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Canyon

○ La Paz

Trakehner ○ Brauner ○ Wallach ○ 23 Jahre ○ 160cm ○ 0/20

○ La Paz
Canyon, 14 Juli 2020
    • Canyon
      ▲▽▲
      Tyrifjord Ranch

      Göttliches Eintreffen
      Malte | »Warum erzählst du mir sowas immer erst, wenn es bereits zu spät ist?» Eingeschnappt blickt Petyr auf mich herab. Locker fallen ihm seine blonden Haare ins Gesicht und umranden seine weichen Zügen ziemlich vorteilhaft. Mittlerweile sieht er viel jünger aus, als er wirklich ist, während ich, trotz meiner geringen Größe, in den letzten Jahren immer mehr gealtert bin.
      »Nichts ist zu spät. Du hast noch genau zwölf Stunden Zeit, dich mit diesem Gedanken anzufreunden.«
      »Super, und wie lange weißt du es schon?«
      »Zwei Monate.«
      »DAS hättest du mir jetzt nicht auch noch aufbinden müssen!«
      »Du wolltest es doch wissen?«
      »Argh!» Petyr rauft sich die Haare. Ich schließe die Augen und lasse die Mittagssonne mein Gesicht erwärmen. Als sich etwas Dunkles vor meine Augen schiebt, öffne ich sie blinzelnd und schaue in das stets freundliche Gesicht von Logi.
      »Hey du«, flüstere ich. »Du freust dich auf die beiden Neuen, stimmt‘s?« Logi schnaubt und wuschelt mit seinem Maul auf meinem Kopf herum.
      »Jaja, stelle du dich auch nur auf seine Seite, war ja klar Logi.« Meint Petyr eingeschnappt und aus den Augenwinkeln sehe ich, wie er leicht angepisst Modjos gelocktes Haar aus der Bürste zieht. Ich lächle zufrieden. Der Tag ist schön, denke ich, hebe dann meine Hand und wuschle Óslogi durch die dicke Mähne. »Die beiden passen zu euch.«
      »Das ist die erste Stute, die du dir je in deinem Leben anschaffst, bist du dir sicher, dass du dafür bereit bist?« Wieder hört Petyr mit seiner Arbeit auf und blickt auf mich herab.
      »Selbst wenn mir jetzt einfallen würde, dass ich doch keine Stute haben will, wäre es zu spät.«
      »Malte, das sollte ein Scherz sein.«
      »Oh, achso, wusste ich nicht.« Ich richte mich auf, löse das Band aus meinem Haar und mache mir dann, da Logi ihn zerstört hatte, einen neuen Zopf. Logi dreht sich währenddessen von mir weg und läuft, nein schlurft zurück zu den anderen.
      »Irgendwas stimmt mit deinem Ironiedetektor nicht.«
      Umständlich stehe ich auf und klopfe mir das Gras von der Hose. »Wie meinst du das?«
      »Du bist der einzige, der nie meine Witze versteht.«
      »Vielleicht sind sie ja nicht witzig?«
      »Den Gedanken hatte ich auch schon und habe versucht, diese Theorie anhand und Eycǘind zu belegen.« Petyr verstummt und räumt die Bürste zurück in die Tasche.
      »Und?« Erwartungsvoll blicke ich ihn an.
      »Hat nicht geklappt.«
      »Und daraus schließt du, dass es an mir legen muss?«
      »Viel andere Möglichkeiten bleiben ja nicht mehr.« Ich belasse es dabei, greife auch zu einer Bürste und mache mich auf den Weg zum Offenstall. Félagi und Dynur dösen im kühlen Schatten, richten sich jedoch beide auf, als ich näher komme. Es tut gut zu sehen dass die beiden zufrieden
      schienen. Der einzige der mir von meiner Bande Sorgen bereitet, ist Logi. Er versteckt es gut, jedoch merke ich ihm an, dass er sein Blackys Tod nur noch spärlich den Kontakt zu anderen sucht. Acapulco Gold, Dynur und Félagi machen es ihm jedoch nicht allzu leicht und obwohl Angus stets versucht von Kontakt aufzubauen, schüchtert er Logi mit seiner Größe, Kraft und Ungeschicktheit ein.
      Dynur und Félagi werden von mir kurz begrüßt, bevor ich aus den Tiefen meiner Hosentaschen einen Hufauskratzer zaubere. »Huf-Time!« Sage ich und kraule beiden nochmal den Kopf. Félagi hat keine Lust. Er versucht sich abzuwenden, jedoch komme ich ihm zu vor und stelle mich in seinen Weg. »So nicht Dicker. Das ist eine gute Übung, auch unangebunden stehen zu können.« Meine ich und bringe ihn wieder zu seinem alten Platz. Felli schnaubt und versucht sich mit flinken Bewegungen unter meinem ausgestreckten Arm hindurch zuwinden. Nach weiteren fünf Minuten haben wir beide es ausdiskutiert. Félagi steht. Dynur hält sich natürlich gekonnt heraus. Warte nur, bis du dran bist, denke ich und beginne damit, Félagi die Hufe auszukratzen. Dynur hat jedoch Glück, ich komme nicht mehr dazu. Mein Telefon klingelt. Umständlich versuche ich mir es, noch in der einen Hand Félagis Huf haltend, es zwischen Schulter und Ohr zu klemmen, erkenne jedoch bereits nach wenigen Sekunden, dass das wohl nichts mehr wird.
      »Tordenværson.« Sage ich leicht genervt.
      »Ebenfalls, schön, dich mal wieder zu hören!« Sagt die mir sehr gut bekannte Stimme einer Frau.
      »Schwesterchen! Wie komme ich zu dieser Ehre?« Erfreut richte ich mich auf und lasse dabei Félagis Huf los. Dieser nutzt die ihm gegebene Freiheit schamlos aus, zwickt seinem Freund Dynur kurz ins Ohr und macht sich mit buckelnden Galoppsprüngen aus dem Staub. Ich versuche ein Stöhnen zu unterdrücken, ich stöhne in letzter Zeit viel zu oft.
      »Ich dachte, ich melde mich mal wieder, vor allem da ich vorhabe, dich besuchen zu kommen. Hast du gerade Zeit?« Dringt es aus dem Telefon.
      »Jetzt schon.« Sage ich und entferne mich schlendernd noch ein Stückchen weiter von Petyr, welcher nun gerade auch Brock putzt. »Du willst mich besuchen kommen? Wann denn?«
      »Das klingt ja nicht so, als würdest du dich sehr freuen.« Sie klingt enttäuscht.
      »Doch! Natürlich freue ich mich! Es gibt nur viel Arbeit und ich habe Angst, zu wenig Zeit für dich zu haben.« Ich bleibe am Weidezaun stehen. Vor mir liegt das Wäldchen, dahinter erstreckt sich das Wasser des Fjords. »Bitte komme. Es wäre wunderbar, dich endlich mal wieder zu
      sehen.«
      Juli lacht. »Ich wäre sowieso gekommen. Ich brauche nämlich dringend eine Unterkunft und selbst ein Hostel ist mir bei euch viel zu teuer.«
      »Du bist nur auf Durchreise? Wohin geht‘s?«

      »Ich muss auflegen.« Sage ich wenig später. Petyr kommt auf mich zu, an seine Fersen hat sich Saga geheftet. Sie grinst, wie immer.
      »Klar kein Problem, Brüderchen. Pass‘ auf dich auf!« Sie legt auf. Mir fällt ein, dass ich immer noch nicht weiß, wann sie kommen wird. Ich schreibe es mir auf meine To-Know-Liste.
      »He Malte!« Ruft Petyr mir zu. »Wer ist denn dein heimlicher Anrufer?«
      »Juli, sie will mich besuchen kommen.«
      »Juli?« Petyr lässt Sagas Hand los. »Die habe ich aber schon lange nicht mehr gesehen.«
      Ich werfe einen kurzen Blick zu Saga. Sie beobachtet Petyr. Ich wähle meine Worte gut, bevor ich antworte. »Sie ist nur auf Durchreise. Sie freut sich auch, alle wieder zu sehen. Ich soll dir auch schöne Grüße ausrichten.«
      »Danke. Weißt du schon, wann-« Saga fällt Petyr ins Wort.
      »Also eigentlich sind wir nur gekommen, um dich zu fragen, ob du Lust auf einen Ausritt hast.« Auf ihrem Gesicht erscheint ein erzwungenes Grinsen.
      Ich schüttle erleichtert den Kopf. »Danke, aber die Arbeit wartet.«
      »Schade«, Saga zuckt mit den Schultern. »Kommst du, Petyr?« Mit einem eisigen Lächeln wendet sie sich zu Petyr, welcher wohl auch begriffen hatte, dass es nicht der beste Zeitpunkt war, sich über Juli zu erkundigen. Saga winkt mir kurz zu und macht sich dann mit Petyr im Schlepptau auf den Weg zu den Pferden.

      Ich bin wieder allein. Seit Petyr und Saga mit Modjo und Brock zu einem Ausritt aufgebrochen sind, habe ich niemanden mehr gesehen. Die Boxen sind sauber und zwei weitere vorbereitet. Wieder einmal schleicht die Zeit und während alle anderen in dieser kurzen freien Zeit etwas mit
      ihren Liebsten unternehmen oder anderweitigen Hobbys nachgehen, sitze ich, Malte, alleine vor dem Stallgebäude, esse eine Banane und beobachte Chlochard dabei, wie er sich einen Kampf mit einem Blatt liefert. Er ist ein hübscher Kater. Seine Scheckung ist bunt und abwechslungsreich, aber vor allem seine hellblauen Augen ziehen die Blicke auf ihn. Capucine und ihr Wurf gehören auf den Hof und auch wenn sie nur ein kleiner Teil des Ganzen sind, wäre das Leben hier ohne sie noch ein bisschen trister. Dabei vermute ich, dass nicht einmal die Hälfte der Hofbewohner jeden Namen kann. Clochard, Voleur, Ciel, Fleur und Déchiré.

      Ich sehe niemanden. Bis ich am Abend in meinen Wagen steige, den Hofanhänger ankuppel und die Insel verlasse, verbringe ich meine Zeit mit den Tieren. Ich fühle mich so einsam wie noch nie zuvor. Ich dachte immer, ich bin gerne allein. Mittlerweile lernte ich jedoch den Unterschied zwischen allein und einsam zu sehen und ich begreife nun, dass nur eines der Dinge mich unglücklich macht. Der Wagen brummt. Das alte Gefährt arbeitet kräftig unter der Last des Hängers, dabei war er noch nicht einmal beladen. Ich schalte das Radio an und lasse mich von der Musik beschallen, die daraus hervor dringt.
      Trotz des langsamen Tempos erreiche ich eine Stunde zu früh den Flughafen. Mich stört es nicht, ich suche mir einen stillen Platz und beobachte sie, die Menschen. Eine halbe Stunde vor der Ankunft stehe ich schließlich auf und mache mich auf den Weg zu der großen Anzeige über
      den Köpfen der hektischen Menschen. Bei meinem gesuchten Flug stoppe ich abprupt. Hinter dem Flugzeugsnamen ist eine Info eingeblendet: Auf Grund technischer Probleme kommt es zu Verzögerungen. Super, denke ich. Ich hätte es nicht anders erwarten sollen. An der anderen Seite des Flughafens finde ich die Information. Bei einer jungen Frau erkundige ich mich, wie viel Verspätung der Flug haben würde. »Es sind zwei Pferde für mich an Bord.«
      Sie tippt in ihrem Computer, blickt kurz zu mir und fragt dann: »Ihr Name, bitte?«
      »Tordenværson, Malte.« Sage ich und versuche einen Blick auf den Bildschirm zu erfassen.
      Sie tippt wieder. »Sie sollten eigentlich eine Nachricht erhalten haben.«
      »Ok», sage ich. »Habe ich noch nicht gesehen. Können sie mir trotzdem sagen, wie lange es ungefähr noch dauert?«
      »Das Flugzeug musste leider in Amsterdam zwischenlanden. Der Weiterflug ist für morgen früh um acht angesetzt.«»Um acht?!« Ich bin entsetzt. »Die Pferde werden die ganze NACHT im Flugzeug verbringen?!«
      »Es tut mir Leid, aber Sicherheit geht vor. Es werden genügend Experten an Bord sein, die sich um die Pferde kümmern. Seien Sie unbesorgt, ich versichere Ihnen, dass beide gesund und munter ankommen werden. Haben sie ansonsten noch Fragen?«
      »Nein«, knurre ich und wende mich vom Infopult. »Zwölf Stunden später!« Das erste Mal in meinem Leben ärgere ich mich, mein Handy als angenehmer im ausgeschalteten Zustand zu erachten.
      Anstatt wieder nach Hause zu fahren, wende ich in Richtung Stadt ab. Oslo ist voll um diese Jahreszeit und das gute Wetter lockt natürlich all jene an, die noch nicht mit Fotoapparat und Sonnenhut durch die breiten Gassen laufen. Ich bin nicht gerne hier. Der Trubel der Stadt
      stört meine Gedankengänge, aber vielleicht suche ich genau heute nach einer Auszeit, ohne die wilden Sprünge und Ideen. Eine Bar am Hafen soll ganz gut sein, meint Charly. Ich folge ihrer Einschätzung und betrete wenig später eben jene.

      Jora | Sie haben mich mitgeschleift, mir blieb keine andere Möglichkeit, ist die Ausrede zu mir selbst, als ich den vollen Pub am Hafen betrete. Halla und Emma brauchen nicht lange und sitzen kurz darauf mitten im Trubel an der Bar. Es ist kurz vor Mitternacht. Normalerweise liege ich um diese Zeit im Bett und genau dort würde ich jetzt auch gerne sein. Ein Schauder läuft mir über den Rücken, als ich meinen Blick über die vielen Menschen werfe.
      »Jora!« Schallt es von der Bar. »Wenn du noch länger am Eingang stehen bleibst, bildet sich hinter dir eine Schlange.«
      Ich wage einen weiteren Schritt, nichts passiert. Der Weg bis zum Barhocker ist unendlich weit oder fühlt sich jedenfalls so an. Ungekonnt hieve ich mich schließlich neben Halla und Emma, welche bereits wieder in ein Gespräch vertieft sind.
      »Auch was zu trinken?« Grölt der Typ mich hinter der Bar an. Stumm schüttle ich den Kopf und lächle kurz. Nach zehn Minuten ist mein Hals von der stickigen und verrauchten Luft jedoch so trocken, dass ich doch noch ein Glas Wasser bestelle. Der Barmann scheint mich jedoch falsch verstanden zu haben, vielleicht ist es auch Absicht, aber er stellt mir ein Glas Whisky vor die Nase. Ich will mich natürlich beschweren, als Halla mir beschwichtigend eine Hand auf den Arm legte.
      »Los Süße, ein Glas trinkst du mit uns!« Brüllt sie gegen den Lärm an. Entschlossen schüttle ich den Kopf, jedoch lässt sie nicht locker, sodass ich schließlich doch einen Schluck nehme. Es ist genauso scheußlich wie erwartet. Ich versuche mir nichts anmerken zu lassen, lächle und zeige Halla den Daumen. Jedoch weiß ich zu genau, dass heute Abend kein weiterer Tropfen davon über meine Lippen kommen wird.
      »Gehe mal auf Toilette!« Brülle ich.
      »Was?« Trinkt es durch den Lärm zu mir zurück.
      »Toilette!« Schreie ich nochmal und zeige auf das erleuchtete Schild über den Köpfen der Besucher. Halla scheint mich verstanden zu haben, jedenfalls nickt sie.
      Die Toilette ist jedoch auch kein Ort der Erholung und ich beeile mich, jedenfalls eines meiner Bedrängnisse zu stillen. Als ich den vollen Ort wieder betrete, bleibt mir die Luft weg. Ich will raus hier, denke ich und beginne damit, mir hektisch einen Weg in Richtung Ausgang zu bahnen.
      Die frische Luft tut gut. Ich schließe die Augen, versuche den Gestank des Rauchs an meinen Kleidern zu ignorieren und mich nur auf den Klang der Wellen zu konzentrieren, welche gleichmäßig gegen den Beton des Hafens schlagen.

      Ich bin ruhiger, als ich den Pub abermals betrete. Ich weiß, was auf mich zukommt und es überrollt mich nicht wie noch beim ersten Mal. Entschlossen will ich den Weg zurück zur Bar einschlagen, als mir ein junger Mann ins Auge fällt. Zusammengesackt lehnt er über dem Tresen,
      vor ihm stapeln sich einige leere Flaschen. Ich bleibe stehen. Selbst ich kann nicht sagen, was mich in diesem Moment innehalten ließ. Ein Gefühl sagte mir, dass er nicht der typische Gast ist. Seine alte Jeans Hose und das karierte dunkle Hemd, sowie die rötlichen Haar und das Lederband mit der Glaskugel gefallen mir. Ich will mich davon abhalten, jedoch zieht es mich zu ihm hin. Ich bin es nicht selbst, die mich abhält, sondern die kräftige Hand Emmas. Sie zieht mich energisch zurück und grinst. »Falsche Richtung Jora, hier sind.«
      Ich schüttle mich kurz und reise mich dann von dem Typen los und blicke zu Emma. Die kräftige Frau ist bereits betrunken, wie stark, das kann ich nicht einschätzen. Ich seufze. »Der Typ da drüben«, sage ich und zeige in Richtung der Bar. »Der hat schon ziemlich viel getrunken.«
      »Tja, nich jeder is bereits scho erwachschen wie wir.« Keilt Emma laut lachend und nimmt noch einen Schluck aus ihrer Flasche. Ich will gar nicht wissen, was da drinnen ist. »Wir wischen wanns jut is, stimmt‘s?«
      Ich nicke spöttisch. »Das sehe ich.« Emma lacht wieder und dreht sich dann in die andere Richtung.
      »Looos, komm Jora, dahinten jibts hübsche Männer!« Ich beobachte sie noch, wie sie durch die Menge zurück zur Bar stolpert und wende mich dann wieder dem Mann an der Bar zu. Er sitzt immer noch am gleichen Fleck. Langsam drücke ich mich zwischen den tanzenden Köpern hindurch, irgnoriere die vielen Berührungen von schweißnasser Haut an mir und lande schließlich an der Bar. Der Hocker neben ihm ist noch frei. Ich lasse mich darauf nieder und betrachte ihn von der Seite. Jetzt wo ich einmal hier bin, weiß ich nicht mehr weiter. Alle Ansprechmethoden erscheinen mir kindisch und ich weiß selbst nicht mehr, was ich von ihm will. Ihn nach Hause fahren etwa? Am besten noch mit meinem Fahrrad, denke ich und wende für einen Moment den Blick von ihm.
      »Hey«, sagt plötzlich eine Stimme. Erschrocken wende ich mich um. Er hat sich aufgerichtet, schwankt jedoch erheblich.
      »Hey.« Sage auch ich.
      »Willste was?« Fragt er und schiebt mir eine volle Flasche mit irgendetwas alkoholischem zu.
      »Nein danke, ich trinke nicht.« Wehre ich dankend ab und frage mich wieder, was für Hirngespinste mich hier her gelockt haben. Der Typ scheint nicht nur besoffen, er ist es auch.
      »Gut so, ich auch nicht.« Sagt er niedergeschlagen und gießt sich selbst noch ein Glas ein.
      Meine Augenbraue zieht sich nach oben. »Ähm, doch, gerade trinkst du und das anscheinend nicht zu knapp.« Ich deute auf die leeren Flaschen. Er hält in seiner Bewegung inne, schwenkt seinen Kopf leicht von einer Seite zur anderen und zuckt dann die Schultern. »Egal, alles egal.«
      Er tut mir Leid. Mir tun oft Menschen leid, aber ich sehe, dass er es nicht verdient hat. »Soll ich dich nach Hause bringen?« Frage ich deshalb nervös.
      Er blickt kurz auf. Ich mag seine grünen Augen, auch wenn sie nun vor Schmerz verzogen sind. »Ist das eine billige Anmache? Danke ich komme gut alleine zurecht!« Meint er abweisend und nimmt noch einen Schluck.
      »Nein, ich dachte nur-«
      »Dann dachtest du eben falsch. Lasse mich gefälligst in Ruhe!«
      Ich sage nichts mehr. Ich hätte wissen müssen, dass es eine dumme Idee ist, hilfsbereit in einer Bar zu sein, das sollte ich mir fürs Altenheim aufheben. Ich rutsche vom Hocker und ohne noch etwas zu sagen mache ich mich zurück auf den Weg zu meinen beiden Begleiterinnen. Er hat mich verletzt und das schadet meinem sowieso schon geringen Selbstbewusstsein. Ich versuche mir jedoch nichts anmerken zu lassen und setze mich wieder neben Halla und Emma.
      »Wo warst du denn solange?« Erleichtert stelle ich fest, dass jedenfalls Halla noch ordentlich sprechen kann.
      »Ich habe versucht einem Typen da vorne zu helfen, der kippt gleich vom Hocker. Dieser unfreundliche Typ wollte sich jedoch nicht helfen lassen.«
      »Du konntest es mal wieder nicht sein lassen, wa?« Halla boxte mir an die Schulter. »Wer war‘s denn? Sah er jedenfalls gut aus?«
      »Ganz vorne an der Bar.« Unauffällig auffällig hängt sich Halla weit über den Tresen der Bar und
      versucht an den vielen Köpfen vorbei zu schauen. »Ich glaube, ich sehe ihn. Witzig.«
      »Was ist daran denn witzig. Siehst du nicht, wie besoffen der aussieht?« Verärgert lehne ich mich ein Stück zurück.
      »Jetzt sei mal nicht so pingelig, das meinte ich gar nicht. Ich kenne den Typen.«
      »Was? Du kennst ihn?« Erstaunt wende ich mich wieder zu ihr um.
      »Ja, ist aber schon ewig her. Verwundert mich, ihn hier anzutreffen.«
      »Sag‘ schon, woher kennst du ihn?«
      »Sei nicht so ungeduldig, ich habe schon eine Menge getrunken, mein
      Gehirn arbeitet da langsamer.« Meint Halla und lächelt schief. »Ich habe ihm mal zwei Pferde bringen müssen. Vor drei Jahren, oder so? Der ist irgendwie Trainer oder so.«
      »Trainer? Weißt du denn noch, wie er heißt?« Versuchte ich Halla die Informationen zu entlocken.
      Sie lässt sich Zeit. »Mhm.« Sie überlegte. »Irgendwas mit M. Mario, Mattes, Matheo. Kein Plan, frage mich morgen nochmal.«
      Das reicht mir nicht. »War er denn nett?«
      »Nett? Was ist das denn für eine Frage. Ja, glaube schon, wir haben zusammen einen Kaffee getrunken.« Halla steht auf. »So Süße, ich suche mir mal ein paar betrunkenere Leute als dich. Ich bin schließlich hier um Spaß zu haben.« Meint sie und schwankt ziemlich elegant zu in die Masse. Ich drehe mich wieder zur Bar. In Gedanken versunken blicke ich auf das Glas vor mir, in welchem sich die tanzenden und bunten Lichter sammelten.
      »‘Tschuldigung, darf ich mich setzen?« Erschrocken fahre ich um. Neben mir steht der Mann. Trotz des vielen Alkoholkonsums steht er fest auf beiden Beinen. Einige Haare haben sich aus seinem Zopf gelöst und fallen ihm nun ins Gesicht. Er weicht meinem Blick aus.
      »Klar«, sage ich trocken und wende mich wieder von ihm ab. Das wäre jetzt ein schlechter Zeitpunkt, um hilfsbereit und freundlich zu sein.
      Er setzte sich. »Tut mir wirklich Leid, dass ich dich gerade so angefahren habe. Das war ziemlich unfair.« Ich blicke zu ihm. Diesmal wendet er seinen Blick nicht ab. Oh Gott, lasse dich nicht von deinen Gefühlen leiten! Er sieht ziemlich gut aus, ich kann es nicht verleugnen.
      »Kein Problem,« sage ich leise. Irgendetwas steckt mir in der Kehle und nimmt mir die Luft.
      »Doch ist es, deswegen tut es mir auch sehr Leid, dich das nun zu fragen. Aber du hattest Recht.« Erwartungsvoll und ziemlich verängstigt blicke ich ihn an. »Kannst du mich nach Hause fahren? Ich habe auch ein Auto.«
      Mir verschlägt es nun ganz die Stimme. Das hatte ich nicht erwartet. Mir ist es nicht möglich geplante Bewegungen auszuführen, deswegen zucke ich mit den Schultern und nicke schließlich. »Natürlich, dass hatte ich dir ja angeboten.«
      »So natürlich ist es nicht, nach meiner Abfuhr.« Er schwankt. »Soll Alkohol nicht glücklich machen? Ich fühle mich so dreckig wie noch nie.«
      Ich lächle leicht. »Ich suche schnell meine Freundinnen und sage ihnen Bescheid, dann komme ich zurück, ja?« Er nickt dankbar. Ich lasse mich vom Hocker gleiten, schnörkle mich durch die Menge, bis ich schließlich auf Emma und Halla treffe. Sie sind nicht schwer zu übersehen; Emma
      benötigt um ihren schwingenden Körper jede Menge Platz und Halla hat alle freien Jungs aus ihrem Umkreis angelockt. Verwundert mich nicht, bei ihrem Haar und ihrem Gesicht.
      Ich bahne mir einen Weg zu ihr hindurch. Sie hört auf zu tanzen, als sie mich sieht und folgt mir netterweise aus dem Treiben heraus.
      »Ich fahre den Typen jetzt doch nach Hause!« Sage ich laut.
      »Was?« Brüllt Halla.
      »Ich fahre den-« Wollte ich wiederholen.
      »Ich habe dich schon verstanden, ich wollte eher wissen, ob du jetzt vollkommen gaga bist?«
      »Warum?«
      »Weil der Typ höchst besoffen ist, du ihn nicht kennst und alles mögliche passieren könnte!« Sagt Halla eindringlich. »Bist du dir da wirklich sicher?»
      „Er braucht meine Hilfe!“ Rechtfertige ich mich.
      Halla schnaubt verächtlich. „Und du würdest wohl auch einem Vergewaltiger oder Terroristen die Hand reichen, wenn er sie braucht? Das ist doch Unfug. Lass den Typen alleine mit seinen Problemen zurecht kommen und amüsiere dich lieber noch ein bisschen!“
      Ich merke, wie ihre Worte mich zum Nachdenken bringen. Sie hat Recht, die Gefahr ist ziemlich groß, dass etwas passiert. »Ich bin selten leichtsinnig-«, fange ich an, werde jedoch abermals unterbrochen.
      »Dann solltest du es auch jetzt nicht sein!« Sagt Halla eindringlich.
      »-aber diesmal werde ich es sein. Ich sehe das Risiko und werde es bewusst eingehen.«
      Halla schnaubt wieder und winkt dann ab. »Ich sehe schon, ich kann dich nicht überzeugen. Dann mach halt, aber komme nicht im Nachhinein heulend zu mir zurück. Von der Polizei oder aus dem Krankenhaus will ich dich auch nicht abholen müssen.« Dann dreht sie sich um und verschwindet zurück in der Masse. Ich stehe alleine vor der Tür zur Toilette, aus welcher in diesem Moment eine kreischende Gruppe von Mädchen gestolpert kommt. Halb fasziniert, halb angeekelt sehe ich zu, wie eine betrunkener als die andere anfängt, sich auf der Tanzfläche gegen den Takt zu bewegen. Tanzen würde ich es nicht nennen. Ich muss hier raus, denke ich und suche mir den Weg zurück zur Bar.

