritte, allerdings eben nur kleine. Da ich heute noch meinen Pferden etwas Gutes tun wollte, ritt ich noch Feuervogel und Morning Sun. Ich wusste, dass die beiden Reitponys sonst vor Langeweile vergingen.
      Da ich noch ein wenig Hilfe von meinem Personal am Morgen hatte, waren auch Lila Wolken, Possy Pleasure Mainstream und Sika bereits bewegt. Für Autumn Leave in the Sky und Dr. Insektor hatte sich auch noch jemand gefunden und so hatte ich doch schon fast meine Liste geschafft. Es war bereits früher Nachmittag, als ich noch zu einem Ausritt mit Flintstone und Schneeleopard aufbrach.
      Danach machte ich alles für den Abend bereit, denn die Pferde bekamen jeweils eine Extraportion Möhren, weil Weihnachten war. Dann ging ich zu meiner Kontrollrunde in den Fohlenstall. Amadahy, Frozen Bubble, Korah, Nabiri, Panta Rhei und Roswell vertraten stolz meine Lewitzerzucht. Es waren allesamt herrliche Nachkommen, auf welche ich mehr als stolz sein konnte.
      Auch über meine Welshponys konnte ich mich nicht beklagen. Acariya wurde von Tag zu Tag schöner, Sacre Fleur langsam immer selbstbewusster und zu Herbstmond brauchte ich nichts sagen, die wurde eh von alles und jedem geliebt und das zurecht! Shawnée und Siberia waren ja damals mehr Zufall gewesen, dennoch wollte ich die beiden Welsh Ds nicht mehr missen und auch heute bekamen sie wieder ihre Portion Knuddeln.
      Vor den Boxen von CH’s Destiny Horror und Hollybrook’s Fairy Bluebird blieb ich etwas länger stehen. Beide waren nun langsam bereit für den nächsten Schritt in ihr Dasein als Reitpferd, nur ich zögerte noch ein wenig, ich wollte ihnen so viel Zeit wie möglich geben. Das Gleiche galt für Tiny Girl, doch mein AMH unterschätzte ich zu gerne und wenn ich das tat, zeigte sie es mir auch deutlich.
      Der Tag neigte sich dem Ende und halb fünf standen alle Pferde in frisch gemachten Boxen, mit ihrer Ladung Heu für die Nacht. So konnte ich guten Gewissens duschen und mich umziehen, um dann pünktlich auf den Familienfest zu erscheinen.

      Von meiner Familie konnte kaum einer nachvollziehen, dass ich meine Feiertage mit den Pferden verbrachte, statt mit der Familie, obwohl ich zu jeder Feier trotzdem pünktlich kam, dennoch standen die Vierbeiner an erster Stelle. Diesen Morgen arbeitete ich ein wenig mit den Junghengst Abendprinz und Cruel Twist of Fate. Danach war HGT’s Unitato an der Reihe und dann noch Outlaw Torn. Die Jungpferde brauchten allerhand Beschäftigung, doch ich kam momentan kaum hinterher.
      Deshalb hatte Prazzy’s Goldbell allerhand Flausen im Kopf, genauso wie Paddington und gemeinsam machten sie nur Unsinn! War ich da immer froh über Caruso, der sich nichts anmerken ließ und ein Engel war. Am Ende meines Fohlenrundgangs betüddelte ich noch ein wenig Mon petit écrou, ehe ich mich an die richtige Arbeit machte.
      Vertigo, Caillou und Piccolos Blaze mussten geritten werden. Calimero II sollte noch longiert werden und dann wollte ich zumindest noch mit Joyce oder Sika eine Runde ins Gelände, für die Jungstuten war diese Erfahrung mehr als wichtig. Die restlichen würde ich auf die kommenden Feiertage schieben müssen, denn heute Nachmittag stand bereits die nächste Familienbevölkerung statt.
      Während dieser plante ich aber nur die kommenden Tage. Am morgigen Tag sah ich mich früh mit Amazed Marlin ausreiten, ehe ich gemeinsam mit Hákur neue Lektionen in Angriff nahm. Dann würde ich HGT’s End of Day longieren und an seinen Rückenmuskeln arbeiten, ehe ich etwas bodenarbeitstechnisches mit Fandango machen wollte.
      Am 27. Dezember ging es dann gemeinsam mit drei Freundinnen ins Gelände. Ich selbst ritt Quintesse, während ich den Rest auf Caribic Sue, Freeway und Walking in the Air verfrachtet hatte und dann stand tatsächlich schon fast 2016 vor der Tür! Ich würde Zarin und Golden Ebano ihre homöopathischen Tropfen am 31. Geben müssen, damit sie nicht vollkommen explodierten, wenn dann überall das Feuerwerk losging.
      Zum Glück bestand mein Stall größtenteils aus Pferden, denen das egal war .Call me a Twist und Bandit war das schnuppe, die würde auch neben einem Feuerwerk herlaufen. Morrigan war da nicht viel anders, nur He’s called Trüffel konnte ich da nicht so gut einschätzen, aber das würde sich noch zeigen, nun musste ich erst einmal diese Familienfeier hinter mich bringen!


      Zwei alte Bekannte

      Es war selten, dass Elisa anrief und wenn, dann war es wichtig. War es sowieso immer, wenn man etwas von Elisa erhielt, aber Anrufe waren besonders dringend. Den Grund erfuhr ich schnell: Bestandsverkleinerung. Sie wollte ihr Gestüt mal wieder ein wenig in die Schranken weisen und deshalb würden zwei bekannte Gesichter zu uns zurückkehren: Never look back und Raunchy’s Limited.
      Meine Reitponys, weil sich doch inzwischen viele angesammelt hatten, hatten ein eigenes Abteil bekommen, so war die Planung und das Training wesentlich einfacher und gerade bei ihnen ging es aktiv um Training, Turniere und Zucht. Deshalb würden auch Never und Raunchy dorthin ziehen. Auch sie würden bekannte Gesichter wiedertreffen und ich war mir sicher, dass sie sich schnell wieder einleben würden.
      Kommen sollten sie übrigens heute. Elisa hatte sie schon losgeschickt, da wusste ich noch nicht einmal annähernd davon. Sie wusste wiederum genau, dass ich eh nicht nein gesagt hätte. Etwas Zeit hatte ich aber noch, weshalb ich mir den kleinen Paddington von der Weide holte und für einen kleinen Spaziergang fertig machte. Dabei kamen wir auch am großen Reitplatz vorbei, wo gerade Allelujah im Fahren trainiert wurde.
      Momentan schickte ich vor allem den Palominohengst und meine Scheckstute Morning Sun auf Turniere, weil die beiden schon bald (hoffentlich) an einer Körung teilnehmen sollten, um im Zuchtbuch aufgenommen zu werden. Bei Allelujah wurde das auch allmählich Zeit, sein bester Weidekumpel Absinth hatte dies schon letztes Jahr schaffen können.
      Apropos, bei dem geliebten Schecken wollte ich auch noch vorbeischauen, aber ich ahnte bereits, dass Elisa nachher noch genügend Zeit mit ihm verbringen würde, weshalb ich ihn erst einmal auf der Weide ließ, betüddelt werden würde er noch genug. Stattdessen widmete ich die letzten freien zwei Stunden Cola.
      Der Hengst war noch recht neu bei uns und weder richtig im Training noch richtig in der Pause. Er erholte sich noch von seiner damaligen schlechten Verfassung und wurde erst einmal nur locker geritten. Aus diesem Grund putzte und sattelte ich ihn und ging mit ihm in unsere große Halle. Dort traf ich auf eine unserer Bereiterinnen, welche gerade mit Sika arbeitete.
      Die Scheckstute fiel ja insgeheim bei mir immer etwas runter, weil ich sie schlichtweg oft vergaß, deshalb hatte ich sie in die Obhut eines anderen Reiters gegeben, so dass sie regelmäßig trainiert wurde. „Sollen wir gehen?“, fragte die Reiterin uns unsicher, doch ich schüttelte nur lächelnd den Kopf. „Wir machen eh nicht viel und Cola versteht sich mit Stuten!“, beruhigte ich sie und gurtete nach, ehe ich mich in den Sattel schwang.
      Tatsächlich machten wir nicht fiel, sondern lockerten vor allem Colas Muskeln und ritten größtenteils nur in Dehnungshaltung. Der Hengst musste sich an die regelmäßige Beschäftigung erst einmal wieder gewöhnen, sonst würde er mir wahrscheinlich einfach so umkippen. Deshalb beendeten wir das Training auch eher. Einerseits wegen Cola, andererseits wegen Elisa, die gefühlt urplötzlich an der Bande stand.

      „Absinth, ich hab dich vermisst!“, quietschte sie begeistert, als ich Cola auf die Weide zurückbrachte und sie den Schecken entdeckte. Der hob sofort den Kopf und wirkte einerseits erfreut, andererseits sehr geschockt. Natürlich wollte Elisa wissen, wie es ihren ehemaligen Schützlingen ging, so blieben auch Allelujah und Morning Sun von dem Gequieke nicht verschont.
      Raunchy und Never bezogen direkt ihre Boxen, um sich in aller Ruhe ausruhen zu können, immerhin waren sie ziemlich lange unterwegs gewesen. Elisa besichtigte derweil neugierig das neue Gestüt und schien recht zufrieden. Da sie auch noch mehr Zeit hatte als gedacht, wollten wir einen gemeinsamen Ausritt machen. Natürlich nur auf Reitponys!
      Wie erwartet nahm Elisa natürlich Feuervogel direkt in Beschlag und würde ihn für den Rest des Tages auch nicht mehr hergeben. Trotz Bestandsverkleinerung war sie immer noch angetan von ihm. Ich wählte das passende Gegenstück Carachillo und nahm Hugo Boss gleich als Handpferd mit. So wären die beiden direkt für heute bewegt.
      Der Ausritt verlief ruhig und wir tauschten uns über alle Neuigkeiten aus, ehe wir wieder auf dem Gestüt ankamen. Die Pferde waren schnell versorgt und Elisa musste zum Flughafen spurten, um den heutigen Flug noch zu schaffen, bei dem Stress konnte sie ihr Gestüt natürlich nicht lange alleine lassen! Die armen Reitponys würden sonst vom Fleische fallen.
      Ich schaute noch einmal kurz bei unseren Neuankömmlingen vorbei, ehe es für mich heute noch zu einer Springstunde ging. Diese absolvierte ich jedoch nicht alleine. Während ich Naimibia ritt, ritt eine junge Frau noch Autumn Leave in the Sky, so dass die beiden Stuten als auch wir Reiter mal wieder springtechnisch gefördert wurden.
      Der Reitlehrer war von weiter Weg angereist und brachte interessante neue Ansätze mit sich, so dass ich nach der Stunde direkt nach Stift und Papier griff, um schnell alles aufzukritzeln, ehe ich mein Reitpferd versorgte. Dann neigte sich der Tag auch schon dem Ende, weshalb wir langsam auf die Fütterung und das Reinholen der Pferde umschalteten.

