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Occulta

• Shades of Gray, EVB ♀

Stute | Schimmel

• Shades of Gray, EVB ♀
Occulta, 13 Juni 2013
Rinnaja und Cooper gefällt das.
    • Occulta
      Vollblütertraining und so weiter

      Wie versprochen machte ich mich nach dem Spaziergang mit den Minis noch auf zum Hauptstall, wo ich Sunday putzte und sattelte. Stromer, Felicita, Light, Crack und Paint waren am Morgen schon bewegt worden, blieben also nur noch Spot, Kierka, Pina und Sunday eben. Ausserdem sollte um sieben Uhr noch eine neue Stute ankommen: Shades of Gray. Ich hatte die Süsse von einem Kollegen in Süd England abgekauft. Die Zweijährige war noch nicht eingeritten worden. Doch nun erstmal zurück zu Sunday, den ich nach dem Putzen zur Bahn ritt. Es war schon deutlich kühler geworden und die Sonne stand nicht mehr ganz so hoch. Auf der Grasbahn liess ich ihn locker eintraben, darauf folgte ein kleiner Galopp. Dann trabte ich ihn bis zum 500-Meter Pfosten und machte dort einen fliegenden Start. Er ging gut, galoppierte sauber im Takt. Bei der 1000-Meter Markierung liess ich ihn noch einmal zulegen bis zur 1200er Markierung, danach liess ich ihn auslaufen. Ich lobte ihn und wendete auf der Bahn. Nun wiederholte ich das Ganze auf dieser Seite. Diesmal machten wir eine ganze Runde auf der 1500 Meter langen Bahn. Er blieb bis zum Ende fit, also hängte ich nach einer halben Trabrunde einen kleinen Lockerungsgalopp an. Danach liess ich ihn austraben. Er streckte trotz der Anstrengung schön den Kopf nach unten und lief schwungvoll vorwärts, ein Zeichen dass er mittlerweile gute Kondition hatte. Ich lobte ihn ausgiebig, dann verliess ich im Schritt die Bahn und ritt zur Galoppbahn, um ihn dort noch eine Weile Schritt zu reiten.
      Zurück beim Hauptstall sattelte ich Sunday ab und wusch ihn. Er hatte stark geschwitzt wegen der Wärme und der hohen Luftfeuchtigkeit. Ich nutzte die Gelegenheit, um ihn ganz abzuduschen. Dazu rieb ich ihn ordentlich mit Shampoo ein und spülte dieses danach gründlich aus. Zum Trocknen liess ich ihn ein wenig an der Hand grasen. Er war recht schnell trocken, also verräumte ich ihn wieder in die Box und lief danach zum Parkplatz, wo mein Mann schon wartete. Gleich würde die neue Stute kommen. Wenige Minuten später fuhr der Anhänger auf den Hof und die graue Zweijährige wurde herausgeführt. Ich nahm sie entgegen, während mein Mann sie sich genau ansah. Sie schien top fit und bereit zum einreiten. Zufrieden führte ich sie in ihre neue Box neben Crack. Mein Mann fuhr daraufhin los um eine weitere neue Stute zu holen: Islah. Auch sie kam gut an, die beiden neuen schienen sich jedenfalls auf Anhieb wohl zu fühlen in der grossen Box. In der Zwischenzeit hatten Quinn, Oliver und Lily Pina, Kierka und Spot bewegt. Nun waren also alle müde und zufrieden, Zeit dass auch die Menschen eine Pause bekamen. Zum Abschluss des Tages sassen wir also alle noch draussen vor dem Haus und assen eine Schüssel Fruchtsalat.
    • Occulta
      Ein kleiner Spätsommerausflug

      Es war ein kühler Morgen, aber die ersten Sonnenstrahlen tauchten bereits hinter den Pinien in der Ferne auf. Ich war gerade auf dem Weg zum Parkplatz, um dort das Transportfahrzeug, ein Miet-Camion, für den Ausflug bereitzumachen: wir hatten vor, nach Waterloo (in der Nähe von Liverpool) an den Strand zu fahren und dort baden zu gehen. Ich brachte ein paar Bürsten und Heu, sowie Zaumzeuge verschiedener Art in die kleine Seitenkammer für das Zubehör. Wir konnten maximal 6 Pferde mitnehmen, waren uns aber noch nicht ganz einig welche. Als ich die Ausrüstung vorbereitet hatte, lief ich zum Nebenstall, wo sich Quinn, Lewis, Jonas, Lisa und mein Mann bereits versammelt hatten. „So, habt ihr euch schon entschieden, wen ihr mitnehmt?“ Die meisten nickten, nur Lisa schien unentschlossen. Mein Mann erklärte kurz: „Quinn nimmt Summer, Lewis möchte gerne Islah, Jonas schnappt sich Blüte. Lisa kann sich nicht entscheiden zwischen Peace und Dream…“ „Lisa, nimm doch Dream, mit der verstehst du dich sicher gut und sie ist nicht so gross, du bist dir ja eher kleine Pferde gewöhnt.“, schlug ich vor. Sie nickte zustimmend. „Und wen nimmst du Jack?“, fragte ich meinen Mann. „Shadow, die mag Wasser ja so gerne und dann fühlt sich Summer auch wohler.“ Die Westernpferde wurden meistens zusammen trainiert und waren zusammen deutlich ruhiger. „Gut, dann nehme ich Gray.“ Sagte ich, anschliessend holten wir die Pferde. Summer war etwas irritiert durch die Transportgamaschen, sie war noch nicht oft gereist. Islah machte wiedermal ihren Trippelschritt, denn auf dem Weg zum Parkplatz stiess Lewis ausversehen einen Eimer an, der laut scheppernd vor dem Nebenstall umfiel. Da die Stute sehr Lärmempfindlich war, hatte er seine liebe Mühe sie zu halten. Er fluchte gut hörbar, beruhigte sich aber schnell und lief zielgerichtet weiter. Islah tänzelte zwar noch etwas, aber liess sich führen. Blütenzauber und die restlichen liefen schön brav mit. Wir fuhren los, als alle eingestiegen waren. Jack kannte die Route, weshalb wir kein Navi brauchten. Die Fahrt war schnell vorbei, und Waterloo kam in Sicht. Wir hatten unterwegs gefrühstückt, die Pferde genossen ihr Heu. Wir parkierten auf einem kleinen Parkplatz in der Nähe des Strandes und luden alle aus. Summer war etwas aufgeregt, sie blähte die Nüstern und hatte die Augen weit aufgerissen als sie rückwärts raus lief. Aber das hatte ich schon erwartet, denn die Stute mochte fremde Gegenden nicht wirklich. Sobald Shadow ganz relaxt ausgestiegen war, beruhigte sie sich aber doch ein wenig. Wir hörten ein paar Möwen schreien, und die Luft war feucht und salzig. Ich cremte mich kurz ein; als Rothaarige verbrannte man sich nunmal schnell. Auch Lewis musste aufpassen, seine Haare waren ja noch feuriger. Ich zäumte Gray mit einem einfachen Mexikanischen Zaum, zog das T-Shirt und die kurzen Hosen aus, denn ich hatte wie die anderen die Badekleider schon darunter an, und führte sie ein wenig abseits zu einem Grasstreifen, damit sie noch ein wenig fressen konnte, bis die anderen fertig waren. Es dauerte aber nicht lange, und schon machten wir uns auf den Weg zum Wasser. Die Sonne brannte schon jetzt auf meine Schultern. Vor mir lief Quinn barfuss und genoss den warmen Sand. Ich hatte noch meine Sandalen an, die ich später ausziehen wollte. Vorne beim Wasser half ich Quinn beim Aufsteigen und schwang mich dann selber auf den blanken Rücken von Gray. Fast wäre ich wieder heruntergerutscht, aber ich klammerte mich an der Mähe fest und schaffte es, mich hochzuziehen. Ich strich mir die von der feuchten Luft gekräuselten Haare aus dem Gesicht und tätschelte Grays Hals. Noch bevor alle oben waren, trabte Islah plötzlich an und wollte Richtung Parkplatz flüchten. Offensichtlich mochte sie das laute Rauschen der Wellen nicht. Auch Summer begann etwas zu tänzeln, aber Quinn hatte auf ihrem breiten Rücken guten Halt und nahm sie ihn einen kleinen Kreis, um sie zum Stehen zu bringen. Schliesslich schaffte es auch Jonas, sich auf Blütes Rücken zu schwingen. „Antraben?“, fragte Jack hoffnungsvoll. Ich blickte zu Lewis, der immer noch Islah in schach hielt. „Schon okay, ich bin froh, wenn ich die Zicke müde machen kann.“, rief er mir zu. Ich nickte und folgte Jonas im Trab, der vorausritt. Neben mir holte Quinn auf und sah fröhlich umher. Unter mir spannte sich Gray, sie war wie ein kleines Gummibällchen, schön locker und im Spicktrab hüpfte sie durch den Sand. Ich fühlte jede Bewegung der kräftigen Muskeln, die schön rhythmisch angespannt wurden. Islah lief zügig vorwärts, aber Lewis hielt die Araber-Pinto Stute schön zurück. Dennoch trug sie den Schweif aufgeregt hoch. Als Jonas Blüte angaloppierte, schoss Islah plötzlich buckelnd nach vorne und Lewis klammerte sich an ihren Hals. Er schafte es sich im Renngalopp zurück in den Sattel zu retten und zügelte die Stute ein wenig, bis wir aufgeholt hatten. "Alles okay?", fragte ich besorgt, er hatte ein vor Anstrengung rotes Gesicht und schnaufte fast so wie Islah. Aber er nickte und meinte mit ironischem Unterton: "Na klar, ist denn was passiert?" Dann grinste er und legte ein wenig zu im Galopp. Wir flogen eine Weile über den Sand, ab und zu steuerte ich auch ein Stück ins Wasser, wobei dieses bei jedem Galoppsprung bis zum Sattel hochspritzte. Gray schüttelte kurz den Kopf, weil ihr etwas Salzwasser ins Ohr gespritzt war, dann streckte sie sich und wir überholten Islah. Als der Strand wieder schmaler wurde und weiter vorne Kieselsteine in Sicht kamen, bremsten wir ab. "Das war toll!", rief Lisa aus. Dreamy war ganz nass, weil sie fast die ganze Zeit durch die heranschwappenden Wellen geritten war. "Au ja! Gehen wir jetzt noch richtig ins Wasser? Summer hat sich bisher noch nicht so getraut...", fragte Quinn hoffnungsvoll. Wir diskutierten kurz, wobei wir uns eigentlich sowieso einig waren: ab ins Wasser! Dann ritt ich mit Gray vorsichtig voraus. Wir achteten darauf, dass es keine Felsen unterwasser hatte und wateten bald schon Bauchtief im Wasser. Weiter gingen wir aber nicht, da die Pferde die Wellen nicht gewöhnt waren. Dream hielt den Kopf ganz hoch, um ja kein Wasser in die Nüstern zu bekommen. Sie war schliesslich auch die Kleinste. Gray scharrte ein wenig mit den Hufen im Sand. Wir ritten langsam schräg zum Strand zurück. Als der Boden anstieg und das Wasser flacher wurde, lief Gray wieder etwas schneller. Schliesslich verliessen wir das Wasser ganz und die Hufe der Pferde wurden nur noch von den sanften Wellen umspühlt. So ritten wir unter dem tosenden Wellengeräusch noch eine Weile weiter, zurück in Richtung Parkplatz. Dort banden wir die Pferde an einem alten Holzzaun an, lange genug, dass die grasen konnten. In der Zwischenzeit gingen wir Zweibeiner nochmal zum Wasser und badeten. Das Wasser war ziemlich kalt, schliesslich waren wir ja nicht in Spanien, sondern in England. Aber nach einer kurzen Überwindungszeit und nachdem Jack schonmal alle nassgespritzt hatte, waren alle im Meerwasser. Ich liess mich von den mässig hohen Wellen tragen und beobachtete, wie Lewis und Quinn sich nass spritzten. Aber spätestens als ich auch etwas abbekam, stürtze ich mich auf sie. Am Ende liessen wir uns wieder müde treiben. Als eine unerwartet grosse Welle kam wurde ich vor schreck kurz untergetaucht. "Woa, die war riesig!", rief Jonas aus. Ich stimmte zu und beobachtete, wie die Welle an den Strand rollte. Nach etwa einer Stunde liessen wir uns schliesslich müde in den Sand fallen und sonnten noch ein wenig. Es war immernoch recht kühl, aber die direkten Sonnenstrahlen wärmten mich. Ausserdem kam Jack schon wieder angeschlichen und umarmte mich. Nach einer weiteren halben Stunde stiess ich ihn spielerisch beiseite und stand auf. "Ich denke, wir sollten uns langsam etwas zu Essen suchen. Ich hab ordentlich Hunger.", schlug ich vor. Die anderen stimmten zu und wir ernannten Jonas zum Aufpasser. Einer sollte schliesslich bei den Pferden bleiben. Wir anderen machten uns auf in Richtung Stadt. Wir wurden schnell fündig und kauften in einem kleinen Supermarkt Zutaten für ein anständiges Sandwich. Ausserdem noch eine Wassermelone und genügend Getränke für alle. Zurück beim Parkplatz hatte es sogar Campingtische, an die wir uns setzten. Nach dem jeder sein eigenes Sandwich gamacht und gegessen hatte, teilten wir uns noch die Melone. Als alle satt waren und noch Melone übrig war, schnappten wir uns je ein Stück und gaben es den Pferden. Blüte schmazte gleich drauf los, Summer schnupperte zuerst daran und schleckte dann vorsichtig etwas dran rum, Shadow mochte ihr Stück nicht und Islah schnappte es sich liebend gerne auch noch. Gray war am Anfang auch etwas skeptisch, nahm ihr Stück dann aber mit Begeisterung. Danach verluden wir die Pferde auch schon wieder und machten uns auf den Heimweg. Zuhause durften die Sechs dann noch zu den anderen Stuten auf die Weide.
      Anschliessend trainierte ich Stromer, Winter und Paint, die übrigens ihre erste Körung gleich gewonnen hatte. Ich war unheimlich stolz auf sie. Mein Mann, Lily und Oliver trainierten mit mir, sie nahmen dabei nacheinander Spot, Sunday und Felicita; Iskierka und Light; Und Crack und Pina. Wir absolvierten ein paar Trainingsrennen und übten saubere Starts aus den Startboxen. Danach liessen wir sie austraben und brachten sie auf die Weiden, damit sie den Abend noch draussen geniessen konnten. Schliesslich war es bald Winter und dann würden sie früher in den Stall zurück müssen. Ich mochte den Winter trotzdem und freute mich schon auf den flockigen weissen Schnee und die Eiszapfen an den Dächern. Aber nun beobachtete ich erstmal noch die Stuten auf der Weide, mit einem Wassereis in der Hand und im schönen Schein der untergehenden Sonne.
    • Occulta
      Neujahrsturnier in Worcestershire

