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Canyon

○ Graf Heinrich (5)

Englisches Vollblut ○ Palominofalbe Sooty ○ Hengst ○ 12 Jahre ○ 168cm ○ Reiter: Momo

○ Graf Heinrich (5)
Canyon, 23 Juni 2020
    • Canyon
      ▲▽▲
      Lindö Dalen Stuteri

      Hoffnungsvoll
      Folke
      Nun konnte es endlich los gehen. Holy war nun vom gesundheitlichen Standpunkt aus vollkommen in Ordnung, die Hufe hatten die erste Korrektur bekommen und die Hufeisen sitzen fest. Die Hufschmiedin, die auch ein Pferd bei sich aufgenommen hatte, gab uns nach der Hufbehandlung auch einige weiterführende Tipps, die ich dankend entgegennahm doch eher nicht umsetzen werden. Holy bekam von uns eh kein Huffett, da ich das von den Trabern meines ehemaligen Chefs schon kannte - der größte Teil ist Mist und macht die Hufe nur noch schlimmer, als sie schon waren. Ein tägliches Wasserbad hielt ich jedoch für angebracht. Worüber ich froh bin ist, dass Heddas Aufregung und Stress im Bezug auf das Horse Makeover verloschen ist und ich nun wie mit einem fast normalen Menschen mit ihr und dem Pferd arbeiten kann. Die Pause nach dem Impfen haben wir mit leichten Spaziergängen genutzt, bei denen sie nicht wie beim ersten Mal einfach abgehauen ist. 10 Minuten durfte Hedda sich auch schon drauf setzen, da Holy offensichtlich kein Problem damit hatte. Tyrell hielt dies als nicht so gut, aber zum Glück kann ich mich bei unserem Pferd mit meiner Meinung durchsetzen.
      „Morgen können wir mit dem Training anfangen“, sage ich am Morgen zu Hedda, die schon am Frühstückstisch sitzt und alles vorbereitet hat. „Vriska kommt dann gleich rüber und wir machen einen gemeinsamen Trainingsplan“, erkläre ich ihr. Sie nickt und schiebt sich den Löffel mit Cornflakes in den Mund.
      Nach Dem Essen habe ich Vriska eine kurze Nachricht geschickt, dass wir nun so weit sind und schon einige Minuten später klopft es. Ich lasse sie in die Wohnung und wir setzen uns an den Tisch.
      „Wie du wahrscheinlich mittlerweile weißt, haben wir hier am Hof eine App in der wir alle Pferde anlegen. Jeder kann dort den Pferden aktuelle Informationen eintragen und das wichtigste sind natürlich die Trainingseinheiten. Der Trainingsplan kann eingesehen werden, verändert und angepasst. Also Tyrell hat dort richtig Arbeit hinein investiert.“, erklärt Vriska. Um alles besser sehen zu können, hat sie das Tablett aus dem Aufenthaltsraum mitgebracht. Sie zeigt mir wo ich drücken muss und als erstes legen wir Holy als Datensatz an. Ich tippe bei dem Namen HMJ Holy ein, trage die Farbe, Alter und wann wir sie bekommen habe. Dann zeigt Vriska noch wo das Bild vom Pferd hin kann und Hedda wählt eins vom Shooting des ersten Tages aus. So weit, so gut. Als nächstes gehen wir erstmal in die Gesundheitsabteilung, trage alles ein, was in den letzten Tagen gemacht wurde. Dafür hatte Hedda den Pass schon geholt damit wir alles genau machen können.
      „So, dann überlegen wir jetzt wie es mit dem Training ist. Frecherweise habe ich mir Holy heute früh schon mal auf dem Paddock angeschaut und geguckt woran wir arbeiten können und was erst mal nicht so wichtig ist. Wir hatten uns ja dafür entschieden mit Holy über Freiarbeit, also besonders Intrizen Training, Muskeln aufzubauen. Doch die Zeit würde gar nicht ausreichen, um sie in drei Monaten zu einem wunderbaren Reitpferd zu machen. Ich denke, dass sollten wir uns alle hier als Ziel setzen und das ist zu schaffen. Dafür habe ich euch ein Pulver besorgt, dass ihre Muskeln fördert und auch für ganze körperliche Empfinden gut ist.“, erzählt Vriska. „Aber das ist doch sicher teuer?“, merke ich vorsichtig an. Sie schüttelt mit dem Kopf. „Nein, mach‘ dir da mal keine Gedanken. Um es Optimal zu gestalten machen wir an einigen Tagen zwei Einheiten mit ihr. Hedda und ich fangen heute schon an, da das Clickern nicht wirklich körperlich anstrengend ist. Morgen dann die ersten Freiarbeitsübungen. Dann kommt sie auch für 20 Minuten in den Aquatrainer. Später kannst du, Folke, dann auch mit ihr an der Doppellonge anfangen. Am besten kommt ihr nach her mal vor zum Laden, dann gucken wir nach einen Kappzaum für Holy.“, antwortet Vriska und wir diskutieren noch etwas über das alles. Als dann die Entscheidung getroffen ist, tragen wir alles im Plan ein.
      25.04. - Clickern
      26.04. - Freiarbeit, Aquatrainer
      27.04. - Freiarbeit
      28.04. - Freiarbeit, Aquatrainer
      29.04. - Pause
      30.04. - Doppellonge, Freiarbeit
      01.05. - Doppellonge, Aquatrainer
      Vriska verlässt den Raum und wir machen uns auch fertig. Für mich steht nun Stallarbeit an und Hedda ist auch dran bei den Stuten.
      Vriska
      Nach der Besprechung heute geht es erst mal an die Arbeit, da demnächst die Jungpferde von Bruce wieder an den Hof kommen. Bei ihm reicht der Platz für die Pferde nicht, aber wir haben zum Glück genug. Deswegen kontrolliere ich die Weiden und bringe auch schon Heuballen. Ich freue mich schon, da Krít auch Zwillinge geboren hat, die beide zwar sehr klein noch sind aber alle sind wohlauf und kerngesund. Dennoch möchte er beide Pferde abgeben. Mit dem vibrieren meines Telefon werde ich aus dem Gedanken geholt. In 20 Minuten beginnt die Clickereinheit mit Holy. Rasch stelle ich den Traktor wieder in die Halle und gehe dann weiter zum Putzplatz auf dem das Team schon auf mich wartet. Anders als erwartet ist Folke doch heute mit dabei. Ich bin froh darüber, weil ich noch nicht so ganz gut mit Hedda klar komme aber das wird sicher noch besser. Genüsslich kaut Holy am Strick von Folke und Hedda putzt in der Zeit. „Die Hufen sehen so viel besser aus“ sage ich zu den Beiden und Hedda stimmt mir zu. Folke scheint als hätte er nicht nicht gehört, aber ich möchte mich auch nicht noch mal wiederholen. Das wäre etwas bescheuert.
      „Ich würde vorschlagen, dass wir uns erstmal um das Kappzaum kümmern. Im Shop habe ich gestern zusammen mit Valeria Kappzäume gemacht und langsam wird die Auswahl größer. Da finden wir sicher etwas passendes für Holy“, sage ich und Beide sind begeistert. Zusammen laufen wir an der Halle und den Weiden entlang zum kleinen Shop am Hof. Folke muss draußen warten und sich um das Pony kümmern, während Hedda und ich rein gehen. Das Mädchen bestaunt das Sortiment und würde am liebsten alles mitnehmen. Aus dem hinteren Lager hilft sie mir beim Tragen. Momentan sind die Kappzäume noch in Einzelteilen, aber das lässt sich rasch ändern. Zum besseren Einstellen und verändern des Zaums produzieren wir sie einzeln.
      Nach ewigen hin und her probieren haben wir eine Kombination die Holy passt - aber Folke nicht gefällt. Das Kappzaum ist nun grün und rosa. “Und was anderes passt ihr nicht?”, hinterfragt Folke. Ich schüttel den Kopf. “Leider habe ich auch nicht die Zeit jetzt neue Teile zu produzieren, Du weißt, wir müssen die Traber trainieren und bald zu den Rennen fahren.”, erläutere ich ihn. Er nickt.
      Folke
      Mein Handy vibriert. Ich gucke drauf und stelle fest, dass ich nun mit Wunderkind und Vintage arbeiten sollte. “Hier beiden, ich muss mich verabschieden. Die Pflicht ruft. Wenn was ist, ich hab das Headset auf. Dann ruft mich an.”, sage ich zu beiden Damen und drücke Vriska die Stute in die Hand, die beinah sehnsüchtig mir nach guckt, oder eher meinem T-Shirt das auch völlig vollgesabbert ist.
      Auf dem letzten Renntag hat Wunderkind sich ganz böse verletzt, weswegen er nur langsam sich bewegen soll, aber auf keinen Fall herum stehen kann. Deswegen haben wir entschieden, ihm vorn die Eisen zu entfernen und durch Duplos zu ersetzen. Auch darf er in den Aquatrainer hat uns der Tierarzt bestätigt. Dafür hatte ich eine sehr kreative Idee. Über den Verband ziehe ich eine feste Plastiktüte, die ich mit ausgemusterten Terrabändern am Bein sehr fest um mache und darüber noch einen Hufschuh, damit die Tüte nicht reisst. Vom Hersteller haben wir auch bestätigt bekommen, dass sie Schuhe Wasserfest sind. Also kann es losgehen. Ich hole das Wunderkind aus seine Paddock und taste noch mal das Bein ab. Erst nach dem Training wechsle ich dann Verband und er kann dann für einige Minuten ohne stehen. Leider ist die Wunde zu tief und es ist zu gefährlich das Dreck dran kommt, deswegen trägt er den ganzen Tag den Verband. Wie gewohnt steht er ruhig und lässt sich problemlos untersuchen. Auch das putzen genießt er, dennoch merkt man dem Hengst seinen Energieüberschuss an. Als ich ihm das Halfter für den Aquatrainer umlege, das Vriska entworfen hat, fängt er an den Kopf hochreißen und sehr laut zu schnauben. Wenn ich es nicht besser wüsste und nur die Geräuschkulisse wahrnehmen würde, wäre es eindeutig ein Heutrockner oder Staubsauger. “Ganz ruhig, Dicker”, sage ich zu ihm und streiche ihm über den Hals. Als ich ihn los führe fängt er an hektisch herum zu tänzeln und völlig unkonzentriert zu sein. Mehrere male lasse ich ihn einen Kreis laufen, bis er etwas ruhiger geworden ist. Bevor wir zum Trainer laufen, gehen wir eine kleine Runde über den Hof damit er noch etwas mehr Auslauf bekommen und mehr von der Welt sehen kann. Auf Grund seiner Verletzung darf er derzeit nur mit unter Aufsicht auf die Weide. Die Runde über den Hof und dem Hengst sehr gut getan und ich wir können wieder in die Reithalle. Dort habe ich den Aquatrainer schon vorbereitet. Ich führe ihn in das Gerät und stelle einen leichten Wellengang ein. Wunderkind liebt wasser, was ihn natürlich dazu animiert zu spielen. Einige Minuten lasse ich ihn und dann stelle ich das Band an. Zufrieden schnaubt er ab und für 20 Minuten kann er nun Schritt laufen unter erschwerten Bedingungen.
      Nach dem Training merkt man ihn direkt an, wie geschafft er ist und auch zufrieden. Deswegen lege ich als erstes das gebastelte Schutzding von seinem Bein ab und auch den Verband. Die Wunde sieht schon viel besser aus und ich mache noch mal Manuka Honig drauf. Wir sind alle sehr überzeugt von dem Honig, der antiseptisch wirkt. Medikamente bekommt der Hengst nicht, auch die Schmerzmittel bekommt er nicht mehr. Wunderkind ist nun soweit fertig und widme mich Vintage. Dem Hengst geht er zum Glück gut. Ich hole ihn aus seiner Box und putze ihn.
      Vriska
      Folke hat sich nun von unserer kleinen Gruppe verabschiedet, da er noch arbeiten muss. Ich habe meine Trainingspferde schon fertig und Tyrell macht heute Abend den Stalldienst mit Max. Also kann ich mich mit Hedda voll und ganz auf Holy konzentrieren. Wir gehen auf den Reitplatz an der kleinen Reithalle, da kann sie schon die anderen Stuten sehen und ist gleichzeitig weit weg von den Hengsten. Als erstes wollen wir ihr das Klicken des Clickers beibringen. Holy ist ein sehr mutiges Pferd und wie viele andere natürlich futtermotiviert. Deswegen wird es leicht sie konditionieren auf das Klick. Danach soll es weitergehen mit dem Intrizen Training, aber das wird erstmal ein langer Weg. Auch weil ich bald nicht mehr so viel Zeit haben werde, so wie Folke und Hedda dann viel Alleine machen muss, aber ich werde mal mit Collin reden, vielleicht kann er zwischendurch mal mit den Mädels arbeiten.
      Wir stehen auf dem Reitplatz und ich erkläre Hedda erst mal ein paar Sachen über das Clickern, bevor es los geht. Dann zeige ich ihr auch erst die Übung. Neugierig steckt Holy ihren Kopf zu mir und hat nach wenigen Wiederholungen schon verstanden, wie die Übung funktioniert, doch Hedda soll es noch ein paar mal machen. Da die Stute heute noch ihren Ruhetag hat, können wir sie nicht noch ein paar Runden longieren. Schon jetzt zeigt Holy Interesse an dem Training und macht gute Ansätze für das Intrizentraining. Sie bietet schon einiges an und hebt das Bein wenn Hedda die Hand hebt. Ich beobachte die beiden Mädels und würde nur eingreifen, wenn etwas falsch läuft. Damit wir gegen alle Erwartungen das Pony einfangen sollten, hat Hedda noch eine Longe am Kappzaum mit dran. Nach ungefähr 20 Minuten beenden wir die Einheit und bringen die Stute zurück zu ihrem Paddock, doch die weigert sich und möchte nicht weiter. Auf Grund des Intrizen Training, müssen wir das jedoch akzeptieren und eine andere Lösung finden. „Was machen wir jetzt?“, fragt Hedda verzweifelt. „Ich habe eine Idee, warte“, sage ich zu ihr. Ich gehe einige Meter weg und hole mein Telefon aus der Tasche. „Collin, denkst du es ist okay, wenn ich mir Smorre hole? Holy möchte nicht mehr in ihre Box und ich verstehe sie da auch … ok … ja .. dann machen wir das so“, unterhalte ich mich mit Collin am Telefon und lege auf.
      „Kommst du kurz alleine klar?“, frage ich Hedda bevor ich abhaue. Sie nickt und ich laufe rüber zum Hengstpaddock, den dazwischen steht ein Wallach - ein Tinkerwallach. Dieser ist nicht nur vom Charakter sehr ruhig, sondern fühlt sich in der Truppe nicht wohl. Da wir noch einige Paddocks frei haben, werden die beiden auf einen der hinteren Paddocks an der Stuten Sommerweide kommen. Dort haben sie auch ihre Ruhe. „Na du“, begrüße ich den Fuchs und lege ihm ein Halfter um, das offensichtlich auch nicht passt. Das ist jedoch gerade nicht wichtig, er soll ja nicht mitkommen, was ich er auch ohne Halfter machen würde. Ich kehre mit ihm zurück zu Holy und Hedda. Neugierig beschnüffeln sich die beiden Tinker. Holy quietscht ein paar Mal und das wars. Beide sind tiefenentspannt. Sogar Holy die sonst immer an irgendetwas herum kaut steht ruhig da. „Aber das ist doch ein Hengst“, wirft Hedda vorwurfsvoll ein. Ich schüttle den Kopf und stelle ihr den Wallach vor. Sie freut sich und wir gehen zusammen zum Paddock. Als erstes tauschen wir kurz die Pferde, weil ich nicht weiß wie das Chaoten Pony auf den Paddock reagiert. Smorre ist eh ruhig, deswegen kann Hedda ihn im Anschluss dort ab machen. Holy behält erst einmal noch ihr Halfter um, das Hedda ihr angelegt hat, als ich den Fuchs geholt habe.
      „Die mögen sich“, sagt die kleine Schwester von Folke als wir die beiden Tinker noch beobachten. Sie stehen schon beieinander und putzen sich. Glücklich wirken sie auf den ersten Blick aber das kann natürlich jeden Augenblick umspringen. Folke kommt in der Zeit von dem Training mit Vintage wieder. Er guckt nicht schlecht als er die beiden Pferde sieht, muss sich aber erst mal um den Hengst kümmern. Später kommt er dann dazu.
      „Was denn hier passiert? Da ist man für eine halbe Stunde weg und schon hat Holy neue Freunde“, sagt er scherzhaft zu mir.
      „Holy wollte nicht mehr in ihre Box und da hatte Vriska die Idee sie ist Smorre hier her zu stellen.“, antwortet Hedda.
      „Hoffentlich rennen die beiden nicht die halbe Nacht hier herum. Sie hat schließlich noch Ruhetag“, macht sich der Herr etwas Sorgen, ich winkte nur ab und verabschiede mich. Der Tag war lang und beginnt morgen wieder sehr früh.
      26. April
      Folke
      Es ist noch sehr früh am Morgen doch auf dem Hof ertönen bereits Traktoren Geräusche. Valeria und Vriska haben heute Stalldienst. Hedda und ich sitzen am Tisch und Frühstücken, natürlich fällt es nicht aus, dass über Holy gesprochen wird. „Wir können ja gleich mal gucken gehen“, schlage ich vor und Hedda springt natürlich direkt auf, wie es in ihrer Natur liegt. Ich decke den Tisch ab und ziehe mich dann ebenfalls um. Hedda ist direkt fertig aber soll auf mich warten, weil ich nicht weiß was uns erwartet.
      Der Himmel ist strahlend blau und die Morgensonne ist für die Jahreszeit sehr warm. Bald ist auch schon der meteorologische Sommeranfang. Die Vögel sind auch schon aktiv und zwitschern.
      Oh Gott ist mein erster Gedanke als wir bei Holy ankommen. Das Pony ist sehr dreckig und auch am weiß der Mähne sieht man wunderbar, dass sie sich die halbe Nacht gescheuert haben muss. Wir haben vergessen ihr ihre Decke umzulegen, sodass nun wir einen dreifarbigen Schecken haben. Hedda ist auch der Schock ins Geschicht geschrieben. Trotzdem sind beide Pferde sehr ruhig und spielen mit einander. „Leider müssen wir euch jetzt trennen“, sage ich zu Holy und nehme den Strick, den wir am Tor liegen lassen haben. Holy Blick sieht nach Enttäuschung aus, aber ich versichere ihr, dass sie wieder zurück darf zu ihrem Smorre. Gemeinsam gehen wir zur großen Reithalle. Für Holy steht nun erst einmal Aquatraining auf dem Plan. Hedda putzt sie gründlich und ich bereite das Gerät vor. „Ich wäre soweit“, rufe ich meiner Schwester zu und sie bringt die Tinker Stute her. Ihren Schweif hat sie eingeflochten. Das Pony sieht nun wieder viel Besser aus. Da sie den Aquatrainer noch nicht kennt, nehme ich meiner Schwester das Pferd ab und zeige es ihr zunächst. Mit einigen Leckerlis guckt sie dann auch neugierig und geht mir ohne Probleme nach. Hedda hat in der Zeit noch einen zweiten Strick geholt und befestigen die die Haken an der Seite des Halfters. Dann schalte ich das Laufband ein und lasse das Wasser einlaufen. Fröhlich läuft die Stute vor sich her und bleibt immer mal wieder etwas stehen und versucht mit dem Wasser zu spielen. „Ich glaube, sie mag Wasser“, sage ich zu Hedda die fröhlich ein Video macht. In kurzen Instanzen erhöhe ich den Wasserstand bis auf 40 cm. Nach insgesamt 20 Minuten lasse ich das Wasser ab und wir holen die Stute aus dem Gerät. Man sieht ihr an, dass sie völlig geschafft ist, weswegen Hedda sie abtrocknet und ich das Solarium in Gang setze. „Das sollte ihre Muskulatur entspannen“, sage ich zu Hedda, die mich mit Fragezeichen im Gesicht anguckt. „Schaffst du das alleine?“, frage ich sie dann, als Holy entspannt im Solarium steht. Meine Schwester nickt und so kann ich mich nun an die Arbeit machen.
      Auf dem Plan stehen nun erst einmal Lotti und die Schwarze. Die beiden Stuten sind langsam soweit um zur Körung zu können, da Tyrell aber möchte, dass sie eine richtige Körung machen und kein Zuchtrennen machen haben Vriska und ich uns besprochen und wir gehen nun mit den beiden Stuten auf die Trainingsbahn zum Gangtraining. Dort haben wir mehr Platz und die meisten Pferde haben dort auch mehr Platz.
      Vriska
      „Geschafft“, sage ich zu Valeria, als ich den Trecker weggebracht habe und die den Stuten das Heu in die Gasse gelegt hat. „Ich muss dann auch schon weiter, Folke und ich gehen mit den beiden normalen Trabern auf die Trainingsbahn“, erzähle ich ihr. Sie macht nun auch etwas mit einer ihren Stuten. Folke kommt dazu und berichtet mir vom Aquatraining. „Na da wird sie sich aber angestrengt haben.“, antworte ich. Wir lachen und holen Lotti sowie die Schwarze vom Paddock. Es ist natürlich fies, dass wir die beiden vom Heu wegziehen müssen, aber sie bekommen dann gegebenenfalls noch eine eigene Portion nach dem Reiten. Ich habe mir Lotti genommen, da die Stute noch einer besseren Hand bedarf. Folke ist noch nicht ganz so fit im Gangpferdetraining, deswegen wird die Schwarze für ihn einfacher sein. Zusammen putzen wir die Stuten und fangen an zu satteln, als Hedda kommt. „Holy steht jetzt wieder bei Smorre, ich hab ihr die Stelle eingeschmiert und die Decke umgelegt. Was kann ich jetzt machen?“, fragt sie motiviert. „Geh doch mal zu Tyrell ins Büro, der kann dir das besser sagen“, antwortet Folke nur. Sie nickt und verschwindet wieder. „Krass, dass sie schon alleine Holy verarzten kann“, sage ich überrascht. „Wir sind halt nicht komplett unfähig“, antwortet er und lacht. Er lacht viel ist mir aufgefallen.
