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Occulta

• Numair, Araappaloosa ♂

Hengst | Schabrackentiger

• Numair, Araappaloosa ♂
Occulta, 26 Okt. 2013
Cooper gefällt das.
    • Pepe
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      „Kannst du vorbei kommen?“, rief Occulta ins Telefon. Ich warf einen schnellen Blick auf die Uhr und bejahte. „Ben? Ich bin gleich wieder da!“, rief ich in den Stall und stieg ich den Wagen.
      Eine halbe Stunde später kam ich auf Pineforest an. Occulta erwartete mich bereits mit 2 Pferden.
      „Danke, dass du es so schnell einrichten konntest.“, begrüßte sie mich und ich stellte meine Sachen ab. „Lass uns mit Numair anfangen, er wird schnell unruhig wenn er lange stehen muss.“ Ich nickte und betrachtete die Hufe des Hengstes. Numair war Barhufer, seine Hufe machten einen guten Eindruck. Ich hob einen der Vorderhufe an und prüfte das Horn auf Schmerzempfindlichkeit. Ich drückte an verschiedene Stellen, alles war in Ordnung. Das Horn war fest und trocken, aber weich genug, so wie es sein sollte. Ich überprüfte die restlichen drei Hufe und konnte nichts schlechtes feststellen. „Die Länge ist auch okay, da würde ich frühestens in 4 Wochen nochmal drüber schauen, ob etwas ausgeschnitten werde musste.“, riet ich Occulta, als sie Numair wieder auf die Weide brachte.
      Dann kam Ljóski an die Reihe. Der Isländer war ebenfalls Barhufer und döste in der Mittagssonne. Ich trat neben den Hengst und streichelte ihn. „Zwei Hübsche Kerle hast du dir da für die Körung ausgesucht!“, rief ich Occulta zu und nahm den rechte Vorderhuf hoch. Die Hufe des Hengstes waren nicht zu lang und gleichmäßig abgenutzt. Auch der Isländer reagierte nicht empfindlich auf Druck, das Horn war fest, allerdings etwas weich. „Worauf steht er denn zurzeit draußen?“, fragte ich Occulta. „Momentan stehen sie auf den Weiden, durch den vielen Regen in letzter Zeit ist es allerdings etwas matschig…“, antwortete sie. Ich nickte, das würde das leicht weiche Horn erklären. „Alles okay, scheinbar ist er etwas empfindlicher und seine Hufe nehmen mehr Wasser auf. Solange er ordentlich läuft und dir nichts auffällt, würde ich mir keine Sorgen machen.“
      Ich verabschiedete mich von Occulta und fuhr wieder nach Hause.
      -1988 Zeichen-
    • Eddi
      Clinic Caen - TÜV

      Nachdem ich das Gestüt Callisto hinter mir gelassen und eine kurze Pause zum Kaffee trinken gemacht hatte, ging es auf direktem Weg weiter zu meinem nächsten Kunden. Genauer gesagt meiner nächsten Kundin: Occulta Smith. Bei ihr war ich schon öfters gewesen und jedes Mal bewunderte ich das gigantische Gestüt mit den sportlichen Vollblütern! Es war immer wieder schön, bei Occu, wie sie von allen genannt wurde, vorbeizuschauen.
      Es war kurz nach zwei Uhr nachmittags, als ich mein Auto vor dem Stall parkte und von Occu begrüßt wurde. Zu meiner Überraschung passten meine beiden Patienten gar rassetechnisch so gar nicht in ihren Stall. Es handelte sich nämlich zum einen um einen Araapaloosa und zum anderen um einen Knabstrupper.
      Wir begannen mit dem Schecken Numair, welcher Occu bedacht aus der Box folgte und mich misstrauisch beäugte. „Die beiden haben Menschen in weißen Kitteln ganz besonders gern!“, meinte Occu lachend und führte mir den Hengst im Schritt und Trab vor. Dann schaute ich mir seine Augen und Zähne genauer an, um eventuelle Verfärbungen oder ähnliches festzustellen.
      Da ich dort aber nichts finden konnte, machte ich direkt mit dem Abhören weiter: Erst Herz und Lunge, dann noch die Darmgegend. Auch da klang bei Numair alles wunderbar und zufrieden tastete ich ihn nun nur noch von oben bis unten ab, wobei ich besonders die Gelenke und Sehnen kontrollierte. Hier war ebenso alles in bester Ordnung und nach einer kurzen Kontrolle stand auch fest, dass seine Körpertemperatur im Idealbereich lag. Schnell verstaute ich das Thermometer wieder vor Numairs bösem Blick, denn während meiner Untersuchung war sie die gesamte Zeit angespannt und nicht sonderlich zufrieden.
      Das wurde dann auch nicht wirklich mit den Impfungen besser, denn Numair brauchte eine komplette Runde und das hieß drei Spritzen. Tapfer stand er Herpes und Influenza als Kombipräparat aus. Danach war Tetanus an der Reihe und zum Schluss kam die fieseste Spritze: Tollwut. Dabei zuckte Numair unwillkürlich zusammen und drohte auszuschlagen. Occu beruhigte ihren Hengst sofort und ich zog mich schnell zurück. Zu guter Letzt gab es nur noch die Wurmkur, die von Numair geschluckt werden musste und er hatte es geschafft.
      Während Occu Numair zurück in die Box schaffte, tauschte ich die gebrauchten Materialien gegen frische aus, denn jetzt war Circus Dancer an der Reihe. Der fast weiße Hengst war wesentlich ruhiger als sein Vorgänger und das wurde auch direkt von Beginn an deutlich. Auch ihn ließ ich mir vorführen, ehe ich Augen und Zähne kontrollierte, ihn abhörte und abtastete. Das Kontrollieren der Körpertemperatur war bei Circus Dancer dafür echt ein Graus und wir brauchten beinahe eine halbe Ewigkeit! Umso dankbarer war ich, als das geschafft war.
      Dann gab es auch für Circus Dancer drei gemeine Spritzen, die er mit einem protestierenden Prusten entgegen nahm, ehe auch er noch die Wurmkur schlucken musste. Mit säuerlichen Blick verließ er den Putzplatz und durfte zurück in die Box. Ich unterschrieb noch die Impfungen in den Pässen und verabschiedete mich dann auch schon direkt von Occu, denn ich musste dringend weiter, mein Zeitplan war heute mehr als knapp!
    • Occulta
      Wasser und Wellen

      Ich war auf dem Weg zu Parkplatz, denn ich wollte sehen, wie weit der Bau des neuen Stallgebäudes fortgeschritten war. Neues Stallgebäude? Richtig. Ich hatte vor einigen Monaten beschlossen, dass es Zeit währe, Pineforest Stable etwas zu erweitern. Wir hatten langsam ziemlich viele Pferde auf dem Hof und dadurch zwar noch nicht wirklich Platzmangel, aber für Gastpferde wurde es immer knapper. Und da der Park, in dem sich das Gestüt befand, ein sehr beliebtes Ausflugsziel für Wanderreiter und überhaupt für alle Pferdenarren war, hatten wir bisher jeden Sommer reichlich Feriengäste zu Besuch gehabt. Das war schliesslich auch eine gute Einnahmequelle, neben den paar Reitschülern, die Regelmässig mit ihren Pferden aus der Nachbarschaft in die Halle zum Trainieren kamen. Geplant waren daher ein neuer Stall im Nordwesten des Gestüts, ein grosser Offenstall im Südosten, dort wo im Moment die oft ungenutzten Weiden lagen; entsprechend eine neue Weideaufteilung und die Krönung des Ganzen: Eine neue 1500m Galopprennbahn. Auf die freute ich mich besonders, denn so konnten wir die Vollblüter endlich anständig trainieren. Bisher hatten wir zwar auch das Beste aus der Situation gemacht, doch auf Dauer war die alte Bahn einfach zu klein und eng. Wie viel angenehmer würde es sein, nicht mehr für spezielle Trainings zur nächstbesten Rennbahn fahren zu müssen, sondern auf der Stalleigenen, grosszügigen Strecke zu trainieren? Ich sehnte mich danach, endlich neben den grossen Tannen um die Kurve zu kommen, danach auf die Gerade zu biegen und über die wundervoll lange und breite Bahn zu fliegen. Die Bahn würde kunftig um den Galoppweg herum verlaufen und damit Pineforest Stable noch etwas mehr von der Aussenwelt abschotten. Die Bahn würde zwar immernoch relativ bescheiden sein, doch zumindest viel angenehmer als die Alte. Dort wo die gestanden hatte, entstand nebenbei eine Ovalbahn; der kleine Militaryparcours im inneren blieb bestehen.

      Der ‚Nordstall‘, wie die Pfleger und ich ihn nannten, nahm langsam Form an. Die Wände Standen und das Dach war in Arbeit, Danach würde vor allem noch die Inneneinrichtung fehlen. Geplant waren 19 Boxen, wobei eine davon eine grössere Eckbox war, in der zwei Ponys Platz fanden. Wir waren uns schon jetzt alle einig, dass diese Box wie gemacht war für Herkir und Ljóski. Ich rieb mir zufrieden die Hände und begab mich dann wieder in Richtung Weiden, wo der Bau des grossen Offenstalls ebenfalls in vollem Gange war. Es war brütend heiss und ich lief in Shorts und Trägertop herum. Beim Offenstall angekommen versuchte ich mir vorzustellen, wie das ganze aussehen würde, wenn es fertig war. Die Weide wird riesig!, dachte ich entzückt. Trotzdem müssen wir aufpassen, dass das Gras nicht überbeansprucht wird. Zum Glück habe ich mit der Parkverwaltung über zusätzliches Weideland diskutiert. Von den Miniature Horse Weiden her rief mich Lewis. Ich lief zügig zu ihm, Elliot und Lisa hin. Sie waren gerade dabei, die Fohlen und die Miniature Horses in die Offenställe zu sperren, denn die Weiden mussten neu abgesteckt werden. Ich beschloss natürlich mitzuhelfen und schnappte mir ebenfalls zwei Stricke und Halfter. Zunächst fingen wir die Mini-Stuten ein, danach die Hengste auf der gegenüberliegenden Weide. Das selbe geschah mit den Fohlen. Die Gekörten Stuten, die auf den unteren Weiden standen, mussten ebenfalls weg, doch ihre Offenställe wurden abgerissen, da sie veraltet und reparaturfällig waren. Da sie dank des neuen grossen Offenstalls nicht mehr gebraucht wurden, mussten sie weichen. Die beiden kleinen Offenställe und die Zäune im Osten waren bereits weg. Ich führte Gianna und Piro zur Halle und liess sie dort drin laufen. Lewis brachte Islah und Ronja, Elliot nahm Dream. Lisa fing währenddessen noch die letzten Fohlen ein. Dann bauten wir alle gemeinsam die Zäune ab. Es fühlte sich komisch an, die massiven Pfosten einer nach dem anderen auszubuddeln und auf einen Haufen zu tragen. Wir wurden nicht fertig bis zum Mittag und es war mittlerweile so heiss geworden, dass ich den Nachmittag frei gab. Ich wollte nicht riskieren, dass jemand einen Hitzschlag erlitt. Auch die Bauarbeiter zogen nach und nach ab.

      Zum Mittagessen trafen wir uns alle vor dem Pflegerheim im Schatten der Bäume. Jonas und Oliver hatten ein paar Tische und Bänke aufgestellt, denn wir grillierten. Bald sassen alle fröhlich plaudernd beim Essen und es kam die Frage auf, was man am Nachmittag tun könnte. Da hatte ich plötzlich einen Geistesblitz. „Es ist Sommer! Was machen wir im Sommer?“ “Ehh, I don’t know…“ “Es ist nicht Sommer, noch nicht“ „Ja - but it feels like summer, and it’s very hot today. Also gehen wir doch an den Strand!”, rief ich mit gespielter Ungeduld. Einige der Pfleger jubelten begeistert, andere grinsten nur, weil sie nicht verstanden hatten was ‚Strand‘ heisst. Ich sagte „Beach“ zur Erklärung, und sie stimmten mit ein. „But what about feeding and cleaning the barns?“, wollte Elliot wissen. Ich ordnete an, dass gleich nach dem Mittag alle Boxen gemistet und die Pferde gefüttert werden mussten, ausserdem würden ein paar Pfleger hier bleiben und nach dem Rechten sehen müssen. Lisa und Darren meldeten sich sofort freiwillig um zu bleiben. Lisa hatte die Begründung, dass sie ohnehin schon fast einen Sonnenstich hatte und daher kaum Energie um mit uns an den Strand zu kommen, und Darren hatte einfach keine Lust. Ich fand dies etwas fragwürdig, diskutierte jedoch nicht weiter, denn irgendwer musste ja bleiben. Auch ein paar weitere meldeten sich, sodass zum Glück niemand allzu enttäuscht war. Fröhlich und ausgelassen liefen wir nach dem Essen zu den Ställen, um den Plan umzusetzen. Als alles fertig war, machten wir den grossen Transporter bereit und dann die Pferde, die mit durften. Wir (Ajith, Lily, Quinn, Lewis, Jonas und ich) hatten uns für Numair, Anubis, Baccardi, Donut, Amor und Dod enschieden. Ich zog Dod keine transportgamaschen an, denn die Fahrt nach Newport würde nicht allzulange dauern. Beim Verladen bewies Dod mal wieder seinen Sturkopf. Er wollte partout nicht einsteigen und sträubte sich, sobald man in die Nähe der Rampe kam. „Oh come on budd, we’ll have a lot of fun!“, versuchte ich ihn zu überzeugen. Natürlich verstand er micht nicht und liess sich auch durch die Karotte, die ihm Lewis hinstreckte, nicht beeindrucken. Wir schafften es nur mit viel Geduld und Durchsetzungsvermögen, ihn Schritt für Schritt die Rampe hoch zu befördern. Endlich waren alle Pferde verladen und die eineinhalbstündige Fahrt stand an. Die Zeit verging wie im Flug und als wir in Newport auf einem abgelegenen Parkplatz beim Strand die Klappen des Transporters öffneten, schnupperten alle sechs Pferde bereits aufgeregt die Meerluft. Wir führten sie hinaus, halfen uns gegenseitig beim Satteln und stiegen schliesslich auf. Numair, Anubis, Amor und Dod waren allesamt sehr aufgeregt. Besonders Numi blähte die Nüstern und spitzte die Ohren. Doch Ajith hatte ihn soweit im Griff. Es schien dem Indischen Pfleger sogar Spass zu machen, auf einem solch temperamentvollen Tier zu sitzen. Ich hatte ein wenig Streit mit Dod, als wir den Trampelpfad zum Strand hinunter ritten, denn er wollte nicht hinter Baccardi bleiben. Unten angekommen trabten wir direkt zum Wasser und ritten ein wenig hinein. Die Wellen kamen Dod bis zum Bauch, was ihm nichts auszumachen schien, denn er scharrte freudig mit dem Huf. Salzwasser spritzte mir ins Gesicht und wir lachten. Donut war das Meer wohl noch immer nicht ganz so geheuer, denn er brauchte wieder mal am längsten um rein zu kommen. Wir waren nicht das erste mal hier – schon letztes und vorletztes Jahr hatten wir einige Strandausflüge unternommen, um möglichst mit allen Pferden einmal herzukommen. Die meisten behielten den Strand in guter Erinnerung und freuten sich beim zweiten mal schon deutlich sichtbar auf die langen Galopps und das Wasser. Manche hingegen, wie Sunday, Iskierka, Islah und eben Donut, konnten gut auf die Salzigen Wellen verzichten. Nach einer Weile trabten wir die Pferde auf dem trockenen Sand ein. Wir ritten Zirkel und formten einen Hufschlag, indem wir immer an den selben Stellen ritten. Anschliessend reihten wir uns in der Nähe des Wassers auf und bretterten dann nebeneinander über den Strand. Nasser Sand spickte von den Hinterhufen der Pferde und ich hielt den Kopf zum Schutz etwas schräg. Neben mir und Dod holte Amor mit ausholenden Bewegungen auf, den Schweif arabertypisch wie eine Fahne aufgestellt. Ich erhaschte einen Blick auf Jonas‘ grinsendes Gesicht und beschloss, Dod noch etwas mehr Zügel zu geben. Baccardi und Donut hatten trotz ihrer Grösse keine Probleme mitzuhalten, aber die Araber waren ja abgesehen von Anubis auch nicht viel grösser. Und Dod selbst hatte ebenfalls Kleinpferdemasse. Nach über einer Stunde am Strand waren endlich auch Amor und Numair ruhiger geworden, denn der Sand und das Wasser zehrten sehr an ihren Kräften. „I hope they’ll not have sore muscles tomorrow“, bemerkte Quinn. Wir beschlossen, zurück zum Parkplatz zu reiten und es für heute gutsein zu lassen. Die Pferde hatten allesamt geschwitzt, doch wir mussten, als wir zurück auf dem Hof waren, so oder so den Sand und das Salzwasser abwaschen, also wurden alle gleich beim Hauptstall angebunden und geduscht. Danach brachten wir sie gemeinsam zur alten Galoppbahn, denn die Fläche im inneren der Bahn wurde ebenfalls als Weide genutzt und war jetzt, da sich alles im Umbau befand, eine der einzigen Weiden überhaupt.

