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Occulta

○ Namuna, AraAppaloosa ♀

Stute | Schabrackentiger

○ Namuna, AraAppaloosa ♀
Occulta, 27 Dez. 2019
adoptedfox, Bracelet, Snoopy und 2 anderen gefällt das.
    • Occulta
      Namuna, Tochter des Numair

      Graues Fell mit helleren und dunkleren Stellen, eine weisse Fläche mit grossen, schwarzen Punkten über dem Hinterteil, ein elegant gebogener Kopf mit Blesse und weisser Unterlippe, ein seidiger Schweif mit hellen Haaren darin, eine leicht gewellte, lange Mähne... Es hätte die Beschreibung meines Lieblings Numair sein können. Doch es war auch das erstaunlich ähnliche Erscheinungsbild seiner Tochter. Die junge Stute trat heute ihre Reise von der Fohlenweide auf die Wilkinson Farm an. Sie war Hoffnungsträgerin für die dortige Zucht, denn sie brachte nicht nur eine interessante Färbung, sondern auch ein anständiges Exterieur mit sich. Wenn sie bei den Stutenleistungsprüfungen gut ankam, dann hatte die Wilkinson Farm bald ihre erste richtige Zuchtstute für die kommenden Jahre. Natürlich war aber auch geplant, sie im Sport zu fördern und vielleicht sogar eine Distanzrennkarriere mit ihr aufzubauen. Doch zu allererst musste die junge Stute in den unheimlichen, wackeligen Transporter vor ihr steigen. Der Gendanke gefiel ihr offensichtlich nicht sonderlich; erst recht nicht, weil keiner ihrer Weidekollegen mitzukommen schien. Sie wieherte schrill und lauschte nach einer Antwort, die prompt auch kam. Ihre Kumpels verstanden die Sorgen von Namuna und wurden zunehmend selbst unruhig. Keine von ihnen wollte das saftige, grüne Frühlingsgras für eine ungewisse Zukunft verlassen. Da half auch alles gute Zureden der Zweibeiner, die am anderen Ende des Stricks hingen, nicht. Als sie dann aber Verstärkung mit einem Besen und einem langen Seil anforderten, wurde selbst Namuna klar, dass es keinen anderen Weg gab. Unsicheren Schrittes stieg sie in das gefederte Gefährt ein und liess sich anbinden. Die Klappen wurden geschlossen und sie konnte, als sie den Kopf drehte, nur noch durch einen Spalt die anderen Stutfohlen sehen. Sie liess einen letzten herzzerreissenden Abschiedruf hören, sobald der Transporter sich in Bewegung setzte. Sie ahnte, dass sie die Fohlenweide heute zum letzten Mal gesehen hatte. Die ganze Reise hindurch sah Namuna aufmerksam aus dem kleinen Plastikfenster neben ihrem Kopf. Sie bestaunte die rasch vorbeiziehende Umgebung und versuchte herauszufinden, wo sie sich befand. Aber sie kannte die gegend nicht und verlor schon nach wenigen Minuten die Orientierung. Resigniert zupfte sie ein wenig an dem Heunetz, das man ihr freundlicherweise aufgehängt hatte. Immerhin.
      Die Fahrt fühlte sich unendlich an, angesichts der Ungewissheit, die sie begleitete. Doch irgendwann wurde der Transporter langsamer, und die Strasse veränderte sich. Der Blick aus dem Fenster zeigte intensiveres Grün als zuvor, und irgendwie holperte und schepperte alles mehr. Plötzlich hielt das Gefährt. Namuna lauschte aufmerksam und hörte Stimmen von Zweibeinern. Sie bereitete sich schon auf das Aussteigen vor, aber dann fuhr der Transporter doch noch ein paar Meter weiter. Als er erneut zum Stillstand kam, und auch der Motorenlärm verstummte, wurde endlich die kleine Klappe vorne neben ihr geöffnet. Ich kam herein und streichelte Namunas Stirn, als hätte ich es schon tausendmal getan. Namuna schnaufte verunsichert und drückte rückwärts gegen die Stange um zu prüfen, ob diese bereits geöffnet war. Ich murmelte etwas für die Stute natürlich Unverständliches in einer sanften Tonlage, was Namuna richtigerweise als Aufforderung zu warten deutete. Sie beschloss mitzuspielen. Prompt wurde die Stange ausgehängt und die Stute durfte langsam rückwärts aussteigen. Das helle Nachmittagslicht blendete sie einen Augenblick lang, erst danach konnte sie die Gebäude und die Landschaft erkennen. Ein paar gutaussehende Jungs riefen ihr von einer Weide her zu. Sie interessierte sich im Moment jedoch für alles andere. So langsam schien es, als würde sie mich wiederzuerkennen. Sie hatte mich als Fohlen bereits gesehen, damals noch auf Pineforest. Das war jetzt ziemlich genau vier Jahre her. Ich hatte mich wohl kaum verändert, aber sie selbst war von einem grauen, schlaksigen Fohlen zu einer hübschen Jungstute herangewachsen. Ich führte sie in ihr neues Zuhause und beobachtete glücklich, wie sie es erkundete.
      31 Mai 2019
    • Occulta
      Turnierreiterei
      Areion, Diarado, Vychahr, Flintstone, White Dream, Yoomee, Silverangel, Fake my Destiny, River’s Lychee, scs Sugar and Sweets, scs Bluebell, Nimué, PFS’ Shadows of the Past, Cambria, Fallen Immortality, Namuna, Farasha

      Heute stand ein aufregender Tag bevor. Es war Samstag und wir gingen auf Turnier – mit «wir» meinte ich Lily, Sheridan, Ruth, Robyn, Lisa, Darren und mich. Jonas hatte Hausarrest; jemand musste auf den Hof aufpassen und er war in letzter Zeit öfter als die anderen im Schwimmbad gewesen. Er war deswegen den ganzen Morgen etwas grumpy und streckte mir die Zunge raus, als er mich auf dem Weg zum Tor des Hauptstalls beim Stiefel-Putzen in der Sattelkammer sah. Ich lächelte nur liebevoll - er konnte so ein Kindskopf sein. Am frühen Morgen bewegte ich Flint und Yoomee, danach machte ich mit Lily, Areion, Lisa und Nimué einen Ausritt im Sattel von Silver. Wir ritten wie so oft bei Rosies Wilkinson Farm vorbei. Dort schien auch etwas los zu sein: ein Transporter stand in der Einfahrt und Rosie öffnete gerade zusammen mit einem Fremden die Rampe. Ich erkannte einen Schimmel im Inneren des Gefährts und bog prompt neugierig ab. "Hey!", riefen Lisa und Lily fast synchron, und folgten mir. "Good day to you, Miss Wilkinson!", begrüsste ich Pineforests ehemalige Rennreiterin mit frechem Unterton. "All the same for you, my dearest Mrs Smith. How are you doing lately?", meinte sie nicht minder neckisch. "Very well, thank you. And what a fine new horse do we have here. You wouldn't happen to have a moment to introduce us?" "Sure, no problem. This is Fallen Immortality, my newest acquisition." Sie löste den Anbindestrick und schickte die Stute rückwärts die Rampe runter. Es polterte kurz, dann sah sich die Araberdame mit geblähten Nüstern in ihrem neuen Zuhause um. "Hello gorgeous!", bemerkte ich bewundernd. "I hope she will get along with Namuna and Farasha. The two were a bit rough with eachother lately, I think Namuna is trying to rise in rank. Maybe this beauty will provide some distraction." Ich meinte dazu nur zwinkernd "I'm sure they will have a lot of fun."