      Heute wurde ich von Jacky geweckt. Ja, Jacky, die kleine, freche Jack Russel-Terrier Hündin die sonst mein Leben angenehm versüsste sprang mit einem riesen Satz auf mein Bett und schleckte mir das Gesicht ab. Ich schlug entsetzt die Augen auf und schubste sie runter. Dann blinzelte ich verschlafen aus dem Fenster um zu sehen, wie spät es war. Ich hatte offenbar verschlafen, denn die Sonne stand schon hoch am Himmel. Sofort sprang ich auf und lief die Treppe runter in die Küche. Jack war nirgends zusehen, also ass ich ein Stück Brot und lief anschliessend zum Nebenstall, wo ich Ajith traf. Er war gerade damit beschäftigt, die Boxen auszumisten. “Good morning, have you seen Jack?“ “Yes, he disappeared in the Main Stable half an hour ago.“ Ich bedankte mich für die Auskunft und betrat den Hauptstall. Drinnen duftete es nach frischem Heu und die Pferde waren beschäftigt mit dem Sortieren der Halme. Ich entdeckte Jack beim Putzen von Gleam und Spot. „Ahh da bist du. Warum hast du mich nicht geweckt?“ „Du hast so schön geschlafen, da wollt ich dich doch nicht aus deinen Träumen reissen.“, grinste er als Antwort. Ich gab ihm einen Klaps auf die Schulter und schnappte mir die Bürste von Spot. Jacky, die mir die ganze Zeit hinterher trottete legte sich vor eine der Boxen und döste ein wenig. „Was machen wir heute?“ „Wir gehen auf Turnier, schon vergessen?“ Ich starrte ihn an, dann fiel es mir wieder ein. Wir hatten vor am Nachmittag zum Neujahrsturnier vom Gracelandsequestriancentre in Worcestershire zu gehen. Es war nicht weit entfernt vom Hof und wir kannten die Besitzer sehr gut. „Welche Pferde hast du gemeldet?“, fragte ich und versuchte, Spot einen Schmutzfleck auszubürsten. „Kierka, Stromer, Sunday und Feli“ Ich nickte einverstanden und legte die Bürste erfolglos weg um ihm nun die Hufe auszukratzen. Er wollte den rechten Hinterhuf jedoch mal wieder nicht heben. Schliesslich schaffte ich es aber doch noch, indem ich mich gegen den Junghengst lehnte. Als ich ihn nach draussen führte spielte er gelangweilt mit der Oberlippe. „Du musst gar nicht so tun Spot, ich weiss dass du aufgeregt bist weil wir auf die Bahn gehen!“ meinte ich, ihm tief in die frechen Augen blickend. Er hörte auf und ich stieg auf. Als Jack ebenfalls oben war, ritten wir gemeinsam auf die Rennbahn. Wir trabten, dort angekommen, auch gleich an, denn die Pferde waren durch die kurze Strecke bereits aufgewärmt. Spot zog wiedermal ziemlich an den Zügeln und ich musste ein paar Paraden geben damit er nicht einfach davonflitzte. Light nebendran schien hingegen schön ruhig und noch etwas verschlafen. Nach zwei ganzen Runden auf beide Seiten gab ich Jack ein Handzeichen zum angaloppieren. Wir galoppierten eine halbe Runde bevor wir dann in der Kurve die Zügel etwas freigaben. Sofort machte Spot ein paar grosse Galoppsprünge und war vorne. Doch in diesem Moment war Light aufgewacht und holte schnell auf. Der feurige Hengst hatte den Blick straight forward gerichtet und überholte Spot mühelos. Jack schien Mühe zu haben ihn zu bremsen, schaffte es dann aber ihn kontrolliert laufen zu lassen. Er senkte dazu die Hände und stützte sie auf den Hals von Light, sodass dieser quasi gegen seinen eigenen Hals zog. Wir galoppierten eine ¾ Runde in hohem Tempo und bremsten dann ab. Light war zwar noch immer am tänzeln als ich mit Spot näherkam, aber er war tatsächlich im trab. “Woa, that was great!“, lachte Jack nur und tätschelte dem Hengst auf den verschwitzten Hals. „Ja, aber wir müssen aufpassen, dass er sich nicht überarbeitet.“ Er nickte und parierte ihn in den Schritt. Auch Spot bremste und streckte den Kopf nach unten sobald ich die Zügel lockerer liess. Ich lobte ihn und wir liessen die beiden noch eine Weile im schritt gehen, dann wechselten wir auf die Galoppbahn zum Ausdauertraining. Wir liessen sie dort langsam galoppieren und machten immerwieder Trabpausen, dafür zwei ganze Runden lang. Als wir fertig waren dampften die beiden förmlich, also legten wir ihnen im Stall direkt eine Abschwitzdecke an. Es war zwar nicht mehr ganz so kalt, aber wir wollten kein Risiko eingehen. Kaum waren sie wieder zufrieden in der Box holten Jack und ich auch schon die nächsten beiden, Crack und Pina.
      Besonders mit Pina mussten wir die Starts noch üben, da die junge Stute noch unerfahren mit den Startboxen war. Wir ritten also nach dem Putzen direkt zu den Startmaschinen und liessen uns von Lewis, der kurz Zeit hatte, hineinführen. Ich hatte Pina und Jack nahm Crack. Zusätzlich begleiteten uns Lily mit Winter und Oliver mit Gray. Pina war wie erwartet unruhig und legte die Ohren angespannt zurück. Winter hingegen kaute entspannt auf der Trense und Gray schaute abgelenkt in der Gegend herum. Crack schien ebenfalls gelassen, um sie genauer zu beobachten hatte ich aber keine Zeit, denn schon wurde die letzte Türe geschlossen und Lewis öffnete die Vordertüren – los ging’s. Jedoch nur im Trab und nicht für lange, schon nach ein paar hundert Metern bremsten wir ab und widerholten das Ganze. So brachten wir den Pferden bei, beim Start kontrollierbar zu bleiben. Nach dem dritten Versuch trabten wir weiter und galoppierten dann nach einer Runde locker an. Die ganze Gruppe bewegte sich schön taktvoll und locker. Nach einer weiteren halben Runde parierten wir durch und machten eine Trabpause, danach wechselten wir die Seite und galoppierten erneut an, diesmal beschleunigten wir. Wir versuchten jedoch erstmal noch den Platz in der Gruppe zu halten, ehe wir sie dann richtig gehen liessen. Ich hielt Pina mit Winter Kopf an Kopf um ihren Kämpfergeist zu wecken, während Crack und Gray sich weiter hinten massen. Pina hielt sich gut neben dem schneeweissen Hengst und wir absolvierten ein konzentriertes, wundervolles Training. Danach liessen wir alle vier austraben und brachten die drei Damen nach dem Absatteln auf die Weide, Winter ebenfalls aber etwas entfernt und mit Light und Spot. Als wir alles verräumt hatten, assen wir zu Mittag.
      Am Nachmittag verluden wir Stromer, Sunday, Kierka und Feli in den Camion. Kierka machte natürlich wie immer ein riesen Theater und wir hatten fast zehn Minuten bis sie drin war, aber wir schafften es immerhin zu zweit und ganz ohne Hilfsmittel. Die anderen machten keine Probleme. Lisa und Elliot kamen auch mit, es war aber noch unklar welches Pferd von wem geritten werden würde. Schon eine halbe Stunde später waren wir auf dem Hof angekommen, hatten die Pferde ausgeladen und angebunden. Wir putzten sie noch vor Ort, denn sie waren nicht sehr dreckig da wir sie am Vortag bereits geputzt hatten. Ich erlas noch das letzte Stroh aus Kierkas Schweif, dann konnten wir Satteln. „Wer nimmt den jetzt wen?“ Fragte ich ungeduldig, während ich den Sattel hochhievte. „Occu, du kümmerst dich doch grad so toll um Kierka, da könntest du doch sicher…“ Weiter kam Lisa gar nicht, denn ich hatte schon entschieden den Kopf geschüttelt. „Vergiss den Fisch, ich will endlich wiedermal Stromer, du kannst dich mit der Zicke herumschlagen.“ Wir lachten alle und Lisa nickte augenrollend. Jack rief in die Runde: „Ich nehm Sunday, wir verstehen uns ja so gut.“ Elliot war mit Felicita total zufrieden, also war auch das endlich geklärt. Wir führten die Pferde zum Abreitpaltz und stiegen auf. Das Neujahrturnier war etwas speziell: Ein Springturnier kombiniert mit Dressurübungen. Ich war gleich als erste dran, was die Aufgabe nicht gerade erleichterte. Stromer verhielt sich ein wenig unruhig, was nicht ungewöhnlich für den Hengst war, hatte er doch so einige schlechte Erfahrungen gemacht. Ich kraulte ihm den Hals und zeigte ihm die Sprünge, dann durfte ich anfangen. Ich galoppierte an und ritt auf den ersten Sprung zu. Es war ein Steilsprung, 1m hoch und blau-gelb. Stromer überwand ihn ohne Schwierigkeiten. Nun mussten wir vor dem nächsten Sprung aus dem Trab korrekt anhalten. Auch das war kein Problem, wenn ich auch Mühe hatte den fleissigen Hengst zu bremsen. Der nächste Sprung war ein kleiner Oxer. Danach mussten wir im Trab bei A abwenden und Seitwärts zurück auf den Hufschlag. Darauf folgte ein in-out, nachdem wir im versammelten Galopp eine kleine Volte reiten mussten. Und so ging es weiter, im Ganzen über 10 Sprünge. Beim letzten Sprung, abermals ein Steilsprung, hatten wir sehr wenig Schwung und ich hielt die Luft beim Absprung an, aber zum Glück blieb die Stange oben. Zufrieden verliess ich den Platz und führte Stromer trocken, während ich dem Lautsprecher lauschte. Am Ende wurde Elliot mit Feli zweiter, ich und Stromer wurden stolze vierte, Jack wurde siebter und Lisa leider nur 17te, da Kierka ein paar Stangen getreten hatte. Ich war dennoch ganz zufrieden mit der sensiblen Stute, denn zum wiedereinladen zickte sie überhaupt nicht. Zuhause gönnten wir ihnen den Feierabend und wir hart arbeitenden Zweibeiner trafen uns im Garten zu einem Gläschen Weisswein, während die Ministuten wiedermal den Hof unsicher machen durften.
    • Occulta
      Osterschnitzeljagd

