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Occulta

• Kaythara El Assuad, EVB ♀

Stute | amber champagne

• Kaythara El Assuad, EVB ♀
Occulta, 25 Dez. 2015
Rinnaja, Veija und Cooper gefällt das.
    • Occulta
      Alte Berichte:
      24.12.2013 - Glück im Unglück

      Ich machte soeben meine Abendrunde durch dem Stall und entschied, noch ein wenig mit Heartbreaker zu kuscheln, als Meg um die Ecke gestürmt kam. "Eddi, Eddi! Komm schnell in den Rennstall! Jetzt!" rief sie aufgeregt und völlig außer Atem, lief aber schon wieder zurück. Ich sprang auf, verabschiedete mich von meinem Pony und lief los, um Meg zu folgen. Im Rennstall tummelte sich beinahe mein gesamtes Team und auf den Hof fuhr sogleich ein Auto. Theodor bugsierte mich durch die Menschen zu unserer größten Box im Stall und da lag sie! Schwer atmend und stöhnend warf meine Vollblutstute Khiara sich auf dem Boden herum. "Sie lässt niemanden an sich heran!" stöhnte Theodor und ich betrat vorsichtig die Box. Khiara sah mich bittend an und ich setzte mich neben ihren Kopf. "Es wird alles gut, meine Süße!" murmelte ich beunruhigt und ahnte, wessen Auto soeben gekommen war. Direkt nach ein paar Minuten kam unsere Tierärztin um die Ecke und drängte sich in die Box. "Halt sie still, ich muss nachschauen, was los ist!" sagte sie mir und ich hielt Khiara am Halfter sanft fest, um sie am Boden zu halten. Unsere Tierärztin überprüfte die Lage der Fohlen und es schien verdammt schlecht auszusehen. Mit verzweifelten Blick schaute sie mich an. "Wir müssen uns beeilen, um wenigstens noch eines der beiden retten zu können." stöhnte sie und teilte meinen Pflegern zu, was sie zu holen hatten. Ich schloss für einen Moment die Augen und bereute es, Khiara gedeckt zu haben. Warum hatte sie auch unbedingt Zwillinge haben müssen? Nun würden wahrscheinlich beide Fohlen sterben! Ich unterstützte meine Tierärztin wo ich nur konnte, auch wenn es mir schwer fiel, mich noch zu konzentrieren. Nach einer halben Ewigkeit schienen wir es endlich geschafft zu haben, doch ich konnte nur auf Khiaras Kopf blicken. Aus den Augenwinkeln sah ich, wie Theodor mit einer Decke kam und Tom bereits das Handy in der Hand hatte. Ich strich stetig über Khiaras Stirn und beruhigte die Stute, welche schlaff neben mir lag. "Alles wird gut." schluchzte ich und legte meine Stirn auf ihre. Menschen kamen und gingen, doch ich bekam kaum noch etwas mit. Unsere Tierärztin ließ mich größtenteils in Ruhe, dankbar, dass ich Khiara etwas Halt gab. Es war bereits nach Mitternacht, als ich mit tränenden Augen den Kopf hob, um die Tasse Kaffee von Theodor entgegen nahm. "Wenigstens die kleine Stute hat überlebt." erklärte er mir und hatte ein trauriges Lächeln auf den Lippen. Ich erhob mich und schaute ihn verdattert an, ich war davon ausgegangen dass es beide nicht überlebt hatten! Vorsichtig blickte ich mich in der Box um. Khiara lag zwar immer noch, mümmelte aber inzwischen in dem Heuhaufen herum, welchen Theodor ihr vor die Nase gelegt hatte. Unsere Tierärztin war auch noch vor Ort und werkelte mit Ampullen, Schläuchen und Konserven herum. Unter ihr lag ein kleines Häufchen, was sich ab und an rührte. Wenn es einmal den Kopf heben wollte, schob Khiara ihren Nüstern auf den Kopf des Fohlens und drückte es sanft zu Boden, es sollte anscheinend liegen bleiben, damit die Infusion funktionieren konnte. Gemeinsam mit Theodor verbrachte ich die gesamte Nacht bis zum Morgengrauen in Khiaras Box. Am Morgen verabschiedete sich unsere Tierärztin dann müde. "Ich komme heute Nachmittag noch einmal vorbei. Sollte vorher etwas sein, ruft mich bitte sofort an!" lächelte sie kaputt und verließ den Stall. Als sie weg war, erhob Khiara sich und schüttelte sich erst einmal gründlich. Dann zwang sie ihr Fohlen, sich zu erheben und zu trinken. Mit ihrem Ehrgeiz gelang das Khiara auch recht schnell und schon stand die kleine Stute auf den wackeligen Beinen und suchte die Zitzen ihrer Mama. "Der kleine Hengst war zu schwach, er war schon tot, bevor er das Licht der Welt erblickte." erklärte Theodor mir. Ich nickte nur, die Wahrscheinlichkeit für Zwillinge war bei Pferden mehr als gering und wenn, starben meist beide Fohlen, somit hatten wir verdammtes Glück gehabt. Ich lächelte traurig und schaute Mama und Fohlen beim durchstöbern der Box zu. "Wie magst du sie nennen?" fragte Susan mich neugierig, als sie in den Stall kam, um sich um ihre Schützlinge zu kümmern. "Kaythara El Assuad soll sie heißen." lächelte ich, denn ich hatte schon seit Wochen nach ordentlichen Namen geschaut und war mit diesem wirklich überaus zufrieden. Noch war das kleine Fohlen schwach, doch unsere Tierärztin hatte erzählt, dass sie eine wahre Kämpfernatur sein musste, denn die Wahrscheinlichkeit, dass sie überlebte war mehr als gering. Und nun schaut, dort steht sie und blickt und mit den Augen ihrer Mutter misstrauisch entgegen!

      Edfriend, 07.01.2014
      Das erste Mal auf die Weide

      Momentan hielt ich mich schlichtweg am liebsten im Rennstall auf. Seitdem Pawi wieder auf dem Gestüt stand, betüddelte ich ihn rund um die Uhr, aber der eigentliche Grund war Khiara und ihre Tochter. Die beiden waren so süß zusammen und Kaythara war einfach nur zucker! Fröhlich hüpfte sie neben ihrer Mama her und schaute immer ganz neugierig, wenn jemand vorbeikam. Heute sollte es für sie das erste Mal auf die Weide gehen, nachdem wir von der Tierärztin das Okay bekommen hatten. Ich halfterte Khiara auf und führte sie aus der Box und wartete darauf, dass Kaythara uns folgte. Doch nicht nur das Fohlen war voller Energie, auch Khiara strotzte nur so vor Übermut und wollte sich endlich wieder bewegen. Erst draußen blieben beide verdutzt stehen, denn es schneite soeben. „Ach kommt schon!“ lachte ich und führte die Stute weiter. Ich ließ sie direkt auf die kleine Weide hinter dem Stall, dort waren sie gut geschützt vor dem Wind und konnten trotzdem toben. Kaythara war begeistert von dem Schnee und steckte fröhlich ihre Nase immer tiefer in das weiß. Auch Khiara wälzte sich ausgiebig und tobte über die Weide. Ich lächelte zufrieden und ließ die beiden alleine, um wieder in den Stall zu gehen. Als erstes schnappte ich mir Destiny und holte die Hübsche aus ihrer Box. Ich band sie davor an und begann sie gründlich von oben bis unten zu putzen. In der Zwischenzeit kamen auch Roy und Marie in den Stall und begrüßten mich herzlich. Sie machten sich Cassiopeia und Deadly Ambition fertig, meine beiden Jungstuten, welche letzten Monat erfolgreich ihr erstes Rennen bestritten hatten. Wir quatschten eine Weile bis Theodor kam und uns zur Ordnung rief, denn er wartete ungeduldig auf seine Jockeys. Ich verabschiedete Marie und Roy, welche sich auf die Ovalbahn machten, während ich mit Destiny in den überdachten Longierzrikel ging. Ein wenig Arbeit würde der Guten nicht schaden, also wärmte ich sie genügend auf. Ausgiebig streckte sich Madame an der Longe und arbeitete heute auch wunderbar mit. Ich war so froh, sie wieder zurückgenommen zu haben, denn sie machte sich einfach klasse. „Aus dir wird auch noch ein Rennpferd!“ lächelte ich und ließ sie an der Longe noch abgaloppieren, ehe ich ihr die Abschwitzdecke überwarf und sie zurück in den Stall brachte. Dort führte ich sie ein wenig trocken, ehe sie auf ihre Weide durfte. Auf dem Rückweg schaute ich bei der Ovalbahn vorbei, denn ich wollte sehen, wie sich Cassiopeia und Deadly Ambition machten. Beide strotzten nur so vor Energie und Theodor ließ die beiden gerade probegaloppieren. Die Jungstuten sollten sich an alle Witterungen gewöhnen, so auch bei Schneefall zu laufen. Bei Deadly sah es so aus, als ob sie die Augen zu haben würde und sich komplett an Cassiopeia halten würde. Doch Theodor gab den Jockeys ein Zeichen und sie zogen das Tempo immer mehr an, bis Deadly auch schauen musste wo sie blieb. Ich kehrte den beiden wieder den Rücken zu und ging in den Stall, um Pawaneeh aus seiner Box zu holen. Ich putzte ihn gründlich und brachte ihn dann in die Führanlage, damit er sich aufwärmen konnte und sich bewegte. Ich hatte leider nicht gar so viel Zeit ihn selbst zu bewegen, aber die Führanlage war dafür ideal. In der Zwischenzeit verschwand ich ins Büro und kümmerte mich um die Bestellungen für unsere persönliche Rennausrüstung. Als das getan war, holte ich Khiara und ihr Fohlen von der Weide, denn das erste Mal mussten sie nicht so lange im tiefen Schnee verbringen. Dann holte ich auch Pawaneeh aus der Führanlage und brachte ihn auf seine Weide, damit er entspannen konnte. Marie und Joy waren auch gerade mit den Stuten fertig und brachten sie auf die Weide zu Destiny. Ich schaute noch einmal bei den drei Ladys vorbei und dann bei Khiara und ihrer Tochter, ehe es zur Team-Besprechung ging.

      Edfriend, 11.02.2014
      Entdeckungstour über das Gestüt

      Im Rennstall gab es momentan zwei Pferde, welche unzertrennlich waren. Dabei handelte es sich um Khiara und ihr Fohlen. Sie hütete das Kleine wie ihren Augapfel und wehe jemand Fremdes kam ihm zu Nahe. Ich war froh, selbst ein wenig Erfahrung in der Veterinärmedizin zu besitzen, denn mich akzeptierte Khiara noch gerade so. Seit einigen Wochen durfte das Fohlen sogar mit seiner Mama auf die Weide, wenn auch nicht gar so lange, aber immerhin wurde es von Tag zu Tag mehr. Heute sollte es einmal ein wenig mehr von der Welt sehen. So halfterte ich Khiara auf und holte sie aus der Box, um sie in der Stallgasse anzubinden. Alle Stalltüren waren geschlossen, damit die kleine Kaythara auch bei uns blieb. Während das Fohlen durch den Stall flitzte, putzte ich meine geliebte Stute Khiara in aller Ruhe und gönnte ihr eine kleine Massage. Durch die kalten Tage und den Stress mit dem Fohlen war sie gerne einmal verspannt, obwohl ich das eigentlich größtenteils verhindern wollte. Ab und an kam Katyhara vorbei und beschnupperte mich neugierig. Dabei strich ich ihr sanft mit der Bürste über das Fell, damit sie sich schon einmal daran gewöhnt. Doch lange blieb sie sowieso nicht bei mir und nach ein paar Minuten verschwand sie dann auch schon wieder. Khiara genoss noch den Rest meiner Pflege, ehe ich sie losband und die Stalltüren öffnete. Gemeinsam mit Stute und Fohlen verließ ich den Stall und machte einen Spaziergang über das Gestüt. Dank unserem großen Gelände würde der Weg sowieso einiges an Zeit in Anspruch nehmen, so dass beide Pferde danach ausgelastet wären. Khiara schien froh zu sein, mal wieder aus ihrem Alltag rauszukommen und Kaythara war so neugierig, dass sie überall ihre Nase reinstecken musste. Obwohl sie sich natürlich zugern hinter der Mama versteckte und dort Schutz vor bösen fremden Dingen suchte. Lächelnd betrachtete ich das staksige Vollblutfohlen und fragte mich, ob sie später einmal genauso erfolgreich wie ihre Mutter sein würde. Khiara war ja nun wirklich eine Legende und ein Stern am Himmel, ich glaube, kaum ein anderes Pferd konnte mit ihr im Rennsport mithalten. Vielleicht würde das bei ihrer Tochter auch so werden, aber das lag wohl noch in weiter Ferne. Für heute reichte der Kleinen erst einmal die Erkundungstour über das Gestüt und als wir wieder am Rennstall waren, lief sie ein wenig müder neben ihrer Mama her. Dennoch nicht ausgepowert genug, ließ ich sie noch auf ihre Weide, wo beide Vierbeine noch einmal richtig loslegten. Besonders Khiara vertrat sich ausgiebig die Beine, denn sie war definitiv kein Fan von Boxen, obwohl ihre Box nun wirklich fast dreimal so groß war wie die der anderen Pferde. Während die beiden über die Weide tollten, kümmerte ich mich um die Box und mistete diese gründlich aus. Nachdem das alte Stroh entfernt war, holte ich zwei frische Bündel vom Boden und streute die Box neu ein. Danach legte ich noch das Heu bereit und feuchtete es mit der Gießkanne ein wenig an. Dann äppelte ich noch den Paddock ab und rechte den Sand wieder ein wenig zu recht. Zum Schluss gab es für Khiara noch ein wenig Müsli mit Äpfeln in den Trog. Da ich heute noch einen wichtigen Termin hatte, bat ich Susan, die beiden Pferde in zwei Stunden wieder in den Stall zu holen.