      Frühjahrsputz

      Kurz nach Neujahr hatte unser Umzug stattgefunden, so dass wir nun seit fast vier Monaten in Holland lebten. Wie ich es bereits gewohnt war, zog sich alles unglaublich. Es hatte gut zwei Monate gedauert, bis alle Pferde umgezogen waren und ein festes Team hatte ich auch noch nicht, da war ich noch fleißig auf der Suche, aber trotzdem kehrte allmählich eine Routine ein. Und ich liebte unser Gestüt. Den Namen hatte ich so übernommen und so lebten wir nun auf Gestüt Sapala.
      Es lag zwischen Wäldern und Wiesen, ziemlich im Abseits und stellte eine herrliche Anlage da. Das wichtigste war zu Hauf vorhanden: Weiden. Zudem besaßen wir zwei Reitplätze und zwei Hallen plus weitere Trainingsmöglichkeiten wie eine Führanlage und zwei Longierzirkel. Und natürlich gigantische Stallungen, was für uns nun mehr als nötig war. Ganz nebenbei war ich ja in mein Wohnhaus verliebt, hier konnte man sich wohlfühlen!
      Den Pferden gefiel es auch, das spürte man deutlich und das Gelände war auch einfach mehr als idyllisch, denn außer unseren Heuwiesen gab es rundum kaum etwas anderes als Felder, Wiesen und Wälder. Ich war endlich in meinem Traumzuhause angekommen und wenn man sich etwas mehr Zeit nahm, war man mit einem halbstündigen Ritt auch direkt am Meer. Wir befanden uns im Friesland, genauer gesagt in Aurich und ziemlich nah an der Küste.
      Die frische Meeresluft tat allen gut und momentan arbeitete ich auch eine lange Liste an Bewerbungen ab, denn wir waren begehrter als gedacht. Nun war schon April 2016 und wie immer erfasste mich die Frühjahrsputz-Laune. Es gab schließlich immer etwas zu tun und es gab auch noch genug Kisten, die noch ungeöffnet irgendwo standen. Besonders in den Sattelkammern hatte ich bisher nur das Nötigste untergebracht, meine Pferde hatten zu viel Kram!
      Die waren momentan übrigens alle in ihrer Schonfrist. Der Umzug war auch für die kräftezehrend gewesen, aber glücklich waren wir alle. Außer ich in dem Moment, denn gerade klingelte mein Wecker – 5 Uhr in der Früh. Bisher sah es an Mitarbeitern noch mager aus, dementsprechend musste ich selber kräftig mit anpacken was Fütterung, Rausbringen und Misten betraf. Dazu kamen der Papierkram und die Vorstellungsgespräche und so bekam ich kaum noch die Gelegenheit zum Reiten.
      Angezogen, frisch gemacht und gefrühstückt tauchte ich im Stall auf und grüßte knapp die anderen Pfleger, die bereits angetanzt waren. Es war kurz nach sechs und draußen tatsächlich schon hell. Oh ich freute mich so auf den Sommer! Dann würden die Pferde auch 24 Stunden auf den Weiden stehen und wir hätten ein bisschen Arbeit weniger. Aber wirklich nur ein bisschen, denn im Sommer wollte ich alle wieder in Höchstform sehen – mich eingeschlossen.
      Füttern und Rausbringen fraß Zeit. Nachdem dann auch gemistet war, war es schon fast 10 Uhr und ich würde mich für das nächste Vorstellungsgespräch fertig machen müssen. Leider überzeugte mich der Herr um die 30 Jahre weder im Gespräch noch auf dem Pferd. Als Dressurtrainer hatte er sich beworben, weshalb ich ihm für den Proberitt Aristo ausgesucht hatte, einer unserer Dressurässer. Doch sein „Was, ein Barockpferd?“ hatte mich eigentlich direkt abgeschreckt und so hatte ich zwar ein freundliches „Ich melde mich noch einmal bei Ihnen“ herausgebracht, war aber erleichtert, als er weg war.
      Stattdessen ging der Stress direkt weiter, denn heute sollten einige neue Pferde kommen. Ich war dafür bekannt, regelmäßig aufzustocken und da meine liebe Freundin Julie aus privaten Gründen ihren Hof auflöste, kamen einige Pferde aus Schottland zu uns. Zum einen Van Deyk, ein toller Trakehnerhengst mit großem Potenzial, auf dessen Dasein ich mich schon jetzt freute. Des weiteren Ayumi, ein tolles Fohlen aus der Zucht von Siobhan, was mit einer tollen Abstammung daher kam. Dann noch Key, eine Vollblutstute, welche ich noch aus meiner Nasty Past Zeit kannte. Und als letztes was ganz witziges: Ridcully, ein American Miniature Horse. Er sollte das Gegenstück zu meiner Hollybrook’s Tiny Girl werden und dementsprechend war er sofort eingezogen.
      Heute tanzten die drei an, doch während ich noch gut eine Stunde Zeit hatte, schaute ich bei den ehemaligen Neuzugängen an. Die beiden Vollblutfohen Hidden Flyer und Exciting Force waren mir sehr schnell ans Herz gewachsen und entwickelten sich prächtig, ich hatte mich in beide wirklich verguckt. Da wir ja ein riesiges Gestüt hatten, kamen auch Anfang des Jahres zwei Reitponys zurück. Elisa hatte leider verkleinert und so kehrten Never look back und Raunchy’s Limited zurück. Hatte ich sie noch als zerzauste Jungpferde nach Townsend Acres gegeben, kamen sie nun als schicke Turnierponys zurück. Elisa verstand eindeutig etwas von ihrer Rasse und ihrem Geschäft.
      Dementsprechend hatte sie sich auch über Absinth’s erfolgreiche Körung gefreut und war sich sicher, dass Allelujah und Morning Sun genauso schnell ihre Punkte sammeln würden. Ich hatte da ja noch allerhand zu tun, denn sie waren nicht die einzigen Pferde, die in eine Körung geschickt werden sollten. Priorität hatte auch immer noch Feuervogel, den hätte mir Elisa sicherlich auch trotz Verkleinerung aus den Händen gerissen.
      Selbst bei unserem zerstruppelten Neuzugang Cola hatte sie bei ihrem Besuch (natürlich hatte sie ihre beiden Schätze eigens vorbei bringen müssen) neugierig begutachtet. Sie sah das Potenzial, was hinter dem vernachlässigten Pferd steckte. Wir beide kannten Cola schon sehr lange vom Sehen und Hören. Ich musste auch sagen, dass er sich wirklich ganz gut machte, genauso wie seine Leidensgenossin Autumn Leave in the Sky. Beide stammten aus schlechter Haltung und wurden bei uns nun wieder aufgebaut.
      Bei ihrem Besuch hatte Elisa natürlich meine Reitponys auf den Kopf gestellt. Paddington hatte sie unbedingt einen Besuch abstatten müssen und gestaunt, wie schnell der kleine Kerl wuchs. Mit Hugo Boss und Carachillo hatten wir einen entspannten Ausritt gemacht und ausgiebig geplappert, so wie es sich für zwei Frauen gehörte, ehe sie auch noch ihren Senf zu Naimibia und Sika gegeben hatte.
      Naimibia war schon gekört und bereits von ein paar Fohlen stolze Mutter, bei Sika sah ich das ja noch nicht so, doch Elisa ermunterte mich und sah die Rappscheckstute auch schon gekört. Während ich so schön in Gedanken schwelgte, kam der Transporter an und die neuen Pferde mussten versorgt und ausgeladen werden.
      Während Van Deyk erst einmal seine Box mit Paddock bezog, wollte ich Ridcully und das Stutfohlen direkt vergesellschaften. Auf einer kleineren Weide traf Ridcully auf Heartbreaker. Mein Welshhengst war der Chef unserer Zwergengruppe und wenn er Ridcully akzeptierte, würde das auch der Rest tun. Der Rest, das waren Window und Hoppla auch beide problemlos und so stand Ridcully eine halbe Stunde später bei unseren Zwergenhengsten und genoss das herrliche Wetter.
      Ayumi sollte heute nur auf CH’s Destiny Horror und Mon petit écrou treffen. Beides eher ruhigere und ältere Jungpferde und dementsprechend perfekt geeignet und siehe da, es klappte wirklich gut und auch das Fohlen war untergebracht. Um auch Van Deyk noch etwas Abwechslung zu bieten, ging ich mit dem Schecken eine kleine Runde über das Gestüt und kennte ihn etwas lernen.
      So wirklich zum Frühjahrsputz kam ich heute ja nicht, denn es standen noch zwei Schnupperstunden an. Ich hatte entschieden, im kleinen Rahmen gutes Reiten anzubieten und nutzte die Chance einer Ponyschule, um meine Zwerge unter einen Deckel zu bekommen. Da die Ponyhengste heute aber schon genug Aktion hatten, waren die Mädels an der Reihe.
      Tatsächlich hatte sich sogar jemand für Little Chocolate Chip gefunden. Ein kleines dreijähriges Mädchen schwärmte von Ponys und ihre Mutti schien selbst pferdevernarrt zu sein und so kamen sie heute mal zu Besuch. Auch Mondscheinsonate, Occani und Werina waren heute an der Reihe. Alle Kinder waren unter 10 Jahre und bekamen beim Putzen und Satteln die Unterstützung von mir und ihren Eltern (zumeist die Mütter).
      Als alle fertig waren, gingen wir auf den Reitplatz, wo wir erst ein kleines bisschen Theorie paukten und es dann endlich in den Sattel ging und wir die ersten kleinen Runden drehten und auch allerhand Übungen machten. Die Ponyschule war eine schöne Idee, aber ich brauchte auf jeden Fall Helfer. Zum Glück waren es heute nur Schnupperstunden, aber Kinder und Eltern waren mehr als begeistert und so war auch ich glücklich.
      Zweiteres war eine Reitstunde für Fortgeschrittene und unter 18-Jährige. Altersbeschränkungen waren mir an sich egal, aber für das Klima in der Stunde war so etwas doch immer sehr angenehm und die Erwachsenen waren auch immer lieber unter sich. Als Schulpferde hatten sich bereits damals unsere Lewitzer bewährt und auch heute wählte ich fünf von ihnen. Cheveyo, Donatella, They call her Fiorina, Piccolo’s Blaze und Elliot. Die Mädels waren begeistert von ihren Schecken und auch davon, dass man bei uns die Pferde selbst holte und fertig machte.
      Natürlich kontrollierte ich alles und gab Tipps, aber sie machten das wirklich gut. Auch im Viereck konnten sich die fünf Reiterinnen sehen lassen. Natürlich hatten sie ihre Fehler und Probleme, aber genau deshalb kamen sie ja zu uns. Anscheinend kamen diese Schnupperstunden mehr als gut an und während die Mädels quatschend abritten, baute ich meine Geschäftsidee aus, indem ich auch Reitstunden für reine Jungsgruppen und Senioren anbieten wollte. Alles Gruppen, die man so anlocken konnte.
      Mein Prinzip war lediglich, dass für das Pferd pro Reitstunde mind. zwei Korrekturstunden kamen, so dass einerseits sehr gute Schulpferde vorhanden waren, aber eben auch diese nicht überstrapaziert worden. Also würde sich das Pensum auch mehr als Gering halten. Nachdem alle Pferde versorgt waren, ging ich Lewitzerliste kurz durch:
      Vertigo wollte ich im Turniersport, so fiel er als Reitpferd für Schüler weg und bei Talya war ich mir auch nicht sicher, ob es das Richtige war. Genauso wie bei Elliot. Er hatte seine Sache heute gut gemacht, aber ich glaube, Caillou konnte ich mir da besser vorstellen. Und Amazed Marlin ließ ich bisher auch lieber außen vor, sie sollte sich auf ihre Krönung konzentrieren.
      Zum Glück hatten die Fohlen nicht solche Probleme. Sowohl Amadahy, Frozen Bubble, Nabiri und Rosewell als auch die beiden Hengstfohlen Panta Rhei und Calimero II tobten mit dem Rest zufrieden über die Weiden. Aber irgendwann würde auch für sie der Ernst des Pferdelebens kommen. Obwohl, sie hatte noch Zeit.
      Den Nachmittag verbrauchte ich im Büro und plante für die Fohlen. Das machte ich gerne und es war auch nötig, denn so erinnerte ich mich wieder daran, dass ich einige „Fohlen“ hatte, die schon längst nicht mehr so klein waren wie ich dachte, sondern schon mehr als bereit. Hollybrook’s Fairy Bluebird war eine tolle Ponystute geworden, nun bald sechs Jahre, hatte bisher aber noch keinen Reiter gesehen.
      Das Gleiche galt für Prazzy’s Goldbell, dabei wollte ich meinen geliebten Pajero-Sohn gerne langsam unter dem Sattel sehen, er würde seinem Vater alle Ehre machen! Apropos, einen Ausritt mit Pajero würde ich mir heute Abend noch gönnen müssen, zum Glück blieb es immer länger hell. Ach, ich war doch ganz froh, den Winter hinter mir zu haben, auch wenn der Sommer sicherlich wieder heiß werden würde.
      Bei Outlaw Torn war ich mir bezüglich der Ausbildung sehr unschlüssig. Er war bald vier und schon sehr weit, eben weil das bei Paint Horses so gehandhabt wurde, aber genau deshalb wollte ich ihm Zeit lassen und es war ja nicht so, als wäre das Reiten für ihn essentiell wichtig. Das sahen HGT’s Unitato und Cruel Twist of Fate nicht anders und so ließ ich meinen Westernpferden gerne mehr Zeit.
      Und dann gab es da noch meine Welshnachkommen. Alle behalten, nachdem die ältere Generation verkauft worden war. Herbstmond und Acariya waren bisher immer noch meine Favoriten, aber auch Sacre Fleur liebte ich, ebenso wie Shawnée und Sibiria, auch wenn ich nicht recht wusste, was ich mit zwei Welsh D Stuten anfangen sollte, aber irgendwas würde sich schon finden.
      Dann gab es da nur noch Abendprinz und Caruso. Zwei Fohlen sondergleichen, die ich beide sehr liebte. Geplant war in weiter Zukunft ein Fohlen aus Fairy von Zarin, welches als Gegenstück für Caruso dienen sollte, aber im Gegensatz zu Zarin war Fairy noch nicht gekört.
      Und dann hatte ich mich in die Araber verguckt, neben Abendprinz gab es bisher zwei Stuten: Scheherazade und CH’s Sun is Shining. Zwei wunderbare Tiere und eine sogar schön gekrönt. Aus der Zucht meiner besten Freundin Sammy würde mich auch noch ein wahrer Wüstenstürmer erwarten, aber bisher war er noch nicht so weit, ich freute mich aber schon auf ihn.
      Den heutigen Abend verbrachte ich zu meiner Freude dann doch noch auf den Pferd und erkundete mit Pajero die neuen Wege rund um das Gestüt und freute mich natürlich riesig, denn es war so toll! Irgendwann mussten wir einen großen Ritt ans Meer machen, aus unserer Frankreich-Zeit wusste ich, wie sehr Pajero das liebte.

      Am nächsten Morgen ging es wieder früh raus und wieder war viel los, wie eigentlich jeden Tag auf dem Gestüt. Zur Abwechslung beschäftigte ich am Morgen aber erst einmal Thorondor mit viel Bodenarbeit, damit mein Berber nicht verrückt wurde, denn nur Weide war für ihn einfach gar nichts und so war er einer der wenigen, die mich mindestens fünfmal die Woche zu Gesicht bekamen.
      Ach und die Führanlage hatte ich sehr schnell ins Herz geschlossen. Spätestens als sie Pawaneeh und Golden Ebano die nötige Bewegung verschaffte. Bei Classic Gold und Khiara El Assuad war die aber noch wichtiger. Die Vollblüter wären mir sonst explodiert. Wer witzigerweise auch richtig Gefallen daran fand, war Freeway, unsere Tinkerstute. Eigentlich ein Pferd, was ich nie in die Führanlage gepackt hätte, aber sie liebte es.
      Heute war mal wieder Bewegungstag, gestern hatte ich ja Pause gehabt. Am Morgen longierte ich Deep Silent Complete und Herbsttraum, ehe ich mit Come Whatever May auf den Springplatz ging. Flott weiter ging es mit einem Ausritt: Apaches Tomahawk als Reitpferd und Caribic Sue als Handpferd. Was die Bewegung betraf, kamen mir die Schnupperstunden recht. Heute war wieder eine und so waren Kürbis, Lila Wolken, Milka Luflee, Walking in the Air und Quintesse beschäftigt und ich auch.
      Danach hätte ich zu gerne eine Pause gehabt, raffte mich aber noch auf Like Honey and Milk zu longieren. Ihre Vorbesitzerin war immer sehr hinterher, dass es der Stute gut ging und so kam sie auch jetzt definitiv nicht zu kurz. Eine Pause stand an und die genoss ich auch wirklich, denn heute Abend hatte ich etwas Besonderes für meine treuen Pfleger geplant. Bisher dachten sie, sie würden zu einer Besprechung antanzen müssen, dementsprechend ahnten sie nichts.
      Doch als es dann so weit war, eröffnete ich ihnen einen Ausritt an den Strand und alle waren begeistert. Wir waren zu elft, also eine ziemlich große Mannschaft, die gute und ruhige Pferde benötigte. Guten Gewissens hatte ich mir direkt Schneeleopard rausgepickt und dann die beiden Westernstuten Ice Coffee und Kisshimbye. Flintstone und Joyce kamen auch zum Einsatz. Die Hälfte war abgedeckt. Für mich hatte ich Fandango rausgesucht, mein kleiner Sonderling im Stall und so fehlten nur noch fünf Pferde und wir waren vollständig. Call me a Twist und Dissident Aggressor waren sowas von mit dabei und dann nahm ich noch Bandit und Albertino mit. Als letztes hatte Varulv die Ehre und so ging es gefühlt auf einen Riesen-Ausritt, den alle Beteiligten sehr genossen, denn am Strand erwartete uns auch noch ein Lagerfeuer.

      Obwohl ich weder trank noch irgendwas desgleichen tat, fühlte ich mich am nächsten Morgen verkatert. Ein langer Ritt plus ein langer Abend waren nichts für jemanden, dessen Wecker fünf Uhr morgens klingelte und so kam ich auch fast zu spät zum Proberitt meiner eventuellen neuen Reitlehrerin. Diese hatte ich auf Altyn gesetzt, was etwas fies war, aber mir dann auch direkt zeigte, dass sie die richtige war, denn mein junger Hengst lief unter ihr wirklich traumhaft, nachdem sie zusammengefunden hatten.
      Halb dösend bespaßte ich nach diesem Erfolg Cover the Sun im Longierzirkel mit etwas Stangenarbeit. Die nutzte ich kurz darauf auch noch einmal mit Possy Pleasure Mainstream, um Rücken- und Bauchmuskeln zu aktivieren. Eigentlich war meine Liste heute mehr als lang, aber aus privaten Gründen bekamen Hákur und HGT’s End of Day frei, so dass ich nur mit Dr. Insektor ins Dressurtraining musste und danach eine Pause im Gelände mit Cual Maniaca einlegte.
      „Ich bewundere dich für dein Durchhaltevermögen!“, hörte ich dann am Telefon, als ich mit meiner Mutti bezüglich meines Geburtstags Ende April sprach, denn ich lud sie nach Holland ein. Und bisher waren sie nicht abgeneigt. Währenddessen ließ ich He’s called Trüffel und Hýreygur freispringen, aber trotz maximaler 50cm war zweiterer einfach nicht begabt.
      Mein Abend endete wieder mal auf dem Pferderücken, nämlich auf Morrigans, welcher mich entspannt gen Gestüt trug, nachdem wir einmal über die schöne Waldwiese gejagt waren und nun genüsslich entspannt in unseren Feierabend spazierten.
    • Occulta
      Ally
      Neuanfang auf Aspen Heights


