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Canyon

○ Imagine Dragons

Shetlandpony ○ Dark Bay Tobiano ○ Stute ○ 5 Jahre ○ 86cm ○ 2/20

○ Imagine Dragons
Canyon, 17 Aug. 2019
    • Canyon
      ▲▽▲
      Tyrifjord Ranch

      Es gibt keinen Weg, der nicht irgendwann nach Hause führt
      Mio | Nevada, USA - 19:37
      Der Tag neigte sich bereits dem Ende zu, als ich von der Red Rock Road auf den Scenic Loop Drive abbog. Trotz des frischen Westwindes von Kalifornien, arbeitete der ältere und von einer dicken Staubschicht bedeckte Jeep unter mir, als würde er jeden Augenblick den Geist aufgeben. An dieses Geräusch hatte ich mich mittlerweile gewöhnt, es war normal, vor allem bei dieser Hitze. Selbst in der Nacht sanken die Temperaturen nie unter 70 Fahrenheit, wie man hier auf diesem Kontinent so schön zu sagen pflegte.
      Links von mir tauchte nun der Pine Creek auf, welcher mich ein kleines Stückchen begleitete, bevor sich unsere Wege trennten. Mittlerweile kannte ich mich hier aus, lange hatte es nicht gedauert. Mit dem Auto oder zu Pferd, ich hatte mich an meine neue Heimat gewöhnt.
      Als sich der Scenic Loop in einem Bogen Richtung Norden wand, bog ich auf die kleinere Rock Gap Road ab. Ich merkte den Einkauf im Kofferraum, als die steinige Straße leicht bergauf ging und ich konnte mich mit all dem Eingekauften schon am verlassenen Straßenrand stehen sehen. Zum Glück würde ich nicht allzu schnell verhungern und erfrieren konnte man hier ja zu dieser Jahreszeit ebenfalls nicht. Da wir maximal einmal pro Woche in die berühmte Großstadt Las Vegas fuhren, um für die nächsten Tage Vorräte einzukaufen, war der Jeep entsprechend voll.
      Kurze Zeit später ging es dann für mich auf die La Madre Spring Road und von da aus waren es nur noch einige Meter bis zu meinem Ziel.
      Addison Moore hatte wenig freie Zeit, davon hatte ich mich in den letzten Monaten selbst überzeugen können, weshalb ich etwas überrascht war, als ich ihn und seinen treuen Gefährten Cerberus auf der Terrasse des Ranchhauses sitzen sah. Ich sah ihn nur kurz, bevor ich den Jeep etwas weiter unter den Bäumen parkte, doch sein Blick ging in die Ferne und verschwand dann in den rötlichen Felsen des Canyons.
      So gekonnt wie ich es mir vor kurzer Zeit noch nicht hatte vorstellen können, parkte ich korrekt ein, bevor ich das stickige Auto verließ.
      Mit schweren Taschen bepackt ging es für mich zum Haus, wo mich nun ein aufgeregt mit dem Schwanz wedelnder Hund begrüßte. Ich nahm mir kurz die Zeit, trotz voller Arme, um den Rüden zu begrüßen. Ich wusste wie übel er es mir nehmen würde, wenn ich es nicht tat. An meinem ersten Tag auf der Ranch hatten mich die eisblauen Augen des interessant gescheckten Louisiana Catahoula Leopard Dog eingeschüchtert, doch mittlerweile hatte ich lernen dürfen, dass Ceb der tollste Hund der Welt war, wenn man Asuka außer Acht ließ und das tat ich in letzter Zeit.
      Addison hatte sich mittlerweile aufgerichtet und mir eine der Taschen von der Schulter genommen und diese nun ins Haus trug. Ich folgte ihm und mir folgte Ceb, welcher den Geruch nach frischem Essen bestimmt schon mehrere Meilen vorher gerochen hatte. Ich hatte mich daran gewöhnt, dass Addi meistens eher stumm blieb, denn ich wusste, wenn es etwas Wichtiges gab, dann konnte auch Addison sprechen. So lange er nicht sprach, war alles gut.
      Aus der Küche wehte mir ein warmer und angenehm riechender Duft entgegen: Nudeln mit Tomatensoße, genauso wie es vor vielen hundert Jahren bei meiner Oma geduftet hatte.
      Als ich mich nach dem Abstellen der Taschen wieder erhob, wurde ich schlagartig und stürmisch von einer jungen Frau umarmt, welche ihre kraftvollen und doch zierlichen Arme um mich schlang.
      „Mio! Eine Woche habe ich dich nicht gesehen und trotzdem so vermisst wie diese Landluft hier. Wie gut du immer noch aussiehst! Der Wahnsinn!“ rief sie mit heller Stimme in mein Ohr, sodass ich dachte gleich taub zu werden.
      „Hey Heather“, sagte ich um ein vielfaches ruhiger. „Ich wusste gar nicht, dass du heute kommen wolltest?“
      Schauspielerisch entrüstet ließ sie von mir los, verschränkte ihre Arme und spitzte die Lippen, dann wandte sie sich von mir ab, nahm ihre Tasche vom Stuhl und wollte mit den Worten: „Dann kochst du eben das Abendbrot!“, den Raum verlassen. Mit einem schnellen Griff am Arm zog ich sie zu mir zurück und schob sie zum Herd. „War doch nicht so gemeint, das weißt du ganz genau!“ sagte ich lachend. „Es ist schön, wenn du da bist und außerdem weißt du, dass ich nicht so ein Kochtalent bin wie du.“ versuchte ich ihr zu schmeicheln. Heather liebte es, wenn man ihr Komplimente machte. Sei es ihr Aussehen, eine neue Bluse oder ihre Kochkünste, sie war ganz vernarrt darauf, Lob zu bekommen.
      Addison hatte sich derweilen gekonnt aus unserer Unterhaltung herausgehalten, machte sich aber nun damit bemerkbar, dass er lautstark die Teller aus dem Schrank holte. „Ich will eure Begrüßungsrituale ja nicht unterbrechen, aber meiner Meinung nach riecht es hier etwas angebrannt.“
      Heather entfuhr ein spitzer und vor allem hoher Schrei und sie drehte sich erschrocken zum Herd um, wo die Tomatensoße gefährlich dampfte.
      „Wo sind eigentlich Chill und Buck?“, fragte ich Addison, da mir gerade erst aufgefallen war, dass die beiden Zwillinge beim Geruch von Essen noch nicht in die Küche gestürzt waren.
      „Bei Jon, sie wollen irgendein „Projekt“ für die Schule machen und da muss man natürlich auch übernachten“ kam Heather ihrem Neffen Addison zuvor. Sie hatte ihren hübschen Mund zu einem ironischen Lächeln verzogen, sah dabei allerdings immer noch so schön aus wie zuvor. Mich wunderte es schon lange, dass die hübsche Frau mit den langen blonden Locken und den grünen Augen noch immer keinen Partner gefunden hatte, obwohl sie in der Blüte des Lebens stand und dazu noch in der Großstadt Las Vegas wohnte. Aber wer weiß, vielleicht wartete sie noch auf den Richtigen.
      „Wann kommen die Beiden denn wieder?“ stellte ich die Frage in den Raum. Diesmal zuckte Heather nur mit den Schultern, während Addison ein „Morgen“ brummte.
      „Ach Ad“, hatte Heather wieder etwas beizutragen „Man denkt du bist schon in Rente und hast einen Bart bis auf den Boden, dabei bist du gerade erst Anfang dreißig. Versuche jedenfalls, deinen Mund etwas weiter aufzumachen, glaube mir, das geht!“ maßregelte Heather Addison, bevor sie sich wieder dem Essen zuwandte. Ich ließ mich gegenüber von Addison, welcher sich am Tisch niedergelassen hatte, auf einen Stuhl gleiten und sah gerade noch, wie der sonst so emotionslose Addison seiner Tante ein belustigtes Lächeln schenkte, was sie natürlich nicht sehen konnte.
      Ich weiß, Charly hörte es nicht gerne, aber Nevada war meine neue Heimat.

      Charly | Buskerud, Norwegen – 12:37
      Ich hätte nie gedacht, dass Kinder in den Schlaf wiegen so lange dauern würde, mittlerweile hatte ich Erfahrung darin, was es bedeutete, die Mittagspause damit zu verbringen. Bartholomäus war von Anfang an ein recht umgängliches Kind gewesen, ich hatte jedoch keine Ahnung, von wem er das haben könnte. Ich war es definitiv nicht gewesen und das was ich von Nico gehört hatte, er auch nicht. Dafür sah der Kleine genauso aus wie sein Vater. Bereits nach zwei Wochen waren ihm die ersten goldenen Löckchen auf dem Kopf gesprossen.
      Erschöpft, obwohl erst die Hälfte des Tages geschafft war, ließ ich mich auf die Couch in unserem Wohnzimmer fallen, welches, selbst einige Monate nach dem Umzug, noch bis oben hin mit Kartons vollgestopft war. Mein Laptop stand noch offen von vorhin da, ich hatte es im Laufe des Tages einfach nicht geschafft ihn zuzuklappen und mittlerweile war der Bildschirm, wie auch die Tastatur, voller Brei. Lecker. Ich konnte noch ganz genau erkennen, welches Glas ich Bartholomäus heute aufgemacht hatte. Das war bestimmt Möhre, Kartoffel und etwas Selleriegeruch, wie mir meine Nase mitteilte.
      Mit einem Ärmel, welcher den Bildschirm erst recht noch dreckiger machte, da dieser auch nicht mehr der Sauberste war, versuchte ich die groben Reste des Mittags vom Laptop zu wischen, bevor ich ihn zu mir auf den Schoß zog.
      Es war bei mir zur Angewohnheit geworden, dass ich jede freie Minute mich vergewisserte, dass ich keine Nachricht bekommen hatte. Der erste Klick ging auf Skype, eine der besten Methoden untereinander zu kommunizieren, wenn einem die Grenzen der Länder voneinander trennten. Mio schien dies aber noch nicht verstanden zu haben, seit Wochen war bei ihr kein grünes Häkchen mehr gewesen. Auch in meinem E-Mail Postfach fand ich wie immer keine ungelesene Mail von ihr. Ich gab es nicht gerne zu, aber ich vermisste sie. Ich vermisste sie so, wie ich Shadow vermisste und vor allem fehlten mir die alten Zeiten.
      Ich wollte meinen Laptop gerade zuklappen, als die Tür aufgestoßen wurde und mein Freund Nicolaus lautstark die Wohnung betrat. Mein Mund war schon halb geöffnet, um ihn ein weiteres Mal zu ermahnen, dass er gefälligst leise sein sollte, wenn sein Sohn schlief, aber er war schneller bei mir. Mir wurde ein Kuss auf die Stirn gedrückt, dann legte seine Hand auf die Meinige, welche noch auf dem Bildschirm ruhte und drückte mit mir zusammen die Klappe nach unten.
      „Charly, du weißt, dass Mio sich erst Sonntagabend melden wird und bis dahin sind es noch zwei volle Tage. Ihr geht es gut.“ Sagte er sanft, was er normalerweise nicht allzu oft tat. Ich zog meine Hand unter seiner weg und drehte mein Gesicht zum Fenster. „Du magst sie doch kaum und wirklich kennen tust du sie auch nicht. Vielleicht ist es einfach deine Schuld, dass sie sich so selten meldet?“ Kurz nachdem ich es gesagt hatte, wusste ich, dass diese Worte Nico hart getroffen hatten. Noch bevor ich die erste Träne in seinen Augen schimmern sah, war ich aufgestanden und hatte ihn umarmt. „Es tut mir leid, es tut mir leid“, versuchte ich das Gesagte wieder gutzumachen, allerdings hatte ich es trotzdem gesagt.
      Nico umarmte mich, allerdings war diese etwas steif. Ich hatte ihn verletzt und obwohl ich wusste, dass er sich selbst große Vorwürfe machte, hatte ich die Schuld auf ihn geschoben.
      Nach einiger Zeit in der Umarmung löste sich Nico von mir und zog mich zu sich aufs Sofa.
      „Charly, ich vermisse mein Füchschen genauso wie du es vermisst und auch wenn du es mir nicht glaubst, Shadow und Mio waren seit langem die beiden einzigen Freunde, die ich je besaß. Shadow werde ich nie wieder sehen und Mio ist auf der anderen Seite der Welt mit der Hälfte unserer Pferde. Fast hätte ich hier alles hingeworfen, weil mir der Gedanke, dass ich versagt habe, einfach nicht aus dem Kopf ging. Doch jetzt habe ich ein neues zu Hause gefunden, habe einen Sohn und ich habe dich. Das ist das Wichtigste.“ Er schloss seine Rede und blickte mir tief in die Augen. Ich hielt seinem Blick stand und wusste, dass er Recht hatte.
      „Du hast Recht. Mio holen wir schon irgendwann wieder zu uns.“
      Ein weiterer Kuss, dann zog mich Nico wieder auf die Beine. „Wann hast du eigentlich deinen letzten Ausritt gemacht?“
      Gute Frage, dachte ich, das war definitiv schon länger her. „Du weißt, dass ich schlecht einen Ausritt machen kann, während Bart schläft, oder?“
      „Teo ist mir noch was schuldig und außerdem muss er sowieso mal ne Pause machen, der steht seit heute Morgen um sieben im Stall.“

      Teodor war die Gutmütigkeit in Person und auch wenn er manchmal grober wirkte als er war, konnte man sich eine Tyrifjord Ranch nicht ohne ihn vorstellen. Obwohl er schon etwas älter war und eigentlich schon längst in Rente hätte gehen müssen, schuftete er Tag für Tag im Stall und das nicht zu knapp. Nico und ich wären ohne ihn schon längst verzweifelt.
      Teo hatte ein Händchen für Kinder und vor allem für Pferde, weswegen es auch nicht allzu lange dauerte, bis mein Nico den alten Herren von einer kleinen Mittagspause in unserer Wohnung überredet hatte.
      Die Tyrifjord Ranch besaß eine ganz andere Aura als Saint Gorge, ließ einem viel mehr Raum und bot natürlich auch den Pferden viel mehr Platz. Nachdem sich auf Saint Gorge so vieles verändert hatte, waren wir froh gewesen, die Möglichkeit eines neuen Gestüts zu bekommen und das war es gewesen. Ein alter kleiner Hof, mit einer neuen Reithalle, einem kleinen Reitplatz, einem Roundpen und natürlich einem Stall, der mehreren dutzend Pferden Platz zum Leben bot.
      Mit dem Kauf der Ranch hatten wir uns allerdings auch dazu verpflichtet, dem alten Bewahrer Teodor Sjöson und seiner blinden Tochter Torun weiterhin ein zu Hause zu bieten, was für uns natürlich kein Problem war. Während wir zu dritt im Haupthaus wohnten, begnügten sich Teo und Torun wie zuvor mit dem alten Bootshaus, welches zu einem kleinen Wohnhaus umgebaut worden war.
      Nachdem ich Teo kurz in seine Aufgaben eingeweiht hatte, welche er brummend hingenommen hatte, machten wir uns auf den Weg zu unserem Hauptstall, welcher am anderen Ende der Ranch stand. Für Nico stand schnell fest, welches der Pferde er auf einen Ausritt mitnehmen würde, ich musste länger überlegen. Ich war lange Zeit zu Recht sauer auf Mio gewesen, weil sie meine allerliebste Stute mit zu ihrer ach-so-tollen-Ranch genommen hatte und ich nun seitdem kein bestimmtes Reitpferd mehr hatte. Normalerweise wäre ich ja nun Grenzfee geritten, welche ich aber, laut Nico, erst wieder reiten durfte, wenn der kleine Bart nicht mehr die ganze Zeit an meiner Brust hing. Zu gefährlich, zu groß, zu wild, hieß es dann immer. Viele Pferde blieben dann ja nicht mehr, sodass ich mich für das einfachste und unkomplizierteste Pferd entschied, welches es auf unserer Ranch gab: Den Norwegerwallach Milosch.
      Nico war davon überzeugt gewesen, dass auf die Ranch ein ordentlicher Norweger gehörte und wir dringend ein Pferd für unseren Sohn brauchten, sodass Milosch der erste Neuankömmling auf unserer Ranch gewesen war. Norwegen - Norweger, wie primitiv. Nicht unbedingt sehr groß, mit dichtem Fell und typischer Stehmähne, ein Kinderpony, welches jedes Herz erweichen ließ. Ich war froh darüber ihn zu haben, denn selbst mit meinem dicken Bauch, welchen ich die letzten Monate mit mir herumgeschleppt hatte, hatte er mich noch ohne Mühe tragen können.
      Nachdem ich Milosch angebunden hatte und Nico seinen Marid, fiel ihm schlagartig ein, dass er einen Toilettengang gebrauchen könnte und verschwand schnell in Richtung Wohnhaus. Ich seufzte theatralisch. Ich verstand einfach nicht, warum ausgerechnet Nico es nicht schaffte, kurz ins Gebüsch zu gehen.

      Ich hatte das warme Fell der Pferde, den Staub aus diesem und den Geruch des Strohs vermisst, schon lange hatte ich mir nicht mehr die Zeit genommen, einfach ein Pferd zu putzen und zu striegeln, es waren einfach zu viele andere Dinge wichtiger gewesen.
      Als ich an das kleine Stutfohlen dachte, welches Jeanie vor kurzem zur Welt gebracht hatte, schwenkten meine Gedanken wieder unabsichtlich zu Mio. Excelsior und Jeanie waren immer ihre Lieblingspferde gewesen, auch sie hatte sie einfach zurückgelassen. Wie konnte sie nur so einen Stimmungswechsel gehabt haben?
      Ich schüttelte mir diesen Gedanken wie eine lästige Fliege aus dem Kopf und konzentrierte mich weiter auf meine Arbeit, denn immerhin wollte ich Teos Nerven nicht allzu lange beanspruchen.
      „Dieser blöde sprechende Papagei! Ich weiß, warum ich mich dafür entschieden habe, mein Leben mit Pferden anstatt mit Vögeln zu verbringen!“ Lautstark kam Nico zurück in den Stall gestapft, um eine Hand eine weiße Binde, durch welche das Blut auf den Stallboden tropfte. „Wie oft habe ich Petyr schon gesagt, dass dieser olle Vogel nicht frei herum fliegen soll, der ist lebensgefährlich! Und vor allem hat er nichts auf der Toilette zu suchen.“ beschwerte er sich, während er auf seinen brav wartenden Marid zulief. Marid, auch Vad genannt, schien der Einzige, welcher wirklich Mitleid mit Nico zu haben schien. Asuka, welcher hinter Nico hinterher getapst kam, Milosch und auch ich, schienen es toll zu finden, dass Nico endlich mal Parole geboten wurde. Normalerweise war Nico immer der Wortführende und der sprechende Papagei Napoleon hatte seine Freude daran gefunden, Nico über all aufzulauern.
      Mitfühlend stupste der sonst so grobe Vad seinen Freund, wie ein Hund sein Herrchen, an und es fehlte nur noch, dass er diesem mit seiner Pferdezunge übers Gesicht leckte. Mich schauderte es bei diesem Gedanken.
      "Der Vogel ist toll und ich habe nichts dagegen, dass er sich frei bewegen darf. Es gibt so selten Papageien, welche nicht in einem Käfig eingesperrt sind." meinte ich hämisch grinsend zu Nico, welcher nur etwas Unmissverständliches brummte und sich dann Vad zuwandte.
      Nachdem die Pferde gesattelt waren (und Nico mich mit Schutzweste, Reithelm und Handschuhen ausgestattet hatte (er fand es kein bisschen übertrieben)) saßen wir vor dem Stall auf und begannen unseren kleinen Ausritt. Irgendwo war es bestimmt süß, dass Nico nicht vor mir reiten wollte, um mich nicht aus dem Blick zu verlieren und ständig darauf achtete, dass es mir gut ging. Allerdings musste ich mich anstrengen, keinen Streit vom Zaun zu brechen. Bevor Nico Vater geworden war, hatte er jeden Scheiß mitgemacht, sich einen Dreck um unsere Sicherheit geschert und mich sogar dazu überredet Dinge zu tun, welche ich nie getan hätte. Ich vermisste die alten Zeiten.
      "Hast du heute Petyr eigentlich schon gesehen?" fragte ich Nico, um mich auf andere Gedanken zu bringen, als die Vergangenheit und den nun überfürsorglichen Nico.
      "Klaro, in aller Frühe im Stall. Er ist allerdings vorhin mit diesem Superhelden Richtung Süden geritten. Der wollte auch einen Ausritt machen, bei diesem Wetter."
      "Der Friese heißt Batman", korrigierte ich.
      "Batman, Superman, Spiderman, das ist doch alles das Gleiche." meinte Nico achselzuckend. Ich verkniff mir einen Kommentar, denn für mich war es nicht dasselbe. Früher hatte ich alle Comics und Filme auswendig gekannt, in welchen ein Superheld drin vorkam.
      Unser Weg führte uns am Ufer des Tyrifjords entlang, ein Stück über sandigen Boden, bevor dieser einem Trampelpfad wich. Der Weg war bereits von vielen Hufen ausgetreten und eben geworden, sodass es ein angenehmes Reiten war. Leider hatte der Fjord auch seine Nachteile. Vor allem im Sommer gab es hier Mücken im Übermaß und viele der empfindlicheren Pferde mussten deswegen auf den Weiden Decken tragen, um nicht völlig zerstochen in die Box zurückzukommen. Mittlerweile hatten wir uns angewöhnt, die Pferde nachts auf die Weiden zu bringen, wenn es nicht mehr so schwül war und der auch des Öfteren der Regen vom Himmel kam.
      Stumm bogen Nico und ich wenig später in den Wald auf der anderen Seite der Landstraße ab, wo ich meinen Freund auch davon überzeugen konnte, etwas zu traben. Milosch war hart im Nehmen und zuckte nur dann zusammen, wenn einje der nervigen Insekten ihn in blöde Stellen stach. Vad allerdings hatte mehr zu kämpfen. Der Shagya-Araber war manchmal richtig verweichlicht, auch wenn er immer wie ein übercooler Macho tat.
      Der Wind der mir entgegen kam verjagte die Mücken von meinen Beinen und ließ mich den Ritt jedenfalls etwas genießen. Als Milosch mir auch noch den Galopp anbot, kam ich ihm die Hilfen und er sprang in den Galopp um. Ich konnte hinter mir Nicos Rufe hören, auf welche ich allerdings nicht achtete, sondern den Wallach einfach weiter vorwärts trieb. Ich hatte dieses Gefühl der Freiheit vermisst. Viel zu sehr hatte ich mich in den letzten Tagen und Wochen auf den kleinen Bartholomäus konzentriert, aber ich wusste jetzt, dass ich mich seinetwegen nicht davon abhalten sollte, mich weiterhin mit Pferden zu beschäftigen.
      Erst kurz vor unseren ersten Weiden parierte ich wieder in den Schritt durch. Nico hatte sich während des Galopps an meine Fersen geheftet und ich sah, wie er erleichtert aufatmete.
      "Das hättest du nicht tun sollen, wer weiß, was alles passiert wäre!" meinte er vorwurfsvoll. Anscheinend hatte mir der Ritt Selbstbewusstsein und meine sonst so schnippische Zunge zurückgegeben, denn ich wehrte mich gegen Nicos Worte.
      "Halte dich gefälligst von nun an daraus! Ich sitze zehn Jahre länger im Sattel als du und noch nie, NIE ist etwas Schlimmeres passiert. Ich verstehe dich, wenn du dir Sorgen machst, aber das ist zu viel! Komme auf den Boden der Tatsachen zurück, sonst denke ich darüber nach, ob ich doch noch zu Mio nach Nevada ziehe, wenn du mir hier das Leben zur Hölle machst." Ich hatte es getan, ich hatte ihm meine Meinung gesagt. All das, was ich in den Hintergrund gedrückt hatte, zum Wohle unserer Beziehung, und was jetzt erst durch den Galopp wieder ans Licht gerückt ist. Ich war stolz auf mich und sah es al mein Recht an. Auch wenn es irgendwo weh tat, denn bis jetzt hatten wir erst einmal einen Streit aushalten müssen, vor knapp neun Monaten, als ich ihm erzählt hatte, dass ich schwanger war.
      Ich wendete Milosch ab und trieb ihn im Galopp zurück zum Stall. Ich preschte an den Weiden vorbei, dann auf der Landstraße entlang, auf welchen laut die Hufeisen von Milosch prallten und dann die Einfahrt zum Stall hinauf. Erst vor dem Stallgebäude bremste ich Milosch ab, welcher wie immer alles getan hatte, was ich von ihm wollte. Das war mal Liebe.
      Ich band Milosch an seiner Box fest und zog dann den neuen Westernsattel von seinem Rücken, welchen wir uns extra für ihn angeschafft hatten. Nach dem Überputzen entließ ich ihn in seine Box, pfiff Asuka zu mir, welcher brav wie immer im Heu gewartet hatte und machte mich zu Fuß auf den Weg zum Wohnhaus. Ich nahm extra den Weg am Ufer des Tyrifjords entlang, um Nico nicht begegnen zu müssen, welchen ich auf der anderen Seite der Weiden erkennen konnte.
      Klar hatte er irgendwo recht, dass ich beim Reiten jetzt nicht mehr nur mein Leben aufs Spiel setzte, sondern auch das unseres Sohnes, aber er musste mich deswegen nicht wie ein rohes Ei behandeln und das musste er lernen.
      Als ich unseren Hof betrat, sah ich Teodor auf der Bank vor dem kleinen Teich sitzen. Bart lag im Kinderwagen und schien immer noch seelenruhig zu schlafen.
      "Schläft er immer noch?" fragte ich flüstern, als ich mich neben Teo auf die Holzbank fallen ließ.
      "Immer noch ist gut, der war vorhin eine halbe Stunde wach und hat mir die Ohren vollgeheult, was bin ich froh, dass ihn die frische Luft wieder zum Schlafen gebracht hat."
      "Oh man, danke Teo, ich bin dir was schuldig! Ich kann ihn jetzt wieder übernehmen." sagte ich schuldbewusst.
      "Du siehst erholt aus, mein Kind", sagte Teo nur. "Hat dir der Ausritt gefallen?"
      "Ja sehr, er hat endlich alle überflüssigen Gedanken aus meinem Kopf befreit, ich fühle mich viel besser." sagte ich wahrheitsgetreu
      "Dann geh´ wieder spielen, ich packe das hier schon. Glaube mir, ich habe alleine ein Kind aufgezogen, welches dazu auch noch blind war, ich werde mit ihm schon zurechtkommen." brummte Teo.
      Ich blickte ihn erstaunt an. Meinte er das wirklich ernst? "Wirklich?" Die Skepsis in meiner Stimme konnte ich wohl etwas schlecht verbergen, denn Teo schien der Tonfall nicht ganz so gefallen zu haben.
      "Ja ja und jetzt hau ab, bevor ich es mir noch anders überlege!" meinte er trocken.
      Ein freier Nachmittag, das hatte ich schon lange nicht mehr gehabt. Ich drückte Teo, welcher sich in meiner Umarmung steif zurückhielt, und wollte gerade wieder in Richtung Stall verschwinden, als Teo mir noch zurief: "Dafür machst du mal einen längeren Ausritt mit Torun!"
      Ich hob meine Hand zur Stirn und machte diese "Ey ey Sir" Geste, oder wie auch immer man die nannte. Dann beeilte ich mich, dass ich zurück zum Stall kam.