      Edfriend, 22.04.2014
      Frühjahrsputz

      Punkt sechs klingelte mich mein Wecker aus dem Schlaf. Gähnend erhob ich mich aus dem Bett und schlafwandelte erst einmal ins Bad, um mir eine Ladung Wasser ins Gesicht zu schütten, damit ich erst einmal wach wurde. Heute war früher aufstehen angesagt, denn wir hatten Großes vor. Inzwischen war es April und das Wetter war nun immer zu 80% wirklich richtig schön, deshalb hatte ich entschieden, dass es so weit war: der Frühjahrsputz stand an. Nachdem ich mich in meine Stallklamotten geworfen hatte, lief ich hinunter in die Küche. Wiedermal war ich nicht die erste, stattdessen war Mia schon auf den Beinen und huschte wie ein aufgeschrecktes Eichhörnchen umher. Der Frühstückstisch war schon gedeckt, so dass ich mich einfach auf meinem Stammplatz niederließ. Auch die darauffolgenden Mitglieder des Gestüts schauten Mia verständnislos an und setzten sich verschlafen an den Tisch. Unsere Dressurreiterin war definitiv die einzige, die schon putzmunter war. Wir frühstückten gemeinsam und planten den heutigen Tag, wobei Mia immer ganz vorne mit dabei war. Sie nahm sich so viel vor, dass es sogar für sie knapp werden würde, dass alles zu schaffen. Als wir fertig waren und der Tisch abgedeckt, ging es in Richtung Stall. Wie jedes Jahr begann für die Pferde zu Ostern die Sommersaison und das hieß 24 Stunden Weide! Die Alteingesessenen hatten es schon im Gespür und waren ganz aufgeregt, als wir als große Mannschaft den Stall betraten. Die Herden hatte ich schon in den letzten Wochen eingeteilt und oft genug wechseln müssen, da die Pferde sehr wählerisch waren. Bei uns war es so, dass man eigentlich alle Hengste zusammenstecken konnte, denn die verstanden sich alle. Bei den Stuten sah das anders aus, denn da war Zickenterror an der Tagesordnung, deshalb hatte ich bei den Plänen besonders lang gebraucht. Am unkompliziertesten waren die Jährlinge und Jungpferde gewesen, wo schnell klar war, wer mit wem konnte und so wurden heute die großen Weiden eingeteilt und dann ging es auch schon an die Arbeit. Der Einfachheit halber brachten wir zuerst die Jüngsten raus, da deren Weiden am nächsten lagen. Außerdem wollten wir den Stuten mit Fohlen den Stress ersparen, also halfterte ich Napayné und Nandalee auf, während Meg sich Nesquik und Applaus holte. Gemeinsam brachten wir die beiden auf die große Weide direkt hinter dem Stall. Da auch Khiaras Fohlen Kaythara mit gleichaltrigen Artgenossen großwerden sollte, hatten wir die Vollblutstute und ihre Tochter in den letzten Wochen immer öfter probeweise zu den Welshs gestellt. Zu meiner Freude verstanden sich die Stuten und Fohlen einwandfrei, weshalb Khiara mit auf diese Weide durfte. Danach waren unsere Jungpferde an der Reihe, welche eine Weide bekamen, die zur Hälfte im Wald verschwand, denn ich war mir sicher, die Jungspunde würden zwischen den Bäumen ihren Spaß haben. Es war eine große Stutengruppe, bestehend aus Hollybrooks stolzer Nachkommin Fairy Bluebird, ihrer besten Freundin Joyce, der kleinen Tiny Girl und dann noch den beiden aufgeweckten Stuten Raunchy’s Limited und Fire of Quintesse. Die fünf waren schon halbe Ewigkeiten zusammen und verstanden sich ausnahmslos prima. Gemeinsam tollten sie ausgelassen über die Weide und ich freute mich sehr, sie so zu sehen. Die beiden Junghengste Prazzy’s Goldbell und Painted Blur standen immer noch in der Junghengstherde von Zaii und ich schaute wöchentlich bei meinen Lieblingen vorbei, ihnen ging es wunderbar! Somit waren Feuervogel und Altyn die einzigen Junghengste auf dem Gestüt und bekamen ihre eigene Weide. Nachdem die jungen Pferde fröhlich über die weiten Wiesen tollten, sollten nun auch die großen an die Reihe kommen. Ab sofort waren wir aufgeteilt und jeder kam stets mit zwei Pferden an der Hand aus dem Stall. „Lasst ihr bitte Pajero, Call me a Twist und Schneeleopard noch im Stall?“ meinte ich lächelnd, als ich soeben einige Pferde aufgehalftert hatte. Das rausbringen zog sich und dann war es plötzlich geschafft. Ich rief Mia und Meg zu mir und wir machten die drei verbliebenen Hengste fertig. Sie wurden kurz geputzt und bekamen dann allesamt nur eine Trense über. Danach schwangen wir uns auf die blanken Rücken, ich saß auf meinem geliebten Pajero, Mia nahm Twist und Meg ritt Leo. Ich wollte mit den beiden nun noch einmal alle Weiden abreiten und die Zäune, Versorgungsstände und Herden kontrollieren. Die ersten Weiden waren schnell gemacht und dann kamen wir an die riesigen Stutenweiden. Die Wiese von den Vollblütern war noch relativ klein im Vergleich zum Rest, dafür standen hier aber auch nur die beiden Tekken Mokka und Sonja, sowie die drei Rennpferde Cassiopeia, Destiny und Deadly Ambition. Zufrieden ritten wir weiter und kamen an die wohl kritischste Stutenweide. Um Weihnachtswichtel und Little Chocolate Chip machte ich mir keine Sorgen und auch Nightfly und Foxglove waren problemlos. Aber die drei Welshsstuten Animby, Alice und Herbsttraum legten es gerne auf Probleme an. Deswegen stand auch die Tinkerstute Freeway mit hier, denn wenn ihr die Zickereien zu weit gingen, zögerte sie nicht, sondern griff ein. Doch im Moment war alles friedlich, genauso wie auf der Nachbarsweide von den Westernstuten. Joyna und Chou grasten friedlich im Schatten, während Caribic Sue und Rubina Ravenclaw herumtobten. Apache’s Tomahawk kam sofort angetrabt als sie uns sah, denn sie schien es eindeutig auf Twist abgesehen zu haben, so dass wir flott weiterritten. Die Hengste hatte ich in drei riesige Herden aufteilen müssen. In der ersten waren unsere Welshzuchthengste Auftakt, BonnyBoy, Fürst der Finsternis und Single Malt vereint. Dabei standen auch Lucane, Vertigo, Pinocchio und Carachillo. Allesamt eine ruhige Truppe, weshalb wir Serafino, Ejadon und Dr. Insektor noch dazugesteckt hatten. Bei der nächsten Weide wurden wir freudig von Heartbreaker begrüßt, der seinen Freund Pajero schon sehnsüchtig vermisst hatte. Ich schwang mich von dessen Rücken, nahm ihm den Zaum ab und ließ auch ihn auf die Weide. Das war die Weide der Jungspunde und frechen Kerle, die sich aber allesamt wunderbar verstanden. Zum einen unsere Unzertrennlichen Zarin und Romance, dann Absinth und Dirth, wozu auch Allelujah. Yerai, Muskat und Mennesse brachten noch ein wenig Blut mit rein, so dass ich Breaker, Pajero und Alazar als Aufpasser mit dazugestellt hatte, nicht dass es die jungen Kerle doch einmal übertrieben. Bei der letzten Weide mussten dann auch Meg und Mia absteigen, denn Leo und Twist durften mit zur Thorondor, Aristo, Guarana, Pawaneeh, Magic Golden Dust, Hidalgo und Campeon auf die Weide und dann hatten wir es auch schon geschafft. Als endlich alle Pferde draußen waren, ging es an den Frühjahrsputz. Wie jeden Tag wurden die Boxen gemistet, aber diesmal nicht mehr eingestreut. Zudem wurden die ganzen Spinnenweben entfernt, die Fenster wurden geputzt und die Stallgasse gründlich gekehrt. Alles erstrahlte im neuen Glanz und die Sattelkammern wurden einmal komplett ausgeräumt, ehe wieder eingeräumt und aufgeräumt wurde. Die Sättel wurden öfters gefettet, doch das wurde heute auch direkt noch einmal gemacht. Ebenso wurden besonders dreckige Decken oder Bandagen gleich in den Wäschekorb geworfen. Zum Schluss war alles ordentlich eingeräumt und die Arbeit für heute geschafft und wie die Pferde, bekamen auch die Trainer heute frei. Die kommenden Wochen würden hart genug werden, denn dann hieß es Boxen und Ställe neu streichen, genauso wie die Zäune. Scharniere mussten neu geölt werden, das ein oder andere frisch lackiert werden oder gar ersetzt werden. Die Paddocks wurden abgebaut und der alte Sand entfernt, damit neuer Sand hingebracht werden konnte. Nach diesem kalten Winter sollte wieder alles auf Vordermann gebracht werden.

      Edfriend, 29.07.2014
      Neuer Stall, wir kommen!

      Als ich heute Morgen aufstand, schien bereits die Sonne leicht durch meine Gardinen. Lächelnd schlug ich die Decke auf und sprang aus dem Bett. Mein Kater war auch direkt wach und folgte mir schnurrend mit ins Bad. Während ich duschte und mich fertig machte, putzte er sich gründlich. Eine halbe Stunde später waren wir fertig und liefen hinunter in die große Küche. Heute waren wir ausnahmsweise mal die ersten. Also gab es für meinen Kater sein Futter und ich schob die Brötchen in den Backofen. Danach machte ich die Kaffeemaschine fertig und machte den Wasserkocher für den Cappuccino an. Nun kochte ich noch die Eier und während alles so verlief wie es geplant war, deckte ich den Frühstückstisch. Pünktlich um acht kam mein gesamtes Team zusammen und wir frühstückten gemeinsam. Mia hatte die Post hineingeholt und verteilte die Briefe an die jeweiligen Empfänger. Ich hatte eine Postkarte meiner guten Freundin Lea erhalten, welche gerade ihren Urlaub an der Ostsee genoss. Lächelnd las ich ihre Worte, wenn sie nur wüsste was momentan hier los wäre. „Wir müssen heute die Jungpferde noch umweiden, sonst können die Bauarbeiten nicht beginnen.“ meinte Tom und ich nickte ihm zu. „Ja das machen wir heute.“ erklärte ich und hatte in Gedanken schon den heutigen Tagesablauf geplant. „Tamzin, Mia? Ihr fahrt heute aufs Turnier, richtig?“ hakte ich noch einmal nach, eigentlich wollte ich nur schauen, dass jeder wusste, was los war. „Ja, genau. Ich nehme Taktlos und Muskat mit.“ meinte Mia. „Talulah wollte wegen der Versorgung mitkommen, ansonsten habe ich eben Alazar und Vertigo dabei.“ fügte Tamzin hinzu. Ich nickte den beiden zu und gähnte leicht. Genüsslich biss ich in mein Brötchen und trank einen Schluck Cappuccino. „Wie geht es den Fohlen?“ fragte ich in die Runde und bekam direkt eine Antwort. „Nüsschen geht es wunderbar und Rosewell ist zwar noch schüchtern, aber ihr geht es bestens.“ erklärte Meg mir. Sie liebte Fohlen und war nur zu gerne bei den jungen Pferden unterwegs. Wir frühstückten zu Ende und dann machten wir uns auch schon an die Arbeit, denn die kommenden Wochen würde auf dem Gestüt viel los sein. Momentan bauten wir nämlich um, so dass es gar nicht so leicht war, für alle Pferde eine neue Weide zu finden, ohne den Bauarbeiten im Weg zu stehen. Aus diesem Grunde mussten die Jungpferde jetzt auch weichen. Also begannen wir unseren Tag mit Weide bauen. Es mussten insgesamt zwei Weiden her, damit wir Hengste und Stuten trennen konnten. Eine Stunde verbrachten wir damit und dann waren die großen Weiden am Rande des Waldes fertig. Nun hieß es die Jungpferde holen. Mit Halftern bewaffnet machten sich Tom, Meg und ich auf den Weg. Ich schnappte mir Prazzy's Goldbell, Feuervogel und Painted Blur, Tom fing sich Altyn und He's called Trüffel und Meg nahm schon die zwei Stuten Hollybrook's Fairy Bluebird und Joyce mit. Der Weg zu den neuen Weiden war weit und das nutzten die Hengste zu gern zum toben aus. Ich war froh, als wir dann endlich die erste Ladung drüben hatten. Nun liefen wir noch einmal um noch Hollybrook's Tiny Girl, Raunchy's Limited, Quintesse of Xaras, Rosewell und Shawneé zu holen. Danach waren wir sogar schon fertig. Während Meg und Tom die alten Weiden abbauten, lief ich zu unserem Stallgebäude. Momentan waren dort alle Mutterstuten mit Fohlen aufgestallt, allerdings wollte ich auch diesen Auslauf gönnen. Als erste halfterte ich Khiara El Assuad auf und brachte sie gemeinsam mit ihrem kleinen Stutfohlen Khaytara El Assuad auf die Weide vor dem Stall. Danach holte ich noch Napayné und Nesquik, unsere Welshstuten. Nandalee und Applaus waren voller Tatendrang und hüpften aufgeregt nebenher und freuten sich riesig auf Khaytara. Fröhlich jagten die kleinen Fohlen über die Weide, während die Stuten friedlich nebeneinander grasten. Nun holte ich noch Mokka mit ihrem frisch geborenen Fohlen Mon petit écrou aus dem Stall und ließ sie heute auf eine der kleineren Weide, denn noch wollte ich die beiden lieber alleine lassen, nur Mokkas beste Freundin Sonja durfte bisher mit zu ihr und dem Fohlen, weshalb ich die drei gerne zusammen stellte. Nachdem auch diese Pferde versorgt waren, nun konnte ich mich nicht länger drücken, denn die Bauarbeiter rückten an und direkt kam der Chef zu mir. Gemeinsam brüteten wir über den Plänen und diskutierten über die Aufteilungen. Ich wollte meinen Pferden ein anderes Leben gönnen und baute deshalb das gesamte Gestüt um. Es sollen zwei neue Paddocktrails und drei Aktivställe gebaut werden. Hinzu kommen sollten fünf Mini-Offenställe, in welchen immer nur 2-3 Pferde leben würden und zu guter Letzt noch einige Doppelboxen mit großen Paddocks für Gästepferde oder auch für unsere Pferde, wenn etwas großes anstand. Mein Team unterstützte mich dabei tatkräftig und schon bald würden die Umbauten fertig sein. Ich musste nur noch die neuen Herden einteilen und dann würden die Pferde auch schon bald auf ihre neuen Weiden ziehen dürfen. Aber heute waren wir davon noch weit entfernt. Lächelnd schlenderte ich über das Gestüt und verabschiedete Mia und Tamzin, sie würden erst heute Abend wieder zurückkommen. Ich entschied mich stattdessen, zu unseren Zwergen zu schauen. Also schnappte ich mir in der Futterkammer sechs Möhren und wanderte zu den Weiden, wo Werina, Mondscheinsonate, Weihnachtswichtel und Little Chocolate Chip standen. Als ich sie rief, kamen sie sofort angesaust und holten sich ihr Leckerchen ab. Danach schaute ich bei den Jungs Heartbreaker und Window vorbei und auch sie bekamen noch eine Möhre. „Guten Appetit, meine Lieben.“ meinte ich lächelnd und ging dann, denn im Stall stand die Teambesprächung an, wer nun was machen würde. Judi wollte heute mit Carachillo und danach mit Capriciasso zur Geländestrecke und die beiden trainieren. Danach würde dann eine Springstunde für ihre jungen Nachwuchsreiter anstehen. „Wen willst du heute mitnehmen?“ fragte ich, um zu wissen, wer dann noch bewegt werden müsste. „Ich wollte gerne Lucane, Nightfly, Pinocchio, Naimibia und Diggin' in the Dirth nehmen.“ erklärte Judi mir und ich nickte. „Alles klar.“ meinte ich lächelnd und verschwand. „Tom? Reitest du heute Absinth und Serafino?“ trug ich ihn auf und suchte dann Meg. „Komm, wir machen einen Ausritt mit Zarin und Death Pop Romance.“ meinte ich lächelnd, damit die junge Auszubildende eine kleine Pause bekam. Heute war sehr angenehmes Wetter und so konnten wir viel traben und galoppieren, was den beiden Hengsten sehr gut tat. Danach bat ich sie noch, sich auf Foxglove zu schwingen. Ich wollte stattdessen Allelujah beschäftigen, für ihn stand heute Longieren an mit viel Stangenarbeit, denn einfach war er immer noch nicht, aber es wurde langsam besser. Als ich mit dem Palomino fertig war, holte ich meinen Liebling Pajero von der Weide, um mit ihm unsere Geländestrecke als lockeren Spaß zu reiten. Wie immer war er super drauf und es war ein toller Ritt. Danach war noch Dr. Insektor an der Reihe. Unser Hengst hatte sehr gute Fortschritte gemacht und vielleicht würde er bald an Turnieren teilnehmen können. Für Ejadon gab es heute frei, denn er hatte die letzten zwei Tage mit Turnieren verbracht. Guaranà ging mit Monty heute eine kleine Runde ins Gelände, um ihn fit zu halten. Mennesse nahm er als Handpferd mit, damit der direkt auch bewegt wurde. Die spanischen Schönheiten Thorondor, Yerai und Aristo hatten heute auch frei, also bewegte ich nur noch Freeway. Danach war erst einmal das Mittagessen an der Reihe. Heute gab es Hefeklöße mit Vanillesoße und Kirschkompott. So kamen wir alle wieder zusammen und konnten eine kleine Pause machen, ehe es mit der Arbeit weitergehen würde. Am Nachmittag war noch genug zu tun und da drei Leute heute fehlten, mussten wir anderen uns besonders ins Zeug legen. Mein erster Gang nach dem Mittagessen war zu Carter, denn ich wollte mich über das Training der Vollblüter informieren. „Wenn es öfter mal ein paar Rennen geben würde, dann könnten Cassiopeia und Deadly Ambition auch einmal zeigen, was in ihnen steckt, aber momentan sieht es dort ja ziemlich mager besetzt aus. Pawaneeh lasse ich jetzt nebenbei aktiv auch in Dressur und Springen trainieren, das braucht er, so kann Susan ihn auch im Rennen besser kontrollieren. Magic Golden Dust macht sich gut im Training und ist topfit. Und Destiny Horror, na ja, ich denke die Dressur wäre eher was für die Hübsche.“ erzählte er mir und ich saugte alles in mir auf. Auch bei unseren Westernpferden tat ich momentan nicht gar so viel, das überließ ich lieber Monte und Elizabeth. Stattdessen schaute ich in die Halle, wo Monte gerade Unterricht gab. Vier junge Menschen hatte er unter seine Fittiche genommen. Heute wurden dadurch Rubina's Ravenclaw, Joyna, Apache's Tomahawk und Caribic Sue trainiert. Wie ich hörte waren Monte und Elizabeth schon mit Schneeleopard und Campéon unterwegs. Call me a Twist hatte momentan frei, denn er verbrachte gerade seine Zeit viel lieber mit potenziellen Stuten auf der Weide. Seitdem er gekört war, hatten wir nämlich äußerst viele Deckanfragen bekommen. Hidalgo wurde gerade von Elizabeth geritten. Die Stuten Chou und Ice Coffee hatten heute frei. Zuletzt standen meine Lieblinge an, die Ponys aus den Wales. Meine kleine Welsh Zucht war inzwischen schon gigantisch und ich freute mich jedes Mal, bei ihnen vorbeizuschauen. Die beiden Hengste Auftakt und Bonny Boy befanden sich inmitten der Turniersaison. Animby, unsere jüngste Stute, wurde hingegen auf ihre Krönung vorbereitet, denn sie sollte auch bald mit in die Zucht einsteigen dürfen. Fürst der Finsternis und Alice von Landwein hatten momentan eine Pause und liefen vermehrt in den Reitstunden der Fortgeschrittenen mit und gingen mit ihren Reitern auch die ein oder anderen Turniere. Die hübsche Herbsttraum hatte sich inzwischen wunderbar eingelebt und ich war ernsthaft am überlegen, mir aus ihr ein Fohlen zu ziehen. Zuletzt war da noch Single Malt, welcher bisher noch Schonfrist hatte. Der Tag ging schneller vorbei als gedacht und abends saßen wir alle beisammen am Tisch zum Abendbrot. Mia und Tamzin waren sehr erfolgreich auf den Turnieren unterwegs gewesen und auch bei den anderen hatte es heute super geklappt. Zufrieden konnten wir so mit dem Tag abschließen.
    • Occulta
      Old and New Fellows

