Occulta

• Sumerian, EVB ♀

Stute | Blue Roan

• Sumerian, EVB ♀
Occulta, 1 März 2014
Rinnaja und Cooper gefällt das.
    • Occulta
      Spass-Schnee-Turnier

      Heute war mal wieder ein etwas besonderer Tag, denn wir durften nicht nur einen Neuankömmling begrüssen, sondern auch gleich noch ein ganzes Turnier organisieren! Zugegeben, es war kein grossartiger Spring- oder Dressurevent, aber ‚ein bisschen Spass muss sein‘ zählt doch sicherlich auch. Wir waren alle schon emsig am Vorbereiten, denn der Schnee musste präpariert werden, sodass die Pferde anständig darauf laufen konnten. Immerhin war der ganze Platz zugeschneit! Gebaut wurden unter anderem zwei Hindernisse ganz aus Schnee, eine Schneebar für die Zuschauer, ein Posten, bei dem man Schneebälle an eine Zielscheibe werfen musste, ein kleiner Schneetunnel (der mit Abstand am aufwändigsten war, da er hoch genug für Ross und Reiter sein musste) und ein stinknormaler Flattervorhang. Weitere Posten waren ausserdem ‚der Tee-Express‘ und das Schlitten Ziehen. Bei letzterem wurden zur Sicherheit schnell reissende Seile verwendet, was gleichzeitig eine erschwerte Bedingung darstellte. Ich half Lewis gerade mit dem Bau des Schneetunnels. Wir durften die Decke nicht zu dick machen, wegen der Einsturzgefahr, also war es umso schwieriger die Konstruktion stabil zu bauen. Der Tunnel war am Ende gerade so hoch, dass ein Reiter auf einem mittelgrossen Pferd leicht geduckt hindurchreiten konnte. Meine Handschuhe waren bereits durchnässt, doch ich musste noch weiter um beim ‚Tee-Express‘ zu helfen. Dort mussten die Teilnehmer eine Tasse warmen Tee durch einen Slalom transportieren und dann in einen Messbecher kippen. Anschliessend wurde gemessen, wie viele Zentiliter Tee das Ziel erreicht hatten. Der Parcours war recht anspruchsvoll, aber bei den jüngeren Teilnehmern wollten wir die Bewertung entsprechend milder vornehmen. Um halb Zwölf fingen wir an die Pferde zu putzen, damit wir nach dem Mittag gleich mit dem Einwärmen anfangen konnten. Das Turnier sollte um halb Zwei starten. Ich nahm mit Pilot Teil, den ich zuerst noch zusammen mit den anderen von der Weide holen musste. Sein wunderschönes, schwarz geflecktes Fell war ordentlich dreckig. Er hatte seinen Weidegang offensichtlich genossen. Wir riefen den Pferden vom Tor aus, worauf sie gleich angetrabt kamen. Die anderen gaben mir ein Zeichen, dass der Weg zum Stall abgegrenzt war, also konnte ich den Zaun öffnen und die Hengste strömten nach draussen in Richtung Nebenstall. Sie fanden ihre Boxen selber, denn dort wartete Frisches Heu für alle. Nur die Neueren, Filou und Dod, vertauschten ihre Boxen ausversehen. Wir brachten sie kurzerhand in die jeweils Richtige, dann wurde ich durch einen Anruf unterbrochen. Es war Jack, der gerade mit dem Anhänger auf der Autobahn war, um die neue Vollblutstute abzuholen. „Hey Schatz, wir haben Stau hier, es wird wohl etwas später als geplant, aber ich sollte vor vier Uhr zurück sein.“ Ich seufzte und verabschiedete mich dann, ehe ich die Putzbox von Pilot aus der Kammer holte. Sein Fell war zum Glück nicht sehr schmutzig, wir hatten ihn schon am Vortag hübsch gemacht. Aber besonders die Beine musste ich nochmals putzen. Immer wenn ich an Dancer, der hinter Pilot angebunden war, vorbeilief, um etwas aus der Sattelkammer zu holen, wurde ich von dem frechen Hengst in die Seite gestupst. Zweimal war ich jedoch gefasst und stupste zurück, mitten auf die Nüstern. Als ich fertig war, zeigte die Stalluhr bereits auf die Zwölf und auch die anderen schienen Fertig zu sein. Ich klatschte in die Hände und rief alle zum Mittagessen zusammen, das Lily grosszügigerweise vorbereitet hatte. Es waren zwar nur Sandwiches, aber es würde am Abend dafür ein Festmal geben. Ich würgte mein Sandwich hinunter und zäumte dann Pilot. Wir gingen in die Halle zum Einwärmen, dort herrschte bereits Hochbetrieb. Viele bunte Pferde und Reiter in schöner Turnierkleidung wuselten durcheinander; wir hatten darauf bestanden, dass jeder angemessen gekleidet kommen sollte, trotz dem es nur ein Spassturnier war. Ich ritt zuerst zusammen mit Rosie und Peace im Schritt. Draussen fielen ein paar kleine Schneeflöckchen und ein Rotbrüstchen hüpfte vor der Fensterseite der Halle im Schnee. Ich entfernte die Fleecedecke und Trabte mit Pilot durch die vielen Teilnehmer hindurch, was gar nicht so leicht war. Er war etwas aufgedreht durch die vielen Fremden, was auch gut verständlich war. Offenbar war ich nicht die einzige, die Mühe mit der Konzentration ihres Vierbeiners hatte, denn etwas weiter hinten in der Halle bewies Islah wiedermal ihre Bockkünste. Als Ajith, der wohl wiedermal Pech beim Pferdeauslosen gehabt hatte, sogar runterfiel, ritt ich zu den beiden hinüber, während Lewis schon von Vychahr’s Rücken runtergehüpft und ihm zu Hilfe geeilt war. „Alles in Ordnung?“, fragte ich etwas teilnahmslos, da mir gerade aufgefallen war, wie schön Numair unter Jonas lief. „I’m fine“, murmelte Ajith, aus meinen Gendanken gerissen blickte ich ihn wieder an und sah, dass er sehr schwankend aufstand. „Are you sure? I don’t want to see you fall down again…“ meinte ich ernst, und beobachtete den jungen Pfleger noch ein Weilchen skeptisch, ehe ich es Lewis überliess, sich um ihn zu kümmern. Pünktlich um zehn vor Eins war ich an der Reihe, bisher klappte also alles reibungslos. Ich sah gerade noch Lisa auf Bandit vom Platz reiten, dann konzentrierte ich mich vollständig auf die erste Aufgabe, dem ‚Tee-Express‘. Als ich die Tasse in die Hand nahm, drang der wundervolle Duft von warmem Früchtetee in meine Nase. Er war extra nicht zu heiss, dass sich das Pferd beim Verschütten nicht verletzen konnte. Zu gerne hätte ich einen Schluck riskiert, doch ich zwang mich, der Versuchung zu widerstehen und den Slalom im Trab zu meistern. Ich verschüttete leider gleich in der ersten Wendung eine ordentliche Portion, was nicht gerade ein vielversprechender Start war. Egal – weiter ging es zum ersten Schneehindernis, das Pilot locker übersprang. Ich musste ihn danach in seinem Eifer bremsen, sonst hätten wir den Schneetunnel verpasst. Auch dort ging er sauber hindurch. Dann ritt ich vorbei an der Schneebar zum Schneeballwerfen. Ich warf zwei Bälle, traf aber beim ersten mal die Scheibe gar nicht erst und beim zweiten Versuch bloss den äussersten Ring. Da hörte ich eine Vertraute Stimme lachen; es war Oliver, der ganz vorne im Publikum stand und sich köstlich über meine Trefferquote amüsierte. Als er bemerkte, dass ich zu ihm sah, meinte er schelmisch „Da würde sogar Jackie besser treffen!“, und hob die Hündin, auf die er aufpassen musste, grinsend hoch. Na warte – dachte ich, schnappte mir den dritten Ball und traf in seinen Nacken. „Ups“, lachte ich, dann ritt ich weiter. Einen Punkt hatte ich so zwar verspielt, aber es hatte sich durchaus gelohnt. Nun kam ich zum Flattervorhang, der für Pilot kein Hindernis war, der Schneewall dahinter jedoch schon, denn dies war gleich die zweite Schneehürde. Nur noch zum Schlittenziehen – dachte ich, und trabte zu dem alten Holzschlitten. Ich nahm das Seilende im vorbeireiten vom Pfosten, denn ich musste dringend Zeit aufholen. Pilot erschrak etwas, als er den plötzlichen Widerstand spürte, doch ich hielt ihn erfolgreich und manövrierte ihn durch die Zielstangen. Wir waren recht langsam gewesen im Vergleich zu Elliot und Silver, die beiden lagen bisher an der Spitze. Ich klopfte Pilot trotzdem stolz den Hals und verliess den Platz. Kaum war ich auf dem Weg zur Galoppbahn, wo ich ihn noch ein wenig trockenreiten wollte, kam auch schon die Antwort von Oliver geflogen, sie traf mich an die Schulter. „Hey!“, lachte ich und trabte auf ihn zu, sodass Pilot ihn zur Strafe abschlabbern konnte, war er auch tat. Der Hengst mochte es, seine Schnauze ins Gesicht der Zweibeiner zu drücken. Es endete damit, dass Oliver uns begleitete, um seine „müden Knochen etwas zu bewegen“. Zurück im Stall brachte ich Pilot noch etwas Heu, wobei ich unterwegs auch Ocean etwas durch die Gitter stopfen musste, denn dem süssen Röcheln der Stute konnte ich nicht wiederstehen. Dann lief ich zum Platz zurück, um den Durchgang von Quinn und Ronja nicht zu verpassen. Die beiden waren echt gut, leider wollte Ronja beim ersten mal nicht durch den Tunnel laufen. Am ende gewann eine nette junge Dame aus dem Nachbardorf mit ihrem Knabstrupper Wallach. Die beiden hatten fast alles im Galopp gemeistert und das auch noch Fehlerfrei. Ich gratulierte ihnen herzlich. Auf dem zweiten Platz war die kleine Schwester von Elliot gelandet, die auf White Dream hatte teilnehmen dürfen. Ich war stolz auf die Schimmelstute und Elliot auf seine Schwester. Nach dem Turnier begannen wir mit dem Aufräumen. Als ich endlich das lang ersehnte Rufen von Jack vernahm, der gerade die Klappe des Anhängers öffnete, rannte ich gleich hin um die Stute zu begrüssen. Sie hiess Sumerian und kam von einem hübschen kleinen Hof in der Nähe von Manchester. Sie sah noch etwas dürr und schlaksig aus, was aber nicht weiter von Bedeutung war, wenn man ihre schönen Gänge und die klaren Augen sah. Ich brachte sie gleich in den Hauptstall (nachdem ich Jack einen Kuss auf die Backe gegeben hatte), damit sie durch die Aufräumarbeiten nicht gestresst wurde. Sie machte sich direkt über das frische Heu her, hob aber ab und zu wieder aufgeregt den Kopf in die Höhe und drehte eine Runde in der Box. Ich beobachtete sie eine Weile, dann ging ich wieder zu den anderen, um zu helfen. Als wir fertig waren mussten noch einige Pferde versorgt werden, ehe wir Feierabend hatten. Zum einen waren das die Vollblüter, die heute etwas vernachlässigt worden waren, und zum anderen die vier übrigen Pferde aus dem Nebenstall, die nicht am Turnier teilgenommen hatten. Ich führte also wenig später Lila auf den Platz, nachdem ich ihren dicken Schweif endlich entwirrt hatte. Ich wollte etwas Bodenarbeit mit der Stute machen. Ich liess sie am langen Seil hinter mir her laufen und stoppte zwischendurch, um zu sehen, ob sie aufmerksam war. Ich übte auch ein paar Seitengänge und das Tölten an der Hand. Lange waren wir nicht ungestört, denn nach rund zwanzig Minuten kamen Lily, Lewis und Rosie auf den Platz geritten und wollten mich ins Gelände entführen. Ich willigte ein und schwang mich ohne Sattel auf Lilas Rücken. Wir ritten in Richtung der Galoppwiese, wo wir sogar einen Schneegalopp wagten. Ich fasste dabei Lilas Mähne, damit ich bei ihren kurzen Galoppsprüngen nicht das Gleichgewicht verlor. Rosie war auf Dod mitgekommen, Lily hatte Moon und Lewis Baccardi. Zurück auf dem Hof beobachtete ich die Jockeys beim Training, dann half ich Jack und Elliot mit dem Abendessen. Wir genossen den Abend mit allen Pflegern im Wohnzimmer, ein guter Film durfte natürlich auch nicht fehlen.
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      Osterschnitzeljagd

