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Canyon

○ Joline (17)

Englisches Vollblut ○ Perlino Minimal Tobiano ○ Stute ○ 6 Jahre ○ 179cm ○ Reiterin: Cjara Bianchi

○ Joline (17)
Canyon, 18 Feb. 2020
Dir, Gwen, Wolfszeit und 10 anderen gefällt das.
    • Canyon
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      happens to the heart
      Amistad | Firewalker | Light up Hell | Last in Love | Chromed Highwind | Lap de Loupe | Sir Golden Mile | Golden Sugar
      Grenzfee | Echo's Maiden | Far Cry | CHH' Lethal Combination | Westatlanta | Alphabet Soup | Song of Peace | PV Gräfin | Cinnada Mistik | I've got a blue soul | BR Prias Raveday | Delightful Cinnamon
      Winter with Koen | Ivy's Rhapsody | BR Ruffian's Smart Jane | PFS' Circle of Thyme | Lady Phoenitia | PV Farwest | PV Rebellion of Cinqué | PV Traumfee | PV Toxic Compound
      Félagi | Schwalbenfeder | Óslogi | Pítu | Marid | Arias | Mytos | Ghostly Phenomenon | Imagine Dragons
      ]Chosposi | Anaba | Morrigans Hidalgo | Cloud | My Canyon | Flotten von Mutanten | Aquena | Zonta | Havanna Girl | Kwatoko | Dawn

      »Malte!«
      Erschrocken blickte ich auf. »Ja?«
      »Mensch, bist du taub?« Bartholomäus schüttelte fassungslos den Kopf. »Dein Handy klingelt!«
      Ich blickte auf das leuchtende und vibrierende Nokia-Handy auf dem Tisch neben mir. Ich brauchte einen Moment, um mit den Gedanken von Logis Sehnenverletzung zu dem Anruf zu kommen. Ich nahm ab. Es hatte seinen Grund, warum ich keinen Anrufbeantworter eingerichtet hatte.
      »Tordenværson?«, brummte ich in den Apparat.
      »Immer noch wie damals«, sagte eine unsichere, stockende Stimme. Ich kannte diese Stimme. Sie brachte mich dazu in windeseile aus dem Sessel aufzustehen, das Wohnzimmer zu verlassen und mit einer Jacke ausgerüstet in die kalte Nachtluft hinaus zu hetzen.
      »Malte?«, fragte sie.
      »Charly«, sagte ich und meine Stimme kratzte fürchterlich wie ein Eisenschwamm auf dem Herd.
      »Gut, du bist noch dran«, sagte Charly. »Schön, dass ich dich erreichen kann.«
      Ich räusperte mich und nahm auf einer Bank vor dem Stallgebäude Platz. »Womit kann ich dir helfen, Charly?«
      »Ich wollte mich mal bei dir melden«, sagte sie leise. »Es ist nämlich so, dass ich nächste Woche beruflich in Los Angeles bin und dich fragen wollte, ob wir gemeinsam essen gehen wollen. Ich lade dich natürlich ein!«
      »Warum fragst du das mich und nicht deinen Sohn, der bestimmt gerne Zeit mit seiner Mutter verbringen möchte?«, fragte ich, etwas barscher als ursprünglich beabsichtigt.
      Am anderen Ende war es still. Ich hörte nur ein leises Rauschen, vielleicht war es Charlys Atmen. »Du weißt«, sagte sie einige Sekunden später, »dass ich mit Bart noch nie eine gute Mutter-Kind-Beziehung hatte. Er ist jetzt erwachsen. Wenn er Interesse an mir hat, dann kann er sich gerne jeder Zeit bei mir melden.«
      Diesmal schwieg ich. Ich wollte mich nicht in die Familienprobleme einmischen, aber es fiel mir schwer, nicht jetzt und für immer diesem unausgesprochenem Drama ein Ende zu bereiten. Charly nahm als erste das Gespräch wieder auf: »Also, kommst du mich nun besuchen?«
      »Natürlich«, sagte ich. »Wann kommst du an?«

      »Wo ist Malte?« Nico blickte fragend in die Runde. Eyvind, Eli, Ike und Bart standen im Hauptstall im Kreis um ihn herum. Jeden Freitag war Besprechung. Nicht, dass an anderen Tage keine Kommunikation herrschte, aber die fünf Minuten am Freitag um acht fanden ohne Kaffee und Smartphone statt. Verspätungen wurden mit extra Morgenschicht bestraft.
      »Na seine Schwester ist in Los Angeles«, sagte Eli.
      »Quatsch«, widersprach Bart. »Seine Schwester hat er seit Jahren nicht mehr gesehen. Er meinte zu mir, dass er einen Auftrag hätte.«
      »Nur, weil er seine Schwester länger nicht mehr gesehen hat, ist das doch kein Grund, dass sie sich nicht ausgerechnet dieses Wochenende treffen?« Eli ließ nicht locker.
      »Vielleicht meinte er ja seine Cousine?«, sagte Eyvind. »Hatte er hier nicht mal eine Cousine?«
      »Die Frage ist eigentlich, warum ich nichts davon weiß?«, fragte Nico. Alle zuckten ratlos die Schultern und Nico musste seufzen. »Alles klar, dann machen wir eben einen Plan ohne Malte.«
      Alle nickten. Erschienen Nico aber trotzdem leicht verwirrt, ohne Malte, der immer alle Ruder in der Hand hatte. Auch diejenigen, die Nico gerne fallen ließ. Malte rettete immer alles.
      »Ich brauche Rückmeldung zu den neuen Praktikanten und Praktikantinnen«, sagte Nico, das „innen“ betont. »Meinungen darüber?«
      »Cjara ist ziemlich hübsch«, sagte Bart mit einer andeutungsvollen Stimme. Zustimmendes Gemurmel machte sich bemerkbar. Nico seufzte laut.
      »Irgendwelche Probleme? Unzufriedenheiten? Irgendwas?«, er gab noch nicht auf. »Eyvind, du warst doch mit auf der Woodland Ranch, sind Cjara und Elsi gut geritten?«
      Eyvind nickte. »Nichts auszusetzen. Cjara schön und nervös wie immer, Elsi etwas zu verbissen, aber ansonsten tadellos.«
      »Na gut«, sagte Nico. »Wenn das so ist, dass möchte ich, dass die Mutterstuten und die Fohlen heute besondere Aufmerksamkeit bekommen. Gemeinsamer Koppelgang und erstes Halfteranlegen und Putzen ist angesagt. Ansonsten kommt heute Nachmittag noch der Tierarzt wegen Miles Hautproblemen vorbei und bringt uns neue Medikamente. Und Bart, lass ja die Finger von Cjara.«
      Nico wendete sich von der Gruppe ab und rollte zurück in Richtung Haupthaus. Wo war nur Malte? Warum hatte er nicht vorher mit ihm gesprochen?

      Ich fühlte mich überaus unwohl mit meiner dreckigen Jeans und dem Karohemd von gestern unter all den Buisnessmenschen, die aussahen, als wäre es für sie üblich, jeden Tag mit dem Flieger auf Arbeit und wieder zurück zu fliegen. Die weißen Fliesen unter meinen Füßen glänzten in der untergehenden Sonne, die durch die meterhohe Glasfassade der Eingangshalle vom International Airport von Los Angeles fielen. Meine Hände in den Hosentaschen verkrampften sich gestresst.
      Ich hätte Charly nicht erkannt, wenn sie nicht wenige Meter vor mir ihre Handtasche in der Luft geschwenkt und „Hallo Malte!“ gerufen hätte. Sie war nicht von den Menschen in grauen oder schwarzen Anzügen zu unterscheiden, die, ihren Hartschalen-Koffer vor sich her schiebend und auf das Handy blickend, die Halle in einen riesigen, menschlichen Ameisenhaufen verwandelten.
      Ich hasste Flughäfen.
      Charly war alt geworden. Sie hatte keine Falten gekriegt oder Seniorenmode gekauft, sie war einfach so alt geworden. Für einen Moment verschwamm sie vor meinen Augen und ich sah sie, so wie ich sie damals kennengelernt hatte; Kurze schwarze Haare, zerschlissene Jeans, dunkler Eyeliner und ein freches Grinsen. Sie war immer jung gewesen, diese Zeiten waren anscheinend vorbei.
      »Das ist so lieb, dass du mich abholst!«, sagte sie freudestrahlend und fiel mir um den Hals. Auch sie hatte einen silbernen Hartschalen-Koffer dabei, denn sie los lies, woraufhin er noch einige Schritte weiterrollte. Zwei Tage Los Angeles und es sah aus wie zwei Wochen Antarktis.
      Ich erwiderte ihre Umarmung und legte meinen Kopf auf ihre Schulter. Sie roch gut, viel zu gut.
      »Ich habe ein Zimmer im H-Hotel, also nicht weit von hier! Ich würde schnell meine Sachen ablegen und dich dann zum Abendessen ausführen.«
      Ohne meine Antwort abzuwarten, tippelte sie zielstrebig in den hohen Absätzen in Richtung Ausgang. Den Koffer ließ sie für mich zurück.
      Das H Hotel lag tatsächlich nur wenige Minuten zu Fuß vom Flughafen entfernt. Es hatte eine eindrucksvolle Glasfassade, Palmen vor dem Eingang und eine Suite, die größer als unsere Reithalle war. Ich fühlte mich fehl am Platz und Charly neben mir machte es nicht besser. Mit ihrer Handtasche wackelte sie voraus, während ich wie ihr Diener mit dem Koffer beeilte hinterherzukommen. Natürlich nahm sie den Fahrstuhl in den zweiten Stock, anstatt die imposante Treppe zu bevorzugen. Charlotte von Eylenstein hatte sich angepasst. Angepasst an ihre neue Arbeit, ihr neues Aussehen, ihren neuen Mann.
      Ich hatte es mir bereits gedacht, aber die Suite besaß nur ein großes Doppelbett mit aufgepolsterten Monsterkissen und Deckenbergen dazu.
      »Ich würde auf der Couch schlafen«, sagte ich und legte meinen kleinen Rucksack neben die gewaltige Couch, von der aus man einen eindrucksvollen Blick auf den LAX hatte.
      »Blödsinn.« Charly lachte auffallend hell. »Das Bett ist groß genug für uns beide. Ich mache mich schnell etwas frisch, dann habe ich für uns bereits einen Tisch reserviert.«
      Ich ließ mich aufs Bett fallen während aus dem Bad das Rauschen von Wasser zu hören war. Wer war diese Frau nur geworden? Ich hatte sie mal geliebt. Ich weiß noch, wie gerne ich Charly gemocht hatte und wie sehr ich Nico gehasst hatte. Vielleicht war das ein Grund gewesen, warum ich Nico nach all den Jahren verzeihen konnte. Tjarda und Jora, sie waren all die Zeit nur Ablenkungen gewesen. Das Wasser stoppte und ein Föhn ging an. Seit zwanzig Jahren kannte ich sie. Seit zwanzig Jahren trauerte ich ihr hinterher. Für mich hatte das bedeutet, zwei bedeutungslose Liebschaften, wobei die erste von beiden nicht mal über ein „Hey, kann sein, dass ich dich mag“ hinausgegangen war. Die zweite war schon anders gewesen, besser. Jora war in einem Augenblick in meinem Leben gekommen, in dem ich sie gebraucht hatte. Missbraucht hatte. Gedacht hatte ich dabei all die Zeit an jemanden anderen.
      Der Föhn verstummte und es wurde ruhig im Badezimmer. Ich war alt geworden. Von meinen blonden Haaren war nicht mehr viel übrig. Vielleicht hatte die Sonne in Kalifornien sie weiß gefärbt, vielleicht die Einsamkeit. Ich war noch immer der Selbe wie damals. Ich hatte meine zwei Pferde und meine Arbeit, wie eh und je. Keine Veränderung und keine Weiterentwicklung. Petyr hatte sich weiterentwickelt. Ich hatte gehört, er hatte jetzt eine Familie in Oslo. Das mit Saga war wohl doch mehr geworden, als jeder gedacht hatte. Und Charly hatte sich weiterentwickelt. Zwar in eine Richtung, die mir nicht sonderlich gefiel, aber vielleicht lag das an mir. An mir, weil ich dachte, dass sie mich nun vollends abgehängt hatte.

      Den Vormittag verbrachte Nico bei Eyvind. Er war der Alleskönner und der Allesversteher des Gestüts und der beste Zuhöhrer oder Schweigefreund, den man haben konnte. Eyvind hatte sich den Mustangs verschrieben und eine kleine Reitschule aufgebaut. Nur wenige Schüler, dafür intensiver Unterricht, der weit über eine normale Reitschule hinausging. Vor allem viel Vertrauensarbeit und Horsemanship, vom Boden aus und im Roundpen. Die Mustangs waren unerschrocken und doch immer vorsichtig, aber vor allem intelligent und erstaunlich menschenfreundlich.
      Sie durften ihr Leben im Offenstall auf den großen Weiden hinter dem Hauptstall verbringen. Einige bekam selbst Eyvind nur selten zu Gesicht und das war auch okay so, dafür waren sie hier.
      Nico fand es erstaunlich, was Eyvind für einen Umgang mit den Kindern und Jugendlichen hatte. Er war Ihnen allen wie ein Vater, obwohl er doch selber keiner war.
      Einmal die Woche kamen die Kinder aus dem Kinderheim, die Eyvind besonders ins Herz geschlossen hatte und es oft über das normale Pensum hinaus ging. Das Geld, welches dabei reinkam, war sehr gering. Aber ein Mustang sollte sowieso nicht für den Kapitalismus missbraucht werden.
      Nach Nicos Besuch bei den Offenstallweiden, suchte er sich zwei der Praktikannten, die sich um die restlichen Pferde kümmern sollten, die gerade nicht im Training standen. Auf Marid ließ er zwar niemanden anderen als Bart, aber eine Massage und etwas Rotlicht durften sie ihm schon verpassen.
      Am Nachmittag fand sich Nico wieder in seinem Arbeitszimmer für eine kurze Pause ein. Er fuhr den Laptop hoch und öffnete die Website von Phoenix Valley, die in neuem Glanz erstrahlte.
      In letzter Zeit waren einige Pferde dazugekommen, aber was noch wichtiger war, die ersten Fohlen waren geboren. Vier wunderbare Vollblüter von wunderbaren Eltern. Es waren die ersten Pferde, die auf diesem Gestüt ihren Weg ins Lebens gefunden hatten und mit Stolz aktualisierte Nico die Website von Phoenix Valley. Die Geburt von PV Farwest, PV Rebellion of Cinqué, PV Traumfee und PV Toxic Compound musste verbreitet werden. Phoenix Valley war von nun an kein vergessenes Gestüt ohne Erfolge mehr, 2020 würde DAS Jahr werden.
      Nachdem die Website mit Bildern und kurzen Texten zu den Neuankömmlingen ausgestattet war, zog Nico sich eine Jacke über und rollte nocheinmal in den Stall. Hier standen seine Schätze, sein einziger Stolz. Die Mutterstuten hatten alle etwas größere Boxen bekommen, um den aktiven Baby-Vollblütern genügend Platz bieten zu können.
      Ganz vorne stand Far Cry, die erfahrenste und älteste der Zuchtstuten. Viele Fohlen würde sie dem gestüt nicht mehr schenken können, aber ihr diesjähriges war ein voller Erfolg geworden. Das Fohlen aus Firewalker hatte den Namen Farwest bekommen und war ein wundervoller Buckskin geworden. Malte meinte, er hat er etwas von einem Dunskin, aber laut Farbgenetik war das nicht möglich. Also war Farwest ein besonderer Buckskin und genauso verhielt er sich auch.
      Die einzige Stute war Traumfee. Ihre Mama Grenzfee war ganz stolz auf den kleinen Wirbelwind, mit dem ständig schlagenden Schweif. Die Wahl, einen Hengst von einem anderen Gestüt auszuleihen, war eine gute Idee gewesen. Fiebertraum hatte nicht nur seine wundervolle Farbe vererbt, sondern auch den munteren und aufmerksamen Charakter.
      Rebellion of Cinqué war eher noch ein kleines Rätsel. Der Hengst sah wundervoll aus, keine Frage, aber er war durchaus etwas zurückhaltender und schwerer einzuschätzen von seinem Charakter her. Echo‘s Maiden behütete den blauäugigen Prachtkerl trotzdem mit aller Liebe. Den weißen Schweif hatte der Kleine definitiv von seinem Vater Amistad geerbt, eine gute Tat, keine Frage.
      Der letzte im Bunde war Toxic Compound. Leider hatte sowohl CHH‘ Lethal Combination, als auch Light up Hell keine allzu guten Werte erhalten, es war also unklar, inwiefern der kleine Hengst groß rauskommen würde. Wahrscheinlich war wohl eine Kariere als Zuchthengst, seine Farbe war wirklich wunderschön geworden.
      Vor einigen Wochen war auch Winter with Koen auf unser Gestüt gekommen. Er war Jährling und sollte als Spielgefährte für Ivy‘s Rhapsody dienen. Sie war jedoch um einiges älter und der junge Koen für sein Alter noch extrem verspielt. Er genoss sichtlich das unbekümmerte Leben und hatte durchaus schon einige Herzen erobert. Deswegen war BR Ruffian‘s Smart Jane eingezogen. Eine Prchtkombination, Homozygot Roan und dann noch Silver. Sie war eine Halbschwester von BR Prias Raveday, die bereits mitten im Training stand, aber das sollte unsere Zucht nicht weiter einschränken.
      Das größte Wunderkind aber war wohl der Junghengst PFS‘ Circle of Thyme. Ein Pineforest Nachkommen, nur für unsere Zucht gezogen und der erste Sabino. Also ein perfekter Kerl mit den besten Voraussetzungen von beiden Eltern.
      Möglicherweise würde es bald auch neue Fohlen geben. Alphabet Soup und Westatlanta liefen in letzter Zeit vielversprechende Turniere und wenn Last in Love und der neue Golden Sugar weiterhin Erfolge nach Hause bringen würden, waren neue Liebeskombinationen definitiv nicht ausgeschlossen. Aber das würde die Zeit bringen. Die beiden Praktikantinnen hatten außerdem noch die zwei unzertrennlichen Stuten PV Gräfin und Song of Peace auf einer Krönung vorgestellt und wenn da alles soweit ohne Probleme gelaufen war, dann würden auch diese bald gekrönt sein.
      Die nächsten Stunden heftete Nico Abrechnungen ab und brachte den ganzen Papierkram auf Vorderman. Früher hätte er sich nie dazu niedergelassen, leider war es ihm aber nicht mehr vergönnt, draußen mit den anderen zu trainieren.
      Seit dem Nico einige „Praktikanten“ für unbekannte Zeit auf das Gestüt gelassen hatte, war wieder Leben eingekehrt und die Arbeiter etwas entlastet. Sir Golden Mile, Lap de Loupe, Chromed Highwind, Cinnada Mistik, I‘ve got a blue soul, Prias Raveday und Delightful Cinnamon standen dadurch wunderbar im Training und sollten in den nächsten Wochen hoffentlich noch ein paar Turniersiege abholen.
      Auch der Trainingscenter von Malte lief auf Hochtouren. Er hatte endlich wieder Zeit für Aufträge und nicht nur das, er hatte sich sogar dafür bereit erklärt, Nicos Sohn Bartholomäus auszubilden und immer mitzunehmen, sodass auch er nach seinem mittelmäßigen Schulabschluss wieder etwas zu tun hatte.
      Nico seufzte abermals. Er schaute auf sein Handy. Keine Nachricht von Malte. Auf seine Frage hin, wo er denn war und wann er wiederkommen wollte, hatte er nicht geantwortet. Mittlerweile ging die Sonne unter und tauchte das Gestüt in sagenhaft rotes Licht. Erst am nächsten Morgen würde Phoenix Valley neugeboren werden.