      Caruso quietschte aufgeregt, als Ocean an ihm schnupperte. Dream liess alles gelassen geschehen, sie wusste, dass Ocean ihrem Sohn nichts antun würde. Die beiden waren das erste mal seit Carusos Geburt wieder draussen und er lernte gerade seine ‚Tante‘ kennen. Gespannt beobachtete ich die Szene vom Zaun aus und betrachtete liebevoll die langen Ohren des Fohlens. Obwohl der kleine Hengst erst wenige Tage alt war, verhielt er sich doch schon frech und wild. Dauernd versuchte er, seine Mutter zum Spielen zu bewegen. Und tatsächlich war es ihm bereits vorhin einmal gelungen, die weisse Stute zu einem raschen Galopp über die Weide anzutreiben. Dream schien sich in ihrer Rolle als Mutter wohl zu fühlen, denn sie umsorgte den kleinen liebevoll. Ocean hatte die Nüstern in das weiche Fohlenfell an der Schulter gedrückt und begann nach einigen Augenblicken des Ausharrens, Caruso zu kraulen. Ich lächelte zufrieden und sah meine Anwesenheit als überflüssig an, weshalb ich mich auf den Weg zum Hauptstall machte, um dort nach dem Rechten zu sehen. Am Nachmittag würden ganze drei neue Fohlen ankommen, davon zwei vom selben Züchter. Ich hatte sie sorgsam ausgesucht und war sogar mehrfach herumgereist, um sie mir live anzusehen. Doch sie würden erst um vier Uhr ankommen, daher hatte ich noch etwas Zeit für Frame, der mir aus seiner Box entgegenröchelte. Der Hengst hatte seine starke Bindung zu mir weiter aufgebaut, offenbar erinnerte er sich daran, dass Eowin und ich ihn gerettet hatten. Sie war letztens hier gewesen, um Noir für die Körung zu untersuchen. Ich betrat die Box und kraulte den Schecken liebevoll hinter dem linken Ohr. Was für ein erbärmliches Fellbündel er doch gewesen und was für ein prächtiger Hengst nun aus ihm geworden war. Ich war mittlerweile schon zweimal auf ihm gesessen und es war beide male ein unglaublich tolles Gefühl gewesen. Frame reagierte schon jetzt so fein auf Hilfen und verliess sich blind auf mich. Und ich mich auf ihn. Ich halfterte ihn und führte ihn nach draussen, um einen Spaziergang zu machen. Jacky lief am Boden schnuppernd neben mir her und Sheela tapste freudig und wild um sie herum. Die beiden kamen prima miteinander aus und Jonas hatte Recht behalten – Jacky war wieder viel aufgeweckter, seit die junge Hündin dazugekommen war. Obwohl Sheela schon jetzt grösser als sie selbst war, erzog Jacky den Welpen bei jeder Gelegenheit. Am Abend lagen sie meist eng zusammengerollt neben mir oder in ihrem Körbchen. Ich hob einen Tannenzweig vom Boden auf und warf ihn Jacky, als wir bei der Galoppbahn waren. Es war kühler geworden und ich hätte schwören können, dass die Isländer bereits dichteres Fell hatten. Wir würden sie schären müssen, wenn es so weiter ging.
      Ich fühlte plötzlich das Verlangen, einfach Frames Seil zu lösen um das Vertrauen des Hengstes zu prüfen. Also hängte ich den Strick aus und lief weiter, als sei nichts gewesen. Frame spitzte etwas die Ohren und drehte, in seiner neu erlangten Freiheit, den Kopf zu Seite, um die Landschaft genauer zu betrachten. Er blieb jedoch neben mir und trabte hinterher, als ich mit Jacky losrannte. Sheela hielt sich auf der rechten Seite, denn sie war bereits einmal fast von einem Pferd getreten worden und nun vorsichtiger. Jacky wusste sowieso Bescheid, was den Umgang mit Pferden anging. Als ich ausser Atem war, hielt ich abrupt an, woraufhin auch Frame sofort stoppte. Ich entschied lächelnd, dass ich wohl zukünftig kein Seil mehr brauchen würde. Irgendwie gab mir sein eisiges Auge als er an mir vorbei zu den Weiden starrte das Gefühl, dass er bei mir bleiben würde, komme was wolle. Ich kraulte sanft seine Schulter und bog auf den Schnitzelweg zu den Weiden. Bei den Minis machte ich halt, damit Frame sie beschnuppern konnte. Rosie kam mir entgegen und lachte als sie sah, wie mir Frame beim Laufen von hinten die Haare zerzauste. Er wollte mit mir spielen. Ich hüpfte showmässig zur Seite auf den breiten Grasstreifen neben dem Weg und wich ihm immer wieder aus, rannte ein wenig, bis er mir den Weg abschnitt. Immer wieder stiess er sich kraftvoll vom Boden ab und machte einige Bocksprünge aus purer Lebensfreude. Bei dem Spektakel vergass ich alles andere und war einfach nur wunschlos glücklich, wie ich es schon lange nicht mehr gewesen war. Rosie machte ein kleines Filmchen mit ihrem Handy und zeigte es mir, als ich keuchend mit Frame im Schlepptau angerannt kam. Der Hengst stoppte kurz vor Rosie und verkroch sich misstrauisch hinter meinem Rücken. Ich rollte die Augen und wir lachten beide, denn dieses Verhalten war üblich für den sensiblen Schecken. Ich sah auf die Uhr und stellte erschrocken fest, dass es bereits fünf nach vier war. Rasch lief ich in Richtung Parkplatz, wobei mir Rosie noch etwas Unverständliches nachrief. Erst, als vor dem Transporter Halt machte, der bereits dort stand, fiel mir ein, dass Frame immer noch hinter mir stand. Da er brav gefolgt war und sich nun unsicher nach einem Grasflecken am Rand des Parkplatzes umdrehte, liess ich ihn vorerst in Ruhe. Er versicherte sich mit einem Blick, ob ich auch nicht weglief und senkte dann entspannt den Kopf. Ich widmete mich dem Transporter und dessen Inhalt, der bereits unruhig zappelte. Hans, der freundliche Pferde-Chauffeur half mir beim Öffnen der Klappe und teilte mir nochmals seine Trauer und sein Beileid wegen Jack mit, was er besser hätte sein lassen. Ich nickte nur abwesend und konzentrierte mich auf das, was vor mir lag. Frame kam neugierig angelaufen um die drei wunderschönen Geschöpfe im inneren des Transporters zu beschnuppern, die zuvor so schrill gewiehert hatten. Das Fuchsfohlen streckte ihm mutig die Nüstern entgegen und machte kurz darauf unterwürfige Kaubewegungen, wie es sich gehörte. Kaythara die kleine Nachzüglerin von Edfriend starrte aufmerksam zum Hauptstall. Nur die zweite Stute, Riven, blieb in der hinteren Ecke verborgen. Sie war zwar eine Handaufzucht, doch relativ scheu geblieben und mochte keine ungewohnten Situationen. Lewis brachte gerade rechtzeitig die Halfter, die ich natürlich auch vergessen hatte, und übernahm Kaythara. Ich schnappte mir Simba und Hans nahm kurzerhand Riven. Er lud die Stute sanft ein, ihm zu folgen, woraufhin sie zögerlich die Rampe runterkletterte. Simba folgte mir relativ zügig und schubste mich ein wenig zur Seite, weshalb ich ihm einen Klaps auf die Schulter gab. Ich staunte, wie weich sein Fell war und wie golden es in der Nachmittagssonne glänzte. Ich habe die richtige Wahl getroffen
      Frame trottete brav wie ein Lamm neben mir her, während ich Simba gemeinsam mit den anderen zu den Fohlenweiden führte. Riven und Kaythara wurden sofort von den anderen Stütchen begrüsst und umringt, besonders Ciela interessierte sich für die Neuankömmlinge. Pointless hingegen blieb hinter Penny auf Abstand und beobachtete uns nur mässig interessiert. Sweets, Liquor und Bluebell wurden fast schon etwas zu aufdringlich für Kaythara, doch zu unserer Überraschung schien sich die schüchterne Riven von Anfang an bei ihnen sicher aufgehoben zu fühlen. Ich hatte Simba inzwischen auf die Weide nebenan geführt und abgehalftert. Er flüchtete nun vor Mano, der ihn spielerisch jagen wollte. Simba verstand dies anscheinend jedoch nicht als Spiel, sondern nahm sein Verhalten ernst. Auch nach zwanzig Minuten war es nicht besser geworden; immer wenn Simba anzuhalten versuchte, wurde er sofort weitergetrieben. Alysheba kam nun ebenfalls hinzu, weshalb ich eingriff und Simba vorerst wieder einfing. Ich dachte angestrengt nach, was ich nun zu tun hatte. Ihn alleine in eine Box stellen? Auf keinen Fall. Ich muss es morgen nochmal versuchen, bis dahin stelle ich den kleinen neben Blüte und Merino. Gedacht getan, ich brachte Campina in ihre alte Box zurück und stellte Simba in die leere neben Blüte, die vor einiger Zeit Coulee gehört hatte. Ausserdem brachte ich bei Gelegenheit auch gleich Frame zurück in seine Box, er hatte genug Freilauf gehabt für heute. Merino streckte neugierig die weichen Babynüstern durch die Gitterstäbe und knabberte mit den Zähnen am Metallrand, bis Simba ihm Beachtung schenkte. Die beiden schnüffelten kurz durch die Stäbe, dann kreiste Simba weiter in der Box herum. Er beruhigte sich aber rasch, offenbar würde die Nacht nicht allzu schlimm für ihn werden. Merino blieb noch immer am Gitter und beobachtete den hellen Fuchs. Seit wir seine Zwillingsschwester an Sarah Kyren verschenkt hatten, war er wohl etwas einsam gewesen. Zum Glück durfte er in wenigen Monaten zu den anderen Fohlen. Wir hatten die kleine Primo Viktoria von ihm und Blüte trennen müssen, da sie bei der Geburt zu schwach gewesen war. Sie wurde mit der Flasche aufgepäppelt, doch da dies sehr aufwendig war, übergab ich sie Sarah, die die nötige Zeit für die Kleine aufbringen konnte.
      Erleichtert verliess ich den Hauptstall, um nochmals nach den Stütchen zu sehen. Kaythara und Riven waren zwar noch etwas abseits, grasten aber einigermassen entspannt. Zufrieden klopfte ich mir auf den Schoss, um Jacky anzulocken und mit ihr ein wenig Ball zu spielen. Auch Sheela kam freudig angerannt und hopste durch das Gras.
      26 Aug. 2014
    • Occulta
      Tierklinik Sakura: Tierarzt Besuch für die Fohlen
      Fröhlich vor mich hinpfeifend und meinen Arztkoffer behände tragend spazierte ich über den Smithschen Hof. Occu hatte mich angerufen und mich gebeten mich um zwei ihrer Pferde um ihre Fohlen zu kümmern und sie zu impfen – dementsprechend vorsichtig näherte ich mich der Fohlenweide, nicht dass mich irgendein Tier aus dem Gleichgewicht brachte und die wertvollen Impfspritzen zu Bruch gehen würden.
      An den Weiden erwartete mich schon Occu die mich freudig angrinste während mir erstmal die Augen fast aus dem Kopf fielen. Solche Weiten und dazu solch quirlige Fohlen die hin und her rannten, dass man sie kaum im Auge behalten konnte. Ein Glück dass Occu da war, um mit mir die Fohlen einzufangen!
      Da wir bei der Stutenweide standen, brachte sie mir als erstes Captured in Time zu mir. Die junge Stute benahm sich wie eine große. Bestens erzogen ließ sie die Impfungen über sich ergehen, auch die Entwurmungspaste schluckte sie ohne Schwierigkeiten zu machen, bevor sie sich wieder ihren Spielkameraden zuwandte.
      Penny dahingehend verlangte mir schon einiges mehr ab. Diese aufgeweckte kleine Stute wollte, sobald wir sie eingefangen hatten schon wieder losrennen. Lachend bemerkte ich dass Penny wohl eines Tages allen andren auf der Rennbahn davonsausen würde, während Occu ihre Schwierigkeiten hatte die Stute still zu halten, dass ich die Impfspritze setzen konnte. Auch die Entwurmpaste hing noch halb aus ihrem Maul, als sie schon wieder zu ihren Spielkameraden raste. Glück für uns, Penny leckte sich über die Lippen und schon war auch der Rest der Paste in ihrem Maul verschwunden.
      In Kaya tobte innerlich ein Sturm. Sie war zwar brav in meinen Händen, doch man merkte ihr an, dass sei schnell wieder zu den anderen zurückwollte, ihre Freiheit und ihr Leben genießen. Ich beeilte mich mit Spritze und Entwurmung und schon stob die junge Stute mit einer solchen Lebensfreude über die Weide, das es eine wahre Freude war ihr zu zusehn.
      Bei Riven hatte ich schlechte Karten. Die Stute schmiegte sich eng an Occu und ließ mich nur sehr widerwillig mit der Spritze heran, sie schnaubte und ihr Schweif schlug unruhig hin und her, sodass ich Occu die Entwurmungspaste in die Hand drückte, um die kleine Stute nicht unnötig aufzuregen. Von ihrer Besitzerin nahm sie die Paste anstandslos, sodass auch sie bald zu ihren Spielkameraden zurückkonnte.
      Zuletzt durfte ich noch Kiwi impfen.Die lebendige kleine Stute war ganz aufgeregt, hüpfte mal hierhin, mal dorthin, interessiert an allem. Ich ließ sie ein wenig gewähren bevor ich mir das Miniaturfohlen schnappte und schnell impfte. Nun noch die Entwurmungspaste und schon schoss der kleine Wirbelwind wieder davon, zu seinen größeren Spielkameraden.
      Nach den Stuten ging es weiter zur Hengstweide, wo ich mich an den jungen Hengsten erfreuen durfte, die voller Elan über ihre Weide stoben und voll Freude ab und an sogar einmal buckelten.
      In Caruso hatte ich wieder ein Beispiel von einem Paradepferd. Er sah zwar verschmitzt drein, kam aber sofort als Occu ihn rief und war auch in meinen Händen sehr brav. Schnell war die Spritze gesetzt und auch die Entwurmungspaste nahm er mir anstandslos. Nach getaner Pflicht sauste er schnell zu seinen Spielkameraden zurück um mit ihnen über die Weide zu toben.
      Sheba erwies sich als kleiner Charmeur der mich blitzschnell um den Finger gewickelt hatte. Die Hand in seinem seidigen Fell vergraben wollte ich schon gar nicht mehr aufhören zu streicheln und mich zu umgarnen lassen! Leider war auch Sheba recht schnell geimpft und auch die Entwurmung verließ reibungslos, sodass ich ihn viel zu schnell wieder auf die Weide entlassen musste.
      Hatte ich schon zuvor bei Penny gejammert, lehrte Merino mich fast das fürchten. Dieser kleine Wirbelwind schaffte es überall und nirgends zu sein. Mal war sein Mäulchen in meiner Tasche zwischen den Spritzen, schon war es wieder an irgendeinem meiner Kleidungsstücke, wo er fröhlich rumknabberte. Ich ließ ihn gewähren und erwischte ihn in einem recht günstigen Augenblick mit der Impfspritze was ihn verwirrt innehalten ließ. Damit hatte er nicht gerechnet. Schnell nutzte ich die ungeahnte Ruhepause und fütterte ihn mit Entwurmungspaste bevor ich ihn auf die Weide zurückbrachte.
      Simba trennte sich nur ungern von Merino, weswegen wir den kleinen Racker auch mit heraus nahmen. Merino fand das furchtbaraufregend, dass er nochmal ein wenig in meinem Koffer herumschnuppern durfte während ich Simba spritzte und ihm die Wurmpaste ins Maul strich. Ruhig ließ der kleine Hengst alles an sich geschehn und schritt am Ende mit königlicher Eleganz wieder auf die Weide. Ich musste lachen, der Name des Fohlens passte wirklich perfekt für diesen kleinen Löwen.
      By SopherlMacaulay
      28 Aug. 2014
    • Occulta
      Die ganze Bande im Schnee