      Er sitzt immer noch hier. Unruhig schweift sein Blick über die Menge, entspannt sich jedoch, als er mich erblickt.
      »Sorry«, keuche ich. »Hat leider etwas länger gedauert.«
      »Ich äh-« Er wischt sich den Schweiß von der Stirn. »Kein Problem.«
      Ich bin kurz verwirrt und stehe etwas unschlüssig vor ihm. »Wollen wir dann gehen?«
      Er nickt und rutscht ungeschickt vom Hocker, knickt auf seinen Beinen ein, die ihn nicht mehr zu tragen vermögen. Meine Hand ist schnell bei ihm, greift ihn am Arm und versucht ihn zu stützen. Er keucht. Gebückt bleibt er stehen. »Alles, alles dreht sich.« Sagt er schwach. Alkohol scheint auf ihn eine andere Wirkung zu haben, wie bei allen anderen, denke ich. Langsam richtet er sich auf, nickt mir kurz zu und zusammen machen wir uns auf den Weg durch die undurchringliche Menschenmasse, welche sich lachend, wirbelnd und ungeschickt ständig uns in den Weg stellt. Ich bin froh, nichts getrunken zu haben. Ich sehe es ihm an, dass sie ihn noch mehr verstören.
      Umso dankbarer sind wir über die klare, salzige Luft. Sie erfüllt meine Kehle mit neuem Leben und gibt auch dem Kerl, der immer noch an meinem Arm klammert, neue Kraft. Er atmet tief ein und richtet sich dann ein Stückchen auf.
      »Mein Auto, es steht gleich da vorne.« Meint er und deutet auf einen spärlich beleuchteten Parkplatz. »Der Volvo, grün.«
      Ich nicke wieder und ziehe ihn fast hinter mir her, als ich mich auf den Weg zum Parkplatz mache. Den Volvo erkenne ich schnell, jedoch sehe ich noch mehr, als nur das alte Gefährt.
      Ich keuche. »Da ist ein Pferdehänger hinten dran!«
      Er blickt auf. »Was? Ja, nein, alles gut.«
      »Da ist aber kein, du weißt schon, da ist nichts drinnen oder?« Frage ich ängstlich.
      Er schüttelt den Kopf. »Nein nein.«
      Ich bin nicht befriedigt. Seine Antwort klingt zu unsicher, vielleicht weiß er es selber nicht mehr genau. »Hast du deinen Autoschlüssel?«
      »Autoschlüssel.« Nuschelte er und kramte ungeplant in seiner Tasche. »Ja hier irgendwo-«
      Ich komme nicht herum, trotzdem noch einen kurzen Blick in den Hänger zu werfen, nachdem ich ihn auf den Beifahrersitz gesetzt habe. Zu meiner großen Erleichterung, finde ich nichts weiter im Hänger, als frisches Heu und Stroh in beiden Boxen. Als ich mich wieder zu ihm in den Wagen setze, hat er seinen Kopf gegen das Fenster gelehnt und die Augen geschlossen. Es bereitet mir Sorgen, dass er sich so komisch verhält. Trotzdem stecke ich den Schlüssel ins Auto und starte den lauten, kränklich klingenden Motor. Ich bin selten mit einem Hänger gefahren und die Furcht wächst, als ich merke, dass der Volvo das Gewicht des Hängers nicht ohne Probleme ziehen kann. Trotzdem will ich mich nun nicht zurückziehen. Ich weiß, dass Halla eine um vielfach sichere Fahrerin solch großer Gespanne ist, weiß aber auch, dass ich es schaffen kann.
      Ich verlasse den Parkplatz und setze den Blinker, um auf die Hauptstraße abzubiegen. Es raschelt. Erschrocken blicke ich zu dem Mann hinüber. Mit ungeschickten Handbewegungen sucht er im Handschuhfach nach etwas. Ich merke, wie meine Hände zittern. Nein, nicht nur meine Hände, mein ganzer Körper scheint zu beben. Jedoch fühle ich nichts. Keine Angst, keine Scheu, keine Furcht.
      Es dauert lange, bis er das gefunden hat, was er zu suchen scheint. Er hält es mir unsicher hin. »Kannst du mich hier hin bringen?«
      Ich nehme ihm die Karte ab. Es ist eine Visitenkarte, wie ich nun erleichtert erkenne. Im flackernden Licht der Straßenlampen versuche ich diese zu entziffern. »Tyrifjord Horse Training«, murmle ich. »Malte Tordenværson.« Außer seinem Namen, finde ich noch seine Adresse. »Du
      wohnst auf einer Insel?«
      Malte nickt. »Das Gestüt meiner Arbeitgeber steht dort.«
      »Ist in Ordnung. Ich bringe dich hin.« Sage ich freundlich. Ich habe Glück, ich kenne die Insel. Der Tyrifjord ist der größte Fjord bei Oslo und Storøya seine größte Insel.
      Wir sprechen nicht mehr. Malte scheint eingeschlafen zu sein oder tut zumindest so. Erst als die Lichter Oslos schon weit hinter uns liegen, macht er sich bemerkbar. Ich denke erst, er murmelt etwas im Schlaf, bis ich einen Blick zur Seite werfe und sehe, dass eine Träne über seine Wange läuft. Er schluchzt leise. Ich bin überfordert mit der Situation, weiß nicht, was ich tun, oder ob ich ihn trösten soll. Ich entschließe mich dazu, vor allem weil ich zu unsicher bin, das falsche zu tun, einfach nichts zu tun. Es bewegt mich jedoch, ihn so zu sehen. Solange hatte ich schon keinen Mann mehr weinen sehen. Es scheint unmodern zu sein, seine Gefühle zu zeigen.
      Nach ein paar Minuten hört das Schluchzen auf. Wieder blicke ich zur Seite. Diesmal bin ich mir sicher, dass er eingeschlafen ist. Eine Träne hängt noch in seinem Augenwinkel.
      Die Landstraße führt mich direkt am Tyrifjord entlang. Rechts sitzen einige Häuser, umgeben von den typischen Birken und Fichten Norwegens, links erstreckt sich das dunkle Wasser, welches in der Dunkelheit endet. Mit dem Anhänger brauche ich etwas länger, bis ich kurz vor der Ortschaft Sundvollen auf die Brücke abbiegen. Es macht mir Angst, im Dunkeln mit einem so wackligen Gefährt umgeben von Wasser fahren zu müssen. Mein Puls steigt, sodass ich sogar überlege, auszusteigen und den Rest zu laufen. Ich bleibe sitzen und schaffe die Überfahrt. Malte schläft immer noch. Ich will ihn nicht wecken. Im Dunkeln erkenne ich viele Weiden und als die ersten Häuser am Straßenrand auftauchen, parke ich etwas abseits auf einem kleinen Parkplatz und steige aus. Ich habe Angst davor, an einer der Türen zu klingeln, sodass ich untätig am Wagen stehen bleibe.
      »Hey.« Ertönt es hinter mir. Erschrocken fahre ich herum und blicke in ein sacht lächelndes Gesicht. Seine helle Haut schimmert fast im seichten Licht der Mondstrahlen. Ich weiß nicht, ob es an der Dunkelheit liegt, aber seine Augen erscheinen mir grau. Kein trauriges Grau, es
      ist ein helles, freundliches Grau, welches in mir sofort das Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit hervorruft.
      »Hey«, sage auch ich. Gleichzeitig mache ich mich auf eine Sturmflut von Fragen bereit, die jeden Moment über mich hereinbrechen müsste. Ich bin jedoch ein weiteres Mal an diesem Abend überrascht.
      »Komm, ich bringe dich zu seinem Haus.« Sagt er und steigt unhörbar leise wie selbstverständlich auf den Fahrersitz. Ich hadere noch einen Moment mit mir, nehme dann aber hinter ihm Platz.
      »Ich bin übrigens Eyvind.« Sagt er, während er den Motor langsam in Bewegung bringt.
      »Jora«, sage ich und lehne mich ein Stück zwischen den Sitzen vor, um besser sehen zu können, wohin die Fahrt gehen würde. Sie dauert nicht lange an. Zwei Minuten später parkt Eyvind den Wagen an einer Lichtung im Wald. Im Dunklen erkenne ich nur ein kleines Haus oder eher eine Hütte. Wie alles in dieser Gegend ist auch dieses mit einem warmen, aber sehr intensiven Rot angestrichen. Eyvind parkt den Wagen direkt vor der Haustür. Wir steigen im gleichen Moment aus. Über das Problem, wie ich jetzt wieder nach Hause komme, hatte ich mir noch keine Gedanken gemacht.
      Fast zärtlich weckt Eyvind auf. Er flüstert ihm etwas zu, schnallt ihn mit geschickten Griffen ab und hilft dem total erschöpften Malte aus dem Wagen. Ich biete ihm meine Hilfe erst gar nicht an, ich wäre nur im Weg. Eyvind schafft es, Malte alleine zur Veranda zu bringen. Ich folge den beiden jedoch. Die Erstaunung überfällt mich, als ich das kleine Haus betrete. Es ist modern und hell eingerichtet, auch wenn der wenige Platz nicht viel Spielraum übrig lässt. Ich erkenne im Dunkeln einen Kamin, eine weiße Küche mit Kochinsel, ein bequemes braunes Sofa und viele Bücherregale bis zur Decke. Eyvind hievt Malte auf eben jenes Sofa und versucht ihn so bequem wie möglich auszurichten. Malte hatte wieder angefangen zu weinen und kauert sich erbärmlich trostlos auf seinem heimischen Sofa zusammen. Es dauert jedoch wieder keine zwei Minuten und Malte fällt in einen tiefen, aber unruhigen Schlaf.
      »Ich bleibe die Nacht wohl lieber hier. Ihm geht es wirklich nicht gut.« Sagt Eyvind mit ruhiger Stimme. »Kannst du mir noch einen Gefallen tun?« Fragt er und wendet sich an mich.
      Ich nicke hektisch und sage dann mit brüchiger Stimme: »Klar!«
      »Danke. Ich muss noch einmal zum Haupthaus und etwas Wichtiges klären. Könntest du solange hier bleiben und ein Auge auf ihn haben?«
      Wieder nicke ich. Jedoch kommt mir der Gedanke, dass er das im Dunkeln nicht genau erkennt und so gebe ich ihm noch eine mündliche Bestätigung.
      »Ich bin in zehn Minuten wieder da«, sagt er noch, bevor er die Eingangstür hinter sich zuzieht. »Tee ist im ersten Schubfach von links.« Ich beobachte ihn noch durchs Fenster, wie er fast schwebend den Waldweg zurück geht, nehme dann sein Angebot an und koche mir einen Pfefferminztee. Malte muss eben so sehr ein Teefanatiker sein, wie ich einer bin, denke ich und setze Wasser auf. Aber wahrscheinlich gibt es nicht viel anderes, was einen Gestütsarbeiter im Winter warm halten kann, außer eine Flasche mit duftendem, warmen Tee. Der Tee schmeckt gut. Der Geruch der von ihm ausgeht erinnert mich an Zuhause. Der kleine Hof mit den vielen bunten Sträuchern, dem wilden Salbei und der unaufhörlich wuchernden Melisse. Meine Mutter hatte mir früher immer Tee aus all den verschiedenen Pflanzen gekocht, der dampfende Pfefferminztee war jedoch stets mein Liebster. Ich fühle mich wohl. Eine innere Ruhe hat mich ergriffen. Entspannt lasse ich mich auf einem Sessel nieder, ziehe die Beine an und beobachte mit der warmen Tasse den schlafenden Malte. Die Frage lässt mich nicht aus ihrem Griff und so frage ich mich wieder, was der Grund für Maltes nächtlichen Ausflug in den Pub gewesen ist. Ich kenne die Antwort nicht und so entscheide ich mich dafür, dem Bad einen Besuch abzustatten, bevor Eyvind wiederkommt.
      Mein Spiegelbild schreit mir ins Gesicht, was ich bereits befürchtet habe. Meine Haare stehen ab, die Schminke ist verlaufen und mein T-Shirt ist mit etwas Klebrigem bekleckert. Ich will gar nicht erst wissen, um was es sich handelt. Ich versuche in dem ganzen Chaos etwas Ordnung zu schaffen, erziele jedoch nur kleinste Erfolge.
      Pünktlich zehn Minuten später öffnet Eyvind wieder sacht die Haustür. Unterm Arm trägt er eine dicke Decke, die er gleich auf der Lehne eines Stuhls ablegt. Dann verschwindet er, ohne noch ein weiteres Wort zu sagen, im Bad hinter der Küche. Für einen Mann braucht er erstaunlich lange. Erst fünf Minuten später kommt er wieder und winkt mich bestimmend in die Küche.
      »Weißt du genaueres, was passiert ist?« Fragt er mich mit seiner tiefen und so weichen Stimme.
      Ich schüttle wieder den Kopf. »Nichts, nein. War er schonmal so betrunken?«
      Eyvind überlegt kurz. Sein Blick schweift durch die Küche zu Malte. »Nein, seit ich ihn kenne nicht. Ihm geht es zur Zeit nicht so gut, ich hatte Angst davor, dass dann noch etwas Schlimmeres passiert. Danke, du warst wie ein Engel zur richtigen Zeit am richtigen Ort.«
      Ich werde rot. Beste Lösung: Noch einen Schluck Tee nehmen und darauf hoffen, dass mein Gegenüber nichts bemerkt. Ich lerne Eyvind allerdings gerade als einen jungen Mann kennen, welcher alles zu wissen schien, ohne je danach gefragt zu haben. Unter seinem Blick fühle ich mich wie eine nackte Gurke, erkenne ich mit einem leichten Lächeln.
      »Möchtest du die Nacht auf dem Hof übernachten oder soll ich dir ein Taxi rufen?«
      »Ein Taxi wäre super,« sage ich hastig und lächle flüchtig. »Ich bin ziemlich müde und möchte in mein Bett.«
      Sein Blick geht zur Uhr über der Tür. »Bist du dir sicher? Es ist mittlerweile kurz vor drei.«
      Ich nicke selbstsicher. »Ja, bin ich.« Eyvind zuckt kurz mit den Schultern und holt sein Handy hervor.

      Malte | »So eine Scheiße!« Rufe ich wütend und schleudere ein weiteres Kissen vom Sofa auf den Boden. »So eine verdammte SCHEIẞE!« Ich halte mir die Stirn. Ich bin glühend heiß. Ich schließe die Augen als sich mein eigenes Wohnzimmer vor meinen Augen auf den Kopf stellt. Erschöpft lasse ich mich wieder aufs Sofa fallen und schließe die Augen. »Eyvind, was läuft bei mir zur Zeit nicht richtig? Was soll ich hier noch? Macht das Leben überhaupt Sinn?«
      Eyvind ist wie immer die Ruhe selbst. Genüsslich trinkt er einen dampfenden Tee, während er es sich auf dem Sessel seitlich von mir bequem gemacht hat. »Malte, lerne aus deinen vergangenen Fehlern und mache die gleichen nicht erneut. Gestern das war ein kleiner Ausrutscher, der ein gutes Ende genommen hat.«
      »Ich bin so ein Idiot!« Schimpfe ich wieder. »Mein Leben lang habe ich vom Alkohol Abstand gehalten, was war nur mit mir los? Was sagtest du? Ich habe geheult? Was bin ich nur für ein verdammter Mann, ohne Ehre und Stolz.«
      »Du bist ein sehr angenehmer Betrunkener.«
      »Weil ich heule?« Böse blicke ich zu Eyvind. »Würdest du gerne vor einem jungen Mädchen weinen, die dich gerade nach Hause fährt? Sie wird wahrscheinlich sonst was gedacht haben. Weißt du was das Schlimmste ist? Ich weiß noch nicht mal ihren Namen, geschweigedenn wie sie aussah!« Ich vergrabe mein Gesicht in der kühlen Sofawand. »Was ist nur aus mir geworden«, jammere ich wieder.
      »Jora hieß sie. Ein sehr schöner Name, wie ich finde.« Sagt Eyvind. Ich blicke zu ihm auf. Erwartungsvoll blickt er mich an und nimmt noch einen Schluck aus seiner Tasse.
      »Jetzt brauchst du mir nur noch zu sagen, dass sie sehr hübsch war und mein Leben ist zerstört.«
      »Sie sah aus wie ein Engel und ich denke, sie hat sich gestern auch genauso verhalten. Ohne sie lägest du bestimmt in irgendeinem Straßengraben, mit einem kaputten Auto und einem geschrotteten Anhänger.«
      Ich fahre auf. Der Anhänger. Die Pferde. Der Flughafen. Wieder schreie ich laut eine unnennbare Beschimpfung, dass sogar Eyvind kurz innehielt mit Teeschlürfen. »Scheiße Eys, die Pferde! Wie spät ist es?!«
      »Kurz vor halb eins.«
      »Was? Nein, nein, das kann nicht sein.« Ich hechte aus dem Bett, taumle jedoch und kann mich gerade noch so an der Lehne von Eyvinds Sessel festhalten. »Meine Sachen«, murmle ich. »Eyvind, wo sind meine Sachen?« Sage ich diesmal lauter.
      »Malte, beruhige dich«, sagt Eyvind und klingt leicht ärgerlich. »Du benimmst dich, als wärst du immer noch besoffen.«
      »Du verstehst nicht, die Pferde!« Schluchze ich und versuche nun am Sofa entlang zu krabbeln.
      »Doch, ich verstehe sehr wohl. Denn wenn du kurz die Ruhe bewahrst und mir zuhörst, kann ich dir sagen, dass Vuyo und Tjarda heute morgen losgefahren sind und beide Pferde am Flughafen gesund und munter abgeholt haben.«
      »Was?« Mir stockt es den Atem. »Aber woher sollten sie wissen, dass-«, Eyvind unterbricht mich.
      »Dass sie heute morgen um zehn ankommen würden?« Eyvind steht auf und hilft mir vom Boden vor dem Sofa zurück auf das Sofa, wo ich kraftlos zusammenbreche. »Malte, ich weiß, dass du im neuen Jahrhundert noch nicht ganz angekommen bist, aber es gibt so etwas das nennt Internet. Ich habe gleich heute Nacht geforscht und schnell gefunden, wonach ich gesucht habe.«
      »Und die beiden sind jetzt wo?« Frage ich schwach.
      »Im Stall. Die Boxen hattest du ja bereits vorbereitet.«
      Ich nicke schwach und lasse mich dann nach hinten gleiten. »Danke«, schaffe ich noch zu sagen, bevor mich der Schlaf überrollt.