      Der Abend hielt nocheinmal eine grosse Überraschung bereit. Ich wollte gerade nach den Fohlen sehen, als ich einen Anruf von Elisa Cranfield erhielt. Ich hatte grosses Interesse an ihrem Paint Hengst ‚Unbroken Soul of a Rebel‘ gezeigt, jedoch nicht damit gerechnet, so schnell eine Antwort zu bekommen. Zu meiner positiven Überraschung rief sie nämlich an um mir zu verkünden, dass sie Pineforest Stable als geeignetes Zuhause für den Hengst sah. Wir einigten uns auf einen Preis und besprachen den Transport, dann bedankte ich mich und legte gut gelaunt auf. Der Hengst würde in drei Wochen kommen, gerade zur rechten Zeit um in den Nordstall ziehen zu können. Nun musste nur noch alles nach Plan verlaufen.
    • Occulta
      Halloween Special auf Pineforest Stable

      Heute war es besonders Neblig, als ich zum Fenster raus blickte. Ich musste augenblicklich grinsen als ich feststellte, dass es Halloween war und die Szenerie perfekt passte. Doch richtig lustig würde es erst abends werden. Sheela kam schwanzwedelnd die Treppe rauf geschossen, als ich die Zimmertür öffnete. Sie schleckte mir die Hand ab, während Jacky kurz um mich wuselte, und dann wieder runter in die Küche hüpfte. Morgens war die kleine Jack-Russel Hündin nicht so liebevoll, da sie vor allem eines wollte: Futter. Das bekamen die beiden nun auch.
      Den Tag über war ich an einer Kostümparty und einer Halloween Show mit Unbroken Soul of a Rebel zu finden. Ich hatte den Paint-Hengst so bemalt, dass es aussah, als wäre er beim Übergang seiner Scheckung Frankenstein-mässig aus zwei verschiedenen Pferden zusammengenäht. Lewis hatte diese lustige Idee gehabt, und mir die Farben besorgt.
      Auf Pineforest Stable selber war nicht viel los; die Pfleger wollten ihre Arbeit möglichst früh erledigt haben, damit sie am Abend ausgehen konnten, also waren sie nicht sehr gesprächig. Ausser Ajith und Quinn, die ich erwischte, wie sie aufgeregt kichernd und flüsternd in Sundays Box standen. Sie gingen jedoch sofort wieder ihrer Arbeit nach, als sie sahen, dass ich sie beobachtete, sodass ich die beiden gar nicht erst auffordern musste. Ein zufriedenes Grinsen huschte mir dabei übers Gesicht – wie gut ich meine Mitarbeiter doch erzogen hatte. Ich genoss die Ruhe, wenn ich zuhause war, denn Feststimmung gab es auf der Party genug. Als ich gerade bei Burggraf stand und den Hengst sattelte, kam Jonas auf mich zu. „Hey Boss, heute Abend schon was vor?“ Ich hob erstaunt die Augenbrauen. „Nein… Warum?“ „Ach, ich hab grad überlegt, ob du mit an die Party in Birmingham kommen willst, aber mir ist eingefallen, dass ja jemand auf den Hof aufpassen muss.“ Mir klappte der Mund auf und ich wollte empört etwas erwidern, aber er verschwand schon wieder durch das Stalltor. Frechheit! Von wegen gut erzogen… Ich wandte mich wieder Muffin zu und zog den Gurt an.
      Als ich mit ihm, Jacky und Sheela vom Gelände zurückkam, hatte ich einen Entschluss gefasst. Quinn hatte am Morgen deutlich gemacht, dass sie weder an eine Kostümparty, noch an sonst irgendeine Saufveranstaltung mitkommen würde. Sie hatte sogar versucht, die Leute zu überzeugen, auf Pineforest Stable selbst zu feiern, anstatt alle auszugehen. Sie würde also bestimmt hier sein, um aufzupassen. Deshalb wollte ich nun doch auch nach Birmingham. Aber nicht dorthin wo Jonas ist, dachte ich mit einer herrlichen Genugtuung. Ich erzählte ihr von meinem Plan, sobald ich Burggraf versorgt hatte. Zu meiner Überraschung reagierte sie verstört. „No, you cannot…. I mean, you should stay here“, stammelte sie. „Why? You stay, right? I leave Sheela here to protect you, and If something happens you can always call me.“ „Probably, but what if some drunken people come here and mess things up?“ Ich verstand ihren Punkt; ich wollte auch nicht alleine im Dunkeln einer besoffenen, verkleideten Meute begegnen. „Fine, I’ll stay.“ Sie sah sehr erfreut aus und lief in Richtung Halle, bevor ich etwas Weiteres sagen konnte. Ich hingegen, machte mich auf den Weg zu den Minis. Die meisten von ihnen mussten heute für die Herbstshows geschoren werden, was ein ganzes Stück Arbeit war. Zum Glück halfen Lewis und Lisa mit. Wir führten zuerst Arco, Lenny, Storm und Caillean in den Innenhof des Hauptstalls. Dort banden wir die Flauschkugeln an und begannen, mit den Schermaschinen die dichte Wolle zu trimmen. Beim Kopf war ich besonders vorsichtig, aber auch der musste ein wenig bearbeitet werden. Alle hielten schön still, denn sie waren schon als Fohlen auf das Scheren vorbereitet worden. Auch Caillean stand Schulbuchmässig da und spielte mit dem Strick, anstatt sich um das lärmende Ding zu kümmern. Wir waren rasch fertig und konnten auch gleich die nächsten Kandidaten holen: Papillon, Daki und Lady. Letztere zappelte etwas, als ich die Maschine am Bauch ansetzte, doch mit etwas Geduld konnte ich sie auch dort von ihrem Pelz befreien. Nun fehlten noch Chip, Queen und Sunny. Ach, und natürlich die neue; Tigrotto. Ich hatte sie wenige Wochen nach Dante, dem Esel, übernommen, denn sie war eine hervorragende Showstute und hatte gute Bewertungen an den Fohlenschauen bekommen, an denen sie teilgenommen hatte. Um sie kümmerte ich mich als letztes. Dabei war ich zunächst eher vorsichtig, weil ich nicht wusste, wie gut sie an das Scheren gewöhnt war. Doch sie zickte nicht, sodass ich ebenfalls schon nach zwanzig Minuten fertig war. Nun hatten wir einen Berg aus Fell vor uns, und auf der Weide standen viele nackte Miniaturpferdchen. Lewis und ich machten uns daran, ihnen allen eine Decke anzuziehen, damit sie nicht kalt hatten, Lisa hielt unterdessen Sheela davon ab, den Fellhaufen auseinanderzunehmen. Es handelte sich um stabile, wasserabweisende Decken mit guten Verschlüssen, die sie in Position hielten. Sie waren ganz schön teuer gewesen, aber die Anschaffung hatte sich definitiv gelohnt. Tic-Tac, Rose, Alu und Kiwi durften ihren Pelz noch behalten, denn mit ihnen wollte ich erst im Frühling wieder starten. Zufrieden kraulte ich Daki, als alles erledigt war. Die kleine Stute knabberte mir liebevoll an der Regenjacke, als wäre ich ein anderes Pony.

      Am Nachmittag unterrichtete ich Rita auf Dod, damit sie auch ein Gefühl für Westernpferde bekam. Das klappte erstaunlich gut – naja, so erstaunlich war es doch nicht, denn sie brauchte nur einigermassen gerade zu sitzen, den Rest erledigte der fein ausgebildete Dod von selbst. Jedenfalls solange er kooperativ war. Als die Pflegerin zum dritten Mal auf dem Zirkel angaloppieren wollte, hatte der Hengst genug und beschloss kurzerhand, den Platz zu verlassen. Rita konnte kaum etwas tun, denn wenn Dod ein Ziel im Kopf hatte, musste man schon verdammt gut reiten können, um ihn wieder in den Griff zu bekommen. Ich eilte ihr zu Hilfe und fing ihn kurz vor dem Weg wieder ein. Danach arbeiteten wir noch etwas vom Boden aus weiter, das gefiel ihm deutlich besser. Ich überliess es Rita, ihn zu verräumen und ging direkt weiter zu Numair. Ich wollte mit ihm ebenfalls auf dem Platz arbeiten, allerdings zusammen mit Anubis und Lisa, die bereits in der Stallgasse des Nordstalls bereit standen. „Sorry, I’m late“, keuchte ich, denn ich war den Weg hochgerannt. „It’s okay, du kannst Deutsch mit mir sprechen, schon vergessen?“, meinte Lisa lachend. Ich schlug mir symbolisch mit der Hand gegen die Stirn und grinste, dann holte ich Numi aus der Box. Wir ritten eine Art Pas-de-Deux mit den beiden sonst Western gerittenen Hengsten. Sie machten gut mit, aber schaukelten sich nach dem ersten Galopp gegenseitig hoch und zeigten ihr südliches Temperament. Am Ende bauten wir mehr Galopp in die ‚Kür‘ ein als uns lieb war, doch wenigstens waren die beiden danach müde. Auch die anderen beiden Araber auf dem Hof, Islah und Amor, mussten noch bewegt werden. Allerdings konnte ich Amor nicht besonders gut mit Stuten laufen lassen, da er sich dann nicht mehr konzentrierte. Also schickte ich Lisa und ihn zusammen mit Donut unter David und Baccardi unter Jonas raus. Islah übernahm ich ebenfalls nicht selbst, sondern übergab sie Lewis, um stattdessen mit Blue Lady Liquor zu arbeiten. Mit ihr sprang ich einen leichten Parcours und übte dabei insbesondere das Springen aus der Kurve. Die junge Stute war noch nicht lange unter dem Sattel, also musste ich ihr Schritt für Schritt alle Tricks beim Springen zeigen.
      Später ging ich wieder mit Halluzination und Satine als Handpferd ins Gelände. Das hatte beim ersten Mal so hervorragend geklappt, dass ich es seither immer wieder versucht hatte – mit Erfolg. Die beiden Stuten schienen miteinander zu harmonieren. Auch auf der Weide standen sie oft beisammen. Satine machte mir trotzdem immer noch Sorgen. Sie nahm einfach kaum zu, egal wie viel ich zufütterte. Den Tierarzt hatte ich auch schon mehrfach bestellt, aber er meinte jedes Mal nur, ich solle weitermachen wie bisher. Während ich die beiden nach dem Ritt versorgte, berichtete mir Lewis, dass Islah wiedermal etwas faul, dafür umso schreckhafter gewesen war. Darren, der mit Piroschka mitgegangen war, hatte weniger Mühe gehabt.

      Als es dunkel wurde, verschwanden auch nach und nach die Leute, bis Quinn und ich als einzige im Hauptstall standen. Ich schlug vor, dass wir uns auch einen gemütlichen Abend machen sollten. Sie nickte erfreut und meinte, man könne ja ins Strohlager. Ich holte eine Taschenlampe, Tee in einer Kanne, Snacks und ein paar Brettspiele aus dem Haus. Dann öffneten wir die Luke zum Dachboden des Hauptstalls, wo das Stroh gelagert wurde. Sheela winselte, als wir ohne sie nach oben kletterten, doch sie war mittlerweile einfach zu gross, als dass ich sie hätte nach oben tragen können. Fairnesshalber liess ich auch Jacky unten. Ich legte den beiden eine alte Abschwitzdecke auf den Boden, auf der sie sich auf mein Zeichen hin platzierten. Der Dachboden war ein durchgehender Raum, nicht besonders hoch und vollgestopft mit Strohballen. Es hatte zwar Lampen hier oben, aber sie leuchteten nur dämmrig. Alle paar Meter gab es eine neue Luke, durch die das Stroh nach unten in die Stallgasse befördert werden konnte. Quinn und ich machten es uns im weichen Stroh neben den grossen Quadern gemütlich und begannen mit einer Partie Mühle. Ich merkte gar nicht, wie die Zeit verging, denn als ich beim nächsten Mal auf die Uhr sah, war bereits halb zwölf. Ich gähnte demonstrativ und fragte, ob Quinn noch etwas Tee wolle. Sie bejahte, also kletterten wir die Leiter hinunter und wollten gerade zum Haus, als ich Schritte vernahm. „Guess you were right with those drunken guys“, flüsterte ich mit besorgter Stimme. Ich hielt es für das Beste, nachzusehen und die Eindringlinge zu verscheuchen. Wir schlichen mit Sheela, die gerade mitten in der Ausbildung zum Schutzhund war, um den Hauptstall herum zum Roundpen, doch ich konnte niemanden sehen. Plötzlich sah ich zwischen den Tannen der Galoppbahn ein Licht auf und ab tanzen. „There! Sheela, go!“ Ich schickte die Hündin wie im Training auf das Ziel los, da ich mir sicher war, dass das Licht von einer Taschenlampe stammte. Sie flitzte los, bellte ein paarmal, doch dann wurde es still. Ich schluckte leer. „…Sheela?“ Keine Reaktion. Quinn und ich sahen uns an, dann liefen wir langsam in Richtung des Lichts. Als wir kurz davor waren, verschwand es jedoch. Von Sheela war keine Spur. „Oh no, she must have followed them – or they dognapped her!“, meinte Quinn, wobei sie bei dem Wort ‚dognapped‘ grinsen musste. Wie kann sie auch noch Scherze darüber machen? Wir müssen weiter, dachte ich aufgebracht. Schon sah ich ein neues Licht, diesmal beim Offenstall der Minihengstchen. Sofort rannte ich in die Richtung, denn ich wollte auf jeden Fall verhindern, dass die Typen den Minis etwas antaten, auch wenn ich mich mit Händen und Füssen würde wehren müssen. Als wir dort ankamen, war das Licht aber bereits wieder ausgegangen. Im Dunkeln stolperte ich über etwas im feuchten Gras liegendes und fiel beinahe ausgestreckt auf den Boden. Ich sah nicht, was der Gegenstand war, denn ich rappelte mich erschrocken wieder auf und rannte zur Halle, wo das nächste Licht aufflackerte. Quinn rief irgendwas von „there’s something hanging in the tree“, aber ich achtete mich nicht, zu fokussiert war ich auf mein Ziel. Schliesslich erreichte ich die Halle, und Quinn wenige Sekunden nach mir ebenfalls. Wir schlichen, abermals in völliger Dunkelheit, um das grosse Gebäude herum, auf der Suche nach irgendwelchen Gestalten. Warum ist es nur so dunkel? Ohne den Nebel würde ich sie bestimmt sehen. Plötzlich schrie Quinn kurz auf, es folgte ein kurzes Glucksen, dann Totenstille. Mittlerweile tatsächlich ängstlich drehte ich mich um und rief nach ihr, doch bekam keine Antwort. Das ist nicht möglich, der Mörder ist doch längst hinter Gittern! Ich wollte mein MoPho aus der Jackentasche holen, um endlich der Polizei anzurufen, doch es war weg. Ich suchte überall, sicher, dass ich es wie immer rechts gehabt hatte, doch es war nirgends zu finden. Als nächstes torkelte ich durch die Dunkelheit zum Haus, doch die Tür war verschlossen. Wie ist das möglich? Ich hatte sie doch offen gelassen, als ich Tee geholt hab... Langsam kam ich mir vor wie eine Geistesgestörte, die sich alles nur einbildete, denn auch den Schlüssel fand ich nirgends. Bestimmt bin ich im Strohlager eingeschlafen und träume alles nur, beschloss ich. Doch mit einem Kniff in den Arm wachte ich nicht auf. Unentschlossen blickte ich umher und sah dabei abermals das Licht, diesmal beim Nebenstall. Ich änderte meine Strategie und schlich mich darauf zu, immer im Schutz der Gebäude bleibend. Es schien zu klappen; diesmal verschwand das Licht nicht. Beim Näherkommen hörte ich aufgeregtes Getuschel und ein „shhh!“ An den Stimmen erkannte ich Lisa, Lewis, Jonas, Rosie und Ajith, doch da waren auch die Umrisse von weiteren. „What is happening?“, fragte ich, als ich nahe genug war, und erschreckte sie damit erfolgreich. Jemand machte Licht, sodass ich alle Gesichter erkannte. Es waren fast sämtliche der Pfleger. „Happy Halloween!...“, lachte Lewis, und die anderen stimmten mit ein. „Aber wie… Wo ist Sheela?“ Kaum hatte ich gefragt, kam die Labradorhündin Schwanzwedelnd auf mich zugehüpft. Sie haben mir also nur einen Streich gespielt, stellte ich erleichtert fest. Wir liefen alle zum Hauptstall und kletterten ins Strohlager, wobei Jonas mir Sheela hochhob und Jacky von Ajith mitgenommen wurde. Die beiden Hunde sahen sich sofort neugierig in diesem unbekannten Teil ihres Territoriums um, während die Pfleger mir erzählten, wie sie das Ganze geplant und durchgeführt hatten. Nachdem zuerst jeder gleichzeitig seine Sicht schildern wollte, sorgte Oliver für Ordnung und gab Jonas das Wort. „Aaaalso; wir haben die Idee schon vor Wochen gehabt, aber Quinn ist es hauptsächlich zu verdanken, dass wir es wirklich durchgeführt haben, sie hat die Leute zusammengetrommelt und hierbehalten. Zuerst mussten wir sicherstellen, dass du auch hier bleibst.“ „Ach deshalb warst du so frech“, unterbrach ich ihn. Er strich mir grinsend mit der Hand übers Gesicht, zum Zeichen, dass ich schweigen solle. „Jedenfalls war ich erfolgreich, oder?“ „Auf keinen Fall! Ich war sogar fast so weit, aus Trotz extra wegzugehen. Quinn war diejenige, die mich überzeugt hat zu bleiben.“ „Wie auch immer; wir anderen gingen also nach und nach, versteckten uns aber tatsächlich in der Halle. Als du ins Haus gegangen bist und den Schlüssel hast stecken lassen, hab ich ihn mir geschnappt, um später die Tür zu schliessen, damit du, nachdem dir Quinn hier oben so erfolgreich das Handy geklaut hat, nicht auf die Idee kommst, doch noch die Polizei zu rufen oder so. Dann haben wir uns mit den Taschenlampen positioniert und sind jedes Mal ein paar Meter weiter ins Gras gelegen, wenn ihr zu nahe kamt.“ „Ach deshalb hat Sheela nicht angegriffen – sie hat euch natürlich gleich erkannt…“ „Jap, und Elliot hat sie fixiert, damit sie nicht bellt. Über unseren abgetrennten fake-Arm beim Offenstall bist du leider nur drübergefallen, und auch den hängenden Mann hast du nicht gesehen.“ „Even as I wanted to call you back!“, warf Quinn ein. „Danach mussten wir uns einen Plan B überlegen, denn eigentlich war geplant gewesen, dass du es dabei natürlich merkst. Also haben wir Quinn bei der Halle entführt.“ „Dann wusstest du vom letzten Teil auch nichts?“, fragte ich Quinn lachend. „Nein, daher hatten wir auch Mühe, sie festzuhalten und vor allem zu verhindern, dass sie vor Lachen platzte!“, antwortete Lisa für sie. „Doch zuletzt hast du uns doch überlistet. Wir waren so abgelenkt, dass wir gar nicht bemerkt haben, wie du näherkommst…“ Ich stiess ein triumphierendes „yes!“ aus, und wir lachten alle herzhaft. „Nun hätte ich aber gerne meine Schlüssel und mein MoPho zurück“, sagte ich auffordernd. Quinn gab mir das Handy, doch Jonas hielt die Schlüssel nur grinsend auf. Ich stürzte mich auf ihn und nahm sie mir etwas unsanft, wobei er mich festhielt, sodass wir nebeneinander im Stroh lagen. Wir amüsierten noch etwas mit Brettspielen und Tee, ehe wir endlich alle zu Bett gingen.
    • Occulta
      Halloweenritt auf Pineforest Stable 2013
      Occulta stand gerade auf dem Parkplatz vor dem Hof, ihr Handy in der Hand. Jack kam angeschlendert und fragte, ob schon jemand angerufen habe. "Nö, aber ich denke, wir werden eh zum Flughafen fahren müssen - wie sollen sie denn sonst die Pferde herschaffen?", meinte sie gedankenversunken. Er nickte nur und lief, den Arm um sie geschlungen, mit ihr zum Auto. Bevor sie einstieg, prüfte Occulta das Wetter. Es war zwar kühl und ein rauer Wind wehte, aber immerhin regnete es nicht. Dennoch würden die Besucher wohl gute Schlafsäcke brauchen. Dann stieg sie ein und die beiden fuhren mit dem grossen Pferdetransporter in Richtung Flughafen. Sie würden zweimal fahren müssen, da der Transporter nur 5 Pferde fasste.