      Das Whitmore Stud stand nun komplett leer. Ich war nicht unbedingt traurig darüber, aber auch nicht sonderlich froh. Dennoch hatten meine Pferde etwas besseres verdient als ein leerer Stall und kaum Training. Trotz neuer Wohnung und gutem Job bemerkte ich aber, wie es mir immer schlechter ging. Obwohl ich noch Ausbilderin war, vermisste ich das Reiten auf meinen eigenen Pferden, das frühe Aufstehen, der Geruch von Heu und Pferd früh am Morgen und so entschied ich mich, mit dem Geld, dass ich von dem Verkauf des Whitmore Studs erhielt, mir ein kleines Gestüt zu kaufen. Das Haupthaus war zwar klein, aber mehr als genug für eine Person, und der Stall riesig, aber heimisch. Es roch auch ohne Pferde in den Boxen schon nach Pferd und ich fühlte mich inmitten des Gestüts am Rande der Stadt Zuhause. Ich entschied mich, mich nicht auf das eigene Züchten zu konzentrieren, sondern auf das Ausbilden von meinen Pferden und auf den Reitsport. Nachdem ich alle nötigen Einkäufe erledigt hatte, das Heulager komplett voll war und genug Futter in der Futterkammer war, entdeckte ich das perfekte erste Pferd - oder eher Pony. Sika war eine 1,49 cm große Reitpony-Stute und erinnerte mich an Skyrim, das erste Deutsche Reitpony, welches ich gekauft hatte und selbst gekört hatte. Sie war ebenfalls ein Rappschecke und perfekt geeignet für den Sport; dazu gehörte sie auch noch Eddi, meiner guten Freundin, und es dauerte nicht lange, bis Eddi mir zurück schrieb und ich die hübsche Stute bald erhalten würde.
      Es war Sonntag und ich hatte mir den Tag fett in meinem Kalender markiert. Heute würde Sika endlich ankommen. Ich stand schon um 7 auf, um die Box vorzubereiten, und schmiss ihr eine Ladung Heu in ihr Heunetz. Das meiste Zubehör für sie war schon angekommen, darunter eine englisch kombinierte und eine mexikanische Trense, mehrere Decken, Bandagen und Satteldecken, sowie drei Halfter, und morgen würde ein Sattler kommen, um einen Dressursattel und einen Springsattel anzupassen. Um 8 rollte dann ein großer Pickup mit Hänger auf den Hof und schnell unterschrieb ich die nötigen Verträge und lud Sika aus. Die 9-jährige Stute war sehr scheu und ängstlich und erst verwirrt, wieso sie auf einem anderen Hof war. Lächelnd beruhigte ich sie und flüsterte ihr zu, dass sie jetzt endlich Zuhause war; denn bei mir würde sie ewig bleiben.
      Ich führte sie erst etwas auf dem Hof herum und sehr scheu, aber gleichzeitig neugierig, betrachtete sie jede Ecke des Gestüts. Sie hatte etwas Angst vor dem Trecker, der in dem Schuppen stand, ließ sich nach einiger Zeit aber auch an ihn heran führen und beschnupperte ihn mit glänzenden Augen. Nachdem wir eine Runde gedreht hatten, stellte ich sie in ihre riesige, lichtdurchflutete Box. Der Stall war erst vor kurzem renoviert wurden und daher sah er sehr modern und schön aus, mit hellem Holz und riesigen Fenstern. Sika starrte erst kurz aus ihrem Fenster, mampfte dann aber ab und an an ihrem Heu herum, und als die hübsche Stute sich beruhigt hatte, schloss ich ihre Box und machte mich auf den Weg, den Kaufsvertrag in meinem Büro zu verstauen.
      Am Vormittag halfterte ich sie wieder auf und führte sie etwas in der Halle herum, dann auf dem Platz. Auf dem Platz hatte sie etwas Angst vor der hinteren, linken Ecke, denn dort stand ein großer Baum, dessen Blätter laut raschelten, aber nachdem ich ihr zeigte, dass sich in den Ästen kein Monster versteckte, beruhigte sie sich etwas. Damit sie sich ihre Beine etwas vertreten konnte, durfte sie auf einen der kleineren Paddocks, und sie war wahrscheinlich etwas verwirrt, weshalb sie komplett alleine auf dem Gestüt war. Ich beschloss, ihr bald einen Kameraden zu kaufen, denn ein Pferd alleine zu halten war nicht gesund, doch das hatte noch etwas Zeit. Sie war erst etwas unsicher, trabte bald aber glücklich herum. Ich ließ sie eine Stunde lang auf dem Paddock, ehe ich sie wieder einsammelte und an dem Putzplatz anband. Ich hatte nicht vor, sie heute viel zu bewegen, aber Putzen war für mich ein muss. Bald glänzte ihr weißes Fell wieder und ich entdeckte, dass sie es liebte, zwischen ihren Vorderbeinen geputzt zu werden.
      Am Abend bekam sie ihre Portion Futter und glücklich verließ ich sie in ihrer Box. Den ersten Abend verbrachten all meine Pferde in der Box, doch bald würde sie auch Nachts auf der kleinen Wiese mit Unterstand verbringen dürfen.
      3 Apr. 2016

      Ally
      Dressur E-A


      Nachdem sich Sika auf Aspen Heights eingelebt hatte und ich sie ein paar Mal auf dem Platz geritten hatte, entschloss ich mich dazu, mit ihr ein paar A-Dressur-Lektionen zu üben. Sika ließ sich zum Glück schon sehr gut reiten und ging leicht an die Hand. Sie war oft sehr unsicher und man musste ihr sehr klare Hilfen geben, aber das war für mich kein Problem. Nachdem ich sie also sattelte, führte ich sie in die Halle und ritt sie im lockeren Schritt warm. Nach 10 Minuten nahm ich die Zügel auf und fing mit der Arbeit an. Erst ging ich im Mittelschritt alle Bahnfiguren durch, d.h. Zirkel, aus dem Zirkel wechseln, Schlangenlinien und Volten. Nachdem wir die Hand oft wechselten und Sika locker genug war, trabten wir an und ich wiederholte die Bahnfiguren noch einmal. Dann ging es an den Mitteltrab, den Sika sehr gut verstand und leicht ausführte. An den 10-Meter-Volten im Trab haperte es noch, aber nachdem ich ihren Hals etwas dehnte, drehte sie sich schön. Ich machte kurz eine Pause im Schritt, dann trabte ich wieder an und nach einem Wechsel durch die ganze Bahn galoppierte ich in der Ecke an. Sika war ein Pony, dass ihrem Reiter immer gefallen wollte, und ihr Galopp war meine Lieblingsgangart. Er war leicht zu sitzen und obwohl sie kurze Beinchen hatte, floss er sehr schön und haperte kaum. Wir übten kurz den Mittelgalopp, dann parierte ich sie in den Schritt durch, ließ sie nach ein paar Schritten wieder antraben und parierte sie nach einer halben Bahn wieder durch. Rückwärtsrichten war etwas, was Sika überhaupt nicht gefiel, und oft hob sie dabei ihren Kopf oder versuchte, nach hinten zu gucken. Dennoch funktionierte es an dem Tag sehr gut und ich lobte sie, ehe ich sie trocken ritt.
      Am nächsten Morgen sattelte ich sie wieder und ritt sie im Gelände warm, ehe es auf den Platz ging. Ich wiederholte alles von gestern und zog noch Viereck verkleinern und vergrößern dazu sowie einfache Galoppwechsel. Sika war anfangs etwas überfordert mit ihren Beinchen und stolperte ab und an über sich selbst, konzentrierte sich dann aber mehr und kriegte es nach ein bisschen Übung hin. Stolz lobte ich sie und drehte eine kleine Runde mit ihr im Gelände, denn sie war nun fertig für die A-Dressur.
      3 Apr. 2016

      Ally
      Teilnahme an der gerittenen Gelassenheitsprüfung

      Sika war nun schon für einige Wochen auf Aspen Heights und wir arbeiteten fast jeden Tag miteinander. Elisa, die in der Nähe meines ehemaligen Gestüts wohnte, hatte vorerst nichts von meinem Umzug gehört. Nun war sie aber zum Besuch auf Aspen Heights und nachdem sie sich skeptisch das ganze Gestüt ansah, fuhr sie mit mir zu einer gerittenen Gelassenheitsprüfung. Ich wollte Sika und ihr Vertrauen zu mir auf die Probe stellen und sie gleichzeitig an den Lärm eines Turniers gewöhnen. Als wir ankamen, war es still - die meisten putzten ihre Pferde oder standen an den Hot Dog Ständen. Meine Prioritäten merkte man auch schnell, als ich den Pickup verließ und mir ein Hot Dog kaufte. Elisa lud währenddessen Sika aus, die etwas scheu umher blickte, aber als sie mich an meinem Hot Dog mampfend neben ihr stehen sah, beruhigte sie sich etwas. Schnell war mein Hot Dog verputzt und Sika geputzt und gesattelt. Ich stieg auf und Elisa gesellte sich zu den Zuschauern.
      Schon bald waren wir dran und in zögerndem Schritt lief sie auf den sandigen Platz. Erst mussten wir eine Gruselgasse überqueren, und schon dann fing sie an, zu tänzeln. Ein paar Leute in dunkler Kleidung standen in einer Linie mit bunten Regenschirmen in der Hand. Sika ging ziemlich zögernd auf die Leute zu. Ich lobte sie und die Leute begannen, die Regenschirme aufzuklappen. Das Geräusch störte sie nicht, aber die Bewegung der Regenschirme etwas. Mit angelegten Ohren trabte sie fast durch die Gasse und dann rollten einige Bälle in der Nähe über den Boden. Das störte sie nicht, doch als einer der kleineren Bälle aus Versehen unter ihre Hufe geriet, stolperte sie fast und ihr Hinterteil drohte einen Tritt. Zum Glück standen dort keine Menschen und so bestritten wir weiterhin den Kurs. Rechts hingen ein paar Decken, die im Wind flatterten, doch auch davon ließ sich Sika nicht sehr stören. Sie war jetzt mehr angepisst als ängstlich. Dann fingen an, ein paar Dosen zu klappern, die Dosen hingen allerdings ziemlich weit weg und so durchquerten wir das schwierigste Hindernis des Kurses mit Erfolg. Ich lobte sie stolz und dann überquerten wir eine auf dem Boden liegende Plane. Als wir gerade in der Mitte waren, hob der Wind die Plane an. Schnell wich Sika zur Seite und fast fiel ich zur Seite runter, konnte mich aber halten und lobte Sika lächelnd. Elisa, die immer noch am Rand stand, feierte meinen Gesichtsausdruck sehr und lachte so sehr, dass sie anfing, zu heulen. Nach der Plane stand ein Stangen-L, was wir immer von vorn überquert hatten, noch nie von hinten. Rückwärtsrichten war die eine Lektion, die Sika absolut hasste, aber wir waren nicht in einer Dressurprüfung und so wendete ich sie um 160 Grad und richtete sie rückwärts. Sie stoß einmal gegen eine der Stangen, wendete aber gut um das L. Danach folgte ein Stangen-Mikado und ich ließ automatisch die Zügel länger, damit sie auf den Boden gucken konnte. Schnell überquerten wir es und somit war die Prüfung fertig.

      Nach der Prüfung bekam Sika einen Trog mit Wasser, während ich sie absattelte. Nachdem Elisa sich zu mir gesellte, boxte ich ihr erst einmal in den Arm, weil sie so sehr gelacht hatte, als ich fast von Sika herunter geflogen war. Wir warteten kurz auf die Ergebnisse (wir erhofften nicht viel), dann packten wir alles ein und luden Sika in den Hänger. Zuhause angekommen verabschiedete sich Elisa und Sika durfte auf die Weide. Abends bekam sie ihr Fressen, dann stellte ich sie auf die kleinere Weide mit Unterstand, da es leicht anfing, zu nieseln.
      3 Apr. 2016

      Ally
      Dressur L-M


      Sika war nun schon fast einen Monat lang auf Aspen Heights und hatte sich perfekt eingelebt. Aus dem erst schüchternem und scheuem Pferd war nun eine neugierige, freundliche Stute geworden. Ihr Talent lag in der Vielseitigkeit, und sie liebte es, über die breiten Wiesen unseres XC-Trails zu galoppieren. Dennoch sollten auch die Grundlagen nicht vernachlässigt werden und so entschied ich mich, über mehrere Tage mit ihr die M-Dressur zu trainieren. Die Verstärkung und Versammlung von Gangarten hatte sie sehr schnell raus und so dauerte es nicht lange, bis sie den versammelten und verstärkten Schritt verstand. Der starke Trab machte ihr aber am meisten Spaß, und wann immer wir durch die Bahn wechselten, flogen ihre Hufe. Beim Springen konnte man ihr Freiheit lassen und sie würde einen durch den kompletten Parcour leiten, auch in Cross Country denkt sie immer mit und man sieht, wie sehr sie sich konzentriert und überlegt, doch in der Dressur schaltete sie komplett aus und reagierte nur noch auf die Hilfen, die man ihr gab. Würde man sie im Galopp auf eine Wand zureiten, würde sie dagegen knallen - das war gleichzeitig etwas gutes, aber auch etwas schwer zu steuern, da man sehr feine Hilfen geben musste und man fühlte sich, als ob man ein hochsensibles Auto fahren würde. Jede Berührung des Lenkrads brachte das Auto zum Wackeln und Sika war noch anstrengender mit ihrer starken Anlehnung. Dafür konzentrierte sie sich aber sehr stark auf ihre Beine und ihre Gänge waren absolut traumhaft. Seitengänge konnte Sika schon lange, denn mit denen wärmten wir uns immer auf. Als erstes war sie nicht so ein Fan von strecken, doch nach einiger Zeit nahm sie es fröhlich entgegen und lief konzentriert gestellt und gebogen.
      Im Schritt hatten wir ab und an das Problem, dass sie ihren Kopf hochnahm und man sie nicht mehr gut über den Zügel erreichen konnte, doch das war immer nur für ein paar Sekunden und dann nahm sie ihn wieder herunter. Dennoch arbeiteten wir stark daran, auch den Schritt zu meistern. Einfache Galoppwechsel hatte Sika immer noch nicht richtig drauf und stolperte ab und an noch über ihre eigenen Beine. Wenn man sie aber dazu brachte, sich davor stark zu konzentrieren, kriegte sie es hin und so machte ich mir eine mentale Notiz, sie vor allen Galoppwechseln immer dazu zu bringen, sich mehr auf sich selbst zu konzentrieren. Fliegende Galoppwechsel waren somit kaum ein Problem mehr, allerdings wiederholten wir sie ständig. Am letzten Tag wechselten wir dann zur Probe auf die Kandare, an die Sika schon ein bisschen gewöhnt war. Dennoch ließ ich den zweiten Zügel vorerst locker und ritt ein paar Aufgaben, inklusive Einreiten und neue Lektionen. Sika war erst verwirrt, ob wir nun auf einem Turnier waren oder nicht, konzentrierte sich dann aber auf ihre Beinchen und bis auf ein bisschen Wirr Warr bei den Galoppwechseln und den Schrittpirouetten kriegte sie alles gut hin. Am Ende der Trainingswoche gingen wir auf einen wohlverdienten Ausritt mit leichtem VS-Sattel und gebissloser Trense, denn die Ruhepause hatte sie sich verdient. Das Wetter wurde immer wärmer und langsam kehrte das Grün zurück nach Kanada, und ich freute mich auf die ersten Tage, die wir beim See verbringen konnten.
      1 Mai 2016