      Mio | Nevada, USA – 04:55
      Die Arbeit auf einer Ranch war jeden Tag aufs Neue schweißtreibend und anstrengend, aber es war die beste Arbeit, die ich je getan hatte. Ich hatte schon so einiges gemacht, vom Pizzaliferanten, über Kellnerin bis zur Trainerin, aber noch nie, noch nie habe ich so das Gefühl gehabt, etwas richtig zu machen. Hier war das anders, hier war ich ich, genoss endlich mal das Leben und setzte mich für das ein, was ich schon immer gewollt hatte. Es hatte sich viel geändert, auch, dass ich jetzt des Öfteren mit einer Flasche Wein bis tief in die Nacht auf der Terrasse saß, mir lustige Geschichten von Heather anhörte und es schaffte, ganz tief in dem Ranchleben zu versinken. Trotzdem begann hier der Arbeitstag viel früher und dauerte meist auch bis zum Dunkelwerden. So klingelte auch heute mein Wecker in aller Frühe. Draußen war es noch dunkel, allerdings würde in einer halben Stunde die Sonne aufgehen, genau dann, wenn auf der Ranch die Arbeit begann. Ich hatte im Haupthaus, einem altertümlichen Ranchgebäude, ein kleines Zimmer für mich. Es lag in der hintersten Ecke des Dachbodens und jeder der Dielen kündigte durch lautes Quietschen Besuch an. Aus Südfrankreich hatte nicht viel den Weg hier her gefunden und so war das Zimmer spärlich eingerichtet, was mir allerdings recht so war. In den letzten sechs Monaten hatte ich gelernt auf alles zu verzichten, was ich nicht unbedingt brauchte. Einmal in der Woche war Waschtag, da wurde die Arbeitskleidung der letzten Woche gründlich gereinigt, bevor sie dann wieder eine Woche getragen wurde. So zog ich auch heute meine Jeans, ein Top und darüber, zum Schutz vor der Sonne, ein weites helles Hemd an. Vor allem ich mit meiner hellen europäischen Haut war gerne der erste Angriffspunkt böser Sonnenstrahlen. Es war Samstag und trotzdem saß Addison bereits am Tisch, als ich die Küche betrat, und schlürfte seinen morgendlichen Kaffee. Ich ließ mich ihm gegenüber auf den Stuhl sinken, zog eine Tasse zu mir heran und goss mir die schwarze Brühe in die Tasse, bis nichts mehr reinpasste. Auch das hatte sich verändert. Kaffee war früher nur ein ekliges Getränk gewesen, welches nur mit reichlich Milch und Zucker schmeckte. Jetzt war es das einzige, was mich an manchen heißen Tagen wach hielt und so war es zu meinem stetigen Begleiter geworden.
      "Was steht heute so an?" begann ich mit Addison ein Gespräch, als unserer beider Tassen fast leer waren. Er brauchte länger um zu antworten, schien noch zu überlegen und seine Gedanken zu versammeln, bevor er sagte: "Wichtig ist heute, dass das Wasser auf den Weiden erneuert wird. Die Wannen müssen sowieso mal wieder geschrubbt werden. Ansonsten reite ich heute gegen Mittag gen Norden zu der kleinen Herde, die wir vor wenigen Tagen entdeckt haben. Da kannst du mich begleiten, wenn du möchtest."
      Ich nickte. "Sehr gerne", meinte ich ihm Aufstehen, nahm die beiden Tassen sowie den Krug vom dunklen Holztisch und stellte beides an die Spüle. Das würde ich nachher abwaschen. Unser erster Weg führte uns, so wie jeden Morgen, zu einem kleinen Stallgebäude. Hier wohnten zur Zeit drei Fohlen, welche wir vor kurzem erst aufgenommen hatten. Die Fohlen waren bei Einfangaktionen, sogenannten Round-Ups, zu Tode gekommen und die drei Fohlen, welche dieses recht spät geboren waren, wären verhungert. Zum Glück hatten jedenfalls diese drei den Weg zu uns gefunden und auch wenn ihre Aufzucht die ersten Wochen viel Arbeit bedeutet hatte, so hatten sie sich schnell an Menschenhand gewöhnt und waren ein kleiner verrückter Sternenhaufen geworden. Bis sie an die Herde gewöhnt werden konnten, würden alle drei hier im Offenstall und später auf einer der kleineren Weiden leben. Der Stall hatte etwas Altertümliches, mit seinen verstaubten Holzboxen, den Strohballen in einer Ecke und jeder Menge Sättel und Zubehör, was man auf einer Ranch eben so brauchte. Der eine Teil bestand aus einer großen Box, mit genügend Platz für mehrere Pferde und einer Tür, welcher den Pferden die Möglichkeit bot, das sandige Paddock jeder Zeit zu nutzen. Der jüngste von den Drein war Time In A Bottle. Ein eher zurückhaltender und nachdenklicher Hengst, welcher sich mit der Gefangenschaft nicht ganz so anfreunden konnte. Der Stall war wie ein Gefängnis für ihn und selten ließ er sich drinnen blicken. Trotzdem hatte er schnell Vertrauen zu uns gefasst, was bedeutete, dass er weniger vor den Menschen Angst hatte, als vor der Enge der Box. Er war der kräftigste der Drei und verschlang bereits jetzt das meiste Futter. Im Gegenteil zu ihm, war Dawn eine überaus zutrauliche und anhängliche Stute, welche uns am Anfang jedoch die meisten Probleme gemacht hatte. Wenn sie nicht auf den Hänger wollte, dann wollte sie nicht und wenn sie mehr Milch wollte, dann versuchte sie das auch mit allen Mitteln durchzusetzen. Kämpferisch und engstirnig, antwortete deswegen unsere Devise. Der Letzte im Bunde war unser Sorgenkind gewesen. Durch irgendetwas, hatte Kwatoko bereits in den ersten Lebenstagen das Augenlicht auf der linken Seite verloren und war deswegen äußerst vorsichtig und ängstlich. Schnelle Bewegungen vertrug er gar nicht und bei ihm war es schon immer wichtig gewesen, sein Vertrauen nicht zu brechen, denn dann konnte man es nur schwer wiederbekommen. Addi und ich nahmen uns etwas mehr Zeit bei den Fohlen, putzten sie im trüben Licht des Stalls und holten dann unsere Milcheimer, welche, praktischerweise, einen Saugnippel besaßen und so die Zitzen einer Stute imitierten. Als die Arbeit im Stall beendet war, schickte mich Addison zu dem Geländewagen, mit welchem wir eine große Wasserbox zu den Weiden bringen wollten. Vier Wochen hatte es gedauert und ich hatte meinen Führerschein in der Tasche. Kein sinnloses Wiederholen und viel billiger als es in Europa war, hatte ich ihn mir von meinem letzten Taschengeld geleistet und mittlerweile fuhr ich, als hätte ich jahrelang nichts anderes getan. Täglich war der Jeep gefragt und vor allem die steilen und trockenen Buckelpisten waren die beste Übung für einen Einsteiger. Den Wassertank hatten wir bereits am Vortag mit Wasser aufgefüllt, sodass wir den Anhänger nun nur noch an den Jeep anhängen mussten, worin wir beide bereits genügen Übung besaßen. Vor allem bei den heißen Temperaturen sauften unsere Pferde die 1000l innerhalb von zwei Tagen. Als der Anhänger befestigt war, zog sich Addison, gefolgt von Ceberus dem stillen Begleiter, auf den Beifahrersitz und schlug die Tür des Geländewagens zu. Kaum saß er, gab ich bereits Gas. Ich konnte mir das immer bildlich vorstellen, wie der Jeep die trockene Steinwüste entlang preschte und hinter sich eine große Staubwolke hinterließ. Wie im Film, dachte ich dann manchmal. Wir hatten zwei große Weiden, unsere Stuten und unsere Hengste. Da unkontrollierte Zucht unter den adoptierten Mustangs laut BLM (Bureau of Landmanagement) nicht erlaubt war, musste unsere Hengstherde nun auf einer anderen Weide stehen, als ihre Stuten. Beide Weiden waren in etwa gleich groß, was bei den vielen Hektar allerdings schwer zu sagen war. Die Weiden waren sogar so groß, dass sich in der Gruppe sogar einzelne Herden abgesplittet hatten, auch wenn das richtige Herdenfeeling dank des BMI noch fehlte. Als Erstes führte uns unser Weg zu der Stutenweide. Die Wasserstelle befand sich hier in der Mitte der Koppel an einem etwas geschützten Platz, wo auch bei extremer Hitze das Wasser nicht zu schnell vertrocknete. In zwei großen Wannen schimmerte ein letzter staubiger Rest Wasser, Zeit, dass neues kam. Dank meines guten Auges, konnte ich zwischen einigen Sträuchern ein paar Stuten erkennen, welche schon sehnsüchtig auf neues Wasser warteten.
      "Das ist Quicksilvers Herde", meinte Addison, als er meinem Blick folgte. "Da hinten sind Valhalla und Atius Tirawa." Er deutete auf zwei auffällig gefärbte Stuten im Vordergrund. Kaum hatte er es gesagt, trat auch schon eine dritte Stute aus den Büschen hervor. Quicksilver war eine hübsch geschecktes Pferd mit zweifarbigen Augen und einem lebensfrohen und intelligentem Charakter, welche bereits, kurz nachdem sie auf der Ranch angekommen war, eine der beiden Herden an sich gerissen hatte und diese mit viel Anmut führte. Die Stuten hielten vorsichtig Abstand, während Addi und ich mithilfe einer Bürste die Algen und den Staub aus den Wannen kratzten, bevor wir beide mit neuem Wasser auffüllten. Als Silver und ihre Freundinnen das neue klare Wasser sahen, überwanden sie ihre Vorsicht und standen kurze Zeit später um das Wasser gedrängt. Addi und ich hatten uns etwas zurückgezogen, um die Pferde nicht unruhig zu machen. Auch dieses Mal wartete ich vergebens auf ein Zeichen von zwei Stuten, welche die weite Reise von Europa mit mir zusammen bestanden hatten. Anaba hatte vor wenigen Tagen ein Fohlen von Chosposi zur Welt gebracht und sich seitdem nur kurz zum Trinken blicken lassen. Laut Addison war es normal, dass die Stute die erste Zeit etwas abseits lebte, aber trotzdem machte ich mir Gedanken um eins meiner liebsten Pferde. Auch Flotten von Mutanten hatte die Eingewöhnung in die Gruppe gut überstanden, gehörte aber einer der Pferde an, die sich nur selten blicken ließen und eher die Nacht zum Trinken nutzten. Es war erstaunlich, was Flotte wiedereinmal für eine Veränderung durchgemacht hatte. Erst hier in Nevada war ihr richtiges Ich ans Licht gekommen und auch wenn sie immer noch nicht Reitbar war, hatte sie mittlerweile einen großen Schritt nach vorne gemacht. Als die drei Stuten wieder ihren Weg zurück in die Büsche einschlugen, stiegen auch Addison und ich ins Auto, denn auch die Hengste würden bereits auf frisches Wasser warten. Auch diese Wasserstelle hatten wir so eingerichtet, dass sie sich im Innern der Weiden an einem schattigen Platz befand, wo die Pferde in Ruhe trinken konnten, ohne Angst vor Menschen oder Autos haben zu müssen. Hier herrschte eine ganz andere Stimmung, denn auch wenn die Hengste zusammen auf einer Weide lebten, so machte doch jeder von ihnen eher sein eigenes Ding. Einen Anführer gab es trotzdem: Cloud besaß einen muskulösen, jedoch trotzdem zarten Körper, welcher ihm die Gabe verlieh, schnell und vor allem wendig zu sein. Auch wenn er nicht der Größte war, so hatte er doch das Sagen und die Hengste richteten sich auch nach ihm. Um die Senke hatten sich mehrere Pferde verteilt, geschützt von hohem Gras oder trockenen Büschen, beobachteten sie jeden unserer Schritte und als auch ihre Wasserstelle wieder mit frischem Wasser aufgefüllt war, sah ich ihnen an, dass sie alle großen Hunger hatten. Unruhig spielten sie mit den Ohren, scharrten auf dem trockenen Boden und ließen somit kleinere Staubwolken entstehen, welche von dem Westwind jedoch recht schnell weggetragen wurden. Addison und ich hatten uns bis zu dem Jeep zurückgezogen und warteten nun darauf, dass der Hengst auftauchte, welcher jedes Mal zuerst trank. Lange mussten wir nicht warten, denn einige Minuten später stieg ein schneeweißes Pferd die Senke herab und ließ seinen eleganten Kopf mit der langen Mähne zu den Tränken sinken. Nach und nach kamen nun auch die anderen Pferde hinzu, je nachdem, wie hoch ihr Rang war. Der nächsten war ein vollkommen brauner Hengst namens Silent Bay, welcher durch sein Alter und seiner Ruhe sich mit der Zeit einen Rang knapp unter Cloud erarbeitet hatte. Hinter einem gescheckten Hengst namens Frekur kam dann einer meiner Hengste, Morrigans Hidalgo und ich konnte es nicht verhindern, dass mein Herz einen kleinen Hüpfer machte. Nachdem er getrunken hatte, löste er sich auch aus der Herde und kam auf mich zu getrottet.
      "Hallo Hidalgo", flüsterte ich, als er seinen weißen Kopf gegen mich stieß und um eine Streicheleinheit bettelte. Vor allem bei ihm sah ich den Unterschied, den die Wildnis machte. Auch wenn seine Mähne ein einziger Knoten war, so hatte sein Körper jede Menge Muskulatur aufgebaut und seine Trägheit war vollkommen verschwunden. Hidalgo blieb einige Zeit bei mir stehen. In der Zwischenzeit beobachtete ich die anderen Hengste, welche nach und nach die Wasserstelle wieder verließen und ein paar Nachzügler kamen, um zu trinken. Darunter war eine kleine Junghengstbande, in welcher ich drei weitere Pferde von mir erkennen konnte. Nicht nur Varys und Imagine There´s No Heaven, auch der neuere Triumph, hatte sich perfekt in die Herde eingegliedert und so waren alle drei zu stattlichen Junghengsten geworden, welche ihr Leben in allen Zügen genossen. Als es für uns Zeit wurde aufzubrechen, kraulte ich Hidalgo ein letztes Mal hinter den Ohren, bevor ich wieder hinter das Steuer des Jeeps stieg und vorsichtig das Auto samt Anhänger wendete und zurück zur Ranch fuhr. Mittlerweile war die Sonne vollständig aufgegangen und erwärmte die Erde jede Sekunde mehr. Heute Mittag würde die Sonne die Erde so erhitzt haben, dass man barfuß nicht mehr laufen konnte. Zurück auf der Ranch sah ich als erstes Heather, welche gerade die Tür des Haupthauses hinter sich zuzog und die Verandatreppe herunter hechtete.
      "Guten Morgen Heather!" rief ich aus dem offenen Autofenster, bevor ich es auf dem Parkplatz neben dem Haus abstellte und Addison und ich aus dem Auto stiegen.
      "Ach Gott sei Dank, ich treffe euch noch", war Heather erleichtert. "Ich wollte gerade nach Las Vegas und Chill und Buck abholen, außerdem muss ich gleich darauf zur Arbeit. Ich komme wohl erst nächste Woche wieder und wollte euch noch verabschieden." erzählte sie in solch flottem Tempo, dass selbst ich Probleme hatte hinterher zu kommen. Dann umarmte sie mich kräftig, bevor sie das gleiche auch bei Addison tat. "Wir werden uns nachher wohl nicht sehen, ich schmeiße die Jungs nur raus und fahre gleich wieder. Ich werde sowieso zu spät kommen!"
      Sie rannte zu ihrem kleinen Roten, winkte uns nochmal hektisch zu, bevor sie in einem Affenzahn von der Ranch düste, den man ihr gar nicht zugetraut hätte. Ich grinste ihr hinterher und merkte gar nicht, dass mich Addi von der Seite beobachtete.
      "Du magst sie wirklich, oder?", fragte er und ich nickte nur erstaunt. Solche Gespräche mit Addi waren selten, Gespräche über Gefühle und Vergangenheit. Mir war das meist nur recht, auch ich wollte das Geschehene hinter mir lassen, aber trotzdem vermisste ich es manchmal, mit jemanden darüber reden zu können.
      Addi sprach weiter. "Sie ist wirklich eine Gute. Ich hätte das nie alles ohne sie geschafft und auch wenn sie in Vegas wohnt, so war sie bis jetzt doch immer da, wenn ich sie gebraucht habe." Plötzlich brach Addi ab, fast so, als schien er sich bewusst geworden zu sein, dass das nicht sein Stil war, über so etwas zu sprechen, und wendete sich zum Haupthaus um. "Kommst du? Ein kleines Frühstück wartet auf uns. Ich habe Hunger."