      „Kaya!“, rief ich freudig vom Weideeingang aus. Das Stutfohlen spitzte die Ohren und kam zügig angelaufen, als sie mich entdeckte. Mit ihr liefen die anderen, denn sie war die älteste und damit Führerin der Gruppe. Ciela drängte sich neben mich und drückte mir die rosarote Schnauze in den Nacken. „Heyy, vorsichtig“, mahnte ich lachend. Ich packte ihren Kopf spielerisch und drückte ihn an mich. Sie liess es zu, doch nach ein paar Sekunden zog sie ihn weg, wie erwartet. Ich schnappte Rivens Ohren und fuhr ihnen entlang, dann streichelte ich Penny über die Nüstern. Als nächstes lief ich etwas voraus und die ganze Gruppe folgte mir. Ich joggte los und forderte Kaya zum Spielen auf, musste im nächsten Moment aber zur Seite springen, da die ganze Gruppe in Bewegung kam und angaloppierte. Sie rannten teils bockend teils im Stechtrab an mir vorbei und drehten dann langsam bremsend wieder ab. Ich lachte und lief in die andere Richtung voraus, worauf sie wieder angetrabt kamen. Ich liebte solche Spiele, musste aber immer aufpassen, dass die Jungspunde nicht zu ruppig wurden. Schliesslich musste ich der Chef bleiben. Schon nach wenigen Minuten ging mir die Puste aus, also blieb ich stehen, kraulte Penny und lief dann zum Offenstall um dort nach dem Rechten zu sehen. Es gab nicht viel zu tun, denn Lewis hatte am Morgen bereits den meisten Mist entfernt und seither waren die Fohlen meist draussen gewesen. Ich kontrollierte nach dem Misten auch die Tränken, dann brachte ich frisches Heu mit der Schubkarre. Sie freuten sich sehr darüber, denn Gras fanden sie bei so viel Schnee kaum noch. Also fielen alle Stütchen gierig über das Heu her und verteilten den Haufen mit ihren Zankereien im ganzen Stall. Ich rollte die Augen und schüttelte verständnislos den Kopf, dann ging ich nach draussen und lief den Zaun entlang, um ihn nach Schwachstellen abzusuchen. Doch alles hielt noch, trotz des vielen Schnees. Die Investition in die massiven Holzzäune hatte sich gelohnt. Ich überlegte, was ich heute noch alles vorhatte. Eigentlich hatte ich Lust, wieder einmal mit den Fohlen spazieren zu gehen. Es hatte zwar viel Schnee, aber auf den Dorfstrassen würde das schon gehen. Ich lief zum Hauptstall und fragte Ajith, wie weit die Pfleger mit dem Füttern waren. Er meinte, viel zu tun gäbe es nicht mehr, also fragte ich, ob er auch mitkommen wolle. Er nickte und wir beschlossen in einer Viertelstunde unten bei den Weiden zu sein. Ich half bei den Stallarbeiten mit, danach holte ich zwei Halfter aus der Sattelkammer. Wie abgesprochen kam Ajith pfeifend den Weg hinunter geschlendert und nahm eines der Halfter entgegen. „Which two should learn a bit today?“, fragte ich ihn. Wir entschieden uns für Kaya und Ciela, da die beiden ohnehin die Ältesten waren. Ich nahm Ciela, schliesslich war sie mein ganz besonderes Winter-Fohlen. Wir liefen nach Westen ins Dorf, wobei wir auf der kaum befahrenen Strasse liefen, um dem tiefen Schnee zu entgehen. Der Spaziergang verlief ruhig und entspannt, bis auf das Überqueren des Bahnübergangs. Ausgerechnet als wir in die Nähe kamen, begann das Lichtsignal zu blinken und die Schranken gingen runter. Na toll, dachte ich, und hielt den Strick etwas fester, just in case. Tatsächlich wurden die beiden etwas zappelig, als der Zug vorbeibretterte, was auch vollkommen verständlich war. Selbst mir war immer etwas mulmig, wenn ich neben einem Gleis stand. Doch sie blieben kontrollierbar und sogen bloss laut hörbar Luft ein, als der Zug vorbei war. Danach tänzelten sie etwas beim Überqueren der Gleise, damit war die Sache erledigt. Auf dem Heimweg schlurfte Ciela entspannt hinter mir und genoss die Sonne. Zurück im Stall dösten die beiden eine Runde, offenbar war das Zug-Monster doch eindrücklich gewesen und hatte Energie gekostet.
      10 Feb. 2015
    • Occulta
      Heisses Blut

      Es war der erste richtig warme Frühlingstag dieses Jahres. Ganze 22 Grad sollte es am Nachmittag werden, und selbst die letzten müden Flecken Schnee im Schatten der Gebäude hatten sich endlich aufgelöst. Eigentlich sah ich dem warmen Wetter schon etwas wehmütig entgegen, schliesslich hatten das Schlitteln und die ganzen Schneegallops einen riesen Spass gemacht. Andererseits war nun die Vorfreude auf das Baden im Sommer gross.
      Ich lief summend zu den Weiden, denn ich wollte mich heute morgen zuerst um die Fohlen kümmern, bevor ich mit Sorrow auf dem Platz arbeiten ging. Auf das Vollblütertraining hatte ich diesen Morgen verzichtet, denn es waren genug Jockeys da gewesen und so konnte ich seit langem mal wieder bis halb neun Uhr ausschlafen. Als ich die beiden bunten Fohlenherden erblickte, musste ich schmunzeln. Im Moment hatten wir tatsächlich nur Vollblüter hier! Und noch dazu eine grosse Farbenvielfalt. Besonders Ciela stach bei den Stuten hervor, mit ihrem strahlend weissen Fell. Aber auch Dublin fiel auf, denn bei ihr sah es aus, als hätte der Winter noch ein paar Reste des Schnees auf ihrem Fell zurückgelassen. Penny hingegen wirkte, als hätte sie den Kopf in einen Eimer Farbe getaucht. Sie begrüsste mich mit ihrer rosa Schnauze sanft beim Zauntor und ihre eisblauen Augen rollten frech. Oi oi, so viel Vollblut auf einem Haufen, dachte ich, als Alysheba, Merino, Simba und Life nebenan mit geschmeidigen Bewegungen am Zaun vorbeibretterten und einander um den Baum herum jagten. Ich betrat nichts desto trotz zuerst die Stutfohlen Weide und begann damit, Kaythara zu kraulen und sie gleichzeitig nach kleinen Wunden von Raufereien abzusuchen. Bei den Spielereien der Damen kam es durchaus mal zu blutigen Nüstern und fehlenden Fellfetzen auf der Kruppe. Aber das gehörte eben auch zum erwachsenwerden. Ich tastete auch ihre Sehenen ab, doch sie fühlten sich einwandfrei an, ganz ohne Klümpchen. Ich kontrollierte auch die anderen Stütchen auf diese Weise: spielerisches Kraulen und so nach und nach den gesamten Körper nach Verletzungen abtasten. Sie liessen sich beinahe alle gut anfassen, nur Riven wich mir aus und zog das Bein auf, als ich sie am Bauch anfassen wollte. Ich blieb hartnäckig, bis sie die Berührung duldete, denn es war mir wichtig, dass sich die Fohlen überall anfassen liessen, dies vereinfachte den täglichen Umgang mit den zukünftigen Rennpferden enorm. Ich tastete als letztes Dublins Beine ab und nahm sie lachend am Ohr, als sie an meinem Genick schnüffelte. Dann richtete ich mich auf und holte die dunkelblaue Schabracke, die ich beim Herkommen über den Zaun gelegt hatte. Einem nach dem anderen zeigte ich sie und liess die Fohlen auch daran schnuppern oder knabbern. Es handelte sich um eine alte Schabracke, die ohnehin recht mitgenommen aussah, sodass es nicht schlimm war, wenn die Fohlen auf ihr herumkauten. Anschliessend legte ich die Decke auf die Rücken der Stuten und wartete gespannt die Reaktion ab. Penny zum Beispiel sah sich augenblicklich nach dem seltsamen Gegenstand auf ihrem Rücken um und versuchte, ihn auzuschütteln. Ciela hingegen, die ein ganzes Jahr älter und schon fast einreit-bereit war, schnüffelte an meinem Arm nach einem Leckerli. Ich spielte noch etwas mit den Stuten, bis alle die Decke akzeptiert hatten, dann machte ich mich auf zu den Hengsten.
      Auch auf dieser Weide suchte ich zuerst alle Fohlen nach Verletzungen ab, die man behandeln müsste. Tatsächlich hatte Simba ein grösseres Stück Haut bei der Flanke eingebüsst, vermutlich bei einer Rauferei mit Merino. Ich holte zur Sicherheit eine desinfizierende Salbe zur Förderung der Wundheilung und schmierte sie sorgfältig auf die Stelle. Er hielt brav still und ich lobte ihn durch kraulen. Auch Life hatte einige oberflächliche Verletzungen, jedoch keine Bedeutenden. Er hatte es in den letzten Tagen noch etwas schwer gehabt, schliesslich war er vor kurzer Zeit in die Herde integriert worden. Mittlerweile schien die Rangordnung geklärt und er hatte sich, wie alle anderen, Alysheba untergeordnet. Der zupfte mir übrigens gerade an meinem Ärmel, sodass ich aus meinen Gedanken auftauchte. Zeit für die Schabracke! Die Hengste waren so gar nicht beeindruckt und interessierten sich eher für meine Wanderschuhe. Ihnen schien es dauernd langweilig zu sein, ausser, wenn bei den Stuten nebenan etwas lief. In diesen Momenten war ich froh um den stabilen Holzzaun, der die Halbstarken davon abhielt, zu den Damen rüberzuhüpfen. Sie versuchten es auch gar nicht erst. Dafür rasten sie den Zaun entlang, im schönsten Schwebetrab, zwickten sich hin und wieder gegenseitig in den Po und erhaschten einen Blick auf die ebenfalls in Bewegung gekommene Stutenherde. Manchmal dauerte dieses Spektakel fünf Minuten an und der Auslöser war zumeist ein tief fliegendes Flugzeug oder ein lautes Geräusch von den Stallgebäuden. Zum Teil reichten auch ein Fuchs oder ein Wiehern vollkommen aus. Ich fand es interessant, wie die beiden Herden miteinander interagierten. Allerdings klappte diese Aufteilung nur während der Jugendzeit, denn sobald die Hengstchen alt genug waren, wurde ihr Verhalten untereinander zunehmend aggressiver, wenn sie Schnüffelkontakt mit den Stuten hatten. Sobald sie zu den Grossen umzogen, kamen sie zu anderen Zeiten auf die Weide, als die Stutenherden. Dann gab es unter den Männern zwar immernoch die eine oder andere Rauferei, jedoch kam es selten zu ernsthaften Verletzungen und ein gewisses Risiko ging ich gerne ein, wenn die Jungs dafür artgerecht miteinander interagieren durften. Sie erinnerten mich jeweils an die Bachelor Herden bei den Mustangs. Im Stall klappte das Nebeneinanderstehen gut, die meisten akzeptierten ihre Boxennachbaren schnell, egal von welchem Geschlecht sie waren.
      Ich schnappte mir die Schabracke wieder von Merinos Rücken, der damit schon in Richtung anderes Ende der Weide davonlaufen wollte, und verliess die Fohlen um zu Daydreaming Sorrow zu gehen.
      16 Apr. 2015
    • Occulta
      Coming Home

      Es war Sonntagabend und ich sass gerade vor dem Computer, um meine E-Mails und sonstige Neuigkeiten zu checken. Ein Mailtitel zog mich ganz besonders in seinen Bann. Dort stand „Some Pics for you“, der Absender war Jonas. Er hatte mir ja versprochen, Bilder von seinen Ferien zu schicken. Doch gerade, als ich die Mail öffnen wollte, klingelte das Telefon. Seufzend stand ich auf und ging ran. Es war Marcus, ein befreundeter Trainer und Züchter aus Liverpool. Wir hatten vor einer Woche bereits geschäftlich miteinander telefoniert, das war auch diesmal so. Das Thema waren zwei der fünf neuen Vollblüter, die er vor kurzem entdeckt und prompt ersteigert hatte. Er hatte mir die vielversprechenden Jungpferde nach der Auktion zu einem fairen Preis angeboten, da er selber von Anfang an nur drei der fünf hatte behalten wollen. „They arrived yesterday and appear healthy and fit. So, which two do you want?“ Ich hatte mir die fünf mehrmals angesehen und ihre Stammbäume studiert, um meine Favoriten rauszupicken. „I think I’ll take Buck’s Lemon and Caligari“ „Ohhhh no, not so fast. Lemon is mine, I’m not quite such a fool. This one will undoubtedly be a champion one day” Ich rollte die Augen, musste aber trotzdem über seine Sturheit lachen. Der Hengst hatte es ihm wohl echt angetan. „Okay, fine, I’ll take Cool Cat instead“ „Sure, that one will be just as well” Na klar, deshalb scheust du dich auch nicht, ihn loszuwerden. Naja, ich denke dass er tatsächlich Potential haben könnte, auch wenn er so… gewöhnlich ist, dachte ich im Stillen. Marcus wollte sie mir morgen gleich vorbeibringen, da er sowieso noch in Richtung Birmingham kommen wollte, warum auch immer. Endlich konnte ich auflegen und mich wieder dem Computer widmen. Ich öffnete die Mail, las den kurzen Einleitungstext (Hatte eine schöne Reise, bla bla) und scrollte dann die Bilder durch. Ein paar hübsche Landschaftsfotos waren dabei, aber richtig interessant wurde es für mich, als die Bilder der Gips Reminder Ranch kamen. Zu meiner Enttäuschung waren keine von Flint dabei, doch Jonas hatte auch gleich den Grund dazugeschrieben, nämlich dass er mittlerweile an Eddi verkauft worden war. Na dort hat er es bestimmt sehr gut, dachte ich grinsend, denn ich wusste ja, wie sehr Eddis Lieblinge verwöhnt wurden. Mir stockte der Atem, als ich Shadow auf den Bildern erkannte. Die Lackschwarze Stute war sogar noch wunderschöner als ich sie in Erinnerung hatte. Was würde ich dafür geben, sie wiederzubekommen… Ich schrieb Jonas zurück, wie schön die Stute geworden war und wie sehr ich sie vermisste. Vielleicht konnte er ja mit Verena verhandeln? Ich glaubte zwar nicht, dass sie sie hergeben würde, aber träumen durfte man ja. Ich rieb mir die Augen und bemerkte erst jetzt, wie spät es schon wieder war. Zeit endlich ins Bett zu klettern.