      Nach dem Ausritt widmete Lisa ihre ganze Aufmerksamkeit Bluebell, während Lily und ich zusammen Mathe-Hausaufgaben lösten, die die Schülerin nicht ganz verstand. Die Zeit schritt rasch voran und ehe wir uns versahen, war es Zeit, uns für das Turnier fertig zu machen.
      Jonas half uns trotz schmollen beim Packen. Wir parkten den Selbstfahrer mit dem zusätzlichen zweier Anhänger hintendran und den dreier-schrägverlad-Anhänger um, räumten die am Vortag geputzten Sättel und Zäume ein, und pro Fahrzeug eine Putzbox zur Sicherheit. Danach folgte das ausgiebige Pferdeputzen. Ich nahm mir Diarado vor, den nachtschwarzen Rapphengst. Innerhalb einer halben Stunde verwandelte ich ihn von frisch-von-der-Weide-staubig zu showreif-glänzend. Der Schweif war das Mühsamste: ich musste ihn waschen, denn sonst hätte ich nur unnötig viele Haare ausgerissen. Ich sortierte also die Stohstückchen aus, machte ihn nass, arbeitete einen Klecks Shampoo ein bis es schäumte, und spülte ihn anschliessend gründlich aus. Dann drückte ich so viel Wasser wie möglich raus und sprühte ihn im noch feuchten Zustand mit Conditioner ein, um ihn einfacher entwirren zu können. Während der Schweif schon trocknete, packte ich auch gleich die Gelegenheit um die kleinen Beinabzeichen des Hengstes wieder weiss zu waschen und die Hufe zu fetten. Den Kopf bearbeitete ich mit einer weichen Bürste. Das mochte Diarado ziemlich gerne; er hielt den Kopf tief und schloss die Augen halb, als würde er nächstens einschlafen. Ich hob seinen Schopf, um auch darunter zu bürsten, wobei er ein entspanntes Seufzen von sich gab. Die Hufe waren rasch ausgekratzt, und danach fehlten nur noch die Transportgamaschen. Ein Blick zu Vychahr hinter uns verriet mir, dass auch Darren fast fertig war. Zufrieden klettete ich Diarados Gamaschen fest und überprüfte den Sitz. Dann musste er noch einen Moment warten, während ich nach den anderen sah. Ich versuchte, mich zu beeilen, denn es war elf Uhr und schon jetzt viel zu heiss. Die Prüfungen fanden erst am späten Nachmittag statt, aber wir hatten vorher drei Stunden Fahrt vor uns: den ganzen Weg nach Chelmsford. Im Nebenstall wurden Lily, Sheridan und Ruth gerade mit Fake, Lychee und Sweets fertig. Robyn kratzte Cambria noch die Hufe aus, dann war auch sie so weit, die Gamaschen anzuziehen. Die Mädchen halfen danach noch Lisa, die sowohl White Dream, als auch Shira putzte. Kurz darauf konnten wir alle Pferde zügig verladen. Bis auf Shira kannten alle das Verladen zur Gnüge, aber trotzdem war die junge Ponystute nicht die, die am längsten brauchte. Cambria schien nämlich genau zu wissen, was wir vorhatten und war nicht begeistert darüber. Sie versuchte durch Rückwärtsziehen und ansatzweisem Steigen davonzukommen. Robyn blieb aber hartnäckig und führte sie immer wieder in die Ausgangsposition vor dem Anhänger. Lisa wollte schon vorschlagen, dass wir sie doch anstelle von White Dream in den Selbstfahrer stellen sollen, aber ich wollte der Stute das sture Verhalten nicht durchgehen lassen. «Keep adding pressure, until she stops pulling back. As soon as she stops, release immediately, then ask her again to make a step.” Robyn folgte meinen Anweisungen und hielt den Führstrick entgegen. Cambria streckte ihren Hals und zog noch immer dagegen. Die junge Frau erhöhte den Druck, indem sie schnalzte und das ende des Führstricks schwang. Als Cambria immer noch keinen Schritt tun wollte und stattdessen schon wieder Anstalten zum Steigen machte, trieb ich sie von hinten einen Schritt vorwärts, damit Robyn sie loben konnte und sie begriff, was wir von ihr wollten. Wir gaben ihr einen Moment Pause, dann forderte Robyn einen weiteren Schritt in Richtung Rampe. Diesmal musste ich nicht nachtreiben; sie gab nach ein paar Sekunden des Seilziehens nach und der Führstrick entspannte sich. Wiederum liess ihr Robyn einen Moment Zeit zum Nachdenken. Die gescheckte Stute schleckte sich die Lippen und senkte den Kopf, um die Rampe zu untersuchen. Das war es, was ich sehen wollte: dass sie sich mit der Situation beschäftigte, und nicht einfach per se flüchten wollte. Wir forderten weiter und sie stellte sich schliesslich mit beiden Vorderhufen auf die Rampe. Kurz vor dem Einsteigen bekam sie aber nochmal Bedenken wegen des Dachs über ihren Ohren und sie versuchte, sich nochmals mit Steigen wegzudrehen. Robyn liess sie nicht weg und schnalzte sofort energisch, bis die Stute wieder mit einem Huf auf der Rampe stand. Cambria sog laut Luft ein und überlegte noch einen Moment, dann folgte sie der jungen Pflegerin endlich ins ach so gefährliche Innere des Anhängers. Wir lobten sie ausgiebig und schlossen rasch die Stange hinten. Im Normalfall hätte ich sie gleich nochmal ausgeladen und es erneut geübt, aber wir mussten uns langsam beeilen, weil wir nicht wussten, ob es Stau geben würde. Wir schlossen alle Rampen und liessen ein paar Fenster spaltweise offen, damit es während der Fahrt nicht zu warm im Inneren der Fahrzeuge wurde. «Everyone ready?», fragte ich, mich umsehend, ehe ich einstieg. Wir fuhren los und kamen wie geplant kurz nach zwei Uhr an. Wir fanden sogar einen Parkplatz, der halbwegs im Schatten lag. Nun hatten wir erstmal Zeit, uns umzusehen, denn die erste Prüfung begann erst um drei Uhr. Darren blieb bei den Fahrzeugen und wir öffneten alle Türen und Fenster zum Durchlüften. Die Mädchen, Lisa und ich verschafften uns einen Überblick über die Anlage. Der Springplatz war gleich neben dem Abreitplatz gelegen. Das war gut, denn so konnten die unerfahreneren Pferde sich den Parcours bereits von weitem ansehen. Gleich zuerst fand die Prüfung über 70 cm statt, die Lily mit Fake bestritt. Es tat mir etwas leid, dass meine Nichte mit dem Hackney Pony gleich in der grössten Nachmittagshitze starten musste, aber den Zeitplan konnte ich nun mal nicht ändern. Lily hatte die Startnummer 16. Wir halfen ihr beim Bereitmachen und ich lief mit ihr zum Abreitplatz, um ihr die Hindernisse beim Einwärmen zu stellen. Es tummelten sich bereits reichlich Reiter auf dem kleinen Sandplatz, sodass es ziemlich unübersichtlich wurde. Ich biss die Zähne zusammen und hoffte, dass Lily niemandem in den Weg kam – und natürlich auch umgekehrt. Ein Kreuzchen stand schon, also konnte sie nach dem Eintraben direkt damit beginnen. Fake zeigte trotz der Hitze sofort ihren lebhaften Charakter und raste mit Lily auf jedes Hindernis zu, das ich ihr aufbaute. «Halt sie etwas zurück, sonst ist sie schon müde bevor ihr reingeht!», rief ich meiner Nichte zu – und erntete dabei ein paar verwunderte Blicke, weil ich deutsch mit ihr sprach. Wir liessen Fake nur vier Hindernisse springen, danach fand ich, dass beide bereit waren. Fake hatte schon leicht geschwitzt, besonders am Hals. Die beiden blieben noch eine Runde im Schritt auf dem Platz, dann konnten sie sich beim Start melden. Lily stellte sich wie ein kleiner Profi den Richtern vor. «Number 16, Lily Adams» Der Mann nickte und winkte sie auf den Springplatz. Die vorherige Teilnehmerin war gerade gestartet. Lily ritt aussen durch, sowohl um Fake die Festzelte und Lautsprechanlagen zu zeigen, als auch um der anderen Reiterin nicht in den Weg zu kommen. Sobald die andere fertig war, konnte Lily angaloppieren und sauber auf das erste Hindernis zusteuern. Fake zog an und die beiden flitzten über ein Hindernis nach dem anderen. Ich ermahnte mich, nichts dazwischen zu rufen, aber innerlich dachte ich aufgeregt: halt sie zusammen, sonst wird sie flach. Ich machte mir die Sorgen um sonst, denn meine Nichte kannte das Pony langsam gut genug. Die beiden absolvierten den Parcours fehlerfrei und mit einer sehr schnellen Zeit. Lily schnaufte genauso wie Fake, als die beiden rauskamen und ich ihnen stolz entgegenkam. «Well done!» Ich tätschelte Fakes schlanken Hals und gab der Stute eine Karotte. Sie kaute die orange Wurzel in Rekordzeit und kratzte sich dann den Kopf an ihrem Vorderbein, um den juckenden Schweiss bei ihren Augen loszuwerden. Wir führten sie zum Anhänger zurück und nahmen sofort den Sattel ab, dann brachte Lily sie zum Waschplatz bei den Stallungen des Turniergeländes. Inzwischen begannen Robyn und Ruth mit dem Satteln. Sie waren beide gleich nacheinander in der nächsten Prüfung dran, und zwar schon nach der dritten Startnummer. Sie wärmten deshalb Cambria und White Dream schon ein wenig auf, während der alte Parcours umgebaut und die Rangverkündigung abgehalten wurde. Ich musste Lily auf deren Bitten hin wiedermal begleiten. Sie wollte nie alleine zur Siegerehrung gehen, «weil dann so viele Leute sie ansahen», wie sie mir mal erklärt hatte. Sie landete auf dem zweiten Platz – ein einziges anderes Pony war schneller als Fake gewesen. Die Leute klatschten und Lily nahm verlegen ihre Schleife entgegen. Die Siegerehrung fand übrigens unberitten statt, weil es so heiss war. Die Prüfung, in der Ruth und Robyn starteten war über 80 cm und der Parcours würde auch für die nächste, die 90er Prüfung, derselbe sein. Auch Darren und Vychahr starteten in dieser Höhe, aber erst als fünftletztes Paar. Ausserdem waren die beiden auch für den 90er gemeldet, aber das wollte ich streichen lassen, um den Fuchs zu schohnen. Als der Parcours zur Besichtigung geöffnet wurde, hielt ich die beiden Pferde rasch, damit ihre Reiterinnen sich ihre Strategien überlegen konnten. Cambria war zu erst dran. Die Scheckstute, die beim Verladen noch so unartig gewesen war, verhielt sich nun wie ausgewechselt. Sie konzentrierte sich ab dem Augenblick, in dem sie den Springplatz betrat, voll auf ihre Aufgabe. Robyn machte eine schöne, ruhige Volte, bevor sie zum ersten Sprung ansetzte. Bis zum sechsten Hindernis lief alles wie am Schnürchen. Es würde zwar vielleicht keine Bestzeit werden, aber es sah sehr harmonisch aus. Beim siebten Hindernis, einer Kombination, musste ich dann kurz die Luft anhalten, denn Cymru verpasste den richtigen Moment zum Abspringen und konnte sich nur dank der geringen Höhe und ihrer schieren Sprungkraft retten. Robyn trieb sie an, um für das zweite Hindernis den Takt wiederzufinden, was dann zum Glück auch klappte. Erleichtert atmete ich auf und verfolgte gespannt den restlichen Parcours. Leider wurde die junge Stute beim letzten Hindernis dann doch noch zu müde und zog das linke Hinterbein etwas zu spät an – sodass die oberste Stange gerade noch zu Boden fiel. «What a pity!», konnte ich nur wiederholen, lobte die beiden aber trotzdem ausgiebig. In der Hitze war es nun mal nicht leicht, die Konzentration bis zum Schluss zu behalten. «I stopped helping her a bit too early», stellte dann auch Robyn fest. Ruth hatte ihren Umgang auch bereits gestartet und ich bekam gerade noch die zweite Hälfte mit. Sie blieben fehlerfrei, in einer vernünftigen Zeit. Mit White Dream war es nicht schwierig, noch etwas mehr auf’s Gas zu drücken, aber Ruth war noch nicht so erfahren und deshalb hatten wir bisher im Training auch immer ein ruhiges Grundtempo und einen «schönen Nuller» angestrebt. Darren und Vychahr bekamen acht Strafpunkte, weil Vychahr einmal verweigerte und bei einem weiteren Hindernis einen Abwurf hatte. Darren war so enttäuscht, dass er gerne doch noch den nächsten Parcours gesprungen wäre, aber ich redete es ihm aus. «I really start to believe that he is rather a dressage prospect than a jumper», bemerkte ich lachend, um den Pfleger aufzuheitern. Vychahr hatte sich trotz allem Mühe gegeben, und war halt heute einfach nicht ganz fit gewesen. Da brachte es nichts, ihn mit noch einer Runde Schwitzen zu bestrafen. Wir wollten schliesslich, dass er alles positiv in Erinnerung behielt. Darren stimmte mir nach dieser Erklärung zu und die beiden genossen eine Abkühlung beim Waschplatz. Die nächsten waren Sheridan und Lisa. Normalerweise war geplant, dass Sheridan und Ruth mit den Ponys in der Silver- beziehungsweise Gold-League des Pony Jumping starteten. Aber da sie ohnehin viel Üben mussten, waren auch Turniere für normale Pferde für sie von Nutzen. Deshalb startete Sheridan heute mit Lychee über 1.00 m. Im Training waren die beiden schon bis 1.20 m gesprungen, aber mit den Temperarturen machte es sowieso Sinn, das Ganze etwas gemütlicher anzugehen. Lisa startete übrigens mit Shira ebenfalls auf dieser Stufe. Vorher war Sheridan aber noch mit Sweets in der 90er Prüfung am Start – und holte sich prompt den Sieg. Danach war sie so euphorisch, dass sie im Durchgang mit Lychee beim drittletzten Sprung, einem blauen Oxer, patzte. Vielleicht war die junge Reiterin auch einfach langsam zu müde geworden. Natürlich ärgerte sie sich darüber, aber der Ritt war ja trotzdem nicht schlecht gewesen. Nun gab es für uns eine Pause, bevor um acht Uhr die Prüfung für mich und Diarado über 1.30 m begann. Wir beobachteten die Durchgänge der fremden Pferde und Reiter, um ihre Ritte zu analysieren. «There he should have picked up a quicker pace – see, I knew he wouldn’t make it through those two…” Es schien auch besonders spannend für die Mädchen, von diesen vielen fremden Reitern zu lernen. Wobei ich aber am Ende feststellen musste, dass sie eher die Vierbeiner bewerteten. «Ohhh, look at his markings! That’s the type I like best…” “Hey, didn’t that one also compete in the previous class?” “Yeah, I think so. He looks a bit tired, don’t you think?” “But the rider as well. Her face is all red.” “OH MY! Did they get hurt?” Während wir plauderten driftete das Pony bei der Kombination seitlich in einen der Hindernisständer und zerlegte den halben Sprung. Die Reiterin konnte sich oben halten, aber es war offensichtlich, dass beide nicht mehr genug Energie hatten, um sich richtig zu konzentrieren. Darren reagierte auf meinen Blick und nickte nur – er verstand nun, was ich gemeint hatte und schien froh, auf die zweite Runde verzichtet zu haben.

      Schliesslich wurde der 1.30 m Parcours gebaut und ich lief ihn ab, nach möglichen Schwierigkeiten Ausschau haltend. Diarado war sehr wendig, deshalb entschied ich mich, zwischen Hindernis 4 und 7 hindurch abzukürzen und dann den neunten Sprung leicht schräg anzusteuern. Da es sich um einen der niedrigsten Steilsprünge im Parcours handelte, rechnete ich mir gute Chancen für das doch etwas riskante Manöver aus. Entschlossen lief ich zu Darren zurück, der den Rappen bereits gesattelt hatte. Wir starteten mit der Nummer sieben, deshalb musste ich gleich mit dem Aufwärmen beginnen. Diarado war etwas abgelenkt, als wir auf dem Reitplatz unsere Runden trabten und dann ein paarmal über die Hindernisse in der Platzmitte ritten. Er schielte dauernd zum Parkplatz rüber, oder drehte seine schlanken Ohren zur Tribüne und den Festzelten. Ich ermahnte ihn jeweils mit halben Paraden und versuchte, ihn möglichst abwechslungsreich zu bewegen, um seine Aufmerksamkeit auf mich zu locken. Als wir beim Eingang warteten, war er zwar am Zügel, aber ich hatte trotzdem gemischte Gefühle. Ich sollte recht behalten: gleich beim ersten Hindernis passierte uns ein Patzer. Diarado schien unvorbereitet auf den Absprung gewesen zu sein und spickte die oberste Stange mit den Vorderbeinen zu Boden. Damit waren unsere Siegeschancen verspielt. Trotzdem konzentrierte ich mich auf den Parcours vor uns. Wir hatten nun keinen Druck mehr und konnten die anspruchsvollen Kombinationen und abgekürzten Wendungen perfekt zum Üben gebrauchen. Diarado hatte anscheinend seinen Fehler bemerkt und gab sich für den Restlichen Umgang umso mehr Mühe, alles richtig zu machen. Er war nun endlich voll bei der Sache und liess sich von mir in gewohnter Weise mit feinsten Hilfen steuern. Wir überwanden die nachfolgenden drei Hindernisse wie im Flug und kürzten dann in der Kurve zur ersten Kombination gekonnt ab. Die Distanz zum hinteren Oxer passte perfekt und so konnten wir auch diesen, höchsten Sprung des Parcours fehlerfrei bezwingen. Der improvisierte Wassergraben beeindruckte Diarado überhaupt nicht, ebenso wenig wie die darauffolgende Mauer. Er drückte einfach etwas kraftvoller ab. Nun folgte die geplante Abkürzung, die ich nach kurzem innerlichem Zögern präzise ansteuerte. Diarado und ich rauschten möglichst nahe am Hindernisständer des siebten Sprungs vorbei und ich versuchte danach eine möglichst gerade Linie auf die kurze Distanz vor dem neunten Hindernis hinzubekommen. Der Absprung war nicht ganz passend, aber Diarado rettete sich mit seiner gewaltigen Sprungkraft irgendwie über die blauen Stangen. Ich kraulte für eine Millisekunde stolz seinen Hals beim Widerrist, dann widmeten wir uns dem letzten Teil, der sich als wahres Kinderspiel nach den ersten paar Herausforderungen herausstellte. Wir behielten unsere vier Punkte vom Anfang bei und schlossen in einer Spitzenzeit ab. Von Sheridan bekam der Hengst eine Karotte, als wir hinausschritten. Es war wichtig, den Patzer zu vergessen und ihn für den übrigen, souverän gemeisterten Parcours ausgiebig zu loben; da waren sich alle einig. Wir versorgten gemütlich die Vierbeiner und die Ausrüstung in den Transportern. Diarado wollte ich zuletzt einladen, weil er noch nassgeschwitzt war und ich ihn ein wenig neben den Anhängern grasen liess. Der Himmel färbte sich langsam dunkler und Wolken zogen auf, ein frisches Lüftchen zog zwischen den Fahrzeugen hindurch. Durch einen entfernten Lautsprecher wurden die Reiter für die berittene Siegerehrung aufgerufen. Nur dank dem Windzug, der den Klang der Stimme weiter mittrug, hörte ich meinen Namen unter den genannten. Ich traute meinen Ohren kaum. Sofort eilte ich mit Diarado zum Transporter rüber und drückte seinen Strick Darren in die Finger. Er sah mich verwirrt an, und ich entgegnete nur, während ich den Sattel und das Zaumzeug holte, «don’t ask me how, but somehow we made it!» Er half mir eifrig. Die Mädchen, die noch vorne beim Turnierplatz zugesehen hatten, kamen angerannt. «Occu, you have to go –» Lily brach ab als sie sah, dass ich Diarado bereits Zäumte. Lisa, an der der Trubel natürlich nicht vorbeigegangen war, setzte mir den Helm auf den Kopf und half mir auf den Rücken des Rappen. «And off you go», murmelte sie bewundernd, und gab Diarado, der vermutlich die Welt nicht mehr verstand, einen symbolischen Klaps auf die Kruppe. Ich trabte zum Reitplatz und stellte mich neben die anderen wartenden. Die letzte Reiterin beendete gerade noch ihren Parcours, konnte aber keine Platzierung mehr herausholen, da die Tafel ebenfalls schon vier Punkte anzeigte. Gespannt wartete ich ab; und wir wurden am Ende tatsächlich aufgerufen. Wir kamen gerade noch auf den zehnten Platz dank unserer schnellen Zeit – offenbar hatten nur neun Reiter den Parcours ohne Fehler geschafft. Wie froh war ich nun, dass ich mich an die ganzen Abkürzungen gewagt hatte! Stolz klopfte ich Diarados Hals, als sie ihm die Schleife anhängten und mir eine Tüte Leckerlis mit einem Gutschein überreichten. Wir hatten wiedermal das Beste aus einer unglücklichen Situation herausgeholt.
      29 Juli 2019
    • Occulta
      Junge Araber einreiten und andere Abenteuer
      Mansur, Namuna, Farasha, Tayr al-Diyari, Fallen Immortality, Lindwedel

