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Canyon

○ Candlejack (21)

Englisches Vollblut ○ Bay with Reverse Dapples ○ Hengst ○ 6 Jahre ○ 178cm ○ Reiter: Ferre van de Veen

○ Candlejack (21)
Canyon, 3 Apr. 2020
Gwen, Zion, Sevannie und 4 anderen gefällt das.
    • Canyon
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      Gips Reminder Ranch

      Keine Wort
      Nein. Das konnte nicht sein. Fassungslos starrte ich den Fernseher an, in dem die Nachricht überbracht wurde. Teilnahmslos berichtete eine junge, gutaussehende Frau von der Ranch, auf der eine Bombe explodiert war. Es gab Tote, viele Tote. Darunter auch die Besitzerin. Verena. Fassungslos schüttelte ich den Kopf, sprang auf und schnappte mir den Laptop. Es dauerte ich nicht lange und ich fand einige Verkaufsanzeigen, Berichte und Kommentare. Alles drehte sich um die Gips Reminder Ranch. Immer noch fassungslos angelte ich nach meinem Handy und wählte die Nummer. Eine monotone Stimme meldete sich. „Merlin Harris, Guten Tag.“ Ich wartete kurz ab, doch es kam keine Begrüßung zurück. „Ich habe Interesse an einigen ihrer Pferde. „Welche?“ Knapp und unfreundlich, doch man hörte das Zittern in ihrer Stimme. „Daryl und Shiryō.“ Alles war schnell geklärt und die junge Frau wollte das Gespräch schon wieder beenden, als ich ihr ins Wort fiel. „Wie kommen sie zurecht?“ – „Ich wüsste nicht, was sie das angeht.“, entgegnete sie knapp. „Entschuldigung, sie wissen vermutlich nicht, wer ich bin. Aber vielleicht erinnern sie sich an Candlejack, den Vollblüter. Verena schenkte ihn mir zum Geburtstag.“ Plötzlich wandelte sich das Gespräch und man meinte kurz ein Lächeln auf den Lippen bei ihren Worten zu hören. „Verstehe. Mehr schlecht als recht, um ehrlich zu sein. Uns fehlt die Erfahrung, die Verena hatte.“ Ich nickte, auch wenn sie es nicht sehen konnte. „Ich kenne mich leider nicht mit Westernpferden aus, aber mit Vollblütern. Wenn ihr Hilfe braucht, meldet euch.“ Sie zögerte kurz. „Wir könnten tatsächlich Hilfe gebrauchen. Wildfire und Ruffia. Wir können sie im Moment nicht halten, aber ich will sie nicht verkaufen.“ Erneuert zögerte sie kurz und ich nahm ihr das Wort ab. „Ich kann die beiden mit zu mir holen. Und wann immer ihr wollt und könnt, nehmt ihr sie zurück.“, bot ich ihr an und sie wirkte sichtlich erleichtert. „Danke.“, murmelte sie.

      Bereits ein paar Tage später machte ich mich auf den Weg zum Flieger. Es ersparte den Tieren einiges an Stress und Zeit, die sie auf der Reise verbringen mussten. Alles war schnell geregelt und ich flog wieder nach Wisconsin zurück. Diesmal jedoch mit vier Vollblütern im Gepäck. Zu Hause versorgte ich sie rasch und versuchte die Ereignisse der vergangenen Tage zu verdauen.

      x | Loulou
    • Canyon
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      Gips Reminder Ranch

      Kein Abschied für immer
      Merlin
      „Ich werde dich sehr vermissen“ Eve warf mir einen leidenden Blick zu und ich hielt in meiner Bewegung inne. „Es ist Zeit für einen neuen Anfang. Und du kannst mich jeder Zeit besuchen, wann immer du willst.“ Kurz suchte ich ihren Blick und begann dann weiter die Sachen aus den Schränken und Schubladen in die großen braunen Kartons zu packen. „Aber ich verstehe einfach nicht. Du hast dir doch grade erst den Hof hier gekauft.“, protestierte sie. Es tat mir weh, die Staaten verlassen zu müssen, ich hatte hier studiert, gearbeitet, gelebt. Meine Freunde waren alle um mich herum und doch zog es mich zurück in meine Heimat. „Es ist zu klein geworden, schau aus einem Pferd wurden drei und vier und fünf. Die Vollblüter haben Potential, dem ich hier einfach nicht gerecht werden kann. Ich kann sie nicht immer nur über die Wiese laufen lassen. Die gehören auf eine Rennbahn. Dann noch die Pferde von Verena…“ Kurz seufzte ich auf. „Ich fühle mich hier einfach wie ein Fremder, ich gehöre nicht nach Amerika.“ Eve schwieg und nickte. Sie verstand. Mit einem Ruck stapelte ich zwei Kartons und trug sie dann beide nach unten. „Na komm. Es ist wundervoll dort. Mildes Wetter, viel Natur, Strand, Wasser, Klippen. Mehr Stallungen und eine eigene Trainingsbahn, mehr kann man sich kaum vorstellen.“ – „Ist ja gut.“, murmelte sie leise. Ich stellte die Kisten auf dem Hänger ab drehte mich um und nahm die junge Frau in den Arm. Sie vergrub ihr Gesicht in meinem Pulli und ich seufzte erneuert leise auf. „Ich bin ja nicht aus der Welt und wir werden immer Freunde bleiben.“ Ich spürte, wie sie nickte und sich wieder von mir löste. Sie brachte ein Lächeln hervor, wenn auch nur ein müdes. „Außerdem habe ich mir zwei Wochen Urlaub genommen. Also wirst du mich vorerst nicht los.“, sagte sie und lachte leise. „Oh weh, das kann ja was werden.“, neckte ich sie und Eve boxte mir gegen die Schulter. „Na komm.“
      Unruhig sah ich mich am Flughafen um. „Und du bist dir sicher, dass du das geregelt bekommst?“, hakte ich zum hundertsten Mal nach. Eve rollte mit den Augen. „Jetzt geh endlich, sonst verpasst du noch deinen Flieger!“ Sie schob mich von sich weg und ich machte mich auf den Weg zum Check In. Es war abgemacht, dass ich nach Europa flog, um dort alles nötige zu regeln und Eve kam mit den Pferden nach. Die Ausreise war schon lange in die Wege geleitet worden, wobei ich das geringste Problem spielte, schließlich wurde ich dort geboren. Die Pferde hatten einige Arbeit bereitet, doch konnte es nun endlich losgehen. Mein Hab und Gut war bereits mit einer Spedition unterwegs und ich hatte lediglich einen Koffer und eine Tasche mit allem bei mir, was ich in den nächsten Tagen gebrauchen könnte. Rasch kam ich durch die Sicherheitskontrolle am Flughafen und konnte im Wartebereich Platz nehmen. Nervös blickte ich mich um und beobachtete die Flugzeuge auf dem Rollfeld des großen Flughafens. Endlich wurde der Flug aufgerufen und es konnte losgehen. 14 Stunden der Ruhe blieben mir nun. Rasch schlief ich ein.
      Die Stimme der Stewardess riss mich aus dem Schlaf und das helle Licht der Gurte leuchtete auf. Verwirrt rieb ich mir die Augen, schnallte mich dann an und blickte aus dem Fenster. Noch war nichts als Wasser zu erkennen, doch schon zehn Minuten später kam in der Ferne die kleine Insel in Sicht. Meine Augen leuchteten förmlich auf und es legte sich mir ein Lächeln auf die Lippen, als ich meine Heimat sah. Als wir die Parkposition erreicht hatten, standen alle langsam auf. Ich beobachtete die müden Gesichter, wie sie sich reckten und ihr Handgepäck nahmen, um zu verschwinden. Ich tat es ihnen gleich. Es waren nur wenige Menschen an Bord der kleinen Maschine gewesen, in die wir umsteigen mussten und so ging alles zügig. Ich nahm meinen Koffer in Empfang und verließ den Flughafen. Ein eisiger Wind schlug mir entgegen und die feinen Haare auf meinen Armen stellten sich auf, sodass ich die Ärmel meines Pullovers runter zog und in die mitgebrachte Jacke schlüpfte. Lächelnd sag ich mich um, ehe ich mit meinem Gepäck im Schlepptau zu einem Taxi ging. Aus dem Fenster heraus beobachtete ich die Landschaft der Insel. Alles war von Nebel verhangen und dunkle Wolken türmten sich am Himmel, jedoch kannte ich durchaus die sonnigen Tage. Doch dieser Ausblick blieb mir heute verwehrt. Von Douglas nach Saint John’s waren es gerade einmal 13 km, von dort aus gong es weiter in Richtung Glen Rushen. Auf halber Strecke kamen wir in meinem Heimatort an. Dalby. Gebannt sah ich aus dem Fenster und lächelte leicht. Der Fahrer verließ das Dorf in Richtung Westen und die Landschaft wurde langsam waldiger. „This way.“ Ich wieß auf die nur schlecht zu befahrende Straße und er folgte meinen Worten. Ein holpriger Weg führte hinauf zu dem Gestüt. „Thank you.“ Ich gab dem alten Herrn sein Geld und er rollte wieder davon. Nun stand ich hier. Inzwischen hatte es zu regnen begonnen und einige dicke Tropfen landeten in meinem Gesicht. Der Hof war neu renoviert, jedoch verbarg sich all der Luxus hinter den alten, gemütlichen Gemäuern. In einer Stunde sollte die Spedition eintreffen, also beschloss ich rasch meine Tasche ins Haus zu bringen.
      Es war eisig kalt, also stellte ich zunächst in allen Räumen die Heizung an. Kaum Zeit verging, als einige Wagen auf den Hof rollten. Nun begann also die eigentliche Arbeit. Erst am Abend hatten wir gemeinsam alles in die richtigen Räume und in die Stallungen geschafft. Kaputt ließ ich mich auf das Sofa fallen, auf dem noch eine Plastikplane lag und zog mein Handy aus der Tasche. „Merlin?“, meldete sich eine Frauenstimme. „Hi Eve.“, sagte ich müde. „Alles klar bei euch?“ Sie bejahte. Beruhigt redeten wir noch eine Weile, ehe ich auflegte und mich wieder an die Arbeit machte. Bis spät in die Nacht war ich damit beschäftigt Möbel aufzubauen und Schränke einzuräumen, ehe ich mich für ein paar Stunden zumindest schlafen legte.
      Früh stand ich am nächsten Morgen wieder auf und verschwand sogleich im Stall. Bereits um fünf Uhr hörte ich Motorengeräusche auf dem Hof. Sie stammten von dem großen LKW, welcher Futter, Heu und Streu lieferte. Es kostete uns zwei Stunden alles abzuladen und so war ich schon früh am Morgen fertig mit der Welt. Seufzend betrachtete ich das Chaos. Als hätte ich noch keinen Handschlag getan. Doch nun ging es daran, die Boxen auszufegen und frisch einzustreuen. Ich begann in dem Stall, in dem die Stuten untergebracht waren. Endlich eine Arbeit, die schnell von der Hand ging. Um zehn Uhr war alles soweit, dass ich zum Flughafen aufbrechen konnte. Eve kam heute mit den Pferden nach.
      „Ruuuhig mein großer!“ Ein aufgeregter Candlejack kam mir entgegen gepoltert. Nachdem ich Eve begrüßt hatte, breitete sich Hektik aus. Die Pferde waren trotz Beruhigungsmittel nach der langen Reise nervös und ließen sich nur schwer verladen. Der große Vollblüter legte nervös die Ohren an, riss den Kopf hoch und tänzelte neben mir her. Ich gab den Strick etwas nach und ließ ihn gewähren. „Alles gut, Dicker.“, murmelte ich und klopfte seinen schweißnassen Hals. „Na komm.“ Er folgte mir schließlich die Rampe heraus in den LKW, welcher ihn zu den Blakes Creek Stables bringen sollte. „Hop!“, hörte ich Eve, welche mit Minaki und Snuff sichtlich zu tun hatte. „Mein Gott.“ Grinsend huschte ich zurück zu den verbleibenden Pferden, welche verladen werden mussten. Wildfire, Ruffia, Shiry und Daryl. „Ready?“, fragte der Fahrer und wir schlossen gemeinsam die Rampe. Ein Glück war der Weg nicht allzu weit und wir folgten dem LKW in meinem vorrübergehend gemieteten Auto. „Wie war der Flug?“, fragte ich Eve, als es langsam ruhiger wurde. Sie schnaubte. „Na du hast e ja selbst gesehen. Deine Pferde sind wie du, sie machen mich einfach wahnsinnig.“, lachte sie und ich warf ihr einen vielsagenden Blick zu.
      Angekommen stiegen wir aus, der Fahrer hatte bereits die Rampe geöffnet. Ich betrat zuerst den Hänger und zuckte zusammen, als ein Hufeisen laut gegen die Stahlwände polterte. „Ey!“, fuhr ich den Hengst an und löste seinen Strick. „Du sollst mir nicht den Hänger zerlegen!“ Verdutzt blickte Jack mich an und ich schüttelte nur belustigt den Kopf. Rasch lud ich ihn ab und er sah sich aufgeregt um. Mit gerecktem Kopf und geblähten Nüstern betrachtete er die fremde Umgebung, ehe er laut wieherte. Kurz schnalzte ich und das Vollblut tänzelte neben mir her in Richtung Stallungen. „Ich glaub ich lass ihn gleich etwas laufen.“, sagte ich zu Eve und steuerte auf die Halle zu. Dort nahm ich die Transportgamaschen und die Decke ab, ehe ich das Tor der Halle öffnete. „Na lauf Dicker.“ Ich nahm den Halfter ab und mit einem großen Satz entfernte er sich von mir. Wie erwartet galoppierte er buckelnd an und kickte dabei übermütig gegen die hölzerne Bande. Kopfschüttelnd schloss ich die Bande wieder, ließ das Tor zur Halle jedoch offen. Mir war es lieber, wenn er sich hier austobte, bevor der Hengst mir noch den Weidezaun zerlegte und sich selbstständig machte. „Merlin!“, ertönte es von draußen und ich huschte zurück zu den anderen beiden um zu helfen. Den Rest der Pferde brachten wir in ihre Boxen, sie waren deutlich ruhiger, sodass sie sich erstmal an ihre neue Umgebung gewöhnen konnten.
      Eine Stunde später war endlich Ruhe eingekehrt und auch Jack stand wieder im Stall. Seufzend warf ich Eve einen Blick zu, die auf der Armlehne des Sofas hockte. „Genug davon.“ Ich grinste, doch wusste genau, wie viel Arbeit immer noch auf mich wartete. Zumindest die Pferde waren versorgt.