      Donut röchelte mir schon entgegen, als ich den Hauptstall betrat. Ich musste mich jedoch erst noch durch die Stallgasse kämpfen, in der gerade Hochbetrieb herrschte. Die Pfleger waren am füttern und man hörte ungeduldiges Hufscharren und Gewieher. Ich schlängelte mich an den Schubkarren vorbei und wich Empires weicher Schnauze aus, der gerade geputzt wurde und mich im vorbeigehen an stupsen wollte. Endlich war ich bei Donuts Box angelangt und stellte die Putzkiste ab. „Na mein kleiner schicker?“ begrüsste ich ihn, wie ich es immer tat. Trotz dem ich so viele Pferde zu betreuen hatte nahm ich es mir nicht, bei jedem Einzelnen gewisse Rituale einzubauen und ihnen allen so Sicherheit zu vermitteln. Ausserdem ritt ich alle Pferde mindestens zweimal pro Woche selber, den Rest übernahmen jeweils die Pfleger, die schliesslich auch gefördert werden mussten. Ausserdem hatten die Pferde alle einmal in der Woche frei, nämlich immer sonntags. Dann durften sie in Gruppen auf die grossen Weiden und das Pferdeleben geniessen. Ich schnappte mir einen Striegel und warf einen Blick auf die Uhr. „Schon halb eins, Jonas du bist spät dran.“, murmelte ich erbarmungslos, denn der Pfleger war gerade in Baccardis Box geschlichen. „T’schuldigung, ich musste noch Telefonieren….“, antwortete er hastig und kam nochmal raus, um sich ebenfalls einen Striegel zu angeln. Als er aufsah trafen sich unsere Blicke. „Etwas Wichtiges?“ „Jain, meine Tante ist letzte Woche verstorben, die Vorbereitungen für die Beerdigung sind schon in vollem Gange.“ „Das hast du mir ja gar nicht erzählt, tut mir schrecklich leid…“ „Ach ich mochte sie nie besonders, wir redeten seit Jahren nicht mehr zusammen.“ Er erklärte mir während dem Putzen, dass seine Tante mit seiner neuen Berufswahl als Pferdepfleger nicht einverstanden gewesen sei. Sie sei immer schon der Meinung gewesen, dass Pferde gefährlich seien und stinken würden. Ich hörte gespannt zu und entwirrte Donuts Mähne. Jonas unterbrach seine Rede, weil er konzentriert versuchte, Baccardis Mähne zu einem französischen Zopf zu flechten. Ich musste lachen bei dem Anblick und wechselte die Box um ihm zu helfen. Ich übernahm die Haarsträhnen und schob ihn sanft zur Seite. Doch er hielt leicht gegen und legte plötzlich seine Arme um mich. Ich sah ihn verwundert an und stupste ihm in den Bauch, da liess er auch schon wieder los und stupste zurück. Ich beschloss, nicht weiter darauf einzugehen, da es vermutlich wieder nur eine Spielerei seinerseits gewesen war. Ich flocht sie Mähne ruckzuck zu einem ordentlichen Zopf, da ich darin viel Übung hatte. Er sah mir dabei ganz genau auf die Finger, beeindruckt von meiner Geschicktheit. „Naja, manche Dinge werd ich wohl nie beherrschen.“, grinste er als ich fertig war. „Sag niemals nie.“, meinte ich und lächelte verschwörerisch. Wir sattelten endlich und führten die Pferde in den Innenhof. Dort stiegen wir auf und ritten anschliessend zum Dressurviereck, wo wir die beiden erstmal gründlich aufwärmten. Nach einer Weile trabte ich an und begann, Volten und Schlangenlinien zu reiten. Donut löste sich schon nach wenigen Runden und lief locker durch’s Genick. Wenn er versuchte, mit dem Kopf auf und ab zu wackeln, gab ich ihm eine leichte Parade am inneren Zügel. Wir hatten das Headshaking dank der vielen Longenstunden gut in den Griff bekommen, aber ab und zu zeigte er noch Rückfälle. Baccardi schien heute etwas aufgezogen zu sein, er trabte recht zügig und glotze ab und zu wieder das Gebüsch an, als ob dort etwas Gefährliches drin schlummern würde. Als ich an derselben Stelle vorbei kam, fuhr Donut plötzlich zusammen und bockte daraufhin los. Ich war völlig unvorbereitet und plumpste schon nach wenigen Sekunden in den weichen Sand. Donut rannte mir gehobenem Schweif und gespitzten Ohren in Richtung Ausgang, doch Jonas konnte ihm gerade noch den Weg versperren. Da Donut angehalten hatte, konnte er ihn nun leicht am Zügel fassen und mit zu mir führen. „Alles okay?“, fragte er besorgt und stieg ab. Ich stand noch etwas benebelt auf und richtete meinen Helm gerade. „Ja, nix passiert. Irgendwas muss da im Gebüsch sein!“, meinte ich, und lief auf die Stelle zu. Mit triumphierendem Blick richtete ich mich kurz darauf wieder auf und drehte mich zu ihm um. In der Hand hatte ich einen kleinen Korb mit bunten Ostereiern. „Da war jemand fleissig. Ich wette, das war Lisa. Die hat immer solchen Unsinn im Kopf.“ Wir lachten herzhaft und versteckten den Korb wieder, ehe wir weiter ritten. Nach knapp einer Stunde intensiver Arbeit mit den beiden Ponyhengsten stiegen wir zufrieden ab und brachten die beiden in ihre Boxen zurück. Nach dem Absatteln und Bürsten spielte ich noch etwas mit Donut: Ich zeigte ihm ein Handzeichen und sagte ruhig und deutlich: „Lachen“. Daraufhin streckte er seine Oberlippe nach oben und flehmte. Ich lobte ihn und gab ihm Karottenstückchen. Als ich keine mehr hatte kam er mit seinem Maul und fummelte mir an der Stirn herum. Ich stiess ihn lachend zur Seite als es mir zu bunt wurde, um zu Baci zu wechseln und ihn noch etwas zu streicheln. Die Blesse die sich über sein Gesicht zog war elegant den Augen angepasst und liess ihn frech und neugierig wirken. Die kräftigen Hengstpony-Backen und die kurzen Ohren unterstützten dieses Bild. Alles in allem war der Hengst wie Donut einfach ein Traum von einem Pony. Ich wuschelte ihm noch etwas mit der Hand durch die Mähne, und weil Jonas mit seinen dunklen, kurzen Locken gerade daneben stand, ihm ebenfalls.
      Am späteren Nachmittag trommelten uns Lisa und Rosie zusammen. Gespannt hörte ich zu, was die beiden wieder ausgeheckt hatten: Eine Ostereier-Schnitzeljagd. Sie hatte mich zuvor gefragt, ob die Pfleger heute mit den Pferden ins Gelände dürften. Ich schlug vor, dass sie gleich die Vollblüter nehmen sollten, die noch nicht bewegt waren. So suchte sich jeder ein Pferd aus und machte es hübsch für die Jagd nach den Eiern. Lewis nahm Sunday, Quinn nahm Paint, Ich nahm Gray, Jack nahm Fly, Rosie nahm Stromer, Jonas nahm Light, Lisa nahm Empire, Oliver nahm Indiana, Lily nahm Chiccory, Ajith nahm Felicita und Elliot nahm Campina. Die anderen, Smarty, Sumerian, Winter, Spot, Kierka, Crack, Blüte und Cantastor waren schon am Morgen auf der Bahn trainiert oder longiert worden. Gray war artig beim Aufsteigen und blieb schön stehen, während Campina neben uns die ganze Zeit wegen der vielen Pferde zappelte. Immerhin waren wir 11 Reiter! Lisa gab uns den Tipp, wo der erste Posten versteckt war und hielt sich dann zusammen mit Rosie im Hintergrund, denn die beiden kannten die Verstecke ja. Jonas und ich erkannten den ersten Posten auch gleich wieder, denn der Tipp lautete: ‚Der Start beginnt, wo der Schüler im Sommer stunden nimmt.‘ Die anderen berieten sich kurz, ehe die Gruppe auf den Platz ritt und das erste Nest suchte. Es dauerte auch nicht lange, bis Lewis es entdeckt hatte. Darin war ein Zettel, der mir vorher gar nicht aufgefallen war: ‚Wo der Fisch schwimmt, dort die Suche erst recht beginnt.‘ Die Zettel waren auf Deutsch, was mir erst jetzt in den Sinn kam. Ich fragte Rosie deswegen und sie meinte, dass es so spannender für die englisch sprechenden sei, da sie erst noch übersetzten mussten. Wir ritten also zum Fluss, der vermutlich gemeint war. In einer Hecke am Ufer war der zweite Korb aufgehängt, diesmal bekam ihn Jack. Auf dem Zettel stand: ‚Zögert nicht und reitet zum dritten, dort wo sich einst Räuber stritten.‘ Ich wusste sofort, was damit gemeint war. Es gab eine alte Bauern Legende, dass im nahen Pinienwald auf der grossen Lichtung einmal eine Banditenfestung gewesen sei. Sie soll ganz aus Holz gewesen sein. Einmal seien die Räuber jedoch erfolglos von einem Beutezug heimgekehrt und hätten sich aus ärger gegenseitig so lange beschimpft, bis einer die Festung in Brand gesetzt hatte. In ihrer Wut hätten sie nicht bemerkt, wie die Rauchfahne ihren Standort verriet und die wütenden Dorfbewohner anlockte. Die Festung sei komplett ausgebrannt und durch die Flammen sei der Wald um sie herum auch noch fast kreisrund gerodet worden, dies war die heutige Lichtung der Legende nach. Wir ritten also auf meinen Aufruf hin zur Waldlichtung. Tatsächlich fanden wir dort hinter einem Steinhaufen versteckt das dritte Körbchen. Rein aus Neugier sah ich mich ausserdem diesmal genauer auf der Lichtung um. Ich ritt in die Mitte, konnte jedoch auf dem Boden nichts Ungewöhnliches entdecken. Enttäuscht trieb ich Gray wieder zur Gruppe zurück. Was hatte ich überhaupt erwartet? Es war ja nur eine Legende und selbst wenn nicht, musste diese Geschichte schon laaange zurück liegen und es würde keine Spuren mehr geben. Ich schob diese Gedanken beiseite und genoss den Ritt. In meiner Abwesenheit hatte ich den neuen Rätselspruch gar nicht mitbekommen. Ich machte mir jedoch auch keine Mühe, ihn noch herauszufinden. Wir ritten zur Galoppwiese, auf der mitten im Feld ein weiterer Korb versteckt war. Wir mussten uns alle aufteilen, um ihn zu finden. Und so jagten auf der ganzen Wiese Pferde im Galopp durchs saftige Gras, auf der Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Als wir sie nach einer Viertelstunde immer noch nicht gefunden hatten, wurde Lisa um Hilfe gefragt. Zu allem Überfluss wusste sie jedoch nicht mal mehr, wo genau sie den Korb hingelegt hatte. Gerade als wir aufgeben wollten hüpfte Elliot triumphierend vom Pferd. Auf dem Zettel stand: ‚Den zweitletzten Schatz hältst du beinahe schon in der Hand. Um ihn zu finden halte dich am Waldesrand.‘ Wir wunderten uns ein wenig über die Einfachheit dieses Hinweises, doch sagten nichts und ritten weiter. Die suche war schliesslich doch nicht so leicht wie gedacht, denn der Korb hängte am Ende an einem Ast über unseren Köpfen. Quinn musste auf Paints Rücken stehen um ihn zu erreichen. Die Stute hielt zum Glück schön still, weil Ajith sie hielt. ‚Das Ende ist nah und doch noch fern, du findest es im Kern.‘ Im Kern? – Ich hatte keine Ahnung, was damit gemeint war. „Ist das Nest etwa in einem Apfel?“, scherzte Jonas und die Gruppe brach die Stille mit herzhaftem Gelächter. Lisa schüttelte weise lächelnd den Kopf. „Eigentlich ist es ganz leicht.“, stellte sie fest. Auch Rosie nickte eifrig. Wir beschlossen, erstmal zurück zum Hof zu reiten, denn wir vermuteten, dass das Körbchen dort irgendwo versteckt sein musste. Ich schnalzte und trieb Gray in den Galopp, denn wir waren auf einem der sandigen Galoppwege im Wald angelangt und die Reiter vor uns waren ebenfalls angaloppiert. Ich hielt die Zügel gespannt und schnappte mir ein Büschel Mähne, um Gray besser zu stützen. Wir sprangen den Weg entlang, das dumpfe Geräusch aufschlagender Hufe im Sand klang rhythmisch und vor mir wehten die Schweife. Am Ende der Strecke musste ich Gray in ihrem Eifer stark bremsen, denn wir wären fast in Light reingerasselt. Dieser war zum Glück gerade abgelenkt mit einer Wurzel, über die er halb drüber stolperte. Wenige Augenblicke später hatten wir die kurze Schrittpassage überquert (dort durfte man nur im Schritt durch, da ab und an ein Fussgänger durchlief) und die Vordersten sausten bereits wieder los. Ich trieb Gray auch wieder an. Der Wind zerzauste mir die Haare und Gray nahm gewaltige Sprünge, um einen kleinen Rückstand zu den Vorderen Pferden aufzuholen. Wir galoppierten die ganze Strecke bis zum Waldrand. Erst als wir wieder auf freiem Feld waren, parierten wir die Pferde in den Trab durch und ritten so den restlichen Weg zum Stall zurück. Es war herrlich; Die späte Nachmittagssonne und die angenehm aufgewärmte Luft unterstützten die ausgelassene Stimmung perfekt. Wir plauderten und lachten auf dem ganzen Weg und Lewis erzählte immer wieder Witze. Wir durchquerten die Galoppbahn mit ihren grossen Tannen, wobei wir uns leicht unter einem tief hängenden Ast ducken mussten. Als wir an den Weiden vorbei kamen, kamen die beiden Mini Hengstchen aufgeregt angetrabt und begleiteten uns. Die Stuten schienen sich nicht für uns zu interessieren. Nun ging die Sucherei los: Wir teilten uns auf und durchkämmten das Hofgelände nach dem fehlenden Korb. Ich wollte gerade zu Jack reiten, als Jonas an meine Seite kam. Daher bildeten wir beide gleich ein Team. Er schlug vor, dass wir zuerst auf dem Geländeparcours suchen sollten, schliesslich war dieser der ‚Kern‘ der Galoppbahn. Ich fand dies eine gute Idee und wendete Gray in die richtige Richtung. Ich nutzte die Gelegenheit, um Light etwas zu beobachten. Der sensible Hengst mochte keine harte Hand, doch bei Jonas schien er locker und zufrieden. Er war zwar feurig, wie immer, doch Gray hielt gut mit (sie war ebenfalls recht fleissig) und er trat schön ans Gebiss. Ich blieb stumm und wnedete meinen Blick wieder von dem schwarzen Hengst ab, um nach dem Vogel zu suchen, der sein Lied über unseren Köpfen trällerte. Wir überquerten die Galoppbahn und gelangten schliesslich zur Geländestrecke. Zuerst ritt ich zu der vordersten Baum-Insel und suchte das Bodengestrüpp ab. An den Stellen, an denen der Boden kahl war, wuchs nur spärlich Gras und die Erde war hart getreten von den vielen Hufen, die hier durchgekommen waren. Dennoch sahen die mit Schatten und einzelnen Lichtstrahlen überzogenen Flächen harmonisch und geheimnisvoll aus. Da ich nichts entdecken konnte, trieb ich Gray weiter zur nächsten kleinen Baumgruppe. Ich suchte auch in den Ästen über mir, doch selbst dort befand sich kein Korb. Als nächstes sah ich beim kleinen Grabenhindernis, beim Gebüsch-Sprung, beim Baumstamm und beim Hügelchen. Doch nirgends war etwas zu finden. Auch Jonas schien erfolglos geblieben, deshalb ritten wir zurück zu den anderen. Die hatten sich gerade um Elliot versammelt, der soeben den letzten Korb im Innenhof des Hauptstalls gefunden hatte. „Na klar, der Kern ist der Hauptstall mit unseren Engländern!“, Lachte ich und gratulierte ihm. Dann bedankte ich mich formell bei Lisa und Rosie für die hervorragende Durchführung dieser Eier-Jagd und lud alle Teilnehmer zu einem heissen Tee im Garten des Haupthauses ein. Zuerst wurden jedoch natürlich noch die Pferde versorgt. Sie genossen den Sonnenuntergang in Gruppen auf der Weide.
    • Mongofisch
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      Military A-L