      Eileen war grade mit Elvish Beauty aus dem Flugzeug gekommen und sie hatte auch schon das Gepäck geholt.Nun standen sie vor dem Terminal. Eileen zückte ihr Handy aus der Tasche um Occulant anzurufen."Hallo Occu, hier ist Eileen. Ich stehe jezt vor dem Terminal 2. Wo soll ich hinkommen?"

      Occu bemerkte, dass ihr Handy klingelte und nahm den Anruf gespannt entgegen. "Oh hi Eileen, wir sind noch auf dem Weg, kommen aber in etwa 10 Minuten beim Flughafen an. Am besten wartest du etwas abseits in der Nähe der Parkplätze, vielleicht findest du ja ne Stelle, wo Elvish grasen kann", schlug sie laut genug vor, sodass auch Jack alles mitbekam. Gerade kam das erste Schild in Sicht, auf dem der Flughafen vermerkt war.

      Rachel kam mittlerweile auch am Flughafen an und sah sich nach Occulta und auch nach ihrem Pferd Stardust um. Die Lauten Durchsagen brachten sie auf den Richtigen Weg, ließen sie aber ein paar Male zusammenzucken. Nach langem Gesuche fand sie ihre Reisetasche und auch Stardust, den Mustanghengst, ehe sie sich auf den Weg zum Parkplatz machte.

      "Ok bis gleich dann", sagte Eileen inzwischen und legte auf. Nun machte sie sich auf den Weg zum Parkplatz. Am Ende des Parkplatzes fand sie sogar einen kleinen Fleck Rasen für Elvish Beauty, die sich auch gleich dran machte zu Fressen. Eileen streichelte der Stute über das schöne, weiche Fell und sah ihr beim Grasen zu.

      Stefanie kam unterdessen gerade an und stieg aus dem großen Flieger. Sofort huschte sie hinten zu den Transportern und erblickte sogleich ihren Fjordi Arcado, der ihr liebevoll entgegen brummte. „Na du?“, grinste sie und strich dem Hengst über die Schnute, ehe sie begann, den Hengst auszuladen. Sogleich machten sich die beiden auf den Weg zum Parkplatz; die Ausrüstung war ordentlich auf Arcado gepackt. Stefanie sah lauter unbekannte Gesichter, ehe sie ein bekanntes erblickte: „Hallo Rachel!“, grüßte Stefanie das Mädchen mit dem Mustang. Das Mädchen mit den langen Braunen Haaren sah auf, als sie den ihr Bekannten Fjordi und seine Besitzerin Stefanie erkannte. "Ach du reitest heute auch mit aus", lächelte Rachel sie an. Stardust legte die Ohren an, als er den Norwegerhengst erblickte. Ein schrilles und dominantes Wiehern ertönte über den Parkplatz. "Mensch ist gut jetzt!", zischte Rachel ihr Pferd an. Eileen hörte das Wiehren und blickte sich um. Da hinten waren doch zwei die ihr bekannt vokamen. Waren das nicht Rachel und Stefanie? Na das würde Eileen noch früh genug raus finden.

      Jessica fuhr mit ihrem Wagen und dem Pferdeanhänger die Autobahn entlang. Hinten im Hänger war nichts zu hören, was sie aber auch nicht anders erwartet hatte bei ihrer ruhigen Quarterstute. Lächelnd stellte sie das Radio ein und fuhr weiter. Bald würde sie endlich da sein.

      Der dunkelgraue Transporter bog auf den Parkplatz und hielt wenig später auf ein paar freien Parkplätzen am Rand an. Occulta und Jack stiegen aus und liefen gleich zu Eileen, die mit ihrer Stute schon bereitstand und ihnen entgegen lächelte. "Hallo", rief Occulta und begrüsste die beiden. "Du kannst Elvish schonmal zum Transporter führen, wenn du willst. Du kannst sie aber auch noch fressen lassen bis alle hier sind", schlug sie vor und blickte sich dann nach weiteren Pferdemenschen um. Ein wenig entfernt entdeckte sie Rachel und Stefanie. Sie winkte ihnen freudig zu.

      Stefanie musste grinsen, als Arcado weiterhin den Hengst neugierig anblickte. „Arcado sei nicht so neugierig!“, grinste Stefanie aus vollen Munde und blickte wieder zu Rachel: „Jap so siehts aus. Schön dich auch hier zu sehen!“, sprach sie zu der braunhaarigen. Dann legte Stefanie ihr rotes Haar zurück und kraulte dem Norwegerhengst über die Stirn. „Schau mal! Da ist Occulta!“, sagte Stefanie, ehe sie dem Mädchen zuwinkte und meinte: „Komm Rachel, lass uns gleich zu ihr gehen!“ Langsam näherten sich Stefanie und Rachel Occulta und waren auch bald schon bei ihr. „Hey!“, grinste ich und begann wieder Arcado zu kraulen, der nun gechillt da stand und die Streicheleinheit genoss. Occulta begrüsste Rachel und Stefanie, stellte Jack vor und fragte sie ebenfalls, ob sie die Pferde noch etwas grasen lassen wollten. Stefanie nickte und ging ein Stück zum Gras, wo sie den Norweger etwas Grasen ließ. Er zupfte zufrieden die Halme ab und war nach ein paar weiteren Bissen fertig. Sanft schmiegte sich der Hengst an Stefanie und brummte leise. Stefanie kraulte ihn hinter dem Ohr und gab ihm einen Kuss auf die Stirn. Eileen begrüßte die beiden ebenfalls. Die Hengste schienen Elvish zu interessieren, denn kaum waren sie da, wollte sie zu ihnen.

      Jack begutachtete die Pferde interessiert und streichelte Stardust. Rachel nickte alle freundlich an, so zur Begrüßung. Als Jack den Mustanghengst streicheln konnte, ohne dass er ihn schnappte, traute sie ihren Augen nicht. "Meinen Bruder hätte Star schon längst gebissen", teilte sie dem jungen Mann verwundert mit. Im nächsten Moment zog Jack seine Hand allerdings verwundert zurück, da Stardust kleine Fältchen unter den Nasenflügeln und einen grimmigen Blick zeigte. "Jaaaa, offensichtlich ist er doch nicht ganz aufgetaut.", lächelte er belustigt, da der Hengst nun wieder ganz freundlich aussah. Occulta sah kurz auf die Uhr und fragte sich, ob es wohl schlau wäre, mit diesen dreien schonmal zum Hof zu fahren. "Einen schönen Hengst hast du da", sagte Eileen zu Stefanie. Elvish versuchte immer noch, zu Arcado zu kommen. "Elvish, seit wann interessierst du dich für sowas?", fragte Eileen ihre Stute. Stefanie musste grinsen und antwortete mit einem Lächeln im Gesicht: „Danke, deine Stute ist aber auch hübsch! Kannst sie ja mal schnuppern lassen, Arcado ist ein ganz ein lieber der tut keiner Fliege was zu leide.“ Dann strich die rothaarige dem Hengst den Schopf glatt und täschelte seinen kräftigen Hals. "Danke" sagte Eileen und ließ den Strick locker, um die Schimmelstute etwas näher zu Arcado zu lassen. Elvish ging auch glechi zu dem Norweger hin und schnupperte neugierig. Stefanie lächete und sah wie Arcado den Blick abwand und die Stute liebevoll anstupste. Die Stute war knappe 5 cm größer als der Norweger, aber dennoch kam er zu ihr. Er beknabberte leicht ihren Hals, was ein Zeichen war, das er sie gut leiden konnte. „Er scheint sie zu mögen, also Probleme wird es bei den beiden nicht geben“, lächelte Stefanie zufrieden.

      Etwas beunruhigt holte Fynja unterdessen ihr Handy aus der Tasche und rief Occulta an: "Bei uns gibt es Probleme mit dem Flug, wir werden leider erst mit einiger Verspätung eintreffen, ich hoffe, dass es nicht schlimm ist…“ Das Handy noch am Ohr, ging Fynja wieder in die kleine Transportbox ihres Barockpintohengstes Azzurro, der sich aufgeregt umschaute. Occulta nahm den Anruf entgegen und antwortete: "Hey, kein Problem, ruf mich dann einfach nochmal an, wenn ich euch abholen soll. Bis später." Erleichtert legte Fynja auf und ging ein weiteres Mal zu dem Flugbegleiter der sich um die Tiere kümmerte und fragte diesen, wann der Flug denn starten würde. Er antwortete ihr: "Leider können wir dies noch nicht genau sagen, es kann jedoch sein, dass der Flug auf morgen verschoben werden muss, da es Probleme im Luftraum gibt".
      Vorsichtshalber schrieb sie Occulta noch eine SMS, dass der Flug eventuell erst am nächsten Tag starten könne, dann holte sie den großen Hengst nochmal aus der Box heraus und ging mit ihm etwas auf dem abgetrennten Bereich herum.
      Occulta sprach zu den drei bereits Anwesenden. "Also, ich hoffe ihr hattet einen angenehmen Flug. Die Pferde sehen jedenfalls fit und munter aus. Ich schlage vor, dass wir sie jetzt einladen und schonmal zum Hof fahren, die restlichen teilnehmer hole ich später ab. Dann könnt ihr euch schonmal auf dem Hof umsehen und euch ein wenig erholen."
      „Ja können wir machen!“, meinte Stefanie lächelnd an Occulta gewandt. Die Pferde wurden verladen.

      Aufgeregt und ziemlich ermüdet kam Janina mit ihrem Hengst an ihrem Zielflughafen an. Es war ziemlich kühl und Janina zog den Reißverschluss ihrer Jacke noch etwas höher. Dann zückte sie ihr Handy und wählte Occultas Nummer. "Occu? Wir sind grade angekommen! Magst du uns abholen?" Janinas Anruf erreichte Occulta: "Gut, dass du anrufst, sonst wären wir grad mit den ersten Teilnehmern zum Hof gefahren und du hättest warten müssen. Wir sind auf dem Parkplatz, du wirst uns gleich sehen wenn du da bist. Bis gleich." Dann las sie kurz Fynja's SMS, bevor sie beim Einladen half. Nachdem Occulta aufgelegt hatte machte sich Janina auf die Suche nach Occultas Hänger. "Ganz Ruhig Großer", sagte sie zu dem braungescheckten Trakehnerhengst, dem der ganze Trubel allmählich zu viel wurde. Zusammen mit ihrem Pferd begab sich Janina zu dem besagten Parkplatz. Als sie Occulta sah, winkte sie ihr freudig zu. "Hallo, gerade rechtzeitig. Ich hoffe dein Hengst verträgt sich mit den anderen, am besten versuchst du ihn gleich mal einzuladen.", begrüsste sie Occulta und streichelte dem Trakehner kurz über den Hals. "Ihr könnt schonmal einsteigen." sagte sie dann zu den anderen Teilnehmern gewandt, und wies auf die Tür die in den kleinen Zwischenbereich zwischen den Fahrersitzen und dem Pferdebereich führte. Bevor Eileen den Hänger veließ, gab sie Elvish Beauty noch eine Möre, die sie auch gleich fraß. Rachel war erstaunt, als sie ihre Reitbeteiligung Legito antraf. "Klar, Legito ist ein Schatz.", sagte Janina und lächelte. Offical Legito folgte ihr brav über die Rampe in Occultas Transporter auf dem groß 'Pineforest Stable' stand. Als alle eingestiegen waren, fuhren wir los in Richtung Hof. Die Fahrt verlief Problemlos und alle hatten sich viel zu erzählen. "Also, wer von euch hatte denn nun die längste Reise?", fragte Occulta, die extra auch hinten eingestiegen war, neugierig. "Der Flug war eigentlich angenehm, nur das frühe Aufstehen schlaucht mich immer so", lächelte Janina müde und gähnte. "Ich musste irgendeinen Flug kaschen, der mich hierhin bringt. Die Uhrzeit war nicht das Schlimme, sondern eher der Max hinten im Hänger. Der Wollte Partou nicht in den Flugtransport...", erzählte Rachel Belustigt und setzte sich noch einmal aufrecht hin. „Bei uns ging alles gut, nur das umsteigen in Deutschland war ein kleines Problem, da Elvish mega unruhig war“, erzählte Eileen. "Insgesamt hatte ich glaub ich den längesten Weg", sagte sie gähnend. "Doofe Zeitumstellung." "Legito ist zum Glück eine relativ ruhige Seele, der hat das relativ gut weggesteckt. Hat mal kurz skeptisch geguckt, aber dann wars gut. Hatte aber zur Sicherheit eine Beruhigungspaste bekommen damit alles erträglicher ist.", sagte Janina in die Runde. "Ja Elvsih hatte auch ne Beruhigungspaste bekommen, aber nach 9 Stunden Flug lässt die Wirkung halt nach", sagte Eileen. "Wir hatten von Deutschland aus keinen langen Flug. Zum Glück!", entgegnete Janina und lehnte sich zurück. "Wie lange fahren wir denn Occulta?", fragte sie. "Ich komm ja aus Kanada und ohne Umstiegen ging nicht", seufze Eileen. Stefanie hörte den anderen still zu, dann gab sie ihren Senf dazu, als die Anderen fertig gesprochen hatten. „Ich flog auch aus Deutschland, bald wird es aber Kanada.“, grinste die rothaarige und fügte hinzu: „Arcado ist sowas schon gewohnt, der Hengst ist früher ein Wanderpferd gewesen und daher mit all dem bekannt.“

      Occulta war beeindruckt, welche Mühen ihre Besucher auf sich nehmen mussten, nur um auf diesen Ausritt zu kommen. Doch vielleicht war es gerade das, was den Ausritt so besonders machte. Sie antwortete auf Janinas Frage: "Jetzt nicht mehr lange, etwa noch zehn Minuten von hier. Da der Hof recht in der Nähe von Birmingham liegt, haben wir jeweils nur etwa eine Halbe- bis Dreiviertelstunde." Im nächsten Moment klingelte das Handy erneut. Es war eine SMS von Amy, in der stand, dass sie leider doch nicht teilnehmen könne. Etwas traurig wollte Occu das Handy schon wieder verräumen, da rief Fynja an. "Wir sind gerade endlich angekommen, Azzurro ist in einer super Verfassung und scheint sich hier wohlzufühlen. Kannst du uns abholen kommen?" "Oh hallo, wir sind gerade noch auf der Rückfahrt zum Stall, aber ich schicke gleich nach unserer Ankunft Jack los, um dich abzuholen. Ich hoffe das Warten macht dir nix aus..." "Kein Problem, ich führe Azzurro so lange etwas trocken nach dem langen Flug.", sagte Fynja und machte sich kurz darauf auf den Weg das Gelände mit Azzurro zu erkunden. Stefanie lächelte und sah aus dem Fenster. „Schöne Gegend hier!“, sagte die Dame und blickte zu Occu, dann wieder aus dem Fenster. Bald kam der Hof in Sicht, jedoch liessen die dunklen Tannen der Galoppbahn die Gebäudestruktur, die sich dahinter verbarg nur erahnen. Der Transporter kreuzte die Galoppbahn, die an dieser Stelle durch eine kleine Strasse unterbrochen war, und fuhr auf den Parkplatz, wo er hielt. Einer nach dem anderen stiegen die Besucher aus und die Pferde wurden ausgeladen. Occulta tauschte kurz ein paar Worte mit Jack, der daraufhin in ein Auto mit Anhänger stieg und erneut in Richtung Flughafen fuhr, um Fynja abzuholen. Dann sprach sie zu ihren Gästen: "Willkommen auf Pineforest Stable. Es ist jetzt viertel vor sieben, wir sind also sogar etwas zu früh hier. Fühlt euch wie Zuhause, im Hauptstall könnt ihr eure Pferde kurz unterbringen, bis wir losreiten."