      x | Loulou
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      Gips Reminder Ranch

      Neue Freundschaften
      Merlin
      „Dein Urlaub ist bald vorbei, nicht wahr?“ Ich sah in Eves trauriges Gesicht und knuffte sie sanft in den Arm. „Na komm.“ Wir hatten in der Küche gesessen und einen der selten gewordenen ruhigen Momente genossen. Die letzten beiden Wochen hatten wir geschuftet. Alles musste aufgebaut, ausgeräumt, gesäubert, gestrichen und gepflegt werden. „Ich wüsste nicht, was ich ohne dich gemacht hätte.“, sagte ich, legte einen Arm um Eves Schulter und zog sie im Gehen kurz an mich. „Vermutlich hättest du Alex oder Steve gefragt.“, lachte sie und ich nickte schuldbewusst. „Recht hast du.“ Grinsend betraten wir den Hengststall, in dem sich im Moment nur Jack und Daryl befanden. „Ich hol eben Jack und dann gehen wir rüber, ja?“ Sie nickte und lehnte sich an die Boxentür von Daryl. Neugierig betrachtete sie den sturen Vollblüter, während ich meinen Jack begrüßte. Der riesige Hengst stupste mich sanft an, was mit seinem massigen Kopf eher wie ein unsanftes Rüpeln wirkte. „So feinfühlig.“, lachte ich, halfterte ihn auf und führte ihn auf die Stallgasse. Dort band ich ihn an und begann seinen großen Körper zu putzen. Aus den Augenwinkeln sah ich die junge Frau und den dunklen Hengst, welcher sie kritisch musterte. „Was ist eigentlich mit ihm hier?“, fragte sie neugierig und streckte die Hand durch die Gitter. Empört riss er den Kopf hoch und legte die Ohren an, sie zuckte jedoch nicht zurück. „Er hat wohl eine ziemlich gute Abstammung und hat auch schon einige tolle Zeiten hingelegt, aber was sein Problem ist, siehst du ja.“ Eve nickte und schob den Riegel vor der Tür zurück. Der Hengst starrte sie an, ließ sie nicht aus den Augen, als sie sich in die Box schob, jedoch wich er nicht zurück, wie er es meist bei mir tat. „Er tut nur so.“ Ich lachte und klopfte Jacks Hals. „Er prüft dich, umgehen kann man ganz gut mit ihm. Nur reiten nicht, da rastet er regelmäßig aus.“, erklärte ich und begann die Hufe auszukratzen. „Aha.“, sie schmunzelte und klopfte ihm den Hals. Bei dem Klang ihrer Stimme entspannte er etwas und spielte mit den Ohren, statt sie weiter anzulegen. Ohne zu zögern halfterte sie ihn auf und brachte ihn aus der Box. Daryl folgte ihr und ließ sich von ihr putzen, auch wenn er dabei sichtlich jeden Muskel bis kurz vor dem zerreißen angespannt hatte. Rasch machte sie ihn fertig, sattelte ihn und trenste ihn auf, ehe sie mir raus auf den Hof folgte. Kritisch sah ich die beiden an. „Du weigerst dich Jahre lang auf einem Pferd zu sitzen und jetzt Daryl?“, fragte ich und zog eine Augenbraue hoch. Sie zuckte die Schultern. „Wie du meinst.“, schmunzelnd führte ich den ungesattelten Jack zu einem großen Stein und nutzte ihn als Aufsteighilfe. Eve streichelte dem Hengst vorsichtig über die Stirn, gurtete dann nach und saß auf. Wie ein Stein stand er dort und ließ alles über sich ergehen. Beeindruckt sah ich die beiden an. „Er scheint dich zu mögen.“, neckte ich sie und wollte mit Candlejack vom Hof reiten. Triumphierend nahm Eve die Zügel auf. Just in diesem Moment machte Daryl einen Satz zur Seite und riss den Kopf nach unten. Die junge Frau hielt sich mit Mühe im Sattel und angelte nach dem entrissenen Zügeln. „Das kann ja was werden.“, hörte ich sie leise murmeln und sie wendete den Schwarzbraunen. Wir ritten eine halbe Stunde im Schritt nebeneinander her und der nervöse, angespannte Vollblüter schien sich immer mehr an Eve zu gewöhnen. „Lass uns traben.“, sagte sie und trieb ihn sogleich vorwärts. Er sträubte sich immer wieder gegen ihre Hilfen, doch die beiden kamen besser miteinander klar, als es vermutlich irgendwer jemals tat. Der restliche Ritt war entspannt, Eve überschlug die Steigbügel und wir genossen in einem langsamen Tempo die herrliche Landschaft der Isle of Man. „Habt ihr zwei jetzt also ausgemacht, wer von euch der größere Sturkopf ist?“, fragte ich sie grinsend, als wir wieder zu Hause waren und absaßen. „Wer weiß.“, sie lachte, ließ sich von seinem Rücken gleiten und klopfte seinen schweißnassen Hals. „Du siehst ja, wir mussten kämpfen.“ Lachend gingen wir zurück zum Stall und versorgten die beiden Hengste.