      In letzter Zeit hatte es auf der Wilkinson Farm wieder einige Veränderungen gegeben. Ich hatte mich von ein paar Pferden getrennt, denn ich wollte meine Farm im kleinen Rahmen halten und mich dafür um die Pferde, die ich hatte, besonders kümmern. Schweren Herzens hatte ich deshalb, mit Occultas Einverständnis, Anubis in den Ruhestand auf eine Altersweide geschickt. Ausserdem war Lindwedel ja verkauft, ebenso wie die beiden Morgan Horses Estrada Dourada und Senda Oscura. Und zu guter Letzt hatte ich mich auch von Après la Pluie getrennt. Die Traberstute hatte ein tolles neues Zuhause bei einer Kollegin von mir gefunden. Somit blieben nur noch meine geliebten Araber übrig. Für Mansur, der gerade 3 jährig geworden war, und Namuna, begann heute der Ernst des Lebens. Von der körperlichen Reife her waren die beiden so weit, und Mansur musste nunmal im Frühling bereits an die ersten Leistungstests antreten, damit er bald seine Körung bestreiten durfte. Ich freute mich schon darauf, den schicken Schecken dort vorzustellen. Er würde sicherlich ein hervorragender Zuchthengst werden. Zuerst musste er jedoch einen Reiter auf seinem Rücken dulden, ebenso wie seine Stallgenossin. Ich hatte beide Jungpferde die letzten paar Tage fleissig an ihre Ausrüstung gewöhnt und longiert. Heute wollte ich den nächsten grossen Schritt wagen und zum ersten Mal auf ihren Rücken sitzen - wenn alles nach Plan lief. Beim Putzen war Mansur der übliche Quatschkopf, also ahnte er wohl nichts von dem, was ihn erwartete. "Sooroo", wie ich ihn manchmal scherzhaft nannte, passend zu Namunas Spitznamen "Namoo", spielte mit dem Anbindestrick und trampelte ungeduldig herum, als ich ihn striegelte. Ich blieb geduldig, solange der junge Hengst nicht zu aufmüpfig wurde. Meine Devise: freundschaftlich aber konsequent. Das hatte bisher auch mit Tayr, Anubis und Numair wunderbar funtioniert. Nach dem putzen legte ich ihm den Trainingssattel und ein Knotenhalfter an. Ich wollte ihn ohne Gebiss anreiten, damit er keine schlechten Erfahrungen machte und später besonders fein zu reiten war. In der kleinen Halle meines Hofs longierte ich ihn zuerst nochmal eine Runde am langen Führseil, dann knotete ich dieses zu einem Zügel und begann damit, neben dem Hengst auf und ab zu hüpfen. Dabei lehnte ich mich immer wieder gegen ihn, sodass er sich an die schnellen Bewegungen und den Druck gewöhnte. Als er nicht mehr darauf reagierte, lehnte ich mich mit einem kräftigeren Absprung über seinen Rücken. Ich war froh, dass Araber nicht besonders gross wurden. Sonst hätte ich das wohl nicht so leicht geschafft. Mansur machte ein paar unsichere Schritte, wobei ich den inneren Zügel immer schön straff hielt, sodass er auf einer kleinen Volte bleiben musste. Das war einfach eine Sicherheitsvorkehrung, damit er nicht unkontrolliert lospreschen konnte. Ich wiederholte das Hochspringen noch ein paarmal, dann begann ich auch damit, das Bein über seine Kruppe zu streifen. Dabei berührte ich das Gescheckte Hinterteil absichtlich, damit er desensibilisiert wurde. Schliesslich kam der grosse Moment: ich nahm das Bein zum ersten Mal ganz auf die andere Seite und sass im Sattel. Eifrig streichelte ich den Hals des Hengstes und lobte ihn mit der Stimme. Dann stieg ich sofort wieder ab. Ich wiederholte das vollständige Aufsitzen noch drei Mal, machte dabei sogar ein paar erste, unsichere Schritte mit ihm; dann beendete ich die Einheit und versorgte ihn. Er bekam eine Portion Karotten für sein gutes Benehmen. Voller Euphorie wiederholte ich denselben Ablauf mit Namoo. Die Stute war dabei noch etwas angespannter als Sooroo, liess mich am Ende aber ebenfalls ohne grösseres Gehampel aufsteigen. Damit war der erste Teil geschafft und wir konnten in den folgenden Tagen damit beginnen, die wichtigsten Hilfen zu erlernen. Ich rieb mir die kalten Hände und beobachtete Namuna beim zerkauen ihrer Karotten. Dann kümmerte ich mich um die bereits ausgebildeten Araber, Tayr, Fallen und Farasha.
      30 Nov. 2019
    • Occulta
      [​IMG] E-A
      PFS’ Snap in Style, PFS’ Stop Making Sense, PFS’ Ravissante, Namuna, Mansur

      Es war mittlerweile Mittag geworden und schon wieder gewesen. Nun, mit vollem Magen und erholt, machte ich mich auf den Weg zum Hauptstall. Dort wartete Snap auf mich. Der buckskin farbene Hengst brummelte mir zwar noch nicht zu, wenn er mich sah, kam aber neugierig an die Boxentür und liess sich sofort aufhalftern. Ich bürstete ihn gründlich durch und plauderte währenddessen mit Charly, der Mambo bereit machte. Auch der junge Schecke hatte das Galopptraining heute ausgesetzt und durfte nun stattdessen Springen, weil auch bei ihm bald die Körung bevorstand. Die beiden Hengste waren noch ziemlich unerfahren was das Springen anging: sie hatten gerade mal ein paar einfache Kreuzchen und Steilsprünge auf dem Konto. Das wollten wir heute ändern. Natürlich ging das nicht in nur einer einzigen Traningseinheit, aber heute wollten wir uns zumindest an einen einfachen Parcours wagen und auch einen Oxer einbauen. Mit in der Halle waren schliesslich auch Jonas und Ravissante, die dasselbe im Sinn hatten – allerdings war Ravi schon ein ganzes Stück weiter und so mussten wir uns irgendwie wegen der Höhe der Hindernisse organisieren. Am Ende riefen wir Elliot zu Hilfe, der jeweils auf- oder abbaute. Einmal, als ich mit Snap kurz in einer Ecke wartete, weil Ravi einen Parcours springen musste, hatte ich das Gefühl, dass der Hengst interessiert zusah. Ich fragte mich, ob er vielleicht beeindruckt war und sich überlegte, ob er das auch könne. Aber viel wahrscheinlicher sah er einfach der hübschen braunen Anglo-Araberstute hinterher. Männer eben. Sowohl Snap als auch Mambo hatten heute keinen einzigen Abwurf. Nur einmal zögerte Mambo vor einem blau-weissen Hindernis, das Charly nicht ganz gerade anritt. Er rettete sich dann aber mit einem seltsamen Schafs-Hüpfer trotzdem noch darüber, sodass Elliot, Jonas und ich allesamt in Lachen ausbrachen.

      Als ich Snappy gerade nochmal durchbürstete, surrte mein Handy. Rosie war dran, und wollte wissen, ob ich Zeit für einen Ausritt hätte. Ich schmunzelte, als ich ihre Stimme hörte, weil ich ja am Morgen im Galopptraining noch an sie gedacht hatte. Ich bemerkte, dass ich später noch mit den Minis springen üben wollte, und sie meinte daraufhin, sie habe gerade eben noch mit Namuna und zuvor schon mit Mansur erste Hindernisse geübt. Wir redeten noch ein wenig und verabredeten uns für den späteren Nachmittag.
    • Occulta
      Ein graues Pony
      Iskierka, Raving Hope Slayer, One Cool Cat, PFS‘ Straight Alignment, PFS’ Strolch, Kaythara El Assuad, PFS’ Counterfire, Daedra, PFS’ Sciaphobia, PFS’ Challenging Time, PFS’ Call it Karma, PFS’ Whirlwind, Areion, Flintstone, Brendtwood, Cambria, Nimué, PFS’ Ljúfa, Namuna, Mansur, Fallen Immortality, Farasha, Tayr al-Diyari, Lindwedel, PFS’ Reverie, PFS’ Soñando Solas, PFS’ First Chant, PFS’ Clooney, PFS’ Cranberry, PFS’ Karat, Louvré, PFS’ Lyskra, PFS’ Charivari, PFS’ Nemo

      Es war ein sonniger Frühlingsmorgen - das heisst, es wäre sonnig gewesen, wenn der Nebel nicht die meisten Strahlen verschluckt hätte. Zumindest war es heller als sonst um diese Zeit, manchmal blendete die leuchtende Nebelwand schon fast. Ich verteilte gerade das Kraftfutter im Nebenstall.
      Auf einmal surrte mein Smartphone. Die Nummer war die von Suris Eltern. Überrascht nahm ich ab. Der Vater von Lilys Kollegin war dran. Der Grund für seinen Anruf war für mich mehr als unerwartet. "I need your advice on buying a pony for my daughter." "Oh. That's a wonderful idea! I'm sure she will be thrilled to have her own pony - she has got talent aswell!" "She's been asking for a pony very tenaciously and we noticed how disappointed she was, when this gray one - I believe she called him Lindwedel? - was sold. She frequently goes riding with Lily and it seems to make her very happy. I was not sure if she was ready for the big responsibility of having a pony of her own, but now I think she would learn a lot from it." "Absolutely." "So, I need your help to choose the right one. But don't tell her anything yet - we want it to be a surprise." "Are you sure? It is very important that they fit together. A pony is not like a hamster. They can get very old, we talk about several years of commitment. Of course it could be sold any time, but it makes it so much more special if the pony is her own choice..." "Hmm, I see. I guess she should help choosing it then. Very well, I will tell her. Could you perhaps start looking around?" "Of course." Wir sprachen über seine Vorstellungen (er wollte natürlich in erster Linie ein verlässliches, braves Pony) und über das Budget. Sicher war auch, dass das Pony auf Pineforest einziehen würde. Ich versprach, mich nach etwas Passendem umzusehen und ihm dann Bescheid zu geben. Natürlich überlegte ich auch sofort, ob ich nicht selbst bereits einen passenden Kandidaten besass – aber meine wertvollen Reitponys wollte ich nicht hergeben, erst recht nicht bei seinem knapp festgelegten Budget. Die besten Chancen sah ich darin, die lokalen Zeitungsannoncen und das Internet durchstöbern. Noch am selben Abend begann ich damit, denn Suris Geburtstag war in wenigen Wochen, und vielleicht würde es bis dahin ja klappen. Noch am selben Nachmittag kam Suri ausserordentlich fröhlich zu Besuch und erzählte, dass ihr Vater gewisse Andeutungen gemacht hatte. Sie schien es kaum glauben zu können und war auch erst vorsichtig optimistisch, doch spätestens als ich nebenbei erwähnte, dass wir telefoniert hatten, konnte sie über nichts anderes mehr reden. Sie und Lily verbrachten den ganzen restlichen Tag damit, Pläne zu schmieden und sich das perfekte Pony für Suri auszudenken. Am Abend fragte Lily mich, ob wir ihr nicht einfach Nossi überlassen sollten. Ich erklärte daraufhin, dass Suri ein etwas grösseres Pony brauche, mit dem sie später auch am Sport teilhaben könnte. Das leuchtete selbst ihr ein.