      Jessica bog endlich auf die Straße ein wo ihr Ziel lag. Waterline schien zu dösen da es im Anhänger still war. Sie bogen in die Einfahrt von Occulta's Hof und hielt den Wagen an. Schließlich stieg sie aus und ging zu den Leuten die schon auf dem Hof standen. "Hallo" rief sie in die Runde und lächelte. Janina führte Offical Legito die Rampe von Occultas Transporter herunter. Der Hengst guckte sich verwundert um und wieherte einmal leise, blieb sonst aber ruhig. Occulta blickte sich erstaunt um und sah freudig, dass nun auch Jessica eingetroffen war. "Hey, another native speaker!" grinste sie. Dann informierte sie Jessica ebenfalls kurz über den weiteren Plan und folgte schliesslich den anderen in den Hauptstall. Von der vordersten Boxe aus röchelte ihr Painting Shadows zu. Sie streichelte die Vollblutstute kurz durch die Gitterstäbe, dann zeigte sie den Besuchern die Boxen. Janina führte Offical Legito die Stallgasse entlang und suchte das Schild wo "Janina" an die Box gepinnt war. Schließlich fand sie ihre reservierte Box und brachte Legito hinein. "Braver Junge.", flüsterte sie ihrem Hengst zu und klopfte seinen Hals. Janina halfterte Legito ab und hing sein Halfter an den Haken vor der Box. Danach lud Occulta erstmal alle zu einem Tee im Haus ein, zur Erholung von der langen Reise. Jack kam, während es sich die Damen im Haus gemütlich gemacht hatten, endlich zum zweiten Mal am Flughafen an und hielt Ausschau nach Fynja. Er entdeckte sie und Azzurro rasch und half ihr beim Einladen des hübschen Hengstes. Dann fuhren sie zum Stall. Somit waren nun alle Teilnehmer versammelt und der Ausritt konnte eigentlich starten. Occulta verkündete: "Wir reiten wohl in erwa 20 Minuten los, dann sind wir im Zeitplan. Am besten macht ihr jetzt eure Pferdchen bereit... Ausser jemand hat Einwände." "Okay, alles klar.", antwortete Stelli und trank noch rasch ihren Kakao aus, bevor sie mit den anderen Mädels zum Stall zurückging. Eileens Stute schaute schon neugierig über die Tür "Na, Süße", sagte Eileen. "Gleich gehts los." Occulta musste lächeln, als sie Stafanie und Arcado beobachtete, die sich Küsschen gaben. Dann lief sie zur Sattelkammer und holte Numair's Sattel und Zaumzeug aus seinem Spind. Geputzt hatte sie ihn schon am Morgen, weshalb sie nur noch mal kurz mit der Bürste über die Sattellage fuhr. Als sie fertig gesattelt hatte, blickte sie sich um und fragte: "Seid ihr ready? Die ersten können sonst schonmal draussen aufsteigen und ein wenig auf dem Kiesweg reiten, bis alle so weit sind.", dann Zäumte sie Numair und führte ihn nach draussen. Janina ging in den Stall, zog Legito die Stalldecke ab und putzte ihn schnell bevor sie ihren Springsattel nahm und ihr Pferd für den Ausritt sattelte. "Fertig!", rief sie durch die Stallgasse und stellte sich mit Legito raus zu den anderen. Jessica ging zu Waterline in die Box und bürstete die eh schon saubere Stute nochmal über, bevor sie den Westernsattel und das Gebiss anlegte. Sie führte die Stute auf den Hof, gurtete noch einmal nach und stieg auf. Kurz sortierte sie die Zügel und ritt zu den anderen herüber. Schnell streifte Fynja Azzurro noch sein Zaumzeug über, da die meisten schon fertig waren. Anschließend gurtete sie nochmal nach und steckte Azzurro ein Leckerli zu, bevor sie aufstieg und zum Kiesweg ritt, den Occulta allen gezeigt hatte. Stefanie holte nun ihren Norweger aus der Box und putzte sein Fell mit dem Striegel etwas sauber. Daraufhin legte sie ihm eine warme Decke an und befestigte seinen Westernsattel auf seinem Rücken. Dann schob die rothaarige ihm sanft das Gebiss ins Maul und er nahm es gleich an, ehe er dann etwas auf diesen herum kaute. Auch Eileen hatte inzwischen Elvish fertig geputz und gesattelt. Nun Zäumte sie die schöne auf und ging auch nach draußen. Occulta unterhielt sich ein wenig mit Fynja, während die anderen noch am Aufsteigen waren. "Und gefällt dir der Hof? Viel hast du ja noch nicht gesehen. Es tut mir leid, dass wir so stressen müssen, aber wir sollten uns halt an den Zeitplan halten... Aber der Ritt wird gemütlich. Du arme konntest dich ja gar nicht recht von der Reise erholen." "Mir gefällts hier super, das was ich gesehen habe schien alles echt gepflegt und gemütlich, schön hast du‘s hier", antwortete Fynja lachend und fuhr dann fort: "Mir macht der Stress nicht viel und auch Azzurro schlägt sich echt gut, er scheint sich auch hier wohlzufühlen. Außerdem kennt er das Reisen ja." Stefanie, die ebenfalls bereits in ihrem bequemen Sattel sass, rief Jerry herbei. Hechelnd trottete der Rüde her und blickte zu Stefanie hoch, ehe er zu den anderen sah und sich setzte. Rachel hatte ihren Hengst auch schon gesattelt und getrenst und ritt den anderen Hinterher. "Wartet auf mich", rief sie ihnen zu und man sah Stardust den anderen Pferden hinterher trotten. Eileen zügelte ihre Stute etwas damit Rachel aufholen konnte. Als Rachels Hengst da war, ritt sie wieder etwas schneller.

      Die Gruppe startete also in Richtung Pinienwald, vorbei an den grossen Weiden des Gestüts. Schnell waren die Reiter bei den dunklen Pinienbäumen angekommen und ritten in den spährlich bewachsenen Wald. Die Reitwege waren aus hellem Sand und vermittelten ein wenig ein mediterranes Gefühl. Besonders die Pferde schienen den weichen Boden angenehm zu finden und das Geräusch der Hufe erklang nur dumpf bei ihrem Auftreten. Es war eine wunderschöne Umgebung und ein ruhige Atmosphäre. Stefanie blickte zu Jerry herab und lächelte, bei seinem glücklichen Schritten. Die fröhlich schnatternde Truppe kam bald auch schon wieder zum Waldrand, dort wo die lange Galoppstrecke lag. "Na wie wär's mit nem kleinen Galopp?", fragte Occulta mit herausforderndem Unterton zu den anderen nach hinten gedreht. "Ja, lass uns loslegen", antwortete Eileen. Elvish war kaum noch zu halten und man sah, dass sie ihre Power rauslassen wollte. „Klar.“, antwortete auch Stefanie auf Occus Frage, ließ Arcado jedoch etwas langsamer gehen. Gewinnen musste die junge Dame nicht und außerdem war ja noch Jerry dabei, den sie nicht nur Rennen lassen wollte. "Gerne!“, rief auch Fynja von weiter hinten und gab ihrem Hengst die Zügel frei. Sofort bretterte Azzurro los und hatte in windeseile die anderen überholt, die jedoch schnell nachkamen. Nun ließ Eileen Elvish frei und sie gab auch sofort Gas. Sie wurde immer schneller bis sie Kopf an Kopf mit Azzuro lief. Occulta schnalzte mit der Zunge und Numair sprang kraftvoll los. Jacky hatte etwas Mühe mitzuhalten, aber schaffte es gerade so. Quinn hatte Schwierigkeiten, Islah ruhig zu halten, denn die Stute raste, angetrieben durch Elvish, an den anderen Pferden vorbei und schüttelte den Kopf, um die Zügel aus ihrer Hand zu reissen. Aber Quinn hatte Erfahrung mit der sturen Stute und bekam sie rasch wieder in den Griff. Die Müdigkeit der langen Fahrt ließ sich Azzurro nun nicht mehr anmerken. Er lief so schnell es seine Beine und der Untergrund zuließen und versuchte, vor Elvish zu bleiben. Doch auch die anderen kamen immer näher, sodass sich bald alle auf einem Haufen tummelten. Elvish lief immer noch schnell und ließ ihre ganze Kraft raus. Auch Azzurro wollte nicht aufgeben, ließ sich allerdings nach etwas Überzeugungsarbeit von Fynja bremsen, die ihn nun langsam wieder zum Trab durchparierte, da er von allen aufgrund der verspäteten Ankunft am wenigsten Energie hatte und dementsprechend sich nicht Überanstrengen durfte. Auch Eileen parierte ihre Stute durch. Elvish Beauty fiel auch brav in den Trab. Arcado jagte den anderen nach und Jerry sprang wie eine Hupfdohle neben uns her. Arcado machte nicht einen auf Gewinner und galoppierte ganz entspannt den anderen nach, bis die ersten wieder langsamer wurden. Zufrieden schnaubend bewegte sich der Hengst hinter den anderen fort und Jerry hechelte leicht. „Fein!“, lobte Stefanie ihren Norweger und holte langsam auf.Stefanie blickte zu Eileen, ehe sie lächelte und dann den Hengst zum Schritt durch parierte. Jerry ihr treuer Hund, trottete entspannt neben her und schnaufte wieder etwas ruhiger. Nun sah sich die Rothaarige wieder um und lächelte; es war ein wirklich schöner Wald und eine tolle Umgebung. Liebevoll täschelte Stefanie ihren Hengst und warf den Rüden ein Leckerli zu. Fynja ließ sich nun etwas zurückfallen um mit Janina und ihrem Legito auf eine Höhe zu kommen. "Und, wie gefällt es dir hier so? Ich finds toll hier!", fragte die Janina. "Ich finds auch wundervoll hier! Mal was ganz anderes irgendwie.", antwortete Janina Fynja. Am langen Zügel liess die ihren Hengst entspannt Schritt laufen. "Erst hier mal was anderes als die Küste und übermorgen gehts ja auch schon nach Australien, da wirds noch ganz anders.", sagte Fynja lachend zu Janina. Auch Fynja hatte ihrem Hengst, der sich mittlerweile beruhigt hatte, die Zügel lang gelassen. "Das glaub ich dir", sagte Janina zu Fynja. "Das wird bestimmt ne lange Reise. Schon alles gepackt?" Stefanie bewunderte die Umgebung und strich ihren Hengst erneut über das weiche Fell. "So grob hab ich alles zusammengesucht, wahrscheinlich habe ich aber eh die Hälfte vergessen", sagte Fynja wieder mit einem Lachen im Gesicht, dann fuhr sie fort: "Ich fahre ja auch nochmal nach Dänemark um alle Pferde zu verladen, Azzurro fliegt aber von hier aus nach Australien und wird dort direkt von Zasa abgeholt, ich komme dann mit den anderen Pferden nach." "Hört sich echt spannend an. Ich bin froh, dass ich jetzt endlich sesshaft mit der Zucht geworden bin!", sagte Janina lachend zu Fynja. "Ich hoffe auch, dass das mein letzter Umzug war", sagte Fynja zwinkernd. Nachdem die Gruppe den schnellen Galopp hinter sich hatte und das grosse Galoppfeld definitiv überquert war, kamen sie nochmals in ein kleines Waldstück. Dahinter kamen schon die Holzbrücke und der klare Fluss in Sicht. Occulta lobte Numair und Jacky und vergewisserte sich, dass alle noch auf den Pferden sassen. Aber ihre Gäste waren ausgesprochen gute Reiter und sie brauchte sich nicht zu sorgen. Jerry ließ sich nichts von seiner Müdigkeit anmerken und trank aus einer sauberen Pfütze, wo Stefanie nur grinste und den Rüden herbei rief. „Nein Jerry! Das habe ich dir schon mal gesagt, das sich das nicht gehört!“, sagte die junge Dame etwas energischer, als der Rüde an Arcado hoch sprang. Zum Glück war momentan niemand auf der linken Seite von Arcado und Stefanie. "Wollen wir nochmal ein kurzes Stück traben?", richtete Fynja an alle anderen. "Ohja, gerne! Legito schläft ja fast ein", lachte Janina. Sie schnalzte miut der Zunge und nahm die Zügel auf, als ihr Hengst antrabte. "Warum nicht?", meinte Occulta zufreiden und wartete, bis alle im Trab waren. Sie unterhielt sich gerade mit Quinn darüber, was sie am Wochenende noch alles zu tun hatten. Jacky schnupperte unterdessen in der Gegend herum, blieb aber immer in Rufweite. Stefanie folgte den anderen einfach still und konzentrierte sich auf Jerry. Sie war ein wenig schüchtern, sprach daher nicht viel und war froh, Arcado und Jerry bei sich zu haben. Elvish trabte nun neben Acardo her."Gefällt es dir hier?", fragte Eileen Stefanie. "Ich finde es schön hier. Es ist ähnlich, aber doch anders als Kanada." Azzurro trabte gemütlich an und blieb etwas weiter hinten. Fynja schaute sich nun die schöne, herbstliche Landschaft an und genoss den Ritt. Mit gemütlichen, schwungvollen Tritten trabte Janinas Hengst Legito neben Fynja und Azzurro her. 'Herrlich', dachte Janina und vergaß für einen kurzen Moment alles um sich herum.

      Die bunte Truppe kam endlich in die Nähe der Lagerstelle. Es war schon dunkel geworden, doch man sah noch immer genug. Nachdem sie nochmals einen kurzen Galopp dem Bach entlang gewagt hatten, waren die Pferde nun etwas müde, aber zufrieden. Als sie ankamen, stieg Occulta ab und sah sich kurz um, dann sprach sie zu den Reitern: "So, hier sind wir endlich. Es ist jetzt halb acht Uhr, wir sind also gut im Zeitplan. Am besten bindet ihr die Pferde erstmal an, falls jemand sein Halfter vergessen hat, habe ich noch eines auf Vorrat dabei. Dort drüben unter den Bäumen ist eine gute Stelle wo sie auch etwas Gras knabbern können. Die Stuten vielleicht nicht zu nahe bei den Hengsten anbinden, aber das wisst ihr ja. Wer kommt anschliessend mit mir mit zum Feuerholz suchen?" Schnell zog Fynja Azzurro sein Gebiss aus dem Maul und hakte den mitgebrachten Strick in das darunter liegende Halfter. Anschließend sattelte sie ihn ab und band ihn an einem der Bäume fest, jedoch so lang, dass er etwas von dem umliegenden Gras naschen konnte. Dann ging sie zu Occulta und half bei der Feuerholzsuche. Stefanie rief Jerry herbei, der die Gegend erkundete. Der Rüde kam sofort zu Steffi angerannt und folgte brav den anderen. Als der Lagerplatz erreicht war, zog sich Stefanie den Schal fester um den Hals und stieg ab, sie lockerte den Sattel von Arcado und legte diesen zur Seite, ehe sie ihm die Trense abnahm und zu dem Sattel dazu legte. Stefanie's Norwegerhengst blieb brav stehen und hatte in Kürze auch ein Halfter um den Kopf und war angebunden. Auch Janina trenste ihren Trakehnerhengst ab und zog ihm stattdessen sein Halfter an. Sie band ihren Legito an und sattelte anschließend ab. Da es etwas frisch geworden ist bekam Legito noch eine leichte Decke angezogen. Als der Hengst versorgt war, schloss Janina sich Fynja und Occulta bei der Holzsuche an. Eileen stieg ab und zog das Halfter aus der Jackentasche. Sie Halfterte ihre Stute und band sie etwas von den Hengsten entfernt an. Zufrieden begann sie zu grasen und ich ging zu Occu, um ihr zu helfen. Occulta freute sich über die Verstärkung und lief, gefolgt von den anderen, los. Zu viert wurden sie schnell fündig und bald war ein ordentlicher Haufen neben der Feuerstelle zu sehen. Occulta begann mit dem Anzünden der mitgebrachten Zeitung und legte kleine Äste darüber, die schnell Feuer fingen. Kurz darauf konnte sie bereits grössere Stücke darüber aufschichten. Janina wärmte sich neben ihren neuen Bekannten am Lagerfeuer auf. Langsam war es wirklich frisch geworden. Auch Eileen saß nun am Feuer. Sie sah ihre Stute wegen des weißen Fells selbst im Mondschatten der Bäume noch gut. Über den Köpfen der Pferde und Reiter funkelten die Sterne. Rachel hatte sich die Ganze Zeit im Hintergrund gehalten und sich mit ihrem Hengst Stardust auseinandersetzen müssen, doch nun verlief alles gut. Stardust blieb brav angebunden stehen und Rachel unterhielt sich freudig mit den Anderen. Fynja setzte sich, nachdem sie sich nochmal vergewissert hatte, dass es Azzurro gut ging, neben Rachel. Occulta hatte sich nun auch hingesetzt und beobachtete eine Weile die Flammen, ehe sie sich ein wenig an den Gesprächen der Runde beteiligte. Das Rauschen des Flusses, das Knacken des brennenden Holzes und das gelegentliche Schnauben eines Pferdes waren die einzigen Geräusche, die die Stille zwischen den Worten unterbrachen. Als es Zeit wurde, die Zelte aufzustellen, stand Occulta als erste auf und begann, die Einzelteile auszubreiten. Es dauerte eine Weile, die Zelte aufzubauen, doch sie schafften es schliesslich ohne grössere Probleme. Nachdem die Zelte vollständig aufgebaut waren und es auch schon fast zehn Uhr war, schlug Occulta eine kleine Härteprobe vor: Wer würde sich barfuss in den kalten Fluss stellen? Fynja, die ihr Zelt in der Zwischenzeit ebenfalls aufgebaut hatte, fing nach Occultas Frage an zu grinsen und beschloss spontan einfach mal mitzumachen. Dann fragte sie: „Wer kommt denn mit mir in den Fluss?“ "Also ich komme auf jeden Fall mit!", rief Occulta, begeistert, dass jemand mitmachte. Sie stellte sich an den Uferrand, sodass ihre Zehen bereits das eisige Wasser berührten und hielt vorsichtig den einen Fuss hinein. Dann lief sie einige Schritte ins Wasser, wobei sie zu Fynja blickte und andeutete, dass das Wasser wirklich kalt war. Fynja stand nachdenklich auf einem Fuß und traute sich noch nicht wirklich in das kalte Wasser hineinzutreten. Als Occulta sie jedoch rief, entschloss sie sich einfach in den Fluss hineinzugehen. Schnell lief sie zu Occulta und fühlte das eiskalte Wasser an ihren Füßen. Als Rachel die Beiden drinnen sah, rief sie ihnen zu, dass sie auch mitmachen wolle und rannte schon zu ihnen. Das Wasser war zu eisig, doch wollte sie sich als Mutig erweisen und blieb drin stehen. Auch Janina beeilte sich mit dem Zeltaufbauen, da sie sich schnell zu den anderen in den Fluss gesellen wollte. Er war wirklich bitterlich kalt! Stefanie hatte mittlerweile endlich auch ihr dunkelblaues Zelt aufgebaut und ein paar Sachen darin verstaut. Sie ging nochmals zu ihrem Hengst Arcado und strich ihm über die Nase, ehe sie den anderen zum Fluss folgte. Die Rothaarige ließ langsam den Fuß ins Wasser gleiten und schauderte. Dann machte sie ein paar weitere Schritte und war bei den anderen. „Und das im Herbst!“, grinste die junge Dame und sah zu den anderen. "Naja, es ist auch schon eher Spätherbst und hier in England ist das Klima eher kühl.", grinste Occulta und rieb sich die Hände. "Ich würde sagen, das reicht, sonst erkälten wir uns noch." Dann hopste sie schnell zurück an Land und trocknete ihre Füsse am Feuer. "Was machen wir als nächstes?", fragte sie gespannt in die Runde. "Für Geschichten ist es noch zufrüh", meinte Elieen."Wollen wir mal das Essen auspacken?" "Gute Idee!", antwortete Fynja und lief eifrig zu ihrem Sattel um die Satteltaschen zu leeren. Auch Eileen ging zu ihrem Sattel und entpackte die Taschen. Occulta begann ebenfalls, ihr Abendessen hervorzukramen, ausserdem legte sie eine Packung Kekse in die Runde. "Bedient euch, falls jemand will hab ich hier noch Früchtetee", verkündete sie, holte eine Termoskanne aus dem Rucksack, öffnete sie und goss ein wenig heissen Tee in einen kleinen Becher. Das heisse Getränk war wohltuend nach dem kalten Wasser und sie genoss es sichtlich. Als Occulta fertig war, reichte sie den Becher weiter zu Quinn, die ebenfalls einige Schlücke nahm. Dann stand sie mit einer Hand voll Karotten auf und lief zu den Pferden. Sie gab Numair und Islah schonmal eine Karotte, fragte dann aber doch zur Sicherheit nach, ob sie den anderen auch eine geben durfte. Fynja packte ihr Brot aus und biss genüsslich hinein. "Nach der stressigen Hinreise, haben wir uns das jetzt verdient!", sagte Fynja bevor sie mit ihrem Brot in der Hand aufstand und etwas Kraftfutter aus ihren Satteltaschen holte und es Azzurro aus der Hand zu fressen gab. Eileen holte einen Apfel raus und bis hinein. Sie sage Quinn das es okay war, wenn sie Elvish eine Karotte gab, bevor sie ein bisschen Kraftfutter nahm und es ihrer Stute gab. Stefanie packte ihre Brote aus und begann, ein paar zu verspeisen. Sie blickte durch die Runde und bemerkte die glücklichen Gesichter, ehe sie angestupst wurde. „Na du?“, sagte das Mädchen liebevoll zu dem Rüden und strich Jerry über den Kopf. Nachdem alle satt und zufrieden waren, erzählten sie sich die verschiedensten Gruselgeschichten. Da sie aus vielen verschiedenen Ländern kamen, kannte jede ganz spezielle Geschichten, die die anderen noch nicht gehört hatten. Sie amüsierten sich prächtig, waren jedoch schon bald ziemlich müde von dem Ritt und der ganzen Aufregung der Reise. Occulta und Quinn sahen nochmal nach den Pferden, dann krochen sie in ihre Schlafsäcke in den Zelten und sahen durch den offenen Reissverschluss noch eine Weile den anderen beim Fertigmachen zu. Occulta gähnte und stützte sich mit den Ellenbogen den Kopf. Rachel schaute nochmal nach Stardust und gab ihm Futter. Die zweite Mahlzeit heute, nach der langen Reise. "Guten Hunger", wünschte sie ihrem Mustang und ging sich im Anschluss fertig machen. Als auch sie dann umgezogen und gepflegt war, wünschte sie den Anderen eine Gute Nacht und schlief ein.