      x | Loulou
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      Blakes Crow Meadow

      Ein Neuanfang?
      „Wie geht es ihm?“, fragte mich Will und sah mich mitleidig an. „Er hatte mehrere Myokardinfarkte und hat sich zusätzlich einen Infekt eingefangen.“ Ich seufzte und sah ihn traurig an. „Sieht nicht gut aus.“ Ich klopfte mir kurz auf die Schulter. „Er schafft das, Jamie. Wir kennen ihn beide schon lange, er gibt nicht einfach auf.“ Ich nickte stumm. Der Grund, warum William hier war, stand nun vor ihm. Ein nervöser Vollblüter. „Er ist wirklich ein Schatz.“, sagte er anerkennend. Ich hatte Will angerufen. Nach unserem gemeinsamen Training hatten wir uns ein paar Mal ein der Stadt getroffen und uns lange unterhalten. So wusste ich, dass er sich gut mit Vollblütern auskannte, auch wenn er noch jung war und nun seine Zeit meist mit Springreiten verbrachte. „Du hast gesagt, du hast eine Lösung für mein Problem?“, fragend sah ich ihn an, als ein kleiner Wagen die Einfahrt herauf rollte. „Und da kommt sie.“, er lächelte und ich betrachtete misstrauisch den jungen Mann, der aus stieg. Er war klein und schmal, hatte eine Sonnenbrille auf und sah sich auf dem Hof um. Will winkte ihm zu. „Jamie, das ist Mediv, Mediv, das ist Jamie.“ Wir schüttelten einander die Hände und er betrachtete Jack, welcher die Ohren anlegte und schnaubte. „Ein wahrer Riese.“ Er war genauso begeistert wie ich, als ich Jack zum ersten Mal gesehen hatte, seine Augen leuchteten, genau wie meine. Mein Misstrauen schlug um in Sympathie und ich klopfte Jacks Hals. „Und er rennt wie ein verrückter, nur ist er im Moment nicht so im Training, wie ich ihn gerne hätte.“, erklärte ich. „Mediv ist Jockey, gar kein schlechter. Also er ist zumindest ganz okay.“ Neckend sah Will den osteuropäischen Mann an, welcher ihm seinem Gesichtsausdruck nach zu urteilen grade am liebsten ins Gesicht gesprungen wäre. „Ganz okay?“ Er lachte und schüttelte den Kopf. „Der Beste!“ Ich verdrehte belustigt die Augen. „Wenn du genauso gut reitest, wie du eine große Klappe hast, kann ja nichts schiefgehen.“, sagte ich trocken, grinste jedoch. Die beiden lachten, doch breitete sich Unbehagen in mir aus. „Ich zieh mich dann mal um. Ihr könnt in der Zeit die beiden vorbereiten.“, sagte er und verschwand selbstsicher in der Stallgasse. „Die beiden?“, fragend sah ich Will an. „Natürlich, wir lassen Jack und Daryl zusammenlaufen.“, sagte er und machte eine kurze Pause. „Außerdem weiß ich, was er deinem Großvater bedeutet, du kennst Mediv ja gar nicht. Also los, zieh dich um.“ Er lächelte. „Aber weißt du, wie lange ich schon nicht mehr im Rennsattel gesessen hab?“, protestierte ich. „Es ist doch nur Training, los jetzt.“ Lachend schob er mich zum Stall. „Warte.“, sagte ich und der junge Mann begab sich zu Daryl, um ihn ebenfalls zum Putzplatz zu bringen und zu putzen. Zögernd ging ich zu meinem Spind und strich vorsichtig über die rote Jacke, ehe ich sie herausnahm. Bevor ich mit dem Studium begonnen habe, bin ich die Pferde meines Großvaters oft im Training geritten. Doch kam es mir falsch vor, Candlejack zu reiten, den er hütete wie seinen Augapfel. Seufzend zog ich mich um und verließ die Sattelkammer, wo ich beinahe mit Mediv zusammenstieß. „Na dann kann‘s ja losgehen.“ Er grinste und wir gingen gemeinsam zu den beiden Vollblütern, halfen beim Putzen und Satteln und machten uns auf den Weg in Richtung Rennbahn. Mediv schwang sich auf Daryls Rücken, während Will mir beim Aufsitzen behilflich war. „Reitet sie erstmal ein bisschen warm.“, sagte er, wurde nun wie beim letzten Mal gewohnt erst. Ich nickte und ritt Jack in allen Gangarten über die noch feuchte Wiese der Rennbahn. Die Sonne ging grade erst auf, doch heute musste ich zumindest nicht mehr zur Uni. „Das reicht.“, rief Will und wir ritten zu ihm herüber. Er half uns die Bügel zu verstellen und gurtete noch einmal nach, ehe er erst mich, dann Mediv zur Startbox führte. Mediv hatte sichtlich zu kämpfen, Daryl konnte ein Dämon sein, wie kein anderes Pferd. Doch Jack schien sichtlich Gefallen an der Arbeit zu haben, auch wenn er immer noch nervös war. „Gleich kannst du laufen.“ Lächelnd klopfte ich ihm den Hals und zupfte alles zurecht. Langsam überkam mich die Nervosität und sie übertrug sich noch mehr auf den armen Hengst. Er legte die Ohren an und riss genervt den Kopf hoch. „Ruhig Großer.“, sagte ich mit zittriger Stimme. Jack schnaubte und legte die Ohren an. Er stieg leicht, ich krallte mich in seiner Mähne fest und er kickte missmutig mit den Hinterhufen gegen die Stangen der Startbox, sodass es klapperte. „Jamie! Du sollst ihn reiten, nicht seine Beine kaputt machen.“, mahnte mich Will und ich zuckte zusammen. Das hatte gesessen, doch beruhigte ich mich langsam und auch Jack wurde ruhiger. „Kann‘s losgehen?“ Wir nickten und die Boxen sprangen auf. Jack preschte nach vorne und ich krallte mich in seiner Mähne fest, zog etwas die Zügel an. Ich hatte Mühe, mein Gleichgewicht zu finden, doch war ich halbwegs sicher im Sattel, fühlte mich dennoch unwohl. Der große Hengst galoppierte vorwärts, in die erste Kurve, wo Mediv sich mit Daryl an uns vorbei schob.
      „Woooha.“ Ich hatte Mühe am Ende der Bahn Jack zu bremsen, Mediv stand bereits bei Will und sprach mit ihm. „Was war das denn?“ Verdutzt blickte ich zu ihm, als ich Jack vom Trab zum Stehen brachte. „So wird das nichts Jamie. Lass ihn laufen, du hast ihn die ganze Zeit behindert. Wenn du Angst hast, dann sag das.“ Die beiden sahen mich an. „Ich habe keine Angst.“, sagte ich trotzig, wie ein Kind. Genervt wendete ich den Hengst und wir gingen wieder zurück zu den Boxen. Nun ließ sich Daryl halbwegs rasch hineinführen und ich packte Zügel und Mähne fester. „Bereit?“ Ein kurzes Nicken und die Boxen sprangen wieder auf. Jack rannte und ich ließ ihn rennen. Seine Kraft und Geschwindigkeit überwältigten mich und meine Unsicherheit wich Gefallen. Grinsend kamen wir Längen vor Medic und Daryl an. „Der kann ja doch laufen.“, sagte ich lachend. „Und du kannst ja doch reiten.“, neckte mich Will und ich schüttelte grinsend den Kopf. „Er ist unglaublich.“ – „Ja, das ist er.“

      Juni 2017 | Loulou
    • Canyon
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      Blakes Crow Meadow

      Der fremde Hengst
      Einige Wochen sind vergangen, seit Grandpa ins Krankenhaus musste. Will hatte Recht behalten, er war ein Kämpfer. Doch am Ende hat er verloren. Zunächst wurde er wieder auf Normalstation verlegt, alles hat sich gebessert. William hat mir geholfen, die Pferde und die Uni unter einen Hut zu bringen. Wir haben einen Stallburschen eingestellt, welcher füttert, mistet, bewegt und alles in Ordnung hält. Finley ist die Hilfe, die Grandpa schon lange hätte suchen müssen. Er ist flink, zuverlässig und liebt die Pferde. Ich habe viel mit Will und Minaki trainiert, wir haben Jack auf der Rennbahn laufen lassen, welcher inzwischen von Mediv geritten wird. Und dann kam der Reinfarkt. Grandpa kam auf die Intensivstation und verstarb zwei Tage später.