      Einige Tage vergingen, ehe ich eine Auswahl von drei Ponys zusammengesucht hatte, die den Kriterien zu entsprechen schienen. Zwei davon waren Connemaras, eines ein British Ridingpony. Ich vereinbarte Besichtigungstermine für alle drei und traf mich schliesslich mit Suri und deren Vater zum gemeinsamen Probereiten. Das erste Pony, das wir uns zusammen ansahen, war die Connemara Fuchsstute, die mir auf den Bildern besonders gefallen hatte. Auch in live war sie sehr hübsch und zeigte vielversprechende Gänge. Allerdings bockte sie Suri beim Angaloppieren beinahe runter, und auch beim Satteln war sie recht frech. Sie schnappte mehrfach und wir mussten richtiggehend aufpassen. Die Besitzerin meinte, das sei bloss jugendlicher Übermut. Die Stute war allerdings schon elf, deshalb wollte ich das nicht so recht glauben. Sie wurde also recht schnell einstimmig aussortiert. Das zweite Pony war der British Ridingpony Wallach. Er war rabenschwarz und hatte tolle Gänge, aber sein Rücken gefiel mir nicht. Auf den Bildern hatte man es nicht so gut erkennen können, aber er war hinten ziemlich überbaut und hatte bereits Ansätze eines Senkrückens entwickelt. Zudem schien seine Beinstellung hinten zu eng, was die Besitzer ebenfalls gut kaschiert hatten auf den Bildern. Blieb also noch die letzte Connemarastute. Ich kreuzte die Finger, als wir auf den Parkplatz des Bauernhofes fuhren, auf dem sie lebte. Der erste Eindruck war gut; alles schön aufgeräumt, die Pferde und Ponys allesamt gepflegt und fast den ganzen Tag draussen auf der Weide. Die Ponystute hatte einen bildhübschen Kopf mit einer auffälligen Blesse. Sie war braun, hatte aber leichte Dapples, die mich an Solas‘ neues Sommerfell erinnerten, dass dieser gerade entwickelte. Im Kontrast mit der dunklen Mähne sah es einfach umwerfend aus. Auch Suri gefiel sie auf Anhieb. „She looks almost like Lindwedel in brown“, stellte sie begeistert fest. Wir wurden zum Probereiten auf einen kleinen Sandplatz geführt. Suri stieg erwartungsvoll auf und drehte die ersten Runden auf dem freundlichen, braunen Tier. Die Stute machte keine Mätzchen – gar keine. Sie überhaupt sehr gemähchlich vorwärts. Das fiel auch Suri auf. „I think she is tired, maybe?“ Ich verzog skeptisch die Lippen. “Try to trot a round, will you?” Suri gab sich die grösste Mühe, die Stute in den Trab zu bekommen. Als sie es schliesslich geschafft hatte, war sie nach kurzer Zeit schon deutlich mehr ausser Atem als das Pony. „How old was she again?“, fragte ich die Besitzerin. „Seven“, meinte die stolz, nichts von unserer milden Begeisterung spürend. „But I have to say, all the horses out of this lineage are exceptionally well behaved.“ Suris Vater schien überzeugt. Ihm gefiel die Stute ausserordentlich gut und er betonte immer wieder, wie freundlich sie wirke. Ich seufzte innerlich und winkte Suri zu mir – an Galopp war nicht zu denken. “What do you think?“, fragte ich das Mädchen direkt. Sie zuckte unsicher mit den Schultern. „She is very nice… I mean, VERY nice. But somehow, I’d rather have a pony that’s more… Energetic.“ “Like Lindwedel”, schloss ich. Sie nickte leicht beschämt. „No problem, we’ll just keep looking. The pony has to be perfect for you“, und fügte mit einem Flüstern hinzu “and not for your father.“ Sie lächelte dankbar und so verabschiedeten wir uns wieder. Ich versprach, weiterzusuchen – es gab noch jede Menge toller Ponys in England.
      Sobald ich wieder zuhause war, machte ich mir eine Tasse Tee, ehe ich zu Iskierka in den Hauptstall lief. Die Schimmelstute drehte sich sofort zur Boxentür, als ich herankam und brummelte. „Heyy, spürst du etwa den Frühling? Du bist doch sonst nicht so freundlich“, stellte ich belustigt fest. Es stimmte nicht ganz – sie begrüsste zumindest mich häufig mit aufgestellten Ohren. Aber die Vollblutstute war ausgesprochen launisch und zeigte dies jeweils besonders beim Putzen. Heute liess sie mich sogar ihren Bauch putzen, ohne mir eine Pobacke abbeissen zu wollen. Ich lobte sie dafür ausgiebig, auch wenn es nichts brachte. Sie hatte auf der linken Flanke einen hartnäckigen Mistfleck, der ihre Dapples gelblich verfärbte. Ich führte sie rasch nach draussen, holte einen Schwamm und etwas Seife und bearbeitete das Übel. Die Beine wusch ich bei der Gelegenheit auch gleich noch mit Seife, sodass ihre Beinabzeichen wieder schön weiss wurden. Sobald alles sauber war, brachte ich Iskierkas Ausrüstung und sattelte sie für einen Ausritt. Rosie hatte mir eine SMS geschrieben, wir wollten uns bei der Brücke treffen. Alleine blieben wir nicht, denn gerade sattelten auch Charly, Lisa, Jason, Isaiah und Linda ihre Pfleglinge, Raver, Cool Cat, Ally, Kaythara und Strolch. Die älteren Rennpferde hatten heute Morgen kein Training erhalten, dafür durften sie nun raus ins Gelände. Den Jungen jedoch war die Galopparbeit nicht erspart geblieben. Sie mussten noch immer Muskeln aufbauen und sich auf die Saison vorbereiten, während die Erfahreneren eher erhaltendes Training benötigten. Daedra und Counterfire waren durch ihr Spezialtraining den anderen zwar ein wenig voraus, aber auch sie mussten noch viel lernen. „Is it okay if we all go together?“, fragte Lisa in die Runde. “Yeah, I want to meet with Rosie too!”, rief Charly aus. Ich zuckte mit den Schultern – es blieb mir gar keine Wahl. Wir setzten uns alle zusammen in Bewegung. Rosie stiess wie vereinbart bei der Brücke mit ihrem Araberpinto Mansur zu uns. Er war noch nicht lange unter dem Sattel, doch in der grossen Gruppe fühlte er sich auf Anhieb sicher genug, um anständig mitzulaufen. Ich bewunderte Rosies geschecktes Reittier. Der Hengst war einfach ein Hingucker mit seinem dunkelroten Fell, das einen speziellen Kontrast zur weissen Scheckung bot. Und seine blauen Augen waren sowieso zum verlieben. Auch die Art, wie "Sooroo" seinen Schweif trug und den Hals rund machte, liess ihn edel wirken. „How are the others? Namuna doing fine under the saddle as well?“, fragte ich Rosie. “She’s a bit stubborn sometimes, especially when we meet a stack of wood or a stump along the way.” Ich lachte amüsiert. „Young horses.” „Yeah. I’m glad Tayr is finally starting to grow up now. He has gotten so much calmer, even during the winter he was mostly decent.” “Wonderful. And your two more experienced girls?“ „Farasha and Fay are such sweethearts. It is so much fun to work with them. I’m really looking forward to endurance this spring.“ „And, have you heard of Murray?”, fragte ich mit einem Zwinkern, das ich mir nicht verkneifen konnte. „Actually yes, he came over last week since he was near Brimingham anyway. We went on a hack again, he’s learning fast.” „Good to hear. I like the ‚lad‘. We need to invite him again.“ Wir genossen die Sonnenstrahlen und galoppierten dreimal mit der ganzen Gruppe an Feldrändern entlang, was dann doch etwas viel für Mansur wurde. Der Schecke war ziemlich verschwitzt, trotz der kühlen Temperaturen, und seine Konzentrationsspanne längst überdehnt. Er tänzelte im Schritt und verwarf den Kopf, wie ein übermüdetes Kleinkind. Rosie stieg ab, als sich unsere Wege vor der Holzbrücke wieder trennten - sie wollte ihn nachhause führen, damit er sich beruhigte. Ich sah den beiden hinterher, während Iskierka zufrieden am langen Zügel ihre kurze Mähne schüttelte und schnaubte. Sie lief noch immer zügig vorwärts und wirkte kaum müde, trotz des ganzen Galoppierens. Aber man konnte schlecht eine ausgebildete, voll bemuskelte Vollblutstute mit einem grünen Araberhengstchen vergleichen. Auch die übrigen Vollblüter hatten es eilig nachhause zu kommen, allen voraus Cool Cat, der möglichst schnell zu seiner Heuration wollte. Wir beeilten uns mit dem Wegräumen, damit die armen, hungrigen Vierbeiner endlich über ihre Portionen herfallen konnten. „Really. One could think you’re all starving”, rief ich kopfschüttelnd aus, zur Belustigung von Ajith, der uns eifrig beim versorgen der Ausrüstung half.
      Als nächstes sah ich beim Nordstall nach Lily und Areion. Ich wusste, dass meine Nichte mit dem Tinker auf dem Sandplatz ohne Sattel gespielt hatte, als wir losgeritten waren. „Alles klar bei dir? Nicht runtergefallen?“ „Also wirklich, was denkst du denn! Als ob ich runterfallen würde!“, gab sie empört zurück. Sie sass auf einem der massiven Balken vor dem kleinen ‚Tackroom‘ in der Mitte des Ponystalls und sah Areion beim Fressen zu. „Wo sind Lea und die anderen?“ „Wahrscheinlich beim Offenstall, Fohlenstreicheln.“ „Und du hast keine Lust?“ Sie zuckte mit den Schultern. „Ich streichle die ja sonst schon die ganze Zeit.“ „Hmm okay. Willst du mir helfen? Ich muss nachher ein Jungpferd abholen gehen.“ Sie war sofort ganz Ohr. „Welches denn?“ „Corona. Eine Trakehnerstute.“ „Bin dabei. Muss Areion nur kurz nochmal durchbürsten!“ Sie schnappte eine Bürste, die auf ihrer Hellblauen Putzkiste lag und wischte in Rekordtempo, aber trotzdem gründlich genug über den Rücken des Schecken. Ich sah ihr dabei lächelnd zu und lehnte mich mit verschränkten Armen an die Balken. Plötzlich umfassten mich von Hinten zwei Arme. „Hey“ Ich drehte nur den Kopf und gab Jonas einen verrenkten Kuss. „Wie war das Springen mit Cymru?“ „Unproblematisch. Sie hat sich ganz ordentlich konzentriert.“ „Super.“ „Gehst du jetzt nach Liverpool?“ Ich nickte. Die Stute wurde von Dublin mit dem Schiff rübergebracht, ich musste sie im Hafen in Liverpool abholen gehen. Sie war in Irland von einer Leihstute geboren worden – eigentlich war ihre Biologische Mutter Miss Moneypenny. Ihr Besitzer hatte einen finanziellen Engpass und mich daher gefragt, ob ich sie ihm abkaufen wolle. Ihre Abstammung war gut – sie galt als Trakehner, weil ihr Vater, ebenfalls ein alter Bekannter von uns, Cover the Sun, einer war. Aufgrund seiner tollen Blutlinien vereint mit Pennys rennbetonter Vollblutabstammung erwartete ich, dass ein hervorragendes Militarypferd aus ihr werden würde. Ich hatte lange nichts mehr von Cover gehört, umso erfreuter war ich, einen seiner Nachkommen zu mir zu holen. Sie hiess übrigens nicht wirklich Corona, sondern Charivari. Aber ich nannte sie gerne so, weil es doch zum Namen ihres Vaters passte – und etwas einfacher auszusprechen war auf Englisch. Lily und ich fuhren mit dem Anhänger etwa zwei Stunden bis Liverpool. Jacky hatte auch unbedingt mitgewollt – die Hündin mochte das Autofahren erstaunlicherweise immernoch, auch nach unserem kürzlichen Unfall. Vielleicht wollte sie auch einfach bei mir bleiben. Zira hatte ich zuhause gelassen; das war für sie angenehmer als die ganze Zeit im Kofferraum zu liegen. Es klappte alles reibungslos. Corona war pünktlich eingetroffen, und sobald alles abgeklärt und die nötigen Formulare ausgefüllt waren, konnte ich sie auch schon verladen. Lily schloss die Klappe, sobald ich die zweijährige Stute hineingelockt hatte, bevor sie überhaupt ans rückwärtsgehen denken konnte. Ich gab meiner Nichte einen Handschlag. „We’re a great team.“ „What would you even do without me?“, meinte sie frech. Ich lachte. “That’s true. Its so good to have a little helper now and then.” Der Heimweg kam mir viel kürzer vor, obwohl wir immer noch nur 80km/h auf der Autobahn fuhren. Wir luden die Stute aus und brachten sie zunächst in eine Freie Box im Hauptstall. Ich wollte sie ein paar Tage in Quarantäne lassen, nur zur Sicherheit. Danach kam sie zu den anderen Fohlen in den Offenstall.
      Inzwischen war Jonas mit Flint draussen gewesen und hatte dabei Lisa und Brendtwood begleitet. Der Haflinger war noch nicht so erfahren im Gelände, deshalb bevorzugte Lisa im Moment Gruppenausritte. Nimué hatte Lisa schon am Morgen bewegt. Ich machte mich auf die Suche nach Oliver, der laut Jonas immernoch irgendwo herumschlich. Normalerweise verliess er uns am Morgen nach dem Training wieder, ausser es war Renntag. Ich fand ihn bei der Fohlenweide. Er plauderte mit Lewis. „Hi. Still here?“ „I just wanted to see how Chime is doing. Lewis says she is full of energy.” “She is. But she also sleeps a lot…” “I know, I know. We leave her be for now. We don’t need to hurry with her, health is more important.” Ich nickte, dankbar für sein Verständnis. “By the way, when are you going to start working with Clooney and Cranberry? And Karat looks almost ready to ride as well” “I’m giving them a few more weeks, maybe months. It also depends on how much time I will have. They’re still only three years old and will all grow some more, so I do not hurry with them either.” “I see. With warmbloods there’s no need to push anything after all.” “Exactly. First Chant is also three already, times goes by so fast!” Lewis mischte sich ein. “Very! Look at Reverie. She’s grown into a handsome young lady.” “She will be among the first who are going to be ridden. She’s one of the oldest.” In diesem Moment wurden wir unterbrochen, weil Louvre von Clooney beiseite gescheucht wurde, woraufhin der weisse Junghengst einen trotzigen Ausschlag-Bocksprung machte und dabei fast hinfiel. Wir lachten alle herzhaft bei dem Anblick. Die Stutfohlen hielten wegen des Lachens inne und sahen aufmerksam vom Grasen auf. Lyskra kam zu mir und schnupperte an meinem Ärmel. „Hey Sweetie“, begrüsste ich sie flüsternd. Sie war noch nicht lange von ihrer Mama getrennt, hatte es aber sehr gut verkraftet; unter anderem weil sie Ljúfa immernoch durch den Zaun sah und weil wir die beiden so lange zusammengelassen hatten. Ljúfa schien nun aber auch froh zu sein, dass sie wieder ihre Ruhe hatte und das graue Fohlen nun neue Kumpels zum Spielen hatte. Es gab übrigens bereits ein neues graues Fellbündel in der Stutenherde: Eismärchens Fohlen war vor ein paar Tagen geboren worden. Das kleine Hengstchen war ein varnish roan und hatte jetzt schon überall Stichelhaare, viel mehr als Rune. Ich hatte ihn Nemo getauft.
      Ich lief wieder zum Haupthaus. Jonas und Lily hängten gerade die Hängematten im Garten hinter dem Haus auf. „You sure it’s already warm enough for that?“, fragte ich fröstelnd. “It’s always the right time for hammocks. They’re the best”, erklärte Lily, und warf sich in ihre. Ich ging zu ihr hin und kitzelte sie, sodass sie fast wieder rausfiel. „Don’t forget to take them back in in case it rains tonight.” Jonas setzte sich ebenfalls in seine grüne Hängematte. “Hast du von dem neuen Makeover gehört? Du könntest doch diesmal auch teilnehmen.“ „Ach ich weiss nicht, meinst du ich hab genug Zeit dafür? Neben all den Turnieren und Rennen?“ „Ich denke schon. Du hast ja noch Oliver, Lisa und mich – und alle die anderen, die dir unter die Arme greifen. Es hat ein paar süsse Pferdchen dabei diesmal.“ „Echt? Zeig her.“ Ich gesellte mich zu ihm und er zückte sein Handy. “Hier, die ist mir gleich ins Auge gefallen. Eine Mustangstute.” “Die ist wirklich nicht schlecht. Aber hast du die dominantweisse da gesehen?” „Ja schon, aber die gescheckte hat den besseren Körperbau, findest du nicht?“ „Stimmt schon… Ich glaube, ich kann’s ja mal versuchen. Man muss sich bewerben. Ich schreibe einfach mal ne nette Mail und hoffe, dass ich angenommen werde.“ „Genau. Ich bin sicher das klappt.“ „Wir werden sehen“, meinte ich schulterzuckend, und kuschelte mich an ihn. „Wie war eigentlich das Vollbluttraining am Morgen?“ „Ach, du meinst das, das du verschlafen hast?“, neckte ich ihn. „Tut mir ja leid. Wenn du mich die ganze Nacht wach hälst mit deinem Herumgewälze…“ „So schlimm? Muss ich etwa eine Matratze ins Büro nehmen?“ Er beschwichtigte sofort „nein, nein. Passt schon.“ Ich schmunzelte liebevoll. „Das Training war wie immer. Saphi und Karma waren besonders fit. Indy dafür ausnahmsweise nicht so. Ich glaube, sie hatte noch Muskelkater von Olivers Extra-Intervalltraining am Vortag.“ „Die Ärmste. Er ist ein richtiger Sklaventreiber.“ „Ach was, die sind nicht aus Zucker. Ausserdem kann es ja gar nicht genug Bewegung geben, wenn es nach ihr geht.“ „Stimmt auch wieder.“ Wir sassen noch eine Weile da und genossen die Abendstimmung. Bald wurde es aber zu kalt, sodass wir es uns drinnen gemütlich machten, ehe wir uns für die letzten Trainingseinheiten zurück in den Stall verteilten.
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      PFS’ Snap in Style, PFS’ Stromer’s Victory, PFS’ Cupid, PFS’ Sciaphobia, PFS’ Riptide, PFS’ Vivo Capoeira, PFS’ Call it Karma, PFS’ Whirlwind, Stars of Magic, Namuna, Mansur, Scooter, PFS’ Reverie, PFS’ Karat, Maekja van Ghosts