      Ally
      Military E-A


      Ich fühlte mich immer wohler auf Aspen Heights. Der kleine Hof, der mir vorerst fremd vorkam, fühlte sich nun wie ein eingelebtes Zuhause an und auch Sika fühlte sich pudelwohl. Mit täglichem Weidegang und stetiger Teilnahme an Turnieren war sie ein gut bemuskeltes, glückliches Turnierpony geworden. Vor einigen Wochen startete ich dann ein mehr oder weniger neues Trainingsprogramm für sie, welches sie fast alle Tage in der Woche beschäftigte. An drei Tagen in der Woche trainierten wir Dressur, gingen dafür auf fremde Hofe für Lehrgänge und bekamen Unterricht von anderen Trainern, denn obwohl ich selbst Ausbilderin war, war es immer gut, die Meinung anderer zu hören. An einem Tag trainierten wir Springen, welches Sika zwar gefiel, in dem sie aber nicht so viel Potential zeigte. Dennoch wollten wir ihr es ermöglichen und konnten in den letzten Monaten sogar M-Höhen absolvieren. Das musste aber nicht nur geritten sein, auch Freispringen gehörte dazu. An einem Tag gingen wir dann auf unseren Cross Country Kurs, wo wir ihre Ausdauer erhöhten und sie springen ließen. Vorerst hatte sie Angst vor Wasser, galoppierte nun aber ohne Ablenkung durch und liebte es, über die breiten Wiesen zu galoppieren, um ans nächste Hindernis zu kommen. An einem anderen Tag gingen wir ins Gelände - auch dies nicht nur geritten, sondern ab und an auch geführt. Manchmal mit Sattel, manchmal ohne, manchmal mit Gebiss, manchmal gebisslos. Wir hatten schließlich um Aspen Heights ein wunderschönes Gelände mit Hängen und Bergen, Feldern und Seen und dies nutzten wir teilweise bis zu 2 oder 3 Stunden lang aus. Sika liebte es, über die Wiesen zu trödeln oder im See zu spielen, aber auch, über die Felder zu rasen und die Hügel hinauf zu klettern. Dies förderte ihre Muskulatur und ihre Ausdauer. Der letzte Tag war ein Ruhetag; meist verbrachten wir eine Stunde mit Putzen und Bodenarbeit, dann durfte sie sich auf der Wiese austoben. Meine Freundin und ebenfalls eine Trainerin blieb über eine Woche bei uns und begleitete uns an jedem Trainingstag und schlug am Ende der Woche vor, Sika auf Vielseitigkeitsturnieren vorzustellen, und schließlich wurde dies unser neues Ziel: mindestens eine Platzierung. Innerhalb eines Monats wurde von E dann A und damit gab ich mich vorerst zufrieden - bestimmt würden wir uns bald auf ein weiteres Level begeben, aber vorerst konzentrierte ich mich wieder auf Sikas stärkste Disziplin, die Dressur.
      11 Juni 2016

      Ally
      Freiheitsdressur


      Ein erneuter Vertrauenstest für Sika: Freiheitsdressur. Sika mochte es gar nicht, ohne eine Art von Sattel geritten zu werden, reagierte dafür aber sehr fein auf Gertenberührungen und genug Übung in der Bodenarbeit hatten wir ja, also beschloss ich, uns beide an einem Reiterspiel anzumelden. Würde ja schon schief gehen, oder? Diesmal nahm ich Elisa nicht mit, denn bei dem letzten Reiterspiel war sie keine große Hilfe gewesen (danke an dieser Stelle), sondern fuhr mit ihr alleine. Sie vertraute mir schon sehr und hatte sich an das Getummel von Turnieren sehr gut gewöhnt, war nun mein allerliebstes Sportpony gewesen und ich fühlte mich auf ihr am wohlsten. Auf dem Platz des Reiterspiels war es allerdings nicht voll und als ich mich zu den paar Leuten gesellte, wurde ich sofort herzlich begrüßt. Auf dem Sandplatz ging ich noch kurz ein paar Lektionen durch, dann lief ich mit Sika an meiner Seite auf den großen Platz, auf dem die Freiheitsdressur statt fand. Sie hatte einen Baumwoll-Halsring um den Hals und ich hatte eine schlichte, lange Gerte in der Hand. An das Führen ohne Strick war sie schon gewöhnt, da ich meist zu faul war, einen am Halfter zu befestigen, und daher lief sie entspannt neben mir her. Durch die lockere Atmosphäre fühlte sie sich sehr wohl und spielte abgelenkt mit den Ohren. Mit einem leisen Klicken meiner Zunge machte ich sie aufmerksam und ich blieb neben X stehen, sodass sie darauf stand. Mit einer leichten Berührung ihrer Hinterbeine stellte ich sicher, dass sie geschlossen stand, und hielt die Gerte dann senkrecht gegen ihre Brust. Gleichzeitig liefen wir ein paar Schritte zurück, und ich musste mir ein Lachen verkneifen, da Sika beim Rückwärtsrichten immer lief wie eine watschelnde Ente. Sie starrte mich an von wegen "wieso lachst du mich aus, du Idiotin" und so lehnte ich mich nach vorne, um ihr deutlich zu zeigen, dass es wieder los ging. Auf dem Weg zur kurzen Seite der Bahn überkreutzten wir eine blaue Plane, die auf dem Boden lag, und Sika blieb fast an der Plane hängen, stolperte dann aber ein paar Schritte weiter. Ich hob die Augenbrauen und Sika verzog nur ihre Mundwinkel, ignorierte aber ihr Missgeschick. Zum Glück ging es hier um Spaß, nicht Eleganz, denn so hatte ich die hübsche Stute nicht erzogen. Es ging auf die linke Hand und ich tippte mit der Gerte kurz gegen ihre Hinterhand, schnalzte dann und joggte los. Sika schnaubte laut und ich war mir zu 99% sicher, dass ihre komplette Rotze auf meinem Arm landete, ignorierte es aber gekonnt. Sie trabte hinter mir her und wir machten kurz eine Volte, ritten auf die andere lange Seite und machten dort wieder eine Volte. Auf der Mitte der langen Seite fielen wir in den Schritt und in einem Bogen drehten wir zu X, wo ich mich vor sie stellte. Ich ging einen Schritt nach links und lehnte mich nach vorne, tippte dabei mit der Gerte gegen ihre Hinterhand und brummelnd drehte Sika ihren Po zur Seite, kreuzte dabei aber wenigstens schön die Hinterbeine und blieb mit ihren Vorderbeinen halbwegs stehen. Sie stand nun an meiner Seite und ich stellte mich direkt neben sie, drückte meinen Finger gegen ihre Ganasche und begrenzte mit der Gerte ihren Weg nach vorne, da sie die Vorderhandwendung am liebsten so entging. Sie trat ein paar Schritte zur Seite und ich wackelte kurz mit der Gerte, dann machte sie es richtig und ich lobte sie, ehe es wieder im Trab los ging. Auf der langen Seite schnalzte ich dann laut und galoppierte neben ihr her (kurz fühlte ich mich sehr komisch, da Sika extra langsam angaloppierte) und nach der langen Seite musste ich in den Schritt durchparieren, weil ich schon halb am verrecken war. Auf dem Weg zu X stand eine Brücke und die überquerten wir (meine Knie schrien mich an, dass ich alles fallen und liegen lassen sollte und mich sofort hinsetzen sollte), ehe wir bei X wieder hielten und zum Abschluss ließ ich sie so ein halbwegs hingeschmiertes Kompliment machen. Beim Herausgehen belohnte ich sie mit einem wohlverdientem Karottenstückchen und ließ sie schließlich grasen, während ich mir die anderen Teilnehmer anschaute, die eine viel professionellere Kür hinlegten als wir. Aber was solls, Sika hatte alles super gemacht und aus der schüchternen Blume war nun eine ... naja, von mir angepisste Blume geworden. Trotzdem hatte sie mich lieb. Bestimmt.
      30 Juni 2016

      Ally
      Dressur M-S


      Wochenlang hatte ich mir das Genörgel von meiner besten Freundin anhören müssen, dass ich Sika bitte auf S ausbilden sollte, weil ihr Name auch mit S anfing. Ja, sie hatte nicht wirklich Ahnung von Dressur oder von .. überhaupt irgendetwas im Pferdesport, aber anscheinend liebte sie den Satz "Sika ist Dressur S" und daher schleppte ich mich jeden Tag für einige Wochen auf Aspen Heights, um Sika endlich weiter zu bringen. Sie hatte das Potential und Talent, aber leider eine unglaublich faule Besitzerin. M auf Kandare reichte doch schon, oder? Seufzend trenste ich sie auf. Die meisten Gangarten kannte Sika schon, da mir Versammlung und Verstärkung sehr wichtig waren. Ihr starker Galopp ähnelte zwar derzeit eher einem Elch, der auf einem zugefrorenen See herum rutschte, aber sie verstand wenigstens das Prinzip. Solange wir auf keine Olympiade gingen, war das ok. Bloß das Halten war ihr derzeit mehr oder weniger fremd und meist schielte sie dann mit einem Blick zu mir, der sagte "Erst scheuchst du mich bis in den Galopp und jetzt soll ich hier doof rumstehen?". Mit ein wenig Übung klappte aber auch das. Galopppirouetten liebte sie (und auch ich, der Galopp war eh schon die gemütlichste Gangart und dann auch noch einfach im Kreis drehen?) und so klappten die aus dem versammelten Galopp auch gut. Piaffe und Passage hatten wir schon öfters vom Boden aus gelernt und nach einigen Wochen Training klappte auch dies unterm Sattel super. Die fliegenden Galoppwechsel fand Sika aber überhaupt nicht toll - sie stolperte stets über ihre eigenen Beine und leider konnte ich von oben aus nicht viel tun außer Übung, Übung, Übung, und nach mehreren Trainingseinheiten funktionierten die auch gut. Mittelmäßig gut, aber wenigstens gut. Zum Ende des Monats präsentierte ich meiner Freundin eine ziemlich genervte Sika, die aber wenigstens jetzt auf der Dressur endlich S stand, wie ihr Name, Sika.
      12 Juli 2016

      Ally
      Pflege


      Heute ging es mal wieder zu Sika und Blue. Ich hatte ziemlich viel Zeit, ließ mir also noch mehr Zeit beim Putzen und Satteln von Sika, die ich als erstes bewegen wollte. Ich sattelte sie auf und trenste sie, führte sie dann zum Platz und schwang mich auf ihren Rücken. Erst wärmte ich sie in einem flotten Schritt auf, dann machte ich sie elastisch in einem federndem Trab und fing dann mit der Dressurarbeit an; Traversalen, Piaffen und die starken und versammelten Gangarten waren gefragt. Zum Ende hin waren ich und Sika am Schwitzen, daher sattelte ich sie schnell ab und stellte sie mit einer Abschwitzdecke auf die Weide. Als nächstes kam Blue dran, mit der ich ein wenig Bodenarbeit machen wollte. Ich halfterte sie auf und putzte sie und führte sie dann in die Halle, wo wir ein paar Runden drehten und am Rückwärtsrichten übten, genau so wie Seitengänge und das Weichen der Hinterhand. Zum Ende hin entfernte ich ihr Halfter und drehte noch ein paar Runden, um ihr Vertrauen zu testen, was sie super machte, dann war ihre Aufmerksamkeit aber schon am Ende und ich deckte auch sie ein und stellte sie zu Sika auf die Weide. Schnell fegte ich noch durch die Stallgasse, dann fuhr ich nach Hause.
      Zum Abend hin kam ich wieder in den Stall und fütterte die beiden, sagte dann aber auch schon tschüss für den Tag.
      27 Jan. 2017
    • Occulta
      Zwei Reitponys finden ihren Weg nach Pineforest

      …Im Fall von Blue Lady Liquor, oder Lychee, wie ich sie immer schon gerne genannt hatte, war es sogar ein Wiedersehen. Weil meine Kollegin Ally beschlossen hatte, sich nun endgültig von ihren Pferden zu trennen, durfte ich die Stute mit der speziellen Farbe wieder zuhause begrüssen. Sie befand sich in Begleitung einer zweiten Scheckstute namens Sika. Diese war Allys absoluter Liebling und ich sah, wie schwer es ihr fiel, sie loszulassen. Ihr einziger Trost war, dass Sika es auf Pineforest Stable bestimmt gut haben würde. Nach ihrer Ankunft brachte ich die beiden Stuten zuallererst auf die Weide, damit sie sich von der Fahrt erholen konnten. Lychee zeigte, dass sie die Umgebung wiedererkannte und sich sofort pudelwohl fühlte – sie bretterte im Hoppelgalopp durch den Schnee. Sika hingegen schnaufte lauft hörbar und sah sich unsicher um. Sie schien ein eher vorsichtiges Pferd zu sein und blieb zurückhaltend, obwohl ihre Gefährtin sich nicht fürchtete. Ich beobachtete die beiden eine Weile gespannt, dann beschloss ich, die anderen Stuten aus dem Nebenstall auf die Nachbarweide zu stellen. Lisa und David halfen mir rasch dabei. Wir nahmen immer zwei Pferde gleichzeitig und entliessen sie in die von heute Nacht mit frischem Schnee bedeckte Weide. Sofort gingen die Stuten neugierig zum Zaun, wo bereits Lychee auf sie wartete. Ich meinte im Verhalten von Bluebell und Sweets zu erkennen, dass sie durchaus noch wussten, wer Lychee war, und dass sie schon als Fohlen alle zusammen gespielt hatten. Ich fand die Wiedervereinigung rührend, besonders, als die drei anfingen, dicht am Zaun Kopf an Kopf zu grasen. Sika kam unterdessen auch näher, um mit den fremden Stuten Bekanntschaft zu schliessen. Es gab etwas Gequietsche und Gestampfe, doch dann verlohren beide Partien das Interesse und wandten sich ebenfalls dem Freischarren von Gras zu. Zufrieden ging ich zurück zum Nebenstall und überprüfte, ob die Boxen der zwei bereit waren. Danach machte ich eine kleine Pause in der Reiterstube. Stolz betrachtete ich das Foto von Sunday Morning, welches an der Pinwand hing. Es stammte vom Neujahrsspringen auf dem Gestüt Wolfsgrund, bei dem Team Pineforest alle drei Podestplätze belegt hatte. Halluzination, Satine und eben Sunday hatten hervorragende Arbeit geleistet und sich eine Menge Karotten verdient. Doch es gab noch weiteren Grund zum Feiern: Feline hatte endlich die Körung bestanden. Es war ein langer, beschwehrlicher Weg mit der Stute gewesen; nicht etwa, weil sie schwierig im Umgang war, sondern weil sie gewissermassen immer ein graues Entlein gewesen war. Schon als Fohlen hatte sie niemand gewollt, weil sie zu unscheinbar und zu unförmig gewesen war. Doch mittlerweile hatte sie sich zu einem Schwan gemausert, der sogar schon an Jolympia geglänzt hatte. Längst wurde sie von den Pflegern für ihre liebe, freundliche Art geliebt und war besonders für Lily eine gute Lehrerin. Vielleicht würde sie in Zukunft nun auch noch eine hervorragende Mutter werden? Jedenfalls war ich froh, auch diese Hürde geschafft zu haben.

