Occulta

• Fly Fast of the Nightrunners, EVB ♂

Hengst | Brauner

• Fly Fast of the Nightrunners, EVB ♂
Occulta, 15 Sep. 2013
Cooper gefällt das.
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      Ankunft von Bandit und Fly

      Heute war ein ganz gewöhnlicher Sonntag, so gewöhnlich, dass er fast schon wieder ungewöhnlich war. Am Morgen half ich beim Pferdefüttern, bis zum Mittag trainierten mein Mann, die Jockeys und ich die Vollblüter und am Nachmittag gingen wir ausreiten. Bis dahin war der Tag fast langweilig. Aber ich war kaum vom Ausritt zurück, da holte mich das ungewöhnliche auch schon wieder ein, in Form eines Telefonklingelns. "Hmm, wer ruft uns denn an einem Sonntag an?", fragte ich meinen Mann, der neben mir gerade Winter's Sattelzeug putzte. Ich selber schmiss den Schwamm zur Seite und nahm den Anruf entgegen. "Hey, ich habe hier ein kleines Problem mit ein paar Pferden, die dringend ein neues Zuhause suchen. Einige sind sogar zu verschenken!", tönte Oliver's Stimme aus dem Handy. Ich hörte an seiner Nervosität, dass die Lage dringlich sein musste. Er fuhr fort: "Da ist auch so ein kleiner Norweger Hengst, der mir richtig gut gefällt... Ich könnte ihn gratis mitnehmen..." Ich verstand worauf er hinauswollte und stimmte zu, den kleinen Hengst abzuholen. Gesagt getan, wenige Minuten später war ich auf dem Weg zur Autobahn. Unterwegs bekam ich einen weiteren Anruf: diesmal war es eine gute Kollegin, die in Nordengland auf einem Gestüt ein Rennpferd entdeckt hatte. Der Vollbluthengst sei wohl sehr wild und verritten, habe aber gutes Rennpotential. Ich machte mich also anschliessend gleich noch auf den Weg dorthin. Zurück auf dem Hof lud ich beide Hengste aus und brachte sie in ihre neue Box: Bandit, der Norweger, kam in den Nebenstall und Fly Fast kam in den Hauptstall.
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      Ankunft von Rosenprinz und Coulee

      Ich war gerade am misten, da vernahm ich ein entferntes Motorengeräusch. Ich sah mit gerunzelter Stirn auf meine Armbanduhr und murmelte nachdenklich: „Hmm, sie sind früh…“ Dann stellte ich die Heugabel an die Wand und lief nach draussen auf den Parkplatz. Es hatte vergangene Nacht das erste Mal geschneit und der Boden war von einer feinen, weissen Schicht überzogen in der man die Reifenspuren deutlich sah. Ein Kumpel von Jack stieg aus und wir schüttelten uns zur Begrüssung die Hand. „Verlief die Reise gut?“, fragte ich besorgt. „Ja, das Flugzeug kam früher als erwartet, deshalb sind wir schon hier, aber die beiden waren absolut brav.“ Antwortete er. Ich nickte erleichtert und lief nach hinten um die Klappe des Anhängers zu öffnen. Hans war ein guter Freund von uns, der nahe am Flughafen wohnte und mit seiner Familie eine kleine Farm etwas ausserhalb der Stadt betrieb. Mit Pferden hatte er nicht viel zu tun, aber er holte oft für uns die Pferde am Flughafen ab und brachte sie uns dann auf den Hof, denn wenn Flüge zu spät oder zu früh kamen, konnte er schneller dort sein und die Pferde gleich in Empfang nehmen. Als Gegenleistung liehen wir ihm ab und zu den grossen Transporter, damit er seine Rinder herumfahren konnte. Ich warf einen Blick in den offenen Anhänger und entschied, die beiden Pferde gleich in den Stall zu bringen. Es handelte sich um zwei alt bekannte: Quick und Coulee, die ich als zweijährige eingeritten und dann an Ofagwa verkauft hatte. Nun hatte sie anscheinend keine Verwendung mehr für die beiden. Ich führte Coulee die Rampe runter, Hans übernahm Quick. Als ich die beiden am Licht sah fiel mir auf, dass besonders Coulee ein wenig Stresskuhlen gebildet hatte und sich nicht mehr am Kopf anfassen liess. Ich führte sie in ihre alte neue Box, auch Quick wurde hereingebracht. Dann zog ich ihr die Transportgamaschen aus und wechselte die Decke. Sie war noch etwas nervös von der Reise, beruhigte sich aber rasch. Quick war cool wie immer und machte sich gleich über das frische Heu her.
      Gegen Nachmittag putze ich Empire gründlich durch, denn der weisse Hengst hatte sein Schlammbad sichtlich genossen. Als er endlich wieder einigermassen weiss war, sattelte ich ihn und führte ihn in die Halle, Oliver begleitete mich mit Fly. Wir ritten ein wenig Dressur mit den beiden, jedoch nicht zu lange, denn die beiden hatten am Morgen schon Bewegung gehabt. Zum Abschluss ritten wir nebeneinander auf der Galoppbahn. Empire war ein wundervoller Hengst, total feinfühlig und brav. Ich hatte mich schon längst in dieses Pferd verliebt.
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      Betdaq Race at Kempton Park

      Heute war einmal mehr ein grosser Tag für Blüte und zwei weitere unserer Vollblüter. Wir würden in Richtung London zum Kempton Park Rennkurs fahren und dort am Betdaq Klasse 2 Handicap Rennen teilnehmen. Das Rennen war offen für alle Vollblüter ab 3 Jahren, also meldeten wir Oliver mit Blüte, Quinn mit Paint und Lily mit Fly an. Es ging über 2 Meilen Grasbahn und das Wetter so wie es aussah trocken, aber bewölkt. Die drei Jockeys standen schon um 17:00 Uhr bereit um die Pferde zu verladen, und die ganze Fahrt in Richtung London verlief problemlos. Das Rennen startete um 19:00, also hatten wir genug Zeit um die Pferde noch einzuwärmen und die Konkurrenz zu begutachten. Besonders ein grosser Fuchshengst machte mir Sorgen, denn er sah äusserst durchtrainiert aus. Ich führte gerade Fly im Ring, während Lily sich bereit machte zum Aufsteigen. Die anderen zwei sassen bereits oben. Dann wurden die Pferde zu den Startmaschinen geführt und die Tore geschlossen. Das Publikum wurde still und in der Luft lag eine allgemeine Anspannung. Dann zerriss das Läuten der Startglocke die Stille und die Pferde schossen aus den Maschinen. Ich hatte mich inzwischen auf einen der reservierten Plätze neben Lewis gesetzt, der darauf bestanden hatte mitzukommen, und beobachtete das Ganze gespannt. Blüte startete wie immer sehr gut und hielt sich von Anfang an an der Aussenseite vorne. Fly hingegen hatte wieder einmal beim Betreten der Startmaschine rumgezickt und war daher auch entsprechend abgelenkt gewesen. Er war im Moment Zweitletzter. Paint hatte sich ebenfalls sofort einen guten Platz im Mittelfeld ergattert, Quinn musste nun aber aufpassen, dass sie nicht blockiert wurden. Als sie die 1-Meile-Markierung passierten war aber genau dies der Fall, Paint konnte weder vor noch zurück, die einzige Möglichkeit war eine schmale Lücke auf der Innenseite. Ich kreuzte die Finger und murmelte scharf „versuch es!“ Als hätte sie mich gehört steuerte Quinn auf die Lücke zu und galoppierte nun direkt neben einem grossen braunen Hengst. Unter ihr bebte Paint und schob sich Zentimeter für Zentimeter nach vorne. „Gut so“, rief ich und konnte kaum stillsitzen vor Aufregung. Auch Lewis fieberte mit. Paint und Quinn waren noch immer so nahe an dem Hengst, dass sich ihre Steigbügel beinahe berührten. „Pass auf die verdammten Bügel auf!“, murmelte ich, wohlwissend, dass so verheerende Unfälle entstehen konnten.

      „Blütenzauber is still at the front but Red Sundance is coming slow and steady from the left side. Highway follows them but he seems to slow down a bit now. Lizard’s Passion is still fighting with Painting Shadows but – oh, now she got past him. She’s now going after Highway who is still on the outside. Actually on the sixth place is Al Don Cumarco, but directly behind him follows our number three Caviar. Then comes Fly Fast and the last two are Lady Daylight and Armalite. Now Red Sundance comes closer, he’s only 1 length behind the leader, a half-length, now they are head to head, it’s Sundance, no, Blütenzauber again, now Sundance again and Sundance is the leader, only a quarter mile left, Painting Shadows leaves Highway behind her, she’s now third, Al Don Cumarco is fifth, Fly Fast is head to head with Caviar, Painting Shadows is coming now, she overtakes Blütenzauber, it’s still Sundance but she is coming really close, Painting Shadows is only a half-length behind, less than 300 yards left now, Painting Shadows takes the lead! Sundance follows tight, Painting Shadows leads by two lengths, two and a half lengths, and it’s over. Painting Shadows is the Winner.”

      Blüte wurde stolze Dritte und Fly immerhin noch sechster. Lewis und ich jubelten auf der Tribüne und liefen rasch zu den erschöpften Jockeys und Pferden. Nach der Siegerehrung waren wir alle froh, dass es nach hause ging. Wir gönnten den Pferden die wohlverdiente Ruhe im Stall und auch die Jockeys wurden mit heissem Tee gestärkt.
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      Osterschnitzeljagd

