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Occulta

○ Mansur, Araberpinto ♂

Hengst | liver chestnut tovero

○ Mansur, Araberpinto ♂
Occulta, 27 Dez. 2019
Cooper und Bracelet gefällt das.
    • Occulta
      Some Sell, others Buy
      Iskierka, Gleam of Light, A Winter's Day, Spotted Timeout, Painting Shadows, Shades of Gray, One Cool Cat, Cabinet of Caligari, Captured in Time, Kaythara El Assuad, Coulee, Campina, Caspian of the Moonlightvalley, tc Miss Moneypenny, PFS’ Merino, Simba Twist, PFS’ Cryptic Spots, Primo Victoria, PFS’ Stromer’s Painting Gold, PFS’ Stop Making Sense, PFS’ Sarabi, PFS’ A Winter’s Tale, Daedra, Subsyndromal Symptomatic Depression, PFS’ Counterfire, Anubis, Numair, Islah, Lindwedel, Après la Pluie, Mansur, Tayr al-Diyari, Farasha, Ljóski, PFS’ Ljúfa, Feline, Lovely Summertime, PFS’ Dancin’ to Jazz, Dancing Moonrise Shadows, Chanda, Raving Hope Slayer, Stars of Magic, Louvré, Thomas

      Wie jeden Morgen war es bitterkalt, und auch heute benahm sich Jacky etwas zögerlich, als ich sie beim Rausgehen vorgehen lassen wollte. Sie sah, sich rückversichernd, zu mir hoch als wollte sie sagen: «Bist du absolut sicher, dass das sein muss?» Ich seufzte und strubbelte rasch mit beiden Händen ermutigend ihr Fell durch, dann liefen wir zwei und natürlich auch Zira zusammen zum Hauptstall. Sheela würde dann wohl mit Jonas folgen – sie bevorzugte vorerst noch die Wärme ihres Körbchens. Beim Gehen bemerkte ich, dass ein paar wenige Schneeflocken vom dunklen Himmel segelten. Der Wetterbericht hatte eigentlich bis nächste Woche keinen Schnee gemeldet, also würde es wohl gleich wieder aufhören und England grün belassen. Ganz gab ich die Hoffnung aber nicht auf. Zira schnupperte pflichtbewusst an den Ecken ihres Territoriums und prüfte, ob irgendwelche unbekannten Kreaturen den Hof nachts überquert hatten. Jacky hingegen trottete einfach hinter mir her bis zum Tor und bog dann in Richtung Weiden ab. Ich betrat den Hauptstall und machte das Licht an – offenbar war ich wiedermal die erste. Die Pfleger, angeführt von Ajith, folgten aber kurz darauf, sodass wir den heutigen Trainingsablauf für die Vollblüter besprechen konnten. Oliver lag mit einer hartnäckigen Grippe im Bett, also musste ich alles selbst in die Hand nehmen. Er hatte mir sogar einen Spickzettel geschrieben, damit ich genau seinem Plan folgte. Ich las ihn mir rasch durch, dann stopfte ich ihn schmunzelnd zurück in meine Jackentasche und beschloss: «Wir machen heute Ausritte. Etwas Abwechslung tut gut.» Die Jockeys jubelten erfreut und zerstreuten sich dann zu den Boxen. Bei dem kalten Wetter war Ausreiten allen lieber als die unbarmherzige, sämtliche Jacken durchdringende Zugluft beim Renntraining zu spüren. Ausserdem fand ich es auch besser für die Pferde, wenn sie ihre Lungen nicht übermässig mit der kalten Luft strapazieren mussten. Die Pferde bekamen zuerst eine kleine Ration Heu, damit sie nicht mit ganz leerem Magen starten mussten. Ich holte inzwischen die Ausrüstung aus der Sattelkammer und begrüsste dann liebevoll Spotted Timeout. Der gesprenkelte Hengst fiel gerade gierig über seine Heuration her, also liess ich ihn am Anfang zum Putzen in der Box. Sein Rücken war unter der Decke schön sauber geblieben, aber sein Hals war dafür umso gründlicher verkrustet. Ajith hatte gestern etwas viel zu tun gehabt und es so wohl nicht mehr geschafft, alle besonderen Dreckspatzen vorzuputzen, wie er es sonst häufig tat, um uns am frühen Morgen die Arbeit zu ersparen. Heute hatten wir es aber sowieso nicht eilig, also war es kein Problem. Spot interessierte es wenig, dass ich seine Backe ebenfalls noch entkrusten musste. Er wollte nur ungestört sein Frühstück geniessen und machte deshalb keine Anstalten, für mich den Kopf zu heben. Ich kniete mich ins Stroh und massierte seinen Kopf mit dem Gummistriegel, während er rhythmische Kaubewegungen ausführte. Seine Mähne und der Schweif waren staubig und verklebt. Ich brach die Dreckrastas auf und zerzupfte liebevoll die weissen Strähnchen, die darunter zum Teil hervorkamen. Dann kratzte ich noch die Hufe aus, wobei ich auch aussenherum den Kronrand «ausgraben» musste. Schliesslich war er zwar immer noch staubig, aber sauber genug für die Ausrüstung. Ich zog ihm seinen Springsattel an – der war bedeutend bequemer als der Trainingssattel fürs Rennen. Die Glücklichen, deren Pferde schon sauber gewesen waren, standen natürlich inzwischen bereits draussen und warteten, fröhlich plaudernd. Offenbar waren die Leute auch früh morgens motiviert, was mich freute. Andererseits waren sie das ja auch gewohnt. Spot und ich gesellten uns dazu und alle stiegen auf. Wir ritten an den Weiden vorbei zur Galoppwiese, wobei die Miniature Horses, die von Lewis gerade rausgelassen wurden, übermütig dem Zaun entlang über das gefrorene Gras flitzten. Spot tänzelte etwas, als hätte er sich von dem Getue anstecken lassen. Ich hielt ihn schmunzelnd im Schritt und liess dann die Zügel wieder lang, sobald er sich beruhigt hatte. Auch die anderen Pferde wachten dank der Minis etwas auf; die Jockeys waren darauf vorbereitet, weil sie ihre Reittiere mittlerweile zur Genüge kannten. Quinn wusste zum Beispiel genau, dass sie Iskierka gar nicht erst zu kurz aufnehmen durfte, weil diese das nur als weiteres Signal zum Durchstarten verstand. Sie blieb aber auch einigermassen ruhig – ausser, dass sie Gray neben ihr anzickte, weil diese sie zu überholen drohte. Das konnte sie auch sonst im Training nicht leiden. Wir verliessen den Hof durch die offenen Rails der Galoppbahn (Lisa öffnete sie für uns und lief dann zurück zu den Offenställen) und folgten dem Waldrand. Die Natur wachte langsam immer mehr auf. Inzwischen war es auch schon hell geworden, was nun jeweils wieder deutlich früher passierte. Es war neblig und die Sonne wirkte am Horizont leicht rötlich gefärbt. Man sah nicht besonders weit voraus, also blieben wir besonders wachsam, als wir antrabten, damit wir rechtzeitig bremsen konnten, falls wir auf andere Reiter oder sonstige Vorkommnisse trafen. Wobei die Gefahr dazu so früh morgens eher gering war. Die Pferde brachten deutlich zum Ausdruck, dass sie mehr als bereit für ein anständiges Training gewesen wären. Wir mussten die ganze Gruppe gut beisammenhalten und sie schnauften alle übermütig, besonders, wenn sie Gras unter die Füsse bekamen. Winter lief direkt neben Spot und mir, geritten von Charly. Sein Atem formte weitere Nebelstückchen, die sich aber gleich wieder auflösten. Wir drehten eine grosse Runde, waren aber trotzdem etwas früher zurück als geplant. Das war den Pferden zu verdanken, die so fleissig vorwärts gezogen hatten. Wir beschlossen, mit der nächsten Gruppe eine etwas andere Route zu nehmen. Ich versorgte Spot, der kaum geschwitzt hatte, und holte die Ausrüstung des nächsten Vierbeiners hervor. April und Parker stellten Gleam of Light und Painting Shadows noch einen Moment zum Trocknen unter die Solarien. Die nächste Gruppe war etwas schneller bereit, weil wir jetzt quasi eingewärmt waren. Diesmal nahmen wir Cool Cat, Caligari, Ciela, Kaythara, Coulee, Campina und Caspian mit. Die Gruppen waren neu organisiert worden nach dem Unfall mit Frame und Sumerian. Es waren ja auch sonst in letzter Zeit ein paar Pferde aus dem Rennsport verabschiedet worden, so zum Beispiel auch Sunday. Ich hatte ihn schweren Herzens in Rente geschickt und Hunter Crowley zur Verfügung gestellt. Seine Rennleistung hatte etwas abgenommen und ich fand, dass es an der Zeit war ihn umzuschulen, damit er anderweitig eine neue Karriere beginnen konnte. Natürlich war mir die Entscheidung, ihn nicht mehr Rennen zu lassen, nach dem Unfall deutlich leichter gefallen. Mittlerweile war es mir gelungen, die Bilder grösstenteils zu verdrängen und einigermassen normal weiter zu machen. Aber ich ertappte mich selbst immer wieder dabei, wie ich das Renntraining mied – so auch heute. Es würde wohl noch etwas länger dauern, bis ich die Krise gänzlich überwunden hatte. Diesmal kümmerte ich mich um Coulee. Wenn ich zurückblickte, bekam ich bei ihr auch irgendwie Gewissensbisse; Ich hatte sie trotz der Strapazen, die sie erlitten hatte, stur wieder aufgebaut und zurück auf die Bahn geschickt. Wäre es nicht fairer gewesen, sie zu einem normalen Reitpferd umzuschulen? Ist sie wirklich glücklich im Rennalltag? Ich suchte förmlich nach Anzeichen, die mir Grund gaben, sie davon zu befreien. Aber wenn ich sie beobachtete, während ich sie putzte und auch später beim Aufsteigen, machte sie eigentlich einen zufriedenen Eindruck. Ihre Augen leuchteten, ihre Nasenfalten waren entspannt und den Schweif trug sie locker angehoben. Im Vergleich zu der Zeit kurz nach ihrem Rückkauf war sie wieder ein völlig anderes Pferd. Auch ihre Muskeln hatten sich erholt und neu definiert. Nur die Kopfscheue war ihr geblieben: sie mochte es einfach nach wie vor nicht, wenn man in einer unvorbereiteten Geste ihr Gesicht oder die Ohren berühren wollte. Das fand ich schade, denn als Zweijährige war sie richtig verschmust gewesen und hatte jeweils neugierig mit der Schnauze die Welt erkundet. Es führte einem wieder vor Augen, wie sehr der Umgang mit einem Lebewesen dieses verändern konnte – zum Guten und zum Schlechten.

      Wir ritten diesmal bei der Wilkinson Farm durch, wobei mir ein geschecktes Pferd auffiel, dass ich noch nie gesehen hatte. “Don’t wait for me, I’m just going to chat for a second”, informierte ich die Gruppe, und bog neugierig ab um Rosie zu suchen. Coulee war etwas rückhaltig, denn sie hatte eigentlich kein Interesse daran, sich von den anderen weg zu bewegen. Ich trieb sie konsequent vorwärts, bis wir den Anbindeplatz erreichten. «Rosie?» Gerade als ich dachte, ich müsse absteigen und sie suchen gehen, kam sie mit Farasha aus der Halle. «Occulta! I didn’t expect you to come by so early.” “Oliver is still bedridden, so we changed the plan a bit and headed out.” “I see. Coulee seems to be in good shape.” “Yeah, she’s doing fine. That chestnut piebald on your pasture seems to be quite handsome as well.” “Ahh, so you already saw him. He is a Son of Antarktik, his name is Mansur. He will be a new breeding stallion.” “That’s great to hear. From what I saw he looks stunning.” “Yes, I’m very proud to have him. He’s also quite the character – a bit goofy, sometimes.” “I’m looking forward to meeting him up close. How is his mother doing?” “…I sold her.” “Oh.” “There was a young woman who seemed to be very fond of her. I still have her bloodlines through Mansur, so it was fine to let her go. I couldn’t quite connect with her anyway. She’s in a super nice place now, and getting lots of love and attention, too.” “Okay, I understand. I’m sure she will be fine. How about the others?” “Tayr is in training for his first race, coming up in spring. He had a little break to get used to our climate, but now he’s doing great and I’m very positive that he will shake our British Arabian racing society. Anubis is also waiting for spring, to compete in the upcoming endurance season. Numair and Islah will be retiring from breeding and we will have to talk about what to do with them, since I need some space for the youngsters who will be arriving in the beginning of summer...” “Yeah… You had already mentioned something. I would like to take them to Malvern Hills, where my other retired horses are.” “I’m fine with that. They will have a beautiful life there. I’m also going to sell Lindwedel, so if you know someone who is looking for a nice riding pony…” “I’ll keep my ears open.” “Thank you.” “But you’re going to keep Peach, right?” “Yes! Of course. She is such a sweet darling, I could never give her away again.” Ich lachte und war froh, das zu hören. “I think I need to catch up to the others now – or they will come home without me. Thanks for the update – see ya!” “Come by again soon, we can go on a hack with Mansur and Tayr.” “Sure!”, rief ich, bereits im Gehen. Ich trabte mit Coulee durch den Wald und nahm eine Abkürzung im Galopp über einen Holzrückerweg. Coulee hatte es ebenfalls eilig, wieder zur Gruppe zurück zu kommen. Wir holten sie auf einem Feldweg ein – sie warteten auch kurz, als sie uns kommen sahen. «Welcome back», begrüsste mich Quinn. Wir trabten noch ein Stück, dann bogen wir in Richtung Pineforest ab. Mit Penny, Merino, Simba, Cryptic, Primo und Goldy gingen wir eher in Richtung Dorf, um die Gruppe in Sachen Strassenverkehr zu schulen. Die Quartierstrassen waren dazu sehr gut geeignet, denn es gab nur wenige Begegnungen mit Autos, dafür viele Fahrradfahrer und Stoppschilder zum Üben.

      Es war nun fast zehn Uhr und wir hatten mit Mambo, Sarabi, Thalia, Daedra, Dolly und Counterfire noch die letzte Gruppe vor uns. Wir machten die Runde zu den grossen Hecken, dem Fluss entlang. Die Sonne hatte es geschafft, durch den Nebel zu drücken und unsere Jacken mit ihren Strahlen zu wärmen. Trotzdem war die Luft eisig und ich war wiedermal froh um Handschuhe und Schal. Am gegen Mittag zogen bereits wieder Wolken auf, und um halb Eins begann es sogar wieder zu schneien. Ich hatte nach den Ausritten ein wenig mit der flauschigen Summertime auf dem Platz gearbeitet und anschliessend den noch viel wolligeren Ljóski rasch auf die Ovalbahn mitgenommen. Die beiden hatten zumindest keine Mühe mit der Kälte. Ljúfa war im Moment nicht nur wollig, sondern auch kugelig. Sie erwartete diesen Frühling ihr erstes Fohlen, von einem Hengst namens Blossi. Bisher hatte man davon nicht sehr viel gesehen, aber in den letzten Wochen hatte sie ordentlich zugelegt. Wir ritten sie bereits jetzt nicht mehr, um sie zu schonen, auch wenn es noch ein Weilchen dauern würde. Ich hoffte, dass das Fohlen das Dun Gen von seinem Vater erbte, und nicht nur ein gewöhnlicher Brauner werden würde – aber das konnte ich mir nun mal nicht aussuchen. Ausserdem hoffte ich auf ein Stutfohlen, denn ich hatte beschlossen, es in dem Fall zu behalten. Einen weiteren Hengst konnte ich nicht wirklich gebrauchen, es sei denn, er hätte einen aussergewöhnlich schicken Körperbau. Schlussendlich musste ich mich wie immer überraschen lassen und abwarten.

      Jonas, Lily und ich assen wie immer gemeinsam zu Mittag und machten dann noch eine kurze Pause, ehe wir uns um halb Zwei Uhr wieder raus in die Kälte wagten. Lily hatte am Nachmittag keine Schule, also half sie im Stall mit. Wir holten die Hengste aus dem Nordstall von der Weide und brachten stattdessen die Stuten des Haupt- und Nebenstalls raus. Am späteren Nachmittag beziehungsweise Abend waren dann noch die Vollbluthengste an der Reihe. Lisa hatte Jazz und Shadow bereits bewegt, also pickte ich mir Chanda von der Stutenweide. Mit ihr übte ich im Moment hartnäckig an den Basics, damit sie endlich lernte, ihre vier Füsse geschickter zu koordinieren und besser auf meinen Schenkeldruck hin zu weichen. Sie hatte nämlich etwas Mühe mit dem Kreuzen. Ich arbeitete an diesem Problem auch oft vom Boden aus mit ihr, und es zeigte auch tatsächlich langsam Wirkung. Immerhin wich sie jetzt überhaupt irgendwie, wenn ich Druck machte. Am Anfang war sie dabei ziemlich sturköpfig gewesen. Aber vermutlich hatte sie auch gar nicht verstanden, was ich von ihr wollte und musste zuerst lernen, meine Hilfen zu verstehen. Als ich für heute mit ihr zufrieden war, brachte ich sie zurück und holte stattdessen Feline. Sie fühlte sich so herrlich einfach und fein zu reiten an, im direkten Vergleich mit der unerfahrenen Chanda. Bei ihr brauchte ich kaum das Gewicht zu verlagern, und schon bewegte sie sich in die gewünschte Richtung. Aber auch sie war einmal jung und ‘grün’ gewesen; auch sie hatte zuerst ihr Gleichgewicht und einen sicheren Takt finden müssen. Nun übten wir Galopppirouetten und ganz gesetztes Galoppieren, denn nun war bei ihr das oberste Thema die Versammlung. Gerade als ich erneut bei A angaloppieren wollte, klingelte mein Smartphone. Ich parierte Feline überrascht in den Schritt und liess die Zügel lang, um den Anruf entgegen zu nehmen. Ich mochte es eigentlich nicht, während dem Reiten zu telefonieren, aber als ich Hunter Crowleys Nummer auf dem Display sah, nahm ich ab. «Hallo!.. Gut, danke – selber?.. Du würdest WAS? Aber er ist doch einer deiner top Zuchthengste, und so ein schicker noch dazu! Bist du wirklich sicher? Ich meine, nicht dass ich so ein Angebot jemals ablehnen würde, aber… Also wenn du das wirklich willst, dann komme ich nachher schnell vorbei – sofern du gerade Zeit hast. Ja, klar. Also dann, bis nachher, und danke schonmal!» Perplex legte ich auf und stopfte das Smartphone in meine Reithosentasche zurück. Hunter hatte mir gerade seinen Vollblut Hengst Raving Hope Slayer angeboten. Ich konnte mein Glück kaum fassen; der Hengst hatte bei mir schon immer Eifersuchtsattacken ausgelöst, wenn ich ihm auf Hunters Gestüt oder auf Turnieren begegnet war. Ich konnte beim besten Willen nicht verstehen, wie Hunter ihn verkaufen konnte, wo er doch so wunderschön und talentiert war. Aber das brauchte ich eigentlich gar nicht weiter zu hinterfragen, für mich zählte nur, dass ich soeben eine äusserst wertvolle Ergänzung zu meinem Gestüt angeboten bekommen hatte. Die Nachricht gab mir einen gewaltigen Energieschub, den sogar Feline zu spüren schien. Sie gab sich nämlich bei den folgenden Pirouetten besonders Mühe, wie ich fand. Ich liess sie nach getaner Arbeit am langen Zügel austraben und -schreiten. Beim Absteigen lobte ich sie überschwänglich.