      Wir reiten im Schritt los, erst mal sehr locker mit durchhängenden Zügeln. Allerdings weiß ich noch gar nicht, worüber ich mich mit ihm unterhalten soll, also schweigen wir uns bis zur Trainingsbahn an. Die Situation ist mir ziemlich unangenehm, weswegen ich ihm dann einfach was über Nachtschatten erzähle. „Die Stute hatte ich damals gefunden noch Bruce, da er eigentlich die Traber wollte. Das hat nun aber sein Bruder Tyrell übernommen. Kennst du Bruce?“, frage ich ihn um ihn zum Gespräch zu animieren. Er schüttelt den Kopf. „Bruce hat das hier eigentlich alles in die Wege geleitet. In Deutschland ist der Hof halb abgebrannt, durch einen verheerenden Waldbrand. Das ist leider sehr typisch in Brandenburg, weil durch den Krieg und die Russen sehr viel Munition und Bomben noch herum liegen. Dann hat er im Internet ein Ausschreiben gesehen für dieses Gelände und sich beworben. Als wir dann genommen wurden, hat man und das Gelände ausgebaut und erweitert. So sind wir hier in Schweden gelandet. In Deutschland haben wir dann angefangen schwedisch zu Lernen, aber hier vor Ort ist es deutlich einfacher wenn man im Kontakt mit Einheimischen ist.“, fange ich an zu erzählen. Folke sagt dann etwas auf schwedisch, was in dem Moment leider nicht verstehe. Wir reden kurz drüber und dann erzähle ich weiter: „Auf jeden Fall kamen dann nach und nach die Pferde, bevor wir überhaupt hier waren. Mit einem großen Transporter sind wir dann gekommen. Wir sind mit Auto und Fähre hier her. Das erste was mir auffiel waren die hohen Spritpreise, aber zum Glück fährt unser Hoftruck mit LPG Gas, so das wir sozusagen überhaupt nichts mehr zahlen. Meiner ist ein Diesel.“
      An der Trainingsbahn angekommen zeige ich Folke einige Übungen zum Tölt vorbereiten und worauf er achten soll. Dann fängt jeder für sich an die Pferde zu trainieren. Lotti hat heute einen guten Tag. Motiviert hört die Stute mir zu und reagiert sehr fein auf meine Hilfen. Auch der Tölt ist heute ziemlich Taktklar. Immer mal wieder beobachte ich Folke, der offenbar auch sehr viel Spaß mit der Schwarzen hat. „Hast du Lust auf ein Passrennen?“, frage ich ihn kurz bevor die Einheit zu Ende ist. Schockiert guckt er mich an. „Also bei den Isländern ist das Normal. Man stellt sich nebeneinander und dann hat man 200m für den Pass. Aber wir können mit den Mädels natürlich viel länger den Pass halten. Dafür sind sie schließlich gezüchtet worden“, erzähle ich ihm. Für Lotti war das erste mal Pass unterm Sattel beinah eine Überwindung, vorher ist sie nur am Sulki Pass gegangen und mit den Rennen hat sie keine guten Erfahrungen gemacht, deshalb wollte ich ihr unbedingt den Spaß am Pass laufen wieder bringen, was mit Passrennen sehr gut funktioniert hat. Ich erkläre ihm kurz und knapp welche Hilfen er geben muss und wie die Schwerpunktverteilung ist. „Bereit?“, frage ich ihn. Er nickt. „Los“, sage ich dann. Schon nach wenigen Metern habe ich Lotti im Pass und gebe Gas. Meine Haltung lässt natürlich zu wünschen übrig, aber darum geht es zum Glück nicht. Auch Folke ist sehr schnell mit Nachtschatten unterwegs und hat und bereits überholt. Sonst hat Lotti immer die Nase vorn, deswegen gebe ich ihr noch etwas mehr Zügel und treibe sie mit der Stimme. Die erste Kurve kommt und langsam holen wir wieder auf. Folke hat mit der schwarzen Probleme das Tempo zu halten und sie fällt immer wieder in den Tölt. Das ist unsere Chance. Ich gebe noch mal etwas mehr Gas mit ihr und wir haben die Beiden überholt. Doch er hat sie bereits wieder in den Pass gelegt und gibt deutlich mehr Gas, sodass die Beiden uns wieder überholen. Nach einer Runde hat Folke ganz klar gewonnen. Wir freuen uns sehr und reiten noch eine Runde Schritt. Die beiden Stuten sind fix und fertig aber wirken auch glücklich, sonst hätten wir das nicht gemacht. „Das war ziemlich cool“, sagt er und streicht der schwarzen Stute über die Mähne. Nachtschatten schnaubt ab und streckt sich. „Vielleicht reiten wir mal ein richtiges Passrennen“, schlägt er dann vor. Ich gucke ihn verwirrt an. „Bei uns am alten Gestüt gab es einen Jockey, der die Pferde nie am Sulky hatte. Für ihn gab es nur Rennen, die geritten gemacht wurden. Ausschreibungen dafür zu finden ist immer sehr Rar, aber ich kann ihn mal fragen, ob er uns welche schicken kann“, erklärt er mir. „Oh das wäre ziemlich cool, aber dann müssten wir noch mehr Üben. Lotti und Nachtschatten fallen dann allerdings weg, weil sie sollen nach der Körung zum Hengst“, erzähle ich ihm. „Ach, ich suche da schon wen heraus. Vintage hätte sicher daran deutlich mehr Spaß. Der Sulky ist überhaupt nicht sein Ding, aber er macht es mit. Nobel und Alfi wären sicher auch davon begeistert“, sagt er.
      Am Hof steht Hedda schon und begrüßt uns. „Was habt ihr den gemacht. Die Pferdchen sind doch völlig platt“, sagt sie. „Ein Passrennen“, sagt Folke trocken und Hedda fragt nicht weiter Tyrell scheint ihr den Auftrag gegeben zu haben, die Sättel und Trensen zu putzen, zum Glück, dann müssen wir das nicht mehr machen. Das ist immer eine sehr lästige Aufgabe. Für Hedda ist das aber das richtige. Einige Meter später ist dann auch Tyrell, der mit uns sprechen möchte. „Bruce hat gerade angerufen. Krít hat Zwillinge bekommen und er würde sie gern herbringen, sowie seine ganzen Jungpferde. Man hat ihm Grundlos die Weide im Nachbardorf gekündigt. Er war mal wieder sehr verzweifelt“, erzählt er uns. Ich steige vom Pferd und frage noch ein paar mal nach. Dann einigen wir uns auf eine Uhrzeit. Schließlich müssen wir noch die Weiden überprüfen. „Gut, dann werden wir das tun“, antworte ich meinen Chef und er geht wieder. Zusammen mit Hedda macht er gerade das Zubehör sauber. „Warte mal! Können wir uns dann Hedda kurz leihen?“, frage ich noch. Er nickt.
      „Hedda!“, rufe ich fast einmal über den ganzen Hof. Motiviert kommt sie angerannt. „Ja?“, fragt sie.
      „Hol‘ dir mal Ali von dem Paddock, wir gehen die Weiden kontrollieren“, sage ich zu ihr. Sie nickt erfreut und rennt direkt ein Halfter holen.
      „Dann kommt sie mal raus, wenns für dich in Ordnung ist“, sage ich zu Folke.
      „Ja klar, wen nehmen wir dan?“, fragt er gespannt.
      „Ich dachte, dass ich Alfi nehme und du holst die Nobel.“, antworte ich, als wir die beiden Stuten nach dem füttern wieder zum Paddock bringen.
      „Das klingt nach einem Plan“, sagt er und wir gehen die Hengste holen. In der Zeit ist Hedda auch schon dabei sich den kleinen Hengst fertig zu machen.
      „Alle fertig?“, frage ich in die Runde. Ein zustimmendes Ja ertönt und wir reiten im Schritt los. Dieser Ausritt wird etwas entspannter. Wir reiten durch die Allee zu den großen Weiden im Wald. Dort sollen die beiden Jungpferdegruppen vom Bruce hin. Unsere Jungspunde kommen dann da auch dazu. Im Moment grasen sie auf zwei Weiden am Hof, aber so hätten die Pferde dann noch mehr Freunde. „Der Plan ist es jetzt, dass wir die Zäune und kontrollieren und gucken ob alles in Ordnung ist. Der Strom ist derzeit aus, aber den hat Tyrell schon geprüft, als er gestern hier war. Da wir überlegt hatten unsere Kleinen erst mal hierher zu bringen. Das Schicksal hat uns erhört“, erzähle ich. Die Gruppe trennt sich. Ich öffne das Tor mit Alfi. Der Hengst ist so ein Traum. Mit ihm kann man echt alles machen. Outer Space reagiert sehr empfindlich auf dem Schenkel und sucht immer nach Bestätigung, weswegen man mit Leckerlis in der Tasche alles schafft. Durch seine Sensibilität kann ich ohne es überhaupt schon mal mit ihm gemacht zu haben, das Tor öffnen und korrekt eiinzureiten. Ich lobe ihn und stecke ein Leckerli in den Automaten. Genüßlich frisst er seinen Snack. Im langsamen Tölt reiten wir an der Zaun innen Seite entlang. Auf dieser Weide ist alles okay. Hier sollen dann die Stuten rauf, Auch als ich mir noch die Weide Ansicht angucke, stelle ich keine Probleme fest. Auch Folke und Hedda entdecken nichts, als wir uns wieder treffen am Startpunkt. „Wie hast du das mit Alfi und dem Tor gemacht?“, fragt Folke überrascht. Offenbar hat er uns dabei beobachtet. „Nun, Alfi reagiert ja sehr sensibel und wurde ja vorher schon ziemlich viel in der Dressur gefördert, weswegen diese Übunge nur eine Zusammensetzungen von verschiedenen Hilfen war. Zu dem war ich auch zu faul abzusteigen, und wollte das erst einmal probieren.“, erzähle ich ihm.
      „Sehr cool, können wir sowas mal am Hof machen?“, fragt Hedda dann. Ich nicke. Dann reiten wir weiter. Hedda und Ali sind ein gutes Team. Der kleine Welsh Hengst ist leider all die Jahre zu kurz gekommen, obwohl er so ein Schatz ist. In Deutschland durfte er noch regelmäßig in der Reitschule oder in den Kinderferien mit laufen, aber sowas haben wir bisher nicht hier in Schweden angestrebt. Deswegen stand er hier die meiste Zeit nur herum. Zwischendurch habe ich ihn in die Führanlage gesteckt und ihn als Handpferd mitgenommen. Das nun Hedda, und Folke, da sind, kommt ihm zu gute. Sie hat sehr viel Spaß mit ihm und auch Ali ist echt froh wieder eine Beschäftigung zu haben. Die Beiden können noch viel voneinander lernen und ich werde das auch weiter fördern. Folke und Nobel haben sich von Anfang an gut verstanden. Aktuell trainieren die Beiden eigentlich für das große Derby im Juli, aber auch Entspannung ist mal wichtig. Unter dem Sattel ist er ein genauso tolles Pferd wie am Sulky. Sonst hätte Folke sich dort auch nicht drauf gesetzt. Er ist zwar ein sattelfester Reiter aber auf Angstpferde und Problempferde möchte er sich nicht setzen. Eben wegen seiner Schwester, die sehr viel Aufmerksamkeit bedarf, möchte er das Glück nicht heraufbeschwören. So reiten wir durch den Wald und genießen die Natur. Mittlerweile ich fast Mittag und wir müssen uns beeilen rechtzeitig zum Essen dazu sein. Also legen wir am Ende noch einen kleinen Galoppteil ein. Für Folke mit Nobel heißt das aber sehr schnell Tölten, da der Hengst bisher keinen Galopp angeboten hat und nun nicht der richtige Zeitpunkt ist das heraus zu kitzeln. Er wirkt auch nicht so motiviert um zu galoppieren.
      Am Hof angekommen machen wir die Pferde fertig und bringen sie weg. Auch wir gehen alle noch mal in unsere Häuser und zu waschen und etwas anzuziehen. Mit Reitsachen im Essensraum zu sitzen ist nicht so gut. Valeria hat heute gekocht. Es gibt Pasta mit einer Käse Gemüse Pfanne. Sehr lecker! Den Broccolie hat sie von unseren Nachbarn, die Möhren sind von unserem eigenen Beet. Der Käse ist von unserem Kuhbauern, der einen kleinen Hofladen hat, den seine Frau betreibt. Auch sie sitzt hier heute mit ihrem Mann beim Essen. Wir alle unterhalten uns über das was bereits passiert ist. Die ganze Runde ist sehr familiär und herzlich. Ich freue mich über diese Situation. Nun ist erstmal Pause. Hedda geht noch mal bei Holy gucken und geht dann gemeinsam mit Folke zurück ins Haus. Sie hat noch Schulaufgaben zu machen. Ich muss jetzt auch noch Wäsche waschen von mir und Max, weil er dafür unser Haus putzt. Doch heute ist der letzte Tag, da er nun endlich zurück in seine Hütte kann.
      Folke
      Mittlerweile es Abend und für Holy steht nun noch eine Einheit auf dem Plan. Vriska und Hedda wollen heute das erste mal die Stute richtig longieren und das Clickertraining mit einbauen. Da mich das ganze sehr interessiert, gehe ich mit und gucke mir die Situation an. Hedda kennt sich schon gut mit Pferden aus deswegen vertraue ich ihr da. Während Vriska noch nicht da ist, machen wir zusammen schon die Stute fertig, die mit Smorre noch immer ein gutes Team darstellt.
      Dann kommt Vriska um die Ecke und wirkt auch leicht genickt. “Was ist los?”, frage ich darauf total schockiert. Sie seufzt kurz und sagt: “Die Akademie hat mich ins Förderprogramm aufgenommen und ich freue mich auch eigentlich total, dass ich dafür ausgewählt wurde. Doch ich habe kein Pferd für die Nationalmannschaft, deswegen muss ich absagen.” Irgendwie fehlten mir die Worte. Doch ich wollte ihr bei der Situation unterstützen. “Hast du schon mal mit Tyrell gesprochen? Vielleicht finden wir eine gemeinsame Lösung. Auf jeden Fall werden wir eine finden.”, versuche ich sie auf zu muntern. “Bisher nicht, aber das ist mir auch unangenehm”, antwortet sie. Hedda ist noch mit Holy beschäftigt und bekommt von dem Gespräch nicht viel mit. “Du musst anders denken. Es für uns alle eine Möglichkeit den Hof zu präsentieren.”, antworte ich. Ich kenne schließlich die Situation, da ich ja immer für Höfe auf den Rennen gestartet bin. “Ich werde nach dem Training mal zu ihm gehen”, antwortet Vriska. Noch einen Moment reden wir darüber und dann kommt Hedda mit Holy dazu.
      Am Platz setze ich mich daneben und beobachte die drei. Vriska erzählt Hedda wie es heute ablaufen wird bei der Einheit und welches Ziel sie haben. Holy sieht noch sehr fertig aus vom heutigen Aquatraining, deswegen ist sie ziemlich entspannt aber auch unaufmerksam.
      28. April
      Vriska
      Es hätte eigentlich nicht schlimmer kommen. Heute muss ich die Entscheidung abgeben, ob ich dem Nationalteam beitrete oder nicht. Das Gespräch mit Tyrell war noch nicht, mir fehlte bisher einfach der Mut. Ich atme tief durch und dann kommt er natürlich um die Ecke. Irgendwie ist er wie ein Vater für mich, obwohl er gar nicht so viel älter ist als ich. “Wir müssen reden”, sagt er darauf hin. Mein Herz rutscht mir in die Hose und schon kullern die ersten Tränen. Ich mache es mir immer schwerer als es sein sollte, doch für mich ist es immer schwierig mit stressigen und unangenehmen Situationen umzugehen. “Ach Vriska. Ganz ruhig. Komm wir gehen zu dir, da haben wir Ruhe.”, sagt er darauf hin und legt seinen Arm auf meine Schulter. Zusammen gehen wir in meine Hütte. Dann trinke ich ein Schluck Wasser und setze mich zu ihm an den Tisch. Tyrell möchte nichts zum trinken. “Dein Leiter hat mich gestern angerufen und nachgefragt ob du schon eine Entscheidung getroffen hast wegen deiner Teilnahme im Nationalteam. Deswegen möchte ich dir ein Angebot machen, weil es schwierig wird eins der Fohlen im Team zu reiten.“, beginnt er. Ich würde mich schon echt drüber freuen und versuche mir auch auszumalen, wie es sein würde, aber für mich ist das Thema im Kopf schon durch. „Weißt du schon, dass Max auch eingeladen wurde?“, erzählt er weiter. Schock. Wie konnte er denn eingeladen werden, wenn er nicht mal in der Lage ist mir richtig Unterricht zu geben? Das erschließt sich mir einfach nicht. Allerdings hat er auch viel mehr Erfahrung und reitet seit dem er klein ist. Wirklich kennen tue ich ihn aber auch nicht obwohl wir seit quasi zwei Monaten zusammen wohnen. Als Freunde kann man uns allerdings nicht bezeichnen. Ich schüttle den Kopf. „Er hat schon seine Teilnahme bestätigt. Aber auch ich würde ich gern im Team sehen, deswegen haben Bruce und ich telefoniert. Er hat ein Angebot bekommen, dass er Glymur kaufen kann. Den müsstest du kennen.“, lacht Tyrell. „Waaaaaas“, antworte ich wieder völlig schockiert. „Wir würden dir Glymur für das Nationalteam zur Verfügung stellen, aber du musst im Gegenzug weiterhin die Pferde trainieren. Schließlich wird es etwas schwierig mit Stalldienst, aber wir brauchen dich auch hier am Hof.“, Tyrell wird still. Ich schweige auch. Noch eine Weile reden wir über die Situation und sind uns einig. Ich kann im Nationalteam starten - mit Glymur. Tyrell und Bruce werden nun in die Wege leiten, dass der Hengst zu uns auf dem Hof kommt.
      Als Tyrell gegangen ist habe ich noch einige Minuten still am Tisch gesessen, bis ich den Mut gefasst habe meinen Kursleiter anzurufen. „Hej, Herr Norberg, ich habe mit meinem Chef gesprochen. Sehr gern würde ich Ihre Einladung zum Nationalteam annehmen.“, sage ich mit zittriger Stimme. „Vriska, da freuen wir uns sehr. Tyrell sagte schon, dass du sicher zustimmen wirst. In den nächsten Tagen wirst du alles wichtige per Mail zugeschickt bekommen.“, antwortet er und legt kurzer Zeit später auf.
      Geschafft. Das war ein großer Schritt für mich und auch eine Menge Überwindung gekostet diese Entscheidung zu treffen. Ich fühlt sich etwas an, als würde ich die Leute und den Hof im Stich zu lassen. Doch nun habe ich erst mal noch Training mit Hedda und Holy. Auf dem Plan steht noch einmal Freiarbeit für sie. Ich ziehe mir meine Schuhe an und checke bei dem Gang zum Anbinder nochmal meine Mails. Noch habe ich keine Mail bekommen, was ich aber auch nicht wirklich erwartet habe. Hedda und Holy sind schon fertig mit der Vorbereitung und zusammen gehen wir zum Platz. Heute werde ich teilweise nur zu gucken, weil Hedda das bald eh alleine schaffen muss. Auch Folke ist wieder dabei und soll auch mal mit der Stute arbeiten. Zum aufwärmen gehe beide Mädchen erst mal einige Runden im Schritt am lockeren Strick am Kappzaum. Instinktiv senkt die Stute ihren Kopf und Hals und Hedda lobt sie zufrieden. Die Beiden sind jetzt schon so ein großartiges Team und ich freue mich, dass sie zueinander gefunden haben. Zum Anfang beginnt Hedda mit Holy das beim Kopf senken und Klick, ein Leckerchen gibt. Aber Holy ist ja nicht doof, für Leckerchen würde sie alles tun. „Ich hab mir gestern Videos auf Instagram angeguckt und würde gern mit Holy Spanischen Schritt machen. Können wir damit schon anfangen?“, fragt Hedda mich neugierig. „Können schon, aber wir müssen darauf achten, dass Holy nicht anfängt zu betteln um ein Leckerchen zu bekommen. Sondern sie soll sich anbieten und mit dir arbeiten. Also wäre es gut, wenn sie aus dem Betteln heraus das anbietet und du es rechtzeitig unterbinden“, versuche ich ihr zu erklären. Irgendwie klingt das blöd und nochmal mit der richtigen Wortwahl erzähle ich es ihr. Sie nickt und nimmt die Gerte zur Hand. Wahrscheinlich hat sie das im Internet so gesehen. Vorsichtig touchiert sie das Bei der Stute und bei einer Reaktion zieht sie die nach Oben wie auch den Strick und klickt im selben Moment. Erstaunt bin ich über ihre Fähigkeit so schnell mit dem Clickern zu reagieren. Holy sieht im Gesicht ziemlich glücklich aus. Nach einigen Wiederholungen beginnt sie mit der Arbeit an der Longe. Auch hier arbeitet die Stute aktiv und schlurft nicht mit der Hinterhand. Hedda bleibt auch immer gut dran mit der Stimme, dass Holy vorwärts läuft und sich auch streckt.