      Das Abendessen im Hotel Restaurant war okay gewesen. Für mich hatte es einen Veggie Wrap gegeben, für Charly einen gebratenen Lachs mit Parmesan. Sie hatte sich ihre gute Laune nicht von meinen tiefen Gedanken verbieten lassen. Aber vor allem trank sie viel Alkohol. Immer nur in damenhaften kleinen Portionen. Ihr torkelnder Gang am Ende war jedoch trotzdem für alle unübersehbar gewesen.
      Die Fahrstuhltüren schlossen sich hinter uns. Ich hielt Charly um der Hüfte fest, beschäftigte mich intensiv mit dem Werbeplakat an der Fahrstuhltür. Auch Charly war eigenartig stumm und als ich die Werbung für das Casino nun schon zum dritten Mal Wort für Wort durchgelesen hatte, wagte ich einen Blick zu ihr. Ihre Augen fingen ihn sofort ein, als hätten sie nur darauf gewartet. Ihr Blick war plötzlich wieder klar und als sie sich aus meinen Armen befreite, stand sie erstaunlich selbstsicher. Mein Blick löste sich von ihren Augen, wanderte hinab auf ihre zartrosa Lippen und blieb dort hängen.
      »Küss mich«, flüsterte sie.
      Ich wollte es und doch wollte ich es nicht tun. Aber sie flüsterte, fast stumm, noch einmal die Worte. Meine Hand fand den Weg zu ihrem Nacken, verlor sich dort in dem weichen Meer aus dunklen Haaren und drückte dann ihren Körper bestimmend an meinen. Kaum waren ihre Lippen nah genug, legte ich die meinen auf ihre, roch erst ihr zartes Parfüm, dann den Lippenstift und dann den Geschmack von Champagner auf ihrer Zunge. Ich arbeitete mich tiefer in sie hinein, umschlang sie mit allem was ich zu bieten hatte, und da fand ich ihn. Erst ihren Geruch. Den zarten Geruch nach Meer, vereint mit etwas menschlichem, gut riechendem Schweiß. Dann fand ich ihren Geschmack. So verführend, so feucht, so beherrschend. Ich wollte sie, mein ganzer Körper verlangte mit jeder Zelle nach dieser Frau, die ich fest umklammerte, ihr die letzte Luft aus dem Körper zog. Ich wollte alles von ihr haben. Ich stöhnte.
      Mit letzter Kraft löste Charly sich von mir. Ihre Lippen waren verschmiert und die Haare standen wild ab. Ich hatte nicht gemerkt, dass ich ihr das schwarze Kleid begonnen hatte auszuziehen. Als die Türen sich öffneten, zog sie es schnell zurück über ihre Hüften. Wir drängelten uns mit gesenktem Blick an dem älteren Ehepaar vorbei, welches vor dem Fahrstuhl wartete. Ich konnte nicht aufhören Charly anzustarren. Ich vibrierte, fühlte mich lebendiger als je zuvor und das, obwohl ich vorhin erst gedacht hatte, sie nicht mehr zu lieben, nicht mehr nach ihr zu verlangen.
      Oh doch, das tat ich.

      »Dieses Pferd ist der Hammer«, sagte Bart immer wieder, während er die Stute aus dem Hänger führte. »Dass du an ein so schönes Pferd kommst, wirklich krass.«
      Joline hatte hellblaue Transportgamaschen an und eine passende Abschwitzdecke. Immerhin hatte Nico auch nicht schlecht bezahlt für das Wunderpferd aus Kanada, die geschenkte Ausrüstung war dafür ja das mindeste.
      »Die wird erstmal eine Untersuchung bekommen. Kann ja nicht sein, dass es nur Langweile ist, dass sie sich den Schweif aufkratzt, als würde da eine Horde Flöhe wohnen«, sagte Nico.
      Bart nahm den Strick ab, den ihm der Transporterfahrer reichte.
      »Ich brauche noch eine Unterschrift«, nuschelte er und hielt erst Bart, dann Nico den Zettel hin.
      »Ich sitze zwar im Rollstuhl, kann aber durchaus noch einen Stift führen«, sagte Nico, während er schwungvoll seinen Namen auf das Papier setzte. Dann lächelte er freundlich.
      Der Mann hatte nicht verstanden, worauf Nico anspielte. Murmelte nur und fuhr dann mit dem Transporter vom Hof.
      Bart gähnte. »Es ist mir zu früh«, sagte er. »Aber was tut man nicht alles für eine schöne Frau.«
      In dem Moment kam Cjara um die Ecke. Sie lächelte, wie immer. Ihre langen Engelslocken wippten au ihren Schultern und die Augen strahlten.
      Nico sah Bart an, der erst Joline anschhmachtete und dann den gleichen Blick auf Cjara war.
      »Guten Morgen«, flötete Cjara und Nico musste bei ihrem Anblick nun doch auch lächeln. Sie war ein wahrer Sonnenschein.
      Bart hackte sich bei ihr unter und sagte charmant: »Wenn ich die Dame in den Stall begleiten darf...« Links Joline und rechts Cjara marschierte er stolz in Richtung Hauptstall.
      Nico seufzte. Der Junge war volljährig und benahm sich trotzdem ganz anders. Genauso wie er und Nico hatte er 35 Jahre alt werden müssen, um diese Charaktereigenschaften entgültig ablegen zu können.
      Nico blieb an Ort und Stelle sitzen, schaute die Ausfahrt hinauf und als er einen alten Wagen auf ihn zukommen sah, wollte er aufspringen, bis er merkte, dass seine Beine dies nicht mehr mitmachten.
      Malte war da und auch wenn Nico die letzten Tage keinen Kontakt zu Malte hatte aufbauen können, wusste er nun, wo sein Freund gewesen war.

      »Du hast mit ihr geschlafen.«
      »Ja«, sagte ich und schloss die Autotür. »Ja, das habe ich.«
      »Würdest du es wieder tun?«
      Ich blickte fragend auf Nico herab. Es war als hatte er auf mich gewartet gehabt. Er hatte genau hier neben dem Parkplatz für mein Auto gestanden, obwohl ich niemandem gesagt hatte, wann ich wiederkommen und vor allem nicht, wo ich hinfahren würde.
      »Du meinst, ob ich wieder mit deiner Ex-Frau ins Bett gehen würde? Immer doch, ich liebe es, dir mit allem was ich tue in deine nutzlosen Eier zu treten.« Ich warf mir meinen Rucksack über die Schulter und ging die Treppe zur Veranda hoch. Nico folgte mir über die Schienen an der Seite. Er war schneller als ich.
      »Du bist zwar ein Zwerg, aber immerhin hast du deine männlichen Attribute noch im Griff«, sagte Nico. Er versperrte mir die Tür und grinste mich an.
      »Was willst du«, sagte ich matt. Es war keine wirkliche Frage, wahrscheinlich wusste Nico nicht mal selbst, was er wollte. Das einzige was ich wusste, war, dass ich mit der Ex-Frau meines besten Freundes, in die ich seit zwanzig Jahren verliebt war, eine romantische Nacht in einem exklusiven Hotel in Los Angeles gehabt hatte. Was ich aber tatsächlich wollte, wusste ich nicht.
      »Und? War es gut?« Nico ließ nicht locker. Sein Lächeln lag eingefroren und grauenerregend auf seinem Gesicht.
      »Charly ist hervorragend im Bett. Das war der beste Sex meines Lebens«, sagte ich trocken. Dann drängelte ich mich an Nico vorbei.
      »Ach schön! Erzähl doch bitte mehr davon!« Nicos Stimme tropfte vor Sarkasmus. Ich drehte mich noch einmal um, blickte Nico in die Augen. »Erzähl mir, wie toll die Frau meines Lebens im Bett ist, erzähl mir, was sie dir ins Ohr geflüstert hat, oder wie Laut ihr Stöhnen war!« Er wurde immer lauter, schrie fast. Das Grinsen war verschwunden. Er war rot angelaufen, ich sah eine Träne in seinem rechten Auge schimmern. »Ich hasse mein Leben«, flüsterte er schließlich.
      »Nico«, sagte ich und hockte mich vor ihm hin. »Es tut mir Leid, was passiert ist. Die Trennung von Charly, dein Unfall, der Rollstuhl. Alles das sind Schicksalsschläge. Vielen Menschen passieren Dinge, die sie nicht wollen, die Träume zerstören. Aber die Nacht mit Charly tut mir nicht leid. Ich liebe sie, schon all die Jahre liebe ich Charly. Die Nacht war wunderschön, aber es wird nicht noch einmal eine Nacht wie diese geben. Ich teile Charlys Leben nicht. Sie hat sich für einen anderen Weg entschieden. Ich glaube, dass sie die falsche Entscheidung getroffen hat und ich hoffe, dass sie eines Tages merkt, dass sie vielleicht sich für einen anderen Weg hätte entscheiden sollen. Ich weiß jetzt, dass ich nicht Charlys Weg folgen möchte und ich wünsche mir für dich, dass du das auch nicht tun wirst.« Ich legte ihm eine Hand aufs Bein und schaute ihn bittend an.
      »Was bin ich noch«, flüsterte Nico. »Ein Reiter ohne Beine, ein Ehemann ohne Frau und ein Vater, dessen Sohn kein Sohn sein will. Sag es mir, was bin ich noch.«
      »Du bist mein Freund, ein erwachsener, erfolgreicher Mann. Du bist ein Reiter, der Angst davor hat, aufs Pferd zu steigen, ein Mann, der nicht einsehen will, dass es noch viele Frauen gibt, die ihm Wärme und Liebe schenken können, und ein Vater, der viel zu oft seine eigenen Probleme denen seines Sohnes vorzieht. Ja, du musst an manchem arbeiten«, sagte ich und lächelte Nico aufmunternd an. »Aber trotzdem bist du viel mehr, als du denkst. Du bist am Leben und du solltest dieses Geschenk mit Demut nutzen und sorgsam damit umgehen.«
      »Du hast leicht reden. Du bist der einzige in 5 Kilometer Umkreis, der heute Morgen beim Aufstehen eine Frau in den Armen gehabt hat«, sagte Nico und folgte mir in die Küche.
      »Ich bin bereits heute Nacht gegangen«, sagte ich, während ich die Reste des Essens aus meinem Rucksack im Kühlschrank verstaute.
      »Und warum bist du jetzt erst wieder da?«
      »Los Angeles bei Nacht ist schön.« Ich schloss den Kühlschrank und nahm, ohne noch einmal einen Blick zurück auf Nico zu werfen, die Treppe hinauf in mein Zimmer.

      27-02-2020 | 24.061 Zeichen | Canyon
    • Canyon
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      Distanz E→A
      Ich fand Bartholomäus in der Box von Joline. Nicht, dass ich ihn aktiv gesucht hatte, aber es war immer ratsam, ein Auge auf ihn zu haben, vor allem weil er zur Zeit etwas Liebestoll war. Einerseits hatte es ihm die neue Perlinostute angetan, aber auch eine unserer Praktikantinnen, die Nico angestellt hatte, um uns als Trainer das Training mit den Pferden etwas zu erleichtern. „Praktikanten“ war allerdings etwas das falsche Wort. Immerhin arbeiteten sie den Tag über auf dem Gestüt und bekamen dafür mehr als nur etwas Hungerlohn.
      »Cjara hat zugestimmt mitzukommen«, sagte ich. »Du kannst also ruhig deine gute Hose anziehen, wenn du etwas Eindruck machen möchtest.« Ich bedachte die ausgewaschene Jeans mit misstrauischen Augen.
      »Malte, alter Mann«, sagte Bart und kam aus Jolines Box. »Du weißt gar nicht mehr, wie man heutzutage gut bei Frauen ankommt.« Er grinste und wischte sich die dreckigen Hände absichtlich an der Hose ab.
      Cjara war eine unserer Praktikantinnen und Bart hatte mehr als nur ein Auge auf sie geworfen. Sagen wir, er hatte zwei Augen auf sie geworfen. Normalerweise ritt sie eine unserer Stuten, aber Bart hatte mich dazu überredet, sie zu diesem Distanztraining mitzunehmen und ihr den neuen Hengst Eskador aufzubinden.
      »Allerdings wird nicht sie Eskador reiten, sondern ich selbst werde ihn übernehmen«, sagte ich und wartete auf Barts Reaktion. Als diese jedoch ausblieb, fügte ich hinzu: »Deswegen wirst du wie immer Blue Soul nehmen und Cjara wird Joline reiten.«
      »Was?!« Bart war entrüstet. »Das ist ein Scherz, ich habe mich schon bei Jolines Ankunft für sie verpflichtet!«
      »Tja«, sagte ich. »Wie du bereits meintest: Ich bin hier der Profi.«
      Ohne noch etwas zu sagen, drehte ich mich um und verließ den Stall. Ich hätte diese Situation gerne vermieden, leider gab es keine andere Möglichkeit, wenn Cjara mitkommen sollte. Eskador kannte ich noch nicht und heute sollte sein erster Trainingstag werden. Ich ritt die Pferde gerne selber einmal, bevor ich sie an unerfahrenere Hände weitergab. Ich hoffte, dass Bart ruhig bleiben würde und ausnahmsweise sich nicht peinlich jugendlich verhielt. Immerhin würde uns heute eine Kundin begleiten. Sie hatte angefragt, ob wir sie bei einem Training mit einer neuen Stute etwas unterstützen konnten und natürlich hatte ich ihr zugestimmt.
      Reyna Huntington war mit ihrer Stute Venetia extra zu uns gereist. Nico hatte sie bereits begrüßt, Reyna Venetias Paddockbox für ihren Aufenthalt gezeigt und dann bereits das wichtigste mit ihr geklärt.
      Ich würde heute also nicht nur Bart haben, um den ich mich kümmern musste, sondern auch die unerfahrene Cjara, zwei neue Pferde und eine Kundin, die sich über etwas Hilfe und Aufmerksamkeit bestimmt nicht beklagen würde.
      Alle Pferden liefen noch auf E-Niveau, Ziel des heutigen Rittes war es allerdings, die 33km zu knacken und die Pferde aufzustufen. Reyna hatte mir erzählt, dass ihre Stute zwar noch nicht lange bei ihnen war, jedoch bereits Vorerfahrungen hatte und auch mit Reyna schon kleinere Trainingseinheiten hatten. Sie hatte mich auch vorgewarnt, dass beide noch etwas brauchen würden, um ein Team zu werden, ich machte mir da jedoch überhaupt keine Sorgen. Reyna war eine begabte Reiterin und alles, was ich von Venetia gehört hatte, hatte sie viel Geduld und Ruhe.
      Cjara war aufgeregt, Bart cool und angeberisch wie immer, als wir unsere Pferde vorbereiteten. Ich verteilte wasserdichte Brusttaschen für die Karte und die Check-Karte und nahm gleich die ersten Pulswerte von den Pferden. Auch wenn dies ein offizieller Distanzritt war, führte ich eine solche immer mit, um jeder Zeit auf jeden einzelnen Wert des Pferdes zugreifen zu können.
      »Da alle Pferde noch sehr unerfahren sind«, sagte ich in die Runde, bevor wir aufstiegen. »Bleiben wir heute in der Umgebung. Die Strecke ist genau 33,2 km lang. Auf euren Karten seht ihr die verschiedenen Punkte, an denen Pausen und Vet-Checks duchgeführt werden. Natürlich kenne ich den Weg, vielleicht müssen wir uns aber trennen und so hat jeder die Chance, den Ritt auch alleine fortsetzen zu können.«
      Alle saßen auf. Reyna und Cjara hatten sich bereits während des Putzens unterhalten, sodass Bart etwas abseits stand und das fand er gar nicht witzig. Ich war froh, dass die beiden sich gut verstanden und auch während des Rittes sich unterstützen würden.
      Ich hatte etwas Bedenken, dass Venetia mit den großen Vollblütern nicht mithalten würde können. Aber so hatten wir einen Grund, das Training heute langsam angehen zu lassen.
      Wir wärmten die Pferde auf, als wir im Schritt das Gestüt verließen. Als wir den Wald und seinen weichen Boden erreichten, trabten wir an. Venetia reihte sich weiter hinten ein. Ich war froh, dass Bart mit I‘ve got a blue soul die Führung übernahm und sich etwas mit Cjara und Joline beschäftigte. So konnte ich nun ein Auge auf Reyna haben, die zwischendurch immer wieder etwas Probleme hatte, mit Venetia mitzuhalten. Die Stute war im Schritt allerdings etwas trödeliger, als im Trab. Für einen Tinker und ihr Körpervolumen hatte sie durchaus viel Kraft. Ich riet Reyna, sich nicht zu viel Stress mit Treiben zu machen. »Lieber entspannt laufen lassen. Am Ende verlierst du die Punkte nicht wegen deiner Geschwindigkeit, sondern weil Venetias Puls in die Höhe schießt.«
      Unsere erste Pause fand an einem kleinen Bachlauf statt, so musste niemand vorher bereits Wassereimer verteilen. Wie tränkten die Pferde schnell, nutzen die Chance für einen Blick auf die Karte, bevor es auch schon weiter ging.
      Mittlerweile galoppierten wir an den Stellen, die es uns erlaubten. Joline und Blue Soul, die reinrassigen Warmblütern, mussten hier immer wieder gestoppt werden, ohne dabei sie so in Rage zu versetzen, dass sie sich gegenseitig aufschaukelten. Bart und Cjara ritten so immer etwas vor uns. Eskador blieb eher ruhig und bekam einen gemütlichen, kräftesparenden Galopp hin. Venetia legte sich ganz schön ins Zeug und hielt mit Eskadron gut mit.
      Durchnässt waren wir trotzdem alle, als wir uns dem Vet-Check näherten. Wir parierten bereits einige hundert Meter vorher durch und beruhigten den Puls. Es war immer ein schmaler Grad, zwischen einem schwachen Puls und einer guten Durchschnittsgeschwindigkeit. Die Erfahrung hatte allerdings gezeigt, dass die Zeit zum Luftholen vor dem Vet-Check der beste Weg war. Oft gab es unangekündigte Tierarztkontrollen, bei denen es nicht möglich war, die Pferde vorher etwas abzukühlen.
      Wir stiegen von den Pferden ab und nahmen sofort den Puls. Es war erstaunlich, wie gut Venetias Werte waren. Auch Reyna freute sich über die positive Kritik an ihrer Stute. Vermutlich hatte sie sich etwas von den schlanken Rennpferden einschüchtern lassen, mit denen sie unterwegs war.
      Nach einigen Minuten nahmen wir abermals die Werte. Mittlerweile hatten sich die Pferde beruhigt und auch die beiden Vollblüter waren etwas zu Atmen gekommen. Ihre Werte waren nicht die besten gewesen, während Eskador in einem guten Bereich lag und gemütlich neben Venetia an dem bisschen Gras an unserer Raststätte knabberte.
      Wir hatten den Pferden für einen Moment die Sättel vom Rücken gezogen und Abschwitzdecken drüber gelegt. Im Sommer hätte ich ihnen einen kalten Eimer Wasser über den Rücken gekippt, aber heute war es recht windig und die Sonne hatte sich hinter einer dicken Wolkendecke versteckt. Das würden wir also auf ein andermal verschieben.
      Der zweite Teil der Strecke war genauso angenehm wie der erste. Die Reihenfolge der Pferde hatte sich mittlerweile gut gefestigt und auch die Tipps an Reyna und Cjara wurde immer weniger. Vor allem bei Reyna hatte ich das Gefühl, dass sie durch das Training ein gutes Gefühl zu ihrer Stute hatte aufbauen können und ihr nun bewusst war, dass selbst unsere Vollblüter ihre Problemstellen in der Distanz hatten. Venetia konnte auf ihre eigene Weise gut mit uns mithalten.
      Am Ende des Rittes parierten wir durch, kühlten die Pferde im Schritt langsam ab, um dann die letzten Werte auf unserer Check-Karte eintragen zu können. Bei einem richtigen Distanzritt würde dies ein Tierarzt machen, der außerdem noch kontrollieren würde, ob die Pferde auch gesundheitlich und kräftemäßig für den Weiterritt freigegeben waren. Im Training übernahm ich diese Rolle und gab mein bestes, diese so gut wie möglich auszufüllen.
      Beim Absatteln unterhielt ich mich mit Reyna und sie bestätigte mir, was ich bereits selber gemerkt hatte. „Vergleiche dich niemals mit den Reitweisen der anderen. Im Distanzreiten kann jeder seine Stärken zeigen und die sind eben oft unterschiedlich zu denen der Konkurrenten«, sagte ich zum Abschluss zu ihr. Sie bedankte sich bei mir und brachte ihre Stute zurück in den Stall. Heute Nacht würde sie noch auf dem Gestüt bleiben und erst morgen früh wieder abreisen. Hoffentlich mit einem besseren Gefühl für ihre Stute und der Motivation, weiterhin mit Venetia an ihren Distanzfähigkeiten zu arbeiten.

