Occulta

○ Calico, Criollo ♂

Hengst | Porzellanschecke

○ Calico, Criollo ♂
Occulta, 12 Dez. 2014
Quinzel und Rinnaja gefällt das.
    • Occulta
      Calico, oder auch: ein kleines Wunder

      Dies ist die Geschichte, wie wir an Calico kamen.
      Es war kein wundervoller Morgen, kein sonniger Tagesanbruch als das graue Pony auf den Hof gerast kam. Der kleine Apfelschimmel war im dichten Nebel kaum zu erkennen, doch ich hörte das schrille Wiehern und stürzte aus dem Hauptstall nach draussen, um dem Hufdonnern zu folgen. Calico flitzte elegant um die Ecke und kam erst unter dem Vordach des Nebenstalls zum Halt. Auf dem Beton rutschte er fast aus, da er viel zu schnell abbremste. Ich näherte mich langsam von der Seite, Ajith war bereits auf die andere geschlichen. Calico schnupperte an Hallu, dann bemerkte er mich und spitzte neugierig die Ohren. Er kam sogar einen Schritt auf mich zu. Erstaunt nutzte ich den Moment und knotete den Strick in meiner Hand sicher um den Hals des Hengstes, ehe ich ihm ein Halfter über die Ohren streifte. „That was easy!“, rief Ajith freudig aus. Ich nickte und sah mich um, da ich ein Rufen hörte. „Caliiiiii Cali, thank god!“ Eine etwa 23 jährige Frau kam keuchend und mit rotem Gesicht auf uns zu. Bevor sie sich vorstellen konnte, musste sie erstmal husten und sich aufstützen. „I ran from there to here to catch him, but he didn’t slow down… I’m Rita Ferrero, and this - is Calico”, erklärte sie mit den Armen fuchtelnd. Ajith und ich sahen uns amüsiert an, denn offensichtlich hatten wir gerade Bekanntschaft mit jemandem der Sorte Leute gemacht, die ihre Pferde in keinster Weise im Griff hatten. Man merkte es schon an der Art, wie sie dastand und an ihrem Äusseren. Sie wollte sich ausführlich bedanken, das zerschlissene Halfter in ihrer Hand irgendwie durch das meinige austauschen und den grauen dann wegführen. Doch Calico sah sie nicht mal an. Er hatte nur Augen für meine Jackentasche. Ich fasste Rita an die Schulter und schob sie sanft weg, dann nahm ich ihn entschlossen beim Halfter und führte ihn auf den Kiesweg. Rita schlurfte beschämt hinterher und übernahm ihr Pferd wieder, zögerte dann jedoch. “Could you… I mean… Could you maybe train him a bit?” Ich sah sie mit gehobenen Augenbrauen an und runzelte die Stirn. “Just for some days, I would be really grateful! He is always mocking me…“ Sie erinnerte mich irgendwie an Lisa. Genauso stürmisch und naiv… Ich sah mir den Hengst nochmals nachdenklich an, dann seufzte und nickte ich. Zwar würde ich nicht das Pferd, sondern die Besitzerin trainieren müssen, doch Ich war entschlossen Calico zu helfen. Ich stellte mich und Ajith vor, dann brachten wir Cali in eine der freien Nebenstallboxen und richteten sie provisorisch ein. Als er frisches Heu und Einstreu hatte, brachte ich Rita einen anständigen Vielseitigkeitssattel. Sie sah mich mit grossen Augen an, offenbar hatte sie nicht an Reiten gedacht. „I never sat on him… He’s only three years old!“ Ich meinte nur knapp, dann sei es Zeit damit anzufangen. Doch in dem Fall würde ich ihn zuerst vorbereiten müssen. Ich legte den Sattel also beiseite und führte Pferd und Besitzerin in den Roundpen. Dort schickte ich ihn erstmal einige Runden im Trab vorwärts. Der Hengst hatte reichlich Energie und buckelte auch etwas, doch alles in allem war er brav. Nur Rita schien verzweifelt nach Fehlern zu suchen. “He’s way too fast!“ “Arrrgh, now he’s bucking again!“ “See? That’s what I mean, he never obeys!” Ich rollte die Augen mehrfach an diesem Morgen und erklärte Rita einiges über die Arbeit mit Pferden. Dass sie mich verstand, bezweifelte ich. Immerhin war sie nach einer Viertelstunde still und sah begeistert zu, wie Calico brav im Kreis zockelte und endlich seine schönen Gänge präsentierte. Jetzt fiel mir auf, dass er gar nicht so übel war. Er lief schön schwungvoll und hatte allgemein einen guten Körperbau. Ich hatte noch gar nicht gefragt, was er denn für eine Rasse sei, aber es sah ganz nach Criollo aus. Nach einer halben Stunde war Calico müde, Rita überglücklich und ich zufrieden mit den Fortschritten der beiden. Ich half Rita beim Bürsten und lieh ihr eine Fleecedecke. Dann fragte ich sie etwas über den Hengst aus. Es stellte sich heraus, dass er tatsächlich Criollo war, eine gute Abstammung hatte und scheinbar auch einen ordentlichen Batzen gekostet hatte. Nur eines war mir noch immer nicht klar – warum eine Anfängerin wie Rita einen dreijährigen Hengst gekauft hatte. Diese Kombination musste ja zum Scheitern verurteilt sein!

      Später am Nachmittag kam eine in Tränen aufgelöste Rita abermals auf den Hof gestrauchelt. Calico sortierte genüsslich Heuhalme in seiner Box und konnte nicht ahnen, dass soeben sein eigentlicher Besitzer, nämlich Ritas wohlhabender Vater, seinen Verkauf beschlossen hatte. Er war der Ansicht, dass das Pferd nicht geeignet sei für Rita. Eigentlich vernünftig, dachte ich, hatte jedoch trotzdem Mitleid mit der aufgelösten jungen Frau. Wie sollte es nun mit Calico weitergehen?

      Dies wäre nicht die Geschichte, wie er zu uns kam, wenn ich ihn hätte gehen lassen. Natürlich habe ich das nicht. Und so hatte Pineforest Stable einen neuen Zuchthengst, Rita ihr ‚neues‘ Pflegepferd zum Spazieren und Liebhaben und der Vater fast all sein Geld zurück.
    • Occulta
      Ein schicksalhafter Tag

