Occulta

• Skyrim, DRP

Hengst | Rappschecke

• Skyrim, DRP
Occulta, 9 Dez. 2015
sadasha und Cooper gefällt das.
    • Occulta
      Sein altes Leben auf Gestüt Callisto:
      Kurzer Pflegebericht für meine Fohlen

      Am nächsten Morgen ging ich als Allererstes in den Stall. Zuerst versorgte ich die Fohlen, die noch am Schlafen waren, als ich den Offenstall betrat, indem Pancake und Skyrim untergebracht waren. Zuerst überprüfte ich, ob die beiden noch genug Trinkwasser in ihrem Behälter hatten. Als ich feststellte, dass dies nicht der Fall war, lief ich mit zwei Eimern los, ließ diese unter dem Wasserhahn im Hauptstall volllaufen und brachte sie zurück um sie in den Bottich zu schütten. Dann sollten die kleinen ihr Frühstück bekommen. Es gab für jeden eine Hand voll Müslimix. Die Beiden waren ganz gierig danach, als ich es ihnen in ihre Futtertröge gab. Schnell hatten Pancake und Skyrim das Müsli gefressen und ich konnte den Stall öffnen, damit die beiden Fohlen auf den Paddock laufen konnten um zu spielen. Beide schienen sich sehr über die frische Luft zu freuen, denn sie waren schnell wie der Blitz durch die nun offenstehende Stalltür hinaus gelaufen und machten nun voller Übermut wilde Bocksprünge.
      Jetzt waren die anderen Pferde an der Reihe.


      Besuch bei den Fohlen, Aufenthalt von Ben

      „Moin!“ Ich hatte Besuch auf meinem Hof. Ein Freund, Ben, war einige Tage hier und half mir mit den Fohlen. „Was steht heute an?“, fragte er und grinste mich mit einer Tasse Kaffee in der Hand an. „Heute geht’s zuerst zu Falona, sie wird dir gefallen.“, zwinkerte ich ihm zu und wir gingen aus dem Haus.
      „Hey meine Süße!“, rief ich auf den Paddock und die Trakehnerstute kam angetrabt. Sie ließ sich streicheln und akzeptierte das Halfter nun auch endlich. Anbinden war auch kein Problem mehr, lediglich das Führen war noch verbesserungswürdig – daran würden wir heute arbeiten. Ich drückte meinem Helfer den Strick in die Hand und wir gingen mit Falona in die Halle. Dort durfte sie sich erst einige Runden austoben. Die Stute galoppierte, nein sie flog, durch die Halle. „Wow, was hast du mit ihr vor? Die hat ja trotz ihres jungen Alters bereits einen sehr gleichmäßigen Galopp!“, staunte er. „Sie hat noch nie gebuckelt, ich sag dir, sie wird mal ein klasse Reitpferd. Möchte sie für Turniere fördern, vielleicht sogar auch mal ein Fohlen aus ihr ziehen. Aber bis dahin ist es noch eine ganze Weile.“, lachte ich und rief Falona zu mir. Ich harkte den Strick ein und zupfte daran. Falona folgte mir zögerlich, drängelte aber vorerst nicht. Ich lobte sie dafür und übte das anhalten. Dabei wollte ich ihr beibringen nicht auf Zug zu halten, sondern auf meine Körpersprache zu achten. Der Trakehner verstand sofort und nachdem sie mich fast einmal umgerannt hatte, achtete sie auf mich und blieb dann stehen, wenn ich es tat. Mein Kumpel applaudierte und kam zu uns. „Witzbold!“, raunte ich ihm zu und übergab ihm die Stute. „Du bist dran, zeig mal was du so drauf hast.“ Bens Lächeln verschwand von seinen Lippen, tapfer stellte er sich aber der Aufgabe. Er schnalzte mit der Zunge und die Stute folgte ihm. Nach wenigen Metern trabte sie an und wollte den ihr unbekannten Mann überholen. „Brr!“, rief dieser und zupfte etwas am Strick. „So wird das nichts.“, grinste ich. „Bleib mal energisch stehen, so richtig, ramme mal die Beine in den Sand.“ Ben versuchte meine Tipps umzusetzen und setzte sich nur. Nach nur zweimal blieb Falona lieber stehen, als sich mit diesem Kerl anzulegen. „Super, geht doch. Denke mir ihr kannst du die nächsten Tage auch arbeiten, oder?“ Ben nickte und gemeinsam brachten wir die Stute wieder zurück auf den Paddock.
      Nach einer kurzen Streicheleinheit gingen wir zurück ins Haus und kochten uns ein Mittagessen.


      Nach dem Mittagessen ging es wieder hinaus in die Kälte. Ben hatte sich aufgewärmt und machte Scherze, während wir in die Stallgasse liefen. „Wenn bespaßen wir als nächstes?“, fragte er mich und ich deute auf den Fohlenpaddock. „Such dir eins aus.“ Mein Kumpel entschied sich für Dynur fra Frelsi. „Ich mag Hengste“, rief er und ich drückte ihm das Halfter in die Hand. Der Hengst folgte ihm willig und Ben band ihn an. Mit einer Bürste ging ich kurz über das Fell des Isländers und nahm dann einen Hufauskratzer zur Hand. Sanft hob ich seine Hufe an und kratzte sie aus. „Brav der Kleine, wie lange übt ihr das schon?“, fragte er mich. „Um ehrlich zu sein genau einmal!“, erwiederte ich und klopfte Dynur. Ben sah mir erstaunt an. „Schau nicht so, er hat sich bisher einmal blöd benommen, seitdem ist er einfach nur ein Engel.“ Wir nahmen das Fohlen mit in die Halle und ließen es laufen. Dynur bockte ordentlich und galoppierte durch die Halle. „Für einen Isi nicht schlecht, auch wenn ich absolut kein Fan der Rasse bin.“, grinste Ben und nach etwa einer Viertelstunde durfte Dynur wieder zu seinen Freunden auf den Paddock.
      „Was...“, setzte Ben schon an, doch ich unterbrach ihn. „Jetzt gehen wir mit Ratzeputz und Devil’s Myth eine Runde spazieren.“ Die beiden Fohlen waren am bravsten und besonders Ratzeputz konnte so schnell nichts aus der Ruhe bringen und war bestens dazu geeignet, der unsicheren Stute Devil etwas Sicherheit zu geben. Ben nahm Ratzeputz neben sich und klopfte das Fohlen. „Also ehrlich meine Liebe, aber du gibst mir immer die Rassen, denen ich nichts abgewinnen kann.“ Ich nickte ihm zu und wir verließen gemeinsam mit den Beiden den Hof. Wir liefen eine schöne Runde durch den Wald und Devil erschrak sich nur wenig vor den sehr gefährlichen Bäumen. Mittlerweile vertraute sie mir schon mehr und rettete sich immer hinter meinen Rücken. Als wir zurück auf den Hof kamen putzten wir die beiden noch etwas und brachten sie dann zurück.
      Nun hieß es die Stallarbeit zu machen. Ben mistete den Fohlenlaufstall aus und äppelte den Paddock ab, während ich Wasser und Heu erneuerte. An seine Anwesenheit konnte ich mich echt gewöhnen...
      „So. Bleibt noch Skyrim übrig, denke ihn lassen wir nur kurz laufen.“ Gesagt getan. Ben brachte ihn in die Halle und ließ ihn etwas rumtoben, gelegentlich rannte er mit dem Reitponyfohlen auch mit, ein schönes Bild der Beiden.
      In wenigen Tagen würden meine Haflinger aus Deutschland kommen. Sie waren zur Fohlenschau angemeldet, doch leider hatte keiner der zwei Erfolg gehabt. Empfand ich jedoch nicht sehr tragisch, da ich mich viel mehr auf die Anwesenheit der Beiden freute.
      Gedankenverloren lief ich zurück durch den Stall und rannte Ben fast über den Haufe. „Sorry, hab dich übersehen...“ „Na bist aber heute etwas in Gedanken.“, rief er mir zu. „Ach, nochwas, ich habe meinen Flug abgesagt, ich denke du kannst mich und meine Hilfe hier sehr gut gebrauchen.“ Ich lächelte als ich ins Haus ging, er verstand mich einfach und es war schön, Ben hier bei mir zu haben.
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      Sein altes Leben in Kanada:
      Pferdemessi

      „Schon wieder?! Du spinnst doch!“
      Seit gut fünf Minuten durfte ich mir eine Moralpredigt von Matthew anhören. Es wäre doch so unverantwortlich, so viele Pferde zu halten; was wollte ich denn bitte mit einem anderen Jungpferd, wir hätten genug Hengste; ich hätte doch viel zu wenig Zeit; das Pony würde nur Geld fressen und, und, und …
      Meine Antwort war immer nur: „Aber es hat mich so süß angeguckt, ich musste es einfach kaufen!“ Und damit war die Diskussion meist auch beendet, da Matthew wusste, was für ein Dickkopf ich war. Nur diesmal war es anders. Er wollte partout nicht einsehen, dass ich Skyrim, ein Deutscher Reitpony Junghengst, von Pepe abgekauft hatte und er mir helfen sollte, ihn auf das neue Gestüt zu verfrachten.
      „Siehst du, da geht es doch schon los! Du hast nicht mal Zeit, ihn selbst vom Flughafen abzuholen!“, hielt er mir vor und fuchtelte wie wild mit seinen Händen vor meinem Gesicht herum, während ich nur gelassen vor ihm stand und ihm, bereits leicht genervt, in die Augen sah. „Matthew, es ist ja wohl meine Entscheidung. Es ist immer noch mein Gestüt und somit auch wohl zum größten Teil meine Sache, welche Pferde ich kaufe und welche ich verkaufe.“ Gut, vielleicht war es etwas hart, schließlich war er mein Stellvertreter, aber sonst sah er es ja nicht ein …
      „Du bist echt egoistisch, weißt du das?“
      „Was hat das denn bitte mit Egoismus zu tu?! Ich habe nur einen Hengst gekauft! Außerdem braucht Unbridled Dreams sowieso noch einen Spielkameraden. Was ist dein Problem?“, maulte ich ihn an und presste meine Lippen zusammen, sodass sie sich zu einer schmalen Linie verzogen.
      „Was mein Problem ist? Mein Problem ist, dass du ständig irgendwelche Entscheidungen triffst und ich kein Wörtchen mitzureden habe! Ich kümmere mich um so viel Geschäftskram und dann kommt so etwas!“ Matthews Stimme wurde immer lauter, und irgendwann hielt ich mir nur noch die Hände auf die Ohren, als wäre ich ein kleines Kind. Daraufhin verstummte er und sah mich abwartend an.
      „Bist du mit dem Kauf von Skyrim einverstanden?“, murmelte ich dann schließlich ergeben und Matthew nickte. „Ja.“
      „Würdest du ihn bitte für mich vom Flughafen abholen?“
      „Ja.“
      Kopfschüttelnd seufzte ich und verließ den Raum. Na super, der wusste ja, was er wollte.


      „Na, du kleiner Racker? Naaa? Wie geht’s dir? Ooh, bist du ein Süßer! Du bist so ein niedlicher, großer Babyboy!“
      Stöhnend trat ich in den ersten Stalltrakt, wo ich Joline fand, welche neben unserem Neuankömmling Skyrim kniete und ihm durch das Fell strich. „Joline … er ist ein Jungpferd, nicht dein Sohn“, erwiderte ich nur auf ihr leises „Hallo“ und machte mich daran, dem Pony ein passendes, neues Halfter herauszusuchen. „Wir müssen dringend wieder shoppen“, stellte ich fest und sah Matthew an, welcher gerade neben mir die Sattelkammer betreten hatte. Zustimmend nickte er: „Ja, du hast recht. Vielleicht sollten wir direkt heute Nachmittag los? Dann haben wir es hinter uns.“
      „In Ordnung“, antwortete ich und hielt mir die Hand vor den Mund, um nicht lauthals zu gähnen. Es war noch ziemlich früh am Morgen, und ich war ein Langschläfer. War man in der Lage, Eins und Eins zusammenzuzählen, wusste man, dass ich nicht sonderlich gut gelaunt war. Dennoch setzte auch ich mich neben den Rappschecken, als Joline sich vom Acker gemacht hatte, und streichelte das weiche Fell des Deutschen Reitponys. Sanft blies er Luft durch seine Nüstern in meine ausgestreckte Handfläche und wärmte diese somit. Es war noch immer ziemlich kalt, zumindest im Gegensatz zu den Verhältnissen, die ich aus England gewohnt war. Zwar war das Wetter dort miserabel, doch es war noch nie so kalt gewesen, wie es nun in Kanada war.
      Ich würde mich definitiv erst noch an die starken Wetterumschwünge gewöhnen müssen, und der Meinung war wohl auch Skyrim, der just in dem Moment mit dem Kopf nickte.


      Zurück nach Deutschland

      Momentan stand ich wirklich unter Stress, und das bekamen leider auch meine vierbeinigen Lieblinge zu spüren. Ich beschäftigte mich kaum noch mit ihnen, ließ vielmehr mein Personal alles mit ihnen machen und sie trainieren und das nur, weil ich kurzerhand zurück nach Deutschland reisen musste, um dabei zuzusehen, wie meine Tante ihre letzten Stunden mit ihrer Familie verbrachte. Sie leidete schon länger an Krebs, der inzwischen so weit fortgeschritten war, dass ihr nicht mehr viel Zeit blieb – genauer gesagt erwarteten die Ärzte ihren Tod in wenigen Tagen, weshalb ich auch noch einmal anreisen wollte, um sie ein letztes Mal zu sehen.
      Während sich Rapsoul, Casey, Beverly, Audio Delite at Low Fidelity, Pushin' Jazz for Cash, Skyrim, Dajeen, Burnin' Unbridled Dreams, Sambuca, Sonic Syndicate, Romantica, Nacromancer in the Dark, Monsta, Nickles 'n Dimes, Ace of Clubs, Firebird, Trés Jolie, Santa Fee (die vor kurzem wieder zu uns zurückgekehrt war), Herbsblatt, Pamino, Dahiba, Da Vinci, Star's Diamond, Star, Zauberhaft, Goldherz, Dancer in the Moonlight, Kronjuwel, Darym, Yanetha, Casablanca, Laurencio, Fine Frenzy, Draugsa, Silenc Dream und Season's Princess also in Kanada auf den weitläufigen Weiden fröhlich ihre Bäuche vollschlugen, verbrachte ich meine Zeit in meinem Heimatland. Und erst dann wurde mir klar, wie sehr ich meine Familie vermisst hatte – dennoch zog es mich zurück nach Kanada.


      Tierarztbericht

      Mein nächster Termin stand auf Crown Hill an. Endlich bekam ich mal wieder die Gelegenheit mit Elisa zu reden. Ich war ehrlich gesagt aber froh, als ich sicher im Windschatten des Stalles parkte, denn während der Fahrt hatte das Wetter plötzlich umgeschlagen. Ein richtiges Gewitter war aufgezogen und der Himmel hatte sich stark verdunkelt. Nun begann es auch aus Eimern zu gießen. In Windes Eile sauste ich in den Stall, dort stand auch schon Elisa, nämlich von oben bis unten pitschnass. Links und rechts neben ihr standen zwei Reitponyfohlen und schaute auch betröppelt aus der Wäsche. „Sind das meine Patienten?“ fragte ich grinsend und Elisa nickte lachend.
      Während sie die beiden Fohlen am Putzplatz anband, packte ich meine Sachen aus, denn bei beiden Fohlen stand heute eine Großuntersuchung an. Inzwischen schienen die beiden dankbar zu sein, im Stall zu stehen, denn draußen donnerte es gewaltig. „Mit wem fangen wir an?“ fragte ich Elisa und sie deutete auf den kleinen Rappschecken. „Mit Skyrim.“
      Also begann ich mit der Grunduntersuchung, erst einmal ein Blick ins Maul und dann wurde der Zwerg auch schon komplett abgehört und abgetastet. Sowohl äußerlich als auch innerlich ging es ihm wunderbar und auch seine Körpertemperatur befand sich im Idealbereich. So konnten wir ihn ohne Probleme impfen. Er bekam insgesamt vier Spritzen, war aber nicht sonderlich davon angetan. Im Pass konnte ich dann aber wenigstens eintragen, dass er gegen Influenza+Herpes, Tetanus, Tollwut und Fohlenlähme geimpft war.
      Danach gab es erst einmal noch die Wurmkur und während Skyrim diese schmatzend verschluckte, bereitete ich das Präparat mit dem Chip vor. Kurz darauf verschwand dieser unter der Pferdehaut. Vorsichtig fuhr ich mit dem Lesegerät über die Stelle und schnell war der Chip registriert. Die Lebensnummer des Fohlens trug ich im Pferdepass ein. Fertig war Skyrim aber dennoch noch nicht.
      Stattdessen waren noch seine Augen und Zähne an der Reihe. Wegen seines jungen Alters gab es da aber nicht viel zu tun und schon bald war er fertig. Elisa führte ihn mir noch einmal im Schritt und Trab vor und dann durfte er auch schon in seine Box.
      Ich wechselte geschwind die benutzten Sachen gegen frische aus, denn nun war Unbridled Dreams an der Reihe. Der kleine Hengst stammte aus der Zucht von Ivi und besaß eine schicke Abstammung. Auch er ließ sich brav untersuchen und ich konnte ihn schnell guten Gewissens impfen. Dann gab es erst einmal die Wurmkur, ehe auch er gechippt werden sollte.
      Als das geschafft war, warf ich auch noch einmal bei ihm einen Blick auf Zähne und Augen und schon hatte er es ebenso geschafft, nur vorgeführt werden, musste er noch. Während Elisa Dreams vorführte, sah ich eine leichte Lahmheit vorne links. Beim Abtasten hatte ich nichts gespürt, aber nach der Bewegung wurde die Stelle ein wenig wärmer als vorher. „Wahrscheinlich hat er sich auf der Weide nur vertreten oder zu wild gespielt.“ erklärte ich Elisa.
      „Einfach immer kühlen. Ich lasse dir Heilerde da, die kannst du über Nacht immer drauf machen, dann sollte es bald weg sein.“ meinte ich lächelnd, reichte ihr die Heilsalbe und packte dann die Sachen zusammen. Die beiden Fohlen waren fertig und für mich hieß es nun nach Hause fahren, und zwar durch ein äußerst unangenehmes Unwetter.


      Bodenarbeit

      Ein graues Lüftchen zog durch die Gegend, als ich den Hof von Samarti erreichte. Es war ein grauer, regnerischer Herbsttag, ganz das Gegenteil zum gestrigen. Meine Bekannte Samarti war heute leider nicht anzutreffen, da sie momentan unterwegs war und somit bat sie mich, die heutige Pflege von Skyrim zu übernehmen. Skyrim war ein Pony, welches eine ruhige Hand und Persönlichkeit brauchte. Es konnte losgehen, denn ich war mit viel Motivation bewaffnet.
      In der Stallgasse angekommen, musste ich feststellen, dass die Boxen alle leer waren. Verwundert schlich ich durch die Gänge bis ich zu einer Tafel kam, wo dick und fett stand „Hey Shake, die Pferde sind auf der Weide, liebe Grüße Elisa“. Nun leuchtete mir einiges ein. Also schnappte ich mir Skyrims Halfter und watschelte den Blättern ausweichend zur Weide, wo ich eine kleine Herde erblickte. Von weitem erkannte ich Skyrim. Er war wirklich wunderschön und man konnte ihn einfach nicht übersehen. Doch als ich dem jungen Hengst näher kam, wich er mir aus. Nach einigem hin und her schaffte ich es jedoch, ihn aufzuhalftern und ein Stück zu führen. Er war wirklich misstrauisch mir gegenüber und scheute nicht, dies zu zeigen. Mit viel Leckerlis und gutem Zureden überzeugte ich ihn jedoch, mit mir mitzugehen. In der Stallgasse angekommen fing ich an Skyrim zu putzen, was er sich erst auch nicht recht gefallen lassen wollte. Doch mit etwas Geduld war auch dieses Hindernis bald überwunden. Irgendwie mochte ich Skyrim, er war besonders. Nachdem er wiedermal ein leckeres Ahornsirupleckerchen verschlang, schnappte ich mir eine kurze Gerte und führte Skyrim in die Halle, wo ich ihn erst einmal laufen ließ, damit er sich austoben konnte. Skyrim lief neugierig durch die Halle und beschnupperte alles, preschte danach los und wälzte sich zum Schluss. Nach etwa fünfzehn Minuten kam er zu mir und ich begann meine Arbeit. Wir übten das Kompliment und eine Vorderhandwende an der Hand. Das Kompliment klappte recht gut und zu meiner Überraschung war die Vorderhandwende auch schnell gelernt. Skyrim war echt ein lernwilliges, klasse Pony! Ich schaute auf die Uhr – Mist! Ich musste los, sonst würde ich in den Feierabendverkehr und somit niemals nach Hause kommen. Eilig verließen wir die Halle und ich putzte Skyrim nochmals gründlich. Diesmal ließ er sich alles gefallen und knabberte etwas an meiner Weste, was mir zum Teil wirklich Freude bereitete, doch trotz aller Freude hatte ich nun ein handballengroßes Loch in der Weste. „Zum Abschluss noch ein Leckerli, Skyrim!“, flüsterte ich und gab ihm einen Apfel, den er freudig entgegenahm. Ich brachte Skyrim wieder zurück zu der kleinen Herde und überprüfte nochmals die Zäune, ehe ich in Windeseile zu meinem Auto trabte und letztendlich doch im gehassten Feierabendverkehr landete.