      28-02-2020 | 8.877 Zeichen | Canyon
    • Canyon
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      Distanz A → L
      „Das ist der Trainingsplan für die nächsten Tage. Haltet euch an eure Zeiten und an die Pferde, ich habe dringenderes zu tun, als mich mit euren nichtigen Problemen zu beschäftigen.“
      „Was ist denn mit dem los?“, fragt mich Helia. Ich zucke nur mit den Schultern.
      „Es heißt, dass er seinen Óslogi nach Frankreich gibt, natürlich nicht für immer, aber für kurze Zeit“, mischt sich Elsi ein.
      „Ach echt?“, frage ich. Sie nickt.
      „Elsi, du stehst gar nicht auf dem Plan drauf.“ Helia fährt mit dem Finger über den Trainingsplan.
      „Ich weiß, ich habe etwas Urlaub. Ihr könnt ruhig alleine den Stress hier ausbaden, wenn Nico nicht da und Malte genervt von der Welt ist.“
      „Oh, wo geht es hin?“, frage ich wahrlich interessiert.
      „Nach Hause, Ferre“, sagt sie schnippisch. „An die Küste.“ Dann dreht sich Elsi um und verlässt den Stall. Helia und ich schauen uns fragend an.
      „Ich bin zu erst bei Wild Reflex eingeteilt“, sage ich. „Heute Nachmittag, 16:00 Uhr.“
      „Oh cool, da bin ich auch dabei. Wollen wir zusammen trainieren? Cinnada Mistik soll nun auch anscheinend mehr ins Military gehen, jetzt wo Peace und Gräfin erstmal Trainingspause haben.“
      Wir verabreden uns für den Nachmittag und jeder geht seine Wege.
      Leider ist es nicht nur das spannende Training, sondern auch viel anderes, was auf dem Gestüt anfällt. Wir als niedrigste haben oft allein den Stalldienst zu verrichten und da es die letzten Tage sehr regnerisch war, sind die Boxen von dem nassen Stroh durchweicht. Ich rüstete mich also mit einer Schubkarre aus und machte mich auf den Weg zu den Weiden, um diese abzuäppeln. Auf dem Weg dorthin ging ich an Cjara, Bartholomäus und Malte vorbei. Sie hatten in letzter Zeit viel mit den drei Pferde Joline, Eskador und I‘ve got a blue soul im Gelände trainiert. Laut Plan sollten sie spätestens am Ende des Monats auf L-Niveau laufen. Bart schien von dem Nieselwetter und dem anstehenden Geländeritt nicht begeistert, während Malte, genervt jeden nervösen Handgriff von Cjara kommentierte.
      An den Weiden traf ich noch auf Alba, welche vor dem morgigen Galoppritt in Canby BR Prias Raveday noch etwas unter der Longe lockern wollte und mir überschwänglich von ihren Fortschritten erzählte. Irgendwann wimmelte ich sie ab, zeigte auf die noch leere Schubkarre und machte mich an die Arbeit.
      Am Nachmittag traf ich durchnässt und voller Mist im Stall wieder auf Helia. Sie hatte Cinnada schon gesattelt und musterte mich kritisch, sagte jedoch nichts zu meiner Verspätung. Wild Reflex war dann zum Glück schnell gesattelt. Sie war noch neu und hatte heute nur wenige Zeit draußen auf einem der Paddocks verbracht, war also trotz ihres weißen Fells noch sauber. Ich ließ mir gerne Zeit mit der Vorbereitung, was heute leider nicht möglich war. Nicht nur wegen Helia, die immer mal wieder an meiner Box vorbeischaute, sondern auch wegen Malte, der nachher zur gleichen Zeit auf dem Militarygelände trainieren würde und sehr auf die Einhaltung seines Zeitplans pochte.
      Als Helia und ich eintrafen, ritten Malte und Bart bereits die leichteren Hindernisse mit den beiden Hengsten Lap de Loupe und Chromed Highwind an.
      „Da seid ihr ja endlich“, rief Malte. Er war zur Zeit wirklich unerträglich. Ein Wunder, dass Bart es so lange mit ihm aushielt.
      Wir trainierten bis in die frühen Abendstunden. Ritten die Hindernisse immer wieder an, erhöhten den Schwierigkeitsgrad und versuchten es solange, bis jedes der Pferde bei jedem erdenklichen Hindernisse den Absprungspunkt traf. Cinnada Mistik und Helia waren beide sehr begabte Springer. Selbst Malte, der auch bis in die höheren Stufen trainierte, konnte mit dem etwas Springfaulen Lap heute nicht mithalten. Am Ende des Trainings war Malte tatsächlich zufrieden mit der Leistung von uns und schickte uns in den verdienten Feierabend.

      Am nächsten Morgen ging es bereits sehr zeitig nach Canby. Jeder sollte in seinem Ermessen entscheiden, wann ein Aufstehen, ein Losreiten und ein Aufwärmen nötig war. Helia war heute nicht mit am Start, dafür belagerte mich Alba wieder. Sie war eine begabte Jockey und konnte genauso wenig Ruhe geben wie die junge Stute an ihrer Seite. Raveday und Alba waren also das geborene Team.
      Natürlich waren auch wieder Malte und Bart mit am Start. Sie schienen ihren gesamten Tag auf dem Rücken der Pferde zu verbringen. Nachdem sie gestern bereits mehrere Trainingseinheiten hinter sich gebracht hatten, blieben für heute nur noch Golden Sugar und Delightful Cinnamon, welche ich auch längere Zeit geritten war, bis mir Nico den Aufstieg auf Candlejack ermöglicht hatte.
      Jack und ich waren erst seit kurzem gemeinsam unterwegs, aber wenn ich nicht gerade für Pferde einsprang, die keinen festen Reiter hatten, war es immer er, für den ich mich entschied. Ich liebte seine Art, die Weisheit und Humor ausstrahlte – es schien, als könne er immer zwischen gut und böse entscheiden.
      Zum Schluss war noch Eyvind und Sir Golden Mile dabei. Gemeinsam mit Cinnamon war Miles ein eher untalentiertes Pferd, welches trotzdem trainiert wurde, in der Hoffnung, dass zumindest die Leistung seiner Nachkommen besser sein würde. Eyvind Engh störte sich nicht daran. Er mochte den selbstbewussten Junghengst, egal, wie schnell seine Beine waren.
      Ich hatte mit Jack bereits auf dem Weg zur Rennbahn einige Aufwärmübungen gemacht, sodass ich zwar als letzter, aber dafür am vorbereiteten aufkreuzte.
      „Kann‘s losgehen?“, schallte Maltes Stimme über die Rennbahn hinweg. Wir hatten uns alle an der Startlinie eingefunden und warteten auf sein Zeichen. Es sollte eines der letzten Rennen werden, bevor wir die Galopper bei den nächsten Turnieren auch auf L-Niveau anmelden konnten – Maltes Trillerpfeife erschallte und die donnernden Hufe von fünf energiegeladenen Vollblütern erklangen auf dem feuchten Sandboden.

      30-04-2020 | 5.756 Zeichen | Canyon
    • Bracelet
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      Military E → A