      Wie gewohnt lief ich morgens um 5 Uhr durch den Hauptstall und hielt vor der weissen Tafel in der Sattelkammer. Auch Lily und April standen bereits dort und suchten ihren Namen. Am Vorabend waren nämlich die neuen Einsatzpläne für den Februar ausgearbeitet worden. Ich hatte wie immer mitgeholfen beim Einteilen und wollte nun sehen, ob die Jockeys zufrieden waren. April fand sich auf der Liste und rief erfreut: „Yes! I hoped I’d get Fly and Sunday!“ Sie hatte ausserdem noch Blüte und Gray zugeteilt bekommen. Lily nickte ebenfalls zufrieden (sie hatte Light, Campina, Chiccory und Cantastor bekommen) und schien sich im Kopfe schon zu überlegen, wie sie diesen Monat Trainieren wollte. Ich selbst hatte darauf bestanden, wieder Winter und Stromer zu übernehmen, ausserdem hatte ich wie immer Frame bekommen, da der sensible Hengst bei mir mit Abstand am besten lief. Ausserdem hatte ich mich für die neue Stute gemeldet, die wir bei einem Ungarischen Pferdehändler gekauft hatten. Es handelte sich um einen Furioso, ein hübsches dunkelrotes Tier, das jedoch in einem recht schlechten Zustand war. Sie würde heute Nachmittag nach einer langen Auto- und Fährenfahrt ankommen. Noch am Morgen würde ein neuer Vollbluthengst ankommen, von dem wir uns viele Erfolge für die Zukunft erhofften. Ausserdem hatte ich beschlossen, Feline wieder zu mir zu holen. Die Stute hatte sich zu einer echten Schönheit gemausert und so wollte ich sie nicht länger verkaufen. Es fiel mir schwer zuzugeben, dass Elliot recht gehabt hatte und tatsächlich Potential in ihr steckte.
      Ich entschied, zuerst zu Stromer zu gehen und mich der ersten Morgengruppe für die Hengste anzuschliessen. In dieser Gruppe liefen bisher anscheinend Muskat, Empire, Light und Sunday mit. Eine gute Gruppe, dachte ich zufrieden, denn Muskat und Empire waren ja schon etwas älter und erfahren, die jungen Pferde konnten viel von ihnen lernen. Sie wurden eigentlich auch nicht mehr offiziell zum Rennen eingesetzt, nahmen jedoch immer noch regelmässig am Training teil damit sie fit blieben und Kondition fürs Springen hatten. Ich löste die Schnallen von Stromers babyblauer Fleece-Decke und faltete sie über der Kruppe. Dann schnappte ich mir die Langborsten Bürste und wischte damit über sein geschorenes Fell. Für den Kopf nahm ich eine kleinere Kopfbürste, denn er mochte die Grossen Bürsten nicht bei den Ohren. Nachdem ich auch mit der Kardätsche und dem Fellhandschuh über den Körper des Hengstes gefahren war, befand sich kein Stäubchen mehr auf dem Stoppelfell. Auch die Mähne wurde schön gekämmt und auf eine Seite gelegt, doch nach einmal schütteln hatte sie Stromer wieder kreuz und quer über den Hals fallend. Ich musste schmunzeln bei dem Anblick, denn er schien sich immer dann zu schütteln, wenn ich einen Bändigungsversuch an dem weissen Langhaar unternommen hatte. Als nächstes holte ich den kleinen Rennsattel und das Zaumzeug, wobei ich zu Empire und Thomas rüber schielte und feststellte, dass der Jockey auch erst am Satteln war. So weit so gut – als ich fertig war, führte ich meinen Cremello nach draussen zum Aufsteigen. Er wartete geduldig bis ich oben war und die Bügel eingestellt hatte. Ich schloss mich Light und Sunday an, sobald die beiden in Richtung Galoppbahn ritten. Wir würden wie immer zuerst dort aufwärmen und danach auf die Grasbahn gehen, die noch immer von einer dünnen Schneeschicht bedeckt war. Stromi war gut drauf und machte schön lange, geschmeidige Schritte. Ich freute mich also auf ein tolles Training. Während dem Schrittreiten plante ich, was heute noch alles zu tun war. Um vier Uhr fand ein Qualifikationsrennen in Nottingham – Colwick Park statt, bei dem the Cold Crack of Dawn und Campina eingetragen waren. Tom und Lily würden sich beim Training unter keinen Umständen verletzen dürfen. Endlich trabte die Gruppe an und ich tat es den anderen gleich. Wir ritten schön hintereinander den Schnitzelweg entlang, dann bogen wir auf den Kiesweg in Richtung Trainingsbahn. Wir starteten heute im Feld und jeder trainierte für sich, wobei wir ab und zu kleine Kopf-an-Kopf Sequenzen einbauten. Einmal rief ich zum Beispiel April, die daraufhin etwas abbremste damit ich aufholen konnte. Sunday gab sich alle Mühe, meinen sechsjährigen Cremello nicht nach vorne zu lassen, doch Stromer streckte sich wie eine geschmeidige Katze und schob sich bei jedem Sprung einige Zentimeter vor. Am Ende des Trainings fiel mir auf, dass Light ein paarmal hustete. Zur Sicherheit sagte ich Oliver Bescheid, der es ebenfalls schon von seiner Beobachterposition am Rand der Bahn bemerkt hatte. Er verordnete einen Ruhetag und eventuell einen weiteren, falls es nach einem längeren Longieren wieder passieren würde. Auf meine Frage hin meinte er, dass es nichts Ernstes sei und sich der fast schwarze Hengst vermutlich etwas erkältet hatte. Ich nickte, beruhigt, dass er dasselbe dachte. Wir verräumten die Pferde, wobei ich Stromer lange mit der Fleecedecke trockenführte, damit er nicht auch noch zu husten anfing. Danach holte ich das Putzzeug von Winter, denn der war als nächstes dran. Mein grosser Schneemann sah mich ungeduldig an und verdrehte die Augen beim ausgiebigen Gähnen. Ich bürstete das weisse Fell liebevoll und kratzte die Hufe aus, ehe ich ihn sattelte und zäumte. In dieser Gruppe liefen Fly, Chiccory und Spot mit, ausserdem einige der Stuten: Paint, Capri und Diana. Dies klappte normalerweise Problemlos, da die Jockeys die Hengste voll im Griff hatten und diese sich sowieso eher auf das Training konzentrierten. Ich beobachtete beim Aufsteigen belustigt, wie Spot herumalberte, als Quinn auf seinen Rücken klettern wollte. Dem Vollblüter mit den lustigen Flecken konnte man einfach nicht böse sein. Er zählte zu meinen absoluten Lieblingen, doch natürlich liebte ich alle meine Pferde. Jedes von ihnen hatte seine eigene Geschichte und seinen eigenen Charakter, was das Reiten immer wieder aufs Neue spannend machte. Es kam auch häufig vor, dass ich mich mit den Pflegern absprach und spontan ein Pferd ritt, welches nicht bei mir eingeteilt war. Ich hatte kein Problem damit, den ganzen Tag im Sattel zu sein.
      Das Training mit Winter verlief wiederrum gut, allerdings war er nicht in Bestform gewesen und hatte seine Zeit vom letzten Mal überboten. Ich lobte ihn trotzdem sehr beim Absteigen, und hielt ihm ab und zu ein Karottenstück hin beim Trockenführen. Ich lief mit ihm hinunter zu den Weiden, liess ihn an den Minis schnuppern und die Nase zu den Hengstfohlen stecken. Die ganze Zeit über machte Winter ein fröhliches Gesicht und hatte die Ohren entspannt nach vorne gerichtet. Das Wetter war auch herrlich: Die Sonne schien und obwohl es noch immer ziemlich kalt war, kam es mir vor wie an einem Frühlingstag. Doch ich liess mich nicht täuschen, es war erst Februar und der Winter würde sich bestimmt nicht so leicht geschlagen geben. Ich brachte meinen Hengst nach zwanzig Minuten zurück in den Hauptstall und schaute, dass es ihm an nichts fehlte, ehe ich die Boxentüre schloss. Ich sah auf die Uhr. Schon acht! Herrjeh, ich muss noch Frame beschäftigen ehe ich den Vollbluthengst und Feline abhole. Ich beschloss, den Hengst zu longieren, denn das hatte ich schon länger nicht mehr mit ihm gemacht. Er war, seit seine Wunden vollständig verheilt waren, intensiv trainiert worden und hatte ordentlich Muskeln und Kondition aufgebaut. Von dem schwächlichen Jährling, den ich damals auf der Wiese gesehen hatte, war äusserlich keine Spur mehr. Innerlich spukten jedoch immer noch die Bilder von damals in dem Hengst, sodass er kaum eine Person ausser mir wirklich nahe an sich heranliess. Immerhin hatten wir ihn so weit, dass er sich auch von anderen Pflegern einigermassen problemlos führen liess. Doch es war noch ein langer, vielleicht unendlicher Weg bis zum nervenstarken, coolen Leistungssportler. Wie Oliver so schön sagte – das beste Rennvermögen nützt nichts, wenn sich das Tier beim Start erschreckt und den Jockey runterbockt. Ich seufzte bei dem Gedanken an den letzten Versuch mit Lily. Das war nun beinahe zwei Wochen her. Frame hatte sich nicht nur geweigert, in die Startbox zu gehen, er hatte sich auch mitten im Trainingsrennen erschreckt und war aus der Gruppe ausgebrochen, wobei er nur haarscharf an Muskat vorbeigestolpert war. Es hätte übel ausgehen können und Lily war danach so wütend, dass sie sich weigerte, wieder aufzusitzen. Bei mir war der Hengst, aus welchen Gründen auch immer, brav wie ein Lamm. Er folgte mir ohne Seil, zickte nicht rum beim Aufsteigen, tat überhaupt alles, was ich von ihm verlangte. Nur ab und zu vermochte ihn ein plötzliches Geräusch oder eine schnelle Bewegung im Gebüsch zu erschrecken. Jedenfalls putzte ich ihn an diesem Morgen rasch, legte ihm den Longiergurt an und hängte die Doppellonge ein. Dann ging ich mit ihm in die Halle, da dort die Ablenkungsgefahr geringer war. Ich übte mit ihm eine halbe Stunde diverse Übergänge, die Biegung und das schwungvolle Schieben aus der Hinterhand. Danach nahm ich mir Zeit, ihn zu versorgen und hastete anschliessend auf den Parkplatz zum Auto. Zuerst fuhr ich mit dem Anhänger eineinhalb Stunden nach Bristol um den Hengst namens Caspian zu holen. Ich hatte ihn direkt von seinem Züchter gekauft, den ich an einer Auktion kennengelernt hatte. Er hatte mir Caspian weit unter seinem Wert überlassen unter der Bedingung, dass seine Tochter, der er sehr ans Herz gewachsen war, ihn später hin und wieder besuchen durfte. Es war ein rührender Abschied vor Ort, denn die 16 Jährige kannte den Hengst seit seinen ersten wackeligen Schritten. Doch so war das nun mal, sie hatte von Anfang an gewusst, dass der Tag kommen würde, an dem sie ihn loslassen musste. Ich für meinen Teil war froh, Caspian nun endlich nach Hause fahren zu können. Doch auf dem Rückweg ging es erstmal noch zu Feli, die mich mit Diana zusammen schon erwartete. Diana wollte auch in Zukunft immer mal wieder rüber auf Pineforest Stable kommen um Feli zu besuchen, doch sie hatte mittlerweile endlich ein eigenes Pferd von ihrem Vater bekommen, sodass sie sicherlich genug zu tun hatte. Zurück auf dem Hof half mir Jonas beim Ausladen und brachte Feli gleich in den Nebenstall, während ich Caspian vorerst in die Box neben Shio stellte. Falls das gut klappen würde, würde er auch dort bleiben dürfen, wenn nicht, dann mussten wir mal wieder eine neue Boxenordnung ausarbeiten. Der Schimmel schnupperte zwar interessiert an Shio, wandte sich dann jedoch gierig dem Heu zu.
      Am Nachmittag kam wie erwartet Satine, die Furioso Stute. Sie sah noch übler aus, als ich sie in Erinnerung hatte, doch wenigstens schien sie unverletzt. Traurig betrachtete ich das ehemalige Zirkuspferd aus der Nähe. Sie hatte kaum Muskeln und war mager bis auf die Rippen. Selbst ihre strahlend blauen Augen wirkten nichts als gestresst und müde. Ich fasste sie etwas näher am Halfter, als die den Kopf vor meiner Hand wegziehen wollte und murmelte beim Streicheln „Everything’s allright, you’re at home now.“ Sie senkte den Kopf etwas und blinzelte, weil sie Angst hatte, dass ich ihr in die Augen fasse. Ich führte sie nach einigen Minuten langsam in den Nebenstall, denn sie lief von der langen Fahrt noch wackelig und unsicher. In der Box machte sie sich nur halbherzig über das Heu her, sodass ich mich gezwungen sah, einen Tierarzt zu rufen. Hoffentlich ist sie nicht ernsthaft krank, betete ich innerlich. Die Diagnose war eine mittelschwere Lungenentzündung. Würden keine Komplikationen auftreten, so konnte sie in etwa zwei Wochen grösstenteils genesen sein. Sie bekam Antibiotika und strikte Stallruhe verordnet. Die Stute tat mir leid, denn sie hustete nun auch hin und wieder, was ihr Schmerzen zu bereiten schien. Wenigstens bestand kein Risiko für die anderen Pferde. Nachdem ich noch eine Weile bei ihr geblieben war und sie besorgt beobachtet hatte, ging ich zum Hauptstall um zu sehen, wie weit Tom und Lily waren. Sie hatten die Sättel und das restliche Zubehör bereits in den Anhänger gebracht und zogen nun gerade den Vollblütern die Transportgamaschen an. Campina stand bockstill und liess Lily an sich herumzupfen, während Crack wie immer vor und zurück zappelte. Ich half kurz, die Stute festzuhalten und streichelte sie liebevoll, während ich das Halfter hielt. Sie bedeutete mir sehr viel, denn ich hatte sie damals von Jack zum Geburtstag geschenkt bekommen, das machte sie unbezahlbar. Endlich waren die Gamaschen fest um die Beine gelegt und die Pferde wurden zum Parkplatz geführt, wo sie ohne zu zicken die Rampe hochliefen. Ich wünschte den fünfen eine gute Fahrt (Oliver ging als Trainer natürlich auch mit, ich hingegen hatte heute noch zu viel zu tun) und viel Glück beim Rennen. Besonders von Campina erhoffte ich mir eine gute Platzierung, denn die Stute war im Training ausgezeichnet gelaufen und schien auch heute in Topform zu sein. Fröhlich summend ging ich zu Rita, die beim Nebenstall Calico sattelte. Ich hatte versprochen, ihr heute eine Reitstunde zu geben. Die junge Frau, die mittlerweile sogar die Ausbildung zum Jockey in angriff genommen hatte, war extrem fleissig und saugte neues Wissen über Pferde auf wie ein Schwamm. Sie hatte sich von der gnadenlos überforderten Anfängerin zur zuverlässigen Pflegerin gemausert und wohnte nun sogar endlich mit den anderen im Pflegerheim. Ihr Vater hatte sich anfangs dagegen gesträubt, doch schliesslich hatte sie gewonnen, da sie ja schon 24 war und damit gedroht hatte, externe Hilfe anzufordern. Sie konnte zwar nun nichtmehr vom Reichtum ihres Vaters profitieren, doch das brauchte sie auch nicht. Sie verdiente sich ihr Geld nun selbst. Ich war anfangs sehr skeptisch gewesen, was ihren Charakter betraf, hatte ich sie doch als verwöhntes einzelkind eingeschätzt. Doch die Pfleger und ich hatten sie nun wirklich lieb gewonnen und sie war ein fester Teil von uns geworden. Als wir auf dem Platz waren stellte ich einmal mehr fest, dass sich das harte Training gelohnt hatte: Rita sass gerade und selbstsicher auf dem Schimmelhengst, hielt die Absätze tief und am rechten Ort. Ich musste sie jedoch ab und zu daran erinnern, die Hände nicht zu hoch zu halten. Calico spielte brav mit. Er hatte gelernt, respektvoll mit seiner ehemaligen Besitzerin umzugehen und lief bei den restlichen Pflegern und mir sowieso wundervoll. Ich hatte recht behalten: der Hengst hatte eine ausgezeichnete Veranlagung und lernte so schnell wie Rita. Nach der Stunde ging ich mit Sorrow ins Gelände. Es wäre eine Schande gewesen, solch wundervolles Wetter nicht zu nutzen. Vor dem Aufsteigen flocht ich dem stämmigen Hengst einen französischen Zopf in die Mähne. Es stand ihm ausgezeichnet. Wir ritten zum Fluss, überquerten die Brücke und dann nach Süd-Osten zu den beliebten Galoppstrecken. Sorrow gab ordentlich Gas auf den grasüberwachsenen Feldwegen, liess sich jedoch stets wieder bremsen. Einmal kam uns eine Frau mit einem schwarzen Hund entgegen, an dem der Hengst interessiert schnupperte. Dann hüpfte der Hund wieder davon und wir setzten unseren Ritt gemütlich fort. Genoss die Sonne und auch Sorrow drehte die Ohren zufrieden in der Umgebung herum. Auf dem Rückweg liess ich ihn etwas Schulterherein laufen und stellte ihn an den Zügel. So hatten wir auch unsere heutige Protion Dressur.
      Als ich auf dem Kiesweg an den Weiden vorbei ritt, klingelte plötzlich mein Handy. Huch, Was ist denn nun wieder los? Ich nahm ab und erkannte erschrocken Olivers besorgte Stimme. „We‘ve had an accident, you must come quickly to decide what to do with the horses.“ Wie in Trance stieg ich ab, rief Rosie, die Sorrow übernahm und rannte zum Parkplatz. Man hatte entschieden mich vor Ort zu rufen, da die Unfallstelle nur zwanzig Minuten entfernt war. Vor Ort fand ich einen Krankenwagen und mehrere Polizeiautos, ausserdem war bereits ein Tierarzt da. Wie sich herausstellte, hatten die drei eine Kollision mit einem betrunkenen Geisterfahrer gehabt. Dabei hatte sich der Transporter überschlagen. Tom, der gefahren war, war bewusstlos und hatte einige Brüche erlitten, sein Zustand war aber so weit stabil. Lily hatte einen gebrochenen Arm und Prellungen und Oliver war mit einer blutenden Nase davongekommen. Doch am schlimmsten hatte es die Pferde erwischt. Campina hatte starke Prellungen und lahmte. Für Crack gab es keine Rettung mehr. Ich stimmte zu, die Stute von ihren Leiden zu erlösen, denn sie hatte mehrere komplizierte Brüche erlitten und konnte nicht mehr aufstehen. Es war ein schrecklicher Augenblick, als der Tierarzt die Spritze aufzog, und ich drehte mich weg zu Pina, vergrub mein Gesicht in ihrem weichen Fell. Meine wunderschöne kleine Crack, das Geschenk von Jack! Es kam mir so unfair vor, dass mir nun auch diese Erinnerung an ihn genommen wurde. Doch es war besser für die Stute, alles andere wäre Quälerei gewesen. Campina wurde in eine Klinik in der Nähe gebracht, wo sie umfassend untersucht und behandelt wurde. Tom landete im Krankenhaus, durfte zum Glück aber schon nach vier Tagen nach Hause zu seinen Eltern. Auf Pineforest Stable würde er erst wieder in ein paar Monaten zurückkehren, wenn er wieder einsatzfähig war. Lily kam noch am selben Tag mit uns zurück auf den Hof, den Arm in eine Schlinge gehüllt. Sie wurde liebevoll von den anderen begrüsst und Ajith übernahm die ihr zugeteilten Pferde für den restlichen Monat. Ich wanderte nach all den aufmunternden und mitleidigen Worten der anderen still ins Haupthaus, wo ich mir erstmal einen Tee machte. Ich starrte während dem Trinken aus dem Fenster und beobachtete, wie Jonas den Kiesweg entlang zur Tür kam und klopfte. Soll ich aufmachen? Eigentlich will ich nicht… Ich bewegte mich nicht von der Stelle und wartete, bis er wieder verschwunden war. Trotzig dachte ich: wenn etwas passiert bin ich gut genug für dich und sonst behandelst du mich wie Luft. Spar dir die Mühe. Dann legte ich mich aufs Sofa und versank bis zum Abend in Melancholie. Der Tag hatte so schön begonnen, und nun das.
      Am Abend schlenderte ich lustlos zur Halle, wo Lisa gerade eine Reitstunde gab. Es waren ein paar Leute von auswärts da und vier Pfleger: Darren mit Herkir, Jason mit Bluebell, Jonas mit Loki und Anne mit Sweets. Ich setzte mich in den Zuschauerraum hinter die Scheibe und sah zu. Blue lief wiedermal zügig, sodass Jason ständig abwenden musste. Sweets ging beinahe konstant in Anlehnung, doch Anne liess sie zwischendurch strecken, damit sie nicht zu müde wurde. Schliesslich waren beide Pferde erst seit kurzer Zeit unter dem Sattel und noch nicht vollständig ausbalanciert. Herkir und Loki liefen mittlerweile richtig toll und nur Herkir gab ab und zu Gas – immer dann wenn Darren angaloppieren wollte. Ich war zufrieden mit den vieren. Nach der Stunde wollte ich mich wegschleichen, doch Jonas erwischte mich. „Warum hast du nicht reagiert, als ich geklopft habe?“, wollte er wissen. „Ich hab dich nicht gehört.“ „Aber ich war echt laut…“ „Kann passieren. Gute Nacht.“ Es schmerzte, so kalt zu sein, doch er hatte es verdient, da war ich mir sicher. Er sollte ruhig sehen, wie sich das anfühlte. Ich lief nocheinmal durch die Ställe und ging sicher, dass alle Pferde eingedeckt waren, dann legte ich mich ins Bett. Was für ein Tag
    • Occulta
      Willkommen zurück, alter Freund

      Als ich am Morgen erwachte, sah ich als erstes Jonas‘ dunkle Locken. Sofort schlich sich ein Lächeln auf meine Lippen. Ich zog die Decke etwas höher, da öffnete er ebenfalls die Augen. Wir sahen uns lange an, ohne etwas zu sagen. Dann strich er mir eine Strähne hinters Ohr und streichelte meine Wange, woraufhin ich noch etwas näher rückte. Er legte seinen Arm unter meinen Kopf. Wir lagen noch eine ganze Weile da, bis plötzlich jemand an die Haustüre hämmerte und die Hunde augenblicklich zu bellen begannen. „Occu? It’s 6 o’clock, are you alright?“ Lisas Stimme war nicht zu überhören. Ich warf einen Blick auf den Wecker. Tatsächlich, ich hatte vergessen ihn zu stellen und nun war es bereits sechs Uhr. Ich rief ihr zu, dass ich gleich kommen würde und stand augenblicklich auf. Jonas richtete sich ebenfalls auf und drehte sich weg, damit ich mich umziehen konnte. Dann gingen wir gemeinsam nach unten, fütterten Sheela und Jacky, assen eine Schüssel Müsli und verliessen zügig das Haus. Die beiden Hündinnen durften frei herumlaufen, denn Sheela hatte sich soweit eingewöhnt, dass sie jetzt auch wie Jacky brav auf dem Hofgebiet blieb. Als ich draussen vor dem Nebenstall Bluebell reitfertig machte, führte Jonas Herkir zum Roundpen. Lisa lief nebenher und ich schnappte ein paar Fetzen des Gesprächs auf. „Und wo hast du heute Nacht geschlafen? Darren hat gesagt, du seist weg gewesen“ „Stimmt, ich war noch etwas länger draussen“, mehr verriet er nicht. Ich schmunzelte und wandte mich Bluebell’s Hufen zu, die es auszukratzen galt. Mit der Reitponystute wollte ich heute ins Gelände gehen. Sie war erst zweimal draussen gewesen, sonst hatten wir vor allem auf dem Platz und der Galoppbahn mit ihr gearbeitet. Ich ging bewusst alleine mit ihr raus, denn ich wollte, dass sie sich vollkommen auf mich verlassen musste. Jedenfalls konnte ich so verhindern, dass sie an anderen Pferden klebte. Eigentlich hätte ich heute auch noch mit Sweets rausgehen wollen, doch dafür reichte die Zeit nicht, also wollte ich sie heute nur longieren. Bluebell drehte sich neugierig um, als ich ihre Beine vorne routinemässig abtastete. Ich machte das immer mal wieder, um heisse Stellen oder Knötchen frühzeitig zu bemerken. Die Beine der Roanschecke fühlten sich normal an. Ich richtete mich auf und nahm liebevoll ihren Kopf, um sie auf dem Nasenrücken zu streicheln. Sie schloss beinahe die Augen und genoss die Berührung sichtlich. „Bist eben doch eine Geniesserin, stimmt’s?“, murmelte ich leise. Rosie kam aus Islah’s Box. „Hey boss, the crazy cow is served. I’ve tried to lunge her, but she always stops as soon as I take the whip away. It’s a hopeless case I guess.” Wir lachten herzhaft, denn wir wussten ja beide, dass Islah nicht gerade die Hellste war. Dafür eine sehr führsorgliche Mutter, das hatte sie bei ihrem letzten Fohlen bewiesen. Mir geisterte schon seit längerer Zeit der Gedanke durch den Kopf dass es Zeit wäre, sie wieder einmal decken zu lassen. Die Frage ist nur, Numair oder Anubis? Oder soll es ein Mix werden? Da war ich mir noch unschlüssig. Ich fand die Idee mit Numair aber am attraktivsten, denn das Fohlen würde so sicherlich eine interessante Farbe bekommen. “However, what do you do now?“, fragte ich die Pflegerin. Sie antwortete unschuldig “I thought I probably go back to the house and… have a nap?” “How about having a nice ride into the woods with Sweets? Or are you really so tired? I know that I should work with her, but several new horses come today, so I’m quite busy…” “I’d like that! I’m not tired at all, I just didn’t know what to do” Ich klopfte ihr dankbar auf die Schulter und half ihr kurz, Sweets zu putzen, sodass wir gleichzeitig starten konnten. Als wir fertig waren, ritten wir gemeinsam vom Hof weg. Der Plan war, dass wir uns nach der Brücke trennten und dann etwa eine halbe Stunde alleine unterwegs waren, ehe wir uns vor der Übergangsstelle zur Flussinsel wieder trafen. Gesagt, getan – die Trennung verlief besser als Gedacht. Bluebell wieherte zwar etwas, doch nach einer halben Parade meinerseits lief sie brav und zügig den Weg zum Wald hinauf. Sweets war noch ruhiger: sie drehte gerademal den Kopf um zu sehen, wo ihre Kollegin hin verschwand, dann konzentrierte sie sich wieder auf Rosie und die Strecke die vor ihr lag. Mit Bluebell liess ich’s mal richtig krachen. Wir galoppierten so viel wie noch nie, was ihr sichtlich Freude bereitete, denn sie wurde jedes Mal geladener und konnte es kaum erwarten, wieder loszupreschen. Mir war das gerade recht, sie sollte ruhig auf den Geschmack kommen und das Gelände mit Spass und Abenteuer verbinden. Sie zeigte sich furchtlos und vertraute mir sogar, als wir auf der Wiese hinter dem Wald einer riesigen Mähmaschine begegneten. Ich ritt insgesamt eine grosse Schlaufe und war durch Blue’s fleissigen Takt früher als geplant wieder beim Fluss. Ich nahm mir daher richtig Zeit dabei, sie ans Wasser zu gewöhnen. Jedes Mal, wenn sie einen Schritt in die richtige Richtung machte, lobte ich ausgiebig; wenn sie hingegen zurückwich, trieb ich sie kommentarlos wieder zurück an die vorherige Stelle. Bald setzte sie den ersten Huf ins erfrischende Nass, dann ging alles ganz schnell. Mit einem Satz standen wir im Fluss. Bluebell sog laut hörbar Luft ein und hatte die Ohren angespannt zu mir gedreht, entspannte sich aber schnell und senkte kurz darauf den Kopf zum Trinken. Gerade als Sweets ankam, begann sie, mit dem Vorderhuf zu plantschen. Ich flattierte sie lachend und winkte Rosie zu, dass sie auch reinkommen solle. Sweets war bereits letzte Woche einmal mit David im Wasser gewesen, daher musste die Scheckstute nur kurz überlegen, ehe sie ihre Füsse in den Fluss setzte. Blue wurde langsam ungeduldig und ich lenkte sie in eine kleine Volte, damit sie nicht wieder ans Ufer kletterte. Ich gab Rosie ein Handzeichen, daraufhin setzten wir uns in Bewegung über den Fluss. Wir mussten wie immer auch die Insel überqueren. Durch das ständige durchreiten hatte sich ein Trampelpfad durch die Büsche gebildet, der das Durchkommen erleichterte. Wir trabten auf der anderen Flussseite entspannt zurück zum Hof. Unterdessen erzählte mir Rosie, wie ihr Ausritt gelaufen war. Sweets war ihr einmal durchgebrannt, als ein grosser Schäferhund, der noch dazu unangeleint war, auf sie zu gerannt kam. Er hatte zwar nur spielen wollen, wie sich im Nachhinein rausstellte, doch Rosie gab zu, dass ihr auch etwas mulmig zumute gewesen sei und sie Sweets daher nicht wirklich böse sein konnte. Ich nickte zustimmend und erzählte ihr von meinem Abenteuer. Zurück vor dem Nebenstall versorgten wir die beiden Reitponys zurück in ihre Box, denn im Moment war es noch zu heiss für einen Weidegang. Ich sah auf die Uhr, deren kleiner Zeiger auf der Sieben stand. Jacky kam angeschossen und wuselte mir schwanzwedelnd um die Beine, von Sheela war keine Spur, aber weit konnte sie nicht sein.

