Occulta

• Ice Coffee, Paint Horse ♀

Stute, Braunschecke

• Ice Coffee, Paint Horse ♀
Occulta, 21 Dez. 2016
    • Occulta
      Alte Berichte:
      Eddi
      04.05.2014 - Unerwarteter Zuwachs

      Momentan schien der Pferdemarkt beinahe überschwemmt von guten Pferden, denn sobald ich den PC nur eingeschaltete, erreichten mich ständig neue Benachrichtigungen über neue Verkaufsthemen. Kopfschüttelnd schaltete ich den PC wieder aus und machte mich auf dem Weg raus in den Stall, denn während andere ihre Pferde verkauften, hatte ich für heute fünf neue Pferde angekündigt. „Meg? Hilfst du mir mit den neuen Boxen?“ fragte ich unsere Auszubildende lächelnd und sie nickte begeistert. Wir machten geschwind die Boxen fertig, denn die ersten Nächte würden die neuen Pferde noch in den Boxen verbringen müssen, bis wir sie in unsere Sommerherden eingegliedert hätten. Als die Boxen fertig waren, nahm ich Tom und Meg mit zum Kauf. Wir fuhren bei Jani vorbei, denn sie hatte kürzlich allerhand Pferde aus der damaligen Zucht zurückgenommen, wusste aber nun nicht wohin mit den fünf Vierbeinern. Für mich waren alle mehr oder weniger ideal, deswegen wollten wir uns heute alle einmal genauer anschauen.
      „Guten Morgen!“ begrüßte ich Jani lächelnd, als wir um 10 auf ihrem Gestüt eintrafen. Jani züchtete Araber und es waren wahrlich traumhafte Pferde mit dabei, aber bei meinen heutigen Interessen war kein Araber dabei. „Wollen wir mit Capriciasso anfangen?“ fragte Jani und ich nickte. Gemeinsam liefen wir zu einer kleineren Weide, auf welcher ein hübscher Apfelschimmel stand. Meg war sofort hin und weg, denn Apfelschimmel vergötterte sie. Capriciasso war ein reinrassiger Reitponyhengst, welcher sogar schon erfolgreich seine Körung hinter sich hatte. Er war sechs Jahre alt und noch sehr frech, aber damit würden wir wohl keine Probleme haben. Jani holte ihn uns von der Weide und dann konnten wir ihn putzen. Capriciasso ließ alles brav über sich ergehen und war wirklich vorbildlich im Umgang. Auch das Satteln war kein Problem und kurzerhand konnten wir schon auf den Reitplatz. Meg sollte ihn als erstes reiten und darauf freute sie sich schon riesig. Nach einer halben Stunde stand sie neben Capriciasso wieder vor mir und strahlte von einem Ohr zum anderen. Für mich stand eigentlich schon fest, dass der Hengst mitkommen würde, doch auch ich wollte ihn noch einmal kurz reiten. Capriciasso war mit seinen 1.44m nicht sonderlich groß, besaß aber dennoch die Schritte eines Großpferdes und ließ sich klasse reiten. Ich nickte begeistert und sagte Jani zu. Capriciasso würde als Veredler in unserer baldigen Lewitzerzucht eingesetzt werden, weshalb er eben auch im Moment perfekt passte.
      Das nächste Pferd war eine Paint Horse Stute, nämlich Ice Coffee. Ich hatte mich schon damals in sie verliebt, als sie von Jani zu der ersten Käuferin gezogen war. Die vierjährige Stute besaß eine tolle Farbe und einen ruhigen, ausgeglichenen Blick. Jani holte sie uns von der Weide und wieder begann das gleiche Spiel, so dass wir sie erst einmal gründlich putzten und danach sattelten. Auch Ice Coffee war ein Sonnenschein und schnell saß ich in ihrem Sattel. Ihre Gänge waren weich und fließend, genau wie ein Westernpferd sein sollte. Trotz ihres jungen Alters reagierte sie schon sehr gut auf die Hilfen und war immer vollkommen dabei. Zufrieden sagte ich auch hier Jani zu. Sollte Ice Coffee ihre Stutenprüfung irgendwann schaffen, wäre ich über ein Fohlen von Call me a Twist sehr erfreut.
      Nun kam das kleine Trio, auf was mich mich schon die ganze Zeit freute, denn es handelte sich um drei Shettys. Alle waren gekört und deshalb auch eine Bereicherung unserer Zucht. Die beiden Stuten hatten es mir schon auf den Bildern angetan, so dass ihr Kauf schnell feststand. Mondscheinsonate war eine so hübsche Scheckin, da konnte ich nicht nein sagen und Werina war das, was man sich als kleine Zuchtstute wohl einfach vorstellt. Aber auch der Hengst im Trio wickelte uns sofort um den Finger. Window war ein Palomino und einfach zu süß, als das man nein hätte sagen können. Ich machte mit Jani direkt die Kaufverträge fertig und dann wurden die fünf in den großen Transporter eingeladen. Ich verabschiedete mich von Jani und fuhr zufrieden nach Hause. Dort durften die fünf erst einmal ihre neue Box erkunden, ehe es dann auf einzelne Weiden ging.
      4 Mai 2014

      Eddi
      [29.07.2014 - Umbau

      Als ich heute Morgen aufstand, schien bereits die Sonne leicht durch meine Gardinen. Lächelnd schlug ich die Decke auf und sprang aus dem Bett. Mein Kater war auch direkt wach und folgte mir schnurrend mit ins Bad. Während ich duschte und mich fertig machte, putzte er sich gründlich. Eine halbe Stunde später waren wir fertig und liefen hinunter in die große Küche. Heute waren wir ausnahmsweise mal die ersten. Also gab es für meinen Kater sein Futter und ich schob die Brötchen in den Backofen. Danach machte ich die Kaffeemaschine fertig und machte den Wasserkocher für den Cappuccino an. Nun kochte ich noch die Eier und während alles so verlief wie es geplant war, deckte ich den Frühstückstisch. Pünktlich um acht kam mein gesamtes Team zusammen und wir frühstückten gemeinsam. Mia hatte die Post hineingeholt und verteilte die Briefe an die jeweiligen Empfänger. Ich hatte eine Postkarte meiner guten Freundin Lea erhalten, welche gerade ihren Urlaub an der Ostsee genoss. Lächelnd las ich ihre Worte, wenn sie nur wüsste was momentan hier los wäre. „Wir müssen heute die Jungpferde noch umweiden, sonst können die Bauarbeiten nicht beginnen.“ meinte Tom und ich nickte ihm zu. „Ja das machen wir heute.“ erklärte ich und hatte in Gedanken schon den heutigen Tagesablauf geplant. „Tamzin, Mia? Ihr fahrt heute aufs Turnier, richtig?“ hakte ich noch einmal nach, eigentlich wollte ich nur schauen, dass jeder wusste, was los war. „Ja, genau. Ich nehme Taktlos und Muskat mit.“ meinte Mia. „Talulah wollte wegen der Versorgung mitkommen, ansonsten habe ich eben Alazar und Vertigo dabei.“ fügte Tamzin hinzu. Ich nickte den beiden zu und gähnte leicht. Genüsslich biss ich in mein Brötchen und trank einen Schluck Cappuccino. „Wie geht es den Fohlen?“ fragte ich in die Runde und bekam direkt eine Antwort. „Nüsschen geht es wunderbar und Rosewell ist zwar noch schüchtern, aber ihr geht es bestens.“ erklärte Meg mir. Sie liebte Fohlen und war nur zu gerne bei den jungen Pferden unterwegs. Wir frühstückten zu Ende und dann machten wir uns auch schon an die Arbeit, denn die kommenden Wochen würde auf dem Gestüt viel los sein. Momentan bauten wir nämlich um, so dass es gar nicht so leicht war, für alle Pferde eine neue Weide zu finden, ohne den Bauarbeiten im Weg zu stehen. Aus diesem Grunde mussten die Jungpferde jetzt auch weichen. Also begannen wir unseren Tag mit Weide bauen. Es mussten insgesamt zwei Weiden her, damit wir Hengste und Stuten trennen konnten. Eine Stunde verbrachten wir damit und dann waren die großen Weiden am Rande des Waldes fertig. Nun hieß es die Jungpferde holen. Mit Halftern bewaffnet machten sich Tom, Meg und ich auf den Weg. Ich schnappte mir Prazzy's Goldbell, Feuervogel und Painted Blur, Tom fing sich Altyn und He's called Trüffel und Meg nahm schon die zwei Stuten Hollybrook's Fairy Bluebird und Joyce mit. Der Weg zu den neuen Weiden war weit und das nutzten die Hengste zu gern zum toben aus. Ich war froh, als wir dann endlich die erste Ladung drüben hatten. Nun liefen wir noch einmal um noch Hollybrook's Tiny Girl, Raunchy's Limited, Quintesse of Xaras, Rosewell und Shawneé zu holen. Danach waren wir sogar schon fertig. Während Meg und Tom die alten Weiden abbauten, lief ich zu unserem Stallgebäude. Momentan waren dort alle Mutterstuten mit Fohlen aufgestallt, allerdings wollte ich auch diesen Auslauf gönnen. Als erste halfterte ich Khiara El Assuad auf und brachte sie gemeinsam mit ihrem kleinen Stutfohlen Khaytara El Assuad auf die Weide vor dem Stall. Danach holte ich noch Napayné und Nesquik, unsere Welshstuten. Nandalee und Applaus waren voller Tatendrang und hüpften aufgeregt nebenher und freuten sich riesig auf Khaytara. Fröhlich jagten die kleinen Fohlen über die Weide, während die Stuten friedlich nebeneinander grasten. Nun holte ich noch Mokka mit ihrem frisch geborenen Fohlen Mon petit écrou aus dem Stall und ließ sie heute auf eine der kleineren Weide, denn noch wollte ich die beiden lieber alleine lassen, nur Mokkas beste Freundin Sonja durfte bisher mit zu ihr und dem Fohlen, weshalb ich die drei gerne zusammen stellte. Nachdem auch diese Pferde versorgt waren, nun konnte ich mich nicht länger drücken, denn die Bauarbeiter rückten an und direkt kam der Chef zu mir. Gemeinsam brüteten wir über den Plänen und diskutierten über die Aufteilungen. Ich wollte meinen Pferden ein anderes Leben gönnen und baute deshalb das gesamte Gestüt um. Es sollen zwei neue Paddocktrails und drei Aktivställe gebaut werden. Hinzu kommen sollten fünf Mini-Offenställe, in welchen immer nur 2-3 Pferde leben würden und zu guter Letzt noch einige Doppelboxen mit großen Paddocks für Gästepferde oder auch für unsere Pferde, wenn etwas großes anstand. Mein Team unterstützte mich dabei tatkräftig und schon bald würden die Umbauten fertig sein. Ich musste nur noch die neuen Herden einteilen und dann würden die Pferde auch schon bald auf ihre neuen Weiden ziehen dürfen. Aber heute waren wir davon noch weit entfernt. Lächelnd schlenderte ich über das Gestüt und verabschiedete Mia und Tamzin, sie würden erst heute Abend wieder zurückkommen. Ich entschied mich stattdessen, zu unseren Zwergen zu schauen. Also schnappte ich mir in der Futterkammer sechs Möhren und wanderte zu den Weiden, wo Werina, Mondscheinsonate, Weihnachtswichtel und Little Chocolate Chip standen. Als ich sie rief, kamen sie sofort angesaust und holten sich ihr Leckerchen ab. Danach schaute ich bei den Jungs Heartbreaker und Window vorbei und auch sie bekamen noch eine Möhre. „Guten Appetit, meine Lieben.“ meinte ich lächelnd und ging dann, denn im Stall stand die Teambesprächung an, wer nun was machen würde. Judi wollte heute mit Carachillo und danach mit Capriciasso zur Geländestrecke und die beiden trainieren. Danach würde dann eine Springstunde für ihre jungen Nachwuchsreiter anstehen. „Wen willst du heute mitnehmen?“ fragte ich, um zu wissen, wer dann noch bewegt werden müsste. „Ich wollte gerne Lucane, Nightfly, Pinocchio, Naimibia und Diggin' in the Dirth nehmen.“ erklärte Judi mir und ich nickte. „Alles klar.“ meinte ich lächelnd und verschwand. „Tom? Reitest du heute Absinth und Serafino?“ trug ich ihn auf und suchte dann Meg. „Komm, wir machen einen Ausritt mit Zarin und Death Pop Romance.“ meinte ich lächelnd, damit die junge Auszubildende eine kleine Pause bekam. Heute war sehr angenehmes Wetter und so konnten wir viel traben und galoppieren, was den beiden Hengsten sehr gut tat. Danach bat ich sie noch, sich auf Foxglove zu schwingen. Ich wollte stattdessen Allelujah beschäftigen, für ihn stand heute Longieren an mit viel Stangenarbeit, denn einfach war er immer noch nicht, aber es wurde langsam besser. Als ich mit dem Palomino fertig war, holte ich meinen Liebling Pajero von der Weide, um mit ihm unsere Geländestrecke als lockeren Spaß zu reiten. Wie immer war er super drauf und es war ein toller Ritt. Danach war noch Dr. Insektor an der Reihe. Unser Hengst hatte sehr gute Fortschritte gemacht und vielleicht würde er bald an Turnieren teilnehmen können. Für Ejadon gab es heute frei, denn er hatte die letzten zwei Tage mit Turnieren verbracht. Guaranà ging mit Monty heute eine kleine Runde ins Gelände, um ihn fit zu halten. Mennesse nahm er als Handpferd mit, damit der direkt auch bewegt wurde. Die spanischen Schönheiten Thorondor, Yerai und Aristo hatten heute auch frei, also bewegte ich nur noch Freeway. Danach war erst einmal das Mittagessen an der Reihe. Heute gab es Hefeklöße mit Vanillesoße und Kirschkompott. So kamen wir alle wieder zusammen und konnten eine kleine Pause machen, ehe es mit der Arbeit weitergehen würde. Am Nachmittag war noch genug zu tun und da drei Leute heute fehlten, mussten wir anderen uns besonders ins Zeug legen. Mein erster Gang nach dem Mittagessen war zu Carter, denn ich wollte mich über das Training der Vollblüter informieren. „Wenn es öfter mal ein paar Rennen geben würde, dann könnten Cassiopeia und Deadly Ambition auch einmal zeigen, was in ihnen steckt, aber momentan sieht es dort ja ziemlich mager besetzt aus. Pawaneeh lasse ich jetzt nebenbei aktiv auch in Dressur und Springen trainieren, das braucht er, so kann Susan ihn auch im Rennen besser kontrollieren. Magic Golden Dust macht sich gut im Training und ist topfit. Und Destiny Horror, na ja, ich denke die Dressur wäre eher was für die Hübsche.“ erzählte er mir und ich saugte alles in mir auf. Auch bei unseren Westernpferden tat ich momentan nicht gar so viel, das überließ ich lieber Monte und Elizabeth. Stattdessen schaute ich in die Halle, wo Monte gerade Unterricht gab. Vier junge Menschen hatte er unter seine Fittiche genommen. Heute wurden dadurch Rubina's Ravenclaw, Joyna, Apache's Tomahawk und Caribic Sue trainiert. Wie ich hörte waren Monte und Elizabeth schon mit Schneeleopard und Campéon unterwegs. Call me a Twist hatte momentan frei, denn er verbrachte gerade seine Zeit viel lieber mit potenziellen Stuten auf der Weide. Seitdem er gekört war, hatten wir nämlich äußerst viele Deckanfragen bekommen. Hidalgo wurde gerade von Elizabeth geritten. Die Stuten Chou und Ice Coffee hatten heute frei. Zuletzt standen meine Lieblinge an, die Ponys aus den Wales. Meine kleine Welsh Zucht war inzwischen schon gigantisch und ich freute mich jedes Mal, bei ihnen vorbeizuschauen. Die beiden Hengste Auftakt und Bonny Boy befanden sich inmitten der Turniersaison. Animby, unsere jüngste Stute, wurde hingegen auf ihre Krönung vorbereitet, denn sie sollte auch bald mit in die Zucht einsteigen dürfen. Fürst der Finsternis und Alice von Landwein hatten momentan eine Pause und liefen vermehrt in den Reitstunden der Fortgeschrittenen mit und gingen mit ihren Reitern auch die ein oder anderen Turniere. Die hübsche Herbsttraum hatte sich inzwischen wunderbar eingelebt und ich war ernsthaft am überlegen, mir aus ihr ein Fohlen zu ziehen. Zuletzt war da noch Single Malt, welcher bisher noch Schonfrist hatte. Der Tag ging schneller vorbei als gedacht und abends saßen wir alle beisammen am Tisch zum Abendbrot. Mia und Tamzin waren sehr erfolgreich auf den Turnieren unterwegs gewesen und auch bei den anderen hatte es heute super geklappt. Zufrieden konnten wir so mit dem Tag abschließen.
      29 Juli 2014

      Eddi
      14.09.2014 - Jedes Ende ist auch der Anfang von etwas Neue
      Umzug nach Wyoming