      Sonntagabend, 16 Uhr: Anastasia, meine Mitarbeiterin, und ich trafen die letzten Vorbereitungen und drapierten liebevoll die letzten Teller, Gläser und Dekorationsgegenstände auf den drei zusammengeschobenen Tischen, die ein schönes, weißes Tischtuch zu einem einheitlichen Bild zusammenfügte. Aus unserem eigentlichen Gemeinschaftsraum entstand dadurch ein gemütliches Esszimmer, das ausreichend Platz für unsere acht Gäste bot. Diese waren, über den Tag verteilt eintrudelnd, zum Glück alle wohlauf bei uns auf dem Den Vackra Trakehner Stud angekommen. Ich hatte dabei beim Ausladen der Pferde geholfen, die Zimmer, Spinde und Boxen für die kommenden Tage zugeteilt und die Zeit genutzt mit jedem Teilnehmer bereits ein wenig zu plaudern. Dabei waren sie mir alle nur positiv aufgefallen und schienen eine nette Truppe zu sein. In so einem Rahmen machten Kurse dann natürlich umso mehr Spaß.
      Für 17 Uhr hatte ich das heutige, erste gemeinsame Abendessen angesetzt. Wie erwartet verspäteten sich ein paar der Teilnehmer um einige Minuten. Dies war jedoch nicht schlimm, da es ohnehin ein Buffet gab. Als schließlich alle eingetroffen waren, ein paar schon genüsslich ihr Essen verspeisten, klopfte ich mit meinem Kaffeelöffelchen vorsichtig auf mein Glas um die Aufmerksamkeit meiner Gäste zu bekommen. ,,Meine lieben Pferdefreunde!’’, begann ich lächelnd: ,,Ich freue mich sehr, dass ihr es geschafft habt und nun alle hier seid. Ich möchte die Chance nutzen um euch, wo wir hier gerade alle so nett zusammen sitzen, ein paar Infos zu den nächsten Tagen zu geben. Ihr werdet nachher noch ein Programmheft von mir bekommen, wo nochmal alles genau notiert sein wird. Trotzdem, um euch ein paar Eckdaten zu geben: Morgen wird es ab Neun auf dem Geländeplatz sofort medias in res gehen. Dabei bitte ich jeweils die ersten beiden Teilnehmer, wie auch die kommenden Tage, schonmal Schritt gegangen zu sein und ein wenig aufgewärmt zu haben. Anschließend ist geplant, dass zu jeder Zeit mindestens zwei Teilnehmer auf dem Platz sind damit nie ein Pferd alleine zurückbleiben muss. Es wird einen Vor- und eine Nachmittagsblock geben, wobei natürlich jeder herzlichst eingeladen ist wenn er oder sie nicht reitet zuzusehen. Die Reihenfolge findet ihr im Programmheftchen, ergibt sich für morgen aber mehr oder weniger aus der Anreisereihenfolge, wobei die zuletzt angereisten Reiter auch als letzte reiten. Ich habe dabei aber darauf geachtet, dass die Reiter, die mehrere Pferde mit haben zumindest zwei Pferde dazwischen Zeit haben um ihr vorheriges Pferd auch angemessen versorgen, und das Nächste herrichten und aufwärmen zu können. Sollte es dabei irgendwelche Probleme geben meldet euch einfach rechtzeitig bei mir, dann werden wir bestimmt immer eine Lösung finden. Generell wird es beim Kurs sowohl Gruppen- als auch Einzeltrainings geben, wobei ich bei der Auswahl vor allem auf die Aufgabenstellung achte. Am Wasser ist es anfangs zum Beispiel immer gut eine kleine Gruppe von Pferden zu haben. Aber lasst euch überraschen! Ich möchte euch nun auch nicht weiter beim Essen stören. Sollte jemand weitere Fragen haben zögert nicht mich darauf anzusprechen. Guten Appetit! Ich wünsche euch eine schöne Zeit; genießt sie!’’
      Nachdem der Abend noch überaus nett ausgeklungen war stand ich pünktlich, kurz vor Neun, am Geländeplatz. Lässig lehnte ich an einem Baumstamm und warf einen Blick auf die Teilnehmerreihenfolge auf meiner ausgedruckten Liste. Erfreulicherweise bot sich dafür aber gar nicht all zu viel Zeit, denn die ersten Beiden waren auch schon auf dem Weg zu mir. Ich hatte sie bereits auf meinem Weg hierher auf unserem Springplatz abreiten gesehen und freute mich nun sehr darauf ihre Künste auch am Sprung zu sehen. ,,Na? Gut ausgeschlafen?’’,rief ich etwas scherzend zu ihnen hinüber, da es dann doch, trotz der langen Anreise einiger Teilnehmer, gestern etwas später wurde.
      Meine ersten beiden Reiterinnen waren Sheena Blackburn und Alicia Grey, wobei erstere schon etwas mehr aufgewärmt hatte, da sie am heutigen Tag die erste auf meiner Liste war. Als die Zwei bei mir angekommen war gab ich schonmal meinen ersten Tipp: ,,Ganz wichtig, vor allem am Anfang ist es gut wenn ihr etwas mehr in eure Steigbügel hinein tretet.’’, und nahm vorsichtig eine kleine Korrektur vor, bei der ich die Bügel der Reiterinnen etwas unter ihren Fußsohlen verschob. ,,Man sagt, dass man dann eine sicherere Bügelstütze hat, wodurch euer Sitz stabiler ist wenn ihr nicht mehr fest im Sattel sitzt, sondern eure Pferde entlastet.’’,erklärte ich weiter. Die beiden nickten zustimmend. ,,Na gut meine Damen. Dann pack ma’s. Ihr könnt beide schonmal antraben und hier ein paar Runden am Gras drehen. Dabei lege ich immer Wert darauf, dass sich die Pferde mit großem Rahmen nach vorne orientieren. Dazu müsst ihr gar nicht all zu sehr an das typische Bild in der Dressur denken, sondern könnt die Pferde ruhig auch mal mit der Nase ein wenig nach vorne lassen.’’,sagte ich daraufhin.
      Nachdem die Beiden sich und ihre Pferde ein wenig mit dem Geländeplatz arrangiert hatten und ich ein paar Tipps gegeben hatte, rief ich Sheena zu mir hinüber. Alicia ließ ich es frei noch zu traben oder Schritt zu gehen. ,,Dann erzähl doch mal ein bisschen etwas über dich und dein Pferd.’’,forderte ich sie freundlich auf und die junge Teilnehmerin erklärte mir erst wo sie selbst reiterlich stand und anschließend wie ihr Pferd, Nurja, war. Die achtjährige Freibergerstute schien dabei sehr gut zu der doch etwas unerfahreneren Reiterin zu passen. ,,Das klingt ja schonmal nach einer guten Ausgangsbasis zwischen euch. Dann schauen wir uns das mal an. Trab ruhig nochmal an, einmal um mich herum.’’,antwortete ich. Sheena trabte Nurja locker an, wobei ich der Meinung war, dass man ihr das überhaupt nicht ansah, dass sie erst seit zwei Jahren im Sattel saß. ,,Gut und jetzt galoppierst se mal an!’’,rief ich ihr zu: ,,Sehr gut. Da hat sie fein reagiert. Du kannst auch gleich mal in den Entlastungssitz gehen. Dabei auch darauf achten, dass der Rahmen groß bleibt.’’ Rasch setzte sie meine Anweisung um. ,,Sehr schön.’’,lobte ich.
      Ein paar Runden später deutete ich dann auf eine kleine Bodenstange in Form eines dünnen, in etwa fünfzehn-, vielleicht zwanzig Zentimeter hohen Baumstamms. ,,Einmal durchparieren und im Schritt über die Stange hier drüben.’’,wies ich an und stellte mich neben den kleinen Stamm. ,,Den Rhythmus gleichmäßig halten.’’,sagte ich ruhig, als das Pferdreiterpaar sich näherte. Die braune Stute spitzte neugierig die Öhrchen, wollte kurz stocken, woraufhin Sheena sie aber weiter trieb, und ging dann doch noch recht lässig darüber. ,,Super. Nochmal.’’,kommentierte ich ehe ich nach dem zweiten Mal auch schon den Trab von den beiden verlangte: ,,Und wenn sie springen möchte, ist das kein Problem, dann lass sie ruhig noch ein paar Galoppsprünge machen und parier sie dann erst wieder durch.’’ Nun war Nurja scheinbar schon mit dem neuen Objekt warm geworden und trabte darüber als wäre nichts. Ich ließ sie die Aufgabe trotzdem noch einmal reiten, da sie etwas schief kamen.
      ,,Gut. Angaloppieren und nochmal.’’,hieß es danach, woraufhin die Reiterin wieder einen kleinen Bogen ritt und schön gerade auf den Stamm zu. Ihre Stute machte einen kleinen Hopser und wollte danach schon wieder durchparieren. ,,Nein, nein.’’,gab ich grinsend meinen Senf dazu: ,,Ruhig noch einmal.’’, ehe die Beiden die Aufgabe dreimal auch in dieser Gangart bewältigt hatten und ich auf drei schon etwas dickere Baumstämme in unserer Nähe deutete: ,,Jetzt reitest du den Größten der dreien im Trab an. Da sollte sie drüber in den Galopp springen; wenn nicht galoppierst du sie danach an, und springst dann über den dünnsten, gefolgt vom übrig bleibenden.’’
      Auch wenn es noch keine Killersprünge waren befanden wir uns nun doch bestimmt schon bei an die 50 bis 60 Zentimeter, so, dass ich auch schon ein wenig der Technik der Beiden verbessern konnte. ,,Ruhig die Hand etwas mehr vor!’’,rief ich: ,,Nicht überm Sprung hängenbleiben.’’ Die junge Reiterin setzte dabei gut um was ich ihr sagte, weswegen auch Nurja gut auf die heutige Einheit ansprang. Mit zunehmend höher werdenden Anforderungen wurde sie lockerer und wurde allmählich deutlich spritziger, allerdings zu keinem Zeitpunkt schnell oder unkontrolliert: sie sprang einfach fleißiger und reagierte besser auf die Hilfen ihrer Reiterin. ,,Da das so toll klappt und sie jetzt auch gut vor dir ist lass uns gleich mal einen Schritt weiter gehen. Da drüben ist ein kleiner Hügel, ohne Sprung. Da galoppierst du zuerst hoch, parierst an der Spitze durch und trabst sie dann nach unten. Dabei nicht vergessen: den Oberkörper erst schön vor und dann ruhig etwas mehr hinten lassen damit du ihr mit der Balance hilfst.’’,sprach ich. Gesagt getan. Für den Anfang absolut nicht verkehrt!
      Nachdem das Reiterpaar auch diese Vorbereitungsübung gemeistert hatte ließ ich sie noch einige Sprünge auf der Geraden machen; typische Vielseitigkeitshindernisse, allerdings noch keine besonders anspruchsvollen. Trotzdem musste ich den Beiden zu gute halten, dass sich die braune Stute überaus mutig zeigte und auch ihre Reiterin den nötigen Biss besaß. Ich beendete die Einheit mit den Sätzen: ,,Sehr gut. Das genügt für heute. Loben!’’
      Anschließend war Alicia Grey an der Reihe. Auch sie ließ ich erstmal ein wenig von ihr und ihren Pferden erzählen. Sie war mit zwei Warmblütern angereist: einer wirklich hübsche Roanstute, auf der sie zur Zeit auch saß, und einem sportlichen Hengst, der der Erzählung nach wohl das schwierige Pferd der Beiden zu sein schien. ,,Ich finde es gut, dass du dich zuerst für Wild Strawberry entschieden hast. So kannst du selbst schon mal etwas Sicherheit bekommen, ehe wir es dann mit Civil War probieren. Ich bin mir aber sicher, dass du das Ganze auch mit ihm hinbekommen wirst. Wir fangen leicht an und wenn du dich soweit fühlst setzen wir die Anforderungen hinauf. Im worst case geht eben nicht so viel weiter und habt ihr trotzdem ein paar neue Eindrücke gewonnen. Das kann nie schaden. Also alles ganz ohne Druck.’’,gab ich schließlich freundlich lächelnd meine Meinung wieder: ,,Gut, dann wollen wir mal. Einmal antraben.’’
      Alicia nickte, ebenfalls lächelnd, und gab fein die Trabhilfe. Ihre Stute, die liebevoll auch nur Berry genannt wurde, reagierte prompt. Man merkte deutlich, dass die Reiterin dressurmäßig schon fortgeschritten war, dann sie setzte meine Tipps von vorhin gleich um: Berry lief locker unter ihr, den Kopf deutlich vor der Senkrechten, mit Tendenz nach vorne. ,,Vorbildlich! Genau so hatte ich mir das vorgestellt.’’,lobte ich, ehe ich anwies: ,,Da ich dich vorhin schon abgaloppieren gesehen habe kannst du gerne jetzt schon aus dem Trab über den kleinen Baumstamm hier reiten.’’, und auf die kleine Naturbodenstange deutete. Von dem her, was sie mir von der Stute im Vorfeld erzählt hatte durfte es kein Problem für sie sein die Aufgabe im Schritt zu überspringen. Mein Gefühl täuschte mich nicht: Berry wurde von ihrer Reiterin mittig auf den Baumstamm zugeritten, woraufhin sie einen kleinen Sprung darüber machte. ,,Schön gemacht! Ist nicht schlimm wenn sie darüber hinweggaloppiert. Trotzdem noch einmal aus dem Trab!’’,gab ich daraufhin als Feedback zurück. Alicia parierte die Stute nach ein paar Sprüngen fein durch und diese ließ sich sofort wieder gut auf das Objekt zusteuern. Wieder machte sie darüber geschickt einen kleinen Sprung. ,,Gut! Jetzt im Galopp!’’,rief ich.
      Da auch das problemlos klappte erhöhte ich die Anforderungen und ließ auch Alicia die drei Baumstämme nacheinander springen, die zuvor auch Sheena und Nurja gesprungen waren, nur sofort aus dem Galopp. ,,Gut so das Tempo. Diesen Rhythmus halten.’’,wies ich an: ,,Hinsetzen. Gut, und Hand vor.’’ Die beiden machten drei wirklich gute Sprünge, die ich sie noch einmal wiederholen ließ um die Beiden nicht sofort wieder vor eine neue Aufgabe zu stellen. Berry ließ sich von den Naturhindernissen nicht beirren; tat als hätte sie zuvor nie etwas anderes getan.
      ,,Super Alicia!’’,rief ich nachdem sie das Ganze erneut mit Bravour gemeistert hatten: ,,Merkst du wie sicher sie springt?’’ Die Reiterin nickte erneut leicht schmunzelnd. Dennoch wirkte sie nach wie vor etwas ängstlich, auch wenn sie wirklich einen guten Job machte. ,,Durchparieren zum Trab.’’,sagte ich als nächstes, während sie wieder an mir vorbei ritt: ,,Loben! Als nächstes geht ihr Zwei auch den kleinen Hügel da drüben hinauf. Keine Sorge, da ist erstmal kein Sprung in der Nähe. Es geht wirklich erstmal nur um das Gefühl dafür.’’
      Alicia parierte Berry wie von Zauberhand durch zum Schritt und ritt neben mir her. ,,Dabei kannst du immer daran denken welche Haltung du einnehmen würdest, wenn du bergauf und welche, wenn du bergab gehst. Erst also schön mit vor, dann etwas weiter nach hinten.’’,gab ich ihr als Tipp, bevor wir ankamen. Beim Hügel absolvierte die Reiterin das Ganze erstmal in der langsamsten Gangart. ,,Ruhig noch etwas mehr mitgehen!’’,rief ich. Sie setzte es sofort um. Ich lächelte: ,,Super. Jetzt gleich mal im Trab!’’, woraufhin sie die Stute im Gleichgewicht hinauf und hinunter trabte. Der nächste Schritt war im Galopp hoch, am höchsten Punkt parieren und im Trab wieder herunter, was auch anstandslos funktionierte.
      ,,Schön! Dann reiten wir noch ein paar Hindernisse in Kombination, damit ihr auch noch etwas zum Springen kommt!’’,rief ich danach: ,,Zuerst zeigst du ihr die Sprünge im Schritt. Dazu am besten immer seitlich an den Sprung heranführen. Wir werden die drei Baumstämme von eben springen, die beiden Kleineren da drüben, mit einer Distanz von drei Sprüngen dazwischen, mitnehmen, den kleinen Schweinerücken da hinten und dann noch die beiden Kisten die du da vorne siehst.’’ Dabei unterstützte ich meine Worte mit Fingerzeigen auf die einzelnen Hindernisse.
      Nachdem Alicia im Zuge meines Unterrichts in Ruhe alle Sprünge einzeln und alleine gesprungen war, war Luchy Blackburn an der Reihe. Die junge Frau gab mir dabei die nötigen Informationen zu ihr und der von ihr mitgebrachten Stute Keks. Da sowohl die Reiterin selbst, als auch ihre sechsjährige Stute bereits einiges an Erfahrung mitbrachten ließ ich das Paar die kleine Naturbodenstange sofort aus dem Galopp springen. Die junge Stute selbst war noch nicht all zu geländeerfahren, die Reiterin jedoch bereits. Deswegen waren die ersten, darauffolgenden, Baumstämme mehr für Keks als ihre Reiterin. Trotzdem schlug sich die Braune ausgezeichnet. Da merkte man allerdings auch deutlich, dass sie im Springen eine 1a Ausbildung genossen haben musste.
      ,,Wirklich gut! Dann probiert mal als nächstes den Hügel da vorne.’’,wies ich an und folgte den Beiden hinüber: ,,Erstmal im Galopp hoch, am höchsten Punkt Trabübergang und hinunter traben.’’ Luchy zeigte vorbildlich die Oberkörperverlagerung beim Hinauf- und Hinabreiten, die ich den Reiterinnen vor ihr ans Herz legen wollte. Keks tat sich noch ein wenig schwer in diesem unebenen Gelände, man sah jedoch, dass sie sich überaus bemühte. ,,Toll! Wiederhole das ruhig noch ein-, zweimal!’’,rief ich daraufhin.
      Da die Stute beim dritten Mal schon recht sicher wirkte zeigte ich auf einen anderen Hügel. ,,Siehst du den Baumstamm da drüben? Nimm den mal aus dem Trab, bergauf mit.’’,meinte ich. Die Reiterin nickte und parierte ihre Stute durch. Am Sprung angekommen verhaspelte sich der Hannoveraner kurz, machte dann aber einen guten Sprung. ,,Nicht schlimm! Hat sie gut gelöst, loben!’’,gab ich als Feedback: ,,Im Galopp bergab kannst du ruhig ihren Hals noch etwas länger lassen, damit sie sich besser ausbalanciert. Da hat sie noch Schwierigkeiten.’’
      Nach zwei Wiederholungen ließ ich die Beiden das Ganze aus dem Galopp machen, was Keks fast noch besser machte als aus dem Trab. ,,Perfekt! Jetzt mal einen kleinen Zirkel galoppieren, durchparieren zum Trab, Hügel hoch und das Ganze bergab.’’
      Einige Versuche später durften auch diese Beiden unterschiedliche Geländehindernisse, gefolgt von einem kleinen Parcours aus diesen springen. Dabei verbesserte sich schon in der heutigen, ersten Einheit Keks’ Rhythmus im Galopp zwischen den einzelnen Sprüngen. Dieser war in der Vielseitigkeit überaus wichtig und nicht jedes Pferd fand diesen so rasch wie die braune Stute.
      ,,Schön! Das reicht für heute, die hat genug!’’,rief ich nach dem letzten Durchgang, bevor Gwendolyn Campbell an der Reihe war. Wie sie mir vorab kurz erzählte war sie bereits eine sehr erfahrene Reiterin. Das Pferd das sie für den Vormittag gesattelt hatte trug den wohlklingenden Namen Moon’s Gealach. Die junge Connemarastute war im Springen bereits trotz ihrem jungen Alter sehr erfolgreich, im Gelände jedoch vergleichsweise noch ein Frischling. Aus diesem Grund sollte auch dieses Reiterpaar erstmal die kleine Naturbodenstange springen. Gwen, wie ich sie nennen durfte, zeigte der Stute den kleinen Baumstamm erstmal von der Nähe, bevor sie ihn auf meiner Anweisung aus dem Trab anritt. Das weiße Pony sprang kurz davor ab und galoppierte einige Sprünge, ehe ihre Reiterin sie wieder durchparierte. ,,Sehr schön! Ruhig noch einmal, danach aus dem Galopp!’’,rief ich bevor die Beiden auch die angesprochenen Aufgaben ohne großen Aufwand bewältigten.
      ,,Okay, das ist für sie ja überhaupt kein Problem. Dann als nächstes die drei Baumstämme da drüben. Ruhig hintereinander, wenn sie sich gut anfühlt!’’ Gwen nickte und ritt im Galopp den ersten Stamm an. Gealach spitzte aufmerksam kurz vor dem Sprung ihre hellen Öhrchen und fokussierte das Hindernis an. Kurz davor wollte sie den Turbo rein werfen, wovon ihre Reiterin sie gekonnt abhielt. Das Pony übersprang sich etwas, ließ sich dann aber gut weiter zum nächsten und übernächsten Baumstamm tangieren. ,,Gut gelöst!’’,rief ich: ,,Gleich nochmal!’’
      Nach zwei weiteren Durchgängen war der Schimmel schon deutlich ruhiger geworden, wobei sie sich für ihr Alter und wenn man die Tatsache nicht außer Acht ließ, dass sie an einem völlig neuen Ort war, wirklich ohnehin von Anfang an sehr gut schlug. ,,Die Routine kommt schon noch. Jetzt hat sie das allerdings toll gemacht, also lassen wir die Baumstammreihe erstmal gut sein und üben etwas Bergauf- und Bergab.’’,meinte ich und ging mit den Beiden hinüber zum kleinen Hügel, auf dem es auch die Reiter zuvor geübt hatten: ,,Einfach mal locker im Trab hinauf und hinunter. Dann im Galopp hoch, auf dem höchsten Punkt durchparieren und im Trab herunter.’’
      Gealach war noch etwas unausbalanciert, vor allem das Bergab fiel ihr schwer. ,,Nicht schlimm!’’,rief ich, als die Stute beim Bergab nach dem Übergang ins Stocken kam: ,,Lass sie ruhig das Ganze nochmal ganz in Ruhe im Schritt machen.’’ Nachdem sie dies getan hatte deutete ich auf einen noch etwas kleineren Hügel. ,,Lass sie mal locker nach vorne Galoppieren! Ganz entspannt, leichter Sitz. Danach reite den Flacheren da drüben an. Wie zuvor im Galopp nach oben, durchparieren und im Trab ganz entspannt nach unten.’’,wies ich Gwen an, die nickend tat was ich sagte. Wie erwartet war das Pony nun wieder etwas mehr im Gleichgewicht. ,,Suuper, lob sie!’’,freute ich mich mit den Zweien: ,,Noch einmal, dann kommst du wieder zu mir und nimmst den Hügel von vorhin mit, aber diesmal nur im Trab.’’ Bevor es bei zweitem wieder hinunter ging gab ich noch rasch einen kleinen Tipp: ,,Lass den Zügel ruhig etwas durchrutschen! Sie soll sich über den längeren Hals ausbalancieren.’’
      Nach ein paar weiteren Durchgängen ließ ich das Paar noch vereinzelt ein paar kleineren Baumstämme zum Abschluss springen. Ich achtete dabei darauf, dass es Hindernisse waren die für die Ponystute unspektakulär waren. Immerhin sollte sie mit einem positiven Gefühl die heutige Einheit abschließen.
      ,,So Cjara, dann erzähl du mir doch auch mal in ein paar Sätzen wo du und dein Pferd stehen.’’,sagte ich schließlich zur nächste Reiterin, die Letzte für den heutigen Vormittag. Ich hörte daraufhin aufmerksam zu und nickte am Schluss. ,,Okay gut, dann probieren wir mal den kleinen Baumstamm da drüben. Für Joline ist der wohl nicht der Rede wert, aber es ist ein guter Einstieg.’’,sagte ich daraufhin und deutete auf das in etwa fünfzehn Zentimeter hohe Objekt einige Meter neben den Beiden: ,,Gleich mal aus dem Trab.’’
      Die Reiterin gab eine feine Hilfe, woraufhin die schicke Vollblutstute aus dem Stand antrabte. ,,Versuch die Knie erstmal offen zu lassen!’’,rief ich hinüber: ,,Und lass sie ruhig sofort im großen Rahmen laufen. Heißt: Nase ein bisschen weiter vor und zugleich etwas mehr nach vorne schicken. Trotzdem die Verbindung nich wegschmeißen, natürlich!’’ Cjara setzte das von ihr verlangte sofort um. ,,Sehr schön.’’,gab ich als Feedback zurück und auch ihre Stute zeigte, dass sie die Veränderungen begrüßte, denn sie schnaubte einmal ab und schien insgesamt auch etwas lockerer. So trabte das Paar auf die kleine Bodenstange zu; schnurgerade. Im Gegensatz zur Mehrheit der Pferde die vor ihr an der Reihe waren nahm Joline den Stamm tatsächlich gar nicht richtig ernst und trabte, zugegebenermaßen etwas lustig aussehend, darüber. Ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen. ,,Sehr gut, gleich noch ein zweites Mal, aber diesmal im Galopp!’’,wies ich an.
      Nachdem diese Übung für die Beiden überhaupt kein Problem war schickte ich sie sofort zu den drei Baumstämmen hinüber: ,,Wenn du dich sicher fühlst und sie sich gut anfühlt, kannst du die drei Hindernisse da drüben auch hintereinander springen. Wenn nicht erstmal einen nach dem anderen.’’ Cjara ritt im leichten Sitz mit Joline hinüber. ,,Einmal etwas mehr aufnehmen!’’,rief ich: ,,Hinsetzen.’’ Die Stute reagierte und machte einen schönen Sprung. ,,Suuper! Galopp ist gut so! Genau so weiter zum Zweiten.’’, meinte ich dann und es klappte gut: ,,Gleich nochmal!’’
      Als die Zwei hier sicher waren stellte ich die nächste Aufgabe an sie. ,,Schöön! Siehst du den Hügel da drüben? Den reitest du einmal im Trab hinauf und auf der anderen Seite wieder hinunter.’’,sagte ich dann zu der lächelnden Blondine, die gerade freudig ihre Stute lobte.
      Der erste Versuch klappte schon gut, Joline fand rasch ihr Gleichgewicht und blieb auch im Bergab recht entspannt. ,,Wiederhol das ruhig noch einmal so!’’,rief ich hinüber. Als die Beiden am höchsten Punkt angelangt war gab ich dann den Tipp, dass der Oberkörper noch etwas mehr nach hinten könnte. Das sollte sie auch beim dritten Durchgang ausprobieren, bei dem die Zwei aber schon im Galopp nach oben reiten sollten. Am höchsten Punkt parierte Cjara ihre Stute durch und verlagerte ihr Gewicht dann etwas mehr nach hinten. ,,Genau so!’’,lobte ich anschließend. ,,Fühlst du dich gut dabei? Wenn du möchtest könnt ihr euren ersten Sprung bergauf machen.’’,fragte ich. Die Reiterin zuckte etwas unsicher mit den Schultern. ,,Ach, das macht ihr schon!’’,meinte ich lächelnd und deutete auf eine entsprechende Stelle, wo nach der Schräge sofort ein kleiner, in etwa fünfzig Zentimeter hoher Stamm lag: ,,Reite mal den hier an. Erst ganz entspannt aus dem Trab.’’
      Die junge Frau tat was ich ihr sagte. Ich merkte wie sie sich ein paar Meter zuvor vermehrt anspannte. ,,Einmal durchatmen! Schultern locker, in der Hüfte locker bleiben und das Knie wieder offen lassen!’’,rief ich hinüber. Es fiel ihr nicht leicht, aber sie versuchte meine Tipps umzusetzen. Joline drehte kurz vor der Schräge ein Öhrchen zurück, dann spitzte sie Beide aufmerksam nach vorne in Richtung Baumstamm und machte unbeirrt ihren Job. ,,Braav!’’,hörte ich die Reiterin danach, während dem Bergab. Sie freute sich. ,,Das war gut, versucht es gleich noch einmal!’’,bestärkte ich Cjara.
      Da sie beim zweiten Versuch schon deutlich entspannter blieb ließ ich das Reiterpaar die Aufgabe das dritte Mal aus dem Galopp bewältigen. Es klappte gut, das Durchparieren oben am Hügel und das Bergab genau so. Aus diesem Grund ließ ich das den letzten Sprung an diesem Hindernistyp für heute sein. Zum Abschluss ließ ich auch sie noch einige Sprünge machen, ehe es für diese Einheit auch schon wieder reichte. ,,Habt ihr gut gemacht.’’
      Anschließend ging es auch für mich zum gemeinsamen Mittagessen. Einige Happen und Gespräche später musste ich allerdings auch schon wieder los, denn die Nachmittagsgruppe war bereits für ein Uhr angesetzt.
      Der erste Reiter war Hunter Lacey. Octavia Blake war auch schon vor Ort und wärmte währenddessen schonmal ihre Stute etwas auf.
      Hunters Pferd, Cinja, war mir sofort positiv aufgefallen. Sie hatte irgendetwas an sich, was ich gleich mit Adjektiven wie ,hübsch’ und ,sportlich’ assoziierte. Aber nicht nur das: mir war sofort ins Auge gestochen, dass sie, wie ihr Reiter bestätigte, ein Gidran sein musste. Auf diese beeindruckende Rasse war ich schon vor einigen Jahren gestoßen, als ich mir selbst zwei solcher springbegabten Stuten gekauft hatte; beide überaus gelehrig, stets wach und unerschrocken. Auch Hunter erzählte mir, dass sein Fuchs charakterlich wohl ähnlich zu sein schien. Er selbst hatte noch keine Erfahrung im Busch aber war sicher in Dressur und Springen unterwegs.
      ,,Ausgezeichnet dann starten wir erstmal mit etwas Leichtem für den Einstieg.’’,beschloss ich und zeigte einmal mehr auf den kleinen Baumstamm, der kaum dicker oder kürzer als eine gewöhnliche Bodenstange war: ,,Hier einfach mal schnuppern lassen. Dann einmal abwenden und schön gerade im Schritt und anschließend aus dem Trab drüber.’’
      Da besagte erste Gangart wie erwartet kein Problem darstellte und Cinja schön im Takt darüber hinweg weiter vor sich hin schritt stand Zweiter nichts im Weg. Nun spitzte sie zumindest die Ohren etwas aufmerksamer, machte einen kleinen Sprung über den Stamm und trabte danach unbeeindruckt weiter. Ich schmunzelte: ,,Sehr schön, den nimmst du gleich mal aus dem Galopp!’’
      ,,Sehr gut! Das reicht, das ist zu leicht für euch Zwei!’’,rief ich nach zwei weiteren Durchgängen: ,,Jetzt üben wir am Hügel da drüben ein wenig das Bergauf und Ab. Mal sehen wie viel Balance sie mit ihren vier Jahren schon hat.’’
      Beim Bergauf erklärte ich Hunter: ,,Den Oberkörper kannst du ruhig noch ein wenig weiter nach vorne neigen, so als ob du selbst einen steilen Hang hinauf gehen würdest. Beim Hinunter ist es wichtig, dass du schön hinten bleibst. Das kann sich ruhig auch mal ein bisschen komisch anfühlen.’’, ehe er im Schritt schonmal eine gute Figur machte. ,,Sehr schön! Beim Bergauf ruhig noch etwas mehr.’’,lobte ich und bekrittelte das Ganze noch einmal, schon auf hohem Niveau.
      Da das aber so toll klappte hatte ich schon eine Aufgabe im Kopf, die ich den Beiden gerne stellen wollte. Zuerst musste dazu sowohl das Training am Hügel klappen, was es auch rasch in allen drei Gangarten tat, als auch das Überwinden einfacher Baumstämme. Aus diesem Grund ließ ich auch dieses Pferdreiterpaar die drei mittleren Baumstämme springen. Zuerst sollten sie alle drei getrennt springen, anschließend als kleinen Parcours. Ersteres brachte die junge Stute nichtmal ansatzweise aus der Ruhe. Sie übersprang die Naturhindernisse mit einer beachtlichen Leichtigkeit, zeigte kein Zögern, und auch ihr Reiter machte eine gute Figur im Sattel! Hunter sah zwar etwas groß auf seiner zwanzig Zentimeter kleineren Stute aus, gab aber die Hilfen präzise und war immer gut im Gleichgewicht. Er hatte mir gesagt, dass viele seinen Springstil kritisierten, wobei ich diesen gar nicht so schlecht fand: er ging schön mit und gab die Hand überm Hindernis immer vor, was manche Reiter oft vergaßen.
      Zum Abschluss folgte mein Plan für die Beiden . ,,So! Wir gehen jetzt Mal dort hinüber, wo der kleine Hügel mit den beiden Stämmen drauf zu sehen ist.’’,sagte ich schließlich grinsend und ging mit den Beiden hinüber. Bevor es los ging schob ich den Steigbügel noch etwas weiter unter Hunters Ballen. ,,In der Vielseitigkeit, also genau genommen im Busch, kannst du ruhig etwas mehr im Bügel stehen als du es etwa von der Dressur gewohnt bist. Außerdem schön durchdrücken. Die Knie-Bügelstütze ist ja das Fundament des leichten Sitz’, und so tun sich viele Reiter, vor allem auch am Anfang, leichter die Balance zu halten wenn das Pferd mal einen etwas größeren Satz macht oder im unebenen Gelände galoppiert.’’,erklärte ich, ehe es los gehen konnte.
      ,,Gut dann trabst du mal den Hügel nach oben, springst über den ersten Baumstamm an der Kante, wendest dann und reitest im Galopp wieder zu mir hinunter.’’,sagte ich schließlich. Hunter tat das gesprochene. Cinja konzentrierte sich dabei nun schon ein wenig mehr, sprang etwas sportlicher als die Sprünge zuvor, meisterte ihren ersten Bergaufsprung aber überaus souverän. ,,Sehr gut. Loben!’’,rief ich: ,,Gleich nochmal.’’
      Wieder funktionierte es tadellos. ,,Schöön! Jetzt nicht abwenden, sondern die kleine Distanz am Kamm mitnehmen und dann den zweiten Sprung bergab!’’,wies ich an. Hunter dirigierte seinen Fuchs gut zum ersten Sprung, verlor dann etwas den Überblick zum Zweiten. ,,Nicht schlimm! Weiter!’’,rief ich: ,,Und Oberkörper nach hinten wenn sie springt!’’ ,,Brrr.’’,stieß der blonde Mann aus, während er sich alle Mühe gab Cinja wieder zu korrigierten. Er schaffte es tatsächlich gerade noch sie wieder in die Spur zu bringen und erwischte für den Absprung im Endeffekt keinen schlechten Punkte, wodurch die junge Stute einmal mehr tat, als hätte sie noch nie etwas anderes gemacht. ,,Gut gerettet!’’,meinte ich grinsend, während er nach dem Hindernis weiter galoppierte: ,,Auch sehr gut wie du instinktiv die Zügel ein wenig hast durchrutschen lassen. Aber probier es ruh noch gleich nochmal.’’
      Der Reiter parierte zum Trab durch und ritt erneut den Hügel an. Die Warmblutstute war nun fast schon ein bisschen übermotiviert, er schaffte es jedoch ihr Ruhe zu vermitteln, ehe die erste Hürde gemeistert war. ,,Hinsetzen.’’,gab ich ihm als Hilfestellung, da er wie viele andere Reiter automatisch in den leichten Sitz übergehen wollte, wozu die Vielseitigkeit ja definitiv verleitete. Dennoch reagierte er prompt, Cinja kam dadurch sogleich besser an die Hilfen und ließ sich fast schon ein wenig zu rund zum zweiten Baumstamm taxieren, den sie auch dieses Mal schön sprang. ,,Sehr gut! Jetzt kam sie fast schon ein wenig zu.. wie soll ich sagen: zu Dressur.’’,lachte ich und erklärte: ,,Aber es war gut gelöst! Da wollte ich euch jetzt gar nicht aus der Ruhe bringen. Im Grunde sagt man aber in der Vielseitigkeit immer die Nase etwas weiter nach vorne, das Pferd fast schon zu großrahmig gehen lassen; vom Gefühl her. Dann tut sie sich leichter, was ihr Gleichgewicht betrifft weil sie sich über ihren Hals besser in Balance bringen kann.’’
      Dieses Prozedere ließ ich die Beiden noch zwei Mal von dieser Seite und drei Mal von der anderen wiederholen. Am Ende hatte man beinahe schon das Gefühl, dass es leicht und mühelos zu sein schien. Die junge Stute machte rasch Fortschritte und auch Hunter schien aufzublühen. Er lächelte stets wenn Cinja etwas gut machte und schien insgesamt eine gute Zeit zu haben.
      Bevor Octavia dran war ließ ich die Beiden noch ein paar Distanzen auf gerader Linie und geradem Wiesenboden springen, da hier eine kleine Schwachstelle der Beiden zu liegen schien, was wohl auch dadurch bedingt war, dass sie sich noch aufeinander einspielen mussten, denn es klappte von Mal zu Mal besser.
      ,,Genug für heute. Da könnt ihr stolz auf euch sein.’’,sagte ich zum Abschluss und rief meine nächste Reiterin zu mir. Ich blickte dabei in zwei bekannte Gesichter: Octavia, die meist nur ,,O’’ genannt wird, und ihre Stute Raspberry waren nämlich schon mal für einige Zeit bei uns auf dem Den Vackra Trakehner Stud untergekommen. Damals hatte sie noch eine weitere Stute, Dakota, dabei gehabt. Zum Kurs war sie allerdings alleine, mit der mittlerweile zehnjährigen Holsteinerstute angereist.