      Bis um acht Uhr gab ich Rita mit Calico eine Reitstunde. Die beiden machten grosse Fortschritte, hatten aber in letzter Zeit wieder etwas mehr Meinungsverschiedenheiten. Heute lief der Criollo Hengst ganz schlecht. Er machte keinen Schritt freiwillig und bockte sogar, als Rita angaloppieren wollte. Ich runzelte nachdenklich die Stirn und lief zu den beiden hin, da Rita mit hängendem Kopf angehalten hatte. „Rita – tell me. What is it?“ Sie begann zu schluchzen und erzählte mir, dass ihre Eltern sich nun definitiv trennen wollten. Zu allem Überfluss hatte sie das Gefühl, schuld daran zu sein, wegen dem ganzen Theater mit Calico. Ich tröstete sie so gut ich konnte, denn das war nicht gerade eine meiner Stärken. Trotzdem fasste sie sich wieder und ich erklärte ihr, dass es im Leben eben manchmal nicht ganz wie geplant laufe, dies aber keineswegs den Untergang der Welt bedeutete. Dann rollten auch schon neue Tränen ihr Gesicht runter. Sie erklärte mir schluchzend, dass sie jetzt sogar das Reiten wieder verlernt habe und wirklich zu gar nichts zu gebrauchen sei, dass sie sich über ihre Unfähigkeit schäme und am liebsten ganz aufhören würde. “Look – there’s nothing to be ashamed of. It’s no wonder that Cali doesn’t want to work with you if you’re so much distracted. But you had reason to be. However, now it is time to focus on your little friend here again and forget all these problems. He feels your distress and refuses to work, because he is worried.” Sie sah mich mit grossen Augen an. “Do you really think that he knows how I feel?” “Sure, he knows better than yourself. That’s one wonderful thing about horses.” Sie rieb sich die Augen und lehnte sich nach vorne, um Calico zu streicheln und ihm etwas ins Ohr zu flüstern. Dann richtete sie sich auf und sagte entschlossen: „Okay then, Rita is back.“ Ich war froh, das alte feurige Leuchten in ihren noch immer etwas geröteten, braunen Augen wiederzuentdecken. Allerdings schlug ich vor, das Reiten für heute sein zu lassen und stattdessen mit Calico schwimmen zu gehen. Ich half ihr beim Absatteln und schickte sie dann mit Badesachen, Knotenhalfter und Strick bewaffnet zum Fluss; das würde ihr guttun. Zufrieden klatschte ich in die Hände, als die beiden hinter den Tannen verschwanden.

      Nun wandte ich mich dem ersten Neuankömmling zu. Es handelte sich um eine wunderschöne, nachtschwarze Furiosostute namens Parányi. Als sie aus dem Anhänger stieg, entdeckte ich das Brandzeichen des Gestüt Sanssouci. Ich blieb anfangs etwas auf Abstand und hielt sie am langen Seil, denn so hübsch die Stute auch war: sie war berüchtigt dafür, sehr selbstständig Entscheidungen zu treffen. Und ich wollte lieber nicht im Weg dieser grauen Hufe stehen. Als sie dastand und mit giraffenartigem Hals ihre Umgebung abcheckte, trat ich zu ihr hin und streichelte beruhigend ihren Hals. Sie gab mir zum Dank eine Kopfnuss, als sie sich wieder umdrehte. „Stillstehen müssen wir noch üben, was?“ schmunzelte ich. Überhaupt war die Stute ja noch gar nicht eingeritten und würde erstmal gründlich aufgebaut werden, doch ich war überzeugt, dass sie Potential hatte. Als ich sie um die Ecke des Hauptstalls führte, rannte ein Schildpattfarbener Kater vor uns über den Weg. „Kafka! You’ll get tramped if you’re not cautious!“ Kopfschüttelnd erinnerte ich mich an die vier kleinen Kätzchen, die Lisa gefunden und aufgepäppelt hatte. Die vier waren nun ein Jahr alt und hatten nur Flausen im Kopf. Zum Glück bekam ich sie selten zu Gesicht, denn meistens waren sie irgendwo versteckt am Jagen. Ausserdem waren sie scheu Fremden gegenüber, also waren sie jeweils spurlos verschwunden, sobald die öffentlichen Reitstunden stattfanden. Na gut, okay, eigentlich mag ich die Fellknäuel. Besonders die kleine Shiwa. Ich brachte Parányi zur grossen Stutenweide, denn sie würde fürs Erste im Offenstall leben. So hatte sie immer genügend Bewegung und war bestimmt angenehmer im Training. Doch bevor ich sie ganz zu den anderen liess, musste sie auf dem Abgegrenzten Teil der Hauptweide ausharren und mit den anderen Bekanntschaft machen.

      Sehr gut, nun ab zu Ljóski. Im Nordstall begegnete ich Jonas. Erwarte nicht zu viel, er wird bestimmt wieder so tun, als sei nichts gewesen, sagte ich mir unverblümt. Doch er überraschte mich. Auf meinen herausfordernden Blick antwortete er mit einem Lächeln, dann kam er auf mich zu und umarmte mich spielerisch. „Herkir ist versorgt, Boss, ich habe heute etwas länger mit ihm gemacht. Hab ihn nämlich noch geduscht. Du hättest den Dreck sehen sollen, der aus dem ganzen Fell kam.“ „Loki hätte es auch mal wieder nötig“, meinte ich mit einem Seitenblick in dessen Box. Dann lehnte ich meinen Kopf an seine Schulter und schloss die Augen für einen Moment. Es kam mir vor wie eine kleine Ewigkeit. Doch schliesslich löste ich mich wieder von ihm und nahm Lokis Halfter von der Boxentür. Der kleine Isländer liess sich wie immer gut aufhalftern und nach draussen führen. Bevor ich durch die Tür verschwunden war, fragte Jonas, ob ich Hilfe bräuchte. Ich antwortete zögernd, um einen guten Grund liefern zu können. „Ahhh, ja, ich könnte ein wenig Schrecktraining mit ihm machen. Du könntest mir helfen, die Posten vorzubereiten.“ Er nickte und folgte mir. Loki liess ich in der Halle (es war uns beiden draussen auf dem Platz zu heiss gewesen) frei laufen, während wir einen bunten Ball, eine Rettungsdecke, einen Regenschirm, ein paar Kegel und einen Flattervorhang holten. Zuerst führte ich ihn zum Ball. Er schnüffelte vorsichtig daran, dann stiess er ihn sogar etwas weg. Sofort lobte ich ihn. Dann rollte ich den Ball auf ihn zu, woraufhin er etwas zurückwich. „Okay, neue Strategie: wir rollen den Ball vor ihm weg, sodass er denkt, dass der Ball Angst vor ihm hat. Jonas nickte und stand auf die andere Seite, dann führten wir den Plan aus. Tatsächlich wurde Loki schon nach wenigen Minuten mutiger und ging wirklich zum Ball hin. Ich scherzte zwischendrin: „Das ist aber ein echter Angsthasenball!“ Als nächstes war der Regenschirm dran. Zuerst öffnete ich ihn in einiger Entfernung, dann kam ich immer näher, während ich ihn auf und zu klappte. Hin und wieder gab Jonas dem Hengst ein Karottenstückchen. Der Schirm schien kein Thema für Loki zu sein, denn am Ende konnte ich ihn sogar direkt neben seinem Kopf öffnen. Weiter ging’s zur Rettungsdecke, die schön silbern glänzte. Er musste darüber laufen. Dies war schon etwas schwieriger für den Schecken, denn er konnte das funkelnde Zeug vor seinen Füssen irgendwie nicht einordnen. Als er nur noch rundherum zirkelte und gar nicht erst in die Nähe wollte, beschloss ich, ihn nur noch ein paar Mal in die Nähe kommen zu lassen, danach liess ich es gut sein. „Beim nächsten Mal wird auch das klappen“, erklärte ich Jonas überzeugt. Am Ende waren noch die Kegel dran. Dort machten wir nur etwas Slalom, als Führtraining und zum Ausklingen lassen. Loki musste auch rückwärts hindurch. Er schmiss zwar den letzten Kegel um, aber ich war längst zufrieden und führte ihn nun zum Waschplatz. Jonas und ich hatten eine halbe Schaumschlacht während dem einseifen von Loki. Jedenfalls war es sehr spassig. Ljóski hingegen fand das ganze Trara wohl nicht ganz so amüsant, er zappelte nämlich nach spätestens 10 Minuten immer wieder ungeduldig herum. Ich konnte es ihm nicht verkennen und liess ihn dafür zum Trocknen noch etwas neben dem Nordstall grasen. Jonas hatte verschwinden müssen, um nach Sorrow und Dancer zu sehen.

      Gegen Abend kamen endlich die letzten drei neuen an, oder besser gesagt die drei neuen alten. Denn alle waren schon mal auf meinem Hof gewesen. Caillean war der erste. Der kleine Miniature Horse Hengst war eines unserer Zuchtfohlen; ein Sohn von Alu. Ich musste ihn zurückholen, da sich seine Besitzerin nicht mehr um ihn gekümmert hatte. Zum Glück hatte mich ein alter Freund bei der örtlichen Polizei darauf aufmerksam gemacht, sodass wir den kleinen von seiner verdreckten Weide holen konnten. Er war ziemlich dünn und sein Fell struppig. Es tat mir richtig leid, ihn so zu sehen. Zum Glück schien er sonst nicht gesundheitlich angeschlagen. Ich holte ihn mit dem Transporter ab und stellte ihn zuhause als erstes unter eine gründliche Dusche. Er wurde von Kopf bis Fuss einshamponiert, bis er wieder blitzblank war. Dann erst durfte Caillean zu seinem Vater. Ich blieb jedoch während der ersten halben Stunde dabei und liess danach Lisa weiter beobachten, ob sich die Hengste vertrugen. Feather akzeptierte den Neuankömmling jedenfalls rasch, Caresse brauchte aber wiedermal etwas länger.

      Als nächstes wurden auch noch Paluche und Bottle of Jack zurückgebracht. Paluche hatte ich damals direkt von seiner Züchterin gekauft, seinen Bruder Jack hatte ich später übernommen. Ich hatte sie damals allerdings nach etwas mehr als einem Jahr verkaufen müssen, aus Platzgründen. Nun waren die beiden wieder hier, weil die ehemalige Besitzerin keine Zeit mehr hatte und mir extra angerufen hatte, ob ich sie nicht wieder nehmen wolle. Ich hatte nicht nein sagen können, denn Pal hatte mir wirklich gefehlt und nun hatten wir ja wieder freie Boxen, dank des neuen Nordstalls. Ich freute mich riesig, als die beiden stattlichen Dreijährigen aus dem Transporter geführt wurden. Besonders Pal war zu einer echten Schönheit herangewachsen und Jack lockte mit einer aussergewöhnlichen Scheckung. Die beiden Rabauken kamen mit den anderen Junghengsten auf die Weide. Als ich das Zauntor öffnete, fiel mir ein, dass nur noch Winter die zwei kannte, alle jetzigen Junghengste waren damals noch nicht hier gewesen. Etwas traurig wurde ich schon, als ich mich an Sunny, Smarty, Kabuki und Majandro erinnerte. Besonders bei Kabuki, denn der Reitponyhengst war noch als Fohlen an einer Vergiftung gestorben. Die anderen lebten in einem neuen Zuhause und waren bestimmt schon eingeritten. Jedenfalls wurden Pal und Jack neugierig in Empfang genommen. Es gab auch kurz ein paar Rangeleien, doch vorerst ordneten sich die beiden gut sozialisierten Criollos unter und wurden in Ruhe gelassen. Sie grasten zwar etwas abseits, aber das würde sich bestimmt bald ändern. Auch Parányi durfte nun übrigens zu den anderen, sie hatte ja den ganzen Tag über Zeit gehabt, sich mit ihnen durch den Zaun hindurch anzufreunden.