      Ich saß auf meinem Bett und starrte die Wand an. Dort türmten sich Bilderrahmen mit Aufnahmen der vergangenen Jahre: Pferde über Pferde, Turniererfolge, junge Zuchtfohlen und auch Bilder meines Teams.
      Ich seufzte leise.
      Alles war so gelaufen wie man es sich wünschte, doch dann entschied sich das Schicksal für einen anderen Weg.
      Der letzte Monat hatte mich fertig gemacht – ich fühlte mich ausgebrannt und unfähig, irgendetwas zu tun.
      Es fing mit der unschönen Nachricht an, dass dem Gestüt plötzlich hinten und vorne das Geld fehlte, obwohl unsere Buchführung perfekt war. Natürlich wurde so der groß geplante Umbau des Gestüts abgebrochen und wir saßen auf immensen Schulden.
      Ich ging dem Problem nach und setzte alle Hebel in Bewegung, um die Ursache unserer Schulden heraus zu bekommen. Zu aller Entsetzen wurde uns mitgeteilt, dass unser Jockey Roy Geldwäscherei hinter meinem Rücken betrieben hatte.
      Nach seiner Entlassung und dem Gerichtsverfahren schien sich allmählich alles wieder einzurenken, doch das sollte nicht lange anhalten:
      Mia, der gute Geist unseres Gestütes verließ uns – ohne ein Wort, ohne Abschied. Sie verschwand einfach und somit eigentlich unsere beste Mitarbeiterin, zumindest dachten wir das.
      Inzwischen wissen wir, dass sie damals mit Roy gemeinsames Spiel betrieben hatte, denn die Buchführung lag leider in ihren Händen und wir alle hatten ihr blind vertraut.
      Ein langes Hin und Her vor dem Gericht begann und aus einer guten Freundin wurde plötzlich eine Todfeindin, welche dem Gestüt nichts schlimmeres als das Aus wünschte. Auch wenn wir letztendlich den Prozess gewannen, ließen mich die Ereignisse nicht mehr los.
      Mein Kopf schrie regelrecht nach Veränderung und ich wusste auch, dass ich hier nur noch kaputt gehen würde.
      Es war kurz vor 18 Uhr, als ich das Esszimmer betrat. Wie immer war der Tisch bereits gedeckt und Talulah brachte gerade die Töpfe hinein. Wie jeden Abend aßen wir gemeinsam und diese Zeit wollte ich für eine Ankündigung nutzen.
      Als alle am Tisch saßen, stand ich seufzend auf, es fiel mir schwer die Worte auszusprechen, doch ich wusste, dass es das Beste war.
      „Meine Lieben, es fällt mir nicht leicht, euch das zu sagen, doch ich denke, es ist die beste Entscheidung für alle. Ich werde Frankreich verlassen, ohne euch... Es tut mir leid.“
      Von allen Gesichtern trafen mich entsetzte Blicke, nur Carter – unser Stallmeister – nickte mir bedächtig zu. „Es wird Zeit, diesen Ort zu verlassen und neue Wege zu suchen.“ sagte er mit seiner rauen Stimme. „Ihr seid jung! Euer ganzen Leben liegt noch vor euch, also lebt!“
      Drei Wochen war dieser eine Abend nun schon her und seitdem hatte sich alles verändert.
      Der große Umzug war vorbereitet und stand kurz bevor. Die Pferde hatten bereits das Land verlassen und waren schon auf den Weg in ein neues Leben.
      Mein Team hatte seine Ablösung erhalten, das Gestüt war verkauft und auch von einigen Pferden hatte ich mich schwermütig verabschiedet.
      Sie würden ihren Ruhestand auf deutschen Wiesen bei einer guten alten Freundin genießen, denn nur dort wusste ich sie sicher und geborgen. So hatte ich auch meiner Familie einen Besuch abstatten können und ihnen alles erklären können.
      Doch der letzte Abend auf dem Gestüt kam zu schnell, viel zu schnell.
      Plötzlich fühlte ich mich nicht mehr bereit, denn es war eine Reise ins Ungewisse, bei welcher ich vollkommen auf mich alleine gestellt war.
      Ein letztes Mal wollte ich durch unsere Stallungen wandern, Carter begleitete mich dabei - er war als einziger bis zum Schluss geblieben.
      Alle Boxen waren leer, wirkten kalt und trist. Aber ich wusste, dass sie schon bald wieder mit neuem Leben gefüllt werden würden.
      Als Carter mich noch einmal zum Abschied umarmte und dann alleine die Stallgasse entlang lief, überkamen mich alle Gefühle – Wut, Trauer, Furcht und auch die Hilflosigkeit.
      Weinend lehnte ich mich an die Stallwand, sank auf den Boden und ließ meinen Gefühlen freien Lauf.
      Schon als Carter längst den Stall verlassen hatte, sah ich am Ende der Stallgasse immer noch den alten Mann in seinem schwarzen Mantel mit dem schwarzen Hut. Er war die Seele des Stalles gewesen und während ich an ihn dachte, durchlebte ich noch einmal alle Erinnerungen, welche ich in den letzten zwei Jahren hier gemacht hatte.
      „Ich danke dir...“ murmelte ich und schloss seufzend die Augen.
      Unsicher schaute ich mich um.
      Die Räume waren riesig und doch strahlten sie eine gewisse Vertrautheit aus. „Du bist jung, lebe!“ hörte ich Carter in meinen Gedanken und musste weinen.
      Kurz nachdem wir in Wyoming angekommen waren, erreichte mich die Nachricht, dass er uns für immer verlassen hatte. Es traf mich mehr, als ich gedacht hätte, doch plötzlich wurde mir bewusst, was ich verloren hatte.
      Ohne ihn wäre ich niemals dort angelangt, wo ich jetzt war. Ich verspürte einen tiefen Hass auf alle, die uns in Frankreich das Leben schwer gemacht hatten und gab ihnen die Schuld an Carter's Tod.
      Einzig und allein der Gedanke an Carters Worte, ließ in mir ein Feuer entfachen.
      Schmunzelnd betrat ich den Stall, er war so viel kleiner! Wirkte fast winzig und fad im Gegensatz zu meinen damaligen Stallungen, doch es gefiel mir - ich liebte es!
      Viel Arbeit stand an, doch ich hatte ja nun alle Zeit der Welt und ich wollte keine Minute davon vergeuden.
      Fast einen Monat lebte ich mutterseelenallein auf der Ranch, denn ich brauchte dringend Abstand zu den Menschen. In diesem Monat steckte ich all mein Herzblut in die Ranch, um sie wieder auf Vordermann zu bringen.
      Auch wenn die Vorbesitzer sie gut abgegeben hatten, entsprach sie nicht ganz meinen Wünschen, besonders was die Haltung der Pferde betraf.
      Aus den circa vierzig Boxen im Stall baute ich zwanzig großräumige Boxen für die Pferde ein. Den Stall würden wir nicht sonderlich oft brauchen, weshalb nicht für alle Pferde Platz sein musste, aber wenn er genutzt werden musste, dann sollten die Pferde auch ideal gehalten werden.
      Auch die über 60ha Weideland mussten neu eingezäunt und kontrolliert werden. So stand ich jeden Tag um 6 Uhr auf, um mein Arbeitspensum zu schaffen.
      Die Zeit alleine hatte mir gut getan und so konnte ich meinen geliebten Vierbeinern auch wieder gegenüber treten, ohne mich verstellen zu müssen. Heute war der Tag, an dem auch sie in ihr neues Leben eintauchen würden.
      Nach und nach brachte man sie auf meine kleine Ranch und trotz meiner abgeneigten Weise den Menschen gegenüber, waren diese stets hilfsbereit und freundlich – und ab da veränderte sich etwas in mir.
      Es war Zeit, die Vergangenheit zu vergessen und vollkommen neu anzufangen. Aus diesem Grunde lud ich alle Helfer am Abend zum Grillen ein.
      An diesem Abend bot mir jeder seine Hilfe an, auch wenn ich diese dankend ablehnte und erklärte, dass ich das hier alleine schaffen wollte – doch selbst dafür hatten sie Verständnis.
      Lächelnd verließ ich die Feier und stattete meinen Stuten noch einen kleinen abendlichen Besuch ab. Grinsend musterte ich die kleine Herde. Bisher hatten sich meine Pferde nicht daran gewöhnen können, plötzlich so ein gigantisches Areal nutzen zu dürfen.
      Immer wenn sie mich am Zaun entdeckten, kamen sie hilfesuchend angaloppiert und sammelten sich um mich. Auch jetzt hörte ich ihre Hufen auf dem festen Erdboden, doch diesmal kamen sie mir im gemächlichen Schritt entgegen.
      Ich spürte den plötzlichen Umschwung der Gefühle in der Herde. Sie wurden nicht mehr beherrscht von Unsicherheit und Verzweiflung. Plötzlich wirkten sie ruhig, entspannt und glücklich – und irgendwie fand ich mich in diesem Umschwung selbst wieder.
      Lächelnd begrüßte ich meine Kleinste. Chips schnoberte mir sanft am T-Shirt entlang und ich sank auf die Knie, um sie ein wenig zu kraulen. Natürlich wollten aber auch die anderen liebkost werden, weshalb ich kurz darauf Freeways große weiche Nüstern in meinem Nacken spürte und merkte, wie sie mir sanft durch die Haare wuselte.
      Die Stuten strahlten ein beständiges Gefühl von Wärme und Zufriedenheit aus, welches sich auch direkt auf mich übertrug und ich mich in das Gras setzte, um einfach mit ihnen gemeinsam den Abend ausklingen zu lassen.
      Apache ließ sich neben mir nieder und schaute mir tief in die Augen. Sie war die Leitstute und mit ihrer Fürsorge und Geduld kümmerte sie sich um jedes einzelne Herdenmitglied. Für sie gehörte ich dazu und so brachte sie auch mir tiefstes Vertrauen entgegen.
      Selbst die sonst recht ungestüme Khiara stand dösend neben uns und entspannte sich zunehmend, während Naimibia und Ice Coffee noch ein wenig mit ihren Spinnereien beschäftigt waren.
      Die beiden waren jung und noch recht neu in der Herde, dennoch hatten sie sich sofort wohlgefühlt und waren auch diejenigen, die stets Leben in die Herde brachten.
      „Was würde ich nur ohne euch tun?“ lächelte ich und lehnte mich an Freeways Beine - hier bei den Pferde fühlte ich mich wohl.
      Ein schrilles Geräusch ließ mich hochfahren. Verwirrt blickte ich mich um und suchte nach dessen Quelle. Als ich den alten Wecker neben mir erblickte, erinnerte ich mich an alles, was in den letzten Wochen vorgefallen war und stöhnend ließ ich mich zurück auf die Matratze fallen.
      „Wyoming.“ murmelte ich und stand grummelnd auf. Fluchend starrte ich die am Boden liegende Matratze an – wie sehr sehnte ich mich nun doch nach einem richtigen Bett!
      Ich muss ehrlich sagen, dass ich mir um die Wohnungseinrichtung keine großartigen Gedanken gemacht hatte, damals wollte ich einfach nur so schnell wie möglich weg. In der ersten Nacht war mir dann aufgefallen, dass ich nichts besaß – nicht einmal ein Bett.
      Meinen Nachbarn war das natürlich nicht entgangen und so hatte ich schnell von hier und dort Spenden erhalten.
      Dazu gehörte auch diese Matratze und auch wenn sie schon wesentlich bessere Tage gesehen hatte, war ich sehr dankbar für dieses Geschenk.
      In meiner Küche befanden sich insgesamt zwei nutzbare Objekte: ein Stuhl und eine Kaffeemaschine. Zweiteres gab sehr gewöhnungsbedürftige Geräusche von sich, als ich sie in Gang setzte. Eigentlich war ich auch kein Kaffeetrinker, doch im Moment war ich sehr dankbar über dieses koffeinhaltige Getränk.
      Während also das Wasser durch das Kaffeepulver sickerte, verschwand ich im Bad – das einzige Zimmer, was man guten Gewissens nutzen konnte.
      Ein unangenehmer Knall ließ mich jedoch das Zähne putzen unterbrechen und als ich samt Zahnbürste im Mund zurück in die Küche lief, konnte ich meinen Augen nicht trauen.
      „Oh Gott...“ murmelte ich entsetzt und während ich noch überlegte, wie ich am schnellsten zu der Steckdose gelangen konnte, entschied sich die Kaffeemaschine dafür, in weitere tausend Kleinteile zu explodieren und den Inhalt im gesamten Raum zu verteilen.
      Mit einem Lächeln hatte mir die alte Dame vor einer Woche diese Maschine in die Hände gedrückt, allerdings schien ich kein Händchen zum Kaffee kochen zu haben.
      Grummelnd marschierte ich zurück ins Bad, um mich dann zumindest um das Übelste in der Küche zu kümmern.
      Eine Tasse Kaffee konnte ich aus den Resten der Kanne dann doch noch zusammenkratzen, also war die Mühe nicht ganz umsonst.
      Ich machte mich gerade am Unterstand der Hengste zu schaffen und schob Breakers neugierige Nase nun zum dritten Mal zur Seite, als ein nervtötendes Geräusch die friedliche Stille am Morgen durchbrach.
      Es war ein Automotor und ich war sofort argwöhnisch, denn ohne Hintergedanken verfuhr sich niemand hierher, die Ranch lag schließlich mitten im Nichts.
      Thorondor blickte sofort wachsam zum Hof hinüber und legte die Ohren an. Auch er sah die Kommenden eher als Eindringlinge statt als Gäste an.
      Sanft strich ich ihm über dem Hals. „Ich schaue nach.“ meinte ich beruhigend und verließ die Weide.
      Während ich mich auf den Weg zum Hof machte, drehte sich mein Magen bereits beim Anblick des schmucken schwarzen Autos um. Als dann noch zwei schick gekleidete Personen ausstiegen, wurde ich sofort misstrauisch.
      Ich stützte die Hände in die Hüfte und musterten die beiden, wurde dann aber auf einmal überrumpelt. „Hallo! Ich bin Kat!“ sprudelte die blonde Frau plötzlich los und umarmte mich überschwänglich.
      Verdutzt starrte ich sie an, während der Mann neben ihr verzweifelt zwischen uns hin und her blickte.
      „Entschuldigen Sie das Verhalten meiner Schwester. Ich bin Ethan Karamakov und sie ist Katarina Karamakov“ murmelte er nur und kratzte sich verlegen am Hinterkopf. Ich schüttelte jedoch nur den Kopf und blickte dann grinsend auf.
      „Ihre Einstellung gefällt mir, das sollte man tatsächlich öfter so handhaben.“ lachte ich und alle Anspannung fiel von mir ab.
      Wie ich schnell erfuhr, lebten die Geschwister Karamakov eigentlich in New York – sah man ihnen ja auch überhaupt nicht an – und hatten von einem unbekannten Onkel eine Rinderfarm geerbt.
      „Ja und diese Rinderfarm ist direkter Nachbar dieser Ranch hier - also wenn man das bei den Entfernungen Nachbarn nennen kann.“ erklärte Ethan mir.
      Wir saßen auf der Verandatreppe des Hauses, denn leider konnte ich meinen Gästen weder Sitzplätze noch Kaffee anbieten, während wir uns unterhielten.
      „Können wir für ein paar Tage bei dir wohnen?“ platzte Kat ohne große Umschwänge heraus und erneut blieb mir nichts anderes übrig, als sie ungläubig anzustarren.
      „Du warst doch vorhin im Haus, oder? Hast du gesehen wie es dort aussieht?“ fragte ich zweifelnd. Für zwei Übernachtungsgäste hatte ich nun gar nichts da – im Moment war ich schließlich froh, selbst eine Matratze zu haben.
      „Aber auf der Farm kann man nicht wohnen! Unser Onkel muss ein elender Trinker gewesen sein, denn so eine verlauste Bude habe ich noch nie gesehen, da ist das hier ein Luxushotel!“ stöhnte Kat theatralisch und Ethan nickte nur zustimmend.
      Seufzend willigte ich ein. „Aber eure Matratzen müsst ihr euch selbst besorgen!“ warnte ich die beiden, welche mich nur schon von einem bis zum anderen Ohr angrinsten.
      „Ach, da ist noch was.“ meinte Ethan vorsichtig, während wir Kats fünften Koffer die Treppe hinauf hievten. „Und das wäre was? Noch mehr Koffer?“ fragte ich entsetzt, schon bald würde man gar nicht mehr zählen können.
      „Äh, nein.“ meinte Ethan grinsend. „Auf der Farm steht ein Pferd. Wie ich hörte bist du Tierärztin? Der kleinen Stute geht es nämlich nicht sonderlich gut.“ erklärte er und sofort wurde ich hellhörig, denn wenn es um die geliebten Vierbeiner ging, scheute ich keine Mühen.
      So war unsere nächste Amtshandlung zur Farm zu fahren und nach dem Tier zu schauen. Da ich selbst nicht über einen fahrbaren Untersatz verfügte, fuhr Ethan mich und natürlich kam Kat auch mit.
      Bei dem Zustand der Ranch hatte Kat ausnahmsweise mal nicht übertrieben. Die Zäune der Weiden waren marode und mit Stacheldraht versehen und auch die beiden Viehherden sahen nicht sonderlich glücklich aus.
      Ethan erklärte mir, dass er bereits Abnehmer für die Tiere und die Farm suchte, denn er und Kat würden sich gewiss nicht hierum kümmern.
      Dabei zeigte er mir auch den Stall und öffnete vorsichtig die obere Hälfte der Stalltür, damit ich hineinschauen konnte.
      Meine Augen mussten sich erst einmal an die Dunkelheit gewöhnen, denn bisher sah ich nichts. Doch dann erkannte ich den schemenhaften Umriss eines Pferdes und stutzte. „Ist sie gesattelt?“ fragte ich verwirrt und Ethan nickte.
      „Sie ist der Grund, weshalb wir diesen...Ort hier geerbt haben.“ meinte Kat grinsend. „Sie hat dem ollen Trinker eiskalt eine vor die Zwölfe gegeben, das hat ihn dann doch mal diesen Rest gegeben.“ lachte sie und schnalzte der Stute freundlich zu.
      Die wiederum drehte uns ihr Hinterteil zu und drohte, auszuschlagen, wenn wir noch einen Schritt näher kommen würden. „Das wird ja lustig.“ murmelte ich und Ethan sah mich bestürzt an.
      Ihm schien das Leid der Stute doch näher zu gehen, als er es zugeben wollte, aber das waren eben Männer – Gefühle zeigen ging gar nicht.
      Wir ließen die Stute hinaus in ihren „Auslauf“, damit ich sie zumindest ein wenig besser sehen konnte. Sie sah von weiten aus wie ein wilder Mustang, zumindest was ihr Aussehen und den Charakter betraf.
      Nur die feingliedrigen Beine und der elegante Kopf wiesen eindeutig darauf hin, dass sie ein Reitpony sein musste.
      Wir gaben der Stute etwas Heu, denn sonderlich genährt sah sie auch nicht aus und während sie gierig fraß, nutzte ich ihre Unkonzentriertheit und befreite sie von dem ekligen Sattelzeug.
      Der Sattel war viel zu groß und die Trense stank schon von Weitem nach vermoderten Leder, kein Wunder, dass sich die Stute so gewehrt hatte.
      Vorsichtig betrachtete ich die Stute näher und sah, dass sie noch recht überbaut war, älter als drei Jahre konnte sie nie sein, eventuell war sie sogar erst zwei Jahre alt. Während ich jedoch über ihr Alter philosophierte, merkte sie meine Anwesenheit, machte auf der Hinterhand kehrt und versetzte mir einen deftigen Tritt gegen den Oberschenkel.
      Erschrocken wich ich zurück, leider viel zu spät, so dass ich mir nur noch den schmerzenden Schenkel halten konnte. „Na danke auch!“ stöhnte ich genervt und humpelte zurück zum Zaun.
      „Ist alles okay? Soll ich lieber den Notarzt rufen?“ quietschte Kat verzweifelt und zückte schon ihr Handy. Nur knapp konnte ich sie davon abhalten. „Ach Quatsch! Das wird ein blauer Fleck, mehr nicht.“ meinte ich beruhigend und lehnte mich gegen den Zaun, um die Stute zu betrachten.
      „Sie muss hier weg.“ erklärte ich Ethan und er nickte. „Aber wohin?“ fragte er verzweifelt und starrte die junge Stute an, welche wütend in unsere Richtung blickte und die Ohren anlegte.
      Murrend überlegte ich und überwand mich dann doch, denn jetzt war ich an der Reihe, meinen Mitmenschen mal wieder ein wenig freundlicher gegenüber zu treten.
      „Sie kann mit zu uns.“ meinte ich und Kat hatte direkt wieder einen Freudenausbruch und fiel mir um den Hals. „Danke, danke, danke!“ jauchzte sie glücklich.
      Während ich zwanghaft überlegte, wie wir diese Stute überhaupt auf die Ranch bekommen würden, war Kat schon wieder verschwunden.
      Erst einige Minuten später tauchte sie wieder auf, vollkommen in Spinnweben und Heu gehüllt. „Schaut mal was ich gefunden habe!“ meinte sie und reichte mir einen Stapel modriger Papiere, welche ich aus Reflex beinahe fallen ließ, denn sie waren einfach nur eklig!
      Es waren die Papiere der Stute und auch wenn nicht mehr viel zu erkennen war, konnte ich zumindest Name und Geburtsjahr entziffern. „Die Kleine heißt Pina und ist erst 2012 geboren.“ meinte ich und blickte zu der Stute.
      Verzweifelt versuchte ich den Dreck von ihrer Rasse zu kratzen, leider gelang mir das nicht wirklich und außer, dass dahinter „...pony“ zu lesen war, war nichts weiter deutlich, dennoch war ich mir ziemlich sicher, dass sie ein DRP war.
      Ich hatte mich mit den Papieren beschäftigt und Kats Geschwafel kein Gehör geschenkt, doch jetzt wo ich fertig war, bekam ich sie wieder vollkommen mit und starrte sie zweifelnd an.
      „Die Stute rüberführen? Hast du sie noch alle? Guck sie dir mal an, die schlägt uns alle k.o.!“ meinte ich entsetzt und schüttelte nur den Kopf.
      „Und was machen wir dann?“ fragte sie vorsichtig.
      Drei Stunden später fuhr ein super moderner Pferdehänger auf meine Ranch. Seufzend starrte ich aus dem Fenster. Ich hatte zwar Ethan gesagt, er solle einen ordentlichen Pferdehänger ausleihen, allerdings hätte ich anscheinend auch dazusagen müssen, dass wir weder eine riesige Sattelkammer noch ein halbes Reiterstübchen dazu brauchten.
      Vorsichtig lotste ich Ethan um den Stall zum großen Tor, denn ich hatte bereits einen Plan im Kopf, wie wir die Stute in ihre Box bugsieren würden.
      Während seiner tollkühnen Lenkmanöver mit dem Hänger zerstörte Ethan nicht nur meine gut gepflegten Sonnenblumen, sondern auch das halbe Stalltor. „Dankeschön.“ fauchte ich unsanft und stieg aus, um noch größere Schäden zu verhindern.
      Den Hänger fuhren wir nah an das Tor heran und dann bereitete ich geschwind eine der großen Boxen vor, um der Stute für die kommenden Tage einen angenehmen Platz bieten zu können.
      In die Box gelang sie durch eine von mir selbst gebaute Gasse und diese war auch vollkommen von Nöten, denn mit vollem Tempo sprang sie aus dem Hänger und rannte blind darauf los. Umso dankbarer war ich, als sie dann wohlbehalten in der Box stand.
      „In ein paar Tagen darf sie auf die Weide, aber vorerst bleibt sie hier drin.“ meinte ich strikt und ließ mir auch von den Karamakovs auch nicht reinreden.
      Als ich am nächsten Morgen die Augen aufschlug, war jegliche Leere in mir verschwunden.
      Ich war endlich zu Hause angekommen.
      Stattdessen stieg eine unheimliche Motivation in mir auf und ich sprang von der Matratze auf.
      Eigentlich hatte ich einen Kaffee machen wollen, bis mir einfiel, dass meine Maschine ja ins Gras gebissen hatte. „Was solls.“ meinte ich fröhlich und schnappte mir ein paar Kekse und ein Glas Orangensaft zum Frühstück.
      Verschlafen kam mir Kat entgegen. „Auf Matratzen schlafen ist grauenvoll.“ stöhnte sie und rieb sich den Nacken. Ihr folgte auch Ethan, welcher sich hilflos umsah. „Kein Kaffee?“ seufzte er und ließ sich auf den Stuhl in der Küche fallen.
      „Euch auch einen wunderschönen Morgen.“ grinste ich und warf Kat die Packung Kekse und Ethan die Flasche O-Saft zu. „Was anderes gibt es nicht – zumindest nicht hier. Ich verschwinde jetzt in den Stall.“ meinte ich und war schon auf den Weg nach draußen, ehe Kat mich zurückrief.
      „Können wir dir behilflich sein? Ich meine wir wollen ja was für unsere Unterkunft hier leisten!“ meinte sie aufrichtig und ich schaute sie nur zweifelnd an. „Außer bei der Pflege der Pferde helfen, kann ich euch nichts anbieten und ich weiß nicht, ob ihr überhaupt Sachen dabei habt, die alt genug dafür sind.“ meinte ich grinsend und verschwand nach draußen.
      Im Stall schaute ich nach erst einmal nach Pina. Diese lag noch dösend im Stroh, schreckte aber sofort hoch, als ich ihre Boxentür öffnete. „Ist ja gut, es gibt ja nur Frühstück.“ meinte ich entschuldigend und stellte ihr den Eimer mit dem frischen Mash hin.
      Misstrauisch begutachtete Pina den Eimer, näherte sich ihm dann vorsichtig und fing kurz darauf gierig an zu fressen. „Wenn du lieb bist, darfst du bald auch raus zu meinen Mädels.“ lächelte ich und verließ die junge Stute, welche mir misstrauisch hinterherblickte.
      Als ich aus dem Stall kam, verschluckte ich mich beinahe, an dem Rest meines Frühstücks. Kat stand vor mir, in Pseudo-Cowgirlklamotten und hatte die Hände in die Hüfte gestürzt. „Es kann losgehen!“ meinte sie.
      Ich schüttelte den Kof. „Kat! Schau mich an. Alte Schuhe, Jeans, T-Shirt – mehr nicht! Und setze diesen scheuslichen Hut ab!“ lachte ich und machte mich auf den Weg, um den Jungpferden ihr morgendliches Heu zu bringen und den Unterstand zu säubern.
      „Aber die Verkäuferin meinte, so was zieht man hier im Wilden Westen an.“ meinte Kat, welche mir hinter hereilte. „Im Wilden Westen?“ wiederholte ich ihre Worte. „Im Ernst?“
      Momentan hatte ich noch einiges an Arbeit, denn die Pferde hatten sich an ihr neues Heim noch nicht gewöhnt und verbrachten die Tage meist in der Nähe der Unterstände. Dementsprechend sah es dort auch aus.
      „Euch gehören 24ha, nutzt sie doch!“ meinte ich lachend und scheuchte die Jungpferde auseinander, damit sie uns zumindest jetzt nicht auf der Pelle hingen.
      „Kat, am besten stellst du deine Schubkarre neben meine und dann einfach den Mist reinschaufeln, okay?“ fragte ich und konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen, als ich ihren angewiderten Blick sah.
      Gemeinsam waren wir jedoch schnell fertig und konnten die Schubkarren zum Mist fahren und leeren.
      „Oh, wer bist du denn?“ schwärmte Kat mit hoher Stimme und hätte Tiny Girl wohl am liebsten auf den Arm genommen. „Wie ein kleiner Hund!“ lachte sie und wuschelte der neugierigen Stute durch den Schopf.
      Während ich die Stroh- und Heubündel auf die Schubkarren lud, blickte Kat angewidert an sich herunter. „Ethan! Schau mich mal an – das ist ekel... toll!“ versuchte sie sich selbst zu ermutigen.
      Der versteckte seine Schadenfreude nicht sonderlich und grinste seine Schwester hämisch an. „Willst du auch mal? Immerhin hast du auch hier geschlafen!“ lachte Kat ihn an und Ethan Grinsen verschwand urplötzlich. „Ich muss jetzt erst einmal in die Stadt.“ meinte er nur kurz angebunden, stieg in seinen schwarzen Jeep und verschwand.
      „Männer.“ meinte ich lachend.
      „So siehst du viel besser aus!“ meinte ich lächelnd, denn ich hatte Kat neu eingekleidet in sinnvolle Sachen. „Dann kannst du mir auch wirklich behilflich sein.“ meinte ich grinsend und deutete auf ihre Schubkarre.
      Wir fuhren das frische Stroh zu den beiden Unterständen der Jungpferde und verteilten es darin. Danach wurden die Heunetze neu aufgefüllt, ehe ich Kat eine Bürste in die Hand drückte. „Jetzt werden die Tränken geschrubbt.“ meinte ich lächelnd und deutete auf den alten Trog.
      Momentan war dieser wirklich von Nöten, denn die Jungpferde sahen nicht ein, den Fluss als Trinkquelle zu nutzen, dafür fanden sie ihn noch viel zu gruselig, also musste der Wassertrog her.
      Nach fast einer weiteren halben Stunde waren wir bei den Jungpferden fertig und Kat rutschte fertig den Zaun hinab, um sich auf den Boden zu setzen. „Gott ist das anstrengend!“ meinte sie stöhnend und schüttelte sich das Stroh aus dem Haar.
      „Aber sie danken es dir.“ meinte ich lachend, als Joyce und Shawnée neugierig Kats Gesicht beschnupperten und sie sanft an der Schulter kraulten. Kat schreckte erst verzweifelt zurück, nahm es dann aber lachend hin.
      „Diese Tiere sind wirklich etwas besonderes! Ich mag ja am meisten den Goldenen dort.“ meinte Kat und deutete in Altyns Richtung. Dieser hob neugierig den Kopf, ehe er sich von uns abwand, um Prazzy und Painted Blur hinterherzujagen. Die drei Hengste liebten das riesige Gelände und erkundeten es jeden Tag aufs Neue.
      Die Stuten waren da viel vorsichtiger, besonders Rosewell und Nüsschen blieben lieber immer nahe beim Unterstand und Bluebird leistete ihnen Gesellschaft. „Eine bunte Gruppe...“ murmelte ich und ließ den Blick über die große Herde schweifen. Ganz hinten am Fluss entdeckte ich Quintesse und Limited. Die beiden Stuten waren nicht annähernd so schüchtern, sondern eher neugierig und mutig.
      Es dauerte ein Weilchen bis ich Feuervogel entdeckte und noch länger suchte ich nach Trüffel. Der kleine Welsh B Hengst verschwand regelrecht in dem hohen Gras.
      „Und wer ist das?“ fragte Kat und deutete auf eine schlanke Gestalt, welche relativ weit abseits stand und graste. „Das ist Destiny und sie ist manchmal lieber für sich alleine.“ erklärte ich und klatschte in die Hände.
      „So, genug gefaulenzt! Die anderen Pferde wollen auch noch versorgt werden!“ grinste ich, während Kat erschrocken aufstöhnte.
      Bevor wir jedoch zu den Hengsten gingen, wollte ich noch einmal nach Pina schauen. Die kleine Stute stand gelangweilt in ihrer Box und als wir kamen, bewegte sie ihre Ohren sogar einmal kurz vor in unsere Richtung.
      „Warum muss sie drin bleiben?“ fragte Kat stirnrunzelnd und trat an die Box der Stute heran. Pina zog sich direkt zurück und beobachtete uns misstrauisch. „Ich glaube kaum, dass wir sie ohne Unfall bis zur Weide und abends auch wieder zurückbringen. Ich möchte sie erst einmal wenigstens handzahm bekommen.“ meinte ich seufzend und musterte Pina – das würde noch ein langer Weg werden und ich wusste, dass nicht ich diejenige war, die ihn beschreiten sollte.
      Kurz nachdem wir den Stall wieder verlassen hatten, kam Ethan aus der Stadt zurück. „Im Diner gab es mehr als gedacht!“ meinte er grinsend und hielt seine vollen Hände hoch.
      Links hatte er drei Pappbecher in einer Pappe und rechts eine große Tüte. Kat und ich setzten uns auf die Treppe der Veranda und dankten Ethan für den Kaffee.
      „Oh ja, den brauche ich jetzt!“ seufzte Kat glücklich und verbrannte sich bei ihrer Gier direkt die Zunge. „Aua!“ fauchte sie und versuchte es nun mit pusten.
      „Ich habe uns auch was für das Abendessen mitgebracht.“ meinte Ethan und packte drei Aluteller aus. Auf jedem befand sich eine Portion Nudeln mit Bolognese.
      Während ich schon zu essen begann, schaute Kat misstrauisch auf das Essen. „Ich glaube ich dusche mich erst einmal, vorher bekomme ich keinen Bissen herunter!“ meinte sie stöhnend und verschwand im Haus.
      Ich aß noch auf und machte mich dann auf den Weg zu den Hengsten. „Brauchst du noch Hilfe?“ fragte Ethan vorsichtig nach, doch ich konnte ihn beruhigen und schüttelte nur den Kopf. Die Gesellschaft von Kat heute Morgen reichte erst einmal für die nächsten drei Tage.
      Mit der Schubkarre machte ich mich auf den Weg zum ersten Unterstand – verfolgt von Allelujah und Absinth. Den beiden Junghengsten schien gerade langweilig zu sein und ich ahnte auch schon, dass sie mir bald tierisch auf den Geist gehen würden.
      „Autsch!“ fluchte ich kurze Zeit später und hielt mir den Arm. Allelujah drehte buckelnd um und verschwand zu der kleinen Gruppe am Zaun, um diese aufzumischen. Schneeleopard und Call me a Twist nahmen ihn aber direkt in die Mangel, um ihm zu zeigen, wer der Chef war.
      „Kleiner Mistkerl...“ murmelte ich seufzend, denn Allelujah hatte den Moment meiner Unaufmerksamkeit genutzt, um mich mal wieder zu ärgern.
      Als dann aber Pajero dazu kam, huschte Allelujah davon. Mein geliebter Schecke blieb vorsichtig vor mir stehen und begrüßte mich, indem er mir ins Gesicht blies. „Auf dich ist immer Verlass.“ meinte ich lächelnd.
      Auch bei den Hengsten wurden die Unterstände frisch eingestreut und die Heunetze neu aufgefüllt. Als alles geschafft war, wollte ich den späten Nachmittag noch ein wenig mit den Pferden genießen und gesellte mich so zu Aristo und Thorondor, welche friedlich grasten.
      Dann packte mich plötzlich wieder der Tatendrang. Ich pfiff den jungen Zarin zu mir und dieser folgte mir brav bis zum Gatter, wo ich ihn aufhalftern konnte. „Komm! Wir erkunden die neue Gegend.“ meinte ich lächelnd und führte ihn in den Stall. Dort putzte und sattelte ich ihn, ehe es auch schon los ging.
      „Auf auf in neue Abenteuer!“
      Wir waren drei Stunden unterwegs und ich genoss die herrliche Ruhe in der Wildnis, für mich gab es keinen schöneren Ort. Auch Zarin war vollkommen entspannt und schritt ruhig daher.
      Natürlich durfte er sich auch einmal austoben, aber in dem neuen Gelände war er eher vorsichtig, nachdem er vor Schreck wegen eines Koyoten beinahe gestolpert und hingefallen wäre.
      Als wir wieder ankamen, holte mich der Anblick des Jeeps zurück in das Hier und Jetzt. Seufzend schwang ich mich aus Zarins Sattel, es war komisch, zu wissen, dass die Karamakovs nun eine Weile mit hier lebten, das Einsiedler-Dasein hatte mir eigentlich sehr gut gefallen.
      „Menschen bringen doch nur Unglück.“ murmelte ich zu Zarin, nachdem ich ihn zurück auf die Weide ließ. Noch einmal lief ich zum Unterstand um alles zu kontrollieren und da fand ich auch die beiden Hengste, welche ich heute noch gar nicht gesehen hatte: Doc und Pawaneeh. Kurz kraulte ich beide, ehe ich gähnend die Weide verließ.
      Für heute reichte es mir und ich warf mich schon früh auf meine Matratze. Davor versuchte ich möglichst Ethan und Kat zu umgehen, um nicht noch in ein tiefgründiges Gespräch gezogen zu werden.
      Aber anscheinend war der Tag für die beiden auch anstrengend gewesen, so dass es heute nicht mehr sonderlich viel zu sagen gab.
      Ich lag dennoch noch lange wach im Bett und dachte über die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft nach. Es war so viel passiert, obwohl ich noch gar nicht lange in Wyoming war, dabei hatte ich doch meine Ruhe gewollt?
      Und nun war irgendwie doch alles anders gekommen als gedacht. Ich schwankte zwischen den beiden Möglichkeiten entweder die Karamakovs schon bald wieder wegzuschicken, damit ich erneut meine Ruhe haben könnte oder es als Schicksal anzunehmen, dass sie hier waren und es sich vielleicht auch gut auf die Ranch auswirken würde.
      14 Sep. 2014

      Eddi
      14.02.2015 - Der normale Wahnsinn
      Silver Creek Ranch

      „Halt die Klappe und trag lieber die Kisten ins Haus“, meinte ich ungerührt und stellte auf die Kiste, welche Ethan bereits in den Händen trug, noch eine. Kat lief derweil mit einem Block in der Hand und einem Bleistift hinter dem Ohr (sie tat gerne so, als wäre sie eine Architektin…) durchs Haus und begann zu planen. Bis Dezember hatten wir tatsächlich noch die Nächte auf Matratzen verbracht, aber irgendwann hatte es den Geschwistern gereicht und ehrlich gesagt tat auch mir inzwischen der Rücken morgens weh. Außerdem fehlte uns eindeutig eine Küche, so dass wir dann begonnen hatten, mitten im Winter, das Haus einzurichten. Inzwischen stand eine ordentliche Küche dort wo sie hingehörte, wir alle hatten unser eigenes Schlafzimmer und die Bäder wurden auch allmählich ansehnlich. Dass die Karamakov-Geschwister jetzt mit auf der Ranch lebten, hatte übrigens nicht ich entschieden, sondern Kat. Sie hatte alle Rinder und die verfallene Ranch ihres Onkels verkauft und sich bei mir häuslich eingerichtet. Ich hatte so gesehen nichts dagegen, denn so richtete sich mein Haus wie von selbst ein und bei den Pferden halfen die beiden sogar auch mit. Nur verstand ich nicht ganz, warum sie ihr Leben in New York aufgaben, um mit auf die kleinste Ranch in ganz Wyoming zu ziehen und dort Pferde zu trainieren – aber gut, darüber würde ich mir heute Nacht in meinem kuscheligen großen und vor allem neuen Bett Gedanken machen. Mein letztes hatte mir nicht gefallen, könnte daran gelegen haben, dass Kat es ausgesucht hatte. Ich war nicht so der Himmelbett-Typ, sondern wollte schlicht und einfach ein großes gemütliches Bett aus Holz und gut. Das bekam ich heute auch und außerdem hatte Kat ihren halben Hausrat nach Wyoming bringen lassen und den durften wir heute allesamt ins Haus schleppen – yay!
      Kurz nach Mittag hatte ich echt keine Lust mehr Kisten zu schleppen und außerdem musste ich mich um meine geliebten Vierbeiner kümmern, da konnte Kat noch so meckern und betteln wie sie wollte. „Du hast ja Ethan“, meinte ich lächelnd, schob ihn ins Haus und verschwand. Erleichtert wanderte ich durch den leichten Schnee hinüber zur Stutenweide, ich brauchte wirklich erst einmal eine Pause! Wie erwartet waren die Heuraufen schon wieder alle zur Hälfte leer, so dass ich mir direkt die Karre schnappte und auf diese vier Heubündel packte, um diese auf die große Weide zu fahren. Die Stuten waren mal wieder in alle Winde verstreut, auch wenn sie sich den Winter über bevorzugt vorne bei den Unterständen und Heuraufen aufhielten. Dort traf ich heute auch wieder den größten Teil meiner bunten Herde an. Entspannt standen die drei Chefinnen Apache’s Tomahawk, Khiara El Assuad und Walking in the Air an einer der Heuraufen und fraßen zufrieden. Ich hatte es schon immer faszinierend gefunden, wie Pferde ihre Anführer aussuchten. Bei unserer Herde war es wirklich so, dass die Stuten sich nach den klügsten, ruhigsten und erfahrensten Pferden richteten. Keine der drei Stuten war wirklich dominant, nur Khiara war ab und an zickig, aber alle drei waren in jeder Situation ruhig und überlegt und das machte sie anscheinend zu den sympathischsten Anführerinnen überhaupt. Geduldig traten sie von der Raufe zurück als ich kam und das Heu nachfüllte. Erst als ich fertig war, traten sie wieder näher heran. Lächelnd kraulte ich jede von ihnen kurz und fuhr dann zur nächsten Heuraufe.
      Dort fand ich niemanden, aber das hatte auch schlichtweg den Grund, dass die Raufe leer war. Nachdem ich fertig mit füllen war, kamen direkt Caribic Sue und Freeway angeprescht, um sich das frische Heu nicht entgehen zu lassen. Im ruhigeren Schritt gesellte sich auch Chou noch dazu und als die kleine Little Chocolate Chip kam und zuerst von Sue verdrängt wurde, schob Freeway sich schützend vor ihre kleine Freundin und ließ das Falabella mitfressen. Lächelnd betrachtete ich sie drei noch ein Weilchen, ehe ich noch die restlichen beiden Heuraufen neu auffüllte. Dann war die Schubkarre leer und ich konnte sie direkt zum Ausmisten der Unterstände benutzen. Im Winter wurden diese natürlich wesentlich öfter benutzt und als ich den ersten betrat, wurde ich auch brummelnd von Come Whatever May begrüßt. Zufrieden ließ diese sich erst einmal ein Weilchen kraulen, ehe ich ausmisten durfte. Es waren insgesamt drei große Unterstände und es dauerte seine Zeit, bis diese gemistet und frisch eingestreut waren. Auf dem Weg zum letzten traf ich dann auch noch die letzten beiden im Bunde: Ice Coffee und Naimibia. Die beiden standen unter der kahlen Baumgruppe und putzten sich gegenseitig. Irgendwie mochten sich die beiden Scheckstuten, denn sie hatte von Anfang an zueinander gefunden. Zufrieden streute ich den letzten Unterstand ein und kehrte dann zurück zum Haus, um mich erst einmal aufzuwärmen. Zum Glück hatte ich die Jungpferde erst gestern versorgt, so dass dort heute nur nochmal Heu hinmusste, dafür waren die Unterstände der Hengste noch an der Reihe, aber ich war mir sicher, dass Ethan mir inzwischen freiwillig helfen würde, nur um sich vor einer Schwester zu retten.
      14 Feb. 2015