      Ich sah durch einen Schleier aus Tränen auf, als Will mir seine Hand auf die Schulter legte. Wortlos ging er weiter und Tante Holly umarmte mich. Ich hasste Beerdigungen, schon zu viele Menschen hatte ich verloren. Und jetzt der Mann, der es wirklich geschafft hatte, mir meinen Vater zu ersetzen. Der, der mich großgezogen hatte, mir alles ermöglicht hatte und mir alles beibrachte, was ich jetzt kann und weiß. Stumm verließ eine Träne meine Augen und rollte die Wange herab, als ich eine Rose auf seinen Sarg warf. „Auf Wiedersehen, Grandpa.“, murmelte ich und trennte mich von dem Anblick. „Komm.“ Ich legte einen Arm um meine Großmutter und wir verließen den Friedhof. Es war ein großer Gottesdienst, man war auf dem Land, alle kannten sich und alle mochten meinen Großvater. Doch half ihr das alles nicht. Seit er vorgestern verstorben war, aß sie nicht. Ich hörte sie die ganze Nacht im Haus umherstreifen. Sie war blass und müde, sprach kaum. Wir fuhren nach Hause, und legten die feinen Sachen ab. Meine Großmutter setzte sich in die Küche auf die Eckbank und ich begann zu kochen. Wir aßen und gingen zu Bett.

      Zwei Wochen sind nun vergangen. „Hey William.“, lächelnd stellte ich die Mistgabel weg. „Wie geht es deiner Grandma?“, fragte er und musterte mich. Ich zuckte die Schultern. „Etwas besser, denke ich.“ Müde lächelte ich und deutete auf die Schubkarre. Die Stuten sind schon fertig. Jacks Box ist die letzte.“, erklärte ich und er schüttelte belustigt den Kopf. „Sechs Uhr Samstagmorgen. Jamie hat bereits gemistet, gefüttert und die Pferde rausgebracht. Schläfst du jemals?“ Ich lachte. Will war beinahe jeden Tag hier. Er half im Stall, beim Training und munterte mich auf, wo er nur konnte. „Was hältst du davon, wenn wir einen Ausritt machen? Jack hat sich einen Tag Pause verdient. Und du dir auch. Außerdem hast du doch jetzt Semesterferien.“ Kurz zögerte ich, ehe ich nickte. „Na schön. Aber erst gehen wir rein frühstücken.“ Wir räumten auf und gingen in die warme Stube.

      Anderthalb Stunden später standen Jack und Daryl gesattelt im Hof und wir saßen auf. Im Sattel des riesigen Hengstes fühlte ich mich inzwischen wie zu Hause. Er vertraute mir immer mehr und ich liebte ihn. „Wann denkst du, können wir ihn zu seinen ersten Rennen anmelden?“, fragte ich Will, als wir vom Hof ritten. Er legte den Kopf schief und überlegte kurz. „Eigentlich dachte ich an die nächste Saison, es ist ja schon August. Aber vielleicht finden wir noch einige kleine Rennen, es würde ihm sicher nicht schaden. Er liebt es zu laufen.“ Ich nickte begeistert und klopfte Jacks Hals, welcher ungeduldig mit dem Kopf schlug. „Lass uns ein Stück traben.“, sagte ich und schnalzte mit der Zunge. Jack trabte übermütig an und warf den Kopf nach oben, ich hatte Mühe den Hengst zurückzuhalten. Wir ritten ein Stück den Waldweg herab, ehe wir auf eine große Lichtung kamen. Eine große Wiese erstreckte sich vor uns, die die Hügel der Isle of Man heraufführte. Will nickte mir zu und ich gab Candlejacks Zügel nach. Das junge Vollblut preschte los und ich stellte mich lächelnd in die Steigbügel. Seine Hufe schlugen in den weichen Boden der Wiese und er begann zu schnaufen, als er den Hügel hinauf raste. Daryl und Will waren ein paar Längen hinter uns, als Jack abrupt stoppte und den Kopf hochriss. Ärgerlich legte er die Ohren an und wieherte schrill. „Wooh, ruhig Jack.“ Für einen kurzen Moment blieb mir das Herz stehen, ich dachte, er hätte sich verletzt. Doch dann sah ich, was er schon lange wahrgenommen hatte. Will hielt neben mir und sah mich besorgt an. „Alles in Ordnung?“, fragte er. „Pssscht.“, zischte ich und zeigte zum Waldrand auf der anderen Seite. „Wo kommt er denn her?“, murmelte Jack und sah zu dem grauen Pferd, welches in den Strahlen der Morgensonne stand und graste. „Keiner der Bauern hier vermisst ein Pferd, das wüssten wir.“, sagte ich leise und sah fasziniert zu dem Tier herüber. Jack hingegen teilte meine Begeisterung nicht. Er wieherte wütend und schnaubte laut. Der Fremde riss den Kopf hoch, blähte die Nüstern, wendete und verschwand im Wald. „Komm!“ Ich trieb Jack vorwärts und wir überquerten im Galopp die Wiese, verlangsamten etwas, als wir im Wald ankamen. „Wo ist er hin?“ Ich sah mich um, doch konnte ihn nirgendwo ausmachen. „Lass uns zurückreiten.“, sagte Will, doch ich schüttelte den Kopf. „Er ist weg, Jamie.“ Ich verzog das Gesicht, in dem Wissen dass er Recht hatte. Wortlos wendete ich Jack und wir ritten zurück zum Hof, sattelten ab und versorgten die beiden Hengste. „Sehen wir uns morgen?“, fragte ich und William nickte. Wir verabschiedeten uns und ich sah dem jungen Mann lächelnd hinterher. Wieder in der Stube erzählte ich meiner Großmutter von unserem Ausritt. Sie schüttelte den Kopf. „Ich werde mich mal umhören, ob jemand ein Pferd vermisst.“ Ich nickte und wir verbrachten den restlichen Tag damit Ordnung zu schaffen.

      Am späten Abend ging ich nach draußen, um die Pferde in den Stall zu bringen. Finley hatte sein freies Wochenende und so blieb alles an mir hängen. Ich brachte Candlejack und Daryl in ihre Boxen, ehe ich Shiryō und Bree reinholte. Die beiden Stuten verstanden sich gut und waren inzwischen unzertrennlich. Als letztes ging ich zu den Ponys, als ich eine Bewegung am Waldrand wahrnahm. Ich sah herüber, doch niemand war da. Belustigt schüttelte ich den Kopf und holte Minaki und Snuff rein. Im Stall schaltete ich das Licht aus und verschloss die Türen. Zurück im Wohnhaus ging ich duschen und verschwand in meinem Zimmer. Ich schloss das Fenster und drehte mich um, hielt jedoch in der Bewegung inne. Am Weidezaun stand wieder der graue Hengst. Er kam also näher.

      August 2017 | Loulou
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      Tierarzt