      Donut röchelte mir schon entgegen, als ich den Hauptstall betrat. Ich musste mich jedoch erst noch durch die Stallgasse kämpfen, in der gerade Hochbetrieb herrschte. Die Pfleger waren am füttern und man hörte ungeduldiges Hufscharren und Gewieher. Ich schlängelte mich an den Schubkarren vorbei und wich Empires weicher Schnauze aus, der gerade geputzt wurde und mich im vorbeigehen an stupsen wollte. Endlich war ich bei Donuts Box angelangt und stellte die Putzkiste ab. „Na mein kleiner schicker?“ begrüsste ich ihn, wie ich es immer tat. Trotz dem ich so viele Pferde zu betreuen hatte nahm ich es mir nicht, bei jedem Einzelnen gewisse Rituale einzubauen und ihnen allen so Sicherheit zu vermitteln. Ausserdem ritt ich alle Pferde mindestens zweimal pro Woche selber, den Rest übernahmen jeweils die Pfleger, die schliesslich auch gefördert werden mussten. Ausserdem hatten die Pferde alle einmal in der Woche frei, nämlich immer sonntags. Dann durften sie in Gruppen auf die grossen Weiden und das Pferdeleben geniessen. Ich schnappte mir einen Striegel und warf einen Blick auf die Uhr. „Schon halb eins, Jonas du bist spät dran.“, murmelte ich erbarmungslos, denn der Pfleger war gerade in Baccardis Box geschlichen. „T’schuldigung, ich musste noch Telefonieren….“, antwortete er hastig und kam nochmal raus, um sich ebenfalls einen Striegel zu angeln. Als er aufsah trafen sich unsere Blicke. „Etwas Wichtiges?“ „Jain, meine Tante ist letzte Woche verstorben, die Vorbereitungen für die Beerdigung sind schon in vollem Gange.“ „Das hast du mir ja gar nicht erzählt, tut mir schrecklich leid…“ „Ach ich mochte sie nie besonders, wir redeten seit Jahren nicht mehr zusammen.“ Er erklärte mir während dem Putzen, dass seine Tante mit seiner neuen Berufswahl als Pferdepfleger nicht einverstanden gewesen sei. Sie sei immer schon der Meinung gewesen, dass Pferde gefährlich seien und stinken würden. Ich hörte gespannt zu und entwirrte Donuts Mähne. Jonas unterbrach seine Rede, weil er konzentriert versuchte, Baccardis Mähne zu einem französischen Zopf zu flechten. Ich musste lachen bei dem Anblick und wechselte die Box um ihm zu helfen. Ich übernahm die Haarsträhnen und schob ihn sanft zur Seite. Doch er hielt leicht gegen und legte plötzlich seine Arme um mich. Ich sah ihn verwundert an und stupste ihm in den Bauch, da liess er auch schon wieder los und stupste zurück. Ich beschloss, nicht weiter darauf einzugehen, da es vermutlich wieder nur eine Spielerei seinerseits gewesen war. Ich flocht sie Mähne ruckzuck zu einem ordentlichen Zopf, da ich darin viel Übung hatte. Er sah mir dabei ganz genau auf die Finger, beeindruckt von meiner Geschicktheit. „Naja, manche Dinge werd ich wohl nie beherrschen.“, grinste er als ich fertig war. „Sag niemals nie.“, meinte ich und lächelte verschwörerisch. Wir sattelten endlich und führten die Pferde in den Innenhof. Dort stiegen wir auf und ritten anschliessend zum Dressurviereck, wo wir die beiden erstmal gründlich aufwärmten. Nach einer Weile trabte ich an und begann, Volten und Schlangenlinien zu reiten. Donut löste sich schon nach wenigen Runden und lief locker durch’s Genick. Wenn er versuchte, mit dem Kopf auf und ab zu wackeln, gab ich ihm eine leichte Parade am inneren Zügel. Wir hatten das Headshaking dank der vielen Longenstunden gut in den Griff bekommen, aber ab und zu zeigte er noch Rückfälle. Baccardi schien heute etwas aufgezogen zu sein, er trabte recht zügig und glotze ab und zu wieder das Gebüsch an, als ob dort etwas Gefährliches drin schlummern würde. Als ich an derselben Stelle vorbei kam, fuhr Donut plötzlich zusammen und bockte daraufhin los. Ich war völlig unvorbereitet und plumpste schon nach wenigen Sekunden in den weichen Sand. Donut rannte mir gehobenem Schweif und gespitzten Ohren in Richtung Ausgang, doch Jonas konnte ihm gerade noch den Weg versperren. Da Donut angehalten hatte, konnte er ihn nun leicht am Zügel fassen und mit zu mir führen. „Alles okay?“, fragte er besorgt und stieg ab. Ich stand noch etwas benebelt auf und richtete meinen Helm gerade. „Ja, nix passiert. Irgendwas muss da im Gebüsch sein!“, meinte ich, und lief auf die Stelle zu. Mit triumphierendem Blick richtete ich mich kurz darauf wieder auf und drehte mich zu ihm um. In der Hand hatte ich einen kleinen Korb mit bunten Ostereiern. „Da war jemand fleissig. Ich wette, das war Lisa. Die hat immer solchen Unsinn im Kopf.“ Wir lachten herzhaft und versteckten den Korb wieder, ehe wir weiter ritten. Nach knapp einer Stunde intensiver Arbeit mit den beiden Ponyhengsten stiegen wir zufrieden ab und brachten die beiden in ihre Boxen zurück. Nach dem Absatteln und Bürsten spielte ich noch etwas mit Donut: Ich zeigte ihm ein Handzeichen und sagte ruhig und deutlich: „Lachen“. Daraufhin streckte er seine Oberlippe nach oben und flehmte. Ich lobte ihn und gab ihm Karottenstückchen. Als ich keine mehr hatte kam er mit seinem Maul und fummelte mir an der Stirn herum. Ich stiess ihn lachend zur Seite als es mir zu bunt wurde, um zu Baci zu wechseln und ihn noch etwas zu streicheln. Die Blesse die sich über sein Gesicht zog war elegant den Augen angepasst und liess ihn frech und neugierig wirken. Die kräftigen Hengstpony-Backen und die kurzen Ohren unterstützten dieses Bild. Alles in allem war der Hengst wie Donut einfach ein Traum von einem Pony. Ich wuschelte ihm noch etwas mit der Hand durch die Mähne, und weil Jonas mit seinen dunklen, kurzen Locken gerade daneben stand, ihm ebenfalls.
      Am späteren Nachmittag trommelten uns Lisa und Rosie zusammen. Gespannt hörte ich zu, was die beiden wieder ausgeheckt hatten: Eine Ostereier-Schnitzeljagd. Sie hatte mich zuvor gefragt, ob die Pfleger heute mit den Pferden ins Gelände dürften. Ich schlug vor, dass sie gleich die Vollblüter nehmen sollten, die noch nicht bewegt waren. So suchte sich jeder ein Pferd aus und machte es hübsch für die Jagd nach den Eiern. Lewis nahm Sunday, Quinn nahm Paint, Ich nahm Gray, Jack nahm Fly, Rosie nahm Stromer, Jonas nahm Light, Lisa nahm Empire, Oliver nahm Indiana, Lily nahm Chiccory, Ajith nahm Felicita und Elliot nahm Campina. Die anderen, Smarty, Sumerian, Winter, Spot, Kierka, Crack, Blüte und Cantastor waren schon am Morgen auf der Bahn trainiert oder longiert worden. Gray war artig beim Aufsteigen und blieb schön stehen, während Campina neben uns die ganze Zeit wegen der vielen Pferde zappelte. Immerhin waren wir 11 Reiter! Lisa gab uns den Tipp, wo der erste Posten versteckt war und hielt sich dann zusammen mit Rosie im Hintergrund, denn die beiden kannten die Verstecke ja. Jonas und ich erkannten den ersten Posten auch gleich wieder, denn der Tipp lautete: ‚Der Start beginnt, wo der Schüler im Sommer stunden nimmt.‘ Die anderen berieten sich kurz, ehe die Gruppe auf den Platz ritt und das erste Nest suchte. Es dauerte auch nicht lange, bis Lewis es entdeckt hatte. Darin war ein Zettel, der mir vorher gar nicht aufgefallen war: ‚Wo der Fisch schwimmt, dort die Suche erst recht beginnt.‘ Die Zettel waren auf Deutsch, was mir erst jetzt in den Sinn kam. Ich fragte Rosie deswegen und sie meinte, dass es so spannender für die englisch sprechenden sei, da sie erst noch übersetzten mussten. Wir ritten also zum Fluss, der vermutlich gemeint war. In einer Hecke am Ufer war der zweite Korb aufgehängt, diesmal bekam ihn Jack. Auf dem Zettel stand: ‚Zögert nicht und reitet zum dritten, dort wo sich einst Räuber stritten.‘ Ich wusste sofort, was damit gemeint war. Es gab eine alte Bauern Legende, dass im nahen Pinienwald auf der grossen Lichtung einmal eine Banditenfestung gewesen sei. Sie soll ganz aus Holz gewesen sein. Einmal seien die Räuber jedoch erfolglos von einem Beutezug heimgekehrt und hätten sich aus ärger gegenseitig so lange beschimpft, bis einer die Festung in Brand gesetzt hatte. In ihrer Wut hätten sie nicht bemerkt, wie die Rauchfahne ihren Standort verriet und die wütenden Dorfbewohner anlockte. Die Festung sei komplett ausgebrannt und durch die Flammen sei der Wald um sie herum auch noch fast kreisrund gerodet worden, dies war die heutige Lichtung der Legende nach. Wir ritten also auf meinen Aufruf hin zur Waldlichtung. Tatsächlich fanden wir dort hinter einem Steinhaufen versteckt das dritte Körbchen. Rein aus Neugier sah ich mich ausserdem diesmal genauer auf der Lichtung um. Ich ritt in die Mitte, konnte jedoch auf dem Boden nichts Ungewöhnliches entdecken. Enttäuscht trieb ich Gray wieder zur Gruppe zurück. Was hatte ich überhaupt erwartet? Es war ja nur eine Legende und selbst wenn nicht, musste diese Geschichte schon laaange zurück liegen und es würde keine Spuren mehr geben. Ich schob diese Gedanken beiseite und genoss den Ritt. In meiner Abwesenheit hatte ich den neuen Rätselspruch gar nicht mitbekommen. Ich machte mir jedoch auch keine Mühe, ihn noch herauszufinden. Wir ritten zur Galoppwiese, auf der mitten im Feld ein weiterer Korb versteckt war. Wir mussten uns alle aufteilen, um ihn zu finden. Und so jagten auf der ganzen Wiese Pferde im Galopp durchs saftige Gras, auf der Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Als wir sie nach einer Viertelstunde immer noch nicht gefunden hatten, wurde Lisa um Hilfe gefragt. Zu allem Überfluss wusste sie jedoch nicht mal mehr, wo genau sie den Korb hingelegt hatte. Gerade als wir aufgeben wollten hüpfte Elliot triumphierend vom Pferd. Auf dem Zettel stand: ‚Den zweitletzten Schatz hältst du beinahe schon in der Hand. Um ihn zu finden halte dich am Waldesrand.‘ Wir wunderten uns ein wenig über die Einfachheit dieses Hinweises, doch sagten nichts und ritten weiter. Die suche war schliesslich doch nicht so leicht wie gedacht, denn der Korb hängte am Ende an einem Ast über unseren Köpfen. Quinn musste auf Paints Rücken stehen um ihn zu erreichen. Die Stute hielt zum Glück schön still, weil Ajith sie hielt. ‚Das Ende ist nah und doch noch fern, du findest es im Kern.‘ Im Kern? – Ich hatte keine Ahnung, was damit gemeint war. „Ist das Nest etwa in einem Apfel?“, scherzte Jonas und die Gruppe brach die Stille mit herzhaftem Gelächter. Lisa schüttelte weise lächelnd den Kopf. „Eigentlich ist es ganz leicht.“, stellte sie fest. Auch Rosie nickte eifrig. Wir beschlossen, erstmal zurück zum Hof zu reiten, denn wir vermuteten, dass das Körbchen dort irgendwo versteckt sein musste. Ich schnalzte und trieb Gray in den Galopp, denn wir waren auf einem der sandigen Galoppwege im Wald angelangt und die Reiter vor uns waren ebenfalls angaloppiert. Ich hielt die Zügel gespannt und schnappte mir ein Büschel Mähne, um Gray besser zu stützen. Wir sprangen den Weg entlang, das dumpfe Geräusch aufschlagender Hufe im Sand klang rhythmisch und vor mir wehten die Schweife. Am Ende der Strecke musste ich Gray in ihrem Eifer stark bremsen, denn wir wären fast in Light reingerasselt. Dieser war zum Glück gerade abgelenkt mit einer Wurzel, über die er halb drüber stolperte. Wenige Augenblicke später hatten wir die kurze Schrittpassage überquert (dort durfte man nur im Schritt durch, da ab und an ein Fussgänger durchlief) und die Vordersten sausten bereits wieder los. Ich trieb Gray auch wieder an. Der Wind zerzauste mir die Haare und Gray nahm gewaltige Sprünge, um einen kleinen Rückstand zu den Vorderen Pferden aufzuholen. Wir galoppierten die ganze Strecke bis zum Waldrand. Erst als wir wieder auf freiem Feld waren, parierten wir die Pferde in den Trab durch und ritten so den restlichen Weg zum Stall zurück. Es war herrlich; Die späte Nachmittagssonne und die angenehm aufgewärmte Luft unterstützten die ausgelassene Stimmung perfekt. Wir plauderten und lachten auf dem ganzen Weg und Lewis erzählte immer wieder Witze. Wir durchquerten die Galoppbahn mit ihren grossen Tannen, wobei wir uns leicht unter einem tief hängenden Ast ducken mussten. Als wir an den Weiden vorbei kamen, kamen die beiden Mini Hengstchen aufgeregt angetrabt und begleiteten uns. Die Stuten schienen sich nicht für uns zu interessieren. Nun ging die Sucherei los: Wir teilten uns auf und durchkämmten das Hofgelände nach dem fehlenden Korb. Ich wollte gerade zu Jack reiten, als Jonas an meine Seite kam. Daher bildeten wir beide gleich ein Team. Er schlug vor, dass wir zuerst auf dem Geländeparcours suchen sollten, schliesslich war dieser der ‚Kern‘ der Galoppbahn. Ich fand dies eine gute Idee und wendete Gray in die richtige Richtung. Ich nutzte die Gelegenheit, um Light etwas zu beobachten. Der sensible Hengst mochte keine harte Hand, doch bei Jonas schien er locker und zufrieden. Er war zwar feurig, wie immer, doch Gray hielt gut mit (sie war ebenfalls recht fleissig) und er trat schön ans Gebiss. Ich blieb stumm und wnedete meinen Blick wieder von dem schwarzen Hengst ab, um nach dem Vogel zu suchen, der sein Lied über unseren Köpfen trällerte. Wir überquerten die Galoppbahn und gelangten schliesslich zur Geländestrecke. Zuerst ritt ich zu der vordersten Baum-Insel und suchte das Bodengestrüpp ab. An den Stellen, an denen der Boden kahl war, wuchs nur spärlich Gras und die Erde war hart getreten von den vielen Hufen, die hier durchgekommen waren. Dennoch sahen die mit Schatten und einzelnen Lichtstrahlen überzogenen Flächen harmonisch und geheimnisvoll aus. Da ich nichts entdecken konnte, trieb ich Gray weiter zur nächsten kleinen Baumgruppe. Ich suchte auch in den Ästen über mir, doch selbst dort befand sich kein Korb. Als nächstes sah ich beim kleinen Grabenhindernis, beim Gebüsch-Sprung, beim Baumstamm und beim Hügelchen. Doch nirgends war etwas zu finden. Auch Jonas schien erfolglos geblieben, deshalb ritten wir zurück zu den anderen. Die hatten sich gerade um Elliot versammelt, der soeben den letzten Korb im Innenhof des Hauptstalls gefunden hatte. „Na klar, der Kern ist der Hauptstall mit unseren Engländern!“, Lachte ich und gratulierte ihm. Dann bedankte ich mich formell bei Lisa und Rosie für die hervorragende Durchführung dieser Eier-Jagd und lud alle Teilnehmer zu einem heissen Tee im Garten des Haupthauses ein. Zuerst wurden jedoch natürlich noch die Pferde versorgt. Sie genossen den Sonnenuntergang in Gruppen auf der Weide.
    • Bracelet
      Der Hufschmied ist mal wieder zu Besuch

      Als ich am Vormittag des zehnten Julies auf Pineforest Stable ankam, begrüßte mich, ehe ich aus meinem Wagen stieg, auch schon Occulta. ,,Entschuldigung dafür, dass ich meinen Termien leider ein paar Tage nach verlegen musste.'',sagte ich, da ich aufgrund eines Motorproblems die letzten Tage nicht von den Stelle kam. ,,Kein Problem.'',meine Occulta daraufhin freundlich und führte mich anschließend in den Hauptstall des Gestüts. Dort stand in der Stallgasse auch schon mein erster Client.

      Es handelte sich um Fly Fast of the Nightrunners, einen hübschen Englischen Vollbluthengst. Occulta, seine Besitzerin, hatte mir bereits im Vorfled erklärt, dass er eine schwierige Vergangenheit hatte und daher eher schwierig im Umgang war. Daher ging ich sehr langsam auf ihn zu. ,,Na du?'',sagte ich in einer ruhigen Tonlage und hielt ihm, als ich neben ihm stand meine Hand hin. Darin hielt ich ein Leckerli, welches er zögern aber doch aus meiner Hand nahm. ,,Braav'',sagte ich und Occulta stellte sich neben mich. Sie fragte mich, ob es auch möglich wäre ihn in der Box zu beschlagen, da er darin immer leichter zu händeln wäre und relativ brav wäre. Ich stimmte zu, da es kein Problem für mich sein sollte.
      Nachdem wir ihn also in seine Box gestellt hatten beugte ich mich langsam hinunter zu seinen Beinen. Da ich bereits meine Lederschürze trug wollte ich gleich beginnen ihm seine alten Hufeisen herunterzunehmen. Dazu nahm ich ein kleines Handtuch aus meinem Werkzeugkasten und legte es knapp unter sein noch am Boden stehendes Bein. Der Sinn des Tuches war, dass das Hufeisen, wenn es herunterging und auf den Boden viel, kein Geräusch machte, welches das Pferd eventuell erschrecken könnte. Nun nahm ich eine spezielle Zange und vorsichtig Fly Fast of the Nightrunners Bein, welches er mir brav gab, und nahm geschickt das alte Hufeisen herunter. Occulta lobte ihren Hengst inzwischen und beruhigte ihn damit immer wieder. So verlief das herunternehmen des gesamten Beschlags sehr problemlos.
      Als nächstes ging es ans Ausschneiden. Dazu nahm ich erneut das Bein des Hengstes und machte mit einem sogenannten 'Hufrinnenmesser' einen Probeschnitt. Dieser zeigte mir, wieviel loses Horn auf den Hufen war. Dieses entfernte ich anschließend und schnitt auch den Hufstrahl in Form. Bei den ersten drei Hufen klappte dieses Verfahren sehr gut, doch beim vierten und letzten Bein zog er zwei mal sein Bein weg. Er schnaubte etwas aber seiner Besitzerin gelang es sehr schnell ihn wieder zu beruhigen und ich konnte auch seinen letzten Huf gründlich ausschneiden.
      Als dies erledigt war stellte ich seinen Huf auf einen Hufblock um den Huf in Form zu raspeln und ihn somit auf die neuen Stahleisen vorzubereiten. Dies tat er wiederum sehr brav, wodurch ich sehr schnell fertig war. ,,Sehr brav.'',lobte ich ihn und streichelte ihn vorsichtig am Hals.
      Dann nahm ich eines der alten Hufeisen und ging zurück zu meinem Auto. Hier verglich ich die Größe und fand die passenden Stahleisen, die sich Occulta für ihn gewünscht hatte. Diese legte ich in den Ofen und erwärmte sie. Daraufhin nahm ich sie mit einer Zange heraus und hämmerte sie auf meinem Amboss in Form. Zum Schluss brannte ich sie in einem Wasserbecken auf und ließ sie ein wenig abkühlen ehe ich zurück in den Stall ging. ,,Na dann wollen wir mal.'',sagte ich und nahm erneut das Bein des Hengstes. Diesmal allerdings wollte er ihn zuerst nicht hergeben und erst als Occulta mir half gelang es mir ihn zu beschlagen.
      Als dies fertig war ließ ich ihn mir von seiner Besitzerin noch einmal im Schritt und Trab vorführen. ,,Perfekt.'',sagte ich und grinste, stolz über meine Arbeit.