      Donut röchelte mir schon entgegen, als ich den Hauptstall betrat. Ich musste mich jedoch erst noch durch die Stallgasse kämpfen, in der gerade Hochbetrieb herrschte. Die Pfleger waren am füttern und man hörte ungeduldiges Hufscharren und Gewieher. Ich schlängelte mich an den Schubkarren vorbei und wich Empires weicher Schnauze aus, der gerade geputzt wurde und mich im vorbeigehen an stupsen wollte. Endlich war ich bei Donuts Box angelangt und stellte die Putzkiste ab. „Na mein kleiner schicker?“ begrüsste ich ihn, wie ich es immer tat. Trotz dem ich so viele Pferde zu betreuen hatte nahm ich es mir nicht, bei jedem Einzelnen gewisse Rituale einzubauen und ihnen allen so Sicherheit zu vermitteln. Ausserdem ritt ich alle Pferde mindestens zweimal pro Woche selber, den Rest übernahmen jeweils die Pfleger, die schliesslich auch gefördert werden mussten. Ausserdem hatten die Pferde alle einmal in der Woche frei, nämlich immer sonntags. Dann durften sie in Gruppen auf die grossen Weiden und das Pferdeleben geniessen. Ich schnappte mir einen Striegel und warf einen Blick auf die Uhr. „Schon halb eins, Jonas du bist spät dran.“, murmelte ich erbarmungslos, denn der Pfleger war gerade in Baccardis Box geschlichen. „T’schuldigung, ich musste noch Telefonieren….“, antwortete er hastig und kam nochmal raus, um sich ebenfalls einen Striegel zu angeln. Als er aufsah trafen sich unsere Blicke. „Etwas Wichtiges?“ „Jain, meine Tante ist letzte Woche verstorben, die Vorbereitungen für die Beerdigung sind schon in vollem Gange.“ „Das hast du mir ja gar nicht erzählt, tut mir schrecklich leid…“ „Ach ich mochte sie nie besonders, wir redeten seit Jahren nicht mehr zusammen.“ Er erklärte mir während dem Putzen, dass seine Tante mit seiner neuen Berufswahl als Pferdepfleger nicht einverstanden gewesen sei. Sie sei immer schon der Meinung gewesen, dass Pferde gefährlich seien und stinken würden. Ich hörte gespannt zu und entwirrte Donuts Mähne. Jonas unterbrach seine Rede, weil er konzentriert versuchte, Baccardis Mähne zu einem französischen Zopf zu flechten. Ich musste lachen bei dem Anblick und wechselte die Box um ihm zu helfen. Ich übernahm die Haarsträhnen und schob ihn sanft zur Seite. Doch er hielt leicht gegen und legte plötzlich seine Arme um mich. Ich sah ihn verwundert an und stupste ihm in den Bauch, da liess er auch schon wieder los und stupste zurück. Ich beschloss, nicht weiter darauf einzugehen, da es vermutlich wieder nur eine Spielerei seinerseits gewesen war. Ich flocht sie Mähne ruckzuck zu einem ordentlichen Zopf, da ich darin viel Übung hatte. Er sah mir dabei ganz genau auf die Finger, beeindruckt von meiner Geschicktheit. „Naja, manche Dinge werd ich wohl nie beherrschen.“, grinste er als ich fertig war. „Sag niemals nie.“, meinte ich und lächelte verschwörerisch. Wir sattelten endlich und führten die Pferde in den Innenhof. Dort stiegen wir auf und ritten anschliessend zum Dressurviereck, wo wir die beiden erstmal gründlich aufwärmten. Nach einer Weile trabte ich an und begann, Volten und Schlangenlinien zu reiten. Donut löste sich schon nach wenigen Runden und lief locker durch’s Genick. Wenn er versuchte, mit dem Kopf auf und ab zu wackeln, gab ich ihm eine leichte Parade am inneren Zügel. Wir hatten das Headshaking dank der vielen Longenstunden gut in den Griff bekommen, aber ab und zu zeigte er noch Rückfälle. Baccardi schien heute etwas aufgezogen zu sein, er trabte recht zügig und glotze ab und zu wieder das Gebüsch an, als ob dort etwas Gefährliches drin schlummern würde. Als ich an derselben Stelle vorbei kam, fuhr Donut plötzlich zusammen und bockte daraufhin los. Ich war völlig unvorbereitet und plumpste schon nach wenigen Sekunden in den weichen Sand. Donut rannte mir gehobenem Schweif und gespitzten Ohren in Richtung Ausgang, doch Jonas konnte ihm gerade noch den Weg versperren. Da Donut angehalten hatte, konnte er ihn nun leicht am Zügel fassen und mit zu mir führen. „Alles okay?“, fragte er besorgt und stieg ab. Ich stand noch etwas benebelt auf und richtete meinen Helm gerade. „Ja, nix passiert. Irgendwas muss da im Gebüsch sein!“, meinte ich, und lief auf die Stelle zu. Mit triumphierendem Blick richtete ich mich kurz darauf wieder auf und drehte mich zu ihm um. In der Hand hatte ich einen kleinen Korb mit bunten Ostereiern. „Da war jemand fleissig. Ich wette, das war Lisa. Die hat immer solchen Unsinn im Kopf.“ Wir lachten herzhaft und versteckten den Korb wieder, ehe wir weiter ritten. Nach knapp einer Stunde intensiver Arbeit mit den beiden Ponyhengsten stiegen wir zufrieden ab und brachten die beiden in ihre Boxen zurück. Nach dem Absatteln und Bürsten spielte ich noch etwas mit Donut: Ich zeigte ihm ein Handzeichen und sagte ruhig und deutlich: „Lachen“. Daraufhin streckte er seine Oberlippe nach oben und flehmte. Ich lobte ihn und gab ihm Karottenstückchen. Als ich keine mehr hatte kam er mit seinem Maul und fummelte mir an der Stirn herum. Ich stiess ihn lachend zur Seite als es mir zu bunt wurde, um zu Baci zu wechseln und ihn noch etwas zu streicheln. Die Blesse die sich über sein Gesicht zog war elegant den Augen angepasst und liess ihn frech und neugierig wirken. Die kräftigen Hengstpony-Backen und die kurzen Ohren unterstützten dieses Bild. Alles in allem war der Hengst wie Donut einfach ein Traum von einem Pony. Ich wuschelte ihm noch etwas mit der Hand durch die Mähne, und weil Jonas mit seinen dunklen, kurzen Locken gerade daneben stand, ihm ebenfalls.
      Am späteren Nachmittag trommelten uns Lisa und Rosie zusammen. Gespannt hörte ich zu, was die beiden wieder ausgeheckt hatten: Eine Ostereier-Schnitzeljagd. Sie hatte mich zuvor gefragt, ob die Pfleger heute mit den Pferden ins Gelände dürften. Ich schlug vor, dass sie gleich die Vollblüter nehmen sollten, die noch nicht bewegt waren. So suchte sich jeder ein Pferd aus und machte es hübsch für die Jagd nach den Eiern. Lewis nahm Sunday, Quinn nahm Paint, Ich nahm Gray, Jack nahm Fly, Rosie nahm Stromer, Jonas nahm Light, Lisa nahm Empire, Oliver nahm Indiana, Lily nahm Chiccory, Ajith nahm Felicita und Elliot nahm Campina. Die anderen, Smarty, Sumerian, Winter, Spot, Kierka, Crack, Blüte und Cantastor waren schon am Morgen auf der Bahn trainiert oder longiert worden. Gray war artig beim Aufsteigen und blieb schön stehen, während Campina neben uns die ganze Zeit wegen der vielen Pferde zappelte. Immerhin waren wir 11 Reiter! Lisa gab uns den Tipp, wo der erste Posten versteckt war und hielt sich dann zusammen mit Rosie im Hintergrund, denn die beiden kannten die Verstecke ja. Jonas und ich erkannten den ersten Posten auch gleich wieder, denn der Tipp lautete: ‚Der Start beginnt, wo der Schüler im Sommer stunden nimmt.‘ Die anderen berieten sich kurz, ehe die Gruppe auf den Platz ritt und das erste Nest suchte. Es dauerte auch nicht lange, bis Lewis es entdeckt hatte. Darin war ein Zettel, der mir vorher gar nicht aufgefallen war: ‚Wo der Fisch schwimmt, dort die Suche erst recht beginnt.‘ Die Zettel waren auf Deutsch, was mir erst jetzt in den Sinn kam. Ich fragte Rosie deswegen und sie meinte, dass es so spannender für die englisch sprechenden sei, da sie erst noch übersetzten mussten. Wir ritten also zum Fluss, der vermutlich gemeint war. In einer Hecke am Ufer war der zweite Korb aufgehängt, diesmal bekam ihn Jack. Auf dem Zettel stand: ‚Zögert nicht und reitet zum dritten, dort wo sich einst Räuber stritten.‘ Ich wusste sofort, was damit gemeint war. Es gab eine alte Bauern Legende, dass im nahen Pinienwald auf der grossen Lichtung einmal eine Banditenfestung gewesen sei. Sie soll ganz aus Holz gewesen sein. Einmal seien die Räuber jedoch erfolglos von einem Beutezug heimgekehrt und hätten sich aus ärger gegenseitig so lange beschimpft, bis einer die Festung in Brand gesetzt hatte. In ihrer Wut hätten sie nicht bemerkt, wie die Rauchfahne ihren Standort verriet und die wütenden Dorfbewohner anlockte. Die Festung sei komplett ausgebrannt und durch die Flammen sei der Wald um sie herum auch noch fast kreisrund gerodet worden, dies war die heutige Lichtung der Legende nach. Wir ritten also auf meinen Aufruf hin zur Waldlichtung. Tatsächlich fanden wir dort hinter einem Steinhaufen versteckt das dritte Körbchen. Rein aus Neugier sah ich mich ausserdem diesmal genauer auf der Lichtung um. Ich ritt in die Mitte, konnte jedoch auf dem Boden nichts Ungewöhnliches entdecken. Enttäuscht trieb ich Gray wieder zur Gruppe zurück. Was hatte ich überhaupt erwartet? Es war ja nur eine Legende und selbst wenn nicht, musste diese Geschichte schon laaange zurück liegen und es würde keine Spuren mehr geben. Ich schob diese Gedanken beiseite und genoss den Ritt. In meiner Abwesenheit hatte ich den neuen Rätselspruch gar nicht mitbekommen. Ich machte mir jedoch auch keine Mühe, ihn noch herauszufinden. Wir ritten zur Galoppwiese, auf der mitten im Feld ein weiterer Korb versteckt war. Wir mussten uns alle aufteilen, um ihn zu finden. Und so jagten auf der ganzen Wiese Pferde im Galopp durchs saftige Gras, auf der Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Als wir sie nach einer Viertelstunde immer noch nicht gefunden hatten, wurde Lisa um Hilfe gefragt. Zu allem Überfluss wusste sie jedoch nicht mal mehr, wo genau sie den Korb hingelegt hatte. Gerade als wir aufgeben wollten hüpfte Elliot triumphierend vom Pferd. Auf dem Zettel stand: ‚Den zweitletzten Schatz hältst du beinahe schon in der Hand. Um ihn zu finden halte dich am Waldesrand.‘ Wir wunderten uns ein wenig über die Einfachheit dieses Hinweises, doch sagten nichts und ritten weiter. Die suche war schliesslich doch nicht so leicht wie gedacht, denn der Korb hängte am Ende an einem Ast über unseren Köpfen. Quinn musste auf Paints Rücken stehen um ihn zu erreichen. Die Stute hielt zum Glück schön still, weil Ajith sie hielt. ‚Das Ende ist nah und doch noch fern, du findest es im Kern.‘ Im Kern? – Ich hatte keine Ahnung, was damit gemeint war. „Ist das Nest etwa in einem Apfel?“, scherzte Jonas und die Gruppe brach die Stille mit herzhaftem Gelächter. Lisa schüttelte weise lächelnd den Kopf. „Eigentlich ist es ganz leicht.“, stellte sie fest. Auch Rosie nickte eifrig. Wir beschlossen, erstmal zurück zum Hof zu reiten, denn wir vermuteten, dass das Körbchen dort irgendwo versteckt sein musste. Ich schnalzte und trieb Gray in den Galopp, denn wir waren auf einem der sandigen Galoppwege im Wald angelangt und die Reiter vor uns waren ebenfalls angaloppiert. Ich hielt die Zügel gespannt und schnappte mir ein Büschel Mähne, um Gray besser zu stützen. Wir sprangen den Weg entlang, das dumpfe Geräusch aufschlagender Hufe im Sand klang rhythmisch und vor mir wehten die Schweife. Am Ende der Strecke musste ich Gray in ihrem Eifer stark bremsen, denn wir wären fast in Light reingerasselt. Dieser war zum Glück gerade abgelenkt mit einer Wurzel, über die er halb drüber stolperte. Wenige Augenblicke später hatten wir die kurze Schrittpassage überquert (dort durfte man nur im Schritt durch, da ab und an ein Fussgänger durchlief) und die Vordersten sausten bereits wieder los. Ich trieb Gray auch wieder an. Der Wind zerzauste mir die Haare und Gray nahm gewaltige Sprünge, um einen kleinen Rückstand zu den Vorderen Pferden aufzuholen. Wir galoppierten die ganze Strecke bis zum Waldrand. Erst als wir wieder auf freiem Feld waren, parierten wir die Pferde in den Trab durch und ritten so den restlichen Weg zum Stall zurück. Es war herrlich; Die späte Nachmittagssonne und die angenehm aufgewärmte Luft unterstützten die ausgelassene Stimmung perfekt. Wir plauderten und lachten auf dem ganzen Weg und Lewis erzählte immer wieder Witze. Wir durchquerten die Galoppbahn mit ihren grossen Tannen, wobei wir uns leicht unter einem tief hängenden Ast ducken mussten. Als wir an den Weiden vorbei kamen, kamen die beiden Mini Hengstchen aufgeregt angetrabt und begleiteten uns. Die Stuten schienen sich nicht für uns zu interessieren. Nun ging die Sucherei los: Wir teilten uns auf und durchkämmten das Hofgelände nach dem fehlenden Korb. Ich wollte gerade zu Jack reiten, als Jonas an meine Seite kam. Daher bildeten wir beide gleich ein Team. Er schlug vor, dass wir zuerst auf dem Geländeparcours suchen sollten, schliesslich war dieser der ‚Kern‘ der Galoppbahn. Ich fand dies eine gute Idee und wendete Gray in die richtige Richtung. Ich nutzte die Gelegenheit, um Light etwas zu beobachten. Der sensible Hengst mochte keine harte Hand, doch bei Jonas schien er locker und zufrieden. Er war zwar feurig, wie immer, doch Gray hielt gut mit (sie war ebenfalls recht fleissig) und er trat schön ans Gebiss. Ich blieb stumm und wnedete meinen Blick wieder von dem schwarzen Hengst ab, um nach dem Vogel zu suchen, der sein Lied über unseren Köpfen trällerte. Wir überquerten die Galoppbahn und gelangten schliesslich zur Geländestrecke. Zuerst ritt ich zu der vordersten Baum-Insel und suchte das Bodengestrüpp ab. An den Stellen, an denen der Boden kahl war, wuchs nur spärlich Gras und die Erde war hart getreten von den vielen Hufen, die hier durchgekommen waren. Dennoch sahen die mit Schatten und einzelnen Lichtstrahlen überzogenen Flächen harmonisch und geheimnisvoll aus. Da ich nichts entdecken konnte, trieb ich Gray weiter zur nächsten kleinen Baumgruppe. Ich suchte auch in den Ästen über mir, doch selbst dort befand sich kein Korb. Als nächstes sah ich beim kleinen Grabenhindernis, beim Gebüsch-Sprung, beim Baumstamm und beim Hügelchen. Doch nirgends war etwas zu finden. Auch Jonas schien erfolglos geblieben, deshalb ritten wir zurück zu den anderen. Die hatten sich gerade um Elliot versammelt, der soeben den letzten Korb im Innenhof des Hauptstalls gefunden hatte. „Na klar, der Kern ist der Hauptstall mit unseren Engländern!“, Lachte ich und gratulierte ihm. Dann bedankte ich mich formell bei Lisa und Rosie für die hervorragende Durchführung dieser Eier-Jagd und lud alle Teilnehmer zu einem heissen Tee im Garten des Haupthauses ein. Zuerst wurden jedoch natürlich noch die Pferde versorgt. Sie genossen den Sonnenuntergang in Gruppen auf der Weide.
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      Life goes on Fortsetzung des Nebenstallberichts 'Having troubles or what'