      Eine halbe Stunde später war Feline versorgt und kaute zufrieden mit den anderen Stuten an einer Portion Heu herum. Ich war unterdessen auf dem Weg zum Auto, um Hunter wie versprochen einen Besuch abzustatten und dem aussergewöhnlichen Angebot nachzugehen. Ich wunderte mich unterwegs, ob ich ihn am Telefon vielleicht doch falsch verstanden hatte, und er mir den Hengst nur irgendwie ausleihen wollte. Gespannt stieg ich auf dem Parkplatz aus und suchte Hunter im Stallgebäude. Als wir uns begrüsst hatten, fragte ich zweifelnd: «Habe ich dich richtig verstanden? Du willst ihn doch sicher nicht verkaufen, oder?» Hunter meinte nur locker, dass ich schon richtig verstanden hätte. Er wolle etwas umstrukturieren, und da sei er auf die Idee gekommen, mich wegen ‘Raver’, wie er ihn gerne nannte, anzusprechen – zumal ich ihm ja auch gerade erst Sunday Morning anvertraut hatte. Ich fühlte mich geehrt und fragte mich trotz allem, wie ich das verdient hatte. Hunter zeigte mir Raver in seiner Box und ich musterte ihn bewundernd. «Er ist wirklich ein Bild von einem Vollblut. So schön bemuskelt und exterieurmässig auf den ersten Blick makellos. Ich weiss gar nicht, was ich noch gross sagen soll, ausser danke! Ich schätze, beim Preis werde ich dafür wohl leer schlucken können..?» Er schüttelte den Kopf und machte mir einen freundschaftlichen Preisvorschlag, bei dem ich schon fast ein schlechtes Gewissen bekam. «Du spinnst doch… Der ist mindestens doppelt so viel wert!» Hunter winkte ab und meinte, der Platz sei ihm wichtiger als der Preis. Nebenbei erwähnte er auch gleich, dass er noch andere Pferde habe, die einen neuen Platz suchten. Ich hatte zwar vorläufig nicht geplant, weitere Pferde anzuschaffen, aber ich liess mich dennoch aus Neugier herumführen. Ich wusste ja bereits, dass Hunter einige schicke Pferde besass, aber da war einer, der jedem wohl sofort aufgefallen wäre. «Woaa, ist das ein Shire?», rief ich beeindruckt aus, als wir vor der Box eines grossen Schecken hielten. Er musste mindestens 1.80 Stockmass haben, schätzte ich. Später erfuhr ich, dass ich damit voll ins Schwarze getroffen hatte. «Das ist Thomas. Du hättest nicht zufällig noch eine Box frei für ihn?» Ich runzelte die Stirn. «Naja, er ist ja schon richtig toll, versteh mich nicht falsch – ich bin hier gerade schockverliebt. Das Problem ist nur, dass ich tatsächlich nicht mehr besonders viel Kapazität habe…» «Dann wird er wohl gelegt werden und in Frührente gehen müssen. An jemand fremden möchte ich ihn lieber nicht verkaufen.» Gequält murmelte ich «aber das wäre einfach nur schade, so ein hübscher…» Hunter sah mich fragend an, weil ich zu leise war. Ich kräuselte die Lippen und überlegte angestrengt, dann beschloss ich: «Irgendwie schaffe ich Platz für den Grossen. Ich weiss zwar noch nicht genau wie, aber ich finde sicher eine Lösung. Improvisation ist meine Königsdisziplin.» Ich wusste, dass ich mir damit ein wortwörtlich ordentliches Stück Zusatzarbeit einbrockte, aber die freundlichen, dunklen Augen und der imposante Bau des Vierbeiners gefielen mir zu gut. «Fohlen habe ich auch noch», meinte Hunter, beinahe scherzhaft. Wir spazierten zur Fohlenweide des Gestüts und ich warf einen Blick auf die Gruppe. Der langbeinige Nachwuchs graste unweit vom Zaun, sodass man sie wunderbar betrachten konnte. Ich erkannte schnell, dass es gefährlich war, genauer hinzusehen. Die Jungpferde waren wirklich bestechend schön. Eines entsprach genau meinem berüchtigten Beuteschema: ein fast ganz weisser Hengst. «Der hat leopard Gene?», fragte ich verwundert. «Ja, das ist Louvré, ein Warmblüter. Bei den Vollblütern haben wir übrigens auch ein paar mit leopard – zum Beispiel den da.» Er deutete auf einen gesprenkelten Fuchs mit heller Mähne. «Der sieht ja lustig aus. Aber ich glaube, Oliver, Pineforests Renntrainer, täte mir den Hals umdrehen wenn ich noch so ein buntes Pferd anschleppen würde.» «Die da ist etwas dezenter gesprenkelt.» Ich brauchte Hunters Handbewegung gar nicht zu folgen; die Stute fiel mir gleich von selbst auf. Sie war ein Rappe mit einer kontrastreich leuchtenden Schabrackenscheckung auf der Kruppe. Aber nicht ihre Farbe überzeugte mich, sondern die Art, wie sie sich über das kurzgefressene Gras bewegte. Ihr Schritt war raumgreifend und die Hinterhand schwang tief unter den Schwerpunkt, ohne dass ihr Gang wackelig aussah. «Welche Abstammung?», wollte ich neugierig wissen. «Von Magic Attack, aus einer unserer Zuchtstuten – Scarlet, hast du sicher auch schon gesehen.» «Hah! War ja klar, bei der Farbe. Ganz der Papa.» «Gefällt sie dir? Sie heisst Stars of Magic.» «Pah, gefallen tun sie mir alle! Aber die ist schon besonders, ja. Ich hab noch kein Blut aus diesen Linien in meiner Zucht. Und Louvré wäre sicherlich auch interessant, sowohl für Sport als auch für die Farbzucht.» «Du brauchst nur zu sagen, dass du sie haben willst.» «Du wärst ein verdammt guter Verkäufer, für Immobilien oder besser noch; Haushaltsgeräte – weisst du das?» Wir lachten, dann machten wir Geschäfte. Vier neue Pferde, murmelte ich kopfschüttelnd, als ich zurück zum Auto lief. Aber gleichzeitig freute ich mich wie ein kleines Kind, das bunte Quartett auf Pineforest willkommen zu heissen.
      3 März 2019
    • Occulta
      Ein gewöhnlicher Sommertag?
      Khiara El Assuad, Indiana, Painting Shadows, Vai Alida, Coulee, Rosenprinz, Gleam of Light, Caspian of the Moonlightvalley, Spotted Timeout, Shades of Gray, A Winter’s Day, Campina, Stromer’s Painting Gold, Cabinet of Caligari, PFS’ Captured in Time, tc Miss Moneypenny, PFS’ Merino, Primo Victoria, Simba Twist, PFS’ Colours of Life, PFS’ Cryptic Spots, Compliment, PFS’ Sarabi, PFS’ A Winter’s Tale, Subsyndromal Symptomatic Depression, PFS’ Stop Making Sense, Co Pilot de la Bryére, Thomas, tc Herkir, Ljóski, PFS’ Bacardi Limited, PFS’ Navy Sniper, Lovely Summertime, Lindwedel, Burggraf, Estragon Sky, Circus Dancer, PFS’ Dancin’ to Jazz, Anubis, Tayr al-Diyari, Après la Pluie, Mansur, Halluzination, PFS’ Ravissante, Ronja Räubertochter, Feline

      Ich sattelte gerade Khiara im Hauptstall, als Jacky durch die Stallgasse geschossen kam. Vor ihr sprintete eine grosse Maus um ihr Leben. Ich ertappte mich dabei, wie ich leise mit dem pelzigen Tierchen mitfieberte, als es ihm gelang, flink unter einer Boxentür zu verschwinden. Eigentlich war es ja gut, wenn die Nager etwas in Schach gehalten wurden, damit sie sich nicht zu sehr vermehrten. Aber irgendwie taten sie mir doch jeweils leid, wenn ich sie aus dem Maul von einer der vier Katzen hängen sah. Und für Jacky war es ohnehin nicht besonders gut, wenn sie die gelegentlich auch verwurmten Viecher frass. Die beste Mäusejägerin war übrigens immer noch Shiva. Sie fing beinahe jeden Tag irgendwas, und ich durfte dann jeweils die Reste davon aus der Sattelkammer entfernen. Sie hatte auch schon Tauben gefangen und sogar einmal eine Ringelnatter angeschleppt, die ich zum Glück gerade noch hatte retten und in der Nähe des Flusses wieder aussetzen können. Ich war nicht zimperlich, wenn es darum ging, irgendwelche Tierchen anzufassen. Lisa war da schon etwas heikler – sie hätte auf keinen Fall nach der sich verzweifelt windenden Schlange gegriffen, auch wenn diese ungiftig war. Jedenfalls zäumte ich die samtig cremefarbene Stute, auf die ich mich eigentlich konzentrieren wollte, mit deren gewöhnlicher Trainings-Wassertrense. Anschliessend streichelte ich ihre Stirn und führte sie zur Halle. Es regnete draussen in Strömen – eine Kaltfront war vergangene Nacht vom Meer her über England gezogen. Es war jedoch trotz schlechten Wetters immer noch warm, sodass man unter jeder gewöhnlichen Regenjacke sofort schwitzte; eine Kombination, die ich nicht besonders mochte. Auch die Pferde bekamen beim Trainieren rasch ein feuchtes Fell, sodass wir sie fast immer danach abduschen mussten. Drinnen in der Halle drehten unter anderem Lisa und Jazz, David mit Artemis und Alan mit dem stattlichen Thomas ihre Runden. Khiara wärmte ich zunächst wie es sich gehörte im Schritt und im Trab am längeren Zügel auf. Dann begann ich damit, an den Seitengängen der Stute zu arbeiten. Ab und zu beobachtete ich durch die grosse Fensterwand, wie Jonas im strömenden Regen mit Herkir auf der Ovalbahn töltete. Die beiden schienen sich von den gelegentlichen Windböen nicht beeindrucken zu lassen und trotzten dem unbarmherzigen Wetter. Jonas hätte natürlich auch in die Halle kommen können, aber er fand, wie er mir erklärt hatte, dass der begrenzte Platz bei Schlechtwetter auch ohne ihn schon knapp wurde. Ich fand es einerseits unheimlich toll, dass er in letzter Zeit so viel Rücksicht auf die anderen nahm, aber andererseits machte ich mir manchmal Sorgen, dass er sich selbst dabei vernachlässigte. Ich wollte schliesslich nicht, dass mein Geliebter sich erkältete und dann mit tropfender Nase oder kratziger Stimme herumschlich. Aber es stimmte schon. Gerade kam noch Darren mit Burggraf rein, damit waren wir nun schon wieder acht Reiter in der Halle. Zwar begannen Anne und Circus Dancer wenige Minuten später mit dem Trockenreiten, um kurz darauf durch den Regen zum Nordstall zu joggen, doch die nächsten waren schon am Pferdeputzen, wie ich zu gut wusste. Irgendwie machte es aber auch Spass, mit so vielen Leuten gleichzeitig zu Reiten. Die Stimmung war ausgezeichnet und gelegentlich fielen lustige Kommentare. Ich beschloss, mit einem Blick auf die noch immer getränkt werdende Ovalbahn, Jonas in der nächsten Pause einen warmen Tee zu machen. Khiara wurde durch die vielen Pferde etwas übermütig und ich musste sie für unsere Kruppe-Herein-Versuche ziemlich zurückhalten. Wenn sie zu viel Schwung hatte, bekam sie ein Durcheinander mit ihren Beinen und nahm nicht richtig Gewicht mit der Hinterhand auf. Khiara lief zu meiner Freude trotz ihres geladenen Gemüts ziemlich locker und konstant in Anlehnung. Man erkannte leicht, dass sie ein erfahrenes Reitpferd war und gelernt hatte, sich auf die Arbeit zu konzentrieren. Ich lobte sie ausgiebig, als wir zum Abschluss einen ziemlich perfekten Galoppwechsel hinbekamen. Sie konnte die Wechsel natürlich schon längst, aber sie hatte diesen wirklich besonders schön leichtfüssig und flüssig gemacht, sodass ich zur Belohnung die Trainingseinheit beendete und die Stute austraben liess. Während dem Ausschreiten plauderte ich ein wenig mit Robin, die mit Ravissante ebenfalls fertig war. «How did it go?», fragte ich neugierig; ich war zu sehr auf Khiara fokussiert gewesen, um mitzubekommen, was die beiden gemacht hatten. «As usual… She just keeps avoiding those corners and sometimes she spooks without any kind of reason. But other than that, we managed some smooth transitions.” “Don’t worry, she is still very green and has to learn a lot at once. I think you do a great job with her and she seems to like you. I’m glad – it would be great if you two fit together, regarding your show jumping career. You need a second horse in case Cymru has to take a break for some reason.” “Yeah, I also like her a lot, despite her rather difficult attitude.” “[…]”