      Weihnachtliche Vorbereitungen

      „Star's Diamond und Trés Jolie befinden sich in den Boxen, holst du eben Ace of Clubs und Romantica? Dann kümmere ich mich noch um Monsta und Goldherz. Julien, nimm du bitte noch Beverly und bring sie in die Box!“, bat ich Joline und Julien im Vorbeigehen im Stall, eilte dann zu den Halfterhaltern und zückte die Halfter der beiden Reitponystuten, welche ich in ihre Boxen bringen wollte. Die verbleibenden Stuten Audio Delite at Low Fidelity, Sambuca, Pina, Star, Yuki, Star und neuerdings auch Hall of Fame standen auch nicht mehr auf der Weide.
      Unbridled Dreams, Skyrim und Bacardi Mojito waren schon gut versorgt und standen in ihrem Stall, ebenso wie Pinero.
      Auch die Hengste des Gestüts – Rapsoul, Kronjuwel, Capriciasso, Diggin' in the Dirth, Levi, Unbroken Soul of a Rebel und Cardillac – machten sich bereits eifrig über ihr Futter her.
      Es war ein anstrengender Tag gewesen und die Kälte machte dies nicht besser. Nächsten Samstag sollten es bis zu -25 Grad Celsius werden! Minus!
      Umso glücklicher war ich, als ich endlich mit Julien im Haus verschwinden und mich vor den Kamin schmeißen konnte. Doch natürlich musste diese schöne Stille direkt unterbrochen werden.


      »Last Christmas I gave you my heart,
      But the very next day, you gave it away.
      This year, to save me from tears,
      I'll give it to someone special.«


      „Mach es sofort aus!“, rief ich verzweifelt und stürzte in Richtung des Radios, um dieses schreckliche Lied endlich zum Verstummen zu bringen. Es war genau wie letztes Jahr, als wir an Heiligabend alle beisammen waren und plötzlich Last Christmas ertönte. Jedes Jahr war es dasselbe, dämliche Lied, welches die Radiosender in Dauerschleife auf und ab spielten, und es nervte mich. Umso schöner war die Stille, wenn die letzten Töne verklungen und ich diese Melodie nicht mehr hören musste.
      Möglicherweise war ich ein Weihnachtsmuffel, den man erst einmal in Stimmung bringen musste, doch genau mit diesem Lied ging es in die ganz falsche Richtung, weshalb das Radio bei uns an Heiligabend ein totales No-Go war.
      „Ich sag' es zwar nicht gern, aber Matthew hat mich geschickt, um dir zu sagen, dass er mit dir reden möchte“, stürmte Joline in das Zimmer und vergewisserte sich erst dann, dass niemand in der Nähe war. Bis auf Julien war dies nicht der Fall – und der konnte es meinetwegen wissen.
      „Woher der plötzliche Sinneswandel?“, wollte ich fragen, doch ich hielt lieber meinen Mund und nickte ihr dankend zu, ehe ich zu Matthew ging, von dem ich wusste, dass er sich in seinem Schlafzimmer verkrochen hatte.
      „Hey“, lächelte Matthew mich zaghaft an, nachdem ich sein Zimmer betreten hatte und wir uns einige Minuten stillschweigend und irgendwie steif angesehen hatten. Still erwiderte ich sein Lächeln und seufzte dann.
      „Äh, ich wollte dir nur sagen, dass ich es total schade finde, wie es gelaufen ist und … na ja, es tut mir leid.“ Der Mann hob den Blick und sah mir direkt in die Augen, was mir einen Schauer über den Rücken sandte.
      „Schon … okay“, stammelte ich nervös und nickte dann, „mir tut es auch leid. Vergeben und vergessen?“
      „Ich verspreche dir, ich versuche, mich zu bessern. Du hast mir wirklich gefehlt.“ Angespannt stand er von seinem Stuhl auf und bewegte sich auf mich zu.
      „Ich hab dich wirklich vermisst“, flüsterte ich in Matthews Schulter, als er mich in seinen Arm genommen hatte und ich mich an seine Brust kuschelte. Ich liebte es, wenn Männer gut rochen – und dieses Exemplar tat dies momentan ganz besonders gut.
      Nach einer Weile entfernten wir uns etwas voneinander, doch der Mann vor mir beobachtete mich noch immer ganz genau und sah mir eindringlich in die Augen. Seine Augen wanderten zwischen den meinen und meinen Lippen hin und her, und auch, wenn ich intuitiv wusste, worauf er hinaus wollte, zögerte ich keine Sekunde, als der Abstand zwischen unseren Mündern immer kleiner wurde und schließlich ganz verschwunden war und wir unsere Lippen versiegelten. Und Gott, fühlte sich das gut an!
    • Occulta
      Seine Zeit bei Ally:
      Ally Ein langer Tag

      Vor einiger Zeit war schon Marly's Pluie auf dem Hof angekommen - jetzt sollten noch die beiden DRP-Fohlen Bacardi und Skyrim einziehen, die ich von meiner Freundin Else abgekauft hatte. Sie hatte kaum Zeit mehr für eine richtige Ausbildung der kleinen und hatte mich irgendwie dazu überredet, die beiden zu kaufen.
      Heute sollten die beiden Kleinen ankommen und so machte ich mich schon um 8 auf den Weg in den Stall. Ich besaß den Hof ja leider Gottes nicht, sondern stellte dort nur ein, bis ich einen eigenen gefunden habe. Meine Ausbildung zum Pferdewirt sollte sich schließlich irgendwann auszahlen. Ich bereitete erst die beiden Boxen vor, in denen die Fohlen stehen sollten, und um 9 rollte der Hänger auf den Hof. Else wohnte leider eine Stunde entfernt und konnte deswegen nicht kommen, aber der Fahrer half mir beim Ausladen und bald schon stand ich alleine mit den beiden Fohlen auf dem Hof. Langsam trudelten aber immer mehr Pferdebesitzer ein und ich durfte die beiden Fohlen durch die Stallgasse führen, in der sie viele neue Bekanntschaften machten. Die beiden freundeten sich auch sofort mit Marlon an, was mich sehr freute, und nach einiger Zeit durften sie in ihre Box.
      Am Nachmittag fuhr ich dann noch einmal zum Stall, um zu sehen, wie sich die beiden machten, und stellte sie raus auf die Weide zu den anderen Fohlen. Erst blieben die beiden dicht zusammen, aber langsam freundete sich Skyrim mit den anderen Jungpferden an und auch Bacardi traute sich. Nach einer halben Stunde tobten die beiden mit der Herde herum und rasten übers Gras. Ich ging zu Marlon in die Box, die auch schon ungeduldig auf ihren Weidegang wartete, und kratzte ihr erst die Hufe aus, bevor ich sie auf die Weide ließ.
      Heute war ein erfolgreicher Tag, denn die beiden Fohlen hatten sich super eingelebt und sich ebenfalls mit Marly befreundet!
      19 Jan. 2015

      Samarti Einreiten von Skyrim

      Schon bald erhielt ich einen weiteren Anruf – direkt zu Monatsbeginn. Bereits laut seufzend nahm ich den Hörer ab, noch hatte ich absolut keinen Nerv für irgendwelche Stufenerhöhungen, doch besonders zu Beginn des Monats kamen immer einige Aufträge rein. Auch, wenn diese von denen zu Monatsende noch getoppt wurden.
      Doch diesmal war es Ally, die ich am Telefon hatte, und die mich mit einer ungewöhnliche Bitte begrüßte.
      „Eeeeeliiiisaaaa?“ Bereits am Ton ihrer Stimme wusste ich, dass jetzt irgendetwas auf mich zukommen würde, worauf ich absolut keine Lust hatte.
      „Allyciaaaa?“, erwiderte ich nur und wartete dann darauf, dass Ally wie gewöhnlich mit der Tür ins Haus fallen würde.
      „Reitest du Skyrim für mich ein?“, platzte es dann ungeduldig aus ihr heraus und noch ehe ich etwas erwidern konnte, laberte sie schon ununterbrochen wie ein Wasserfall weiter: „Ich meine, du kennst ihn ja schon und so und da dachte ich mir, du würdest das bestimmt gerne machen und ich möchte mir keinen anderen Ausbilder suchen, weil du kennst ihn ja schon und er hat ja dir gehört und das wäre echt cool von dir und wann kann ich ihn dir dann vorbeibringen?“
      Ich war völlig überfordert, nickte nur paralysiert und merkte dann, dass Ally das wohl kaum mitkriegen würde. „Verfrachte ihn mir einfach nach Kanada“, gab ich seufzend nach und hielt mir dann den Hörer weiter vom Ohr entfernt, denn aus der Leitung kam ein lautes Quietschen. „Danke!“, schrie meine Freundin mir entgegen, bereits kurz danach hörte ich das Tuten, das das Ende eines Anrufs signalisierte. Nur, um danach einen weiteren Anruf zu erhalten – von Ally.
      „Äh. Wie machen wir das denn dann?“, fragte sie kleinlaut, woraufhin ich laut auflachte.

      Skyrim war bald schon wieder auf dem heimischen Gestüt in Kanada, welches er nur zu gut kannte. Der kleine Kerl hatte sich eben deshalb schnell eingelebt – er war auch nur knapp drei Wochen nicht hier gewesen, dementsprechend kannte er das alles noch.
      Da der inzwischen fünfjährige Hengst schon etwas länger bei mir gelebt hatte, hatte ich es mir auch zuvor nicht nehmen lassen, ihn schon an Sattel und Trense zu gewöhnen. Genau, wie er bereits die Stimmhilfen, also gewisse Grundkommandos wie „Halt“, „Schritt“, „Trab“ und „Galopp“, sicher beherrschte. Dies erleichterte uns das Einreiten erheblich, da wir eben jenen Teil nicht mehr ganz so ausführlich und lang handhaben mussten – eben weil wir dies schon hinter uns gebracht hatten.

      Um Skyrim an das Reitergewicht zu gewöhnen, ließ ich ihn von Matthew an die Longe nehmen, während ich selbst versuchte, langsam aufzusteigen, da ich von uns beiden die leichtere Person war und wir das Reitpony nicht überfordern wollten. Zuerst legte ich mich nur über den Rücken des Pferdes, was von Vorteil war, falls es Komplikationen gab und ich schnell abspringen müsste. Würde ich schon „ganz“ auf dem Pferderücken sitzen, würde dies wohl etwas schwieriger werden.
      Skyrim jedoch bewegte sich kein Stück und stand ruhig da. Hatte er anfangs kurz gezuckt, so genoss er wohl inzwischen den Körperkontakt. Der Hengst war schon immer ziemlich verschmust und eine treue Seele gewesen, würde es ihm doch niemals einfallen, böswillig irgendjemanden zu verletzen.
      Nachdem dieser Schritt kein Problem mehr darstellte, stieg ich komplett auf und Matthew longierte den Hengst eine Weile im Schritt. Dabei achteten wir beide darauf, dass ich sicher im Sattel saß und im Notfall einen festen Sitz hatte, sodass nichts Schlimmes passieren dürfte. Während Matthew dann die Stimmkommandos gab, übte ich Schenkeldruck und Gewichtshilfen aus, um Skyrim an diese zu gewöhnen, damit man später ganz auf die Stimmkommandos verzichten konnte und nur noch die Schenkel- und Gewichtshilfen benötigte.
      Der nächste Schritt war das Antraben. Um dies herbeizuführen, arbeiteten wir mit Stimmkommandos, gaben dann die passenden Schenkel- und Gewichtshilfen, um den Hengst dazu zu verleiten, in den Trab zu fallen. Eine behutsame Vorgehensweise war hierbei ein Muss. Obwohl Skyrim wesentlich ausbalancierter war als die meisten andere Pferde, die wir einreiten sollten, verzichteten wir dennoch auf enge Wendungen oder abrupte Richtungswechsel, da er keinesfalls überfordert werden sollte.
      Genauso handhabten wir es mit dem Galopp: Stimm-, Schenkel- und Gewichtshilfen arbeiteten miteinander, bis wir auf ersteres gänzlich verzichten konnte.
      Im Gegensatz zu vielen anderen Pferden gab es bei Skyrim absolut keine Probleme mehr mit dem Abrufen der Grundgangarten, sodass es auch nicht nötig war, eine weitere Person dazuzuholen, die vom Boden aus Unterstützung bot, weshalb wir sogar schon von der Longe losgehen konnten und nun zwar unter Aufsicht von Matthew, aber doch ganz allein über den Reitplatz zuckelten und uns sogar schon mit der Skala der Ausbildung auseinandersetzten.

      „Aaaallyyyyyyyyy“, überraschte ich die junge Frau mit einem Anruf, „du kannst dir Skyrim wieder abholen. Alles blöd gelaufen, der will gar nichts lernen. Der ist so ein Sturkopf!“
      „Also, wann kann ich ihn abholen?“, erwiderte diese völlig desinteressiert und nachdem ich dann nachgegeben und ihr alles über die Ausbildung erzählt hatte, vereinbarten wir noch einen Termin, an dem Skyrim seine Heimreise antreten würde, denn mit dem Abschluss der Ausbildung war auch sein Aufenthalt auf meinem Gestüt wieder beendet. Und auch, wenn der Hengst mir doch etwas fehlen würde, konnte ich ihn reinen Gewissens wieder zum Flughafen bringen, von welchem aus er wieder nach Luggala fliegen würde.
      1 Feb. 2015

      Ally Der Unfall namens "Ponyspiele"