      Als es dunkel war, überkam mich die ganze Müdigkeit der letzten Woche und ich musste gähnen. Ich schloss kurz die Augen, da mich das Licht von Ajith’s Taschenlampe blendete. Jemand umschlang mich von hinten und murmelte mir ins Ohr „Schlaf nicht ein, sonst muss ich dich noch ins Haus tragen.“ „Vielleicht sollte ich echt langsam rein gehen, ehe ich noch umkippe. Unterwegs einnicke, musst du mich retten kommen, versprochen Jonas?“ „Promised Boss“, murmelte er lächelnd, und begleitete mich zur Tür. Auch Jacky und Sheela kamen auf mein Pfeifen hin angesaust. Ich sagte ihm gute Nacht und schlich ohne Licht nach oben in mein Zimmer, etwas enttäuscht, dass er nicht wieder mitgekommen war. Aber ich war wiedermal zu stolz gewesen um ihn zu fragen. Jedenfalls schlief ich in dieser Nacht besonders tief und träumte von gepunkteten Pferden, schwarzen Schäfchen und Regenschirmen.
    • Occulta
      Bunte Blätter

      Ich schlenderte vom Haus herkommend in Richtung Nordstall, mein Mittagessen in Form eines Sandwichs fertig geniessend. Normalerweise kochte ich mir schon etwas Warmes, aber heute hatte ich nicht genug Appetit und Lust gehabt. Die Pfleger waren auch alle noch in der Mittagspause, sodass ich den ganzen Stall für mich alleine hatte. Ich schaltete das Radio beim Eingang ein und drehte die Musik etwas lauter, dann holte ich summend Dancer aus seiner Box. Er hatte ordentlich Winterfell bekommen, also war er am Vortag geschoren worden. Nun stand er mit seiner schwarzen Fleecedecke da, ohne die er halbnackt war. Ich schnappte mir eine Bürste und faltete die Decke halb über seine Kruppe. Dann schrubbte ich den vorderen Bereich seines Körpers. Die flauschigen Ohren erinnerten an den Pelz, den er eigentlich gehabt hätte und wirkten nun umso grösser. Ich bürstete sanft seinen grossen Kopf, den er mir in die Jacke drückte, wobei er fast die tiefschwarzen Augen schloss. "Alter Geniesser du“, murmelte ich lächelnd und gönnte ihm die Streicheleinheit, indem ich extra lange an den Stirnhaaren herumfummelte. Sogar die Nüstern konnte ich mit der kleinen Bürste herausputzen, ohne dass er wegzog. Ich wollte heute nur einen Spaziergang mit ihm machen, da wir gestern lange und hart gearbeitet hatten. Ich war mir sicher, dass er auch nichts dagegen hatte, mal wieder entspannt ohne Reitergewicht durch die Gegend zu schlendern. Während dem Bürsten hörte ich Schritte näherkommen. Es war Jonas, der anscheinend schon wieder anpacken wollte. Verwundert fragte ich ihn, warum er nicht noch seine Pause geniessen wollte. "Ich hab gehört, dass du mit dem Dickerchen hier rauswillst, also dachte ich, ich könnte mich mit Sorrow gleich anhängen“, antwortete er knapp. „Aber ich geh nur Spazieren“, informierte ich ihn. „Passt schon.“ Ich zuckte mit den Schultern und fuhr fort mit dem Bürsten. Eigentlich hatte ich mich auf einen ruhigen, idyllischen Spaziergang gefreut, aber ich konnte damit leben, dass Bubi und ich nun doch Begleitung bekamen. Als ich auch die Schweifhaare erlesen hatte, schloss ich die Schnallen der Decke vorne wieder und zupfte das Fleece zurecht. Dann löste ich die Anbindeketten und führte den Hengst nach draussen. Sobald ihm die frische Herbstliche Brise an den stoppeligen Bauch zog, wachte er förmlich auf und wurde etwas zappeliger. Sorrow und Jonas folgten uns, denn Jonas hatte ihn zügiger geputzt und so aufgeholt. Wir liefen in ordentlichem Tempo zum Waldrand und weiter die Galoppwiese hinab. Am Anfang schwiegen wir beide, doch nach einer Weile begann er immer wieder neue Gesprächsthemen. Das ärgerte mich etwas, da er nach dem Anreissen eines Themas immer schwieg und mir das Reden überliess, sodass ich mir wie eine elende Plappertante vorkam. Deshalb gab ich gegen Mitte des Spaziergangs auch nur noch knappe Antworten und schwieg wieder mehrheitlich. Irgendwann waren nur noch das gelegentliche Schnauben der Pferde und das rhythmische Hufschlagen zu hören. Bei einem Flecken Wiese am Waldrand liess ich Dancer ein paar Halme grasen; Jonas tat es mir mit Sorrow gleich. Die lange Mähne des Welsh Ponys fiel ihm über die Augen und ich wunderte mich, ob er überhaupt noch sah, was er frass. Ich musste unbewusst geschmunzelt haben, denn Jonas fragte prompt, worüber ich mich so amüsierte. „Ach nichts“, meinte ich geheimnisvoll, und wollte mich wieder auf mein eigenes Begleittier konzentrieren, aber im nächsten Moment nahm mich der freche Pfleger in den Arm. Ich wehrte mich nicht, denn ein Teil von mir hatte insgeheim gehofft, dass das passieren würde. Wir standen eine gefühlte Ewigkeit da, Arm in Arm und umgeben von der nebligen Aura des Herbstes. Ich hatte den Kopf auf seine Schulter gelegt und genoss die Berührungen. Ich konnte ausserdem nicht wiederstehen, ihm mit der Hand durch die lockigen Haare zu fahren und ihm neckisch „Schäfchen“ ins Ohr zu flüstern. Nach einer Weile sah ich auf meine Armbanduhr, was er als Zeichen des Aufbruchs verstand. Wir liefen in gemütlichem Tempo zurück nach Pineforest Stable. Wir witzelten unterwegs über Lisas Kürbissuppe, die sie letztens für die Pfleger gekocht hatte. „Wer weiss ob wir überhaupt alle noch leben, oder ob wir dank dem Zeug längst Zombies sind“ „Na wenigstens war sie schaurig passend zu Halloween.“
      Im Nordstall angekommen befahl ich ihm, gefälligst Sorrow nochmal richtig zu putzen, half ihm aber dann doch dabei. Wir entwirrten die Schweifhaare, bis man das üppige Langhaar wieder ohne Probleme kämmen konnte. Dann flocht ich die Mähne zu einem französischen Zopf. Auch aus dem Schopf machte ich einen grossen Zopf, damit der Hengst sich endlich wieder richtig umsehen konnte. Zum Schluss gab es von Jonas eine Karotte; natürlich auch für Dancer, der schon eifersüchtig rüber schielte. Sorrow wollte uns gar nicht mehr gehen lassen: immer wenn wir von der Box wegwollten, grunzte er auffordernd und sah uns mit seinem Hundeblick hinterher, die kleinen Ohren gespitzt. Ich lachte bei dem Anblick und streichelte ihn ein letztes Mal, dann ging Jonas wieder seiner Arbeit nach und ich wechselte zu den Damen.
      Lost in his Echo wartete bereits auf der Weide. Zum Glück hatte sie ihre Regendecke an, denn sonst wäre sie wohl von Kopf bis Huf voll mit Matsch gewesen. Wenigstens waren die Weiden für die Jahreszeit noch in erstaunlich gutem Zustand. Doch mittlerweile musste ich geschickt einteilen um das Gras zu schonen. Wenn es zu nass war, durften die Pferde nicht raus, da sie sonst das ganze Feld umpflügten. Zudem war Herkir gerade letzte Woche vor meinen Augen auf dem feuchten Untergrund ausgerutscht, hatte sich aber glücklicherweise nicht verletzt. Er und Loki rannten aber sowieso immer wie von Hummeln gestochen auf die Weide, da war ein Ausrutscher nicht verwunderlich. Echo kam mir entgegen, als ich sie rief. Ich führte sie nur am Halfter zum Nebenstall und band sie zum Putzen an. Anschliessend zog ich ihr die Fleecedecke an, da auch sie geschoren war, zäumte sie und setzte mich ohne Sattel auf ihren Rücken, wobei ich den vorderen Teil der Decke um meine Beine schlang. So hatten wir beide schön warm. Ich ritt ins Gelände, in Richtung Fluss. Ich begann, ihren Militärzaum richtig zu mögen, da er bequeme Zügel hatte und auch sonst sehr praktisch war. Er konnte auch zu einem Halfter umgewandelt werden, den Strick knotete ich der Stute meistens um den Hals. Wir ritten durch das vom Nebel angefeuchtete Laub, das in den Laubwäldern fast den gesamten Weg bedeckte. Ich war insgesamt zwei Stunden unterwegs, denn ich ritt wiedermal die Strecke hinter das Nachbardorf, wo ich sonst nur selten war. Dort hatte es hervorragende Galoppstrecken, aber es war sehr weit weg, weshalb ich mit jungen Pferden sonst immer im eigentlichen Park blieb. Echo hielt ich aber für reif für dieses Abenteuer. Sie enttäuschte mich jedenfalls nicht – wir hatten unseren Spass auf den Trampelpfaden im Wald.

      Als wir zurück auf dem Hof kamen, waren meine Haare und ihre Mähne noch gewellter als sonst und ganz feucht. Ich versorgte die Stute und wechselte zu Argenté Noir, die seit kurzem zurück auf dem Hof war. Sie hatte ein hervorragendes Training bei Sarah genossen und es so sogar durch die Körung geschafft. Ich hatte sie mit Begeisterung das erste Mal nach ihrer Rückkehr geritten und seither wurde sie vor allem von Elliot weiter in Military gefördert. Nach Jolympia hatte sie wahrlich Freude an dieser Form des Hindernisspringens gefunden und war jeweils kaum zu halten. Ich war froh endlich etwas gefunden zu haben, was die Stute so hervorragend konnte. Bisher war sie immer ein Allrounder gewesen, und eher für die Freizeitreiterei eingesetzt worden. Jolympia – das war übrigens ein voller Erfolg gewesen. Feline und besonders Indiana hatten ein paar Schleifen abgeräumt. An den Gesamtsieger waren wir dann doch nicht herangekommen, aber viel hatte bei Indiana nicht gefehlt. Ich war unglaublich stolz auf die Talentierte Vollblutstute. Auch Noir hatte sich ein Schleifchen verdient, worüber ich positiv erstaunt gewesen war. Ich holte meine Gedanken zurück in den Augenblick und sattelte das zweite Welsh Pony des Hofs. Dann ritt ich eine halbe Stunde intensiv Dressur, denn auch das gehörte hin und wieder dazu. Ich wollte, dass sie nichts von dem Gelernten vergass und trimmte sie auf feine Hilfen. Sie war heute etwas zu hastig unterwegs, und ich konnte sie erst gegen Schluss für die Seitengänge begeistern. Aber dennoch war ich zufrieden, denn ich hatte lieber fleissigere Pferde.
      Fleissig – das war auch Parányi. Naja, bei ihr lag es zumindest im Moment eher am mangelnden Gleichgewicht. Sie war kaum unter dem Sattel, lief aber heute schon das erste Mal in der Stunde mit. Ich selber ritt Calico, die Stute wurde von Lisa bewegt. Wir hatten heute nur zu zweit Stunde bei Elliot. Draussen wurde es schon dunkel, aber in der Halle war es schön hell und sogar einigermassen warm. Elliot hatte die Musik etwas aufgedreht und so wärmten wir uns in zu ‚Riva‘ von Klingande ein. Wir hatten unseren Spass, wie in beinahe jeder von Elliots Reitstunden. Er gab immer viele hilfreiche Tipps und wies uns auf Fehler hin, sodass sogar ich noch etwas lernen konnte. Aber ausgelernt hatte man ja ohnehin nie. Calico hatte heute ebenfalls einen fleissigen Schritt drauf, und beim Angaloppieren buckelte er einige Male. Ich sass die Hopser geschickt aus, denn ich hatte schon ganz andere Rodeo-Einlagen miterleben müssen. Vom Restaurant her sah ich Rita das Gesicht verziehen. Ich konnte mir gut denken, was im Kopf der jungen Pflegerin vorging. Schliesslich ritt ich ihr ehemaliges Pferd. Sie hatte im Moment noch ziemlich Angst, wenn die Pferde unter ihr wild wurden, aber ich war zuversichtlich, dass auch sie es eines Tages mit den bockigeren Kandidaten aufnehmen konnte. Sie lächelte schon mehr, als ich Calico versammelte und auf der Diagonalen spicken liess. Auch Elliot lobte ihn, denn er hob brav die Beinchen. Ich murmelte nur liebevoll: „Siehst du, so musst du deine Energie verpuffen.“ Parányi lief natürlich noch nicht ganz so sicher, aber sie bockte immerhin auch nicht, dafür hatte sie wohl noch zu wenig Kraft. Hin und wieder waren sie und Lisa sich nicht ganz einer Meinung, sodass die Stute den Kopf hochnahm und in eine andere Richtung zog. Aber im Grossen und Ganzen lief sie entspannt; das sah man an ihrem Pendelschweif. Nach der Stunde versorgen wir die beiden Pferde und wischten die Stallgassen der Gebäude. Danach ging alles seinen gewohnten abendlichen Ablauf.
    • Occulta
      [​IMG] Western E-A

      Westerntraining – das hatte ich auch mit Calico und Feline vor. Allerdings ritt ich diesmal nicht selber, sondern liess Rita auf ihrem ehemaligen Pferd üben. Den Part mit Feline übernahm meine kleine Nichte. Ich wollte ihr die ersten Schritte in Richtung Western weisen. Auch Feline war gewissermassen noch eine Anfängerin, denn bisher hatten wir sie auf Turnieren meist englisch vorgestellt und waren höchstens in der Freizeit mit Westernsattel auf ihr geritten. Calico und Rita hatten schon einige Fortschritte gemacht, doch in letzter Zeit hatten sie wieder ein Tief gehabt. Bevor wir das ausbügeln konnten, mussten beide Pferde erstmal geputzt und gesattelt werden. Feline schaute etwas mürrisch drein, als ich den Westernsattel auf ihren Rücken schwang. Ob er wohl irgendwo drückt?, wunderte ich mich. Kontrollierte die Auflage des Sattels und begutachtete ihn von allen Seiten. Sieht eigentlich gut aus… Ich war eng befreundet mit einem Sattler, der in Zukunft auch im Zubehörshop von Pineforest Stable angestellt sein würde, daher hatte ich ein gutes Auge für Sättel entwickelt. Trotzdem war ich kein Experte. Ich beschloss, ihn in nächster Zeit anzurufen und ein Druckbild zu erstellen. Mit Lilys geringem Gewicht konnte erstmal sowieso kein weiterer Schaden entstehen. Wir führten die Pferde in die Halle. Ich half Lily beim Aufsteigen, Rita kam natürlich selber hoch. Lily war schon ein paar Mal mit Westernsattel geritten, aber nie wirklich im Western Style. Ich instruierte sie, die Zügel zwar länger zu lassen, aber den Kontakt trotzdem aufrecht zu erhalten. Feline wollte noch nicht so recht über den Rücken laufen und blieb auf der Vorhand. Schon beim Aufwärmen verlangte ich daher von Lily, dass sie die Zügel eher breit halten und Feline von hinten nach vorne treiben solle. Meine kleine Schülerin versuchte die Tipps fleissig umzusetzen, aber ganz so einfach war das natürlich nicht. Sie schlug sich aber nicht schlecht. Rita hatte schon weniger Mühe, da sie mittlerweile richtig gut im englischen Reiten war. Nun musste sie sich aber umgewöhnen, da sie Calico nur am Anfang aktiv treiben sollte und danach nur noch, wenn sie Übergänge ritt. Es fiel ihr schwerer als gedacht, die Beine ruhig zu halten. Jedes Mal wenn Calico in den Schritt durchzufallen drohte, musste sie prompt reagieren und ihn wieder vorwärts schicken, denn das Ziel war, dass er sein Tempo bis zu einem anderen Kommando beibehielt. Gleichzeitig musste auch sie ihn mit feinem Zupfen und breiter Handführung auffordern, den Kopf zu senken. Nach einer Weile verlangte ich einen langsamen Jog, jedoch nur auf der kurzen Seite der Bahn. Dabei musste sie dann doch aktiv treiben, damit Calico quasi an der Schwelle zum Schrittübergang blieb. Auch Lily und Feline mussten das versuchen, aber natürlich drückte ich bei ihr noch ein Auge zu. Ich liess die beiden viele Volten und Übergänge reiten, bis die Pferde wirklich von selbst begannen, die Tiefe zu suchen. Genau dann brachen wir das Training ab, denn wir hatten bis dorthin auch die wichtigsten Figuren geübt. In den nächsten Wochen wollte ich diese Übungen widerholen und festigen.
    • Occulta
      Neues Jahr, neues Glück