      Charly | Norwegen, Buskerud - 14:49
      Als ich zurück im Stall ankam, hatte er sich in der kurzen Zeit meiner Abwesenheit wesentlich gefüllt. Ich traf nicht nur Nico, welchem ich allerdings keines Blickes würdigte, sondern auch noch die junge Torun, sowie unsere beiden weiteren Hofbewohner Malte und Petyr. Malte und Petyr leiteten zusammen einen Ausbildungsbetrieb und waren so recht viel auf Achse. Wenn sie allerdings auf dem Hof anzutreffen waren, packten sie immer mit an. Auf ihre Hilfe war immer verlass. Petyr sattelte gerade einen großen Friesen ab. Batman gehörte dem jungen Mann und die beiden waren genauso ein Herz und eine Seele wie Marid und Nico. Torun saß in der Mitte der Stallgasse auf einem Heuballen und ließ die Beine schlenkern. Sie schien mit Malte zu erzählen, welcher in eine Schubkarre Stroh auflud. Nicos blonden Schopf konnte ich in der Box von Marid ausfindig machen, um welche ich einen großen Bogen machte. Meiner Meinung nach musste er spüren, dass er übertrieben hatte. Ich grüßte dafür umso ausführlicher die beiden jungen Herren und dann Torun, neben welche ich mich auch niederließ.
      "Ich hoffe, ich störe euer Gespräch nicht?" fragte ich Malte, welcher aber nur abwinkte und meinte: "Ich habe sowieso zu tun, alles gut."
      Als er seine Schubkarre davon geschoben hatte, fragte ich das junge Mädchen neben mir: "Du Tori, was hältst du von einem Ausritt?" Wie ein kleines Mädchen hörte ich mich vermutlich an, allerdings hatte mich der Erkundungswillen wieder gepackt und ich wollte unbedingt noch einen weiteren Ausritt machen. Pferde hatten wir ja genügend, welche etwas Bewegung brauchten. Ohne mich anzuschauen, ich war dies mittlerweile gewöhnt, antwortete mir Torun erfreut. "Wirklich? Wir können zusammen ausreiten?" Ich merkte, wie das Mädchen aufgeregt mit den Beinen zu wippen begann. Ich lachte. "Klaro, und das am besten jetzt sofort! Teo hat bereits zugestimmt, es steht uns also nichts mehr im Wege. Machst du Abs fertig? Dann treffen wir uns in zwanzig Minuten vor dem Stall."
      "Oh ja!" rief Torun wie ein kleines Kind freudig und sprang gekonnt von dem Ballen. Trotz ihrer Blindheit, welche sie durch eine Impfung in jungen Jahren langsam erlangt hatte, bewegte sie sich im Stall genauso sicher wie ein Sehender. Jahrelang hatte sie von ihrem Vater Reitunterricht auf dem großen Wallach Abs bekommen und nicht nur das Mädchen, auch das große Pferd hatten sich auf die Situation eingestellt und bei kaum etwas brauchte Torun nun noch Hilfe. Sie bewies es, in dem sie gezielt eine der hinteren Box anstrebte und dort den Riegel zur Seite schob. Sofort kam eine dunkle Schnauze hervor geschossen, welcher ihr ins Gesicht schnaubte. Ich freute mich für das Mädchen, welches trotz ihrer Behinderung ihr Leben genießen durfte. Ganz unbewusst hatte auch ich mich vor ein Problem gestellt: Welches Pferd sollte ich reiten? Ich sprang vom Ballen herunter und ging dann zu einer der Boxenseiten. Mit einer Hand strich ich an den Boxenwänden entlang, schaute in jede rein und überlegte mir ganz genau, ob ich nicht dieses Pferd reiten wollte. Viele der Pferde gehörten gar nicht uns, sondern Petyr oder Malte, sodass gar nicht mehr ganz so viele übrig blieben. Bei Jeanies Box blieb ich länger stehen, allerdings nur, um die kleine Jelda zu bestaunen, welche auf dem Boxenboden lag und sich genüsslich entspannte. Rechts und links von Jeanie und Jelda standen die beiden kleinen Ponys Excelsior und Braum van Ghosts. Excelsior sah sich als Ersatzvater und der junge Braum schien seit seiner Ankunft vor wenigen Monaten in die Stute verliebt zu sein. Leider sollte er erstmal ein Hengst bleiben, sodass wir ihm nicht die Ehre hatten erweißen können, mit der Stute zusammen auf einer Weide zu stehen. In den nächsten Boxen standen die großen Barockpferde Petyrs. Flame, Ezio, Esmeralda, Fenicio, Wild Cherry, El Montino und die kleine Sacarina. Alles wunderschöne Pferde, aber ganz bestimmt nicht das Temperament, welches mir zusagte. Da gefielen mir die beiden Friesenhengste Xinu und Batman schon viel besser, welche gleich daneben standen. Nach diesen Pferden kamen ein paar Boxen mit Jungtieren. Tysbe, Scion d'Or, Aspantau und Sleipnir. Bei dem etwas langsameren Leiðtogi sagte mein Gefühl auch nein und die beiden Vollblutstuten Grenzfee und Teufelstanz waren auch nichts für einen gemütlichen Ausritt mit Torun. Na super. Entweder war ich zu wählerisch oder wir hatten zur Zeit wirklich kaum Pferde zum Reiten. Ocarina of Time konnte ich zur Zeit auch vergessen und der Rest der Pferde waren kleine Shetlandponys, welche vor allem zum Fahren ausgebildet worden waren. Erst in den letzten beiden wurde ich fündig. Ich hatte mich lange davor gesträubt, eine der beiden Stuten zu reiten, denn nie hatte sich wer anders auf die zarten Tekkiner gesetzt, als Shadow. Er hatte seine Liebe für die orientalischen Distanzpferde entdeckt und so hatten wir es nicht übers Herz gebracht, die beiden Stuten zu verkaufen. Im Gang entdeckte ich eine vereinsamte Putzbox, welche ich mir gleich als mein Eigentum annahm und aus dieser das benötigte Putzzeug für Charelle herausholte. Nelly, wie sie immer Fürsorglich von Shadow genannt worden war, betrachtete mich etwas skeptisch, wahrscheinlich hätte sie nicht erwartet, dass ausgerechnet ich sie reiten wollte. Trotzdem blieb sie ruhig. Sie hatte sehr an Shadow gehangen und vor allem die ersten Wochen waren so für sie überhaupt nicht einfach gewesen. Ich war gerade dabei den linken Vorderhuf von Nelly vom Dreck und Mist zu säubern, als jemand zaghaft gegen die Boxentür klopfte. Ich ließ Nellys Huf fallen, richtete mich etwas ungelenkig auf und wischte mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Zum Friseur musste ich dringend auch mal wieder.
      "Hey du, möchtest du noch einen Ausritt machen?" Nicolaus stand an der Boxentür angelehnt und beobachtete mich etwas bedrückt, so als würde er es wirklich bereuen.
      Ich nickte. "Ja, etwas dagegen?" Ich machte mich bereits bereit für einen Gegenangriff, doch Nico schüttelte nur stumm den Kopf und griff dann zu meiner Hand. Erst hatte ich das Bedrängnis mich befreien zu müssen, Nico hielt diese jedoch standhaft fest und so gab ich schnell nach.
      "Nein überhaupt nicht. Du hattest Recht, ich habe übertrieben. Das wird nicht wieder vorkommen. Ich lasse dir von nun an deine Freiheit, versprochen!" sagte er und ich sah, wie eine kleine Träne in seinen Augen schimmerte. In diesem Moment überwältigte mich das Gefühl, ihn ganz fest umarmen zu müssen und das tat ich auch. Er schien erstaunt, dass ich ihm so schnell vergab, aber ich brauchte ihn, ich brauchte ihn vor allem jetzt und auch wenn ich vor kurzem noch si getan hätte, als wäre ich taff genug, so hatte ich immer irgendwo gewusst, dass ich ohne ihn nicht konnte.
      Nico erwiderte meine innige Umarmung und schien genauso erleichtert wie ich, dass wir das geklärt hatten. Wahrscheinlich hätten wir hier in der Boxentür auch noch einen weiteren Tag so gestanden, wenn uns nicht ein lautes: "Du hast ja noch gar nicht gesattelt Charly!" abrupt auseinander hätte fahren lassen. Torun stand neben uns, hatte sich wahrscheinlich so langsam angeschlichen, dass weder ich noch Nico diese mitbekommen hatten.
      "Woher weißt du das?" fragte Nico sie etwas erstaunt. Schon immer hatte er sich vieles nicht erklären können, was Torun alles schaffte. Immer wieder hatte er mich am Anfang gefragt, wie sie es schaffte, sich jeden Tag aufs Neue perfekt kombiniert anzuziehen und nicht mit gestreiften Hosen und einem gestreiften Hemd im Stall aufzukreuzen. Torun zuckte mit den Schultern. "Das merke ich", meinte sie nur. "Kommst du etwa auch mit?" ging ihre Frage an Nico. Dieser blickte mich kurz fragend mit großen Augen an und da konnte ich nicht anders, als zu nicken.
      "Ja, komme ich."

      Ein paar Minuten später standen wir zu dritt vor dem Stallgebäude. Nico hatte nicht lange mit sich fackeln lassen uns sich für die andere Stute von Shadow entschieden, April Rain. Torun ritt wie immer ihren Abs, einen großen Mix, welcher fast das größte Pferd im Stall war. Dafür war Abs das perfekte Pferd für Torun. Ruhig, gelassen und voller Verständnis für seine blinde Freundin. Perfekt mit einem bequemen Wanderreitsattel gesattelt stand er da. Torun hielt seine Zügel in der Hand und wartete darauf, dass man ihr in den Sattel half. Der aufmerksame Malte ließ deswegen seine Schubkarre stehen und ging zu Torun, welche seine Hilfe gerne in Anspruch nahm. Malte Tordenværson, ein junger Schwede, welcher bereits in jungen Jahren mit seinem Freund Petyr Holmqvist einen Ausbildungsbetrieb eröffnet hatte und seitdem um die ganze Welt reiste, um Pferde zu trainieren. Malte hatte das Aussehen eines Winkingers, blonde Haare, an den Seiten leicht gestutzt und den Rest mit einem Lederband zusammengebunden. Sein blonder Bart, war das ein Zehntagebart?, war stets gut gestutzt und saß immer perfekt. Wenn er nicht gerade Pferde trainierte, war er mit seinem schwarzen Wolfshund Geri unterwegs, oder kümmerte sich um seine Zackelschafe. Ja, Zackelschafe. Eine gefährdete Rasse, welche vor allem für ihre langen Hörner bekannt waren. Die kleine Herde stand einige Kilometer weiter auf einer Weide und dort durften sie ihr Leben genießen. Auch Nico und ich zogen uns, nachdem Torun sicher saß, in unsere Distanzsättel. Ich dankte Malte mit einem kurzen Nicken, bevor wir uns zu dritt vom Hof bewegten. Auch wenn man es nicht glaubte, auf dem Pferd bewegte sich Torun noch sicherer, von ihrer Blindheit war hier kaum noch etwas zu spüren.

      Mio | Nevada, USA - 10:49
      Nach einem gemütlichen und ausführlichen Frühstück, zogen Addison und ich unsere Stiefel wieder an und liefen zu zwei Weiden, welche etwas versteckt hinter dem Haus lagen. Auf jeder dieser Weiden standen nur zwei Pferde, zwei Hengste und zwei Stuten. Einen der Hengste kannte gut, besser gesagt sehr gut. Mein Chosposi. Cho teilte sich die Weide mit einem hübschen Hengst namens Apokalypse. Die Weiden lagen gleich nebeneinander, waren nicht so groß wie die der anderen Pferde, boten jedoch trotzdem genügend Platz, um sich frei bewegen zu können.
      Auf der anderen Weide standen die beiden Stuten. Beide waren Rappschecken, vom Charakter her aber extrem unterschiedlich. My Canyon war das private Pferd von Addison. Bereits vor vielen Jahren hatte er die verängstigte und verletzte Stute bei sich aufgenommen und mit viel Mühe zu dem Reitpferd gebracht, welches sie jetzt war. Candy, wurde sie zärtlich genannt. Die andere Stute fiel vor allem durch ihr überaus blaues Auge auf, aber auch durch ihren aufdringlichen und anhänglichen Charakter. Battle Cry und Apokalypse waren die beiden Pferde von Addisons Söhnen. Mit ihnen zusammen hatte er die Mustangs gezähmt und man glaubte es kaum, aber Buck und sein Apo und Chill und seine Cry waren so feste Freunde, wie man es wohl nicht ganz so schnell finden würde.
      Alle vier Pferde erwarteten uns bereits, als wir die Halfter von den Pfosten nahmen. Ich öffnete das Gatter zur Hengstweide, Addi das Gatter zu den Stuten. Apo bekam von mir eine ausführliche Begrüßung, bevor ich mich meinem Chosposi zuwandte. Ich hatte ihn mir als Reitpferd ausgesucht, weil ich wusste, dass ich ihm vertrauen konnte. Zärtlich strich ich ihm das Halfter über die Ohren und führte ihn dann von der Weide. Auch Addi hatte seine Candy aufgehalftert und zu zweit führten wir die beiden dann zurück zur Ranch.
      Nachdem beide Pferde gesattelt waren, stiegen wir auf und Addi führte mich von der Ranch hinunter in die verzweigte Landschaft des Red Rock Canyons.
      Erst vor einigen Tagen hatten wir bei einem unserer Rundfahrten eine neue kleine Herde wilder Mustangs entdeckt, welche wohl noch nicht allzu lange bei uns in der Gegend weilte. Addison wollte nun die Pferde zählen, sowie Aufzeichnungen machen, wer sich alles in der kleinen Herde befand.
      Cho und Candy waren mittlerweile ein eingespieltes Team und auch Addi und ich hatten gelernt, zusammenzuarbeiten.
      Als wir das schroffe Gebirge des Canyons verließen und auf dem trockenen Boden der Wüste weiter ritten, war ich froh, mir vorhin nicht nur jede Menge Sonnencreme ins Gesicht geschmiert zu haben, sondern auch den überaus praktischen Cowboyhut auf dem Kopf zu haben.
      Nachdem wir einiger Zeit einem kleinen Trampelpfad gefolgt waren, parierte Addi in den Stand durch und gab auch mir das Zeichen zum Anhalten.
      "Siehst du da vorne?" flüsterte er und reichte mir ein kleines Fernglas. Gut gedeckt von trockenen Büschen, standen drei braune Pferde einige hundert Meter vor uns. Ich nahm das Fernglas entgegen und versuchte die Pferde zu erkennen.
      "Das sind nur drei Junghengste", meinte ich, als ich Addison das Fernglas zurückgab. "Die scheinen zu keiner Herde zu gehören."
      Auch Addison warf einen Blick durch das Fernrohr, bevor er nickte und es wieder zurück in seine Tasche steckte. "Hast recht, das ist nur die kleine Junghengstherde." Einen kleinen Bogen schlagend umritten wir die drei Mustangs, um diese nicht zu stören. Wir hielten uns weiterhin nach Norden und achteten angestrengt Ausschau, nach einer Herde.
      "Vielleicht sind sie bereits weitergezogen", meinte ich Addi, als wir einen der westlichen Ausläufer des Canyons erreichten.
      "Gut möglich, aber es wäre seltsam, wenn sie ihren Weg so schnell fortgesetzt hätten. Wir reiten etwas weiter in den Canyon, vielleicht haben sie dort nach Schutz gesucht."
      Die Mittagssonne prallte auf uns und unsere Pferde und so war es recht angenehm, als die großen Wände und Steinfelsen des Red Rock Canyons uns etwas Schatten spendeten. Die Pferde waren die langen Touren durch den Canyon bereits gewöhnt und trotzdem hatten sie mit der Hitze arg zu kämpfen. Addison schien die Hoffnung schon fast aufgegeben zu haben, dass wir die Herde noch finden würden, als ich einige Bewegungen hinter einigen Steinen vor uns entdeckte. Das Tal, durch welches wir ritten, führte einen kleinen und fast ausgetrockneten Bach mit sich und so war es nicht verwunderlich, dass die Herde sich hier verstecken könnte. Diesmal gab ich Addi das Zeichen zum Stehenbleiben und deutete langsam auf einige Mustangs, welche im Schatten eine Mittagspause eingelegt hatten.
      "Das müssen sie sein." flüsterte Addi, bevor er sich aus dem Sattel von Candy gleiten ließ. Die Stute blieb ruhig stehen und Addi machte sie wie immer nicht die Mühe, seine Stute anzubinden. Schon immer hatte ich das Vertrauen bewundert, welches der Mann in seine Pferde hatte. Auch ich kletterte vorsichtig aus dem Steigbügel, überlegte kurz, was ich mit Cho tun sollte und schenkte ihm dann mein Vertrauen, dass auch er sich nicht aus dem Staub machen würde, bevor ich Addi langsam folgte. Addi bewegte sich still und langsam voran und trotzdem blieb er aufrecht. Die Pferde mussten merken, dass wir uns nicht anschlichen, also nichts Böses wollten. Der Wind wehte auf die Herde zu, ein kleiner Nachteil für uns, sodass die Mustangs uns schon recht früh bemerkten. Das erste Pferd, welches den Kopf hob, war ein hübscher, aber von vielen Narben gekennzeichneter Falbhengst, wahrscheinlich das Alphatier. Es blähte die Nüstern auf und ließ uns nicht aus seinem Blickfeld, machte jedoch keine Anzeichen abzuhauen. Er schien uns zu akzeptieren, solange wir nicht näher an seine Herde kamen. Außer dem Hengst konnte ich noch fünf Stuten erkennen, von welchen drei einen keinen Nachwuchs bei sich trugen. Auch Addison hatte sich mittlerweile auf dem steinigen Boden niedergelassen und machte sich erste Aufzeichnungen über die Herde. Aussehen, Alter und besondere Merkmale, gegliedert nach Rangordnung. Ich versuchte stetig von ihm zu lernen, denn Addison besaß ein besonderes Auge dafür, wie die Herde aufgebaut war und konnte mir genau sagen, wer von den Pferden neben dem Alphatier den höchsten Rang hatte und wer den niedrigsten. Einige Minuten saßen wir schweigend da und beobachteten die Pferde, bevor sich ganz unerwartet ein Jungtier von der Herde löste und auf uns zu getippelt kam. Es war erst wenige Wochen alt, war aber hübsch gescheckt mit blauen Augen, in welchen das Verlangen nach Abenteuer glitzerte. Einige Meter vor uns blieb es stehen, streckten den Kopf nach vorne und schnüffelte an der Hand, die ich ihm hinhielt. Das Fohlen schüttelte den Kopf, sprang ihn die Luft, drehte sich um und flitzte in einem Affenzahn zurück zur Herde, sodass ich laut auflachen musste. Addi warf mir einen warnenden Blick von der Seite zu, lächelte aber trotzdem leicht, als er sich wieder umdrehte.
      "Komm lass uns zurück, ich habe alles Wichtige." meinte Addison, bevor er aufstand und mir die Hand hinhielt. Etwas verblüfft nahm ich seine Hand an und ließ mich von ihm auf die Beine helfen.

      Als wir am späten Nachmittag zurück auf die Ranch geritten kamen, wurden wir von zwei überaus quicklebendigen Jungs begrüßt, welche nichts anderes zu tun hatten, als auf dem Hof Fußball zu spielen. Chill und Buck waren zwei Zwillinge wie aus dem Bilderbuch. Abenteuerlustig, verspielt und beide bauten des Öfteren Mist. Trotzdem waren sie so gut erzogen, wie kaum ein anderer. Sie liebten das Leben auf der Ranch und packten, trotz ihrer knappen zehn Jahre, schon mit an, wenn etwas zu tun war. Dazu konnten sie noch reiten wie ein Weltmeister und ich war mir sicher, dass sie in die Fußstapfen ihres Vaters treten würden, sobald sie alt genug waren. Da sie weit außerhalb wohnten, mussten sie nur dreimal in der Woche zur Schule, um dort in den wichtigsten Fächern wie Englisch und Mathe unterrichtet zu werden. Alles andere mussten sie zuhause in Eigenarbeit lernen. Zum Glück hatte Heather und auch Addison viel Ahnung von den wichtigsten Dingen, sodass beide in der Schule kaum Probleme hatten. Ohne das Addison etwas sagen musste, hörten die beiden auf zu spielen, als wir auf den Hof kamen und machten uns Platz, damit wir die Pferde absatteln konnten.
      "Hey Dad!" rief Chill und beide kamen auf uns zu gerannt. "Habt ihr die Herde gefunden?" Addison nickte nur und wuschelte seinen beiden Jungs durch die Haare. "Ja haben wir, das können wir euch nachher erzählen. Habt ihr Lust die beiden Pferde zurück zur Weide zu bringen? Ich mache euch in der Zwischenzeit einen Kakao, ja?"
      Ganz so begeistert schienen die Beiden nicht zu sein, allerdings nahm mir Buck trotzdem meinen Chosposi ab und Chill schnappte sich My Canyon von Addison und brachten die beiden Richtung Weide. Währenddessen folgte ich Addison ins Haupthaus, wo wir in einem Topf Milch für einen Kakao erhitzten. Auch ich hatte unendlich Durst und konnte es kaum erwarten, meine trockene Kehle mit etwas leckerem wie Kakao zu füllen.
      "Mio?" richtete Addi eine Frage an mich. Ich gab ihm mit einem kleinen "Mhm?" zu verstehen, dass ich ihm zuhörte. "Am Montag ist ein Vereinstreffen, da will ich Heather auch mitnehmen. Kannst du zufällig Chill und Buck zur Schule bringen?"
      Ich seufzte knapp und nickte dann aber. "Ja klar, kein Problem."
      "He", Addi stupste mich an. "Lüge nicht, es ist ein Problem für dich, aber mir fällt gerade keine andere Lösung ein. Du weißt, dass ich Heather als Journalistin brauche."
      Ich nickte. "Jaaa, ich weiß." Natürlich verstand ich ihn, aber vor allem zu dieser Jahreszeit waren die Vereinstreffen immer die spannendsten. Seit einigen Tagen hatten die vom BLM organisierten Round-Ups wieder begonnen, was bedeutete, dass wilde Mustangs mit Hilfe von Hubschraubern zusammengetrieben wurden, um dann in sogenannten Holdingfacilities auf eine Adoption zu hoffen, denn sonst endete ihr Weg wohl oder übel in einer der Schlachtereien in Kanada, Europa oder China, denn dort war es noch erlaubt, Pferden den Kopf abzuhacken. Mittlerweile hatten sich viele Vereine gegründet, welche gegen diese Misshandlung kämpften und natürlich war Addi seit Jahren bei einer solchen im Vorstand. Heather begleitete ihn deswegen des Öfteren, denn die Journalistin arbeitete für eine freie Zeitung, welche immer Interesse daran zeigte, über die Mustangs zu informieren. Natürlich verstand ich, warum ausgerechnet ich nicht mitkonnte.
      Addi strich mir eine Strähne aus dem Gesicht und lächelte mich mitfühlend an. "Beim nächsten Mal Mio, da darfst du wieder mit, versprochen!"