      Mir wurde ganz schwindlig, als sie Jack auf die Trage legten und wegbrachten. Auf einmal kam der ganze Schock, die Verzweiflung, Angst und Trauer über mich wie eine gewaltige Flutwelle, die mich beinahe zu Boden riss. Jonas, der ebenfalls in den Krankenwagen getragen wurde, beobachtete mich mit sorgenvollen Augen. Ich stützte mich gegen Rosie, die mir eine Umarmung anbot und schluchzte ungehalten in ihre Schulter. Alles um mich herum kam mir so unwirklich vor und ich hörte die Stimmen wie durch eine unsichtbare Wand. Alles, was ich von diesem Abend noch mitbekam war, dass Lisa, Rosie und Quinn mich ins Haus brachten und mit einen Tee kochten. Am nächsten Morgen wachte ich auf und fühlte mich wie ein Stein. Mir steckte die Trauer augenblicklich wie ein Kloss im Hals, als ich mich an den vergangenen Tag erinnerte. Am Morgen war ich noch so sorglos gewesen und dann war alles zerbrochen. Ich versuchte mich abzulenken und sah auf die Uhr. Es war erst fünf und draussen ging gerade die Sonne auf. Seufzend richtete ich mich auf und zog meine Reitsachen an. Die Pferde würden mich jetzt am besten trösten können, besonders meine und Jacks geliebte Vollblüter. Als ich durch die Küche lief sprang Jacky von ihrer Decke auf und folgte mir, jedoch schien sie auf seltsame Weise nicht so energievoll wie sonst. Ich machte mich ohne etwas zu frühstücken auf zum Hauptstall und holte die Putzsachen von Winter aus der Sattelkammer. Als ich die Box des schneeweissen Hengstes betrat, streckte er mir mitfühlend seine rosarote Schnauze entgegen, als wüsste er genau, was in mir vorging. Ich krallte mich in dem weichen Fell fest und legte die Wange an seinen Hals. Seinen warmen Puls zu fühlen, jedes Zucken der Muskeln, tat mir gut. Schliesslich angelte ich mir den Striegel und putzte meinen Liebling. Als ich fertig war, sattelte ich ihn mit seinem kleinen Rennsattel und hängte das Vorgeschirr ein. Ich führte ihn wie in Trance nach draussen und stieg auf. Ich ritt zunächst eine Runde Schritt auf der Galoppbahn und trabte anschliessend eine weitere Runde auf die andere Seite. Dann ritt ich zur Rennbahn und liess ihn laufen. Beim 500m-Pfosten sah ich auf die Armbanduhr und stoppte in der nächsten Runde an derselben Stelle. Mein grosser hatte eine gute Geschwindigkeit drauf und war ordentlich fit, deshalb beschloss ich, gleich noch eine Runde zu trainieren, aber diesmal mit Startbox. Prüfend sah ich mich nach den Pflegern um, schliesslich brauchte ich jemanden der die Boxen öffnete. Gerade als ich zurückreiten wollte um jemanden zu rufen, entdeckte ich Quinn, Lily und Oliver mit Spot, Iskierka und Light, die auf uns zu ritten. Winter spitzte die Ohren und hob den Kopf, um seine Stallgenossen zu begrüssen. Ich freute mich wahnsinnig, meine alten Freunde so anzutreffen, hielt dieses Glücksgefühl aber noch versteckt. Ich ritt ihn in eine der mittleren Boxen und wartete konzentriert auf den Start. Die anderen reihten sich ebenfalls ein und Ajith kam herbeigeeilt um die Boxen zu öffnen. Dann donnerten die Vollblüter auch schon los. Ich hielt mich bei Winters Absprung etwas an seiner Mähne, um von der Wucht nicht gleich aus dem Sattel zu gleiten. Es war ein wundervolles Gefühl, die schnaufenden Pferdeköpfe links und rechts von mir zu sehen und unter mir den gewaltigen Körper des Hengstes zu fühlen. Das rhythmische Aufschlagen der Hufe liess mich all den Schmerz vergessen und holte mich zurück in die Welt, in die ich gehörte; das hier und jetzt. Light gewann zwar das Trainingsrennen knapp vor Winter und mir, doch das war mir schnuppe. Ich hatte einen Entschluss gefasst während dem Galoppieren: Das Leben musste weitergehen. Ich tätschelte Winters Hals und plauderte begeistert mit den anderen über das Training. Anschliessend arbeiteten die restlichen Jockeys noch etwas weiter mit ihren Pferden, während ich Winter austraben liess. Er schnaubte schön ab und streckte den Hals tief zu Boden. Schliesslich brachte ich ihn zurück in die Box und versorgte ihn gründlich, ehe ich mich Stromer widmete. Mit dem cremefarbenen Hengst hatte damals alles angefangen – er war mein allererstes Vollblut gewesen. Nun war er schon ganze sechs Jahre alt und hatte sich prächtig entwickelt. Aus dem einst so zerbrechlichen dreijährigen mit der schlechten Vergangenheit war ein top bemuskelter, aufmerksamer und freundlicher Hengst mit wundervollen Gängen geworden. Jetzt im Sommer schimmerte seine rosafarbene Haut stark durch das Fell, was ihm deutlich mehr Farbe verlieh als im Winter, wenn er mit dem dichteren Fell fast weiss wurde. Ich putzte auch ihn sorgfältig und ritt anschliessend wie schon mit Winter in voller Rennmontur zur Bahn, wo ich ihn zunächst aufwärmte. Er hatte viel mehr Erfahrung als Winter und konnte seine Kräfte gut einteilen. Ausserdem hörte er sehr fein auf meine Hilfen und wurde nicht so heftig wie die jüngeren Genossen. Wenig später hatten auch die drei Jockeys ihre Pferde ausgetauscht; sie ritten nun Pina, Sunday und Felicita. Wiederum lieferten wir uns ein Spassrennen und arbeiteten dann noch etwas für uns auf der Bahn, was aber mit den tollen Pferden genauso viel Spass machte. Ich bewegte an diesem Morgen noch Gray, Crack und Indiana, während Quinn Chiccory und Fly, Oliver Paint und Empire und Lily Blüte und Cantastor übernahmen. Besonders bei Crack musste ich wieder mit den Tränen kämpfen, denn ich hatte sie damals von Jack zum Geburtstag geschenkt bekommen und mich so sehr über sie gefreut. Die Erinnerungen kamen wieder in mir hoch und ich musste daran denken, wie ich ihn so voller liebe umarmt hatte. Und doch war ich zuletzt wütend auf ihn und habe ihn mit eben diesem Gefühl angesehen… Dieser Gedanke schmerzte am meisten von allen. Als ich Diana versorgt hatte bemerkte ich ein grummeln und stellte fest, dass ich durch das ganze Arbeiten doch noch Hunger bekommen hatte. Aber alleine zu kochen würde bestimmt schrecklich werden. Ich schlenderte lustlos in Richtung Haus und bemerkte nicht, wie Lisa sich von hinten anschlich. Sie tippte mir auf die Schulter und rief laut „Buh!“, während Quinn und Ajith, die sich an die kühle Wand des Hauptstalls gelehnt hatten die Augen rollten. Ich vergab Lisa diese Taktlosigkeit angesichts meiner Trauer und sah sie bloss fragend an. „Ich… äehm… Ich meine Quinn, Ajith, Lily und ich wollten dich fragen, ob du vielleicht mit uns in die Stadt kommen willst. Wir dachten, wir gehen Jonas im Krankenhaus besuchen und essen unterwegs zu Mittag…“ Mein Herz machte einen Hüpfer. Jonas! Er lebt ja noch… Beschämt, dass ich meinen treuen Freund in der Not ganz vergessen hatte, willigte ich rasch ein und folgte den Pflegern auf den Parkplatz. Wir fuhren mit Lilys kleinem Toyota, in den wir uns allerdings ziemlich reinquetschen mussten. Wir bestellten wie geplant auf dem Weg zum Hospital ein Falafel für mich und sonstigen Schnellimbiss-Kram für die anderen. Als ich den langen Gang zu Jonas‘ Zimmer entlanglief, wurde mir etwas schwindelig. Wie hatte ich nur nicht an ihn denken können? Immerhin war er genauso wie Jack in Lebensgefahr gewesen und hätte genauso gut auch tot sein können! Langsam öffnete ich die Tür und trat ein. Es war vollkommen Still in dem hellen Raum. Die anderen Patienten schienen zu schlafen und auch Jonas hatte die Augen geschlossen. Die Pfleger folgten mir leise und schlossen die Tür hinter sich. Vorsichtig kniete ich mich neben sein Bett und betrachtete die üblen Verbrennungen, die sich über seine Oberarme zogen. Wie durch ein Wunder war das Gesicht beinahe unversehrt geblieben. Er muss es rechtzeitig mit den armen geschützt haben, überlegte ich und begann, seine Nase zu kitzeln. Seine Augenlieder zuckten, dann musste er niesen und wachte auf. „Occu… und ihr! Ich bin so froh, dass ihr gekommen seid.“ Ich lächelte verlegen, immerhin wäre ich ohne die anderen nicht hier. Zögernd fragte ich: „Wie fühlst du dich?“ „Den Umständen entsprechend, aber eigentlich nicht allzu schlecht. Bloss mein Rücken tut ziemlich weh. Aber die Ärzte meinten, es sei nichts ernstes, bloss eine Prellung. Wie geht es Jack?“ Ich zuckte zusammen und sah betreten zu Boden. Er weiss es also noch nicht… Quinn fasste Mut und antwortete leise auf die Frage. „Er hat nicht überlebt…“ Ich beobachtete, wie sich seine Pupillen weiteten und er den Mund öffnete, um etwas zu sagen, ihn dann aber ohne einen Mucks wieder schloss und ins Leere starrte. „Tot? D das ist schrecklich. Es tut mir so leid Occulta…“ Ich nickte nur und biss mir auf die Oberlippe, um die Fassung nicht wieder zu verlieren. Ich war froh, als er das Thema wechselte. „Wie geht es den Pferden? Haben sie sich sehr erschreckt als das Flugzeug abstürzte?“ „Nein, ich denke nicht. Heute Morgen liefen die Vollblüter im Training jedenfalls top“, antwortete ich. Er nickte mit einem Lächeln und ich fragte ihn, was denn so amüsant sei. „Ich finde es faszinierend, wie glücklich du wieder wirkst, sobald wir über Pferde reden.“ Nun lächelte ich ebenfalls und stupste ihn zur Strafe in die Seite, worauf er sofort aufschrie. „Au au, pass doch auf!“ „tut mir leid, ich hab gar nicht…“, stammelte ich erschrocken, doch schon grinste er mich wieder breit an und ich erriet, dass er nur mit mir gespielt hatte. Böse sein konnte ich ihm allerdings nicht. Wir plauderten noch etwas, dann machten die Pfleger und ich uns auf den Rückweg zum Stall. Er sah uns gequält hinterher, als wir einer nach dem anderen zur Tür hinausgingen, besonders mir, so kam es mir jedenfalls vor.
      Zuhause half ich Quinn, die mit dem Einreiten von Sumerian und Frame weitermachte. Die beiden waren noch ganz am Anfang ihrer Ausbildung, machten sich aber alles andere als schlecht. Fröhlich beobachtete ich die Fortschritte von Frame, der Monate zuvor noch so erbärmlich ausgesehen hatte, mit all seinen Wunden und Schrammen. Nun ging er nicht mehr lahm und nur eine Narbe zierte den Hals dort, wo der Pfosten einst ein so grosses Loch hinterlassen hatte. Meine Tierärztin hatte hervorragende Arbeit geleistet. Gegen Abend kam dann noch eine Überraschung auf dem Hof an. Ein Transporter fuhr auf den Parkplatz, beladen mit zwei neuen Vollblütern. Als ich mich fragend an den Fahrer wandte erfuhr ich, dass die beiden von Eddy stammten und Jack sie wenige Wochen zuvor abgekauft hatte, da Eddy ihren Bestand etwas reduzieren wollte. Auch ein Fohlen würde in den nächsten Tagen noch ankommen. Ich ignorierte das Stechen, das sich bei Jacks Namen wieder bemerkbar machen wollte und bewunderte den Hengst, Muskat. Er war bereits gekört und würde sicherlich ein wunderbarer Zuchthengst werden. Die Stute, Cassiopeia, hatte ich auch schon ein paarmal an Rennen gesehen, sie war Jack damals besonders aufgefallen. Ich führte beide in den Hauptstall und half anschliessend den Pflegern beim Füttern. Um halb zehn lief ich endlich müde zum Haus, zögerte aber davor und wandte mich stattdessen im halbdunkeln dem Hof zu. Es kehrte Ruhe ein auf Pineforest Stable, nach all der Aufregung schienen sogar die Pferde erledigt. Die Gebäude lagen still im Zirpen der Insekten da und erste Sterne tauchten am Himmel auf. Ich erinnerte mich daran, wie ich einmal mit Jonas im Gras hinter dem Dressurviereck gelegen und an den dunklen Tannen vorbei die Sternbilder betrachtet hatte. Augenblicklich breitete sich eine Art entspannende Wärme in mir aus und zum ersten Mal am heutigen Tage war ich wirklich glücklich. Glücklich hier zu sein, glücklich, dass Jonas lebte und glücklich, dass noch so viel vor mir lag. Ich murmelte sanft, an die Sterne gewandt: „Auf wiedersehen Jack.“ Dann drehte ich mich um und verschwand im Haus.
    • Occulta
      Nachts fürchten die Mäuse den Jäger...

      Ich wachte nach einer unruhigen, mehr oder minder schlaflosen Nacht früh auf und begab mich zum Kühlschrank. Während ich nach einem geeigneten Joghurt kramte, plante ich den Morgen. Es würde alles etwas durcheinandergeraten nach meinem 'announcement', da war ich mir sicher. Doch verängstigte Mitarbeiter zu beruhigen war immer noch angenehmer, als Leichen zu entsorgen. Wenn es denn so weit käme... Vielleicht halste ich mir auch nur zu viele Sorgen auf. Als ich fertig gelöffelt hatte, schmiss ich das leere Gefäss in den Müll und öffnete mit wetterfesten Kleidern die Tür. Es Regnete und war neblig - was konnte es an so einem Morgen sonst sein. Ich seufzte kaum hörbar, aber reichlich genervt und machte mich auf zum Hauptstall. Es war noch finster und die Pferde dösten vor sich hin, als ich vorsichtig das Tor aufschob und eintrat. Winter, in einer der beiden vordersten Boxen, lag mit eingeklappten Beinen im Stroh und sah auf, sobald ich mich näherte. Er blieb jedoch liegen, als ich die Box öffnete und auf ihn zuschritt. Er röchelte sogar leise, und ich kniete neben ihn, um ihn zu kraulen. Es war unheimlich beruhigend, seine dunklen, verschlafenen Augen zu begutachten und seine Lippen entzückt zittern zu sehen. Nach einer Weile öffnete sich das Tor erneut; Quinn und Ajith tauchen in der Öffnung auf. Einen Moment sahen sie sich verwirrt um, dann hörten sie meine Stimme und kamen zur Box. "I woke up earlier. You weren't expecting murderer inside here, were you?" Ajith zeigte sich bestürzt. "What?? No, why?" "Because there's a murderer spraying around in our forests." "No way! And what are we going to do?" Ich schwieg einen Moment. "We inform the others as soon as possible, but then we go on as normally and hope thqt the policemen do their work." Die beiden nickten und ich stand auf, um den besorgten Gesichtern ebenbürtig zu sein. Ich klopfte Winter zum Abschied auf den Hals und verliess seine Box. Wir holten die Schubkarre und füllten sie mit Heu, während nach und nach auch die anderen Pfleger auftauchten. Bald war der Stall erfüllt von munterem Geplapper und dem Scharren und Schnauben der Pferde. Dann hielt ich meine kleine Rede. Und schon war die fröhliche Stimmung ersetzt durch sorgenvolles Schweigen. Keine lustig pfeifenden, witzelnden Pfleger mehr, nur stille Arbeiter. Ich beschloss neutral zu bleiben und lief zu Paints Box - es war Zeit fürs morgendliche Training. Oliver hatte die Pferde ihren Reitern schon am Vorabend zugeteilt, es änderte sich aber kaum etwas im Vergleich zum Wochenplan. Die schwarze Stute begrüsste mich mit ihrer weichen, rosa Schnauze. Ich streichelte das samtige Fell an ihrem Hals und kraulte sie liebevoll hinter dem Ohr, bevor ich ihr das Halfter überzog. Anschliessend band ich sie in der Stallgasse an. Ich öffnete die Schnallen ihrer Fleece Decke und zog sie nach hinten, liess sie jedoch halb auf der Kruppe liegen, denn die Stute war geschoren und um halb sechs war es bekanntlich noch ziemlich frisch, draussen und in der Stallgasse. Ich bürstete das kurze, stoppelige Fell gründlich und entwirrte ihren Schweif. Dann sah ich mir die Hufe an, prüfte ob die Eisen noch hielten und entfernte den Schmutz der Nacht. Weiter vorne in der Gasse richtete Oliver Blüte her, Iskierka wurde gegenüber von mir von Ajith betreut. Auch Gray, Cold, Mikke, Sumerian, Campina, Felicita, Indiana und Cassy wurden geputzt, heute Morgen trainierten wir nämlich alle Stuten zuerst. Diana sah mit ihrem neuen Zaumzeug extrem schick aus. Die Stute nahm zwar aufgrund ihres Alters nicht mehr an grossen Rennen Teil, diente den jüngeren Vollblütern aber als Vorbild und wurde in erster Linie mittrainiert, um sie für's Military fit zu halten. Als alle fertig waren und ihre Pferde nach draussen zum Aufsteigen führten, löste auch ich den Strick von Paint und ging mit der Stute ins Freie. Vor uns hob und senkte sich das muskulöse Hinterteil von Cassy. Ich beobachtete entzückt, wie ihr seidiger, weisser Schweif im Takt dazu Tanzte. Ich war unheimlich froh, die Stute übernommen zu haben, denn sie musterte sich mehr und mehr zu einem talentierten Galopper. Bei ihrer Abstammung war das ja auch kein Wunder. Ich zog den Reissverschluss meiner Fleecejacke höher, trotzdem zitterte ich noch vor Kälte. Bald nicht mehr, dachte ich schmunzelnd. Auch Paint war zappelig, sie kreiste um mich als ich mich in die Reihe stellte um von Oliver auf's Pferd geschmissen zu werden. Mit den kurzen Steigbügeln war es schwer, ohne Hilfe hochzukommen und der kleine Hocker, der bis anhin diese Hilfe geleistet hatte, hatte vor drei Tagen den Geist aufgegeben, sehr zum Pech von Quinn, die danach erschrocken halb am Pferd hing. Ich massregelte Paint und hielt sie einigermassen ruhig, bis ich endlich oben war, dann liess ich sie zügig den anderen zur Galoppbahn folgen. Wir ritten im Gänsemarsch eine Runde schritt, dann trabte die ganze Reihe auf Kommando an. Paint ging schwungvoll und locker, trotz der Temperaturen, aber Grey vor mir zog den Schweif ein wenig ein. Nach einer weiteren Runde wurde es besser. Wir wechselten die Seite und galoppierten schliesslich nach ein wenig linksseitigem Trab an. Nach einem Umlauf verliessen wir die Bahn über den sauber gewischten Kiesweg und ritten zu den Startboxen. Natürlich hatten nur acht Pferde in den acht Boxen Platz, weshalb wir zwei Gruppen bildeten. Per Handzeichen wurde bestimmt, dass Caprice, Felicita, Blüte, Iskierka und Paint zur ersten Gruppe zählten. Ich entschied mich für die dritte Box und trieb Paint hinein, doch sie ging sowieso freiwillig da sie wusste, dass sie gleich rennen durfte. Ich spannte die Zügel, hielt sie kurz, nahm die Startposition ein, um beim Absprung nicht aus dem Gleichgewicht zu kommen. Endlich waren alle drin und Ajith, der als "Bodenpersonal" dabei war, rief uns die Kommandos zum fertig machen zu. Dann sprangen die Türen auf und Paint beförderte uns kraftvoll von Anfang an an die Spitze. Ich hielt mich ein wenig an der Mähne der grossen, schwarzen Stute und war froh um meine Schutzbrille, denn die Morgenluft schlug mir eisig ins Gesicht. Ich wagte beim 500-Meter-Pfosten einen Blick über die Schulter und sah, dass Blüte aufholte. Ich liess sie passieren, denn ich wollte Paints Energie für den geplanten Kopf-an-Kopf Schluss sparen. Auch Felicita kam neben uns und hielt diese Position bis zum 1000m-Pfosten. Nun ging es nochmals in die Kurve, danach folgte die Zielgerade. Alle Pferde schlossen zueinander auf und Blüte und Felicita teilten sich die Spitze. Ich gab Paint etwas Zügel frei, sodass wir auch vorne mitmischen konnten. Kierka hängte sich links an Paints Flanke, nur Capri blieb verschollen. Ich drehte mich nochmals kurz und sah die Fuchsstute in einer Pferdelänge Abstand folgen, Tendenz steigend. Die Stute war noch immer nicht wieder 100%ig fit, da erstaunte dieses Schwächeln auf der Bahn nicht. Ich gab Paint nochmals etwas Zügel frei, sodass sie sich streckte und wir mit einer Nasenlänge gewannen. Ich tätschelte ihren Hals, während ich mich aufrichtete und sie auslaufen liess. Als sie in den Trab, und schliesslich in den Schritt fielen, sammelten sich die Pferde und Reiter wieder und ritten gemeinsam zurück zur Startmaschine. Oliver kam auf Aerith angetrabt. Die Stute wurde mittlerweile als Trackpony ausgebildet und eingesetzt, neben den Westernturnieren, die sie regelmässig lief. Oliver wollte später mit Iskierka und Campina das vom-Pony-aus-geführt-werden trainieren. Doch zunächst war die zweite Gruppe auf der Bahn. Ich reihte Paint und mich neben Caprice ein und wir beobachteten das Schauspiel vom Bahnrand aus. Die Türen flogen auf und alle sechs Pferde schossen aus dem Metallgeflecht hervor. Indiana teilte sich sogleich die Spitze mit Gray. Die erfahrene Stute hatte Tendenzen zum Sprinter, Gray jedoch war ganz klar Steher und sollte am Anfang eher im Mittelfeld bleiben, da sie zu wenig ausdauernd war, um das Tempo durchgehend zu halten. Oliver rief die Anweisung, die mir auf der Zunge lag: David solle sie doch endlich zurücknehmen. Unser Trainer hatte wie immer ein Auge für Feinheiten und war unterdessen zu uns getrabt, um diese Details zu besprechen. "Occu, let her go at approximately 900 meters next time. She is old enough to start early." Ich nickte als Zeichen der Kenntnisnahme und kraulte Paint stolz am Widerrist. In der Bemerkung war nämlich ein verstecktes Lob für ihre raschen Fortschritte gewesen. Campina hatte mittlerweile Gray an der zweiten Position abgelöst und Cassy folgte dicht neben der dunkelgrauen Stute. Zu dicht. "Stay away from Gray, or do you want to trap over her legs!", schrie Oliver in gereiztem Tonfall über die Bahn zu Darren. "I told him last time already, but je won't change a bit until the horse has a broken leg!", meinte er an uns gewandt. Ich schwieg und verfolgte das Training. Der 1000m-Pfosten war passiert, nun wurde es erst richtig heiss. Indiana wurde von Cassy überholt, Sumerian tauchte aus dem Nichts auf und zog an Gray vorbei, Crack schob sich vor Campina. Sumerian konnte das Tempo mangels Ausdauer allerdings nicht lange halten und fiel rasch wieder zurück. Indiana entwickelte zwar guten Schub, konnte mit den leichten Jünglingen jedoch nur schwer mithalten. Gray lieferte sich auf den folgenden Metern einen spannenden Kampf mit Crack, die schliesslich richtig zulegte und sich sogar vor Cassy schob, allerdings nicht lange. Die Palominostute mit den grossen Abzeichen verteidigte die Spitze bis zum Schluss. Wir jubelten den heftig atmenden Körpern von Reiter und Pferden über die Bahn zu, ehe wir selbst auf die Bahn zurückkehrten um ein paar fliegende Starts zu üben. Der Nebel hing immer noch erdrückend über unseren Köpfen, doch immerhin hatte es aufgehört zu regnen. Paint lief etwas zögerlich, vielleicht war sie noch erschöpft vom Rennen. Meine Sorge stieg jedoch, als sie auch nach vier Starts noch nicht gut wegkam. Normalerweise hatte sie mit dem Starten kaum Probleme. Ich rief Oliver, damit er sie sich ansah und tatsächlich: nach einer kurzen Demonstration schüttelte er den Kopf und winkte uns zu sich. "I think there's something wrong with her right foreleg. I'll call the vet." Solche Nachrichten waren in einem Rennstall sehr ungern gesehen, ich hoffte aber natürlich das Beste. Ich liess mich hinuntergleiten und führte die Stute, sorgsam beobachtend, in den Hauptstall zurück. Dort versorgte ich sie mit allem was sie brauchte, schmierte etwas Kühl Gel auf das betroffene Bein und zog ihr die blaue Fleece-Decke an. "Good girl, you'll be back in few days, I'm sure", flüsterte ich, etwas bedrückt. Ich schloss die Boxentür und holte Sheela und Jacky aus dem Haus. Auch die anderen Jockeys waren mittlerweile fertig und versorgten ihre Pferde, ehe sie sich versammelten, um die Hengste aufzuteilen. Ich wählte Sunday, denn ich hatte ihn die ganze letzte Woche Quinn überlassen. Nun wollte ich die Feinheit und Kraft des Hengstes selbst wieder geniessen. Wir trainierten wie zuvor, doch nach den Übungsrennen wurden Gruppen gebildet, um das Abteilungsreiten zu fördern. Die Pferde mussten bei ihrer Gruppe bleiben, selbst im rasenden Galopp. Sie mussten geduldig sein und auf die Hilfen ihres Reiters hören. Ich hängte mich an die Gruppe mit Stromer, Muskat, Winter und Chiccory. Die andere Gruppe bestand aus Fly, Light, Cantastor, Spot und Empire. Was für ein Gefühl das ist, mit fünf bebenden Hochleistungssportlern in einer Reihe über die Bahn zu jagen! Besonders wenn ein Pferd wie mein Sunday so fein mitmacht. Ich beobachtete ausserdem die anderen Pferde mit scharfem Auge, sodass ich mir fast wie Oliver vorkam. Frame war noch immer nicht beim Training dabei. Er war zwar schon mehrfach auf dem Platz kurz von mir geritten worden, doch ich wollte zuerst sicherstellen, dass er gut ausgebildet war und nicht überfordert wurde, ehe ich ihn mit zum Konditionstraining nehmen würde. Auch Oliver hatte mir dabei zugestimmt. Ich musste lachen, als Chiccory sich nach dem letzten Galopp schüttelte, als hätte er Fliegen in den Ohren. Dabei hatte Lisa ihm nur kurz ein Strohstück vom Ohr wischen wollen.