      Das Kennenlernen
      Mit heruntergeklappter Sonnenblende fuhr ich die von Bäumen gesäumte Landstraße entlang. Schon vor einigen Monaten hatte ich von Occu den Auftrag bekommen, ihre Stute Gray im Bereich Military weiter auszubilden. Durch meine Pause, konnte ich mich lange Zeit nicht darum kümmern, war nun aber mit neuem Elan zurück und freute mich sehr auf meinen ersten Auftrag. Ursprünglich war die Stufenerhöhung auf A-Niveau geplant, doch Occu hatte in der Zwischenzeit bereits ein Turnier gewinnen können, sodass Gray und ich uns nun auf das L-Niveau vorbereiten wollten.
      Ich war ein wenig spät dran, als ich die Einfahrt entlang rollte und meinen Wagen auf dem Parkplatz abstellte, sodass ich mit schnellen Schritten zum großen Stallgebäude lief. Ich betrat das komplexe Gebäude und musste mich sogleich entscheiden: Links oder geradeaus. Nach kurzem Zögern entschied ich mich für geradeaus und ging die Stallgasse entlang.
      Eine junge Frau kam mir lächelnd entgegen, streckte ihre Hand aus und begrüßte mich: „Herzlich Willkommen, ich bin Occu!“
      Ich drückte die mir hingehaltene Hand: „Vielen Dank, ich bin Lisa, aber das hast du dir sicher schon gedacht.“
      Occu nickte und machte eine einladende Handbewegung: „Ich zeige dir Gray, dann kannst du direkt anfangen, ich habe noch viel zu tun.“
      Die junge Frau lief los, nickend folgte ich ihr. Es ging noch einmal links herum, dann blieben wir vor der zweiten Box auf der linken Seite stehen. Mit gespitzten Ohren schaute die junge Stute uns an und brummelte kaum hörbar.
      „Da ist sie auch schon“, sagte Occu. „Du wirst gut mit ihr zurecht kommen. Manchmal ist sie etwas flott unterwegs, aber immer gut zu händeln.“ Die junge Frau setzte sich erneut in Bewegung, eilig folgte ich ihr.
      Der Weg führte uns in die Sattelkammer, wo ich das Sattelzeug von Gray gezeigt bekam. Anschließend erklärte Occu mir noch rasch wo ich welche Trainingsmöglichkeiten fand, dann entschuldigte sie sich und verschwand in einem der Nebengebäude.
      Ich schnappte mir Sattel und Trense der Stute und lief den Weg zurück zu ihrer Box. Eine Halterung erlaubte mir, das Sattelzeug ordentlich zu verstauen, sodass ich mir das Halfter nahm und vorsichtig zu Gray in die Box schlüpfte. Das englische Vollblut mit dem silberschimmernden Fell kam neugierig zu mir und schnupperte interessiert an meiner Jacke.
      „Du riechst die Leckerlis, was?“ lachte ich und streichelte der Stute über die Nüstern. Ich zog ihr das Halfter über die Ohren und belohnte sie mit einem Leckerli, ehe wir gemeinsam auf die Stallgasse traten.
      Nachdem ich Gray ordentlich geputzt hatte, sattelte und trenste ich sie und führte sie nach draußen. Zwischen zwei Ställen gelangten wir zum Reitplatz, auf dem ich mich erst mal mit der hübschen Stute anfreunden wollte. Heute ging es nur darum, dass Gray und ich uns aneinander gewöhnten und ein wenig lockere Dressurarbeit machten. Nachdem ich mir die Steigbügel eingestellt hatte, stieg ich auf und wir setzten uns in Bewegung.
      Sofort merkte ich, was für einen Vorwärtsdrang das Vollblut besaß, keine schlechten Voraussetzungen für ein Military-Pferd.
      Um Gray von Anfang an zu beschäftigen gestaltete ich schon die Lösephase abwechslungsreich, mit vielen Handwechseln und Bahnfiguren, sowie einigen Seitengängen, welche die Stute erstaunlich gut drauf hatte. Occu hatte recht; Gray und ich kamen super miteinander aus. Sie reagierte fein auf meine Hilfen und war stets aufmerksam bei der Sache.
      Am langen Zügel trabte ich nach einer Weile an und ritt locker auf beiden Händen. Da es heute wirklich heiß war, legte ich immer wieder einige Schrittpausen ein, ehe ich auch die Galopparbeit mit hinzu nahm. Es machte unheimlich Spaß, die junge Stute zu reiten, sodass ich mit einem Lächeln und einem guten Gefühl für das bevorstehende Training nach einer guten dreiviertel Stunde abstieg und Gray in den Stall führte.
      „Na, wie ist es gelaufen?“ begrüßte Occu mich, die grade mit einem Pferd im Stall beschäftigt war.
      Während ich Gray anband und von ihrem Sattelzeug befreite, erzählte ich, was für ein tolles Pferd sie war und das wir gut miteinander zurecht kamen. Die Stute bekam noch ein Möhrchen von mir, dann stellte ich sie in ihre Box und verabschiedete mich von Occu.
      Das Training
      Am nächsten Tag machte ich mich schon früh auf den Weg nach Pineforest Stable, um der drückenden Hitze am Mittag zu entgehen. Nach meinem ersten Besuch kannte ich mich schon gut aus, sodass ich Gray kurz begrüßte und dann ihr Sattelzeug holte. Auf dem Hof herrschte reges Treiben, man hörte das Schnauben der Pferde und das Kratzen der Forken auf dem Boden. Hier und da begrüßte ich einige Leute, konzentrierte mich dann aber auf Gray. Rasch hatte ich die junge Stute geputzt und gesattelt, sodass wir nun gemeinsam den Stall verließen.
      Heute ging es nicht auf den Reitplatz, sondern über die Rennbahn auf einen wunderschön angelegten Springplatz. Das Gras leuchtete im aufgehenden Sonnenlicht und die Bäume spendeten hier und da etwas Schatten. Der weitläufige Platz bot wirklich traumhafte Trainingsmöglichkeiten, sodass ich keine Zeit verlieren wollte und mich direkt in den Sattel schwang.
      Nach einer ausgedehnten Aufwärmphase in allen drei Gangarten, begann ich damit, einige kleine Sprünge einzubauen. Die Schwierigkeiten eines L-Parcours lagen weniger auf der Höhe der Sprünge, sondern vielmehr an der Länge, der vorgegebene Zeit und häufig auch am Verlauf der Strecke.
      Zunächst ritten wir große Wendungen von Sprung zu Sprung, nahmen hier und da einen Tiefsprung hinzu und arbeiteten an der Kondition von Gray. Ich zweifelte nicht daran, dass die vorgegebene Zeit ein Problem für die Stute sein könnte. Sie hatte ein wirklich hohes Grundtempo und musste nur noch ein wenig lernen, ihre Kräfte gleichmäßig einzuteilen.
      Die Zeit verging wie im Flug und ich konnte das Training für heute beenden. Ich brachte Gray noch auf den Platz, wo sie die Möglichkeit hatte, sich zu wälzen. Einen kurzen Moment zögerte sie, dann panierte sie sich aber doch gleichmäßig von beiden Seiten. Lachend schaute ich ihr zu, holte dann ihr Halfter und brachte sie zurück in ihre Box.
      Einige Wochen vergingen, in welchen ich 5 Tage in der Woche auf Pineforest Stable war, um mit Gray zu trainieren. Sie machte jeden Tag Fortschritte und man merkte, dass ihr das Springen wirklich Spaß machte. Relativ schnell begannen wir, kleinere Parcours zu erstellen und durchlaufen. Es klappte wirklich gut, wobei unser größtes Problem darin bestand, ein gleichmäßiges Tempo zu entwickeln.
      Das Abschlusstraining hatte ich schon seit einigen Wochen geplant. Dafür hatte ich mir einen Parcours erstellt, der auf einer Länge von ca. 3000m 26 Sprünge besaß, davon ein Graben und ein Tiefsprung. Als grobe Zeitvorgabe hatte ich ca. 6 Minuten gewählt, die eigentlich gut zu schaffen sein sollte.
      Wie in den letzten Wochen betrat ich auch heute den großen Hauptstall und holte zunächst das Sattelzeug von Gray, um sie zu putzen und fertig zu machen. Wir waren mittlerweile ein gut eingespieltes Team und ich hatte große Freude an der Arbeit. Zum letzten Mal ging es nun auf den Innenplatz der Rennbahn, wo unser tägliches Training stattfand.
      Wie gehabt wärmte ich die Stute zunächst auf und sprang auch zwei drei kleinere Sprünge. Es war angenehm kühl heute, beste Voraussetzungen also, um den Parcours gut abzuschließen. Mittlerweile konnte Gray sich ihre Kräfte super einteilen und es machte wirklich Spaß mit ihr durch den Parcours zu reiten. Stets aufmerksam und mit gespitzten Ohren galoppierte sie fleißig voran und schien immer mitzudenken. Einzig beim Tiefsprung stockte sie kurz, als würde sie fragen, ob die da tatsächlich runter solle. Mit einem kurzen Schenkeldruck nahm sie dann aber doch ihren Mut zusammen. Ich klopfte ihren Hals und es ging weiter.
      Im Ziel angekommen drückte ich die Stoppuhr an meinem Handgelenk. Erstaunt guckte ich erneut auf die Zahl: 5 Minuten und 68 Sekunden. Was für eine Leistung! Zufrieden lobte ich Gray und ritt sie anschließend noch trocken.
      Im Stall traf ich Occu, die auch gleich Zeit für die Besprechung hatte. Einige Male hatte sie beim Training zugeschaut, trotzdem erzählte ich ihr noch einmal ausführlich, wie alles verlaufen ist und woran sie noch ein wenig arbeiten müsste.
      Nachdem ich Gray versorgt hatte und ihre Sachen in der Sattelkammer verstaut hatte, machte ich mich auf den Heimweg und wünschte Occu viel Erfolg mit dieser tollen Stute.
    • Occulta
      Life goes on Fortsetzung des Nebenstallberichts 'Having troubles or what'