      Charly | Buskerud, Norwegen - 16:29
      Der Ausritt mit Nico und Torun war, im Gegenteil zu heute Morgen, etwas ganz besonderes gewesen. Wir hatten eine andere Strecke gewählt, hatten viel erzählt und gelacht und ich hatte es tatsächlich geschafft, Nico vollends zu vergeben. Nelly schien endlich mal wieder losgelöst und entspannt laufen zu können und auch ihre beste Freundin April, schien den Ritt zu genießen. Abs und Torun waren, wenn der Weg breit genug gewesen war, zwischen uns geritten, um nicht vom Weg abzukommen. Gesund und munter waren wir so nun zurück auf dem Gelände angekommen und wurden auch schon von einem etwas gestressten Teodor und einem breit grinsenden Bartholomäus erwartet, welcher, sobald ich vom Pferd abgestiegen war, seine Hände nach mir ausstreckte. Ich machte mit Teo einen passenden Tausch, nahm ihm den kleinen Bart ab und gab die Zügel von Nelly an ihn weiter. Normalerweise wäre ich jetzt mit Bart zurück zum Haus gegangen, doch ich entschied mich dafür, das Tragetuch aus dem Kinderwagen zu kramen und mir den kleinen Bart recht geschickt auf den Rücken zu binden. So konnte der kleine alles beobachten und ich hatte die Hände für andere Aufgaben frei. Mittlerweile war es später Nachmittag und unsere Pferde traten mit den Hufen gegen die Boxentüren, denn das Verlangen nach den großen Weiden war in ihnen erweckt worden. Malte und Petyr waren auch noch im Stall, sodass wir uns kurz darauf zu einer kleinen Besprechung trafen, bei welcher wir klärten, wer welche Pferde auf die Weiden bringen würde. Zusammen mit Nico sollte es meine Aufgabe sein, unsere kleineren Pferde und die Fohlen rauszubringen, während Petyr sich der Stutenweide vornehmen würde und Malte und Teodor den Hengsten. Nico und ich trafen die Entscheidung, erst Jeanie und die kleine Jelda, zusammen mit California's Small Caramel Candy und der etwas zickigen Ocarina of Time auf die kleine Stutenweide direkt vor dem Stall zu bringen. Jelda wusste ganz genau wo es hinging und versuchte deswegen mit Umwegen die Umgebung zu erkunden, bevor sie ihrer Mutter dann hinterher galoppiert kam. Als die vier auf der Weide standen, nahmen wir uns die anderen vier Ponys vor. Excelsior, Braum, Braddock 'The Parrot' und Slaughterhorse. Auch diese kamen auf eine nicht allzu weit entfernte Weide, von wo aus Exel und Braum die gemeinsame Freundin Jeanie gut im Blick hatten. Als wir gerade zurück im Stall waren, hatte Malte zwei Pferde von Petyr an der Hand. Es waren zwei Hengste, Jupiter und White Face, welche Petyr beide nur als Freizeitpferde besaß. Ich nickte Malte nur kurz zu, bevor dieser mit den beiden Pferden um die Ecke verschwunden war.
      "Und nun?" fragte ich Nico, welcher auch schon zu überlegen schien.
      "Jetzt wären die ganzen Jungpferde an der Reihe, aber das sind so viele, dass wir das wohl nicht alleine schaffen werden. Vielleicht warten wir noch auf die Anderen und füttern in der Zeit unsere Minis." meinte Nico und deutete auf das andere Ende des Stalls, wo wir zwei größere Boxen für die ganz Kleinen unter uns hergerichtet hatten. Irgendwie hatten sich bei uns so einige Shetlandponys angesammelt, aber auch ein kleiner Falabellahengst von Torun war dabei. Lange Zeit hatten der kleine Hengst namens Treebeard und Abs alleine auf einer Weide gestanden. Dieses Bild von dem großen Wallach und dem kleinen gepunkteten Hengst ging mir einfach nicht aus dem Kopf und immer wenn ich daran dachte, musste ich grinsen. Die Minis waren auch hier natürlich in Stuten und Hengste geteilt. Während auf der einen Seite Batida de Coco, Belle und My Hope Nymeria, stand auf der anderen Seite die kleine Hengstbande, bestehend aus dem kleinen Marshmallow, Vipke van de Zandhoven, Treebeard, Lambardo und Happy teilten sich den Platz auf der anderen Seite. Die Kleinen hatten ganztägig Auslauf und lebten sozusagen in einem Offenstall. Während ich Wasser und Heu bei den Damen kontrollierte, tat Nico das Gleiche bei der männlichen Fraktion. Solche kleinen Pferde waren schon überaus niedlich. Genau richtig kamen wir von den Minis zurück, denn auch die anderen hatten sich mittlerweile eingefunden, sodass wir nun fünf Leute waren, die die Jungpferde auf die gemeinsame Weide bringen konnten. Ich schnappte mir zwei Vollblutfohlen, die hübsche Scion und den abenteuerlustigen Aspantau. Leider würde irgendwann die Zeit kommen, wo wir beide trennen mussten. Aspantau sollte ein Hengst bleiben und auch so Leid es mir tat, durfte Scion ab einem gewissen Punkt nicht mehr mit ihrem Freund zusammenleben. Nico schnappte sich die beiden kleineren Sleipnir und Imagine Dragons, während Malte sich Seattle's Scarlett vornahm und Petyr sich seine Tysbe und Sacarina schnappte. Für Teo blieb deswegen nichts übrig, was er aber nicht allzu tragisch fand. Fast hatte ich den kleinen Bart auf meinem Rücken vergessen, welcher das Geschehen mit großen Augen beobachtet hatte und sich nun durch lautes Geräusche machen wieder bemerkbar machte. Ihm schien der Trubel und die Arbeit nichts auszumachen, stellte ich erleichtert fest. Die Jungpferde kamen auf eine der Weiden, welche umringt von Bäumen etwas geschützter auf der anderen Straßenseite lag. Dort entließen wir diese, bevor wir zurück zum Stall schlenderten. Stallarbeit war dann morgen früh angesagt, bevor die Pferde über die Mittagszeit wieder zurück in den Stall kamen.
      "Hast du Lust auf einen Spaziergang?" fragte mich Nico. Er nahm meine Hand und zog mich, ohne auf meine Antwort zu warten, am Stallgebäude vorbei zum Ufer des Tyrifjords. Asuka schloss sich uns an, anscheinend hatte er das Wort "Spaziergang" vernommen und das war eines seiner Lieblingswörter.
      Bart war mittlerweile auf meinem Rücken eingenickt und sein gleichmäßiger Atem pustete mir in den Nacken. Ich ließ meinen Blick über den Tyrifjord hinaus schweifen. Schwach konnte man die andere Uferseite erkennen und fast fühlte es sich so an, als ständen wir am Meer. Eine einsame Möwe kreiste über uns, zu hoch, um sie genau erkennen zu können und ein kleines Fischerboot ratterte wellenschlagend auf dem oberen Ende des Tyrifjords. Asuka patschte schwanzwedelnd durchs Wasser und Nico, Bart und ich schlenderten über den sandigen Boden. So gut es mir in Südfrankreich gefallen hatte, hier hatte ich mein Zuhause gefunden und ich hoffte, dass es Mio in Nevada genauso gehen würde.

      19-07-2016 | Canyon
    • Canyon
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      Beacon Lodge

      Pflegebericht
      Heute war großes sauber machen bei den ganz kleinen auf unser Hof. Ich rede naturlich hier von meiner Shetty bande. Also machte ich mich auf den weg zu meinen & Shetty die ganz hinten auf unser Hof auf einer eigenen Kleinen weide standen. Wie jeden Tag ging ich rum und guckte mir alle 6 an. Ich fing wie immer bei Fire and Snow und lief weiter zu Ceasar,Baileys,Vipke Van De Zandhoven,My Hope Nymeria, Imagine Dragons und Mini Cookie. Bei allen war alles okay. Ich ging zuruck auf dem Hof um den Traktor zu holen und 2 Rundballen auf der Weide zu verteilen. Sascha Half mir Naturlich und so ging es recht schnell die Shetty zu verpflegen. Zusammen gingen wir noch endlang des weide Zauns um auch da zu gucken ob alles ganz war. Als das gemacht war gingen wir zusammen auch wieder zuruck zum hof um unser rechtliches Arbeit nach zu gehen.

      21-10-2016 | Rinnaja
    • Canyon
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      Beacon Lodge

      Pflegebericht
      Es war sehr früh alswach geworden bin und reibte mir die Augen. Ich stand auf und zock mich gemütlich an bevor ich runter in die Kuche ging und Kaffee Fertig machte. Ich streichelte die Hund und gab ihnen Futter bevor ich mir eine Tasse aus dem Schrank holte um mir Den Fertig Kaffee ein zu fühlen. Ich zock mir eine Jacke drüber und ging mit meiner Kaffee Tasse raus zur Shetty Weide und machte meinen Rund gang. Die Tage kammen viele neue Shetty auf unser Hof. Ich war sehr stotzl so kamm ich meinen Wünsch eine Shetty Zucht zu eroffnen immer naher. Zwar muss das ein oder andere Ponylein noch zur körung aber das wurde ich auch schaffen. Ich war auser dem schon dran gewohnt oft da hin zu gehen. Heute hatte mir vorgenommen ein wenig die Pony zu bewegen da sie nicht nur auf der Weide rum kammel sollten.
      Als mein Kaffe leer hatte machte ich mich an die arbeit und holte den traktor um zwei neue rundballen zu den Shetty zufahren. Als das Fertig war zock ich mit den Traktor noch die Shetty weide ab damit sie fertig ordentlich und sauber war. Ich hollte zu erst Mäddi , Spencer und Happy und machte sie sauber um anschließen ein wenig mit denen Bodenarbeit zu machen und sie zu bewegen. Spencer Laufte sehr gut und machte alles was man ihn gesagt hatte ich war sehr stoltz auf den kleinen. Im gegensatz zu Mäddi die mich erst mal auftesten wollte damit sie sehen konnte wie weit sie bei mir gehen konnte was ich sehr nervig fande. Happy Lief wieder sehr gut an der Logne und so konnte ich alle gangarten sauber abrufen ohne angezickt zu werden wie von Mäddi .
      Als ich fertig war machte ich schnell die Reithalle wieder sauber und kümmerte mich um Fire and Show , Imagine , Little Ronny .
      Die putze ich nur schnell und sauber über damit sie sich wieder wohl fühlten in ihren koper und brachte sie wieder auf die weide zu den anderen Pony. Danach machte ich eine kleine Pause und guckte was die anderen auf den Hof so schönes Trieben es war Mittlerweile 11Uhr und es lebte auf den hoff. Ich redet mit Wolfszeit und später noch mit sascha also ich mich an die nästen Pony machte. Ich holte Ceasar und Dragon Fly und machte beide sauber Dragon Fly brachte ich später zuruck auf die Weide und mit Ceasar machte ich einen kleinen Spatziergang ein mal um unser grünstuck rum. Damit der kleine Hengst auch ein wenig bewegung hatte. Er machte zwar klein aufstand als wir bei den anderen Pferden vorbei gingen. Aber man bekam ihn schnell wieder unter kontrolle. Als ich ihn zuruck brachte holte ich die letzt 4 Mause runder um sie zu Putzen. Baileys, Vipke van de Zandhoven, My Hope Nymeria und Mini Cookie. Die 4 machte ich auch nur schnell sauber und brachte sie nach und nach wieder auf die weide mit Mini cookie machte ich aber den noch kleinen Spatziergang um sie wenig an der umgebung zu gewohnen und sie zu bewegen. Auch sie hatte es echt notig und sie freude sie naturlich man sah es ihr an. Später brachte ich sie zuruck zu den anderen und mit ein Satz rannte sie auch gleich los. Ich raumte noch alles was was hinterlassen hatte und packte alles sauber weg. Danach ging ich meine restliche arbeit auf unser hof nach was auch immer das war

      09-12-2016 | Rinnaja
    • Canyon
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      Beacon Lodge

      Pflegebericht
      Ich hatte mir vorgenommen, Rinnaja auf Bacon Lodge zu helfen und machte mich schon früh am Morgen auf den Weg zu ihr. Heute sollte ich mich um acht ihrer Pferde kümmern und ich freute mich auf einen abwechslungsreichen Tag mit Rinnajas Pferden.
      Starten wollte ich mit dem kleinen Shettyhengst Vipke van de Zandhoven. Ich schlenderte auf die Weide und halfterte ihn auf. Artig lief er hinter mir her bis zum Tor und ich führte ihn zum Putzplatz. Mit ihm hatte ich heute Langzügelarbeit vor und ich war gespannt, wie ich mit der Aufgabe zurechtkommen würde, denn ich hatte lange nicht mehr am langen Zügel gearbeitet. Ich trenste den kleinen Mann auf und ging mit ihm auf den Reitplatz. Zuerst führte ich ihn einige Runden im Schritt über den Platz, bevor ich die Zügel entknotete und mich schräg hinter ihn stellte. Etwas faul lief Vipke los, ließ sich dann aber doch von mir motivieren. Ich lief viele Schlangenlinien mit ihm, baute immer und immer wieder Volten mit ein und übte das Stehenbleiben. Die Kommunikation zwischen uns wurde immer besser und Vipke ließ sich sehr gut von mir stellen und biegen. Auch im Trab machte ich viele Wendungen und baute Schritt-Trab Übergänge mit ein. Zum Schluss ließ ich ihn noch ein paar Runden auf dem Zirkel galoppieren, bevor ich ihn noch etwas am langen Zügel traben ließ. Locker schnaubend ließ Vipke den Hals fallen und ich parierte ihn durch zum Schritt.
      Als nächstes kümmerte ich mich um die beiden Shettys Fire and Snow und Imagine Dragons. Ich holte die beiden Schecken von der Weide und band sie nebeneinander am Putzplatz an. Ich putze erst Fire and Snow und dann Imagine Dragons, bis beide wieder blitzblank waren und führte sie daraufhin in die Halle. Mit einer Peitsche animierte ich sie zum Laufen und die beiden fingen an zu toben. Buckelnd preschten die beiden jungen Shettys durch die Halle. Eine knappe viertel Stunde beobachtete ich das Spektakel, bis beide völlig ausgepowert in der Mitte standen und zufrieden kauten.
      Nachdem ich Fire and Snow und Imagine Dragons auf die Weide gebracht hatte, schnappte ich mir British Gold, die mir neugierig entgegenguckte. Die Hannoveranerstute durfte heute etwas Energie an der Longe loswerden. Ich bandagierte ihre Beine und schnallte den Kappzaum zu, bevor ich mit ihr auf den Reitplatz ging. Geduldig wartete British Gold in der Mitte, während ich sechs Trabstangen aufbaute. Nachdem ich die Abstände mit meinem Fuß vermessen hatte, machte ich British Gold warm. Ich ließ sie auf beiden Händen im Schritt laufen, bevor ich sie antraben ließ. Aufmerksam hörte British Gold mir zu und ich baute einige Trab-Schritt Übergänge ein. Locker ließ ich sie einige Runden über die Trabstangen laufen. Ich holte sie nach innen und schickte sie auf der anderen Seite wieder nach außen. Auch auf dieser Hand ließ sie sich gut nach innen biegen und lief elegant über die Stangen. Ich ließ sie ordentlich vorwärts galoppieren und British Gold genoss es, sich mal wieder so richtig auszupowern. Ich ließ sie aus dem Schritt angaloppieren, parierte sie durch zum Trab, schickte sie über die Trabstangen, galoppierte sie wieder an, parierte sie aus dem Galopp durch zum Schritt, ließ sie stehen und schickte sie aus dem Stehen wieder in den Trab. Am Ende unsere Einheit war British Gold völlig nassgeschwitzt, denn ich hatte sie an der Longe ganz schön gefordert. Zufrieden klopfte ich ihr den Hals und stellte sie wieder zurück zu den anderen.
      Mit dem kleinen Shettyhengst Little Ronny brach ich zu einem Spaziergang auf. Ich kannte die Umgebung hier nicht und freute mich, die Natur um Rinnajas Hof herum zu erkunden. Ich schnappte mir ein Halfter und lief in Richtung Wald. Das Wetter war wunderbar und Little Ronny lief artig neben mir her. Nach ungefähr 20 Minuten drehte ich um und lief zum Hof zurück.
      Nachdem ich mir eine kleine Mittagspause gegönnt hatte, machte ich mich an den nächsten Kandidaten. Nura El Shams war ein kleiner Berberhengst, der noch seine Zeit als Fohlen genießen darf. Mit ihm übte ich das Aufhalftern und das Putzen. Etwas misstrauisch schielte mich der Mausgraue Hengst an, als ich ihn behutsam am Rücken striegelte. Ich lobte ihn, da er artig am Putzplan stehen blieb. An den Beinen ließ er sich noch nicht ganz so gerne anfassen und zuckte erschrocken, als ich mit der Wurzelbürste am Bein entlang bürstete. Ich erlöste ihn, nachdem er mein Putzen artig über sich ergehen ließ und stellte ihn wieder zu den anderen.
      Ein letztes Shetty stand noch auf meinem Plan und ich entschloss mich dazu, Happy zu longieren. Auch für ihn baute ich ein paar Trabstangen auf und ließ ihn, nachdem ich ihn ordentlich warm gemacht hatte, einige Male darüber laufen. Happy wollte gefordert werden und ich spielte das gleiche Spiel mit ihm wie mit British Gold. Der kleine Hengst kam bei meinem Programm ordentlich ins Schwitzen und ich gönnte ihm eine kleine Schrittpause, bevor ich einen Endspurteinlegte. Nachdem ich ihn noch locker ein paar Runden im Trab vorwärts traben ließ, führte ich ihn im Schritt trocken.
      Inzwischen war es spät geworden und der Tag bei Rinnaja war fast vorbei. Ein Pferd hatte ich allerdings noch vor mir: Auf Chulo hatte ich mich schon den ganzen Tag besonders gefreut und hatte ihn mir extra für den Schluss aufgehoben. Die Sonne ging langsam unter und ich wollte noch schnell einen kleinen Ausritt mit ihm starten, bevor es dunkel wurde. Ich holte ihn von der Weide und nachdem ich ihn schnell übergeputzt hatte, holte ich den Sattel und die Trense. Da ich weder das Pferd, noch das Gelände kannte, wollte ich nicht allzu weit weg vom Hof reiten. Ich ritt den gleichen Weg, den ich heute Mittag mit Little Ronny gegangen war. An der Stelle, an der ich vorhin umgedreht war, bog ich links ab. Der Weg sah sicher aus und eignete sich perfekt, um anzutraben. Ich nahm die Zügel etwas mehr auf, da ich nicht wusste, wie Chulo sich im Gelände benehmen würde, konnte diese aber schnell wieder etwas lockerer lassen, da der Criollo Hengst sich als äußerst artig zeigte. Als der Weg zu Ende war, drehte ich um und galoppierte ihn in Richtung Hof wieder zurück. Kurz vor Ende des Weges parierte ich durch zum Trab und an der Ecke dann schließlich auch zum Schritt. Am langen Zügel ritt ich den kleinen Weg zurück zur Bacon Lodge. Der Ausritt war ein gelungener Abschluss für einen wunderbaren Tag bei Rinnaja. Ich hatte viele neue Pferde kennengelernt und war durchaus zufrieden mit allen Pferden. Völlig erschöpft vom Tag fuhr ich am frühen Abend nach Hause.

      22-02-2017 | FrauHolle
    • Canyon
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      Tyrifjord Ranch

      Vorbereitungen auf den Umzug
      Für mich als Langschläfer war es ungewohnt, dass der Wecker punkt sechs Uhr klingelte. Widerwillig kugelte ich aus dem Bett und schlurfte ins Bad der Dachbodenwohnung. Finley schlüpfte hinter mir ins Bad und sah mich mit seinen süßen blauen Kulleraugen an. “Na du Frühaufsteher!”, sagte ich und kraulte ihn hinter den Ohren. Nachdem ich halbwegs menschlich und nicht mehr wie ein Zombie aussah, begab ich mich samt Finley nach unten. Mehr als eine Banane und ein Glas Milch bekam ich nicht runter. Finley hingegen verschlang sein Futter innerhalb von Sekunden. Als wir aus dem Haus gingen, stand Petyr schon draußen und drückte mir die Mistgabel in die Hand. “ Na los die Pferden machen ihre Boxen leider nicht selbst sauber!”, sagte er lächelnd und verschwand im Stall. Murrend folgte ich ihm und begann die Boxen zu misten. Edda und Finley schlichen über den Hof und ärgerten höchstwahrscheinlich die Katzen.
      Stöhnend ließ ich die Mistgabel fallen und wischte symbolisch mit der Hand über die Stirn. “Ist das Prinzesschen etwas überanstrengt?”, feixte Petyr. “Haha witzig, naja bald bin ich ja hier weg, obwohl es hier wunderschön ist.”, erwiderte ich. “Wo soll's denn hingehen? Hast du nun einen Hof gefunden?” Ich nickte und erzählte ihm von dem Gestüt am Niederrhein in Deutschland.
      Nathan Scott leitete das Gestüt und ich hatte mich mit ihm in Verbindung gesetzt. Schnell war alles geregelt und ein Transportunternehmen gebucht. Bald würden wir umziehen…
      Imagine Dragons und Sacarina hatten sich mittlerweile angefreundet und spielten quicklebendig auf der Weide. Dank Charly und Niko kamen meine Pferde auf einem benachbarten Hof unter, da hier so spontan wie ich gekommen war kein Platz war. Sir Benny Miles war bereits zweimal Vater geworden und ich bin froh ihn damals von Eddi gekauft zu haben. Meine Privatpferde also Belle, Bixs, Bella Donna O Sole Mio, Mayor Jetsetter Oak, Havanna Girl, Heretic Anthem, Pallaton und Braddock ‘The Parrot’ befanden sich in einem Offenstall. Die Zuchthengste Batman, Tiago, Colorido, Descarado, Castiel, Wild Cherry, Modjo, Xinu und Filou Farrige Etoile Filante standen zusammen mit Sence of Humor in einem kleinen Stallgebäude mit Paddocks. Meine Stuten Adrenaline, Arquera, Flame, Nienke van de Flierthoeven und Esmeralda standen in einem separaten Stall.
      Bald werden wir nun umziehen, obwohl mir bei dem Gedanken etwas flau im Magen wird. Ich bin sehr gespannt wie es in Deutschland ist, obwohl ich die Sprache beherrsche, war ich bisher nur in Brandenburg bei der Familie gewesen.

      31-08-2017 | adoptedfox
    • Canyon
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      Tyrifjord Ranch

      Gehen und gehen lassen
      Malte » »Der Kerl hat 'ne Macke«, meint Petyr und deutet verstohlen auf den Mann. »Der sitzt wirklich seit heute Morgen um fünf im Heu und hat sich nur einmal bewegt, um sich einen Kaffee zu holen.«
      »Er macht's jedenfalls richtig.« In Gedanken versunken stehe ich vor dem Medikamentenschrank. Ich suche etwas, von dem mir zu meinem eigenen Leid der Name entfallen ist.
      »Ja, aber warum sitzt er hier?« Fassungslos starrt Petyr weiterhin zu ihm. »Heute morgen waren es keine fünf Grad!«
      Ich wende mich von den Medikamenten ab und werfe auch einen Blick auf den jungen Mann. »Die eigentliche Frage ist doch: Warum bist du schon um fünf im Stall?«
      »Haha sehr witzig.« Lacht Petyr trocken. »Hast du sein Pferdchen schon gesehen? Das ist ja ein komischer Mix.«
      »Petyr«, sage ich warnend. »Sei ehrlich, warum warst du schon so früh hier. Das widerspricht doch deiner Vorstellung von Aufstehen. Außerdem hat sein sehr hübsches „Pferdchen“ den Namen Pitú.«
      »Ich hatte mein Handy hier vergessen, aber das ist doch unwichtig!« Wirft Petyr ein und deutet dann wieder auf den neuen Mann. »Viel mehr sollten wir uns mit der Frage beschäftigen, was Charly da für einen komischen Kautz aufs Gestüt geholt hat.«
      »Du hast erst um fünf bemerkt, dass dir dein Handy fehlt und bist dann extra nochmal aufgestanden?« Ich ziehe die Augenbrauen nach oben und blicke zu Petyr auf. »Das glaube ich dir auch nicht.«
      »Malte!« Petyr wendet endlich den Blick von ihm ab und schaut zu mir. »Wenn du es wirklich wissen willst - Ich war mit Saga unterwegs und wir kamen erst gegen fünf wieder. Jetzt zufrieden?« Ich grinse und wende mich wieder dem Schrank zu. Wo sind denn nun diese blöden Medikamente? »Was suchst du da eigentlich?« Neugierig blickt mir Petyr über die Schulter.
      »Metalam-, Metakran-, keine Ahnung wie das heißt. Logi lahmt und wir hatte hier irgendwo mal eine Salbe, die angeblich helfen soll.« Sage ich genervt und schiebe leere Packungen zur Seite.
      »Versuchs mal mit Ingwer.« Sagt eine mir unbekannte Stimme und Petyr und ich fahren gleichzeitig herum. Erschrocken nimmt der junge Mann in der Tür die Hände in die Luft. »Ruhig Freunde!« Sagt er mit einem entschuldigenden Lächeln. »Ikarus, oder einfach nur Ike.«
      Ich werfe einen Blick auf Petyr und sehe, wie er sein Gesicht verzieht. Mit neuen Bewohnern hat er schon immer Probleme gehabt. »Malte«, sage ich und reiche ihm meine Hand, die er auch ergreift. »Ingwer? Du meinst, das hilft?«
      »Die Pferde mit teuren Medikamenten vollzupumpen würde ich dir nur selten empfehlen.« Ich schließe den Schrank und folge Ike aus der Sattelkammer. »Wenn du willst, kann ich dir nachher welchen mitbringen.«
      Ich nicke dankbar. »Das wäre toll, danke!«
      »Klar! Lasst mich hier einfach zurück!« Ruft Petyr aus der Sattelkammer, ich ignoriere ihn jedoch beflissentlich. Mein Blick geht vorsichtig zu Ikarus, während wir die Stallgasse entlang gehen. Er hat langes dunkles Haar, das er aus dem Gesicht gebunden hat. Ich schaue ihn das erste Mal richtig an und bin erstaunt, auf seiner rechten Gesichtshälfte tiefe Narben und ein Auge, das bestimmt schon lange nichts mehr gesehen hat, zu finden. Es ist fast durchgängig grau und nur der matte Rest der Pupille ist noch leicht erkennbar. Ich ziehe meinen Blick von ihm zurück. Er muss es gewöhnt sein, angestarrt zu werden und doch hat es keiner verdient, wie ein Tier im Zoo begafft zu werden. »Gefällt es dir hier im Norden? Ich hörte, dass du aus England kommst.«
      »Das Wasser und die klare Luft inspirieren mich. Bis jetzt bereue ich es nicht.« Er nimmt seine Tasche vom Hacken vor einer Stalltür und hängt sie sich über die Schulter. Dann blickt er zu mir. »Du wohnst auch hier?«
      Ich nicke. »Ja noch, weiter in Richtung Mitte der Insel. Ich habe im Wald einen kleinen Bauwagen.«
      »Noch? Du hast vor, wegzuziehen?« Verwundert blickt er zu mir, während wir gemeinsam den Weg zu den Weiden einschlagen. »Ich habe bis jetzt nur Lob über dich gehört. Du bist hier anscheinend sehr angesehen.«
      »Danke«, sage ich und blicke verlegen zur Seite. »Aber es wird Zeit zu gehen. Ich habe letzte Woche gekündigt und auch wenn es noch nicht offiziell ist, wird es wohl bald soweit sein.«
      »Schade«, sagt Ike ehrlich bedauernd. »Ich finde dich sehr nett, aus uns hätte bestimmt eine Freundschaft entstehen können.«
      »Du auch«, verlegen streiche ich mir eine Strähne aus dem Gesicht. »Trotzdem muss ich gehen. Ich werde es nicht bereuen, auch wenn ich natürlich vieles vermissen werde.«
      »Wo soll's denn hingehen?«
      »Erstmal nach Deutschland, ich habe die Chance, ein Gestüt neu zu strukturieren und würde sie gerne ergreifen.« Sage ich, während ich an einer Kreuzung stehen bleibe. »Ich muss jetzt hier entlang. Sehen wir uns heute nochmal?«
      »Klar«, Ike grinst und sein vernarbtes Gesicht spannt sich zu einer unheimlichen Fratze. »Ich muss dir schließlich noch deinen Ingwer bringen.«
      Ich lächle und hebe zum Abschied die Hand. Auch er winkt kurz und dann wenden wir uns voneinander ab.