      Nachdem auch diese Trainingseinheit zu Ende war, gab es erst einmal eine Kaffee Pause. Selbstverständlich erst, als die wertvollen Tiere zufrieden in ihrer Box raschelten. Ich hatte Sundays Hufe eingefettet, damit sie nicht brüchig wurden. Dies war eines unserer Rituale, wie das tägliche Bürsten und das Abduschen nach harter Arbeit. Die Stimmung in der Sattelkammer liess nicht den geringsten Zweifel an der Sorglosigkeit der Pfleger zu, sie waren gute Schauspieler. Sie mussten immerhin regelmässig vor Publikum so tun, als ob alles im Griff sei. Schwäche zeigen wollte auf der Rennbahn keiner, es ging den meisten nicht nur um Geld, sondern auch um die Ehre. Die Pferde funkelnd, das Sattelzeug gepflegt und wie neu. Und ein nahtloser Ablauf, ohne sichtbare Kommandos oder Anweisungen. Jeder wusste, was zu tun war. So auch heute, zuhause. Keiner verlor ein Wort über meine Ansprache vor dem Training, alle lächelten. Ich kam mir seltsam verloren vor, in dieser Maskierten Welt. Wem konnte man trauen, wenn das Leben das reinste Gaukelspiel war? Plötzlich ertönte ein lauter Knall, augenblicklich flutete eine erschrockene Stille den Raum. Ein Jäger? Ein Knallen eines Motors? Ich malte mir einige Szenarien aus, während ich mit Ajith und Lewis nach draussen hastete. Stille - wie im Raum zuvor. Dann ein zweiter Schuss, Hilfeschreie. "What the - " Ich stürzte um die Ecke und erblickte unseren Nachbaren, einen sonst so friedvollen, älteren Herren, mit seinem Jagdgewehr in der Hand. Er gestikulierte wild umher und deutete auf einen parkierten Ford, hinter dem jemand kauerte. Lewis und Ajith umstellten den Wagen und packten die Person, ich beruhigte den Bauern. "It is him, he is it! The murderer! I know it!" Der verängstigte junge Bursche stotterte einige unbedeutende Worte, ehe seine Stimme versiegte. Nie und nimmer ist er ein Mörder. Wir klärten das Ganze auf dem Parkplatz, und schon nach einigen Sätzen wusste ich, was tatsächlich vorgefallen war. Der Junge hatte am Morgen wie gewohnt die Arbeit auf dem Lehrbetrieb aufnehmen wollen, doch das Tor war noch verschlossen gewesen, vermutlich als Vorsichtsmassnahme gegen Killer. Daraufhin hatte sich der Junge als Kletterkünstler erwiesen, denn er war kurzerhand auf den Baum neben dem Bauernhaus geklettert, um über den Zaun zu kommen. Der Bauer hatte kaum das raschelnde Laub, die kräftigen Arme und die dunkle Hose des Burschen erblickt, als er schon zur Flinte griff und hinausstürmte. Der Junge, erschrocken über die Reaktion des Bauern, empfand es als klüger, das Weite zu suchen. Dadurch sah sich wiederum der Bauer bestätigt in seiner Annahme und nahm die Verfolgung auf. Ich schüttelte lachend den Kopf, als die Story geklärt war. Die beiden gaben sich noch immer misstrauisch die Hand zur Versöhnung, dann kehrten sie nach einem Beruhigungstee zurück auf ihr Land. Lewis, Ajith und ich sahen uns vor Erleichterung grinsend an. Doch in meinem Kopf sortierte ich die wilden Gedanken der Sorge. Wenn nun schon unser Nachbar so durchdrehte, wie konnten wir dann entspannt hier warten und uns in Sicherheit wägen?
      Alle hatten die Arbeit wieder aufgenommen, einer lag ruhig im Stroh. Lisas Schreie liefen mir kalt den Rücken hinunter. Ich raste mit Jonas zum Schauplatz und bemerkte, wie es ihm fast den Magen umkehrte. Vor uns lag der Elektriker, mit einem verheissungsvollen roten Flecken auf der Brust und im friedlichen, ewigen Schlaf. Ich habe schon schlimmeres gesehen, zum Beispiel zerstückelte Ehemänner, dachte ich bitter. Jonas betreute Lisa, während ich die Polizei rief. Jetzt musste alles schnell gehen - vielleicht waren Spuren auf der Leiche. Etliche Stunden später war klar; der Täter war kein Amateur. Er hatte nicht den geringsten Tipp hinterlassen. Sie jagen ein Phantom, welches uns alle jagt...

      Ich biss mir auf der Unterlippe herum, während ich den Stall der Ministuten ausmistete. Ständig horchte ich auf, in der Erwartung, einen weiteren Schrei zu hören. Doch es blieb still. Totenstill. Nicht einmal die Pferde waren in der Lage, diese erdrückende Stille zu durchbrechen. Sie schnaubten lediglich hin und wieder leise. Als ich mit den Minis fertig war, befasste ich mich mit den dreijährigen Ponys. Sie waren mittlerweile alt genug um eingeritten zu werden. Zwar standen alle drei noch auf der Fohlenweide, doch wir hatten bereits mit Longentraining und Sattelgewöhnung begonnen. Obwohl alle drei etwa gleichzeitig mit dem Training begonnen hatten, waren erhebliche Unterschiede zu erkennen. Lychee machte fast täglich grosse Fortschritte und arbeitete eifrig mit, manchmal fast zu eifrig. Sweets hingegen war etwas zurückhaltender und brauchte länger, um den Gurt zu akzeptieren. Bluebell war unkompliziert und lernfreudig, mochte es aber überhaupt nicht, angebunden zu werden. Ich fasste eines der schwarzen Standardhalfter und streifte es Sweets über die kurzen Ohren. Sie kam brav mit, als ich mit ihr die Strecke zur Halle lief, bloss hin und wieder drehte sie den Kopf und wieherte. Ein Wohlklang in der Einsamkeit an diesem Nachmittag - dachte ich schmunzelnd. Ich schritt zügig voran und schob das Hallentor auf. Drinnen wärmte Rosie gerade Ocean auf, wie vereinbart. Auch Jockeys mussten ab und zu ein wenig Dressur reiten, um nicht aus der Übung zu kommen, und so konnte ich auch gleich die erfahrene Stute als Lehrmeister für Sweets einsetzen. Kaum erblickte sie Ocean, da wurde Sweets auch schon deutlich ruhiger und konzentrierter. Ich hängte zunächst die Longe ein und liess sie im Schritt um mich herum gehen. Sie tat dies nun zum vierten Mal und wusste bereits, dass sie auf der Kreisbahn bleiben musste. Nur die Biegung konnte noch verbessert werden. Nach vier Runden rief ich deutlich "Trot" und machte etwas Druck mit der Longiergerte, sodass sie beides verknüpfen konnte. Die junge Stute lief schwungvoll - sehr schwungvoll, ich musste sie in ihrem Eifer bremsen. Beim angaloppieren kamen dann die berüchtigten Freudensprünge, doch ich hatte damit gerechnet und vorsorglich Handschuhe angezogen. Nun war es an der Zeit, den Gurt und den Sattel zu holen. Sie wirkte auf den Longiergurt wie zuvor skeptisch, blieb aber still stehen und liess mich ohne zu zicken anziehen. Ich lobte sie einige Male, während ich den Gurt löste und wieder anzog. Als ich das Gefühl hatte, dass sie entspannter sei, holte ich den Sattel und den richtigen Gurt. Ohne zu zögern schwang ich ihn auf Sweets' Rücken und zog den Gurt an, ehe ich ihn wieder löste und das ganze Spiel wiederholte. Später ging ich einen Schritt weiter und longierte sie mit Sattel. Zum Schluss führte ich Sweets noch ein wenig durch die Halle und machte Gehorsamkeitstraining. Danach brachte ich sie in den Nebenstall, wo bereits drei Boxen hergerichtet worden waren. Ja, es war Zeit die Terrorherrschaft der drei Ponys über die anderen Fohlen zu beenden. Sweets zögerte etwas, als ich sie in die hinterste Box führte, sie schien zu ahnen, dass ihr leichtes, sorgloses Dasein auf der grünen Wiese vorbei war. Doch sie wird bald herausfinden, dass es gegen ein anstrengendes, aber spannendes Leben eingetauscht wird, dachte ich schmunzelnd und stellte mir einen herrlichen Wintergalopp mit Sweets vor. Ich liess die kleine Stute in der Box zurück, was ihr so gar nicht passte. Sie lief im Kreis und wieherte nach ihren Kollegen. Den frischen Heuhaufen zu ihren Hufen beachtete sie nicht. Aus einiger Entfernung kam eine gedämpfte Antwort, offenbar wurden Lychee und Blue gerade von Jonas und Rosie geholt. Alles verlief reibungslos: auch die beiden wurden in ihre neuen Boxen gebracht. Blue beschnupperte Sweets prüfend durch das Gitter, dann entspannten sich alle sichtlich und Lychee begann zu fressen. Bald senkte sich auch der letzte Kopf dem Heu entgegen und Ruhe kehrte im Nebenstall ein. Jonas nahm mich spielerisch in den Arm, doch ich war nicht in der Stimmung für Flausen; noch immer horchte ich ständig nach Ungewohntem. Ich kam mir vor wie in einem Krimi. Wir schlenderten zum Hauptstall und ich half beim Wischen.