      Am Morgen liess ich den PC gleich wieder an, vielleicht hatte Jonas bereits wieder geschrieben. Schliesslich war er dank der Zeitverschiebung erst später ins Bett gegangen. Tatsächlich war eine Antwort im Posteingang. „Ich habe Verena auf Shadow angesprochen und sie meinte, sie liesse mit sich verhandeln“, las ich murmelnd vom Bildschirm, ehe ich die Worte begriff und aufjubelte. Rasch tippte ich alles in die Mail, was Jonas wissen musste, denn ich verliess mich diesmal auf seine Verhandlungskünste. Als ich schliesslich zur Haustür raus lief, die Jacke halb im Gehen anziehend, konnte ich es noch immer kaum fassen. Sie kommt tatsächlich zurück! Mit federnden Schritten begab ich mich zum Hauptstall.

      Am frühen Nachmittag kümmerte ich mich um die Fohlentruppe. Die Jungspunde brauchten wiedermal eine Lektion in Sachen Erziehung, schliesslich wollten sie einmal Grosses erreichen. Kaythara, Ciela und Dublin waren zusammen mit Alysheba die ältesten der Fohlen. Sie waren beinahe zwei Jahre alt und würden schon bald mit dem Ernst des Lebens konfrontiert. Doch auch jetzt schon mussten sie gewisse Abläufe lernen, mit denen man nicht früh genug anfangen konnte. Zum einen gehörte das Putzen dazu. Die drei ältesten Jungstuten kannten das schon längst und blieben brav stehen, als Jason, Linda und ich mit den Bürsten ankamen. Linda hatte sich inzwischen gut eingelebt und kannte langsam aber sicher die einzelnen Persönlichkeiten ihrer Pfleglinge. Sie wusste zum Beispiel, dass Kaythara nicht gerne an der Stirn angefasst wurde, und dass Riven allgemein etwas spezielle Behandlung verlangte. Jason versuchte trotzdem die ganze Zeit, ihr dazwischenzureden und zu helfen. Ich liess die gelegentlichen Zankereien aber die Sorge der beiden sein und hielt mich da raus, solange die Arbeit sauber ausgeführt wurde. Gerade passierte es wieder. „You should be careful with her hindlegs, she kicks sometimes“, bemerkte Jason, als Linda Dublins hintere Hufe auskratzen wollte. Die Pflegerin biss sich auf die Unterlippe und verkniff sich so einen gereizten Kommentar, schliesslich wusste sie genau, dass sie mit der zappeligen Stute vorsichtig umgehen musste. Ich beobachtete das Ganze beiläufig, während ich Cielas Kruppe bürstete. Mit Penny, Riven und Primo war das Prozedere des Putzens nicht ganz so einfach: Die Jährlinge verstanden nicht wirklich, warum sie stillhalten mussten und konnten zudem aus Sicherheitsgründen noch nicht angebunden werden, was es nicht gerade leichter machte. Bei den Hengsten hingegen wurden wir positiv überrascht. Life und Simba hielten trotz ihres jungen Alters artig still und genossen die Rückenmassage durch den Striegel sichtlich. Auch an empfindlichen Stellen wie dem Bauch konnte ich beide problemlos bürsten. Anders war es bei Merino, der auffällig zuckte, als ich ihn bei der Schulter striegelte. Ich runzelte die Stirn und tastete ihn vorsichtig ab. Tatsächlich reagierte er empfindlich beim Schulter-Hals Übergang und legte die Ohren platt. Vermutlich hat er sich bloss beim Spielen etwas gezerrt, beschloss ich nachdenklich. Jason war der selben Meinung, also wollten wir vorerst noch auf den Tierarzt verzichten und abwarten. Ausserdem würde dieser so oder so in drei Tagen zur wöchentlichen Routineuntersuchung auf den Hof kommen. Alysheba war brav wie ein Lamm, nur ab und zu versuchte er meinen Arm zu beknabbern. „Wie dein Vater, als er noch klein war!“, rief ich lachend und stiess ihn sanft aber bestimmt weg. Ich verglich Aly oft mit seiner Halbschwester Ciela, denn die beiden waren sehr unterschiedlich. Ciela hatte wohl allgemein mehr von ihrem Vater geerbt, nicht nur was die Fellfarbe anging. Aber dennoch war die Ähnlichkeit zwischen Winter und Alysheba nicht zu verkennen, besonders der athletische Körperbau mit den langen Beinen hatte sich durchgesetzt. Ich konnte es kaum erwarten, den Sprössling auf der Bahn zu sehen. Auch um Paluche und Jack kümmerte ich mich ausgiebig. Die beiden waren etwas abseits der Vollblütergruppe, die ihnen offenbar zu aufgedreht war. Obwohl besonders Jack auch sehr temperamentvoll war, konnten beide nicht mit dem raumgreifenden Galopp mithalten, den die anderen Hengste zur Genüge vorführten. Dafür klebten sie umso mehr aneinander.

      Gegen Abend kamen One Cool Cat und Cabinet of Caligari endlich an. Sie bezogen gleich ihre neuen Boxen im Hauptstall, die bereits nach frischem Heu dufteten. Cool Cat überzeugte mich mit seinem Auftreten noch immer nicht so ganz, wehmütig dachte ich an Lemon. Aber irgendwie wird er sich schon beweisen, beschwichtigte ich mich selbst. Von Caligari hingegen war ich begeistert. Ich hatte (wie an meinem bunten Stall unschwer zu erkennen war) ein Flair für auffällige Pferde, und das war sie allemal. Bewundernd musterte ich sie bei jedem Schritt in Richtung Box. Schliesslich streichelte ich ihr liebevoll ein letztes Mal die weisse Stirn, ehe ich mich zum Nebenstall begab um dort weiterzuhelfen.
      6 Sep. 2015
    • Occulta
      Sonne und Nebel

      Es war wiedermal an der Zeit, mit dem Einreiten einiger Jungspunde auf Pineforest Stable zu beginnen. Wir wollten sie den Winter hindurch trainieren, damit sie fit für ihre erste Saison im Frühling waren. Heute waren zuerst Ciela, Kaythara und Dublin dran. Ich wollte sie das allererste Mal satteln und sehen, wie sie so ausgerüstet an der Longe liefen. Das Longieren kannten sie alle schon, denn sie hatten als Jährlinge bereits intensives Führtraining genossen und Bekanntschaft mit dem extra etwas nach innen abgeschrägten Roundpen gemacht. Dies diente dem Rückenmuskelaufbau und der Balance Förderung. Es war wichtig, dass die bekanntlich sehr früh eingerittenen Rennpferde bereits über die nötige Grundmuskulatur verfügten, um spätere Schäden am Bewegungsapparat zu verhindern. Dementsprechend sahen die zweijährigen Stuten, die wir von der Weide zum Roundpen führten, schon jetzt kräftig aus, aber der Schein täuschte: Noch waren sie nicht fit für das Reitergewicht. Ich führte Ciela, meinen heimlichen Liebling. Ich hatte eine ganz besondere Beziehung zu ihr, da sie das erste Fohlen meines geliebten A Winter’s Day gewesen war. Ausserdem war sie mit ihrem schneeweissen Fell ein echter Hingucker. Dublin hatte Rosie übernommen, und Quinn Kaythara. Wir banden die Drei im Roundpen an und bürsteten sie erstmal mit Putzzeug, das uns Ajith, fleissig wie er war, bereits gebracht hatte. Besonders Dublin und Kaya hatten den Nieselregen, der die letzten Tage geherrscht hatte, sichtlich genossen. Sie waren wiedermal ordentlich Dreckverkrustet. Captured in Time hatte hingegen nur ein paar Spritzer an Bauch und Beinen, war mich sehr erstaunte, schliesslich waren weisse Pferde normalerweise die ersten, die sich einsauten. So grinste ich beim Anblick der beiden Pflegerinnen, die alle Hände voll zu tun hatten. Da ich etwas früher fertig wurde, half ich ihnen dann aber doch etwas, ich wollte ja nicht unfair sein. Kaythara wollte die Hufe nicht anständig geben. Sie stampfte immer wieder zurück auf dem Boden und verlagerte das Gewicht auf den Huf, den man gerade heben wollte. Ich massregelte sie konsequent, indem ich ihr mit dem Hufkratzer in den Bauch stupste und mich gegen sie lehnte, bis sie die Hufe schliesslich hob. Normalerweise verhielt sie sich artiger, aber vermutlich war sie gerade rossig. Nun kam der grosse Moment: Ajith brachte uns die Sättel – für den Anfang etwas ältere Springsättel. Ich wollte die Jungspunde zuerst an die schwereren Sättel gewöhnen, denn sie wurden später auch zuerst mit diesen geritten. Das Einreiten selbst fand aber ohnehin ganz ohne Sattel statt. Wir strichen die drei zuerst je mit den Schabracken ab, damit sie keine Angst davor hatten. Sie liessen sich dies alle ruhig gefallen. Dann nahmen wir einen Führstrick und wickelten ihn mit Schwung um praktisch alle Körperstellen. Dies diente ebenfalls der Desensibilisierung. Als nächstes schlangen wir den Strick um die spätere Gurtlage und bewegten ihn etwas hin und her, ehe wir in zusammenzogen. Zwischendurch gab es eine Karottenscheibe zur Belohnung für’s Stillstehen. So wurden sie spielerisch an den Druck des Gurtes gewöhnt. Zufrieden holte ich nach einigen Durchgängen den eigentlichen Sattel und zeigte ihn Ciela. Die anderen taten dies ebenfalls mit Dublin und Kaya. Ciela schnüffelte daran und wirkte dann eher desinteressiert, während Dublin versuchte, das Sattelblatt anzuknabbern. Ich legte der weissen Stute nun ohne zu Zögern den Sattel auf den Rücken und bewegte ihn etwas. Sie legte die Ohren konzentriert zurück, blieb jedoch stehen. Ich lobte sie mit einem Karottenstück und nahm ihn wieder runter, das ganze wiederholte ich einige Male, bevor ich den Gurt unter dem Bauch durch nahm. Kaythara machte ein paar Schritte rückwärts, bis das Seil angespannt war. Quinn schob sie korrigierend zurück auf ihre alte Position und fuhr unbeeindruckt fort. Ich schloss unterdessen bei Ciela das erste Mal den Gurt, immer das Ohrenspiel beobachtend. Ich zog ihn nicht fest, denn ich wollte, dass sie ihn auf keinen Fall schlecht verknüpfte. Sie stand noch immer brav da und sah neugierig nach hinten. Kaya hingegen wurde es jetzt zu viel: sie zog erneut rückwärts, bis der Haken des Stricks mit einem Knacken kaputtging. Quinn war zum Glück schnell genug und legte der Stute sofort den zweiten Strick, den sie noch um die Schulter geschlungen hatte, um den Hals. So konnte sie nicht abhauen und hatte daher auch kein Erfolgserlebnis. Da war sehr wichtig, denn ansonsten hätte sie wohl in Zukunft noch einige Halfter zerrissen. Sie versuchte es nochmal mit dem Satteln, redete mit beruhigender Stimme auf die Stute ein und kraulte sie am Widerrist, um sie zu entspannen. Nach einer Weile schnaubte Kaya lautstark und senkte den Kopf. Quinn gab ihr zufrieden ein Karottenstück und löste den Strick, an dem sie angebunden war. Auch ich löste meine Vollblutstute und begann, sie im Roundpen herumzuführen. Sie trat mir einige Male fast auf die Füsse, weil sie unaufmerksam war. Ich holte ihre Konzentration mit ein paar Wendungen und Rückwärtsschritten zurück zu mir. Dublin tänzelte etwas und wollte schon traben. „You’re too fast my dear, far too fast“, murmelte Rosie und wendete ebenfalls einige Male ab. Anschliessend hängten wir die drei eine nach der anderen an die Longe. Die beiden jeweils übrigen verliessen den Roundpen und warteten draussen. Durch die Anwesenheit der anderen beiden Stuten war Ciela schön ruhig und selbstsicher, doch mein Ziel war am Ende dennoch, dass ich so rasch wie möglich alleine mit ihr arbeiten konnte. Daran gewöhnte ich sie Schritt für Schritt, indem ich alleine mit ihr spazieren ging. Es zahlte sich aus, denn sie lief auch jetzt an der Longe konzentrierter als noch vor einem Monat. Sie lief zwar am Anfang mit Aussenstellung und sah zu den anderen hinüber, doch ich konnte sie schon bald für die Arbeit begeistern. Sie senkte den Kopf und begann zu kauen. Ich lobte die weisse Stute und holte sie zu mir in den Kreis, um die Seite zu wechseln. Als wir alle drei auf diese Weise mit Sattel longiert hatten, war das Training für den heutigen Tag beendet. Wir brachten die drei zurück zur Weide, wo sie bereits von den anderen empfangen wurden. Nun war noch Alysheba dran. Der kleine Hengst war schon beim Putzen nerviger und versuchte immer wieder, mir in den Arm zu kneifen. Irgendwann hatte ich genug, löste den Strick und schickte ihn aufgebracht, mit dem Seilende schwingend rückwärts. Da merkte er, dass mit mir nicht zu spassen war und stand fortan still. Ich wiederholte auch mit ihm die ganzen Schritte der Sattelgewöhnung. Er war zwar nicht unsicher, zappelte aber aus Ungeduld. Dafür gab er umso mehr Gas an der Longe. Er machte sogar zwei Freudenhüpfer mit Ausschlagen, wenigstens nicht gegen mich, so war es mir egal. Er hatte, als ich ihn zurück auf die Weide brachte, kein einziges feuchtes Härchen. Daraus schloss ich schmunzelnd, dass ihm das heutige Training nicht sonderlich viel Stress bereitet hatte. Dennoch machte er eine Szene, als er seine Kumpels begrüsste. Er trabte mit Fahnenschweif und hochgeworfenen Beinen auf sie zu und galoppierte dann einige Runden im geschmeidigen Hoppelgalopp, ehe er den Kopf wieder zum Grasen senken konnte. Böse war er mir aber anscheinend nicht, denn als ich kurz darauf zum Misten die Weide betrat, kam er als erstes neugierig heran.