      Ich treffe auf Charly. Sie versucht vergeblich, das Shetty Imagine Dragons mit der Ponyherde vor meiner Tür zu verkuppeln.
      »Das muss doch irgendwie funktionieren!« Schimpft sie, als sie mich kommen sieht. »Was soll ich denn nur tun, wenn du gehst?« Lustlos lässt sie den Führstrick sinken und der kleine Drache weicht erleichtert zurück.
      »Noch bin ich ja nicht weg«, sage ich tröstend und lege ihr einen Arm um die Schulter. »Vielleicht komme ich auch irgendwann wieder, wer weiß.«
      »Ja super, irgendwann, bis dahin ist dieses Gestüt längst in alle Einzelteile zerfallen.« Sagt sie und lässt den Kopf hängen. »Ich merke es doch jetzt schon, dass wir uns alle voneinander entfernen.«
      »Du wirst schon wissen, was das Richtige ist.« Sage ich und löse meinen Arm von ihrer Schulter, um Imagine den Kopf zu kraulen, den sie mir auf die Knie gelegt hatte. Charly seufzt und wendet sich von mir ab. »Ich habe gerade Ike kennengelernt. Ein sehr netter Kerl, wie ich finde.« Wechsle ich das Thema.
      Charly nickt. »Ja, aber nicht so nett wie du.«
      »Ach Charly, nur weil ich gehe, bedeutet das nicht, dass die ganze Welt zusammenbricht. Eyvind ist noch da und Vuyo auch und irgendwie auch Petyr-.«
      Genervt winkt sie ab. »Petyr, als würde der etwas machen. Seit Saga hier lebt, ist aus Petyr ein arbeitsfauler und trinkender Kerl geworden, auch wenn er das vorher in Ansätzen auch schon war.«
      Ich stehe auf und gehe zum Weidezaun. Óslogi und Ursel grasen friedlich am anderen Ende der Koppel, während Striga in Zaunnähe steht und das kleine Shetlandpony wütend anstarrt. Ich will gerade Charly antworten, als ich Ike den Waldweg entlang spazieren sehe. Ich winke ihm zu und er wendet sich in meine Richtung. Als auch Charly Ike sieht, steht sie auf. »Wir reden später nochmal, Malte. Ich muss jetzt erstmal an die Arbeit.« Zusammen mit Imagine Dragons verschwindet sie in die andere Richtung.
      »Na, Malte? Charly sah aber nicht gerade glücklich aus.« Meint Ike, als er wenig später neben mir steht. »Deine Pferde?« Fragt er mit einem Kopfnicken in Richtung Weide.
      »Nur die beiden hinteren.«
      »Und wem gehört Karottenmähne?« Er deutet auf Striga die uns aufmerksam beobachtet.
      »Charly.« Sage ich knapp. »Hast du Nico schon kennengelernt?« Erkundige ich mich.
      »Kurz, ja«, sagte Ike. »Warum fragst du?«
      »Nur so, aus Interesse.« Ich zuckte die Schultern. »Wie findest du ihn?«
      »Ich habe in meinem Leben schon viel Schlimmere kennengelernt, falls du darauf hinaus willst.«
      »Das klingt, als hättest du schon einiges erlebt.« Ich versuchte nicht zu offensichtlich auf seine Narben und das matte Auge hinzudeuten.
      »Ja, viel, sehr viel.« Sagt er nur. »Übrigens, hier der Ingwer.« Er reicht mir eine gelbliche Knolle, die ich dankend annehme.
      »Vielen Dank, hoffentlich hilft das.«
      »Bestimmt!« Sagt Ike und deutet dann in Richtung Wald. »Ich muss wieder, die Arbeit wartet.« Ich nicke und winke ihm ein zweites Mal, während er pfeifend den Weg zurückspaziert.

      Am Nachmittag gehe ich zu Mio. Obwohl wir auf einer Insel, sogar auf einem Gestüt wohnen, habe ich sie schon seit Tagen, oder gar Wochen nicht mehr gesehen. Vielleicht, wird es auch Zeit, mich zu verabschieden. Es ist nicht mehr lange, bis es für mich und meine Pferde nach Wales geht und noch nicht jeder auf dem Gestüt weiß, dass ich sie verlassen werde. Ich treffe vor dem Stall Mio, aber auch Ike. Es ist verwunderlich, wie oft sich unsere Wege heute schon gekreuzt haben. An Ikarus Seite steht sein junger Wallach und grast, während er sich lachend mit Mio unterhält. Ich hätte mir denken können, dass die beiden sich vertragen werden. Es wäre schön, wenn Mio dadurch den Anschluss an die anderen finden würde.
      »Hey Ike, hey Mio!«, sage ich, während ich auf sie zugehe.
      »Malte«, sagt Ike und tut, als würde er einen Hut vom Kopf heben. »Schön dich zu sehen.«
      »Gleichfalls!« Sage ich und muss grinsen.
      »Lang nicht mehr gesehen«, sagt auch Mio und umarmt mich flüchtig. »Was treibt dich zu uns?«
      »Sehnsucht«, sage ich und senke leicht beschämt meinen Kopf. »Ist ja nun schon etwas länger her.«
      »Mio hat mir gerade erzählt, dass es hier haufenweise Mustangs gibt und ich war ganz fasziniert.«, sagt Ike und schaut mit beschuldigend an. »Warum wurde mir das noch nicht gesagt?«
      »Ich kann ja nicht wissen, dass du Mustangs magst und außerdem wäre das ja wohl Charlys Aufgabe gewesen.«, rechtfertige ich mich.
      Mio schnaubt verächtlich. »Charly, als ob die noch den Überblick hat. Mittlerweile macht hier doch jeder was er will. Wir sind ihr doch vollkommen egal.«
      »Quatsch«, sage ich und ziehe wütend die Augenbrauen zusammen. »Charly gibt ihr Bestes, Nico macht immer alles wieder zunichte und beteiligt sich null am Ganzen!«
      »Ziehe Nico nicht mit rein, Malte. Er hat es immer wieder versucht, nur ist Charly einfach viel zu arrogant geworden, als dass sie jemand anderen sich helfen lässt.«
      Ich bin nicht Mios Meinung, zucke jedoch nur die Schultern, um den Streit nicht voranzutreiben. Ike schaut uns nur mitleidig an und schüttelt dann kaum bemerkbar den Kopf.
      »Was?«, faucht Mio. Auch sie hat seine Reaktion mitbekommen.
      »Nichts«, sagt Ike unschuldig und blickt Mio an.
      »Doch, sag' schon.« Grimmig blickt sie zu ihm. Ich weiß, dass sie nicht lockerlassen kann. Ike scheint das auch zu erkennen.
      »Ihr habt alles was ihr zum Leben braucht, mehr als das sogar. Niemand von euch leidet Hunger, niemand friert in kalten Nächten und niemand arbeitet bloß fürs Überleben. Alle lebt ihr auf einer riesigen privaten Insel, habt moderne Wohnungen und die neuesten Ställe für eure in Überzahl vorhandenen Pferde, für die manche Millionen zahlen würden. Und doch tut ihr so, als wäret ihr die unglücklichsten Menschen. Einmal, habe ich gedacht, einmal will ich zwischen Menschen sein, die sich vielleicht nicht immer mögen, aber stets dem anderen genügend Respekt erweisen und zu schätzen wissen, was sie zum Leben haben.« Eine Träne glitzert in Ikes Augen und traurig lächelt er uns an. Mio und ich sind bei seinen Worten verstummt und wir blicken ihn beide mit großen Augen an. »Denkt mal drüber nach«, sagt er, bevor er bei seinem Wallach die Zügel aufnimmt und sich mit einem Schwung auf den Rücken zieht. Pfeifend schaukelt er in Richtung Wald.
      »Er hat Recht«, sagt Mio.
      »Ich weiß«, sage ich.
      »Man vergisst es so oft, es ist gut, wenn man es nochmal hört.«
      »Ja«, sage ich nur und versenke meine Hände in den Hosentaschen.
      »Vielleicht können wir als Gestüt mal wieder etwas zusammen machen, bevor du gehst, meine ich.«
      »Du weißt es schon?« Frage ich perplex und wende den Blick von Ike ab.
      »Klar«, sagt Mio leicht hin. »Solche Dinge verbreiten sich hier schnell.«
      Wir schweigen. Ich weiß nicht, was ich darauf sagen soll und Mio scheint auch keine Antwort haben zu wollen. »Auf dem Sandringham Manor findet dieses Jahr wieder eine Fuchsjagd statt, vielleicht können wir alle dazu animieren, mitzumachen.«
      »Gute Idee«, sagt Mio. »Ich frage gleich mal Addison.«
      »Ich gehe auf dem Rückweg bei Artemis vorbei. Soll ich auch Charly fragen?«
      »Nein, das mache ich schon. Aber vielleicht hat Vuyo auch Lust.«
      »Bestimmt«, sage ich.
      »Und was ist mit Petyr?«, fragt Mio.
      »Ach der-«, seufze ich, besinne mich dann nochmal anders. »Ich kann ihn mal fragen, aber er hat zur Zeit andere Dinge im Kopf als ein Turnier.«
      »Aber ihm geht's gut, oder?«, harkt sie nach.
      Ich nicke schnell mit dem Kopf. »Geht's allen Pferden bei euch gut?«
      »Ja, sehr gut.« Auch Mio freut sich über einen Themenwechsel. »Raised from Hell hat sich zu einem gigantischen Reitpferd entwickelt, das ist toll zu sehen.«
      »Das glaube ich!«, sage ich und klopfe Mio lobend die Schulter. »Und Cloud? Der ist ja bestimmt immer noch ein wahrer Prachtkerl.«
      »Willst du einfach mal mitkommen?«, fragt Mio und deutet in Richtung Weiden. Ich nicke und zusammen gehen wir in die Richtung. »Addison hat ja überlegt, wieder zurück nach Nevada zu gehen«, sagt Mio nach einer längeren Pause.
      »Ach wirklich?«, frage ich überrascht. Mio nickt und ich merke, dass sie das beschäftigt.
      »Der Winter wird sehr kalt und der Norden ist einfach nicht seine Heimat.«
      »Winter is coming«, sage ich und wir müssen beide lachen.
      »Ja, das passt hier wirklich gut.«, sagt sie und grinst mich an.
      Ich werde wieder ernst. »Würdest du denn zurück wollen?«
      Sie zuckt ratlos die Schultern. »Ich weiß es nicht. Vielleicht schon, vielleicht auch nicht.«
      Wir kommen an den Koppeln an. Es ist ein tolles Bild, die große Herde auf den Hügeln zu sehen, im Hintergrund das glänzende Wasser des Tyrifjords und seine geschwungenen Berge zu beiden Seiten. Im Westen suchen die letzten Sonnenstrahlen ihren Weg über die Wipfel und erleuchten die Landschaft im strahlenden Rot. Ich wusste, dass ich das vermissen würde, das alles. Noch nie hatte ich jedoch den Drang verspürt, zu gehen, bis jetzt.
      »Vielleicht sollte ich auch gehen«, sagt Mio gedankenverloren. »Mit dir mitgehen, einfach meinen Chosposi schnappen, Kuckunniwi und Anaba, Hidalgo, Flotte und Helly mitnehmen und neu anfangen. So wie damals.«
      »Man kann nicht immer vor Allem fliehen, Mio«, sage ich. »Manchmal muss man bleiben, auch wenn es schwerfällt.«
      »Du gehst doch auch!«, sagt Mio aufbrausend.
      »Ich gehe mit reinem Gewissen.«, sage ich ruhig, meinen Blick immer noch auf die Pferde gewandt. »Ich fliehe nicht und hoffe auch nicht, dass es wieder wird wie früher. Ich will weitergehen.«
      »Aber das will ich doch auch!«, verteidigt sich Mio.
      »Ich glaube, dass du deinen wahren Platz bereits gefunden hast, du musst es nur noch selbst erkennen.«, sage ich nur. Mio sagt nichts mehr und ich hoffe, dass sie es sich überlegen wird, in welche Richtung es für sie gehen soll. »Der helle dahinten ist wohl Cloud?« Ich deute zur Herde und hoffe, dass Mio weiß, wen ich meine.
      Sie nickt. »Genau. Addison hilft mir zur Zeit, ihn auszubilden. Er hat einfach nochmal mehr Ahnung als ich.«
      »Wie läuft es mit Addi?«, frage ich vorsichtig.
      »Gut soweit.« Sagt Mio nur und es entsteht eine weitere Gesprächspause.
      »Ich gehe mal zu Artemis. Ich melde mich bei dir, sobald sie sich entschieden hat.«
      »Willst du heute Abend zum Essen kommen?«
      »Ich würde sehr gerne, aber Jora kommt nachher noch.«, sage ich und zucke traurig mit den Schultern.
      »Dann kommt doch einfach beide«, sagt Mio und stößt mir aufmunternd gegen die Schulter. Wir wenden uns von den Weiden ab und laufen zurück zum Stall.
      »Dann bis heute Abend«, sage ich. Mio lächelt kurz und wendet sich von mir ab. »Sag Artemis liebe Grüße!«, ruft sie mir noch über die Schulter hinweg zu.

      Wenig später stehe ich wieder vor meiner Haustür, vor der ich sitzend Charly finde. Meine Wege hatten mich nach dem Besuch bei Mio nicht nur zu Artemis und Altair geführt, sondern auch noch weiter zu Vuyo und schließlich auch zu Petyr, der mir schließlich von Charly erzählte, die mich dringend gesucht hatte. Vuyo hatte zugesagt, natürlich wollte er mit zur Fuchsjagd, Petyr hingegen hatte wenig dankend abgesagt. Es würde wohl mein letztes Event zusammen mit der Hofgemeinschaft werden. Es versetzte mir einen Stich, der Abschied würde mir trotz allem schwerfallen.
      Charly ist kaum zu beruhigen. Kaum sitze ich neben ihr, fällt sie mir um den Arm und ich tätschle ihr überfordert den Rücken. Sie sagt etwas, verschluckt jedoch große Satzfetzen, sodass ich sie nicht verstehe.
      »Ich will hier weg, Malte«, schluchzt sie nun etwas deutlicher und bricht wieder in kleine Krämpfe aus. »Ich will nach Hause, Deutschland wieder sehen, meine Eltern besuchen und meine Sprache sprechen.«
      »Vielleicht kommst du mich einfach mal besuchen«, sage ich.
      »Ich will nicht nur zum Besuch kommen.«, sagt Charly trotzig. »Ich will dort mein neues Zuhause haben.«
      »Charly, was ist denn los?«, frage ich. »Was ist denn passiert, dass du plötzlich hier weg willst?«
      Sie schluchzt noch eine Weile, bis sie die Ruhe findet, zu antworten. »Ich werde mich von Nico trennen«, sagt sie und verbirgt ihren Kopf in meiner Jacke.
      »So plötzlich, warum das denn?«, frage ich und streichle ihr dunkles Haar.
      »Du hattest ja schon immer Recht. Es tut mir so Leid, dass ich es nie erkannt habe.« Sie blickt mir in die Augen. Die Tränen verschmieren die leichte Schminke, die sie aufgetragen hat und lassen ihre Augen wie tiefe Höhlen erscheinen.
      Vor weniger als einem halben Jahr, hatte ich mit Charly versucht ein Gespräch zu führen. Ich habe ihr im Stall geholfen, es ist ein Montag im Mai gewesen, das wusste ich noch.

      »Woher weißt du eigentlich, dass er der Richtige ist?«
      »Ich vermisse es, wenn er mich gerade nicht nervt.«
      »Aber ist das nicht auch mal entspannend? Ich meine, wünscht du dir nicht auch manchmal eine harmonische Beziehung?«
      »Willst du mir gerade sagen, dass meine Beziehung nicht harmonisch ist?!« Wütend blickt Charly zu mir auf.
      »Nein, das wollte ich damit nicht-«, versuche ich mich zu entwinden.
      »Doch genau das wolltest du mir sagen!« Verärgert stellt sie die Mistgabel zur Seite und blickt mich mit funkelnden Augen an. »Malte, ich mag dich sehr, aber versuche endlich mal, dich nicht ständig in meine Beziehungen zu mischen!«
      Ich kratze mir verlegen an der Stirn. »Tut mir Leid, Charly, wirklich. Ich versuche nur zu begreifen-.«
      »Versuche es erst gar nicht, anscheinend versteht das sowieso niemand.« Sie seufzt und wendete sich dann von mir ab »Beeile dich bitte mit den Boxen, wie haben heute einen strikten Plan.«
      Verärgert über mich selbst, dass das Gespräch in die falsche Richtung gegangen ist, werfe ich die Mistgabel in den Strohhaufen zu meiner Seite und blicke dann Charly hinterher. Am Tor des Stall stößt sie fast mit Nico zusammen, welcher sie breit angrinst. Charly wendet sich jedoch von ihm ab und lässt ihren Freund verwirrt zurück. Dieser reißt sich nach einigen Sekunden aus seiner Starre los und kommt auf mich zu.
      »Weißt du, Malte, das Tolle am Lächeln von Charly ist ja, dass ich nie weiß, ob sie gerade glücklich ist, oder meinen Tod plant. Obwohl ich wahrscheinlich in Kombination mit deinem Gesichtsausdruck eher das Zweite in Betracht ziehe. Sag Kumpel, was hast du ihr schon wieder angetan?« Er stößt mich mit der Faust in die Seite. Ich, der sowieso schon nicht das beste Gleichgewicht auf zwei Beinen hat, stolpere überrascht zur Seite und fange mich schließlich an einer Boxentür auf. Ich knurre. »Ach Malte«, Nico seufzte, »Du musst noch einiges an deiner Attitude verbessern.« Mitleidig schaut er mich an, ich reagiere jedoch nicht. »Wir sehen uns, alter Freund!« Er zwinkert mir zu und macht sich dann, pfeifend, die Hände in den Hosentaschen vergraben, auf den Weg die Stallgasse entlang.

      »Wenn du möchtest, kann ich mit Kira reden. Vielleicht ist es wirklich gut, wenn du mal etwas rauskommst«, sage ich und hoffe, dass ich es nicht bereuen werde.
      »Das würdest du tun?« Charly blickt auf und hört für einen Moment mit Weinen auf.
      Ich zucke die Schultern. »Klar, ich brauche sowieso jemanden, der mir Deutsch lehrt.«
      »Du bist ein Schatz!« Charly strahlt schon wieder. »Es wäre für uns ein Neustart.«
      »Uns?« Es verwirrt mich, dass sie von uns spricht. Und vor allem, warum ein Neustart?
      »Bartholomäus und ich! Hattest du Bart etwa vergessen?«, fragt sie.
      »Achso Bart«, sage ich und bin ein wenig enttäuscht. »Nein, natürlich habe ich ihn nicht vergessen. Wann willst du Nico es denn sagen?«
      »Jetzt noch nicht«, sagt Charly und steht auf. »Das hat Zeit, bis wir waren.«
      »Bist du dir wirklich sicher, dass du das willst? Ich dachte, du liebst Nico?«
      »Das dachte ich auch«, sagt Charly nur und dreht sich um. »Ich würde auch nur mit Striga und dem kleinen Monster mitkommen, alle anderen würden hier bleiben.«
      Ich stehe auf meiner Veranda und blicke Charly nach. Die letzten Sonnenstrahlen bescheinen den Weg vor ihr und färben ihn erst orange und dann blutrot, als die Sonne ihren tiefsten Stand erreicht hat und zusammen mit der Welt in Dunkelheit versinkt.