      Die Dunkelheit schlich sich langsam über den Horizont auf die Britischen Inseln zu und mit ihr die Angst. In der Nacht hatte der Killer bisher gejagt, das war auch überaus vernünftig gewesen. Ich sah zumindest die Logik darin, auch wenn das meine und der Pfleger Situation nicht sonderlich zu bessern vermochte. Ich hatte mich überreden lassen, mit Quinn, Rosie, Lily und Lisa im "Pflegeheim", wie es scherzhaft genannt wurde, zu übernachten. Ich musste zugeben, dass mich der Gedanke an mein einsames, dunkles Zimmer nicht gerade gelockt hatte, doch alles war besser als mit Lisa in einem Raum zu nächtigen - was mir leider viel zu spät klar wurde. Sie plapperte den ganzen Abend mit ihrer schrillen Stimme, als wäre dies eine spassige Pyjamaparty, und spätestens mit ihren etwas taktlosen Horrorszenarien über den Tod des Elektrikers verlor sie den letzten Zuhörer. Ich meinerseits litt bereits an Kopfschmerzen und floh in den Gang hinaus. Im Aufenthaltsraum brannte Licht, Lewis, Darren und Jonas sassen auf den Sofas und unterhielten sich gedämpft. Ich setzte mich wortlos auf den erstbesten Platz der mir einfiel: die Armlehne neben Jonas. Er blickte mich einen Moment geheimnisvoll an, dann wandte er sich wieder den anderen beiden zu. "Do you think they'll catch him soon?" "Nay, he seems to be very clever and of course our dear officers are too lazy, they have not had anything like this since they work here", meinte Lewis. Er fuhr sich gähnend mit den Fingern durch die hellrote Mähne, dann grinste er verheissungsvoll. "I'll go to bed now, or I'll be dead tomorrow." Ich lächelte halbherzig und sah Darren und Jonas an, mit der Erwartung, dass sie ebenfalls aufstehen würden. Doch sie fuhren fort mit dem Gespräch. "They must certainly have found something, or at least they will, 'cause nobody is perfect. He'll make mistakes, like people do" brummte Darren. Jonas konterte: "Jack the Ripper blieb auch verschollen." Darren wollte etwas entgegnen, schloss den Mund jedoch, stumm. Jonas sah mir wieder in die Augen, als wollte er meine Meinung hören. Ich überlegte, dann antwortete ich: "Mir war es egal, wann und wie sie ihn fassen. Solange er einen grossen Bogen um Pineforest Stable machte. Aber das hat er nicht getan, also hoffe ich, dass sie ihn schnappen und er in der Hölle schmort." "Woher weisst du, dass es ein 'er' ist?", wollte Darren wissen. "Ich glaube kaum, dass eine Frau genug Kraft gehabt hätte, um den Elektriker niederzuringen... Abgesehen davon wäre eine Frau geschickter vorgegangen und hätte die Leiche gleich verschwinden lassen." Jonas sah mich gespielt böse an und stupste mir in die Seite, ich musste lachen, da ich schon immer zu den eher Kitzligen gehört hatte. Dann schlang er plötzlich seinen Arm um mich, zog mich von meinem Platz auf seinen Schoss und fasste meine Hand. Ich lachte noch immer, versuchte meine Verwirrung zu verbergen. Darren stand auf und murmelte etwas von wegen "Gute Nacht ihr Turteltäubchen" auf Englisch, ehe er grinsend in einem der Zimmer verschwand. Ich protestierte, in der Hoffnung, dass er es noch hören würde. Mir war bewusst, wonach dieses Szenario aussehen musste, doch ich wusste auch, dass Jonas es nicht ernst meinte (das tat er ja anscheinend nie) und ich wollte keine falschen Gerüchte über uns im Umlauf haben. Besonders Lisa fände solch eine Geschichte bestimmt spannend. Ich schauderte bei dem Gedanken. Jonas wollte mich nun hinlegen, indem er mich hochhob. Ich sperrte mich im ersten Augenblick, doch dann gab ich nach. Mein Herz klopfte, trotz all der Zweifel - ich liess mich fallen. Er legte sich ebenfalls hin, Ende des Spiels war, dass wir beide auf dem Sofa ausgestreckt waren, ich an ihn gekuschelt. Ich hatte mich damit abgefunden, mehr noch; ich begann es zu geniessen. Trotzdem da die übliche Vernunftsstimme in meinem Kopf hallte, "Du weisst, das das nichts ernstes ist". Er fragte leise: "Bequem?" Ich nickte. Ich musste zugeben: es war schon warm und angenehm, wie er den Arm um mich legte. Und das sanfte streicheln seiner Finger über meine Hand jagte mir ein Kribbeln quer durch Körper. Wir lagen dort bestimmt eine halbe Stunde, in der zunächst ich ständig prüfend zur Tür starrte, fest entschlossen bei einer Bewegung sofort aufzuspringen. Ich kann das hier jederzeit beenden, und ich werde ihm auch nicht wieder hinterher trauern. Doch auch nach fünfzehn Minuten war kein Lebenszeichen der Tür zu erkennen, also entspannte ich mich vollends. Und dann war der Spuk auch schon vorbei. Aus einem der vorderen Zimmer rief jemand: "Jonas come here, we want to sleep. If you do not, you have to stay outside!" Er zuckte zusammen und ich stand auf, damit er sich aufrichten konnte. Ein letztes Mal durchwuschelte ich seine dunklen Locken, dann liefen wir gemeinsam zum Gang und trennten uns. Etwas wehmütig war ich schon, denn ich hatte es insgeheim sehr genossen, mit dem Ohr auf seinem Brustkorb dem Herzschlag zu lauschen, oder seinen warmen Atem zu fühlen. Doch ich legte mich in eines der leeren Betten, die anderen schliefen bereits, und leerte meinen Kopf von allen Geschehnissen des Tages, ehe ich in einen kurzen, aber tiefen Schlaf sank.
    • Eowin
      Tierarztbericht für Sumerian

      Als nächstes war Sumerian an der Reihe.
      Die Vollblutstute präsentierte sich in wirklich seltener, hübscher Jacke.
      „Du hast auch echt alle Farben im Stall, oder?“, grinste ich.
      Ihre Besitzerin erwiderte das Grinsen und gab sie mir für die Routinebehandlung frei.
      Wieder Spritzen aufziehen, wieder eine Stelle am Hals mit dem Alkoholtupfer desinfizieren, dann impfen.
      Sie war artig, quiekte mich aber etwas stutig an. Doch damit kam ich zurecht.
      Auch die Wurmkur war schnell gemacht.
      „Brav!“, lobte ich und klopfte den Hals. Dann durfte sie wieder gehen.
    • Occulta
      White Storm

      Sonnenstrahlen wärmten meinen Rücken, als ich mit Lila den Feldweg entlang töltete. Es war Sonntag, kurz nach dem Weihnachtsball. Ein Blick auf die Armbanduhr unterrichtete mich von der Tageszeit – zehn nach zwei Uhr. Es war ein vollgepackter Morgen gewesen. Zwei neue Pferde hatte ich begrüssen dürfen, und morgen würde nochmals eines folgen. Um fünf Uhr war ich aufgestanden, um beim Füttern zu helfen und anschliessend mit den Rennpferden und Jockeys ins Training zu gehen. Kaum war Cantastor wieder abgesattelt und versorgt gewesen, hatte ich Gini auf dem verschneiten Platz bewegt. Es waren sogar immer noch ein paar Flöckchen gefallen, während ich mit ihr Slaloms, Stops und Seitwärtsgänge geübt hatte. Richtig hübsch hatten die weissen Fetzen sich ihren Weg durch den nebligen Himmel getanzt. Danach hatte ich Amor Casdove vom Flughafen abgeholt. Der Pintoaraber hatte wohl einen echten Kulturschock gehabt, als er vom warmen Australien ins verschneite England verfrachtet worden war. Er hatte sich auch entsprechend verhalten und war trotz seiner Winterdecke extrem zappelig gewesen, als hätte es ihm an die Beine gefroren. Ich nahm es dem temperamentvollen Jungspund nicht allzu übel. Er hatte sich in der Box einige Male gedreht und gewiehert, danach war aber auch schon Ruhe eingekehrt. Ich hatte anschliessend Anubis bewegt, der zum Glück einiges ruhiger gewesen war. Nachdem ausserdem auch Donut und Hallu bewegt gewesen waren, hatte ich mich auf den Weg in den Süden gemacht, um meine neue Paint Stute abzuholen. Sie war ein interessantes Projekt, da sie vollkommen militärisch ausgebildet worden war. Ich hatte zwar gute zwei Stunden bis Bristol gehabt, doch die Fahrt hatte sich gelohnt: Echo war bereits mit einigen anderen Pferden angebunden auf dem Parkplatz gestanden, denn sie war nicht das einzige Pferd gewesen, das heute abgeholt worden war. Der alte Bauer, der aufgrund seiner Demenz seine Hobbyzucht aufgeben musste, war etwas verwirrt in Begleitung seiner Tochterzwischen den Pferden und Anhängern hindurch gewuselt und es war ihm sichtlich schwer gefallen zu verstehen, warum seine Pferde weg mussten. Als ich Echo endlich hatte die Rampe hochführen dürfen, hatte ich ihm versichern müssen, dass ich sie weiterhin kavallerietauglich ausbilden würde. Er hatte mir ihr Zaumzeug geschenkt, da sie dieses in der Ausbildung so gut angenommen hatte. Ich hatte beschlossen, ihm diesen Wunsch zu erfüllen und es für mich als Challenge zu betrachten. Nun war die Stute in ihrer neuen Box und lebte sich ein, während ich auf dem Ausritt mit Lila war.
      Mein Mopho summte, ich bremste die Islandstute. "Hey, bist du noch lange weg?", stand auf dem Display, darüber fand ich das Profilbild von Jonas. Ich verneinte und fragte warum, konzentrierte mich dann aber wieder auf Lila. Mein Pferdchen war fleissig heute: kaum nahm ich die Zügel wieder auf, spurtete sie auch schon im Trab los. Die wollige Mähne tanzte dabei im Takt auf und ab. Überhaupt war alles an ihr wollig. Ich hatte sie noch nicht geschoren, da es so schnell so kalt geworden war, doch nun schien es langsam Zeit zu werden. Sie wird sich sonst zu Tode schwitzen, wenn sie so Gas gibt. Der Schnee war bereits wieder am Schmelzen, doch er stand noch immer knöchelhoch. Und für die nächste Woche war ein Schneesturm angekündigt worden. Ich mochte den Schnee, sehr sogar. Und ich mochte es, gemütlich im warmen Wohnzimmer zu sitzen, während draussen der Wind heulte und der Schnee wirbelte. Alles um mich herum lag still und weiss da, nur hin und wieder lösten sich das schmelzende Pulver von einem Ast und hinterliess einen glitzernden Nebel aus Eiskristallen in der Luft. Irgendwo in der Ferne rief eine Krähe, als ich den Weg beim Flussufer erreichte. An einer steil abfallenden Stelle beim Ufer, dort wo Schmelzwasser in den Fluss lief, entdeckte ich einige wunderschöne Eiszapfen. Ich hielt Lila und liess mich zu Boden gleiten, um einen abzubrechen. Den muss ich unbedingt Lewis zeigen! Er behauptet immer noch, dass 'seiner' bei der Reithalle der grösste sei. Ich sah nochmal auf das Display meines Mophos, ehe ich wieder aufstieg. "Wir wollen Schlitteln gehen. Keine Angst - die Pferde sind schon alle versorgt." Ich lächelte kopfschüttelnd und lenkte mein Pferdchen auf den Heimweg.

      Vor dem Nebenstall stieg ich ab und führte Lila unter das Vordach zum Anbinden. Sie stützte entspannt den Huf auf, während ich den Sattel von ihrem Rücken nahm und das lange Winterfell kurz durchbürstete. Ich schäre sie später gegen Abend. Schon kamen Lewis und Jonas um die Ecke. "Ah, you're back! Okay, let's groom Lila and then go, while it's still sunny", rief Lewis freudig. Ich nickte und die beiden halfen mir kurz beim Hufe Auskratzen und Beine Bürsten. Dann brachten wir Lila rein und holten meinen Holzschlitten aus dem Keller. Rosie, Lisa, Elliot, Darren und Oliver standen schon bereit; Quinn war nicht dabei weil sie sich eine Grippe eingefangen hatte. Ajith fehlte ebenfalls, da er keinen Schlitten hatte und sich nicht so geeignet für den Schneesport fand. Die anderen hatten versucht, ihn zu überreden, doch Ajith bleibt hart Granit wenn er sich einmal entschieden hat. Wir liefen los in Richtung Galoppwiese, dann ein wenig südöstlich. Dort gab es, weit vom Hof entfernt, einen grossen Hügel, den ich letztens mit Numair hochgaloppiert war, um dessen Kondition zu verbessern. Es war mühsam, durch den bereits schmelzenden Schnee zu stapfen. Der Weg auf den Hügel kam mir ewig vor. Doch die Mühe lohnte sich: trotz des klebrigen Schnees fuhren die Schlitten schnell. Dumm nur, dass mein Schlitten bei der zweiten Abfahrt einige Meter neben der Piste eine unliebsame Begegnung mit ein paar Felsen erlitt, die hinterhältig unter der Schneedecke schlummerten. Ich landete unsanft im Tiefschnee und der Schlitten sah mitleidserregend aus. Ich sammelte die linke Kufe und das restliche Holzgestell ein und lief damit die Piste hinunter, wo die anderen halb besorgt, halb lachend warteten. Jonas bot mir an, auf seinem Schlitten mitzufahren, was ich nach einigem Zögern auch annahm. Dankbar hastete ich neben ihm den Hügel hinauf, während er den Schlitten zog. Ich setzte mich vorne hin, er sich hinten, da er so besser lenken konnte. Die Abfahrt war turbulent aber lief gut, bis Lewis uns hinauswarf, indem er den Schlitten hinten packte und herumriss. Wir machten ständig solche Spiele beim Schlittenfahren - das machte es um einiges spannender. Ich lag lachend neben dem Gefährt im Schnee und sah zu Jonas, der sich ärgerlich die Mütze ausschüttelte. Schon entdeckte ich das typische, herausfordernde Glitzern in seinen Augen und wir erklimmten den Hügel erneut. Noch einige Male landeten wir im Schnee, und oft revanchierten wir uns an diesem Nachmittag. Ich genoss es in vollen Zügen und das Beste war, dass Jonas und ich ein hervorragendes Team bildeten. Als der Spass schliesslich zu Ende ging, da es bereits dunkel wurde, liefen wir fröhlich lachend und schnatternd zurück zum Stall. Im Pflegerheim liess ich mich erschöpft aber glücklich mit einem warmen Punsch in der Hand auf die blaue Couch fallen. Jonas setze sich neben mich. Wir redeten eine Weile, ehe wir beschlossen, einen Film zu schauen. Doch zuerst mussten die Pferde versorgt werden. Ich trank aus und zog mich wetterfest an. Es war sechs Uhr und dunkel draussen, ausserdem kam ein starker Wind auf, der eisig durch meine Jacke zog.
      Ich stampfte durch den bloss noch knöchelhohen Schnee zu den Weiden, wo ich Pina und Indiana auf halfterte. Die beiden liefen zügig und aufgeregt schnaubend neben mir den Weg hinauf, offenbar spürten sie den herannahenden Sturm. Ich liess, im Hauptstall angekommen, Diana los, damit sie selber in ihre Box laufen konnte. Währenddessen brachte ich Pina in die ihrige. Auch Jonas kam gerade mit Caprice und Crack angelaufen. Beim Zurückgehen schob ich auch Dianas Tür zu und warf einen Blick in die Box von Cassy, die bereits nass, aber zufrieden am Heu knabberte, dann lief ich erneut los um zwei weitere Stuten zu holen. Beim Eingang wich ich Ajith aus, der Kierka und Blüte hineinführte. Auf dem Weg zu den Weiden hielt mich Lisa auf um zu fragen, wann die Pfleger füttern sollten. Sie schaffte es kaum, Paint und Gray ruhig zu halten. Paint stand breitbeinig da, den Kopf hoch erhoben, und sog hin und wieder geräuschvoll Luft ein. Gray stand mit gespitzten Ohren daneben. Ich beschloss, dass wir das Füttern und Misten gleich erledigen sollten und anschliessend um neun nochmals Heu geben und Kontrolle machen würden. Lewis hatte inzwischen auch Sumerian geholt. Ich kümmerte mich also noch um die letzten beiden, Shio und Pointless. Doch auf dem Weg schüttelte Point die ganze Zeit heftig den Kopf und riss am Strick. Ich massregelte sie mehrfach, Wirkung zeigte es bei der sensiblen Stute kaum. Im Gegenteil: kurz vor dem Hauptstall nahm sie einen gewaltigen Satz in meine Richtung und warf mich beinahe um, sodass ich sie loslassen musste, um nicht überrannt zu werden. Knapp gelang es mir, Shio zu halten. Die gepunktete Stute hingegen raste im gestreckten Galopp zurück in Richtung Weiden. "Spinnvieh!" Ich fluchte vor mich hin und brachte Shio schleunigst in die Box, um gleich darauf ein paar Pfleger zusammenzutrommeln und Pointless zu suchen. Mittlerweile stürmte es fast schon, und es schneite. "Na toll, sie haben den Sturm doch erst für Montag angesagt!", beschwerte sich Lisa. Ich beachtete sie nicht und kniff die Augen zusammen, damit keine Schneeflocke hineingeweht wurde. Ich lief zielstrebig in Richtung Fohlenweide, denn dort vermutete ich die ausgerissene Stute. Die anderen folgten mir. Tatsächlich stand Pointless beim Zaun und sah uns entgegen, doch als wir zu nahe kamen, drehte sie ab und bewegte sich im Stechtrab weiter den Weg hinab. "No chance, she'll run to the field if we try to chase her. We have to block the way down there", rief ich durch den Wind und deutete auf das Ende des Weges zwischen den letzten beiden Weiden. Lewis und ich rannten in einem Bogen über die Weiden nach unten, indem wir uns unter den massiven Holzzäunen hindurch zwängten. Point beobachtete uns hin und wieder misstrauisch, dann wiederum sah sie zu Lisa und Ajith hoch. Als wir unten ankamen, streckten Lewis und ich die Arme aus und blockierten den Weg, von Zaun zu Zaun. Dann trieben wir die aufgewühlte Stute langsam nach oben zu Ajith. Er schaffte es schliesslich, ihr noch immer am Halfter baumelndes Seil zu fassen und ihr zusätzlich einen Strick um den Hals zu legen. Gemeinsam führten wir Pointless in den Stall, was diesmal bis auf einige grunzende Seufzer ihrerseits ereignislos verlief. Als sie endlich in der Box war, atmete ich auf. Wir waren alle vier Total durchnässt und zerzaust vom Wind, der draussen gerade erst seine volle Kraft zu entwickeln schien.
      Wir fütterten die ungeduldig schnaubenden Pferde rasch und säuberten die Boxen, danach machten wir uns gemeinsam auf den Weg zum Pflegerheim. Kaum waren wir da, legte der Sturm richtig los. Es flitzten eine Menge weisser Flocken am Fenster vorbei und der Wind heulte durch die Spalten des Hauses. Drinnen war es dafür umso gemütlicher: die Heizung lief auf Hochtouren und es wurden bereits Decken und heisser Tee verteilt. Ich zog die Jacke aus und stellte fest, dass nicht nur meine Haare, sondern auch meine Hosen durchnässt waren. Ich wickelte mich daher rasch auf dem Sofa in eine der Decken ein und liebäugelte mit einer blauen Tasse auf dem Tisch vor mir. Mit einem federnden Aufschlag liess sich Jonas neben mich fallen, wie ich es mir insgeheim erhofft hatte. Wir starteten den Film und verdunkelten den Raum. Es dauerte nicht lange, da fühlte ich eine Hand sich um meine Schulter legen, und eine sanfte Kraft zog mich weiter nach links. Ich liess es zu, bis ich mit dem Kopf an seine Schulter gelehnt war und wagte es nicht, aufzusehen. Als ich es doch tat, sah er mich mit solch einer Herzlichkeit an, dass ich mir ein glückliches Lächeln unmöglich hätte verkneifen können. Ich liebte seine tiefgründigen Augen, seine feinen und doch kantigen Gesichtszüge und das wollene Haar - alles an ihm war in diesem Moment wundervoll und ich vergass die schmerzenden Monate der Kälte und Nüchternheit. It's so silly, sagte ich zu mir selbst, but if this was a dream, I would never want to wake up. Die Zeit ging viel zu schnell vorüber. Und so kam das unweigerliche Ende der zärtlichen Liebkosungen. Still hatten wir unser Glück für ein paar Stunden gehabt, und ebenso schnell war es wieder vorüber. Das Licht ging an, unsere Wege trennten sich bei den Schlafzimmertüren. Ich lag noch lange wach, während draussen der Sturm an den Schindeln zerrte und alles in Dunkelheit tauchte. Wie wird es wohl morgen sein? Harmonischer Sonnenschein, oder Verwüstung?
    • Occulta
      After the Rain