      Jora | Obwohl ich tot müde war, habe ich die ganze Nacht nicht geschlafen. Ich lag in meinem Bett, den Blick auf die Decke über mir gerichtet und in Gedanken versunken. Ich dachte an Malte, das Gestüt und natürlich mein Leben. Erst als die Sonnenstrahlen durch die Vorhängen schienen, fand ich endlich etwas Schlaf. Jetzt sitze ich am Küchentisch, eine Tasse Kaffee zwischen meinen Händen und blicke betrübt ins Nichts. In Gedanken stelle ich mein gesamtes Leben in Frage, bereue jede Entscheidung, die ich je getroffen habe und frage mich, in welche Richtung es nun gehen sollte und das alles nur wegen meinen gestrigen Erlebnissen. Ich frage mich, wie es Malte gerade geht und was er wohl gerade tut, ob er sich noch an mich erinnert und ärgere mich gleichzeitig, dass ich meine Nummer nicht hinterlassen habe. Jetzt würde ich wohl nie erfahren, was ihn aus der Bahn geworfen hatte.
      Ich holte meinen Laptop, klappte ihn auf und google nach dem Gestüt. Einige Verkaufsanzeigen und Artikel über Turniergewinne springen mir ins Gesicht, aber auch die Website der Ranch. Ich weiß selbst nicht warum, aber ich schreibe mir Maltes E-Mail Adresse und die Telefonnummer der Gestütsleitung auf. Vielleicht würde ich sie doch irgendwann einmal gebrauchen. Dann lasse ich mich lustlos auf mein Bett fallen und ziehe ein Fotoalbum zu mir heran. ich hatte es gestern aus einer der viele Kisten gesucht, jedoch noch nicht die Kraft gehabt, es mit anzuschauen.
      Die Bilde rmeiner Vergangenheit springen mich förmlich an, als ich die erste Seite aufschlage. Ich sehe meine Eltern, meine Geschwister und natürlich das, was meine Kindheit so Maßgebend bestimmt hat. Pferde. Pferde, die Natur, unser altes Gestüt und jede Menge Tiere. Ich habe es geliebt, mein altes Leben. Mit seinen Höhen und seinen Tiefen, denn ich wusste, dass es irgendwann wieder bergauf geht. Jetzt war ich mir da nicht so sicher. Dann ändere es, suche deinen Weg, versucht mich mein eigenes Gehirn zu überreden. Ich schüttle den Kopf. Nein, das Kapitel in meinem Leben habe ich abgeschlossen.

      Am späten Nachmittag mache ich es doch. Ich gebe die Telefonnummer von Frau von Eylenstein in mein Handy ein und drücke auf das grüne Symbol. Es ist ja nicht verboten, sich zu erkundigen.
      Sie ist nett, klingt jedoch etwas gestresst. Ich kann mir vorstellen wie schwer es ist, den Überblick bei einem so großen Gestüt zu behalten. Sie freut sich darüber, dass ich ihr meine Hilfe anbiete und eventuell auch eine Reitbeteiligung suche. Sie fragt mich, ob ich heute noch kommen kann und obwohl es draußen bereits dämmert, steige ich in meinen Wagen und nehme den Weg ein weiteres Mal auf mich. Ich habe Angst. Nicht vor Frau von Eylstein oder dem Gestüt, sondern davor, Malte über den Weg zu laufen. Ich weiß nicht, wie er auf mich reagiert oder ob er mich überhaupt erkennt, aber ich versuche selbstsicher auszuzehen, als ich meinen Wagen auf dem Parkplatz abstelle. Ich frage mich unwillkürlich, warum ich das Gestüt immer nur im Dunklen zu Gesicht bekommen.
      Frau von Eylstein hat mir ihre Adresse genannt und ich mache das schicke Herrenhaus in Weiß auch schnell ausfündig. Einen Moment bleibe ich verdutzt stehen, als ich lautes Geschrei aus dem Innern höre, drücke dann aber trotzdem auf die Klingel. Keine zwei Sekunden später wird die Tür aufgerissen und ich stehe einer jungen Frau mit einem schreienden Kleinkind auf dem Arm gegenüber. Sie hat dunkle, schulterlange Haare und wilde grüne Augen, aber auch tiefe Augenringe und ein gestresster Ausdruck liegt in ihrem weichen Gesicht.
      »Jora Cederblom?« Fragt sie mich und als ich vorsichtig nicke dreht sie sich um und ruft mit lauter Stimme: »Nico!« Und als niemand antwortet, schreit sie das zweite Mal noch ein Bisschen lauter. Ich bin leicht eingeschüchtert und als das Kind auf ihrem Arm abermals zu schreien anfängt und immer noch keine Antwort aus dem Haus dringt, dreht die Frau sich wieder um und verschwindet in der Wohnung. Ich stehe noch in der offenen Wohnungstür und frage mich verzweifelt, ob ich hier richtig bin. Aus dem Haus tönen laute Gespräche und ich habe für einen Moment das Bedrängnis, mich umzudrehen und zurück in mein Auto zu steigen. Die Frau kommt allerdings in diesem Moment zurück, zieht schroff die Tür hinter sich zu und bleibt seufzend stehen. Aller Ärger und Stress weicht ihr aus dem Gesicht und zurück bleibt nur die Erschöpfung.
      »Es tut mir unheimlich Leid«, sagt sie und reicht mir ihre Hand. »Charly, ich freue mich sehr, dass du dich gemeldet hast.« Sie lächelt kurz.
      Ich ergreife die Hand. »Ich kann auch wann anders wiederkommen«, sage ich und deute mit einem Nicken aufs Haus. »Wenn es heute unpassend ist.«
      »Ach quatsch«, lacht Charly gequält. »Es ist alles gut, wirklich! Komm, ich bringe dich zum Stall.«
      Ich sage nichts weiter und hoffe inständig, dass es wirklich in Ordnung ist, aber immerhin wares ihr Wunsch, dass ich heute noch komme. Auf dem Weg zum Stall stellt mir Charly einige Fragen und erkundigt sich danach, was ich bereits für Erfahrungen habe. Ich versuche nichts allzu überheblich zu klingen, erzähle ihr aber trotzdem von dem Gestüt, auf dem ich früher gewohnt habe, aber auch, dass ich nun seit längerer Zeit aus persönlichen Gründen den Kontakt zu Pferden abgebrochen habe. Sie fragt nicht genauer nach, denn sie scheint zu merken, dass ich nicht darüber reden will. Noch nicht.
      »Ich freue mich sehr, dass du aushelfen willst. Gerade heute hat sich einer meiner Mitarbeiter für längere Zeit frei genommen und es ist sowieso schon genügend Arbeit auf dem Hof.« Wir betreten den Stall. Ich liebe das Geräusch von kauenden Mäulern, gleichmäßigen Atmen und raschelnden Stroh noch genauso wie vor vielen Jahren und doch erinnert es mich an all die Dinge, die damit zusammen hängen, die ich versuche zu verdängen.
      »Wenn du sagst, du bist früher viel geritten, in welche Richtung denn? Eher klassisch Turnier oder doch etwas anderes?« Fragt sie mich.
      Ich bin einen Moment hin und her gerissen und würde gerne wissen, was sie für eine Antwort haben möchte. »Eher Freizeit«, sage ich dann. »Mein Vater war eher der Turnierreiter. Er hat mit seiner Stute einige Plätze in der Dressur geholt. Meine Mutter und ich haben uns mit schwierigen Pferden beschäftigt. Aber ich kann im Dressursattel genauso gut sitzen wie im Westernsattel, denn das war immer mein Ziel, so weitgreifend wie möglich zu arbeiten und nicht nur eines zu erlernen und alles andere zu verachten, wie es oft der Fall ist.« Füge ich hinzu.
      »Mit schwierigen Pferden sagst du?« Fragt mich Charly und kneift die Augen zusammen.
      Ich nicke vorsichtig. »Ja, aber wie gesagt, es ist schon lange her und ich weiß nicht, wie sicher ich noch im Umgang mit Pferden bin.«
      »Dann finden wir das mal heraus«, murmelt Charly und geht zu einer der Boxen weiter hinten. »Wir haben hier einige schwierigere Pferde und wie du vielleicht auch schon weißt, auch ein breites Feld an allen möglichen Pferden, welche vor allem für den Freizeitsport, aber auch den leichten Turniersport gedacht sind. Die einzige Zucht bei eins besteht aus den Sportpferden, welche wir allroundermäßig ausbilden und im mittleren Sport auf die Bühnen schicken. Ich würde mich freuen, wenn du uns bei der täglichen Arbeit unterstützt, aber genauso wichtig ist es auch, dass die Pferde reichlich Bewegung bekommen.« Sie öffnet das Tor und ein tragisches Wiehern erscheint, das mich kurz zusammenzucken lässt. »Komm her!« Meint Charly und winkt mich lächelnd zu sich. »Das ist unsere Grenzfee«, sagt sie und streichelt einer großen Stute in dunkelbraun den breiten Kopf. Unruhig spielen ihre Ohren hin und her und die Nüster bläht sich immer wieder auf. Ich weiche einen Schritt zurück als sie aggressiv mit dem Schweif peitscht, Charly redet jedoch beruhigend auf sie ein, sodass sich die Stute schnell beruhigt. »Unsere Grenzfee. Sie hat schon einen langen Leidensweg und ist nun seit einigen Jahren bei uns. Vielleicht findet ihr beide ja zusammen.« Als sie mein unsicheres Gesicht sieht, fügt sie hinzu: »Du brauchst keine Angst zu haben, du bist neu und das lässt Fee vorsichtig sein. Ich bin mir aber sicher, dass sie dich schnell akzeptiert.«
      Ich schaue Fee in die klaren, braunen Augen und sehe den weichen Schimmer und diese Gutmütigkeit in ihrem Blick. »Sie hat bestimmt viel Schlimmes erlebt«, flüstere ich und gehe mit ausgestreckter Hand einen Schritt nach vorne.
      Charly nickt und will etwas sagen, jedoch kommt ihr die Stimme einer anderen Frau dazwischen. »Charly, was soll das? Du weißt, dass das auch nach hinten losgehen kann.« Wütend kommt eine weitere Frau auf uns zu. Auch sie ist etwa im gleichen Alter wie wir, rote Locken umspielen ihr gebräuntes Gesicht und die leuchtenden Augen. Charlys Blick verhärtet sich, als die Frau sich an uns vorbeidrängelt und vor uns die Boxentür schließt.
      »Was soll das Mio?« Fragt Charly und hält die junge Frau am Arm fest. Diese entwindet sich jedoch barsch und faucht zurück. »Grenzfee ist meins! Meins allein und nur weil du auf sie aufgepasst hast, heißt das nicht, dass du alles mit ihr machen kannst, was du willst!«
      Erschrocken weiche ich einen Schritt zurück und lehne mich an die Boxentür. Wo bin ich hier gelandet? Warum ist hier jeder sauer auf den anderen? Ich hasse Streit, Arroganz und Feindschaft, die nicht begraben werden kann. Schon mein ganzes Leben stoße ich immer wieder auf diese unzufriedenen Menschen, die meinen, ihren Ärger und ihre Wut an anderen auszulassen, die nur versuchen ihnen zu helfen. Mio schmeißt Charly noch eine Beschimpfung an den Kopf, welche ich jedoch nicht mehr hören kann, weil ich mir meine Finger in die Ohren gesteckt habe. Ich schließe meine Augen und versuche all den Zoff und die unschönen Dinge aus dieser Welt zu verbannen. Ich will das nicht hören, ich wollte das nicht wieder ertragen müssen.
      Eine Hand legt sich auf meinen Unterarm. Ich versuche sie abzuschütteln, ich will den Kontakt zu solchen Personen nicht, ich brauche Abstand von solchen Gefühlen.
      »Jora», sagt eine Stimme an meinem Ohr. »Alles ist gut, komm mit mir.« Ich kenne diese Stimme und ein Gefühl von Vertrauen durchfließt mich. Blind folge ich ihm, verliere die Zeit und den Ort aus den Augen und komme erst wieder zu Bewusstsein, als mir eine warme Tasse Tee hingehalten wird.

      Malte | Ich habe Charly gesagt, dass ich Urlaub brauche. Nicht nur drei Tage, länger. Ich bin mir nie sicherer bei etwas gewesen, als ich vor ihrer Tür stand und ihr klar und deutlich erklärte, dass ich Ruhe brauchte. Ich fühle mich seit langer Zeit endlich mal wieder frei und kann atmen wie schon lange nicht mehr. Ich besuche meine neuen Pferde erst nachdem ich mit Charly geredet habe und die Entscheidung erscheint mir unheimlich schlau. Mit einer neuen mir schon unbekannten inneren Ruhe betrete ich den kleinen Nebenstall und stecke aufgeregt wie ein kleines Kind meine Hand über die Box hinweg, um sie endlich anschauen, anfassen, greifen zu können. Es ist schon recht lange her, dass ich mir Angus gekauft habe und nun kamen noch diese beiden dazu. Ginnungagap schaute mich aus seinen aufmerksamen braunen Augen an und ich wusste, dass er so schnell nicht wieder gehen würde. Sein Fell glänzte seiden, bestimmt hatte Vuyo es heute Morgen geputzt. Es ist schwarz, aber kein gefährliches, einsames Schwarz, sondern tiefgründig und warmherzig. Ginnus Beschreibung im Internet war nicht die einfachste, aber das gefiel mir. Ginnu schaut mich an und ich blicke zurück, fast wie ein stummes Gespräch zwischen zwei Wesen, die sich darauf einigten zusammenzuleben. Ich hatte überlegt, ihn kastrieren zu lassen, doch dann fiel mein Blick auf Ursel und ich wusste, dass ich das nicht übers Herz bringen würde.
      In meinem Kopf höre ich bereits Petyr, wie er sich über den Namen von Ursel lustigmachen wird. Er findet solche Pferdenamen albern, doch ich werde mich diesmal nicht provozieren lassen, denn vor mir sehe ich das ehrliche und freundliche Bild meiner kleinen Bärengöttin, denn genau das bedeutet der Name für mich. Ursel ist die erste Stute in meinem Besitz. Mit seidenem rötlichen Fell, einer langen wehenden Mähne und den hochbeinigen weißen Abzeichen. Eyvind hatten sie gefallen und auch Vuyo hatte mir vor wenigen Stunden einen Besuch abgestattet und mir zu diesen beiden Pferden beglückwünscht.
      Als Ginnu unruhig wird, bringe ich erst ihn, dann auch Ursel auf eine Weide nahe des Stalls. Es ist mir lieb, die beiden etwas im Auge behalten zu können und doch will ich sie nicht alleine im Stall zurücklassen. Ich bin mir selbst noch nicht sicher, zu wem die beiden auf die Weide kommen sollen, will jedoch am Abend ein erstes Kennenlernen ausprobieren. Bis kurz vor sechs ziehe ich mich deswegen in meinen kleinen Wagen im Wald zurück und schaue das erste Mal seit langer Zeit wieder etwas Fernsehen. Ich brauche Ablenkung. Auch koche ich mir mit den Resten aus meinem Kühlschrank einen Auflauf und lasse mir diesen auf meinem Sofa schmecken.
      Am Abend gehe ich erneut zum Offenstall. Logi begrüßt mich wie immer mit einem sanften Stupsen, während Félagi noch eingeschnappt ist, dass ich ihn heute Morgen geärgert habe. Ich lächele kurz und wuschle ihm dann durch seine dichte Mähne, während Dynur sich hinter ihm zurückhält. Dynur werde ich erst einmal zurücklassen. Sollte Félagi der Verpaarung zustimmen, wird auch Dynur nichts mehr dagegen haben. Zusammen mit Félagi verlasse ich die Weide und machte mich auf den Weg zu Ginnungagap. Dieser hört uns schon von Weiten und stößt ein lautes Wiehern aus. Wie erwartet bleibt Feli stehen, spitzt die Ohren und bläht die Nüstern. So sieht er noch viel hübscher aus, wenn er so aufrecht steht. Dann wird er unruhig, tänzelt leicht auf der Stelle und stupst mich an. Er weiß selbst noch nicht, ob er das Pferd kennenlernen möchte und ich merke wieder, dass er noch sehr jung und unerfahren ist, was das angeht. Das stört mich nicht, ich will ihm sowieso noch Zeit lassen, bis ich ihn unter den Sattel zwinge. Er liebt seine Freiheit und das versteh ich nur zu gut.
      Am Zaun von Ginnu angekommen wird Feli wieder ruhig. Ginnu steht an der anderen Seite des Zauns und beobachtet uns. Ich hätte gedacht, dass er offensiver vorgehen wird. Doch kaum kam mir dieser Gedanke, schüttelt der Rappe seinen muskulösen Kopf und kommt auf uns zugeprescht. Erschrocken weicht Feli einen Schritt zurück und versteckt sich leicht hinter mir. »Alles gut!« Sage ich liebevoll und ziehe aus meiner Hosentasche eine kleine Möhre. Das lässt sich Feli nicht entgehen, schnappt zu und hat mit wenigen Bissen das Leckerli hinuntergeschluckt. Auch Ginnu bekommt ein Stück, dich kaum ist es verschwunden, wiehert er wieder laut und trabt elegant den Zaun auf und ab. Feli hat nun doch die Scheu gepackt und er versucht mich zurück in Richtung Stall zu ziehen. Auch wenn ich sehe, dass es viel Arbeit mit den beiden werden wird, so sehe ich doch das Potenzial. Es wäre ein Traum, meine jungen Hengste zusammen halten zu können und vielleicht endlich eine Grenze zwischen den Kaltblütern und den Ponys ziehen zu können, welche nun noch auf einer Weide stehen.

      Jora | Ich öffne die Augen und blicke in das Gesicht von Eyvind. Er lächelt. Ich habe das Gefühl, dass er immer lächelt. Diesmal bin ich mir jedoch nicht sicher, ob er sich über mich lustig macht. »Tut mir Leid«, murmle ich beschämt und richte mich auf dem Sofa etwas auf. »Es war einfach nur zu viel für mich.«
      Er nickt und reicht mir eine Tasse Tee und ein Stück Schokolade. »Hier, iss. Das hilft bestimmt.« Vorsichtig nehme ich es ihm ab, beiße jedoch noch nicht hinein.
      »Wer war das?« Frage ich. »Das rothaarige Mädchen?«
      »Mio«, meint er und steht seufzend auf. »Komm, iss, wenn es etwas gibt, was dir nun helfen kann, ist ein Tee und eine Schokolade.« Er geht in die Küche der kleinen Wohnung und stellt sich ans Fenster. Ich beiße einmal ab und merke, wie sich der süße Geschmack der Schokolade in meinem Mund und meinem Magen ausbreitet. Er hat Recht, es hilft wirklich. Meine Frage hat er trotzdem noch nicht beantwortet. Bevor ich jedoch dazukomme, unterbricht er mich. »Mio hat es zur Zeit auch nicht leicht. Früher hat sie zusammen mit Charly ein Gestüt geleitet, bevor sie nach dem tragischen Tod ihres Freundes in die USA geflohen ist. Der Kontakt brach fast vollständig ab und erst zwei Jahre später lernten sie sich wieder kennen. Mittlerweile ist Mio wieder hier. Sie hat ihre neuen Freunde und einen Haufen Pferde mitgebracht. Sie vermisst es, Nevada. Sie vermisst die Wildnis, die Wüste, die wilden Pferde.« Er seufzt. »Nimm es ihr nicht übel. Sie hat sich oft schwere Vorwürfe gemacht, dass sie so viele Pferde zurückgelassen hat und Grenzfee ist eines von ihnen.«
      Ich nehme einen Schluck Tee. Ich schmecke den süßen Honig und die Melisse und ich glaube auch einen Schuss Orange erkennen zu können. »Ich wollte nicht, dass sie sich streiten.«
      »Das glaube ich dir.« Eyvind wendet sich wieder vom Fenster ab. »Du hast schon schlechte Erfahrungen gemacht, was Streit angeht?« Ich nicke nur. Mein Hals ist trocken und ich nehme noch einen Schluck. Eyvind möchte jedoch gar nicht mehr wissen.
      »Ich habe dir ein Bett vorbereitet, du bleibst heute bei mir. Morgen schauen wir uns zusammen das Gestüt bei Tageslicht an und ich zeige dir all die schönen Seiten.«
      Ich bin einverstanden, er hätte mich sowieso nicht gehen lassen und ich vertraute ihm. Bevor ich ins Bett gehe, frage ich noch: »Eyvind, wie geht es Malte?«
      Er lächelt mich kurz an, meint dann aber ernst: »Besser. Er hat sich Urlaub genommen und ich glaube, das braucht er jetzt auch. Wenn du willst, gehen wir ihn morgen gemeinsam besuchen.« Ich zucke nur kurz mit den Schultern und ich glaube, er versteht, dass ich mir nicht sicher bin, ob das eine gute Idee ist.

      Malte | Der nächste Morgen beginnt für mich in aller Frühe. Kurz nach Sonnenaufgang kann ich mich nicht länger im Bett halten und gehe hinaus in den Stall. Ich setzte mich einige Minuten auf die grüne Bank davor, genieße die Sonnenstrahlen und denke an gestern Abend. Ich hatte Vuyos und Charlys Vorschlag angenommen und versucht, meine Ursel mit zu den Ponystuten und Excelsior zu stellen. Jeanie mit Anhängsel Jelda hatte jedoch deutlich gezeigt, dass sie keinen weiteren akzeptieren will, denn anscheinend gehen ihr Vuyos beiden Stuten Nayela und Blazing Flame schon genug auf den Geist. Eine Stunde habe ich versucht, dass die Stuten sich näher kommen, war jedoch nur auf eine Mauer aus Beton gestoßen. Mit einem kurzen weiteren Gespräch mit Charly hatte ich mir jedoch eine vollkommen neue Konstellation überlegt. Ursel, zusammen mit der jungen Striga und meinem geliebten Óslogi. Ich hatte es nicht geglaubt, aber Logi und Ursel verstanden sich von Anfang an und auch Striga schien Freude an den beiden viel kleineren Pferden gefunden zu haben. Schon nach kurzer Zeit hatte sie ihre neue Freundin über den Zaun hinweg die Mähne gekrault und gezeigt, dass sie bereit dafür war.
      Gegen Mittag habe ich mich mit Charly verabredet. Sie will gerne dabei sein, wenn ich ihren Liebling und meine beiden Pferde zusammenführe.
      Im Stall miste ich das erste Mal in meinem Leben nur die Boxen der Pferde aus, die mir gehören. Ginnu, Ursel, Logi, Dynur, Feli und Angus. Ich brauche nicht lange, meine geübte Hand fidend im Handumdrehen die Dreckstellen, entfernt diese und streut neues Heu auf die Stellen. Bevor die anderen den Stall betreten, bin ich längst fertig mit meiner Arbeit und mache mich auf den Weg nach Hause.