      Ich telefoniere mit Kira, als Jora ins Haus kommt. »Ja, Charly von Eylenstein. Ja, ich glaube sie war schonmal bei euch.« Ich lächle Jora kurz zu und deute dann aufs Telefon. Sie versteht mich, wirft mir eine Kusshand zu und geht weiter in die Küche. »Nur zwei Pferde. Ja«, sage ich wieder. »Oh, ok. Das werde ich ihr sagen. Aber das können wir bestimmt lösen. Danke!«, sage ich noch, bevor ich auflege und zu Jora in die Küche gehe.
      »Wer war das?«, fragt sie und schwingt ihre Arme um meinen Hals.
      »Kira«, sage ich und gebe ihr einen zärtlichen Kuss. Dann schiebe ich sie sacht von mir und setze mich auf einen Hocker am Tisch. »Charly will mit nach Deutschland.«
      »Ach«, sagt Jora nur und setzt sich neben mich.
      »Sie trennt sich von Nico und will dann wieder zurück nach Deutschland.«
      »Ok«, sagt Jora. Ich werfe ihr einen Blick zu und sehe, wie sie den Blick aus dem Fenster richtete.
      »Mio hat uns beide heute Abend zum Essen eingeladen. Möchtest du, dass wir hingehen?«, frage ich zärtlich.
      »Mir egal.«
      »Na möchtest du, dass wir hingehen, oder nicht?«, frage ich nochmal, bemerke aber die gereizte Stimmung von Jora.
      »Ich kenne diese Mio doch gar nicht. Das sind deine Freunde«, sagt sie trotzig.
      »Ich will das aber nicht ohne dich entscheiden.« Beschwichtigend greife ich ihre Hand. Sie zieht sie nicht weg, blickt jedoch noch immer in eine andere Richtung.
      »Bald wirst du die Entscheidungen aber alleine treffen«, sagt sie leise und blickt mich wieder an. Eine Träne schimmert in ihren Augen.
      »Wir hatten uns doch geeinigt,« sage ich und wische ihr die Träne aus dem Gesicht, »dass wir die letzten verbleibenden Tage nicht in Trauer verbringen werden. Oder?«
      »Du hast Recht«, flüstert sie und rappelt sich auf. »Lass uns zu Mio gehen.«
      Ich blicke auf die Uhr. »Wir haben noch etwas Zeit, wollen wir noch etwas mit den Pferden machen?«

      Eine halbe Stunde später betreten wir mit Ginnungagap an Joras Seite und Félagi neben mir die kleine Halle im Wald. Um diese Uhrzeit belegt Vuyo oft die große Halle und ich will etwas Zeit mit Jora alleine verbringen.
      Jora will Ginnu reiten. »Willst du das wirklich?«, frage ich sie ein weiteres Mal, sie winkt jedoch nur noch genervt ab.
      »Das Pony bekomme ich doch noch gehändelt«, sagt sie grinsend und schwingt sich in den Sattel. Ich zucke nur mit den Schultern und widme mich Félagi. Er ist ein begabter Hengst und die Bodenarbeit der letzten Wochen macht sich nun bemerkbar. Er läuft an der Longe jede Stunde ein bisschen entspannter nach den ersten Minuten des Wehrens, richtete er seine Konzentration an guten Tagen auch schon vollkommen an mich. Während Jora den Rappen im Schritt die Bahnfiguren der Halle laufen ließ, hängt ich Felli die Longe ein und schickte ihn in den Zirkel.
      »Sieht gut aus!«, rief mir wenige Minuten später Jora zu, als Félagi mit gesenktem Kopf und gewölbten Rücken um mich herum trabte.
      »Gleichfalls«, sage ich und freue mich zu sehen, dass Jora mit dem sturen Ginnungagap zurecht kommt. »Du musst ihn öfter reiten.«
      »Ach auf einmal«, sagt sie. »Gerade hast du mir dein Pony noch nicht zugetraut.
      »Ich bitte um Verzeihung«, sage ich ehrlich und Joras weiches Lachen dringt zu mir.

      Nach einer Stunde Arbeit, ich hatte Félagi schon früher erlöst und war mit ihm nur noch einige Bahnfiguren gelaufen, steigt auch Jora von dem Hengst ab. Ich bin stolz auf sie, denn auch wenn Ginnu auch heute kein Meister der Freundlichkeit ist, hat Jora aus ihm einiges herausgeholt.
      »Gut gemacht«, sage ich beim Hinausgehen und greife ihre Hand.
      »Danke«, sagt sie und streckt mir ihre Zunge raus. »Du weißt aber schon, dass man ein Pferd auf der anderen Seite führt, oder?«
      Ich nicke. »Jetzt schon«, sage ich, lasse ihre Hand jedoch nicht los.

      Nachdem wir beide geduscht und uns angezogen haben, gehen wir zu Mio. Sie, Addi, Jacob, Heather und die Zwillinge wohnen in einem der älteren Bauwerke mit typisch roter Holzverkleidung. Es hat mehrere Stockwerke, doch nur in die unteren Fenster sind hell erleuchtet.
      »Hoffentlich kommen wir nicht zu spät«, sagt Jora und wird etwas schneller. Kurz vor knapp stehen wir vor der Tür und klingeln. Addi öffnet. Ich umarme ihn flüchtig, während Jora ihm die Hand entgegenstreckt. »Jora sagt sie«, und Addison ergreift ihre Hand.
      »Addison«, sagt er und tritt einen Schritt zurück, um uns hereinzulassen. In der großen Wohnstube sehe ich weder Heather, noch Chill und Buck, dafür sitzt ein anderes bekanntes Gesicht am langen Holztisch.
      »Ikarus«, sage ich und gehe auf ihn zu.
      »Malte«, sagt er und steht auf. »Ich wurde auch eingeladen, ich hoffe, das stört euch nicht? Du musst die bezaubernde Jora sein, schön dich kennenzulernen.« Er reicht Jora die Hand und lächelt ihr freundlich zu. In diesem Moment betritt Mio den Raum, auf ihren Händen balaciert sie ein Tablett mit Essen.
      »Achtung heiß«, ruft sie und wir weichen alle einen Schritt zurück. Nachdem sie das Tablett auf dem Tisch abgestellt hat, kommt sie auf uns zu. »Schön, dass ihr gekommen seid. Setzt euch, dass Essen ist fertig.«
      Als wir alle sitzen kommt Jacob. Er grüßt uns nicht, ein kleines Nicken in meine Richtung kann ich aber erkennen. Das Essen schmeckt fantastisch. Mio erzählt, dass es eine Gemeinschaftsarbeit von ihr und Addi sei und es freut mich zu hören, dass die Beziehung der beiden wieder bergauf geht.
      Jora unterdessen unterhält sich mit Ikarus. Er ist charmant und humorvoll und ich hätte wissen müssen, dass die beiden sich vertragen würden. Addison beginnt ein Gespräch mit mir und erzählt von den Plänen, wie sie die Pferde im Winter schützen wollen.
      »Wie geht es Zonta?«, frage ich zwischendurch und Addison erzählt, dass die junge Stute sich gut in die Herde eingefunden hat.
      »Meine Canyon kümmert sich rührend um sie, aber zu näheren Annäherungsversuchen haben wir uns noch nicht gewagt. Ich bin froh, dass ihre Verletzungen so gut verheilt sind«, erzählt Addi.
      Spät am Abend kommt ein weiterer Gast. Als es klingelt steht Mio auf, geht zur Tür und lässt Eyvind herein. Er ist ein ruhiger Geselle, mit kurzem, schneeweißem Haar und lockerer Kleidung. Er setzt sich zwischen mich und Addi und unser Gespräch wird dadurch beendet.
      »Was passiert eigentlich mit Brock?«, fragt Mio mich über den Tisch hinweg. »Ich habe gehört, dass er hier bleibt?«
      Ich nicke und nehme noch einen Schluck Wein, bevor ich antworte. »Petyr und Saga wollten gegebenenfalls noch ein zweites Pferd. Aber ansonsten«, ich blicke kurz zu Jora, die mich aufmerksam anschaut, »würde ich ihn gerne in Joras Hände geben.« Jora ist überrascht, aber nach einigen Sekunden breitet sich ein Lächeln auf ihren Lippen aus.
      »Das würde mich sehr freuen, wenn ich ein Stück von dir behalten könnte«, sagt sie und ich senke leicht beschämend den Kopf. Es war mir noch fremd, so offen vor anderen über Gefühle reden zu müssen.
      Das Gespräch am Tisch breitet sich wieder aus, doch ich halte mich zurück und auch Jora wendet sich von Ikarus ab. »Wollen wir nach Hause?«, fragt sie schließlich. Ich bin einverstanden und nicke.
      Nach jeder Menge Abschiedsworte verlassen wir das Haus. Die hellen Fenster leuchten uns den Weg zurück in den Wald hinein, vorbei an den Weiden, bis hin zu meinem kleinen Haus auf der Lichtung. Der Himmel ist klar und die Sternenpracht breitet sich über uns aus, wie ein leuchtendes Dach aus Erinnerungen. Wir bleiben auf der Veranda stehen und blicken hinauf.
      »Ich werde dich vermissen«, sagt Jora und rutscht noch ein Stückchen näher an mich heran.
      »Ich dich auch«, sage ich leise, denn die Worte waren nur für sie bestimmt. »Aber es ist noch nicht soweit für Abschiedsworte, wir haben noch Zeit und die sollten wir nutzen.«
      Wir schweigen gemeinsam und erst als Jora von der Kälte beginnt zu zittern, ziehe ich sie ins Haus und schließe die Tür.

      Kurz nach Acht am nächsten Morgen betrete ich den Stall. Es verwundert mich nicht, dass ich Ikarus wieder im Strohsitzend vorfinde, den Laptop auf seinem Schoß. Ich grüße ihn kurz, er bemerkt mich jedoch nicht und tippt intensiv weiter. Ich gehe die Boxen ab, auf der Suche nach Dynurs Namen. Meine Pferde dürfen die Zeit draußen genießen und doch habe ich hier auch Boxen für sie. Ich finde schließlich die Box und damit auch Dynurs Halfter, dass ich vermisst habe. Ich winke Ike zum Abschied, obwohl ich weiß, dass er es nicht bemerken würde und verlasse den Stall wieder.

      21-10-2017 | Canyon
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      Stumme Heimkehr
      »Alles okay?« Nico hielt neben mir und blickte mich fragend an.
      »Ja, hatte nur einen schlechten Tag.« Aus dem Augenwinkel sah ich, wie er in die Tasche griff und eine Zigarette herauszog.
      »Du siehst aus, als hättest du viele davon«, sagte er locker.
      »Ja.« Unser Gespräch legte eine Pause ein.
      »Vielleicht solltest du mal früher schlafen gehen?« Nico steckte sich die Zigarette an, nahm einen Zug und atmete eine Rauchwolke in den dunklen Nachthimmel.
      »Viel zu oft ist der einzige Ausweg Schlaf«, sagte ich und blickte in die Rauchschwaden, die von einem Windstoß mitgenommen wurden.
      Nico zuckte nur mit den Schultern. »Wer weiß, vielleicht ist es ja dann der Beste.«
      »Bart kommt«, sagte ich, kaum hatte ich das dumpfe Hämmern der Musikanlage gehört. Auch Nico hielt kurz inne, doch als er das gleiche hörte, nahm er einen Zug und wirkte wieder desinteressiert.
      Eine Minute später raste der rote Jeep von Bart an uns vorbei. Staub wirbelte auf und schlug mir ins Gesicht. Nico hustete, ich wusste nicht, ob vom Staub oder vom Rauch. Im Innern des Wagens erkannte ich Bartholomäus, mit seinem rotblondem Haar, der orangenen Lederjacke und einem jungen Mädchen auf dem Beifahrersitz Sie lachte laut und warf ihre dunklen Haare zurück.
      »Kennst du sie?«, fragte ich. Aber Nico schüttelte nur den Kopf, ohne wirklich hinzusehen.
      »Ich habe aufgehört mir Namen und Aussehen merken zu wollen.« Wieder seufzte er. »Ich würde mich ja gerne wundern, wo er das her hat, aber ich glaube, ich war früher nicht anders.«
      »Aber er macht‘s richtig. Schau uns an, Nico. Mich, Ikarus, Eyvind, dich. Wir sind doch alle in die Jahre gekommene Männer, die in der Liebe versagt haben.« Nico schwieg. Ich warf einen Seitenblick auf ihn. Er hatte den Kopf leicht erhoben, sein Blick ging in den Nachthimmel und die Zigarette verglühte in seiner Hand.

      Sie hatte helles Haar und Augen mit einer unbestimmten Farbe, so wie die ihrer Mutter und mir fiel noch jemand ein, bei dem ich die Augen gesehen hatte. Bevor dieser Gedanke allerdings reifen konnte, verwarf ich ihn, darauf bedacht, ihn zum richtigen Zeitpunkt wieder hervorzuholen. Ihre Haare waren ganz anders, als die von Charly. Es war leicht gelockt, nicht länger als schulterlang und ganz fein. Die Farbe erinnerte mich an Pfirsiche, so wie die von Bart.
      Einmal im Jahr war Bart nach Europa geflogen. Manchmal zu Weihnachten, manchmal einfach in den Ferien. Der Kontakt zu Charly war über all die Jahre immer mehr geschrumpft, nur mit seiner Schwester hatte er weiterhin intensiven Kontakt gehabt und da sie sich verweigerte über Handy mit ihm zu kommunizieren, hatte Bart angefangen, Briefe zuschreiben. Ich schätzte das sehr an ihm, denn es gab nicht vieles, was der junge Mann mit Bedacht tat. Oft waren seine Handlungen unüberlegt und seine jugendliche Leichtigkeit führte seine Hand. Ich gönnte ihm diese, aber er musste irgendwann erwachsen werden.
      Ich freute mich Penelope endlich kennenzulernen, die Frau neben ihr war mir jedoch unbekannt. Nicht, dass ich Charly nicht erkennen würde, dieses Gesicht würde ich immer wiedererkennen, aber ich sah, dass sie nicht mehr die war, die ich damals meine Freundin genannt hatte. Sie hatte ihr Businesskostüm an. Eine helle Bluse und einen kurzen Rock, die mittellangen Haare locker zurückgesteckt, der Mund rot und zugekniffen.
      Nico hinter mir hielt sich zurück, nur Bart hatte den nötigen Anstand auf die beiden zuzugehen, seiner Mutter eine Tasche abzunehmen und seiner Schwester einen Kuss auf die Wange zu geben. Die restliche Zeremonie lief sehr stumm ab. Ich grüßte Charly und auch Penelope höflich, jedoch mit gebührendem Abstand. Penelope blickte mir nur für einen Moment in die Augen, blieb ansonsten jedoch stumm.
      Als auch Nico beide begrüßt hatte, wandte er sich an Bart. »Sei doch bitte so lieb und zeige beiden wo sie schlafen können.« Bart nickte nur. Ausnahmsweise schien er Verständnis für seinen Vater aufbringen zu können. Stumm beobachteten wir vier, wie sich Nico umständlich auf dem trockenen Boden umdrehte und mit etwas Anstrengung die Räder seines Rollstuhls in Bewegung setzte.

      Der Tisch war definitiv zu klein für uns. Letzten Sommer hatte Eyvind ihn zwar frisch gestrichen, seit dem hatte er aber als Ablage zur täglichen Benutzung im Stall gestanden und von dem Weiß war nicht mher viel zu sehen. Es waren fast alle da und wenn ich „fast“ sage, dann war es mindestens die Hälfte. Eli hatte uns Brötchen besorgt und dann seine Aufgabe für den heutigen ag als erldigt angesehen. Ich bezweifelte es, dass ich ihn heute noch einmal wieder sehen würde. Auch Chill hatte sich vom Essen abgemeldet und Buck hatte eine wichtige Trainingseinheit mit Zonta und einer neuen Schülerin und hatte schon vor uns gegessen. Die Stimmung war dementsprechend angespannt, als ich und Eyvind mit Charly, Penelope, Nico und Bart am Frühstückstisch saß, auf dem frische Brötchen, sowie der magere Inhalt des Kühlschranks gestapelt war.
      »Ich dachte, ich treffe Ikarus auch hier an? Bartholomäus erzählte mir vor Kurzem, dass er auch wieder zurück ist«, fragte Charly in die stille Runde.
      »Das ist zwei Monate her, Mum«, sagte Bart und schmierte unordentlich Nutella auf seine zwei Brötchen.
      »Und das bedeutet was?«, fragte sie nochmal nach.
      »Ike ist zur Zeit wieder mit Pítu unterwegs, in den Rocky Mountains diesmal, wie ich hörte«, klärte Nico Charly auf, ohne sie anzusehen. »Ich erwarte ihn nicht vor Ende Juni zurück.«
      »Wie schade«, sagte Charly und ich fragte mich, ob sie es wirklich so meinte. Nach einer weiteren Gesprächspause, in der wir unser Frühstück genossen, durchbrach wieder Charly das Schweigen. »Ich möchte heute an den Strand fahren, wer fährt mit?«
      Niemand reagierte, auch Bart nicht, den Charly besonders anstarrte. Erst als das Schweigen zu unerträglich wurde, blickte Bart auf. »Tut mir Leid Mum, aber ich wollte heute mit Marid etwas arbeiten und für die Schule muss ich auch noch etwas arbeiten.«
      »Na gut«, seufzte Charly. »Dann fahre ich eben alleine. Ich erwarte allerdings, dass du dich um deine Schwester kümmerst.« Bart verdrehte nur die Augen und nahm sich zwei weitere Brötchen, die er abermals mit Nutella beschmierte und dann in einer unglaublichen Geschwindigkeit in sich hineinstopfte.

      19-07-2018 | Canyon |
    • Canyon
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      Aus Asche erblühen
      | Grenzfee | Echo's Maiden | Far Cry | Amistad | Westatlanta | Light up Hell | CHH' Lethal Combination | Song of Peace | PV Gräfin | Alphabet Soup | Ivy's Rhapsody | Marid | Mytos | Arias | Chosposi | Anaba | Morrigans Hidalgo | My Canyon | Flotten von Mutanten | Cloud | Aquena | Zonta | Havanna Girl | Ghostly Phenomenon | Pítu | Óslogi | Félagi | Imagine Dragons |

      „Es ist bezeichnend, dass wir vor fast genau einem Jahr genau hier saßen und das Gespräch heute vermutlich genau das gleiche sein könnte, wie damals“, sagte ich und ließ mich neben Nico auf den Stein sinken.
      „Das stimmt nicht, wir haben viel erreicht im letzten Jahr.“ Nico zieht an seiner Zigarette. „Ein paar gewonnene Turniere, gelungene Pferdeverkäufe und mein Sohn hat seit fast zwei Monaten durchgängig die gleiche Freundin. Das wäre letztes Jahr um diese Zeit noch nicht denkbar gewesen.“
      „Ein Nicolaus du Martin wird seinen Sarkasmus und die darin eingebaute angebliche Hoffnung wohl nie verlieren.“
      „Das kommt alles von der Natur. Immerhin bezeichne ich dich nach zehn Jahre pure Feindschaft als meinen besten Freund. Das ist wahre Ironie. Mit dir habe ich das Gefühl, dass wir als einzige alle zehn Staffeln „The Walking Dead“ überleben würden.“
      Ich lächle dankbar. Vielleicht sieht Nico es im Licht seiner glühenden Zigarette, vielleicht ahnt er es und vielleicht sind seine Gedanken ganz wo anders. „Danke, mein Freund, das bedeutet mir viel.“ Wir schweigen einen Moment und lassen unseren Blick über die hügelige Ebene, die vom Halbmond nur spärlich beleuchtet wird, gleiten. „Was wäre, wenn wir dieses traurige Kapitel der letzten zwei Jahre hinter uns lassen uns neu anfangen? Seit einem Jahr haben wir kein neues Pferd mehr gekauft, unsere Zuchthengste sind alt und die Stuten haben seit Jahren kein Fohlen mehr getragen.“
      „Wir alle brauchen irgendwann Frieden. Ich habe meinen mit dieser Situation geschlossen. Wir halten und mit den Turniergewinnen über Wasser und verdienen und ansonsten noch ein paar Kröten mit Training hinzu. Warum immer mehr arbeiten, wenn das zum Leben reicht“, sagt Nico gedehnt.
      „Du bist faul geworden. Faul und dick. Du ruhst dich auf den Erschaffungen deiner Jugend aus!“
      „Und? Was ist daran falsch? Ich habe hart gearbeitet und jetzt ruhe ich. So will ich es.“
      Ich seufze. „Du bist ein Blödmann, das warst du schon immer.“
      „Und Dir stehen deine kurzen Haare nicht.“
      „Selber.“
      „Altwerden ist anstrengend.“
      „Ja.“
      „Apropos. Schiebst du mich zurück? Mit der Kippe in einer Hand fahre ich immer schräg.“

      „Ich habe mir was überlegt.“
      „Was?“
      „Ich habe mir was überlegt!“
      „Ja, was?“
      Ich beiße die Zähne aufeinander und grunze. Nico ignoriert mich. Er starrt seit einer Ewigkeit auf den Bildschirm seines IPads und schaut sich Dokumentationen über Friseursalons für Labrapudel an. „Wir kaufen ein paar neue Pferde.“
      „Ne“, sagt Nico.
      „Wieso nicht?“
      „Keine Lust und kein Geld.“
      „Investieren nennt man das. Geld ausgeben, um später mehr Geld einzunehmen.“
      „Ne.“
      „Doch.“
      „Okay.“
      „Hör auf damit!“
      „Mit was?“
      „Mich absichtlich zu nerven.“
      „Geht aber immer so erstaunlich gut.“
      Ich seufze und mache mir einen Tee. Die kleine Wohnküche war für die Besatzung des Hofes, die laut Barts Beobachtungen nur aus alten und verzweifelten Männern bestand, sich ausgerechnet, deutlich zu klein. Aber solange wir international keine Anerkennung erlangen werden, wird es zum Glück noch keine Tratsch-Artikel über die Schwulen-WG im Outback geben. Im Endeffekt hatten wir sowieso keine andere Möglichkeit, als unsere Sexualität an die Umgebung anzupassen und hübsche Norwegerinnen gab es hier draußen definitiv nicht. Die hatten es alle richtig gemacht und waren in Norwegen geblieben. So wie Jora.
      „Nicht an Jora denken“, sagt Nico und schaltet endlich den Bildschirm aus.
      „Woher weißt du...?“
      „Du denkst immer an Jora, wenn du so einfrierst und dein Blick in die Ferne geht. Mensch Malte, ich bin auch ein Mann.“
      Ich sage nichts und nehme einen Schluck heißen Tee. Jora mochte Tee mindestens genauso wie ich.
      „Ich dachte, wir wollten los?“, fragt Nico und chauffiert seinen Rollstuhl umständlich zwischen Sofa und Sessel hindurch.
      „Wo los?“ Bart betritt in diesem Moment den Raum. Dreckige Jogginghose und Muskelshirt, fettige Haare und nur eine Socke.
      Nico hebt die Hände zum Himmel. „Warum bestraft mich Gott nur mit meinen eigenen Fehlern jeden Tag aufs Neue!“
      „Schick“, sage ich nur und proste Bart mit meinem Tee zu. Nico hatte das Gesicht in den Händen vergraben deswegen antworte ich. „Wir kaufen jetzt neue Pferde.“
      „Also ich weiß ja nicht, warum ihr ich so über mich beklagt, aber ihr müsst euch mal zuhören und zuschauen, kindlicher geht’s ja echt nicht mehr. Wir kaufen neue Pferde“, äfft er uns nach. „Als würdet ihr in den Spielzeugladen gehen und Fillypferdchen kaufen.“
      „Was sind Fillypferdchen?“, frage ich und Nico wirft mir einen bösen Blick zu.
      Bart seufzt. „Es scheint, als müsste ich, als Erwachsene und reife Person“, Nico schnaubt, „die in der modernen Welt angekommen ist, euch begleiten.“ Er nimmt sich eine Cappi vom Hacken und öffnet die Tür. „Kommt ihr, Jungs?“

      Bart hat darauf bestanden, mit seinem roten Jeep zu fahren. Obwohl er sich farblich schon lange nicht mehr von dem von Nico unterscheidet und der ist basicgrey. Leider hatte sich Barts Musikgeschmack, im Unterschied zur Länge seiner Beziehungen, nicht verändert.
      Während der Fahrt. Von Kalifornien aus ging es im Endeffekt nur in eine Richtung, wenn man nicht nach Kanada oder Mexiko wollte, hatte ich einige interessante Pferde ausgesucht. Es war erschreckend, wie viele Gestüte in letzter Zeit bankrott gegangen waren. Entweder ein Zeichen, dass es auch uns nach dieser wenig durchdachten Aktion so gehen würde, oder dafür, dass wir nun die Chance hatten, aus der Asche der anderen neu zu erblühen.
      Unser Wochenende bestand also daraus, durch die Staaten zu fahren und Pferde zu kaufen. Meistens waren es Gestüte, mehr oder weniger bekannt, die ein paar ihrer Perlen verkauften. Glück hatten wir allerdings bei einem Ausverkauf. Dort ergatterten wir einen jungen Hengst und in ebenso auffallender Lackierung eine Stute dazu. CHH’ Lethal Combination war eine Augenweide und neben Light up Hell wahrscheinlich der Grund, warum Nico, Bart und ich ab Seattle in den Flieger stiegen und sogar nach England flogen, um „einzukaufen“. In England stieß eine ältere Zuchtstute zu uns. Ich hatte vielleicht etwas Mitleid mit der verwirrt schauenden Palominostute Far Cry, Nico hingegen war ganz hin und weg von ihrem bissigen Charakter.
      Am Ende unserer Reise hatten wir acht neue Pferde und drei, die durch einen Ausverkauf wieder zu uns zurückgehen sollten. Mythos und Arias hatten ihre Jungpferdezeit gemeinsam anderswo verbracht und Bart, der ein wahrer Araberfreak war, hatte sich nicht nehmen lassen, die beiden Rubinafohlen zurück nach Kalifornien zu holen.
      Die größte Beute hatten wir wohl auf dem Gestüt von Landsberg gemacht. Fünf Vollblüter mit der besten Abstammung. Unter ihnen Grenzfee, bei der allerdings schon immer klar gewesen war, dass sie wahrscheinlich eines Tages zurück nach Hause kehren würde. Amistad, Echo‘s Maiden, Ivy’s Rhapsody und Westatlanta.
      „Westatlanta“, sagt Nico. „Was für ein bescheuerter Name.“
      „Wir finden schon einen guten Spitznamen für sie“, sage ich und unterschreibe auch für die gepunktete Stute den Kaufvertrag.
      „Klar. Wessi oder Atti dann wohl. Klingt ja viel besser“, antwortet Nico hämisch.
      „Ich finde Westatlanta cool“, sagt Bart. „Das klingt so nach—.“
      „Nach dem Westen von Atlanta?“ Nico schüttelt fassungslos den Kopf, als Bart daraufhin begeistert mit dem Kopf nickt.
      „Genau!“, sagt er begeistert.