      Mir wurde ganz schwindlig, als sie Jack auf die Trage legten und wegbrachten. Auf einmal kam der ganze Schock, die Verzweiflung, Angst und Trauer über mich wie eine gewaltige Flutwelle, die mich beinahe zu Boden riss. Jonas, der ebenfalls in den Krankenwagen getragen wurde, beobachtete mich mit sorgenvollen Augen. Ich stützte mich gegen Rosie, die mir eine Umarmung anbot und schluchzte ungehalten in ihre Schulter. Alles um mich herum kam mir so unwirklich vor und ich hörte die Stimmen wie durch eine unsichtbare Wand. Alles, was ich von diesem Abend noch mitbekam war, dass Lisa, Rosie und Quinn mich ins Haus brachten und mit einen Tee kochten. Am nächsten Morgen wachte ich auf und fühlte mich wie ein Stein. Mir steckte die Trauer augenblicklich wie ein Kloss im Hals, als ich mich an den vergangenen Tag erinnerte. Am Morgen war ich noch so sorglos gewesen und dann war alles zerbrochen. Ich versuchte mich abzulenken und sah auf die Uhr. Es war erst fünf und draussen ging gerade die Sonne auf. Seufzend richtete ich mich auf und zog meine Reitsachen an. Die Pferde würden mich jetzt am besten trösten können, besonders meine und Jacks geliebte Vollblüter. Als ich durch die Küche lief sprang Jacky von ihrer Decke auf und folgte mir, jedoch schien sie auf seltsame Weise nicht so energievoll wie sonst. Ich machte mich ohne etwas zu frühstücken auf zum Hauptstall und holte die Putzsachen von Winter aus der Sattelkammer. Als ich die Box des schneeweissen Hengstes betrat, streckte er mir mitfühlend seine rosarote Schnauze entgegen, als wüsste er genau, was in mir vorging. Ich krallte mich in dem weichen Fell fest und legte die Wange an seinen Hals. Seinen warmen Puls zu fühlen, jedes Zucken der Muskeln, tat mir gut. Schliesslich angelte ich mir den Striegel und putzte meinen Liebling. Als ich fertig war, sattelte ich ihn mit seinem kleinen Rennsattel und hängte das Vorgeschirr ein. Ich führte ihn wie in Trance nach draussen und stieg auf. Ich ritt zunächst eine Runde Schritt auf der Galoppbahn und trabte anschliessend eine weitere Runde auf die andere Seite. Dann ritt ich zur Rennbahn und liess ihn laufen. Beim 500m-Pfosten sah ich auf die Armbanduhr und stoppte in der nächsten Runde an derselben Stelle. Mein grosser hatte eine gute Geschwindigkeit drauf und war ordentlich fit, deshalb beschloss ich, gleich noch eine Runde zu trainieren, aber diesmal mit Startbox. Prüfend sah ich mich nach den Pflegern um, schliesslich brauchte ich jemanden der die Boxen öffnete. Gerade als ich zurückreiten wollte um jemanden zu rufen, entdeckte ich Quinn, Lily und Oliver mit Spot, Iskierka und Light, die auf uns zu ritten. Winter spitzte die Ohren und hob den Kopf, um seine Stallgenossen zu begrüssen. Ich freute mich wahnsinnig, meine alten Freunde so anzutreffen, hielt dieses Glücksgefühl aber noch versteckt. Ich ritt ihn in eine der mittleren Boxen und wartete konzentriert auf den Start. Die anderen reihten sich ebenfalls ein und Ajith kam herbeigeeilt um die Boxen zu öffnen. Dann donnerten die Vollblüter auch schon los. Ich hielt mich bei Winters Absprung etwas an seiner Mähne, um von der Wucht nicht gleich aus dem Sattel zu gleiten. Es war ein wundervolles Gefühl, die schnaufenden Pferdeköpfe links und rechts von mir zu sehen und unter mir den gewaltigen Körper des Hengstes zu fühlen. Das rhythmische Aufschlagen der Hufe liess mich all den Schmerz vergessen und holte mich zurück in die Welt, in die ich gehörte; das hier und jetzt. Light gewann zwar das Trainingsrennen knapp vor Winter und mir, doch das war mir schnuppe. Ich hatte einen Entschluss gefasst während dem Galoppieren: Das Leben musste weitergehen. Ich tätschelte Winters Hals und plauderte begeistert mit den anderen über das Training. Anschliessend arbeiteten die restlichen Jockeys noch etwas weiter mit ihren Pferden, während ich Winter austraben liess. Er schnaubte schön ab und streckte den Hals tief zu Boden. Schliesslich brachte ich ihn zurück in die Box und versorgte ihn gründlich, ehe ich mich Stromer widmete. Mit dem cremefarbenen Hengst hatte damals alles angefangen – er war mein allererstes Vollblut gewesen. Nun war er schon ganze sechs Jahre alt und hatte sich prächtig entwickelt. Aus dem einst so zerbrechlichen dreijährigen mit der schlechten Vergangenheit war ein top bemuskelter, aufmerksamer und freundlicher Hengst mit wundervollen Gängen geworden. Jetzt im Sommer schimmerte seine rosafarbene Haut stark durch das Fell, was ihm deutlich mehr Farbe verlieh als im Winter, wenn er mit dem dichteren Fell fast weiss wurde. Ich putzte auch ihn sorgfältig und ritt anschliessend wie schon mit Winter in voller Rennmontur zur Bahn, wo ich ihn zunächst aufwärmte. Er hatte viel mehr Erfahrung als Winter und konnte seine Kräfte gut einteilen. Ausserdem hörte er sehr fein auf meine Hilfen und wurde nicht so heftig wie die jüngeren Genossen. Wenig später hatten auch die drei Jockeys ihre Pferde ausgetauscht; sie ritten nun Pina, Sunday und Felicita. Wiederum lieferten wir uns ein Spassrennen und arbeiteten dann noch etwas für uns auf der Bahn, was aber mit den tollen Pferden genauso viel Spass machte. Ich bewegte an diesem Morgen noch Gray, Crack und Indiana, während Quinn Chiccory und Fly, Oliver Paint und Empire und Lily Blüte und Cantastor übernahmen. Besonders bei Crack musste ich wieder mit den Tränen kämpfen, denn ich hatte sie damals von Jack zum Geburtstag geschenkt bekommen und mich so sehr über sie gefreut. Die Erinnerungen kamen wieder in mir hoch und ich musste daran denken, wie ich ihn so voller liebe umarmt hatte. Und doch war ich zuletzt wütend auf ihn und habe ihn mit eben diesem Gefühl angesehen… Dieser Gedanke schmerzte am meisten von allen. Als ich Diana versorgt hatte bemerkte ich ein grummeln und stellte fest, dass ich durch das ganze Arbeiten doch noch Hunger bekommen hatte. Aber alleine zu kochen würde bestimmt schrecklich werden. Ich schlenderte lustlos in Richtung Haus und bemerkte nicht, wie Lisa sich von hinten anschlich. Sie tippte mir auf die Schulter und rief laut „Buh!“, während Quinn und Ajith, die sich an die kühle Wand des Hauptstalls gelehnt hatten die Augen rollten. Ich vergab Lisa diese Taktlosigkeit angesichts meiner Trauer und sah sie bloss fragend an. „Ich… äehm… Ich meine Quinn, Ajith, Lily und ich wollten dich fragen, ob du vielleicht mit uns in die Stadt kommen willst. Wir dachten, wir gehen Jonas im Krankenhaus besuchen und essen unterwegs zu Mittag…“ Mein Herz machte einen Hüpfer. Jonas! Er lebt ja noch… Beschämt, dass ich meinen treuen Freund in der Not ganz vergessen hatte, willigte ich rasch ein und folgte den Pflegern auf den Parkplatz. Wir fuhren mit Lilys kleinem Toyota, in den wir uns allerdings ziemlich reinquetschen mussten. Wir bestellten wie geplant auf dem Weg zum Hospital ein Falafel für mich und sonstigen Schnellimbiss-Kram für die anderen. Als ich den langen Gang zu Jonas‘ Zimmer entlanglief, wurde mir etwas schwindelig. Wie hatte ich nur nicht an ihn denken können? Immerhin war er genauso wie Jack in Lebensgefahr gewesen und hätte genauso gut auch tot sein können! Langsam öffnete ich die Tür und trat ein. Es war vollkommen Still in dem hellen Raum. Die anderen Patienten schienen zu schlafen und auch Jonas hatte die Augen geschlossen. Die Pfleger folgten mir leise und schlossen die Tür hinter sich. Vorsichtig kniete ich mich neben sein Bett und betrachtete die üblen Verbrennungen, die sich über seine Oberarme zogen. Wie durch ein Wunder war das Gesicht beinahe unversehrt geblieben. Er muss es rechtzeitig mit den armen geschützt haben, überlegte ich und begann, seine Nase zu kitzeln. Seine Augenlieder zuckten, dann musste er niesen und wachte auf. „Occu… und ihr! Ich bin so froh, dass ihr gekommen seid.“ Ich lächelte verlegen, immerhin wäre ich ohne die anderen nicht hier. Zögernd fragte ich: „Wie fühlst du dich?“ „Den Umständen entsprechend, aber eigentlich nicht allzu schlecht. Bloss mein Rücken tut ziemlich weh. Aber die Ärzte meinten, es sei nichts ernstes, bloss eine Prellung. Wie geht es Jack?“ Ich zuckte zusammen und sah betreten zu Boden. Er weiss es also noch nicht… Quinn fasste Mut und antwortete leise auf die Frage. „Er hat nicht überlebt…“ Ich beobachtete, wie sich seine Pupillen weiteten und er den Mund öffnete, um etwas zu sagen, ihn dann aber ohne einen Mucks wieder schloss und ins Leere starrte. „Tot? D das ist schrecklich. Es tut mir so leid Occulta…“ Ich nickte nur und biss mir auf die Oberlippe, um die Fassung nicht wieder zu verlieren. Ich war froh, als er das Thema wechselte. „Wie geht es den Pferden? Haben sie sich sehr erschreckt als das Flugzeug abstürzte?“ „Nein, ich denke nicht. Heute Morgen liefen die Vollblüter im Training jedenfalls top“, antwortete ich. Er nickte mit einem Lächeln und ich fragte ihn, was denn so amüsant sei. „Ich finde es faszinierend, wie glücklich du wieder wirkst, sobald wir über Pferde reden.“ Nun lächelte ich ebenfalls und stupste ihn zur Strafe in die Seite, worauf er sofort aufschrie. „Au au, pass doch auf!“ „tut mir leid, ich hab gar nicht…“, stammelte ich erschrocken, doch schon grinste er mich wieder breit an und ich erriet, dass er nur mit mir gespielt hatte. Böse sein konnte ich ihm allerdings nicht. Wir plauderten noch etwas, dann machten die Pfleger und ich uns auf den Rückweg zum Stall. Er sah uns gequält hinterher, als wir einer nach dem anderen zur Tür hinausgingen, besonders mir, so kam es mir jedenfalls vor.
      Zuhause half ich Quinn, die mit dem Einreiten von Sumerian und Frame weitermachte. Die beiden waren noch ganz am Anfang ihrer Ausbildung, machten sich aber alles andere als schlecht. Fröhlich beobachtete ich die Fortschritte von Frame, der Monate zuvor noch so erbärmlich ausgesehen hatte, mit all seinen Wunden und Schrammen. Nun ging er nicht mehr lahm und nur eine Narbe zierte den Hals dort, wo der Pfosten einst ein so grosses Loch hinterlassen hatte. Meine Tierärztin hatte hervorragende Arbeit geleistet. Gegen Abend kam dann noch eine Überraschung auf dem Hof an. Ein Transporter fuhr auf den Parkplatz, beladen mit zwei neuen Vollblütern. Als ich mich fragend an den Fahrer wandte erfuhr ich, dass die beiden von Eddy stammten und Jack sie wenige Wochen zuvor abgekauft hatte, da Eddy ihren Bestand etwas reduzieren wollte. Auch ein Fohlen würde in den nächsten Tagen noch ankommen. Ich ignorierte das Stechen, das sich bei Jacks Namen wieder bemerkbar machen wollte und bewunderte den Hengst, Muskat. Er war bereits gekört und würde sicherlich ein wunderbarer Zuchthengst werden. Die Stute, Cassiopeia, hatte ich auch schon ein paarmal an Rennen gesehen, sie war Jack damals besonders aufgefallen. Ich führte beide in den Hauptstall und half anschliessend den Pflegern beim Füttern. Um halb zehn lief ich endlich müde zum Haus, zögerte aber davor und wandte mich stattdessen im halbdunkeln dem Hof zu. Es kehrte Ruhe ein auf Pineforest Stable, nach all der Aufregung schienen sogar die Pferde erledigt. Die Gebäude lagen still im Zirpen der Insekten da und erste Sterne tauchten am Himmel auf. Ich erinnerte mich daran, wie ich einmal mit Jonas im Gras hinter dem Dressurviereck gelegen und an den dunklen Tannen vorbei die Sternbilder betrachtet hatte. Augenblicklich breitete sich eine Art entspannende Wärme in mir aus und zum ersten Mal am heutigen Tage war ich wirklich glücklich. Glücklich hier zu sein, glücklich, dass Jonas lebte und glücklich, dass noch so viel vor mir lag. Ich murmelte sanft, an die Sterne gewandt: „Auf wiedersehen Jack.“ Dann drehte ich mich um und verschwand im Haus.
    • Maleen
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      Der erste Auftrag des Tages machte mich ein wenig nervös. Das erste mal war ich allein als Hufschmied unterwegs und dann waren meine die ersten Pferde die ich Beschlagen sollte auch noch Vollblüter, ich hoffte bloß, dass sie nicht ganz so zapplig wie meine eigene Stute waren. Aber jetzt war es sowieso schon zu spät, schwungvoll öffnete ich die Autotür und stieg aus, bereit um mich meiner Aufgabe zustellen. Mein Elan verblasste aber ganz schnell wieder, denn der Hof war menschenleer, nur auf den Koppeln standen ein paar Pferde und dösten vor sich hin. Also beschloss ich erst mein Werkzeug zu holen und alles für den anstehenden Beschlag vorzubereiten und mich dann auf die Suche nach einem Zweibeiner zu machen.​
      Mit den Gedanken in den Tiefen meines kleinen Transporters versunken, erschrak ich als mich plötzlich jemand von hinten mit einem freundlichen 'Hallo' begrüßte. Ich drehte mich um und erblickte Occulta, sofort erwiderte ich ein 'Hallo' und gab ihr die Hand. Dann bat ich sie das erste Pferd heraus zubringen,während ich noch die letzten Sachen vor das Auto brachte. Und dann stand Cassiopeia auch schon vor mir. Die Stute schien total entspannt, ich strich ihr ein paar mal über die Stirn und klopfte kurz ihren Hals, dann nahm ich mir den ersten Vorderhuf vor. Ich begann damit das zu lange Hufhorn mit meinem Hufmesser auszuschneiden und stellte den Huf anschließend auf den Hufbock um ihn mit der Raspel wieder in Form zu bringen. Auch die anderen drei Hufe waren ohne Probleme schnell wieder in Ordnung gebracht. Ich klopfte Cassiopeia, die die ganze Zeit über brav stehengeblieben war, wieder den Hals und schnappte mir dann das erste Aluminium Eisen. Erhitzen brauchte ich diese zum Anpassen zum Glück nicht und so waren die Vorderhufe im Handumdrehen beschlagen. Bei den Hinterhufen stellte Cassiopeia sich ein bisschen stur, erst nach mehrmaligen Auffordern gab sie mir zögerlich ihren Huf und versuchte beim Festnageln ein paar mal diesen wieder zurück zu ziehen. Aber von diesen kleinen Schwierigkeiten ließ ich mich nicht beirren, ich schlug weiter einen Nagel nach dem anderen in den Huf und am Ende saßen alle vier Eisen bombenfest. Ich bat Occulta die Stute im Trab auf und abzuführen, damit ich sehen konnte ob sie gut lief. Da ich keinerlei Unklarheiten erkennen konnte war Cassiopeia für dieses Mal erlöst und durfte wieder zurück in ihre Box.​
      Während Occulta die nächste Stute holte, legte ich mir vier neue Hufeisen zurecht und machte die Raspel ein wenig sauber. Aus der Ferne sah Shades of Gray nicht viel größer aus als Cassiopeia, aber als die graue Stute dann vor mir stand fühlte ich mich noch viel kleiner als sonst, die Gute überragte mich mit ihrem Stockmaß mit Sicherheit um 10 cm und schien auch noch ein wenig unruhiger zu sein als ihre Vorgängerin. Bevor ich mit der Arbeit begann machte ich mich wieder erst mit der Stute bekannt, ich strich ihr über die Stirn und ließ die meine Hand ablecken, als sie anfing an meinen Haaren zu knabbern schob ich ihren Kopf sanft zur Seite und widmete mich ihren Hufen. Shades of Gray war noch jung und die Hufe waren wie zu erwarten noch sehr gut, ich entfernte mit einer Bürste ein paar Strohhalme und ein den groben Dreck und schnitt dann mit dem Messer vorsichtig nur wenig Hufhorn ab. Die Raspel benötigte ich bei den Vorderhufen so gut wie gar nicht ich nahm sie nur um die Unterseite des Hufes ein bisschen zu glätten damit die Aluminium Eisen anschließend gut auf den Hufen lagen. Die Hinterhufe wurden mir ebenso vertrauensvoll gereicht wie die Vorderhufe und auch hier schnitt ich das Hufhorn mit den Messer ab und ging anschließen kurz mit der Raspeln drüber. Dann war es Zeit für den Beschlag. Ich schlug die Eisen wie zuvor auch mit einem großen Hammer zurecht, sodass sie perfekt auf die Hufe passten, beim Festnageln an den Vorderhufen fing Shades of Gray wieder an, an meinen Haaren zu knabbern und​
      zwickte mir das ein oder andere Mal ins Bein. Ich grinste vor mich hin und versuchte mich auf meine Arbeit zu konzentrieren. Nach drei Hufen gingen mir die Nägel aus und ich musste kurz zum Auto um neue zu holen, Shades of Gray stand in der Zeit ein bisschen schräg auf nur drei Hufeisen aber keine zwei Minuten später war auch das letzte Eisen angebracht und die Stute trabte über den Hof und durfte dann wieder zurück in den Stall.​
      Als letztes brachte Occulta die Stute Campina heraus, das was ihr an Größe fehlte machte sie durch ihr Rumgezappel wieder wett. Erst wollte sie nicht so recht stehenbleiben und dann fing sie an mit den Hufen auf dem Boden zu scharren. Ich ignorierte dies einfach und fasste die Stute nicht an bis sie aufgehört hatte, diese Methode hatte sich für mich bisher als beste herausgestellt, da das Pferd so keinerlei Aufmerksamkeit bekam und von allein merkte, dass es damit gar nichts ausrichten konnte. Nachdem dann wieder Ruhe war und Campina brav da stand, fing ich mit meiner Arbeit an. Die Hufe hatten es wirklich dringend nötig, ich schnitt einige Zentimeter des Horns ab und auch mit der Raspel hatte ich im Vergleich zu den anderen viel zu tun. Aber nach guten 10 Minuten waren alle vier Hufe wieder auf eine ordentliche Länge gebracht, einmal war die Stute zwar so weit zur Seite getreten, dass ich den Huf wieder absetzen musste damit sie nicht umfiel aber im Großen und Ganzen war alles ohne größere Geschehnisse abgelaufen. Die Hufeisen waren da schon eine größere Herausforderung, das Anpassen weniger, aber dafür das Festnageln umso mehr. Immer wieder versuchte Campina ihre Hufe zurück zu ziehen und ich hatte alle Mühe die Nägel im richtigen Winkel in den Huf zu schlagen. Nach der ganzen Prozedur stand die Stute aber wie eine Eins da und ich war vollkommen fertig. Occulta führte auch sie zum Abschluss einmal auf und ab, sie lief zwar etwas ungewohnt mit ihren neuen Schuhen, aber das würde sich in den nächsten Stunden legen. Ich räumte meinen ganzen Kram wieder ins Auto und verabschiedete mich dann ganz herzlich von Occulta und hoffte ich würde noch das ein oder andere Mal auf diesen schönen Hof kommen dürfen, um hier meine Arbeit zu verichten.​
    • Rasha
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      Bei Occulta wartete heute ein Großauftrag auf mich. Drei ihrer Pferde sollten beschlagen werden. Da sie Aluminiumeisen gewünscht hatte, überprüfte ich noch einmal den Vorrat in meinem Auto, bevor ich mich auf den Weg zu ihr machte.