      Eddi
      Pflegebericht - April 2015

      Während Kat hochmotiviert die Küche betrat und sich direkt daran Kaffee zu brühen, latschte ich unmotiviert hinter ihr her. Momentan schlief ich miserabel, weil ich die vorletzte Nacht bei offenem Fenster verbracht hatte und mir so eine Nackenstarre einhandelte. Die hielt jetzt schon über 48 Stunden an und ich konnte meinen Kopf nur noch bedingt nach links oder rechts drehen. Dementsprechend eingeschränkt war ich auch in meinen Handlungen, zumindest was die in der Küche betraf. Sonderlich begabt war ich dort eh nicht und jetzt mit der Nackenstarre noch weniger. Aus dem Grund übernahm Kat momentan Frühstück, Mittag, Abendbrot und dafür war ich ihr wirklich dankbar.
      „Was hast du eigentlich zu deinem Geburtstag geplant?“, fragte Kat neugierig, als sie mir die Kaffeetasse vor die Nase hielt. Aufgeschreckt starrte ich sie an. „Wie bitte? Wer hat dir denn davon erzählt?“, fragte ich entsetzt, denn eigentlich hatte ich meinen Geburtstag möglichst verheimlichen wollen. „Tja, ich weiß eben alles“, grinste sie und drehte sich weg. Na toll, innerlich betete ich jetzt wohl die restlichen 3 Tage zu Gott, dass ich bitte keine Überraschungsparty erleben würde. Überraschend wäre sie ja sowieso nicht mehr, von daher lohnte sich der Aufwand auch gar nicht! Davon abgesehen kannte ich hier eh kaum jemanden, denn dafür hatte ich die letzten Monate gut gesorgt.
      Für mich war das Thema somit gegessen. Ich trank noch meinen letzten Schluck Kaffee aus und machte mich dann direkt auf den Weg zu den Ställen. Immerhin warteten die Pferde schon sehnsüchtig auf ihr Frühstück und sowieso hatte ich heute allerhand vor. Ethan würde wahrscheinlich später dazu stoßen und mir beim Misten helfen, bis dahin konnte ich ruhig schon ein oder zwei Pferde bewegt haben. Ich fing bei den Stuten an und wurde auch direkt mit einem auffordernden Wiehern von Caribic Sue begrüßt. Seitdem die Criollostute gekrönt war, hatte ich das Gefühl, dass sie wesentlich selbstbewusster geworden war. Zum Glück war das bei ihr aber mehr positiv als alles andere.
      Nach der Fütterung sammelte ich mir Khiara El Assuad ein. Meine hübsche Vollblutstute hatte momentan eine etwas längere Trainingspause hinter sich, denn sie hatte ihr Renntalent immerhin weitergeben sollen und war mal wieder Mama geworden. Inzwischen besaß Khiara gute fünf Nachkommen und jeder war für sich ein kleiner roher Diamant. Ich war schon sehr gespannt ob ich die Assuad-Nachkommen auch in den Listen der erstplatzierten Vollblüter sehen würde. Während ich darüber philosophierte putzte ich Khiara und sattelte sie dann.
      Wir machten einen locker flockigen Ausritt über die großen Weiten und genossen den aufkommenden Frühling. Endlich wurde alles wieder grün und frisch. Für dieses Jahr hatte ich noch gar keine festen Zuchtplanungen, irgendwie hatte sich das alles über den Winter ein wenig im Sand verlaufen. Khiara sollte nun auf alle Fälle wieder allmählich antrainiert werden und wir wollten die Dressur und die Distanz mit hinzunehmen, mehr oder weniger als zweite Variante neben dem Rennsport. Immerhin war Khiara inzwischen acht Jahre und man sollte es nicht übertreiben.
      Als wir wieder da waren versorgte ich meine Vollblutstute fix und schnappte mir dann die kleine Little Chocolate Chip. Sie war immer so ein bisschen wie das Maskottchen der Stutenherde und wurde dementsprechend auch betüddelt. Auch ich befreite sie heute nur ordentlich von ihrem Winterfell und ließ sie etwas neben dem Stall grasen, ehe sie zurück durfte. Apropos, ich musste den Pferden auch bald wieder die großen Weiden freigeben, das Gras war herrlich gewachsen.
      Angegrast waren sie inzwischen alle einigermaßen, dementsprechend stand dem nichts im Wege. Doch vorher wollte ich noch Freeway reiten. Während ich die Tinkerstute von der Weide holte, begleiteten uns links und rechts Chou und Apaches Tomahawk. Die drei waren anscheinend immer noch beste Freunde und das merkte man deutlich. Am Gatter ließen wir die beiden Westernstuten dann aber trotzdem zurück. Mit Freeway erarbeitete ich langsam die höheren Lektionen, die Betonung lag auf langsam, aber die Stute machte wirklich gut mit.
      Als ich sie dann zurück brachte, traf ich auch Ethan, der schon mit Schubkarre und Mistgabel bewaffnet war. Ich schloss mich ihm an und bis kurz nach Mittag waren wir dann auch mit allen Weiden fertig. „Kommst du mit eine Runde ausreiten?“, fragte ich ihn knapp, denn wenn er ja sagte, hatte ich direkt zwei Pferde gleichzeitig abgehandelt. Zum Glück bejahte er und ich konnte sogar Kat überreden.
      Kat setzte ich auf Walking in the Air, auf der ruhigen Warmblutstute würde ihr nichts passieren. Ethan holte sich Ice Coffee von der Weide, irgendwie war er ganz vernarrt in die Scheckstute. Und ich wählte mir letzten Endes aus Ermangelung besserer Ideen Fariyah Amazir aus. Die Rappstute trainierte ich immer noch fleißig, aber eigentlich hatte auch sie sich mal eine Pause verdient und die bekam sie durch unseren ruhigen, entspannten Ausritt.
      Als wir wieder da waren ging Kat (wie immer) direkt duschen, um danach dann in die Stadt zu fahren und Lebensmittel einzukaufen. Ethan schien heute relativ viel Zeit zu haben. Aus dem Grund bat ich ihn, dass er sich doch Acacia satteln und die Zäune abreiten könnte. Das war eine relativ angenehme Aufgabe dementsprechend sagte er nicht nein. Ich wiederum holte mir Naimibia von der Weide, putzte und sattelte meine hübsche Reitponystute. Danach gingen wir auf den Platz und sprangen ein wenig. Naimibia machte brav mit und hatte sichtlich Spaß daran. Als wir fertig waren, fiel mir plötzlich ein, was ich total vergessen hatte: die Reitstunde!
      Geld brauchte man leider in jeder Lebenslage und so musste auch die Ranch von irgendetwas leben. Spontan war ich darauf gekommen, mal wieder Reitunterricht anzubieten. Die Lizenz besaß ich und die passenden Pferde auch, nur leider war ich gerne mal faul und für mich galt: Jedes Pferd bekam pro Reitstunde zwei Korrekturstunden. Immerhin sollten meine teuren Lieblinge nicht verritten werden, das konnte ich mir nun weiß Gott nicht leisten.
      Zu meinem Glück hatten zwei Reiter absagen müssen, sie waren davon nicht annähernd so begeistert wie ich, aber ich wiederum freute mich auf die entspannte Stunde mit nur zwei Leuten. Es war zwei Mädchen im Alter von 15-18 Jahren und beide eher ruhig, aber sehr gelehrig. Dementsprechend teilte ich ihnen Deep Silent Complete und Come Whatever May zu. Wir gingen eine gute Stunde auf den Platz. Sie sollten erst die Stuten warmreiten, dann machten wir leichte Übungen und danach erarbeiteten wir zu dritt die korrekte Biegung. Das war sowohl für die Stuten gut, als auch für die Reiterinnen.
      Als Belohnung schickte ich sie danach noch eine Runde um die Ranch herum, weil Ethan gerade wiederkam und den nächsten Zaun kontrollieren wollte, da konnte er die beiden Mädels eine Runde ruhig mal mitnehmen und die genossen das sichtlich. Danach wurden die Pferde versorgt und die beiden wieder abgeholt, aber nicht, ohne Ethan nochmals schwärmende Blicke zuzuwerfen. „Dein Fanclub wird immer größer“, sagte ich lachend zu ihm und nahm ihn Acacia ab, um sie direkt zum Waschplatz zu bringen und ordentlich abzuspritzen.
      27 Apr. 2015

      Eddi
      Pflegebericht - Juli 2015

      Wer hätte gedacht, dass die Idee der Ausritte so gut fruchten würde? Momentan waren wir natürlich noch in der Aufbauphase und die Menschen sprachen eher uns an als andersrum, aber meiner Meinung nach schien das doch eine ganz gute Idee zu sein. Kat würde sich sicherlich gerne um alle notwendigen Dinge kümmern.
      Auch dieser Morgen begann mit einem Ritt. Da Ethan allerdings in der Stadt unterwegs war (und um dort hin beziehungsweise zurück zu kommen, brauchte es ein Weilchen), musste Kat den Ritt mit mir zusammen begleiten. Dementsprechend setzte ich sie auf meine ruhigste Stute: Apaches Tomahawk.
      Ich selber machte mir Freeway fertig. Die Tinkerstute war ich schon eine ganze Weile nicht mehr selbst geritten, also wurde es mal wieder Zeit. Heute hatten wir auch nur vier Mitreiter. Es war eine Familie mit zwei älteren Kindern. Die Mutter setzte ich auf Caribic Sue, der Vater bekam Ice Coffee und für die Kids hatte ich Deep Silent Complete und Come Whatever May ausgesucht.
      Der Ausritt verlief ohne Probleme und eigentlich sogar richtig schön, wir machten ein kleineres Picknick und genossen die frühen Morgenstunden. Für besonderen Spaß sorgte Little Chocolate Chip. Mein kleines Falabella hatte ich mitgenommen und die Fuchsstute lief auch brav und frei neben uns her und schien den Ausritt auch zu genießen.
      Nachdem alle wieder heile zu Hause waren, ging es ans Versorgen und dann ans Füttern und Abmisten. Wie immer brauchten wir dafür eine ganze Weile und waren auch dankbar, als Ethan endlich mal wieder eintraf. Dann waren wir auch etwas schneller fertig.
      So konnte ich Khiara El Assuad mal wieder ordentlich longieren. Ihr letztes Fohlen war noch gar nicht so lange her und ehrlich? Das sah man ihr an. Die Vollblutstute war immer noch etwas kugelig, aber langsam wurde es besser.
      Da Kat sich mit einbringen wollte, übertrug ich ihr Chou und Fariyah Amazir. Die beiden Stuten sollten nur geputzt werden und das würde auch schon reichen. Auf der Weide stattete ich kurz Naimibia einen Besuch ab. Sie hatte heute frei, genauso wie Acacia, aber dennoch wollte ich bei den beiden nach dem Rechten sehen, ehe ich Walking In The Air zu mir holte und mit der Warmblutstute einen kleinen Ausritt machte.
      Der hatte vor allem den Zweck, die Zäune zu kontrollieren und dafür gingen gut und gerne zwei Stunden drauf, denn unser Land war nicht sonderlich klein. Danach waren sowohl Wita als auch ich verschwitzt und gönnten uns erst einmal eine Abkühlung im Fluss, ehe es nach Hause ging.
      Ein kurzer Blick auf die Liste verriet mir, dass zum Glück nur noch vier Stuten anstanden. Sika und Milka Luflee putzte ich beide gründlich. Sika longierte ich und Milka Luflee ritt ich heute sogar noch, ein wenig Abwechslung tat der Isländerstute gut.
      Die letzten waren Werina und Mondscheinsonate. Spontan setzte ich meine Idee mit der kleinen Kutsche um, zu zweit sollten die beiden das eigentlich locker schaffen, also putzen und anschirren. Klappte auch alles wunderbar und tatsächlich konnten wir eine kleine Runde über den Hof drehen! Für mehr war es aber auch zu warm und allmählich neigte sich der Tag auch dem Ende und außerdem hatte Kat heute gekocht, also würde es endlich mal wieder etwas Ordentliches geben!
      8 Juli 2015

      Eddi
      Pflegebericht - Juli 2015

      Es war mal wieder schön, ausschlafen zu können und nicht wegen der Hitze schon so früh am Morgen draußen rumturnen zu müssen. Momentan zogen die Sommergewitter nur so über Wyoming und dementsprechend runtergekühlt war es nun auch, man konnte eigentlich schon wieder lange Sachen anziehen, beziehungsweise sollte es sogar, denn wenn man so stur blieb wie ich, sah man auch so aus wie ich diesen Morgen: blass und total verschnupft.
      Seufzend entschwand ich ins Bad um mich dort zumindest einigermaßen ansehnlich zu machen. Draußen war der Himmel grau, aber es regnete wenigstens nicht, also würde ich zumindest nicht noch einmal vollkommen nass werden. Unten in der Küche war auch bereits Kat unterwegs und bot mir direkt ein Glas Wasser und ein Aspirin an. „Danke“, murmelte ich knapp, schluckte die Tablette und frühstückte dann. Zumindest das, was ich herunterbekam.
      Trotz Erkältung musste die Pferde bewegt werden und besonders die Zuchtanwärter. Eine unerwartete Pause im Training von meinen Vierbeinern konnte ich mir schlichtweg nicht leisten. Also schlüpfte ich nach der Fütterung in meine Reitsachen und es ging direkt los. Wie dankbar ich war, den Stall nicht als reinen Stall gelassen zu haben, sondern aus ihm zumindest eine kleinere Halle zu machen. Bei dem regnerischen Wetter würde ich heute öfter dorthin ausweichen müssen.
      Erst einmal wollte ich die Körungskandidaten abarbeiten, denn diese hatten momentan schlichtweg Vorrang. Deshalb holte ich mir Classic Gold aus der Box, band sie direkt davor an und nahm ihr die Stalldecke ab. Classic Gold war das typische Vollblut, nicht nur einen typischen Namen hatte sie, nein, sie sah auch ziemlich genau so aus, wie sich jeder ein Vollblut vorstellte. Nur, dass sie nicht mehr sonderlich oft auf der Rennbahn zugegen war. Eine sehr gute Karriere hatte sie da dennoch hingelegt, aber wir widmeten uns inzwischen bevorzugt der Distanz und als erfrischende Abwechslung dazu auch dem Geländereiten.
      Für ein Vollblut war Classic Gold sehr ruhig und entspannt und auch heute ließ sie sich wunderbar von mir longieren. Wir waren inzwischen auf M-Niveau was die Distanz betraf, dementsprechende Ausdauer besaß die Stute auch. Ebenso strotzte sie nur so vor Muskeln und war eigentlich so gut wie bereit für die Krönung. Wir hatten sogar schon eine rausgesucht und gemeldet, nur hinfahren mussten wir noch.
      Nach der lockeren Trainingseinheit deckte ich Classic ein und führte sie noch zum Abtrocknen eine Runde über den Hof. Classic war bei dem Wetter genauso empfindlich wie ich und deshalb ging ich lieber auf Nummer sicher. Außerdem bekam sie wieder ihre Stalldecke drauf und dann ging es zurück in die Box. Eigentlich Ironie, wenn man sein Pferd Ende Juli eindecken musste, aber was solls. Ich war ja das beste Beispiel dafür, was passierte, wenn man es ignorierte.
      Nach Classic Gold war die zweite Krönungskandidatin an der Reihe. CH’s Sun is Shining hatte sich inzwischen gut bei uns eingelebt und war auch momentan im Training. Dass sah man der jungen Araberstute an und wie immer war sie ein wenig aufgeregt, als ich sie von der Weide in den Stall holte und sie fertig machte. Da sie demnächst noch zum Trainer kommen würde, wollte ich sie nur locker vorwärts-abwärts reiten und es dann für heute dabei belassen.
      Sunny lief sehr fleißig vorwärts und es war immer ein pures Vergnügen die Stute zu reiten, ehrlich. So war auch dieser Ritt wieder sehr angenehm und ich konnte das Training zufrieden beenden. Nachdem Sunny versorgt war, holte ich Hollybrook’s Zarin. Ich liebte den Hengst ja abgöttisch, aber zwischenzeitlich waren wir echt einfach nicht vorwärts gekommen. Es hatte kein vor und kein zurück gegeben, schrecklich.
      Seit kurzem trainierte ich nun wieder mit ihm und ritt ihn auch regelmäßig auf Turnieren. Der Witz war, der Hengst liebte das Fahren. Davon war ich nun gar kein Fan, aber Zarin zu liebe hatte ich mein Wissen erneut aufgefrischt und motiviert zeigte sich der Hengst nun auch vor der Kutsche. Ich hoffte ja inständig, dass ich mit diesem Argument Elisa überzeugen könnte, den Hengst auch zu trainieren, sie mochte das Fahren doch genauso sehr wie er.
      Heute longierten wir aber nur, denn sowohl fürs Reiten als auch fürs Fahren waren starke Rückenmuskeln wichtig und da fehlte es Zarin gerne mal noch. Also mussten wir das aufarbeiten. Zarin machte fleißig mit und während er so seine Runden um mich drehte, musste ich daran denken, wie er als kleines Fohlen noch mit der Mama über die Weide getrippelt war. Zu süß!
      Nach Zarin schwang ich mich in den Sattel von Leitz. Zuvor hatte ich draußen auf dem Platz eine gute halbe Stunde damit verbracht, einen Springparcours aufzubauen. Keine spaßige Sache. Leitz war wie immer motiviert, beinahe zu motiviert und ich hatte ab und an zu tun, den großen Holsteiner wirklich unter Kontrolle zu haben. Aber ihm machte es Spaß und so arbeiten wir eben auch an unseren Problemchen. Damit ich den Parcours nicht nur für ein Pferd aufgebaut hatte, schwang ich mich fast direkt von einem Palomino auf den nächsten. Kat hatte angeboten, Leitz zu versorgen und so hatte ich mir direkt Allelujah geschnappt.
      Der aufmüpfige Kerl konnte ruhig mal wieder arbeiten. Da hatte ich mir von Elisa auch einen Chaoten andrehen lassen. Allelujah hatte sich inzwischen echt gebessert, aber manches Mal war er einfach noch anstrengend und genauso schrecklich wie am Anfang seiner Tage. Da seine größte Leidenschaft das Springen war, arbeitete er heute auch wunderbar mit und ich konnte mich wirklich nicht beklagen. Motiviert nahm er die Hindernisse, blieb dabei aber dennoch bei mir und reagierte sensibel auf meine Hilfen. Als Belohnungen gingen wir dann noch eine kleine Runde im Schritt ins Gelände, ehe er zurück auf die Weide durfte.
      Eigentlich war ich mit meiner Erkältung jetzt schon an meinen Grenzen, aber ich hatte nicht einmal die Hälfte der Pferde geschafft. Nachdem mich Laurel, die Reitbeteiligung von Lila Wolken, beinahe ewig angebettelt hatte, hatte sie es nun tatsächlich geschafft, dass wir mit den beiden Isländern zu einem Kurs fürs Gangreiten fahren würden. Laurel auf Lila Wolken und ich auf Hákur. Ganz so überzeugt war ich von der Idee ja noch nicht wirklich, aber als Besitzerin von inzwischen vier Isländern blieb mir nicht sonderlich viel übrig.
      Deshalb hatten Laurel und ich uns für heute auch zum Training verabredet. Motiviert sattelte das junge Mädchen die Scheckstute, während ich mir meinen hübschen Falben fertig machte. Gemeinsam wärmten wir die beiden dann auf und schon ging es los. Lila Wolken und Laurel waren ein klasse Team und was die da teilweise auf der Bahn zeigten, war beeindruckend! Da konnten Hákur und ich noch nicht wirklich mithalten, aber gut, irgendwie würden wir das auch noch hinbekommen, da war ich mir sicher. Zum Glück war Hákur heute auch nicht allzu motiviert, so dass ich heimlich einiges auf ihn schob.
      Nachdem die Isländer geschafft waren, fragte Laurel, ob sie mir noch helfen könnte. Ich grinste sie fröhlich an. „Wenn du genügend Lust und Zeit hast, hier gibt es noch genug zu tun“, meinte ich lachend und sie nickte begeistert. Sicherlich würde ich eine RB nicht auf alle meine Pferde lassen, aber Laurel war talentiert und vor allem verantwortungsbewusst. Bei ihr waren Pferde wirklich gut aufgehoben, aber den Ruf hatte sie sich natürlich auch erst einmal erarbeiten müssen. Nun sammelte sie dafür aber auch das Lob und den Lohn.
      „Du kannst gerne Morning Sun reiten und danach noch Animby longieren“, meinte ich und schon war Laurel verschwunden, auch nicht schlecht, wenn man eine Aushilfe hatte, zwei Pferde weniger. Ich machte mir stattdessen Ice Coffee fertig. Seit neustem plante ich, auch die Paint Stute langsam in Richtung Körung zu bekommen, sie wäre das ideale Gegenstück zu Twist und das wollte ich mir auf keinen Fall entgehen lassen. Außerdem baute Jani sich im Moment wieder eine aktive Westernzucht auf und als Leihpferde gab ich meine Vierbeiner dort nur zu gerne hin.
      Nach der Westernstute ritt ich auch noch Dr. Insektor. Mit ihm war es das gleiche Spiel wie mit Zarin, momentan kamen wir einfach nicht voran. Aber ich hoffte einfach, dass der Hengst nur Zeit brauchte und dann würde das klappen. Stattdessen machte ich dann noch ein wenig Bodenarbeit mit Schneeleopard und ging eine Runde mit Absinth spazieren. Beide Hengste waren motiviert mit dabei und dementsprechend klappte auch alles gut. Als nächstes beschäftigte ich mich mit Feuervogel. Wir ritten heute nur ein wenig ohne Sattel in der Halle, denn so wirklich Lust hatte ich nicht mehr und Feuervogel hatte sich sowieso ein Päuschen verdient. Grinsend musste ich immer an Elisa denken, wenn ich ihn ritt.
      Danach lud ich Laurel noch zu einem Ausritt ein. Für den setzte ich sie auf Sika und ich machte mir Cual Maniaca fertig. Wir erfrischten eine lange Trockenphase zwischen den Regengüssen und konnten den Ausritt sogar richtig genießen. Zu guter Letzt versorgten wir die beiden Pferde und ich musste nur noch zwei Chaoten bewegen, dann hätte auch ich es endlich geschafft.
      Scheherazade longierte ich heute nur und Cover the Sun ritt ich dressurmäßig, der junge Hengst sollte auch langsam ins Training. Ich war mir aber sicher, dass er das mit Bravour schaffen würde. Zufrieden versorgte ich auch noch ihn und dann gönnte ich mir eine heiße Dusche, um mich danach in eine Decke auf dem Sofa einzumümmeln.
      28 Juli 2015

      Eddi
      Pflegebericht - August 2015

      Grübelnd saß ich gemeinsam mit Kat und Ethan am Frühstückstisch. Ich wusste gar nicht so recht wie ich beginnen sollte, aber vielleicht fing ich einfach an, das wäre wohl das einfachste. „Leute? Ich muss euch was sagen“, meinte ich und zog die Stirn ein wenig kraus. Ethan und Kat sahen mich neugierig an, sie schienen mit nichts Besonderem zu rechnen, maximal mit einem neuen Pferd, aber sonst. „Es ist nicht das was ihr denkt“, sagte ich genervt und haute es dann einfach raus: „Ich ziehe weg. Die Ranch steht schon zum Verkauf.“
      Tja, da waren meine beiden Mitbewohner erst einmal baff, aber es ging nicht anders. Ich hatte die Pause in Wyoming wirklich genossen, aber es war langsam Schluss damit. Ich sehnte mich wieder nach einem richtigen Gestüt und nach Mitarbeitern und genau das wollte ich umsetzen. Kat und Ethan schwiegen, sie schienen nicht so recht zu wissen, was sie sagen sollten. Auch sie hatten diese Pause genutzt, um aus ihrem alten Stress heraus zu kommen, aber beide waren eher Stadtmenschen und nicht für das Land geschaffen und das hatten sie auch schon oft zugegeben.
      Wir frühstückten relativ schweigend zu Ende und dann machte ich mich auch schon auf den Weg nach draußen, die Pferde mussten immerhin versorgt werden. „Ich übernehme die Hengste!“, erklärte sich Ethan bereit und stand mit auf. Schweigend warf ich vier Heubündel auf die Schubkarre und machte mich auf den Weg in Richtung Stutenweide. Die Heunetze wurden alle frisch aufgefüllt und der Rest kam in die Raufen. Dann mistete ich die Unterstände und machte mich auf den Weg zu den Fohlen.
      Im Stall traf ich wieder auf Ethan, der nun auch fertig war. Gemeinsam brachten wir die neueren Pferde auf die kleineren Weiden und misteten deren Boxen aus. Neu waren Fandango und Scheherazade, welche immer noch getrennt von den anderen standen, das war mir doch lieber. Doch schon bald sollten dann auch sie umgesiedelt werden, aber ein wenig Zeit hatten wir ja noch. Da nun die grundlegende Arbeit fertig war, konnte ich mit dem Training beginnen. Dabei standen an vorderster Spitze unsere momentanen Körungskandidaten und davon hatten wir mehr als genug.
      Dementsprechend holte ich Classic Gold und CH’s Sun is Shining von der Weide. Zweitere packte ich erst einmal auf den Paddock und erstere wurde geputzt und zum Longieren fertig gemacht. Den Probedurchlauf für die Krönung hatten Classic Gold und ich schon hinter uns, nun wurde es langsam ernst und ich hoffte, dass das bald mal von Statten gehen würde. Hier in Wyoming hatten sie es nicht so mit regelmäßigen Krönungen, die waren manchmal Monate lang offen.
      Classic Gold longierte ich heute nur locker vorwärts-abwärts. Sie sollte fit bleiben, aber gestern waren wir auf einem Turnier gewesen, deshalb machten wir heute nur muskelkater-vorbeugendes Training. Sunny musste stattdessen mehr dran glauben. Die Araberstute sattelte ich mir und ging mit ihr für ein Stündchen auf den Reitplatz, um die kommenden Aufgaben durchzureiten und unsere Fehler noch auszubessern.
      Danach waren Ice Coffee und Cual Maniaca an der Reihe. Ich schnappte mir Kat für einen kleinen Ausritt und setzte die Anfängerin auf die brave Westernstute. Manni wäre nichts für sie gewesen, sie war viel zu zickig dafür. Der Ausritt verlief aber ganz entspannt, auch wenn Kat nur grummelnde Töne von sich gab. Wieder auf der Ranch traf ich auf Laurel, welche die Reitbeteiligung von Lila Wolken und Hákur war, dementsprechend waren die beiden Isländer heute versorgt.
      „Wenn du fertig bist, können wir auch noch einen Ausritt mit Milka Luflee und Hyreygur machen!“, bot ich ihr an und Laurel schien sich nach einem anstrengenden Schultag sichtlich auf diese Abwechslung zu freuen. In der Zwischenzeit bewegte ich Allelujah und Feuervogel, meine beiden hübschen Palominos. Mit beiden Junghengsten hatte ich genug zu tun und war danach eigentlich auch echt k.o., aber der Tag war noch nicht einmal zur Hälfte rum! Auf mich wartete nun noch ein Dressurtraining mit Dr. Insektor und ein Geländeritt mit Hollybrook’s Zarin. Ethan wollte uns auf Schneeleopard begleiten und das Training beobachten, außerdem wollte ich ungern alleine im Gelände springen, wenn doch einmal etwas passierte, hatte ich keine Hilfe vor Ort.
      Ethan versorgte danach beide Hengste, damit ich in der Zeit erst Animby und dann Absinth longieren konnte. So viele Pferde alleine zu bewegen machte definitiv keinen Spaß. Umso dankbarer war ich dann, als die ersten Pferdemädchen eintrafen. Ich hatte zwei feste Gruppen je fünf Mädchen erstellt, welche zweimal die Woche kamen und Reitunterricht bekamen. Sie hatten auch jeder ein eigenes Pflegepferd und so standen einige Minuten später fünf Stuten am Putzplatz und wurden vorbildlich versorgt.
      Dabei handelte es sich um Apache’s Tomahawk, Caribic Sue, Freeway, Walking in the Air und das Kürbisvieh. Die Mädchen liebten ihre Pferde und gingen immer sehr umsichtig mit ihnen um. Dementsprechend verlief auch die heutige Stunde wieder sehr entspannt und lehrreich. Am Ende standen alle Pferde wieder zufrieden auf den Weiden und die erste Gruppe zog ab. Aber die zweite stand schon in den Startlöchern.
      Da diese aber jünger war, holte ich die Pferde selbst von der Weide. Aus dem Grund fing ich mir Naimibia, Herbsttraum, Occani, Deep Silent Complete und Come Whatever May ein und nahm sie mit zum Putzplatz. Dort wurden sie direkt umzingelt und liebevoll versorgt. Für die zweite Gruppe stand heute ein Spazierritt an und deshalb nahm ich die kleine Little Chocolate Chip als Handpferd für mich mit, während ich mir Chou fertig gemacht hatte.
      Nach dem Ausritt ging es wie immer noch einmal zu den Shetlandponys und diese wurden dann mit Streicheleinheiten und Leckerlis umsorgt. Werina und Mondscheinsonate liebten das besonders, aber auch Window holte sich gerne das ein oder andere Leckerli ab. Hoppla stand mit bei dem kleinen Shetty und bekam dementsprechend auch Streicheleinheiten.
      Danach war auch die zweite Gruppe weg und nun war es bereits später Nachmittag. Ich gönnte mir eine Pause, bei welcher ich bei Khiara El Assuad und Quintesse of Xaras vorbeischaute. Die beiden standen grasend am Koppelzaun und ließen sich gerne ein wenig kraulen. Dann ging es für mich auch schon in den Endspurt. Sika, Cover the Sun, Morning Sun und Raunchy’s Limited wollten noch bewegt werden, außerdem musste ich auch noch bei Joyce vorbeischauen. Danach war ich für heute fertig, die Pferde bekamen noch ihr Abendheu und dann ging es unter die Dusche und zum Abendbrot.
      Am nächsten Tag saßen wir erneut schweigend am Frühstückstisch, bis Kat damit rausplatzte, dass sie eh wieder zurück nach New York kehren wollte und Ethan sich auch dafür entschieden hatte. „Das ist gut. Ich habe nämlich auch schon Interessenten für die Ranch“, meinte ich lächelnd und schaute in zwei entsetzte Gesichter, damit hatten sie anscheinend nicht gerechnet. Tja, so war das Leben.
      Der Tag begann wie jeder andere mit Füttern und Abmisten und dann ging es los mit dem Training. Heute widmete ich das vor allem den Hengsten und Fohlen. Zu allererst waren Leitz und Vertigo an der Reihe. Beide ließ ich freispringen. Danach ging es direkt im fliegenden Wechsel weiter, denn Sikari musste noch longiert werden und mit Rosewell arbeitete ich weiter am Fohlen ABC, das saß nämlich noch nicht so richtig. Piccolo’s Blaze, Niyo und Caillou hatten momentan frei, deshalb hatte ich genug Zeit, mich um unsere Nachzuchten zu kümmern. Korah schmuste ich nur, aber mit Panta Rhei und Amadahy ging es schon in Richtung Bodenarbeit.
      Danach war Talya an der Reihe, die junge Stute machte sich momentan wunderbar, allerdings war sie noch längst nicht an der Reihe. Erst einmal würde Amazed Marlin an einer Krönung teilnehmen und hoffentlich so in die Fußstapfen von They call her Fiorina und Donatella treten. Ebenso war Elliot erst kürzlich gekört wurden und nun der neuste Zuchthengst im Stall. Calimero II musste stattdessen erst einmal lernen, dass man während des Putzens still stand, da hatte er viel mit Frozen Bubble und Nabiri gemein, denn alle drei Fohlen waren die Unruhe in Person.
      Deshalb brauchte ich dann erst einmal eine Fohlenpause und holte mir Pajero und Heartbreaker für einen Ausritt. Heartbreaker ging als Handpferd mit und wir genossen den Ausritt wirklich, er war mal wieder richtig schön entspannt. „Ausritt mit den Westernpferden?“, fragte ich Kat und Ethan und natürlich sagten diese nicht nein. Also machten wir uns gemeinsam mit Dissident Aggressor, Call me a Twist und Morrigan auf den Weg. Die Weidezäune kontrollierten wir nebenbei auch direkt und schlichteten einen heftigen Streit zwischen Golden Ebano und Pawaneeh. Die beiden Vollbluthengste konnten sich noch nie wirklich leiden und zankten sich selbst über den Zaun hinweg an.
      Wieder da stattete ich kurz Aristo und Thorondor einen Besuch ab. Die beiden hatten heute frei, genauso wie Bandit und die drei schienen damit sichtlich glücklich zu sein. Im Gegensatz zu Hugo Boss, der nämlich mit mir in die Springstunde musste, genauso wie Carachillo und Varulv. Denn drei der gestrigen Reitmädels waren schon etwas fortgeschrittener und sprangen für ihr Leben gerne.
      Nach dieser Stunde wurden die Hengste abgesattelt und abgewaschen. Der Tag neigte sich bereits dem Ende zu, dabei musste ich noch Albertino longieren, mit Altyn ins Gelände und mit meinem geliebten He’s called Trüffel wollte ich noch ein wenig Bodenarbeit machen. Denn der junge Hengst stand seit neusten mit bei den großen und wurde allmählich zum Reitpony ausgebildet. Also theoretisch war er schon eingeritten, aber manchmal war er noch etwas schreckhaft und die Kommandos saßen noch nicht, aber genau das wollte ich heute ein wenig erarbeiten, damit dann das Training unter dem Sattel einfacher von der Hand gehen würde. So wie ich Trüffel kannte, würde er sowieso einwandfrei mitmachen und wir würden auch heute wieder große Fortschritte erzielen. Ich erahnte bereits, dass ich das kaum schaffen würde, aber ich gab mir Mühe und siehe da! Am Ende des Tages waren alle Pferde versorgt.
      Der nächste Morgen war von Stress geprägt, denn Kat hatte ein plötzliches Vorstellungsgespräch in New York erhalten und musste deshalb schon eher los. Ich war eigentlich gerade dabei, nach potenziellen Höfen zu schauen, als Ethan ins Haus gestürmt kam und mir wild gestikulierend erklärte, dass der Zaun der Jungpferde ein Leck zu haben schien und die Hälfte davon im Nirgendwo war. Toll.
      Also schnell anziehen und los auf die Suche. Vorher machte ich aber eine Bestandsaufnahme von den Verbliebenen und sperrte das doch beachtlich große Loch im Zaun ab. Da waren noch circa 8 Fohlen. Ich konnte Sibiria entdecken, Caruso, Paddington, Outlaw Torn, Dead Memories, Hollybrook’s Tiny Girl, Destiny Horror und Hollybrook’s Fairy Bluebird. Also fehlten eindeutig noch genug.
      Als erstes entdeckte ich mitten im Wald Prazzys Goldbell. Der wollte sich natürlich gar nicht einfangen lassen und kam nur zu mir, weil Shawnée wiehernd und im Eiltempo auf mich zugetrabt kam. Ethan hatte auch Glück und erwischte Dead Memories und Never look back. „Puh. Wäre der was passiert, wäre ich dran gewesen!“, meinte ich lachend und musste an Elisa denken.
      Es fehlten noch Mellow Billow und Mon petit écrou. Die beiden Stuten waren aber gar nicht so weit gekommen wie gedacht und ich hatte auch beim Einfangen Glück. Auf dem Heimweg mit beiden lief uns noch Cruel Twist of Fate über den Weg. Und wieder an der Weide entdeckte ich Ethan mit Unitato und Abendprinz. Nun fehlten ja nur noch…ach ne!
      Da hatte ich noch einmal Glück gehabt, denn Herbstmond lief noch bei ihrer Mama mit und Acariya hatte ich auch mit zu den Welshponys gepackt. Um Sacre Fleur brauchte ich mir momentan keine Gedanken machen, die verweilte noch bei ihrer Mama bei kira, wobei sie auch langsam abgesetzt werden müsste…
      Ein letztes Mal zählte ich durch um zu kontrollieren, ob wirklich jeder da war, dann konnte ich mich zufrieden der Tagesordnung widmen.
      27 Aug. 2015