      Jora | Am Morgen werde ich sanft von Eyvind geweckt. Er hat bereits den Tisch fürs Frühstück gedeckt und ich frage mich, ob er immer so lecker isst, oder das nur für mich tut. Wir sprechen nicht viel und es ist auch eine stumme nächste Stunde, bis wir den Stall betreten.
      »Das ist der Nebenstall«, erklärt mir Eyvind. »Die meisten der Pferde stehen im Sommer ganztägig auf den Weiden.« Der Stall ist hell und geräumig und anscheinend erst vor kurzem erbaut wurden. Nicht nur Sattelkammer und die kleine Küche sind modern, sondern auch die Tränken und der weiche Gummibelag in den Boxen. Es wurde kein Geld gespart, um den Pferde eine helle und freundliche Atmosphäre bieten zu können.
      Am anderen Ende der Stallgasse erscheint ein junger Mann. Rechts und links führt er zwei große Vollblüter. Das eine braun, das andere von einem hübschen und leicht geappelten Grau. Der Mann selbst hat dunkle Haut, kurze Haare und leuchtende Augen. Als er vor uns zum Stehen kommt, nimmt er beide Stricke in eine Hand und reicht mir die andere. Er blickt kurz grinsend zwischen Eyvind und mir hin und her und ich merke wie ich Rot werde. Eyvind reagiert jedoch gar nicht darauf und stellt mich vor. »Das ist Jora, sie möchte hier wahrscheinlich etwas aushelfen. Jora, das ist Vuyo. Er ist vor allem für die Vollblüter da, aber natürlich auch für jegliche andere Arbeit, die hier anfällt. So wie wir alle.« Ich ergreife nun Vuyos Hand und lächle kurz.
      Vuyo deutet auf die beiden artig wartenden Hengste. »Das ist Valentines Alysheba und sein Freund Osgiliath.« Er zeigt auf den Helleren. »Sehen wir uns heute zum Mittagessen Eys?« Fragt er an Eyvind gewandt. Eys, auf den Spitznamen wäre ich nie gekommen.
      »Ich weiß noch nicht, mal schauen.« Sagt Eyvind nur. Vuyo winkt uns noch kurz zu und macht sich pfeifend mit den beiden auf dem Weg aus dem Stall. Ich mache mich auf den Weg zu Grenzfees Box. Sie steht noch drinnen und blickt mich nachdenklich an. »Grenzfee hast du gestern ja bereits kennengelernt.« Ich blicke auf. Eyvind steht wieder neben mir. »Da neben dir in der Box, das ist Teufelstanz. Du kannst die beiden glücklich machen, in dem sie einfach immer in Sehweite bleiben dürfen. Sie lieben sich, wie man es nicht für möglich halten kann.« Erklärt mir Eyvind begeistert.
      »Gehen sie nicht auf die Weide?«
      »Doch doch, Vuyo wird sie gleich holen. Sie stehen auf einer Magerweide am See. Beide Stuten hatten schwere Hufrehe und ich bin froh zu sehen, wie gut sie sich entwickelt haben. Mittlerweile sind sie wieder reitbar, aber weder im Turniersport, noch auf der Rennbahn. Vuyo hat sich trotzdem zum Ziel gesetzt, die beiden im Rennen fitter zu bekommen und übt mit ihnen mehrmals auf unserer kleinen Bahn.« Er machte eine kurze Pause. »Hilfst du mir die restlichen Pferde auf die Weiden zu bringen?«
      »Klar«, sage ich und wende mich von Grenzfee ab. Eyvind zeit mir die fünf verbliebenen Pferde im Stall und gibt mir schließlich die Aufgabe, mich um zwei Trakehner Wallache zu kümmern. »Die gehören zwei Verwandten von Charly, eigentlich haben wir nur wenige Einsteller, aber die beiden haben sich uns nahezu aufgedrängt. Tibor und La Paz heißen die beiden.« Eyvind nahm zwei Stuten und ein dunkles Fohlen, das zu einer grauen Stute gehörte. Artig tippelte es ihr hinterher und ich lachte laut auf, als es über eine Bürste stolperte und erschrocken in die Luft sprang. »Ja, der kleine Mytos, der hat leider die Eleganz von seiner Mutter noch nicht geerbt.« Lacht auch Eyvind und blickt mir in die Augen. Ich wende meinen Blick ab und achte darauf, dass meine beiden Pferde nicht auch stolpern. Als Raja, Rubina, Mytos, Pas und Tibor auf ihrer Weide stehen, lädt mich Ey dazu ein, Malte zu besuchen. Ich zögere, stimme dann jedoch zu.
      »Hast du eigentlich auch Pferde?« Frage ich interessiert, als wir den Waldweg zu Maltes Haus gehen. Eyvind schüttelt jedoch nur den Kopf und sagt nichts dazu. Auch er hat also Dinge, über die er nicht reden möchte.

      Malte | Charly ist mir zum Glück nicht sauer, dass ich Hals über Kopf freigenommen habe. Besser gesagt dankt sie mir sogar, für meine jahrelange treue Arbeit und umarmt mich ein weiteres Mal. Es verwundert mich nicht, das auch das Zusammenführen unserer Pferde so gut funktioniert wie gedacht und nach nur einer halben Stunde stehen Striga, Logi und Ursel glücklich auf der Weide vor meinem Haus. Es ist mein Wunsch gewesen, dass die Pferde so nah wie möglich bei mir stehen und Charly hat nichts dagegen gehabt, dass ich ihre Striga etwas im Auge behielt. Die Vögel zwitschern über unseren Köpfen und im seichten Wind wanken die Bäume hin und her, als ein lautes Wiehern aus dem Wald erdringt. Während ich auffahre, bleibt Charly ruhig. »Das ist Marid, kein Zweifel.« Und tatsächlich. Wenige Sekunden später taucht Nico auf, unter ihm der wilde Hengst. Striga, Ursel und Logi preschen an die andere Seite des Zauns und es freut mich zu sehen, dass nicht nur Logi den Hengst nicht ausstehen kann.
      Nico bremst vor uns seinen Hengst ab und lässt sich von dessen Rücken gleiten. Ich muss zugeben, dass ich ihn für seine Reitkunst bewundere und auch, dass Nico eher nach Gefühl, als nach Regeln reitet. Trotzdem mag ich ihn nicht. Seine arrogante und herablassende Art stört mein Selbstvertrauen jede Mal aufs Neue. Er kommt jedoch kaum dazu etwas zu sagen, als zwei weitere Gestalten aus dem Wald auf uns zukommen. Marid hört sie als erste und so wenden auch wir drei den Kopf in die Richtung. Eyvind ist mit seinen weißen, kurzen Haaren und der Sonnenbrille nicht schwer zu verwechseln und das Mädchen neben ihm, wie mir bewusst wird, ist sie. Elend lange Engelslocken, einen zierlichen Sidecut und weiche Gesichtszüge. Neben Eys sieht sie erstaunlich klein aus, neben mir würde es genau passen.
      »Jora«, sagt Eyvind, als sie neben uns zum Stehen kommen. »Charly kennst du ja bereits und Malte auch. Das ist Nico.« Überheblich verbeugt sich Nico, ergreift dann Joras Hand und meint: »Zu euren Diensten, junge Frau.« Jora wird Rot und lächelt peinlich berührt, zieht die Hand jedoch nicht aus Nicos Griff. Aus den Augenwinkeln sehe ich, wie Charly sich wütend auf die Lippe beißt, sagt jedoch nichts dazu. Ich weiche Joras Blick aus, nicke nur kurz freundlich. Anscheinend sind nun alle verstummt und zu fünft stehen wir am Zaun der Weide und blicken auf Ursel, Striga und Logi, während jeder seinen eigenen Gedanken nachhängt.
      Leben ist Erfahrung von Wirklichkeit und wer lebt, tauscht Zeit gegen Erfahrung aus, denke ich, bevor ich mich Jora zuwende. »Hast du Lust auf einen kleinen Spaziergang?«

      9. August 2017 | 63.334 Zeichen | Canyon
    • Canyon
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      Roanoak Stables

      Even though all the Beauties are unearthing
      Den Pferdehänger mit zwei Hengsten voll, erreichten wir unser Zuhause wieder. Mister Blockhead war nun schon länger bei uns und hatte sich so langsam eingelebt. Arquera kam den ersten A-Dressuren schon nahe und verstand so langsam was wir eigentlich von ihr wollten.

      Nathan| „Jetzt haben wie zwei Hengste mehr…“, Brooke rollte die Augen. „Immerhin ist der eine Dressurveranlagt und der andere im Springen eine eins. Der Schimmel ist einfach von Cornet Obolensky. Einem Spitzen Springvererber und Champion im Springsport.“ Ich bemerkte kaum wie ich ins Schwärmen gelang. „Wie viel Uhr haben wir jetzt eigentlich? Ich hasse den Winter…“ „Wir haben 18 Uhr. Wir müssen gleich die Pferde füttern und ich mach mit Mister Blockhead heute noch eine Einheit. Aber erst lad ich die Hengste noch aus. Mit beiden direkt in die Quarantäneboxen. Ich hab Rabea Bescheid gesagt, dass sie die zwei fertig macht nachdem sie mit Abs was gemacht hat.“ „Cool, ja ich bring Gunfight gleich noch für eine Stunde aufs Paddock.“ Der Gedanke gefiel mir. „Wir sind mal wieder einen Batzen Geld los geworden…“, murmelte Brooke leise. „Ja, aber die bringen uns das wieder ein. Glaub mir!“ So viel Optimismus gefiel ihr wohl nicht. Ich lenkte die Einfahrt unseres Hofes ein und verlangsamte das Tempo unseres Gefährts und hielt auf dem Parkplatz an. Wir ernteten neugierige Blicke von Christina, Gwen, Rabea und Collin. „Wie viele sinds?“, fragte Collin grinsend. „Nicht so viele wie du denkst“, knötterte Brooke. „Zwei Hengste mit top Abstammungen.“ Er lächelte und half uns dann die beiden Pferde auszuladen. „Wohin sollen die beiden jetzt?“, fragte Collin mich hektisch, denn Cornet tänzelte stark neben mir. „Auf’s Paddock, die sollen sich austoben, sonst randalieren die uns noch die Boxen kaputt.“ „Alles klar.“ Brooke brachte in der Zwischenzeit Gunfight aufs Paddock und man merkte, an wen sie ihr Herz verschenkt hatte. Sie stand stundenlang am Zaun und beobachtete ihn und seine grazilen Gänge. „Brooke, komm jetzt. Du musst die Pferde füttern!“. „Ja, ich mach das jetzt“, sagte sie und machte sich endlich ans Füttern.

      Heute kam auch noch ein weiterer Einsteller zu uns. Es war alles ziemlich turbulent und die Stute würde uns auch zur Zucht zur Verfügung stehen. Ban hatten wir noch nicht gesehen, aber seine Stute Optibase stand schon neben Attentivenly in der Box und kaute gemütlich ihr Heu aus dem Heunetz. „Hübsches Tier, darf aber eigentlich kein Oldenburger sein“, murmelte ich in mich hinein. Die Farbe war nicht zugelassen im der Zucht von den Tieren, aber vielleicht hatte es auch keinen Oldenburger als Vater gehabt. Mister Blockhead war schon fertiggemacht; Seine Dicke Mähne war zu einem französischen Zopf zusammengebunden und er trug unsere schönen Stallfarben als Schabracke in Navy. „Gut siehst du aus“, grinste ich den genervt dreinblickenden Tinkerhengst an, der seine Ohren nach hinten gestellt hatte und zeigte, dass er absolut, keine Lust hatte, jetzt etwas zu schaffen. Aber heute war seine ‚Generalprobe‘. Denn das nächste Mal ritt Mr. Crowley in selber um sich zu vergewissern, dass er die Lektionen auch beherrschte. Ich stieg auf und ritt ihn im Schritt warm, seine Motivation hielt sich in Grenzen. Dabei übte ich die verschiedenen Tempi. Ich ritt im Mittelschritt durch die mit Licht geflutete Halle. Bei F trabte ich im Arbeitstempo an und trieb ihn noch etwas schwerfällig im unteren Zirkel. An der Stellung und Biegung hatten wir gut gearbeitet, der Galopp auf dem Zirkel gestaltete sich auch gut. Er buckelte zwar noch beim angaloppieren, wie er es am Anfang auch tat, aber daran arbeiteten wir noch ein bisschen. Ich parierte ihn durch in den Arbeitstrab und ritt bis K. Bei H parierte ich ihn erneut durch. „So ist gut“, murmelte ich. Bei F ging ich durch die ganze Bahn im Wechsel und Mister Blockhead trat dabei im Mittelschritt gut unter. Übergänge gefielen dem Rapphengst überhaupt nicht. Mal machte er sie mit, mal nicht. Umso mehr quälte ich uns beide durch die Trab-Halt und Schritt-Halt Übungen, denn so kamen wir auch an unsere letzten Schritt-Galopp Übergänge, die er sogar mit Bravour bestand und mal ein bisschen Motivation zum Vorschein kam. Ich lobte ihn und klopfte ihm an den Hals. Die Zügel kaute er auch artig aus der Hand. Nur mit der Kehrtwendung im Galopp hatte er noch Mühe, gab sich aber dennoch gewillt die Lektion auszuführen. Wir übten an dem Abend noch etwas länger, bis er mit der Abschwitzdecke auf seinem langen, dichten Fell sein Futter zu sich nehmen konnte. „Wenn du mal öfter so wärst wie heute, dann wär die Arbeit auch leichter“, grinste ich schelmisch und wurde von Rabea unterbrochen. „Na du“, das hübsche Lächeln entgang mir mal wieder nicht. „Hey, hast du Abs raus geholt“, lächelte ich und schaute auf den Braunen, der immer mehr weiße Haare auf der Stirn und um sein Abzeichen bekam. „Na klar“, grinste sie und führte ihn an der langen Seite in der Halle. „Ich mach aber heute nicht mehr so lange. Ich wollte ihn nur ein bisschen führen!“, ergänzte sie. Ich nickte und führte den Tinker dann in zurück in die Box. Für heute war die Arbeit fürs erste getan. Zuhause in der Wohnung schaute ich mir dann einige Hunde im Tierheim meiner Umgebung an. Aber wirklich dabei, war noch keiner zu meiner Enttäuschung.

      Der nächste Morgen kam früh. In der Nacht hatte ich kaum ein Auge zu gemacht und war dementsprechend schon kaputt, ehe ich überhaupt auf den Beinen war. Brooke schnatterte am Frühstückstisch fast ununterbrochen und ich hoffte nur, dass sie so langsam mal den Mund hielt. Mit brummendem Kopf und dicker Winterjacke machte ich mich in den Stall. Wir hatten zwei Polen beschäftigt, die den Pferden eine ordentliche Menge Heu gaben und die Boxen täglich misteten. Eine ganz schöne Arbeitserleichterung, wie ich fand. Ban war auch schon im Stall, Collin ebenso, der sich um Adrenaline kümmerte und sie gerade putzte. „Ban! Warte einen Moment!“, rief ich dem großen Mann zu. „Was ist denn? Ich wollte Optibase gerade auf den Paddock stellen.“ Ich nickte und begann dann mit dem Einwand, er könne Attentivenly und Aerials mitnehmen. Es schien für ihn kein Problem, dennoch war er schnell wieder weg. Collin grüßte ich nur flüchtig und ging dann in die andere Stallgasse. Anouk und A Rose from Nevada nahm ich gleich mit und stellte sie auf den Paddock neben die anderen Stuten. Dana, ihre Besitzerin war vor kurzem erst bei uns auf den Hof gekommen und ließ ihre beiden Pferde bei uns bereiten, da sie etwas zu schwer für die noch unterbemuskelten Pferde war. Aber sie wollte für die beiden abnehmen und ich wusste, dass sie es schaffen konnte. Anouk stand neben Rose und beknabberte sanftmütig ihren Widerrist. Ein tolles Bild. Warum war Brooke auch nie zur rechten Zeit da, mit ihrer tollen Kamera. Ich schmunzelte und ging zu unserem Neuzugang Cornet, der sich schon super eingelebt hatte, wie ich das Gefühl verspürte. In seiner Stalldecke umhüllt, lag er da und schnaubte ab und an ab. „Ein kleiner Träumer“, grinste ich und weckte den Schimmelhengst sanft aus seinem Schlaf. Es dauerte ein wenig, doch dann stand er auf den Beinen und schüttelte sich. „Werde erstmal wach“, lachte ich und holte dann Grand Little aus seiner Box, er war wenigstens schon mal wach. Während ich ihn putzte, hatte ich gefühlt sein ganzes Fell im Mund und auf der Zunge. „Ist das widerlich“, sagte ich und spuckte die Haare aus. So gechillt wie der Hengst da stand und sich von Gunfight nicht ablenken ließ, der ihn neugierig an der Nase beknabberte. Man sah ihm seine 4 Jahre noch sehr an, demnach war ich froh, dass er auf der Auktion in Vechta nicht unterm Sattel vorgestellt wurde. Cornet hingegen war im Kopf schon weiter, machte ordentlich mit und sprang über jeden Parcours, so viele Schleifen wie er diese Saison schon erhascht hatte. „Na lass den jetzt mal in Ruhe!“, sagte ich und stubste Gunfights Nase von Grand Little’s, damit ich ihn ordentlich trensen konnte. Draußen waren es angenehme 12°C und sonnig, das lud geradewegs zu einem Ausritt ein. Brooke war nun auch endlich im Stall und kümmerte sich jetzt um Gunfight. Ein bisschen an der Longe sollte er gehen, hieß es.

      Brooke| Ich liebte Gunfight jetzt schon. Sein neugieriges und charmantes Wesen machte den Hengst so interessant, dass ich mich ihm mehr widmete als ich es bei Diet Mountain Dew tat. Beim Putzen stand er so artig still und sobald ich an der Schulter striegelte, verzog er sein Gesicht so süß. Lieblingsstelle finden – Check! Auf dem Weg zum Putzplatz gingen wir an Attentivenly und ihren Stutfohlen Aerials vorbei. Gunfight reckte neugierig seinen Hals in die Richtung von dem kleinen Stutfohlen, dass so langsam abgesetzt werden sollte. „Wie macht sich die kleine?“, fragte mich Christina neugierig, mit ihrer Stute Hollywood Undead II und ihrer Tochter Gwen neben ihr. Hendersin, ihr Pony, schaute Gunfight nur mit angelegten Ohren an. Doch er ließ sich nicht beeindrucken von dem kleinen Zwockel. „Ganz gut, die läuft schon wie eine große. Mal sehen wie sie die Fohlenshow meistert“, sagte ich nur und musterte Gwens Pony. „Wie läufts mit ihm“, deutete ich mit dem Kopf auf den Hellbraunen Schecken. „Wir haben letztens ein Turnier gewonnen“, lächelte sie stolz. „Wem gehört eigentlich der Schimmelhengst auf der Weide?“ Neugierde machte sich in ihren Augen breit. „Der gehört Felix. Étoile ist aber ein echt verträglicher Hengst, der kommt gut mit Paper Planes klar.“ Felix war noch nicht lange hier. Zwei Wochen vielleicht drei und war nur ein Jahr älter als Gwen. „Okey, den hab ich noch nie hier gesehen“, sie zuckte mit den Schultern. „Naja wir sind noch eingeladen, man sieht sich“, sagte ihre Mutter dann und ging schon in den Stall. „Kommst du, liebes?“

      Nathan| Auf der Weide angekommen löste ich die Stricke der beiden Stuten von Diana und ließ Schwalbenfeder und Anouk auf die Weide. Die Mittagshitze war verschwunden und so konnten sie noch ein paar Grashalme zu sich nehmen, bis es Futter gab.

      Gegen Abend stöberte ich noch ein wenig auf ehorses und fand einen älteren Wallach, genau wie Abs. Sein Name war La Paz und man sah ihm sein Alter schon sehr an. Seine Dunkle Farbe wurde stehst von ein paar weißen Härchen unterbrochen und zeichnete so sein Gesicht und seinen Hals.

      Juni 2018 | Sosox3
    • Canyon
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      Hufschmiedbericht

      Ausschneiden und Korrigieren
      "Neuer Tag, Neuer Auftrag!",rief ich fröhlich als ich die Treppen hinunter lief. Meine Tasche in der einen und meine Autoschlüssel in der anderen Hand. "Ich kann es kaum erwarten den nächsten Stall kennenzulernen!" Schnell ging ich aus der Tür und verschloss sie, danach trottete ich zu meinem kleinen Truck und untersuchte meine Werkzeuge, als ich festgestellt hatte das ich nichts vergessen hatte, fuhr ich zufrieden los. Mein Auftrag führte mich nach Deutschland in die Nähe von Köln zu den sogenannten "Roanoke Stables". Nach einer Weile war ich endlich angekommen und parkte meinen Truck vor dem Eingang, dort wartete bereits ein junger Mann auf mich. Ich stieg aus meinem Wagen und schüttelte ihm freundlich die Hand. Er zeigte mir die Anlage des rießigen Gestüts und bedeutete mir dann wo ich mein "Zeugs" aufbauen könne. Gesagt. Getan. Während ich meinen Wagen umstellte und alles herrichtete führte, Nathan Scott, so wie er sich mir vorgestellt hatte, einen schönen Holsteiner-Pinto Hengst auf mich zu. "Na du? Bereit für etwas Hufpflege?",fragte ich das Pferd kichernd und strich ihm dabei über seinen Hals. Sein Name war Grand Little und meine Aufgabe heute war es seine Hufe auszuschneiden und die Hufeisen zu erneuern. Grand Little schien das alles wenig auszumachen, auch das zischen des heißen Wassers schien ihn nichtwirklich zu interessieren. Er hielt sein Bein solange es nötig war oben und zog es mir nicht aus der Hand, sowohl bei dem Ausschneiden als auch bei den Hufeisen wechseln. Ich drehte ausserdem bei den Hufeisen Stollen ein. Es dauerte nicht lange und der schöne Hengst konnt wieder in seine Box. Mein nächster Patient war der junge Hengst Cornet, er musterte mich etwas misstrauisch als er hergeführt wurde, schien sich aber schnell beruhigt zu haben nachdem ich ihn ersteinmal ausgiebig gestreichelt hatte. Bei Cornet hatte ich die selben Aufgaben wie bei Grand Little, also machte ich mich daran die alten Hufeisen zu entfernen und die Hufe auszuschneiden. Nachdem dies bei allen Hufen erledigt war bereitete ich die neuen Eisen vor. Cornet blieb die ganze Zeit über ruhig stehen und lies sich keinerlei Angst anmerken. Also war auch das neue Hufeisen anbringen und mit Stollen eindrehen schnell und sauber erledigt. "Heute geht alles ziemlich schnell.",murmelte ich und Nathan stimmte mir zufrieden zu. Er schien sehr stolz auf seine Pferde zu sein. Nachdem Cornet fertig war, wurde er durch den Wallach Abs ersetzt. Der alte Wallach beachtete mich kein bisschen misstrauisch, er hatte wohl in seinem Leben schon genug Hufschmiede gesehen, sodas ich eher wenig von Interesse war. Trotzdem streichelte ich ihn als erstes um ihn davon zu überzeugen das ich nur das beste will. Bei Abs hatte ich nur die kleine Aufgabe, seine Hufe auszuschneiden. Es war schnell erledigt da Abs sehr ruhig und still stand und mir sein Bein niemals entzog. "Eure Pferde sind echt gut erzogen!",stellte ich fest als Abs fertig war und kraulte ihm sachte hinter seinem linken Ohr. "Ja, darauf sind wir hier sehr stolz.",erklärte Nathan und tätschelte Abs Flanke. Dannach wurde Abs zurück geführt und Nathan kam mit dem altenWallach La Paz zurück. Wie Abs zuvor schien er die Gelasenheit auf vier Hufen dazustellen. Er lies sich von mir streicheln und auch das Hufe ausschneiden lies er ruhig über sich ergehen. "Und schon wieder fertig.",lächelte ich und tätschelte La Paz Hals. Meine letzte Patientin an dem heutigem Tag war die Oldenburger Stute Attentivenly. Wie ihr Name schon sagte, kam die Stute mit aufmerksam nach vorne gerichteten Ohren auf mich zu und schnupperte an meinen Handschuhen. Ich lachte und strich auch ihr über das Fell. "Gut dann fangen wir mal an.",lächelte ich und begann die Hufe der Stute auszuschneiden. Auch bei ihr war meine Arbeit schnell erledigt, sodass wir wirklich schnell fertig waren und ich Nathan dabei half die Stute zurück zubringen. Es interessierte mich sehr wie andere Ställe aussahen. Nachdem Attentivenly zurück in ihrer Box war, räumte ich mein "Zeugs" zurück in meinen Truck und verabschiedete mich von Nathan. Wie bei jeden meiner Aufträgen fuhr ich fröhlich nachhause, immerhin hatte ich heute wieder 5 Pferden geholfen.