      Als ich auf den Hof einbog, kam mir Occulta bereits mit einem schicken braunen Vollblut entgegen. Ich stieg aus dem Auto aus und begrüßte sie. „Hallo, schön, dass du da bist! Das hier erst der erste Kanditat für heute, er heißt Sunday Morning“, begrüßte sie mich.

      Ich nahm meine Lederschürze aus dem Auto und holte das Werkzeug heraus. Dann ging ich zu dem Hengst, den Occulta bereits am Putzplatz angebunden hatte. Mit einem Leckerli begrüßte ich den Braunen. Freundlich schnupperte er an meiner Hand und nahm sanft den Leckerbissen. Mit dem Hufkratzer säuberte ich seine Hufe, um die alten Eisen dann vorsichtig mit der Zange zu entfernen.

      „Ich werde die Hufe kürzen und in Form schneiden. Anschließend bringe ich die Aluminiumeisen auf. Aluminiumeisen gehören zu den Kaltbeschlägen, da dieses Material beim Erhitzen an Festigkeit verliert. Zudem müssen die Eisen alle 4 Wochen erneuert werden. Ein Aufbrennen in diesem kurzen Intervall würde den Huf schädigen“, erklärte ich Occulta.

      Mithilfe der Kneifzange knipste ich das überstehende Horn ab. Unterdessen blieb der Hengst brav stehen. Mit dem Hufmesser schnitt ich Hufe und Strahl in Form. Anschließend holte ich den Hufbock und korrigierte die Hufform noch abschließend mit der Feile. Das ganze Prozedere störte Sunday Morning nicht. Neugierig beobachtete er mich, blieb aber brav stehen.

      Aus meinem Vorrat an Eisen suchte ich die passenden Aluminiumeisen für den Hengst heraus und brachte diese mit dem Hammer in Form. Schnell waren die Eisen angenagelt und der Hengst konnte mir in Schritt und Trab vorgeführt werden. „Alles sitzt wie es soll, er läuft super“, sagte ich.
      „Alles klar, dann hole ich mal das nächste Pferd“, antwortete Occulta.

      Auch das nächste Pferd war ein prachtvolles Vollblut. Shades Of Gray trug ihren Namen zu Recht. Zahlreiche Grautöne zeigten sich auf dem Fell der Stute.

      Neugierig schnüffelte die Stute an meiner Jackentasche, während ich ihr den Dreck aus den Hufen entfernte und mir einen Überblick über deren Zustand verschaffte. „Die Hufe sehen gut aus, ich denke, wir müssen hier nicht viel machen“, sagte ich zu Occulta. Mit der Zange entfernte ich die alten Eisen. Auch darunter war das Horn in gutem Zustand.

      Zunächst kürzte ich die Huflänge mit der Zange, um danach das lose Sohlenhorn mit dem Hufmesser zu entfernen und Hufe und Strahl in Form zu schneiden. Da die Stute bereit öfter beim Hufschmied gewesen war, ließ sie sich alles gefallen und blieb brav auf der Stelle stehen.

      Nun holte ich den Hufbock und stellte ihren linken Vorderhuf darauf. Neugierig beobachtete sie von Oben, was ich nun tat. Mithilfe der Feile verlieh ich der Hufform den letzten Schliff. Als alle vier Hufe wieder in guter Form waren, suchte ich auch für Shades of Gray die passende Eisengröße heraus. Auch sie erhielt den Kaltbeschlag mit Aluminiumeisen, welche ich zuvor mit dem Hammer angepasst hatte. Das Aufnageln der Eisen geschah flott und nachdem ich die Nagelenden auf der Hufoberseite abgeknipst hatte, wurde mir die Stute auch noch einmal vorgeführt.

      „Bald hast du es geschafft, nun kommt das letzte Pferd für heute“, sagte Occulta, während sie Shades of Gray zurück brachte. Dann kehrte sie mit Spottet Timeout, ebenfalls einem VB, aber in „Sonderfarbe“ zurück zum Putzplatz.

      Der Hengst schmiegte seinen Kopf an Occulta, während ich den Dreck entfernte und mir einen Überblick über seinen Hufzustand machte. „Seine Hufe sind schon ein wenig lang, sie scheinen schnell zu wachsen. Aber ich denke, da reicht es, sie ordentlich zurück zu schneiden. Du musst nur in Zukunft darauf achten und gegebenenfalls früher einen Hufschmied rufen“, erklärte ich ihr.
      Dann entfernte ich die alten Eisen und kürzte die Hufe auf eine anständige Länge. Währenddessen blieb der Hengst gut stehen, sodass ich mithilfe des Hufmessers zügig das lose Sohlenhorn entfernen und den Strahl ausschneiden konnte. Als ich den Hufbock holte, musterte der Hengst diesen kurz, entschied sich aber dafür, dass ihm dieses „Ding“ nichts anhaben würde. Mit der Feile raspelte ich die Hufe in Form.

      Auch für ihn hatte ich glücklicherweise die passende Eisengröße parat. Auf dem Amboss brachte ich die Eisen kalt in Form und nagelte diese dann an. Nachdem die Nagelenden gekürzt waren, führte mir Occulta den verschmusten Hengst in Schritt und Trab vor.
      „Alles ist in Ordnung, du kannst in zurück bringen“, sagte ich.

      Während der Hengst zurück in den Stall gebracht wurde, räumte ich mein Werkzeug zusammen. Die alten Eisen verschenkte ich an ein paar neugierige Kinder, welche mir beim Beschlagen zugesehen hatten. Stolz präsentierten sie ihre „Beute“ Occulta, die gerade zu uns kam. Ich bedankte mich für den Auftrag und wir erledigten das Geschäftliche. Dann stieg ich in meinen Wagen und machte mich auf den Weg nach Hause.

      (5009 Zeichen, lettercount.com, Text: Rasha)
    • Occulta
      Nachts fürchten die Mäuse den Jäger...