      Als ich am Morgen nach meiner Heimkehr aus Schweden aufstand, die vertrauten vier Wände meines Zimmers erblickte und den schlafenden Bären neben mir zufrieden grummeln hörte, fühlte ich mich voller Tatendrang. Ich stupste Jonas an, wohlwissend, dass er noch eine Viertelstunde brauchen würde um auf die Beine zu kommen. Dann schlüpfte ich in meine Kleider und bereitete das Frühstück vor. Ich wartete nicht auf meine beiden Lieblingsschlafmützen, sondern strich mir ein Brot mit Erdbeermarmelade, fütterte Hund und Katz, verliess das Haus mit dem Brot zwischen den Zähnen, während ich mir die Jacke anzog - früh morgens war es noch etwas frisch. Die ersten Pfleger tauchten im Hauptstall auf und begannen, die Vollblüter für das erste Training des Tages hervorzuholen. "Gruppe eins heute nicht", erinnerte ich Ajith, der das ganze koordinierte, bis Oliver hier war. "Right Boss." Ich ging raus zu HMJ Honesty, in den Innenhof des Hauptstallgebäudes. Sie sah mich kommen und sah mir interessiert zu, wie ich das Tor zur Führanlage öffnete. "Hey süsse. Wie war deine erste Nacht?" Sie wich zuerst ein paar Schritte zurück, dann prüfte sie meine Hand um zu sehen, ob ich ihr etwas mitgebracht hatte. Ich hatte das Gefühl, das der Umzug hierher uns etwas näher zusammengebracht hatte. Ich war quasi das einzig vertraute in dieser neuen Umgebung. Gegen diesen Gratis-Fortschritt hatte ich nichts einzuwenden. Für den Moment verschonte ich die Scheckstute noch, denn ich wollte erst später, nach dem Mittag, das Training mit ihr wieder aufnehmen. In der Zwischenzeit stand Arbeit mit meinen Jungpferden auf dem Plan. Pünktlich um acht Uhr begannen Lisa und ich, Karat und Reverie zu putzen. Die beiden Furiosos waren heute erst zum dritten Mal unter dem Sattel. Ich kümmerte mich um den schlaksigen Fuchshengst. Er wollte kaum stillhalten beim Putzen; immer wieder zappelte er vor- und rückwärts, oder drehte mir plötzlich ohne Vorwarnung die Hinterhand entgegen. Er war dabei nicht böswillig, sondern bloss gelangweilt und abgelenkt von den Pflegern, die gerade Boxen ausmisteten. Ich erinnerte ihn jeweils energisch an meine Anwesenheit. Ansonsten war der Hengst im Umgang ein Schatz. Er gab brav alle seine Hufe und wenn er sie abstellte, dann nur weil er das Gleichgewicht verlor. Einmal humpelte er sogar auf drei Beinen einen Schritt nach vorne, um sich auszubalancieren ohne mir den Huf aus den Fingern zu reissen. Ich lobte ihn amüsiert, sobald ich fertig war. Den Sattel hatte er nun schon mehrere Male gesehen und auch auf seinem Rücken geduldet, weshalb ich keine grosse Sache aus dem Angurten machte. Ich verhielt mich genauso, wie ich es auch bei einem routinierten Vierbeiner getan hätte. Das gab dem Hengst Sicherheit und er merkte, dass nichts Aussergewöhnliches oder gar Gefährliches passierte. Er liess sich die Trense ins Maul legen und hielt still während ich die Riemen schloss. Ich beobachtete fasziniert seine blauen Augen. Er erinnerte mich so sehr an Satine, es war fast schon unheimlich. Nur dass er noch nie etwas Schlechtes erlebt hatte, und sein Ausdruck daher nicht durch tiefe Stresskuhlen verfälscht wurde. Stattdessen hatte er eine edle, gerade Stirn und seine Augen leuchteten förmlich vor Energie. Sie waren wie schon bei seiner Mutter dunkel umrandet, was das Blau noch kräftiger wirken liess. Ich löste mich von den Kristallaugen los und führte den Hengst zur Halle. Lisa und Reverie waren bereits dort. Als Karat die dunkle Stute erblickte, war er ganz durcheinander. Ich lenkte ihn ab, indem ich seine Füsse bewegte und willkürlich abbog, sodass er sich auf mich konzentrieren musste um rechtzeitig mitzukommen. Das half ein wenig. „Geht es so, Occu? Oder soll ich auf den Platz raus gehen?“, fragte Lisa angesichts des übermütigen Junghengstes. „Nein, schon gut. Der muss das lernen, je früher desto besser“, antwortete ich entschieden. Wenig später stieg ich auf und ritt im Schritt kleine Volten und Schlangenlinien. Der Hengst schwankte deutlich und brauchte klare Hilfen. Aber er gab sich Mühe, und das merkte ich. Jedes Mal wenn er rasch reagierte und ‚einen Schritt in die Richtige Richtung‘ machte, lobte ich ihn ausgiebig. Bei Reverie und Lisa lief es ähnlich, nur dass die Stute deutlich weniger entspannt war. Sie klemmte den Schweif zwischen die Beine und lief nicht so freiwillig vorwärts wie Karat. Als eine Taube von einem Balken aufflatterte, zuckte sie zusammen und machte einen Hüpfer nach vorne. Lisa war aber sattelfest und hatte die junge Stute sofort wieder unter Kontrolle. Sie machte weiter, als wäre nichts gewesen. Wir übten eine halbe Stunde lang Grundlagen, vor allem im Schritt und Trab. Galopp machten wir auf der ganzen Bahn, denn Volten waren schwieriger für die Jungpferde. Es ging dabei erstmal darum, einen guten Vorwärtstakt zu festigen und einigermassen flüssig einzuspringen. Mehr verlangten wir noch nicht. Am Ende liessen wir die zwei am längeren Zügel austraben, stützten sie aber dennoch weiterhin genug, dass sie nicht einfach nach vorne kippten. Karat schnaubte zufrieden und liess den Schweif schön pendeln. Auch Reverie hatte sich inzwischen ein wenig entspannt und kam über den Rücken. Zufrieden ritten wir im Schritt trocken und brachten die zwei anschliessend zurück.

      Als Nächstes waren die Vollblüter dran. Auch mit ihnen übten wir Grundlagen-Dressur, denn sie mussten wie alle Rennpferde auf der Bahn quasi nur geradeauslaufen und bremsen können. Wir begannen jedoch früh damit, zwischendurch auch in der Halle mit ihnen zu arbeiten oder sogar kleine Hindernisse zu springen – natürlich erst, wenn der Körperbau der Jungpferde dies zuliess. Bei Cupid, Snap in Style, Capoeira, Victory, Stars of Magic, Whirlwind, Call it Karma, Sciaphobia und Riptide war das nun der Fall. Ich kümmerte mich um Star. Die Rappstute mit den tausend Galaxien und schwarzen Löchern, wie ich die Sprenkel auf ihrem Hintern gerne nannte, war genau wie Snap ein Jahr älter als die anderen. Die beiden sahen vom Körperbau her etwas ausgefüllter aus, aber die Muskulatur war etwa auf demselben Stand wie bei den Dreijährigen. Ich putzte Star gründlich durch und legte ihr dann einen Vielseitigkeitssattel auf den Rücken. Die jungen Vollblüter hatten keine eigenen Sättel ausser den Trainingssätteln für das Rennbahntraining. Wir wählten aber jeweils Sättel der anderen Pferde aus, die möglichst gut passten. Bei Star konnte ich keinen Mangel feststellen, der Sattel von Caligari passte ihr erstaunlich gut. Die beiden hatten auch einen ähnlichen Körperbau. Wir trafen uns wiederum in der Halle, denn es tröpfelte leicht draussen. Wir ritten alle dieselben im Voraus besprochenen Lektionen und Figuren, fast wie in einer Reitstunde, nur ohne Lehrer. Die jungen Rennpferde orientierten sich gegenseitig aneinander und fühlten sich in der Gruppe wohl, sodass kaum einer auf dumme Gedanken kam. Nur Karma hatte so einen unglaublichen Vorwärtsdrang heute, dass man Charly zwischendurch fluchen hörte, als er zum zweihundertsten Mal abbiegen musste. Auch Star war fleissig, und sie liess sich leicht von ihren Kollegen ablenken, wann immer die uns nahe kamen. Trotzdem schafften wir es, vernünftige kleine Volten und gerade Diagonalen zu fabrizieren.

      Vor dem Mittag kam noch Rosie vorbei – sie brachte Mansur und Namuna mit. Gemeinsam mit Elliot trainierte sie die beiden Araber ebenfalls in der Halle. Es war für sie eine optimale Möglichkeit, die Nachwuchspferde in einer fremden Umgebung zu reiten, auch wen Pineforest natürlich schon nicht mehr wirklich fremd für die beiden war. Trotzdem fand sie, man merke einen deutlichen Unterschied im Vergleich zum Training zuhause. Die Ablenkung war grösser und besonders Namuna liess sich von vielen Kleinigkeiten beeindrucken und schaltete dann jeweils auf stur. Ich beobachtete die Araber interessiert von der Reiterstube aus, während ich mir mit Jonas zusammen eine Tasse Tee gönnte.

      Am frühen Nachmittag kam Suri auf den Hof um ihre beiden Ponys zu bewegen. Sie war mittlerweile ein paarmal auf Scooter gesessen, aber bisher eher zum Spass als für richtige Reitstunden. Heute kam sie mit in die Halle, als ich Honesty dorthin brachte. Lily war selbstverständlich auch dabei. Sie durfte Maekja reiten, die Isländerstute die tragend von Herkir war. Wir mussten sie unbedingt noch auf einer Körung vorstellen, bevor das Fohlen kam. Dafür musste sie aber noch etwas mehr unter dem Sattel gearbeitet werden. Lily sollte heute mit ihr Übergänge, Aussengalopp und Kurzkehrtwendungen üben. Ich konzentrierte mich auf Honesty, beobachtete die beiden Mädchen aber stets im Augenwinkel. Suri und Scoot kamen zurecht. Wir hatten einen einigermassen passenden Sattel für das graue Pony gefunden – den durfte Suri so lange benutzen, bis Scoot genug Muskulatur für einen eigenen Sattel hatte. Im Moment machte es noch keinen Sinn, extra einen anpassen zu lassen. Die Stute war noch zu schlaksig dafür. Suri gab sich sichtlich Mühe, möglichst alles richtig zu machen. Sie hielt die Absätze tief und die Arme schön handbreit über dem Sattel. Ich fand, dass sie zwischendurch den Rücken etwas zu steif gerademachte. Darauf wies ich sie hin, indem ich sie daran erinnerte zu lächeln. Dann entspannte sie sich nämlich jeweils sofort und brach in ein breites Grinsen aus. Amüsiert longierte ich Honesty ein paar Runden, ehe ich mich über ihren blanken Rücken lehnte und aufstieg. Ich nutzte das Arbeitsseil als Zügel, lenkte die Scheckstute aber vornehmlich mit Gewichtshilfen. Als sie zu meiner freudigen Überraschung viel besser mitmachte als gedacht, wagte ich sogar das Antraben. Sie zog zwar den Schweif ein und war zögerlich, aber sie bockte nicht und weil ich nur eine kurze Strecke abfragte, konnte sie sich auch nicht sonderlich aufregen. Ich lobte sie danach sofort und stieg wieder ab. Ich wollte, dass sie merkte dass sich das Mitmachen lohnte und dass Reiten eine tolle Sache war, weil man dann viel Lob bekam und schnell wieder zu seinem Futter durfte. Deshalb verräumte ich sie auch schon wieder in ihren Übergangsstall in der Mitte der Führmaschine. Gegen Abend nahm ich sie aber nochmal raus, um mit ihr spazieren zu gehen. Mein Plan war noch immer, so viel Zeit wie möglich mit ihr zu verbringen, damit sie lernte, sich auf mich zu verlassen.
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      Maekja van Ghosts, Cambria, PFS' Karat, PFS' Reverie, Brendtwood, PFS' Shadows of the Past, Namuna, Tayr al-Diyari, Mansur, HMJ Honesty

      Nach dem erfolgreich durchgeführten Springtraining am frühen Morgen, wollten wir am späten Nachmittag mit ein paar Pferden in Richtung London fahren, um auf einer Geländestrecke in der Nähe zu trainieren. Der "Springgarten", wie wir ihn gerne nannten, war erst vor etwa einem Jahr erstellt worden und bot eine Vielzahl von verschiedensten Naturhindernissen. Auch HMJ Honesty wollte ich heute mitnehmen, denn das Militarytraining eignete sich hervorragend, um jungen oder unerfahrenen Pferden mehr Mut beizubringen. Nebst der Mustangstute nahmen wir auch Cambria, Woody, Karat, Reverie und Shira mit. Ausserdem fuhr uns Rosie mit Namuna, Tayr und Mansur hinterher. Auf dem Trainingsgelände angekommen, luden wir die Vierbeiner aus dem Lastwagen und sattelten sie. Bis auf Woody und Honesty hatten wir allen Transportgamaschen angezogen. Woody stand meistens ruhig im Anhänger und Honesty war sich die Gamaschen nicht gewöhnt, ausserdem hatten sie beide robustere Gliedmassen als die feinen Warmblüterchen. Sobald alle bereit waren, führten wir die Pferde ein Stück über den kurzen Rasen, bis zum erstbesten Baumstamm, den wir zum Aufsteigen nutzen konnten. Danach ritten wir sie auf dem Sandweg um das Gelände herum warm. Ich sass natürlich im Sattel von Honesty. Die Scheckstute trottete den Warmblütern eifrig hinterher, als wollte sie ihre Herde nicht verlieren. Ich versuchte immer wieder mehr oder weniger erfolgreich, ihre Aufmerksamkeit auf meine Hilfen zu lenken. Aber es gelang mit erst vollständig, als wir mit dem ersten Hindernis begannen. Die Aufwärmübung bestand darin, einen kleinen Baumstamm, gefolgt von einer niedrigen Stufe und anschliessend einem weiteren Baumstamm zu überwinden. Wir liessen die Pferde am Anfang im Trab auf die Hindernisse zugehen, damit sie Zeit hatten, sich alles anzusehen. Cambria, die schon ein paar Military-Trainings hinter sich hatte, hüpfte leichtfüssig vor uns auf den Absatz, sodass Honesty ihr zuversichtlich folgte. Ich lobte die Scheckstute ausgiebig, als sie auch über den zweiten Baumstamm einen kleinen aber feinen Hüpfer nahm. Als nächstes versuchten wir uns an einem weiss umrahmten Graben. Den fanden alle bis auf Cambria ziemlich unheimlich. Besonders bei Reverie dauerte es eine Weile, und wir mussten zur Hilfe alle Pferde auf die andere Seite des Grabens stellen, um sie zu locken. Karat hingegen stoppte zwar, sah sich den Graben dann aber ganz genau an und nahm kurz darauf einen Satz darüber, mit ein paar anschliessenden, übermütigen Bocksprüngen. Überhaupt waren die Pferde sehr energievoll unterwegs; gelegentlich hörte man ein Quieken oder Grunzen, über oder nach einem Sprung, und das ein oder andere Gehampel war auch nicht zu vermeiden. Die Zeit ging so rasch vorüber, dass ich ganz überrascht auf die Uhr sah, als es bereits eindunkelte. "Okay folks, enough for today ", rief ich quer durch den Garten. Wir liessen die Pferde austraben und zum trocknen ohne Sattel ein wenig grasen. Duschen mussten wir sie zuhause aber dennoch.
      Als alle wieder in ihren Boxen standen und die Reste der abendlichen Heuration sortierten, holte ich Maekja raus. Auch mit ihr wollte ich noch ein wenig Military üben, allerdings nur in unserem Hauseigenen kleinen Parcours. Ich schaltete das Flutlicht ein, denn mittlerweile war es dunkel. Wir wärmten uns rasch auf, dann übte ich eine halbe Stunde lang intensiv mit ihr. Wir komzentrierten uns vor allem auf den kleinen Teich, denn Einsprünge ins Wasser machten ihr noch etwas Angst. Sie überwand sich für mich und schaffte alle von mir gestellten Aufgaben. Zufrieden lobte ich sie und liess sie am langen Zügel auf der Ovalbahn trockenlaufen.
    • Occulta
      Proposal
      Namuna, Mansur, Farasha, Fallen Immortality, Tayr al-Diyari, Dancing Moonrise Shadows, Nimué