      Gwen
      Trainingsbericht - August 2015
      WHT Ausbildungsbetrieb | Western A-L

      "So viel Zeit habe ich aber nicht, ich hoffe das ist okay", meinte ich entschuldigend zu Eddi, doch diese nickte mich nur fröhlich an. "Mir reicht es schon, wenn es überhaupt jemand macht", lachte sie und schob mich dann in das frisch gemachte Gästezimmer herein. "Fühle dich wie zu Hause!"
      Und so kam ich mal wieder nach Wyoming, wenn ich so die Schimpftiraden von Elisa hörte, würde Eddi nicht mehr sonderlich lange hier bleiben, sondern schon bald aus Wyoming verschwinden, ich erahnte bereits, dass dann der Weg für mich länger werden würde. Seufzend warf ich mich auf das Bett. Ich mochte die langen Fahrten nicht, selbst wenn es nur von Kanada aus gewesen war. Deshalb gönnte ich mir vor dem Mittagessen erst einmal ein kleines Päuschen, ehe es heute Nachmittag dann auch schon mit den Pferden losgehen würde.
      Drei Pferde standen unter meiner Verantwortung und würde mich sehr ranhalten müssen, um alle zu schaffen. Aber was anderes hatte ich hier auch den lieben langen Tag nicht zu tun, denn helfen war mir von Eddi verboten worden und daran hielt ich mich natürlich auch. Wenn auch etwas unfreiwillig, denn die Abwechslung wäre mir ab und an sicherlich ganz passend gekommen.
      Nun ging es aber in den Stall und dort wartete als erstes schon Schneeleopard auf mich. Der Criollo war wirklich schick und machte seinem Namensgeber alle Ehre, immerhin sah er tatsächlich selbst aus wie ein Schneeleopard. Die Boxentür des Criollos war bereits von Turnierschleifen gesäumt und Leo schien ein richtiges Westerntalent zu sein. Ich erahnte bereits, dass ich mit ihm nicht mehr sonderlich viel würde machen müssen.
      Bisher stand er auf S*-Niveau, also würde er sich bei mir das zweite Sternchen verdienen müssen. Mit ihm wollte ich heute auch direkt anfangen und ließ mir deshalb von Eddi kurz alles zeigen. Dann ging es auch schon ans putzen und satteln und eine halbe Stunde später befanden wir uns auf den großen Reitplatz und wärmten uns auf. Einige Runden im Schritt und Trab, ehe wir auch den Galopp hinzunahmen.
      Leo war wirklich fit, er besaß herrliche Gangarten und reagierte sehr feinfühlig auf jede meiner Hilfen, ich erahnte bereits, dass wir nur das bereits Gelernte vertiefen würden müssen und so machten wir heute auch nicht sonderlich viel, als auszutesten, was er denn schon alles konnte. Danach ritt ich ihn ab und brachte ihn zurück auf die Weide.
      Dort traf ich dann auch direkt auf HGT's End of Day. Der ein wirklich schöner Kerl war, wenn auch seine Kreuzung seltsam war. Wer mixte einen Knabstrupper mit einem Quarter? Was schönes war dabei allerdings rausgekommen, das musste man den Züchtern lassen. Laut Eddi besaß Day eindeutig Talent im Western, auch wenn er dort erst auf A-Niveau war, aber das ließ sich ja schließlich ausbauen.
      Im Gegensatz zu Leo merkte man direkt, dass Day noch am Anfang seiner Ausbildung stand. Er war nicht ganz so reaktionsschnell und ab und zu auch noch etwas unsicher. Ich war mir nie ganz sicher, ob er wirklich verstand, was ich von ihm wollte. Zum Ende hin waren wir dann aber doch ein eingespieltes Team und das restliche Training würde schon irgendwie hinhauen, da war ich mir sicher.
      Also musste ich mich heute nur noch mit der letzten Kandidatin anfreunden: Ice Coffee. Eine Paintstute, welche ich ebenso in Western trainieren sollte. Auf dem Papier besaß sie erst die Klasse wie Day, aber unter dem Sattel zeigte Coffee schnell, dass sie schon wesentlich mehr auf dem Kasten hatte und schon weiter war als ihr Vorgänger. Mit ihr verstand ich mich auch von Anfang an gut und das Training würde locker von der Hand gehen.
      Eine Woche hatte ich für die drei Pferde und so arbeitete ich täglich mit jedem, wenn nicht manchmal sogar zweimal pro Tag. Für Abwechslung sorgten Ausritte, Spaziergänge und Bodenarbeit. Natürlich nicht ohne Hintergrund, denn auch vom Boden aus konnte man hervorragend einige Übungen entwickeln und diese fielen dann unter dem Sattel leichter.
      Die Zeit war nicht nur für die Pferde anstrengend, sondern auch für mich. Jeden Abend fiel ich todmüde ins Bett und war wirklich fertig mit den Nerven. Umso dankbarer war ich dann auch, als die Zeit um war und ich die Zertifikate ausstellen konnte. Eddi bedankte sich gefühlte tausendmal bei mir, ehe sie mich dann endlich nach Hause entließ.
      30 Aug. 2015

      Eddi
      Pflegebericht - September 2015
      Ankunft von Like Honey and Milk

      Der Herbst machte sich langsam breit, auch bei uns. Zwar hatten die meisten Bäume noch all ihre Blätter und das auch in grün, aber morgens schwebte der leichte Nebel über den Weiden und es war doch nun schon wesentlich kühler als sonst. Auch heute zeigte das Thermometer gerade einmal 8°C an, welche aber gepaart mit einem herrlichen Sonnenaufgang waren, der dazu motivierte, dass Haus zu verlassen und die Stallarbeiten zu erledigen. In meine Jacke gekuschelt brachte ich nacheinander die Pferde auf die Weide und dann ging es ans Ausmisten, also Musik an und los gings.
      Die Musik war auch der Grund, weshalb ich mein Handy nicht hörte und erst beim dritten Klingeln ran ging, zu meinem Glück! Am anderen Ende war nämlich Verena O'Connor und ich wusste, was das hieß: Entweder ein neues Pferd oder nicht. "Also wenn ich sie auch weiterhin trainieren dürfte, gehört sie dir", meinte Verena dann lächelnd, nachdem sie ein Weilchen um den heißen Brei geredet hatte. Fröhlich hüpfte ich kurz auf und versprach ihr dann, alles vorzubereiten und das so schnell wie möglich.
      Bei dem potenziellen neuen Pferd handelte es sich um eine Paint Horse Stute. Ich hatte nämlich entschieden, mir noch ein paar westernkundige Damen in den Stall zu holen, damit meine Hengste auch ein passendes Gegenstück hätten und Like Honey and Milk war einfach perfekt. Sie sah nicht nur wunderschön aus, sie war außerdem noch ein Engel, mehr konnte man sich da beinahe nicht wünschen. Ich hatte mit Verena auch direkt ausgemacht, dass sie heute einziehen würde. Netterweise hatte sie sich für den Transport bereit erklärt, so dass ich mich nun um eine neue Box und dann um die Weide kümmerte.
      Wir hatten zwei kleinere Weiden, die direkt nebeneinander lagen und vor allem zur Eingewöhnung dienten. Honey würde in unsere kleinste Stutenherde eingegliedert werden und deren Chef war Ice Coffee, ein angenehmer Zufall und ich hoffte einfach, dass sich die beiden Paintstuten auf Anhieb verstehen würden. Bevor Honey ankam, holte ich die Leitstute auch direkt von der Weide und packte sie auf eine der kleineren Weiden. Für Ice Coffee eine große Freude, denn da die Weiden selten genutzt wurden, waren sie selbst jetzt noch saftig grün und so hatte die Stute erst einmal genug Beschäftigung.
      Und dann kamen Verena und Honey. Wir machten erst das Finanzielle aus und nachdem dann Verena den Scheck in den Händen hielt, ging es für Honey vom Hänger. Sie war tüchtig aufgeregt, schien aber zu versuchen, sich das nicht anmerken zu lassen. Ich führte sie erst einmal eine kleinere Runde über den Hof. So konnte sie sich umsehen und entspannen. Und dann ging es auf die Weide neben Ice Coffee. Honey buckelte sich erst einmal ein wenig aus und erst nach einigen Minuten nahm sie Notiz von der anderen Stute.
      Honey war sehr offen und freundlich, kam direkt zum Zaun getrabt, um Ice Coffee zu begrüßen. Coffee glich ihr charakterlich sehr, dementsprechend lief das erste Kennenlernen sehr entspannt ab und die gleichaltrigen Stuten schienen sich direkt zu verstehen, denn schon kurz darauf standen sie nebeneinander grasend am Zaun. Verena sah auch sehr glücklich aus was den Verlauf betraf und verließ uns dann wieder, mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Aber wenn alles gut lief, würde sie Honey regelmäßig sehen.
      Ich entschied mich stattdessen dafür, das herrliche Herbstwetter noch ordentlich zu nutzen und gönnte Honey erst einmal eine kleine Pause, indem ich mir Ice Coffee schnappte und mitnahm. So konnte die Neue ein bisschen für sich sein und den Umzug verarbeiten. Coffee putzte ich stattdessen und sattelte sie. Ein entspannter Ausritt würde der jungen Stute sicherlich gut tun und außerdem konnten wir ein wenig an ihrer Balance im Galopp arbeiten, das klappte im Gelände immer am besten.
      So entwickelte sich der heutige Tag wirklich zu einem schönen, sonnigen Herbsttag, mit einem tollen Verlauf. Nach dem gelungenen Ausritt ging es für Coffee auch zurück auf die Weide, aber dieses Mal packte ich sie mit zu Honey. Ein wenig unsicher war ich anfangs doch, aber wie auch über den Zaun, verstanden sich die Stuten auch so auf Anhieb und nach ein bisschen Gequietsche, trabten sie nebeneinander über die Weide, ehe sie sich entspannt zum grasen niederließen. Mission eingliedern erfüllt.
      25 Sep. 2015
    • Occulta
      Eddi
      Pflegebericht - Dezember 2015
      Weihnachten!

      Pünktlich sieben Uhr morgens trällerte mein Wecker „Shake up the happiness, wake up the happiness…“ und versetzte mich zurück in das Gefühl der letzten Tage. Vor kurzem waren wir umgezogen und hatten es Anfang Dezember dann endlich geschafft, dass alle Pferde auf das neue Gestüt zogen und nun stand mir ein Neubeginn vor. Nochmal von vorne, aber es fühlte sich richtig und gut an.
      Seit Tagen verbrachten nun ich und die Pfleger vor allem auch Zeit damit, alles weihnachtlich zu schmücken, denn am 23. Dezember würden wir unsere Weihnachtsfeier haben und bis da waren es nun nur noch knapp vierundzwanzig Stunden, in denen allerhand geschafft werden musste. Die Pferde hatten zwischenzeitlich ein wenig Pause gehabt, denn ich hatte mich erst einmal ordnen müssen.
      Da das Gestüt aber über genügend Weiden verfügte, verbrachten sie ihre freie Zeit eben dort. Da der Winter momentan auch gar kein Winter war, konnten sie auch ungestört über die fast schon zu grünen Wiesen toben und ich musste ein wenig aufpassen, dass sie mir nichts zerstörten, aber so lange es trocken blieb, war alles gut. Tatsächlich war es dieses Jahr wirklich kein Winter. Stattdessen hatten wir täglich um die 15 Grad und Sonnenschein, es war eher wie Frühling.
      Dementsprechend fiel es alle Beteiligten schwer, sich wirklich in ein Winterfeeling zu versetzen, aber es blieb uns ja nichts anderes übrig, wenn in zwei Tagen Weihnachten sein würde. An sich hatte ich an dem Tag meinem ganzen Personal frei geben wollen, aber sie wollten zumindest bis Mittag noch ihren Dienst verrichten und mich bei der großen Anzahl an Pferden unterstützen. Dafür dankte ich ihnen sehr und am morgigen Abend würde jeder noch eine kleine Überraschung von mir erhalten.
      Doch nun musste ich mich erst einmal aus dem Bett schälen und mich allmählich fertig machen, denn die Pferde warteten schon auf ihr Frühstück und dann wollten sie auch schon hinaus auf die Weide. Bisher hatte ich nicht viel Personal, weshalb ich selbst noch kräftig mit anpackte. Jeder hatte eine bestimmte Aufgabe verteilt bekommen, weshalb sie Pferde schon gefüttert waren, als ich angezogen und gefrühstückt in den Stall trat. Stattdessen ging es nun auf die Weide. Immer mit zwei Pferden verließ ich den Stall und brachte sie auf ihre bestimmte Weide. Um dem Personal einen Leitfaden zu geben, hing zum einen im Stall ein großer Plan und zum anderen stand sowohl an den Boxen als auch an den Weiden, wer wo hingehörte. So konnte ich mir sicher sein, dass alle Pferde dorthin kamen, wo hin sie sollten.
      Die Fohlen waren heute wieder besonders aufgeregt, für sie konnte es nie schnell genug nach draußen gehen. Besonders Hidden Flyer und Exciting Force waren immer sehr stürmisch. Die beiden Vollblutfohlen waren noch nicht sonderlich lange in meinem Besitz, weshalb ich sie bisher nur schwer einschätzen konnte, aber ich gab mir Mühe und so langsam kam ich dahinter. Zumindest rissen sie sich inzwischen nicht mehr samt Halfter und Strick los, sondern warteten, bis ich diese entfernt hatten.
      Heute sollte ein normaler Alltag anstehen, trotz der Tatsache, dass der 22. Dezember war, hatten wir noch genügend Anmeldungen für unsere heutigen Reitstunden. Eine würde ich halten, die andere würde auf das Konto einer mobilen Reitlehrerin gehen. Doch vorher wollte ich das sonnige Wetter für einen Ausritt nutzen. Leider fand sich spontan kein Mitreiter, weshalb ich entschied, mich selbst auf Deep Silent Complete zu schwingen und Come Whatever May als Handpferd zu nehmen.
      Die beiden Warmblutstuten kannten sich schon lange und kamen sehr gut miteinander aus, es würde also ein ruhiger und entspannter Ausritt werden, so etwas hatte mir gefehlt! Danach konnte ich dann guten Gewissens in den Tag starten. Tatsächlich waren wir auch nur eineinhalb Stunden unterwegs und nachdem beide Stuten gut versorgt wieder auf der Weide standen, erwarteten mich schon die Reitstunden.
      Die erste Reitstunde hatte etwas eher begonnen, da die Reitlehrerin heute Nachmittag noch woanders hin musste. In ihr liefen nur Herbsttraum und Hugo Boss. Beide unter sehr erfahrenen und talentierten Nachwuchsreitern, welche eine wirklich gute Figur auf den Ponys machten und den Unterricht der Reitlehrerin befürwortete ich auch sehr. Meine Reitstunde würde für fünf Reiter sein, es war ausnahmsweise Abteilungsreiten, was ich ungern machte, aber es konnte auch Spaß machen.
      Ich muss ehrlich sein, die Lewitzer setzte ich an liebsten in den Reitstunden ein. Immerhin züchtete ich sie als talentierte Sportponys für Kinder und Jugendliche. Dementsprechend besaßen sie auch einen ruhigen und rücksichtsvollen Charakter, waren aber denn wirklich talentiert. Das war auch der Grund, weshalb ich für meine Reitstunde Donatella, Elliot, They call her Fiorina, Talya und Carachillo ausgesucht hatte. Schnell waren die Pferde verteilt und die Reiter damit beschäftigt, sie vorzubereiten, denn das musste man bei uns noch alleine machen. Sie hatten dafür gut eine halbe Stunde, je nachdem ob sie eher oder später kamen. Pünktlich um zwölf startete dann meine Reitstunde. Ich ließ sie die Pferde erst einmal aufwärmen und gab den ein oder anderen schon ein paar Tipps. Wir wechselten immer zwischen Abteilungsreiten und freiem Reiten, bei zweiteren nahm ich sie mir auch gerne mal einzeln auf dem Zirkel vor. Es lief wirklich gut, auch wenn ich das Gefühl hatte, danach schon heiser zu sein, aber was tat man nicht für die Jugend!
      Auch das Versorgen der Pferde beobachtete ich aufmerksam und war erst zufrieden, als es sowohl den Pferden als auch der Ausrüstung wirklich gut ging. Einer meiner Reiter schien gerade im Stress zu sein, denn ich fing ihm auf den Hof ab, wo er im fliegenden Wechsel von einem Pferd aufs andere sprang. Gerade kam er mit Scheherazade vom Distanztraining zurück und war nun schon auf halben Weg, um mit Cual Maniaca die nächste Runde anzutreten. Deshalb nahm ich ihm ein wenig Arbeit ab und führte meine braune Araberstute trocken, ehe ich sie noch abbürstete und dann auf die Weide brachte. Scheherazade barg sehr viel Potenzial, doch bisher hatte es sich noch nicht wirklich entfaltet. Leider.
      Da der morgige Tag gefüllt sein würde mit dem Programm unseres Weihnachtsfestes, hatte ich spontan eine Longenstunde doch noch auf heute geschoben. Das Pferd dafür war Kürbis, sie war ideal für die kleine Sechsjährige, welche uns hoffentlich öfters besuchen würde. Gemeinsam machten wir das Pferd fertig. Das Mädchen war sehr wissbegierig und scheute sich auch nicht, direkt nachzufragen. Heute machten wir an der Longe nur leichte Übungen, um ihre Balance und Konzentration zu stärken. Abschließend durfte sie noch ein paar Runden traben, ehe ich sie noch eine Runde um den Hof führte und dann war auch schon Schluss. Ohne Protest ging das zwar auch nicht, aber kommende Woche würde sie ja schon wieder da sein.
      Das Reitschulgeschäft konnte ganz lukrativ sein und ohne würde ich kurz über lang nicht auskommen, wiederum war mir aber das Wohl meiner Pferde wichtig und so basierte mein Prinzip darauf, dass auf jede Reitstunde mindestens zwei Korrekturstunden kamen und ein Pferd nie wirklich öfters als ein bis zweimal in der Woche lief. So dringend nötig hatten wir das Geld dann auch wieder nicht.
      Für den heutigen Nachmittag stand aber noch allerhand an. Ich wollte zumindest auch ein wenig mit helfen und es gab das ein oder andere Pferd, was wirklich nur ich ritt. Das war aus Prinzip Pajero. Den Schecken hatte ich schon, seitdem er ein Fohlen war, weshalb wir eine enge Bindung zueinander hatten. Für heute hatte ich mal wieder ein wenig Geländetraining eingeplant, das liebte er ja abgöttisch und besonders talentiert war er auch.
      Nach Pajero wartete schon mein zweiter Liebling: Thorondor. Jahrelang war ich seine Reitbeteiligung gewesen, dann war er in meinen Besitz gewandert und nun stand der wunderschöne Rappe bei mir im Stall und ging meinem Personal auf den Keks, denn er hatte einen sehr speziellen Charakter. Doch die Freiarbeit machte mit ihm tierisch Spaß und jeder bewunderte den Ausdruck und die Motivation des Pferdes, während wir über den Reitplatz tobten, es war wie immer sehr erleichternd.
      Für den heutigen Tag stand noch ein Springtraining mit Classic Gold an und eine Kutschfahrt mit Little Chocolate Chip. Danach telefonierte ich noch mit Occulta, welche momentan Naimibia als Leihstute für ein Fohlen besaß, schon bald würde meine hübsche Stute zurückkehren, da Occulta gerade dabei war, das Fohlen abzusetzen. Es war ein Traum von Reitpony geworden und wurde schon jetzt (zurecht) bewundert.

      Am kommenden Tag stand die Weihnachtsfeier an. Da diese pünktlich 13 Uhr beginnen sollte hieß es, den restlichen Kram schon vorher fertig zu machen und das war allerhand. Zum einen ritt ich vorher noch Allelujah, denn der hatte sich inzwischen seinen Ruf bei meinen Reitern gemacht und wurde tunlichst gemieden, weshalb ich die einzige war, die ihn vor allem gerne ritt. Danach longierte ich noch meinen Zwerg Hoppla, damit der kleine Kerl über den Winter weg nicht zu kräftig wurde und als letztes ließ ich noch einmal allen Stress von mir abfallen, während ich mit Albertino eine gemütliche Runde ins Gelände ging.
      Und dann ging schon unser Programm los! Beginnen tat das Ganze mit einem Führzügelwettbewerb. Endlich hatten wir eine Beschäftigung für unsere Zwerge gefunden. Werina und Mondscheinsonate liefen auch öfters als Gespann vor der Kutsche, aber Window blieb da immer ein wenig alleine im Nichtstun. Führzügelwettbewerbe und das Training mit den Zwergen machte ihm hingegen riesigen Spaß und unsere kleine Flauschkugel nahm tatsächlich ein wenig ab!
      Occani und Heartbreaker brauchten ein wenig mehr Beschäftigung. Zwar waren beide super kinderlieb und sehr geduldig, aber man sah ihnen doch an, dass es ihnen wesentlich mehr Spaß machte, gefordert zu werden. Sei es nun in der Dressur, im Springen oder im Gelände. Die beiden Welshs waren einfach für alles zu haben.
      Aus diesem Grunde hatten wir angeboten, die ein oder anderen kleinen Reiterinnen darauf vorzubereiten und alle waren wie verrückt gewesen. Es gab natürlich Schleifchen zu gewinnen und für jeden einen Nikolausstiefel mit Leckereien, so dass niemand leer ausging. Das Publikum hatte auch sichtlich Spaß! Danach sollten die Großen zeigen, was sie konnten, denn nun kam eine Hengstquadrille!
      „Bei der Auswahl der Pferde für die Hengstquadrille hatte ich lange mit mir gehapert, denn diese Pferde repräsentierten das Gestüt und sollten auch potenzielle Züchter anlocken. Also hatte ich versucht, so viel wie möglich mit einzubringen: Pawaneeh als Vertreter unserer Vollblüter, Cover the Sun lief als Sportpferd mit, Aristo zeigte die barocke Seite des Gestüts und zu guter hatte ich mich noch für Dissident Aggressor entschieden.
      Ich hatte alles dabei haben wollen und es war mir gelungen! Ich selbst saß auf Dissident Aggressor und jedes Pferd zeigte eine besondere Lektion, so dass Dissi und ich einen Spin zeigten, Aristo die Piaffe, Cover the Sun eine Pirouette und Pawaneeh überzeugte mit seinen Seitengängen. Der Applaus sprach auf jeden Fall für sich!
      Da ich wusste, wie beliebt es bei kleinen Kindern war, boten wir eine Art Ponyreiten an. Es waren immer größere Spaziergänge in das umliegende Gelände, circa eine Viertelstunde, bei welcher die Kinder geführt wurden. Dafür hatte ich Milka Luflee, Hyreygur, Varulv und Cheveyo ausgewählt, allesamt waren Hingucker aber totenbrav und das war das Wichtigste.
      Die Weihnachtsfeier war toll und alle hatten viel Spaß. Gegen 18 Uhr verließen allmählich alle das Gestüt und mit meinen engsten Leuten machte ich noch einen nächtlichen Ausritt bei Vollmond. Gut, nächtlich war übertrieben, aber 19 Uhr war es eben schon stockduster. Wir waren zu viert unterwegs und ritten unsere ruhigen Westernstuten: Kisshimbye, Like Honey and Milk, Ice Coffee und Apache’s Tomahawk. Schöner konnte man es nicht haben. Der Abend endete mit einer Weihnachtsfeier mit einem reichen Büffet und einer Dankesrede samt Geschenken für alle. Dann rückte auch der 24. Schon näher und ich würde allerhand zu tun haben.

      Wirklich viel Zeit hatte ich nicht, ich wollte alles schaffen, aber auch pünktlich 18 Uhr zu Hause sein, das hieß, dass spätestens halb fünf alles geschafft sein musste. Aus diesem Grund stand ich heute wesentlich eher auf, um nach der Fütterung direkt Khiara El Assuad, Golden Ebano und CH’S Sun is Shining in die Führmaschine zu packen.
      Während die drei beschäftigt waren, longierte ich meinen Junghengst Altyn, welcher sich momentan mehr als gut machte und mit dem ich wirklich zufrieden war. Dann widmete ich meine Aufmerksamkeit meinem Neuzugang Cola, welcher immer noch ein wenig in sich gekehrt war, was ich versuchte, mit Bodenarbeit aufzulockern. Wir machten Fortschritte, allerdings eben nur kleine. Da ich heute noch meinen Pferden etwas Gutes tun wollte, ritt ich noch Feuervogel und Morning Sun. Ich wusste, dass die beiden Reitponys sonst vor Langeweile vergingen.
      Da ich noch ein wenig Hilfe von meinem Personal am Morgen hatte, waren auch Lila Wolken, Possy Pleasure Mainstream und Sika bereits bewegt. Für Autumn Leave in the Sky und Dr. Insektor hatte sich auch noch jemand gefunden und so hatte ich doch schon fast meine Liste geschafft. Es war bereits früher Nachmittag, als ich noch zu einem Ausritt mit Flintstone und Schneeleopard aufbrach.
      Danach machte ich alles für den Abend bereit, denn die Pferde bekamen jeweils eine Extraportion Möhren, weil Weihnachten war. Dann ging ich zu meiner Kontrollrunde in den Fohlenstall. Amadahy, Frozen Bubble, Korah, Nabiri, Panta Rhei und Roswell vertraten stolz meine Lewitzerzucht. Es waren allesamt herrliche Nachkommen, auf welche ich mehr als stolz sein konnte.
      Auch über meine Welshponys konnte ich mich nicht beklagen. Acariya wurde von Tag zu Tag schöner, Sacre Fleur langsam immer selbstbewusster und zu Herbstmond brauchte ich nichts sagen, die wurde eh von alles und jedem geliebt und das zurecht! Shawnée und Siberia waren ja damals mehr Zufall gewesen, dennoch wollte ich die beiden Welsh Ds nicht mehr missen und auch heute bekamen sie wieder ihre Portion Knuddeln.
      Vor den Boxen von CH’s Destiny Horror und Hollybrook’s Fairy Bluebird blieb ich etwas länger stehen. Beide waren nun langsam bereit für den nächsten Schritt in ihr Dasein als Reitpferd, nur ich zögerte noch ein wenig, ich wollte ihnen so viel Zeit wie möglich geben. Das Gleiche galt für Tiny Girl, doch mein AMH unterschätzte ich zu gerne und wenn ich das tat, zeigte sie es mir auch deutlich.
      Der Tag neigte sich dem Ende und halb fünf standen alle Pferde in frisch gemachten Boxen, mit ihrer Ladung Heu für die Nacht. So konnte ich guten Gewissens duschen und mich umziehen, um dann pünktlich auf den Familienfest zu erscheinen.

