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Canyon

○ Барышников (5)

ausgesprochen Barishnikow | inoffizieller HG von sadasha | тавро: 7-13

○ Барышников (5)
Canyon, 12 Nov. 2018
MeisterYoda gefällt das.
    • Gwen
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      снег, снег, снег
      Bereits früh am Morgen begann mein Arbeitstag und doch freute ich mich jedes Mal. Schon lange waren die Tage so kurz, dass mein Wecker klingelte, wenn es draußen noch dunkel war. Zu meinem Glück wohnte ich nicht weit entfernt vom Zuchtgestüt Fominow und war so schnell da. Bereits seit vorgestern musste ich morgens immer die Scheibe des Autos freikratzen, keine schöne Arbeit, aber heute, als ich das Haus verließ, konnte ich kleine weiße Schneeflocken fallen sehen. Sofort schlug mein Herz höher, denn ich liebte den Schnee. Als ich mich umschaute, sah ich, dass bereits die Landschaft von einer dünnen weißen Schneeschicht bedeckt war. Zwar fror ich auch heute wieder beim Freikratzen, aber ich freute mich über den Schnee und beschwerte mich deshalb nicht.
      Als ich am Gestüt ankam, schneite es immer noch und hier lag mittlerweile bereits mehr Schnee. Ich machte mich auf den Weg in den Stall, um Henning bei den morgendlichen Arbeiten zu helfen. Inzwischen war ich so lange hier, dass ich die Routinen kannte und mit den anderen ein eingespieltes Team war. Während Henning sich um die Fütterung kümmerte, schaute ich einmal in jede Box hinein und kontrollierte kurz die Pferde. Dimitri hielt nicht viel vom Eindecken, doch der ein oder andere benötigte bei der Kälte und dem zusätzlichen Wind dann doch zumindest eine dünne Decke. Also machte ich mich daran, diese Pferde einzudecken. Nachdem dann alle gefüttert waren, teilten Henning und ich uns die Pferde auf und brachten sie auf die jeweiligen Koppeln.
      Er übernahm heute die Stuten und begann mit Анжелика und Алёна. Als die anderen das Hufgeklapper auf der Stallgasse hörten, wurden sie wach. Юрий, welchen ich gerade aufhalfterte, wieherte mir indes lautstark ins Ohr und ich musste unwillkürlich zusammenzucken. "Hey, geht's noch?", fragte ich lachend und führte ihn aus der Box und weiter zu Маэстро. Auch ihn halfterte ich auf und dann durften die beiden schon einmal hinaus auf ihre Weide. Sobald die Halfter ab waren und ich außer Reichweite, sprangen die beiden förmlich im Dreieck. Sie buckelten, galoppierten und jagten sich gegenseitig. Der Schnee schien auch die Lebensgeister der Pferde zu wecken.
      Wieder im Stall angekommen, hängte ich die Halfter zurück an ihre Haken. Henning kam auch soeben zurück und schüttelte den Kopf. "Hatten deine beiden auch so eine Macke?", fragte er und erzählte, wie die beiden sonst so ruhigen Stuten auf der Weide abgegangen waren. Ich musste lachen und während wir uns kurz unterhielten, wurde es im Stall immer unruhiger. Also machten wir uns daran, die nächsten Pferde hinauszuschaffen. Henning verließ mit Роса und Фантастика den Stall und die beiden Fuchsstuten tänzelten bereits jetzt aufgeregt neben ihm her. Doch Henning ließ sich davon nicht anstecken. Seelenruhig und wie ein Fels in der Brandung lief er voran, ein göttliches Bild mit den beiden aufgeregten Hühnern zu beiden Seiten.
      Ich sorgte mich ja bereits ein wenig, doch meine Sorge war unbegründet, denn Намисо und Экстраординарный schienen nicht besonders viel von der Aufregung zu halten. Entspannt schritten die großen Hengste neben mir her und waren vorbildlich wie eh und je. Bei ihnen ging es auf der Weide auch gesitteter zu. Zwar trabten sie mit erhobenen Schweifen davon, aber Экстраординарный wälzte sich zunächst genüsslich und Намисо scharrte direkt im Schnee, um vielleicht doch noch etwas Gras zu entdecken. So schieden sich also die Geister unserer geliebten Vierbeiner, die einen flippten aus und die anderen blieben tiefen entspannt.
      Zuletzt verblieben im Stall nur noch unseren beiden neusten Budjonnys, zwei wahre Prachttiere. Dabei handelte es sich um den hellen Fuchs Барышников und die ebenso recht hell geratene Stute Чайка. Beide Pferde gehörten noch gar nicht so lange zum Gestüt Fominow, hatten sich aber bereits mehr als gut eingelebt und auch schon einige Erfolge bei den Turnieren erzielen können. Барышников war zudem nicht alleine gekommen, sondern hatte seinen Reiter direkt mitgebracht. Die beiden waren ein eingespieltes Team und obwohl ich sie bisher nur wenige Male hatte reiten sehen, konnten sie sich wirklich sehen lassen.
      Nachdem alle Pferde nun auf ihren Weiden standen, befüllten Henning und ich zunächst die Heuraufen der Winterweiden neu, damit die Pferde auch wie gewohnt ihr Futter ad libitum hatten. Danach kontrollierten wir noch fix die Tränken, doch dann guter Dämmung war nichts eingefroren. Also hieß es nun misten. Alle elf Boxen mussten gründlich gemistet und für den Abend vorbereitet werden. Neben dem misten und frisch einstreuen gehörte auch das Befüllen der Heunetze dazu. Zudem reinigten wir täglich die Tränken und Tröge, um Keimen und Bakterien keine Chance zu lassen. Als wir fertig waren und ich nur noch fix die Stallgasse kehrte, kamen bereits die ersten Reiter in den Stall und begrüßten uns fröhlich.