      "Hi Ally!", schrie Elisa quer über den Platz und stolzierte auf mich zu. "Ich bin daaaa!", trällerte sie und ich stemmte meine Hände in die Hüfte. "Wow, bist du auch mal pünktlich." Skyrim starrte Elisa mit großen Augen an, fast schon so, als hätte er Angst vor ihr. "Nicht schon wieder die", schien er sich zu denken und versteckte sich mit seinen 1,39m Stockmaß hinter mir. Er hatte anscheinend das gleiche Elisa-Angstsyndrom entwickelt wie der Reitponyhengst von Elena, von dem Elisa so besessen war, dass sie mehrere Poster von ihm in ihrem Zimmer hängen hatte. Elisa zog Sky ganz unbeirrt hinter meinem Rücken vor und gab ihm einen dicken Schmatzer auf die Nüstern, woraufhin er zurücksprang und die Nüstern blähte. "So, dann zeigen wir es denen mal!", rief Elisa selbstbewusst und streckte die Faust gen Himmel - und machte so die ganzen Teilnehmer auf uns aufmerksam, wie peinlich! "Ich dich auch, Elisa", murmelte ich leise und schlich mit Skyrim in Richtung Halle, denn wir würden gleich an der Reihe sein.
      "Ehm, hallo? Willst du ohne mich gehen oder was?", sagte Elisa empört und stapfte uns beiden nach. "Du kannst doch eh nicht mit in die Halle", meinte ich und Elisa verschränkte die Arme. "Ja, aber bei irgendwas brauchst du doch Hilfe", jammerte sie schon halb und Sky drehte verwirrt den Kopf zu ihr. "Keine Sorge, du hilfst mir mit deiner Anwesenheit schon genug", sagte ich lächelnd und Elisa hob eine Augenbraue. "Beschwer dich nicht, du schnulzt auch immer so rum!", grummelte ich und drehte mich in Richtung Hallentor, wo gerade der dritte Teilnehmer heraus stapfte. "Wann kommt ihr dran?", fragte Elisa und ich zuckte mit den Schultern. "Irgendwie .. die fünften oder so", sagte ich und Elisa nickte. "Musst du ihn dann nicht aufwärmen oder so?" "Das sind Reiterspiele, als ob hier hohe Dressuraufgaben drankommen.", lachte ich und erschrak, als die Lautsprecher laut knisterten. "Nummer vier ist nicht anwesend. Nummer fünf bitte in die Halle!", rauschte es und ich seufzte. "Los, los, auf die Zuschauertribüne. Feuer uns an!", scheuchte ich Elisa weg und lief mit Sky in Richtung Tor.
      Begleitet von lautem Gejubel betraten wir die Halle und ich richtete kurz Skyrims neongelbes Knotenhalfter, ehe ich mit ihm zur ersten Aufgabe hinüber ging: Im Trab Slalom durch die Hütchen. Anfangs war ich eigentlich sehr positiv gestimmt, dass wir die Aufgabe locker bewältigen würden. Doch dann sah Skyrim aus dem Augenwinkel heraus Elisa, die hinter der Bande am Publikum stand. Ich wollte gerade loslaufen. als ich plötzlich auf Widerstand traf. Als ich mich umdrehte, traute ich meinen Augen nicht. "Skyrim!", quietschte ich erschrocken und die ganze Halle fiel in schallendes Gelächter. Da saß er nun, mein kleiner Reitponyhengst, auf seinem dicken Hinterteil und bewegte sich nicht mehr vom Fleck. Da kam mir die rettende Idee! "Elisa?", fragte ich vorsichtig und meine Freundin wurde sofort hellhörig, sprang elegant (sie flog auf die Fr*sse) über die Bande und kam zu uns gelaufen. Sofort sprang Skyrim auf und jagte durch die Hütchen durch. Leider nicht im Slalom wie verlangt, sondern einfach quer. "Woah!", beruhigte ich den unruhigen Hengst und schaute nach unten. Er hatte nicht nur alle Hütchen umgefegt, sondern hatte noch eins am Huf stecken, weil er hineingetreten war. Während ich meinen Hengst davon befreite, wurde uns schon das erste Fähnchen entzogen.
      Mir wurden schon fast jegliche Hoffnungen genommen, aber als ich Skyrim zur zweiten Aufgabe führte, trottete er fast schon übermotiviert hinter mir her. Lächelnd lief ich also zu den beiden Cavalettis - Elisa folgte natürlich - und sagte laut "Teeerab!", woraufhin er sofort ansprang. Das erste Cavaletti überquerten wir mit Bravour (welch Wunder!), aber nachdem ich hochmotiviert über die zweite Stange hüpfte, begann alles schief zu laufen. Elisa lief grinsend auf uns zu, um uns in Empfang zu nehmen. Skyrim schielte kurz hinüber und ehe ich mich versah, blieb er an der Stange hängen und flog wortwörtlich auf die Nase. Zum Glück landete er sanft; zum Unglück landete er mitten auf mir, denn er hatte mich netterweise überrannt, umgeschmissen und sich dann auf mich gelegt. Während ich versuchte, die 500kg Pferd von mir wieder herunterzubekommen, kamen bereits die ersten Turnierhelfer angelaufen, um Erste Hilfe zu leisten. Skyrim war so nett und raffte sich auf und die nächsten fünf Minuten verbrachte ich damit, wieder Luft in meine Lungen zu bekommen, während Elisa panisch herum schrie - Ich konnte nur Bruchstücke verstehen wie "Mund zu Mund!" und "Los, los, beeilt euch, sie stirbt!" Ich fühlte mich wie der alte Mann, der bald sein Leben beenden würde, nahm Elisas Hand und flüsterte "Bitte übernehm du die letzten Aufgaben." Elisa hatte Tränen in den Augen, drückte meine Hand fest und nickte. Für den dramatischen Effekt ließ ich meinen Kopf grölend auf den Sand fallen (wobei ich das später bereute, weil ich eigentlich nicht unbedingt beim Duschen alle Körner aus meinem Haar fummeln wollte) und Elisa packte Skyrims Strick, der unter meinem Oberkörper lag. Sie bekam die zwei letzten Fähnchen gereicht, die sie stolz in der Tasche ihrer Hose packte.
      Mit der Hilfe von zwei Sanitätern hievte ich mich aus dem Sand und schleppte mich zur Bande, wo direkt für mich Schwerverletzte Platz gemacht wurde. Von dort aus durfte ich das weitere Spektakel aus sicherer Entfernung beobachten. Ich sah, wie Elisa todesmutig mit Sky in Richtung Stangenlabyrinth lief. Der junge Hengst verdrehte seinen Kopf nach hinten und warf mir einen flehenden Blick zu, der nach Erlösung schrie. Ich bat ihn im Stillen um Verziehung und senkte den Blick. Skyrim verdrehte den Kopf wieder nach vorn und stolzierte - mit großem Abstand - Elisa hinterher, die entschlossen auf das bunte Stangengewusel zulief. Kurz vor dem Eingang drehte sie Skyrim um und etwas verwirrt stand der Schecke schräg da. Schnell war das durch einen Piekser an der Schulter korrigiert und Elisa wollte auf ihn zulaufen, mit dem obersten Teil des Strickes in der Hand, um ihn rückwärts zu richten, aber anscheinend brauchte sie das nicht einmal: Skyrim hatte so große Angst vor Körperkontakt mit dem Monster (naja, aus Elisas Sichtweise eher die Liebe seines Lebens), dass er schon zurück wich, kurz bevor Elisas Hand seine Brust überhaupt berührte. Verwundert führte Elisa ihn also durch das Labyrinth, komplett ohne Probleme, nicht ein mal berührte er eine der Stangen.
      Innerhalb von Sekunden waren Elisa und Skyrim also durch das Stangengewirr gekommen und ich freute mich innerlich über eine gerettete Fahne. Doch bei genauerer Betrachtung sah ich in Elisas Händen gar keine zwei Fahnen mehr! Kurz schnappte ich nach Luft und dann entdeckte ich die roten Fetzen, die aus Skyrims Maulwinkel lugten. "Nein!", seufzte ich und schüttelte den Kopf. Elisa schien das noch nicht aufgefallen, denn sie lief fröhlich mit Skyrim weiter zur letzten Aufgabe. "Elisa, Elisa, die Fahne!", rief ich wie in einem Schnulzenfilm quer über den Platz und eigentlich wollte ich noch meine Hand ausstrecken, aber meine Knochen knackten so laut, dass ich Angst hatte, irgendeiner würde brechen. Verwirrt sah Elisa mich an, dann in ihre Hand und schließlich mit großen Augen auf Skyrim, der erst zu Elisa und dann zu mir schielte. Wütend schob ich meine Unterlippe vor und Skyrim blinzelte mich entschuldigend an. Elisa konnte zum Glück Skyrims Mund öffnen und die Fahne heraus ziehen - allerdings nur noch den braunen Stock, denn das rote Fähnchen hatte Sky schon aufgefressen. Plötzlich wirkte Elisa niedergeschlagen und schlürfte traurig zum Sackhüpfen. Ein bisschen Mitleid hatte ich, aber eigentlich hielt es sich in Grenzen, zumal der Anblick von Elisa im Sack einfach zu schön war. Als sie dann loshüpfte, Skyrim sich aber weigerte, konnte ich mich vor lachen nicht mehr halten.
      Elisa hielt mit einer Hand den Sack hoch und mit der anderen versuchte sie, Skyrim irgendwie dazu zu bringen, mit ihr zu gehen, aber der Sturkopf lehnte sich nur noch weiter nach hinten und ich hatte Angst, dass er sich wieder auf den Po legte: Doch diesmal war es anscheinend Elisa, die den Boden so gern hatte. Denn der Strick rutschte ihr aus der Hand und mit vollem Schwung knallte sie in den Sand, während Skyrim nur ein paar Schritte zurück taumelte, sich umdrehte und auf mich zulief. Irgendwas hatten die beiden bei dem Begriff "Liebe" und "Teamwork" nicht verstanden. Ein Richter pfiff unnötig laut in seine Pfeife und hielt die rote Karte nach oben. Elisa war sichtlich den Tränen nahe und ich versuchte ihr tröstende Blicke zuzuwerfen - wir waren disqualifiziert. Das einzige was wir über die Ziellinie hatten bringen können, war ein Fahnenstiel und Elisas wunderbares Gesicht, der Rest war zwischendurch verloren gegangen. "Ach mach dir nichts draus! Ich fand euch toll!", meinte ich aufmunternd zu Elisa und Skyrim.
      2 Feb. 2015

      Ally Oh nein ..

      Die Reiterspiele hatten wir gestern ja mal gründlich versäumt; Aber als ich heute morgen in den Stall kam, um alle Pferde zu füttern, fiel mir auf, dass Skyrim lauter schnaubte als sonst und auch ziemlich unruhig in der Box herumlief. Es stellte sich heraus, dass er eine kleine Schürfwunde am Hintern hatte; Da, wo er sich gestern auf den Po gesetzt hatte. "Verdient!", grinste ich und gab ihm ein Leckerli. Ich dachte, das wäre alles gewesen, aber als ich ihn nach dem Fressen heraus führte, fiel mir auf, dass er leicht hinkte. Verdammt, da musste wohl ein Tierarzt her. Sofort holte ich mein Handy und rief meine gute Freundin Eddi an, die Tierärztin war. Während sie sich auf den Weg zu meinem Hof machte, reinigte ich die Wunde und desinfizierte sie, was Skyrim gar nicht mochte, aber da musste der kleine Schusselkopf wohl durch, nachdem er gestern so einen Aufstand gemacht hatte. Obwohl es natürlich schade war, dass wir nur mit einer angefressenen Fahne ins Ziel gingen, war es doch ziemlich lustig gewesen und auch Elisa lachte nur noch darüber.
      2 Feb. 2015

      Eddi Tierarztbesuch

      Mit einem dezenten Grinsen betrat ich den Stall von Ally. Heute Morgen hatte sie bei mir in der Tierarztpraxis angerufen und gefragt, ob ich mir mal ihren kleinen Reitponyhengst Skyrim zu Herzen nehmen könnte, da er momentan über das ein oder andere Wehwehchen klagte. Natürlich hatte ich sie sofort dazwischen gezogen, denn ich wusste ziemlich gut, um was es ging, immerhin hatte ich während der Reiterspiele auf der Zuschauertribühne gesessen.
      Etwas beschämt begrüßte Ally mich, die Ereignisse der letzten Tage schienen ihr immer noch etwas nachzuhängen. Gemeinsam betraten wir den Stall und Ally führte den lahmenden Rappschecken zum Putzplatz. Als erstes betrachtete ich ausgiebig die Schürfwunde an seiner Kruppe und lobte Ally für die gute Versorgung, denn die Wunde war auf dem besten Wege zu heilen, wenn Ally sie weiterhin so gut versorgen würde.
      Das zweite Wehwehchen schien Skyrims Hinterbein zu sein, mit welchen er lahmte. Ich bat Ally nochmals, mir den Hengst im Schritt und Trab vorzuführen und dann wieder anzubinden. Als Skyrim wieder stand, tastete ich vorsichtig das Bein ab. Es war warm und geschwollen. Es war eindeutig die Sehne, welche er sich verletzt hatte. "Ich tippe erst einmal auf eine harmlose Sehnenzerrung", erklärte ich Ally und erklärte ihr die weiteren Schritte: "Zweimal am Tag müsst ihr das Bein mit Wasser kühlen und dann mit der Heilerde einschmieren. Sollte Skyrim es dann nicht in Ruhe lassen, sondern daran herumknabbern oder so, einfach eine Bandage locker drüberwickeln, dann aber bitte öfter nachschauen und wechseln, nicht dass sich die Hitze darunter staut. Und auch wenn es komisch klingt, braucht er Bewegung, also zumindest im Schritt. Denn das Stehen verschlimmert die Zerrung sonst noch", erklärte ich zu Ende und gab Ally eine Packung Heilerde, ehe ich mich auch schon wieder verabschiedete.
      4 Feb. 2015

      Rhapsody Tierarztpraxis Meillion Aur

      Heute hatte ich meinen ersten Auftrag bei meiner guten Freundin Ally. Meine Praxis war zwar noch nicht geöffnet, doch das würde in den nächsten Tagen passieren.
      Ally hatte mich gebeten, alle ihre Ponys einmal durchzuchecken. Das sollte kein Problem werden.
      Nach einem warmen Begrüßungstee (Kanada im Winter war schrecklich) widmete ich mich zu aller erst Smarty Jones, einem wunderschönen Roanhengst. Neugierig beschnupperte er mich, doch als ich dann ans abtasten ging, wurde er unruhig und zappelte. Trotzdem spürte ich keine ungewöhnlichen Erhebungen und auch die Beine waren, wie man auf dem Röntgenbild gut erkennen konnte.
      Weiter ging es mit Marly’s Pluie, einer Painthorse Stute. Von Ally erfuhr ich, dass sie gern sprang, und untersuchte zuerst die Gelenke. Hier fand sich glücklicherweise nichts; auch beim Abtasten und Augencheck fiel mir nichts Ungewöhnliches auf.
      Der nächste Patient, Skyrim, war mir schon bekannt, denn ich hatte zusammen mit Ally und ihm für das Synchronspringen in ein paar Tagen trainiert. Auch ihn empfand ich als ziemlich neugierig und schlau, denn er fand sofort die Leckerlis in der Tasche meiner dicken Winterjacke. Auch bei ihm konnte ich keine Auffälligkeiten feststellen.
      Siberia, English Love Affair, Never Be und Bacardi Mojito rutschten förmlich nur so durch. Alle drei hatten ihren ersten Tierarztbesuch und wurden sogar gleich noch mit einer Spritze gequält. Als Entschädigung für den kleinen Impfpiekser gab es jedoch selbstgebackene Kräuterleckerlis. Auch bei der hübschen Traberstute Bree war alles in Ordnung.
      Ein Friesenmix namens Classic Cinnamon war dann auch schon mein letzter Kunde. Da der Gute neu auf dem Whitmore Stud war, führte ich gleich eine kleine AKU durch. Seine Gelenke waren in Ordnung, genauso wie die Augen und Zähne. Ich fand außerdem keine besorgniserregenden Hubbel und konnte schließlich mein Zeug wieder ins Auto packen. Allys Angebot, eine Nacht bei ihr zu verbringen, musste ich leider ablehnen – ich musste so schnell wie möglich wieder nach Wales.
      4 Feb. 2015
      Ranga [​IMG]
      Sa Diyos - Turnier- & Ausbildungsstall
      Dressur von Klasse E auf Klasse A

      Am Mittwoch Abend nahm ich den Auftrag von Allycia Donell an und schrieb Ihn mir in mein Notizbuch. Am Donnerstag Morgen machte ich mich früh auf den Weg zu Ihrem Stall. Ich ließ mich von meinem Navi zu Ihr leiten und es dauerte gar nicht so lange, da war ich bei Ihr am Stall angelangt. Ich parkte meinen SUV auf dem Hofeigenen Parkplatz. Ich musste auch nicht lange warten da kam Ally mich begrüßen.
      Ally: "Hallo Ranga, freut mich das du zu mir gefunden hast."
      Ranga: "Hallo Ally. Ich freue mich ebenfalls hier trainieren zu dürfen. Wo hast du denn den Goldschatz?"
      Ally: "Komm, ich zeige Ihn dir sofort. Ich warne dich schonmal vor. Er wurde erst vor kurzem eingeritten, deshalb könnte er unterm Sattel noch etwas hibbelig sein, aber ich vertraue dir vollkommen."
      Ally führte mich zum Stall wo Skyrim stand. Es dauerte nicht lang und ich erkannte den kleinen Mann schon von weitem. Ich begrüßte den Deutschen Reitponyhengst indem ich Ihn mit meiner Hand über die Stirn fuhr. Gemeinsam holten wir Ihn aus seiner Box raus und machten Ihn für das Training fertig. Ihm ist während der Zeit kein Leckerchen entgangen. Irgendwie muss man sich ja ein bisschen einschleimen. Kurze Zeit darauf standen wir auf dem Dressurviereck und bevor ich mich auf den Rücken des Ponys setzte, gurtete ich nach. Zunächst ritt ich Ihn im Schritt warm. Mit runden Bahnfiguren machte ich Ihn locker und ich legte die Abschitzdecke beiseite. Ich fing mit Leichttraben an und ritt über Trabstangen um Ihn weiterhin zu lockern. Ich fing mit einer ziemlich leichten Lektion an. Ich blieb bei X aus dem Schritt stehen. Nachdem er ruhig stehen geblieben war lobte ich Ihn kräftig und trabte an. Ich wiederholte das selbe im Trab und dies meisterte er ebenfalls sehr toll. Dann fingen wir mit dem Rückwärtsrichten an. Ich blieb erneut bei X stehen und nahm meine Schenkel ans Pony und verlagerte mein Gewicht leicht nach vorne, dies fand er sehr komisch und machte einen Schlenker zur Seite. Ich wiederholte dies noch zwei mal danach klappte es sehr gut, dennoch war es ausbaufähig. Dann verkleinert und vergrößerten wir das Viereck und dies nahm der kleine mit Links. Uns stand aber noch die Kehrtwende auf der Vorderhand bevor. Ich blieb an der langen Seite stehen und stellte Ihn etwas nach innen und drückte dann mit äußeren Schenkel. Doch das Ergebnis war nicht das was ich wollte. Wir wiederholten es und er forderte mich herraus, bis er es mit biegen und brechen machte. Ich ließ das Training so stehen und ritt Ihn mit der Abschwitzdecke trocken. Nach dem reiten lobte ich Ihn und wir machten Ihn für die Box fertig.
      Ally: "Das hat ja besser geklappt als erwartet."
      Ranga: "Ja das stimmt. Ich hatte gedacht er würde hibbeliger sein, aber es ging."
      Als wir Ihn zu Ende geputzt und abgesattelt hatten brachte Ally ihn in seinen Stall und er bekam von mir eine Möhre als Belohnung. Ally brachte mich noch zu meinem Auto.
      Ally: "Vielleicht bis zum nächsten mal."
      Ranga: "Ja, dass würde mich sehr freuen."
      Ally: "Komm gut Nachhause, bis bald."
      Und so fuhr ich mit einem zufriedenen Ergebnis nach Hause.
      3077 Zeichen
      5 Feb. 2015

      Ally Hufschmiedbesuch

      Heute standen ausnahmsweise mal meine eigenen Pferde an, also stand ich extra früh auf, um alle aus ihren Boxen zu holen und draußen aufzureihen. Als erstes kam Skyrim dran, mein Liebling aus dem Stall; Nicht, dass ich ihn dadurch irgendwie bevorzugen würde. Er bestach bloß durch seine freche Art und auch beim Reiten zeigte er sich bisher prächtig. Ich kontrollierte erst seine Hufe und korrigierte sie danach mit Feile und Messer. Beschlagen wollte ich ihn noch nicht, da er barhuf noch keine Probleme hatte. Nach Skyrim ging es zu Jones, meinem ersten Pferd. Bei ihm wechselte ich nur den Beschlag aus, da seine Hufform schon gut zugeschnitten war. Danach kam Pluie dran, die heute irgendwie hibbelig war, und ich beschloss, sie nach der Hufkontrolle in der Reithalle laufen zu lassen. Bree wartete auch schon ungeduldig auf mich, und nachdem ich auch ihre Hufe korrigiert hatte, führte ich Skyrim, Jones und Pluie schonmal zurück in ihre Boxen. Nach Bree kam Cinn dran, der neue Hengst im Stall. Er zeigte zwar große Hengstmanieren (erst recht, wenn er neben Bree stand), aber heute war er ziemlich ruhig. Nach Cinn kamen die Fohlen dran, die ihre Hufe nur kontrolliert und korrigiert bekamen. Bacardi verhielt sich sehr ruhig und vorbildlich, während Siberia immer wieder ihre Nase irgendwo hin schob und überall herum knabberte. Love war wie immer sehr stürmisch und zappelte die ganze Zeit herum und konnte es nicht erwarten, mit ihrer kleinen Fohlenherde zurück auf die Weide zu kommen. Bee war ähnlich wie ihre beste Freundin drauf, wenn nicht sogar noch schlimmer. Die beiden rasten sofort los, als ich sie zurück auf die Weide ließ, während Siberia und Bacardi zusammen nachtrödelten. Angestrengt ging es dann weiter zu den Zuchtpferden.
      12 Feb. 2015
      Ally Vollgestopfter Sonntag
      Es war Sonntag. Jeder andere würde ausschlafen und sich auf den nächsten Tag vorbereiten, denn Montag hieß entweder Schule oder wieder Arbeit. Für mich hieß Sonntag aber, so wie jeder andere Tag in der Woche, um 6 aufstehen und die Pferde füttern. 20 mal zwischen Box und Futterkammer hin und her rennen und das alles bis 7 fertig kriegen, denn um 8 sollten alle Pferde auf die zugehörigen Weiden. Grölend schleppte ich mich aus dem Haupthaus heraus am Büro entlang und begrüßte Colton, mein Mitbewohner und Stallbursche. Ich wunderte mich immer, wie er schon morgens um 6 so wach und fröhlich sein konnte, aber nachdem ich erfuhr, wie viel Kaffee er trank, wurde mir so einiges klar. Er begrüßte mich mit einem freundlichen "Hallo!" und schob mir eine Tasse Kaffee hin. Eigentlich hasste ich Kaffee, aber so oft wie ich früh aufstand, brauchte ich Koffein. Um fünf nach war die komplette Tasse leer und Colton machte sich auf den Weg in die Zuchtstallungen, während ich den langen Spaziergang bis zum großen Offenstall hinter mich brachte. Drei Eimer voller Futter schleppte ich schon hinter mir her und sobald ich die Stalltür öffnete und das Licht anmachte, riefen mir ein paar Pferde entgegen. "Ich hab Hunger!" "Ey S*hlampe, auch mal wieder da?" ... Nein, Scherz, sie wieherten nur, aber könnten sie reden, würden sie genau das sagen. Erst ging es zu Smarty Jones, der mich dankend anprustete, bevor er sein Müsli ins Maul stopfte, und danach zu Marly's Pluie, die neidisch zu Smarty herüber sah, bevor sie ihr eigenes Futter entdeckte. Dann bekam Skyrim seinen Müsli und ich musste neuen holen, bevor auch Bree und Cinn ihr Futter bekommen konnten. Dann stieg ich ins Auto und fuhr hinüber zur Fohlenweide, wo ich Bacardi, Siberia, Love, Bee, Badawi, Nanook und Unitato zusammen auf die große Weide ließ, nachdem sie ihr Futter bekommen hatten. Ich räumte dort im Stall ein wenig auf, bevor es zurück zum Hauptstall ging. Colton sattelte dort gerade Lucero und führte ihn zum Platz und ich entschied mich, Skyrim aus seinem Stall zu holen und ebenfalls zu satteln. Er war brav wie immer, nur ein wenig hibbelig, weil er bisher nur in der Box stand. Zusammen mit Colton ritt ich ihn ein paar Runden, und testete auch seine Dressurgrundlagen wieder aus. Zum Trocken reiten gingen wir eine kleine Runde um den Hof. Dann sattelte ich Marly's Pluie und Bree und ging mit den beiden Ausreiten. Erst auf Pluie und mit Bree als Handpferd, zurück ging es dann auf Bree und mit Pluie als Handpferd.
      Es war jetzt schon 14 Uhr und alle Pferde standen glücklich auf der Weide. Ich entschied mich, wieder zum Fohlenstall zu fahren, wo mich Nanook fröhlich begrüßte. Ich putzte ihn kurz und auch Siberia und Love durften eine kurze Striegelmassage bekommen. Colton kam um circa 15 Uhr herüber und wir nahmen Unitato und Bacardi auf einen kleinen Spaziergang zum See. Es war leider noch zu kalt, um die beiden ins Wasser zu lassen, sie tranken es aber fröhlich. Abends kam ich noch einmal wieder und putzte die Zuchtpferde mit Colton zusammen, dann kamen alle wieder in ihre Boxen mitsamt den Fohlen und ich konnte mich erschöpft in die Dusche stellen.
      14 März 2015