      Laboruntersuchung, Impfen, Wurmkur, Chippen, Zahnpflege
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      Heute war ich zu Besuch bei Mazikeen Gwynedd, um mir Candlejack, ein noch recht junges Englisches Vollblut, vorzunehmen. Der Hof war einfach zu erreichen und wir wurden schon bald herzlich von der Besitzerin in Empfang genommen. Mazikeen führte uns zum Putzplatz, wo der junge Hengst schon brav auf uns wartete. Ich stellte meine Tasche neben mir ab und kramte die Unterlagen hervor. „Candlejack bekommt heute Impfungen gegen Herpes, Influenza, Tollwut und Tetanus, eine Blutabnahme für eine Laboruntersuchung, eine Wurmkur und schlussendlich wird er noch gechippt. Außerdem wäre ein Blick in die Maulhöhle nicht schlecht und eventuell ein paar Korrekturen“, sagte ich zu meiner Assistentin Kathrin, die bereits damit beschäftigt war, die Medibox und Vacutainer aus meiner Tasche zu nehmen. Zuallererst bat ich Mazikeen ihren Vierbeiner ein wenig herumzuführen, damit ich seinen Gang und seine Haltung beobachten konnte. Schnell stellte ich fest, dass sein Gang und seine Haltung gesund waren und er nicht lahmte. Nachdem er wieder angebunden war, überprüfte ich die Maulschleimhaut nach Feuchtigkeit und Farbe, gefolgt von den Augen. Vorsichtig hob ich das obere Lid und inspizierte die Sklera, diesen Vorgang wiederholte ich beim anderen Auge. Auch seine Ohren kontrollierte ich, auch hier war alles in Ordnung. Danach hörte ich Candlejacks Atemwege und Darmbereich ab, aber es waren keine Anomalitäten zu hören. An verschiedenen Stellen hörte ich seinen Puls ab und konnte einen gesunden Herzschlag feststellen. Schlussendlich maß ich noch die innere Temperatur, ehe ich Kathrin die Vitalwerte durchgab und sie in die Unterlagen niederschrieb. Nun ging es weiter mit der Blutabnahme. Ich bat Mazikeen ihren Vierbeiner festzuhalten und ihn etwas abzulenken. Ich desinfizierte die Stelle am Hals mit Alkohol, danach drücke Kathrin sorgsam ihren Daumen auf die Drosselvene, während ich die Nadel vorbereitete. Als die Vene klar zu erkennen war, drückte ich die Nadel vorsichtig hinein und zog den Kolben zurück. Candlejack zuckte nur kurz zusammen, stand die Spritze aber tapfer durch. Ich drückte meinen Daumen auf Einstichstelle und zog die Nadel vorsichtig heraus. Kathrin stand schon mit einem Mull neben mir und drückte es auf die Einstichstelle, während ich die Flüssigkeit in den Vacutainer umfüllte und die Spritze in der Medibox entsorgte. Candlejack wurde danach ausgiebig gelobt, jedoch war das noch lange nicht die letzte Spritze für heute. Es ging weiter mit den Impfungen gegen Tetanus, Influenza, Tollwut und Influenza. Ich entpackte neue, desinfizierte Spritzen und füllte die erste mit der richtigen Impfdosis aus dem Impffläschen. Vorsichtig tappte ich die Spritze an, damit die Bläschen verschwanden. Kathrin war schon damit beschäftigt die korrekte Stelle zu desinfizieren und für die Impfung vorzubereiten. Ich tappte die Stelle an wo ich gleich hinein stechen würde, um Candlejack vorzubereiten, ehe ich ihn mit der Nadel pikste und gegen den Kolben drückte. Vorsichtig zog ich die Nadel heraus und entsorgte sie wie vorgesehen. Die letzten drei Impfungen waren auch schnell erledigt und als wir fertig waren, bearbeitete Kathrin noch einmal alles vorsichtig mit Alkohol. Es war sehr einfach mit Candlejack zu arbeiten und er ließ alles mit sich machen – dementsprechend wurde er auch belohnt. Weiter ging es mit der Wurmkur. Telefonisch hatte ich mich mit Mazikeen auf Fenbendazole geeinigt. Resistenzen und Unverträglichkeit haben wir besprochen, da gab es allerdings keine Probleme. Ich holte die Plastikspritze aus meiner Tasche, schon in der Praxis hatte ich die Dosis bereits vorbereitet, seiner Größe und Gewicht entsprechend. Ich versicherte mich, dass keine Essensüberreste im Maul waren, dann führte ich das Präparat in sein Maul ein. Die Paste verschwand schnell im Maul und Kathrin hob vorsichtig sein Kopf hoch, damit er sie nicht aussabberte. Er schluckte die Paste auch brav hinunter und dafür wurde er auch mit einem Leckerli belohnt. „Es kann sein, dass er nachher vielleicht nichts essen mag, das ist aber noch kein Grund zur Beunruhigung“, informierte ich Mazikeen. Jetzt fehlte dem Vierbeiner nur noch ein Chip und eine Zahnkontrolle. Kathrin desinfizierte knapp einen Daumen unterhalb der Haarlinie, wo nachher der Chip hinkam. Ich kontrollierte, ob der Chip überhaupt vom Lesegerät gelesen werden kann, dann setzte ich mit der Nadel am Hals an und der Chip verschwand schnell unter der Haut. Wieder kontrollierte ich, ob sich der Chip auch unter der Haut lesen ließ, dann trug ich die Chipnummer in seinem Pass ein. Jetzt fehlte dem Hengst nur noch eine Zahnbehandlung. Ich untersuchte Candlejack auf Asymmetrien am Kopfbereich und untersuchte das Kiefergelenk nach schmerzen, aber er weiste kein Verhalten durch Schmerz auf. Danach öffnete ich vorsichtig seine Lippen und untersuchte die Schneidezähne, diese mussten etwas gekürzt werden, glücklicherweise hatte sich noch kein Winkelgebiss gebildet. Als Nächstes knüpfte ich mir den Rest der Mundhöhle vor, auch an den Backenzähnen haben sich Kanten gebildet und waren uneben. Ich musste mit Sedation und einem Maulgatter arbeiten, da Candlejacks letzte Zahnbehandlung eine Weile her war. Mit den richtigen Raspeln und Maschinen war sein Gebiss schnell wieder in Form. Das Maulgatter wurde ihm abgespannt und somit war er fertig für heute. Candlejack wurde für seine gute Arbeit belohnt, danach wurde der Hengst wieder in seine Box geführt. Als er weggeführt wurde, war er noch etwas benommen und er taumelte seiner Besitzerin hinterher. Ich setzte noch Unterschrift und Stempel in seinem Impfpass, ehe ich alles in meiner Tasche und im Auto versorgte. „Candlejack ist kerngesund, ich vermute nichts Auffälliges in Laborergebnissen. Sie können mit seinem Training so weitermachen, aber übertreiben sie es die nächsten Tage nicht mit ihm. Außerdem melden Sie sich bitte, wenn Ihnen etwas auffällt“, sagte ich zu Mazikeen. Sie begleitete uns noch zum Auto, ehe sie sich bedankte und verabschiedete und wir zurück zur Praxis fuhren. Wie sich im Nachhinein herausstellte, sah das Blutbild sehr gut aus. Die Leukozyten- und Erythrozytenwerte, sowohl die Anzahl an Hämoglobin lagen im Normalbereich. Die Ergebnisse ließ ich Mazikeen per Post zukommen, bevor ich sie telefonisch über die positiven Nachrichten informierte.

      Dezember 2017 | Quinzel
    • Canyon
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      Blakes Crow Meadow

      Ein Anruf

      Bellamy
      "O, kennst du noch Candlejack? Seine Besitzerin ist schwer verunglückt und kann sich nicht mehr um ihn kümmern. Ich habe eben einen Anruf erhalten, ob wir den Hengst aufnehmen können. So lange, bis Maze sich wieder selbst um ihn kümmern kann, sollte das je der Fall sein.", sagte ich meiner Schwester und sah in ihre baffen Augen. "Ja.. ich weiß.. aber wir müssen etwas tun." "Lass ihn uns hier rüber holen O, das sind wir ihr schuldig."
      Gesagt getan. Nach ewigem hin und her des Papierkrams kam Candlejack auf dem Blakes Crow Meadow an. Total fertig und absolut nicht mehr im Training stehend. Man sah ihm an, dass eine Weile nichts mehr mit ihm gemacht wurde. "Schade eigentlich, er war so ein top Pferd. Aber wir bekommen das sicher wieder hin.", murmelte ich und klopfte seinen schmalen Hals, ehe ich ihn in seine neue Box führte und die Paddocktür öffnete, damit er frische Luft schnappen und sich an das Klima hier in New Mexico gewöhnen konnte.#

      Januar 2018 | Veija
    • Canyon
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      Blakes Crow Meadow