      Mitten in der Nacht war plötzlich ein unheimliches Geräusch zu vernehmen. Es kam aus den Gebüschen auf der anderen Seite des Baches. Occulta und Quinn waren sofort hellwach und leuchteten mit der Taschenlampe in die Dunkelheit. Aber sie konnten nichts erkennen. "Wir müssen wohl nachsehen gehen...", murmelte Occulta. Stefanie erschrak auch, wie ein paar andere und blickte zu den Gebüschen. Von Jerry war ein dunkles Knurren zu hören. Der Rüde stand auf und sein Fell sträubte sich. „Da ist doch irgendwas...“, meinte die Rothaarige zu den anderen Beiden und ging zu ihrem Hund. Occulta ging voraus und watete mit den Reitstiefeln, die sie sich rasch angezogen hatte, durch den Fluss. Auf der anderen Seite verschwand sie im Gebüsch und tauchte nicht wieder auf. Quinn blickte besorgt in die Dunkelheit und folgte Occulta schliesslich, doch auch sie verschwand. Nun war es totenstill auf dem Zeltplatz. Stefanie sah, wie die anderen verschwanden und suchte im Gebüsch nach ihnen. Jerry knurrte weiter und die Rothaarige sah auf die andere Seite zum Zeltplatz. Arcado der Norwegerhengst blickte ihr treu entgegen. Auch Fynja folgte den anderen nervös hinein ins Gebüsch. Azzurro wurde unruhig und wieherte. Als die anderen folgten, bemerkten sie erleichtert, warum Occulta und Quinn verschwunden waren: Einer nach dem anderen wurde von Lewis, Elliot, Lily und Oliver gepackt! Die vier hatten sich diesen kleinen Streich ausgedacht um den Reiterinnen den Ausritt zu versüssen. Die gewünschte Wirkung hatten sie erreicht: Alle hatten sich erschrocken und Jerry hatte sich ernsthaft Sorgen um seine Besitzerin gemacht. Jackie hatte die Pfleger natürlich schon längst gerochen und war schon vorher nach hinten geflitzt, um sie zu begrüssen. Lily hatte sie packen und auf den Arm nehmen müssen damit sie nicht gebellt hatte. Die Pflegerin beklagte sich jetzt lauthals über ihre nassen Kleider, weil Jacky schliesslich auch nicht über den Fluss geflogen war, während die anderen lachend zurückwateten und schnell wieder in die warmen Schlafsäcke verschwanden. Die Pfleger machten sich noch immer schelmisch grinsend auf den Rückweg.

      Der nächste Tag verlief unspektakulär, dafür umso gemütlicher: um neun Uhr, nach dem Frühstück, packten alle ihre Zelte zusammen und ritten zurück zum Hof. Dort verbrachten sie die restliche Zeit, bis sie von Jack und Occulta wieder zum Flughafen gefahren wurden. Occulta war überzeugt, ein paar neue Freundschaften geknüpft zu haben und verabschiedete sich von allen. Sie hoffte, dass sie die Damen und ihre Pferde irgendwann wieder treffen würde.
    • Occulta
      Gletscherritt 2014
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      Prolog

      Hektisch wische ich mit dem Abwaschlappen einen Marmeladenfleck von der Reithose. Eigentlich frühstücke ich noch, im Mund befindet sich eben das Nutellabrot, aber wie das so ist, ruft die Arbeit. Beziehungsweise hupt. Ich renne einmal quer durch die untere Etage unseres Hauses und folge dann meinem Dad nach draußen. Er steht schon, mit den Händen in der Hüfte, auf dem Weg und lässt den sperrigen schwarzen Wagen den engen, unebenen Schotterweg passieren. Irgendwo im Nordstall wiehert ein Pferd und ich frage mich unwillkürlich, wer von meinen wunderbaren Idioten bei den Geräuschen eines Autos Kindheitserinnerungen pflegt. Weiterdenken kann ich nicht, mein Vater ruft, ich soll die Pferde mit vom Hänger holen. Da steht dann auch ganz schnell Anubis vor mir, der ruhig den geraden Weg bis zum Tor mustert und dann zu kauen beginnt. Mich packt indes eine wahnsinnige Mischung aus Aufregung und Euphorie und genau deshalb geben meine Beine fast nach, als ich Occu umarme. Dass Occu im Wagen war, habe ich übrigens am Pferd erkannt. Also an Anubis, Hotta Nummer zwei, er heißt Numair, glaube ich, hat mein Vater fest im Griff. Zu dritt geht es Richtung Stall. Alle Pferde, die am Gletscherritt teilnehmen stehen in den Nordstallungen. Da ist zum einen Platz, zum anderen kann man Hengste und Stuten trennen. Und das mächtige Gebäude ist kaum zu übersehen. Nubis übergebe ich an seine Besitzerin, damit die in der Box noch alles nötige kontrollieren und die Bandagen entfernen kann. Ich beschäftige mich ab jetzt unentwegt mit einer zerknitterten Liste mit Wasserschaden. Darauf stehen alle Reiter, mit ihren jeweiligen Hühs, den Mengen an Gepäck, der Anreisezeit und einer kurzen Charakterbeschreibung der Tiere. Occu, Anubis und Numair bekommen ein Häkchen, genauso wie mein Dad und ich und unsere Pferde. Zeit zum Atmen gibt es nicht, denn Gwendolyn und Rachel betreten den Stall. Sie sind schon letzte Woche, gemeinsam mit Michelle, Fynja und Helena eingetroffen; alle wohnen in der bisher ungenutzten Feriensiedlung. Es ist halb zehn, die Mädels hier sind alle früh dran, die Pferde sind fertig mit dem fressen. Innerhalb von drei Minuten ist der Stall voll. Ehrlich. Auf der Gasse sind Altair, Bailey (Fynia gerade eingetroffen), Acacia und Numair angebunden; Jessica, die kleine rothaarige Fünfzehnjährige begrüßt mich und stellt dann Serafino zu unseren Gästen, Marc taucht dann auch noch auf, von einer morgendlichen Longenrunde mit Karthago. Ich schicke ihn weg, er soll sein Pferd auf die Weide bringen. Meine Liste verbanne ich in die Hosentasche, um die Führstricke von Bailey und Altair entgegenzunehmen - Gott sei Dank vertragen sich die beiden und ich entschwinde Richtung Weide. Sowohl Hengste als auch Stuten müssen sich heute zusammenraffen und miteinander auskommen. Insgesamt habe ich keine Idee, wie das auf dem Wanderritt ablaufen soll, ich habe einfach beschlossen, dass jeder für seine Pferde verantwortlich ist. Die ersten Beiden sind unter grau bewölktem Himmel auf einer großzügigen Wiese verstaut und ich treffe pünktlich im Stall ein, wo Elena, ebenfalls gerade angekommen, ihren Pferden Gamaschen und Decken abnimmt. Zwei hübsche Schecken, hat sie da mitgebracht. Ich komme nicht darum, sie alle zu begrüßen, bevor es wieder diverse Kreuze gibt. Im Kopf gehe ich übrigens mögliche Spitznamen durch, ich meine - Helena, Elena. Elena, Helena. Elli und Helli. Ich grinse schon und beeile mich fertig zu werden. Die Neuankömmlinge bekommen von Marc Boxen zugewiesen, ich hole Solitary aus seiner Box und bringe ihn mit Numair auf die schon besuchte Weide. Sol kommt zwar nicht mit, kann ja aber auch mal was anderes erschnuppern. Im Gebäude wird die Lage indes wieder klarer; Gwen bringt Wish und Anubis auf die Koppel, Jessica folgt mit Serafino und letztendlich gehen auch Lonely, Acacia und Tasty auf ihre jeweiligen Weiden. Ich bin schon fast fertig mit dem Ausmisten der fünften Box, als Helena lächelnd den Stall betritt, ihr folgt Michelle. Ich begrüße alle Beide und beglückwünsche sie zu ihrem gesunden Urteilsvermögen. Lassen kann ich es dann auch nicht, ihnen die Hölle im Stall zu schildern, während sie Citizen Fang, Jack, Heimerdinger und Blódi putzen. Als mein Dad den Stall betritt, in Reithosen und hochgekrempelten Shirtärmeln, stütze ich mich auf die Mistgabel und sage komplett ehrlich und ernst: „Papa, ich seh' nicht mehr durch.“ Gegen eins trifft Stefanie ein; sie und Marc bringen ihre Schützlinge direkt auf den nächsten Paddock. Das Mittagessen wird auf 15:00 verlegt, der Stall ist immerhin weitgehend leer und ausgemistet, bis auf die Boxen von Ellis Hottas. Ich schwebe in meiner Euphorie durch den Tag und versuche, mir jedes Pferd mal anzusehen und ansatzweise kennenzulernen. Aus Neuseeland direkt kommen übrigens Spearmint und Little Jim mit. Am Abend sind alle Teilnehmer eingetroffen, bis auf Alessia. Die will morgen gleich zur ersten Hütte kommen, zu der wir alle hier mit zwei gerammelt vollen LKWs gelangen. Das wird praktisch die erste Etappe, ab dort geht es nur noch reitend weiter. Ich bespreche das am Abend, als wir alle im Wohnzimmer sitzen und von meinen Eltern mit Pizza versorgt werden, mit meinen Gästen. Die Fragen bis dahin kann ich beantworten; ich persönlich habe ab der ersten Hütte eine Karte.


      Tag 1 - Aufbruch nach Süden

      Es ist tatsächlich verdammt schwer, mit achtzehn Pferden und damit neun Reitern zu verreisen. Die Winterscape Stables liegen, zur Erklärung, auf der Nordinsel Neuseelands. Der Franz-Joseph-Gletscher liegt allerdings auf der Südinsel. Was macht man da..? Gedankenverloren zupfe ich ein Blütenblatt aus dem Tulpenstrauß auf unserem Küchentisch. Ich habe vor lauter Aufregung unruhig geschlafen und raffe mich jetzt seufzend auf. Die Pferde müssen für den Transport fertig gemacht werden. Wir fahren heute nämlich noch LKW. Auf dem Hof herrscht eine wohlige Geschäftigkeit und aus dem Nordstall dringt Gelächter. Ich grinse und beschleunige meine Schritte zum Turnierstall. Dort treffe ich auf Spearmint, die zwar unmöglich etwas von den Vorbereitungen des Gletscherritts mitbekommen haben kann, aber trotzdem zu spüren scheint, dass etwas in der Luft liegt. Ich begrüße sie herzlich, meine Stute folgt mir parallel vom Paddock in den Stall, wo ich sie mit ihrem Halfter erwarte - innerhalb der nächsten Stunde werden Fell und Hufe geputzt, Beine Bandagiert und eine dünne, aber warme Decke aufgelegt. Schließlich führe ich das Hüh über den Hauptweg auf die große Kreuzung, wo die beiden geliehenen LKWs stehen. Rachel und Elena stehen dort und betrachten das Geschehen mit in die Hüften gestützten Händen, während Michelle Citizen Fang die Rampe nach oben manövriert. Ich begrüße meine Kameraden und marschiere zum zweiten Gefährt, in dem ich Jack und Heimerdinger ausmachen kann. Lächelnd mache ich die Hengste auf mich aufmerksam und führe Spearmint dann ins nächste Abteil. Ich wende mich gerade von meinem Pferd ab, als Marc den Hänger mit Little Jim betritt, der auf dieser Reise ja mein Packpferd sein wird. Ich danke meinem Mitarbeiter und klopfe dem kleineren Schecken den Hals, bevor ich wieder hinaus ins Licht trete, um zu helfen.

      Zwei Stunden später fahren zwei verdächtig große LKWs in Begleitung zweier beladener Jeeps vom Hof. Ich sitze auf dem Beifahrersitz des ersten Hängers. Vor mir, auf dem Amaturenbrett, liegt ein handgeschriebener Zettel, laut dem sich im Bauch dieses Wagens Citizen Fang, Blódi, Altair, Numair, Anubis und Wishing Well befinden. Eindeutig der leerere LKW. Ich seufze schon wieder und blicke auf die Straße. Mein Vater fährt und wirft mir jetzt hin und wieder besorgte Blicke zu. „Und du denkst, du schaffst das, du verirrst dich nicht?“ Ich schüttele lächelnd den Kopf. „Quatsch, ich hab doch Spearmint.“ Die Furche in seiner Stirn wird tiefer. „Aber selbst sie ist unerfahren in solchem Gelände.“ Ich sehe meinen Vater jetzt unverwandt an. „Aber sie vertraut mir.“ Die Fahrt dauert nicht so lange, wie ich erwartet habe. Nach, sagen wir, vier Stunden erreichten wir Fox Creek, ein unbedeutendes Dorf mitten im Wald, in dem Freunde meiner Familie wohnen. Ihnen gehört wohl ein größeres Anwesen, denn wir parken auf einem geräumigen, aber scheinbar trotzdem privaten Parkplatz. Ich steige sofort aus, um mir die Beine zu vertreten. Innerhalb weniger Minuten ist die müde Umgebung erfüllt von Stimmen und dem zahlreichen Knallen verschiedenster Autotüren. „Cascar!“, ruft es hinter mir und als ich mich umdrehe, erblickte ich Alessia, die breit grinsend winkt. „Heey!“, rufe ich überschwänglich und begrüße meine langjährige Freundin. Jetzt sind wir komplett.In der folgenden halben Stunde werden die Pferde aus den LKWs geholt und auf scheinbar extra für uns hergerichtete, provisorisch eingezäunte Koppeln gestellt. Immer vier Pferde teilen sich ihr Hektar Wiese und entspannen sich so ein wenig - ich bin erleichtert, dass bisher alles so gut verlaufen ist und vor allem, dass alle Hottas noch bei Laune zu sein scheinen. Dann lerne ich die mir unbekannten Freunde kennen: Silke und Marcus, ein Ehepaar Ende fünfzig. Sie bekunden mir an ihrer Haustür, wie absolut schon sie diese Aktion finden würden und dass sie uns gerne unterstützen. Ich nicke lächelnd und bedanke mich ehrlich. Ein bisschen leid tun mir die Beiden schon, denn jetzt folgen zwei Stunden, in denen zehn Reiter ihr Mittagessen in dieser bescheidenen Hütte einnehmen werden. Mir kommt das regelrecht vor wie einen Überfall, aber Silke und Marcus sind erstaunlich gelassen und vor allem interessiert. Als wir später nach draußen gehen, um die Pferde unter einem unruhigen, grauen Himmel zu satteln, begleiten die Beiden uns und bleiben zuerst interessiert bei Helena stehen - sie ist eben mit Jack beschäftigt und erzählt mit leuchtenden Augen von den wahnsinnigen Erfolgen ihres Hengstes im Military. Ich schmunzele und tappe an Elenas Paints vorbei zu den bereits am groben Holzzaun angebundenen Schecken, die ich mein Eigen nenne. Jimmy döst und Spearmints innere Aufregung, die zugegebenermaßen auch mich befallen hat, zeigt jene nur mit einem stetigen Spiel ihrer Ohren. Ich streichele die beiden Hühs und putze dann zuerst das Pony. Der Braunschecke bekommt eine rutschfeste Unterlage und ein Pad mit einem mehrlaschigen Lammfellgurt auf den Rücken, an dem ich gleich das gesamte Gepäck befestigen. Das hier ist die Standardausrüstung für die Packpferde - bei Spearmint ist das schon komplizierter. Die Stute tänzelt mittlerweile und ich kann es ihr nicht verübeln - ich sehe ja schließlich, dass sie sich zu beherrschen versucht und das funktioniert zunehmend besser, als Rachel Acacia neben uns anbindet. Diese Stute hat eine wunderbar ruhige Ausstrahlung, für die ich Rachel insgeheim danke.