      Veija Dressur A auf L mit Skyrim

      Heute war ich auf dem Weg zu Ally und ihrem Pferd Skyrim. Dieser war ein Hengst der Rasse Deutsches Reitpony und sehr begabt in der Dressur, weshalb mir recht wenig Arbeit bevorstand. Schon vor kurzem war er durch einen anderen Trainer auf die Klasse A gebracht wurden, weshalb die Basics perfekt sitzen müssten.
      Bei Ally angekommen parkte ich den Wagen und war sofort auf dem Weg in die Stallungen, wo mich Ally mit dem bereits fertig geputzten Skyrim erwartete. Das Satteln verlief recht schnell, weshalb wir schon nach einer guten Viertelstunde in der Halle waren. Vor dem Aufsitzen gurtete ich nochmals nach, ehe ich mich hochschwang. Zunächst ritt ich den etwas unruhigen Hengst in allen Gangarten und auf jeder Hand gut warm, bevor es an die Lektionen ging. Das Einfachste war es wohl noch, aus dem Schritt einen Mittelschritt zu machen, aus dem Trab einen Mitteltrab und Arbeitstrab, und aus dem Galopp einen Arbeits- sowie Mittelgalopp. Skyrim machte gut mit und arbeitete sehr fleißig, weshalb das Halten aus dem Schritt und Trab sowie wechselnde Übergänge zwischen Stand, Schritt, Trab und Galopp gar kein Problem waren. Was ihm ein wenig mehr Probleme bereitete, was das Rückwärtsrichten. Doch mit viel Geduld hatte ich ihn dann doch so weit, dass er vier Schritte nach hinten ging, ehe er wieder geschlossen stand. Das Viereck verkleinern und Vergrößern war auch kein Problem, die Kehrtwendung auf der Vorderhand schon. Es dauerte wirklich lange, bis er verstanden hatte, was ich wollte. Doch danach strengte er sich wirklich an!
      Zum Schluss ritten wir noch eine ganze Reihe von Bahnfiguren, unter anderem Zirkel, Volten und Schlangenlinien. Die einfachen Sachen wie ganze Bahn oder durch die Länge der Bahn wechseln lies ich weg, da er dies am Anfang der Stunde schon gezeigt hatte. Freudig klopfte ich seinen Hals und schaute auf die Uhr. Wir waren für heute fertig.
      1883 Zeichen, by Veija
      16 März 2015

      Gwen [​IMG]
      Dressur L auf M

      Fröhlich summend verließ ich das Haus und stieß beinahe mit Elisa zusammen. „Hey!“, grinste sie, doch ich starrte nur schief an ihr vorbei. „Wer ist das?“, fragte ich stirnrunzelnd und schaute zurück zu Elisa. „Wer? Ach, das ist nur Skyrim. Würdest du ihn M-fertig machen?“, fragte sie gerade heraus und klärte mich dann ausnahmsweise kurz auf, dass der junge Schecke Allycia gehörte und diesen Monat noch einmal in Beritt sollte. Was blieb mir schon anderes übrig, als ja zu sagen? Also nahm ich Elisa den Führstrick ab und brachte den Hengst auf eine der kleineren und vor allem leeren Weiden am Stall.
      „Und in welcher Disziplin?“, fragte ich Elisa, welche schon wieder dabei war, sich aus dem Staub zu machen. „Äh, Springen oder Dressur“, meinte sie unschuldig und während ich noch in Gedanken meine Schimpftirade übte, verschwand sie einfach. „Oh toll“, murmelte ich kopfschüttelnd und musterte Skyrim, der kurz über die Weide trabte und dann entspannt mit grasen begann. „Springen oder Dressur, hm?“
      Den ersten Tag hatte Skyrim frei und den brauchte ich auch, um einen Trainingsplan aufzustellen. Letztendlich hatte ich mich für die Dressur entschieden, da bei uns der Aufbau eines M-Parcours zu anstrengend gewesen wäre und ich neigte gerade eher zu Faulheit. Die ersten paar Tage longierte ich Skyrim nur und ritt auch einmal mit ihm aus. So konnten wir uns in Ruhe kennenlernen und das folgende Training würde wesentlich entspannter ablaufen.
      Danach ging es aber auch direkt ans Eingemachte und das hieß das Erlernen der M-Lektionen. Der Schritt von L zu M war nicht gerade klein und für viele Pferde eine große Herausforderung. Skyrim hingegen wirkte aber motiviert und schien sehr schnell zu lernen, also würden wir nicht gar so viele Probleme haben.
      Unsere erste Baustelle waren die Verstärkungen und Versammlungen. Diese wurden nun in jeder Gangart gefordert und so begannen wir mit dem versammelten und dem verstärkten Schritt. Zweiteres fiel dem flinken Skyrim wesentlich leichter als Ersteres, aber mit viel Geduld gelang uns auch ein ordentlich versammelter Schritt. Danach galt das Gleiche für den Trab und dann für den Galopp.
      Als man nach einer Woche bei Skyrim deutliche Unterschiede in der Rahmenerweiterung und der Streckung der Carpalgelenke entdeckte, entschied ich, neue Lektionen dazu zu nehmen und unser Programm zu erweitern. Und das waren die Seitengänge: Schulterherein, Travers, Renvers und natürlich Traversalen.
      Vieles erarbeiteten wir erst einmal vom Boden, was für uns beide angenehmer war und Skyrim so wesentlich schneller das Gefühl für die Seitengänge bekam. Vom Sattel aus musste er dann nur noch die Hilfen und die Balance lernen und dann saßen auch schon bald die Seitengänge besser als gedacht und Skyrim machte eine richtig gute Form darin.
      Zur Auflockerung ritten wir zwischendurch auch einmal aus oder wiederholten nur die simpleren L-Lektionen, wie zum Beispiel die einfachen Galoppwechsel, Kurzkehrt und den Außengalopp. Letzteres mochte Skyrim gar nicht, aber man merkte, dass er sich dennoch Mühe gab. Doch leider mussten auch die Schrittpirouetten und fliegenden Galoppwechsel sitzen.
      Alles was langsam war, langweilte Skyrim schnell. Hingegen war er bei den Galoppwechseln Feuer und Flamme und manchmal sogar zu übereifrig. In der letzten Woche gab es dann noch eine große Änderung: die Kandare. Trainiert hatten wir bisher nur auf Trense, weil ich kein Fan war, junge Pferde schon mit Kandare zu reiten. Jetzt, wo die Hilfen und Lektionen aber saßen, konnte man die Umstellung allmählich wagen.
      Und Skyrim machte sich besser als gedacht. Er kam sehr gut mit der Kandare klar und obwohl ich ihn sehr vorsichtig anfasste, reagierte er dennoch problemlos. Testweise ritt am Ende des Monats Elisa den Hengst durch eine M-Kür und auch unter ihr lief er einwandfrei. Mein Job war getan und ich konnte Allycia anrufen, damit sie ihren geliebten Schecken abholen konnte.
      7 Apr. 2015

      Ally Training mit Sky

      Ich hatte mit meiner Hannoveraner und Saddlebred Zucht immer alle Hände voll zu tun. Schon alleine die 7 gekörten und prämierten Rabauken im Zuchtstall machten mir genug Stress; Jetzt kam auch noch die Ausbildung von 7 Fohlen und Jungpferden dazu! Ich hatte tatkräftige Hilfe von meinem Stallburschen, musste aber zugeben, dass ein paar Pferde bei mir wirklich zu kurz kamen. Skyrim wurde zwar ausgebildet und auch vor ein paar Tagen auf einer Körung vorgestellt - die Ergebnisse kamen morgen rein -, aber mein kleiner Liebling war seit Wochen nicht mehr bei mir unterm Sattel. Deswegen entschied ich mich heute für ein kleines Springtraining mit teilweise noch recht unbeholfenen 5-jährigen. Um 11 Uhr, nachdem er schon gemütlich gefressen hatte und ein bisschen mit seinen Freunden spielen durfte, holte ich ihn von der Weide und putzte ihn gründlich, bis seine weißen Flecke endlich wieder strahlten und sein schwarzes Fell ohne braune Stellen war. Dann sattelte ich ihn - für ihn hatte ich extra eine braune mexikanische Trense und einen braunen Springsattel angefertigt. Dazu kam sein weinrotes Zubehör, Schabracken und Gamaschen, und der Martingal, und wir waren fertig. Auf dem Platz waren schon L-Hindernisse aufgebaut, was sehr praktisch war. Ich stieg auf und ritt ihn für eine viertel Stunde warm, lockerte ihn dann mit Schritt-Trab-Übergängen auf und galoppierte schließlich auch ein paar Runden. Nachdem er alles gründlich und sauber machte, sprang ich ein paar kleine Hindernisse mit ihm, um seinen Rücken zu dehnen und zu wölben, ehe ich mich an die größeren wagte. Ich ließ ihn nach jedem Hindernis gründlich abschnauben und machte erst eine halbe Stunde ins Training rein den ersten richtigen Parcour ohne Pause. Er warf eine Stange, blieb sonst aber komplett ruhig und schaffte auch den fliegenden Galoppwechsel bei dem Richtungswechsel perfekt. Es lohnte sich, ein Dressurpferd auch mal unter dem Springsattel zu reiten! Um ungefähr halb 2 waren wir allerdings schon fertig und ich ritt ihn ein paar Runden um den Hof, um ihn trocken zu reiten. Glücklich putzte ich ihn danach noch ein bisschen und kratzte ihm die Hufe aus, ehe er wieder auf die Weide durfte. Er blieb noch ein bisschen bei mir und schmuste, bevor er zu seinen Freunden trabte und graste.
      9 Apr. 2015

      Ally Ein langer Tag

      Das Gestüt lag keinen einzigen Tag still. Immer gab es etwas neues zu tun und jeden Tag stand ich mit einer neuen To-Do-Liste auf. Heute war auch keine Ausnahme: Die Boxen des Privatstalls mussten gemistet und der kleine Fohlenoffenstall ebenfalls abgeäppelt werden. Seufzend rollte ich mich aus dem Bett und machte mich an die Arbeit. Im Privatstall waren es nur zwei Boxen, da Nick schon ein paar gemistet hatte, um 8 Uhr ging es dann rüber zum kleinen Fohlenoffenstall. Um 9 fuhr ich dann zurück auf das Hauptgründstück, wo ich die Boxen der Saddlebreds im Zuchtstall mistete. Skyrim freute sich, mich wieder zu sehen, und ich bereitete im Zuchtstall kurz das Futter vor, schüttete es jedem in den Trog und ging dann in den Privatstall, wo alle auch ihr Futter bekamen. Dann ging es zurück zu den Fohlen - zum Glück war der Weg mit dem Auto sehr kurz - und auch die Jungpferde bekamen ihr Futter. Ich und Nick tauschten die Heuballen bei den beiden Fohlenoffenställen aus und Cadence holte Classic Cinnamon aus seiner Box. Um 11 war Hochbetrieb im Stall und langsam trudelten alle Reiter ein. Badawi wurde aus der Box geholt und longiert, Cadence ritt mit Classic Cinnamon auf dem Dressurplatz und Hayley ließ Bree erst laufen, sattelte sie dann und ritt zusammen mit Cadence auf dem Platz. Janina und Anne kümmerten sich um Bacardi und Nanook, die sich um ein wenig Zuwendung freuten, und ich holte mir Never Be und English Love Affair und ließ sie erst etwas laufen, ehe ich mit beiden eine kurze Runde um den Hof drehte. Wir besuchten ebenfalls das Hauptgrundstück und Never Be fand Gefallen an Bree, die am Putzplatz abgesattelt wurde. Dann ging es wieder zurück in den Offenstall und Siberia wurde etwas beschäftigt. Anne longierte dann Unitato und dann ging es im Zuchtstall auch langsam zu. Silenc Dream und Casablanca gingen auf den Platz, Season's Princess wurde longiert und ich schnappte mir Draugsa und drehte mit ihr draußen eine kleine Runde. Während Yanetha, Fine Frenzy und Laurencio ebenfalls bewegt wurden, holte ich Skyrim aus seiner Box und putzte ihn gründlich, ehe ich auch mit ihm nach draußen ging. Ich drehte allerdings eine etwas größere Runde mit ihm und wir gingen auch kurz am See vorbei. Um 16 Uhr wurde es etwas stiller im Stall und ich stellte alle Pferde auf die Weide.
      Um 22 Uhr wurde es sehr langsam dunkel und ich holte alle Pferde wieder rein. Ein paar der Privatpferde durften in den Offenstall, die meisten blieben allerdings in ihren Boxen. Schnaufend ließ ich mir um 23 Uhr ein Bad ein und um 24 Uhr lag ich schnarchend im Bett.
      25 Mai 2015
    • Occulta
      Silhouetten im Nebel

      Ich befand mich gerade bei meiner neuen, gestreiften Freundin, als Lily wieder angerannt kam. Sie war schon den ganzen Morgen so hibbelig drauf und ich machte mir langsam Sorgen, dass in ihrem Müsli zu viel Zucker drin sein könnte. Thairu liess sich auch ein wenig anstecken und trabte den Kopf verdrehend von mir weg, nur um einige Meter entfernt einen kräftigen Buckler zu machen und danach wieder zu mir zu glotzen. „Komisches Tier“, murmelte ich grinsend, dann sah ich mich nach meiner kleinen Nichte um. Wenigstens hatte sie von dem kleinen Drama mit Golden Sunset nicht viel mitbekommen, das sich vorgestern ereignet hatte. Ich konnte es noch immer kaum ertragen, daran zu denken, wie die kleine Stute geschwitzt und sich gewälzt hatte. Sie hatte eine schwere Kolik bekommen, vermutlich, weil Spaziergänger ihr überreife Früchte gefüttert hatten. Wir hatten sofort den Tierarzt gerufen als Lewis es bemerkt hatte, aber es war auch gegen Abend trotz der ausgezeichneten Betreuung in der Tierklinik nicht besser geworden. Ich hatte daraufhin schweren Herzens mein Einverständnis gegeben, die Palominostute zu erlösen. Noch am selben Abend brachten die Pfleger Schilder an den Weidezäunen an, die das Füttern der Tiere verboten. Lilys Stimme brachte mich zurück in die Gegenwart. „Tante Occu, darf ich heute auf White Dream reiten?“ Ich seufzte erschöpft. Lily hatte die ganze vergangene Woche immer wieder danach gefragt und ich überlegte langsam ernsthaft nachzugeben, alleinschon, damit ich endlich Ruhe hatte. Das Mädchen war nun seit zwei Wochen hier und mindestens einmal am Tag auf dem Pferd gesessen; Trotzdem schien sie nie genug zu haben. „Biiiite“, las ich von ihren runden, dunkelbraunen Augen ab. „Na gut, aber nur in der Halle, und nur nachdem Lisa mit ihr gearbeitet hat.“ Das reichte anscheinend schon völlig, denn ich bekam eine kräftige Umarmung und musste augenblicklich lächeln. So nervig Kinder auch manchmal sein konnten, so waren sie doch immer sehr ehrlich und zeigten einem, was sie fühlten. Nicht so wie manche Erwachsene… Jonas winkte uns von der Halle her zu. „Hey Boss, warst du schon mit Empire draussen?“ „Vergiss es, ich hab mich schon mit Quinn verabredet“, murrte ich zurück, was sogar der Wahrheit entsprach. Er zuckte mit den Schultern und verschwand wieder um die Ecke. „Und was soll ich in dieser Zeit tun?“, fragte Lily erwartungsvoll. „Uhhm, what about… Du hast heute frei, darfst selbst entscheiden.“ Sie nickte fröhlich und lief zu den Mini Weiden. Na wer hätte das gedacht, schmunzelte ich und stand ebenfalls zum Gehen auf. Ich pfiff nach Zira, die durch das nasse Gras angehoppelt kam. Ihr Bauchfell kräuselte sich schon vor Feuchtigkeit und sie hatte dreckige Pfoten, mit denen sie an mir hochstehen wollte. Ich stiess sie etwas unsanft weg und liess sie sitzen, dann lobte ich sie. Ich musste die junge Hündin erst noch erziehen, aber die Grundkommandos klappten schon ganz gut. Auch die anfänglichen Stubenreinheits-Probleme hatten wir bereits überwunden. So konnte ich sie auch ohne Bedenken im Haus lassen, als ich zum Hauptstall ging, um Empire zu putzen. Stromer stand bereits in der Stallgasse angebunden und drehte sich nach mir um, als er das Stalltor knarren hörte. Ich streichelte ihn liebevoll und entdeckte im selben Moment Quinn, die mit der Wurzelbürste seine matschigen Beine bearbeitete. Ich meinte zu ihr, dass das nicht viel bringe und man die Beine auch morgen noch waschen könne, weil er ja sowieso wieder dreckig von der Weide käme. Daraufhin befasste sie sich in erster Linie mit der Sattellage. Ich führte unterdessen Empire aus seiner Box und band ihn ebenfalls an. Der völlig ausgeschimmelte Hengst hatte wiedermal ein paar schöne Mistflecken, die ich am liebsten mit Bleichmittel bearbeitet hätte, aber das wäre wohl keine gute Idee gewesen. Daher beschränkte ich mich auf einen Kuhstriegel und mehrfaches durchbürsten, bis nur noch ein paar hellgelbe Flecken übrig waren. Das Langhaar war ebenfalls verdreckt, aber ich entwirrte es nur etwas und löste die gröbsten Klumpen, den Rest würde ich morgen machen. Dafür kratzte ich die Hufe gründlich aus, damit keinerlei Steinchen mehr darin verklemmt waren. Weil er so schön geduldig dastand und die Beinchen artig hob, bekam Empire ein Karottenstückchen. Natürlich musste ich daraufhin auch Stromer eines geben, der schliesslich auch stillgestanden war. Endlich konnten wir satteln, zäumen und die beiden Hengste nach draussen führen. Ich war gut eingepackt in meine Winterjacke, mit Mütze, Handschuhen und Schal. Auf Empires Fleecedecke hatte ich aber diesmal verzichtet, da wir heute viel galoppieren wollten. Quinn und ich ritten los in Richtung Dorf, bogen dann nach Norden und kamen endlich zu einem Laubwald. Der Nebel als dicke Suppe über der Landschaft und man sah nur ein paar Meter weit. Wir liessen Stromer und Empire auf dem Waldweg lange traben, dann bogen wir auf einen Trampelpfad und jagten durch die Gebüsche bis zum Waldrand. Dort trabten wir wieder kurz, bevor wir zu einem geeigneten Feld kamen und die beiden Blüter erneut ziehen liessen. Es machte unheimlich Spass, durch den dichten Nebel zu preschen. Wir konnten es auch nicht lassen, auch ein kleines Rennen daraus zu machen, wer zuerst am Feldende ankam. Natürlich gewann Quinn mit Stromer überlegen, denn im Gegensatz zu Empire war er noch deutlich leichter. Empire hatte dafür länger Ausdauer, doch solch kurze Feldgalopps konnten die beiden Vollblüter ohnehin nicht erschöpfen. Nach einer halben Stunde im Gelände waren die zwei erst richtig fit und liessen sich kaum mehr zügeln in ihrem Eifer. Aber ich erinnerte Empire jeweils durch halbe Paraden daran, dass ich auch noch da war. Der Hengst versammelte sich schön und machte einen runden Hals, kombiniert mit feinstem Spicktrab. “Oi, I’m not used to this behaviour of yours, you could do that more often. “Though we’re not in a dressage competition right now, ‘kay”, meinte ich lachend. Empire drehte bloss die Ohren zurück um zu hören, ob ich etwas Wichtiges gesagt hatte. Dann stolzierte er weiter. Ich wollte dieses Jahr mit ihm an einem Weihnachts Dressurturnier teilnehmen und war daher glücklich, ihn so toll laufen zu fühlen. Es war, als würden wir über den Feldweg tanzen, mit einem immer gleichbleibenden Takt. Stromer hatte mittlerweile auch kaum mehr Mühe, den Takt zu halten und ausbalanciert zu traben. Das war früher ganz anders gewesen, als er frisch auf Pineforest Stable gewesen war. Die meisten Vollblüter wurden in erster Linie auf Geschwindigkeit getrimmt, Balance und versammeltes Tempo wurden oft unterschätzt, obwohl die meisten Pferde erst dadurch ordentlich Kraft in der Hinterhand entwickelten.