      November 2018 | 4181 Zeichen | Sissicat
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      Roanoak Stables

      Pferde Crashkurs

      Tag 1 - Roanoak Stables
      Zwei Tage Crashkurs Praktikum. Einen Tag auf dem Roanoak Stable, den anderen auf Evergreen Acres. Aber wer war ich? Ein Teenager, der nichts mit Pferden am Hut hatte und nur eine Woche Praktika zusammenkratzen musste um das Schuljahr zu bestehen. Mein eigentlicher Praktikumsbetrieb hatte nur drei Tage Zeit für mich, ich brauchte aber insgesamt fünf. In meiner Not fragte ich überall an und die Arbeit auf einem Pferdehof konnte ja so schlimm nicht sein, oder? Neugierig sah ich mich auf dem Roanoak um, in der Hoffnung auf den Besitzer zu treffen. Als ich ihn schließlich traf führte er mich erstmal herum und erklärte mir die Aufgaben für heute. Es war früh und ich hatte mich um vier Uhr morgens aus dem Bett gequält nur um um halb 7 hier zu sein. "Zuerst müssen die Boxen gemistet werden. Das machst du zusammen mit den Mitarbeitern da drüben am Misthaufen.", man wank uns zu, "Die sind sehr freundlich und erklären dir dann was du zu beachten hast. Danach äppeln wir die Paddocks ab." Ich nickte und folgte jetzt zu den Weiden. "Die Pferden haben wir schon rausgebracht. Heute Nachmittag wirst du sie reinholen und zum Teil auch putzen. Aber das erklären wir dir dann noch." Kontakt mit Pferden... Mir schauderte es. Aber so viele Reitermädchen hatten damit kein Problem, wieso sollte mir jetzt was passieren? Der Misthaufen stank beinahe genauso schlimm wie ein Kuhstall, aber meiner Erfahrung nach würde das in ein paar Minuten abflauen. Man gewöhnt sich ja zum Glück schnell an neue Gerüche. "Hey, komm her, schnapp dir eine Mistgabel und eine Schubkarre und folge mir." Gesagt, getan. Im Stall fiel mir als erstes auf, dass offenbar nicht alle Pferde auf den Weiden standen. An das stetige Schnauben der riesigen Tiere musste ich mich auch noch gewöhnen. Grand Litte hatte mich fast zu Tode erschreckt, als er mit einem Huf gegen die Boxentür schlug, gerade als ich vorbeilief. "Warst du schon mal auf einem Pferdehof?", fragte man mich und musterte mich kritisch. Ich schüttelte den Kopf und beobachtete den Mann dabei, wie er Gabel für Gabel durchnässtes Stroh und Pferdeäpfel auf den Karren lud. Er kommentierte meine Unsicherheit nicht, sondern fuhr gleich mit der Arbeit fort. "Das ist die Box von Abs. Schau zu und lerne. Die meisten Pferde nutzen nicht die komplette Box als Toilette, sodass wir einen kleinen Teil gutes Stroh ruhig behalten können. Nimm aber lieber zu viel raus, als zu wenig. Falls du unsicher bist, frag einfach nach. Ansonsten geh da drüben zur Box von Gunfight, zwei Boxen neben dem Hengst, an dem wir beim Reingehen vorbei kamen. Ein Hengst war das also eben. Waren Hengste nicht besonders ungestüm und aufbrausend und so gar nicht das, womit man einen Anfänger konfrontieren sollte. "Keine Sorge, da ist eine komplette Box zwischen euch, der wird dich also nicht fresse, selbst wenn er wollte.", neckte mich der Mann, der meine Angst erkannt hatte. Ich konzentrierte mich auf das stinkende Stroh vor mir und schippte eine Gabel nach der anderen auf die Schubkarre. Ich arbeitete mich langsam vor und überlegte ständig ob das nun noch gutes Stroh war oder schon schlecht. Als ich fertig war fragte ich noch einmal nach um sicher zu gehen, dass es richtig war. "Nächstes mal, lad die Karre nicht so voll. Du wirst gleich merken wieso. Lauf lieber zwei, drei mal. Sonst siehts ganz ok aus. Nimm ruhig mehr von dem Stroh weg ich seh da noch ein bisschen feuchtes Stroh." Ich nickte stumm und brachte den Karren zum Misthaufen. Beim Laufen fiel mir gefühlt die Hälfte wieder runter, was wohl der Grund dafür war, wieso man lieber einmal mehr läuft. Dann am Ende muss man sonst die Stallgasse gleich mit misten. Da ich jedoch ein Perfektionist war nahm ich auch das restliche schlechte Stroh aus der Box, das ich übersehen hatte und ging dann zur nächsten Box. Der Mann hatte in der Zwischenzeit schon zwei Boxen fertig gemacht und das obwohl er öfter zum Misthaufen lief, als ich. "Cornet und La Paz sind fertig. Mach mit Diet Mountain Dew weiter." Er zeigte auf meine nächste Box und ich ging frohen Muter rüber, da hier kein Pferd in der Nähe stand, vor dem ich Angst hätte. Zwei, fast drei Stunden dauerte es bis alle Boxen gemistet und anschließend neu eingestreut waren. Trotzdem es kalt war, kam ich bei dieser Arbeit ordentlich ins Schwitzen. Es war nicht nur das hin und her laufen, zwischen Boxen und Misthaufen. Auch das ständige Bücken und Heben war anstregend und ich spürte zum ersten Mal in meinem Leben bewusst meinen Rücken, da er ordentlich schmerzte. Man lobte mich für mein Durchhaltevermögen und warf mir dann gleich an den Kopf, dass das ja noch nicht alles war. "Jetzt sind die Paddocks dran. Ich überlasse dir, die ohne Pferde." Dankend folgte ich. "Stroh und besudeltes Heu zusammenrechen und dann wie beim Boxmisten samt Pferdeäpfel auf die Schubkarre und dann auf den Misthaufen.", erklärte man mir. Auf dem Paddock, den der Mann nun abäppelte stand ein großes Pferd namens Attentivenly. Da der Paddock gleich an den grenzte, den ich gerade sauber machte stand das Pferd neugierig am Zeug und streckte sich zu mir hin. Ich war neu und unbekannt. Das war wohl eine Art Attraktion für manche Pferde hier. Wohl war mir nicht dabei, aber mit der Zeit gewöhnte ich mich an dieses Verhalten. Ich hatte gerade den Paddock von Optibase fertig, da wurde ich schon weitergeschickt zum nächsten. "RS' Aerials", las ich laut vor. Wer nannte sein Pferd so? Was sollte denn RS sein? Verwirrt öffnete ich das Gatter und begann grübelnd mit dem abäppeln. "Was ist los?", fragte man mich freundlich. "Nichts, ich... frag mich nur... Was bedeuten diese Abkürzungen vor manchen Pferdenamen?" Der Mann lachte. "Gute Frage! Das sind meistens Abkürzungen der Zuchten, von denen die Pferde stammen. Schau auf den Schildern in den Details nach und vergleich mal mit den Kürzeln, dann wirst du sicher schlau draus." Ich legte die Arbeit kurz nieder um das zu überprüfen. Tatsächlich ergab das nun Sinn mit den Kürzeln. "Und spricht man dann die Zuchtnamen mit aus oder einfach die Kürzel?" Der Mann zog die Schultern hoch. "Das ist unterschiedlich.", meinte er knapp und ohne aufzusehen. Ich arbeitete weiter und bald waren wir auch mit den Paddocks fertig. Nach einer kurzen Mittagspause, in der ich endlich mal den Rücken durchstreckte, gingen wir zu den Weiden. "Die ersten Pferde kommen jetzt schon rein, damit andere raus können.", erklärte man mir. "Wir holen jetzt Hollywood Undead II, Hendersin, Warrior Gun und Schwalbenfeder. Dann können Anouk, Monteverdi, Primo und A Rose vom Nevada raus. Du nimmst bitte immer nur ein Pferd. Lauf links vom Pferd und lass dich nicht überholen." Gemeinsam betraten wir die Weiden und holten die entsprechenden Pferde. Da ich keine Ahnung hatte welches Pferd ich abholen musste, wartete ich, bis der Mann mir eines übergab. Ich hatte Glück, das Pferd lief brav neben mir und schien sich nicht von mir verunsichern zu lassen. Folgsam lief es neben mir her, bis ich es in seine Box entließ und so schnell ich konnte die Tür zuschob und tief durchatmete, ehe ich wieder zur Weide ging. Es war beängstigend neben einem so großen, starken und schweren Tier zu laufen, selbst wenn es brav war. Definitiv etwas, an das ich mich nicht gewöhnen werde. Auch beim zweiten Pferd kroch mir die Angst in die Beine, sodass ich fürchtete, dass mir die Knie einknickten. Ich war froh, als wir die vier Pferde in den Boxen hatten. "Ist schon gut, ich bring die alleine raus. Geh und trink was.", sagte der Mann, der meinen panischen Gesichtsausdruck absolut richtig gedeutet hatte. Als ich mich im Badspiegel ansah wurde mir bewusst wieso. Ich war kreideblass und das war eigentlich so meine Art. Eigentlich hatte ich eine gesunde, karamellfarbene Haut und ein paar dunklere Pigmentflecken im Gesicht, doch selbst die waren erblasst und wirkten nunmehr hellbraun. Ich wusch mir Hände und Gesicht und ging dann zur Gemeinschaftsküche um mir etwas zu Trinken zu nehmen. "Komm nochmal mit." Der Mann hatte mich beim Trinken überrascht und ich hätte mich beinahe verschluckt. Er grinste schelmisch und geleitete mich zu einer großen Halle. "Das sind Paper Planes, Étoile, Hvitasunna van Frelsi und Atla von Atomic. Die werden hier gerade bewegt und beschäftigt. "Das sind alles Ponys, vielleicht machen die dir etwas weniger Angst." Ich beobachtete das kleinste der Ponys, das frei mit den größeren mitlief. "Bleibt das so?" Der Mann folgte meinem Blick und lachte. "Nein, das ist ein Fohlen und wächst noch etwas. Aber es wird nicht so groß wie die anderen Pferde, die du heute gesehen hast." Ich senkte den Blick. "Schade, in der Größe wären mir Pferde deutlich lieber." Abermals lachte der Mann. "Du hast jetzt erstmal Pause. Um Vier holen wir dann die übrigen Pferde rein, genug Zeit um sich drauf einzustellen, hm?" Er lächelte mich an und ging dann wieder an seine Arbeit. "Es sei denn du hast Lust mir beim Putzen des Stalls zu helfen. Allerdings müssen wir dafür auch in ein paar der belegten Boxen treten.", er zwinkerte mir zu und drehte dann wieder ab. Das war eine rhetorische Frage. Er rechnete nicht damit, dass ich ein paar Minuten später bei ihm stand und mich mutig dieser Herausforderung stellte. Er war sichtlich erstaunt und freute sich über meine Hilfsbereitschaft, trotz der Angst, die ich vor Pferden hatte. Hätte ich davon vorher gewusst, hätte ich mich nie bei Pferdeställen gemeldet um ein Praktikum zu machen. Er gab mir einen langen Staubwedel und ließ mich die Decke der Stallgasse von Spinnweben beseitigen, er machte das gleiche in den Pferdeboxen. Anschließend putzten wir die Fenster. Er von innen, ich von außen, sodass ich nicht in die Boxen rein musste. Am Ende des Tages war ich sehr zufrieden und dank meiner Hilfe beim Putzen hatte der Mann sogar auch früher Feierabend. Die Zeit, die ich beim Boxmisten vertrödelt hatte, hatten wir jetzt wieder eingeholt. "Danke, für deine Hilfe." Er verabschiedete sich höflich und setzte sich dann in seinen Wagen um heim zu fahren. Der Stallbesitzer schrieb mir noch ein Arbeitszeugnis aus und lobte mich in den höchsten Tönen. "Ich muss gestehen, ich hab mir dafür eine Vorlage rausgesucht. Ich hoffe, dass es tatsächlich ein gutes Zeugnis ist. Sonst meldest du dich bitte nochmal bei mir.", stirnrunzelnd übergab er mir den frisch unterschriebenen Zettel. Ich überflog den Text kurz und bedankte mich dann. Mittlerweile war es dunkel und ich war froh, als zu Hause etwas warmes zu Essen auf dem Tisch stand und eine heiße Dusche auf mich wartete.

      Tag 2 - Evergreen Acres
      Der nächste Tag startete mit Schneeregen. Richtig ätzend. Mein Rücken fühlte sich an als würde er bald durchbrechen und wenn der Hof auf dem ich heute arbeiten musste nur annähernd so groß war wie die Roanoak Stables, wäre das mein Todesurteil. Ganz sicher. Widerwillig würgte ich mein Frühstück runter, nahm einen Schluck Orangensaft und machte mich dann auf den Weg zum Evergreen Acres. Es war wie eine andere Welt. Gleich zwei Leute kamen auf mich zu und begrüßten mich. Hier gab es wohl sogenannte Westernpferde. Eine andere Reitweise, die Sättel waren wuchtiger und allgemein sahen die Outfits lockerer und prachtvoller aus als auf dem Hof gestern. "Da wird gerade Cruel Twist of Fate geritten.", erklärte man mir und ich warf einen Blick auf das helle Pferd auf dem Reitplatz. "Wir bringen jetzt zusammen die Fohlen auf die Weide." Ich folgte zu den Stallungen, wo die Fohlen schon darauf brannten aus der Box zu kommen. Ich sollte zur ersten Weide laufen und das Gatter öffnen. Die anderen kümmerten sich um die Fohlen selbst. Ich sollte unbedingt beim Gatter stehen bleiben, damit es nicht von selbst zufiel. Die anderen stellten sich vor sämtliche Fluchtwege und dann kamen auch schon die Fohlen. Später sagte man mir, dass das PFS' Icy Rebel Soul, Morrigan's Chaa und Kwatoko waren, die an mir vorbeirasten und auf der Weide herumtollten. Ich hatte das Bedürfnis schreiend wegzurennen, als die drei vom Stall auf mich zurasten, doch sie bogen gleich auf die Weide ab, sodass ich meinem Instinkt widerstehen konnte. Dennoch raste mein Herz. "Hast du schon mal ein Pferd geputzt?", fragte man mich und ich schüttelte den Kopf. Just fiel mir ein, dass ich doch gestern auch ein Pferd putzen hätte sollen. Sicher hatte man mir das nicht auflegen wollen, nachdem bekannt wurde, dass mir Pferde Angst bereiteten. "Dann zeig ich dir das jetzt an Höllenflüstern." Das braune Pferd hatte die Ohren in den Nacken gelegt, sobald sie auf der Stallgasse stand und irgendwas sagte mir, dass das keine Freundlichkeit bedeutete. "Keine Sorge, sie ist etwas frech, lässt sich aber gut versorgen. Du bekommst gleich ein braveres Pferd. Versprochen." Mehr als ein Nicken schaffte ich nicht. Wie angewurzelt stand ich da und starrte in das Gesicht des Pferdes. Man erklärte mir den Vorgang des Pferdestriegelns. "Großartig dreckig sind die eh nicht.", hieß es. Dann zeigte man mir außerdem das Verlesen des Schweifs. "Treten die nicht aus, wenn man dahinter steht?", fragte ich und sah wieder zum Kopf des Pferdes. Es schaute noch immer nicht gerade freundlich drein. Die Frau überlegte kurz. "Stell dich etwas seitlich, wenn du dem Pferd nicht vertraust. Es kann sein, dass es dir wie Höllenflüstern hier, den Schweif aus der Hand zieht. Einfach immer locker halten und dann neu aufnehmen. Aber Kisshimbye macht das nur ganz selten." Tatsächlich war der Schecke, den ich zu putzen hatte deutlich angenehmer im Umgang und ich fühlte mich mit jeder Minute, die ich striegelte etwas besser. Vor dem Verlesen des Schweifs hatte ich aber immer noch Angst und machte das nur sehr zögerlich. Zweimal zog mir die Stute den Schweif aus den Händen, doch dann ich fertig und der Schweif fiel locker und vollkommen entwirrt. Es war toll sofort das Ergebnis seiner Arbeit zu sehen und bis auf die emotionalen Probleme, war diese Arbeit deutlich leichter als das Ausmisten der Boxen. "Oh da kommen Quisquilloso und Quicksilver nach Hause. Die beiden waren mit ihren Reitern ausreiten." Neugierig beobachtete ich, wie die zwei bunten Pferde quer über den Hof geritten wurden. "Was ist das für eine komische Farbe?", fragte ich und deutete auf das Pferd dessen Punkte mich stark an die eines Dalmatiners erinnerten. "Quisquilloso ist ein Tigerschecke. Die Punkte die charakteristisch für diese Fellfarbe." Mittlerweile war Cruel Twist of Fate nicht mehr auf dem Reitplatz. Stattdessen galoppierte Special Luna Zip durch den Sand. Das sagte man mir, nachdem ich fragte ob das Pferd mal krank war oder in einen Topf weiße Farbe gestapft war. Irgendwie waren hier viele Pferde auf dem Hof, die ungewöhnlich gefärbt waren. Zumindest für mich, der da keine Ahnung hatte welche Möglichkeiten es gab. Über meine Unwissenheit wurde heute nicht nur dieses eine Mal gelacht. Ich konnte es den Leuten nicht verübeln. Ich lernte dass einjährige Jungpferde "Jährlinge" genannt wurden. Zwei davon gab es hier und sie hießen Imagine there's no Heaven und Varys. Außerdem lernte ich dass lange Namen offenbar beliebt waren in der Pferdewelt. Mich erinnerte das an die Zuchtnamen von Hunden.Alles in Allem war dieser zweite Stallarbeitstag wesentlich einfach, als der gestrige. Das lag wohl daran, dass man mir kaum aufgaben überließ. Die meiste Zeit sah ich Leuten beim Reiten oder Longieren zu. Longieren fand ich lustig und ich stellte mir vor Hunde auf diese Weide zu bewegen. Dass es das wirklich auch mit Hunden gab, wusste ich bis dato noch nicht. Aber mir gefiel der Gedanke nur über eine lange Leine mit dem riesigen Tier verbunden zu sein, das auf akustische Signale genau das tat, was man wollte. Ich hinterfragte ständig wie man Pferden etwas bestimmtes beibrachte und man erklärte mir gleich verschiedene Trainingsmöglichkeiten. "Viele Wege führen nach Rom." Das war wohl wahr. Am Spätnachmittag bekam ich mein Arbeitszeugnis und machte mich gleich darauf auf den Heimweg. Ich freute mich schon meinen Praktikumsbericht über die zwei verschiedenen Pferdehöfe zu schreiben und mein neu erlangtes Wissen dort unterzubringen. Vermutlich war das jedoch meine erste und letzte Erfahrung mit dieser Materie, denn die Arbeit mit Holz, ohne Tiere, gefiel mir besser. Weniger Nerven aufreibend, mehr Futter für die Seele. Zumindest in meinem Fall.

