Occulta

• Gianna, Criollo

Stute | Cremello

• Gianna, Criollo
Occulta, 19 Nov. 2015
    • Occulta
      Ankunft von Gianna und Hallu

      „Was war denn das schonwieder?!“ Wütend stampfte ich die Treppe runter und riss die Haustür auf. Draussen standen Rosie und Lewis, der gerade einen Ast vom Boden aufhob. „Ups, sorry Occu, der flog zu hoch…“ Erst jetzt begriff ich, denn Jacky kam angerannt und wuselte freudig um meine Beine. Die beiden hatten mit der Hündin gespielt, dabei war wohl das Stöckchen auf Abwege geraten und an mein Fenster geknallt. Ich brummelte wenig verständnisvoll: „Na schön, aber passt in Zukunft besser auf, ich will meine Scheiben ganz behalten.“ „Und ich meinen Hals“, flüsterte Lewis zu Rosie, die belustigt gluckste. Auch ich musste lächeln und fügte hinzu: „So böse bin ich nun auch wieder nicht Mr Asbury.“ Ich drehte mich um und verschwand wieder in meinem Zimmer, ich hatte noch ein paar Formalitäten zu erledigen, denn heute sollte wieder eine neue Stute auf dem Hof ankommen. Sie eine war eine Zuchtstute, die ich in einer Anzeige entdeckt hatte. Und zwar ein Cremello, was sie äusserst interessant für meine entstehende Criollo-Zucht machte. Ausserdem musste ich auch noch ein paar Abklärungen bezüglich Halluzination machen, eine wunderschöne aber etwas unberechenbare Hanno-Stute. Sie hatte HuskyJenny, einer bekannten Züchterin, gehört. Husky hatte sie mir grosszügiger Weise verkauft, nachdem ich meine ausgesprochene Begeisterung für dieses Pferd ausgedrückt hatte. Die Stute hatte mich mit ihrem leuchtend roten Fell nahezu verzaubert. Jack hatte sie anfangs etwas misstrauisch beäugt, doch als er die Stute in der Halle gesehen hatte, war auch er hin und weg gewesen. Jedoch hatte Hallu auch gleich ihren Charakter beweisen und neben der wunderbaren Gang-Vorstellung einige Bocksprünge gezeigt.
      Als ich fertig war schmiss ich die Papiere auf einen Haufen und lief zum Nebenstall. Zuerst ging ich geradewegs zu Hallu um zu sehen, ob sie anständig ausgefressen hatte. Der Futtertrog war jedenfalls leer, also schien sie das neue Futter zu mögen. Sie beknabberte beine Hand, als ich ihr über die Nüstern streichelte. „Meine Süsse“, murmelte ich glücklich und blickte in die dunklen Augen. Ich verharrte noch einige Sekunden, dann löste ich meinen Blick von ihr und ging dem Rufen von Jack nach, das von draussen herein klang. „Komme gleich!“, schon war ich draussen und auf dem Weg zum Parkplatz, wo gerade der Transporter vom Flughafen angekommen war. Wir öffneten gemeinsam die Klappe und begutachteten mein neues Schmuckstück, die seidige Cremellostute. Ich führte sie die Rampe hinunter und stellte sie gerade hin, damit ich sie auf Verletzungen checken konnte, ehe ich sie zu den Weiden brachte. Dort wartete schon Aerith, mit der sie sich künftig eine grosszügige Weide mit Offenstall teilen würde. Die beiden durften sich kurz durch den Zaun beschnuppern, ich wollte nämlich ihre Reaktion zuerst beobachten. Beide blieben relativ entspannt, also konnte ich Gianna auch gleich ganz reinlassen. Sobald die Stute frei war, galoppierte sie mit erhobenem Schweif davon, Aerith folgte ihr in ihrem typischen Quarter-Galopp. Die beiden stoppten beim anderen Zaunende und beschnüffelten sich nochmals kurz, ehe Gianna den Kopf senkte und zu grasen begann. Sie hob jedoch ab und zu prüfend den Kopf und blähte die Nüstern. Aerith schien gefallen an ihrer neuen Kumpanin gefunden zu haben, denn schon jetzt frassen sie Kopf an Kopf. Zufrieden klatschte ich mir in die Hände und umarmte meinen Jack.
      19 März 2014
    • Occulta
      Und der bunte Rest…

      Nachdem ich Sheela im Haus versorgt hatte, lief ich mit Jonas zurück zum Hauptstall. Merino döste erschöpft im Stroh und Blüte knabberte entspannt an ihrem Heu, dort war also alles okay. Jonas kam sich etwas unnütz vor, wie er mir verriet, da er noch nicht wieder arbeiten oder reiten konnte. Also bot ich ihm an, mir beim Training zuzusehen und mir Tipps zu geben. Er half mir ein wenig dabei, Peace zu putzen. Als wir fertig waren, verpasste ich Peace noch einen neuen Haarschnitt, was er dringend nötig hatte. Danach sah er wieder sportlich und frisch aus. Ich führte ihn nach draussen auf den Dressurplatz und stieg auf, um ihn einzuwärmen. Der kräftige Hengst hielt aber nicht viel von langsamem Schritt und schreckte immer wieder vor Vögeln oder ähnlichem zurück. Bei einem weiteren Seitensprung war es mir genug und ich beschloss, ihn endlich anzutraben um ihn zu beschäftigen. Wie erwartet lief er nun konzentrierter und brav. Ich übte einige Übergänge zur Lockerung und im späteren Verlauf des Trainings arbeitete ich viel im Galopp. Galoppwechsel waren mittlerweile kein Problem mehr für den talentierten Genossen, weshalb ich mich an die Galopppirouetten wagte. Kein Meister fällt vom Himmel – so auch nicht Paco, aber immerhin drehte er nach fünf Versuchen schon beinahe auf der Stelle. Nach einer halben Stunde intensivem Training lobte ich ihn und ritt mit Jonas im Schlepptau auf der Galoppbahn etwas Schritt. Es war ein schöner Spaziergang, denn heute war es zum Glück nicht mehr ganz so heiss. Trotzdem war ich froh um die schattenspendenden Äste der Tannen und den kühlen Luftzug, der zwischen ihnen hindurchfegte. Ich bemerkte, dass es für Jonas nicht gerade angenehm war, so viel zu laufen mit seinen Wunden, denn er verzerrte ab und zu das Gesicht, wenn er dachte, ich sähe es nicht. „Willst du aufsteigen?“, fragte ich mit abenteuerlichem Tonfall. Der kräftige Hengst würde sicherlich nicht gleich zusammenklappen und wir waren beide eher schlank. „Hmm, eigentlich…. Warum nicht?“ Ich hielt Paco an und Half ihm, sich hochzuziehen. Damit wir beide Platz hatten, musste ich vor den Sattel rutschen, während er im Sattel selbst sass. „Ich steuere, du treibst“, bestimmte ich, und nahm die Zügel auf. Paco lief zunächst etwas zögerlich, weil ihm das Gewicht und das auf dem Hals sitzende Occu ungewohnt waren. Aber als er merkte, dass alles in Ordnung war und ich ihn ausgiebig lobte, zeigte er seinen üblichen, fleissigen Schritt. Nach einigen Metern schlang Jonas plötzlich seine Arme um meinen Bauch. „Ich muss mich schliesslich festhalten“, flüsterte er mir erklärend ins Ohr. Ich schwieg und genoss die Berührung insgeheim. So ritten wir entspannt eine ganze Runde auf der Bahn. Irgendwann musste ich zurück zum Hauptstall wenden, so sehr es schmerzte diesen Ritt zu beenden. Jonas half mir beim Versorgen von Peace und ging anschliessend mit Rosie und Lisa auf den Platz, denn die beiden wollten eine Reitstunde halten. Dass er einfach so davonschlich enttäuschte mich etwas, ich hatte gehofft, den restlichen Morgen mit ihm zu verbringen. Aber warum sollte er auch bei mir bleiben, es ist ja nicht so dass ich ihm mehr bedeute als die anderen. Ausserdem bin ich immer noch der Boss hier, und mit dem Boss ist man nun mal nicht gerne freiwillig unterwegs. Ich blieb gleich bei den Trakehnern und sattelte Filou. Ich beschloss ausserdem, den anderen nicht in die Quere zu kommen und stattdessen einen Ausritt zu machen. In Stimmung dazu war ich ja schon. Als ich am Reitplatz vorbeiritt, übte Rosie gerade mit Baccardi Schulterherein, während Lisa auf Piroschka ihr Glück versuchte. Ich trieb Filou in Richtung Dorf und trabte viel. Auch einen rassigen Feldgalopp liess ich mir nicht nehmen, aber trotz allem kroch die Einsamkeit mir überall hinterher. Als ich zurückkam war schon fast zwei Uhr und ich hatte gewaltig Kohldampf. Dennoch reichte die Zeit nur für ein Sandwich, Jack hätte heute für mich gekocht, danach sattelte ich Aerith und übte etwas Trail mit ihr. Ajith und Oliver ritten Islah und Anubis auf dem Geländeparcours. Ich schloss mich ihnen um halb vier mit White Dream an. Um halb fünf mussten nur noch Donut, Ocean und Gianna bewegt werden, Ronja und Burggraf hatten bereits Lewis und Quinn übernommen. Rosie, Oliver und ich gingen also nochmals gemeinsam ausreiten, ich nahm dabei Ocean. Wir ritten über die Galoppwiese und durch den Pinienwald, die übliche Runde. Sogar für einen Abstecher zum Fluss reichte die Zeit, schliesslich hatten wir nicht mehr viel zu tun bis das Vollbluttraining vom Morgen weiterging. Die Rennpferde wurden nämlich immer nur morgens und abends trainiert, aufgrund der Hitze. Am Ende des Tages, um halb elf Uhr, setzte ich mich mit den anderen Pflegern ins Wohnzimmer und wir sahen uns gemeinsam einen Film an. Ich veranstaltete solche Abende oft, denn das stärkte meiner Meinung nach den Teamgeist und förderte ein gutes Arbeitsklima. Der Film, den Oliver ausgesucht hatte, war zwar schrecklich, doch wir machten uns dennoch einen tollen Abend.
      9 Aug. 2014
    • Occulta
      White Storm

      Sonnenstrahlen wärmten meinen Rücken, als ich mit Lila den Feldweg entlang töltete. Es war Sonntag, kurz nach dem Weihnachtsball. Ein Blick auf die Armbanduhr unterrichtete mich von der Tageszeit – zehn nach zwei Uhr. Es war ein vollgepackter Morgen gewesen. Zwei neue Pferde hatte ich begrüssen dürfen, und morgen würde nochmals eines folgen. Um fünf Uhr war ich aufgestanden, um beim Füttern zu helfen und anschliessend mit den Rennpferden und Jockeys ins Training zu gehen. Kaum war Cantastor wieder abgesattelt und versorgt gewesen, hatte ich Gini auf dem verschneiten Platz bewegt. Es waren sogar immer noch ein paar Flöckchen gefallen, während ich mit ihr Slaloms, Stops und Seitwärtsgänge geübt hatte. Richtig hübsch hatten die weissen Fetzen sich ihren Weg durch den nebligen Himmel getanzt. Danach hatte ich Amor Casdove vom Flughafen abgeholt. Der Pintoaraber hatte wohl einen echten Kulturschock gehabt, als er vom warmen Australien ins verschneite England verfrachtet worden war. Er hatte sich auch entsprechend verhalten und war trotz seiner Winterdecke extrem zappelig gewesen, als hätte es ihm an die Beine gefroren. Ich nahm es dem temperamentvollen Jungspund nicht allzu übel. Er hatte sich in der Box einige Male gedreht und gewiehert, danach war aber auch schon Ruhe eingekehrt. Ich hatte anschliessend Anubis bewegt, der zum Glück einiges ruhiger gewesen war. Nachdem ausserdem auch Donut und Hallu bewegt gewesen waren, hatte ich mich auf den Weg in den Süden gemacht, um meine neue Paint Stute abzuholen. Sie war ein interessantes Projekt, da sie vollkommen militärisch ausgebildet worden war. Ich hatte zwar gute zwei Stunden bis Bristol gehabt, doch die Fahrt hatte sich gelohnt: Echo war bereits mit einigen anderen Pferden angebunden auf dem Parkplatz gestanden, denn sie war nicht das einzige Pferd gewesen, das heute abgeholt worden war. Der alte Bauer, der aufgrund seiner Demenz seine Hobbyzucht aufgeben musste, war etwas verwirrt in Begleitung seiner Tochterzwischen den Pferden und Anhängern hindurch gewuselt und es war ihm sichtlich schwer gefallen zu verstehen, warum seine Pferde weg mussten. Als ich Echo endlich hatte die Rampe hochführen dürfen, hatte ich ihm versichern müssen, dass ich sie weiterhin kavallerietauglich ausbilden würde. Er hatte mir ihr Zaumzeug geschenkt, da sie dieses in der Ausbildung so gut angenommen hatte. Ich hatte beschlossen, ihm diesen Wunsch zu erfüllen und es für mich als Challenge zu betrachten. Nun war die Stute in ihrer neuen Box und lebte sich ein, während ich auf dem Ausritt mit Lila war.
      Mein Mopho summte, ich bremste die Islandstute. "Hey, bist du noch lange weg?", stand auf dem Display, darüber fand ich das Profilbild von Jonas. Ich verneinte und fragte warum, konzentrierte mich dann aber wieder auf Lila. Mein Pferdchen war fleissig heute: kaum nahm ich die Zügel wieder auf, spurtete sie auch schon im Trab los. Die wollige Mähne tanzte dabei im Takt auf und ab. Überhaupt war alles an ihr wollig. Ich hatte sie noch nicht geschoren, da es so schnell so kalt geworden war, doch nun schien es langsam Zeit zu werden. Sie wird sich sonst zu Tode schwitzen, wenn sie so Gas gibt. Der Schnee war bereits wieder am Schmelzen, doch er stand noch immer knöchelhoch. Und für die nächste Woche war ein Schneesturm angekündigt worden. Ich mochte den Schnee, sehr sogar. Und ich mochte es, gemütlich im warmen Wohnzimmer zu sitzen, während draussen der Wind heulte und der Schnee wirbelte. Alles um mich herum lag still und weiss da, nur hin und wieder lösten sich das schmelzende Pulver von einem Ast und hinterliess einen glitzernden Nebel aus Eiskristallen in der Luft. Irgendwo in der Ferne rief eine Krähe, als ich den Weg beim Flussufer erreichte. An einer steil abfallenden Stelle beim Ufer, dort wo Schmelzwasser in den Fluss lief, entdeckte ich einige wunderschöne Eiszapfen. Ich hielt Lila und liess mich zu Boden gleiten, um einen abzubrechen. Den muss ich unbedingt Lewis zeigen! Er behauptet immer noch, dass 'seiner' bei der Reithalle der grösste sei. Ich sah nochmal auf das Display meines Mophos, ehe ich wieder aufstieg. "Wir wollen Schlitteln gehen. Keine Angst - die Pferde sind schon alle versorgt." Ich lächelte kopfschüttelnd und lenkte mein Pferdchen auf den Heimweg.