      Khiara schob mit ihrem Maul zufrieden den Heuhaufen in ihrer Box herum, nachdem sie ihre Karotten alle zerkaut hatte. Ich widmete mich nun Painting Shadows. Die intelligente Stute begrüsste mich freundlich und streckte mir ihre Rosa Schnauze entgegen, um sich das Karottenstück in meiner Hand zu erschleichen. Ich überliess es ihr schmunzelnd und halfterte sie auf, danach führte ich sie in eine der Putzstände. Die Ohren der Stute waren ganz nass, weil sie offenbar den ganzen bisherigen Morgen aus dem Fenster geschaut hatte. «Come here, silly», murmelte ich liebevoll, als ich mit einem Frottee Handtuch zurückkam und sie ihr trocknete. Sie drehte den Kopf zuerst weg, genoss die Ohrenmassage dann aber doch und hielt schön still. Auch die Stirn rieb ich ab, wobei Paint genüsslich ihre Augen schloss. Mit ihr machte ich ein paar Trainingssprünge, um sie fit zu halten und ein wenig an der Kontrolle zwischen den Hindernissen zu feilen. Auch sie war etwas fit und war nicht ganz so glücklich über den langsamen Schaukelgalopp, den ich von ihr verlangte. Aber sie nahm sich zusammen und konzentrierte sich (mehrheitlich). Während ich mit ihr in der Halle war, nutzten auch gleich Lisa, die nun zu Bacardi gewechselt hatte, und Linda mit Sniper den von mir aufgestellten Parcours. Die beiden Ponyhengste hatten sich unter dem Sattel prächtig entwickelt und man sah einen deutlichen Unterschied in ihrer Muskulatur. Besonders Bacardi lief ruhig am Zügel und zeigte sogar beim Springen einen schönen Aufwärts-Galopp. Sniper wehrte sich hin und wieder gegen die Hand, wenn er das Gefühl bekam, zu wenig Schwung zu haben. Er wollte die Hindernisse lieber mit genügend Geschwindigkeit bezwingen, weil er noch unsicher war. Linda gab ihr Bestes, um ihn davon zu überzeugen, dass er auch mit weniger Tempo und dafür wenig mehr Kraftaufwand drüber kam. David und Darren gaben sich Mühe, um uns dreien nicht in die Quere zu kommen. Sie bewegten Ronja und Pilot mit lockeren Dressurlektionen zwischen den Hindernissen hindurch und schafften es, durch vorausschauendes Reiten, trotz des «Gegenverkehrs» anständig zu arbeiten. Ich lächelte zufrieden, als ich Paints Zügel lang liess und dabei beobachtete, wie sich Pilot elegant um die Hindernisse bog. Er schäumte ganz leicht und schien Darrens leichte Hand zu mögen. Ich war froh, denn das Sensibelchen brauchte wirklich feine Einwirkung, um sich unter dem Sattel zu entspannen. Als ich Paint fertig trockengeritten hatte, kam gerade die letzte Gruppe der Vollblüter von der Bahn zurück – natürlich alle pitschnass. Sie trugen Regendecken über ihren Kruppen, so war wenigstens die Lendengegend trocken geblieben. Die Jockeys sahen so aus, als wollten sie nur noch rein und sich abtrocknen, verständlicherweise. Ich öffnete ihnen schonmal das Tor zum Stutentrakt und lief mit Paint voraus. Sie ritten dankbar direkt rein und stiegen drinnen ab. Ajith öffnete gegenüber das andere Tor, damit die Hengste auch schneller ins Trockene kamen. Primo scharrte ungeduldig. Ich riet Rita, sich zu beeilen, weil die Stute vermutlich in die Box zum pinkeln wollte – was sich als richtig herausstellte. Die übrigen, Penny, Ciela, Goldy, Merino, Simba und Cryptic mussten brav warten, bis sie abgesattelt waren. Es ging jedoch alles sehr rasch vonstatten, sodass niemand verhungern musste und auch sie sich bald auf ihr Kraftfutter Stürzen konnten. Die durchnässten Jockeys hatten sich ihre Pause mehr als verdient, also sammelten sie sich, frisch umgezogen, in der Reiterstube zu einer Tasse Tee. Ich drückte auch Jonas den insgeheim versprochenen Becher in die Finger. Er nahm ihn überrascht dankend an und gab mir einen Kuss. «Die beiden Isis sind nass und glücklich», verkündete er stolz nach ein paar Schlücken. «Loki war auch brav?» «Jap, er hatte heute einen guten Tag. Ich glaube beinahe er mag es, wenn es draussen garstig ist. Weisst du noch, als wir einmal im Sturm ausreiten waren?» «Ja! Als ich dir noch gesagt hab dass da was kommt, und man hat es ja auch schon am Horizont gesehen, aber du hast es mir ja wiedermal nicht geglaubt.» «Hat ja trotzdem Spass gemacht, oder?» Ich grinste. «Irgendwie schon. So schnell sind wir mit den beiden glaube ich noch nie getöltet. Und sie haben sich richtig vom Wind aufheizen lassen.» Quer durch den Raum rief Charly «can you guys stop talkin’ german? I can’t focus on what Rita tries to tell me, because my silly brain tries to translate your words instead!” “It is hard to focus on Ritas speech anyway, since she hardly ever finishes one topic before she starts with the next”, bemerkte Lewis frech, der sich gerade reingeschlichen hatte. “Lewis, you old wet dog!”, rief Jonas freudig, als er den Offenstallpfleger erblickte. Lewis hatte ganze drei Wochen Ferien in Portugal genossen und sah ungewohnt braungebrannt aus – aber auch er war auf dem Weg vom Parkplatz her ein Opfer des Regens geworden. Tom krähte belustigt “aww, look at the way they hug. Are they not like an old couple?” Jonas stieg extra darauf ein. «I missed you darling.” Nun rief ich empört “Careful! I might get jealous!” “Yeah, don’t you dare steal him from her, Lewis!”, drohte Parker. Wir amüsierten uns prächtig, bis Oliver reinkam und durch den Lärm hindurch mit strengem Tonfall bemerkte, dass Ajith alleine die Stallgasse im Hauptstall wische. Wir packten schuldbewusst unsere Tassen weg und zerstreuten uns wieder in Richtung Arbeit. Ich lief Quinn hinterher zum Hauptstall. Die dunkelrothaarige Pflegerin schnappte sich den nächstbesten Besen und begann vom Eingang her mit dem Wischen. Ich klopfte Ajith beim Durchgehen anerkennend auf die Schulter. Der Pfleger war wirklich einer der tüchtigsten hier, und ich musste immer aufpassen, dass ich mich nicht zu sehr auf ihn verliess. «Oh yeah, before I forget it – the new Stallion arrives today”, fiel mir gerade noch ein. Der Pfleger grinste und meinte bloss: “The box is ready, already.» Ich seufzte zufrieden und bedankte mich bei ihm. Das ist genau das, was ich meine.

      Vor dem Mittag bewegte ich Rosenprinz, Hallu und Feline, wobei ich leider nachwievor mit allen in die Halle musste. Wenigstens liess der Regen am Nachmittag so weit nach, dass ich mich mit der Regenjacke auf einen Ausritt traute. Dafür sattelte ich Summertime, deren Name mir fast schon ein wenig ironisch vorkam. Besonders, als auf halbem Weg dann doch wieder eine Welle des Niederschlags auf uns prasselte, als stünden wir unter einer grossen Dusche. Summer schien das nicht viel auszumachen, sie folgte unbeirrt weiter dem Feldweg. Auf der Wilkinson Farm standen tatsächlich Mansur, Anubis und Tayr draussen auf einer kleineren Paddockweide. Die drei Jungs schienen gelangweilt zu sein und kamen sofort an den Zaun getrabt, als ich durchritt. Als Summer und ich aus dem Wald kamen und ich zwischen den Gebäuden hindurchsah, beobachtete ich gerade noch, wie Rosie mit einem sehr hellen Pferd – vermutlich Après la Pluie – aus ihrer eigenen kleinen Halle kam. Ich verzichtete darauf, ihr zu rufen und trabte stattdessen an, um rascher ins Trockene zu kommen. Die Holzbrücke war ein wenig rutschig, sodass ich Summer langsam ihre Schritte suchen liess. Gute Trailübung, stellte ich innerlich fest. Ich lobte die buckskin Stute, als wir sicher am anderen Ende waren und trabte auch den Rest zu den Ställen noch. Jonas sah uns kommen und half mir nach dem Absteigen beim Satteltrocknen.

      Am späteren Nachmittag, als Lily von der Schule kam und wiedermal Suri mitbrachte, kümmerten wir uns alle drei um die Minis. Die waren natürlich auch den ganzen Tag im Regen gestanden, obwohl sie Bäume und einen trockenen Offenstall zum unterstehen hatten. Manchmal wurde ich einfach nicht schlau aus den Vierbeinern. Lily hatte ein grosses Badetuch mitgebracht und wickelte nun Orchid darin ein. Für das arme Stutfohlen gab es gar kein Entkommen. Ich behielt ein wachsames Auge auf Daki, nicht dass die Mutter der Halbstarken plötzlich ihre Beschützerinstinkte auspackte. Und natürlich war ich bereit, einzugreifen, falls Lily nicht vorsichtig genug mit Orchid spielte. Suri und ich bürsteten die übrigen Stuten, angefangen bei Rose und Darling. Die feuchten Mähnen und Schweife waren besonders schwer zu kämmen, aber mit etwas Glanzspray klappte es ohne grosse Verluste. Einmal schnappte Papillon nach Lily. Meine Nichte reagierte aber schon selber richtig, indem sie mit der schokofarbenen Stute schimpfte und ihr einen Klaps auf die freche Nase gab. So süss die Minis auch waren; man musste trotzdem konsequent mit ihnen sein und durfte ihnen nicht alle Unarten durchgehen lassen. Besonders, wenn Kinder mit ihnen umgehen wollten musste ich dafür sorgen, dass sie gut erzogen waren. Ich horchte beim Putzen dem Geplauder der beiden Mädchen. «Are you going to ride Lindwedel tomorrow?», fragte Lily ihre Kollegin. «No, Rosie said someone is coming to try him out...” “You think they will buy him?» «I hope not… I heard they come all the way from Liverpool. I will not be able to visit if he ends up there.” Suri tat mir leid, denn für ihre Eltern kam es nicht in Frage, das Pony zu kaufen. Sie fanden, dass ihre Tochter zu jung dafür sei und noch nicht lange genug reite. Ausserdem war es natürlich auch eine finanzielle Frage. Ich mischte mich ein und tröstete Suri mit der Bemerkung: «You will be busy riding our ponies here at Pineforest.» Während wir mit den kleinen Pferdchen beschäftigt waren, bekam ich einen Anruf vom Flughafen, dass Compliment bereit zur Abholung sei. Freudig joggte ich zum Haus und holte die Autoschlüssel, klebte Jonas einen Zettel an die Haustür, auf dem stand, dass ich kurz weg sei. Ich wählte den Selbstfahrer, weil der sowieso noch getankt werden musste. Nach einem kurzen Stop bei der Tankselle, gabelte ich den Rappen am Flughafen auf und chauffierte ihn Nachhause. Compliment war ein Nachkomme von Indiana, und als Geschenk in Zusammenarbeit mit Hunter Crowley zu meiner Kollegin Käthe gegangen. Sie schickte ihn nun aus Zeitgründen zurück nach Pineforest und vertraute darauf, dass er hier gut aufgehoben sein würde – was ich ihr auch versprochen hatte. Der Rappe sah seiner Mutter sehr ähnlich mit seinem dunklen Fell und der unregelmässigen Blesse. Sein Vater war Cantastor, der ja ebenfalls eine ganze Weile auf Pineforest gelebt hatte. Er war schlaksig und langbeinig, und hatte einen liebevollen Charakter, sodass es mir sehr leichtfiel, ihm sofort mit Begeisterung zu begegnen. Ajith machte grosse Augen, als ich Compliment in den Hauptstall führte. Ich hatte ihm nicht gesagt, dass es sich bei dem «Neuen» um dieses Tier handelte. Offenbar erkannte der Pfleger das ehemalige Fohlen sofort, auch wenn es nur kurz auf Pineforest selbst gewesen war, und strahlte übers ganze Gesicht, als er das nun grossgewachsene Pferd übernehmen und in seine neue Box bringen durfte. Darren, der gerade Life putzte, liess die beiden durch und pfiff bewundernd, als er dem Rappen hinterher sah.

      Als am Abend der Regen endlich nachliess, brachten wir die Vollblüter raus auf die kleinen Weiden. Die grossen wollten wir schonen, schliesslich lag noch der ganze, gewöhnlich verregnete Herbst vor uns. Vai Alida, Coulee, Gray, Campina, Sarabi, Thalia, Dolly und Caligari wurden in zwei gleiche Gruppen aufgeteilt und durften die beiden Weiden neben den Offenställen der Minis beziehen. Rosenprinz, Light, Caspian, Spot, Winter, Mambo und Life brachten wir alle zusammen auf die unterste, langgezogene Weide. Der Offenstall der Stuten lag zwar direkt darüber, aber die Zäune waren aus massivem Holz gefertigt und hoch genug, ausserdem lagen gleich zwei Zaunreihen dazwischen. Die Hengste bewegten sich geschmeidig in ihrem schönsten Bluff-Trab vom Eingang der Weide davon, einzelne galoppierten auch. Bevor sie mit dem Grasen begannen, gab es kurz ein provokantes Gequietsche zwischen Rosenprinz und Winter, dann kehrte Ruhe ein. Bei den Stuten herrschten von Anfang an Harmonie und Frieden – wobei das längst nicht immer so war. Aber weil gewisse eigenwillige Schimmelstuten erst später mit den nächsten Gruppen rausdurften, fehlte wunderlicherweise der Anreiz zu Streitigkeiten. Ich verschränkte die Arme, an den dunklen Holzzaun gelehnt, und genoss einen Moment lang die frische Luft nach dem Regen, kombiniert mit der spätnachmittäglichen Stimmung.
      9 Sep. 2019
    • Occulta
      Junge Araber einreiten und andere Abenteuer
      Mansur, Namuna, Farasha, Tayr al-Diyari, Fallen Immortality, Lindwedel

      In letzter Zeit hatte es auf der Wilkinson Farm wieder einige Veränderungen gegeben. Ich hatte mich von ein paar Pferden getrennt, denn ich wollte meine Farm im kleinen Rahmen halten und mich dafür um die Pferde, die ich hatte, besonders kümmern. Schweren Herzens hatte ich deshalb, mit Occultas Einverständnis, Anubis in den Ruhestand auf eine Altersweide geschickt. Ausserdem war Lindwedel ja verkauft, ebenso wie die beiden Morgan Horses Estrada Dourada und Senda Oscura. Und zu guter Letzt hatte ich mich auch von Après la Pluie getrennt. Die Traberstute hatte ein tolles neues Zuhause bei einer Kollegin von mir gefunden. Somit blieben nur noch meine geliebten Araber übrig. Für Mansur, der gerade 3 jährig geworden war, und Namuna, begann heute der Ernst des Lebens. Von der körperlichen Reife her waren die beiden so weit, und Mansur musste nunmal im Frühling bereits an die ersten Leistungstests antreten, damit er bald seine Körung bestreiten durfte. Ich freute mich schon darauf, den schicken Schecken dort vorzustellen. Er würde sicherlich ein hervorragender Zuchthengst werden. Zuerst musste er jedoch einen Reiter auf seinem Rücken dulden, ebenso wie seine Stallgenossin. Ich hatte beide Jungpferde die letzten paar Tage fleissig an ihre Ausrüstung gewöhnt und longiert. Heute wollte ich den nächsten grossen Schritt wagen und zum ersten Mal auf ihren Rücken sitzen - wenn alles nach Plan lief. Beim Putzen war Mansur der übliche Quatschkopf, also ahnte er wohl nichts von dem, was ihn erwartete. "Sooroo", wie ich ihn manchmal scherzhaft nannte, passend zu Namunas Spitznamen "Namoo", spielte mit dem Anbindestrick und trampelte ungeduldig herum, als ich ihn striegelte. Ich blieb geduldig, solange der junge Hengst nicht zu aufmüpfig wurde. Meine Devise: freundschaftlich aber konsequent. Das hatte bisher auch mit Tayr, Anubis und Numair wunderbar funtioniert. Nach dem putzen legte ich ihm den Trainingssattel und ein Knotenhalfter an. Ich wollte ihn ohne Gebiss anreiten, damit er keine schlechten Erfahrungen machte und später besonders fein zu reiten war. In der kleinen Halle meines Hofs longierte ich ihn zuerst nochmal eine Runde am langen Führseil, dann knotete ich dieses zu einem Zügel und begann damit, neben dem Hengst auf und ab zu hüpfen. Dabei lehnte ich mich immer wieder gegen ihn, sodass er sich an die schnellen Bewegungen und den Druck gewöhnte. Als er nicht mehr darauf reagierte, lehnte ich mich mit einem kräftigeren Absprung über seinen Rücken. Ich war froh, dass Araber nicht besonders gross wurden. Sonst hätte ich das wohl nicht so leicht geschafft. Mansur machte ein paar unsichere Schritte, wobei ich den inneren Zügel immer schön straff hielt, sodass er auf einer kleinen Volte bleiben musste. Das war einfach eine Sicherheitsvorkehrung, damit er nicht unkontrolliert lospreschen konnte. Ich wiederholte das Hochspringen noch ein paarmal, dann begann ich auch damit, das Bein über seine Kruppe zu streifen. Dabei berührte ich das Gescheckte Hinterteil absichtlich, damit er desensibilisiert wurde. Schliesslich kam der grosse Moment: ich nahm das Bein zum ersten Mal ganz auf die andere Seite und sass im Sattel. Eifrig streichelte ich den Hals des Hengstes und lobte ihn mit der Stimme. Dann stieg ich sofort wieder ab. Ich wiederholte das vollständige Aufsitzen noch drei Mal, machte dabei sogar ein paar erste, unsichere Schritte mit ihm; dann beendete ich die Einheit und versorgte ihn. Er bekam eine Portion Karotten für sein gutes Benehmen. Voller Euphorie wiederholte ich denselben Ablauf mit Namoo. Die Stute war dabei noch etwas angespannter als Sooroo, liess mich am Ende aber ebenfalls ohne grösseres Gehampel aufsteigen. Damit war der erste Teil geschafft und wir konnten in den folgenden Tagen damit beginnen, die wichtigsten Hilfen zu erlernen. Ich rieb mir die kalten Hände und beobachtete Namuna beim zerkauen ihrer Karotten. Dann kümmerte ich mich um die bereits ausgebildeten Araber, Tayr, Fallen und Farasha.
      30 Nov. 2019
    • Occulta
      [​IMG] E-A
      PFS’ Snap in Style, PFS’ Stop Making Sense, PFS’ Ravissante, Namuna, Mansur

      Es war mittlerweile Mittag geworden und schon wieder gewesen. Nun, mit vollem Magen und erholt, machte ich mich auf den Weg zum Hauptstall. Dort wartete Snap auf mich. Der buckskin farbene Hengst brummelte mir zwar noch nicht zu, wenn er mich sah, kam aber neugierig an die Boxentür und liess sich sofort aufhalftern. Ich bürstete ihn gründlich durch und plauderte währenddessen mit Charly, der Mambo bereit machte. Auch der junge Schecke hatte das Galopptraining heute ausgesetzt und durfte nun stattdessen Springen, weil auch bei ihm bald die Körung bevorstand. Die beiden Hengste waren noch ziemlich unerfahren was das Springen anging: sie hatten gerade mal ein paar einfache Kreuzchen und Steilsprünge auf dem Konto. Das wollten wir heute ändern. Natürlich ging das nicht in nur einer einzigen Traningseinheit, aber heute wollten wir uns zumindest an einen einfachen Parcours wagen und auch einen Oxer einbauen. Mit in der Halle waren schliesslich auch Jonas und Ravissante, die dasselbe im Sinn hatten – allerdings war Ravi schon ein ganzes Stück weiter und so mussten wir uns irgendwie wegen der Höhe der Hindernisse organisieren. Am Ende riefen wir Elliot zu Hilfe, der jeweils auf- oder abbaute. Einmal, als ich mit Snap kurz in einer Ecke wartete, weil Ravi einen Parcours springen musste, hatte ich das Gefühl, dass der Hengst interessiert zusah. Ich fragte mich, ob er vielleicht beeindruckt war und sich überlegte, ob er das auch könne. Aber viel wahrscheinlicher sah er einfach der hübschen braunen Anglo-Araberstute hinterher. Männer eben. Sowohl Snap als auch Mambo hatten heute keinen einzigen Abwurf. Nur einmal zögerte Mambo vor einem blau-weissen Hindernis, das Charly nicht ganz gerade anritt. Er rettete sich dann aber mit einem seltsamen Schafs-Hüpfer trotzdem noch darüber, sodass Elliot, Jonas und ich allesamt in Lachen ausbrachen.