      17.12.2018 | 4.842 Zeichen | Gwen
    • Canyon
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      Der Moment davor
      »Die Stuten platzen bald«, sagte Eva. „Jeden Moment könnten sie einfach bumm machen. Wie ein Luftballon.«
      Ich lächelte und blickte kurz zu Eva, die am Zaun zur Stutenweide stand. Verträumt hatte sie sich auf einen Besen gestützt und beobachtete nun schon mehrere Minuten die Stuten mit ihren kugelrunden Bäuchen, anstatt mir zu helfen, den Weg zu den Weiden zu kehren und von gewachsenem Gras zu befreien. Es nieselte leicht, endlich etwas Regen. Erst gestern Nacht hatte durch die Hitze und den dazu noch sehr starken Wind ein Waldgebiet ganz in unserer Nähe gebracht. Die ganze Nacht waren die Sirenen zu hören gewesen. Es war der Albtraum jedes Hausbesitzers, das es einmal sein Haus, sein Feld oder seine Scheune sein würde, die in den lodernden Flammen untergehen würde. Diese Nacht hatten wir Glück gehabt.
      Drei der fünf Stuten waren in der letzten Phase ihrer Schwangerschaft, jede Minute könnten sie gebären. Die Boxen waren mit Kameras ausgestattet und zusätzlich gab es noch Sitzwachen, die die Nacht über nur auf den kleinen Bildschirm starrten und darauf warteten, dass der Nachwuchs zur Welt kam. Es war schwer zu sagen, ob Анжелика, Роса oder Алёна zu erst gebären würde, die ersten Wetten und Namensvorschläge waren aber schon längst im Gange.
      Фантастика, Нимфадора und Чайка, sie waren erst letzten Herbst auf das Gestüt gezogen, würden voraussichtlich auch im Herbst erst fohlen. Das ermöglichte uns, dass wir uns vollkommen auf das Aufziehen von nur drei, anstatt sechs Fohlen konzentrieren mussten.
      Dimka war zwar den Winter über viel auf dem Gestüt gewesen, hatte Pferde trainiert und kleinere Bauarbeiten gemacht, war aber seit Frühlingsbeginn nun wieder viel unterwegs, um vor allem die Hengste auf Turnieren und anderen Shows vorzustellen und den Namen seines Gestüts in aller Munde zu verbreiten. Ich hatte es zu erst nicht glauben wollen, zu groß war die Sehnsucht gewesen, aber mittlerweile hatte der Name Fominow im Pferdegeschäft durchaus einen Platz weiter vorne eingelegt und immer öfter kamen nun Interessierte, die die Budjonnys kennenlernen und manchmal auch mit den stolzen Hengsten des Gestüts züchten wollten.
      Eva wachte aus ihren Gedankengängen auf und kam mit schnellen Schritten hinter mir her getippelt. »Habe ich wieder geträumt?« Ihre Augen waren unschuldig aufgerissen, sodass ich lachen musste. Ich winkte ab und küsste sie kurz freundschaftlich auf die Stirn. Dann legte ich einen Moment meinen Kopf in den Nacken, spürte den feinen Nieselregen auf der Stirn und auf dem Mund und war mir sicher, dass ich gerade an keinem anderen Ort auf der Welt sein wollte.