      Schließlich haben wirklich alle ihre Pferde gesattelt und ich muss mich von meinen Eltern verabschieden. In meiner Jackentasche befindet sich ein komplizierter Plan, auf dem unsere Route verzeichnet ist. Als sich zehn Reiter praktisch zeitgleich in den Sattel schwingen, neigt sich die Sonne bereits gen Horizont. Die heutige Strecke führt uns noch drei Stunden durch den Wald. Richtung Norden, zur ersten Hütte.Ich halte die rechte Hand nach oben, um die Aufmerksamkeit auf mich als Führung zu ziehen. „Alles klar?“, rufe ich quer über den Hof. Aus den verschiedensten halbdunklen Ecken dringt ein „Ja.“, also wende ich Spearmint und drücke ihr sanft meine Fersen in die Flanke. Der Gletscherritt hat begonnen.
    • Occulta
      Weisse Welt, heile Welt

      Ich schlich auf Zehenspitzen die Treppe runter und setzte den Teekocher auf. Ich wollte Lily heute erst wecken, nachdem ich ihr Abschieds-Frühstück vorbereitet hatte. Sie würde heute Nachmittag von Rachel abgeholt werden, damit sie pünktlich für Weihnachten zurück war. Etwas wehmütig war ich schon bei dem Gedanken, morgen wieder alleine zu frühstücken, aber ich war auch ziemlich froh, bald meine Ruhe wieder zu haben. Der letzte Monat war wie eine lange Achterbahnfahrt gewesen, und Thairu war nur einer der Gründe. Die Zebrastute hatte innerhalb zweier Wochen gelernt, einen Reiter ein paar Schritte weit zu tragen, ohne ihn gleich wieder runter zu buckeln. Lily hatte ich bisher allerdings nicht auf ihren Rücken gelassen, da das noch zu riskant war. Sheela kam in die Küche getapst und streckte sich gähnend. Hinter ihr folgten Jacky und Zira. Ich kümmerte mich um das Futter der Hündinnen, immer die Spiegeleier im Auge behaltend. Als alles fertig war, ging ich nach oben und weckte Lily. Sie wollte zuerst gar nicht aufstehen. Offenbar glaubte sie, dass sie noch länger bleiben könne, wenn sie einfach liegen bliebe. Ich konnte sie aber schliesslich doch dazu überreden mir zu folgen, da das Essen kalt wurde.
      Nach dem Frühstückmachten wir uns beide auf den Weg zum Hauptstall, wo es eine neue Box einzurichten galt. Zum Glück hatte ich meiner Nichte schon gestern Abend beim Packen geholfen, sodass sie den ganzen Morgen nochmal richtig geniessen konnte. Gestern war Shio von ihrer neuen Besitzerin abgeholt worden, sodass ihre Box nun leer stand und bloss neu eingestreut werden musste. Ich hatte die Cremello Stute schweren Herzens verkauft, da sie nicht die gewünschten Rennleistungen erbrachte und ich nicht so richtig warm mit ihr geworden war. Dafür zog nun Sympathy of the Devil wieder bei uns ein. Die mittlerweile gekörte, fünfjährige Stute war vor langer Zeit schonmal auf Pineforest Stable gewesen, allerdings nur auf der Durchreise nach Deutschland, wo sie schliesslich nochmal verkauft worden war. Ich hatte die Leistungen der Stute mitverfolgt und es immer mehr bereut, sie weitergereicht zu haben. Als schliesslich die Gelegenheit gekommen war, hatte ich sie als Rennpferd und zukünftige Zuchtstute zurückerobert. Sie würde heute Abend endlich wieder ankommen. Ausserdem kam heute auch mein lang ersehntes Stutfohlen von Skyrim an, das auf Eddis Hof herangewachsen war. Die kleine war sowas wie ein zukünftiger Supercrack, jedenfalls von der Abstammung her. Der Rest musste sich noch zeigen, doch ich war zuversichtlich. Lily und ich füllten ein paar Schubkarren mit Stroh und verteilten es in der Box. Danach machten wir uns auf den Weg zu den Offenställen, denn wir wollten die Fohlen putzen. Dank des Schnees waren sie relativ sauber, aber ich wollte sie dennoch an das Bürsten und Hufeauskratzen gewöhnen. „Mit wem wollen wir anfangen?“, fragte ich Lily vergnügt, als uns die Hengstchen am Zaun begrüssten. Die Gruppe zählte nur noch vier Mitglieder, denn Paluche und Alysheba waren ja nun bei den Grossen. So blieben noch Life, Jack, Merino und Simba. Wir nahmen uns zuerst Merino vor. Ich streifte ihm ein schwarzes Halfter über und band ihn an einem der Zaunpfosten fest. Anschliessend kratzte ich alle vier Hufe aus, während Lily ihn mit der Bürste massierte. Dasselbe machten wir auch mit den anderen Hengstchen. Die Stutfohlen liessen wir noch in Ruhe, denn die würden heute ja ohnehin noch ihre Portion Aufregung bekommen.

      Wenig später halfen wir beim misten, brachten Pferde auf die Weide, bereiteten Muskat, Light, Spot und Caspian auf das Training vor und halfen den Jockeys beim Aufsteigen. Um Neun Uhr Sattelten Lily und ich Donut und Moon. Wir wollten einen letzten Ausritt mit Schneegalopp wagen. Das kleine Mädchen hievte den schweren Westernsattel mittlerweile selbst auf Felines Rücken. Auch beim Zäumen durfte ich ihr nicht mehr helfen; sie wollte es alleine schaffen. Es dauerte so zwar etwas länger, aber sie wurde von Mal zu Mal geschickter. Wir ritten los in Richtung Galoppwiese, jedoch mit einem Umweg zum Fluss, damit die beiden Stuten auch gut aufgewärmt waren, wenn wir loslegten. Dann galoppierten wir an und heizten die Wiese hinunter durch den Schnee. Zum Glück waren Trampelpfade im Tiefschnee, denen wir folgen konnten. So war der Galopp nicht ganz so kräftezehrend für Moon und Feline, doch anstrengender als sonst blieb es trotzdem. Wir gingen daher nicht bis ganz ans Ende der riesigen Wiese, sondern bogen schon vorher wieder in den Pinienwald. Dort folgte eine lange Schrittphase, in der wir uns über die vergangenen Wochen unterhielten. Ich fragte Lily, was ihr am meisten gefallen hatte. „Das Einreiten von Thairu war cool! Und die Reitstunde mit Dream. Aber auch das Arbeiten mit den Minis, und natürlich das Ausreiten.“ Ich schmunzelte und war froh, dass sie bei den daraufhin gefragten schlechten Erlebnissen nicht so viel aufzuzählen wusste. Ich musste ihr auch versprechen, mit Rachel bereits die nächsten Reitferien auszuhandeln. Dies würde jedoch frühestens im Frühling sein.

      Wir kamen nach über einer Stunde zurück auf den Hof und versorgten die Pferde. Dann verbrachten wir den restlichen Morgen mit einer letzten Dressurstunde, bei der Lily Dream reiten durfte. Ich half ihr danach beim Absatteln. Lily streichelte die Stute liebevoll. „Ich werde sie vermissen. Aber bis ich wieder komme muss sie anständig trainiert werden. Die hat einige Kilos zu viel auf den Rippen!“, lachte sie. Ich lachte verschmitzt, denn Dream war keineswegs untrainiert – aber das würde ich Lily erst später erklären, als kleine Überraschung. Ich hatte ihr nämlich die ganze Zeit über verschwiegen, dass die Stute von Skyrim tragend war. Lily knuddelte Dream noch einmal kräftig, dann verliessen wir die Box und halfen beim Füttern, bevor wir selber Essen gingen. Danach packte Lily noch die letzten Dinge ein. Wir schleppten die Koffer zum Parkplatz, denn Rachel wartete, pünktlich wie immer, bereits mit verschränkten Armen dort. Tochter und Mutter fielen sich in die Arme, während ich die wild schwanzwedelnden Hunde beruhigte. Rachel und ich schwatzten noch ein wenig zusammen, doch sie wollte nichtmal für eine Tasse Tee ins Haus kommen, da sie ‚einen straffen Zeitplan‘ hatte. Lily unterbrach uns immer wieder mit ihrer Sicht der Dinge und schwärmte zum Beispiel von dem Ausritt vorhin mit Donut. Ich zuckte zusammen und verzog den Mund zu einem schiefen Lächeln, denn Rachel sah mich bereits drohend an. „Wir hatten doch vereinbart, dass sie nur Stuten oder Wallache reitet!“ „Ja ja, hat sie eigentlich auch. Aber sie ist ein Naturtalent und Donut ist sowieso ein ganz lieber…“, beschwichtigte ich sie. Na gut, wir haben uns in einigen Punkten nicht an die Abmachungen gehalten, und nachdem Lily Dream reiten durfte, war sowieso alles über den Haufen geschmissen… Aber ich hab ja immer aufgepasst. Ich warf Lily einen strengen Blick, den sie zu verstehen schien, denn sie erwiederte mit einem Zwinkern: „Ja, das war ne Ausnahme. Sonst waren wir brav.“ Rachel schien beruhigt und ich entspannte mich wieder. Doch langsam war es wirklich Zeit, mich von den beiden zu verabschieden. „Oh ich freu mich schon so auf nächstes Mal! Du musst unbedingt mit Thairu weiter üben, damit ich sie reiten kann, sobald ich wieder da bin“, drängte Lily. „Ach, du wirst sowieso genug zu tun haben mit Dreams Fohlen“, bemerkte ich beiläufig, und brachte Lily so zum Stutzen. „Ocuuuu? Was meinst du mit ‚Dreams Fohlen‘?!“ Rachel und ich lachten. Nachdem ich das Geheimnis gelüftet hatte, konnte Lily kaum noch still bleiben und Rachel zerrte sie förmlich zum Auto. Ich winkte zum Abschied und sah zu, wie das Auto die verschneite Grasrennbahn passierte.

      Es kam mir unglaublich still im Nordstall vor, als ich begann, Daydreaming Sorrow zu putzen. Daher liess ich den Radio an und hörte dem Sprecher bei den Verkehrsnachrichten zu. Ich hatte es wie immer nicht geschafft, die Mähne des Welshs nicht total zu zerzausen, als ich ihm das weiche Lammfellhalfter übergestreift hatte. Nun zupfte ich die Strähnchen einzeln zurecht und kämmte die dichte Wolle dann vorsichtig durch, um nichts auszurupfen. Er hatte wiedermal seinen Schlafzimmerblick aufgesetzt, als ich den Kopf mit der weichen Bürste bearbeitete. Besonders vorne beim Maul genoss er es. „…A13 westbound between the A1012 and the junction with the A126. There are currently delays of 10 minutes against free flowing traffic due to congestion. There is also a holdup at the M6 northbound between junctions J13 and J14. Reason is a road traffic collision. One of the two lanes is closed…” Ich kratzte die Hufe aus und entwirrte die Puschel an seinen Beinen, dann holte ich den Sattel. Ich ging mit ihm in die Halle und übte ein paar Dressurlektionen der L Klasse. Er stand dort noch ganz am Anfang, aber arbeitete fleissig mit.

      Gegen Abend empfing ich die beiden Neuankömmlinge. Devil fand sich auf Anhieb zurecht und keifte ein wenig mit ihrer Boxennachbarin, ehe sie sich ihrem Heu zuwandte. Shadows of the Past, von mir auch liebevoll Shira genannt, verhielt sich dagegen erstmal eher zurückhaltend. Sie kaute unterwürfig und zog das Schweifchen ein, als die älteren Jährlinge an ihr schnüffelten. Alles in allem verlief die Vergesellschaftung aber unkompliziert. Ich genoss den Abend auf einem weiteren Ausritt, diesmal mit Quinn. Wir nahmen Dod und Numair. Durch den Nebel sah man im Dunkeln etwa so viel wie in einem Hundemagen, doch Quinn und ich blieben ruhig, und so taten es auch die Pferde. Als die Stallarbeiten erledigt waren, sahen wir uns alle im Pflegerheim einen Film an, doch spätestens um zwölf Uhr waren alle Lichter gelöscht, denn die Pferde wollten auch am nächsten Morgen ihr Futter pünktlich um sechs serviert bekommen.
    • Occulta
      Montag Mondtag