      Als ich Snappy gerade nochmal durchbürstete, surrte mein Handy. Rosie war dran, und wollte wissen, ob ich Zeit für einen Ausritt hätte. Ich schmunzelte, als ich ihre Stimme hörte, weil ich ja am Morgen im Galopptraining noch an sie gedacht hatte. Ich bemerkte, dass ich später noch mit den Minis springen üben wollte, und sie meinte daraufhin, sie habe gerade eben noch mit Namuna und zuvor schon mit Mansur erste Hindernisse geübt. Wir redeten noch ein wenig und verabredeten uns für den späteren Nachmittag.
    • Occulta
      Ein graues Pony
      Iskierka, Raving Hope Slayer, One Cool Cat, PFS‘ Straight Alignment, PFS’ Strolch, Kaythara El Assuad, PFS’ Counterfire, Daedra, PFS’ Sciaphobia, PFS’ Challenging Time, PFS’ Call it Karma, PFS’ Whirlwind, Areion, Flintstone, Brendtwood, Cambria, Nimué, PFS’ Ljúfa, Namuna, Mansur, Fallen Immortality, Farasha, Tayr al-Diyari, Lindwedel, PFS’ Reverie, PFS’ Soñando Solas, PFS’ First Chant, PFS’ Clooney, PFS’ Cranberry, PFS’ Karat, Louvré, PFS’ Lyskra, PFS’ Charivari, PFS’ Nemo

      Es war ein sonniger Frühlingsmorgen - das heisst, es wäre sonnig gewesen, wenn der Nebel nicht die meisten Strahlen verschluckt hätte. Zumindest war es heller als sonst um diese Zeit, manchmal blendete die leuchtende Nebelwand schon fast. Ich verteilte gerade das Kraftfutter im Nebenstall.
      Auf einmal surrte mein Smartphone. Die Nummer war die von Suris Eltern. Überrascht nahm ich ab. Der Vater von Lilys Kollegin war dran. Der Grund für seinen Anruf war für mich mehr als unerwartet. "I need your advice on buying a pony for my daughter." "Oh. That's a wonderful idea! I'm sure she will be thrilled to have her own pony - she has got talent aswell!" "She's been asking for a pony very tenaciously and we noticed how disappointed she was, when this gray one - I believe she called him Lindwedel? - was sold. She frequently goes riding with Lily and it seems to make her very happy. I was not sure if she was ready for the big responsibility of having a pony of her own, but now I think she would learn a lot from it." "Absolutely." "So, I need your help to choose the right one. But don't tell her anything yet - we want it to be a surprise." "Are you sure? It is very important that they fit together. A pony is not like a hamster. They can get very old, we talk about several years of commitment. Of course it could be sold any time, but it makes it so much more special if the pony is her own choice..." "Hmm, I see. I guess she should help choosing it then. Very well, I will tell her. Could you perhaps start looking around?" "Of course." Wir sprachen über seine Vorstellungen (er wollte natürlich in erster Linie ein verlässliches, braves Pony) und über das Budget. Sicher war auch, dass das Pony auf Pineforest einziehen würde. Ich versprach, mich nach etwas Passendem umzusehen und ihm dann Bescheid zu geben. Natürlich überlegte ich auch sofort, ob ich nicht selbst bereits einen passenden Kandidaten besass – aber meine wertvollen Reitponys wollte ich nicht hergeben, erst recht nicht bei seinem knapp festgelegten Budget. Die besten Chancen sah ich darin, die lokalen Zeitungsannoncen und das Internet durchstöbern. Noch am selben Abend begann ich damit, denn Suris Geburtstag war in wenigen Wochen, und vielleicht würde es bis dahin ja klappen. Noch am selben Nachmittag kam Suri ausserordentlich fröhlich zu Besuch und erzählte, dass ihr Vater gewisse Andeutungen gemacht hatte. Sie schien es kaum glauben zu können und war auch erst vorsichtig optimistisch, doch spätestens als ich nebenbei erwähnte, dass wir telefoniert hatten, konnte sie über nichts anderes mehr reden. Sie und Lily verbrachten den ganzen restlichen Tag damit, Pläne zu schmieden und sich das perfekte Pony für Suri auszudenken. Am Abend fragte Lily mich, ob wir ihr nicht einfach Nossi überlassen sollten. Ich erklärte daraufhin, dass Suri ein etwas grösseres Pony brauche, mit dem sie später auch am Sport teilhaben könnte. Das leuchtete selbst ihr ein.

      Einige Tage vergingen, ehe ich eine Auswahl von drei Ponys zusammengesucht hatte, die den Kriterien zu entsprechen schienen. Zwei davon waren Connemaras, eines ein British Ridingpony. Ich vereinbarte Besichtigungstermine für alle drei und traf mich schliesslich mit Suri und deren Vater zum gemeinsamen Probereiten. Das erste Pony, das wir uns zusammen ansahen, war die Connemara Fuchsstute, die mir auf den Bildern besonders gefallen hatte. Auch in live war sie sehr hübsch und zeigte vielversprechende Gänge. Allerdings bockte sie Suri beim Angaloppieren beinahe runter, und auch beim Satteln war sie recht frech. Sie schnappte mehrfach und wir mussten richtiggehend aufpassen. Die Besitzerin meinte, das sei bloss jugendlicher Übermut. Die Stute war allerdings schon elf, deshalb wollte ich das nicht so recht glauben. Sie wurde also recht schnell einstimmig aussortiert. Das zweite Pony war der British Ridingpony Wallach. Er war rabenschwarz und hatte tolle Gänge, aber sein Rücken gefiel mir nicht. Auf den Bildern hatte man es nicht so gut erkennen können, aber er war hinten ziemlich überbaut und hatte bereits Ansätze eines Senkrückens entwickelt. Zudem schien seine Beinstellung hinten zu eng, was die Besitzer ebenfalls gut kaschiert hatten auf den Bildern. Blieb also noch die letzte Connemarastute. Ich kreuzte die Finger, als wir auf den Parkplatz des Bauernhofes fuhren, auf dem sie lebte. Der erste Eindruck war gut; alles schön aufgeräumt, die Pferde und Ponys allesamt gepflegt und fast den ganzen Tag draussen auf der Weide. Die Ponystute hatte einen bildhübschen Kopf mit einer auffälligen Blesse. Sie war braun, hatte aber leichte Dapples, die mich an Solas‘ neues Sommerfell erinnerten, dass dieser gerade entwickelte. Im Kontrast mit der dunklen Mähne sah es einfach umwerfend aus. Auch Suri gefiel sie auf Anhieb. „She looks almost like Lindwedel in brown“, stellte sie begeistert fest. Wir wurden zum Probereiten auf einen kleinen Sandplatz geführt. Suri stieg erwartungsvoll auf und drehte die ersten Runden auf dem freundlichen, braunen Tier. Die Stute machte keine Mätzchen – gar keine. Sie überhaupt sehr gemähchlich vorwärts. Das fiel auch Suri auf. „I think she is tired, maybe?“ Ich verzog skeptisch die Lippen. “Try to trot a round, will you?” Suri gab sich die grösste Mühe, die Stute in den Trab zu bekommen. Als sie es schliesslich geschafft hatte, war sie nach kurzer Zeit schon deutlich mehr ausser Atem als das Pony. „How old was she again?“, fragte ich die Besitzerin. „Seven“, meinte die stolz, nichts von unserer milden Begeisterung spürend. „But I have to say, all the horses out of this lineage are exceptionally well behaved.“ Suris Vater schien überzeugt. Ihm gefiel die Stute ausserordentlich gut und er betonte immer wieder, wie freundlich sie wirke. Ich seufzte innerlich und winkte Suri zu mir – an Galopp war nicht zu denken. “What do you think?“, fragte ich das Mädchen direkt. Sie zuckte unsicher mit den Schultern. „She is very nice… I mean, VERY nice. But somehow, I’d rather have a pony that’s more… Energetic.“ “Like Lindwedel”, schloss ich. Sie nickte leicht beschämt. „No problem, we’ll just keep looking. The pony has to be perfect for you“, und fügte mit einem Flüstern hinzu “and not for your father.“ Sie lächelte dankbar und so verabschiedeten wir uns wieder. Ich versprach, weiterzusuchen – es gab noch jede Menge toller Ponys in England.
      Sobald ich wieder zuhause war, machte ich mir eine Tasse Tee, ehe ich zu Iskierka in den Hauptstall lief. Die Schimmelstute drehte sich sofort zur Boxentür, als ich herankam und brummelte. „Heyy, spürst du etwa den Frühling? Du bist doch sonst nicht so freundlich“, stellte ich belustigt fest. Es stimmte nicht ganz – sie begrüsste zumindest mich häufig mit aufgestellten Ohren. Aber die Vollblutstute war ausgesprochen launisch und zeigte dies jeweils besonders beim Putzen. Heute liess sie mich sogar ihren Bauch putzen, ohne mir eine Pobacke abbeissen zu wollen. Ich lobte sie dafür ausgiebig, auch wenn es nichts brachte. Sie hatte auf der linken Flanke einen hartnäckigen Mistfleck, der ihre Dapples gelblich verfärbte. Ich führte sie rasch nach draussen, holte einen Schwamm und etwas Seife und bearbeitete das Übel. Die Beine wusch ich bei der Gelegenheit auch gleich noch mit Seife, sodass ihre Beinabzeichen wieder schön weiss wurden. Sobald alles sauber war, brachte ich Iskierkas Ausrüstung und sattelte sie für einen Ausritt. Rosie hatte mir eine SMS geschrieben, wir wollten uns bei der Brücke treffen. Alleine blieben wir nicht, denn gerade sattelten auch Charly, Lisa, Jason, Isaiah und Linda ihre Pfleglinge, Raver, Cool Cat, Ally, Kaythara und Strolch. Die älteren Rennpferde hatten heute Morgen kein Training erhalten, dafür durften sie nun raus ins Gelände. Den Jungen jedoch war die Galopparbeit nicht erspart geblieben. Sie mussten noch immer Muskeln aufbauen und sich auf die Saison vorbereiten, während die Erfahreneren eher erhaltendes Training benötigten. Daedra und Counterfire waren durch ihr Spezialtraining den anderen zwar ein wenig voraus, aber auch sie mussten noch viel lernen. „Is it okay if we all go together?“, fragte Lisa in die Runde. “Yeah, I want to meet with Rosie too!”, rief Charly aus. Ich zuckte mit den Schultern – es blieb mir gar keine Wahl. Wir setzten uns alle zusammen in Bewegung. Rosie stiess wie vereinbart bei der Brücke mit ihrem Araberpinto Mansur zu uns. Er war noch nicht lange unter dem Sattel, doch in der grossen Gruppe fühlte er sich auf Anhieb sicher genug, um anständig mitzulaufen. Ich bewunderte Rosies geschecktes Reittier. Der Hengst war einfach ein Hingucker mit seinem dunkelroten Fell, das einen speziellen Kontrast zur weissen Scheckung bot. Und seine blauen Augen waren sowieso zum verlieben. Auch die Art, wie "Sooroo" seinen Schweif trug und den Hals rund machte, liess ihn edel wirken. „How are the others? Namuna doing fine under the saddle as well?“, fragte ich Rosie. “She’s a bit stubborn sometimes, especially when we meet a stack of wood or a stump along the way.” Ich lachte amüsiert. „Young horses.” „Yeah. I’m glad Tayr is finally starting to grow up now. He has gotten so much calmer, even during the winter he was mostly decent.” “Wonderful. And your two more experienced girls?“ „Farasha and Fay are such sweethearts. It is so much fun to work with them. I’m really looking forward to endurance this spring.“ „And, have you heard of Murray?”, fragte ich mit einem Zwinkern, das ich mir nicht verkneifen konnte. „Actually yes, he came over last week since he was near Brimingham anyway. We went on a hack again, he’s learning fast.” „Good to hear. I like the ‚lad‘. We need to invite him again.“ Wir genossen die Sonnenstrahlen und galoppierten dreimal mit der ganzen Gruppe an Feldrändern entlang, was dann doch etwas viel für Mansur wurde. Der Schecke war ziemlich verschwitzt, trotz der kühlen Temperaturen, und seine Konzentrationsspanne längst überdehnt. Er tänzelte im Schritt und verwarf den Kopf, wie ein übermüdetes Kleinkind. Rosie stieg ab, als sich unsere Wege vor der Holzbrücke wieder trennten - sie wollte ihn nachhause führen, damit er sich beruhigte. Ich sah den beiden hinterher, während Iskierka zufrieden am langen Zügel ihre kurze Mähne schüttelte und schnaubte. Sie lief noch immer zügig vorwärts und wirkte kaum müde, trotz des ganzen Galoppierens. Aber man konnte schlecht eine ausgebildete, voll bemuskelte Vollblutstute mit einem grünen Araberhengstchen vergleichen. Auch die übrigen Vollblüter hatten es eilig nachhause zu kommen, allen voraus Cool Cat, der möglichst schnell zu seiner Heuration wollte. Wir beeilten uns mit dem Wegräumen, damit die armen, hungrigen Vierbeiner endlich über ihre Portionen herfallen konnten. „Really. One could think you’re all starving”, rief ich kopfschüttelnd aus, zur Belustigung von Ajith, der uns eifrig beim versorgen der Ausrüstung half.
      Als nächstes sah ich beim Nordstall nach Lily und Areion. Ich wusste, dass meine Nichte mit dem Tinker auf dem Sandplatz ohne Sattel gespielt hatte, als wir losgeritten waren. „Alles klar bei dir? Nicht runtergefallen?“ „Also wirklich, was denkst du denn! Als ob ich runterfallen würde!“, gab sie empört zurück. Sie sass auf einem der massiven Balken vor dem kleinen ‚Tackroom‘ in der Mitte des Ponystalls und sah Areion beim Fressen zu. „Wo sind Lea und die anderen?“ „Wahrscheinlich beim Offenstall, Fohlenstreicheln.“ „Und du hast keine Lust?“ Sie zuckte mit den Schultern. „Ich streichle die ja sonst schon die ganze Zeit.“ „Hmm okay. Willst du mir helfen? Ich muss nachher ein Jungpferd abholen gehen.“ Sie war sofort ganz Ohr. „Welches denn?“ „Corona. Eine Trakehnerstute.“ „Bin dabei. Muss Areion nur kurz nochmal durchbürsten!“ Sie schnappte eine Bürste, die auf ihrer Hellblauen Putzkiste lag und wischte in Rekordtempo, aber trotzdem gründlich genug über den Rücken des Schecken. Ich sah ihr dabei lächelnd zu und lehnte mich mit verschränkten Armen an die Balken. Plötzlich umfassten mich von Hinten zwei Arme. „Hey“ Ich drehte nur den Kopf und gab Jonas einen verrenkten Kuss. „Wie war das Springen mit Cymru?“ „Unproblematisch. Sie hat sich ganz ordentlich konzentriert.“ „Super.“ „Gehst du jetzt nach Liverpool?“ Ich nickte. Die Stute wurde von Dublin mit dem Schiff rübergebracht, ich musste sie im Hafen in Liverpool abholen gehen. Sie war in Irland von einer Leihstute geboren worden – eigentlich war ihre Biologische Mutter Miss Moneypenny. Ihr Besitzer hatte einen finanziellen Engpass und mich daher gefragt, ob ich sie ihm abkaufen wolle. Ihre Abstammung war gut – sie galt als Trakehner, weil ihr Vater, ebenfalls ein alter Bekannter von uns, Cover the Sun, einer war. Aufgrund seiner tollen Blutlinien vereint mit Pennys rennbetonter Vollblutabstammung erwartete ich, dass ein hervorragendes Militarypferd aus ihr werden würde. Ich hatte lange nichts mehr von Cover gehört, umso erfreuter war ich, einen seiner Nachkommen zu mir zu holen. Sie hiess übrigens nicht wirklich Corona, sondern Charivari. Aber ich nannte sie gerne so, weil es doch zum Namen ihres Vaters passte – und etwas einfacher auszusprechen war auf Englisch. Lily und ich fuhren mit dem Anhänger etwa zwei Stunden bis Liverpool. Jacky hatte auch unbedingt mitgewollt – die Hündin mochte das Autofahren erstaunlicherweise immernoch, auch nach unserem kürzlichen Unfall. Vielleicht wollte sie auch einfach bei mir bleiben. Zira hatte ich zuhause gelassen; das war für sie angenehmer als die ganze Zeit im Kofferraum zu liegen. Es klappte alles reibungslos. Corona war pünktlich eingetroffen, und sobald alles abgeklärt und die nötigen Formulare ausgefüllt waren, konnte ich sie auch schon verladen. Lily schloss die Klappe, sobald ich die zweijährige Stute hineingelockt hatte, bevor sie überhaupt ans rückwärtsgehen denken konnte. Ich gab meiner Nichte einen Handschlag. „We’re a great team.“ „What would you even do without me?“, meinte sie frech. Ich lachte. “That’s true. Its so good to have a little helper now and then.” Der Heimweg kam mir viel kürzer vor, obwohl wir immer noch nur 80km/h auf der Autobahn fuhren. Wir luden die Stute aus und brachten sie zunächst in eine Freie Box im Hauptstall. Ich wollte sie ein paar Tage in Quarantäne lassen, nur zur Sicherheit. Danach kam sie zu den anderen Fohlen in den Offenstall.
      Inzwischen war Jonas mit Flint draussen gewesen und hatte dabei Lisa und Brendtwood begleitet. Der Haflinger war noch nicht so erfahren im Gelände, deshalb bevorzugte Lisa im Moment Gruppenausritte. Nimué hatte Lisa schon am Morgen bewegt. Ich machte mich auf die Suche nach Oliver, der laut Jonas immernoch irgendwo herumschlich. Normalerweise verliess er uns am Morgen nach dem Training wieder, ausser es war Renntag. Ich fand ihn bei der Fohlenweide. Er plauderte mit Lewis. „Hi. Still here?“ „I just wanted to see how Chime is doing. Lewis says she is full of energy.” “She is. But she also sleeps a lot…” “I know, I know. We leave her be for now. We don’t need to hurry with her, health is more important.” Ich nickte, dankbar für sein Verständnis. “By the way, when are you going to start working with Clooney and Cranberry? And Karat looks almost ready to ride as well” “I’m giving them a few more weeks, maybe months. It also depends on how much time I will have. They’re still only three years old and will all grow some more, so I do not hurry with them either.” “I see. With warmbloods there’s no need to push anything after all.” “Exactly. First Chant is also three already, times goes by so fast!” Lewis mischte sich ein. “Very! Look at Reverie. She’s grown into a handsome young lady.” “She will be among the first who are going to be ridden. She’s one of the oldest.” In diesem Moment wurden wir unterbrochen, weil Louvre von Clooney beiseite gescheucht wurde, woraufhin der weisse Junghengst einen trotzigen Ausschlag-Bocksprung machte und dabei fast hinfiel. Wir lachten alle herzhaft bei dem Anblick. Die Stutfohlen hielten wegen des Lachens inne und sahen aufmerksam vom Grasen auf. Lyskra kam zu mir und schnupperte an meinem Ärmel. „Hey Sweetie“, begrüsste ich sie flüsternd. Sie war noch nicht lange von ihrer Mama getrennt, hatte es aber sehr gut verkraftet; unter anderem weil sie Ljúfa immernoch durch den Zaun sah und weil wir die beiden so lange zusammengelassen hatten. Ljúfa schien nun aber auch froh zu sein, dass sie wieder ihre Ruhe hatte und das graue Fohlen nun neue Kumpels zum Spielen hatte. Es gab übrigens bereits ein neues graues Fellbündel in der Stutenherde: Eismärchens Fohlen war vor ein paar Tagen geboren worden. Das kleine Hengstchen war ein varnish roan und hatte jetzt schon überall Stichelhaare, viel mehr als Rune. Ich hatte ihn Nemo getauft.
      Ich lief wieder zum Haupthaus. Jonas und Lily hängten gerade die Hängematten im Garten hinter dem Haus auf. „You sure it’s already warm enough for that?“, fragte ich fröstelnd. “It’s always the right time for hammocks. They’re the best”, erklärte Lily, und warf sich in ihre. Ich ging zu ihr hin und kitzelte sie, sodass sie fast wieder rausfiel. „Don’t forget to take them back in in case it rains tonight.” Jonas setzte sich ebenfalls in seine grüne Hängematte. “Hast du von dem neuen Makeover gehört? Du könntest doch diesmal auch teilnehmen.“ „Ach ich weiss nicht, meinst du ich hab genug Zeit dafür? Neben all den Turnieren und Rennen?“ „Ich denke schon. Du hast ja noch Oliver, Lisa und mich – und alle die anderen, die dir unter die Arme greifen. Es hat ein paar süsse Pferdchen dabei diesmal.“ „Echt? Zeig her.“ Ich gesellte mich zu ihm und er zückte sein Handy. “Hier, die ist mir gleich ins Auge gefallen. Eine Mustangstute.” “Die ist wirklich nicht schlecht. Aber hast du die dominantweisse da gesehen?” „Ja schon, aber die gescheckte hat den besseren Körperbau, findest du nicht?“ „Stimmt schon… Ich glaube, ich kann’s ja mal versuchen. Man muss sich bewerben. Ich schreibe einfach mal ne nette Mail und hoffe, dass ich angenommen werde.“ „Genau. Ich bin sicher das klappt.“ „Wir werden sehen“, meinte ich schulterzuckend, und kuschelte mich an ihn. „Wie war eigentlich das Vollbluttraining am Morgen?“ „Ach, du meinst das, das du verschlafen hast?“, neckte ich ihn. „Tut mir ja leid. Wenn du mich die ganze Nacht wach hälst mit deinem Herumgewälze…“ „So schlimm? Muss ich etwa eine Matratze ins Büro nehmen?“ Er beschwichtigte sofort „nein, nein. Passt schon.“ Ich schmunzelte liebevoll. „Das Training war wie immer. Saphi und Karma waren besonders fit. Indy dafür ausnahmsweise nicht so. Ich glaube, sie hatte noch Muskelkater von Olivers Extra-Intervalltraining am Vortag.“ „Die Ärmste. Er ist ein richtiger Sklaventreiber.“ „Ach was, die sind nicht aus Zucker. Ausserdem kann es ja gar nicht genug Bewegung geben, wenn es nach ihr geht.“ „Stimmt auch wieder.“ Wir sassen noch eine Weile da und genossen die Abendstimmung. Bald wurde es aber zu kalt, sodass wir es uns drinnen gemütlich machten, ehe wir uns für die letzten Trainingseinheiten zurück in den Stall verteilten.
    • Occulta
      Auf zu neuen Abenteuern!
      A Winter’s Day, Phantom, Matinée, HMJ Honesty, Mansur