      Als Occulta nun Fly Fast of the Nightrunner wieder in seine Box entlassen hatte ging es zum nächsten Pferd in die Nebenstallungen. Hier stand Co Pilot de la Bryére, ein hübscher Trakehner schon fertig geputzt bereit. Als ich seinen Namen hörte musste ich schmunzeln. ,,Ich habe ebenfalls einen Hengst aus dieser Linie bei mir zu Hause.'',sagte ich und begann mit Occulta eine Weile über die Beiden zu reden.
      Dann begrüßte ich Co Pilot, welcher mich schon die ganze Zeit über neugierig betrachtet hatte. ,,Hallo du Hübscher.'',sagte ich und gab auch ihm ein Leckerchen, welches er im Vergleich zu Fly Fast of the Nightrunners sehr schnell annahm und zufrieden auffraß. Mit gespitzten Ohren verfolgte er nun jede meiner Bewegungen, was wirklich süß war. ,,Ja braav.'',sagte ich lächelnd.
      Nun nahm ich wieder mein Handtuch und legte es ab. Anschließend nahm ich Co Pilot de la Bryéres Bein und entfernte vorsichtig das alte Hufeisen. Er war sehr kooperativ, was mir meine Arbeit wirklich sehr erleichterte.
      Als ich fertig damit fertig war entfernte ich auch bei ihm das alte und überschüssige Horn seiner Hufe und schnitt den Strahl in Form. ,,Sehr gut.'',meinte ich und begann anschließend auch gleich bei ihm seine Hufe mit einer Raspel in Form zu bringen.
      Occulta lobte ihn, bevor ich wieder ging um die neuen Hufeisen zu holen. Diese verglich ich wieder mit der größe des alten Beschlags, erhitzte sie im Ofen, welcher sich in meinem Kofferraum befand, hämmerte sie in Form und brannte sie auf. Alle vier Stück gelangen mir sehr gut, weshlab ich mit dem Stahlbeschlag auch schon wieder zu Co Pilot und Occulta zurückging. Ich beugte mich herunter und nahm das Bein des Hengstes. Er gab es wieder brav her und tänzelte nicht einmal ein bisschen herum. Nun hielt ich das Eisen auf seinen Huf und hämmerte es mit einigen Nägeln auf Co Pilot de la Bryéres Huf. Die überstehenden Nägel bog ich in Form und knipste sie anschließend ab.
      Als ich dies an allen vier Hufen getan hatte und mir die Gestütsleiterin ihren Hübschen vorgeführt hatte, bekam dieser noch einmal ein Leckerchen von mir und ein großes Lob, da er so brav war.
      Daraufhin musste ich allerdings auch schon wieder los, weshalb ich mich gleich verabschiedete und Pineforest Stable verließ.
    • Occulta
      Life goes on Fortsetzung des Nebenstallberichts 'Having troubles or what'

      Mir wurde ganz schwindlig, als sie Jack auf die Trage legten und wegbrachten. Auf einmal kam der ganze Schock, die Verzweiflung, Angst und Trauer über mich wie eine gewaltige Flutwelle, die mich beinahe zu Boden riss. Jonas, der ebenfalls in den Krankenwagen getragen wurde, beobachtete mich mit sorgenvollen Augen. Ich stützte mich gegen Rosie, die mir eine Umarmung anbot und schluchzte ungehalten in ihre Schulter. Alles um mich herum kam mir so unwirklich vor und ich hörte die Stimmen wie durch eine unsichtbare Wand. Alles, was ich von diesem Abend noch mitbekam war, dass Lisa, Rosie und Quinn mich ins Haus brachten und mit einen Tee kochten. Am nächsten Morgen wachte ich auf und fühlte mich wie ein Stein. Mir steckte die Trauer augenblicklich wie ein Kloss im Hals, als ich mich an den vergangenen Tag erinnerte. Am Morgen war ich noch so sorglos gewesen und dann war alles zerbrochen. Ich versuchte mich abzulenken und sah auf die Uhr. Es war erst fünf und draussen ging gerade die Sonne auf. Seufzend richtete ich mich auf und zog meine Reitsachen an. Die Pferde würden mich jetzt am besten trösten können, besonders meine und Jacks geliebte Vollblüter. Als ich durch die Küche lief sprang Jacky von ihrer Decke auf und folgte mir, jedoch schien sie auf seltsame Weise nicht so energievoll wie sonst. Ich machte mich ohne etwas zu frühstücken auf zum Hauptstall und holte die Putzsachen von Winter aus der Sattelkammer. Als ich die Box des schneeweissen Hengstes betrat, streckte er mir mitfühlend seine rosarote Schnauze entgegen, als wüsste er genau, was in mir vorging. Ich krallte mich in dem weichen Fell fest und legte die Wange an seinen Hals. Seinen warmen Puls zu fühlen, jedes Zucken der Muskeln, tat mir gut. Schliesslich angelte ich mir den Striegel und putzte meinen Liebling. Als ich fertig war, sattelte ich ihn mit seinem kleinen Rennsattel und hängte das Vorgeschirr ein. Ich führte ihn wie in Trance nach draussen und stieg auf. Ich ritt zunächst eine Runde Schritt auf der Galoppbahn und trabte anschliessend eine weitere Runde auf die andere Seite. Dann ritt ich zur Rennbahn und liess ihn laufen. Beim 500m-Pfosten sah ich auf die Armbanduhr und stoppte in der nächsten Runde an derselben Stelle. Mein grosser hatte eine gute Geschwindigkeit drauf und war ordentlich fit, deshalb beschloss ich, gleich noch eine Runde zu trainieren, aber diesmal mit Startbox. Prüfend sah ich mich nach den Pflegern um, schliesslich brauchte ich jemanden der die Boxen öffnete. Gerade als ich zurückreiten wollte um jemanden zu rufen, entdeckte ich Quinn, Lily und Oliver mit Spot, Iskierka und Light, die auf uns zu ritten. Winter spitzte die Ohren und hob den Kopf, um seine Stallgenossen zu begrüssen. Ich freute mich wahnsinnig, meine alten Freunde so anzutreffen, hielt dieses Glücksgefühl aber noch versteckt. Ich ritt ihn in eine der mittleren Boxen und wartete konzentriert auf den Start. Die anderen reihten sich ebenfalls ein und Ajith kam herbeigeeilt um die Boxen zu öffnen. Dann donnerten die Vollblüter auch schon los. Ich hielt mich bei Winters Absprung etwas an seiner Mähne, um von der Wucht nicht gleich aus dem Sattel zu gleiten. Es war ein wundervolles Gefühl, die schnaufenden Pferdeköpfe links und rechts von mir zu sehen und unter mir den gewaltigen Körper des Hengstes zu fühlen. Das rhythmische Aufschlagen der Hufe liess mich all den Schmerz vergessen und holte mich zurück in die Welt, in die ich gehörte; das hier und jetzt. Light gewann zwar das Trainingsrennen knapp vor Winter und mir, doch das war mir schnuppe. Ich hatte einen Entschluss gefasst während dem Galoppieren: Das Leben musste weitergehen. Ich tätschelte Winters Hals und plauderte begeistert mit den anderen über das Training. Anschliessend arbeiteten die restlichen Jockeys noch etwas weiter mit ihren Pferden, während ich Winter austraben liess. Er schnaubte schön ab und streckte den Hals tief zu Boden. Schliesslich brachte ich ihn zurück in die Box und versorgte ihn gründlich, ehe ich mich Stromer widmete. Mit dem cremefarbenen Hengst hatte damals alles angefangen – er war mein allererstes Vollblut gewesen. Nun war er schon ganze sechs Jahre alt und hatte sich prächtig entwickelt. Aus dem einst so zerbrechlichen dreijährigen mit der schlechten Vergangenheit war ein top bemuskelter, aufmerksamer und freundlicher Hengst mit wundervollen Gängen geworden. Jetzt im Sommer schimmerte seine rosafarbene Haut stark durch das Fell, was ihm deutlich mehr Farbe verlieh als im Winter, wenn er mit dem dichteren Fell fast weiss wurde. Ich putzte auch ihn sorgfältig und ritt anschliessend wie schon mit Winter in voller Rennmontur zur Bahn, wo ich ihn zunächst aufwärmte. Er hatte viel mehr Erfahrung als Winter und konnte seine Kräfte gut einteilen. Ausserdem hörte er sehr fein auf meine Hilfen und wurde nicht so heftig wie die jüngeren Genossen. Wenig später hatten auch die drei Jockeys ihre Pferde ausgetauscht; sie ritten nun Pina, Sunday und Felicita. Wiederum lieferten wir uns ein Spassrennen und arbeiteten dann noch etwas für uns auf der Bahn, was aber mit den tollen Pferden genauso viel Spass machte. Ich bewegte an diesem Morgen noch Gray, Crack und Indiana, während Quinn Chiccory und Fly, Oliver Paint und Empire und Lily Blüte und Cantastor übernahmen. Besonders bei Crack musste ich wieder mit den Tränen kämpfen, denn ich hatte sie damals von Jack zum Geburtstag geschenkt bekommen und mich so sehr über sie gefreut. Die Erinnerungen kamen wieder in mir hoch und ich musste daran denken, wie ich ihn so voller liebe umarmt hatte. Und doch war ich zuletzt wütend auf ihn und habe ihn mit eben diesem Gefühl angesehen… Dieser Gedanke schmerzte am meisten von allen. Als ich Diana versorgt hatte bemerkte ich ein grummeln und stellte fest, dass ich durch das ganze Arbeiten doch noch Hunger bekommen hatte. Aber alleine zu kochen würde bestimmt schrecklich werden. Ich schlenderte lustlos in Richtung Haus und bemerkte nicht, wie Lisa sich von hinten anschlich. Sie tippte mir auf die Schulter und rief laut „Buh!“, während Quinn und Ajith, die sich an die kühle Wand des Hauptstalls gelehnt hatten die Augen rollten. Ich vergab Lisa diese Taktlosigkeit angesichts meiner Trauer und sah sie bloss fragend an. „Ich… äehm… Ich meine Quinn, Ajith, Lily und ich wollten dich fragen, ob du vielleicht mit uns in die Stadt kommen willst. Wir dachten, wir gehen Jonas im Krankenhaus besuchen und essen unterwegs zu Mittag…“ Mein Herz machte einen Hüpfer. Jonas! Er lebt ja noch… Beschämt, dass ich meinen treuen Freund in der Not ganz vergessen hatte, willigte ich rasch ein und folgte den Pflegern auf den Parkplatz. Wir fuhren mit Lilys kleinem Toyota, in den wir uns allerdings ziemlich reinquetschen mussten. Wir bestellten wie geplant auf dem Weg zum Hospital ein Falafel für mich und sonstigen Schnellimbiss-Kram für die anderen. Als ich den langen Gang zu Jonas‘ Zimmer entlanglief, wurde mir etwas schwindelig. Wie hatte ich nur nicht an ihn denken können? Immerhin war er genauso wie Jack in Lebensgefahr gewesen und hätte genauso gut auch tot sein können! Langsam öffnete ich die Tür und trat ein. Es war vollkommen Still in dem hellen Raum. Die anderen Patienten schienen zu schlafen und auch Jonas hatte die Augen geschlossen. Die Pfleger folgten mir leise und schlossen die Tür hinter sich. Vorsichtig kniete ich mich neben sein Bett und betrachtete die üblen Verbrennungen, die sich über seine Oberarme zogen. Wie durch ein Wunder war das Gesicht beinahe unversehrt geblieben. Er muss es rechtzeitig mit den armen geschützt haben, überlegte ich und begann, seine Nase zu kitzeln. Seine Augenlieder zuckten, dann musste er niesen und wachte auf. „Occu… und ihr! Ich bin so froh, dass ihr gekommen seid.“ Ich lächelte verlegen, immerhin wäre ich ohne die anderen nicht hier. Zögernd fragte ich: „Wie fühlst du dich?“ „Den Umständen entsprechend, aber eigentlich nicht allzu schlecht. Bloss mein Rücken tut ziemlich weh. Aber die Ärzte meinten, es sei nichts ernstes, bloss eine Prellung. Wie geht es Jack?“ Ich zuckte zusammen und sah betreten zu Boden. Er weiss es also noch nicht… Quinn fasste Mut und antwortete leise auf die Frage. „Er hat nicht überlebt…“ Ich beobachtete, wie sich seine Pupillen weiteten und er den Mund öffnete, um etwas zu sagen, ihn dann aber ohne einen Mucks wieder schloss und ins Leere starrte. „Tot? D das ist schrecklich. Es tut mir so leid Occulta…“ Ich nickte nur und biss mir auf die Oberlippe, um die Fassung nicht wieder zu verlieren. Ich war froh, als er das Thema wechselte. „Wie geht es den Pferden? Haben sie sich sehr erschreckt als das Flugzeug abstürzte?“ „Nein, ich denke nicht. Heute Morgen liefen die Vollblüter im Training jedenfalls top“, antwortete ich. Er nickte mit einem Lächeln und ich fragte ihn, was denn so amüsant sei. „Ich finde es faszinierend, wie glücklich du wieder wirkst, sobald wir über Pferde reden.“ Nun lächelte ich ebenfalls und stupste ihn zur Strafe in die Seite, worauf er sofort aufschrie. „Au au, pass doch auf!“ „tut mir leid, ich hab gar nicht…“, stammelte ich erschrocken, doch schon grinste er mich wieder breit an und ich erriet, dass er nur mit mir gespielt hatte. Böse sein konnte ich ihm allerdings nicht. Wir plauderten noch etwas, dann machten die Pfleger und ich uns auf den Rückweg zum Stall. Er sah uns gequält hinterher, als wir einer nach dem anderen zur Tür hinausgingen, besonders mir, so kam es mir jedenfalls vor.
      Zuhause half ich Quinn, die mit dem Einreiten von Sumerian und Frame weitermachte. Die beiden waren noch ganz am Anfang ihrer Ausbildung, machten sich aber alles andere als schlecht. Fröhlich beobachtete ich die Fortschritte von Frame, der Monate zuvor noch so erbärmlich ausgesehen hatte, mit all seinen Wunden und Schrammen. Nun ging er nicht mehr lahm und nur eine Narbe zierte den Hals dort, wo der Pfosten einst ein so grosses Loch hinterlassen hatte. Meine Tierärztin hatte hervorragende Arbeit geleistet. Gegen Abend kam dann noch eine Überraschung auf dem Hof an. Ein Transporter fuhr auf den Parkplatz, beladen mit zwei neuen Vollblütern. Als ich mich fragend an den Fahrer wandte erfuhr ich, dass die beiden von Eddy stammten und Jack sie wenige Wochen zuvor abgekauft hatte, da Eddy ihren Bestand etwas reduzieren wollte. Auch ein Fohlen würde in den nächsten Tagen noch ankommen. Ich ignorierte das Stechen, das sich bei Jacks Namen wieder bemerkbar machen wollte und bewunderte den Hengst, Muskat. Er war bereits gekört und würde sicherlich ein wunderbarer Zuchthengst werden. Die Stute, Cassiopeia, hatte ich auch schon ein paarmal an Rennen gesehen, sie war Jack damals besonders aufgefallen. Ich führte beide in den Hauptstall und half anschliessend den Pflegern beim Füttern. Um halb zehn lief ich endlich müde zum Haus, zögerte aber davor und wandte mich stattdessen im halbdunkeln dem Hof zu. Es kehrte Ruhe ein auf Pineforest Stable, nach all der Aufregung schienen sogar die Pferde erledigt. Die Gebäude lagen still im Zirpen der Insekten da und erste Sterne tauchten am Himmel auf. Ich erinnerte mich daran, wie ich einmal mit Jonas im Gras hinter dem Dressurviereck gelegen und an den dunklen Tannen vorbei die Sternbilder betrachtet hatte. Augenblicklich breitete sich eine Art entspannende Wärme in mir aus und zum ersten Mal am heutigen Tage war ich wirklich glücklich. Glücklich hier zu sein, glücklich, dass Jonas lebte und glücklich, dass noch so viel vor mir lag. Ich murmelte sanft, an die Sterne gewandt: „Auf wiedersehen Jack.“ Dann drehte ich mich um und verschwand im Haus.
    • Occulta
      Stufenerhöhung Rennen (A/L) (A/L) (E/A)
      Tagesbericht // 14580 Zeichen // © Cascar