      Gegen Mittag holten wir die Stuten wieder rein, denn am Nachmittag waren die Hengste dran mit dem Auslauf. Sika sah sich noch immer etwas unwohl in ihrer neuen Box um, während Lychee sich bereits gierig über die Mittagsration Heu hermachte. Ich freute mich schon, mit den beiden zu arbeiten und war gespannt zu sehen, was Lychee inzwischen alles gelernt hatte.
    • Occulta
      [​IMG] Distanz E-A

      Nun ging es weiter zu den Reitponys. Mit ihnen stand zur Abwechslung ein erstes Distanztraining an, damit sie etwas mehr Ausdauer aufbauen konnten. Natürlich war das in einem Mal nicht möglich, aber wir wollten in nächster Zeit nach Möglichkeit einmal pro Woche mit ihnen einen längeren Ritt machen. Sika, Lychee, Bluebell und Sweets waren allesamt unerfahren was grössere Distanzen anging. Aber irgendwo musste man ja anfangen. Lisa, Jonas, Darren und ich putzten und sattelten die Ponys. Ich selbst übernahm Lychee, denn ich wollte mir einen ersten Eindruck von ihrem Können verschaffen, nachdem ich sie ja erst vor ein paar Tagen zurückgekauft hatte. Vor dem Aufsteigen checkten wir ihren Puls, sodass wir einen Referenzwert hatten. Dann ging es auch schon los. Vor uns lag ein circa 15 Kilometer langer ‚Ausritt‘, welchen wir in lockerem Trab und vielen, langen Schrittpausen absolvierten. Dazwischen wurde immer mal wieder Puls geprüft. Die Ponys machten sich gut, nur Bluebell hatte einen leicht zu hohen Puls gegen Ende des Ritts. Wir nahmen deshalb noch mehr Tempo zurück und passten uns alle der Stute an. Wieder auf dem Hof kühlten wir die Beine der Ponys und wuschen die verschwitzten Stellen mit dem Schwamm. Danach führten wir sie ausgiebig trocken und packten sie in ihre Abschwitzdecken ein, damit sie sich nicht erkälteten. Mir frohren mittlerweile fast die Finger ab, obwohl ich dicke Handschuhe trug. Ich gab Lychee ihre wohlverdienten Karotten und liess sie dann wieder in Ruhe.
    • Occulta
      [​IMG] E-A

      Mit den DRPs wollten wir uns heute einen kleinen Spass erlauben. Dazu nahmen wir sie erstmal aus den Boxen und Putzen sie. Bluebell sah mir bereits aufmerksam entgegen, als ich zum Nebenstall kam. Ich begrüsste sie mit einem Karottenstück und öffnete die Boxentür, um ihr ihr blau grünes Halfter überzustreifen. Sie war etwas ungeduldig und wollte bereits an mir vorbei aus der Box laufen, doch ich stupste sie in die Brust und schickte sie zurück. Warten war eine wichtige Lektion für junge Pferde. Als nächstes band ich sie am Holzgeländer an und begann mit dem Striegeln. Sie genoss es mit gespitzter Lippe, denn sie verlor reichlich Winterfell und es schien sie überall zu jucken. Sogar am Bauch, wo sie normalerweise etwas kitzlig war, liess sie mich diesmal ohne Schrumpelschnauze putzen. Ich kratzte auch die Hufe gründlich aus und kontrollierte, ob noch immer etwas Strahlfäule vorhanden war. Diese hatte sich im Winter hartnäckig immer wieder in kleinen Flächen gezeigt, sodass wir Bluebells Hufe immer besonders gut säubern mussten. Neben mir und Bluebell waren natürlich noch die anderen Reitponystuten angebunden. Lisa sattelte Blue Lady Liquor bereits. "Wie kannst du nur so schnell sein? Ich musste einen Kisseninhalt an Fell rausbürsten!", motzte ich an sie gewandt. "Ich kann's halt einfach", meinte sie schulterzuckend, begleitet von einem breiten Grinsen. Anne sah so aus, als hätte sie wiedermal nicht verstanden, was wir gesagt hatten. Ich half ihr rasch: "We talked about how it was even possible for Lisa to already finish this mess of a Wookie-shedding." Sie stiess ein stummes "Ah" aus und wandte sich wieder Sugar and Sweets zu. Zuhinterst war übrigens David, der stumm Sikas geschecktes Fell entstaubte. "Why so quiet, Dave?", fragte ich neckend. "You know exactly why", gab er zurück. "You can ride Bluebell the whole next month, so let me enjoy her a little bit longer", befahl ich. Bluebell war nunmal Davids Lieblingspferd und er verschränkte gespielt beleidigt die Arme. Wir konzentrierten uns wieder auf das Bereitmachen. Ich bandagierte Bluebells Beine zur Sicherheit - denn wir wollten tatsächlich mit den Ponys auf die Rennbahn. Das Training diente dem Konditionsaufbau, aber in erster Linie auch einfach dazu, die Ponys mal so richtig laufen zu lassen. Auf die Rennsättel (oder eher die Trainingssättel) mussten wir aber verzichten, denn die waren für die Vollblüter ausgelegt. Stattdessen nahmen wir einfach die normalen Springsättel. Auch die anderen Bandagierten die Beine und wir montierten allesamt Vorgeschirre, damit die Sättel nicht verrutschen konnten, wenn sich die Rennponys streckten. Als alle bereit waren, machten wir uns auf den Weg zur Bahn. Doch weit kamen wir nicht, als eine vertraute Stimme hinter uns rief: "Wartet auf mich!". Ich brauchte mich nichtmal umzudrehen, um zu wissen, dass uns Lily mit Snottles Peppermint im Schlepptau gefolgt war. Sie hatte sich fest in den Kopf gesetzt, Peppy für Shettyrennen zu trainieren. Sein Wochen übte sie und baute Peppys Kondition auf. Ich hatte das Shetland Pony sogar scheren müssen, denn mit dem dichten Winterpelz hätte es viel zu stark geschwitzt. Beim Nordstall stiessen auch noch Darren und Baccardi zu uns. Somit waren alle Deutschen Reitponys startbereit, ausser Donut. Der hatte sich beim Toben auf der Weide eine Zerrung geholt, die laut TA noch etwas länger Ruhe brauchte. Für ihn gab es daher im Moment nur Spaziergänge und Bodenarbeit. Wir wärmten unsere Ponys gründlich ein und reihten uns dann zu einem freien Start auf. Auch Peppy und Lily stellten sich neben uns. Als es losging, konnte die Shettydame mit ihren kurzen Beinen aber nicht wirklich mithalten und fiel bald zurück. Wir versuchten ein gescheites Intervalltraining in Form eines kleinen Trainingsrennens aufzugleisen, was aber gar nicht so leicht war, denn die Ponys wollten am liebsten einfach nur im Jagdgalopp über das Gras preschen. Auch ich hatte meine liebe Mühe, Bluebell vor dem Sprintteil etwas zurückzunehmen und dann kontrolliert schneller werden zu lassen. Zuletzt gaben wir ihnen den Kopf frei, einfach nur aus Neugier, wer denn nun als erstes ins Ziel kommen würde. Es endete in einem knappen Kopf-an-Kopf zwischen Sweets und Bluebell, wobei Sweets die Nase vorn hatte. Zufrieden klopfte ich Bluebell auf den Hals und liess sie austraben. Wir ritten zurück zu Lily und Peppy, die ihren eigenen Trainingsplan eingehalten hatten. "Und? Wie lief sie?" "Ach ganz okay, am Start müssen wir noch etwas arbeiten", stellte Lily fest. Wir ritten gemeinsam zurück zu den Ställen und wuschen die Ponys, die es bei den Frühlingshaften Temperaturen nach der Anstrengung nötig hatten. Dann gingen wir alle zusammen an der Hand mit ihnen grasen, wobei auch Donut wieder dabei war. Die beiden Hengste verhielten sich übrigens brav neben den vier Stuten - das hatten wir ja auch lange genug trainiert.
    • Occulta
      Calypso
      Tierarztbericht
      Coulee, Cabinet of Caligari, Sika, Bluebell und Silhouette of a Rose
      Heute war ich zu Besuch bei Occulta auf dem Pineforest Stable. Ich hatte schon viel davon gehört und staunte nicht schlecht als ich auf der riesigen Anlage ankam. Es hieß das ich bis zum Hauptstall vor fahren konnte, dort warteten nämlich zwei Englische Vollblut Stuten auf mich. Occulta hatte mich bereits entdeckt und begrüßte mich freudestrahlend. Sie fragte nach dem Hengstfohlen das ich ihr abgekauft hatte, wie es ihm ginge usw. Wir plauderten ein wenig bevor sie mich zu der ersten Stute führte, Coulee. Sie wurde in der Stallgasse angebunden und ich machte mich erstmal mit ihr bekannt. Man merkte sofort das sie eher scheu war und Abstand zu mir suchte. Ich konnte mit solchen Pferden ganz gut umgehen, ich selbst bin auch eher gelassen und geduldig und diese Ruhe strahlte ich auf die Tiere natürlich aus. Auch redete ich ihnen immer gut zu. „Na Süße, darf ich dich mal genauer anschauen? - Ja so ist es brav.“ ich tastete sie ab und hob die Beine an um sie mir genauer anzuschauen. Dann hörte ich mit dem Stethoskop die Herz- und Lungenfunktionen ab. Die Stute war in einem sehr guten Allgemeinzustand und so wollte ich sie gar nicht lange unnötig stressen und begann mit den Impfungen. Auch dies führte ich mit viel Ruhe und gutem zusprechen durch. Danach waren wir schon fertig und Occulta lobte ihr Stütchen zufrieden. „Jetzt haben wir noch eine eher schreckhafte Kandidatin.“ meinte Occulta schmunzelnd und zeigte mir Cabinet of Caligari. Auch ein Englisches Vollblut. „An der Flanke habe ich vorhin eine kleine Bisswunde entdeckt.“ Occulta zeigte sie mir „Sieht nicht weiter schlimm aus. Schmierst eine Wund- und Heilsalbe oder Jodsalbe drauf. Soll ich dir was mitgeben?“ „Nein ich glaube da habe ich noch was da.“ ich nickte und schaute mir die Stute genauer an durch abtasten. Dies dauerte hier ein wenig länger, da Cabinet of Caligari sich oft meiner Berührungen entzog. Danach wurde auch sie abgehört und ich schaute in ihren Impfpass. Ihre Impfungen waren noch recht aktuell, also musste ich hier nichts weiter machen. Wir verließen den Hauptstall und gingen in den Nebenstall wo Deutsche Reitponys auf mich warteten. „Bei Sika glauben wir das sie auf einem Bein lahmt. Wenn du nochmal darauf schauen könntest....“ Occulta zog der Stute das Halfter über und führte sie aus der Box. „Führe sie mir mal draußen im Trab vor.“ Die beiden traten auf den Hof und Occulta schnalzte zweimal um Sika in den Trab zu bewegen. Jetzt im Trab konnte man es deutlicher erkennen, hinten links trat sie kürzer. „Das reicht schon.“ meinte ich und sah mir das linke Hinterbein genauer an um die Stute auf Schmerzreaktionen zu testen „Ich glaube nicht das es was ernsteres ist. Vielleicht eine Überbelastung oder ihr lasst den Hufschmied auch nochmal drüber schauen ob man was am Beschlag ändern kann. Aber das was ich sehe dürfte bald vorüber gehen. Schont sie einfach noch ein bisschen, ihr kennt euch ja aus.“ erklärte ich und tätschelte Sika sachte am Hals. Ich fuhr dann mit der eigentlichen Untersuchung fort. Tastete und hörte sie ab und verabreichte ihr alle nötigen Impfungen. „So ein braves Pony“ lobte ich sie und steckte ihr ein Hagebutten Leckerli zu, die ich immer dabei hatte. Nun kamen wir zu meiner vorletzten Patientin. Bluebell, eine Red Roan Scheckstute. „Also ich muss jetzt wirklich mal betonen was du für schöne Pferde hier hast. Vor allem so viele verschiedene Fellvariationen, wahnsinn.“ ich kam direkt ins schwärmen. Bluebell war sehr verschmust und drückte mir gleich ihren Kopf entgegen und wollte gestreichelt werden. Dieser Aufforderung ging ich natürlich nach und machte mich mit ihr bekannt. Nach dem abtasten nahm ich das Stethoskop zur Hand und hörte Herz und Lunge ab. Bluebell war sehr interessiert daran was ich da machte und stupste mich immer mal wieder an, was ich mit einem Lächeln sachte abwehrte. Auch sie war in einem guten Allgemeinzustand und ich konnte keinerlei Auffälligkeiten feststellen. Auch sie musste geimpft werden und nach einem kleinen Pieks, was die Stute gelassen wegsteckte, waren wir auch hier fertig. Zu guter Letzt kamen wir zu einer Weide wo es nur vor lauter kleinen Zwergen wimmelte. Mein Herz machte einen Satz und ich konnte es mir nicht verkneifen „Nein wie süß, meine Patienten werden hier ja immer kleiner.“ scherzte ich und auch Occulta musste lachen. „Wer von der Rasselbande ist denn mein Schützling?“ Occulta zeigte auf ein Apfelschimmelchen namens Silhouette of a Rose. Sie war nicht einmal 1 Meter hoch und ich konnte mich innerlich gar nicht mehr einkriegen, so süß war sie. Die Untersuchung konnte ich auch hier auf der Weide machen, deshalb blieben wir gleich hier. Occulta nahm die Stute nur ans Halfter um sie halten zu können. Ich musste auf die Knie gehen um das Pony richtig abtasten zu können. Mein Gott die kleinen Hufe waren einfach zu niedlich. Als ich sie abhörte zuckte sie etwas, wahrscheinlich war sie dort kitzelig. Das Impfen gestaltete sich etwas schwierig, nicht das sie Angst gehabt hätte, aber sie fand die Spritzen ja so interessant und war einfach extrem neugierig, sodass ich aufpassen musste das sie sie mir nicht aus der Hand schnappte. So etwas hatte ich auch noch nicht erlebt, aber ich fand es lustig. Occulta entließ das Stütchen dann wieder und wir besprachen noch einige Dinge. Ich gab ihr für die 5 Pferde Wurmkuren mit, die konnte sie ihnen selbst verabreichen, und wünschte ihr viel Glück bei den bevorstehenden Körungen.
    • Occulta
      Hoher Besuch
      Gleam of Light, Spotted Timeout, Fly Fast of the Nightrunners, Caspian of the Moonlightvalley, A Winter's Day, PFS' Merino, Primo Victoria, tc Miss Moneypenny, Simba Twist, PFS' Cryptic Spots, Framed in History, Sumerian, Kaythara El Assuad, Cabinet of Caligari, Chiccory ox, Sunday Morning, Indiana, Mikke, Diarado, Vychahr, Calico, Flintstone, Baccardi, Donut, Burggraf, Sika, Yoomee, River's Blue Lady Liquor, scs Sugar and Sweets, scs Bluebell, Parányi, Fake xx, PFS‘ Ljúfa, Papillon d'Obscurité, Silhouette of a Rose, PFS' Kicks-A-Lot, Tic Tac, PFS‘ Dressy Miss Allegra, Snottles Peppermint, PFS' Sarabi, PFS' A Winter's Tale, PFS' Counterfire, PFS' Stop Making Sense, PFS' Shadows of the Past, PFS’ Skydive

      Heute musste alles etwas schnell gehen, denn meine Eltern kamen zu Besuch und ich wollte die Pferde vorher bewegt haben. Ausserdem musste alles sauber aufgeräumt werden, aber das überliess ich den Pflegern und Jonas. Ich kümmerte mich nun zuerst um Jungstute Ljúfa. Die rappfarbene Stute putzte ich gründlich, anschliessend spielte ich ein wenig im Rounpen mit ihr, um sie gegen den grossen Gymnastikball, die bunte Blache und die Fahne zu desensibilisieren. Sie fand das ganze am Anfang sehr unheimlich und machte grosse Glupschaugen. Sie war aber charakterlich sehr geduldig und aufgeschlossen, sodass wir rasch Fortschritte machten.
      Nachdem ich bei Ljúfa fertig war, ging es weiter mit Diarado. Der elegante und doch imposante Warmbluthengst war kaum schmutzig und sein kurzes Sommerfell glänzte seidig. Ich wischte nur rasch mit der Staubbürste darüber, dann war er wieder blitz-blank. Ich zog ihm den Kapzaum an und nahm ihn an der Longe mit zum Sandplatz, wo er in der noch kühlen Morgenluft sein lockerungs work-out bekam. Ich war zufrieden mit seinen durchschwingenden Bewegungen und liess ihn nach etwa einer halben Stunde austraben.
      Ich war bereits auf dem Weg zur nächsten Box, aber sah unterwegs gerade noch Lisa mit Vychahr losreiten. Die beiden gingen auf einen schönen, langen Ausritt. So wie ich Lisa kannte, würde Vilou bestimmt auch der ein oder andere Galopp bevorstehen. Der Fuchshengst war aber auch toll zu reiten im Gelände. Das machte den Galopp mit ihm umso verlockender.
      Auch Calico musste ich nicht selber bewegen - das übernahm Rita liebend gerne für mich. Sie liebte ihren Criollo immernoch wie kein anderes Pferd. Ich schmunzelte immer darüber, wie sie beim Putzen mit ihm redete. So auch heute; der Hengst wurde rundum betüddelt. Immerhin, ihm schien die Aufmerksamkeit zu gefallen.
      Ich erreichte endlich Flintstones Box. Seine kristallblauen Augen verfolgten mich gebannt, während ich seine Ausrüstung holte. Wir gingen Ausreiten, den für die Reithalle war es jetzt schon zu heiss und der Sandplatz war bereits voll mit Pferden. Wir ritten durch den schattenspendenden Wald. Flint wirkte ruhig und zufrieden, also war ich es auch. Nach dem Ritt bürstete ich ihn gut durch und brachte ihm seine Karotten.
      Baccardi und Donut wurden von Darren und David bewegt. Es sah witzig aus, wie die beiden Zwillinge auf den Ponys über den Platz kurvten. Darren war zwar der bessere Reiter, trotzdem schienen heute beide dieselben Fehler zu machen. Die Ponys waren gnadenlos und machten bei der Hitze keinen Schritt gratis. Die Reiter schienen aber auch nicht so motiviert wie sonst.
      "Du bist viel zu langsam", murmelte ich zu mir selbst und seufzte, als ich feststrellte, dass es schon fast Mittag war. Burggraf drehte den Kopf um zu sehen, ob er ein Leckerli bekam. Er musste dafür aber zuerst arbeiten. Arbeit hiess für ihn konkret, ein richtig weiter Ausritt mit viel Trab. Das war auch Teil seiner Distanzausbildung.