      „Habt ihr super gemacht heute“, lobe ich die Beiden als wir zurück zum Anbinder gehen. „Dankeschön“, bedankt sie sich. „Dann muss sie heute Abend noch in den Aquatrainer und dann hat sie erst mal einen Tag Pause.“, füg sie noch hinzu. Ich nicke. Für mich geht es nun weiter zum nächsten Pferd. Tyrell hat mir erzählt, dass heute zwei neue Pferde kommen und in den kommenden Tagen noch eine Standardbred Stute. Bei dem Training mit Hedda hatte ich schon eine Nachricht von meinem Chef bekommen, dass die Pferde nun da sind und ich bitte mir beide mal angucken kommen soll. Deswegen mache ich nun einen Schritt schneller, da er die Pferde erste mal vorn in die Gastpaddocks gestellt hat. „Das sind die Beiden also?“, frage ich gespannt, als ich bei Tyrell ankomme. „Ja, und beide haben ganz grausame Namen“, ärgert er sich.
      „Ach Namen sagen doch nichts aus. Wie heißen sie denn?“, frage ich neugierig.
      „Der Hengst ist Graf Heinrich und die Stute Rainbeth.“, sagt er trocken.
      „Ach Heini und Betti sind doch tolle Spitznamen.“, antworte ich lachend. Mit ernster Miene guckt er mich an und höre auf.
      „Wo hast du die denn aufgetrieben?“, frage ich einige Minuten später.
      „Du kennst noch Ida aus dem Haus vorne an der Straße. Die hatte mich vor ungefähr einer Woche gefragt, ob ich die beiden Pferde übernehmen könnte, da sie sonst zum Schlachter kommen. Sie selbst hat die Pferde geerbt von ihrem Bruder, der wohl alles in seinem Haus und Garten hatte. Er hatte auch noch eine weitere Stute und einen Wallach, doch ein Mädchen aus dem Dorf ist die beiden Pferde immer geritten ist, hat sie übernommen. Nur die beiden Eumel wollte niemand offenbar.“, erzählt er.
      „Und was ist sonst mit denen?“, frage ich weiter.
      Tyrell zickt mit den Schultern. „Die waren wohl mal auf der Rennbahn aber eher schlecht als recht. Heini kann wohl schon ein bisschen was Dressur angeht, aber Betti ist wohl nicht ganz so einfach.“, erklärt er.
      „Und mit der soll ich nun arbeiten?“ - „Ja, aber mit Beiden“, antwortet Tyrell trocken. Mit großen Augen gucke ich ihn an.
      „Dann soll es so sein“, antworte ich.
      29. April
      „Maaaaaan“, rufe ich genervt in den Raum als der Wecker klingelt. Es ist 5 Uhr am morgen und ich habe Stalldienst mit Valeria. Also stehe ich auf, mache mir einen Kaffee und ziehe mich um. Duschen muss ich gar nicht, weil ich danach eh wieder Stinke wie ein Tigerkäfig.
      „Guten Morgen“, begrüßt Valeria mich fröhlich. Wie schafft sie es nur so happy zu sein am Frühen Morgen. Das erschließt sich mir nicht. Dennoch versuche ich freundlich zu sein und wir beginnen bei den Stuten mit dem Sauber machen. Dann legen wir das Heu hin und holen sie von der Weide. Als nächstes stehen die Hengste auf dem Plan. Heute dauert es etwas länger und erst nach vier Stunden sind wir fertig. Dann gehe ich erst mal zurück in die Hütte um zu duschen, weil wir dann zum Frühstück gehen. Zusammen sitzen wir alle am Tisch und unterhalten uns über den heutigen Plan. Auch unsere Teilnahme im Nationalteam ist ein Thema. Doch Max und ich wechseln kein einziges Wort. Ich denke er ist nicht so erfreut, dass wir es Beide soweit geschafft haben. Aber das ist sein Ding und nicht meins. Ich freue mich natürlich darüber aber möchte ihn auch nicht noch weiter unnötig damit belasten.
      Als erstes beginnt die Arbeit mit Betti. Tyrell wusste gestern nicht, wie weit die Stute ist, also werde ich heute sie erst mal nur longieren und auch einen Gurt umlegen. Den sollte sie kennen, da sie wohl einige Rennen mitgelaufen ist, wenn auch nicht erfolgreich. Doch das ist für uns nicht allzu wichtig, da wir vielseitige Standardbreds züchten, die zwar das Talent für Passrennen haben, aber genauso motiviert für die Arbeit unter dem Sattel sind, besonders in der Dressur. Mit angelegten Ohren begrüßt die Stute mich und ich gehe langsam auf sie zu. Nervös dreht Rainbeth mir ihren Po zu und gehe wieder einige Schritt zurück. Von so einem großen Pferd die Hufen abzubekommen ist nicht unbedingt meine Intention. Doch ich bleibe hartnäckig, bis die Stute merkt, dass ich keine Bedrohung darstelle. Dann kommt sie sogar zu mir und ich darf ihr das Halfter anlegen. Zusammen gehen wir zum Anbinder und ich putze sie langsam. Als ich den Bauch berühre wird sie direkt unruhig und schlägt nervös mit dem Schweif. Den Gurt lasse ich also heute lieber doch weg. Gegen das anlegen vom Kappzaum hat sie nichts und läuft mir zum Platz beinah motiviert nach. Als erstes darf Betti sich den Platz selbst angucken und ich lasse ihr den Strick locker und sie kann selbst entscheiden wohin sie möchte. Mit lauten atemgeräuschen geht sie den Platz ab und wirkt eher nach einem Hengst, als eine Betti zu sein. Freundlich lobe ich die Stute und teste immer wieder ihre Aufmerksamkeit durch kurze Züge am Stricke. Erst nach einigen Wiederholungen wendet sie sich mir zu und scheint nun bereit zu sein. Zum Aufwärmen möchte ich Rainbeth nun noch dehnen und stellen. Doch schon mit der einfachsten Übungen durchs Genick hat sie große Schwierigkeiten, weswegen es ratsam wäre, wenn sich ein Osteopath dieses Problem anguckt. Um ihr nicht noch mehr Schmerzen zuzumuten, lasse ich sie nur noch ein wenig traben und höre dann auf. Auf dem direkten Weg kommt die Stute zurück auf ihren Paddock. Im Anschluss mache ich mich auf den Weg zu Tyrell, der wieder in seinem Büro sitzt.
      Vorsichtig klopfe ich an der Tür. “Herein”, ertönt es. “Ach hey, was los?”, sagt er im Anschluss als ich durch die Tür trete. “Rainbeth sollte mal einem Osteo vorgestellt werden. Beim Putzen hat sie sehr nervös reagiert im Bauch- und Rückenbereich und beim Longieren war das biegen und stellen zeigte sie sich ebenfalls sehr unmotiviert.”, erkläre ich ihm. Er nickt. “Gut, dann werde ich einen Termin vereinbaren. Bitte vergiss nicht, dass noch in ihr Profil einzutragen”, antwortet Tyrell mir. “Dankeschön”, antworte ich und möchte das Büro wieder verlassen. Doch dann sagt er noch etwas: “Denk dran, morgen kommt Glymur und ein Trainer aus Deutschland. Du hast dann direkt zwei Trainingseinheiten. Bruce bringt dafür noch Skrú vorbei.”, sagt mein Chef mir. “Was, morgen schon?”, frage ich schockiert. “Ach hatte ich das vergessen zu sagen? Tut mir leid. Eins weißt du auch noch nicht, aber du wurdest zwar für das Team ausgewählt, aber du musst noch angenommen werden. Das heißt, du musst noch die Prüfung bestehen. Deswegen haben wir für dich und Max den Trainer organisiert.”, fügt er hinzu. Mir entgleisen die Gesichtszüge. Puh, das hatte ich nicht erwartet. Ich nicke und verlasse das Büro. Jetzt muss ich auch noch eine Prüfung machen. Das schaffe ich nicht.
      “Ach gut das ich dich treffe”, sagt Folke als ich vom Büro komme. “Huch! Was los?”, frage ich ihn erschrocken.
      “Wollen wir mit Alfi und Nobel etwas trainieren für die gerittenen Passrennen? Ich habe schon mit Tyrell gesprochen, der findet die Idee gar nicht so schlecht.”, antwortet der junge Schwede. Ich nicke und wir gehen in den Stall um die Hengste fertig zu machen. Alfi war heute deutlich hibeliger als sonst und auch Nobel scheint Hummeln im Po zu haben, nur mit viel Geduld gelang es uns die Pferde in Ruhe zu putzen. Auch der Weg vom Hof war alles andere als ein Zucherschlecken. Dennoch wollten wir uns nicht entmutigen lassen und stiegen schon auf. Plötzlich hatten wir ganz andere Pferde unter uns. Beide Hengste schnaubten zufrieden ab und waren problemlos händelbar. Zum Glück.
      “Und freust du dich schon auf Glymur morgen?”, fragte Folke neugierig. Offenbar wussten es alle am Hof nur ich nicht.
      “Ich weiß nicht. Eigentlich wollte ich dir und Hedda doch helfen mit Holy, aber wenn ich zur Akademie gehe, dann werde ich nur am Wochenende am Hof sein. Und auch in der Zeit muss ich dann hier arbeiten und Tyrells Pferde bereiten.”, antworte ich nachdenklich während ich Alfi ein wenig im Genick stelle und etwas am Schenkel weichen lasse.
      “Ach mach’ dir da mal keine Gedanken. Das schaffen wir auch ohne dich”, sagt er uns fängt an zu lachen. Zum Glück nimmt er mir das nicht übel. Mich überrascht es auch extrem, dass ich überhaupt in der Auswahl stehe für das Nationalteam. Wirklich viel reiterliche Erfahrung kann ich schließlich nicht nachweisen. Vor knapp 3 Jahren kam ich erst nach Deutschland und wurde dann zu meinem Glück gezwungen. Heute denke ich, dass es die beste Entscheidung überhaupt war, denoch hat Max deutlich mehr Erfahrung. Dann reißt mich Folke wieder aus meinem Gedankengang. “Wir sind jetzt an der Bahn. Ich würde sagen, wir reiten die Pferde erstmal noch etwas mehr warm und machen dann ein schönes Intervalltraining. Anfangs etwas Tölt und dann im Pass.”, schlägt er vor. Ich nicke nur und gehe auf die Grasfläche der Bahn um einige Biegungen zureiten. Heute ich Alfi ziemlich steif und scheint auch nicht so motiviert zu sein für Dressurarbeit. Doch leider muss das sein, sonst könnte er sich verletzen, wenn wir aufs Tempo setzen. Folke hingegen hat mit Nobelpreis ein leichtes Spiel. Der Hengst ist sogar fast übermotiviert und versucht ihm jeden Schritt voraus zu sein. Dabei biegt er sich super schön und lässt einwandfrei sein Genick stellen. Auch die Seitengänge funktionieren problemlos. Etwas neidisch schiele ich immer wieder zu dem Paar rüber. Aber Alfi wird dann doch etwas kooperativer und versucht sein bestes. Dann sind wir uns einig - das richtige Training kann nun beginnen. Im Schritt reiten wir zunächst ca. 500m nebeneinander her und Tölten dann an. Erst ein Stück im Arbeitstempo und legen dann im Tempo zu. Bevor die Pferde in den Pass fallen bremsen wieder in den Schritt ab und reiten wieder 500m. So machen wir das einige Bahnen lang bis wir statt Tölt den Pass bevorzugen. Alfi ist nun voll dabei. Nur mit leichter Hilfe lege ich den Hengst in den Pass und versuche das Tempo zu steigern. Folke hingegen hat es nun etwas schwieriger, da Nobelpreis ziemlich mit ihm herum diskutiert. Nervös zieht der Hengst seinen Kopf nach oben und erweitert die Nüstern. Folke versucht ihn zu beruhigen doch ohne erfolg. Im starken Trab rennt der junge Mann los und ist nicht aufzuhalten. “Aber wir haben doch eigentlich Pacer und keine Traber”; rufe ich leicht belustigt dem Team nach. Nicht mal einen müden Gedanke scheint Folke an mich zu verschwenden und braust im Trab an uns vorbei. Erst auf der nächsten langen Seite bekommt er den Hengst wieder in den Schritt und brüllt genervt ihn an. “Boah, du Mistsau Pferd”, höre ich nur und muss wieder lachen. Alfi läuft stattdessen in einer schönen Haltung im Schritt vorwärts. Auch das Tempo ist sehr angenehm. “Ja, Lach du nur”, antwortet er mit genervt.
      “Wollen wir mal tauschen?”, biete ich Folke motiviert an. Er nickt und wir steigen ab um die Pferde zu tauschen. Nun sitze ich auf Nobelpreis, der direkt wieder anfängt sich zu sperren und sich zu weigern. “Mach’ du mal weiter mit Outer Space im Intervall. Ich versuche Nobel zu vernunft zu bringen”, rufe ich Folke zu. Er geht wieder auf die Bahn und setzt das Training fort. Ich fange mit Nobelpreis wieder von vorn an. Erst mal im Schritt einige Biegungen und dann Tölt-Schritt Übergänge um die Durchlässigkeit zu verbessern. “Prima”, lobe ich den Hengst, der zufrieden abschnaubt. Das Intervalltraining werde ich mit ihm nicht fortsetzen, aber Pass muss er heute noch mal laufen, um die Erziehungsaspekt beizubehalten. Nach dem er wieder deutlich lockerer im Genick ist, gehen wir wieder auf die Bahn und treibe ihn in den Galopp. Wenn auch nicht erwünscht, lege ich den Hengst aus den Galopp in den Pass. Oh Wunder - Nobel zeigt sich gelassen und ohne große Diskussion geht er über in den Rennpass. Kurz vor der kurzen Seite bremse ich langsam und gemütlich ab. Als wir wieder im Schritt sind, wende ich ihn und reite im Schritt zurück zu Folke. Angekommen bei den Beiden klatscht er erst mal. “Na das war doch mal richtig gut. Wir können ja erst mal weiter hin mit ihm aus dem Galopp heraus den Pass fördern. Hoffentlich zeigt er das dann im Rennen nicht. Aber es war ja auch heute das erste mal unter dem Sattel dieses Training”, sagt Folke und entspannt reiten wir zurück an den Hof. Dort sattle ich die Hengste ab während mein Kollege das Futter für sie zubereitet. “FOOOOOOOOOOLKEEEEEE”, ertönt es dann. Hedda ist da. “Jaaaaaa”, antwortet er genauso. “Können wir was mit Holy machen”, fragt sie dann aufgeregt. “Ne, heute nicht. Die wird sicher richtig Muskelkater haben von den letzten Tage. Heute hat sie mal Pause.”, sagt er darauf hin. Hedda verzieht ihr Gesicht und macht einen Schmollmund. “Aber du kannst ihr die Salbe rauf machen und ein paar Leckerein geben, wenn du willst”, fügt Folke dann hinzu. Sie nickt aufgeregt und verlässt wieder den Stall. Dann kommt er auch aus der Futterkammer heraus und stellt den beiden Jungs ihr Futter in die Box. “So, guten Appettit.”, sagt er zu ihnen und streicht beiden Pferden über die Nase. Als hätten sie seit Tagen nichts gefressen, stürzen sie sich auf das Kraftfutter.
      “Was jetzt steht noch auf dem Plan?”, frage ich Folke als wir auch den Stall verlassen. Er guckt auf die Uhr. “Es ist jetzt 16 Uhr. Ich sollte mal lieber zu Hedda und Holy gucken gehen. Du könntest mit Songbird noch arbeiten. Ich schicke dir dann Hedda dazu.”, schlägt er vor. “Gute Idee”, sage ich und laufe zum Stutenpaddock.
      Songbird ist mittlerweile schon 7 Jahre alt und wir haben bisher so gut wie gar nicht mit ihr gearbeitet, hauptsächlich, weil andere Pferde die Priorität hatten. Doch jetzt ist auch sie an der Reihe. Während ich die Stute vom Paddock hole und putze, überlege ich mir, was ich mit ihr machen kann. Das einfache Longieren beherrscht sie schon ganz gut, weswegen ich heute den Grundstein legen werde fürs Reiten - mehr oder weniger. Ich hole aus der Sattelkammer die Doppelzügel sowie ein Kappzaum mit Gebiss. Natürlich muss ich erst einmal herum probieren was ihr passt, bis ich was passendes gefunden habe - Mademoiselle und sie haben die gleiche Größe. Dann kann es los gehen. Hedda stößt auch dazu und gemeinsam gehen wir zum Reitplatz an der kleinen Reithalle. Dort beginne erst mal das Shetty zu longieren. Übermotivert springt die Kleine in die Luft und freut sich offenbar sehr darüber, dass sie sich bewegen darf. Nach einigen Runden hat sie die überschüßige Energie abgebaut und kann mit der richtigen Arbeit anfangen. Ich ändere die Zügel und hänge beide Stücke in die Gebissringe ein. Als erstes versuche ich der Stute zu zeigen, was wir nun tun werden mit Hilfe der Gerte. Sie kennt schon einfaches Stellen und Biegen mit der Gerte was ich nun auch wunderbar auf die Doppelzügel umsetzen kann. Hedda schaut gespannt am Zaun zu.
      Songbird war mit der heutigen Arbeit fertig und ich entschied auch Feierabend zu machen. Morgen wird schließlich noch ein anstrengender Tag, auch steht am Abend noch eine Einheit mit Holy an. Bevor ich gehe muss ich den Dreien noch einige Tipps und Tricks auf den Weg gehen, sonst könnte das Projekt noch scheitern. Das möchte keiner von uns.
      Nach einer erholsamen Dusche und setze ich mich noch an den Computer. Der Trainer der morgen kommt, soll wohl sehr bekannt sein und auch schon andere Nationalteams trainiert haben. Nur sagt mir sein Name überhaupt nichts. Bei der Recherche stelle ich fest, dass der Herr ganz andere Trainingsmethoden hat als ich, weswegen ich mir unsicher bin, ob eine Einheit mit ihm so angebracht wäre.
      30. April
      Gleich kommt mein Pferdchen an, freue ich mich dann doch ziemlich. Natürlich ist es eine große Ehre für mich und ich natürlich bin ich auch sehr glücklich darüber, dass mich der ganze Hof dabei unterstützt. Doch ich möchte ungern meine Umgebung verlassen, auch wenn es für eine gute Sache ist. Nach einer wohltuenden Dusche bin ich gerade dabei mir mein kleines Frühstück zuzubereiten, als das Telefon klingelt. “Isaac?”, gehe ich an meine Handy, da ich die Nummer nicht kenne. “Falkbeck, wir sind in ungefähr einer halben Stunde da. Bitte bereiten sich sie darauf vor”, sagt ein schlecht gelaunter Mann, der nur der Trainer sein kann. Durch sein Nuscheln konnte ich nur Schwer den Namen hören, doch ausgeschlossen, es ist der Typ. Langsam kippt dann auch meine Laune, aber ich versuche weiterhin erfreut zu sein, so ein großartiges Pferd von Tyrell gestellt zu bekommen. Deswegen mache ich mir noch ein Toast, dass ich auf dem Weg zum Stall zu mir nehme. Mein Chef wartet dort auch schon, offenbar hat er einen genauso tollen Anruf bekommen. “Guten Morgen”, begrüße ich ihn freundlich. “Na, biste soweit?”, fragt er neugierig.
      Ich nicke nur.
      Tyrell schon draußen und der Hänger fährt den Hof hoch. “Dein Ponsky ist da!”, ruft er in den Stall. Ich mache die Box noch fertig und beeile mich raus zu kommen, da sind die beiden Herren schon dabei das Pferd auszuladen. “Wo waren Sie denn?”, fragt Herr Falkbeck ziemlich genervt. “Entschuldigung, ich habe noch die Box fertig gemacht.”, antworte ich leicht genervt. “Ach ist doch alles gut”, mischt sich Tyrell direkt ein. Dann sagt der Alte auch nichts mehr. Man, das nervt mich jetzt schon extrem, aber ich versuche mir nichts weiter anzumerken. Dann drückt er mir Glymur in die Hand. “Also heute um 18 Uhr ist dann Training”, fügt er noch hinzu. Langsam laufe ich mit dem Hengst zur Box und stelle ihn dort erstmal hinein, da ich noch einige Pferde vorher arbeiten muss. Rain Beth, Holy, Schneesturm und Milska kommen in die Führanlage. Dann hole ich mir noch Nachtschatten und Lotti zu Ausreiten. Die Braune Stute nehme ich als Handpferd und übe noch mal die Pferde in jeder Situation ruhig zu haben.
      Folke
      Während Vriska mit zwei Trabern ausreiten geht, nehme ich mich nochmal Holy an, die derzeit noch in der Führanlage ist. Ich halte die Maschine an und hole die Stute raus, um sie in den Aquatrainer zu bringen. Holy baut immer besser in der Muskulatur auf und auch ihr Verhalten hat sich bereits gebessert. Wir sind alle Stolz auf die Stute.
      Nach dem Vriska wieder kommt, habe ich bereits die Stuten zurück gebracht und Vintage, Wunderkind, Outer Space und Nobel in die Anlage gestellt. Im Gelände waren sie Stute wohl auch sehr gut, weswegen wir uns dann erst mal zum Essen setzen und den letzten Gemeinsam Tag genießen.
      Vriska
      “Halte deine Arme ruhiger, tiefer in den Sitz und versuche mehr mit deiner Hüfte mitzuschieben, um den Hengst nicht aus dem Gleichgewicht zu bringen”, mault mich der Falkbeck voll. Man geht der mir auf den Geist. Was soll das nur werden ...