      Tag 1:
      Gespannt studiere ich die altmodische Straßenkarte auf meinen Knien. Bei jeder Bodenunebenheit, die Maria und ich passieren, wippen die Ecken des Papiers auf und ab. "Zehn Minuten?", frage ich schließlich, meine Fahrerin nickt. Nur um das festzuhalten: Maria Wernske ist die, die sich hier mit Rennpferden auskennt, ich bin praktisch nur der Jockey. Die Frau ist wunderbar und ganz nebenbei doppelt so alt wie ich, aber wir stehen im Umgang mit Pferden auf einer Augenhöhe.
      Bis ich die Karte ordentlich zusammengefaltet habe, ist der Jeep auf dem grauen Asphalt geparkt und meine Freundin schwingt sich bereits nach draußen, in den kühlen Nebel des Morgens. Wir haben heute schon viel vor, mit insgesamt drei Pferden. Doch vorerst folgen wir, jeder seinen Koffer tragend, dem breiten Weg zum Wohnhaus. Dort klingeln wir, Occulta Smith öffnet und begrüßt uns herzlich. "Na? Hattet ihr eine gute Reise? Habt ihr Hunger?", sie ist mir auf anhieb sympathisch und nachdem sie uns unsere Zimmer im riesigen Wohnhaus gezeigt hat, gibt es tatsächlich Kuchen. Ich bin selbst erstaunt, dass wir Ausbilder so viel Zeit haben, aber schließlich kommt unsere Arbeitgeberin während des Essens zur Sache. "Ja, also ihr sollt Spot, Pina und Fly trainieren. Sie sind alle gut in Form, maximal für Fly braucht ihr etwas Geduld. Wenn was passiert, bin ich ja da..."
      Und so werden wir in den Nieselregen eines Septembervormittags entlassen. Es dauert ja nicht lange, bis wir den Hauptstall erreichen und überhaupt könnte unsere Laune nicht besser sein. Beschwingt lassen wir uns von Occu die Pferde zeigen, danach verschwindet die Gestütsleiterin wieder im Haus.
      Weil es ratsam ist, die Hottas anfangs einzeln zu trainieren, holen wir zuerst Campina aus ihrer Box. Die wunderhübsche Stute blickt uns zutraulich entgegen und während ich mich ein wenig mit ihr bekannt mache, holt Maria Putz- und Sattelzeug. Was mir ja an ihr auffällt, sind die absurd großen Augen, mit denen die Stute alle möglichen Reize und Bilder einzufangen versucht. So zucken Kopf und Ohren unablässig hin und her und ich habe schließlich Mühe, an ihre Hufe zu kommen. Vielleicht ahnt sie auch einfach, dass sie bald rennen darf.
      Im Großen und Ganzen geht dann doch aber alles gut und ich muss sagen, dass die Kleine ein positiv einnehmendes Wesen hat. Während der kleinen Longierrunde auf dem Reitplatz werden Sand und Regen gründlich inspiziert und als die Liebe flott antrabt, mache ich mich auf den Weg zu meinen Trainingsklamotten.
      Umgezogen geht es dann wieder nach draußen, wo Maria eben nachgurtet und mich anschließend mühelos in den Sattel wirft. Hastig ergreife ich die Zügel, denn Pina tänzelt und zwei Minuten später bin ich dann wirklich froh, dass die Longe noch dran ist. So verbringen wir gut fünfzehn Minuten im freiwilligen Galopp der eifrigen Stute, bis es meiner Mitarbeiterin schließlich gelingt, uns abzumachen und auf den Hufschlag zu schicken.
      Vielleicht ist es ganz gut, dass sie sich abreagiert hat, denke ich, während ich mein Hüh zu kontrollieren versuche. Ich wollte heute vor allem ein Gespür für das Scheckentier bekommen, also ließ ich die Kleine an den langen Seiten laufen und nahm sie an den kurzen Seiten auf. Freilich im leichten Sitz und mit viel Fingerspitzengefühl.
      Wir üben ziemlich lange, eigentlich bis Occu Spotted Timeout auf den heiligen Sandboden bringt und ich kurz darauf absteige und den Neuankömmling entgegennehme. Nur widerwillig trete ich Pina ab, die Stute macht Spaß...
      Aber wir sind ja nicht zum Vergnügen hier und während ich den ausgesprochen lieben Hengst longiere, begleitet Maria unsere Auftraggeberin in den Stall, um Fly Fast, den Dritten im Bunde, fertigzumachen.
      Indes macht Spot seine Sache sehr gut und überzeugt mich schnell mit seinem gesitteten Gang. Auch wenn er aufgeregt ist, so versucht er doch, auf mich einzugehen und seine Sache gut zu machen. Weil der Schecke so vertrauenserweckend ist, steige ich schließlich einfach alleine vom Treppchen auf und galoppiere ihn im leichten Sitz auf dem Hufschlag. Gerade als ich ihn das erste Mal aufnehme, stößt Maria und mit dem Braunen zu uns und beginnt, mit einem wachsamen Seitenblick auf mich, ihr Pferd zu longieren. Abgesehen davon, dass Fly seinem Stallnachbarn neidische Blicke zuwirft, läuft bei meinem Pferd aber alles glatt. Er lässt sich einwandfrei bremsen und steuern und ich bringe ihn kurze Zeit später zu Occulta in den Stall.
      Der nun im Nieselregen galoppierende Hengst auf dem Reitplatz legt warnend die Ohren an, als Maria nachgurtet. Die Mähne klebt an meinen Händen, als ich aufsteige und die Zügel ergreife. Meine Freundin bringt mich in die Spur und ich galoppiere problemlos an. Dafür verhärtet sich der Liebe zunehmend im Rücken und als mir sein Gang zu hart wird, pariere ich durch. Hier macht sich aber jemand mächtig Stress... So beruht unser heutiges Training mit Fly auf einer schonenden Gewöhnung an den Jockey. Wir arbeiten mit dem leichten Sitz in Trab und Galopp und als der Hengst bemerkt, dass wir auf ihn eingehen, entspannt er sich zunehmend; ich habe sogar den Eindruck, es macht ihm Spaß.
      Als wir dann auch mit ihm hier fertig sind, neigt sich der Tag dem Ende und wir schaffen es vor dem Abendessen noch, den Braunen abzusatteln und die Hufe zu kontrollieren, worauf auch das letzte Pferd in seine saubere, warme Box entlassen wird.

      Tag 2:
      Innerhalb einer Woche ordentliche Muskeln für die Rennbahn aufzubauen ist schwer, aber das Konditionstraining bildet einen nicht ganz unwesentlichen Teil unserer Arbeit. So kommt es, dass wir (heute erst gegen Mittag) mit den Pferden auf den Platz gehen. Ich longiere Fly Fast, während sich Maria mit Time beschäftigt, den sie ja gestern nicht wirklich kennen gelernt hat. Beide Hengste sind irgendwie bester Laune und schwitzen kaum, nachdem sie knapp vierzig Minuten im Galopp verbracht haben.
      Ihnen folgt nur noch Campina, die ich allein putze und unter der aufreißenden Wolkendecke longiere. Auch sie ist heute gut gelaunt und deutlich ruhiger. Nach der Arbeit dürfen alle drei auf ihre vorgesehen Koppeln. Wie ich immer sage – lasst das Pferd seine Kondition doch selbst finden!

      Tag 3:
      Der dritte Tag auf dem Hof beginnt und ich tappe schon früh mit beherztem Muskelkater in den Stall. Gefüttert sind die Pferde wohl schon lange, denn Spot reckte mir augenblicklich seinen Kopf entgegen, als ich vor seiner Box halte. Ich erwidere die liebe Begrüßung des Hengstes und mache mich dann daran, ihn zu putzen. In der Box, damit er sein Frühstück eventuell noch beenden kann.
      Gestriegelt und Gebügelt treffen wir dann in zaghaftem Sonnenschein auf der Rennbahn ein, auf der Maria eben den Boden vor der Startbox harkt. Ich überlasse ihr mal wieder mein Pferd, damit sie ihn von unten mit der Enge des grünen Metalls vertraut machen kann, während ich mich in der Sattelkammer umziehe.
      Als ich wiederkomme, darf ich bereits aufsteigen und das eigentliche Training beginnt. Warm ist mein Pferd und so üben wir zu Anfang das Einreiten in die Startbox, ohne dass sich die Tür öffnet. Zuerst wird Time immer nervöser und hibbeliger, doch schließlich kehrt eine gewisse Routine ein, sodass wir erstmals wie in einem echten Rennen starten. Heute geht es nur darum, anfangs gut wegzukommen und möglichst schnell an die innere Bande zu gelangen. Mit meinem Schecken, hier, wohl kein Problem, denn wie ich es von ihm kenne, schaltet er seinen Kopf nicht komplett ab und lässt sich willig lenken und auch wieder durchparieren. Unsere Kraft reicht trotzdem nur für drei Durchgänge, worauf der Erste von Occu abgeholt und wohl auf die Weide gebracht wird.
      Dieses Mal harke ich, während Maria Fly holt, der im Übrigen schon schwitzt, als er die Startbox nur sieht. Ihn bringen wir mit viel Geduld und gutem Zureden in das grüne Metallgestell und unsere Einstellung überträgt sich halbwegs auf das Hüh. So kann ich auch auf den Dicken aufsteigen und schließlich durchproben, wie bei Spot, bis wir schließlich einige Sprints absolvieren. Es scheint nach einiger Zeit sogar, als würde es dem Braunen Spaß machen, hier zu laufen, aber so weit wage ich nicht zu denken, wenn ich berücksichtige, dass er sich nur schwer lenken und bremsen lässt.
      Als letztes ist dann Campina an der Reihe, die von Occu in den Ring gebracht hat. Mit ihr übt Maria die Startbox-Geschichte allein; ich sitze in der Zwischenzeit auf dem Geländer und trinke aus meiner Wasserflasche. Pause ist immer noch was schönes, aber ich weiß ja, dass Pina förmlich darauf brennt, mir ihre Stärken zu zeigen. Auch auf sie steige ich, nachdem sie akzeptiert hat, was meine Freundin von ihr will. Ich spüre von Anfang an die geschmeidigen Muskeln und die Energie und ich bitte Maria, die Tore sofort zu öffnen. Sie macht was ich sage, wenn auch widerwillig.
      Dann präsentiert sich meine Stute von ihrer besten Seite. Vorbildlich zieht sie die Beine unter den Körper und läuft beinahe selbstständig nach Innen. So viel Selbstständigkeit habe ich nicht erwartet, denke ich und pariere durch. Auch mit der Kleinen wiederhole ich den Start noch ein- zweimal, bevor ich absteige und das heftig atmende Stütchen lobe.
      Alle drei haben ihre Sache heute sehr gut gemacht und dafür geht es einmal mehr auf die Weide.

      Tag 4:
      „Was machst du denn?“, frage ich Time zum gefühlt zwanzigsten Mal. Ich weiß, dass der Liebe Muskelkater hat und deshalb ständig in den Innenkreis läuft und stehen bleibt. Also seufze ich, gehe dann zu ihm und klopfe ihm leicht den Hals. Ich bin nicht böse auf ihn und das soll er wissen. „Ich bringe ihn raus!“, rufe ich durch die Halle, in der Occu und Maria Fly und Pina longieren. Sie sagen irgendwas, dann verabschiede ich mich mit einem „Tür frei.“ in den unglaublich grauen Septembervormittag.
      Spot bekommt also eine ausgiebige Putzeinheit und eine wärmende Decke, (das vermutlich einzige, was bei Muskelkater hilft) bevor ich ihn in seine frische Box entlasse.

      Tag 5:
      Und da war es schon der fünfte Tag. Ich gehe beschwingten Schrittes in den Stall und begrüße Fly Fast, der mich wohl als erstes sieht. Pfeifend wuschel’ ich ihm durch den Schopf und tappe dann direkt weiter in die Sattelkammer. Heute stehen nur Wiederholungen an, damit die Pferde übermorgen auf der Bahn fit sind.
      So kommt es, dass wir zu dritt (Occu hat wohl den Hausputz von vor vier Tagen überstanden) die Pferde putzen und satteln und auf der Bahn eintreffen. In der richtigen Stufenerhöhung werden die Hühs gegeneinander laufen, aber noch gibt es Einzeltraining. Ich nehme mir heute Pina vor, die ich gründlich longiere und schließlich während eines vierzigminütigen Ritts auf meine Hilfen trimme. Wie vor zwei Tagen schlägt sie sich hervorragend und sicher, sodass ich sie mit einem kräftigen Lob an Maria abtreten kann.
      Dafür bekomme ich den von ihr longierten Fly, den ich ja zum zweiten Mal heute sehe. Der Hengst ist deutlich ruhiger, wenn auch aufgeregt wegen des bevorstehenden Trainings. Ich streichel ihn noch in der Startbox, bevor es losgeht und dieses Mal rede ich während des Laufens auf ihn ein. Die Belohnung sind nach hinten gerichtete Ohren und eine leicht verbesserte Annahme der Hilfen.
      So komme ich zum Letzten für heute – Spotted Timeout. Den Kampf gegen den Muskelkater scheint er gewonnen zu haben, denn er sprüht vor Energie und Entschlossenheit und steht Campina in keinster Weise nach. Wieder und wieder überzeugt er durch die respektvolle Annahme meiner Hilfen und während ich absteige überlege ich, ob das auf der Rennbahn, mit mehr Pferden, anders aussehen könnte.

      Tag 6:
      Ein Ruhetag, an dem unsere drei auf der Koppel verdauen dürfen, was sie in den vergangenen Tagen gelernt haben. Indes kommt Oliver Carter auf den Hof, (eigentlich unserer Pferdeflüsterer) der morgen für die Stufenerhöhung Campina reiten wird. Die Stute ist also auch die Einzige, die heute geputzt wird.
      Den Nachmittag verbringen wir in der Sonne, essend auf dem Balkon und reden über die Stärken und Schwächen unserer Hühs. Als ich dann endlich schlafen gehe, bin ich mehr als optimistisch.

      Tag 7:
      Tag X unserer Stufenerhöhung, meine Hände sind kalt, obwohl draußen die Sonne scheint, während ich Spot auf die Stallgasse bringe und zu putzen beginne. Es dauert nicht lang und meine Aufregung überträgt sich auf den Hengst, sodass wir auf dem Weg zu Bahn beide zusammenzucken, als eine Katze aus dem Gebüsch springt.
      Ich führe meinen Lieben vor der Startbox, bis Oliver und Maria bei mir mit ihren Pferden eintreffen und es mir nach tun. Occu hat ihren Platz an den drei Stoppuhren ebenfalls eingenommen und gibt uns durch den Lautsprecher Anweisungen.
      In die Startbox reiten wir, was angesichts der angestachelten Pferde ein Wunder ist. Campina schwitzt jetzt schon, was ich aus dem Augenwinkel erfasse, bevor ich zwischen Spots Ohren nach oben gehe und auf den Start warte.
      Dann ist es so weit und ehe ich mich versehe, überqueren wir die Linie. Entspannt und Times ausladende Galoppsprünge genießend, bringe ich ihn am angenommenen Zügel nach innen. Rechts von mir geht Fly, den Maria nur schwer kurz halten kann; etwas weiter hinten folgt Oli mit seiner Stute, sich ebenfalls krampfhaft versucht mehr Zügel zu erkämpfen.
      Ich lächle und konzentriere mich auf die bevorstehende Kurve. Time behält die Beherrschung und akzeptiert, dass er für zehn Sekunden arg gezügelt hinter seinem Konkurrenten laufen muss. Ich höre das dumpfe Hufgetrommel Pinas hinter mir und als es auf die Gerade geht, gebe ich Spot langsam die Zügel vor. Der Hengst geht dennoch erst in den Endspurt, als er das als richtig empfindet, sodass wir ziemlich gut abschneiden. Ich registriere erst im Ziel, dass nur Fly uns mit einer Nasenlänge geschlagen hat; Campina, die ja eine ganze Stufe unter den Hengsten gestartet ist, verliert bis zum Schluss nicht den Anschluss und bestätigt, was ich bereits weiß – sie hat unglaubliches Potenzial.