      Unsere Spaghetti mit Pesto-Sauce waren zwar kein Gourmet Menu, aber erfüllten ihren Zweck als Mittagessen und machten uns satt. Lily dümpelte noch ein wenig auf dem Hof herum und spielte mit den Hunden, bevor sie wieder mit dem Fahrrad in Richtung Schule verschwand. Ich hingegen begab mich zu den Miniweiden und holte Silhouette of a Rose raus. Ihre silbernen Dapples waren im Sommer besonders gut zu sehen, wie bei Arco. Mit ihr machte ich Langzügelarbeit, zusammen mit Lewis und Papillon d'Obscurité.
      Als ich mit Rose zurückkam, sah ich, dass Lisa bereits Kicks-A-Lot und Tic Tac putzte. Lewis und ich erlösten unsere beiden Ponys von deren Ausrüstung. Wir wurden gerade Zeugen, wie Dressy Miss Allegra zum Zaun geschlendert kam, um Kiwi und Tiki abzulenken. Die Jungpferde hatten eben nichts als Flausen im Kopf. Lewis und ich schmunzelten amüsiert, als Lisa das aufdringliche Fohlen verscheuchen wollte.
      Von der Miniweide wechselte ich direkt zu den Fohlen. Dort stand unter anderem die mittlerweile garnicht mehr so kleine Sarabi. Zu dem Stutfohlen hatte ich einen Besonderen Bezug; nicht wegen ihrer besonders schönen Farbe oder den ausdrucksstarken blauen Augen, sondern weil sie von meinem geliebten Stromer abstammte. Ich vermisste den Hengst immernoch wahnsinnig und sah immer wieder wehmütig auf sein Bild, das im Reiterstübchen in der Halle hing. Sarabi hatte viele der Züge ihres Vaters geerbt und besonders ihr Kopf glich dem seinigen. Das weckte einerseits stets schmerzvolle Erinnerungen, denn sie konnte Stromer ja nicht ersetzen - andererseits erinnerte es mich auch daran, dass das Leben weiterging und ein Teil von ihm immernoch hier war, direkt vor meiner Nase. Ich streichelte die Stute daher mit einem liebevollen Lächeln im Gesicht.
      Ebenfalls ein Fohlen von einem meiner Lieblingshengste war A Winter's Tale. Ihr Vater lebte aber zum Glück noch und war äusserst fit. Ein Blick in die Ferne unter den Tannen hindurch zu den grossen Weiden bestätigte mir dies. Die kleine Snowflake, wie die Pfleger sie nannten, war heute frech und neugierig. Sie kam sofort an den Zaun und beschnupperte meine Hände. Dann versuchte sie, meine Haare mit ihrer Fohlenschnauze zu zerzausen. Ich schubste sie lachend beiseite und kraulte sie am Hals, sodass sie genüsslich die Oberlippe verzog. Ich liebte es, einfach zwischendurch bei den Fohlen Halt zu machen und mit ihnen Zeit zu verbringen. So konnten wir jetzt schon eine Beziehung aufbauen und sie lernten, dass Menschen meistens Gutes brachten.
      Auch Cassys Fohlen Counterfire genoss meine Streicheleinheiten und konnte gar nicht genug kriegen. Das Fuchsfohlen vom letzten Jahr hatte ich behalten, weil sie eine vielversprechende Abstammung hatte und ich noch kaum Füchse im Rennstall besass. Ich bereute es keinen Moment, denn sie entwickelte sich prächtig und ganz entsprechend ihrer Eltern. Schon jetzt hatte sie drahtige, lange Beine und ein gut bemuskeltes Hinterteil. Ich freute mich schon darauf, sie und die anderen Fohlen ihres Jahrgangs einzureiten und rennen zu sehen.
      Mambo gefiel mir auch von Tag zu Tag besser. Stop Making Sense, wie er effektiv hiess, ich ihn aber nie nannte, war in letzter Zeit wieder ziemlich in die Höhe geschossen und immernoch hinten überbaut, aber langsam wurde sein Hals breiter und sein Langhaar liess ihn wie ein Wildpferd wirken. Weil ich es so schick fand, zögerte ich auch so lange wie es ging das Schneiden hinaus. Obwohl Oliver anderer Meinung war. Er meinte, dass es schon längst fällig sei und ein Vollblut gefälligst auch als solches erkannt werden sollte, "wenn es schon von der Farbe her nicht so aussieht." Aber da immernoch ich hier das Sagen hatte, blieb die lange Mähne vorläufig noch.
      'Prinzesschen' Shadows of the Past war mittlerweile eigentlich kräftig genug zum Anreiten. Ich wartete aber noch damit, weil die Stute sich beim Spielen auf der Weide eine kleine Verletzung am Sprunggelenk zugezogen hatte, die ich zuerst ganz verheilen lassen wollte. Sie war zwar nur kurz etwas lahm gegangen und zeigte mittlerweile kein Unwohlsein mehr, aber die Schramme war doch noch gut sichtbar und das Gelenk leicht geschwollen. Ausserdem musste bei ihr noch der Zahnarzt vorbei kommen und ihr ins Maul schauen, um sicher zu gehen, dass die Zähne uns beim Reiten keine Probleme bereiten konnten. Ich erwartete allerdings keine grossen Überraschungen, denn die Beisserchen von Shira sahen allesamt schön gerade aus - man konnte es immer wieder gut beurteilen, wenn sie damit am Zaun nagte.
      Als Lily kurz nach vier Uhr Nachhause kam, war sie wiedermal als Erstes bei Skydive zu finden. Der Junghengst wurde wirklich rundum von ihr mit Streicheleinheiten und Spielen verwöhnt. Er brummelte ihr sogar schon zu, wenn er sie sah. Die beiden werden mal ein gutes Team, stellte ich schmunzelnd fest. Skydive sollte aber nicht nur Lilys Kinderpony werden, sodern auch im Sport laufen. Der Hengst hatte mehr als genug Potential durch seinen Vater und sein Exterieur liess auch auf Springveranlagung schliessen. Je älter er wurde, desto mehr erinnerte er mich an ein britisches Riding Pony. Tatsächlich war er aber ein Mix aus englischen und deutschen Vorfahren, durch seine Mutter White Dream.

      Jetzt stand für mich noch ein schöner Nachmittagsausritt zum Fluss an, und zwar mit Yoomee. Begleitung bekamen wir von Darren und Lisa mit Sika und Blue Lady Liquor. natürlich liessen wir es uns nicht nehmen, auch ins Wasser hinein zu reiten und den Pferden eine Abkühlung zu geben. Yoomee ging ohne zu Zögern rein und begann auch gleich zu scharren. Ich musste regelrecht aufpassen, dass sie sich nicht hinlegte. Lychee war zuerst nicht ganz so begeistert, folgte dann aber Sika, die mutig voraus ging. Wir blieben einen Moment am Ufer, dann Ritten wir weiter zum Pinienwald, wo es reichlich Schatten gab.
      Auf dem Ausritt begegneten wir auch Anne und Rita, die mit Sugar and Sweets und Bluebell in die andere Richtung unterwegs waren. Sie hatten schon über eine Stunde Ausreiten hinter sich und waren auf dem Heimweg. Ich fragte rasch, wie's gelaufen war. Anne erzählte, dass Rita fast runtergefallen sei, als Bluebell sich vor einem Fahrradfahrer erschrocken habe. Rita spielte das Ganze verlegen etwas herunter und meinte, sie sei nur kurz hinter die Bewegung gekommen. "Schon okay, kann ja mal passieren. Hauptsache du bist noch oben", stellte ich schulterzuckend fest. Da musste man ja nun wirklich kein Drama draus machen. Das hätte ich gerne auch zu Anne gesagt, aber ich liess es dann doch bleiben.
      Vom Ausritt nachhause gekommen, kümmerte ich mich als nächstes um Parányi. ich wollte sie nur rasch longieren, da sie am Vortag eine anstrengende Springstunde gehabt hatte und sie mit ihrem rabenschwarzen Fell bei der Hitze sowieso bestimmt Mühe hatte. Ich putzte sie also gründlich, dann ging ich mit ihr zum Roundpen und übte lockernde Übergänge. Sie arbeitete konzentriert mit, obwohl auf dem Kiesweg neben dem Roundpen immer wieder Jonas mit Fake durchfuhr. Er hatte die Hackneystute vor ein Sulky gespannt und übte fleissig mit ihr. Ich bewunderte die extravaganten, dynamischen Bewegungen von Fake, die ganz von Natur aus die typischen Hackney Gänge zeigte.

      Um halb sieben fand ich mich wieder im Hauptstall ein, wo gerade fleissig aufgeräumt wurde. Meine Eltern kamen jeden Moment an und ich war froh, dass Jonas sich um das Abendessen kümmerte. Wir wollten grillieren, wobei die Pfleger unter sich bleiben und Jonas, Lily und ich mit meinen Eltern essen würden. Ich streichelte im Vorbeigehen Mikke, die mir zuröchelte. "Ja meine schöne, wir gehen morgen wieder zusammen raus. Für heute hat April dich genug bewegt." Sie erwiderte mein Kraulen mit ihrer Schnauze. Ajith lief fröhlich pfeifend an uns vorbei, sodass ich mich ihm gleich anschloss und 'Caprice' vorher aber noch ein letztes Mal über die Stirn strich.
      "Anything unusual today?", fragte ich Ajith beiläufig. "Nope, they all doin' fine, boss." Ich nickte zufrieden und fragte, ob denn Indiana heute wieder ausgegessen hatte. Am Vortag hatte sie nämlich am Mittag ein wenig übrig gelassen. "Yeah, I checked on her a moment ago and it was all gone", beruhigte mich der Pfleger. Ich nickte zufrieden. Vielleicht lag es ja an der Hitze, überlegte ich mir. Oder sie hatte schon genug Gras auf der Weide.
      Chiccory und Sunday Morning standen in der Stallgasse, weil sie noch eine Massage von Elliot bekamen. Der Reitlehrer hatte sich vor einer Weile weitergebildet und kannte ein paar nützliche Handgriffe, um verspannte Muskeln zu lockern. Normalerweise liessen wir das einen Experten machen, zum Beispiel kurz vor einem wichtigen Rennen. Aber so zwischendurch war es für Elliot eine gute Übung und für die Pferde natürlich auch nur positiv. Sunday, der gerade dran war, schlief jedenfalls fast ein vor Entspannung. Sein Kopf hing in den Seilen und die Unterlippe liess er hängen. Chiccory war hingegen etwas ungeduldig und scharrte, als ich neben ihm durchlief. Wie ich ihn kannte, wollte der Hengst nichtmal Futter, sondern einfach nur Aufmerksamkeit. Ich kraulte ihn deshalb kurz, bevor ich weiterging.
      Gleam of Light, Spotted Timeout, Fly Fast of the Nightrunners, Caspian of the Moonlightvalley und A Winter's Day waren noch immer auf der Weide. Sie waren die letzte Gruppe von Hengsten, die noch reingeholt werden musste. Kurze Zeit später kamen sie dann auch in die Stallgasse getrabt und wurden von den Pflegern in Empfang genommen, damit sie auch wirklich in die richtige Box gingen. Die Pferde liefen ansonsten den ganzen Weg von der Weide zum Stall und umgekehrt selbstständig über den jeweils rasch abgezäunten Weg. Winter blieb bei mir stehen, also übernahm ich ihn gleich und führte ihn in seine Box, indem ich ihm rasch einen Führstrick um den Hals legte. Die Pferde trugen auf den Weiden aus Sicherheitsgründen meistens keine Halfter.
      Ich wollte den Hauptstall gerade verlassen, als Oliver reinkam und mich zu sich winkte. "I just wanted to tell you that the second group this morning ran better than yesterday. Almost all of them made it in over a second less Time." "Ahh, wonderful to hear. I'm sorry I wasn't able to take part, but I had so much to do..." "Sure, no problem." Es freute mich zu hören, dass die jungen Rennpferde sich stets verbesserten. Framed in History, Sumerian und Kaythara El Assuad waren im Moment herausragend. Dafür hinkte Cabinet of Caligari wieder etwas hinterher. Aber für mich war es nur eine Frage der Zeit bis sie mehr Muskeln und Ausdauer hatte.
      "What about the youngest Group?", fragte ich Oliver weiter. "Well, could be better, but I guess they just need time." Ich nickte zustimmend, aber mein Ehrgeiz piekte mich trotzdem ein wenig. Ich hatte gehofft, dass in diesem Jahrgang auch wieder ein paar Überraschungen sein würden. Besonders in Merino und Primo Victoria hatte ich hohe Erwartungen gesteckt. Aber natürlich konnte sich das alles noch entwickeln - schliesslich waren die Jungspunde noch ganz am Anfang. Oliver fügte noch an: "Miss Moneypenny had the leading time today. Didn't surprise me really, she has the longest legs already." "And what about Simba Twist and Cryptic Spots?" Oliver machte sein 'ich-bin-nicht-so-zufrieden-wie-ich-es-gerne-wäre'-Gesicht und ich fragte nicht weiter. Schmunzelnd lief ich zum Parkplatz, denn ich hörte ein Auto heranrollen. Ich begrüsste meine Eltern, die aus dem Taxi ausstiegen und führte sie zum Haus.
      Wir assen alle gemütlich zu Abend und unterhielten uns über alles was seit dem letzten Telefonat so passiert war. Lily war natürlich wieder als erste fertig und wollte vom Tisch. Ich liess sie, weil sie sonst sowieso nur herumgezappelt hätte. Sie verschwand mit Sheela in Richtung Weiden. Zira und Jacky blieben treu hinter mir im mittlerweile kühlen Gras liegen. Ich war Barfuss und genoss das kitzeln der kühlen Halme. Meine Eltern redeten auch viel mit Jonas; sie fragten ihn fast schon aus, was mir etwas peinlich war. Er schien es aber locker zu nehmen und setzte sein charmantes Lächeln auf. Plötzlich kam Lily wieder zurück, ohne Sattel und nur mit Stallhalfter auf Snottles Peppermint sitzend. Offenbar wollte sie etwas bluffen, wie gut sie schon reiten konnte. Meine Eltern waren nicht so begeistert, dass ihre Enkelin keinen Helm trug und ich versuchte ihnen weiss zu machen, dass sie ihn normalerweise trug. (Was sie auch tatsächlich tat, zumindest wenn sie richtig reiten ging.) Wir genossen den Abend dann doch noch ohne weitere Diskussionen und meine Eltern blieben über Nacht im Gästezimmer.
    • Occulta
      [​IMG] Military A-L
      für River's Blue Lady Liquor, Donut, Silverangel, Baccardi, Sika, Calico und scs Bluebell