      22-06-2020 | 55.149 Zeichen | Mohikanerin
    • Canyon
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      Dressur E → A
      In diesem Monat hatten wir zwei neue Reiter. Für mich Neue. Nico, Malte und Bart kannten zumindest den einen davon. Petyr Holmquist hieß er, ein Schwede oder Norweger, der wohl damals ein guter Freund gewesen war. Er und sein internationaler Freund Momo waren angereist. Eigentlich nur für ein paar Tage, jetzt verweilten sie schon zwei Wochen hier und hatten sogar neue Pferde mitgebracht. Momo konnte nicht reiten. Also wirklich nicht. Auch nicht mal so gut wie Eli, noch viel schrecklicher. Aber Graf Heinrich, Heini genannt, nahm ihm das in keinster Weise übel. So hatte auch Heini seine Ruhe und musste sich nicht besonders anstrengen. Malte gab Momo nun Unterricht. Vorerst in der Dressur, um die Grundlagen zu erlernen. Malte war ein Fan davon, anderen Reiten beizubringen, während er selber auf dem Pferd saß und alles am leibhaftigen Körper vorführen konnte. Derzeit hielt Eskador als Vorzeigepferd her. Er war zwar noch kein Dressurcrack, hatte aber wunderbare Anlagen dazu und außerdem viel Geduld.
      Momo hatte eindeutig Spaß an der Sache und auch wenn sich Elsi immer wieder darüber aufregte, dass er das ganze nicht ernst nahm.
      Diesen Monat musste ich mir leider auch meine neue Trainingsstute Monkey 47 mit Helia teilen. Ich mache Helia wirklich sehr, aber teilen konnte ich auch mit ihr weniger gut. Sie hatte die Erlaubnis bekommen, mit Moni an einem Wettbewerb zu starten. Nichts großes, wir Praktikanten freuten uns immer über die Möglichkeit, unser Können unter Beweis zu stellen.
      So trainierte ich die ersten zwei Wochen des Trainingsmonats mit Moni für einen Aufstieg in der Distanz. Cjara und Elsi waren mit The Illusionist Sister of Crime mit von der Partie. Gemeinsam machten wir zu den heißeren Tageszeiten viel Muskelaufbau in der Halle, während wir in den frühen, noch kühleren Morgenstunden die Zeit im Gelände nutzten. Auf allen drei Pferden lag die Hoffnung auf erfolgreiche, spätere Distanzpferde.
      Unser Training überschnitt sich hin und wieder mit dem Training von Alba, Malte, Petyr und Eyvind. Auch sie trainierten gleich mehrere Pferde in der Distanz, anscheinend war Petyr ein überaus begabter Distanzreiter. Ich wollte es zwar nicht zugeben, aber genau das hatte dem Gestüt noch gefehlt. Mit dem Junghengst Sunka verfolgte er einen straffen Trainingsplan, der nur wenige Verschnaufpausen zuließ, und ich war froh, diesen Monat nicht in seiner Trainingsgruppe zu sein. Eyvind ritt wie immer Sir Golden Mile. Auf dem Papier war es zwar nicht sein Hengst, aber da sich niemand anderes für das mittelmäßig begabte Rennpferd zu interessieren schien, gehörte er inoffiziell durchaus ihm. Neu war, dass ich Alba das erste Mal im Distanzsattel sah. Nachdem BR Prias Raveday die letzten Monate nur im Galopprennsport gegangen war, war es auch für die Stute eine große Umstellung. Auch wenn es holprig begann, am Ende des Monats schienen beide jede Menge gelernt zu haben.
      Malte ritt Delightful Cinnamon. Cinna war um einiges älter und der Rennsport war eher etwas zur Auslastung, weniger für den Erfolg gewesen, aber der Distanzsprt lag ihr eindeutig mehr. Auch Malte schien das erste Mal deutlich zufrieden mit der Stute gewesen zu sein.
      Die zweite Hälfte des Monats verbrachte ich ziemlich einsam auf der Rennbahn. Candlejack und ich genossen die Ruhe, aber ein Adrenalinschub, ohne die anderen Pferde neben uns, blieb deutlich aus. Jack lief mittlerweile Rennen auf mittlerem Niveau und die Rennbahn in Canby reichte dafür nur noch knapp aus. Tempo und Ausdauer hatten sich seit ich ihn ritt deutlich verbessert und das gab mir ein gutes Gefühl für die Zukunft. Ich war gespannt, wie lange sich seine Fähigkeiten noch weiterentwickeln würden.
      Cjara und Bart hingegen belegten diesen Monat als einzige die Crossstecke. Ich weiß nicht, wer auf die Idee gekommen war, die beiden gemeinsam trainieren zu lassen, aber seitdem sie sich in einer Beziehungspause befanden, herrschte tiefer Winter zwischen den beiden. Cjara ritt wie immer Joline und Bart I‘ve got a blue soul. Dass die beiden immer noch aufeinanderstanden, war trotzdem weithin zu erkennen. „Ein richtiges Reiterhofdrama“, sagte Helia immer voller Freude, worüber ich nur den Kopf schütteln konnte. Ich mochte beide auf ihre Art und Weise und hoffte sehr, dass, was auch immer zwischen den beiden stand, es sich bald wieder bereinigen ließ.