      Am späten Nachmittag hatte ich Lust auf einen Ausritt, denn die Sonne schien und gleichzeitig war Bodennebel auf den Feldern, was eine seltsame Stimmung mit goldenem Licht bewirkte. Ich wollte unbedingt über eines der bedeckten Felder galoppieren und diese Stimmung geniessen. Dazu putzte ich Piroschka und kletterte ohne Sattel auf ihren Rücken. Ich ritt sie mit Moons Bosal, da ihr eigenes gerade repariert wurde (Sheela hatte damit gespielt und so war einer der Riemen gerissen). Ich nahm ausserdem Jacky mit, die ich am Morgen im Haus gelassen hatte, damit sie mir mit den Jungpferden nicht in den Weg gekommen war. Sheela nahm ich nicht mit, denn sie hatte sich gestern beim Spaziergang die Pfote verstaucht und humpelte noch ein wenig. Piro war gut gelaunt, jedenfalls waren ihre Ohren aufgerichtet und die Schnauze faltenfrei. Ich ritt mit ihr und Jacky zur Galoppwiese, denn dort war der Nebel besonders dicht. Es war eine Herausforderung für Piro, die den Boden nicht richtig sah, über das feuchte Gras zu galoppieren. Natürlich kannte ich das Feld so gut, dass ich wusste, wo die sicheren Trampelpfade waren und gefährliche Löcher ausschliessen konnte. Es machte unglaublich Spass, mit der Schimmelstute über die Felder zu preschen. Durch die feuchte Luft wurden wir aber rasch durchnässt, sodass ich schliesslich doch froh war, auf den Hof zurück zu kehren. Doch nicht nur aus diesem Grund: Ich wollte heute Abend einen ganz besonderes, neues Familienmitglied und einen Gast abholen gehen. Nun kümmerte ich mich aber zuerst um Piro. Ich zog ihr die Fleece Decke über und brachte sie in ihre Box, nachdem ich die Hufe ausgekratzt hatte. Die Stute röchelte schon wieder, als ich weglaufen wollte. Ich konnte nicht widerstehen, ihr nochmal ein wenig Heu zu bringen. „Du verwöhntes Schimmeltier, jetzt muss ich aber wirklich los“, murmelte ich lächelnd und begab mich zum Nordstall. Bis um acht Uhr wollte ich Burggraf bewegt haben. Ich begann ihn zügig zu putzen und stellte fest, dass auch Darren und Jonas sich gerade reitfertig machten. Ich überlegte, mit den beiden etwas Springtraining zu machen. Der Vorschlag gefiel ihnen, also holten sie Vychahr‘s und Peace’s Springsattel aus der Sattelkammer. Nachdem ich Burggraf ebenfalls gesattelt hatte, gesellte ich mich zu ihnen in die Halle, denn sie waren schon vorausgegangen. Ajith ging uns freundlicherweise kurz zur Hand mit dem Parcours. Ich wärmte Burggraf, mit der Fleece Decke noch auf dem Po, ein, als mein Handy klingelte. Normalerweise nahm ich nicht ab, wenn ich auf dem Pferd sass, aber da ich vermutete, dass es wegen heute Abend war, machte ich eine Ausnahme. „Smith? Ah, n’Abend Tante Rachel, schön dass du noch lebst“, scherzte ich, als ich die Stimme meiner lieben Cousine vernahm. „Ja, mmmhm, alles klar, dann… ja ist gut, dank… äh was? Ah, Achso, ja… also, Na dann – chiao…“ So in etwa klang es jedesmal, wenn wir zwei telefonierten. Ich fand es ja schon nervig, dass sie mich nie ausreden liess, aber andererseits war ich froh, dass sie immer so wirkte, als hätte sie alles im Griff. So brauchte ich mir jedenfalls keine Gedanken zu machen. Zufrieden verstaute ich das Handy wieder in meiner Jackentasche. Dann wartet mein kleiner Liebling also schon sehnsüchtig, dachte ich verträumt. Ich mahnte mich selbst, konzentriert zu bleiben, zog die Decke von Muffins Kruppe und schmiss sie über einen der Hindernispfosten. Dann trabte ich an. Der Tekkiner Hengst War fit – vermutlich fror es ihn an den Bauch, nackig geschoren wie er war. Dafür kam er umso schöner an den Zügel und packte seine schwungvollen Gänge aus. Ich ritt viele Volten um ihn zu beschäftigen. In der Halle herrschte Abreitplatzstimmung, denn nun war auch noch Lisa mit Sorrow reingekommen. Sie beteuerte aber, nur etwas Dressur reiten zu wollen. Jonas, Darren und ich begannen nun mit den ersten Hindernissen. Zum Aufwärmen sprangen wir über eine kleine Gymnastikreihe, später hängten wir noch einen Oxer auf der Diagonalen an. Es ging darum, nach der Reihe wieder schön langsam auf den Oxer zuzureiten, damit der Abstand stimmte. Ich brauchte zugegebenermassen einige Versuche, ehe ich Muffin ruhig genug um die Kurve bekam. Das Problem war vor allem, dass er mitdachte und nach einer Weile genau wusste, dass der Oxer als nächstes kam. Trotzdem war ich nach fünf Versuchen einigermassen zufrieden und übersprang zur Abwechslung ein In-Out. Jonas hatte dort nicht so viel Glück: Vilou zögerte im letzten Moment und Parkierte vor dem Hindernis, sodass der Pfleger beinahe seitlich runtergeflogen wäre. Mit Mühe konnte er sich wieder richtig hinsetzen und es nochmals versuchen. Ich beobachtete die beiden gespannt, denn Vychahr war noch immer aufgeregt. Doch meine Sorge war unbegründet, diesmal machten die beiden alles richtig. Vychahr hob brav die Beinchen und Jonas ging schön mit. Ich nickte zufrieden und ritt nun selber auch weiter.

      Nach der Stunde versorgte ich Burggraf, liess Jacky aus seiner Box, in der ich sie eingesperrt hatte, und lief mit ihr zum Auto. Sie rollte sich auf dem Rücksitz zusammen und bleib ruhig während der Fahrt. Als ich nach einer gefühlten Ewigkeit bei Rachel ankam, war sie erstaunlicherweise wieder hellwach und aufgedreht. „Wo nimmst du nur die Energie her?“, fragte ich sie einmal mehr kopfschüttelnd. Ich klingelte an der Tür. Kurz darauf öffnete ein neunjähriges Mädchen mit verstrubbelten braunen Haaren und fiel über mich her. „Tante Occu! Endlich!“ „Heh, nicht so wild, du machst Jacky ganz nervös“, meinte ich lachend, denn die Terrier Hündin hüpfte bellend um uns herum. Nun erschien auch meine liebe Cousine im Türrahmen um mich zu begrüssen. Lily, das kleine Mädchen, liess zum Glück von mir ab um Jacky zu streicheln. Wir setzten uns ins Wohnzimmer, wo in einer Ecke ein provisorisch aufgebautes Krabbelgitter stand. Da ich wusste, dass Rachels Sohn aus dem Krabbel-Alter längst raus war, reimte ich mir selbst zusammen, was sich darin befand. Vorsichtig kniete ich mich vor dem Gitter hin und spähte unter das Badetuch, das schützend darüber lag. Lily liess sich polternd neben mich plumpsen und rief „ Komm her Zira, schau wer da ist!“ Ein schlaksiger Welpe lag in der hintersten Ecke am Gitter und sah abwechselnd mit müden Augen mich und das lärmige Kind an. Rachel las meine Gedanken und rief Lily zu sich. „Komm Spatz und lass die beiden sich kennenlernen.“ Ich hatte lange auf diesen Moment gewartet, denn die kleine Malinois Hündin, die da so eingerollt lag, gehörte nun mir. Sie kam von einem Züchter, der in der Nähe von Rachel wohnte. Meine Cousine hatte ihn für mich abgeholt, sodass ich ihn nun zusammen mit ihrer Tochter, die einen Monat lang bei mir in die Reitferien durfte, mit nach Hause nehmen konnte. Sobald das kleine Mädchen weg war, traute sich Zira aufzustehen, sich zu strecken, dabei ausgiebig zu gähnen und zu mir zu kommen, um an meiner Hand zu schnuppern. Ich kraulte sie durch das Gitter und staunte über das weiche Welpenfell. Dann hob ich sie aus dem Gitter auf meinen Schoss und sah mir die kleine Maus genauer an. Sie schien kerngesund und munter, wie ich es bei dem erstklassigen Züchter erwartet hatte. Ausserdem war sie schon jetzt eine echte Schönheit. Sie gähnte nochmal, als ich sie begutachtete, sodass ich die spitzen weissen Zähnchen sah. „Kleines Krokodil“, murmelte ich liebevoll. Sie blinzelte mich nur neugierig an. Man hatte mir gesagt, dass sie Kinder nicht sehr gerne möge, daher überraschte es mich nicht, dass sie anfangs zurückhaltend gewesen war. Dafür blühte sie nun auf: Sie tapste sofort neugierig um mich herum, als ich sie runter setzte. Jacky, die schon die ganze Zeit interessiert darauf gewartet hatte, zu ihr hin zu können, beschnüffelte sie und klärte prompt etwas grob die Rangordnung. Ich griff nicht ein, weil ich meine Hündin gut kannte und wusste, dass sie ihr nichts Ernstes tun würde.

      Wenig später sassen wir alle auf dem Sofa und tranken Tee. Zira sass auf meinem Schoss und nagte an meiner Hand, Jacky krabbelte unter dem niedrigen Glastisch herum, weil Lily ihr einen blauen Ball immer wieder drunter hindurch rollte. Gegen Zehn Uhr schnappte sich Lily ihr Gepäck und schleppte es erwartungsvoll ins Wohnzimmer, sodass auch Rachel einsah, dass es Zeit war, uns gehen zu lassen. Wir verabschiedeten uns (Rachel machte in letzter Sekunde noch Stress weil sie sichergehen wollte, dass Lily ihr Pyjama eingepackt hatte) und stiegen wieder ins Auto. Zira musste auf Lilys Schoss bleiben, was sie, wenn auch etwas wiederwillig, ertrug. Wenigstens wurde das Mädchen langsam müde, sodass ich auf der Rückfahrt fast das Gefühl hatte, sie sei eingeschlafen. Doch auf der Autobahn Ausfahrt bei Birmingham meldete sie sich mit gespielt schüchterner Stimme zu Wort. „Du Tante Occu, ich glaub ich hab mein Pyjama doch unter dem Bett liegen lassen….“ Wir lachten herzhaft, dann meinte ich grinsend: „Ach macht nix, du kannst ein T-Shirt von mir nehmen wenn du willst.“

      Als wir zuhause waren, war sie dann doch weggenickt. Ich setzte Zira auf den Boden, löste vorsichtig den Gurt des Mädchens und trug sie ins Haus. Zira tapste ohnehin Jacky hinterher. Ich legte Lily in ihr Bett im Gästezimmer und deckte sie zu, dann brachte ich die kleine Malinois Hündin auf ihren Platz. Sheela sah mich verschlafen an, als ich mich neben sie kniete, um Zira ins Körbchen nebenan zu setzen. Dann schnüffelte sie neugierig an dem Welpen. Ich hoffte, dass die beiden nun nicht gleich die Hütte auseinandernehmen würden, doch anscheinend war Zira dazu sowieso zu müde, und Sheela musste das akzeptieren. Jacky hatte sich auch bereits zusammengerollt und hob nicht einmal den Kopf, als ich das Licht löschte. Als ich in meinem eigenen Zimmer aus dem Fenster sah, konnte ich ein paar Sternbilder sehen, deren Namen ich vergessen hatte. Viel schöner aber war der Anblick meines Hofes, wie er still im Dunkeln dalag, so friedlich auf den nächsten Morgen wartend. Und eine warme Zufriedenheit überkam mich, die mir bis in meine Träume folgte.
      30 Nov. 2015
    • Occulta
      Endlich Schnee!

      Feine Flocken rieselten mir ins Genick, als ich mich Bückte, um meine Chaps zu schliessen. Es war ein herrlicher Donnerstagmorgen und endlich zeigte der Winter sein wahres Gesicht. Hinter mir stolperte Lily aus dem Haus und konnte gerade noch verhindern, dass Zira auch rausflitzte. Die Hunde wollten wir erstmal noch im Haus lassen, denn Lily und ich wagten uns heute ans erste offizielle Zebra Training. Meine Nichte hatte mich überzeugt, dass ich Thairu nicht einfach so rumstehen lassen konnte, ohne nicht wenigstens zu versuchen, ihr ein paar Dinge beizubringen. Ich hatte daraufhin gestern Abend eine Menge Recherche betrieben und festgestellt, dass das Projekt ‚Zebra Einreiten‘ gar nicht so abwegig war wie anfangs gedacht. Wir machten uns also auf den Weg zu Thairu und Dantes Weide. Damit sich das Zebratier wohler fühlte, musste Lily sich um Dante kümmern und ihn ebenfalls mitnehmen, während ich Thairu aufhalfterte und zum Nebenstall brachte. Sie kannte es schon von ihrer Fohlenzeit her, angebunden und geführt zu werden, was vieles erleichterte. Das Hufegeben war allerdings etwas eingerostet. Ich blieb hartnäckig und zog und stupste sie, bis sie reagierte und den Huf hob. Dann kratzte ich nur rasch über die Sole, um sie gleich ausgiebig zu loben, indem ich sie am Widerrist kraulte. Lily hatte Dante ebenfalls angebunden. Sie stellte sich neben Thairu und kramte in ihrer Jackentasche, dann zauberte sie ein Karottenstück daraus hervor. Die Zebrastute beschnupperte es misstrauisch und frass es dann zögernd, wobei sie übertriebene Kaubewegungen machte. Doch anscheinend mochte sie das orange Gewächs, denn schon schnupperte sie wieder an Lilys Händen. „Gut, so haben wir etwas, um sie zu bestechen. Aber ich denke es ist besser, wenn wir sparsam mit Futter umgehen, weil sie sonst vielleicht zu frech wird“, meinte ich. Lily war einverstanden und schnappte sich den Striegel für Dante. Ich kümmerte mich um das gestreifte Fell. Es war ziemlich verschieden vom Fell eines Pferdes; irgendwie weicher und zugleich borstiger. Ausserdem war es trotz der Kälte ziemlich kurz, aber Thairus Körper fühlte sich schön warm an, also nahm ich an, dass ihr die Temperaturen nichts ausmachten. Den Zebraschwanz zu bürsten fühlte sich auch speziell an, besonders, weil er nur unten lange Haare hatte, fast wie bei einer Kuh. Ich achtete darauf, nicht zu viele Haare auszuzupfen, da ich nicht wusste, wie schnell Zebra Haar nachwuchs. Die Mähne hingegen war Pflegeleicht. Sie war kurz und buschig, und die Stehmähnen Frisur war unzerstörbar. Bei den Ohren stiess ich auf Widerstand: Thairu schlug wütend mit dem Kopf, sobald ich mich ihnen mit der Bürste näherte. Ich beschloss also, das Ohren Bürsten erstmal noch zu unterlassen. Nun brachten wir die beiden in die Halle und liessen sie erstmal frei laufen. Ich hatte diverse Gegenstände aufgestellt: Einen grossen, blauen Ball, eine Blache, ein Cavaletti, ein paar Stangen und Pylonen. Die beiden durften diese Objekte nun auf eigene Faust genauer inspizieren. Thairu war durchaus interessiert, was sie durch moderates Schweifwedeln verdeutlichte. Sie schnüffelte an den Gegenständen und zupfte sogar an der Blache, nur um gleich darauf erschrocken abzudrehen. Ich studierte ihr Verhalten genau und versuchte, das Zebra zu verstehen. Ich wusste, dass Zebras sehr aggressiv werden konnten, wenn sie missverstanden wurden. Aber auch, dass sie sehr enge Freundschaften knüpften. Also musste ich solch eine starke Beziehung zu ihr aufbauen, damit sie mich mit ihr arbeiten lassen würde. Nach einer Weile, genauer gesagt als Thairu begann, sich nicht mehr für die Objekte zu interessieren, holte ich sie zurück an den Strick. Dann führte ich sie auf die Stangen zu. Sie zögerte und senkte den Kopf, doch folgte mir gemächlich. Ich lobte sie wieder durch Kraulen. Bei der Blache zeigte sich aber schon bald das wahre Gesicht des gestreiften Tiers: Sie stampfte drohend in den Sand und weigerte sich, einen weiteren Schritt in die gewünschte Richtung zu gehen. Als ich darauf beharren wollte, und den Druck auf das Seil erhöhte, schüttelte sie widerwillig den Kopf und klappte die Ohren böse nach hinten. Der Schweif wischte nun in raschen und heftigen Bewegungen. Ich beschloss, dass es so keinen Sinn hatte, und versuchte stattdessen, sie zu bestechen. Ich entfernte den Druck, indem ich meine Position an ihre Seite wechselte und ihr so ermöglichte, gefahrenfrei zu mir zu kommen. So bestand ich wenigstens noch darauf, dass sie zu mir laufen musste, und nicht umgekehrt. Tatsächlich war sie einverstanden, dem Seilzug zu folgen, solange es nicht auf die Blache zuging. Ich kraulte sie dafür wieder. Dann lud ich sie ein, mir auf eine kleine Volte um die Blache herum zu folgen, indem ich bloss ein wenig auffordernd zupfte. Dabei verringerte ich den Abstand zur Blache immer etwas mehr, während ich sie eifrig am Hals streichelte. Die Ohren waren alarmbereit, aber der Schweif war nun vollkommen still, was ich zunächst als gutes Zeichen wertete. Doch ich hatte für einen Moment vergessen, dass dies trotz allem kein Pferd war, und so folgten auf die vermeintlich ruhige, tatsächlich aber völlig angespannte Geste ein paar kleinere Buckler, bei denen sie abermals ihren Widerwillen demonstrierte. Wenigstens zielte sie nicht gegen mich, sondern versuchte wohl eher, mich zu beeindrucken. Ich führte Thairu nichts desto trotz wieder auf eine grössere Volte und startete einen neuen Versuch, diesmal mit Geduld. Durch Dominanz und Überlistung war ich nicht zum Ziel gekommen, aber vielleicht konnte ich mit etwas Geduld das Überqueren der Blache zu ihrer eigenen Idee werden lassen. Ich ging also mit ihr bis an die ‚Schmerzensgrenze‘ und liess sie dann einfach dort verharren. Das unwillige Schweifschlagen wurde zwar mit der Zeit wieder ruhiger, doch das Zebra war eine harte Nuss und hatte anscheinend alle Zeit der Welt. Nachdem sich eine Viertelstunde lang nichts gerührt hatte, mir langsam der Arm vom konstanten Zupfen schmerzte und Lily allmählich ungeduldig wurde, weil sie mit Dante schon so gut wie alle Objekte durchgegangen war, machte Thairu endlich den entscheidenden Schritt. Sie senkte den Kopf und schnupperte an der Blache. Ich lief ein Stück weiter und klopfte mit dem Fuss darauf, um ihr zu zeigen, dass darunter fester und sicherer Boden war. Plötzlich kam sie zu mir und stand mit allen vier Beinen auf dem blauen Untergrund. Ich kraulte sie sofort eifrig. Ich zupfte etwas am Strick und konnte sie problemlos wieder von der Blache herunter Führen. „Gut, das war’s für heute, ich möchte sie das erstmal verarbeiten lassen.“ Lily verstand das nicht und äusserte ihre Enttäuschung, sobald wir die beiden zurück gebracht hatten. „Wir haben doch gar nichts richtig mit ihr gemacht. Warum wolltest du schon aufhören?“, fragte sie frustriert. „Wir haben keinesfalls ‚nichts‘ gemacht. Es war eine schwierige Lektion für Thairu, über diese Blache zu gehen. Ich glaube sie hat vorhin die ersten Ansätze gezeigt, mir zu vertrauen. Das wollte ich sofort belohnen, indem ich sämtlichen Druck wegnehme. Und nun kann sie in aller Ruhe darüber nachdenken, bis wir das nächste Mal mit ihr arbeiten.“ Lily schien immer noch etwas skeptisch. „Du bist viel zu ehrgeizig. Lass ihr Zeit, dann kann sie lernen, dass ihr bei uns nichts passiert. Das Ziel ist, dass sie Spass an den Übungen bekommt; nicht, dass wir sie zwingen müssen. Denn ein Zebra kannst du zu nichts zwingen – das habe ich heute gelernt.“ „Hmm, ja, hast recht… Ich hoffe nur, dass sie bald Spass dran bekommt, weil ich ja in zwei Wochen schon wieder gehen muss“, erklärte Lily. Ich lächelte und legte den Arm um ihre Schulter. „Wir kriegen das hin, keine Angst. Und wenn nicht, dann kommst du mich in den nächsten Ferien wieder besuchen.“