      Eine anstrengende, aber spassige Dressurstunde hatte ich schon hinter mir – als nächstes folgte Geländetraining. Dieses brauchten heute besonders die Reitponys. Wir waren daher gleich mit einer ganzen Gruppe unterwegs, bestehend aus Lychee, Silver, Sika, Bluebell, Baccardi, Donut und – als einziges nicht-Pony – Calico. Ich selbst ritt auf Donut. Das Gewitter von vorhin hatte sich bereits wieder verzogen, beziehungsweise gab nun dem nächsten Dorf eine Dusche. Wir waren darüber nicht wütend. Allerdings war das Gras noch ganz nass, sodass wir zur Sicherheit Stollen einschlugen und beschlossen vorsichtig zu reiten. Ich machte meinen schwarzen Ponyhengst im Nordstall bereit und führte ihn dann zur Ovalbahn, in deren inneren sich unsere kleine Trainingsstrecke befand. Sie war zwar wirklich bescheiden, aber beinhaltete doch die wichtigsten Hindernisse zum Üben. Und da nur Bluebell bereits auf M Klasse trainiert werden musste, brauchten wir nicht extra auf die auswärtige Militarystrecke zu fahren. Wir stellten alle verstellbaren Hindernisse zunächst auf die kleinstmögliche Stufe. Im Verlaufe des Trainings erhöhten wir für Lychee und Donut auf 1 Meter, für die anderen auf 1.10 Meter. Mit Bluebell übten wir vor allem an den Hindernissen, die sie noch etwas zögerlich übersprang. Für Sika war ein einfacher Baumstamm das unheimlichste, für Silver hingegen war es das Wasser. Wir trainierten eine halbe Stunde lang intensiv, doch hörten auf bevor die Pferde müde wurden. Denn dann wurde es gefährlich, mit den grösstenteils massiven, festen Hindernissen. Ich liess Donut am Ende auf der Ovalbahn austraben und lobte ihn ausgiebig. Dann gingen wir noch ein wenig Spazierreiten im Schritt, während wir Reiter ausgelassen plauderten. Schliesslich spritzte ich Donut gründlich ab, damit er keinen Schweiss mehr im Fell hatte. Er genoss das kühle Wasser, denn es war bereits wieder heiss geworden seit dem Gewitter, und zudem ziemlich schwül. Auch das Abspritzen am Kopf machte ihm nichts aus. Neben mir wusch David auch Baccardi, der das ganze aber nicht so sehr mochte. Ich schmunzelte, als er ungeduldig scharrte.
    • Occulta
      [​IMG] A-L
      scs Bluebell, River’s Blue Lady Liquor, Silverangel, Sika, Fake xx, PFS’ Ljúfa, PFS’ Dancin’ to Jazz, Donut, Baccardi, Vychahr, Flintstone, Calico, Areion, Diarado, Circus Dancer, Co Pilot de la Bryére

      Alle waren fleissig am Pferdeputzen. Anlass dazu gab das heutige Distanztraining, bei dem wir unsere Sportpferde auf einem mehrstündigen ‚Ausritt‘ ein wenig fitter machen wollten. Wir waren eine ganz schön grosse Gruppe; 16 Pferde insgesamt. Da brauchte es schon etwas mehr Organisation und Vorbereitung als bei einem gewöhnlichen Spazierritt. Zum Beispiel hatten Jonas, Lewis und ich im Voraus abgeklärt, welche Strassen am wenigsten befahren sein würden und wo wir am wenigsten Spaziergänger stören konnten. Wir wollten schliesslich das gute Verhältnis mit den Anwohnern in den Dörfern rund um Birmingham aufrechterhalten. Ich war schon gespannt, ob wir überall gut durchkommen würden und wie die Pferde sich benahmen. Ich hatte mir für heute meinen Liebling Co Pilot ausgesucht, dem das Training sicherlich gut tun würde, angesichts dessen, dass wir zukünftig mit ihm auch etwas mehr Military machen wollten. Dasselbe galt für Vychahr, der zwar eher dressurgezogen war, aber auch dafür schadete eine gute Kondition sicherlich nicht. Und natürlich kam auch Diarado mit, aus demselben Grund wie Pilot. Aus dem Nordstall waren ansonsten noch Flintstone, die Reitponys Donut und Baccardi, Dancer, Calico und schliesslich Areion dabei. Allerdings heute nicht mit Lily, denn die hatte einen anderen Job gefasst. Da Jonas zu schwer für seine Hackneypony Stute Fake war, hatten die beiden kurzerhand Rollen getauscht und so musste Jonas nun mit dem wolligen Tinker auskommen. „Was hab ich mir da nur wieder angetan?“, rief Jonas entsetzt aus, als er das Fell des Tinkers sah. Es war, wie konnte es auch anders sein, mit einer halbtrockenen Schicht grauem Schlamm überdeckt. „Dein Ernst?? Ich glaube ich spanne Fake doch ein.“ „Vergiss es, dann musst du alleine gehen. Das wird sonst zu umständlich, dauernd auf dich und das Sulky Rücksicht zu nehmen“, stellte ich klar, wobei ich mir ein Grinsen nicht verkneifen konnte. Jonas holte Areion raus und spickte symbolisch ein Dreckklümpchen von seiner Kruppe. Dann seufzte er laut und schnappte sich den Federstriegel aus der Putzkiste. „Wo soll ich denn hier bitte anfangen?“ „Hör auf zu jammern, Pilot hat sich auch paniert.“ „Aber der hat wenigstens kurzes Seidenfell! Da fällt der Dreck ja schon fast von alleine ab“, beharrte Jonas, während er mit dem Striegeln begann und nach kurzer Zeit wegen des aufgewirbelten Staubes eine Hustenattacke bekam. „Du musst das Zeug nicht inhalieren“, neckte ich ihn lachend, und begann auch Pilot abzuschrubben. Darren, Anne und Alan, die direkt neben uns ihre Reittiere putzten, schmunzelten über unsere sinnfreie Unterhaltung. „Hey, an welche Körung melden wir Flint jetzt eigentlich an?“, fragte Alan während dem Hufeauskratzen. „Stimmt ja, den könnte man eigentlich bald nennen… Vom Können her ist er ja schon längstens soweit. Ich werde mich in nächster Zeit mal darum kümmern“, beschloss ich laut. Rita meldete sich von zuhinterst und meinte: „Calico könnte man wohl mittlerweile auch kören lassen, dann kannst du ihn endlich für die Zucht brauchen.“ „Wär schon toll, ja. Dod bringt zwar sehr gute Fohlen, aber etwas Abwechslung würde wohl nicht schaden.“ Calico kam heute mit, obwohl er eigentlich schon viel weiter in Distanz ausgebildet war als die anderen. Rita und er wollten die Route in einem höheren Tempo absolvieren und würden vorausreiten. So konnten sie uns auch gleich vorwarnen, falls unterwegs ein unerwartetes Hindernis auftauchen sollte.

      Als wir endlich alle Pferde sauber bekommen hatten, sattelten wir sie und trafen uns dann mit den anderen Pflegern draussen vor dem Nordstall. Die meisten standen schon bereit, aber man sah sofort, wessen Pferde ihren Weidegang am meisten genossen hatten. Fake glänzte wie frisch geölt, trotz des beginnenden Fellwechsels. Jonas schielte missmutig zu ihr und Lily rüber, und ich konnte seine Gedanken förmlich von seinem Blick ablesen. Ich erlaubte mir ein halb verkniffenes Schmunzeln und stieg auf den Rücken von Pilot. Ich rief meine Hunde Zira und Sheela zu mir, damit sie zwischen den vielen Pferden nicht unter die Hufe kamen. Jacky kam nicht mit, weil sie zu kurze Beine hatte und ich befürchtete, dass sie nicht mithalten könnte. Bluebell tänzelte etwas ungeduldig und steckte damit prompt auch Lychee an, indem sie sie mit ihrem Popo wegdrängte. Lychee quietschte verärgert und wollte Bluebell bereits ihr eigenes Hinterteil zuwenden, aber David hinderte sie daran und ritt sie etwas weiter nach vorne, um dem Ärger aus dem Weg zu gehen. Na das fängt ja gut an, dachte ich im Stillen. Es war eindeutig Zeit loszureiten. „Where’s April? Ahh, there she comes. Allright, let’s go”, sprach ich, und führte die Gruppe zusammen mit Darren und Diarado an. Calico und Rita liessen uns wie abgemacht nach den ersten zehn Minuten zurück und ritten ein ansprichsvolleres Tempo. Ich sah ihnen lange nach und dachte an die Zeit zurück, in der Rita den Criollo nichtmal anständig führen konnte. Nun waren sie so ein eingespieltes Team. Ein Anflug von Stolz überkam mich, wenn ich so darüber nachdachte, dass ich ihr damals die ersten Reitstunden gegeben hatte.

      Die unerfahrendste in unserer Gruppe, Ljúfa, hatte noch am meisten Mühe mitzuhalten. Zusätzlich erschwerend war, dass sie etwa doppelt so viele Schritte machen musste wie die Grosspferde. Am Anfang des Ritts merkte man noch nichts davon, doch gegen Ende war sie ziemlich nassgeschwitzt und atmete schwer. Lisa beschloss daher, ihr nochmals eine Pause zu geben und danach im Schritt zurück zu reiten. Ich stimmte dem zu und liess zur sicherheit auch Lewis mit Jazz warten, damit sie nicht alleine zurückreiten musste. Pilot trabte auch auf den letzten Strecken zurück zum Hof noch frisch und kraftvoll – ich hatte seine Ausdauer wohl ziemlich unterschätzt. Ich klopfte ihm stolz auf den Hals, als wir wieder die Grasrennbahn überquerten und durch die Tannen ritten. Er streckte sich eifrig und trug den Schweif leicht angehoben. Sika machte sich bei unserer Rückkehr laut bemerkbar, indem sie nach Sweets rief. Eine Antwort bekam sie auch, wenn auch nur eine leise. Die beiden Stuten, die direkt nebeneinander im Nebenstall standen, klebten für meinen Geschmack schon etwas zu sehr aneinander. Daran würden wir wohl noch arbeiten müssten. Ich beobachtete nach dem Absteigen, wie Silver sich genüsslich den Kopf an Robins Schulter rieb. Die junge Pflegerin wurde dabei fast weggeschubst und musste sich Mühe geben, um standhaft zu bleiben. Robin bemerkte, dass ich sie beobachtete und sah unsicher weg, besann sich dann aber eines besseren und lächelte mir verlegen zu. Sie kämpfte immernoch mit ihrer Schüchternheit, aber es wurde langsam besser. Wir versorgten die Pferde und ich bot Zira und Sheela eine Schüssel Wasser an, damit sie nach dem langen Spaziergang ihren Durst stillen konnten.
    • Occulta
      Herbstbeginn, oder: es gibt Ärger auf Pineforest Stable, Teil I
      Chiccory ox, Shades of Gray, Iskierka, Painting Shadows, Coulee, Sympathy of the Devil, A Winter’s Day, Campina, Spotted Timeout, Fly Fast of the Nightrunners, Gleam of Light, Caspian of de Moonlightvalley, Sunday Morning, Unbroken Soul of a Rebel, Drømmer om Død, Flintstone, Calico, PFS’ Captured in Time, Kaythara El Assuad, Sumerian, Framed in History, One Cool Cat, Cabinet of Caligari, Halluzination, Yoomee, Sika, Fake xx, Parányi, River’s Blue Lady Liquor, scs Sugar and Sweets, scs Bluebell, Islah

      Seit zwei Wochen war der neue Praktikant Tobias Leech nun bei uns. Ich hatte ihn nach der ‚Schnupperzeit‘ eingestellt, denn er hatte seine Sache gut gemacht und zeigte sich sehr hilfsbereit. Auch jetzt war er stets anständig, kümmerte sich um seine Aufgaben und befolgte sämtliche Anweisungen. Ich hatte also nichts zu meckern und war zufrieden, wie es im Moment lief. Es standen ein paar interessante Events bevor, und heute hatte ich auch noch eine Notiz von einer Fuchsjagd in der Zeitung gesehen, bei der es mich schon in den Fingern kribbelte. Als erstes wollte ich heute Morgen wie immer bei den Vollblütern helfen. Um richtig in die Gänge zu kommen, musste ich mir davor aber eine Schüssel Müsli und einen kräftigen Schwarztee genehmigen. Eine weitere Leiche kam die Treppe runter geschlurft und setzte sich gähnend an den Tisch. „Ich verstehe einfach nicht, wie du jedesmal eine Stunde vor mir im Bett liegst, nur um dann am Morgen trotzdem so schlapp zu sein“, wunderte ich mich laut. Jonas murrte: „Manche Menschen brauchen nunmal mehr als fünf Stunden Schlaf.“ „Jetzt übertreibst du aber – sechs Stunden hast du ja mindestens, wenn du schon um Elf ins Bett kriechst“, neckte ich. Er seufzte mit hochgezogenen Augenbrauen und und nippte an seiner Tasse. „Schüler müsste man sein. Lily kann richtig ausschlafen im Vergleich zu uns.“ Für unsere kleine Schülerin stellte ich auch schonmal Besteck und Schüssel auf den Tisch, auch wenn sie erst in ein paar Stunden aufstehen würde. Jeden Tag zwischen Fünf und halb Sechs zu frühstücken ist schon hart, aber man gewöhnt sich daran, mit ein paar Ausnahmen – ich warf einen schmunzelnden Blick zu meinem Gegenüber. „Irgendweilche besonderen Pläne für heute, von denen ich noch nichts weiss?“, fragte Jonas während dem Müsli-Löffeln. „Nö, aber wenn du willst können wir heute wieder etwas weiter ausreiten gehen. Ich würde gerne sehen, ob sie in Tewkesbury schon meine Lieblingskürbisse haben.“ „Klingt gut.“