      Auf der Bahn
      Octavia
      Ich war noch nicht zu spät! Dachte ich lachend und klapperte zu erst die Boxen ab. Einige der Pferde waren schon auf dem Putzplatz und wurden fürs Training fertig gemacht, nur wer es war konnte ich jetzt nicht genau sagen. An It's me, Amira!'s Box blieb ich stehen. Sie war eines von zwei Augen auf! Ich komme - Fohlen, welche auf der alten Ranch gezogen wurden. Leider hatte das Schicksal es mit Amiras Mutter nicht gut gemeint, denn sie war im vergangenen Jahr plötzlich verstorben. Traurig waren wir alle über den Verlust dieser tollen Stute, doch wir waren auch froh, dass wir einen so tollen Nachkommen von ihr hatten wie Amira. Sie lernte so wahnsinnig schnell, auch wenn wir uns sicher waren, dass sie, genau wie ihre Mutter, kein Rennbahncrack werden würde. Noch war sie zwar nicht eingeritten, aber wir würden es zu erst mit der Rennbahn versuchen. Wenn es nicht funktionieren sollte, dann würde sie in den Südstall wechseln und umtrainiert werden, zu einem Vielseitigkeitspferd. Vielleicht lag die Distanz ihr ja auch, wir wussten es nicht.Ich halfterte sie nun schnell auf und ging zur Koppel. Nebendran stand PFS' Snap in Style. Ein sehr vielversprechender Junghengst, den es auch bald unter den Sattel verschlagen würde. Ich machte Amiras Halfter ab und ließ sie laufen. Sofort tobte sie davon und pflückte sich einzelne Grashalme vom Boden auf. Sie genoss es wirklich noch nicht im Training zu sein. Auch Schnappy, wie der Hengst von allen witzigerweise genannt wurde, graste friedlich vor sich hin und ließ sich von der Dame gar nicht stören.
      Endlich war ich am Putzplatz angekommen und sah, dass niemand mehr da war. Hmpf, da hatte ich die Jockeys wohl verpasst. Ich ging also schnellen Schrittes zur Rennbahn und konnte in der Ferne Candlejack, Wildfire xx und Peacful Redemption erkennen, die alle drei in Galopprennen noch auf der Stufe E waren und so gut gegeneinander laufen konnten. Es dauerte eine Weile, bis die Pferde in den Boxen waren und die Türen aufflogen. Alle drei schossen sofort nach vorne und ich konnte im Endeffekt gar nicht sagen, wer von ihnen als erster ins Ziel schoss. Aber eines war sicher: es war bei allen Pferden noch ausbaubar. Als die Jockeys schließlich an mir vorbei kamen, berichteten sie mir kurz über die neusten Trainingserfolge der Pferde und ich nickte zustimmend. Die drei Hengste kamen nach dem Absatteln in die Führanlage, damit sie trocken wurden und die Jockeys übernahmen nun Wolfs Bane, PFS' Blossom Magic und Drama Baby, welche von den Mitarbeitern der Ranch schon gesattelt und warm geführt worden sind. Auch die drei Damen waren noch auf Stufe E, weshalb ich mir von dem Rennen noch nicht so viel erwartete. Ein Rennpferd auszubilden dauerte eben seine Zeit. Doch wir hatten auch wahre Asse hier im Stall stehen. Ich schaute mir den Beginn des Rennens an und war vom Kampfgeist der Drei begeistert. Während sie also abgeritten wurden, schnappte ich mir Jack, Wildfire und Redemption und brachte sie auf die Koppel, wo sie sich sofort über das Gras her machten.
      Als ich zur Führanlage zurück kam, standen schon die drei Stuten dort. Im Stall fragte ich die Jockeys noch wie es gewesen ist, und sie murmelten irgendwas zustimmendes. Stiffler und Daryl Gone Mad waren mittlerweile beide auf der Stufe A. Und während die beiden auf der Rennbahn waren, machte ich schon Zuckerschock und Priamos Ruffia Kincsem fertig. Zucker war mittlerweile auf S, Pria auf S*. Sie hatten beide schon Fohlen bekommen und sollten nun wieder ein wenig antrainiert werden. Zuckerschock sollte auf alle Fälle wieder aktiver im Sport laufen, bei Pria waren wir uns da noch nicht so sicher, ob sie in den Sport zurück sollte oder als Zuchtstute verblieb. Bis wir uns dahingehend geeinigt hatten, wurde sie wieder antrainiert. Schaden konnte das auf alle Fälle nicht. Die letzten beiden der Vollblütertruppe waren Firewalker, der auf S* war und Seattle Slew, der in der Klasse S lief. Firewalker hatte immer mehr abgebaut, was seine Rennleistungen angingen, so dass wir bei ihm wirklich am Überlegen waren, was wir mit ihm anstellen sollten. Auch heute kam er Seattle Slew nicht hinterher. "Bringt das noch was?", fragte ich einen unserer Jockeys und er überlegte kurz, schüttelte dann jedoch den Kopf. "Aber versucht es noch eine Weile. Wenn nicht, nehmt in aus dem Rennsport, ihr tut damit niemandem etwas gutes, wenn ihr ihn drin lasst.", sagte er und ich nickte. Na dann... aber wir hatten ein paar Top Nachwuchsrennpferde, die seinen Platz bestimmt schnell einnehmen würden.

      Februar 2018 | Veija
    • Canyon
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      Blakes Crow Meadow