      „Hast du alles?“ „Das werde ich früh genug herausfinden…“ Ich schmiss das letzte Sockenpaar in den Koffer, dann kniete ich mich auf den Deckel, um ihn zu verschliessen. Es war ein seltsames Gefühl, nun tatsächlich nach Schweden zu reisen, um mein Makeover-Pferd kennenzulernen. Ich hatte mich auf die gescheckte Stute namens HMJ Honesty beworben und zu meiner grossen Freude die Zusage bekommen. Allerdings hatte mich das Ganze dann doch etwas unvorbereitet erwischt. Irgendwie war mir nämlich nicht in den Sinn gekommen, für alle Fälle vorzusorgen und die Abläufe auf meinem eigenen Hof während meiner möglichen Abwesenheit zu regeln. Zum Glück hatte ich Jonas, dem ich wortwörtlich bloss eine Checkliste in die Finger zu drücken brauchte. Er half mir sowieso auch sonst, also wusste er bereits, was zu tun war. Und Lisa war auch noch da, falls alle Stricke reissen würden. Trotzdem machte ich mich mit gemischten Gefühlen auf den Weg nach Schweden; zum einen, weil ich nicht so recht wusste, was mich dort erwartete - zum anderen, weil ich Jonas und Lily und meine ganzen Vierbeiner jetzt schon vermisste, auch wenn es nur für eine Woche war. Deshalb machte ich auch nochmal eine letzte Stallrunde, bevor es definitiv losging. Ich musste schliesslich meinen vielen Lieblingen aufwiedersehen sagen. Besonders lange blieb ich bei Winter stehen, der mit seiner rosafarbenen Schnauze meine Schulter massierte, als ich ihm den Hals zu kraulen begann. Wenn sie im Fellwechsel sind, werden sie noch verschmuster als sonst, überlegte ich liebevoll. Jonas brachte mich und mein Gepäck zum Flughafen, sobald ich mich endlich losreissen konnte. Wir küssten uns zum Abschied und ich musste versprechen zu schreiben sobald ich in Schweden landete. Ehe ich mich versah, befand ich mich schon über den Wolken.

      Bekanntgabe der Vergabe der Pferde auf der Lindö Dalen Stuteri in Schweden

      Nico rollte auf das Rednerpodest zu, welches Collin für die Ansprachen vorbereitet hatte. Nico warf Collin einen bösen Blick zu, als er dank seines Rollstuhls vor dem Podest stehen bleiben musste, anstatt, wie es für den Veranstalter üblich gewesen wäre, darauf zu stehen. Ein Helfer stürzte hervor und richtete das Mikrofon auf Nico aus, der ihn jedoch nur wieder mit einer wirren Geste davonschickte.
      Er räusperte sich und blickte sich um. Die Sonne schien und einige der Zuhörer hatten bereits Sonnenbrillen auf. „Sehr geehrte Teilnehmer und Teilnehmerinnen,
      Danke, dass ihr alle euch auf den Weg gemacht habt, um eure Pferde zu einem neuen Horse Makeover willkommen zu heißen!
      Dieses Jahr arbeiten ich und mein Team aktiv mit dem Tierschutz zusammen. Gemeinsam haben wir uns auf die Suche nach Pferden gemacht, die aufgrund von verschiedensten Umständen gerettet oder abgegeben worden sind und nun mithilfe des Makeovers eine neue Aufgabe erhalten sollen.
      Außerdem solltet ich euch dieses Jahr auf den Trainerposten bewerben und ich danke allen, die ihr Glück versucht haben! Wie bereits in euren Einladungen angekündigt, sind alle hier Anwesenden auserwählt wurden. Herzlichen Glückwunsch!“
      Nico legte eine kurze Pause ein und blickte auf die Notizen in seinen Händen. „In wenigen Augenblicken werdet ihr das allererste Mal eure neuen Trainingspartner kennenlernen und gemeinsam in das neue Zuhause eures Schützlings fahren. Um ehrlich zu sein, habt ihr es uns nicht leicht gemacht zu entscheiden! Dennoch erfolgt nun die Verkündung.“
      Nico blickte leicht zu seiner linken Seite und sah, wie bereits der erste Helfer das erste HMJ-Pferd am Strick führte, um es in wenigen Sekunden seinem neuen Besitzer zu übergeben.
      HMJ Divine geht mit großer Freude an das White Horse Creek Stud, vertreten durch Luchy Montrose! Das WHC hat bereits in der letzten Runde große Leistung gezeigt und wir vertrauen darauf, dass ihr euch dieses Jahr genauso gut um euren Schützling kümmern werden!“, sagte Nico, als der magere Divine vorgeführt wurde. Luchy trat entspannt nach vorne, schüttelte Nico die Hand, verbeugte sich kurz und nahm dann Divine an sich, um ihn aus dem Trubel herauszuführen.
      HMJ Honesty geht an die Pineforest Stables, vertreten durch Occulta Smith! Als Neuling in der Horsemakeoverwelt hoffen wir sehr, dass auch du begeistert davon bist und deinen Schützling zu einem Partner heranziehst, wie du es bereits bei Matinée getan hast“, sagte Nico als Nächstes und beobachtete Occulta dabei, wie sie Honesty an sich nahm. Bei ihr war er besonders gespannt, wie sie sich zeigen würde.
      Dann wandte er sich wieder seinem Blatt zu. „HMJ Saintly geht an die Bow River Ranch, vertreten durch Caleb O’Dell, sowie seinen Helfer Tschetan. Auch die BRR war beim HMJ 2019 engagiert dabei und deshalb denken wir, dass Saintly bei dir gut aufgehoben sein wird.“
      HMJ Courtesy geht an das Deer Forrest EC“, fuhr er fort, als Saintly abgeführt war und das nächste Paint Horse auftrat. „Vertreten durch Juna und Luna! Das Gestüt war vergangenes Jahr mit an der Spitze dabei und hat die Stute von Grund auf verändert und deshalb denken wir, dass diese Stute bei euch in guten Händen sein wird.“
      Nico atmete hörbar schwer aus. „Auch bei HMJ Pious war es eine schwierige Entscheidung. Schlussendlich haben wir uns für Leticia Weidner entschieden, die beim HMJ zwar ein weiteres unbekanntes Gesicht ist, uns jedoch mit ihrer offenen Art vollkommen überzeugt hat. Pious wird bei dir in guten Händen sein.“
      Die nächsten Kandidaten und Kandidatinnen stellte Nico recht zügig vor. Er freute sich über die erhellten Gesichter der neuen Besitzer, die zwar einerseits erstaunt über den Zustand der Pferde waren, gleichzeitig aber motiviert in die Zukunft schauten. „HMJ Glory geht an Equitación de Sueños, vertreten durch Cathrine Morgan! Noch ein Neuling, den ich herzlich beim Makeover begrüßen darf. Du wirst mit diesem Schützling eine guten Einstieg ins Makeover haben.“
      HMJ Charity geht an das Birkenhofgestüt, vertreten von Ian Monroe und Reyna Huntington als Team! Wir freuen uns zu hören, dass Charity die Nächstenliebe im wahrsten Sinne des Wortes mit euch als Team näher bringen kann. Ihr beide wart bereits beide 2019 Mitglieder des Makeovers und wir hoffen, dass ihr beide eure Aktivität noch verstärken könnt.
      HMJ Blessing geht nach langem Überlegen und Abwägen an das Hollybrook Stud, vertreten durch Samantha O’Neill! Wir denken, dass unsere Blessing am besten zu dir und deinem Hof passt, da du sowohl in der letzten Runde alles gegeben und dabei aus Elfentanz unglaubliches herausgeholt hast, als auch auf eine langjährige Erfahrung mit Vollblütern zurückblicken darfst. Herzlichen Glückwunsch.
      HMJ Sacred geht an den Rosenhof, vertreten durch Nina Beaulieu! Wir freuen uns sehr, sowohl einen Neuling in der Makeoverwelt, als auch ein Neuling in der Gestütsführung begrüßen zu dürfen. Sacred ist kein einfaches Pferd, dennoch glauben wir, dass du als Tierärztin ihm optimal helfen kannst und diesen rohen Diamanten schleifen wirst.
      HMJ Holy geht an das Lindö Dalen Stuteri, vertreten durch Hedda Wallström mit der Hilfe ihres großen Bruders Folke Wallström! Wir freuen uns auch hier Neulinge begrüßen zu dürfen und besonders, dass unser Projekt bereits jüngere Menschen erreicht hat. Auch wenn Holy nicht gerade ein Kinderpony ist, denken wir, dass ihr als Team das schaffen werdet.
      HMJ Brilliance geht an das Canadian Liberty Creek Stud, vertreten durch Stefanie Westside! Über so viele Neulinge kann man sich ja nur freuen und deshalb hoffen wir, dass du mit deinem Schützling einen gutes Star hinlegst und die Stute aufpäppeln wirst.
      HMJ Benevolence geht an das Winterscape Stud, vertreten durch Ann England! Hoffentlich kannst du dir deinen Traum eines Herzenspferdes mit diesem Schützling erfüllen und bereust es nicht, dich hier beworben zu haben.
      HMJ Exaltation geht an die Black Oak Stables, vertreten durch Laraya Shizuka! Unter den vielen Neulingen ein bekanntes Gesicht und wir hoffen, dass du mit diesem Hengst genauso gut klarkommst und das beste aus ihm herausholst, wie du es im letzten Jahr mit Pilgrim getan hast.
      HMJ Grace geht an das Den Vackra Trakehner Stud in Zusammenarbeit mit den Roanoak Stables! Gemeinsam werdet ihr aus Grace eine wunderbare Stute machen und ihr einen neuen, besseren Start ins Leben ermöglichen.“
      Nico blickte auf. Es war fast geschafft. Vierzehn Pferde waren in den letzten Minuten an ihm vorbeigelaufen und hatten ihre neuen Besitzer begrüßen dürfen. Ein Pferd fehlte noch.
      „Leider haben wir für HMJ Humble keinen Interessenten gefunden, weswegen wir uns dafür entschieden haben, ihn mit nach Phoenix Valley zu nehmen und unter Aufsicht unseres verantwortungsvollen Trainers Malte Tordenværson vorerst auszubilden.
      Ich bedanke mich bei euch für eure Aufmerksamkeit!“, beendete Nico seine Rede. Schwaches Klatschen breitete sich zögerlich aus, mehrere Blicke gingen in die Richtung der Pferde, aus Angst, sie könnten sich erschrecken.
      „Nun da wir das hinter uns haben, übergebe ich das Wort an Collin Jones, der stellvertretend für das Lindö Dalen Stuteri euch ein paar Infos zur Unterbringung eurer Pferde unterbreitet wird“, sagte Nico und gab erleichtert das Mikrofon an Collin, der bereits neben ihm stand, jedoch auch davon absah, das Rednerpodest zu verwenden.
      „Danke Nicolaus, ja genau ich bin Collin Jones und wohne mit meinem Team auf dem Lindö Dalen Stuteri auf einer Insel im wunderschönen Schweden. Wir haben zusammen mit den Veranstaltern Malte und Nicolaus beschlossen, dass das diesjährige Horse Makeover seinen Anfang hier haben wird. Als ehemaliger Teilnehmer fühle ich mich sehr geehrt, die Neulinge und ein paar bekannte Gesichter bei uns begrüßen zu dürfen! Ihr habt eine Woche Zeit bis die Pferde in ihr neues Zuhause ziehen dürfen und in dieser Zeit stehen euch die Anlagen des Gestüts zur freien Verfügung: Reitplatz, Halle, Roundpen und eine große Ovalbahn, zudem bietet das große und meernahe Gelände vielfältige Möglichkeiten spazieren zu gehen. Für eure Unterkunft ist im Nachbardorf Revsudden gesorgt. Dort steht euch eine Pension zur Verfügung mit Einzel oder wahlweise Doppelzimmern.
      Die Pferde kommen während der Zeit auf unserem Hof auf Geschlechter getrennten Weiden unter und für ihre Versorgung ist ganztägig gesorgt - große Heuraufen, mit Bioheu aus eigenem Anbau, da die Weiden nicht sonderlich stark bewachsen sind. Wenn euch schon ein spezielles Ernährungskonzept vorschwebt, dann erhaltet ihr das Futter selbstverständlich von uns.
      Die nächste Woche könnt ihr also dafür nutzen, eure Pferde kennenzulernen und dann in aller Rihe den Heimweg anzutreten.“
      Collin hielt kurz inne. „Achso. Außerdem möchte ich euch noch Benni Becks vorstellen.“ Er zeigte auf einen hageren Mann mit kurzen Haaren und großer Brille, der mit seinem sanften Lächeln ein paar Schritte nach vorne trat.
      „Benni ist vom Tierschutz und dieses Jahr für die Gesundheit der HMJ Pferde verantwortlich. Möchtest du noch ein paar Worte sagen?“
      Benni trat neben ihn und nahm das Mikro ab. „Zu allererst sei gesagt, dass ihr euch bitte nicht vor mir fürchten oder schämen müsst. Mein einziges Ziel ist es, dass es den Pferden bald besser gehen wird und das werde ich tatsächlich die nächsten Monate auch regelmäßig kontrollieren. Ich bin selber Tierarzt und auf Pferde spezialisiert und habe in den letzten Wochen alle Pferde sehr gut kennenlernen dürfen. Es wird also angekündigte, wie auch unangekündigte Besuche geben, bei denen ich die Pferde kontrollieren und euch eventuell Fragen stellen werde.
      Aber nicht nur ich werde Fragen stellen, auch ihr dürft gerne jeder Zeit auf mich zukommen. Neben Nico und Collin kann ich euch in fast allen Dingen, die das Makeover betreffen, weiterhelfen.“
      Er gab das Mikrofon an Collin zurück, der einen Moment verwirrt wirkte, was er nun noch sagen sollte. „Nun ja, genau. Wie Benni bereits sagte, wir drei werden in Zukunft eure Ansprechpartner sein. Kommt bitte bei jeglichen Problemen auf uns zu, wir können helfen.“
      Fragend hielt Collin Nico das Mikro hin, der winkte aber entschieden ab, sodass Collin selbst weiterredete.
      „Heute Abend wird es ein gemeinsames Buffet geben, bis dahin: Richtet euch ein, begrüßt eure Pferde und kommt heute Abend zum gemeinsamen Abendbrot!“