      Auch wenn ich mich erinnerte den Beiden schon das ein oder andere Mal über die Schultern gesehen zu haben, bat ich auch O mir vor unserer ersten Trainingseinheit ein wenig über ihren derzeitigen Stand zu erzählen. Ich hörte aufmerksam zu, nickte einige Male und antwortete schließlich, als sie ausgesprochen hatte.
      ,,Gut dann starten wir erstmal mit etwas Kleinem.’’,sagte ich etwas später und zeigte auch vor Octavia auf den kleinen, vielleicht fünfzehn Zentimeter hohen Baumstamm, der sich kaum von einer schrumpeligen Bodenstange unterschied: ,,Einmal im Schritt.’’
      Die schlanke Reiterin machte eine kleine Volte und ritt dann zielsicher über den Stamm. ,,Super. Gleich nochmal! Diesmal noch etwas mehr im Fluss.’’,wies ich daraufhin an.
      Beim zweiten Mal klappte dies schon sehr gut und Berry, wie sie liebevoll genannt wurde, schritt über das Hindernis gleichmäßig hinweg. ,,Gut Octavia! Trab sie ruhig schon mal an und machst du einen größeren Zirkel um mich und den Stamm herum.’’,sagte ich schließlich lächelnd und beobachtete das Paar: ,,Den Rahmen ruhig noch etwas größer! Versuch sie mal noch ein wenig fleißiger zu machen und die Nase gar nicht so weit an die Senkrechte nehmen. In der Vielseitigkeit wollen wir ja immer lieber ein Pferd, das selbst ein wenig mitschaut, aufpasst und sich nach vorne orientiert. Außerdem hat sie durch die eben genannten Veränderungen eine bessere Balance, weil sie diese über den etwas längeren Hals besser finden kann.’’
      O nickte und versuchte es sofort. ,,Genau so!’’,lobte ich die junge Reiterin, die ein wahres Naturtalent war, wenn man bedachte wie gut sie trotz fehlendem regelmäßigen Unterricht schon ritt. Einige Minuten später rief ich dann: ,,So lässt du sie vor dir, holst aus und trabst sie dann schön gerade auf die Bodenstange zu.’’ ,,Den kleinen Baumstamm?’’,fragte sie rasch nach. ,,Huch, ja natürlich meinte ich.’’,korrigierte ich mich. Was ein freudscher Versprecher.
      Die Reiterin ritt sehr gerade auf den Stamm zu. Berry wollte kurz zögern, doch O ließ ihren Schenkel dran und trieb rasch weiter. Das Resultat war schon nicht schlecht. Trotzdem ließ ich sie die Aufgabe noch zwei Mal wiederholen, ehe es an den Galopp ging.
      Auch in dieser Gangart schickte ich sie zuerst einmal auf den Zirkel um mir die Ausgangssituation anzusehen. ,,Und gleich mal leichter Sitz und fleißig nach vorne. Denk wieder an den großen Rahmen. Sie ist ganz bei dir.’’,rief ich zu ihr hinüber. Sie ging in den leichten Sitz über und ich versuchte ihr für Zuhause noch ein paar Anregungen mit zu geben: ,,Sieht schon gut aus! Fürs Springen wäre das bestimmt schon absolut im Rahmen. Trotzdem, um das Ganze sozusagen aufs nächste Level fürs Gelände zu heben: Schau, dass dein Oberkörper parallel zum Pferdehals ist. Also ruhig noch ein bisschen mehr nach vorne neigen!’’ O probierte sofort. ,,Schön! Dann galoppierst du genau so über den kleinen Stamm!’’,rief ich daraufhin: ,,In der Vorbereitung zur Wendung etwas mehr aufrichten.’’ ,,So?’’,fragte sie. ,,Geenau! Spürst du das? Mit deiner Position richtet sich Berry automatisch auch gleich auf.’’,gab ich zurück: ,,Genau so! Durch die Wendung weiter durchtreiben. Aufgerichtet bleiben.’’ Ich sah wie Octavia sich Mühe gab, was sofort Früchte trug. ,,Merkst du wie groß sie so unter dir wird? Daraus jetzt schön die Distanz suchen, daraus kann sie super abspringen.’’,erklärte ich.
      Diese Aufgabe klappte schon beim ersten Mal ausgezeichnet. Trotzdem ließ ich das Paar die Aufgabe noch dreimal wiederholen, damit sie meine Anregungen üben konnte. ,,Gut, das könnt ihr.’’,sagte ich dann grinsend: ,,Jetzt Oberkörper wieder schön vor, parallel zu Berry Hals und dabei reitest du einmal dort hinüber wo die drei vergleichsweise etwas dickeren Baumstämme liegen.’’ Diese drei ließ ich die Beiden zuerst einzeln und dann auch schon in Kombination miteinander springen, da die Zwei dies auf Anhieb sehr gut meisterten.
      Als nächstes ließ ich sie das Bergauf und Bergab am Hügel, ohne Sprung, reiten. ,,Ich sage immer allen meinen Schülern, dass sie den Oberkörper genau in die Position bringen sollen die sie einnehmen würden wenn sie selbst bergauf oder einen Berg hinunter gehen würden. Von dem her: Jetzt beim Rauf ruhig schön vorne Bleiben. Auf der anderen Seite vom Hügel dann nach hinten.’’,erklärte ich auch Octavia, die auch hier wieder rasch in Schritt, Trab und Galopp verstand wie der Hase lief. Auch Raspberry schlug sich ausgezeichnet. Die zehnjährige Stute fand im Gegensatz zu den übrigen Pferden extrem rasch das Gleichgewicht, nicht zuletzt weil ihre Reiterin ihr dieses auch gab und sie mit ihrer Hilfegebung nicht störte. ,,Wirklich schön, O! Das macht ihr toll!’’,stellte ich begeistert fest.
      Anschließend ließ ich die Beiden noch ein paar mittlere Geländesprünge machen. Dabei kamen sie mit weiteren Baumstämmen, aber auch den ersten Tischen und Schweinerücken, die sich Berry zuvor immer erstmal ansehen durfte und dann mutig immer gleich beim ersten Mal absprang.
      Meine nächste Reiterin war mir noch vorm Vormittag gut im Gedächtnis geblieben: Alicia Grey. Diesmal hatte sie einen schicken Rappen gesattelt. Er stach sofort ins Auge; überaus imposant mit seinem enormen Stockmaß und den vier weißen Beinen, dem weißen Kopf und dem blauen Auge als Kontrast zu seinem sonst lackschwarzen Fell. Während Octavia die letzten Sprünge machte stand das Pferdreiterpaar neben einem Baumstamm, über den der Hannoveraner wohl überaus gerne hergefallen wäre, hätte Alicia dies nicht im letzten Moment noch verhindern können. Ertappt von seiner Reiterin, richtete der Hengst einige Schritte rückwärts und schien sich hinten etwas mehr zu setzen; es sah beinahe so aus als wolle er drohen, dass er steigen könnte, wenn er seinen Kopf nicht durchsetzen wollte. Aber es täuschte: im Endeffekt deeskalierte Alicia die Situation sehr rasch und brachte ihn keine Minute später ruhig zum stehen.
      ,,Gut das reicht für heute!’’,rief ich Octavia schließlich zu und meine nächste Schülerin ritt zu mir hinüber. Ich lächelte, positiv überrascht wie souverän die sonst doch recht zurückhaltende Frau das Geschehen, das ich in den Augenwinkeln beobachtet hatte, gehändelt hatte. Sie gehörte wohl zu den Menschen, die ihr Können nicht heuausposaunten, sondern bescheiden waren und gleichzeitig hart an sich arbeiteten.
      Alicia hatte mir kurz darauf ein paar Infos über Civil War, wie der Große klingend hieß, gegeben. Ich wollte mir selbst ein Bild von ihm machen, konnte mir aber gut vorstellen, dass er nicht das leichteste Pferd war. Wie auch bei Strawberry begannen wir mit der kleinen schrumpeligen Bodenstange, also known as Minibaumstamm. ,,Lass ihn zu allererst einmal schauen. Reite also ein, zwei Mal vorbei, dann halte ihn daneben mal an und gib ihm, wenn du ein gutes Gefühl dabei hast, ruhig den Zügel dabei hin.’’,sagte ich, bevor Alicia tat wie ich es ihr aufgetragen hatte und der Rappe sich mit der neuen Situation vertraut machte. ,,Passt.’’,meinte ich dann: ,,Gut, jetzt reitest du einfach Mal ganz entspannt im Schritt, ganz entspannt drüber. Denk dabei wieder an deine stabile Bügelstütze.’’
      Da wir die Aufgabe gut vorbereitet hatten zeigte sich der Dunkle kooperativ. So blieb dies auch während selbiger Aufgabenstellung aus dem Trab und Galopp, und auch bei der Kombination der größeren Baumstämme und der Bergauf-, wie Bergabübung. Civil Wars Maximum an Gelassenheit war dann aber schließlich erreicht, als ich den Beiden die Aufgabe stellte zwei einfache Schweinerücken, ein wohl bekanntes, eigentlich vergleichsweise unspektakuläres Geländehindernis, hintereinander zu springen. Es war zwar ein Hochweitsprung, doch auf dieser Höhe für den Hengst eigentlich unproblematisch. ,,Ist okay, nicht schlimm!’’,rief ich sofort und nahm mir die Zeit, das Problem schrittweise, mit viel ruhe zu lösen.
      Im Endeffekt bekamen wir auch dies in den Griff und Alicia konnte mit einem guten Gefühl die Einheit beenden.
      Als nächstes war Bartholomäus du Martin an der Reihe. In unserer Frauenrunde neben Hunter der einzige Hahn im Korb. Der junge Mann ritt einen überaus interessant gefärbten, vierjährigen Vollbluthengst, über dessen Interieur und Ausbildungsstand er mir zu Anfangs, wie auch die übrigen Teilnehmer, kurz und knapp etwas erzählte. Außerdem bekam ich auch einen Einblick in Barts Meinung über sich selbst. Er schien die ganze Sache sehr selbstbewusst, wenn nicht sogar schon etwas zu selbstbewusst, anzugehen, was einen großen Kontrast zu meiner vorherigen Schülerin darstellte. Er schien selbst auch immer mal wieder als Trainer zu fungieren und der Sohn des berühmten Nicolaus du Martin zu sein, dem mit dem Phoenix Valley wohl eines der berühmtesten Vollblutgestüten seiner Breiten gehörte.
      Auch mit ihm übte ich zuerst aus Trab und Galopp die Basics über dem kleinen Baumstamm. Das Pferd, in dessen Sattel er saß, wirkte dabei sehr in sich ruhend, aber aufmerksam. Eine angenehme Kombination für einen reinen Vollblüter.
      ,,Sehr gut das macht er ja ohne Probleme.’’,meinte ich und zielte ein wenig auf Jack ab um Barts Ego erstmal nicht in die Quere zu kommen. Außerdem hatten sie das wirklich tadellos gemacht. ,,Als nächstes arbeiten wir an den drei mittleren Baumstämmen da drüben.’’,sagte ich und ging mit dem Reiter hinüber: ,,Versuch den Niedrigsten mal aus dem Trab, dann galoppierst du weiter und wenn du ihn gut vor dir hast springst du den Mittleren gleich mit.’’
      Der schlanke Reiter trabte an und dirigierte den Sprung an. ,,Lass ihn ruhig mit der Nase ein wenig mehr vor! So kann er sich über den Hals besser ausbalancieren. Den Rahmen kannst du auch ruhig noch etwas größer gestalten. Er soll sich mehr nach vorne orientieren.’’,gab ich zur Anregung. Er nickte und setzte das Angeratene rasch um. ,,Sehr gut, Bart!’’,lobte ich nachdem sie den ersten Sprung gut hinter sich gelassen hatten: ,,Hinsetzen, aufnehmen. Nächster Sprung!’’,rief ich hinüber: ,,Jawoll!’’ Jack zeigte sich kooperativ und reagierte sehr fein auf seinen Reiter, der einen guten Job machte. ,,Gleich noch einmal.’’,wies ich ihn an. Diesmal sprang Jack etwas groß, da die Distanz zum ersten Hindernis nicht optimal war, und kam so auch nicht gut in Richtung zweitem Sprung. ,,Abwenden!’’,rief ich. Bart allerdings tangierte den gewollten Sprung weiter an. Jack verlor die Gradrichtung und pendelte etwas, statt gerade auf den Baumstamm zu zu reiten. Harmonisch sah es zwar nicht aus, doch der Vollbluthengst rettete das Paar in letzter Sekunde mit seinem Vermögen. Ich seufzte. ,,Bart, ich weiß, dass du schon sehr gut reitest, aber bitte tu mir den Gefallen und versuch zu tun was ich dir sage. Zu deinem Besten: du möchtest ja etwas mitnehmen, wenn du schon hier bist.’’,versuchte ich es diplomatisch.
      Ich hatte wohl die richtigen Worte gefunden, denn nach einem kleinen Gespräch hörte der junge Reiter zumindest auf mich und die künftigen Sprünge liefen sehr gut.
      Nachdem wir auch noch ein paar mittlere Tische und Schweinerücken geübt hatten trainierte ich auch mit diesem Pferdreiterpaar das Auf- und Abreiten am Hügel, ehe die Einheit auch schon wieder vorüber war.
      Last but not Least sah ich Gwendolyn Campbell wieder bei mir auf dem Platz. Nun hatte sie eine mir nur all zu gut bekannte Stute auf den Geländeplatz mitgebracht: Raffinessca, eine wirklich bildhübsche Scheckenstute, die ich an die zwei Jahre mein Eigen nennen durfte. Leider fand ich trotzdem nie einen besonders guten Draht zu ihr; der Funke war nicht übergesprungen. Dies schien bei Gwen anders zu sein. Sie hatte sich sofort in die Stute verliebt. Ich erinnerte mich noch daran, wie ihre Stimme höher wurde, als ich ihr zusagte, dass sie Raffinessca übernehmen durfte.
      ,,Nun, über dein Pferd musst du mir wohl nicht mehr all zu viel erzählen.’’,scherzte ich, ehe ich sie dann doch aufforderte mir einen Einblick zu verschaffen, was sich nach ihrem Verkauf so zugetan hatte und an was die Beiden momentan arbeiteten.
      ,,Schön zu hören, dass sie mit dir zusammen so tolle Fortschritte macht. Dann wollen wir mal: das gleiche Spiel wie vorher. Wir starten mit dem bodenstangenartigen Baumstamm, damit sie ein wenig rein kommt.’’,sagte ich schließlich, woraufhin Gwen ihrer Stute das Objekt erstmal zeigte. Vorbildlich ritt sie von der Seite hinüber und ließ den Zügel schön lang damit Raffinessca den Kopf senken und sich selbst ein Bild davon machen konnte. Sie blähte kurz aufgeregt die Nüstern, ließ sich dann aber leicht von ihrer Reiterin beruhigen.
      Anschließend ritt das Paar das Ganze im Schritt an. An Gwens Technik hatte ich zur Zeit nichts auszusetzen, weshalb ich nur wenige Anregungen gab. Das war auch im Trab und Galopp so. Aus diesem Grund änderte ich auch bald die Aufgabenstellung und übte die drei Baumstämme mit den Beiden, anschließend das Bergauf- und Bergabreiten. Im Vergleich zum ersten Pferd der Reiterin konnte die Scheckstute sich bereits deutlich besser ausbalancieren. Deshalb konnten wir auch schon die ersten Sprünge mit einbauen.
      ,,Dann galoppierst du mal dort hinüber, wo der kleine Hügel mit den beiden Baumstämmen drauf ist. Zu allererst springst du Bergauf, aus dem Trab, galoppierst nach dem Baumstamm weiter, wendest ab und galoppierst den Hügel ganz lässig wieder hinunter.’’,beschloss ich. Ihre Stute spitze aufmerksam die Öhrchen und galoppierte brav nach oben. Ein Geräusch ausstoßend hiefte sie sich über den Stamm nach oben. ,,Guut Gwen! Lob sie da hat sie sich jetzt ordentlich angestrengt!’’,rief ich lächelnd. Die Reiterin drehte eine Runde und ritt erneut auf den Sprung zu. Auch dieses Mal machte sie einen guten Job, weshalb ich Gwendolyn nun anwies den zweiten Stamm am Kamm mit zu nehmen und auch den Bergabsprung mit zu nehmen. Diesmal schien Raffinessca das Ganze allerdings nicht sonderlich koscher zu sein, denn sie zögerte. ,,Mehr Schenkel! Hand vor, weiter!’’,rief ich hinüber, während Gwen ihre Stute rasch korrigieren konnte. Die Trakehnerstute ließ sich schließlich überzeugen, machte allerdings einen riesigen Satz nach unten. ,,Guut gemacht! Und Ruuhe.’’,gab ich als Feedback an Gwen: ,,Gleich noch einmal. Gar nicht schlimm.’’
      Beim nächsten Mal sah man Raffinessca definitiv die Spannung an. Trotzdem zögerte sie diesmal nicht, übersprang sich dennoch sehr. ,,Looben! Und noch einmal.’’,wies ich Gwen an. Beim darauffolgenden Versuch allerdings war die Stute schon ruhiger. ,,Suuper! Gib ihr mal eine kleine Pause. Lass sie lang, dann machen wir das Ganze noch einmal.’’,sagte ich.
      Wir übten die Aufgabe daraufhin erneut, wobei die Scheckstute schon einen guten Job machte. Sie war eine sehr intelligente Stute, so hatte ich sie auch immer schon kennengelernt. Zusätzlich ließ ich Gwen die Konstellation auch von der anderen Seite aus springen, ehe wir es mit der Übung gut sein ließen und noch ein paar Schweinerücken und Tische springen, die der Stute durch ihr Vermögen und ihr solides Fundament im Springen leicht fielen. So konnten die Zwei mit einem positiven Gefühl die Einheit abschließen. Gwendolyn konnte wirklich stolz auf sich sein; sie machte mit beiden Stuten heute einen wirklich guten Job.
      Der zweite Tag es Lehrgangs sah etwas ruhiger aus. Um den Reitern und Pferden eine kleine Verschnaufpause zu gönnen gab es eine kleine theoretische Einführung in die Welt der Vielseitigkeit. Nach dem Frühstück hatte ich dazu im Gemeinschaftsraum eine Leinwand aufgebaut, auf die ich eine liebevoll zusammengestellte PowerPoint-Präsentation projizierte. Darauf befanden sich einerseits ein paar Eckdaten über die einzelnen Klassen, das zugegebenermaßen etwas komplizierte Wertnotensystem in der Vielseitigkeit und zu guter Letzt Fotos einzelner Hindernisse, mit denen die Reiter am Folgetag konfrontiert werden würden: Hecken, Gräben, Schweinerücken und weitere, zu denen ich auch immer eine kleine Erklärung mit abgab und Anregungen, wie man denn was besonders gut reiten konnte.
      Außerdem gab es am Nachmittag die Möglichkeit eines Gruppenstrandausritts, die die meisten Teilnehmer gerne wahrnahmen.
      Am dritten Tag teilte ich die Teilnehmer in zwei ungleiche Gruppen: Am Vormittag waren Alicia mit Civil War, Sheenamit Nurja, Luchy auf Keks, Hunter mit Cinja, Octavia mit Raspberry, Cjara mit Joline, Bart auf Candlejack und Gwenauf Moon’s Gealach. Am Nachmittag ritten die beiden Reiterinnen mit ihrem jeweils zweiten Pferd noch einmal: Alicia mit ihrer Wild Strawberry und Gwen auf Raffinessca. Abgesehen davon ritt meine Bereiterin mit Hannifee mit. Diese war eine meiner eigenen Stuten, die sich gerade vom Sprung von der Klasse E auf A-Niveau befand, wie auch meine Teilnehmerpferde; doch Fee war bereits überaus mutig, ging problemlos ins Wasser und brachte auch sonst bereits alle Anforderungen mit ein Führpferd abzugeben, wenn Berry oder Raffinessca mal streiken sollten.
      Die erste Gruppe fand sich gegen neun Uhr morgens auf dem großen Geländeplatz ein, wo alle zusammen warm ritten. Schon dabei achtete ich darauf, dass die Pferde für die Vielseitigkeit korrekt im großen Rahmen, mit der Nase deutlich vor der Senkrechten gingen und die Reiter ihren Sitz optimierten.
      Anschließend ging es an den Hügel vom Tag eins. Diesmal jedoch den mit den beiden Baumstämmen auf dem Hügel. Nur ein paar Pferde hatten bereits den Bergauf- und Bergabsprung gemeistert, um manche nicht gleich zu überfordern. Nun war es aber auch für die übrigen Pferde und Reiter an der Zeit. Als Erstes ließ ich Hunter den Bergaufsprung springen. Seine Stute erinnerte sich wohl noch an vorgestern zurück und sah das Ganze überaus entspannt. ,,Sehr gut! Nächster!’’,rief ich und Bart und Jack waren an der Reihe. Sie trafen die Distanz sehr gut und machten einen guten Sprung. Darauf folgten die übrigen Teilnehmer, die die Aufgabe ingesamt auch gut bewältigten. Einige ließ ich die Aufgabe noch ein-, zwei Male wiederholen, wenn es beim ersten Mal noch nicht so flüssig war.
      Danach verknüpften wir Bergauf und Bergabsprung. Dabei zeigte sich auch, dass Gealach einige Fortschritte gemacht was ihr Gleichgewicht anging, was mich und Gwendolyn überaus freute.
      Anschließend führte ich die Gruppe an Tische, Schweinerücken und andere typische Vielseitigkeitshindernisse heran. Die Pferde durften sich die neuen Hindernisse dabei alle zuerst einmal in Ruhe ansehen. Dabei ritten sie sie seitlich an, ließen die Vierbeiner daneben stehen und ließen die Zügel lang, wenn es möglich war, damit sich die Fellnasen damit vertraut machen konnten.
      ,,Gut meine Lieben! Als nächstes werden wir ein paar Hecken üben. Wie ihr ja seit gestern schon alle wisst gibt es die Hecken- und die Bullfinch-Variante. Wir werden allerdings nur erstere üben, da beim Bullfinch die Bürste so hoch ist, dass das Pferd weder durchsehen noch darüberspringen kann. Es muss hindurch wischen. So ist das auch bei den Hecken, aber diese sind deutlich leichter für die Fellnasen, weil die Pferde unproblematisch darüber hinweg sehen können. Trotzdem bedenkt, dass sie nicht über den ganzen Sprung springen müssen, sondern der sinn der Bürste auch hier ist, dass hindurchgemischt wird.’’,fasste ich schließlich zusammen, ehe die Gruppe Pferd nach Pferd auch dieses typische Geländehindernis meisterte. Bei Sheena fiel mir auf, dass Nurja etwas zu wenig vor der treibenden Hilfe war, weswegen ich ihr bevor sie auf mich und den Sprung zukam nochmals zurief: ,,Abwenden! Reite einmal noch einen Zirkel um mich herum.’’, woraufhin die Reiterin tat was ich von ihr verlangte. ,,Gut und jetzt schickst du sie noch einmal richtig schön nach vorne.’’,sagte ich zu ihr: ,,Uund hinsetzen und zurück führen.’’ ,,So?’’,fragte sie. ,,Nicht schlecht, jetzt nocheinmal vor, wieder etwas versammeln, vor schicken und auf den Sprung zu.’’,wies ich sie an: ,,Hinsetzen! Außerdem: achte darauf, dass du die Ellenbogen vor der Hüfte lässt damit du nicht rückwärts wirkst.’’
      Im Endeffekt machte so auch dieses Paar einen schönen Sprung, auch wenn ich sie das noch einmal wiederholen ließ um sie das Gefühl noch einmal verinnerlichen zu lassen.
      Der nächste war Civil War. Der schwarze Riese war heute schon deutlich ruhiger als am ersten Tag. Trotzdem übersprang er sich bei der Hecke das erste Mal recht viel. ,,Nicht schlimm, Alicia! Der ist nur ein bisschen vorsichtig, aber das ist gut so! Gleich nocheinmal!’’,rief ich der Reiterin zu, die einmal abwendete. ,,Sehr gut. Hinsetzen, Ruhe reinbringen. Trau dich ruhig ihn ein bisschen mehr zu reiten.’’,regte ich Alicia an, die ihr Können in der Dressur anwenden konnte um ihren Hengst vor Sprung noch einmal gut an die Hilfen zu bringen. ,,Ausgezeichnet!’’,lobte ich sie nach dem Hindernis begeistert. ,,Gleich nochmal!’’,rief ich: ,,Gut macht ihr das. Spürst du wie gut er jetzt bei dir ist?’’
      Nachdem dies alle Schüler gut gemeistert hatten ging es an ein paar leichte, dem Niveau einer A-Vielseitigkeit entsprechende Bänke. Ein solches Hindernis bestand aus einer einzelnen Stufe, oder bildete eine ganze Treppe. Wie der Name schon sagt musste hier ein Höhenunterschied überwunden werden. Zuerst durften sich die Reiter an der einzelnen Variante versuchen, dann ging es an kleine Treppen.
      Diese Übung meisterten alle Reiter mit ihren Pferden auf Anhieb überaus gut, weshalb es schon rasch an die Gräben, erst ohne und dann mit Sprung darüber, ging.
      Zum Schluss war das Wasser an der Reihe. ,,Gut meine Lieben! Dann wagen wir uns ans Wasser. Ihr reitet jetzt hintereinander. Dabei ist es wichtig, dass immer die Verbindung Kopf-Schweif erhalten bleibt, also keine Lücke entsteht. So machen wir uns den Herdentrieb zu Nutzen. Sheena, du und Nurja geht als Letzte weil sie das ja nicht sonderlich mag, wenn ihr ein Pferd hinten zu nahe kommt.’’,erklärte ich zur Einstimmung: ,,Luchy? Du und Keks geht als erstes. Weil sie doch Hengste sind gehen Civil War und Candlejack nach der Stutengruppe rein, Jack dabei als erster. Alicia du klemmst dich dann dahinter. Versuchen wir das Mal!’’
      Lunchy ritt ihre Stute an, auf das Wasser zu. Die Braune zeigte sich gewohnt unerschrocken und marschierte los. ,,Geenau. Ruhig näher zusammen bleiben, der Kopf vom einen Pferd kann auch an der Gruppe des vorangehenden sein.’’,kommentierte ich das Geschehen. Als Keks und Gealach schon im Wasser angelangt waren rief ich: ,,Super, loben. Stoopp, ganz langsam. Cinja ist sich noch unsicher, ob sie da wirklich rein möchte. Octavia reite du ruhig mit Raspberry kurz vorbei.’’ Die eben genannte Stute setzte sich unerschrocken in Bewegung. ,,Sooh. Jetzt langsam hinterher, Hunter.’’,sagte ich mit ruhiger Stimme und der blonde Reiter drang wieder zu seiner Stute durch. Er klopfte ihr lobend den Hals und lächelte: ,,Braav.’’, woraufhin Cinja einmal durchschnaufte und sich an Berry Krupp hing. ,,Jawoll, jetzt schließt sie sich an. Jetzt ganz langsam vor, mit Cinja immer dran bleiben.’’
      Keine Minute später waren dann alle Stuten im Wasser. ,,Alle Pferde bleiben jetzt erstmal im Wasser, reitet ruhig einen kleinen Zirkel oder sowas. Hunter, du kommst mit Cinja noch einmal zu mir her, aus dem Wasser heraus.’’,sagte ich dann. ,,Gut, leicht sitzen und nochmal hinein.’’,trug ich ihm schließlich auf und die Fuchsstute sprang über ihren Schatten. Ich ging dabei ein paar Schritte mit ihr mit, ließ sie dann ins Wasser gehen und ließ Hunter dann noch einmal aus dem Wasser heraus und wieder hinein gehen. ,,Sehr schön! Looben!’’,rief ich dann begeistert: ,,Als nächstes die Hengste.’’
      Jack schritt voran, Civil War auf der Höhe dessen Kruppe. Letzterer stockte kurz, ließ sich dann aber von seiner Reiterin ebenfalls gut ins Wasser führen. ,,Guut. Bart du bleibst im Wasser, geh ruhig zu den Stuten hinüber. Alicia du kommst noch einmal raus und gehst alleine noch einmal rein.’’,sagte ich schließlich und übte das gesagte noch zwei Mal mit dem großen Rappen.
      ,,Feuertaufe bestanden würde ich mal sagen, meine Lieben!’’,scherzte ich schließlich, da sich nun alle Pferde, mehr oder weniger begeistert, im Wasser befanden. ,,Alle einmal auf der anderen Seite raus aus dem Wasser und im Schritt nocheinmal hinein. Danach trabt ihr nach der Reihe an, einzeln aus dem Wasser heraus und auf der anderen Seite erst im Schritt, dann im Trab wieder heraus.’’,wies ich schließlich an.
      Nachdem dies bei jedem Pferdreiterpaar gut klappte und auch jeder einmal hindurch galoppiert war ließ ich die Gruppe die ersten Sprünge, aus dem Wasser heraus machen, bevor sie den selben Sprung hinein machten. Erst waren noch zwei Galoppsprünge zwischen Wasser und Baumstamm, dann ritten die Reiter den Sprung auf der anderen Seite des Wassers an, wo dies nahtlos ineinander überging.
      ,,Cjara? Aufpassen, dass du die Hand schön nach vorne gibst wenn du ins Wasser hinein springst. Genau genommen haben wir hier ja wieder einen Tiefsprung, bei dem deine Stute nach unten springt. Da du sie so schön am Sitz hast kannst du ruhig die Zügel auch mal ein wenig durchrutschen lassen. Probier das ruhig mal aus.’’,gab ich ein paar Anregungen an die Blondine. Sie nickte und ritt den Sprung ins Wasser erneut an. ,,Schau, schon viel besser!’’,lobte ich, nachdem die Reiterin meinen Tipp umgesetzt hatte und sich die Stute überm Sprung noch einmal mehr entfaltete.
      Und auch für Ocatvia hatte ich einen weiteren Tipp, denn ihr Schenkel verrutschte ihr im Bergab ein wenig nach hinten, weshalb sie sich selbst aus dem Gleichgewicht brachte: ,,O, achte darauf, dass deine Zehenspitzen immer vor der Hüfte sind. Im Zweifelsfall kannst du sie bei Tiefsprüngen sogar, für dein Gefühl, etwas zu weit nach vorne nehmen, damit du auch gut zum Stehen kommst, wenn die Sprünge dann höher werden oder Berry mal einen größeren Sprung machte.’’
      Wer einen beinahe perfekten Job machte waren Gwen und ihre Stute Gealach. Obwohl die Connemarastute wohl die kleinste der Truppe war, zeigte sie sich von Anfang an überaus mutig, weshalb ich sie auch einsetzte um Cinja, die beim ersten Wassersprung hinein noch etwas unsicher war, den Weg zu weisen. Hier dockte die Fuchsstute am Schimmel an und sprang danach den gleichen Sprung ohne zu zögern.
      Am Ende der Einheit waren alle Pferde über sich hinaus gewachsen, was sowohl die Reiter als auch mich sehr freute.
      Die zweite Gruppe, die nur aus Gwen und Alicia bestand, durfte die Hindernisse vom Vormittag nun auch mit ihren beiden zweiten Stuten üben. Dabei bot, vor allem am Wasser, Hannifee einen Ruhepol, der allerdings fast nicht nötig war, da die Vier einen sehr guten Job machten und es keine spektakulären Ausreißer oder Verweigerungen gab. Zum Glück!
      Am letzten aktiven Lehrgangstag sollte jeder Teilnehmer noch einmal die Möglichkeit bekommen mit seinem, beziehungsweise seinen, Pferden die Hindernisse zu üben, die ihm besonders schwierig in Erinnerung geblieben waren, oder wo die Routine für eine sichere A noch fehlte. Hierbei nahm ich mir noch einmal besonders viel Zeit für meine Schüler.
      Außerdem durfte am letzten Tag jeder einen zusammenhängenden Ablauf von Sprüngen reiten; ähnlich aufgebaut wie auf dem Turnier, nur mit der kleinen Ausnahme, dass jeder ein Mikro im Ohr hatte und so von mir begleitet wurde.
      Im Endeffekt war jeder Teilnehmer im Großen und Ganzen bei seiner Abreise zufrieden mit der erbrachten Leistung seines Pferdes. Ein erfolgreicher Lehrgang also!
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      Military A → L
      In diesem Monat hatten wir zwei neue Reiter. Für mich Neue. Nico, Malte und Bart kannten zumindest den einen davon. Petyr Holmquist hieß er, ein Schwede oder Norweger, der wohl damals ein guter Freund gewesen war. Er und sein internationaler Freund Momo waren angereist. Eigentlich nur für ein paar Tage, jetzt verweilten sie schon zwei Wochen hier und hatten sogar neue Pferde mitgebracht. Momo konnte nicht reiten. Also wirklich nicht. Auch nicht mal so gut wie Eli, noch viel schrecklicher. Aber Graf Heinrich, Heini genannt, nahm ihm das in keinster Weise übel. So hatte auch Heini seine Ruhe und musste sich nicht besonders anstrengen. Malte gab Momo nun Unterricht. Vorerst in der Dressur, um die Grundlagen zu erlernen. Malte war ein Fan davon, anderen Reiten beizubringen, während er selber auf dem Pferd saß und alles am leibhaftigen Körper vorführen konnte. Derzeit hielt Eskador als Vorzeigepferd her. Er war zwar noch kein Dressurcrack, hatte aber wunderbare Anlagen dazu und außerdem viel Geduld.
      Momo hatte eindeutig Spaß an der Sache und auch wenn sich Elsi immer wieder darüber aufregte, dass er das ganze nicht ernst nahm.
      Diesen Monat musste ich mir leider auch meine neue Trainingsstute Monkey 47 mit Helia teilen. Ich mache Helia wirklich sehr, aber teilen konnte ich auch mit ihr weniger gut. Sie hatte die Erlaubnis bekommen, mit Moni an einem Wettbewerb zu starten. Nichts großes, wir Praktikanten freuten uns immer über die Möglichkeit, unser Können unter Beweis zu stellen.
      So trainierte ich die ersten zwei Wochen des Trainingsmonats mit Moni für einen Aufstieg in der Distanz. Cjara und Elsi waren mit The Illusionist Sister of Crime mit von der Partie. Gemeinsam machten wir zu den heißeren Tageszeiten viel Muskelaufbau in der Halle, während wir in den frühen, noch kühleren Morgenstunden die Zeit im Gelände nutzten. Auf allen drei Pferden lag die Hoffnung auf erfolgreiche, spätere Distanzpferde.
      Unser Training überschnitt sich hin und wieder mit dem Training von Alba, Malte, Petyr und Eyvind. Auch sie trainierten gleich mehrere Pferde in der Distanz, anscheinend war Petyr ein überaus begabter Distanzreiter. Ich wollte es zwar nicht zugeben, aber genau das hatte dem Gestüt noch gefehlt. Mit dem Junghengst Sunka verfolgte er einen straffen Trainingsplan, der nur wenige Verschnaufpausen zuließ, und ich war froh, diesen Monat nicht in seiner Trainingsgruppe zu sein. Eyvind ritt wie immer Sir Golden Mile. Auf dem Papier war es zwar nicht sein Hengst, aber da sich niemand anderes für das mittelmäßig begabte Rennpferd zu interessieren schien, gehörte er inoffiziell durchaus ihm. Neu war, dass ich Alba das erste Mal im Distanzsattel sah. Nachdem BR Prias Raveday die letzten Monate nur im Galopprennsport gegangen war, war es auch für die Stute eine große Umstellung. Auch wenn es holprig begann, am Ende des Monats schienen beide jede Menge gelernt zu haben.
      Malte ritt Delightful Cinnamon. Cinna war um einiges älter und der Rennsport war eher etwas zur Auslastung, weniger für den Erfolg gewesen, aber der Distanzsprt lag ihr eindeutig mehr. Auch Malte schien das erste Mal deutlich zufrieden mit der Stute gewesen zu sein.
      Die zweite Hälfte des Monats verbrachte ich ziemlich einsam auf der Rennbahn. Candlejack und ich genossen die Ruhe, aber ein Adrenalinschub, ohne die anderen Pferde neben uns, blieb deutlich aus. Jack lief mittlerweile Rennen auf mittlerem Niveau und die Rennbahn in Canby reichte dafür nur noch knapp aus. Tempo und Ausdauer hatten sich seit ich ihn ritt deutlich verbessert und das gab mir ein gutes Gefühl für die Zukunft. Ich war gespannt, wie lange sich seine Fähigkeiten noch weiterentwickeln würden.
      Cjara und Bart hingegen belegten diesen Monat als einzige die Crossstecke. Ich weiß nicht, wer auf die Idee gekommen war, die beiden gemeinsam trainieren zu lassen, aber seitdem sie sich in einer Beziehungspause befanden, herrschte tiefer Winter zwischen den beiden. Cjara ritt wie immer Joline und Bart I‘ve got a blue soul. Dass die beiden immer noch aufeinanderstanden, war trotzdem weithin zu erkennen. „Ein richtiges Reiterhofdrama“, sagte Helia immer voller Freude, worüber ich nur den Kopf schütteln konnte. Ich mochte beide auf ihre Art und Weise und hoffte sehr, dass, was auch immer zwischen den beiden stand, es sich bald wieder bereinigen ließ.