      Die letzte Stute sammeln wir kurz vor unserer Heimat an. Sie stammt aus keiner großen Zucht, hat laut Vorbesitzer aber die perfekten Anlagen, auch in der Distanz. Alphabet Soup ist vielleicht ein Fehler, aber wir sind nicht losgezogen, um keine Fehler zu machen.
      Sie ist hübsch und hat eine angenehme Größe, ein ruhiges Temperament und schöne Augen. Der Verkäufer will sie trotzdem loswerden und leiht uns sogar einen Hänger aus, damit wir sie gleich mitnehmen können. Ich sehe mich die nächsten Jahre schon auf dem unbequemen Rücken der Vollblüter sitzen. Warum war aus meinem Wunsch einer Curly-Zucht nur nichts geworden?
      Vollblüter sind schon immer Nicos Traum gewesen. Vielleicht auch Charlys, aber von Charly sprach man hier sowieso nicht mehr. Sie existiert nur noch in unserer Erinnerung.
      Sollte mein schöner Hintern an den Rippen der Pferde zerbrechen, hatte ich immerhin noch Óslogi und Félagi, die meine empfindlichen Körperteile mit ihrem dicken Fell wieder weich klopfen würden.

      Zwei Wochen später sind alle Pferde angekommen. Ich hatte die Stallgemeinschaft in den letzten Tagen zusammengerufen und den Stall wieder auf Vordermann gebracht. Der Einzug einiger neuer Pferde und die Belegung länger leerstehender Boxen war selbst für Bart ein guter Grund mitzuhelfen. Es tat gut, alle mal wieder versammelt zu sehen. Seit Monaten waren wir nur noch lauter orientierungsloser Männer, die durch die Welt ohne Ziel streiften.
      Mary Ann hatte uns damals verlassen und uns mit genau diesen Worten beschimpft. Sie war das einzige Mädchen gewesen, das es länger bei uns Männern ausgehalten hatte. Bis auf Barts Babysitterin. Sie war geblieben bis Bart fast 16 Jahre alt war, obwohl Nico sie seit Barts sechstem Geburtstag nicht mehr bezahlt hatte. Dafür hatte sie zusammen mit ihm eine Hanfplantage einige Hundertmeter weiter im Wald angelegt und hatte sich damit etwas Geld verdient.
      Am Sonntagabend sitzen wir nun also gemeinsam auf den klapprigen Holzstühlen, vor uns einen Grill und im Wind über uns traurig flatternde Luftschlangen als Symbol der Freude. Bis auf Ike, er ist mal wieder seit Wochen mit Pítu unterwegs, sind alle da. Selbst Eli hat sich dazuverdienen erklärt, wieder etwas mitzuhelfen. Bart kuschelt auf dem alten Stallsofa mit seiner Freundin, die beiden haben einen großen Ausritt mit Marid und Ghostly Phenomenon hinter sich. Sie kann zwar nicht reiten, aber Phenomenon kommt mit allen Schwierigkeiten des Lebens zurecht.
      Eyvind sitzt etwas abseits. Er ist der einzige, der aktiv mit dem Training der Pferde beschäftigt ist. Nebenbei kümmert er sich noch um die übriggebliebene Mustangs und gibt Reitunterricht auf ihnen. Nur wegen den Wildpferden gab es viele, die hierherkommen und für eine Stunde retten jeden Menge Geld auf den Tisch legten. Eyvind hatte uns damals mit dieser Idee vor dem ersten Bankrott gerettet, hoffentlich würde es jetzt mein Vorhaben tun.
      Ich weiß noch nicht, in welche Richtung sich alles entwicklen würde. Oder ob es überhaupt dieses Mal im Leben weitergehen würde, alles ist ungewiss, aber die Zeit wird auch diese Frage klären.

      19-08-2019 | adoptedfox
    • Canyon
      [​IMG]
      happens to the heart
      Amistad | Firewalker | Light up Hell | Last in Love | Chromed Highwind | Lap de Loupe | Sir Golden Mile | Golden Sugar
      Grenzfee | Echo's Maiden | Far Cry | CHH' Lethal Combination | Westatlanta | Alphabet Soup | Song of Peace | PV Gräfin | Cinnada Mistik | I've got a blue soul | BR Prias Raveday | Delightful Cinnamon
      Winter with Koen | Ivy's Rhapsody | BR Ruffian's Smart Jane | PFS' Circle of Thyme | Lady Phoenitia | PV Farwest | PV Rebellion of Cinqué | PV Traumfee | PV Toxic Compound
      Félagi | Schwalbenfeder | Óslogi | Pítu | Marid | Arias | Mytos | Ghostly Phenomenon | Imagine Dragons
      ]Chosposi | Anaba | Morrigans Hidalgo | Cloud | My Canyon | Flotten von Mutanten | Aquena | Zonta | Havanna Girl | Kwatoko | Dawn

      »Malte!«
      Erschrocken blickte ich auf. »Ja?«
      »Mensch, bist du taub?« Bartholomäus schüttelte fassungslos den Kopf. »Dein Handy klingelt!«
      Ich blickte auf das leuchtende und vibrierende Nokia-Handy auf dem Tisch neben mir. Ich brauchte einen Moment, um mit den Gedanken von Logis Sehnenverletzung zu dem Anruf zu kommen. Ich nahm ab. Es hatte seinen Grund, warum ich keinen Anrufbeantworter eingerichtet hatte.
      »Tordenværson?«, brummte ich in den Apparat.
      »Immer noch wie damals«, sagte eine unsichere, stockende Stimme. Ich kannte diese Stimme. Sie brachte mich dazu in windeseile aus dem Sessel aufzustehen, das Wohnzimmer zu verlassen und mit einer Jacke ausgerüstet in die kalte Nachtluft hinaus zu hetzen.
      »Malte?«, fragte sie.
      »Charly«, sagte ich und meine Stimme kratzte fürchterlich wie ein Eisenschwamm auf dem Herd.
      »Gut, du bist noch dran«, sagte Charly. »Schön, dass ich dich erreichen kann.«
      Ich räusperte mich und nahm auf einer Bank vor dem Stallgebäude Platz. »Womit kann ich dir helfen, Charly?«
      »Ich wollte mich mal bei dir melden«, sagte sie leise. »Es ist nämlich so, dass ich nächste Woche beruflich in Los Angeles bin und dich fragen wollte, ob wir gemeinsam essen gehen wollen. Ich lade dich natürlich ein!«
      »Warum fragst du das mich und nicht deinen Sohn, der bestimmt gerne Zeit mit seiner Mutter verbringen möchte?«, fragte ich, etwas barscher als ursprünglich beabsichtigt.
      Am anderen Ende war es still. Ich hörte nur ein leises Rauschen, vielleicht war es Charlys Atmen. »Du weißt«, sagte sie einige Sekunden später, »dass ich mit Bart noch nie eine gute Mutter-Kind-Beziehung hatte. Er ist jetzt erwachsen. Wenn er Interesse an mir hat, dann kann er sich gerne jeder Zeit bei mir melden.«
      Diesmal schwieg ich. Ich wollte mich nicht in die Familienprobleme einmischen, aber es fiel mir schwer, nicht jetzt und für immer diesem unausgesprochenem Drama ein Ende zu bereiten. Charly nahm als erste das Gespräch wieder auf: »Also, kommst du mich nun besuchen?«
      »Natürlich«, sagte ich. »Wann kommst du an?«

      »Wo ist Malte?« Nico blickte fragend in die Runde. Eyvind, Eli, Ike und Bart standen im Hauptstall im Kreis um ihn herum. Jeden Freitag war Besprechung. Nicht, dass an anderen Tage keine Kommunikation herrschte, aber die fünf Minuten am Freitag um acht fanden ohne Kaffee und Smartphone statt. Verspätungen wurden mit extra Morgenschicht bestraft.
      »Na seine Schwester ist in Los Angeles«, sagte Eli.
      »Quatsch«, widersprach Bart. »Seine Schwester hat er seit Jahren nicht mehr gesehen. Er meinte zu mir, dass er einen Auftrag hätte.«
      »Nur, weil er seine Schwester länger nicht mehr gesehen hat, ist das doch kein Grund, dass sie sich nicht ausgerechnet dieses Wochenende treffen?« Eli ließ nicht locker.
      »Vielleicht meinte er ja seine Cousine?«, sagte Eyvind. »Hatte er hier nicht mal eine Cousine?«
      »Die Frage ist eigentlich, warum ich nichts davon weiß?«, fragte Nico. Alle zuckten ratlos die Schultern und Nico musste seufzen. »Alles klar, dann machen wir eben einen Plan ohne Malte.«
      Alle nickten. Erschienen Nico aber trotzdem leicht verwirrt, ohne Malte, der immer alle Ruder in der Hand hatte. Auch diejenigen, die Nico gerne fallen ließ. Malte rettete immer alles.
      »Ich brauche Rückmeldung zu den neuen Praktikanten und Praktikantinnen«, sagte Nico, das „innen“ betont. »Meinungen darüber?«
      »Cjara ist ziemlich hübsch«, sagte Bart mit einer andeutungsvollen Stimme. Zustimmendes Gemurmel machte sich bemerkbar. Nico seufzte laut.
      »Irgendwelche Probleme? Unzufriedenheiten? Irgendwas?«, er gab noch nicht auf. »Eyvind, du warst doch mit auf der Woodland Ranch, sind Cjara und Elsi gut geritten?«
      Eyvind nickte. »Nichts auszusetzen. Cjara schön und nervös wie immer, Elsi etwas zu verbissen, aber ansonsten tadellos.«
      »Na gut«, sagte Nico. »Wenn das so ist, dass möchte ich, dass die Mutterstuten und die Fohlen heute besondere Aufmerksamkeit bekommen. Gemeinsamer Koppelgang und erstes Halfteranlegen und Putzen ist angesagt. Ansonsten kommt heute Nachmittag noch der Tierarzt wegen Miles Hautproblemen vorbei und bringt uns neue Medikamente. Und Bart, lass ja die Finger von Cjara.«
      Nico wendete sich von der Gruppe ab und rollte zurück in Richtung Haupthaus. Wo war nur Malte? Warum hatte er nicht vorher mit ihm gesprochen?

      Ich fühlte mich überaus unwohl mit meiner dreckigen Jeans und dem Karohemd von gestern unter all den Buisnessmenschen, die aussahen, als wäre es für sie üblich, jeden Tag mit dem Flieger auf Arbeit und wieder zurück zu fliegen. Die weißen Fliesen unter meinen Füßen glänzten in der untergehenden Sonne, die durch die meterhohe Glasfassade der Eingangshalle vom International Airport von Los Angeles fielen. Meine Hände in den Hosentaschen verkrampften sich gestresst.
      Ich hätte Charly nicht erkannt, wenn sie nicht wenige Meter vor mir ihre Handtasche in der Luft geschwenkt und „Hallo Malte!“ gerufen hätte. Sie war nicht von den Menschen in grauen oder schwarzen Anzügen zu unterscheiden, die, ihren Hartschalen-Koffer vor sich her schiebend und auf das Handy blickend, die Halle in einen riesigen, menschlichen Ameisenhaufen verwandelten.
      Ich hasste Flughäfen.
      Charly war alt geworden. Sie hatte keine Falten gekriegt oder Seniorenmode gekauft, sie war einfach so alt geworden. Für einen Moment verschwamm sie vor meinen Augen und ich sah sie, so wie ich sie damals kennengelernt hatte; Kurze schwarze Haare, zerschlissene Jeans, dunkler Eyeliner und ein freches Grinsen. Sie war immer jung gewesen, diese Zeiten waren anscheinend vorbei.
      »Das ist so lieb, dass du mich abholst!«, sagte sie freudestrahlend und fiel mir um den Hals. Auch sie hatte einen silbernen Hartschalen-Koffer dabei, denn sie los lies, woraufhin er noch einige Schritte weiterrollte. Zwei Tage Los Angeles und es sah aus wie zwei Wochen Antarktis.
      Ich erwiderte ihre Umarmung und legte meinen Kopf auf ihre Schulter. Sie roch gut, viel zu gut.
      »Ich habe ein Zimmer im H-Hotel, also nicht weit von hier! Ich würde schnell meine Sachen ablegen und dich dann zum Abendessen ausführen.«
      Ohne meine Antwort abzuwarten, tippelte sie zielstrebig in den hohen Absätzen in Richtung Ausgang. Den Koffer ließ sie für mich zurück.
      Das H Hotel lag tatsächlich nur wenige Minuten zu Fuß vom Flughafen entfernt. Es hatte eine eindrucksvolle Glasfassade, Palmen vor dem Eingang und eine Suite, die größer als unsere Reithalle war. Ich fühlte mich fehl am Platz und Charly neben mir machte es nicht besser. Mit ihrer Handtasche wackelte sie voraus, während ich wie ihr Diener mit dem Koffer beeilte hinterherzukommen. Natürlich nahm sie den Fahrstuhl in den zweiten Stock, anstatt die imposante Treppe zu bevorzugen. Charlotte von Eylenstein hatte sich angepasst. Angepasst an ihre neue Arbeit, ihr neues Aussehen, ihren neuen Mann.
      Ich hatte es mir bereits gedacht, aber die Suite besaß nur ein großes Doppelbett mit aufgepolsterten Monsterkissen und Deckenbergen dazu.
      »Ich würde auf der Couch schlafen«, sagte ich und legte meinen kleinen Rucksack neben die gewaltige Couch, von der aus man einen eindrucksvollen Blick auf den LAX hatte.
      »Blödsinn.« Charly lachte auffallend hell. »Das Bett ist groß genug für uns beide. Ich mache mich schnell etwas frisch, dann habe ich für uns bereits einen Tisch reserviert.«
      Ich ließ mich aufs Bett fallen während aus dem Bad das Rauschen von Wasser zu hören war. Wer war diese Frau nur geworden? Ich hatte sie mal geliebt. Ich weiß noch, wie gerne ich Charly gemocht hatte und wie sehr ich Nico gehasst hatte. Vielleicht war das ein Grund gewesen, warum ich Nico nach all den Jahren verzeihen konnte. Tjarda und Jora, sie waren all die Zeit nur Ablenkungen gewesen. Das Wasser stoppte und ein Föhn ging an. Seit zwanzig Jahren kannte ich sie. Seit zwanzig Jahren trauerte ich ihr hinterher. Für mich hatte das bedeutet, zwei bedeutungslose Liebschaften, wobei die erste von beiden nicht mal über ein „Hey, kann sein, dass ich dich mag“ hinausgegangen war. Die zweite war schon anders gewesen, besser. Jora war in einem Augenblick in meinem Leben gekommen, in dem ich sie gebraucht hatte. Missbraucht hatte. Gedacht hatte ich dabei all die Zeit an jemanden anderen.
      Der Föhn verstummte und es wurde ruhig im Badezimmer. Ich war alt geworden. Von meinen blonden Haaren war nicht mehr viel übrig. Vielleicht hatte die Sonne in Kalifornien sie weiß gefärbt, vielleicht die Einsamkeit. Ich war noch immer der Selbe wie damals. Ich hatte meine zwei Pferde und meine Arbeit, wie eh und je. Keine Veränderung und keine Weiterentwicklung. Petyr hatte sich weiterentwickelt. Ich hatte gehört, er hatte jetzt eine Familie in Oslo. Das mit Saga war wohl doch mehr geworden, als jeder gedacht hatte. Und Charly hatte sich weiterentwickelt. Zwar in eine Richtung, die mir nicht sonderlich gefiel, aber vielleicht lag das an mir. An mir, weil ich dachte, dass sie mich nun vollends abgehängt hatte.

      Den Vormittag verbrachte Nico bei Eyvind. Er war der Alleskönner und der Allesversteher des Gestüts und der beste Zuhöhrer oder Schweigefreund, den man haben konnte. Eyvind hatte sich den Mustangs verschrieben und eine kleine Reitschule aufgebaut. Nur wenige Schüler, dafür intensiver Unterricht, der weit über eine normale Reitschule hinausging. Vor allem viel Vertrauensarbeit und Horsemanship, vom Boden aus und im Roundpen. Die Mustangs waren unerschrocken und doch immer vorsichtig, aber vor allem intelligent und erstaunlich menschenfreundlich.
      Sie durften ihr Leben im Offenstall auf den großen Weiden hinter dem Hauptstall verbringen. Einige bekam selbst Eyvind nur selten zu Gesicht und das war auch okay so, dafür waren sie hier.
      Nico fand es erstaunlich, was Eyvind für einen Umgang mit den Kindern und Jugendlichen hatte. Er war Ihnen allen wie ein Vater, obwohl er doch selber keiner war.
      Einmal die Woche kamen die Kinder aus dem Kinderheim, die Eyvind besonders ins Herz geschlossen hatte und es oft über das normale Pensum hinaus ging. Das Geld, welches dabei reinkam, war sehr gering. Aber ein Mustang sollte sowieso nicht für den Kapitalismus missbraucht werden.
      Nach Nicos Besuch bei den Offenstallweiden, suchte er sich zwei der Praktikannten, die sich um die restlichen Pferde kümmern sollten, die gerade nicht im Training standen. Auf Marid ließ er zwar niemanden anderen als Bart, aber eine Massage und etwas Rotlicht durften sie ihm schon verpassen.
      Am Nachmittag fand sich Nico wieder in seinem Arbeitszimmer für eine kurze Pause ein. Er fuhr den Laptop hoch und öffnete die Website von Phoenix Valley, die in neuem Glanz erstrahlte.
      In letzter Zeit waren einige Pferde dazugekommen, aber was noch wichtiger war, die ersten Fohlen waren geboren. Vier wunderbare Vollblüter von wunderbaren Eltern. Es waren die ersten Pferde, die auf diesem Gestüt ihren Weg ins Lebens gefunden hatten und mit Stolz aktualisierte Nico die Website von Phoenix Valley. Die Geburt von PV Farwest, PV Rebellion of Cinqué, PV Traumfee und PV Toxic Compound musste verbreitet werden. Phoenix Valley war von nun an kein vergessenes Gestüt ohne Erfolge mehr, 2020 würde DAS Jahr werden.
      Nachdem die Website mit Bildern und kurzen Texten zu den Neuankömmlingen ausgestattet war, zog Nico sich eine Jacke über und rollte nocheinmal in den Stall. Hier standen seine Schätze, sein einziger Stolz. Die Mutterstuten hatten alle etwas größere Boxen bekommen, um den aktiven Baby-Vollblütern genügend Platz bieten zu können.
      Ganz vorne stand Far Cry, die erfahrenste und älteste der Zuchtstuten. Viele Fohlen würde sie dem gestüt nicht mehr schenken können, aber ihr diesjähriges war ein voller Erfolg geworden. Das Fohlen aus Firewalker hatte den Namen Farwest bekommen und war ein wundervoller Buckskin geworden. Malte meinte, er hat er etwas von einem Dunskin, aber laut Farbgenetik war das nicht möglich. Also war Farwest ein besonderer Buckskin und genauso verhielt er sich auch.
      Die einzige Stute war Traumfee. Ihre Mama Grenzfee war ganz stolz auf den kleinen Wirbelwind, mit dem ständig schlagenden Schweif. Die Wahl, einen Hengst von einem anderen Gestüt auszuleihen, war eine gute Idee gewesen. Fiebertraum hatte nicht nur seine wundervolle Farbe vererbt, sondern auch den munteren und aufmerksamen Charakter.
      Rebellion of Cinqué war eher noch ein kleines Rätsel. Der Hengst sah wundervoll aus, keine Frage, aber er war durchaus etwas zurückhaltender und schwerer einzuschätzen von seinem Charakter her. Echo‘s Maiden behütete den blauäugigen Prachtkerl trotzdem mit aller Liebe. Den weißen Schweif hatte der Kleine definitiv von seinem Vater Amistad geerbt, eine gute Tat, keine Frage.
      Der letzte im Bunde war Toxic Compound. Leider hatte sowohl CHH‘ Lethal Combination, als auch Light up Hell keine allzu guten Werte erhalten, es war also unklar, inwiefern der kleine Hengst groß rauskommen würde. Wahrscheinlich war wohl eine Kariere als Zuchthengst, seine Farbe war wirklich wunderschön geworden.
      Vor einigen Wochen war auch Winter with Koen auf unser Gestüt gekommen. Er war Jährling und sollte als Spielgefährte für Ivy‘s Rhapsody dienen. Sie war jedoch um einiges älter und der junge Koen für sein Alter noch extrem verspielt. Er genoss sichtlich das unbekümmerte Leben und hatte durchaus schon einige Herzen erobert. Deswegen war BR Ruffian‘s Smart Jane eingezogen. Eine Prchtkombination, Homozygot Roan und dann noch Silver. Sie war eine Halbschwester von BR Prias Raveday, die bereits mitten im Training stand, aber das sollte unsere Zucht nicht weiter einschränken.
      Das größte Wunderkind aber war wohl der Junghengst PFS‘ Circle of Thyme. Ein Pineforest Nachkommen, nur für unsere Zucht gezogen und der erste Sabino. Also ein perfekter Kerl mit den besten Voraussetzungen von beiden Eltern.
      Möglicherweise würde es bald auch neue Fohlen geben. Alphabet Soup und Westatlanta liefen in letzter Zeit vielversprechende Turniere und wenn Last in Love und der neue Golden Sugar weiterhin Erfolge nach Hause bringen würden, waren neue Liebeskombinationen definitiv nicht ausgeschlossen. Aber das würde die Zeit bringen. Die beiden Praktikantinnen hatten außerdem noch die zwei unzertrennlichen Stuten PV Gräfin und Song of Peace auf einer Krönung vorgestellt und wenn da alles soweit ohne Probleme gelaufen war, dann würden auch diese bald gekrönt sein.
      Die nächsten Stunden heftete Nico Abrechnungen ab und brachte den ganzen Papierkram auf Vorderman. Früher hätte er sich nie dazu niedergelassen, leider war es ihm aber nicht mehr vergönnt, draußen mit den anderen zu trainieren.
      Seit dem Nico einige „Praktikanten“ für unbekannte Zeit auf das Gestüt gelassen hatte, war wieder Leben eingekehrt und die Arbeiter etwas entlastet. Sir Golden Mile, Lap de Loupe, Chromed Highwind, Cinnada Mistik, I‘ve got a blue soul, Prias Raveday und Delightful Cinnamon standen dadurch wunderbar im Training und sollten in den nächsten Wochen hoffentlich noch ein paar Turniersiege abholen.
      Auch der Trainingscenter von Malte lief auf Hochtouren. Er hatte endlich wieder Zeit für Aufträge und nicht nur das, er hatte sich sogar dafür bereit erklärt, Nicos Sohn Bartholomäus auszubilden und immer mitzunehmen, sodass auch er nach seinem mittelmäßigen Schulabschluss wieder etwas zu tun hatte.
      Nico seufzte abermals. Er schaute auf sein Handy. Keine Nachricht von Malte. Auf seine Frage hin, wo er denn war und wann er wiederkommen wollte, hatte er nicht geantwortet. Mittlerweile ging die Sonne unter und tauchte das Gestüt in sagenhaft rotes Licht. Erst am nächsten Morgen würde Phoenix Valley neugeboren werden.