      Vor dem Nebenstall stieg ich ab und führte Lila unter das Vordach zum Anbinden. Sie stützte entspannt den Huf auf, während ich den Sattel von ihrem Rücken nahm und das lange Winterfell kurz durchbürstete. Ich schäre sie später gegen Abend. Schon kamen Lewis und Jonas um die Ecke. "Ah, you're back! Okay, let's groom Lila and then go, while it's still sunny", rief Lewis freudig. Ich nickte und die beiden halfen mir kurz beim Hufe Auskratzen und Beine Bürsten. Dann brachten wir Lila rein und holten meinen Holzschlitten aus dem Keller. Rosie, Lisa, Elliot, Darren und Oliver standen schon bereit; Quinn war nicht dabei weil sie sich eine Grippe eingefangen hatte. Ajith fehlte ebenfalls, da er keinen Schlitten hatte und sich nicht so geeignet für den Schneesport fand. Die anderen hatten versucht, ihn zu überreden, doch Ajith bleibt hart Granit wenn er sich einmal entschieden hat. Wir liefen los in Richtung Galoppwiese, dann ein wenig südöstlich. Dort gab es, weit vom Hof entfernt, einen grossen Hügel, den ich letztens mit Numair hochgaloppiert war, um dessen Kondition zu verbessern. Es war mühsam, durch den bereits schmelzenden Schnee zu stapfen. Der Weg auf den Hügel kam mir ewig vor. Doch die Mühe lohnte sich: trotz des klebrigen Schnees fuhren die Schlitten schnell. Dumm nur, dass mein Schlitten bei der zweiten Abfahrt einige Meter neben der Piste eine unliebsame Begegnung mit ein paar Felsen erlitt, die hinterhältig unter der Schneedecke schlummerten. Ich landete unsanft im Tiefschnee und der Schlitten sah mitleidserregend aus. Ich sammelte die linke Kufe und das restliche Holzgestell ein und lief damit die Piste hinunter, wo die anderen halb besorgt, halb lachend warteten. Jonas bot mir an, auf seinem Schlitten mitzufahren, was ich nach einigem Zögern auch annahm. Dankbar hastete ich neben ihm den Hügel hinauf, während er den Schlitten zog. Ich setzte mich vorne hin, er sich hinten, da er so besser lenken konnte. Die Abfahrt war turbulent aber lief gut, bis Lewis uns hinauswarf, indem er den Schlitten hinten packte und herumriss. Wir machten ständig solche Spiele beim Schlittenfahren - das machte es um einiges spannender. Ich lag lachend neben dem Gefährt im Schnee und sah zu Jonas, der sich ärgerlich die Mütze ausschüttelte. Schon entdeckte ich das typische, herausfordernde Glitzern in seinen Augen und wir erklimmten den Hügel erneut. Noch einige Male landeten wir im Schnee, und oft revanchierten wir uns an diesem Nachmittag. Ich genoss es in vollen Zügen und das Beste war, dass Jonas und ich ein hervorragendes Team bildeten. Als der Spass schliesslich zu Ende ging, da es bereits dunkel wurde, liefen wir fröhlich lachend und schnatternd zurück zum Stall. Im Pflegerheim liess ich mich erschöpft aber glücklich mit einem warmen Punsch in der Hand auf die blaue Couch fallen. Jonas setze sich neben mich. Wir redeten eine Weile, ehe wir beschlossen, einen Film zu schauen. Doch zuerst mussten die Pferde versorgt werden. Ich trank aus und zog mich wetterfest an. Es war sechs Uhr und dunkel draussen, ausserdem kam ein starker Wind auf, der eisig durch meine Jacke zog.
      Ich stampfte durch den bloss noch knöchelhohen Schnee zu den Weiden, wo ich Pina und Indiana auf halfterte. Die beiden liefen zügig und aufgeregt schnaubend neben mir den Weg hinauf, offenbar spürten sie den herannahenden Sturm. Ich liess, im Hauptstall angekommen, Diana los, damit sie selber in ihre Box laufen konnte. Währenddessen brachte ich Pina in die ihrige. Auch Jonas kam gerade mit Caprice und Crack angelaufen. Beim Zurückgehen schob ich auch Dianas Tür zu und warf einen Blick in die Box von Cassy, die bereits nass, aber zufrieden am Heu knabberte, dann lief ich erneut los um zwei weitere Stuten zu holen. Beim Eingang wich ich Ajith aus, der Kierka und Blüte hineinführte. Auf dem Weg zu den Weiden hielt mich Lisa auf um zu fragen, wann die Pfleger füttern sollten. Sie schaffte es kaum, Paint und Gray ruhig zu halten. Paint stand breitbeinig da, den Kopf hoch erhoben, und sog hin und wieder geräuschvoll Luft ein. Gray stand mit gespitzten Ohren daneben. Ich beschloss, dass wir das Füttern und Misten gleich erledigen sollten und anschliessend um neun nochmals Heu geben und Kontrolle machen würden. Lewis hatte inzwischen auch Sumerian geholt. Ich kümmerte mich also noch um die letzten beiden, Shio und Pointless. Doch auf dem Weg schüttelte Point die ganze Zeit heftig den Kopf und riss am Strick. Ich massregelte sie mehrfach, Wirkung zeigte es bei der sensiblen Stute kaum. Im Gegenteil: kurz vor dem Hauptstall nahm sie einen gewaltigen Satz in meine Richtung und warf mich beinahe um, sodass ich sie loslassen musste, um nicht überrannt zu werden. Knapp gelang es mir, Shio zu halten. Die gepunktete Stute hingegen raste im gestreckten Galopp zurück in Richtung Weiden. "Spinnvieh!" Ich fluchte vor mich hin und brachte Shio schleunigst in die Box, um gleich darauf ein paar Pfleger zusammenzutrommeln und Pointless zu suchen. Mittlerweile stürmte es fast schon, und es schneite. "Na toll, sie haben den Sturm doch erst für Montag angesagt!", beschwerte sich Lisa. Ich beachtete sie nicht und kniff die Augen zusammen, damit keine Schneeflocke hineingeweht wurde. Ich lief zielstrebig in Richtung Fohlenweide, denn dort vermutete ich die ausgerissene Stute. Die anderen folgten mir. Tatsächlich stand Pointless beim Zaun und sah uns entgegen, doch als wir zu nahe kamen, drehte sie ab und bewegte sich im Stechtrab weiter den Weg hinab. "No chance, she'll run to the field if we try to chase her. We have to block the way down there", rief ich durch den Wind und deutete auf das Ende des Weges zwischen den letzten beiden Weiden. Lewis und ich rannten in einem Bogen über die Weiden nach unten, indem wir uns unter den massiven Holzzäunen hindurch zwängten. Point beobachtete uns hin und wieder misstrauisch, dann wiederum sah sie zu Lisa und Ajith hoch. Als wir unten ankamen, streckten Lewis und ich die Arme aus und blockierten den Weg, von Zaun zu Zaun. Dann trieben wir die aufgewühlte Stute langsam nach oben zu Ajith. Er schaffte es schliesslich, ihr noch immer am Halfter baumelndes Seil zu fassen und ihr zusätzlich einen Strick um den Hals zu legen. Gemeinsam führten wir Pointless in den Stall, was diesmal bis auf einige grunzende Seufzer ihrerseits ereignislos verlief. Als sie endlich in der Box war, atmete ich auf. Wir waren alle vier Total durchnässt und zerzaust vom Wind, der draussen gerade erst seine volle Kraft zu entwickeln schien.
      Wir fütterten die ungeduldig schnaubenden Pferde rasch und säuberten die Boxen, danach machten wir uns gemeinsam auf den Weg zum Pflegerheim. Kaum waren wir da, legte der Sturm richtig los. Es flitzten eine Menge weisser Flocken am Fenster vorbei und der Wind heulte durch die Spalten des Hauses. Drinnen war es dafür umso gemütlicher: die Heizung lief auf Hochtouren und es wurden bereits Decken und heisser Tee verteilt. Ich zog die Jacke aus und stellte fest, dass nicht nur meine Haare, sondern auch meine Hosen durchnässt waren. Ich wickelte mich daher rasch auf dem Sofa in eine der Decken ein und liebäugelte mit einer blauen Tasse auf dem Tisch vor mir. Mit einem federnden Aufschlag liess sich Jonas neben mich fallen, wie ich es mir insgeheim erhofft hatte. Wir starteten den Film und verdunkelten den Raum. Es dauerte nicht lange, da fühlte ich eine Hand sich um meine Schulter legen, und eine sanfte Kraft zog mich weiter nach links. Ich liess es zu, bis ich mit dem Kopf an seine Schulter gelehnt war und wagte es nicht, aufzusehen. Als ich es doch tat, sah er mich mit solch einer Herzlichkeit an, dass ich mir ein glückliches Lächeln unmöglich hätte verkneifen können. Ich liebte seine tiefgründigen Augen, seine feinen und doch kantigen Gesichtszüge und das wollene Haar - alles an ihm war in diesem Moment wundervoll und ich vergass die schmerzenden Monate der Kälte und Nüchternheit. It's so silly, sagte ich zu mir selbst, but if this was a dream, I would never want to wake up. Die Zeit ging viel zu schnell vorüber. Und so kam das unweigerliche Ende der zärtlichen Liebkosungen. Still hatten wir unser Glück für ein paar Stunden gehabt, und ebenso schnell war es wieder vorüber. Das Licht ging an, unsere Wege trennten sich bei den Schlafzimmertüren. Ich lag noch lange wach, während draussen der Sturm an den Schindeln zerrte und alles in Dunkelheit tauchte. Wie wird es wohl morgen sein? Harmonischer Sonnenschein, oder Verwüstung?
      21 Jan. 2015
    • Occulta
      Wasser und Wellen

      Ich war auf dem Weg zu Parkplatz, denn ich wollte sehen, wie weit der Bau des neuen Stallgebäudes fortgeschritten war. Neues Stallgebäude? Richtig. Ich hatte vor einigen Monaten beschlossen, dass es Zeit währe, Pineforest Stable etwas zu erweitern. Wir hatten langsam ziemlich viele Pferde auf dem Hof und dadurch zwar noch nicht wirklich Platzmangel, aber für Gastpferde wurde es immer knapper. Und da der Park, in dem sich das Gestüt befand, ein sehr beliebtes Ausflugsziel für Wanderreiter und überhaupt für alle Pferdenarren war, hatten wir bisher jeden Sommer reichlich Feriengäste zu Besuch gehabt. Das war schliesslich auch eine gute Einnahmequelle, neben den paar Reitschülern, die Regelmässig mit ihren Pferden aus der Nachbarschaft in die Halle zum Trainieren kamen. Geplant waren daher ein neuer Stall im Nordwesten des Gestüts, ein grosser Offenstall im Südosten, dort wo im Moment die oft ungenutzten Weiden lagen; entsprechend eine neue Weideaufteilung und die Krönung des Ganzen: Eine neue 1500m Galopprennbahn. Auf die freute ich mich besonders, denn so konnten wir die Vollblüter endlich anständig trainieren. Bisher hatten wir zwar auch das Beste aus der Situation gemacht, doch auf Dauer war die alte Bahn einfach zu klein und eng. Wie viel angenehmer würde es sein, nicht mehr für spezielle Trainings zur nächstbesten Rennbahn fahren zu müssen, sondern auf der Stalleigenen, grosszügigen Strecke zu trainieren? Ich sehnte mich danach, endlich neben den grossen Tannen um die Kurve zu kommen, danach auf die Gerade zu biegen und über die wundervoll lange und breite Bahn zu fliegen. Die Bahn würde kunftig um den Galoppweg herum verlaufen und damit Pineforest Stable noch etwas mehr von der Aussenwelt abschotten. Die Bahn würde zwar immernoch relativ bescheiden sein, doch zumindest viel angenehmer als die Alte. Dort wo die gestanden hatte, entstand nebenbei eine Ovalbahn; der kleine Militaryparcours im inneren blieb bestehen.

      Der ‚Nordstall‘, wie die Pfleger und ich ihn nannten, nahm langsam Form an. Die Wände Standen und das Dach war in Arbeit, Danach würde vor allem noch die Inneneinrichtung fehlen. Geplant waren 19 Boxen, wobei eine davon eine grössere Eckbox war, in der zwei Ponys Platz fanden. Wir waren uns schon jetzt alle einig, dass diese Box wie gemacht war für Herkir und Ljóski. Ich rieb mir zufrieden die Hände und begab mich dann wieder in Richtung Weiden, wo der Bau des grossen Offenstalls ebenfalls in vollem Gange war. Es war brütend heiss und ich lief in Shorts und Trägertop herum. Beim Offenstall angekommen versuchte ich mir vorzustellen, wie das ganze aussehen würde, wenn es fertig war. Die Weide wird riesig!, dachte ich entzückt. Trotzdem müssen wir aufpassen, dass das Gras nicht überbeansprucht wird. Zum Glück habe ich mit der Parkverwaltung über zusätzliches Weideland diskutiert. Von den Miniature Horse Weiden her rief mich Lewis. Ich lief zügig zu ihm, Elliot und Lisa hin. Sie waren gerade dabei, die Fohlen und die Miniature Horses in die Offenställe zu sperren, denn die Weiden mussten neu abgesteckt werden. Ich beschloss natürlich mitzuhelfen und schnappte mir ebenfalls zwei Stricke und Halfter. Zunächst fingen wir die Mini-Stuten ein, danach die Hengste auf der gegenüberliegenden Weide. Das selbe geschah mit den Fohlen. Die Gekörten Stuten, die auf den unteren Weiden standen, mussten ebenfalls weg, doch ihre Offenställe wurden abgerissen, da sie veraltet und reparaturfällig waren. Da sie dank des neuen grossen Offenstalls nicht mehr gebraucht wurden, mussten sie weichen. Die beiden kleinen Offenställe und die Zäune im Osten waren bereits weg. Ich führte Gianna und Piro zur Halle und liess sie dort drin laufen. Lewis brachte Islah und Ronja, Elliot nahm Dream. Lisa fing währenddessen noch die letzten Fohlen ein. Dann bauten wir alle gemeinsam die Zäune ab. Es fühlte sich komisch an, die massiven Pfosten einer nach dem anderen auszubuddeln und auf einen Haufen zu tragen. Wir wurden nicht fertig bis zum Mittag und es war mittlerweile so heiss geworden, dass ich den Nachmittag frei gab. Ich wollte nicht riskieren, dass jemand einen Hitzschlag erlitt. Auch die Bauarbeiter zogen nach und nach ab.