      Weihnachten war relativ unspektakulär verlaufen, da ich es nicht wirklich feierte und auch meine Familie keinen Wirbel darum machte. Auf die heutige Silvesterparty hingegen freute ich mich besonders. Es würde ein kleines Feuerwerk geben und Pizza für alle Pfleger. Ausnahmsweise musste dabei nicht Lisa an den Herd, sondern der Pizzadienst. Doch zuerst mussten die Pferde versorgt werden. Es war schliesslich erst Mittag. Ich verdrückte die Reste meines Sandwichs und begab mich dann zum Nebenstall, um Vychahr bereit zu machen. Mit dem Hengst stand Dressurarbeit auf dem Programm, denn er musste fit gemacht werden für ein Turnier am Wochenende. Ihn schien das aber nicht zu interessieren, denn er frass stur an seinem Heu weiter, als ich kam. „Come on boy, don’t mock me“, sagte ich mit verschränkten Armen, dann umfasste ich seinen Kopf und zog ihn sanft in die Höhe, um ihm das Halfter überzustreifen. Er rieb sofort das Auge an meinem Arm, sodass ich einige Sekunden brauchte, um das Halfter zu verschliessen. Dafür folgte er mir brav aus der Box in die Stallgasse. Ich bürstete ihn gründlich durch, wobei ich mich mal wieder über einen tollen Mistfleck an der Flanke freuen durfte. „Dass du auch immer mitten drauf liegen musst – als ob deine Luxusbox zu klein währe“, murmelte ich mit zusammengebissenen Zähnen, während ich daran herumschrubbte. Stuten sind viel sauberer, die benutzen immer dieselbe Ecke, stellte ich fest. Als ich das Stroh aus dem Schweif gelesen, die Mähne entwirrt und die Hufe ausgekratzt hatte, verschwand ich in die Sattelkammer. Einen Moment lang überlegte ich, ob ich nicht doch den Springsattel nehmen sollte. Ich fand den nämlich eindeutig bequemer. Doch ich entschied mich seufzend für den lackschwarzen Dressursattel und lief damit zurück zu Vilou. Na wenigstens war ich von Vorgestern noch auf den Sattel eingestimmt, denn da hatte ich mit Feline in Dressur den ersten Platz abgeräumt. Überhaupt waren die letzten Wochen wiedermal vielversprechend gewesen: Caspian hatte alle Erwartungen übertroffen und in einem wichtigen Qualifikationsrennen den Sieg geholt, und fünf Tage später gleich noch den zweiten Platz bei einem hochdotierten Handicap. Diarado war ebenfalls in Dressur aufs Podest gekommen und Lady Diva hatte in der Fahrshow geglänzt. Ausserdem hatte Ljóski in einer Clubmeisterschaft gewonnen, bei der einige bekannte Spitzentölter um den Sieg gekämpft hatten. Ich war unglaublich stolz auf den Schecken, der als Fohlen so unscheinbar gewesen war.
      Ich übte mit Vychahr an den Übergängen, besonders Schritt-Trab, und das Rückwärtstreten. Bei letzterem hatte er noch ziemlich mühe, obwohl er das Stimmkommando von der Bodenarbeit her kannte. Ich schien ihn mit dem Treiben etwas zu verwirren, deshalb schickte ich ihn zunächst nur mit der Stimme und halben Paraden zurück, um dann Schritt für Schritt die Schenkelhilfen dazuzunehmen. Am Ende klappte es zweimal fast perfekt, danach beendete ich das Tranining sofort, denn ich wollte seine Geduld nicht noch mehr strapazieren. Ich versorgte den Fuchs und ging weiter zu Fly Fast in den Hauptstall. Mein grosser Brauner sah mir schon von weitem entgegen und röchelte. Ich öffnete fröhlich die Boxentür und klopfte ihm auf den Hals, dann schob ich ihm eine Begrüssungkarottenscheibe ins Maul. Er schien heute gut gelaunt, also beschloss ich kurzerhand, ein wenig Startboxentraining mit ihm zu machen. Das hatte ich mittlerweile schon oft getan, und jedes Mal gehofft, dass es endlich nachhaltig sein würde. Doch so leicht machte es mir Fly nicht. Der Hengst hatte ein regelrechtes Trauma, das ihm immer wieder Rückschläge brachte. Immerhin hatten wir ihn durch all das Training erreicht, dass Starts ohne Boxen möglich waren und er auf der Bahn selbst, die er am Anfang kaum noch betreten wollte, wieder konzentriert arbeiten konnte. Ich bürstete das geschorene Stoppelfell und die frisch gekürzte Mähne, dann säuberte ich die Hufe und den Kopf. Er konnte kaum stillhalten und blödelte rum, indem er die Bürste immer wieder zwischen die Zähne nahm. Nachdem ich eher sein Gebiss gebürstet hatte, als die Stirn, holte ich schliesslich das Sattelzeug. Er schnappte wie immer mürrisch nach dem Anbindeseil, als ich den Sattel auflegte. Immerhin wagte er es nicht, gegen mich zu scharren, wie er es noch vor einem Jahr getan hatte. Anschliessend führte ich ihn zur Bahn. Ich stieg noch nicht auf, sondern wollte ihn erstmal vom Boden aus in die Startmaschine führen. Dazu hatte ich zur Sicherheit die Führkette über die Nase des Hengstes gelegt, falls er steigen wollte. Solange er brav am Boden blieb, war auch kein Druck auf seinem Nasenrücken. Ich nahm mir viel Zeit und liess ihn an allem was ihm Angst einjagte schnüffeln und knabbern. Trotzdem versuchte er ein paar Mal, sich rückwärts aus der engen Box rauszuretten und sich loszureissen. Jedesmal führte ich ihn erneut hinein und blieb dabei so ruhig wie möglich. Ich rettete mich jeweils, wie es normalerweise auch die Pfleger taten, auf der Trittfläche am Rand der Boxen in die Höhe, damit Fly mich nicht irgendwie übertrampeln konnte. Schliesslich stand er drinnen, senkte den Kopf etwas und schnaubte lautstark ab. Ich lobte ihn lächelnd und gab ihm ein paar Karottenstücke, damit er sich kauend noch mehr entspannte. Nach einer Viertelstunde stieg ich auf und ritt ein paarmal hinein, was erstaunlich gut klappte. Dann versorgte ich Fly zufrieden und gönnte mir eine kurze Pause, ehe ich mit Lisa, Rosie und Lewis ausreiten ging. Wir nahmen dazu Anubis, Rebel, Burggraf und Diarado, wobei ich letzteren ritt. Die vier waren brav und wir konnten den Ausritt trotz anhaltenden Schneeregens geniessen. Zweimal liessen wir die Jungs auf passenden Waldwegen galoppieren, wobei sie richtig aufdrehten. Der Wind peitschte mir den kalten Regen ins Gesicht und ich fühlte mich steif vor Kälte, aber biss die Zähne zusammen. Mir zu Schlitzen verengten Augen vorausschauend hielt ich Diarado hinter Burggraf, sodass der Rappe sein Tempo anpassen musste. Anubis hielt trotz des Hundewetters wiedermal seinen Schweif wie eine graubraune Fahne im Wind. Ich lächelte über den unbrechbaren Stolz des Hengstes. Als wir zurückkamen, wartete Jonas vor dem Nordstall auf uns. „Hey Boss, Dakotas Fohlen ist da!“ Ich rutschte, mitten beim Absteigen, vor Überraschung fast vom Pferd. „Waaaas, aber heute Morgen war doch noch alles normal; wie ist das möglich?!“ „Sie muss wohl über den Mittag die Wehen bekommen haben. Lewis war seit kurz nach dem Misten nicht mehr unten und sonst hat auch niemand mehr nach den Minis gesehen, sonst hätten wir es wohl früher bemerkt“ Ich rollte die Augen. Das passt ja zu Daki – einen Moment wählen, in dem garantiert niemand sie stört… Ich stieg ab und versorgte Diarado mit zitternden Händen, weil ich es kaum erwarten konnte, das Fohlen zu sehen. Wie Jonas berichtet hatte war es gesund und bereits auf den Beinen als ich kam. Das schlaksige kleine Ding hatte bezauberndes, silbernes Fell ohne jegliche Abzeichen. Es war noch ganz zerzaust von der Geburt, doch stakste schon neugierig durch das Stroh im Offenstall. Zum Glück hatten wir die Minis heute nicht raus gelassen, sonst hätte sich das Stütchen bestimmt verkältet. Vorsichtig näherte ich mich und kraulte zuerst Daki, um sie kurz durchzuchecken und gewissermassen ihre Erlaubnis zu holen, das Fohlen überhaupt anfassen zu dürfen. Sie schien munter und frass entspannt weiter ihr Heu, selbst als ich mich hinkniete und das Fohlen zu mir lockte. Die kleine schnupperte ganz sanft an meinem Ärmel und nahm meine Finger in ihren Mund. Ich war ganz verzaubert von ihr und wäre am liebsten stundenlang dort geblieben, doch die Arbeit rief. Bevor ich ging, drehte ich mich bei der Tür nochmal um und murmelte den ersten Namen, der mir bei ihrem Anblick in den Sinn gekommen war: Allegra.
      Wenig später ritt ich meinen geliebten Co Pilot in der Halle. Ich sprang eine leichte Gymnastikreihe und ein paar lockernde Kreuze, ausserdem baute ich viel frischen Galopp ein. Der Hengst hatte gestern eine anstrengende Springstunde gehabt, deshalb wollte ich ihm heute eine Pause gönnen und ein paar spassigere Dinge mit ihm unternehmen. Er schien jedenfalls nicht abgeneigt und lief locker am Zügel, ohne den Schwung zu verlieren. Ausserdem streckte er wunderbar in die Tiefe, als ich ihn nach einer halben Stunde liess. Ich klopfte ihm stolz auf den Hals und begrüsste beim rausreiten Darren und David mit Baccardi und Calico. Die beiden wollten gerade in die Halle, um etwas Bodenarbeit mit den beiden zu machen. Bei dem Wetter war das wohl auch das Vernünftigste. Ich bürstete Pilot nach dem Absatteln gründlich durch, besonders bei der Gurtlage. So erhoffte ich mir, allfällige Verspannungen zu lösen und die Durchblutung anzuregen. Er gähnte entspannt, als ich den Muskellinien bei der Schulter mit den Fingern entlang fuhr. Was er hingegen nicht ganz so gerne mochte war, dass ich ihn unter dem Bauch kitzelte, damit er den Rücken etwas anhob. Er verzieh mir, als ich ihm seine Karotten und einen Apfel als Belohnung brachte. Ich wollte, dass die Pferde auch etwas von ihrer Mitarbeit hatten und nicht einfach nur funktionieren mussten. Daher fand ich es ganz natürlich, dass sie alle ihre verdienten Leckereien am Ende der Arbeit bekamen. Allerdings verzichtete ich meist auf herkömmliche Leckerlis und fütterte stattdessen meist Karottenstückchen, da diese besser für Zähne und Bikinifigur waren.
      Als es schon längst dunkel war, mussten Rosie und ich noch die letzten Pferde für heute bewegen; nämlich Shadow und Noir. Ich führte die Welsh Stute von der Stutenweide zum Nebenstall und band sie locker unter dem Vordach an. Rosie tat es mir gleich und ich brachte ihr gleich Shadows Putzzeug mit. Wir bereiteten die beiden Stuten gründlich vor und gingen dann in die Halle um sie zu longieren. Noir ritt ich fast nicht mehr, weil auch ihr Fohlen nicht mehr lange auf sich warten lassen würde. Sie war noch kugeliger als sonst – aber immerhin hatte sie jetzt eine Ausrede. Ich kam nicht umhin zu schmunzeln, als sie auf mein Kommando hin angaloppierte und trotz allem zu ein paar kräftigen Bocksprüngen ansetzte. Shadow auf der anderen Volte liess sich anstecken und drehte ebenfalls ein paar Schleuderrunden, aber sie war bereits gut eingewärmt, also machte ich mir keine Sorgen. Im Gegenteil: ich bewunderte, wie toll die lackschwarze Stute ausbalanciert war. Wir brachten die beiden in einer guten halben Stunde sogar etwas zum Schwitzen, sodass wir sie etwas länger trockenführen mussten. Nachdem beide versorgt waren, sah ich nochmal nach dem jüngsten Bewohner von Pineforest Stable. Allegra lag platt auf der Seite neben ihrer Mutter im Stroh und döste, Daki stand mit aufgestütztem Bein da und hob sofort den Kopf, als ich kam. Ich schlich mich leise wieder raus, um die kleine nicht zu wecken. Danach gings ans Vorbereiten des Neujahrsfests. Ich bestellte beim Pizzadienst die Wunschliste der Pfleger und half danach beim Decken der Tische im Pflegerheim. Wir hatten die Sofas im Aufenthaltsraum an die Wand geschoben und so einen geräumigen Essraum geschaffen. Das Radio lief und sorgte für gute Stimmung, ausserdem hatten sich alle irgendwas zu erzählen, sodass es nicht langweilig wurde, bis das Essen kam. Pünktlich um Mitternacht stiessen wir alle an und wünschten uns gegenseitig ein erfolgreiches neues Jahr. Dann verzogen sich die meisten Pfleger auch schon wieder in die Betten, da auch am nächsten Tag schon früh gefüttert und gemistet werden musste. Pferde kannten nunmal keine Feiertage. Diejenigen Pfleger, die morgen später Schicht hatten, oder gar ganz frei, blieben noch ein wenig länger auf. Ich begab mich ebenfalls zurück ins Haupthaus, denn ich war hundemüde. Ich schickte Zira, Sheela und Jacky auf ihre Decken und streichelte sie ein letztes Mal, ehe ich die Treppe hoch schlenderte. Gerade, als ich das Licht löschen wollte, klingelte das Telefon. Ein Anruf um diese Zeit? Sicher irgendwelche verrückten Verwandten die mir ein gutes neues Jahr wünschen wollen, dachte ich seufzend. Doch als ich den Hörer ans Ohr hob, musste ich leer schlucken. “Police office Birmingham, am I talking to Miss Occulta Smith?“ Ich zögerte, dann antwortete ich. Besorgt wartete ich auf die Erklärung für den Anruf, doch als ich sie bekommen hatte, wollte ich die Worte am liebsten gleich wieder vergessen. „We are sorry to tell you that your cousin Rachel passed away.“ Schluchzend legte ich auf, sobald der Officer fertig war und wählte die Nummer von Rachels Nachbaren, die Lily fürs erste bei sich aufgenommen hatten. Sie gaben mir meine Nichte ans Telefon, die natürlich völlig geschockt und aufgelöst war. Lily war nun eine Waise, denn ihr Vater war schon vor Jahren an Lungenkrebs gestorben. Nun hatte es ihre Mutter erwischt – ein schrecklicher Verkehrsunfall auf dem Heimweg. „Shhhh, ganz ruhig, es wird alles gut… irgendwie. Ich hole dich morgen ab, es ist alles mit der Polizei abgesprochen. Du kommst zu mir, und ich kümmere mich um dich. Wir stehen das zusammen durch.“ Das Schluchzen am anderen Ende wurde leiser und ein ersticktes „Okay“ folgte. Ich konnte diese Nacht kaum schlafen und hatte Albträume. Fing so ein gutes neues Jahr an?
    • Occulta
      Montag Mondtag