      "Àpres la Pluie, 2 years old, cremello, French Trotter." Sie war eine von einigen, und doch fiel sie mir ins Auge. Die hübsche, beinahe weisse Stute sah auf dem Foto in der Internet Anzeige zwar eher verstört und nervös aus, doch ihr Körperbau und die Abstammung schienen vielversprechend. Ist sie's wert? Schon seit einer Woche überlegte ich hin und her. Ich wollte schon immer einen Traber trainieren, und ein Cremello würde bestimmt ein Hingucker sein. Es war schwer, Entscheidungen alleine zu fällen, was ich seit Jacks Tod wieder viel häufiger tun musste. Wie schon so oft in den letzten Tagen klickte ich die Seite weg und sah aus dem Fenster. Ob sie bald gekauft wird? Dann ist meine Chance dahin... Ich klappte den Laptop seufzend zu und lief die Treppe runter zur Tür. Das Haus ist einfach zu gross für mich allein. Rasch hatte ich mich Wetterfest gekleidet und trat hinaus in den Schnee. Der Winter hatte ein erfolgreiches Comeback geliefert und hielt England nun schon zwei ganze Wochen im eisigen Griff. Beim Schneesturm vergangene Woche waren ein paar geringe Schäden am Dach des Nebenstalls entstanden und eine Regenrinne bei den Offenställen hatte dem Gewicht der weissen Masse nicht länger widerstehen können. Sonst war alles glimpflich verlaufen und bis auf ein paar Erkältungen ging es allen Pflegern und Pferden hervorragend. Ich half beim Füttern im Hauptstall und holte schliesslich um halb zwei Uhr Lychee aus ihrer Box. Ich befasste mich zügig mit dem vom Weidegang am Morgen noch etwas feuchten Fell, dann kratzte ich die noch immer eisenlosen Hufe aus und entwirrte das Langhaar so gut es ging. Die eisblauen Augen verfolgten meine Bewegungen neugierig, die Ohren waren freundlich nach vorne gerichtet und die Oberlippe zuckte vergnügt. Schliesslich führte ich die Dreijährige in die Halle, da auf dem Platz zu viel Schnee lag. Da sie geschoren war, liess ich ihre Fleecedecke noch über der Kruppe und wärmte sie so gemütlich im Schritt auf. Sie liess sich im Schritt und Trab mittlerweile schon ordentlich arbeiten, im Galopp hatte sie noch das eine oder andere Gleichgewichtsproblem und glich dies mit Geschwindigkeit aus. Da ihre Kondition aber erst im Aufbau war, fiel sie jeweils rasch in den Trab zurück. Daran wollte ich heute arbeiten. Ich trabte nach sechs Runden an und liess sie erstmal Volten laufen. Dann machte ich einige Tempowechsel. Schliesslich galoppierte ich ganze Bahn und liess sie in ihrem Tempo den Takt finden. Nach einigen Runden wurde sie schon deutlich ruhiger und fiel auch nicht schon in der nächsten Kurve wieder durch. Ich war ziemlich zufrieden mit ihren Fortschritten und beendete das Training mit dem lockeren Austraben am halblangen Zügel. Dann ging ich noch eine Runde raus in den Schnee und watete mit ihr um die Halle. Um sie nicht weiter zu quälen, brachte ich sie endlich zurück in den Nebenstall und gab ihr nach dem Absatteln eine wohl verdiente Karotte. Nun war es Zeit, mit Echo rauszugehen. Ich hatte noch immer keinen geeigneten Sattel für die Stute, daher ritt ich sie im Moment ohne. Auch sie putzte ich gründlich, wobei ich das ungeschorene Teddyfell wieder zum Glänzen brachte. Die Mähne lag schön ordentlich auf dem langen Hals, als ich mit ihr fertig war. Nun zog ich ihr das Zaumzeug mit den breiten Riemen an und führte sie hinaus. Ich ritt mit der Stute auf der Galoppbahn unter den Tannen hindurch um sie aufzuwärmen, anschliessend machte ich etwas Galopparbeit mit ihr. Ich ritt vor allem viele Übergänge und Tempowechsel. Nach einer dreiviertel Stunde rieb ich mir die kalten Hände und ritt zurück. Ich sah anschliessend um zehn nach drei Uhr Ajith beim Longieren von Sumerian im Roundpen zu. Er hatte noch nicht so oft Pferde longiert, daher gab ich ihm quasi Unterricht, doch er hatte es schon ganz ordentlich im Griff. Irgendwann während des Plauderns fragte ich ihn nach seiner Meinung bezüglich der Traberstute. Er schien begeistert von der Idee, also entschloss ich mich zum Kauf.

      Zwei Wochen später beobachtete ich Pluie gespannt durch die Gitterstäbe ihrer neuen Box im Hauptstall. Es lag noch immer Schnee draussen, und jetzt war der Boden häufig mit Eisfeldern überdeckt, sodass Pferde und Pfleger Gefahr liefen, auszurutschen und sich zu verletzen. Pluie schnupperte an Cassys Nüstern, die ihr durch die Stäbe entgegengestreckt wurden. Sie machte dabei einen runden, edlen Hals. Was für ein Prachttier! Ich hatte sie vorhin gebürstet und mit frischem Heu versorgt, welches Cassiopeia nun eifersüchtig beäugte. Ich freute mich schon jetzt auf das Einfahren der Stute im Frühling.
    • Occulta
      Welcome back, Sister!

      Heute schien die Sonne unbeirrt auf die saftigen Weiden von Pineforest Stable. Es schien, als wollte der Sommer sich bereits im voraus ankünden. Es war auch richtig heiss, sodass das Vollblütertraining so früh wie noch nie dieses Jahr am Morgen stattgefunden hatte. Nun war es bereits kurz nach Mittag und ich lag zusammen mit Quinn und Lily im Schatten hinter der Halle. Das kühle Gras kitzelte meine Beine, aber ich war zu beschäftigt mit dem leckeren Eis in meiner Hand, um mich davon ablenken zu lassen. Wir beobachteten, wie die Stuten auf den Weiden sich ebenfalls vorzugsweise im Schatten der Bäume bewegten. Als wir fertig gegessen hatten, lief ich mit Lily zum Hauptstall, Quinn hingegen gesellte sich zu Lewis und Elliot zu den Tischen im Zuschauerraum der Reithalle. Lily und ich holten Cantastor aus seiner Box und putzten ihn gemeinsam. Der kleine Stern auf seiner Stirn erinnerte mich sehr an den von Fly, nur dass dieser dazu noch eine Schnippe besass. Aber auch sonst waren die beiden Hengste sehr unterschiedlich, denn Canto war ein cooler, ruhiger Typ, während Fly sich im Moment eher hektisch und schreckhaft verhielt. Natürlich war Canto auch schon etwas erfahrener. Nach dem Hübschmachen führten Lily und ich den Dunkelbraunen zur Hengstfohlenweide. Wir wollten ihn nicht etwa wieder zu den Junggesellen schicken, nein. Aber wir wollten ihn mit Alysheba bekannt machen, der aus dem gleichen Gestüt stammte wie er. Auch Dublin war ein Valentine’s-Fohlen, aber es war praktischer, einen Spaziergang mit den beiden Jungs zu machen. Wir wollten nämlich auch gleich ein wenig Führtraining mit Aly machen und erhofften uns, dass er von Canto etwas lernen konnte. Zu diesem Zweck hatte ich ein kleines Lederhalfter mitgebracht, das ich in die richtige Grösse verstellte und dem Jährling über streifte. Er liess es sich ohne zu zicken gefallen - war ja nicht das erste mal. Es gab ein kleines Gewieher, als ich den braunen Jungspund weg von seinen Kollegen führte, doch auch das hatte ich schon mehrere Male gemacht, weshalb die anderen bloss ein wenig nach ihm riefen, danach aber gleich wieder weitergrasten. Aly seinerseits war neugierig auf den grossen Hengst vor ihm und vergass die anderen Rabauken schnell. Die beiden beschnupperten sich und Aly kaute unterwürfig, um sich keinen Ärger einzufangen. Ich lachte bei dem Anblick, war der kleine Mann doch sonst immer sehr mutig und frech im Umgang mit den anderen. Wir sprachen kurz ab, welchen Weg wir gehen würden, dann liefen wir los in Richtung Fluss. Bei solchem Wetter war eine Abkühlung genau das Richtige, und Aly konnte das Wasser kennenlernen. Unser Plan funktionierte: Der Kleine beobachtete Canto, wie er ohne zu zögern einige Schritte in den Fluss lief und zu trinken begann. Ich zog mir die Schuhe aus und die Hosen hoch, wie es auch Lily schon getan hatte, und führte Aly zum Ufer. Er zögerte kurz, dann folgte er mir in die kühle Flüssigkeit. Das Wasser umspülte seine Beine und führte hie und da ein kleines Blatt oder einen Ast mit sich. Nach ein paar Sekunden begann er übermütig mit dem Vorderhuf zu scharren und mich nass zu spritzen. Ich stand etwas zur Seite, indem ich das Seil länger liess. „Good boy!“, lobte ich dieses spielerische Verhalten, denn er sollte ruhig auf den Geschmack kommen. Schliesslich würde er später immer wieder mit dieser Substanz zu tun haben. Canto stand da und sah zu, einfach nur die Kühle geniessend. Nach einer Weile zogen wir weiter. Wir kamen auf dem Spaziergang an einer Kuhweide, einem Traktor und einem Fahrrad vorbei. Besonders die Kühe jagten dem Jährling Angst ein, aber auch den Trakor fand er etwas furchteinflössend. Obwohl wir in einigem Abstand im Feld standen, als er uns kreuzte, sog Aly laut hörbar Luft ein und sah im mit grossen Telleraugen nach. Ansonsten verlief der Ausflug entspannt. Ich war froh, in Canto einen so tollen Lehrmeister zu haben und stolz auf meinen kleinen Nachwuchsathleten, der heute wieder viel gesehen und hoffentlich auch gelernt hatte. Jetzt durfte er aber erstmal zurück zu seinen Kumpels, die ihn eifrig begrüssten. Als ich Merino sah, fiel mir ein, dass heute ja Primo ankommen würde. Die kleine Vollschwester des dunkelbraunen Fohlens war ebenfalls auf Pineforest Stable zur Welt gekommen, danach aber aufgrund ihrer Schwäche als Flaschenaufzucht an eine gute Freundin von mir übergeben worden. Ich sah auf die Uhr und stellte erleichtert fest, dass noch genug Zeit übrig war, um alles vorzubereiten.

      Um vier Uhr fuhr der Transporter mit der kleinen Stute auf den Hof. Gespannt öffnete ich die Klappe und begrüsste die Kleine sanft. Klein war wohl nicht der richtige Ausdruck, denn sie hatte sich dank der ausgezeichneten Pflege wunderbar entwickelt und war wie Merino zu einem kräftigen Jährling herangewachsen. Ich erkannte amüsiert die kleinen weissen Flecken auf ihrem Fell wieder, die sich auch bei Merino und ihrem Vater Ikarus finden liessen. Ob Blüte sie wohl wiedererkennt?, fragte ich mich schmunzelnd, und führte die Stute zum Hauptstall, um die beiden sich beschnuppern zu lassen. Blütenzauber zeigte sich interessiert an der kleinen Stute, wandte sich dann jedoch nach wenigen Augenblicken wieder ihrem Heu zu. Etwas anderes hatte ich aber auch nicht erwartet, schliesslich hatte sie ihre kleine Tochter schon sehr lange nicht mehr gesehen und wohl bereits vergessen. Der nächste Halt war die Stutfohlenweide. Auch dort herrschte reges Interesse an Primo, doch zu meiner Überraschung war es Merino, der sich am aufgeregtesten zeigte. Kann es wirklich sein, dass er seine Schwester wiedererkennt? Jedenfalls schnüffelten die beiden durch den massiven Holzzaun aneinander und beknabberten sich gegenseitig die Backen. Primo wurde kurz danach von allen Seiten umstellt und beschnuppert. Dublin, die im Moment die Ranghöchste in der Gruppe war, nahm es besonders genau und quietschte einige male, um der Neuen Eindruck zu machen. Ich blieb dabei, bis sich die Situation entspannte, denn ich wollte keine Verletzungen riskieren. Primo ordnete sich der Scheckstute kommentarlos unter, etwas anderes blieb ihr auch gar nicht übrig, denn Dublin war älter und kräftiger.

      Als es dunkel wurde, sattelte ich Sumerian. Die Stute war am Morgen nicht mit den anderen im Training gewesen, da sie vor kurzem geimpft worden war. Ich wollte es deshalb mit ihr etwas ruhiger angehen lassen und hatte einen gemütlichen Mondscheinausritt geplant. Ich stieg im Dunkeln auf und ritt nach Osten über die Drücke. Der Mond schien sehr hell über die hohen Felder und in der Ferne schuhuhte ein Käuzchen. Nach der Hitze des Tages war die frische, nächtliche Brise, die snaft Sumerians Mähne hob, sehr angenehm. Nach einigen Trabstrecken fühlte ich mich plötzlich unglaublich müde und ausgelaugt und beschloss deshalb, langsam aber sicher zurückzureiten, bevor ich noch einschlafen würde. Ich nahm es beinahe als selbstverständlich hin, dass die kaum dreijährige Stute im Dunkeln mutig und zügig voranschritt. Dennoch linste sie beim Vorbeireiten an Gebüschen manchmal etwas zu Seite, als erwartete sie, dass ein Monster daraus hervorbrechen würde. Ich nahm es ihr aber nicht allzu übel, denn mir war die Nacht auch nicht mehr ganz geheuer, seit ich im Wald vermutlich dem Killer begegnet war. Davor hatte ich mich nun nicht mehr zu fürchten: Sie hatten ihn vergangene Woche endlich geschnappt, nachdem er in ein Bauernhaus eingebrochen war. Alle waren unglaublich erleichtert gewesen, denn seine Präsenz hatte wie ein dunkles Wolkendach über dem Hof gelegen. Sumerian und ich schritten jedenfalls unbeirrt und sorgenfrei den Kiesweg zum Hauptstall zurück.
    • Occulta
      Kreuzchen? Sind doch für Anfänger!