      31-07-2020 | 4.330 Zeichen | Canyon
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      Military L → M
      Im Süden von Kalifornien wüteten seit Tagen schlimme Brände. Erst vor kurzem war meine Tante in Los Angeles gewesen, nun war die Großstadt von verheerendem Feuer umringt. Es war viel zu warm, auch bei uns, auch wenn die Brände noch nicht bis in den Modoc National Forest vorgedrungen waren. Den ganzen Tag brannte die Hitze auf der Haut, der Sand flimmerte vor unseren Augen und die Pferde schwitzten selbst in den kühlen Boxen. Überall standen Ventilatoren und machten Jagd auf unser Karma.
      Die Trainingseinheiten waren auf fünf Uhr verlegt worden. Ab spätestens neun Uhr war Schicht im Schacht. Die Pferde standen nur noch in der Nacht auf der Weide und unsere Uhren gingen andersherum. Es war der Horror.
      Die Sonne war nichtmal aufgegangen, als ich mich mit Bart, Malte und Cjara an der Crossbahn traf. Die Stimmung glich einer Beerdigung, jeder ging seiner eigenen Wege und hoffte nur, das letzte Hindernis überwunden zu haben, bevor die ersten Sonnenstrahlen den Boden wieder zu trockener Lava verwandelten. Normalerweise hatte unsere Militarystrecke mehrere Wasserstellen. Diese waren ausgetrocknet und ich galoppierte mit Candlejack über brüchigen Sandstein. Auch Eskador und I‘ve got a blue soul, sowie Joline erging es nicht besser. Alle Pferde waren letztens erst vom Hufschmied beschlagen wurden, damit ihre Hufe in dem Feuer nicht verbrannten.
      Wir alle erwarteten das Schlimmste.
      Ich erinnerte mich an das Distanztraining der letzten Tage, welches auch noch in finsterster Nacht begonnen hatte. Eyvind war die gesamte Strecke mit dem Jeep und einem Pferdeanhänger nebenhergefahren, um uns aller drei Kilometer einen Wassereimer über den Kopf zu kippen oder zur Not eines der Pferde zurück zur Ranch fahren zu können. Irgendwer von uns würde bestimmt in nächster Zeit den ersten Hitzeschlag erwarten.
      Wir waren eine riesige Truppe gewesen. Ich und meine Monkey 47 waren zusammen mit The Illusionist und Sister of Crime, geritten von Elsi und Cjara, die weniger erfahrenen Pferde. Wir beendeten den Ritt deutlich früher.
      Petyr auf Sunka erzählte uns immer wieder, wie die Distanzritte der Trekkenreiter in Asien aussahen und dass dort sogar die Luft brannte und dieses Wetter hier nichts im Vergleich dazu war, aber wirklich aufmuntern konnte er uns definitiv nicht. Außerdem dabei waren noch Alba auf BR Prias Raveday, Malte mit Delightful Cinnamon und natürlich Bart mit Sir Golden Mile. Trotz der kühlen Wärme des Mondes war uns allen warm und vor allem waren wir übermüdet mit einem völlig am Boden liegenden Biorhythmus.
      Der einzige, der sich nicht unterkriegen ließ, war Momo. Er war sowieso ein südländischer Typ, der die warme Sonne auf der Haut, seinen eigenen Worten nach, liebte. Graf Heinrich musste also durch das Training der Dressur, welches Momo seit zwei Monaten mit ihm vollzog. Er lernte gerade erst Reiten, meist von Petyr oder Malte, und war immer noch stets motiviert dabei. Mittlerweile waren die beiden über die Grundkenntnisse hinaus und übten stetig weiter.
      Nicolaus hatte außerdem einige Sicherheitsvorkehrungen gegen die Waldbrände geschaffen. Brennbares Material wurde von Weiden und Gebäuden großzügig entfernt und alles, was ein Feuer beschleunigen könnte, war zur Seite geräumt worden.
      Wir hofften alle auf das Beste.