      31-07-2020 | 4.330 Zeichen | Canyon
    • Canyon
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      moving on

      Hengste Hauptstall: Sunka, Amistad, Firewalker, Light up Hell, Last in Love, Lap de Loupe, Golden Sugar, Chromed Highwind, Sir Golden Mile, Eskador, Candlejack, The Illusionist, Graf Heinrich
      Stuten Hauptstall: Millenium GC, Grenzfee, Echo‘s Maiden, Lady Gweny, Far Cry, CHH‘ Lethal Combination, Westatlanta, Alphabet Soup, Song of Peace, PV Gräfin, Cinnada Mistik, Wild Reflex, I‘ve got a blue soul, BR Prias Raveday, Delightful Cinnamon, Joline, Sister of Crime, Monkey 47
      Fohlenweide: PV Comte de Courtoisie, PV Song 'bout Alegría, PV Phantom from Alaska, PV Noodle in Love, Winter with Koen, Ivy‘s Rhapsody, BR Ruffian‘s Smart Jane, PFS‘ Circle of Thyme, Lady Phoenitia, Phoenix Valley Farwest, PV Rebellion of Cinqué, PV Traumfee, PV Toxic Compound
      Nebestall: Ghostly Phenomenon, Marid, Arias, Mytos, La Paz, Pítu, Schwalbenfeder, Óslogi, Félagi, Braum van Ghosts, Imagine Dragons, Madame Pompadour
      Offenstall: Chosposi, Anaba, Morrigans Hidalgo, Cloud, My Canyon, Flotten von Mutanten, Aquena, Zonta, Havanna Girl, Kwatoko, Dawn