      “Why do they always freak out when there’s a full moon?”, stöhnte Lewis kopfschüttelnd, während er Anubis mit der Hinterhand weichen liess. Wir waren mitten auf einem Ausritt, doch bisher waren eher die Pferde mit uns ausgeritten. Auch Dod und ich hatten Ärger miteinander, denn der sture Hengst wollte einfach nicht an den frisch gefällten Baumstämmen vorbei, die am Wegrand lagen. Ich trieb, gab einen mahnenden Klaps mit der Hand hinter dem Sattelblatt und schnalzte, doch schliesslich wirkte nur Geduld. Wer den längeren Atem hat, gewinnt. Wir schafften es, alle Pferde vorbeizubekommen, ohne einen meterweiten Bogen um den Stapel zu machen. Am ruhigsten war diesmal Baccardi geblieben, obwohl sein Kumpel Donut genauso gezickt hatte wie der Criollo und der Araber. Darren hatte also ausnahmsweise mal Glück gehabt. Quinn, die sonst eher langbeinige, grossgewachsene Vollblüter ritt, war mit ihrem wendigen Reitpony ein wenig überfordert. Ich riet ihr, Donut gut mit den Beinen einzurahmen und einen führenden Zügel zu bestimmen, der quasi als unterstützende Wand fungierte. Der restliche Ritt verlief auch nicht ganz störungsfrei, mitunter weil es begann, wieder in Strömen zu regnen, aber zumindest angenehmer was das Verhalten der Pferde anging. Ich freute mich schon sarkastisch auf den Ausritt mit Islah und Numair, den ich anschliessend mit Rosie vorhatte.
      Zurück auf dem Hof empfing mich Rosie bereits mit denselben Gedanken, denn sie berichtete, dass auch Burggraf total unkonzentriert gewesen war. Die Gruppe mit ihm, Pilot, Vychahr, Calico und Diarado war in die andere Richtung losgeritten und etwas früher zurückgekehrt. Lily gesellte sich mit den drei Hunden zu uns und hörte gespannt zu. „How about doing some Dressage instead?“, schlug ich vor, doch Rosie antwortete, was ich kurz darauf selbst dachte: „We’ve been in the arena yesterday and even the day before that, since it was also rainy then. I think they wouldn’t like it…” Lewis, der hinter uns durchhuschte, meinte scherzhaft: “You could do some sacking out, Islah would like that.” Wir lachten herzhaft, aber die Idee war tatsächlich nicht allzu schlecht. Immerhin wären sie dann beschäftigt, und schaden tut das eh nie. Rosie war einverstanden, also holten wir wenig später die beiden Araber aus ihren Boxen. Ich übernahm für heute wieder Islah, brav nach Einteilungsliste. Wir stellten in der Halle eine Plastikplane, einen Flattervorhang, einen grossen roten Ball, einen Tütenstock, einen Regenschirm und eine kleine Plastikpistole bereit. Numair war heute eindeutig der wildere von den beiden, denn schon beim Betreten der Halle glotzte er in der Gegend herum. Islah Schweif und geblähten Nüstern darüber, als ob sie gleich versinken würde. Eigentlich sah sie bildhübsch aus, wenn sie sich so aufplusterte. Trotzdem hatte ich es lieber, wenn sie etwas gemässigter unterwegs war, oder mich wenigstens vorwarnte, wie Numair es mit Rosie tat. Er spitzte schon Meter vor der Plane die Ohren, bis sie sich fast berührten, lief dann aber erstaunlicherweise im Schritt darüber. Da sieht man den Unterschied, dachte ich lächelnd. Numair findet die Plane wohl wirklich etwas unheimlich, Islah hingegen will mich bloss veräppeln. Ich schickte das furchtlose Vieh gleich weiter durch den Flattervorhang, was sie auch mehr oder weniger ohne Zögern meisterte. Auch der rote Ball schien sie nicht zu beeindrucken – den hatten wir aber auch schon beim letzten Schrecktraining gefühlte 100 Mal gegen ihre Vorderbeine rollen lassen. Während Numair und Rosie mit dem Regenschirm beschäftigt waren, wagte ich mich an die Plastikpistole. Beide Pferde zuckten ganz schön zusammen, als ich sie das erste Mal knallen liess. Numair vergass sogar den Schirm für einen Moment und hatte nur noch Augen für das kleine, schwarze Ding in meiner Hand. Beide gewöhnten sich aber nach ein paar weiteren Versuchen an das Geräusch, bis sie jeweils nur noch die Ohren spitzten. Wir beendeten das Training nach einer halben Stunde und brachten die beiden Araber zurück in ihre Boxen.
      Ich konnte es nicht lassen, zwischendurch nach Dream und Skydive zu sehen. Das schwarze Hengstfohlen war so unglaublich niedlich. Es hatte besonders schöne, im Moment noch leicht bläuliche Augen, die später aber ganz dunkel werden würden. Die gekräuselten Tasthaare an seinem Maul liessen ihn noch etwas dümmlich aussehen, genauso wie die übergrossen Ohren und knochigen Beine. Aber er war ein rechter Brocken für seine beinahe-14-Stunden Lebenszeit. Es war ein unbeschreiblich süsser Anblick, als er an Jacky schnüffelte, die durch das Stroh wuselte und nach Mäusen suchte. Es war zwar schon fünf Uhr, aber ich hatte noch immer einiges vor, also begab ich mich wieder in den Nordstall, wo Loki und Herkir bereits ungeduldig grunzten. Mit ihnen hatte ich ebenfalls ins Gelände gewollt, aber das fiel nun ins Wasser. Ich holte stattdessen die Doppellongen Ausrüstung und arbeitete so mit beiden je eine halbe Stunde. Ich achtete bei beiden auf die Dehnungshaltung, da sie als Tölter dazu tendierten, den Kopf über die Linie zu nehmen und den Rücken nicht zu heben. Ich war am Ende viel müder als die beiden, deshalb gönnte ich mir eine kleine Pause mit einer Tasse Tee, ehe ich zu Circus Dancer weiterging. Der Knabstrupper Hengst war auch etwas aufgewühlter als sonst. Er zappelte beim Putzen und lief in Giraffenhaltung auf dem Weg zur Halle, während wir beide vom Regen durchweicht wurden. Ich entfernte das Tuch vom Sattel, das ich zum Schutz vor dem Wasser darübergelegt hatte, und stieg auf wie immer um ihn warm zu reiten. Mir fiel schon im Schritt auf, dass er die eine Hallenecke immer wieder zu meiden versuchte und jeweils die Ohren spitzte, wenn wir daran vorbei kamen. Ich versuchte, die Ecke trotzdem auszureiten und das Verhalten zu ignorieren. Doch als ich das erste Mal im Trab durchkam, nahm er plötzlich den Kopf über die Linie und startete durch. Mit Mühe zog ich Dancer auf eine enge Volte und liess ihn drehen, bis er stand. Vermutlich hatte etwas in der Ecke geknackt, oder vielleicht war eine Maus durchgehuscht – jedenfalls ritt ich jetzt extra im Schritt nochmal hin, um ihm die ‚gefährliche‘ Ecke gründlich zu zeigen. Zunächst wehrte er sich, indem er den Rückwärtsgang einlegte und versuchte, abzudrehen. Ich trieb ihn konsequent vorwärts und schaffte es, ihn in der Ecke zu parkieren. Wir standen dort bis er den Kopf zu senken begann und an der Wand schnupperte. Dann streichelte ich ihn und ritt auf die Volte. Ich trabte an und kam siegessicher wieder auf die Ecke zu, doch abermals versuchte er das Spiel mit dem Losrennen. Ich zog ihn wieder in die Wendung und gab ihm einen Klaps mit der Gerte, nicht stark, aber um ihm klarzumachen, dass ich das gezeigte Verhalten nicht akzeptierte. Ich verglich den Einsatz der Gerte gerne mit dem Ausschlagen oder Zubeissen des Leitpferdes, als Züchtigung im Ausnahmefall. Ich ritt wieder auf die Ecke zu, wieder im Trab, als wäre nichts gewesen. Er lief zwar mit Aussenstellung und gespitzten Ohren daran vorbei, blieb aber im Trab. Ich lobte ihn und gab ihm eine Denkpause, indem ich auf die andere Volte wechselte. Ich verkleinerte und vergrösserte die Volte und versammelte ihn dabei mit korrekter Innenstellung. Er entspannte sich ein wenig und schnaubte. Ich überstrich lobend den Hals und hielt eine lockere, ruhige Verbindung zum Pferdemaul. Dann ritt ich wieder auf der ganzen Bahn und damit auch durch die berüchtigte Ecke. Diesmal reagierte er kaum noch und blieb sogar in Anlehnung. Ich lobte abermals und galoppierte an. Wir konnten den Rest der Stunde ohne weitere Uneinigkeiten abschliessen und er lief sogar schöner als am Vortag. Ich liess ihn spüren, dass ich zufrieden mit ihm war und kraulte ihn ausgiebig, als wir wieder in der Box waren, währendem er seine Karotten verschlang. Nun war nur noch Daydreaming Sorrow übrig. Ich nahm mir viel Zeit für den Welsh und flocht ihm einen ordentlichen Französischen Zopf, bevor ich sattelte. Das machte ich vor allem, damit mir seine mächtige Mähne beim Reiten nicht in den Weg kam. Auch die Stirnfranse flocht ich zu einem Zopf und klemmte sie beim Zäumen unter das Stirnband. Wir trabten förmlich zur Halle, weil es noch stärker regnete als zuvor. In der Halle stieg ich auf und ritt ihn warm, dann begann ich mit Stangentraben; das war das heutige Thema für den Hengst. Ajith hatte mit die bunten Stangen während dem Satteln vorbereitet und stand nun beim Halleneingang um ein wenig zuzusehen. Ich ritt zuerst schwungvoll über gewöhnliche Trabstangen, sodass er die Beine heben und sich auf seinen Untergrund konzentrieren musste. Als Nebeneffekt davon kaute er auf dem Gebiss und lief in wunderschöner Anlehnung. Eine weitere Lektion war das Reiten einer Volte, wobei ich jedes Mal über vier gleichmässig verteilte Stangen galoppierte. Ich wechselte auch ab und zu aus der Volte und nutzte die Stange in der Mitte der Halle zum Galoppwechseln. Am Schluss sprang ich ein paar Cavaletti mit Sorrow, was ihm offenbar Spass machte, denn er gab jeweils extra Gas. Am Ende lobte ich ihn und liess ihn austraben.
      Vor dem Schlafengehen machte ich wie immer mit Lily einen letzten Kontrollrundgang. Zufrieden stellte ich fest, dass die meisten Pferde bereits stehend oder liegend dösten und alles schön aufgeräumt war. Ich löschte in allen Stallgebäuden das Licht, wünschte den Pflegern, die zum Pflegerheim schlenderten, eine gute Nacht und begab mich mit meiner kleinen Nichte dann selbst zurück ins Haus.
    • Occulta
      Freunschaftliches Wettreiten

      Es war Anfang März. Mittlerweile wurde es täglich etwas wärmer und trockener, sodass die Pferde wieder jeden Tag auf die Weide konnten. Sie genossen dies sichtlich; hatten sie anfangs auch wild gebuckelt und galoppiert, grasten sie nun friedlich in der Nähe des Waldrands und genossen das Frühlingsgras. Allerdings durften sie noch nicht allzu lange draussen bleiben, da das frische Gras in Massen sonst zu Bauchschmerzen geführt hätte. Lily musste wieder in die Schule, was ihr anfangs ganz und gar nicht gepasst hatte. „Warum kannst nicht einfach du mich hier unterrichten? Du hast doch auch studiert und weisst ganz schön viel!“ Ich hatte schmunzelnd geantwortet: „Leider ist das Leben kein Ponyhof; du lernst dort viel, was ich dir nicht beibringen könnte, und ausserdem hätte ich darauf auch gar keine Lust.“ Sie war nun neu in einer Klasse in Birmingham, und nach ein paar Tagen hatte sie auch schon gute Freunde gefunden. Aber im Knüpfen von neuen Bekanntschaften schien das Mädchen sowieso nie Schwierigkeiten zu haben, ganz anders als ich. Natürlich bedeutete die Schule auch, dass sie nun nicht mehr so viel reiten konnte, was sie richtig schlimm fand. Ich tröstete sie jeweils damit, dass sie beinahe jeden Abend Dream und klein Skydive beschäftigen durfte, und regelmässig Dressurstunden auf Skyrim bekam. Ausserdem hatten wir das ‚Projekt Zebra‘ fortgeführt und waren mit Thairu nun so weit, dass man nun auf dem Viereck Slaloms mit ihr reiten konnte, jedenfalls solange sie Lust dazu hatte.
      Wie jeden Morgen half ich heute zuerst den Pflegern beim Füttern. Danach brachten wir die Nebenstallpferde auf die oberste, und die Nordstallpferde auf die unterste der drei grossen Weiden. Die Bäume, die den Strassenrand zierten und die Zufahrt somit zu einer Allee machten, waren erst vor kurzer Zeit gepflanzt worden und daher noch nicht sehr gross, aber sie boten auch eine Art Sichtschutz, damit die Hengste auf der unteren Weide gar nicht erst auf Ideen kamen. Aber das ganze wäre wohl auch sonst kein Problem gewesen, da die Jungs schon immer alle gemeinsam auf der Weide gewesen waren und sich gut kannten. Die Raufereien, die hin und wieder beobachtet werden konnten, waren also rein spielerischer Natur, auch wenn das weibliche Geschlecht in der Nähe war. Nur die Neulinge in der Gruppe, wie im Moment Artemis, hatten jeweils Startschwierigkeiten. Der Schimmel brachte deshalb sofort etwas Distanz zwischen sich und die Gruppe, als wir sie durch das Weidetor lotsten. Ich erkannte, dass Pilot ihm mit Drohgebärden bei jedem Näherkommen klarmachte, dass er ihm noch nicht ganz traute. Pilot war momentan der Chef der Hengstgruppe. Er hielt diese Position nun schon seit einem ganzen Jahr aufrecht und erzog aufmüpfige Junghengste konsequent. Trotzdem war er sehr tolerant und ging nicht jedem kleinsten Fehlverhalten nach. So liess er auch zu, dass zum Beispiel Baccardi und Calico sich ein wildes Spiel lieferten. Als sie ihm dann doch zu nahe kamen, schlug er geschickt in Richtung Baccardi aus, verfehlte ihn vermutlich absichtlich, doch zeigte ihm so, dass er vorsichtiger sein musste. Baccardi akzeptierte die Zurechtweisung und drehte ab, Calico folgte ihm. Die beiden Trabten etwas weiter weg und senkten dann die Köpfe um friedlich nebeneinander zu fressen. Ich fand das Herdenverhalten äusserst interessant und beobachtete meine Pferde oft über längere Zeit. Doch nun musste ich mich zuerst um das Training der Vollblüter kümmern, wobei ich aber heute nicht selber mitmachte. Die beiden Pferde, die ich in diesem Monat in erster Linie zu betreuen hatte (nämlich Stromer und Light), waren gestern an einem Handicap gestartet und hatten heute frei. Das einzige Vollblut, das ich noch bewegen musste, war Frame, aber der war diese Woche schon dreimal nacheinander im Sprinttraining gelaufen und hatte daher am Nachmittag zur Abwechslung Dressur auf dem Programm. Trotzdem musste ich dafür sorgen, dass alles klappte und Oliver beim Beurteilen der Pferde und Jockeys helfen. Optimierung war beim Vollbluttraining alles; wenn wir merkten, dass etwas nicht so lief, wie es das sollte, griffen wir sofort ein. Daher tauschte Oliver auch sofort Charlys Pferd gegen Caligari aus, als er sah, dass dieser mit Sumerian schon beim Aufsteigen nicht zu Rande kam. Charly musste später in Ruhe mit Sumerian etwas Bodenarbeit machen, um sie besser kennenzulernen. Der junge Jockey war noch nicht lange auf Pineforest Stable, und kannte daher noch nicht alle Pferde gleich gut. Seine Schwester blitzte mich schon wieder vom linken Torbogen des Hauptstalls aus an. Ich mochte sie immer noch nicht besonders, weil ich das Gefühl hatte, dass sie mir aus irgendeinem Grund misstraute. Ich gab mir aber keine Mühe, ihre Sympathie zu gewinnen; entweder, sie renkte sich ein und kam mit mir klar, oder sie musste sich am Ende eben einen neuen Job suchen.
      Oliver und ich liefen mit zur Bahn, führten ein Pferd nach dem anderen in die mobile Startmaschine und lösten dann den Start aus. Die Pferde schossen los und bretterten über das saftige, kurzgemähte Frühlingsgras. Oliver und ich stoppten die Zeiten mit vier Uhren. Es wurden zwar an diesem Morgen keine Rekorde aufgestellt, was auch sonst eher selten vorkam, sehr wohl aber persönliche Bestzeiten der Pferde verbessert.