      Zum Mittagessen trafen wir uns alle vor dem Pflegerheim im Schatten der Bäume. Jonas und Oliver hatten ein paar Tische und Bänke aufgestellt, denn wir grillierten. Bald sassen alle fröhlich plaudernd beim Essen und es kam die Frage auf, was man am Nachmittag tun könnte. Da hatte ich plötzlich einen Geistesblitz. „Es ist Sommer! Was machen wir im Sommer?“ “Ehh, I don’t know…“ “Es ist nicht Sommer, noch nicht“ „Ja - but it feels like summer, and it’s very hot today. Also gehen wir doch an den Strand!”, rief ich mit gespielter Ungeduld. Einige der Pfleger jubelten begeistert, andere grinsten nur, weil sie nicht verstanden hatten was ‚Strand‘ heisst. Ich sagte „Beach“ zur Erklärung, und sie stimmten mit ein. „But what about feeding and cleaning the barns?“, wollte Elliot wissen. Ich ordnete an, dass gleich nach dem Mittag alle Boxen gemistet und die Pferde gefüttert werden mussten, ausserdem würden ein paar Pfleger hier bleiben und nach dem Rechten sehen müssen. Lisa und Darren meldeten sich sofort freiwillig um zu bleiben. Lisa hatte die Begründung, dass sie ohnehin schon fast einen Sonnenstich hatte und daher kaum Energie um mit uns an den Strand zu kommen, und Darren hatte einfach keine Lust. Ich fand dies etwas fragwürdig, diskutierte jedoch nicht weiter, denn irgendwer musste ja bleiben. Auch ein paar weitere meldeten sich, sodass zum Glück niemand allzu enttäuscht war. Fröhlich und ausgelassen liefen wir nach dem Essen zu den Ställen, um den Plan umzusetzen. Als alles fertig war, machten wir den grossen Transporter bereit und dann die Pferde, die mit durften. Wir (Ajith, Lily, Quinn, Lewis, Jonas und ich) hatten uns für Numair, Anubis, Baccardi, Donut, Amor und Dod enschieden. Ich zog Dod keine transportgamaschen an, denn die Fahrt nach Newport würde nicht allzulange dauern. Beim Verladen bewies Dod mal wieder seinen Sturkopf. Er wollte partout nicht einsteigen und sträubte sich, sobald man in die Nähe der Rampe kam. „Oh come on budd, we’ll have a lot of fun!“, versuchte ich ihn zu überzeugen. Natürlich verstand er micht nicht und liess sich auch durch die Karotte, die ihm Lewis hinstreckte, nicht beeindrucken. Wir schafften es nur mit viel Geduld und Durchsetzungsvermögen, ihn Schritt für Schritt die Rampe hoch zu befördern. Endlich waren alle Pferde verladen und die eineinhalbstündige Fahrt stand an. Die Zeit verging wie im Flug und als wir in Newport auf einem abgelegenen Parkplatz beim Strand die Klappen des Transporters öffneten, schnupperten alle sechs Pferde bereits aufgeregt die Meerluft. Wir führten sie hinaus, halfen uns gegenseitig beim Satteln und stiegen schliesslich auf. Numair, Anubis, Amor und Dod waren allesamt sehr aufgeregt. Besonders Numi blähte die Nüstern und spitzte die Ohren. Doch Ajith hatte ihn soweit im Griff. Es schien dem Indischen Pfleger sogar Spass zu machen, auf einem solch temperamentvollen Tier zu sitzen. Ich hatte ein wenig Streit mit Dod, als wir den Trampelpfad zum Strand hinunter ritten, denn er wollte nicht hinter Baccardi bleiben. Unten angekommen trabten wir direkt zum Wasser und ritten ein wenig hinein. Die Wellen kamen Dod bis zum Bauch, was ihm nichts auszumachen schien, denn er scharrte freudig mit dem Huf. Salzwasser spritzte mir ins Gesicht und wir lachten. Donut war das Meer wohl noch immer nicht ganz so geheuer, denn er brauchte wieder mal am längsten um rein zu kommen. Wir waren nicht das erste mal hier – schon letztes und vorletztes Jahr hatten wir einige Strandausflüge unternommen, um möglichst mit allen Pferden einmal herzukommen. Die meisten behielten den Strand in guter Erinnerung und freuten sich beim zweiten mal schon deutlich sichtbar auf die langen Galopps und das Wasser. Manche hingegen, wie Sunday, Iskierka, Islah und eben Donut, konnten gut auf die Salzigen Wellen verzichten. Nach einer Weile trabten wir die Pferde auf dem trockenen Sand ein. Wir ritten Zirkel und formten einen Hufschlag, indem wir immer an den selben Stellen ritten. Anschliessend reihten wir uns in der Nähe des Wassers auf und bretterten dann nebeneinander über den Strand. Nasser Sand spickte von den Hinterhufen der Pferde und ich hielt den Kopf zum Schutz etwas schräg. Neben mir und Dod holte Amor mit ausholenden Bewegungen auf, den Schweif arabertypisch wie eine Fahne aufgestellt. Ich erhaschte einen Blick auf Jonas‘ grinsendes Gesicht und beschloss, Dod noch etwas mehr Zügel zu geben. Baccardi und Donut hatten trotz ihrer Grösse keine Probleme mitzuhalten, aber die Araber waren ja abgesehen von Anubis auch nicht viel grösser. Und Dod selbst hatte ebenfalls Kleinpferdemasse. Nach über einer Stunde am Strand waren endlich auch Amor und Numair ruhiger geworden, denn der Sand und das Wasser zehrten sehr an ihren Kräften. „I hope they’ll not have sore muscles tomorrow“, bemerkte Quinn. Wir beschlossen, zurück zum Parkplatz zu reiten und es für heute gutsein zu lassen. Die Pferde hatten allesamt geschwitzt, doch wir mussten, als wir zurück auf dem Hof waren, so oder so den Sand und das Salzwasser abwaschen, also wurden alle gleich beim Hauptstall angebunden und geduscht. Danach brachten wir sie gemeinsam zur alten Galoppbahn, denn die Fläche im inneren der Bahn wurde ebenfalls als Weide genutzt und war jetzt, da sich alles im Umbau befand, eine der einzigen Weiden überhaupt.

      Der Abend hielt nocheinmal eine grosse Überraschung bereit. Ich wollte gerade nach den Fohlen sehen, als ich einen Anruf von Elisa Cranfield erhielt. Ich hatte grosses Interesse an ihrem Paint Hengst ‚Unbroken Soul of a Rebel‘ gezeigt, jedoch nicht damit gerechnet, so schnell eine Antwort zu bekommen. Zu meiner positiven Überraschung rief sie nämlich an um mir zu verkünden, dass sie Pineforest Stable als geeignetes Zuhause für den Hengst sah. Wir einigten uns auf einen Preis und besprachen den Transport, dann bedankte ich mich und legte gut gelaunt auf. Der Hengst würde in drei Wochen kommen, gerade zur rechten Zeit um in den Nordstall ziehen zu können. Nun musste nur noch alles nach Plan verlaufen.
      10 Juni 2015
    • Occulta
      Vorbereitungen

      Ich stand gerade mit Jonas auf dem Sandviereck, um Lisa bei ihrem Training mit Feline zuzusehen. Die Stute musste fit sein, denn in wenigen Wochen stand ein grosses Event bevor: Jolympia. Ich hatte beschlossen, auch etwas mitzumischen und kurzerhand Indiana und Feline genannt. Doch damit war es natürlich noch nicht getan – nun mussten die beiden Pferde entsprechend auf das Turnier vorbereitet werden. Indiana war ziemlich gut im Trainingsplan vorangekommen, doch Feline hatte sich vor kurzem auf der Weide einen Fehltritt geleistet und hinten links einen etwas geschwollenen Fesselträger gehabt. Die Schwellung war mittlerweile zurückgegangen, doch dadurch hatten wir einen Trainingsrückstand von etwa zwei Wochen. Feline hatte noch etwas Mühe mit den Schenkelweichen, denn sie kreuzte hinten zu wenig. Indiana machte dafür Probleme im Cross Country: Sie zog vor den Hindernissen extrem an und kam so meist unpassend. Doch an beidem arbeiteten wir nun intensiv. „Nimm das Bein noch etwas weiter nach hinten“ riet ich Lisa, als sie an uns vorbei kam. Sie setzte die Anweisungen um und hatte prompt etwas mehr Erfolg. Nach weiteren zwanzig Minuten beendeten wir das Training und Lisa ging mit der Criollostute auf die Galoppbahn zum Trockenreiten. „Gehst du zu Oliver und sagst ihm, dass Diana morgen nicht im Renntraining mitlaufen soll?“, forderte ich Jonas auf, der noch immer neben mir stand. Er nickte und schlenderte davon. Ich dachte kurz nach, was ich noch alles vorhatte. Stallkontrolle, Springen mit Dream, nach Pointless sehen. Ich begann in ebendieser Reihenfolge. Im Hauptstall duftete es nach frischem Stroh, wie es sich gehörte. Die teuren Rennpferde standen allesamt auf ihrem trockenen Bett und sortierten gelassen die Hälmchen. Manche trugen schon Fleece Decken, denn wir wollten vermeiden, dass sie viel Winterfell produzierten. Ich sah kurz bei Chiccory rein, denn letztes Mal hatte April vergessen, seine Tränke zu säubern. Ich fand zwar noch ein paar Strohhalme darin, doch die schienen frisch zu sein, woraus ich schloss, dass meine Zurechtweisung von gestern Früchte trug. Zufrieden tätschelte ich dem Scheckhengst auf die Schulter. Er war einer der Kandidaten, die ohnehin nicht viel Winterfell hatten. Seine Mähne war noch ganz weich und geschmeidig vom Einflechten am Samstag. Wir hatten mit ihm und Sunday am Jubiläums Cup einer kleineren Bahn im Norden teilgenommen. Der Hengst hatte dabei wiedermal einen hervorragenden Start hingelegt und war knapp Zweiter geworden. Sunday war etwas zu lange im Mittelfeld blockiert gewesen, sodass er erst spät hatte aussen vorstossen können. Trotzdem war er noch Fünfter geworden. Ausserdem hatte Smelyalata am selben Wochenende beim Green Turf in Liverpool gewonnen und war in die nächst höhere Klasse aufgestiegen. Sie brauchte nun nur noch zwei Siege um im kommenden Frühling für das Aufgewichtrennen in Betaque qualifiziert zu werden. Ich schloss Chiccory‘s Boxentür und spazierte durch die sauber gefegte Stallgasse zum Tor. Im Nebenstall wartete Dream bereits am Boxenfenster auf mich und als sie realisierte, dass ich auf sie zukam, röchelte sie erfreut. „Na meine Süsse“, murmelte ich und hielt ihr ein Karottenstückchen hin. Nichts geht über Bestechung. Ich halfterte sie auf und öffnete die Boxentür, dann führte ich sie geradeaus nach draussen zum Holzgitter und band sie fest. Die Schimmelstute hatte es wiedermal gut gemeint mit dem vom Regen feuchten Weideboden. „Hast du’s wenigstens genossen?“, fragte ich sie vorwurfsvoll und begann, die verkrustete Erde aus ihrer Mähne zu lösen. Ich war vorsichtig, denn ich wollte die langen Haare nicht ausrupfen. Nah zehn Minuten hatte ich genug und nahm etwas Glanzspray und eine Wurzelbürste zu Hilfe. Danach wandte ich mich dem fast weissen Fell des Forest Ponys zu. Oder besser gesagt dem fast braunen. Ich schrubbte eine gefühlte halbe Stunde (pro Körperseite) und war erst zufrieden, als das letzte Klümpchen von den Sprunggelenken weggekratzt war. Danach konnte ich endlich satteln, die Geländegamaschen anziehen und zäumen. Nach dem Aufsteigen ritt ich zur Ovalbahn, dorthin wo früher die Grasrennbahn gewesen war. In deren Mitte befand sich noch immer die kleine Geländestrecke, die meine Tante beim Bau von Pineforest Stable in Auftrag gestellt hatte. Sie war, nun da die alte Grasrennbahn weg war, sogar noch etwas ausgebaut worden. Ich ritt zunächst im Trab um die Hindernisse und Büsche, was ich immer wieder praktisch fand, denn hin und wieder gab es kleine Hügel, bei denen Dream die Hinterhand etwas mehr gebrauchen musste. Nachdem die Stute gründlich eingewärmt war, konnte ich mit dem richtigen Training beginnen. Ich übersprang zuerst den grossen Baumstamm, dann aus der Kurve das Buschhindernis. Anschliessend ging’s den künstlichen Hang hoch und auf der anderen Seite über einen Steilsprung nach unten. Nun folgte der Wassergraben. Der machte Dream besonders Spass, denn die Stute liebte das Wasser seit unserem ersten gemeinsamen Strandausflug. Ich hatte manchmal den Eindruck, als würde sie absichtlich stampfen damit es hochspritzt und auch ich etwas von der Erfrischung abbekomme. Jedenfalls waren diese Hindernisse kein Problem für die Ponystute, was aber auch nicht verwunderlich war. Wir hatten diesen Parcours ja schon oft durchritten, da es der einzige auf Pineforest Stable war und die Hindernisse nur bedingt verschiebbar waren. Ich beschloss, spontan in den Wald zu reiten und dort nach ein paar neuen Herausforderungen für Dream zu suchen. Das würde ihr bestimmt auch mehr Spass machen als immer dieselben Hindernisse zu überspringen. Ich ritt also in Richtung Pinienwald und verliess den Sandweg in nach Westen hin. Schon nach wenigen Minuten fand ich einen massiven, umgestürzten Ast, der schräg an einen anderen Baum gelehnt war. Ich ritt prüfend rundherum und holte dann etwas Anlauf. Dream spitzte die Ohren und war zunächst etwas unsicher, ob ich das wirklich ernst meinte. Doch als ich etwas Druck mit den Beinen machte, hüpfte sie willig über den Ast. Im vorsichtigen Galopp ging’s weiter zwischen den Bäumen hindurch, doch schon nach wenigen Metern musste ich wieder bremsen, da die Bäume hier enger beieinander standen. Zum Glück war der Pinienwald abgesehen von ein paar frisch umgestürzten Bäumen frei von Unterholz, da die Parkwächter immer wieder aufräumten. So hatten wir keine Mühe, uns durchzuschlängeln. Ich fand noch ein paar kleinere Abhänge und ein hübsches kleines Bachbett, sodass wir das Klettern und runterrutschen etwas üben konnten. Dream bekam mit der Zeit richtig Freude an den abwechslungsreichen Situationen und ich musste aufpassen, dass sie nicht zu unvorsichtig wurde. Zuletzt übersprangen wir am Ende des Pinienwaldes, wo bereits der anschliessende Wald aus Tannen begann, ein weiteres hervorragendes Hindernis. Es war eine umgestürzte Tanne, deren Äste eine Lücke bildeten, durch die wir springen konnten. Auch hier zögerte Dream etwas, doch mit meiner Überzeugungskraft flogen wir schliesslich höher als nötig über den harzigen Stamm. Danach machte ich mich auf den Heimweg.