      Am Nachmittag lief ich zu den Weiden und holte den Hufauskratzer aus dem verschliessbaren Wandfach im Offenstall der Hengste, um Alyshebas Hufe auszukratzen. Heute war sein grosser Tag; er würde zusammen mit Kaythara, Dublin und Ciela definitiv in den Hauptstall umziehen. Ajith bereitete gerade noch die Boxen vor, während Quinn, Rosie und ich schon mal den grössten Matsch aus den Hufen der Fohlen entfernten. Es hatte seit dem Morgen durchgehend geschneit. Auch der Wetterbericht versprach endlich bleibenden Schnee. Das hatte meine Laune an diesem Morgen ziemlich angehoben. Ich rutschte und stolperte durch den Matsch vor dem Offenstall auf der Hengstweide und kämpfte mich zum Weidetor, um Quinn meine geliebte Ciela abzunehmen. Alysheba wollte ich als letztes hochbringen. Wir führten die drei Stutfohlen aus der Weide, was zum Glück (noch) kein grosses Gequietsche verursachte, da die Gruppe die Prozedur vom Jungpferdetraining her gewohnt war. Aber spätestens heute Abend, malte ich mir aus, wird die Ruferei losgehen. Penny, Primo, Riven und Prada beobachteten uns, bis wir mit ihren Gefährten im Hauptstall verschwanden. Ich beschloss, ihnen später zur Beruhigung noch ein wenig Heu zu bringen. Als wir die drei auftrennten und in ihre neuen Boxen brachten, schienen sie zu begreifen, dass diesmal etwas anders war. Kaythara begann prompt damit, in der Box zu drehen und nach den anderen zu rufen, obwohl sie auf Sichtkontakt nebenan standen. Ciela stimmte mit ein und gab mir fast eine Kopfnuss. Ich beschloss, dass es das Beste war, die Box zu verlassen und die kleine erstmal in Ruhe zu lassen. Wir kümmerten uns also erstmal um die restlichen Vollblüter. Lily half uns beim Misten, indem sie die Schubkarren auf dem Mist leerte, sobald sie voll waren und dann im Renntempo zurück karrte. Ich lachte über ihre Energie und Motivation, denn meine Finger schmerzten schon wieder vor Kälte, obwohl wir uns im Stallgebäude befanden. Wenig später schickte ich sie los, um Gianna für ihre Reitstunde vorzubereiten. Sie bekam diesmal nicht Privatunterricht von mir, sondern wurde gemeinsam mit den fremden Reitschülern aus der Umgebung von Elliot unterrichtet. Nachdem ich mich einmal mehr geärgert hatte, weil die Leute mit den Transportern den ganzen Parkplatz zugestellt hatten, obwohl es eigentlich genug Platz hatte, wenn man sich schön aufreihte, setzte ich mich in die kleine Reiterstube in der Halle, um den Anfang der Stunde mitzuverfolgen. Lily sah etwas verloren aus zwischen all den Fremden, und ein Mädchen auf einem schwarzen Pony ritt ihr ganz schön nahe auf, aber sie hatte Gini im Griff. Sie nutzte die nächste Gelegenheit um auf eine Volte zu biegen und so der unangenehmen ‚Verfolgerin‘ zu entkommen. Ich nickte ihr durch das Glas ermutigend sie lächelte zurück. Dann konzentrierte sie sich auf die Schlangenlinie, die sie anführen musste. Ich beobachtete die beiden eine Viertelstunde lang, bevor ich zur Stutenweide wechselte und Echo mitnahm. Die Paint Horse Stute folgte mir gehorsam zum Nebenstall, wo ich sie anband, um sie zu putzen. Beim Kopfbürsten senkte sie den Kopf und rieb kurz die Stirn an meiner Schulter, doch sobald ich sie kraulen wollte, drehte sie sich weg. Sie war nicht kopfscheu, sondern mochte es einfach nicht, wenn man sie mehr als nötig anfasste. Ich akzeptierte das und holte ihren Sattel. Zum Glück war das Kavalleriezaumzeug, das ich von ihrem ehemaligen Besitzer geerbt hatte, so praktisch und einfach zu verschnallen. Echo mochte es auch gar nicht, mit anderen Zäumungen zu laufen. Dann sperrte sie jeweils den Mund auf oder schüttelte dauernd mit dem Kopf. Die breiten Lederriemen dieses Reithalfters und die eher dicke Schenkeltrense schien sie hingegen bequem zu finden. Auch mit einer simplen Westernkandare hatte ich es einmal versucht, mit dem Resultat, dass sie kaum mehr vorwärts ging. Mittlerweile hatte ich es definitiv aufgegeben, die Stute auf irgendeine andere Art als die Gewohnte zu reiten. Dafür lief sie mit ‚ihrer‘ Ausrüstung mustergültig. Als ich den Baumwollführstrick fertig um ihren Hals geknotet hatte, führte ich sie auf den Schotterweg und stieg auf. Dann lenkte ich sie in Richtung Süden zur Galoppwiese. Während wir den ganzen Weg ins nächstgelegene Dorf einschlugen, trabte ich viel und achtete dabei darauf, dass sie ein angenehmes, zügiges Tempo und einen sauberen Takt hielt. Sie sollte lernen, auch über lange Strecken schön konstant zu traben und erst in eine andere Gangart zu wechseln, wenn ich es verlangte. Man merkte auch, dass sie sich Mühe gab und ihrem Reiter gefallen wollte. Wir ritten durch die Siedlungen am Dorfrand und kamen zu einem kleinen Dorfladen – meinem eigentlichen Ziel. Ich stieg ab und löste den Strick. Nachdem ich sie an einem massiven Zaunpfosten festgebunden hatte, stellte ich sicher, dass die Zügel nicht über den Hals fallen konnten. Erst dann liess ich die Stute kurz alleine, um im Laden zwei Flaschen Met und ein Körnerbrot, das in diesem Dorf eine Spezialität war, zu kaufen. Der Ladenbesitzer, ein älterer Herr, kannte mich gut, denn ich kam immer mal wieder zu hoch zu Ross vorbei. Er kam sogar mit nach draussen und betrachtete Echo bewundernd. Er erzählte mir, dass er früher selber noch in der Kavallerie geritten sei, auf einem Pferd namens ‚Rover‘. Ich hörte ihm interessiert zu, denn so konnte ich noch ein paar Dinge von ihm lernen und Tipps bekommen. Er meinte aber, Echo sähe jetzt schon wie ein Kraftprotz aus. Ich lachte und beteuerte, dass dies der Paint Horse Einfluss sei. Nach einer Weile verabschiedeten wir uns und ich machte mich mit Echo auf den Heimweg. Sie hatte brav gewartet und zur Belohnung eine Karotte bekommen, dementsprechend gut gelaunt wackelte sie nun mit den Ohren während dem Laufen. Es wurde langsam dunkel, doch der Schnee hatte nicht nachgelassen und die Felder waren bereits alle weiss überdeckt. Ich liess die beliebte Galoppstrecke durch den Pinienwald nicht aus und kam so sogar noch etwas früher zurück als erwartet. Dafür liess ich mir Zeit beim Versorgen der Stute und befreite ihre Fesseln gründlich von den letzten Schlammkrusten und Schneeknötchen, die ich zuvor zugegebenermassen gekonnt ignoriert hatte. Dann war Echo endlich erlöst und durfte zurück auf die Weide zu ihren Gefährtinnen. Sie war auch nach diesem langen Ritt nicht erschöpft und brauste rutschend und stolpernd durch den Schnee auf die anderen Stuten zu. Ich stapfte ebenfalls zurück zum Nebenstall, wo noch nirgends geschaufelt worden war. Ich entdeckte Ajith und Quinn nebenan und stellte sicher, dass es gleich nach dem Abendessen erledigt wurde.

      Wenig später stand ich bei Parányi und putzte den Jungspund direkt in ihrer Box. Dort war es etwas wärmer und nicht so windig wie draussen. Das samtige, schwarze Fell war seit langem wiedermal bereits sauber und nicht dreckverkrustet. Allerdings waren die Haare an manchen Stellen gekräuselt, sodass ich mir zusammenreimte, dass sie sich auf der Weide im Schnee gewälzt hatte. Auch die Hufe waren schön ausgewaschen – hach, wie ich den Schnee liebe! Da ich mit Parányi die letzten zwei Tage geritten war, wollte ich heute nur an der Doppellonge mit ihr arbeiten, und morgen würde sie ganz frei bekommen. Ich wollte die frisch eingerittene Stute noch nicht überfordern und ritt sie deshalb höchstens dreimal pro Woche, je zwanzig Minuten lang. Lily war übrigens längst mit der Reitstunde fertig und tollte im Schnee mit den Hunden herum. Ich sah ihr durch den geöffneten, oberen Teil der Boxentür lächelnd beim Schneeballwerfen zu, während ich Parányis Mähne kämmte. Schliesslich holte ich den Doppellongengurt und legte ihn ihr an. In der Halle ritten Darren und April auf Halluzination und Vychahr, nun da die Reitschüler endlich verschwunden waren. Ich beobachtete beiden Füchse aus dem Augenwinkel, während ich Parányi alle vier Hallenecken zeigte. Ich tat das immer, damit sie keinen Grund hatte, sich zu erschrecken. Danach zog ich die Leinen durch die Ringe am Gurt und hängte sie beim Kappzaum ein. Es handelte sich um einen mit Trensenstück kombinierten Zaum. Parányi blieb geduldig stehen, als ich die Leinen um ihren Po und über die Hinterbeine schwang, um sie wieder daran zu gewöhnen. Daraus schloss ich, dass sie seit dem letzten Training nichts verlernt hatte. Ich schnalzte und nahm die halblange Fahrpeitsche in die rechte Hand, um sie anzutreiben. Dann schickte ich sie raus auf die Volte und begann, sie im Schritt mit aufnehmen und wieder loslassen zum Dehnen zu bringen. Als nächstes Trabte ich sie an und spielte ein wenig mit der Temporegulation. Auch Übergänge übten wir, besonders aus dem Schritt in den Trab, da sie dabei zunächst immer gleich anhalten wollte. Ich war erstaunt, wie kooperativ die Stute heute gelaunt war. Die letzten paar Tage war ich beim Reiten jeweils eher enttäuscht gewesen, aber heute schienen wir einen Fortschritt nach dem anderen zu machen. Ich hörte daher auch etwas früher auf und lobte sie ausgiebig. Ich führte sie noch ein wenig in der Halle herum, dann brachte ich sie in ihre Box und zog ihr die Abschwitzdecke an, falls sie doch noch nachschwitzen sollte. Zufrieden warf ich einen letzen Blick in die Box und stellte fest, dass Parányi bereits wieder döste.
      25 Dez. 2015
    • Occulta
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      Heute wollte ich mit den Zweijährigen zum zweiten Mal auf die Bahn. Sie waren am Dienstag das erste Mal auf den Geschmack gebracht worden, und nun galt es, eine erste Grundkondition aufzubauen. Während sechs Monaten waren die vier Jungspunde sorgfältig darauf vorbereitet worden; anfangs nur durch Longieren, nach dem Anreiten durch viel Trabarbeit und Ausreiten. Ich hatte diesen Monat die Verantwortung für meine Ciela übernommen, da ich meinem kleinen Liebling die Grundlagen selbst zeigen wollte. Quinn ritt Kaythara, Lily hatte Dublin, und Alysheba wurde von Thomas übernommen. Ausserdem begleiteten uns die erfahrenen Rennpferde Chiccory, Stromer, Painting Shadows, Empire State of Mind und Cantastor, geritten von Rosie, April, Rita, Charly und Oliver höchst persönlich. Die fünf ‚alten Hasen‘ waren schon am Vortag richtig gearbeitet worden und dienten heute nur als Lehrmeister für die jungen Nachwuchstalente. Ich führte Ciela nach draussen, als ich fertig war. Charly stand mit Empire bereits da und redete mit seiner Schwester Robin. Die beiden neuen Pfleger waren noch etwas zurückhaltend und blieben gerne unter sich, aber besonders Charly wurde von Tag zu Tag offener. Seine Schwester war etwas stiller. Ich erwischte sie dabei, wie sie wieder mal mit geheimnisvoller Miene zu mir schielte. Sie tat das häufig, ausserdem mied sie meine Anwesenheit und ich glaubte langsam, dass sie mich nicht sonderlich mochte. Ich zuckte mit den Schultern über meine eigenen Gedanken und löste die Steigbügel zum Aufsteigen. Zum Einwärmen hatte ich sie noch lang, besonders bei diesen jungen, unerfahrenen Pferden. So hatte ich mehr Kontrolle und Einwirkung. Mit einem lauten, schlitternden Hufgetrappel kündigte sich Stromer an, der sich vor einer umfallenden Heugabel erschreckt hatte. April beruhigte den Cremello geschickt und führte ihn weiter. Er lief zwar noch mit aufgeregt gehobenen Kopf, liess die Reiterin aber brav aufsteigen. Charly, geweckt von dem Geräusch, stieg ebenfalls auf; seine Schwester verschwand in Richtung Nordstall. Als alle draussen waren, ritten wir zum Aufwärmen auf die Galoppbahn. Kaythara, die direkt hinter mir und Ciela lief, war ganz beschäftigt mit den vielen Hengsten um sie herum, denen sie bei jeder Gelegenheit ihre Abneigung demonstrieren musste. Zum Glück liefen wir auf der Galoppbahn in einer Einerreihe, sodass sie sich etwas abregen konnte. Captured in Time war sowieso wiedermal ein Engelchen auf vier Hufen. Beim Antraben versuchte Alysheba, sich vor Chiccory zu drängen, was Thomas zu spät bemerkte. „Ey Cooper, watch it!“, schimpfte Oliver sofort. Mit dem strengen Trainer war während der Arbeit nicht zu spassen. Er hatte seine Jockeys und Pferde allesamt fest im Griff, seinen Adleraugen entging nichts. Ich hörte Tom zu Rosie „sorry“ murmeln. Sie lächelte nur und trieb Chiccory weiter vorwärts. Ich war froh, dass die Pfleger eigentlich alle gut miteinander auskamen. Das erleichterte vieles in der täglichen Arbeit. Wir bogen schliesslich auf die Rennbahn und teilten uns auf. Ciela und ich gesellten uns zu Oliver und Canto, damit der Trainer und ich uns gut unterhalten konnten. Kaythara musste neben Paint laufen, damit sie ruhig blieb. Dublin bekam gleich von zwei Seiten Unterstützung, nämlich von Chiccory und Empire. Und auch Stromer und Alysheba stellten sich auf. Dann galoppierten wir alle in leichtem Canter bis zur ersten Kurve. Die Jungen Athleten orientierten sich wie erhofft an ihren älteren Genossen und glichen ihr Tempo an. Dublin senkte sogar den Kopf und lief beinahe am Zügel, was man von Empire nicht behaupten konnte. Oliver wies Charly darauf hin, den Hengst etwas mehr zusammenzuhalten, damit er über den Rücken lief. Der junge Jockey setzte die Anweisung sofort um. Captured in Time sprang in regelmässigem Rhythmus voran und liess sich nicht beirren, wenn Canto ihr etwas nahe kam weil Oliver damit beschäftigt war, jemanden zu korrigieren. Painting Shadows und Kaythara kamen gut miteinander aus, also konnten wir diese beiden auch in Zukunft miteinander trainieren lassen. Wir machten eine Viertelstunde lang leichte Galopparbeit. Dabei legten wir auch einmal über 200 Meter etwas zu, aber das war auch schon alles in Sachen Tempo. Wie erwartet schwitzten die Jungen Pferde und blähten ihre Nüstern; eindeutige Zeichen der mangelnden Kondition. Aber sie hatten sich gut geschlagen und das heutige Trainingsziel erfüllt. Auch die Erfahrenen Pferde hatten heute wieder ein Stückchen mehr Gehorsam auf der Bahn gelernt, was in ihrem Stadium ebenso wichtig wie Muskelarbeit war.
    • Occulta
      Geschäftiger Dienstag