      Wir kehrten nach fast eineinhalb Stunden auf den Hof zurück und sattelten die Pferde ab. Als wir sie versorgt hatten, suchte ich Lily und fand sie noch immer mit einer Bürste bewaffnet bei den Mini-Hengstchen. Sie erzählte mir stolz, dass sie bisher Daki, Alu, Diva, Chip, Papillon und auch noch Tigrotto geputzt hatte. Ich prustete los vor Lachen, als ich die Frisuren bemerkte, die sie Arco mit ihrem Haargummi verpasst hatte. „Das ist nur zum hochstecken, damit ich besser an den Hals rankomme! Lach doch nicht so!“ Ich entschuldigte mich, noch immer Tränen in den Augenwinkeln. Die kleine lachte nun aber selbst auch herzhaft. „Okaaay, es sieht bescheuert aus. Aber es hilft!“ Plötzlich wurde sie leiser und senkte den Blick. „Sunny hatte auch so ne schöne, helle Mähne…“ Ich klopfte ihr tröstend auf die Schulter und fragte, ob ich ihr ein paar schöne Flechtformen zeigen solle, um sie abzulenken. Sie nickte eifrig. Wir nahmen uns gleich Arco als Modellpferdchen. Mein kleiner Schatz hatte kürzlich die Körung bestanden und war als drittplatzierter aus der Gesamtwertung hervorgegangen. Ich war unglaublich stolz, nun einen weiteren hervorragenden Miniature Zuchthengst zu besitzen. Und nächsten Frühling würden auch schon seine ersten Fohlen auf die Welt kommen, was ich bereits frühzeitig geplant hatte. Ich zeigte nun aber Lily erstmal einen Französischen Zopf mit der Mähne des kleinen Charmeurs. Es ging leider nicht ganz so gut, da ich seine Mähne erst kürzlich wieder geschnitten hatte, aber Lily sah trotzdem beeindruckt aus und die Sache mit Sunny war vorerst wieder verdrängt. Wir gingen zu den Stuten und fingen uns Rose ein, denn sie hatte noch ihre volle Haarpracht. Daran durfte Lily nun üben. Sie bekam am Anfang noch leicht ein Durcheinander mit den verschiedenen Strähnen, aber nach einer Weile klappte es ganz gut. Ich zeigte ihr auch noch das Einflechten des Schweifs, dann machten wir uns auf den Weg zum Haus um zu Mittag zu essen.

      Am Nachmittag war Lisa mit Dream in der Halle und Lily drängte mich, mein Versprechen zu halten. Schade, dass sie es nicht vergessen hat, dachte ich augenrollend, doch dann nickte ich und wir sahen Lisa bis sie fertig war zu. Lily klebte förmlich an der Scheibe der kleinen Reiterstube in der Halle. Dream lief durchaus hübsch und artig, aber ich machte mir dennoch Sorgen, ob die kräftige Ponystute das richtige Modell für meine kleine Nichte war. Die kleine schien sich jedenfalls keine Sorgen zu machen. Der von grauen Strähnchen durchzogene Schweif der Forest Stute wehte wie eine Fahne hinter ihr her, als sie über die Kombination sprang. Lisa hatte einen kleinen Parcours aufgebaut, weil sie für das Adventsspringen nächste Woche trainierte. Ich nickte zufrieden, als Dream auch das In-Out und den Oxer überflog. So würden die beiden garantiert gewinnen. Als sie fertig war, winkte uns Lisa zu sich. Offenbar hatte ihr Lily bereits von ihrem Vorhaben erzählt, denn sie stieg ab, als wir näher kamen und übergab dem kleinen Mädchen die Zügel. Lily strahlte wie ein Kleinkind, das gerade einen riesigen Lolli in den Fingern hielt. Sie streichelte die Stute liebevoll, dann half ich ihr in den Sattel. Wenigstens ist Dream kein Riese, dachte ich noch immer skeptisch. „Soll ich dich zuerst führen?“ Ich bekam ein bestimmtes „Nein!“ als Antwort. Lily nahm die Zügel auf und trieb Dream in den Schritt. Die Stute streifte mit ihrem blauen Augen meinen Blick und ich flüsterte kaum hörbar: „Sei lieb.“ Augenblicklich richteten sich die kleinen weissen Öhrchen auf, als hätte sie mich verstanden. Lily ritt zunächst im Schritt eine Runde auf der ganzen Bahn, bis sie sich an den Schritt der Stute gewöhnt hatte, dann machte sie eine Volte und liess Dream dehnen, wie ich es ihr gezeigt hatte. Die Stute begann, den Kopf zu senken und zu schnauben. Es wirkte, als sei sie total entspannt. Als Lily die Zügel wieder aufnahm (wobei sie ein wenig ein Durcheinander bekam), machte Dream sofort einen runden Hals und lief am Zügel. Ich musste schmunzeln, denn die Stute kam normalerweise nicht so freiwillig zurück. Vielleicht, weil Lily nur ein Federgewicht ist und daher wie ein Ausbinder wirkt, überlegte ich mir. Plötzlich trabte die Stute an und ich sah Lily bereits am Boden liegen, aber alles war okay: Dream zockelte brav auf dem äusseren Hufschlag, während sich Lily an ihren Takt anpasste und leichtritt. Nach einer Runde klappte es schon hervorragend. Nun musste selbst ich zugeben, dass die beiden ziemlich harmonisch wirkten. Vielleicht passt es auch einfach, stellte ich lächelnd fest. Lily tastete sich immer mehr an die Stute heran und begann, sie ein wenig anzupacken. Sie ritt ein paar Schlangenlinien und galoppierte am Ende sogar auf der Volte an. Dann musste ich sie aber bremsen und daran erinnern, dass Dream ja schon müde von der vorherigen Stunde war. Lily sah kurz enttäuscht, akzeptierte es dann aber grinsend und liess sich vom Rücken der Stute gleiten. „Das war richtig toll! Sie ist soooo lieb“, berichtete sie vergnügt. Lisa sah mich lächelnd an und meinte: „Ich verstehe wirklich deine Bedenken nicht. Dream war schon immer sehr brav und ausgeglichen.“ „Ja, aber im Parcours und im Gelände gibt sie immer extra Gas“, antwortete ich verteidigend. „Welches Pony schon nicht? Ich bin sicher, dass Paulchen sogar schlimmer war.“ Ich gab mich geschlagen und erlaubte Lily, fortan auch auf Dream Stunden zu nehmen. Wenn ich so darüber nachdachte, kamen mir meine anfänglichen Sorgen wirklich schon fast übervorsichtig vor. Aber ich war nunmal verantwortlich für das Wohl meiner Nichte und hatte mit Rachel genau geplant, welche Pferde sie reiten durfte. Mit einem Schaudern wurde mir klar, dass Rachel von diesem Planwechsel nicht sehr begeistert sein würde. Sie war von Anfang an nicht begeistert von dem Projekt gewesen, hatte aber ihrer Tochter zuliebe zugestimmt. Einerseits verstand ich die sorgenvolle Mutter, denn sie hatte auch selbst immer erfolgreich geritten, bis sie eines Tages einen üblen Unfall gehabt hatte und seither die meisten Pferde mied. Sie hatte sich aber hin und wieder dazu überreden lassen, auf Pineforest Stable auszuhelfen, wenn auch ohne sich selbst auf’s Pferd zu schwingen. Als ihre Tochter begonnen hatte, sich für die Vierbeiner zu interessieren, hatte sie ihr erlaubt, sich mit Shettys und kleinen Ponys abzugeben. Doch Lily reichte das auf Dauer nicht, also hatten wir vereinbart, dass sie einen Monat lang hier bleiben durfte. Rachel wusste, dass ich gut auf ihre Tochter aufpassen würde. Sie vertraute aber auch darauf, dass ich mich an die Spielregeln hielt. Dream ist ja wirklich lieb, da wird sie schon nicht ausflippen…, beruhigte ich mein Gewissen. Lily führte Dream selbstsicher zum Nebenstall und versorgte sie. Die zwei boten einen niedlichen Anblick, weil Lily die Stute immer wieder liebevoll kraulte und Dream genüsslich die Lippe verzog. Danach half mir Lily dabei, Die Stuten rauszubringen. Sie musste sicherstellen, dass der Weg überall mit den Zaunstücken abgegrenzt und das Weidetor offen war. Als sie mir rief, öffnete ich die Boxen der Stuten im Hauptstall und liess sie selber zur Weide laufen. Unterstützend lief ich hinterher und klatschte in die Hände, wenn die Gruppe irgendwo Halt machte.

      Als auch das erledigt war, halfen wir kurz beim Misten und kümmerten uns dann gemeinsam um Herkir. Das wollige Islandtier hatte sich so dermassen eingesaut, dass wir ihn duschen mussten, um ihn je wieder sauber zu bekommen. Da er am Abend noch mit April in der Dressurstunde laufen sollte, hatten Lily und ich uns die Aufgabe gestellt, der beschäftigten Pflegerin vorsorglich unter die Arme zu greifen. Ich machte das Shampoo und die Putzkiste bereit, während Lily dem Hengst das Halfter überstreifte. Danach führten wir ihn gemeinsam zum Innenhof des Hauptstalls, wo wir ihn anbanden. Ich weichte das lange Winterfell erstmal gründlich ein, bevor Lily es mit Shampoo und Wurzelbürste bearbeitete. Leider war Herkir ungeschoren, was die Prozedur nicht gerade erleichterte. Die Mähne und den Schweif mussten wir dreimal neu einweichen und ausspülen, bis sie wieder einigermassen blond waren. Wir badeten ihn übrigens mit warmem Wasser, was für alle Beteiligten angenehmer war. Herkir gefiel das baden trotzdem nicht so wirklich. Um uns zu strafen, schlug er mit dem Schweif hin und her, als wollte er eine Fliege verscheuchen, und spritzte uns so nebenbei nass.

      Am Abend kümmerte ich mich um Caprice. Die feuerrote Stute drehte sich sofort zu mir, als ich ihre Box betrat, denn sie wusste, dass ich immer ein paar Karottenstücke dabei hatte. Beim Putzen war sie dann aber doch wieder zickig und legte die Nüstern in Falten. Vielleicht war das auch einfach ihre Art zu zeigen, dass sie sich wohl fühlte, denn eigentlich fehlte es der Stute an nichts. Seit sie vor einem Jahr hier angekommen war, hatte sie sich prächtig entwickelt. Sie wurde zwar mittlerweile vor allem zur Zucht eingesetzt und nicht mehr zum Rennen, aber dazwischen förderten wir sie im Springen und insbesondere in der Dressur, worin sie ein Naturtalent zu sein schien. In der ganz grossen Liga konnten wir aber natürlich trotzdem nicht mithalten. Ich strich nachdenklich mit der Hand über das Seidige, aber stoppelige Fuchsfell. Wie wohl das diesjährige Fohlen wird? Wir hatten alle grosse Erwartungen in den kommenden Jahrgang, sowohl was den Rennsport, aber auch was die Farbenpracht anging. Ich hoffte, dass ihr Fohlen denselben, wunderschönen Kopf wie die Mutter haben würde. Mit ihren dunkel umrandeten Augen und der eleganten Blesse, kombiniert mit einer edlen Kopfform und feinen Ohren, war die Stute einfach ein Bild von einem Vollblut. Ich longierte sie eine halbe Stunde lang in der Halle und arbeitete dabei besonders an der Stellung und dem lockeren Gang. Die Stute neigte noch immer dazu, ihren eigenen Sturkopf durchsetzen zu wollen und nach aussen zu ziehen. Aber wenigstens lief sie in letzter Zeit schön ruhig auf dem Zirkel. Ausser, wenn es wieder ans Angaloppieren ging; dann folgten, wie auch heute, erstmal ein paar Bocksprünge. Solange sie dabei nicht gegen mich zielte, hatte ich nichts dagegen. Soll sie sich ruhig auspowern, dann läuft sie hinterher schöner. Gerade, als sie richtig schön zu dehnen anfing, hörte ich auf und liess sie austraben. So konnte sie das Training in guter Erinnerung behalten. Ich lobte sie ausgiebig und führte sie zurück zum Hauptstall, um sie zu versorgen. Ich packte sie für die Nacht in ihre warme Stalldecke, da ich nicht das Gefühl hatte, dass sie noch grossartig nachschwitzen würde. Dann ging ich weiter zum Nordstall, wo der Neuankömmling Skyrim auf mich wartete. Ich hatte den gekörten, sechsjährigen Reitponyhengst kürzlich von einer Bekannten erworben und unter meine Fittiche genommen, um ihn weiter zu fördern. Er zeigte Potential für die ganz hohen Klassen, weshalb er in Zukunft auch für die Zucht eingesetzt werden sollte. Der hübsche Hengst bestach ausserdem mit seiner tollen Scheckung und einem makellosen Charakter. Er war erst gestern angekommen, weshalb ich noch sachte mit ihm umging. Lily kam mit Zira, Jacky und Sheela angehüpft, kaum hatte ich Skyrim in der Stallgasse angebunden. „Ahhh, der Hübschling. Ich mag ihn“, meinte sie beiläufig, und streichelte Sky am Hals. „Er hat so einen lieben Gesichtsausdruck.“ Ich lächelte und drückte ihr eine Bürste in die Hand. „Da, wenn dir langweilig ist, kannst du mir gleich helfen.“ „Nur, wenn ich dann auch eine Runde auf ihm reiten darf!“ Ich rollte die Augen. „Nur im Schritt, du darfst mich auch zur Sicherheit führen“, meinte sie unnachgiebig. „Fine. Aber wehe du bürstest nicht sauber!“, scherzte ich. Wir hörten während dem Putzen noch etwas Musik und summten mit. Die Stimmung war hervorragend, auch die Pfleger, die vorbei liefen machten mit. Nur Jonas schien etwas kurz angebunden. Ob er wohl beleidigt ist wegen heute Morgen? Ich führte Sky in die Halle zum Aufsteigen. Eine halbe Stunde lang erprobte ich intensiv, was der Hengst schon alles kannte. Auch ein paar kleine Hindernisse übersprang ich, um zu sehen, wie er sich handeln liess. Ich hatte ihn nicht probegeritten, sondern auf das Urteil der alten Besitzerin vertraut, was ich nicht bereute. Er lief sehr fein und fast konstant am Zügel. Dressurmässig war er etwas weiter als im Springen; er hatte auch eher die Veranlagung für diese Richtung. Am Ende führte ich, wie versprochen, Lily ein paar Runden Schritt (okay, zugegebenermassen nahm ich es mit dem Führen nicht ganz so genau und lief eher einfach nebenher). Dem Mädchen gefielen die weichen Gänge des Ponys. Sie schwärmte später noch den ganzen Abend davon. Auch begann sie sich auszumalen, wie ein Fohlen von ihm und Dream aussehen würde, wozu ich vorerst nur schmunzelte. Denn was Lily nicht wusste war, dass Dream schon längst ein Fohlen von Sky erwartete. Deshalb war sie auch so ‚untrainiert‘, wie Lily gleich zu Beginn bemerkt hatte. Wir genossen den restlichen Abend drinnen bei einer Tasse heissem Kakao und einem Krimi, aber natürlich erst nachdem wir um neun Uhr nochmal nach den Pferden gesehen hatten.
    • Occulta
      Geschäftiger Dienstag - Teil 2