      Zuhause schmierte ich zu Sicherheit eine wohltuende Salbe auf die strapazierten Sehnen und versorgte Dream mit frischem Heu. Gerade als ich fertig wurde, kam Ajith, fröhlich pfeifend wie immer, vom Hauptstall herüber. Er tätschelte Dream und fragte mit seinem Indischen Akzent: „And how did she perform?“ „She was very well“, antwortete ich grinsend und wartete auf das, was er mir eigentlich erzählen wollte. Ich war gut im zwischen-den-Zeilen-Lesen. „I wanted to ask if I could possibly leave at five o’clock today“, murmelte er verlegen, als er meinem auffordernden Blick begegnete. „Sure. I think there’s not much left to do today anyway. But… Do you have a date or what? You never leave without extraordinary reason », stichelte ich schelmisch. « Actually… yes. She’s from Ireland, but she works in Liverpool for one year.“ „Oi, I knew it! And how did you meet her then?“, hakte ich neugierig weiter. „I met her the first time this weekend at the Green Turf. Wait, maybe you’ve seen her aswell…“ Er zeigte mir ein Selfie mit einer hübschen Rothaarigen auf seinem Handy. Sie erinnerte mich augenblicklich an Quinn. Er steht wohl auf diesen Typ Frau, dachte ich im Stillen schmunzelnd. Ich wünschte ihm viel Erfolg und er lief emsig zurück an die Arbeit, umso motivierter als zuvor. Eigentlich ist es schade. Die beiden würden gut zusammenpassen, aber irgendwie laufen sie immer aneinander vorbei… Vielleicht will es einfach das Schicksal, dass sie nicht mehr als gute Freunde sind. Dafür sind sie das allemal, so viel wie sie zusammensitzen. Ich schob die Gedanken an Ajith und Quinn beiseite und machte mich auf den Weg zu Pointless. Warum denn das? Ganz einfach: Vor ein paar Monaten (um genau zu sein vor etwas mehr als sechs) hatte ich sie mit meinem Liebling A Winter's Day verpaart. Die Stute hatte ja im Winter eine besonders schlimme Phase gehabt, wodurch Oliver und ich seither die einzigen gewesen waren, die sie trainiert hatten. Wir waren uns beide einig gewesen, dass eine Pause der jungen Stute guttun würde und sie vielleicht durch ihre Aufgabe als Mutter sogar ruhiger werden würde. Zudem erhoffte ich mir, dass sie sich, sobald das Fohlen abgesetzt war, im Training etwas reifer und erwachsener verhalten würde.
      Ich blieb also vor der Box von Pointless stehen und streichelte sie durch die Gitterstäbe. Sie kam mir im Moment so lieb und harmlos vor, doch sie war noch immer schwierig im Umgang. „In der Box ein Engel, draussen ein Bengel“, pflegte ich zu sagen. Sie durfte heute zusammen mit Ronja auf die Weide. Die Achal Tekkiner Stute und Gianna, das Cremello-Criollo-Tier, erwarteten mittlerweile ebenfalls Nachwuchs. Allerdings erst etwas später. Ich zog die Handschuhe an, die in einem kleinen Sack an der Box hingen, und öffnete die Tür um die Führkette einzuhängen. Pointless hielt ausnahmsweise still. Kurz darauf konnte ich sie aus dem Hauptstall zu den Weiden führen. Ich brachte die Stute auf die grosse Weide unter der Stutenweide, da diese als einzige noch frei war. Dann holte ich Ronja aus dem Nebenstall und liess sie ebenfalls laufen. Die beiden beschnüffelten sich kurz, denn Pointless hatte schon wieder am Zaun gewartet. Dann quietschte Ronja, machte einen Freudenbuckler und trabte mit stolz erhobenem Kopf zum Zaun der an die Stutenweide angrenzte. Dort warteten bereits Moon, Gianna und Shadow, um die seltsam gescheckte Genossin zu begrüssen. Sie grasten nach einer Weile Kopf an Kopf, während Pointless auf der anderen Seite der Weide ihr eigenes Grasfleckchen bearbeitete. Einmal mehr hatte ich das Gefühl, dass in der Sozialisierungsphase der Stute etwas schief gelaufen war. Allgemein musste ihre Fohlenzeit sehr unvorteilhaft abgelaufen sein, nur so konnte ich mir das Verhalten der stürmischen und beinahe gefährliche Jungstute erklären. Selbst in dem knappen Jahr, dass sie auf der Fohlenweide von Pineforest Stable verbracht hatte, war sie nie wirklich abhängig von irgendwem gewesen und hatte immer ihren eigenen Kopf gehabt. Ich nahm mir vor, endlich Nachforschungen über ihre Herkunft zu treiben. Und eines war sicher – ich würde nicht zulassen, dass ihr Fohlen denselben Charakter entwickelte. Doch für heute hatte ich noch genug anderes zu tun, schliesslich wartete ein ganzer Hof voller Pferde und Pfleger auf mich.
      1 Okt. 2015
    • Occulta
      „Ein gestreiftes Pony!“

      Ein wildes Poltern weckte mich, noch bevor es der Wecker tat. Einen Moment war ich erschrocken, aber dann wurde mir die Ursache dieses Lärms klar, denn im selben Moment vernahm ich die Stimme eines kleinen Mädchens von der Küche her. „Neeeeein Sheela, aus!“ Ich streckte mich und ging die Treppe runter, um zu sehen, was los war. Da stand sie, meine kleine Nichte, und versuchte, der schwarzen Labradorhündin einen Socken aus dem Maul zu ziehen. Als sie mich sah, liess Sheela prompt los und kam schwanzwedelnd angebraust. Lily sah mich schuldbewusst an. „Morgen Occu, ich wollte dich nicht wecken, aber Sheela hat meine Socke geklaut, als ich auspacken wollte…“ „Und warum um Himmels Willen muss das um fünf Uhr morgens geschehen?“, fragte ich amüsiert augenrollend. Ich konnte der kleinen nicht böse sein, zumal ich in wenigen Minuten eh aufgestanden wäre. „Ich bin aufgewacht und konnte nicht mehr einschlafen… Ich bin halt schon genauso gut im früh aufstehen wie du!“ Im nächsten Augenblick ertönte ein lautes Piepen aus meinem Zimmer. „Der Wecker – ich bin gleich zurück“, rief ich genervt, während ich bereits die Treppe hoch rannte.
      Ich war es nicht gewohnt, etwas Spezielles zum Frühstück zu machen; normalerweise kam ich mit einem Müsli völlig aus. Aber für Lily machte ich eine Ausnahme und briet ein Spiegelei. Sie meinte jedoch im Nachhinein, dass sie in Zukunft auch mit einer Scheibe Brot nicht verhungere, was mich insgeheim ziemlich erleichterte. Sie versuchte mich nachzuahmen und holte ebenfalls ihr Reitzeug aus dem Koffer, als ich in meine Reithose schlüpfte. Ich grinste über diesen Enthusiasmus und vergass dabei sogar, dass ich eigentlich noch hundemüde war. Apropos Hunde – Sheela und Zira hatten sich nun gegenseitig als Spielpartner entdeckt und tobten wie befürchtet durch die Küche. Bevor sie noch etwas runterschmeissen konnten, liess ich sie zusammen mit Jacky raus. Sheela hatte anscheinend sogar vergessen, dass ihre Pfote schmerzte. Zuerst wollte ich Lily alles zeigen, denn sie war ja erst gestern spät abends angekommen. Ich führte sie zum Hauptstall, wo ich ihr gleich die anwesenden Pfleger vorstellte. Natürlich fand sie Ajith mit seinen lustigen Sprüchen auf Anhieb am Sympathischsten - wer schon nicht. Dann durfte sie mich über die Rennpferde ausfragen. Ich versuchte mir vorzustellen, wie sie sich fühlte, während sie die Champions hautnah erleben konnte. Was für mich alltäglich war, musste in den Augen eines kleinen Pferdebegeisterten Mädchens fantastisch sein. Und das Beste war, dass sie nun einen ganzen Monat Zeit hatte, jeden von ihnen kennenzulernen. Sie war das erste Mal hier, da Rachel immer Angst gehabt hatte, dass sie unter die Hufe der grossen Vierbeiner kommen könnte. So hatte sie sich mit den fetten Shettys, die in ihrer Nachbarschaft lebten, zufriedengeben müssen. Doch dafür hatte sie auf denen schon viel gelernt, besonders an Durchsetzungsvermögen hatte sie gewonnen. Und trotz ihrer Begeisterung für die grossen Vollblüter, war sie hin und weg, als sie die Minis auf der Weide entdeckte. „Oh wow, die sind ja noch kleiner als Paulchen! Und soooo süss!“ Ich sparte mir die Mühe zu fragen, wer Paulchen war und schmunzelte, als Tic-Tac an ihrem Reissverschluss zog. Ich musste Lily fast weiterschleifen, doch spätestens zu den Fohlen rannte sie wieder voraus. „Oi, nicht zu stürmisch!“, rief ich lachend hinterher. Die Hengstfohlen fanden das kleine Mädchen unglaublich spannend. Sie beschnupperten sie durch den massiven Holzzaun, streckten ihr die warmen Schnauzen ins Gesicht und knabberten an ihren Haaren. Gerade als ich dazu kam, wurde Alysheba zu frech und wollte der kleinen in den Arm kneifen. Aber sie war ohnehin schneller als ich und bestrafte den braunen Jungspund schimpfend mit einem Klaps auf die Nase, woraufhin er zurückzuckte. Wir gingen weiter zur Stutenweide und ich stellte ihr Feline und Gianna vor, die sie beide in nächster Zeit vor allem reiten würde. Aber auch im Nebenstall wartete eine interessante Bekanntschaft; meine weisse New Forest Stute. White Dream zog von Anfang an die Aufmerksamkeit des Mädchens auf sich, obwohl sie fast zuhinterst stand. „Occu, wie heisst das hübsche Pony dahinten??“ Ich schmunzelte und öffnete die Boxentür einen Spalt weit, als wir davor standen. Lily betrachtete sie ganz bewundernd und schwärmte immer wieder, wie toll ihre blauen Augen seien. Doch als sie fragte, ob sie Dream auch Mal reiten dürfe, (sie sei ja „eh nicht so gross“), blieb ich skeptisch und meinte vorsichtig „Vielleicht in ein paar Wochen, aber die ist vermutlich trotz ihrer geringen Grösse eine Nummer zu viel für dich.“ „Aber Tante Occu, warum denn??“ „Weil sie halt ab und zu ziemlich Gas gibt und ganz schön kräftig ist.“ „Ich hab keine Angst vor kräftigen Ponys! Paulchen hat auch seinen eigenen Kopf.“ „Ja, aber Dream ist wirklich auf den Sport getrimmt, besonders aufs Springen… Wir werden sehen.“ Sie schien nicht zufriedengestellt, folgte mir aber trotzdem, nachdem sie nochmals Dreams Nüstern gestreichelt hatte.
      Als letztes sahen wir uns den Nordstall an. Darin roch es nebst dem Stroh auch immer noch nach frischem Holz und ein klein wenig nach Farbe. Lächelnd streichelte ich Paluche, der seit neustem auch seine Box im Nordstall bezogen hatte. Er war immerhin schon über dreijährig und sollte langsam eingeritten werden. Ich freute mich schon darauf, das erste Mal auf dem Rücken des kräftigen Junghengstes zu sitzen. Im Moment sah er noch wie ein richtiger Wildfang aus, aber ich wollte ihm morgen die praktische, für Criollos typische kurze stehmähne verpassen und ihn richtig herausputzen. Im Nordstall gefiel der kleinen Lily besonders Dancer mit seiner langen, gewellten Mähne. „Du hast wohl ein Flair für weisse Pferde, was?“, stellte ich lächelnd fest. „Jap, die sind einfach am schönsten. Sie sehen fast aus wie Einhörner!“ „Da hab ich’s ja gut getroffen mit den beiden Criollo Damen die du reiten wirst.“ „Ich kann es kaum erwarten!“, meinte sie aufgeregt. „Na gut, aber zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen. Wir helfen den Pflegern kurz beim Füttern, dann kriegst du deine erste Reitstunde von mir.“ Sie hüpfte begeistert zum Hauptstall, wo die meisten Pfleger bereits die Kessel in den Schubkarren mit Kraftfutter füllten. Jedes Pferd bekam einen Mix aus verschiedenen Getreidesorten und Pellets, dazu ein wenig Mineralfutter und Kräuter. Auf den Boxenschildern standen jeweils die Mischverhältnisse, was Ajith dem kleinen Mädchen nun erklärte. Dann ging alles ruck zuck. Jeder Pfleger schnappte sich einen Massbecher und füllte ihn den Angaben entsprechend. Wie durch fleissige Bienen wurde so eine Box nach der anderen besucht. Lily konnte gut mithalten, auch wenn sie manchmal noch Mühe mit dem Einfüllen hatte. Bei Caligari verschüttete sie das Mass, weil die Stute sie ungeduldig schubste. „Selber schuld, jetzt musst du eben vom Boden fressen!“, rief sie daraufhin aufgebracht. Quinn und ich sahen uns grinsend an. Wir gingen nach dem Hauptstall natürlich auch zu den Offenställen, dem Neben- und dem Nordstall. Lily wollte den Minis auch eine Portion bringen, aber ich erklärte ihr, dass die kleinen Pferdchen ja nicht geritten wurden und ihre Ration durch Heu abgedeckt wurde. Daraufhin schickte ich sie mit einer Schubkarre zum Heulager, während wir die Grosspferde fertig versorgten.
      Ich hielt mein Versprechen und begleitete Lily zur Stutenweide, um Gianna abzuholen. Die Cremellostute senkte brav den Kopf, damit Lily das Halfter über ihre Ohren streifen konnte. Dann führte sie sie zum Nebenstall. „Hey sag mal… Meinst du du kannst schon frei reiten?“, fragte ich sie. „Was denkst du denn? Klar kann ich! Ich geh mit Paulchen immer alleine raus!“, war die empörte Antwort. Während Lily schon die Putzkisten holte, ging ich also zu Islah’s Box, da ich natürlich lieber selber auch ritt, anstatt einfach nur Reitlehrerin zu spielen. Wir putzten die beiden Pferde gründlich. Das kleine Mädchen machte ihre Sache gut, sie hatte es scheinbar schon oft mit schlammverkrusteten Ponys zu tun gehabt. Wenn sie an eine Stelle nicht heran kam, stellte sie sich einfach auf die Putzbox. Beim Satteln musste ich ihr aber helfen, denn der Westernsattel war etwas zu schwer für sie. Auch das Zaumzeug legte ich Gianna selber an, danach war es wieder an Lily, die Stute zur Halle zu führen. Es hatte angefangen zu tropfen, daher wollten wir lieber vorsorglich in die trockene Halle gehen. Tatsächlich bewies sie Geschick im Lenken der Stute, die ja trotz allem deutlich grösser als ein Shetty war. Ich gab ihr nach dem Eingewöhnen eine halbe Stunde lang intensiven Unterricht, indem ich ihren Sitz korrigierte und sie einfache, aber präzise Figuren reiten liess. Bei der Schlangenlinie hatte sie etwas Mühe, aber das war auch nicht einfach mit den vielen Kurven. Sie ritt zwar mit Ginis Westernsattel, aber trotzdem gab ich ihr Englischen Unterricht, denn Western kannte sie noch nicht. Die Stute war sich nur diesen Sattel gewöhnt und am Sattelhorn konnte sich Lily im Notfall festhalten, deshalb fand ich diese Variante praktisch. Gini spielte brav mit, wie ich es von der Stute kannte. Dadurch, dass sie im Westernstil so fein ausgebildet war, brauchte Lily nur die Zügel etwas zur Seite zu bewegen, um sie trotz ihrer kurzen Beine zu steuern. Unterdessen Machte ich mit Islah die meisten Figuren vor und zeigte, wie es am Ende aussehen sollte. Zum Glück war das Arabische Vollblut heute gut drauf, sodass ich nicht mit Bocksprüngen oder ähnlichem zu kämpfen hatte.
      Nach der Stunde war das Mädchen immer noch voller Energie und wollte unbedingt mitkommen, als ich mit dem Anhänger Devil in Prada abholen wollte. Die kleine Stute war Dod’s erste Tochter gewesen und nun ein kräftiger Jährling. Ihre Besitzerin hatte sie uns zurückverkauft, nachdem sie eine Stallumstellung vorgenommen hatte, worüber ich keineswegs wütend war. Ich freute mich, das Fohlen zurück auf Pineforest Stable begrüssen zu dürfen, denn sie war schliesslich etwas ganz besonderes. Wir holten sie beim Flughafen ab und Lily half mir beim Verladen, natürlich achtete ich darauf, dass sie nicht in Gefahr geriet. Rachel hätte es mir nie verziehen, wenn ihre Tochter unter die Hufe eines meiner Pferde gekommen wäre. Prada ging ohne zu zögern in den Anhänger, es schien fast, als wüsste sie, dass diese Reise sie nach Hause führte. Lily war übrigens auch von diesem Pferdchen ganz begeistert – schliesslich hatte es blaue Augen, war weiss-grau gescheckt und noch dazu „soooo süss!“ Zuhause brachte ich Prada zu den anderen Stutfohlen, von denen sie natürlich erstmal ausgiebig beschnuppert wurde. Sie war direkt verkauft worden als sie entwöhnt war, also hatte sie nie wirklich mit den anderen Jährlingen Kontakt gehabt. Wir beobachteten die Gruppe eine Weile, um sicherzugehen, dass sie nicht zu grob mit der Neuen umgingen. Ich nutzte die Gelegenheit, um Lily ein wenig über das Pferdeverhalten zu erzählen. „Da, jetzt zeigt Primo mit den Ohren, dass Prada nicht zu nahe kommen soll. Wenn sie die Nase so rümpfen, bedeutet das entweder, dass es ihnen nicht gut geht, oder dass sie etwas nicht mögen; du musst immer gleichzeitig auf die Augen und die Ohren achten. Auch Schweifschlagen deutet auf Unwohlsein.“ „Aber die da drübenist nicht krank, oder?“ „Nein, Penny ist heute bloss etwas mürrisch und mag Prada wohl noch nicht sonderlich“, erklärte ich. Lily beobachtete die Fohlen mit grossen Augen und versuchte eifrig, weitere Verhaltensmuster zu erkennen. Ich war stolz, dass sie sich so brennend dafür interessierte, denn das war die Basis für die Zusammenarbeit mit den Vierbeinern.