      Der Wecker klingelte, und ich schaltete ihn murrend aus, doch drehte mich danach nochmal um. Fünf Minuten, nur fünf Minuten… Wenn Lily mich nicht geweckt hätte, wäre ich wohl eine ganze Stunde zu spät aufgestanden. Zum Glück kam sie aber wie jeden Morgen polternd mit den Hunden durch die Tür gestürmt. Ich zog mich an und machte uns und den Hunden Frühstück. Als ich die Haustür öffnete, war es zwar noch immer dunkel, aber immerhin sah man die Sterne – es war kein Wölkchen zu sehen. Zira hüpfte fröhlich raus und verschwand in den Büschen hinter dem Haus, um ein paar schlafende Spatzen aufzuscheuchen. Sheela und Jacky blieben neben mir stehen und sahen mich erwartungsvoll an. Ich streichelte die beiden und nahm sie mit zum Hauptstall. Lily ging zu Dream und Skydive, das tat sie jeden Morgen zuallererst. Ich hingegen sah bei meinem Liebling Winter vorbei, der ja in der Box gleich neben dem Eingang stand. Er war kein bisschen verschlafen, sondern wirkte voller Elan, hungrig und motiviert, sein morgendliches Galopptraining zu absolvieren. Ich kraulte ihn durch die Gitterstäbe, musste dann aber weiter zu Cool Cat, den ich diesen Monat auf der Liste hatte. Ich war noch immer nicht ganz überzeugt von dem Hengst und hatte die Zuteilung dementsprechend missmutig gemacht, aber ich konnte mich nicht immer davor drücken, ihn zu reiten. Tatsächlich war dies das erste Mal, dass ich persönlich mit ihm arbeitete, seit ich ihn vor ein paar Monaten gekauft hatte. Ich schlurfte also zur Sattelkammer und holte seine Putzsachen, den Sattel und das Zaumzeug schon mal zur Box. Dann holte ich den Hengst raus und band ihn zum Putzen an. Ich begann damit, den schwarzen Hals zu striegeln. Der Hengst hatte schön definierte Muskellinien – die Jockeys hatten bisher gut mit ihm gearbeitet. Sein Fell war weich und seidig, auch an den Stellen, an denen er nicht geschoren worden war. Seine wilde, lange Mähne machte es nicht gerade leicht, den Hals zu bearbeiten. Ich warf sie deshalb auf die andere Seite, doch er schüttelte sich kurze Zeit später und verteilte das rabenschwarze Haar wieder auf beide Halsseiten. „Thanks a lot“, murmelte ich grimmig. Beim Bauch wollte er einfach nicht stillstehen, offenbar war er kitzlig. Ausserdem begann er zu scharren, als ich nicht aufhörte. Ich ignorierte es und entfernte stur jedes kleinste Erdspritzerchen, das noch vom gestrigen Weidegang zu finden war. Mittlerweile herrschte geschäftiges Trieben im Hauptstall. Die Pfleger waren nun alle am Vorbereiten der restlichen Vollblüter für die erste Gruppe und ich war schon etwas hintendrein. Ich beeilte mich deshalb etwas mehr und kratzte nach dem Bürsten direkt die Hufe aus, ehe ich den Sattel auflegte. Als ich schliesslich fertig gesattelt und gezäumt hatte, kämmte ich das widerspenstige Langhaar dann doch noch rasch ein paar Mal durch. Einmal mehr überlegte ich, einfach die Schere zu holen und die Lange Mähne zu kürzen. Doch Rosie hätte mich wohl lebendig begraben, denn sie vergötterte die eher an ein Wildpferd erinnernde Frisur. Ich ignorierte gekonnt ein paar der Knoten im Schweif und schmiss die Bürste zurück in die Kiste. Dann führte ich Cool Cat nach draussen und stieg mit Hilfe von Ajith auf. Es musste alles schnell gehen, denn die jungen Athleten waren ungeduldig und wollten kaum stillhalten. Wir verschwendeten keine Energie damit, sie zum Warten zu erziehen, sondern ritten direkt in einer Reihe zur Bahn. In diesem Alter bestanden wir, anders als bei den Warmblütern, noch nicht auf jede Kleinigkeit im täglichen Umgang, sondern handelten vor allem praktisch; einerseits, um Zeit zu sparen, und andererseits um die Geduld der jungen Pferde nicht unnötig zu strapazieren. Sie sollten sich in erster Linie auf das Rennen konzentrieren, alles andere lernten sie nebenbei. Heute trainierten wir die Zwei- und Dreijährigen mit Startmaschine, doch zunächst mussten alle Pferde warm geritten werden. Danach stellten wir uns hinter den mobilen Startboxen auf und wurden einer nach dem anderen von Oliver und Ajith hineingeführt. Ganz aussen waren Quinn und Dublin, dann folgten Rita und Caligari, Rosie und Ciela, April und Alysheba, Lily und Sumerian, Charly mit Frame und Thomas mit Kaythara. Auch hinter mir und Cool Cat wurden die Tore geschlossen. Der Hengst war ein wenig nervös und ich machte mich bereit, auf ein allfälliges Steigen zu reagieren. Doch er blieb am Boden und trampelte nur ein wenig auf der Stelle. Ich kraulte ihn am Widerrist, nahm meine Schutzbrille runter und fasste die Mähne, bereit für den Start. Dann klirrte die Glocke und die Türen flogen auf. Sofort schossen alle Pferde raus und das Feld formte sich. Ein Blick über die Schulter sagte mir, dass alle sauber weggekommen waren. Zufrieden richtete ich mich wieder nach vorne und fasste die Zügel ein wenig nach. Ich hatte vorhin beim Aufwärmen bereits die Steuerung von Cool Cat ausprobiert und ihn ausreichend kennengelernt, sodass ich ihn nun optimal lenken konnte. Der Rappe machte geschmeidige, raumgreifende Bewegungen und gewann immer mehr Boden. So weit, so gut, dachte ich anerkennend. Aber die Konkurrenz war hart; besonders die anderen Dreijährigen Caligari und Sumerian lagen noch voraus und hielten ein hohes Grundtempo. Im hinteren Teil des Feldes hingegen, hatte Charly sichtlich Mühe mit Frame klarzukommen. Der Schecke blieb nicht auf seiner Spur und schwankte, weil er den Kopf nicht ruhig hielt. Schliesslich musste Charly enttäuscht abbrechen. Ich hatte diesen Ausgang schon vermutet, ohne pessimistisch sein zu wollen, aber Frame lief bei keinem der Pfleger so gut wie bei mir. Er vertraute ihnen einfach nicht genug. Dublin war direkt hinter mir und Cool Cat, Ciela lag etwas weiter zurück und Alysheba war direkt neben ihr. Kaythara war ganz aussen ein wenig vor uns, sodass ich sie gut beobachten konnte. Auf den letzten 300 Metern trennte sich das Feld deutlich auf. Die Zweijährigen blieben zurück, während die Dreijährigen nochmal alles gaben und auf ihre Höchstgeschwindigkeit kamen. Auch Cool Cat zog an. Wir arbeiteten uns an Caligari vorbei, deren Kondition bereits bröckelte und schlossen zu Sumerian auf, die wie ein Motor beständig voransprang. Kurz vor dem Ziel hatten wir die Stute beinahe geschlagen, doch dann feuerte Lily sie nochmal an und konnte so eine ganze Kopflänge Vorsprung ergattern. Trotzdem war ich beeindruckt vom Vermögen Cool Cats und legte die letzten Zweifel an seinem Potential beiseite. Er hatte sich souverän bis ins Ziel dirigieren lassen und bis zum Schluss gekämpft, wie es sein soll. Ich streichelte stolz seinen Hals und liess ihn austraben. Von den Zweijährigen hatte diesmal wieder Kaythara die Nase vorn gehabt, was niemanden sonderlich überraschte. Die Stute hatte ausgezeichnetes Blut und schon jetzt viel Ausdauer.
      Wenig später brachten wir die Vollblüter zum Absatteln, während Ajith und Oliver bereits die zweite Gruppe bereit machten. Die Jockeys von vorhin ritten auch in dieser Runde alle wieder mit, nur ich nicht, also übernahmen Ajith und ich alle Pferde der ersten Gruppe zum Versorgen. Ich nahm Alyshebas Sattel vom Rücken des Hengstes und legte ihn auf Flys. So tauschten wir einer nach dem anderen alle Sättel. Ein Vorteil an den kleinen Rennsätteln war, dass sie praktisch auf jedes Pferd passten, also brauchten wir nicht für jeden ein eigenes Modell. Als Fly, Sympathy, Light, Caspian, Spot, Winter, Campina und Gray allesamt gesattelt waren, übernahmen die Jockeys sie der Liste entsprechend und ich wünschte allen viel Spass. Ich warf, zurück in der Stallgasse, die Abschwitzdecke über Frames Rücken und brachte den Hengst nach dem Hufeauskratzen in seine Box. Dasselbe taten Ajith und ich mit den anderen. Als Belohnung bekamen die Pferde immer nach dem Reiten ein paar Karotten oder einen Apfel.
      Während die zweite Gruppe am Trainieren war, misteten Ajith und ich schonmal die meisten Boxen. Danach half ich beim Versorgen der Pferde aus der zweiten und beim Satteln jener aus der dritten Gruppe. Es handelte sich um die letzte Gruppe für heute, mit Iskierka, Sunday, Stromer, Empire, Chiccory, Cantastor und Muskat. Die tragenden Stuten brachten wir gleich anschliessend auf die Weide, damit wir auch deren Boxen noch misten konnten, wobei uns diesmal Thomas und April noch halfen. April hängte die Zaunbänder um, damit der Weg zu den grossen Weiden seitlich begrenzt war. Als sie rief, öffnete ich die Boxen von Paint, Indiana und Caprice. Alle drei trabten die Stallgasse entlang raus auf den Schotterweg. Auch Pointless und Cassy drehten schon ungeduldig in der Box. Nur Blütenzauber schien irgendwie nicht mitbekommen zu haben, dass sie raus durfte. Sie durchwühlte weiterhin ihr Stroh nach letzten Heuhalmen, bis ich schliesslich schwungvoll die Tür aufschob und die Schwarzbraune rausschickte. Dann trabte auch sie den anderen hinterher. Wir verbrachten den restlichen Morgen mit Misten, Aufräumen und Füttern. Am Nachmittag waren dann die Pferde dran, um die sich die Neben-, Nord- und Offenstallpfleger noch nicht gekümmert hatten.
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  • Album:
    Gnadenweide
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    Occulta
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    25 Dez. 2015
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  • Offizieller HG

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    Vom: Empire State of Mind

    Vom: Empire Freedom
    Aus der: Anything Sweet


    Aus der: Khiara El Assuad

    Aus der: Kashida El Assuad
    Vom: El Jamarico



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    Rufname: Kaya
    Geburtstag: 24.12.
    Alter: 6 Jahre
    Stockmaß: 1.72 m
    Rasse: Englisches Vollblut
    Geschlecht: Stute
    Fellfarbe: Amber Champagne
    (Ee,Aa,Chch)
    Abzeichen: Unregelmässige Blesse
    Gesundheit: sehr gut


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    zickig, umkompliziert, manchmal temperamentvoll, lieb


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    Kaythara El Assuad ist die erste Nachkommin der Rennlegende Khiara El Assuad. Ihre Zwillingsschwester verstarb leider bei der Geburt und auch die kleine Kaythara war ein wenig angeschlagen. Doch schon damals zeigte sich ihre Kämpfernatur, denn trotz der geringen Überlebenschance, welche die Tierärztin vorhergesagt hatte, ist Kaythara auf die Beine gekommen und hat um ihr Leben gekämpft.
    Nun Ist sie zu einer Bildhüschen Jungstute herangewachsen, die den Hufabdrücken ihrer Mutter auf der Bahn folgt. Von ihrem Vater hat sie die Zappeligkeit auf dem Renngelände geerbt, offenbar ist sie vor den Rennen jeweils sehr nervös. Doch sobald sie im Rampenlicht steht, gibt sie alles. Sie ist oft etwas zickig, besonders gegenüber Hengsten - zweifellos etwas, das sie von ihrer Mutter gelernt hat. Doch ansonsten ist die Stute ein Schatz im Umgang und achtet stets auf ihre Menschen.


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    Besitzer: Occulta
    Ersteller: Monsterflosse
    VKR: Monsterflosse
    Verkäuflich: Nein


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    Gekört: Ja
    Nachkommen: PFS' Otello di Verdi
    Decktaxe: nicht leihbar!


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    Galopprennen Klasse: S***
    Western Klasse: E
    Spring Klasse: L
    Military Klasse: S
    Dressur Klasse: L
    Distanz Klasse: E

    Eignung: Galopprennen, Springen, Distanz
    Eingeritten: ja


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    [SK 455]
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    1. Platz 283. Militaryturnier
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    2. Platz 286. Militaryturnier
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    3. Platz 283. Militaryturnier
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    2. Platz 333. Galopprennen
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    Kaythara's Spind