      Von meiner Familie konnte kaum einer nachvollziehen, dass ich meine Feiertage mit den Pferden verbrachte, statt mit der Familie, obwohl ich zu jeder Feier trotzdem pünktlich kam, dennoch standen die Vierbeiner an erster Stelle. Diesen Morgen arbeitete ich ein wenig mit den Junghengst Abendprinz und Cruel Twist of Fate. Danach war HGT’s Unitato an der Reihe und dann noch Outlaw Torn. Die Jungpferde brauchten allerhand Beschäftigung, doch ich kam momentan kaum hinterher.
      Deshalb hatte Prazzy’s Goldbell allerhand Flausen im Kopf, genauso wie Paddington und gemeinsam machten sie nur Unsinn! War ich da immer froh über Caruso, der sich nichts anmerken ließ und ein Engel war. Am Ende meines Fohlenrundgangs betüddelte ich noch ein wenig Mon petit écrou, ehe ich mich an die richtige Arbeit machte.
      Vertigo, Caillou und Piccolos Blaze mussten geritten werden. Calimero II sollte noch longiert werden und dann wollte ich zumindest noch mit Joyce oder Sika eine Runde ins Gelände, für die Jungstuten war diese Erfahrung mehr als wichtig. Die restlichen würde ich auf die kommenden Feiertage schieben müssen, denn heute Nachmittag stand bereits die nächste Familienbevölkerung statt.
      Während dieser plante ich aber nur die kommenden Tage. Am morgigen Tag sah ich mich früh mit Amazed Marlin ausreiten, ehe ich gemeinsam mit Hákur neue Lektionen in Angriff nahm. Dann würde ich HGT’s End of Day longieren und an seinen Rückenmuskeln arbeiten, ehe ich etwas bodenarbeitstechnisches mit Fandango machen wollte.
      Am 27. Dezember ging es dann gemeinsam mit drei Freundinnen ins Gelände. Ich selbst ritt Quintesse, während ich den Rest auf Caribic Sue, Freeway und Walking in the Air verfrachtet hatte und dann stand tatsächlich schon fast 2016 vor der Tür! Ich würde Zarin und Golden Ebano ihre homöopathischen Tropfen am 31. Geben müssen, damit sie nicht vollkommen explodierten, wenn dann überall das Feuerwerk losging.
      Zum Glück bestand mein Stall größtenteils aus Pferden, denen das egal war .Call me a Twist und Bandit war das schnuppe, die würde auch neben einem Feuerwerk herlaufen. Morrigan war da nicht viel anders, nur He’s called Trüffel konnte ich da nicht so gut einschätzen, aber das würde sich noch zeigen, nun musste ich erst einmal diese Familienfeier hinter mich bringen!
      30 Dez. 2015

      Eddi
      Gestüt Sapala
      Frühjahrsputz

      Kurz nach Neujahr hatte unser Umzug stattgefunden, so dass wir nun seit fast vier Monaten in Holland lebten. Wie ich es bereits gewohnt war, zog sich alles unglaublich. Es hatte gut zwei Monate gedauert, bis alle Pferde umgezogen waren und ein festes Team hatte ich auch noch nicht, da war ich noch fleißig auf der Suche, aber trotzdem kehrte allmählich eine Routine ein. Und ich liebte unser Gestüt. Den Namen hatte ich so übernommen und so lebten wir nun auf Gestüt Sapala.
      Es lag zwischen Wäldern und Wiesen, ziemlich im Abseits und stellte eine herrliche Anlage da. Das wichtigste war zu Hauf vorhanden: Weiden. Zudem besaßen wir zwei Reitplätze und zwei Hallen plus weitere Trainingsmöglichkeiten wie eine Führanlage und zwei Longierzirkel. Und natürlich gigantische Stallungen, was für uns nun mehr als nötig war. Ganz nebenbei war ich ja in mein Wohnhaus verliebt, hier konnte man sich wohlfühlen!
      Den Pferden gefiel es auch, das spürte man deutlich und das Gelände war auch einfach mehr als idyllisch, denn außer unseren Heuwiesen gab es rundum kaum etwas anderes als Felder, Wiesen und Wälder. Ich war endlich in meinem Traumzuhause angekommen und wenn man sich etwas mehr Zeit nahm, war man mit einem halbstündigen Ritt auch direkt am Meer. Wir befanden uns im Friesland, genauer gesagt in Aurich und ziemlich nah an der Küste.
      Die frische Meeresluft tat allen gut und momentan arbeitete ich auch eine lange Liste an Bewerbungen ab, denn wir waren begehrter als gedacht. Nun war schon April 2016 und wie immer erfasste mich die Frühjahrsputz-Laune. Es gab schließlich immer etwas zu tun und es gab auch noch genug Kisten, die noch ungeöffnet irgendwo standen. Besonders in den Sattelkammern hatte ich bisher nur das Nötigste untergebracht, meine Pferde hatten zu viel Kram!
      Die waren momentan übrigens alle in ihrer Schonfrist. Der Umzug war auch für die kräftezehrend gewesen, aber glücklich waren wir alle. Außer ich in dem Moment, denn gerade klingelte mein Wecker – 5 Uhr in der Früh. Bisher sah es an Mitarbeitern noch mager aus, dementsprechend musste ich selber kräftig mit anpacken was Fütterung, Rausbringen und Misten betraf. Dazu kamen der Papierkram und die Vorstellungsgespräche und so bekam ich kaum noch die Gelegenheit zum Reiten.
      Angezogen, frisch gemacht und gefrühstückt tauchte ich im Stall auf und grüßte knapp die anderen Pfleger, die bereits angetanzt waren. Es war kurz nach sechs und draußen tatsächlich schon hell. Oh ich freute mich so auf den Sommer! Dann würden die Pferde auch 24 Stunden auf den Weiden stehen und wir hätten ein bisschen Arbeit weniger. Aber wirklich nur ein bisschen, denn im Sommer wollte ich alle wieder in Höchstform sehen – mich eingeschlossen.
      Füttern und Rausbringen fraß Zeit. Nachdem dann auch gemistet war, war es schon fast 10 Uhr und ich würde mich für das nächste Vorstellungsgespräch fertig machen müssen. Leider überzeugte mich der Herr um die 30 Jahre weder im Gespräch noch auf dem Pferd. Als Dressurtrainer hatte er sich beworben, weshalb ich ihm für den Proberitt Aristo ausgesucht hatte, einer unserer Dressurässer. Doch sein „Was, ein Barockpferd?“ hatte mich eigentlich direkt abgeschreckt und so hatte ich zwar ein freundliches „Ich melde mich noch einmal bei Ihnen“ herausgebracht, war aber erleichtert, als er weg war.
      Stattdessen ging der Stress direkt weiter, denn heute sollten einige neue Pferde kommen. Ich war dafür bekannt, regelmäßig aufzustocken und da meine liebe Freundin Julie aus privaten Gründen ihren Hof auflöste, kamen einige Pferde aus Schottland zu uns. Zum einen Van Deyk, ein toller Trakehnerhengst mit großem Potenzial, auf dessen Dasein ich mich schon jetzt freute. Des weiteren Ayumi, ein tolles Fohlen aus der Zucht von Siobhan, was mit einer tollen Abstammung daher kam. Dann noch Key, eine Vollblutstute, welche ich noch aus meiner Nasty Past Zeit kannte. Und als letztes was ganz witziges: Ridcully, ein American Miniature Horse. Er sollte das Gegenstück zu meiner Hollybrook’s Tiny Girl werden und dementsprechend war er sofort eingezogen.
      Heute tanzten die drei an, doch während ich noch gut eine Stunde Zeit hatte, schaute ich bei den ehemaligen Neuzugängen an. Die beiden Vollblutfohen Hidden Flyer und Exciting Force waren mir sehr schnell ans Herz gewachsen und entwickelten sich prächtig, ich hatte mich in beide wirklich verguckt. Da wir ja ein riesiges Gestüt hatten, kamen auch Anfang des Jahres zwei Reitponys zurück. Elisa hatte leider verkleinert und so kehrten Never look back und Raunchy’s Limited zurück. Hatte ich sie noch als zerzauste Jungpferde nach Townsend Acres gegeben, kamen sie nun als schicke Turnierponys zurück. Elisa verstand eindeutig etwas von ihrer Rasse und ihrem Geschäft.
      Dementsprechend hatte sie sich auch über Absinth’s erfolgreiche Körung gefreut und war sich sicher, dass Allelujah und Morning Sun genauso schnell ihre Punkte sammeln würden. Ich hatte da ja noch allerhand zu tun, denn sie waren nicht die einzigen Pferde, die in eine Körung geschickt werden sollten. Priorität hatte auch immer noch Feuervogel, den hätte mir Elisa sicherlich auch trotz Verkleinerung aus den Händen gerissen.
      Selbst bei unserem zerstruppelten Neuzugang Cola hatte sie bei ihrem Besuch (natürlich hatte sie ihre beiden Schätze eigens vorbei bringen müssen) neugierig begutachtet. Sie sah das Potenzial, was hinter dem vernachlässigten Pferd steckte. Wir beide kannten Cola schon sehr lange vom Sehen und Hören. Ich musste auch sagen, dass er sich wirklich ganz gut machte, genauso wie seine Leidensgenossin Autumn Leave in the Sky. Beide stammten aus schlechter Haltung und wurden bei uns nun wieder aufgebaut.
      Bei ihrem Besuch hatte Elisa natürlich meine Reitponys auf den Kopf gestellt. Paddington hatte sie unbedingt einen Besuch abstatten müssen und gestaunt, wie schnell der kleine Kerl wuchs. Mit Hugo Boss und Carachillo hatten wir einen entspannten Ausritt gemacht und ausgiebig geplappert, so wie es sich für zwei Frauen gehörte, ehe sie auch noch ihren Senf zu Naimibia und Sika gegeben hatte.
      Naimibia war schon gekört und bereits von ein paar Fohlen stolze Mutter, bei Sika sah ich das ja noch nicht so, doch Elisa ermunterte mich und sah die Rappscheckstute auch schon gekört. Während ich so schön in Gedanken schwelgte, kam der Transporter an und die neuen Pferde mussten versorgt und ausgeladen werden.
      Während Van Deyk erst einmal seine Box mit Paddock bezog, wollte ich Ridcully und das Stutfohlen direkt vergesellschaften. Auf einer kleineren Weide traf Ridcully auf Heartbreaker. Mein Welshhengst war der Chef unserer Zwergengruppe und wenn er Ridcully akzeptierte, würde das auch der Rest tun. Der Rest, das waren Window und Hoppla auch beide problemlos und so stand Ridcully eine halbe Stunde später bei unseren Zwergenhengsten und genoss das herrliche Wetter.
      Ayumi sollte heute nur auf CH’s Destiny Horror und Mon petit écrou treffen. Beides eher ruhigere und ältere Jungpferde und dementsprechend perfekt geeignet und siehe da, es klappte wirklich gut und auch das Fohlen war untergebracht. Um auch Van Deyk noch etwas Abwechslung zu bieten, ging ich mit dem Schecken eine kleine Runde über das Gestüt und kennte ihn etwas lernen.
      So wirklich zum Frühjahrsputz kam ich heute ja nicht, denn es standen noch zwei Schnupperstunden an. Ich hatte entschieden, im kleinen Rahmen gutes Reiten anzubieten und nutzte die Chance einer Ponyschule, um meine Zwerge unter einen Deckel zu bekommen. Da die Ponyhengste heute aber schon genug Aktion hatten, waren die Mädels an der Reihe.
      Tatsächlich hatte sich sogar jemand für Little Chocolate Chip gefunden. Ein kleines dreijähriges Mädchen schwärmte von Ponys und ihre Mutti schien selbst pferdevernarrt zu sein und so kamen sie heute mal zu Besuch. Auch Mondscheinsonate, Occani und Werina waren heute an der Reihe. Alle Kinder waren unter 10 Jahre und bekamen beim Putzen und Satteln die Unterstützung von mir und ihren Eltern (zumeist die Mütter).
      Als alle fertig waren, gingen wir auf den Reitplatz, wo wir erst ein kleines bisschen Theorie paukten und es dann endlich in den Sattel ging und wir die ersten kleinen Runden drehten und auch allerhand Übungen machten. Die Ponyschule war eine schöne Idee, aber ich brauchte auf jeden Fall Helfer. Zum Glück waren es heute nur Schnupperstunden, aber Kinder und Eltern waren mehr als begeistert und so war auch ich glücklich.
      Zweiteres war eine Reitstunde für Fortgeschrittene und unter 18-Jährige. Altersbeschränkungen waren mir an sich egal, aber für das Klima in der Stunde war so etwas doch immer sehr angenehm und die Erwachsenen waren auch immer lieber unter sich. Als Schulpferde hatten sich bereits damals unsere Lewitzer bewährt und auch heute wählte ich fünf von ihnen. Cheveyo, Donatella, They call her Fiorina, Piccolo’s Blaze und Elliot. Die Mädels waren begeistert von ihren Schecken und auch davon, dass man bei uns die Pferde selbst holte und fertig machte.
      Natürlich kontrollierte ich alles und gab Tipps, aber sie machten das wirklich gut. Auch im Viereck konnten sich die fünf Reiterinnen sehen lassen. Natürlich hatten sie ihre Fehler und Probleme, aber genau deshalb kamen sie ja zu uns. Anscheinend kamen diese Schnupperstunden mehr als gut an und während die Mädels quatschend abritten, baute ich meine Geschäftsidee aus, indem ich auch Reitstunden für reine Jungsgruppen und Senioren anbieten wollte. Alles Gruppen, die man so anlocken konnte.
      Mein Prinzip war lediglich, dass für das Pferd pro Reitstunde mind. zwei Korrekturstunden kamen, so dass einerseits sehr gute Schulpferde vorhanden waren, aber eben auch diese nicht überstrapaziert worden. Also würde sich das Pensum auch mehr als Gering halten. Nachdem alle Pferde versorgt waren, ging ich Lewitzerliste kurz durch:
      Vertigo wollte ich im Turniersport, so fiel er als Reitpferd für Schüler weg und bei Talya war ich mir auch nicht sicher, ob es das Richtige war. Genauso wie bei Elliot. Er hatte seine Sache heute gut gemacht, aber ich glaube, Caillou konnte ich mir da besser vorstellen. Und Amazed Marlin ließ ich bisher auch lieber außen vor, sie sollte sich auf ihre Krönung konzentrieren.
      Zum Glück hatten die Fohlen nicht solche Probleme. Sowohl Amadahy, Frozen Bubble, Nabiri und Rosewell als auch die beiden Hengstfohlen Panta Rhei und Calimero II tobten mit dem Rest zufrieden über die Weiden. Aber irgendwann würde auch für sie der Ernst des Pferdelebens kommen. Obwohl, sie hatte noch Zeit.
      Den Nachmittag verbrauchte ich im Büro und plante für die Fohlen. Das machte ich gerne und es war auch nötig, denn so erinnerte ich mich wieder daran, dass ich einige „Fohlen“ hatte, die schon längst nicht mehr so klein waren wie ich dachte, sondern schon mehr als bereit. Hollybrook’s Fairy Bluebird war eine tolle Ponystute geworden, nun bald sechs Jahre, hatte bisher aber noch keinen Reiter gesehen.
      Das Gleiche galt für Prazzy’s Goldbell, dabei wollte ich meinen geliebten Pajero-Sohn gerne langsam unter dem Sattel sehen, er würde seinem Vater alle Ehre machen! Apropos, einen Ausritt mit Pajero würde ich mir heute Abend noch gönnen müssen, zum Glück blieb es immer länger hell. Ach, ich war doch ganz froh, den Winter hinter mir zu haben, auch wenn der Sommer sicherlich wieder heiß werden würde.
      Bei Outlaw Torn war ich mir bezüglich der Ausbildung sehr unschlüssig. Er war bald vier und schon sehr weit, eben weil das bei Paint Horses so gehandhabt wurde, aber genau deshalb wollte ich ihm Zeit lassen und es war ja nicht so, als wäre das Reiten für ihn essentiell wichtig. Das sahen HGT’s Unitato und Cruel Twist of Fate nicht anders und so ließ ich meinen Westernpferden gerne mehr Zeit.
      Und dann gab es da noch meine Welshnachkommen. Alle behalten, nachdem die ältere Generation verkauft worden war. Herbstmond und Acariya waren bisher immer noch meine Favoriten, aber auch Sacre Fleur liebte ich, ebenso wie Shawnée und Sibiria, auch wenn ich nicht recht wusste, was ich mit zwei Welsh D Stuten anfangen sollte, aber irgendwas würde sich schon finden.
      Dann gab es da nur noch Abendprinz und Caruso. Zwei Fohlen sondergleichen, die ich beide sehr liebte. Geplant war in weiter Zukunft ein Fohlen aus Fairy von Zarin, welches als Gegenstück für Caruso dienen sollte, aber im Gegensatz zu Zarin war Fairy noch nicht gekört.
      Und dann hatte ich mich in die Araber verguckt, neben Abendprinz gab es bisher zwei Stuten: Scheherazade und CH’s Sun is Shining. Zwei wunderbare Tiere und eine sogar schön gekrönt. Aus der Zucht meiner besten Freundin Sammy würde mich auch noch ein wahrer Wüstenstürmer erwarten, aber bisher war er noch nicht so weit, ich freute mich aber schon auf ihn.
      Den heutigen Abend verbrachte ich zu meiner Freude dann doch noch auf den Pferd und erkundete mit Pajero die neuen Wege rund um das Gestüt und freute mich natürlich riesig, denn es war so toll! Irgendwann mussten wir einen großen Ritt ans Meer machen, aus unserer Frankreich-Zeit wusste ich, wie sehr Pajero das liebte.

      Am nächsten Morgen ging es wieder früh raus und wieder war viel los, wie eigentlich jeden Tag auf dem Gestüt. Zur Abwechslung beschäftigte ich am Morgen aber erst einmal Thorondor mit viel Bodenarbeit, damit mein Berber nicht verrückt wurde, denn nur Weide war für ihn einfach gar nichts und so war er einer der wenigen, die mich mindestens fünfmal die Woche zu Gesicht bekamen.
      Ach und die Führanlage hatte ich sehr schnell ins Herz geschlossen. Spätestens als sie Pawaneeh und Golden Ebano die nötige Bewegung verschaffte. Bei Classic Gold und Khiara El Assuad war die aber noch wichtiger. Die Vollblüter wären mir sonst explodiert. Wer witzigerweise auch richtig Gefallen daran fand, war Freeway, unsere Tinkerstute. Eigentlich ein Pferd, was ich nie in die Führanlage gepackt hätte, aber sie liebte es.
      Heute war mal wieder Bewegungstag, gestern hatte ich ja Pause gehabt. Am Morgen longierte ich Deep Silent Complete und Herbsttraum, ehe ich mit Come Whatever May auf den Springplatz ging. Flott weiter ging es mit einem Ausritt: Apaches Tomahawk als Reitpferd und Caribic Sue als Handpferd. Was die Bewegung betraf, kamen mir die Schnupperstunden recht. Heute war wieder eine und so waren Kürbis, Lila Wolken, Milka Luflee, Walking in the Air und Quintesse beschäftigt und ich auch.
      Danach hätte ich zu gerne eine Pause gehabt, raffte mich aber noch auf Like Honey and Milk zu longieren. Ihre Vorbesitzerin war immer sehr hinterher, dass es der Stute gut ging und so kam sie auch jetzt definitiv nicht zu kurz. Eine Pause stand an und die genoss ich auch wirklich, denn heute Abend hatte ich etwas Besonderes für meine treuen Pfleger geplant. Bisher dachten sie, sie würden zu einer Besprechung antanzen müssen, dementsprechend ahnten sie nichts.
      Doch als es dann so weit war, eröffnete ich ihnen einen Ausritt an den Strand und alle waren begeistert. Wir waren zu elft, also eine ziemlich große Mannschaft, die gute und ruhige Pferde benötigte. Guten Gewissens hatte ich mir direkt Schneeleopard rausgepickt und dann die beiden Westernstuten Ice Coffee und Kisshimbye. Flintstone und Joyce kamen auch zum Einsatz. Die Hälfte war abgedeckt. Für mich hatte ich Fandango rausgesucht, mein kleiner Sonderling im Stall und so fehlten nur noch fünf Pferde und wir waren vollständig. Call me a Twist und Dissident Aggressor waren sowas von mit dabei und dann nahm ich noch Bandit und Albertino mit. Als letztes hatte Varulv die Ehre und so ging es gefühlt auf einen Riesen-Ausritt, den alle Beteiligten sehr genossen, denn am Strand erwartete uns auch noch ein Lagerfeuer.

      Obwohl ich weder trank noch irgendwas desgleichen tat, fühlte ich mich am nächsten Morgen verkatert. Ein langer Ritt plus ein langer Abend waren nichts für jemanden, dessen Wecker fünf Uhr morgens klingelte und so kam ich auch fast zu spät zum Proberitt meiner eventuellen neuen Reitlehrerin. Diese hatte ich auf Altyn gesetzt, was etwas fies war, aber mir dann auch direkt zeigte, dass sie die richtige war, denn mein junger Hengst lief unter ihr wirklich traumhaft, nachdem sie zusammengefunden hatten.
      Halb dösend bespaßte ich nach diesem Erfolg Cover the Sun im Longierzirkel mit etwas Stangenarbeit. Die nutzte ich kurz darauf auch noch einmal mit Possy Pleasure Mainstream, um Rücken- und Bauchmuskeln zu aktivieren. Eigentlich war meine Liste heute mehr als lang, aber aus privaten Gründen bekamen Hákur und HGT’s End of Day frei, so dass ich nur mit Dr. Insektor ins Dressurtraining musste und danach eine Pause im Gelände mit Cual Maniaca einlegte.
      „Ich bewundere dich für dein Durchhaltevermögen!“, hörte ich dann am Telefon, als ich mit meiner Mutti bezüglich meines Geburtstags Ende April sprach, denn ich lud sie nach Holland ein. Und bisher waren sie nicht abgeneigt. Währenddessen ließ ich He’s called Trüffel und Hýreygur freispringen, aber trotz maximaler 50cm war zweiterer einfach nicht begabt.
      Mein Abend endete wieder mal auf dem Pferderücken, nämlich auf Morrigans, welcher mich entspannt gen Gestüt trug, nachdem wir einmal über die schöne Waldwiese gejagt waren und nun genüsslich entspannt in unseren Feierabend spazierten.
      2 Apr. 2016
    • Occulta
      Weird Dreams

      Etwas kitzelte mein Gesicht. Im nächsten Moment öffnete ich die Augen und erblickte direkt vor meiner Nase Kafkas gesprenkelten Pelz. „Was hat das Mistvieh hier drin zu suchen?!“, ärgerte ich mich lautstark, und scheuchte den Kater von meinem Bett. Ich stand auf, zog mich an, klemmte Kafka unter meinen Arm und schmiss ihn aus dem sperrangelweit offenen Küchenfenster. „Lily? LILY warum ist das verdammte Fenster offen?!“, rief ich die Treppe hoch. Es kam keine Antwort. „Lily?!“, rief ich abermals, und stampfte die Treppe hoch. Es fiel mir schwer, oben anzukommen, denn ich war schon nach der Hälfte völlig ausser Puste. Meine Beine fühlten sich schwer an. Ich muss unbedingt wieder trainieren gehen, beschloss ich keuchend. Endlich stolperte ich durch Lilys Zimmertür. Es sah aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen, doch sie sass unschuldig auf dem Bett, mit dem Rücken gegen mich gewandt. „Hey, warum war das Fenster offen? Und warum gleicht dein Zimmer einem Schweinestall?!“, schimpfte ich. Sie zuckte mit den Schultern. „Hey, sieh mich gefälligst an! Was machst du da überhaupt?“ Sie drehte sich um und sagte grinsend: „Ich sortiere meine toten Eichhörnchen nach Farbe!“, ein steifes Eichhörnchen am Schwanz hochhaltend. Erschrocken stolperte ich rückwärts und fiel über Kafka, der irgendwie schon wieder im Haus war. Bevor ich jedoch den Boden berührte, schlug ich die Augen auf und starrte die Zimmerdecke an. Nur ein Traum, dachte ich erleichtert und richtete mich auf, wobei ein schwarz-rotes Fellknäuel vom Bett sprang. „KAFKA!“ Ich traute meinen Augen nicht, als der Kater flink durch den Türspalt flitzte. Ich kniff mich in den Arm, „jetzt reicht es aber“ murmelnd. Doch diesmal schien ich tatsächlich wach zu sein, denn ein paar Herzschläge später schepperte der Wecker los. „Arrrgh“, murrte ich und schaltete ihn grob aus. Dann liess ich mich seufzend zurückfallen und starrte abermals nach oben. Was gibt es heute zu tun? Das Mistvieh von Katze rauswerfen – klar. Und dann über den Morgen hinweg Kaythara, Muskat, Vychahr und Ljóski bewegen. Ich streckte meine restliche Müdigkeit weg und zog mich an. Das Küchenfenster war zu, als ich nach unten kam – immerhin. Kafka stand auf der Anrichte und schnupperte am Früchtekorb. Ich packte ihn und setzte ihn vor die Haustüre. Dann suchte ich nach dem Schlupfloch, durch das er sich Eintritt verschafft hatte. Im Badezimmer wurde ich fündig, denn ich hatte wohl am Vorabend nach dem Duschen vergessen, das Badezimmerfenster zu schliessen. Seufzend schloss ich es und schlurfte zurück in die Küche, um mir Frühstück zu machen. Lily musste erst um acht Uhr zur Schule und konnte sich sehr gut selber ein Brot schnappen. Mit einem Erdbeer-Marmelade-Brot zwischen den Zähnen fixiert, zog ich mir die Schuhe an und lief zum Hauptstall. Es dämmerte nun jeweils schon um halb sechs Uhr, wenn ich das Haus verliess. Das war deutlich angenehmer als im Winter, wenn es noch stundenlang ‚pitch black‘ war. Im Hauptstall waren die ersten Pfleger schon am Füttern. Ich half bei der Morgenroutine mit, danach holte ich Kaythara raus und putzte sie, ebenso wurden die anderen Vollblüter für die erste Morgengruppe fertig gemacht. Es musste wie immer zackig gehen, aber dennoch bestand ich darauf, dass alle Pferde blitzblank geputzt waren. Quinn fragte mich, ob sie Caligari bandagieren, oder ihr die Gamaschen anziehen sollte; ich antwortete Ersteres. Auch Kaythara bandagierte ich zum Schutz der Sehnen ein. Dann holte ich den leichten Rennsattel und das Zaumzeug. Cool Cat, der seit kurzem auch Lammfell an seinem Nasenband hatte, scharrte ungeduldig. Wir hatten das Lammfell montiert, weil er am Nasenrücken recht empfindlich war. Er lief damit etwas entspannter, wie Caspian. Der wurde übrigens im Moment auf sein nächstes grosses Qualifikationsrennen vorbereitet und entsprechend hart rangenommen, trainierte aber heute einzeln mit April. Endlich waren alle bereit und wir konnten aufsitzen. Gemeinsam ritten wir zur Galoppbahn und wärmten uns dort erstmal im Trab auf, bevor wir schliesslich auf die Grasrennbahn wechselten. Es war mittlerweile Hell und ein paar Amseln auf den Tannen zwitscherten fröhlich. Ich hatte meine Schlechte Laune von vorhin überwunden und genoss nun den Geruch nach taufeuchtem Gras und Tannenharz. Sumerian an vorderster Stelle ging frisch voran. Sie war top fit und bereit, wie fast immer im Training den Takt anzugeben. Dublin, die mit Henry direkt vor mir und Kaythara lief, wackelte mit ihrem kräftigen Po taktvoll auf und ab. Auch sie hatte unglaublich schnell Fortschritte gemacht. Sie hatte das gewisse Talent und die Leichtigkeit, die man sich bei einem Galopper wünschte. Doch bei ihrer Abstammung, hatte ich auch kaum etwas anderes erwartet. Schon jetzt war sie kaum geschlagen worden und wurde häufig als Favorit beim Wetten gehandelt. Es war sogar schon einmal eine Zeitungsreporterin auf dem Hof gewesen, um einen Artikel für eine Renn-Zeitschrift zu verfassen. Was die Stute beim Publikum so beliebt machte, war vermutlich ihre auffällige Fellzeichnung, kombiniert mit ihrem Erfolg. Es war ähnlich wie mit A Winter’s Day und Painting Shadows, dank denen Pienforest Stable immer mal wieder in den News vorkam. Doch am meisten zu sprechen gab sicher Campina, die einen Sieg nach dem anderen holte. Sie war mittlerweile fast schon berüchtigt für ihre Schlusssprints, mit denen sie spielerisch an den anderen vorbeizog. Auch sie entstammte einer herausragenden Blutline, die zudem recht selten geworden war. Ich lachte immer wieder über die Tatsache, dass sie als Fohlen und Jährling an mehreren Bewertungsshows als ‚durchschnittlich‘ eingestuft worden war. Ich hatte insgeheim immer gewusst, dass sie einmal grosses leisten würde. Sie hatte ihr Potential im Training schon von Anfang an unter Beweis gestellt. Und dann war da schliesslich noch Kaythara, die unter mir stetig voranmarschierte. Sie war noch ganz am Anfang ihrer Karriere und hatte auch noch nicht genug Muskeln, um mit den anderen mitzuhalten. Aber ich hatte grosse Hoffnungen in die hübsche Stute, denn ihre Mutter, Rennlegende Kiara El Assuad, war international bekannt. Wie auch immer, sie schien sich keine Gedanken um das Rennen zu machen, denn sie war viel zu beschäftigt damit, Cool Cat anzugiften.