      Ich spazierte alleine den grossen Tannen entlang über die neue Rennbahn. Das Gras war ausgesprochen grün und der Himmel seltsam hell. Von irgendwo hinter mir drang ein Rufen an meine Ohren, doch ich ignorierte es. Ich lief weiter, immer voran. Die Bahn war schier endlos, doch als ich endlich die Kurve erreichte, erkannte ich mein Ziel. Da stand er, lässig an die Rails gelehnt. „Hey“, murmelte ich, und dennoch hörte er mich. Er lächelte und ich ging näher zu ihm hin. Sein Gesicht wurde seltsam beleuchtet, doch ich konnte trotzdem seine Züge nicht genau erkennen. Nur die Augen, die wunderschönen unverwechselbaren Augen strahlten daraus hervor. „Ich muss wissen, was du fühlst! Ich muss endlich die Wahrheit hören, sonst verzweifle ich an der Hoffnung!“, sagte ich plötzlich unwirklich laut. Er nickte und machte den Mund auf, doch ehe ein Wort daraus laut wurde, wachte ich auf. „Nein“, stöhnte ich im Halbschlaf, unwillig den Traum gegen die Realität einzutauschen und ein ganz neues Level von Abneigung zum Wecker entwickelnd, der unaufhaltsam in mein Ohr piepte. Das ist doch einfach Folter… Nichteinmal im Traum verrät er mir, was er von mir denkt. Nach einigem Zögern stand ich auf und streckte mich gähnend. Ein neuer Tag, ein neues Abenteuer! … Naja, oder so ähnlich. Jedenfalls hatte ich viel vor heute. Es war zwar erst fünf Uhr, doch ich fühlte mich seltsam wach und erholt. Na, für etwas war mein Traumspaziergang wohl doch gut, dachte ich schmunzelnd. Vielleicht war es auch einfach die Gewohnheit, jeden Morgen um diese frühe Stunde aufzustehen. Ich zog mich an und schlurfte in die Küche, um mir eine Tasse Schwarztee zu machen. Die Zeit reichte auch für ein Toast mit Erdbeerkonfitüre vom freundlichen Nachbarsbauern, doch danach musste ich zügig die Socken anziehen, in die Stiefeletten schlüpfen und das Haus in Richtung Hauptstall verlassen. Auf dem Weg schlossen sich Ajith, Lily und Rosie vom Pflegeheim herkommend mir an. Wir begannen mit dem Verteilen der morgendlichen Rauhfutterportion, aus einem Heu/Haylage Gemisch bestehend, das eine Fütterung mit reduzierter Staubbildung erlaubte. Als alle Pfleger des Hauptstalls da waren, verteilten wir auch das Kraftfutter, dann sattelten April, Quinn, Oliver und ich die Vollblüter für die erste Trainingsgruppe. Einmal mehr wurde mir der Mangel an Jockeys bewusst, der im Moment herrschte: Tom war seit dem Unfall noch immer Zuhause bei seinen Eltern und Lily musste ihren Arm noch etwas schohnen. Ich verdrängte die Gedanken an meine verstorbene Stute Crack und lief zu Frame’s Box um ihn aufzuhalftern. Ich stellte ihn anschliessend vor Sumerian, die bereits angebunden war und von Quinn liebevoll gebürstet wurde. April war diesen Monat für Shio zuständig und Oliver hatte sich wieder Pointless angetan. Die Stute war noch nicht wirklich besser im Umgang geworden, aber trainieren musste man sie trotzdem. Da Oliver mehr Kraft hatte als ich, konnte er sie leichter halten. Nach dem Satteln führten wir die Pferde zur Galoppbahn. Die Youngsters waren alle erst etwas mehr als 2 Jahre alt und gerade erst eingeritten worden, also liessen wir es langsam angehen und gaben ihnen viel Zeit, sich umzusehen, denn beim Nordstall standen noch immer Maschinen und Baumaterial herum. Die Galopprennbahn war fast fertig, es mussten nur noch an manchen Stellen die Rails eingefügt werden, doch das Gras war bereits vor Wochen angesäht worden und seither kräftig gewachsen, also konnte man sie nun benutzen. Vorgestern war sie eingeweiht worden. Die Rennpferde hatten bisher sehr positiv reagiert, denn nun hatten sie viel mehr Platz zum galoppieren und überholen. Pointless scheuhte vor der Schubkarre mit den Platten für das Dach. Auch die Folie, die um die Aufgestapelten Boxenelemente gewickelt war und leicht im Wind flatterte, jagte ihr ordentlich Angst ein. Oliver hatte alle Mühe sie zu halten. Sie drängte sich immer wieder gegen ihn im Versuch, Distanz zwischen ihr und die unheimlichen Gegenstände zu bringen. „Come on you cow, I ain’t afraid of you!“, rief der erfahrene Trainer herausfordernd und rupfte einige Male an den Zügeln, bis sie brav neben ihm lief. Sie warf zwar noch etwas den Kopf hoch, doch folgte zügig. Ich war froh, nicht an seiner Stelle zu sein. Ich hätte sie zwar sicherlich auch irgendwie vorwärts gebracht, doch es hätte wesentlich länger gedauert. Wir starteten mit dieser Gruppe wieder ohne Startboxen, denn das machte nun noch nicht viel Sinn. Frame hatte zwar schon Bekanntschaft mit ihnen gemacht, doch die anderen noch nicht. Wir stiegen auf und ritten in einer Reihe im Trab die Bahn runter. Pointless wollte ständig überholen, doch Oliver rahmte sie konsequent ein und behielt sie im Griff. Wir trabten in diesem Stadium der Ausbildung noch sehr viel. Galoppiert wurde nur zweimal über eine relativ kurze Distanz, das Ziel war es mit dieser Gruppe zweimal pro Training die letzten 200 Meter in 15 Sekunden zu schaffen. Das meisterten sie schon sehr gut, nur Shio schwitzte noch etwas viel. Frame war heute in Topform: er trabte sehr raumgreifend und fegte geschmeidig wie eine Katze über das kurze Gras. Sein Eisblaues Auge schielte hin und wieder zu mir zurück um sicherzugehen, dass alles okay war. Ich kraulte ihn jeweils wenn er das tat - das war sozusagen unser stilles Einverständnis, dass es keinen Grund gab, sich zu fürchten. Tat ich es nicht, so zögerte er und wurde langsamer, oder rannte wie von einer Biene gestochen davon. Das ganze Training dauerte nicht viel länger als eine halbe Stunde, dann versorgten wir die Pferde wieder und widmeten uns der nächsten Gruppe.

      Bis um 8 Uhr ritt ich durchgehend Vollblüter, danach kümmerte ich mich um Dancer. Den Knabstrupper Hengst bildete ich im Moment mit Elliots Hilfe in Barockreitweise aus. Er lief sehr fein an den Hilfen und war ein wahres Traumpferd im Umgang, obwohl er auch ein paar Punkte wie Pointless hatte. Allerdings waren die seinigen viel kleiner und zum Teil kaum zu erkennen. Nur am Kopf, wo die Haut durch das dünnere Fell hindurchschimmerte, sah man deutliche Flecken. Aber seit wann hat die Farbe denn etwas mit dem Charakter zu tun?, mahnte ich mich selbst. Ich konzentrierte mich wieder auf das Satteln. Ich hatte letztens an einer Messe eine wunderschöne blaue Samtschabracke gekauft, die zu Dancer natürlich perfekt passte. Mit dem schwarzen Dressursattel und der gleichfarbigen Trense sah er todschick aus. Um den Eindruck zu perfektionieren, flocht ich seine lange Mähne zu einem französischen Zopf. „Perfect Budd“, murmelte ich ihm ins Ohr, ehe ich ihn auf den Platz führte, um während 45 Minuten intensiv mit ihm zu arbeiten. Wir beherrschten zwar noch keine Levade oder Kapriole, doch ich brachte ihm gerade die Piaffe bei. Dazu hatte ich in den vergangenen Wochen Vorarbeit an der Doppellonge geleistet, sodass er nun auf feines Touchieren mit der Gerte reagierte. Er lief wiedereinmal hervorragend. So machte das Reiten richtig Spass. Ich lobte Dancer am Ende der Lektion ausgiebig und liess ihn am langen Zügel bei den schattenspendenden Büschen und Bäumen im inneren der Ovalbahn im Schritt abkühlen.

      Am Abend erwartete mich Elliot zur Springstunde mit Vychahr. Auch Rosie und Jonas ritten mit. Jonas holte Pilot gleich nach mir aus der Box und band ihn neben Filou an. Wir befanden uns übrigens noch nicht im neuen Nordstall, sondern noch immer im Hauptstall, denn der erstere war innen noch nicht fertig. Filou hob das Bein zum Betteln, was ich sofort mit einem Klaps auf die Schulter strafte. Das passiert eben, wenn ihn die Pfleger zu sehr mit Leckerlies vollstopfen, dachte ich aufgebracht. Ich putzte rasch fertig und legte den dunkelbraunen Springsattel mit der blauen Schabracke auf seinen Rücken. Er stand geduldig still bis ich ihn fertig gezäumt hatte, was man von Peace nicht behaupten konnte. Der Hengst scharrte nervös und wollte immer wieder davonlaufen. „Always those spotted beasts“, meinte ich scherzhaft zu Rosie. Wir quatschten auf dem Weg zur Halle ausgelassen. Dann ritten wir die drei Trakehner warm und sprangen ein paar Kreuze. Elliot betrat nach 10 Minuten die Halle und sein erster Kommentar war: „Crosses? They’re for beginners. Let’s try something better.“ Er stellte einen kleinen Parcours auf, der einen Oxer, ein In-Out, eine dreifach Kombination und ein Gatter beinhaltete. Dazwischen waren noch ein paar einfache Steilsprünge zum Abwechseln. Begeistert ritt ich auf das erste Hindernis zu. Es war ein blau-weisser Steilsprung. Filou sprang mit leichtigkeit darüber und liess sich danach schön wieder bremsen. Das Ziel war es erstmal, nach dem Sprung anhalten zu können. Jonas hatte da schon deutlich mehr Mühe. Pilot schüttelte vor dem Sprung energisch den Kopf um mehr Zügel zu bekommen und raste danach um die Kurve. Frustriert ritt Jonas noch weitere dreimal heran, bis es schliesslich klappte. Peace machte keine Zickereien. Wir übten als nächstes ein paar Sprünge aus Kurven heraus, wobei auch recht enge Wendungen vorkamen. So lehrten wir die Pferde, auch mal schräg über ein Hindernis zu hüpfen, was im Parcours oft entscheidend war. Hierbei machten alle drei gut mit. Nun ging es an den eigentlichen Parcours. Filou drückte zwar über dem Oxer etwas kräftiger ab als nötig gewesen wäre, doch wir blieben fehlerfrei und kamen einigermassen schön über die anderen Hindernisse. Auch Peace gab sich Mühe, hob die Beine mit einer guten Manier und gab lediglich etwas viel Gas vor den Sprüngen. Pilot hingegen stand schon beim ersten Sprung hin. Kopfschüttelnd beobachtete ich Reiter und Pferd, die offenbar so gar nicht die selbe Idee vom Springen hatten. Jonas machte immer wieder den selben Fehler: er gab zu scharfe Paraden wenn etwas nicht klappte und verunsicherte so den sensiblen Pilot, der nichts weniger ausstehen konnte als eine harte Hand. Beim zweiten Versuch sprang er zwar, jedoch eher wie ein Schaf. Danach raste er ungebremst um die Kurve und stolperte fast. Nach ein paar Minuten und weiteren Versuchen von Jonas, den Hengst über die Hindernisse zu bekommen, hatte ich genug. Ich ritt zu Elliot, stieg von Vychahr ab und übergab ihm den Hengst. Dann schritt ich entschlossen auf Jonas zu, der auf mein Rufen hin anhielt und abstieg. Ich übernahm die Zügel, schwang mich auf den Rücken von Pilot und trabte los. Der Hengst hastete zuerst los und machte sich steif im Hals, doch schon nach einer Runde auf der Volte entspannte er sich und begann zu kauen. Ich führte die Hand absolut ruhig und gab weiche Hilfen, denn ich steuerte ihn eher per Gewichtshilfen. Als ich mir sicher war, dass Pilot sich wieder gefasst hatte, ritt ich den ersten Sprung an. Der Schecke drückte kraftvoll ab und überflog den Oxer ohne Probleme. Ich lobte ihn, indem ich mit der linken Hand über den Hals strich. Jonas sah betreten zu Boden. „ Schau hierher, dann lernst du auch was!“, befahl ich. Dann liess ich die Zügel ganz weg und übersprang einen Steilsprung freihändig. Pilot blieb schön ruhig und versammelt. „See? It’s not hard if ya go like this.” Elliot nickte anerkennungsvoll und Rosie lächelte, entschlossen, es auch zu versuchen. Ich bremste sie etwas in ihrem Eifer, denn Peace war unberechenbarer als Pilot. Aber ich erlaubte, dass sie es einhändig versuchte. Jonas stieg auf Vychahr und tat es ihr gleich. Am Ende wurde aus der anfänglich ernsten Springstunde fast schon eine Zirkuslektion, denn auf das Einhändig-Springen folgte das Weglassen der Bügel und das Weglassen des ganzen Sattels. Es machte uns allen, besonders den Pferden, ordentlich Spass und Jonas setzte eifrig alle Tipps von Elliot und mir um.
    • Occulta
      Gray Mornings

      Ich hatte im Moment keine Schwierigkeiten aufzustehen. Es war Herbst; Das bedeutete, dass es in der Frühe besonders dichten Nebel hatte, der in Schwaden über die Felder zog. Ich liebte es, Ausritte in dieser düsteren Stimmung zu machen. Es war so wundervoll still, kein Vogel zwitscherte. Nicht dass ich etwas gegen Vögel gehabt hätte, aber in der gespenstischen Ruhe entfaltete die Landschaft ihre ganze Magie. Ausserdem war bald Halloween. Ich war auch dieses Jahr wieder zu diversen Kostümbällen und Partys eingeladen worden, wusste aber noch nicht so genau, wohin ich am Ende gehen wollte.

      Ich stand heute etwas später auf, um 6 Uhr, da wir die Vollblüter bei den tiefen Temperaturen nicht mehr ganz so früh am Morgen trainierten. Als erstes sah ich bei Frame vorbei. Mit dem sensiblen Schecken wollte ich am späten Vormittag ein wenig Dressur reiten. Er döste noch etwas vor sich hin, spitzte aber, trotz noch immer hängender Unterlippe, die Ohren, als er begriff, dass ich vor der Box stand. Er machte einen Schritt auf das Gitter zu, sodass ich ihn durch die Stäbe hindurch anfassen konnte. Ich kraulte seinen Nacken, woraufhin er die Augen wieder mehr schloss. „It’s okay my friend, keep dreaming – I’ll come back later“, murmelte ich liebevoll, und lief hinüber zu Gleam of Light. Der fast schwarze Hengst röchelte bereits als ich zur Box kam und streckte mir neugierig und lebhaft die Schnauze in die Jacke, als ich die Tür öffnete. Als ich ihn in der Stallgassen anband, liefen Rosie und Quinn hinter meinem Rücken hindurch, im Gehen fragend, ob sie gleich mit auf den Ausritt kommen könnten. Ich bejahte und begann, Light zu bürsten, während die beiden Pflegerinnen Sumerian und Shio auf der Südseite des Stallgebäudes, im Stutenteil, vorbereiteten. Light hatte bereits ein flauschiges Teddyfell entwickelt. Das bedeutete, dass es bald Zeit zum Scheren war. Ich befreite seine Beine und den Bauch von den getrockneten Dreckspritzern, die er sich beim wilden Galopp über die feuchte Weide geholt hatte. Die Hufe waren hart mit Steinchen und Erde gefüllt, sodass ich eine gefühlte Ewigkeit daran herumwerkeln musste, bis sie endlich sauber waren. Light nahm es gelassen und stand ruhig da. Zur Belohnung bekam er ein Karottenstückchen. Ich zögerte jeweils nicht, meine Pferde für gutes Verhalten zu loben – ich wollte schliesslich, dass sie bemerkten, wenn sie etwas gut machten. Allerdings stopfte ich sie auch nicht bei jeder Gelegenheit voll und gab wenn dann nur Karottenstücke, die schonender für Zähne und Figur waren. Und ich war ebenso konsequent, wenn eine unerwünschte Reaktion kam. Zumindest, wenn ich mir sicher war, dass das Pferd das Kommando eigentlich verstanden hatte, es aber einfach aus Trotz nicht ausführen wollte. So auch, als Light beim Aufsteigen nicht stillhalten wollte. Ich machte ihm mit drohender Stimme deutlich, was ich von ihm wollte und stieg erst auf, als er sich nicht mehr von der Stelle bewegte. Die anderen kamen in den nächsten Momenten ebenfalls aus dem Hauptstall und stiegen auf. Sumerian wurde mittlerweile dreimal die Woche intensiv trainiert, zweimal longiert und einmal ausgeritten. Sonntags hatte sie wie die anderen meist frei. Sie machte sich ausgesprochen gut unter dem Sattel, doch sie hatte noch ein wenig mit dem Gleichgewicht zu kämpfen, wie jedes junge Pferd. Im Frühling wollte ich mit ihr an den ersten Rennen starten.