      Text von Zion und Canyon

      Nach der Bekanntgabe der Vergabe der Eventpferde auf dem „Lindö Dalen Stuteri“ stand ich erstmal noch ganz überrumpelt neben der Scheckstute, deren Führstrick ich soeben überreicht bekommen hatte. Honesty sah genau so aus wie auf den Bildern. Sie war eine Dunkelfuchsscheckstute, in einem ähnlichen Farbton wie Mansur von Rosie. Im Moment trug sie jedoch, anders als der heissblütige Araberhengst, noch eine wollige Winterfellpracht, in der sie offenbar auch ein wenig zu warm hatte bei den beinahe schon sommerlichen Temperaturen die momentan herrschten. Sie war kleiner, als ich sie mir vorgestellt hatte. Um die 1,40 schätzte ich, also Ponygrösse. Dafür sah sie, für ein anscheinend untrainiertes Pferd, erstaunlich wohlbemuskelt und drahtig aus. Ihr Bauch war schlank und ihre Beine ebenso kräftig wie der markante Unterhals, der mir sofort ins Auge fiel. „Na haben wir aber ein Stück Arbeit vor uns…“, murmelte ich. Auf meinen Versuch hin, sie zu berühren, wich Honesty seitwärts. Offenbar war sie noch nicht viel Menschenkontakt gewohnt. Ich wusste nur, dass sie in einer Kuhherde gefunden worden war. Wie ein scheinbarer Mustang sich auf die Weide eines Bauern in Schweden verirren konnte, war mir ein Rätsel. Einen Freeze Brand hatte sie auch nicht, woraus ich schloss, dass sie entweder nur aussah wie ein Mustang, oder aber illegal gefangen worden war. „Na zumindest siehst du selbst ein wenig aus wie eine Kuh – das macht das ganze ein kleines bisschen plausibler“, stellte ich murmelnd fest. Die übrigen Teilnehmer setzten sich in Bewegung, also forderte ich die Stute ebenfalls auf, mir zu folgen. Sie tat es, zögerlich, weil alle anderen Pferde es vormachten. Offenbar war sie sehr herdenorientiert. Wir brachten die Pferde zu den Weiden, auf denen sie, nach Geschlechtern getrennt, fürs erste verweilen würden.

      Da ich eine Frau der Tat war und ohnehin nicht wusste, was ich sonst mit der ganzen Zeit bis zum Abendessen anfangen sollte, sobald ich meine Koffer in der Pension in Revsudden entleert und den ersten Rundgang auf dem Gestüt hinter mich gebracht hatte – beschloss ich kurzerhand, schon heute mehr über HMJ Honesty in Erfahrung zu bringen. Als ich also mit dem von der Royal Peerage Sattlerei gesponserten, blauen Knotenhalfter bewaffnet zum zweiten Mal die Weide betrat, war ich voller Motivation. Honesty teilte meine Begeisterung nicht wirklich. Sie wollte lieber mit der anderen Mustangstute, der schneeweissen HMJ Brilliance, Kopf an Kopf grasen, als sich auf den nervigen, seltsame Geräusche von sich gebenden Zweibeiner einzulassen. Als ich zu nahe kam, trabte sie schliesslich sogar weg. Ich blieb aber hartnäckig; Honesty war nicht das erste freiheitsliebende Pferd, das ich gegen seinen Willen von der Weide holen wollte. Matinée hatte mir diesbezüglich so einiges beigebracht, wie ich mich schmunzelnd erinnerte. Ich nutzte dieselbe Taktik wie bei der Mausgrauen Stute zuhause und überzeugte Honesty mit Pressure und Release im richtigen Moment. Es dauerte zwar einige Minuten, aber am Ende konnte ich mich vorsichtig nähern und ihr das Halfter um den Hals schlingen, bevor sie es sich anders überlegte. Ich lobte die Stute durch Halskraulen, auch wenn ich das Gefühl hatte, dass sie es womöglich noch nicht als Lob verstand. Sie folgte mir erstaunlich brav bis zum Weidetor, danach ging das Theater jedoch los, denn anders als beim letzten Mal waren wir diesmal alleine. Wie ich bereits erwartet hatte, wieherte die Stute lautstark und spielte sich auf, um mir klarzumachen, dass sie lieber zurückwollte. „Ich habe schon verstanden, dass du nicht mitkommen willst. Aber du wirst dich leider in nächster Zeit noch öfter mit mir beschäftigen müssen.“ Ich stellte erleichtert fest, dass der Roundpen frei war. Da ich nicht wusste, ob und wie gut sich Honesty anbinden liess, machte es vorerst keinen Sinn, sie putzen zu wollen. Auch wenn ich sie gerne von dem juckenden Winterpelz befreit hätte. Stattdessen musste sie noch etwas mehr schwitzen als sonst – nämlich so viel, bis sie sich beruhigte und die Ruferei nach den anderen aufgab. Nun wurde sie langsam ansprechbar und ich konnte anfangen, ihre vier Beine zu kontrollieren. Ich bestimmte die Richtung, in die sie im Roundpen trabte und immer mehr auch das Tempo. Nach einer Viertelstunde leckte sie sich die Lippen und begann, den Kopf nicht mehr ganz so hoch zu tragen. Ich lobte das sofort, indem ich mich möglichst einladend hinstellte und den Druck wegnahm. Honesty hielt an und beäugte mich mistrauisch. Ich liess ihr einen Moment Zeit. Noch bevor ich meinen nächsten Schritt planen konnte, machte die Scheckstute ein paar neugierige Schritte auf mich zu. Überrascht liess ich sie herankommen und an meiner Hand schnuppern. Dann standen wir beide einfach für eine Weile da, bis sie sich sogar soweit entspannte, dass sie den einen Hinterhuf aufstützte. Sie sah dabei stets aufmerksam in der Gegend herum, aber nun immerhin nicht mehr so, als würde sie nach einer Fluchtmöglichkeit suchen. Ich beendete die Trainingseinheit nach einer Weile ruhigen Existierens und entliess Honesty zurück auf die Weide. Sie entfernte sich mit ein paar trotzigen Freudensprüngen. Ich lachte und fand, dass sie ziemlich gut zu mir passte. Schliesslich mochte ich Pferde mit Charakter.

      Das Abendessen war köstlich – ebenso wie die Gelegenheit, mich mit den anderen Teilnehmern auszutauschen. Es wurde rege über die unterschiedlichsten Herangehensweisen diskutiert, von Futterbestechung bis Parelli war alles dabei. Ich hörte vor allem aufmerksam zu und redete eigentlich nur, wenn ich etwas gefragt wurde. Zum Beispiel, ob ich Honesty nach dem Makeover behalten wollte. „Ich weiss es noch nicht, aber eher nicht. Ich habe mehr als genug Pferde zuhause und ich bin sicher, dass sie es auch anderswo ganz gut haben wird, wenn sie sich erstmal auf Menschen einlässt“, antwortete ich ehrlich. Für mich war es in erster Linie ein Abenteuer, das ich auf jeden Fall geniessen wollte, egal wie das Resultat am Ende ausfiel.

      Als ich nach dem Essen in meinem Zimmer in der Pension lag, schrieb ich Jonas, dass ich den ersten Kontakt mit Honesty überlebt hatte. Er fragte mich förmlich aus, bis meine Finger müde vom tippen wurden. „Warum rufst du eigentlich nicht einfach an?“ – tippte ich gegen Schluss. Die Antwort war ernüchternd: „Ach ja, hätte ich auch machen können.“ Ich schickte ihm ein Rollaugen-.gif und las dann noch die ganzen übrigen Nachrichten, die ich den Tag hindurch ignoriert hatte. Bevor ich mich definitiv schlafen legte, las ich ausserdem erneut die E-Mail, die ich als Bewerbung an das Makeover Team geschickt hatte.

      Guten Tag, mein Name ist Occulta Smith. Ich habe das letztjährige Makeover mit Spannung vervolgt und hätte grosses Interesse, am diesjährigen teilzunehmen.

      Ich habe bereits Erfahrung mit hartnäckigen Wildpferden - das dank meiner Mustangstute Matinée. Die Mausfalbstute war eine echte Knacknuss, was auch auf ihre vorherigen Erfahrungen mit Menschen zurückzuführen war, aber mittlerweile sind wir zwei ein Team, auch wenn es noch viel zu erarbeiten gibt. Meine ersten Erfahrungen mit Wildpferden habe ich allerdings mit dem ehemals freien Hengst Phantom gemacht. Inzwischen Wallach geworden, war er bei seiner Ankunft verängstigt und misstrauisch. Ich konnte jedoch schnell einen Draht zu ihm finden und ein starkes Vertrauensverhältnis aufbauen, das uns heute durch Dick und Dünn gehen lässt. Auf den Rappen ist Verlass, und seine Robustheit und Trittsicherheit konnten mich von der Qualität der Mustangs überzeugen.
      Deshalb interessiere ich mich besonders für die Stute namens 'Honesty' – auch, weil deren Geschichte mich fasziniert. Einfach auf einer Kuhweide aufgefunden? Das klingt mysteriös. Der Charakter von 'Honesty' gefällt mir ebenfalls sehr gut. Ich mag nämlich selbstbewusste, mutige Pferde und die Herausforderung, die solche Vierbeiner mit sich bringen. Ich habe das Gefühl, dass Honesty sich auch gut mit Phantom verstehen würde, denke allerdings, dass Matinée etwas eifersüchtig werden könnte. Zu guter letzt gefällt mir die gesamte Ausstrahlung der Stute sehr gut. Ihr Körperbau wirkt kräftig und doch elegant, genau so wie ich es mir von einem Mustang wünschen würde. Die Farbe von 'Honesty' finde ich ebenfalls sehr ansprechend - ich habe auch schon den Araber meiner Kollegin bewundert, der eine ähnliche Farbe trägt. Den Kontrast des dunkelroten Fells mit dem Weissen finde ich einfach umwerfend. Grundsätzlich möchte ich aber vor allem, wenn es denn klappt und ich die Zusage bekomme, mit der Stute arbeiten, sie kennenlernen und mich mit ihr auf dieses Abenteuer einlassen.
      'Honesty' würde auf dem Gestüt Pineforest Stable trainiert werden, das für diese Aufgabe über mehr als ausreichende Infrastruktur verfügt und mit grossen Weiden lockt. Sie würde zu den Stuten in den Offenstall kommen, gemeinsam mit Phantom und Matinée. Ich arbeite vielseitig und ausgiebig mit meinen Pferden, achte aber stets auf deren unterschiedliche Bedürftnisse und darauf, dass sie nicht überfordert werden. Ich bilde auch jedes Jahr eine Handvoll Jungpferde aus; habe also entsprechend viel Erfahrung mit dem Thema Ausbildung. Ich bestehe darauf, alle auszubildenden Pferde zuerst gebisslos anzureiten und erst später an die Trense heranzuführen, meistens arbeite ich ausserdem die ersten Male ohne Sattel, aus Sicherheitsgründen und weil ich dadurch direkteren Kontakt zu den Pferden habe. An das letzte Makeover habe ich mich aus Zeitgründen nicht angemeldet – ich hatte einfach zu viel auf meinem Gestüt zu tun. Nun sieht die Situation ein wenig besser aus, sodass ich zuversichtlich bin, dass ich genug Zeit für die Arbeit mit 'Honesty' haben würde.


      Ich freue mich, von Ihnen zu hören!

      Mit freundlichen Grüssen,
      Occulta Smith

      Es kam mir fast schon etwas peinlich vor, wie viel ich von Phantom und Matinée geschrieben hatte. Aber offenbar hatte ich damit die Organisatoren überzeugen können. Ich legte das Smartphone endlich weg und kuschelte mich in die ungewohnte, aber weiche Decke. Ich war unheimlich gespannt, was uns alles erwarten würde.
    • Occulta
      [​IMG] E-A
      PFS’ Snap in Style, PFS’ Stromer’s Victory, PFS’ Cupid, PFS’ Sciaphobia, PFS’ Riptide, PFS’ Vivo Capoeira, PFS’ Call it Karma, PFS’ Whirlwind, Stars of Magic, Namuna, Mansur, Scooter, PFS’ Reverie, PFS’ Karat, Maekja van Ghosts

      Als ich am Morgen nach meiner Heimkehr aus Schweden aufstand, die vertrauten vier Wände meines Zimmers erblickte und den schlafenden Bären neben mir zufrieden grummeln hörte, fühlte ich mich voller Tatendrang. Ich stupste Jonas an, wohlwissend, dass er noch eine Viertelstunde brauchen würde um auf die Beine zu kommen. Dann schlüpfte ich in meine Kleider und bereitete das Frühstück vor. Ich wartete nicht auf meine beiden Lieblingsschlafmützen, sondern strich mir ein Brot mit Erdbeermarmelade, fütterte Hund und Katz, verliess das Haus mit dem Brot zwischen den Zähnen, während ich mir die Jacke anzog - früh morgens war es noch etwas frisch. Die ersten Pfleger tauchten im Hauptstall auf und begannen, die Vollblüter für das erste Training des Tages hervorzuholen. "Gruppe eins heute nicht", erinnerte ich Ajith, der das ganze koordinierte, bis Oliver hier war. "Right Boss." Ich ging raus zu HMJ Honesty, in den Innenhof des Hauptstallgebäudes. Sie sah mich kommen und sah mir interessiert zu, wie ich das Tor zur Führanlage öffnete. "Hey süsse. Wie war deine erste Nacht?" Sie wich zuerst ein paar Schritte zurück, dann prüfte sie meine Hand um zu sehen, ob ich ihr etwas mitgebracht hatte. Ich hatte das Gefühl, das der Umzug hierher uns etwas näher zusammengebracht hatte. Ich war quasi das einzig vertraute in dieser neuen Umgebung. Gegen diesen Gratis-Fortschritt hatte ich nichts einzuwenden. Für den Moment verschonte ich die Scheckstute noch, denn ich wollte erst später, nach dem Mittag, das Training mit ihr wieder aufnehmen. In der Zwischenzeit stand Arbeit mit meinen Jungpferden auf dem Plan. Pünktlich um acht Uhr begannen Lisa und ich, Karat und Reverie zu putzen. Die beiden Furiosos waren heute erst zum dritten Mal unter dem Sattel. Ich kümmerte mich um den schlaksigen Fuchshengst. Er wollte kaum stillhalten beim Putzen; immer wieder zappelte er vor- und rückwärts, oder drehte mir plötzlich ohne Vorwarnung die Hinterhand entgegen. Er war dabei nicht böswillig, sondern bloss gelangweilt und abgelenkt von den Pflegern, die gerade Boxen ausmisteten. Ich erinnerte ihn jeweils energisch an meine Anwesenheit. Ansonsten war der Hengst im Umgang ein Schatz. Er gab brav alle seine Hufe und wenn er sie abstellte, dann nur weil er das Gleichgewicht verlor. Einmal humpelte er sogar auf drei Beinen einen Schritt nach vorne, um sich auszubalancieren ohne mir den Huf aus den Fingern zu reissen. Ich lobte ihn amüsiert, sobald ich fertig war. Den Sattel hatte er nun schon mehrere Male gesehen und auch auf seinem Rücken geduldet, weshalb ich keine grosse Sache aus dem Angurten machte. Ich verhielt mich genauso, wie ich es auch bei einem routinierten Vierbeiner getan hätte. Das gab dem Hengst Sicherheit und er merkte, dass nichts Aussergewöhnliches oder gar Gefährliches passierte. Er liess sich die Trense ins Maul legen und hielt still während ich die Riemen schloss. Ich beobachtete fasziniert seine blauen Augen. Er erinnerte mich so sehr an Satine, es war fast schon unheimlich. Nur dass er noch nie etwas Schlechtes erlebt hatte, und sein Ausdruck daher nicht durch tiefe Stresskuhlen verfälscht wurde. Stattdessen hatte er eine edle, gerade Stirn und seine Augen leuchteten förmlich vor Energie. Sie waren wie schon bei seiner Mutter dunkel umrandet, was das Blau noch kräftiger wirken liess. Ich löste mich von den Kristallaugen los und führte den Hengst zur Halle. Lisa und Reverie waren bereits dort. Als Karat die dunkle Stute erblickte, war er ganz durcheinander. Ich lenkte ihn ab, indem ich seine Füsse bewegte und willkürlich abbog, sodass er sich auf mich konzentrieren musste um rechtzeitig mitzukommen. Das half ein wenig. „Geht es so, Occu? Oder soll ich auf den Platz raus gehen?“, fragte Lisa angesichts des übermütigen Junghengstes. „Nein, schon gut. Der muss das lernen, je früher desto besser“, antwortete ich entschieden. Wenig später stieg ich auf und ritt im Schritt kleine Volten und Schlangenlinien. Der Hengst schwankte deutlich und brauchte klare Hilfen. Aber er gab sich Mühe, und das merkte ich. Jedes Mal wenn er rasch reagierte und ‚einen Schritt in die Richtige Richtung‘ machte, lobte ich ihn ausgiebig. Bei Reverie und Lisa lief es ähnlich, nur dass die Stute deutlich weniger entspannt war. Sie klemmte den Schweif zwischen die Beine und lief nicht so freiwillig vorwärts wie Karat. Als eine Taube von einem Balken aufflatterte, zuckte sie zusammen und machte einen Hüpfer nach vorne. Lisa war aber sattelfest und hatte die junge Stute sofort wieder unter Kontrolle. Sie machte weiter, als wäre nichts gewesen. Wir übten eine halbe Stunde lang Grundlagen, vor allem im Schritt und Trab. Galopp machten wir auf der ganzen Bahn, denn Volten waren schwieriger für die Jungpferde. Es ging dabei erstmal darum, einen guten Vorwärtstakt zu festigen und einigermassen flüssig einzuspringen. Mehr verlangten wir noch nicht. Am Ende liessen wir die zwei am längeren Zügel austraben, stützten sie aber dennoch weiterhin genug, dass sie nicht einfach nach vorne kippten. Karat schnaubte zufrieden und liess den Schweif schön pendeln. Auch Reverie hatte sich inzwischen ein wenig entspannt und kam über den Rücken. Zufrieden ritten wir im Schritt trocken und brachten die zwei anschliessend zurück.