      Vor dem Mittagessen schufteten wir nochmal im Stall und halfen beim Misten. Dann genossen wir unsere wohlverdienten Ravioli. Jedenfalls Lily tat das, denn gerade als ich mich endlich gesetzt hatte und die Gabel zum Mund führen wollte, klingelte das Telefon. Augenrollend stopfte ich die paar Ravioli in den Mund und stand auf um es zu holen. Am anderen Ende stellte sich eine Frau als Sekretärin eines in der Nähe liegenden Zoos vor. Na toll, was will die denn?, dachte ich verwundert. ‚Wollen‘ tat sie nichts, im Gegenteil, etwas loszuwerden hatte sie im Sinn. „Wir haben vor einer Weile ein paar neue Zebras aus einer Zucht übernommen, doch nun müssen die Gehege saniert werden und danach wird es wohl nur noch Platz für eine kleine Herde geben. Drei Zebras wurden bereits an andere Zoos vermittelt, doch das vierte konnten wir bisher nirgends unterbringen. Da es aufgrund seiner Herkunft sehr zahm ist, haben wir unsere Suche auf Privatpersonen erweitert. Eine Arbeitskollegin meinte, man solle doch mal bei ihnen nachfragen, da sie eine Weile als Pflegerin in einem Zoo angestellt waren und ihr Gestüt in der Nähe liegt. Ich weiss, das muss überraschend für sie kommen, aber hätten sie zufällig Interesse?“ Ich schwieg erstmal nachdenklich. Ein Zebra? Es ist war, ich hatte auch schon mit den Biestern zu tun, aber könnte ich so etwas überhaupt hier halten? Nein, das kann nicht gut gehen. „Hallo, sind sie noch dran?“, ertönte die erwartungsvolle Stimme aus dem Telefon. „Nun ja, ich muss leider ablehnen; ich denke nicht, dass Pineforest Stable für die Unterbringung eines Zebras geeignet wäre…“ „Das ist sehr schade, sollten sie ihre Meinung ändern, dann kontaktieren sie mich doch bitte.“ Lily sah mich enttäuscht an, daraus schloss ich, dass sie mitgehört hatte. „Ein Zebra?? Warum denn nicht?“ „Weil… Es dann einsam währe.“ „Aber du hast doch noch Dante, der würde sich bestimmt über Gesellschaft freuen!“ „Dann müsste ich ihn aber Kastrieren lassen. Das fände ich schade.“ Lily schwieg betreten, denn sie merkte, dass ich nicht gewillt war meine Meinung zu ändern. Wir assen still fertig und gingen daraufhin gemeinsam Feline holen. Diesmal nahm ich Jacky und Sheela mit, denn wir wollten ins Gelände gehen. Zira musste hingegen zuhause bleiben, sie war dazu noch zu jung. Unterwegs flitzte uns ein Fellball vor den Füssen durch. „Kafka! Irgendwann brech ich mir wegen dir noch den Hals!“ Rief ich dem Kater hinterher, der bereits um die Ecke verschwunden war. „Du hast eine Katze?? Das wusste ich gar nicht!“ ich sah verlegen weg und murmelte „Ja, sogar vier. Und gewisse Pfleger hier haben nen Vogel, aber das ist ne andere Geschichte…“, indem ich an Lisa dachte. „Vier?! Warum hab ich die noch nicht gesehen?“ „Sie sind überall auf dem Hof verteilt, du wirst sie wohl kaum zu Gesicht bekommen. Sie lassen sich nur blicken wenn es Futter gibt. Frag Lisa, die kümmert sich darum.“ Sie wirkte begeistert, ich hingegen kräuselte die Lippen. Wenigstens sind die Biester alle kastriert. Dante sah mir von seinem kleinen Paddock her entgegen. Ich musterte ihn nachdenklich. Nein, das wäre schade. Vielleicht hat er irgendwann ein paar schön gefleckte Eselbabys
      Wir sattelten Feline und Piro, dann machten wir uns auf den Weg in Richtung Fluss. Ich wollte mit Lily nicht gleich am ersten Tag auf die Galoppwiese, denn dort waren die Pferde immer extra fit und ich war nicht sicher, ob das kleine Mädchen dafür schon reif war. Wir ritten anschliessend nach Norden zum Wald, wo wir auch etwas trabten. Da Lily das erste Mal auf Feline sass, verzichteten wir auf einen Galopp. Schön war der Ausflug trotzdem und beide, Mädchen und Pferd, genossen die herbstliche Natur.
      Zuhause wurden wir von Lewis, Oliver und Lisa begrüsst, die mit Dante am Strick dastanden und grimmig schauten. „Boss, we have to talk“ war alles, was ich vorläufig zu hören bekam. Ich band Piro beim Nebenstall an und hob erwartungsvoll die Augenbrauen. Lisa meldete sich zu Wort. „Das war jetzt schon das dritte Mal, dass er ausgebüxt ist. Er war schon wieder bei den Stuten drüben! Das kann so nicht weitergehen, ausser du willst riskieren, eine Herde von Maultier aufziehen zu müssen.“ „Dann müssen wir eben das Zauntor verstärken“, antwortete ich gereizt. „Wäre es nicht einfacher, ihn kastrieren zu lassen?“ „Das hab ich mir ja auch schon überlegt, aber das ist so endgültig…“ „Denk auch an ihn Occu: Er hätte es viel besser, wenn er nicht mehr ständig den Weibern nachsteigen muss. Man könnte ihn mit den Minis zusammen halten“, meinte Lisa. Oder mit einem Zebra, ging mir durch den Kopf, und ich dachte an Lily, die von dieser Idee begeistert sein würde. Ich seufzte und nickte zustimmend. „Na gut, ich rufe morgen den Tierarzt.“ Zufrieden gingen die Pfleger wieder ihrer Arbeit nach. Ich gesellte mich zu Lily, Feline und Piro zurück, um die beiden Pferde zu versorgen. Danach schlug ich Lily vor, zu den Minis zu gehen und diese zu bürsten, während ich mit Loki raus ging.

      Am Abend rief ich der Sekretärin des Zoos nochmal an und vereinbarte ein Treffen, bei dem ich mir das Zebratier ansehen wollte, bevor ich endgültig entschied. Lily war begeistert, als sie davon hörte. „Dann kann ich meinen Freundinnen erzählen, dass ich ein gestreiftes Pony geritten hab!“ „Halt halt, nicht so schnell, ich glaube kaum, dass man sie reiten kann. Schliesslich ist sie kein braves Kinderpony, sondern ein Zebra!“ „Ja, aber du kannst sie sicher einreiten, und dann darf ich doch bestimmt mal eine Runde auf ihr drehen, nur im Schritt“, bettelte sie. „Eigentlich hatte ich bloss vor, sie mit Dante auf ne Weide zu stellen, nicht sie als Zirkuspony auszubilden“, murmelte ich augenrollend. „Wir werden sehen“; mit diesen Worten brachte ich die kleine ins Bett und deckte sie zu.
    • Occulta
      Endlich Schnee!