      16.06.2019 | 2.599 Zeichen | Canyon
    • Canyon
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      Ungeduld und Nagellack
      „И не могли бы вы отправить заявление Клаусу? Мне срочно нужна эта форма к концу года. Речь идет о отчёте для компании, у которой он купил лекарство для Анжелики.“
      Geduldig hörte ich Dimka dabei zu, wie er mal wieder Geschäftsgespräche führte. Dabei war Mittwoch eigentlich unser Tag. Das bedeutete, ab 16:00 Uhr keine unnötigen Telefonate mehr, kein Abstandhalten der Berufsbeziehung wegen und auch kein „von oben herab“, wie es Dimka gerne tat, wenn er in seiner Rolle als Gestütsleiter auftrat.
      „Спасибо. Увидимся завтра“, beendete Dimka endlich sein Gespräch. Ich hatte mich derweil meinen Fußnägeln zugewandt und obwohl ich Nagellack noch nie besonders schön fand, hatte ich ttsächlich in der hinteren Ecke des Badschranks noch ein helles Grün gefunden. Ohne den Blick zu heben, beschäftigte ich mich also mit der Lackierung meiner Fußnägel.
      „Tut mir Leid“, sagte Dimka, endlich wieder auf Deutsch. „Ich hatte dir versprochen, das sein zu lassen.“
      Ich zuckte mit den Schultern ohne den Blick zu heben. „Schon okay“, sagte ich. Innerlich schmollte mein Kleinkind jedoch so sehr, dass es seine Unterlippe aus den Augenwinkeln wahrnehmen konnte.
      „Wollen wir einen Ausritt machen?“, fragte Dimka.
      „Ich weiß nicht“, sagte ich gedehnt. „Meine Fußnägel müssen erst trocknen und vielleicht mache ich für einen besseren Glanz dann noch eine zweite Ebene drauf.“
      „Hast du das von Instagram?“, fragte er und ich merkte, wie er breit grinste.
      Mist, erwischt. Er kannte mich zu gut. Ich hatte nämlich keinen Plan von diesem Zeug, geschweige denn wie man es anwendete. Dafür hatte ich in der letzten halben Stunde während seines Telefonats definitiv genug Zeit für meinen sinnlosen Instagram-Feed gehabt.
      „Na gut“, sagte ich ergeben und gab meine Fassade auf. Sie hatte sowieso nicht so viel Spaß gemacht. „Lass uns ausreiten.“
      Ich kramte alte Socken aus meinem Schrank und zog sie ungeachtet der noch frischen Farbe auf meinen Fußnägeln, über meine Füße. Dann zog ich Dimka von der Couch hoch und drückte ihm seine Mütze in die Hand.
      Es war erst kurz nach halb fünf, aber draußen sah es aus wie finsterste Nacht. Ausritte waren in letzter Zeit viel zu kurz gekommen. Die Scheu vor der Dunkelheit da draußen war bei uns allen recht groß. Aber Vormittags gab es einfach zu viel zu tun und ab 15 Uhr begann es oft bereits zu dämmern.
      Dafür war der Stall noch erleuchtet. Ganz vorne stand Барышников. Der wilde Hengst aus Russland, welchen ich gerne als Ersatz für meine Анжелика geritten wäre.
      Aber natürlich hatter er einen ebenso guten Reiter, der mit großem Verstand alles daran setzte, aus dem bereits fünfjährigen Hengst noch ein akzeptables Turnierpferd zu machen. Sascha hatte nicht die Hoffnung, noch die Bühnen der Welt mit ihm stürmen zu können, aber die goldene Farbe seines Fells und das natürliche Talent, dass er mit sich brachte, waren Grund genug, um ein wenig hoffen zu können.
      Саша Давыдов war genauso ein Wunderreiter, wie sein Pferd ein Wunderpferd war. Ich schätzte deswegen Dimkas Überzeugungskünste noch mehr, dass er einen der erfolgreichsten Juniorreiter aus Russland dazu veranlasst hatte, auf unser Gestüt nach Deutschland umzusiedeln. Mit ihm war natürlich auch Барышников gekommen, sein Baletttänzer, wie er ihn gerne nannte.
      Sascha und Dimka verstanden sich gut. Aus den beiden waren so etwas wie Freunde geworden, auch wenn das bei Dimka nur schwer zu glauben war. Viele konnten Sascha nicht leiden. Innerhalb kürzester Zeit hatte er sich einen Posten recht weit oben in der Gestütsrangliste ergattern können, ohne viel dafür tun zu müssen. Mittlerweile war er in alle wichtigen Angelegenheiten verstrickt, hatte genauen Zugriff auf das Finanzielle und war zu Dimitri Fominows engstem Berater geworden. «Den roten Fuchs» nannte man ihn mittlerweile.
      Auf jeden Fall gab es keinen Zweifel, welches Pferd Dimka wählen würde. Sein Маэстро nahm er überall mit hin. Das einzig wahre Vorzeigepferd, wie er immer sagte.
      Für mich wahr die Entscheidung um einiges schwieriger. Viele der restlichen Pferde standen mit ihren Turnierreitern gut im Training, wie Фантастика, Экстраординарный, Намисо oder Алёна. Юрий war nun leider schon seit einiger Zeit auf einem Gestüt in Süddeutschland, diente dort als Deckhengst. Nicht nur Henning freute sich auf seine Heimkehr. Schlussendlich blieben für mich also nur noch Нимфадора und Чайка. Beides hübsche Stuten, die zur Zeit nur langsam Anschluss am täglichen Training fanden. Ich mochte beide wirklich sehr.
      Ich entschied mich für Nymphe. Alleine aus dem Grund, weil ich wusste, dass sie kein Problem mir anhänglichen Hengsten hatte und es auch gut schaffte, ihre Rosse zurückzuhalten. Im Gegensatz zu einigen der anderen Kandidatinnen.
      Nymphe wurde von mir von allen Seiten gut mit reflektierenden Streifen ausgestattet und sowohl der leuchtende Halsring, als auch die blinkende Schweifbeleuchtung sollten wohl genug Licht darstellen, um nicht zu übersehen zu werden. Dimka war zwar etwas sparsamer an die Sache herangegangen, «der Meister» würde aber trotzdem gut zu sehen sein. Mir selbst zog ich noch eine Warnweste an und setzte mir die Stirnlampe auf den Helm.
      «Kann losgehen!», sagte ich und grinste Dimka an. Er musterte mich etwas skeptisch, musste dann aber auch grinsen.
      «Ja, kann losgehen», sagte er und schwang sich in den Sattel von Маэстро.