      Wir liefen 1500 Meter in durchschnittlichem Tempo und die letzten 200 Meter davon in 15 Sekunden, wobei wir immer versuchten, möglichst nahe beieinander zu bleiben. So konnten sich die Pferde gegenseitig anheizen und keiner musste zurückbleiben. Nach dem Schlusssprint schnauften Kaythara, Ciela und Caligari erschöpft. Doch wenigstens hatten sie deutlich weniger geschwitzt als noch die letzten Male. Wir führten die Pferde zum Abkühlen etwas herum, dann wuschen wir den Schweiss ab und brachten sie zum Trocknen in die Führmaschine. Cielas rosa Haut schimmerte durch das nasse Fell, sodass April sie scherzend „Miss Piggy“ nannte. Kaythara konnte es nicht lassen, mich mit einem kräftigen Schnauben anzufeuchten, bevor ich sie in das Karussell entliess.

      Nun war ich bei Muskat. Der elegante Braune mit der hübschen Blesse wartete bereits ungeduldig, weil Fajir, der in der Nachbarbox wohnte, bereits draussen war. Muskat benahm sich wie ein nervöses Frettchen im Umgang; dauernd musste er irgendwas mit dem Mund oder den Hufen bearbeiten. Es schien, als würde er gleich platzen vor Energie und Tatendrang. Manchmal kam mir der zehnjährige Hengst wie ein frecher zweijähriger vor, der gerade seine und meine Grenzen austestete. Als er an meinem T-Shirt zupfte, während ich seinen Hals bürstete, packte ich ihn spielerisch am Ohr, umfasste seinen Kopf und knuddelte ihn liebevoll. Dann fuhr ich fort und bearbeitete seinen von der Weide staubigen Schweif mit ein wenig Glanzspray. Als ich die Mähne kämmte, kürzte ich gleich noch den bridle path hinter den Ohren mit der Schere nach. Er mochte das knirschende Geräusch nicht und schüttelte ein paarmal den Kopf. Ich schaffte es trotzdem, die Lücke wieder anständig hinzubekommen. Als nächstes suchte ich einen passenden Dressursattel und das mexikanisches Zaumzeug, das ich bei ihm oft einsetzte. Ich zog ihm das Halfter aus, wobei er die Gelegenheit nutzte, um seinen Kopf unsanft an meiner Schulter zu kratzen. Ich schob ihn wieder in eine gerade Position, damit ich mit dem Zäumen fortfahren konnte. Als es geschafft war, liefen wir zum Dressurplatz, wo ich zuerst aufwärmte, was wie immer recht anstrengend war, und dann ein paar Seitwärtsbewegungen üben wollte. Ich musste dabei aufpassen, dass er sich nicht einfach entzog, indem er immer schneller wurde. Ich war mir nichtmal sicher, ob er aus Protest schneller wurde, oder einfach um dem Druck zu entkommen, den ich durch die Lektionen aufbaute. Ich entschleunigte ihn mit ein paar kleinen Volten und aktivierte gleichzeitig mit meinen Schenkelhilfen seine Hinterhand. Durch die Gewichtsverlagerung wurde er automatisch langsamer und konzentrierte sich wieder mehr. Langsam nahm er das Gebiss an und kaute darauf herum, während sein Hals immer runder wurde. Er löste sich zwar am Anfang noch ab und zu aus der Anlehnung, aber nach gut 20 Minuten war er endlich vollkommen gelöst und lief am Zügel. Nun konnte ich mit dem Schenkelweichen beginnen. Ich lobte ihn immer wieder nach erfolgreichem Beinkreuzen mit einem raschen Halskraulen. Er schaffte es bei weitem nicht perfekt, aber für ihn reichte das erstmal vollkommen. Ich gestaltete die Lektionen abwechslungsreich, damit seine Konzentration nicht wieder abschweifte. Am Ende liess ich ihn am langen Zügel austraben und ritt schliesslich noch eine Runde im Schritt um die Galoppbahn.

      Wieder in der Stallgasse, machte mir mein Körper durch ausgiebiges Gähnen wieder bewusst, dass es erst acht Uhr war. „Coffee brake?“, fragte Quinn grinsend, als ich zu ihr sah. Ich nickte und folgte ihr zur Halle, wo auch die Reiterstube mit der Kaffee Maschine war. Die meisten anderen Jockeys und Pfleger folgten ebenfalls, wie jeden Morgen. Wir sassen rund um den grossen Tisch und unterhielten uns über den Tagesablauf. Ich warf zwischenzeitlich einen Blick durch die Glasscheibe in die Halle und bat Lewis und Darren, die Hindernisse, die noch von gestern dastanden, für die auswertigen Reitschüler, die um zehn Uhr von Lisa unterrichtet werden würden, wegzuräumen.

      Um halb 9 ging’s weiter mit Ljóski. Ich entwirrte die wuschelige, dank einem enzymhaltigen Shampoo schneeweisse Mähne ganz vorsichtig, ohne Haare rauszurupfen. Loki zappelte die ganze Zeit vor und zurück. „Was ist heute nur los mit euch Vierbeinern? Ist Vollmond oder was?“, fragte ich ihn, ohne eine Antwort zu erwarten. „Vollmond ist erst in ein paar Tagen wieder“, kam die Antwort, aber selbstverständlich nicht aus Lokis Mund, sondern von Jonas. Ich entdeckte ihn in Calicos Box, als er den Kopf über hob. „Warum sind dann alle so zappelig?“ „Vielleicht bist du selbst zappelig und überträgst es auf die Pferde“, meinte er achselzuckend. Mir fiel mal wieder kein Konter ein, und ich musste mir selbst eingestehen, dass ich angesichts meiner bisherigen Erlebnisse schon ziemlich zerstreut sein musste. „Wenn ich Calicos Box fertig gemistet habe, soll ich dann zuerst auch noch die anderen fertig machen, oder die Stuten von der Weide holen?“, fragte Jonas nun. „Lass die Stuten noch draussen bis 9 Uhr, dann hatten sie mit drei Stunden für heute genug. Das Gras ist noch zu frisch um sie länger draussen zu lassen. Ach und pass auf, dass es nicht wieder so ein Durcheinander mit den Fohlen gibt.“ Wenig später war ich mit Loki auf der Ovalbahn und übte den Rennpass. Der junge Hengst war so fortgeschritten in seiner Ausbildung, dass ich als nicht-Gangreit-Experte regelmässig an meine Grenzen stiess, was die Exaktheit und auch die Kreativität der Übungen anging. Wenigstens konnte ich am Rennpass noch arbeiten, weil er dabei noch merklich Mühe hatte. Danach wollte ich anfangen, ihn dressurmässig weiter zu fördern. Am Ende des heutigen Trainings waren wir beide etwas ausser Puste, besonders ich. Ich ritt im Schritt auf dem Schotterweg zurück zum Nordstall. Die ersten Reitschüler streunerten bereits auf dem Hof herum und kamen neugierig auf Loki zu. Es gab lauter „Awwww“ und „So fluffy!“ Rufe und alle wollten den Hengst streicheln. Loki blieb cool und genoss die Aufmerksamkeit. So ein Charmeur, dachte ich verschmitzt und klopfte ihm stolz auf den Hals.

      Es war nun viertel nach 10. Loki war gut versorgt und ich konnte mich ein wenig der Buchhaltung widmen. Ich setzte mich an mein Pult und vertiefte mich in offene Rechnungen, Steuern, Turniernennungen und vieles mehr. Pineforest Stable war als vielseitiges Gestüt ein rentabler Betrieb. Unsere Einnahmequellen umfassten in erster Linie Gewinnsummen, Reitschüler, Pferdeverkäufe, Deckeinsätze und Veranstaltungen, die auf unserem Gelände stattfanden. Dazu kam bald noch der Online-Zubehörshop, der sich im Aufbau befand. Alles in allem schrieben wir schwarze Zahlen und hatten immer noch ein ordentliches Sümmchen vom Vermögen meiner Grosstante auf der Seite. Dass wir das meiste Heu selbst herstellten und Stroh relativ billig von benachbarten Bauernhöfen beziehen konnten, erleichterte die finanzielle Lage ebenfalls. Ich führte trotz allem streng Buch über alle Einnahmen und Ausgaben, um wo immer möglich weiter zu optimieren. Ich checkte noch meine Mails, wobei auch eines von Eddi dabei war. Neugierig las ich, was sie geschrieben hatte und war freudig überrascht über den Inhalt. Sie bot mir an, mir eine ihrer Paint Stuten zu schenken. Ich hatte vor kurzem Interesse an der hübschen Ice Coffee gezeigt, ohne mich am Ende für den Kauf zu entscheiden. Da Eddi aber überzeugt war, dass es Coffee auf Pineforest Stable gefallen würde, wollte sie sie mir nun kurzerhand überlassen. Sie selbst wollte ihren Bestand etwas reduzieren, wie sie mir als Begründung mitteilte. Ich schrieb ihr zurück, dass ich Coffee liebend gerne übernehmen wollte und den Transport selbst organisieren würde. Somit schaltete ich den PC zufrieden aus und kochte Lily und mir Mittagessen.
      18 Mai 2016
    • Occulta
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      30. Juni 2016
      Distanztraining für Ice Coffee E → A | 3605 Zeichen | (c) BellaS
      Gerade Pferde die neu zu uns nach Rømø kamen, fehlte es oft an Ausdauer. So ging es auch der jungen Stute Ice Coffee, die zu den Körservice-Pferden gehörte. Mit ihren vier Jahren hatte sie bei Lektionen oft noch Mühe ihre Beine zu sortieren. Einer der vielen Gründe warum meine eigenen Pferde frühestens mit 5 unter den Sattel kamen. Für die Westernszene waren vier Jahre allerdings schon fast zu spät, was ich Occulta Smith, der Besitzerin, hoch anrechnete. Trotzdem hatte ich mich für diesen Monat dazu entschlossen Lektionen erst einmal Lektionen sein zu lassen und am Grundsätzlichen zu arbeiten - der Ausdauer. Dabei konnte ich dann gleich auch Distanz auf A stufen und schlug zwei Fliegen mit einer Klappe. Der einzige Nachteil gegenüber Dressur- oder ähnlichem Training war der verhältnismäßig große Zeitaufwand. Die Stute musste behutsam an andauernde Trabstrecken und grundsätzlich längere Wege gewöhnt werden. Ich begann Coffee beizubringen am Fahrrad zu laufen und nahm sie jede noch so banale Strecke die ich fuhr mit. Da hier auf unserer kleinen Insel Entfernungen etwas anders definiert wurden, hatten wir zwar gerade mal 3km bis zum Damm, der zum Festland führte, dafür aber 15km bis zum einzigen vernünftigen Bäcker auf dieser Insel. Diese Strecke fuhr ich gerne mit dem Rad. Früher war ich nur mit dem Fahrrad unterwegs gewesen. Wir hatten kein Auto das uns überall hinkutschierte und die Stadtbahn war uns meistens zu teuer. Also blieb der Drahtesel. Heute fuhr ich immernoch das Rad, das ich mir vor 9 Jahren, mit 16, vom meinem gesparten Geld gekauft hatte und ich genoss jede Strecke. Wir boten offenbar einen leicht seltsamen Anblick, wie Coffee da neben mir her trabte. Inzwischen, nach nur drei Wochen, bräuchten wir auf den 15 Kilometern nur noch drei Schrittpausen. Immer nach einem Drittel des Weges. Außerdem sah man langsam das Ergebnis der ganzen Lauferei. Das schlaksige Jungpferd verschwand langsam und machte einer hübschen, erwachsen Stute platz, bei der sich die richtigen Stellen langsam rundeten. Nach nur drei Wochen sah man bereits etwas. Ich war zufrieden. Jetzt konnten wir ernsthaft unter dem Reiter weiter machen. Ich hatte schon in den letzten Wochen immer mal wieder Ausritte anberaumt, allerdings noch keine, die wirklich auf Strecke abzielten. Heute begannen wir mit 10 Kilometern, auf denen ich die Stute so oft Schritt gehen ließ wie sie wollte. Nur anhalten und Pause machen war nicht drin. Am nächsten Tag, einem Dienstag, kam sie nur mit zum Bäcker, wo sie inzwischen liebend gerne hinging. Während die draußen wartete, bekam sie nämlich immer ein Stück trockenes Brot zugesteckt, was sie inzwischen schon wehement einforderte. "Wie so ein Hund.", wunderte sich die Verkäuferin mal wieder, während sie unsere Brötchen in eine Tüte verschwinden ließ. "Tja, es gibt Dinge, die kann man wohl allen Tieren angewöhnen."
      Am Samstag schließlich, brachen wir zum 15 Kilometer-Ritt mit Pulscheck auf. Mein eigenes Trainingsziel war zwar schon längst erfüllt und die Ausdauer vorhanden, doch nur nach diesem Ritt konnte ich auch Distanz auf A setzen. Ich hakte die Satteltaschen ein, gurtete nach, setzte meinen Helm auf und schwang mich in den Sattel. Einen Moment lang fummelte ich noch an meinen Kopfhörern herum, damit sie sich nicht mit den Bändern des Helms verhakten, dann ging es los.
      Wir hatten gut trainiert, ich war lange Ritte gewohnt und auch am sommerlichen Wetter war nichts auszusetzen. Es passierte nichts besonderes und schließlich kam ich mit einer ausgepowerten, aber nicht völlig erschöpften Ice Coffee wieder am Hof an. Training erfolgreich.
    • Occulta

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      03. Juli 2016, by Veija
      Ice Coffee Western (Pleasure) S - S*
      Heute war ich mal wieder auf dem Weg nach England, jedoch nicht zu Hunter, sondern zu Occulta Smith. Aufschwatzen gelassen hatte ich mir 5 Pferde, wovon ich 3 in Military und 2 in Western trainieren sollte. Um also nicht ganz alleine da zu stehen, hatte ich mir Aliena und Aaron mitgenommen. Aliena würde mir vor allem bei den Westernpferden unter die Arme greifen, Aaron würde sich vor allem um die Militarypferde kümmern. Ice Coffee sollten wir in der Western Pleasure von S auf S* bringen. Diese Klasse gab es in der eigentlichen Westernszene nicht, jedoch konnte man Manöver immer verbessern oder präzisieren. Das nächste Pferd war Calico, ein schicker Criollohengst, welchen ich in Trail von LK 3 auf LK 2 bringen sollte. Halluzination sollte in Military von E nach A gebracht werden, Sunday Morning, eines von Occultas in der ganzen Welt bekanntem Englischen Vollblut, von A nach L und Diarado von L nach M. Ich hatte mir als Maß eine Woche gesetzt, in der wir alle Pferde trainieren sollten, da auch zu Hause auf der Ranch genügend Arbeit war und mir leider im Moment die Zeit fehlte, durch die Weltegschichte zu reisen. Bei fünf Pferden wäre es jedoch Quatsch, sie nach Kanada fliegen zu lassen. Da konnte ich dann auch mal in den Flieger steigen und sie zu Hause besuchen.
      So kamen Aliena, Aaron und ich bei Occu an und ich stellte meine beiden Mitarbeiter kurz vor, ehe wir auch schon in den Stall gingen. Anfangen wollte ich heute noch mit den drei Militarypferden. Nach Occus Charakterbeschreibung entschied ich mich dazu, Halluzination zu reiten, da sie die Stute als unberechenbar beschrieb und ich sie meinen Mitarbeitern nicht zutrauen wollte. Aaron bekam den Hengst und Aliena die Englische Vollblutstute. Diarado hatte Occulta als fleißig, willig, stolz und intelligent beschrieben. Die Vollblutstute als sensibel und brav. "Tauscht doch bitte die Pferde.", sagte ich unvermittelt zu den beiden Zweibeinern. Schulterzuckend tauschten sie die Pferde, ehe wir die drei Tiere fertig machten und im Hof aufstiegen. "Aliena geh du mit dem Hengst vor, wir kommen mit den Stuten nach.", erklärte ich und so verließen wir den Hof, um zur Militarystrecke zu reiten.
      Dort angekommen begann Aliena mit dem Hengst die Strecke. Wir warteten ca 5 Minuten, ehe ich Aaron mit der Stute hinein schickte. Dann wartete ich wieder einige Zeit, ehe Halluzination und ich uns auf den Weg machten. Die Stute ging im Springen schon auf S***, springen konnte sie also. Ich brauchte auch wirklich nicht viel Überzeugung, sie über die Hindernisse zu bekommen. Lediglich bei den Tiefsprüngen war sie sehr vorsichtig und vertraute mir nicht, was auch eigentlich klar war, denn wer vetraute schon einem wildfremden? Alles in allem kamen wir aber gut durch den Parcours, so dass meine Mitarbeiter und ich guter Dinge zurück zur Ranch reiten konnten. Dort warteten nämlich noch zwei Pferde, die jedoch nicht so viel Arbeit bedurften. "Aliena schnappst du dir Calico, dann schaue ich, was ich aus Ice Coffee noch rausholen kann?", fragte ich meine Mitarbeiterin und sie nickte. Wir sattelten also die drei Pferde ab und schnappten uns Calico und Ice Coffee. Aaron hatte jetzt freu und konnte sich auf dem Hof umsehen. Ich hatte ihm wärmstens ans Herz gelegt, sich Unbroken Soul of a Rebel anzusehen, den Vater von Devils Fohlen. Mit Calico ging Aliena auf den Platz, wo Aaron dann doch auftauchte und ihr tatkräftig zur Hand ging. Mit Ice Coffee ging ich in die Halle. Dort gurtete ich nach und schwang mich in den Sattel, ehe ich sie ordentlich aufwärmte. Schon schnell merkte ich, dass ich hier kaum etwas zu tun hatte, denn die Stute konnte schon alles, was sie können musste. Das einzige was ich ihr noch beibringen konnte, war auf noch weniger Hilfen zu laufen, doch auch das war kein Problem für das Tier. Ich ritt die Stute also nur eine gute halbe Stunde, denn sonst hätte ich die nächsten Tage nichts mehr zu tun.
      So kam es, dass wir mit den Militarypferden jeden Tag im Gelände waren und sie ordentlich an die Hindernisse gewöhnten. Halluzination stellte sich als gar nicht so unberechenbar heraus, wie Occu sie mir beschrieben hatte. Auch machten die beiden anderen Militarypferde super gut. Von den beiden Westernpferden ganz zu schweigen. Die beiden waren einsame Spitze, so dass wir nach unserer Woche hier auf Pineforest Stables guten Gewissens nach Hause fahren konnten.
    • Occulta
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      3. August 2016
      Ein Wirbelwind | 9388 Zeichen | © BellaS

      Wie eigentlich jeden Morgen nach dem Frühstück wanderte ich mit mindestens einem Halfter in Richtung Wattweide um mindestens ein Pferd zum Training zu holen. Heute sollte als erstes Nátti dran glauben und dementsprechend hielt ich das obligatorisch lila-pinke Halfter in der Hand. Dass jedes meiner Pferde eine eigene Farbe für Halfter Schabracke und Dekoteile der Trense hatte, hatte sich irgendwie einfach so ergeben. So trug Sólfari zum Beispiel dunkelblau, Hnakki giftgrün und Laufey orange. Die Jungpferde bekamen mit dem ersten eigenen Sattel und der ersten eigenen Trense ihre Farbe zugewiesen, doch ich war so lange nicht mehr auf dem Festland einkaufen gewesen, dass einigen Pferden noch immer eigene Trensen fehlten. Brött zum Beispiel wurde schon länger geritten und war nur mit unserer grau-weißen Standartschabtracke ausgestattet. Auch Blaer sollte bald ihre eigenen Sachen bekommen und Fenja und Luna fehlte auch noch alles. Es war höchste Zeit für einen Trip nach Deutschland, da ich dort viel lieber Pferdesachen kaufte, als hier in Dänemark. Warum wusste ich auch nicht so genau, aber wenn man nah an der Grenze wohnte, konnte man sich das leisten. So in Gedanken versunken wanderte ich am Weidezaun entlang zum Tor und schrk plötzlich zusammen, als neben mir eine fremde Stimme ertönte. „Entschuldigen sie. Kennen sie sich auf diesem Hof aus?“ Überrascht drehte ich mich zu der unbekannten Frau um und musterte sie. Sie hatte mich auf englisch angesprochen. Urlauberin also. „Muss ich wohl. Ich bin die Eigentümerin.“, erwiderte ich automatisch in der selben Sprache. Wenn man mehrere Jahre in Schottland gelebt hatte, in Deutschland aufgewachsen war und nun in Dänemark wohnte, fiel einem das Wechseln zwischen den Sprachen leicht. „Oh gut.“, freute sie sich. „Ich würde gerne wissen ob es möglich ist, hier Reitunterricht zu nehmen.“ Ich war nun wirklich verwundert. Wir boten keinen Unterricht an und normalerweise nutzen die Touristen so oder so zum reiten den Hof Kommandørgården, da er zur gleichnamigen und einzigen Hotelkette dieser Insel gehörte. Wieso kam diese Frau also zu uns, die wir uns sowohl im Internet als auch am Tor als reinen Zuchtbetrieb ausgewiesen hatten. „Eigentlich sind wir hier nur ein reiner Zucht und Trainingsbetrieb. Wenn sie Unterricht oder Ausritte für...“ Aber weiter kam ich nicht, denn eine begeisterte Kinderstimme unterbrach mich. „Mama, guck mal. Frag mal ob ich die reiten darf. Die ist sooo süß!“ Erst jetzt bemerkte ich das ungefähr 10 Jahre alte Mädchen, das am Zaun stand und Koni an der Nase kraulte. „Unser Kinderpony.“, dachte ich amüsiert und realisierte erst jetzt, dass das Mädchen deutsch gesprochen hatte. „Sie sind aus Deutschland?“, fragte ich, jetzt ebenfalls in meiner Muttersprache sprechend. Erfreut hob die Frau, die offenbar die Mutter der Kleinen war den Kopf. „Ja, sind wir. Sie scheinbar auch. Sie sprechen sehr gutes Deutsch. Akzentfrei.“ „Muttersprachlerin. Hannoveranerraum.“, erklärte ich mich, nicht ganz ohne Stolz in der Stimme. Immerhin war Hannover für das beinahe reinste Hochdeutsch bekannt. Das hatten mir auch zwei andere Sprachen, die ich alltäglich sprach, nicht nehmen können. Ich dachte auch noch auf Deutsch, während Linn im Kopf wahrscheinlich inzwischen bei dänisch war. Die Frau grinste. „Wir kommen aus Kiel. Ach ja. Mein Name ist Marion Hofer und das“, sie deutete auf das Mädchen, „ist Amelie, meine Tochter.“ „Und dann Urlaub an der Nordsee.“ Ich war etwas überrascht. Wenn man sowieso schon am Meer wohnte, musste man doch nicht an einem Meer Urlaub machen, das genauso wenig zum schwimmen geeignet war. „Ähm, also... ja. Warum auch nicht? Und Sie haben mir die Frage zum Thema Reitunterricht noch nicht beantwortet.“ Frau Hofer wich mir aus, das war klar, aber meine Neugierde war hier auch fehl am Platz. Erstmal vorstellen wäre vielleicht angebracht. Und dann die Frage beantworten. Oder anders herum? „Ich heiße Annabell Schmidemann. Und ich wollte meinen Satz gerade beenden. Wir geben eigentlich keinen Reitunterricht. Wenden sie sich an Kommandørgården. „Von dort kommen wir bereits.“ Frau Hofers Stirn legte sich in Falten. „Die Bedingungen der Touristenpferde sind an vielen Stellen unmöglich. Unpassendes Sattelzeug, verletzte Pferde.“ „Oh. Sie kennen sich aus?“ „Natürlich. Ich reite seit ich so alt bin wie meine Tochter jetzt.“ Das Lächeln stahl sich zurück auf ihre Lippen. „Und ich bin Tierärztin.“
      „Wie? Was? Tierätztin?“, erklang plötzlich eine andere, vertraute Stimme hinter mir. Robin. Natürlich. „Wir könnten eine gebrauchen. Topar der Irre hat sich...“ „Langsam Robin. Das sind Urlauber.“, hielt ich ihn zurück, doch Frau Hofer sah in bereits in Bereitschafthaltung an. „Ähm. Frau Hofer. Sie sind im Urlaub und überhaupt...“ Mir war gar nicht wohl dabei, eine Fremde an meine Pferde zu lassen, nur weil sie sich als Tierärztin vorgestellt hatte. „Marion und Unsinn. Natürlich schaue ich mir das Pferd an. Topar.“ „Danke.“ Robin war wieder schneller als mein dämliches Misstrauen und nahm Marion mit. Ich blieb mit Amelie an der Wattweide zurück. „Na dann. Wenn deine Mutter uns schon einen Gefallen tut… Sie heißt Vinkona. Du hast ja eben schon verkündet, dass du sie reiten möchtest.“ Das Gesicht des Mädchens hellte sich auf. „Wie als bist du? Zehn?“ „Elf.“, kam es empört von Amelie und ich musste grinsen. „Und du kannst schon reiten?“ „Na klar!“
      ~
      Ich folgte dem großen, dunkelhaarigen Mann, den Annabell als Robin bezeichnet hatte. Es ging offensichtlich um einen Hengst, denn er hatte ‚der‘ Irre gesagt. Und scheinbar ging es um ein Tier, das häufiger Probleme machte oder hatte. Ich wurde zu einem Anbindeplatz geführt und erkannte das Problem sofort. Der Hengst hatte sich eine lange Wunde am rechten Vorderbein zugezogen. Sofort trat ich heran und besah sie mir genauer. Recht frisch.Maximal zwei Stunden alt, noch offen und relativ tief. Warum hatte ich meine Sachen jetzt verdammt nochmal nicht zur Hand? Als improvisieren. „Haben sie Wasserstoffperoxid 3%?“ Er verneinte. Robin sprach und verstand Deutsch, allerdings die Standartausführung, die man in der Schule oder einem Sprachkurs lernte, verfeinert durch regelmäßige Benutzung. „Teebeutel? Salbei oder Kamille?“ „Ja. Sogar in der Stallapoteke.“ Ah super. Und es wäre super, wenn Sie schon Wasser heiß machen könnten.“ „Kommen Sie mit.“ Während er in eine Richtung davon eilte und ich ihm folgte, begann ich mich umzusehen. Ein ordentlicher Hof, keine Gefahrenquellen für Pferde, gepflegte Pferdenasen die die Aussicht aus ihren großzügigen Boxen genossen. Ein guter Eindruck.
      Die besagte Stallapoteke befand sich, genau wie der Wasserkocher, in der Futterkammer. In dem ausrangierten Medizinschrank entdeckte ich neben dem Tee auch noch einige Salben, nicht brennendes Desinfektionsmittel, Verbandsmaterial und Drachenblutpflaster. Perfekt. Während Robin sich um die Teebeutel, zwei, Kamille, kümmerte, desinfizierte ich die Wunde schon einmal. Es fehlte zum Glück ein Stück Haut. Ein Hautlappen wäre unter diesen, nicht ganz idealen Bedingungen eher zur Brutstätte für unvorteilhafte Bakterien geworden. Schließlich drückte ich die Teebeutel, die gezogen hatten, auf die Wunde und sprühte etwas von der Drachenblutpflaster-Tinktur darauf. Diese hatten den Vorteil die Wunde desinfiziert zu halten und die Wundheilung zu beschleunigen, dabei aber kein Vakuum für lustiges Bakterienwachstum zu erzeugen. „So. das hätten wir. Und es wäre wahrscheinlich ganz sinnvoll rauszukriegen woran er sich verletzt hat.“ Erst jetzt viel mir auf, dass ich Amelie ganz vergessen hatte, doch bevor ich in Panik ausbrechen konnte, sah ich meine Tochter mit der Apfelschimmelstute am Strick auf den Anbinder zumarschieren. Annabell hatte sich offenbar doch zu einer Reitstunde bereit erklärt.
      ~

      Wie geanu es dazu kam, kann ich nicht mehr ganz genau sagen. In jedem Fall tauchten Marion und Amelie in den nächsten zwei Wochen beinahe täglich bei uns auf und wurden zur echten Hilfe, sowie zu guten Freunden. Auch Linn und Finley mochten die zwei auf Anhieb, sodass es bald völlig normal war, sie bei uns auf dem Hof anzutreffen. Schließlich fiel mir jedoch auf, dass die Sommerferien in Deutschland bereits seit einer Woche vorbei waren. Was machten die Zwei also noch hier? Amelie musste auf jeden Fall zur Schule! Mein Misstrauen, das sich in den letzten Wochen verflüchtigt hatte, kehrte mit einem Schlag zurück. Doch bevor ich in misstrauische Grübelei versinken konnte, beschloss ich einfach zu fragen. Ich passte Marion alleine ab, die entsetzt reagierte. Etwas schien sie einzuholen, sodass ich sie oben in meiner Wohnung aufs Sofa platziert und schließlich die ganze Geschichte verlangte, wie sie auch lauten würde.
      Dass ich schließlich eine Geschichte von einer Scheidung, häuslicher Gewallt und einer überstürzten Flucht hören würde, war mir bis zu diesem Moment nicht klar gewesen. Tja, und ungefähr so kam es, dass Amelie in die sechste Klasse einer Schule auf dem Festland angemeldet wurde und sie mit Marion die freie Dachwohnung bezog. So konnte es kommen und dass das Team erweitert wurde, störte bei den Unmengen an anfallender Arbeit auch wirklich keinen. Marion konnte sogar ihre Arbeit als Tierärztin wieder aufnehmen, da wir auf Amelie aufpassten, wenn sie weg war. Sie war ein kleiner Wirbelwind, der uns allen ordentlich Schwung verpasste. Und wir alle liebten sie, Amelie wie ihre Mutter.
    • Occulta
      Fly Away

      Tschilp, tschilp, tschilp – das hörte ich mir nun schon den ganzen Tag an. Ursprung davon war ein kleiner Piepmatz, der hungrig in seiner Müslischüssel auf dem Fensterbrett sass und auf einen Snack wartete. Ich hatte ihn am Morgen in der Halle gefunden, vermutlich war er aus dem Nest gefallen und hatte sich dabei den einen Flügel gebrochen, denn dieser hing etwas schief. Ich machte mir Sorgen um den kleinen Federball, denn er frass zwar, war aber dauernd etwas aufgeplustert. Lisa hingegen war optimistisch: „Der wird schon Occu, solange er frisst und kackt ist alles in Ordnung.“ Ich war etwas genervt über ihre saloppe Ausdrucksweise, zuckte dann aber mit den Schultern und fing noch ein paar Heuschrecken, die ich ihm später in den Schnabel stopfen wollte. Sie versuchten mit aller Kraft mir zu entkommen, dem ein oder anderen gelang es auch, aber die meisten landeten trotz der Strapazen in der kleinen Schachtel mit dem Löcherdeckel. Gefühlte 100 Jagdversuche später stellte ich den Behälter zufrieden neben das improvisierte Nest und machte mich auf den Weg zur Stutenweide. Auf dem Plan stand ein Ausritt mit Lily, Rosie und Lewis. Nein, eigentlich standen auf dem Plan nur in Olivers Handschrift „Moon Kiddy“ und die Namen der weiteren Pferde, die ich diesen Monat persönlich betreute. Aber da es wundervolles Spätsommerwetter war und wir nach den Regenfällen letzte Woche endlich wieder baden gehen wollten, war etwas anderes als Ausreiten gar nie in Frage gekommen. Um mich herum zirpten die Heuschrecken, als ich auf dem Trampelpfad zum Weidetor lief. Piroschka und Feline sahen mir entgegen, senkten dann aber wieder die Köpfe zum Grasen. Sie hatten das einzig Vernünftige gemacht und unter den Bäumen Schatten gesucht. Ich hatte schon heiss vom blossen laufen. Umso mehr freute ich mich auf die Abkühlung. Ich pfiff als ich die Weide betrat, sodass sich die kleine Herde in meine Richtung bewegte. Allen voran kam Islah, nur um kurz vor mir anzuhalten und anschliessend demonstrativ wieder in den Schatten zu schlendern. Sie war die unangefochtene Leitstute, aber die anderen blieben zum Glück erstmal bei mir, sodass ich Moon und Feline zu fassen bekam. Rosie und Lewis können sich Adrenaline und Piroschka nachher selber einfangen, beschloss ich. Ich führte sie beiden Stuten zum Nebenstall, ohne mir die Mühe des Halfterschliessens zu machen. Die gingen sowieso nirgends sonst hin. Ich band beide unter dem Dach an und begann sie zu putzen. Hier hatte ich wenigstens auch etwas Schatten, sodass ich während des Bürstens nicht in meinem eigenen Schweiss ertrank. Trotzdem liefen mir die Tropfen schon nach kurzer Zeit die Stirn runter. Ausserdem hatte ich beim Knoten meines Bikini Oberteils wohl ein paar Haare erwischt, die nun die ganze Zeit unangenehm zwickten. Lily hatte ihre Badesachen auch endlich angezogen (und vermutlich den Piepmatz endlich fertig gestreichelt, obwohl ich sie gebeten hatte, ihn in Ruhe zu lassen). Sie setzte ihr unschuldiges Grinsen auf und striegelte Feline. Kurze Zeit später waren Lewis und Rosie mit ihren beiden Reittieren bei uns. Weil es seit drei Tagen wieder trocken war, hatten es die Pferde auch geschafft, abgesehen von etwas Staub sauber zu bleiben. Ausserdem putzen wir sie sowieso nicht allzu gründlich, weil wir nachher ins Wasser wollten. Daher sassen wir bald schon ohne Sattel und in Badesachen oben und ritten in Richtung Fluss vom Hofgebiet weg.