      Dezember 2018 | 16.194 Zeichen | Sosox3
    • Canyon
      ▲▽▲
      Gestüt Birkenhof

      Kennenlernen
      Ian Monroe | Es war Samstag in der Früh, dürfte wohl so um 6 Uhr sein. Ich legt auf dem Bauch in meinem Bett, eine Hand hing über die Bettkante das dunkle Haar stand zerzaust vom Kopf ab. Ich war am Vorabend relativ früh schlafen gegangen, da die Arbeit und das Bier welches ich mit Reyna getrunken hatte dafür gesorgt hatten das ich wirklich müde geworden war. Es war ein ruhiger und traumloser Schlaf in welchen ich gesunken war. Er endete genau in diesem Moment als ich etwas Warmes und Feuchtes auf meiner Hand spürte. Ich zuckte zusammen, öffnete die Augen einen Spalt, hob den Kopf gerade soweit um zu sehen das Aika sich an meiner Hand verging. „Morgen“, brummte ich der Hündin entgegen und entzog ihr meine Hand. Mhh… Hundesabber am Morgen was konnte es denn schöneres geben? Ich wälzte mich auf den Rücken, bedeckte meine Augen mit einem Unterarm. Ein herzhaftes Gähnen entkam mir und eigentlich war ich schon wieder beim Einschlafen, als Aika ihre Vorderpfoten auf die Bettkante legte, den Kopf zwischen ihre Pfoten und leise vor sich hin winselte. Ich seufzte und spähte zu ihr hinüber, wie sie mich mit ihren großen braunen Augen flehend anstarrte. Wieder erklang dieser leise Ton der verkündete, dass sie auf ihr Frühstück bestand. „Schon gut!“ gab ich schließlich mit einem Seufzen nach und schlug die warme Bettdecke zur Seite. Meine Füße schob ich über die Bettkante und saß erstmal aufrecht dort, fuhr mit einer Hand durch mein Haar und kratzte mich am Hinterkopf. Aika indes lief aufgeregt im Kreis, herum gähnte und streckte ihr Hinterteil in die Höhe, bevor sie trippelnd wieder auf die Beine kam und um das Bett herum lief. Ich dachte über den Tag nach, dachte daran was heute denn zu tun war und dann fiel mir ein, dass ich mir ja mit Reyna ausgemacht hatte heute wieder zu ihr zu fahren. Sie wollte mir das Reiten beibringen… nun zumindest sollte ich mich heute mal auf ein Pferd setzen. Unwillkürlich spürte ich die Aufregung dabei. Ob das wirklich gut gehen würde? Noch war ich ja nicht so davon überzeugt, aber einfach kneifen konnte ich doch jetzt auch nicht mehr. Gut das erste Problem stellte sich mir ja schon, als ich vor dem Kleiderschrank stand. Was zog man denn zum Reiten an? Vielleicht hätte ich da Reyna doch lieber Fragen sollen… Ich seufzte leise bei dem Gedanken an die hübsche junge Frau geriet ich leicht ins Schwärmen. Mit einem Seufzen entschied ich mich einfach für eine Jeans und ein einfaches T-Shirt. So machte ich mich mit Aika auf den Weg zum Stall, stieg in den alten Pick-up ein. Bevor ich jedoch zum Stall fuhr, fuhr ich noch an einem Coffee Shop vorbei, nahm für Reyna und mich jeweils einen Kaffee und je einen Donut mit. Hoffte, dass ihr das zusagen würde. So fuhr ich eine viertel Stunde später auf dem alten Gestüt ein und wenn ich mir so die Gebäude von außen ansah, konnte ich noch jede Menge Arbeit sehen… in meinem Kopf hätte ich auch schon den einen oder anderen Plan wie man ein paar Dinge verbessern könnte. Das waren eben die Augen eines Handwerkers… Ich parkte wie die Tage zuvor auch schon am Rand, stellte den Motor ab und stieg aus. Aika sprang gleich hinter mir hinaus und zischte auf der nächste Fleckchen Wiese zu, um erstmal ausgiebig zu schnuppern und sich zu erleichtern. Ich lächelte und ging mit dem Kaffee und der Tüte mit den Donuts in der Hand auf die Suche nach Reyna. „Reyna?“ fragte ich in den Stall hinein und sah mich um, betrat die Stallgasse. Es roch nach Sägespäne und frischen Holz, nur unterschwellig kam auch der Duft der Hinterlassenschaften der Tiere durch. Die Pferde schienen alle ihr eigenes Frühstück schon zu haben, zumindest war meine Anwesenheit ihnen so gut wie egal. Nur ein zwei hoben ihre Köpfe, das Maul voll mit dem grünen getrockneten Gras. Ich fand mich bei der Box der hübschen hell gescheckten Stute wieder. Sie spitzte neugierig ihre Ohren als sie mich wahrnahm und kam sogar heran um an der Tüte zu schnuppern die ich in der Hand hatte. Ich grinste und machte lieber einen Schritt zurück. „Ich glaube nicht das Donuts was für dich sind meine Hübsche“, schmunzelte ich. Das Tier schnaubte schüttelte ihren Kopf, bevor sie sich wieder ihrem Futter widmete.

      Reyna Huntington | Ich war heute etwas später wach geworden als sonst, tat mich schwer aus dem Bett zu kommen. Ja ich schlief endlich in meinem Bett. Nachdem Ian gegangen war hatte ich mich drauf und dran gemacht das Schlafzimmer wenigstens halbwegs ins Lot zu bringen. Oder zumindest das Bett, denn langsam aber sicher bekam ich Rückenschmerzen von der Haltung auf den Heuballen. Kaffee gab es jedoch immer noch nicht für mich, wobei ich froh drum wäre nun einen zu haben. Ich schlurfte in das Badezimmer und machte mich fertig für den Tag, alles was dazu gehört. Zähne putzen, Schminken und und und. Ja man sah mir meine Müdigkeit an, sehr sogar, bekam ja kaum die Augen auf. Aber sicherlich legte sich das gleich wieder, wenn ich in den Stall gehen würde um die Pferde zu füttern. So zog ich mir heute die dunkelblaue Reithose an und ein lockeres Shirt, darüber eine Sweatshirtjacke denn in den letzten Tagen war es immer morgens kalt, dafür am Nachmittag brechend heiß. Ich musste mich unbedingt mal an die Wiesen dran machen, damit die Pferde wenigstens über den Morgen dort etwas grasen konnten, das Paddok war ja keine dauerhaft Lösung für sie. Zumindest nicht bei der Hitze und ohne Unterstand, so holte ich sie jeden Mittag wieder rein und ließ sie abends noch einmal hinaus. Ich streckte mich ausgiebig als die kühle Luft mich vollends weckte, ehe ich meine Jacke schloss. Ich wollte wahrscheinlich gar nicht wissen wie viel Grad es wirklich waren. So lief ich die Treppen hinunter und gleich in den Stall, die Pferde wärmen diesen immer ganz gut. Und die Wärme hielt sich hier, genauso wie Mittags die kühlere Luft wenn ich einen Durchzug startete nachdem alle auf dem Paddok waren. Ich wurde von erwartungsvollem Gebrummel und Fohlen Wiehern begrüßt, was mir ein Lächeln auf die Lippen zauberte. ,,Guten Morgen.“, rief ich in den, bis auf die Pferde, leeren Gang hinein und lief zur Futterkammer die es heute auch noch halt zu füllen. Wieso hatte ich bei meinem vollen Terminplan nochmal Ian eingeladen? Ja ich wollte ihn aufs Pferd setzen, ihm weiß machen wie schön das Reiten sein kann und hoffte auch das es mir Gelang, nur warum nochmal heute? Ich bereitete das Futter vor und gab jedem seine Portion nach und nach. Einen Teil vom Heu bekamen sie jetzt schon, den anderen verteilte ich derweil auf den Paddoks. Ich sah zum Stall hinüber, sah das alle natürlich noch am Kauen war und beschloss kurzer Hand meine Arbeit am Haupthaus und dessen Zimmer weiter zu vollziehen. Wollte dort ja irgendwann mal richtig einziehen und nicht so halbherzig. So lief ich die Treppen wieder hoch und begann in der Küche. Ich öffnete die Fenster und schmiss die alte Sachen wahllos in den Container der, Gott sei Dank dass ich ihn hab dort hinstellen lassen, unter dem Fenster stand. Wieso hatte der Vorbesitzer denn wirklich gar nichts mitgenommen, so schien es zumindest. Alte Küchengeräte und der Tisch im Esszimmer. Das Bett und so die Standardmöbel waren noch da, teilweise sogar noch Bilder. Ich schüttelte den Kopf, konnte nicht verstehen wieso man Bilder hängen ließ, die hatten doch eine Bedeutung. Ein kurzer Blick auf mein Handy verriet mir, dass es schon halb 9 war und ich wenigstens schon das ganze Kleingetraddel aus der Küche verbannt hatte. Eine neue würde ich mir derzeit noch nicht leisten könnten, so müsste diese halten. Eventuell das Holz neu streichen, aber das war eher ein kleineres Übel, sonst sah sie ja noch gut in Schuss aus, bis auf den Staub. Ich streckte mich erneut und der Wunsch, nun einen Kaffee zu haben, stieg wieder in mir auf. Ja dahinter steckte schon fast ein bisschen Suchtpotential, aber es war eben mein Lebenselixier. Früher hätte man mich vor meinem ersten Kaffee gar nicht ansprechen dürfen, zum Glück hatte sich das gelegt gehabt. Meine Beine trugen mich wieder aus dem Haupthaus und ich entdeckte Ians Auto. Oh! Lächelnd lief ich in den Stall. Ja wir verstanden uns gut und der Gedanke, seiner bloßen Anwesenheit, versetzte mir schon ein Lächeln auf die müden Gesichtszüge. Ich rieb mir die Augen, lief dann weiter. Aika schien mich schon zu hören, denn die kam geradewegs auf mich zugerannt. ,,Guten Morgen du Süße!“, rief ich und hockte mich hin, mit einem Sprung landete sie in meinen Armen und ich richtete mich auf. ,,Na du kleine Maus, gut geschlafen?“, lächelte ich und streichelte die aufgeregte Dame, welche fast zu explodieren schien vor Freude. Lächelnd und mit dem Hund auf dem Arm trat ich in den Stall. Sah den groß gebauten Mann mit einer Tüte und zwei Kaffeebechern in den Händen an, beobachtete wie er sich mit Velvedere unterhielt. Diese Stute hatte es ihm wirklich von Anfang an angetan. Aber es war ein wahrlich schöner Anblick. Ein hübscher Mann, welcher selbst noch etwas verschlafen drein blickte, der meine Velvedere streichelte und ihr erklärte warum sie nicht das haben könne was in der Tüte auch immer war. Ganz genau verstand ich seine Worte nicht und er schien mich auch nicht wirklich zu bemerken. Ich schmunzelte und musterte ihn, das Shirt spannte etwas an seinen muskulösen Oberarmen, sowie an der Brust auch etwas. Ja man sah ihm deutlich an, dass er ins Fitnessstudio ging. Und ich würde lügen, würde ich sagen dass dieser Mann mit seinem Aussehen nicht manchmal bestimme Gedanken hervorrief. Oder auch mit seiner Art, seiner überaus charmant Art, welche er zeitweise an den Tag legte. Ich schob diese Gedanken beiseite und sah wieder sein Profil an. „Guten Morgen Ian.“, rief ich ihm zu und ließ Aika wieder hinunter, ging ein paar Schritte auf ihn zu. ,,Gut geschlafen?“, fragte ich schmunzelnd nach und fuhr mir mit der Hand durch die Haare, strich sie nach hinten, damit sie mir nicht weiterhin ins Gesicht fallen. Müsste nachher wohl wieder zum Haargummi greifen, wie eigentlich schon die ganze Woche. Ich glaubte sogar, Ian hatte noch nicht einmal meine offenen Haare gesehen, glaubte er kannte mich nur mit hochangesetztem Pferdeschwanz da es für die Arbeiten angenehmer war, wenn mir die Haare nicht ständig ins Gesicht fielen.

      Ian Monroe | Mein Blick lag weiterhin auf dem hübschen Pferd, welches sich mittlerweile wieder von mir abgewandt hatte. Beobachtete fasziniert wie sie mit ihren Lippen kleine Halme aus den Sägespäne sammelte anstatt ihr Maul einfach in die Raufe zu stecken. Eine bekannte Stimme riss mich von dem beinahe schon meditativen Anblick los, ich drehte meinen Kopf und ein breites Lächeln trat unwillkürlich in mein Gesicht als ich der hübschen jungen Frau entgegen sah. „Morgen Reyna!“ erwiderte ich den Gruß und kam ihr entgegen. Ich nickte als sie fragte ob ich gut geschlafen hatte. „Ja sehr gut sogar, danke der Nachfrage“, antwortete ich ihr und grinste. „Und du?“ fragte ich sie zurück und beobachtete wie sie ihre Haare zurück strich. Wie sie durch das Licht was hier rein fiel glänzten als wären sie aus seinem feinen Stoff gewoben. Folgte dieser Bewegung mit den Augen und fragte mich ob sie sich so seidig anfühlten wie sie aussahen. Sie sah so ungewohnt aus mit den offenen Haaren – ungewohnt im guten Sinne, fast schon sexy, hatte ich sie die Woche doch nur mit Pferdeschwanz gesehen. Ich räusperte mich um schnell wieder meine Gedanken los zu werden, wurde mir dann den Doppelhalter in meiner Hand, indem die beiden Kaffees standen, wieder gewahr. „Öhm… ich habe Kaffee und Donuts mitgebracht“, lenkte ich also schnell ab, hob die Hände mit den Bechern und der Tüte in der Hand in die Höhe um darauf aufmerksam zu machen. Schenkte ihr wie üblich eines meiner charmanten Lächeln und hoffte das es ihr nicht aufgefallen war, dass ich sie angegafft hatte. „Ich fürchte nur er ist nicht mehr ganz so heiß“, meinte ich dann und lächelte entschuldigend. Hielt ihr dann den Papphalter hin. „Links ist glaube ich der Latte Macchiato und rechts ein doppelter Espresso“, erklärte ich. Nachdem ich ja nicht wusste wie sie ihren Kaffee gerne trank hatte ich einfach zwei verschiedene genommen und da ich ja nicht zimperlich war würde ich eben den nehmen der über blieb. Reyna sah zumindest so aus als könnte sie einen Kaffee gut gebrauchen und innerlich klopfte ich mir auf die Schulter für diese Idee. Denn das Lächeln das sie mir daraufhin schenkte war einfach atemberaubend schön und sie griff sogleich nach dem Latte. Gut das würde ich mir also für die Zukunft merken. Moment Zukunft? Ich kannte sie gerade mal die Woche, war eigentlich auch nur hier durch meinen Arbeitgeber. Nun gut heute nicht, denn es war Samstag und ich war hier, weil sie mich auf eines ihrer Pferde setzen wollte. Etwas nervös war ich aufgrund dessen schon, aber wollte mir das natürlich erstmal nicht ansehen lassen. – Wie schwer konnte es denn schon tatsächlich sein? - Wir verließen nochmal den Stall um das Essen drüben beim Haus auf der Bank einzunehmen auf der wir gestern schon Bier miteinander getrunken hatten. Ich reichte ihr lächelnd ihren Donut. Die Kaffeebecher waren leer, die Donuts gegessen. Aika hatte sich neben mir abgelegt und sah von dieser Position aus aufmerksam in die Gegend. Dann wandte sich Reyna schließlich mit einem Schmunzeln und einer Frage an mich: „Also für welches Pferd hast du dich denn nun entschieden?“
      Das war eine gute Frage, sie hatte sehr schöne Tiere nur wusste ich sehr wenig von dem Ganzen. Gestern hatte sie schon gesagt das ich aussuchen dürfte und sie ihr Veto einlegen würde, würde ich eines auswählen das nicht geeignet für...nun ja mich war. Ich lehnte mich auf der Bank zurück und dachte darüber nach. Natürlich kam mir gleich die hübsche gefleckte Stute in den Sinn. "Hmm.. was ist mit der hübschen hellen gescheckten Stute?" fragte ich also sogleich nach. Das Grinsen von Reyna sagte mir gleich, dass dieses Pferd wohl nichts für mich war. Was sich mit ihren Worten bestätigte, als sie mir sagte das Velvedere noch nicht zugeritten war. Gut... definitiv nichts für mich. Ich fuhr mit einer Hand durch mein Haar. "Na dann lieber nicht", meinte ich leise lachend, bevor ich mich vorbeugte. "Welche sind denn ..zugeritten?" fragte ich nach und musterte die hübsche Frau neben mir. Irgendwie.. rutschte man bei solchen Worten wie von selber in zweideutige Gedanken.

      Reyna Huntington | Hatte er mir doch tatsächlich schon den Tag versüßt mit dem Latte Macchiato und dem Donut. Auf meine frage hin, welches Pferd er gerne nehmen würde sagte er, was mit der hellen gescheckten Stute wäre. Ich schüttelte grinsend den Kopf, er schien sich wirklich gut mit ihr zu verstehen. ,,Vel ist nicht eingeritten und somit fällt sie leider raus. Ich könnte dir Hermann empfehlen.'', erklärte ich und er sah mich verdutzt an. Na klar wusste er nicht wer wer war. ,,Das große braune Kaltblut.'' - Achja. Ich vergaß, dass er sich damit auch nicht auskannte. War er doch ganz neu auf dem Gebiet. ,,Der große Braune, stämmige Hengst.'', erklärte ich dann und auf seinen Gesichtszügen breitete sich ein kleines Schmunzeln aus, wusste er doch nun wen ich meinte. ,,Der ist ganz lieb und ruhig, oder Icaria, sie ist auch ein Warmblut und sehr ruhig.'', erklärte ich knapp und stand dann auf, nahm ihm den Müll ab. ,,Komm, wir gehen am besten durch den Stall, so hat das doch keinen Zweck.'', lachte ich auf, als er erneut so süß verwirrt drein blickte. So schmiss ich den Müll schnell in die Tonne, bevor wir wieder in den Stall traten. Hatte mir zuvor auch gleich wieder die Haare zu einem Pferdeschwanz gebunden, da sie mich durch den Wind jetzt schon störten. Wir blieben vor Icaria's Box stehen, welche nur kurz ihren Kopf neugierig hob und dann doch wieder ihre Aufmerksamkeit dem Heu zuwandte. ,,Das ist Icaria. Eine Hannoveranerstute und sehr geduldig und ruhig.'', sagte ich und musterte die braune Stute mit den wunderschönen Abzeichen auf ihrem Kopf. War sie doch sehr außergewöhnlich durch dieses und das machte sie so besonders, zumal ihr Charakter goldwert war. Wir liefen zu Hermann, welchem ich Ian auch noch etwas vorstellte, bevor es weiter zu HGT's Hero of Heaven ging. ,,Er wäre vielleicht auch was, zeigt er kaum Hengstmanieren und ist eigentlich sehr lernwillig. Vielleicht wäre es auch für ihn eine gute Erfahrung um zu Lernen wie man sich vorsichtig gibt.'', sagte ich und streichelte dem dunklen Palomino über die grauen, samtweichen Nüstern die er uns gerade entgegen streckte. Hero brummelte leise und streckte seinen Hals, drehte seinen Kopf und schielte zu Ian hoch, was mir ein Kichern entlockte. ,,Ja er ist auch gerne mal ein Quatschkopf.'', fügte ich hinzu und wir gingen weiter. Ich stellte ihm noch Pancake Killer als potentiellen Kandidaten vor. So war der Tinker-Hengst ebenso ein ruhiger Kandidat, auch wenn er etwas tollpatschig war. Sweet Poison fiel aufgrund des Größenunterschieds aus, war es doch nicht sonderlich förderlich, einen so großen, gut gebauten Mann auf einen so viel kleineren Hengst zu setzen. Auch wenn mir Ian's Kommentar nicht entging, dass genau er doch der richtige wäre, könne er doch nicht so weit fallen sollte es dazu kommen. Ich kicherte und schüttelte dann grinsend den Kopf. ,,Nein keine Option.'', unterstrich ich meine Aussage und wir gingen zu dem letzten Kandidaten. ,,Antaris.'', sagte ich und streckte meine Arme zu der Box aus, in welcher der braune Hengst stand. ,,Er ist auch sehr ruhig und ein wahrer Schatz, wenn man ihn lässt.'', schmunzelte ich über meinen Zuchthengst und sah dann erwartungsvoll zu Ian, dem die Entscheidung wohl alles andere als leicht fiel. ,,Nun, lass es dir durch den Kopf gehen. Ich bringe solange die anderen Pferde auf die Paddoks.'', sagte ich und machte mich dann auch schon daran. Ich nahm zuerst Royal Rubina und Alice Cullen zu mir, lief mit den beiden aus dem Stall und zu den besagten Paddoks. Nach und nach folgten dann auch der Rest, wobei mir Ian auch half. So kamen zu guter Letzt noch Missing Misty und Aria raus auf ein gemeinsames Stück. ,,Und? Schon entschieden?'', fragte ich grinsend und drehte mich zu dem dunkelhaarigem Mann um, welcher doch recht nah vor mir stand. Ich schmunzelte, spürte das leichte erröten meiner Wangen und trat einen Schritt zurück. Musste ich doch immer wieder den Kopf in den Nacken legen um auch in die braunen Augen des Mannes sehen zu können. War er doch schon ein ganzes Stück größer als ich es war. Ich schmunzelte, betrachtete das kantige Gesicht und die harten Züge, doch Aika riss mich aus dem Anblick. War es sicherlich auch ein guter Zeitpunkt gewesen, die kleinen Vorderpfoten an meine Wade anzulehnen und mich mit stark wedelnder Rute anzuschauen. Sie quietschte leise, schien so aufgeregt und sich zu freuen. Ich lächelte und hob die kleine Maus hoch. ,,Aika wartet wohl auch schon auf eine Entscheidung.'', lächelte ich weiterhin und streichelte die kleine Hündin auf meinem Arm, sah dann wieder zu Ian auf. ,,Uhm.. Wie hieß der große Braune nochmal?'', hakte Ian nach und ich konnte mich nicht halten wieder los zu kichern. ,,Antaris oder Hermann?'' - ,,Der ruhige, stämmige.'', murmelte Ian peinlich berührt und kratzte sich am Hinterkopf. Sein Lächeln ließ mich ebenso schmunzeln. ,,Hermann.'', sagte ich dann und ließ die kleine Hündin wieder von meinem Arm, ehe ich mit Ian zu dem Paddok lief auf dem Hermann stand. ,,Wir können den ersten Ritt auch verschieben auf wann anders, wenn du magst? Vielleicht willst du ihn so erstmal kennen lernen?'', sagte ich dann und legte die Arme auf den Zaun des Paddoks, die Litzen waren ja etwas davon entfernt, also brauchte ich auch keine Angst haben, im nächsten Moment eine gewischt zu bekommen. Mein Blick fiel von dem Braunen wieder auf Ian, der den Hengst gerade ansah. Betrachtete währenddessen etwas ungehalten das markante Gesicht. Nun war ich wohl die, die starrte. So wandte ich den Blick ab und sah auf den Boden vor uns wartete auf die Antwort von Ian. Ich strich mir einer der Haarsträhnen aus dem Gesicht.