      Eigentlich hatte ich für diesen Monat und damit für den heutigen Nachmittag nur noch Rebel, Echo und Paluche auf dem Plan. Aber ich wollte in der übrigen Zeit die Miniature Horses für ein paar kommende Frühjahrsshows vorbereiten. Dazu gehörte auch, sie zu scheren und gründlich zu waschen. Ich wollte das ganze bei Tageslicht abschliessen, auch deshalb, weil sie so besser trocknen konnten. Also schlenderte ich gegen ein Uhr gemütlich zu den Offenställen. Zuerst waren die Hengste dran. Lewis, der ja einer der Pfleger für die Offenställe war (auch wenn er genauso oft in den anderen Gebäuden des Hofs herumstreunte) half mir bei meinem Unterfangen. Wir fingen Lenny und Arco ein, was gar nicht mal so leicht war, und nahmen auch gleich den Jungspund Caillean mit, damit er nicht ganz alleine warten musste. Zunächst banden wir sie im Innenhof des Hauptstalls an, um sie von ihrem wolligen Winterpelz zu befreien. Arctic Blue war schon Anfangs Winter einmal für eine Show geschoren worden, daher hatte er nicht so viel Pelz wie Caillean und Caresse. Ich mochte es, die kleinen Pferdchen zu scheren – man war so schnell fertig! Zwei oder drei Striche mit dem Akku Scherer und das halbe Pferd war nackig; naja, wenigstens ging’s wirklich zügig voran. Da wir mit dem grauen Hengst schon als Fohlen geübt hatten, liess er die ganze Prozedur geduldig über sich ergehen und hielt auch still, als ich die empfindlichen Ohren bearbeitete. Caillean sah interessiert dabei zu, wie Caresse ebenfalls seinen rötlichen Pelz verlor. Ob er wohl weiss, dass der Hengst sein Vater ist? Ich lächelte amüsiert über den Gedanken und entfernte das letzte überstehende Fellbüschelchen von Arcos Bauch. Nun war er einheitlich mit hellsilbernen Stoppeln überzogen. Die Dapples sah man trotzdem noch ein wenig. Ich trimmte mit der Schere ein wenig den Übergang zu Mähne und Schweif, sodass alles perfekt war. Lewis tat dasselbe mit Lenny. Dann nahmen wir uns gemeinsam Caillean vor. Lewis kraulte das Hengstfohlen, während ich mich mit dem Scherer vorsichtig voran arbeitete. Er trampelte zwar ein wenig herum, aber ich konnte trotzdem alles einigermassen showtauglich präparieren. Wir waren zufrieden mit dem Resultat, also ging’s nun ans waschen. Wir schamponierten das ganze Stoppelfell mit einer Wurzelbürste bewaffnet. Auch das Langhaar und die Schweife wurden eingeschäumt. Beim Shampoo handelte es sich um ein speziell hautverträgliches, das auf Enzymbasis wirkte und so den Schmutz zuverlässig entfernte. Als wir fertig waren, trockneten wir die drei gründlich mit Frottiertüchern vor und packten sie dann in Abschwitzdecken ein, damit sie sich nicht erkälteten. Dann brachten wir die Hengste zurück auf die Weide.
      Als nächstes waren die Stuten dran. Wir konnten sie diesmal in zweiergruppen hochbringen, was das Unterfangen vereinfachte, weil wir nicht noch auf ein drittes Tier achten mussten. Zuerst holten wir Papillon, die kleine Allegra und Mami Daki, dann Lady und Chip, Tigrotto und Alufolie, anschliessend Queeny und Kiwi. Zuletzt waren dann noch Tiki und Rose dran. Miss Allegra wurde natürlich nicht geschoren, dafür war das erst ein paar Wochen alte Fohlen noch viel zu jung. Aber sie konnte gleich zusehen, wie brav ihre Mutter stillhielt und sich an das Geräusch gewöhnen. Daki war schon wieder gut in Form, man sah ihr die Trächtigkeit kaum mehr an. Demnächst wollte ich mit den beiden an ein paar Fohlenschauen teilnehmen, wobei ich mir grosse Hoffnungen machte. Allegra hatte die elegante Bauweise ihres Vaters (er hatte als Fohlen fast genau gleich ausgesehen wie sie) und den neugierigen, frechen Charakter ihrer Mutter. Ausserdem hatte sie eine sehr ansprechende, dunkelsilberne Farbe, die am Bauch in ganz helles Fell überging und den Richtern bestimmt gefallen würde. Um Ladys feuerrotes Fell trauerte ich wohl am meisten, denn die Stoppeln waren nun matt und gräulich. Aber schon in wenigen Tagen würden sie wieder oranger sein, das wusste ich aus Erfahrung. Tiki wollte kaum stillhalten, sodass Lewis sie förmlich in den Arm nehmen musste. Als wir sie zurückbrachten, flitzte sie im Galopp buckelnd in die hinterste Ecke des Offenstalls, kam aber kurz darauf wieder angetrabt, weil ihre Belohnungskarotte lockte.
      Gegen fünf Uhr waren wir mit allen Minis durch, sodass ich mich endlich Rebel widmen konnte. Der Paint Hengst hatte gerade gestern eine Körung bestanden, auf die wir lange hingearbeitet hatten. Entsprechend stolz war ich. Nun stand den ersten Paintfohlen von Pineforest Stable nichts mehr im Weg. Aber das würde noch etwas warten müssen. Ich holte den Hengst aus seiner Box im Nordstall und begann ihn zu putzen. Dazu hörte ich wiedermal Radio. Jonas putzte weiter hinten gerade Skyrim zusammen mit Lily. Die beiden schienen viel Spass miteinander zu haben; das freute mich sehr. Als Lily zu mir kam, um zu fragen, ob sie anstelle von Jonas Skyrim reiten dürfe (dieser habe sein Okay gegeben) nickte ich. Rachel wäre zwar skeptisch gewesen, aber ich hatte in den letzten Wochen gesehen, wie viele Fortschritte Lily gemacht hatte, also hatte ich keine Bedenken, dass sie mit dem umgänglichen Pony klarkommen würde. Als einzige Bedingung nannte ich jedoch, dass Jonas stattdessen mit Majandro mitreiten müsse und ein Auge auf sie haben solle. Ich informierte Lisa später auf dem Weg zur Galoppbahn, dass Mano schon bewegt wurde. Mir Rebel machte ich Trot-Übungen auf dem Galoppweg. Dabei ging es vor allem um die Temporegulierung, die mit feinsten Hilfen möglich sein sollte. So wechselte ich immer wieder von zügigem Arbeitstrab zum langsamen Jog. Dasselbe galt für den Galopp. Rebel durfte selbst bei den langsamen Gangarten nicht auf die Vorhand kippen und musste sich jederzeit im Gleichgewicht befinden. Überprüfen konnte ich seine Haltung mit Galopppirouetten, für die er sehr gesetzt laufen musste. Es lief wiedermal nicht alles ganz so gut, wie ich es gerne gehabt hätte. Zweimal versuchte der Hengst nach vorne zu schiessen und sein eigenes Tempo durchzusetzen, und die Pirouetten klappten auch erst gegen Ende der Trainingseinheit wirklich gut, obwohl er sie eigentlich schon beherrschte. Ich lobte Rebel trotzdem mit einem Apfel, als ich ihn versorgte.
      Als nächstes ging ich zu Echo, mit der ich kürzlich ein neues Projekt angefangen hatte: hunter under saddle. Ich wollte nicht an HUS-Wettbewerben mit ihr teilnehmen, aber ich fand es eine nette Disziplin für sie, da sie ja sowieso ein Mischmasch aus Western und Englisch war. Ich zog auch nicht alle Inhalte des HUS konsequent durch, sondern brachte ihr einfach die Grundlagen bei. Zum Beispiel versammelte ich sie eher auf die englische Art in aufgerichteter Manier, anstatt sie mit waagrechtem Hals voranzuschicken. Den ruhigen, konstanten Gang und die Leichtigkeit der HUS Pferde wollte ich ihr aber sehr wohl antrainieren. Mit dem konstanten Gang klappte es noch nicht so ganz. Ich konnte zwar schöne Übergänge mit der jungen Stute reiten, aber sie hatte noch Mühe mit dem Takt und der Konzentration. Kaum sah sie etwas Ungewöhnliches jenseits der kniehohen Hecke, die das Dressurviereck umgab, verlangsamte sie, oder blieb gar plötzlich stehen. Wenigstens lief sie mit ihrem breiten Kavalleriezaum entspannt und losgelassen. Ich beendete das Training nach einer Dreiviertelstunde und sah geschockt auf die Uhr. „Schon fast acht!“, rief ich aus und führte Echo zügig zur Stutenweide zurück. Ich musste unbedingt noch mit Paluche raus ins Gelände, das hatte ich dem Hengst versprochen. Er hatte vergangene Woche kein einziges Mal raus gedurft, weil es entweder zu stark gestürmt hatte oder er mir zu wild gewesen war. Ich wollte nicht riskieren, dass ich mit dem frisch eingerittenen Pferd kämpfen musste, also passte ich das Training seiner Stimmungslage an. Er kannte noch nicht viel unter dem Sattel, aber die drei Gangarten klappten ganz gut. Als ich den langen Feldweg zum Dorf entlangritt merkte ich deutlich, wie sehr er noch schwankte. Wir ritten eher eine Schlangenlinie, weil er sich an der Gegend fast die Augen ausstarrte. Ich schmunzelte, weil ich ihn nur zu gut verstand. Für einen Jungspund gab es hier draussen ganz schön viel zu entdecken, und ich war froh, dass er eher neugierig und nicht ängstlich reagierte. Nur vor einem Fahrrad erschreckte er sich, weil er es nicht gesehen hatte und der Fahrer plötzlich klingelte um uns, eigentlich nett gemeint, zu warnen. Dies äusserte sich zum Glück nur in einem Vorwärtssprung und einem lauten grunzen. Ich kraulte den Hengst, als er sich wieder beruhigt hatte und setzte meinen Ritt wie zuvor fort. Als ich wieder unter den Tannen hindurch auf das Hofgelände ritt, sah ich Lisa und Thomas mit Shadow und Noir auf dem Viereck. Neugierig, was bei ihnen heute auf dem Programm stand, versorgte ich Paluche rasch und stellte mich dann zum Eingang, um den beiden zuzusehen. Lisa übte den Spin mit Shadow. Sie hatte letztens berichtet, dass die Stute immer noch ab und zu ein durcheinander mit den Beinen bekam und aufgrund dessen nicht ganz taktrein drehte. Ich sah kurz darauf, was sie meinte: Shadow stolperte beim Drehen ab und zu über ihre eigenen Vorderbeine, fing sich aber jeweils geschickt auf, sodass man fast nichts davon bemerkte. Trotzdem musste auch dieser Fehler noch ausgebügelt werden. Und das funktionierte nur durch Training, bei dem die Stute ihre Füsse besser zu kontrollieren lernte. Wie erwartet klappte es auch am Ende dieser Trainingseinheit noch nicht, aber die beiden waren auf gutem Wege. Ich wollte Lisas Ansatz auch nächsten Monat weiterverfolgen, falls ich die Stute dann wieder selbst übernahm. Aber genau hatte ich für den kommenden Monat noch nicht vorausgeplant, der jetzige hatte schliesslich auch erst begonnen. Noir und Thomas übten Seitengänge – jap, in dieser Reihenfolge. Noir glotzte nämlich so ziemlich jede der vier Gebüsch Ecken an und überkreuzte jeweils Bilderbuchmässig, während Thomas erfolglos versuchte, sie geradezurichten. Ich schlug ihm vor, kleine Volten mit konsequenter Innenstellung zu reiten. Ausserdem sollte er Noir mit vielen Seitenwechseln und Übergängen beschäftigen, sodass sie die Ecken vergass. Ich wusste aus eigener Erfahrung, dass das klappte. Die Stute kam mir manchmal vor wie ein Goldfisch, aber das hatte auch seine Vorteile. Immerhin war ziemlich treudoof, wenn alles stimmte und das machte sie zu einem angenehmen Rietpferd. Ich mochte die etwas pummelige Stute, die auch immer gut genährt war, wenn sie nicht gerade ein Fohlen erwartete. Ab nächsten Monat wurde sie nicht mehr geritten, bis das Fohlen da war.
    • Occulta
      Freunschaftliches Wettreiten

      Es war Anfang März. Mittlerweile wurde es täglich etwas wärmer und trockener, sodass die Pferde wieder jeden Tag auf die Weide konnten. Sie genossen dies sichtlich; hatten sie anfangs auch wild gebuckelt und galoppiert, grasten sie nun friedlich in der Nähe des Waldrands und genossen das Frühlingsgras. Allerdings durften sie noch nicht allzu lange draussen bleiben, da das frische Gras in Massen sonst zu Bauchschmerzen geführt hätte. Lily musste wieder in die Schule, was ihr anfangs ganz und gar nicht gepasst hatte. „Warum kannst nicht einfach du mich hier unterrichten? Du hast doch auch studiert und weisst ganz schön viel!“ Ich hatte schmunzelnd geantwortet: „Leider ist das Leben kein Ponyhof; du lernst dort viel, was ich dir nicht beibringen könnte, und ausserdem hätte ich darauf auch gar keine Lust.“ Sie war nun neu in einer Klasse in Birmingham, und nach ein paar Tagen hatte sie auch schon gute Freunde gefunden. Aber im Knüpfen von neuen Bekanntschaften schien das Mädchen sowieso nie Schwierigkeiten zu haben, ganz anders als ich. Natürlich bedeutete die Schule auch, dass sie nun nicht mehr so viel reiten konnte, was sie richtig schlimm fand. Ich tröstete sie jeweils damit, dass sie beinahe jeden Abend Dream und klein Skydive beschäftigen durfte, und regelmässig Dressurstunden auf Skyrim bekam. Ausserdem hatten wir das ‚Projekt Zebra‘ fortgeführt und waren mit Thairu nun so weit, dass man nun auf dem Viereck Slaloms mit ihr reiten konnte, jedenfalls solange sie Lust dazu hatte.
      Wie jeden Morgen half ich heute zuerst den Pflegern beim Füttern. Danach brachten wir die Nebenstallpferde auf die oberste, und die Nordstallpferde auf die unterste der drei grossen Weiden. Die Bäume, die den Strassenrand zierten und die Zufahrt somit zu einer Allee machten, waren erst vor kurzer Zeit gepflanzt worden und daher noch nicht sehr gross, aber sie boten auch eine Art Sichtschutz, damit die Hengste auf der unteren Weide gar nicht erst auf Ideen kamen. Aber das ganze wäre wohl auch sonst kein Problem gewesen, da die Jungs schon immer alle gemeinsam auf der Weide gewesen waren und sich gut kannten. Die Raufereien, die hin und wieder beobachtet werden konnten, waren also rein spielerischer Natur, auch wenn das weibliche Geschlecht in der Nähe war. Nur die Neulinge in der Gruppe, wie im Moment Artemis, hatten jeweils Startschwierigkeiten. Der Schimmel brachte deshalb sofort etwas Distanz zwischen sich und die Gruppe, als wir sie durch das Weidetor lotsten. Ich erkannte, dass Pilot ihm mit Drohgebärden bei jedem Näherkommen klarmachte, dass er ihm noch nicht ganz traute. Pilot war momentan der Chef der Hengstgruppe. Er hielt diese Position nun schon seit einem ganzen Jahr aufrecht und erzog aufmüpfige Junghengste konsequent. Trotzdem war er sehr tolerant und ging nicht jedem kleinsten Fehlverhalten nach. So liess er auch zu, dass zum Beispiel Baccardi und Calico sich ein wildes Spiel lieferten. Als sie ihm dann doch zu nahe kamen, schlug er geschickt in Richtung Baccardi aus, verfehlte ihn vermutlich absichtlich, doch zeigte ihm so, dass er vorsichtiger sein musste. Baccardi akzeptierte die Zurechtweisung und drehte ab, Calico folgte ihm. Die beiden Trabten etwas weiter weg und senkten dann die Köpfe um friedlich nebeneinander zu fressen. Ich fand das Herdenverhalten äusserst interessant und beobachtete meine Pferde oft über längere Zeit. Doch nun musste ich mich zuerst um das Training der Vollblüter kümmern, wobei ich aber heute nicht selber mitmachte. Die beiden Pferde, die ich in diesem Monat in erster Linie zu betreuen hatte (nämlich Stromer und Light), waren gestern an einem Handicap gestartet und hatten heute frei. Das einzige Vollblut, das ich noch bewegen musste, war Frame, aber der war diese Woche schon dreimal nacheinander im Sprinttraining gelaufen und hatte daher am Nachmittag zur Abwechslung Dressur auf dem Programm. Trotzdem musste ich dafür sorgen, dass alles klappte und Oliver beim Beurteilen der Pferde und Jockeys helfen. Optimierung war beim Vollbluttraining alles; wenn wir merkten, dass etwas nicht so lief, wie es das sollte, griffen wir sofort ein. Daher tauschte Oliver auch sofort Charlys Pferd gegen Caligari aus, als er sah, dass dieser mit Sumerian schon beim Aufsteigen nicht zu Rande kam. Charly musste später in Ruhe mit Sumerian etwas Bodenarbeit machen, um sie besser kennenzulernen. Der junge Jockey war noch nicht lange auf Pineforest Stable, und kannte daher noch nicht alle Pferde gleich gut. Seine Schwester blitzte mich schon wieder vom linken Torbogen des Hauptstalls aus an. Ich mochte sie immer noch nicht besonders, weil ich das Gefühl hatte, dass sie mir aus irgendeinem Grund misstraute. Ich gab mir aber keine Mühe, ihre Sympathie zu gewinnen; entweder, sie renkte sich ein und kam mit mir klar, oder sie musste sich am Ende eben einen neuen Job suchen.
      Oliver und ich liefen mit zur Bahn, führten ein Pferd nach dem anderen in die mobile Startmaschine und lösten dann den Start aus. Die Pferde schossen los und bretterten über das saftige, kurzgemähte Frühlingsgras. Oliver und ich stoppten die Zeiten mit vier Uhren. Es wurden zwar an diesem Morgen keine Rekorde aufgestellt, was auch sonst eher selten vorkam, sehr wohl aber persönliche Bestzeiten der Pferde verbessert.