      Erfolgreich waren wir also alle; im Stall satteln wir ab, putzen und legen den Pferden eine Abschwitzdecke auf, während wir uns über das Rennen unterhalten. Irgendwann kommt Occu mit einem Papierbogen, auf dem wohl die Zeiten ihrer Pferde stehen, denn ihre Augen glänzen. „Müsst ihr dann noch unterschreiben, ich bedanke mich schon mal“, sagt sie herzlich und räumt dann mit auf, während wir die Vollblüter in die Box bringen.
      Später verabschieden wir uns von unseren Schützlingen und von Mrs Smith, die uns sieben Tage so gut ertragen und unterstützt hat – ich bin fast schon ein wenig traurig, den Hof verlassen zu müssen.
      Aber wer weiß? Man sieht sich immer zweimal im Leben.
    • Occulta
      Saturday Night

      "Vollmond. Definitiv." Ich schüttelte müde den Kopf, als Reaktion auf eine von Spots Hüpfereien. Der Hengst war heute richtig mühsam; erschrak andauernd vor irgendwelchen Kleinigkeiten und buckelte, anstatt seine Energie für die Galopparbeit einzusetzen. Wenigstens erging es Quinn neben mir mit Fly nicht besser. Der sensible Vollblüter hätte sie beinahe von seinem Rücken befördert, als Katze Sushi aus dem Gebüsch geschossen kam. Spot mochte die Katzen, daher hatte es ihn recht wenig interessiert. (Die Kazen schliefen sogar hin und wieder auf seinem Rücken, wobei sie über die oberen Ränder der Boxen balancierten, um dann geschickt auf seiner Kruppe zu landen. Dieses Spektakel hatten wir Lewis zu verdanken, der den kleinen Miezen jeden Unsinn beibrachte.) Zugegebenermassen war es niedlich zuzusehen, wie Spot an der Katze schnüffelte, die Nüstern in ihr weiches, halblanges Fell drückte und die Ohren spitzte. Die Katze nahm dies vollkommen gelassen, legte jedoch die Ohren platt wenn es ihr zu viel wurde.

      Wir arbeiteten eine halbe Stunde intensiv mit kleinen Sprintgalopps und trabten danach Seite an Seite um die Gehorsamkeit zu schulen. Die Pferde mussten ihr Tempo angleichen und auf gleicher Höhe bleiben. Es klappte ganz gut, trotz der angespannten Atmosphäre. Nach dem abkühlen im entspannten Schritt, bei dem wir insbesondere die immergrünen Nadeln der Tannen von weitaus kürzerer Distanz hatten betrachten durften, als dies angenehm üblich gewesen wäre, und uns auch ausserordentliche Grasstudien nicht verwehrt geblieben waren, brachten wir die Vollblüter in den Stall, um sie königlich zu versorgen. Sie bekamen ihr wohlverdientes Heu, ihre weiche Fleece-Decke und hübsch eingefettete Hufe. Ich schwang die schwarze Standard Abschwitzdecke über Spots Wiederrist und bewunderte einmal mehr die ausgebildeten Schultermuskeln beim zuknüpfen. Ein letztes Mal strich ich über die seidige Halspartie, beendete die Bewegung in einem freundschaftlichen Klaps und verliess dann das Territorium des Vollblüters. Auch Quinn kam mir bereits entgegen, sich mit dem Arm symbolisch über die Stirn wischend. "So what are we gonna do now?" Anstelle einer Antwort bedeutete ich ihr mit dem Zeigefinger und einem gespielt bedrohlichen Blick, mir zu folgen. Ich führte Quinn zu den Weiden und schliesslich in den Offenstall der Mini-Stuten. Dort schnappte ich mir zwei der schwarzen Halfter und gab Quinn das eine. "Take a pony, we're gonna have a bit fun." Belustigt über meinen Tonfall sah sie mich an und lief dann zu Goldy. Ich dachte ebenfalls kurz nach und entschied mich für Lady Diva. Sie sahen beide etwas zerzaust aus, aber wir werden sie später noch schick machen, beschloss ich im Stillen. Wir liefen mit den beiden Pferdchen zum gepflegten englischen Rasen neben dem Haus, eben dort wo wir letztens die gekörten Hengste des Nebenstalls für ein Fotoshooting aufgestellt hatten. Die kleinen Hufe konnten dem Gras nicht viel anhaben und der Untergrund war schön weich, optimal für Zirkuslektionen. Ich begann damit, mit Lady am langen Seil zwischen den Büschen hindurch Slalom zu joggen. Quinn tat es mir in die andere Richtung gleich. Nachdem wir auch einen (aufgrund meiner Ausdauer) nur kurzen Galopp nicht verschmäht hatten, hielt ich im Schatten des Kirschbaumes und nahm Ladys Vorderbein, um es nach vorne zu ziehen. Sie gab es willig und zog es auch nach einigen Sekunden nicht zurück. So weit, so gut - dachte ich und liess das Bein los, bedeutete ihr aber durch Anstupsen der Schulter, es weiterhin vorzustrecken. Es klappte, sie hielt das Bein vor und bekam ein Karottenscheibchen. Nun wollte ich sehen, ob sie das Kompliment noch beherrschte. Ich gab ihr die Stimmhilfen und das entsprechende Touchier Zeichen an der Brust, worauf sie so rasch reagierte, dass sie beinahe hingefallen wäre. "Abliegen kommt erst später", murmelte ich lachend. Ein Blick in Richtung Sunny verriet mir, dass es bei ihr nicht ganz so eifrig lief. Quinn gab sich alle Mühe, doch die Stute wolle nicht auf den Knien bleiben. Immer wieder lief sie rückwärts. Ich legte Divas Seil auf den Boden und eilte zu Hilfe. Vorsichtig nahm ich das linke Vorderbein der Stute und zog es sanft nach hinten, während Quinn die Hilfen gab und Sunny lobte. Wir übten dies einige Male, ehe wir zufrieden waren und Goldy in Ruhe liessen. Ich wandte mich wieder Diva zu, die friedlich am Gras zupfen war und sich nicht weit wegbewegt hatte. Spielerisch hüpfte ich auf sie zu und warf die Arme hoch, sodass sie den Kopf hochriss und stieg. "How many tricks does she know?", fragte Quinn mit leicht neidischem Unterton. Ich grinste nur und warf einen Blick auf die Uhr an meinem Handgelenk. Dann liess ich Lady Diva abliegen, setzte mich neben sie und legte den Kopf auf ihren Bauch, als wäre sie ein übergrosses Kopfkissen. Es war durchaus bequem; Lady konnte weiterfressen während ich sie halbwegs umarmend kraulte. Auch Goldy konnte schliesslich zum Abliegen gebracht werden, sie wirkte dabei jedoch noch deutlich unbehaglicher als Diva.

      Nach zehn Minuten hatte sogar Lady genug und versuchte mir in den Arm zu zwicken, weil sie aufstehen wollte. Ich strafte dies zärtliche einklemmen meiner Haut nicht, schliesslich war ich die gewesen, die sie genervt hatte. Um ihr dennoch zu zeigen, dass sie besser nicht zu ungehobelt mit ihrem Chef werden sollte, schickte ich sie einige Schritte rückwärts, sobald sie sich aufgerappelt hatte. Wir begaben uns zurück zu den Weiden. Dort angekommen hängte ich das Seil aus, öffnete das Zaun Tor der Mini-Stuten-Weide und gewährte der ganzen Herde ein wenig Freilauf. Alufolie, die Älteste der Stütchen und gegenwärtige Leitstute, drängelte sich zuerst durch die Öffnung und begrüsste Goldy und Diva mit einem kurzen Schnüffeln. Als sie sicher war, dass ihr alle Herdenmitglieder hinausgefolgt waren, lief sie zügigen Schrittes den Weg hinauf zum breiteren Kiesweg. Bei einem kleinen Baum am Wegrand stoppte sie, senkte den Kopf und begann, das saftige Gras zu bearbeiten. Ich warf einen Blick zu den Hengstchen und beschloss, kurz Arco kraulen zu gehen. Er kam sofort an getrottet und beschnüffelte mich, während ich kraulte. Auch Lenny wollte seine Schmuseeinheit nicht missen. Die Tränken sahen sauber aus, die Boxen ebenfalls – die Offenstallverantwortlichen erledigten ihren Job also trotz des Events gewissenhaft. Quinn und ich waren der bescheidenen Herde gefolgt, als würden wir dazugehören. Wir hatten tatsächlich gerade nichts Besseres zu tun, und das trotz der beinahe 70 Pferde, die auf dem Gestüt lebten. Der Grund dafür war, dass es genug Pfleger auf Pineforest Stable gab. In den letzten Monaten hatten wir insgesamt sechs neue Angestellte eingearbeitet, sodass nun drei Pfleger für die Offenställe (einer davon speziell für die Fohlen) verantwortlich waren und die restlichen jeweils drei oder vier feste Pfleglinge hatten. Mittels eines Monatsplans wurde hierbei immer etwas abgewechselt, sodass es Pferden und Pflegern nicht langweilig wurde. Elliot hatte das Aufstellen und Verwalten des Plans freiwillig und begeistert übernommen. Jeder Pfleger musste so zwar sieben Tage in der Woche für ‚seine‘ Pferde da sein, wenn er die tägliche Arbeit mit ihnen aber rasch und gründlich erledigte hatte er viel Freizeit dazwischen. Zudem hatten die Pferde immer sonntags Ruhetag, ausser wenn an diesem Tag Rennen oder Turniere stattfanden. Quinn hatte Paint und Kierka schon am Morgen bewegt, Fly eben noch mit mir zusammen. Sie hatte jetzt bis zur nächsten Fütterung nichts mehr zu tun, denn die Boxen waren auch schon sauber.
      Gerade wollten wir uns wieder in den Hauptstall verkrümeln, da hob Alu den Kopf und trottete langsam hinter uns her – woraufhin die ganze Gruppe natürlich folgte. Ich drehte mich zu der Stute um und kraulte ihr die Stirn unter dem flauschigen Schopf. “So you want to come with us? Okay then, let‘s discover the world!“, rief ich lachend. Quinn und ich waren uns einig und so liefen wir voran in Richtung Geländeparcours, die Minis hinter uns her lockend. Kiwi hatte etwas Mühe mitzuhalten, denn die kleine Stute liess sich dauernd ablenken und blieb stehen, doch Queenie zwickte ihrem Fohlen immer mahnend in die Kruppe, sodass sie nicht verloren ging. Narnia und Papillon hatten sich seit ihrer Ankunft sehr aneinander gehängt, die beiden konnte man fast immer zusammen beobachten. Chip drängte sich ab und zu wieder zu Alu vor um sie in Frage zu stellen. Die junge Stute war sehr dominant und aufmüpfig, doch Alu liess keine Diskussionen zu. Daki lief direkt hinter mir, sie war immer schon besonders anhänglich gewesen. Als wir die Rennbahn überqueren wollten, schrie uns plötzlich jemand von den Startboxen her entgegen. Ich erkannte Oliver, der mit fuchtelnden Armen und tief rotem Kopf auf uns zu stampfte. Ich zuckte zusammen und half Quinn rasch die Minis auf die andere Seite der Bahn zu scheuchen, denn Thomas und Lily standen mit Sunday und Light in den Startboxen und hatten eigentlich gerade trainieren wollen. „Sorry Ollie!“, rief ich peinlich berührt quer über die Bahn und schob Chip die letzten Zentimeter zu den anderen. Ich hatte ganz vergessen, dass es schon sechs Uhr war. Quinn und ich sahen uns einen Moment schweigend an, ehe wir in lautes Gelächter ausbrachen und uns ins Gras fallen liessen. Die Minis verteilten sich um den grossen Baumstamm mit den Büschen an beiden Enden, der als eines der Naturhindernisse diente, und grasten wieder friedlich. Quinn und ich beobachteten das Trainingsrennen mit dem spannenden Kopf-an-Kopf Part gegen Ende und genossen die letzten strahlen der Herbstsonne, die zu untergehen begann und den ganzen Hof in goldenes Licht tauchte.
      Langsam wurde es kühl. Ich zog Quinn mit einer edlen Geste auf die Beine und wir lockten die Minis fröhlich witzelnd zurück zu den Weiden, wo wir gleich den Offenstallpflegern dabei halfen, sie für die Nacht einzusperren. Heute mussten sie schon etwas früher rein, denn wir hatten in dieser Nacht einen besonderen Event.

      Quinn und ich schlossen uns um neun Uhr der fröhlich schnatternden Gruppe von Pflegern vor dem Hauptstall an. Es war bereits recht dunkel, doch der Mond erhellte die Nacht so sehr, dass man beinahe die säuberlich geschnittenen Grashalme am Rand zählen konnte. Unser Gärtner hatte sich mal wieder mächtig ins Zeug gelegt, obschon ihm die Minis einen Grossteil der Arbeit abnahmen. Auf ihren täglichen Streifzügen über das Hofgelände wirkten sie besser als jeder Rasenmäher. "Where are Lewis and Jonas?", murmelte ich eher zu mir selbst. Quinn zuckte mit den Schultern. Sie hatte letztens eine Auseinandersetzung mit Lewis gehabt, seitdem redete sie kaum noch mit - geschweige denn über ihn. Die Basis dieser plötzlichen Feindschaft war ebenso lächerlich wie rätselhaft, zumal Quinn und Lewis unter gewohnten Umständen den rationalen Denkern angehörten: eine Stoppuhr. Lewis hatte die Zeit gestoppt als Quinn mit Paint trainierte und dabei versehentlich die Reset-Taste gedrückt, sodass Quinn nochmals dieselbe Strecke neu hätte reiten müssen. Sie hatte sich darüber furchtbar aufgeregt, anstatt Paint, die gut in Form war, einfach nochmals laufen zu lassen. Mein Eingreifen in das daraus resultierende, unschöne Wortgefecht hatte wohl auch nicht zu einer Stimmungsbesserung unter den beiden geführt.
      Ich wollte mich schon umdrehen und nach den beiden suchen gehen, als Jonas und Lewis mit einem Sack voller Knicklichter auf uns zukamen. „Wo zum Teufel habt ihr denn die jetzt her?“, wollte ich freudig überrascht wissen. Wir hatten schon damit gerechnet, es den Event mit Windlichtern oder ähnlichem durchführen zu müssen. „Wir sind extra nach Birmingham gefahren und haben es gerade noch vor Ladenschluss geschafft. Die gab’s in ‘nem Bastelladen.“ Lewis erzählte dasselbe den rein englischsprachigen Pflegern, dann trat Elliot vor um den Event zu erklären:
      Er und Lisa würden die Knicklichter auf dem ganzen Hofgelände verstecken. Manche Verstecke waren sehr schwer zu finden, manche eher leicht. Es gab sogenannte Lager, das Ziel war, die Knicklichter dorthin zu bringen. Die Lager waren Hula-Hoop-Reifen, welche im Innenhof des Hauptstalls verteilt waren. Es gab zweier Teams, jedes Team hatte ein eigenes Lager. Ausserhalb der Lager war alles erlaubt: Man durfte den Gegnerischen Teams die Knicklichter gewaltsam (in gesundem Masse) entreissen. Wem das zu ruppig war, der konnte auch jemanden mittels Schere-Stein-Papier herausfordern (eine solche Herausforderung durfte man nicht ausschlagen), oder sich Challenges ausdenken. Alle Hilfsmittel waren erlaubt, solange niemand dabei zu Schaden kommen konnte. Man durfte immer nur 5 Knicklichter gleichzeitig auf sich tragen. Die überflüssigen mussten liegen gelassen werden. Am Ende gewann das Team mit den meisten Knicklichtern. Das Ende des Events war für zwölf Uhr festgelegt, danach würde es noch einen kleinen Brunch und eine warme Tasse Tee geben. Elliot und Lisa spielten nicht mit, da sie ja schon alle Verstecke wüssten. Dies alles klang vielleicht etwas merkwürdig und manch einer würde verwirrt auf solche Spiele in einem seriösen Renngestüt reagieren, doch den Menschen von Pineforest Stable war dies egal. Die Pfleger und hatten ein sehr freundschaftliches Verhältnis und pflegten dieses auch mit Abwechslung und vielen kreativen Ideen. Zweimal im Jahr hielten wir einen sogenannten ‚Rat der Pfleger‘, ein gemeinsames Essen an dem Rückblicke, Verbesserungen und Vorschläge aufgeführt wurden. Dort entstanden auch meist die grossartigen Event-Ideen. Wer nicht mitmachen wollte, der konnte beruhigt schlafen gehen, doch selbstverständlich waren auch diesmal alle sofort begeistert dabei gewesen, als Elliot den Vorschlag gemacht hatte.