      Manchmal, da musst du deinen eigenen Weg gehen.
      Octavia
      "Raspberry... ich weiß nicht, was ich machen soll.", sagte ich zu meiner geliebten Stute und strich ihr über den Kopf. "Hier bleiben will ich nicht, aber weggehen kann ich nicht, oder?", fragte ich eher mich selbst als mein Pferd, welches mir eh nicht antworten konnte. Aus der Ferne konnte ich die Rennbahn sehen, auf der unsere Pferde trainiert wurden. Es sah so aus, als wäre Candlejack gerade dort. Es standen eine Menge Leute drum herum, so dass ich meine Stute wendete, und auf die Rennbahn zuritt. "Was gibts denn hier zu sehen?", fragte ich in die Runde der Mitarbeiter und sie blickten besorgt auf. "Wir wollten nur.. ähm..", da sah ich schon, was sie wollten. Drama Baby lag knapp hinter Jack und bemühte sich, dem Hengst hinterher zu kommen. "Wir haben nicht so früh mit dir gerechnet, Octavia. Bellamy hat das autorisiert... er meinte, die zwei könnten gegeneinander laufen." "Was ein Quatsch!", fluchte ich und fuchtelte mit den Armen herum, damit die beiden Jockeys signalisierten, dass sie die Pferde auslaufen lassen sollten, denn das hier machte in der Tat weder für Jack, noch für Drama einen Sinn. "Der bekommt gleich was zu hören...", fluchte ich und wartete, bis beide Pferde bei mir ankamen. "Ab sofort gehen die Vollblüter erst wieder auf die Bahn, wenn ich, und nur ich, das autorisiert habe. Mein lieber Bruder Bellamy hat ab heute nichts mehr mit den Rennpferden am Hut. Bringt sie weg, und versucht sowas bloß nicht noch einmal.", gab ich Anweisungen und ritt Raspberry zum Stall, wo ich sie einem Pfleger in die Hand drückte, der sie absattelte und auf die Koppel brachte. Die Lage hier spitzte sich immer wieder zu, Bellamy hatte zwar Ahnung von Westernpferden, aber mit Vollblütern kannte er sich nicht aus. Leider versuchte er es aber immer wieder, so dass wir immer wieder aneinander gerieten. Im Haus traf ich dann auf ihn. "Bellamy! Was in Gottes Namen hast du dir dabei gedacht, Drama Baby und Candlejack gegeneinander in einem Trainingsrennen laufen zu lassen! Ich hab das eben abgebrochen, ich dachte ich spinne!", fuhr ich ihn an und er tat, wie immer, als wüsste er von nichts. "Du... ich... ach..!", knurrte ich, fuhr mir einmal durch die Haare und ging, trotz Bellamys Versuchen, mich wieder zum Umdrehen zu bewegen, nach draußen. Dort schnappte ich einmal Luft, kam wieder ein wenig runter und hatte nun endgültig einen Entschluss gefasst: Ich musste hier weg. Mit meinen Pferden und mitsamt der Vollblüter, denn die würden nicht hier bleiben. Auf dieser Ranch war einfach kein Platz für zwei große Zuchten und Arten von Pferden. Irgendwer kam immer zu kurz.
      Am nächsten Morgen hatte ich mich an die Rennbahn gestellt und organisierte das Training. Ein richtiger Trainer fehlte mir zwar noch immer, aber ein wenig hatte ich mich in dem Genre eingelebt und wusste, wovon ich sprach. Nach und nach kamen die Pferde an die Bahn und die Jockeys fragten nach dem heutigen Training. "Candlejack warm reiten, eine halbe Meile im lockeren Galopp und dann zieh mal an, ich möchte mal schauen, was er kann.", sagte ich und schaute dem Training gespannt zu. Zwischen lockerem Galopp und vollem Galopp sah man bei diesem Hengst einen riesigen Unterschied. Er fegte nur so an mir vorbei, als ich die Zeit stoppte und zufrieden nickte. Ausbaufähig, aber mit das beste Pferd, was ich hier besaß. Dann war Wolfs Bane an der Reihe. "Nimm sie heute locker ran. Eine halbe Meile lockerer Galopp, viertel Meile anziehen, viertel Meile auslaufen lassen.", erklärte ich und stoppte auch bei ihr die Zeit, als sie die viertel Meile im vollen Galopp an mir vorbeischoss. Sie war leider sehr spät eingeritten worden und würde nie der Renncrack werden, aber für ein paar Rennen und Treppchen würde es reichen, das Potenzial eines ersten Platzes hatte sie vermutlich nicht mehr, aber man täuschte sich ja immer wieder in Pferden und ihrem Können. Nun kam einer meiner Lieblinge, Wildfire xx. Der Jockey war der selbe, wie eben bei Jack, also konnte ich ihm nochmal das Gleiche auftragen. Halbe Meile locker, halbe Meile volles Tempo. Wildfire war nicht nur mein Liebling, weil er schon ewig dazu gehörte, sondern auch, weil er mit das schnellste Pferd war, welches wir hier besaßen. Er war auch schon ein paar Distanzturniere gegangen und hatte sogar einmal den dritten und einmal den zweiten Platz gemacht, aber sein Zuhause war auf der Rennbahn. Auch seine Zeit war super, weshalb ich nun auf meinen Plan schaute, um zu sehen, welches Training Stiffler nun bekommen sollte. Ihn mochte ich auch sehr und er war mit Abstand das Vielseitigste Vollblut, welches wir hatten. Die Wahrscheinlichkeit, später aus ihm Vielseitigkeits- und Rennpferde zu ziehen, war sehr hoch. "Gleiches wie bei Wolfs Bane, lass es ihn heute locker angehen.", gab ich Anweisungen und schaute dem Training kurz zu, ehe auch schon Seattle Slew an der Bande stand. "Warmreiten auf der Bahn, viertel Meile lockerer Galopp, dreiviertel Meile durchstarten, viertel Meile auslaufen lassen. Power ihn heute mal ordentlich aus. In ein paar Wochen läuft er ein Rennen, dafür muss noch einiges getan werden.", sagte ich und schickte die Beiden auf die Bahn. Nun kam Stiffler wieder zurück und der Jockey übergab ihn einem Pfleger, ehe er PFS' Snap in Style in die Hand gedrückt bekam. "Stiff war heute nicht so gut in Form, vielleicht sollte er morgen mal Pause machen?", merkte der Jockey an und ich nickte. "Ist notiert.", sagte ich und schaute Seattle Slew zu, der heute wirklich sein Bestes gab. Fasziniert verfolgte ich den Galopper mit meinen Augen, ehe mich ein Räuspern aus den Gedanken riss. "Ja?", fragte ich und stotterte dann: "Oh... ja... Style.. ähm.. was haben wir letztes Mal gemacht?" "Fliegende Starts geübt." "Gut, das machen wir heute auch wieder. Galoppier ihn locker, starte dann, nimm ihn zurück und starte wieder. Mach das ein paar Mal dann geb ich dir Handzeichen, ob er heute noch rennt, oder ob wir es beim Starten belassen.", sagte ich und er nickte. Ich half ihm noch beim Aufsitzen und streichelte Style kurz über die Kruppe. "Braver Junge.", sagte ich und sah den Beiden zu. Wir hatten den Hengst aus England von Pineforest Stables und setzten wirklich große Hoffnungen in ihn. Naja, so ganz war er nicht aus England. Nur sein Vater kam von dort. Seine Mutter war unsere Supernova gewesen. Kurzzeitig hatte Style auch in England gelebt, war aber zusammen mit PFS' Blossom Magic wieder zurück zu uns gekommen. Style schlug sich gut bei den fliegenden Starts, so dass wir es für heute auch gut sein ließen. Ich winkte den Jockey ab und er kam zum Ausgang geritten. "Willst du ihn nicht am Wochenende am Rennen hier in Albuquerque anmelden? Der macht sich so gut, er soll das auch mal zeigen." "Findest du? Er ist noch nie eine längere Strecke gelaufen. Geschweige denn ein richtiges Trainingsrennen.. ich finde, in etwa einem Monat können wir darüber reden, aber noch nicht.", meinte ich und er nickte. Alle Jockeys hier hatten mehr Erfahrung als ich, doch sie respektierten meine Meinungen, denn mir lag eben auch das Wohl der Pferde am Herzen, und ich wollte meine Cracks nicht schon in jungen Jahren kaputt machen oder viel zu früh starten lassen. Das nächste Pferd war Firewalker. Bei ihm war ich mir absolut unsicher, was mit ihm passieren sollte. Ich hatte an einen Verkauf gedacht, aber die Jockeys meinten, ich solle ihm noch eine letzte Chance geben, bevor er als 'nicht-Rennbahn-tauglich' verkauft werden würde. Hier stand der Hengst nun mit meinem besten Jockey und bekam seine letzte Chance. "In die Startbox und dann gib alles, sonst geht er weg.", erklärte ich und schaute auf meinen Zettel. "Mach, dass er bleibt.", flüsterte ich leise und nur für mich, denn ich mochte Walker und wollte eigentlich, dass er blieb. Er stand in der Startbox, das Signal ertönte und die Tür flog auf. Walker kam besser weg als sonst und ich stoppte die Zeit, sah ihn an mir vorbeirauschen aber dann sogleich wieder langsamer werden. Ich schlüpfte unter dem Zaun durch und lief zu Pferd und Reiter. "Ist was passiert?", fragte ich geschockt und griff ins Zaumzeug. "Der hat schlicht und ergreifend keine Kondition mehr.", sagte der Jockey und ich ballte innerlich meine Faust. "Was haben die anderen denn mit ihm gemacht in letzter Zeit?", fragte ich ein wenig genervt und streichelte Walkers Kopf. "Bau seine Kondition nochmal auf, dann wirst du sehen, dass er rennen kann.", sagte der Jockey mir und klopfte mir auf die Schulter. "Du wirst es nicht bereuen.", sagte er und ging mit mir zusammen zum Ausgang. Wir hatten fast alle Pferde durch. Nun war Blossom Magic an der Reihe. Genau wie Style war sie ein Pineforest Stables Pferd und die Anlaufstelle, für hervorragende Vollblüter. "Halbe Meile halbes Tempo, halbe Meile volles Tempo.", gab ich meine Anweisungen und half dem Jockey auf den Rücken. Auch bei Drama Baby und Peacful Redemption verlief das Training ähnlich. Nur Daryl Gone Mad hatte heute Pause, denn er schien mal wieder eine Phase zu haben, in der er nicht so sonderlich fit war, was leider des Öfteren passierte. "Das wars dann für heute, danke Leute!", verabschiedete ich die Jockeys, denn sie hatten den Rest des Tages frei, bis sie am nächsten Morgen wieder auf der Matte standen. Für mich fing die Arbeit nun eigentlich erst an. Zu erst wollte ich nach meinen beiden Zuchtstuten schauen. Priamos Ruffia Kincsem und Zuckerschock. Bei beiden hatte ich nun entschieden, sie aus dem Rennsport zu nehmen und es bei Zuchtstuten zu belassen. Ich hatte genug gute Nachwuchspferde im Stall, dass es auf diese Beiden eben geldtechnisch nicht ankam.
      Auch bei den Jungpferden hatte sich einiges getan. Die kleine Truppe bestand mittlerweile aus: Sweet Revenge, Sir Golden Mile, Prias Colourful Soul, I've got a blue soul, It's me, Amira! und Culain. Diese sechs Pferde würden ebenso den Stall wechseln, wie ihre großen Verwandten es tun würden.
      Nun fehlten neben Raspberry noch meine Vielseitigkeitspferde und meine Freizeitpferde sowie die Jungpferde, die in diesem Stalltrakt beheimatet waren. Zu erst schaute ich also auf der Koppel vorbei, auf der sich Mystical Champion, Zoltaire, Dante's Wild Lady und Abe's Aelfric tummelten. Ich rief die Pferde kurz an den Zaun, streichelte sie und machte mich dann wieder auf in den Stall. Ich hatte hier schon einige Pferde umgestellt, so dass ich nun 12 Pferde hier stehen hatte. Angefangen bei Whiskey, der sich wirklich super machte. Raspberry stand schon nicht mehr im Stall, da ich sie heute morgen schon ganz früh bewegt hatte. Magic Lanijos und Free Willy waren auch nicht mehr hier, da auch sie schon von Pflegern auf die Koppel gebracht worden waren. Bei Whiskey übernahm ich dann kurzerhand das Ruder und brachte auch ihn raus. Dabei sah ich auch Flashlight, Samarra und Minnie Maus, die mit LMR Fashion Girl, Bree, Vin, Blazing Flame und meinem neusten Kauf Natsu's Little Harley über die Weide tobten. Auch sie würden alle mitkommen.
      Da ich heute keine Lust mehr auf sonstige Arbeit hatte, ging ich in mein Zimmer und an meinen PC, um mich nach Höfen umzusehen. Wichtig war eben genug Platz, und eventuell eine schon vorhandene Rennbahn. Ansonsten eben genug Fläche, um eine zu bauen. Tatsächlich fand ich ein passendes Grundstück in der Nähe von Albuquerque. Eigentlich hatte ich nicht hier bleiben wollen, aber ich mochte das Klima hier und so war ich nicht allzuweit weg von der Ranch und meinem Bruder. Ich hatte hier schließlich unter den Angestellten auch Freunde gefunden, die ich ungerne einfach zurück lassen wollte.
      Ich vereinbarte einen Termin und fuhr das Gelände anschauen. Es passte wie die Faust aufs Auge und schon am Abend war der Kauf abgewickelt. Manchmal, da muss man einfach seinen eigenen Weg gehen. Auch, wenn es einem zunächst schwer zu fallen scheint.
      Ich ließ den Kauf ein paar Tage sacken, ehe ich allen davon erzählte. Einige waren begeistert, andere wiederum gar nicht- Bellamy zum Beispiel. Aber er musste sich damit abfinden, denn es war das, was ich wollte. Und so kam es, dass wir, also meine Pferde und ich, zwei Wochen später das neue Gelände bezogen. Ein neues Zuhause, ein neuer Name, neue Mitarbeiter, neue Chancen.
      Willkommen auf der Blakes Farm und den Blakes Racing Stables.