      18.12.2019 | 5.294 Zeichen | Canyon
    • Canyon
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      Distanz E → A
      Es ging in die Uckermark. Dorthin, wo Angela Merkel geboren wurde. Das war das einzige, was ich darüber wusste. Vier Jungpferde im Gepäck, die bis jetzt nur kleine Distanzturniere bestritten hatten und heute beweisen sollten, dass sie es meistern würden.
      Ich hatte wieder Нимфадора auf die Nase gedrückt bekommen. Nicht, dass ich sie nicht mochte, aber sie war eben keine Anschi. Eigentlich war kein Pferd eine Anschi. Laut Dimka kein Grund, das Reiten auf anderen Pferden total zu verweigern. «Pf», wenn der wüsste.
      «Was ist?», fragte Dimka und schaute vom Fahrersitz zu mir herüber. Oh, hatte ich das etwas gerade laut gesagt?
      «Nicht», versuchte ich schnell und überzeugend zu sagen. «Nur ein Haar im Gesicht.»
      Dimka erwiderte nichts.
      «In 500 Metern biegen Sie bitte links ab», führte das Navi unser Gespräch weiter.
      «Alles gut?», fragte Dimka nach einer längeren Pause wieder.
      «Ja!» Erwiderte ich sichtlich genervt. «Alles gut. Draußen ist es nass und kalt und vor allem noch dunkel, oder vielleicht auch schon wieder? Und mich nervt manchmal einfach alles. Ist doch auch okay, oder?»
      «Puh», sagte Dimka. «Deine schlechte Laune ist heute kaum zu übertreffen. Liegt es an mir?»
      «Du bist mein Freund», sagte ich. «Irgendwie liegt es immer an dir.»
      «Gut zu wissen», sagte er. Ich konnte nicht erkennen, ob er lächelte, was er oft tat, wenn er sich über mich amüsierte. Vor allem in solchen Momenten, in denen ich mich unnötig und gekünstelt aufregte. Hoffentlich war ich diesmal nicht zu weit gegangen.
      «Wir sind da», sagte er.
      Ich blickte aus dem Fenster. Etwas hügeliger und weniger Wasser als bei uns, ansonsten sah man den landschaftlichen Unterschied von anderthalb Stunden Autofahrt nicht wirklich. Da hätten wir auch Zuhause bleiben können.
      Eva war auch mitgekommen. Kaum standen wir, riss sie die Autotür auf meiner Seite auf und scheuchte mich hektisch aus dem Fahrzeug. Eva musste immer und überall ihre Finger mit im Spiel haben, meinte uns umherscheuchen zu müssen und, als würden wir noch nicht oft genug kritisiert, uns immer alles vorhalten zu müssen, was mal nicht gut klappte. Aber um fair zu sein, vieles würde ohne Eva auch gar nicht funktionieren. Denn sie wusste immer als einzige, wann was stattfand und wer wann wo sein sollte. Irgendwie war sie das russische Herz des Gestüts.
      Außer Eva, Dimka und mir waren noch Sascha und Tasillo mitgekommen. Tasillo war eigentlich der Turnierreiter von Extra, da dieser allerdings gerade in den letzten Atemzügen vor der Körung stand und von Ärzten und Hufschmieden nur so überschwemmt wurde, hatte er heute den Auftrag bekommen Чайка zu reiten. Da Чайка «noch» keinen festen Turnierreiter hatte, saß immer derjenige auf ihr, der gerade Zeit hatte. Also so ähnlich wie mit mir und Нимфадора, nur das ich anscheinend zur Zeit die einzige war, die die Stute ritt. Warum eigentlich?