      Gegen Mittag holten wir die Pferde von den Weiden und liessen sie zu ihrem Mittagessen in die Boxen laufen. Bei den meisten klappte das auf Anhieb, nur manche musste man aus einer fremden Box scheuchen und zu ihrer eigenen bringen. Danach wurden die Stallgassen aufgeräumt und gefegt. Ich suchte noch rasch meine Hunde, ehe ich ins Haus ging um selbst auch etwas zu essen. Sie warteten jedoch bereits bei der Haustür. Ich strubbelte Sheela, die schwanzwedelnd auf mich zugekommen war und rief übertrieben hoch „You clever dogs! Yass, so clever!“
      Um ein Uhr durften die Vollblüter raus, wieder auf die drei grossen Weiden verteilt. Die Stuten teilten wir in zwei Gruppen auf, da gewisse Zicken nicht miteinander auskamen. Die Zicke, von der ich sprach, war hellgrau und legte gerade die Ohren gegen Blütenzauber platt. „Kierka, be nice“, rief ich augenrollend. Die Stuten quietschten, dann trabte Iskierka mit Fahnenschweif davon, nur um wenig später eine Runde im Jagdgalopp am Zaun entlang zu drehen. Immerhin – das Gangbild der Stute war einwandfrei und die Sprünge in bester Manier. Sie teilte sich die grosse Weide nur mit Blüte, ihrer Halbschwester Shades of Gray, Painting Shadows und Indiana. Alle anderen waren auf der Weide dahinter. Unten bei den Hengsten war alles in bester Ordnung. Sie grasten friedlich schweifschlagend verstreut über die ganze Weide.
      Als ich gegen fünf Uhr Frame reinholte, um mit ihm zu arbeiten, kreuzte ich betend die Finger, dass er sich nicht eingeschlammt hatte. Ich war erhört worden: der weiss gescheckte Hengst erstrahlte noch immer in gepflegtem Glanz, nur die Beine waren etwas verspritzt. Ich führte ihn von den anderen weg zum Hauptstall, was mit ihm kein Problem war, jedenfalls solange ich ihn führte. Ich wusch rasch die Beine ab und trocknete sie mit dem Handtuch, dann bürstete ich ihn gleich im Innenhof an der wärmenden Sonne durch und sattelte ihn. Ich musste sogar die Jacke ausziehen, so warm wurde mir. Wir schlenderten zum Sandplatz und liefen uns ein. Mit ‚uns‘ meinte ich auch uns beide, denn ich stieg nicht gleich auf, sondern trabte mit ihm an der Hand spielerisch ein paar Volten. Dabei verzichtete ich darauf, den Zügel zu halten, sondern machte einen Knoten rein, damit er nicht über den Hals fiel. Ich lief ab und zu absichtlich langsamer, woraufhin der feinfühlige Hengst auch bremste. Dann wiederum rannte ich über den Platz und er machte sogar einen Freudenbuckler. Damit er nicht zu wild wurde, liess ich ihn gleich anschliessend anhalten und ging im Schritt weiter. Danach legte ich aber mit der eigentlichen Dressurarbeit los und ritt eine gute halbe Stunde lang verschiedenste Lektionen mit ihm.
      Als ich ihn zurück zum Hauptstall führen wollte, bemerkte ich Mark und Charlotte mit ihren Pferden beim Parkplatz. „Hey, hello! What are you two doing here?“, rief ich ihnen winkend zu. Sie schienen erleichtert, mich gefunden zu haben und kamen mir entgegen. „We were riding along the forest, when we spotted what we thought to be Pineforest Stable. Looks like we were right”, stellte er zuletzt zufrieden fest. Panther schnaubte und rieb den Kopf an Marks Schulter, der ihn sanft wegschob. „Well… I will show you around a bit“, schlug ich vor. Die beiden brachten ihre Pferde zum Nebenstall, wo sie sie mit den mitgebrachten Knotenhalftern anbanden. Charlotte bewunderte Frames blaues Auge. „It’s so beautiful“, stellte sie fest, und streichelte die rosa Nase des Hengstes. „I wish Milena had such pretty eyes!“ Ich entgegnete, dass ihre Stute dafür eine tolle, gewellte Mähne hatte. Ich fühlte mich etwas seltsam, als ich die beiden herumführte, weil sie kaum Fragen stellten und auch sonst eher schweigsam waren. Mark interessierte sich sehr für Unbroken Soul of a Rebel, vermutlich weil der schicke Hengst auch ein Westernpferd war. Er fragte nach der Abstammung des Hengstes und seinen bisherigen Erfolgen. Panther und Milena warteten entspannt beim Nebenstall und genossen die Sonne. Irgendwann stiessen Lewis, Rosie und Jonas zu uns. Mark blühte etwas auf und unterhielt sich ausgiebig mit Rosie über die Vorzüge eines Quarter Horse. Lewis unterbrach ihn nach einer Weile, wobei ich eine leichte Gereiztheit in seiner Stimme zu erkennen glaubte: „Mark, according to Lisa, your horse is very fast and strong. Now that I see him, I must say that I’m a bit disappointed. I expected a better shaped stallion.” Ich war etwas sprachlos über die Unverfrorenheit meines Angestellten und wollte gerade den Mund aufmachen, um ihn zurechtzuweisen, als Mark kühl und gefasst antwortete: „Well, I could show you, how fast he is. How about a little race?“ Lewis war genauso stutzig wie ich, liess es sich aber nicht anmerken. “Alright – Boss, could you lend me Dod for a while?“ Nun griff ich definitiv ein. “Lewis, it’s enough! We do not insult our guests, nor do we challenge them in silly races! They obviously came a long way to see us, and their horses must not spend too much energy on stupid cock fights.” Mark entgegnete gelassen: “Panther is fit enough, it should be no problem. Besides, I am really interested in competing against such a strong opponent.” Lewis verengte argwönisch die Augen, Mark lächelte nur. Jonas stiess mich in die Seite und flüsterte: „Lass es sie ausdiskutieren, Dod wurde heute eh noch nicht bewegt. Ich will auch sehen, wer gewinnt!“ Ich verdrehte die Augen, genauso wie Rosie. Als wir uns wenig später auf zu Dods Box machten, während Charlotte und Mark sich um ihre Pferde kümmerten, nahm sie ihn wütend zur Seite. „What the hell were you thinking? He is our guest, and you were really rude! You will have to apologize afterwards!” Lewis antwortete gereizt: “He is a braggart, I will prove that. I saw it right away, that’s why I don’t like him.” Ich schwieg und ordnete meine Gedanken. Es muss noch etwas anderes dahinterstecken… Ob Lewis Mark wohl kennt? Unwahrscheinlich, sonst hätten die beiden anders aufeinander reagiert. Aber was ist es dann? Jedenfalls muss Dod jetzt gewinnen, sonst wird es eine ziemlich peinliche Geschichte für uns… Ich half mit, den Criollo zu putzen und redete ihm gut zu. Der Rappe mit der grossen Blesse schob seinen Kopf unter meinen Arm und liess sich die Ohren kraulen – etwas, was er sonst nur bei völliger Entspannung tat. Es schien, als wollte er sagen: „Du kannst dich auf mich verlassen.“ Plötzlich fiel mir ein, dass es vielleicht nützlich war, wenn wir unbeteiligten ebenfalls Pferde hätten, um die beiden Streithähne zu begleiten. In Rekordzeit bürstete ich Donut. Rosie nahm Baccardi und Jonas Numair, wobei er auf meine Frage hin, ob er nicht noch Stallarbeiten zu erledigen habe, gespielt unschuldig den Kopf schüttelte. Ich seufzte und erlaubte ihm, auch mit zu kommen. Sobald Dod gesattelt war, führten wir ihn nach draussen zu den beiden Gästen. Der Fairness halber trug auch er einen Westernsattel, sodass beide Pferde etwa dasselbe Gewicht zu tragen hatten. Gleichberechtigung war auch der Grund gewesen, warum Lewis keinen Vollblüter ausgewählt hatte, wie er beim Putzen erklärt hatte. Mark streichelte Panther gelassen die Stirn, während er Dod und seinen Reiter betrachtete. „Ready?“, fragte Lewis. Sein Gegenüber nickte, und die beiden ritten voraus in Richtung Galoppwiese. Charlotte, Rosie, Jonas und ich folgten ihnen. Wir reihten uns bei der Imaginären Startlinie auf und Ich gab das Signal zum Start, sobald alle ruhig waren. Die beiden schossen los und waren sofort gleichauf, ein fairer Start also. Wir Beobachter ritten am Waldrand entlang mit, allerdings in gemütlichem Schaukelgalopp. Aus der Ferne beobachtete ich, wie Lewis Dod anfeuerte und der Hengst als Reaktion unwillig mit dem Schweif schlug, dann aber zulegte. Man sah, dass beide alles gaben, denn Dod schien zu verstehen, dass sein Reiter um jeden Preis gewinnen wollte und liess sich davon anstecken. Bei Mark und Panther war es aber nicht anders; die beiden waren ein eingespieltes Team und der Dunkelbraune reagierte unmittelbar auf jedes Zeichen seines Reiters. Dod war da schon etwas sturer und blieb auf seiner bevorzugten Spur, aber der Hengst war auch clever und nutzte seine Kenntnisse über den hiesigen Boden; er kannte die Galoppwiese und ihre Unebenheiten nur zu gut. Eine Weile sah es so aus, als wären die beiden tatsächlich gleichauf, doch dann fiel Panther immer weiter zurück. Der braune Quarterhengst konnte mit der Ausdauer und Geschicklichkeit des ausgezeichnet trainierten und robusten Criollos nicht mithalten; Lewis ritt triumphierend über den schmalen Trampelpfad, der als Ziellinie diente. Mark tätschelte Panther geschlagen den Hals und zwang sich zu einem Lächeln. Jonas klatschte freudig Lewis‘ Hand, doch Rosie schenkte ihm nur einen verachtenden Blick. Ich gratulierte ihm mit gemischten Gefühlen: froh, dass er unsere Ehre verteidigt hatte, aber skeptisch, ob Mark nun nicht zu verärgert war. Zu meiner Erleichterung winkte er ab: „Ahh, next time we win, right Panther? You have a very good horse right there Miss Smith.“ Ich nickte dankbar und führte die Gruppe zurück zum Hof. Lewis musste sich natürlich trotzdem noch bei Mark entschuldigen, konnte aber auf dem ganzen Rückweg ein schelmisches Grinsen kaum verkneifen. Die beiden Gäste blieben noch für eine Tasse Tee, dann machten sie sich langsam auf den Nachhauseweg. Als ich mich zum Nebenstall begab, um Ronja zu holen, bekam ich mit, wie Lewis an Rosie vorbeilief, wobei er fröhlich meinte: „Sloppy shaped Quarter Horses are still not comparable with good trained Criollos.“ Sie ignorierte ihn und lief davon. „Hey, it was only a joke!“, rief er ihr noch nach, aber das nützte auch nichts mehr.
    • Occulta
      Weird Dreams

      Etwas kitzelte mein Gesicht. Im nächsten Moment öffnete ich die Augen und erblickte direkt vor meiner Nase Kafkas gesprenkelten Pelz. „Was hat das Mistvieh hier drin zu suchen?!“, ärgerte ich mich lautstark, und scheuchte den Kater von meinem Bett. Ich stand auf, zog mich an, klemmte Kafka unter meinen Arm und schmiss ihn aus dem sperrangelweit offenen Küchenfenster. „Lily? LILY warum ist das verdammte Fenster offen?!“, rief ich die Treppe hoch. Es kam keine Antwort. „Lily?!“, rief ich abermals, und stampfte die Treppe hoch. Es fiel mir schwer, oben anzukommen, denn ich war schon nach der Hälfte völlig ausser Puste. Meine Beine fühlten sich schwer an. Ich muss unbedingt wieder trainieren gehen, beschloss ich keuchend. Endlich stolperte ich durch Lilys Zimmertür. Es sah aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen, doch sie sass unschuldig auf dem Bett, mit dem Rücken gegen mich gewandt. „Hey, warum war das Fenster offen? Und warum gleicht dein Zimmer einem Schweinestall?!“, schimpfte ich. Sie zuckte mit den Schultern. „Hey, sieh mich gefälligst an! Was machst du da überhaupt?“ Sie drehte sich um und sagte grinsend: „Ich sortiere meine toten Eichhörnchen nach Farbe!“, ein steifes Eichhörnchen am Schwanz hochhaltend. Erschrocken stolperte ich rückwärts und fiel über Kafka, der irgendwie schon wieder im Haus war. Bevor ich jedoch den Boden berührte, schlug ich die Augen auf und starrte die Zimmerdecke an. Nur ein Traum, dachte ich erleichtert und richtete mich auf, wobei ein schwarz-rotes Fellknäuel vom Bett sprang. „KAFKA!“ Ich traute meinen Augen nicht, als der Kater flink durch den Türspalt flitzte. Ich kniff mich in den Arm, „jetzt reicht es aber“ murmelnd. Doch diesmal schien ich tatsächlich wach zu sein, denn ein paar Herzschläge später schepperte der Wecker los. „Arrrgh“, murrte ich und schaltete ihn grob aus. Dann liess ich mich seufzend zurückfallen und starrte abermals nach oben. Was gibt es heute zu tun? Das Mistvieh von Katze rauswerfen – klar. Und dann über den Morgen hinweg Kaythara, Muskat, Vychahr und Ljóski bewegen. Ich streckte meine restliche Müdigkeit weg und zog mich an. Das Küchenfenster war zu, als ich nach unten kam – immerhin. Kafka stand auf der Anrichte und schnupperte am Früchtekorb. Ich packte ihn und setzte ihn vor die Haustüre. Dann suchte ich nach dem Schlupfloch, durch das er sich Eintritt verschafft hatte. Im Badezimmer wurde ich fündig, denn ich hatte wohl am Vorabend nach dem Duschen vergessen, das Badezimmerfenster zu schliessen. Seufzend schloss ich es und schlurfte zurück in die Küche, um mir Frühstück zu machen. Lily musste erst um acht Uhr zur Schule und konnte sich sehr gut selber ein Brot schnappen. Mit einem Erdbeer-Marmelade-Brot zwischen den Zähnen fixiert, zog ich mir die Schuhe an und lief zum Hauptstall. Es dämmerte nun jeweils schon um halb sechs Uhr, wenn ich das Haus verliess. Das war deutlich angenehmer als im Winter, wenn es noch stundenlang ‚pitch black‘ war. Im Hauptstall waren die ersten Pfleger schon am Füttern. Ich half bei der Morgenroutine mit, danach holte ich Kaythara raus und putzte sie, ebenso wurden die anderen Vollblüter für die erste Morgengruppe fertig gemacht. Es musste wie immer zackig gehen, aber dennoch bestand ich darauf, dass alle Pferde blitzblank geputzt waren. Quinn fragte mich, ob sie Caligari bandagieren, oder ihr die Gamaschen anziehen sollte; ich antwortete Ersteres. Auch Kaythara bandagierte ich zum Schutz der Sehnen ein. Dann holte ich den leichten Rennsattel und das Zaumzeug. Cool Cat, der seit kurzem auch Lammfell an seinem Nasenband hatte, scharrte ungeduldig. Wir hatten das Lammfell montiert, weil er am Nasenrücken recht empfindlich war. Er lief damit etwas entspannter, wie Caspian. Der wurde übrigens im Moment auf sein nächstes grosses Qualifikationsrennen vorbereitet und entsprechend hart rangenommen, trainierte aber heute einzeln mit April. Endlich waren alle bereit und wir konnten aufsitzen. Gemeinsam ritten wir zur Galoppbahn und wärmten uns dort erstmal im Trab auf, bevor wir schliesslich auf die Grasrennbahn wechselten. Es war mittlerweile Hell und ein paar Amseln auf den Tannen zwitscherten fröhlich. Ich hatte meine Schlechte Laune von vorhin überwunden und genoss nun den Geruch nach taufeuchtem Gras und Tannenharz. Sumerian an vorderster Stelle ging frisch voran. Sie war top fit und bereit, wie fast immer im Training den Takt anzugeben. Dublin, die mit Henry direkt vor mir und Kaythara lief, wackelte mit ihrem kräftigen Po taktvoll auf und ab. Auch sie hatte unglaublich schnell Fortschritte gemacht. Sie hatte das gewisse Talent und die Leichtigkeit, die man sich bei einem Galopper wünschte. Doch bei ihrer Abstammung, hatte ich auch kaum etwas anderes erwartet. Schon jetzt war sie kaum geschlagen worden und wurde häufig als Favorit beim Wetten gehandelt. Es war sogar schon einmal eine Zeitungsreporterin auf dem Hof gewesen, um einen Artikel für eine Renn-Zeitschrift zu verfassen. Was die Stute beim Publikum so beliebt machte, war vermutlich ihre auffällige Fellzeichnung, kombiniert mit ihrem Erfolg. Es war ähnlich wie mit A Winter’s Day und Painting Shadows, dank denen Pienforest Stable immer mal wieder in den News vorkam. Doch am meisten zu sprechen gab sicher Campina, die einen Sieg nach dem anderen holte. Sie war mittlerweile fast schon berüchtigt für ihre Schlusssprints, mit denen sie spielerisch an den anderen vorbeizog. Auch sie entstammte einer herausragenden Blutline, die zudem recht selten geworden war. Ich lachte immer wieder über die Tatsache, dass sie als Fohlen und Jährling an mehreren Bewertungsshows als ‚durchschnittlich‘ eingestuft worden war. Ich hatte insgeheim immer gewusst, dass sie einmal grosses leisten würde. Sie hatte ihr Potential im Training schon von Anfang an unter Beweis gestellt. Und dann war da schliesslich noch Kaythara, die unter mir stetig voranmarschierte. Sie war noch ganz am Anfang ihrer Karriere und hatte auch noch nicht genug Muskeln, um mit den anderen mitzuhalten. Aber ich hatte grosse Hoffnungen in die hübsche Stute, denn ihre Mutter, Rennlegende Kiara El Assuad, war international bekannt. Wie auch immer, sie schien sich keine Gedanken um das Rennen zu machen, denn sie war viel zu beschäftigt damit, Cool Cat anzugiften.