      Als Nächstes waren die Vollblüter dran. Auch mit ihnen übten wir Grundlagen-Dressur, denn sie mussten wie alle Rennpferde auf der Bahn quasi nur geradeauslaufen und bremsen können. Wir begannen jedoch früh damit, zwischendurch auch in der Halle mit ihnen zu arbeiten oder sogar kleine Hindernisse zu springen – natürlich erst, wenn der Körperbau der Jungpferde dies zuliess. Bei Cupid, Snap in Style, Capoeira, Victory, Stars of Magic, Whirlwind, Call it Karma, Sciaphobia und Riptide war das nun der Fall. Ich kümmerte mich um Star. Die Rappstute mit den tausend Galaxien und schwarzen Löchern, wie ich die Sprenkel auf ihrem Hintern gerne nannte, war genau wie Snap ein Jahr älter als die anderen. Die beiden sahen vom Körperbau her etwas ausgefüllter aus, aber die Muskulatur war etwa auf demselben Stand wie bei den Dreijährigen. Ich putzte Star gründlich durch und legte ihr dann einen Vielseitigkeitssattel auf den Rücken. Die jungen Vollblüter hatten keine eigenen Sättel ausser den Trainingssätteln für das Rennbahntraining. Wir wählten aber jeweils Sättel der anderen Pferde aus, die möglichst gut passten. Bei Star konnte ich keinen Mangel feststellen, der Sattel von Caligari passte ihr erstaunlich gut. Die beiden hatten auch einen ähnlichen Körperbau. Wir trafen uns wiederum in der Halle, denn es tröpfelte leicht draussen. Wir ritten alle dieselben im Voraus besprochenen Lektionen und Figuren, fast wie in einer Reitstunde, nur ohne Lehrer. Die jungen Rennpferde orientierten sich gegenseitig aneinander und fühlten sich in der Gruppe wohl, sodass kaum einer auf dumme Gedanken kam. Nur Karma hatte so einen unglaublichen Vorwärtsdrang heute, dass man Charly zwischendurch fluchen hörte, als er zum zweihundertsten Mal abbiegen musste. Auch Star war fleissig, und sie liess sich leicht von ihren Kollegen ablenken, wann immer die uns nahe kamen. Trotzdem schafften wir es, vernünftige kleine Volten und gerade Diagonalen zu fabrizieren.

      Vor dem Mittag kam noch Rosie vorbei – sie brachte Mansur und Namuna mit. Gemeinsam mit Elliot trainierte sie die beiden Araber ebenfalls in der Halle. Es war für sie eine optimale Möglichkeit, die Nachwuchspferde in einer fremden Umgebung zu reiten, auch wen Pineforest natürlich schon nicht mehr wirklich fremd für die beiden war. Trotzdem fand sie, man merke einen deutlichen Unterschied im Vergleich zum Training zuhause. Die Ablenkung war grösser und besonders Namuna liess sich von vielen Kleinigkeiten beeindrucken und schaltete dann jeweils auf stur. Ich beobachtete die Araber interessiert von der Reiterstube aus, während ich mir mit Jonas zusammen eine Tasse Tee gönnte.

      Am frühen Nachmittag kam Suri auf den Hof um ihre beiden Ponys zu bewegen. Sie war mittlerweile ein paarmal auf Scooter gesessen, aber bisher eher zum Spass als für richtige Reitstunden. Heute kam sie mit in die Halle, als ich Honesty dorthin brachte. Lily war selbstverständlich auch dabei. Sie durfte Maekja reiten, die Isländerstute die tragend von Herkir war. Wir mussten sie unbedingt noch auf einer Körung vorstellen, bevor das Fohlen kam. Dafür musste sie aber noch etwas mehr unter dem Sattel gearbeitet werden. Lily sollte heute mit ihr Übergänge, Aussengalopp und Kurzkehrtwendungen üben. Ich konzentrierte mich auf Honesty, beobachtete die beiden Mädchen aber stets im Augenwinkel. Suri und Scoot kamen zurecht. Wir hatten einen einigermassen passenden Sattel für das graue Pony gefunden – den durfte Suri so lange benutzen, bis Scoot genug Muskulatur für einen eigenen Sattel hatte. Im Moment machte es noch keinen Sinn, extra einen anpassen zu lassen. Die Stute war noch zu schlaksig dafür. Suri gab sich sichtlich Mühe, möglichst alles richtig zu machen. Sie hielt die Absätze tief und die Arme schön handbreit über dem Sattel. Ich fand, dass sie zwischendurch den Rücken etwas zu steif gerademachte. Darauf wies ich sie hin, indem ich sie daran erinnerte zu lächeln. Dann entspannte sie sich nämlich jeweils sofort und brach in ein breites Grinsen aus. Amüsiert longierte ich Honesty ein paar Runden, ehe ich mich über ihren blanken Rücken lehnte und aufstieg. Ich nutzte das Arbeitsseil als Zügel, lenkte die Scheckstute aber vornehmlich mit Gewichtshilfen. Als sie zu meiner freudigen Überraschung viel besser mitmachte als gedacht, wagte ich sogar das Antraben. Sie zog zwar den Schweif ein und war zögerlich, aber sie bockte nicht und weil ich nur eine kurze Strecke abfragte, konnte sie sich auch nicht sonderlich aufregen. Ich lobte sie danach sofort und stieg wieder ab. Ich wollte, dass sie merkte dass sich das Mitmachen lohnte und dass Reiten eine tolle Sache war, weil man dann viel Lob bekam und schnell wieder zu seinem Futter durfte. Deshalb verräumte ich sie auch schon wieder in ihren Übergangsstall in der Mitte der Führmaschine. Gegen Abend nahm ich sie aber nochmal raus, um mit ihr spazieren zu gehen. Mein Plan war noch immer, so viel Zeit wie möglich mit ihr zu verbringen, damit sie lernte, sich auf mich zu verlassen.
    • Occulta
      [​IMG] Military E-A
      Maekja van Ghosts, Cambria, PFS' Karat, PFS' Reverie, Brendtwood, PFS' Shadows of the Past, Namuna, Tayr al-Diyari, Mansur, HMJ Honesty

      Nach dem erfolgreich durchgeführten Springtraining am frühen Morgen, wollten wir am späten Nachmittag mit ein paar Pferden in Richtung London fahren, um auf einer Geländestrecke in der Nähe zu trainieren. Der "Springgarten", wie wir ihn gerne nannten, war erst vor etwa einem Jahr erstellt worden und bot eine Vielzahl von verschiedensten Naturhindernissen. Auch HMJ Honesty wollte ich heute mitnehmen, denn das Militarytraining eignete sich hervorragend, um jungen oder unerfahrenen Pferden mehr Mut beizubringen. Nebst der Mustangstute nahmen wir auch Cambria, Woody, Karat, Reverie und Shira mit. Ausserdem fuhr uns Rosie mit Namuna, Tayr und Mansur hinterher. Auf dem Trainingsgelände angekommen, luden wir die Vierbeiner aus dem Lastwagen und sattelten sie. Bis auf Woody und Honesty hatten wir allen Transportgamaschen angezogen. Woody stand meistens ruhig im Anhänger und Honesty war sich die Gamaschen nicht gewöhnt, ausserdem hatten sie beide robustere Gliedmassen als die feinen Warmblüterchen. Sobald alle bereit waren, führten wir die Pferde ein Stück über den kurzen Rasen, bis zum erstbesten Baumstamm, den wir zum Aufsteigen nutzen konnten. Danach ritten wir sie auf dem Sandweg um das Gelände herum warm. Ich sass natürlich im Sattel von Honesty. Die Scheckstute trottete den Warmblütern eifrig hinterher, als wollte sie ihre Herde nicht verlieren. Ich versuchte immer wieder mehr oder weniger erfolgreich, ihre Aufmerksamkeit auf meine Hilfen zu lenken. Aber es gelang mit erst vollständig, als wir mit dem ersten Hindernis begannen. Die Aufwärmübung bestand darin, einen kleinen Baumstamm, gefolgt von einer niedrigen Stufe und anschliessend einem weiteren Baumstamm zu überwinden. Wir liessen die Pferde am Anfang im Trab auf die Hindernisse zugehen, damit sie Zeit hatten, sich alles anzusehen. Cambria, die schon ein paar Military-Trainings hinter sich hatte, hüpfte leichtfüssig vor uns auf den Absatz, sodass Honesty ihr zuversichtlich folgte. Ich lobte die Scheckstute ausgiebig, als sie auch über den zweiten Baumstamm einen kleinen aber feinen Hüpfer nahm. Als nächstes versuchten wir uns an einem weiss umrahmten Graben. Den fanden alle bis auf Cambria ziemlich unheimlich. Besonders bei Reverie dauerte es eine Weile, und wir mussten zur Hilfe alle Pferde auf die andere Seite des Grabens stellen, um sie zu locken. Karat hingegen stoppte zwar, sah sich den Graben dann aber ganz genau an und nahm kurz darauf einen Satz darüber, mit ein paar anschliessenden, übermütigen Bocksprüngen. Überhaupt waren die Pferde sehr energievoll unterwegs; gelegentlich hörte man ein Quieken oder Grunzen, über oder nach einem Sprung, und das ein oder andere Gehampel war auch nicht zu vermeiden. Die Zeit ging so rasch vorüber, dass ich ganz überrascht auf die Uhr sah, als es bereits eindunkelte. "Okay folks, enough for today ", rief ich quer durch den Garten. Wir liessen die Pferde austraben und zum trocknen ohne Sattel ein wenig grasen. Duschen mussten wir sie zuhause aber dennoch.
      Als alle wieder in ihren Boxen standen und die Reste der abendlichen Heuration sortierten, holte ich Maekja raus. Auch mit ihr wollte ich noch ein wenig Military üben, allerdings nur in unserem Hauseigenen kleinen Parcours. Ich schaltete das Flutlicht ein, denn mittlerweile war es dunkel. Wir wärmten uns rasch auf, dann übte ich eine halbe Stunde lang intensiv mit ihr. Wir komzentrierten uns vor allem auf den kleinen Teich, denn Einsprünge ins Wasser machten ihr noch etwas Angst. Sie überwand sich für mich und schaffte alle von mir gestellten Aufgaben. Zufrieden lobte ich sie und liess sie am langen Zügel auf der Ovalbahn trockenlaufen.
    • Occulta
      Proposal
      Namuna, Mansur, Farasha, Fallen Immortality, Tayr al-Diyari, Dancing Moonrise Shadows, Nimué

      Es war Nachmittag, und die Spätsommersonne brannte ungeschwächt durch den hellblauen Himmel. Zwar hatte es vergangene Woche geregnet, aber mittlerweile war es wieder 30 Grad warm und es herrschte Mittelmeerstimmung: frühmorgens und spätabends spielte die Musik. Eigentlich. Gerade begann ich damit, die Putzsachen und die Ausrüstung von Tayr vorzubereiten. Ich wollte mit dem Fuchshengst in der Halle Bodenarbeit machen, bevor Murray Tàileach zu Besuch kam. Tayr beobachtete mich bereits interessiert, als ich die Putzbox vor seine Box platzierte. Ich streichelte seine Nase und schob die Tür auf, um ihn aufzuhalftern. Er wollte aber zuerst die Halme bei der Türschwelle fressen, die soeben offenbahrt worden waren. Ich liess ihn machen, denn wir hatten noch reichlich Zeit. Schliesslich nahm er den Kopf hoch und ich konnte ihm das petrolfarbene Knotenhalfter umbinden. Das Nasenband hatte ich rundherum selber von Hand mit Rocailles umstickt, wobei sich auf der Unterseite ein polsternder Lederstreifen befand. Das Muster war türkis-orange-weiss. Es stand Tayr ausgezeichnet, aber auch auf Farasha und Fay sah es schick aus. Für Mansur und Namuna hatte ich ein ähnliches in schwarz, mit rot-blau-schwarz-weisser Verzierung.
      Tayrs kurzes Sommerfell begann bereits ein wenig zu haaren. "It's way too hot for that, still", bemerkte ich skeptisch. Die orangen Haare lösten sich beim Striegeln zusammen mit dem Staub und blieben auf dem Rücken des Hengstes liegen, bis ich sie mit der Staubbürste wegspickte und das darunterliegende, nun glänzende Fell hervorkam. Ich kämmte vorsichtig die lange Mähne und den seidigen Schweif. Tayrs Hufe sahen etwas lang aus, ich musste also bald den Hufbearbeiter wieder kommen lassen. Nun führte ich den Fuchs in die Halle und lief mit ihm zuerst ein paar Runden Schritt. Danach begann ich, seine Hinterhand zu bewegen, ihn seitwärts zu schicken und zu locken, ihn im Schulterherein auf dem Hufschlag zu führen und an der Hand zu traben. Ich wollte, dass er aufmerksam war und gleich stoppte, wenn ich es tat. Tayr war begeistert von den Übungen. Er machte mit solch einem Eifer mit, dass es manchmal fast schon zu viel wurde und ich ihn beruhigen musste. Sein Temperament kam zum Vorschein, als er beim Antraben übermütig den Kopf verdrehte und quietschte. Ich lachte über diese Lebensfreude und fand seinen Ausdruck toll. Wir übten auch noch als Spielerei den Spanischen Schritt. Er konnte erst die Vorderbeine einzeln anheben, ohne dabei vorwärts zu laufen. Aber ich verlangte immer wieder abwechslungsweises Beinheben und dann einen Schritt nach vorne. Nach und nach würde er es verknüpfen, so hoffte ich. Nach einer halben Stunde gingen mir die Ideen aus und ich führte ihn nach draussen, wo er auf einem Spaziergang auf dem Hof noch ein wenig grasen durfte. Was er auch tat, obwohl er bereits den ganzen Morgen auf der Weide verbracht hatte.
      Eine Stunde später fuhr Murray mit seinem Mietwagen auf den kleinen Kiesparkplatz. Ich kam aus dem Haus und begrüsste ihn fröhlich. "Do you want a cup of tea first, or shall we start with the horses?", fragte ich ihn herausfordernd. "Horses of course. Tea's for later", gab er entschlossen zurück. Er begleitete mich in den Stall. "Farasha or Fay?" Er überlegte kurz, dann meinte er "Farasha. Fay doesn't like me..." Ich schmunzelte und erklärte, dass Fay manchmal allgemein etwas schwierig sei und das nicht unbedingt viel mit ihm zutun hatte. Wir halfterten trotzdem Farasha. Die nachtschwarze Stute stand beim Putzen brav still und spielte entspannt mit dem Anbindeseil. Ein schrilles Wiehern unterbrach uns. Farasha spitzte die Ohren und hob den Kopf. Es war von Mansur gekommen - er hatte durch sein Boxenfenster zwei Pferde von Pineforest gesichtet. Bei genauerem Hinsehen erkannte ich Lisa und Anne, mit Nimué und vermutlich Shadow. Sie waren auf einem Ausritt und verschwanden gerade wieder im Wald. Murray holte Farashas Sattel und legte ihn selbstbewusst auf ihren Rücken. Beeindruckt hob ich die Augenbrauen, als er den Sattel selbstständig zurechtrückte und den Gurt anzog. Er erklärte stolz "I did my homework." "I can see that. Youtube videos?", neckte ich. "Nuh. I took lessons at a riding school near my place. You'll be surprised." Ich verschränkte gespannt die Arme und sah zu, wie er Farasha zäumte. Dann liefen wir zur Halle. Er stieg ohne meine Hilfe auf und begann, die Araberstute im Schritt warmzureiten. "Keep your heels down, hands together", korrigierte ich. Ansonsten sah es aber wirklich schon anständig aus. Er liess Farashas Zügel schön lang, sodass sie den Kopf in die Tiefe strecken konnte und sass längst nicht mehr so wackelig im Sattel wie die letzten Male. Nach ein paar Runden liess ich ihn antraben. Er setzte den Befehl prompt um, allerdings etwas unvorbereitet. Farasha nutzte es aus und rannte freudig los. "Keep your contact on the reins. Don't let her shoot forward like that." Murray fing die Araberstute rasch wieder ab und konzentrierte sich auf seinen Leichten Sitz, um in Balance zu bleiben. Auch das hatte sich verbessert; er hatte nun einen gleichmässigen Takt und geriet nicht mehr hinter die Bewegung wie zu Beginn. "Legs back", rief ich, als er seine Beine beim Schrittübergang wegstreckte. Er setzte es sofort um. Zufrieden beobachtete ich seine Bewegungen und liess ihn eine Lektion nach der anderen zeigen. Im Galopp neigte er noch dazu, einen unsicheren Buckel zu machen. Aber insgesamt sah man, dass er fleissig gewesen war. "I'm impressed", gab ich zu, als er in den Schritt parierte und Farasha die Zügel hingab. "Now we can go on whole weekend trailrides." Er grinste unbeeindruckt. "Sure, why not." Ich hielt Farasha, während er abstieg. Dann führten wir die Rappstute zurück in den Stall. Wir nahmen ihr den Sattel ab, bürsteten das zerzauste Rückenfell und ich wusch den edlen Kopf mit einem feuchten Schwamm, überall dort, wo das Zaumzeug gelegen hatte. Danach durfte Farasha in ihrer Box über die wohlverdienten Karotten herfallen. Murray hatte ihr ausserdem einen Apfel mitgebracht. "Tea-time", stellte ich mit einem symbolischen Blick auf die Uhr fest. Wir liefen zum Haus und setzten uns auf die Veranda. "How's work?", fragte ich ihn, bevor ich die Tasse ansetzte. "Boring as ever. But I have exciting new plans, thanks to you." Ich hob überrascht die Augenbrauen. "Thanks to me? And what would those be?" "I want to move to the highlands. I found a nice little farm somewhere hidden between the hills. I thought of maybe getting one or two horses as well." "Really? And your job?" "Home-office. No problem." "Well - that's awesome!" "Right?" "The highlands... I'd love to go there. Must be perfect for endurance riding!", scherzte ich schwärmerisch. "About that... Well, I know this must sound silly, considering you have your own farm here and all... But I thought, just perhaps... You'd like to come with me? I'm sure your arabians would love the highland grass, and when you see it, you will love the house." Er suchte vorsichtig wie ein scheuer Hund Blickkontakt. Ich wusste, worauf er hinauswollte. Er war ja auch ein netter Kerl. Er brachte mich immer zum Lachen, war charmant mit seinem speziellen Akzent und erst noch einigermassen gutaussehend. Ich mochte ihn wirklich gerne, aber: Ich presste zögerlich meine Lippen zusammen. "Hmm... It sounds like a lovely idea... But the thing is, I am really happy here... I'd hate to leave now that I built everything up. I'm sorry Murray..." "Nah, no problem. I didn't expect you to jump right into it. Just know that if you one day feel like trying something new, you will always be welcome." "Thank you. I probably don't deserve this offer, but I'll remember it." "I hope you will." Unangenehme Stille breitete sich für einen Moment aus, und ich überlegte, wie ich sie möglichst elegant vertreiben konnte. Murray nahm mir die Unannehmlichkeit ab. "Anyway. I have to get going - my train leaves at seven. I look forward to our next session." Er zeigte sein typisches, fröhlich strahlendes Lächeln, das eine unglaublich ansteckende Wirkung hatte - auch bei mir. Wir tranken zügig aus, dann begleitete ich ihn nach draussen und wir verabschiedeten uns mit einer Umarmung. "Safe travels - and send me pictures of your farm as soon as you're there." "Thanks, it will be a pleasure to show off about the landscape around it. You'll be super jealous." Ich lachte und rief "most certainly". Er winkte und fuhr davon. Ich seufzte und begab mich zurück in den Stall; Namuna sah aus dem Fenster und wartete sehnsüchtig auf ihren Abendausritt.
    • Occulta
      [​IMG] A-L
      PFS’ Snap in Style, PFS’ Skydive, Brendtwood, PFS’ First Chant, Namuna, Mansur, Tayr al-Diyari, PFS’ Arctic Silver Lining, PFS’ Arctic Rainstorm, PFS’ British Oreo Rascal, PFS’ Glenn’s Dare to Shine, PFS’ Reverie, PFS’ Soñando Solas, PFS’ Clooney, PFS’ Karat