      Auf jeden Fall war die große Wiese matschig und dreckig. Überall standen Zelte und viele Paddocks waren notdürftig aufgespannt. Man sah, dass es nur eine A-Distanz war und nicht die Meisterklasse höchstpersönlich. Nachdem wir unseren Fleck Dreck zugewiesen bekommen und die Pferde auf den Paddocks verteilt hatten, suchten wir die Schlange für den ersten Vet-Check auf.
      «Habt ihr nicht an eure Plastikhüllen gedacht?», fragte Dimka uns, als die Papiere in unserem Händen von dem sanften Nieselregen durchnässt wurden. Tasillo und ich schüttelten beschämt den Kopf, Sascha, dieser Schleimer, hatte tatsächlich seine Hülle dabei. Ich konnte ein Augenrollen nicht verdrücken.
      Nach einer gefühlten Ewigkeit kamen wir an die Reihe. Hielten unsere Heftchen hin und bekamen einen Tierarzt und eine Uhrzeit für Kontrolle und Start zugewiesen.
      Wir hatten Glück. Die Zeiten lagen alle recht nah beieinander und vor allem nicht mehr in allzu großer Ferne.
      In den nächsten zwei Stunden führten wir die Pferde also bei einer Tierärztin vor, die Dimka natürlich kannte, und putzten und sattelten sie in dem anhaltenden Nieselregen. Alle Pferde hatten die Kontrollen gut überstanden, Dimka würde niemals auf einem Turnier auftauchen, bei dem die Pferde nicht zugelassen werden könnten. Das war ihm zu peinlich, aber die quietschgelbe Schabracke unter Фантастикas Sattel störte ihn nicht. Typisch.
      Punkt zehn saß ich auf meiner Nymphe und wartete am Startpunkt auf mein Zeichen. Ich und Dimka würden die ersten sein, die von unserer Gruppe starten sollten. Zehn Minuten später würden dann auch Tasillo mit Чайка und Sascha mit Барышников folgen.
      Die Strecke war nicht lang und ging vorrangig durch flaches Wiesenland und gut ausgebaute Waldstrecken, die, wenn sie nicht zu steinig waren, in einem angenehmen, flüssigen Tempo zu reiten waren.
      «35 Kilometer sollen es sein», sagte Dimka, kurz nach unserem Start. Die ersten Meter waren wir noch im Schritt geritten denn auch wenn wir die beiden Stuten vorher gründlich warmgeritten waren, kühlten alle auch nach nur kurzem Stehen schnell wieder ab. «Das schaffen wir locker in den nächsten 100 Minuten. Bereit für den Trab?»
      Ich nickte und gab Nymphe als Erste das Zeichen für den Trab. Dimka hatte jedoch schnell wieder aufgeholt und gemeinsam trabten wir schweigend den matschigen Feldweg entlang.
      Der erste Vet-Check war noch angekündigt, ein weitere würde uns unangekündigt begegnen. Ich vermutete, auf der zweiten Hälfte der Strecke, kurz vor Ende, wenn die Pferde wirklich nass und verschwitzt waren.
      Einige hundert Meter vor der Kontrolle parierten wir in den Schritt durch. Wir wussten, dass wir dadurch Zeit verlieren würden, aber eine bestandene Kontrolle war oft viel mehr wert. Kaum hatten wir das Ziel pariert, wurde unserer Zeit genommen und in unseren Turnierheftchen notiert. Dann hieß es, die Pferde sofort beim Tierarzt vorzuzeigen, der die Vitalzeichen und den Puls kontrollierte. Etwas Zeit für eine kurze Pause nahmen wir uns, tränkten die Pferde und kontrollierten kurz den Sitz des Sattels und der Hufeisen.