      Feine Flocken rieselten mir ins Genick, als ich mich Bückte, um meine Chaps zu schliessen. Es war ein herrlicher Donnerstagmorgen und endlich zeigte der Winter sein wahres Gesicht. Hinter mir stolperte Lily aus dem Haus und konnte gerade noch verhindern, dass Zira auch rausflitzte. Die Hunde wollten wir erstmal noch im Haus lassen, denn Lily und ich wagten uns heute ans erste offizielle Zebra Training. Meine Nichte hatte mich überzeugt, dass ich Thairu nicht einfach so rumstehen lassen konnte, ohne nicht wenigstens zu versuchen, ihr ein paar Dinge beizubringen. Ich hatte daraufhin gestern Abend eine Menge Recherche betrieben und festgestellt, dass das Projekt ‚Zebra Einreiten‘ gar nicht so abwegig war wie anfangs gedacht. Wir machten uns also auf den Weg zu Thairu und Dantes Weide. Damit sich das Zebratier wohler fühlte, musste Lily sich um Dante kümmern und ihn ebenfalls mitnehmen, während ich Thairu aufhalfterte und zum Nebenstall brachte. Sie kannte es schon von ihrer Fohlenzeit her, angebunden und geführt zu werden, was vieles erleichterte. Das Hufegeben war allerdings etwas eingerostet. Ich blieb hartnäckig und zog und stupste sie, bis sie reagierte und den Huf hob. Dann kratzte ich nur rasch über die Sole, um sie gleich ausgiebig zu loben, indem ich sie am Widerrist kraulte. Lily hatte Dante ebenfalls angebunden. Sie stellte sich neben Thairu und kramte in ihrer Jackentasche, dann zauberte sie ein Karottenstück daraus hervor. Die Zebrastute beschnupperte es misstrauisch und frass es dann zögernd, wobei sie übertriebene Kaubewegungen machte. Doch anscheinend mochte sie das orange Gewächs, denn schon schnupperte sie wieder an Lilys Händen. „Gut, so haben wir etwas, um sie zu bestechen. Aber ich denke es ist besser, wenn wir sparsam mit Futter umgehen, weil sie sonst vielleicht zu frech wird“, meinte ich. Lily war einverstanden und schnappte sich den Striegel für Dante. Ich kümmerte mich um das gestreifte Fell. Es war ziemlich verschieden vom Fell eines Pferdes; irgendwie weicher und zugleich borstiger. Ausserdem war es trotz der Kälte ziemlich kurz, aber Thairus Körper fühlte sich schön warm an, also nahm ich an, dass ihr die Temperaturen nichts ausmachten. Den Zebraschwanz zu bürsten fühlte sich auch speziell an, besonders, weil er nur unten lange Haare hatte, fast wie bei einer Kuh. Ich achtete darauf, nicht zu viele Haare auszuzupfen, da ich nicht wusste, wie schnell Zebra Haar nachwuchs. Die Mähne hingegen war Pflegeleicht. Sie war kurz und buschig, und die Stehmähnen Frisur war unzerstörbar. Bei den Ohren stiess ich auf Widerstand: Thairu schlug wütend mit dem Kopf, sobald ich mich ihnen mit der Bürste näherte. Ich beschloss also, das Ohren Bürsten erstmal noch zu unterlassen. Nun brachten wir die beiden in die Halle und liessen sie erstmal frei laufen. Ich hatte diverse Gegenstände aufgestellt: Einen grossen, blauen Ball, eine Blache, ein Cavaletti, ein paar Stangen und Pylonen. Die beiden durften diese Objekte nun auf eigene Faust genauer inspizieren. Thairu war durchaus interessiert, was sie durch moderates Schweifwedeln verdeutlichte. Sie schnüffelte an den Gegenständen und zupfte sogar an der Blache, nur um gleich darauf erschrocken abzudrehen. Ich studierte ihr Verhalten genau und versuchte, das Zebra zu verstehen. Ich wusste, dass Zebras sehr aggressiv werden konnten, wenn sie missverstanden wurden. Aber auch, dass sie sehr enge Freundschaften knüpften. Also musste ich solch eine starke Beziehung zu ihr aufbauen, damit sie mich mit ihr arbeiten lassen würde. Nach einer Weile, genauer gesagt als Thairu begann, sich nicht mehr für die Objekte zu interessieren, holte ich sie zurück an den Strick. Dann führte ich sie auf die Stangen zu. Sie zögerte und senkte den Kopf, doch folgte mir gemächlich. Ich lobte sie wieder durch Kraulen. Bei der Blache zeigte sich aber schon bald das wahre Gesicht des gestreiften Tiers: Sie stampfte drohend in den Sand und weigerte sich, einen weiteren Schritt in die gewünschte Richtung zu gehen. Als ich darauf beharren wollte, und den Druck auf das Seil erhöhte, schüttelte sie widerwillig den Kopf und klappte die Ohren böse nach hinten. Der Schweif wischte nun in raschen und heftigen Bewegungen. Ich beschloss, dass es so keinen Sinn hatte, und versuchte stattdessen, sie zu bestechen. Ich entfernte den Druck, indem ich meine Position an ihre Seite wechselte und ihr so ermöglichte, gefahrenfrei zu mir zu kommen. So bestand ich wenigstens noch darauf, dass sie zu mir laufen musste, und nicht umgekehrt. Tatsächlich war sie einverstanden, dem Seilzug zu folgen, solange es nicht auf die Blache zuging. Ich kraulte sie dafür wieder. Dann lud ich sie ein, mir auf eine kleine Volte um die Blache herum zu folgen, indem ich bloss ein wenig auffordernd zupfte. Dabei verringerte ich den Abstand zur Blache immer etwas mehr, während ich sie eifrig am Hals streichelte. Die Ohren waren alarmbereit, aber der Schweif war nun vollkommen still, was ich zunächst als gutes Zeichen wertete. Doch ich hatte für einen Moment vergessen, dass dies trotz allem kein Pferd war, und so folgten auf die vermeintlich ruhige, tatsächlich aber völlig angespannte Geste ein paar kleinere Buckler, bei denen sie abermals ihren Widerwillen demonstrierte. Wenigstens zielte sie nicht gegen mich, sondern versuchte wohl eher, mich zu beeindrucken. Ich führte Thairu nichts desto trotz wieder auf eine grössere Volte und startete einen neuen Versuch, diesmal mit Geduld. Durch Dominanz und Überlistung war ich nicht zum Ziel gekommen, aber vielleicht konnte ich mit etwas Geduld das Überqueren der Blache zu ihrer eigenen Idee werden lassen. Ich ging also mit ihr bis an die ‚Schmerzensgrenze‘ und liess sie dann einfach dort verharren. Das unwillige Schweifschlagen wurde zwar mit der Zeit wieder ruhiger, doch das Zebra war eine harte Nuss und hatte anscheinend alle Zeit der Welt. Nachdem sich eine Viertelstunde lang nichts gerührt hatte, mir langsam der Arm vom konstanten Zupfen schmerzte und Lily allmählich ungeduldig wurde, weil sie mit Dante schon so gut wie alle Objekte durchgegangen war, machte Thairu endlich den entscheidenden Schritt. Sie senkte den Kopf und schnupperte an der Blache. Ich lief ein Stück weiter und klopfte mit dem Fuss darauf, um ihr zu zeigen, dass darunter fester und sicherer Boden war. Plötzlich kam sie zu mir und stand mit allen vier Beinen auf dem blauen Untergrund. Ich kraulte sie sofort eifrig. Ich zupfte etwas am Strick und konnte sie problemlos wieder von der Blache herunter Führen. „Gut, das war’s für heute, ich möchte sie das erstmal verarbeiten lassen.“ Lily verstand das nicht und äusserte ihre Enttäuschung, sobald wir die beiden zurück gebracht hatten. „Wir haben doch gar nichts richtig mit ihr gemacht. Warum wolltest du schon aufhören?“, fragte sie frustriert. „Wir haben keinesfalls ‚nichts‘ gemacht. Es war eine schwierige Lektion für Thairu, über diese Blache zu gehen. Ich glaube sie hat vorhin die ersten Ansätze gezeigt, mir zu vertrauen. Das wollte ich sofort belohnen, indem ich sämtlichen Druck wegnehme. Und nun kann sie in aller Ruhe darüber nachdenken, bis wir das nächste Mal mit ihr arbeiten.“ Lily schien immer noch etwas skeptisch. „Du bist viel zu ehrgeizig. Lass ihr Zeit, dann kann sie lernen, dass ihr bei uns nichts passiert. Das Ziel ist, dass sie Spass an den Übungen bekommt; nicht, dass wir sie zwingen müssen. Denn ein Zebra kannst du zu nichts zwingen – das habe ich heute gelernt.“ „Hmm, ja, hast recht… Ich hoffe nur, dass sie bald Spass dran bekommt, weil ich ja in zwei Wochen schon wieder gehen muss“, erklärte Lily. Ich lächelte und legte den Arm um ihre Schulter. „Wir kriegen das hin, keine Angst. Und wenn nicht, dann kommst du mich in den nächsten Ferien wieder besuchen.“

      Am Nachmittag lief ich zu den Weiden und holte den Hufauskratzer aus dem verschliessbaren Wandfach im Offenstall der Hengste, um Alyshebas Hufe auszukratzen. Heute war sein grosser Tag; er würde zusammen mit Kaythara, Dublin und Ciela definitiv in den Hauptstall umziehen. Ajith bereitete gerade noch die Boxen vor, während Quinn, Rosie und ich schon mal den grössten Matsch aus den Hufen der Fohlen entfernten. Es hatte seit dem Morgen durchgehend geschneit. Auch der Wetterbericht versprach endlich bleibenden Schnee. Das hatte meine Laune an diesem Morgen ziemlich angehoben. Ich rutschte und stolperte durch den Matsch vor dem Offenstall auf der Hengstweide und kämpfte mich zum Weidetor, um Quinn meine geliebte Ciela abzunehmen. Alysheba wollte ich als letztes hochbringen. Wir führten die drei Stutfohlen aus der Weide, was zum Glück (noch) kein grosses Gequietsche verursachte, da die Gruppe die Prozedur vom Jungpferdetraining her gewohnt war. Aber spätestens heute Abend, malte ich mir aus, wird die Ruferei losgehen. Penny, Primo, Riven und Prada beobachteten uns, bis wir mit ihren Gefährten im Hauptstall verschwanden. Ich beschloss, ihnen später zur Beruhigung noch ein wenig Heu zu bringen. Als wir die drei auftrennten und in ihre neuen Boxen brachten, schienen sie zu begreifen, dass diesmal etwas anders war. Kaythara begann prompt damit, in der Box zu drehen und nach den anderen zu rufen, obwohl sie auf Sichtkontakt nebenan standen. Ciela stimmte mit ein und gab mir fast eine Kopfnuss. Ich beschloss, dass es das Beste war, die Box zu verlassen und die kleine erstmal in Ruhe zu lassen. Wir kümmerten uns also erstmal um die restlichen Vollblüter. Lily half uns beim Misten, indem sie die Schubkarren auf dem Mist leerte, sobald sie voll waren und dann im Renntempo zurück karrte. Ich lachte über ihre Energie und Motivation, denn meine Finger schmerzten schon wieder vor Kälte, obwohl wir uns im Stallgebäude befanden. Wenig später schickte ich sie los, um Gianna für ihre Reitstunde vorzubereiten. Sie bekam diesmal nicht Privatunterricht von mir, sondern wurde gemeinsam mit den fremden Reitschülern aus der Umgebung von Elliot unterrichtet. Nachdem ich mich einmal mehr geärgert hatte, weil die Leute mit den Transportern den ganzen Parkplatz zugestellt hatten, obwohl es eigentlich genug Platz hatte, wenn man sich schön aufreihte, setzte ich mich in die kleine Reiterstube in der Halle, um den Anfang der Stunde mitzuverfolgen. Lily sah etwas verloren aus zwischen all den Fremden, und ein Mädchen auf einem schwarzen Pony ritt ihr ganz schön nahe auf, aber sie hatte Gini im Griff. Sie nutzte die nächste Gelegenheit um auf eine Volte zu biegen und so der unangenehmen ‚Verfolgerin‘ zu entkommen. Ich nickte ihr durch das Glas ermutigend sie lächelte zurück. Dann konzentrierte sie sich auf die Schlangenlinie, die sie anführen musste. Ich beobachtete die beiden eine Viertelstunde lang, bevor ich zur Stutenweide wechselte und Echo mitnahm. Die Paint Horse Stute folgte mir gehorsam zum Nebenstall, wo ich sie anband, um sie zu putzen. Beim Kopfbürsten senkte sie den Kopf und rieb kurz die Stirn an meiner Schulter, doch sobald ich sie kraulen wollte, drehte sie sich weg. Sie war nicht kopfscheu, sondern mochte es einfach nicht, wenn man sie mehr als nötig anfasste. Ich akzeptierte das und holte ihren Sattel. Zum Glück war das Kavalleriezaumzeug, das ich von ihrem ehemaligen Besitzer geerbt hatte, so praktisch und einfach zu verschnallen. Echo mochte es auch gar nicht, mit anderen Zäumungen zu laufen. Dann sperrte sie jeweils den Mund auf oder schüttelte dauernd mit dem Kopf. Die breiten Lederriemen dieses Reithalfters und die eher dicke Schenkeltrense schien sie hingegen bequem zu finden. Auch mit einer simplen Westernkandare hatte ich es einmal versucht, mit dem Resultat, dass sie kaum mehr vorwärts ging. Mittlerweile hatte ich es definitiv aufgegeben, die Stute auf irgendeine andere Art als die Gewohnte zu reiten. Dafür lief sie mit ‚ihrer‘ Ausrüstung mustergültig. Als ich den Baumwollführstrick fertig um ihren Hals geknotet hatte, führte ich sie auf den Schotterweg und stieg auf. Dann lenkte ich sie in Richtung Süden zur Galoppwiese. Während wir den ganzen Weg ins nächstgelegene Dorf einschlugen, trabte ich viel und achtete dabei darauf, dass sie ein angenehmes, zügiges Tempo und einen sauberen Takt hielt. Sie sollte lernen, auch über lange Strecken schön konstant zu traben und erst in eine andere Gangart zu wechseln, wenn ich es verlangte. Man merkte auch, dass sie sich Mühe gab und ihrem Reiter gefallen wollte. Wir ritten durch die Siedlungen am Dorfrand und kamen zu einem kleinen Dorfladen – meinem eigentlichen Ziel. Ich stieg ab und löste den Strick. Nachdem ich sie an einem massiven Zaunpfosten festgebunden hatte, stellte ich sicher, dass die Zügel nicht über den Hals fallen konnten. Erst dann liess ich die Stute kurz alleine, um im Laden zwei Flaschen Met und ein Körnerbrot, das in diesem Dorf eine Spezialität war, zu kaufen. Der Ladenbesitzer, ein älterer Herr, kannte mich gut, denn ich kam immer mal wieder zu hoch zu Ross vorbei. Er kam sogar mit nach draussen und betrachtete Echo bewundernd. Er erzählte mir, dass er früher selber noch in der Kavallerie geritten sei, auf einem Pferd namens ‚Rover‘. Ich hörte ihm interessiert zu, denn so konnte ich noch ein paar Dinge von ihm lernen und Tipps bekommen. Er meinte aber, Echo sähe jetzt schon wie ein Kraftprotz aus. Ich lachte und beteuerte, dass dies der Paint Horse Einfluss sei. Nach einer Weile verabschiedeten wir uns und ich machte mich mit Echo auf den Heimweg. Sie hatte brav gewartet und zur Belohnung eine Karotte bekommen, dementsprechend gut gelaunt wackelte sie nun mit den Ohren während dem Laufen. Es wurde langsam dunkel, doch der Schnee hatte nicht nachgelassen und die Felder waren bereits alle weiss überdeckt. Ich liess die beliebte Galoppstrecke durch den Pinienwald nicht aus und kam so sogar noch etwas früher zurück als erwartet. Dafür liess ich mir Zeit beim Versorgen der Stute und befreite ihre Fesseln gründlich von den letzten Schlammkrusten und Schneeknötchen, die ich zuvor zugegebenermassen gekonnt ignoriert hatte. Dann war Echo endlich erlöst und durfte zurück auf die Weide zu ihren Gefährtinnen. Sie war auch nach diesem langen Ritt nicht erschöpft und brauste rutschend und stolpernd durch den Schnee auf die anderen Stuten zu. Ich stapfte ebenfalls zurück zum Nebenstall, wo noch nirgends geschaufelt worden war. Ich entdeckte Ajith und Quinn nebenan und stellte sicher, dass es gleich nach dem Abendessen erledigt wurde.