      Ich hatte meine Geheimwaffe schon die ganze Zeit über neben mir liegen: Jacky. Ich hatte vor, sie nach den Knicklichtern suchen zu lassen, das entsprechende Kommando kannte sie schon lange. Nun wurden aber erstmal die Teams bestimmt. Wir konnten selber Gruppen bilden, aber das entpuppte sich als schwieriges Unterfangen. Ich hatte mir bisher kaum Gedanken darum gemacht, doch nun da es so weit war überlegte ich fieberhaft, mit wem ich gute Chancen gehabt hätte. Quinn! War der erste Gedanke, doch bevor ich reagieren konnte wurde sie von Rosie gefragt. Sie sah mich fragend an und ich zuckte mit den Schultern zum Zeichen der Gleichgültigkeit, konnte die Enttäuschung allerdings nur schwer verbergen. Okay, dann eben…Lewis? Ich sah mich hoffnungsvoll um und lief suchend geradeaus. Im nächsten Moment stiess ich mit Jonas zusammen. „Sorry! Ich hab dich nicht ge… Wollen wir?“ Ich unterbrach mich selbst bei der plötzlichen Entzückung, die aus dieser Idee folgte. Warum bin ich nicht gleich darauf gekommen? Vielleicht war es eine zu grosse Überwindung gewesen zu fragen… Warum eigentlich? Er war schliesslich ein Pfleger wie jeder andere auch. Kein Grund für mulmige Gefühle. Ich glaubte mir selbst nicht so recht und erschrak beinahe, als er den Kopf schief legte und meinte „Why not.“ Ich jubelte innerlich und begann, mit ihm Pläne zu schmieden.
      „Ich habe hier meine Geheimwaffe – Jacky. Was für eine Idee hast du?“
      „Wir könnten uns Herkir und Loki schnappen, sobald der Startschuss fällt. Mit ihnen sind wir schneller und trotzdem sind sie schön klein und wendig.“
      „Gute Idee, aber die beiden sind noch nicht lange Eingeritten und spielen bei dem ganzen Trubel vielleicht nicht mit… Ausserdem wette ich, dass die anderen sich auch schon zu solchen Gedanken vorgearbeitet haben.“
      „Besserer Vorschlag?“
      „Ne, aber wir müssen das genauer planen. Was tun wir, wenn die beiden durchbrennen?“
      „Wir bringen sie zurück und kleben ein Tape mit dem Schriftzug ‚Achtung Angsthase - in der Box lassen!‘ auf die Boxenwand.“
      Ich lachte und nickte.
      „Na gut. Wie kommen wir vor den anderen zu ihnen?“
      „Wir gehen gleich am Anfang zu den Boxen, der kürzeste Weg ist es, den unteren Eingang zu benutzen. Danach suchen wir je 5 Knicklichter und bringen sie ins Lager, erst dann planen wir weiter, denn ich kann mir nicht so recht vorstellen, wie gross das Gewusel hier sein wird.“
      „Gut, ich versuche Jacky vom Pferd aus zu dirigieren, aber das dürfte schwer werden… Vielleicht verlassen wir uns doch besser auf unsere Augen. Du gehst zuerst in Richtung Startboxen, ich zu den Offenställen. So wie ich Elliot und Lisa kenne, haben die bestimmt sogar bei den Minis etwas versteckt.“
      „Hoffentlich fressen die Biester nichts davon!“, lachte er.
      Wir sahen gespannt zu den anderen, denn langsam verebbte das Gemurmel und alle Blicke richteten sich wieder auf Elliot. Die Teams waren erfolgreich verteilt, also konnten die Lager zugewiesen werden. Jonas und ich hatten Glück – wir bekamen eines in der Nähe des Durchgangs zum Kiesweg. Es blieben uns noch einige Minuten Zeit um Vorbereitungen zu treffen oder etwas zu trinken, während die Leuchtstäbe versteckt wurden. Jonas und ich schlichen uns geschwind zu den Boxen der Isis und zogen ihnen schon mal ihr Zaumzeug an. Auf Sättel verzichteten wir der Sicherheit halber. Wir einigten uns darauf, dass ich Loki nehmen würde. Ich verflocht die Zügel etwas miteinander, damit er beim Fressen nicht hineintreten konnte, dann eilten wir zurück zum Lager.
      Das Spiel startete pünktlich um zehn Uhr. Elliot gab den ‚Startschuss‘ mit einer Trillerpfeiffe, woraufhin alle Teams in verschiedene Richtungen auseinanderstoben. Jonas und ich und Jacky sprinteten wie geplant sofort zum Nebenstall, es schien uns niemand zu folgen. Ich riss die Boxentür von Loki auf und führte ihn eilig hinaus. In diesem Moment kamen Lewis und Lily um die Ecke und schrien enttäuscht auf als sie sahen, dass wir schneller gewesen waren. Wusst ich’s doch! Triumphierend beobachtete ich, wie sie zu Ale stolperten. Draussen holte ich kurz Anlauf und schwang mich dann auf Lokis blanken Rücken. Als auch Jonas sicher auf Herkir sass, nickten wir uns kurz zu, dann trieb ich Loki in den trab in Richtung Weiden. Die Nebenstallpferde hatten ja zum Glück alle Laufboxen, so waren sie immer etwas in Bewegung und das Wegfallen des Einwärmens nicht allzu tragisch. Trotzdem wollte ich nicht gleich galoppieren. Auch die anderen teilten diese Einstellung. Jacky hüpfte aufgeregt umher, als ich schon auf dem Weg ein Knicklicht fand und mich an Lokis Seite baumeln liess um es hochzuheben. Ich streckte es ihr hin und liess sie dran schnuppern, dann rief ich „Such!“, grosse Hoffnung hatte ich jedoch nicht. Die Hündin sah sich ein wenig um, hüpfte weiter umher, suchte jedoch nicht wirklich. Ich zuckte mit den Schultern und trieb Loki weiter. Der Hengst war feurig durch das immerwährende Rufen der Leute und die vielen schnellen Bewegungen. Seine Mähne wirbelte wild, als ich mit ihm zum Offenstall von Gianna und Piroschka töltete. Auch dort fand ich nach einer kurzen Suche tatsächlich zwei Lichter, eines zwischen den Balken eingeklemmt und eines im Gras neben dem Zaun getarnt. Fieberhaft dachte ich nach, wo sonst noch gute Verstecke wären. Ich klapperte noch drei Offenställe ab, ehe ich fünf Knicklichter hatte und nun im Galopp zurück zum Lager jagte. Jonas war ebenfalls dort und warnte mich gerade rechtzeitig vor Rosie, die um die Ecke kam und auf mich zu rannte. Ich schaffte es vor ihr zum Ring und schmiss alle fünf Stäbe hinein, dann erst verschnaufte ich. Jonas hatte ein erfreutes und ehrgeiziges Funkeln in den Augen. Wir besprachen uns kurz und entschieden, gemeinsam weiterzumachen, da dies sicherer war. Wir trabten (Loki töltete lieber) zur Halle, voller Anspannung was uns dort erwarten würde. Darren, Ajith und April waren bereits da und suchten das Gebäude ab. Jonas beugte sich zu mir und murmelte: „Bestimmt sind ein paar drinnen vergraben.“ Ich nickte und wir ritten durch den Eingang nach drinnen. Dort riskierten wir es, Loki und Herkir stehen zu lassen um im Hallensand zu wühlen. Tatsächlich war dies eine wahre Goldgrube: gleich sechs Stück fanden wir. Doch als sich Jonas umdrehte um nach den Pferden zu sehen, sahen wir gerade noch Herkirs bunten Po im Eingang verschwinden. „Na toll! Schnell hinterher!“ Ich rappelte mich auf und stolperte auf den Eingang zu. Als die beiden Isis wieder in mein Sichtfeld kamen sah ich, dass Darren und Ajith sie führten und soeben aufstiegen. Jonas wollte schon in ihre Richtung rasen, doch ich hielt ihn zurück und meinte: „Lass gut sein, die holst du eh nicht ein und wenn dann nehmen sie dir im schlimmsten Fall die Knicklichter ab. Wir haben ja noch Jacky.“ Die kleine Hündin stand mit heraushängender Zunge und aufgerichtetem Schwanz da und sah mich erwartungsvoll an. Er starrte noch einen Moment zu Ajith, dann senkte er den Blick und nickte. „Weitersuchen oder ins Lager bringen?“, fragte ich herausfordernd. „Ins Lager, sonst ärgern wir uns umso mehr wenn wir voll beladen überfallen werden.“ Ich stimmte zu und wir joggten zu unserem Ring. So weit so gut, wir hatten nun schon 16 Knicklichter. Diesmal gingen wir in Richtung Haupthaus und dann zu den Büschen daneben, denn beim Haus selbst waren bereits etwa vier Leute versammelt. Wir suchten rasch in den Gebüschen. Ich Kroch in den grossen Rhododendron Busch, dort drin war es finster wie in einem Katzenmagen. Ich tastete mich vorsichtig voran, denn ganz am Ende des Buschs sah ich das verräterische Glimmen eines grünen Knicklichts. Plötzlich durchfuhr ein stechender Schmerz meine Hand und ich stiess ein wütendes „Au!“ aus. Jonas fragte von aussen, ob alles okay sei. Ich murmelte: „Nur eine Dorne, aber schau her, ich hab ein Knicklicht!“ Es raschelte und die dunkle Gestalt eines Kopfes erschien in einer Lücke des Gebüschs. Ich grinste und streckte ihm das leuchtende Stäbchen entgegen. Er streckte die Hand aus und zog mich aus dem Gebüsch. Dankbar klopfte ich mir die Erde von den Hosen und wischte ihm ein Blatt von den Schultern. Wir sahen uns kurz an und lachten, dann eilten wir in Richtung Hauptstall, denn Jonas hatte auch noch drei Stäbchen gefunden. Doch weit kamen wir nicht: plötzlich kamen David und Anne von der Seite her auf uns zu gerannt. Anne stiess mich unsanft zu Boden und wollte mir die Knicklichter aus der Hosentasche nehmen, doch sie hatte sich verschätzt, denn ich war recht wehrhaft. Ich rollte mich weg und zog sie nach unten, dann warf ich mich seitlich über sie und fixierte ihre Arme über dem Kopf. Keuchend lächelte ich sie an, sie versuchte sich frei zu zappeln. Jonas hatte etwas mehr Mühe mit David, denn dieser war nicht gerade klein und ein ebenbürtiger Gegner. Nach einer fast zweiminütigen Rangelei lag Jonas keuchend am Boden, Anne war geflohen und David hatte die meisten unserer Knicklichter. Ich stand auf und zog Jonas auf die Beine. „Na das war wohl nix… Wir brauchen eine neue Strategie“, meinte ich mürrisch. „Gehen wir in die Offensive?“ „Aber sicher!“, antwortete ich. Wir machten uns in der folgenden Stunde auf die Suche nach guten Opfern und eroberten auf diese Weise ganze 20 Knicklichter. Langsam wurde es schwer noch etwas zu finden, denn es waren kaum mehr Stäbchen versteckt.
      Um zwölf Uhr ertönte die Trillerpfeife; ich war zu dieser Zeit gerade auf der Galoppbahn und schlenderte nach dem Pfiff mit den Händen in den Hosentaschen zurück zum Lager. Als Jonas mir fragend entgegenkam zuckte ich mit den Schultern, dann grinste ich und angelte 3 Knicklichter aus der Hosentasche. Er legte den Arm über meine Schultern und wir tanzten übermütig zu Elliot und Lisa, die gerade am durchzählen waren.
      Wir hatten zwar nicht gewonnen, doch waren auch nicht die schlechtesten gewesen. Wir hatten uns alle versammelt zum Brunch, leider hatte es zu wenige Sitzplätze. Jonas, der sich einen Gartenstuhl ergattert hatte, lud mich ein auf seinen Schoss zu sitzen, was ich dankend annahm. Wir waren allesamt müde und trotz des ganzen Spasses froh, dass wir nun endlich im Begriff waren in die Betten zu kriechen. Den Tee genoss ich aber zuvor noch in vollen Zügen.
    • Occulta
      Nachts fürchten die Mäuse den Jäger...