      Gerade als wir den Vet-Check wieder verließen, tauchten hinter uns Tasillo und Sascha auf. Wir winkten uns kurz zu und konzentrierten uns dann wieder auf die vor uns liegenden Strecke.
      Auf halber Strecke erwartete uns Eva mit dem Transporter, in dem frisches Wasser und Heu für die Pferde, sowie ein kurzer Snack für uns vorbereitet waren. Nymphe trank fast den ganzen Eimer leer, während Fanta sich etwas zurückhielt. Wir bedankten uns bei Eva und ritten dann zügig weiter.
      Wir hatten Glück. Nicht weit nach der Pause bei Eva begegnete uns hinter einer Kurve im Wald der zweite Vet-Check. Die Pferden hatten gerade erst gute getrunken und sich etwas erholt und danach waren wir nur etwas im Trab geritten. Diesmal hatten wir keine Möglichkeit, viel eher als ein paar Meter in den Schritt durchzuparieren, dafür war der Puls erstaunlich gut. Natürlich höher als beim ersten Mal, aber das war zu verkraften.
      Nach guten 93 Minuten schafften wir es ins Ziel. Dimka und Fanta zu erst, ich kurz danach. Noch einmal wurden unserer Pferde kontrolliert und nach weiteren 10 Minuten noch ein zweites Mal, um sagen zu können, wie schnell sich ihr Puls wieder nach unten korrigiert hat.
      Die Pferde hatten nun eine Pause und eine leckere Mahlzeit mit kuscheliger Decke verdient. Obwohl ich gerne so schnell wie möglich nach Hause ins Trockene wollte, mussten wir noch auf Tasillo und Sascha, sowie die Verkündung der Platzierungen warten und das würde noch einige Stunden dauern.
      Diese Zeit verbrachten wir in den geheizten Aufenthaltszelten, unterhielten uns mit anderen Teilnehmern und spielten Karten. Der Regen prasselte noch immer auf das Dach der Zelte und so langsam verschwand das restliche Sonnenlicht hinter den Bäumen, die die Wiese umgaben. Es war noch früher Nachmittag und trotzdem mussten wir irgendwann unsere Lampen einschalten.
      Gegen vier wurden die Teilnehmer zusammengerufen. Mittlerweile waren alle im Ziel angelangt und hatten die Tierarztkontrollen hinter sich. Die Auswertung der Ergebnisse hatte anscheinend auch stattgefunden, sodass diese nun verkündet werden konnten.
      Die Pferde, die aufgrund von zu hohem Puls oder anderen tierärztlichen Richtwerten durchgefallen waren, wurden zu erst erwähnt, dann folgten die hinteren Plätze und so langsam ging es auf die vorderen Plätze zu. Zu erst kam Tasillo, der mit Чайка den 8. Platz belegt hatte. Kurz darauf folgte ich, mit Platz 6 und dann Dimka mit dem 5. Platz. Sascha hatte sich mit seinem Balletttänzer tatsächlich auf den zweiten Platz vorgearbeitet, nur ganz knapp hinter dem Sieger. Ich sah, wie stolz Dimka auf seinen besten Freund und sein Wundertalent von Pferd war. Trotz Барышников`s Alter hatte der erst seit kurzem im Training stehende Hengst heute ordentlich abgeräumt.
      Aber auch alle anderen hatten ihr Bestes gegeben und so schnell wie es ging, holten wir uns unsere Urkunden und Gewinnerschleifen ab und machten uns dann gemeinsam auf den Heimweg.
      Auf der Autobahn ließ dann auch endlich der Regen nach und der Mond erschien strahlend und hoffnungsfroh am Himmel. Obwohl der Tag so verregnet und grau begonnen hatte, fand er nun ein schönes, helles Ende.