      Wenig später stand ich bei Parányi und putzte den Jungspund direkt in ihrer Box. Dort war es etwas wärmer und nicht so windig wie draussen. Das samtige, schwarze Fell war seit langem wiedermal bereits sauber und nicht dreckverkrustet. Allerdings waren die Haare an manchen Stellen gekräuselt, sodass ich mir zusammenreimte, dass sie sich auf der Weide im Schnee gewälzt hatte. Auch die Hufe waren schön ausgewaschen – hach, wie ich den Schnee liebe! Da ich mit Parányi die letzten zwei Tage geritten war, wollte ich heute nur an der Doppellonge mit ihr arbeiten, und morgen würde sie ganz frei bekommen. Ich wollte die frisch eingerittene Stute noch nicht überfordern und ritt sie deshalb höchstens dreimal pro Woche, je zwanzig Minuten lang. Lily war übrigens längst mit der Reitstunde fertig und tollte im Schnee mit den Hunden herum. Ich sah ihr durch den geöffneten, oberen Teil der Boxentür lächelnd beim Schneeballwerfen zu, während ich Parányis Mähne kämmte. Schliesslich holte ich den Doppellongengurt und legte ihn ihr an. In der Halle ritten Darren und April auf Halluzination und Vychahr, nun da die Reitschüler endlich verschwunden waren. Ich beobachtete beiden Füchse aus dem Augenwinkel, während ich Parányi alle vier Hallenecken zeigte. Ich tat das immer, damit sie keinen Grund hatte, sich zu erschrecken. Danach zog ich die Leinen durch die Ringe am Gurt und hängte sie beim Kappzaum ein. Es handelte sich um einen mit Trensenstück kombinierten Zaum. Parányi blieb geduldig stehen, als ich die Leinen um ihren Po und über die Hinterbeine schwang, um sie wieder daran zu gewöhnen. Daraus schloss ich, dass sie seit dem letzten Training nichts verlernt hatte. Ich schnalzte und nahm die halblange Fahrpeitsche in die rechte Hand, um sie anzutreiben. Dann schickte ich sie raus auf die Volte und begann, sie im Schritt mit aufnehmen und wieder loslassen zum Dehnen zu bringen. Als nächstes Trabte ich sie an und spielte ein wenig mit der Temporegulation. Auch Übergänge übten wir, besonders aus dem Schritt in den Trab, da sie dabei zunächst immer gleich anhalten wollte. Ich war erstaunt, wie kooperativ die Stute heute gelaunt war. Die letzten paar Tage war ich beim Reiten jeweils eher enttäuscht gewesen, aber heute schienen wir einen Fortschritt nach dem anderen zu machen. Ich hörte daher auch etwas früher auf und lobte sie ausgiebig. Ich führte sie noch ein wenig in der Halle herum, dann brachte ich sie in ihre Box und zog ihr die Abschwitzdecke an, falls sie doch noch nachschwitzen sollte. Zufrieden warf ich einen letzen Blick in die Box und stellte fest, dass Parányi bereits wieder döste.
    • Occulta
      Ein Sonniger Sonntag

      Es windete mich zwar fast von den Füssen, als ich gleich nach dem Mittagessen vor die Haustür trat, doch zumindest war es so warm wie schon lange nicht mehr. Die Sonne schien, der Himmel war wolkenlos und der regendurchweichte Boden begann zu trocknen. Ausserdem entdeckte ich bereits erste Krokusblumen im Rasen vor dem Haus – dabei war es doch erst Februar! Ich betrachtete die violetten Blüten, ehe ich mich auf den Weg zum Nebenstall machte. Nach dem morgendlichen Vollblütertraining, das heute des nassen Geläufs wegen nur zaghaft vonstattengegangen war, freute ich mich auf einen langen Ausritt mit meiner Moon Kiddy. Auch Lisa, Lewis und Lily kamen mit, auf Piro, Gini und Feline. Das kleine Mädchen konnte so viel Ablenkung wie möglich gebrauchen, nach dem tödlichen Unfall ihrer Mutter. Meine braune Stute genoss die Sonne, während ich ihre Matschverkrustete Mähne entwirrte. Gestern hatten wir die Stuten zum ersten Mal seit einer ganzen Woche wieder rausgelassen, weil es zuvor einfach zu Nass gewesen war. Mit dem ganzen Schmelzwasser war der Boden durchtränkt und es konnten grosse Schäden entstehen, wenn die Pferde die ganze Zeit darauf herumtrampelten. Die Fohlen wollten wir heute auch wieder aus dem Offenstall lassen, denn dort drin musste dringend mal wieder gründlich gemistet werden, was mit einem Haufen neugieriger Jungspunde hinter dem Rücken gar nicht so leicht war. Ich beschloss, Moons Beine kurz zu waschen, denn mit der Bürste malte ich mir mindestens eine halbe Stunde Arbeit aus. Gesagt – getan, danach ölte ich die Hufe auch gleich ein, damit sie nicht zu viel Feuchtigkeit von der nassen Weide aufnahmen. Nun brauchte ich nur noch den Westernsattel zu holen und die Braune zu zäumen, wie gewohnt mit dem Bosal. Auch die anderen waren so weit, also stiegen wir auf und ritten los. Piro war ziemlich geladen und steckte die anderen nach kurzer Zeit an. So kam es, dass wir schneller unterwegs waren, als uns lieb war. Dafür erweiterten wir die geplante Route um einen Waldweg in Richtung Dorf. Lily schlug sich ganz gut mit Feline, aber auch die sonst so brave Schimmelstute begann zunehmend herumzuhampeln. Ich schlug vor, einen ausgiebigen Galopp zu machen, damit die vier etwas müde wurden und nicht mehr so viel überschüssige Energie hatten. Wir polterten nebeneinander den Waldweg entlang, dabei war es gar nicht so leicht, Moon bei der Gruppe zu halten. Tatsächlich wurden die Pferde langsamer, als es auf das Ende des langen Weges zuging und wir kamen sogar zum Treiben. Im flotten Trab ritten wir über eine Weggabelung und anschliessend bis zum Waldrand. Dort liessen wir die vier etwas strecken. Piro schnaubte zufrieden und Feline versuchte, am Wegrand zu knabbern, doch Lily setzte sich erfolgreich durch. Sie hatte viel gelernt, seit sie das erste Mal bei mir in den Ferien gewesen war. Und seit dem Unfall war sie mit noch grösserem Eifer dabei, sodass ich sie zeitweise fast bremsen musste. Ich machte mir Sorgen, dass sie sich überforderte, indem sie die Trauer mit physischer Beschäftigung überspielte. Sie beteuerte hingegen immer, „okay“ zu sein. So langsam kam Pineforest Stable wieder in Sicht, also verlangsamten wir das Tempo etwas und genossen die restlichen Meter im Schritt. Die Natur schien sich nicht einig zu sein, ob sie nun erwachen, oder doch noch im Tiefschlaf bleiben sollte. Zum Teil schossen bereits Blumen aus dem Boden, doch die Bäume hatten noch keine Knospen und auch das Gras schien noch schlaff. An der Sonne war es beinahe so warm, dass man im T-Shirt reiten konnte, doch im Schatten der Bäume bekam man Hühnerhaut. Die Pferde schienen aber ziemlich zuversichtlich zu sein, denn sie begannen bereits mit dem Fellwechsel. Der Wind zerzauste mir dauernd die Haare, aber es war eine wundervolle Stimmung und wenigstens kam er von seitlich vorne.
      Wieder auf dem Hof, brachten wir die vier Stuten direkt zurück zum Offenstall und liessen sie nach dem Absatteln freilaufen. Sie hatten tatsächlich mal wieder ein wenig geschwitzt, aber das trocknete bei dem Wind rasch. Die Hufe kontrollierten wir dann doch noch schnell, wie es sich gehörte. Als Nächstes gingen wir zu den Fohlenställen und schoben die grossen Tore auf. Wie erwartet schossen Merino, Life und Simba sofort raus und drehten erstmal einige Runden. Die Stuten gingen das Ganze etwas gemässigter an und blieben zuerst stehen um sich umzusehen, doch danach bockten und stolperten auch sie durch das feuchte Gras. Shira hatte sich mittlerweile gut in die Herde integriert und besonders in Prada eine neue Freundin gefunden. Penny und Primo klebten auch ziemlich aneinander, nur Riven war eher selbstständig. Sie war auch die unangefochtene Anführerin der Stutengruppe und ziemlich dominant mit den anderen. Ich half den Pflegern beim Misten mit dem kleinen Traktor, wobei es gar nicht so viel zu tun gab, ausser die Reste mit der Heugabel aus den Ecken zu kratzen. Wir räumten das alte Substrat komplett raus und füllten frisches Stroh ein. Ausserdem wurden die Tränken und Futtertröge geschrubbt. Wir waren eine gute halbe Stunde beschäftigt pro Offenstall, also war es bereits halb fünf Uhr, als ich endlich wieder zum Nebenstall kam. Um die letzten Sonnenstrahlen noch zu nutzen, schloss ich mich Rosie, Darren und Jonas auf den Dressurplatz an. Die drei übten auf Sweets, Bluebell und Lychee ein Dressurprogramm fürs kommende Wochenende. Es war zwar nur ein internes Clubturnier, aber wir wollten trotzdem eine gute Figur machen und zeigen, wie weit unsere jungen Schützlinge schon waren. Ich putzte Satine und übte ebenfalls ein paar der L Lektionen, die die Stute noch nicht perfekt beherrschte. Sie war heute aber irgendwie sehr abgelenkt und schreckhaft, sodass ich nicht ganz so viel mit ihr machen konnte, wie ich eigentlich geplant hatte. Pferde haben eben auch Launen und schlechte Tage, stellte ich fest. Nach vierzig Minuten brach ich ab und liess die Fuchsstute austraben. Wenigstens streckte sie sich schön. Wir versorgten auch diese Pferde nach der Arbeit. Nun waren schon fast alle Pferde bewegt worden und wir konnten es alle etwas ruhiger angehen. Ich beschloss, nochmal nach Dream zu sehen, die laut dem Tierarzt in den nächsten Tagen abfohlen sollte. Lily war schon bei ihr als ich kam und streichelte gedankenversunken die rosa Nüstern der Stute. Ich erschreckte sie fast, als ich ihr auf die Schulter tippte. Ich schlug vor, die Schimmeldame zu putzen, was Lily gefiel. Wir bürsteten das weisse Fell und kämmten das graue Langhaar, bis es wieder schön entwirrt war. Dream schien die Prozedur zu geniessen, oder zumindest störte es sie nicht. Ich meinte dennoch, eine leichte Unruhe in den Augen und im Verhalten der Stute zu bemerken. Vielleicht war es ja schon heute Nacht soweit. Ich sagte Lily nichts, damit sie nicht enttäuscht war, wenn es heute doch noch nicht geschah. Vor dem Abendessen gingen wir noch zu Ronja, um sie auf einen Spaziergang mitzunehmen. Paranyi und Halluzination wurden unterdessen in der Halle bewegt. Lily, Ronja Räubertochter und ich liefen über die Brücke beim Fluss. Auf der anderen Seite liessen wir sie etwas grasen. Lily suchte im Dunkeln nach ersten Schnecken oder Insekten. Ich beobachtete meine Enkelin und war froh, dass sie einmal mehr zu vergessen schien, warum sie hier war. Ich fragte mich immer noch wie es sein würde, sie immer hier zu haben. Der Unfall war nun schon ein paar Wochen her, aber so richtig hatten wir uns beide noch nicht an die neue Situation gewöhnt. Ich war froh, dass das kleine Mädchen schon so selbstständig war, denn sonst wäre ich vermutlich leicht überfordert gewesen. Doch so kamen wir irgendwie klar. Lily hatte sich ein Leben auf einem Reiterhof immer gewünscht, doch war es fair, sie dafür einen solch hohen Preis zahlen zu lassen? Das Leben war hart und unbarmherzig, aber irgendwie drehte sich die Welt immer weiter. Schliesslich machten wir uns auf den Heimweg und gingen ins Haus.
      Nach dem Abendessen schauten wir uns einen Film an, wobei wir einmal eine Pause einlegen mussten, um die Abendliche Stallkontrolle zu machen. Um halb Zehn schickte ich Lily ins Bett und ging dann noch rüber ins Pflegerheim bis halb elf Uhr. Ich hatte meinen Wecker extra ein wenig früher gestellt, damit ich vor dem Frühstück rasch nach Dream sehen konnte. So stand ich um fünf auf und schlich mich raus. „Hab ich’s mir doch gedacht!“, schmunzelte ich, als ich ein dunkles Bündel im Stroh neben Dream entdeckte. Es konnte kaum eine Stunde alt sein, denn es war noch ganz zittrig. Ich prüfte kurz Augen, Nüstern und Puls des kleinen, stellte fest, dass es ein Hengstchen war und sah nach Dream. Beide, Mutter und Kind, waren zwar müde, aber bei bester Gesundheit. Erleichtert lief ich zurück zum Haus und weckte Lily. Ich erwähnte das Fohlen erst nach dem Frühstück, denn ich wusste genau, dass sie sonst nicht hätte stillsitzen können. Sie rief schliesslich halb vorwurfsvoll, halb überrascht „Occu!“ und stürzte zur Tür raus. Sie konnte ihre Begeisterung kaum unterdrücken, schaffte es aber, ruhig und vorsichtig näherzugehen. Das Hengstchen stand mittlerweile auf wackligen Beinen und sah sich die Wand an. Dream schubste es etwas zur Seite, als sie sich drehte, um uns zu begrüssen. Es schaffte es, irgendwie auf den Beinen zu bleiben und stolperte ihr hinterher, blieb aber auf Abstand. Ich fragte Lily, was sie von dem Namen ‚Skydive‘ hielt, und wir einigten uns darauf. Nach einer Weile kamen auch ein paar der Pfleger hinzu und beobachteten das kleine fröhlich. Doch dann mussten wir mit dem Füttern anfangen und der Routine nachgehen.
    • Occulta
      Viele viele bunte…