      Ich wachte nach einer unruhigen, mehr oder minder schlaflosen Nacht früh auf und begab mich zum Kühlschrank. Während ich nach einem geeigneten Joghurt kramte, plante ich den Morgen. Es würde alles etwas durcheinandergeraten nach meinem 'announcement', da war ich mir sicher. Doch verängstigte Mitarbeiter zu beruhigen war immer noch angenehmer, als Leichen zu entsorgen. Wenn es denn so weit käme... Vielleicht halste ich mir auch nur zu viele Sorgen auf. Als ich fertig gelöffelt hatte, schmiss ich das leere Gefäss in den Müll und öffnete mit wetterfesten Kleidern die Tür. Es Regnete und war neblig - was konnte es an so einem Morgen sonst sein. Ich seufzte kaum hörbar, aber reichlich genervt und machte mich auf zum Hauptstall. Es war noch finster und die Pferde dösten vor sich hin, als ich vorsichtig das Tor aufschob und eintrat. Winter, in einer der beiden vordersten Boxen, lag mit eingeklappten Beinen im Stroh und sah auf, sobald ich mich näherte. Er blieb jedoch liegen, als ich die Box öffnete und auf ihn zuschritt. Er röchelte sogar leise, und ich kniete neben ihn, um ihn zu kraulen. Es war unheimlich beruhigend, seine dunklen, verschlafenen Augen zu begutachten und seine Lippen entzückt zittern zu sehen. Nach einer Weile öffnete sich das Tor erneut; Quinn und Ajith tauchen in der Öffnung auf. Einen Moment sahen sie sich verwirrt um, dann hörten sie meine Stimme und kamen zur Box. "I woke up earlier. You weren't expecting murderer inside here, were you?" Ajith zeigte sich bestürzt. "What?? No, why?" "Because there's a murderer spraying around in our forests." "No way! And what are we going to do?" Ich schwieg einen Moment. "We inform the others as soon as possible, but then we go on as normally and hope thqt the policemen do their work." Die beiden nickten und ich stand auf, um den besorgten Gesichtern ebenbürtig zu sein. Ich klopfte Winter zum Abschied auf den Hals und verliess seine Box. Wir holten die Schubkarre und füllten sie mit Heu, während nach und nach auch die anderen Pfleger auftauchten. Bald war der Stall erfüllt von munterem Geplapper und dem Scharren und Schnauben der Pferde. Dann hielt ich meine kleine Rede. Und schon war die fröhliche Stimmung ersetzt durch sorgenvolles Schweigen. Keine lustig pfeifenden, witzelnden Pfleger mehr, nur stille Arbeiter. Ich beschloss neutral zu bleiben und lief zu Paints Box - es war Zeit fürs morgendliche Training. Oliver hatte die Pferde ihren Reitern schon am Vorabend zugeteilt, es änderte sich aber kaum etwas im Vergleich zum Wochenplan. Die schwarze Stute begrüsste mich mit ihrer weichen, rosa Schnauze. Ich streichelte das samtige Fell an ihrem Hals und kraulte sie liebevoll hinter dem Ohr, bevor ich ihr das Halfter überzog. Anschliessend band ich sie in der Stallgasse an. Ich öffnete die Schnallen ihrer Fleece Decke und zog sie nach hinten, liess sie jedoch halb auf der Kruppe liegen, denn die Stute war geschoren und um halb sechs war es bekanntlich noch ziemlich frisch, draussen und in der Stallgasse. Ich bürstete das kurze, stoppelige Fell gründlich und entwirrte ihren Schweif. Dann sah ich mir die Hufe an, prüfte ob die Eisen noch hielten und entfernte den Schmutz der Nacht. Weiter vorne in der Gasse richtete Oliver Blüte her, Iskierka wurde gegenüber von mir von Ajith betreut. Auch Gray, Cold, Mikke, Sumerian, Campina, Felicita, Indiana und Cassy wurden geputzt, heute Morgen trainierten wir nämlich alle Stuten zuerst. Diana sah mit ihrem neuen Zaumzeug extrem schick aus. Die Stute nahm zwar aufgrund ihres Alters nicht mehr an grossen Rennen Teil, diente den jüngeren Vollblütern aber als Vorbild und wurde in erster Linie mittrainiert, um sie für's Military fit zu halten. Als alle fertig waren und ihre Pferde nach draussen zum Aufsteigen führten, löste auch ich den Strick von Paint und ging mit der Stute ins Freie. Vor uns hob und senkte sich das muskulöse Hinterteil von Cassy. Ich beobachtete entzückt, wie ihr seidiger, weisser Schweif im Takt dazu Tanzte. Ich war unheimlich froh, die Stute übernommen zu haben, denn sie musterte sich mehr und mehr zu einem talentierten Galopper. Bei ihrer Abstammung war das ja auch kein Wunder. Ich zog den Reissverschluss meiner Fleecejacke höher, trotzdem zitterte ich noch vor Kälte. Bald nicht mehr, dachte ich schmunzelnd. Auch Paint war zappelig, sie kreiste um mich als ich mich in die Reihe stellte um von Oliver auf's Pferd geschmissen zu werden. Mit den kurzen Steigbügeln war es schwer, ohne Hilfe hochzukommen und der kleine Hocker, der bis anhin diese Hilfe geleistet hatte, hatte vor drei Tagen den Geist aufgegeben, sehr zum Pech von Quinn, die danach erschrocken halb am Pferd hing. Ich massregelte Paint und hielt sie einigermassen ruhig, bis ich endlich oben war, dann liess ich sie zügig den anderen zur Galoppbahn folgen. Wir ritten im Gänsemarsch eine Runde schritt, dann trabte die ganze Reihe auf Kommando an. Paint ging schwungvoll und locker, trotz der Temperaturen, aber Grey vor mir zog den Schweif ein wenig ein. Nach einer weiteren Runde wurde es besser. Wir wechselten die Seite und galoppierten schliesslich nach ein wenig linksseitigem Trab an. Nach einem Umlauf verliessen wir die Bahn über den sauber gewischten Kiesweg und ritten zu den Startboxen. Natürlich hatten nur acht Pferde in den acht Boxen Platz, weshalb wir zwei Gruppen bildeten. Per Handzeichen wurde bestimmt, dass Caprice, Felicita, Blüte, Iskierka und Paint zur ersten Gruppe zählten. Ich entschied mich für die dritte Box und trieb Paint hinein, doch sie ging sowieso freiwillig da sie wusste, dass sie gleich rennen durfte. Ich spannte die Zügel, hielt sie kurz, nahm die Startposition ein, um beim Absprung nicht aus dem Gleichgewicht zu kommen. Endlich waren alle drin und Ajith, der als "Bodenpersonal" dabei war, rief uns die Kommandos zum fertig machen zu. Dann sprangen die Türen auf und Paint beförderte uns kraftvoll von Anfang an an die Spitze. Ich hielt mich ein wenig an der Mähne der grossen, schwarzen Stute und war froh um meine Schutzbrille, denn die Morgenluft schlug mir eisig ins Gesicht. Ich wagte beim 500-Meter-Pfosten einen Blick über die Schulter und sah, dass Blüte aufholte. Ich liess sie passieren, denn ich wollte Paints Energie für den geplanten Kopf-an-Kopf Schluss sparen. Auch Felicita kam neben uns und hielt diese Position bis zum 1000m-Pfosten. Nun ging es nochmals in die Kurve, danach folgte die Zielgerade. Alle Pferde schlossen zueinander auf und Blüte und Felicita teilten sich die Spitze. Ich gab Paint etwas Zügel frei, sodass wir auch vorne mitmischen konnten. Kierka hängte sich links an Paints Flanke, nur Capri blieb verschollen. Ich drehte mich nochmals kurz und sah die Fuchsstute in einer Pferdelänge Abstand folgen, Tendenz steigend. Die Stute war noch immer nicht wieder 100%ig fit, da erstaunte dieses Schwächeln auf der Bahn nicht. Ich gab Paint nochmals etwas Zügel frei, sodass sie sich streckte und wir mit einer Nasenlänge gewannen. Ich tätschelte ihren Hals, während ich mich aufrichtete und sie auslaufen liess. Als sie in den Trab, und schliesslich in den Schritt fielen, sammelten sich die Pferde und Reiter wieder und ritten gemeinsam zurück zur Startmaschine. Oliver kam auf Aerith angetrabt. Die Stute wurde mittlerweile als Trackpony ausgebildet und eingesetzt, neben den Westernturnieren, die sie regelmässig lief. Oliver wollte später mit Iskierka und Campina das vom-Pony-aus-geführt-werden trainieren. Doch zunächst war die zweite Gruppe auf der Bahn. Ich reihte Paint und mich neben Caprice ein und wir beobachteten das Schauspiel vom Bahnrand aus. Die Türen flogen auf und alle sechs Pferde schossen aus dem Metallgeflecht hervor. Indiana teilte sich sogleich die Spitze mit Gray. Die erfahrene Stute hatte Tendenzen zum Sprinter, Gray jedoch war ganz klar Steher und sollte am Anfang eher im Mittelfeld bleiben, da sie zu wenig ausdauernd war, um das Tempo durchgehend zu halten. Oliver rief die Anweisung, die mir auf der Zunge lag: David solle sie doch endlich zurücknehmen. Unser Trainer hatte wie immer ein Auge für Feinheiten und war unterdessen zu uns getrabt, um diese Details zu besprechen. "Occu, let her go at approximately 900 meters next time. She is old enough to start early." Ich nickte als Zeichen der Kenntnisnahme und kraulte Paint stolz am Widerrist. In der Bemerkung war nämlich ein verstecktes Lob für ihre raschen Fortschritte gewesen. Campina hatte mittlerweile Gray an der zweiten Position abgelöst und Cassy folgte dicht neben der dunkelgrauen Stute. Zu dicht. "Stay away from Gray, or do you want to trap over her legs!", schrie Oliver in gereiztem Tonfall über die Bahn zu Darren. "I told him last time already, but je won't change a bit until the horse has a broken leg!", meinte er an uns gewandt. Ich schwieg und verfolgte das Training. Der 1000m-Pfosten war passiert, nun wurde es erst richtig heiss. Indiana wurde von Cassy überholt, Sumerian tauchte aus dem Nichts auf und zog an Gray vorbei, Crack schob sich vor Campina. Sumerian konnte das Tempo mangels Ausdauer allerdings nicht lange halten und fiel rasch wieder zurück. Indiana entwickelte zwar guten Schub, konnte mit den leichten Jünglingen jedoch nur schwer mithalten. Gray lieferte sich auf den folgenden Metern einen spannenden Kampf mit Crack, die schliesslich richtig zulegte und sich sogar vor Cassy schob, allerdings nicht lange. Die Palominostute mit den grossen Abzeichen verteidigte die Spitze bis zum Schluss. Wir jubelten den heftig atmenden Körpern von Reiter und Pferden über die Bahn zu, ehe wir selbst auf die Bahn zurückkehrten um ein paar fliegende Starts zu üben. Der Nebel hing immer noch erdrückend über unseren Köpfen, doch immerhin hatte es aufgehört zu regnen. Paint lief etwas zögerlich, vielleicht war sie noch erschöpft vom Rennen. Meine Sorge stieg jedoch, als sie auch nach vier Starts noch nicht gut wegkam. Normalerweise hatte sie mit dem Starten kaum Probleme. Ich rief Oliver, damit er sie sich ansah und tatsächlich: nach einer kurzen Demonstration schüttelte er den Kopf und winkte uns zu sich. "I think there's something wrong with her right foreleg. I'll call the vet." Solche Nachrichten waren in einem Rennstall sehr ungern gesehen, ich hoffte aber natürlich das Beste. Ich liess mich hinuntergleiten und führte die Stute, sorgsam beobachtend, in den Hauptstall zurück. Dort versorgte ich sie mit allem was sie brauchte, schmierte etwas Kühl Gel auf das betroffene Bein und zog ihr die blaue Fleece-Decke an. "Good girl, you'll be back in few days, I'm sure", flüsterte ich, etwas bedrückt. Ich schloss die Boxentür und holte Sheela und Jacky aus dem Haus. Auch die anderen Jockeys waren mittlerweile fertig und versorgten ihre Pferde, ehe sie sich versammelten, um die Hengste aufzuteilen. Ich wählte Sunday, denn ich hatte ihn die ganze letzte Woche Quinn überlassen. Nun wollte ich die Feinheit und Kraft des Hengstes selbst wieder geniessen. Wir trainierten wie zuvor, doch nach den Übungsrennen wurden Gruppen gebildet, um das Abteilungsreiten zu fördern. Die Pferde mussten bei ihrer Gruppe bleiben, selbst im rasenden Galopp. Sie mussten geduldig sein und auf die Hilfen ihres Reiters hören. Ich hängte mich an die Gruppe mit Stromer, Muskat, Winter und Chiccory. Die andere Gruppe bestand aus Fly, Light, Cantastor, Spot und Empire. Was für ein Gefühl das ist, mit fünf bebenden Hochleistungssportlern in einer Reihe über die Bahn zu jagen! Besonders wenn ein Pferd wie mein Sunday so fein mitmacht. Ich beobachtete ausserdem die anderen Pferde mit scharfem Auge, sodass ich mir fast wie Oliver vorkam. Frame war noch immer nicht beim Training dabei. Er war zwar schon mehrfach auf dem Platz kurz von mir geritten worden, doch ich wollte zuerst sicherstellen, dass er gut ausgebildet war und nicht überfordert wurde, ehe ich ihn mit zum Konditionstraining nehmen würde. Auch Oliver hatte mir dabei zugestimmt. Ich musste lachen, als Chiccory sich nach dem letzten Galopp schüttelte, als hätte er Fliegen in den Ohren. Dabei hatte Lisa ihm nur kurz ein Strohstück vom Ohr wischen wollen.

      Nachdem auch diese Trainingseinheit zu Ende war, gab es erst einmal eine Kaffee Pause. Selbstverständlich erst, als die wertvollen Tiere zufrieden in ihrer Box raschelten. Ich hatte Sundays Hufe eingefettet, damit sie nicht brüchig wurden. Dies war eines unserer Rituale, wie das tägliche Bürsten und das Abduschen nach harter Arbeit. Die Stimmung in der Sattelkammer liess nicht den geringsten Zweifel an der Sorglosigkeit der Pfleger zu, sie waren gute Schauspieler. Sie mussten immerhin regelmässig vor Publikum so tun, als ob alles im Griff sei. Schwäche zeigen wollte auf der Rennbahn keiner, es ging den meisten nicht nur um Geld, sondern auch um die Ehre. Die Pferde funkelnd, das Sattelzeug gepflegt und wie neu. Und ein nahtloser Ablauf, ohne sichtbare Kommandos oder Anweisungen. Jeder wusste, was zu tun war. So auch heute, zuhause. Keiner verlor ein Wort über meine Ansprache vor dem Training, alle lächelten. Ich kam mir seltsam verloren vor, in dieser Maskierten Welt. Wem konnte man trauen, wenn das Leben das reinste Gaukelspiel war? Plötzlich ertönte ein lauter Knall, augenblicklich flutete eine erschrockene Stille den Raum. Ein Jäger? Ein Knallen eines Motors? Ich malte mir einige Szenarien aus, während ich mit Ajith und Lewis nach draussen hastete. Stille - wie im Raum zuvor. Dann ein zweiter Schuss, Hilfeschreie. "What the - " Ich stürzte um die Ecke und erblickte unseren Nachbaren, einen sonst so friedvollen, älteren Herren, mit seinem Jagdgewehr in der Hand. Er gestikulierte wild umher und deutete auf einen parkierten Ford, hinter dem jemand kauerte. Lewis und Ajith umstellten den Wagen und packten die Person, ich beruhigte den Bauern. "It is him, he is it! The murderer! I know it!" Der verängstigte junge Bursche stotterte einige unbedeutende Worte, ehe seine Stimme versiegte. Nie und nimmer ist er ein Mörder. Wir klärten das Ganze auf dem Parkplatz, und schon nach einigen Sätzen wusste ich, was tatsächlich vorgefallen war. Der Junge hatte am Morgen wie gewohnt die Arbeit auf dem Lehrbetrieb aufnehmen wollen, doch das Tor war noch verschlossen gewesen, vermutlich als Vorsichtsmassnahme gegen Killer. Daraufhin hatte sich der Junge als Kletterkünstler erwiesen, denn er war kurzerhand auf den Baum neben dem Bauernhaus geklettert, um über den Zaun zu kommen. Der Bauer hatte kaum das raschelnde Laub, die kräftigen Arme und die dunkle Hose des Burschen erblickt, als er schon zur Flinte griff und hinausstürmte. Der Junge, erschrocken über die Reaktion des Bauern, empfand es als klüger, das Weite zu suchen. Dadurch sah sich wiederum der Bauer bestätigt in seiner Annahme und nahm die Verfolgung auf. Ich schüttelte lachend den Kopf, als die Story geklärt war. Die beiden gaben sich noch immer misstrauisch die Hand zur Versöhnung, dann kehrten sie nach einem Beruhigungstee zurück auf ihr Land. Lewis, Ajith und ich sahen uns vor Erleichterung grinsend an. Doch in meinem Kopf sortierte ich die wilden Gedanken der Sorge. Wenn nun schon unser Nachbar so durchdrehte, wie konnten wir dann entspannt hier warten und uns in Sicherheit wägen?
      Alle hatten die Arbeit wieder aufgenommen, einer lag ruhig im Stroh. Lisas Schreie liefen mir kalt den Rücken hinunter. Ich raste mit Jonas zum Schauplatz und bemerkte, wie es ihm fast den Magen umkehrte. Vor uns lag der Elektriker, mit einem verheissungsvollen roten Flecken auf der Brust und im friedlichen, ewigen Schlaf. Ich habe schon schlimmeres gesehen, zum Beispiel zerstückelte Ehemänner, dachte ich bitter. Jonas betreute Lisa, während ich die Polizei rief. Jetzt musste alles schnell gehen - vielleicht waren Spuren auf der Leiche. Etliche Stunden später war klar; der Täter war kein Amateur. Er hatte nicht den geringsten Tipp hinterlassen. Sie jagen ein Phantom, welches uns alle jagt...