      18.12.2019 | 9.024 Zeichen | Canyon
    • Gwen
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      Herbst

      Es war ein kalter und trüber Morgen. Fröstelnd rieb ich meine Hände aneinander und bereute es, keine Handschuhe angezogen zu haben. Tassilo grinste mich nur an, als er bereits mit Анжелика, Алёна und Poca den Stall verließ. Auch er war dick eingepackt, aber ihm schien das schlechte Wetter immer recht wenig auszumachen. Ich war da schon wesentlich jammernder unterwegs. Also still jammernd, immerhin brachte das weder den Pferden noch mir etwas. Wir hatten die Pferde bereits gefüttert und während Tassilo sie nacheinander auf ihre Weiden brachte, begann ich direkt, die freigewordenen Boxen zu misten und für die kommende Nacht vorzubereiten. Das hieß, altes Stroh raus, frisches Stroh rein und die Heunetze auffüllen.
      Was das betraf, waren wir ein super Team und gegen sieben Uhr waren wir mit allem fertig. So langsam wurde es draußen auch hell, nur, dass es jetzt auch begann zu regnen. "Не снова", murmelte ich und verdrehte die Augen. Der dritte Tag in Folge, an dem es einfach nur regnen würde. Юрий und Маэстро standen bereits am Putzplatz. Tassilo hatte die beiden Hengste direkt drin gelassen, denn gleich ging das erste Springtraining los. Routiniert machte ich Маэстро fertig und führte ihn dann aus dem Stall zum Springplatz. Wir wärmten die Pferde auf und kurz darauf erschien Dimitri. So ruhig und ungesprächig, wie immer bei solchem Wetter, stand er mit Regenmantel in der Mitte des Platzes und legte direkt los.
      Der Boden war gut, so dass wir nichtsdestotrotz hoch sprangen. Aktuell arbeiteten wir daran, auch bei den höheren Höhen die Form und Technik beizubehalten. Beide Hengste machten ihren Job heute wirklich gut, so dass wir schnell vorankamen. Ein knappes Lob von Dimitri zum Abschluss und dann verschwand er wieder. Wir ritten die beiden Budjonnys ab und brachten sie dann in den Stall. Dort hieß es fix absatteln, etwas mit Stroh abreiben, während sie ihr Futter bekamen und dann durften sie hinaus auf die Weide. Und während Tassilo die beiden versorgte, holte ich bereits Намисо und Экстраординарный für die nächste Runde.
      Als Tassilo wieder kam, waren die beiden bereits gesattelt, so dass wir direkt starten konnten. Wieder ab in den Regen und etwas springen. Mit den beiden jedoch ein gemütlicheres Training. Aktuell trainierten wir sowieso ein wenig ab, da in der Wintersaison nicht zu viel passieren würde. Hier und da vielleicht ein Hallenturnier, ansonsten hielten wir die Pferde fit und minderten das Trainingspensum, damit sie genügend andere Reserven für die Temperaturen hatten. Экстраординарный zeigte sich heute von seiner besten Seite und ließ sich das Wetter nicht anmerken. Намисо hingegen war heute sehr sensibel unterwegs. Ich hatte das Gefühl, durch den Regen wirkte jede meiner Schenkelhilfen dreimal so stark oder Намисо war einfach eine Mimose bei schlechtem Wetter.
      Tendenziell machten sie beiden ihren Job dennoch sehr gut, so dass wir zufrieden das Training beenden konnten.
      Abschließend waren unsere drei Stuten an der Reihe. Sie hatten heute ihren freien Tag, was so viel bedeutete wie entspannteres Training. Wir machten Чайка, Нимфадора und Фантастика fertig und warteten dann noch auf Eva, welche sich trotz des Wetters auf einen Ausritt eingelassen hatte. Dankend nahm sie die Zügel von Чайка und schwang sich auf den Rücken der großen Fuchsstute. Ich hingegen ritt Нимфадора und Tassilo nahm Фантастика. Es wurde ein entspannter Ausritt, zu großen Teilen durch den Wald. Wir redeten auch gar nicht viel, sondern genossen einfach die Abwechslung von der Arbeit. Den Stuten ging es ähnlich und sie schritten zufrieden am langen Zügel die Waldwege entlang.
      "Тассило, помоги мне на кухне", meinte Eva, als wir wieder im Stall waren und die Pferde abgesattelt am Putzplatz standen. Ich lächelte leise in mich hinein. Tassilo war kein Fan davon, in der Küche zu helfen. Vorzugsweise machte er lieber alle Stallarbeiten, aber Eva war der Meinung, dass jeder überall mal half. Also gingen die beiden hinein, um sich um das Mittagessen zu kümmern. Ich brachte sie Stuten wieder hinaus und holte mir zum Ende noch Барышников. Der wunderschöne helle Fuchs wurde nur noch einmal für gut zwanzig Minuten locker longiert. Er hatte gestern ein anspruchsvolles Training gehabt, weshalb er gerade in der Regenerationsphase war und wir gerne Muskelkater verhindern wollten.
      Als ich Барышников wieder auf seine Weide gebracht hatte, kam ich auf dem Rückweg bei unseren Kleinsten vorbei. Алевтина, Юноно und Молотов standen zufrieden in ihrem Offenstall im Unterstand und mümmelten Heu. Die drei Kleinen waren einfach goldig und sie entwickelten sich prächtig, ich hätte den ganzen Tag bei ihnen verbringen können. So blieb ich auch diesmal wieder länger stehen, bis ich Evas Stimme über den Hof rufen hörte: "
      еда готова!"