      Gegen Mittag holten wir die Pferde von den Weiden und liessen sie zu ihrem Mittagessen in die Boxen laufen. Bei den meisten klappte das auf Anhieb, nur manche musste man aus einer fremden Box scheuchen und zu ihrer eigenen bringen. Danach wurden die Stallgassen aufgeräumt und gefegt. Ich suchte noch rasch meine Hunde, ehe ich ins Haus ging um selbst auch etwas zu essen. Sie warteten jedoch bereits bei der Haustür. Ich strubbelte Sheela, die schwanzwedelnd auf mich zugekommen war und rief übertrieben hoch „You clever dogs! Yass, so clever!“
      Um ein Uhr durften die Vollblüter raus, wieder auf die drei grossen Weiden verteilt. Die Stuten teilten wir in zwei Gruppen auf, da gewisse Zicken nicht miteinander auskamen. Die Zicke, von der ich sprach, war hellgrau und legte gerade die Ohren gegen Blütenzauber platt. „Kierka, be nice“, rief ich augenrollend. Die Stuten quietschten, dann trabte Iskierka mit Fahnenschweif davon, nur um wenig später eine Runde im Jagdgalopp am Zaun entlang zu drehen. Immerhin – das Gangbild der Stute war einwandfrei und die Sprünge in bester Manier. Sie teilte sich die grosse Weide nur mit Blüte, ihrer Halbschwester Shades of Gray, Painting Shadows und Indiana. Alle anderen waren auf der Weide dahinter. Unten bei den Hengsten war alles in bester Ordnung. Sie grasten friedlich schweifschlagend verstreut über die ganze Weide.
      Als ich gegen fünf Uhr Frame reinholte, um mit ihm zu arbeiten, kreuzte ich betend die Finger, dass er sich nicht eingeschlammt hatte. Ich war erhört worden: der weiss gescheckte Hengst erstrahlte noch immer in gepflegtem Glanz, nur die Beine waren etwas verspritzt. Ich führte ihn von den anderen weg zum Hauptstall, was mit ihm kein Problem war, jedenfalls solange ich ihn führte. Ich wusch rasch die Beine ab und trocknete sie mit dem Handtuch, dann bürstete ich ihn gleich im Innenhof an der wärmenden Sonne durch und sattelte ihn. Ich musste sogar die Jacke ausziehen, so warm wurde mir. Wir schlenderten zum Sandplatz und liefen uns ein. Mit ‚uns‘ meinte ich auch uns beide, denn ich stieg nicht gleich auf, sondern trabte mit ihm an der Hand spielerisch ein paar Volten. Dabei verzichtete ich darauf, den Zügel zu halten, sondern machte einen Knoten rein, damit er nicht über den Hals fiel. Ich lief ab und zu absichtlich langsamer, woraufhin der feinfühlige Hengst auch bremste. Dann wiederum rannte ich über den Platz und er machte sogar einen Freudenbuckler. Damit er nicht zu wild wurde, liess ich ihn gleich anschliessend anhalten und ging im Schritt weiter. Danach legte ich aber mit der eigentlichen Dressurarbeit los und ritt eine gute halbe Stunde lang verschiedenste Lektionen mit ihm.
      Als ich ihn zurück zum Hauptstall führen wollte, bemerkte ich Mark und Charlotte mit ihren Pferden beim Parkplatz. „Hey, hello! What are you two doing here?“, rief ich ihnen winkend zu. Sie schienen erleichtert, mich gefunden zu haben und kamen mir entgegen. „We were riding along the forest, when we spotted what we thought to be Pineforest Stable. Looks like we were right”, stellte er zuletzt zufrieden fest. Panther schnaubte und rieb den Kopf an Marks Schulter, der ihn sanft wegschob. „Well… I will show you around a bit“, schlug ich vor. Die beiden brachten ihre Pferde zum Nebenstall, wo sie sie mit den mitgebrachten Knotenhalftern anbanden. Charlotte bewunderte Frames blaues Auge. „It’s so beautiful“, stellte sie fest, und streichelte die rosa Nase des Hengstes. „I wish Milena had such pretty eyes!“ Ich entgegnete, dass ihre Stute dafür eine tolle, gewellte Mähne hatte. Ich fühlte mich etwas seltsam, als ich die beiden herumführte, weil sie kaum Fragen stellten und auch sonst eher schweigsam waren. Mark interessierte sich sehr für Unbroken Soul of a Rebel, vermutlich weil der schicke Hengst auch ein Westernpferd war. Er fragte nach der Abstammung des Hengstes und seinen bisherigen Erfolgen. Panther und Milena warteten entspannt beim Nebenstall und genossen die Sonne. Irgendwann stiessen Lewis, Rosie und Jonas zu uns. Mark blühte etwas auf und unterhielt sich ausgiebig mit Rosie über die Vorzüge eines Quarter Horse. Lewis unterbrach ihn nach einer Weile, wobei ich eine leichte Gereiztheit in seiner Stimme zu erkennen glaubte: „Mark, according to Lisa, your horse is very fast and strong. Now that I see him, I must say that I’m a bit disappointed. I expected a better shaped stallion.” Ich war etwas sprachlos über die Unverfrorenheit meines Angestellten und wollte gerade den Mund aufmachen, um ihn zurechtzuweisen, als Mark kühl und gefasst antwortete: „Well, I could show you, how fast he is. How about a little race?“ Lewis war genauso stutzig wie ich, liess es sich aber nicht anmerken. “Alright – Boss, could you lend me Dod for a while?“ Nun griff ich definitiv ein. “Lewis, it’s enough! We do not insult our guests, nor do we challenge them in silly races! They obviously came a long way to see us, and their horses must not spend too much energy on stupid cock fights.” Mark entgegnete gelassen: “Panther is fit enough, it should be no problem. Besides, I am really interested in competing against such a strong opponent.” Lewis verengte argwönisch die Augen, Mark lächelte nur. Jonas stiess mich in die Seite und flüsterte: „Lass es sie ausdiskutieren, Dod wurde heute eh noch nicht bewegt. Ich will auch sehen, wer gewinnt!“ Ich verdrehte die Augen, genauso wie Rosie. Als wir uns wenig später auf zu Dods Box machten, während Charlotte und Mark sich um ihre Pferde kümmerten, nahm sie ihn wütend zur Seite. „What the hell were you thinking? He is our guest, and you were really rude! You will have to apologize afterwards!” Lewis antwortete gereizt: “He is a braggart, I will prove that. I saw it right away, that’s why I don’t like him.” Ich schwieg und ordnete meine Gedanken. Es muss noch etwas anderes dahinterstecken… Ob Lewis Mark wohl kennt? Unwahrscheinlich, sonst hätten die beiden anders aufeinander reagiert. Aber was ist es dann? Jedenfalls muss Dod jetzt gewinnen, sonst wird es eine ziemlich peinliche Geschichte für uns… Ich half mit, den Criollo zu putzen und redete ihm gut zu. Der Rappe mit der grossen Blesse schob seinen Kopf unter meinen Arm und liess sich die Ohren kraulen – etwas, was er sonst nur bei völliger Entspannung tat. Es schien, als wollte er sagen: „Du kannst dich auf mich verlassen.“ Plötzlich fiel mir ein, dass es vielleicht nützlich war, wenn wir unbeteiligten ebenfalls Pferde hätten, um die beiden Streithähne zu begleiten. In Rekordzeit bürstete ich Donut. Rosie nahm Baccardi und Jonas Numair, wobei er auf meine Frage hin, ob er nicht noch Stallarbeiten zu erledigen habe, gespielt unschuldig den Kopf schüttelte. Ich seufzte und erlaubte ihm, auch mit zu kommen. Sobald Dod gesattelt war, führten wir ihn nach draussen zu den beiden Gästen. Der Fairness halber trug auch er einen Westernsattel, sodass beide Pferde etwa dasselbe Gewicht zu tragen hatten. Gleichberechtigung war auch der Grund gewesen, warum Lewis keinen Vollblüter ausgewählt hatte, wie er beim Putzen erklärt hatte. Mark streichelte Panther gelassen die Stirn, während er Dod und seinen Reiter betrachtete. „Ready?“, fragte Lewis. Sein Gegenüber nickte, und die beiden ritten voraus in Richtung Galoppwiese. Charlotte, Rosie, Jonas und ich folgten ihnen. Wir reihten uns bei der Imaginären Startlinie auf und Ich gab das Signal zum Start, sobald alle ruhig waren. Die beiden schossen los und waren sofort gleichauf, ein fairer Start also. Wir Beobachter ritten am Waldrand entlang mit, allerdings in gemütlichem Schaukelgalopp. Aus der Ferne beobachtete ich, wie Lewis Dod anfeuerte und der Hengst als Reaktion unwillig mit dem Schweif schlug, dann aber zulegte. Man sah, dass beide alles gaben, denn Dod schien zu verstehen, dass sein Reiter um jeden Preis gewinnen wollte und liess sich davon anstecken. Bei Mark und Panther war es aber nicht anders; die beiden waren ein eingespieltes Team und der Dunkelbraune reagierte unmittelbar auf jedes Zeichen seines Reiters. Dod war da schon etwas sturer und blieb auf seiner bevorzugten Spur, aber der Hengst war auch clever und nutzte seine Kenntnisse über den hiesigen Boden; er kannte die Galoppwiese und ihre Unebenheiten nur zu gut. Eine Weile sah es so aus, als wären die beiden tatsächlich gleichauf, doch dann fiel Panther immer weiter zurück. Der braune Quarterhengst konnte mit der Ausdauer und Geschicklichkeit des ausgezeichnet trainierten und robusten Criollos nicht mithalten; Lewis ritt triumphierend über den schmalen Trampelpfad, der als Ziellinie diente. Mark tätschelte Panther geschlagen den Hals und zwang sich zu einem Lächeln. Jonas klatschte freudig Lewis‘ Hand, doch Rosie schenkte ihm nur einen verachtenden Blick. Ich gratulierte ihm mit gemischten Gefühlen: froh, dass er unsere Ehre verteidigt hatte, aber skeptisch, ob Mark nun nicht zu verärgert war. Zu meiner Erleichterung winkte er ab: „Ahh, next time we win, right Panther? You have a very good horse right there Miss Smith.“ Ich nickte dankbar und führte die Gruppe zurück zum Hof. Lewis musste sich natürlich trotzdem noch bei Mark entschuldigen, konnte aber auf dem ganzen Rückweg ein schelmisches Grinsen kaum verkneifen. Die beiden Gäste blieben noch für eine Tasse Tee, dann machten sie sich langsam auf den Nachhauseweg. Als ich mich zum Nebenstall begab, um Ronja zu holen, bekam ich mit, wie Lewis an Rosie vorbeilief, wobei er fröhlich meinte: „Sloppy shaped Quarter Horses are still not comparable with good trained Criollos.“ Sie ignorierte ihn und lief davon. „Hey, it was only a joke!“, rief er ihr noch nach, aber das nützte auch nichts mehr.
    • Occulta
      Noch mehr bunte…

      Inzwischen wimmelte es nur so vor kleinen, schlaksigen, langohrigen Wesen auf Pineforest Stable, denn auch Queenie und Islah hatten ihren Nachwuchs bekommen. Die beiden Fohlen hiessen Glenns Cookie und Empire of Irony. Es fehlten jetzt nur noch Cassiopeia und Sympathy. Bei Cassy würde es noch mindestens einen Monat dauern, aber Sympathy schien sich ausgerechnet den heutigen Tag ausgesucht zu haben. Ich war darüber nicht sehr erfreut, denn heute fand ein kleines Frühlingsturnier vom Kinderreitclub der Gegend auf meinem Hof statt. Das bedeutete viele Besucher, Lärm und Hektik – alles andere als optimal für ein neugeborenes Fohlen und seine Mutter. Sympathy war schon den ganzen Morgen nervös und drehte sich immer wieder in ihrer Box. Ajith überwachte sie fast rund um die Uhr und auch ich sah immer mal wieder bei ihr vorbei, wenn ich nicht gerade Hindernisse umstellen oder Kindern beim Satteln helfen musste. Die meisten waren mit ihren eigenen Ponys oder Kleinpferden angereist, aber ich bot auch ein paar meiner Stuten zum Reiten an, allerdings nur für Fortgeschrittene. So kam es, dass heute Feline, Moon und Piro mitliefen. Das Mädchen, dem ich Moon anvertraut hatte, war schon oft in Lisas Reitstunde gekommen und hatte eine ruhige, feine Hand. Ich war mir aber trotzdem nicht hundertprozentig sicher, ob sie mit meiner Criollostute klarkommen würde. Jonas hingegen meinte beschwichtigend: „Du hast sie ja gut erzogen, sie wird schon lieb sein.“ Ich konterte: „Von wem reden wir jetzt – Moon oder das Mädchen?“ Wir lachten herzhaft. Lily machte übrigens auch mit, denn sie war, seit sie bei mir lebte, dem Club auch beigetreten, damit sie an den wöchentlichen Abendreitstunden teilnehmen konnte. Sie machte mit Skyrim mit. Ich wollte auch ihr beim Satteln helfen, wurde aber mit den Worten „Bin gross genug und kann das selbst“ zur Seite geschubst. Ich durchschaute meine Nichte augenblicklich: Sie wollte ein wenig vor den anderen Kindern bluffen. Ich schmunzelte und liess sie machen, nur um wenig später, als sie noch rasch aufs Klo ging, den Sattel etwas weiter nach vorne zu korrigieren. Ich gab mir aber zumindest Mühe, dass mich die anderen nicht beobachteten. Sobald Lily aufgestiegen war und zur Halle zum Aufwärmen ging, schlich ich mich wieder zu Ajith Devil in den Hauptstall. „How is she?“ „Nothing has changed, she’s still turning around and seems nervous…“, meinte Ajith besorgt. Ich runzelte die Stirn. Ob ich wohl jetzt schon den Tierarzt rufen soll? Nach langem hin und her entschied ich mich, ihr noch eine Stunde Zeit zu geben. Wenn sich bis dahin nichts verändert hatte, musste definitiv Hilfe her. Ich klopfte Ajith beruhigend auf die Schulter und begab mich zum Dressurviereck, damit ich Lilys Durchgang nicht verpasste. Gerade war noch ein Dunkelfuchs im Parcours, aber Lily und Sky kamen als nächste dran. Die Kinder mussten zuerst ein einfaches Dressurprogramm reiten, bei dem es vor allem um die Exaktheit ging. Danach galt es, einen 60er Parcours zu überwinden. Im Dressurteil patzte Lily bei den Ecken, die sie fast jedes Mal auszureiten vergass. Ich sah ihr auf meine Oberlippe beissend zu und freute mich dafür umso mehr, als Skyrim sie souverän durch den Parcours trug. Das erfahrene Sportpony brauchte nur eine Richtung gewiesen zu bekommen, den Rest erledigte es selbst, jedenfalls bei dieser geringen Höhe. Sky schien auch sichtlich Spass zu haben, denn seien Ohren drehten sich nur rasch nach hinten, wenn Lily ihm ein Signal gab. Ich empfing die beiden beim Schotterweg und nahm Sky gleich den Sattel ab, damit Lily ihn trockenführen konnte. Unterdessen sah ich mir auch die Durchgänge von Moon und Piro an (Feline war leider schon durch), ehe ich wieder zu Devil ging. Tatsächlich schien es Komplikationen zu geben, also telefonierte ich besorgt mit dem Tierärztin und betete, dass alles gut gehen würde.
      Etwas mehr als eine Stunde später war die Tierärztin wieder abgereist und ich kehrte zurück zu Devils Box. Die Blue Roan Stute war noch immer etwas angeschlagen, doch wenigstens hatte man uns Entwarnung gegeben. Auch das knochige Stutfohlen in ihrer Box war völlig fertig; es döste ausgestreckt im Stroh. Ich beschloss, die beiden in Ruhe zu lassen und nach den Kindern mit ihren Ponys zu sehen; Ajith schlich ja auch noch im Hauptstall herum, um ein Auge auf die beiden zu haben. Die Besucher hatten zum Glück nichts mitbekommen und feierten gerade fröhlich die Rangverkündigung. Lily war immerhin auf dem dritten Platz gelandet. Sie kam auf mich zu gehüpft und umarmte mich erstmal, dann fragte sie, wo ich gewesen sei. Ich erklärte rasch, dass Devils Fohlen da sei und sie es sich später ansehen könne, wenn die anderen gegangen waren. Eine Horde Kinder, die das Fohlen beglotzen wollten, war jetzt das Letzte, was Devil brauchte. Sie nickte verständnisvoll und rannte dann davon zu ihren Kolleginnen. Ich wurde als Besitzerin der heute kostenfrei zur Verfügung gestellten Infrastruktur noch rasch vors Publikum gebeten, was ich absolut hasste. Ich versuchte trotzdem freundlich zu lächeln und sympathisch auszusehen.
      Am Abend skypte ich mit Hunter Crowley und berichtete ihm von der Geburt der Tochter seines geliebten Hengstes. Er grinste über den Namen, den ich ausgesucht hatte, um die Kommentatoren bei den zukünftigen Rennen etwas zu ärgern: ‚Subsyndromal Syndromatic Depression‘. Ausserdem erzählte ich ein wenig von Savory Blossoms Fortschritten, die inzwischen bereits das erste Mal auf der Weide gewesen war und ein paar vorsichtige Galoppsprünge gewagt hatte. Danach sah ich nach Lily und den Hunden, ehe ich mich selbst hundemüde ins Bett fallen liess.
    • Occulta
      Ein Tinker für Lily

      Stirnrunzelnd sass ich am Küchentisch und sah mir die Zeitung an. Ein Überfall hier, Probleme im Ausland, ein Brand da… Aber rund um Birmingham war es im Moment zum Glück friedlich. Lily kam die Treppe runtergepoltert und ich nippte demonstrativ an meinem Tee. „Ich auch einen!“, forderte sie sofort. Sie ist so durchschaubar. Ich schmunzelte und fragte nach dem „Zauberwort“. Zugegeben – mein Leben war nochmal ein Tickchen spannender geworden, seit meine Nichte bei mir wohnte. Sie nahm mir das letzte Bisschen der Einsamkeit, die mich seit Jacks Tod zerfressen hatte. Allerdings, und das betonte ich vor meinen Angestellten und Freunden immer, war „Little Miss Adams“ auch ganz schön anstrengend. Rachel hatte sie nicht zu knapp verwöhnt und sie zu einem sehr selbstbewussten Mädchen erzogen. Doch so langsam waren wir auf einer Wellenlänge und hatten immer weniger Meinungsverschiedenheiten. Eine grosse Hilfe war wohl auch, dass Lily auf Pineforest Stable den Ponyhof-Traum eines jeden pferdeverrückten Mädchens lebte und mehr als genug frische Luft bekam. So brauchte ich abends eigentlich nie mit ihr zu diskutieren, wann es denn nun Schlafenszeit sei; sie kroch freiwillig schon um Neun ins Bett. Auch sonst war sie ‚pflegeleicht‘, denn sie war gut in der Schule, hielt ihr Zimmer einigermassen ordentlich (jedenfalls im Vergleich zu mir selbst) und machte sich auch mal selber ein Sandwich, wenn ich keine Zeit hatte. Andererseits musste man sowieso selbstständig sein, wenn man unter meinem Dach überleben wollte – mit gut 80 Pferden, die es zu versorgen galt, hatte ich nicht auch noch Zeit, mich um aufwändige Menschlein zu kümmern. Ich dankte Lily ihre gute Manieren mit Reitstunden und Ausritten in der malerischen Landschaft des Parks; und einem guten Geburtstagsgeschenk, wenn ich denn eines fand. Immerhin feierte Lily in wenigen Tagen ihr erstes Jahrzehnt auf diesem Planeten. Aber was sollte ich ihr schenken? Sie hatte mir noch kaum verraten, was ihre sonstigen Interessen ausser den Equiden waren. Je mehr ich darüber nachdachte, desto peinlicher wurde es mir, dass ich meine Nichte noch immer so schlecht kannte. Ich beschloss an diesem Morgen, im Verlaufe des Tages die Augen und Ohren offenzuhalten, um das perfekte Geschenk zu finden.

      Der Morgen verlief unspektakulär. Lily war in der Schule, also konnte ich sie nicht direkt beobachten. Stattdessen horchte ich während dem Misten die Pfleger aus, um zu erfahren, ob sie vielleicht mehr wussten. „Hmm, every little girl that I know likes dolls“, meinte Lewis. “Seems like you don’t know many”, antwortete ich knapp und verschränkte die Arme. Ich hatte eigentlich nie mit Puppen gespielt, als ich noch klein gewesen war. Viel lieber hatte ich Schlösser aus Legoklötzen gebaut und dann Schlachten nachgestellt, die nicht selten in meiner Fantasie blutig endeten. „Sorry boss, forgot you were an exception.“ Wenn ich so darüber nachdachte, hatte ich auch Lily noch nie mit einer Puppe spielen sehen. Und mit 10 noch eine Puppe geschenkt bekommen? Ich war skeptisch.

      Lisa schlug vor, ihr ein Handy zu schenken. Ich blockte sofort ab und entgegnete „Oi, das wär ja noch so schön – ich will sie doch nicht zu einem dieser frühreifen Tussis erziehen! Sie soll ihre Kindheit ohne Smartphone geniessen können.“ Lisa zuckte mit den Schultern. „Mir hat es auch nicht geschadet.“ „Bist du dir da sicher?“, rief Jonas schelmisch aus Stromers Box und duckte sich im nächsten Moment, um dem Besenstiel auszuweichen, mit dem wütend nach ihm gestochert wurde.

      Ich longierte Sweets, die heute Reitpause hatte, alberte mit Parányi in der Halle rum und ging mit Halluzination ins Gelände. Danach übte ich mit Vychahr Schenkelweichen und ein paar andere Lektionen auf dem Sandviereck. Den krönenden Abschluss des Morgens machte ich mit Islah, der ich ein paar Trail Hindernisse näher brachte. Ihr Stutfohlen schrie sich in der Box zwar im ersten Moment fast die Stimmbänder aus, aber das musste die kleine eben auszuhalten lernen. Ausserdem war Mama schon nach einer halben Stunde zurück. Die Begrüssung war herzzerreissend – es hatte den Anschein, als wären die beiden Jahre getrennt gewesen. Ich wandte mich augenrollend ab und begab mich ins Haus, um Mittagessen zu kochen.

      Lily kam pünktlich ins Haus gestampft, schmiss den Rucksack in eine Ecke und spielte zuallererst eine Runde mit den Hunden, bis das Essen fertig war. So half sie mir am meisten, weil ich nicht mehr dauernd über Jacky stolperte. Es gab einfallslose Bratkartoffeln mit Broccoli und Spiegelei, ausserdem einen Tomaten-Eisbergsalat – Lilys Lieblingssalat. Die Hunde verteilten sich um den Tisch herum, nachdem sie ihr eigenes Futter verschlungen hatten, und beobachteten uns mit puppy-eyes. Doch ich blieb kalt, und auch Lily beachtete den Bettelblick nicht, sondern stocherte fröhlich in ihren Kartoffeln herum. Jacky gab als erste auf. Sie drehte sich um und zockelte zum Sofa, wo sie sich auf der Decke zusammenrollte. Zira blickte ihr hinterher und ich sah es förmlich in ihrem Kopf rattern. Nach ein paar Herzschlägen hüpfte die junge Malinois Hündin übermütig hinterher und stand beim Sofa hoch, setzte sich aber schliesslich doch nur davor auf den Fussboden, weil Jacky sie böse angeblinzelt hatte. Sheela hingegen blieb hartnäckig und wartete hoffnungsvoll, bis wir fertig gegessen hatten. „Typisch Labrador“, murmelte ich. Lily stimmte mir zu. „Man könnte meinen, du liessest sie verhungern.“ „Sag mal Lily, was mögen zehnjährige Mädchen heutzutage denn so?“ „Hmm? Also… In meiner Klasse fahren alle voll auf diese bunten Gummibänder ab, oder diese Zeitschrift – ach, ich hab den Namen vergessen.“ „Bestimmt cool, diese… uhm… Gummibänder, nicht wahr?” „Geht so. Ich verstehe nicht ganz, was so lustig daran sein soll die zu sammeln. Ich sammle lieber meine Tierfiguren, aber auch nur die, die ich ganz besonders schön finde.“ „Und sonst?“ „Fragst du wegen meines Geburtstags?“ Ich zögerte ertappt. „…Jap. Man wird schliesslich nicht jeden Tag zehn. Gibt es etwas, das du dir ganz besonders wünschst?“ Sie überlegte kurz, dann zuckte sie mit den Schultern. „Nö, überrasch mich. Aber es braucht nix Grosses zu sein.“ Ich war überrascht über ihre Bescheidenheit, aber hinterfragte sie nicht.