      Die beiden Damen waren ein wenig zickig in Anwesenheit des charmanten Schwarzbraunen, dessen braune Schnauze und Bauchhärchen aus dem dunklen Winterfell besonders hervorstachen. Er liess sich aber durch das Gegifte nicht beirren und lief zügig, mit gespitzten Ohren voran. Bei den Hengsten setzte ich auf besonders konsequente Erziehungsmetoden und gute Sozialisierung, denn nur so konnten sie friedlich in der Gruppe auf die Weide und auch im Beisein von Stuten ruhig geritten werden, was essentiell für die Rennen war. Trotzdem gab es natürlich immer wieder angenehmere und störrischere Genossen – Light zählte aber eindeutig zu den angenehmen. Wir trabten über ein Feld durch den Nebel, verzichteten aber auf einen Galopp aufgrund der schlechten Sicht und möglichen Löchern. Später fanden wir einen Feldweg, der weich genug für einen kleinen Sprint war. Die Pferde liessen sich das nicht zweimal sagen: Ich brauchte bei Light nur das eine Bein etwas zurückzunehmen, schon war er im Galopp. Shio war heute etwas mühsam, soweit ich erkennen konnte. Quinn musste etwas mit ihr kämpfen, bis sie das Genick lockerte und sich wieder bremsen liess. Doch die erfahrene Reiterin kannte jeden der Vollblüter gut genug um sie schnell wieder in den Griff zu bekommen. Als wir zurück auf den Hof kamen, hatte sich der Nebel bereits gelichtet, doch unsere Haare waren voller Tröpfchen von der hohen Luftfeuchtigkeit.

      Wir versorgten die Pferde. Ich dachte während dem Bürsten zurück an den Frühling, als ein Treffen mit Oliver bezüglich der Planung der nun schon bald kommenden Saison gehabt hatte: Es war darum gegangen, welche der Stuten im kommenden Jahr noch Rennen laufen würden. Bei Mikke und Indiana war der Fall klar gewesen, da beide schon etwas alt für die Bahn waren und daher nur noch zur Ausbildung der Jungpferde mittrainiert wurden. Ausserdem hatte ich beschlossen, Blüte ebenfalls nur noch im mittlerweile vergangenen Sommer aktiv als Rennpferd einzuteilen. Oliver hatte mir dasselbe mit Painting Shadows empfohlen, wegen ihrer wiederkehrenden, jedoch nur leichten Probleme mit dem rechten Vorderbein. Ich blieb bei ihr jedoch hartnäckig, denn erst vor einer Woche hatte ich einen Spezialisten deswegen kommen lassen, der mir bestätigt hatte, dass das Bein mit etwas gemässigterem Training wieder vollkommen gesunden würde. Iskierka und Shades of Gray hatte ich auf jeden Fall noch laufen lassen wollen, denn die beiden Halbschwestern waren grosse Publikumslieblinge und hatten diese Saison wie erwartet herausragende Ergebnisse erzielt. Cassiopeia, da waren wir uns einig, sollte ebenfalls noch mindestens zwei Jahre laufen. Bei Pointless waren wir hingegen unschlüssig gewesen. Bei ihr kam es nun drauf an, wie das erste Fohlen bewertet werden würde. Je nach dem wollte ich sie gleich ganz aus dem aktiven Rennen verabschieden und nur noch für kleinere Springturniere nutzen. Die ungekörten Stuten wurden sowieso bis zu ihrer Körung aktiv eingesetzt. Wir hatten auch gleich die Hengste ausgesucht, die als Väter in Frage kamen. Ich hatte diesmal vor allem Winter und Spotted Timeout geplant, aber auch von Light hatte ich in diesem Jahrgang einen Nachkommen gewollt. Oliver hatte sich die Kombination Winter x Pointless gewünscht, um ihre Macken mit seinem goldenen Charakter zu kompensieren; ich malte mir gute Chancen für Light x Mikke und Spot x Blüte aus. Wir hatten ausserdem Spot x Indiana und Empire x Islah beschlossen.

      „Freust du dich auf dein Baby?“, fragte ich Light, wie üblich ohne eine Antwort zu erwarten. Der Hengst sah wie immer geheimnisvoll aus, mit seinen strahlend weiss umrandeten Menschenaugen. Ich hoffte sehr, dass das Fohlen diese ebenfalls erben würde. Gerade tätschelte ich ein letztes Mal den Hals von Light, ehe ich die Box verlassen wollte, als plötzlich draussen jemand meinen Namen schrie. Sofort rannte ich in Richtung des Rufens. Ajith kam mir entgegen und erklärte mir keuchend, was los war. „Cassy… was scared… by a motorcycle and as it drove… over the bridge, whilst Darren and Cassy… were nearby, she reared and ran towards the Forest,… where she startled and Darren fell down! I’ve seen it through the fir trees…“ Rosie und Quinn kamen ebenfalls angerannt. Ich erklärte ihnen was ich soeben erfahren hatte, während wir zum Ort des Geschehens rannten. Darren lag am Waldrand im Gras und stöhnte schmerzverzerrt, als wir ihn aufrichteten. Es sah aus, als hätte er den Arm gebrochen. Ich überliess ihn Rosie und begab mich mit Quinn sofort auf die Suche nach Cassy. Wir fanden die Stute etwa 200 Meter weiter, ebenfalls am Waldrand. Sie sah und schon entgegen und kam sogar ein paar Schritte auf mich zu, wobei mir sofort auffiel, dass sie lahmte. Oh nein, hoffentlich ist bei ihr nicht auch etwas gebrochen! Ich fasste die Zügel der Stute, in die sie fast reingestanden wäre, und übergab sie Quinn, damit ich selbst die Beine abtasten konnte. Hinten links war das Bein etwas wärmer als die anderen, es schien Jedoch noch ganz zu sein. Als Quinn Cassy vorführte, entlastete sie es dennoch deutlich. Ich seufzte und rief gleich per Handy den Tierarzt herbei. Wir führten die Stute unterdessen vorsichtig zurück zum Hauptstall und halfen Darren ebenfalls zurück. Der Pfleger wurde von Elliot ins Krankenhaus gefahren, wir anderen warteten auf den Tierarzt.

      Eine Viertelstunde später war dieser daran, Cassy zu untersuchen. Er stellte fest, dass sie vermutlich eine üble Zerrung hatte und wir sie sicherheitshalber vorläufig ruhigstellen sollten, damit die Sehnen nicht noch mehr strapaziert wurden. Ich fragte ihn, wie lange sie etwa pausieren müsse, doch er konnte mir keine genauen Angaben machen. Als er wieder weg war, beriet ich mich mit Oliver. „She will miss a lot of training and will not be fit enough for the first few races next year… And if we start training her again too early, we risk a long lasting fracture.“ „I guess we will have to give her a long pause then…“, meinte ich stirnrunzelnd. „How about giving her a whole year?“, schlug Oliver zwinkernd vor, und ich wusste sofort, woran er dachte. „Seems to be the best way to deal with it“, antwortete ich. Wir hatten also soeben beschlossen, dass Cassy nächstes Jahr ebenfalls ein Fohlen haben würde. Danach würden wir sie wieder richtig aufbauen können, ohne Angst vor Rückfällen haben zu müssen.

      Ajith brachte Cassy mit Ruhebandagen und rundum versorgt zurück in die Box. Ich konzentrierte mich erstmal wieder auf meine Arbeit, was mir zu meiner eigenen Überraschung gut gelang. Ich wollte mich nun wie versprochen mit Frame beschäftigen, der mich erwartungsvoll empfing. Sein eisblaues Auge liess mich keinen Moment aus den Augen, als ich die Putzkiste holte und begann, sein geschecktes Fell zu bürsten. Ich fand sein halb schwarz, halb weisses Vorderbein immer wieder besonders lustig zum Bürsten, da man den Staub auf der dunklen, den Dreck jedoch auf der hellen Seite besser sah. Wenigstens war er nicht so verspritzt wie Light. Ich kämmte seine Mähne, wobei ich beschloss, dass sie dringend wiedermal geschnitten werden müsse. Spontan wie ich war, kramte ich die Schere aus der Sattelkammer und machte kurzen Prozess mit der überschüssigen Wolle. Frame mochte das Geräusch der Schere nicht, hielt aber Still, solange ich nicht zu nahe an seine Ohren kam. Doch auch dort musste ich am Ende hin. Als er den Kopf giraffenartig hochstreckte und sich zu entziehen versuchte, blieb ich ruhig und bestimmt. Ich führte seinen Kopf am Halfter wieder nach unten und arbeitete mich Schnitt um Schnitt vor. Dabei musste ich Acht geben, dass ich ihn nicht ausversehen mit der Schere verletzte. Zum Schluss schnitt ich den Schopf etwas spitz zulaufend ab, damit es nicht ganz so arg gerade aussah. Ich war recht zufrieden mit dem Resultat und machte weiter mit Satteln und Zäumen. Dann führte ich den Hengst auf den Reitplatz, der zum Glück nicht allzu durchweicht war. Ich wärmte ihn zehn Minuten im Schritt und leichten Trab auf, dann begann ich, ihn langsam zu versammeln. Ich übte ein paar Schenkelweichen, da Frame noch Mühe mit dem Überkreuzen hatte. Anschliessend lockerte ich ihn mit ein paar Galoppwechseln und Übergängen auf. Als ich am Ende noch einen letzten Versuch mit den Seitengängen wagte, klappte es schon viel besser. Nur an der Stellung musste ich jetzt wieder mehr arbeiten. Sein Schweif pendelte durchgehend locker im Takt, was ich als Zeichen für seine Entspanntheit wertete. Die Ohren zeigten ein ähnliches Bild: Sie standen etwas seitlich und schwappten schön mit der Bewegung mit. Ich war froh darüber, denn bisher war Frame normalerweise etwas angespannt gewesen und hatte die Ohren konsequent in einer konzentrierten Art nach hinten gerichtet. Er liess jetzt auch viel lockerer im Genick. Ich war sehr zufrieden und liess ihn austraben. Dabei streckte er schön in die Tiefe, wie ich es mir erhofft hatte. Ich hängte eine Runde im Schritt auf der Galoppbahn an, da er doch etwas geschwitzt hatte. Auch er sollte geschoren werden, beschloss ich mit mulmigem Gefühl, denn ich hatte keine Ahnung, wie der scheue Schecke auf die Maschine reagieren würde. Ich muss ihn morgen mit dem Gerät bekanntmachen.

      Ich entschied mich noch am selben Abend für Chiccory als Vater für Cassy’s Fohlen. Das würde eine interessante Farb- und Temperamentkombination geben. Um neun Uhr war ich wieder im Hauptstall zu finden, genauer in Cassys Box. Ich prüfte die Bandagen und streichelte sie etwas, ehe ich den Pflegern beim Aufräumen half. Es war wieder ein langer Tag gewesen, und durch das frühe Eindunkeln kam es mir vor, als wäre es schon weissnichtwie-spät. Trotzdem genoss ich die Abendstimmung, indem ich, bevor ich mich endgültig ins Haus zurückzog, noch ein letztes Mal bei Dancing Moonrise Shadows vorbeischaute. Rund um den Hof zog schon wieder der Nebel auf, und das schwache Mondlicht liess ihre blauen Augen leuchten. Ich kraulte sie liebevoll und schmiegte mich an ihren warmen Hals. Für einen Moment schloss ich die Augen und genoss die Stille Harmonie der einschlafenden Natur. Nur das Fauchen der Katzen, die schon wieder herumgeisterten, und das Schnauben von Pferden waren zu hören. Ich bemerkte, wie schön weich die gewellte Mähne von Shadow war. Lisa muss sie wieder mit Glanzspray bearbeitet haben. Ich hörte Schritte durch das Gras auf uns zukommen und sah über den Mähnenkamm hinweg Jonas. „N’Abend Boss, wollte nur sehen, wer hier noch rumschleicht.“ Er wollte schon wieder umdrehen und ich murmelte kaum hörbar „Ja ja…“ Da hielt er inne und kam näher. „Hast du Lust auf einen Spaziergang?“ „Jetzt? Es ist schon stockdunkel und kalt…“, bemerkte ich skeptisch. „Ich kann dir ja warm geben“, gab er scherzend zurück. Ich musste augenblicklich lächeln und fühlte mich tatsächlich allein schon durch seine Anwesenheit wärmer. „Na gut.“ „Wie wär’s, wenn wir Shadow auch mitnehmen? Ich sehe du wolltest den Abend eigentlich noch mit ihr verbringen“, meinte er zwinkernd. Ich überlegte kurz und stimmte dann zu. Die Paint Stute war zwar schon am Nachmittag bewegt worden, doch sie hatte sicherlich nichts gegen einen Mondscheinspaziergang einzuwenden. Wir liefen in gemütlichem Tempo zu den Nördlich gelegenen Feldwegen und bestaunten den dichten Bodennebel auf den Feldern neben uns. Es war fast unheimlich, nur das Geräusch von Shadows Hufen auf dem Schotterweg zu hören. „Hattest du einen guten Tag?“, versuchte ich, die peinliche Stille zu durchbrechen. „Ganz okay.“ Etwas enttäuscht, dass er nicht mithalf ein Gespräch aufzubauen, schwieg ich wieder und überstrich ab und zu mit der Hand Shadows Hals. Als wir an eine Kreuzung kamen, schien er endlich aufzutauen. Er legte den Arm über meine Schultern und wir liefen so gemeinsam zurück Richtung Hof. Ich brachte Shadow zurück zu den anderen Stuten und wünschte ihm eine gute Nacht. Er erwiderte dies mit einem Stupser, und gerade als er mich nochmal in den Arm nehmen wollte, rief jemand vom Pflegerheim seinen Namen. „Jonaaas, kommst du? Wir wollen die Tür schliessen!“ Ich rollte die Augen und unsere Wege trennten sich. Als ich im Bett lag und an die Decke starrte, erinnerte ich mich an die vielen Momente, in denen ich alleine mit ihm gewesen war. Insgesamt wurde ich aus seinem Verhalten einfach nicht schlau, doch das musste ich wohl auch nicht.
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  • Album:
    Pensionspferde (Gnadenweide)
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    Occulta
    Datum:
    1 März 2014
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  • Offizieller HG

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    Aus der: -


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    Rufname: Sum, Summer
    Geburtstag: 02.03.
    Alter: 5 Jahre
    Stockmaß: 1.67 m
    Rasse: Englisches Vollblut
    Geschlecht: Stute
    Fellfarbe: Blue roan sabino overo
    (Ee,aa,Rnrn,Sbsb)

    Abzeichen: Schnippe, weisses Kinn, Stern, unregelmässige Abzeichen an allen Beinen
    Gesundheit: sehr gut
    Hufe: Gutes Horn, Rennbeschlag



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    Ehrgeizig, brav, manchmal zickig


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    Sumerian ist eine talentierte Nachwuchsstute. Wir legen grosse Hoffnung in sie, denn sie überzeugt nicht nur durch eine besondere Fellfarbe, sondern auch durch ihre Leistungsbereitschaft. Manchmal kann sie jedoch auch etwas zickig sein, es kommt meist auf ihre Tagesform an.


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    Besitzer: Occulta (Lily Parker)
    Ersteller: Monsterflosse
    VKR: Monsterflosse
    Verkäuflich: Nein



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    Gekört: Ja
    Nachkommen: PFS' Sciaphobia (mit Leihmutter)
    Decktaxe: nicht leihbar!



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    Galopprennen Klasse: S***
    Western Klasse: E
    Spring Klasse: L
    Military Klasse: A
    Dressur Klasse: L
    Distanz Klasse: A


    Eignung: Galopprennen, Springen
    Eingeritten: Nein



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    [SK 450]
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    1. Platz 187. Militaryturnier
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    1. Platz 336. Galopprennen
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    2. Platz 337. Galopprennen
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    2. Platz 270. Distanzturnier
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    Sumerian's Spind