      Petyr hatte wieder ein neues Pferd angeschleppt. Damals hat er das schon immer getan und jetzt wieder. Er war noch keine zwei Wochen auf dem Gestüt, da hat er sich schon eine Box besorgt und den Hengst auf das Gestüt geschafft. Aus Kanada kam er, das Pferd, nicht Petyr. Petyr war vonüberall hergekommen. „Weltreise“ hatte er seine Tour durchOsteuropa genannt.
      Nico hatte nur die Achseln gezuckt, als ich ihm von Petyrs Besuch erzählt hatte, Eyvind hatte sich natürlich gefreut und nachdem Petyr angekommen war, hatte er schnell unter der Gestütsmannschaft Anschluss finden können. Sein Gesicht war faltiger geworden, aber seine Haarpracht noch eben so voll wie eh und je.
      Petyr hatte sich in Sunka verliebt und Sunka in Petyr. Mein Freund hatte den Hengst über
      mehrere Ecken aus privater Hand übernommen, natürlich mit dem Versprechen, den Hengst seiner Begabung nach zu fördern und welches Gestüt war dafür nicht besser geeignet als Phoenix Valley.
      Abends saßen wir dann gemeinsam auf der Veranda. Hin und wieder gesellte sich Nico zu uns, doch meist waren ihm die langen Erzähltiraden Petyrs zu unaushaltbar und er verschwand samt Rollstuhl im Haus, oder im angrenzenden Stall.
      Petyr hatte vor einigen Wochen auf Kreta Saga Glasberg geheiratet. Selbst Jora sei dabei gewesen, erzählte er mir. Sie sei immer noch hübsch, sagte er immer wieder. Natürlich aber war seine Saga hübscher. Ein Wundermensch und eine Wolkentänzerin. Dann erzählte er mir vom Norden. Von den Seen in Norwegen und den Bergen seiner Heimat Schweden. Er zeigte mir Fotos vergangener Zeiten, längst verdrängt und immer gehofft, sie vergessen zu haben. Nie wieder wollte ich abends im Bett leiden müssen. Ich war weitergegangen. Meine Heimat war zurückgeblieben. Niemand konnte seine Heimat mitnehmen.
      Petyr hatte einen Freund mitgebracht. Angeblich hatten Saga und er ihn in Istanbul kennengelernt, aber Momo selbst schwor, dass er dort nie gewesen war. Petyr hatte ihm auch ein Pferd gekauft. Er solle nun reiten lernen, hieß es, und der abenteuerlustige Momo hatte seit dem nichts besseres zu tun, als Graf Heinrich Tag für Tag zur Arbeit zu motivieren, während Petyr daneben stand und besserwisserisch Tipps verteilte.
      Es tat gut, dass Petyr wieder da war. Er verteilte gute Laune, nahm das Leben auf die leichte Schulter und gab mir keine Schuld, wenn meine Stimmung mal wieder gedrückt war. Petyr ließ sich von nichts und niemandem demotivieren.
      Aufgrund der Dürre hatte Nico jede Menge Helfer angeschleppt. Vorrangig Freunde des Gestüts, die hier sowieso ein- und auskehrten, so wie Mary Ann, Eli und Ike. Ich hatte gleich gesehen, wie Petyr ein Auge auf Mary Ann geworfen hatte und vor ihr mit der Hochzeit und dem Goldring an
      seinem Finger prahlte. Aber Mary Ann war für einen Typ wie Petyr die Falsche. Zu selbstbewusst, ganz eindeutig. Ich war froh, sie mal wieder zu sehen. Ich wusste sehr zu schätzen, dass sie und Eli Nico in der Anfangszeit in Kalifornien so unterstützt hatten. Aber Mary Ann war irgendwann immer seltener gekommen und dann war sie für einige Jahre ganz verschwunden. Nur Nico schien zu wissen, was der Auslöser dafür gewesen war.
      Ike war die letzten Monate mit Pítu auf Roadtrip gewesen, bis die anhaltende Hitze und der fehlende Regen seine weiteren Pläne frühzeitig beendet hatte. Pítu zeigte nun deutliche Schwierigkeiten, sich in der Herde einzufinden und das, obwohl er eigentlich selbst mit den
      selbstbewussteren Herrschaften gut zurechtkam. Dafür freute sich Óslogi sehr, seinen alten Weggefährten wiederzutreffen. Logi hasste die Hitze. Er war kahlrasiert und verbrachte wie alle anderen die Tage im Stall, zusätzlich bestand er allerdings fast nur noch aus Sonnencreme, soviel wie wir ihm in den letzten Tagen auf die helle Haut geschmiert hatten.
      Am besten ging es in der Hitze wohl noch unseren Fohlen. Sie waren in der Frühlingswärme zur Welt gekommen und kannten nichts anderes, als die Sonnenstrahlen auf der Haut. Drei unserer Lieblinge waren bereits verkauft und würden in Kürze in ihr neues Zuhause ziehen. Wir hatten uns zwischen vielen Bewerbern entscheiden müssen und auch als die Entscheidung festgestanden hatte, waren einige Trauertränen geflossen. PV Noodle in Love, PV Phantom from Alaska und PV Traumfee würden uns verlassen und in die ferne Welr ziehen. Ich hatte allerdings gelernt, dass manches für immer gar nicht so lange ist.
      Und dann waren da noch die ganzen neuen Pferde, die vielen jungen Reiter und all die Erfolge, die Phoenix Valley in letzter Zeit zu verzeichnen hatte. Ja, ich war oft gestresst. Es waren nicht mehr die Zeiten wie damals auf der Tyrifjord Ranch. Heute trug ich eine Verantwortung, die manchmal die Tage etwas grauer erschienen ließ, als sie eigentlich waren. Und ja, manchmal fühlte ich mich alt. Dann schaute ich eines Morgens in den Spiegel, sah, dass meine ehemals hellroten Haare grau und ausgemergelt nun, meinen Kopf verließen und nicht mehr zurückkommen würden. Dann dachte ich wieder an Jora und die Kinder, die wir nie haben würden, dachte an ihr Lächeln und an den Abend, als ich sie das erste Mal gesehen hatte. Ich hätte vieles anders machen können, aber damals schien es, als wäre sie ein verzeihlicher Verlust, heute weiß ich, dass es anders war.
      Jeden Abend brachte ich eigenhändig Óslogi und Félagi auf die kargen Weiden, wo sie sich genüsslich auf die Grasreste stürzten und mit den anderen Wallachen und Ponys ihrer Energie freien Lauf zu lassen.

      03-09-2020 | 6.448 Zeichen | Canyon
    • Canyon
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      Dressur A - L
      Im Süden von Kalifornien wüteten seit Tagen schlimme Brände. Erst vor kurzem war meine Tante in Los Angeles gewesen, nun war die Großstadt von verheerendem Feuer umringt. Es war viel zu warm, auch bei uns, auch wenn die Brände noch nicht bis in den Modoc National Forest vorgedrungen waren. Den ganzen Tag brannte die Hitze auf der Haut, der Sand flimmerte vor unseren Augen und die Pferde schwitzten selbst in den kühlen Boxen. Überall standen Ventilatoren und machten Jagd auf unser Karma.
      Die Trainingseinheiten waren auf fünf Uhr verlegt worden. Ab spätestens neun Uhr war Schicht im Schacht. Die Pferde standen nur noch in der Nacht auf der Weide und unsere Uhren gingen andersherum. Es war der Horror.
      Die Sonne war nichtmal aufgegangen, als ich mich mit Bart, Malte und Cjara an der Crossbahn traf. Die Stimmung glich einer Beerdigung, jeder ging seiner eigenen Wege und hoffte nur, das letzte Hindernis überwunden zu haben, bevor die ersten Sonnenstrahlen den Boden wieder zu trockener Lava verwandelten. Normalerweise hatte unsere Militarystrecke mehrere Wasserstellen. Diese waren ausgetrocknet und ich galoppierte mit Candlejack über brüchigen Sandstein. Auch Eskador und I‘ve got a blue soul, sowie Joline erging es nicht besser. Alle Pferde waren letztens erst vom Hufschmied beschlagen wurden, damit ihre Hufe in dem Feuer nicht verbrannten.
      Wir alle erwarteten das Schlimmste.
      Ich erinnerte mich an das Distanztraining der letzten Tage, welches auch noch in finsterster Nacht begonnen hatte. Eyvind war die gesamte Strecke mit dem Jeep und einem Pferdeanhänger nebenhergefahren, um uns aller drei Kilometer einen Wassereimer über den Kopf zu kippen oder zur Not eines der Pferde zurück zur Ranch fahren zu können. Irgendwer von uns würde bestimmt in nächster Zeit den ersten Hitzeschlag erwarten.
      Wir waren eine riesige Truppe gewesen. Ich und meine Monkey 47 waren zusammen mit The Illusionist und Sister of Crime, geritten von Elsi und Cjara, die weniger erfahrenen Pferde. Wir beendeten den Ritt deutlich früher.
      Petyr auf Sunka erzählte uns immer wieder, wie die Distanzritte der Trekkenreiter in Asien aussahen und dass dort sogar die Luft brannte und dieses Wetter hier nichts im Vergleich dazu war, aber wirklich aufmuntern konnte er uns definitiv nicht. Außerdem dabei waren noch Alba auf BR Prias Raveday, Malte mit Delightful Cinnamon und natürlich Bart mit Sir Golden Mile. Trotz der kühlen Wärme des Mondes war uns allen warm und vor allem waren wir übermüdet mit einem völlig am Boden liegenden Biorhythmus.
      Der einzige, der sich nicht unterkriegen ließ, war Momo. Er war sowieso ein südländischer Typ, der die warme Sonne auf der Haut, seinen eigenen Worten nach, liebte. Graf Heinrich musste also durch das Training der Dressur, welches Momo seit zwei Monaten mit ihm vollzog. Er lernte gerade erst Reiten, meist von Petyr oder Malte, und war immer noch stets motiviert dabei. Mittlerweile waren die beiden über die Grundkenntnisse hinaus und übten stetig weiter.
      Nicolaus hatte außerdem einige Sicherheitsvorkehrungen gegen die Waldbrände geschaffen. Brennbares Material wurde von Weiden und Gebäuden großzügig entfernt und alles, was ein Feuer beschleunigen könnte, war zur Seite geräumt worden.
      Wir hofften alle auf das Beste.

      20-08-2020 | 3.258 Zeichen | Canyon
    • Canyon
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      Springen A → L
      Die Wahlen waren vorbei und obwohl wir im roten Gebiet lebten, war der Überschwung der Freude viel mehr als die Wut der Gegenseite. Natürlich wurde sich auch über Politik unterhalten, aber je mehr Menschen aus verschiedenen Gegenden auf einem Fleck lebten, desto mehr konnte man sich in lange Gespräche verstricken, was denn nun für unser Amerika das Beste sei.
      Diesen Monat hatte Malte den Trainingsplan umgestellt. Wir trainierten nun in zweier Teams, das sollte unsere Produktivität steigern und uns näher bringen. Meine Partnerin war Cjara. Cjara war okay, aber meist hatten wir keine Gesprächsthemen und obwohl ich mich versuchte von den Gedanken fernzuhalten, war ich auch äußerlich einfach das genaue Gegenteil. Cjara war groß, hatte lange blonde Haare und blaue Augen, die Schultern immer straff nach hinten und die Nasenspitze immer einen Tick höher. Nicht, dass sie eingebildet oder arrogant war, aber sie zeigte sich sehr gerne. Ich war der kleine Asiate mit der Schuhgröße 39. Mehr musste ich da wohl noch sagen. Und so sehr ich mir wünschte, dass diese Fakten keine Rollen spielen sollten, selbst ein Demokrat an der Spitze der USA konnte daran nichts ändern.
      Cjara und ich waren die ersten, die an diesem verregneten und nebligen Dienstag für die Militarybahn eingeteilt waren. Unsere beiden Stuten Sister of Crime und Monkey 47 sollten das erste Mal ihr Können auf die Probe stellen, nachdem wir den letzten Monat neben dem Distanztraining auch angefangen hatten, ihre Springfähigkeiten zu trainieren. Durch das viele Geländetraining in den letzten Monaten, waren beide zu unerschrockenen und vor allem trittsicheren Pferden geworden, ein großer Vorteil auf dem Crossgelände.
      Cjara und ich wechselten nicht viele Worte. Meistens ritten wir schweigend unsere Runden, auch wenn wir hin und wieder den anderen baten, doch mal ein Auge auf den Absprungspunkt, oder die gerittene Kurve zu haben.
      Nach guten anderthalb Stunden Training lösten uns Malte und Elsi auf Golden Sugar und The Illusionist ab. Die beiden Hengste waren schon etwas weiter im Training und sollten diesen Monat den Schwierigkeitsgrad L erreichen. Wir tauschten mit Malte kurz ein paar Eindrücke des Trainings aus, wünschten viel Glück und ritten unsere Pferde am langen Zügel zurück zum Stall. Dort trennten sich unsere Wege. Stumm brachte Cjara Sister in ihre Box am anderen Ende des Stalls, während ich Moni in ihre Box am Anfang der Stallgasse stellte und absattelte. Die große Stute freute sich sichtlich über das frische Heu und die Abschwitzdecke.
      Gerade als ich den Sattel in die Sattelkammer bringen wollte, fing mich Cjara ab. „Du weißt schon, dass wir heute Nachmittag wieder raus müssen, oder?“
      „Heute schon?“, fragte ich. Ich hatte selten einen Plan im Vorraus. Wer sollte sich das ständige hin und her auch merken können.
      „Ja. Heute. Wir treffen uns um drei an der Crossbahn“, sagte Cjara und wendete sich mit wehenden Haaren von mir ab.
      Bis um drei waren es zum Glück noch ein paar wenige Stunden. Einen Teil davon schaute ich Saga, Petyr und Momo dabei zu, wie sie mit ihren drei Pferden den Springplatz unsicher machten. Die hatten’s gut, die wurden nicht von Malte dazu gezwungen und sie schienen sogar auch Spaß zu haben.
      Ich kannte Saga noch nicht, aber ihr Hengst Wallenstein war ein Prachtpferd. Wirklich wunderschön. Kennst du das Pferd, dann kennst du den Menschen, hatte mein damaliger Reitlehrer immer gesagt und es traf auch wirklich gut zu. Momo ritt wie immer Graf Heinrich, während Petyr Heide Eskador quälte, der noch nicht wirklich Spaß am Hindernisse überspringen zeigte.
      Gerade als ich mich wieder abwenden wollte, sah ich Nico, der zwischen den Säulen am Hauptstall in seinem Rollstuhl saß und das Geschehen auf dem Platz beobachtete. Er sah alt aus. Vor allem verglichen mit den Reitern auf dem Platz, die ihm altermäßig eigentlich in nichts nachstanden. Es machte mich traurig, ich wollte nicht, dass Nicolaus alt wurde.
      „Warum reitet Nico eigentlich nicht mehr?“, fragte ich, als im Stall auf Alba traf. Sie war mit meine beste Freundin im Stall, nur zur Zeit leider viel mit ihrem Studium beschäftigt, sodass wir uns nur noch selten sahen.
      „Äh Ferre, er sitzt im Rollstuhl!“, sagte sie, während sie Prias Halfter vom Hacken nahm.
      „Ja, ich weiß doch, aber es gibt mittlerweile so viele Möglichkeiten dahingehend.“
      „Die einzige Möglichkeit, die du kennst, ist bestimmt die aus Game of Thrones“, lachte sie und stieß mich dabei freundschaftlich in die Seite.
      Auch ich musste daraufhin lächeln. Alba hatte ein wunderschönes und ehrliches Lächeln, man konnte ihm einfach nicht widerstehen. Trotzdem ließ mich der Gedanke auch den Rest des Tages nicht los.
      Gegen Mittag holte ich Candlejack und, weil mich Malte darum gebeten hatte, auch noch Chromed Highwind und Sunka von der Weide. Jack bereitete ich gemütlich auf das anstehende Training auf der Crossbahn vor und die anderen beiden würden von Eyvind und Petyr ein Distanztraining bekommen. Eli und Bart waren mit Arias und Mytos gegen Mittag auch bereits losgezogen, um die jungen Araberhengste in ihren Distanzfähigkeiten zu fördern. Bei dem Wetter war ich relativ froh darüber, dass mich nur die matschige Crossbahn erwartete und nicht auch noch das stundenlange Gereite durch die triste Landschaft.
      Ich ließ mir mit Jack genügend Zeit, pflegte sogar nochmal Sattel und Trense, während meine Kopfhörer mir Tony Bennett’s Body and Soul ins Ohr dröhnte. So bekam ich es relativ spät mit, dass Cjara vor meiner Box stand und vergeblich versuchte, meine Aufmerksamkeit zu erreichen.
      „Was hörst du denn da?“, fragte sie mich skeptisch, als ich endlich die Kopfhörer aus den Ohren gezogen hatte.
      „Tony Bennett“, sagte ich.
      „Wenn du es singst, klingt es grässlich“, sagte sie, ohne Rücksicht auf Verluste.
      „Danke“, sagte ich, dabei war es mir super peinlich, dass ich anscheinend wieder laut mitgesungen hatte. „Was willst du? Ist es schon um drei?“
      „Nein, aber du musst heute alleine trainieren. Joline lahmt etwas und soll heute Pause machen. Aber das Training diesen Monat reicht für uns trotzdem für einen gelungenen Aufstieg, sagt Malte.“
      „Oh okay, na dann trainiere ich alleine.“
      Sie nickte und verschwand wieder. Ich wusste nicht, ob ich über diese untergründige Kritik verärgert sein sollte, oder mich einfach auf ein entspanntes Training ohne sie freuen sollte. Aber als ich dann ganz alleine zur Crossbahn ritt, der Nebel sich immer noch nicht gelichtete hatte und der leichte Nieselregen auf mich tropfte, war die Situation durchaus schon sehr trist. Die Sonne hatte ich den ganzen Tag noch nicht gesehen und als es zwei Stunden später noch dunkler wurde, musste ich mir eingestehen, dass ich sie heute auch nicht nochmal sehen würde.
      Das Training mit Jack war allerdings trotzdem gut gewesen. Er war gut bei der Sache, nahm die Hindernisse mit großartiger Präzision und ließ sich selbst durch meine gedrückte Stimmung nicht demotivieren, sodass ich dann doch zufrieden zurück zum Stall kam. Für den nächsten Monat, sollte ich wieder mit Cjara trainieren, nahm ich mir definitiv vor, dem ganzen selbstbewusster entgegen zu treten. Das war ein guter Plan.