      Ian Monroe | Natürlich war das ganze Gerede über den Tieren von dieser Warte hier etwas... nun ja verwirrend. Sie nannte Namen, aber natürlich sagte mir das kaum etwas. Sah auf meine Hände als sie mir den Leeren Becher und das Papier abnahm. Ich kratzte mich an Hinterkopf und dachte fieberhaft darüber nach. Innerlich war ich natürlich aufgeregt, versuchte es jedoch nicht zu zeigen. Dann forderte sie mich auf aufzustehen, lachte mir mit diesem umwerfenden Lachen ins Gesicht. Es wirkte nicht als ob sie sich über mich lustig machen würde. Ich grinste schief und erhob mich auch so gleich mit einem eifrigen Nicken. Ich folgte Reyna und kam nicht umhin meinen Blick über ihre hübschen Körper gleiten zu lassen, hinunter zu dem hübschen kleinen Hintern der bei jedem Schritt hin und her wackelte. Ich biss mir auf die Zunge und zwang mich schnell wieder auf ihren Hinterkopf zu sehen, bot der auf und ab wippende Pferdeschwanz doch auch eine Schöne Aussicht! Wir blieben vor der Box der Stute stehen die sie zuvor erwähnt hatte und ich warf einen Blick über die Boxenwand. Begutachtete die braune Stute mit dem rosa Maul die sich auf dem Boden ihr Heu zusammen suchte. Dann führte mich Rey weiter zu dem stämmigen braunen Pferd. "Ganz schön viel Haar..." murmelte ich und sah auf die lustigen weißen Puschen die er an jeden seiner Füße hatte -sah fast aus als gehöre er zu einer Abba Revival-band oder sowas. Ich ging weiter und ließ mir nur zu gerne von Rey alle ihre Pferde zeigen und bedachte sie dabei mit einem genauen Blick. Die Art wie ihre Augen dabei regelrecht zu glühten war einfach umwerfend. Liebte sie diese Tiere wohl wirklich sehr, jedes Einzelne schien ihr am Herz zu liegen. Nickte dann als sie meinte, dass sie erstmal die anderen rausführen wurde. Sah sie mein Zögern wohl so das ich noch überlegen musste. Sie kehrte zu mir zurück und fragte ob ich mich denn schon entschieden hatte und stand dabei ganz nah bei mir. So das ich den Duft von ihr in die Nase bekam, gemischt mit dem von Pferd und ich empfand es als sehr... angenehm... mehr als das. Sie wartete auf eine Antwort also gab ich ihr diese. "Uhm... Wie hieß der große Braune nochmal?" fragte ich also peinlich berührt nach und kratzte mich am Hinterkopf. Sie kicherte und nannte zwei Namen. Oje.... "Der ruhige, stämmige", murmelte ich und ließ meine Hand eben gleich an meinem Hinterkopf wo sie schon dort oben war. Hermann... Ja, das war es gewesen. Irgendwann würde ich mir das schon merken... ich meine, wenn ich öfter hier wäre. Ja wenn... Mein Blick lag auf Rey und ich grinste ihr verwegen entgegen. Dann meinte die hübsche Frau vor mir, dass wir den resten Ritt ja auch verschieben könnten und ich ihn erstmal kennen lernen könnte. "Oh..." machte ich und räusperte mich, fühlte ich nun doch die Aufregung. "Wie wäre es, wenn wir erstmal das tun, was man vor dem Reiten ebenso tut mit Pferden? Und wir entscheiden dann?" meinte ich und lächelte ihr charmant entgegen. Hoffte das man mir die Aufregung nicht allzu stark ansah. Rey lachte wieder und nickte, unschlüssig stand ich da als sie auf den Auslauf des Pferdes ging. Ihr Blick ging Auffordernd zu mir, ebenso der von Aika die neben Rey stand und ich kam sogleich hinterher. Ging doch nicht an, dass die beiden Mädels mich wie einen begossenen Pudel hier stehen ließen! Wir gingen auf den Braunen zu, der uns neugierig entgegen sah. Rey drückte mir sogleich das Halfter, wie sie es nannte in die Hand und sagte mir wie ich es anzulegen hatte. "So etwa?" fragte ich und steckte es gleich mal verkehrt über die Nase des Tieres. Rey lachte und schüttelte den Kopf, ihre Hände legten sich auf die meinen und irgendwie.. es durchströmte mich ein warmes Gefühl dabei, es kribbelte wie verrückt in meinen Körper... und das lag nicht an der Aufregung neben einem gut 700 Kilo schweren Tier zu stehen, das mich wenn es ihm gefiel einfach umwerfen könnte. Zusammen mit Rey schaffte ich es schließlich das Halfter richtig anzulegen und sie überließ es auch gleich mir ihn von der Koppel zu führen. Sagte mir immer wieder wie ich es tun musste und wichtig... einfach ruhig bleiben.

      Reyna Huntington | Ian stand bei Hermann und streichelte behutsam über den Hals des stämmigen Hengstes. Wollte er wohl etwas Vertrauen aufbauen. ,,Gut, dann putzen wir mal.'', schmunzelte ich und stellte die Putzkiste neben den beiden ab und drückte sogleich Ian die erste Bürste in die Hand. Es dauerte auch nicht lange, da Hermann fast schon sauber war. So erklärte ich Ian gleich die Bürsten und dessen Anwendungsgebiete, versicherte ihm dass es beim öfteren Putzen der Pferde irgendwann wie eine Gewohnheit war und man nicht mehr drüber nachdachte, welche Bürste denn nun dran kam. Die Puschen von Hermann waren das Einzige, was etwas dreckiger war, doch leuchteten sogleich auch wieder in ihrem weiß. Mein Blick ging zu Ian der gerade wieder die Nüstern des Hengstes streichelte. ,,Ich würde sagen, wir spazieren doch erst einmal ein bisschen und danach gehts an die Longe?'', hakte ich nach und Ian sah verwirrt drein. Ja ich mochte diesen Blick irgendwie. Wirkte es schon ziemlich süß, dass man so einen Mann so leicht verwirren konnte. Dafür kannte ich mich eben auf seinem Gebiet nicht wirklich aus.. ,,Wir satteln ihn gleich schon und machen ihm die Trense drauf, dann können wir von dem Spaziergang gleich auf den Platz.'', lächelte ich ihm entgegen und wandte mich zum Gehen ab.
      Mit Sattel und Trense kam ich schließlich wieder und hängte die Trense an einen der Haken an der Wand. Ich legte den Sattel gleich auf den sanften Riesen und rückte ihn zurecht. Erklärte Ian auch gleich auf was man achten sollte und gurtete den Sattel. ,,Ganz wichtig, vor dem Aufsteigen nochmal nachgurten, sonst rutscht man höchstwahrscheinlich samt Sattel runter.'', erklärte ich und sah über meine Schulter hinweg wieder zu Ian. Ertappte ihn dabei, wie sein Blick über meinen Körper ging und schmunzelte vor mich her. Männer, irgendwo waren sie doch alle gleich oder? Konnte es ihm aber kaum verübeln, musste mich bei Hermann eben etwas mehr strecken um den Sitz des Sattels nochmal zu kontrollieren. Es ging weiter zum Trensen. Hatte das Halfter dafür schon abgemacht und der Hengst stand ohne da. Ian fragte, ob er nicht auch einfach abhauen könnte und ich nickte. ,,Sicher, aber er weiß, was er hier hat.'', kicherte ich und legte die Zügel über den Hals des Tieres, bevor ich ihm das Gebiss ins Maul legte, für welches er auch gleich das Maul aufmachte. Ich befreite den dicken Schopf von den Zwängen des Stirnriemens und erklärte Ian auch die Verschnallung der Trense. Wollte ihm eben einen kleinen Input geben, auch wenn mir klar war, dass es wahrscheinlich zu viel sein würde. Aber wenn er ja öfter zum 'Pferde einmaleins' kommen wollte, würde er das auch alles verstehen. Ich nahm die Zügel wieder von dem Hals des Tieres und drückte sie Ian in die Hand, lächelte ihm aufmerksam zu. ,,Komm.'', schmunzelte ich ihm entgegen und löste mich nur schwer von seinem Blick, lief dann mit ihm zusammen den gepflasterten Weg entlang. Es sollte ja nur eine kleine Runde zum Warm werden sein. Aika freute sich über diesen Auslauf auch, schnupperte sie überall umher und rannte als gäbe es kein Morgen mehr.
      Wir folgten dem Weg, der abseits des Hofes in einen trockenen Feldweg mündete und an dem Wald entlang. Danach wendeten wir auch wieder ab, liefen zwischen den Weiden umher und sprachen noch über die weiteren Projekte des Hauses, oder eher allgemein der Gebäude. Ian hatte da schon großartige Ideen, ich war eher etwas planlos und wollte einfach nur, dass sie wieder in Schwung kamen und nutzbar waren. War doch vieles mit der Zeit hier auf dem Hof herunter gekommen und wirkte.. alt. Ich wollte, dass der Fachwerkstil erhalten blieb, es verlieh meiner Vorstellung etwas klassisches und trotzdem sollte es eben modern wirken. Wie schon erwähnt, Ian fiel da vieles zu ein. Die Tatsache, dass wir noch Sommer hatten und so relativ gut bauen konnte spielte uns da gut in die Karten. Dank meinem Kredit wäre da das Geldproblem auch erst einmal bei Seite geschoben. Verdiente ich doch mit meinen derzeitigen Aufträgen genug um auch die Raten abdecken zu können. Wir kamen wieder an dem Putzplatz an und ich deutete Ian auf den Reitplatz, sahen diese auch noch etwas herunter gekommen aus weil der Zaun nicht mehr schön weiß war und auch einige Latten herunter gefallen war durch das morsche Holz.. ,,Geh schon mal hin, ich hole noch die Longe und die Peitsche.'', sagte ich zu ihm und er nickte. Er zuppelte wieder an den Zügeln und der Hengst folgte ihm mit gesenktem Kopf. Man konnte fast meinen, wir hätten Hermann schon ausgepowert mit dem Spaziergang. War er doch sehr träge und auf der Körung hatte ich es zu spüren bekommen. Musste ich ihn da doch schon um einiges mehr treiben, aber am Ende des Tages hatte er seine Lizens bekommen und ich könnte nun offiziell mit ihm züchten. Da ich aber darauf pochte nur reinrassige Pferde zu züchten, musste ich wohl noch auf die Körung und die Lizens von Hannelore warten.
      Ich hatte mir die Longe schnell aus der Sattelkammer geholt, ebenso die Peitsche und kam bei Ian und dem Hengst wieder an. Aika schnuffelte immer noch umher und sauste durch den Sand des Platzes. Nun gut. Ich hakte die Longe in das Gebiss der Trense ein, legte vorher noch die Zügel über den Hals von dem Braunen. Diesmal ließ ich auch gleich schon Ian nachgurten und stellte mit ihm die Bügel ein. ,,So und nun rauf!'', grinste ich und sah zu Ian, stellte mich auf die andere Seite um im Sattel gegen zu halten. ,,Du kriegst doch dein auch soweit hoch, oder?'', kicherte ich und zwinkerte dem Mann keck zu, als ich so über den Rücken des Tieres sah. Hatte ihm nochmal gesagt, dass sein linkes Bein in den Bügel müsste und er sich nicht so sehr in den Sattel fallen lassen sollte.

      23-03-2020 | Sevannie & Obi-Wan
    • Canyon
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      moving on

      Hengste Hauptstall: Sunka, Amistad, Firewalker, Light up Hell, Last in Love, Lap de Loupe, Golden Sugar, Chromed Highwind, Sir Golden Mile, Eskador, Candlejack, The Illusionist, Graf Heinrich
      Stuten Hauptstall: Millenium GC, Grenzfee, Echo‘s Maiden, Lady Gweny, Far Cry, CHH‘ Lethal Combination, Westatlanta, Alphabet Soup, Song of Peace, PV Gräfin, Cinnada Mistik, Wild Reflex, I‘ve got a blue soul, BR Prias Raveday, Delightful Cinnamon, Joline, Sister of Crime, Monkey 47
      Fohlenweide: PV Comte de Courtoisie, PV Song 'bout Alegría, PV Phantom from Alaska, PV Noodle in Love, Winter with Koen, Ivy‘s Rhapsody, BR Ruffian‘s Smart Jane, PFS‘ Circle of Thyme, Lady Phoenitia, Phoenix Valley Farwest, PV Rebellion of Cinqué, PV Traumfee, PV Toxic Compound
      Nebestall: Ghostly Phenomenon, Marid, Arias, Mytos, La Paz, Pítu, Schwalbenfeder, Óslogi, Félagi, Braum van Ghosts, Imagine Dragons, Madame Pompadour
      Offenstall: Chosposi, Anaba, Morrigans Hidalgo, Cloud, My Canyon, Flotten von Mutanten, Aquena, Zonta, Havanna Girl, Kwatoko, Dawn


      Petyr hatte wieder ein neues Pferd angeschleppt. Damals hat er das schon immer getan und jetzt wieder. Er war noch keine zwei Wochen auf dem Gestüt, da hat er sich schon eine Box besorgt und den Hengst auf das Gestüt geschafft. Aus Kanada kam er, das Pferd, nicht Petyr. Petyr war vonüberall hergekommen. „Weltreise“ hatte er seine Tour durchOsteuropa genannt.
      Nico hatte nur die Achseln gezuckt, als ich ihm von Petyrs Besuch erzählt hatte, Eyvind hatte sich natürlich gefreut und nachdem Petyr angekommen war, hatte er schnell unter der Gestütsmannschaft Anschluss finden können. Sein Gesicht war faltiger geworden, aber seine Haarpracht noch eben so voll wie eh und je.
      Petyr hatte sich in Sunka verliebt und Sunka in Petyr. Mein Freund hatte den Hengst über
      mehrere Ecken aus privater Hand übernommen, natürlich mit dem Versprechen, den Hengst seiner Begabung nach zu fördern und welches Gestüt war dafür nicht besser geeignet als Phoenix Valley.
      Abends saßen wir dann gemeinsam auf der Veranda. Hin und wieder gesellte sich Nico zu uns, doch meist waren ihm die langen Erzähltiraden Petyrs zu unaushaltbar und er verschwand samt Rollstuhl im Haus, oder im angrenzenden Stall.
      Petyr hatte vor einigen Wochen auf Kreta Saga Glasberg geheiratet. Selbst Jora sei dabei gewesen, erzählte er mir. Sie sei immer noch hübsch, sagte er immer wieder. Natürlich aber war seine Saga hübscher. Ein Wundermensch und eine Wolkentänzerin. Dann erzählte er mir vom Norden. Von den Seen in Norwegen und den Bergen seiner Heimat Schweden. Er zeigte mir Fotos vergangener Zeiten, längst verdrängt und immer gehofft, sie vergessen zu haben. Nie wieder wollte ich abends im Bett leiden müssen. Ich war weitergegangen. Meine Heimat war zurückgeblieben. Niemand konnte seine Heimat mitnehmen.
      Petyr hatte einen Freund mitgebracht. Angeblich hatten Saga und er ihn in Istanbul kennengelernt, aber Momo selbst schwor, dass er dort nie gewesen war. Petyr hatte ihm auch ein Pferd gekauft. Er solle nun reiten lernen, hieß es, und der abenteuerlustige Momo hatte seit dem nichts besseres zu tun, als Graf Heinrich Tag für Tag zur Arbeit zu motivieren, während Petyr daneben stand und besserwisserisch Tipps verteilte.
      Es tat gut, dass Petyr wieder da war. Er verteilte gute Laune, nahm das Leben auf die leichte Schulter und gab mir keine Schuld, wenn meine Stimmung mal wieder gedrückt war. Petyr ließ sich von nichts und niemandem demotivieren.
      Aufgrund der Dürre hatte Nico jede Menge Helfer angeschleppt. Vorrangig Freunde des Gestüts, die hier sowieso ein- und auskehrten, so wie Mary Ann, Eli und Ike. Ich hatte gleich gesehen, wie Petyr ein Auge auf Mary Ann geworfen hatte und vor ihr mit der Hochzeit und dem Goldring an
      seinem Finger prahlte. Aber Mary Ann war für einen Typ wie Petyr die Falsche. Zu selbstbewusst, ganz eindeutig. Ich war froh, sie mal wieder zu sehen. Ich wusste sehr zu schätzen, dass sie und Eli Nico in der Anfangszeit in Kalifornien so unterstützt hatten. Aber Mary Ann war irgendwann immer seltener gekommen und dann war sie für einige Jahre ganz verschwunden. Nur Nico schien zu wissen, was der Auslöser dafür gewesen war.
      Ike war die letzten Monate mit Pítu auf Roadtrip gewesen, bis die anhaltende Hitze und der fehlende Regen seine weiteren Pläne frühzeitig beendet hatte. Pítu zeigte nun deutliche Schwierigkeiten, sich in der Herde einzufinden und das, obwohl er eigentlich selbst mit den
      selbstbewussteren Herrschaften gut zurechtkam. Dafür freute sich Óslogi sehr, seinen alten Weggefährten wiederzutreffen. Logi hasste die Hitze. Er war kahlrasiert und verbrachte wie alle anderen die Tage im Stall, zusätzlich bestand er allerdings fast nur noch aus Sonnencreme, soviel wie wir ihm in den letzten Tagen auf die helle Haut geschmiert hatten.
      Am besten ging es in der Hitze wohl noch unseren Fohlen. Sie waren in der Frühlingswärme zur Welt gekommen und kannten nichts anderes, als die Sonnenstrahlen auf der Haut. Drei unserer Lieblinge waren bereits verkauft und würden in Kürze in ihr neues Zuhause ziehen. Wir hatten uns zwischen vielen Bewerbern entscheiden müssen und auch als die Entscheidung festgestanden hatte, waren einige Trauertränen geflossen. PV Noodle in Love, PV Phantom from Alaska und PV Traumfee würden uns verlassen und in die ferne Welr ziehen. Ich hatte allerdings gelernt, dass manches für immer gar nicht so lange ist.
      Und dann waren da noch die ganzen neuen Pferde, die vielen jungen Reiter und all die Erfolge, die Phoenix Valley in letzter Zeit zu verzeichnen hatte. Ja, ich war oft gestresst. Es waren nicht mehr die Zeiten wie damals auf der Tyrifjord Ranch. Heute trug ich eine Verantwortung, die manchmal die Tage etwas grauer erschienen ließ, als sie eigentlich waren. Und ja, manchmal fühlte ich mich alt. Dann schaute ich eines Morgens in den Spiegel, sah, dass meine ehemals hellroten Haare grau und ausgemergelt nun, meinen Kopf verließen und nicht mehr zurückkommen würden. Dann dachte ich wieder an Jora und die Kinder, die wir nie haben würden, dachte an ihr Lächeln und an den Abend, als ich sie das erste Mal gesehen hatte. Ich hätte vieles anders machen können, aber damals schien es, als wäre sie ein verzeihlicher Verlust, heute weiß ich, dass es anders war.
      Jeden Abend brachte ich eigenhändig Óslogi und Félagi auf die kargen Weiden, wo sie sich genüsslich auf die Grasreste stürzten und mit den anderen Wallachen und Ponys ihrer Energie freien Lauf zu lassen.

      03-09-2020 | 6.448 Zeichen | Canyon
    • Canyon
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      Hengste Hauptstall: Wallenstein, PFS' Stromer's Victory, Sunka, Amistad, Firewalker, Light up Hell, Last in Love, Lap de Loupe, Golden Sugar, Chromed Highwind, Sir Golden Mile, Eskador, Candlejack, The Illusionist, Graf Heinrich
      Stuten Hauptstall: Millenium GC, Grenzfee, Echo‘s Maiden, Lady Gweny, Far Cry, CHH‘ Lethal Combination, Westatlanta, Alphabet Soup, Song of Peace, PV Gräfin, Cinnada Mistik, Wild Reflex, I‘ve got a blue soul, BR Prias Raveday, Delightful Cinnamon, Joline, Sister of Crime, Monkey 47
      Fohlenweide: PV Comte de Courtoisie, PV Song 'bout Alegría, PV Phantom from Alaska, PV Noodle in Love, Winter with Koen, Ivy‘s Rhapsody, BR Ruffian‘s Smart Jane, PFS‘ Circle of Thyme, Lady Phoenitia, Phoenix Valley Farwest, PV Rebellion of Cinqué, PV Traumfee, PV Toxic Compound
      Nebestall: Ghostly Phenomenon, Marid, Arias, Mytos, La Paz, Pítu, Schwalbenfeder, Óslogi, Félagi, Braum van Ghosts, Imagine Dragons, Madame Pompadour
      Offenstall: Chosposi, Anaba, Morrigans Hidalgo, Cloud, My Canyon, Flotten von Mutanten, Aquena, Zonta, Havanna Girl, Kwatoko, Dawn