      „Occu, Blütenzauber bekommt ihr Fohlen!“, rief Lisa mir vom Hauptstall entgegen. Ich hastete dorthin um nach dem Rechten zu sehen. Im selben Moment rief Lily hysterisch vom Nebenstall: „Ich glaube Skydive hat gehustet, Tante Occu! Komm schau ob er krank ist!“ So ging das nun schon seit Wochen; ein Fohlen nach dem anderen kam zur Welt. Naja, eigentlich war ja auch absichtlich geplant gewesen, dass die Fohlen fast alle März kommen sollten. Ich rollte die Augen und drehte um. Ich wusste schliesslich genau, dass mir meine kleine Nichte keine Ruhe lassen würde, bis ich mich um ‚ihr‘ Fohlen kümmerte. Wie erwartet hatte sich Skydive aber nur beim Trinken verschluckt, sonst fehlte ihm absolut nichts. Das Hengstchen war kräftig und verspielt, und manchmal überlegte ich skeptisch, ob er nicht schon fast etwas zu moppelig war. Als Lily mich endlich gehen liess, lag Blütenzaubers Fohlen schon als feuchtes Bündel neben ihr im frischen Stroh. Ich betrachtete die beiden liebevoll und versuchte zu erkennen, welches Geschlecht das Tierchen hatte. „Eine Stute!“ Über einen Namen würde ich mir später Gedanken machen. Das Fohlen war das erste von Spot und dementsprechend neugierig war ich auf seine Qualitäten. Ich sah ein paar Boxen weiter nach Caprice und ihrem wolligen braunen Hengstchen, das Gestern in der Frühe geboren worden war. Die Fuchsstute war entspannt und kümmerte sich liebevoll um ihr Erstgeborenes. Sogar noch besser war es vor zwei Wochen mit Pointless gelaufen. Das gepunktete Monster hatte uns alle überrascht und sich als hervorragende Mutter entpuppt. Ausserdem war ihr Fohlen eine unglaublich hübsche, dominant weisse Stute mit ganz feinen, braunen Fleckchen auf dem ganzen Körper. An der Schnauze und um die Augen hatte sie ebenfalls dunkle Flächen, die aufgrund des dort feineren, weissen Fells noch etwas deutlicher zu sehen waren. Auch sie hatte noch keinen Namen, aber ich spielte mit der Idee ‚A Winter’s Tale‘. Ausserdem hatte ich bereits beschlossen, sie definitiv zu behalten, denn ich war neugierig, wie sie sich entwickeln würde. Ich wusste noch nicht genau, welche Fohlen dieses Jahrgangs wir sonst noch zur Ausbildung hier behalten würden; das wollte ich in den kommenden Tagen zusammen mit Oliver bestimmen. Ausser den drei bereits erwähnten Babys hatten noch ein Welsh von Noir, ein Mini von Alu und ein Criollo Fohlen von Gini das Licht der Welt erblickt. Ja, nun war der Frühling definitiv gekommen. Ich freute mich schon auf die letzten Geburten, die noch bevorstanden. Bei Indiana und Islah konnte es jetzt auch jeden Tag so weit sein. Doch nicht nur solch junge Neuankömmlinge hatten wir in letzter Zeit begrüssen dürfen; auch sonst hatte sich viel verändert. Zum Beispiel stand nun in Box Nummer 14 der wunderschöne Fajir El Assuad, ein knapp sechsjähriger Halbbruder von Kaythara. Ich erhoffte mir, ihn später erfolgreich als Zuchthengst einsetzen zu können, denn seine Abstammung war ausgezeichnet. Der einzige Haken daran war, dass er sozusagen keine Rennleistung hatte. Er war früh aus den Rennen zurückgezogen und stattdessen in Dressur oder Springreiten trainiert worden, sodass ich nicht mit Sicherheit sagen konnte, wie gut seine Nachkommen auf der Bahn sein würden. Vom Körperbau her schien er aber alle Voraussetzungen für einen guten Galopper zu erfüllen. Ausser Fajir waren noch Shattered Glass, eine Paint Horse Stute, und Dante, ein Holsteinerhengst übergangsweise hier. Ich hatte die Beiden von einem Rettungshof übernommen und bereits neue Besitzer gefunden, doch solange der Papierkrieg um die Ausfuhr noch andauerte, blieben sie hier. Auch Álaedis hatte den Weg zurück nach Pineforest Stable gefunden: ich hatte die Stute zurückgekauft, weil sie vernachlässigt worden war. Nun überlegte ich, ob ich sie vielleicht als zukünftige Zuchtstute behalten wollte, doch es hatten sich auch für sie schon wieder Interessenten gemeldet, also würde ich sie wohl weiterziehen lassen. Der letzte Neuling, der heute ankommen sollte, war ein prächtiger Andalusierhengst, den ich im Frühsommer zusammen mit den meisten Fohlen dieses Jahrgangs versteigern wollte. Ich hatte ihn ebenfalls von einem Schutzhof freigekauft und wollte ihn nun aufpäppeln. Er war laut den Tierschützern in Spanien bereits Gekört worden und hörte auf den Namen Negresco. Seine Ankunft war für fünf Uhr geplant, also hatte ich noch etwas Zeit, mich um die Minis zu kümmern.
      Es war drei Uhr, die Sonne schien und die Vögel wollten gar nicht mehr ihren Schnabel halten. Ich schlenderte Barfuss und mit hochgekrempelten Hosen durch das saftige Gras am Wegrand zu den Weiden. Nur im Schatten der Tannen war es noch etwas zu kalt, sodass ich leichte Gänsehaut bekam. Ich hüpfte über den Schotterweg zum Weidetor und betrat das Reich der Stuten. Meine Hornhaut ist auch nicht mehr das, was sie mal war, stellte ich angesichts meiner nun etwas schmerzenden Füsse fest. Aber das wird sich bald wieder ändern. Chip, Daki und Allegra kamen angetrabt, die restlichen glotzten mich nur von weitem an, weil sie genau wussten, dass es nicht Futterzeit war. Ich wich Dakis Hufen geschickt aus, als sie mir fast auf die Füsse trampelte, mit dem Resultat, dass ich fast über Allegra stolperte. Der winzige Fellball versteckte sich erschrocken hinter ihrer Mutter, nachdem sie mir einen warnenden Tritt verpasst hatte. Na zum Glück ist sie noch so klein und schwächlich, dachte ich augenrollend, und rieb mir die Wade wo sie mich getroffen hatte. Ich konnte ihr aber nicht wirklich böse sein, weil es ja meine Schuld gewesen war. „Stupid humans shouldn’t come here barefoot, right?“, rief ich lachend. „That’s probably right“, rief eine Stimme hinter mir zurück. Lewis stand mit der Mistgabel beim Offenstall; ich hatte ihn zuvor gar nicht bemerkt. Er grinste und machte sich wieder an die Arbeit. Ich lief zu den restlichen Stuten, die in der Nähe der Bäume grasten. Alu und ihr kleines Anhängsel wurden von Papillon beschützt, die sehr Herdenorientiert war und sich anscheinend dazu verpflichtet fühlte. Ich machte mir aber ein wenig Sorgen, dass Papillon das Kleine vielleicht stehlen könnte. Daher bat ich Lewis später ‚to keep a close eye‘ was die beiden anging. Bei den Minis musste nur noch Rapunzel abfohlen. Sie war ein richtiges Fass auf zwei Beinen und ich fragte mich, wie lange sie noch brauchen würde. Eigentlich war der errechnete Termin schon vor über einer Woche gewesen. Andererseits hatte die Stute bei ihrem letzten Fohlen auch etwas länger gebraucht, und am Ende war trotzdem alles gut gegangen. Wo wir schon vom Teufelchen sprachen - Kicks-a-Lot und Tigrotto lieferten sich gerade dem Zaun entlang ein Wettrennen, mit anschliessendem Gerangel. Tic-Tac sah ihnen bloss verschlafen zu, denn sie lag zusammen mit Lady und Rose im Schatten. Ein wenig Training würde ihnen wiedermal guttun, beschloss ich bei Kiwis pummeligem Anblick. Ich hatte in letzter Zeit mehr mit den ausgewachsenen Minis trainiert und die Halbstarken etwas vernachlässigt. Dafür war Lady Diva was das Country Pleasure Fahren betraf nun in die höchste Turnierklasse aufgestiegen.
      Bevor ich wieder zum Nebenstall schlenderte, sah ich kurz bei den Hengstchen rein. Die Langweiler dösten alle im Offenstall, anstatt das tolle Wetter draussen zu geniessen. Ich ging nicht näher heran, um Arco, Caress und Caillean nicht zu stören. In einer Ecke des Stalls lag Becks, den ich vor ein paar Tagen gekauft hatte. Er brachte frisches Blut in meine Zucht und war bereits ein erfahrenes Showpferd. Rapunzel hatte sogar schon einmal Bekanntschaft mit ihm gemacht – das Fohlen von den beiden war damals aber an einer Krankheit gestorben. Immer noch barfuss begab ich mich zu Dreams Box, weil ich Lily suchte. Doch sie war ausnahmsweise nicht hier. Erstaunt sah ich mich um und rief nach den Hunden, die jeweils auch ein gutes Indiz für den Aufenthaltsort meiner Nichte waren. Sheela und Zira kamen hinter der Halle hervorgeschossen, Jacky folgte ihnen humpelnd. Sie war letztens ziemlich übel gestolpert und hatte sich die Pfote dabei verstaucht; nichts Ernstes, aber es würde noch ein/zwei Wochen dauern, bis sie wieder ganz normal lief. Ich lobte die drei für ihr rasches Auftauchen und lief dann, von ihnen verfolgt, auf dem Schotterweg zur Ovalbahn. In der Ferne sah ich Ajith und Quinn beim Osteingang zum Hof stehen. „What’s going on?“, fragte ich, sobald ich bei ihnen war. „Muskat broke free from Charly, when he was trying to get him and Cantastor back to the barn. At first he was able to hold back Canto, but then he fell and Canto got away too. They both ran in this direction; Lily and Charly are following them. We’re standing here in case they manage to chase them back.” Ich entgegnete wütend: “What was he thinking by taking them both at once? He must have known It’s springtime and the horses are all very jumpy!” Ajith zuckte mit den Schultern und Quinn schüttelte den Kopf. Ich nahm Quinn mit zum Nordstall, wo wir Calico und Dod sattelten, um die Ausbrecher einfangen zu gehen. Ich konnte nicht gut mit einem Lasso umgehen, weshalb ich darauf hoffte, nahe genug an die beiden heranzukommen, um die Führstricke zu fassen, die noch immer an den Halftern hängen mussten. Quinn und ich ritten an Ajith vorbei raus und trabten schon nach einer kurzen Einwärmzeit an, um die Verfolgung aufzunehmen. Zunächst mussten wir Charly und Lily finden. Nach langem Rufen begegneten wir ihnen weiter oben am Flussufer. „Where are they?“, fragte ich hoffnungsvoll. „We last saw them somewhere over there, but they’re hidden behind the bushes now.“ Charly deutete zu den Büschen weiter oben. Wir teilten uns auf und ritten, beziehungsweise liefen um das Gebiet herum, sodass wir die Pferde von Norden her einfangen konnten. Mit dieser Strategie wollte ich verhindern, dass sie noch weiter weg liefen. Vorsichtig streiften wir an den Büschen vorbei, bis ich Cantastor entdeckte. Der Dunkelbraune sah mich und Dod mit gespitzten Ohren an. Er blieb zum Glück ruhig stehen, sodass ich mich nähern konnte und sein Seil zu fassen bekam. Ich lobte ihn erleichtert und band sein Seil am Sattelhorn fest. Dann trabte ich weiter auf der Suche nach Muskat. Die anderen hatten ihn inzwischen aufgespürt und umkreisten ihn, doch er suchte bereits nach einer Lücke zum entwischen. Als Quinn auf ihn zuritt, drehte er ab und bretterte mit Fahnenschweif in Richtung Pineforest Stable zurück. Canto tänzelte etwas und rief seinem Kumpel lautstark, versuchte aber nicht, sich wieder loszureissen. Ich befahl Charly, sich auf Cantos Rücken zu schwingen und an der Mähne zu halten, während die kleine Lily bei Quinn vorne mit aufstieg. Wir trieben Muskat in die Richtige Richtung, sodass Ajith einen entscheidenden Versuch hatte, ihn zu fassen zu bekommen. Der dunkelhäutige Pfleger warf die Arme hoch und liess Muskat abbremsen, dann schnappte er sich zielsicher den Strick des Hengstes. Wir jubelten ihm zu brachten dann die beiden Vollblüter gemeinsam zurück zum Hauptstall. Quinn meinte lachend zu Ajith: „That was not bad, he had no chance!“ Er winkte ab, grinste aber übers ganze Gesicht. Charly hatte seine Lektion gelernt und versprach, in Zukunft zumindest die Hengste einzeln zu führen. Kurz darauf kam Negresco an und wurde von Jonas in seine vorläufige Box im Nordstall gebracht. Der Braune hatte einen wunderschönen Kopf und ich konnte mich nur schwer davon abhalten, mit dem Gedanken zu spielen, ihn hier zu behalten.
      Am Abend sassen wir alle auf Gartenstühlen und Bänken unter den drei Bäumen zwischen dem Pflegerheim und dem Haupthaus. Nur Elliot, Lisa und Oliver waren noch unterwegs, um ausserhalb von Pineforest Stable Reitstunden zu geben. Es gab Tee und Kekse, was nach dem langen Arbeitstag eine verdiente Wohltat war. Wir überlegten uns Namen für die Fohlen, war gar nicht so leicht war. Sie mussten nicht nur gut klingen, sondern auch zu den Namen der Eltern passen und später von den Sprechern bei Rennen oder Turnieren gut genannt werden können. Für Pointless‘ Fohlen setzte sich ‚A Winter’s Tale‘ durch, denn uns fiel ausser ‚Surely no Spots‘ und ‚Snowbutt‘ nichts mehr ein (Lewis machte einen Schmollmund, als ‚Snowbutt‘ einstimmig abgelehnt wurde). Blütes Fohlen wurde dank Rosie vorläufig ‚Savory Blossom‘ genannt. ‚Gamble Away‘ wurde es für Mikkes Fohlen. Das kleine Welsh-Tier nannte ich ‚Daydream of Money‘, als Anspielung auf Noir’s französischen Namen. Ginis Fohlen hiess fortan ‚Dreams of Revenge‘ und das Mini-Fohlen von Alu ‚Arctic Alinghi‘. Bei der anschliessenden Stallkontrolle entdeckten wir ausserdem, dass bei Indiana die Wehen eingesetzt hatten. Die Geburt verlief Problemlos und ohne unser Eingreifen. So stand eine Stunde später auch Spots zweites Fohlen, ‚Stop Making Sense‘, zum ersten Mal auf wackeligen Beinen. Ich mochte dieses Kerlchen schon jetzt ganz besonders, weil es fast dieselben wilden Sprenkel wie sein Vater trug. Ausserdem hatte es einen Bildschönen Kopf.
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  • Album:
    Gnadenweide
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    Occulta
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    19 Nov. 2015
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  • Offizieller HG

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    Vom: Lightning

    Aus der: Gena


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    Rufname: Gini
    Geburtstag: unbekannt
    Alter: 9 Jahre
    Stockmaß: 1,57 m
    Rasse: Criollo
    Geschlecht: Stute
    Fellfarbe: Cremello
    (ee,Ff,AA,CrCr)

    Abzeichen: -
    Gesundheit: sehr gut


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    Temperamentvoll, lieb, sozial



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    Gianna hat eine äußerst seltene, aber hübsche Fellfarbe. Sie ist munter und manchmal recht aufgedreht. Kurz gesagt ist sie die absolute Amazone. Obwohl sie eigentlich aus einer richtigen professionellen Zucht kommt, könnte man denken sie wäre in der Wildnis aufgewachsen. Deswegen wurde sie auch billig verkauft, da man sie so als Zuchtstute anscheinend nicht gebrauchen kann. Inzwischen hat sie sich aber eingelebt und zeigt sehr viel Talent. Sie ist zu anderen Pferden total lieb und nimmt Neue auch schnell mit in die Herde auf.


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    Besitzer: Occulta
    Ersteller: Ivi.Kiwi
    VKR: Ivi.Kiwi
    Verkäuflich: Nein


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    Gekört: Ja
    Nachkommen: PFS' Dreaming of Revenge
    Decktaxe: nicht leihbar!


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    Galopprennen Klasse: E
    Western Klasse: E
    Spring Klasse: A
    Military Klasse: E
    Dressur Klasse: E
    Distanz Klasse: A

    Eignung: Distanz, Freizeit
    Eingeritten: Ja



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    Gewinnerin der SK 367 für Cremellos und Andalusier
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    1. Platz 32. Synchronspringen
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    2. Platz 133. Distanzturnier
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    Gianna's Spind