      10-11-2020 | 7.117 Zeichen | Canyon
    • Canyon
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      going home
      Hengste Hauptstall: Wallenstein, PFS' Stromer's Victory, Sunka, Amistad, Firewalker, Light up Hell, Last in Love, Lap de Loupe, Golden Sugar, Chromed Highwind, Sir Golden Mile, Eskador, Candlejack, The Illusionist, Graf Heinrich
      Stuten Hauptstall: Millenium GC, Grenzfee, Echo‘s Maiden, Lady Gweny, Far Cry, CHH‘ Lethal Combination, Westatlanta, Alphabet Soup, Song of Peace, PV Gräfin, Cinnada Mistik, Wild Reflex, I‘ve got a blue soul, BR Prias Raveday, Delightful Cinnamon, Joline, Sister of Crime, Monkey 47
      Fohlenweide: PV Comte de Courtoisie, PV Song 'bout Alegría, PV Phantom from Alaska, PV Noodle in Love, Winter with Koen, Ivy‘s Rhapsody, BR Ruffian‘s Smart Jane, PFS‘ Circle of Thyme, Lady Phoenitia, Phoenix Valley Farwest, PV Rebellion of Cinqué, PV Traumfee, PV Toxic Compound
      Nebestall: Ghostly Phenomenon, Marid, Arias, Mytos, La Paz, Pítu, Schwalbenfeder, Óslogi, Félagi, Braum van Ghosts, Imagine Dragons, Madame Pompadour
      Offenstall: Chosposi, Anaba, Morrigans Hidalgo, Cloud, My Canyon, Flotten von Mutanten, Aquena, Zonta, Havanna Girl, Kwatoko, Dawn


      Der einzige Baum vor meinem Fenster ist noch nicht da. Und wäre er da, so wären die Blätter es nicht. Tom Traubert’s Blues kommt aus dem altmodischen Radio. Es rauscht unangenehm. Der Empfang hier draußen ist einfach scheußlich. Und seitdem die Bauarbeiten an dem neuen Stallgebäude und der Militarystrecke begonnen haben. Seit dem ist es noch schlimmer geworden. Das mit dem Radio und auch das Telefonieren.
      Das klingelt gerade. Mein IPhone. Ich nehme ab, ohne meinen Blick vom Fenster abzuwenden. „Nico?“
      „Hey Nic“, sagt sie. Sie ist die einzige, die mich so nennt. Und die schreibt es auch so, ohne K. Einfach Nic. Als würde es noch weitergehen, aber sie hätte einfach in der Mitte aufgehört. Aber im Endeffekt passt das zu mir. Ich höre auch irgendwo in der Mitte auf.
      „Vicky“, sage ich und drehe mit einer Hand den Rollstuhl vom Fenster weg. Es ist traurig. Dass das eins der einzigen Dinge ist, auf die ich zur Zeit stolz sein kann. Ich könnte Basketball für Rollis spielen, wenn ich wollen würde. Aber ich will nicht.
      „Darf ich heute Abend vorbeikommen?“, fragt sie.
      „Ja“, sagte ich nur. Wir schweigen einen Moment.
      „Dann bis heute Abend, Nic“, sagt sie schließlich. „Ich freue mich auf dich.“
      Sie legt als erstes auf, dann lege ich mein Handy zur Seite. Ich blicke auf die Uhr, halb elf morgens. Der Tag will einfach nicht vorbeigehen. Wie auch die Tage davor und die Tage davor. Schwerfällig drehe ich mich um, nehme eine Jacke vom Hacken und öffne die Haustür. Es ist klar und sonnig, aber der eisige Wind zieht mir unter die Haut.
      Im Stall treffe ich auf eine Ansammlung der verschiedensten Leute.
      „Ich sage ja nur, Physiotherapie und Nahrungsumstellung ist einfach das Beste. Heilung sollte immer ganzheitlich sein und nicht nur durch irgendwelche Medikamente und teuren Hufbeschlag geheilt werden!“ Elsis Stimme war am lautesten zu hören.
      „Physiotherapie?“, äußert sich Helia abfällig. „Als nächstes kommst du mit einem Psychologen oder einem Eheberater an, wenn du mal wieder Streit mit einem Pferd hast.“
      „Ihr entscheidet sowieso nichts.“ Malte geht dazwischen, dann sieht er mich und lässt seine Hände sinken. „Geht an Eure Arbeit.“ Er wendet seinen Blick wieder Helia und Elsi zu, die sich immer noch böse anfunkeln. „Geht an eure Arbeit, wird’s bald?“ Beide stampfen erregt davon.
      Auch Bart sieht mich jetzt. „Dad!“, sagt er und grinst wie immer, dieser Vollidiot. „Dir ist kalt, hier, nimm eine Decke!“ Er legt mir eine alte Stalldecke auf die Knie, ich schaffe es nicht rechtzeitig, ihn abzuwimmeln.
      „Was ist hier das Problem?“, frage ich an Malte gewand, ohne auf das vorhergesagte einzugehen.
      „Eigentlich nichts“, sagt er. „Es ging um Victory. Stromer‘s Victory. Die Medikamente wirken noch nicht, er ist immer noch schlapp, erhöhte Temperaturen.“
      „Ich möchte ihn sehen“, sage ich und schiebe meinen Rollstuhl mitten durch die Ansammlung hindurch zu Victory. Er steht in seiner Box, schaut müde über das gewundene Tor aus Holz und Eisen hinweg. Sein Fell ist stumpf, seine Augen erschöpft.
      Ich höre und spüre wie sich stumm alle hinter mir versammeln. „Was würdest du tun, Alba?“
      „Ich?“, Alba scheint erstaunt, etwas erschrocken.
      Ich drehe mich so gut es geht zu ihr um. „Ja, du. Du wurdest ihm doch zugeteilt und hast ihn in den letzten Tagen versorgt. Was würdest du tun?“, frage ich nochmal.
      „Na ja, weitermachen. Vor allem Kühlen. Die teuren Gels wirken nicht, Heilerde könnte man probieren. Es klingt zwar altmodisch, aber ist durchaus wirksam!“ Sie kommt in Fahrt. „Und etwas Bewegung. Nicht viel, aber ein bisschen. Er stand die letzten Tage nur hier drin, auch das kann krank machen. Etwas Spazierengehen, oder in eine Paddockbox und wenn es ihm besser geht, dann auf die Weide.“
      „Stimmst du dem zu, Malte?“
      „Ja, was besseres fällt mir nicht ein. Montag kommt der Tierarzt wieder. Solange es nicht schlimmer wird, sollen wir weiter kühlen, ansonsten ihn sofort verständigen. Mehr als hoffen und unser Bestes tun, können wir nicht.“ Malte blickte mir in die Augen.
      Ich nicke. „Dann wäre das geklärt. Alba, du übernimmst die weiteren Schritte. Halte mich bitte auf dem Laufenden.“
      Alba nickt und entfernt sich. Übrig sind jetzt noch Bart und Malte. Beide schauen mich erwartungsvoll an. „Was ist?“, frage ich leicht genervt. Die beiden tauschen kurz Blicke aus und Zucken dann mit den Schultern.
      „Nichts“, sagt Bart. „Ich dachte nur, es hätte einen Grund, dass du hier bist.“
      „Ja, den hat es“, sage ich. „Das ist mein Stall und meine Pferde. Außerdem brauche ich jemanden, der mich nach Alturas fährt und das in der nächsten halben Stunde.“
      „Frage doch einen der Praktikant*innen“, sagt Malte.
      Ich schaue ihn leicht perplex an. Das kam von ihm. Er hatte echt seine Würde verloren. „Ich frage aber euch. Außerdem ist das Wort Praktikant oder Praktikantin mittlerweile überholt. Alle fünf sind mittlerweile mehr als das.“
      „Sorry Dad, aber ich habe heute echt besseres zu tun. Was willst du denn in Alturas?“
      „Bart“, sagt Malte verächtlich. „Bitte nicht in diesem Ton.“
      „Schon gut“, sage ich. „Ich war damals schlimmer. Er hat sich gut gemacht, mit dir als Ersatzdad.“ Ich schaue Malte an und versuche Dankbarkeit in meinen Blick zu legen. Ich glaube, er erkennt die Bedeutung. „Ich fahre nach Alturas, um ein Pferd abzuholen.“
      „Davon weiß ich ja gar nichts!“, empört sich Bart.
      „Und ich werde auch nichts weiter verraten, das Glück liegt ganz bei dem, der mich nach Alturas bringt“, sage ich und schaue hoffnungsvoll in Maltes Richtung.
      „Kein Ding, ich mach das. Gib mit zwanzig Minuten, ich kläre ein paar Dinge, dann bin ich bei dir.“

      Malte ist immer pünktlich. Überpünktlich. In meinen Augen ist es nur zehn Minuten später, als er mit dem Van und dem bereits von mir gestern eingerichteten Anhänger vor dem Stall parkt. Er hilft mir aus dem Rollstuhl auf den Beifahrersitz und verstaut das dumme Ding dann im Kofferraum.
      „Du willst mir immer noch nicht sagen, was es für ein Pferd ist?“, fragt er, als er das Gefährt den sandigen Weg entlang auf die Ausfahrt zulenkt.
      „Ein gekörter Hengst aus Italien. Viel mehr weiß ich selber leider nicht.“
      „Oh bereits gekört, da werden sich unsere Vollblutstuten freuen.“
      „Nein“, sage ich. „Der ist nicht für die Stuten, der ist für mich und kein Englisches Vollblut.“
      „Ich merke schon, du willst nicht mehr verraten. Da kann ich dir allerdings erzählen, dass auch ich wieder ein Pferd im Auge habe. Einen Isländer, von Atomics. Dir sagt die Zucht was?“
      Ich nicke. Malte weiß, dass er einen Freifahrtsschein genießen darf. Ohne ihn würde das Gestüt gar nicht mehr existieren.
      Eine halbe Stunde später parken wir den Wagen auf den Sonderparkplätzen beim Flughafen. Die Papiere habe ich bereits Online ausgefüllt und ausgedruckt. Am Schalter muss ich mich ausweisen, dann kommt ein Transporter, aus dem Malte kurz darauf Arthur rausführt. Er sieht müde und geschafft aus, den Schweif trägt er trotz Transportschutz arabertypisch weit oben. Er ist fast weiß, aber seine leichte Äpfelung ist gut erkennbar. Ich habe lange mit der Entscheidung gerungen, aber King Arthur wird gut zu Marid passen, er ist gelehrig und motiviert. Ich will es versuchen.
      Er lässt sich ohne Probleme verladen. Schnaubt nur etwas, als Malte ihn festbindet und ihm Heu anbietet. „Ein Araber. Noch einer“, sagt er nur und ich sehe, wie er leicht den Kopf schüttelt. Ja, noch einer, noch ein Araberhengst. Bart würde ich eine Freude machen. Er hatte die Faszination für diese Tiere von mir geerbt. Doch Arthur ist nicht nur ein Faszinationskauf. Er soll mich wieder auf den Rücken bringen. Er ist klein, aber doch muskulös genug für mich. Er hat eine grandiose Ausbildung von den besten Trainern erhalten, hat dir Leistungsprüfung mit Bravour bestanden. Und jetzt soll er mich wieder reiten lehren.
      Wir bringen Arthur nach Hause. Bart freut sich, von meinem weiteren Plan mit ihm, erzähle ich aber noch nichts. Das fällt nicht weiter auf. Jeder weiß, dass ich bei Arabern nicht nein sagen kann. Alle denken, er ist wieder ein Gelegenheitskauf. Wir stellen ihn gleich in die Box neben Marid. Die beiden hassen sich auf den ersten Blick. Und irgendwann werden sie sich lieben. Sie müssen, Marid weiß, dass ich das von ihm verlange. Er hat keine Wahl.
      „Ich werde nach Hause gehen“, spricht mich jemand von hinten an. Ich drehe mich um und Eyvind steht hinter mir.
      „Wann?“, frage ich, nur wenig erstaunt. Der Norweger ist viel zu lange geblieben. Seine Haut ist bereits dunkler geworden.
      „In drei Tagen geht mein Flug. Mein Vater ist gestorben, ich werde meine Mutter pflegen müssen“, sagt er.
      „Dann können wir morgen Abend nochmal gemeinsam essen?“
      „Ja“, sagt er.
      Ich lege ihm eine Hand auf den Arm. Höher komme ich nicht, sonst hätte ich ihn gerne umarmt. Eyvind nickt kurz und ich nehme meine Hand wieder weg. Wir kennen uns zu lange und wissen doch nichts voneinander. Eyvind war unser Gespenst, und ich würde es vermissen.
      „Petyr und Saga wollen mich begleiten“, sagt er noch. Ich nehme seine Worte zur Kenntnis. Den ollen Holmquist konnte noch nie etwas länger an eine, Platz halten. „Aber sie wollen wiederkommen, nur etwas Heimat schnuppern. Du kannst mich jeder Zeit besuchen, Nicolaus“, sagt er noch, dann dreht er sich um und geht.
      Ich werde ihn vermissen.