      Es war Nachmittag, und die Spätsommersonne brannte ungeschwächt durch den hellblauen Himmel. Zwar hatte es vergangene Woche geregnet, aber mittlerweile war es wieder 30 Grad warm und es herrschte Mittelmeerstimmung: frühmorgens und spätabends spielte die Musik. Eigentlich. Gerade begann ich damit, die Putzsachen und die Ausrüstung von Tayr vorzubereiten. Ich wollte mit dem Fuchshengst in der Halle Bodenarbeit machen, bevor Murray Tàileach zu Besuch kam. Tayr beobachtete mich bereits interessiert, als ich die Putzbox vor seine Box platzierte. Ich streichelte seine Nase und schob die Tür auf, um ihn aufzuhalftern. Er wollte aber zuerst die Halme bei der Türschwelle fressen, die soeben offenbahrt worden waren. Ich liess ihn machen, denn wir hatten noch reichlich Zeit. Schliesslich nahm er den Kopf hoch und ich konnte ihm das petrolfarbene Knotenhalfter umbinden. Das Nasenband hatte ich rundherum selber von Hand mit Rocailles umstickt, wobei sich auf der Unterseite ein polsternder Lederstreifen befand. Das Muster war türkis-orange-weiss. Es stand Tayr ausgezeichnet, aber auch auf Farasha und Fay sah es schick aus. Für Mansur und Namuna hatte ich ein ähnliches in schwarz, mit rot-blau-schwarz-weisser Verzierung.
      Tayrs kurzes Sommerfell begann bereits ein wenig zu haaren. "It's way too hot for that, still", bemerkte ich skeptisch. Die orangen Haare lösten sich beim Striegeln zusammen mit dem Staub und blieben auf dem Rücken des Hengstes liegen, bis ich sie mit der Staubbürste wegspickte und das darunterliegende, nun glänzende Fell hervorkam. Ich kämmte vorsichtig die lange Mähne und den seidigen Schweif. Tayrs Hufe sahen etwas lang aus, ich musste also bald den Hufbearbeiter wieder kommen lassen. Nun führte ich den Fuchs in die Halle und lief mit ihm zuerst ein paar Runden Schritt. Danach begann ich, seine Hinterhand zu bewegen, ihn seitwärts zu schicken und zu locken, ihn im Schulterherein auf dem Hufschlag zu führen und an der Hand zu traben. Ich wollte, dass er aufmerksam war und gleich stoppte, wenn ich es tat. Tayr war begeistert von den Übungen. Er machte mit solch einem Eifer mit, dass es manchmal fast schon zu viel wurde und ich ihn beruhigen musste. Sein Temperament kam zum Vorschein, als er beim Antraben übermütig den Kopf verdrehte und quietschte. Ich lachte über diese Lebensfreude und fand seinen Ausdruck toll. Wir übten auch noch als Spielerei den Spanischen Schritt. Er konnte erst die Vorderbeine einzeln anheben, ohne dabei vorwärts zu laufen. Aber ich verlangte immer wieder abwechslungsweises Beinheben und dann einen Schritt nach vorne. Nach und nach würde er es verknüpfen, so hoffte ich. Nach einer halben Stunde gingen mir die Ideen aus und ich führte ihn nach draussen, wo er auf einem Spaziergang auf dem Hof noch ein wenig grasen durfte. Was er auch tat, obwohl er bereits den ganzen Morgen auf der Weide verbracht hatte.
      Eine Stunde später fuhr Murray mit seinem Mietwagen auf den kleinen Kiesparkplatz. Ich kam aus dem Haus und begrüsste ihn fröhlich. "Do you want a cup of tea first, or shall we start with the horses?", fragte ich ihn herausfordernd. "Horses of course. Tea's for later", gab er entschlossen zurück. Er begleitete mich in den Stall. "Farasha or Fay?" Er überlegte kurz, dann meinte er "Farasha. Fay doesn't like me..." Ich schmunzelte und erklärte, dass Fay manchmal allgemein etwas schwierig sei und das nicht unbedingt viel mit ihm zutun hatte. Wir halfterten trotzdem Farasha. Die nachtschwarze Stute stand beim Putzen brav still und spielte entspannt mit dem Anbindeseil. Ein schrilles Wiehern unterbrach uns. Farasha spitzte die Ohren und hob den Kopf. Es war von Mansur gekommen - er hatte durch sein Boxenfenster zwei Pferde von Pineforest gesichtet. Bei genauerem Hinsehen erkannte ich Lisa und Anne, mit Nimué und vermutlich Shadow. Sie waren auf einem Ausritt und verschwanden gerade wieder im Wald. Murray holte Farashas Sattel und legte ihn selbstbewusst auf ihren Rücken. Beeindruckt hob ich die Augenbrauen, als er den Sattel selbstständig zurechtrückte und den Gurt anzog. Er erklärte stolz "I did my homework." "I can see that. Youtube videos?", neckte ich. "Nuh. I took lessons at a riding school near my place. You'll be surprised." Ich verschränkte gespannt die Arme und sah zu, wie er Farasha zäumte. Dann liefen wir zur Halle. Er stieg ohne meine Hilfe auf und begann, die Araberstute im Schritt warmzureiten. "Keep your heels down, hands together", korrigierte ich. Ansonsten sah es aber wirklich schon anständig aus. Er liess Farashas Zügel schön lang, sodass sie den Kopf in die Tiefe strecken konnte und sass längst nicht mehr so wackelig im Sattel wie die letzten Male. Nach ein paar Runden liess ich ihn antraben. Er setzte den Befehl prompt um, allerdings etwas unvorbereitet. Farasha nutzte es aus und rannte freudig los. "Keep your contact on the reins. Don't let her shoot forward like that." Murray fing die Araberstute rasch wieder ab und konzentrierte sich auf seinen Leichten Sitz, um in Balance zu bleiben. Auch das hatte sich verbessert; er hatte nun einen gleichmässigen Takt und geriet nicht mehr hinter die Bewegung wie zu Beginn. "Legs back", rief ich, als er seine Beine beim Schrittübergang wegstreckte. Er setzte es sofort um. Zufrieden beobachtete ich seine Bewegungen und liess ihn eine Lektion nach der anderen zeigen. Im Galopp neigte er noch dazu, einen unsicheren Buckel zu machen. Aber insgesamt sah man, dass er fleissig gewesen war. "I'm impressed", gab ich zu, als er in den Schritt parierte und Farasha die Zügel hingab. "Now we can go on whole weekend trailrides." Er grinste unbeeindruckt. "Sure, why not." Ich hielt Farasha, während er abstieg. Dann führten wir die Rappstute zurück in den Stall. Wir nahmen ihr den Sattel ab, bürsteten das zerzauste Rückenfell und ich wusch den edlen Kopf mit einem feuchten Schwamm, überall dort, wo das Zaumzeug gelegen hatte. Danach durfte Farasha in ihrer Box über die wohlverdienten Karotten herfallen. Murray hatte ihr ausserdem einen Apfel mitgebracht. "Tea-time", stellte ich mit einem symbolischen Blick auf die Uhr fest. Wir liefen zum Haus und setzten uns auf die Veranda. "How's work?", fragte ich ihn, bevor ich die Tasse ansetzte. "Boring as ever. But I have exciting new plans, thanks to you." Ich hob überrascht die Augenbrauen. "Thanks to me? And what would those be?" "I want to move to the highlands. I found a nice little farm somewhere hidden between the hills. I thought of maybe getting one or two horses as well." "Really? And your job?" "Home-office. No problem." "Well - that's awesome!" "Right?" "The highlands... I'd love to go there. Must be perfect for endurance riding!", scherzte ich schwärmerisch. "About that... Well, I know this must sound silly, considering you have your own farm here and all... But I thought, just perhaps... You'd like to come with me? I'm sure your arabians would love the highland grass, and when you see it, you will love the house." Er suchte vorsichtig wie ein scheuer Hund Blickkontakt. Ich wusste, worauf er hinauswollte. Er war ja auch ein netter Kerl. Er brachte mich immer zum Lachen, war charmant mit seinem speziellen Akzent und erst noch einigermassen gutaussehend. Ich mochte ihn wirklich gerne, aber: Ich presste zögerlich meine Lippen zusammen. "Hmm... It sounds like a lovely idea... But the thing is, I am really happy here... I'd hate to leave now that I built everything up. I'm sorry Murray..." "Nah, no problem. I didn't expect you to jump right into it. Just know that if you one day feel like trying something new, you will always be welcome." "Thank you. I probably don't deserve this offer, but I'll remember it." "I hope you will." Unangenehme Stille breitete sich für einen Moment aus, und ich überlegte, wie ich sie möglichst elegant vertreiben konnte. Murray nahm mir die Unannehmlichkeit ab. "Anyway. I have to get going - my train leaves at seven. I look forward to our next session." Er zeigte sein typisches, fröhlich strahlendes Lächeln, das eine unglaublich ansteckende Wirkung hatte - auch bei mir. Wir tranken zügig aus, dann begleitete ich ihn nach draussen und wir verabschiedeten uns mit einer Umarmung. "Safe travels - and send me pictures of your farm as soon as you're there." "Thanks, it will be a pleasure to show off about the landscape around it. You'll be super jealous." Ich lachte und rief "most certainly". Er winkte und fuhr davon. Ich seufzte und begab mich zurück in den Stall; Namuna sah aus dem Fenster und wartete sehnsüchtig auf ihren Abendausritt.
    • Occulta
      [​IMG] L-M
      PFS’ Snap in Style, PFS’ Skydive, Brendtwood, PFS’ First Chant, Namuna, Mansur, Tayr al-Diyari, PFS’ Arctic Silver Lining, PFS’ Arctic Rainstorm, PFS’ British Oreo Rascal, PFS’ Glenn’s Dare to Shine, PFS’ Reverie, PFS’ Soñando Solas, PFS’ Clooney, PFS’ Karat

      Gut gelaunt hüpfte ich die Stufe hoch unter das Dach des Nebenstalls. Ein paar der Stuten streckten ihre Köpfe raus und brummelten. Ich lief an ihnen vorbei und streichelte sie teilweise, hielt aber erst bei First Chant an. Die Araberstute wurde seit kurzem geritten – erst dreimal war sie unter dem Sattel gewesen, und davor ein paarmal ohne Sattel und nur mit Knotenhalfter eingewöhnt worden. Sie sah mir mit ihren grossen, schwarzen Augen neugierig entgegen und schnupperte an meiner Hand, als ich sie zur begrüssung unter ihr Kinn hielt. Ich streifte ihr das Halfter über und band sie zum Putzen am Holzgitter fest. Sie zappelte zwischendurch, wenn sie gerade etwas Spannendes in der Ferne sah und sich dem entgegendrehen wollte. Ich erinnerte sie jeweils an meine Anwesenheit, indem ich ihre Hinterhand wieder herumschubste, bis sie gerade stand. Hufegeben klappte gut, und die kleinen, harten Araber-Barhufe waren auch rasch gesäubert. Hinten war Chia etwas empfindlicher und gab die Hufe zögerlicher. Nur einmal hatte sie bisher versucht nach mir auszutreten, nämlich als Sheela vor ein paar Tagen direkt hinter ihr durchgetrottet war. Ich hatte nichtsahnend danebengestanden um den Schweif zu kämmen. Sie hatte mich nur gestreift, aber ich musste streng durchgreifen, damit sie nicht auch ausschlug wenn irgendein Kind oder ein Pfleger sie erschreckte. Es war wichtig, nach der Zurechtweisung gleich wieder normal mit den Tierchen umzugehen und keinen Groll zu hegen. Streng, aber konsequent und fair. Chia liess sich satteln und nahm auch die Trense kauend in den Mund. Es war noch ungewohnt für sie, verständlicherweise. Ich setzte meinen Helm auf und führte die Stute zur Halle. Dort traf ich mich mit Lisa, Alan und Darren, die Solas, Clooney und Karat dabeihatten. Karat brummelte Chia zu - die Junghengste mussten noch lernen, sich trotz der Anwesenheit von Stuten zu konzentrieren. Als auch Reverie, die beim Nebenstall ebenfalls vorbereitet worden war, mit ihrer heutigen Reiterin Anne in der Halle ankam, wärmten wir uns gemeinsam auf, im Schritt und Trab. Danach übte ich mit Chia einfache Übergänge. Ich wollte, dass sie flüssig vom Schritt in den Trab und umgekehrt wechselte, und zwar prompt auf meine Hilfen hin. Auch das Anhalten und wieder antreten übten wir, sowie ein paar wenige Runden Galopp. Sie war noch nicht so gut darin, den Galopp auf der Volte zu halten. Viel lieber galoppierte sie ganze Bahn und auf die linke Hand. Zum Einspringen brauchte sie jeweils ein paar Tritte, bis sie ihre Beine sortiert hatte. Das lag einfach an der fehlenden Balance und Kraft, nicht an der Einstellung. Ich fand, dass die Schimmelstute sich durchaus Mühe gab und zum Teil fast schon etwas übereifrig wurde, wodurch sie sich selbst durcheinander brachte. Ich achtete deshalb darauf, genug Pausen einzubauen und sie möglichst ruhig zu halten. Solas und Reverie waren heute beide besonders mühsam aufgelegt. Es begann schon beim Aufwärmen; Reverie wollte keine der vier Hallenecken durchtraben und drückte ständig über die Schulter nach innen. Anne gab ihr Bestes, um die junge Furiosostute auf dem Hufschlag zu halten, aber sie machte zwischendurch sogar unerwartete Seitensprünge. Ich riet ihr, sie auf dem inneren Hufschlag zu reiten und sich nicht so sehr um die Ecken gedanken zu machen – wichtiger war, dass Reverie sich entspannte und konzentrierte. Solas war ähnlich drauf, vielleicht liess er sich auch gleich von Reverie anstecken. Jedenfalls sprintete er beim Angaloppieren einfach plötzlich los und machte den Hals steif, sodass Lisa ihn nur noch mit einem One-Rein-Stop aufhalten konnte. „Was ist denn heute nur los?!“, schimpfte sie kopfschüttelnd, und arbeitete mit dem frechen Criollo auf der kleinen Volte, bis sich dieser wieder eingekriegt hatte. Da war ich froh, dass mein Araberstütchen so brav und fleissig mitmachte. Karat wirkte ebenfalls rittig, Darren meinte aber nach dem Training, der Fuchshengst sei auch eher verspannt gewesen. Clooney und Alan verstanden sich offenbar ausgezeichnet, denn der Hengst lief schön locker und schnaubte zwischendurch zufrieden ab. Immerhin konnten wir alle mit etwas positivem aufhören: Chia und ich schafften einen schönen Übergang aus dem Trab direkt in den Stand, Reverie machte ein paar schöne Schulterwendungen in der Mitte der Halle, Karat liess sich ein paar flüssige Tritte rückwärtsrichten und Solas lernte, wunderschöne kleine Volten in Stellung zu laufen. Wir lachten alle, als Lisa letzteres laut aussprach. Wir versorgten die vier, nachdem wir sie im Schritt am (halb-)langen Zügel trockengeritten hatten und kümmerten uns dann um die nächsten Kandidaten.