      April 2018 | Veija
    • Canyon
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      Training

      Galopp E → A

      Octavia
      Ein Umzug bedeutete nicht gleich, dass die Arbeit liegen bleiben durfte. Schon seit einer geraumen Zeit trainierten meine neuen Jockeys mit den Rennpferden für die nächste Stufe. Heute war das letzte Training und ich wollte zuschauen, um die Zeiten zu stoppen und zu sagen, wie das Training im nächsten Monat weiter gehen sollte. Zur Zeit hatte ich hier auf der Farm nur Travis, der mir wirklich mit allem, was er hatte, zur Seite stand und mir half, wo er nur konnte. Heute morgen hatte er meinen Dienst übernommen und sich um Priamos Ruffia Kincsem und Zuckerschock gekümmert. Die Beiden waren von mir aus dem Rennsport gezogen worden und standen zur Zeit auf der Koppel. Bald würde ich jedoch anfangen, sie in der Dressur, im Springen und im Geländespringen zu trainieren. Denn nur für die Zucht waren sie auf jeden Fall zu wertvoll, sie konnten ruhig noch ein wenig selbst tun. Auch die Fohlen und Jungpferde, It's me, Amira!, Culain, I've got a blue Soul, Prias Colourful Soul, Sir Golden Mile und Sweet Revenge hatte er freundlicherweise schon gefüttert und gemistet und mir sogar Tasmania geputzt und fertig gemacht. Tasmania war mein neues Track- Pony. Sie war eine Quarab- Stute. Also eine Kreuzung aus Quarter Horse und Araber und selbst schon vereinzelt Rennen gelaufen, doch das war nicht ihre Welt gewesen. Ich hatte sie bei einem Rennen entdeckt und natürlich war mir ihre Farbe direkt ins Auge gestochen. Auch, dass ihre Besitzer absolut unzufrieden mit ihr waren. Ich hatte also ein Angebot abgegeben und sie auch tatsächlich sehr zügig gekauft. Kaum zu glauben, dass sie jetzt schon einen Monat bei uns war- und ich bereute keine Sekunde. Ich liebte dieses Pferd jetzt schon. Und auch Travis hatte sie lieb gewonnen. "Hallo meine Süße.", sagte ich und hielt ihr meine Hand hin, damit sie einmal daran schnuppern konnte. Ich stellte mich neben sie, gurtete nach und band sie los, ehe ich auf dem Hof aufstieg und zur Rennbahn ritt. Dort waren schon Wildfire xx, PFS' Snap in Style und Peacful Redemption auf der Rennbahn. Sie sollten im Galopprennnen heute auf die Stute A gebracht werden und es sah wirklich gut aus, auch wenn sie sie noch aufwärmten. Tassi merkte man an, dass sie sich an ihr altes Leben noch immer erinnerte, denn sie legte manchmal noch die Ohren an, wenn wir die Rennbahn betraten und schien sich daran zu erinnern, wie sie bei nicht betreten der Bahn ausgepeitscht und sogar schon misshandelt wurde. "Ist gut, Tassi.", sagte ich und klopfte ihren Hals, ehe ich sie nach rechts wandte und stehen blieb. Ich setzte mich aufrecht in meinem Westernsattel hin und sah den drei Hengsten zu, wie sie in die Startbox geführt wurden. "Ging es schon los?", kam auf einmal eine Frage wie aus dem Nichts, rechts von uns. Tassi riss den Kopf hoch und starrte Travis mit aufgerissenen Augen an. "Woah... du hast uns aber erschreckt. Aber nein, geht gleich los.", sagte ich und warf ihm zwei Stoppuhren in die Hand. "Wildfire und Schnappi, ich messe Clyde.", erklärte ich ihm. Er hasste noch immer Snap in Styles Spitznamen, doch damit musste er sich abfinden. Snap in Style war von Anfang an Schnappi für mich gewesen und so würde es auch bleiben. "Boxen zu und... los!", sagte ich und drückte auf den Knopf meiner Uhr. Eine Zeit lang sah es so aus, als würde Snap in Style ganz klar die Führung übernehmen, doch Wildfire holte auf und auch Clyde kam auf einmal wie von der Tarantel geschossen nach vorne. Wildfire schaffte es schließlich, als erster an uns vorbei zu rauschen, jedoch dicht gefolgt von Schnappi und Clyde. "Zeig mal die Zeit von deinen. Oh wow... die sind alle drei schon super gut!", freute ich mich und drehte mich einmal nach hinten um. Jetzt waren Candlejack und Daryl Gone Mad an der Reihe, ebenfalls auf Stufe A zu bringen. Auch sie waren schnell aufgewärmt und würden heute einen fliegenden Start machen, denn Daryl hasste die Startbox noch immer. Ab und zu ging er rein, aber heute war nicht daran zu denken. Ich stoppte dieses mal Jack, Travis Daryl. Beide Pferde schossen nach vorne und es war lange nicht klar, wer sich an die Spitze setzen würde. Beide Pferde waren wahre Kämpfer und konnten es nicht leiden, wenn sie verloren. Jack kam ein wenig eher ins Ziel, da Daryl nach ihm geschnappt hatte und so Zeit verloren hatte. "Mist..", murmelte ich, lenkte Tassi herum und trabte in die Richtung der beiden Pferde. "Halt Daryl das nächste mal ein wenig von Jack weg, damit er gar nicht die Chance hat, zu schnappen. Bei einem richtigen Rennen müsst ihr euch sofort an die Spitze setzen. In der Gruppe ist pure Hölle für unseren Braunen.", erklärte ich seinem Jockey und er nickte. Er ärgerte sich schon seit dem ersten Tag über Daryl, doch ich wusste, dass er dieses Pferd liebte, denn er liebte die Herausforderung und da war dieses Pferd genau das richtige für ihn.
      Es ging nun weiter mit den Stuten, die alle zusammen laufen würden. Drama Baby, PFS' Blossom Magic, Wolfs Bane und auch unsere neue Rappstute, Tigres Eye, sollten auf die Stufe A gebracht werden. Ich packte bei vier Pferden mit an und hielt mit Tassi Tigres Eye im Zaum, ehe wir sie in die Startbox brachten und dann im gestreckten Galopp zurück zu unserer Position ritten. Tassi liebte es auf der Bahn oder im Gelände zu galoppieren, aber sie war eben kein Rennpferd.
      "Travis stopp bitte Draga und Magic, ich hole unsere neue und Bane.", sagte ich und packte die vierte Stoppuhr aus meiner Jackentasche aus. Ich lief die ganze Zeit mit mindestens fünf Uhren über das Gelände, was oft für verwirrte Blicke sorgte, schließlich war Vollblütertraining immer nur morgens und nicht den ganzen Tag lang. Als alle vier Stuten in der Box waren, flogen die Türen auf und sie hielten das Feld sehr lange geschlossen, bis auf Wolfs Bane waren die Pferde sehr, sehr stark, was das Rennen anging. Bane war auch gut, jedoch hatten wir sie erst spät gestartet und sie brauchte eben einfach länger, so dass sie nach zweihundert Metern zurück fiel und das Tempo nicht mehr halten konnte. Ich stoppte trotzdem weiter, denn wir brauchten Zeiten, mit denen wir arbeiten konnten. Ich konnte am Ende gar nicht sagen, wer als erstes an uns vorbei geschossen war, aber die Zeiten waren bei allen drei Pferden super, bei Bane noch annehmbar und ausbaufähig.
      Auch Stiffler, der heute alleine laufen würde und L fertig gemacht werden sollte, machte sich super und lief eine gute Zeit. Seattle Slew, der nun seit heute auf Stufe S* lief, stand Firewalker ein wenig nach, denn dieser hatte sich auf der neuen Ranch wirklich aufgerappelt und lief nun S**. Ich freute mich riesig, dass alle Pferde sich hier so gut machten und blicke positiv auf die Zukunft.

      Mai 2018 | Veija
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  • Album:
    Phoenix Valley — Hauptstall Hengste
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    Canyon
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    3 Apr. 2020
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  • [​IMG]
    Candlejack
    Jack

    ● ○ ● ○

    Hengst | *2014 | 178cm
    Englisches Vollblut
    Bay with Reverse Dapples

    ● ○ ● ○

    Von unbekannt

    Von unbekannt Aus der unbekannt

    Aus der unbekannt
    Von unbekannt Aus der unbekannt

    ● ○ ● ○

    Candlejack stammt aus einer erfolgreichen Zucht aus England. Als Jährling wurde er nach Saudi Arabien verkauft und dort eingeritten, bis er wenig später in die USA weiterverkauft wurde. Er hat bereits Erfahrungen auf der Rennbahn gesammelt und hat viel Potential.

    Jack ist ein ruhiger Vertreter seiner Rasse, eher vorsichtig als stürmisch. Dennoch besitzt er das Feuer eines Vollblüters. Eine Kombination die ihn nicht nur für die Rennbahn geeignet macht. Er ist ein aufmerksamer und intelligenter Beobachter mit Kraft und Schnelligkeit, was ihn zu einem perfekten Sportpferd macht. Er konzentriert sich zu 100% auf seinen Reiter und arbeitet fleißig mit.


    ● ○ ● ○


    Besitzer: Canyon
    VKR/Ersteller: verfallen/Kira
    Bei Verkauf zurück an Veija oder Gnandeweide

    im Besitz seit: 03-04-2020
    Kaufpreis: 2500 Joellen

    ● ○ ● ○


    ● Schleifenaufstieg Trainingsaufstieg Potential

    Galopp E A L
    M S S* S** S***

    Military E A L M S S*

    Distanz E A L M S

    Dressur E A L

    Springen E A L M

    Fahren E A L


    ● ○ ● ○

    Fohlen ABC | Eingeritten | Eingefahren


    [Schleife]
    Thema

    ● ○ ● ○

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    444. Distanzturnier | 464. Fahrturnier | 447. Distanzturnier | 474. Fahrturnier

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    454. Distanzturnier | 458. Distanzturnier | 608. Dressurturnier | 338. Synchronspringen

    Abstammung: 0
    Schleifen: 8
    HS: 2
    TA: 2
    Trainer: 7
    Zubehör: 2
    Gesamt: 21

    Gencode: EeAa
    Zur Zucht zugelassen: Nein
    Eingetragene Zucht: Phoenix Valley (PV)

    Nachkommen:
    -


    ● ○ ● ○

    Letzter Tierarztbesuch: 10-11-2020 durch Sevannie

    Letzter Hufschmiedbesuch: 17-11-2020 durch Laraya13

    ● ○ ● ○

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