      Der einzige Baum vor meinem Fenster ist noch nicht da. Und wäre er da, so wären die Blätter es nicht. Tom Traubert’s Blues kommt aus dem altmodischen Radio. Es rauscht unangenehm. Der Empfang hier draußen ist einfach scheußlich. Und seitdem die Bauarbeiten an dem neuen Stallgebäude und der Militarystrecke begonnen haben. Seit dem ist es noch schlimmer geworden. Das mit dem Radio und auch das Telefonieren.
      Das klingelt gerade. Mein IPhone. Ich nehme ab, ohne meinen Blick vom Fenster abzuwenden. „Nico?“
      „Hey Nic“, sagt sie. Sie ist die einzige, die mich so nennt. Und die schreibt es auch so, ohne K. Einfach Nic. Als würde es noch weitergehen, aber sie hätte einfach in der Mitte aufgehört. Aber im Endeffekt passt das zu mir. Ich höre auch irgendwo in der Mitte auf.
      „Vicky“, sage ich und drehe mit einer Hand den Rollstuhl vom Fenster weg. Es ist traurig. Dass das eins der einzigen Dinge ist, auf die ich zur Zeit stolz sein kann. Ich könnte Basketball für Rollis spielen, wenn ich wollen würde. Aber ich will nicht.
      „Darf ich heute Abend vorbeikommen?“, fragt sie.
      „Ja“, sagte ich nur. Wir schweigen einen Moment.
      „Dann bis heute Abend, Nic“, sagt sie schließlich. „Ich freue mich auf dich.“
      Sie legt als erstes auf, dann lege ich mein Handy zur Seite. Ich blicke auf die Uhr, halb elf morgens. Der Tag will einfach nicht vorbeigehen. Wie auch die Tage davor und die Tage davor. Schwerfällig drehe ich mich um, nehme eine Jacke vom Hacken und öffne die Haustür. Es ist klar und sonnig, aber der eisige Wind zieht mir unter die Haut.
      Im Stall treffe ich auf eine Ansammlung der verschiedensten Leute.
      „Ich sage ja nur, Physiotherapie und Nahrungsumstellung ist einfach das Beste. Heilung sollte immer ganzheitlich sein und nicht nur durch irgendwelche Medikamente und teuren Hufbeschlag geheilt werden!“ Elsis Stimme war am lautesten zu hören.
      „Physiotherapie?“, äußert sich Helia abfällig. „Als nächstes kommst du mit einem Psychologen oder einem Eheberater an, wenn du mal wieder Streit mit einem Pferd hast.“
      „Ihr entscheidet sowieso nichts.“ Malte geht dazwischen, dann sieht er mich und lässt seine Hände sinken. „Geht an Eure Arbeit.“ Er wendet seinen Blick wieder Helia und Elsi zu, die sich immer noch böse anfunkeln. „Geht an eure Arbeit, wird’s bald?“ Beide stampfen erregt davon.
      Auch Bart sieht mich jetzt. „Dad!“, sagt er und grinst wie immer, dieser Vollidiot. „Dir ist kalt, hier, nimm eine Decke!“ Er legt mir eine alte Stalldecke auf die Knie, ich schaffe es nicht rechtzeitig, ihn abzuwimmeln.
      „Was ist hier das Problem?“, frage ich an Malte gewand, ohne auf das vorhergesagte einzugehen.
      „Eigentlich nichts“, sagt er. „Es ging um Victory. Stromer‘s Victory. Die Medikamente wirken noch nicht, er ist immer noch schlapp, erhöhte Temperaturen.“
      „Ich möchte ihn sehen“, sage ich und schiebe meinen Rollstuhl mitten durch die Ansammlung hindurch zu Victory. Er steht in seiner Box, schaut müde über das gewundene Tor aus Holz und Eisen hinweg. Sein Fell ist stumpf, seine Augen erschöpft.
      Ich höre und spüre wie sich stumm alle hinter mir versammeln. „Was würdest du tun, Alba?“
      „Ich?“, Alba scheint erstaunt, etwas erschrocken.
      Ich drehe mich so gut es geht zu ihr um. „Ja, du. Du wurdest ihm doch zugeteilt und hast ihn in den letzten Tagen versorgt. Was würdest du tun?“, frage ich nochmal.
      „Na ja, weitermachen. Vor allem Kühlen. Die teuren Gels wirken nicht, Heilerde könnte man probieren. Es klingt zwar altmodisch, aber ist durchaus wirksam!“ Sie kommt in Fahrt. „Und etwas Bewegung. Nicht viel, aber ein bisschen. Er stand die letzten Tage nur hier drin, auch das kann krank machen. Etwas Spazierengehen, oder in eine Paddockbox und wenn es ihm besser geht, dann auf die Weide.“
      „Stimmst du dem zu, Malte?“
      „Ja, was besseres fällt mir nicht ein. Montag kommt der Tierarzt wieder. Solange es nicht schlimmer wird, sollen wir weiter kühlen, ansonsten ihn sofort verständigen. Mehr als hoffen und unser Bestes tun, können wir nicht.“ Malte blickte mir in die Augen.
      Ich nicke. „Dann wäre das geklärt. Alba, du übernimmst die weiteren Schritte. Halte mich bitte auf dem Laufenden.“
      Alba nickt und entfernt sich. Übrig sind jetzt noch Bart und Malte. Beide schauen mich erwartungsvoll an. „Was ist?“, frage ich leicht genervt. Die beiden tauschen kurz Blicke aus und Zucken dann mit den Schultern.
      „Nichts“, sagt Bart. „Ich dachte nur, es hätte einen Grund, dass du hier bist.“
      „Ja, den hat es“, sage ich. „Das ist mein Stall und meine Pferde. Außerdem brauche ich jemanden, der mich nach Alturas fährt und das in der nächsten halben Stunde.“
      „Frage doch einen der Praktikant*innen“, sagt Malte.
      Ich schaue ihn leicht perplex an. Das kam von ihm. Er hatte echt seine Würde verloren. „Ich frage aber euch. Außerdem ist das Wort Praktikant oder Praktikantin mittlerweile überholt. Alle fünf sind mittlerweile mehr als das.“
      „Sorry Dad, aber ich habe heute echt besseres zu tun. Was willst du denn in Alturas?“
      „Bart“, sagt Malte verächtlich. „Bitte nicht in diesem Ton.“
      „Schon gut“, sage ich. „Ich war damals schlimmer. Er hat sich gut gemacht, mit dir als Ersatzdad.“ Ich schaue Malte an und versuche Dankbarkeit in meinen Blick zu legen. Ich glaube, er erkennt die Bedeutung. „Ich fahre nach Alturas, um ein Pferd abzuholen.“
      „Davon weiß ich ja gar nichts!“, empört sich Bart.
      „Und ich werde auch nichts weiter verraten, das Glück liegt ganz bei dem, der mich nach Alturas bringt“, sage ich und schaue hoffnungsvoll in Maltes Richtung.
      „Kein Ding, ich mach das. Gib mit zwanzig Minuten, ich kläre ein paar Dinge, dann bin ich bei dir.“

      Malte ist immer pünktlich. Überpünktlich. In meinen Augen ist es nur zehn Minuten später, als er mit dem Van und dem bereits von mir gestern eingerichteten Anhänger vor dem Stall parkt. Er hilft mir aus dem Rollstuhl auf den Beifahrersitz und verstaut das dumme Ding dann im Kofferraum.
      „Du willst mir immer noch nicht sagen, was es für ein Pferd ist?“, fragt er, als er das Gefährt den sandigen Weg entlang auf die Ausfahrt zulenkt.
      „Ein gekörter Hengst aus Italien. Viel mehr weiß ich selber leider nicht.“
      „Oh bereits gekört, da werden sich unsere Vollblutstuten freuen.“
      „Nein“, sage ich. „Der ist nicht für die Stuten, der ist für mich und kein Englisches Vollblut.“
      „Ich merke schon, du willst nicht mehr verraten. Da kann ich dir allerdings erzählen, dass auch ich wieder ein Pferd im Auge habe. Einen Isländer, von Atomics. Dir sagt die Zucht was?“
      Ich nicke. Malte weiß, dass er einen Freifahrtsschein genießen darf. Ohne ihn würde das Gestüt gar nicht mehr existieren.
      Eine halbe Stunde später parken wir den Wagen auf den Sonderparkplätzen beim Flughafen. Die Papiere habe ich bereits Online ausgefüllt und ausgedruckt. Am Schalter muss ich mich ausweisen, dann kommt ein Transporter, aus dem Malte kurz darauf Arthur rausführt. Er sieht müde und geschafft aus, den Schweif trägt er trotz Transportschutz arabertypisch weit oben. Er ist fast weiß, aber seine leichte Äpfelung ist gut erkennbar. Ich habe lange mit der Entscheidung gerungen, aber King Arthur wird gut zu Marid passen, er ist gelehrig und motiviert. Ich will es versuchen.
      Er lässt sich ohne Probleme verladen. Schnaubt nur etwas, als Malte ihn festbindet und ihm Heu anbietet. „Ein Araber. Noch einer“, sagt er nur und ich sehe, wie er leicht den Kopf schüttelt. Ja, noch einer, noch ein Araberhengst. Bart würde ich eine Freude machen. Er hatte die Faszination für diese Tiere von mir geerbt. Doch Arthur ist nicht nur ein Faszinationskauf. Er soll mich wieder auf den Rücken bringen. Er ist klein, aber doch muskulös genug für mich. Er hat eine grandiose Ausbildung von den besten Trainern erhalten, hat dir Leistungsprüfung mit Bravour bestanden. Und jetzt soll er mich wieder reiten lehren.
      Wir bringen Arthur nach Hause. Bart freut sich, von meinem weiteren Plan mit ihm, erzähle ich aber noch nichts. Das fällt nicht weiter auf. Jeder weiß, dass ich bei Arabern nicht nein sagen kann. Alle denken, er ist wieder ein Gelegenheitskauf. Wir stellen ihn gleich in die Box neben Marid. Die beiden hassen sich auf den ersten Blick. Und irgendwann werden sie sich lieben. Sie müssen, Marid weiß, dass ich das von ihm verlange. Er hat keine Wahl.
      „Ich werde nach Hause gehen“, spricht mich jemand von hinten an. Ich drehe mich um und Eyvind steht hinter mir.
      „Wann?“, frage ich, nur wenig erstaunt. Der Norweger ist viel zu lange geblieben. Seine Haut ist bereits dunkler geworden.
      „In drei Tagen geht mein Flug. Mein Vater ist gestorben, ich werde meine Mutter pflegen müssen“, sagt er.
      „Dann können wir morgen Abend nochmal gemeinsam essen?“
      „Ja“, sagt er.
      Ich lege ihm eine Hand auf den Arm. Höher komme ich nicht, sonst hätte ich ihn gerne umarmt. Eyvind nickt kurz und ich nehme meine Hand wieder weg. Wir kennen uns zu lange und wissen doch nichts voneinander. Eyvind war unser Gespenst, und ich würde es vermissen.
      „Petyr und Saga wollen mich begleiten“, sagt er noch. Ich nehme seine Worte zur Kenntnis. Den ollen Holmquist konnte noch nie etwas länger an eine, Platz halten. „Aber sie wollen wiederkommen, nur etwas Heimat schnuppern. Du kannst mich jeder Zeit besuchen, Nicolaus“, sagt er noch, dann dreht er sich um und geht.
      Ich werde ihn vermissen.

      Am Abend klingelt Vicky an meiner Tür. Bart macht auf und wirft mir dann einen vielsagenden Blick zu, als er wieder in die Stube kommt, lässt uns aber Privatsphäre. Ich koche Vic einen Tee, sie erzählt von dem Alltag in der Klinik und beschwert sich wie immer über Eli. Dann wirft sie ihre Haare zurück und lächelt mich an. Ich bringe ein leichtes Lächeln als Antwort zustande.
      „Nic, schau nicht so traurig“, mahnt sie mich. „Sonst muss ich dich doch zum Psychologen bringen. Du weißt, dass ich sonst Angst um dich habe.“
      „Ich weiß, wie du mich aufmuntern kannst“, sage ich und rolle in Richtung Schlafzimmer. Sie folgt mir lächelnd.
      Vic und ich haben bereits seit einigen Jahren so etwas wie eine Beziehung. Die meisten denken, wir sind nur gute Freunde und im Endeffekt stimmt das auch. Wir haben beide nie mehr erwartet. Hin und wieder kommt sie mich besuchen, bleibt über Nacht und fährt dann wieder für die nächsten Wochen zu sich nach Hause. Niemand traut sich, mich darauf anzusprechen. Ich muss damals ein böser Mensch gewesen sein.
      Es ist für mich nicht selbstverständlich, dass sie mit mir schläft. Ich bin vom Oberschenkel abwärts gelähmt. Aber Vic nimmt es einfach so hin. Ich mag sie wirklich. Sie ist einfach. Das würde ich nie laut sagen, aber es ist so. Sie kommt und geht ohne Drama, erzählt gerne und ist leise, wenn es nichts zu erzählen gibt. Sie hilft mir aus dem Rollstuhl, zieht mich, dann sich aus. Schließt das Fenster und deckt uns zu.

      Als ich aufwache ist es bereits Morgen. „Du hast mir gar nicht gesagt, dass du ein neues Pferd hast“, sagt sie, als ich in die Küche komme. Sie reicht mir einen Kaffee und deckt den Tisch. „Bart hat’s mir erzählt. Er war ganz schön zeitig wach. Erwachsen ist er geworden. Seit wann kenne ich ihn? Vierzehn Jahre? Echt lange Zeitspanne.“
      „Du bist ja noch da“, stelle ich festund rolle mit dem Kaffee an den Tisch.
      „Soll ich gehen?“, fragt sie und ich merke, dass ich jetzt nichts falsches sagen sollte.
      „Nein nein“, sage ich schnell. „Bleib bitte so lange du willst.“
      „Ich habe nachgedacht“, sagt sie und setzt sich neben mich. „Was hälst du von, wenn ich öfter komme. Vielleicht das Wochenende über?“
      Ich blicke sie an, sie weicht meinem Blick nach kurzem Zögern aus. „Ich weiß nicht“, sage ich und nehme einen Schluck.
      „Du willst nicht“, sagt sie und klingt enttäuscht.
      „Nein“, sage ich. „Das ist es nicht. Ich meine nur, bist du dir sicher, dass du das willst?“
      „Nic, ich mag dich wirklich sehr und du scheinst sehr einsam. Ich dachte nur, vielleicht kann ich dir helfen.“
      „Ach darum geht es dir“, sage ich und wäre jetzt gerne wütend aufgestanden, aber ich muss sitzen bleiben. „Du hast Mitleid mit mir. Dein Helfersydrom kannst du an einem anderen Krüppel ausüben“, sage ich und merke, wie ihre Worte sich schmerzhaft in mich reinbohren. Das ist der Grund, weswegen es so hätte bleiben sollen. Wenn man tiefer geht, dann sitzt der Schmerz auch tiefer.
      „Nein! Ich wollte dich nur-“, versucht sie sich zu rechtfertigen.
      „Gehe jetzt bitte“, sage ich und rolle vom Tisch weg. Zum Fenster. Der Baum ist immer noch nicht gewachsen, wann wird er endlich groß. Er sieht verkrüppelt aus. Mit dem dünnen Stamm und ohne Blätter. Als ich mich vom Fenster wegdrehe, ist sie weg. Ich rolle zur Verandatür und schaue auf den Parkplatz. Auch ihr Auto ist weg. Ich atme tief durch.

      Für den Abend habe ich einen Catering Service aus Canby bestellt. Sie sind nicht gut, aber meine Kochkünste sind es auch nicht mehr. Bart, Petyr, Momo, Saga, Vuyo, Ike, Malte und Eyvind schlagen sich den Bauch mit vegetarischem Zeug voll. Auch wenn nicht jeder am Tisch strikter Vegetarier war, es war von Anfang an eine ungesprochene Regel, dass wir gemeinsam auf Fleisch verzichten.
      Die Stimmung ist leicht gedrückt, Eyvind sitzt an def Stirn des Tisches und versucht gute Laune zum traurigen Spiel zu machen. Es wird über alles mögliche geredet, nur nichts zu tiefgründiges und das Thema Abschied wird vollkommen ausgelassen.
      „Wann geht euer Flug?“, fragt Ike.
      „Übermorgen, sehr zeitig“, antwortet Saga. „Aber wir haben uns entschieden, bereits morgen Abend nach Los Angeles zu fahren. Eine Nacht schlafen wir noch im Hotel. Die Gemüsepfanne ist echt lecker! Ist das Curry?“
      „Schmeckt eher wie Kardamom“, sagt Momo und probiert nochmal einen Löffel von der gelben Soße.
      „Schön, dass du bleibst“, sagt Vuyo an Momo gewandt. „Ich hoffe, du überlebst es ohne deinen Bodyguard Petyr hier in der Wildnis.“
      „Ach Quatsch“, lacht Momo. „Wenn alle Stricke reisen, dann gebe ich mich als Native American aus, heutzutage kann doch keiner mehr einen Griechen von einem Indianer unterscheiden.“
      Der Tisch stimmt in sein Lachen mit ein. Ich bleibe still und stochere lustlos in meinem Essen.
      „Iss bitte etwas“, murmelt Malte neben mir. „Zumindest das solltest du versuchen, um die Stimmung nicht noch mehr zu drücken.“
      Ich antworte nicht.
      „Lasst uns auf Eyvind anstoßen!“, sagt Saga plötzlich und erhebt ihr Glas mit Apfelschorle. Sie hat vorhin den Alkohol vehement abgewehrt. Ich weiß, was das bedeutet. Ich habe einen Sohn.
      Wir erheben unsere Gläser. „Auf Eyvind!“, sagen alle im Chor und Bart fügt noch hinzu: „Unseren blassen, homosexuellen, guten Geist!“ Ich sehe, wie Eyvind leicht lächelt.
      Ja, ich werde ihn vermissen.

      27-11-2020 | 14.450 Zeichen | Canyon
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    Phoenix Valley — Nebenstall
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    Canyon
    Datum:
    14 Juli 2020
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    La Paz


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    Wallach | *1997 | 160cm
    Trakehner
    Brauner


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    Von unbekannt
    Von unbekannt Aus der unbekannt

    Aus der unbekannt
    Von unbekannt Aus der unbekannt


    ▪[COLOR=#808080]▪[/COLOR][COLOR=#bfbfbf]▪[/COLOR][COLOR=#808080]▪[/COLOR]▪[COLOR=#808080]▪[/COLOR][COLOR=#bfbfbf]▪[/COLOR][COLOR=#808080]▪[/COLOR]▪[COLOR=#808080]▪[/COLOR][COLOR=#bfbfbf]▪[/COLOR][COLOR=#808080]▪[/COLOR]▪[COLOR=#808080]▪[/COLOR][COLOR=#bfbfbf]▪[/COLOR] Cʜᴀʀᴀᴋᴛᴇʀ [FONT=Georgia][B][COLOR=#404040][FONT=Georgia][COLOR=#404040][FONT=Georgia][B][COLOR=#404040][FONT=Georgia][COLOR=#404040][FONT=Georgia][COLOR=#bfbfbf]▪[/COLOR][COLOR=#808080]▪[/COLOR]▪[COLOR=#808080]▪[/COLOR][COLOR=#bfbfbf]▪[/COLOR][COLOR=#808080]▪[/COLOR]▪[COLOR=#808080]▪[/COLOR][COLOR=#bfbfbf]▪[/COLOR][COLOR=#808080]▪[/COLOR]▪[COLOR=#808080]▪[/COLOR][COLOR=#bfbfbf]▪[/COLOR][COLOR=#808080]▪[/COLOR]▪[/FONT][/COLOR][/FONT][/COLOR][/B][/FONT][/COLOR][/FONT][/COLOR][/B][/FONT]

    Paz hat die Gelassenheit eines Bären, welcher gerade aus dem Winterschlaf aufgewacht ist. Er liebt Sonnenaufgänge und Vogelgezwitscher, weite grüne Wiesen im Sommer und weißen funkelnden Schnee im Winter. Sein Motto scheint zu sein: So wenig Stress wie nötig und genau dies setzt er mittlerweile seit 20 Jahren erfolgreich durch. Trotz seinem Alter ist Paz immer noch muskulös und sportlich und auch wenn ihn seine Beine nicht mehr soweit tragen wie noch vor wenigen Jahren, so gibt er doch stets sein Bestes, seinen Besitzer zufrieden und stolz zu machen. Zusammen mit seinem Freund Tibor erobert er gerne die Wildnis, mit oder ohne Reiter, das ist im egal. Auch vor der Kutsche läuft der Wallach anständig und springt zur Not auch über kleiner Hindernisse. Über die Jahre hinweg hat er sich eine extreme Ausdauer angeeignet und ist vor allem für lange Strecken der perfekte Partner. Auch das Fell von Paz erinnert immer wieder an einen Bären. Es ist lang und dicht und vor allem im Winter kann man sich an ihm wärmen.
    Bᴇsɪᴛᴢᴇʀᴅᴀᴛᴇɴ [B][FONT=Georgia][COLOR=#bfbfbf][COLOR=#404040][SIZE=3][FONT=Georgia][COLOR=#bfbfbf]▪[/COLOR][COLOR=#808080]▪[/COLOR]▪[COLOR=#808080]▪[/COLOR][COLOR=#bfbfbf]▪[/COLOR][COLOR=#808080]▪[/COLOR]▪[COLOR=#808080]▪[/COLOR][COLOR=#bfbfbf]▪[/COLOR][COLOR=#808080]▪[/COLOR]▪[COLOR=#808080]▪[/COLOR][COLOR=#bfbfbf]▪[/COLOR][COLOR=#808080]▪[/COLOR]▪[/FONT][/SIZE][/COLOR][/COLOR][/FONT][/B]

    Besitzer: Canyon
    VKR/Ersteller: AliciaFarina | Ummaler: Canyon
    im Besitz seit: 14-07-2020
    Kaufpreis: x Joellen


    Tʀᴀɪɴɪɴɢ [B][FONT=Georgia][COLOR=#bfbfbf][COLOR=#404040][SIZE=3][FONT=Georgia][COLOR=#bfbfbf]▪[/COLOR][COLOR=#808080]▪[/COLOR]▪[COLOR=#808080]▪[/COLOR][COLOR=#bfbfbf]▪[/COLOR][COLOR=#808080]▪[/COLOR]▪[COLOR=#808080]▪[/COLOR][COLOR=#bfbfbf]▪[/COLOR][COLOR=#808080]▪[/COLOR]▪[COLOR=#808080]▪[/COLOR][COLOR=#bfbfbf]▪[/COLOR][COLOR=#808080]▪[/COLOR]▪[/FONT][/SIZE][/COLOR][/COLOR][/FONT][/B]

    ● Schleifenaufstieg Trainingsaufstieg Potential

    Military E A L M S S*

    Distanz E A L M S

    Dressur E A L

    Springen E A L


    Eʀғᴏʟɢᴇ

    Fohlen ABC ✔ | Eingeritten ✔ | Eingefahren ✔

    [Schleife]
    Thema


    Zᴜᴄʜᴛ

    [Schleife]

    Thema

    Abstammung: 0
    Schleifen: 0
    HS: 0
    TA: 0
    Trainer: 0
    Zubehör: 0

    Gesamt: 0

    Gencode: Ee Aa
    Zur Zucht zugelassen: Nein
    Eingetragene Zucht: Phoenix Valley (PV)

    Nachkommen:
    -

    Gᴇsᴜɴᴅʜᴇɪᴛ [B][FONT=Georgia][COLOR=#404040][B][FONT=Georgia][COLOR=#bfbfbf][COLOR=#404040][FONT=Georgia][FONT=Georgia][COLOR=#404040][FONT=Georgia][COLOR=#404040][B][FONT=Georgia][COLOR=#404040][FONT=Georgia][COLOR=#404040][SIZE=3][FONT=Georgia][COLOR=#bfbfbf]▪[/COLOR][COLOR=#808080]▪[/COLOR]▪[COLOR=#808080]▪[/COLOR][COLOR=#bfbfbf]▪[/COLOR][COLOR=#808080]▪[/COLOR]▪[COLOR=#808080]▪[/COLOR][COLOR=#bfbfbf]▪[/COLOR][COLOR=#808080]▪[/COLOR]▪[COLOR=#808080]▪[/COLOR][COLOR=#bfbfbf]▪[/COLOR][COLOR=#808080]▪[/COLOR]▪[/FONT][/SIZE][/COLOR][/FONT][/COLOR][/FONT][/B][/COLOR][/FONT][/COLOR][/FONT][/FONT][/COLOR][/COLOR][/FONT][/B][/COLOR][/FONT][/B]

    Letzter Tierarztbesuch: unbekannt

    Letzter Hufschmiedbesuch: unbekannt


    Zᴜʙᴇʜᴏ̈ʀ [B][B][FONT=Georgia][COLOR=#404040][B][FONT=Georgia][COLOR=#bfbfbf][COLOR=#404040][FONT=Georgia][FONT=Georgia][COLOR=#404040][FONT=Georgia][COLOR=#404040][B][FONT=Georgia][COLOR=#404040][FONT=Georgia][COLOR=#404040][SIZE=3][FONT=Georgia][COLOR=#bfbfbf]▪[/COLOR][COLOR=#808080]▪[/COLOR]▪[COLOR=#808080]▪[/COLOR][COLOR=#bfbfbf]▪[/COLOR][COLOR=#808080]▪[/COLOR]▪[COLOR=#808080]▪[/COLOR][COLOR=#bfbfbf]▪[/COLOR][COLOR=#808080]▪[/COLOR]▪[COLOR=#808080]▪[/COLOR][COLOR=#bfbfbf]▪[/COLOR][COLOR=#808080]▪[/COLOR]▪[/FONT][/SIZE][/COLOR][/FONT][/COLOR][/FONT][/B][/COLOR][/FONT][/COLOR][/FONT][/FONT][/COLOR][/COLOR][/FONT][/B][/COLOR][/FONT][/B][/B]

    PNG | Puzzle PNG | offizieller HG