      Gut gelaunt hüpfte ich die Stufe hoch unter das Dach des Nebenstalls. Ein paar der Stuten streckten ihre Köpfe raus und brummelten. Ich lief an ihnen vorbei und streichelte sie teilweise, hielt aber erst bei First Chant an. Die Araberstute wurde seit kurzem geritten – erst dreimal war sie unter dem Sattel gewesen, und davor ein paarmal ohne Sattel und nur mit Knotenhalfter eingewöhnt worden. Sie sah mir mit ihren grossen, schwarzen Augen neugierig entgegen und schnupperte an meiner Hand, als ich sie zur begrüssung unter ihr Kinn hielt. Ich streifte ihr das Halfter über und band sie zum Putzen am Holzgitter fest. Sie zappelte zwischendurch, wenn sie gerade etwas Spannendes in der Ferne sah und sich dem entgegendrehen wollte. Ich erinnerte sie jeweils an meine Anwesenheit, indem ich ihre Hinterhand wieder herumschubste, bis sie gerade stand. Hufegeben klappte gut, und die kleinen, harten Araber-Barhufe waren auch rasch gesäubert. Hinten war Chia etwas empfindlicher und gab die Hufe zögerlicher. Nur einmal hatte sie bisher versucht nach mir auszutreten, nämlich als Sheela vor ein paar Tagen direkt hinter ihr durchgetrottet war. Ich hatte nichtsahnend danebengestanden um den Schweif zu kämmen. Sie hatte mich nur gestreift, aber ich musste streng durchgreifen, damit sie nicht auch ausschlug wenn irgendein Kind oder ein Pfleger sie erschreckte. Es war wichtig, nach der Zurechtweisung gleich wieder normal mit den Tierchen umzugehen und keinen Groll zu hegen. Streng, aber konsequent und fair. Chia liess sich satteln und nahm auch die Trense kauend in den Mund. Es war noch ungewohnt für sie, verständlicherweise. Ich setzte meinen Helm auf und führte die Stute zur Halle. Dort traf ich mich mit Lisa, Alan und Darren, die Solas, Clooney und Karat dabeihatten. Karat brummelte Chia zu - die Junghengste mussten noch lernen, sich trotz der Anwesenheit von Stuten zu konzentrieren. Als auch Reverie, die beim Nebenstall ebenfalls vorbereitet worden war, mit ihrer heutigen Reiterin Anne in der Halle ankam, wärmten wir uns gemeinsam auf, im Schritt und Trab. Danach übte ich mit Chia einfache Übergänge. Ich wollte, dass sie flüssig vom Schritt in den Trab und umgekehrt wechselte, und zwar prompt auf meine Hilfen hin. Auch das Anhalten und wieder antreten übten wir, sowie ein paar wenige Runden Galopp. Sie war noch nicht so gut darin, den Galopp auf der Volte zu halten. Viel lieber galoppierte sie ganze Bahn und auf die linke Hand. Zum Einspringen brauchte sie jeweils ein paar Tritte, bis sie ihre Beine sortiert hatte. Das lag einfach an der fehlenden Balance und Kraft, nicht an der Einstellung. Ich fand, dass die Schimmelstute sich durchaus Mühe gab und zum Teil fast schon etwas übereifrig wurde, wodurch sie sich selbst durcheinander brachte. Ich achtete deshalb darauf, genug Pausen einzubauen und sie möglichst ruhig zu halten. Solas und Reverie waren heute beide besonders mühsam aufgelegt. Es begann schon beim Aufwärmen; Reverie wollte keine der vier Hallenecken durchtraben und drückte ständig über die Schulter nach innen. Anne gab ihr Bestes, um die junge Furiosostute auf dem Hufschlag zu halten, aber sie machte zwischendurch sogar unerwartete Seitensprünge. Ich riet ihr, sie auf dem inneren Hufschlag zu reiten und sich nicht so sehr um die Ecken gedanken zu machen – wichtiger war, dass Reverie sich entspannte und konzentrierte. Solas war ähnlich drauf, vielleicht liess er sich auch gleich von Reverie anstecken. Jedenfalls sprintete er beim Angaloppieren einfach plötzlich los und machte den Hals steif, sodass Lisa ihn nur noch mit einem One-Rein-Stop aufhalten konnte. „Was ist denn heute nur los?!“, schimpfte sie kopfschüttelnd, und arbeitete mit dem frechen Criollo auf der kleinen Volte, bis sich dieser wieder eingekriegt hatte. Da war ich froh, dass mein Araberstütchen so brav und fleissig mitmachte. Karat wirkte ebenfalls rittig, Darren meinte aber nach dem Training, der Fuchshengst sei auch eher verspannt gewesen. Clooney und Alan verstanden sich offenbar ausgezeichnet, denn der Hengst lief schön locker und schnaubte zwischendurch zufrieden ab. Immerhin konnten wir alle mit etwas positivem aufhören: Chia und ich schafften einen schönen Übergang aus dem Trab direkt in den Stand, Reverie machte ein paar schöne Schulterwendungen in der Mitte der Halle, Karat liess sich ein paar flüssige Tritte rückwärtsrichten und Solas lernte, wunderschöne kleine Volten in Stellung zu laufen. Wir lachten alle, als Lisa letzteres laut aussprach. Wir versorgten die vier, nachdem wir sie im Schritt am (halb-)langen Zügel trockengeritten hatten und kümmerten uns dann um die nächsten Kandidaten.

      Ich holte Snap in Style aus seiner Hauptstall-Box. Wir hatten als nächstes eine Dressurstunde mit Elliot, und wie ich vernommen hatte, hatte er etwas Spezielles mit uns vor. Lily kam gerade rechtzeitig aus der Schule, um mit Skydive ebenfalls mitmachen zu können. Jonas putzte den Ponyhengst aber schonmal für sie, weil es sonst zu knapp gewesen wäre. Ausserdem kam Rosie mit ihren Arabern extra rüber. Sie hatte Mansur, Namuna und Tayr dabei – letzteren durfte heute Lewis reiten. Der Pfleger freute sich wie ein kleines Kind darüber, und hatte mit Jonas Wetten darüber abgeschlossen, wie oft er wohl werde abwenden müssen. Tayr war nämlich berüchtigt dafür, zu der fleissigen Sorte Araber zu gehören. Und dann machten noch Lisa und ihr Haflinger Brendtwood mit. Die beiden waren mittlerweile schon ein gutes Team und konnten sogar ein paar Turniererfolge verzeichnen. Woody hatte sich als kleines Springtalent herausgestellt und gleich drei Mal den zweiten Platz im Synchronspringen geholt. Im Military hatte er sogar gewonnen, ebenso in einem Dressurturnier in der Nähe. Zudem war er inzwischen eingefahren worden und lief auch vor der Kutsche zuverlässig. Und das obwohl er am Anfang eher zu den Sturen Zeitgenossen gezählt hatte. Er war immernoch zwischendurch etwas eigenwillig, aber Lisa kannte ihn nun gut genug um seinen Flausen vorzugreifen. Wir begaben uns zur Halle. Jonas hatte Skydive gesattelt und gezäumt und führte ihn nun mit der Abschwitzdecke in der Halle herum, bis Lily schnaufend angerannt kam und ihr Pony übernahm. Jonas half ihr in den Sattel (er schmiss sie beinahe wegen zu viel Schwung auf der anderen Seite wieder runter). Wie erwartet „schlauchte“ Elliot uns ordentlich und verlangte in jeder Lektion Exaktheit. Es war nie das Pferd schuld, wenn etwas nicht klappte – immer nur die Reiter wurden von ihm gelyncht. Aber man lernte auch extrem viel in seinen Reitstunden, und er hatte eine angenehme Art Kritik zu äussern, sodass jeder gern seine Tipps annahm und umzusetzen versuchte. Auch bei mir hatte er ein paar Dinge zu bemängeln. Ich verfiel manchmal unbewusst in eine Art leichten Sitz und meine Beine neigten dazu, zu weit nach vorne zu wandern. Ich wurde demnach ständig ermahnt, nicht „wie beim Kaffee-Kränzchen“ im Sattel zu sitzen. Snap machte eifrig alles, was ich verlangte – ausser, wenn er sich gerade durch die Fensterwand hindurch von Linda ablenken liess, die draussen auf der Ovalbahn mit dem Miniature Horse Training begonnen hatte. Zugegeben, ich spähte auch zwischendurch hinaus um zu sehen, wie sie mit Silver Lining am Langzügel Runden drehte. Der kleine graue Hengst zeigte ein paar tolle Seitengänge und konnte richtig schön versammelt traben. Ganz im Gegensatz zu Namuna, die den Kopf meistens in den Sternen halten wollte. Lucas Gordon, der nebenbeigesagt etwas zu gross für sein feingliedriges Reittier aussah, gab sich zwar Mühe, schien aber keine richtige Verbindung mit Namuna aufbauen zu können. Rosie und Mansur lieferten hingegen eine tolle Show ab. Sie ritt den Schecken locker und mit gleichmässigem Takt; ein eingespieltes Team. Elliot überraschte uns alle, indem er nach der Hälfte der Stunde plötzlich Trabstangen und Cavaletti aufbaute. Er machte interessante Kombinationen mit verschieden hohen Tritten, sodass die Pferdchen alle voll bei der Sache sein mussten und keine Zeit mehr hatten, aus dem Fenster zu schauen. Am Ende war Snap richtig locker und dehnte schön seinen Hals in die Tiefe. Sogar Namuna streckte sich und schnaubte ab. Wir waren alle müde und glücklich.

      Sobald ich Snap gut durchgebürstet und versorgt hatte, schloss ich mich dem Mini-Training an. Linda hatte bereits mit Oreo und Acira gearbeitet, blieben also noch Xinu, Darling und Allegra. Lewis kam ebenfalls zur Hilfe, sodass wir gleich alle drei zusammen mit zur Ovalbahn nahmen. Ich tauschte mit Lewis, weil der lieber mit Xinu arbeiten wollte. So übernahm ich eben Allegra. Die Tochter von Arctic und Daki hatte sich zu einer hübschen Jungstute gemausert und lernte Dressurlektionen, als wären es einfache Zirkustricks. Sie konnte schon extrem viel für ihr junges Alter. Das war besonders für die Halter-Shows von Vorteil. Auch mit Kindern kam sie gut zurecht, sodass ich regelmässig den „Tiny Hooves Club“ auf sie loslassen konnte. Heute übten wir bereits erste S*-Lektionen – als solche bezeichnete ich ihren tollen Spanischen Schritt und die einigermassen flüssige Passage jedenfalls. Piaffe hatte sie rasch gelernt, weil sie manchmal ungeduldig wurde und zu zappeln begann, wenn ich undeutliche Hilfen gab. Das hatte ich mit zunutze gemacht. Die Passage einzuleiten war danach auch nicht mehr besonders schwierig gewesen. Mit einem Grosspferd wäre das in diesem Alter undenkbar gewesen. Oreo und Acira waren auf demselben Niveau, nur Xinu hinkte etwas hinterher. Ich wollte ihn möglichst bald an eine Körung bringen, damit ich hübsche Champagne-Fohlen mit vollen Papieren züchten konnte. Diesem Ziel waren wir heute sicher ein Stückchen näher gekommen.
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  • Album:
    Wilkinson Farm
    Hochgeladen von:
    Occulta
    Datum:
    27 Dez. 2019
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  • Offizieller HG

    [​IMG]

    Vom: Majd

    Aus der: Antarktik

    Vom: Asis Baschir

    Aus der: Teasie

    Vom: Thanta

    Aus der: Arala


    [​IMG]

    Rufname: Mansur, SooRoo
    Geburtstag: 03.10.
    Alter: 4 Jahre
    Stockmaß: 1.51 m
    Rasse: Pintabian
    Geschlecht: Hengst
    Fellfarbe: Liver chestnut tovero
    (ee,aa,ff,ToTo,Oo)
    Abzeichen: - (scheckungsbedingt)
    Gesundheit: sehr gut


    [​IMG]

    Quatschkopf, eigensinnig, lebhaft, verschmust, lieb


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    Mansur besticht mit seiner aussergewöhnlichen Farbe, deren Tobiano Anteil er sogar homozygot vererbt. Das bedeutet, dass alle seine Fohlen mehr oder weniger gescheckt sein werden. Doch auch charakterlich ist der Hengst ein interessanter Genosse, zeigt er doch gleichzeitig grosse Verspieltheit und Lebhaftigkeit, wie auch Verschmustheit und gute Manieren. Vermutlich kämen sogar Kinder mit ihm klar. Unter dem Sattel ist er fleissig, macht aber manchmal auch herausfordernden Blödsinn.


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    Besitzer: Occulta (Rosie Wilkinson)
    Ersteller: Occulta
    VKR: Occulta
    Verkäuflich: Nein


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    Gekört: nein
    Nachkommen: -
    Decktaxe: -


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    Galopprennen Klasse: L
    Western Klasse: M
    Spring Klasse: S
    Military Klasse: L
    Dressur Klasse: M
    Distanz Klasse: A
    Fahren Klasse: A

    Eignung: Distanz, vielseitig
    Eingeritten: Ja


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    1. Platz 342. Synchronspringen
    1. Platz 347. Synchronspringen

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    3. Platz 618. Synchronspringen
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    2. Platz 618 Dressurturnier
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    1. Platz 535. Westernturnier
    1. Platz 572. Westernturnier

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    2. Platz 548. Westernturnier
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    3. Platz 555. Westernturnier
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    3. Platz 514. Rennen
    3. Platz 516. Rennen
    3. Platz 539. Rennen

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    1. Platz 485. Fahrturnier

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    2. Platz 491 Fahrturnier
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    2. Platz 469. Militaryturnier
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    3. Platz 467. Distanzturnier
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    Mansur's Spind​