      Am Nachmittag hatte Lily frei und half im Stall mit. Sie bürstete Skydive, der vermutlich das mit Abstand sauberste Fohlen im Umkreis von 100 Kilometern war, ritt Dream auf dem Sandplatz und half mir dabei, Skyrim und Majandro zu bewegen. Die kleine Familie rund um Skydive schien es ihr wirklich angetan zu haben. Soll ich ihr den kleinen Rabauken schenken? Doch ich verwarf die Idee gleich wieder, denn er gehört ja sowieso schon so ziemlich ihr, das wäre nur noch rein formal… Mit Shira konnte sie sich übrigens dann doch nicht so recht anfreunden. Als ich sie einmal darauf angesprochen hatte, war die Antwort gewesen, dass Shira auch sonst schon genug Aufmerksamkeit bekomme, weil sie so wertvoll sei. Dive hingegen sei einfach nur süss. Ich schmunzelte noch heute über diese Erklärung, aber es war schon etwas dran. Shira hatte eine blühende Zukunft vor sich, wenn man ihre Abstammung in Betracht zog. Es läuft auf einen Konkurrenzkampf zwischen den beiden hinaus, schätzte ich.

      Jonas schlich sich von hinten an und stupste mich in die Seite. „Was ist das? Keinen Respekt mehr vor deinem Boss? Ich glaube ich muss deinen Lohn kürzen“, murrte ich. „Warum denn so grimmig?“ „Weil ich ein Geburtstagsgeschenk brauche, aber keines finde.“ „Aber du hattest doch schon Geburtstag? Also – versteh mich nicht falsch, ich würde dir sofort wieder ein Geschenk besorgen.“ „Warum denn plötzlich so charmant? Mal abgesehen davon, dass du meinen Geburtstag zuerst vergessen hattest. Aber nein, es ist für Lily.“ „Schenk ihr ein Pony.“ „Sie hat doch schon Skydive, der gehört ja so gut wie ihr.“ „So gut wie – aber nicht ganz. Macht aber auch nix; ich meine ein richtiges Pony, das sie schon jetzt reiten kann, das ganz allein ihr gehört und mit dem sie die anderen Mädchen eifersüchtig machen kann.“ Er zwinkerte schelmisch, dann verschwand er ohne ein weiteres Wort im Nordstall. Ein Pony? Ich könnte ihr Majandro geben… Aber nein, der ist zu jung und wild. Der muss zuerst sicherer werden. Donut, Sky und Baccardi sind meine Zuchthengste, die zudem im hohen Sport laufen; die kann ich ihr auch nicht überlassen. Isis sind zu jung, Sweets und Bluebell ebenfalls, Dream ist und bleibt mein eigenes Pony, da bin ich egoistisch. Stirnrunzelnd und in Gedanken vertieft schlenderte ich den Schotterweg entlang. Mit einem Seufzer holte ich mich schliesslich selbst zurück in die Gegenwart. Es muss etwas anderes geben, und ich finde etwas gutes für dich – versprochen. Ich nutzte die Nähe zum Nebenstall und warf einen Blick in die Boxen, um zu kontrollieren, ob die Pfleger sauber gearbeitet hatten. Zufrieden begab ich mich danach zum Offenstall der Stuten. Adrenaline stand beim Zaun und musterte mich, als ich auf sie zukam. Sie schnüffelte an meiner Hand und folgte mir zum Offenstallgebäude, als ich die Weide betrat. Die braune Criollostute sah noch recht mitgenommen aus, doch so langsam setzte sie wieder Pfunde an. Das Team von Royal Peerage hatte gute Vorarbeit geleistet, doch es dauerte nun mal seine Zeit, bis sich ein Pferd von den Strapazen der Vernachlässigung erholt hatte. Ich fand, dass die Stute mit jedem Tag hübscher und wacher wurde. Im Moment machten wir vorsichtigen Muskelaufbau mit ihr; richtig lange reiten wollte ich sie in ihrer Verfassung noch nicht.

      Gegen Abend gönnte ich mir eine Pause und las in der Hängematte vor dem Haus die Zeitung vom Morgen zu Ende. Eine kühle Brise liess meine Haare aufstehen, sodass ich mir schon nach kurzer Zeit einen kuscheligen Pullover aus dem Haus holte. Aus reiner Neugierde blätterte ich die Anzeigen durch und entdeckte tatsächlich eine äusserst interessante Notiz. Hunter hatte offenbar einen schicken Tinker zu verkaufen, den er auf einem Markt in Irland aufgegabelt hatte. Ich las den Text bestimmt dreimal durch, bevor ich mich dafür entscheiden konnte, anzurufen. Schnell war klar, dass „Areion“ ein umgänglicher, geduldiger und verlässlicher Genosse war. Am Ende war es aber wohl doch besonders seine bestechende Erscheinung, die mich überzeugte. Wenn Lily ihn nicht will, behalt ich ihn glatt selber, schmunzelte ich verschwörerisch. „Was grinst du so?“ Ich zuckte zusammen. Ich hatte gar nicht bemerkt wie Lily auf mich zugekommen war. „Ach nichts“, log ich, denn ich wollte sie überraschen. Warte nur, das Geschenk das du kriegst ist tausendmal cooler als Gummibänder oder Zeitschriften
    • Occulta
      Hengstparade

      Heute war mal wieder viel los auf Pineforest Stable. Wir waren am Nachmittag zu einem Züchtertreffen in London eingeladen, bei dem wir auch ein paar unserer Hengste vorstellen durften. Dazu mussten die Jungs aber erstmal schick gemacht werden. Ich hatte vergangene Nacht erfolgreich gebetet, dass es keinen Regen geben würde, sodass wir die Gruppe am Morgen ohne Bedenken – und ohne Schlammmonster zu züchten - auf die Weide stellen konnten. Wir holten die ganze Bande also kurz vor Mittag wieder rein und begannen mit dem Putzen der ausgewählten Vertreter unseres Gestüts. Ich kümmerte mich darum, den Staub aus Donuts eigentlich schwarzem Fell zu bekommen. Jonas übernahm Baccardi und Skyrim wurde von Lisa umsorgt. Ausserdem waren Darren und David beauftragt Vychahr und Diarado herauszuputzen. Zu guter Letzt waren noch Sorrow und Dod, um die wir uns zuletzt alle gemeinsam kümmerten. Ich glaube Sorrow gefiel es, von so vielen Leuten umsorgt zu werden. Dod hingegen wirkte etwas ‚grumpy‘. Wir sprühten das Langhaar ein und kämmten alle Knoten vorsichtig raus, ohne die Haare auszuzupfen. Auch beim Fell wurde mit etwas Glanzspray und Lammfellhandschuhen nachgeholfen. Ich putzte Donuts Kopf besonders sorgfältig. Wir stutzten noch den Fesselbehang wo nötig und flochten bei Donut, Diarado und Vychahr die Mähnen. Dann zogen wir allen die frisch gefetteten Lederhalfter an und führten sie in Transportgamaschen zum Camion. Mittagessen gab es für die Pfleger und mich unterwegs; dazu stoppten wir kurz bei einem Asian-Take-Away. Ich mochte zwar Fastfood normalerweise nicht, aber die Gemüsenudeln die ich bekam waren gar nicht so schlecht wie erwartet. Die Pferde nibbelten unterdessen relaxt an ihren Heunetzen. In London angekommen, sahen wir uns zunächst etwas auf dem Veranstaltungsplatz um. Ich traf einige bekannte Züchter und plapperte ein wenig, war aber froh, als wir uns so langsam Richtung Camion zurückbegeben konnten, um die Pferde zu holen. Wie auch manch andere Züchter stellten wir unsere sieben Hengste kurz vor und zeigten sie im Freispringen und Vortraben dem Publikum. Alles in allem war der Nachmittag ein voller Erfolg und bescherte uns ein paar neue zukünftige Interessenten.

      Wieder zuhause ging dann alles seinen gewohnten Gang: Misten, füttern, Pferde bewegen. Ich verblieb gleich bei den Hengsten im Nordstall und kümmerte mich als nächstes um Circus Dancer. Mein eifriger Barockschüler zeigte nun Ansätze zu einer sehr korrekten Passage und lief unter dem Sattel im Allgemeinen wie ein Uhrwerk. Heute waren Galopppirouetten an der Reihe, die ich nun schon seit zwei Wochen immer wieder etwas einbaute. Ich schrubbte die Mistflecken so gut es ging aus dem weissen Fell und kämmte die lange, gewellte Mähne, bis sie wieder ordentlich auf einer Seite des Halses lag. Dann erlas ich den Schweif und kratzte die Hufe aus. Nun holte ich den Sattel und legte ihn vorne auf den Widerrist, um ihn anschliessend etwas nach hinten zu ziehen, damit das Fell unter der Schabracke schön glatt war. Ich zog den Gurt an, wobei Bubi etwas mit dem Vorderbein scharrte („Ist schon gut Bubi, ich zieh noch nicht fest an.“) und zäumte das Pippi-Langstrumpf-Pferd, dem die Punkte fehlten. Jonas huschte unter der Anbindekette durch zurück zu Calico. „Viereck?“, rief ich ihm zu. „Jap, Trail.“ Ich überlegte, dass ich Bubi eigentlich auch eine kleine Abwechslung bieten könnte, wo Jonas doch bestimmt schon einen spannenden Stangenparcours vorbereitet hatte. Ich teilte dem Pfleger meinen Gedankengang mit und er grinste, als hätte er es bereits im Voraus geahnt. Just in diesem Moment klingelte mein Handy. Ich nahm ab und erkannte erstaunt Verena O’Connors Stimme. Sie erklärte, dass sie bald umziehen werde und daher eine Vielzahl ihrer Pferde loswerden müsse, da das ganze sonst zu einem finanziell unmöglichen Unterfangen ausarten würde. Mein Herz machte bereits einen Hüpfer und ich fiel ihr ins Wort. „Du möchtest Lovely Summertime verkaufen?“ Am anderen Ende der Leitung wurde es kurz still, dann kam ein trauriges „Ja“. Es war witzig, da ich gerade am Vortag noch an die Stute gedacht hatte, weil ja Flint vor einer Weile ebenfalls nach Pineforest zurückgekehrt war. Somit würde mein ursprüngliches Westerntrio tatsächlich wieder komplett werden. Wir verhandelten kurz über den Preis, wobei ich feststellen musste, dass Summer durch das viele Training ganz schön an Wert zugelegt hatte. Sogar gekrönt war mittlerweile! Umso mehr freute ich mich darauf, die fein ausgebildete Stute zu reiten. Jonas hörte die ganze Zeit über still mit und meinte, sobald ich aufgelegt hatte: „Ich hab mich schon gefragt, wann du Summer auch zurückholst. Echt toll, dass die drei wieder zusammenkommen!“ „Ich hatte gar nie damit gerechnet, dass sie nochmal hierher zurückkehren werden – aber offenbar soll es einfach so sein“, antwortete ich glücklich.

      Nach dieser guten Nachricht wärmten wir motiviert Calico und Bubi auf. Anschliessend ritten wir durch den Stangenparcours, wobei es zum Teil rückwärts durch enge Labyrinthe und seitwärts den Stangen entlang ging – beides hervorragende Übungen für ein Dressurpferd wie Bubi. Das gerade Rückwärtsrichten und die Seitwärtsgänge waren bisher nicht gerade seine Stärken gewesen. Calico hatte noch deutlich mehr Mühe mit den Aufgaben, obwohl er das eigentliche Westernpferd auf Platz war. Aber mit seinen zarten vier Jahren war er auch noch nicht hundertprozentig ausbalanciert und konnte sich nicht allzu lange konzentrieren. Wir beendeten das Training daher gemeinsam nach einer intensiven halben Stunde; aufgrund der Nachmittagshitze wollte ich Bubi (und mir selbst) ebenfalls nicht mehr zumuten.

      Ljóski und Herkir hatten morgen beide ein wichtiges Turnier, wobei Loki in einer Fünfgangprüfung startete und Herkir in einem Passrennen. Wir hatten mit Herkir in letzter Zeit viel dafür trainiert, da ihm der Pass zunächst schwergefallen war. Aber seine grosse Liebe für die Geschwindigkeit hielt ihn motiviert, denn er entdeckte schnell, dass er in dieser Gangart „die Sau rauslassen“ durfte. Die beiden wurden wegen des anstehenden Turniers heute nur kurz auf der Ovalbahn vorbereitet, ohne sie grossartig zum Schwitzen zu bringen.

      Burggraf, Artemis, Numair und Anubis durften mit Jonas, Elliot, Jason und Anne ins Gelände auf ein paar ausgiebige Galopps. Ich wäre zu gerne mitgegangen, aber ich musste mit Empire heute mal wieder etwas Dressurarbeit machen. Ich konnte dem Ex-Rennpferd nicht dauernd freigeben und wie die letzten drei Tage ausreiten gehen; etwas Gymnastik musste doch noch sein. Immerhin war ich nicht alleine auf dem Platz: Alan longierte den Jungspund Caruso über ein paar Stangen und Linda ritt Cantastor. Caruso wollten wir jetzt schon ein wenig an die Ausrüstung gewöhnen und dann sobald er dreijährig war schonend einreiten. Er erinnerte mich daran, wie schnell die Zeit verging – es kam mir so vor, als wäre er erst letzte Woche ausgezogen, dabei waren schon zwei Jahre vergangen. Ich hatte ihn so früh von den anderen Jungpferden getrennt, weil er sich nicht mehr richtig in die Herde hatte einleben können. Ich wollte aber weiterhin versuchen, ihn bis dreijährig wieder mit den Fohlen auf die Weide zu bringen.

      Eigentlich wollte ich heute Fajirs Freispring-Künste testen, aber Quinn und Parker hatten ihn und Muskat auf einen langen Abendausritt entführt, und so musste ich meinen Plan vertagen. Selber schuld, wenn du verpennst deine Mitarbeiter zu informieren, stellte ich fest. Ich seufzte und machte einen raschen Stallrundgang, um zu sehen ob nach dem Misten noch alle Pferde genug Stroh in ihrer Box hatten. Die Pfleger hatten ihren Job gewissenhaft erledigt, denn ich fand keinen Makel. Zufrieden verzog och mich in mein Arbeitszimmer und erledigte etwas Papierkram: Nennungen für kommende Turniere und Rennen, Deckanfragen, Finanzielles und die Einfuhrbewilligung von Summertime. Ich musste ziemlich viel herumtelefonieren, bis der Transport geregelt war, aber das war ich mir mittlerweile gewohnt. Schliesslich zog die Stute aus dem sonnigen Kanada hierher, was nicht gerade ein Katzensprung war. Ich überprüfte, als ich mit dem Rest fertig war, gleich noch die Eintragungen über die Turniersiege meiner Pferde. Ein Lächeln huschte über mein Gesicht, als ich nochmal Parányis bisher kurze, aber deftige Erfolgsliste sah. Zweimal hatten wir an einem Springturnier teilgenommen, und beide Male hatte die Jungstute gewonnen! Klar, es war noch nicht allzu hoch gewesen, bloss bis 80 Zentimeter, aber ihre gute Abstammung kam ganz klar zum Vorschein. Auch Calico hatte letztens einen Durchbruch geschafft: der Vierjährige war bisher, egal in welchem Turnier er gestartet war, immer höchstens auf dem dritten Platz gelandet. Aber dieses Wochenende hatte er sich zum ersten Mal auf den zweiten Platz kämpfen können, und das in einem komplizierten Trail Parcours. Er nimmt’s eben gemütlich mit den Erfolgen, dachte ich schmunzelnd. Zum Schmunzeln brachte mich diese Tage auch Adrenaline. Die Stute wurde nicht nur immer hübscher, seit sie wieder anständige Muskeln und genug Futter hatte, sondern auch immer besser. Angefangen mit einem dritten Platz im Synchronspringen hatte sie es in kürzester Zeit noch in einem Amateur-Distanzturnier und erneut im Springen aufs Treppchen geschafft, und als Tüpfelchen auf dem i auch noch ein Barrel-Race gewonnen. Die letzten paar Erfolge hatte sie unter der hervorragenden Betreuung von Petyr Holmqvist geholt, der sie im Moment immer wieder etwas betreute, wenn er gerade in England war. Ebenfalls erwähnenswert war Satine, die kurz nach unserem intensiven Militarytraining in einer Distanzprüfung knapp den Sieg verpasst hatte. Das Turnier war ähnlich aufgebaut wie eine Jagd gewesen, und der Stute hatte es grossen Spass bereitet – jedenfalls ihrem Tempo nach zu urteilen.

      Ich streckte mich und stand auf, um wieder zu den Pferden zu gehen. Es war noch lange nicht neun Uhr und es gab noch einiges zu tun, wie immer auf solch einem grossen Gestüt wie Pineforest es war.
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    Gnadenweide
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    9 Dez. 2015
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  • ~Himmelsrand~

    Offizieller HG

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    Vom: Day by Day

    Vom: Dan

    Vom: Dancer of the Dark
    Aus der: Crystal dream Lady


    Aus der: Zauberhaft


    Vom: Kronjuwel

    Vom: Kronprinz
    Aus der: Zara

    Aus der: Zauberfee

    Vom: Dark Eye
    Aus der: Zauberseele


    Aus der: Ocean Water


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    Rufname: Sky
    Geburtstag:
    unbekannt
    Alter: 7 Jahre
    Stockmaß: 1.43 m
    Rasse: Deutsches Reitpony
    Geschlecht: Wallach
    Fellfarbe: Rappschecke (black tovero)
    (Ee,aa,Toto,Oo)

    Abzeichen: Hochweiss gestifelt vl, halbweisse Fessel hr
    Gesundheit: sehr gut


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    Neugierig, verschmitzt, kinderlieb


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    Neugierig, verschmitzt und absolut kinderlieb - so präsentiert sich Skyrim stets aufs Neue. Liebend gern schmust der junge Hengst mit der frischeren Generation, behandelt Kleinkinder stets, als wären sie aus Porzellan und nimmt Rücksicht auf alles und jeden in seiner Umgebung. Ihm würde es niemals einfallen, sein Umfeld zu belästigen oder gar nach einem Menschen in seiner Nähe zu schnappen. Skyrim hat bisher eine wunderbare Ausbildung genießen können und dank seines vorbildlichen Charakters wäre er auch als Kinderpony einsetzbar. Verziehen wird schnell, allerdings nur bei solchen, die es nicht besser wissen - absichtlich würde das Jungpferd sich niemals schlecht behandeln lassen. Ausfallend wird Skyrim nie, doch er weiß genau, wie er mit so etwas umzugehen hat und droht demjenigen, der ihn falsch behandelt, indem er einem das Hinterteil zuwendet, mit dem Hinterbein zuckt und die Ohren beinahe bis an den Hals anlegt. Auch mit den Zähnen kann gefletscht werden; und seien wir mal ehrlich: Ein wenig angsteinflößend sieht dann sogar dieses ach so harmlose Pferd aus.Es bedarf nicht viel Zeit, bis man in dem neugierigen Pony einen guten Freund gefunden hat, der mit einem die unbekannte Welt erkundet - denn Skyrim findet immer etwas Neues, und mit Skyrim lässt sich immer viel Neues entdecken.


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    Besitzer: Occulta
    Ersteller: Maleen, grossgemalt by Occu
    VKR: Occulta
    Verkäuflich: Nein


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    Gekört: Ja
    Nachkommen: Sayidah,
    Flightless Bird, PFS' Shadows of the Past, PFS' Skydive
    Decktaxe:
    130J​


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    Galopprennen Klasse: A
    Western Klasse: E
    Spring Klasse: M
    Military Klasse: E
    Dressur Klasse: L
    Distanz Klasse: E

    Eignung: Dressur, Springen
    Eingeritten: Ja



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    [HK 469]
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    1. Platz 74. Synchronspringen
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    2. Platz 78. Synchronspringen
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    3. Platz 288. Galopprennen
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    Hat bei den 43. Reiterspielen teilgenommen


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    Skyrim's Spind