      Ich wachte nach einer unruhigen, mehr oder minder schlaflosen Nacht früh auf und begab mich zum Kühlschrank. Während ich nach einem geeigneten Joghurt kramte, plante ich den Morgen. Es würde alles etwas durcheinandergeraten nach meinem 'announcement', da war ich mir sicher. Doch verängstigte Mitarbeiter zu beruhigen war immer noch angenehmer, als Leichen zu entsorgen. Wenn es denn so weit käme... Vielleicht halste ich mir auch nur zu viele Sorgen auf. Als ich fertig gelöffelt hatte, schmiss ich das leere Gefäss in den Müll und öffnete mit wetterfesten Kleidern die Tür. Es Regnete und war neblig - was konnte es an so einem Morgen sonst sein. Ich seufzte kaum hörbar, aber reichlich genervt und machte mich auf zum Hauptstall. Es war noch finster und die Pferde dösten vor sich hin, als ich vorsichtig das Tor aufschob und eintrat. Winter, in einer der beiden vordersten Boxen, lag mit eingeklappten Beinen im Stroh und sah auf, sobald ich mich näherte. Er blieb jedoch liegen, als ich die Box öffnete und auf ihn zuschritt. Er röchelte sogar leise, und ich kniete neben ihn, um ihn zu kraulen. Es war unheimlich beruhigend, seine dunklen, verschlafenen Augen zu begutachten und seine Lippen entzückt zittern zu sehen. Nach einer Weile öffnete sich das Tor erneut; Quinn und Ajith tauchen in der Öffnung auf. Einen Moment sahen sie sich verwirrt um, dann hörten sie meine Stimme und kamen zur Box. "I woke up earlier. You weren't expecting murderer inside here, were you?" Ajith zeigte sich bestürzt. "What?? No, why?" "Because there's a murderer spraying around in our forests." "No way! And what are we going to do?" Ich schwieg einen Moment. "We inform the others as soon as possible, but then we go on as normally and hope thqt the policemen do their work." Die beiden nickten und ich stand auf, um den besorgten Gesichtern ebenbürtig zu sein. Ich klopfte Winter zum Abschied auf den Hals und verliess seine Box. Wir holten die Schubkarre und füllten sie mit Heu, während nach und nach auch die anderen Pfleger auftauchten. Bald war der Stall erfüllt von munterem Geplapper und dem Scharren und Schnauben der Pferde. Dann hielt ich meine kleine Rede. Und schon war die fröhliche Stimmung ersetzt durch sorgenvolles Schweigen. Keine lustig pfeifenden, witzelnden Pfleger mehr, nur stille Arbeiter. Ich beschloss neutral zu bleiben und lief zu Paints Box - es war Zeit fürs morgendliche Training. Oliver hatte die Pferde ihren Reitern schon am Vorabend zugeteilt, es änderte sich aber kaum etwas im Vergleich zum Wochenplan. Die schwarze Stute begrüsste mich mit ihrer weichen, rosa Schnauze. Ich streichelte das samtige Fell an ihrem Hals und kraulte sie liebevoll hinter dem Ohr, bevor ich ihr das Halfter überzog. Anschliessend band ich sie in der Stallgasse an. Ich öffnete die Schnallen ihrer Fleece Decke und zog sie nach hinten, liess sie jedoch halb auf der Kruppe liegen, denn die Stute war geschoren und um halb sechs war es bekanntlich noch ziemlich frisch, draussen und in der Stallgasse. Ich bürstete das kurze, stoppelige Fell gründlich und entwirrte ihren Schweif. Dann sah ich mir die Hufe an, prüfte ob die Eisen noch hielten und entfernte den Schmutz der Nacht. Weiter vorne in der Gasse richtete Oliver Blüte her, Iskierka wurde gegenüber von mir von Ajith betreut. Auch Gray, Cold, Mikke, Sumerian, Campina, Felicita, Indiana und Cassy wurden geputzt, heute Morgen trainierten wir nämlich alle Stuten zuerst. Diana sah mit ihrem neuen Zaumzeug extrem schick aus. Die Stute nahm zwar aufgrund ihres Alters nicht mehr an grossen Rennen Teil, diente den jüngeren Vollblütern aber als Vorbild und wurde in erster Linie mittrainiert, um sie für's Military fit zu halten. Als alle fertig waren und ihre Pferde nach draussen zum Aufsteigen führten, löste auch ich den Strick von Paint und ging mit der Stute ins Freie. Vor uns hob und senkte sich das muskulöse Hinterteil von Cassy. Ich beobachtete entzückt, wie ihr seidiger, weisser Schweif im Takt dazu Tanzte. Ich war unheimlich froh, die Stute übernommen zu haben, denn sie musterte sich mehr und mehr zu einem talentierten Galopper. Bei ihrer Abstammung war das ja auch kein Wunder. Ich zog den Reissverschluss meiner Fleecejacke höher, trotzdem zitterte ich noch vor Kälte. Bald nicht mehr, dachte ich schmunzelnd. Auch Paint war zappelig, sie kreiste um mich als ich mich in die Reihe stellte um von Oliver auf's Pferd geschmissen zu werden. Mit den kurzen Steigbügeln war es schwer, ohne Hilfe hochzukommen und der kleine Hocker, der bis anhin diese Hilfe geleistet hatte, hatte vor drei Tagen den Geist aufgegeben, sehr zum Pech von Quinn, die danach erschrocken halb am Pferd hing. Ich massregelte Paint und hielt sie einigermassen ruhig, bis ich endlich oben war, dann liess ich sie zügig den anderen zur Galoppbahn folgen. Wir ritten im Gänsemarsch eine Runde schritt, dann trabte die ganze Reihe auf Kommando an. Paint ging schwungvoll und locker, trotz der Temperaturen, aber Grey vor mir zog den Schweif ein wenig ein. Nach einer weiteren Runde wurde es besser. Wir wechselten die Seite und galoppierten schliesslich nach ein wenig linksseitigem Trab an. Nach einem Umlauf verliessen wir die Bahn über den sauber gewischten Kiesweg und ritten zu den Startboxen. Natürlich hatten nur acht Pferde in den acht Boxen Platz, weshalb wir zwei Gruppen bildeten. Per Handzeichen wurde bestimmt, dass Caprice, Felicita, Blüte, Iskierka und Paint zur ersten Gruppe zählten. Ich entschied mich für die dritte Box und trieb Paint hinein, doch sie ging sowieso freiwillig da sie wusste, dass sie gleich rennen durfte. Ich spannte die Zügel, hielt sie kurz, nahm die Startposition ein, um beim Absprung nicht aus dem Gleichgewicht zu kommen. Endlich waren alle drin und Ajith, der als "Bodenpersonal" dabei war, rief uns die Kommandos zum fertig machen zu. Dann sprangen die Türen auf und Paint beförderte uns kraftvoll von Anfang an an die Spitze. Ich hielt mich ein wenig an der Mähne der grossen, schwarzen Stute und war froh um meine Schutzbrille, denn die Morgenluft schlug mir eisig ins Gesicht. Ich wagte beim 500-Meter-Pfosten einen Blick über die Schulter und sah, dass Blüte aufholte. Ich liess sie passieren, denn ich wollte Paints Energie für den geplanten Kopf-an-Kopf Schluss sparen. Auch Felicita kam neben uns und hielt diese Position bis zum 1000m-Pfosten. Nun ging es nochmals in die Kurve, danach folgte die Zielgerade. Alle Pferde schlossen zueinander auf und Blüte und Felicita teilten sich die Spitze. Ich gab Paint etwas Zügel frei, sodass wir auch vorne mitmischen konnten. Kierka hängte sich links an Paints Flanke, nur Capri blieb verschollen. Ich drehte mich nochmals kurz und sah die Fuchsstute in einer Pferdelänge Abstand folgen, Tendenz steigend. Die Stute war noch immer nicht wieder 100%ig fit, da erstaunte dieses Schwächeln auf der Bahn nicht. Ich gab Paint nochmals etwas Zügel frei, sodass sie sich streckte und wir mit einer Nasenlänge gewannen. Ich tätschelte ihren Hals, während ich mich aufrichtete und sie auslaufen liess. Als sie in den Trab, und schliesslich in den Schritt fielen, sammelten sich die Pferde und Reiter wieder und ritten gemeinsam zurück zur Startmaschine. Oliver kam auf Aerith angetrabt. Die Stute wurde mittlerweile als Trackpony ausgebildet und eingesetzt, neben den Westernturnieren, die sie regelmässig lief. Oliver wollte später mit Iskierka und Campina das vom-Pony-aus-geführt-werden trainieren. Doch zunächst war die zweite Gruppe auf der Bahn. Ich reihte Paint und mich neben Caprice ein und wir beobachteten das Schauspiel vom Bahnrand aus. Die Türen flogen auf und alle sechs Pferde schossen aus dem Metallgeflecht hervor. Indiana teilte sich sogleich die Spitze mit Gray. Die erfahrene Stute hatte Tendenzen zum Sprinter, Gray jedoch war ganz klar Steher und sollte am Anfang eher im Mittelfeld bleiben, da sie zu wenig ausdauernd war, um das Tempo durchgehend zu halten. Oliver rief die Anweisung, die mir auf der Zunge lag: David solle sie doch endlich zurücknehmen. Unser Trainer hatte wie immer ein Auge für Feinheiten und war unterdessen zu uns getrabt, um diese Details zu besprechen. "Occu, let her go at approximately 900 meters next time. She is old enough to start early." Ich nickte als Zeichen der Kenntnisnahme und kraulte Paint stolz am Widerrist. In der Bemerkung war nämlich ein verstecktes Lob für ihre raschen Fortschritte gewesen. Campina hatte mittlerweile Gray an der zweiten Position abgelöst und Cassy folgte dicht neben der dunkelgrauen Stute. Zu dicht. "Stay away from Gray, or do you want to trap over her legs!", schrie Oliver in gereiztem Tonfall über die Bahn zu Darren. "I told him last time already, but je won't change a bit until the horse has a broken leg!", meinte er an uns gewandt. Ich schwieg und verfolgte das Training. Der 1000m-Pfosten war passiert, nun wurde es erst richtig heiss. Indiana wurde von Cassy überholt, Sumerian tauchte aus dem Nichts auf und zog an Gray vorbei, Crack schob sich vor Campina. Sumerian konnte das Tempo mangels Ausdauer allerdings nicht lange halten und fiel rasch wieder zurück. Indiana entwickelte zwar guten Schub, konnte mit den leichten Jünglingen jedoch nur schwer mithalten. Gray lieferte sich auf den folgenden Metern einen spannenden Kampf mit Crack, die schliesslich richtig zulegte und sich sogar vor Cassy schob, allerdings nicht lange. Die Palominostute mit den grossen Abzeichen verteidigte die Spitze bis zum Schluss. Wir jubelten den heftig atmenden Körpern von Reiter und Pferden über die Bahn zu, ehe wir selbst auf die Bahn zurückkehrten um ein paar fliegende Starts zu üben. Der Nebel hing immer noch erdrückend über unseren Köpfen, doch immerhin hatte es aufgehört zu regnen. Paint lief etwas zögerlich, vielleicht war sie noch erschöpft vom Rennen. Meine Sorge stieg jedoch, als sie auch nach vier Starts noch nicht gut wegkam. Normalerweise hatte sie mit dem Starten kaum Probleme. Ich rief Oliver, damit er sie sich ansah und tatsächlich: nach einer kurzen Demonstration schüttelte er den Kopf und winkte uns zu sich. "I think there's something wrong with her right foreleg. I'll call the vet." Solche Nachrichten waren in einem Rennstall sehr ungern gesehen, ich hoffte aber natürlich das Beste. Ich liess mich hinuntergleiten und führte die Stute, sorgsam beobachtend, in den Hauptstall zurück. Dort versorgte ich sie mit allem was sie brauchte, schmierte etwas Kühl Gel auf das betroffene Bein und zog ihr die blaue Fleece-Decke an. "Good girl, you'll be back in few days, I'm sure", flüsterte ich, etwas bedrückt. Ich schloss die Boxentür und holte Sheela und Jacky aus dem Haus. Auch die anderen Jockeys waren mittlerweile fertig und versorgten ihre Pferde, ehe sie sich versammelten, um die Hengste aufzuteilen. Ich wählte Sunday, denn ich hatte ihn die ganze letzte Woche Quinn überlassen. Nun wollte ich die Feinheit und Kraft des Hengstes selbst wieder geniessen. Wir trainierten wie zuvor, doch nach den Übungsrennen wurden Gruppen gebildet, um das Abteilungsreiten zu fördern. Die Pferde mussten bei ihrer Gruppe bleiben, selbst im rasenden Galopp. Sie mussten geduldig sein und auf die Hilfen ihres Reiters hören. Ich hängte mich an die Gruppe mit Stromer, Muskat, Winter und Chiccory. Die andere Gruppe bestand aus Fly, Light, Cantastor, Spot und Empire. Was für ein Gefühl das ist, mit fünf bebenden Hochleistungssportlern in einer Reihe über die Bahn zu jagen! Besonders wenn ein Pferd wie mein Sunday so fein mitmacht. Ich beobachtete ausserdem die anderen Pferde mit scharfem Auge, sodass ich mir fast wie Oliver vorkam. Frame war noch immer nicht beim Training dabei. Er war zwar schon mehrfach auf dem Platz kurz von mir geritten worden, doch ich wollte zuerst sicherstellen, dass er gut ausgebildet war und nicht überfordert wurde, ehe ich ihn mit zum Konditionstraining nehmen würde. Auch Oliver hatte mir dabei zugestimmt. Ich musste lachen, als Chiccory sich nach dem letzten Galopp schüttelte, als hätte er Fliegen in den Ohren. Dabei hatte Lisa ihm nur kurz ein Strohstück vom Ohr wischen wollen.

      Nachdem auch diese Trainingseinheit zu Ende war, gab es erst einmal eine Kaffee Pause. Selbstverständlich erst, als die wertvollen Tiere zufrieden in ihrer Box raschelten. Ich hatte Sundays Hufe eingefettet, damit sie nicht brüchig wurden. Dies war eines unserer Rituale, wie das tägliche Bürsten und das Abduschen nach harter Arbeit. Die Stimmung in der Sattelkammer liess nicht den geringsten Zweifel an der Sorglosigkeit der Pfleger zu, sie waren gute Schauspieler. Sie mussten immerhin regelmässig vor Publikum so tun, als ob alles im Griff sei. Schwäche zeigen wollte auf der Rennbahn keiner, es ging den meisten nicht nur um Geld, sondern auch um die Ehre. Die Pferde funkelnd, das Sattelzeug gepflegt und wie neu. Und ein nahtloser Ablauf, ohne sichtbare Kommandos oder Anweisungen. Jeder wusste, was zu tun war. So auch heute, zuhause. Keiner verlor ein Wort über meine Ansprache vor dem Training, alle lächelten. Ich kam mir seltsam verloren vor, in dieser Maskierten Welt. Wem konnte man trauen, wenn das Leben das reinste Gaukelspiel war? Plötzlich ertönte ein lauter Knall, augenblicklich flutete eine erschrockene Stille den Raum. Ein Jäger? Ein Knallen eines Motors? Ich malte mir einige Szenarien aus, während ich mit Ajith und Lewis nach draussen hastete. Stille - wie im Raum zuvor. Dann ein zweiter Schuss, Hilfeschreie. "What the - " Ich stürzte um die Ecke und erblickte unseren Nachbaren, einen sonst so friedvollen, älteren Herren, mit seinem Jagdgewehr in der Hand. Er gestikulierte wild umher und deutete auf einen parkierten Ford, hinter dem jemand kauerte. Lewis und Ajith umstellten den Wagen und packten die Person, ich beruhigte den Bauern. "It is him, he is it! The murderer! I know it!" Der verängstigte junge Bursche stotterte einige unbedeutende Worte, ehe seine Stimme versiegte. Nie und nimmer ist er ein Mörder. Wir klärten das Ganze auf dem Parkplatz, und schon nach einigen Sätzen wusste ich, was tatsächlich vorgefallen war. Der Junge hatte am Morgen wie gewohnt die Arbeit auf dem Lehrbetrieb aufnehmen wollen, doch das Tor war noch verschlossen gewesen, vermutlich als Vorsichtsmassnahme gegen Killer. Daraufhin hatte sich der Junge als Kletterkünstler erwiesen, denn er war kurzerhand auf den Baum neben dem Bauernhaus geklettert, um über den Zaun zu kommen. Der Bauer hatte kaum das raschelnde Laub, die kräftigen Arme und die dunkle Hose des Burschen erblickt, als er schon zur Flinte griff und hinausstürmte. Der Junge, erschrocken über die Reaktion des Bauern, empfand es als klüger, das Weite zu suchen. Dadurch sah sich wiederum der Bauer bestätigt in seiner Annahme und nahm die Verfolgung auf. Ich schüttelte lachend den Kopf, als die Story geklärt war. Die beiden gaben sich noch immer misstrauisch die Hand zur Versöhnung, dann kehrten sie nach einem Beruhigungstee zurück auf ihr Land. Lewis, Ajith und ich sahen uns vor Erleichterung grinsend an. Doch in meinem Kopf sortierte ich die wilden Gedanken der Sorge. Wenn nun schon unser Nachbar so durchdrehte, wie konnten wir dann entspannt hier warten und uns in Sicherheit wägen?
      Alle hatten die Arbeit wieder aufgenommen, einer lag ruhig im Stroh. Lisas Schreie liefen mir kalt den Rücken hinunter. Ich raste mit Jonas zum Schauplatz und bemerkte, wie es ihm fast den Magen umkehrte. Vor uns lag der Elektriker, mit einem verheissungsvollen roten Flecken auf der Brust und im friedlichen, ewigen Schlaf. Ich habe schon schlimmeres gesehen, zum Beispiel zerstückelte Ehemänner, dachte ich bitter. Jonas betreute Lisa, während ich die Polizei rief. Jetzt musste alles schnell gehen - vielleicht waren Spuren auf der Leiche. Etliche Stunden später war klar; der Täter war kein Amateur. Er hatte nicht den geringsten Tipp hinterlassen. Sie jagen ein Phantom, welches uns alle jagt...