      20-08-2020 | 3.258 Zeichen | Canyon
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      moving on

      Hengste Hauptstall: Sunka, Amistad, Firewalker, Light up Hell, Last in Love, Lap de Loupe, Golden Sugar, Chromed Highwind, Sir Golden Mile, Eskador, Candlejack, The Illusionist, Graf Heinrich
      Stuten Hauptstall: Millenium GC, Grenzfee, Echo‘s Maiden, Lady Gweny, Far Cry, CHH‘ Lethal Combination, Westatlanta, Alphabet Soup, Song of Peace, PV Gräfin, Cinnada Mistik, Wild Reflex, I‘ve got a blue soul, BR Prias Raveday, Delightful Cinnamon, Joline, Sister of Crime, Monkey 47
      Fohlenweide: PV Comte de Courtoisie, PV Song 'bout Alegría, PV Phantom from Alaska, PV Noodle in Love, Winter with Koen, Ivy‘s Rhapsody, BR Ruffian‘s Smart Jane, PFS‘ Circle of Thyme, Lady Phoenitia, Phoenix Valley Farwest, PV Rebellion of Cinqué, PV Traumfee, PV Toxic Compound
      Nebestall: Ghostly Phenomenon, Marid, Arias, Mytos, La Paz, Pítu, Schwalbenfeder, Óslogi, Félagi, Braum van Ghosts, Imagine Dragons, Madame Pompadour
      Offenstall: Chosposi, Anaba, Morrigans Hidalgo, Cloud, My Canyon, Flotten von Mutanten, Aquena, Zonta, Havanna Girl, Kwatoko, Dawn