      Ich holte Snap in Style aus seiner Hauptstall-Box. Wir hatten als nächstes eine Dressurstunde mit Elliot, und wie ich vernommen hatte, hatte er etwas Spezielles mit uns vor. Lily kam gerade rechtzeitig aus der Schule, um mit Skydive ebenfalls mitmachen zu können. Jonas putzte den Ponyhengst aber schonmal für sie, weil es sonst zu knapp gewesen wäre. Ausserdem kam Rosie mit ihren Arabern extra rüber. Sie hatte Mansur, Namuna und Tayr dabei – letzteren durfte heute Lewis reiten. Der Pfleger freute sich wie ein kleines Kind darüber, und hatte mit Jonas Wetten darüber abgeschlossen, wie oft er wohl werde abwenden müssen. Tayr war nämlich berüchtigt dafür, zu der fleissigen Sorte Araber zu gehören. Und dann machten noch Lisa und ihr Haflinger Brendtwood mit. Die beiden waren mittlerweile schon ein gutes Team und konnten sogar ein paar Turniererfolge verzeichnen. Woody hatte sich als kleines Springtalent herausgestellt und gleich drei Mal den zweiten Platz im Synchronspringen geholt. Im Military hatte er sogar gewonnen, ebenso in einem Dressurturnier in der Nähe. Zudem war er inzwischen eingefahren worden und lief auch vor der Kutsche zuverlässig. Und das obwohl er am Anfang eher zu den Sturen Zeitgenossen gezählt hatte. Er war immernoch zwischendurch etwas eigenwillig, aber Lisa kannte ihn nun gut genug um seinen Flausen vorzugreifen. Wir begaben uns zur Halle. Jonas hatte Skydive gesattelt und gezäumt und führte ihn nun mit der Abschwitzdecke in der Halle herum, bis Lily schnaufend angerannt kam und ihr Pony übernahm. Jonas half ihr in den Sattel (er schmiss sie beinahe wegen zu viel Schwung auf der anderen Seite wieder runter). Wie erwartet „schlauchte“ Elliot uns ordentlich und verlangte in jeder Lektion Exaktheit. Es war nie das Pferd schuld, wenn etwas nicht klappte – immer nur die Reiter wurden von ihm gelyncht. Aber man lernte auch extrem viel in seinen Reitstunden, und er hatte eine angenehme Art Kritik zu äussern, sodass jeder gern seine Tipps annahm und umzusetzen versuchte. Auch bei mir hatte er ein paar Dinge zu bemängeln. Ich verfiel manchmal unbewusst in eine Art leichten Sitz und meine Beine neigten dazu, zu weit nach vorne zu wandern. Ich wurde demnach ständig ermahnt, nicht „wie beim Kaffee-Kränzchen“ im Sattel zu sitzen. Snap machte eifrig alles, was ich verlangte – ausser, wenn er sich gerade durch die Fensterwand hindurch von Linda ablenken liess, die draussen auf der Ovalbahn mit dem Miniature Horse Training begonnen hatte. Zugegeben, ich spähte auch zwischendurch hinaus um zu sehen, wie sie mit Silver Lining am Langzügel Runden drehte. Der kleine graue Hengst zeigte ein paar tolle Seitengänge und konnte richtig schön versammelt traben. Ganz im Gegensatz zu Namuna, die den Kopf meistens in den Sternen halten wollte. Lucas Gordon, der nebenbeigesagt etwas zu gross für sein feingliedriges Reittier aussah, gab sich zwar Mühe, schien aber keine richtige Verbindung mit Namuna aufbauen zu können. Rosie und Mansur lieferten hingegen eine tolle Show ab. Sie ritt den Schecken locker und mit gleichmässigem Takt; ein eingespieltes Team. Elliot überraschte uns alle, indem er nach der Hälfte der Stunde plötzlich Trabstangen und Cavaletti aufbaute. Er machte interessante Kombinationen mit verschieden hohen Tritten, sodass die Pferdchen alle voll bei der Sache sein mussten und keine Zeit mehr hatten, aus dem Fenster zu schauen. Am Ende war Snap richtig locker und dehnte schön seinen Hals in die Tiefe. Sogar Namuna streckte sich und schnaubte ab. Wir waren alle müde und glücklich.

      Sobald ich Snap gut durchgebürstet und versorgt hatte, schloss ich mich dem Mini-Training an. Linda hatte bereits mit Oreo und Acira gearbeitet, blieben also noch Xinu, Darling und Allegra. Lewis kam ebenfalls zur Hilfe, sodass wir gleich alle drei zusammen mit zur Ovalbahn nahmen. Ich tauschte mit Lewis, weil der lieber mit Xinu arbeiten wollte. So übernahm ich eben Allegra. Die Tochter von Arctic und Daki hatte sich zu einer hübschen Jungstute gemausert und lernte Dressurlektionen, als wären es einfache Zirkustricks. Sie konnte schon extrem viel für ihr junges Alter. Das war besonders für die Halter-Shows von Vorteil. Auch mit Kindern kam sie gut zurecht, sodass ich regelmässig den „Tiny Hooves Club“ auf sie loslassen konnte. Heute übten wir bereits erste S*-Lektionen – als solche bezeichnete ich ihren tollen Spanischen Schritt und die einigermassen flüssige Passage jedenfalls. Piaffe hatte sie rasch gelernt, weil sie manchmal ungeduldig wurde und zu zappeln begann, wenn ich undeutliche Hilfen gab. Das hatte ich mit zunutze gemacht. Die Passage einzuleiten war danach auch nicht mehr besonders schwierig gewesen. Mit einem Grosspferd wäre das in diesem Alter undenkbar gewesen. Oreo und Acira waren auf demselben Niveau, nur Xinu hinkte etwas hinterher. Ich wollte ihn möglichst bald an eine Körung bringen, damit ich hübsche Champagne-Fohlen mit vollen Papieren züchten konnte. Diesem Ziel waren wir heute sicher ein Stückchen näher gekommen.
    • Occulta
      Winter-Comeback
      Iskierka, Daedra, PFS’ Vivo Capoeira, Diarado, Vychahr, Co Pilot de la Bryére, Flintstone, Ljóski, Brendtwood, Bayou, PFS’ Ravissante, PFS’ First Chant, Nimué, Piroschka, Chanda, Dancing Moonrise Shadows, PFS’ Dancin’ to Jazz, Namuna, Mansur, Fallen Immortality, Farasha, BOS Bintu Al-Bahri, Tayr al-Diyari, Beck’s Experience, Glenns Caress, Dakota S, Lady Diva from the Sky, Chocolate Chip, Silhouette of a Rose, Papillon d’Obscurité, Tigrotto, Snottles Peppermint, Blue Dawn’s Nachtfalke, PFS’ Arctic Silver Lining, PFS’ Arctic Rainstorm, PFS’ British Oreo Rascal, PFS’ Glenn’s Dare to Shine, Beck’s Daisy Orchid, Tic Tac, PFS’ Kicks-a-Lot, PFS’ Reverie, Cabaret, Louvré, PFS’ Murphy’s Law, PFS’ Global Riot, PFS’ Pinot Noir, PFS’ Dahu, PFS’ Baila, PFS’ Rune, PFS’ Faro, PFS’ Charivari, PFS’ Nemo, PFS’ Otello di Verdi, PFS’ Braemble, HMJ Honesty, BR Wherigo, PFS’ Móinn, Lando di Royal Peerage