      “Why do they always freak out when there’s a full moon?”, stöhnte Lewis kopfschüttelnd, während er Anubis mit der Hinterhand weichen liess. Wir waren mitten auf einem Ausritt, doch bisher waren eher die Pferde mit uns ausgeritten. Auch Dod und ich hatten Ärger miteinander, denn der sture Hengst wollte einfach nicht an den frisch gefällten Baumstämmen vorbei, die am Wegrand lagen. Ich trieb, gab einen mahnenden Klaps mit der Hand hinter dem Sattelblatt und schnalzte, doch schliesslich wirkte nur Geduld. Wer den längeren Atem hat, gewinnt. Wir schafften es, alle Pferde vorbeizubekommen, ohne einen meterweiten Bogen um den Stapel zu machen. Am ruhigsten war diesmal Baccardi geblieben, obwohl sein Kumpel Donut genauso gezickt hatte wie der Criollo und der Araber. Darren hatte also ausnahmsweise mal Glück gehabt. Quinn, die sonst eher langbeinige, grossgewachsene Vollblüter ritt, war mit ihrem wendigen Reitpony ein wenig überfordert. Ich riet ihr, Donut gut mit den Beinen einzurahmen und einen führenden Zügel zu bestimmen, der quasi als unterstützende Wand fungierte. Der restliche Ritt verlief auch nicht ganz störungsfrei, mitunter weil es begann, wieder in Strömen zu regnen, aber zumindest angenehmer was das Verhalten der Pferde anging. Ich freute mich schon sarkastisch auf den Ausritt mit Islah und Numair, den ich anschliessend mit Rosie vorhatte.
      Zurück auf dem Hof empfing mich Rosie bereits mit denselben Gedanken, denn sie berichtete, dass auch Burggraf total unkonzentriert gewesen war. Die Gruppe mit ihm, Pilot, Vychahr, Calico und Diarado war in die andere Richtung losgeritten und etwas früher zurückgekehrt. Lily gesellte sich mit den drei Hunden zu uns und hörte gespannt zu. „How about doing some Dressage instead?“, schlug ich vor, doch Rosie antwortete, was ich kurz darauf selbst dachte: „We’ve been in the arena yesterday and even the day before that, since it was also rainy then. I think they wouldn’t like it…” Lewis, der hinter uns durchhuschte, meinte scherzhaft: “You could do some sacking out, Islah would like that.” Wir lachten herzhaft, aber die Idee war tatsächlich nicht allzu schlecht. Immerhin wären sie dann beschäftigt, und schaden tut das eh nie. Rosie war einverstanden, also holten wir wenig später die beiden Araber aus ihren Boxen. Ich übernahm für heute wieder Islah, brav nach Einteilungsliste. Wir stellten in der Halle eine Plastikplane, einen Flattervorhang, einen grossen roten Ball, einen Tütenstock, einen Regenschirm und eine kleine Plastikpistole bereit. Numair war heute eindeutig der wildere von den beiden, denn schon beim Betreten der Halle glotzte er in der Gegend herum. Islah Schweif und geblähten Nüstern darüber, als ob sie gleich versinken würde. Eigentlich sah sie bildhübsch aus, wenn sie sich so aufplusterte. Trotzdem hatte ich es lieber, wenn sie etwas gemässigter unterwegs war, oder mich wenigstens vorwarnte, wie Numair es mit Rosie tat. Er spitzte schon Meter vor der Plane die Ohren, bis sie sich fast berührten, lief dann aber erstaunlicherweise im Schritt darüber. Da sieht man den Unterschied, dachte ich lächelnd. Numair findet die Plane wohl wirklich etwas unheimlich, Islah hingegen will mich bloss veräppeln. Ich schickte das furchtlose Vieh gleich weiter durch den Flattervorhang, was sie auch mehr oder weniger ohne Zögern meisterte. Auch der rote Ball schien sie nicht zu beeindrucken – den hatten wir aber auch schon beim letzten Schrecktraining gefühlte 100 Mal gegen ihre Vorderbeine rollen lassen. Während Numair und Rosie mit dem Regenschirm beschäftigt waren, wagte ich mich an die Plastikpistole. Beide Pferde zuckten ganz schön zusammen, als ich sie das erste Mal knallen liess. Numair vergass sogar den Schirm für einen Moment und hatte nur noch Augen für das kleine, schwarze Ding in meiner Hand. Beide gewöhnten sich aber nach ein paar weiteren Versuchen an das Geräusch, bis sie jeweils nur noch die Ohren spitzten. Wir beendeten das Training nach einer halben Stunde und brachten die beiden Araber zurück in ihre Boxen.
      Ich konnte es nicht lassen, zwischendurch nach Dream und Skydive zu sehen. Das schwarze Hengstfohlen war so unglaublich niedlich. Es hatte besonders schöne, im Moment noch leicht bläuliche Augen, die später aber ganz dunkel werden würden. Die gekräuselten Tasthaare an seinem Maul liessen ihn noch etwas dümmlich aussehen, genauso wie die übergrossen Ohren und knochigen Beine. Aber er war ein rechter Brocken für seine beinahe-14-Stunden Lebenszeit. Es war ein unbeschreiblich süsser Anblick, als er an Jacky schnüffelte, die durch das Stroh wuselte und nach Mäusen suchte. Es war zwar schon fünf Uhr, aber ich hatte noch immer einiges vor, also begab ich mich wieder in den Nordstall, wo Loki und Herkir bereits ungeduldig grunzten. Mit ihnen hatte ich ebenfalls ins Gelände gewollt, aber das fiel nun ins Wasser. Ich holte stattdessen die Doppellongen Ausrüstung und arbeitete so mit beiden je eine halbe Stunde. Ich achtete bei beiden auf die Dehnungshaltung, da sie als Tölter dazu tendierten, den Kopf über die Linie zu nehmen und den Rücken nicht zu heben. Ich war am Ende viel müder als die beiden, deshalb gönnte ich mir eine kleine Pause mit einer Tasse Tee, ehe ich zu Circus Dancer weiterging. Der Knabstrupper Hengst war auch etwas aufgewühlter als sonst. Er zappelte beim Putzen und lief in Giraffenhaltung auf dem Weg zur Halle, während wir beide vom Regen durchweicht wurden. Ich entfernte das Tuch vom Sattel, das ich zum Schutz vor dem Wasser darübergelegt hatte, und stieg auf wie immer um ihn warm zu reiten. Mir fiel schon im Schritt auf, dass er die eine Hallenecke immer wieder zu meiden versuchte und jeweils die Ohren spitzte, wenn wir daran vorbei kamen. Ich versuchte, die Ecke trotzdem auszureiten und das Verhalten zu ignorieren. Doch als ich das erste Mal im Trab durchkam, nahm er plötzlich den Kopf über die Linie und startete durch. Mit Mühe zog ich Dancer auf eine enge Volte und liess ihn drehen, bis er stand. Vermutlich hatte etwas in der Ecke geknackt, oder vielleicht war eine Maus durchgehuscht – jedenfalls ritt ich jetzt extra im Schritt nochmal hin, um ihm die ‚gefährliche‘ Ecke gründlich zu zeigen. Zunächst wehrte er sich, indem er den Rückwärtsgang einlegte und versuchte, abzudrehen. Ich trieb ihn konsequent vorwärts und schaffte es, ihn in der Ecke zu parkieren. Wir standen dort bis er den Kopf zu senken begann und an der Wand schnupperte. Dann streichelte ich ihn und ritt auf die Volte. Ich trabte an und kam siegessicher wieder auf die Ecke zu, doch abermals versuchte er das Spiel mit dem Losrennen. Ich zog ihn wieder in die Wendung und gab ihm einen Klaps mit der Gerte, nicht stark, aber um ihm klarzumachen, dass ich das gezeigte Verhalten nicht akzeptierte. Ich verglich den Einsatz der Gerte gerne mit dem Ausschlagen oder Zubeissen des Leitpferdes, als Züchtigung im Ausnahmefall. Ich ritt wieder auf die Ecke zu, wieder im Trab, als wäre nichts gewesen. Er lief zwar mit Aussenstellung und gespitzten Ohren daran vorbei, blieb aber im Trab. Ich lobte ihn und gab ihm eine Denkpause, indem ich auf die andere Volte wechselte. Ich verkleinerte und vergrösserte die Volte und versammelte ihn dabei mit korrekter Innenstellung. Er entspannte sich ein wenig und schnaubte. Ich überstrich lobend den Hals und hielt eine lockere, ruhige Verbindung zum Pferdemaul. Dann ritt ich wieder auf der ganzen Bahn und damit auch durch die berüchtigte Ecke. Diesmal reagierte er kaum noch und blieb sogar in Anlehnung. Ich lobte abermals und galoppierte an. Wir konnten den Rest der Stunde ohne weitere Uneinigkeiten abschliessen und er lief sogar schöner als am Vortag. Ich liess ihn spüren, dass ich zufrieden mit ihm war und kraulte ihn ausgiebig, als wir wieder in der Box waren, währendem er seine Karotten verschlang. Nun war nur noch Daydreaming Sorrow übrig. Ich nahm mir viel Zeit für den Welsh und flocht ihm einen ordentlichen Französischen Zopf, bevor ich sattelte. Das machte ich vor allem, damit mir seine mächtige Mähne beim Reiten nicht in den Weg kam. Auch die Stirnfranse flocht ich zu einem Zopf und klemmte sie beim Zäumen unter das Stirnband. Wir trabten förmlich zur Halle, weil es noch stärker regnete als zuvor. In der Halle stieg ich auf und ritt ihn warm, dann begann ich mit Stangentraben; das war das heutige Thema für den Hengst. Ajith hatte mit die bunten Stangen während dem Satteln vorbereitet und stand nun beim Halleneingang um ein wenig zuzusehen. Ich ritt zuerst schwungvoll über gewöhnliche Trabstangen, sodass er die Beine heben und sich auf seinen Untergrund konzentrieren musste. Als Nebeneffekt davon kaute er auf dem Gebiss und lief in wunderschöner Anlehnung. Eine weitere Lektion war das Reiten einer Volte, wobei ich jedes Mal über vier gleichmässig verteilte Stangen galoppierte. Ich wechselte auch ab und zu aus der Volte und nutzte die Stange in der Mitte der Halle zum Galoppwechseln. Am Schluss sprang ich ein paar Cavaletti mit Sorrow, was ihm offenbar Spass machte, denn er gab jeweils extra Gas. Am Ende lobte ich ihn und liess ihn austraben.
      Vor dem Schlafengehen machte ich wie immer mit Lily einen letzten Kontrollrundgang. Zufrieden stellte ich fest, dass die meisten Pferde bereits stehend oder liegend dösten und alles schön aufgeräumt war. Ich löschte in allen Stallgebäuden das Licht, wünschte den Pflegern, die zum Pflegerheim schlenderten, eine gute Nacht und begab mich mit meiner kleinen Nichte dann selbst zurück ins Haus.
    • Occulta
      Freunschaftliches Wettreiten

      Es war Anfang März. Mittlerweile wurde es täglich etwas wärmer und trockener, sodass die Pferde wieder jeden Tag auf die Weide konnten. Sie genossen dies sichtlich; hatten sie anfangs auch wild gebuckelt und galoppiert, grasten sie nun friedlich in der Nähe des Waldrands und genossen das Frühlingsgras. Allerdings durften sie noch nicht allzu lange draussen bleiben, da das frische Gras in Massen sonst zu Bauchschmerzen geführt hätte. Lily musste wieder in die Schule, was ihr anfangs ganz und gar nicht gepasst hatte. „Warum kannst nicht einfach du mich hier unterrichten? Du hast doch auch studiert und weisst ganz schön viel!“ Ich hatte schmunzelnd geantwortet: „Leider ist das Leben kein Ponyhof; du lernst dort viel, was ich dir nicht beibringen könnte, und ausserdem hätte ich darauf auch gar keine Lust.“ Sie war nun neu in einer Klasse in Birmingham, und nach ein paar Tagen hatte sie auch schon gute Freunde gefunden. Aber im Knüpfen von neuen Bekanntschaften schien das Mädchen sowieso nie Schwierigkeiten zu haben, ganz anders als ich. Natürlich bedeutete die Schule auch, dass sie nun nicht mehr so viel reiten konnte, was sie richtig schlimm fand. Ich tröstete sie jeweils damit, dass sie beinahe jeden Abend Dream und klein Skydive beschäftigen durfte, und regelmässig Dressurstunden auf Skyrim bekam. Ausserdem hatten wir das ‚Projekt Zebra‘ fortgeführt und waren mit Thairu nun so weit, dass man nun auf dem Viereck Slaloms mit ihr reiten konnte, jedenfalls solange sie Lust dazu hatte.
      Wie jeden Morgen half ich heute zuerst den Pflegern beim Füttern. Danach brachten wir die Nebenstallpferde auf die oberste, und die Nordstallpferde auf die unterste der drei grossen Weiden. Die Bäume, die den Strassenrand zierten und die Zufahrt somit zu einer Allee machten, waren erst vor kurzer Zeit gepflanzt worden und daher noch nicht sehr gross, aber sie boten auch eine Art Sichtschutz, damit die Hengste auf der unteren Weide gar nicht erst auf Ideen kamen. Aber das ganze wäre wohl auch sonst kein Problem gewesen, da die Jungs schon immer alle gemeinsam auf der Weide gewesen waren und sich gut kannten. Die Raufereien, die hin und wieder beobachtet werden konnten, waren also rein spielerischer Natur, auch wenn das weibliche Geschlecht in der Nähe war. Nur die Neulinge in der Gruppe, wie im Moment Artemis, hatten jeweils Startschwierigkeiten. Der Schimmel brachte deshalb sofort etwas Distanz zwischen sich und die Gruppe, als wir sie durch das Weidetor lotsten. Ich erkannte, dass Pilot ihm mit Drohgebärden bei jedem Näherkommen klarmachte, dass er ihm noch nicht ganz traute. Pilot war momentan der Chef der Hengstgruppe. Er hielt diese Position nun schon seit einem ganzen Jahr aufrecht und erzog aufmüpfige Junghengste konsequent. Trotzdem war er sehr tolerant und ging nicht jedem kleinsten Fehlverhalten nach. So liess er auch zu, dass zum Beispiel Baccardi und Calico sich ein wildes Spiel lieferten. Als sie ihm dann doch zu nahe kamen, schlug er geschickt in Richtung Baccardi aus, verfehlte ihn vermutlich absichtlich, doch zeigte ihm so, dass er vorsichtiger sein musste. Baccardi akzeptierte die Zurechtweisung und drehte ab, Calico folgte ihm. Die beiden Trabten etwas weiter weg und senkten dann die Köpfe um friedlich nebeneinander zu fressen. Ich fand das Herdenverhalten äusserst interessant und beobachtete meine Pferde oft über längere Zeit. Doch nun musste ich mich zuerst um das Training der Vollblüter kümmern, wobei ich aber heute nicht selber mitmachte. Die beiden Pferde, die ich in diesem Monat in erster Linie zu betreuen hatte (nämlich Stromer und Light), waren gestern an einem Handicap gestartet und hatten heute frei. Das einzige Vollblut, das ich noch bewegen musste, war Frame, aber der war diese Woche schon dreimal nacheinander im Sprinttraining gelaufen und hatte daher am Nachmittag zur Abwechslung Dressur auf dem Programm. Trotzdem musste ich dafür sorgen, dass alles klappte und Oliver beim Beurteilen der Pferde und Jockeys helfen. Optimierung war beim Vollbluttraining alles; wenn wir merkten, dass etwas nicht so lief, wie es das sollte, griffen wir sofort ein. Daher tauschte Oliver auch sofort Charlys Pferd gegen Caligari aus, als er sah, dass dieser mit Sumerian schon beim Aufsteigen nicht zu Rande kam. Charly musste später in Ruhe mit Sumerian etwas Bodenarbeit machen, um sie besser kennenzulernen. Der junge Jockey war noch nicht lange auf Pineforest Stable, und kannte daher noch nicht alle Pferde gleich gut. Seine Schwester blitzte mich schon wieder vom linken Torbogen des Hauptstalls aus an. Ich mochte sie immer noch nicht besonders, weil ich das Gefühl hatte, dass sie mir aus irgendeinem Grund misstraute. Ich gab mir aber keine Mühe, ihre Sympathie zu gewinnen; entweder, sie renkte sich ein und kam mit mir klar, oder sie musste sich am Ende eben einen neuen Job suchen.
      Oliver und ich liefen mit zur Bahn, führten ein Pferd nach dem anderen in die mobile Startmaschine und lösten dann den Start aus. Die Pferde schossen los und bretterten über das saftige, kurzgemähte Frühlingsgras. Oliver und ich stoppten die Zeiten mit vier Uhren. Es wurden zwar an diesem Morgen keine Rekorde aufgestellt, was auch sonst eher selten vorkam, sehr wohl aber persönliche Bestzeiten der Pferde verbessert.

      Gegen Mittag holten wir die Pferde von den Weiden und liessen sie zu ihrem Mittagessen in die Boxen laufen. Bei den meisten klappte das auf Anhieb, nur manche musste man aus einer fremden Box scheuchen und zu ihrer eigenen bringen. Danach wurden die Stallgassen aufgeräumt und gefegt. Ich suchte noch rasch meine Hunde, ehe ich ins Haus ging um selbst auch etwas zu essen. Sie warteten jedoch bereits bei der Haustür. Ich strubbelte Sheela, die schwanzwedelnd auf mich zugekommen war und rief übertrieben hoch „You clever dogs! Yass, so clever!“
      Um ein Uhr durften die Vollblüter raus, wieder auf die drei grossen Weiden verteilt. Die Stuten teilten wir in zwei Gruppen auf, da gewisse Zicken nicht miteinander auskamen. Die Zicke, von der ich sprach, war hellgrau und legte gerade die Ohren gegen Blütenzauber platt. „Kierka, be nice“, rief ich augenrollend. Die Stuten quietschten, dann trabte Iskierka mit Fahnenschweif davon, nur um wenig später eine Runde im Jagdgalopp am Zaun entlang zu drehen. Immerhin – das Gangbild der Stute war einwandfrei und die Sprünge in bester Manier. Sie teilte sich die grosse Weide nur mit Blüte, ihrer Halbschwester Shades of Gray, Painting Shadows und Indiana. Alle anderen waren auf der Weide dahinter. Unten bei den Hengsten war alles in bester Ordnung. Sie grasten friedlich schweifschlagend verstreut über die ganze Weide.
      Als ich gegen fünf Uhr Frame reinholte, um mit ihm zu arbeiten, kreuzte ich betend die Finger, dass er sich nicht eingeschlammt hatte. Ich war erhört worden: der weiss gescheckte Hengst erstrahlte noch immer in gepflegtem Glanz, nur die Beine waren etwas verspritzt. Ich führte ihn von den anderen weg zum Hauptstall, was mit ihm kein Problem war, jedenfalls solange ich ihn führte. Ich wusch rasch die Beine ab und trocknete sie mit dem Handtuch, dann bürstete ich ihn gleich im Innenhof an der wärmenden Sonne durch und sattelte ihn. Ich musste sogar die Jacke ausziehen, so warm wurde mir. Wir schlenderten zum Sandplatz und liefen uns ein. Mit ‚uns‘ meinte ich auch uns beide, denn ich stieg nicht gleich auf, sondern trabte mit ihm an der Hand spielerisch ein paar Volten. Dabei verzichtete ich darauf, den Zügel zu halten, sondern machte einen Knoten rein, damit er nicht über den Hals fiel. Ich lief ab und zu absichtlich langsamer, woraufhin der feinfühlige Hengst auch bremste. Dann wiederum rannte ich über den Platz und er machte sogar einen Freudenbuckler. Damit er nicht zu wild wurde, liess ich ihn gleich anschliessend anhalten und ging im Schritt weiter. Danach legte ich aber mit der eigentlichen Dressurarbeit los und ritt eine gute halbe Stunde lang verschiedenste Lektionen mit ihm.
      Als ich ihn zurück zum Hauptstall führen wollte, bemerkte ich Mark und Charlotte mit ihren Pferden beim Parkplatz. „Hey, hello! What are you two doing here?“, rief ich ihnen winkend zu. Sie schienen erleichtert, mich gefunden zu haben und kamen mir entgegen. „We were riding along the forest, when we spotted what we thought to be Pineforest Stable. Looks like we were right”, stellte er zuletzt zufrieden fest. Panther schnaubte und rieb den Kopf an Marks Schulter, der ihn sanft wegschob. „Well… I will show you around a bit“, schlug ich vor. Die beiden brachten ihre Pferde zum Nebenstall, wo sie sie mit den mitgebrachten Knotenhalftern anbanden. Charlotte bewunderte Frames blaues Auge. „It’s so beautiful“, stellte sie fest, und streichelte die rosa Nase des Hengstes. „I wish Milena had such pretty eyes!“ Ich entgegnete, dass ihre Stute dafür eine tolle, gewellte Mähne hatte. Ich fühlte mich etwas seltsam, als ich die beiden herumführte, weil sie kaum Fragen stellten und auch sonst eher schweigsam waren. Mark interessierte sich sehr für Unbroken Soul of a Rebel, vermutlich weil der schicke Hengst auch ein Westernpferd war. Er fragte nach der Abstammung des Hengstes und seinen bisherigen Erfolgen. Panther und Milena warteten entspannt beim Nebenstall und genossen die Sonne. Irgendwann stiessen Lewis, Rosie und Jonas zu uns. Mark blühte etwas auf und unterhielt sich ausgiebig mit Rosie über die Vorzüge eines Quarter Horse. Lewis unterbrach ihn nach einer Weile, wobei ich eine leichte Gereiztheit in seiner Stimme zu erkennen glaubte: „Mark, according to Lisa, your horse is very fast and strong. Now that I see him, I must say that I’m a bit disappointed. I expected a better shaped stallion.” Ich war etwas sprachlos über die Unverfrorenheit meines Angestellten und wollte gerade den Mund aufmachen, um ihn zurechtzuweisen, als Mark kühl und gefasst antwortete: „Well, I could show you, how fast he is. How about a little race?“ Lewis war genauso stutzig wie ich, liess es sich aber nicht anmerken. “Alright – Boss, could you lend me Dod for a while?“ Nun griff ich definitiv ein. “Lewis, it’s enough! We do not insult our guests, nor do we challenge them in silly races! They obviously came a long way to see us, and their horses must not spend too much energy on stupid cock fights.” Mark entgegnete gelassen: “Panther is fit enough, it should be no problem. Besides, I am really interested in competing against such a strong opponent.” Lewis verengte argwönisch die Augen, Mark lächelte nur. Jonas stiess mich in die Seite und flüsterte: „Lass es sie ausdiskutieren, Dod wurde heute eh noch nicht bewegt. Ich will auch sehen, wer gewinnt!“ Ich verdrehte die Augen, genauso wie Rosie. Als wir uns wenig später auf zu Dods Box machten, während Charlotte und Mark sich um ihre Pferde kümmerten, nahm sie ihn wütend zur Seite. „What the hell were you thinking? He is our guest, and you were really rude! You will have to apologize afterwards!” Lewis antwortete gereizt: “He is a braggart, I will prove that. I saw it right away, that’s why I don’t like him.” Ich schwieg und ordnete meine Gedanken. Es muss noch etwas anderes dahinterstecken… Ob Lewis Mark wohl kennt? Unwahrscheinlich, sonst hätten die beiden anders aufeinander reagiert. Aber was ist es dann? Jedenfalls muss Dod jetzt gewinnen, sonst wird es eine ziemlich peinliche Geschichte für uns… Ich half mit, den Criollo zu putzen und redete ihm gut zu. Der Rappe mit der grossen Blesse schob seinen Kopf unter meinen Arm und liess sich die Ohren kraulen – etwas, was er sonst nur bei völliger Entspannung tat. Es schien, als wollte er sagen: „Du kannst dich auf mich verlassen.“ Plötzlich fiel mir ein, dass es vielleicht nützlich war, wenn wir unbeteiligten ebenfalls Pferde hätten, um die beiden Streithähne zu begleiten. In Rekordzeit bürstete ich Donut. Rosie nahm Baccardi und Jonas Numair, wobei er auf meine Frage hin, ob er nicht noch Stallarbeiten zu erledigen habe, gespielt unschuldig den Kopf schüttelte. Ich seufzte und erlaubte ihm, auch mit zu kommen. Sobald Dod gesattelt war, führten wir ihn nach draussen zu den beiden Gästen. Der Fairness halber trug auch er einen Westernsattel, sodass beide Pferde etwa dasselbe Gewicht zu tragen hatten. Gleichberechtigung war auch der Grund gewesen, warum Lewis keinen Vollblüter ausgewählt hatte, wie er beim Putzen erklärt hatte. Mark streichelte Panther gelassen die Stirn, während er Dod und seinen Reiter betrachtete. „Ready?“, fragte Lewis. Sein Gegenüber nickte, und die beiden ritten voraus in Richtung Galoppwiese. Charlotte, Rosie, Jonas und ich folgten ihnen. Wir reihten uns bei der Imaginären Startlinie auf und Ich gab das Signal zum Start, sobald alle ruhig waren. Die beiden schossen los und waren sofort gleichauf, ein fairer Start also. Wir Beobachter ritten am Waldrand entlang mit, allerdings in gemütlichem Schaukelgalopp. Aus der Ferne beobachtete ich, wie Lewis Dod anfeuerte und der Hengst als Reaktion unwillig mit dem Schweif schlug, dann aber zulegte. Man sah, dass beide alles gaben, denn Dod schien zu verstehen, dass sein Reiter um jeden Preis gewinnen wollte und liess sich davon anstecken. Bei Mark und Panther war es aber nicht anders; die beiden waren ein eingespieltes Team und der Dunkelbraune reagierte unmittelbar auf jedes Zeichen seines Reiters. Dod war da schon etwas sturer und blieb auf seiner bevorzugten Spur, aber der Hengst war auch clever und nutzte seine Kenntnisse über den hiesigen Boden; er kannte die Galoppwiese und ihre Unebenheiten nur zu gut. Eine Weile sah es so aus, als wären die beiden tatsächlich gleichauf, doch dann fiel Panther immer weiter zurück. Der braune Quarterhengst konnte mit der Ausdauer und Geschicklichkeit des ausgezeichnet trainierten und robusten Criollos nicht mithalten; Lewis ritt triumphierend über den schmalen Trampelpfad, der als Ziellinie diente. Mark tätschelte Panther geschlagen den Hals und zwang sich zu einem Lächeln. Jonas klatschte freudig Lewis‘ Hand, doch Rosie schenkte ihm nur einen verachtenden Blick. Ich gratulierte ihm mit gemischten Gefühlen: froh, dass er unsere Ehre verteidigt hatte, aber skeptisch, ob Mark nun nicht zu verärgert war. Zu meiner Erleichterung winkte er ab: „Ahh, next time we win, right Panther? You have a very good horse right there Miss Smith.“ Ich nickte dankbar und führte die Gruppe zurück zum Hof. Lewis musste sich natürlich trotzdem noch bei Mark entschuldigen, konnte aber auf dem ganzen Rückweg ein schelmisches Grinsen kaum verkneifen. Die beiden Gäste blieben noch für eine Tasse Tee, dann machten sie sich langsam auf den Nachhauseweg. Als ich mich zum Nebenstall begab, um Ronja zu holen, bekam ich mit, wie Lewis an Rosie vorbeilief, wobei er fröhlich meinte: „Sloppy shaped Quarter Horses are still not comparable with good trained Criollos.“ Sie ignorierte ihn und lief davon. „Hey, it was only a joke!“, rief er ihr noch nach, aber das nützte auch nichts mehr.
    • Occulta
      Hengstparade