      Petyr hatte wieder ein neues Pferd angeschleppt. Damals hat er das schon immer getan und jetzt wieder. Er war noch keine zwei Wochen auf dem Gestüt, da hat er sich schon eine Box besorgt und den Hengst auf das Gestüt geschafft. Aus Kanada kam er, das Pferd, nicht Petyr. Petyr war vonüberall hergekommen. „Weltreise“ hatte er seine Tour durchOsteuropa genannt.
      Nico hatte nur die Achseln gezuckt, als ich ihm von Petyrs Besuch erzählt hatte, Eyvind hatte sich natürlich gefreut und nachdem Petyr angekommen war, hatte er schnell unter der Gestütsmannschaft Anschluss finden können. Sein Gesicht war faltiger geworden, aber seine Haarpracht noch eben so voll wie eh und je.
      Petyr hatte sich in Sunka verliebt und Sunka in Petyr. Mein Freund hatte den Hengst über
      mehrere Ecken aus privater Hand übernommen, natürlich mit dem Versprechen, den Hengst seiner Begabung nach zu fördern und welches Gestüt war dafür nicht besser geeignet als Phoenix Valley.
      Abends saßen wir dann gemeinsam auf der Veranda. Hin und wieder gesellte sich Nico zu uns, doch meist waren ihm die langen Erzähltiraden Petyrs zu unaushaltbar und er verschwand samt Rollstuhl im Haus, oder im angrenzenden Stall.
      Petyr hatte vor einigen Wochen auf Kreta Saga Glasberg geheiratet. Selbst Jora sei dabei gewesen, erzählte er mir. Sie sei immer noch hübsch, sagte er immer wieder. Natürlich aber war seine Saga hübscher. Ein Wundermensch und eine Wolkentänzerin. Dann erzählte er mir vom Norden. Von den Seen in Norwegen und den Bergen seiner Heimat Schweden. Er zeigte mir Fotos vergangener Zeiten, längst verdrängt und immer gehofft, sie vergessen zu haben. Nie wieder wollte ich abends im Bett leiden müssen. Ich war weitergegangen. Meine Heimat war zurückgeblieben. Niemand konnte seine Heimat mitnehmen.
      Petyr hatte einen Freund mitgebracht. Angeblich hatten Saga und er ihn in Istanbul kennengelernt, aber Momo selbst schwor, dass er dort nie gewesen war. Petyr hatte ihm auch ein Pferd gekauft. Er solle nun reiten lernen, hieß es, und der abenteuerlustige Momo hatte seit dem nichts besseres zu tun, als Graf Heinrich Tag für Tag zur Arbeit zu motivieren, während Petyr daneben stand und besserwisserisch Tipps verteilte.
      Es tat gut, dass Petyr wieder da war. Er verteilte gute Laune, nahm das Leben auf die leichte Schulter und gab mir keine Schuld, wenn meine Stimmung mal wieder gedrückt war. Petyr ließ sich von nichts und niemandem demotivieren.
      Aufgrund der Dürre hatte Nico jede Menge Helfer angeschleppt. Vorrangig Freunde des Gestüts, die hier sowieso ein- und auskehrten, so wie Mary Ann, Eli und Ike. Ich hatte gleich gesehen, wie Petyr ein Auge auf Mary Ann geworfen hatte und vor ihr mit der Hochzeit und dem Goldring an
      seinem Finger prahlte. Aber Mary Ann war für einen Typ wie Petyr die Falsche. Zu selbstbewusst, ganz eindeutig. Ich war froh, sie mal wieder zu sehen. Ich wusste sehr zu schätzen, dass sie und Eli Nico in der Anfangszeit in Kalifornien so unterstützt hatten. Aber Mary Ann war irgendwann immer seltener gekommen und dann war sie für einige Jahre ganz verschwunden. Nur Nico schien zu wissen, was der Auslöser dafür gewesen war.
      Ike war die letzten Monate mit Pítu auf Roadtrip gewesen, bis die anhaltende Hitze und der fehlende Regen seine weiteren Pläne frühzeitig beendet hatte. Pítu zeigte nun deutliche Schwierigkeiten, sich in der Herde einzufinden und das, obwohl er eigentlich selbst mit den
      selbstbewussteren Herrschaften gut zurechtkam. Dafür freute sich Óslogi sehr, seinen alten Weggefährten wiederzutreffen. Logi hasste die Hitze. Er war kahlrasiert und verbrachte wie alle anderen die Tage im Stall, zusätzlich bestand er allerdings fast nur noch aus Sonnencreme, soviel wie wir ihm in den letzten Tagen auf die helle Haut geschmiert hatten.
      Am besten ging es in der Hitze wohl noch unseren Fohlen. Sie waren in der Frühlingswärme zur Welt gekommen und kannten nichts anderes, als die Sonnenstrahlen auf der Haut. Drei unserer Lieblinge waren bereits verkauft und würden in Kürze in ihr neues Zuhause ziehen. Wir hatten uns zwischen vielen Bewerbern entscheiden müssen und auch als die Entscheidung festgestanden hatte, waren einige Trauertränen geflossen. PV Noodle in Love, PV Phantom from Alaska und PV Traumfee würden uns verlassen und in die ferne Welr ziehen. Ich hatte allerdings gelernt, dass manches für immer gar nicht so lange ist.
      Und dann waren da noch die ganzen neuen Pferde, die vielen jungen Reiter und all die Erfolge, die Phoenix Valley in letzter Zeit zu verzeichnen hatte. Ja, ich war oft gestresst. Es waren nicht mehr die Zeiten wie damals auf der Tyrifjord Ranch. Heute trug ich eine Verantwortung, die manchmal die Tage etwas grauer erschienen ließ, als sie eigentlich waren. Und ja, manchmal fühlte ich mich alt. Dann schaute ich eines Morgens in den Spiegel, sah, dass meine ehemals hellroten Haare grau und ausgemergelt nun, meinen Kopf verließen und nicht mehr zurückkommen würden. Dann dachte ich wieder an Jora und die Kinder, die wir nie haben würden, dachte an ihr Lächeln und an den Abend, als ich sie das erste Mal gesehen hatte. Ich hätte vieles anders machen können, aber damals schien es, als wäre sie ein verzeihlicher Verlust, heute weiß ich, dass es anders war.
      Jeden Abend brachte ich eigenhändig Óslogi und Félagi auf die kargen Weiden, wo sie sich genüsslich auf die Grasreste stürzten und mit den anderen Wallachen und Ponys ihrer Energie freien Lauf zu lassen.

      03-09-2020 | 6.448 Zeichen | Canyon
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      Distanz L → M
      Auch wir waren Flüchtige des Feuers. Am letzten Mittwoch hatten wir die Rauchwolken gesehen, Donnerstag die ersten Flammen und am Freitag war eine der Gelbkiefern einige Meter vor dem Gestüt in Feuer aufgegangen und hatte den Boden in schwarze Asche verwandelt.
      Die Pferden waren zu diesem Zeitpunkt schon längst in den Ställen, war die Gefahr doch zu groß, dass sie flüchten würden, sobald etwas unvorhersehbares geschah. Nun standen wir allerdings vor einem anderen Problem. Das Gestüt war nicht für nahezu siebzig Pferde ausgelegt. Vor allem die Mustangs waren ganzjährig draußen, hatte doch niemand erwartet, dass auch sie bald einen Platz benötigten.
      In der Nähe von Alturas hatten wir am Sonntag eine Notunterkunft gefunden. Einige unserer gesunden, reisefähigen und im Training stehenden Pferde lebten jetzt auf einem durchaus edlen Gestüt mit festen Mauern aus Stein und gut geschützten, am Wasser liegenden Weiden und Trainingsplätzen.
      Mary Ann, Eli und Bart waren dort stationiert, während wir anderen immer die 20 Meilen mit dem Auto hin und her fuhren.
      Das Training der Pferde ließen wir trotz allem nicht ausfallen. Es war auf das Minimum begrenzt, aber die Pferde sollten auch nach der Tragödie noch gut im Training stehen, Verluste hatten wir so schon genug. Hinzukam, dass zwei unserer besten Hengste aus unerfindlichen Gründen die letzte Körung nicht bestanden hatten. Die Themen für den Krisentisch waren also gegeben.
      Golden Sugar und Chromed Highwind mussten jetzt nochmal auf die Trainingsbank. Malte und Mary Ann höchstpersönlich kümmerten sich nun um die beiden, die bei einem Militarytraining auf der Crossbahn der Alturas Ranch nochmal richtig zulegen sollten. Auch Eyvind, Petyr, Eli und ich waren dafür angereist, obwohl es für mich wohl mit die größte Ehre war, zwischen all dem Guten Reitern mich auf Candlejack beweisen zu dürfen. Im Military hatten wir mittlerweile eine gute Basis gelegt und sollten uns diesen Monat für die nächste Stufe qualifizieren. Etwas ungewohnt war es, dass Eyvind auf The Illusionist „Ulli“ ritt, normalerweise war das Elsis Aufgabe. Aber diesen Monat war sowieso alles anders.
      Während wir auf der grandios ausgebauten Crossstrecke das Können unserer Pferde erprobten, wurde auch Zuhause auf Phoenix Valley hart trainiert. Unsere drei Zuchtanwärterstuten BR Prias Raveday, I’ve got a blue soul und Delightful Cinnamon trainierten gemeinsam mit Momo und seinem Hengst Graf Heinrich, auch einfach „Heini“ genannt, ihre Springkünste. Während die drei Stuten kurz vor ihrer Krönung standen, arbeiten Heini und Momo noch an den Grundlagen, nachdem sie die letzten Monate die Basis für die Dressur geschaffen hatten. Heini war nicht sonderlich begabt, aber Momo war ein Fan des manchmal recht lethargischen Hengstes und ich musste zugeben, dass die meisten über die Fortschritte der beiden sehr erstaunt waren.
      Auch Eli, Bart und Cjara trainierten fleißig. Seit diesem Monat waren auch die beiden Araberjunghengste Arias und Mytos mit ins Training eingestiegen, nachdem sie die letzten Jahre ihre Jungpferdezeit genießen durften. Zusammen mit der etwas erfahreneren Joline erprobten sie ihre ersten Schritte in der Distanz, dies jedoch aufgrund der Waldbrandgefahren und dem Wetter vorrangig auf dem Gestütsgelände. Muskelaufbau und Ausdauer standen da an erster Stelle. Auch ich und meine Trainingsstute Monkey 47 und Elsi mit Sister of Crime hatten diesen Monat bereits viel für einen Aufstieg in der Distanz trainiert und mittlerweile gingen beide auf S-Niveau.
      Candlejack zeigte heute auf der Crossbahn erstaunliche Ausdauer und Aufmerksamkeit, die selbst seine eigenen Rekorde zu übertreffen wagte. Eli und Eskador hielten gut mit uns mit, während Highwind noch einen Ticken genauer die Hindernisse anritt und gemeinsam mit Mary Ann nur so übers Gelände flog. Golden Sugar, Sunka und Ulli waren noch etwas rangniedriger, gaben aber für ihren Trainingsstand das beste.
      Wir zogen das Training nicht in die Länge und noch bevor die Sonne am Mittagshimmel stand, waren die Pferde geduscht und gefüttert wieder in ihren kühlenden Boxen untergebracht.

      30-09-2020 | 4.098 Zeichen | Canyon
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      Military M → S
      Nachtrag zum 31. Oktober:
      Die Wahlen waren vorbei und obwohl wir im roten Gebiet lebten, war der Überschwung der Freude viel mehr als die Wut der Gegenseite. Natürlich wurde sich auch über Politik unterhalten, aber je mehr Menschen aus verschiedenen Gegenden auf einem Fleck lebten, desto mehr konnte man sich in lange Gespräche verstricken, was denn nun für unser Amerika das Beste sei.
      Diesen Monat hatte Malte den Trainingsplan umgestellt. Wir trainierten nun in zweier Teams, das sollte unsere Produktivität steigern und uns näher bringen. Meine Partnerin war Cjara. Cjara war okay, aber meist hatten wir keine Gesprächsthemen und obwohl ich mich versuchte von den Gedanken fernzuhalten, war ich auch äußerlich einfach das genaue Gegenteil. Cjara war groß, hatte lange blonde Haare und blaue Augen, die Schultern immer straff nach hinten und die Nasenspitze immer einen Tick höher. Nicht, dass sie eingebildet oder arrogant war, aber sie zeigte sich sehr gerne. Ich war der kleine Asiate mit der Schuhgröße 39. Mehr musste ich da wohl noch sagen. Und so sehr ich mir wünschte, dass diese Fakten keine Rollen spielen sollten, selbst ein Demokrat an der Spitze der USA konnte daran nichts ändern.
      Cjara und ich waren die ersten, die an diesem verregneten und nebligen Dienstag für die Militarybahn eingeteilt waren. Unsere beiden Stuten Sister of Crime und Monkey 47 sollten das erste Mal ihr Können auf die Probe stellen, nachdem wir den letzten Monat neben dem Distanztraining auch angefangen hatten, ihre Springfähigkeiten zu trainieren. Durch das viele Geländetraining in den letzten Monaten, waren beide zu unerschrockenen und vor allem trittsicheren Pferden geworden, ein großer Vorteil auf dem Crossgelände.
      Cjara und ich wechselten nicht viele Worte. Meistens ritten wir schweigend unsere Runden, auch wenn wir hin und wieder den anderen baten, doch mal ein Auge auf den Absprungspunkt, oder die gerittene Kurve zu haben.
      Nach guten anderthalb Stunden Training lösten uns Malte und Elsi auf Golden Sugar und The Illusionist ab. Die beiden Hengste waren schon etwas weiter im Training und sollten diesen Monat den Schwierigkeitsgrad L erreichen. Wir tauschten mit Malte kurz ein paar Eindrücke des Trainings aus, wünschten viel Glück und ritten unsere Pferde am langen Zügel zurück zum Stall. Dort trennten sich unsere Wege. Stumm brachte Cjara Sister in ihre Box am anderen Ende des Stalls, während ich Moni in ihre Box am Anfang der Stallgasse stellte und absattelte. Die große Stute freute sich sichtlich über das frische Heu und die Abschwitzdecke.
      Gerade als ich den Sattel in die Sattelkammer bringen wollte, fing mich Cjara ab. „Du weißt schon, dass wir heute Nachmittag wieder raus müssen, oder?“
      „Heute schon?“, fragte ich. Ich hatte selten einen Plan im Vorraus. Wer sollte sich das ständige hin und her auch merken können.
      „Ja. Heute. Wir treffen uns um drei an der Crossbahn“, sagte Cjara und wendete sich mit wehenden Haaren von mir ab.
      Bis um drei waren es zum Glück noch ein paar wenige Stunden. Einen Teil davon schaute ich Saga, Petyr und Momo dabei zu, wie sie mit ihren drei Pferden den Springplatz unsicher machten. Die hatten’s gut, die wurden nicht von Malte dazu gezwungen und sie schienen sogar auch Spaß zu haben.
      Ich kannte Saga noch nicht, aber ihr Hengst Wallenstein war ein Prachtpferd. Wirklich wunderschön. Kennst du das Pferd, dann kennst du den Menschen, hatte mein damaliger Reitlehrer immer gesagt und es traf auch wirklich gut zu. Momo ritt wie immer Graf Heinrich, während Petyr Heide Eskador quälte, der noch nicht wirklich Spaß am Hindernisse überspringen zeigte.
      Gerade als ich mich wieder abwenden wollte, sah ich Nico, der zwischen den Säulen am Hauptstall in seinem Rollstuhl saß und das Geschehen auf dem Platz beobachtete. Er sah alt aus. Vor allem verglichen mit den Reitern auf dem Platz, die ihm altermäßig eigentlich in nichts nachstanden. Es machte mich traurig, ich wollte nicht, dass Nicolaus alt wurde.
      „Warum reitet Nico eigentlich nicht mehr?“, fragte ich, als im Stall auf Alba traf. Sie war mit meine beste Freundin im Stall, nur zur Zeit leider viel mit ihrem Studium beschäftigt, sodass wir uns nur noch selten sahen.
      „Äh Ferre, er sitzt im Rollstuhl!“, sagte sie, während sie Prias Halfter vom Hacken nahm.
      „Ja, ich weiß doch, aber es gibt mittlerweile so viele Möglichkeiten dahingehend.“
      „Die einzige Möglichkeit, die du kennst, ist bestimmt die aus Game of Thrones“, lachte sie und stieß mich dabei freundschaftlich in die Seite.
      Auch ich musste daraufhin lächeln. Alba hatte ein wunderschönes und ehrliches Lächeln, man konnte ihm einfach nicht widerstehen. Trotzdem ließ mich der Gedanke auch den Rest des Tages nicht los.
      Gegen Mittag holte ich Candlejack und, weil mich Malte darum gebeten hatte, auch noch Chromed Highwind und Sunka von der Weide. Jack bereitete ich gemütlich auf das anstehende Training auf der Crossbahn vor und die anderen beiden würden von Eyvind und Petyr ein Distanztraining bekommen. Eli und Bart waren mit Arias und Mytos gegen Mittag auch bereits losgezogen, um die jungen Araberhengste in ihren Distanzfähigkeiten zu fördern. Bei dem Wetter war ich relativ froh darüber, dass mich nur die matschige Crossbahn erwartete und nicht auch noch das stundenlange Gereite durch die triste Landschaft.
      Ich ließ mir mit Jack genügend Zeit, pflegte sogar nochmal Sattel und Trense, während meine Kopfhörer mir Tony Bennett’s Body and Soul ins Ohr dröhnte. So bekam ich es relativ spät mit, dass Cjara vor meiner Box stand und vergeblich versuchte, meine Aufmerksamkeit zu erreichen.
      „Was hörst du denn da?“, fragte sie mich skeptisch, als ich endlich die Kopfhörer aus den Ohren gezogen hatte.
      „Tony Bennett“, sagte ich.
      „Wenn du es singst, klingt es grässlich“, sagte sie, ohne Rücksicht auf Verluste.
      „Danke“, sagte ich, dabei war es mir super peinlich, dass ich anscheinend wieder laut mitgesungen hatte. „Was willst du? Ist es schon um drei?“
      „Nein, aber du musst heute alleine trainieren. Joline lahmt etwas und soll heute Pause machen. Aber das Training diesen Monat reicht für uns trotzdem für einen gelungenen Aufstieg, sagt Malte.“
      „Oh okay, na dann trainiere ich alleine.“
      Sie nickte und verschwand wieder. Ich wusste nicht, ob ich über diese untergründige Kritik verärgert sein sollte, oder mich einfach auf ein entspanntes Training ohne sie freuen sollte. Aber als ich dann ganz alleine zur Crossbahn ritt, der Nebel sich immer noch nicht gelichtete hatte und der leichte Nieselregen auf mich tropfte, war die Situation durchaus schon sehr trist. Die Sonne hatte ich den ganzen Tag noch nicht gesehen und als es zwei Stunden später noch dunkler wurde, musste ich mir eingestehen, dass ich sie heute auch nicht nochmal sehen würde.
      Das Training mit Jack war allerdings trotzdem gut gewesen. Er war gut bei der Sache, nahm die Hindernisse mit großartiger Präzision und ließ sich selbst durch meine gedrückte Stimmung nicht demotivieren, sodass ich dann doch zufrieden zurück zum Stall kam. Für den nächsten Monat, sollte ich wieder mit Cjara trainieren, nahm ich mir definitiv vor, dem ganzen selbstbewusster entgegen zu treten. Das war ein guter Plan.

      31-10-2020 | 7.117 Zeichen | Canyon
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    Phoenix Valley — Hauptstall Stuten
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    18 Feb. 2020
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    Joline
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    ● ○ ● ○

    Stute | *2014 | 179cm
    Englisches Vollblut
    Perlino Minimal Tobiano

    ● ○ ● ○

    Von unbekannt

    Von unbekannt Aus der unbekannt

    Aus der unbekannt

    Von unbekannt Aus der unbekannt

    ● ○ ● ○

    Joline ist extrem auffällig. Nicht nur wegen ihrer hellen Perlinofärbung, sondern auch durch ihre Größe. Als Stute ist sie mit fast 1,80m ein echter Hingucker. Sie genießt die Aufnerksamkeit und es scheint, als würde sie dadurch noch etwas größer werden.
    An sich ist Joline ein sehr reinliches Pferd und wälzt sich nur in sauberem Stroh. Leider kratzt sie sich oft an Mauern und Wänden, sodass ihr Schweif und auch die Mähne sehr darunter leiden.
    Joline ist ein wahrer Allrounder. Egal ob Military, Springen oder Distanz, mit ihr ist alles zu schaffen. Auch Turniere meistert sie mit Bravour und ist immer mit voller Konzentration und Aufmerksam dabei.


    ● ○ ● ○

    Besitzer: Canyon
    VKR/Ersteller: Canyon
    im Besitz seit: 18-Feburuar-2020
    Kaufpreis: x Joellen

    ● ○ ● ○

    ● Schleifenaufstieg Trainingsaufstieg Potential


    Military E A L M S S*

    Distanz E A L M S

    Galopp E A L M

    Dressur E A L

    Springen E A L M


    ● ○ ● ○

    Fohlen ABC | Eingeritten | Eingefahren

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    473. Fahrturnier | 475. Fahrturnier | 476. Fahrturnier

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    455. Distanzturnier

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    607. Dressurturnier

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    458. Militaryturnier

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    531. Rennen

    ● ○ ● ○


    [Schleife]
    Thema

    Abstammung: 0
    Schleifen: 7
    HS: 0
    TA: 0
    Trainer: 8
    Zubehör: 2
    Gesamt: 17

    Gencode: EE AA CrCr nTo
    Zur Zucht zugelassen: Nein
    Eingetragene Zucht: Phoenix Valley (PV)

    Nachkommen
    -


    ● ○ ● ○

    Letzter Tierarztbesuch: unbekannt

    Letzter Hufschmiedbesuch: unbekannt

    ● ○ ● ○

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