      Es war eine Weile her, seit der letzte Schnee sich hatte sehen lassen. England war anstelle von weissem Puder in seinen gewohnten grauen Schleier gehüllt gewesen. Kalt und zugig war es dennoch, und an Regen hatte es auch nicht gefehlt. Tatsächlich glichen die Weiden einem Sumpfgebiet und waren so sehr durchnässt, dass wir die Pferde seit gut einer Woche nicht mehr auf sie hatten loslassen können. Es braucht keine übermässige Fantasie um sich vorzustellen, was das bei den heissblütigen Rennpferden auslöste. Unsere Vollblüter waren dieser Tage eine ordentliche Handvoll, und das wohl schlimmste daran war, dass die Grasrennbahn ebenso unbenutzbar blieb. So mussten wir auf Alternativprogramm zurückgreifen und irgendwie versuchen, dem Bewegungsdrang dieser Athleten auf andere Weise gerecht zu werden. Stundenlange Ausritte standen anstelle des Renntrainings auf dem Programm. Wir nahmen jeweils so viele Vierbeiner wie möglich auf einmal mit, die eigentliche Gruppenaufteilung liessen wir für den Moment ausser Acht, denn die Ausritte waren Zeitintensiver als das normale Training. Heute ritt ich Iskierka und Daedra. Erstere explodierte unter dem Sattel fast, vor lauter überschüssiger Energie und Frust über das fehlende Weidegras. Man hatte ihr schon beim Putzen angemerkt, dass sie 'grumpy' war. Daedra war zum Glück nicht halb so ein Biest. Sie hatte zwar auch einen zügigen Schritt, aber hampelte wenigstens nicht die ganze Zeit herum, wenn wir auf die anderen warten mussten. Übrigens nutzten wir während dieser Zeit auch das neue Schwimmbecken intensiv: zwar liessen wir die Pferde nicht schwimmen, denn das wäre bei den Temperaturen unverantwortungsvoll gewesen, aber wir hatten das Becken Karpalgelenk-hoch gefüllt und führten die Pferde einmal pro Tag darin herum, damit sie zusätzlich Energie verpuffen konnten. Ausserdem förderte das Wassertreten die Beintätigkeit und die Kraft. Die meisten Pferde kannten es mittlerweile und gingen gerne hinein, nur ein paar wenige blieben einfach wasserscheu. Capy gehörte gewiss nicht zu ihnen. Der helle Palomino konnte nicht genug vom Pool kriegen, er scharrte und spritzte lieber, als hindurchzuwaten. Leider war er normalerweise auch sehr Schlamm-affin, sodass ich zumindest in seinem Fall ein klein wenig erleichtert über den Weideausfall war. Das Wasser-Waten fand jeweils erst am Nachmittag statt, um die Beschäftigung der Pferde schön über den Tag zu verteilen. In der Zwischenzeit, morgens nach dem Vollbluttraining, kümmerte ich mich um meine übrigen, bunten Pferde. Heute machte ich zum Beispiel Bodenarbeit mit Co Pilot und danach auch gleich mit seinem besten Kumpel Vychahr. Im Anschluss kümmerte ich mich um Diarados Dressurfertigkeiten und brachte vor dem Mittag der jungen Furiosostute Reverie die ersten Schritte im Schulterherein bei. Danach gab es Ofenkartoffeln und Gemüse zu Essen - das war etwas Einfaches, Praktisches und trotzdem Leckeres.
      Den Nachmittag begann ich mit einer Trainingseinheit für HMJ Honesty. Wir hatten unsere Abschlussvorführung längst einstudiert, aber irgendwie war die Auswertung des Wettbewerbs arg im Verzug. Ich fragte mich langsam, ob es überhaupt noch etwas werden würde, und wie Honestys Zukunft aussah, falls nicht. Eigentlich wäre der Plan gewesen, dass sie nach dem Wettbewerb versteigert wird. Aber wenn es so weiter ging, musste sie vielleicht doch andersweitig einen neuen Platz finden. Sie war mir schon ans Herz gewachsen, das war nicht das Problem. Aber ich konnte sie selbst aus Platz- und Zeitgründen nicht behalten. Schon jetzt war ich völlig ausgelastet mit so vielen Pferden. Pineforest platzte aus allen Nähten. So leid es mir tat, bei mir würde sie keinen Platz finden. Dennoch trainierte ich gewissenhaft mit ihr und bereitete sie bestmöglich auf ihre neuen Besitzer vor. Mit der Hilfe meiner Ponyreiterinnen erzog ich sie kindersicher, und auf unseren ausgiebigen Ausritten, wie auch heute, gewöhnte ich sie an allerlei unheimliche Landmaschinen der sonstige Dinge, die einem Begegnen konnten. Nach dem Trainingsausritt füllte ich den Rest des Nachmittags mit den Miniature Horses auf. Daki war in Spiellaune, also perfektionierten wir fleissig unsere Zirkustricks. Lewis und Linda halfen auch gleich mit. Allegra konnte das Kompliment mittlerweile auch schon, mit dem Hinlegen haderte sie noch. Acira wollte nichtmal in die Knie gehen. Sie machte sich lieber gross und zeigte ein herzhaftes Steigen. Das passte auch ein wenig zu ihrem Charakter - sie liess sich von den anderen Herdenmitgliedern nicht unterkriegen. Dennoch entlockte ich ihr mit genügend Geduld ein kurzweiliges Hinunterbeugen, wofür ich sie umso mehr loben musste. Lob sprach ich auch bei Lining viel aus - eigentlich die ganze Zeit. Das Hengstchen zählte zu den besonders schnellen und motivierten Lernern. Ich war bei ihm selbst viel mehr gefordert, weil ich schnell genug neue Kommandos geben musste. Auch das ausdenken neuer Tricks, um ihn bei Laune zu halten, wurde immer aufwendiger. Lewis und Kiwi waren schon fast reif für eine Talentshow. Die beiden waren so süss mitanzusehen; besonders, wenn mal etwas nicht ganz klappte und Lewis auf theatralische Weise versuchte, der kleinen Stute ihren Fehler klarzumachen. Vermutlich verstand Kiwi überhaupt kein Wort ausser "treat" und "no", aber sie legte manchmal zum Betteln den Kopf ein wenig schief, sodass es so wirkte, als höre sie Lewis aufmerksam zu. Ich wiederholte das Tricktraining noch einige male, mit Tigrotto, Rose, Tiki, Chip, Xinu und Nachtfalke. Alle waren unterschiedlich in ihrer Lerngeschwindigkeit, aber alle begriffen irgendwann doch noch, was ich von ihnen wollte. Die meisten von ihnen kannten auch schon eine Menge Tricks, während zum Beispiel Orchid noch fast grün war und erst die Basics des Showmanship lernen musste. Irgendwann gegen vier Uhr war allerdings bei mir die Lust auf Tricktraining erschöpft, also holte ich stattdessen die Mini-Kutsche ins Spiel. Was gab es schöneres, als eine Ausfahrt vor dem Eindunkeln? Lewis stimmte mir zu und holte die zweite unserer beiden Kutschen. Damit auch gleich die restlichen Minis bewegt waren, nahmen wir Lenny und Becks, beziehungsweise Papillon und Darling als Handpferde mit, während Oreo und Diva ziehen mussten. Ausserdem kam Lily, die mittlerweile von der Schule zurück war, ohne Sattel und mit nur einem gewöhnlichen Stallhalfter auf Peppy mit. Die Sonne stand schon tief am Horizont, aber noch war es hell. Ich meinte, hin und wieder eine winzige Flocke fallen zu sehen. Es kam mir so langsam auch etwas kälter vor als am Morgen. Auch Lily schauderte und murmelte "hätte die wärmere Jacke nehmen sollen..." Ich bot ihr meine an, aber sie beteuerte, dass sie noch nicht gleich zu einem Eiszapfen werden würde.
      Als wir schliesslich nachhause kamen, schneite es tatsächlich immer stärker, bis wirklich grosse Flocken auf die Kruppen der Ponys fielen, während wir sie zurück auf die Weiden brachten. Das Gras wurde auch schon mit einer dünnen Puderschicht überdeckt und die Hunde rannten entzückt darüber hinweg. Lilys Hände waren ganz rot von der Kälte. Wir joggten ins Haus und wärmten uns mit einer Tasse Tee auf. Der Tag war noch nicht ganz vorbei, aber die Stimmung draussen war durch den stetig fallenden Schnee irgendwie gedämpft und ruhig. Alles schien wie eingefroren; vollkommen friedlich. Als ich das Haus erneut verliess, begleitete mich nur Zira - Jacky rollte sich entschieden auf ihrer Decke ein. Ich schmunzelte über die wetterscheue Terrier Hündin und begab mich nochmals zu den Weiden, diesmal aber zu den Fohlen. Sie liessen sich im Dunkeln berieseln; ihre Nüstern stiessen Wölkchen aus, als sie mich kommen sahen und ihre Köpfe wandten. Das nasse Langhaar klebte an ihren Hälsen, aber sie schienen unbekümmert und in Spiellaune. Zumindest dachten sie noch nicht im Geringsten daran, sich ins Innere des Offenstalls zurückzuziehen. Ich wusste jedoch um einen äusserst effektiven Trick: ein berüchtigter, blauer Eimer in dem ein klein Wenig Müsli raschelte. Ich schüttelte ihn und rief, woraufhin selbst Verdi sich erbarmte und von der hintersten Weideecke her angetrabt kam. Pinot stiess ein lautes Brummeln aus, wobei er schon fast erwachsen klang, obwohl der halbstarke Junghengst noch nichtmal ansatzweise so aussah. Er war schrecklich überbaut und schlaksig, irgendwie sah alles an ihm unfertig aus. Sogar sein ursprünglich hübscher Fohlenkopf wirkte nun etwas unförmig - die Augen standen irgendwie zu sehr heraus. Bei den anderen Fohlen zeichnete sich ein ähnliches Bild ab. Murphy und Riot hatten beide viel zu grosse Gelenke für die zarten, langen Röhrbeine dazwischen. Aber gewiss würden sie nächstens mehr Substanz entwickeln, und dann waren diese Gliedmassen perfekt für die Aufgabe, die ihnen bevorstand. Am schlimmsten schaute aber die kleine Baila drein, denn sie hatte langes, (von den vielen Raufereien mit Dahu) löchriges Winterfell und wirkte dadurch von weitem fast wie ein alter Klepper. Man sah die Lücken im Pelz bei ihr besonders gut, denn sie stachen Hell zwischen dem stichelhaarig-roten Deckhaar hervor. Aber ihre energievolle, lauffreudige Art passte natürlich nicht zum ersten Eindruck. Ich war gespannt, wie sie sich mausern würde. Ihr Fell gefiel mir jetzt schon unheimlich gut (solange es nicht gerade so mottenzerfressen aussah wie im Moment), wenn sie nun auch noch einen anständigen Körperbau entwickelte, dann wollte ich sie auf jeden Fall behalten und trainieren. Die Ponyfohlen wuchsen nicht ganz so schnell wie ihre frühreifen Vollblutkollegen. Sie sahen noch eher aus wie typische Jährlinge. Braemble und Nemo waren unzertrennlich. Der Graue lief dem Bunten ständig hinterher und das Geschrei, wenn einer mal fehlte, war nervtötend. Rune blieb ebenfalls gerne bei der Gruppe, klebte aber längst nicht so sehr. Sie konnte man auch mal für ein Halftertraining rausholen, ohne gleich eine Tragödie auszulösen. Der "grosse Bruder", Cabaret, war übrigens kein gutes Vorbild. Er war frech wie Oskar und wusste bereits jetzt, wie man Jackentaschen untersuchte und Reissverschlüsse öffnete. Er rupfte immer zur Begrüssung am Schieber bei meinem Kragen herum, wenn ich ihn nicht entschieden wegstiess. Ich hütete mich davor, ihm zu viel Schabernack zu erlauben - ich wollte ihn nicht zu einem Rüpel erziehen. Aber Gänge zeigte er schöne, und er hatte eine kräftige Schulter mit guter Winkelung. Er, Louvré, Lando und Charivari waren die nächsten, die zu Reitpferden ausgebildet werden würden. Aber es dauerte noch eine ganze Weile bis dahin, obwohl die Zeit letztens wie im Flug verging. Bei Wherigo war die Ausbildung noch in weiter Ferne. Manche Trainer ritten ihre Westernpferde zweijährig bereits ein, aber ich hatte keinen Grund dazu und wollte, dass er sich vollständig entwickeln konnte, bevor auch nur ein Sattel in seine Nähe kam. Der Appaloosa war ein richtiger kleiner Schatz, völlig verschmust und gelassen, wenn auch manchmal etwas schüchtern. Und dann war da noch Faro, der Criollo Nachwuchs von Feline. Was ich mit ihm anstellen wollte, wusste ich noch nicht genau; aber er wurde ein hübscher Schimmel. Im Moment sah er noch sehr dunkel aus, bis auf ein paar helle Stellen am Kopf und helleres Langhaar. Ich hoffte eigentlich, dass er möglichst lange so blieb, denn mir gefiel dieses "Grafitgrau". Es war eine schöne Abwechslung zu den vielen hellen Schimmeln in meinem Stall. Dem kleinen Móinn ging es übrigens gut. Seine Zähne waren mittlerweile durchgebrochen und der kleine Racker hatte überhaupt kein Feingefühl mit der Trinkflasche – wir hatten den Aufsatz schon zweimal ersetzen müssen. Aber mir war es lieber, dass er kräftig und frech wirkte. Er schien sich völlig normal zu entwickeln, und ich war dankbar um die hochwertigen Ersatzmilchpulver, die der Tierarzt mir gegeben hatte.
      Es herrschte Feierabendstimmung auf dem Hof, aber ich wollte noch ein letztes Mal in den Sattel steigen, bevor ich mich ins Haus zurückzog. Mein Opfer war mit Piroschka eben genau einer dieser zuvor erwähnten, hellen Schimmel. Ich sattelte sie nach einer raschen, herzhaften Putzsequenz, und führte sie in die Halle. Zuerst dachte ich, ausser uns sei niemand mehr da. Aber dann entdeckte ich Robin mit Ravissante. Sie war hoch konzentriert und bemerkte mich auch erst, als die braune Stute den Kopf aus der Anlehnung hob und die Ohren spitzte. „Oh, good evening!“, rief sie rüber, und ich erwiderte es fröhlich. „What are you practising?“ „Just some extended trot. I’m not really happy with how she does that yet.” “What do you think is the problem?”, hakte ich weiter. “She is going too fast. Instead of lifting her shoulder, she just runs off.” “Show me.” Robin trabte an und sammelte Ravissante auf der kurzen Seite der Bahn. Dann bog sie auf die Diagonale. „Don’t drop your contact on the reins! Sit back a little more. Come around again, but this time ask for a leg yield before doing the medium trot. That will help loosening up her shoulder.” Sie nickte und versuchte umzusetzen, was ich vorgeschlagen hatte. Die ersten beiden Versuche brachten noch keinen wirklichen Fortschritt, aber dann ‚machte es Klick‘ und Ravissante erweiterte ihren Rahmen. „Now you got it. Try working on that, but not for too long – don’t spoil it for her.” “Okay, thanks.” Inspiriert von der Idee, übte ich wenig später, nach dem Einwärmen und ein paar Runden Galopp, mit Piro dasselbe. Die Criollostute hatte zwar eine ganz andere Gangmechanik als Ravi, aber auch bei ihr zeigte die Methode eine kleine Verbesserung der Rahmenerweiterung. Wir arbeiteten eine Dreiviertelstunde an verschiedenen Lektionen, jedoch mit vielen kleinen Pausen dazwischen. Am Ende liess ich meine Schimmelstute zufrieden strecken und sie schnaubte ab. „Well done“, murmelte ich beim Absteigen und kraulte ihre Stirn, während sie sogleich versuchte, sie an mir zu reiben. Sie hatte ein wenig Schaum auf den Lippen, den sie natürlich schön an meinem Pullover abstrich. Aber das war nicht so schlimm, der musste ohnehin in die Wäsche – und ich unter die Dusche. Um neun Uhr hatte ich noch ein Meeting mit den Pflegern für die Planung der kommenden Woche. Wir hielten diese Besprechungen halb online ab, denn nicht alle Mitarbeiter wohnten in der Pflegerunterkunft und die meisten waren längst nachhause gefahren. Ich warf mich mit noch nassen Haaren auf das Sofa im Aufenthaltsraum des ‚Pflegerheim‘ und beobachtete die beiden Papageien Africa und Blue, wie sie ein paar Erdnüsse knackten, die ihnen Quinn gegeben hatte. Es war faszinierend, wie geschickt sie ihre Klauen und Schnäbel einsetzen konnten, und danach die Nuss mit der grauen Zunge aus der Schale rausangelten. Ajith und Lewis kamen rein, hinter ihnen folgte der Rest. „Are we complete? Fine.“ Ich informierte rasch über alle besonderen Events und alles, was vom gewöhnlichen Ablauf abwich. Viel gab es nicht zu erzählen, denn im Moment gab es wegen der Pandemie noch immer kaum Turniere. Nach dem Offiziellen Teil plauderten wir noch bei einem Feierabendbier. Lewis und Rita gesellten sich zu mir und erzählten, dass sie heute auf dem Ausritt im Halbdunkeln einen Dachs gesehen hätten. „Oh cool, I haven’t seen one in ages.“ „He came out oft he bushes left to us, made some grumpy noise and left quickly. I bet he was as surprised as we were.” “First a fox, now a badger. What is going on with wildlife these days?”, fragte ich mich lachend. “No plan. But Shadow was not even scared of it.” Rita ergänzte, “Unlike Jazz… The poor filly almost skipped a heartbeat.” Ich schmunzelte bei der Vorstellung daran, welch grosse Augen Jazz gemacht haben musste. „Heard anything from Rosie these days?“, wollte Lewis wissen. „Nah, not really-“ Parker unterbrach uns. “I did. I met her yesterday when I was stolling about with Sumerian. She’s fine, they are practising for some upcoming trail-competition. Mansur is almost ready for his final studbook qualification, too. But she mentioned that Farasha was a bit out of spirits, some kind of fever I believe.” “Oh, I hope she recovers soon. I know which competition she was talking of; we’re going to participate as well, with Flintstone. She is taking Namuna and Mansur, I believe?” “No, she said Tayr and Mansur.” Ich hob die Augenbrauen. “Huh, I guess there aren’t enough Arabian-Races to keep him occupied..” “She was riding out with Fallen Immortality by the way. That mare looks gorgeous! I love her little spots”, schwärmte Parker. “Yes, that one is a beauty. But I think her Filly Bintu will turn out pretty as well. She has a nice head.” Lewis mischte sich ein, “Of course we have our own beauty queen as well. Do not forget about Chia.” “Damned Arabians. They do look so refined with their arched heads and long necks. But I like how sturdy they are nevertheless”, rief Charly aus, der mitgehorcht hatte. Dann kam auch noch Lisa dazu. “ Haflingers have Arabian blood, too. If you look at Nimués straight nose it is unmistakable.” Lewis lachte. “Whereas Woody has a bit more of a Percheron, wouldn’t you agree?” Wir amüsierten uns alle über Lisas empörte Reaktion. Ich stand auf und streckte mich; so langsam wurde es Zeit für’s Bett. Bevor ich mich auf die Socken machte, fiel mir jedoch aus dem Augenwinkel Alan auf, der alleine in einer Ecke sass und vor sich hingrübelte. Ich stellte mich neben ihn, woraufhin er aufsah und verlegen lächelte. „Lost in thoughts?“ „Yeah… A little.“ „What’s bothering you?“, hakte ich nach. „Ah, nothing really… Just… Nah. It’s none of my business.“ „Spit it out already.“ Er räusperte sich. „That little sportpony, Bayou. I’m a bit concerned for him.“ „And why ist that?“ “They treat him well and all – but he just seems so shut-down and depressed… I mean, sure the girl, Anna, cares a lot for him. But I don’t think they have a real bond.” “I’m surprised to hear how sensitive you are. It may comforts you to hear that I believe you are right. But I do not want to interfere in other peoples business, unless I see a horse physically abused or suffering. They don’t know as much about horses yet, but give them some more time. They might learn, and I will try to give them a little hint when I see the chance without offending anyone.” Er nickte verständnisvoll. “Thanks.“ Ich klopfte ihm auf die Schulter. „You’re such a sweet guy, Alan. I bet that is why Clooney likes you so much. You should come out of your shell from time to time, though. I’m sure you wouldn’t regret it.” “I know, and I will try, I promise. I’m thankful for how patient you are with me – everyone here is more of a family to me than my real relatives.” Ich wünschte ihm eine gute Nacht, ebenso wie den anderen beim Hinausgehen. Jonas blieb noch einen Moment länger – er war mitten in einer Diskussion mit Ajith.
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  • Album:
    Wilkinson Farm
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    Occulta
    Datum:
    27 Dez. 2019
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  • Offizieller HG

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    Vom: Numair

    Aus der: Islah


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    Rufname: Namoo
    Geburtstag: 31.03.
    Alter: 5 Jahre (2015)
    Stockmaß: 1.54 m
    Rasse: AraAppaloosa
    Geschlecht: Stute
    Fellfarbe: blue roan sabino blanket appaloosa
    (EE,aa,Rnrn,Lplp,PATN-1patn-1)
    Abzeichen: unregelmässige Blesse, vl weisse Fessel, vr weisser Kronrand
    Gesundheit: sehr gut


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    temperamentvoll, treu, gutmütig, etwas eigen


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    Namuna ist eine sehr typische Araberstute, die sich ausdauernd und geduldig, aber ebenso temperamentvoll zeigt. Sie mag Aufmerksamkeit und fängt auf der Weide oft Rangeleien mit ihren vierbeinigen Kumpels an - aus purer Langeweile. Sie kann ganz schön stur sein, beispielsweise, wenn sie etwas Unheimliches gesehen hat und partout nicht daran vorbei möchte. Sonst ist sie jedoch angenehm zu reiten und zeigt eindeutig Potenzial für Distanzritte. Einzig beim Füttern muss man sich in Acht nehmen, denn sie ist ziemlich futterneidisch und unterscheidet dabei oft nicht zwischen Zwei- und Vierbeinern. Auch mit Leckerlis sollte man sich bei ihr zurückhalten, da sie sonst schnell mal zu frech wird.

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    Besitzer: Occulta (Rosie Wilkinson)
    Ersteller: Occulta
    VKR: Occulta
    Verkäuflich: Nein


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    Gekört: nein
    Nachkommen: -


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    Galopprennen Klasse: E
    Western Klasse: E
    Spring Klasse: L
    Military Klasse: L
    Dressur Klasse: M
    Distanz Klasse: E

    Eignung: Freizeit, Distanz
    Eingeritten: Ja


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    2. Platz 600. Dressurturnier
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    2. Platz 600. Springturnier

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    1. Platz 457. Militaryturnier
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    Namuna's Spind​