      Ich machte mich mit Zira und Jacky auf in den Hauptstall, wo die meisten Jockeys bereits die Pferde aus den Boxen holten und zu putzen begannen. Sheela begleitete Jonas zum Nordstall. Gruppe drei war heute zuerst dran, bestehend aus Chiccory, Shades of Gray, Iskierka, Painting Shadows, Coulee, Sympathy und Winter. Ich selbst hatte vor in Gruppe vier mitzureiten, nämlich auf Gleam of Light. Während sich Gruppe drei vorbereitete, huschte ich zwischen den Pferden durch und machte die morgendliche Stallkontrolle. Ajith hatte so früh morgens natürlich noch nicht mit dem Misten begonnen, aber ansonsten sahen die Boxen einwandfrei aus und waren gut eingestreut. Gesunder Schlaf war schliesslich wichtig für Rennpferde. Raufutter hatten sie schon bekommen; Kraftfutter gab es erst nach dem Training. Wir wollten heute die ersten Vollblüter scheren, weshalb bei den Auserwälten bereits die passenden Decken vor den Boxen hingen. Wir begannen damit jeweils früh, weil die Rennpferde natürlich um einiges mehr schwitzten als die sonstigen Reitpferde und mit Winterfell zu lange trocknen mussten. Eine der Kandidatinnen für eine heutige Schur war auch Indiana. Sie lief zwar nicht mehr aktiv Rennen, wurde aber ziemlich fit gehalten für’s Military. Die rappfarbene Stute kaute an ihrer morgendlichen Heuration, während sie interessiert das Treiben im Stallgang beobachtete. Ich fragte mich beim betrachten ihrer dunklen Augen, ob die Stute wohl den Alltag auf der Rennbahn vermisste. Doch dann fiel mir ein, dass sie vermutlich gar nie richtig Rennen gelaufen war. Ich wusste nur von einem einzigen Rennen, bei dem sie gestartet war; dem Joelle-Galopp Maiden über 1400 Meter. Dabei war sie immerhin auf dem dritten Platz gelandet. Im Training mit den jungen Vollblütern, als wir sie für’s Military aufzubauen begannen, zeigte sie auch ein gewisses Talent, schien aber mit der Startmaschine nicht vertraut und brauchte einen Moment, um sich auf ihren Jockey einzulassen. Jedenfalls schaute mich Indiana zwischendurch erwartungsvoll an, als meinte sie, dass ich gleich ihre Box öffnen und sie halftern würde. Ich ging jedoch weiter und beendete meine Runde, bevor ich mich langsam aber sicher auch ans Putzen machte. Die erste Gruppe war inzwischen draussen und wärmte sich ein. Light grunzte begeistert, als ich bei ihm hielt. Er hatte sein Heu noch längst nicht fertig gefressen, schien aber bereits begierig darauf, die soeben aufgenommene Energie wieder zu verpuffen. Vielleicht freute er sich auch einfach über die Karotte, die ich ihm als Begrüssung brachte. Ich holte ihn aus seiner Box und band ihn in der Stallgasse an, dann begann ich mit Striegeln. Er spitzte genüsslich die Lippe, als ich beim Unterhals schrubbte. Als ich bei der Kruppe angelangte, kippte der ganze Körper plötzlich nach hinten und Light streckte sich genüsslich, gefolgt von einem ungeduldigen Scharren. „Are you ready now?“, lachte ich belustigt und wechselte auf die andere Seite. Nach dem Striegeln wischte ich sein Fell mit der Staubbürste ab und kratzte die Hufe aus, ausserdem sprayte ich etwas Glanzspray in das schwarze Langhaar und kämmte es gründlich durch. Nun sah Light wieder so aus, als würde er seinem Namen alle Ehre bereiten: Er glänzte von Kopf bis Fuss. Ich sattelte Gleam und bandagierte seine Beine, mit dem Zäumen wartete ich noch. Die anderen waren noch nicht ganz fertig, also alberten wir noch ein wenig herum. Light konnte auf Kommando Lächeln und seine Zunge rausstrecken. Während dem Warten versuchte ich ihn dazu zu bewegen, abwechselnd die Vorderbeine zu strecken. „Pass auf, dass er nicht zu betteln anfängt“, rief Jonas, der sich gerade unter Sundays Anbindekette durchduckte. „Nö, er kriegt nur was, wenn ich ihm ein Kommando gebe. Was gibt’s?“ „Ich wollte nur Bescheid geben, dass Darren, Alan und ich mit Rebel, Dod und Flint rausgehen“, erklärte er, und fügte mit einem Zwinkern an „nicht dass du mich suchst.“ „Pfft, als ob ich dich von allen Leuten vermissen würde“, neckte ich zurück, und gab ihm einen raschen Kuss. „Weisst du vielleicht gerade, wo Rita ist? Vielleicht will sie mit Calico mitkommen“, fragte er beim Gehen. „Die reitet in der letzten Gruppe mit, also könnte es noch knapp reichen – ich glaube ich habe sie vorhin bei der Sattelkammer vorne gesehen.“ Er hob die Hand, zum Zeichen, dass er verstanden hatte und verschwand wieder zwischen den Pferden. Inzwischen konnte ich zäumen und dann Light hinter Caspian und Fly rausführen. Ajith und Oliver gingen uns beim Aufsteigen zur Hand, sodass alle nach wenigen Sekunden oben sassen und losreiten konnten. Wir ritten schön in einer Reihe zum Galoppweg, wo wir uns wie immer im Trab aufwärmten. Die Pferde dieser Gruppe kannten den Ablauf ganz genau und wussten, als wir ans Ende der Runde kamen, dass sie gleich auf die Bahn durften. Die vorherige Gruppe verliess gerade die Bahn, also liessen wir sie rasch durch. Fly begann etwas unruhig zu werden und steckte Spot mit Zappeln an. Auch Light schaukelte vorne leicht in die Luft, doch ich stellte ihn nach links und ritt ihn im Schulter-Vor um die Kurve, um ihn ruhig zu halten. Das Gehampel war zwar nervig, aber andererseits wollten wir auch, dass die Pferde wach waren und eine gewisse Grundspannung hatten. Tatsächlich kamen wir heute auch beim Start hervorragend weg und ich klopfte Light rasch zufrieden auf den Hals, bevor ich mich auf die Bahn vor uns konzentrierte. Die einzige Stute in dieser Gruppe, Campina, zog übermütig an uns vorbei und ich fragte mich, ob Parker das mit Oliver so abgesprochen hatte. Später stellte sich heraus, dass sie die Stute eigentlich hatte bremsen wollen, aber zuerst etwas mehr Platz schaffen wollte.

      Nach dem anstrengenden Intervalltraining liessen wir die Pferde austraben und ritten sie zurück zum Hauptstall. Dort wurden sie abgesattelt und in den Freilauftrainer gebracht, damit sie sich noch trockenlaufen konnten. Ich gab auch Light beim ‚Karussell‘ ab und übernahm stattdessen Iskierka, um die inzwischen trockene Stute in ihre Box zurück zu bringen. „Hey Zicke“, murmelte ich liebevoll, als ich sie hinausführte. Sie hatte nur eines im Kopf: Ihr Kraftfutter, das bald in der Raufe liegen würde. Beim Tor wollte sie mich wiedermal überholen, obwohl wir das schon gefühlte 1000-mal geübt hatten. Das war einfach typisch Iskierka – egal wie oft man sie zu erziehen versuchte, sie war und blieb dominant und hatte Mühe sich unterzuordnen. „I know you’re hungry, but you have to wait even longer, if you keep it up like this”, sprach ich augenrollend aber geduldig. Ich wusste, dass es nichts brachte, sich über das Verhalten der Stute aufzuregen. Man kam schneller voran, wenn man schön ruhig blieb und ihr klare Anweisungen gab. Ich liess sie deshalb rückwärts wieder vom Tor weg weichen, dann versuchte ich es erneut, so lange, bis sie respektvoll blieb. Schliesslich durfte sie in ihre Box und sich über das restliche Heu von der ersten Fütterung hermachen, bis das Kraftfutter serviert wurde. Ich beobachtete noch, wie Gruppe zwei, bestehend aus Ciela, Kaythara, Sumerian, Frame, One Cool Cat und Cabby zum Aufsteigen geführt wurden. Frame röchelte leise, als er mich sah. Ich ging rasch zu ihm hin, streichelte ihn und half Quinn beim Aufsteigen. Bei ihr war der sensible Schecke in guten Händen, aber es konnten ihn noch immer längst nicht alle reiten. Als die Gruppe zur Bahn lief, wechselte ich zum Nebenstall. Ich liess zusammen mit Robin und David die Stuten auf die Weide unter der Stutenweide. Das Gras dort war wieder etwas üppiger geworden, weil wir sie lange geschohnt hatten, also mussten die vierbeinigen Rasenmäher ran. Damit es schneller ging zäunten wir wie immer den Weg ab und liessen die Pferdchen selber zur Weide laufen. Robin und ich öffneten die Boxen, während David sicherstellte, dass niemand unterwegs anhielt zum Fressen oder mit den anderen Stuten Zanken. Sika und Lychee trotteten sogleich aus ihrer Box und liefen zügig die Betonrampe runter auf den Kiesweg. Die anderen liessen sich mehr Zeit und wollten lieber schon unterwegs am Wegrand grasen. Als alle aus den Boxen waren, liefen Robin und ich den übriggebliebenen Stuten hinterher und trieben sie bis zur Weide. Bluebell, Sweets und Yoomee waren heute auch so mühsam vorwärtszubewegen. Als sie endlich alle durch das Weidetor getrabt waren, schlossen wir dieses und beobachteten amüsiert, wie Fake im Bluff-Hackney-Trab über die Wiese schwebte, weil die Stuten von der Offenstallweide zur Begrüssung an den Zaun gekommen waren. Parányi führte die Gruppe dann aber in eine andere Ecke der Weide, wo es anscheinend besseres Gras gab. Sie war im Moment wohl die Ranghöchste der Nebenstallstuten, wobei sie sich aber immer mal wieder mit Hallu zankte. Manchmal wusste ich gar nicht so recht, wer denn nun wirklich Chef war von den beiden.

      Auf dem Rückweg zu den Ställen begann mein Handy plötzlich hartnäckig zu summen. Erstaunt erkannte ich Rosies Nummer auf dem Display. “Hello?“ “Occu, I have a problem! The horses were stolen!“ “What!!?” Ich traute meinen Ohren kaum. “What do you mean they were stolen?” “They’ve disappeared from the barn!” “Whait – I’ll come over, inform the police!” Ich lief zügig zum Parkplatz und stieg in mein Auto. Auf der Wilkinson Farm angekommen, erzählte mir die aufgewühlte Rosie, dass sie vorhin in den Stall gegangen war, um die Pferde auf die Weide zu lassen; doch diese seien einfach spurlos verschwunden gewesen. Die Polizei, die eine Viertelstunde später ebenfalls eintraf, vermutete, dass die Pferde über Nacht aus den Boxen geholt und wegtransportiert worden waren. Sie befragten alle Anwesenden und suchten nach Spuren, doch weder Rosie, noch ihr Angestellter Lucas Gordon hatten etwas mitbekommen. Ausserdem waren die Diebe anscheinend ziemlich professionell vorgegangen und hatten kaum Hinweise zurückgelassen. Besorgt und ruhelos wanderte Rosie auf dem Hof herum, trotz meiner Versuche, ihr einzureden, dass die Polizei die Pferde schon finden würde. „If they took them in the middle of the night they could already be who-knows-where!” Darauf wusste ich nichts zu erwiedern. Nachdenklich sah ich mich auf dem Hof um. Irgendeinen Hinweis muss es doch geben… Aber Natürlich war ich auch nicht schlauer als die Beamten, die ihren Job sehr gründlich auszuführen schienen. Im nächsten Moment fiel mir jedoch eine Bewegung im Augenwinkel auf, weiter hinten bei der Reithalle. „Over there! That is… Islah!?“ Rosie und ich hasteten sofort in die entsprechende Richtung. Da stand sie, die braun gescheckte Araberstute – friedlich am Wegrand grasend, als wäre nichts geschehen. Rosie näherte sich ihr langsam. Die Stute schien unversehrt. Als ich mich auf den Weg machen wollte, um ein Halfter zu holen, fand ich im halbhohen Gras ein schwarzes solches liegen, mitsamt Führstrick. Der Backenverschluss war jedoch abgerissen. Ich fasste es nicht an, damit die Beamten, die sich erst näherten als sie sahen, dass Islah bei Rosie blieb, es unverändert untersuchen konnten. „Looks like someone tried to use this, but it broke and the horse got away”, schloss einer der Polizisten. “What a clever girl, Islah!“, rief Rosie aus und umarmte die Stute, die mittlerweile ein intaktes Halfter, von Lucas gebracht, trug. Ich konnte mir sehr gut vorstellen, wie das ganze abgelaufen sein musste: vermutlich hatten die Diebe ein Pferd nach dem anderen unter Zeitdruck rausgeführt und verladen. Da Islah jedoch überhaupt nicht gerne einstieg und jeweils ordentlich rumzicken konnte, wenn es auch nur schon auf einen Anhänger zuging (erst recht mit fremden Leuten, malte ich mir aus), hatte sie sich wohl reingehängt und das Halfer zerrissen. Danach musste sie es irgendwie geschafft haben, ganz daraus zu schlüpfen und so zu entkommen. Vermutlich hatten sich die Diebe gar nicht die Mühe gemacht, der Stute hinterherzujagen, sondern stattdessen rasch die anderen Pferde verladen und weggebracht. In diesem Fall war ihr eigener Sturkopf der Stute zugute gekommen. Rosie und ich brachten Islah in ihre einsame Box und brachten ihr eine ordentliche Portion Heu, um sie abzulenken. Sie begann nämlich nach den anderen zu rufen, als sie bemerkte, dass sie weg waren. Vielleicht ist sie auch empört und denkt, die anderen seien auf der Weide, während sie in den Stall muss, überlegte ich stirnrunzelnd. Jedenfalls musste sie nun erstmal so ausharren, bis ihre Kollegen wieder auftauchten. Wenn sie denn wieder auftauchen, dachte ich missmutig. Wir sahen uns nun noch angestrengter um, falls noch ein Pferd entkommen sein sollte. Vielleicht Numair – er ist ja auch nicht immer leicht im Umgang. Oder Bintu… Doch leider fanden wir nichts Weiteres. Die Polizei schickte trotzdem noch Suchtrupps ins nahe Gelände. Schliesslich blieb mir nichts anderes übrig, als zurück auf meinen eigenen Hof zu wechseln und abzuwarten. Ich erzählte Jonas und den bereits neugierigen Pflegern was passiert war. Alle diskutierten angeregt und suchten parallelen zu anderen Pferdediebstählen in der Region. Bis plötzlich Lewis bemerkte „Speaking of disappearance – has anyone seen this Leech-guy since mornin‘?“ Es wurde still und alle schienen angestrengt nachzudenken. Lisa war die erste, die die Stille brach. „…actually I have not seen him today at all.“ Die anderen nickten langsam, und auch ich schloss müde die Augen, als es mir dämmerte. Dieser Mistkerl! Ich hatte ihm gleich am ersten Tag sogar noch brav die Wilkinson Farm gezeigt, sodass er wunderbar hatte abchecken können, wie die Infrastruktur war und wo man sich am besten Zugang verschaffte. „Ich bin so ein Idiot…“, murmelte ich enttäuscht. „Sei nicht zu hart mit dir; woher hättest du den wissen sollen, dass er ein Krimineller ist? Sogar ich fand ihn nett“, tröstete mich Jonas. Auch die Pfleger schienen fassungslos, denn Leech war immer anständig und freundlich rübergekommen. Das war wohl alles geschauspielert, stellte ich fest.

      Ich meldete die Entdeckung der Polizei und gab alle Infos weiter, die ich von dem Verdächtigen hatte. Natürlich stellte sich heraus, dass der Name und die Identität gefälscht waren und der Typ jemand ganz anderes sein musste, als er vorgegeben hatte. Wenigstens kannten wir sein Aussehen, was ein guter Anfang war. Die folgenden Tage waren für mich quälend lang und ich wartete sehnsüchtig auf Fortschritte bei der Fahndung.
    Keine Kommentare zum Anzeigen.
  • Album:
    Pensionspferde (Gnadenweide)
    Hochgeladen von:
    Occulta
    Datum:
    27 Jan. 2017
    Klicks:
    449
    Kommentare:
    15

    EXIF Data

    File Size:
    179,3 KB
    Mime Type:
    image/jpeg
    Width:
    600px
    Height:
    400px
     

    Note: EXIF data is stored on valid file types when a photo is uploaded. The photo may have been manipulated since upload (rotated, flipped, cropped etc).


  • [​IMG]

    Vom: -

    Aus der: -


    [​IMG]

    Rufname: Sika, Kuhpony
    Geburtstag: unbekannt
    Alter: 9 Jahre
    Stockmaß: 1.49 m
    Rasse: Deutsches Reitpony
    Geschlecht: Stute
    Fellfarbe: Rappschecke (black tovero)
    (Ee,aa,Toto,Oo)
    Abzeichen: Laterne
    Gesundheit: Sehr gut


    [​IMG]

    Scheu, sanft, schreckhaft, vorsichtig


    [​IMG]

    Sika ist eine sanfte Stute, die sehr scheu ist. Hat sie ihren Menschen gefunden, so ist sie ein absolutes Traumpony. Unter dem Sattel ist sie brav, reagiert auf Hilfen, ist aber schreckhaft und etwas ängstlich, weswegen sie einen Reiter braucht, der ihr Sicherheit vermittelt. Sika ist sehr für Bodenarbeit zu begeistern und liebt es zu Springen, wo sie viel Potential zeigt.


    [​IMG]

    Besitzer: Occulta
    Ersteller: Occulta
    VKR: Occulta
    Verkäuflich: Nein


    [​IMG]

    Gekört: nein
    Nachkommen: -


    [​IMG]

    Galopprennen Klasse: A
    Western Klasse: E
    Spring Klasse: M
    Military Klasse: L
    Dressur Klasse: S
    Distanz Klasse: L
    Fahren Klasse: A

    Eignung: Springen, Military, Dressur
    Eingeritten: Ja


    [​IMG]


    2. Platz 355. Dressurturnier
    [​IMG]


    1. Platz 353. Springturnier
    1. Platz 118. Synchronspringen
    [​IMG]

    3. Platz 351. Springturnier
    [​IMG]


    2. Platz 269. Fahrturnier
    [​IMG]


    [​IMG]

    Sika's Spind