      Ich biss mir auf der Unterlippe herum, während ich den Stall der Ministuten ausmistete. Ständig horchte ich auf, in der Erwartung, einen weiteren Schrei zu hören. Doch es blieb still. Totenstill. Nicht einmal die Pferde waren in der Lage, diese erdrückende Stille zu durchbrechen. Sie schnaubten lediglich hin und wieder leise. Als ich mit den Minis fertig war, befasste ich mich mit den dreijährigen Ponys. Sie waren mittlerweile alt genug um eingeritten zu werden. Zwar standen alle drei noch auf der Fohlenweide, doch wir hatten bereits mit Longentraining und Sattelgewöhnung begonnen. Obwohl alle drei etwa gleichzeitig mit dem Training begonnen hatten, waren erhebliche Unterschiede zu erkennen. Lychee machte fast täglich grosse Fortschritte und arbeitete eifrig mit, manchmal fast zu eifrig. Sweets hingegen war etwas zurückhaltender und brauchte länger, um den Gurt zu akzeptieren. Bluebell war unkompliziert und lernfreudig, mochte es aber überhaupt nicht, angebunden zu werden. Ich fasste eines der schwarzen Standardhalfter und streifte es Sweets über die kurzen Ohren. Sie kam brav mit, als ich mit ihr die Strecke zur Halle lief, bloss hin und wieder drehte sie den Kopf und wieherte. Ein Wohlklang in der Einsamkeit an diesem Nachmittag - dachte ich schmunzelnd. Ich schritt zügig voran und schob das Hallentor auf. Drinnen wärmte Rosie gerade Ocean auf, wie vereinbart. Auch Jockeys mussten ab und zu ein wenig Dressur reiten, um nicht aus der Übung zu kommen, und so konnte ich auch gleich die erfahrene Stute als Lehrmeister für Sweets einsetzen. Kaum erblickte sie Ocean, da wurde Sweets auch schon deutlich ruhiger und konzentrierter. Ich hängte zunächst die Longe ein und liess sie im Schritt um mich herum gehen. Sie tat dies nun zum vierten Mal und wusste bereits, dass sie auf der Kreisbahn bleiben musste. Nur die Biegung konnte noch verbessert werden. Nach vier Runden rief ich deutlich "Trot" und machte etwas Druck mit der Longiergerte, sodass sie beides verknüpfen konnte. Die junge Stute lief schwungvoll - sehr schwungvoll, ich musste sie in ihrem Eifer bremsen. Beim angaloppieren kamen dann die berüchtigten Freudensprünge, doch ich hatte damit gerechnet und vorsorglich Handschuhe angezogen. Nun war es an der Zeit, den Gurt und den Sattel zu holen. Sie wirkte auf den Longiergurt wie zuvor skeptisch, blieb aber still stehen und liess mich ohne zu zicken anziehen. Ich lobte sie einige Male, während ich den Gurt löste und wieder anzog. Als ich das Gefühl hatte, dass sie entspannter sei, holte ich den Sattel und den richtigen Gurt. Ohne zu zögern schwang ich ihn auf Sweets' Rücken und zog den Gurt an, ehe ich ihn wieder löste und das ganze Spiel wiederholte. Später ging ich einen Schritt weiter und longierte sie mit Sattel. Zum Schluss führte ich Sweets noch ein wenig durch die Halle und machte Gehorsamkeitstraining. Danach brachte ich sie in den Nebenstall, wo bereits drei Boxen hergerichtet worden waren. Ja, es war Zeit die Terrorherrschaft der drei Ponys über die anderen Fohlen zu beenden. Sweets zögerte etwas, als ich sie in die hinterste Box führte, sie schien zu ahnen, dass ihr leichtes, sorgloses Dasein auf der grünen Wiese vorbei war. Doch sie wird bald herausfinden, dass es gegen ein anstrengendes, aber spannendes Leben eingetauscht wird, dachte ich schmunzelnd und stellte mir einen herrlichen Wintergalopp mit Sweets vor. Ich liess die kleine Stute in der Box zurück, was ihr so gar nicht passte. Sie lief im Kreis und wieherte nach ihren Kollegen. Den frischen Heuhaufen zu ihren Hufen beachtete sie nicht. Aus einiger Entfernung kam eine gedämpfte Antwort, offenbar wurden Lychee und Blue gerade von Jonas und Rosie geholt. Alles verlief reibungslos: auch die beiden wurden in ihre neuen Boxen gebracht. Blue beschnupperte Sweets prüfend durch das Gitter, dann entspannten sich alle sichtlich und Lychee begann zu fressen. Bald senkte sich auch der letzte Kopf dem Heu entgegen und Ruhe kehrte im Nebenstall ein. Jonas nahm mich spielerisch in den Arm, doch ich war nicht in der Stimmung für Flausen; noch immer horchte ich ständig nach Ungewohntem. Ich kam mir vor wie in einem Krimi. Wir schlenderten zum Hauptstall und ich half beim Wischen.

      Die Dunkelheit schlich sich langsam über den Horizont auf die Britischen Inseln zu und mit ihr die Angst. In der Nacht hatte der Killer bisher gejagt, das war auch überaus vernünftig gewesen. Ich sah zumindest die Logik darin, auch wenn das meine und der Pfleger Situation nicht sonderlich zu bessern vermochte. Ich hatte mich überreden lassen, mit Quinn, Rosie, Lily und Lisa im "Pflegeheim", wie es scherzhaft genannt wurde, zu übernachten. Ich musste zugeben, dass mich der Gedanke an mein einsames, dunkles Zimmer nicht gerade gelockt hatte, doch alles war besser als mit Lisa in einem Raum zu nächtigen - was mir leider viel zu spät klar wurde. Sie plapperte den ganzen Abend mit ihrer schrillen Stimme, als wäre dies eine spassige Pyjamaparty, und spätestens mit ihren etwas taktlosen Horrorszenarien über den Tod des Elektrikers verlor sie den letzten Zuhörer. Ich meinerseits litt bereits an Kopfschmerzen und floh in den Gang hinaus. Im Aufenthaltsraum brannte Licht, Lewis, Darren und Jonas sassen auf den Sofas und unterhielten sich gedämpft. Ich setzte mich wortlos auf den erstbesten Platz der mir einfiel: die Armlehne neben Jonas. Er blickte mich einen Moment geheimnisvoll an, dann wandte er sich wieder den anderen beiden zu. "Do you think they'll catch him soon?" "Nay, he seems to be very clever and of course our dear officers are too lazy, they have not had anything like this since they work here", meinte Lewis. Er fuhr sich gähnend mit den Fingern durch die hellrote Mähne, dann grinste er verheissungsvoll. "I'll go to bed now, or I'll be dead tomorrow." Ich lächelte halbherzig und sah Darren und Jonas an, mit der Erwartung, dass sie ebenfalls aufstehen würden. Doch sie fuhren fort mit dem Gespräch. "They must certainly have found something, or at least they will, 'cause nobody is perfect. He'll make mistakes, like people do" brummte Darren. Jonas konterte: "Jack the Ripper blieb auch verschollen." Darren wollte etwas entgegnen, schloss den Mund jedoch, stumm. Jonas sah mir wieder in die Augen, als wollte er meine Meinung hören. Ich überlegte, dann antwortete ich: "Mir war es egal, wann und wie sie ihn fassen. Solange er einen grossen Bogen um Pineforest Stable machte. Aber das hat er nicht getan, also hoffe ich, dass sie ihn schnappen und er in der Hölle schmort." "Woher weisst du, dass es ein 'er' ist?", wollte Darren wissen. "Ich glaube kaum, dass eine Frau genug Kraft gehabt hätte, um den Elektriker niederzuringen... Abgesehen davon wäre eine Frau geschickter vorgegangen und hätte die Leiche gleich verschwinden lassen." Jonas sah mich gespielt böse an und stupste mir in die Seite, ich musste lachen, da ich schon immer zu den eher Kitzligen gehört hatte. Dann schlang er plötzlich seinen Arm um mich, zog mich von meinem Platz auf seinen Schoss und fasste meine Hand. Ich lachte noch immer, versuchte meine Verwirrung zu verbergen. Darren stand auf und murmelte etwas von wegen "Gute Nacht ihr Turteltäubchen" auf Englisch, ehe er grinsend in einem der Zimmer verschwand. Ich protestierte, in der Hoffnung, dass er es noch hören würde. Mir war bewusst, wonach dieses Szenario aussehen musste, doch ich wusste auch, dass Jonas es nicht ernst meinte (das tat er ja anscheinend nie) und ich wollte keine falschen Gerüchte über uns im Umlauf haben. Besonders Lisa fände solch eine Geschichte bestimmt spannend. Ich schauderte bei dem Gedanken. Jonas wollte mich nun hinlegen, indem er mich hochhob. Ich sperrte mich im ersten Augenblick, doch dann gab ich nach. Mein Herz klopfte, trotz all der Zweifel - ich liess mich fallen. Er legte sich ebenfalls hin, Ende des Spiels war, dass wir beide auf dem Sofa ausgestreckt waren, ich an ihn gekuschelt. Ich hatte mich damit abgefunden, mehr noch; ich begann es zu geniessen. Trotzdem da die übliche Vernunftsstimme in meinem Kopf hallte, "Du weisst, das das nichts ernstes ist". Er fragte leise: "Bequem?" Ich nickte. Ich musste zugeben: es war schon warm und angenehm, wie er den Arm um mich legte. Und das sanfte streicheln seiner Finger über meine Hand jagte mir ein Kribbeln quer durch Körper. Wir lagen dort bestimmt eine halbe Stunde, in der zunächst ich ständig prüfend zur Tür starrte, fest entschlossen bei einer Bewegung sofort aufzuspringen. Ich kann das hier jederzeit beenden, und ich werde ihm auch nicht wieder hinterher trauern. Doch auch nach fünfzehn Minuten war kein Lebenszeichen der Tür zu erkennen, also entspannte ich mich vollends. Und dann war der Spuk auch schon vorbei. Aus einem der vorderen Zimmer rief jemand: "Jonas come here, we want to sleep. If you do not, you have to stay outside!" Er zuckte zusammen und ich stand auf, damit er sich aufrichten konnte. Ein letztes Mal durchwuschelte ich seine dunklen Locken, dann liefen wir gemeinsam zum Gang und trennten uns. Etwas wehmütig war ich schon, denn ich hatte es insgeheim sehr genossen, mit dem Ohr auf seinem Brustkorb dem Herzschlag zu lauschen, oder seinen warmen Atem zu fühlen. Doch ich legte mich in eines der leeren Betten, die anderen schliefen bereits, und leerte meinen Kopf von allen Geschehnissen des Tages, ehe ich in einen kurzen, aber tiefen Schlaf sank.
    • Eowin
      Tierarztbericht für Shades of Gray

      „Das ist Shades of Gray“, wurde mir das nächste Pferd vorgestellt.
      „Na dann hoffen wir mal, dass die nicht so drauf ist wie der Typ aus dem Roman!“, lachte ich.
      „Nein, nein, die ist eigentlich ganz lieb. Nur manchmal etwas frech.“
      Da war ich ja beruhigt. Einen Sadisten als Patienten konnte ich nun nicht wirklich gebrauchen.
      Stutzig machte mich, dass die Kleine nach einem Mann beziehungsweise nach einem Roman mit einem Mann als Hauptperson benannt war. Vom Namen her hatte ich zuvor gedacht, dass hier ein Hengst auf mich zu kommen würde.
      Es zeigte sich jedoch, dass sie wirklich brav, wenngleich temperamentvoll war. Sie ließ sich artig impfen und nahm die Wurmkur ebenfalls ziemlich anständig.
      „Das war’s dann auch schon!“, grinste ich und klopfte der Stute den Hals.
    Keine Kommentare zum Anzeigen.
  • Album:
    Gnadenweide
    Hochgeladen von:
    Occulta
    Datum:
    13 Juni 2013
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  • Offizieller HG

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    Vom: Chiccory Ox


    Vom: Ehrengold

    Vom: Solo


    Vom: Sir Lemon Ice xx
    Aus der: Professional Illusion xx


    Aus der: Shew O'Gold

    Vom: Guaranteed Gold

    Aus der: Shew

    Aus der: Black Pearl


    Aus der: Catching Fire


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    Rufname: Gray
    Geburtstag: 13.06.
    Alter: 8 Jahre
    Stockmaß: 1.74 m
    Rasse: Englisches Vollblut
    Geschlecht: Stute
    Fellfarbe: Gray
    (Ee,aa,Gg)
    Abzeichen: Halbweisse Fessel VR, unregelmässige Blesse
    Gesundheit: sehr gut


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    Fleissig, brav, temperamentvoll, manchmal frech


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    Gray ist alles in allem eine sehr brave und fleissige Stute, die gerne mal einen Gang schneller geht als die anderen. Sie hat auch manche Flausen im Kopf, aber das macht sie einzigartig.


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    Besitzer: Occulta
    Ersteller: Occulta
    VKR: Occulta
    Verkäuflich: Nein


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    Gekört: Ja
    Nachkommen: PFS' Storm Cat (mit Leihmutter)
    Decktaxe: nicht leihbar!


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    Galopprennen Klasse: S***
    Western Klasse: E
    Spring Klasse: A
    Military Klasse: L
    Dressur Klasse: E
    Distanz Klasse: A

    Eignung: Galopprennen, Military
    Eingeritten: Ja


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    [SK 428]
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    2. Platz 272. Galopprennen
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    1. Platz 185. Militaryturnier
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    1. Platz 189. Distanzturnier
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    Gray's Spind