      Ich biss mir auf der Unterlippe herum, während ich den Stall der Ministuten ausmistete. Ständig horchte ich auf, in der Erwartung, einen weiteren Schrei zu hören. Doch es blieb still. Totenstill. Nicht einmal die Pferde waren in der Lage, diese erdrückende Stille zu durchbrechen. Sie schnaubten lediglich hin und wieder leise. Als ich mit den Minis fertig war, befasste ich mich mit den dreijährigen Ponys. Sie waren mittlerweile alt genug um eingeritten zu werden. Zwar standen alle drei noch auf der Fohlenweide, doch wir hatten bereits mit Longentraining und Sattelgewöhnung begonnen. Obwohl alle drei etwa gleichzeitig mit dem Training begonnen hatten, waren erhebliche Unterschiede zu erkennen. Lychee machte fast täglich grosse Fortschritte und arbeitete eifrig mit, manchmal fast zu eifrig. Sweets hingegen war etwas zurückhaltender und brauchte länger, um den Gurt zu akzeptieren. Bluebell war unkompliziert und lernfreudig, mochte es aber überhaupt nicht, angebunden zu werden. Ich fasste eines der schwarzen Standardhalfter und streifte es Sweets über die kurzen Ohren. Sie kam brav mit, als ich mit ihr die Strecke zur Halle lief, bloss hin und wieder drehte sie den Kopf und wieherte. Ein Wohlklang in der Einsamkeit an diesem Nachmittag - dachte ich schmunzelnd. Ich schritt zügig voran und schob das Hallentor auf. Drinnen wärmte Rosie gerade Ocean auf, wie vereinbart. Auch Jockeys mussten ab und zu ein wenig Dressur reiten, um nicht aus der Übung zu kommen, und so konnte ich auch gleich die erfahrene Stute als Lehrmeister für Sweets einsetzen. Kaum erblickte sie Ocean, da wurde Sweets auch schon deutlich ruhiger und konzentrierter. Ich hängte zunächst die Longe ein und liess sie im Schritt um mich herum gehen. Sie tat dies nun zum vierten Mal und wusste bereits, dass sie auf der Kreisbahn bleiben musste. Nur die Biegung konnte noch verbessert werden. Nach vier Runden rief ich deutlich "Trot" und machte etwas Druck mit der Longiergerte, sodass sie beides verknüpfen konnte. Die junge Stute lief schwungvoll - sehr schwungvoll, ich musste sie in ihrem Eifer bremsen. Beim angaloppieren kamen dann die berüchtigten Freudensprünge, doch ich hatte damit gerechnet und vorsorglich Handschuhe angezogen. Nun war es an der Zeit, den Gurt und den Sattel zu holen. Sie wirkte auf den Longiergurt wie zuvor skeptisch, blieb aber still stehen und liess mich ohne zu zicken anziehen. Ich lobte sie einige Male, während ich den Gurt löste und wieder anzog. Als ich das Gefühl hatte, dass sie entspannter sei, holte ich den Sattel und den richtigen Gurt. Ohne zu zögern schwang ich ihn auf Sweets' Rücken und zog den Gurt an, ehe ich ihn wieder löste und das ganze Spiel wiederholte. Später ging ich einen Schritt weiter und longierte sie mit Sattel. Zum Schluss führte ich Sweets noch ein wenig durch die Halle und machte Gehorsamkeitstraining. Danach brachte ich sie in den Nebenstall, wo bereits drei Boxen hergerichtet worden waren. Ja, es war Zeit die Terrorherrschaft der drei Ponys über die anderen Fohlen zu beenden. Sweets zögerte etwas, als ich sie in die hinterste Box führte, sie schien zu ahnen, dass ihr leichtes, sorgloses Dasein auf der grünen Wiese vorbei war. Doch sie wird bald herausfinden, dass es gegen ein anstrengendes, aber spannendes Leben eingetauscht wird, dachte ich schmunzelnd und stellte mir einen herrlichen Wintergalopp mit Sweets vor. Ich liess die kleine Stute in der Box zurück, was ihr so gar nicht passte. Sie lief im Kreis und wieherte nach ihren Kollegen. Den frischen Heuhaufen zu ihren Hufen beachtete sie nicht. Aus einiger Entfernung kam eine gedämpfte Antwort, offenbar wurden Lychee und Blue gerade von Jonas und Rosie geholt. Alles verlief reibungslos: auch die beiden wurden in ihre neuen Boxen gebracht. Blue beschnupperte Sweets prüfend durch das Gitter, dann entspannten sich alle sichtlich und Lychee begann zu fressen. Bald senkte sich auch der letzte Kopf dem Heu entgegen und Ruhe kehrte im Nebenstall ein. Jonas nahm mich spielerisch in den Arm, doch ich war nicht in der Stimmung für Flausen; noch immer horchte ich ständig nach Ungewohntem. Ich kam mir vor wie in einem Krimi. Wir schlenderten zum Hauptstall und ich half beim Wischen.

      Die Dunkelheit schlich sich langsam über den Horizont auf die Britischen Inseln zu und mit ihr die Angst. In der Nacht hatte der Killer bisher gejagt, das war auch überaus vernünftig gewesen. Ich sah zumindest die Logik darin, auch wenn das meine und der Pfleger Situation nicht sonderlich zu bessern vermochte. Ich hatte mich überreden lassen, mit Quinn, Rosie, Lily und Lisa im "Pflegeheim", wie es scherzhaft genannt wurde, zu übernachten. Ich musste zugeben, dass mich der Gedanke an mein einsames, dunkles Zimmer nicht gerade gelockt hatte, doch alles war besser als mit Lisa in einem Raum zu nächtigen - was mir leider viel zu spät klar wurde. Sie plapperte den ganzen Abend mit ihrer schrillen Stimme, als wäre dies eine spassige Pyjamaparty, und spätestens mit ihren etwas taktlosen Horrorszenarien über den Tod des Elektrikers verlor sie den letzten Zuhörer. Ich meinerseits litt bereits an Kopfschmerzen und floh in den Gang hinaus. Im Aufenthaltsraum brannte Licht, Lewis, Darren und Jonas sassen auf den Sofas und unterhielten sich gedämpft. Ich setzte mich wortlos auf den erstbesten Platz der mir einfiel: die Armlehne neben Jonas. Er blickte mich einen Moment geheimnisvoll an, dann wandte er sich wieder den anderen beiden zu. "Do you think they'll catch him soon?" "Nay, he seems to be very clever and of course our dear officers are too lazy, they have not had anything like this since they work here", meinte Lewis. Er fuhr sich gähnend mit den Fingern durch die hellrote Mähne, dann grinste er verheissungsvoll. "I'll go to bed now, or I'll be dead tomorrow." Ich lächelte halbherzig und sah Darren und Jonas an, mit der Erwartung, dass sie ebenfalls aufstehen würden. Doch sie fuhren fort mit dem Gespräch. "They must certainly have found something, or at least they will, 'cause nobody is perfect. He'll make mistakes, like people do" brummte Darren. Jonas konterte: "Jack the Ripper blieb auch verschollen." Darren wollte etwas entgegnen, schloss den Mund jedoch, stumm. Jonas sah mir wieder in die Augen, als wollte er meine Meinung hören. Ich überlegte, dann antwortete ich: "Mir war es egal, wann und wie sie ihn fassen. Solange er einen grossen Bogen um Pineforest Stable machte. Aber das hat er nicht getan, also hoffe ich, dass sie ihn schnappen und er in der Hölle schmort." "Woher weisst du, dass es ein 'er' ist?", wollte Darren wissen. "Ich glaube kaum, dass eine Frau genug Kraft gehabt hätte, um den Elektriker niederzuringen... Abgesehen davon wäre eine Frau geschickter vorgegangen und hätte die Leiche gleich verschwinden lassen." Jonas sah mich gespielt böse an und stupste mir in die Seite, ich musste lachen, da ich schon immer zu den eher Kitzligen gehört hatte. Dann schlang er plötzlich seinen Arm um mich, zog mich von meinem Platz auf seinen Schoss und fasste meine Hand. Ich lachte noch immer, versuchte meine Verwirrung zu verbergen. Darren stand auf und murmelte etwas von wegen "Gute Nacht ihr Turteltäubchen" auf Englisch, ehe er grinsend in einem der Zimmer verschwand. Ich protestierte, in der Hoffnung, dass er es noch hören würde. Mir war bewusst, wonach dieses Szenario aussehen musste, doch ich wusste auch, dass Jonas es nicht ernst meinte (das tat er ja anscheinend nie) und ich wollte keine falschen Gerüchte über uns im Umlauf haben. Besonders Lisa fände solch eine Geschichte bestimmt spannend. Ich schauderte bei dem Gedanken. Jonas wollte mich nun hinlegen, indem er mich hochhob. Ich sperrte mich im ersten Augenblick, doch dann gab ich nach. Mein Herz klopfte, trotz all der Zweifel - ich liess mich fallen. Er legte sich ebenfalls hin, Ende des Spiels war, dass wir beide auf dem Sofa ausgestreckt waren, ich an ihn gekuschelt. Ich hatte mich damit abgefunden, mehr noch; ich begann es zu geniessen. Trotzdem da die übliche Vernunftsstimme in meinem Kopf hallte, "Du weisst, das das nichts ernstes ist". Er fragte leise: "Bequem?" Ich nickte. Ich musste zugeben: es war schon warm und angenehm, wie er den Arm um mich legte. Und das sanfte streicheln seiner Finger über meine Hand jagte mir ein Kribbeln quer durch Körper. Wir lagen dort bestimmt eine halbe Stunde, in der zunächst ich ständig prüfend zur Tür starrte, fest entschlossen bei einer Bewegung sofort aufzuspringen. Ich kann das hier jederzeit beenden, und ich werde ihm auch nicht wieder hinterher trauern. Doch auch nach fünfzehn Minuten war kein Lebenszeichen der Tür zu erkennen, also entspannte ich mich vollends. Und dann war der Spuk auch schon vorbei. Aus einem der vorderen Zimmer rief jemand: "Jonas come here, we want to sleep. If you do not, you have to stay outside!" Er zuckte zusammen und ich stand auf, damit er sich aufrichten konnte. Ein letztes Mal durchwuschelte ich seine dunklen Locken, dann liefen wir gemeinsam zum Gang und trennten uns. Etwas wehmütig war ich schon, denn ich hatte es insgeheim sehr genossen, mit dem Ohr auf seinem Brustkorb dem Herzschlag zu lauschen, oder seinen warmen Atem zu fühlen. Doch ich legte mich in eines der leeren Betten, die anderen schliefen bereits, und leerte meinen Kopf von allen Geschehnissen des Tages, ehe ich in einen kurzen, aber tiefen Schlaf sank.
    • Eowin
      Tierarztbericht für Fly Fast oft he Nightrunners

      Bevor Occulta das nächste Pferd holte, kam sie zu mir und fragte mich: „Willst du Fly vielleicht in der Box machen? Der ist außerhalb derselben echt nicht unbedingt easy.“
      Ich überlegte kurz. „Naja, lieber nicht. Wenn dann etwas ist kann ich da nicht weg. Hol ihn lieber raus und wir gehen auf den Hof, dass wir genug Platz zum Ausweichen haben.“
      Gesagt, getan.
      Ich zog die Spritzen auf, während Occulta den Hengst aus dem Stall holte, dann gingen wir gemeinsam auf den Hof.
      Fly war in der Tat ziemlich unruhig und tänzelte hin und her.
      Ich nahm Occulta den Hengst ab, hielt ihn mit links fest und injizierte ihm mit rechts die Impfung. Wie erwartet tänzelte er und ging sogar vorne hoch, aber dadurch, dass ich direkt neben ihm stand und Occulta außer Hufreichweite war, passierte nichts und ich konnte ihn recht problemfrei bändigen.
      Auch die zweite Spritze und wie Wurmkur verliefen ziemlich ähnlich, doch bald war es geschafft und er durfte wieder in den Stall.
      „Schau an, so schlimm war er doch gar nicht“, grinste ich.
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  • Album:
    Gnadenweide
    Hochgeladen von:
    Occulta
    Datum:
    15 Sep. 2013
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  • Offizieller HG

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    Vom: Royal Flight of the Nightrunners

    Aus der: Fast Dream of the Nightrunners


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    Rufname: Fly
    Geburtstag: 15.09.
    Alter: 5 Jahre
    Stockmaß: 1.74 m
    Rasse: Englisches Vollblut
    Geschlecht: Hengst
    Fellfarbe: Bay
    (Ee,AA)
    Abzeichen: Stern, Schnippe, weisse Fessel Hr, weisser Kronrand und Ballen Hl
    Gesundheit: sehr gut


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    Wild, schwierig im Umgang, verschmust in der Box


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    Fly ist edler Herkunft: Im Norden Englands auf einem berühmten Gestüt aufgewachsen, wurde schon viel von ihm erwartet, bevor er überhaupt stehen konnte. Aufgrund seiner Abstammung und seines guten Körperbaus trainierte man ihn zu früh und zu eifrig, man überforderte ihn regelrecht. Er ist aufgrunddessen nun zu einem stürmischen, nur schwer händelbaren Hengst herangewachsen. In der Box ist er total entspannt und brav, aber die Rennbahn wollte er am Ende gar nicht mehr betreten und so wurde er verkauft, um doch noch einen (geringen) Profit zu erzielen. Nun wird er auf Pineforest Stable wieder langsam an den Rennsport gewöhnt.


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    Besitzer: Occulta
    Ersteller: mKay, Langhaar by Occu
    VKR: mKay
    Verkäuflich: Nein


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    Gekört: Ja
    Nachkommen: -
    Decktaxe: 135J


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    Galopprennen Klasse: S***
    Western Klasse: E
    Spring Klasse: S*
    Military Klasse: A
    Dressur Klasse: A
    Distanz Klasse: A

    Eignung: Galopp, Distanz, Military, (Springen)
    Eingeritten: Ja


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    [HK 474]
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    2. Platz 263. Galopprennen
    2. Platz 299. Galopprennen
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    1. Platz 307. Springturnier
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    2. Platz 304. Springturnier
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    3. Platz 276. Springturnier
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    3. Platz 277. Dressurturnier
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    3. Platz 195. Militaryturnier
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    3. Platz 1. Auckland Stadtrennen
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    3. Platz 209. Distanzturnier

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    Fly's Spind