      15.10.2020 | 4.767 Zeichen | Gwen
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  • Album:
    Zuchtgestüt Fominow
    Hochgeladen von:
    Canyon
    Datum:
    12 Nov. 2018
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    Барышников

    ● ○ ● ○

    Hengst | *2013 | 159cm
    Budjonny
    Fuchs

    ● ○ ● ○

    Von unbekannt
    Von unbekannt Aus der unbekannt

    Aus der unbekannt

    Von unbekannt Aus der unbekannt

    ● ○ ● ○

    Барышников kommt mit seinem Besitzer aus der weiten Steppe Sibiriens nach Deutschland. Er ist, wie die ursprünglichen Budjonnys, auch in der halben Wildnis aufgewachsen und bekam von den Besitzern als Fohlen einen Brand auf die Schulter, damit er von den vielen anderen neuen Fohlen unterschieden werden konnte.
    Барышников ist der Nachname eines bekannten russischen Baletttänzers, den bekam er, als er bereits fünfjährig verkauft wurde. Genau wie ein Tänzer, bewegt sich "Bari" leichtfüßig und stets kontrolliert und verzauberte seinen neuen Besitzer Sascha Davidow, einen begabten Springreiter, so sehr, dass er ihn ohne zu zögern kaufte und mit ihm nach Deutschland zog.
    Aufgrund großer Auseinandersetzungen zwischen ihm und einem anderen Hengst, zeigt Барышников große Angstzustände vor anderen Pferden, bevorzugt männlichen. Auch die zerfetzte Mähne deutet noch immer auf einen vergangenen Kampf.


    ● ○ ● ○

    Besitzer: Canyon
    VKR/Ersteller: Mohikanerin
    im Besitz seit: x
    Kaufpreis: noch unbekannt

    ● ○ ● ○

    Schleifenaufstieg Trainingsaufstieg Potential

    Springen E A L M S S* S**

    Military E A L M S

    Dressur E A L M S S* S**

    Distanz E A L M S

    Galopprennen E A L M S

    ● ○ ● ○

    Fohlen ABC | Eingeritten x | Eingefahren x

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    529. Dressurturnier | 267. Synchronspringen


    ● ○ ● ○


    Abstammung: 0
    Schleifen: 2
    HS: 0
    TA: 0
    Trainer: 1
    Zubehör: 2
    Gesamt: 5

    Gencode: x
    Zur Zucht zugelassen: Nein
    Eingetragene Zucht: Zuchtgestüt Fominow (ZGF)

    Nachkommen
    -


    ● ○ ● ○

    Letzter Tierarztbesuch: unbekannt

    Letzter Hufschmiedbesuch: unbekannt

    ● ○ ● ○

    PNG | Puzzel PNG | offizieller HG


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