      Das Ufer war bei der Übergangsstelle zur Insel schön flach, sodass wir über den Trampelpfad ohne Schwierigkeiten ins Wasser kamen. Linn wollte nicht sofort rein, aber als sie sah, dass Moon und Feline ohne zu zögern vorausgingen, folgte sie mit einem zögerlichen Satz. Piroschka begann sofort zu scharren, als sie den ersten Huf im Wasser spürte. Lewis musste sie sogar energisch antreiben, dass sie sich nicht ablegte, als die beiden tiefer drin waren. Wir wateten zu einer tieferen Stelle, sodass die Stuten sogar ein wenig schwimmen mussten. Moon strecke Ohren und Nüstern so weit in die Höhe wie es ging, damit kein Tröpfchen Wasser rein kam. Ich klammerte mich an ihre dichte Mähne, damit ich mich auf dem schwimmenden Nilpferd halten konnte und nicht unter die Paddelhufe kam. Lily tat es mir gleich, sie war diesen Sommer schon ein paarmal mitgekommen und wusste, dass sie aufpassen musste. Am Ende kletterten wir tropfend wieder an Land und die Pferde schüttelten sich erstmal kräftig, sodass wir allesamt fast von den Rücken runtergerutscht wären. Dann machten wir uns erfrischt auf den Heimweg, aber nicht ohne am Wegrand einen kleinen Galopp zu wagen. Ich fragte Lily vorher, ob sie sich traue, doch sie verdrehte als Antwort nur die Augen und galoppierte bereits an. Wobei sie sich dann doch ziemlich gut festhalten musste, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren.

      Zuhause versorgten wir die vier Criollos und kümmerten uns um die nächsten Kandidaten. Islah, Echo, Coffee, Shadow und Noir waren bereits bewegt worden – erstere drei ebenfalls auf einem Ausritt mit Jonas, Elliot und Lisa. Shadow und Noir waren am Morgen an der Longe gequält worden. Ich machte nun die Sachen von Lila Wolken bereit. Ja, die Stute war wieder Zuhause. Sie war bei Eddi in besten Händen gewesen und hervorragend trainiert worden, aber Eddi hatte einfach nicht mehr genug Zeit für zu viele Pferde, deshalb hatte sie ihren Bestand ziemlich reduziert. Auch Caruso und Flintstone waren aus diesem Grund zurückgekehrt. Alle drei hatten die Reise gut überstanden und sich schnell wieder eingelebt – das war nun auch schon wieder ein paar Wochen her. Ich war besonders froh dass ich Flint wieder hatte, denn so hatte ich nun schon zwei meiner ursprünglichen drei Westernpferde aus der Anfangszeit von Pineforest zurück. Wenn ich mir den Hengst ansah, kamen mir sofort Erinnerungen in den Sinn und ich fragte mich, wie es wohl Lovely Summertime ging. Ich wusste wenigstens, dass sie noch lebte, denn ich hatte sie kürzlich auf einem Foto eines Kanadischen Turniers wiedererkannt. Doch nun zurück zu Lila, die mittlerweile gesattelt vor dem Nebenstall angebunden stand. Ich zog ihr das Halfter aus und schob ihr die Trense in den Mund. Sie nahm sie willig an und kaute darauf herum, während ich versuchte, die drahtige Wuschelmähne unter dem Genickband zurecht zu zupfen. Als ich es geschafft hatte, kam mir Jonas entgegen. „Hey Boss, soll ich mit Ronja raus gehen oder im Roundpen Seitengänge üben?“ „Was weiss ich? Du bist kein Kind mehr, entscheide selbst“, antwortete ich gereizt. „Was hab ich jetzt schon wieder verbrochen?“, wollte er daraufhin gerechtfertigter Weise wissen. Ich sah ihm nicht in die Augen, aber murmelte entschuldigend: „Okay tut mir Leid, du kennst mich doch - ich hab immer viel um die Ohren.“ „Schon gut, ich verzeihe dir nochmal“, beschwichtigte er grinsend. „Wobei ich wünschte, du hättest mehr Zeit.“ „Mehr Zeit wofür?“ Er schien überrascht, dass ich seine Worte gehört hatte und meinte rasch: „Ach, für Ausritte oder Filmabende...“ Ich sah ihn stirnrunzelnd an und überlegte. „Wenn du unbedingt willst, können wir heute Abend zusammen mit Lily einen Film schauen.“ „Ich meinte eher, nur wir zwei“, murmelte er, fügte dann aber auf meinen allessagenden Blick hin rasch hinzu: „aber mit Lily ist natürlich auch vollkommen okay, ich würde mich freuen.“ Ich wandte mich kopfschüttelnd wieder Lila zu und dachte laut: „Diese Männer, immer nur das eine im Kopf.“ Er rief im Weggehen lachend: „Was denn? Ich hab nicht mal im Entferntesten an sowas gedacht, wenn du das reininterpretierst ist das nicht meine Schuld.“ Meine Ohren wurden heiss, aber ich liess es gut sein und kümmerte mich um mein Pferd, anstatt nochmal etwas anzufügen.

      Lila lief brav auf der Ovalbahn, wie ich es mir von ihr gewohnt war. Sie beherrschte mittlerweile sogar Renntölt und war sehr fein an den Hilfen. Sie hatte auch schon ein paar entscheidende Turniere bei Eddi gewonnen und war nun in die Höchstklasse aufgestiegen, also hatte ich mit ihr nun drei Gang-Cracks im Stall. Zufrieden liess ich sie nach einer halben Stunde austraben und führte sie nach dem Absteigen im Schatten der Tannen trocken. Ich musste bis zum Abend noch Satine, Rebel und Pilot bewegen, ausserdem La Bella Goia in Empfang nehmen. Die Siebzehnjährige Stute durfte in ihr altes Zuhause zurückkehren und hier ihren Lebensabend geniessen. Aber im Moment war sie noch äusserst gut in Form und würde als erfahrenes Turnierpony für Lily dienen – und als Freizeitpartner für mich. Sie wurde pünktlich um sechs Uhr von Hans gebracht und ich führte sie sogleich in ihre neue Box im Nebenstall. Mit Pilot ging ich zuvor nochmal raus ins Gelände, denn der Hengst hatte gestern eine anstrengende Dressurstunde gehabt. Satine bewegte ich auf dem Sandplatz, ebenso Rebel. Wobei ich mit letzterem noch etwas an unseren Pleasure-Fertigkeiten feilte. Um acht Uhr war ich endlich mit allen fertig und half noch rasch Lily beim Verräumen von Areion, mit dem sie fleissig Gymkhana Übungen gemacht hatte. Dann wollte ich gemeinsam mit ihr nach dem Piepmatz sehen, den ich zuletzt um sieben Uhr gefüttert hatte. Lily rannte voraus durch die Haustür. Als ich hinterherkam, stand sie geschockt da. „Occu, es bewegt sich nicht mehr!“ Ich ahnte schon, was los war; ein Blick in die Schale bestätigte meine Vermutung. „Er hat’s nicht geschafft… Da war wohl doch etwas nicht mehr ganz in Ordnung mit seinen Organen.“ Lilys Augen füllten sich mit Tränen und sie schluchzte leise: „Er war ein Vogel, aber durfte in seinem kurzen Leben nicht einmal fliegen… Dabei haben wir uns so Mühe gegeben! Das ist einfach ungerecht.“ „Manchmal reicht Mühe allein nicht aus, und die Natur ist erbarmungslos. Aber da wo er jetzt ist, kann er sicher fliegen und ist schmerzfrei. Komm, wir begraben ihn im Garten.“ Mir bildete sich zugegebenermassen auch ein Kloss im Hals, als ich beobachtete, wie meine Nichte das tote Vögelchen schluchzend in ihre kleinen Hände hob und hinaustrug. Wir buddelten ein Loch und Lily sammelte ein paar Blümchen, die sie hineinlegte, um dem Piepmatz ein hübsches Blumennest zu machen. Dann legten wir ihn hinein und schoben die Erde langsam zurück ins Loch. Wir standen noch einen Moment da, dann legte ich den Arm um Lilys Schulter und führte sie ins Haus.

      Wir schauten wie versprochen mit Jonas einen Film, was meine Nichte auf andere Gedanken brachte. Ich war an diesem Abend froh und dankbar, Jonas bei uns zu haben. Denn auch mich brachte der gemeinsame Abend auf andere Gedanken. Trotzdem träumte ich in dieser Nacht von einem hüpfend-flatternden Federball, der mich vorwurfsvoll ansah, laut tschilpte und dann über eine Wiese mit vielen Grashüpfern hinweg flog. RIP Piepmatz…
      10 Aug. 2016
    • Occulta
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      28. August 2016
      Distanztraining für Ice Coffee A → L | 4697 Zeichen | © Canyon
      Rømø, die hübsche Insel vor Dänemark war nun schon lange das Zuhause von Bella Schmiedemann, meiner heutigen Auftraggeberin. Nur hatte es vor kurzem eine kleine Umdisponierung gegeben, als Linn mit einigen Isländern nach Island gezogen war, um dort ihren eigenen Stall aufzubauen.
      Dementsprechend geschafft und müde wurde ich von Bella begrüßt, als ich sie mal wieder besuchte, um ihre Pferde zu trainieren. Zum Glück hatte ich dieses Mal meinen Partner und Freund Petyr mit dabei und auch wenn das mit ihm wie immer nicht einfach werden würde, so war ich doch froh etwas Gesellschaft zu haben.
      Um jedoch das Training dieses Mal etwas abwechslungsreicher zu gestalten, lud ich zusammen mit Petyr bereits in aller Frühe die beiden Stuten auf einen Anhänger und fuhr mit ihnen über die lange Brücke aufs Festland, wo wir uns bereits eine Strecke ausgesucht hatten, die wir heute reiten würden.
      Schnell war klar, dass Petyr die braune Isländerstute namens Fenja reiten würde und ich mich auf die Paint Horse Stute Ice Coffee setzen würde, die auch nur zu Besuch auf Rømø war.
      Als wir an unserem Startpatz angelangt waren, luden wir die beiden aus dem Hänger aus, banden sie auch an diesem an und bereiteten sie auf den Ritt vor.
      Als beide gesattelt waren, stiegen wir auf und begannen unser Training. Petyr und ich waren mittlerweile schon ein eingeschweißtes Team und auch wenn wir uns des Öfteren wegen unwichtigen Dingen in die Haare kamen, so waren wir doch Freunde, wie man es selten fand. Dachte ich jedenfalls.
      Da Coffee bereits mehr Erfahrung im Distanzen hatte als Fenja, würde ich Petyr irgendwann alleine lassen müssen und meinen eigenen Weg reiten.
      Die ersten hundert Meter blieben wir mit den Pferden noch im Schritt, um sie warmzureiten und hatten gleichzeitig die Chance, beide besser kennenzulernen. Coffee war ein typisches Westernpferd. Völlig entspannt und ruhig trug sie mich und zuckte nur bei zu lauten und ungewohnten Geräuschen kurz zusammen. Trotzdem achtete sie darauf, dass ich auf ihrem Rücken blieb und das war ja erstmal das Wichtigste.
      Auch Petyr schien mit Fenja gut zurecht zu kommen, auch wenn diese am Anfang der Strecke noch etwas überdreht und übermütig war. Ich war mir jedoch sicher, dass sich das schnell legen würde.
      Irgendwann trabten wir an und folgten nun einem längeren Pflasterweg zwischen zwei Feldern entlang, die es hier oben ja zu Genüge zu geben schien. Coffee schien viel Freude am Laufen zu haben und wir hatten riesen Glück, dass auch das Wetter gut mitspielte.
      Nach acht Kilometern legten wir unsere erste Pause ein. Wir nahmen die Pulswerte der beiden Stuten, gönnten uns allen eine kurze Pause und stiegen dann so schnell wie möglich wieder auf. Da die Pferde nun zu Genüge warm gelaufen waren, galoppierten wir nun auch längere Strecken, ließen die Pferde dafür aber in längeren Schrittphasen zu Ruhe kommen.
      Nach 15 Kilometern war es allerdings für Petyr und Fenja soweit, dass sie sich von uns trennten und den Weg zurück zum Auto einschlugen.
      Für mich und Coffee hieß es nun, nochmal doppelt so viel zurückzulegen. Bis jetzt hatte ich Coffees Tempo immer dem von Fenja angepasst und auch schnell hatte ich gemerkt, dass die Ausdauer der hübschen Stute schon um einiges besser war, als die von Fenja.
      So erhöhte ich das Tempo nun noch etwas, sodass wir kaum noch Schritt ritten, sondern uns eher im Schritt und Trab bewegten. Eine Pause legte ich noch ein, welche diesmal auch etwas länger dauerte. Mit einem kritischen Blick ließ ich sie auch kurz an der Hand traben, um alles zu überprüfen.
      Im Straßenverkehr musste ich das Tempo leider immer etwas senken, da Coffee recht ängstlich war, was größere Autos anging. Die dadurch verlorene Zeit holten wir jedoch schnell wieder durch die Strecken auf den Feldwegen ein, da Coffees Trab außerordentlich stark und schnell war.
      Nach etwa 30 Kilometern lotste mich mein GPS-Gerät wieder zurück zu unserem Startort, wo Petyr seiner Fenja ein kleines Paddock gebaut hatte und bereits mit frischem Heu auf mich und Coffee wartete.
      Sobald wir angekommen waren, ließ ich mich von ihrem Rücken gleiten, zog ihr den Sattel vom Rücken und legte ihr eine Abschwitzdecke über, damit sie sich nicht bei diesem Wind erkältete. Dann ließ ich sie kurz in Ruhe fressen, bevor ich ein letztes Mal ihre Pulswerte nahm und sie dann zusammen mit ihrer Freundin Fenja in den Anhänger verfrachtete und zurück zum Gestüt fuhr.
      Bella freute sich, als sie von dem gelungenen Training erfuhr, bedauerte es aber, dass wir bereits wieder zurück nach Norwegen mussten. Ich überreichte ihr noch unsere Notizen, bevor ich wieder ins Auto stieg und zusammen mit Petyr in Richtung Heimat fuhr.
    • Occulta
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      5. September 2016

      Hufkontrolle | 3994 Zeichen | © Sosox3
      Nach zwei Tagen in Norwegen machte ich mich weiter zu meinem nächsten Kunden, naja eher Kundin. Ich wurde herzlich von ihr empfangen und wir sprachen ein wenig über unsere Arbeit. Auch über Rachels letzten Besuch in Dänemark. Scheinbar hatte sie sehr viel preisgegeben und konnte sich dennoch nicht richtig entscheiden, was sie denn jetzt züchten wollte. Doch unser Gespräch lenkte sich immer mehr in Richtung Arbeit. Ich seufzte. „Wer ist denn der erste?“, fragte ich neugierig, da es hieß, ich würde heute nicht nur Isländer bearbeiten. „Romulus, ein Paso Fino. Ich bringe dich gerade zu ihm“, sagte Anabell zu mir und begleitete mich zu ihrem Putzplatz. Dort breitete ich schon mal meine Utensilien aus, während die junge Frau ihren Braunen zu mir führte. „Was braucht der Hübsche denn?“ „Nur eine Kontrolle und die Hufe sollten gekürzt werden. Ich bin in der Zeit gerade die Fohlen am bespaßen.“ Ich nickte und kratzte ihm zuerst die Hufe aus um sie dann einer ordentlichen Kontrolle zu unterziehen. Er wies ziemlich harte Hufe vor und hatte eine leichte Fehlstellung hinten links, die ich im Laufe der Bearbeitung noch bearbeiten würde. Hier und da tänzelte er mal und erwies sich als etwas temperamentvoller als ich zu Anfang dachte. Es dauerte also ein wenig länger bis ich ihm die Hufe ordentlich gekürzt hatte. Kurz darauf rief ich seine Besitzerin an, welche mir sagte, dass ich gleich das nächste Pferd empfangen würde. Einer ihrer Stallburschen würde Romulus nehmen und mir dann Fenja bringen. Sie würde genau dasselbe bekommen.
      Fenja war noch beschlagen, also musste ich ihr erst die Eisen abnehmen und ihre Hufe dann säubern. Beim ersten Blick fielen mir dann auch schon ihre viel zu langen Hufe auf, die auch noch in einem optimalen Zustand waren. Bei der Kontrolle fiel mir dann vorne links eine Fehlstellung auf, die ich gleich bearbeitete beim Kürzen. Auch sie war eher eine von der unruhigen Sorte, genau wie Romulus. Doch hielt mich das nicht von meiner Arbeit auf. Nach dem Feilen brachte mir der gleiche Stallbursche eine Isländerstute namens Brött.
      Genau wie die zwei vorherigen war sie etwas übermütig und was alles noch schwieriger machte, war ihre Unwissenheit gegenüber mir, dem Schmied. Es machte alles zwar ein wenig schwieriger und komplexer, denn sie hatte ziemlich lange Hufe, die dringend gemacht werden mussten. Die Kontrolle verlief sehr gut und sie konnte keine Fehlstellungen aufweisen, so machte ich mich dann ans kürzen. Dem Horrortrip wäre ich lieber entkommen, aber da musste sowohl ich als auch die Junge Stute durch.
      Das nächste Pferd war eine Paint Horse Stute, immerhin ein Engel im Umgang und auch beim Kürzen der Hufe war sie ruhig und pflegeleicht. Im Gegensatz zu Brött und ihrer Unwissenden Ader, wobei sie dafür ja nichts konnte. Ich war ihr erster Hufpfleger. Ice Coffee hatte gute Hufe und auch nicht allzu lange, sodass nicht viel wegmusste. Während ich meine Arbeit machte, döste sie und gab mir ihre Hufe fast schon von alleine.
      Luna und Blaer waren die nächste. Rachel hatte Luna schon einige Male auf Turnieren vorgestellt und Blaer sollte eigentlich mal zu uns auf den Hof, aber wir hatten damals andere Probleme mit unseren Pferden. Luna hatte hinten rechts eine etwas größere Fehlstellung, da würde ich wohl öfter mal dran, aber es war machbar. Beim Kürzen war sie artig, ich hatte auch nichts Anderes erwartet, bei Blaer verlief das ganze fast genauso wie bei Brött. Sturheit war fast schon der Schlüsselbegriff der Situation und so dauerte es ein Weilchen bis ich fertig mit dem Kürzen ihrer Hufe war.
      Die letzte war dann Vin, der ich erst die Hufeisen samt Stollen abnahm und dann die Hufe kontrollierte und kürzte. Bis die Eisen erhitzt waren schmusten wir ein wenig und dann legte ich ihr die Eisen an. Da es Sommer war, dieses Mal ohne Stollen, wie sie es im Winter trug. Ich war für heute mehr als geschafft und war heilfroh, dass ich jetzt erst einmal einen Tag Pause hatte bis der nächste Flug nach Island auf mich wartete.
    • Occulta
      Ein langer Tag

      Es war ein sonniger Spätsommermorgen und die Natur schien verschlafen zu haben. Es lag viel Tau auf dem Gras, die Luft roch frisch und sauber. Das Gewitter vom Vortag hatte den ganzen Staub von den vergangenen heissen Tagen weggewaschen. Ich streckte mich genüsslich und genoss einen Moment die frühen Sonnenstrahlen auf meiner Haut. Vom morgendlichen Vollbluttraining herkommend befand ich mich gerade auf dem Weg zum Nordstall. Drinnen war es schön kühl. Die Pferde raschelten fleissig in ihrer Frühstücks-Heuportion und ich entdeckte ein paar Mäuse, die gerade den Boxenwänden entlang flüchteten. Jackie spitzte sofort aufgeregt die Ohren und flitzte hinterher, aber natürlich erwischte sie keine. „Wo sind diese verlausten Katzenviecher wenn man sie mal braucht?“, stellte ich sarkastisch an mein Hündin gewandt fest. Sie musterte mich Schwanzwedelnd und erwartungsvoll. „Heh sweetie? No treats until you catch one.“ Ich stellte mich vor Donuts Box und rief seinen Namen. Der Ponyhengst hob den Kopf, spitzte die Ohren und brummelte. Ich schmunzelte, weil seine Stimme wie immer höher als die eines Grosspferdes war und das Geräusch dadurch umso witziger klang. Geputzt und gesattelt hatte ich ihn schnell, denn er war noch sauber von gestern. Das Langhaar bearbeitete ich nochmal mit etwas Glanzspray, damit der Schweif schön fluffig und voluminös war. Dann führte ich Donut auf den Reitplatz, denn was gab es besseres, als die noch kühle Morgenstimmung für eine Dressurstunde zu nutzen? Ich wärmte Donut auf und trabte ihn dann erstmal in Dehnungshaltung auf mehreren Volten. Nach einer Weile nahm ich die Zügel auf und begann, den Hengst mit lockeren Seitengängen zu gymnastizieren. Er war heute fleissig und energiegeladen, was ich sehr mochte. Trotzdem entschleunigte ich ihn anschliessend mit ein paar kleinen Volten, damit er nicht auf die Vorhand kippte. Im Schritt versuchte er immer wieder anzutraben, wie ein ungeduldiges Kind. Doch ich nahm es gelassen und schätzte seinen Eifer. Ich beschloss, jetzt erstmal ein wenig Galopparbeit zu machen, bevor ich mich noch an Travers Lektionen wagte. Er galoppierte schwungvoll und in korrekter Haltung, leicht vor der Senkrechten und schön bergauf. Wie toll es doch war, einen so fein ausgebildeten Hengst zu reiten! Ich versammelte den Galopp und liess ihn auf der langen Seite wieder zulegen, dann wechselte ich durch die Diagonale und machte einen Galoppwechsel bei X. Kein Problem für Donut – als erfahrenes Springpony gehörte das zu seinen Spezialitäten. Nach dem versprochenen Travers machte ich noch ein wenig Schulterherein, dann liess ich es für heute gut sein und brachte Donut zurück in den Nordstall. Ich sattelte ab, bürstete das Fell glatt und kratzte die Hufe aus. Als ich fertig war, entliess ich ihn in seine Box und gab ihm drei Karotten, die er hastig runterschlang. Ich kraulte zum Abschied seinen Hals und den weissen Nasenrücken, wobei er genüsslich den Mund verzog. Er wollte mich gar nicht weggehen lassen, sondern sich gleich hinter mir wieder durch die Boxentür zwängen, was ihm natürlich nicht gelang. Enttäuscht brummelte er mir hinterher und ich bekam beinahe ein schlechtes Gewissen, einfach so davonzulaufen. Aber sein eigentlicher Beweggrund, so war ich mir fast sicher, war die vierte Karotte, die ich noch immer in der Hand hielt um sie nun Ljóski hinzustrecken. Herkir, der in derselben, besonders grossen Box stand, versuchte eifersüchtig seinen Kumpel wegzuekeln. Ich führte Loki in die Stallgasse und putzte ihn ausgiebig. An seinem wolligen Langhaar hatte ich besonders lange. Der Hengst war kitzlig und zuckte die ganze Zeit mit dem Widerrist, als ich mit der weichen Bürste nochmals über seinen Körper strich. Besonders am Bauch mochte er es gar nicht, sodass er vor und zurück zappelte. Ausserdem drehte er mehrfach den Kopf um sich mit der Schnauze an seiner Schulter zu kratzen. Das hibbelige Getue ging auch beim Aufsteigen weiter und ich fragte mich langsam, ob Herkir und er Persönlichkeiten getauscht hatten, denn normalerweise war der Fuchsschecke eher wie ein Sack voller Flöhe. Ich ging mit dem vor Energie überlaufenden Loki ins Gelände und machte ein paar gesunde Galopps, sodass ich ihn am Ende zufrieden und ausgepowert am langen Zügel nachhause reiten konnte. Als nächstes stand Longieren mit Moon Kiddy auf dem Programm, als Abwechslung für sie und mich. Nachdem sie am Sonntag an einem anspruchsvollen Gymkhana mit Darren gestartet war, hatte sie sich eine Pause verdient. Deshalb arbeitete ich mit ihr eine halbe Stunde lang locker im Roundpen, wobei ich nicht mehr als Übergänge und Seitenwechsel verlangte, um ihre Reaktion auf meine Körpersprache weiter zu schulen. Sie war sehr aufmerksam und liess sich gänzlich auf mich ein, was das Training sehr einfach machte. Andererseits kannten wir uns nun auch schon so lange, dass ich alles andere als bedenklich gewertet hätte. Meine hübsche Criollostute mit der mächtigen, schwarzen Mähne, ihr Markenzeichen, kam am Ende des Trainings zu mir in die Roundpen Mitte und holte sich ihre Karottenstückchen ab. Ausserdem wischte sie liebevoll mit der Oberlippe auf meinem Unterarm hin und her, als wollte sie mich kraulen. Ich tat es ihr gleich und massierte ihren Widerrist, dann führte ich sie am Halfter zurück in den Nebenstall. Inzwischen waren die Hengste alle auf die Weiden gelassen worden; die Stuten kamen am Nachmittag raus.

      Ich bekam pünktlich um zehn Uhr einen Anruf, dass mein neues Hengstfohlen, LMR Royal Champion, gesund und munter im Flughafen von Birmingham angekommen war. Der Jährling stammte von der Lake Mountain Ranch, einem noch eher unbekanntes Gestüt, doch seine Abstammung gefiel mir und sein Exterieur hatte mich überzeugt. Er war ein Mix, daher überlegte ich, ihn kastrieren zu lassen, doch das hatte noch Zeit. Erstmal holte ich ihn nun ab und brachte ihn zu seinen neuen Kumpels auf die Hengstfohlenweide. Es gab ein paar Rangeleien, wie das eben war, wenn ein Neuling in die Gruppe stiess. Ich beobachtete das Ganze, bereit, jederzeit mit schwingendem Führstrick einzugreifen. Doch es war wie erwartet nicht nötig: Royal wurde von allen Seiten neugierig beschnuppert und ein bisschen ‚angenagt‘, dann war die Rangfolge fürs erste geklärt und er wurde in Ruhe gelassen. Dass er sich so rasch in das soziale Gefüge eingelebt hatte, sprach für die Haltung des Züchters. Zufrieden widmete ich mich wieder den anderen Stallarbeiten.

      Lily war noch in der Schule, also traute ich mich nicht, etwas mit Thairu, unserem gestreiften ‚Pony‘ zu unternehmen. Sie wollte immer dabei sein wenn ich mit dem Zebra arbeitete, was leider im Moment nicht allzu oft geschah. Andererseits hatte ich das Gefühl, dass es auch besser für Thairu war, wenn sie nicht zu viel Trainiert wurde. Schliesslich war so intensiver Kontakt zu Menschen noch immer recht viel Stress für sie und ich wollte sie nicht überfordern. Ich beschloss, mir heute Abend eine Stunde für das Zebra freizuhalten.