      Heute war mal wieder viel los auf Pineforest Stable. Wir waren am Nachmittag zu einem Züchtertreffen in London eingeladen, bei dem wir auch ein paar unserer Hengste vorstellen durften. Dazu mussten die Jungs aber erstmal schick gemacht werden. Ich hatte vergangene Nacht erfolgreich gebetet, dass es keinen Regen geben würde, sodass wir die Gruppe am Morgen ohne Bedenken – und ohne Schlammmonster zu züchten - auf die Weide stellen konnten. Wir holten die ganze Bande also kurz vor Mittag wieder rein und begannen mit dem Putzen der ausgewählten Vertreter unseres Gestüts. Ich kümmerte mich darum, den Staub aus Donuts eigentlich schwarzem Fell zu bekommen. Jonas übernahm Baccardi und Skyrim wurde von Lisa umsorgt. Ausserdem waren Darren und David beauftragt Vychahr und Diarado herauszuputzen. Zu guter Letzt waren noch Sorrow und Dod, um die wir uns zuletzt alle gemeinsam kümmerten. Ich glaube Sorrow gefiel es, von so vielen Leuten umsorgt zu werden. Dod hingegen wirkte etwas ‚grumpy‘. Wir sprühten das Langhaar ein und kämmten alle Knoten vorsichtig raus, ohne die Haare auszuzupfen. Auch beim Fell wurde mit etwas Glanzspray und Lammfellhandschuhen nachgeholfen. Ich putzte Donuts Kopf besonders sorgfältig. Wir stutzten noch den Fesselbehang wo nötig und flochten bei Donut, Diarado und Vychahr die Mähnen. Dann zogen wir allen die frisch gefetteten Lederhalfter an und führten sie in Transportgamaschen zum Camion. Mittagessen gab es für die Pfleger und mich unterwegs; dazu stoppten wir kurz bei einem Asian-Take-Away. Ich mochte zwar Fastfood normalerweise nicht, aber die Gemüsenudeln die ich bekam waren gar nicht so schlecht wie erwartet. Die Pferde nibbelten unterdessen relaxt an ihren Heunetzen. In London angekommen, sahen wir uns zunächst etwas auf dem Veranstaltungsplatz um. Ich traf einige bekannte Züchter und plapperte ein wenig, war aber froh, als wir uns so langsam Richtung Camion zurückbegeben konnten, um die Pferde zu holen. Wie auch manch andere Züchter stellten wir unsere sieben Hengste kurz vor und zeigten sie im Freispringen und Vortraben dem Publikum. Alles in allem war der Nachmittag ein voller Erfolg und bescherte uns ein paar neue zukünftige Interessenten.

      Wieder zuhause ging dann alles seinen gewohnten Gang: Misten, füttern, Pferde bewegen. Ich verblieb gleich bei den Hengsten im Nordstall und kümmerte mich als nächstes um Circus Dancer. Mein eifriger Barockschüler zeigte nun Ansätze zu einer sehr korrekten Passage und lief unter dem Sattel im Allgemeinen wie ein Uhrwerk. Heute waren Galopppirouetten an der Reihe, die ich nun schon seit zwei Wochen immer wieder etwas einbaute. Ich schrubbte die Mistflecken so gut es ging aus dem weissen Fell und kämmte die lange, gewellte Mähne, bis sie wieder ordentlich auf einer Seite des Halses lag. Dann erlas ich den Schweif und kratzte die Hufe aus. Nun holte ich den Sattel und legte ihn vorne auf den Widerrist, um ihn anschliessend etwas nach hinten zu ziehen, damit das Fell unter der Schabracke schön glatt war. Ich zog den Gurt an, wobei Bubi etwas mit dem Vorderbein scharrte („Ist schon gut Bubi, ich zieh noch nicht fest an.“) und zäumte das Pippi-Langstrumpf-Pferd, dem die Punkte fehlten. Jonas huschte unter der Anbindekette durch zurück zu Calico. „Viereck?“, rief ich ihm zu. „Jap, Trail.“ Ich überlegte, dass ich Bubi eigentlich auch eine kleine Abwechslung bieten könnte, wo Jonas doch bestimmt schon einen spannenden Stangenparcours vorbereitet hatte. Ich teilte dem Pfleger meinen Gedankengang mit und er grinste, als hätte er es bereits im Voraus geahnt. Just in diesem Moment klingelte mein Handy. Ich nahm ab und erkannte erstaunt Verena O’Connors Stimme. Sie erklärte, dass sie bald umziehen werde und daher eine Vielzahl ihrer Pferde loswerden müsse, da das ganze sonst zu einem finanziell unmöglichen Unterfangen ausarten würde. Mein Herz machte bereits einen Hüpfer und ich fiel ihr ins Wort. „Du möchtest Lovely Summertime verkaufen?“ Am anderen Ende der Leitung wurde es kurz still, dann kam ein trauriges „Ja“. Es war witzig, da ich gerade am Vortag noch an die Stute gedacht hatte, weil ja Flint vor einer Weile ebenfalls nach Pineforest zurückgekehrt war. Somit würde mein ursprüngliches Westerntrio tatsächlich wieder komplett werden. Wir verhandelten kurz über den Preis, wobei ich feststellen musste, dass Summer durch das viele Training ganz schön an Wert zugelegt hatte. Sogar gekrönt war mittlerweile! Umso mehr freute ich mich darauf, die fein ausgebildete Stute zu reiten. Jonas hörte die ganze Zeit über still mit und meinte, sobald ich aufgelegt hatte: „Ich hab mich schon gefragt, wann du Summer auch zurückholst. Echt toll, dass die drei wieder zusammenkommen!“ „Ich hatte gar nie damit gerechnet, dass sie nochmal hierher zurückkehren werden – aber offenbar soll es einfach so sein“, antwortete ich glücklich.

      Nach dieser guten Nachricht wärmten wir motiviert Calico und Bubi auf. Anschliessend ritten wir durch den Stangenparcours, wobei es zum Teil rückwärts durch enge Labyrinthe und seitwärts den Stangen entlang ging – beides hervorragende Übungen für ein Dressurpferd wie Bubi. Das gerade Rückwärtsrichten und die Seitwärtsgänge waren bisher nicht gerade seine Stärken gewesen. Calico hatte noch deutlich mehr Mühe mit den Aufgaben, obwohl er das eigentliche Westernpferd auf Platz war. Aber mit seinen zarten vier Jahren war er auch noch nicht hundertprozentig ausbalanciert und konnte sich nicht allzu lange konzentrieren. Wir beendeten das Training daher gemeinsam nach einer intensiven halben Stunde; aufgrund der Nachmittagshitze wollte ich Bubi (und mir selbst) ebenfalls nicht mehr zumuten.

      Ljóski und Herkir hatten morgen beide ein wichtiges Turnier, wobei Loki in einer Fünfgangprüfung startete und Herkir in einem Passrennen. Wir hatten mit Herkir in letzter Zeit viel dafür trainiert, da ihm der Pass zunächst schwergefallen war. Aber seine grosse Liebe für die Geschwindigkeit hielt ihn motiviert, denn er entdeckte schnell, dass er in dieser Gangart „die Sau rauslassen“ durfte. Die beiden wurden wegen des anstehenden Turniers heute nur kurz auf der Ovalbahn vorbereitet, ohne sie grossartig zum Schwitzen zu bringen.

      Burggraf, Artemis, Numair und Anubis durften mit Jonas, Elliot, Jason und Anne ins Gelände auf ein paar ausgiebige Galopps. Ich wäre zu gerne mitgegangen, aber ich musste mit Empire heute mal wieder etwas Dressurarbeit machen. Ich konnte dem Ex-Rennpferd nicht dauernd freigeben und wie die letzten drei Tage ausreiten gehen; etwas Gymnastik musste doch noch sein. Immerhin war ich nicht alleine auf dem Platz: Alan longierte den Jungspund Caruso über ein paar Stangen und Linda ritt Cantastor. Caruso wollten wir jetzt schon ein wenig an die Ausrüstung gewöhnen und dann sobald er dreijährig war schonend einreiten. Er erinnerte mich daran, wie schnell die Zeit verging – es kam mir so vor, als wäre er erst letzte Woche ausgezogen, dabei waren schon zwei Jahre vergangen. Ich hatte ihn so früh von den anderen Jungpferden getrennt, weil er sich nicht mehr richtig in die Herde hatte einleben können. Ich wollte aber weiterhin versuchen, ihn bis dreijährig wieder mit den Fohlen auf die Weide zu bringen.

      Eigentlich wollte ich heute Fajirs Freispring-Künste testen, aber Quinn und Parker hatten ihn und Muskat auf einen langen Abendausritt entführt, und so musste ich meinen Plan vertagen. Selber schuld, wenn du verpennst deine Mitarbeiter zu informieren, stellte ich fest. Ich seufzte und machte einen raschen Stallrundgang, um zu sehen ob nach dem Misten noch alle Pferde genug Stroh in ihrer Box hatten. Die Pfleger hatten ihren Job gewissenhaft erledigt, denn ich fand keinen Makel. Zufrieden verzog och mich in mein Arbeitszimmer und erledigte etwas Papierkram: Nennungen für kommende Turniere und Rennen, Deckanfragen, Finanzielles und die Einfuhrbewilligung von Summertime. Ich musste ziemlich viel herumtelefonieren, bis der Transport geregelt war, aber das war ich mir mittlerweile gewohnt. Schliesslich zog die Stute aus dem sonnigen Kanada hierher, was nicht gerade ein Katzensprung war. Ich überprüfte, als ich mit dem Rest fertig war, gleich noch die Eintragungen über die Turniersiege meiner Pferde. Ein Lächeln huschte über mein Gesicht, als ich nochmal Parányis bisher kurze, aber deftige Erfolgsliste sah. Zweimal hatten wir an einem Springturnier teilgenommen, und beide Male hatte die Jungstute gewonnen! Klar, es war noch nicht allzu hoch gewesen, bloss bis 80 Zentimeter, aber ihre gute Abstammung kam ganz klar zum Vorschein. Auch Calico hatte letztens einen Durchbruch geschafft: der Vierjährige war bisher, egal in welchem Turnier er gestartet war, immer höchstens auf dem dritten Platz gelandet. Aber dieses Wochenende hatte er sich zum ersten Mal auf den zweiten Platz kämpfen können, und das in einem komplizierten Trail Parcours. Er nimmt’s eben gemütlich mit den Erfolgen, dachte ich schmunzelnd. Zum Schmunzeln brachte mich diese Tage auch Adrenaline. Die Stute wurde nicht nur immer hübscher, seit sie wieder anständige Muskeln und genug Futter hatte, sondern auch immer besser. Angefangen mit einem dritten Platz im Synchronspringen hatte sie es in kürzester Zeit noch in einem Amateur-Distanzturnier und erneut im Springen aufs Treppchen geschafft, und als Tüpfelchen auf dem i auch noch ein Barrel-Race gewonnen. Die letzten paar Erfolge hatte sie unter der hervorragenden Betreuung von Petyr Holmqvist geholt, der sie im Moment immer wieder etwas betreute, wenn er gerade in England war. Ebenfalls erwähnenswert war Satine, die kurz nach unserem intensiven Militarytraining in einer Distanzprüfung knapp den Sieg verpasst hatte. Das Turnier war ähnlich aufgebaut wie eine Jagd gewesen, und der Stute hatte es grossen Spass bereitet – jedenfalls ihrem Tempo nach zu urteilen.

      Ich streckte mich und stand auf, um wieder zu den Pferden zu gehen. Es war noch lange nicht neun Uhr und es gab noch einiges zu tun, wie immer auf solch einem grossen Gestüt wie Pineforest es war.
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  • Album:
    Gnadenweide
    Hochgeladen von:
    Occulta
    Datum:
    26 Okt. 2013
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  • ~Panther~

    Offizieller HG

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    Vom: -

    Aus der: -


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    Rufname: (Numi)
    Geburtstag: 08.10.
    Alter: 9 Jahre
    Stockmaß: 1.55 m
    Rasse: Araappaloosa
    Geschlecht: Hengst
    Fellfarbe: black roan sabino blanket appaloosa
    (EE,aa,Rnrn,Sbsb,Lplp,PATN-1PATN-1)

    Abzeichen: Unregelmässige breite Blesse, hoch weiss gestiefelt HL und HR
    Gesundheit: sehr gut


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    Temperamentvoll, manchmal etwas schwierig im Umgang


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    Numair ist kein Anfängerpferd, er stellt seinen Besitzer oft auf die Probe. Der Hengst faßt schnell Vertrauen, kann es aber auch schnell wieder verlieren. Sonst ist er ein friedvoller, freundlicher Hengst, der Feuer unterm Po hat.
    Numair liebt das Springen, Dressur und Western sind auch noch seine Stärken, aber sonst ist er nicht so geeignet für die höheren Turniersportarten. Numair ist ein sehr tempramentvoller Hengst. Bei Rossigen Stuten ist er kaum zu bändigen, geschweige den händelbar bzw reitbar. Er hat was gegen Kinder und Katzen.


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    Besitzer: Occulta (Rosie Wilkinson)
    Ersteller: Delilah
    VKR: Delilah
    Verkäuflich: Nein


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    Gekört: Ja
    Nachkommen: Chessqueen, Namuna
    Decktaxe: 90 J


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    Galopprennen Klasse: E
    Western Klasse: S
    Spring Klasse: A
    Military Klasse: E
    Dressur Klasse: E
    Distanz Klasse: E

    Eignung: Springen, Western
    Eingeritten: Ja


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    [HK 470]
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    1. Platz 273. Westernturnier
    1. Platz 264. Westernturnier
    1. Platz 258. Westernturnier
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    2. Platz 261. Westernturnier
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    Numair's Spind