      Am Abend klingelt Vicky an meiner Tür. Bart macht auf und wirft mir dann einen vielsagenden Blick zu, als er wieder in die Stube kommt, lässt uns aber Privatsphäre. Ich koche Vic einen Tee, sie erzählt von dem Alltag in der Klinik und beschwert sich wie immer über Eli. Dann wirft sie ihre Haare zurück und lächelt mich an. Ich bringe ein leichtes Lächeln als Antwort zustande.
      „Nic, schau nicht so traurig“, mahnt sie mich. „Sonst muss ich dich doch zum Psychologen bringen. Du weißt, dass ich sonst Angst um dich habe.“
      „Ich weiß, wie du mich aufmuntern kannst“, sage ich und rolle in Richtung Schlafzimmer. Sie folgt mir lächelnd.
      Vic und ich haben bereits seit einigen Jahren so etwas wie eine Beziehung. Die meisten denken, wir sind nur gute Freunde und im Endeffekt stimmt das auch. Wir haben beide nie mehr erwartet. Hin und wieder kommt sie mich besuchen, bleibt über Nacht und fährt dann wieder für die nächsten Wochen zu sich nach Hause. Niemand traut sich, mich darauf anzusprechen. Ich muss damals ein böser Mensch gewesen sein.
      Es ist für mich nicht selbstverständlich, dass sie mit mir schläft. Ich bin vom Oberschenkel abwärts gelähmt. Aber Vic nimmt es einfach so hin. Ich mag sie wirklich. Sie ist einfach. Das würde ich nie laut sagen, aber es ist so. Sie kommt und geht ohne Drama, erzählt gerne und ist leise, wenn es nichts zu erzählen gibt. Sie hilft mir aus dem Rollstuhl, zieht mich, dann sich aus. Schließt das Fenster und deckt uns zu.

      Als ich aufwache ist es bereits Morgen. „Du hast mir gar nicht gesagt, dass du ein neues Pferd hast“, sagt sie, als ich in die Küche komme. Sie reicht mir einen Kaffee und deckt den Tisch. „Bart hat’s mir erzählt. Er war ganz schön zeitig wach. Erwachsen ist er geworden. Seit wann kenne ich ihn? Vierzehn Jahre? Echt lange Zeitspanne.“
      „Du bist ja noch da“, stelle ich festund rolle mit dem Kaffee an den Tisch.
      „Soll ich gehen?“, fragt sie und ich merke, dass ich jetzt nichts falsches sagen sollte.
      „Nein nein“, sage ich schnell. „Bleib bitte so lange du willst.“
      „Ich habe nachgedacht“, sagt sie und setzt sich neben mich. „Was hälst du von, wenn ich öfter komme. Vielleicht das Wochenende über?“
      Ich blicke sie an, sie weicht meinem Blick nach kurzem Zögern aus. „Ich weiß nicht“, sage ich und nehme einen Schluck.
      „Du willst nicht“, sagt sie und klingt enttäuscht.
      „Nein“, sage ich. „Das ist es nicht. Ich meine nur, bist du dir sicher, dass du das willst?“
      „Nic, ich mag dich wirklich sehr und du scheinst sehr einsam. Ich dachte nur, vielleicht kann ich dir helfen.“
      „Ach darum geht es dir“, sage ich und wäre jetzt gerne wütend aufgestanden, aber ich muss sitzen bleiben. „Du hast Mitleid mit mir. Dein Helfersydrom kannst du an einem anderen Krüppel ausüben“, sage ich und merke, wie ihre Worte sich schmerzhaft in mich reinbohren. Das ist der Grund, weswegen es so hätte bleiben sollen. Wenn man tiefer geht, dann sitzt der Schmerz auch tiefer.
      „Nein! Ich wollte dich nur-“, versucht sie sich zu rechtfertigen.
      „Gehe jetzt bitte“, sage ich und rolle vom Tisch weg. Zum Fenster. Der Baum ist immer noch nicht gewachsen, wann wird er endlich groß. Er sieht verkrüppelg aus. Mit dem dünnen Stamm und ohne Blätter. Als ich mich vom Fenster wegdrehe, ist sie weg. Ich rolle zur Verandatür und schaue auf den Parkplatz. Auch ihr Auto ist weg. Ich atme tief durch.

      Für den Abend habe ich einen Catering Service aus Canby bestellt. Sie sind nicht gut, aber meine Kochkünste sind es auch nicht mehr. Bart, Petyr, Momo, Saga, Vuyo, Ike, Malte und Eyvind schlagen sich den Bauch mit vegetarischem Zeug voll. Auch wenn nicht jeder am Tisch strikter Vegetarier war, es war von Anfang an eine ungesprochene Regel, dass wir gemeinsam auf Fleisch verzichten.
      Die Stimmung ist leicht gedrückt, Eyvind sitzt an def Stirn des Tisches und versucht gute Laune zum traurigen Spiel zu machen. Es wird über alles mögliche geredet, nur nichts zu tiefgründiges und das Thema Abschied wird vollkommen ausgelassen.
      „Wann geht euer Flug?“, fragt Ike.
      „Übermorgen, sehr zeitig“, antwortet Saga. „Aber wir haben uns entschieden, bereits morgen Abend nach Los Angeles zu fahren. Eine Nacht schlafen wir noch im Hotel. Die Gemüsepfanne ist echt lecker! Ist das Curry?“
      „Schmeckt eher wie Kardamom“, sagt Momo und probiert nochmal einen Löffel von der gelben Soße.
      „Schön, dass du bleibst“, sagt Vuyo an Momo gewandt. „Ich hoffe, du überlebst es ohne deinen Bodyguard Petyr hier in der Wildnis.“
      „Ach Quatsch“, lacht Momo. „Wenn alle Stricke reisen, dann gebe ich mich als Native American aus, heutzutage kann doch keiner mehr einen Griechen von einem Indianer unterscheiden.“
      Der Tisch stimmt in sein Lachen mit ein. Ich bleibe still und stochere lustlos in meinem Essen.
      „Iss bitte etwas“, murmelt Malte neben mir. „Zumindest das solltest du versuchen, um die Stimmung nicht noch mehr zu drücken.“
      Ich antworte nicht.
      „Lasst uns auf Eyvind anstoßen!“, sagt Saga plötzlich und erhebt ihr Glas mit Apfelschorle. Sie hat vorhin den Alkohol vehement abgewehrt. Ich weiß, was das bedeutet. Ich habe einen Sohn.
      Wir erheben unsere Gläser. „Auf Eyvind!“, sagen alle im Chor und Bart fügt noch hinzu: „Unseren blassen, homosexuellen, guten Geist!“ Ich sehe, wie Eyvind leicht lächelt.
      Ja, ich werde ihn vermissen.

      27-11-2020 | 14.450 Zeichen | Canyon
    • Canyon
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      Distanz E → A
      Ich teilte diesen Monat Malte zu unseren Jungreitern dazu. Ich merkte, wie die Spannung zwischen den jungen Leuten knisterte. Ein Teil davon war Konkurrenz und Leidenschaft, der andere Teil war der Charakter, den sie alle zu sehr unterschiedlichen Teilen hatten hatten.
      Helia war mit ihrer neuen Stute Meilenstein beschäftigt. Sie war die einzige mit Privatpferd, ich hatte ihr erlaubt, sie bei uns unterzustellen. Die neue Anlage war mitten in Arbeit und im Frühjahr würde hoffentlich der Umzug sein, sodass wieder für alle genügend Platz war.
      Alba hatte neben ihrem Studium nicht viel Zeit, kümmerte sich aber mit Herzblut um die Genesung des jungen PFS‘ Stromer‘s Victory. Mir lag sein Wohlergehen genauso am Herzen, sodass ich sie so gut es ging unterstützte. Malte hatte keinen klaren Kopf, um sich einem kränkelnden und verletzten Hengst zu widmen. Helia als Tiermedizinstudentin wusste jedoch selber genug, um sich selbstständig für das Beste zu entscheiden.
      Diesen Monat mussten wir außerdem auf Petyr und Saga verzichten, sowie wohl für immer auf Eyvind. Ich musste mir Gedanken über einen neuen Reiter für Chromed Highwind machen, der Hengst hatte bereits die letzten Tage zu wenig Aufmerksamkeit erhalten, leider war das Interesse, trotz seines Talents, bei allen Reitern nicht gerade groß. Ich hatte bereits im Stillen Kämmerchen die Verpaarungen für das 1. Quartal 21 überlegt und da würde Highwind gemeinsam mit Delightful Cinnamon eine Rolle spielen. Die Öffentlichkeit und das Gestüt wusste nur, dass Candlejack und BR Prias Raveday ein Prachtfohlen bekommen würde. Das hatte ich zum Anfüttern in den Raum geworfen und das Interesse war einfach riesig gewesen, alleine nur an diesem Fohlen. Auch mir würde es schwerfallen, so wie es mir immer schwerfiel. Vor allem in diesem Jahr, nachdem die ersten Vollblüter ausgezogen waren, hatte ich sehr daran gezweifelt, ob es die richtigen Fohlen gewesen waren. Alaska und Noodle waren besonders außergewöhnlich gewesen, aber sie würden dafür auf anderen Gestüten Werbung für uns machen. PV Traumfee stand bis jetzt noch bei uns, ich war mir nicht ganz sicher, ob der Umzug noch klappen würde, es gab einige Turbulenzen und Unstimmigkeiten mit Nordwacht. Ich musste sagen, mich würde es nicht stören, wenn es für sie heißen würde, dass sie noch oder auch für immer bei uns blieb.
      Auf jeden Fall vertraute ich Cjara diesen Monat, sich alleine mit Joline und der Galopprennbahn zu beschäftigen. Beide hatten darin nicht viel Ahnung, aber umso besser war es, wenn man sie die ersten Schritte alleine gehen ließ, um Sicherheit zu schaffen. Nächsten Monat würde ich ihr einen erfahrenen Reiter zur Seite stellen, der ihr das nötige Wissen und Know-How geben würde. Joline war eher die Prinzessin, die Rennbahn würde sie sowieso nicht zum Erfolg bringen, aber Grundlagen schadeten nie.
      Malte übernahm das Training von Sunka, Petyrs Pferd, während Wallenstein, genannt „Walli“, den Saga mitgebracht hatte, von Bart übernommen wurde. Ich wusste, dass Malte leider noch zu wenig Vertrauen in die Nachwuchsreiter hatte, als dass er einen von ihnen die Leitung übertrug. Malte trainierte Sunka weiterhin im Military und auch Ferre, Elsi und Cjara waren mit ihren Berittpferden Monkey 47, The Illusionist und Sister in Crime mit dabei. Alle waren mittlerweile dabei, die Leistung ihrer Pferde vom Anfängerkönnen auf die leichteren Militarystrecken zu führen. Die Wege wuden unwegsamer, die Hindernisse höher und schwieriger anzureiten. Es wurde Zeit, dass wir uns eine professionelle Militarystrecke bauen würden.
      Bart und Walli waren Teil unserer Anfänger-Distanzgruppe. Alle Pferde hatten noch keinen blassen Schimmer von dem, was da auf sie zukommen würde. Graf Heinrich war sowieso immer etwas schwerer von Begriff, ließ sich aber unter Momos Führung auf wirklich alles ein, was ihm so vor die Nase gesetzt wurde. Meilenstein, die neue Stute Helias, war munterer und energiegeladen, im Vergleich zum Heini. Ihr junges Blut und die Begabung der Eltern machten aus ihr einen wahrhaftigen Trainingsfreak. Wer weiß, ob diese Motivation mit der Zeit nachlassen würde, bis jetzt hatte sie ihre Energie nur auf der Weide rauslassen können, jetzt ging das anstrengende Training erst richtig los.
      Neben den Englischen Vollblütern hatten sich Bart und Eli zur Aufgabe gemacht, auch die Araber etwas mehr zu bewegen. Die älteren Hengste Marid und King Arthur waren eher seltener in Beritt, dafür mussten die Jungen nun ordentlich zeigen, was in ihnen steckte. Die Halbgeschwister waren sich in vielen Dingen ähnlich, vor allem hatten sie es faustdick hinter den Ohren und gingen am liebsten zusammen durch dick und dünn. Mittlerweile war aus den beiden jedoch auch sehr ausdauernde Distanzläufer geworden. Der kalifornische Sand und die weiten Strecken waren für die Wüstenläufer die perfekte Gegend. Und es freute mich, dass mein Sohn in Eli, aber natürlich auch in Ferre, auf verkorkste, aber tieffreundschaftliche Art und Weise Freunde gefunden hatte, die ihm Halt und Struktur gaben. Etwas, wonach ich als junger Mensch lange vergeblich gesucht hatte. Manchmal war ich mir noch nichtmal sicher, ob ich den Halt heute hatte. Marid hatte mir diesen auf unerklärliche Weise zum Teil gegeben und dieser Anker war über die Jahre immer stärker geworden. Aber er konnte mir nicht jeden Sinn des Lebens erklären. Einen anderen Teil hatte Charly und später Bart dazubeigetragen, aber ich hatte das Gefühl, als würde immer noch ein Puzzleteil fehlen. Ich war gespannt, wann ich dieses finden würde.

      31-11-2020 | 5.527 Zeichen | Canyon
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  • Album:
    Phoenix Valley — Hauptstall Hengste
    Hochgeladen von:
    Canyon
    Datum:
    23 Juni 2020
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  • [​IMG]
    Graf Heinrich
    Heini

    ● ○ ● ○

    Hengst | 01-04-2008 | 168cm
    Englisches Vollblut
    Palominofalbe Sooty (mit Tigerauge)

    ● ○ ● ○

    Von unbekannt

    Von unbekannt Aus der unbekannt

    Aus der unbekannt

    Von unbekannt Aus der unbekannt

    ● ○ ● ○

    Heini ist wahrscheinlich das langsamste Rennpferd der Welt. Nichts bringt ihn aus der Ruhe, was allerdings auch unter dem Sattel kommt. Der Hengst ist schon ziemlich faul und steht lieber herum als sich ernsthaft zu bewegen. Nur mit viel Überzeugungskraft kann man mit ihm Arbeiten.

    ● ○ ● ○

    Besitzer: Canyon
    VKR/Ersteller: Mohikanerin
    im Besitz seit: 23-06-2020
    Kaufpreis: 450 Joellen

    ● ○ ● ○

    Schleifenaufstieg Trainingsaufstieg Potential

    Galopp E A

    Military E A L

    Distanz E A

    Dressur E A L

    Springen E A L

    Fahren E

    ● ○ ● ○


    Fohlen ABC ✔ | Eingeritten ✔ | Eingefahren ✔

    [Schleife]
    Thema

    ● ○ ● ○

    [Schleife]
    Thema

    Abstammung: 0
    Schleifen: 0
    HS: 0
    TA: 0
    Trainer: 5
    Zubehör: 0
    Gesamt: 5

    Gencode: ee Aa Dd nSty
    Zur Zucht zugelassen: Nein
    Eingetragene Zucht: Phoenix Valley (PV)

    Nachkommen:
    -

    ● ○ ● ○

    Letzter Tierarztbesuch: x

    Letzter Hufschmiedbesuch: x

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