      Es war nun 11 Uhr und mittlerweile ziemlich warm geworden, sodass ich nur noch im Trägertop rumlief. Zira und Sheela waren treu an meiner Seite, Jackie hingegen hatte sich aus dem Staub gemacht als ich aufgebrochen war um Royal abzuholen. Vermutlich überwachte sie mal wieder gewissenhaft ihr Territorium oder döste irgendwo im Schatten. Ich liess es mir nicht nehmen, rasch mit den beiden Hündinnen zu spielen, als ich unterwegs zur Stutenweide einen nahezu perfekten Stock dafür fand. Er wies schon ein paar Nagespuren auf, also hatten ihn die Hunde wohl von irgendwoher angeschleppt. Ich warf ihn soweit wie meine eher spährliche Armmuskulatur es erlaubte und sah dann belustigt zu, wie sich Sheela und Zira dynamisch darauf stürzten. Sheela, die ja ein wenig älter und deutlich massiger war als die schlaksige Zira, brauchte bloss einmal warnend zu knurren um ihrer jungen Spielgefährtin klarzumachen, dass sie alleine den Stock tragen durfte. Sie brachte ihn mit stolz aufgerichtetem Gang zu mir zurück. Zira trottete hinterher, wie eine hungrige Wölfin die auf eine Gelegenheit wartete, ihrer Rudelgenossin die Beute abzunehmen. Ich lobte beide und warf den Stock nochmal, dann lief ich zum Weidetor. Ich wollte vor dem Mittag noch mit Islah arbeiten. Die Araberstute hatte ihren Babybauch durch die ständige Bewegung auf der Weide und das Training unter dem Sattel vollständig abtrainiert und erfreute sich wieder bester Fitness, was bei ihrem Charakter nicht immer von Vorteil war. Ich mochte es aber, dass sie dieses feurige Temperament zeigte, das man oft als typisch für Araber empfand. Ich brachte sie zum Nebenstall und band sie dort ans Holzgestänge. Dann begann ich, ihr kurzes Fell zu striegeln. Noch während ich dabei war, kamen Ajith, Oliver und Jonas vorbei. „Hey Boss“, grüsste Jonas. „Ajith had an idea“, begann Oliver. „Since some of the thoroughbred stallions now live at Rosie’s farm, we could put the Arabians into the empty stalls inside the Hauptstall.” Ich verstand, worauf er hinauswollte; der Platz im Nordstall war begrenzt, hingegen im Hauptstall gab es eine ganze Reihe unbesetzter Gastboxen. Trotzdem war ich nicht so richtig zufrieden mit dem Vorschlag. Stattdessen überlegte ich laut: „What about we ask Rosie if she wants to take the Arabs in an give us our beloved English Tbs back?“ Ajiths Augen leuteten begeistert – er hing einfach an all seinen Pfleglingen und war ziemlich enttäuscht gewesen, dass die paar Hengste auf der Wilkinson Farm von anderen Pflegern versorgt werden würden. Oliver schien auch nicht abgeneigt von der Idee, nur Jonas war etwas zerknirscht, weil er dadurch künftig Numair und Anubis nicht mehr so oft sehen würde. Ich fragte ihn, ob es sehr schlimm sei, doch er verneinte glücklicherweise. „Solange du mir meinen Herkir dalässt, ist alles gut.“ Ich schmunzelte und schloss: „Dann rede ich nachher mit Rosie, ich wollte ihr sowieso einen Besuch abstatten.“ Die drei zogen zufrieden weiter und ich widmete mich wieder ganz meiner Islah. Ich arbeitete auf dem Sandviereck mit ihr, auf dem noch Stangen von Lisas Trail Training mit Shadow ausgelegt waren. Dies nutzte ich gleich, um die Stute zu gymnastizieren. Über den Stangen und Cavaletti musste sie ihre Beine heben und den Rücken wölben, ausserdem erforderte die Arbeit ein erhöhtes Mass an Konzentration, was bei ihrem Temperament gerade recht kam. Zu lange ritt ich sie aber so nicht, denn die Lektionen waren anspruchsvoll und führten im Übermass zu Muskelkater. Ich liess sie nach etwas mehr als einer intensiven halben Stunde ausgiebig austraben und brachte sie dann zurück auf die Weide.

      Nun meldete sich mein Magen zu Wort und erinnerte mich daran, dass es Mittag war. Lily kam aus der Schule zurück und half mir beim Kochen, verzog sich am Ende aber doch ins Wohnzimmer um mit den Hunden zu spielen. Ich war ihr nicht böse, denn das heutige Menü war nicht aufwendig – Spaghetti mit Tomatensauce und Salat. Ich fragte meine Nichte, ob sie Lust hatte am Abend mit Thairu zu trainieren. „Und das fragst du noch?“, kam die empörte Antwort. Ich grinste zufrieden und konzentrierte mich auf meine Spaghetti, um keine Tomatensauce zu verspritzen. Lily hatte am Nachmittag Schulfrei, also lud ich sie ein, Rosie mit mir zu besuchen. Nach dem Essen und wegräumen begaben wir uns also abermals zur Stutenweide. Ich fing mir Argenté Noir ein, Lily durfte Feline nehmen. Wir putzten die beiden Stuten direkt auf der Weide, indem wir sie an den Zaun banden und das Sattelzeug den ganzen Weg rüber trugen. Unter dem Zaumzeug liessen wir die Knotenhalfter, damit wir die beiden später auch anbinden konnten. Ich war schon ein Weilchen nicht mehr auf dem Welsh Pony gesessen, aber gewöhnte mich rasch wieder an Noirs Bewegungen. Wir ritten zusammen zur Ranch, machten aber einen Umweg durch den Fluss. Bei der Mittagshitze war es eine willkommene Abkühlung, als Feline verspielt im Wasser scharrte und uns beide nass spritzte. Noir zog wenig begeistert ihren Kopf weg und klappte ihre Ohren nach hinten, damit sie kein Wasser abbekamen. Wir wateten ans andere Ufer und trabten dem Waldrand entlang zur Ranch. Der einladende Schotterweg mit dem Kreis erinnerte mich an die Zufahrt zu einem noblen Schloss. Die Gebäude waren neu gestrichen und alles sauber aufgeräumt – von einer Baustelle war beinahe nichts mehr zu sehen. Auch die Zäune standen nun alle; sie waren hübsch weiss und ergänzten das ländliche aber zugleich edle Bild. Von weitem sah ich Cantastor und Muskat auf der Weide grasen. Sie wehrten friedlich mit den Schweifen Insekten ab und schüttelten ab und sahen auf, als sie uns entdeckten. Lily und ich stiegen ab und banden die Pferde an, dann begaben wir uns auf die Suche nach Rosie. Wir fanden sie im Wohnhaus, wo sie gerade Staubsaugte. Sie begrüsste uns herzlich und machte Tee, während Lily freiwillig fertig staubsaugte. Wir plauderten eine Weile bei Tee und Keksen, bevor ich wie versprochen die Idee mit den Arabern ansprach. „That’s funny“, meinte Rosie als ich fertig war, „I bought two Arabians recently, from a place named Fearie Hills. It’s a mare and a stallion, both precious breeding stock, but Fearie Hills is being closed and so their horses are all for sale. I was afraid that those two could end up with some dubious traders, so I kinda rescued them.” “That’s cool, I can’t wait to see them!”, rief Lily begeistert. Rosie meinte lachend: “You don’t have to – they’re arriving today.” “When exactly?”, wollte ich wissen. “I will pick them up at the airport in about an hour.” “So we’re gonna swap? You okay with that?”, hakte ich nach. Rosie überlegte kurz und nickte dann. “Though I’ll miss my little Fly around here, I think I would like to start breeding Arabs.“ Ich nickte zufrieden und wir schüttelten Hände – damit stand der Entschluss fest, dass meine drei Araber hierher ausgelagert werden würden und künftig in Rosies Zucht zum Einsatz kamen. Lily und ich beschlossen unseren Ausritt fortzusetzen und anschliessend gemeinsam mit den Pflegern den Pferdetausch zu vollziehen. Wir galoppierten über die beliebten alten Holzrücker Wege im Wald und waren wohl insgesamt über eine Stunde lang unterwegs. Noir liess ich am Ende am langen Zügel nachhause schlendern; die Stute war ausgepowert und wackelte zufrieden im Takt mit den Ohren. Wir brachten sie und Feline zurück auf die Weide und trommelten Jonas und Lisa als Helfer zusammen. Ich war zwar nicht gerade begeistert davon, mit beiden gleichzeitig zu tun zu haben, aber sie waren gerade als einzige zur Verfügung. Wir holten die drei Araber und sattelten sie. Islah verstand die Welt nicht mehr, als ich sie abermals von der Weide holte und ihr den Sattel auf den Rücken legte. „Don’t worry girl, you won’t have to work again“, murmelte ich liebevoll. Jonas schwang sich auf Numairs Rücken, Lisa übernahm Anubis und nahm Lily vorne mit drauf. Wir hatten auch noch zwei Führstricke dabei, weil drüben auf der Ranch fünf Pferde auf uns warteten. Die Putzsachen von den drei Arabern wollte ich später noch per Auto vorbeibringen.

      Rosie war längst losgefahren, um ihre zwei Neulinge abzuholen. Wir besprachen die Boxenordnung daher mit ihrem Chefpfleger, einem stämmigen, dunkelhaarigen Typen namens Lucas Gordon. Die Araber durften die frisch ausgemisteten Boxen beziehen. Dann holten wir die Englischen Vollblüter direkt von der Weide und sattelten Empire, Muskat und Canto. Fly und Fajir mussten als Handpferde mitkommen, weil ich meiner kleinen Nichte den Umgang mit den temperamentvollen Hengsten noch nicht ganz zutraute. Doch bevor wir loszogen bestand Lily darauf, auf Rosie und die neuen Araber zu warten. Ich willigte ein, weil ich selber auch gespannt auf die beiden war. Zwanzig Minuten Später fuhr der Selbstfahrer auf den Hof und wir halfen Rosie beim Ausladen. Als ich die Klappe mit Jonas zusammen öffnete, sah ich als erstes einen hübschen braunen Hengst, der uns misstrauisch entgegenschielte. Wir lösten die Trennwand und führten ihn ans Tageslicht. Er war nicht besonders gross, Araber eben, aber hatte einen ausdrucksstarken Körperbau mit einem äusserst hübschen Hechtkopf und kräftigem braunem Fell. Seine Beine waren ganz schwarz und er hatte am restlichen Körper zum Teil dunkle Stellen und leichte Dapples. Die lange schwarze Mähne fiel eher wild über seinen gebogenen Hals und den Schweif trug er aufgeregt erhoben. Er blähte die Nüstern und sah sich um. Dann wieherte er stolz, um anschliessend mit gespitzten Ohren auf eine Antwort zu warten. Die kam auch – vermutlich von einem der Hengste im Stall drüben. Bintu Al-Bahri schnaubte neben Lisa lautstark und scharrte ungeduldig auf dem Schotter, während Jonas und ich die Trennwände lösten, die den Weg zwischen ihm und dem zweiten Pferd gesichert hatten. Die Stute war ganz vorne angebunden, damit es keinen Ärger während der Fahrt hatte geben können. Schon jetzt erkannte ich, dass sie eine hübsche Rappstute war, die eine klar definierte, schneeweisse Blesse trug. Sie folgte mir zögernd die Rampe runter und sah sich ebenfalls um. Im besseren Licht erkannte ich, dass sie nicht gerade gut bemuskelt schien und ihre bisherige Zeit als Zuchtstute nicht spurenlos an ihr vorübergezogen war. Rosie bemerkte meinen skeptischen Blick. „She is 10 years old and had already 7 foals. I guess you can tell.” Mitleidig schaute ich in die dunklen, freundlichen Augen und streichelte die Nüstern der Stute. „Her name’s Farasha, it means butterfly. I’m not quite sure, but I even think that she’ll have another foal in spring. I will let the vet check her carefully.” Betroffen nickte ich. Rosie las die unausgesprochene Frage von meinem Gesicht ab und versprach: „I won’t breed her again. If she has another foal, then it will be her last, if not I’d say even better.“ Ich stimmte ihr nickend zu und war froh, dass meine ehemalige Pflegerin sich in erster Linie um das Wohlergehen von Farasha sorgte. „But doesn’t that mean that you still don’t have your own broodmare?” “That does not matter right now; I’m still building everything up.”

      Farasha und Bintu wurden von Rosie und Lucas in ihr neues Zuhause geführt und wir machten uns mitsamt Pferden auf den Heimweg. Canto schien zu spüren, dass es nachhause ging, denn er hatte einen zügigen Schritt drauf und wollte Empire die ganze Zeit überholen. Ich bremste ihn aber auch nicht zu sehr, sondern nahm die Zügel lediglich auf, wenn er antraben wollte. Auch Fly tänzelte ungeduldig nebenher, wobei er seinen Hals schön wölbte und richtig edel aussah. Wir waren um drei Uhr zurück auf dem Hof und brachten die fünf bei ihren alten Kumpels unter, dann ging alles seinen gewohnten Gang. Eigentlich hatte ich meine für diesen Monat zugeteilten Pferde nun schon alle bewegt, aber wie meistens übernahm ich für den restlichen Tag noch ein paar weitere. Die Pfleger konnten sich so den anderen Stallarbeiten widmen und ich hatte nichts dagegen, den ganzen Tag im Sattel zu sitzen – schliesslich waren es meine Pferde, und ich wollte jedem einzelnen von ihnen so viel Aufmerksamkeit schenken wie nur möglich. Ich überlegte rasch, dann suchte ich April und fragte sie, ob Rosenprinz schon bewegt worden war. „Yes Madam, I rode him in Training with Coulee this morning. As you requested in order to keep him fit for cross country.” Ich nickte zufrieden und suchte weiter. Auf dem Weg zum Nordstall begegnete ich Lewis. „Ahh Lewis! Did you already work with Unbroken Soul of a Rebel?“ “Yes Boss, all done. I practised for the horsemanship show on saturday.” “Is that so… Very well”, antwortete ich etwas enttäuscht, lief dann aber fröhlich weiter. Ich entdeckte Lisa beim Dressurviereck – sie räumte gerade die Stangen vom Morgen weg. „Hey Lisa, did you ride Piroschka?“ „Yes, Jonas and I took her and Adrenaline out for a ride today. Sorry, should I have waited until now?” Natürlich, die beiden waren wieder zusammen unterwegs – da hätt ich auch selbst drauf kommen können, stellte ich bitter fest. “Ahh… no, never mind.” Ich wollte schon davonhuschen, als sie mir hinterherrief: „Wait Occu, you could take Summertime! I would be glad, because I… Well I would like to spend some more time with Jonas…“ Ich hielt an ballte die Fäuste, aber nach kurzem Zögern seufzte ich leise, drehte mich dann lächelnd zu ihr um und meinte: „Sure. I’ll take her out for a ride as well.“

      Ich schlurfte zur Stutenweide und schnappte mir Summers Halfter vom Haken an der Wand des Offenstalls. Crap… I hate them both, dachte ich ärgerlich, das Bild von Lisas unschuldigem Grinsen im Kopf. Ich wanderte zu den Bäumen, wo die Paint-Stute stand und streifte ihr das Halfter über. Andererseits habe ich Ajith versprochen, dass ich mir Mühe gebe und sie nicht anders als vorher behandle. Das ist doch sowieso alles kindisch, ich sollte Jonas einfach vergessen und mich auf meine Tiere konzentrieren. Ich führte Summer zum Weidetor, zögerte dann aber und band sie an den Zaun. Ich wollte sie lieber in Ruhe hier unten putzen und ein Weilchen alleine sein. Ihre Ausrüstung musste ich trotzdem noch holen. Jonas war ebenfalls in der Sattelkammer. „Danke Occu, Lisa hat mir vorhin begeistert erzählt, dass du für die Summer bewegst.“ Ich nickte nur und nahm mir kommentarlos was ich brauchte. Du machst es nicht besser. Wenigstens hatte ich meinen Frieden bei den Pferden. Summer stand brav still und verscheuchte entspannt die Fliegen, wann immer sie ihr zu nervig wurden. Ich kratzte ihre Hufe gründlich aus, wobei ich bemerkte, dass sie ganz wenig Fäulnis hinten links hatte. Ich säuberte die Stelle gründlich und beschloss, nach dem Reiten ein Mittel dagegen aufzutragen. Ich sattelte sie und zog ihr das Bosal an, weil ich sie zum Ausreiten lieber damit zäumte. Dann führte ich sie aus der Weide und stieg auf. Gerade als ich durch die Tannen der Ostpassage reiten wollte, hörte ich eine Stimme. „Warte auf uns!“, rief meine kleine Nichte mit ihrem Tinker Areion. Sie schlossen im Trab zu uns auf. „Ich will mitkommen, ich hab den Teddy heute noch nicht bewegt!“ Ich lachte über den passenden Spitznamen des wolligen Tinkers und wir setzten uns in Bewegung. Areion hatte sich gut eingelebt und wurde täglich von Lily ‚bespasst‘, sodass die beiden schon in dieser kurzen Zeit ein Team geworden waren. Zwar hatten sie ab und zu noch Meinungsverschiedenheiten; so zum Beispiel bei der Holzbrücke, wo sich Lily durchsetzen musste, weil der Tinker einfach davor stehen blieb. Aber meine Nichte fand trotz ihres Flohgewichts immer wieder einen Weg ihr Ziel zu erreichen, denn was ihr an Kraft fehlte, machte sie mit austricksen wett. „Hey, du hast dem Teddy ja ein Zöpfchen gemacht! Das hab ich vorher gar nicht gesehen.“ Sie hatte den Zopf mitten in der Mähne gemacht, sodass er zeitweise von den umliegenden Haaren überdeckt wurde. Das muss sie noch etwas üben, dachte ich schmunzelnd, aber das sagte ich ihr natürlich nicht, um ihr Selbstvertrauen nicht zu verletzen. Sie grinste stolz und meinte: „Er ist ja auch das perfekte Übungsobjekt!“ Wir ritten weiter Richtung Osten und nahmen dann die Südlich gelegenen Wege für den Heimweg. Das Highlight war die Galoppwiese, über die wir nochmal ordentlich drüber bretterten, bis fast zum Hofgelände. Summer und Areion waren beide ziemlich verschwitzt als wir zurückkamen, besonders der arme Tinker hatte natürlich mit seiner mächtigen Mähne einen grossen Nachteil bei der Hitze. Wir duschten die beiden daher rasch ab und führten sie dann trocken, wobei sie auch grasen durften.

      Es war nun fast fünf Uhr und begann zu spüren, dass ich wieder den ganzen Tag unterwegs gewesen war. „Tea time!“, rief ich durch den Hauptstall und schlenderte anschliessend zur Reiterstube in der Halle. Die ersten Pfleger folgten mir bereits eifrig, während einige noch die restlichen zusammentrommelten. Wenn wir eine solche ‚Tee Pause‘ machten, besprachen wir auch jeweils was es noch zu tun gab, beziehungsweise was bisher alles gemacht wurde. Ich legte grossen Wert darauf, dass meine Angestellten ehrlich waren und es mir mitteilten, wenn sie in irgendeiner Weise unzufrieden waren. Nur so gelang es dem Team von Pineforest Stable so eng zusammenzuarbeiten. Auch lockerten wir das Arbeitsklima regelmässig mit Grillabenden oder gemeinsamen Ausflügen auf. Bisher hatte ich jedenfalls durchwegs positive Rückmeldungen erhalten was die Zufriedenheit der Mitarbeiter anging. Und gerade weil sie sich hier so wohl fühlten, setzten sie sich so dafür ein, dass auf Pineforest Stable alles reibungslos klappte. Schliesslich hatten wir auch einen Ruf zu verteidigen, und es gehörte ein gewisser Stolz dazu, wenn man hier arbeitete. Als ich fragte, ob noch jemand ein Pferd an mich abtreten wollte, meldete sich David mit einem Räuspern. „I’d be glad if you take Ice Coffee today, because then I could quickly go to town later.” Ich nickte zufrieden und beschloss, etwas Pleasure mit der Stute zu üben. Doch vorher war wie versprochen das Zebra dran. Wir tranken fertig, danach kontrollierte ich rasch die Mini- und Fohlenweiden, ehe ich mich zu Thairu und Dante begab. Für den Esel wollte ich noch einen anderen Namen finden, da mir Dante so gar nicht gefiel. Ich suchte etwas Afrikanisches, aber hatte bisher noch nichts Passendes gefunden. Als ich zum Weidetor lief, spitzte Thairu ihre grossen, runden Ohren. Sie kam sogar auf mich und Lily zu (die mir hinterhergespurtet war) und stellte sich erwartungsvoll vor uns hin. Ihr Schwanz war stets in Bewegung – ein gutes Zeichen in Zebra Sprache. Ich zog ihr vorsichtig ihr breites Lederhalfter über die Ohren und befestigte den Führstrick daran. Sie hielt brav still und folgte mir dann ins Innere der Ovalbahn. Lily schnappte sich Dante und führte ihn hinter uns her. Das gab dem Zebratier zusätzlich Sicherheit. Wir banden die beiden an den Rails an und begannen, sie mit den mitgebrachten bürsten zu putzen. Dante genoss die Prozedur am Kopf besonders. Er verzog genüsslich die Lippe und legte den ganzen Schädel schief. Hufegeben wollte er hingegen erst nach eindringlicher Aufforderung meinerseits – Lily schaffte es nicht den sturen temporär-Wallach zu beeindrucken. Zebra gab ihre Hufe sogar ziemlich vorbildlich, worüber ich positiv überrascht war. Sonst war das mit ihr oft sehr mühsam, weil sie sich durch das auf drei Beinen stehen den Menschen auf eine gewisse Weise hilflos aussetzen musste. Aus ihrer Sicht war es wohl ein Risiko, vergleichbar damit einen festen Standpunkt aufzugeben und so leichter angreifbar zu sein. Ich kämmte die Stehmähne und das Büschel am Ende ihres Schwanzes, dann war ich fertig. Lily musste auf die beiden aufpassen, während ich den Sattel von Thairu holte. Wir hatten bis vor ein paar Wochen oft mit einem Pad und einem Longiergurt trainiert, aber dann war der Sattler gekommen um die Sättel von Bluebell und Sweets zu kontrollieren und ich hatte bei der Gelegenheit gleich noch einen alten Ponysattel aufpolstern lassen. Den legte ich nun entschlossen auf Thairus Rücken und gurtete sanft ins zweite Loch. Ganz angezogen war er so noch nicht, aber genug, dass der Sattel nicht gleich bei der ersten Bewegung verrutschte. So ein Zebrarücken war ziemlich suboptimal für Sättel: kein Widerrist und ziemlich rund, sodass fast kein Übergang zur Kruppe sichtbar war. Thairu hatte deshalb auch einen Schweifriemen und ein elastisches Vorgeschirr, die ich beide gewissenhaft befestigte. Das Zaumzeug war eher simpel gehalten – klassisch englisch ohne Sperrriemen. Es war jedes Mal wieder ein Abenteuer, es über die grossen Ohren zu bekommen. Nun waren wir startklar. Zuerst führte ich das gestreifte Tier warm, dann zog ich den Gurt etwas nach und half Lily hoch. Sie trug zur Sicherheit einen Rückenpanzer, da Thairu doch noch ab und zu etwas wild wurde. Doch ich hatte das Gefühl, dass unser Muskelaufbautraining besser mit Lily funktionierte, weil ihr Gewicht schonender für den Rücken der Zebras war als meines. Eingeritten hatte ich das Tier selbst, aber seit sie einigermassen brav lief war nur noch Lily oben gesessen. Erst sobald Thairu genug Muskeln hatte, wollte ich selber auch wieder auf ihr reiten. Ich liess die Zügel los, Lily ritt nun also frei. Wir übten auf der Ovalbahn Übergänge; die Basics des Gehorsams, damit das Zebra sicherer wurde. Es war auch eine gute Übung für Lily, denn ich gab ihr Unterricht und sie perfektionierte die korrekten Hilfen. Schritt-Trab Übergänge klappten zufriedenstellend, aber galoppiert waren wir noch fast gar nicht und anhalten liess sich das Zebra noch nicht wirklich gut. Genau das übten wir nun eine halbe Stunde lang intensiv; immer und immer wieder. Gegen Ende klappte es schon deutlich besser, jetzt konnte Lily sie immerhin nach spätestens fünf Schritten zum Stillstehen bringen. Wir arbeiteten fleissig mit Lob und Karottenstückchen um Thairu bei Laune zu halten. Denn wir wussten beide – es gab nichts Schlimmeres als ein ‚grumpy zebra‘. Bevor wir für heute Schluss machten, wollten wir noch etwas wagen: eine Runde im Galopp auf rechter Hand. Ich schloss mit Lily spielerisch eine Wette ab, um ihren Ehrgeiz zu entfachen, was bestens funktionierte. „Ich wette du schaffst keine ganze Runde.“ „Just you watch me!“ Sie trabte zuerst und bereitete Thairu sorgfältig vor, wie ich es ihr beigebracht hatte. Dann gab sie die Galopphilfen und trieb, bis das Zebra einsprang. Okay, falscher Galopp – aber immerhin, dachte ich vergnügt. Die beiden galoppierten um die Kurve, da drohte das Zebra bereits wieder durchzufallen. Doch Lily blieb hartnäckig und trieb es mit allem was sie hatte an. Thairu machte einen leichten Bocksprung, sodass Lily den einen Bügel verlor, blieb aber im Galopp und drückte nun ordentlich aufs Gas. Die beiden rasten im Hoppelgalopp an mir vorbei (es sah so witzig aus, wenn das Zebra galoppierte) und absolvierten tatsächlich eine ganze Runde. Lily klammerte sich tapfer am Sattel fest – ich konnte mir gut vorstellen wie schwierig es war, sich so auf dem Zebrarücken zu halten. Thairu bremste schliesslich von selber wieder in den Trab, sodass Lily wieder die Kontrolle übernehmen konnte und zu mir zurück ritt. Wir lobten das Zebra ausgiebig und sattelten sie ab.

      Nachdem Thairu und Dante wieder in Ruhe auf ihrer Weide standen, kümmerte ich mich um Coffee und Lily zog davon um mit Skydive zu spielen. Ich ritt die Paint Stute in der Halle und hörte dazu Musik aus den Lautsprechern. Draussen wurde es zunehmend dunkler und stiller, aber ich war zu konzentriert um viel aus der Fensterwand zu schauen. Das Pleasure Training war für uns beide anspruchsvoll, denn es erforderte Präzision und feines Zusammenspiel. Ich schickte Coffee mal in langsamem Lope, mal in zügigem Canter vorwärts, und parierte sie aus allen möglichen Gangarten und Geschwindigkeiten in den Schritt durch. So konnte ich sie lösen, bis sie vollkommen locker aber in Versammlung über den Rücken lief. Zufrieden beendete ich das Training um halb acht Uhr und versorgte die Stute. Ich verbrachte noch etwas Zeit bei den Miniature Horses, wobei ich dank der hellen Lampe im Offenstall genug Licht hatte um die kleinen Ponys zu putzen. Sie waren zwar schon von Lewis geputzt worden, aber ich tat das auch nicht um sie sauber zu bekommen, sondern um meine Beziehung zu ihnen aufrecht zu erhalten. Das Licht und die Motten, die darum kreisten sorgten für eine romantische Stimmung, während ich im sauberen Stroh zwischen der liegenden Chocolate Chip und Dakota sass. Gedankenversunken liess ich mich nach hinten fallen und lag eine Weile einfach so da, an die Balken der Decke starrend. „Wie soll es weitergehen?“, fragte ich mich leise. „Ich wäre ja gerne glücklich für die beiden, aber ich kann es nicht. Ich bin zu egoistisch…“ Ich seufzte. „Wenn er nur nicht so verdammt gut aussehen würde! Und seine humorvolle, aufgeweckte Art… So spannend und abenteuerlich. Dann wiederum seine ruhigen Momente, in denen er jede Faser meines Körpers zu verstehen scheint, jeden unausgesprochenen Gedanken hört. Wenn er nur nicht zwischendurch so ein Idiot wäre. Aber Lisa scheint das nichts auszumachen…“ Ich kam mir vor wie eine Figur in einem ziemlich komplizierten Film, unsicher, ob ich hier im Stroh auf der Stelle alles hinter mir lassen und glücklich sterben, oder doch eher melancholisch leben würde, bis ich alt und grau war. Vielleicht gab es ja doch eine goldene Mitte? Eine gefühlte Ewigkeit genoss ich mit geschlossenen Augen das Kitzeln des Strohs und stellte mir in meinem Kopf allerlei Zukunftsszenarien vor. Irgendwann schreckte ich hoch und stand auf, weil ich sonst wohl noch eingeschlafen wäre. Ich streckte mich und löschte das Licht, als ich den Offenstall verliess um ins Haus zurückzukehren. Lily sass vor dem Fernseher; ich gesellte mich zu ihr. Sie sah sich ‚der König der Löwen‘ an. Plötzlich meinte sie zu mir: „Occu, ich finde den Namen Zazou cool.“ „Ja, der ist hübsch.“ „Nein, ich meine für Dante! Das würde doch passen, oder?“ Ich überlegte laut: „Du hast recht, das wäre in der Tat hübsch für ihn.“ So war es also beschlossen. „Was würde ich nur ohne meine kleine Nichte machen?“, flüsterte ich liebevoll, als ich ihr einen Gutenachtkuss gab.
      20 Sep. 2016
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  • Album:
    Gnadenweide
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    Occulta
    Datum:
    21 Dez. 2016
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  • Offizieller HG

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    Vom: Whiskey on Ice

    Aus der: Coffee Latte


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    Rufname: Coffee
    Geburtstag:
    14.02.
    Alter: 7 Jahre
    Stockmaß: 1.55 m
    Rasse: Paint Horse
    Geschlecht: Stute
    Fellfarbe: Bay Tovero
    (Ee,Aa,Toto,Oo)
    Abzeichen: schmale Blesse, halbweisse Fessel vl, weiss gestiefelt hr
    Gesundheit: sehr gut


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    etwas scheu, brav, verlässlich


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    Coffee ist eine leicht scheue, aber liebe Stute, die, wenn sie erst einmal Vertrauen gefasst hat, ein wahrer Engel ist und mit einem durch dick und dünn geht.
    Unter dem Sattel ist sie talentiert, braucht aber noch viel Training, weil sie altersgemäß noch etwas unbeholfen und nicht ganz ausbalanciert ist.


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    Besitzer: Occulta
    Ersteller: Sweetvelvetrose
    VKR: Sweetvelvetrose
    Verkäuflich: Nein


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    Gekört: Ja
    Nachkommen: PFS' Icy Rebel Soul
    Decktaxe: nicht leihbar!


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    Galopprennen Klasse: E
    Western Klasse: S***
    Spring Klasse: E
    Military Klasse: A
    Dressur Klasse: A
    Distanz Klasse: M

    Eignung: Trail, Western Pleasure
    Eingeritten: Ja


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    [SK 445]
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    1. Platz 332. Westernturnier
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    3. Platz 275. Westernturnier

    3. Platz 300. Westernturnier
    3. Platz 330. Westernturnier
    3. Platz 354. Westernturnier

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    3. Platz 259. Distanzturnier
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