      Das Abendessen im Hotel Restaurant war okay gewesen. Für mich hatte es einen Veggie Wrap gegeben, für Charly einen gebratenen Lachs mit Parmesan. Sie hatte sich ihre gute Laune nicht von meinen tiefen Gedanken verbieten lassen. Aber vor allem trank sie viel Alkohol. Immer nur in damenhaften kleinen Portionen. Ihr torkelnder Gang am Ende war jedoch trotzdem für alle unübersehbar gewesen.
      Die Fahrstuhltüren schlossen sich hinter uns. Ich hielt Charly um der Hüfte fest, beschäftigte mich intensiv mit dem Werbeplakat an der Fahrstuhltür. Auch Charly war eigenartig stumm und als ich die Werbung für das Casino nun schon zum dritten Mal Wort für Wort durchgelesen hatte, wagte ich einen Blick zu ihr. Ihre Augen fingen ihn sofort ein, als hätten sie nur darauf gewartet. Ihr Blick war plötzlich wieder klar und als sie sich aus meinen Armen befreite, stand sie erstaunlich selbstsicher. Mein Blick löste sich von ihren Augen, wanderte hinab auf ihre zartrosa Lippen und blieb dort hängen.
      »Küss mich«, flüsterte sie.
      Ich wollte es und doch wollte ich es nicht tun. Aber sie flüsterte, fast stumm, noch einmal die Worte. Meine Hand fand den Weg zu ihrem Nacken, verlor sich dort in dem weichen Meer aus dunklen Haaren und drückte dann ihren Körper bestimmend an meinen. Kaum waren ihre Lippen nah genug, legte ich die meinen auf ihre, roch erst ihr zartes Parfüm, dann den Lippenstift und dann den Geschmack von Champagner auf ihrer Zunge. Ich arbeitete mich tiefer in sie hinein, umschlang sie mit allem was ich zu bieten hatte, und da fand ich ihn. Erst ihren Geruch. Den zarten Geruch nach Meer, vereint mit etwas menschlichem, gut riechendem Schweiß. Dann fand ich ihren Geschmack. So verführend, so feucht, so beherrschend. Ich wollte sie, mein ganzer Körper verlangte mit jeder Zelle nach dieser Frau, die ich fest umklammerte, ihr die letzte Luft aus dem Körper zog. Ich wollte alles von ihr haben. Ich stöhnte.
      Mit letzter Kraft löste Charly sich von mir. Ihre Lippen waren verschmiert und die Haare standen wild ab. Ich hatte nicht gemerkt, dass ich ihr das schwarze Kleid begonnen hatte auszuziehen. Als die Türen sich öffneten, zog sie es schnell zurück über ihre Hüften. Wir drängelten uns mit gesenktem Blick an dem älteren Ehepaar vorbei, welches vor dem Fahrstuhl wartete. Ich konnte nicht aufhören Charly anzustarren. Ich vibrierte, fühlte mich lebendiger als je zuvor und das, obwohl ich vorhin erst gedacht hatte, sie nicht mehr zu lieben, nicht mehr nach ihr zu verlangen.
      Oh doch, das tat ich.

      »Dieses Pferd ist der Hammer«, sagte Bart immer wieder, während er die Stute aus dem Hänger führte. »Dass du an ein so schönes Pferd kommst, wirklich krass.«
      Joline hatte hellblaue Transportgamaschen an und eine passende Abschwitzdecke. Immerhin hatte Nico auch nicht schlecht bezahlt für das Wunderpferd aus Kanada, die geschenkte Ausrüstung war dafür ja das mindeste.
      »Die wird erstmal eine Untersuchung bekommen. Kann ja nicht sein, dass es nur Langweile ist, dass sie sich den Schweif aufkratzt, als würde da eine Horde Flöhe wohnen«, sagte Nico.
      Bart nahm den Strick ab, den ihm der Transporterfahrer reichte.
      »Ich brauche noch eine Unterschrift«, nuschelte er und hielt erst Bart, dann Nico den Zettel hin.
      »Ich sitze zwar im Rollstuhl, kann aber durchaus noch einen Stift führen«, sagte Nico, während er schwungvoll seinen Namen auf das Papier setzte. Dann lächelte er freundlich.
      Der Mann hatte nicht verstanden, worauf Nico anspielte. Murmelte nur und fuhr dann mit dem Transporter vom Hof.
      Bart gähnte. »Es ist mir zu früh«, sagte er. »Aber was tut man nicht alles für eine schöne Frau.«
      In dem Moment kam Cjara um die Ecke. Sie lächelte, wie immer. Ihre langen Engelslocken wippten au ihren Schultern und die Augen strahlten.
      Nico sah Bart an, der erst Joline anschhmachtete und dann den gleichen Blick auf Cjara war.
      »Guten Morgen«, flötete Cjara und Nico musste bei ihrem Anblick nun doch auch lächeln. Sie war ein wahrer Sonnenschein.
      Bart hackte sich bei ihr unter und sagte charmant: »Wenn ich die Dame in den Stall begleiten darf...« Links Joline und rechts Cjara marschierte er stolz in Richtung Hauptstall.
      Nico seufzte. Der Junge war volljährig und benahm sich trotzdem ganz anders. Genauso wie er und Nico hatte er 35 Jahre alt werden müssen, um diese Charaktereigenschaften entgültig ablegen zu können.
      Nico blieb an Ort und Stelle sitzen, schaute die Ausfahrt hinauf und als er einen alten Wagen auf ihn zukommen sah, wollte er aufspringen, bis er merkte, dass seine Beine dies nicht mehr mitmachten.
      Malte war da und auch wenn Nico die letzten Tage keinen Kontakt zu Malte hatte aufbauen können, wusste er nun, wo sein Freund gewesen war.

      »Du hast mit ihr geschlafen.«
      »Ja«, sagte ich und schloss die Autotür. »Ja, das habe ich.«
      »Würdest du es wieder tun?«
      Ich blickte fragend auf Nico herab. Es war als hatte er auf mich gewartet gehabt. Er hatte genau hier neben dem Parkplatz für mein Auto gestanden, obwohl ich niemandem gesagt hatte, wann ich wiederkommen und vor allem nicht, wo ich hinfahren würde.
      »Du meinst, ob ich wieder mit deiner Ex-Frau ins Bett gehen würde? Immer doch, ich liebe es, dir mit allem was ich tue in deine nutzlosen Eier zu treten.« Ich warf mir meinen Rucksack über die Schulter und ging die Treppe zur Veranda hoch. Nico folgte mir über die Schienen an der Seite. Er war schneller als ich.
      »Du bist zwar ein Zwerg, aber immerhin hast du deine männlichen Attribute noch im Griff«, sagte Nico. Er versperrte mir die Tür und grinste mich an.
      »Was willst du«, sagte ich matt. Es war keine wirkliche Frage, wahrscheinlich wusste Nico nicht mal selbst, was er wollte. Das einzige was ich wusste, war, dass ich mit der Ex-Frau meines besten Freundes, in die ich seit zwanzig Jahren verliebt war, eine romantische Nacht in einem exklusiven Hotel in Los Angeles gehabt hatte. Was ich aber tatsächlich wollte, wusste ich nicht.
      »Und? War es gut?« Nico ließ nicht locker. Sein Lächeln lag eingefroren und grauenerregend auf seinem Gesicht.
      »Charly ist hervorragend im Bett. Das war der beste Sex meines Lebens«, sagte ich trocken. Dann drängelte ich mich an Nico vorbei.
      »Ach schön! Erzähl doch bitte mehr davon!« Nicos Stimme tropfte vor Sarkasmus. Ich drehte mich noch einmal um, blickte Nico in die Augen. »Erzähl mir, wie toll die Frau meines Lebens im Bett ist, erzähl mir, was sie dir ins Ohr geflüstert hat, oder wie Laut ihr Stöhnen war!« Er wurde immer lauter, schrie fast. Das Grinsen war verschwunden. Er war rot angelaufen, ich sah eine Träne in seinem rechten Auge schimmern. »Ich hasse mein Leben«, flüsterte er schließlich.
      »Nico«, sagte ich und hockte mich vor ihm hin. »Es tut mir Leid, was passiert ist. Die Trennung von Charly, dein Unfall, der Rollstuhl. Alles das sind Schicksalsschläge. Vielen Menschen passieren Dinge, die sie nicht wollen, die Träume zerstören. Aber die Nacht mit Charly tut mir nicht leid. Ich liebe sie, schon all die Jahre liebe ich Charly. Die Nacht war wunderschön, aber es wird nicht noch einmal eine Nacht wie diese geben. Ich teile Charlys Leben nicht. Sie hat sich für einen anderen Weg entschieden. Ich glaube, dass sie die falsche Entscheidung getroffen hat und ich hoffe, dass sie eines Tages merkt, dass sie vielleicht sich für einen anderen Weg hätte entscheiden sollen. Ich weiß jetzt, dass ich nicht Charlys Weg folgen möchte und ich wünsche mir für dich, dass du das auch nicht tun wirst.« Ich legte ihm eine Hand aufs Bein und schaute ihn bittend an.
      »Was bin ich noch«, flüsterte Nico. »Ein Reiter ohne Beine, ein Ehemann ohne Frau und ein Vater, dessen Sohn kein Sohn sein will. Sag es mir, was bin ich noch.«
      »Du bist mein Freund, ein erwachsener, erfolgreicher Mann. Du bist ein Reiter, der Angst davor hat, aufs Pferd zu steigen, ein Mann, der nicht einsehen will, dass es noch viele Frauen gibt, die ihm Wärme und Liebe schenken können, und ein Vater, der viel zu oft seine eigenen Probleme denen seines Sohnes vorzieht. Ja, du musst an manchem arbeiten«, sagte ich und lächelte Nico aufmunternd an. »Aber trotzdem bist du viel mehr, als du denkst. Du bist am Leben und du solltest dieses Geschenk mit Demut nutzen und sorgsam damit umgehen.«
      »Du hast leicht reden. Du bist der einzige in 5 Kilometer Umkreis, der heute Morgen beim Aufstehen eine Frau in den Armen gehabt hat«, sagte Nico und folgte mir in die Küche.
      »Ich bin bereits heute Nacht gegangen«, sagte ich, während ich die Reste des Essens aus meinem Rucksack im Kühlschrank verstaute.
      »Und warum bist du jetzt erst wieder da?«
      »Los Angeles bei Nacht ist schön.« Ich schloss den Kühlschrank und nahm, ohne noch einmal einen Blick zurück auf Nico zu werfen, die Treppe hinauf in mein Zimmer.

      27-02-2020 | 24.061 Zeichen | Canyon
    • Canyon
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      moving on

      Hengste Hauptstall: Sunka, Amistad, Firewalker, Light up Hell, Last in Love, Lap de Loupe, Golden Sugar, Chromed Highwind, Sir Golden Mile, Eskador, Candlejack, The Illusionist, Graf Heinrich
      Stuten Hauptstall: Millenium GC, Grenzfee, Echo‘s Maiden, Lady Gweny, Far Cry, CHH‘ Lethal Combination, Westatlanta, Alphabet Soup, Song of Peace, PV Gräfin, Cinnada Mistik, Wild Reflex, I‘ve got a blue soul, BR Prias Raveday, Delightful Cinnamon, Joline, Sister of Crime, Monkey 47
      Fohlenweide: PV Comte de Courtoisie, PV Song 'bout Alegría, PV Phantom from Alaska, PV Noodle in Love, Winter with Koen, Ivy‘s Rhapsody, BR Ruffian‘s Smart Jane, PFS‘ Circle of Thyme, Lady Phoenitia, Phoenix Valley Farwest, PV Rebellion of Cinqué, PV Traumfee, PV Toxic Compound
      Nebestall: Ghostly Phenomenon, Marid, Arias, Mytos, La Paz, Pítu, Schwalbenfeder, Óslogi, Félagi, Braum van Ghosts, Imagine Dragons, Madame Pompadour
      Offenstall: Chosposi, Anaba, Morrigans Hidalgo, Cloud, My Canyon, Flotten von Mutanten, Aquena, Zonta, Havanna Girl, Kwatoko, Dawn


      Petyr hatte wieder ein neues Pferd angeschleppt. Damals hat er das schon immer getan und jetzt wieder. Er war noch keine zwei Wochen auf dem Gestüt, da hat er sich schon eine Box besorgt und den Hengst auf das Gestüt geschafft. Aus Kanada kam er, das Pferd, nicht Petyr. Petyr war vonüberall hergekommen. „Weltreise“ hatte er seine Tour durchOsteuropa genannt.
      Nico hatte nur die Achseln gezuckt, als ich ihm von Petyrs Besuch erzählt hatte, Eyvind hatte sich natürlich gefreut und nachdem Petyr angekommen war, hatte er schnell unter der Gestütsmannschaft Anschluss finden können. Sein Gesicht war faltiger geworden, aber seine Haarpracht noch eben so voll wie eh und je.
      Petyr hatte sich in Sunka verliebt und Sunka in Petyr. Mein Freund hatte den Hengst über
      mehrere Ecken aus privater Hand übernommen, natürlich mit dem Versprechen, den Hengst seiner Begabung nach zu fördern und welches Gestüt war dafür nicht besser geeignet als Phoenix Valley.
      Abends saßen wir dann gemeinsam auf der Veranda. Hin und wieder gesellte sich Nico zu uns, doch meist waren ihm die langen Erzähltiraden Petyrs zu unaushaltbar und er verschwand samt Rollstuhl im Haus, oder im angrenzenden Stall.
      Petyr hatte vor einigen Wochen auf Kreta Saga Glasberg geheiratet. Selbst Jora sei dabei gewesen, erzählte er mir. Sie sei immer noch hübsch, sagte er immer wieder. Natürlich aber war seine Saga hübscher. Ein Wundermensch und eine Wolkentänzerin. Dann erzählte er mir vom Norden. Von den Seen in Norwegen und den Bergen seiner Heimat Schweden. Er zeigte mir Fotos vergangener Zeiten, längst verdrängt und immer gehofft, sie vergessen zu haben. Nie wieder wollte ich abends im Bett leiden müssen. Ich war weitergegangen. Meine Heimat war zurückgeblieben. Niemand konnte seine Heimat mitnehmen.
      Petyr hatte einen Freund mitgebracht. Angeblich hatten Saga und er ihn in Istanbul kennengelernt, aber Momo selbst schwor, dass er dort nie gewesen war. Petyr hatte ihm auch ein Pferd gekauft. Er solle nun reiten lernen, hieß es, und der abenteuerlustige Momo hatte seit dem nichts besseres zu tun, als Graf Heinrich Tag für Tag zur Arbeit zu motivieren, während Petyr daneben stand und besserwisserisch Tipps verteilte.
      Es tat gut, dass Petyr wieder da war. Er verteilte gute Laune, nahm das Leben auf die leichte Schulter und gab mir keine Schuld, wenn meine Stimmung mal wieder gedrückt war. Petyr ließ sich von nichts und niemandem demotivieren.
      Aufgrund der Dürre hatte Nico jede Menge Helfer angeschleppt. Vorrangig Freunde des Gestüts, die hier sowieso ein- und auskehrten, so wie Mary Ann, Eli und Ike. Ich hatte gleich gesehen, wie Petyr ein Auge auf Mary Ann geworfen hatte und vor ihr mit der Hochzeit und dem Goldring an
      seinem Finger prahlte. Aber Mary Ann war für einen Typ wie Petyr die Falsche. Zu selbstbewusst, ganz eindeutig. Ich war froh, sie mal wieder zu sehen. Ich wusste sehr zu schätzen, dass sie und Eli Nico in der Anfangszeit in Kalifornien so unterstützt hatten. Aber Mary Ann war irgendwann immer seltener gekommen und dann war sie für einige Jahre ganz verschwunden. Nur Nico schien zu wissen, was der Auslöser dafür gewesen war.
      Ike war die letzten Monate mit Pítu auf Roadtrip gewesen, bis die anhaltende Hitze und der fehlende Regen seine weiteren Pläne frühzeitig beendet hatte. Pítu zeigte nun deutliche Schwierigkeiten, sich in der Herde einzufinden und das, obwohl er eigentlich selbst mit den
      selbstbewussteren Herrschaften gut zurechtkam. Dafür freute sich Óslogi sehr, seinen alten Weggefährten wiederzutreffen. Logi hasste die Hitze. Er war kahlrasiert und verbrachte wie alle anderen die Tage im Stall, zusätzlich bestand er allerdings fast nur noch aus Sonnencreme, soviel wie wir ihm in den letzten Tagen auf die helle Haut geschmiert hatten.
      Am besten ging es in der Hitze wohl noch unseren Fohlen. Sie waren in der Frühlingswärme zur Welt gekommen und kannten nichts anderes, als die Sonnenstrahlen auf der Haut. Drei unserer Lieblinge waren bereits verkauft und würden in Kürze in ihr neues Zuhause ziehen. Wir hatten uns zwischen vielen Bewerbern entscheiden müssen und auch als die Entscheidung festgestanden hatte, waren einige Trauertränen geflossen. PV Noodle in Love, PV Phantom from Alaska und PV Traumfee würden uns verlassen und in die ferne Welr ziehen. Ich hatte allerdings gelernt, dass manches für immer gar nicht so lange ist.
      Und dann waren da noch die ganzen neuen Pferde, die vielen jungen Reiter und all die Erfolge, die Phoenix Valley in letzter Zeit zu verzeichnen hatte. Ja, ich war oft gestresst. Es waren nicht mehr die Zeiten wie damals auf der Tyrifjord Ranch. Heute trug ich eine Verantwortung, die manchmal die Tage etwas grauer erschienen ließ, als sie eigentlich waren. Und ja, manchmal fühlte ich mich alt. Dann schaute ich eines Morgens in den Spiegel, sah, dass meine ehemals hellroten Haare grau und ausgemergelt nun, meinen Kopf verließen und nicht mehr zurückkommen würden. Dann dachte ich wieder an Jora und die Kinder, die wir nie haben würden, dachte an ihr Lächeln und an den Abend, als ich sie das erste Mal gesehen hatte. Ich hätte vieles anders machen können, aber damals schien es, als wäre sie ein verzeihlicher Verlust, heute weiß ich, dass es anders war.
      Jeden Abend brachte ich eigenhändig Óslogi und Félagi auf die kargen Weiden, wo sie sich genüsslich auf die Grasreste stürzten und mit den anderen Wallachen und Ponys ihrer Energie freien Lauf zu lassen.

      03-09-2020 | 6.448 Zeichen | Canyon
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  • Album:
    Phoenix Valley — Nebenstall
    Hochgeladen von:
    Canyon
    Datum:
    17 Aug. 2019
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    Imagine Dragons

    ● ○ ● ○

    Stute | 06-12-2014 | 86cm
    Shetlandpony
    Dark Bay Tobiano

    ● ○ ● ○

    Von Starlight Express II
    Von Komet Aus der Kimberly

    Aus der Impudent Littlefoot
    Von Philipp Aus der Itchy

    ● ○ ● ○

    Imagine Dragons ist ein Beschützer wie er im Buche steht. Er ist sehr loyal und ehrlich zu seinem Reiter, da kann man bei ihm drauf zählen. Auch in schwierigen Situationen ist er leicht zu händeln und bewahrt die Ruhe, stellt seinen Fluchtinstinkt in den Hintergrund. Er liebt es frisiert zu werden und so bleibt er auch beim Putzen immer ganz brav stehen, damit er auch dafür gelobt wird. Dazu kommt, dass er Tiere liebt und sich mit jedem versteht, egal ob Esel, Kuh, Hund oder Katze. Nur vor großen Hunden scheut er anfangs, zeigt sich dann aber brav, sollte ihm nichts passieren. In der Herde spielt er gerne, es darf ihm nur niemand an den Schweif gehen, da gibts dann ein Donnerwetter. Im Umgang zeigt er sich aber sehr brav und ruhig.

    ● ○ ● ○

    Besitzer: Canyon
    VKR/Ersteller: verfallen/RoBabeRo
    im Besitz seit: 31-08-2017
    Kaufpreis: 200 Joellen

    ● ○ ● ○

    ● Schleifenaufstieg Trainingsaufstieg Potential


    Military E A L M S S*

    Distanz E A L M S

    Dressur E A L

    Springen E A L M

    ● ○ ● ○

    Fohlen ABC | Eingeritten x | Eingefahren x

    [Schleife]
    Thema

    ● ○ ● ○

    [Schleife]
    Thema

    Abstammung: 2
    Schleifen: 0
    HS: 0
    TA: 0
    Trainer: 0
    Zubehör: 0
    Gesamt: 2

    Gencode: Ee Aa nT
    Zur Zucht zugelassen: Nein
    Eingetragene Zucht: Phoenix Valley (PV)

    Nachkommen
    -


    ● ○ ● ○

    Letzter Tierarztbesuch: unbekannt
    Gesamteindruck: sehr gut
    Akute Krankheit/en: x
    Chronische Krankheit/en: x
    Erbkrankheit/en: x

    Letzter Hufschmiedbesuch: unbekannt
    Hufbeschaffenheit:
    Hufkrankheit/en:
    Beschlag vorne:
    Beschlag hinten:

    ● ○ ● ○

    PNG | Puzzle PNG | offizieller HG