      Wir liefen 1500 Meter in durchschnittlichem Tempo und die letzten 200 Meter davon in 15 Sekunden, wobei wir immer versuchten, möglichst nahe beieinander zu bleiben. So konnten sich die Pferde gegenseitig anheizen und keiner musste zurückbleiben. Nach dem Schlusssprint schnauften Kaythara, Ciela und Caligari erschöpft. Doch wenigstens hatten sie deutlich weniger geschwitzt als noch die letzten Male. Wir führten die Pferde zum Abkühlen etwas herum, dann wuschen wir den Schweiss ab und brachten sie zum Trocknen in die Führmaschine. Cielas rosa Haut schimmerte durch das nasse Fell, sodass April sie scherzend „Miss Piggy“ nannte. Kaythara konnte es nicht lassen, mich mit einem kräftigen Schnauben anzufeuchten, bevor ich sie in das Karussell entliess.

      Nun war ich bei Muskat. Der elegante Braune mit der hübschen Blesse wartete bereits ungeduldig, weil Fajir, der in der Nachbarbox wohnte, bereits draussen war. Muskat benahm sich wie ein nervöses Frettchen im Umgang; dauernd musste er irgendwas mit dem Mund oder den Hufen bearbeiten. Es schien, als würde er gleich platzen vor Energie und Tatendrang. Manchmal kam mir der zehnjährige Hengst wie ein frecher zweijähriger vor, der gerade seine und meine Grenzen austestete. Als er an meinem T-Shirt zupfte, während ich seinen Hals bürstete, packte ich ihn spielerisch am Ohr, umfasste seinen Kopf und knuddelte ihn liebevoll. Dann fuhr ich fort und bearbeitete seinen von der Weide staubigen Schweif mit ein wenig Glanzspray. Als ich die Mähne kämmte, kürzte ich gleich noch den bridle path hinter den Ohren mit der Schere nach. Er mochte das knirschende Geräusch nicht und schüttelte ein paarmal den Kopf. Ich schaffte es trotzdem, die Lücke wieder anständig hinzubekommen. Als nächstes suchte ich einen passenden Dressursattel und das mexikanisches Zaumzeug, das ich bei ihm oft einsetzte. Ich zog ihm das Halfter aus, wobei er die Gelegenheit nutzte, um seinen Kopf unsanft an meiner Schulter zu kratzen. Ich schob ihn wieder in eine gerade Position, damit ich mit dem Zäumen fortfahren konnte. Als es geschafft war, liefen wir zum Dressurplatz, wo ich zuerst aufwärmte, was wie immer recht anstrengend war, und dann ein paar Seitwärtsbewegungen üben wollte. Ich musste dabei aufpassen, dass er sich nicht einfach entzog, indem er immer schneller wurde. Ich war mir nichtmal sicher, ob er aus Protest schneller wurde, oder einfach um dem Druck zu entkommen, den ich durch die Lektionen aufbaute. Ich entschleunigte ihn mit ein paar kleinen Volten und aktivierte gleichzeitig mit meinen Schenkelhilfen seine Hinterhand. Durch die Gewichtsverlagerung wurde er automatisch langsamer und konzentrierte sich wieder mehr. Langsam nahm er das Gebiss an und kaute darauf herum, während sein Hals immer runder wurde. Er löste sich zwar am Anfang noch ab und zu aus der Anlehnung, aber nach gut 20 Minuten war er endlich vollkommen gelöst und lief am Zügel. Nun konnte ich mit dem Schenkelweichen beginnen. Ich lobte ihn immer wieder nach erfolgreichem Beinkreuzen mit einem raschen Halskraulen. Er schaffte es bei weitem nicht perfekt, aber für ihn reichte das erstmal vollkommen. Ich gestaltete die Lektionen abwechslungsreich, damit seine Konzentration nicht wieder abschweifte. Am Ende liess ich ihn am langen Zügel austraben und ritt schliesslich noch eine Runde im Schritt um die Galoppbahn.

      Wieder in der Stallgasse, machte mir mein Körper durch ausgiebiges Gähnen wieder bewusst, dass es erst acht Uhr war. „Coffee brake?“, fragte Quinn grinsend, als ich zu ihr sah. Ich nickte und folgte ihr zur Halle, wo auch die Reiterstube mit der Kaffee Maschine war. Die meisten anderen Jockeys und Pfleger folgten ebenfalls, wie jeden Morgen. Wir sassen rund um den grossen Tisch und unterhielten uns über den Tagesablauf. Ich warf zwischenzeitlich einen Blick durch die Glasscheibe in die Halle und bat Lewis und Darren, die Hindernisse, die noch von gestern dastanden, für die auswertigen Reitschüler, die um zehn Uhr von Lisa unterrichtet werden würden, wegzuräumen.

      Um halb 9 ging’s weiter mit Ljóski. Ich entwirrte die wuschelige, dank einem enzymhaltigen Shampoo schneeweisse Mähne ganz vorsichtig, ohne Haare rauszurupfen. Loki zappelte die ganze Zeit vor und zurück. „Was ist heute nur los mit euch Vierbeinern? Ist Vollmond oder was?“, fragte ich ihn, ohne eine Antwort zu erwarten. „Vollmond ist erst in ein paar Tagen wieder“, kam die Antwort, aber selbstverständlich nicht aus Lokis Mund, sondern von Jonas. Ich entdeckte ihn in Calicos Box, als er den Kopf über hob. „Warum sind dann alle so zappelig?“ „Vielleicht bist du selbst zappelig und überträgst es auf die Pferde“, meinte er achselzuckend. Mir fiel mal wieder kein Konter ein, und ich musste mir selbst eingestehen, dass ich angesichts meiner bisherigen Erlebnisse schon ziemlich zerstreut sein musste. „Wenn ich Calicos Box fertig gemistet habe, soll ich dann zuerst auch noch die anderen fertig machen, oder die Stuten von der Weide holen?“, fragte Jonas nun. „Lass die Stuten noch draussen bis 9 Uhr, dann hatten sie mit drei Stunden für heute genug. Das Gras ist noch zu frisch um sie länger draussen zu lassen. Ach und pass auf, dass es nicht wieder so ein Durcheinander mit den Fohlen gibt.“ Wenig später war ich mit Loki auf der Ovalbahn und übte den Rennpass. Der junge Hengst war so fortgeschritten in seiner Ausbildung, dass ich als nicht-Gangreit-Experte regelmässig an meine Grenzen stiess, was die Exaktheit und auch die Kreativität der Übungen anging. Wenigstens konnte ich am Rennpass noch arbeiten, weil er dabei noch merklich Mühe hatte. Danach wollte ich anfangen, ihn dressurmässig weiter zu fördern. Am Ende des heutigen Trainings waren wir beide etwas ausser Puste, besonders ich. Ich ritt im Schritt auf dem Schotterweg zurück zum Nordstall. Die ersten Reitschüler streunerten bereits auf dem Hof herum und kamen neugierig auf Loki zu. Es gab lauter „Awwww“ und „So fluffy!“ Rufe und alle wollten den Hengst streicheln. Loki blieb cool und genoss die Aufmerksamkeit. So ein Charmeur, dachte ich verschmitzt und klopfte ihm stolz auf den Hals.

      Es war nun viertel nach 10. Loki war gut versorgt und ich konnte mich ein wenig der Buchhaltung widmen. Ich setzte mich an mein Pult und vertiefte mich in offene Rechnungen, Steuern, Turniernennungen und vieles mehr. Pineforest Stable war als vielseitiges Gestüt ein rentabler Betrieb. Unsere Einnahmequellen umfassten in erster Linie Gewinnsummen, Reitschüler, Pferdeverkäufe, Deckeinsätze und Veranstaltungen, die auf unserem Gelände stattfanden. Dazu kam bald noch der Online-Zubehörshop, der sich im Aufbau befand. Alles in allem schrieben wir schwarze Zahlen und hatten immer noch ein ordentliches Sümmchen vom Vermögen meiner Grosstante auf der Seite. Dass wir das meiste Heu selbst herstellten und Stroh relativ billig von benachbarten Bauernhöfen beziehen konnten, erleichterte die finanzielle Lage ebenfalls. Ich führte trotz allem streng Buch über alle Einnahmen und Ausgaben, um wo immer möglich weiter zu optimieren. Ich checkte noch meine Mails, wobei auch eines von Eddi dabei war. Neugierig las ich, was sie geschrieben hatte und war freudig überrascht über den Inhalt. Sie bot mir an, mir eine ihrer Paint Stuten zu schenken. Ich hatte vor kurzem Interesse an der hübschen Ice Coffee gezeigt, ohne mich am Ende für den Kauf zu entscheiden. Da Eddi aber überzeugt war, dass es Coffee auf Pineforest Stable gefallen würde, wollte sie sie mir nun kurzerhand überlassen. Sie selbst wollte ihren Bestand etwas reduzieren, wie sie mir als Begründung mitteilte. Ich schrieb ihr zurück, dass ich Coffee liebend gerne übernehmen wollte und den Transport selbst organisieren würde. Somit schaltete ich den PC zufrieden aus und kochte Lily und mir Mittagessen.
    • Veija
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      Juli 2016, by Veija

      Calico Western (Trail) LK 3 - LK 2

      Heute war ich mal wieder auf dem Weg nach England, jedoch nicht zu Hunter, sondern zu Occulta Smith. Aufschwatzen gelassen hatte ich mir 5 Pferde, wovon ich 3 in Military und 2 in Western trainieren sollte. Um also nicht ganz alleine da zu stehen, hatte ich mir Aliena und Aaron mitgenommen. Aliena würde mir vor allem bei den Westernpferden unter die Arme greifen, Aaron würde sich vor allem um die Militarypferde kümmern. Ice Coffee sollten wir in der Western Pleasure von S auf S* bringen. Diese Klasse gab es in der eigentlichen Westernszene nicht, jedoch konnte man Manöver immer verbessern oder präzisieren. Das nächste Pferd war Calico, ein schicker Criollohengst, welchen ich in Trail von LK 3 auf LK 2 bringen sollte. Halluzination sollte in Military von E nach A gebracht werden, Sunday Morning, eines von Occultas in der ganzen Welt bekanntem Englischen Vollblut, von A nach L und Diarado von L nach M. Ich hatte mir als Maß eine Woche gesetzt, in der wir alle Pferde trainieren sollten, da auch zu Hause auf der Ranch genügend Arbeit war und mir leider im Moment die Zeit fehlte, durch die Weltegschichte zu reisen. Bei fünf Pferden wäre es jedoch Quatsch, sie nach Kanada fliegen zu lassen. Da konnte ich dann auch mal in den Flieger steigen und sie zu Hause besuchen.
      So kamen Aliena, Aaron und ich bei Occu an und ich stellte meine beiden Mitarbeiter kurz vor, ehe wir auch schon in den Stall gingen. Anfangen wollte ich heute noch mit den drei Militarypferden. Nach Occus Charakterbeschreibung entschied ich mich dazu, Halluzination zu reiten, da sie die Stute als unberechenbar beschrieb und ich sie meinen Mitarbeitern nicht zutrauen wollte. Aaron bekam den Hengst und Aliena die Englische Vollblutstute. Diarado hatte Occulta als fleißig, willig, stolz und intelligent beschrieben. Die Vollblutstute als sensibel und brav. "Tauscht doch bitte die Pferde.", sagte ich unvermittelt zu den beiden Zweibeinern. Schulterzuckend tauschten sie die Pferde, ehe wir die drei Tiere fertig machten und im Hof aufstiegen. "Aliena geh du mit dem Hengst vor, wir kommen mit den Stuten nach.", erklärte ich und so verließen wir den Hof, um zur Militarystrecke zu reiten.
      Dort angekommen begann Aliena mit dem Hengst die Strecke. Wir warteten ca 5 Minuten, ehe ich Aaron mit der Stute hinein schickte. Dann wartete ich wieder einige Zeit, ehe Halluzination und ich uns auf den Weg machten. Die Stute ging im Springen schon auf S***, springen konnte sie also. Ich brauchte auch wirklich nicht viel Überzeugung, sie über die Hindernisse zu bekommen. Lediglich bei den Tiefsprüngen war sie sehr vorsichtig und vertraute mir nicht, was auch eigentlich klar war, denn wer vetraute schon einem wildfremden? Alles in allem kamen wir aber gut durch den Parcours, so dass meine Mitarbeiter und ich guter Dinge zurück zur Ranch reiten konnten. Dort warteten nämlich noch zwei Pferde, die jedoch nicht so viel Arbeit bedurften. "Aliena schnappst du dir Calico, dann schaue ich, was ich aus Ice Coffee noch rausholen kann?", fragte ich meine Mitarbeiterin und sie nickte. Wir sattelten also die drei Pferde ab und schnappten uns Calico und Ice Coffee. Aaron hatte jetzt freu und konnte sich auf dem Hof umsehen. Ich hatte ihm wärmstens ans Herz gelegt, sich Unbroken Soul of a Rebel anzusehen, den Vater von Devils Fohlen. Mit Calico ging Aliena auf den Platz, wo Aaron dann doch auftauchte und ihr tatkräftig zur Hand ging. Mit Ice Coffee ging ich in die Halle. Dort gurtete ich nach und schwang mich in den Sattel, ehe ich sie ordentlich aufwärmte. Schon schnell merkte ich, dass ich hier kaum etwas zu tun hatte, denn die Stute konnte schon alles, was sie können musste. Das einzige was ich ihr noch beibringen konnte, war auf noch weniger Hilfen zu laufen, doch auch das war kein Problem für das Tier. Ich ritt die Stute also nur eine gute halbe Stunde, denn sonst hätte ich die nächsten Tage nichts mehr zu tun.
      So kam es, dass wir mit den Militarypferden jeden Tag im Gelände waren und sie ordentlich an die Hindernisse gewöhnten. Halluzination stellte sich als gar nicht so unberechenbar heraus, wie Occu sie mir beschrieben hatte. Auch machten die beiden anderen Militarypferde super gut. Von den beiden Westernpferden ganz zu schweigen. Die beiden waren einsame Spitze, so dass wir nach unserer Woche hier auf Pineforest Stables guten Gewissens nach Hause fahren konnten.
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  • Album:
    Pensionspferde (Gnadenweide)
    Hochgeladen von:
    Occulta
    Datum:
    12 Dez. 2014
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  • Offizieller HG

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    Aus der: -


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    Zuchtname: Chalicó Azul Espada
    Rufname: Cali
    Geburtstag: 12.12.
    Alter: 6 Jahre
    Stockmaß: 1,50 m
    Rasse: Criollo
    Geschlecht: Hengst
    Fellfarbe: Gray Sabino
    (Ee,Ff,aa,Gg,Sbsb)

    Abzeichen: Unregelmässige Blesse, vier weisse Beine
    Gesundheit: sehr gut
    Hufe: Gutes Horn, barhuf


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    Freundlich, schrecksicher, ausgeglichen, verschmust, stolz, fleissig


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    Calico ist ein typischer Criollo mit gutem Exterieur und robustem Charakter. Er lässt sich kaum erschrecken, ist ziemlich fleissig bei der Arbeit und einigermassen verschmust. Er will sich immer von seiner besten Seite zeigen und versucht bei jeder Gelegenheit seinen Beobachtern zu imponieren. Dadurch ist er manchmal etwas schwierig zu händeln, denn ein gewisses Temperament lässt sich nicht leugnen. Er ist zudem heikel, was sein Futter angeht. Am liebsten geht er ins Wasser, wo er alles im nahen Umkreis nassspritzt.


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    Besitzer: Occulta (Rita Ferrero)
    Ersteller: Occulta
    VKR: Occulta
    Verkäuflich: Nein


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    Gekört: Nein
    Nachkommen: -
    Decktaxe: -


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    Galopprennen Klasse: E
    Western Klasse: S*
    Spring Klasse: A
    Military Klasse: L
    Dressur Klasse: L
    Distanz Klasse: S**

    Eignung: Distanz, Trail, Freizeit
    Eingeritten: Ja



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    1. Platz 258. Militaryturnier
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    2. Platz 337. Westernturnier
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    3. Platz 325. Westernturnier
    3. Platz 417. Westernturnier
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    3. Platz 239. Distanzturnier
    3. Platz 241. Distanzturnier
    3. Platz 242. Distanzturnier
    3. Platz 264. Distanzturnier
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    Cali's Spind